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DUDEN
Das große Wörterbuch
der deutschen Sprache
in sechs Bänden
Herausgegeben und
bearbeitet vom Wissenschaftlichen Rat
und den Mitarbeitern der
Dudenredaktion unter Leitung von
Günther Drosdowski
Band 3: G-Kai
Bibliographisches Institut Mannheim/Wien/Zürich
Dudenverlag
Schlußbearbeitung:
Dr. Günther Drosdowski
Bearbeitung:
Dr. Rudolf Köster, Dr. Wolfgang Müller
Mitarbeiter an diesem Band:
Dr. Gerda Berger, Dr. Maria Dose,
Regine Elsässer, Heidi Eschmann,
Jürgen Folz, Dr. Heribert Hartmann,
Dieter Mang, Karin Sattler,
Dr. Charlotte Schrupp,
Verena Wirsching-Bayer M.A.,
Dr. Friedrich Wurms
Durchgesehener Nachdruck 1979
CIP-Kurztitelaufnahme der Deutschen Bibliothek
Duden „Das große Wörterbuch der deutschen Sprache"
in 6 Bd. / hrsg. u. bearb. vom Wissenschaft!.
Rat u. d. Mitarb. d. Dudenred. unter Leitung von
Günther Drosdowski. Bearb.: Rudolf Köster;
Wolfgang Müller. - Mannheim, Wien, Zürich:
Bibliographisches Institut
ISBN 3411-01354-0
NE: Drosdowski, Günther [Hrsg.]; Das große
Wörterbuch der deutschen Sprache
Bd. 3. G-Kal / [Mitarb. an diesem Bd.: Gerda
Berger...].-1977.
ISBN 3411-01357-5
NE: Berger, Gerda [Mitarb.]
Das Wort »DUDEN« ist für
Bücher aller Art für das Bibliographische Institut
als Warenzeichen geschützt.
Alle Rechte vorbehalten
Nachdruck, auch auszugsweise, verboten
© Bibliographisches Institut AG, Mannheim 1977
Satz: Bibliographisches Institut AG und
Zechnersche Buchdruckerei, Speyer(Mono-Photo-System 600)
Druck: Klambt-Druck GmbH, Speyer
Einband: Großbuchbinderei Lachenmaier, Reutlingen
Printed in Germany
Gesamtwerk: ISBN 3-411-01354-0
Band 3: ISBN 3-411-01357-5
G
g, G [ge:. Ta, AI, das; -. - [1: mhd., ahd. g]: 1. siebter
Buchstabe des Alphabets, ein Konsonant: ein kleines g,
ein großes G schreiben. 2. (Musik) fünfter Ton der Grufid-
(C-Dur-)Tonleiter: tG-Saite, tG-Schlüssel.
y, T t Gamma.
gab [ga:p]: tgeben.
Gabardine fgabardi:n. auch: ...*di:n(3)]. den -s, (Sorten:)
-,auch: die; -, (Sorten:) - [frz. gabardine < span. gabardina
= enganliegender Männerrock]: festes, dichtes Gewebe aus
Kammgarn in einer Art Köperbindung: ein Anzug aus G.
Gabardine-: -anzug, der; -bindung, die (Textilind.): eine
Art Köperbindung: -kostüm, das; -mantel, der; -rock,
der.
Gabbro fgabro], der; -s [nach dem Hügelland von Gabbro
in der mittelital. Provinz Livorno] (Geol.): körniges,
schwarzgrünes Tief engestein, das bes. als Baustein für
Denkmäler u. a. verwendet wird.
Gabe [ga:te], die; -, -n [mhd. gäbe, zu tgeben]: 1. (geh.)
a) etw., was tnan jmdm. als Geschenk, als Aufmerksamkeit
überreicht, zuteil werden läßt: sie legte die -n unter den
Christbaum; Speise und Trank sind -n Gottes (Remarque,
Obelisk 71); b) etw., was man einem Bedürftigen gibt,
Almosen (1); Spende: eine milde G.; -n annehmen, verteilen;
um eine G. bitten. 2. in jmdm. angelegte ungewöhnliche
Befähigung, Begabung für etw.: eine seltene,
außergewöhnliche G; er hat die G. des Erzählens; sie hat nicht die
G., sich über alles hinwegzusetzen; seine -n nicht nutzen;
ein Mensch mit glänzenden -n (geistigen, künstlerischen
Fähigkeiten): (iron.:) du hast dieG.. überall ins
Fettnäpfchen zu treten. 3. (Fachspr.) a) <o. PI.) das Verabreichen,
Verabreichung (eines Medikaments): Bei langdauernder
G. dieses Stoffes an Ratten wurden Schilddrüsentumoren
beobachtet (Medizin II, 109); b) bestimmte, auf eimnal
verabreichte Menge eines Medikaments: Dosis: die -n des
Medikaments können noch gesteigert werden. 4, (Schweiz.)
Gewinn (bei Lotterien, Schielisportveranstaltungen und beim
Kegeln).
'gäbe ['ge:bo]: f geben; ^gibe: f gang.
Gabel ['ga:bl], die; -, -n [mhd. gabel(e); ahd. gabala =
Gabel (2); urspr. = gegabelter Ast]: 1. <Vkl. tGäbelchen)
E/Jgerät mit zwei od. mehr Zinken, das beim Essen zum
Zerlegen, zum Aufnehmen od. Vorlegen von Speisen dient:
eine dreizinkige G.; mit Messer und G. essen; Ü er ißt
mit der fünfzinkigen G. (ugs. scherzh.; mit den Fingern)',
* eine gute G. schlagen (scherzh.; tüchtig mit der Gabel
zulangen, gut und reichlich essen: nach der Wendung eine
gute Klinge schlagen = gut. tapfer fechten). 2. Gerät
mit zwei od. mehr Zinken u. langem Stiel, das in der
Landwirtschaft bes. zum Auf- u. Abladen von Heu, Mist o.a.
und zum Ausgraben von Rüben o. ä. gebraucht wird sowie
zum Auf- und Abladen von Kohle, Koks o.a.: kurz für:
Heugabel, Mistgabel u.a.: Stroh mit derG. verteilen. 3.a)
Stelle, an der ein Weg, eine Stralie sich in zwei in einem
nicht sehr weiten Winkel auseinanderstrebende Wege,
Straßen teilt: Gabelung: b) Teil des Telefons, auf den der Hörer
aufgelegt od. in den er eingehängt wird: den Hörer auf.
in die G. legen, werfen; sie hängte den Hörer in die G.;
Aber diesmal zog er schon nach dem ersten kurzen
Tutzeichen die G. herunter (Molsner, Harakiri 57); c)
gabelähnlicher Teil des Fahrradrahmens, in den das Rad eingehängt
ist.d) kurz für t Astgabel: Dürfte ich Sie bitten, vorläufig
in die G. jenes Birnbaums zu steigen (Fallada. Herr 85);
e) svw. t Gabeldeichsel. 4. (Jägerspr.) a) Gehörn od. Geweih
mit nur zwei Enden: b) Stück des Gehörns od. Geweihs,
an dem ein neues Ende ansetzt. 5. (Schach) Angriff eines
Bauern gegen zwei feindliche Figuren durch einen Zug.
gäbet-, Gabel-: -antilope, die: svw. t-bock (1); -arbeit,
die: svw. t^häkelei; -artig <Adj.; o. Steig.): in der Art
einer Gabel, ähnlich wie eine Gabel: -bein, das (Zool.):
die gabelförmig zusammengewachsenen
Schlüsselbeinknochen der Vögel: ^bissen, der (meist PI.): a) kleines,
zusammengerolltes Stück Heringsfilet in pikanter Marinade: b)
svw. t Appetithappen; -bock, der: 1. der Antilope ä/mliches,
in der Prärie Nordamerikas beheimatetes Tier mit
gegabeltem, hirschgeweihähnlichem Gehörn. 2. (Jägerspr.) Rehbock,
dessen Stangen nur je zwei Enden haben: Gabler: -deictoel,
die: aus zwei Stangen bestehende Deichsel, zwischen die
ein einzelnes Zugtier eingespannt wird: ^förmig <Adj.; o.
Steig.): von einem Punkt aus in zwei Richtungen
auseinanderstrebend, sich in zwei Arme teilend, in der Form einer Gabel
(1) ähnlich: -frühstück, das [nach frz. dejeuner ä la four-
chette; weil es meist im Stehen nur mit der Gabel gegessen
wird] (veraltend): bei besonderen [festlichen] Anlässen
eingenommenes zweites Frühstück am späten Vormittag, bei
dem zu alkoholischen Getränken pikant zubereitete kalte
Speisen gereicht werden: ^griff, der (Musik): Grifftechnik
bei bestimmten Blasinstrumenten, wobei Zeige- u. Ringfinger
je ein Griffloch bedecken u. der Mittelfmger erhoben bleibt:
-häkelei, die (Handarb.): mit einer Häkelnadel u. einer
U-förmig gebogenen größeren Nadel ausgeführte
Häkelarbeit: Gimpenhäkelei: -birsch, der (Jägerspr.): Rothirsch,
dessen Geweihhälften nur je zwei spitze Enden haben: -huhn,
das (Jägerspr.): junges Rebhuhn, dessen Schwanzfedern noch
nicht vollständig entwickelt situl, so daß der Schwanz
gegabelt erscheint: -klavier, das (früher): Tasteninstrument,
bei dem Stimmgabeln statt Saiten zum Klingen gebracht
werden: -knochea, der: vgl. ^bein; -kreuz, das: besondere
Art eines Kreuzes in der Form eines Y (Y); -mücke, die
[wegen ihrer rüssellangen Kiefertaster, die zusammen mit
dem Stechrüssel gleichsam eine dreizinkige Gabel bilden]:
Anopheles: -Schlüssel, der: flacher Schraubenschlüssel mit
gabelförmiger Öffnung zum Umfassen vier- od. sechsknnti-
ger Schrauben u. Muttern: -sdiwanz, der:
Nachtschmetterling, dessen Raupen gabelförmige Anhäme besitzen: -sproß,
der (Jägerspr.): neuer Ansatz an einem Stück des Gehörns
od. Geweihs: vgl. Gabel (4b); -Stapler [-Jta:plc]. der; -s.
-: kleines, motorgetriebenes Fahrzeug, das an seiner
Vorderseite mit einer Vorrichtung zum Aufnehmen u. Verladen
od. Stapeln von Stückgut ausgestattet ist, dazu: -staplerfah-
rer, der; -stütze, die: Stange mit gegabeltem oberem Ende
zur Unterstützung von Querverstrebungen: ^weihe, die:
Greifvogel mit an der Oberseite rotbraunem Gefieder u.
gegabeltem Schwanz: Roter Milan: -wender [-vendt?]. der;
-s. -: landwirtschaftliche Maschine, die zum Heuwenden
dient: -zinke, die: einzelne Zinke einer Gabel (1,2).
Gäbelchen ['ge:bl^n]. das; -s. -: f Gabel (1); gabelig, gabiig
['ga:b(3)li9] <Adj.; o. Steig.) (selten): von einem Punkt aus
in zwei verschiedene Richtungen auseinander strebend:
gegabelt: gabelförmig: -e Äste: gabeln fga:bln] <sw. V.; hat):
1. <g. + sich) sich von einem Punkt aus teilen u. gabelförmig
verzweigen, auseinanderstreben: die Straße, der Weg gabelt
sich an dieser Stelle; der Ast hat sich gegabelt; ein
gegabelter Ast; Ü die Entwicklung gabelt sich in zwei verschiedene
Stränge. 2. mit der Gabel (2) auf- od. abladen, aufnehmen
[u. irgendwohin befördern]: Heu g.; Strohbündel vom
Wagen, auf den Wagen g. 3. (selten) a) mit der Gabel (1)
aufspießen fu. irgendwohin befördern]: kann er ... sich
gleich zwei Scheiben ... auf den Teller g. (Wohmann.
Absicht 465); b) mit der Gabel (1) essen: Ich sehe, wie der
alte Kohlfuß... drauflos löffelte und gabelte (Werfel,
Himmel 70); c) mit der Gabel (1) hantieren: Herma Schulte
schüttete noch einmal KafTeeprütt an die Bratkartoffeln,
gabelte in der Pfanne ... (Degenhardt, Zündschnüre 154);
<Abl. zu 1:> Gabelung, Gablung, die; -. -en: a) das
Sichgabeln: durch die G. des Flusses ...; b) Stelle, an der
sich etw. gabelt: Prompt hielt er an der G.. von der aus
man hinabsehen konnte (Böll, Haus 166).
gaben-. Gaben-: -berechtigt <Adj.; o. Steig.; nicht adv.)
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Gabholz
(Schweiz. Sport): l>eim Schießen genügend Putikte habend,
die zu einer Gabe (4) berechtigen: ein -er Schütze; -berei-
tung. die (kath. Kirche): Darbringung der Opfergaben Brot
u. Wein; -stich, der (Schweiz. Sport): beim Schießen
entscheidender Durchgang zur Feststellung des Gewinnes, der
Gabe (4) hei Punktgleichheit; -tisch, der: Tisch, auf dem
(zu Weihnachten, an jmds. Geburtstag o.a.) die Gaben
(I) aufgebaut sind: viele Geschenke lagen auf dem G.
Gabholz [ga:p-l, das; -es, ...hölzer <Pl. ungebr.) [mhd. gäbe-
holzj: Brennholzanfall eines Gemeindeforstes, der an
bezugsberechtigte Gemeindemitglieder verteilt wird.
Gabler ['ga:blß], der; -s, -: svw. tGabelbock (2).
TGabelhirsch; gabiig: t gabelig; Gablung: t Gabelung.
gack, gack! [gak] <lnterj.) lautm. für das Gackern des
Haushuhns, nachdem es ein Ei gelegt hat; Gackelei Igako'lai],
die; - (ugs.): fortwährendes Gackeln (1); gackeln fgakjn]
<sw. V.; hat) [lautm.]: 1. (ugs.) kichernd lachen u. schwatzen:
die Mädchen sitzen auf der Bank und gackeln. 2. (landsch.)
svw. tgackern (1); gackelig [gakoli«;] <Adj.) (landsch.):
a) (nicht adv.) viel gackernd: ein -es Huhn; b) (bes. von
Pflanzen) zu hoch aufgeschossen u. dadurch ohne
Standfestigkeit: die Blumen sind g. geworden, sehen g. aus; ein
-er (wackeliger) Stuhl; gackern ['gakim] <sw. V.; hat)
[lautm.]: 1. (von Hühnern nach dem Eierlegen) mehrfach
hintereinander einen hohen, kehligen kurzen u.
zwischendurch langgezogenen Laut von sich geben: die Hühner auf
dem Hof gackern unentwegt. 2. (ugs.) svw. Tgackeln (1):
was habt ihr denn immer zu g.?; gacks: tgicks; gacksen
['gaksn] <sw. V.; hat) [lautm.] (landsch.): 1. svw. Tgackern.
2. knarren: die Tür, der Stuhl, der Bretterboden gackst.
Gaden [ga:dn], der; -s, - [2: mhd. gaden. gadem. ahd. gadum
= Haus, das nur einen Raum hat, Saalbau. vgl. den
Ortsn. Berchtesgaden]: 1. (Archit.) Fensterbereich im
oberen, über die Dächer der Seitenschiffe hinausragenden Teil
des Mittelschiffs einer Basilika. 2. (veraltet, noch mund-
artl.) a) Haus, das nur einen Raum od. ein Stockwerk
hat; b) Stube, Kammer.
Gadget ['gaedjitl. das; -s. -s [engl, gadget. H. u.] (Werbespr.):
kleine Werbebeigabe, dazu: Gadgetbrief, der.
Gadolinit [gadoli'ni.t. auch: ...mt], der; -s. -e [nach dem
finn. Chemiker J. Gadolin (1760-1852)]: schwarzes bis
grünlichbraunes, meist radioaktives Mineral; Gadolinium
[gado'li:njom]. das; -s: metallisches Element von
silberweißer bis schwach gelblicher Farbe (chemischer Grundstoff);
Zeichen: Gd
Gaffel ['gafl]. die; -. -n [aus dem Niederd. < mniederd.
gaflel(e) = TGabel]: 1. (Scemannsspr.) schräg aufwärts
ragende, um den Mast mit einer gabelartigen Klaue drehbare
Stange, an der das Gaffelsegel befestigt wird. 2. (landsch.)
große, zweizinkige hölzerne Gabel (2); Gaffel- (GatTel 1):
-schöner, der: zweimastiges Segelschiff mit Gaffelsegeln;
-segel, das: trapezförmiges Segel, das mit seiner Oberkante
an der Gaffel befestigt ist; ^seil. das; -stange, die.
gaffen t'gafn] <sw. V.; hat) [mhd. gaffen, eigtl. = mit
offenem Mund anstarren, den Mund aufsperren! (abwertend):
verwundert, neugierig, selbstvergessen, häufiger aber
sensationslüstern I mit offenem Mundu. dümmlichem Gesicht saus-
druck] jtndn., etw. anstarren, einen Vorgang verfolgen: die
Menschen standen an der Unfallstelle und gafften; was
gafft ihr so blöd in die Gegend! (Hochhuth, Stellvertreter
145); gaffend herumstehen; <Abl.:)Gaffer, der; -s. -
(abwertend): jmd., der gaffend dasteht: die Polizei zerstreute die
G.; Gafferei [gafa'rai], die; - (abwertend): fortwährendes
Gaffen; Gafferin, die; -, -nen: w. Form zu tGaffer.
Gag [g£k]. der; -s, -s [engl.-amerik. gag. eigtl. = Füllsel.
Knebel]: a) (Theater, Film, Kabarett) /durch technische
Tricks herbeigefü/irte] komische Situation, witziger Einfall:
-s und Pointen verleihen diesem Film formalen Rang;
Ü das Zentralorgan der Liberal-Demokratischen Partei
... hat sich einen G. einfallen lassen (DM 45, 1965, 14);
b) etw.. was einen Überraschungseffekt hat; Besonderheit:
der Apparat hat einige besondere -s (technische Finessen)
<Zus. zu a:) Gagtechnik, die.
gaga [ga'ga; frz. gaga = kindisch; lautm.] (selten): trottelig:
...daß sein Vater ... nicht nur taubstumm, sondern wohl
auch ein bißchen „gaga" ist (Zeit 17. 4. 64, 52); Der
Chef schon etwas g mümmlig, nicht mehr ganz auf
dem Trab (Tucholsky, Werke II. 490).
Gagat [gaga:t], der; -[e]s, -e [lat. gagätes < griech. gagätes
(nach dem Fluß u. der Stadt Gagas in Lykien. Kleinasien)!:
Kohle organischen Ursprungs von samtschwarzer Farbe u.
geringer Härte, die als Schmuckstein verwetulet wird; Jett.
Gage, die; -. -n [frz. gage = Pfand, Unterpfand. Löhnung.
Sold < afränk. *wadi = Pfand]: 1. ['gasal Gehalt od.
Bezahlung der Einzelleistung eines Künstlers;
Künstlerhonorar: bescheidene, hohe -n; die G. erhöhen: jmdm. die
G. streichen; die Schauspieler hatten schon zwei Monate
keine G. erhalten; Orchestermusiker verdienen -n, vor
denen sich die Operndirektoren verstecken können (Welt
27. 7.65,5). 2. [ga:3l (österr. veraltet) Gehalt eines Offiziers:
wenn sie etwas höhere -n, etwas bequemere Garnisonen
... gehabt hätten (Roth, Radetzkymarsch 152); <Abl. zu
1:) Gagist [ga'jist]. der; -en, -en: jmd., der Gage (1) bezieht.
Gagger [gaegB], der; -s. - lengl.-amerik. gagger, zu fGag]:
svw. fGagman.
Gagliarde [gal'jarda]. die: -. -n [ital. gagliarda < frz. gaillar-
de. tGaillarde]: ital. Form von TGaillarde.
Gagroan fgaegman], der; -[s], ...men [...man; engl.-amerik.
gagman] (Theater. Film. Kabarett): jmd.. dessen Aufgabt*
es ist. Gags (a) zu erfinden u. gezielt einzusetzen: Vasil.
der genialische ... G. des deutschen Theaters (MM 27.
2. 73. 28).
gähnen [gc:ndn] <sw. V.; hat) [mhd. genen, ginen. ahd.
ginen = den Mund aufsperren, gähnen]: 1. (als Anzeichen
von Müdigkeit od. Langweile) unwillkürlich den Mund
l weit] aufsperren u. die Luft / geräuschvoll] einziehen u.
ausstoßen: herzhaft, ungeniert, diskret g.; g. müssen; vor
Müdigkeit [laut] g.; (subst.:) ein Gähnen unterdrücken;
Gähnen ist ansteckend. 2. (geh.) sich auf tun; sich in eine
große, dunkle Tiefe o.a., einen Abgrund hinein öffnen: der
gewaltige Bauplatz, in dem Gruben gähnten (Schneider.
Erdbeben 117); ein gähnender Abgrund; <Abl.:> Gähner,
der; -s. - (ugs.): ein / kräftiges] Gälmen: plötzlich tat er
einen tiefen, tiefen G. (Fallada. Herr 96); Gähnerei [ge:na-
'rajj. die: - (ugs. abwertend): fortwährendes Gälmen; Gähn-
krampf, der; -[e]s, ...krämpfe (Med.): abnorm häufiges Gäli-
nen (bei organischen Hirnerkrankungen).
gähstotzig ['gejtotsu;] <Adj.) [zu mhd. gaehe = schnell,
plötzlich u. alemann, stotzig = steil, zu: Stotzte] = Hügel,
Abhang] (Schweiz.): jäh abfallend, steil.
gaiement [ge'ma]: svw. t gaiment.
Gaillard [ga'ja:r], der; -s. -s [frz. gaillard. zu: gaillard =
lustig, eigtl. = kräftig, wohl zu galloroman. *gal(l)ia -
Kraft. Macht]: frz. Bez. für Bruder Lustig; Gailbrde [ga-
'jarda], die; -. -n [frz. gaillarde, zu: gaillard = lustig,
munter. tGaillard] (Musik): I. (früher) lebhafter,
gewöhnlich als Nachtanz zu der Pavane getanzter Springtanz im
*lrTakt. 2. ein bestimmter Satz der Suite.
Gaillardia [ga'jardia], die; -. ...ien [...pn; nach dem frz.
Botaniker Gaillard de Marentonneau (18. Jh.)]: svw. T
Kokardenblume.
gaiment [ge'mä] <Adv.) [frz. galment. gaiement zu: gai =
fröhlich < afränk. *wahi = rasch, stürmisch] (Musik):
lustig, fröhlich, heiter; gaio ['gaio] <Adv.) [ital. gaio <
frz. gai, Tgaiment] (Musik): svw. tgaiment.
Gake [ga.kd]. die; -, -n [lautm.. nach den Lauten von Enten
u. Gänsen] (landsch. salopp abwertend): weibliche Person,
die od. deren Äu/Jerungen man als dumm empfindet.
Gai [gai], das; -s, - [Kurzwort für Galilei, nach dem Namen
desital. NaturforschersGalileo Galilei (1691-1736)]:
physikalische Einheit der Beschleunigung (1 cm/s2).
Gab['ga:la.auch:'gala],die;-[span.gala = Prunkkleidung.
H. u.]: 1. für einen besonderen Anlaß vorgeschriebene
festliche Kleidung; großer Gesellschaftsanzug: die
Premierenbesucher kamen, waren in [großer] G.; *sich in G. werfen
(ugs. scherzh.; sich für eitwn bestimmten AnlafJ festlich
anziehen). 2. (hist.) Hoftracht. 3. svw. T Galavorstellung:
es war eine große G. mit vielen bekannten Künstlern.
gab-. Gab-: --abend, der: Abendveranstaltung in festlichem
Rahmen; -anzug, der <o. PI.): für einen besonderen Anlaß
vorgeschriebene festliche Kleidung; -auflührung, die: in
festlichem Rahmen stattfindende Theater-. Opernaidjiihrung
o.a.; -bankett, das: vgl. -diner; -diner, das: /offizielles/
festliches Diner /zu Ehren eines hochgestellten (Staats)ga-
stesj; -dreß,der: vgl. t ^anzug; -empfang, der: /offizieller]
festlicher Empfang; -konzert, das: in festlichem Rahmen
stattfindendes Konzert; -mäßig <Adj.>: einer Gala (3)
angemessen: -e Kleidung; -uniform, die: prunkvolle Uniform,
die nur bei besonderen Anlässen getragen wird;
-Veranstaltung, die; -Vorstellung, die: vgl. t ^aufliihrung.
930
Galgen
Gatakt-: I Galaklo-.
gabktisch [ga'laktij] <Adj.; o. Steig.; nur attr.) [zu griech.
galaxia = Milchstraße] (Astron.): zur Galaxis (a). zu einer
Galaxie gehörend: -es Rauschen (im Ursprung nicht lokali-
sierhare Radiowellen aus dem Milchstraßensystem); Galak-
to-, (vor Vokalen:) Galakt- [galakt(o)-; zu griech. gala
«Gen.: gälaktos) = Milch] (Best, in Zus. mit der Bed.>:
Milch-, milchartige Flüssigkeit (z.B. Galaktometer);
Galaktometer, das; -s. - [f-meter]: Melkerät zur Bestimmung
des spezifischen Gewichts der Milch; Galaktorrhö,
Gabktorrhöe [galakto'ro:]. die; -, ...öen [...0:an; zu griech.
rheTn = fließen] (Med.): spontane Milchabsonderung aus
der weihlichen Brust / während der Stillzeit!; Galaktose
[...'toiza]. die; -. -n: Bestandteil des Milchzuckers.
Galalith© [gala'li.t. auch: ...lit], das; -s [zu griech. gala
= Milch u. T-Iith]: harter; kornartiger Kunststoff der als
Werkstoff vielfache Verwendutig findet.
Gabn [ga'la:n], der: -s. -e [span. galan. zu: galano = schön
gekleidet, höfisch, zu: gala. tGala]: a) (bildungsspr.
veraltend, noch iron.): /herausgeputzterj Mann, der sich mit
besonderer Höflichkeit. Zuvorkommenheit um seine Dame
bemülit; b) (ugs. abwertend) Liebhaber, Freund (2).
galant [ga'lant] <Adj.; -er, -este> [frz. galant = lebhaft,
liebenswürdig, eigtl. 1. Part, von afrz. galer = sich erfreuen,
sich vergnügen, zu: gale = Freude. Vergnügen]: a)
(bildungsspr. veraltend) (von Männern) betont höflich u.
gefällig gegenüber Damen (Ggs.: ungalant): ein -er Mann; er
ist immer sehr g.; er küßte ihr g. (wie ein Kavalier u.
voller Liebenswürdigkeit) die Hand; sich g. verbeugen;
b) <o. Steig.) ein Liebeserlebnis betreffend; amourös: ein
-es Abenteuer; eine Frau der Münchner Gesellschaft ....
zu der er ... in -en Beziehungen stand (Thieß, Frühling
1); die -e Dichtung (eine literarische Modeströmung am
Ende des H.Jh.s. die in Lyrik u. Roman erotische Themen
in geistreich-frivoler Art abhandelte); Gabnterie [galan-
ta'ri:]. die; -. -n [...i.an; frz. galanterie. zu: galant, tgalant]
(bildungsspr. veraltend): 1. <o. Pl.> galantes (a) Benehmen;
betonte, häufig gezierte, eitel erscheinende Höflichkeit von
Männern gegemiber Frauen: mit großer G. half er den
Damen aus dem Mantel. 2. galantes Kompliment: jmdm.
-n sagen; Galanteriewaren <P1.) (veraltet): modisches
Zubehör zur Kleidung; Accessoires; Gabnthomme [galan'tam].
der; -s, -s [frz. galant homme, zu: galant (f galant) u. homme
= Mann]: frz. Bez. für Ehrenmann. Mann von Charakter
u. feiner Lebensart.
Galantine [galan'ti.na]. die; -. -n [frz. galantine < mlat.
galatina. zu vlat. geläta. tGelee] (Kochk.): Pastete aus
Fleisch od. Fisch, die mit Aspik überzogen ist u. kalt
aufgeschnitten wird.
Galaxie [galaksi:]. die; -. -n [...i:dn; mlat. galaxia =
Milchstraße < lat. galaxiäs < griech. galaxias] (Astron.): a)
großes Sternsystem außerhalb der Milchstraße; b)
Spiralnebel; Galaxis [ga'laksis]. die; -. ...xien [...'ksi:an] (Astron.):
a) <o. PI.) die Milchstraße; b) seltener svw. tGalaxie.
Galeasse [gale'asa]. die; -. -n [niederl. galeas. galjas < frz.
galeace. geleasse < ital. galeazza.Vgr. von: galea =
Galeere] (Seew. früher): a) einer großen Galeere ähnliches Ruder-
u. Segelschiff, das vom 11. bis 18. Jh. im Mittelmeerraum
im Seekrieg eingesetzt wurde; b) Segelschiff mit rundem,
überfallendem Heck, das in den Küstengewässern von Nord-
u. Ostsee als Frachtschiff verwendet wurde; Galeere [ga-
le:ra], die; -. -n [ital. gale[r]a < mlat. galea < mgriech.
galea. wohl zu griech. galee = Schwertfisch, eigtl. =
Wiesel, wegen der Schnelligkeit]: mittelalterliches
Ruderschiff (mit zwei Segelmasten) des Mittelmeerraums, auf
dem meist Sklaven. Sträflinge od. Gefangene zum Rudern
verurteilt waren: er wurde auf die G. geschickt (zu einer
Galeerenstrafe verurteilt).
Galeeren- (hist.): -Sklave, der: zum Rudern auf einer Galeere
gezwungener Sklave: wie ein G. (sehr hart) arbeiten
müssen; ^strafe, die: (Jas Rudern auf einer Galeere als schwere
Strafe für ein Verbrechen; ^Sträfling, der: zum Rudern
auf einer Galeere verurteilter Sträfling.
Galenik [ga'le:nikl. die; - [nach dem altgriech. Arzt Galen
(129-199)]: Lehre von den natürlichen (pflanzlichen)
Arzneimitteln; Galenikum, das; -s. ...ka: in der Apotheke aus
Drogen (1) zubereitetes Arzneimittel (im Gegensatz zum
chemischen Fabrikerzeugnis); galenisdi <Adj.; o. Steig.):
a) aus Drogen (1) zubereitet: -e Arzneimittel; b) die Galenik
betreffetul, zu ihr gehörig: -e Pharmazie.
Galenit [galeni:t. auch: ...nit], der; -s, -e [zu gleichbed.
lat. galena]: svw. f Bleiglanz.
Galeone [galeo:nd], die; -, -n [ital. galeone < span. galeon.
zu mlat. galea. TGaleere] (Seew. früher): großes, mit
mehreren Geschützen bewaffnetes Segelschiff [der Spanier u.
Portugiesen!, das als Kriegs- u. als Handelsschiff verwendet
wurde; Galeot [gale'o:tJ. der; -en. -en [ital. galeotto bzw.
afrz. galiot < mlat. galeotus. galiotus, zu: galea. tGaleere]:
svw. TGaleerensklave; Galeote [gale'o:ts]. Galiote [ga-
'Uo:to], die; -, -n [aus dem Roman., frz. galiote, span.
galeot, ital. galeotta = Vkl. zu: galea. tGaleere] (Seew.
früher): Segelschiff mit spitzem Heck (u. senkrechtem
Steven), das in den Küstengewässern von Nord- u. Ostsee als
Frachtschiff verwendet wurde.
Galerie [gatari:]. die; -. -n [...i:an; frühnhd. Gallerei < ital.
galleria = langer, gedeckter Säulengang, vgl. frz. galerie
< afrz. galilee = Vorhalle, wohl aus dem bibl. Namen
Galiläa, mit dem man seit dem 10. Jh.. zunächst in Rom,
die Vorhallen von Kirchen bezeichnete, in denen sich die
Heiden, die sogenannten Galiläer, aufhielten; II: eigtl.
= Verbrecheralbum; nach den wie in einer Galerie
gesammelten Fotografien im Verbrecheralbum]: 1. (Archit.) a)
mit Fettstem, Arkaden u. ä. versehener Gang als Laufgang
an der Fassade einer romanischen od. gotischen Kirche;
b) umlaufender Gang, der auf der Innenlwfseite um das
Obergeschoß eines drei- od. vierflügeligen Schlosses,
Palastes o. ä. geführt ist; c) aidien an Bauernhäusern angebrachter
balkonartiger Umgang. 2. (Archit.) in alten Schlössern ein
mehrere Räume verbindender Gang od. ein großer
langgestreckter, für Festlichkeiten od. auch zum Aufhängen od.
Aufstellen von Bildwerken benutzter Raum. 3.a) kurz für
tGemäldegalerie: die Stadt hat mehrere große -n mit
wertvollen Sammlungen; b) Kunst-, insbes. Gemäldehandlung,
die auch Ausstellungen veranstaltet: er hat das Bild in einer
G. gekauft. 4a) Empire Iin einem Saal. Kirchenraurn/;
b) (veraltend, noch scherzh.) et) oberster Rang im Theater:
die G. war ganz besetzt; ß) das auf der Galerie sitzende
Publikum: die G. hat das Stück ausgepfiffen; *fiir die
G. spielen (1. mit groben Mitteln, ohne Nuancierung für
ein anspruchsloses Publikum [ Theater o. ä.J spielen. 2. sich
bei einem bestimmten Tun nach dem Geschmack des großen
Publikums richten, den Beifall der Massen für sich zu
gewinnen trachten). 5. Orientteppich in der Form eines Läufers:
vorder Bücherwand liegt eine G. 6. (bes. österr.. Schweiz.)
Tunnel an einem Berghang mit fensterartigen Öffnungen
nach der Talseite. 7. (hist.) mit Schießscharten versehener,
bedeckter Gang im Mauerwerk einer Befestigungsanlage.
8. (selten) glasgedeckte Passage mit Läden. 9. (See-
mannsspr. veraltend) um das Heck laufender Rundgang
an I alten Segelschiffen. 10. (meist scherzh.) größere Anzahl
gleichartiger Dinge. Personen: sie besitzt eine ganze G.
schöner Hüte, von schönen Hüten; auf der Tür seines
Spinds, da wo die Haupthähne eine G. Liebchen
aufgespießt hatten (Gaiser. Jagd 140); ... liebt Casanova eine
G. bizarrer Frauen (Spiegel 50. 1976. 212). II. (österr.
veraltend) Unterwelt. Verbrecherwelt; <Zus.:> Galerjgstadt,
die (DDR): Es ist die erste Baueinheit eines völlig neuen
Siedlungstyps: die Galerie- oder Wandelhallenstadt
(Wochenpost 6. 8. 76. 11); Galerjfiton, der <o. PI.) (Kunstwiss.):
dunkelbraune J durch das Vergilben des Öls verursachte]
Tönung von Ölbildern; <zu 1:> Galeriewald, der (Geogr.):
schmaler Waldstreifen an Flußläufen u. Seen afrikanischer
Savannenu. Steppengebiete; <Abl.:> Galerist [gala'nstj, der;
-en, -en [1: ital. gallerista; 2: zu tGalerie (11)]: 1. Besitzer,
Leiter einer Galerie (3 b); Kunsthändler: die
Interessengemeinschaft Berliner Kunsthändler, der ... -en wie Rudolf
Springer angehören (MM 19. 2. 69, 22). 2. (österr.
veraltend) Verbrecher. Angehöriger der Unterwelt; Gal$ristin,
die; -, -nen: w. Form zu tGalerist (1).
Galette [ga'lEto], die: -. -n [frz. galette, Vkl. zu afrz. gal
= flacher Uferkiesel): flacher Kuchen (aus Blätterteig).
Galgantwurzel [gal'gant-], die; -. -n [mhd., ahd. galgan <
mlat. galanga < mgriech. galagga < arab. balangan =
dem Ingwer verwandte Pflanze in Indien u. China): zu
Heilzwecken u. als Gewürz verwendete Wurzel eines
Ingwergewächses.
Galgbrunnen ['galk-1, der; -s, - [mhd. galgbrunne] (Schweiz.):
Ziehbrunnen mit galgen- oder waagebalkenförmigem Hebel
zum Niederlassen u. Hochziehen des Wassereimers; Galgen
fgalgnl. der; -s. - [mhd. galge = Galgen, Kreuz, ahd.
931
Galgen-
galgo. eigtl. = Stange. Pfahl]: 1. aus einem od. mehreren
Pfosten u. darüberliegendem Querbalken bestehendes Gerüst
zum Hamen eines zum Tode Verurteilten: einen G.
errichten, aufrichten, aufschlagen: die Verräter wurden zum
Tode am G.. zum G. verurteilt; *jmdn. an den G. bringen
(ugs.; jmdn. seiner gerichtlichen Bestrafung ausliefern): am
G. enden (ugs.; ein schlimmes Ende nehmen): reif fiir den
G. sein (ugs.; verdienen, bestraft zu werden). 2.
galgenähnliche Vorrichtung, an der etw. aufgehängt werden kann:
bei den Filmaufnahmen hängt das Mikrofon am G. (an
einem schwenkbaren Arm, der das Mikrofon über den Köpfen
der Darsteller frei bewegt): Warum sich das Team nach
der Sendung dann streitet, weil ein ..Galgen**
(Mikrofonstange) mal ins Bild ragte (Hörzu 41. 1976. 61).
Galgen-: -frist die <PI. selten) [eigtl. = die letzte
Gnadenfrist, die einem zum Galgen Verurteilten bis zu seiner
Hinrichtung gewährt wird): kurzer Aufschub, letzte Frist,
die jmdm. vor einem entscheidenden Ereignis noch bleibt
od. gewährt wird: Das Verbot ... wurde zurückgehalten,
und so erhielt die Zeitschrift noch eine G. (Niekisch. Leben
251); -gesiebt, das: a) (abwertend) wenig Vertrauen erwek-
ketider Gesichtsausdruck eines Menschen: er hat ein G.;
b) (Schimpfwort) Person mit wenig vertrauenerweckendem
Äußeren: Der Führer schien ein Kleinbürger zu sein ...
Die übrigen waren wüste -er (Niekisch. Leben 238); -hu-
mor, der [eigtl. = Humor, wie er dem Verurteilten unter
dem Galgen kommt]: gespielter Humor, eine Art von
vorgetäuschter Heiterkeit, mit der jmd. einer unangenehmen od.
verzweifelten Lage, in der er sich befindet, zu begegnen
sucht: „Ihr scheint ja trotz allem guter Stimmung zu sein",
rief jemand. ..Alles nur G.k\ antwortete einer (Leonhard,
Revolution 111); -Schwengel, der [mhd. galgenswengel =
Dieb, der für den Galgen reif ist; der Gehenkte wird
mit dem Schwengel einer Glocke verglichen) (landsch.
abwertend. Schimpfwort): Taugenichts: -strick, der
[spätmhd. galgenstric = Strick, mit dem der Verurteilte
am Galgen aufgehängt wird]: a) (ugs. veraltend, abwertend)
Strolch: Taugenichts: b) (ugs.) Kind, Bursche, der
durchtrieben ist. es hinter den Ohren hat. dem man das aber verzeiht:
-vogel, der [urspr. = Rabe (der sich wegen der Leichen
in der Nähe von Galgen aufzuhalten pflegte)]: a) (ugs.
abwertend) Strolch. Halunke, Spitzbube: b) seltener svw.
TGalgenstrick (b).
Galimathias [galima'ti:as]. der od. das; - [frz. galimatias.
H. u.; viell. < nlat. gallimathia. aus: galli. Gen. von:
gallus = Disputant bei den Doktordissertationen der
Pariser Universität (< lat. gallus = Hahn) u. griech. -mätheia
= Wissen, also eigtl. = Wissen eines Gallus] (veraltend
abwertend): verworrenes, sinnloses Gerede: Unsinn: Die
Gesellschaft überließ sich einem seligen Nichtstun, indem
sie ein zusammenhangloses Geschwätz tauschte. ... teils
indiskreter, teils unverständlichere (Th. Mann.
Zauberberg 790).
Galion [ga'Ho:n] das; -s. -s [mniederl. galjoen < frz. galion.
span. galeon = tGaleone] (früher): kunstvoll gestalteter,
aus offenem Gebälk bestehender Vorbau am Bug eines
hölzernen Schiffes: Galione [ga' Uo:na]: t Galeone; Galionsfigur,
die: geschnitzte Figur auf dem Galion eines Schiffes, meist
in Form einer Frauengestalt: Ü man wollte ihn zur G.
der Partei machen (als zugkräftige, werbende Figur an
die Spitze stellen): Galiote: tGaleote.
Galipot [gali'po:]. der; -s [frz. galipot = Harz von
Nadelhölzern, bes. Fichtenharz] (Fachspr.): gelblichweißes bis
goldgelbes, wohlriechendes Harz von Nadelhölzern: Scharrharz.
Galiaß [gal'jas], die; -, ...jassen: vgl. Galeasse; Galionsfigur:
vgl. Galionsfigur; Galiot [gal'jo.t]. die: -. -en: tGaleote.
Gall- L'gal-1 (^alle): -apfel, der (Bot.): kugelige od.
birnenförmige 2Galle an Blättern. Knospen od. jungen Trieben
von Eichen: -gerbsäure, die: svw. T Tannin; -säure, die:
svw. TGallussäure; -wespe. die: vgl. Eichengallwespe.
Gallat [ga'la.t], das; -s. -e [t ^Galle] (Chemie): Salz der
Gallussäure.
'Galle ['gab], die; -. -n [mhd. galle, ahd. galla. zu einem
alten Farbadjektiv mit der Bed. „(gelblich, grünlich,
bläulich) glänzend"; nach ihrer gelblichgrünen Farbe]: a) kurz
für tGallenblase: er muß an der G. operiert werden; sie
hat es an der G. (ugs.; ist an der Galle erkrankt): b) von
der Leber gebildetes, für die Verdauung der Fette wichtiges
Sekret, das in der Gallenblase gespeichert wird: die G.
ist eine bitterschmeckende gelbliche Flüssigkeit; die
Kranke hat G. gebrochen; die Arznei schmeckt bitter wie G.
(sehr bitter); Ü seine Worte waren voll G. (voll Bitterkeit):
*jmdm. steigt, kommt die G. hoch/schwillt die G./Iäuft
die G. über (jmdn. packt die Wut: bei zorniger Erregung
erhöht sich die Ausschüttung von Galle); G. verspritzen
(Bosheiten sagen: die Galle gilt als Symbol der Bitterkeit);
jmdn. inG. bringen (jmdn. in Wut versetzen): Das brachte
Kumiak in G. (Marchwitza. Kumiaks 126).
^Galle [-], die; -, -n [mhd. galle = Geschwulst am Pferdefuß,
zusammengefallen mit dem wohl unter frz. Einfluß
entlehnten lat. galla = kugelartiger Auswuchs. Gallapfel]: I.CTier-
med.) krankhafte Schwellung. Geschwulst an den Gelenken
(bes. bei Pferden). 2. (Bot.) meist durch tierische Parasiten
(durch Einstich. Eiablage od. sich entwickelnde Larven)
hervorgerufene Wucherung bei bestimmten Pflanzen.
gallebitter, g^llenbjtter <Adj.; o. Steig.): sehr bitter, so bitter
wie 'Galle (b): manche Früchte schmeckten gallebitter,
wenn er hineinbiß (Augustin. Kopf 281); Gglleler] brechen,
G^llenferlbrechen. das; -s (Med.): Erbrechen von lGalle
(b).
Galleglas [ga'le:-]. das; -es. -gläser [nach dem frz.
Kunsthandwerker E. Galle (1846-1904)]: Kunstglas, das
durch eine bestimmte Abschleiftechnik irisierende
Farbeffekte zeigt.
galten l'gaten] <sw. V.; hat) [spätmhd. gellen; mhd. gellen
= ausweiden]: a) bei der Zubereitung von Speisefischen
die Galle entfernen: b) (Jägerspr.) Wasser lassen (vom
Wild): gällen [gebn] <sw. V.; hat) [mhd. gellen = bitter
machen, zu t 'Galle]: svw. t vergällen.
gellen-, Gallen- ('Galle b): -abführend svw.: t-treibend;
-anfall, der: vgl. -kolik; -bjtter: vgl. gallebitter: Ü
Zunächst ging es von einem Hafen zum anderen. Noch einige
kräftige Schlucke Europa, süße und -e (Kaschnitz. Wohin
210); abläse, die: mit der Leber verbundenes Organ, das
die Galletiflüssigkeit speichert, dazu: -blasenentzündung.
die. -blasengang, der; - färbstofT, der: in der Leber
gebildeter grünlicher Farbstoff: vgl. Bilirubin. Biliverdin;
-fett, das: svw. tCholesterin; -lieber, das (Tiermed.):
durch Parasiten bei Säugetieren hervorgerufene
Injektionskrankheit: -Flüssigkeit, die <o. PI.): svw. t'Galle
(b); -gang, der <meist PL): zu einem verzweigten System
gehörendes leitendes Gefäß, in dem die lGalle (b) in der
Leber gesammelt u. von dort in den Zwölffingerdarm geleitet
wird, dazu: -gangsverschluß, der; -gelb, das: svw. T
Bilirubin; -grieß, der: zahlreiche, sehr kleine Gallensteine: -kitz-
ler, der (salopp scherzh.): breiter, enggeschnallter Gürtel:
-kolik, die: im Zusammenhang mit einem Gallensteinleiden
auftretende Kolik: -konkrement, das: svw. t -grieß; -kraut,
das: Mohngewächs mit gefiederten, auf der Unterseite
blaugrünen Blättern u. gelben Blüten: Heilpflanze: Gnadenkraut:
-krebs, der: Krebs der Gallenblase: -leiden, das;
-Operation, die; -pilz, der: svw. t -röhrling; -röhrlins, der: dem
Steinpilz äußerlich sehr ähnlicher Röhrenpilz, der wegen
seines bitteren Geschmacks ungenießbar ist: -saft, der:
Sekret der {Galle (a); -sand, der: svw. t -grieß; -säure, die:
in der Leber erzeugte, zur Fettverdauung wichtige Säure:
-stein, der: aus Bestandteilen der sGalle (b) entstandene
Ablagerung, die in den Gallenwegen zu Stauungen u. ä. führen
kann, dazu: -steinleiden, das; -tee, der: Tee (z. B.
Pfefferminz-. Kamillentee), durch dessen Genuß in Verbindung
mit Fasten die Bildung und Ausscheidung von
Gallenflüssigkeit eingeschränkt wird: -treibend <Adj.; o. Steig.; nicht
adv.): den Abfluß der Galletiflüssigkeit beschleunigetid:
-wege <P1.): Gallenblase einschl. der ableitenden Gefäße.
G^lenwirt. der; -[eis. -e [zu t^Galle] (Bot.): Pflanze, au)
der 2Gallen entstehen können: die Eiche ist ein G.
Gallert [galnt. auch: ga'lert], das; -[e]s, (Arten:) -e [mund-
artl. Entstellung aus mhd. galreide < mlat. galatria =
Gefrorenes; Sülze, zu lat. geläre = gefrieren machen;
verdichten, eindicken]: eingedickte Fleisch-. Knochenbrühe,
auch der eingedickte Saft einiger Früchte, der tuich dem
Erkalten zu einer steifen, durchsichtigen Masse erstarrt ist:
die Brühe hat ein würziges G. ergeben.
gallert-, Gallert-: -alge, die: meist im Süßwasser lebende
Blaualge, die oft mit Schlauchpilzen Gallertflechten bildet:
-artig <Adj.; o. Steig.); -flechte, die: vgl. -alge; -masse,
die: Masse aus gallertartiger Substanz.
Gallerte [ga'lerta. auch: gateta], die; -. (Arten:) -n: svw.
1 Gallert; gallertig [galcrtu;, auch: galuti^l <Adj.): aus
Gallerte od. gallertähnlicher Substanz bestehend.
932
Galvano
Galliarde: TGaillarde.
gallieren [ga'li.ran] <sw. V.; hat) [t'tialle] (Färberei): ein
Textilgewebe für die Aufnahme von Farbstoff mit
Flüssigkeiten behandeln, die Tannin od. einen Auszug von Galläpfeln
enthalten.
gallig ['galn;] <Adj.) [zu f'Galle <b)J: I. bitter wie Galle,
gallei njbitter: die Flüssigkeit hat einen -en Geschmack.
2. verbittert / u. dadurch beißend, scharf in seinen
Äußerungen/: ein -er Mensch; eine -e Bemerkung; sein Humor
ist ziemlich g.; ..Im Hemd ist sie hier angekommen**, stößt
seine Frau g. hervor (Bredel. Väter 117); Krämer setzte
sich ... und lachte g. (Apitz. Wölfe 335); <Abl.:) Galligkeit.
die; -.
gallikanisch [gali'ka:mj] <Adj.; o. Steig.) [nach frz. gallican
< (m)lat. gallicänus = gallisch]: die mit Sonderrechten
ausgestattete katholische Kirche in Frankreich vorder
Revolution betreffend: zum Gallikanismus gehörend: die -e
Kirche; Gallikanismus (. kan ismos], der; - [frz. gallicanisme]:
a) französische Form des Staatskirchentums mit
Sonderrechten gegenüber dem Papst (bis zur Französischen
Revolution): b) nationalkirchliche Bestrebungen in Frankreich (bis
zur Französischen Revolution).
Gallion: TGalion; Gallionsfigur: tGalionsflgur.
gallisieren [gali'zr.ren] <sw. V.; hat) [nach dem dt. Chemiker
L. Gall (1791-1863)1 (Winzcrspr): (bei der Weinlierstel-
lung) dem Traubensaft Zuckerlösung zusetzen, um den
Säuregrad abzubauen u. den Alkoholgelullt zu erhöhen: in
einigen Landern darf der Wein nicht gallisiert werden.
Gallium ['galioml. das; -s [zu lat. gallus = Hahn, latinis.
aus frz. le coq = der Hahn, mit Bezug auf den Namen
des frz. Chemikers P. E. Lecoq de Boisbaudran
(1828-1912). der es 1875 entdeckte]: ein silberweißes, leicht
verformbares Metall (chemischer Grwulstoff): Zeichen: Ga
Gallizismus [gali'tsismos], der; -. ...men [frz. gallicisme. zu
(m)lat. gallicus = gallisch, französisch] (Sprachw.): eine
für das Französische charakteristische sprachliche
Erscheinung in einer nicht französischen Sprache.
Galljambus [gal-], der; -. ...ben [lat. Galliambus. eigtl. =
Jambus der Galli. d. h. der Kybelepricster] (Verslehre):
antiker Vers aus katalektischen ionischen Tetrametern.
Gallomane [galo'ma:nd], der; -n, -n: jnut. der übertrieben
alles Französische liebt u. nachahmt: Gallomank, die; -
[zu (m)lat. Gallus = Gallier. Franzose u. T Manie]:
übertriebene Nachahmung alles Französischen.
Gallon [gaebn], der od. das; -[s], -s [engl.(-amerik.) gallon]:
svw. tGallone; Gallone [ga'lo:na], die; -. -n: a) englisches
Hohlmaß (4.5451); Zeichen: gal. gall; b) amerikanisches
Hohlmaß (3.785 I); Zeichen: gal. Gall
gallophil [galo'fi:l] usw.: f frankophil usw.; gallophob [galo-
To:p] usw.: tfrankophob usw.
Galkischel, Galuschel [ga'luj}]. der; -s. -n [wohl zu poln.
galüszka = Kügelchen. Köpfchen] (landsch.): Speisepilz
mit rötHellgelber Färbung u. unregelmäßig gewelltem Hut.
Gallussäure [galos-]. die; - [(n)lat. aeidum gallicum = aus
Galläpfeln gewonnene Pflanzensaure. T ^Galle]: in
zahlreichen Pflanzenbestandteilen (z. B. Galläpfeln. Teeblättern.
Rinden) vorkommende aromatische Säure: Gallustinte, die;
-: blauschwarze bis schwarze Schreibtinte, die aus einem
Eisensalz u. Gallussäure hergestellt wird.
Gahnei [gal'mai. auch: '—]. der; -s. -e [spätmhd. galmei.
kalmei < mhd. kalemln(e) < frz.calamine < mlat. calami-
na < lat. cadmia. cadmea < griech, kadmia, kadmefa;
vgl. Kadmium]: svw. f Zinkspat.
Galon [ga'lö:], der; -s. -s [frz. galon. rückgeb. aus: galonner,
tgalonieren], Galone [ga'lo:nd]. die; -. -n [ital. gallone <
frz. galon, TGalon] (Schneiderei): Tresse. Borte. Litze, die
als Schmuck an Livreen. Uniformen. Abendanzügen
verwendet wird: die Hose zum Frack hat Galons an den
Seitennähten; galonieren [galonkren] <sw. V.; hat) [frz. galonner,
H. u.l: a) (Schneiderei) mit Galons besetzen: eine Hose
g.; Ü Daß sich der Kronprinz ... einen Affen hält und
außerdem noch einen galonierten (einen mit einer galonier-
ten Livree bekleideten) Diener (Brentano. Chindler 142);
b) (Kürschnerei) langhaarige, dichte Felle durch Dazwi-
schensetzen schmaler Lederstreifen o. ä. verlängern.
Galopp [ga'bp], der; -s, -s u. -e [1: (unter Einfluß von
frz. galop) < ital. galoppo < frz. galop, zu: galoper,
Tgaloppieren; 2: frz. galop]: 1. (Reiten) schnellste Gangart
bes. des Pferdes, die aus einer Folge von Sprüngen besteht:
in G. fallen; das Pferd in G. setzen; in vollem, gestrecktem
G.; *im G. (ugs.; sehr schnell: in großer Hetze, weil die
Zeit drängt): kurz vor der Abfahrt ging alles etwas im
G.; im G. durch die Kinderstube geritten sein (ugs.
abwertend; kein gutes Benehmen gelernt haben und datier nicht
den gesellschaftlichen Anstandsnormen entsprechen). 2.
schneller Rundtanz im 'IfTakt.
gatypp-, Galopp-: Mutig <Adj.; o. Steig.); -[renn]bahn, die
(Pferdesport); -rennen, das (Pferdesport): Rennen, bei dem
die Pferde in gestrecktem Galopp (1) laufen: -sport. der:
Pferdesport, der au) Galopprennen ausgerichtet ist: ^sprang.
der: I. (Gymnastik) Sprung, der hoch, weit od. hoch u.
weit ausgefülirt wird, bei dem man von einem Bein abspringt
u. die Beine im Sprung nacheinander zur Brust hin anwinkelt.
2. (Kunstturnen der Frauen) Sprung auf dem
Schwebebalken: vgl. Pferdchensprung; ^Wechsel, der (Pferdesport):
Wechsel der Fußfolge im Galopp (1). Lektion bei der
Dressurprüfung.
Galoppade [gab'pa.da], die; -♦ -n [frz. galopade = längerer
Galopp, eine im Galopp durchrittene Strecke] (veraltet):
svw. tGalopp; Galopper [ga'bpt?]. der; -s, - [zu TGalopp
(1)] (Pferdesport): a) Rennpferd: b) Reiter eines
Galopprennens: Der Prix de PArc de Triomphe ... ist ... für die
besten G. Europas der Magnet geblieben (Welt 8. 10.
66,8);galoppieren[gab'pkron] <sw. V.)/vgl.galoppierend/
[ital. galoppare < (a)frz. galoper (germ. Wort)]: a) (bes.
von Pferden) im Galopp laufen <hat, seltener: ist): die
Pferde haben [auf der Weide] galoppiert; der Reiter
galoppierte mit seinem Tier (ritt im Galopp): galoppierende
Pferde; b) eine Strecke im Galopp zurücklegen <ist>: die
Pferde, die Reiter sind über die Bahn galoppiert; Ü Er
stand am Klavier. ... dessen Töne wieder so lustig zu
g. begannen. Doch auch sein Herz galoppierte (schlug
schnell: Thieß. Legende 94); <1. Part, zu a:) galoppierend:
rasch verlaufend, schnell fortschreitend, sich schnell
verschlimmernd, sich negativ entwickelnd, negativ zunehmend,
mit zunehmender Schnelligkeit eine für jmdn., etw.
nachteilige Entwicklung nehmend: -e Kosten; eine -e
Geldentwertung; -e (schnellverlaufende u. zum Tixle führende)
Schwindsucht.
Galosche [ga'bfe], die: -, -n <meist PI.) [frz. galoche <
vlat. gallicula, Vkl. von lat. gallica = ländliche
Männersandale. Holzschuh, für: solea gallica = gallische Sandale]:
a) (veraltend) Überschu/i aus Gummi o.a.: bei Regenwetter
trägt er -n; b) (ugs. abwertend) alter, ausgetretener / Hausj-
schuh: er läuft in den ältesten -n herum.
■galt [galt] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [vgl. 'gelt] (bayr..
östen\. Schweiz.): keine Milch gebend: vorübergehend
unfruchtbar: eine -e Kuh.
feilt [-]: T gelten.
Galt [-]. der; -[e]s (südd.. Schweiz.): Zeit, in der eine KiJt
oder Ziege! weil sie noch zu jung ist, wegen hoher
Trächtigkeit o.a.] keine Milch hat: der kurze G. dieser Rasse
macht einen Kauf besonders interessant; <Abl.:> Galtling,
der; -s. -e: Kuh, Kalb o. ä. im Galt.
gälte ['gelte]; t gelten.
Galtonie[gal'to:ni3].die; -. -n Inach dem engl. Naturforscher
u. Schriftsteller Sir Francis Galton (1822-1911)]: südajrik.
Liliengewächs mit hängetuien, glockenförmigen Blüten.
G^ltvieh, das; -s: a) Jungvieh: b) Kühe, die keine Milch
geben: c) verschnittenes Vieh: <Zus.:> Ggltviehhirt. der.
Galuschel: fGalluschel.
Galvanisation [galvaniza'tsio:n]. die: - [nlat.; vgl. fr/.
galvanisation](Med.): (in der Elektrotherapie) Behandlung
bestimmter Krankheiten mit Gleichstrom: galvanisch [gal-
' va:nif] <Adj.; o. Steig.): auf elektrochemischer
Stromerzeugung beruhend / u. den auf diese Weise erzeugten Gleichstrom
betreffend]: -er Strom; -es Element; Galvaniseur
[galvani'z0:j?]. der; -s, -e [frz. galvanis(at)eur]: Facharbeiter
auf dem Gebiet der Galvanotechnik: galvanisieren [gal van i-
zi:ren] <sw. V.; hat) [frz. galvaniser] (Technik): mit Hilfe
der Elektrolyse mit einer dünnen Schicht aus Metall
überziehen; <Abl.:) Galvaniskrung. die: <Zus.:) Galvanisjerwerk-
statt, die; Galvanismus [galvanismus], der; - [ital. galvanis-
mo, nach dem Begründer der Lehre, dem ital.
Naturforscher Galvani (1737-1798)]: Lehre von der Umwandlung
chemischer Energie in elektrische Energie; Galvano [gal'va:-
no], das; -s, -s [Kurzf. für Galvanoklischee und
Galvanoplastik] (graph. Technik): auf galvanischem Wege
hergestellte Abformung von einer Autotypie, einer Strichätzung,
einem Schriftsatz u. a.
933
galvano-, Galvano-
galvano-,Galvano-[galvano-]:-graphk,die[!-graphie]:
Verfuhren zur Herstellung von Kupferdruckplatten; ^kjfflstik,
die (Med.): das Ausbrennen kranken Gewebes mit dem
Galvanokauter; -kauter, der (Med.): chirurgisches
Instrument mit einem durch galvanischen Strom erhitzten
Platindraht zur VomaJime von Operationen; ^klischfifi* das: svw.
Kplastik (b): -meter. das [t-meter] (Technik): Instrument
für die Messung schwacher elektrischer Ströme u.
Spannungen, dazu: ^metrisch <Adj.; o. Steig.): mit Hilfe des
Galvanometers erfolgend/; -narkose. die:
Narkoseverfahren, bei welchem mit Hilfe von elektr. Gleichstrom die
Erregbarkeit des Rückenmarks vollständig ausgeschaltet wird;
^ptystik, die <o. PI.): a) Verfahren, Gegenstände durch
galvanisches Abscheiden eines Metallüberzugs von einer
Form (3) herzustellen od. nachzubilden; b) Verfahren*
nichtmetallische Gegenstände mit Metall zu überziehen, insbes.
die Herstellung von Galvanos im graph. Gewerbe; Elektroty-
pie. dazu: ^pfystiker, der: jmd., der galvanoplastische
Arbeiten ausführt (Bcrufsbez.). -plastisch <Adj.: o. Steig.): die
Galvanoplastik betreffend, aui ihr beruhend; -punktur, die
(Med.): Entfernung von Haaren, Warzen o.a. mit Hilfe
von galvanischem Strom; ^skop« das; -s. -e [zu griech.
skopein = betrachten, beschauen] (Technik): nicht
geeichtes Galvanometer, das lediglich zum Nachweis eines
elektrischen Stroms (nicht zur Messung der Stromstärke)
verwendet wird; -stegie l-stegi:]. die; - [zu griech. stegein =
bedecken, schützen]: galvanisches (elektrolytisches)
Überziehen von Metallflächen mit Metallüberzügen; -fyxis, die;
-. ...xen Igriech. täxis = Ordnung, Anordnung. Stellung,
Einrichtung] (Biol.): durch elektrische Reize ausgelöste
Bewegung bei Organismen (bes. einzelligen Tieren u.
Pflanzen), die positiv (zur Reizquelle hin) od. negativ (von der
Reizquelle weg) verlaiifen kann; -t^chnik, die:
Sammelbezeichnung für verschiedene Verfahren des Galvatüsierens.
dazu -t^dmiker (Berufsbez.). -technisch <Adj.: o. Steig.):
die Galvanotechnik betreffetul; -therapk» die: svw.
tGalvanisation; -typie [-ty'pi:]. die; - [tTypc] (veraltet):
svw. t ^plastik, dazu: ^typi&netall, das: Legierung aus Blei.
Antimon und Zinn.
Gamander [gamandc], der; -s. - [mhd. gamandre < mlat.
gamandrea. chamandrea. unter Einfluß von griech. andres
= Männer < lat. chamaedrys < griech. chamaidrys]:
bes. auf kalkhaltigen Böden vorkommendes Kraut od.
Strauch, dessen Arten z. T. als Heilpflanzen gelten.
Gamasche [ga^niajd], die; -. -n <meist PI.) [frz. gamache
= lederner Überstrumpf < span. guadameci = Leder
< arab. (gild) gadämasly = (Leder) aus Ghadames (einer
Stadt in Libyen)]: a) seitlich geknöpfte, den Spann
bedeckende u. bis zum Knöchel od. bis zum Knie reichetuie. über
Schuhen u. Strümpfen getragene Bekleidung der Beine;
gekleidet in wohlgebügelten englischen Flanell mit hellen
-n über den Lackstiefeln (Th. Mann. Krull 297); b) svw.
t Wickelgamasche: Der Meister umwickelte Stanislaus die
Waden mit graugrünen -n (Strittmatter, Wundertäter 264);
* vor Jmdm., etw. -n haben (ugs. veraltend; sich von jtndm.
eingeschüchtert fühlen u. darum vor ihm Angst haben; vor
etw.% was man glaubt, nicht zu schaffen o.a.. Angst haben;
Umbildung aus: vor jmdm.. etw. TManschetten haben,
vermutlich, weil die Manschette mundartlich auch
Handgamasche hieß); <Zus.:> Gamaschendienst, der [wegen der
zahlreichen Knöpfe u. wegen des unbequemen Sitzes der
Militärgamaschen bes. des preuß. Heeres im 18. Jh.]
(abwertend): pedantischer, sinnloser i Kasernen]drill; Gama-
schenhose, die: tätige gestrickte Kinderhose. die. ähnlich
einer Gamasche (a). über den Spann reicht u. mit einem
Steg unter den Schulien befestigt wird.
Gamasidiose [gamazi'dio:zd]. die: -. -n [zu nlat. Gamasidae
= Familie der Milben. H. u.l: auf den Menschen
übertragbare Vogelmilbenkrätze.
Gambade [gam'baxto. auch: gab...], die; -. -n [frz. gambade
< ital. gambata = Stoß mit dem Bein, zu: gamba.f Gambe]
(bildungsspr. veraltet): 1. Luftsprung. 2. Kapriole,
närrischer Einfall. 3. schneller Entschluß; Gambe [gamba], die;
-. -n [gek. aus veraltet Violgambe < ital. viola da gamba.
aus: viola (t "Viola) u. gamba = Bein. Schenkel < spätlat.
gamba]: sechssaitiges Streichinstrument, das beim Spiel auf
die Knie gestützt (xl, zwischen den Knien gehalten wird;
Viola da gamba; Kniegeige.
Gamben-: ^Spieler, der: jmd.. der Gambe spielt; -Spielerin,
die: w. Form zu T^spieler; -stimme, die: Orgelregister.
mit dem Töne, die denen der Gambe ähnlich sind, erzeugt
werden.
Gambir ['gambir], der; -s [indon. gambir]: als Gerb- u.
Heilmittel verwendeter Saft eines ostasiatischen
Kletterstrauches.
Gambist [gambist], der; -en. -en: jmd.. der f berufsmäßig /
Gambe spielt.
Gambit[gambit],das;-s,-s[span.gambito < ital.gambetto.
eigtl. = das Beinstellen, zu: gamba. tGambe] (Schach):
Eröffnung einer Partie mit dem Opfer eines Bauern zur
Erlangung eines Stellungsvorteils; Ich spiele, um einmal
abzuwechseln, auf G. (Frisch. Gantenbein 238).
Gamboh&nf [gambo-]. der: -[eis [zu einem Gemeinwort der
auf den Inseln des Ind. Ozeans gesprochenen Sprache
u. t Hanf): im tropischen Afrika u. Vorderindien
vorkommendes Malvetigewächs; Faserpflanze, oft als Juteersatz
verwendet.
Gameian ['ga:mdlan]. Gamelang [gamalanl. das: -s. -s
[indon. gamelan]: auf ein/ieimisehen Schlag-. Blas- u.
Saiteninstrumenten spielendes Orchester auf Java u. Bali, das vor
allem Schattenspiele u. rituelle Tänze musikalisch begleitet.
Gamelle [gameb], die; -. -n [frz. gamelle < ital. gamella
= Eßnapf < lat. camella = Schale] (Schweiz.): Koch-
u. Eßgeschirr der Soldaten.
Gamet Jga'me:t], der; -en. -en [griech. gametes = Gatte,
gamete = Gattin] (Biol.): der geschlechtlichen
Fortpflanzung dienende Zelle; Geschlechtszelle: Die beiden
reinerbigen Eltern bilden jeder nur eine Sorte von
Geschlechtszellen oder -en (Medizin II. 87); Gametanghim [game-
'tangiuml. das; -s. ...ien [..jan; zu griech. äggion =
Behältnis. Gefäß]: / PflanzenJzelle, in der sich die
Geschlechtszellen in Ein- u. Mehrzahl bilden; Gametenbildung, die; -.
-en; Gametogamie [gametoga'mi:]. die; - [zu griech. gamos
= Hochzeit. Ehe]: Vereinigung zweier
verschiedengeschlechtlicher Zellen; Gametogenese, die; -. -n [zu t Genese]:
Vorgang der Geschlechtszellenbildung; Gametopathjfi, die;
-, -n [...i:an; t-pathie]: Keimschaden, der von der Zeit der
Reifung der Gameten bis zur Befruchtung auftritt; Gameto-
phyt [...fy:t]. der; -en. -en [zu griech. phytön = Pflanze]:
die auf die Hälfte der Chromosomenzahl reduzierte,
selbständige Generation im Fortpflanzungsprozeß der Pflanzen; Ga-
metozyt [-'tsy:tl. der: -en. -en [zu griech. kytos = Höhle.
Wölbung]: die noch nicht geschlechtsspezifisch zu
unterscheidende Zelle, aus welcher im Verlauf der
Gametenbildung die Gameten hervorgehen.
Gamin [ga'mS:]. der; -s. -s [frz. gamin = (junger)
Hilfsarbeiter, Laufbursche. Straßenjunge, Lausbub. H. u.] (veraltet):
Straßen-. Gassetijunge: Der G. lehnt am Pfosten des
Bierzeltes, die Hände in den Taschen, die Pfeife im Mund (Lynen.
Kentaurenfährte 69).
Gamma[gama].das; -[s]. -s [lat. gamma < griech. gamma,
zu hebr.-phönik. glm^l. eigtl. = Kamel (nach der
Ähnlichkeit des althebr. Buchstabens mit einem Kamelhals)]:
dritter Buchstabe des griechischen Alphabets (F.y).
Ggmma-: -astronomie, die: Teilgebiet der Astronomie, das
sich mit der Erforschung der von Gestirnen kommenden
Gamma-. Röntgen-u. Ultraviolettstrahlung befaßt; Röntgen-
astronomie; ^eule.die: Falter mit bräunlichen, mit silberwei-
ßer. gammaähnlicher Zeichnung versehenen Vorderflügeln
u. grauen Hinterflügeln; -funktion, die (Math.):
Verallgemeinerung des mathematischen Ausdrucks Fakultät auf
nichtnatürliche Zahlen; ^globulin, das (Med.): zur
Vorbeugung u. Behandlung bei verschiedenen Krankheiten verwett-
deter Eiweißbestandteil des Blutplasmas; ^graphjfi die; -.
-n [...i:an; zu t-graphie]: Verfahren zur zerstörungsfreien
Werkstoffprüfung mit Hilfe von Gammastrahlen; Mjuant,
y-Quant, das (Physik): den Gammastrahlen zugeordnetes
Photon; -spektrometer, der: Gerät zur Aufzeichnung
der Linien eines Gammaspektrums; ^Spektrum, das:
Energiespektrum der Gammastrafilen; --strahlen, y-Strahlen
<PL> (Physik. Med.): radioaktive Strahlen; kurzwellige
Röntgenstrahlen, die in der Stralilentherapie verwendet
werden; -»Übergang, der: das Übergehen eines angeregten (f
anregen 3) Atomkerns in den Grundzustand, wobei Gamtnastrah-
len entstehen; -zerfall, der: svw. t ^Übergang.
Gammarus [gamaros], der; - [lat. gammarus, cammarus
= Hummer < griech. kämmaros = Bez. für eine
bestimmte Krebsart]: seitlich stark abgeflachter Flohkrebs.
Gammazismus [-' tsismos], der; - [zu t Gamma]: Schwierigkeit
bei der Aussprache von g u. k. die fälschlich wie j. d od.
934
Gang
t ausgesprochen werden (häufte in der Kinder spräche, als
Dialektfehler od. auch infolge Krankheit); Gamme ['gamal.
die; -, -n [frz. gamme < ital. gamma, nach dem Namen
des griech. Buchstabens y (Gamma), mit dem im MA.
dem Buchstaben c des lat. Alphabets entsprechend, der
erste Ton der Tonleiter bezeichnet wurde] (Musik):
Tonleiter; Skala.
*Gammel [gaml]. der; -s [aus dem Niederd.. Grundbed.
wohl = das Alte. H. u.; vgl. asachs. gigamalöd = bejahrt]
(ugs. abwertend): mhuierwertiges, wertloses, unbrauchbares
Zeug verschiedener Art; in dem Laden gibt's nur G.; ich
krieg heut abend nix als G. (schlechte Karten beim Skat)
in die Hand (Bredel. Väter 382).
^Gammel [-], die; -, -n [viell. identisch mit t 'Gammel] (ugs.,
Schimpfwort): schlampixe weibliche Person.
Gammel- (gammeln 2): -biene, die (salopp abwertend): svw.
IGammlerin: daß die meisten „Gammelbienen4* zum Troß
der reinen Gammler gehören (Spiegel 39. 1966, 76); ^bru-
der, der (ugs. abwertend): jmd., der sich gammelnd
herumtreibt; Sie können nicht jeden Tag Dutzende von ...
Herumtreibern, Fixem und Gammelbrüdern ... hopsnehmen
(Zwerenz, Erde 36); Miienst, der (Soldatenspr.):
militärische Grundausbildung; -khjft, die (ugs. abwertend): a) die
für Gammler als typisch angesehene vernachlässigte
Kleidung; b) (scherzh.) betont lässige Freizeitkleidung; kleben,
das <o. PI.) (ugs. abwertend): Zeit, in der jmd. gammelt;
ungeregelte Lebensweise; das G. muß ein Ende haben;
-Look (mit Bindestrich), der: unkonventionelle u. betont
lässige Kleidung wie die eines Gammlers: Abschied vom
G. Die neue Herrenmode ... gibt sich wieder klassisch
(Spiegel 10. 1975. 166); -tag, der (ugs. scherzh.): lag,
an dem man sich dem Nichtstun überläßt, in der gewohnten
Alltagsarbeit eine Ruhepause einlegt: einen „Gammeltag"
legten die Holländer gestern in Hiltrup ein (MM 25. 6.
74, 10).
Gammelei [gama'lajLdie; - [zu tgammeln (2a)] (ugs..
abwertend): das Gammeln: Für die meisten ... ist die G., was
früheren Generationen die Lehr- und Wanderjahre waren
(Spiegel 39. 1966. 75); gammelig, gammlig ['gam(d)li<;]
<Adj.> la: aus dem Niederd.. zu t 'Gammel] (ugs.
abwertend): a) (nicht adv.) (von Nahrungsmitteln) nicht mehr
frisch, unappetitlich, ungenießbar geworden: -c Wurst; das
Obst ist g. geworden; b) (in bezug auf die äußere
Erscheinung, bes. die Kleidung) sehr salopp; unordentlich,
vernachlässigt: -e Kleidung; g. gekleidet sein; g. herumlaufen;
gammeln [gamln] <sw. V.; hat) [1: aus dem Niederd. <
mniederd. gammelen = alt werden; t 'Gammel; 2: Ü von
I. eigtl. = faul sein]: I. (ugs.) (von Nahrungsmitteln) bei
längerem Liegen nach u. nach verderben, ungenießbar
werden, vergammeln: das Brot gammelt im Vorratsraum. 2.a)
(ugs. abwertend) (von Jugendlichen bes. aus einer
Protesthaltung heraus) ohne geregelte Arbeit seine Zeit verbringen;
ziellos, ohne Tätigkeitsdrang und ohne äußere Ansprüche
in den Tag hinein leben: Er will noch genau bis zum 1.
Januar g.. sich dann ein Zimmer nehmen und „wieder
normal arbeiten" (Spiegel 39, 1966, 72); b) (ugs.) [bei
der ArbeitI trikleln, Zeit vertun: wir haben den ganzen
Tag nur gegammelt; <Abl. zu 2a:> Gammler [gamlü], der;
-s, - (ugs. abwertend): Jugendlicher, der laus einer
Protesthaltung herausj alle Formen des Etabliertseins ablehnt,
daher keinen Wert auf ein den gesellschaftlichen Normen
entsprechendes Äußeres legt, keiner geregelten Arbeit
nachgeht u. sich meist gemeinsam mit anderen Gleichgesinnten
an öffentlichen Plätzen aufliält; Gammlerin, die; -, -nen:
w. Form zu tGammler; G^mmlertreff, der (ugs.): Ort,
an dem sich Gammler (1) bevorzugt aufhalten, treffen: In
Heimen .... an -s, in Diskotheken, unterwegs per Anhalter
(Ossowski. Bewährung 7); Gammlertum, das; -s: das
Phänomen der Gammler; Lebensform, Lebenseinstellung der
Gammler; gammlig: t gammelig.
Gamone [gamo:na] <P1.) [zu griech. gameln = heiraten]
(Biol.): von den Geschlechtszellen abgegebene, für den
Befruchtungsvorgang wichtige chemische Stoffe; gamophob
[gamo'forp] <Adj.; Steig, ungebr.; nicht adv.> [zu griech.
gameTn = heiraten u. phobem = fürchten] (Fachspr.):
ehescheu; gamotrop [...tro:pJ <Adj.; o. Steig.) [zu griech.
gameTn = heiraten u. trope = Drehung. Hinwendung]
(Bot.): auf den Schutz der Geschlechtsorgane gerichtet: das
Schließen der Blütenblätter bei Regenfällen ist eine -e
Bewegung.
Gampiroßl'gampi-], das; ...rosses. ...rösser [zu mhd. gampen
= hüpfen, stampfen u. tRoß] (Schweiz.): Schaukelpferd.
Garns [gams]. der, die. das; -. -[en] [mhd. gam(e)z. Nebenf.
von t Gemse] (Jägerspr.. landsch.): svw. t Gemse.
Gtpns-: ^bart. der: Büschel von Rückenhaaren der Gemse,
das als Schmuck an bestimmten Trachten- u. Jägerhüten
getragen wird; -bock, der: svw. tGemsbock; nieder, das:
svw. tGemsleder; -wild, das.
Ganache[ga'naJ].die;-[frz.CremeGanache =
Ganachecreme, wohl zu einem frz. Eigennamen. H. u.J: kremige
Nachspeise, die hauptsächlich aus einer Mischung von süßer Sahne
u. geriebener Schokolade hergestellt wird; <Zus.:>
Ganachecreme, die.
Ganasdielga'najb], die; -. -n [frz. ganachc = untere
Kinnlade des Pferdes < ital. ganascia < griech. gnäthos =
Kinnbacke]: Bereich der Kaumuskulatur bei Tieren, insbes.
beim Pferd der hintere, obere Rand des Unterkiefers.
Gand [gant]. die; -, -en od. das; -s, Gänder [gendp;
Alpenwort wahrsch. romanischer Herkunft] (österr.. Schweiz.):
Schuttfeld, Geröllhalde.
Gandharakunst [gan'da:ra-], die; - [sanskr. Gandhära =
histor. indische Provinz, heute zu Afghanistan u. Pakistan
gehörend]: griechisch-buddhistische Kunst aus der Schule
der in Afghanistan gelegenen Landschaft Gand/iara.
Gandharwa[gan'da.£rva]<Pl.> [sanskr. Gandharva = Name
eines mythischen Wesens, H.u.J: Halbgötter des
Hinduismus (in Luft u. Wasser).
GanefT [gansfl, der; -[s], -e u. -s [1: aus der Gaunerspr.
< jidd. gannaw] (österr.): I. svw. tGanove. 2. (ugs.
scherzh., selten) Schwiegersohn.
Ganerbe [ga:n-], der; -n, -n [mhd. ganerbe, geanerbe <
ahd. ganervo, geanervo = jmd., an den mit anderen
zusammen eine Erbschaft fällt] (Rechtsspr. veraltet): I. Miterbe.
2. Mitglied in einem Erben verband der Ritterschajt. 3.
Genosseeiner Waldmark, bes. Beisitzer des Waldmarkgerichts:
dazu: Ganerbschaft, die.
gang in der Fügung g. und gäbe sein [gan ont 'ge:bd zain],
(landsch.. bes. Schweiz, auch:) gäng und gäbe sein ['gen
...; zu gang, älter: gäng < mhd. genge. ahd. gengi =
verbreitet, gewöhnlich, eigtl. = was gehen od. umlaufen
kann, zu: gangan = gehen u. gäbe < mhd. gaebe =
annehmbar, willkommen, lieb, gut, eigtl. = was gegeben
werden kann, was sich leicht geben läßt, zu t geben]
(allgemein üblich, gebräuchlich sein; urspr. im Münzwesen
gebräuchliche Fügung, auf die im Umlauf befindliche, gültige
Währung bezogen, später auch in der Geschäftssprache
in bezug auf gängige Waren): Allgemein und aus guten
Gründen war damals die Verwandtenehe ... g. u. gäbe
(Th. Mann, Joseph 254); (selten auch attr.:> von einem
großen Mann einmal nicht mit gang u. gäber Schwärmerei
... zu hören (Th. Mann, Lotte 58).
'Gang [ganl. der; -[eis. Gänge ['gerja; mhd.. ahd. ganc]:
1. a) Art u. Weise, Bewegung des Gehens (1); Art der
Körperhaltung beim Gehen (1): ein schlaksiger, federnder G.; sein
G. war schwerfällig; die Frau hatte einen schleppenden
G.; er beschleunigte seinen G.; sie erkannten ihn am
G.; b) (Tierzucht) Gangart von Pferden u. anderen Reit-
od. Zugtieren: Dem echten Reitpferd wird nichts durch
Gewohnheit andressiert, wie zum Beispiel im Zirkus ....
wo es die Gänge ... automatisch nach der Musik
herunterspult (Dwinger, Erde 146). 2. das Gehen (1) einer Strecke
! zu einem bestimmten Ort]: sie machten einen G.
(Spaziergang) durch den Park; ich habe noch einige Gänge
(Besorgungen) zu machen; er begegnete ihm auf seinem G. zum
Bahnhof; Ü jmdn. auf seinem letzten G. begleiten (geh.
verhüll.; an jmds. Beerdigung teilnehmen)', *ein G. nach
Kanossa (als erniedrigend empfundener Bittgang; t
Kanossa); einen schweren, bitteren G. tun/gehen [müssen] (etw.
tun müssen, was einem schwer fällt): da er sie den schweren
G. nicht allein gehen lassen wollte, kam er mit. 3. die
ununterbrochene Bewegung, das Laufen einer Apparatur,
Maschine o. ä.: der G. der Uhr ist unregelmäßig geworden;
die Anlage ist die ganze Nacht über in G. (in Betrieb);
*in G. bringen, setzen (bewirken, daß etw. in Bewegung
gerät, zu funktionieren beginnt): eine Maschine, einen
Motor wieder in G. bringen; er hat durch seine Aktivitäten
die Verhandlungen [wieder] in G. gebracht; etw. in G.
halten (etw. nicht zum Stillstand kommen lassen): bei
Stromausfall hält ein Notaggregat die Motoren in G.;
Das Leben konnte nur mit Anstrengungen in G. gehalten
935
Gang
werden (Baum, Paris 64). 4. Ablauf: Verlauf, den etw.
nimmt: derG. der Ereignisse, der Geschäfte ist schleppend;
den G. der Geschichte, Gedanken nachvollziehen; und
mit Vergnügen verzeichnete er im -e seiner Versuchsreihen
die zahlreichen Fälle bestätigenden Gelingens (Th. Mann.
Joseph 356); 'seinen G. gehen (sich so entwickeln, so
verlaufen, wie es zu erwarten ist): es geht alles wieder seinen
alten G.; wenn der Antrag ordnungsgemäß eingereicht
ist. wird die Sache ihren G. gehen; im Gang[e]/in G. sein
(I. in Bewegung. Aktion sein: im Ablauf begriffen sein).
es war erst vier Uhr morgens, aber sie war schon im
-e (bereits tätig): Morgens auf dem Weg zum Arbeitsamt
waren die Vögel immer mächtig in G. (sehr lebendig: Kem-
powski. Uns 72); brausendes Gelächter.... Johlen Der
Jachmann ist wieder mal hübsch im G. (voller Schwung)".
sagt Pinneberg (Fallada. Mann III). 2. als gegen jmdn..
etw. gerichtete Aktion /heimlich] vorbereitet werden: gegen
den Minister scheint etw. im -e zu sein. 5. (Sport) Abschnitt
im Verlauf eines sportlichen Kampfes: er war nach dem
zweiten G. (Durchgang) kampfunfähig; Der KSV wird
vor seinem nächsten Spiel ... ein Trainingslager beziehen
... Man will voll „aufgetankt44 diesen schweren G.
bestreiten (Bild 31. 3. 64.6). 6. (Technik) a) eine der verschiedenen
Stufen der Übersetzutig des Getriebes an FaJirzeugen: den
ersten G. einlegen, einkuppeln, (ugs.:) reindonnem,
reinhauen, reinwürgen; Die Kupplung zeigte manchmal einen
schweren G. (Auto 8, 1965, 21); im dritten G. fahren;
in den zweiten G. schalten; Ü den vierten, fünften G.
einschalten (ugs.; sein Tempo bei etw. steigern): auf
langsamen G. kaufen (ugs.; auf Raten kaufen): er hat heute
bei der Arbeit auf kleinen G. geschaltet (ugs.; im
gemächlicheren Temtx) gearbeitet): * einen G. zulegen (ugs.; sich
bei etw. noch mehr beeilen): Bei Autowrackbeseitigung
einen G. zulegen (MM 14. 8. 74,11); einenG. zurückschalten
(ugs.; sein Tempo bei etw. mäßigen): b) kurz für
tGewindegang. 7.a) von Bäumen. Sträuchern. Zäunen o. ä.
umschlossener od. überdachter Weg: der G. einer Allee; die Gänge,
die durch den Wald fuhren; b) unterirdischer Weg. Stollen
o.a.: Von einem Brunnenschacht aus ... trieb man Gänge
(Ceram, Götter 19); c) Hausgang. ]Flur: am Ende des
-es befindet sich das Ordinationszimmer; er mußte auf
dem G. warten; das Fahrrad steht unten im G. (Hausflur).
8. (Geol.) von einem Erz od. Mineral ausgefüllte Ader od.
Spalte im Gestein: einen erzführenden G. abbauen. 9.
(Kochk.) einzelnes Gericht in der Speisefolge einer Mahlzeit:
das Festessen hatte fünf Gänge; Es war für mich die
erste Mahlzeit mit mehreren Gängen seit Kriegsbeginn
(Leonhard. Revolution 148).
^ang [-1. der; -s [zu T gehen] (Seew.): a) Gruppe
zusammenarbeitender Leute an Bord eines Schiffes: b) Arbeitskolonne
verschiedener Stärke im Hafen.
•tang [genl. die; -. -s [engl.-amerik. gang, eigtl. = das
Gehen, der Gang, dann = das Zusammengehen, das
gemeinsame Handeln]: a) organisierter] Zusammenschluli
von Verbrechern: er war von Mitgliedern einer G. entfuhrt
worden; b) Bande von meist verwahrlosten Jugendlichen,
die sich von der herrschenden Gesellschaft nicht angenommen
fühlen u. deshalb zu Gewalthandlungen neigen: Eine ... Rok-
kerstudie ... empfiehlt, Rocker aufzuspüren und die G.
gleich zu zerschlagen (Zeit 7. 2. 75. 56), dazu: Gangchef,
der (ugs.): erscheint Tappert... erneut auf dem Bildschirm,
wieder als G. (Bild u. Funk 20. 1966. 10).
sang: fgang.
89iig-« Gfng-: -art, die: l.a) (von Menschen u. Tieren,
bes. Pferden) die Art u. Weise des Gehens: in eine schnellere
G. verfallen; der Galopp ist eine der -en des Pferdes;
Ü Ich war beim ... Vorlesen gelegentlich in eine raschere
G. ... verfallen (Kaschnitz. Wohin 17); b) (Sport) Art
u. Weise, in der ein Spiel geführt wird, wie u. mit welchem
körperlichen Einsatz gekämpft wird: die Sturmreihe der
Kölner bediente sich einer rauhen G.; c) (Leichtathletik)
beim Gehen (2) die Art u. Weise, wie man geht. Gehtechnik.
2. (Geol.)a) nicht abbauwürdiges Mineral, das eine
Erzlagerstätte begleitet: b) beim Verhüttungsproze/i
schlackenbildende Bestandteile der Erde: MlifTerenz, die: svw. t
-unterschied; ~erz. das: Erz. das in einem Gang (9) auftritt:
-fenster, das: Fenster in größeren Gängen (7) od. im
Seitengang eines Schnellzugs: -genau <Adj.; Steig, ungebr.; nicht
adv.): (von einem Uhrwerk) genau, präzis gehend: Sein
( = eines Weckers) Synchron lau fwerk - absolut g. (Spiegel
48.1965.41). dazu: - genau igkeit, die; ^gesteh, das (Geol.);
Gestein, das in ^Gängen (8) //. Spalten der Erdrinde auftritt:
-gewicht, das: Gewicht, das zum Antrieb eines Uhrwerks
dient: -Schaltung, die (Technik): Schaltvorrichtung, mit
deren Hilfe die einzelnen Gänge eines Getriebes betätigt wer-
den.ein Fahrrad mitG.; -steig, der (südd.. österr.):
Bürgersteig: -türf die: Tür. die größere Gätige (7) abschließt:
Flurtür. Korridortür: auch: Schwing für im Seitengang eines
Schnellzugs: -unterschied, der (Physik): Differenz der
optischen Weglängen zweier sich überlagerter Wellenzüge:
Gangdifferenz: -wasser, das (Rechtsspr. veraltet):
Wassermenge im Mühlbach: -werk, das: a) Mechanik einer Uhr:
eine... Kuckucksuhr, die ein sehr lautes G. hatte (Zwerenz.
Kopf 40); b) (ugs. scherzh.) die Beine des Menschen.
gangbar [*ganba:£] <Adj.; nicht adv.) [mhd. ganebaere]: 1.
(von einem Weg o. ä.) so beschaffen, daß es begangen
werden, als Weg benutzt werden kann: begehbar (Ggs.:
ungangbar): ein auch im Winter leicht -er Weg; Ü Nur durch
das Zusammenwirken aller wird der Weg nach vorn ...
für unser Volk g. sein (Bundestag 190, 1968, 10291). 2.
(nur attr.) allgemein üblich od. gebräuchlich: gängig: was
die See an Fisch liefert in allen -en Formen der Zubereitung
(Leip. Klabauterflagge9); (AbDG^ngbarkeit, die: -;
Gängelband [gEnal-]. das; -[eis. ...bänder [zu t gängeln]
(veraltet): lBand (I, 1). an dem man ein Kind beim Laufenlernen
führt u. zugleich festliält: Ü Der Grund, darauf ich gründe,
und der Halt, von dem ich gehalten bin, sind ... etwas
ganz anderes als das G. der Schwachen (Thielicke, Ich
glaube 26); *imdn. am G. fiihren/haben/halten (jmdn.
dauernd bevormunden, gängeln, ihn daran hindern,
selbständig zu werden); am G. gehen (dauernd bevormundet werden:
sich in all seinen Handlungen von einem anderen lenken,
bestimmen lassen): Gängelei [gEna'lail. die; -. -en (ugs.):
das Gängeln. Gegängeltwerden: sie war seine dauernde G.
leid; gängeln ['genin] <sw. V.; hat) [frühnhd. = gehen
lehren, Iterativbildung zu mhd. gengen = gehen machen;
losgehen, zu t 'Gang] (ugs. abwertend): dauernd
bevormunden: den anderen in seinem Handeln beeinflussen od
bestimmen: Gegängelt in der Schule. Im Beruf, von Behörden
und Polizisten (Enzensberger, Einzelheiten I. 177); <Abl.:>
Ggngehmg,die; -;Gänger ['geoel.der; -s, - (selten): jmd.. der
sich gehend an einen bestimmten Ort begibt, der in
bestimmter Absicht einen Gang macht: Ich werde zur Beerdigung
gehen. ... um sein Gefolge ... um einen G. zu vermehren
(Hildesheimer. Tynset 265); gängig ['gern«;] <AdJ.; nicht
adv.) [mhd. gengec. für älter: genge, tgang]: 1. allgemein
üblich, gebräuchlich, in Mode: die -e Meinung; diese
Methode ist die -ste. 2. viel gekauft, gut verkaufbar: Esterel-Model-
le. die ... nur in einigen -en Größen produziert werden
(Herrenjournal 3, 1966, 16). 3. (von Münzen) in Umlauf
befindlich, gültig: -e Münzen. 4. so. daß es [wieder]
brauchbar. * wieder] beweglich ist. sich drehen läßt o. ä.: -e
Schrauben; das Schloß wieder g. machen. 5. (Jägerspr.) svw.
t führig (1); <Abl.:) Gängtgkeit, die; -.
Ganglien- [gao(g)li3n-, zu f Ganglion] (in Zus. = sich auf
die Nervenknoten, das Nervensystem beziehend) (Med.):
^blockade, die: Hemmung der Reizübertragung an den
Berührungsstellen von Muskelu. Nerv im vegetativen
Nervensystem durch Arzneimittel, dazu: ^blocker, der; -s. - [zu engl,
blocker = etw. mit hemmender Wirkung): die
Reizübertragung im Nervensystem hemmendes Arzneimittel: ^knoten,
der: svw. t Ganglion (1); -leiste, die: svw. t Neuralleiste;
-zelle, die: Nervenzelle mit erregungsleitenden
Plasmabestandteilen.
Gangliom [gan(g)li'o:m], das; -s. -e [zu TGanglion] (Anat..
Physiol.): bösartige Geschwulst, die von den Ganglien des
Sympathikus ihren Ausgang nimmt: Ganglion fgao(g)lbn],
das; -s, ...ien [...bn] (meist PI.) [2: lat. ganglion < griech.
gagglion = Geschwulst: 1: nach einem Vergleich mit 2]
(Med.): 1. Nervenknoten. Anhäufung von Nervenzellen in
verschiedenen Nervensträngen. 2. Überbein. Geschwulst an
Gelenken: Ganglionetirom, das; -s, -e [zu f Ganglion u.
t Neurom] (Med.): gutartige Geschwulst aus Ganglienzellen
u. Nervenfasern; Ganglionitis: TGanglitis; Ganglioplegikum
[...iople.gikoml.das; -s. ...ka <meist PI.) [zu griech. plege
= Stoß. Schlag] (Med.): svw. tGanglienblocker; GangJitis
[gan'gli:tis]. Ganglionitis [ganglio'ni.tis]. die: -. ...itiden
(Med.): Entzündung der Ganglien.
Gangrän [gan'grE:n], die; -. -en od. das: -s, -e [lat. gangraena
< griech. gaggraina = fressendes Geschwür] (Med.): svw.
936
ganz
tBrand (Sa). Faulbrand; gangräneszieren [gangr&n&s'tßi:-
ran] <sw. V.; hat) (Med): gangränös werden: gangränös
[gaogr£'no:s] <Adj.; o. Steig.) (Med.): mit Gangränbildung
, einhergehend!. brandig.
Gangspill [gan-l. das; -[eis. -e [niederl. gangspil. aus: gang
= t^Gangu. spil = tSpill] (Seew.): Spill mit senkrechter
Welle, in dessen Kopf Speichen eingesetzt werden, die von
den Matrosen im Rundgang um das Spill herumgedreht
werden, um / Anker jketten auf- u. abzuwinden.
Gangster [genste]. der; -s. - [engl.-amerik. gangster, zu
Vjang) (abwertend): //>/ einer yGang (a) organisierter/
Schwerverbrecher: schwerbewafTneteG.; Hamburgs Polizei
ist gewillt. ... noch schärfer ... gegen G. und Ganoven
... vorzugehen (Zeit 5. 6. 64. 22).
Gangster-: -bände, die: -boß. der; -braut, die: Mädchen,
Frau, die mit einem Gangster liiert ist: Miief. der; -film,
der; -könig, der: herausragemier Gangsterboß: John Dil-
linger. derG., der wieder einmal aus dem Zuchthaus
entsprungen war (Fühmann. Judenauto 17): -methode. die
<meist PI. > (abwertend): Art u. Weise des Handelns,
Verhalten, die man eigentlich nur von Gangstern erwartet: Die
Justiz wende ... -n an (Welt 31. 3. 62, 7); -stück, das
(abwertend): üble, unehrenftafte Tat. Handlung: Schurkerei:
wie er versucht hat. seinen Konkurrenten auszubooten,
das war ein G.; Minwesen, das.
Gangstertum, das; -s: Gangsterunwesen, Verbrechertum: das
amerikanische G.
Gangway [gaenwei], die; -. -s [engl, gangway. eigtl. =
Gehweg]: an ein Schiff od. Flugzeug heranzuschiebender Lauf-
gang od. Lauf treppe, über die die Passagiere ein- u.
aussteigen: die G. hinaufsteigen; das Flugzeug über die G.
verlassen.
Ganoiden [ganoi.dn] <P1.) Izu griech. ganos = Glanz,
Zierde]: svw. t Schmelzschuppen Ganoidschuppe [gano'i:t-], die:
-, -n: rhombenförmige Fischschuppe (charakteristisch für
die Ganoiden): Ganoin [ganokn], das; -s: perlmutterartig
glänzender Überzug der Ganoidschuppen: Ganosis ['ga>
nozis]. die; -. ...osen [gano:zn]: Imprägnierung von
Bildwerken aus Gips od. Marmor, die diesen eine elfenbeinerne
Tönung verleiht.
Ganove [gano.vd], der; -n, -n laus der Gaunerspr. < jidd.
gannaw] (ugs. abwertend): Verbrecher. Betrüger:
Angehöriger der Unterwelt: einen -n dingfest machen; zwei -n ....
die gerne ungestört aus dem Tresor die Barschaft ...
herausgeholt hätten (MM 30. 8. 69, 6); (auch als Schimpfwort:)
dieser G.!; <Zus.:> Ganovensprache, die: vgl.
Gaunersprache; Ganoventrick, der: Trick, den Ganoven häufig
anwenden.
Gans [gans]. die; -. Gänse ['genza] <Vkl. tGänschen) [1 a:
mhd., ahd. gans. verw. mit gähnen, nach dem heiseren
Fauchen der Gans; 2: in Anspielung auf das ..Schnattern]:
I. a) Schwimmvogel mit gedrungenem Körper, langem Hals
u. oben gewölbtem Schnabel, der wegen seines schmackhaften
Fleisches u. seiner Federn als Geflügel gehalten wird: die
Gänse schnattern; Gänse mästen; eine G. rupfen, braten;
b) weibliche Gans: c) svw. T Gänsebraten: am Martinstag
gibt es G. 2. (ugs. abwertend) unerfahrene, junge weibliche
Person: ich dumme G. ... hab' immer geglaubt, du wartest
auf einen Brief (Werfel. Himmel 97); die albernen Gänse
kicherten immerzu; sie ist noch ein Gänschen; (auch als
Schimpfwort:) blöde, dumme G.!
G$ns- (südd., österr. für TGänse-): -braten, der; -leber,
die, dazu: -leberpastete. die.
Gänschen ['gens^dn]. das; -s. -: tGans.
G$nse-: -bauch, der: wattiertes Bauchpolster der männlichen
Kleidermode der zweiten Hälfte des lö.Jh.s; ^München,
das [vermutlich nach einem Vergleich des weißen u. gelben
Blütenkopfes mit dem weißen Gefieder u. dem gelben
Schnabel der Gans]: a) auf Wiesen in großer Zahl fast
das ganze Jahr hindurch blühende kleine Blume mit einem
Kranz von weißen, rosageränderten Blütenblättern: b) (ugs.
scherzhaft) Mädchen: -braten, der; -brüst, die (Kochk.):
Bruststück der gebratenen Gans, häufig auch gepökelt u.
geräuchert als Delikatesse: -distel, die: volkst. Bez. für
verschiedene Pflanzen, u. a. für die Endivie. die früher auch
als Mastfutter für Gänse verwendet wurde: ^ei, das; -feder,
die; -fett, das; -fingerkraut, das [vermutlich nach dem
langen, biegsamen Stengel der Pflanze, der an den Hals
der Gans erinnert]: Kraut mit gefiederten, auf der Unterseite
weißen u. seidenhaarigen Blättern u. gelben Blüten,
Volksheilmittel: Gänserich (2); -fleisch, das: -füßchen, das [aus
der Druckerspr.; vermutlich nach dem Abdruck des
Gänsefußes, H.u.] (ugs.): svw. t Anführungszeichen; -geier. der:
Geier mit braunschwarzen Flügeln u. Schwanzfedern u.
langem, fast unbefiedertem, gänseartigem Hals mit dichter
weißer Halskrause: -hahn, der (landsch.J: svw. tGänserich
(1); -hab, der; -haut, die: [nach der Ähnlichkeit mit der
Haut einer gerupften Gans]: durch Kältereiz od. durch
psychische Faktoren (Schreck, Angst) bewirkte
Veränderung des Aussehens der Haut, auf der die Haarbälge
hervortreten u. die Haare sich aufrichten: eine G. bekommen,
kriegen; * jmdm. läuft eine G. über den Rücken; etw.
verursacht jmdm. eine G. (ugs.; etw. läßt jmdn. [vor Angst.
Entsetzen! schaudern), dazu: -hautproduzent. der (ugs.
scherzhaft): Hersteller eines Gruselfilms od. Verfasser eines
spannenden Kriminalromans, -hautstreifen, der (ugs.
scherzh.): Gruselfilm: ^hirt, der; -keule, die; ^kiel, der:
früher als Schreibfeder benutzte Schwungfeder von Gänsen:
-klein, das; -s [subst. Form des Adj. ..klein"]: 1. Hals,
Kopf, Flügel u. Innereien einer geschlachteten Gans. 2.
Gericht aus Gänseklein (1); -kraut, das: Kraut mit zweifach
gefiederten Blättern u. kleinen weißen Blütenköpfen, dessen
kleingehackte Blätter als Futter für junge Gänse u. anderes
Geflügel verwendet wurden: -kresse, die: ein Polster bildende
krautige Pflanze mit verschiedenfarbigen (weißen, rötlichen,
bläulichen u. gelben), traubenförmigen Blüten: -leber, die,
dazu: -leberpastete, die; -marsch, der <o. PI.) meist in
der Fügung im G. (einer hinter dem anderen gehend):
Schweigend trotten wir im G. hintereinander her (Re-
marque. Westen 57), dazu: -marechtraining, das
(Leichtathletik); -schlegel.der (landsch.): svw. Nkeule; -schmalz,
das: ausgelassenes Gänsefett: -stall, der; -vogel. der <meist
PI.): mit ausgestrecktem Hals fliegender, vorwiegend an
od. auf Gewässern lebender großer Vogel: -wein, der <o.
PI.) [zuerst bei Joh. Fischart (1546-1590). in dessen ..Poda-
grammisch Trostbüchlein" das Wasser der den Gänsen
von Gott gegebene Wein ist] (ugs. scherzh.): Wasser.
Ganser[ganzB], der; -s, - [mhd. ganze.ahd. ganzo. ganzzo]
(südd.. österr.): svw. tGänserich; Gänserich ['gEnzaru;].
der; -s. -efvgl. Enterich]: 1.männliche Gatts. 2. svw. tGänse-
fingerkraut; Gansliunge ['ganz}-], das; -n (österr.): svw.
t Gänseklein.
Gant [gant]. die: -. -en [mhd. gant < afrz. engnant
< ital. incanto < (m)lat. in quantum = wieviel? zu
welchem Preis? = Ruf des Versteigerers] (Schweiz., sonst
veraltet): 1. öffentliche Versteigerung. 2. (in Graubünden)
Kottkurs: ganten fgantn] <sw. V.; hat) (Schweiz., sonst
veraltet): versteigern.
Ganter ['gante], der; -s. - [vgl. Ganser] (nordd.): svw. t
Gänserich (1).
Ganymed [gany'me:t, auch: ' ]. der; -s. -e [nach dem
Mundschenk des Zeus in der griech. Mythologie] (selten):
junger Diener. Kellner.
ganz [gants] <Adj.; o. Steig.) /vgl. ' ^Ganze/ [mhd.. ahd.
ganz = heil, unversehrt: vollständig; vollkommen; H.u.]:
1. <nicht präd.)a) <hochspr. nur bei Subst. im Sg.) alle/s]
ohne Rest, ohne Ausnahme: gesamt: vollständig, völlig: die
-e Arbeit; das -e Haus; die -e Familie; die -e Zeit über;
was habt ihr so gemacht den -en Krieg? (Bieler.
Mädchenkrieg 234); das war nicht die -e Wahrheit; <ugs. auch
bei Subst. im Pl.:> die -en (alle) Kinder, Häuser; <indekl.
bei geographischen Namen o. Art.:) g. Mannheim, in
g. Europa; etw. g. aufessen: etw. g. vergessen, g. allein
machen; das ist g. (völlig) meine Meinung; sie ist g. die
Mutter/(ugs.:) die -e Mutter (ist ihrer Mutter in Aussehen
u. Wesen sehr älmlich): das ist etwas g. anderes (das ist
nicht vergleichbar): wir brauchen für die Arbelt einen -en
Mann (jmdn.. der seine Arbeitskraft voll einsetzt): er ist
ein -er Kerl (ugs.; jmd.. der sich in allen Lebenslagen
zurechtfindet u. auf den man sich verlassen kann): er hat -e Arbeit
geleistet (so gearbeitet, daß nichts zu beanstanden ist u.
auch nichts mehr an Arbeit übriggeblieben ist): (iron. auf
Negatives bezogen:) die Flieger haben -e Arbeit geleistet,
in dieser Straße ist kein Haus stehengeblieben; das ist
schon das -e Geheimnis (mehr verbirgt sich nicht dahinter:
die Handhabung o.a. ist gar nicht so kompliziert, wie es
erst geschienen hat): er war g. Würde (verhielt sich sehr
würdevoll): b) (alsunbest. Zahladj) vollständig,
abgeschlossen, ungeteilt: eine -e Drehung; -e Zahl (Ggs.: Bruchzahl);
wir haben drei -e Flaschen Wein und noch eine halbe
937
ganz-, Ganz-
getrunken; *g. und gar (nachdrückt.; völlig): er hat g.
u. g. versagt; g. und gar nicht (nachdrückl.; überhaupt
nicht): das gefällt mir g. u. g. nicht; im ganzen (1. insgesamt:
er war im g. dreimal hier. 2. alles, alle Einzelaspekte
zusammengenommen im g. [gesehen] war die Sache ein Erfolg).
2.a) (einschränkend bei Adj.) ziemlich, einigermaßen: das
Wetter war g. schön; es gefällt mir g. gut; das ist mir
nicht g. unbekannt (ich weiß etwas, ein wenig davon):
b) (verstärkend bei Adj.) sehr: überaus: ein g. kleiner Rest;
er war g. begeistert; du hast g. recht; (ugs.:) Ich möchte
g. viel Geld haben (Hörzu 16, 1976. 10). 3. (nur attr.)
(ugs.) ziemlich (viel), ziemlich (groß): eine -e Menge; es
dauerte eine -e Weile. 4. <in Verbindung mit einer Kardi-
nalz.) (ugs.) nicht mehr als: nur: bloß: das Buch hat -e
fünf Mark gekostet; Das ... Redaktionsteam besteht aus
-en vierzehn Leuten (Spiegel 7, 1976, 152). 5. (ugs.)
unbeschädigt, unversehrt, heil (Ggs.: entzwei): er hat nur ein
-es Paar Schuhe; etw. wieder g. machen; bei der Explosion
ist keine Fensterscheibe g. geblieben.
ggnz-.G^nz-: -aufnähme, die: svw. t-bild; -band, der <PI.
-bände) (Buchw.): Bucheinband, der ganz mit einem
Material (z. B. Leinen, Leder) bezogen ist: -bild, das: Fotografie,
die einen Menschen in ganzer Figur zeigt: abrief, der
(Postw., Philat.): Briefumschlag mit aufgeklebter Marke,
der als vollständig erhaltene Sache gesammelt wird: -figur,
die: Der Atlant ist als männliche G. gebildet, die das
... Gebälk ... auch mit Händen trägt (Bild. Kunst 3, 52);
-figurig <Adj.; o. Steig.): die menschliche Figur. Gestalt in
ihrer ganzen Größe darstellend: das Charakteristikum der
Bilder sind -e Darstellungen antiker Kämpfer; -foto. das:
svw. t-bild: Ihr braucht für die Teenwahl ein G. (Bravo
29, 1976,5); -glastür, die (Bauw.): / Eingangs] tür. die ganz
aus Glas besteht: -holz, das: svw. t Vollholz; -jahresreifen,
der: Reifen für Kraftfahrzeuge (bes. für Pkw), der auf
Grund seines Profils bei allen wäfimul eines Jahres
auftretenden Straßenzustätiden sichere Bo<letü\aftung gewährleistet:
-jährig (Adj.; o. Steig.; nicht präd.): während des ganzen
Jahres /bestehend o.a.]: die -e Regenzeit; das Hotel ist
g. geöffnet; -körperbestrahlung die (Med.): Bestra/dung
des gesamten menschlichen Körpers, bes. mit
Röntgenstrahlen: -körperzähler, der (Med.): Gerät, mit dem die aus
dem menschlichen Körper austretenden radioaktiven
Strahlungen gemessen werden: -leder, das (Buchw.): die Ausgabe
ist in G. (in Leder gebunden) lieferbar, dazu: -lederband
der <P1. -bände) (Buchw.): in Leder gebundenes Buch, -le-
dem <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (Buchw.): ganz aus Leder
/bestehend/: -leinen<Adj.;o. Steig.; nicht adv.): I, (Textil-
ind.) aus reinem Leinen bestehend/: -e Tischwäsche. 2.
(Buchw.) ganz aus Leinen /bestehend/: ein -er Einband;
-leinen, das: 1. (Textilind.) ganz aus Leinen bestehetules
Gewebe: reines leinen: bei dem Material für die Wäsche
handelt es sich um G. 2. (Buchw.) die Ausgabe ist in
G. (in Leinen gebunden) lieferbar, zu 2: -leinenband,
der <P1. -bände): in Leinen gebundenes Buch: ^massage,
die: den ganzen Körper wnfassende Massage:
-metallbauweise, die: bes. im Flugzeugbau angewendete Bauweise, bei
der überwiegend metallische Werkstoffe für alle tragenden
Teile der Konstruktion verwendet werden: -Packung, die:
den ganzen Körper umschließende. Heilzwecken dienende
Packung: -papierband, der (PI. -bände) (Buchw): Buch,
dessen Einbanddecke ganz aus Papier besteht: -porträt,
das: Porträt, das eine Person in ganzer Figur zeigt: -randig
<Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (Bot.): (von Blättern) mit
glattem (nicht gekerbtem, gezähntem o.a.) Rand: -sache,
die (Postw.. Philat.): Postkarte (Briefumschlag u.a.) mit
eingedruckter Marke, die nur als Ganzes Sammlerwert hat:
-satzmethode, die <o. PI.) (Päd.): Methode des
Lesenlernens, bei der von ganzen Sätzen, nicht von Buchstaben od.
Wörtern ausgegangen wird: -Schluß, der (Musik): Kadenz
(1), die mit der t Tonika auf betontem Taktteil schließt:
-seiden <Adj.; o. Steig.: nicht adv.) (selten): svw. T
reinseiden; -seitig (Adj.; o. Steig.; nicht adv.): eine ganze
Buchseite o. ä. einnehmend: eine -e Abbildung; -stoff, der
(Papierherstellung): vollständige Zusammenstellung der
Bestandteile einer anzufertigenden Papiersorte, dazu: -Stoffholländer,
der: vgl. Holländer (4); -tägig <Adj.; o. Steig.; nicht präd.):
sich über den ganzen Tag erstrecket^; wä/irend des ganzen
Tages: g. arbeiten; -tags <Adv.): den ganzen Tag über:
einen ganzen Arbeitstag lang: sie arbeitet jetzt wieder g.;
-tagsarbeit, -tagsbeschäftigung, die <o. PL); -tagsschule.
die: Schule, in der die Schüler vormittags u. nachmittags
unterrichtet werden / u. in der sie mittags eine Maidzeit
einnehmen können]: -tagsunterricht, der; -ton, der <PI.
-töne) (Musik): zwei Halbtöne umfassendes Intervall: gro/Je
Sekunde, dazu: -tonleiter, die (Musik): Tonleiter, die nur
aus Ganztönen besteht: -wollen <Adj.; o. Steig.; nicht adv.)
(selten): svw. Treinwollen; -wortmethode, die <o. PI.)
(Päd.): Methode des Lesenlernens, bei der von ganzen
Wörtern, nicht von Buchstaben od. Sätzen ausgegangen wird:
-wortsystem, das <o. PI.) (Päd.): vgl. T-wortmethode:
Beim Lesenlernen hatte ich die größten Schwierigkeiten.
Das G. war für mich ein großes Ratespiel (Kempowski,
Immer 36); -zahlig <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (Math):
aus einer ganzen Zahl /bestehend/: eine -e Zahl, dazu:
-zahligkeit. die; -; -zeug, das: svw. t-Stoff.
'Ganze [gantjö]. der; -n. -n [Subst. zu Tganz] (Studen-
tenspr.): ein volles Glas Bier: *jmdm. einen -n vorkommen
(jmdm. mit einem -n zutrinken): ^Ganze [-1. das; -n [Subst.
zu tganz]: 1. etw.. was eine natürliche Einheit bildet od.
was als Ein/ieit gesehen wird: die Teile des komplexen
Bauwerkes bilden ein harmonisches -s; man muß bei der
Beurteilung das [große] G. im Auge behalten; etw. ais
-es (in seiner Ganzheit) betrachten; aufs G. gesehen (von
einem übergeordneten Gesichtspunkt aus betrachtet), war
die Sache ein Erfolg. 2. die ganze Sache. Angelegenixeit:
alles: das G. war ein großer Bluff; das G. hat keinen
Sinn; * nichts -es und nichts Halbes sein (seltener für: nichts
Halbes und nichts -es sein; thalb 2a); aufs G. gehen (ugs.;
entschlossen u. ohne Umwege so auf sein Ziel losgehen,
daß die Sache, um die es geht, sich entscheiden muß)', es
geht ums G. (es steht alles auf dem Spiel, geht um Sieg
ml. Niederlage): bei diesem Wettkampf geht es ums G.;
Gänze ['gentsal nur in den Fügungen in seiner/ihrer G.
(geh.; in seinerIihrer Ganzheit. Vollständigkeit: in
seinem!ihrem ganzen Umjung): BetteIbewegungen ..., die, in ihrer
G. vererbt, ... Merkmale der Art sind (Lorenz, Verhalten
I. 191); zurG. (bes. österr.; vollständig, ganz): Man müsse
... die Möglichkeiten zu sachlichen Verhandlungen zur
G. ausschöpfen (Presse 15. 10. 68. 1); Ganzheit, die; -.
-en <P1. selten) [mhd. ganzheit]: das Ganzsein.
Ungeteiltsein: aus zusammengehörigen Teilen bestehende Einheit:
Geschlossenheit: die Formulierung der Sonderstellung des
Humanen und seiner eigenartigen G. von Geist und Leben
(Natur 26); etw. in seiner G. (als Ganzes) erfassen; <Abl.:)
ganzheitlich <Adj.; o. Steig.): von einem methodischen
Ganzheitsbegriff ausgehend: auf eine Ganzheit bezogen: über
einzelne Fächer o.a. hinausgreifend u. so einen größeren
Zusammen/iang darstellend: eine -e Betrachtungsweise; -er
Unterricht (Päd.; eine Unterrichtsmethode, die der
Ungeteiltheit der Lebens- u. Erlebnisvorgänge in der Darbietung
des Lehrstoffes Rechnung zu tragen sucht): sie (= die
Forstwissenschaft) vermochte noch nicht g. zu denken (Mantel.
Wald 94), dazu: G^nzheitlichkeit, die: -.
Ganzheit*-: -begriff, der: begriffliche Fassung der
Vorstellung von Ganzheit: -betraehtung, die <o. PI.): Diese ...
G. ... wird ... den Kernpunkt der Methodik der
Forstwissenschaft bilden (Mantel, Wald 89); -erziehung, die; -me-
dizin, die <o. PI.): Richtung der Medizin, die den Kranken
in seiner leib-seelisehen Gesamtverfassung zu erfassen u.
zu behandeln sucht: vgl. Psychosomatik; -methode, die:
vgl. Ganzsatzmethode, Ganzwortmethode; -Psychologie,
die: Richtung der Psychologie, die eine ganzheitliche
Betrachtungsweise aller seelischen Vorgänge zu ihrem Prinzip
erhoben hat: -Unterricht, der: svw. t ganzheit licher
Unterricht,
ganzlich[gentsli^l(Adj.;o. Steig.; nicht präd.) [mhd. genz-
lich. ganzlich] (verstärkend): völlig, ganz: ein -er Mangel
an Bereitschaft; etw. fehlt g.; er war g. ungerührt; eine
ihr g. fremde Person.
*gar[ga:ß]<Adj.;o.Steig.)[mhd. gar,ahd. garo =
bereitgemacht), gerüstet; vollständig, ganz]: 1. (von bestimmten
Nahrungsmitteln) fertiggekocht, (seltener:) -gebraten od.
-gebacken: das -e Fleisch vom Knochen ablösen; die
Kartoffeln sind noch nicht, sind erst halb g.; die Suppe auf
kleiner Flamme g. kochen; der Dampf macht das Fleisch
schneller g.; das Fleisch ist g. gekocht. 2. (nicht adv.)
(Landw.) (vom Ackerboden) in dem für eine Bestellung
günstigsten Zustand (Ggs.: ungar): der Boden ist g. 3.
(nur präd.) (südd.. österr. ugs.) aufgebraucht, aufgezehrt:
unser Geld war g.; die Vorräte werden bald g. sein.
938
Gargonniäre
*gar[-] <Adv.>: 1. (verstärkend bei Verneinungen) überhaupt:
g. nicht[s]; g. kein; Eine Sache, wie sie wohl nur hierzulande
und sonst schon g. nirgends passieren kann
(Kronen-Zeitung 15. 12. 67, 4); warum nicht g.? 2. als verstärkende
Partikel: a) in Verbindung mit „zu" od. „so": die Sache
ist g. zu (allzu) kompliziert; sie ist g. so (überaus) zart;
b) (veraltend) sehr: g. bald war er vergessen; c) f vielleicht,
womöglich/ sogar: erwiesen sich die ... Pläne einer
europäischen oder g. einer Weltwährung als politische Utopien
(Fraenkel. Staat 364); Wir standen ... in der Front des
ideologischen Kampfes, wo nicht g. der Straßen- und
Saalschlachten (Kantorowicz. Tagebuch 1, 30); *lch glaube
g.! (Ausruf der Entrüstung über jmds. Verhalten o.a.):
Wie kommst du dazu, dir das Buch anzueignen? Ich glaube
g.!; d) erst (3): Aber g. diese Habenichtse und Taugenichtse
... (Hacks. Stücke 138).
i»r-. Gar ('gar): -brand, der: der letzte Brand (2) bei der
Herstellung keramischer Erzeugnisse: -gekocht <Adj.; o.
Steig.; nur attr.>: -es Fleisch; vgl. kochen; -koch, der:
vgl. ^küche; -küche. die: 1. einfache Speisewirtschaft. 2.
(Gastr.) Küche einer einfachen Speisewirtschaft od. Kantine:
^zeit. die (Kochk.): Zeit, die eine Speise braucht, bis sie
gar ist.
Gär- ['ge:?-l (vgl. auch: gärungs-, Gärungs-): -faß, das:
Faß, in das Maische zum Gären eingelagert wird: ^futter,
das (Landw.): im Silo als Vorrat eingesäuertes pflanzliches
Futter: ^gut. das: vgl. Maische; -mittel das: Mittel, durch
das ein Gärprozeß eingeleitet wird: ^prozeß. der: Vorgang
des Garens (1). bei dem eine chemische Veränderung
stattfindet: ^spund. der: Pfropfen mit einer Öffnung zum
Verschließen von Gärfässern, durch den das beim Gärprozeß
entstehende Kohlendioxyd entweichen kann, ohne daß die äußere
Luft zum Gärgut gelangt: ^stoff. der: Gärung erzeugender
Stoff: ^temperetur. die: beim Gärprozeß entstehende
gemessene Wärme.
Garage [ga'ra:33. österr.: ga'ra.'sl. die: -. -n [frz. garage.
zu: garer = in sichere Verwahrung bringen, aus dem
Germ., verw. mit t wahren): 1. Einstellraum für
Kraftfahrzeuge l im Erdgeschoß od. Souterrain eines Hauses/: das
Auto aus der G. holen, in die G. fahren, bringen, stellen.
2. (selten) svw. t Autowerkstatt: daß er eine große G.
übernahm, die ihn zweifellos besser ernähren wird als eine
zahnärztliche Praxis (Frankenberg, Fahrer 11).
Garagen- (Garage 1): -besitzer, der; -einfahrt, die: Einfahrt
in eine Garage: -fahrzeug. das: svw. K wagen; ^tor. das:
Tor einer Garage: -wagen, der: Personenkraftwagen, der
immer in der Garage geparkt wird u. dadurch mutmaßlich
weniger Schäden durch Witterungseinflüsse aufweist als ein
im Freien geparktes Falirzeug: gepfl. G. ... wegen läng.
Auslandsreise zu verkaufen (Auto 6, 1965, 78).
garagieren [gara'3i:ren] <sw. V.; hat) [zu tGarage (1)1
(österr., Schweiz.): (ein Kraftfahrzeug) in die Garage
einstellen: er hat seinen Wagen in einer Hochgarage garagiert;
Garagist [garajist], der; -en, -en [zu tGarage (2)1 (bes.
Schweiz.): Besitzer. Pächter einer Autoreparaturwerkstätte:
Ein ... G., der neben den ... üblichen Prüfgeräten auch
einen Rollprüfstand ... im Betrieb hat (Auto 8, 1965. 2).
Garamond [gara'mö:]. die; - [nach dem frz. Stempelschneider
C. Garamond (148Q-1561)]: eine moderne
Antiquadruckschrift (Kopie einer alten Antiquadruekschrift Garamonds).
Vgl. Garmond.
Garant [ga'rant], der; -en. -en [frz. garant < afrz. g(u)arant.
warant < afränk. *werend (1. Part.; vgl. ahd. weren =
gewährleisten): eine Person. Institution o.a.. die (durch
ihr Ansehen) Gewähr für die Sicherung. Erhaltung o.a.
von etw. bietet: der Völkerbund war also der G. des
staatsrechtlichen Status (Dönhoff, Ära 80); Schiffe allein waren
die -en für das Wohl der Völker (Edschmid, Liebesengel
26); Garantie [garanti:], die; -. -n [...i:an; frz. garantiel:
l.a) Gewähr. Sicherheit: der Einsatz ist keine G. für einen
Erfolg; für die Richtigkeit der Angaben können wir keine
G. übernehmen; daß da etwas nicht stimmt, daraufgebe
ich dir meine G. (ugs.; das steht für mich außer Zweifel)'.
ich glaube, er kommt heute, aber ohne G. (ugs.; ganz
genau weiß ich es nicht): wenn du dich nicht beeilst, kommst
du unter G. (ugs.; ganz bestimmt, mit Sicherheit): zu spät;
b) (Kaufmannsspr.) vom Hersteller schriftlich gegebene
Zusicherung, innerhalb eines bestimmten begrenzten Zeitraums
auftretende Defekte an einem gekauften Gegenstand
kostenlos zu beheben: die G. auf. für das Gerät ist abgelaufen;
die Uhr hat ein Jahr G.; das Werk gibt, leistet [eine]
G.; die Reparatur geht noch auf G.. fällt noch unter
die G. 2.a) <häufig PI.) einen bestimmten Sachverhalt
betreffende verbindliche Zusage. / vertraglich festgelegte/
Sicherheit: daß -n für die Lebensfähigkeit Berlins gegeben
werden (Dönhoff, Ära 86); -n gegen
Freiheitsbeschränkungen; daß beide Seiten gewisse -n über ... das Verhalten
Gesamtdeutschlands wünschen (Dönhoff. Ära 94); eine
G. der Zufahrtswege nach Berlin; b) (Bankw.)
Haftungsbetrag. Sicherheit. Bürgschaft (1).
Garantie-: ^ansprach, der: aus einer Garantie (1 b)
erwachsender Anspruch: ^bezeichnung, die: zum Schutz vor
Täuschungen im Weinhandel auf den Flaschenetiketten
angebrachte Kennzeichnung (z. B. die amtliche Prüfnummer);
Verklärung, die; -frist, die; -gesdiäft, das: ein in der
Übernahme von Garantien (2 b), Bürgschaften (1) o. ä.
bestehendes Bankgeschäft: -lohn, der: (bes. im Gaststättengewerbe
üblicher) garantierter Mindestlohn: -schein, der: einer
Ware beigepackter od. dem Käufer ausgehändigter Schein, der
eine Garantie (1 b) zusichert: -zeit, die.
garantieren [garan'ti:n>n] <sw. V.; hat) /vgl. garantiert/ [frz.
garantir, zu TGarantiel: a) (durch Versprechen) fest
zusichern, zusagen: ümdm.J ein festes Einkommen, geregelte
Freizeit g.; ich garantiere dir, das wird eine großartige
Sache (ugs.; ich bin sicher, bin fest davon überzeugt, daß
...); b) gewährleisten, sicherstellen, sichern: die Verfassung
garantiert die Rechte der Bürger; Die Ölquellen erschließen
Reichtum nur dann, wenn der stetige Verkauf des Öls
garantiert ist (Dönhoff, Ära 169); c) die Garantie (1)
übernehmen, sich verbürgen: wir garantieren für die Qualität
der Ware; Sie ... versicherte, dafür g. zu können, daß
ich ... aufgenommen würde (Niekisch, Leben 379);
garantiert [garan'ti:stj <Adv.> (ugs.): mit Sicherheit, bestimmt:
Immer nur die eigene Visage sehen, das macht g. blöd
auf die Dauer (Plenzdorf. Leiden 66).
Garaus ['ga:£|aus; hervorgegangen aus dem Ruf ..gar aus!"
= vollständig aus. mit dem seit dem 15. Jh. in
Süddeutschland die Polizeistunde geboten wurde]: 1. in der Wendung
jmdm. den G. machen (meist ugs. scherzh.; jmdn. töten,
umbringen): sie wollten ihm den G. machen; er hatte keine
Ruhe, bis er der Fliege den G. gemacht hatte; Ü Dem
Klischee vom fröhlichen Zupfgeigenhansl wird der G.
gemacht (es wird endgültig beseitigt, abgeschafft: Hörzu 41,
1974. 66). 2. der; -. - [vermutlich so benannt, weil die
Pflanze als Halbschmarotzer den Gräsern ihrer Umgebung
anorganische Salze entzieht u. ihnen so ..den Garaus
macht'1]: Kraut mit eiförmigen, am Rande gezähnten
Blättern u. ä/irenartigen weißen od. bläulichen Blüten.
'Garbe [garte], die; -. -n [mhd. garbe. ahd. garba. eigtl.
= ZusammengegrifTenes. Hand-. Armvoll]: I. (bei der
Ernte) gebündelte u. zum Aufstellen zusammengebundene
Menge geschnittener Getreidehalme: Getreidegarbe: -n
binden; Ü (geh.:) eine G. von Sonnenstrahlen brach durch
die Wolken. 2. Serie von schnell abgefeuerten Geschossen
in kegelförmiger Streuung: Geschoßgarbe: Das Absetzen
der Jäger ... ging... in -n schweren Maschinengewehrfeuers
vor sich (Plievier. Stalingrad 208).
^Garbe [-]. die; -, -n: svw. TSchafgarbe.
Garben- ('Garbe): -band, das <P1. ...bänder): /aus Stroh
od. aus einer Weidengerte geflochtenes] Band, mit dem
die Getreidegarben zusammengebunden werden: ^bindema-
schine. die: landwirtschaftliche Maschine, die mit der
Mähmaschine gekoppelt ist u. das gemähte Getreide sofort nach
dem Schnitt zu Garben bindet: Mähbinder: -binder, der:
svw. T^bindemaschine; -bündel, das: svw. t'Garbe (1):
-schiefer, der (Mineral.): durch Kontaktmetamorphose
entstandenes Schiefergestein mit garbenförmigen Neubildungen
größerer Kristalle.
Gar^on [gar'sfl:], der: -s, -s [frz. gar9on, aus dem Germ.]:
I. (bildungsspr. veraltend) Kellner: Nabokov ... empfing
uns im Leseraum seines „Wohn'-Hotels und ließ sogleich
vom G. Scotch auftragen (MM 22. 4. 69, 24). 2. (veraltet)
junger Mann: Junggeselle: Gar^onne [gar'son], die; -. -n
[frz. gar9onne]: 1. (bildungsspr. veraltet) ledige Frau.
Junggesellin: knabenhafter Mädchentyp. 2. <o. PI.) knabenhafte
Mode um 1925 u. wieder um 1950: Gar^onniere [gar-
sD'ni£:r], die; -. -n [frz. gar^onniere = Mädchenzimmer,
auch: Wohnung eines Junggesellen od. einer Junggesellini
(österr.): Einzimmerwohnung: Suche Kleinwohnung oder
G. gegen Baukostenzuschuß (Sonntagspost 3. 12. 67. 12).
939
Garde
Garde ['gante], die; -. -n [(a)frz. garde. zu: garder =
schützen, bewachen, aus dem Germ., vgl. dt. warten. Warte):
I . a) (Milit. früher) eine Elitetruppe; b) meist mit bes. färben-
prächtigen Uniformen ausgestattetes Regiment für den
persönlichen Schutz eines Monarchen; Leibgarde: vor dem
Schloß ist die königliche G. aufgezogen. 2. Gruppe von
Menschen, die eine gemeinsame Aufgabe erfüllen, an der
gleichen Sache arbeiten o.a.; er hat sich mit einer G. von
Helfern umgeben; dieG. unserer... verdienstvollen
Kriegsberichterstatter (Kirst, 08/15. 954); Der Professor gehört
zu der jungen G. der 30- und 40jährigen (Welt 20. 3.
65, 3); er gehört zur alten G. in diesem Betrieb (zu einer
Gruppe von Mitarbeitern, die in langer Zusammenarbeit
eine große Erfa/irung gewonnen haben, auf die der
Unternehmer bauen kann); *noch von/noch einer von der alten G.
sein (ein Mensch von verläßlicher* am Alten festhaltender
Denkungsart sein): das ist noch einer/der ist noch von
der alten G. 3. kurz für t Fastnachtsgarde: die G. marschiert
in den Saal.
Garde-: -dukorps [gardtaklyko:^]. das; - [frz. garde du
corps = Leibwache; t Korps]: I. Leibgarde eines
Monarchen. 2. (früher) in Potsdam stationiertes
Gardekavallerieregiment; -korps, das: aus Garden (la) gebildete Truppe;
-manger [gard(a)mä'3e:]. der; -s. -s [frz. garde-manger =
Speisekammer]: 1. (Gastr.) Koch, der für die Herstellung
kalter Speisen zustätulig ist. 2. (veraltet) Schrank zum
Aufbewahren von Lebensmitteln; Speisekammer; -maß, das
<o. PI.) (scherzh.): stattliche Körpergröße (wie sie von Gar-
desoldaten verlangt wurde): ein Mann, eine Frau mit G.:
-offizier, der:... die Allüren des lebensfrohen -s (Niekisch.
Leben 173): -regünent, das; -soldat, der.
Gardenie [gar de:np], die; -. -n [nach dem schott. Botaniker
A. Garden (1730[?H 791)]: vorwiegend in den Tropen
beheimateter, artenreicher immergrüner Strauch od. Baum mit
lederartigen Blättern u. großen, duftenden, gelben od. weißen
Blüten.
Gardenparty [ga:dn'pa:ti]. die; -. ...ies [engl, garden party]:
t Gartenparty.
Garderobe [ganb'ro:to]. die; -. -n [frz. garde-robe. eigtl.
= Kleiderverwahrung, zu: garder = bewachen (tGarde)
u. robe = festl. Kleidung. tRobe]: 1. <o. PI.) /gesamte;
Oberbekleidung, diejmd. besitzt od. gerade trägt: für diesen
festlichen Anlaß fehlt ihr die passende G.; er besitzt wenig
G.; neue G. kaufen; seine G. pflegen; wir haften nicht
für die G. der Gäste (für Mäntel. Hüte o.a.. die an der
Garderobe (2) abgelegt wurden). 2.a) kurz für
tFlurgarderobe: Hut und Mantel an die G. hängen; b) kleiner Raum.
Nische o.a., die zum Ablegen der Mäntel usw. vorgesehen
ist: Nach rechts erweiterte sich der Vorraum zu einer
schmalen G. (Roehler. Würde 83). 3. abgeteilter Raum,
meist im Foyer od. in der Eingangshalle des Theaters, wo
die Besucher ihre Mäntel für die Dauer der Vorstellung
abgeben; Theatergarderobe: die Mäntel an der G. abgeben:
die G. (die Aufbewahrung der Garderobe) kostet 50 Pfennig.
4. Ankleideraum eines Künstlers im Theater: Nach siebzehn
Vorhängen warteten ... Studienrat Brunies und ich vor
Jennys G. (Grass. Hundejahre 280).
Garderobe-, (häufiger:) Garderoben-: -frau, die: Frau, die
an der Theatergarderobe die Mäntel usw. der Besucher in
Empfang nimmt; -tauten, der: an der Wand o. ä.
angebrachter Haken, an den man Mäntel, Hüte u. a. hängt; -marke,
die: Marke mit Nummer, die der Besucher beim Abgeben
seines Mantels o. ä. an der Garderobe (3) erhält; -schrank,
der; -Spiegel, der; -Ständer, der: Gestell mit zahlreichen
Haken zum Aufhängen, Ablegen von Mänteln, Hüten u. a.
Garderobier [gardsro'bie:]. der; -s. -s [zu T Garderobe]
(Theater): männliche Person, die die Aufgabe hat, einem Künstler
beim Ankleiden usw. zu helfen, u. die für die Pflege der
Kostüme verantwortlich ist (Berufsbez.): Zum G. Bock,
zur Souffleuse Efeu ... pflegte Hans Miklas sich ... zu
setzen (K. Mann. Mephisto 45); Garderobiere [...'bie:re,
...'bie:ra].dic; -. -n [zu tGarderobe]: 1. w. Form zu TGarde-
robier. 2. (veraltend) svw. tGarderobenfrau: Die G. hielt
ihr die Hand hin (Bieler, Mädchenkrieg 333); gardez!
[garde:; frz. = schützen Sie (Ihre Dame)!, zu: garder =
schützen, behüten (TGarde)]: ein (von Laien bei privaten
Schachpartien manchmal verwendeter) höflicher Hinweis
für den Gegner, daß seine Dame geschlagen werden kann.
Gardine [gar'di:na]. die; -. -n [aus dem Niederd. < niederl.
gordijn. urspr. = Bettvorhang < frz. courtine < kirchen-
lat. cortina = Vorhang, zu lat. cors. cohors (Gen.: cortis.
cohortis) < griech. chörtos = Einzäunung. Hofraum):
im Innern des Zimmers an Fenstern angebrachter Vorhang
aus hellem, meist durchsichtigem Gewebe, der dazu dient,
die Einsicht zu verwehren: -n aufhängen, aufmachen,
abnehmen, spannen, zuziehen; sie haben noch keine -n vorm
Fenster; * hinter schwedischen -n (ugs. scherzh.; im
Gefängnis; aus der Gaunerspr.. „Gardinen" stehen ironisch für
die Gitterstabe; das Attribut ..schwedisch4' deutet
möglicherweise auf die Grausamkeiten der Schweden im
Dreißigjährigen Krieg hin od. aber auf eine Beschaffenheit
der Gefängnisgitter aus schwedischem Stahl): er hat drei
Jahre hinter schwedischen -n gesessen, zugebracht.
Gardinen-: -bett, das: Bett, das wie ein Himmelbett
angefertigt ist u. zusätzlich an seinen Seiten u. am Fußende Gardinen
hat. die zugezogen werden können; -feuer, das (Milit.):
Feuer (4) vor der eigenen Frontlinie zur Abwehr feindlicher
Angriffe; -leiste, die: an der Decke oder über dem Fenster
angebrachte Leiste mit einer od. mehreren Laufschienen
oder Laufrillen zur Füiirung der Gardinenringe;
Gardinenstange (a); -predigt, die [entspr. niederl. gordijnpreek.
engl, curtain lecture = nächtliche Strafrede, mit der die
Ehefrau den vom Wirtshaus heimkehrenden betrunkenen
Mann hinter dem Bettvorhang empfing] (ugs. scherzh.):
heftige Vorwürfe; Strafpredigt, durch die jmd. einem anderen
seine Verärgerung zu erkennen gibt: Na. und dann die
ganze G.: Anarchismus war das wenigste. Werksegoismus
... und so weiter (Chr. Wolf. Himmel 163); -ring. der.
einer der Ringe, an denen die Gardine aufgehängt wird;
-röllchen, das: eine der in der Laufrille der Gardinenleiste
hin u. her gleitettden kleinen Rollen, an denen die Gardine
befestigt ist u. mit deren Hilfe sie auf- u. zugezogen werden
kamt; -schnür, die: Schnur zum Auf- u. Zuziehen der
Gardine; -Spanner, der: Gestell zum Spannen von Gardinen;
-Stange, die: a) Stange, an der die Gardine aufgehängt
wird: vgl. -leiste: b) Stab, mit dem die Gardine auf- u.
zugezogen werden kann; Schleuderstange; c) Stäbchen zutn
Befestigen von Scheibengardinen; -stofT, der.
GaidisetleCSXgardizEt; Kunstwort], die; -: ein
vollsynthetischer Gardinenstoff
Gardist [gar'dist], der; -en. -en [zu f Garde]: Angehöriger
der Garde (I).
Gare [ga:ra]. die; -: 1. (Kochk.) Zustaml des Garseins. 2.
(Landw.) svw. fBodengare; garen [ga:ron] <sw. V.; hat>
[zu T'gar] (Kochk.): a) gar werden lassen: Fleisch [auf
kleiner Flamme] g.; b) gar werden: etw. lauf kleiner
Flamme] g. lassen; c) (Hüttenwesen) gewonnenes Metall einer
letzten Reinigung unterziehen, um es gießfertig zu machen.
gären [*ge:ran] <st., auch. bes. in übertr. Bcd.: sw. V., [mhd.
gem. unter Einfluß von t 'gar u. den r-Formen des
Präteritums < mhd. jesen. ahd. jesan. eigtl. = „(auOwallen.
sieden, brodeln"]: l.a) sich teilweise (insbes. /schäumend!
unter Bildung von Alkohol od. Milchsäure od. Butter säure)
zersetzen, sich in Gärung befinden <hat/ist>: der Most, das
Bier gärt; der Teig gärte/gor; der Wein hat/ist gegoren/(sel-
tener:) hat/ist gegärt; der Wein ist zu Essig gegoren;
gegorener (durch Gärung verdorbener) Saft; b) zu bestimmten
Zwecken in Gärung bringen <hat>: Bier. Tabak g. 2. in
jmdm. brodeln. Unru/te ! u. Unzufriedenheit j verursachen
<sw. V.; hat): der Haß. die Wut. die Leidenschaft gärt
in ihm; der Aufruhr gärte/(selten:) gor im Volk; <unpers.:>
im Volk, in der Menge gärt es; es gärte in ihm; in der
unterdrückten Bevölkerung hatte es schon lange gegärt,
bevor es zum Aufstand kam; gärende Unzufriedenheit.
gargarisieren [gargari'zi:ren] <sw. V.; hat) [lat. gargarizare
< griech. gargarizein = gurgeln, lautm.] (Med.): gurgeln.
Gargarisma [gargansma]. das; -s. -ta [lat. gargarisma <
griech. gargansma] (Med.): Gurgelmittel.
Gargel 1'gargJ]. der; -s. - [mhd. gargele. gergel < mfrz.,
afrz. gargonille = Abflußrinne < spätlat. gargala. gargila
= Zäpfchen, vermutl. < griech. gargareön = Zäpfchen,
Luftröhre, zu: gargarizein = gurgeln. Tgargarisieren]
(Handw.. Technik): Einschnitt (Nut. Falz) in hölzernen
Faßdauben zum Einsetzen des Faßbodens.
gärig [g£:n(j] <Adj.; o. Steig.) [zu f gären] (veraltet, seilen):
gärend, in Gärung [übergegangen u. daher verdorben,
ungenießbar].
Garigue, Garrigue [garig], die; -. -s [provenz. garriga <
mlat. garrica]: st rauch ige. immergrüne Heide in
Südfrankreich.
940
Garten
Garmond [gar'mö:]. die; - [nach dem frz. Stempelschneider
C. Garamond (1480-1561)] (bes. südd.. österr.): svw.
T 'Korpus. Vgl. Garamond.
Garn [garn]. das; -[e]s, -e [mhd.. ahd. gam. eigtl. = Darm]:
l.a) Faden aus Fasern: feines, dünnes, kräftiges, einfaches,
zwei-, dreifaches, gezwirntesG.; G. ab-, aufspulen, färben;
Flachs zu G. spinnen; b) (Seew.) starker, oft geteerter
Faden zum Vernähen von Segeltuch; c) (Seemannsspr.) (im-
bes. von einem Seemann erzählte) erfundene, phantastische,
phantastisch ausgeschmückte Geschichte (meist in der
Wendung): [s]ein G. spinnen (eine erfundene Geschichte
erzählen): der Steuermann spann sein Garn [weiter]; Und als
Matten sein G. abgespult hatte, äußerte ich ... (Leip.
Klabauterflagge 15). 2. (Jagdw., Fischereiw.) Netz: das
Wild ins G. treiben, locken; *jmdm. ins G. gehen (auf
jmds. List hereinfallen); Die Kriminalpolizei weiß zunächst
gar nicht, welcher Vogel ihr ins G. gegangen ist (wen
sie gefangen hat; Noack. Prozesse 229); Jinda ins G. locken
(durch [An/locken überlisten).
Gfrn-: ^fischer, der: Fischer, der mit einem großen Garn
(2) fischt: ^knäuel, der od. das: -numerierung, die (Textil-
ind.): Angabe der Feinheit. Stärke von Garnen (1), Fasern.
Seilen usw. in Nummern; ^nummer, die: vgl. ^numerierung;
-reuse. die (Fischereiw.; zu f Garn 2); -rolle, die; -spule.
die; -stärke, die; -strähne, die.
Gamasdi [gar'naj], der, -s, -en [mhd. gamasch < afrz.
garnache = mit Pelzen besetztes od. gefuttertes
Kleidungsstück < (m)lat. gaunacum < griech. kaunäke = Pelz
aus dem Fell kleinerer Nagetiere] (veraltet): langes
Oberkleid mit weiten, halblangen Ärmeln, das im 14. Jh. von
Männern getragen wurde.
Garnele [gar'ne.b], die; -. -n [frühnhd. garnad < mniederl.
gheernaert. vermutl. zu mlat. grano = Schnurrbart, nach
den langen, bartähnlichen Fühlern]: meist im Salz*fasser
lebender Krebs mit langen Fühlern u. schlanken, seitlich
abgeflachten, häufig glasartigem durchsichtigem Körper u.
langem, kräftigem Hinterleib mit Schwitnnifüßen u.
Schwanzfächer. Vgl. Krabbe.
Garnelen-: -fanger, der: a) svw. ^fischen b) Fangschiff,
das in der Garnelenfischerei verwendet wird; Krabbenkutter;
-fischer, der; -korb, der: svw. t ^reuse; -kurre, die [t Kur-
re]: das (durch einen Ladebaum auseinandergehaltene) bes.
in der Nordsee zum Fang der Nordseegarnelen verwendete
Grundschleppnetz; -reuse, die: aus Weidengeflecht
gefertigte korbähnliche Vorrichtung zum Garnelenfang.
Ggrnidits, der od. das; -. -e <P1. selten) (abwertend): Mensch.
Wesen ohne irgendeine Bedeutung: Nichts.
Garnier [gar'ni:g]. das; -s (Schiffbau): Boden- u. Seitenver-
kleidung der Laderäume eines Frachtschiffs; Garnierung
(2 b); garnieren [gar'ni.ran] <sw. V.; hat) [(a)frz. gamir.
urspr. = (aus)rüsten. aus dem Germ.]: l.*)etw. verzieren,
schmücken: einen Tisch mit Blumen g.; einen Hut mit
einem Band, mit einer Schleife g.; ein Kleid g.; Ü (spött.:)
Er ... garnierte sein Referat mit technischen Floskeln
(Apilz, Wölfe 116); b) (Gastr.) mit schmückenden,
verzierenden u.lod. würzenden, schmackhaft machenden Zutaten
versehen; eine Fleischplatte mit Petersilie, mit Mayonnaise,
mit verschiedenen Gemüsen g.; Salat mit einer würzigen
Soße g.; eine Torte g. 2. (Schiffbau) mit GarnierIungj
versehen.
Garnierit [gamie'ri:t, auch: ...rit]. der; -s, -e [nach dem
frz. Geologen J. Garnier (1839-1904)]: hellgrünes Mineral,
ein wichtiges Nickelerz.
Garnkrmasse, die; -, -n (Gastr.): Masse zwn Garnieren (1 b);
Gamkrspritze, die; -. -n (Gastr.): Sahne mit der G.
auftragen, verteilen; Garnkrung, die; -. -en: I. das Garnieren
(1). 2. a) das Garnierende; garnierende ZutatfenJ; b)
(Schiffbau) svw. T Garnier.
Garnison [gami'zo:n]. die; -. -en [frz. garnison = Besatzung:
eigtl. = Schutz-. Verteidigungsausrüstung, zu: gamir. t
garnieren]: 1. Standort einer / Besatzungsjtruppe: in G. liegen,
legen, sein. 2, Gesamtheit der an einem Standort
stationierten / Besätzungs/truppen: die G. rückte zum Manöver aus;
eine Stadt mit einer G. belegen; <Abl.:>garnisonieren[...zo-
'ni.ran] <sw. V.; hat) (Milit. veraltend): a) in Garnison
liegen; b) in Garnison legen.
garnisonIsl-.GarnisonIs]-: -kirche,die; -lazarett, das; ^pfar-
rer, der; -Stadt, die; -verwendungsfähig <AdJ.; o. Steig.;
nicht adv.) (Milit.): tauglich für den Dienst in der Garnison;
Abk.: g.v.. gv
Garnitur [garni'tu:?], die; -, -en [frz. gamiture, zu: garnir.
Tgarnieren]: l.a) Gesamtheit verschiedener
zusammengehörender, zusammenpassender, aufeinander abgestimmter
l Ausstat tungsistücke. Teile, die einem bestimmten Zweck
dienen:... das (= Tischchen) eigentlich aus einer G. (einem
Satz) von vier oder fünf ineinandergeschobenen,
gebrechlichen Tee- oder Anrichtetischchen bestand (Th. Mann,
Krull 82); eine G. für den Schreibtisch
(Schreibtischgarnitur); eine G. [Unterwäsche] (Wäschegarnitur); eine G.
Knöpfe; drei Zugeinheiten können zu einer G. (Eisenb.;
Zuggarnitur) aus Triebwagen und mehreren
Personenwagen gekuppelt werden; b) Kleidung, zusammen getragene
Kleidungsstücke u. Zubehör (für einen bestimmten Zweck
od. von einer bestimmten Qualität); (insbes. Milit.:)
Gesamtheit zusammengehörender Bekleidungs- bzw. Uniformstücke
u. Ausrüstungsgegenstände für einen Soldaten: die beste
G.; eine G. für festliche Anlässe; die erste, zweite G.;
c) (ugs.) (die besten bzw. weniger guten) Vertreter aus
einer Gruppe: die erste, zweite, dritte, beste, zweitbeste
G. einer Mannschaft, einer Partei; zur ersten G. gehören.
2. a) Garnierung (2 a), Verzierung. Besatz: die -en aufnähen;
ein Hut. ein Kleid mit passenderG.; b) (Gastr.) Garnierung
(2 a) von Speisen. 3. (Technik) a) gesainte Ausrüstung (z. B.
einer Maschine); b) Gesamtheit der Beschläge; c) (salopp
scherzh. verhüll.) Geschlechtsteile (des Mannes): Ich riß
das ... Knie hoch.... und ich traf den Matrosen mit voller
Wucht in seine G. (Simmel. Stoff 202).
Garotte [ga'rcta] usw.: f Garrotte usw.
Garrigue: TGarigue.
Garrotte [ga'reta], die; -, -n [span. gairote = Knüppel.
Knebel. Würgschraube, H.u.]: Halseisen. Würgschraube
zur Vollstreckung der Todesstrafe (in Spanien); <Abl.:)
garrottieren [garo'ti:ren] <sw. V.; hat): durch die Garrotte
hinrichten.
garstig [garstig] <Adj.) [zu mhd. garst = ranzig, verdorben;
subst. = ranziger Geschmack, Geruch; vgl. ahd. gersti
= bitterer Geschmack; H.u.]: 1. sich ganz anders beneh-
metid. verhaltend, als es der Betroffene wünscht, was ihm
lästig ist u. Schwierigkeiten bereitet; unfreundlich, frech,
ungezogen: ein -es Kind; sei nicht so g. [gegen deine Eltern]!
2. so besclmffen. da/S es den Widerwillen, den mit Entsetzen
verbundenen Abscheu des Betrachters hervorruft;
abscheulich, häßlich u. böse: ein -er Zwerg; eine -e Hexe. 3. (selten)
so beschaffen, daß es dem Betroffenen nicht gefallt, von
ihm als unangenehm, störend, beeinträchtigend empfunden
wird: ein -es Wetter; ein -er Geruch; <Abl.:> Garstigkeit,
die; -, -en: 1. <o. PI.) garstige Beschaffen/ieit. garstiges
Wesen. 2. garstige (1) Handlung. Äußerung: er mußte all
ihre -en ertragen.
Gart [gart], die; -, -en <PI. ungebr.) [zu tGarde; nach frz.
garde = Bewachung, im 15. Jh. als Name für ein
Landsknechtheer gebraucht u. später dann von den
Landsknechten selbst für ihre Einquartierung bei Bauern gebraucht]:
Einquartierung der Landsknechte bei den Bauern im
Gegensatz zur städtischen Garnison: die Landsknechte wurden
auf die G. gelegt.
Gärtdien ['garten], das; -s, -: tGarten; gärteln ['gert}n]
<sw. V.; hat) [zu T Garten] (südd.): aus Liebhaberei gärtnern;
vgl. Gärtier; Garten f'gartn]. der; -s, Gärten ['gertn] <Vkl.
TGärtchen) [mhd. garte, ahd. garto, eigtl. = das
„Umzäunte. Eingehegte"]: [kleineres! begrenztes Stück Land /am.
um das Haus] zur Anpflanzung von Gemüse. Obst. Blumen
o.a.: ein gepflegter, verwilderter, blühender G.; ein Stück
G.; einen G. anlegen, umgraben, bebauen, pflegen; im
G. arbeiten; R das ist nicht in seinem G. gewachsen (stammt
nicht von ihm. gehört ihm nicht, hat er nicht fertiggebracht,
hat er nicht durch eigenes Überlegen hervorgebracht,
erarbeitet) ; * botanischer G. (ausgedehnte gärtnerische Anlage für
botanische Lehr- u. Schauzwecke, insbes. zur
Veranschaulichung der Formenmannigfaltigkeit der Pflanzen);
zoologischer G. (Zoo. Tierpark); hängende Gärten (an Abhängen
terrassenförmig angelegte Gärten im Altertum); englischer
G. (mit den Mitteln der Gartenkunst gestaltete, der
natürlichen Landschaft angeglichene, großflächige gärtnerische
Anlage mit geschwungenen Spazierwegen, weiten
Rasenflächen u. natürlich gewachsenen Baumgruppen; eigtl. =
Garten im englischen Stil); der G. Eden (TEden 1); quer durch
denG. (ugs.: 1. scherzh.; / von Suppe. Eintopf] viele
verschiedene Sorten Gemüse o.a. enthaltend. 2. oft spött.; durch
alle Sorten. Arten. / Erscheinungs ]formen. Gebiete o. ä. hin-
941
garten-, Garten-
durch; die verschiedensten Sorten usw. erfassend, bietend:
in hunter Vielfalt).
garten-, Gerten-: Mimt, das: für Gärten u. Grünflächen
zuständiges Amt: ^anläge, die: in den -n am Bahnhof (Bieler,
Mädchenkrieg 398); -arbeit, die: Arbeit im Garten; -archi-
tekt, der: für die Planung u. Gestaltung von Gärten u. Parks
ausgebildeter diplomierter Gärtner od. Gartenbauingenieur;
-bank, die: in einem Garten stehende [Bank (1); -bau.
der <o. Pl.>: (intensiver) Pflanzenbau (auf der begrenzten
Fläche von Gärten. Baumschulen usw.). insbes. Anbau von
Gemüse. Obst. Blumen: G. treiben, dazu: -bauarchitekt.
der: svw. Karchitekt. -bauausstelking. die. -ba übe trieb.
der: einen G. leiten, ^bauerzeugnis. das. -bauingenieur,
der: auf einer Fachhochschule für Gartenbau od.
Landespflege Ausgebildeter (Berufsbez). -baulich <Adj.; o. Steig.;
nicht präd.): -e Fragen. Einrichtungen, -bauschule. die:
Schule für Gartenbau, -bautechniker, der: auf einer
Fachschule in der Vermessung u. im Entwurf von Gartenanlagen
Ausgebildeter (Berufsbez.); -beet, das; -besitzer, der;
-blume, die; -bohne, die: vgl. Buschbohne. Stangenbohne;
-erbse, die: als Gemüsepflanze in Gärten kultivierte Art
der Erbse da). Gemüseerbse; -erdbeere, die: 1.
Erdbeerpflanze einer für den Obstbau gezüchteten Kulturform mit
großen Früchten. 2. Frucht der Gartenerdbeere (I); -*erde.
die; ^fest, das: /sommerliches/ Fest im Garten; -form.
die: in Gärten angebaute Kulturform einer Pflanze; -freund,
der: jmd.. der sich aus Liebhaberei mit Gartenpflege u.
-gestaltung beschäftigt: eine Zeitschrift für den G.; -frucht.
die; -gemiise, das; -gerät, das: 1. Gerät (1 a) für
Gartenarbeit. 2. Gerät (2) für Gartenarbeit; -gestaltung. die; ^ge-
wächs, das; -grundstück, das: als Garten genutztes
Grundstück; -hag, der (Schweiz.): Garteneinfriedigung (Hecke,
Zaun usw.); -haus, das: 1. <Vkl. t ^häuschen) kleines Haus
in einem Garten. 2. (ugs.) Hinterhaus mit Garten; -bauschen,
das; -s. -: t -haus (1); -hecke, die; -himbeere, die: I.
Himbeerpflanze einer großfruchtigen. in Gärten atigebauten
Kulturform. 2. Frucht der Gartenhimbeere (1); -kalender, der:
Kalender, der Termine u. anderes Wissenswerte zur
Gartenpflege u. -gestaltung enthält; ^kolonie, die: große
zusammenhängende Gruppe von Kleingärten [mit Gartenhäusern >;
^kräuter <PI.>: im Garten angebaute Kräuter; -kresse, die:
Salatpflanze der Gattung Kresse; -kultur, die: kultivierte
Art der Gartengestaltung; -kunst, die: Kunst der
ästhetischen Gestaltung von Ziergärten u. Parks: Im Städtebau
und in der G. verbindet sich die Architektur der Plastik
in dem Streben nach künstlerischer Ordnung der
öffentlichen Lebensräume des Menschen (Bild. Kunst 3. 7):
-land, das <o. Pl.>: gärtnerisch genutztes Land: ein Stück
G.; die ganze Umgebung ist G.; durch G. fahren; -laube,
die: Laube im Garten: in der G. sitzen, frühstücken; -laub-
käfer, der: (durch Blattfraß in Laubwäldern u. Gärten
Schäden anrichtender) Käfer mit grünem bis grünlichblauem
Kopf u. Halsschild sowie metallisch grün od. blauschwarz
schillernder Unterseite; -bubvogel, der: svw. t Gelbspötter;
-lokal, das: / teilweise/ im Freien, insbes. im Garten od
in ä/mlicher Umgebung betriebene Gaststätte; -mauer, die:
einen Garten begrenzende bzw. abtrennemle Mauer; Mnei-
ster, der: ausgebildeter Gärtner in beaufsichtigetider
Dienststellung (insbes. bei einer Behörde); vgl. Gärtnermeister;
-messer. das: svw. t 'Hippe (1); -mobel <meist PI.):
leichteres, für den Gebrauch im Garten bestimmtes Möbel (z. B.
Gartentisch. Gartenstuhl. Liegestuhl): dieG. hinaustragen;
-party, die: vgl. ^fest; -pflanze, die; -pflege, die; -pforte.
die: vgl. -tür; -plastik. die: die -en im Rahmen des
architektonischen Schloßgartens (Versailles) (Bild. Kunst 3,56);
-portal, das: vgl. -tür; -pumpe, die; -restaurant, das:
vgl. ^lokal; -saal, der: zum Garten sich öffnender Saal;
-sabt, der: Salatpflanze mit pfeilförmigen Stengelblättern
u. Grundblättern, die Rosetten /u. Köpfe! bilden (z. B.
Kopfsalat. Spargelsalat); -sänger. der: svw. t Gelbspötter;
^schadi, das: im Freien unfeinem dem Scluichbrett
nachgebildeten Quadrat mit großen Figuren gespieltes Schach;
^Schädling, der: Schädling, der Gartenpflanzen befällt:
^schau, die: öffentliche, insbes. / int er/nationale
Gartenbauausstellung auf dem Gebiet des Zierpflanzenbaus, verbunden
mit der Errichtung bleibender Park- u. Gartenanlagen;
-schere, die: vgl. Baumschere; -Schierling, der: svw.
t Hundspetersilie; -schirm, der: großer Sonnenschirm zum
Aufstellen im Garten; --schläfer, der: zu den Buchen
gehörendes, ausgezeichnet kletterndes kleines Tier mit zimtfarbener
Oberseile u. weißer Unterseite u. ziemlich bunt gefärbtem
übrigem Körper (in lichten Wäldern Europas u.
Nordwestafrikas). Schlafmaus; -schlauch, der: Schlauch mit einer
(Spritz) Vorrichtung z\an Sprengen des Gartens; -schiur,
die: hei der Gartenarbeit gebrauchte Richtschnur; -seite,
diet Rück-. Hinter sei te. wo (bei einem Haus.
Hausgrundstück) der Garten liegt; -spötter, der: svw. t Gelbspötter;
-spritze, die: Spritzemit Schlauch zum Sprengen des
Gartens; -Stadt, die [LÜ von engl, garden city. gepr. 1898
von dem Engländer E. Howard]: Stadt! teil]. Siedlung mit
vielen Gärten u. Grünflächen am Rande od. in der Nähe
einer Großstadt; ^stuhl, der: Stuhl zur Verwendung im
Freien; -theater, das: Freilichttheater, dessen Spielfläche in
die Landschaft (insbes. einen Garten bzw. Park) einbezogen
ist; -tisch, der: vgl. ^stuhl; -tor, das: Tor als Eingang
zum Garten; ^tür, die: Tür als Eingang zum Garten;
-Unkraut, das; -weg, der; -Wirtschaft, die: 1. svw. !-lokal.
2. (seltener) svw. t^bau; -zaine, die (Schweiz.): Obst-.
Gemüsekorb; vgl. Zaine; -zäun, der: 1. den Garten
abgrenzender Zaun: eine Unterhaltung über den G. (ugs.; zufällig
sich ergebemle. unverbindliche Unterhaltung, bes. mit
Nachbarn od. vorübergehenden Bekatmten). 2. (Reiten) einetn
Gartenzaun (1) ähnliches Hituiernis bei Springprüfungen;
-zünmer, das: Zimmer mit Tür u. breitem Fenster zwn
Garten; ^zwerg.der: I. buntfarbige Zwergetifigur als Zierat
für den Garten. 2. (salopp; Schimpfwort) a) Mensch, den
man für unbedeutetui hält od. der einem nicht sympathisch
ist: du abgebrochenere!; b) häßlicher, mißgestalteter
kleiner Mensch: dieser G.!; abgebröckelter G. (Jugendspr.;
alter, alternder Mann)', -zwiebel, die: vgl. Zwiebel.
Gärtier [gErtlc], der; -s, - (südd.): jmd.. der gärtelt; Gärtner
[gertnül. der; -s. - [mhd. gartensere, zu tGartenl: jmd..
der Gartenbau. Gartenpflege ausübt (Berufsbez.): sein Sohn
ist G.; sie ist ein leidenschaftlicher G. (arbeitet sehr gern
im Garten, kultiviert sehr gern Blumen u. Pflanzen).
Gärtner-: -bursche, der: ungelernter Gehilfe in einer
Gärtnerei; -frau, die (selten): svw. tGärtnersfrau; -gehilfe, der:
Gehilfe (1) in einer Gärtnerei; -haus, das; -konstniktion,
die [nach ihrer Verwendung bei der Gartengestaltung]
(Math.): Konstruktion der Ellipse mit Hilfe eines Stiftes
o.a.. über den ein straff gespannter Faden gleitet, dessen
Enden in den beiden Brennpunkten befestigt sind; -meister,
der: Gärtner, der die Meisterprüfum abgelegt hat; vgl.
Gartenmeister; -schöpf,der [tSchopf (2)1 (Schweiz.): Schuppen
des Gärtners für Gartengeräte usw.
Gärtnerei [g£rtna'rai]. die; -, -en [zu t Gärtner]: 1.
Unternehmen, das [zu Dienstleistungs- bzw. GestaltungszweckenJ
gewerbsmäßig Gartenbau betreibt (insbes. Anbau von
Zierpflanzen, von Pflanzen u. Stauden für den Bedarf des
Gärtners, auch von Obst u. Gemüse): in einer G. arbeiten.
2. <o. PI.) (ugs.) Gartenbau u. Gartenpflege; <Zus. zu 1:>
Gärtnereibetrieb, der; Gärtnerin, die; -. -nen: w. Form
zu tGärtner, dazu: G$rtnerinart in der Verbindung nach
G. (Gastr.; mit Beilage von verschiedenen Gemüsen l zu
gebratenem od. gegrilltem Fleisch])', gärtnerisch <Adj.; o.
Steig.): die Gärtnerei betreffend, zu ihr gehörend, auf ihr
beruhend: -e Betriebe. Kuliuren; -er Gemüsebau; sich g.
betätigen; gärtnern [zu t Gärtner] <sw. V.; hat): [aus
Liebhaberei] im Garten arbeiten, sich gärtnerisch betätigen; Gfrt-
nersfrau. die: Frau des Gärtners.
Ggrung, die; -. -en (Hüttenwesen): das Garen (c).
G|nmg. die;-.-en: l. das Gären (\): alkoholische G. (Bildung
von Alkohol durch Gärung); die G. der Trauben; in G.
geraten, übergehen; chemische Prozesse bei -en. 2. das
Gären (2): geistige, soziale G.; die G. in jmds. Bewußtsein,
im Volk wächst; Nur möchte ich jedem, der Länder in
G. sehen will, raten, seine Reise nicht auf Sambia zu
beschränken (Zeit 20. 11. 64, 49); Bis zu diesem Zeitpunkt
war Labre von einer suchenden G. erfüllt CNigg,
Wiederkehr 101).
gärungs-. Girungs- (vgl. auch: Gär-): -alkohol. der: durch
alkoholische Gärung entstehender Alkohol; -chemie, die:
Chemie auf dem Gebiet der Gärungsvorgänge: -dyspepsie,
die (Med.): Verdauungsstörung (Durchfall) infolge
Vergärung unverdauter Kohlenhydratmengen im Dünndarm (nach
Genuß von rohem Obst u. ä. auftretende Erkrankung);
-erregend <Adj.; o.Steig.): -e Pilze. Bakterien; -erreger. der:
Gärung bewirkendes Kleinstlebewesen (Pilze. Bakterien);
-fähig <Adj.; Steig, ungebr.; nicht adv.); -ßhigkeit,
die <o. PL): -hemmend <Adj.; o. Steig): -mikrobiologie.
942
gas-, Gas-
die: Mikrobiologie auf dem Gebiet der Gärungsvorgänge;
^mittel, das: svw. tGärmittel; -pilz, der: vgl. ^erregen
-Produkt, das; -prozeß, der: svw. f Gärprozeß; -stoff, der:
svw. tGärstofT; -verfahren, das; -Vorgang, der: Vorgang
der Gärung.
Ggrungszeit, die; -. -en (Hüttenwesen): Zeit des Garens (c).
'Gas [ga:s], das; -es, -e [nieder!, gas, in Anlehnung an griech.
chäos = leerer Raum; Luftraum; ungeordnete, verworrene
Masse; geb. von dem Brüsseler Chemiker J. B. van Hel-
mont (1579-1644)]: I. (im Normalzustand] luftförmiger
Stoff giftiges, brennbares, explosives, flüssiges G.;
brennende -e; G. erzeugen, verdünnen, kondensieren,
verflüssigen, ablassen; zu G. werden; einen Ballon mit G. füllen;
ideales G. (Physik; hypothetisch angenommenes Gas, dessen
Verhalten bei beliebigem Druck u. beliebiger Tempera-
tur völlig mit bestimmten grundlegenden Gasgesetzen über-
einstimmt). 2.a) Brenngas, insbes. Haushaltsgas. Stadt- od.
Erdgas. Leuchtgas: ein Monstrekonzern. dessen
Hochleistungskessel ... jährlich 80 Millionen Kubikmeter G. im
Wege der Fem Versorgung abgeben (Kisch. Reporter 334);
die Stadtwerke haben ihm das G. gesperrt; das G. strömt
aus; das G. (Gas der Brennstelle) anzünden, abstellen,
(ugs.:) abdrehen; mit G. kochen, heizen; jmdn., sich mit
G. vergiften; * jmdm. das G. abdrehen (salopp: 1. jmdn.
erwürgen, umbringen. 2. jmdn. wirtschaftlich zugrunde rieh-
ten. ruinieren, indem man ihm die materiellen
Voraussetzungen für seine Existenz entzieht)', b) (ugs.) Gasbrettnstelle.
Gasflamme. Gaskocher. Gasherd: das G. geht nicht; den
Koch topf au fsG. stellen, vom G. nehmen; auf G. kochen.
3.a) dem Fahrzeug-. Flugzeugmotor vermehrt zugeführtes
Treibstoffgemisch bzw. die vermehrte Zufuhr von
Treibstoffgemisch u. die dadurch gesteigerte Antriebskraft fu.
Beschleunigung/: Der Wagen glitt fast ohne G. die
Serpentinen hinunter (Remarque, Triomphe 218); G. geben (das
Fahrzeug durch Drücken aufs Gaspedal beschleunigen). G.
wegnehmen; das G. stehenlassen (Jargon; nicht
wegnehmen)'. *G. geben (ugs.; den Schritt, die Fahrt beschleunigen;
sich beeilen): kein G. im Ballon haben (Jugendspr. salopp;
geistig beschränkt sein); b) (ugs.) Vorrichtung, durch die
sich die Zufuhr von Treibstoffgemisch (vgl. Gas 3 a) regeln
läßt; Gashebel. Gaspedal: dasG. betätigen, bedienen; aufs
G. treten; vom G. weggehen. 4. (Milit.) Giftgas. Kampfgas:
G. als Kampfstoff benutzen; mit G. angreifen. 5. svw.
t Gaskammer: Bilder zerlumpter Familien, vom Säugling
bis zum Greis, auf dem Weg ins G.; ... an die zu denken,
die in Auschwitz nackt insG. getrieben wurden (Hochhuth,
Stellvertreter 124). 6. *G. haben (1. salopp; betrunken sein.
2. ugs.; Glück haben)'. ^Gas [-], der <Dekl. ungebr.)
(landsch.): svw. TGasableser; -fcas [-1, die; - (landsch.):
svw. T Gasanstalt.
ggs-. Gas-: -ablesen der: Angestellter, der von den Zählern
den Verbrauch an Stadtgas I u. Strom] abliest /' u. das Geld
dafür kassiert 1; ^ absaugung. die (Bergbau): Absaugung von
gefährlichem Grubengas durch besondere Anlagen:
^absorbierend <Adj.; Steig, ungebr.; nur attr.) (Fachspr.); -ab-
sorption. die: die bei gasgefüllten Elektronenröhren
unvermeidliche Absorption des Gases durch die Bestandteile des
Röhrensystems; -abzug, der: 1. Abzug (4 a) der Gase. 1.
Abzug (4b) für Gase, dazu: -abzugsrohr, das; -alann,
der (bes. Milit.): Alarm zur Warnung vor Giftgas; -anatyse,
die: Quantitative chemische Analyse von Gasen od.
Gasgemischen; -angriff, der: militärischer Angriff mit Giftgas; -ai»-
läge, die: mit Gas betriebene Anlage; -anschhiB, der:
Anschluß an das Gasversorgungsnetz; -anstatt, die: vgl. -werk;
-anzunder, der: Gerät zum Entzünden von Gas (2 a); -arbei-
ter, der: Arbeiter bei einem Gaswerk o.a.; -artig <Adj.;
Steig, ungebr.): in. nach der Art von Gas (1. 2a); -äther,
der (veraltet): svw. T Petroläther; -aulkohlen, das; -s
(Technik): Aufkohlen mit Hilfe von [gasförmiger Blausäure,
gemischt mit Leucht/gas; -aufzehrung, die: svw. t-absorp-
tion; -ausbrach, der: 1. (Bergbau) plötzliches starkes
Ausströmen im Gestein gespeicherter Gase. 2. (Geol.)
vulkanischer Ausbruch von Gasen; Gaseruption; -austauscht der:
1. (Biol.) Austausch gasförmiger Stoffe zwischen einem
Organismus u. seinem Außenmediutn. 2. (Med.) Austausch
von Sauerstoff gegen Kohlendioxyd in der Lunge; -austritt,
der (Fachspr.): Austreten. Ausströmen von Gas; -automat,
der: Gaszäliler. der gegen Münzeinwurf eine bestimmte
Menge Gas freigibt; -backofen, der: mit Gas betriebener
Backofen; -bad, das (Med.): Trockenbad in einem mit
[Kohlensäure- oder Schwefelwasserstoff]gas gefüllten Kasten, in
dem der Patient bis zum Hals eingeschbssen wird (zur
Behandlung von Herz-. Gefäß-. Hautkrankheiten): -bade-
ofen» der: mit Gas beheizter Badeofen; -bauch, der (Med.):
stark aufgeblähter Bauch (bei Verdauungsstörungen. Leber-
erkrankungeti usw.); -behälter, der: großer Speicher- u.
Druckregulierungsbehälter für Stadtgas od. technische Gase;
-beheizt <Adj.; o. Steig.; nicht adv.X* mit Gas beheizt;
-beleuchtung, die: Beleuchtung durch Gaslicht; mit Gas
(2 a) erzeugtes Licht; -beraol, das: aus dem Steinkohlengas
von Kokereien u. Gaswerken gewonnenes Rohbenzol; -bera-
terin, die: Energieberaterin bei Gaswerken od. in der
Gasgeräteindustrie (Berufsbez.); -beschaffenheit, die; -beschuß,
der: Beschuß mit Gasgeschossen; -beton, der (Bauw.): durdx
ein Gas (\)od. auch andere Mittel aufgelockerter,
feinkörniger Beton; -betrieb, der (Technik): Betrieb (z.B. einer
Maschine) mit Brenn- od. Treibgas; -bildend <Adj.; Steig,
ungebr.; nur attr.): -e Stoffe; -biklung, die; -blase, die:
Gas enthaltende Blase in festem od. flüssigem Material;
-blau, das [nach der bläulichen Flamme des brennenden
Stadt-od. Leichtgases]: svw. T Preußischblau; -bleiche, die
(Technik): Bleichen (von Papier o.a.) mit Chlorgas; -boi-
ler, der: mit Gas beheizter Boiler; -bombe, die: Gas (4)
enthaltende Bombe; -brand, der (Med.): lebensgefährliche
Infektion {Brand 5 a). verbunden mit Anschwellen infolge
Gasbildung hei umfangreichen, insbes. tiefgehenden u.
verschmutzten Gewebszerreißungen. dazu: -branderreger, der
(Med.); -brenner, der: Vorrichtung. Gerät zur
Hitzeerzeugung durch Verbrennung von Gasen, insbes. von Stadt- od.
Erdgas, z. B. in Gaskochern, -herden. -heizöfen; -brüst,
die: svw. t Pneumothorax; -bügeleisen, das: mit Gas
beheizbares Bügeleisen; -Chromatographie, die (Chemie):
chromatographische Trennung der Bestandteile eines gasförmigen
bzw. in den gasförmigen Zustand überführten
Stoffgemisches; -detektor, der: vgl. -spürgerät; -dicht <Adj.; -er,
-este; Steig, ungebr.; nicht adv.>: undurchlässig für Gase;
-dichte, die (Fachspr.): Dichte eines Gases; -druck, der
Druck, den ein Gas ausübt, dazu: -druckregier, der
(Technik), -druduoünder, der: vgl. -druckzündung. -druckzün-
dung, die (Technik): 1. Zündung von [Leucht-. Brenn]gas
durch erhöhten Gasdruck. 2. durch erhöhten Gasdruck
betätigte Zündvorrichtung zum Entflammen von [Leucht-.
Brenn]gas; vgl. -fernzündung; -durchlässig <AdJ.; Steig,
ungebr.; nicht adv.>; -durchlässtgkeit, die; -düse, die; -dy-
namik, die (Physik): Dynamik (Strömungslehre) auf dem
Gebiet der Strömungen von (unverdünnten) Gasen bei großen
Strömungsgeschwindigkeiten; -dynamomaschine, die
(Technik): mit Gas betriebene Dynamomaschine; -ein-
schhiB, der: Einschluß von Gas in festem Material (z. B.
in Glas, Gußstücken); -einzüger, der (Schweiz.):
Angestellter, der das Geld für verbrauchtes Gas (2 a) kassiert; -embo-
lie, die (Med.): Embolie. hervorgerufen durch plötzlich
auftretendes Gas (z. B. Luft. Stickstoff) im strömenden Blut;
-entartung, die (Physik): Abweichung von den normalen
Gesetzmäßigkeiten im Verhalten von Gqsen (bei sehr
niedrigen Temperaturen bzw. bei sehr hohen Dichten); -entladung*
die (Physik): elektrische Entladung in /verdünnten] Gasen.
dazu: —entladungslampe, die (Technik): Lampe, deren
Funktionieren auf der elektrischen Entladung beim Durchgatig
eines elektrischen Stroms durch ein Gas beruht.
-enttadungsröhre, die (Physik. Chemie): längliche
Glasröhre, an deren Stirnseiten Metallelektroden eingeschmolzen
sind, die der Beobachtung von Gasentladungen dienen; -ent-
weichung, die; -entwickhing, die: Entwicklung. Bildung von
Gas/ en]. dazu: -entwickkmgsapparat, der: vgl. -generator;
-eruption, die (Geol.): vulkanische Eruption von Gasen;
Gasausbruch (2); -erzeugend <Adj.; o. Steig.; nur attr.);
-erzeuger, der: 1. svw. t-generator. 2. gaserzeugendes
Unternehmen; -erzeugung, die; -exhaustor, der (Technik):
Absaugevorrichtung für Gase; -explosion, die; -fabrik, die;
-federung, die: Federung eines Fahrzeugs, bei der die Zu-
sammendrückbarkeit von Gas zum Ausgleich u. zur Abmin-
derung von Fahrba/inunebenheiten ausgenützt wird; -feM,
das: aufgeschlossene Erdgaslagerstätte; ^Fernleitung, die;
-fernversorgung, die; -fernzünder, der: vgl. -fernzündung;
-fernzündung, die (Technik): 1. Fernzütidung von [Leucht-.
BrennJgas. insbes. durch erhöhten Gasdruck. 2, Vorrichtum
zur Gasfernzündung (1): vgl. -druckzündung; -fest <Adj.;
-er. -este; Steig, ungebr.; nicht adv.>: widerstandsfähig gegen
Gas (4); -feuerung, die: Feuerung mit Brenn-. Heizgas;
943
gas-, Gas-
-feuerzeug, das: mit flüssigem Gas gespeistes Feuerzeug;
-fitter [-fite], der [2. Bestandteil < niederl. fitter, zu mnie-
derl. vitten = einpassen, .einfugen, vermutl. zu mengl.
fitten] (nordd.): svw. t -installateur; -flamme, die: Flamme
des aus dem Gasbrenner strömenden entzündeten Gases;
-flammkohle, die (Fachspr.. bes. Bergbau): sehr gasreiche
Steinkohle: vgl. -kohle; -flasdie, die: Behälter aus Stahl
zur Aufnahme verdichteter, verflüssigter od. unter Druck
gelöster Gase: —form, die: Zustandsform eines Gases: in
G. (in Form von Gas, gasförmig): -förmig <Adj.; o. Steig.):
in Form von Gas/enJ: -e Stoffe; -fuß, der (Jargon):
(rechter) Fuß, mit dem der [Autojfahrer das Gaspedal bedient:
-gangrän, die od. das: svw. T-brand; -gebührenerheber.
der (Amtsspr.); -gefüllt <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: mit
Gas gefüllt; -gehalt, der; -gekühlt <Adj.; o. Steig.): mit
einem Gasgemisch gekühlt (bes. bei Kernreaktoren): -ge-
menge, das; -gemisdi, das; -generator, der (Technik): svw.
tGenerator(2); -gerät, das: mit Gas (2 a) betriebenes Gerät:
-geruch, der: Geruch nach Gas (2 a); -gesdioB, das: Gas
(4) enthaltendes Geschoß: -gesetz, das: eines der
physikalischen Gesetze, die das Verhalten idealer od. realer Gase
beschreiben: -gestalt, die: vgl. -form; -gestange, das: durch
Betätigung des Gaspedals o. ä. bewegtes Gestänge (2) zur
Regelung der Zufuhr von Gas (3 a); -gewinnung, die <P1.
ungebr.); -glühlicht, das: Licht[Quelle], hergestellt durch
einen Glühkörper (z. B. Glühstrutnpf),der in einer
Gasflamme zum Leuchten gebracht wird: -granate, die: Gas (4)
enthaltende Granate: -griff, der: vgl. -hebel; -hahn. der:
Hahn, durch den die Gaszufuhr zum Gasbrenner geregelt
wird: den G. abstellen, (ugs.:) auf-, abdrehen; alle
Gashähne sind offen (Quick 25. 1958. 52); Selbstmordversuche
... da hat sie überm G. gehangen (Schmidt.
Strichjungengespräche 89); den G. aufdrehen (ugs. verhüll.; Selbstmord
durch Einatmen von Gas [2a] verüben)', * imdm. den G.
abdrehen (svw. jmdm. dasG. abdrehen; tGas 2a); -haltig <Adj.;
nicht adv.): Gas enthaltend, mit Gasgehalt: [stark) -e Stoffe;
-hebel, der: Hebel, Pedal o. ä. zur Regelung der Zufuhr
von Gas (3a): den G. betätigen; auf den G. treten (mit
dem Fuß auf den Gashebel drücken, um Gas zu geben):
den Fuß vom G. nehmen, dazu: -hebelbein, das: vgl. -fuß:
-heizofen, der: vgl. -ofen; -beizung. die: mit Gas (2 a)
betriebene Heizungl sanlage ]: eine Wohnung mit G.; -herd,
der: mit Gas (2 a) betriebener Kochherd: ein vierflammiger
G.; -Herstellung, die; -hülle, die: gasförmige Hülle (z. B.
Atmosphäre 1); -installateur, der: Installateur für
Gasgeräte, -anlagen, -röhre u. zugehörige Armaturen (Berufsbez.);
-ton, das (Physik); -kammer, die: a) Raum zur Hinrichtung
bzw. Tötung von Menschen durch Gas: Die -n arbeiten
bis jetzt mit Kohlenmonoxyd. mit Auspuffgasen (Hoch-
huth. Stellvertreter 24); ... weshalb Auschwitz und die
G. (der Tod in der Gaskammer) ihr erspart geblieben
sind (K. Mann. Wendepunkt 444); eine Million für die
-n bestimmte Juden (Bild und Funk 21. 1966. 48); Der
als fünffacher Mörder verurteilte ... Smith soll am 2.
Februar in der G. des Staatsgefängnisses von Arizona
hingerichtet werden (MM 10.11. 67. 26); b) (Schülerspr.
scherzhaft) Unterrichtsraum für Chemie: -kämpf, der: Kampf
mit Giftgas: -kampfstoff. der (Milit.): Giftgas als
Kampfstoff: Kampfgas: -kandelaber. der: vgl. -laterne; -kappe,
die: über einer Erdöllagerstätte ruhende Erdgasansammking;
-kessel, der: vgl. -behalten -kette, die: elektrochemische
Elemente mit gasförmigen Elektroden: -klempner, der: vgl.
-installateur; -kodier, der: mit Gas betriebenes kleines
Kochgerät: eine Speise auf dem G. zubereiten; -kohle«
die (Fachspr.. bes. Bergbau): gasreiche Steinkohle: vgl.
-flammkohle; -koks, der: Koks als Nebenprodukt bei der
Erzeugung von Gas (2 a) aus Kohle: -konstante, die
(Physik ): die in der t Zustandsgieichung der / idealen] Gase
auftretende Konstante R: -kniftmaschine, die (Fachspr.): svw.
T-maschine; -krank <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: infolge
Einatmens von Gas (4) erkrankt, dazu: -kranke, der u.
die; -krieg, der: mit Giftgas geführter Krieg: -küdte, die
(Schweiz.): Küche mit Gasherd: -bgerung, die (Fachspr.):
gekühlte Lagerung von pflanzlichen Lebensmitteln in einer
sauerstoffarmen u. kohlendioxydreichen Atmosphäre: -tam-
pe, die: mit Gas (2 a) gespeiste Lampe: -latente, die: mit
Gas (2 a) gespeiste Straßenlaterne: -leitung, die:
Rohrleitung für Gas (2a): eine G. legen, dazu: -leitungsrohr, das;
-licht, das: 1. / Licht der] Gasbeleuchtung: Wir standen
im blauen G. (Bieter. Bonifaz 108). 2. Flamme in der
Gaslampe: Das G. puffte von dem Luftzug, dann zischte
es wieder eintönig (Nossack. Begegnung 123);
-Luft-Gemisch, das (Technik): Gemisch aus gasförmigem Treibstoff
u. Luft (in Verbrennungskraftmaschinen): -mann, der
(ugs.): svw. t -ablesen -masdiine, die: mit Gas (2a)
betriebene Verbrennungskraftmaschine: -maske, die:
Schutzmaske mit Luftfilter zum Schutz der Atmungsorgane u. der
Augen gegen die Einwirkung von Gas. Rauch o. ä.: die G.
anlegen; -messer, der: svw. t-zähler; -meßrohr, das.
-meflröhre, die (Chemie): Eudiometer; -mine, die (Milit.):
Gas (4) enthaltende Wurfmine: -molekül, das; -motor, der:
vgl. -maschine; -narkose, die: Narkose durch Inhalation
von gasförmigen Betäubungsmitteln: -nebel, der (Astron.):
galaktischer Nebel, in dem das interstellare Gas hell leuchtet:
-ödem, das (Med.): vgl. -brand; -ofen, der: mit Gas
beheizter Ofen: -öl, das: als Dieselkraftstoff u. Heizöl (früher
auch zur ölgaserzeugung) verwendetes dünnflüssiges öl,
das bei der Destillation von Erdöl, Teeren o.a. anfällt:
-Patrone, die: mit Gas (4) od. Tränengas gefüllte Patrone:
-pedal, das: vgl. ^hebel: [voll] aufs G. treten; den Fuß
vom G. nehmen; -Phlegmone, die (Med.): vgl. -brand;
-Pistole, die: Pistole, die mit Gaspatronen geladen wird:
-probe, die: 1. (Fachspr.) Prüfung auf Gehalt an / Gift/gas.
2. bestimmte Menge Gas als Probe: -priifer, der (Technik):
Gerät zur Analyse von Gasgemischen: -quelle, die (Geol.):
Strom von Gasen, die an einer Stelle im Gelände bzw. Erdin-
nern anhaltend austreten; -räum, der: 1. (Flugw.) das Gas
(I a) aufnehmender Raum im Freiballon. 2. (Med.) Raum
zur Behandlung mit Gas (1); -redinung, die: Rechnung
über die verbrauchte Menge Gas (2 a); -regier, der
(Technik): Regler für [aus]strömendes Gas: -reich <Adj.; nicht
adv.>: viel Gas enthaltend; reich an Gas: -e Steinkohle;
-reiniger. der (Technik): Apparat, Anlage zur Gasreinigutig:
-reinigung, die (Technik): Reinigung bzw. Isolierung
technischer Gase, dazu: -Reinigungsanlage, die; -röhr, das:
Leitungsrohr für Gas, dazu: -rohrbruch, der. -rohrnetz, das.
-rohrschlüssel. der: vgl. Rohrschlüssel; -ruß. der: im
Druckgewerbe u. in der Kautschukfabrikation verwendeter;
sehr feiner, reiner Ruß, der als Rückstand bei der
Erdgasverbrennung gewonnen wird; -schießen, das <o. PI.) (Milit.):
das Schießen mit Gasgeschossen; -schlauch, der:
Verbindungsschlauch zwischen Gasrohr u. Gasgerät; -schleuse,
die: abgeschlossener Vorraum eines [Luftjschutzraumes,
der das Eimlringen von Gasen (4) u. Kampfstoffen in den
eigentlichen Schutzraum verhindern soll; -schmelzsdiwei-
Bung, die (Technik): autogene Schweißung; -schütz, der:
Schutz gegen Giftgas durch entsprechende Geräte, Mittel,
Maßnahmen; -schutzgerät, das; -schutzmaske, die;
-schutzraum, der; -Schwaden, der; -schweif, der: aus Gasen
bestehender / Kometen]schweif; vgl. Staubschweif;
-Schweißbrenner, der: vgl. -schmelzschweißung;
-schweißung, die: vgl. -schmelzschweißung; -selbst[an]zünder, der:
in Gasgeräten, -anlagen eingebaute Vorrichtung zur
automatischen Entzündung des ausströmemlen Gases (2 a); -sicher
<Adj.; Steig, ungebr.): gegen [Gift/gas geschützt: ein -er
Schutzraum; -Sicherung, die: Sperrvorrichtung an
Gasgeräten u. -anlagen, die verhindern soll, daß Gas ausströmt,
ohne verbrannt zu werden; -Spannung, die (Physik.
Technik): svw. t -druck; -spürgerat, das: Gerät zur Luftanalyse,
das insbes. zwn Erkennen gefährlicher Gase u. Dämpfe
verwendet wird; -strahl, der; -strumpf, der: Glühstrumpf;
-suchgerät, das: vgl. -spürgerät; -tanker, der:
Spezialtankerfür verflüssigte Gase: -tedmik, die: Technik der
Herstellung, Behandlung, Anwendung von Gas (2a); -techniker,
der: vgl. -technik; -technisch <Adj.; o. Steig.): vgl. -tech-
nik; -theorie, die in der Fügung kinetische G. (Physik;
Theorie, die das Verhalten von Gasen auf Grund der
statistisch betrachteten Molekülbewegungen betrifft); -therme,
die: Gasgerät, -anläge zur Erhitzung von Wasser; -thermo»
meter, das: Thermometer, bei dem die Zustandsänderungen
eines Gases zur Temperaturmessung benutzt werden; -tod,
der: Tod durch giftiges Gas: den G. sterben, erleiden; -tote,
der: jmd., der den Gastod erlitten /tat; -tritt, der (selten):
svw. t-pedal; -trocknung, die (Technik); -turbine, die:
Turbine, deren Laufrad durch den Druck von
Verbrennungsgasen angetrieben wird, dazu: -turbinensdiiff, das;
-überfeil, der: vgl. -angriff; -uhr, die: svw. f-zähler. dazu:
-uhrableser, der: vgl. -ablesen -ventil, das: Ventil zwn
Ablassen von Gas; -verbrauch, der. -Verdichtung, die
(Technik, Physik); -Verflüssigung, die (Technik, Physik): Verflüs-
944
Gast
sigung eines Gases (durch Verdichtung u./od. Abkülxlung);
-vergiftet <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: durch Gas vergiftet.
dazu: -Vergiftung» die; -Verseuchung, die: Verseuchung mit
Gas; -Versorgung, die: Versorgung mit Gas (2 a). dazu:
-Versorgungsnetz, das; -waage, die (Technik): Gerät zur
Bestimmung der Dichte von Gasen auf Grund des Auftriebs;
-wascher, -Wäscher, der (Technik): svw. f ^reinigen
-waschflasche, die (Technik): vgl. -wascher; -wasser, das
(Chemie): bei der Kokerei bzw. Gaserzeugung anfallendes,
mit Ammoniumsalzen angereichertes Wasser; -wasserhei-
zer, der: mit Gas betriebener Heißwasserbereiter; -Wechsel,
der: svw. T^austausch; -werter, der (Milit.):
geschützähnliches Gerät mit großkalibrigem Rohr zum Verschießen von
Gasminen; ^werk, das: Betrieb zur Erzeugung von Gas
(2 a); -Wirtschaft, die: Wirtschaft auf dem Gebiet des Gases
(2 a): für die deutsche G. sind keine Engpasse zu
befürchten; -wölke, die; -zihler, der: an eine Gasleitung
anzuschließendes Meßgerät, dessen Zählwerk den Gasverbrauch (die
Metige des durchfließenden Gases) registriert; Gasmesser.
Gasufir; einen G. einbauen; die G. auswechseln; den Stand
des -s ablesen; -zelle, die (Flugw.): eine der Zellen im
Luftschiff, die das Gas (1 a) aufnehmen; -Zentrifuge, die
(Technik): Zentrifuge zur Trennung der verschieden
schweren Isotope eines gasförmigen (od. in einer gasförmigen
Verbindung vorliegenden) chemischen Elements; -zufuhr,
die; -zuleitungsrohr, das; -zünder, der: vgl. -anzünder.
^selbst[an]zünder.
Gasel [ga'ze:!]. das; -s. -e. Gasele [...faj. die; -. -n [arab.
gazal = verliebte Worte. Liebespoesie] (Dichtk.): Gedicht
einer von den Arabern ausgebildeten Form, bei der alle
geraden Zeilen den Reim des ersten Verspaars aufnehmen,
während die übrigen Zeilen reimlos bleiben.
gasein t'ga:zjn] <sw. V.; hat) (Schweiz.): svw. t gasen (1);
gasen [ga:zn] <sw. V.>: 1. (unpers.) nach Gas (2 a) riechen
<hat>: es gast. 2. (salopp) einen Darmwind entweichen lassen
<hat>. 3. (ugs.) mit Gas (3 a). sehr schnell fahren <ist>.
4. (Fachspr.) Gas ausströmen <hat>; Gaserer ['ga:z3rej,
der; -s. - (wiener.): svw. f Gasableser; gasieren [ga'zi:ren]
<sw. V.; hat) [frz. gazer = sengen, zu: gaz = f Gas) (Textil-
ind.): (Garne) durch Absengen über Gasflammen von
Faserenden befreien; gasifizieren [gazifi't$i:ren] <sw. V.; hat)
[zu tGas (2 a)]: für Gasbetrieb herrichten; gasig ['ga:zi<;]
<Adj.; o. Steig.): gasartig, wie Gas (1. 2a): -er Qualm.
Gaskonade [gasko'na:dd]. die; -. -n [frz. gasconnade. zu:
gascon = gaskognisch.Gaskogner.zu:Gascogne =
Landschaft im südwestl. Frankreich, deren Bewohner als
Aufschneider galten] (veraltet): Prahlerei. Aufschneiderei.
Gasolin [gazo'lhn], das; -s [Kurzwort aus engl, gas = Gas.
Treibstoff u. lat. oleum = öl]: Zwischenprodukt bei der
Destillation von Rohöl; Gasometer [gazo'me:tB]. der; -s.
- [frz. gazometre = Gasbehälter, eigtl. = Luft-. Gasmesser,
zu gaz = TGas u. -metre = t-meter] (veraltend): großer
Gasbehälter.
Gaspektorn [gaspl-]. der; -[e]s. -e [zu rhein.. niedere!. Gaspel
= Schnalle. Schnürsenkel; H. u.]: Stechginster.
gaflaus in der Fügung g., gaßdn (überall in den Straßen
u. Gassen); Gäßchen fgest^n], das; -s, -: tGasse; Gasse
['gasa]. die; -. -n [mhd. ga33e. ahd. gajja. H.u.]: 1. <Vkl.
t Gäßchen) schmale od. enge Stadt-. Dorfstraße: eine enge,
winklige, krumme G.; durch die -n gehen; er wohnt in
einer abgelegenen G.; auf der G. lärmten die Kinder;
aus einer G. kommen, auf die Hauptstraße einbiegen;
R das wissen sogar die Kinder auf der G./auf den -n;
das kann man auf allen -n (abwertend; überall, allgemein,
von allen Leuten) hören; Ü [für jmdn.] eine G. bilden;
jmdm.. sich eineG. durch die Menge bahnen; die
Felswände ließen nur eine schmale G. frei; durch diese hohle
G. (veraltet; durch diesen Hohlweg) muß er kommen
(Schiller, Teil IV. 3); der Sturm reißt -n in den Waldbestand.
2. die Bewohner einer Gasse: er brachte die ganze G. in
Aufruhr. 3. (österr.) Straße (im Gegensatz zum Innern
der Gebäude): auf der G.; das Zimmer liegt an der G.;
*über die G. (über die Straße, zum Mitnehmen): Speisen.
Getränke über die G. [verlkaufen. 4. (Druckw.) als
Arbeitsplatz dienender Raum zwischen den Regalen im Setzersaal.
5. (Druckw.) über mehrere Zeilen gehender, fehlerhafter
Zwischenraum. 6. (Kegeln) freier Streifen seitlich zwischen
den Gruppen der hintereinander aufgestellten Kegel. 7.
(Fußball) Weg durch zwei od. mehrere Abwehrspieler hindurch
in den freien Raum: eine G. öffnen; den Ball in die G.
spielen. 8. (Rugby) Aufstellung der Spieler in zwei sich
gegenüberstehenden Reihen in gerader Linie rechtwinklig
zur Seitenlinie an der Stelle, wo der Ball ins Aus ging:
eine G. bilden; der Einwerfer wirft den Ball in die 5m
von der Außenlinie beginnende G.; Gasselinie [gaso-]. die:
-, -n [zu tGasse (8)] (Rugby): gedachte Linie, die die
Seitenlinie an der Stelle, wo der Ball ins Aus ging, im rechten
Winkel schneidet; gassein ['gasin], gässeln [ges|n] <sw. V.;
hat) (bayr.-österr.): fensterin.
gassen-. Gössen-: -bube, (landsch.:) ^bub. der: svw. t
^junge; Mlorf, das (landsch. veraltend): Straßendorf; -dreck,
der (salopp): * frech wie G. (sehr frech, unverschämt);
-einwurf, der (Rugby): Einwurf in die Gasse (8); -gespan.
der (Druckw.): Arbeitskollege in einer Gasse (4a): ^hauer,
der [urspr. = Pflastertreter. Nachtbummler, zu T hauen
in der früheren Bed. „treten, laufen4*, dann auf das von
Nachtbummlern gesungene Lied übertragen] (ugs.): /auf
den Straßen gesungenes] allbekanntes, triviales Lied: einen
G. singen, grölen, pfeifen, dazu: -hauerisch <Adj.; nicht
adv.): in der Art eines Gassenhauers; ^junge, der
(abwertend): sich viel auf der Straße herumtreibender / u. sich
entsprechend unerzogen u. ungezogen benehmender! Junge:
sie streckte mir glattweg die Zunge heraus wie ein G.
(Fallada, Herr 149); -kehrer. der (landsch.):
Straßenkehrer; -kinder <P1.>: vgl. ^ junge; -laden, der (österr.): zur
Straße hin gelegener Laden; -laufen, das (Milit. früher):
Spießrutenlaufen; -laufender: 1. (landsch.) svw.
TPflastertreter. 2. (Milit. früher) Spießrutenläufer; ^lied, das: vgl.
^hauer; ^lokal, das (österr.): zur Straße hin gelegenes
Lokal; -mensch, das (landsch. abwertend): Straßenmädchen.
Prostituierte; -schank, der, -schenke, die (österr.):
Ausschank für den Verkauf über die Straße; -seitig <Adj.;
o. Steig.) (österr.): auf der zur Strajie hin gelegenen Seite:
eine -e Wohnung; ^treten der (landsch.): svw. T
Pflastertreter; -Wechsel, der (Kegeln): Wettkampf auf der Bohlenbahn,
bei dem die Kugeln zur Hälfte in die linke Gasse (6). danach
zur anderen Hälfte in die rechte Gasse geworfen werden;
Mvitz, der: derber Witz; -wohnung, die (österr.): zur Straße
hin gelegene Wohnung; ^wort. das <PI. ...Wörter): derb
umgangssprachliches Wort; ^wurf, der (Kegeln): das
Werfen der Kugel in die linke oder rechte Gasse (6); -zimmer,
das lösten*.): zur Straße hin gelegenes Zimmer.
Gassi [gasi] in der Wendung G. gehen (ugs.; mit dem Hund
auf die Straße gehen): Troll, gehen wir jetzt G.?; mit dem
Hund G. gehen.
•Gast [gast].der; -[e]s.Gäste [gests; mhd., ahd. gast, urspr.
= Fremdling]: 1.1 zur Bewirtung od. Beherbergung!
aufgenommene od. eingeladene Person ohne feste Zugehörigkeit
zu dem. der sie aufnimmt, einlädt: ein willkommener,
gerngesehener G.; er ist bei uns ein seltener, ist uns ein lieber
G.; heute abend kommen Gäste zu uns; Gäste [zum Essen]
einladen, erwarten, empfangen; die Gäste unterhalten; wir
haben heute Gäste; der Hausherr begrüßte seine Gäste;
jmdn. als G. mitbringen; R Sie sind mein G./seien Sie
bitte mein G./betrachten Sie sich als mein G. (ich lade
Sie i in eine Gaststätte zu einem Essen o. ä. J ein. ich zahle,
was Sie verzehrt haben); Ü die Not war ständiger G. bei
ihnen; giftige Fremdstoffe, die alltägliche ... gefährliche
Gäste im Innern der Gewebe sind (Medizin II. 171); der
Frühling ist ein willkommener G. (man sieht es gerne,
wenn er kommt, freut sich auf ihn); 30 Testwagen .... die
für kurze Zeit G. der Redaktion waren (Auto 8. 1965,
20); (iron.:) Einbrecher und andere ungebetene Gäste;
unerwünschte Gäste wie Wanzen. Mäuse und Ratten; *bei
jmdm. zu G. sein (bei jmdm. als Gast zum Essen usw.
eingeladen u. anwesend sein); jmdn. zu G. haben (jmdn.
als Gast beim Essen haben); jmdn. zu Castle] laden, bitten
(geh.; jmdn. als Gast zu sich zum Essen usw. einladen):
dasitzen wie der steinerne G. (in einer Gesellschaft sitzen,
ohne sich am Gespräch zu beteiligen, stumm dasitzen; geht
zurück auf das in spanischen Roman/en auftauchende
volkstümliche Sagenmotiv, wonach ein steinernes
Standbild einem lebenden Rächer gleich eine Freveltat bestraft).
2.a) Besucher eines Lokals: die letzten Gäste verließen
das Lokal; einen Gast bedienen; b)jmd.. der gegen Entgelt
beherbergt wird: im Hilton wohnen viele ausländische
Gäste; ein hoher, (geh.:) illustrer G. wird heute im Hotel
erwartet; die Gäste des Hotels Excelsior; wir nehmen noch
Gäste auf; Frau Schmidt nimmt Gäste; zahlende Gäste
(im Unterschied zu Gast [1]). 3.a) jmd.. der sich / als Besu-
60 GDW
945
gast-, Gast-
cher] in einer [fremden] Umgebung, insbes. in einem
Personenkreis, zu dem er [auch fernerhin] nicht fest gehört,
zu bestimmten Zwecken [ vorübergehend] aufhält: sie war
nur G., wir waren nur Gäste in dieser Stadt, in diesem
Land; er ist ständiger G. auf dem Rennplatz (er hält
sich bei allen entsprechenden Gelegenheiten dort auf): er
ist bei uns nur ein flüchtiger G. (hält sich nicht lange
auf): der Pressemann ist kein mißliebiger G, im
Gerichtssaal, sondern als Vertreter der Öffentlichkeit Teilnehmer
an der Rechtspflege (Mostar. Unschuldig 15); als G. am
Unterricht teilnehmen; Sie wurden als Gäste [der
Regierung] willkommen geheißen; als G. [im Studio] begrüßen
wir Herrn Minister ...; eine Vorstellung. Aufführung für
geladene Gäste; Ü wir sind alle nur Gäste auf dieser Erde
(Bieler, Bonifaz 103); b) Künstler, Künstlerin,
Künstlergruppe, die an einem anderen Ort, insbes. auf einer fremden
Bühne, auftritt: berühmte Künstlerinnen]. Ensembles sind
in diesem Theater als Gäste aufgetreten; (in Programmen:)
Sopran: Rita Mutza. G. (Abk. für: als Gast); eine
Aufführung mit prominenten Gästen; c) (Sport) einzelner Sportler
oder Mannschaft, der/die auf den Kampfstätten des Gegners
zum Wettkampf antritt: vgl. Gastmannschaft. 4. <mit
abwertendem Attr.) (ugs.. bes. nordd.): Geselle (2); Mensch:
ein seltsamer, schlimmer G.; ^Gast [-]. der; -[eis. -en.
seltener auch: Gäste ['gESto] (Seemannsspr.): für einen
bestimmten Dienst vorgesehener Matrose <bes. in Zus.. z. B.
Bootsgast. Signalgast): daß ich ... diese Mannschaft unter mir
habe, die Heizer und die -en (Jahnn. Geschichten 152).
gfst-.Gfst- (vgl. auch: Gäste-): -arbeitet*, der: 1. Arbeiter,
der für [un]bestimmte Zeit in einem für ihn fremden Land
arbeitet, ausländischer Arbeitnehmer: die italienischen,
jugoslawischen G. in Deutschland; (scherzh.:) G. in Weiß.
Ausländische Ärzte in der Bundesrepublik (Hörzu 25.
1975, 48). 2. (scherzh.) a) gelegentlicher Mitarbeiter: b)
jmd.. der nur selten an seinem Arbeitsplatz erscheint, der
oft fehlt, zu 1: -arbeitergetto, das (ugs.): Stadtviertel, in
dem Gastarbeiter verhältnismäßig abgeschlossen von den
übrigen Bewohnern leben, -arbeiterheim, das; -arbeiterin,
die: 1. w. Form zu t-arbeiter. 2. (ugs. scherzh.) a)
Prostituierte aus einem anderen Ort, die sich nur vorübergehend
irgendwo aufhält u. dort ihr Gewerbe ausübt: b) ausländische
Prostituierte: c) Prostituierte für Gastarbeiter: -bett das:
Bett für den Gast (1.2 b); -bitter, der (veraltet): Person,
die zu Gast bittet, -dirigat, das: Orchester leitung eines
Gastdirigenten: Pressestimmen zu einem G. bei den
Philharmonikern (MM 3. 1. 66, 20); -dirigent, der: Dirigent,
der ein Orchester als Gast auf Grund einer vorübergehenden
Verpflichtung leitet: -dozent, der (Hochschulw.): für eine
begrenzte Zeit an eine Hochschule verpflichteter, gastweise
tätiger Dozent: -dozentin, die: w. Form zu t -^dozent; -frei
<Adj.; -er. -[eiste): großzügige Bereitschaft zeigend, Gäste
(1) einzuladen, aufzunehmen: eine -e Familie; ein -es Haus
führen; -e Aufnahme, dazu: -freiheit, die <o. PI.): wegen
seiner G. bekannt sein; -freund, der (veraltet): 1. jmd..
der einen anderen auf Grund bestehender freundschaftlicher
Beziehungen zueinander als Gast (1) bei sich aufnimmt.
2. jmd.. der auf Grund seiner freundschaftlichen Beziehungen
zu einem anderen von diesem als Gast (1) aufgenommen
wird. 3. (hist.) der als Gast (1) aufgenommene Fremde,
der als Reisender nicht unter dem Schutze seines heimatlichen
Rechtes steht und dem die Gemeinschaft, die ihn aufnimmt,
ein zeitweiliges Schutz- und Friedensverhältnis gewährte:
-freundlich <Adj.>: gastfrei u. um den Gast (1) freundlich
bemüht: -e Leute; ein -es Haus; jmdn. g. aufnehmen, dazu:
-freundlkhkeit, die <o. PI.); -freundschaft.dieiym^. [dem
Rechtsbrauch gemäß] erwiesenes Entgegenkommen, das bes.
in freundlicher Aufnahme als Gast (Du. in [Schutz u.J
Beherbergung besteht: jmds. G. genießen, in Anspruch
nehmen; Jmdm. G. gewähren; Er fand, daß der Klub die
G. gegen diese fröhlichen Ausländer etwas übertrieb
(Baum. Paris 34); ich bedanke mich für Ihre G.; er wurde
mit großer G. aufgenommen; -geber, der: 1. jmd.. der
jmdn. als Gast (1) zu sich einlädt, bei sich zu Gast (1)
hat: ein guter, aufmerksamer G.; den G. spielen. 2. (Sport)
Mannschaft* die den Gegner auf eigenem f Wettkampf]-
platz, vor eigenem Publikum empfangt: -geberin, die:
w. Form zu t -geber; -geberisch <Adj.; o. Steig.; nur attr.):
in der Art eines Gastgebers: mit -em Stolz (Habe. Namen
156); -geschenk, das: 1. freundschaftliches Geschenk des
Gastes für den Einladenden, für den Gastgeber: ein G.
mitbringen, überreichen. 2. (selten) Geschenk, das der
Gastgeber o. ä. dem Gast zur Bekräftigung seiner Gastfreundschaft
[mit]gibt: -gewerbe, das (bes. österr., Schweiz.):
Gaststätten- u. Beherbergungsgewerbe: Es sind also ... genau 50
Jahre, seit das G. im ..Hirschen" aufgegeben wurde (Voral-
berger Nachr. 28. 11. 68. 4). dazu: -«ewerWWi <Adj.:
o. Steig.) (bes. österr.. Schweiz.): das Gastgewerbe
betreffend, dazu gehörend, darauf beruhend: der -c Beruf; eine
Berufskarriere in den administrativen Zweigen eines -en
Unternehmens (Bund 15. 10. 68, 3). -gewerbeschule, die;
-haus, das: Haus mit Gaststätte [u. Zimmern zur
Beherbergung von Gästen]: im G. essen, übernachten; in einem
G. einkehren, dazu: -hausschiftd, das; -herr, der (veraltet):
svw. t-geber (1); -hof. der: Gasthaus [auf dem Lande].
dazu: -hofbesitzer, der; -hörer, der: jmd.. der an einer
Hochschule kein ordentliches Studium absolviert, sondern
nur an bestimmten Lehrveranstaltungen als Gast teilnimmt:
-hörerin, die: w. Form zu t -hören -konzert, das: gastweise
gegebenes Konzert (eines auswärtigen Künstlers. Ensembles.
Orchesters): -land, das <P1. -länder): Land, das jmdn.
als Gast (3 a) aufnimmt: die Behörden des -es behandeln
ihn mit Mißtrauen (K. Mann. Wendepunkt 261); Ü Als
Farmpelztier nach Europa eingeführt, hat sich die Nutria
in fast allen neuen Gastländern auch in der Wildbahn
selbständig gemacht (Kosmos 1. 1965. 29); -mahl, das
<P1. -mähler, auch: -e> (geh.): festliche Mahlzeit mit Gästen:
ein G. in einem Schloß (Fallada. Herr 62); Wir luden
ihn zu einem G. ein (K. Mann. Wendepunkt 89); -mann-
9chaft, die (Sport): Mannschaft, die auf dem Platz des
Gegners spielt (Ggs.: Heimmannschaft); -Ordnung« die:
Hausordnung für Gäste (2 b); -pflanze, die (Bot.):
schmarotzende Pflanze (Ggs.: Wirtspflanze); -Prediger, der;
^Professor, der: vgl. -dozent; -Prostitution, die (Völkerk.):
gastfreundliche bzw. freundschaftliche Gewährung des
Geschlechtsverkehrs insbes. mit der Ehefrau des Mannes, der
einen Gast aufgenommen hat: -recht, das: 1. (hist.) a) Recht
des Fremden. Gast zu sein. Gastfreundschaft u. Schutz in
Anspruch zu nehmen: [das] G. genießen; das G.
mißbrauchen; jmdm. das G. verweigern; b) Recht, das für die
nur vorübergehend in einer Stadt anwesenden Personen ohne
Bürgerrecht galt. 2. Berechtigung. [Anjrecht. gastweise (als
Gast 3 a) anwesend zu sein: ein eigener Staat .... der der
exterritorialen UN G. gewährt (Dönhoff. Ära 75): ^redner.
der: Redner, der eingeladen worden ist. über ein bestimmtes
Thema zu reden: als G. begrüßen wir Herrn ...; -regisseur,
der; -rolle, die: von einem Gast (3 b) [für eine bestimmte
Zeit] übernommene Rolle: eine G. übernehmen; in einer
G. auftreten; Ü (scherzh.:) sie gab in unserem Betrieb
nur eine [kurze] G. [als Übersetzerini (arbeitete nicht lange
bei uns): die Sonne hat heute nur eine G. gegeben (hat
nicht lange geschienen); -Schüler, der; -spiel, das: 1.
Auftreten als Gast (3 b): dasG. des Ensembles hatte gute Kritiken;
ein G. ankündigen, absagen; ein G. geben (als Gast 3 b
u. c auftreten): Ü er hat in dieser Firma nur ein kurzes
G. gegeben (hat nur kurze Zeit dort gearbeitet): das war
das vorläufige Ende meines -s als Anstreicher (Plenzdorf.
Leiden 101). 2. (Sport Jargon) Spiel auf dem Platz des
Gegners (Ggs.: Heimspiel): die Mannschaft konnte drei
-e für sich entscheiden (hat drei Auswärtsspiele gewonnen).
dazu: -spiebustausch, der, -spielreise, die: Das
..Sandkorn-Kellertheater" ... startete... zu einer... G. nach
Rumänien (MM 29. 8. 72. 28). -spieltruppe, die; -statte, die:
Haus. Betrieb mit einem od. mehreren Räumen bzw. Plätzen
für den Aufenthalt von Gästen, die dort gegen Entgelt
Speisen u. Getränke erhalten u. verzehren können: Restaurant.
Lokal: in einer G. zu Abend essen, dazu: -Stättenbetrieb,
der. -Stättengesetz, das <o. PI.). -Stättengewerbe, das.
-stättenleiter.der. -Stättenordnung, die; -Status, der: /
rechtliche] Stellung, in der sich jematidals Gast befindet: Jmdm.
den G. zuerkennen; -stube, die: Raum, in dem die Gäste
eines Wirtshauses sitzen u. Speisen u. Geträtike verzehren
können: -tier,das(Zool.): schnarotzendes 77er (Ggs.:
Wirtstier); -verein, der: vgl. -mannschaft; -volk, das
(Völkerk.): 1. eingewandertes Volk. 2. von einem höher
entwickelten Nachbarvolk geschütztes u. ausgebeutetes Volk:
-Vorlesung, die (Hochschulw.): gastweise gehaltene Vorlesung:
vgl. -dozent; -Vorstellung, die: vgl. -spiel; -Vortrag, der:
vgl. -Vorlesung; -weise <Adv.; auch attr. Adj.): ah Gast
(1, 3): g. anwesend sein, mitarbeiten, auftreten; -wirf,
der: Inhaber. Pächter einer Gaststätte: -Wirtschaft, die:
946
Gatter
einfachere Gaststätte; ^wort. das <P1. -Wörter) (Sprachw.
gelegtl.): geläufig u. allgemein vertraut gewordenes
Fremdwort; -zimmer, das: l.a) Zimmer zum Beherbergen eines
od. mehrerer Gäste (1); b) Zimmer zum Beherbergen eines
od. mehrerer Gäste (2 b). 2. vgl. ^stube.
Gfste- (vgl. auch: gast-. Gast-): -buch, das: a) Buch, in
das sich der Gast (1,2 b, 3 a) / mit Erinnerungs-, Dankzeilen]
einträgt; b) Buch, in das der Gast (2 b) eingetragen wird;
-handtuch. das: Handtuch für den Gast; -haus, das:
angegliedertes, zugehöriges Haus für die Unterbringung von
Gästen (1, 2, 3 a): das G. des Hotels, des Betriebs, der
Regierung; -heim, das: angegliedertes, zugehöriges Heim, Haus
für die Unterbringung von Gästen (1. 2, 3 a); -kreis, der:
Kreis von Gästen (1): ein größerer G.; -toilette, die;
^Zimmer, das: l.a) Gastzimmer (1 a); b) (meist PI.) Gastzimmer
(1 b). 2. Aufenthaltsraum für Gäste (2 b). bes. in Pensionen,
Hotels o. ä.
gasten ['gastnj <sw. V.; hat) (Schweiz, seltener): 1. als Gast
aufnehmen, beherbergen. 2. (Gäste) mit Speisen u.
Getränken bedienen; bewirten; Gasterei [gaste*r^j]. die; -, -en:
Schmauserei, Festessen: Champagnergelage, üppige -en
kamen bei uns nicht in Frage (K. Mann. Wendepunkt 194);
gastieren [gas'ti:ran] <sw. V.; hat) [urspr. = bewirten.
zu fGast]: 1. als Gast (3 b) auftreten: das Orchester, die
Sängerin gastiert in London; ein Variete, ein Zirkus gastiert
in der Stadt; Am Wochenende gastierte Ost-Berlins
Deutsches Theater in Bonn (Spiegel 5. 1966. 46); Nicoletta
v. Niebuhr. die ..auf Engagement gastierte" (K. Mann.
Mephisto 94). 2. (Sport) am Ort bzw. auf dem [ Wettkampf] -
platz der gegnerischen Mannschaft zum Wettkampf
antreten; auf dem Platz des Gegners spielen: am Freitag gastieren
die Berliner in Frankfurt; gastlich ['gastIn;] <Adj.) [mhd.
gastlich, zu tGast]: dem Gast gemäß, aufsein Wohlergehen
gerichtet; in Art od. Verhalten so, daß sich ein Gast wohl
fühlt; gastfreundlich: ein -es Haus; -e Aufnahme finden;
imdn. g. empfangen, aufnehmen; Das Hotel Hegt an einer
stillen Gracht.... und der Wirt, denkt man. sei altväterlich
g. (Koeppen. Rußland 64). dazu: Gastlichkeit, die; -:
Vielleichtentsprang ... seineG. und Gebefreude einem dunklen
Vorwissen (Werfel. Himmel 10).
Gastr...: tgastro....Gastro...;Gastria [gas'tre:al.die; -, ...äen
Igriech. gastraia = Bauch eines Gefäßes) (Zool.):
hypothetisches, einer Gastrula ähnelndes Lebewesen als Stammform
aller mehrzelligen Tiere; <Zus.:) Gastriatheorie, die: -: von
dem dt. Zoologen und Naturphilosophen E. Haeckel
(1834-1919) aufgestellte, noch relevante Theorie, nach der
allen mehrzelligen Tieren die Urform der Gasträa zugrunde
liegt;gastral[gas'tra:!] <Adj.; o. Steig.; nur attr.) [zu «riech,
gaster (Gen.: gaströs) = Bauch, Magen) (Med.): zum
Magen gehörend, den Magen betreffend; Gastralgie [gastral'gi:].
die; -. -n [...i:an; zu griech. älgos = Schmerz] (Med.):
Magenkrampf; Gtstr&tasielgastrzkXa'K:]. die; -. -n [...i:dn]
(Med.): Magenerweiterung; Gastrektomie [gastrektomi:].
die; -. -n [...i:snj (Med.): vollständige operative Entfernung
des Magens; gastrisch [gastnj] <Adj.; o. Steig.; nur attr.)
(zu griech. gaster (Gen.: gaströs) = Bauch, Magen] (Med.):
zum Magen gehörend, vom Magen ausgehend; Gastritis
[gas'tri.tis], die; -. ...itiden (Med.): Magenscixleimixautent-
zündung, Magenkatarrh; gastro..., Gastro.... (vor Vokalen
gelegtl.:) Gastr... [gastr(o)...; griech. gaster (Gen.: gaströs)
= Bauch. Magen] (Best, in Zus. mit der Bed.): magen-,
Magen- (z. B. gastroduodenal. Gastroenteritis. Gastralgie);
gastroduodengl <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): Magen u.
Zwölffingerdarm betreffend; Gastroenteritis, die: -. ...itiden:
Entzündung der Schleimhäute von Magen u. Dünndarm:
Gastroenterokolitis, die; -. ...itiden: Entzündung des
gesamten Verdauungskanals, vom Magen bis zum Dünndarm;
Gastroenterologe, der; -n. -n [T-loge]: Arzt mit speziellen
Kenntnissen auf dem Gebiet der Magen- u.
Darmkrankheiten; gastrogen [...ge:n] <AdJ.; o. Steig.; nicht adv.) [t-gen]:
vom Magen ausgehend; gastrointestingl <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.): Magen u. Darm betreffend; Gfstrokamera,
die; -. -s: Apparat, mit dessen Hilfe sich aus dem
Mageninneren Aufnahmen machen lassen; Gastrolith [...li:t. auch:
...litl, der; -s u. -en. -e[n] [t-lith]: svw. t Bezoar; Gastromala-
zfe. die; -. -n [...i:an]: Magenerweichung infolge
Selbstverdauung des Magens nach dem Tode; Gastromegalie l...mega-
li:]. die; -, -n [...i:an; griech. megalo- zu megas = groß,
hoch, weit]: abnorme Vergrößerung des Magens; Gastronom
[...no:m]. der; -en, -en [frz. gastronome = Feinschmecker.
zu TGastronomie]: Gastwirt mit besonderen Kenntnissen
auf dem Gebiet der Kochkunst u. des Gaststättenwesens;
Gastronomie [...no'mi:]. die; - [frz. gastronomie = Fein-
schmeckerei, feine Kochkunst < griech. gastronomfa =
Vorschrift zur Pflege des Bauches (ein Buchtitel der
Antike)]: 1. Gast Stättengewerbe. 2. feine Kochkunst;
gastronomisch!.. .no:miJ]<Adj.; o. Steig.): X.dasGaststättengewerbe
betreffend, dazu gehörend, darauf beruhend. 2. die feine
Kochkunst betreffend, dazu gehörend, darauf beruhend: die
jüngste -e Attraktion der Stadt ist ein Japanisches
Restaurant; Gastropathie [...pa'ti:]. die; -. -n [...i:dn; t-pathie]:
Erkrankung des Magens, Magenleiden; Gastropode
[...'poxb], der; -n. -n <meist PI.) [zu griech. poüs (Gen.:
podös) = Fuß] (Zool.): Schnecke (als
Gattungsbezeichnung); Gastroptose, die; -. -n [tPtose]: [angeborener]
krankhafter Tiefstand des Magens; Magensenkung: an G.
leiden; Gastrose [gas'tro:zD]. die; -. -n (veraltend): nicht
entzündliche organische u. funktionelle Veränderungen des
Magens: eine chronische G.; Gastroskop [...sko:p]. das;
-s. -e [zu griech. skopein = betrachten, beschauen]: mit
Beleuchtungseinrichtung u. Spiegel versehenes, durch die
Speiseröhre einzuführendes Endoskop zur Untersuchung des
Mageninneren; Gastroskopie [...sko'pi:]. die; -. -n [...i:an]:
Untersuchung des Mageninnern mit dem Gastroskop; Ga-
strosoph [...'zo.'O. der; -en. -en [zu griech. sophös = klug,
kundig]: A nhänger der Gastrosophie; Gastrosophie [... zo' fi: ].
die; - [zu griech. sophfa = Weisheit]: die Kunst, Tafelfreu-
denmit Weisheit zu genießen, dazu: gastrosophisch [...zo:fiJ]
<Adj.; o. Steig.): Gastrospfsmus, der; -. ...men:
schmerzhafte Zusmnmenziehung des Magens, Magenkrampf:
Gastrostomie [...Storni:], die; -. -n [...i:an; zu griech. stöma =
Mund. Mündung]: operatives Anlegen einer Magenfistel
zur künstlichen Ernährung; Gastrotomie [...to'mi:]. die. -.
-n [...i:an; zu griech. tome = Schneiden. Schnitt]: operative
Öffnung des Magens; Magenschnitt; Gastrozöl [...tß0:l].
das; -s. -e [zu griech. koilia = Bauchhöhle]: svw. tUrdarm;
Gastrula [gastrula]. die; - [zu griech. gaster (Gen.: gaströs)
= Bauch. Magen] (Zool.): aus zwei Zellschichten (Ento-
derm u. Ektoderm) bestehender, oft becherförmiger Keim
(Entwicklungsstadium mehrzelliger Tiere). <Abl.:) Gastru-
lation [gastrula*|ßio:n]. die; -. -en (Zool.): Bildung der
Gastrula (meist durch Einstülpung).
Gastung ['gastun], die; -. -en [zu t gasten]: 1. (Schweiz,
seltener) a) Aufnahme, Beherbergung als Gast; b) Bedienung
(von Gästen) mit Speisen u. Getränken; Bewirtung. 2, (hist.)
unentgeltliche Beherbergung u. Beköstigung des Königs u.
seiner Amtsträger (nach mittelalterlichem Recht).
Gat: TGatt.
Gate [geit], das; -s. -s [engl, gate = Tür. Tor; nach der
Vorstellung einer sich öffnenden u. schließenden Tür]
(Physik): spezielle Elektrode zur Steuerung eines
Elektronenstroms; Gatefold ['geitfould]. das; -s. -s [engl, gate fold.
zu: gate = Klappe, beweglicher Rahmen u. fold =
Faltung. Falz] (Druckw.): Faltblatt, das ein Buch, eine
Zeitschrift o. ä. um die Größe einer Seite erweitert.
Gatefhose] [gate-]. die; -. -n (ostösterr. ugs.): Unterhose.
gütlich l'getli^] <Adj.) (veraltet, noch landsch.): passend.
Gatt. Gat [gat]. das; -[e]s. -en u. -s (Seemannsspr.): l.a)
Loch, Öse im Segel (für Tau od. Leine); b) kurz für
tSpeigatt. 2. kurz Tür f Hellegatt.
Gatte ['gate], der; -n. -n [mhd. gate = Genosse. Gefährte;
Ehegefährte. Ehemann, neben: gegate. eigtl. = der einem
gleichsteht, der derselben Gemeinschaft angehört]: 1. (geh.)
Ehemann (wird außer in Österreich auf den Ehemann einer
anderen Frau bezogen und schließt einen höheren sozialen
Status ein): ein liebevoller, treuer, aufmerksamer G.; wie
geht es Ihrem -n?; sie kam in Begleitung ihres -n. 2. <P1.)
(veraltend) Eheleute: beide -n stammen aus München;
satten ['gatn]. sich <sw. V.; hat) [mhd. gaten =
zusammenkommen, genau zusammenpassen; vereinigen, refl.: sich
fügen, sich zugesellen, sich vereinigen, zu tGatte] (dichter.):
sich paaren, sich verbinden: zwei Eigenschaften, die sich
gatten; sich [mit] einer Sache g.
Gatten-: -liebe, die (geh.): Liebe des Ehemanns u. der Ehefrau
zueinander; Mnoitl, der (jur.. sonst geh.): Mord am
Ehepartner; -pflicht, die (geh.); -treue, die (geh.); -wähl, die:
1. (geh.) Wahl des Ehepartners. 2. (Biol.) [Ausjwahl des
Geschlechtspartners.
Gatter [gate], das; -s, - [mhd. gater, ahd. gataro = Gatter
als Zaun od. Tor; Pforte aus Gitterstäben (an Burgen)]:
60*
947
Gatter-
l.a) [Latten/zäun: Sie (= die Kuh) streckt anhänglich
den Kopf über das G. (Molo, Frieden 49); b) Latten-.
Gittertor: Einmal war ein G. bloß angelehnt (Johnson.
Ansichten 72); c) (Pferdesport) senkrechter Lattenverschlag
zwischen zwei Pfosten als Hindernis bei Springprüfungen.
2. (Jägerspr.) Gehege: das G. muß erweitert werden. 3.
(Technik) a) Rahmen mit den Sägeblättern (bei der Gatter-
säge): b) Gattersäge. 4. (Technik) Spulengestell an
Spinnmaschinen. 5. (Elektronik) Schaltkreis, der elementare
logische Verknüpfungen realisiert: die zum Umschalten eines
TTL-Gatters nötige Energie (Elektronik 12. 1971. 408).
Gatter-: ^pforte. die: vgl. ^tor; -säge, die (Technik):
Maschine, die mit Hilfe hin- u. hergehender Sägeblätter
Baumstämme zu Brettern u. Bohlen zersägt: ^Schaltung,
die (Elektronik): vgl. Gatter (5); -tor. das: 1. Tor des
Gatters (2). 2. Gatter (1 b); -tiir. die: vgl. -tor.
Gatterich ['galan^l, der; -s. -e [nach dem Muster von:
Enterich. Gänserich usw.] (ugs. scherzh.): E/iemann.
gattern f'gaten) <sw. V.; hat) [zu tGatter] (landsch.):
umzäunen, einzäunen: in ein Gatter einschließen.
gattieren [ga'ti:ron] <sw. V.; hat) [mit roman. Endung geb.
zu tgattenl: I. (Textilind.) Baumwolle aus verschiedenen
Ballen od. Sorten mischen, damit ein aus ziemlich gleichen
Bestandteilen zusammengesetztes Ausgangspnxiukt
entsteht. 2. (Hüttenwesen) die Ausgangsmaterialien zum
Erschmelzen eines Eisens im richtigen Mengenverhältnis zur
gewünschten Zusammensetzung des Etuiproduktes
zusammenstellen: <Abl.:> Gattkrung, die; -, -en, dazu: Gattie-
rungswaage, Gattknvaage, die: Gerät zur
Gewichtsbestimmung der einzelnen Bestandteile bei der Gattierung.
Gattin ['gatml. die; -. -nen [w. Form zu tGatte (1)1 (geh.):
Ehefrau (wird außer in Österreich auf die Ehefrau eines
anderen Mannes bezogen und schließt einen höheren
sozialen Status ein): grüßen Sie bitte Ihre G. [von mir];
(veraltend.) empfehlen Sie mich Ihrer G.!; Gattung [gatonl.
die; -. -en [zu tgatten]: l.a) Gesamtheit von / Arten von!
Dingen. Einzelwesen. Formen, die in wesentlichen Eigen-
scliaften übereinstimmen: -en der bildenden Kunst sind
Baukunst. Plastik. Malerei; das Fertigungsprogramm ...
findet seinen Hauptträger in dem einreihigen Mantel,
wobei 2 -en das Fundament bilden,... der Mantel mit
Kugelärmel sowie der Mantel mit Raglanärmel (Herrenjournal
3,1966.48); Menschen. Waren. Schiffe. Lokomotiven jeder
G. (unterschiedlichster Artu. Herkunft): die schöne
Literatur gliedert sich in die drei -en Lyrik. Epik und Dramatik;
b) kurz für T Waffengattung: Hab mich übrigens freiwillig
gemeldet ... Rat mal, zu welcher G. (Grass. Katz 116).
2. (Biol.) Gesamtheit nächstverwandter Arten von Lebewesen
(zwischen Art u. Familie stehende Einheit im System der
Lebewesen): verwandte -en; diese G. von Tieren ist
ausgestorben; Zuckerahorn gehört zur G. Ahorn.
g?ttungs-, G?ttungs-: ^bastard, der (Biol.): aus einer
Kreuzung zwischen zwei verschiedenen Gattungen
hervorgegangener Bastard: Sogar -e, eine große Seltenheit im
Pflanzenreich, gelang es E. Morren erstmalig zu erzielen (Kosmos
1. 1965. 19); -begriff, der: Allgemeinbegriff, der mehrere
Artbegriffe zusammenfaßt: Der Begriff des Faschismus
wird in doppeltem Sinne gebraucht: er ist politischer G.
und bezieht sich zugleich auf die ... Erscheinungsform
des italienischen Fascismo (Fraenkel. Staat 82); -bezeich-
nung, die (bes. Fachspr.): Bezeichnung für eine Gattung
von Dingen. Lebewesen usw. bzw. für Dinge. Lebewesen
m.vh\. insofern sie ihrer Gattung nach bestimmt sind: -fremd
<Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: nicht zur / selben] Gattung
gehörend: -gleich <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: zur gleichen
Gattung gehörend: -kauf, der (jur.): Kauf einer nur der
Gattung nach, aber sonst nicht näher bestimmten Sache.
Genuskauf (z. B. der Kauf von 100 Flaschen Wein ohne
nähere Angabe über Jahrgang oder Lage; Ggs.:
Spezieskauf): ^lage, die (Winzerspr.): Lage im Weitiberg. die sich
über die Grenzen einer Gemarkung hinaus in eine andere
fortsetzt: -maierei, die: nach den Gattungen der
dargestellten Gegenstände (Landscliajten. Stilleben u.a.)
unterschiedene niederländische Malerei des Barocks im Gegensatz zu
der in religiöse od. profane Themen unterschiedenen
Malereides Mittelalters u. der Renaissance: -mäßig <Adj.;
o. Steig.; nich t prad.): der Gattung entsprechend, die Gattung
betreffend: -name. der: 1. Name einer Gattung. 2.
(Sprachw.) Gattungsbezeichnung. Appellativ (Ggs.:
Eigenname); -poesie, die (Literaturw.): Dichtkunst der
literarischen Gattungen (bes. Lyrik, Epik u. Dramatik); -poetik,
die (Literaturw.): Poetik der literarischen Gattungen u.lod.
Untergattungen: -sdmild, die (jur.): Schuld, die eine tmr
der Gattung nach, aber sonst nicht näher bestimmte Leistung
zum Inhalt hat (Ggs.: Speziesschuld); vgl. -kauf.
Gau [gap], der (landsch.: das); -[e]s, -e [mhd. gou, göu
= Land(schafl). Gegend; wahrsch. eigtl. = Land am
Wasser, Kollektivbildung zu TAuel: 1. (bes. hist.) in sich
geschlossene Landschaft, großer landschaftlicher Bezirk: die
Untergruppen germanischer Stämme siedelten in -en;
(iron.:) pasteurisierte Politiker aus Niedersachsen und
anderen deutschen -en (Dönhoff, Ära 182). 2. (ns.) Region,
großer landschaftlicher Bezirk, insbes. als einer der
organisatorisch zusammengefaßten Zuständigkeitsbereiche einer
Partei, eines Verbandes; Giu [gqyl. das; -[eis. -e [Nebenf.
von tGaul: 1. (österr.. Schweiz.) Gau (1). 2. (österr.)
bestimmtes abgegrenztes Gebiet, für dasjmd. in einer
bestimmten Funktion zustätidig ist: in diesem G. kassiert er die
Beiträge ein; *imdm. ins G. kommen (österr.. Schweiz.;
jmdm. ins Gehege kommen). 3. (Schweiz.) Land (bes. im
Gegensatz zur Stadt); *das G. hinauf und hinab (landauf,
landab); im ganzen G. (in weitem Umkreis); ins G. gehen
(hinter einer Frau, den Mädchen hersein).
Gau-: ^fiirst, der (hist.); -gericht, das (hist.); -graf, der
(hist.); -kirche, die (hist.): die in einem Gau (1) als
Missionszentrum erbaute Kirche, mit den später erbauten Kirchen
einen Gaukirchenverband bildend, dessen Mutterkirche sie
war; -könig, der (hist.); -leiter. der (ns.): Leiter eines
Bezirks der Partei; -leitung, die (ns.); -liga (ns. Sport);
-meister, der (ns. Sport); -Staat, der (hist.): Gemeinwesen,
das im Gegensatz zur Polis von einem Volksstamm gegründet
wurde: Neben einem zweiten, historisch nie wirklich
relevant gewordenen Typ. dem Stamm- oder G. ... stellt die
Polis ... die wichtigste ... Staatsform dar (Fraenkel. Staat
257); -weise <Adv.>: nach Gauen; Gau für Gau.
Gaube [g^pbaj. Gaupe [g^pal. die; -. -n [spätmhd. gupe
= Giebelvorbau. Erker, wohl zu mhd. gupfte) = Spitze.
Gipfel): svw. t Dachgaube.
Gauch [gauxj. der; -[eis, -eu. Gäuche [gqy<p; mhd. gouch.
ahd. gauh. lautm.j (veraltet): 1. Kuckuck. 2. Narr. Tor:
Nicht provozieren lassen von diesem G. (Welt 21. 1. 77. 3);
<Abl.:> Gauchbhime. die: Wiesenschaumkraut. Kuk-
kucksblume; Gauchheil, der; -[eis, -e (mhd. goucheil. zu
t heilen, weil man dem Kraut die Kraft beilegte, den
Wahnsinn zu heilenl: Primelgewächs (meist Ackerunkraut).
Gauchismus [go'Jismos]. der; - [frz. gauchisme. zu: gauche
= links. Linke): (links von der Kommunistischen Partei
Frankreichs stehende) linksradikale politische Bewegung.
Ideologie in Frankreich; Gauchist [go'Jist]. der; -en. -en
[frz. gauchiste]: Anhänger des Gauchismus; gaudiistisdi
<Adj.; o. Steig.): den Gauchismus betreffend, dazu gehörend,
darauf beruhend.
Gaucho fgautjb], der; -[s]( -s [span. gaucho. wahrsch. aus
einer Indianerspr.): berittener Viehhirt der
südamerikanischen Pampas.
Gaudeamus [gaudea.mos], das; - [nach dem Liedanfang:
Gaudeamus igitur ... = freuen wir uns also; gaudeamus
= 1. Pers. PI. Konj. Präs. von lat. gaudere = sich freuen,
lat. igitur = also]: bekanntes altes Studentenlied; Gaudee
[gau'de:], die; -. -n [TGaudium] (österr. ugs., oft
abwertend): Vergnügung. Unterhaltung; Gaudi ['gaudi], das; -s.
(auch bayr.. österr. nur:) die; - (ugs.): Gaudium. Spaß.
Vergnügen. Belustigung: Eine hochsommerliche G. sind
die Floßfahrten auf der Isar (MM 13. 8. 71. 10); wir
haben eine große G.. viel G. gehabt; dann die Stunden
voll heimlichem, verbotenem G. (Feuchtwanger. Erfolg
28); <Zus.:> Gaudibursdi, der (bayr): jmd.. der das Leben
leichtnimmt, immer zu Spaßen aufgelegt ist u. für Stimmung
sorgt; Spaßvogel: Wir brauchen keine Juristen in der
Politik, wir brauchen -en, Bauernführer, Grimassenschneider
(Hörzu46. 1972, 18).
Gaudieb l'gau-1, der; -[eis, -e [aus dem Niederd., zu mnie-
derd. gauwe = schnell, behend (verw. mit jäh) u. tDieb]
(nordd. veraltet): Gauner.
Gaudium ['gaudlom], das; -s [lat. gaudium = Freude.
Vergnügen]: Spaß. Belustigung: etw. ist ein G. für jmdn.;
seinG. haben; etw. geschieht zu jmds. G.; Zum allgemeinen
G. flocht auch Gerhard hin und wieder einen guten Witz
... ein (Hildesheimer, Tynset 90); Gaydiwirm, der; -[eis.
-würmer (ugs. scherzh.): Fastnachtszug: Den närrischen
948
Gauner
G. ließ Viernheims Prinzessin ... an sich vorbeidefilieren
(MM 5. 3. 73, 16).
Gäuer ['ggys], der; -s. - (schweiz.): Bewohner eines Gaus
(1).
Gaufell] [gaufa. ...f|). die: -. -n [mhd. goufe] (Schweiz.):
I. hohle Hand. 2. bestimmte Menge (zwei Hände voll).
Gaufrage [go'fraisa]. die; -. -n [frz. gaufrage, zu t gaufrieren]
(Textilind.): Narbungod. Musterung von Papier od.
Geweben; Gaufre [gofre:]. das; -[s]. -s [eigtl. = 2. Part, zu
frz. gaufrer. t gaufrieren] (Textilind.): Gewebe mit
eingepreßtem Muster; gaufrieren [go'fri:ren] <sw. V.; hat) [frz.
gaufrer = Figuren auf etw. pressen, zu: gaufre = Waffel
< afrz. walfre < mniederl. wäfel, verw. mit dt. Waffel]
(Textilind.): ein Muster in ein Gewebe, Papier od. Karton
mit Hilfe von Druck u. Wärme auf dem Gaufrierkalander
einprägen; <Zus.:> Gaufrferkalander, der (Textilind.):
Kalander zur Narbung od. Musterung von Papier od. Geweben.
Gauge [geid3], das; - [engl, gauge = Normalmaß]: (in der
Strumpffabrikation) Maß zur Angabe der Maschenzahl u.
damit zur Feinheit des Erzeugnisses; Abk.: gg
Gaukel- [gaukl-; zu tgaukeln] (geh.): -bild. das:
vorgegaukeltes [ PhantasieJbild; -kunst, die: Zauber- u.
Taschenspielerkunst; -spiel, das (abwertend): [kunstreiche]
Vorspiegelung, Vortäuschung; -spielender (selten): svw. tGaukler;
Mverk, das <o. PI.) (veraltend): vgl. ^spiel.
Gaukelei [gapka'laj]. die; -. -en [zu Tgaukeln] (geh.): a)
i kunstreiche, verführerische] Vorspiegelung, Vortäuschung:
Die helle Luft, die unsichtbare Strahlung der Lockung,
das: hier laßt uns Hütten bauen, die alte, ewige G. -
als wenn Frieden jemals länger als für eine Nacht aus
dem Blute kommen könnte (Remarque. Triomphe 369);
b) spaßiger Unfug, Possenspiel: Freilich, er ist auch ein
Schalksnarr und Komödiant, stets geneigt zu Maskeraden
und -en (K. Mann. Wendepunkt 107); gaukehaft <AdJ.;
-er. -este> [zu t gaukeln] (geh. abwertend): svw. t
gauklerisch; gaukeln[gajikln] <sw. V.) [mhd. goukeln. ahd. gou-
kolön = Zauberei treiben. Possen reißen, zu mhd. goukel.
ahd. goukal = Zauberei; Taschenspielerei; Posse. H. u.]:
I. (dichter.) leicht und spielerisch schaukelnd schweben,
ohne Eile sich leicht schaukelnd ohne feste Richtung bewegen
<ist>: der Schmetterling gaukelt von Blüte zu Blüte; ...
daß den Heilrufem Schneeflocken ins offene Maul
gaukelten (Grass. Hundejahre 238); Ü Umnebelt gaukelten die
Gegenstände vor meinem Gesicht (v. d. Grün. Irrlicht
14); Gaukelt nicht über Jedem Haupte ... noch eine
Möglichkeit, an die wir geklammert sind (Kaiser. Bürger 37);
Eine kleine Musik gaukelte über die Bühne (Geissler.
Wunschhütlein 111). 2. <hat> a) (selten, geh.) etwas
vorspiegeln, vortäuschen: b) (veraltet) Zauber-, Taschenspielerkunst
treiben; Gaukler [ga^kte], der; -s, - [1 a: mhd. gouketere.
ahd. gouguläri. zu f gaukeln; 2: wegen seiner an
Zirkuskünste erinnernden Balzflüge]: l.a) (veraltet, noch geh.) jmd.,
der akrobatische o.a. Kunststücke auf dem Jahrmarkt, im
Zirkus vorführt: G. wie Degenschlucker. Seiltänzer und
Zauberkünstler; b) (geh.) jmd., der anderen etw. vormacht,
ihnen durch allerlei Tricks etw. vorzutäuschen versucht: ist
er ein G. oder ein Genie? 2. in Mittel- u. Südafrika
beheimateter, zu den Schlangenadlern gehörender, bussardgroßer
Greifvogel mit schwarzer Grundfärbung, rostroter Oberseite,
weißer Flügelunterseite, rotem Gesich t, roten Füßen u. dickem
Schopf am Hinterkopf.
Gaukler-: -bhme, die [der lat. Name der Pflanze (Mimulus)
heißt übersetzt,.maskierter kleiner Schauspieler"; die
Blumenkrone hat die Form einer Maske]: l Zier]pflanze mit
ungeteilten gegenständigen Blättern u. großen, gelben bis
braunen Blüten; Affenblume; -bude, die; -kunst, die; -spiel,
das; -trick, der; -trappe, die.
Gauklerei [gapkb'raj], die: -. -en: a) (veraltet) Aus-,
Vorführung der Künste eines Gauklers (1 a); b) (geh. abwertend)
Trick, mit dem jmd. getäuscht werden soll; gauklerhaft
<AdJ.; -er, -este>: in der Art eines Gauklers, wie von einem
Gaukler (1); Gauklerin, die; -. -nen: w. Form zu tGaukler;
gauklerisch <Adj.) (zu T gaukeln] (geh. abwertend):
vorspiegelnd, vortäuschend, vorgaukelnd.
gauksen ['gauksn] <sw. V.; hat) (ostmd.): schreien, jaulen.
Gaul [gapl], der; -[e]s, Gäule [ggyb] <Vkl. TGäulchen) [mhd.
gül = Pferd; männliches Tier, insbes. Eber. H.u.]: 1.
(abwertend) schlechtes Pferd: ein alter, magerer G. 2.
(regional, sonst veraltet) Pferd: die Gäule einspannen; Spr
einem geschenkten G. schaut/sieht man nicht ins Maul
(mit einem Geschenk soll man, so wie es ist, zufrieden sein,
man sollte froh sein, überhaupt etwas geschenkt bekommen
zu haben; Alter u. Wert eines Pferdes stellt der Käufer
dadurch fest, daß er ihm ins Maul sieht u. den Zustand
seines Gebisses prüft); *etw. wirft einen G. den stärksten
G. um (ugs.; etw. überfordert die Widerstandskraft bei
weitem, ist nicht zum Aushalten, etw. ist so geartet, daß man
es nicht aus-, durchhält): jmdm. zureden wie einem lahmen
G. (ugs.; jmdm. auf eindringliche Weise gut zureden; wie
man es bei einem lahmen Gaul tut. damit er wieder
weitergeht); jmdm. geht der G. durch (svw. jmdm. gehen die
t Pferde durch); den G. beim Schwanz aufzäumen (svw.
das t Pferd beim Schwanz aufzäumen); Gäulchen [ggyl^n],
das; -s. - (selten): tGaul.
Gaullismus [go'hsrnos]. der; - [frz. gaullisme]: auf den
französischen General u. Staatspräsidenten Ch. de Gaulle
(1890-1970) zurückgehende politische Bewegung, die eine
autoritäre Staatsführung u. eine führende Rolle Frankreichs
in Europa zum Ziel hatte; Gaullist [go'hst], der; -en. -en
[frz. gaulliste]: Verfechter, Anhänger des Gaullismus;
gaullistisch [golistij] <Adj.; Steig, ungebr.): a) <o. Steig.) den
Gaullismus betreffend, zu ihm gehörend: eine -e Regierung;
b) vom Gaullismus geprägt, auf ihm beruhend, ihm folgend:
eine -e Einstellung; g. gesinnt sein.
Gaultheria [g3l'te:rja]. die; • -. ...ien [...pn; nach dem kanad.
Botaniker J. F. Gaultier (1708-1756)]: Heidekrautgewächs
mit eiförmigen Blättern u. krug- oder glockenförmigen
Blüten; <Zus.:> Gaultheriaöl, das; -[e]s. -e: als Heilmittel
verwendetes öl der Gaultheriapflanze.
gaumen [ ga^rnsn] <sw. V.; hat) [mhd. goumen] (Schweiz.):
1. behüten, hüten: das Haus und die Kinder g. 2. bewahren,
wahren: seine Unabhängigkeit sorgfältig g.
Gaumen [-]. der; -s. - [mhd. goume. ahd. goumo. verw.
mit t gähnen]: 1. obere Wölbung der Mundhöhle: harter,
knöcherner G. (vorderer Gaumen); weicher G. (hinterer
Gaumen, Gaumensegel); mein G. ist ganz trocken. 2. (meist
geh.) Gaumen (1) als Geschtnacksorgan, mit dem man die
Qualität guter Speisen u. Getränke genießt; Sinn für gutes
Essenu. Trinken: einen feinen G. haben (ein Feinschmecker
sein); etw. kitzelt den G. (ist sehr appetitlich; ist etwas
für Feinschmecker); etw. kann auch den verwöhntesten
G, (Geschmack) reizen; etw. beleidigt den G. (schmeckt
sehr schlecht), schmeichelt dem G. (schmeckt sehr gut);
etw. ist etw. für jmds. G. (etw. schmeckt jmdm. sehr gut);
etw. ist etw. für einen verwöhnten G. (schmeckt sehr gut,
befriedigt einen Feinschmecker).
Gaumen-: -bein, das (Anat.): paariger Knochen, der den
hinteren Abschnitt des harten Gaumens bildet; -bogen, der
(Anat.): eine der zwei je doppelt vorhandenen
Schleimhautfalten beiderseits des Gaumensegels, zwischen denen die
Gaumenmandel liegt: die vorderen, die hinteren
Gaumenbogen; -freude, die (meist PI.) (geh.): Speise od. Getränk,
das ein Genuß für den ist, der gern gut ißt u. trinkt; -kitzel,
der: a) (geh ) vgl. ^freude; b) (salopp scherzh. verhüll.)
Fellatio; -knochen, der (Anat.); ^laut. der: svw. tGuttural;
-lust, die <o. PI.) (selten): Lust, gut zu essen u. zu trinken:
-mandeLdie (Anat.): zwischen den Gaumenbogen liegendes,
beim Menschen mandelgroßes Organ; -platte, die: dem
Gaumen anliegende Kunststoffplatte, die den Zahnersatz trägt;
^R, das (mit Bindestrich): svw. t Zäpfchen-R; ^reiz, der
<P1. selten) (geh.): svw. t^kitzel (a); -segel, das (Anat.,
Phon.): weicher Gaumen (hinterer Teil des Gaumens), Ve-
lum, dazu: -segellaut, der: svw. f Velar; -spalte, die (Med.):
Längsspalte im Gaumen (angeborene Mißbildung);
-Tonsille, die (Anat.): svw. t-mandel; -vergnügen, das (geh.):
svw. t-freude; -zäpfchen, das: vgl. Zäpfchen.
Gaumer ['gajimp], (gelegtl.:) Giumer ['ggymü], der; -s, -
[zu tgaumen] (Schweiz.): jmd., derjmdn., etw. beaufsichtigt;
Hüter.
gaumig [gaumig] <Adj.; Steig, ungebr.): durch eine
Artikulation gekennzeichnet, die in auffalliger od. anormaler Weise
vom hinteren Gaumen ausgeht: -e Laute; g. sprechen.
Gaumschule l'gaym-], die; -, -n [zu tgaumen] (schweiz.):
Kleink inder schule.
Gauner ['gapm»], der; -s, - [älter: Jauner, gaunerspr. (IS. Jh.)
Juonner. Joner = (Falsch)spieler. wahrsch. zu hebr. y?w^n
= Griechenland, eigtl. = Jonier] (abwertend): I. jmd.
(eine männliche Person), der auf betrügerische Art andere
zu übervorteilen versucht; Betrüger, Schwindler u./od. Dieb,
Spitzbube. 2. (ugs.) schlauer, durchtriebener Mensch.
949
gauner-, Gauner-
aaimer-, Gauner-: -bände, die; -clique, die: -komödie, die
(Theater): heiteres Bühnenstück, in welchem nach dem
Vorbild des Schelmenromanes Gauner (2) die Hauptrolle spielen,
oft mit gesellschaftskritischem Aspekt: -spräche, die: (bes.
auch als Geheimsprache verwendete, im Wortschatz von
der Hochsprache sehr verschiedene) Sondersprache der
Landstreicheru. Gauner.dazu: -sprachlich <Adj.; o. Steig.):
-e Wörter; -streich, der; -stück, das; strick, der; ^wort,
das <P1. -Wörter): vgl. ^spräche; -zinken, der:
Geheimzeichen der Gauner (1) an Türen u. Wänden (vgl. Zinken).
Gaunerei [gayna'raj], die; -, -en: Handlung. Tat eines
Gauners: Betrügerei: gaunerhaft <Adj.; -er, -este): in der Art
eines Gauners betrügerisch, unehrlich: gaunerisch <Adj.; o.
Steig.): die Gauner betreffend, zu ihnen gehörend, von ihnen
stammend: gaunern ['gaumm] <sw. V.; hat) [zu TGauner]:
Gaunereien verüben: betrügen: Gaunertum, das; -s: in ihrem
Wirkungs- u. Erscheinungsbereich feste, eigengesetzliche
Existenz des Gauners bzw. der Gauner, fester
Wirkungsbereich, eigengesetzliche Welt der Gauner.
Gaupe: tGaube.
Gaur [g^ie], der; -s[. -[s] [Hindi]: ituiisches Wildrind.
GauD [gaus]. das: -. - [nach dem dt. Mathematiker u.
Physiker C. F. Gauß (1777-1855)] (Physik): (nicht gesetzliche)
Einheit der magnetischen Induktion (Zeichen: G od. Gs);
vgl. Tesla.
Gautsch- [zu tgautschen]: -brett, das (Druckw.): Brett zum
Pressen der nassen Papierbahn: -brief, der (Druckw.):
urkundenähnliche Bestätigung. dalS der Betreffet lge-
gautscht (2) worden ist: ^fest, das (Druckw.): das feierliche
xGautschen (2) u. der anschließende Umtrunk: -presse, die
(Papierherstellung): Vorrichtung, zwischen deren Walzen
die feuchte Papierbahn zusammengepreßt u. weiter
entwässert wird: -walze, die: vgl. ^presse.
*Gautsche [gautfe], die; -. -n [zu f 'gautschen]
(Papierherstellung): svw. tGautschpresse.
^Gautsche [-]. die; -, -n (südwestd.): Schaukel.
putschen fgaptjn] <sw. V.; hat) [1: unter Einfluß von
putschen, wahrsch. < frz. coucher = niederdrücken,
legen, schichten od. gleichbed. engl, to couch]: 1.
(Papierherstellung) (Papier) zum Pressen u. Entwässern in das
Gautschbrett legen. 2. (Druckw.) (einen Setzer. Drucker
od. Stereotypeur nach Abschluß der Lehrzeit u. Eintritt
in den Facharbeiterstand) in einer hwnorvollen Zeremonie
in einen mit Wasser gefüllten Bottich od. auf einen großen
nassen Schwamm setzen u. mit Wasser begießen (einem
alten Buchdruckerbrauch entsprechend, durch den
symbolisch ausgedrückt werden soll, daß der Betroffene von
seinen schlechten Gewohnheiten der Lehrzeit gereinigt
worden ist): So ..unbändig" war das Verlangen nach der
erfrischenden Wassertaufe nicht: Kräftige Helfer. ..Pak-
ker" genannt, standen bereit, widerstrebende Täuflinge
mit Gewalt zu g. (MM 5. 9. 66. 4).
^putschen [-] <sw. V.; hat) [zu t^Gautsche] (südwestd.):
schaukeln, wiegen: auf. mit dem Stuhl g.; die Hitlerjungen
... packten die Leichen an den Füßen und ließen sie g.
(Noack. Prozesse 97).
Gautscher fgaptji?]. der; -s, - (Papierherstellung):
Facharbeiter, der das Papier 'gautscht (1).
Gfiuwagen, der; -s. - (bayr.); ein dem Landauer ähnlicher
Kutschwagen.
Gavial [ga'via.l). der; -s. -e [Hindi]: indisches
Schnabelkrokodil.
Gavotte [gavatta)]. die; -. -n [...tan; frz. gavotte < provenz.
gavotto = Tanz der gavots, d. h. der Bewohner der proven-
zalischen Alpen]: a) Tanz im 2l4-Takt; b) (Musik) in der
Suite Einschub nach der Sarabande.
Gayal ['ga:jal, gaja:l], der; -s, -s [Hindi]: leicht zähmbares
hinter indisches Wildritid. Haustierform des Gaur.
Gaze I'ga:z3]. die; -, -n [frz. gaze < span. gasa. wohl <
arab. qazz = eine Rohseide]: lockeres, gitterartiges, oft
appretiertes Gewebe aus Baumwolle. Seide o. ä.. das in der
Technik als Siebbespannung, in der Medizin als
Verbandsmaterial od. stark appretiert als S tickereig rund läge
verwendet wird: ein Vorhang, ein Fliegennetz aus G.; etw. mit
G. bespannen; ein Stück G. auf eine Wunde legen;
Algenformen, die durch die feinste G. des Planktonnetzcs
hindurchschlüpfen (Thienemann, Umwelt 50).
Gaze-: -bausch, der: Bausch (2 a) aus Gaze: die Wunde
mit einem G. abtupfen; -binde, die: Wundverband aus
Gaze: -fenster. das: Fenster, das mit Gaze aus dünnem
Metall- od. Kunststoffdraht bespannt ist: -beftung, die
(Buchbinderei): Heftung. bei der die Bogen eines Buches
mit Draht od. Faden auf einen Gazestreifen geheftet werden:
-schiefer, der: sie trug einen G. vor dem Gesicht; -streifen,
der; -tupfer, der: svw. T ^bausch; -Vorhang, der: Fenster
mit weißen, flatternden Gazevorhängen.
Gazelle [ga'tseb], die: -. -n [ital. gazzella < arab. gazäla
= weibl. Gazelle]: in den Steppen u. Wüsten Afrikas lebende
Antilope mit langen, schlanken Beinen, großen Augen u.
Quergeringelten Hörnern: flink, schlank wie eine G.; <Zus.:>
Gaz^llenherde, die: Ü Eine G. französischer Mannequins
(Fries, Weg 191).
Gazette [gatseto. auch: ga'zEto], die; -. -n [frz. gazette =
Zeitung, über ital. gazetta < venez. gazeta. eigtl. = Name
einer Münze, zu deren Wert im 16. Jh. ein Nachrichtenblatt
verkauft wurde] (veraltet, noch abwertend): Zeitung: man
darf nicht alles glauben, was in den -n steht; Da ... tut
der ehrliche politische Agent am besten, ein Dutzend der
fuhrenden ... Zeitungen aufmerksam zu studieren und
sodann die durchsiebte Weisheit dieser -n ... als sein eigenes
... Wissen ... zu präsentieren (Habe, Namen 406).
Gazi: fGhasi.
Gazpacho [gas'patjo], der; -[s], -s [span. gazpacho] (Kochk.):
a) kalt angerichtete spanische Gemüsesuppe: b) als Brotbelag
verwendetes Gericht aus Bröckchen eines in der Asche od.
auf offenem Feuer gebackenen Eierkuchens.
G-Dur ['ge:-. auch: '-'-]. das; -: Tonart: Zeichen: G (tg,
G 2); <Zus.:> G-Dur-Etüde, die.
geachtet [ga'laxtot] <Adj.; nicht adv.) [2. Part, zu fachten]:
Achtung genießend: ein -er Name, Bürger; bei allen sehr
g. sein.
Geächze] [gs'lautste)], das; ...zes (oft abwertend): /
dauerndes/ Ächzen: Die Wehrfrau krallte sich blauwütig in
Gustavs frischgesträhltes Haarbüschel. Geächz und stummes
Ringen (Strittmatter. Wundertäter 13).
Geäder [g3'|e:d&}. das; -s, - [mhd. geaeder. Kollektivbildung
zu t Ader]: die gesamten, viele Adern in etw.: Netz verästeltet
Adern (1. 3a-c): Ü ein G. dünner Bleistiftstriche; geidert
geädert: f ädem. adem.
Gefifter [ga'lefte]. das; -s. - [Kollektivbildung zu gleichbed.
weidm. Aftern (PI.); identisch mit f After] (Jägerspr.):
Afterklauen (bei Paarhufern u. Hunden).
Gealber [ga'lalbu], das; -s.Gealbere[...bora], das; -s (ungebr.)
(ugs. abwertend): dauerndes Albern: Bis einer von der Tür
hereinrief in das Gealber: Kommt raus (H. Kolb, Wilzen-
bach 149).
Geantfltlingle [[ge|a...]: tGeoantiklinale.
geartet to'|a:?tot] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [zu TArt]:
a) beschaffen: wie auch immer -e Stoffe. Fälle. Faktoren.
Strukturen; besonders -e Krankheitsursachen; b) veranlagt:
seine Kinder sind gut g.; <subst.:> Man muß mit seinen
Empfindungen in der eigenen Generation bleiben. Anders
Geartete verlieren sich in Perversitäten (Jahnn.
Geschichten 115); <Abl.:> Geartetheit, die; -.
Geäse [ga'ie:»]. das; -s. - [zu Täsen] (Jägerspr.): 1. xÄser.
2. Äsung.
Geäst [ga' [Est], das; -[e]s [Kollektivbildung zu t Ast]:
Gesamtheit der Aste eines Baumes. Busches: Astwerk: im dichten,
kahlen G. der Buche zwitschert ein Vogel; dann schien
der Himmel auf einmal blau durch das G. (Remarque.
Triomphe 198).
Gebabbel [ga'babj]. das; -s [zu T babbeln] (landsch.. oft
abwertend): dauerndes Babbeln, [unverständliches, törichtes]
Reden: Hesselbach. der mit seinem breitmäuligen erregten
G. für die Femseher den Hessen schlechthin verkörpert
(Spiegel45, 1966.62).
Gebäck'lga'bek], das; -[e]s, (Sorten:) -e [zu T backen]: feines
[süßes], aus [KuchenIteig [u. anderen Zutaten] (insbes.
in geformten, ziemlich festen Einzelstücken) Gebackenes:
zum Kaffee G. anbieten, essen; Er nahm das Brot,
bröckelte es auseinander und zeigte mir Spelzen und Kleiereste
in dem ansonsten untadeligen G. (selten; in dem gebackenen
Brot: Bieler, Bonifaz 193).
Gebäck-: -dose, die: Dose zur Aufbewahrung von Gebäck:
^form, die: Backform für Gebäck: -^schale, die: Schale
zum Anbieten von Gebäck: -stück, das: geformtes Stück
Gebäck: -zange, die: Greifzange für Gebäck.
gebacken [ga'bakn]: t 'backen; Gebackene, das; -n [subst.
2. Part, von t 'backen]: gebackene Speise: Schon vor der
Tür roch es nach heißem Fett und -m (Kuby, Sieg 347).
950
Gebein
Gebalge, das; -s (abwertend): [dauerndes] [Herum]balgen:
dieser Abscheu vor dem Kampf - vielmehr dem G. -
um die Macht (Dönhoff. Ära 42).
Gebälk [gd'belk]. das; -[e]s, -e <P1. selten) [spätmhd. gebelke
= Stockwerk im Fachwerkbau. Kollektivbildung zu t
Balken): 1. Gesamtheit der Balken, insbes. der Holzdecke,
zwischen zwei Stockwerken, der Dachkonstruktion oder eines
ganzen Gebäudes: Balkenwerk: Das Schiff legte sich tief
auf die Seite, so daß die beiden Männer sich kaum
festhalten konnten...; über ihnen ächzte dasG. (Schneider.
Erdbeben 38); Es roch nach trocknem G. und nach Nelken
(Nossack. Begegnung 29); sie wurden von einstürzendem
G. und umfallenden Wänden erschlagen (Plievier.
Stalingrad 277); R es knistert/kracht im G. (die bestehende
Ordnung. Gemeinschaft, Gesellschaft weist bedrohliche
Spannungen auf). 2. (antike Archit.) Gesamtheit von [Stein]bal-
ken u. horizontalen Bauelementen über einer Säule, zu 2:
Gebälkträger, der: tragende Säule in Gestalt einer tnänn-
lichen Figur.
geboDtt [gd'balkt] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (Her.): einen
od. mehrere Balken (2d) enthaltend.
Geballer [gd'bale]. das. Geballere [...bra]. das: -s (ungebr.)
(ugs. abwertend): / dauerndes] Ballern: Das sinnlose
Geballere der Amerikaner irritierte ihn. Er dachte, die Kerle
... knallen einfach ein Magazin nach dem anderen leer
(Kirst. 08/15. 677).
gebar [ga'ba:?]: tgebären.
gebär-. Gebär-: -fähig <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): (von
weibl. Personen) physisch, altersmäßig fähig. Kinder zu
gebären: -freudig <Adj.; nicht adv.): (von einer Frau, einem
weiblichen Tier) sich durch viele Geburten auszeichnend:
Die schönsten Frauen hinterlassen kaum mehr als eine
wehmütig spöttelnde Erinnerung, wenn sie sich auf den
Weg der -en Mutter begeben (Hagelstange. Spielball 321);
sie hat ein -es (breites) Becken; -klinik. die (österr.):
Entbindungsheim, -abteilung; -maschine. die (salopp
abwertend): Frau, die in relativ kurzen Abständen immer wieder
ein Kind bekommt: -mutter. die; -. ...mütter <P1. selten):
Hohlorgan beim weiblichen Säugetier, insbes. auch beim
Menschen, in dem sich das befruchtete Ei einnistet u.
fortentwickelt, dazu: -muttermund.der svw. t Muttermund, -mut-
tersenkung, die. -rauttervorfall, der: svw. f Hysteroptose;
-stuhl, der (früher): bei der Entbindung gebrauchte
stuhlartige Vorrichtung.
Gebärde [ga'be:;da]. die; -. -n [mhd. gebaerde. ahd. gibärida
= Benehmen. Aussehen. Wesensart, zu mhd. gebsren.
ahd. gibären = sich verhalten, sich auffuhren, zur Wurzel
von: gebaren, gebären): 1. Bewegung, insbes. auch der
Hände, des Gesichts, die eine Empfindung. Nachahmung od.
Mitteilung ausdrücken soll: eine beschwichtigende,
bittende, leidenschaftliche, abweisende, hilflose, segnende,
obszöne, große, stumme G.; [gegen Jmdn.J eine drohende
G. machen; sich durch -n verstandigen. 2. (geh.) äußerlich,
insbes. auch körperlich, zum Ausdruck gebrachte innere
Haltung: Verhalten u. Auftreten, das etw. Bestimmtes
ausdrückt: G. des Wahnsinns; mit der G. des Weltmanns
auftreten.
gebärden [ga'be.'gdn], sich <sw. V.; hat) [zu f Gebärde): eine
bestimmte auffällige [übertriebene u. unkontrollierte]
Verhaltensweise zeigen: sich eitel, gekränkt, aufdringlich,
unvernünftig, unmanierlich g.; sich wie wahnsinnig, irrsinnig,
toll g.; der Mann wächst heran als Muttersohn und bleibt
es auch, auch wenn er sich noch so revoltierend, großartig
aufständisch und weltplanend gebärdet (Bodamer. Mann
141); der „Awenire d'Italia", ein sehr klerikal sich
gebärdendes Skandalblatt (Mostar. Unschuldig 76).
gebärden-, Gebärden-: -reich <Adj.): g. sprechen; -spiel,
das: Gestik u. Mienenspiel: ^spräche, die: Verständigung
mittels Gebärden: Zeichensprache.
gebaren [gd'ba:ren], sich <sw. V.; hat) [mhd. gebären, ahd.
gibärön. zu mhd. bern. ahd. beran = tragen, vgl. gebären]
(veraltet abwertend): sich gebärden: <subst.:> Gebaren [-1.
das; -s (oft abwertend): [auffälliges] durch bestimmte
Bewegungen. Handlungen gekennzeichnetes Verhalten.
Benehmen: ein auffälliges, wildes G. an den Tag legen; ein
weltmännisches, einnehmendes G. haben; das geschäftliche,
kaufmännische G. einer Firma.
gebären [ga'be:ran] <st. V.; hat) [mhd. gebern. ahd. giberan
= (hervor)bringen, erzeugen, gebären, zu mhd. bern. ahd.
beran = tragen; bringen: hervorbringen; gebären): (ein
Kind) zur Welt bringen: Zwillinge g.; die Frau gebärt/(ver-
altend:) gebiert ihr erstes Kind; (geh.:) sie gebar ihrem
Gatten zwei Kinder; unter Schmerzen g.; noch nicht
geboren haben; <subst. 1. Part.:) eine Gebärende ärztlich
versorgen; geboren werden {zur Welt kommen: Ggs.: sterben):
ich wurde, bin am 11. November 1911 in Köln geboren;
so ein Mann muß erst noch geboren werden (ugs.; solch
einen Mann, der diese hohen Ansprüche erfüllen könnte,
gibt es [noch] nicht); Max Schwarz, geboren 1845.
gestorben 1917 (Zeichen: "^ 1845. 11917); Frau Marie
Berger geb. Schröder (geborene Schröder, d. h. mit
Mädchennamen: Schröder); sie ist eine geborene Schröder;
(ugs.:) was für eine Geborene ist sie?; ein geborener Berliner
{jmd., der in Berlin lebt u. auch dort geboren ist: im
Unterschied zu denjenigen, die in Berlin wohnen, aber dort
nicht geboren sind; vgl. gebürtig); er ist der geborene/ein
geborener Kaufmann (ist sehr geeignet für den
Kaufmannsberuf): Ü Haß gebiert neuen Haß (geh.; bringt ihn hervor)',
(oft iron.:) jmd. gebiert eine Idee; *zu etw. geboren sein
(eine natürliche Begabung für etw. haben): zum
Schauspieler geboren sein; <Abl.:> Gebärerin [g3'be:rann]. die; -,
-nen (geh. od. iron.): Frau, die gebärt bzw. [jmdn.] geboren
hat: sie ist deine G.
Gebarme [ga'barmd]. das: -s (nordd. abwertend):
[dauerndes] Barmen (2).
gebartet [gabeltet] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (Zool..
Bot.): einen Bart (1 b) habend.
Gebarung [gd'ba:ron). die; -. -en [zu tgebaren): 1. <o. PI.)
(geh.) Gebaren. 2. (österr.) Buchführung, finanzielle
Geschäftsführung: eine ausgeglichene G.; einen Einblick in
die [geschäftliche, finanzielle] G. einer Firma gewähren;
die G. (den Geschäftsbericht) vorlegen.
Gebgnngs- (österr.; Gebarung 2): -beridit, der:
Geschäftsbericht: -Jahr, das: Geschäftsjahr, -kontrolle, die: Kontrolle
der Buchführung: -[Überprüfung, die; -Überschuß, der
Überschuß bei der Abrechnung des Haushaltsplans.
Gebäu [gd'b^y]. das; -[e]s. -e [mhd.. ahd. gebiuwe. zu f bauen]
(veraltet): Gebäude.
gebauchkitzelt, gebauchpinselt, gebauchstreichelt [eigtl. =
am Bauch gekitzelt, den Bauch mit dem Pinsel bestrichen
(wohl zu: Pinsel = Penis), den Bauch gestreichelt; vidi.
vom Liebesspiel] in den Verbindungen sich g. fühlen (ugs.
scherzh.; sich geschmeichelt fühlen)', gebaucht: t bauchen.
Gebäude [ga'bgyda]. das; -s. - [mhd. gebüwede. ahd. gebüwi-
da. eigtl. = Bau(en). zu f bauen): 1. a) großer Bau. Bauwerk:
ein öffentliches, privates G.; das G. des Postministeriums;
b) Gefüge, [kunstvoller] Aufbau, [kunstvoll]
zusammengefugtes Ganzes: das G. einer Wissenschaft; ein G. von
Gedanken. Lügen. 2. (Bergbau) Grubenanlage. 3. (Jägerspr..
Pferdezucht) Körperbau. Körperform (des Hundes.
Pferdes).
Gebäude-: -block, der <PI. -blocke u. -blocks); -flögel.
der; -komplex, der; -reiniger, der: Handwerker auf dem
Gebiet der Gebäudereinigung: -reinigung. die: 1. Pflege
u. Reinigung von Gebäuden. 2. Betrieb, der umfassende
Pflege- u. Reinigungsarbeiten in u. an Gebäuden aller Art
ausführt und insbesondere auf die Pflege u. Reinigung von
Stein-, Holz- u. Glasnmterial mit jeweils selbst u. eigens
dafür hergestellten Mitteln spezialisiert ist: ^schaden, der;
-teil, der; -trakt, der; ^Versicherung, die; -Verwalter, der.
GebäuUchkeit [gd'bgyluJcait], die; -. -en (meist PI.) (südd..
Schweiz.): Baulichkeit.
gebaut [eigtl. 2. Part, von f bauen] in der Verbindung g.
sein (einen Körperbau bestimmter Art haben, in bestimmter
Art gewachsen sein): sie ist gut g.; <auch attr.:> ein gut,
stark, schlank gebauter Sportler; *so wie jmd. g. ist (1.
ugs.; so wie jmd. gewachsen ist. 2. ugs. scherzh.; so wie
jmd. veranlagt ist, so wie jmd. nun einmal ist: so wie er
g. ist. bringt er auch das noch fertig).
gebe-. Gebe-: -freudig <Adj.>: gern gebend, schenkend:
freigebig, dazu: -freudigkeit, die; -laune, die <o. PI.): vgl.
Geberlaune.
Gebein [ga'bain]. das: -[e]s. -e [mhd. gebeine. ahd. gibeini.
Kollektivbildung zu t Bein (5)1: 1. (veraltet)sämtliche
Glieder eines lebenden Körpers: hier am Orte sitzen Spielleute,
die blasen aus aller Kraft kurze Flöten, deren Weinen
gar jammervoll das G. durchdringt (Th. Mann. Joseph
449); ein Schreck fuhr ihm durchs/ins G.. in die -e. 2.
<P1.) (geh.) sterbliche Reste, insbes. Knochen, Skelett eines
Toten: die -e eines Toten.
951
Gebelfer
Gebelfer [ga'telft]. das; -s (ugs. abwertend): [dauerndes!
Belfern.
Gebell [ga'bel]. das; -le]s: (mehrmaliges od. anhaltendes)
Bellen: jaulendes, wütendes G.; Gebelle [ga beb], das; -s
(ugs. abwertend): Idauerndes] als lästig empfututenes Bei-
len.
geben [ge:bn] <st. V.; hat) /vgl. gegeben/ [mhd. geben,
ahd. geban]: l.a) (durch Übergeben, Überreichen, /
Hin/reichen. Aushändigen) in jmds. Hätide, Verfügungsgewalt
gelangen lassen: jmdm. die Speisekarte, dem Portier den
Schlüssel, einem Kranken das Essen, zu trinken g.: dem
Taxifahrer das Geld, seinen Lohn g.; sich <Dat.) eine
Quittung g. lassen; jmdm. [zur Begrüßung] die Hand g.;
jmdm. etw. in die Hand g.; etw. nicht aus der Hand
g.; jmdm. Feuer g. (die Zigarette anzünden): Kaffee und
Kuchen g. (seinen Gästen anbieten): [jmdm.] etw. auf
Kredit g. (überlassen): [jmdm.] drei Mark für etw. g.
(bezahlen): eine Ware billig, zu teuer g. (landsch.; verkaufen),
wer gibt [Karten] (teilt die Karten zum Spiel aus)?: du
gibst (Tennis; hast Aufschlag, bringst den Ball ins Spiel):
R wenn man ihm den kleinen Finger gibt, will er gleich
die ganze Hand (er nützt ein Entgegenkommen sofort aus):
Ü jmdm. gute Lehren mit auf den Weg g.; geben Sie
mir bitte Herrn Meier (verbinden Sie mich bitte mit Herrn
Meier, rufen Sie ihn bitte ans Telefon): ich gäbe viel darum,
wenn ich das wüßte (ich wülite es sehr gern): *was gibst
du, was hast du (ugs.; sehr eilig, so schnell wie möglich:
H.u.; viell. nach dem gedrängten Wortwechsel u.
Austausch von Gesten bei Kauf. Tausch. Zug-um-Zug-Ge-
schäften): was gibst du. was hast du weglaufen; b) als
Geschenk, Spende in jmds. Besitz gelangen lassen, jmdm.
überlassen: der Vater gibt dem Kind Geld für ein Buch;
gibst du ihm etwas zum Geburtstag?; dem Bettler eine
milde Gabe g.; bei den Sammlungen gibt er immer viel;
sie gibt gern (ist freigebig): Ü sie gab ihm ihre ganze
Liebe; Spr Geben ist seliger denn Nehmen
(Apostelgeschichte 20. 35). 2. zu einem bestinunten Zweck überlassen,
übergeben: jmdn. jmdm. als Begleiter, zur Begleitung g.
(als Begleitung mit jmdm. mitgehen lassen): den Koffer
in die Gepäckaufbewahrung, in Verwahrung g.; das Auto
zur Reparatur, in die Werkstatt g.; den Jungen in die Lehre
g.; das Kind in Pflege, in die Obhut der Eltern g.; den
Aufsatz in Druck, zum Druck g. (veranlassen, daß er in
die Druckerei kommt u. gedruckt wird): das Paket zur
Post g. 3.a) irgendwohin tun, legen, stellen: Zucker an,
überdie Mehlspeise g. (daruntermischen bzw.
darüberstreuen): eine Decke auf den Tisch g. (landsch.; breiten, legen);
b) (Ballspiele) abgeben, weitergeben, spielen: den Ball in
die Mitte g. 4.a) bieten, gewähren, zukommen lassen,
einräumen: jmdm. ein Autogramm, ein Interview g.; Zeit,
eine Frist g.; [jmdm.] Rechenschaft g.; jmdm. eine Chance
g.; die Ärzte geben dem Kranken nur noch ein paar
Wochen (nehmen an, daß er nur noch ein paar Wochen zu
leben hat): jmdm. keinen Grund, keine Gelegenheit zu
etw. g.; [den Kunden] Kredit. Rabatt g.; jmdm. eine gute
Erziehung g.; jmdm. ein Aufsatzthema g. (stellen): jmdm.
das a g. (Musik: für ihn den Ton a erklingen lassen, damit
er sich beim Stimmen, beim Einsatz usw. bezüglich der
Tonhöhe daran orientieren kann)', der Baum gab (spendete)
uns Schatten; das Telefon gibt uns die Möglichkeit.
Informationen schnell weiterzuleiten; (häufig verblaßt:) [jmdm.]
Unterricht g. (jmdn. unterrichten): der Lehrer gibt
(unterrichtet) Deutsch und Englisch; jmdm. ein Zeichen g. (jmdn.
auf etw. aufmerksam machen): [jmdm.] keine Antwort g.
([jmdm.] nicht antworten): er hat [mir] keine Aufklärung
darüber gegeben ([mich] darüber nicht aufgeklärt):
[jmdm.] einen Bericht g. (jmdm. berichten): [jmdm.]
Bescheid g. (jmdn. verständigen): [jmdm.]Nachricht g. (jmdn.
benachrichtigen): ümdm.] einen Beweis seiner Liebe g.
(jmdm. seine Liebe beweisen): ich habe [ihm] mein Wort,
das Versprechen gegeben (versprochen), etwas zu tun; sie
hat [ihm] ihr Jawort gegeben (einer ehelichen Verbindung
zugestimmt): jmdm. die Versicherung g. (versichern), daß
...; [Jmdm.] einen Auftrag g. (jmdn. beauftragen): [jmdm.]
einen Befehl g. (etwas befehlen): Gesetze g. (erlassen):
der Schiedsrichter gibt ein Tor. einen Freistoß (Sport;
erkennt, entscheidet auf Tor, Freistoß): [jmdm.] die
Erlaubnis g. (erlauben), etw. zu tun; [jmdm.] einen Rat g. (raten):
jmdm. einen Verweis g. (jmdn. rügen): jmdm. einen Kuß
g. (jmdn. küssen): jmdm. einen Tritt g. (jmdn. treten):
jmdm. einen Stoß g. (jmdn. stoßen): *es jmdm. g. (ugs.:
1. jmdm. gehörig die Meinung sagen. 2. jmdn. verprügeln):
gut gegeben (ugs.; gut geantwortet, eine schlagfertige Abfuhr
erteiltY.: gib [es] ihm! (ugs.; hau ihn: eigtl. = gib ihm
Prügel. Schläge o.a.); b) verleihen, vermitteln, mitteilen:
jmdm. Mut, Hoffnung g.; etw. gibt jmdm. Schwung,
Auftrieb: seinen Worten Nachdruck g.; etw. ist jmdm. gegeben
(als Anlage, natürliche Fähigkeit mitgegeben, etw. liegt
jmdm.): mir ist es nicht gegeben, die Dinge leicht zu
nehmen. 5. hervorbringen, spenden, verschaffen: die Kuh gibt
Milch; der Ofen gibt Wärme; (ugs.:) etw. gibt (macht)
Spaß. 6. [als Gastgeber) veranstalten: ein Fest, ein Essen
g. 7. a) veranstalten u. auffü/iren: was wird heute im Theater
gegeben?; eine Vorstellung, ein Konzert g.; b) darstellen,
spielen: eine Rolle, den Helden des Stücks g.; wie ein
Akteur, der jahrzehntelang Offiziere gegeben hatte, aber
... für einen Kollegen eingesprungen war. um einen
Zivilisten zu markieren (Bieler. Mädchenkrieg 344). 8.
ausmachen, ergeben, werden: zwei mal zwei gibt vier, das gibt
keinen Sinn; ein Wort gab (ergab) das andere (aus dem
Wortwechsel entstand ein Streit): der Junge gibt einen
guten (wird ein guter) Kaufmann; was wird das g. (was
wird daraus werden)?: was gibt das (ugs.; was wird daraus)0.:
(ugs.:) Wein gibt (macht) Flecke. 9. äußern, hervor-,
herausbringen: keinen Laut. Ton von sich g.; (ugs.:) er konnte
es nicht so recht von sich g. (er konnte sich nicht so
recht ausdrücken): (oft abwertend:) Unsinn. Gemeinplätze
von sich g. 10. (ugs.) erbrechen: alles wieder von sich
g. 11. auf etw. Wert legen, einer Sache Bedeutung beimessen:
viel auf gutes Essen g.; nichts auf jmds. Urteil, auf eine
Behauptung. Warnung g.; etwas auf sich g. (aufsein
Äußeres achten). 12. <g. -I- sich) sich in bestimmter Weise
verhalten, benehmen: sich gelassen, freundlich g.; sich als
Experte g.; jmds. Art, sich zu g.. nicht schätzen. 13. <g.
+ sich) nachlassen u. aufliören: die Schmerzen werden
sich g. 14. <g. + sich) (selten) sich finden, sich ergeben:
wenn sich eine Gelegenheit gibt; das übrige wird sich
g. 15. (unpers.) vorhanden sein, existieren, vorkommen:
es gibt einen Gott; in diesem Fluß gibt es viele Fische;
er ist der beste Spieler, den es gibt; gibt es dich auch
noch? (ugs.; Frage, wenn man jmdn. lange nicht gesehen
hat); in dieser Stadt gibt es einige gute Friseure; ein
bestochener Heizer wußte .... daß es mich gab dort unten
zwischen den Fässern (Frisch. Stiller 398); Im oberen
Stockwerk, wo unser Zimmer lag. war es wohl immer dunkel,
wenn es uns nicht gab (K. Mann. Wendepunkt 158);
Einzige Gewißheit über Lila: so wie ich sie mir vorstelle, gibt
es sie nicht (Frisch. Gantenbein 433); das gibt es (das
kommt vor): das gibt es ja gar nicht (existiert, besteht
ja gar nicht): das. so etwas gibt es [bei mir] nicht (das
kommt bei mir nicht in Frage: das ist ausgeschlossen, nicht
möglich): (ugs.:) was es nicht alles gibt!; was gibt es [denn
dal (ugs.; was ist [denn da] los)'?: was gibt es Neues?;
was gibt es (ugs.; was ist) da zu lachen?; es gab viel zu
tun; da gab es kein Entkommen (war kein Entkommen
möglich): *da gibt's nichts (ugs.; etwas anderes ist
ausgeschlossen, dagegen ist nichts zu unternehmen, kein Einwand
möglich): er ist der Beste, da gibt's [gar] nichts. 16. <unpers.)
angeboten, ausgegeben werden: was gibt es. gab es [zu
essen, zu Mittag]?; an diesem Schalter gibt es Briefmarken
(sind Briefmarken zu bekommen, zu kaufen): was gibt
es heute im Theater, im Fernsehen (was wird heute im
Theater, im Fernsehen geboten)? 17. <unpers.) kommen,
eintreten, geschehen /werden]: es gibt [bald] Regen; dann
gab es ein Gewitter; ich glaube, es gibt noch ein Unglück;
heute wird's noch etwas g. (ugs.; wird es noch regnen,
wird noch ein Gewitter kommen): wenn du nicht ruhig
bist, gibt's was (ugs.; wirst du bestraft* bekommst du
Schläge).
gebenedeit« Gebenedtite: f benedeien.
Geber [ge:bB]. der; -s. - [I: mhd. geber. ahd. gebäri. zu
f geben (1)]: 1. (veraltet) Gebender, insbes. auch
Schenkender: einen fröhlichen G. hat Gott lieb (2. Kor. 9, 7).
2. (Telegraphie) Zeichengeber: Sendegerät. 3. (Technik)
Gerät, das nichtelektr. Meßgrößen in elektrische umsetzt:
Meßgrößenwnformer.
Geber-: -land, das (PI. -länder) (Fachspr.): gebendes Land:
die von den Geberländern gewährten Kredite; -bune, die
<o. PL): gebefreudige Stimmung (eines Menschen): in G.
sein; ^spräche, die (Sprachw.): Sprache, aus der ein W(jrt,
952
gebirgs-, Gebirgs-
eine sprachliche Erscheitmng fremden Ursprungs kommt;
Herkunftssprache.
Gebet [ga'be.t], das; -[eis. -e [mhd. gebet, ahd. gibet. zu
tbitten]: a) das [vom Falten der Hände* vom Niederknien
o.a. begleiteteI Sprechen mit Gott (um ihn zu verehren,
um etw. zu bitten od. für etw. zu danken), das Beten:
ein stilles, inbrünstiges, gcmeinsamens G.; jmds. G. wird
erhört; ein G. für die Toten; ein G. um Hilfe; sein G.
verrichten; im G. versunken sein; im stillen G. verweilen;
seine Hände zum G. falten; jmdn. in sein G. einschließen
(für ihn beten); b) die an Gott gerichteten [festgelegten]
Worte insbes. des Bittens, des Dankens od. der Verehrung;
Wortlaut, Text des Betens: ein G. sprechen, (ugs.:)
herunterleiern; dasG. des Herrn (geh.; das Vaterunser)', * Ewiges
G. (kath. Kirche; Verehrung. Anbetung des auf den Altar
gestellten Sakraments durch Gemeinschaften od. sich
ablösende Einzelbeter; zurückgehend auf den Brauch eines
40stündigen Fastens, das man in der Karwoche zu Ehren
der auf 40 Stunden berechneten Grabesruhe Jesu hielt);
jmdn. ins G. nehmen (ugs.; jmdm. eindringlich u. unter
Ermahnungen zureden, etw. zu tun od. zu unterlassen, etw.
mitzuteilen, zu gestehen; jmdm. ins Gewissen reden;
vermutlich urspr. = ins Gebet aufnehmen, in die [öffentliche]
Fürbitte einschließen).
Gebet- (vgl. auch: Gebets-): -buch, das [2: gek. aus ..des
Teufels Gebetbuch*', fTeufel]: I. [klemformatiges] Buch,
das eine geordnete Sammlung von gottesdienstlichen od.
anderen Gebeten enthält. 2. (ugs. scherzh.) Spielkarten.
3. (Ralleysport Jargon) Notizbuch mit genauen Angaben
über Verlauf u. Beschaffettheit der Fahrstrecke u. die
günstigste Fahrweise; -läuten, das (österr.): svw. t Angelusläuten;
-Sammlung, die: Sammlung von Gebeten.
gebeten [gd'be:tn]: tbitten.
Gebete- (vgl. auch: Gebet-): -formel, die: in Gebeten übliche
Formeld): -mantel, der (Jüd. Rel.): beim Gebet getragener
Überwurf; -mühle, die: (im tib. Lafnaismus) Vorrichtung.
Gerät in Form eines um seine Achse drehbaren,
zylinderförmigen Behälters, der Papierstreifen mit kurzen Gebetstexten,
heiligen Formeln enthält u. der ersatzweise für mündliche
Gebete mit der Hand (auch durch Wind od. fließendes
Wasser) gedreht wird (wobei durch die Bewegung die von selbst
wirkende Kraft der Worte vervielfacht werden soll); die
indische G. auf dem Bücherbrett ist verschoben (Molo.
Frieden 115); Ü sie ist eine richtige G. (abwertend; spricht
in wortreich-monotoner Weise): -statte, die; -teppich, der
(islam. Rel.): kleiner Teppich, auf den der Mohammedaner
zum Beten niederkniet; -Übung, die: in Gebeten bestehende
religiöse Übung; -Versammlung, die: zu gemeinsamem Gebet
I regelmäßig) stattfindende Versammlung; -wache, die
(Schweiz, kath. Kirche): svw. Ewiges tGebet.
Gebettel [ga'betjj. das; -s (abwertend): 1. dauerndes Betteln
(1). 2. hartnäckiges u. fortwährendes Bitten: das G. des
Kindes.
gebeut [gd'bDyt] veraltet für: gebietet (T gebieten).
gebiert [gd'bi:gt]: t gebären.
Gebiet [ga'bi:t]. das; -[e]s. -e [mhd. gebiet(e) = Befehl.
Gebot. Gerichtsbarkeit; Bereich, über den sich
Befehlsgewalt od. Gerichtsbarkeit erstreckt, zu T gebieten]: 1.
räumlicher Bereich, großer Flächenraum (insbes. Land.
Landesteil. Landschaft): unterentwickeltes, besetztes G.; das ist
städtisches G.; das G. der Bundesrepublik Deutschland;
ein fruchtbares, armes, warmes, besiedeltes G.; weite -e
des Landes waren überschwemmt; ein G. (Met.; eine Zone)
tiefen Luftdrucks. 2, / Sachjbereich, Feld, Fach: ein
schwieriges, interessantes G.; auf wirtschaftlichem G.. auf dem
G. der Sozialpolitik, auf seinem G. Fachmann sein;
gebieten [ga'bi:tn] <st. V.; hat) [mhd. gebieten, ahd. gibiotan.
zu T bieten] (geh.): I. a) (insbes. auf Grund bestimmter Auto-
rität, Macht, Würde) befehlen, verlangen, fordern: jmdm.
g.. etw. zu tun; Schweigen g.; er ist eine Ehrfurcht
gebietende Erscheinung; b) dringend erfordern, verlangen, zu etw.
zwingen: die Situation, die Klugheit gebietet [es]/gebietet
[es] dir. etw. zu unternehmen; etw. gebietet besondere
Vorsicht; es ist Vorsicht geboten (erforderlich, nötig); Hier
ist also dringend der Eingriff de& Chirurgen geboten (Natur
100). 2. a) herrschen, die Gewalt, den Oberbefehl haben:
über ein großes Land g.; b) etw. bezwingen, in der Gewalt
haben: über seine Leidenschaften g.; Gebiete deinem Ekel
(Th. Mann. Krull 41); c) über etw. verfügen, etw. zur
Verfügung haben: über eine kräftige Stimme, über beträchtliche
Mittel g.; <Abl.:> Gebkter, der; -s. - (veraltet): jmd., der
t überjmdn. ] gebietet. Herr/ scher/. Gebietender:
selbstherrlicher, unumschränkter G.; mein Herr und G. (auch
scherzh.; mein EhemannY.: der G. über Leben und Tod
(rel.; Gott): Gebieterin, die; -. -nen: w. Form zu f Gebieter.
gebieterisch <Adj.> (geh.): herrisch, befehlend, keinen
Widerspruch zulassend: etw. g., mit gebieterischer Stimme
fordern; Ü die Not fordert g. (zwingend), daß wir helfen;
eine -e (zwingende, unausweichliche, unabweisbare)
Notwendigkeit; gebktlich <Adj.; o. Steig.; nicht präd.): das
Gebiet betreffend, dem l jeweiligen] Gebiet eigen/ tümlichj.
gemäß: -e Unterschiede.
gebfets-, Gebiets-: -abgrenzung, die; -anspruch, der;
-Erweiterung, die: 1. Ausdehnung des Staatsgebiets. 2. Erweiterung
des Sachgebiets, -bereichs; ^erwerbung, die; -hoheit, die:
dieG. der Bundesländer; -körperschaft, die (Jur.):
Körperschaft des öffentlichen Rechts, deren Gebietshoheit einen
räumlich abgegrenzten Teil des Staatsgebiets sowie dessen
Bewohner als gesetzliche Mitglieder ihrer Organisation
erfaßt (insbes. Gemeinde. Landkreis); -krankenkasse, die
(österr.): eine der für jeweils ein österr. Bundes la
mlzuständigen Krankenkassen, die Träger der gesetzlichen
Krankenversicherung sind; -reform, die: Neugliederung eines Gebietes
auf Landes- bzw. kommunaler Ebene, bei der die Zahl von
Landkreisen. Städten. Gemeinden reduziert wird; ^teil, der:
Teil eines Gebietes (1); -verband, der: Vielmehr ist die
Wahrnehmung öffentlicher Aufgaben einer Vielzahl von
Gebiets- und Personen verbänden übertragen (Fraenkel,
Staat 346); -Vergrößerung, die: Vergrößerung des Gebietes
(1); ^weise <Adv.>: nach Gebieten; je nach dem Gebiet;
auf ein od. mehrere bestimmte Gebiete bezogen, beschränkt:
g. vorgehen; <auch attr.:> -s Vordringen; -Zuwachs, der:
Zuwachs an Gebiet (1).
Gebildbrot [ga'bilt-]. das; -[eis. -e (bes. Volksk.): Gebäck.
Backware von besonderer (symbolischer) Gestalt (vorallem
für bestimmte Festzeiten).
Gebilde [ga'bilda], das; -s. - [an tbilden angelehnt; mhd.
gebilde. ahd. gebilide. Kollektivbildung zu T Bild]: etw.,
was gebildet worden ist od. sich gebildet hat: ein
symmetrisches G.; Ü Staaten, Romane sind komplizierte G.; ein
G. der Phantasie; gebildet <Adj.> [2. Part, zu tbilden (5)]:
Bildung (1) liabend: ein -er Mensch; akademisch, vielseitig
g. sein; sich g. (geistvoll) unterhalten; -es (kultiviertes)
Benehmen; <subst.:> die Gebildeten.
Gebimmel [ga'bimj]. das; -s (ugs.): /dauerndes] Bimmeln.
Gebinde [gd'binddj. das; -s. - [mhd. gebinde = Band, zu
Tbinden): 1. Gesamtheit zusammengebundener Dinge /einer
Art]: ein G. aus Blumen und Zweigen; Porree in großen
-n (Bunden) verkaufen; Geträller auf einem G. verschieden
langer Rohrpfeifen (Th. Mann. Joseph 147). 2. bestimmtes
(genormtes) Quantum Garn vom Strang. 3. (Bauw.) a)
aus einem Dachsparrenpaar u. den dazugehörenden
verbindenden Hölzern bestehende, dreieckige Holzkonstruktion; b)
zusammen/längende Reihe von Dachziegeln: ein G. Ziegel.
4. (bes.österr.)/größeres] Faß. 5. (Gastr.) Fischeingeweide.
Gebirge [ga'birga]. das; -s, - [mhd. gebirge. ahd. gibirgi,
eigtl. = Gesamtheit von Bergen; Kollektivbildung zu
TBerg]: l.a) ausgedehnte, mehrere od. viele
zusammen/längende Berge umfassende Erhebung der Erdoberfläche: ein
hohes, vulkanisches, kahles G.; im G. wandern; Ü ein
G. (eine große, sich auftürmende Masse, ein Berg) von
Schutt. Akten; ein G. aus Trillionen Weizenkörnern (Kant,
Impressum 142); das G. ihrer Brüste (Remarque.
'Obelisk 303); b) Gegend mit Gebirge (la). Gebirgsgegend:
wir fahren in diesem Jahr ins G. und nicht mehr an
die See. 2. (Geol.) auf der Erdoberfläche u. auch darunter
liegendes Gesteinsmassiv, Gesteinsverband von großräumiger
Erstreckung sowie zusammenhängender Form u.
Entstehungsgeschichte. 3. (Bergbau) Gesteinsschichten, die
Lagerstätten umschließen; vgl. Hangendes. Liegendes; .<Abl.:>
gebirgig [...giQ] <Adj>: bergig in der Art eines Gebirges:
eine -e Landschaft, dazu: Gebjrgigkeit. die; -; Gebirgler
[...rkh?]. der; -s. -: Gebirgsbewohner.
gebjrgs-, Gebjrgs- -art. die (Bergbau. Geol.): Gesteinsart;
-artillerie. die; -ausläufer. der; -bach. der; -bahn, die;
-bauer. der; -bewohner, der; -bildung. die (Geol.); -blume,
die; Mlorf, das; -druck, der (Bergbau. Geol.): Druck, dem
ein Hohlraum (insbes. Abbauraum einer Lagerstätte) od.
ein Gestein durch das darüber anstehende Gebirge (3)
ausgesetzt ist; -faltung, die (Geol): svw. ^bildung; -grat.
953
Gebiß
der: -Jäger, der (Milit.): 1. Angehöriger der Gebirgsjäger
(2). 2. <P1.> Truppenteil der Waffengattung Infanterie,
der speziell für den Einsatz im Gebirge ausgebildet ist.
dazu: -Jägerbataillon, das; -kämm, der: Katrun des
Gebirgszuges; -kessel, der: tief/er] es. vom Gebirge umschlossenes
Tal; -kette, die: Kette von [Teiljgebirgen od. von hohen
Bergen eines Gebirges; -klima, das: rauhes G.; -knoten,
der (Geogr.): Gebiet, in dem mehrere Gebirgszüge
zusammenlaufen; -krieg, der; -künde, die (Geogr.. Geol.);
-kundig <Adj.; nicht adv.>: im Gebirge gut Bescheid wissend.
Gebirgskenntnis u. -erfahrung besitzend; -kurort, der;
-läge, die: gebirgige Lage. Lage im Gebirge: ein Kurort in
G.; der Ort hat wegen seiner G. ein rauhes Klima; -bni
das <P1. ...länder): gebirgiges Land; -bndschaft, die:
gebirgige Landschaft. Landschaft im Gebirge; -kift, die <o. Pl.>:
rauheG.; -massiv,das, -panorama, das; -paß, der;
-pflanze, die; spionier, der (Milit.): 1. Angehöriger der
Waffengattung der Gebirgspioniere (2). 2. <P1.> Waffengattung
innerhalb der Pioniertruppen, die speziell für den Einsatz im
Gebirge ausgebildet ist; -rücken, der: Rücken. Kamm des
Gebirgszuges; -schlag, der (Bergbau. Geol.): durch
bergmännisch geschaffene Hohlräume verursachte schlagartige
Erschütterung u. Entspannungsbewegung im Gestein;
-schhidit, die; -*see, der; -stock, der <P1. ...stocke):
geschlossen erscheinende Gebirgseinheit. Massiv; -Straße, die;
-tal, das; -truppe, die (Milit.): vgl. -Jäger (2): -volk,
das; -wand, die: Bergwand eines Gebirges; -Wanderung,
die; ^weg. der; ^mg, der: langgestrecktes [ Teiljgebirge.
GebiB [gdbis], das; ...isses. ...isse [mhd. gebi3. ahd. gibi&
zu t beißen): 1. Gesamtheit der Zähne (in der Mundhöhle
eines Menschen. Wirbeltiers): ein kräftiges, gesundes G.
haben; sein G. zeigen, entblößen; das bleibende G. (Gebiß,
das nicht mehr durch natürliches Nachwachsen ersetzt wird;
vgl. Milchgebiß). 2. künstlicher Ersatz für die Zähne eines
od. beider Kiefer: ein [künstliches] G. tragen. 3. metallenes
Mundstück am Pferdezaum: Das Reithalfter soll so
geschnallt sein, daß es das G. sicher im Winkel erhält, dem
Pferde wohl noch das Abkauen ermöglicht, ein weiteres
Aufsperren des Maules jedoch verhindert (Dwinger, Erde
58).
GebjB-: -abdruck, der (Med.): mit Abformmasse hergestellter
Abdruck eines Gebisses (insbes. als Modell für Zahnersatz);
^anomalie, die (Med.); -klempner, der (salopp abwertend):
Zahnarzt; -reguliening, die: Korrektur von Fehlstellungen
einzelner oder mehrerer Zähne.
gebissen [ga'bisn]: f beißen.
GebtaflT [ga'blaft. das; -[eis. Gebhfle [...dl. das; -s (ugs..
meist abwertend): /dauerndesJ Blaffen (1.2).
Geblase [ga'bla:»]. das; -s (ugs.. meist abwertend):
[dauerndes] Blasen; Gebläse [ga'bl^zal. das; -s. - [zu t blasen]
(Technik): l.a) Maschine. Gerät zur Erzeugung (u.
Zufuhrung] eines verdichteten Luft- od. Gasstroms (z. B.
Kühlvorrichtung für luftgekühlte Motoren. Blasebalg); b) Anlage,
die mit einem starken Luftstrom Heu. Stroh o. ä. befördert.
2. (Jargon) Schweißbrenner.
Geblöse-: -kühking, die; -motor, der: Verbrennungsmotor
mit vorgeschaltetem Gebläse (1 a); -ofen, der; -wind, der.
geblasen [gd'bla:zn]: t blasen.
gebindet: T blenden; <Zus.:)Geblpidetsein, das; -s: Zustand
der [Täuschung durch] Bezauberung. Faszination.
geblichen [gd'bli^]: t bleichen.
Geblinzel [ga'bhnt^l], das; -s: [dauerndes] Blinzeln.
Geblödel [ga'bfcdl]. das; -s (ugs. abwertend): [dauerndes]
Blödeln.
Geblök [ga'btak], das; -[eis: wiederholtes Blöken: das G.
der Schafe; Geblöke [...d]. das; -s (ugs. abwertend):
[dauerndes] Blöken.
geblümt [gd'blu:mt] (österr.): svw. T geblümt; geblümt
[g3*bly:mt] <Adj.> [1: mhd. geblüemet. 2. Part, von: blüe-
men = (mit Blumen) schmücken; 2: mhd. geblüemet. unter
Einnuß von lat. flösculus = (Rede)blümchen. T Floskel]:
I. <nicht adv.> mit Blumen [gemustert]: ein -es Kleid.
Muster; eine -e Kaffeekanne. 2. (bes. von einem
bestimmten Stil in der dt. Literatur des 13. Jh.s) kunstvoll u.
blumenreich bis zur Künstelei. Geziertheit: -er Stil.
Geblüt [gd'bly:tl. das; -[eis [mhd. geblüete = Gesamtmasse
des Blutes. Kollektivbildung zu tBIut]: 1. (veraltet) das
ganze Blut des Körpers: der Wein, der Gedanke brachte
sein G. in Wallung (brachte ihn in eine angeregte od.
erregte, aufgeregte körperliche u. seelische Verfassung).
2. a) (selten) körperliche u. seelische Verfassung: ein innerer
Widerstreit verdarb ihm das G.; b) (geh.) Gesamtheit der
Anlagen. Natur: etw. liegt jmdm. im G.; er war ein
Polemiker von G. (Tucholsky. Werke II. 393); c) (geh.)
[vornehme] Abstammung. Herkunft: eine Dame von [fürstlichem,
edlem] G.
gebogen [gdbo:gn]: 1. f biegen. 2. <Adj.) eine Biegung.
Krümmung aufweisend, gekrümmt: eine -e Nase; der Schnabel
Ist stark g.
gebogt [gdbo:kt] <Adj.; -«r. -este>: svw. ausgebogt
(tausbogen).
Gebotze [ga'baltsal. das; -s (ugs.. meist abwertend):
[dauerndes] Bolzen.
geboren Up'bo:ren]: t gebären; <Zus.:> Geborenzeichen, das;
-s. -: dem Geburtsdatum vorangestelltes Sternchen (*) als
Zeichen für „geboren".
geborgen [go'borgn]: I. tbergen. 2. <AdJ.> gut aufgehoben,
sicher, beschützt: bei jmdm.. an jmds. Seite, an einem
Ort g. sein; sich g. fühlen, wissen; <Abl.:> Geborgenheit,
die; -: die G. des Elternhauses vermissen; in häuslicher
G.
geborsten [gd'barstn): t bersten.
Gebot [gd'bo:t], das; -[e]s. -e [mhd. gebot, ahd. gibot. zu
tgebieten u. f bieten]: l.a) [moralisches od. religiöses]
Gesetz (Grundsatz. -Vorschrift), das ein bestimmtes Handeln.
Verhalten [ allgemein [verbindlich vorschreibt, fordert: ein
göttliches, sittliches, moralisches G.; das oberste G.; ein
G. halten (erfüllen, nicht übertreten); das G. der
Nächstenliebe, der Höflichkeit beachten, befolgen; Menschlichkeit
sollte oberstes/das oberste G. unseres Handelns sein; die
Zehn -e (die [zuerst im 2. u. 5. Buch Mose formulierten]
zehn Gesetze der christlichen Moral); das erste, sechste
G. (der Zehn Gebote); das elfte G. (ugs. scherzh. verhüll.;
das Gebot der Lebensklugheit: „Laß dich nicht erwischenD'.
b) [gesetzliche, amtliche] Vorschrift (Ggs.: Verbot): ein
gesetzliches G. befolgen, übertreten; G. für Fußgänger
(Verkehrsw.; durch Gebotszeichen ausgedrückte Vorschrift,
daß ein bestimmter Weg o. ä. nur von Fußgängern benutzt
werden soll). 2. (geh.) a) Befehl: ein G. ausgeben, erlassen,
nicht achten; etw. auf jmds. G. hin tun; b) *m Gebotfe]
stehen (zur Verfügung stehen; über etw. gebieten). 3.
Erfordernis. Notwendigkeit: dasG. der Vernunft. Klugheit [eri-
fordert [es], daß wir schweigen. 4. (Kaufmannsspr.)
Preisangebot; ein höheres G. machen, abgeben; 'geboten
[gd'bo:tn]: T bieten; ^geboten [-]: t gebieten; Gebotsschild.
das <P1. ...er> (Verkehrsw.): Verkehrsschild mit einem
Gebotszeichen (Ggs.: Verbotsschild); Gebotszeichen, das
(Verkehrsw.): Verkehrszeichen (weiß auf blauem Grund), das
ein Gebot (1 b) anzeigt (Ggs.: Verbotszeichen).
Gebrabbel [ga'brabl]. das; -s (ugs. abwertend): [dauerndes]
Brabbeln.
Gebrich [gs'brc:^]. das; -[eis. -e [zu T brechen]: 1. (Jägerspr.)
der vom Schwarzwild mit dem Rüssel aufgewühlte Boden.
2. auch: Gebrfiche [-d]. das; -s. - (Bergbau): Gestein, das
leicht in Stücke zerfällt.
gebracht [ga'braxt]: t bringen.
Gebrfime [gd'bre:md]. das; -s. - [mhd. gebrame] (veraltet):
Verbrämung an Kleidern.
gebryndmarkt: T brandmarken.
gebrannt [gd'brant]: t brennen.
gebraten [ga'bra:tn]: t braten; Gebratene, das; -n [subst. 2.
Part, von t braten]: gebratene Speise.
Gebräu [gabrjy], das; -[e]s. -« [zu t brauen] (meist
abwertend): [Zusammen] gebrautes.
Gebrauch, der; -[eis. Gebräuche [mhd. gebrüch. zu T
gebrauchen]: 1. <0. Pl.> das Gebrauchen. Benutzung. Verwendung:
der zu häufige G. des Medikaments führt zu
Gesundheitsschäden; der G. von Messer und Gabel; für den
persönlichen, täglichen G.; (Flasche) vor G. gut schütteln!;
sparsam im G. (Verbrauch) sein; der G. (die Anwendung)
eines Mittels; ein Medikament zum innerlichen,
äußerlichen G. (das einzunehmen, äußerlich anzuwenden ist);
dieser G. (diese Verwendungsweise) des Wortes ist neu;
* von etw, G. machen (sich in einem akuten Fall einer Sache,
die jmdm. zur Verfügung steht od. gestellt worden ist.
bedienen): von der Schußwaffe G. machen; von seinem Recht
G. machen; machen Sie bitte von dieser Mitteilung keinen
G. (erzählen Sie das Mitgeteilte nicht weiter)!; etw. kommt
außerG. (etw. veraltet); außer G. setzen (Papierdt.;
aufhören zu brauchen, zu benutzen): eine Maschine außer G.
954
Gebrüll
setzen; in G. nehmen (zu gebrauchen, zu benutzen
beginnen) ; in/im G. haben (gebrauchen, benutzen): ein Werkzeug
schon lange im G. haben; in/im G. sein (gebraucht, benutzt
werden): die neue Anlage ist bereits in G. 2. <meist PI.)
Sitte, Brauch: Die Basken wahrten ihre Sitten und
Gebräuche mit Zähigkeit (Salomon. Boche 60); Ich bin schlecht
bekannt mit den Gebräuchen (Hacks. Stücke 89).
gebrauchen <sw. V.; hat) [mhd. gebrüchen. ahd. gibrühhan.
verstärkend für f brauchen in der Bed. „verwenden"]: 1.
verwenden, benutzen: Hammer und Zange g.; eine Sache
[noch] [gut] [zu etw.] g. können; etw. ist [zu vielem] zu
g.; jmd. ist zu nichts zu g. (ugs.; jmd. ist / mangels besonderer
Fähigkeiten] zu nichts nütze)', Jmd. ist zu allem zu g. (ugs.;
jmd. ist wegen seiner Anstelligkeit, vielseitigen
Geschicklichkeit sehr nützlich): seine Schußwaffe. Gewalt, den Verstand,
eine List g. (anwenden): derbe Worte g. (verwenden,
äußern); ein Arzneimittel [äußerlich] g. (bes. Med.; nehmen,
bei sich anwenden); Tabletten g. (bes. Med.; einnehmen):
(2. Part.:) ein gebrauchtes (bereits benutztes) Handtuch
in die Wäsche geben; ein gebrauchter (nicht mehr neuer)
Kinderwagen; ein Auto gebraucht kaufen (ein Auto kaufen,
das schon von einem anderen Besitzer vorher gefahren
worden, das nicht mehr fabrikneu ist). 2. (ugs.. bes. nordd.)
brauchen, benötigen: ich könnte einen Mantel g.; <Abl.:)
gebrfiuchlich bp'br^lu;] <Adj.; nicht adv.): allgemein
üblich: ein -es Verfahren. [Sprichjwort. dazu:
Gebräuchlichkeit, die; -.
gebrauchs-, Gebrauchs-: ^anleitung, die: svw. f -anweisung;
^anmaßung, die (jur.): unbefugter Gebrauch fremden
Eigentums; ^anweisung, die: Anweisung, wie etwas zu gebrauchen
ist: dieG. lesen; -artikel, der: Artikel für Gebrauchszwecke,
insbes. Artikel des täglichen Bedarfs (im Unterschied zu
Luxusartikeln); ^ausfuhnmg, die (Technik): einfache
Ausführung für den alltäglichen Gebrauch; Miiebstahl. der: Das
populärste Halbstarken-Delikt von heute, die unbefugte
Benutzung eines fremden Autos für eine Spritztour
(Gebrauchsdiebstahl), stand bis 1953 nicht im Strafgesetzbuch
(Spiegel 16. 1967. 38); ^entwendung. die: vgl. Diebstahl;
-fähig <Adj.; nicht adv.): für den Gebrauch geeignet u.
bereit: ein -es Gerät; ^fahrzeug, das: Fahrzeug für
Gebrauchszwecke: Rennwagen sind empfindlicher als -e;
^fertig <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): fertig, bereit für den
Gebrauch: ein -es Erzeugnis; ^gegenständ, der: Gegenstand
für Gebrauchszwecke, insbes. für den täglichen Gebrauch
(im Unterschied zu Luxusartikeln); -geschirr, das: Geschirr
(1) für den täglichen Gebrauch; -graphik, die: an bestimmte
Gebrauchszwecke, insbes. gewerbliche Zwecke gebundene
Graphik, angewandte Grapliik (z. B. Werbegraphik.
Buchgraphik); ^graphiker, der: Graphiker auf dem Gebiet der
Gebrauchsgraphik (Berufsbez.); -graphikerin, die: w. Form
zu t^graphiker; HRrt. das <meist PI.): für den Gebrauch
bestimmter Gegenstand; ^literatur, die: Literatur
(unterschiedlichsten Charakters), deren Gebrauch an einen ganz
bestimmten Zweck gebunden ist (z. B. Schlager- u.
Reklametexte. Gelegenheitsdichtung, politische
Agitationsschriften, engagierte Literatur): im Seminar entzündete sich
eine heftige Debatte über die Frage, was G. sei; -möbel,
das <meist PI.): ausschließlich auf Zweckmäßigkeit im
täglichen Gebrauch ausgerichtetes einfaches Möbelstück; mimi-
sflc, die: Musik, die für einen bestimmten Zweck od. für
eine bestimmte Gruppe von Instrumentalisten od. Sängern
bestimmt ist (z. B. Film-, Tanzmusik. Chor-, Schul-.
Unterrichtsmusik. Hausmusik); -muster.das (jur.): patentähnlich
geschützte Schöpfung, Erfindung auf dem Gebiet der /
zweckmäßigen] Gestaltung von Gegenständen des praktischen
Gebrauchs, dazu: -musterschutz, der (jur.): gesetzlicher Schutz
für Gebrauchsmuster; --Porzellan, das: einfaches, für die
tägliche Benutzung bestimmtes Geschirr (1), Porzellan;
-prosa, die: vgl. Nliteratur: als er (= v. Polenz) den
Terminus „Gebrauchsprosa" prägte (Germanistische
Linguistik 4. 1973, 65); -tüchtig <Adj.; nicht adv.) (bes.
Werbespr.): durch Gebrauch voll beanspruchbar, strapazier-
fällig: ein -er Teppichboden, Anorak, Apparat, dazu:
-tüchtigkeit, die; ^vertust, der (Med.): dauernder Verlust
der Fähigkeit des Gebrauchs (z. B. eines Arms); -Vorschrift,
die: Vorschrift für den Gebrauch einer Sache; ^ware. die:
vgl. ^gut; -werber, der (Wirtsch.): Fachmann für
Schaufenster-, Ausstellungsgestaltung (Berufsbez.); ^wert. der: 1.
wirtschaftlicher od. geldlicher Wert, den eine Sache
hinsichtlich ihrer Brauchbarkeit ixi. ihres Gebrauchs hat. Nutzwert.
2. praktischer Wert. Brauchbarkeit; ^zweck, der: 1. Zweck,
zu dem etw. gebraucht wird: Gegenstände mit
unterschiedlichem G. 2. <P1.) Zwecke des praktischen Gebrauchs,
praktische Zwecke (im Unterschied z. B. zum Selbstzweck, zu
Zwecken der Repräsentation, der bloßen Dekoration, der
künstlerischen Gestaltung, des Sports od. Spiels): etw.
zu -n anschaffen.
Gebraucht- (bes. Kaufmannsspr.. Gewerbespr.; bereits
benutzt, nicht mehr neu, aus zweiter Hand): -fahrzeug, das;
Mnöbel, das (meist PI.); -wagai, der: nicht fabrikneues,
gebrauchtes Auto (in bezug auf Verkauf od. Kauf), dazu:
-wagengeschäft, das. -wagenhandel, der. -wagenhändler,
der. -wagenhandhing, die. -wagenmarkt, der.
-wagenschau, die; -wäre, die, dazu: -Warengeschäft, das, -wa-
renhandhmg, die. -warenbden, der.
Gebraus [ga'braps], das; -es (dichter.): svw. f Gebrause: im
G. des Sturmes; Gebrause [...ajiza], das; -s: fanhaltendes]
Brausen: das G. des Verkehrs.
Gebrech te'bre^]. das; -[e]s. -e [zu Tbrechen]: 1. (Jägerspr.)
Rüssel des Schwarzwildes, mit dem es u. a. den Boden (t
Gebräch 1)aufwühlt. 2. auch: Gebreche [-3]. das; -s. - (Bergbau):
svw. T Gebräch (2).
gebrochen <st. V.; hat) /vgl. gebrochen/ [mhd. gebrechen
= mangeln, fehlen; zerbrechen, ahd. gibrehhan =
zerbrechen] (geh.): fehlen, mangeln <unpers.>: jmdm. gebricht
es an Geld. Zeit. Ausdauer; <veraltet auch pers.:) dazu
gebrach [ihm. seinen Bemühungen] der rechte Schwung;
<Abl.:> Gebrochen, das; -s. - [mhd. gebreche(n)] (geh.):
dauernder [körperlicher, gesundheitlicher] Schaden: ein
schweres körperliches, geistigesG. haben; dieG. des Alters;
gebrechlich <Adj.; nicht adv.) [mhd. gebrechlich]: 1. mit
Gebrechen behaftet, hififällig, altersschwach, schwächlich:
ein -erGreis; <subst.:> Anstalten für Gebrechliche.
Körperbehinderte. Blinde. 2. (selten) zart, zerbrechlich: ein -es
Pflänzchen. dazu: Gebrechlichkeit, die; -.
Gebreit [ga'brait], das; -[eis. -e. Gebreite [-9], das; -s. -
[mhd.. ahd. gebreite, zu T breiten] (veraltet): Feld, Acker:
in einem welligen Gebreite von Wiesen und Ackerland
(Th. Mann, Joseph 160).
Gebresten [ga'brestn], das; -s, - [subst. Inf. von veraltet
gebresten (mhd. gebresten. ahd. gibrestan) = Mangel
haben] (Schweiz., sonst veraltet): Gebrechen: eine gelähmte
alte Frau, die ... über ihre G. klagte (Buber. Gog 66);
<Abl.:> gebr^sthaft <Adj.; -er. -este; nicht adv.) (veraltet):
gebrechlich.
gebrochen [ga'broxn]: 1.1 brechen. 2. <Adj.; o. Steig.; nicht
adv.) nicht gerade weiter verlaufend, geknickt: ein -er
Lichtstrahl; eine -e Linie (1. abknickende Linie. 2. fortlaufend
geknickte Linie, Zickzacklinie). 3. <Adj.; o. Steig.; nicht
adv.) (Musik) (von Akkorden) in eine musikalische
Verlauf sform aufgelöst: ein -er Dreiklang. 4. <Adj.; o. Steig.)
a) durch Brechung (1) abgeschwächt: -es Licht; b) (nicht
adv.) (insbes. von Malfarben) durch Beimischung [einer
anderen Buntfarbe] nicht mehr rein u. daher weniger
leuchtkräftig: -e Farben (Ggs.: reine Farben); c) (nicht adv.)
(Sprachw.) durch Brechung (2) entstanden: -e Vokale. 5.
<Adj.; nicht adv.) tief getroffen u. völlig niedergedrückt,
[endgültig] des Lebensmutes beraubt: ein -er Mensch; Der
Hausmeister nickte g. (Bieter. Mädchenkrieg 470). 6. (nicht
adv.) durch Befangenheit, Unsicherheit, Unklarheiten od.
Spannungen beeinträchtigt (in Ausdrücken wie): ein -es
(getrübtes, gestörtes) Verhältnis zu etw. haben. 7. (Adj.;
nicht präd.) (vom Sprechen einer fremden Sprache)
durchgehend mangelhaft, holperig u. mit vielen Fehlern: sich in
-em Deutsch unterhalten; g. Englisch sprechen; (Abi. zu
5. 6. 7:) GebrQchenheit. die; -: Gerade die Fragwürdigkeit
seines Genies, die G. seines Charakters (K. Mann,
Wendepunkt 299).
Gebröckel [ga'brakl], das; -s: 1. [dauerndes] Bröckeln. 2.
Gebröckeltes.
Gebrodel [göbro:dl], das; -s: 1. [dauerndes] Brodeln: Das
G. der kleinen Straßen (Remarque, Triomphe 438). 2.
Brodelndes, brodelnde Flüssigkeit. Masse o. ä.
Gebrüder (PI.) [mhd. gebruoder, gebrüeder, ahd. gibruoder,
Kollektivbildung zu T Bruder]: 1. (veraltet) Gesamtheit der
Brüder einer Familie. 2. (Kaufmannsspr.) Brüder, die ein
Unternehmen gemeinsam leiten (Abk.: Gebr.): Gebr.
Kornfeld (Spedition).
Gebrüll [ga'brYl], das; -[e]s: [wiederholtes] Brüllen: das G.
der Rinder, dann das G. von Diebstahl und die Woge
955
Gebrülle
der Verfolger (Kinski, Erdbeermund 21); R (ugs. scherzh.:)
auf ihn mit GK\: Gebrülle [-dl. das; -s (ugs. abwertend):
[dauerndes] Brüllen.
Gebrumm [ga'brom], das; -[eis: [wiederholtes! Brummen:
das G. des Bären; Gebrumme [-dl. das; -s (ugs.
abwertend): I dauerndes] Brummen: Es war ein sonderbares
Gebrumme auf dem Cello (Katia Mann. Memoiren 27);
Gebrummel [gsbromll. das; -s (ugs.): [dauerndes/
Brummein: undeutliches G.
gebuchtet [ga'boxtot] <AdJ.>: Buchten aufweisend: eine -e
Küste; ein tief -er Resonanzkörper.
Gebück [gd'bYkl. das; -[eis. -e [mhd. gebucke. zu: bücken
= (nieder)biegen; vgl. bücken] (früher): geflochtene Hecke
zum Schutz von Anlagen od. Siedlungen.
gebuckelt [gdboklt] <Adj.; nicht adv.): a) mit kleinen Buk-
keln / versehenj ein -er Ring; Eier .... die man ... nach
ihrem Gewicht in seltsam -e Pappkästen verteilte
(Kaschnitz. Wohin 52); b) buckelartig gewölbt: der -e
Deckel der Truhe (Grass. Hundejahre 23).
Gebühr [gd'by:£], die: -. -en [mhd. gebürte). ahd. giburi.
eigtl. = was einem zukommt, zufällt, zu T gebühren!: I.
für eine [öffentliche] Dienstleistung zu bezahlender Betrag:
dieG. fürdie Benutzung beträgt 20 Mark; eineG. erheben,
bezahlen, entrichten; gegen G. etw. leihen. 2. 'nach G.
(angemessen): seine Arbeit wird nach G. bezahlt; über
G. (mehr als nötig, übertrieben): gebühren [ga'by:ran] <sw.
V.; hat) /vgl. gebührend/ [mhd. gebürn. ahd. giburian
= sich zutragen, geschehen; widerfahren, zufallen,
zukommen] (geh.): 1. zukommen, zustehen: ihm. seiner Leistung
gebührt Anerkennung; Durch den Glanz seiner Elegien
... erhielt der Adel freilich eine Bedeutung, die ihm kaum
gebührte (Thieü. Reich 34). 2. <g. + sich) sich gehören,
sich schicken, sich ziemen: sie verhält sich, wie es sich
[für eine Dame] gebührt.
gebühren-. Gebühren-: -ansage, die (Fernspr.): Gespräch
mit G.; -anzeigen der (Fernspr.): Zusatzeinrichtung bei
Fernsprechstellen zur unmittelbaren Zählung u. Anzeige der
zu berechnenden Gebühreneinheiten: -befreiung, die;
-begünstigt <Adj.: o. Steig.; nicht adv.) (bes. Postw.): diese
Versandform ist g.; -einheit, die (Femspr.): Geldbetrag
als kleinste Einfielt, in der Gesprächsgebühren (insbes. im
Selbstwählverkehr) berechnet werden: Gesprächseinheit:
-erhöhung, die; -erlaß, der: Befreiung von Gebühren (1);
-enmäßigung. die; Verstattung, die; -frei <AdJ.; o. Steig.):
eine -e Postsendung, dazu: -freiheit, die <o. PL); -marke.
die: Wertmarke, die auf etw., insbes. auf ein Schriftstück,
geklebt wird als Beleg dafür, daß die mit der Aus-,
Abfertigung verbundene Gebühr bezahlt ist: -Ordnung, die: amtliche
Zusammenstelluttg, nach der in einem bestimmten
Dienstleistungsbereich. Berufs zweig o. ä. die Gebüfiren (1) zu
berechnen sind: -pflichtig <Adj.; o. Steig.): /für den Empfänger,
mit der Pflicht zur Zahlung einer Gebühr (1) verbunden:
er erhielt von dem Polizisten eine -e Verwarnung; jmdn.
g. verwarnen; -e Dienstsache (Postw.; amtliche Mitteilung,
für die der Empfänger die Portogebühren beza/tlen muß):
-rückerstattt!!«, die; -satz, der: fester Betrag gemäß der
Gebührenordnung: -Senkung, die; -Staffel, die; -Steigerung,
die; -Stempel, der: vgl. -marke; -tafel. die: Tafel, in der
die festgesetzten Gebühren (1) tabellarisch verzeichnet sind;
-Vorschuß, der: -zähler, der: vgl. ^anzeigen -Zuschlag,
der: zusätzliche Gebühr.
gebührend <Adj.; nicht präd.) [1. Part, zu fgcbühren]: wie
es jmdm. od. einer Sache zukommt, zusteht: angemessen,
gehörig: etw. in -er Weise würdigen, g. loben; <Zus.:>
gebührendermaßen, gebührenderweise <Adv.>: weil es
jmdm.. einer Sache, sich gebührt: jmdn.. etw. g. durch
eine Feier würdigen; gebührlich <AdJ.) [mhd. gebürlich,
zu t gebühren] (veraltet): gebührend: Gebührnis [ga'by^nis].
die; -. -se (Papierdt.): Gebühr, Abgabe.
gebumfiedelt [ga'bumfhdlt; zu Bum(s) = Ton der Trommel
u. t Fiedel; wohl in Anspielung auf das Ständchen einer
Musikkapelle] in der Verbindung sich g. fühlen (ugs.
scherzh.; sich geschmeichelt fühlen).
Gebumse [gd'bomzd]. das; -s (ugs.. meist abwertend):
[dauerndes/ Bumsen.
gebymsfiedelt: T gebumfiedelt.
Gebund [ga'bunt], das; -[eis. -e (aber: 30 Gebund) [mhd.
gebunt] (landsch.): Bund, Bündel: gebündelt: f bündeln;
gebunden [gd'bondn]: t binden; <Abl.:> Gebundenheit, die; -
[zu: binden 2 b, 3 Ül: das Gebundensein.
Geburt [gd'bu:?t], die; -. -en [mhd. geburt. ahd. giburt,
zu tgebären]: l.a) das Gebären: Entbindung: eine leichte,
schwere G.; einer G. beiwohnen; Ü die G. der Tragödie
aus dem Geist der Musik (Titel einer Schrift von
Nietzsche); das war eine schwere G. (ugs.; ein schweres Stück
Arbeit): b) das Geborenwerden, Zur-Welt-Kommen: die
glückliche G. eines Stammhalters zeigen hocherfreut an
...; im 9. Jahrhundert vor/nach Christi G.; von G. [an]
(seit der Geburt). 2. Abstammung, Herkunft: nicht die
G.. sondern die Leistung ist maßgebend; von niedriger,
hoher G. sein; er ist von G. (der Geburt nach) Schweizer.
3. (selten, geh. abwertend) Geborenes, Geschöpf,
Lebewesen: 0 eine G. (Schöpfung, Ausgeburt) der Phantasie.
geburten-, Geburten- (bes. Bevölkerungspolitik. Statistik;
vgl. auch: Geburts-): -abnähme, die; -beschränkt!!«, die:
Beschränkung der Geburtenzahl durch Geburtenkontrolle,
-regelung; -buch, das: Personenstandsbuch zur
Beurkundung der Geburten: -einsdtrfinkung, die: svw. T -beschrän-
kung; -freudig <Adj.; nicht adv.): mit der Tendenz zu
hoher Geburtenziffer: ein -er Jahrgang, dazu: -freudigkeit,
die <o. PI.); -hiufigkeit, die: svw. TNatalität; -kontrolle,
die <o. PI.): Kontrolle (systematische Beeinflussung, vor
allem Beschränkung) der Geburtenhäufigkeit durch
familienpolitische Maßnahmen, die insbes. die
Empfängnisverhütung, Abtreibung o.a. betreffen: -rate, die: vgl. -zifler;
^reg[e]lung, die <o. PI.): [Geburtenkontrolle u./ Regelung,
insbes. Beschränkung der Empfängniszeiten u. Geburtenzahl
durch entsprechende, von den Geschlechtspartnern
angewandte Verhaltensweisen od. I Verhütungs)mittel: -rück-
gang. der; -schwach <Adj.; nicht adv.): ein -er Jahrgang
(indem wenig Kinder geboren wurden): -stark <Adj.; nicht
adv.); -«Statistik, die; -Überschuß, der: das Überwiegen der
Geburten gegenüber den Sterbefällen: -zahl, die: vgl.
-Ziffer; -zHTer, die: Zahl, die angibt, wieviel Geburten auf
1000 Personen im Jahr kommen: -Zuwachs, der: Anstieg
der Geburtenzahl.
gebürtig [bobYrti^] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [mhd. gebür-
tich. ahd. gibürtlg, zu tGeburt]: geboren in, der Geburt
nach [stammend aus] (in bezug auf Heimatort od. -Staat
zur Zeit der Geburt): er ist -er Schweizer; aus Berlin,
aus Ungarn g. sein; vgl. geboren; geburtlich <AdJ.; o. Steig.;
meist nur attr.) (Med.): mit der Geburt zusammenhängend:
-e Hirnschädigungen.
Geburts- (vgl. auch: geburten-, Geburten-): -adel, der: svw.
t Erbadel (Ggs.: Verdienstadel); -akt. der (Med.): svw.
-Vorgang; -anzeige, die: 1. (von den Eltern versandte od.
aufgegebene) Anzeige, durch die die Geburt eines Kindes
bekanntgemacht wird. 2. Anzeige einer Geburt beim
Standesamt: -datim. das; -einleitung, die: künstliches Ingangsetzen
der Geburt vor dem Beginn der Wehen: -fehler, der:
atigeborener körperlicher Fehler: Ü ein G. unserer Demokratie
(ein ihr seit Bestehen anhaftender Fehler): -Geschwulst,
die (Med.): Beule, verursacht durch eine vorübergehende
Ansammlung von Gewebswasser in Haut u. Zellgewebe des
bei der Geburt vorangehenden Körperteils (meist des
Kopfes): -gewicht, das: Gewicht, das ein Kind od. Tier bei
der Geburt hat: -haus, das: Wohnhaus, in dem jmd. [der
bekannt, berühmt ist] geboren worden ist: Beethovens G.;
-helfer, der: jmd. (insbes. ein Arzt), der /beruflich]
Geburtshilfe leistet: -Helferin, die: weibliche Person (z. B.
Ärztin, Hebamme), die /beruflich] Geburtshilfe leistet: -hilfe,
die <o. PI.): 1. fachkundige Hilfe bei der Geburt: G. leisten.
2. Lehre von der fachkundigen Hilfe bei der Geburt: In
allen operativen Fächern von der Chirurgie ... bis hin
zur G. versucht er. die Anästhesiemethoden zu verbessern
(Medizin II. IS); -iahr, das; -Jahrgang, der: Jahrgang
der im gleichen Jahr Geborenen: -läge, die (Med.): Lage
der Frucht in der Gebärmutter vor u. während der
Entbindung: vgl. Kindslage; -land, das <PI. ...länder): Land, in
demjmd. geboren worden ist: -mal, das <P1. ...male): svw.
t Muttermal; -nachweis.der: Geburtsurkunde od.
gleichwertiges Dokument: —name, der: Familienname, den eine
verheiratete Frau bei ihrer Geburt hatte: mmI, der; -recht, das:
Recht auf Grund der Geburt (insbes. der Erstgeburt od.
adligen Abstcunmung): -register, das (veraltet, noch
Schweiz.): svw. tGeburtenbuch; -schein, der: svw.
t-Urkunde; -Stadt, die; -statte, die (geh.); -stunde, die: Stunde
der Geburt: Ü die G. der Demokratie; -tag, der [mhd.
geburttac. ahd. giburtU)tag(o), LÜ von lat. dies natälis):
1. Jahrestag der Geburt: G. haben; [seinen 50.] G. feiern;
956
gedanken-, Gedanken-
jmdm. zum G. gratulieren; sich etw. zum G. wünschen,
herzliche Glückwünsche zum G.!; Ü der 80. G. unseres
Staates. 2. (Amtsspr.) Tag der Geburt: Ihr G.? - 17. 4.
1923. zu 1: ^tagsfeier, die, -tagsgeschenk, das. -tagsgruß,
der. ^tagskind, das (scherzh.): jmd., der Geburtstag hat.
^tagskuchen, der. ^tagsständchen, das. -tagstisch, der: 1.
Tisch für Geburtstagsgeschenke, 2. für die Geburtstagsfeier
festlich gedeckter Tisch, ^tagstorte, die. ^ tagsüberrasdming,
die; ^trauma, das: durch den Geburtsakt entstandener
psychischer od. physischer Schaden bei Mutter od. Kind;
-Urkunde, die: (Standes] amtliche Urkunde über jmds. Geburt
(Ort u. Tag) sowie Abstammung; -verlauf, der; -Vorgang,
der <o. Pl.>; -wehen <Pl.>: svw. T Wehen: Ü die G. der
Demokratie (mit der Entstehung verbundene
Schwierigkeiten, Bedrängnisse. Krisen); -zange, die: zur Geburtshilfe
in schwierigen Fällen verwendetes zangenförmiges
Instrument, mit ydem der Kopf des Kindes festgehalten u. aus
dem Mutterleib herausgezogen wird: Forzeps.
Gebüsch [ga'bYj]. das; -[e]s. -e [mhd. gebüsche.
Kollektivbildung zu T Busch]: viele dicht zusammenstehetule Büsche;
Buschwerk: ein ausgedehntes, dichtes G.; sich im G.
verstecken; im G. verschwinden; eingerahmt von G.; Ü unter
dem G. seines rotbraunen Schnurrbarts (Th. Mann.
Zauberberg 590).
Beck [gek]: tjeck; G^ck, der; -en, -en [niederfränk. geck
= Hofnarr des Bischofs < mniederd. geck = Narr; lautm..
nach den von Schwachsinnigen ausgestoßenen
unverständlichen Lauten): 1. (abwertend) eitler, sich übertrieben
modisch kleidender Mann: ein eitler G. 2. (landsch.. sonst
veraltet) Narr; vgl. Jeck; <Abl.:> geckenhaft <Adj.; -er.
-este>: wie ein Geck (1), dazu: Geckenhaftigkeit, die; -:
geckenhaftes Wesen, Benehmen; Geckerei [gcka'rai], die;
-, -en: 1. <o. PI.) (abwertend) geckenhaftes Benehmen. Stut-
zertum. 2. (abwertend veraltend) Narrheit; geckig ['gekif ]:
selten Tür t geckenhaft.
Gecko [gekol. der; -s. -s u. -nen [ge'ko:nan; niederl. gekko
od. engl, gecko, gekko < malai. gekok (lautm., nach
seinen durchdringenden Kehllauten)!: in den Tropen u.
Subtropen vorkommende, kleine, gedrungen-flache,
quakende u. zirpende Schuppenechse mit großem Kopf u. großen
Augen; Haft zeher.
gedacht [ga'daxt; mhd. gedäht, ahd. gidäht. 2. Part, zu
f denken u. tgedenken): l.a) Tdenken; b) Tgedenken. 2.
* gedacht sein (bestimmt, geplant sein): etw. ist für jmdn.
od. etw. g.; das ist nur als Notlösung g.; so war es nicht
g.!; Gedächtnis [ga'deijtnis]. das; -ses. -se [mhd. gedaehtnisse
= das Denken an etw.. Erinnerung, ahd. kithehtnissi =
das Denken an etw., Andacht, Hingabe, zu T gedacht (1 b)]:
I. Fähigkeit. Sinneswahrnehmungen od. psychische
Vorgänge (im Gehirn) zu speichern, so daß sie hei geeigneter
Gelegenheit ins Bewußtsein treten können: Vermögen.
Bewußtseinsinhalte aufzubewahren, zu behalten, zu speichern
u. sich ins Bewußtsein zurückzurufen, sie wiederzubeleben;
Erinnerungi svermögenl: sein G. reicht weit zurück; mein
G. läßt nach, läßt mich oft im Stich; wenn mich mein
G. nicht täuscht, war es so: ein gutes, schlechtes G. [für
Zahlen] haben; das G. verlieren; sein G. nicht mit etw.
belasten; seinG. auffrischen; etw. dem G. [fest] einprägen:
er hat ein kurzes G. (ugs.; vergißt schnell)', sein Name
ist meinem G. entfallen (ich habe seinen Namen vergessen):
jmds. G. nachhelfen (1. jmdn. erinnern, indem man ihm
Anhaltspunkte gibt. 2. (iron.) jmdn., der sich an bestimmte
Tatsachen nicht erinnern will bzy\'. angeblich nicht erinnert,
auf diese Tatsachen hinweisen): aus dem G. (ohne Vorlage,
auswendig) zitieren; etw. aus dem G. verlieren (etw.
vergessen); etw. im G. behalten, bewahren (nicht vergessen);
jmdm.. sich etw. ins G. zurückrufen (jmdn., sich an etw.
erinnern); * ein G. wie ein Sieb haben (ugs.; sehr vergeßlich
sein): jmdn. aufs G. hauen (salopp: jmdn. auf den Kopf
schlagen). 2. / ehrendes I Andenken, Gedenken: dem
Verstorbenen ein ehrenvolles G. bewahren; zum G. der Opfer;
zum G. an die Katastrophe ein Denkmal errichten. 3.
(schweiz.) Gedenkfeier, Gedenkgottesdienst.
ged^chtnis-, Gedächtnis- (vgl. Gedenk-): -aufTrischung. die:
-ausfall, der; -ausstellung, die: svw. t Gedenkausstellung;
-belastung, die: Belastung des Gedächtnisses durch zu viele
Dinge, die gelernt, im Gedächtnis behalten werden müssen;
-brücke, die: / zufälliger] Umstand, Moment, das jmdn.
dazu bringt, sich an etw. zu erinnern; ^feier. die: svw.
t Gedenkfeier; -gottesdienst, der: Gottesdienst zum
Andenken insbes. an einen Toten; -hilfe, die: Hinweis,
Anhaltspunkt zur Unterstützung des Gedächtnisses; -inhalt, der;
-kapelle, die: das obere Geschoß ist Toten- oder G. (Bild.
Kunst 3, 39); -konzert, das: vgl. -ausstellung; -kraft,
die: svw. t Erinnerungsvermögen; -kunst, die: Kunst,
insbes. durch systematische Anwendung von Gedächtnishilfen
überdurchschnittliche od. artistische Gedächtnisleistungen zu
erreichen, dazu: -künstler, der; -leistung, die; -Kicke, die:
fehlende Erinnerung an einen Vorgang; -mäßig <Adj.; o.
Steig.; nicht präd.>: das Gedächtnis betreffet; die -e
Aneignung des Lehrstoffs; -messe, die: vgl. ^gottesdienst;
-Protokoll, das: aus dem Gedächtnis angefertigtes Protokoll (z. B.
einer Unterredung); -rede, die: svw. t Gedenkrede;
-Schulung, die; -schwach <Adj.; nicht adv.): mit schwachem
Gedächtnis; -schwäche, die <o. PI.) (bes. Med., Psych):
zeitweiliges Versagen des Erinnerungsvermögens,
Leistungsminderung des Gedächtnisses auch in bezug auf die
Merkfähigkeit; -Schwund, der: Verlust älterer Gedächtnisinhalte
u. mangelhafte Merkfähigkeit; -Störung, die (bes. Med..
Psych.): vorübergehendes Nachlassen od. Aussetzen des
Gedächtnisses; -stütze, die: vgl. ^hilfe; -training, das;
-Verlust, der <o. PI.) (bes. Med.. Psych.); -vers. der: svw.
T Denkvers.
gedackt [ga'dakt] <Adj.; o. Steig.) [mhd. gedact. 2. Part,
von t decken) (Musik): (von Orgelpfeifen) oben verschlossen
(gedeckt) u. eine Oktave od. eine Quinte tiefer klingend
als eine gleich lange offene Pfeife.
gedampft: tdämpfen; <Abl. zu dämpfen 3.) Gedipnpftheit.
die; -: das Gedämpftsein.
Gedanke [ga'danka], der; -ns. -n. (selten:) Gedanken, der:
-s. - [mhd. gedanc. ahd. gidanc. zu tdenken]: l.a) etw.,
was von jmdm. gedacht wird od. gedacht worden ist;
Überlegung: gute, vernünftige Gedanken; dieser Gedanke liegt
mir fem. verfolgt mich, tröstet mich; ein Gedanke ging
mir durch den Kopf: mir drängt sich der Gedanke auf,
daß das nicht stimmt; Dieser Gedanke hat mich anfangs
ein wenig bekümmert (Hildesheimer. Legenden 155); einen
Gedanken fassen, aufgreifen, fallenlassen, in Worte
kleiden, zu Ende denken, nicht mehr loswerden; Gedanken
an jmdn.. etw. verschwenden; auf einen Gedanken
kommen, verfallen; es ist mir ein schrecklicher Gedanke (eine
schreckliche Vorstellung). daß...; seine Gedanken sammeln
(sich konzentrieren); seinen Gedanken nachhängen, sich
seinen Gedanken überlassen ([nach]sinnen): sich an einen
Gedanken klammern (ängstlich, krampfhaft daran
festhalten u. Hoffnung damit verbinden); jmdn. auf andere
Gedanken bringen (jmdn. ablenken); [ganz] in Gedanken
verloren, versunken (vertieft) sein; ich war [ganz] in Gedanken
(gedankenverloren, zerstreut, liabe nicht aufgepaßt); das
habe ich in Gedanken (ohne es zu wollen, zu wissen) getan;
mit seinen Gedanken woanders, nicht bei der Sache sein
(gedankenverloren, unaufmerksam sein); als versuche er.
sich mit dem Gedanken vertraut zu machen (Müthel, Baum
223); R Gedanken sind [zollfrei (was man denkt, kann
einem keiner vorschreiben); der erste Gedanke ist nicht
immer der beste; * [jmds.] Gedanken lesen [können] (erraten
/können]): sich (Dativ)Gedanken [über jmdn.« etw.. wegen
jmds., wegen einer Sache] machen (sich tum jmdn.. um
etw.j sorgen); sich (Dativ) über etw. Gedanken machen
(über etw. länger nachdenken); b) <o. PI.) das Denken
an etw.: bei dem Gedanken [daran] wurde ihr unheimlich
zumute: der bloße Gedanke [daran] macht ihn wütend
(schon wenn er nur daran denkt, wird er wütend); *kein
Gedanke [daran]! (ugs.; keinesfalls, unmöglich, das kommt
nicht in Frage!). 2. <PI.) Meinung. Ansicht: über etw. seine
eigenen Gedanken haben; sie tauschten ihre Gedanken
[über das Buch] aus. 3. Einfall; Plan. Absicht: ein
verwegener, großartiger Gedanke; da kam ihm ein rettender
Gedanke: das bringt mich auf einen Gedanken; einen
Gedanken in die Tat umsetzen (verwirklichen); auf dumme
Gedanken kommen (ugs.; sich zu Dummheiten verleiten
lassen): *sidi mit dem Gedanken tragen (etw. vorhaben,
beabsichtigen): ich trug mich schon lange mit dem Gedanken
[zu kündigen]; mit dem Gedanken spielen (erwägen, etw.
zu tun). 4. Begriff, Idee: der [tragende] Gedanke eines
vereinten Europa; der Gedanke der Freiheit. 5. *[um] einen
Gedanken (landsch.; ein wenig): der Mantel könnte [um]
einen Gedanken länger sein.
gedenken-,Gedanken-: -abbuif, der; -akrobatik, die (iron.):
übennäßig komplizierte Gedankengänge; --arbeit, die <o.
957
gedanklich
PL): gedankliches Erarbeiten. Durchdringen: Denkarbeit:
Mirm <AdJ.; ...ärmer. ...ärmste): arm an eigenen,
schöpferischen Gedanken (Ggs.: ^reich). dazu: -armut, die (Ggs.:
^reichtum); ^assoziation, die (Psych.): svw. t ^Verbindung
(2); -austausche der: Austausch von Gedanken (insbes. im
Gespräch od. Briefwechsel): ein reger G. unter, zwischen
den Kollegen; den G. mit Fachkollegen pflegen; -blitz,
der (ugs. scherzh.): plötzlicher Einfall: einen G. haben;
Mling.das(Philos.): bloß Gedachtes. Vorgestelltes, -experi-
ment, das: nur in Gedanken durchgeführtes /u.
durchführbares] Experiment, das etw. zeigen, beweisen soll: -faden,
der: Reihe sinnvoll zusammenhängender Gedanken, diejmd.
nacheinander hat: mein G. ist gerissen; -flucht, die (bes.
Psych.): svw. T Ideenflucht; -flug. der: hochfliegende
[geistreiche u. phantasievolle] Gedankenführung od.
entsprechender Gedankengang: Was uns... nicht hindern soll....
aufzuzeigen, wo sein G. über das zur Zeit wissenschaftlich
Vertretbare hinausgeht (Natur 21); jmds. hohem G.. jmds.
Gedankenflügen nicht folgen können; -folge, die <o. PI.):
[Aufeinander]folge der Gedanken: -freiheit, die <o. PI.):
Freiheit, insbes. in weltanschaulicher, politischer Hinsicht
zu denken, was man will. u. seine Meinung frei zu äußern:
-führung, die: /systematische] Entwicklung von Gedanken
zwecks Darlegung bestimmter [umfassenderJ
Zusammenhänge: -fülle, die; ^gang, der: [zusammenhängende! Folge
von Gedanken, Überlegungen: ein logischer, vernünftiger
G.; Sie ... versuchten durch langwierige und manchmal
sehr komplizierte Gedankengänge ... alles zu rechtfertigen
(Leonhaixl. Revolution 59); einem G. folgen [könnenl;
-gebäude, das: in sich geschlossenes Gesamtergebnis des
Denkens I eines Vertreters einer bestimmten Lehre.
Weltanschauung]: dasG. der Hegeischen Philosophie; die großen
G. der selbständigen philosophischen Welterklärung (Mu-
sil. Mann 1300); das ganze G. brach zusammen (erwies
sich als in sich widersprüchlich): -gehalt, der: wesentlicher
Inhalt an Gedanken: -gut. das <o. PI.): Gesamtheit
vorhandener Gedanken [insbes. einer Weltanschauung od. Kultur J:
christlichesG.; ImG.... der französischen und
amerikanischen Revolution ... besaß das Widerstandsrecht ... einen
wichtigen Platz (Fraenkel. Staat 372); -Inhalt, der; -kette,
die: svw. t -reihe; -komplex, der; -kraft die: wirksam
angestrengtes Denkvermögen: -kreis, der: Bereich der
Gedanken (eines Menschen, eines Zusammenhangs): -lauf,
der: svw. t-gang; -leer <Adj.): 1. svw. t^arm. 2. ohne
Gedanken: ein -er Blick, dazu: -leere, die; -lesen, das;
-s: 1. svw. t Telepathie. 2. Erraten fremder Gedanken, dazu:
-leser, der; -k» <Adj.; -er. -este): 1. unüberlegt, ohne
darüber nachzudenken: etw. g. sagen; eine g. übernommene
These. 2. zerstreut, unaufmerksam, geistesabwesend: etw.
g. tun; g. vor sich hinstarren, dazu: -losigkeit, die; -.
-en: l.a) <o. PI.) Unüberlegtheit: etw. aus G. sagen; b)
unüberlegtes Verhalten, unüberlegte Handlung. 2.a) <o. PI.)
Zerstreutheit. Unaufmerksamkeit. Geistesabwesenheit: b)
zerstreutes, unaufmerksames Verhalten, zerstreute,
unaufmerksame Hamilung: -lyrik, die (Literaturw.): Lyrik, die
bestimmte Gegenstände, insbes. weltanschauliche
Zusammenhänge u. ä. weniger mittels bildhafter Sprache, sondern
in erster Linie durch Entwicklung rationaler Gedankengänge,
argumentativ darstellt: -reich <Adj.>: reich an eigenen,
schöpferischen Gedanken (Ggs.: -arm), dazu: -reichtum,
der <o. PI.) (Ggs.: -armut); -reihe, die: logische
Entwicklung eines bestimmten Gedankengangs: -richtung, die: [an
einem bestimmten Ziel ausgerichtete] Denkweise, der eine
bestimmte / weltanschauliche] Überzeugung, Richtung o. ä.
zugrunde liegt: eine überholte G. in der Wissenschaft
vertreten; einer [bestimmten] G. folgen; -Schluß, der: logische
Schlußfolgerung: -schnell <Adj.; o. Steig.): schnell wie ein
Denkvorgang: Programmwahl mit der Präzision eines
Computers. Der Programm-Sensor arbeitet g.. lautlos,
elektronisch exakt (Funkschau 19. 1971. 1949). dazu:
-schnelle, die <o. PI.): in. mit G.; -schritt, der: Teil.
[Zwischen] stufe eines Gedankengangs: -schwer <Adj.) (geh.):
a) den Kopf voll von [wichtigen] Gedanken habend: b)
sorgenvoll, bedrückt: Außer jenen anstrengenden Stunden,
die ich g. der Schwester Dorothea widmete (Grass,
Blechtrommel 633); -spiel, das: spielerische u. unverbindliche
od. experimentelle Herstellung gedanklicher
Zusammenhänge: derartige Kurvenuntersuchungen (sind) durchaus nicht
nur -e weltfremder Mathematiker (Kosmos 1. 1965. 30);
-Splitter, der: svw. t Aphorismus; -sprung, der: völlig
unvermittelte Aufnahme eines neuen Gedankens, der nicht im
l direkten] Zusammenhang des gerade ausgeführten
Gedankengangs steht: ein kühner, unmotivierter G.; einen G.
nicht nachvollziehen können; -strich, der: Satzzeichen,
das ein Abbrechen, eine Unterbrechung, eine Pause (auch
zwischen Sätzen) od.. paarweise gebraucht, eine
Einschaltung im Satz bezeichnet od. für ein bewußt ausgelassenes
Wort bzw. Buchstaben steht: leck mich am -!; -tiefe, die
<o. PL): wesentlicher u. wichtiger geistiger Gehalt
bestimmter Gedanken: ein Werk. Satz voller G.; -Übertragung,
die: 1. Versuch der Übermittlung von Gedanken auf andere
durch Suggestion oder Hypnose. 2. (ugs.) Handlung o.a..
die wie durch eine Gedankenübertragung (1) hervorgerufen
zu sein scheint, da der Handlungspartner sie auch
auszuführen beabsichtigte: daß du mich anrufst, das ist wohl G..
denn ich wollte dich auch gerade anrufen; -Verbindung,
die: 1. zwischen verschiedenen Gedanken, Sachverhalten usw.
(z.B. durch Beziehungsbegriffe. Zwischenglieder)
hergestellte bzw. herstellbare gedankliche Verbindung,
Verknüpfung, gedanklicher Zusammenhang: etw. mit etw. in eine
G. bringen. 2. Verbindung von Gedanken durch [inhaltlich]
motivierte Aneinanderreihung: Gedankenassoziation:
-Verknüpfung, die: vgl. -Verbindung; -verloren, -versunken
<Adj.): in Gedanken. Nachdenken versunken, vertieft:
geistesabwesend: mit -em Gesichtsausdruck; g. vor sich hin-
starren, dazu: -verlorenheit, -versunkenheit, die; -voll
<AdJ.>: 1. nachdenklich: g. dasitzen. 2. (selten)
gedankenreich: ein -es Kapitel; -yorbehalt, der (bes. jur.): [bei
Abgabe einer Willenserklärung] in Gedanken gemachter
Vorbehalt, geheimer Vorbehalt. Mentalreservation.
Reservatio mentalis: -weit, die: Gesamtheit der insbes. für einen
Menschen, eine Weltanschauung, für eine Kultur wichtigen
bzw. charakteristischen Gedanken, Vorstellungen, Ideen: die
christliche G.; in der G. der Antike, der alten Griechen
zu Hause sein; -Zusammenhang, der: gedanklicher
Zusammenhang. Gedankenverbindung (1).
gedanklich [gs'danklif] <Adj.: o. Steig.; nicht präd.) [zu
T Gedanke]: das Denken betreffend, auf das Denken bezogen:
auf bestimmten Gedanken beruhend: -e Anstrengung. Tiefe.
Ablenkung; der -e Aufbau eines Buches; in keinem -en
Zusammenhang stehen; etw. g. (denkend) durchdringen.
Gedärm [gdderm]. das; -[e]s. -e, (selten:)Gedärme l-o]. das;
-s. - [mhd. gederme. ahd. gidermi. Kollektivbildung zu
TDarm]: Eingeweide (insbes. die Därme): ein Rumoren
im Gedärm, in den Gedärmen spüren; Die Alte ist krank,
sie hat es in den Gedärmen (Baum. Paris 33).
Gedeck [ga'dek]. das; -[eis. -e [nach frz. couvert = Tischzeug
(mhd. gedeck. ahd. gideki = Decke. Bedeckung), zu tdek-
ken]: 1. alle Gegenstände, die eine Person bei einer Mahlzeit
benutzt (bes. Geschirr 1 a. Besteck 1 a. Serviette u.a.):
drei -e auflegen; Ich nahm mein Glas, die KarafTe. den
Teller, Messer u. Gabel und warf sie aufs Parkett
Bringen Sie ein neues G.!ik (Bieler. Bonifaz 160). 2.a) (insbes.
im Restaurant zu einem bestimmten Gesamtpreis) als
Mahlzeit angebotene feste Zusammenstellung bzw. Folge von
Speisen {u. Getränken]: ein G. bestellen; ich nehme G.
zwei; b) (in einer Bar. einem Nachtlokalo. ä.) als
Mindestverzehr serviertes Getränk od. Zusammenstellung von
Getränken: c) (berlin.) Gedeck (2 b) aus Molle u. Korn.
gedeckt [gddekt]: 1.1decken. 2. <AdJ.; Steig, ungebr.; nicht
adv.) (von Farben) gedämpft, matt: -e Farben. Grautöne;
ein -es Muster.
gedeftet [gadEftot] <Adj.) [eigtl. 2. Part, von österr. deften
= durch Tadel od. Schaden niederdrücken! (österr. ugs.):
entmutigt, niedergedrückt.
Gedeih [gada]] in der Wendung auf G. und Verderb
(bedingungslos [gebunden, verbunden, was auch Gutes od.
Schlimmes geschehen mag]): auf G. und Verderb
zusammenhalten; gedeihen [ga'dapn] <st. V.; ist) [mhd. gedlhen. ahd.
gedlhan. zu mhd. dihen. ahd. dlhan = wachsen, gedeihen;
austrocknen; fest, dicht werden, verw. mit ..dicht**): a)
im / pflanzlichen, körperlichen od. geistigen] Wachstum /
erfreulich] gut vorankommen: ein paar Fichtenbäumchen.
die nicht g. wollten (Gaiser. Jagd 162); Dennoch war
ich ein gesundes ... Kind, das an dem Busen einer
ausgezeichneten Amme aufs hoffnungsvollste gedieh (Th. Mann.
Krull 14); das Geburtstagskind wachse, blühe und
gedeihe!; b) in einem bestimmten Entwicklungsprozeß / im
positiven od. negativen Sinn] fortschreiten: sein neues Werk
gedeiht; Ihr seht doch, daß die Verhandlungsversuche zwi-
958
Geduld
sehen Washington und Moskau schon ziemlich gediehen
sind (Dönhoff. Ära 147); Es war. als ob in dem alten
Gemäuer die Krankheiten gediehen wie giftige tropische
Früchte (Thorwald. Chirurgen 169); Spr unrecht Gut
gedeihet nicht (bringt kein Glück); <subst.:> jmdm.. einer
Angelegenheit gutes Gedeihen (alles Gute, viel Erfolg)
wünschen; gedeihlich [gadaih^] <Adj.> (geh.): nützlich,
fruchtbar: eine -e Wirkung. Entwicklung. Zusammenarbeit,
dazu: Geddhlichkeit die; -.
Gedenk- (vgl. denk-. Denk-; gedächtnis-. Gedächtnis-):
^ausgäbe, die (Philat.): vgl. Mnarke; -ausstelhmg, die:
Ausstellung zum Gedenken an einen [verdienstvollen]
Verstorbenen od. ein bedeutendes historisches Ereignis; ^feier,
die: Feier (a) zum Gedenken an einen [verdienstvollen]
Verstorbenen od. ein bedeutendes historisches Ereignis;
Mtottesdienst, der: vgl. Gedächtnisgottesdienst; -Jahr, das;
^konzert, das; -marke, die (Philat.): zum Gedenken an
eine bedeutende Persönlichkeit od. ein historisches Ereignis
herausgegebene Sonderbriefmarke; Miiedaille. die: vgl.
Mnarke; -minute, die: Schweigeminute als Ausdruck des
Gedenkens; -münze, die: vgl. -marke; -rede, die: Rede
zum Gedenken an jmdn.. etw.; -sftule, die: Säule, die zum
Gedenken an jmdn.. etw. errichtet wurde; -9endung, die:
eineG. zum 75. Todestag Gottfried Kellers bringen,
ausstrahlen; -statte, die: Platz (z. B. mit Denkmal.
Gedenktafeln] od. Räumlichkeit), angelegt bzw. eingerichtet zum
Gedenken an jmdn.. etw.: G. für die Opfer des Faschismus;
-stein, der: Steinblock mit Gedenktafel od. Inschrift zum
Gedenken an jmdn.. etw.; -stunde, die: Feierstunde zum
Gedenken an jmdn.. etw.; -tafel, die: zum Gedenken
angebrachte Tafel mit Inschrift; ^tag. der: Jahrestag zum
Gedenken an jmdn.. etw.
Bedenken <unr. V.; hat) [mhd. gedenken = an etw. denken;
refl. = eingedenk sein, sich erinnern, ahd. gadenchan
= an etw. denken, zu t denken): 1. (geh.) a) an jmdn..
etw. ehrend, anerkennend zurückdenken, erinnern u. sich
dementsprechend äußern: Jmds.. eines Toten [dankbar] g.;
jmds. in einer Feier g. (jmdn. in einer Feier ehren);
(Schweiz.:) jmdm. g.; b) (selten) an jmdn.. etw. in einer
bestimmten Situation denken, sich an dessen Existenz
erinnern: Er gedachte der Kellnerin; doch war es ihm
unwichtig, ob sie sein Benehmen beobachtet hatte oder nicht
(Jahnn. Nacht 80); er gedachte flüchtig seiner zehn Lire
(Thieß. Legende 177). 2. beabsichtigen, vorhaben: etw. zu
tun g.; Meisel gedenkt, sich an den sechs schadlos zu
halten (Bredel. Prüfung 103); Und er machte ein Gesicht,
als gedächte er lediglich einen Anstandsbesuch zu
unternehmen (Kirst. 08/15. 675); <subst.:> Gedenken [-]. das;
-s [frühnhd.; mhd. gedenken = das Denken]: An die
Legende von Joachim und Anna war kaum ein G. in mir (Caros-
sa. Aufzeichnungen 14); jmdm. ein freundlichesG.
bewahren; Worte des -s.
gedeucht [ga'd^t] (veraltet): svw. f gedünkt.
Gedicht [ga'di^t]. das; -[e]s. -e [mhd. getiht(e) = Gedicht:
schriftliche Aufzeichnung; Erfindung. Betrug, zu
^dichten): Dichtung in Versen. Reimen od. mit besonderem
Rhythmus: ein lyrisches, episches, dramatisches G.; -e
[auswendig] lernen, vorlesen, aufsagen, verfassen, (ugs.:) machen;
Ü (ugs.:) Natürlich bekam sie die Überschuhe trotzdem,
und zwar viel schönere, als sie sich gewünscht hatte, wahre
-e von Überschuhen (überaus schöne; Geissler.
Wunschhütlein 130); *etw. ist ein G.! (ugs.; eto1. ist ganz herrlich;
außergewöhnlich gut. schön): [und] noch ein G.! (salopp
scherzh.; noch etw. von derselben Sorte!).
Gedjcht-: -band, der <P1. -bände); ^fotm, die: in G.; ^inter-
pretation. die; ^Sammlung, die; ^zykhis, der.
gediegen üp'di:gn] <Adj.) [mhd. gedigen = ausgewachsen,
reif; fest, hart; rein, gehaltvoll; tüchtig; urspr. 2. Part,
von t gedeihen]: 1. (nicht adv.) ohne Beimischungen, rein,
massiv: -es Gold. 2.a) sorgfaltig gearbeitet, von solider
Qualität: -er Hausrat; die Verarbeitung ist sehr g.: die
Wohnung ist g. (mit Geschmack u. in der Qualität solide)
eingerichtet; b) ordentlich, gut. gründlich, solide: -e
Kenntnisse haben; er ist ein -er (solider u. zuverlässiger)
Charakter. 3. (nicht adv.) (ugs.) a) komisch, lustig: sein Bruder
ist eine -e Marke!; das ist g.!; b) wunderlich, merkwürdig,
seltsam, eigenartig: Diese Gedankengänge erfreuten Schulz
und ließen seine -e Montagmorgenstimmung wieder
aufkommen (Kirst. 08/15. 83); du bist aber g.!; (Abi. zu
1.2:)Gcdioenheit.die;-.
gedieh [ga'di:]. gediehen [ga'diidn]: f gedeihen.
gedient [gd'dimt]: 1. tdienen. 2. (Adj.; o. Steig.; nur attr.)
(als Reservist od. Veteran) Pflicht- od. Berufswehrdienst
geleistet habend: ein -er Soldat; Aus diesem Grunde kann
meines Erachtens auch nicht von einer zu vermeidenden
Ungleichheit der Behandlung Wehrpflichtiger und -er
Abiturienten gesprochen werden (Bundestag 189. 1968.
10193).
Gedjngarbeit: svw. Gedingearbeit.
Gedinge [ga'droa]. das; -s. - [mhd. gedinge = (Frei)gericht;
Vertrag; Versprechen einer Zahlung. Zahlung; Bedingung,
ahd. gidingi = Vertrag; Bedingung, zu: dingön. t dingen]
(Bergmannsspr.): zwischen der Betriebsleitung u. den Unter-
tagearbeitern abgeschlossene Akkordlohnvereinbarung bzw.
ausgehandelter Akkordlohn: ein gutes G. haben; das G.
kürzen; im G. arbeiten.
Ged|nge-: -atachhiß, der; -arbeit, die; -arbeiten der; -lohn.
der; -Splitting, das: Für die wichtigste Tätigkeit im Bergbau
... plant die Gesellschaft ein sog. G.. d. h.. die Akkordarbeit
unter Tage soll aufgeteilt werden in ein Leistungsgedinge
und ein Sicherheitsgedinge (FAZ 30. 11. 61. 8).
Gedonner [ga'donB], das; -s: [dauerndes] Donnern: das G.
der Brandung, der Lastwagen auf der Autobahn; ab und
zu Blitze, aber der Wasserfall ist lauter als alles G. (Frisch.
Homo 248).
Gedöns [ga'dems]. das; -es (Gen. ungebr.) [mhd. gedense
= das Hinundhendehen. das Gezerre, zu: dlnsen. T
gedunsen] (landsch.): a) Getue. Aufhebens: Er weiß, sagt er.
daß er manchmal für homosexuell gehalten werde, allein
schon wegen des G.. das er mit Händen und Beinen macht
(Hörzu 38. 1975. 15); b) für den alltäglichen Gebrauch
nicht unbedingt notwendige Gegenstände: Natürlich kenne
ich auch Leute, die Hängematten u. ähnliches G. kaufen
In Läden wie Hammacher Schlemmer in New York
(Spiegel 14. 1969. 145).
gedoppelt [ga'cbpjt]: 1. tdoppeln. 2. (Adj.; o. Steig.; nicht
adv.) (veraltet): svw. t[verdoppelt.
Gedränge [ga'drens]. das; -s [mhd. gedrenge. ahd. gidrengi.
zu mhd. drangen, ahd. drangön. t Drang]: 1. das Drän-
ge[l]n: es herrschte ein lebensgefährliches G.; (Sport.)
ein G. verursachen; das Tor fiel aus einem G. Im Strafraum.
2. dränge] IJnde Menschenmenge: des -s wegen langsam
fahren; sich ins G. begeben; Im G. verschwinden; in ein
G. geraten; sich einen Weg durch das G. bahnen. 3.
(Rugby) Fortfuhrung des Spiels (nach bestimmten
Spielunterbrechungen), zu der die Stürmer beider Mannschaften einander
gegenüber Aufstellung nehmen, sich nach vorn gebeugt
umfassen u. mit den Schultern den Gegner wegzudrängen
versuchen, wobei in den von den Körpern u. Beinen gebildeten
Tunnel von einer Seite der Ball eingeworfen wird: ein G.
bilden. 4. *insG.kommen/geraten (in [zeitliche]
Schwierigkeiten, in [Zeitjdruck. in Bedrängnis kommen; urspr. vom
Gedränge im Kampf): mit etw. Ins G. kommen;
wirtschaftlich ins G. kommen; Ein Werksdirektor geriet mit der
Planerfüllung Ins G. (Mehnert. Sowjetmensch 116); Ge-
drängel[gadrenl).das;-s[zutdrängeln(1)] (ugs.): Gedränge
(1.2); gedrängt [gd'drcnt]: l.tdrängen. 2. (Adj.; -er. -este):
knapp, gerafft, bündig: eine -e Übersicht; ein -er Satz;
g. schreiben; einen Lehrstoff g. behandeln, dazu:
Gedrängtheit, die: -.
Gedröhn [ga'drom]. das; -[e]s. (ugs.:) Gedröhne [-dl. das;
-s: [dauerndes] Dröhnen: Das Gedröhn der schweren
Motoren schwoll an (Kirst. 08/15. 882); das Gebrumm ...
wuchs zum Gedröhn (Apitz. Wölfe 367).
gedroschen [gd'dnrfn]: f dreschen.
gedrückt [gd'drYkt]:' Tdrücken; (Abi.:) Gedrücktheit, die;
-: Bedrücktheit. Niedergeschlagenheit: Der wahre Grund
seiner G. war ... die einmütige Kundgebung der Söhne
(Th. Mann. Joseph 523).
gedrungen [ga'druoan; 2: eigtl. 2. Part, von veraltet tr.
dringen = stoßen.drängen]: 1.1dringen. 2. (Adj.) im Verhältnis
zur Größe (bzw. Höhe. Länge) ziemlich breit; dicklich:
eine -e Gestalt; von -em Format; g. gebaut sein; (Abi.:)
Gedrungenheit, die; -.
Gedudel [ga'du.df], das; -s (ugs. abwertend): [dauerndes]
Dudeln: die ..Comedian Harmonlsts" .... die wegen ihres
..verweichlichten jüdisch-marxistischen -s" von den Nazis
verjagt wurden (Spiegel 51. 1976. 5).
Geduld [gd'dolt]. die; - [mhd. (ge)dult. ahd. (gDdult. unter
Anlehnung an ..dulden" zu ahd. dolen = tragen, dulden]:
959
gedulden
Ausdauer im ruhigen, beherrschten, nachsichtigen Ertragen
od. Abwarten von etw.: große, engelhafte G.; Jmds. G.
Ist erschöpft; jmds. G. ist am Ende; jmdm. geht die G.
aus; dieG. verlieren; jmds. G. auf eine harte Probe stellen;
keine G. [zu etw.] haben; ihr müßt [ein wenig] G. mit
ihm haben; etw. mit/in G. [erltragen; jmdn. um [ein wenig]
G. bitten (jmdn. bitten, noch eine gewisse Zeit mit Geduld
zu warten); jmdn. um die G. bringen; [nur] G.!; R mit
G. und Spucke fängt man eine Mucke (salopp; mit Geduld
kann man vieles erreichen): * Jmdm. reißt dieG. (jmd. verliert
die Geduld u. wird ärgerlich); sich in G. fassen (mit Geduld
abwarten); gedulden, sich <sw. V.; hat) [mhd. gedulden,
ahd. gidulten, zu T dulden]: mit Geduld [ab/warten; Geduld
haben: gedulde dich [noch]!; sich noch ein bißchen, einen
Augenblick, einen Tag g. [müssen]; man wird sich weiter
g. müssen (Seghers. Transit 168); gedyMet: T dulden u.
tgedulden, Gedyldfaden, der (Schweiz.): svw.
!Geduldsfaden; geduldig [ga'duldic] <Adj.) [mhd. gedultec. ahd. gi
dultig, zu t Geduld]: Geduld zeigend, habend; ein -er Zuhörer.
Kranker; etw. g. [erltragen; etw. g. über sich ergehen lassen;
g. mit jmdm. sein (Geduld mit jmdm. haben).
Gedylds-: -arbeit, die: Arbeit, die große Geduld erfordert;
-faden, der in der Wendung jmdm. reißt der G. (ugs.;
jmd. verliert die Geduld): -probe, die: hohe Anforderung
an die Geduld: das lange Warten ist eine große G. für
ihn; etw. stellt jmdn. auf eine harte G.; -spiel, (auch:)
Geduldspiel, das: Spiel, meist für einen einzelnen, das
besondere Konzentration u. Geschicklichkeit verlangt.
gedungen [gddondn]: tdingen.
gedunsen [gd'donzn] <Adj.; nicht adv.) [2. Part, zu mhd.
dinsen, ahd. dinsan = ziehen, zerren; refl. = sich
ausdehnen, sich mit etw. anfüllen; verw. mit ..dehnen"]: svw.
taufgedunsen; <Abl.:> Gedunsenheit, die; -.
Gedünstete [gadynstotd]. das; -n (österr.): gedünstetes
Fleisch. Gemüse.
gedurft [gddurft]: fdürfen.
geehrt: t ehren; Geehrte [gd'!e:£t3]. das; -n (Kaufmannsspr.;
veraltete Höflichkeitsform für): (geehrtes) Schreiben: wir
danken für Ihr -es vom 3. September.
geeignet [ga'laigrat; 2; Tür qualifiziert, eigtl. 2. Part, von
teignen (2)]: 1. Teignen. 2. <Adj.; -er. -ste; nicht adv.)
dem Zweck, den Anforderungen voll genügend; sich eignend,
passend, tauglich: das war der -e Moment; ein [für diesen,
zu diesem Zweck] -es Mittel; etw. ist als Geschenk g.;
er ist für diese Tätigkeit, er ist zum Lehrer g.; er ist
kaum [dazu] g., das Amt zu übernehmen; konnte es. nach
allgemeiner Ansicht in der Gemeinde, keinen -eren
Bewerber geben als Harms (Härtung. Junitag 55); <Zus.:) gceigne-
tenprts <Adv.) (Amtsdt. veraltet): bei der geeigneten,
zuständigen Stelle; <Abl.:> Geeignetheit, die; -.
geeist: t eisen.
Geer [ge:g]. die; -. -en. Geerde ['ge:gdd], die; -. -n [vgl.
niederl. geer(de)] (Seemannsspr.): Halte tau an der Gaffel.
Geest [ge:st], die; - [aus dem Niederd., Subst. zu: gest =
trocken, unfruchtbar, eigtl. = klaffend, rissig, verw. mit
t gähnen]: im Gegensatz zur Marsch das höhergelegene,
sandige u. weniger fruchtbare Land im norddeutschen
Küstengebiet; <Zus.:> Geestland, das <o. PL).
Gefabel [g3'fa:b|], das; -s (abwertend): /stätuliges] Fabeln;
unsinniges Gerede.
Gefach [ga'fax], das [zu tFach]: 1. -[e]s. -e (Bauw.): durch
Balken begrenztes Feld beim Fachwerkbau. 2. -[e]s. -e u.
Gefächer: Fach. Schublade eines Schrankes od. Regals:
Karl packte den Rucksack aus und stellte die Waren in
die kleinen -e des Kaufladens (Kreuder. Gesellschaft 18).
gefächert: 1.1 'fächern. 2. t2fächern.
gefacht: 1. t fachen. 2, <Adj.; o. Steig.) (Bauw.) in Gefache
(1) aufgegliedert.
Gefackel [ga'fakl], das; -s (ugs. abwertend): /fortwährendes!
zögerndes, unschlüssiges Verhalten; Umstände, die jmd.
macht: kein [langes] G. machen; die Beratung (wurde)
unter den Rufen .... das alles sei Gegackel und G
abgebrochen (Th. Mann. Joseph 515).
Gefahr [ga'fa:y]. die; -. -en [mhd. geväre = Nachstellung.
Hinterhalt; Betrug, zu veraltet Fahr = Gefahr, mhd. väre
= Nachstellung; Trachten. Streben, ahd. fara =
Nachstellung, Hinterlist]: Möglichkeit, daß jmdm. etw. zustößt, daß
ein Schaden eintritt; drohetides Unheil: eine akute, tödliche
G.; höchste, äußerste G.; die -en des Verkehrs, des Meeres;
[einelG. droht; eineG. heraufbeschwören, herausfordern.
abwenden, bannen; jmdn.. sich einer G. aussetzen; es
besteht G. für jmdn.; es besteht G.. daß es mißlingt; die
G. der politischen Isolierung; in G. kommen, geraten;
jmdn.. etw. in G. bringen; sich in G. begeben; in G.
schweben; jmd.f etw. ist in G. [zu verwahrlosen]; der
Kranke ist außer G. (ist nicht mehr gefährdet); jmd. ist eine
öffentliche G. (Gefahr für die öffentliche Sicherheit); es
ist G. im Verzug. Anzug (es droht unmittelbar Gejdhr);
es hat keine G. (landsch.; es ist ungefährlich): er tut es
auf die G. hin. daß ... (auch wenn er damit rechnen muß.
daß...): gegen alle -en (Risiken) versichert sein; mit/unter
G. seines Lebens, unter persönlicher G. (unter
Lebensgefahr ;,Sprwer sich in G. begibt, kommt darin um (wer
leichtfertig etw. tut. muß auch damit rechnen, daß er dabei
Schaden nimmt); *G. laufen (in Gefahr sein, kommen,
geraten; ylell. nach frz. courir un danger [les dangers]):
die Partei läuft G.. das Vertrauen der Wähler zu verlieren/
daß sie das Vertrauen der Wähler verliert; auf eigene
G. (auf eigene Verantwortung): Betreten der Baustelle auf
eigene G.!; etw. auf Rechnung und G. (Kaufmannsspr.;
Risiko) des Empfängers liefern.
gefahr-, Gefahr- (vgl. auch: gefahren-. Gefahren-):
-bringend <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): Gefahr/en] /mit sich!
bringend; -drohend <Adj.): Gefahr ankündigend; ^los
<AdJ.; -er. -este): ohne Gefahr, dazu: -losigkeit, die; -;
-Signal, das: svw. tGefahrensignal; -voll <Adj): voller
Gefahr, gefährlich: ein -er Augenblick; -e Unternehmen.
gefährden [gd'fE:gdn] <sw. V.; hat) [spätmhd. geverden. zu
t Gefahr]: in eine bestimmte Gefahr bringen; einer
bestimmten Gefa/ir aussetzen: jmdn., jmds. Leben. Gesundheit g.;
den Erfolg einer Sache g.; [sittlich, sozial] gefährdete
(sittlich, sozial bedrohte) Jugendliche; Ich bin gefährdet, aber
nicht gefährlich (Remaraue. Triomphe 15); <Zus. mit dem
2. Part.:) Geffchrdetenfürsorge, die; <Abl.:> Gefährdung,
die; -. -en: das Gefährden, dazu: Geföhrdungshaftung, die
(jur.): zivilrechtliche Haltung für Schadenszufügung ohne
Verschuldung.
Gefahre [gd'fa:ra], das; -s (ugs. abwertend): dauerndes (ins-
bes. sinnloses, unsachgemäßes) Fahren.
gefahren-. Gefahren- (vgl. auch: gefahr-, Gefahr-): -abwehr,
die: Die Ordnungsverwaltung als der klassische Kern der
vollziehenden Staatstätigkeit dient... der G. und
Schadensverhütung (Fraenkel. Staat 344); -bereich, der: vgl.
^gebiet: den G. räumen; -gebiet, das: Gebiet, das zu betreten
o. ä. Gefahren mit sich bringt; -gemeinschaft, die (Versiehe-
rungsw.. Soziol.. jur.): Gemeinschaft, deren Mitglieder
bestimmte gleichartige Risiken gemeinsam tragen; -grenze,
die: Grenze. Punkt. Stadium, bei dessen Überschreitung
die Gefahr beginnt bzw. etw. zur Gefahr wird: die
Luftverschmutzung hat die G. erreicht; -herd, der: Stelle. Ort
als Ausgangspunkt immer wieder neuer Gefahren.
Bedrohungen. Risiken; Quelle ständiger Gejähr; -moment, das:
Umstand, der eine Gefahr. Gefahren. Risiken in sich birgt,
der etw. gefährden kann: -e beseitigen; das G.
berücksichtigen; -punkt, der: 1. t-stelle. 2. svw. t-grenze; -quelle,
die: Quelle. Ursache einer Gefahr, von Gefahren: -n
beseitigen; -Signal, das: deutliches, ernstes Anzeichen einer Gefahr:
-stelle, die: -n im Straßenverkehr; -symbol, das: eines
der international eingeführten Bildsymbole zur
Kennzeichnung gefährlicher Stoffe; -trächtig <Adj.>: in besonderem
Maße Gefahren enthaltend, mit sich bringend, aufweisend:
ein -es Verhalten; eine als g. bekannte Straßenkreuzung;
-umwittert <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (geh.): ein -es Leben;
-zone, die: vgl. ^gebiet: in eine G. geraten; Ü eine G.
(ein gefährlicher Bereich) des Denkens; -Zulage, die:
Lohn-. Gehaltszulage auj Grund der mit einer Tätigkeit
verbundenen besonderen Gefahren.
gefährlich [gs'fe^ln;] <Adj.) [mhd. gevaerlich = hinterlistig;
verfänglich, zu t Gefahr]: a) eine Gefahr bildend, Gefahr[ enj
entlmltetxd. [mit sich] bringend (Ggs.: ungefährlich): eine
-e Kurve; eine -e Situation; die Strömung des Flusses
ist für die Schiffe g.; der Weg ist ihm zu g.; dieser Mann
könnte [dir] g. werden; g. leben; g. erkrankt sein; eine
-e (ernste) Krankheit; ein Mann im -en Alter (1. Mann
im vorgerückten Alter, in dem Gefahr für die Gesundlieit
u. die Möglichkeit eines plötzlichen Todes besteht. 2.
scherzh.; Mann im vorgerückten Aller mit verstärkter
Neigung zu Liebesabenteuern): ein -es (gewagtes) Spiel treiben;
ein -er (riskanter) Plan; das ist [alles] nicht so g. (ugs.;
das ist alles nicht so schlimm, das macht nichts): b) so
960
gefangen-, Gefangen -
geartet, beschaffen, daß man sich vor ihm, davor fürchten,
in acht nehmen muH: das ist ein -er Verbrecher; einladend
lächelnd, mit g. vorgewölbter Brust (Fries. Weg 38); „Ich
muß mich verdammt beherrschen", flüsterte er g. leise
(Cotton. Silver-Jet 81); <Abl.:> Gefährlichkeit, die; -.
Gefährt [ga'fe^t], das; -[ejs. -e [mhd. gevert(e) = Fahrt.
Gang. Reise; Kollektivbildung zu t Fahrt] (geh.): Fahrzeug:
ein offenes, klappriges G.; die Panzerkommandanten ...
drehten ihre -e (Johnson. Mutmaßungen 164).
Geflhrte [ga'fe-.sta]. der; -n. -n [mhd. geverte. ahd. giferto.
eigtl. = der mit einem zusammen fährt, reist, zu T Fahrt)
(geh.): jmd., der durch Freundschaft od. gleiche
Lebensumstände mit jmdm. verbunden ist: I begleitender ] Freund,
Vertrauter, Kamerad: jmds. G. sein; ein treuer G. seiner Jugend
(in seiner Jugend): einen neuen -en finden; Hat der Erste
Stand gefunden ... gibt (er) seinem -en bekannt, daß er
Stand hat (Eidenschink. Fels 61): Ü Apparaturen, die
unsere -en sind (Reinig. Schiffe 113); Gefihrtin, die; -. -nen:
w. Form zu T Gefährte.
Geffill- [ga'fel-] (vgl. auch: Gefälle-) (bes. fachspr.): -höhe.
die: dieG. eines Wasserfalls; -strecke, (auch.) Gefällestrek-
ke. die: Strecke (insbes. Straße, Eisenbahnstrecke) mit
Gefälle: -stufe, (auch:) Gefällestufe, die (Geogr.): 1. Stufe
in einem Geländeabschnitt mit Gefälle. 2. künstliche Stufe,
die ein Wassergefälle erzeugt.
Gefälle [ga'feb], das; -s. - [mhd. gevelle = Fall. Sturz;
Schlucht, ahd. gefelli = Einsturz; Kollektivbildung zu
I Fall]: 1. Grad der Neigung: das Gelände, die Straße hat
ein starkes G.. ein G. von 10%; das G. des Wassers
zur Energiegewinnung ausnutzen; eine Piste mit einem
G, von 800 m (Höhenunterschied [bei abschüssigem
Verlauf]: *ein gutes G. haben (ugs. verhüll, scherzh.; viel
trinken können). 2. sich von höheren zu niedrigeren Werten
bewegender quantitativer od. qualitativer Unterschied:
geistiges, materielles G.; starkes G. in bezog auf die Anzahl
der Geburten: das G. der Temperatur; das soziale G.
in der Bevölkerung, zwischen den einzelnen
Bevölkerungsgruppen (Unterschied in der sozialen Stellung). 3. (bes.
Schweiz.) Neigung, Tendenz: einG. zum Faschismus haben.
Gefälle- (vgl. auch: Gefäll-; Fachspr.): -messer, der: Gerät
zur Messung von Gefälle, Klinometer; -strecke, die: svw.
tGefällstrecke; -stufe, die: svw. TGefällstufe.
'gefallen [ga'fabn] <st. V.; hat) [mhd. gevallen, ahd. gifallan,
eigtl. = zufallen, zuteil werden; zu f fallen]: X.jmdtn.
zusagen, für jmdn. atigenehm sein: das Bild gefällt mir; das
Mädchen hat ihm [in dem neuen Kleid] [gut] gefallen;
wie gefällt es dir hier?; der Film hat allgemein gefallen;
der Wunsch des Mädchens zu gefallen; die Sache gefällt
mir nicht (ugs.; scheint mir bedenklich)', er gefällt mir nicht,
will mir heute gar nicht g. (ugs.; sein Aussehen u. sein
Gesundheitszustand machen mir Sorgen): es gefällt ihm
(macht ihm Freude), andere zu ärgern: es hat Gott gefallen,
unseren Vater zu sich zu rufen (in Nachrufen: es war
Gottes Wille, ...). 2. <g. + sich) (abwertend) sich gern
als od. in etw. zeigen, hervortun: etw. in auffallender Weise
hervorkehren: du gefällst dir in starken Ausdrücken,
gotteslästerlichen Verwünschungen. Schwarzsehereien; sich in
der Rolle des Erfolgreichen. Sachverständigen. Snobs g.;
ich gefalle mir gar nicht in der Rolle der ängstlichen Glucke
(Grzimek. Serengeti 306). 3. *sich (Dativ) etw. g. lassen
(ugs.; etw. [Unangenehmes] hinnehmen, über sich ergehen
lassen, nichts dagegen tun, ihm keinen Widerstand entgegen
setzen): er ließ sich die widerwärtigen Schmeicheleien g.;
du läßt dir immer alles g.: diese Behandlung, diese
Schikanen brauche ich mir nicht g. zu lassen; diesen
Vorschlag lasse ich mir g. (dieser Vorschlag ist brauchbar,
freut mich): das lasse ich mir g. (das ist sehr schön, so
gut möchte ich es auch haben)!
Wallen [-]: 1. f fallen. 2. f 'gefallen.
'Gefallen[-]. der; -s. - <PI. selten) [mhd. geval]: etw., wodurch
man sich jmdm. gefallig erweist: Gefälligkeit (1).
Freundschaftsdienst: jmdm. einen großen, persönlichen G. tun;
er hat mir den G. erwiesen, die Sache zu erledigen; tu
mir den [einen] G.. und hör auf zu jammern (ugs.; hör
bitte endlich auf zu jammernV.', ^Gefallen [-]. das; -s [mhd.
gevallen. subst. Inf. von t 'gefallen (DJ: persönliche Freude
an jmdm. od. etw., was man als angenehm in seiner Wirkung
auf sich empfindet: Empfindung der Zufriedenheit, der
Befriedigung, des Behagens: G. erregen, erwecken; G.
aneinander finden; etw. mit/ohne G. betrachten; bei jmdm.
G. finden (jmdm. gefallen): *an jmdm.. etw. [sein] G.
haben/finden (jmd., etw. gefällt jmdm.): nach G. (geh.;
beliebig)', jmdm. etw. zu G. tun (für jnuln. etw. zu dessen
Freude, Befriedigung tun): jmdm. zu G. reden (veraltend;
so reden, wie es jnul. gern hört).
Gefallene, der; -n. -n <Dekl. t Abgeordnete): gefallener
Soldat: die -n ehren; sie gedachten der -n zweier Weltkriege.
Gefallenen-: -denkmal, das: Denktnal für die Gefallenen:
-ehrung, die; -friedhof, der: Friedhof, auf dem Gefallene
bestattet sind: -gedenkfeier, die; -liste, die: Liste, in der
die Gefallenen aufgeführt sind.
gefällig <Adj.) /vgl. gefälligst/ [mhd. gevellec. ahd. ge feil ig.
zu t 'gefallen]: 1. (nicht adv.) zu Gefälligkeiten bereit,
hilfsbereit, zuvorkommend: ein -er Mensch; jmdm. g. sein
(jmdm. eine Gefälligkeit erweisen): sich [jmdm.] g.
erweisen, zeigen; (Amtsdt.. Kaufmannsspr. veraltend; zum
Ausdruck einer höflichen Bitte:) zur gefälligen (Abk.: gefl.)
Beachtung. 2. ansprechend gestaltet, Gefallen erweckend,
einem bestimmten, Schönheitsempfmden entsprechend: -e
Kleidung; ein -es Äußeres, Benehmen; Die großen Früchte
... werden in -e Schnitzel geteilt (Hörn, Gäste 224); die
Musik ist g. (sie geht ein): sich g. kleiden. 3. <o. Steig.;
nur präd.) (bes. in höflichen od. iron. Fragen) gewünscht,
angenehm: wir gehen um 8 Uhr. wenn's g. ist; [eine]
Zigarette g.?; sonst noch etw. g.? 4. * da/hier ist [etlwas g. (ugs.;
dal hier ist [et] was los, geht's hoch her, herrschen
unbeschreibliche Zustände: eigtl. = erweckt Gefallen):
..Steppenkopp streikt ... da ist was g.. Jungs" (Schnurre. Fall
49); <Zus.:>ud%lliuerw&fc (Adv.): aus Gefälligkeit; <Abl.:>
Gefälligkeit, die; -. -en [mhd. gevellekeit]: l.a) kleiner,
aus Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft erwiesener Dienst,
kleiner Freundschaftsdienst: jmdm. eine G. erweisen; Was er
sich ..oben4* durch allerlei Dienste u. -en an Gunst
erworben hatte, das verstreute er In Form großmütiger
Protektion ... nach „unten" (Werfel. Himmel 164); b) <o. PI.)
Bereitschaft zu Gefälligkeiten (1 a): etw. aus reiner G. (ganz
uneigennützig) tun. 2. <o. PI.) gefällige, ansprechende Art:
G. der Kleidung, der Formen, des Benehmens.
gef$lligkeits-, Gefälligkeit*-: -akzept, das: vgl. -Wechsel;
mattest, das: gefälligkeitshalber ausgestelltes [nicht
unbedingt der Wahrheit entsprechendes] Attest: -halber <Adv.>:
aus Gefälligkeit (1 b); -Stempel, der (Postw.. Philat.):
Poststempel auf gültige Briefmarken, die nicht zum Frankieren
benützt werden, sondern nur zum Sammeln bestimmt sind:
-Stempelung, die: vgl. -Stempel; -Wechsel, der (Bankw.):
gefälligkeits-, nicht zahlungshalber ausgestellter Wechsel,
verbunden mit der (Dritten gegenüber nicht wirksamen)
Abrede, daß der Akzeptant vor Verfall des Wechsels von
der Wechselverbindlichkeit freigestellt werden soll.
gefälligst [gafehcst] <Adv.) [Sup. zu f gefällig] (bei
Aufforderungen): 1. (ugs.) zum verstärkten Ausdruck des Unwillens:
warten Sie g., bis man Sie ruft (ich mahne Sie dringend,
zu warten, bis ...); halt g. deinen Mund!; benimm dich
g.!; Laß das g. meine Sorge sein! 2. (veraltet) gefalligerweise,
freundlicherweise, bitte: wollen Sieg, zur Kenntnis nehmen,
daß...;Gefallsucht [gd'fal-]. die; - (abwertend): Sucht,
anderen zu gefallen; Eitelkeit: Sie war... von überschwenglicher
G. (K. Mann. Wendepunkt 119); gefylfcüchtig <Adj.)
(abwertend): übermäßig darauf bedacht, anderen zu gefallen;
eitel.
GefSItel [gd'feltl], das: -s [zu f fälteln]: Vielzahl von kleinen,
nahe beieinanderliegenden Falten; gefältelt: T fälteln.
gefangen [gs'fanan]: f fangen.
gefangen-. Gefangen-: -gäbe, die; - (selten): das
Sichgefangengeben: .Aber einen Befehl erwartet die Truppe noch:
den Befehl, der statt der haufenweisen ... G. die organische
Kapitulation einleitet" (Plievier, Stalingrad 302); -halten
<st. V.; hat): I. gefangen festhalten, in Gefangenschaft
festhalten: Menschen g.; viele Jahre gefangengehalten werden;
Tiere g. 2. (geh.) anhaltend fesseln, völlig in Anspruch
nehmen, dauernd beschäftigen: seine Erzählung hielt uns,
unsere Aufmerksamkeit gefangen; die Aufgabe hielt ihn
gefangen, <zu 1:) -haltung, die; -; -haus, das (österr.. bes.
Amtsspr.): svw. T Gefangenenhaus; -nähme, die; -: das
Gefangennehmen (1): bei der G. des Spähtrupps durch den
Gegner: -nehmen <st. V.; hat): 1. (vom Feind) einen
Soldaten im Krieg entwaffnen u. seiner Freiheit berauben: er
wurde von den Russen gefangengenommen. 2. fesseln,
sehr beeindrucken u. in Anspruch nehmen, beschäftigen:
die Musik, ihr Anblick, die Aufgabe nahm ihn ganz gefan-
61 GDW
961
Gefangene
gen; jmds. Aufmerksamkeit g.( <zu 1:> -nehmung, die;
-. -en; -setzen <sw. V.; hat) (geh.. veraltend):
gefangennehmen u. festsetzen, einsperren; -sitzen <unr. V.; hat)
(veraltet): im Gefängnis, in Haft sitzen.
Gefangene [ga'fanand], der u. die; -n. -n <Dekl. t
Abgeordnete) [mhd. gevangen, subst. 2. Part, zu t fangen]: 1. (meist:
der) im Krieg Gefangengenommene/r /.
Kriegsgefangene/rj: G. austauschen, freilassen; G. machen (Personen,
insbes. Soldaten, im Krieg gejängentiehmen). 2,
Festgenommene/r], männlicher od. weihlicher Häftling: ein politischer
-r (wegen [des Vorwurfs) politischer Vergehen
Inhaftierter); Nur etliche kriminelle G. waren ... in die Anstalt
versetzt (Niekisch, Leben 94); Ü Sie waren beide G. des
Geräuschs, das sie von Grund aus erregte (Gaiser. Jagd
195); sie wurde zum -n ihrer Wünsche.
Gefangenen-: -anstalt, die (veraltet): Gefängnis; -aufseher.
der; -austausche der: Austausch von Kriegsgefangenen; ^au-
to. das: Auto, in dem Gefangene transportiert werden;
^barocke, die; -befrehing, die (jur.): vorsätzliche Befreiung
eines Gefangenen (2) als strafrechtliches Vergehen; ^fiirsor-
ge. die; -haus, das (österr. neben): Gefängnis; vgl.
Gefangenhaus; -lager, das: Lager für Kriegsgefangene:
-meutere i. die; -mißhandhing, die; -psychose, die; -seelsorge,
die; -transport, der; -wagen, der: vgl. -auto; -wärter,
der (veraltet): Gefängniswärter.
Gefangenschaft, die; -. -en <PI. selten) [mhd. gevangenschaft.
zu t gefangen]: 1. das Gefangensein als Kriegsgefangener .
Kriegsgefangenschaft: aus der G. entlassen werden,
heimkehren; inG. sein; inG. geraten; inG. gehen (sich gefangen
gehen); (bibl.:) die Babylonische G. [der Juden]
(Zwangsverschleppung der Juden nach Babylon 597 u. 587 v. Chr.);
Ü das heißt, daß die FDP entweder die SPD in
babylonischer G. hält oder mit der CDU droht (Spiegel 49. 1976.
42). 2. (meist von Tieren) das Gefangensein: in der G.
geboren werden; einen Vogel aus unfreiwilliger G. befreien;
die großen Raben und Papageien, die sich doch in G.
ausgezeichnet halten (Lorenz. Verhalten 1. 97); Ü und
fiel man in die sanfte G. der Fee Morgane. so gab es
keinen Rückweg mehr (Geissler. Nacht 77); gefänglich
[gsfenli?] <Adj.; o. Steig.; nur präd.) [frühnhd.; mhd. ge-
vangenllche (Adv.) = nach Art eines Gefangenen, zu t
gefangen] (Amtsspr. veraltet, bes. in Wendungen wie): jmdn.
g. (gefangen, als Gefangenen (2), Verhafteten) abfuhren,
einziehen; Gefängnis [go'fennis], das; -ses, -se [mhd. (ge)-
venenisse. (ge)vancnisse = Gefangennahme.
Gefangenschaft, zu t fangen]: 1. Gebäude. Anstalt für Häftlinge mit
zeitlich begrenzter Freiheitsstrafe, die unter leichteren
Haftbedingungen verbüßt wird; Haft-. Strafanstalt; (heute amtl.:)
Justizvollzugsanstalt: aus dem G. ausbrechen; ins G.
kommen (mit Gefängnis bestraft werden); jmdn. ins G. bringen
(veranlassen, daß jmd. ins Gefängnis kommt); jmdn. ins
G. werfen (geh.; einsperren): im G. sein, sitzen (eine
Gefängnisstrafe verhüten); Ü Der Trieb, der ist doch bloß ein
G. für den Körper (Simmel.StofT97); Manchen -sen
entrinnen wir überhaupt nicht (Zwerenz. Kopf 201). 2.
Gefängnisstrafe: daraufsteht G.; zu 2 Jahren G. verurteilt werden,
(ugs.:) 2 Jahre G. bekommen; „Und die Polizei? ... Wenn
sie uns erwischt, gibt es ein paar Wochen G.*k (Remaraue.
Triomphe 47); dieses Vergehen wird mit G. [nicht unter
2 Jahren] bestraft; er wurde mit G. bestraft; vgl. Zuchthaus.
Gefängnis- -abteiking. die: einzelner, in sich geschlossener
Teileines Gefängnisses (I): -arzt, der: Arzt für die
Gefangenen (2); -aufseher. der; -beamte, der; -direkter, der;
-gebäude, das; -geistliche, der: Geistlicher für die
Gefangenen (2); -haft, die; -hof, der; -insasse, der; -Insassin,
die: w. Form zu t ^insasse; -kleidung, die: einfieitliche
Kleidung für Gefangene (2); -kkift, die (ugs.): vgl.
^kleidung; -krankenhaus, das: dem Gefängnis angegliedertes
Krankenhaus für Häftlinge; -leitung, die: Person/enj. der
(denen) das Gefängnis untersteht; -mauer, die; -Ordnung.
die: Hausordnung des Gefängnisses; -personal, das; -pfar-
rer, der: vgl. ^geistliche; -psychose, die; ^revolte. die;
-Schließer, der: Angestellter, der die Zellentüren im
Gefängnis öffnet u. schließt; -strafe, die: im Gefängnis zu
verbüßende Freiheitsstrafe; (früher, noch Schweiz.:) mittelschwere
Freiheitsstrafe: eine G. verbüßen, (ugs.:) absitzen; jmdn.
zu einer G. von 2 Jahren verurteilen; ^tor. das; -urteil,
das: NachdemdasG. rechtskräftig geworden ist, tritt
Pohlmann ... die Strafe an (Noack. Prozesse 12); ^Verwaltung.
die; ^wärter. der: -wesen, das <o. PL); -zelle. die.
Gefasel [gafa.zl], das; -s (ugs. abwertend): dauerndes]
Faseln, unsinniges od. zusammenhangloses Gerede: ..Stoppen
Sie Ihr dämliches G. * (Cotton, Silver-Jet 37).
Gefaser [ga'fa:zE]. das; -s: a) (abwertend) dauerndes]
Fasern; b) Vielzahl kleiner Fasern, insbes. wie sie sich bei
fasernden od. faserigen Stoffen zeigen; gefasert: t fasern.
Gef2ß[gd'f8:s].das;-es.-e[mhd.geva?3e = Schmuck.
Ausrüstung. Gerät. Geschirr, ahd. givä3i = Proviantladung,
unter Anlehnung an ..Faß** zu I fassen]: l.a) kleinerer,
aus festem Material hergestellter Bellälter insbes. für
Flüssigkeiten od. feinkörnige Stoffe: ein großes, irdenes,
zerbrechliches G.; ein G. mit Wasser; das G. ist voll, läuft
über; etw. in ein G. füllen; Ü die Sprache als G. der
Gedanken betrachten; b) (Fechten) Handschutz an Degen
od. Säbel in Form eines Bügels od. Korbes. 2.a) (Med.)
Blut- od. Lymphgefäß: die feinen -e der Haut; die -e haben
sich verengt, sind verengt; b) (Bot.) dem inneren Wasser-
u. Nährstofftransport dienende, röhrenförmige
Leitungsbahn.
gef&ß-, Gefäß: -Chirurgie, die (Med.): die operativen Eingriffe
an Blutgefäßen umfassendes Teilgebiet der Chirurgie; ^ent-
zündung, die (Med.): Entzündung eines Blutgefäßes, der
Gefäßwand: -erweiternd <Adj.; o. Steig.; nicht adv.)
(Med.): eine Erweiterung der Blutgefäße bewirkend: -e
Medikamente; -erweiterung. die (Med.): Erweiterung eines
Blutgefäßes (oft in Form einer Ausbuchtung) meist itxfolge
von Erschlaffung der Gefäßmuskulatur; -förderung, die
(Bergbau): Förderung der Kohle mit Gefäßen (la) statt
mit Waggons; -krampf, der (Med.): krampfartige
Verengung von Blutgefäßen; -krankheit, die (Med.): 1.
Erkrankung des Gefäßsystems. 2. (seltener) an einem Gefäß
auftretende Erkrankung (z. B. Geschwulst. Verschluß); -leiden,
das (Med.): vgl. -krankheit: -muskulatur. die (Med.):
Gesamtheit der in der Gefäßwand ringförmig angeordneten
Muskelfasern, die Spannung. Zusammenziehung.
Erweiterung o.a. der Gejaße regulieren; ^nerv, der <meist PI.)
(Med.): einer der zum vegetativen Nervensystem gehöremlen
Nerven, die die Weite der Gefäße regulieren; -netz, das;
-pflanze, die (Bot.): Pflanze, die (im Unterschied zur
Lagerpflanze) Gefäße (2 b) besitzt; -s\stem, das: svw. t
Blutgefäßsystem; -verengend <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (Med.):
eine Verengung. Zusammenziehung der Blutgefäße
bewirkend: -e Medikamente; -Verengung, die (Med.): durch
Zusammenziehung der Gefäßmuskulatur, durch Ablagerungen
an der inneren Gefäßwaml o. ä. hervorgerufene Verengung
eines Blutgefäßes; -Verkalkung, die: vgl. Arteriosklerose;
-Verschluß, der vgl. ^Verstopfung; -Verstopfung, die: svw.
t Blutgefäßverstopfung; -wand, die (Med.), dazu: -wand-
verkaDuing, die (Med.).
gefaßt [ga'fast; 2. 3: Zweites Part, zu ..sich fassen**, eigtl.
= gerüstet, tfassen (II)]: 1. tfassen. 2. <Adj.; -er. -este)
trotz starker seelischer Belastung ruhig u. beherrscht; mit
Fassung: einen -en Eindruck machen; der Verurteilte war
ganz g.; die Todesnachricht g. aufnehmen. 3. *auf etw.
g. sein (mit dem Eintreten eines bestimmten Ereignisses
rechnend u. darauf vorbereitet, eingestellt sein): auf alles,
auf das Schlimmste g. sein; sich auf etw. g. machen (mit
etn: Unangenehmem rechnen, sich darauf seelisch einstellen,
vorbereiten): sich auf einen harten Kampf g. machen
[können]; (ugs.. drohend:) der kann sich auf etwas g. machen!;
<Abl. zu 2:) Gefaßtheit, die; -.
Gefauch, das; -s. Gefauche Igafauxte)]. das; -s <ungebr.):
/dauerndes/ Fauchen.
Gefecht [gafe^t]. das: -[e]s. -e [mhd. gevehte. ahd. gifcht.
zu tfechten (1 a, b)]: l.a) kurzer, bewaffneter
Zusammenstoß feitullicher militärischer Einleiten. Auseinandersetzung
von kürzerer Dauer zwischen bewaffneten Gruppen: ein
schweres, blutiges, kurzes G.; dem Feind harte -e liefern;
neue Truppen ins G. führen, (geh.:) werfen; Ü ein hitziges
G. (ein hitziger Streit, ein heftiger, erregter Wortwechsel);
so gab es lange -e ... die meist auf beiden Seiten mit
Tränen endeten (Fallada. Herr 183); * jmdn. außer G. setzen
(I. kampfutifähig machen. 2. handlungsunfähig, unfähig zu
wirksamem Handeln machen. 3. unfähig zu wirksamem
Argumentieren machen): etw. ins G. fuhren (geh.; /als
Argument in einem Wortwechsel, bei Verhandlungen]
vorbringen, anführen): klar zum G. (Marine; gefechtsbereit,
-klar): b) (Sport) Wettkampf, bei dem die Teilnehmer mit
besonders großem Einsatz kämpfen: die Zuschauer sahen
ein verbissenes G. der beiden vom Abstieg bedrohten
962
Geflecht
Mannschaften. 2. (Fechten) einzelner Wettkampf zwischen
zwei Fechtern.
gefachte-,Gefechts- (meist Milit.): -abschnitt, der: Abschnitt
des Gefechtsbereichs. Kampfabschnitt; -auiklärung, die:
Feststellen von Aufenthalt u. Bewegung des Gegners durch
Beobachter u. Spähtrupps; -auftrag, der: Kampfauftrag;
^ausbikiung, die: Ausbildung für das Gefecht.
Kampfausbildung; ^befehl, der: ausgegebener Befehl, der Durchführung
u. Ziel des Gefechts betrifft; -beladung.die: svw. T
Grundbeladung; -bereich, der: Kampfbereich; -bereit <Adj.; o.
Steig.; nicht adv.); -berei tschaft, die; - beruhrung, die:
Feindberührung im Gefecht; -bewegung, die: das Verändern
des Standortes von Truppen od. Truppenteilen wahrem! eines
Gefechtes; -drill, der (ugs.): strenges, auf die Besonderheiten
der Gefechtsbewegung ausgerichtetes Einüben militärischer
Techniken; -einheit, die: Kampfeinheit; ^fällig <Adj.; o.
Steig.; nicht adv.): zu einem Gefecht einsatzfähig; ^fahr-
zeug, das: Kampffaixr zeug; ^feW, das: vgl. ^bereich;
^gebiet, das: Kampfgebiet; ^gewicht, das: Gesamtgewicht bei
gepanzerten Halb- u. Vollkettenfalirzeugen einschließlich
Besatzung, Ausrüstung u. Ladung; -handking, die; -haube,
die (Soldatenspr.): svw. T^hut; ^hut, der (Soldatenspr.):
Stahlhelm; -klar<Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (bes. Marine):
svw. T ^bereit: ein Schiff, ein Geschütz g. machen; Ü eine
Viertelstunde vor sieben versuchte Heini.... seinen
Kampfkommandeur mit viel Gebrüll und noch mehr Wasser
g. zu bekommen (versuchte ihn wieder zu ernüchtern, munter
zu machen; Kirst, 08/15. 826); Seine Monitore waren g.
(Lentz. Muckefuck 105); -köpf, der: Vorderteil bei
schweren Geschossen, Raketen, Torpedos, das Spretigladutig u.
Zünder enthält; -ladung, die: volle Treibladung eines
Geschützes für gefechtsmäßiges Schieden; -läge, die: Lage,
bis zu der sich das Gefecht entwickelt hat; -lärm, der;
-linie, die: 1. vorderste Kampflinie. 2. (Fechten) gedachte
Linie, auf der sich die beiden Fechter bei einem Gefecht
(2) bewegen; -mäßig <Adj.; o. Steig.): einem Gefecht
entsprechend, eigentünüich. nach Art eines Gefechts; g.
ausgerüstete Soldaten; Diesmal sollte alles g. gehen (Böll. Adam
33); -mast, der: zur Auftvahme der Ausguckposten, der
Waffenleitung, der Entfernungsmesser u.
Signaleinrichtungen dienender, turmartig gebauter Mast auf Kriegsschiffen;
-Ordnung, die: gefechtsmäßige Aufstellung der Truppen;
-pause, die; -rolle, die: festgelegte Tätigkeit eines jeden
Besatzungsmitgliedes auf einem Schiff während eines
Seegefechtes; -Scheibe, die: wirklichkeitsnahe, silliouettenartige
Nachbildung des im Gefecht auftretetuien Gegners
(Soldaten, Geräte) bei Gefechtsübungen; -stand, der: feste od.
bewegliche Einrichtung (z.B. Bunker. Faftrzeug). von der
aus ein Gefecht geleitet wird; -stärke, die: gefechtsmäßige
Stärke der Mannschaft u. der Bewaffnung; -tätigkeit,
die <o. PL): Kampßiandlungen; -türm, der: Geschützturm;
-Übung, die: gefechtsmäßige Übung; -zettel, der (Fechten):
offizielles Formular, auf dem das Ergebnis eines Gefechts
vermerkt wird; ^ziel. das: svw. Nscheibe; -zone, die:
Kampfzone.
gefedert: t federn.
Gefege [ga'fe.gal, das; -s (Jägerspr.): vom Geweih abgefegter
Bast.
gefehlt [gdfe.lt]: 1. ffehlen (bes. 4). 2. <Adj.; -er. -este;
nicht adv.) (Schweiz.) verfehlt, mißraten; ein -es Werk;
ein -er Eindruck.
Gefeilsch, das; -s. Gefeilsche [gd' faiUXa)]. das; -s (abwertend):
idauerndes] Feilschen; nach viel Gefeilsch ... führte sie
derGenueser... durch immer engere Gassen (Frisch. Stiller
242); nach höchstens kurzem Gefeilsche um höchstens
Pfennigbeträge (Wohmann. Absicht 402).
gefeit: t feien.
Gefels [gofelsj, das; -es (geh.): Felsen (eines Bergs.
Gebirges); Als der Unteroffizier die Schrägwand erklommen
hatte, war Weißblatt verschwunden, vom G. verspeist
(Strittmatter. Wundertäter 466).
geflüstert: I. tfenstern. 2. <Adj.; o. Steig.; nicht adv.):
mit kleineren Öffnungen, Durchbrüchen. Einkerbungen o. ä.
versehen; die -e Blattform des Philodendrons; -e Löffel
(die Greif teile der Geburtszange).
gefertigt [ga'fertigt): T fertigen; Gefertigte, der u. die; -n.
-n <Dekl. f Abgeordnete) (Kaufmannsspr. veraltet): svw.
t Unterfertig te[r].
gefestet [ga'fEstotJ <Adj.) [zu tfest (2)1 (veraltet): stark,
widerstandsfähig, geschützt vor etw.. gesichert gegen etw.:
sein nach langer Krankheit noch nicht genug -er Körper;
während ... die Mutter ... in ein -es Alter getreten sei
(Th. Mann. Zauberberg 421).
gefestigt [gdfest^t]: 1. tfestigen. 2. <Adj.; nicht adv.) a)
fest gefügt, geworden; stark; eine sehr -e Tradition; b)
/ in bezug auf den Charakter) fest; an dem als richtig
angesehenen Standpunkt, der als richtig angesehenen Lebensweise
trotz eventueller gegenläufiger Beeitiflussungsversuche
festhaltend u. nicht ins Wanken zu bringen; ideologisch -e
Mitglieder der Partei; erwachsene, sittlich -e Männer
(Bloch, Wüste 94).
Geficke [ga'fika], das; -s (vulg.): (häufiger!
Geschlechtsverkehr; ihr G das sie so treiben, als wäre ich gar nicht
zu Besuch gekommen (Kinski, Erdbeermund 121).
Gefiedel [gdfi:d|], das: -s. Gefiedele [...ebb], das; -s (oft
ugs. abwertend): [dauerndes] Fiedeln.
Gefieder [g3'fi:dB]. das; -s. - [mhd. geviderte).
Kollektivbildung zu t Feder (1)1: 1. Gesamtheit der Federn (eines
Vogels]. Federkleid: buntes, glänzendes, weißes G.; das G.
des Vogels sträubte sich; Der Schwan glättete sein G.
(Reinig, Schifte 78); die Amseln ... schüttelten verstört
das G. (Roehler, Würde 156). 2. (veraltet) die Federn am
Schaftende eines Pfeils.
Gefieder-: ^milbe, die: Milbe, die meist auf dem Gefieder
von Vögeln lebt; ^putzen, das; -s: die Triebhandlung des
-s (Lorenz. Verhalten I. 99); -Wechsel, der: svw. T Mauser;
-Zeichnung, die: Zeichnung. Musterung des Gefieders (1).
gefiedert <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [2. Part, zu mhd.
videren. Tfiedern]: l.a) mit Federn. Gefieder (1): unsere
-en Freunde. Sänger (die Singvögel); Ü Immer noch war
der Himmel mit der Vielfalt der Graus g. (den verschiedenen
grauen Farben; Böll. Tagebuch 24); b) am Schaftende mit
Federn. Gefieder (2) besetzt: ein -er Pfeil. 2. (Bot.) (von
Blättern) zusammengesetzt aus Teilblättchen. die beiderseits
der Mittelrippe (Spindel) stehen; fiederteilig: -e Blätter;
GeQfiderung, die; - (Zool.): Gestaltung. Art des Gefieders
(1).
Gefilde [gd'fikb], das; -s. - (meist PI.) [mhd. gevilde. ahd.
gifildi. eigtl. = Gesamtheit von Feldern; Kollektivbildung
zu T Feld) (geh.): Fluren; Landschaft. Gegend: anmutige,
ländliche G.; die himmlischen, die elys[ä]ischen G.. die
G. der Seligen (griech. Myth.; Elysiimu Paradies): sich
den heimatlichen -n nähern (scherzh.; sich der Heimat
nähern; bald zu Hause sein): Ü die G. (das Gebiet) der
Diplomatie; die Eroberung der G. des Geistes (Ceram,
Götter 44).
gefingert [gafingBt; 2: eigtl. 2. Part, von veraltet sich fingern
= sich in Finger aufteilen; in Fingerform wachsen): 1.
tfingern. 2. <Adj.; o. Steig,; nicht adv.) (Bot.) (von
Blättern) zusammengesetzt aus Teilblättchen. die strahlenförmig
am Ende des Blattstiels stehen.
gefinkelt [ga'fwkjt] <Adj.) [zu mundartl. Fink = schlauer
Mensch] (österr.): schlau, durchtrieben: ein -er Gauner.
Manager; Sie kämpft mit den Waffen einer Frau und
denen einer -en Diplomatin (Spiegel 19. 1966. 138).
gefitzt [ga'fit^tj <Adj.; -er. -este) [eigtl. 2. Part, von veraltet
fitzen = fadenweise abteilen; kunstvoll weben, also eigtl.
= kunstvoll gewebt; zu t Fitz (1)] (Schweiz.): durchtrieben,
gewitzt, schalkhaft.
Geflacker [ga'flakfcl. das; -s. Geflackere [...kare]. das; -s
<ungebr.>: [dauerndes/ Flackern.
geflammt [gd'flamt]: 1. tflammen. 2. <Adj.; o. Steig.) a)
flammenartig gemustert: -e Kacheln; ein -er Stoff; b)
(Hohyerarb.) flammenartig gemasert; c) (Her.) durch
S-förmig gebogene Spitzen geteilt: ein rotweiß -er Schild.
gefloppt [ga'flapt; 2: eigtl. 2. Part, von mundartl. flappen
= mit der flachen Hand leicht (an den Kopf) schlagen.
tflappen): I. tflappen. 2. <Adj.: -er. -este; nicht adv.)
(landsch. salopp): beschränkt, leicht verrückt.
Geflatter [ga'flate]. das; -s. Geflattere [...tore]. das; -s <un-
gebr.):!dauerndes] Flattern: das Gurren und G. der
Tauben; Ü Das ununterbrochene G. der fernen Blitze ... erhellte
die Nacht (Hausmann, Abel 113).
Geflecht [ga'fle^t). das; -[eis. -e [spätmhd.: Kollektivbildung
zu Flechte): a) Geflochtenes. Flechtwerk: ein G. aus Stroh.
Binsen herstellen; b) Verflochtenes, dichtes Netz. Gewirr
von etw.: ein wirres G.; im G. der Kletterpflanzen nisten
Vögel; (Med.:) das G. der Nerven. Adern; Ü ein G. von
Verkehrswegen; Paasch, ... gebettet auf das G. von
Stimmen. ... schlief dennoch ein (Fries. Weg 70).
6V
963
gefleckt
gefleckt [ga'flektj: 1.1 flecken. 2. <Adj.; -er. -este) mit Flecken
I versehen, gemustert, gesprenkelt]: ein -er Hund; Wangen
und Hals waren gefährlich g. (Langgasser, Siegel 104).
Geflehe [ga'fleisl. das; -s (abwertend): [dauerndes] Flehen.
Geflenne [gd'fknd]. das; -s (ugs. abwertend): i dauerndes]
Flennen.
Geflimmer [gd'flimt?]. das; -s. Geflimmere [...maral. das; -s
<ungebr.>: /dauerndes] Flimmern: der Film brach ab.
dunkelgraues Geflimmer (Böll. Haus 31).
Geflissenheit [ga'flisnhaitj, die; -: selten Tür T Beflissenheit;
geflissentlich [go'flisntlKj] <Adj.; nicht präd.) [frühnhd. ge-
flissenlichen (Adv.). zu mhd. vli3en. ahd. fllsan = streben,
trachten, sich bemühen, verw. mit t Fleiß]: 1. mit absichtlich
auf etw. [atuleresl gerichteter Aufmerksatnkeit: mit
[bemühter] Absicht: bemüht, absichtlich: sich hinter -er
Geschäftigkeit verbergen (so tun. als habe man viel zu
arbeiten): jmdn.. etw. g. übersehen; etw. g. überhören. 2.
(Amtsdt. veraltet) freundlich, gefällig (bes. in der Fügung):
zur -en Kenntnisnahme. Beachtung; Man beachte g. die
Steigerungen: Schule. Hochschule... (iron. abwertend; man
beachte doch bitte: Zwerenz, Kopf 113).
Geflitz, das; -es. Geflitze [ga'ftitstaM. das; -s (ugs.): ,
dauerndes] Flitzen.
geflochten [ga'fbxtn]: f flechten.
Geflock [ga'fbkl, das; -[eis, -e (geh.): (kleines/ einer Flocke
ähnliches Gebilde: Wenn man nicht scharf aufmerkte,
schien sie (= eine Larve) ein wintergraues G. aus Bast
(Gaiser. Schlußball 210); geflockt [ga'fbktl: 1. t flocken.
2. <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: in Flocken .hergestellt '.
geflogen [gd'flo:gn]: t fliegen.
geflohen [ga'flo^n]: t fliehen.
geflossen [gd'fbsn]: t fließen.
Gefluche |ga'flu:x9]. das; -s (ugs. abwertend): /dauerndes/
Fluchen.
Gefluder [gd'flu:de], das; -s. - [zu gleichbed. veraltet Fluder
< mhd. fluder. vlöder = das Fließen. Fluten;
Mühlengerinne, ahd. flöder = Strom] (Bergbau): Rinne zum Ableiten
von Wasser.
Geflügel [gd'fly:gl]. das; -s [spätmhd. gevlügel(e). unter
Einfluß von! Flügel (also eigtl. = Gesamtheit der
flügeltragenden (Haus)tiere; Kollektivbildung zu f Flügel) < mhd.
gevügel < ahd. gifugili = Kollektivbildung zu fogal =
Vogel): I. als Nutz- u. Haustier gehaltene Vögel: G. halten,
züchten, schlachten, rupfen. 2, Geflügelfleisch: G. essen.
Geflügel-: ^aufzucht. die; -ausstelhwg. die; -cholera. die:
seuchenartig auftretende, tödliche Krankheit bes. bei Haus-
hühnern. gekennzeichnetdurch TeilnaJimslosigkeit.
Durchfälle. Atembeschwerden: -creme, die (Gastr.): gekochtes u.
zerkleinertes Geflügelfleisch, mit Bechamelsoße u. anderen
Zutaten angerichtet, dazu: Mremesuppe, die; -diphtherie,
die: svw. t Pips; -farm. die: großer Betrieb für Geflügelzucht:
-fleisch, das; -halter, der; ^Haltung, die; ^Händler, den
-handhing, die: ^hof. der: /kleinerer] Betrieb für
Geflügelzucht: -käfig, der; -klein, das (Gastr.): das Klein vom
Geflügel: -kraftbrühe, die: -krankheit, die; -leber, die.
dazu: -lebcnvurst, die; -markt, der; -mast, die: ^pest,
die: vgl. Hühnerpest; -pocken, die: svw. tPips; -räude,
die: svw. t^skabies; ^sabt, der: kleine Streifen od. Würfel
von gekochtem Geflügelfleisch, auf die verschiedenste Weise
angerichtet u. garniert: -schau, die: svw. Ausstellung;
-schere, die: scherenartiges Gerät zum Zerlegen des
servierten Geflügels: -skabies, die: durch eine Milbenart
hervorgerufene Hautkrankheit bei Küken, jungen Gänsen u. Tauben:
-zucht, die; -zuchter, der.
geflügelt [gd'fly:git] <Adj.; o. Steig.: nicht adv.) [eigtl. 2.
Part, von veraltet flügeln (mhd. vlügelen) = mit Flügeln
versehen): 1. (bes. Biol.)mitFlügelniX a, b; 2b) / versehen],
mit Vorrichtungen. Organen / versehen], die die Form od.
Funktion von Flügeln (1 a) haben: -e Insekten. Fabelwesen;
-e Samen. 2. (Jägerspr.) flügellahm geschossen.
Geflunker [gd'flonke]. das; -s. Geflunkere [...kdral. das: -s
<ungebr.) (ugs.): /dauerndes/ Flunkern.
Geflüster [ga'flvstn]. das; -s: /dauerndes] Flüstern.
gefluxt [ga'flukst] <Adj.; nicht adv.) [zu engl, to flux =
flüssig machen, zu lat. flüxus = flüssig. 2. Part, von:
flüere= fließen) (Chemie): mit einem öl von geringer
Flüchtigkeit versetzt.
gefochten (ga'foxtn): t fechten.
Gefolge [gd'folgd], das; -s. - [zu f Folge]: l.a) Begleitung
einer hochgestellten Persönlichkeit: jmds. G. bilden; ein
großes G. haben; in jmds. G. sein; b) Personengruppe,
die das Trauergeleit bildet: bei einem Begräbnis das G.
bilden. 2. *im G. (Papierdt.; als Folge): Seuchen im G.
der Katastrophe dezimierten die Bevölkerung; Die
preußischen Landtagswahlen ... hatten eine starke
nationalsozialistische Mandatszahl im G. (zogen sie nach sich, brachten
sie mit sich: Niekisch. Leben 211); Gefolgschaft
(ga'falkjaft). die: -. -en: 1. <o. PI.) Gehorsam u. unbedingte
Treue: jmdm. G. leisten; jmdm. die G. aufsagen, kündigen,
verweigern. 2- (hist.) a) <o. PI.) bei den Germanen ein
persönliches Treueverhältnis zwischen einem Freien, bes.
einem Edeling. u. seinem Herrn, bes. dem König: Komitat:
b) die durch das Verhältnis der Gefolgschaft (2 a) verbundene
Gruppe von Gefolgsmännern. 3. Gesamtheit der treuen
Anhänger. Anliängerschaft. 4. (ns.) a) svw. t Belegschaft
(aJ.Ich gehöre zur G. der Junkerswerke und arbeite in der
Werkzeugausgabe (Bieler. Mädchenkrieg 394); b) größere
Unterabteilung der Hitler-Jugend: <Zus. zu 4a:> Gefylg-
schaftsangehörige, der u. die; <zu 4 b:) GefQlgschaftsfUhrer,
der; (zu 4a:) Gefplgschaftsmitglied, das.
Gefphcs- (Gefolge 1 a) (hist.): ^herr. der: Fürst, Führer einer
Gefolgschaft (2 b); bleute: PI. zu t -mann; -mann, der <P1.
...männer u. ...leute): Angehöriger einer germ. Gefolgschaft
(2 b): Ü seine Gefolgsleute (Anhänger) um sich scharen.
gefipnnt: t formen; <Abl.:> GefQrmtheit, die; -.
Gefrage [g3'fra:g3j, das; -s (abwertend): / dauerndes] Fragen:
gefragt [ga'fra:kt]: 1. tfragen. 2, <Adj.; -er. -este; nicht
adv.) so gut. schön o. ä.. daß das o<i der Betreffefide begehrt
ist. viel verlangt wird: ein -er Künstler; das sind die -esten
Farben; ein [stark, viell -er Artikel; häufig in den
Verbindungen *g. sein/werden (Gegenstand der Nachfrage sein,
werden): dieser Artikel ist/wird sehr stark g.; Ü
Zivilcourage ist nicht g. (ist nicht erwünscht: wird nicht für wünschefis-
wert gehalten}.
gefräßig [ga'fre.sic] <Adj.) [für mhd. vraesec; zu T Fraß]
(abwertend): unmäßig, unersättlich im Essen, voller Eßgier:
ein -er Mensch; -e Insekten. Raupen; sei nicht so g.!;
Ü Wasser läuft mir im Mund zusammen bei -en
Vorstellungen (Lynen. Kentaurenfährte 3S5); <Abl.:) Gefrißigkeit,
die; -.
Gefreite [go'fraita]. der; -n, -n <Dekl. T Abgeordnete) [urspr.
= der vom Schildwachestehen befreite Soldat, nach lat.
exemptus = ausgenommen (vom Schildwachestehen), zu
veraltet freien = frei machen, mhd. vrien. zu tfreil: Soldat
mit dem zweituntersten Mannschaftsdienstgrad: -r werden;
zum -n befördert werden; Der böhmische G. (= Hitler)
hat nur ein paar Schrammen abgekriegt (= beim Attentat
am 20. Juli 1944; Bieler. Mädchenkrieg 412).
gefressen [gsfresn]: tfressen.
Gefrett [ga'frct]. das; -s [zu t freuen (2)1 (südd.. österr. ugs.):
Arger, Mühe. Plage.
gefreut [ga'fr^yt): 1.1 freuen. 2. <Adj.; -er. -este; nicht adv.)
(Schweiz.) erfreulich, erwünscht, angenehm (Ggs.: unge-
freut): eine -e Sache; die Familienverhältnisse sind nicht
sehr g.
gefrier-. Gefrkr-: -anläge, die; -apparat, der; -behandhing,
die (Med.): Anwendung von Kälte zum Zerstören von
(krankem od. überflüssigem) Gewebe: -^Chirurgie, die: svw.
tKältechirurgie; -fach, das: besonderes Fach im Kühlschrank
mit tieferer. / leicht] unter dem Gefrierpunkt liegender
Temperatur: ^fleisch, das: durch Gefrieren (Tiefkühlung)
konserviertes Fleisch: G. auftauen und zubereiten, dazu:
-fleischorden, der (Soldatenspr.): Ehrenzeichen, das im 2.
Weltkrieg für die Teilnahme am Feldzug gegen die
Sowjetunion im Winter 1941142 verliehen wurde (spöttische
Anspielung auf die Erfrierungen); -gemüse, das: vgl. ^fleisch;
-getrocknet: t ^trocknen; ^gut.das: durch Gefrieren
(Tiefkühlung) konserviertes Gut (insbes. Lebensmittel): ^kette,
die (Wirtsch.): System von Lagerung u. Transport gefrorener
(tiefgekühlter) Lebensmittel mit dem Zweck, das Gefriergut
auf dem Wege vom Hersteller bis zum Endverbraucher
ständig auf der erforderlichen Temperatur zu halten: vgl.
Kühlkette; -maschine, die: vgl. Kältemaschine; -obst, das: vgl.
^fleisch; -punkt, der: Temperatur, bei der ein flüssiger
Stoff (bes. Wasser) gefriert: die Temperatur sinkt
auf den G.; Temperaturen über, unter dem G.. um den
G.; ^raum, der: größerer Raum zum Gefrieren u.
Konservieren insbes. von Lebensmitteln: -salz, das (Technik): Salz
(bes. Ammoniumnitrat) zur Herstellung von
Kältemischungen: -schaden, der: Schäiligung durch übermäßige Frostein-
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gefühls-, Gefühls-
Wirkung; -schifT, das: mit Gefrieranlage ausgerüstetes Schiff
zum Transport von Gefriergut; -schnitt, der (Med.):
Gewebeschnitt für histologische Untersuchungen, bei welchem das
Gewebematerial zur Erleichterung des Schneidens gefroren
wird, dazu: ^schnittverfahren, das; -schrank, der:
Gefrieranlage in Form eines Schrankes zum Gefrieren u.
Konservieren insbes. von Lebensmitteln; -Schutzmittel, das: svw.
f Frostschutzmittel; -temperatur, die: vgl. -punkt;
-trocknen <sw. V.; hat; meist im Inf. u. 2. Part.): Stoffe (z.B.
Blutkonserven. Lebensmittel) unter Erhaltung ihrer Qualität
tiefgefroren im Vakuum trocknen, dazu: -trocknung, die;
-truhe, die: Gefrieranlage in Form einer Truhe zum
Gefrieren u. Konservieren insbes. von Lebensmitteln; - tunnel, der:
Gefrieranlage in länglicher, röhretiartiger Form zum
Gefrieren von Fertiggerichten; -verfahren, das; ^ware. die: vgl.
^gut.
gefHtfen <st. V.; ist): I. durch Kälte [zu Eis] erstarren,
fest u. hart werden: das Wasser gefriert [zu Eis]; der Boden
ist [an der Oberfläche] gefroren; ein gefrorener Flußlauf;
Ü das Lächeln gefror (geh.; erstarrte) auf seinen Lippen;
ihm gefror vor Entsetzen das Blut in den Adern (geh..
übertreibend; ihm wurde kalt [u. er erstarrte] vor
Entsetzen). 2. (selten) einfrieren (2): Lebensmittel g.
Gefrieß [gd'ftts]. das; -es, -er (zu ffressen da)] (südd..
österr. salopp abwertend): Gesicht.
gefroren [g3'fro:ren): 1. T frieren. 2. t gefrieren; Gefrortejne.
das; -n [nach ital. gelato] (südd.. österr.): Speiseeis; warum
soll man nicht mal Gefrorenes während der Amtsstunden
genießen (Zwerenz. Quadriga 1S4); Gefrornis fgoTro:?nis],
die; - (Geol.): gefrorene Bodenschicht (meist in Fügungen
wie): ewige G.; Gebiete dauernder G.
Gefrotzel [gafroißj], das; -s (ugs.): dauerndes] Frotzeln.
gefuchst [ga'fukst]: I. f fuchsen. 2. <Adj.; -er. -este; nicht
adv.) (ugs. selten): svw. tausgefuchst.
Gefuchtel [gd'fuxU]. das; -s. Gefuchtele [...tob], das; -s <un-
gebr.) (ugs. abwertend): dauerndes/ Fuchteln.
GefUge [gd'fy.gd], das; -s. - [zu f fugen]: 1. Gesamtheit des
[sachgerecht] Zusammengefügten; das G. der Balken; ein
G. aus Balken. 2. innerer Aufbau. Struktur, in sich
zusammenhängende Gesamtheit mit einer bestimmten inneren
Ordnung; das G. eines Metalls; die Männer entnahmen
Gesteinsproben und untersuchten das G.; ein syntaktisches
G.; das wirtschaftliche, soziale G. eines Staates; <Zus.
zu 2:> Gefugekunde, die: Arbeitsgebiet der Petrographie
u. der tektonischen Geologie, das sich mit dem Gefüge von
Gesteinen u. Gesteinsflächen befaßt; Gefijgeuntersuchung,
die; gefügig [gdfy:gi9]<Adj.)[spätmhd. = von feiner Sitte,
statt älterem gefuge, zu tfligenl (abwertend): sich jmds.
I autoritärefn / Anspruch, Zwang fügend, unterordnet;
widerstandslos gehorsam: ein -er Mensch. Charakter; [sich
<Dat.)] jmdn. g. machen; jmdn. seinen Wünschen g.
machen; Ü sogar die scharfen Ausdrücke ... seines früheren
Berufes ... waren ihm nicht mehr g. (Musil, Mann 1156);
<Abl.:) Gefügigkeit, die; -: gefiigiges Wesen, Verhalten.
Gefühl to'fy.-ll. das; -s. -e [zu Tfühlen]: 1. (meist Sg.) das
Fühlen (1). (durch Nerven vermittelte) Empfindungen: ein
prickelndes G.; das G. für warm und kalt, für glatt und
rauh; ein G. des Schmerzes in der Magengegend spüren:
kein G. mehr in den Fingern haben; dem G. nach (danach
zu urteilen, wie es sich anfühlt) ist es Holz. 2. das Fühlen
(2) od. Sichfühlen (im allgemeinen od. in einer einzelnen
Erscheinungs-, Zustandsform als seelische Regung,
Empfindung, Gemütsbewegung); Regung des Menschen, die seine
Einstellung w. sein Verhältnis zur Umwelt mitbestimmt; das
seelische Gestimmtsein, Zwnutesein, Gemütsverfassung: ein
beglückendes, erhebendes, beängstigendes G.; patriotische
-e; widerstrebende -e bewegen jmdn.; ein heißes G. der
Dankbarkeit überkommt, ergreift jmdn.; ein G. wie
Weihnachten (ugs. scherzh.; ein Gefühl des Befiagens, des
Befriedigtseins, der Freude, des freudigen Überraschtseins)', ein
G. der Liebe, des Hasses, der Furcht, der Scham, der
Dankbarkeit, der Erleichterung empfinden; das G. der
Überlegenheit haben; ein G. in jmdm. wecken; ein G.
für jmdn.. etw. entdecken; seine -e unterdrücken,
beherrschen, zeigen, verbergen; zärtliche -e für jmdn. empfinden,
hegen (geh.; jmdm. sehr zugeneigt sein, jmdn. sehr mögen):
„Ja. manchmal hab ich -e (ugs.; empfinde, fühle ich etwasY\
..Und wovon hängt das ab?" .Ja. wenn die sympathisch
sind." (Schmidt, Strichjungengespräche 207); etw. beleidigt
jmds. G. (Empfindung) für Anstand; jmds. -e erwidern;
kein G. haben (keine Fähigkeit zur inneren Anteilnahme,
zum Mitleid haben; hart, grausam, roh sein); ein Stimulans
.... das imstande war. seine altersschwachen und
erschlafften -e aufzupeitschen (Langgässer, Siegel 365); seinen -en
freien Lauf lassen (oline Hemmungen zeigen und äußern,
was man fühlt); seinen -en Ausdruck geben; im Aufruhr,
im Widerstreit der -e; ein Film mit viel G. (iron.; ein
sentimentaler Film)', sich von seinen -en hinreißen lassen;
Zum erstenmal war er vom G. des öffentlichen Erfolges
getragen (Thorwald, Chirurgen 222); *mit gemischten -en
(nicht unbedingt mit Freude, sondern sowohl Freude als
auch ein gewisses Uttbehagen verspürend, da man nicht genau
weiß, was auf einen zukommt); das höchste der -e (ugs.;
das Äußerste, was sich erreichen läßt; aus Mozarts
„Zauberflöte" [Text von K. L. Gieseckel): ein Gewinn
von 80 Mark wäre das höchste der -e; eine Stunde bleibe
ich noch, das ist aber das höchste der -e. 3. <o. PI.)
a) gefühlsmäßiger, nicht näher zu erklärender Eindruck;
auf einem GefiihI, nicht auf klarer Erkenntnis beruhende
Meinung; Ahnung: ein beklemmendes, dunkles,
undeutliches, ungutes G.. daß ...; ein G. haben, als ob ...; er
hatte das sichere G.. Ulrike sehe ... ihm ... zu (Kirst.
Aufruhr 137); Aber bei Lakatos kann ich mich eines gewissen
abergläubischen -s nicht enthalten (J. Roth. Beichte 122);
*etw. im G. haben (etw. instinktiv wissen): er hatte es
im G.. daß etwas passieren würde; sie hat die richtige
Menge im G.; b) Einschätzungsvermögen, gefühlsmäßiger,
aufgeschlossener, eindrucksbereiter Sinn; Verständnis,
Gespür, Takt: viel musikalisches G.. ein G. für Rhythmus,
für Recht und Unrecht, ein feines, sicheres G. für etw.
haben; sich auf sein G. verlassen; das muß man mit G.
machen; etw. mit G. vortragen (beim Vortragen eines
Musikstückes o. ä. die eigene, lebhafte Empfindung erkennen
lassen); etw. nach G., (salopp scherzh.:) nach G. und
Wellenschlag (nach grober Einschätzung, ohne genaue
Berechnung od. Prüfung) tun.
gefühk Gefühl- (vgl. auch: gefühls-. Gefühls-): -erfüllt
<Adj.; -er, -este>; ^k» <AdJ.; -er, -este): 1. (nicht adv.)
ohne Gefühl (1): seine Hände wurden bei der Kälte g.;
sein rechtes Bein ist g. gegen Schmerzen. 2.a) ohne
Mitgefühl, herzlos, mitleidfs/los; roh, kalt, hart: ein -er Mensch;
jmdn. g. behandeln; sich g. gegen jmdn. od. etw. verhalten;
b) ohne Gefühl (2). ohne seelische Regung, ohne innere
Beteiligung, teilna/imslos: g. dahinvegetieren; der Kunst,
der Natur g. gegenüberstehen, dazu: -losigkeit, die:
-. -en: I. <o. PI.) a) Nichtvorhandensein von Gefühl (1);
b) Mangel an Gefühl (2). 2. gefühlloses Verhalten,
gefühllose Handlung; ^voll <Adj.): a) voll tiefer Empfindung,
empjlndsam: ein -er Mensch; sie ist eine -e Seele; b) (leicht
abwertend:) mit [allzuviel] Gefühl (3b): eine -e Musik;
ein Gedicht g. (mit starkem Gefühlsausdruck) vortragen;
mit etw. g. {einfühlsam, schonend u. mit Gefühl 3 b)
umgehen.
gefühlig <Adj.) (selten; oft abwertend): vor allem vom Gefühl
(3 b) her bestimmt; gefühlsbetont, allzu empfindsam: Romy
Schneider zelebrierte die Titelrolle des -en Opus (MM
22. 5. 71. 57); Das Aktenderby ließ den eher g. veranlagten
Anfänger jedoch zunächst kalt (Enzensberger, Einzelheiten
1.79); <Abl.:) Gefälligkeit, die: -: große Worte zu benutzen,
wenn es um das Wohl der Menschheit geht, ist ein typisches
Symptom amerikanischer G. (Hörzu 26. 1975. 24).
gefühls-. Gefühls- (vgl. auch: gefühk Gefühl-): -aktiv
<Adj.): in besonders spürbarer Weise auf das Gefühl (1)
wirkend: ..gefühlsaktive" Kondome (Simmel. Stoff 345);
-anwandlung, die; ^arm <Adj): wenig Gefühl] e] zeigend:
ein -er Mensch, dazu: -armut. die; -aufwallung. die;
-ausbrach, der: plötzliche, starke u. tuigehemmte
Gefühlsäußerung; -ausdruck, der <o. PI.): I. Ausdruck. Ausdrücken
der Gefühle: diese Geisteskranken sind zu keinem G. fähig.
2. gefühlsbetonter Ausdruck: etw. mit starkem G. vortragen;
-äußerung, die: Äußerung eines Gefühls (in Sprache od.
Verhalten); -bedingt <Adj.; o. Steig.): durch das Gefütd
(2) bedingt; -bestimmt <Adj.; o. Steig.): durch das Gefühl
(2) bestimmt, dazu: -bestimmtheit, die; -betont <Adj.; -er,
-este): vorwiegend vom GefiihI bestinunt: -e Erwägungen,
dazu: -betontheit, die; -dinge <P1.>: Dinge, die mit dem
Gefühl, mit Gefi'dden zusammenliängen. davon bestimmt
sind: G. entziehen sich jeder exakten Nachprüfung;
-durchkkingefi <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (geh.): von
Gefühl (2) durchdrungen; -duselei [...du:zaflai], die <o. PI.)
965
gefühlshaft
(ugs. abwertend): durch übertriebene Gefühlsbestimmtheit
fehlgeleitetes Denken, Verhalten: Er war der G. verdächtig,
im geheimen sollteer mit Asozialen und Juden
sympathisieren (Fallada. Jeder 249), dazu: -dus[e]lig <Adj.) (ugs.
abwertend): durch übertriebene Gefühlsbestimmtheit
fehlgeleitet: g. sein, handeln; -Eindruck, der: Eimiruck auf das
Gefühl: etw. vermittelt einen starken G.; -erguß. der:
längere überschwengliche Gefühlsäußerungen: -gehalt, der:
Gehalt an Gefühlten]: der G. einer Äußerung; -Inhalt, der:
1. Gefühlsgehalt. 2. durch das Gejühl vermittelter
Bewußtseinsinhalt; ^kalt <Adj.>: 1. kalt, herzlos, gefüfillos
(2a): ein -er Mensch. 2. frigide; -kälte, die; -läge, die:
Bewußtseinslage hinsichtlich der Gefühle, der
gefühlsmäßigen Einstellung! en/; -leben, das <o. PL): das Erleben u.
Äußern von Gefühlen in seiner Gesamtheit: ein starkes G.
haben; etw. stumpft das G. ab; Gott ... würde allenfalls
zum Komfort meines religiösen -s gehören (Thielicke. Ich
glaube 58); ^leere. die: durch Abwesenfieit des Gefühls (2)
od. Mangelan Gefühl (2) verursachte Leere; -mäßig <Adj.;
o. Steig.): 1. auf dem Gefüllt beruhend, vom Gefühl geleitet:
eine -e Ablehnung. Reaktion. 2. <nur adv.) das Gefü/d
betreffend: g. ist er am engsten mit Rosalie verbunden;
etw. wirkt sich g. verschieden aus; -mensch, der: Mensch,
der mehr von seinen Gefühlen (3 a) als von verstandesmäßigen
Überlegungen bestimmt wird, bei dem das Gefühl vorherrscht
(Ggs.: Verstandesmensch); ^nerv, der: Nerv der Tast- bzw.
Körperempfindung; -<iualität, die: auf der Vermittlung von
Gefühlen beruhende Eigenschaft: etw. besitzt bestimmte
-en; -reaktion. die: Reaktion in Form einer
Gefühlsäußerung; -regting, die; ^roh <Adj.>: gefühllos (2 a). herzlos,
roh. dazu: -roheit. die: -sache. die meist in der Wendung
etw. Ist [reine] G. (etw. ist [ausschließlich! Angelegenheit
desGefi'ihls); -schwelgerei,die (leicht abwertend):
[dauerndes 1 Schwelgen in Gefühlen; ^selig <Adj>: in Gefühlen
schwelgend, ganz dem Gefühl hingegeben, dazu: -Seligkeit,
die; -sinn, der <o. PL): Sinn der Körperempfindung (insbes.
Tastsinn); -skala, die (Psych.): Skala bestimmter
Gefühlsäußerungen; -stark <AdJ.>: starke Gefühle habend,
zeigend, ausdrückend; -stau, der (Psych.): Stau von
Gefühlen, die krankheitsbedingt nicht geäußert werden
können; -tiefe, die (geh.); -tube, die in der Wendung auf
dieG. drücken (salopp; durch die Art des Erzählens.
Berichten bei einem anderen bewu/Jt ein Gefühl des Mitleids,
der Anteilnahme auszulösen versuchen): jetzt willst du auf
die G. drücken. Vater? ... Bloß so was wirkt bei mir
nicht (Fallada. Jeder 328); -Überschwang, der; -walhing,
die: Aufwallung des Gefühls; -wärme, die; -weit, die:
Gesamtheit der Gefü/de; -wert, der: 1. Wert für das Gefü/d:
der Gegenstand hat nur leinen] G. 2. svw. t-qualität.
3. (Sprachw.) mit einem Wortinhalt verbundener affektiver
Wert; -Wirkung, die: Wirkung auf das Gefühl.
gefühlshaft <Adj.; -er, -este>: in Form von Gefühlen: -e
Einstellungen. Zusammenhänge; gefühlt: t fühlen.
gefiihrig [ga'fy:n<;] <Adj.) [zu Tführen] (landsch.): (vom
Schnee) die Skier. Kufen o.a. gut führend, günstig zum
Skilaufen o.a.: der Schnee ist g.; <Abl.:> GefÜhrtgkeit,
die; -.
Gefummel [ga'fuml], das; -s. Gefumm[e]le [...mfelb]. das;
-s (ugs. abwertend): Idauerndes] Fummeln.
gefunden [ga'fundn]: Tfinden.
Gefunkel [ga'fonkj], das; -s: [dauerndes] Funkeln.
gefurcht [ga'for^t]: 1. t furchen. 2. <Adj.; -er. -este> mit
einer Furche, mit Furchen [versehen!: ein [von Alter] -es
Antlitz; das Antlitz eines älteren Mannes, g. in tiefer
Sammlung (Thieß. Reich 150).
gefüttert: t Ottern.
gegabelt: T gabeln.
Gegackel [ga'gakf]. das; -s. Gemckele [...kdb]. das; -s <un-
gebr.) (ugs.. meist abwertend): [dauerndes] Gackeln: Ü
daß die Beratung unter den Rufen ....das alles sei Gegackel
und Getackel. ... abgebrochen wurde (Th. Mann. Joseph
SIS); Gegacker [gd'gate]. das; -s (gelegtl. abwertend): 1.
[dauerndes] Gackern: das G. der Hühner; Ü immer dieses
G. (ugs.; Gerede), wenn er mit einer anderen gesehen wird.
2. (ugs.) das Kichern, das halb unterdrückte Lachen (bes.
von Mädchen): diese jungen Dinger mit ihrem G.!
gegangen [ga'ganan]: Tgehen.
gegeben [gd'ge:bn]: 1. f geben. 2. <Adj.; o. Steig.; nicht adv.)
a) vorhanden, vorliegend, bestehend: aus -em Anlaß; im
-en Fall (1. in diesem Fall. 2. gegebenenfalls)', unter den
-en Umständen (den derzeit bestehenden Verhältnissen);
etw. als g. (feststehend) voraussetzen; (Math.:) eine -e
Größe; b)passend, geeignet, richtig: das ist das -e
(nächstliegende, beste); er ist dafür der -e Mann; zu -er Zeit;
gegebenenfalls <Adv.>: wenn der betreffende Fall eintreten sollte:
an diesen Arzt kannst du dich g. wenden; Abk.: ggf.:
Gegebenheit, die; -. -en <meist Pl.>: wirkliches
Vorhandensein; in bestimmter Weise bestehender Zustand, der bei
einer Handlung zu beachten ist; Umstatid. dem man
Rechnung zu tragen hat: die -en des menschlichen Körpers
berücksichtigen; sich auf neue politische -en einstellen.
Gegfiifer.das;-s(abwertend): (dauerndes] Geifern, wütendes
Schimpfen..
gegen ['ge:gn; mhd. gegen, ahd. gegin]: I. <Präp. mit Akk.)
1. räumlich a) kennzeichnet die [Ausrichtung auf jmdn.,
etw.. die Hinwendung zu jmdm.. etw. auf jmdn.. etw. zu;
zujmdm.. etw. hin: sich g. die Wand drehen; g. die Mauer
lehnen; Pinneberg macht einen Schritt g. die Tür (Fallada.
Mann 208); b) kennzeichnet eine gegenläufige Bewegung
in entgegengesetzter Richtung (zu jmdm.. etw.
Entgegenkommendem); wider: g. die Strömung, g. den Strom, g.
den Wind rudern; sich g. etw. stemmen: c) kennzeichnet
die Weise, in der eine zielgerichtete Bewegung auf etw.
aufirifTt an: Regen klatscht g. die Fenster; g. die Tür
schlagen, g. die Wand stoßen; er ... trat mich unterm
Tisch -s Schienbein (Zuckmayer, Magdalena 102). 2.a)
kennzeichnet ein Entgegenwirken, ein Angehen gegen
jmdn.. etw., ein Sichentgegenstellen: der Kampf g.
Krankheit u. Armut; g. den Hunger in der Welt kämpfen; g.
jmdn.. etw. arbeiten; etw. g. die Mißstände tun; g. etw.
protestieren; sich g. jmdn. auflehnen: ein Mittel g. Husten
(das den Husten vertreibt); eine Impfung g. (zum Schutz
vor) Pocken; b) kennzeichnet eine Gegensätzlichkeit, ein
Entgegenstehen, ein Zuwiderlaufen u.a. entgegen: etw. ist
g. die Abmachung, g. alle Vernunft: g. bessere Einsicht;
g. seinen Willen; g. alle Erwartungen; c) kennzeichnet
ein bestimmtes [gegeneinander gerichtetes] Agieren von
Personen. Gruppen miteinander: g. jmdn. spielen,
gewinnen; sie siegten g. Kanada mit 3:4 Toren: sich g. jmdn.
verloben, g. jmdn. heiraten (ugs. scherzh.; sich mit jmdm.
verloben, verheiraten): Zwei g. einen... Das konnte nicht
gut ausgehen (Fries. Weg 48): in Sachen Schulze g. Schulze
(Fries, Weg 98). 3. (veraltend) kennzeichnet eine in
bestimmter Weise geartete Beziehung zu jmdm.. einer Sache
gegenüber: höflich, freundlich, abweisend g. jmdn. sein;
er hat sich schlecht g. mich (mir gegenüber) benommen;
Man war dort gut g. Fremde (Seghers. Transit 220). 4.
zeitlich, zur Angabe eines ungefähren Zeitpunktes: ich
komme g. Abend; er kam [so] g. 11 Uhr nach Hause;
wo das Bier besonders g. das Wochenende zu ... über
die Theke spritzt (Fischer. Wohnungen 24). 5. im Vergleich,
im Verhältnis zu: g. ihn ist er sehr klein; wie gut hat
eres heute g. früher; die beiden Ringerinnen sind blutarme
Kinder g. sie (Remarque. Obelisk 99). 6. [im Austausch]
für: die Ware g. Bezahlung liefern; er hat den Schnaps
g. Devisen eingehandelt. II. <Adv.> ungefähr (bei
Zahlenangaben der angegebenen Anzahl od. Menge
wahrscheinlich sehr nahekommend): es waren g. 100 Leute
anwesend.
gegen-. Gegen-: -aktion. die: Aktion, die sich gegen eine
andere Aktion richtet: eine G. starten; -angebot. das: auf
ein vorangegangenes Angebot erfolgendes, sich von diesem
unterscheidendes Angebot; -angriff, der: 1. (Milit.) Angriff
als Reaktion auf einen erfolgten Angriff: zum G. ansetzen:
Ü der Diskussionspartner ging zum G. über. 2. (Sport)
Spielzug. durch den der Gegner seinerseits angreift: der
Titelverteidiger startete sofort einen G.; -ansieht, die:
Ansicht, die sich von einer anderen Ansicht unterscheidet od.
ihr entgegengesetzt ist: zu etw. eine G. äußern; -antntg,
der: Antrag, der sich gegen den Antrag einen Gegenpartei
o. ä. richtet: einen G. stellen; -anzeige, die: svw.
tKontraindikation; -argument, das: Argument gegen etw.. gegen
ein anderes Argument: -e vorbringen; auf jedes Argument
hat er ein G., dazu: -argumentation, die; -bahn, die: a)
entsprechende Straßenbahn in der entgegengesetzten
Richtung: die G. hält auf dem Bahnsteig gegenüber; b) vgl.
^ fahrbahn; -bedingung, die: auf die Bedingung [en] einer
Gegenpartei o. ä. hin gestellte Bedingung: wir haben
unsererseits die G. gestellt, daß ...; -befiehl, der: Befehl, der einem
atideren entgegengesetzt ist. ihn aufhebt: einen G. geben;
966
gegen-, Gegen-
-behauptung, die: Behauptung, die sich von einer anderen
Behauptung unterscheidet od. ihr entgegengesetzt ist: eine
G. zu etw. aufstellen; -betspiel, das: Beispiel für etwas
Andersartiges od. Gegensätzliches: -e für etw. anfuhren;
-beschuldigung, die: Beschuldigung, die als Reaktion auf
eine vorangegangene Beschuldigung erhoben wird: eine G.
gegen jmdn. erheben; -bestrebung, die <meist Pl.>: vgl.
-aktion; -besuch, der [LÜ von frz. contrevisite]: Besuch,
mit dem man jmds. Besuch erwidert: ich habe ihm einen
G. abgestattet; -bewegung, die: 1. Bewegung, die einer
anderen Bewegung entgegengesetzt ist: Der als G. zum
Kapitalismus entstandene Sozialismus (Fraenkel. Staat
308). 2. (Musik) a) Umkehrung eines melodischen Ablaufs:
b) die in ihrer Richtung auseinander- od. aufeinander
zulaufende Führung zweier Stimmen; -beweis, der: Beweis,
der einen von der Gegenpartei angeführten /angeblichenI
Beweis widerlegt: den G. für etw. antreten; den G. führen;
-MM, das: vgl. -stück (1); -bitte, die: jetzt habe ich eine
G. an Sie; -brassen <sw. V.; hat) (Seew.): die 2Brassen
so stellen, doli das Schiff volle Fahrt macht u. gegen den
Kurs eines anderen Schiffes aufkreuzt: -buchung, die: (bei
doppelter Buc/ifiJirung) die einer Soll-Buchung
entsprechende Haben-Buchung u. umgekehrt: die G. vornehmen; -dar-
stelhing, die: I. Entgegnung auf eine / in der Presse j
veröffentlichte Darstellung durch den Betroffenen: die Zeitung
mußte seine G. veröffentlichen. 2. Darstellung eines
gegensätzlichen Sachverhalts: der Lehrer hörte sich auch die
G. der anderen Schüler an; -demonstration, die:
Demonstration, die sich gegen eine andere Demonstration richtet:
die DKP rief zu einer G. auf; -dienst, der: Dienst.
Gefälligkeit als Erwiderung eines Dienstes od. einer Gejälligkeit:
jmdm. einen G. erweisen; zu -en bin ich jederzeit gerne
bereit; -dreier, der: Pflichtfigur beim Eis- u. Rollkunstlauf,
bei der in zn'ei Wenilungen bei jeweils einem Wechsel der
Ijaufrichtung u. einem Kanten- od. Rollenwechsel eine Drei
mit weit herausgezogenem Schnittpunkt der beiden
Halbkreise gelaufen wird; vgl. Dreier (4); -druck, der <o. Pl.>:
a) durch einen Druck erzeugter u. gegen ihn gerichteter
Druck: Druck erzeugt G.; b) einen Druck zurückgebender
Druck: sie erwiderte meinen Händedruck mit einem festen
G.; c) gegen etw. gerichteter Druck: während die Füße
im G. zur Wand gestemmt werden (Eidenschink, Fels
69), zu b: -drockparade, die (Fechten): svw.
tOppositionsparade; -einander: T gegeneinander: -erklärung, die:
Erklärung, die einer anderen Erklärung entgegengesetzt ist:
eine G. abgeben; -fahrbahn, die: Fahrbahn für den
Gegenverkehr: der Sportwagen kam ins Schleudern und geriet
auf die G.; -färbe, die: vgl. Komplementärfarbe, dazu:
-farbig <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>; -feuer, das: Feuer,
mit dem man bei der Bekämpfung eines Waldbrandes ein
bestimmtes Gebiet niederbrennt, tun eine Grenze zu schaffen;
-fordening, die: a) vgl. -bedingung; b) Forderung, die
ein Schuldner seinerseits gegenüber seinem Gläubiger hat:
er hat an mich eine G. in Höhe von 1 000 DM; -frage,
die: eine Frage mit einer G. beantworten; -fiißler, der
(veraltet): svw. tAntipode (1); -gäbe, die (geh.): Gabe
als Dank für eine empfangene Gabe: dies ist eine G. für
dein Geschenk; -gerade, die (Leichtathletik): gerader Teil
einer Laufbahn, der dem Teil, auf dem gestartet wird,
gegenüberliegt; -gesdienk,das: vgl. -gäbe; -geschlechtlich <Adj.;
o. Steig.): das andere Geschlecht betreffend; vom anderen
Geschlecht; dem eigenen Geschlecht entgegengesetzt: er
wurde mit -en Hormonen behandelt; -gewalt, die: vgl. -druck
(a): auf Gewalt mit G. antworten; -gewicht, das: Gewicht,
das ein anderes Gewicht ausgleicht, aufliebt: die einseitige
Belastung eines Krans durch ein G. ausgleichen; U seine
Strenge bildet das notwendige G. zu ihrer Nachgiebigkeit;
-gilt, das [LÜ von frz. contrepoison. engl, counterpoison.
lat. antidotum, griech. antidoton]: Substanz, die die
schädliche Wirkung eines in den Körper gelangten Gifts
abschwächt od. aufhebt: bei Infektionen bildet der Körper
selbst -e gegen die Gifte des Virus aus; Ü ein G. gegen
die Verseuchung mit propagandistischen Schlagworten;
-griff, der (Sport): beim Ringen zur Abwehr eines
gegnerischen Atigriffs angewendeter Griff; -grund, der: vgl.
-argument: zu etw. Gründe und Gegengründe anführen;
-grüß, der (veraltet, geh.): er beantwortete meinen Gruß
mit einem freundlichen G.; -halten <st. V.; hat) (nordd.
ugs.): dagegenlialten: kannst du hier einmal den Finger
g.?; Ü Wir kletterten auf den ... Turm und drängten uns
gegenseitig an den Abgrund, je mehr man gegenhielt
(Widerstand entgegensetzte), desto mehr wurde gedrängt
(Kempowski. Uns 80); -ideologie, die: Das Schlagwort
vom „nationalen Sozialismus**... wurde ... Kernstück einer
nationalsozialistischen G. gegen den ...
weltrevolutionären Sozialismus (Fraenkel, Staat 204); -Indikation, die:
svw. t Kontraindikation; -induktion, die: vgl.
Selbstinduktion; -kaiser, der: vgl. -könig; -kandidat, der: jmd.. der
gegen einen Mitbewerber kandidiert: die Partei hat einen
-en aufgestellt, dazu: -kandidatur, die: sich zur G. bereit
finden; -kathete, die (Geom.): die einem spitzen Winkel
im rechtwitikligen Dreieck gegenüberliegemle Kathete;
-klage, die (jur.): Klage eines Beklagten gegen den Kläger: G.
erheben; -k läger, der (jur.); -klassisch <Adj.;
o. Steig.) (Kunstwiss.): gegen die Klassik (I. 2)
gerichtet: eine -e Strömung; -kompliment, das: ich muß
ihnen ein G. machen; -konditionierung, die (Päd.. Psych.):
Lernvorgang, bei dem ein bestimmte Reaktionen bedingendes
Verhalten durch Koppelung von Reiz u. Spontanreaktion
umgekehrt wird; -könig, der: von einer Gegenpartei des
herrschenden Königs gewählter u. mit diesem rivalisierender
König; -konzept, das: Konzept, das einem anderen
entgegengesetzt ist; -kraft, die: a) Kraft, die einer anderen Kraft
entgegenwirkt: die einwirkende Kraft hat eine G. zu
überwinden; Ü gegen die Regierung sind neue Gegenkräfte
erstarkt; b) Kraft, die die Wirkung einer amleren Kraft
ausgleicht: die Arbeitgeberverbände ... waren ursprünglich
... als G. zu den erstarkenden Gewerkschaften gedacht
(Fraenkel. Staat 275); -kreisen, das: gymnastische Übung,
bei der der eine Arm eine Kreisbewegung nach vorne u.
der andere Arm eine gleichzeitig verlaufende Kreisbewegung
nach rückwärts vollführt; -kultur, die (Soziol.): Kultur einer
Gruppe in einer Gesellscliaft. die deren Kultur in bestimmten
Teilen ablehnt u. dafür eigene Normen u. Werte setzt (vgl.
Subkultur), dazu: -kulturell <Adj.; o. Steig.); -kurs, der:
Kurs in die entgegengesetzte Richtung: das Flugzeug ging
sofort auf G.; -läufig <Adj.; o. Steig.): in entgegengesetzter
Richtung / verlaufend, sich bewegendj: ein Motor mit -en
Kolben; Ü eine -e Entwicklung hat eingesetzt; -leistung,
die: Leistung als Erwiderung einer erbrachten Leistung:
als G. verlangt er unsere Hilfe; er ist zu keiner G. bereit;
-lenken <sw. V.: hat): beim Autofahren für ganz kurze
Zeil das Fahrzeug der gewünschten Fahrtrichtung
entgegengesetzt lenken, um eine Abweichung zu verhindern od. zu
korrigieren; -lesen <st. V.; hat): zur Kontrolle lesen: wer
liest gegen?; das Manuskript ist fünfmal gegengelesen
worden; -licht, das <o. PI.) (bes. Fot.): entgegen der
Blickrichtung des Betrachters strahlendes Licht, dessen Quelle I durch
das betrachtete Objekt] verdeckt ist: diese bei. im G.
gemachte Fotografie ist besonders reizvoll; das Boot war
im G. bald nur noch ein Schatten (Andersch, Rote 152),
dazu: -lieh tauf nähme, die (Fot.): hei Gegenlicht gemachte
Aufna/ime. -lichtblende, die: svw. TSonnenblende; -liebe,
die in den [oft verneinten] Wendungen G. finden, auf
G. stoßen (1. Anklang. Beifall. Zustimmung finden: er
stieß mit seinem Vorschlag bei den Kollegen auf [keine,
wenig] G. 2. (selten) wiedergeliebt werden: er fand bei
ihr [keine] G.); -lösung, die: Lösung, die einer
anderen entgegengesetzt ist: Noch wird ... die Notwendigkeit
einer ganzheitlichen G. nicht gesehen (Die Unabhängigen
18. 10. 1975. 1); -macht, die: a) Macht, die sich einer
anderen Macht entgegenstellt; b) vgl. -kraft (b): die
gewerkschaftliche G. im Betrieb; -maßnähme, die: Maßnahme,
die sich gegen etw. richtet, die etw. bekämpfen od. verhindern
soll: gegen eine Ausbreitung der Seuche wurden sofort
-n ergriffen, getroffen; -meinung, die: gegensätzliche
Meinung: eine G. zu etw. äußern; -mittel, das: gegen etw.
(eine Krankheit, ein Gift o.a.) wirkendes Mittel: gegen
bestimmte Gifte gibt es kein G.; Ü das wäre ein gutes
G. gegen ihren Eigensinn; -mutter, die: svw. t
Kontermutter; -offensive, die: svw. t -angriff; -papst, der: dem
rechtmäßigen Papst entgegengestellter, nicht rechtmäßig gewäid-
ter Papst; -part, der; -[e]s. -e: Gegner in einem Spiel od.
Wettkampf; -partei.die: I. einen gegensätzlichen Standpunk t
vertretende Gruppe: man muß auch die Argumente der
G. hören; *dieG. ergreifen (den eigenen Standpunkt
aufgeben u. für den der gegnerischen Seite eintreten). 2.
gegnerische Partei. Gruppe. Mannschaft; Gegenseite (2): die G.
wird den Prozeß wohl verlieren; der Elfmeter wurde der
G. zugesprochen; er ist überraschend zur G. übergetreten;
967
gegen-, Gegen-
-phase, die: die um eine halbe Periodendauer versetzte Phase
des Wechselstroms, dazu: -phasig [-fa:a<;] <Adj.; o.
Steig.); -plan, der [LÜ von russ. wstretschnyj plan, eigtl.
= entgegenlaufender Plan] (DDR): von den Leitungen der
verschiedenen Betriebe selbst festzulegender, den konkreten
Bedingungen des jeweiligen Wirtschaftszweiges
anzupassender Plan, dessen Planwerte auf der Grundlage der Vorgabe
der staatlichen Plankommission beruhen u. der nach seiner
Ausarbeitung vor dem zuständigen Minister verteidigt
werden muß: Davon zeugt die Erfüllung der staatlichen
Planaufgaben und der Gegenpläne in den Betrieben der
Hauptstadt (Neues D. 20. 5. 76. 1); ^pol, der: entgegengesetzter
Pol: der Südpol ist der G. zum Nordpol; Ü sie ist in
jeder Hinsicht sein G.; -Position, die: Position, die einer
anderen entgegengesetzt ist: -probe, die: 1. Überprüfung
eines i Rechen jergebnisses. einer Behauptung, These o.a.
durch Umkehrung: bei einer Aufgabe die G. machen. 2.
Überprüfung eines durch Handzeichen od. Aufstehen
erzielten Abstimmungsergebnisses durch Abstimmen mit
entgegengesetzter Fragestellung: -Propaganda, die: Propaganda, die
sich gegen die Ausbreitung besthwnter Vorstellungen.
Gedanken, Vermutungen. Gerüchte o. ä. richtet: ^reaktion, die:
gegen etw. (eine Handlung. Einwirkung o.a.) gerichtete
Reaktion: -en des Körpers; -rechnung, die:
Rechnung, die ein Schuldner seinerseits gegenüber seinem
Gläubiger aufstellt, die einer anderen gegenübergestellt wird:
eineG. aufstellen.aufmachen; -rede,die: 1. (geh.) Antwort.
Erwiderung: sie wechselten angeregt Rede und G. 2.
Widerrede. Einwand: ohne G. ließ er sich alles bezahlen;
-Information, die (hist.) [erstmals geb. von dem deutschen
Historiker Leopold v. Ranke (1795-1886)]: Gegenbewegung
der katholischen Kirche gegen die Reformation im 16. u.
17. Jh.: - regierung, die: Regierung, die mit einer bestehenden
Regierung rivalisiert: im Exil wurde eine G. gebildet;
^Devolution, die: gegen eine siegreiche Revolution gerichtete
Bewegung, die im wesentlichen die Wiederherstellung der vorrevo-
lutiotiären Verhältnisse zum Ziel hat. Konterrevolution,
dazu: -revolutionär <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: die
Gegenrevolution betreffend, konterrevolutionär: -e Bestrebungen;
-rhytimais, der: Rhythmus, der zu einer im gleichmäßig
gegliederten Zeitnmß verlaufenden Bewegutig entgegengesetzt
verläuft: -riditung, die: entgegengesetzte Richtung: der Ver-
kehr in derG. ist gesperrt; -rüder, das (Flugw.): a)
Hilfsruder, das zur Verminderung der zum Bewegen der Ruder
aufzuwendenden Kraft dient: b) Hilfsruder, das zur Einhaltung
einer bestimmten Fluglage dient: ^ruf, der: Ruf. mit dem
ein Ruf erwidert wird: die Sekunden zwischen Ruf und
G. (Hildesheimer. Tynset 38); -satz, der [wohl LÜ von
lat. oppositio; zunächst nur Wort der Rechtssprache in
der Bed. „Entgegnung, Erwiderung im Rechtsstreit"]: 1.
Verhältnis äußerster Verschiedenheit: diese beiden
Ansichten bilden einen G., stehen in einem scharfen, (bil-
dungsspr.:) diametralen G. zueinander, zwischen den
beiden Seiten besteht ein tiefer, unversöhnlicher G.; *im G.
zu (im Unterschied zu): im G. zu ihm ist sie recht klein.
2. Person. Sache, Eigenschaft. Aussage o. ä.. die einer
anderen völlig entgegengesetzt ist: der G. von ..warm" ist ..kalt";
der G. von Land- u. Stadtleben; sie ist genau der G.
zu ihm; R Gegensätze ziehen sich an (Menschen mit
gegensätzlichem Charakter finden sich oft sympathisch, suchen
im anderen die Ergänzung). 3. Widerspruch: seine Worte
stehen in einem krassen, schroffen G. zu seinen Taten;
er steht im G. zu seiner Partei (hat eine andere Meinung
als seine Partei): du setzt dich in G. zur Meinung aller
anderen. 4. <PI.> Meinungsverschiedenheiten. Differenzen:
unüberbrückbare Gegensätze; die Gegensätze haben sich
verschärft; Gegensätze überbrücken, abbauen,
ausgleichen. 5. (Musik) erster Kontrapunkt zum Thema einer Fuge.
dazu: -sätzlich [-ZEtßlu;] <Adj. >: einen Gegensatz (1) bildend:
völlig verschieden: einander widerstreitend, (fonnal od.
inhaltlich) unvereinbar: -e Meinungen; sie sind g. veranlagt;
seine Leistung wurde sehr g. beurteilt, dazu: -sätzlichkeit,
die; -: gegensätzliche Art. Beschaffenheit: die G. ihrer
Ansichten, Auffassungen, -satzpaar, das: die beiden Begriffe
bilden ein G.. -satzwort, das <PI. -Wörter) (Sprachw.):
Wort, das einem anderen in hezug auf die Bedeutung
entgegengesetzt ist (z. B. schwarz/weiß, starten/landen. Mann/
Frau); Antonym (Ggs.: Synonym); -scheinziehung, die:
(bei Lotteriespielen) Ziehung des Los- od.
Wettscheinabschnitts, den der Lotterieveranstalter zur Kontrolle
einbehalten hat u. der die gleiche Losnunmier o. ä. trägt, wie der
beim Spielteilnehmer verbleibende Abschnitt: -schlag, der:
1. Schlag in Vergeltung eines Schlags: er holte zu einem
kräftigen G. aus; (Sport:) der konzentrierte G. unserer
Mannschaft (ifir Angriff nach dem abgewehrten Angriff des
Gegners) brachte die Führung. 2. Vergeltungsmaßnahme:
die Polizei bereitet einen G. gegen die verbotene
Organisation vor. -schock, der (Psych.): Versuch, bei
Schockbehandlung durch Auslösen eines neuen Schocks eine
vorhandene Schockwirkung abzubauen: -Schwiegereltern <P1.)
(landsch.): Schwiegereltern des eigenen Kindes:
-Schwiegermutter, die. -Schwiegervater, der (landsch.): vgl.
^Schwiegereltern; ^seite.die: 1. gegenüberliegende Seite: die
G. der Straße. 2. svw. T ^Partei (2). dazu: -seitig <Adj.; o.
Steig.): a) wechselseitig: in -er Abhängigkeit stehen; sich g.
(einerdem anderen) helfen; sichg. (einerden anderen)
überbieten; b) (nicht adv.) beide Seiten betreffend: -e
Abmachungen; sich im -en Einvernehmen trennen, dazu: -seitig-
kelt, die; -: wechselseitiges Verhältnis, wechselseitige
Leistungen: der Vertrag ist auf G. gegründet; ihre Feindschafl
beruht auf G. (ieder ist dem anderen gleichermaßen feindlich
gesinnt): auf G. (Abk.: a.G.); -senan, das: svw. T Antise-
rum; -sinn, der in der Fügung im G. (im entgegengesetzten
Sinti, in entgegengesetzter Richtung): die beiden Schrauben
müssen im G. gedreht werden, dazu: -sinnig <Adj.; o.
Steig.) (Fachspr.): im Gegensinn: -Spannung, die (Elektrot..
Mech.): Spannung, die einer gegebenen Spannung
entgegenwirkt: -spiel, das: 1. (Sport, selten) Rückspiel. Revanche.
2. (veraltet) svw. tMeil, dazu: -Spieler, der: l.a) Gegner.
Widersacher: er ist sein offener G.; seine G. ausschalten;
b) (Sport) Spieler, der einen Spieler der gegnerischen Mann-
scliaft bewacht od. von ihm bewacht wird: seinen G. gut
decken; c) (Theater) Gestalt auf der Bühne, die in Kontrast
zum Helden steht: die Gestalt des -s war zu farblos
gezeichnet. 2. Kraft, die zu einer anderen in Wechselwirkung od.
im Gegensatz steht: der Streckmuskel hat im Beugemuskel
seinen G.; -Spionage, die: Abwehr der Spionage eines
fremden Landes durch den Aufbau einer eigenen Spionage: Ich
war auch gar kein Fallschirmjäger, sondern ich gehörte
der G. an (Anderseh. Rote 123); -Sprechanlage, die:
Sprechanlage, bei der in beiden Richtungen gleichzeitig
gesprochen werden kann: In unserem Betrieb ist keine
Abhöranlage installiert, nur eine G. (v. d. Grün. Glatteis
83); -sprechen <st. V.; hat; meist im Inf. u. 2. Part, gebr.):
im Gegensprechverkehr sprechen: man kann bei dieser
Anlage g.; -sprechverkehr, der: Funk- od.; Fern Jsprechverkehr,
bei dem gleichzeitig in beiden Richtungen gesendet u.
empfangen werden kann: -stand, der: f Gegenstand; -ständig <Adj.;
o. Steig.) (Bot.): einander gegenüberstehend: die Blätter
sind g. angeordnet; -Standpunkt, der: gegensätzlicher
Standpunkt: den G. vertreten; -steuern <sw. V.; hat): svw.
f -lenken: in derartiger Lage nur Gas wegnehmen und
g. (Hörzu 40, 1976. 133); Ü wir hätten auf Schleuderkurs
geraten können ... wenn wir nicht gegengesteuert (nicht
etwas dagegen unternommen) hätten (Spiegel 19. 1977.
98); -stimme, die: l.a) bei einer Abstimmung gegen jmdn..
etw. abgegebene Stimme: der Antrag wurde mit vier -n.
ohne G. angenommen; b) Stellungnahme gegen etw..
Äußerung einer gegenteiligen Meinung: in der Diskussion
erhoben sich warnend einige -n gegen den Plan. 2. (Musik)
melodisch selbständige Stimme, die jedoch einen Bezug auf
die Hauptmelodie erkennen läßt: die G. singen, dazu:
-stimmig <Adj.; o. Steig.) (Musik): g. singen; -Stoff, der: svw.
1-gift; -stoß, der: I. vgl. -schlag (1). 2. (Milit.) svw.
t -angriff (1): einen G. führen; -Strategie, die: Strategie,
die eine andere bekämpft: eine G. entwickeln; -ström, der:
Strömung, die entgegengesetzt zu einer anderen Strömung
verläuft: das Wasser fließt im G. durch die beiden Röhren;
Ü sie ... fahren rückwärts, wagehalsig als einzelne im G.
(Fries. Weg 37). dazu: -stromig [-Jtrormi^], -strömig
[-Jtro.mK;] <Adj.; o. Steig. >: im Gegenstrom: die beiden
Flüssigkeiten werden g. aneinander vorbeigeleitet, -stromküh-
king. die. -Stromprinzip, das: a) beim Wärme- od.
Stoffaustausch angewendetes Verfahren, bei dem zwei Stoffe in
entgegengesetzter Richtung aneinander vorbei geführt werden od.
einander durchdringen u. das zum Trocknen. Kühlen od.
Kondensieren angewendet wird: b) Verfahren in der
Chromatographie, das zur Trennung von Substanzgemischen
angewendet wird. -Strömung, die: 1. svw. f ^strom. 2-
entgegengesetzte Entwicklung. Tendenz: Opposition: eine heftige
968
Gegenüber
G. gegen die neue Politik setzte ein; -stück, das: 1. Person
od. Sache, die einer anderen Person od. Sache völlig
entspricht. Pendant: zu diesem englischen Roman gibt es kein
deutsches G. 2. svw. Kteil (1); ^teil. das [mhd. gegenteil
= Gegenpartei im Rechtsstreit]: 1. das Entgegengesetzte\
Gegensatz (2): „alt" ist das G. von .Jung'*: er ist ganz
das G. von ihr; er hat genau, gerade das G. erreicht;
etw. wendet sich, verkehrt sich in sein G.; die Stimmung
schlug ins G. um; ich bin nicht nervös, [ganz] im G.
(ganz u. gar nicht). 2. (ugs. scherzh.) Gesäß, dazu: ^teilig
<Adj.; o. Steig): das Gegenteil (1) bildend, ausdrückend:
entgegengesetzt: -e Behauptungen; er ist -er Ansicht; das
Gericht hat g. (im entgegengesetzten Sinn) entschieden;
^tor, das. ^treflfer. der (Sport): gegen eine Mannschaft
erzieltes Tor: unser Verein blieb in drei Spielen ohne G.;
Mifer. das: gegenüberliegendes Ufer: mit letzter Kraft das
G. erreichen; -Unterschrift, die: Unterschrift einer zweiten
Person (zur Genehmigung. Kontrolle o.a.): ^verkehr, den
I. entgegenkommender Verkehr: es herrscht starker G.;
auf den G. achten. 2. Verkehr in beiden Richtungen: eine
Straße, ein Streckenabschnitt mit G.; -vormund, der (Jur.):
jmd.. der in bestimmten Fällen die Tätigkeit des eigentlichen
Vormunds zu überwachen hat: ^Vorschlag, der: auf einen
Vorschlag hin gemachter, andersgearteter od.
gegensätzlicher Vorschlag; -Vorstellung, die <meist PI.) (veraltend):
Einwand: jmdm. ernste -en machen; ^Vorwurf, der: auf
einen Vorwurf hin gemachter anderer Vorwurf: er antwortete
mit heftigen Gegenvorwürfen; -wand, die:
gegenüberliegende Wand: die G. wird andersfarbig gestrichen; ^wehr.
die <o. PI.): das Sichwehren gegen etw.; Verteidigung,
Widerstand: heftige G. leisten; er ließ sich ohne G. verhaften;
-wetsunu, die: vgl. ^befehl; -wende, die: Pflichtfigur beim
Eis- u. Rollkunstlauf, bei der drei Kreise in gleichmäßigem
Tempo ohne Kanten- od. Rollenwechsel gelaufen werden
müssen; ^wert. der: entsprechetuier Wert, Äquivalent: er
erhielt den vollen G. dafür ausgezahlt; -wind, der: Wind,
der entgegengesetzt zu jmds. Bewegungsrichtung weht: G.
haben; gegen starken G. ankämpfen; -Wirkung, die: einer
Wirkung folgende gegensätzliche Wirkung: Wirkung und
G.; eineG. ausüben; -wohner [-wo:nB], der; -s. - (veraltet):
svw. t Antipode (1); ^wort, das: I. <P1. -Wörter): svw.
t^satzwort. 2. <PI. -worte) (landsch.) Antwort: So eilte
die Köchin mit Wort und G. zwischen den Zimmern der
Gatten hin und her (Fussenegger, Haus 47); -wurftechnik,
die (Budo): Technik, die angewendet wird, um einem vom
Gegnerangesetzen Wurfgriff zu entgehen od. sich aus diesem
zu befreien; -zeichnen <sw. V.; hat): mit der
Gegenunterschrift versehen, mit unterschreiben: ich zeichne diesen Brief
nicht gegen: wir bitten Sie. den Vertrag gegenzuzeichnen,
dazu: -Zeichnung, die: vgl. -Unterschrift; -zeuge, der: 1.
jmd, der das Gegenteil einer Aussage. Behauptung o.a.
bezeugt: ich habe zwei -n gegen die Behauptung, ich sei
schuld an dem Unfall. 2. Zeuge der Gegenpartei in einem
Prozeß: die -n wurden noch nicht vernommen; -zug, der:
I. Zug des Gegners beim Brettspiel: ein geschickter G.;
Ü das war ein kluger politischer G. 2. entsprechender
Eisenbahnzug in entgegengesetzter Richtung: auf den blanken
Gleisen ist der G. fällig (Lentz, Muckefuck 45). 3. svw.
t ^angriff (2).
Gegend [ge:gntl. die: -. -en [mhd. gegent. gegende (md.:
gegenöte) < ahd. geginöti. zu tgegen; wohl LÜ von vlat.
*conträta (regio) = gegenüberliegend(es Gebiet), zu lat.
contra = gegen]: nicht näher abgegrenztes Gebiet: a)
Landschaft: eine einsame, gebirgige, rein katholische G.; die
schönste G. Österreichs; b);nähere] Umgebung: ich fahre
in die G. von Hamburg; c) kurz für Wcüingegend;
Stadtviertel: in einer vornehmen G. wohnen; d) Zone des Körpers:
Schmerzen in der G. des Magens; e) Richtung: er zeigte
in die G.. aus der das Geräusch gekommen war; 0 Gebiet
um jmdn. herum: soll ich vielleicht den schweren Koffer
durch die G. (salopp; von einem Ort zum andern) tragen?;
er brüllt immer in der G. [hejrum (salopp; brüllt irgendwo
ohne rechten Grund): U die ganze G. spricht (alle Einwohner
der Gegend sprechen) von dem Ereignis; es war in der
G. um Ostern (salopp; um Ostern herum): der Preis liegt
In der G. um (salopp; bei etwa) 30 Mark; *die G. unsicher
machen (ugs.: 1. sein Unwesen treiben: hier soll wieder
ein Fassadenkletterer die G. unsicher machen. 2. scherzh.;
von Lokal zu Lokal ziehen: nach dem Examen machen
wir mal wieder die G. unsicher).
gegeneinander [gegdnl^j'nandc] <Adv.): einer gegen den
anderen: g. kämpfen; sie sind nett und freundlich g.
(zueinander); man hat die beiden Frauen g. (eine gegen die andere)
ausgetauscht; die Gebiete wurden g. (das eine gegen das
andere) abgegrenzt; <subst.:> das ständige Gegeneinander
von Regierung und Opposition.
gegeneinander-: -drücken <sw. V.; hat): eines gegen das
andere drücken: zwei Stücke einer zerbrochenen Vase g.;
-halten <st. V.; hat): a) vgl. ^drücken; b) zum Vergleich
nebeneinanderhalten: wir wollen die Stoffe im Tageslicht
g.; c) durch Gegenüberstellung vergleichen: verschiedene
Vorschläge. Pläne g.; ^hetzen <sw. V.; hat): einen gegen
den anderen hetzen: zwei Hunde g.; -laufen <st. V.; ist):
a) einer gegen den anderen laufen; b) einander
entgegengesetztsein, verlaufen: die Meinungen darüber laufen völlig
gegeneinander; -prallen <sw. V.; ist): einer gegen den
anderen prallen: wir sind an der Tür gegeneinandergeprallt;
-pressen <sw. V.; hat): eines gegen das andere
pressen; -schlagen <st. V.; ist): eines gegen das
andere schlagen: seine Zähne schlugen vor Aufregung
gegeneinander (Simmel. Stoff 26); -setzen <sw. V.; hat):
eines gegen das andere setzen; voneinander absetzen,
abgrenzen: die unterschiedlichen Auffassungen müssen
klar und deutlich gegeneinandergesetzt werden; -stehen
<unr. V.; hat): a) sich feindlich gegenüberstehen: sie
haben schon immer gegeneinandergestanden; b) (von
Aussagen. Behauptungen o.a.) einander widersprechen:
jetzt stehen die beiden Aussagen gegeneinander;
-stellen <sw. V.; hat): a) eines gegen das andere stellen: zwei
Bretter g.; b) svw. Nhalten (c); -stoßen <st. V.): 1.
eines gegen das andere stoßen <hat>: die Gläser g. 2.
svw. t ^prallen <ist>.
Gegenstand, der; -[eis, Gegenstände [-Jtsndd; eigtl. = das
Entgegenstehende; urspr. Ersatzwort für t Objekt): 1.
[kleinerer, fester] Körper; nicht näher beschriebene Sache,
Ding: ein schwerer, spitzer G.; Gegenstände des täglichen
Bedarfs; er stolperte im Dunklen über einen metallischen
G.; ich trank schnell, trank viel ... Umnebelt gaukelten
die Gegenstände vor meinem Gesicht (v. d. Grün. Irrlicht
14). 2. <o. PI.) a) Thema, Vorwurf (2): der G. unserer
Unterredung; der Autor hat eine schwierige philosophische
Frage zum G. seiner Untersuchung gemacht; wir sind
vom G. abgekommen; es gibt so viele Gegenstände, über
die ich schreiben möchte (K. Mann, Wendepunkt 368);
b) Objekt. Ziel (von Handlungen. Gedanken. Gefühlen o. ä.):
der G. seiner Liebe; zum G. heftiger Kritik werden; sie
war der G. allgemeiner Bewunderung; Zweitens ist der
G. der Entscheidung, das Ziel also, umstritten wie kaum
zuvor (Zeit 47, 1974, 9). 3. (österr.) Schulfach: Musik
ist sein liebster G.; <Abl.:> gegenständlich ['ge:gnjtcntli<;]
<Adj.): in der Art von Gegenständen, auf die Welt der
Gegenstämle bezogen: dinglich, sachlich, konkret: ein -es
Hauptwort (Konkretum); -e Kunst (Ggs.: abstrakte
Kunst); g. denken; eine Idee g. darstellen, dazu:
Gegenständlichkeit, die; -.
gegenständ*-. Gegenstands-: -bereich, der: Bereich, dem ein
Gegenstand (2a) angehört; -bezogen <Adj.; o. Steig.): auf
den Gegenstand (2 a). das Thema bezogen: eine knappe,
-e Diskussion; ^gebiet, das: Gebiet, dem ein Gegenstand
(2a) angehört; -los <Adj.: o. Steig.): 1. (nicht adv.) a)
<meist präd.) unnötig, überflüssig, hinfällig: durch die
Änderungen wurden die Einwände g.; b) grundlos,
unbegründet, jeder Grundlage entbehrend: -e Verdächtigungen. 2.
nicht gegenständlich; abstrakt: -e Kunst; g. malen, dazu:
-losigkeit, die; -; -satz, der: svw. f Subjektsatz; -weite,
die (Fot.): Abstand zwischen dem Aufnahmegegenstatui u.
der Blendenöffnung der Kamera.
gegenüber [ge:gn'ly.be]: I. <Präp. mit Dativ) I. räumlich;
bezeichnet eine frontal entgegengesetzte Lage: g. dem
Rathaus/(auch:) dem Rathaus g. steht die Kirche. 2.
bezeichnet die Beziehung zu einer Person od. Sache; zu,
in bezug auf: er ist ihr g. besonders höflich; mir g. wagt
er das nicht zu sagen; er ist g. allen Reformen/allen
Reformen g. sehr zurückhaltend. 3. bezeichnet einen Vergleich;
im Vergleich zu: er ist dir g. eindeutig im Vorteil; g. dem
vergangenen Jahr verdient er mehr. II. <Adv.) auf der
entgegengesetzten Seite: Mannheim liegt g. von
Ludwigshafen; seine Eltern wohnen schräg g. (etwas weiter links
od. rechts auf der anderen Straßenseite): Gegenüber [-1,
das; -s, - <P1. selten) [nach frz. vis-a-vis gebildet): 1. Person.
969
gegenüber-, Gegenüber -
die jmdm. gegenübersitzt od. -steht: mein G. bei Tisch
war äußerst gesprächig; in der Bahn starrte er sein G.
unverwandt an. 2. Bewohner der gegenüberliegenden
Häuserfront: in unserer neuen Wohnung ist eine alte Bekannte
unser G. geworden; Die Vorhänge brauchen sie nicht
zuzuziehen. Hier gibt es kein G. (gegenüberliegende
Häuserfront: Fallada, Mann 39). 3. (geh., selten) Partner: Wenn
einG. des anderen Geschlechts mangelt (Lorenz, Verhalten
I, 226). 4, <o. PI.) das Entgegengesetztsein: das G. von
Theorie und Praxis.
gegenüber-. Gegenüber-: -liegen <st. V.; hat): gegenüber
von jmdm., etw. liegen: die Häuser liegen [einander]
gegenüber; auf der gegenüberliegenden Seite; <g. + sich:) die
Truppen lagen sich lange gegenüber; -sehen, sich <st. V.;
hat): sich / unvermittelt J vor jmdm.. etw. befinden: plötzlich
sah ich mich dem gesuchten Mann gegenüber; Ü wir sehen
uns schwierigen Problemen gegenüber (werden mit ihnen
konfrontiert): -setzen <sw. V.; hat): jmdn.. sich jmdm.
zugewandt setzen: bei Tisch werden wir ihm seine Kusine
g.; möchtest du dich mir g.?; -sitzen <unr. V.; hat): jmdm.
zugewandt sitzen: beim Essen saß sie mir schweigend
gegenüber; -stehen <unr. V.; hat): 1, *)jmdm. zugewandt stehen:
jmdm. Auge in Auge g.; b) <g. + sich) im Widerstreit
stehen: hier stehen sich verschiedene Auflassungen
gegenüber; c) <g. + sich) (Sport) gegen jmdn. spielen: die beiden
Mannschaften standen sich im Endspiel zum erstenmal
gegenüber. 2. a) sich mit etw. auseinandersetzen müssen,
mit etw. konfrontiert werden: großen Schwierigkeiten g.;
b) eine bestinvnte Einstellung zu jmdm., etw. haben: er
steht dem Plan skeptisch gegenüber; seinem Partner mit
Mißtraueng.; -stellen <sw. V.; hat): 1. mit jmdm.
konfrontieren: der Angeklagte wurde dem Zeugen
gegenübergestellt. 2. zum Zweck des Vergleichs nebeneinanderhalten,
in Beziehung bringen: die verschiedenen Fassungen eines
Werkes [einander] g. 3. entgegensetzen: einer Autorität
eine andere g.. dazu: -Stellung, die; -treten <st. V.; ist):
1. vor jmdn. hintreten: er fürchtete sich, ihm nach diesem
Vorfall gegenüberzutreten. 2. gegenüber jmdm.. etw. in
bestimmter Weise auftreten, sich in bestimmter Weise
verhalten: er trat seinen Anklägern entschlossen gegenüber;
seinem Schicksal, einer Gefahr mutig g.
Gegenwart ['ge:gnvart], die; - [2: mhd. gegenwart. ahd. gegin-
wartH: 1. Zeiti punktj zwischen Vergangenheit u. Zukunft:
Zeit, in der man gerade lebt: Jetztzeit: die Dichtung der
G.; die G. genießen; in der G.. nur für die G. leben;
bis in die jüngste G. [hinein] nach-, fortwirken. 2. svw.
t Präsens. 3. Anwesenheit: seine G. ist hier nicht erwünscht;
er sagte es in meinerG. (in meinem Beisein): in G. unserer
Gäste; in G. von Mama; Seine G. wirkte abkühlend auf
die Diskussion (Nossack. Begegnung 65); <Abl.:)
gegenwärtig [ge:gnverti9. --'--] <Adj.; o. Steig.) [mhd. gegen-
wertec, ahd. geginwertig]: 1. <nicht präd.) augenblicklich,
jetzig, derzeitig: die -e politische Lage; unsere Beziehungen
sind g. (jetzt, derzeit, zur Zeit) sehr schlecht. 2.a) <nur
präd.) greifbar nahe, spürbar, vorhanden, da: In der ewigen
Stadt sind alle Geschichtsepochen... g. (Koeppen. Rußland
179); *etw. g. haben (geh.; sich an etw. genau erinnern
können)', imdm. g. sein (erinnerlich sein): sich (Dativ) etw.
g. halten (geh.; etw. bedenken, sich etw. vor Augen halten):
b) <nicht adv.) (veraltend) anwesend, zugegen: die hier
-en Besucher; ich konnte bei der Besprechung nicht g.
sein; <subst.:) die hier Gegenwärtigen (Anwesenden):
<AbI:> Gegenwärtigkeit [auch: --' ], die; - (selten): I.
Anwesenheit: einfach durch die G. einer Person (Frisch.
Stiller 325). 2. Bezug zur Gegenwart: Die ... Geschichte
ist von überwältigender G. (Bamm, Weltlaterne 148). 3.
Geistesgegenwart: besaß ich doch G. und Neugier genug,
umherzuschauen (Th. Mann, Krull 36).
gegenwarts-, Gegenwarts- (Gegenwart 1): -bezogen <Adj>:
auf die Gegettwart bezogen: ein -er Roman, dazu: -bezogen-
heit, die; -fern <Adj.): von der Gegenwart entfernt: seine
Ansichten sind völlig g., dazu: -ferne, die <o. PI.); -film,
der: Film über ein Thema aus der unmittelbaren Gegenwart:
ein dokumentarischer G.; -form, die: svw. T Präsensform;
-frage, die: Frage von allgemeinem gegenwärtigem
Interesse: eine Diskussion über politische -n; -fremd <Adj.):
der Gegenwart fremd gegenüberstehend: ein -er Mensch;
diese Gedanken sind recht g.; -geschehen, das: Geschehen
in der Gegenwart: über das G. diskutieren; -künde, die:
politischer u. gesellschaftlicher Unterricht (an
allgemeinbildenden u. Fachschulen). dazu: -kundlich [...kontli^] <Adj.;
o. Steig.; nur attr.): der -e Unterricht; -literatur, die:
ein bedeutendes Werk derG.; -nahfe) <Adj.>: den
Besonderheiten, dem Denken der Gegenwart entsprechend, damit
im Einklang: zeitnah, aktuell: ein gegenwartsnaher
Dokumentarfilm; g. denken, unterrichten; dazu: -nahe, die;
-Problem, das: vgl. -frage; -roman, der: Roman über ein
Thema aus der unmittelbaren Gegenwart: -schaffen, das:
das G. in Literatur und Kunst; -spräche, die: Sprache
der Gegenwart: die Entwicklung der deutschen G.; -stück,
das: in Walter Flegels „Draufgänger4*, einem G. über junge
Soldaten (Neues Leben 10. 1975. 15).
gegessen [go'gesn]: tessen.
gegiebelt [ga'gi'.bk] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [eigtl. 2.
Part, zu veraltet giebeln = in einen Giebel auslaufen,
zu fGiebel]: mit einem Giebel versehen, in einen Giebel
auslaufend.
Gegirr, das; -s. Gegirre [ga'girta)]. das; -s: /dauerndes]
Girren: das G. der Tauben; Ü ich kann ihr sentimentales
G. nicht mehr hören.
geglichen [ga'glujn]: f gleichen.
geglitten [ga'glitnj: tgleiten.
Geglitzer [gd'glitse], das; -s. Geglitzere [...tsara], das; -s
(ungebr.): ilauenides) Glitzern: das G. der Sterne,
Diamanten.
geglommen [gagbmon]: tglimmen.
Geglucks, das; -es. Gegluckse [ga'gluksto)]. das: -s:
andauerndes! Glucksen: das Geglucks unter dem Boot, wenn
es in den Wellen ... schaukelte (Frisch. Stiller 335).
gegtyckt: T glücken.
Gegner ['ge:gne]. der; -s, - [aus dem Niederd. < mniederd.
gegenere (LÜ von lat. adversärius). zu: gegenen =
entgegenkommen, begegnen; zu t gegen): *)jmd..derdie Meinung
od. Überzeugung eines arideren nicht teilen kann, gegen
jmdn.. etw. eingestellt ist <xi. jmdn.. etw. bekämpft: ein
erbitterter, persönlicher G.; sie sind unversöhnliche G.;
er ist ein entschiedener G. der Todesstrafe; einen
politischen G. ausschalten, mundtot machen; er ist als G. nicht
ernst zu nehmen; b) (Sport) Einzelspieler. -läujer usw. als
Konkurrent: Mannschaft der Gegenpartei (2b): der G. war
Tür uns viel zu stark; zum 36. Male ist die Schweiz (eine
Mannschaft der Schweiz) der G. (Welt 26. 5. 65. 22);
c) feindliches Heer, feindliche Truppen. Feind (2): der G.
greift auf breiter Front an; zum G. überlaufen; Gegnerin,
die; -. -nen: w. Form zu TGegner (a); gegnerisch <Adj.;
o. Steig.; nur attr.): a) den Gegner (a) betreffend, zu ihm
gehörend, von ihm ausgehend: die -en Behauptungen; die
Bekämpfung -er Gruppen; b) (Sport) den Gegner (b)
betreffend, zu ihm gehörend, von ihm ausgehend: -e Mannschaft;
den -en Angriff abwehren; c) den Gegner (c) betreffend,
zu ihm gehörend, von ihm ausgehend: vor allem muß die
-e Front in Flandern durchbrochen ... werden (Remarque.
Westen 121); Gegnerschaft, die; -, -en: 1. <P1. selten)
gegnerische Einstellung. Haltung. Gesinnung: er bekundet offen
seine G. gegen unser Vorhaben; zwischen ihnen bestand
eine erbitterte G.; Die Erde schafft Rangunterschiede und
-en (Molo. Frieden 154). 2. <o. PI.) (selten) Gesamtheit
der Gegner: er gehört zu unserer G.
gegolten [gdgDltn]: fgelten.
gegoren [gdgo:ren]: t gären.
gegossen [go'gosn]: f gießen.
gegriffen [ga'gnfn]: t greifen.
Gegrinse [ga'gnnza], das; -s (abwertend): /dauerndes/
Grinsen: hör endlich mit dem G. auf!
Gegröl, das; -[eis. Gegröle (ga'graKlto)]. das; -s (ugs.
abwertend): / dauerndes] Grölen: das Gegröle eines Betrunkenen.
Gegrübel [gdgry.bj], das; -s.Gegrübele [...tob], das; -s
(ungebr.) (abwertend): 'dauerndes] Grübeln: dein ständiges
G. fuhrt zu nichts.
gegründet: tgründen; Abk.: gegr.
Gegnmz, das; -es. Gegrunze [ga'gruntsta)], das; -s
(abwertend): [dauerndes; Grunzen: das G. der Schweine.
gegürtet: t gürten.
geh-,Geh-: -bahn,die (landsch.): svw. t^weg(2); -behindert
<Adj.; o. Steig.; nicht adv.): durch einen körperlichen
Mangelo. ä. beim Gehen behindert: stark g. sein, dazu:
-behindern«, die; -bewegung, die: Bewegung, wie sie beim Gehen
gemacht wird: -en machen; -fähig <Adj.; o. Steig.; nicht
adv.): die Patientin ist gesund, aber noch nicht g.( dazu:
-fähigkeit, die <o. PI.); -falte, die: I. (Mode) Falte in
970
geharnischt
einem engen Damenrock, die beim Gehen aufspringt u.
dadurch größere Schritte ermöglicht. 2. durch das Gehen
entstandene Falte in Schuhen: im ... von -n zerklüfteten
Schuhzeug (Grass, Hundejahre 87); -fehler» der: körperlicher
Mangel, der das Gehen erschwert: einen G. haben;
-gips, der: vgl. -verband: einen G. haben; -pause, die
(Leichtathletik): Pause beim Lauftraining, in der gegangen
wird: -pelz, der (Mode veraltend): pelzgefütterter
Herrenmantel mit Pelzkragen: -rock, der [wohl Kurzf.
von Ausgehrock] (Mode veraltend): dunkler, knielanger,
zweireihig geknöpfter Männerrock mit vorn übereinander-
greifenden Schößen: -steig, der: erhöhter Gehweg neben
der Fahrbahn: Bürgersteig: -strecke, die (Leichtathletik):
Gesamtlänge der Strecke bei einem Gehwettbewerb: die
-n bei Meisterschaften sind 20 km und 50 km; -verband.
der: stützender / Gipsj verband für die Beine u. Füße, der
nach Knochenbrüchen o. ä. angelegt wird, um einfrülizeitiges
Gehen zu ermöglichen: -versuch« der <meist Pl.>: das kleine
Kind macht gerade seine ersten -e; Ü Die ersten
künstlerischen -e ... waren zwei Idyllen (Th. Mann. Zauberberg,
Einführung VII); -weg, der: 1. svw. t-steig. 2. Weg für
Fu/Jgänger. Fußweg: den G. zwischen den Feldern
benutzen; -weise, die: Art u. Weise, wie jtnd. geht: -werk, das:
a) der zeitbestimmende Teil des Uhrwerks: b) svw. t
-Werkzeuge; -Werkzeuge <P1.> (ugs. scherzh.): Beine: Auch die
Bekleidung seinerG. war... wieder in Ordnung (Schröder,
Wanderer 58); -Wettbewerb, der (Sport): Wettbewerb im
Gehen (2); -zeit, die: Zeit, in der eine bestimmte Entfernung
zurückgelegt wird: Im Gebirge sind die -en vom Tal ...
zu bestimmten Punkten oder Gipfeln festgelegt (Eiden-
schink, Fels 32).
Gehabe [ga'ha.ba], das; -s [mhd. gehabe]: 1. (abwertend)
geziertes, unnatürliches Benehmen. Getue: Denn er fing
an. unter... großem G. seinen Bock zu häuten (Th. Mann.
Joseph 212). 2. (selten) svw. tGehaben (1); gehaben, sich
<sw. V.; hat) [mhd. gehaben, ahd. gihaben = halten;
sich befinden; haben, refl.: sich benehmen, sich befinden]:
1. in den Verbindungen gehab dich wohl!, gehabt euch
wohl!, gehaben Sie sich wohl! (veraltet, noch scherzh.; leb
wohl!lebt wohl!leben Sie wohl!). 2. (Osten*., sonst veraltend)
sich benehmen: daß man sich nicht mit einundzwanzig
Jahren wie ein Kind g. dürfe (Musil. Mann 555); <subst.:>
Gehaben, das; -s: 1. Betragen. Gebaren. Verhalten: Plötzlich
... fiel mir das bedrückte G. des Burschen auf (Broch.
Versucher 23). 2. (selten) svw. TGehabe (1): Sein G.. seine
... schwadronierende Redeweise ärgerte, reizte (Th. Mann.
Hoheit 79); gehabt: 1) f haben. 2. <Adj.; o. Steig.; nicht
präd.) (ugs.) schon /einmal! dagewesen: Terrorismus nach
-em Muster (Spiegel 11, 1975, 9); wie g. (wie bisher leider
üblich) mußten wir wieder stundenlang warten.
Gehackte [gahakta]. das; -n: svw. fHackfleisch: ein halbes
Pfund -es; eine Füllung mit -m.
Gehader [go'ha:dp]. das; -s (geh. abwertend): dauerndes
Hadern: das ewige G. mit dem Schicksal bringt uns nicht
weiter.
1Gehalt [gd'halt]. der; -[e]s. -e [mhd. gehalt = Gewahrsam;
innerer Wert, zu: gehalten = festhalten, gefangennehmen;
[auflbewahren. zu I halten]: 1. gedanklicher Inhalt: geistiger,
ideeller Wert: der religiöse, politische G. eines Werkes;
G. und Gestalt einer Dichtung; den vollen G. einer Lehre.
Dichtung erfassen. 2. Anteil eines bestimmten Stoffes in
einer Mischung od. in einem anderen Stoff: der G. dieses
Erzes an Metall ist gering; dieser Schnaps hat einen hohen
G. an Alkohol; diese Nahrungsmittel haben wenig G.
(wenig Nährstoffe): Ü etw. auf seinen G. an Wahrheit
prüfen; ^Gehalt 1-1. das. österr.: der. -[e]s. Gehälter [ga'helte;
eigtl. = Summe, für die man jmdn. in Diensten hält od.
unterhält; t'Gehalt]: regelmäßige {momtliche} Bezahlung
der Beamten u. Angestellten: ein hohes, festes, sicheres
G.; die Gehälter werden erhöht, angehoben; wie hoch
ist Ihr G.?; jmdm. sein Gehalt auszahlen, überweisen;
er hat/bezieht 2800 DM G./ein G. von 2800 DM; mit
seinem G. nicht auskommen; von seinem G. schlecht leben
können.
geholt-. Geholt- ('Gehalt): ^arm <Adj.; nicht adv.>: arm
an ^Gehalt (2). an Substanz: ein -es Essen; ^los <Adj.;
-er. -este; nicht adv.>: ohne xGehalt (2). Substanz: eine
-e Kost; Ü ein -es (inltalt loses, wertloses, oberflächliches,
nichtssagendes) Werk, dazu: -tosigkeit. die; -; Mnaßig
<Adj.;o. Steig.): den lGehalt betreffend: ^ reich <Adj.; nicht
adv.): svw. T ^voll; ^voll <Adj.; nicht adv.>: reich an xGehalt
(2), an Substanz: -e (hochwertige, nafirhafte) Speisen; Ü
ein -er (inhaltsreicher) Brief; dieses Buch ist besonders
g. (wertvoll vom gedanklichen Inhalt her).
gehalten [gd'haltn] <Adj.> [1: eigtl. 2. Part, von veraltet
halten = zu etw. anhalten; 2: eigtl. 2. Part, von veraltet
sich halten = sich zurückhalten]: I. in der Verbindung
zu etw. g. sein (geh.; (ein bestimmtes Verhalten) auferlegt
bekommen haben, dazu verpflichtet sein): Dazu ist sie schon
von Gesetzes wegen g. (Bundestag 188, 1968, 1055); wir
sind g., Stillschweigen zu bewahren. 2. (geh.. veraltend)
maßvoll, gemessen, beherrscht: -es Auftreten; sein
dunkelblauer Flanellanzug ... zeigte guten, g. modischen Schnitt
(Th. Mann. Zauberberg 517); Gelsenberg und Deutsche
Erdöl lagen dagegen g. (Welt 19. 8. 65, 12); g. sprechen;
<Abl. zu 2:> Geh^ltenheit. die; -; geholt lieh <Adj.; o. Steig.;
nicht präd.) (ugs.): das 2Gehalt betreffend: eine -e
Aufbesserung; g. ist er jetzt sehr zufrieden.
Gehqlts- (behalt): -abrechnung, die: 1. Abrechnung über
das Gehalt: seine G. bekommen. 2. Abteilung eines
Betriebes, in der die Gehaltsabrechnungen (1) erstellt werden:
in der G. arbeiten; ^abzug, der: Abzug einer bestimmten
Summe vom Gehalt: einen G. in Kauf nehmen müssen;
^ansprach, der: I. Recht auf Gehalt: als Angestellter hat
er nun auch G. 2. (meist PI.) Forderung nach einem be-
sthnmten Gehalt: auf Grund der neuen Bestimmungen kann
er höhere Gehaltsansprüche geltend machen; -aroveisung.
die: 1. Anordnung zur Überweisung des Gehalts: die G.
ist noch nicht erfolgt. 2- Schriftstück, mit dem die
Überweisung des Gehalts veranlaßt wird: eineG. ausstellen; -aufbes-
serung. die; -auszahhing. die; - besehe inigung, die: sich
vom Arbeitgeber eine G. ausstellen lassen; ^empfänger.
der: jmd.. der Gehalt bezieht: er ist jetzt G.; -erhöhung.
die; -forderung, die: svw. t^anspruch (2); ^konto. das:
Konto, auf das das Gehalt überwiesen wird: ^kürzung. die;
^nachzahhing, die; -Ordnung, die: Bezüge entsprechend
einer G. empfangen; -pfändung, die: Pfändung eines Teils
des Gehalts zugunsten eines Gläubigers: -streifen, der:
Papierstreifen, auf dem die Gehaltsabrechnum vermerkt ist
u. der dem bar ausbezahlten Gehalt beiliegt: ^stufe. die:
in eine höhere G. vorrücken; ^tarif. der: Tarif der Gehälter:
die Gewerkschaft hat die -e gekündigt, dazu:
-tarifVerhandlung, die. -tarifvertrag, der; -vorrückung, die (österr.):
Gehaltserhöhung für Beamte: -Vorschuß, der; -wünsch, der:
gewünschtes Gehalt: bei einer Bewerbung den G. angeben;
-Zahlung, die; -zutage, die: eine G. in Höhe von monatlich
100 DM bekommen.
Gehämmer [gd'hemg]. das; -s. Gehämmere [...mare]. das;
-s <ungebr.> (gelegtl. abwertend): /dauerndes I Hämmern:
nun fängt das G. schon wieder an!
Gehampel [ga'hampl]. das; -s (ugs. abwertend): /dauerndes!
Hampeln.
gehandikapt: f handikapen.
Gehinge[gd'hcnd], das; -s. - [zu f'hängen da. 2a)]: I. etw.%
was I von oben herab Jhängt: etw. Hängendes: ihre Ohren
hat sie mit glitzernden -n geschmückt (mit Ohrringen,
die beim Tragen herabhängen): Der Schnee ... spannte
... sich in hängenden Girlanden von Zacken zu Zacken.
Aber dann sprang der Sturm wieder auf und zerbrach
das weiße G. (Plievier. Stalingrad 230). 2. Hängelampe
mit mehreren frei herabhängenden Beleuchtungselementen.
3.a) (vulg.) männliche Geschlechtsteile: Sugga kam vor.
griff... in das G und quetschte mit aller Kraft Bergers
Eier gegen die Kellerwand (Degenhardt, Zündschnüre
141); b) (salopp, scherzh.) die weibliche Brust. 4. (Jagdw..
sonst veraltet) Koppel zum Umliängen der Waffeln]. 5.
(Jägerspr.) die herabhängenden Ohren der Jagdhunde. 6.
(Technik) dem Haken eines Krans eingehängte Vorrichtung
zur Aufnatvne von Lasten. 7. (Wasserbau) bei
Flußregulierungen eingesetzte Konstruktion aus hängenden
Reisigbündeln, die die Strömung hemmen u. so die Ablagerung von
Sinkstoffen begünstigen. 8.a) (österr.) Abhang eines Berges:
b) (Bergbau) steil abfallendes Gebirge (3).
gehangen [ga'hananj: t 'hängen; Gehängte [ga'henta]. der u.
die; -n. -n <Dekl. t Abgeordnete) [zu thängen (Sa)]: jmd..
der gehängt wurde.
Gehänsel [gahenzj], das; -s. Gehinsele [...zab]. das; -s <un-
gebr.) (meist abwertend): /dauerndes/ Hänseln: G. der
Gassenjugend (Th. Mann. Hoheit 131).
gehamischt [gaharnilt] <Adj.) [eigtl. 2. Part, des untergegan-
971
gehässig
genen Verbs hämischen = mit einem Harnisch versehen,
zu T Harnisch]: I. a) sich in empörten, scharfen Worten gegen
etw. äußernd u. sich an jmdn. wendend; erbost, aufgebracht,
scharf (anprangernd], energisch: ein -er Protest; ein -er
Brief; g. antworten; b) (ugs. selten) erheblich, gewaltig:
Er ist übrigens Biertrinker, schlürft -e Mengen (Lynen.
Kentaurenfährte 338). 2. <o. Steig.; nicht adv.) einen
Harnisch tragend, gepanzert: ein -er Reiter.
gehässig [gahesi^] <Adj.) [mhd. gehe33ec = hassend,
feindlich gesinnt, zu gleichbed. gehas, zu fHaß] (abwertend):
in bösartiger Weise mißgütxstig. boshaft, gemein: ein -er
Mensch; eine -e Bemerkung; jmdm. in -em Ton antworten;
sei nicht so g.!: g. von jmdm. reden; <Abl.:> Gehässigkeit,
die; -. -en: 1. <o. Pl.> gehässiges Wesen. Verhalten: das
Gehässigsein: etw. aus purer G. tun. 2. gehässige Äußerung,
Bemerkung: jmdm. -en sagen.
Gehaste [ga'haste], das; -s: /dauerndes; Hasten.
gehauen [go'hapan]: t hauen.
Gehäuse [ga'hQyzD]. das; -s. - [spätmhd. geheus. gehiuse
= Hütte. Verschlag, Kollektivbildung zu f Haus]: 1. feste,
schützende Umhüllung um etw.: das G. einer Uhr. eines
Radiogeräts; die Schnecke ist in ihrem G.; Ü Rasch folgten
beide Schweizer... dem Beichtvater zu seinem verlassenen
G. (= Beichtstuhl; Zuckmayer. Fastnachtsbeichte 7). 1
kurz ftir T Kerngehäuse: das G. aus dem Apfel
herausschneiden; Die einzelnen Stücke sind nicht zerkocht, von
gleicher Farbe und Form und frei von Schalen und G.
(DM 5. 1966. 30). 3. (veraltet) Behausung: Hieronymus
im Gehäus (Kupferstich von Dürer). 4. (Sport Jargon)
Tor; Dadurch irritiert, wagte Holz ( = Torhüter) in diesem
kritischen Augenblick nicht, sein G. zu verlassen (Walter.
Spiele 15); im G. stehen; neben das G. schießen.
gehaut [ga'haut] <Adj.) [zu f hauen]: a) (österr. ugs.)
durchtrieben, gerissen, listig, schlau: weil dieser Violette ... sich
durch seine -en Praktiken unter die reinsten Diener der
Kirche eingeschlichen hat (Werfel. Himmel 234); b)
(landsch. salopp) (bes. vom Mann gesagt) auf sexuellem
Gebiet Erfahrung besitzend.
Geheck [ga'hek]. das; -[e]s. -e [zu thecken] (Jägerspr.): I.
(bes. von Fuchs u. Wolf) die Jungen des Haarraubwilds.
2. Brut bei Entenvögeln.
Gehege [ga'he:gd]. das; -s. - [mhd. gehege. gehage. ahd.
gahagi(um) = Umfriedung. Einhegung. Kollektivbildung
zu f Hag]: I. (Jägerspr.) / eingezäuntesI Revier, in dem Wild
weidmännisch betreut u. gejagt wird: das G. mit Rotwild
besetzen; *jmdm. ins G. kommen/geraten (jmdn. in seinen
Plänen o. ä. durch eigenes Handeln stören; eigtl. = in das
umzäunteGebiet eines anderen eindringen). 2. eingezäunter
größerer Bereich innerhalb eines Zoos od. Tierparks, in
dem Tiere gehalten werden: das G. der Affen. Löwen;
ein G. für Bergziegen; die Tiere sind in einem G.; Ü dem
G. seiner Zähne (bildungsspr. scherzh.; seinem Muttd: nach
der von Homer öfter gebrauchten griech. Fügung herkos
odöntön) war eine bissige Bemerkung entschlüpft.
geheim [gd'haim] <AdJ.> [mhd. geheim = heimlich, vertraut,
zu: geheim, geheime = vertrauter Umgang, zu fHeim]:
a) vor anderen, vor der Öffentlichkeit absichtlich verborgen
gehalten; bewußt nicht bekanntgegeben, nicht für andere
bestimmt: -e Kommandosache; eine -e Zusammenkunft;
seine -sten Gedanken. Wünsche; im -en Auftrag; diese
Nachricht bleibt g.; g. abstimmen; -e Wahl (Wahl, bei
der nicht bekannt wird, wie der einzelne Wähler gestimmt
/tat); der -c Vorbehalt (jur.; stillschweigend abweichende
Auslegung od. Umdeutung einer Aussage durch den
Sprecher): *im -en (1. im verborgenen, von anderen unbemerkt,
heimlich: ganz im -en wurde das Fest vorbereitet. 2. im
Innersten, insgeheim: im -en bedauerte er den Vorfall);
b) im Ursprung nicht wahrnetimbar, unsichtbar: -e Kräfte
besitzen; von ihr ging eine -e Anziehungskraft aus.
geheim-. Geheim-: ^abkommen, das; -agent, der: Agent eines
Geheimdienstes; -akte, die <meist Pl.>: der Agent hat -n
fotografiert; ^anspräche, die; -archiv, das: Archiv für
geheime Dokumente o.a.; -auftrag. der: er wurde mit einem
G. ins Ausland geschickt; -befehl, der; -beruht, der: über
etw. einen G. abgeben; -böte, der: atemlose -n
überbrachten furchtbare Bulletins (K. Mann. Wendepunkt 31);
-bulle, der (salopp abwertend): a) Geheimpolizist; b)
Kriminalbeamter; -bund, der: Organisation, die ihre Aufgaben u.
Ziele vor der übrigen Bevölkerung geheimhält: ein religiöser,
politischer G.. dazu: -bündelei [gahalmbYndo'lai]. die; -
(veraltend): Gründung eines Geheimbundes u.lod.
Mitwirkung in einem solchen, ^bündler [-bYntlu], der, -s. -: Mitglied
eines Geheimbundes; Mlienst,der: Organisation zur
Beschaffung (vorliegend) geheimer Informationen militärischer,
politischer, wirtschaftlicher u. wissenschaftlicher Natur aus
anderen Ländern, zur Sabotage!abwehr] u. Spionage [ab-
wehr]: der politische, militärische G.; er arbeitet ftir den
amerikanischen G.. dazu: -dienstier [-di:nstle]. der; -s.
- (ugs.): Angehöriger eines Geheimdienstes, -dienstlich
<Adj.; o. Steig.): den Geheimdienst betreffend, zum
Geheimdienst gehörend: eine -e Tätigkeit; g. tätig sein; -diptomatie,
die: a) Einsatz geheimer diplomatischer Unterhändler neben
der offiziellen Diplomatie; b) Praxis der Geheimhaltung
diplomatischer Kontakte u. Verhandlungen; -dokument.
das; -fach, das: verborgenes Fach (1) in Schreibtischen.
Schränken u.a.: er bewahrt die Dokumente im G. seines
Schreibtischs auf; -favorit, der (bes. Sport): jmd.. der
insgeheim als Favorit gilt; -fonds, der; -gang, der: horizontal
in die Erde gegrabener verborgener xGang (8): die Kinder
haben einen unterirdischen G. entdeckt; -halten <st. V.;
hat): vor anderen, vor der Öffentlichkeit verborgen halten;
nicht bekanntwerden lassen: man hält den Ort der
Verhandlungen streng geheim; die Pläne werden vor ihm sorgfältig
geheimgehalten, dazu: -haltung, die <o. PL): strikte G.:
zur absoluten G. verpflichtet sein, dazu: -hataingspflicht,
die; -Instruktion, die: jmdm. -en erteilen; -kamera, die:
versteckte Kamera: In ihrem Appartement waren -s
eingebaut (Noack. Prozesse 10); -konferenz, die;
geheimgehaltene Konferenz; -konto. das: geheimes Konto: er hat ein
G. bei der Bank; ^kontrolle, die: heimlich durchgeführte
Kontrolle: Es gibt bei manchen Rallyes -n, die den zu
fahrenden Durchschnitt überwachen (Frankenberg.
Fahren 103); -kuft, der: vgl. ^ritus; -kurier, der; -lehre, die:
religiöse od. philosophische Lehre, die nur Eingeweihten
zugänglich u. von diesen geheimzuhalten ist; -material, das:
geheime Unterlagen. Dokumente: G. veröffentlichen;
--mittel, das (früher): Arzneimittel von angeblich phantastischer
Wirkung, dessen Zusammensetzung vom Hersteller (meist
einem Alchimisten) nicht bekanntgegeben wurde: Ü ich
kenne ein G. (nicht allgemein bekanntes Mittel) gegen
Frühjahrsmüdigkeit; ^nummer.die: 1. Telefonnummer, die nicht
im Telefonbuch steht: der Politiker ist zu Hause nur über
eineG. zu erreichen. 2. geheimge/ialtene Nummer von
Bankkonten. Sparbüchern. Schlössern mit Zahlenkombitiationen
o.a.; -Organisation, die; -polizei, die: Polizei, die nicht
der regulären Polizei Verwaltung eingegliedert ist u. auf
Grund besonderer Vollmachten alle staatsfeindlichen
Bestrebungen verfolgt, politische Polizei, dazu: -Polizist, der. ^rat,
der (PL: -rate) [früher als Anrede gebrauchte Kurzf. ver-
schiedenerTitel (z. B. Geheimer Regierungsrat)]: G.
Oldenburg (säuerlich-süß schmeckender, feiner Tafelapfel mit
heller bis goldgelber [rot verwaschener od. rot gestreifter]
Schale), dazu: -ratsedeen <P1.) (ugs. scherzh.): durch
Haarausfall oberhalb der Schläfen entstandene tiefe
Einbuchtungen im Haaransatz bei Männern, -ratskäse, der: goldgelber,
tnattglänzender, milder Schnittkäse mit nur wenigen kleitien
Löchern u. glatter, meist paraffinierter Rinde, -ratstitel,
der, -ratswinkcl <PI.): seltener für l-ratsecken; -rezept,
das: 1. geheime Anleitung zur Herstellung von etw.: das
Heilmittel ist nach einem G. hergestellt; der Koch verrät
sein G. nicht. 2. geheimes Mittel, geheime Methoden: sie
muß ein G. für ihr jugendliches Aussehen haben; -ritus,
der: kultische Handlung u. Übung religiöser Geheimbünde;
-sache, die: geheimgehaltene AngelegenJieit; -schritt, die:
verschlüsselte od. unsichtbar gemachte Schrift, die nur für
Eingeweihte entzifferbar sein soll: eine G. entschlüsseln;
in G. schreiben; -sender, der: illegaler Rundfunksender;
-Sitzung, die: Es ist auf der G. der Partei öffentlich
diskutiert worden (Reinig. Schiffe 90); -spräche, die: künstliche
Sprache, die nur für Eingeweihte verständlich sein soll: die
Kinder hatten sich eine G. ausgedacht; -Strategie, die;
^text. der: verschlüsselter Text (Ggs.: Klartext): einen G.
entschlüsseln; -tinte, die: Tinte, die nach dem Trocknen
keitw Spuren hinter läßt u. nur durch chemische od.
physikalische Mittel sichtbar gemacht werden kann: eine Botschaft
mit einer G. schreiben; ^tip, der: I. jmd.. der unter
Eingeweihten als besotvders aussichtsreich gilt: Der Musikus ...
gilt alsG. der Branche (Hörzu 48.1972. 73). 2. persönlicher,
vertraulicher Tip eines Eingeweihten: Daß der Bart dem
Image nutzt, ist kein G. (Hörzu 8. 1977. 43); von einem
972
gehen
Börsenfachmann einen G. bekommen; ^treppe, die: [in
Schlössern/ meist im Mauerwerk verborgener
Verbindungsweg zwischen Räumen, die auf verschiedenen Stockwerken
liegen; ^tuer f-tu:B). der; -s. -: svw. tGeheimnistuer, dazu:
-tuerei [sahaimturo'rai], die: svw. tGeheimnistuerei, ^tue-
risch [-tu:on/i <AdJ.; o. Steig.): svw. tgeheimnistuerisch.
^tun <unr. V.; hat) (ugs. abwertend): so tun. als habe
man Geheimnisse zu hüten od. etw. zu verbergen: tu doch
nicht so geheim damit, das kann doch jeder wissen!; -tür.
die: verborgene Tür: durch eine G. gelangt man in den
Nebenraum; -Verfügung, die; -Verhandlung, die; -versteck.
das: UnserG. für Schmuggelware (Lentz. Muckefuck 142);
^vertrag, der: Vertrag, dessen Abschluß od. Inhalt geheim
bleiben soll: -waffe. die (Milit.): im geheimen entwickelte
neue Waffe, deren Schlagkraft noch nicht allgemein bekannt
ist. wobei das bloße Wissen um ihr Vorhandensein den Gegner
bereits einschüchtern soll: mit dem Einsatz von -n drohen;
Ü die Firma will jetzt ihre G. gegen den Umsatzrückgang
einsetzen; der HSV setzte in der 2. Halbzeit seinen neu
erworbenen Torjäger als G. ein; -Wissenschaft, die: eine
der Lehren von den geheimen, nicht jedem erkennbaren
Eigenschaften u. Kräften der Natur: -zeichen, das.
Geheime (salopp): I. der; -n, -n: a) Geheimpolizist; b)
Kriminalbeamter. 2. die; -n. -n: nicht kontrollierte Prostituierte.
Geheimnis [gd'haimnis]. das; -ses. -se [erstmals von Martin
Luther (1483-1546) für lat. mysterium gebraucht]: l.a)
etw.. was geheim bleiben soll: ein ängstlich gehütetes G.;
sie haben keine -se voreinander; ein G. lüften; er hat
militärische -se verraten; jmdm. ein G. anvertrauen; ein
G. für sich behalten, mit ins Grab nehmen, preisgeben;
Jmdn. in ein G. einweihen; das ist kein G. mehr (das
ist längst bekannt); er macht kein G. aus seinen Plänen
(er spricht ganz offen darüber); das ist das ganze G. (das
ist alles, was zu dieser Angelegenheit zu sagen ist. hinter
dieser Sache steht; mehr u. Wichtigeres ist nicht dazu zu
sagen). * ein oflenes/(selten:) öffentliches G. (etw.. was
bereits allgemein bekannt ist. aber offiziell noch
geheimgehalten wird; nach dem Titel ..Das öffentliche Geheimnis"
der dt. Bearbeitung des Theaterstücks ..II publice secreto"
[1769 von C.Gozzi]): es ist ein offenes G., daß der
Bundeskanzler zurücktreten will; ein süßes G. haben (fam.; ein
Baby erwarten): b) etw.. was nur Eingeweihten bekannt
ist: jmdn. in die -se des Schachspiels einweihen. 2. etw.
Unerforschtes cxi. nicht Erforschbares: das G. des Lebens,
des Glaubens; die -se der Natur erforschen.
geheimnis-, Geheimnis-: -krämer, der: svw. t-tuer, dazu:
-krämerei. die: svw. t-tuerei; -träger, der (Fachspr.):
jmd.. der dienstlich Einblick in Sachverhalte (bes.
militärischer u. politischer Art) bekommt, die vor der Öffentlichkeit
geheimzuhalten sind; -hier [-tu.B]. der; -s. - (ugs.
abwertend): jmd.. der so tut. als habe er Geheimnisse zu hüten
od. etw. zu verbergen, dazu: -tuerei [-tu:9'rai], die; - (ugs.
abwertend): geheimnisvolles Getue: mit den Einzelheiten
des Festes wird eine große G. getrieben, -tuerisch [-tu^rtf]
<Adj.;o.Steig.Xugs. abwertend): inderArt eines Geheimnis-
tuers: sein -es Verhalten machte sie neugierig; -umwittert.
Mimwoben <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (geh.): von
Geheimnissen, geheimnisvollen Geschichten o. ä. umgehen: ein -es
altes Schloß; -verrat, der (jur.): Verrat militärischer,
amtlicher, beruflicher o.a. Geheimnisse: der Beamte wurde
wegen -s bestraft; ^voll <Adj.>: a) voller Geheimnisse, nicht
zu durchschauen, mysteriös, unerklärlich: eine -e Kraft
scheint von ihr auszugehen; er verschwand auf -e Weise;
die Sache schien ihr sehr g.; ein -er (voller Geheimnisse
u. dadurch unheimlicher) Ort; b) ein Geheimnis andeutend:
ein -es Gesicht machen; sie sprach, tat sehr g.; jmdm.
g. zuzwinkern.
Geheisch [gd'haij], das; -[e]s [zu ? heischen] (veraltet):
Forderung: daß auch Jene sich gestützt hatten auf diese
Geschichte bei Ihrem G. (Th. Mann. Joseph 179).
Geheiß [ga'hais]. das; -es [mhd. geheime), ahd. gahei3(a).
zu t 'heißen (3)] (geh.): Anordnung, mündlicher Befehl: Er
wiederholte zweimal das G. (Buber. Gog 220); meist in
der Verbindung auf imds. G.: er tat es auf G. seines
Vorgesetzten, aufsein G.; auf wessen G. kommst du?: geheißen:
t 'heißen.
gehemmt <AdJ.>: 1. themmen. 2. voller Hemmungen: einen
-en Eindruck machen; der Junge ist vor Fremden g.; er
sprach sehr g.; <Abl. zu 2:> Gehemmtheit, die; -.
gehen [ge:dn] <unr. V.) [mhd.. ahd. gen, gän]: 1. sich in
aufrechter Haltung auf den Füßen schrittweise fortbewegen
<ist>: aufrecht, barfuß, nebeneinander, südwärts g.; am
Stock, auf Zehenspitzen, auf den Händen g.; um die Ecke,
über die Straße, durch die Felder g.; willst du mitfahren
oder lieber g.?; auf und ab. hin und her g.; R wer langsam
geht, kommt auch zum Ziel; * wo jmd. geht u. steht
(immerzu; überall): er trägt diesen Hut. wo er geht und steht;
wie jmd. geht u. steht (so. wie jmd. gerade /angezogen/
ist; sofort): als ich die Nachricht hörte, rannte ich los,
wie ich ging und stand. 2. eine bestimmte Strecke gehend
(1) zurücklegen <ist>: einen Umweg, 5 km g.; der Pfad
war nicht leicht zu g.; ich bin den Weg in einer Stunde
gegangen; er ist ein Stück mit uns gegangen; Ü seine eigenen
Wegeg. (i sich vonjmdtn. lossagen u.J selbständig,
unabhängig handeln, leben); Es heißt sich entschließen, es muß
ein Weg gegangen werden (Döblin, Berlin 20). 3. <g. +
sich) a) sich durch Gehen (1) in einen bestimmten Zustand
versetzen <hat>: ich habe mich müde gegangen; b) durch
Gehen einen Körperteil in einen bestimmten Zustand
versetzen <hat>: ich habe mir die Füße wund gegangen; c) <un-
pers.) in bestimmter Weise zu begehen sein <ist>: auf diesem
Feldweg geht es sich schlecht; es ging sich barfuß angenehm
darauf (Kuby. Sieg 384). 4,a) sich /mit bestinunter Absicht]
irgendwohin begeben <ist>: schwimmen, tanzen, einkaufen
g.; Wachtmeister Dufte ging sich der sonntäglichen Stadt
zeigen (Strittmatter. Wundertäter 335); aufs Feld, auf den
Markt, aufs Standesamt g.; ins Ausland g.: zu/ins Bett
g.; zur/in die Kirche g. (den Gottesdienst besuchen); an
die Luft g. (ins Freie gehen, um sich zu entspannen, zu
erfrischen o.a.); in die Himbeeren g. (ugs.; Himbeeren
pflücken gehen)'. Ü Krenek und Busch gehen vier Wochen
auf Kursus (Kant. Impressum 374); an die Arbeit g. (mit
der Arbeit beginnen): in Deckung g. (Schutz suchen); in
Urlaub. Pension g.; das Manuskript geht in Druck (man
beginnt mit dem Druck); sie gingen mit einigen Hoffnungen
in den Wahlkampf; es geht schon auf. gegen (ist bald)
Mitternacht; er geht auf die 60 (nähert sich seinem
sechzigsten Lebensjahr); *in sich g. (über sein Verhalten [mit
Bedauern] nachdenken, um es zu ändern); b) regelmäßig
besuchen <ist>: in den Kindergarten, auf die Universität
g.; er geht noch zur Schule (er ist noch Schüler); Ü er
ist durch eine harte Schule gegangen (ist sehr streng erzogen
worden; hat es im Leben sehr schwer gehabt); c) in einem
bestimmten Bereich /beruflich/ tätig werden <ist>: der Jurist
geht zur Verwaltung, in den Staatsdienst; in die Industrie.
Politik. Partei g.; ins Kloster g. (Nonne. Mönch werden);
zum Theater, zum Film g. (/ Film/Schauspieler werden);
d) (landsch.) als etw. /zu] arbeiten [beginnen/ <ist>: als
Schaffner g. 5, (ugs.) sich in bestimmter Weise kleiden
(ist): er geht immer gut. schlecht gekleidet; in Schwarz,
in Trauer, in Zivil, in Nationaltracht g.; zum Fasching
als Cowboy. Zigeunerin (in der Kleidung eines Cowboys,
einer Zigeunerin) g. 6. einen Ort verlassen; weggehen <ist>:
ich muß jetzt g.. du kannst ja noch bleiben; er ist wortlos,
grußlos gegangen; gehen wir?; Sie können gehen!; er hat
gekündigt u. will nächsten Monat g. (seinen bisherigen
Arbeitsplatz aufgeben): der Minister mußte g. (wurde zum
Rücktritt gezwungen); der Direktor wurde gegangen (ugs.
scherzh.; entlassen): er ist von uns gegangen (verhüll.;
gestorben); U der Zug geht um 12.22 Uhr (fätirt um 12.22
Uhr ab); der nächste Bus geht (fährt) erst in zwei Stunden;
* jmdn. lieber g. als kommen sehen (keinen Wert aufjmds.
Anwesenheit legen; jtndn. nicht mögen); geh!, gehts (südd..
Osten*.: 1. Ausdruck der Ermunterung: geh. erzähl schon!
2. Ausdruck des Zweifels: gehts. das soll ich glauben?);
geh, gehen Sie/(südd.. österr.:) gehts mir doch mit... (ugs.;
Ausdruck der Ablehnung, des Unwillens): gehen Sie mir
doch mit ihren alten Geschichten!; etw. mit sich g. heißen/
lassen (ugs.; etw. stehlen); vgl. etw. mitgehen lassen,
mitgehen heißen. 7. (ugs.) a) sich an etw. zu schaffen machen
(ist): jemand muß an meinen Schreibtisch gegangen sein,
er ist völlig in Unordnung; einer Frau gleich an die Brust
g.; b) sich unerlaubt von einer Sache etw. nehmen <ist>:
ich habe gemerkt, daß du an mein Geld gegangen bist;
die Kinder sind [mir] an den Kuchen gegangen. 8. (ugs.)
mit jmdm. ein Freundschafts- od. Liebesverhältnis haben
lu. sich oft in der Öffentlichkeit mit ihm zeigen/ <ist>:
er geht schon zwei Jahre mit dem Mädchen; die beiden
sind früher miteinander gegangen. 9. a) in bestimmter Weise
in Bewegung sein <ist>: die Maschine geht (funktioniert;
973
gehenkelt
ist in Betrieb); die Uhr geht nicht mehr (ist
stehengeblieben) ; er erwachte, weil die Klingel, das Telefon ging
(läutete); ihr Mundwerk ging ununterbrochen (ugs.; sie redete
ununterbrochen): es geht (weht) ein kalter Wind; kein
Lüftchen ging; die Tür geht (wird geöffnet; bewegt sich); U
seine Heldentat ging durch alle Zeitungen (wurde in allen
Zeitungen verbreitet); es geht (man erzählt sich) die Sage,
daß...; * einen g. lassen (derb; eine Blähung abgehen lassen);
sich g. lassen (unbeherrscht sein); b) svw. f aufgehen (4):
der Teig muß noch g. 10. a) (auch unpers.) sich machen
lassen; möglich sein <ist>: das geht nicht; Nichts geht mehr,
auch nicht ein Minderheitskabinett (MM 21. 1. 76. 2);
leider geht es nicht anders; soll ich es einpacken, oder
geht es so?; aber das geht doch nicht, daß du dich so
früh verabschiedest!; b) (ugs.) einigermaßen akzeptabel sein,
gerade noch angehen <ist>: die ersten Tage ijn U rlaub gingen
noch, aber dann wurde die Hitze unerträglich; ..Gefällt
es dir?" - ..Es geht [soP (leidlich einigermaßen); der
Mantel muß diesen Winter noch g. (noch getragen werden),
ich kann mir noch keinen neuen kaufen; das geht zu
weit (geht über das vertretbare Maß hinaus); bis etw. nicht
mehr geht (bis zum Überdruß). 11. sich in bestimmter
Weise entwickeln <ist>: es geht (verläuft) alles nach
Wunsch; der Laden, das Geschäft geht gut. überhaupt
nicht; (ugs.:) alles geht drunter und drüber; Ü wie geht
(lautet) die erste Strophe?; Ich möchte Eßkastanien
zubereiten, weiß aber nicht, wie es geht {wie man es macht;
Hörzu 51. 1975. 101); *vor sich g. (gerade stattfinden;
geschehen): es sind Veränderungen vor sich gegangen
(eingetreten); was geht hier vor sich? (was ist hier los?); Und
wie geht das mit der Entspannung vor sich? (Dönhoff.
Ära 141). 12. absetzbar, verkäuflich sein: der Artikel geht
bei uns sehr schlecht; das Produkt geht überall. 13. a)
in etw. Raum finden: in das Gefäß geht nur ein Liter,
der Schrank geht (paßt) nicht durch die Tür. in das
Zimmer: b) (von Zahlen. Maßen) in etw. enthalten sein <ist>:
wie oft geht 2 in 10?; von diesen Äpfeln gehen vier auf
ein Pfund; c) in etw. aufgefeilt werden <ist): die Erbschaft
geht in fünf gleiche Teile. 14. a) sich bis zu einem bestimmten
Punkt erstrecken, ausdehnen <ist>: der Rocksaum geht bis
zu den Knien; das Wasser ging mir bis an den Hals;
die Summe geht in die Hunderte; Ü seine Sparsamkeit
geht bis zum Geiz; seine Auffassung. Absicht geht dahin,
daß ...; das geht über (übersteigt) seine Kräfte, seinen
Horizont; seine Familie geht ihm über alles (ist ihm am
meisten wert): es geht mir nichts über (nichts ist besser
als) ein gutes Glas Wein; einige Studenten gingen sogar
so weit, mit ihren Kollegheften nach Weber ... zu werfen
(Niekisch. Leben 60); b) eine bestimmte Richtung haben,
einschlagen; in einer bestimmten Richtung verlaufen: die
Straße geht durch den Wald; der Weg geht erst geradeaus,
dann links; wohin geht die Reise?; c) auf etw., jmdn.
abzielen, gerichtet sein: der Blick geht auf den Altar; das Fenster
geht auf den Hof. nach der Straße; der Regen geht (dringt)
durch die Schuhe; (Sport:) der Ball ging ins Tor; Ü diese
Bemerkung geht gegen dich; das geht gegen meine
Prinzipien; die Rechnung geht auf mich (ugs.; bezahle ich)', diese
Musik geht ins Ohr (spricht besonders an); der Rhythmus
geht in die Beine; das geht mir ans Gemüt (trifft, bewegt
mich); die Farbe geht (spielt) ins Blau; d) sich nach jmdm.,
etw. richten; jmdn., etw. als Maßstab mehmen <ist>: er
geht nur nach dem Äußeren; danach kann man nicht
g.; es kann nicht immer alles nach dir g. (es kann sich
nicht immer alles nach deinem Willen richten). 15. <unpers.>
a) sich in einer bestimmten Verfassung befinden <ist>: wie
geht es dir?; (ugs.:) wie geht's, wie steht's?; gesundheitlich
ging es mir sehr wechselnd; Ü wie geht (steht) es mit
deinem Prozeß?; b) sich um etw. handeln <ist>: worum
geht es hier?; es geht mir darum, ihn zu überzeugen (ich
möchte erreichen, daß er sich überzeugen läßt); Von Goethe
dies Gedicht, wo's um die bunten Glasfenster geht (Kem-
powski. Immer 83); Es scheint, daß es im Grunde nicht
nur um ideologische Differenzen geht, sondern auch um
machtpolitische (Dönhoff. Ära 229); <subst.:> Gehen [-].
das; -s: 1. das Gehen (1). 2. (Leichtathletik) sportlicher
Wettbewerb, bei dem immer jeweils ein Fuß des Teilnehmers
mit dem Boden in Berührung sein muß, wobei der nach
vorn schwingende Fuß mit der Ferse aufsetzt, bevor der
hintere Fuß vom Boden abgehoben wird.
gehenkelt [go'hEnkU] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [zu t
Henkel]: mit einem oii. zwei Henkeln versehen: eine Menge
Scherben und Gefäße, -er und ungehenkelter Krüge
(Fussenegger. Haus 16).
Gehenkte [gd'heqktd]. der u. die; -n. -n <Dekl. t
Abgeordnete) [zu t henken]: jmd., der durch 2Hängen (5 a) hingerichtet
wurde: im Lichtkegel der Gaslaternen von Wien ... baumelt
der Puppenkopf des -n (Fischer, Wohnungen 81).
gehenlassen <st. V.; hat): 1. (ugs.) a) in Ruhe lassen: du
sollst den Jungen g.; laß den Hund gehen!; b) loslassen;
er ließ das Seil plötzlich gehen. 2. <g. + sich) sich nicht
beherrschen, sich keine Selbstdisziplin auferlegen: du hast
dich gestern abend ziemlich gehenlassen/(seltenen)
gehengelassen.
Gehenna [ge'hena], die; - [(kirchen)lat. gehenna < griech.
geenna < hebr. ge(v^n)hinnom. eigtl. = Tal (des Sohnes)
Hinnoms (weil dort erst dem Moloch Menschenopfer
dargebracht, später Schutt und Müll abgeladen wurden)]:
späüüd.-neutest. Bez. für Hölle.
Geher ['ge:e]. der; -s. -: l.a) (Leichtatheltik) Teilnehmer
an Wettbewerben im Gehen (2); b) im Gehen am Berg erfalire-
ner Bergsteiger: Im Aufstieg übernimmt der beste und
erfahrenste G. die Führung (Eidenschink. Fels 50). 2. <P1.)
(Jugendspr.) Füße, Beine; <Zus. zu 1 a:> Gehermeister, der:
Nagler.der 1924einmal norddeutschere über 50
Kilometer geworden war (MM 6. 5. 75. 13).
Gehetz, das; -es. Gehetze [gdhetste)]. das; -s (ugs.
abwertend): 1. dauerndes] Hetzen (2) od. Gehetztwerden,
übermäßige Eile: dieses pausenlose G. von einem Ort zum
andern! 2. dauerndes] Hetzen (3). Aufwiegeln: sein G.
gegen die Kollegen.
geheuer-tga'hDyrl <Adj.) [mhd. gehiure = lieblich: nichts
Unheimliches art sich habend, zu ahd. hiuri = freundlich,
lieblich, eigtl. = zum Hauswesen, zur Hausgemeinschaft
gehörend] in der Verbindung nicht [ganz] g. (1. unheimlich:
der dunkle Wald >var mir nicht ganz g.; an der alten
Ruine soll es nichi^anz g. sein soll es spukenJ. 2.
unbehaglich, nicht ganz wohl: ganz g. ist mir nicht bei unserem
Vorhaben. 3. verdächtig: irgend etwas kommt mir an dieser
Sache nicht g. vor; (selten atlr.:) daß er in nicht -en
Fußstapfen ging. ... ist unabweisbar [Th. Mann. Joseph
193]).
Geheul [gahoyl]. das: -[e]s: I. /dauerndes] Heulen (1): das
G. der Wölfe. 2. auch: Geheule [ga'hgyb]. das; -s (ugs.
abwertend): dauerndes! Weinen, Heulen (2): ich kann
dein GeheuKe] nicht mehr hören.
Gehilfe [gahilfa]. der; -n. -n [mhd. gehelfe, ahd. gehelfo.
zu t Hilfe]: \.jmd., der nach beendeter Lehrzeit die
Gehilfenprüfung bestanden hat: er ist G. in wirtschafts- und
steuerberatenden Berufen. 2. (geh.. veraltend) jmd, der einem
anderen bei der Arbeit hilft: Helfer: sein Bruder war ihm beim
Bau des Hauses ein guter G. 3. (jur.) jnul., der zu einer
Straftat Beihilfe leistet; Komplize; <Zus. zu 1:> Gehjlfen-
brief. der: Zeugnis über die bestandene Gehilfenprüfung,
Gehjtfenprüfung, die: in bestimmten Berufen die Lehrzeit
abschließende Prüfung vor einer Industrie- u.
Handelskammer; <Abl. zu 3:) Gehjlfenschaft, die; - (Schweiz, jur.):
svw. t Beihilfe (2); Gehilfin, die; -. -nen: w. Form zu
tGehilfe.
Gehirn [ga'him]. das; -[e]s. -e [Kollektivbildung zu t Hirn]:
1. der im Schädel gelegene Teil des Zentralnervensystems
des Menschen w, der Wirbeltiere, weiche, weißliche Masse
im Innern des Schädels als Zentrum für Assoziationen,
Instinkte. Gedächtnis u. Lernen, beim Menschen auch Sitz
des Bewußtseins: der Bau des menschlichen -s; Acht
Minuten nach Stillstand der Durchblutung ist dasG. irreparabel
geschädigt (Medizin II. 228): sein G. spritzte gegen die
Grabenwand; einen Tumor im G. haben. 2. (ugs.) Verstand:
seinG. arbeitet präzise, schnell, unschlagbar (Noack.
Prozesse 108); sein G. anstrengen; ich zermartere mir das
G. (denke sehr angestrengt mch); Ich bin mir wohl bewußt,
daß der Krieg die -e vernebelt (die Menschen nicht mehr
klar denken läßt) und die Sinne trübt (Hagelstange.
Spielball 50). 3. (landsch.) svw. tHirn (I b).
Gehirn- (vgl. auch: hirn-. Hirn-): -akrobat. der (ugs.
scherzh.): Intellektueller, dazu: -akrobatik, die (ugs.
scherzh.): a) übennäßige geistige Anstrengung: ohne G.
ist dieser Satz, dieses Buch nicht zu verstehen; b)
komplizierte Denkweise, verschlungener Gedankengang: dieser G.
kann ich nicht ganz folgen; -anhang. der. -anhangsdrüse,
die (Med.): svw. tHypophyse; -bkitung. die (Med.): Blu-
974
gehörig
tung innerhalb des Gehirns; ^bruch, der (Med.):
Hervortreten von Gehirnteilchen durch Lücken des Schädels; Miiirur-
gie, die: Zweig der Chirurgie, der sich mit operativen
Eingriffen in das Gehirn befaßt; ^entzündung, die (Med.): svw.
TEnzephalitis; -erschüttern!«, die (Med.): Verletzung des
Gehirns als Folge starker Erschütterung des Schädels; -*er-
weichung, die (Med): Erweichung von Gehirnteilen infolge
mangelnder Durchblutung; -Funktion, die; -geschwulst, die:
svw. T Hirntumor; -haut,die: svw. f Hirnhaut, dazu: -haut-
entoindung, die: svw. t Hirnhautentzündung: Dann wurde
auch noch ein Zwilling krank, G. (Kirsch. Pantherfrau
106); -kästen, der (salopp scherzh.): Verstand: streng
gefälligst deinen G. ein bißchen an!; -k rankheit, die: -mantel,
der (Med.): svw. t Großhirnrinde; -masse, die: svw. f
-Substanz; -Operation, die; -Quetschung, die (Med.): schwere,
bleibende Schädigung des Gehirns als Folge einer Quetschung
des Schädels; -rinde, die: svw. THirnrinde; -sand, der
(Med.): Ablagerung von Kalk o.a. in den verschiedenen
Teilen des Gehirns u. der, Zirbeldrüse, dazu: -sandge-
schmilst, die; -Schädigung, die; -Schenkel, der: svw. f
Hirnschenkel; -schlag, der (Med.): örtliche
Durchblutungsstörung des Gehirns, durch die plötzlich Funk- *
tionen des Gehirns ausjällen u. Lähmungen od.
Bewußtseinsstörungen auftreten; Apoplexie (1); -schmalz,
das (salopp scherzh.): / Aufwand anJ Verstandeskraft: die
Lösung des Rätsels hat mich allerhand G. gekostet;
-Schwund, der (Med.): meist altersbedingte Schrumpfung
der Gehirnsubstanz; -stamm, der: Linsenkern. Schweifkern.
Sehhügelregion. Hirnschenkel. Brücke (8) //. verlängertes
Mark als Teile des Großhirns; -Substanz, die: Substanz,
aus der das Gehirn besteht; die graue, weiße G.; -tätigkeit,
die <o. PL>; -trust, der: svw. TBrain-Trust; -tumor, der:
svw. t Hirntumor; -Ventrikel, der (Med.): einzelne Kammer
des Gehirns; -Verletzung, die; --wasche, die [LÜ von engl.-
amerik. brainwashing. nach chin. hsi-nao, wörtlich =
waschen Gehirn]: Versuch der gewaltsamen Veränderung der
Urteilskraft u. der / politischen i Einstellung eines Menschen
durch starken physischen u. psychischen Druck: die
Kriegsgefangenen wurden einer G. unterzogen; -windung, die:
svw. t Hirnwindung; -zelle, die: Nervenzelle des Gehirns.
gehjrnlich <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: das Gehirn betreffend:
die Janusköpfigkeit unseres -en Geschehens (MM 28. 3.
72. 3).
gehl [ge:l] <Adj.> [tgelb] (landsch.): svw. tgelb; Gehlchen
['ge:l<^n], das; -s. - [eigtl. = Gelbchen] (landsch.):
Pfifferling.
gehoben [ga'ho:bn]: 1.1 heben. 2. <Adj.) a) / sozial!
höherstehend: eine -e Position bekleiden: er ist Beamter des -en
Dienstes; b) anspruchsvoll: Kleidung für den -en
Geschmack; Artikel des -en Bedarfs (Luxusartikel): c)
gewählt: eine -e Ausdrucksweise; d) feierlich, sich über das
Alltägliche erhebend: ein -er Augenblick: sich in -er (froher,
heiterer, gelöster) Stimmung befinden; <Abl.:>
Gehobenheit, die; -.
Gehöft [gdho:ft. auch: gahoeft]. das: -[e]s, -e [aus dem Nie-
derd., Kollektivbildung zu tHofl: landwirtschaftliches
Anwesen mit den dazugehörenden Wohn- u.
Wirtschaftsgebäuden: ein einsames G; das G. lag auf einem kleinen Hügel;
Noch sah er Wiesen, -e von oben. Kiefernwald mil Straßen
(Frisch. Gantenbein 386).
geholfen [gd'halfn]: t helfen.
Geholper [gd'holpt?]. das; -s. Geholpere [...pare], das; -s <un-
gebr.> (ugs.): dauerndesj Holpern: das G. des Wagens
auf dem Feldweg.
Gehölz, das; -es. Geholze [ga'hal&fo)]. das: -s [zu t holzen]
(bes. Fußball Jargon): übertrieben hartes, unfaires Spiel:
das G. auf dem Platz quittierten die Zuschauer mit
anhaltenden Pfiffen.
Gehölz [gahoeltß], das; -es. -e [I: mhd. gehülze.
Kollektivbildung zu t Holz]: 1. kleiner, inmitten von Feld- od.
Wiesenfluren gelegener Bestami aus niedrigen Bäumen: die Kinder
durchstreiften das G. 2, <P1.> Pflanzen, deren Stamm u.
Aste verholzen. Holzgewächse: laubtragende -e.
Gehoppel [gahapl], das; -s. Gehoppele [...ata], das; -s <un-
gebr.): /dauerndes] Hoppeln: das G. des Kaninchens.
Gehops, das; -es, Gehopse [ga*hopste)], das; -s (ugs.
abwertend): (dauerndes] Hopsen: das ständige G. der Kinder.
Gehör [ga'ho:?], das; -[e]s [mhd. gehocrtd)e = das Hören;
Gehörsinn < ahd. gehörida]: Fähigkeit zu hören.
Schallwellen wahrzunehmen: ein feines, empfindliches G.; das G.
verlieren; nach dem G. (ohne Noten) singen, spielen; ein
G. für Musik haben; absolutes G. (Musik; Fähigkeit, die
Höhe eines Tons ohne Vergleich festzustellen)', rechtliches
G. (jur.; Anhörung vor Gericht): *[kein] G. finden (mit
seinem Anliegen /nicht] angehört werden): seine Bitten
fanden bei ihr kein G.; jmdm., einer Sache [kein] G. schenken
(jmdn.. etw. Inicht/ anhören; aufjmdn.. etw. /nicht/
eingehen): er schenkte ihm. den Werbesendungen, den Bitten
kein G.; sich <Dativ> G. verschaffen (dafür sorgen, daß
man angehört wird); um G. bitten (darum bitten, angehört
zu werden); zu G. bringen (geh.; [in künstlerischer Weise/
vortragen): ein Lied. Gedicht zu G. bringen; zu G. kommen
(geh.: in künstlerischer Weise/ vorgetragen werden): ein
Lied. Gedicht kommt nun zu G.; jmdm. zu G. kommen
(von jmdm. gehört werden, etw. erfahren): diese Geschichte
ist mir erst jetzt zu G. gekommen.
gehör-. Gehör-: -biWung, die (Musik): Schulung des
musikalischen Gehörs; -fehler, der: körperlicher Mangel, der das
Hören erschwert; ^gang, der (Med.): Verbindungsgang im
äußeren Ohr zwischen Ohrmuschel u. Trommelfell;
-gebrechliche, der u. die; -n, -n <Dekl. tAbgeordnete)
(Schweiz.): svw. tSchwerhörige; -geschädigt <Adj.; o.
Steig.: nicht adv.): das Kind ist g.; -knöchelchen (PI.)
(Med.): die drei im Mittelohr liegenden Knöchelchen
(Hammer. Amboß u. Steigbügel), die die vom Trommelfell auf
genommenen Schallwellen weiterleiten; ^los <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.>: ohne Gehör ein -es Kind; <subst.:> -lose,
der u. die; -n. -n <Dekl. t Abgeordnete): eine Schule für
G.. dazu: -losenschule, die. -losigkeit, die; -; -nerv, der
<o. PI.) (Med.): Nerv, der die Gehörreize ins Gehirn
weiterleitet; -organ* das: dem Gehör dienendes Sinnesorgan; ^reiz.
der: auf das Gehör einwirkender Reiz: -e aufnehmen,
verarbeiten; -sinn, der <o. PL): svw. tGehör.
gehorchen [gahDr^] <sw. V.; hat) [mhd. gehorchen, eigtl.
= zuhören, zu thorchen]: I. das tun. was eine Person,
von der jmd. abhängig ist. bestimmt od. befiehlt: er muß
g. lernen; jmdm. blind g.: die Kinder. Soldaten gehorchten;
der Hund gehorcht mir aufs Wort (befolgt meinen Befehl
sofort): Wir gehorchten gegen die andersartige
Einschätzung der Lage (Plievier. Stalingrad 220). 1. jmdm.. einer
Sache folgen; sich von jmdm.. von etw. leiten lassen: seine
Zunge. Stimme gehorchte ihm nicht ganz; das Schiff
gehorcht der leisesten Drehung des Steuers; das Auto
gehorcht mir; einer Laune gehorchend, ging sie noch aus;
Die Variabilität der domestizierten Formen gehorcht
eigenen Gesetzen (Lorenz, Verhalten I. 130).
Gehöre Uph0.ro] <PI.) [zu tGehör] (Jägerspr.): Ohren des
Raubwildes u. des Murmeltiers.
gehören [ga'h0:ran] <sw. V.; hat) [mhd. geheeren. vgl. asachs.
gihörian. eigtl. = (worauf) hören, anhören; gehorchen,
zu t hören]: X.jmds. Besitz, jmds. Eigentum sein: das Buch
gehört mir; Ü dir will ich g. (dichter.; in Liebe verbunden
sein): ihr Herz gehört einem andern (geh.; sie liebt einen
andern)', dieser Tag gehört der Familie (wird der Familie
gewidmet). 2. Glied od. Teil eines Ganzen sein, zu etw.
zählen: er gehört schon ganz zu unserer Familie; dieser
Wein gehört zur Spitzenklasse. 3. an einer bestimmten
Stelle passend, am Platze sein: das Fahrrad gehört nicht
in die Wohnung; das gehört nicht hierher; Diese ...
Menschen gehörten nicht in die vorderste Frontlinie (Plievier.
Stalingrad 14); die Kinder gehören um sieben Uhr ins
Bett (sollten um sieben Uhr im Bett sein). 4. für etw.
erforderlich, nötig sein. Voraussetzung sein: es gehört viel
Mut dazu, diese Aufgabe zu übernehmen; dazu gehört
nicht viel (sind keine besonderen Eigenschaften od.
Fähigkeiten erforderlich). 5. <g. + sich) den Regeln des Anstands.
den Normen der Sittlichkeit entsprechen, sich schicken: das
gehört sich nicht [für dich]!; es gehört sich. Älteren den
Sitzplatz zu überlassen; benimm dich, wie es sich gehört!
6. (landsch., bes. südd.) für jmdn. angebracht sein. jmdm.
gebüixren (1): ihm gehört eine Ohrfeige; Sie gehört in eine
Kur (M. Walser. Eiche 103); der gehört eingesperrt! (ugs.;
man sollte ihn einsperren)', gehörig [gs'ho:!*^] <Adj.) [mhd.
gehoerec.ahd. gahörig = gehorchend, folgsam]: l.a) (nicht
präd.; seltener adv.) so. wie es /jmdm.. einer Sache]
angemessen ist; gebührend, geziemend: jmdm. den -en Respekt
erweisen; den -en Platz finden; du mußt den -en Abstand
wahren; er hat sich nicht g. (in der angemessenen Form)
entschuldigt, benommen; wir... ruhten uns bis zum Mittag
g. (gründlich) aus(Leip,Klabauterflagge 16); Joseph hatte
975
Gehörn
... den Wein in Flaschen abzuziehen und dann dieselben
g. (ordnungsgemäß) mit Korken zu verschließen (R.
Walser. Gehülfe 137); b) (ugs.) <nicht präd.) (in Ausmali.
Menge o.a.) nicht gering, beträchtlich: eine -e (tüchtige)
Tracht Prügel; eine -e (große) Portion essen; jmdm. einen
-en (heftigen, nicht geringen) Schrecken einjagen; er hat
ihn g. (sehr heftig) ausgeschimpft; es hat g. (ziemlicli
stark) geregnet. 2. in den Fügungen jmdm. g. sein (geh.;
zu jmds. Besitz gehören): Strietz. das denen von Belau
g. ist (Fallada. Herr 10); zu etw. g. (einem bestimmten
Bereich. Kreis o. ä. fest zugehörend): die zur Azorengruppe
-e Insel Flores (Plievier. Stalingrad 213); die ... Theorie
.... die sadistische Triebe als zum Menschen g. annimmt
(Ruthe, Partnerwahl 126); <subst.:> das Auto ist etwas
zum täglichen Leben Gehöriges; in Verbindung mit
Präpositionen ugs. auch für irgendwohin gehörend, an einer
bestimmten Stelle seinen Platz habend: die auf den Boden -en
Feuerlöscher; nicht in diesen Zusammenhang -e Fragen.
Gehörn [ga'haern]. das; -[eis. -e [mhd. gehürne.
Kollektivbildung zu tHorn]: I. die Hörner besthnmter Tiere: das G.
der Ziegen. Schafe. Rinder. Antilopen. 2. (Jägerspr.)
Geweih des RehbiK'ks: gehörnt <Adj.; o. Steig.; nicht adv.)
[1: mhd. gehürnet. 2. Part, von: hürnen = mit Hörnern
versehen; 2: vgl. Hahnrei]: I. ein Gehörn tragend: -e
Haustiere. 2. Thörnen (2); <subst.:> Gehörnte, der; -n. -n <Dekl.
T Abgeordnete): 1. betrogener Ehemann. 2. <o. PL) (verhüll.)
Teufel: mag er ... eher wie ein Geschöpf des -n erschienen
sein (MM 30. 5. 68, 8).
gehorsam [g3'ho:gza:m] <Adj.) [mhd. gehörsam. ahd. gihör-
sam, für lat. oboediens = gehorsam, willfährig; t hören):
a) sich dem Willen einer Autorität unterordnend: ein -er
Untertan: (geh.:) er war seinen Anordnungen jederzeit
g.; -ster Diener!, danke -st (veraltet; Höflichkeitsformeln);
Ü Der Schnee, der schon die Klebrigkeit nahen Tauwetters
angenommen hatte, verharschte g. an der Oberfläche (A.
Zweig, Grischa 407); b) [als Kind] die Autorität einer
Respektsperson anerkennetul u. ihren Forderungen sofort
u. pünktlich nachkommend: Kinder müssen lernen, g. zu
sein; ... daß sie den Mann zum Geliebten hatte, zu dem
ich noch g. Papa sagen mußte (Musil, Mann 293); (geh.:)
er war seinem Vater g.; <subst.:> Gehorsam [-1. der; -s
[mhd. gehörsam(e), ahd. gihörsami]: Unterordnung unter
den Willen einer Autorität: blinder, bedingungsloser G.;
G. gegen das Gesetz, gegenüber Vorgesetzten; du mußt
dir G. verschaffen; jmdm. den G. verweigern; jmdm. den
G. aufsagen, kündigen (geh.; nicht mehr gehorchen)'. <Abl.:>
Gehorsamkeit, die; -: gehorsame Haltung: er lobte das Kind
wegen seiner G.
gehorsams-, Gehorsams-: -pflicht, die <o. PI.) (bes. Milit.).
dazu: -pflichtig<Adj.;o. Steig.; nicht adv.); -Verweigerung,
die <o. PI.) (bes. Milit.).
lGehre [ge:re]. die; -. -n [t ^Gehrel (Technik): svw. TGehrung;
HSehre [-1. die; -. -n. Gehren [ge:ronl. der; -s, - [mhd.
gere, ahd. gero, zu tGer (nach der Ähnlichkeit mit einer
Gerspitze)! (landsch.): a) Rock-, Kleiderschoß: b)
keilförmiges Stück (z. B. Zwickel in einem Kleidungsstück); c)
keilfönnig zulaufendes Ackerbeet: gehren [-] <sw. V.; hat)
(Handw.): schräg abschneiden, dazu: Gehrung, die; -, -en
(Handw., Technik): a) schräger Zuschnitt von Brettern,
Leisten o. ä.. die unter einem beliebigen Winkel zusanvnen-
stoßen: b) Eckfuge, in der die auf Gehrung (a) geschnittenen
Teile zusammenstoßen: Leisten für einen Bilderrahmen auf
G. zusammenfügen, dazu: Gehrungssäge. die.
Gehudel [gd'hu:d|]. das; -s. Gehudele [...dato], das; -s (ugs.
abwertend): das Hudeln. Hudelei: das ist keine
gewissenhafte Arbeit, sondern reines G.
Gehtipe [gdhu:pd], das; -s (abwertend): / dauerndes j Hupen:
dieses [laute] G.!
Gehüpf, das; -[e]s. Gehüpfe [ga'hYßfla)], das; -s: a),
dauerndes! Hüpfen: b) (ugs. abwertend) Tanzen [eines Balletts \
sie fanden das Gehüpfe ausgesprochen langweilig. 2. (ugs.,
meist abwertend) Ballett (2): die... Mädchen waren
bekleidet mit einer ... Schicht von Puder und Schminke, das
ganze süße Gehüpfe war für ihn ... eine Wolke von Staub,
Fett. Schweiß, üblem Geruch (Feuchtwanger, Erfolg 488).
Gehuste[ga'hu:so], das; -s(gelegtl. abwertend): /dauerndes/
Husten: sein G. hat aufgehört.
Gehutsdi [ga'hot/]. das; -[e]s [zu niederd. hutschen = am
Boden kriechen] (landsch.): Unbedeutendes.
Minderwertiges: Wir waren kleines G. für ihn (Kempowski. Uns 262).
Gei [gai]. die; -. -en [niederl. gei; H.u.l (Seemannsspr.):
1. Tau zum Zusammenholen des Rahsegels. 2. Tau. mit
dessen Hilfe die Ladebäume od. Davits seitlich bewegt u.
befestigt werden: geien fgaidnj <sw. V.; hat): svw. Taufgei-
en.
Geler [gate]. der; -s. - [mhd.. ahd. gir. eigtl. = der Gierigel:
1. bes. in den Sub Itropen heimischer, aasfressetuier. großer
Greifvogel mit nacktem Kopf u. Hals, starkem, nach unten
gebogenem Schnabel u. sehr breiten Flügeln: der G. kreist
über dem verendenden Zebra; in den Baumkronen
warteten schon die G.; daß gewisse vornehme Leute einander
wie die G. anfallen (Hauptmann. Schuß 23); *hol' dich,
hofs der G. (ugs.; Verwünschung; verhüll, für: Teufel)'.
weiß der G. (ugs.; Ausdruck des Nichtwissens od.
Erstaunens; verhüll, für: Teufel). 2. (salopp abwertend) männliche
Person: Ich hatte ja eigentlich damit gerechnet, daß
irgendeiner von den -n bei mir auftaucht. Der Pranke ...
oder der Hotte (Degener. Heimsuchung 91); <Zus.:> Gfiier-
nase, die: große, stark nach unten gebogene Nase: er hat
eine richtige G.
Geifer ['gaife], der, -s [mhd. geifer; verw. mit niederd. glpen
= den Mund aufreißen]: 1. aus dem Mund fließender
[schäumender] Speichel: der Alte wischte sich den G. ab.
2. (geh. abwertend) gehässige, wütettde Worte: seine Gegner
gössen Haß und G. über ihn aus; Gfiiferer, der; -s. -:
jmd.. der gehässige, wütettde Reden führt. <Abl. von 1
u. 2:> geifern I'g^jfen] <sw. V.; hat) [mhd. geifern): I.
Speichel aus dem Mund fließen lassen: das Kind geifert.
2. (geh. abwertend) gehässige, wütende Worte ausstoßen:
er geiferte gegen seine Feinde; Was sagte, geiferte, bellte
sie? (Lentz. Muckefuck 39).
Geige [gajgo], die; -. -n [mhd. glge. spätahd. glga. Hu]:
Streichinstrument mit vier Saiten. Violine: eine alte G.;
die G. hat einen guten Klang: G. spielen; er möchte das
Stück auf seiner neuen G. spielen; er spielt im Orchester
[die] erste, zweite G. (er spielt auf der Geige die erste,
zweite Stimme): *die erste G. spielen (ugs.; die führende
Rolle spielen, tonangebend sein): er will immer die erste
G. spielen; die zweite G. spielen (ugs.; eine untergeordnete
Rolle spielen): sie ist es leid, immer nur die zweite G.
zu spielen; nach jmds. G. tanzen (ugs.; willenlos alles tun
/müssen!, was jmd. von einem verlangt)', geigen ['gaign]
<sw. V.; hat) (ugs.): 1. (ugs.) a) lauf der] Geige spielen:
sie geigt täglich drei Stunden; b) etw. auf der Geige spielen:
einen Walzer g.; *es imdm. g. {uzs.jmdm. eine Standpauke
halten, gründlich die Meinung sagen: eigtl. = zur Geige
singen). 2. (von Insekten) hohe, singende Töne von sielt
geben: die Grillen geigen. 3. (vulg.) koitieren, mit jmdm.
den Geschlechtsakt vollziehen: in den Betten liegen und
g.; nun geigte er sie auch (A. N. Afanasjew [Übers.],
Erotische Märchen aus Rußland 1977, 64). 4.
(Seemannsspr.) (von Segelbooten) bei von hinten kommendem,
starkem Wind unkontrollierte Schlingerbewegungen um die
Längsachse machen.
Gfijgen-: -bau, der <o. PL): /Handwerk der/ Herstellung
von Streichinstrumenten, dazu: -bauer, der; -s. -: jmd..
der Streichinstrumente herstellt (Berufsbez.); -bogen, der:
svw. T Bogen (5); -hak. der: der das Griffbrett tragende,
schmale Teil der Geige: -harz, das: vorwiegend aus
Kolophonium bestehendes Harz zum Bestreichen des Geigenbogens:
-kästen« der: 1. Behältnis für die Geige. 2. <meist PL)
(salopp scherzh.) besonders große Schuhe od. Stiefel: er
hat ja richtige Geigenkästen an; -lauf, der (meist PL)
(Musik): auf- od. absteigende schnelle Folge durch kleine
Intervalle getrennt gespielter Griffe auf der Geige: -saite.
die; -spiel, das: Spielen auf der Geige: sein G. ist schon
viel besser geworden, dazu: -Spieler, der (veraltend): svw.
t Geiger; -stunde, die: Unterrichtsstunde im Geigenspiel:
morgen hat sie wieder [ihre] G.
Geiger 1'gaigB], der; -s, -: jmd.. der /berufsmäßig/ Geige
spielt: unser kleiner G. macht schöne Fortschritte; erster
G. (jmd.. der im Orchester od. in einem Kammerntusiken-
semble. bes. im Quartett, erste Geige spielt): Geigerin,
die; -. -nen: w. Form zu tGeiger; gfiigerisch <AdJ.; o.
Steig.; nicht präd.): das Geigenspiel betreffend: -es Talent
haben.
Gfijgerrohr. das; -[e]s, -e (veraltet): svw. f Geigerzähler; Gfii-
gerzähler. der; -s. - [nach dem dt. Physiker H. Geiger
(1882-1945)] (Physik): Gerät zur Feststellung u. Messung
von radioaktiver Strahlung: der G. tickt; Strahlung mit
976
geist-, Geist-
dem G. messen; Ü wer hat den G., der die Hoffnung
registrieren würde (Böll. Tagebuch 62).
geil [gail] <Adj.) [mhd., ahd. geil = kraftvoll; üppig; lustig,
eigtl. = gärend, aufschäumend]: 1. (oft abwertend) gierig
tiach geschlechtlicher Befriedigung, vom Sexualtrieb
beherrscht, sexuell erregt: ein -er Kerl; ein -es Lachen; er
ist g. wie ein Bock; er war g. auf sie; ihr Anblick machte
ihn g.; Ü er ist g. nach Ruhm. 2. (Landw.) a) (von Pflanzen)
! allzu J üppig, aber nicht sehr kräftig wachsend, wuchernd:
die -en Triebe einer Pflanze entfernen; das Unkraut schießt
g. empor; b) (vom Boden) fett, /zu/ stark gedüngt: der
Boden ist feucht und g.; c) (selten) übermäßig (in bezug
auf Gefühle o.a.): Wo ... -er Taumel an seine Stelle trat,
da begann das für ihn. was er ..eine Narrheit" nannte
(Th. Mann. Joseph 417);... in der Verständnis oder
Mitgefühl der Nachbarn allenfalls ausreichten, einen Gruß lang
den -en Schrecken in den Augen zu verschleiern (Kant,
Impressum 91); Geile, die; -, -n [mhd. geil(e). ahd. geili]:
1. (Jägerspr.) Hoden des Wildes. 2. <o. PI.) (veraltet) svw.
f Geilheit (1 a); geilen fgaibn] <sw. V.; hat) [mhd. geilen;
vgl. ahd. geiljän = lustig machen]: 1. (selten, abwertend)
geil sein. 2. (veraltet) (von Pflanzen) üppig wuchern: GfiUheit
die; -. -en: l.a) <o. PI.) das Geilsein: die G. stand ihm
im Gesicht; jmdn. packt die G.; b) geiler Gedanke, geile
Empfindung o.a.: mit ihren Ängsten. ... -en (Kirst. 08/15.
760). 2. (Landw.) <o. PI.) (von Pflanzen) [allzu] üppiges
Wachsen. Wuchern: die G. des Getreides; Geiltrieb, der;
-[eis. -e: geiler (2 a) Trieb.
Gein [gei:nl. das; -s [nlat. Bildung zu griech. g£ = Erde]:
1. der schwarzbraune Hauptbestandteil des Ackerbodens.
2. (Bot.) Glykosid aus der Wurzel der Nelkenwurz.
Geisel t'gaizj]. die; -. -n. (selten:) der: -s, - [mhd. gfsel.
ahd. gisal. wohl aus dem Kelt.. eigtl. = Pfand]: jmd..
der zu dem Zweck gefangengenommen, festgehalten wird,
daß für seine Freilassung bestimmte, gegen einen Dritten
gerichtete Forderungen erfüllt werden: -n stellen; jmdn.
als. zur G. nehmen; Ü eine deutsche Stadt ... zur G. zu
erklären (Spiegel 48. 1965, 83).
Gfijgel-: -befreking, die: -drama, das: dramatisch verlaufende
Geiselnalime: -erschieflung, die; -gangster, der
(abwertend): svw. f -nehmer; -mord, der; -nähme, die:
Entführung eines New Yorker U-Bahnzugs mit G. der Passagiere
(MM 31. 5. 75. 21). dazu: -nehmer. der: jmd.. der jmdn.
als Geisel in seine Gewalt bringt.
Geiser: eindeutschend für tGeysir.
Geisha [ge:Ja. auch: 'gaija], die; -. -s [engl, geisha < jap.
gei-sha. aus: gei = unterhaltende Kunst u. sha = der.
welcher od. die. welche; Person]: in Musik u. Tanz
ausgebildete Gesellschafterin, die zur Unterhaltung der Gäste in
japanischen Teehäusern o. ä. beiträgt.
Geison [galzan], das; -s. -s u. Geisa [griech. geTson =
Gesims]: Kranzgesims des antiken Tempels.
Geiß [gais], die; -. -en <Vkl. tGeißlein) [mhd.. ahd. geid*.
1. (südd.. österr.. Schweiz., westmd.) weibliche Ziege: die
-en melken. 2. (Jägerspr.) weibliches Tier beim Garns-.
Stein- u. Rehwild.
Gfiiß-: -hart, der [1: nach der Ähnlichkeit der Blütenstände
mit einem Ziegenbart]: 1. <o. PI.) (Bot.) Staude mit kleinen,
weißen, eine große Rispe bildenden Blüten. 2. (österr.) langer
Spitzbart: -Matt, das <o. PI.) [wohl, weil seine Blätter
gern von Ziegen gefressen werden]: 1. (Bot.) [kletternder/
Strauch einer Gattung der Geißblattgewächse. 2. svw. t Je-
längerjelieber: G. und anderes Gerank umschlang und
umwucherte sie (Schröder. Wanderer 21). dazu: ^bbittge-
wäehs, das <meist PI.) (Bot.): als Baum od. Strauch
vorkommende Pflanze mit gegenständigen Blättern. Blütetikrone
u. Beeren- od. Kapselfrüchten: -bock, der (südd.. österr..
Schweiz.): männliche Ziege. Ziegenbock: -fuß, der [1: nach
den ziegenhufähnlichen Blättern; 2-4: nach der Ähnlichkeit
mit einem (gespaltenen) ZiegenhuO: 1. <o. PI.) (Bot.)
Doldengewächs mit weißlichen Blüten, das an feuchten Stellen
als Unkraut auftritt u. als volkstümliches Heilmittel gegen
Gicht u. Rheuma gilt. 2. gabelförmig auslaufendes
Handwerkszeug zum Ausziehen von Nägeln. 3. Werkzeug mit
winkliger Schneide zum Ausarbeiten innerer Ecken bei der
Holzbearbeitung u. in der Bildhauerei. 4. (Zahnmed.)
hebelartiges Instrument zum Entfernen von Zafmwurzeln! -hirt.
der: Ziegenhirt: -kitz, das (Jägerspr.): weibliches Jungtier
beim Garns-. Stein- u. Rehwild (Ggs.: Bockkitz).
Geißel [gaisl]. die; -. -n [mhd. geisel. ahd. geis(i)la. eigtl.
= kleiner, spitzer Stab]: l.a) harte Strafe des Schicksals.
Plage: der Krieg ist eine G. der Menschheit; Heilkünstler
... befreiten sie von den -n der Krankheiten (Menzel,
Herren 6); b) (landsch.) Peitsche: er treibt das Pferd mit der
G. an; Der liebe Knabe vergnügte sich damit, das Wasser
... mit einer G. aufzupeitschen (Fussenegger. Haus 229);
c) (früher) zur Züchtigung verwendeter Stab mit Riemen
od. Schnüren. 2. (Biol.) fadenförmiges Fortbewegungsorgan
der Geißeltierchen: geißeln f'gaisln] <sw. V.; hat) [mhd.
geisein]: l.a) aufs heftigste anprangern, tadeln: politische
Mißstände g.; b) heimsuchen, plagen: die Seuche geißelt
das Volk. 2.a) (veraltet, noch landsch.) peitschen: b)
(früher) mit einer Geißel (1 b) züchtigen: der Gefangene
wurde gegeißelt; c) <g. + sich) (Rel.) sich mit einer Geißel
(1 b) schlagen, sich kasteien: die Mönche fasteten und
geißelten sich; Gfiißelbruder, der; -s. -brüder: svw. f Flagellant;
Geißeltierchen, das; -s. - (meist PL): svw. t Flagellat:
Geißelung, (seltener:) Geißlung. die; -. -en: das Geißeln.
Geißlein [gaislain]. das; -s. -: IGeiß.
Geißler CgaislB]. der; -s. -: svw. f Flagellant: Geißhing: f
Geißelung.
"Geist [gaist]. der; -[e]s. -e [mhd.. ahd. geist. eigtl. =
Erregung]: 1. <o. PI. > a) das denkende Bewußtsein des Menschen.
Verstandeskraft. Verstand: G. und Körper: sein G. ist
verwirrt; einen wachen, schöpferischen G. haben; seinen
G. anstrengen; die Errungenschaften des menschlichen -es;
(salopp:) der ist mir mit seinen Fragen auf den G. gegangen
(Hörzu 17, 1977. 42); R der Geist ist willig, aber das
Fleisch ist schwach (ein guter Vorsatz ist zwar oft vorhatiden.
aber seine Ausführum scheitert an der menschlichen
Schwäche: nach Matth. 26.41); * den/seinen G. aufgeben (veraltet,
geh.. noch ugs. scherzh.; sterben: nach Klagelieder des
Jeremia 2.12): Deine Vorgängerin gab vor vierzehn Tagen
plötzlich ihren G. auf (Erich Kästner. Schule 39); Ü später
hat die Vorderachse dann endgültig den G. aufgegeben
(ist sie entzweigegangen: DM 34. 1965. 51); den/seinen
G. aushauchen (geh. verhüll.; sterben); im Geistfe] (in
Gedanken, in der Vorstellung): im G. sind wir bei euch;
ich sehe sie im G. vor mir; b) Scharfsinn. Esprit: seinen
G. sprühen lassen; eine Unterhaltung voller G. und Witz;
ein Mann von. ohneG. 2. <o. PI.) Gesinnung: innere
Einstellung. Haltung: der G. der Zeit; in der Klasse herrscht
ein kameradschaftlichere; wir handeln im G. des
Verstorbenen (wie es sein Wille gewesen wäre): *... wes -es Kind
er (sie usw.) ist (welcher Art sein Denken, seine Gesinnung
in Wirklichkeit ist. wie er tatsächlich eingestellt ist: nach
Luk. 9, 55): an seinen Äußerungen erkennt man bald,
wes -es Kind er ist. 3. klares Destillat von unvergorenen.
mit Alkohol versetzten Früchten, bes. Beerenfrüchten: In
einer Flasche fand sich ein lieblicher Rest gebrannten -es
(Fussenegger. Haus 524); ^Geist [-]. der; -[e]s. -er: l.a)
Mensch im Hinblick auf seine geistigen Eigenschaften: er
ist ein erfinderischer, großer G.; er ist nur ein kleiner
G.; die führenden -er unserer Zeit; R hier, da scheiden
sich die -er (in diesem Punkt gehen die Meinungen
auseinander), große -er stört das nicht (ugs. scherzh.; das bringt
mich nicht aus der Ruhe); b) durch bestimmte Eigenschaften
des Wirkens od. Sichverhaltens charakterisierter Mensch:
sie ist der gute G. unseres Hauses; das Kind ist wirklich
ein unruhigerG.; *eindienstbarere, (ugs. scherzh.;
Dienstbote: nach Hebr. 1. 14). 2.a) überirdisches Wesen: der
Heilige G. (christl. Rel.; dritte Person der Dreieinigkeit);
die Ausgießung. Herabkunft des Heiligen -es; der böse
G. (der Teufel): der G. der Finsternis (geh.; der Teufel);
*jmdm. als Heiliger G. erscheinen, jmdm. den Heiligen
G. schicken (Schülerspr.. Soldatenspr.; in Verkleidung
jmdn. mchts. wenn er schläft, aufsuchen, um ihn zu
verprügeln); b) <Vkl. tGeistchen) Gespenst. Spukgestalt: gute,
böse -er; ihm erschien der G. des Toten; -er beschwören;
du siehst Ja aus wie ein G. (siehst ganz blaß aus): *von
allen guten -ern verlassen sein (ugs.; etw. völlig
Unvernünftiges. Törichtes. Konfuses tun).
geist-, Gfiist- (meist 'Geist 1; vgl. auch: geistes-, Geistes-):
^bildend <Adj.; nicht adv.): den Geist bildend: eine -e
Lektüre; ^feindlich (Adj.): feindlich gegenüber geistigen Dingen,
insbes. der geistigen Freiheit: ebenso g. wie jedes andere
faschistische Regime (K. Mann. Wendepunkt 330). dazu:
-feindlichkeit. die <o. PI.); -getragen <AdJ.; o. Steig.; nicht
adv.): Denn diese Form und Schönheit war nicht g. wie
in den Werken der Dichtung und Musik (Th. Mann, Zau-
62 GDW
977
Geistchen
berberg 385); ^los <AdJ.; -er, -este> [mhd. geistelös]: ohne
Geist, eigene Gedanken: dumm: ein -er Nachahmer; ein
-es Gespräch (ein Gespräch ohne besonderen gedanklichen
Gehalt), dazu: -losigkeit, die; -. -en: 1. <o. PI.) geistlose
Art. geistloses Wesen: das Schlimmste an ihm ist seine
G. 2. geistlose Äußerung: er gibt nur -en von sich; -reich
(Adj.) [mhd. geistrich]: viel Geist zeigend: von Geist
zeugend: in kluger, gescheiter Weise witzig: votler Esprit: ein
-er Autor; er versteht g. zu plaudern; Jetzt machst du
aber ein sehr -es (ugs. iron; dummes, einfältiges) Gesicht,
dazu: -reichelei [-rsyoa'l^j], die; -. -en (abwertend): 1. <o.
PI.) gezwungen wirkender Versuch, geistreich zu sein: G.
betreiben. 2. Äußerung, die geistreich wirken soll, -reichein
<sw. V.; hat) (abwertend): krampfhaft versuchen, geistreich
zu sein: in Gesellschaft geistreichelt er gerne: -sprühend
<Adj.): überströmend von Geist, reich an geistvollen
Gedanken. Einfällen: er hat ein -es Theaterstück geschrieben;
-tötend (Adj.; o. Steig.): überaus eintönig, langweilig: eine
-e Beschäftigung; ^voll <Adj.): voller Geist: durch
gedankliche Originalität u. Tiefe auffallend: ein -es Buch.
Geistchen [gaist^n]. das; -s. -: 1. f^Geist (2 b). 2. svw.
T Federmottelb).
gßister-, Geister- (^Geist 2 b): -bahn, die: auf Jahrmärkten
o. ä. aufgestellte Bahn, die durch dunkle Räume führt, in
denen schaurige Geräusche u. Erscheinungen den
Mitfahrenden erschrecken sollen: -beschwörer, der: (im
Volksglauben ) jmd.. der in der Lage ist. Geister zu bannen od.
herbeizurufen, dazu: ^beschworene, die; ^Wld. das (Ferns.):
Bildfehler, bei dem die Konturen des Fernsehbilds mehrfach
erscheinen; -bleich <AdJ.; o. Steig.; nicht adv.): sehr bleich, toten-
bjeifh: sie war g. vor Schreck; -erscheinung, die: an -en
glauben; -fahren der: jmd.. der auf einer Autobahnspur
nicht in der vorgeschriebenen Richtung fährt, den anderen
Verkehrsteilnehmern entgegenkommt: Sogenannte G.. die
stets tödliche Gefahr bedeuten (Spiegel 23. 1977. 73); -ge-
sdiidite, die: von Geistern handelnde Geschichte: der Junge
liest am liebsten -n; -glaube, der: Glaube an Geister; -hand,
die meist in der Fügung wie von/durch G. (wie durch eine
unsichtbare Hand. Kraft [bewegt]): wie von Gf. schloß
sich plötzlich die Tür; -maimschaft, die (Sport Jargon):
Mannschaft, die auf Grund nachgewiesener
Unregelmäßigkeiten für die nächste Spielzeit aus ihrer Spielklasse
verwiesen wird, die Spiele der laufenden Spielzeit aber noch
außerhalb der Wertung zu Ende spielt; -reich, das <o. PL):
Reich. Welt der Geister; -Schreiber, der: eindeutschend
für tGhostwriter; -seher, der: jmd,. der die Gabe hat.
Geister zu sehen, der Visionen. Erscheinungen hat; -spiel, das
(Sport Jargon): Spiel einer Geistermannschaft; -Stadt, die:
Im Dunkeln liefen wir durch eine G. (Lentz. Muckefuck
141); -stknme, die: er glaubte, -n zu hören; -stunde, die
(scherzh.): mitternächtliche Stunde: es schlug 12 - die G.
war angebrochen; -weit, die <o. PL): svw. T -reich.
geisterhaft <Adj.; -er, -este): die Vorstellung von Geistern
(^Gelst 2 b) weckettd. gespenstisch: eine -e Beleuchtung;
die Bäume sahen im Mondlicht g. aus; geistern [ gaisten]
<sw. V.): a) wie ein Geist umgehen (ist): die Kinder geistern
nachts durchs Haus; Lichter geisterten über die Insel; Ü
diese Idee geistert immer noch durch ihre Köpfe; b) sich
an einem bestimmten Ort wie ein Geist bewegen (hat):
Lichter geistern hinter den Fenstern; Ü diese Idee geistert
immer noch in ihren Köpfen.
gßistes-, Gfjstes- ('Geist 1; vgl. auch: geist-, Geist-):
-abwesend (Adj.; o. Steig.; nicht adv.): svw. tabwesend (2).
dazu: -abwesenheit, die [LÜ von frz. absence d'espritl;
-akrobat, der (iron.): bei uns wären wenigstens die Idioten
mit gefallen, nicht nur die -en. wie bei den Engländern
und Amerikanern (Kempowski. Uns 136); -anläge, die.
hervorragende -n haben; -anstrengung, die: -arbeit, die:
geistige Arbeit, dazu: -arbeiter, der: jmd.. der beruflich
überwiegend geistig arbeitet; -arm (Adj.; o. Steig.; nicht
adv.): arm an Geist, beschränkt: zur Beschützung ihrer
-en Schwester (Werfel. Himmel 207). dazu: -armut, die;
-art, die: von nachdenklicher G. sein: -biküing, die: G.
besitzen; an seinerG. arbeiten; -blitz, der (ugs.): plötzlicher
geistreicher Einfall, brillant ausgedrückter Gedanke: ein
genialer G.; einen G. haben; -flug, der: svw. tGedanken-
flug: einen ... Mann von hohem politischen G. (Dönhoff.
Ära 197); -freihelt, die: svw. tGedankenfreiheit: in einer
Oase derG mitten im Machtbereich des
totalitär-autoritären Staates (K. Mann. Wendepunkt 331); -fürst, der
(geh.): großer Denker. Genie; -gaben (PI.): geistige
Anlagen. Fähigkeiten: mit hervorragenden G. ausgestattet sein;
-gegenwart, die [LÜ von frz. presence d'esprit]: Fähigkeit,
in unvorhergesehenen Situationen schnell zu reagieren u.
das Richtige zu tun: die G. bewahren, verlieren; er hatte,
fand noch die G.. sofort den Strom auszuschalten, dazu:
^gegenwärtig (Adj.): Geistesgegenwart besitzend: eine -e
Tat; g. handeln; -geschichte, die: Geschichte der geistigen
Kräfte u. Strömungen einer Epoche od. Nation: die deutsche
G., dazu: -geschichtlich (Adj.; o. Steig.); -gestört (Adj.;
0. Steig.; nicht adv.): krankhaft wirr im Denken u. Handeln,
in seinen geistig-seelischen Funktionen gestört: g. sein,
(subst.:) -gestörte,deru. die; -n. -n (Dekl. t Abgeordnete).
-gestörtheit. die; -; -gröfle, die: 1. (o. PI.) Größe. Kraft
des Geistes: überragende geistige Befähigung: G. besitzen.
2. Mensch von überragender geistiger Befähigung; Genie:
eine G. sein: -haltung, die: geistige Haltung. Einstellung:
eine vorurteilsfreie G. erkennen lassen; -heroe, -heros,
der: svw. t^größe (2). Kriese; -kraft, die: überragende
GeisteskräAe besitzen; -krank (Adj.; o. Steig.; nicht adv.):
an einer Geisteskrankheit leidend, (subst.:) -kranke, der
u. die; -krankheit, die: durch einen Krankheitsprozeß
verursachte schwere geistig-seelische Störung; -leben, das:
geistiges Leben; Geschehen auf geistigem Gebiet: die Entwicklung
des deutschen -s; -Produkt, das (gelegtl. spött.): geistiges
Produkt: der Schriftsteller hat sein neuestes G.
veröffentlicht; -richtung, die: einer bestimmten G. angehören:
priese, der: svw. t ^größe (2); -schaffen, das: geistiges Schaffen.
Wirken: das G. unserer Zeit, dazu: -schaffende, der u.
die; -n. -n (Dekl. T Abgeordnete); -schärfe, die; -schwach
(Adj.; o. Steig.; nicht adv.): unter Geistesschwäche leidend.
dazu: -schwäche, die (o. PL): angeborene od. durch
Krankheit od. Verletzung entstandene leichtere Störung der
Geistestätigkeit: an G. leiden; -stärke, die: -Störung, die:
krankhafte od. von der Norm abweichende Veränderung
der geistigen Funktionen; ^Strömung, die: die -en der
Neuzeit; ^tat, die: wichtige geistige Leistung: er hat mit diesem
Werk eine großeG. vollbracht, dazu: -tättgkeit, die; -träg-
heit, die; -Verfassung, die: sich in einer bestimmten G.
befinden; -verwandt (Adj.; o. Steig.: nicht adv.): geistig,
dem Geiste nach verwandt: ich fühle mich g. mit ihm;
(subst.:) -verwandte, der u. die, dazu: -Verwandtschaft,
die; -Verwirrung, die: Verwirrung des Geistes: an G. leiden;
-weit, die (geh.): 1. Welt der Gedanken, des Geistes. 2.
Gesamtheit der Geistesschaffenden u. geistig Interessierten;
-Wissenschaften (PI.): Gesamtheit der Wissenschaften, die
die verschiedenen Gebiete der Kultur w. des geistigen Lebens
zum Gegenstand haben (Ggs.: Naturwissenschaften), dazu:
-Wissenschaftler, der, -wissenschaftlich (Adj.; o. Steig.);
-zustand, der (o. PL): Zustand des Geistes im Hinblick
auf mögliche Störungen od. Erkrankungen: der Täter wurde
auf seinen G. untersucht.
geistig [gaisti?] (Adj.) [2: mhd. geistec; 3: zu tGeist (5)1:
1. (nicht präd.) a) (o. Steig.) auf den menschlichen Geist,
das Denkvermögen, seine Verstandeskräjte, seine Fähigkeit.
Dinge zu durchdenken u. zu beurteilen, bezogen: -e und
körperliche Arbeit; -e Berufe. Interessen, Fähigkeiten; -e
Freiheit, Frische; die -e Auseinandersetzung. Konzeption;
das -e Band zwischen zwei Völkern; er war der -e Vater
dieses Plans (auf ihn geht der Plan vor allem zurück);
die -e Führung haben; das -e Rüstzeug für etw. haben;
Im Vollbesitz seiner -en Kräfte sein; er starb in -er
Umnachtung; es wäre mir unvorstellbar gewesen, jetzt ... ein
Gespräch über ein -es Thema zu beginnen (Fühmann.
Judenauto 34); g. träge, rege, minderbemittelt; g. arbeiten;
jmdm. g. verbunden sein; das Kind war g. zurückgeblieben;
er war g. weggetreten (ugs.; war nicht bei der Sache):
b) besonders scharfen Verstand, ausgeprägtes
Denkvermögen besitzend, sich mit den Dingen des Geistes beschäftigend.
Verstand Irnbend: er ist ein ausgesprochen -er Mensch,
Typ. 2. (o. Steig.) nur gedacht, allein in der Vorstellungswelt
vorhanden: -e Wesen wie Gottheiten und Dämonen. 3.
(nur attr.) alkoholisch: -e Getränke; sie ... schenkte aus
dem ... Samowar das Wasser nach über die -e Essenz
(Fussenegger. Haus 413); (Abi. zu l:> Geistigkeit, die;
-: geistige > Wesens j art; geistige Natur. Beschaffenheit:
Diese Schicht... müßte ... außerstande sein, die ...
aristokratische G. der Gestalt Jesu zu begreifen (Thieß. Reich 200):
geistlich[gaistli^](Adj.;o. Steig.; nicht präd.)[mhd.
geistlich, ahd. geistlih. LÜ von lat. spirituälisl: die Religion.
978
Gekritzel
den kirchlichen u. gottesdienstlichen Bereich betreffend: -e
Lieder; das -e Gewand (das Gewand eines Geistlichen);
ein -er Herr (ein Geistlicher): der -e Stand (der Stand
der Geistlichen): jmdm. g. (mit den Mitteln der Religion,
der Kirche) beistehen; <subst.:> Geistliche, der; -n. -n <Dekl.
t Abgeordnete): Seelsorger der christlichen Kirche; Priester,
Pfarrer: er ist -r. der Kranke verlangte nach einem -n;
<Abl.:> Geistlichkeit, die; -: Gesamtheit der Geistlichen;
Klerus.
Gfiitau, das; -[eis. -e: svw. tGei.
Geiz [gaits]. der; -es. -e [1: spätmhd. geiz, zu mhd. git(e)sen.
giten. Uelzen; 2: da er den Pflanzen ..gierig" den Saft
aussaugt]: 1. <o. PI. > (abwertend) übertriebene Sparsamkeit:
seine Sparsamkeit grenzt schon an G.; von krankhaftem
G. besessen sein. 2. (Landw.. Weinbau) Nebentrieb, der
die Entwicklung des Haupttriebes beeinträchtigt: die -e bei
Tomatenpflanzen entfernen; Mithin schneidet man im
August die -e zurück (MM 14. 8. 71. 43).
Geiz-: -hak, der (abwertend): geiziger Mensch: der alte
G. schenkt dir bestimmt nichts; -hammel. der (salopp
abwertend): svw. t^hals; ^krochen, der (salopp
abwertend): svw. T^hals: ..DerG. wäre lieber verreckt" (Remar-
que. Obelisk 152); -kragen, der (ugs. abwertend): svw.
Nhals; -trieb, der: svw. tGeiz (2).
geizen [ gaitsn] <sw. V.; hat) [mhd. git(e)sen, gizen. zu:
giten = gierig sein, zu mhd.. ahd. glt(e) = Gier. Habgier]:
1. übertrieben sparsam sein: mit jedem Pfennig g.;
Offensichtlich fehlte ihm der Schnaps, mit dem der Kommandant
geizte, wenn der Stab versammelt war (Apltz. Wölfe 244);
Ü mit jeder Minute g.; man geizte nicht mit Lob; sie
geizt nicht mit ihren Reizen (iron.; zeigt sie freigebig).
2. (geh.. veraltet) heftig verlangen: nach Ruhm g. 3. svw.
f ausgeizen; geizig [gajt^] <Adj.) [spätmhd. geitzig; mhd.
gltec. ahd. gitag = (hab)gierig]: übertrieben sparsam: ein
-er Mensch; die Alte ist sehr g.; er hält sein Geld g.
zusammen; <subst.:> Geizige, der u. die; -n. -n <Dekl.
t Abgeordnete).
Gejammer [ga'jamB]. das; -s. Gejammere [...are]. das; -s
<ungebr.) (abwertend): I dauerndes] Jammern: hör endlich
mit deinem G. aufl
Geiauchze to'jauxtsa], das; -s (ugs.): [dauerndes] Jauchzen:
das G. der Kinder wollte kein Ende nehmen.
Gejaul, das; -[e]s. Gejaule [gd'jaul(d)]. das; -s: [dauerndes]
Jaulen: das G. eines Hundes; Wie angstgetrieben stieg
ihr (= der Sirene) Gejaul immer wieder bis zum Diskant
hinauf (Apitz. Wölfe 327).
Gejodel [ga'jo:dj]. das; -s: [dauerndes] Jodeln: ihr fröhliches
G. war weithin zu hören.
Gejohl, das; -[eis. Gejohle [gd'jo:l(d)]( das; -s (abwertend):
[dauerndes] Johlen: die Menschenmenge empfing ihn mit
lautem G.
Bekannt [gd'kant]: f kennen.
Gekeif, das; [eis. Gekeife [ge'kaiftd)], das; -s (ugs.
abwertend): /dauerndes] Keifen.
Gekeuch, das; [e]s. Gekeuche [g3ksy<;(3)], das; -s:
[dauerndes] Keuchen: er kam unter, mit G7den steilen Weg herauf.
Gekicher [ga'kicBl. das; -s: [dauerndes] Kichern: das G.
der Schulmädchen.
gekielt [goki.lt] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [zu TKiel] (bes.
Bot.. Zool.): dem Kiel eines Bootes älmlich. von kielförmiger
Gestalt: ein Fisch mit -er Bauchseite.
gekiest: t 'kiesen.
Gekläff, das: -[eis. Gekläffe [gs'ktefb)]. das; -s <ungebr.)
(abwertend): [dauerndes] Kläffen: das wütende G. der
Hunde; Ü das kurze helle Gekläff der ... Geschütze (Ott.
Haie 168).
Geklapper [ga'klapp], das; -s: [dauerndes] Klappern: das
gleichmäßige G. der Kastagnetten lullte ihn ein; Ü seine
Worte waren nichts als leeres G. (Worte ohne Gehalt,
Phrasen).
Gekbtsch. das; -[eis. Gekbtsche [ga'klatjte)]. das; -s [zu
? klatschen] (abwertend): 1. wiederholtes Beifallklatschen:
das dauernde G. stört nur. 2. (ugs.) Gerede. Rederei
über andere Leute; Tratsch: mit deinem G. machst du
dir nur viele Feinde.
Gekbue [ga'klaud], das; -s (ugs.): [dauerndes] Stehlen.
gekleidet: f kleiden.
Geklimper [gakhmpp]. das; -s. Geklimpere [...ara], das; -s
<ungebr.) (abwertend): [dauerndes] Klimpern: das ist doch
keine Musik, das ist G.!
Geklingel [gd'klii]!]. Gekling[e]le [...Q(a)b]. das; -s
(abwertend): [dauerndes] Klingeln: das durchdringende G. des
Telefons; schon am frühen Morgen weckt ihn das G.
der Straßenbahn.
Geklirr, das; -[eis. Geklirre [ga'klirta)]. das; -s: [dauerndes]
Klirren: das G. der Gläser an der Theke: Ü er ließ das
G. ihrer Worte über sich ergehen.
geklommen [ga'kbman): t klimmen.
Geklopf, das; -[eis. Geklopfe [ga'kbijfte)). das; -s
(abwertend): [dauerndes] Klopfen.
Geklüft, das; -[eis. -e. GekHifte te'klvftte)]. das; -s. -
[Kollektivbildung zu tKluft] (dichter.): zerklüftete Gegend mit
Felsen. Klippen u. Abgründen: er stieg empor durch wildes
G.
geklungen [ga'klunan]: t klingen.
Geknall. das; -[eis. Geknalle [gd'knalo)]. das; -s (ugs.
abwertend): [dauerndes] Knallen; Knallerei.
Geknatter [ga'knate]. das; -s (abwertend): [dauerndes]
Knattern: das G. der Motorräder.
gekn|ckt: 1.1 knicken. 2. <Adj.) (ugs.) in seinen Erwartungen
sehr enttäuscht u. darum betrübt u. niedergeschlagen, seiner
Hoffnungen beraubt: ... hatte Maria ... den -en Jungen
nach Kräften gewinnen lassen (Küpper. Simpliclus 201);
... bis sie merkte, daß sie traurig war. ohne g. zu sein
(Bieler. Mädchenkrieg 296).
gekniffen [ga'knifn]: t kneifen; geknippen [gd'kmpn]: t
'kneipen.
Geknirsch, das: -[eis.Geknirsche [ga'knirjte)]. das; -s
(abwertend): [dauerndes] Knirschen.
Geknister [ga'knistB]. das; -s (abwertend): [dauerndes]
Knistern: störendes G. mit Butterbrotpapier.
geknüppelt [go'knYplt] <AdJ.) [zu fknüppel- = sehr] nur
in der Fügung geknüppelt voll (ugs.; übermäßig, gestopft
voll).
Gekodder [gd'kade]. das; -s. Gekodd[e]re [ga'kadfo)!?]. das;
-s (salopp abwertend): a) [dauerndes] Husten; b)
unverschämtes, freches Reden: dasG. seiner
Journalistenschnauze stieß die Zuhörer ab; gekQddert: t koddern.
gekommen [ga'komdn]: f kommen.
gekonnt to'kont] <Adj.; Steig, selten: -er. -este) [eigtl. 2.
Part, von t können]: von hohem (handwerklichem od.
technischem) Können zeugend; gut. meisterhaft gemacht: mit -er
Rhetorik; sein Spiel warg.; Deshalb klappt das
Zusammenspiel absolut sicher, g. und harmonisch (Spiegel 19. 1966.
39); <AbI.:) Gekonntheit, die; -.
geköpert [g3'ko:pBt] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [zu f Köper]
(Textilind.): in Köperbindung gewebt.
gekoren [ga'ko:ren]: T küren, kiesen.
gekernt: t körnen.
Gekotz, das; -es. Gekotze [gekotste)]. das; -s <ungebr.)
(derb, abwertend): a) [dauerndes] Kotzen; b) schnoddrige
Redeweise; gekptzt: t kotzen.
Gekrabbel [ga'krabf]. das; -s: /dauerndes] [Umher]krabbeln.
Gekrächz, das: -es. Gekrächze [gd'kreftsto)]. das; -s:
[dauerndes] Krächzen: das G. eines Raben; seine Worte waren
ein heiseres G.
Gekrakel [gd'kra:kl]. Gekrak[e]le [...kte)bl. das; -s [zu
Tkrakeln] (ugs. abwertend): krakelig, ungelenk, unleserlich
Geschriebenes: dies G. kann doch kein Mensch lesen!
gekrankt: tkränken; <Abl.:) Gekr^nkthert. die; -. -en: 1.
<o. PI.) Zustand des Gekränktseins: seine G. amüsierte
sie. 2. Gefühl. Empfindung des Gekränktseins: die -en und
Hochgefühle des Verfassers (MM 11.8. 73. 66).
Gekrätz [ga'kretsl. das; -es [zu f kratzen] (Technik): dünne,
vor dem Guß abzuziehende Schicht aus Legierungen u.
Schlacke auf geschmolzenem Metall; Gekrätze [ga'kratsal.
das; -s (abwertend): [dauerndes] Kratzen.
Gekrauche [ga'krajixa], das; -s [zu f krauchen]: [dauerndes]
Umherkriechen.
Gekräusel [ga'knjyzf], das; -s (geh.): a) [dauerndes]
Sichkräuseln: das G. der Wellen; b) etw. Gekräuseltes: das
G. (der gekräuselte Stoff) ist dicht und fest; gekräuselt:
f kräuseln.
Gekreisch, das; -[e]s. Gekreische [ga'krallte)], das; -s:
[dauerndes] Kreischen: das G. der Möwen; Ü die
Straßenbahn biegt mit lautem G. um die Kurve.
gekrischen [gdknjn]: tkreischen.
Gekritzel [gd'knts)]. das; -s. Gekritzele [...tsdld]. das; -s <un-
gebr.) [zu tkriFzeln] (abwertend): klein, eng. unleserlich
/mit dünnem Strich] Geschriebenes.
er
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gekrochen
gekrochen [gd'kroxn]: f kriechen.
gekröpft: t kröpfen.
Gekröse [ga'kre:»]. das; -s, - [mhd. gekroese = kleines
Gedärm, eigtl. = Krauses, zu t kraus]: l.a) (Anat.) wie
eine Kreppmanschette gekräuseltes, aus Bindegewebe
bestehendes Aufhängeband des Dünndarms; Mesenterium; b)
Eingeweide. Gedärm: wenn sein (= des Hummers) G. schon
im Kehrichteimer ist (Frisch. Gantenbein 339). 2. (Kochk.)
eßbare Innereien (bes. vom Kalb): aus Zunge und G.
Ragout fin bereiten.
gekündigt: f kündigen; <subst. 2. Part.:) Gekündigte, der
u. die; -n. -n <Dekl. t Abgeordnete): jmd.. dem gekündigt
worden ist.
gekünstelt [ga'kYnstft] <Adj.) [eigtl. 2. Part, von veraltet
künsteln = (kleine) Künste gebrauchen, zu tKunst]
(abwertend): in der Art. wie es ist. nicht echt, nicht natürlich
[ wirkendI: -e Freundlichkeit; sie lachte etwas g.; ctw.
wirkt g.
Geküsse[ga'kYss],das; -s(oft abwertend): ldauerndes!
Küssen.
Gel Ige:I]. das; -s, -e[Kurzf. von t Gelatine] (Chemie):
gallertartiger Niederschlag aus einer feinzerteilten Lösung.
Gelabber [ga'labn]. das; -s [zu f labbern] (nordd. abwertend):
fades I lauwarmes! Getränk: Blaue Milch. Magermilch.
G. (Fallada. Mann 244).
Gelaber [ga'la.bB]. das; -s. Gelabere [...toi?], das; [zu f labern]
(md. abwertend): seichtes Gerede, törichtes Geschwätz: Ja-
ja. sagte Fänä. das ewige G. (Degenhardt. Zündschnüre
120); hör dir das G. an!
Gelache [gd'laxa]. das; -s (abwertend): / dauerndes 1 Lachen:
laß dein dummes G . mir ist sehr ernst zumute; gefaucht:
flachen: Gelichter [galten?], das; -s, - <P1. selten; [mhd.
gelehter. Kollektivbildung zu mhd. lahter, ahd. (h)lahtar
= (lautes) Lachen]: 1. lautes [anhaltendes] Lachen:
dröhnendes G.; ein großes G. anstimmen; in G. ausbrechen;
ergoß sich der... Brei seiner Rede, belebt von den
dröhnenden -n (Fallada. Mann 44); * homerisches G. (schallendes
Gelächter: nach Stellen bei Homer, wo von dem
„unauslöschlichen Gelächter der seligen Götter" die Rede
ist): Die Leute sahen sie mit offenen Mündern an und
brachen in ein homerisches G. aus (Brecht. Groschen 192).
2. (geh., veraltend) Gegenstand. Anlaß des Lachens: jmdn..
sich zum G. [der Leute] machen; die Geschichte wurde
zum G. des ganzen Dorfes.
gelackmeiert [gd'lakmajm] <Adj.; o. Steig.; nur präd.) [eigtl.
2. Part, von seltenem lackmeiern. H.u.; viell. zu tlacken
u. Tanmeiern] (salopp scherzh.): hintergangen, betrogen:
g. sein; sich g. fühlen; <subst.:> er ist immer der
Gelackmeierte.
geeckt: t lacken.
geladen [gdla:dn; 2: eigtl. 2. Part, von tladen; von der
geladenen Schußwaffe]: 1.1 laden. 2. *g. sein (salopp; voll
aufgestauter Wut. zornig, wütend sein): der Chef ist heute
sehr g.: auf jmdn.. etw. g. sein: (Abi. zu 2:) Geladenheit,
die; -.
Gelage [ga'la.ga], das; -s. - [niederrhein. Gelag. Gelach,
urspr. = (zum Essen u. Trinken) Zusammengelegtes, zu
Hegen]: gemeinsames reichliches, oft über das gewöhnliche
Maß hinausgehendes Essen u. Trinken: ein wüstes G. fand
statt: begingen wir ... eins der köstlichsten G.. die ich
in Ungarn erlebt habe (Härtung. Piroschka 129).
Gelfiger [gö'le:gBl, das; -s, - [zu t Lager] (Winzerspr.): trüber
Rückstand. Ablagerung im Faß nach der Gärung des Weines.
gelähmt: T lähmen; <subst. 2. Part.:) Gelähmte, der u. die;
-n. -n <Dekl. t Abgeordnete): jmd.. der ganz od. an einzelnen
Gliedern bewegungsunfähig ist; <Abl.:) Gelähmtheit, die;
-: [geistige] Unbeweglic/ikeit. Stumpfheit: seelische G.; die
gleiche moralische G.. derselbe Defaitismus (K. Mann.
Wendepunkt 324).
gelahrt [go'Ia^t] <Adj.; -er, -este) [mhd. (md.) gelärt. Ne-
benf. von t gelehrt] (veraltet, noch iron.): gelehrt,
hochgebildet: ein -er Herr; <Abl.:) Gelehrtheit, die; - (veraltet, noch
iron.): Gelehrtheit.
Gelände, das; -s, - [mhd. gelende, ahd. gilenti.
Kollektivbildung zu tLandl: a) Landschaft; nicht begrenztes] Gebiet
in seiner natürlichen Beschaffenlieit: zerklüftetes,
abschüssiges G.; das G. steigt an, fällt ab; auf freiem G.; Abfälle
lagen wild im G. (ugs.; überall) verstreut; (Milit.:) das
G. ist gut einzusehen; G. gewinnen, verlieren; Ü seine
Gedanken bewegten sich in unbekanntem G.; b)
bestimmtes, in seinen Grenzen festgelegtes Stück Land; / Baujgrund-
stück: ein G. für eine Fabrik erwerben; das G. absperren;
auf dem G. der Ausstellung.
gelände-, Gelände-: -aufnähme, die (Geogr.): Vermessung
u. kartenmäßige Erfassung eines Gebietes; Klarstellung.
die (Geogr.): Wiedergabe der Geländeformen auf
Landkarten od. reliefartigen Darstellungen; Miienst, der <o. PI.)
(Milit.): Dienst. Ausbildung im Gelände; -fahrt, die: Fahrt
mit einem Geländefahrzeug durch ein Gelände ohne Straßen
u. Wege; -fahrzeug, das: Fahrzeug, mit dem man durch
ein Gelände ohne Straßen u. Wege fahren kam; -fläche,
die; -gängig <Adj.; nicht adv.): (von Fahrzeugen) bes.
für Fahrten durch unwegsames Gelände geeignet: der Jeep
ist sehr g.. dazu: -gängigkeit, die; -; -klima. das: Klima
einer bestimmten Landschaft unter dem Einfluß örtlicher
Gegebenfieiten; ^klimatologie, die: Lehre vom Gelätuiekli-
ma; -lauf, der (Leichtathletik): längerer Lauf Querfeldein
durch freies Gelände od. durch Wald; ^marsch, der: Marsch
durch freies Gelände als /militärj Marschübung I mit
Gepäck!; ^ritt, der: a) Übungsritt durch freies Gelände b)
(Reitsport) Wettbewerb auf einer abgesteckten Strecke mit
Hindernissen im offenen Gelände; -spiel, das: (von
Jugendgruppen ausgeübtes) Mannschaftsspiel im Gelände mit
Wandern. Orientierungsübungen. Spurensuche u. ä.; -sport, der:
sportliche Übungen im Gelände: -taufe, die (Milit.): Kenn-
zeichmmg von Geländepufikten u. -abschnitten durch leicht
verständliche /charakteristische] Namen; -Übung, die
(Milit.): Übung im freien Gelände; -Verstärkung, die (Milit.):
a) Ausbau im Gelände bereits natürlich vorhandener
Hindernisse zur Erschwerung des gegnerischen Vormarsches; b)
Ausbau bereits vorhafuiener natürlicher
Deckungsmöglichkeiten; -wagen, der: svw. t ^fahrzeug.
Geländer [ga* lernte], das: -s, - [spätmhd. gelender, gelenter.
zu mhd. gelanter. Kollektivbildung zu lander =
Stangenzaun]: zum Schutz vor Absturz od. zum Festhalten dienender
[einem Zaun ähnlicher/ Teil von Brücken. Balkons. Treppen
u.a.: ein schmiedeeisernes G.; die Kinder rutschten das
G. hinunter; sich am G. festhalten; sich über das G. beugen,
dazu: geländert [ga'lendm] <Adj.; o. Steig.; nur attr.):
mit einem Geländer versehen: ein -er Steg.
gelang [gdlanl. gelänge [gs'leoa]: fgelingen.
gelangen <sw. V.; ist) [mhd. gelangen, ahd. gilangön.
ablautende Bildung zu tgelingen]: 1. (meist schriftspr.) ein
bestimmtes Ziel erreichen: an ein bestimmtes Ziel kommen:
zum Bahnhof, nach Hause, ans Ziel g.; der Brief ist nicht
in meine Hände gelangt; etwas gelangt an die
Öffentlichkeit, gelangt jmdm. zu Ohren; etw. gelangt in jmds.
Besitz jmd. gelangt in den Besitz von etw. 2. (Schweiz.) sich
(an jmdn.) wenden; appellieren: er will [mit dieser
Angelegenheit] an die Öffentlichkeit, an den Bundesrat g. 3.a)
erw..einenangestrebten Zustand erreichen, zu erw. kommen:
zu Geld. Ansehen, Ehre g.; zur Ruhe g. (ruhig werden):
ich bin zu der Erkenntnis gelangt, daß...; bXals
Funktionsverb zur Umschreibung des Passivs:) zum Abschluß g.
(abgeschlossen werden); zur Ausführung g. (ausgeführt
werden); zum Einsatz g. (eingesetzt werden); zur
Darstellung g. (dargestellt werden); zur Verteilung g. (verteilt
werden).
gelqngweilt: f langweilen; Getyngweiltheit, die; -.
gelappt [ga'lapt] <Adj.; o. Steig.: nicht adv.) [zu f Lappen]
(Bot.): (von Laubblättern) durch spitze Einschnitte geteilt:
die Blätter des Ahorns sind g.
Gelfirm, das; -s. Gelfirme [ga'lErmte)], das; -s (abwertend):
dauerndes] Lärmen: ließ sich wehrlos in das
zigarrenstinkende und veilchenschwitzende Gelärm hineingleiten
(Reinig. SchifTe 63).
Gelasma [ge'lasma]. das: -s. -ta u. ...men [griech. gelasma
= Lachen] (Med.): Lachkrampf.
Gelaß [ga'las], das; Gelasses. Gelasse [mhd. gekese = (Art
der) Niederlassung, zu t lassen] (geh.): kleiner, enger, dürftig
eingerichteter i Keller Iraunt: Hinter dem Bereitschaftsraum
gabesein ziemlich engesG. (Gaiser. Jagd 65); Im hinteren
G. aber sprach die Hausfrau leise mit der Gefangenen
(H. Kolb, Wilzenbach 29); er wurde in ein dunkles G.
gesperrt.
gelassen [ga'lasn; 2: mhd. gelä3en, in der Sprache der
Mystiker = gottergeben, spater = maßvoll, ruhig; eigtl. 2.
Part, zu mhd. gelä3en = (er-, ver-, unterlassen, sich
niederlassen; sich benehmen]: 1.1 lassen. 2. <Adj.) das seelische
Gleichgewicht bewaixrend; beherrscht, ruhig, gefaßt: ein -er
980
Geld
Mensch; mit -er Miene; etwas g. hinnehmen; sie tat g.,
und niemand merkte, wie nervös sie in Wirklichkeit war;
eine Stimmung des Übermuts, des -en Übermuts (Frisch.
Stiller 301); (Abi.:) Gelassenheit, die; - [mhd. geläsenheit
= Gottergebenheit]: gelassene Haltung: etw. mit G.
hinnehmen.
Gelästeriga'lest*?], das; -s (abwertend):; dauerndes I Lästern.
Gelatine (sela'thnal. die; - [nlat. gelatina. von den
Alchimisten des 16. Jh.s gebildet, zu lat. gelätus = gefroren,
erstarrt]: geschmack- u. farbloser, aus Knochen u. Häuten
hergestellte leimartige Substanz, die vor allem zum Eifulik-
ken u. Binden von Speisen Verwendung findet: auf einen
Liter Flüssigkeit braucht man 8 Blatt G.;<Abl.:>
gelatineartig <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: wie Gelatine: in der Art
von Gelatine: <Zus.:> Gelatinekapsel, die: dünnwandige
Kapsel aus Gelatine u. Glyzerin, die sich erst im Magen auflöst
u. so das Einnehmen von schwer zu schluckenden od. schlecht
schmeckenden Arzneien ermöglicht: <Abl.:> gelatinieren
[3elatini:ran] <sw. V.>: a) zu Gelatine erstarren (ist): die
Lösung ist zum Gel gelatiniert; b) eine feinzerteilte Lösung
in Gelatine verwandeln <hat>; gelatinös [...'no:s] <Adj.; o.
Steig.) [frz. gelatineux]: gelatineartig.
Geläuf [ga'lgyfl. das; -[e]s. -e Izu t laufen]: 1. (Jägerspr.)
Spur des Federwildes: Fährten. Spuren und -e (Buchtitel).
2. (Sport) a) Boden einer / Pferdejrennbahn: ein tiefes G.:
Sandiger Boden .... ein G.. auf dem sich weder Pferde
noch abstürzende Reiter weh tun (MM 14. 10. 74. 15);
b) Boden des Spielfeldes: ein schweres G. 3. (scherzh.)
svw. tGelaufe: eifriges G. durch alle Zimmer (Tucholsky,
Werke II, 57); Gelaufe [galaufa], das; -s: [dauerndes/
Laufen, Lauferei: es gab viel G., bis alles fertig war; gelaufen
[ga'lapfn]: tlaufen; geläufig <Adj.) [verstärkende Bildung
zu mhd. löufec = gangbar, üblich; bewandert, zu t läufig]:
1. (nicht adv.) durch häufigen Gebrauch allgemein bekannt,
vertraut, üblich: -e Redensarten. Ausdrücke; diese
Bezeichnung ist mir nicht g. 2. fließend, perfekt: in -em Französisch;
eine Fremdsprache g. sprechen; g. Klavier spielen; (selten
prädikativ:) Rupp war nun ganz g. geworden (redselig:
Baum. Paris 87); (Abi.:> Geläufigkeit, die; -: 1. Bekanntheit,
Vertrautheit. 2. Perfektion, dazu: Gel&ufigkeitsubung, die
(bes. Musik).
gelaunt [gdlaunt; eigtl. 2. Part, von veraltet launen < mhd.
lünen = in vorübergehender Stimmung sein, zu T Laune]
in den Fügungen: I. (in bestimmter Weise) g. sein (sich
in einer bestimmten Gefühlslage, Stimmung befinden): ist
der Chef heute gut, besser g.?: wie ist er g.?; (auch attr.:>
ein gut -er (auch: gutgelaunter) Onkel. 2. zu etw. g. sein
(veraltend; in der Stimmung sein / etw. zu tun])'. Vollblütig,
aktiv, immer g.. bei einem der dünnen Gerichtssaalscherze
laut zu lachen (Baum. Paris 35); wozu bist du g.?
Gelaut [gd'laut]. das: -[e]s [mhd. gelüt = Schall. Getöse,
zu t lautenlfsvw. T Geläute (2); Geläut [ga'byt]. das; -[e]s.
-e: 1. die (zusammengehörigen u. klanglich aufeinander
abgestimmten) Glocken einer Kirche: die Gemeinde sammelte
für ein neues G.; zwei Glocken des -es sind im Krieg
eingeschmolzen worden. 2. (o. PI.) svw. tGeläute (1);
Geläute« das; -s [mhd. geliute = Schall. Getöse;
Glockengeläut, zu flauten]: 1. anhaltendes Läuten: von fern war
das G. der Glocken zu hören. 2. (Jägerspr.) das Bellen
der Hunde auf der Jagd.
gelb [g£lp] (Adj.; Steig, selten; nicht adv.) [mhd. gel. ahd.
gelo. eigtl. = glänzend, schimmernd, blank]: von der Farbe
einer reifen Zitrone: eine -e Tapete; vom vielen Rauchen
-e Finger bekommen; ein Strauß -er Rosen (Teerosen):
die Blätter werden schon g. (bekommen Herbstfärbung);
-e Rüben (südd.; Mohrrüben): die -e Rasse (Menschenrasse
von gelber Hautfarbe): Ü Vielleicht ... hätte (er) seinem
... Rivalen Diehn den -en Neid ins Gesicht getrieben (seinen
heftigen Neid erregt: Strittmatter. Wundertäter 472); vgl.
blau; (subst.:) +etw. ist das Gelbe vom Ei (ugs.; etw. ist
das Beste): diese Lösung ist auch nicht gerade das Gelbe
vom Ei; Gelb [-]. das; -s, -. ugs.: -s: bei G. (gelbem Ampel-
licht) ist die Kreuzung zu räumen; vgl. Gelbe, Blau.
8$lb-, G$lb-: muU, der: im Süßwasser heranwachsender Aal:
-bauchunke, die: in Europa verbreitete Unke mit leuchtend-
gelben Flecken auf der Unterseite: -beere, die: svw. t
Kreuzdornbeere; -bleterz, das: svw. tWulfenit; -braun (Adj.;
o. Steig.; nicht adv.): einen braunen Farbton besitzend,
der ins Gelbe spielt: -e Haut haben; -buch, das [nach
dem Vorbild der engl. tBIaubücher] (Dipl.): mit gelbem
Einband <xl. Umschlag versehenes Farbbuch Frankreichs:
-dolde, die: Doldengewächs mit gelbgrünen bis goldgelben
Blüten: ^ei, das (landsch. veraltend): Eidotter: -erde, die:
gelb- bis ockerfarbene Erde der subtropischen Gebiete, deren
Färbung auf geringem Humusgehalt u. den ausgeschiedenen
wasserhaltigen Eisenoxydverbindungen beruht: ^lieber, das
(o. PI.) [nach der begleitenden t Gelbsucht] (Med.): in
tropischen Gebieten Afrikas u. Amerikas vorkommende,
schwere Infektionskrankheit, Dschungelfieber. dazu: ^fle-
bermücke, die: das Gelbfieber übertragende Stechmücke,
-fiebervirus, das: Erreger des Gelbfiebers: -Alter, der od.
(fachspr. meist:) das (Fot.): zur Dämpfung von blauen
Farbtönen eingesetzter Filter: -fleckenkrankheit, die: Virus-
kratikheit des Pflaumenbaumes, bei der die Blätter
Zickzacklinien od. eine bandähnliche Zeichnung aufweisen: ^gie-
ßer. der [niederd. geelgeter] (veraltend): Handwerker, der
Messing verarbeitet: -grün (Adj.; o. Steig.; nicht adv.):
einen grünen Farbton besitzend, der ins Gelbe spielt, dazu:
-grünfilter, der od. (fachspr. meist:) das (Fot.): Farbfilter,
der Blau dämpft u. Grün aufhellt; -guß, der (Metallbearb.):
Messingguß; -hob, das: I. svw. t Fisettholz. 2. gelbes Holz
von Bäumen, die zur Gattung der Schmetterlingsblütler
gehören; -holzrinde, die: svw. t Faulbaumrinde; ^horn. der:
Seifenbaumgewächs, sommergrüner Strauch mit kleinen,
unpaarig gefiederten Blättern u. glockenförmigen,
gelblichweißen bis hellroten Blüten; -klee, der: svw. t Hopfenklee;
-körper, der (Anat., Med.): sich im Eierstock nach dem
Ausstoßen eines reifen Eies bildende Drüse, die einen gelben
Farbstoff speichert u. ein Sexualhormon erzeugt, dazu:
-körperhormon, das; -kreuz, das (o. PI.) [kurz für:
Gelbkreuzgas, nach der Kennzeichnung der Behälter durch
ein gelbes Kreuz]: bes. im 1. Weltkrieg eingesetzter
chemischer Kampfstoff; -licht, das (o. PI.) (Verkehrsw.): gelbes
Licht der Ampel; -randkäfer, der: im Süßwasser lebender
Schwimmkäfer mit schwarzbrauner, gelbgeränderter
Oberseite; -relzker, der: svw. T Grünling (1); -rost, der: durch
Rostpilze hervorgerufene Krankheit bes. an
Getreidepflanzen, bei der sich an den Getreideblättern im Sommer
gelbe, im Winter schwarze Streifen bilden; Streifenrost;
^rot (Adj.; o. Steig.; nicht adv.): einen roten Farbton
besitzend, der ins Gelbe spielt; ^rübe. die (südd.): svw. T
Mohrrübe; -Schnabel, der [bei ganz jungen Vögeln sitzt am
Schnabel noch eine dünne, gelbliche Hüllhaut) (ugs.
veraltet): junger, unerfahrener Mensch; vgl. Grünschnabel;
-schwämmchen, -schwammen, das (landsch.): svw. T
Pfifferling; -seiden (Adj.; o. Steig.; nur attr.): aus gelber Seide:
-e Vorhänge: -spötter, der: oft die Stimmen anderer Vögel
nachahmender Singvogel mit schwefelgelber Unter- u.
olivgrüner Oberseite; Gartensänger; Gartenlaubvogel;
Gartenspötter; -stern, der: svw. T Goldstern; -sucht, die
(o. PI.) [mhd. gelsucht, ahd. gelasuht] (Med.): die Funktion
von Galle u. Leber beeififlussende Krankheit, bei der sich
Haut u. Schleimhäute gelb verfärben, dazu: -süchtig (Adj.;
Steig, ungebr.; nicht adv.): Erscheinungen von Gelbsucht
zeigenil; auf Grund von blasser, gelblicher Hautfarbe krank
wirkend: g. aussehen; Ü Die Wanduhr mit dem langen
Pendel und dem -en Zifferblatt (Hauptmann. Thiel 14);
-veigelein, das [südd. Nebenf. von t Veilchen] (südd.
volkst.): Goldlack; -wekierich, der: svw. tGilbweiderich;
^wurst. die: geräucherte Fleischwurst in gelbem Darm;
Mvurz. die: svw. t Schellkraut; ^wurz, die: in Ostasien
als Gewürzpflanze kultiviertes Ingwergewächs; Kurkuma
(1).
•Gelbe ['gelte], der u. die; -n. -n (Dekl. t Abgeordnete):
diskriminierende Bez. für Angehörige des in Asien
beheimateten mongoliden Rassenkreises; 2Gelbe [-]. der; -n. -n (Dekl.
T Abgeordnete) (derb): ausgespuckter (gelblicher) Schleim;
^Gelbe [-]. das; -n: fgelb; gelblich (Adj.; o. Steig.; nicht
adv.): leicht gelb getönt, ein wenig gelb: -es Leder; das
Papier ist schon g. geworden; der Stein schimmert g.;
gelblichgrün <Adj; o. Steig.; nicht adv.): einen grünen
Farbton besitzend, der ins Gelbliche spielt: -er Schleim.
Gelcoat ['ge:lko:t. engl.: 'daelkoot]. das; -s [engl, gel coat.
aus: gel (t Gel) u. coat = Haut, Hülle, Deckschicht, t Coat]:
oberste Schidtt der Außenhaut eines Bootes, das aus
glasfaserverstärktem Kunststoff gebaut ist.
Geld [gelt], das; -es. -er [mhd.. ahd. gelt = Zahlung.
Vergütung. Einkommen. Wert; die Bed. ..geprägtes
Zahlungsmittel" seit dem 14. Jh.; zu Tgelten]: 1. (o. PI.) vom Staat
geprägtes od. auf Papier gedrucktes Zaldungsmittel: bares
981
geld-, Geld-
G.; großes G. (Scheine); kleines G. (Münzen); G. [von
der Bank, vom Sparbuch] abheben; G. wechseln; G. [ein]-
kassieren; G. fälschen; viel G. für etw. bezahlen müssen;
das ist sein G. wert; G. verdienen; für einen Rat
[kein! G. nehmen; diese Idee bedeutet bares G. (bringt
Gewinn); G. aus etw. herausschlagen (an einer Sache, bei
der es eigentlich nicht um Geld geht, doch noch etw.
verdienen); G. scheffeln (ugs.; viel Geld verdienen,
zusammenraffen): etw. für teures G. erwerben; für sein [gutes] G. kann
er auch etwas verlangen; mit G. nicht umgehen können
(verschwenderisch sein); das ist hinausgeworfenes G. (eine
unnütze, sinnlose Ausgabe); leichtes G. (G., das ohne große
Mühe verdient werden kann); schmutziges (auf unredliche
Weise erworbenes) G.; heißes G. (1. Wirtsch.; Geld, das,
um größeren Gewinn zu erzielen, je nach Zinshöhe in andere
Länder fließt [LÜ von engl, hot money]. 2. durch Raub.
Erpressung u.a. erworbene Münzen u. Noten, deren
Nummern möglicherweise notiert wurden u. die der Erwerber
deshalb schnell wieder abstoßen will): G. flüssigmachen
(sich durch Verkauf von Wertpapieren o.a. Bargeld bescliaf-
fen); sein G. arbeiten lassen (ausleihen, investieren u.
dafür Zinsen bekommen); Politik des leichten/des teuren
-es (Wirtsch.; Regelung der Nachfrage nach Krediten durch
niedrige od. holte Zinsen): der Traum vom großen G.
(Reichtum); R da kommt G. zu G. (ein reicher Mann
heiratet ein reiches Mädchen); Spr G. stinkt nicht (nach
dem Ausspruch „Non ölet** Kaiser Vespasians, der mit
diesen Worten seinem Sohn Titus auf dessen Tadel hin,
daß er die Bedürfnisanstalten besteuert habe, das erste
aus dieser Steuer eingenommene Geld unter die Nase
gehalten haben soll); G. regiert die Welt; G. allein macht nicht
glücklich [scherzh. Hinzufügung: aber es beruhigt]; wenn
es ums G. geht, hört die Freundschaft auf; *G. und Gut
(geh.; der gesamte Besitz): *hier liegt das G. auf der Straße
(hier kann man leicht zu G. kommen); jmdm. rinnt das
G. durch die Finger (jmd. ist verschwetiderisch); [das große]
G. machen (/ viel/ Geld verdienen; LÜ von engl, to make
money); sein G. unter die Leute bringen (ugs.; rasch
ausgeben): sein G. durch die Gurgel lagen (ugs.; alles Geld
vertrinken): jmdm. das G. aus der Tasche ziehen (ugs.: 1. zum
eigenen Vorteil jtndn. dazu bringen, daß er immer wieder
Geld ausgibt. 2. jmdm. eine überhöhte Rechnung ausstellen):
G. wie Heu haben; im G. schwimmen (ugs.; sehr reich sein):
sein G. [mit beiden Händen] auf die Straße werfen/zum
Fenster hinauswerfen (ugs.; verschwenderisch sein): nicht
für G. und gute Worte (ugs.; auf keinen Fall, um keinen
Preis): zu G. kommen (reich werden); etw. zu G. machen
(verkaufen). 2. <meist PI.) größere [von einer bestimmten
Stelle stammende, für einen bestimmten Zweck vorgesehene]
Summe: öffentliche -er; die -er für den Bau dieser Straße
müssen vom Land und von den Kommunen aufgebracht
werden; erhatdasG./die[ihm anvertrauten] -er veruntreut;
über das nötige G./die nötigen -er verfugen; daß mir ...
ein G. ausbezahlt wurde, irgendein Flüchtlingsgeld
(Seghers, Transit 41). 3. (Börsenw.) kurz für tGeldkurs (Ggs.:
tBrief 2): US-Dollar = DM 2.51 Geld; Abk.: G
g?ld-.G$ld-: -adel, der: svw. f Finanzaristokratie;
Mingelegenheit, die (meist Pl.>: alles, was die /persönlichen od.
familiären] Finanzen betrifft: in -en konnte man ihm nichts
vormachen; -anläge, die: Objekt, in dem jmd. sein Geld
gewhinbringend anlegen kann: Grundstücke sind eine
sichere G.; -aristokratie. die: t Finanzaristokratie; -aufwand.
der: [über das Maß des Lebensnotwendigen hinaus]
aufgewendete Geldmittel: daß ein solches Training auch einen
gewissen G. bedingt (Frankenberg. Fahren 123); -beBiilfe.
die <meist PL): Unterstützung in Form von Geld; -betrag,
der: bestimmte, aber nicht genau benannte GeUlsumme;
-beutel, der: a) (regional, bes. südd.) Portemonnaie: den
G. zücken; er ist noch vom G. des Vaters abhängig (wird
vom Vater ernährt od. geldlich unterstützt); Ü für etw.
tief in den G. greifen (ugs.; viel Geld ausgeben): einen
kleinen/großen G. haben (ugs.; arm/reich sein): * auf dem
auf seinem G. sitzen (ugs. abwertend; geizig sein)
^bombe, die (Bankw.): metallenes Behältnis (für die Tageseitinalt-
me eines Geschäftes), das nach Schalterschluß durch eine
Öffnung an der Bank eingeworfen wird u. in den Schacht
zum gesicherten Nachttresor der Bank hinunterfällt: Drei
-n mit rund 34000 Mark haben ... zwei Männer dem
Boten einer Großhandelsfirma geraubt (MM 28. 4. 69,
13); -börse. die (geh.): Portemonnaie [aus LederJ: trat
ein Mann vor, zog eine zierliche G.. entnahm ihr ein
Zweikronenstück (Jahnn, Geschichten 92); für Jede G.
das Richtige (Werbespr.; A/V/z^w. teure Waren): -brieftra-
ger. der (früher): Zusteller für Geld-, Einschreib-. Nachnafi-
mesendungen u.a.; -büchse, die (veraltend): Büchse, in der
Geld gesammelt u. aufbewahrt wird; -bündel, das: Bündel
von Geldscheinen; -büße, die: svw. t Buße (3); -entschädi-
gung, die: Entschädigung in Form von Geld; -entwertung,
die: svw. f Inflation; -ersateder. svw. t -Surrogat; -erwerb.
der: 1. Erwerb von Geld: der G. ist dadurch erschwert;
auf G. aussein. 2. [berufliche] Tätigkeit, um Geld zu
erwerben: dem. seinem G. nachgehen; -Forderung, die:
finanzieller Anspruch; einzutreibende Schuld: eine G. an/gegen jmdn.
haben; -frage, die: Frage des vorhandenen od. nicht
vorhandenen Geldes: ob wir verreisen können, das ist eine G.;
-geber, der: jmd., der für eine Sache Geld gibt, sich finanziell
an einem Unternehmen beteiligt; -geschalt, das (meist PL):
Handel, bei dem es um Geld geht, bei dem Geld bezahlt
werden muß; Finanzgeschäft; -geschenk, das: Geschenk in
Form von [Bar]geld; -gier, die (abwertend): rücksichtsloses
Streben nach Geld; -gierig <Adj.> (abwertend): auf Gekl
versessen; -gründe <P1.> in der Fügung aus -n (wegen
des Geldes); -gürtel, der: svw. t-katze; -hahn, der meist
in der Wendung (Jmdm.] den G. ab-/zudrehen (ugs.; kein
Geld mehr geben): Außerdem drehte Feisal König Saud
den G. ab (Bild 31. 3. 64, 2); -heirat, die: Eheschließung,
die L nur] aus Geldgründen erfolgt; -herrschaft, die:
Herrschaft durch die Macht des Kapitals; Plutokratie; -Institut,
das <meist Pl.>: Betrieb, in dem Geld eingezaidt, abgehoben
od, gewechselt werden kann (Bank. Sparkasse,
Postscheckamt usw.); -kapital, das (Wirtsch.): der aus Bargeld u.
Wertpapieren bestehende Teil eines [ Betriebsjkapiials;
-kassctte. die; -katze, die [zu TKatze (4) =
Geldbeutel] (früher): am od. als Gürtel getragener, großer lederner
Geldbeutel; -klemme, die (ugs.): schwierige geldliche Lage:
er befindet sich in einer augenblicklichen G.; -knappheit,
die; -kurs, der (Börsenw.): Kurs, zu dem man ein Wertpapier
o.a. auf der Börse, auf der Bank sucht od. kauft (Ggs.:
t Briefkurs); vgl. Geld (3); -leistung, die <meist PI.)
(Amtsspr.): / ünterstützungs]Zahlung (Ggs.: Sachleistung):
... stehen die -en an erster Stelle vor Sachleistungen.
Pflegeleistungen (Fraenkel. Staat 382); -mangel. der <o.
Pl.>; -mann, der <P1. -leute): Unternehmer, der durch sein
Geld Einfluß ausüben kann; Kapitalist: Waren die großen
Gazetten vielleicht nur Werkzeuge und Sprachrohre der
großen Geldleute? (K. Mann. Wendepunkt 310); -markt,
der (Wirtsch.): (durch Zins-u. Diskontsätze von der Zentral-
bank geregelter) Markt für kurzfristige Kredite, Wechsel
u.a.: sich auf dem G. Mittel für neue Investitionen
verschaffen; -menge, die: svw. f -umlauf; -mittel <P1.>:
Summe, die fiir bestimmte [öffentliche] Aufgaben od. Vorhabeti
zur Verfügung steht; das vorhandene Geld: seine G. sind
erschöpft; das Land muß die erforderlichen G. für den
Ausbau der Straße bereitstellen; -not, die: Mangelan Geld:
in G. sein; -Politik, die: Maßnalimen der Regierum u.
der Zentralbank zur Beeitiflussum von Geldumlauf,
Zinshöhe, Anzahl der Kredite u.a.; -pobter. das: Dank
reichlicher Reserven und üppiger G. (Spiegel 18, 1976.
86); -prämie, die; -preis, der: Auszeichnung, Gewinn, der
in Bargeld gezahlt wird; -quelle, die: Stelle (Person,
Institution, Firma), bei der jmd. Geld bekommen kann (als
Darlehen. Unterstützung. Lohn); -rolle, die (Bankw.): in festes
Papier verpackte u. mit Wertangabe versehene Rolle, die
eine bestimmte Anzahl gleichartiger Münzen enthält;
^Sache, die: svw. t -angelegenheit: R in -n hört die
Gemütlichkeit auf (nach einem Ausspruch des Abgeordneten D.
Hansemann [1790-1864]); -sack.der: l.a) (veraltet) großer
Beutel für Geld; *auf seinem G. sitzen (ugs. abwertend;
geizig sein)', b) fester Sack, in dem größere Geldmengen
(in gepanzerten Wagen) von od. zu einer Bank befördert
werden können. 2, (ugs. abwertend) jmd., der sehr reich,
aber fteizig ist; -säckel, der (landsch.): svw. t-sack (1 a):
Ü Der kantonale G. wird ... um jährlich rund 30 Millionen
Franken entlastet (National-Zeitung 453.1968.4); -schein.
der: Schein von bestimmter Größe (durch Wasserzeichen,
schmalen Metallstreifen u. besonderen Druck gegen
Nachahmungen geschützt), der den aufgedruckten Geldwert
repräsentiert; Banknote; -Schneider, der [urspr. = Geldwechsler,
der sich durch Beschneiden der Münzränder bereichert]
(ugs.): allzusehr auf Gewinn bedachter Kaufmann, Wuche-
982
Geleise
rer; -Schneiderei, die (ugs.): ungerechtfertigt hohe
Geldforderung: das ist reine G.; -Schöpfung, die (Finanzw.):
Schaffung zusätzlichen Geldes (durch die Zentralbank, den Staat
od. durch Kreditinstitute); -schrank, der: gepanzerter,
feuerfester u. / durch besondere, komplizierte Schlösser/
gegen Diebstahl gesicherter Schrank zur Aufbewahrung von
Geld. Wertsachen. Dokumenten u.a.; Tresor, dazu:
-schrankknacker, der (ugs.): Einbrecher, der darauf
spezialisiert ist, Geldschränke gewaltsam zu öffnen; -schuld, die:
Verpflichtung zur Zahlung einer bestimmten Geldsumme;
-schwemme, die (ugs.): plötzlicher Reichtum; Zustand des
Überflusses, bei dem jmd. frei über viel Geld verfügen kann;
-Schwierigkeiten <PI.>: Mangel an Geld, finanzielle
Schwierigkeiten; -sorgen <PI.>: Sorgen in bezug auf das Geld, die
wirtschaftliche Existenz; -sorte, die (Bankw.): best, aus-
ländischej Währung; -spende, die: geldliche Zuwendung
für einen best. ]wohltätigenJ Zweck (Ggs.: Sachspende);
-spritze, die (Wirtsch. Jargon): Hilfe für einen Betrieb.
Wirtschaftszweig durch eine einmalige Geldzuwendung;
-strafe, die: Strafe in Form einer Geldza/dung; ^stück,
das: kleinere Metallscheibe, die den aufgeprägten
Geldwert repräsentiert; Münze (1); -summe, die: (bestimmte/
Summe Geld; -Surrogat, das (Fachspr.): a) Geldersatz-
mittel wie Scheck u. Wechsel; b) svw. T Notgeld; -tasche,
die: ;Leder]tasche. die bes. für das Einscunmeln grölkrer
Mengen von Kleingeld geeignet ist; -Umlauf, der: die
innerhalb eines Staatsgebiets umkmfende Geldmenge;
Mimtausch, der: Umtausch von einer Währung in eine andere;
-verkehr, der <o. PI.): wechselseitige Zahlung; ^verle-
genheit, die (verhüll.): / vorübergeheruier j Mattgel an Geld:
gerade in G. sein; -Verleiher, der: jmd., der Geld gegen
Zinsen verleiht; -Verlust, der; -Verschwendung, die;
-Wechsel, der: svw. t ^Umtausch; ^wert <Adj.; o. Steig.; nicht
adv.) (Bankw.): den Geldwert (a) betreffend; einen Geldwert
darstellend: -e Papiere; In dem -en Vorteil, den die
Bausparkasse ihrem prominenten Sonderkunden zuschanzte
(Spiegel 17, 1977, 145); ^wert, der: a) in Geld ausgedrückter
Wert eines Gegenstandes: die alte Truhe hat einen hohen
G.; b) Wert der Währung eines Landes: fallende Preise
bedeuten steigenden G.. dazu: -wertstabilität, die: die G.
muß erhalten bleiben; -wesen, das <o. PI.): alles mit dem
Geld Zusammenhängetule; Finanzwesen; -Wirtschaft, die:
Wirtschaftssystem mit Geld als allgemeinem
Zahlungsmittel; -Zirkulation, die: svw. t -Umlauf: -zusteiler, der:
Beamter od. Angestellter der Post, der Geld auszahlt u. (bei
Nachnahmesendungen) kassiert; -Zuwendung* die (meist
PI.): [regelmäßige] Unterstützung in Form von Geld.
G^Ueswert, der; -[eis: etw.. was den gleichen Wert hat wie
Geld: meist in Fügungen wie: mit für Geld und G.; geldig
l'geldu;] <Adj.; nicht adv.) (bayr., österr.): reich; geldlich
<Adj.; o. Steig.; nicht präd.): das Geld betreffend; finanziell;
Geld-: -e Schwierigkeiten; Jmdn. g. unterstützen.
geleckt [galekt]: I. t1 lecken. 2. <Adj.; -er. -este) meist in
der Wendung wie g. aussehen (ugs. scherzh.: 1. sehr sauber
ausseften. 2. sehr sorgfältig* übertrieben korrekt gekleidet
sein): <Abl.:) Gel^cktheit, die; -: gelecktes Aussehen.
Gelee be'le:. auch: 33*le:], der od. das; -s, -s [frz. gelee
< vlat. geläta, 2. Part, von lat. geläre. f gelieren]: a) süßer
Brotaufstrich aus gallertartig eingedicktem Fruchtsaft: G.
aus Brombeeren kochen; b) in gallertartigen Zustand
übergangener Fleisch- od. Fischsaft: Saft vom Kalbsbraten
wird schnell zu G.; Hering in G.; c) mit Hilfe von
Geliermitteln hergestellte Süßspeise.
Gelege lga'le:g3], das; -s, - [zu liegen]: (bes. von Vögeln
u. Reptilien) Gesamtheit der von einem Tier an einer Stelle
abgelegten Eier: ein G. von 5 Eiern; <Zus.:> Gelegestärke,
die (fachspr.): Anzafd der in einem Gelege vorhandenen
Eier.
gelegen [gd'le:gn; 2: mhd. gelegen, ahd. gelegan, urspr. =
angrenzend, benachbart, dann = verwandt u. passend,
geeignet]: 1.1 liegen. 2. <Adj.; nicht adv.) in einem günstigen
Augenblick [geschehend, eintretend/: zu jmds. Absichten
passend: zu -er Stunde; dein Besuch ist. kommt mir sehr
g.; <Abl.:> Gelegenheit, die; -, -en [mhd. gelegenheit =
Art u. Weise, wie etw. liegt. Lage, Stand (der Dinge)!:
1. günstiger Augenblick; geeignete Umstände, um etw.
Geplantes auszufü/iren: die G. ist günstig; dazu bietet sich
bald [eine) G.; verpaßte -en; jmdm. [die] G. geben, etw.
zu tun; die G. nutzen; bei der nächsten G. (sobald es
sich ermöglichen läßt); bei G. (gelegentlich, irgendwann
einmal); Spr G. macht Diebe (eine günstige Gelegenheit
kann jmdn.. der sonst gar nicht auf den Gedanken käme,
leicht dazu verleiten, etw. zu stehlen); *dieG. beim Schöpfte]
fassen/ergreifen/nehmen (einen einmaligen, günstigen
Augenblick schnell entschlossen ausnutzen; nach dem im
griech. Mythos als Gott verehrten Kairos [= der günstige
Augenblick] mit lockigem Vorder- u. kahlem Hinterhaupt,
der deshalb als Davonfliegender dargestellt wurde, weil
man meist die gute Gelegenheit erst zu ergreifen sucht,
wenn sie schon vorbei ist). 2. Anlaß: Kleidung für alle
-en; nur zu festlichen -en wird der Saal benutzt; bei G.
(Papierdt.: aus Anlaß) seines Besuches. 3. (Werbespr.) bes.
günstiges Angebot: 5 Perserteppiche - 5 -en (FAZ 54.
1958. 9). 4. (verhüll.) Toilette: wo ist hier die G.?
Gelegenheit»-: -arbeit, die: nur vorübergehend angenommene
Arbeit, Erwerbstätigkeit, dazu: -arbeiter, der: jmd., der
nur gelegentlich arbeitet, keiner geregelten Arbeit nachgeht;
-bildung, dfe (Sprachw.): Wort, das jederzeit gebildet
werden kann, aber nicht fester Bestandteil des Wortschatzes
ist; -dichter, der: jmd.. der für bestimmte Gelegenheiten
Gedichte verfaßt, dazu: -dichtung, die, -gedieht, das; -kauf,
der: a) Kauf, zu dem sich jmd. durch eine günstige
Gelegenheit, ein günstiges Angebot o. dgl. spontan entschließt: wir
machten auf dem Markt einige Gelegenheitskäufe; b) der
als günstige Gelegenheit angebotene od. gekaufte
Gegenstand selbst: diese alte Truhe ist ein G.; -raucher, der:
jmd., der nur gelegentlich, nicht gewohnlieitsmäßig raucht.
gelegentlich [gd'le:gntli9; mhd. gelegenlich = gelegen,
günstig]: I. <Adj.; o. Steig.; nicht präd.) a) bei Gelegenheit,
bei passenden Umständen geschehend: -e Besuche; diese
Sachen sollen g. verkauft werden; b) manchtnal, hier u.
da, von Zeit zu Zeit / erfolgend]: -e Niederschläge; er raucht
nicht mehr ständig, sondern nur noch g. II. <Präp. mit
Gen.) (Papierdt.) bei [der Gelegenheit (1)]: g. seines
Besuches wurde vereinbart, daß ...
gelehrig [ga'leTu;] <Adj.) [verstärkende ge-Bildung zu einem
untergegangenen Adj. ..lehrig", zu f lehren]: schnell die
[schlechten] Gewohnheiten. Praktiken o.a. eines anderen
annehmend, sich dessen Kenntnisse zu eigen machend,
anstellig: ein -er Schüler; spürte das Kind g. die Gefahr und
verhielt sich still (Apitz. Wölfe 252); <Abl.:) Gelehrigkeit,
die; -: Anstelligkeit; gelehrsam <Adj.>: 1. gelehrig: ein -es
Tier. 2. (veraltet) gelehrt; <Abl.:> Gelehrsamkeit, die; -
(geh.): umfassende wissenschaftliche Bildung; großer
Reichtum an Kenntnissen; Gelehrtheit: die Oberprimaner, die
... vor G. fast zu bersten schienen (Thielicke. Ich glaube
32); gelehrt <Adj.; -er. -este) [mhd. geler(e)t. ahd. galerit.
eigtl. 2. Part, von t lehren]: a) kenntnisreich, sehr gebildet:
ein -er Mann; ein -es Haus (ugs. scherzh.; jmd., der ein
sehr großes Wissen hat)', b) auf wissenschaftlicher Grundlage
berußiend: -e Angriffe gegen eine Theorie; der -e Apparat
(Anmerkungen, Literaturangaben) eines Buches; c) (meist
abwertend) in wissenschaftlicher Fachsprache abgefaßt u.
daher schwer verständlich: er drückt sich immer so g.,
viel zu g. aus; <subst.:> Gelehrte, der u. die: -n. -n <Dekl.
t Abgeordnete): Wissenschaftler]in]; anerkannter
Fachmann auf einem Wissensgebiet: ein lebensfremder -r; eine
bekannte G.; R darüber streiten sich die -n/sind sich die
-n noch nicht einig (das ist unklar, ungeklärt; niemand
weiß etwas Genaues; nach Horaz. Ars poetica, Vers 78).
dazu: Gefchrtentum, das; -s.
Gelehrten-: -dasein, das; -familie, die: Familie, aus der
schon mehrere bekannte Gelelirte hervorgegangen sind;
-köpf, der: besonders ausdrucksvoller, charakteristischer
Kopf (wie der eines Gelehrten): Was für Gesichter unter
den Mönchen!... ein guter, gedankenvoller G. (Chr. Wolf.
Nachdenken 143); -streit, der: wissenschaftliche
Auseinandersetzung, Kontroverse: ^stube, die: Arbeitszimmer eines
Gelehrten: eine mit Büchern gefüllte G.; Ü das kommt
aus der G., nicht aus der Praxis (ist allzu weltfremd
ausgeklügelt); ^welt, die <o. PI.): Gesamtheit der Gelehrten.
Gelehrtheit, die; -: reiches Wissen, Gelehrsatnkeit.
Geleier [ga'lamj. das; -s [zu t leiern = eintönig hersagen]
(abwertend): a) [dauerndes] Leiern; b) monotone,
ausdruckslose Vortragsweise.
Geleise [go'lajza], das; -s, - [mhd. geleis(e) = Radspur,
Kollektivbildung zu: leis(e).ahd. (wagan)leisa =
(Wagenspur] (österr., sonst geh.): svw. TGleis: als liefen die
Reaktionen in einem G.. das sich in einer Weiche in zwei
Fortsetzungen gabelt (Lorenz. Verhalten I. 215).
983
Geleit
Geleit [ga'lajt]. das; -le]s. -e [mhd. geleite, zu t geleiten):
a) (geh.) das Begleiten; das Mitgehen od. Mitfahren zum
Schutz od. als Ehrung für jmdn.: jmdm. sein G. anbieten;
im G. des Präsidenten; * freies/sicheres G. (hist.. noch
jur.; Garantie der Bewegungsfreiheit u. Unverletzlichkeit):
jmdm. dasG. geben (seh. Jmdn. [ offiziell] begleiten): jmdm.
das letzte G. geben (geh. verhüll; jmdn. feierlich beerdigen,
an der feierlichen Beerdigung teilnehmen): zumG. (als
Widmung, begleitende Worte in Büchern); b) Gefolge, Eskorte,
Schutzmannschaft: ein G. von mehreren Flugzeugen folgte
der Maschine des hohen Gastes; Geleite, das; -s, - (veraltet):
svw. tGeleit: indes das G. mit Lärm und Getrampel das
Haus ... erfüllte, die Braut zu holen (Th. Mann. Joseph
305).
Geleit-: ^boot. das: kleines Kriegsschiff, vor allem zum Schutz
von Geleitzügen; -schiff, das: vgl. ^.boot: Er hatte ... Bilder
gezeichnet - von U-Booten und vom wilden Ozean und
von -en (Simmel. Stoff 603); -schütz, der: /militär.J Schutz
durch Begleitung: jmdm. G. geben; sie lassen sich im G.
nach Hause bringen; -wort, das: einer Veröffentlichung
zum Geleit vorangestellte Einfuhrung, Vorbemerkung,
Würdigung, oft von einer bekannten, fachkundigen
Persönlichkeit: mit einem G. von Professor X; -zug, der (Milit.):
Konvoi aus Handels- u. zur Sicherung mitfahrenden
Kriegsschiffen.
geleiten <sw. V.; hat) [mhd. geleiten, ahd. gileitan. zu t leiten]
(geh.): begleiten, mitgehen, um jmdn. zu ehren od. zu
schützen: ein Mädchen nach Hause, einen Blinden über die
Straße g.; er geleitete den Gast zur Tür.
gelenk [gs'lenk] <Adj.) [mhd. gelenke] (veraltet): gelenkig,
geschmeidig: Er (= der Rehbock) wandte den -en Hals
neugierig herum (Hauptmann. Thiel 46); Gelenk, das; -[eis.
-e [mhd. gelenke = Taille, zu mhd. lanke, ahd. (h)lanka
= Hüfte. Lende, Weiche, eigtl. = Biegung am Körper,
biegsamer Teil]: a) bewegliche Verbindung zwischen
Knochen: ein schwachesG.; die -e krachen; im Alter bekommt
man steife -e; in den -en einknicken; es knackt in den
-en; b) (Technik) bewegliche Verbindung zwischen
Maschinenteilen: das G. muß geölt werden; legte ... Tempo
vor, daß der Karren in allen -en ächzte (Kirst. 08/15,
355).
Gelenk- (österr. meist: Gelenks-): ^empyem, das:
Gelenkentzündung, bei der sich Eiter im Gelenk (a) ansammelt; ^ent-
zündung, die (Med.): svw. t Arthritis; -fahrzeug, das:
Fahrzeug, bei dem Motorwagen u. Anhänger durch ein
bewegliches Gelenk (b) miteinander verbunden sind, so daß man
von einem zum andern durchgehen kann (z. B.
Großraumwagen bei der Straßenbahn); ^gicht.die: svw. T Gicht; ^kapsel.
die (Anal.): Kapseleines Gelenks (a); ^knorpel, der (Anat.):
knorpeliger Überzug am Ende eines Gelenks (a); -köpf,
der. -kugel,die (Anat.): abgerundetes Ende eines Knochens,
das in die Gelenkpfanne eingreift u. mit dieser ein Gelefik
(a) bildet; -maus, die [zu T Maus in der med. Bed. ..freier
Gelenkkörper**] (Med.): innerhalb eines Gelenks (a)
liegendes, aber nicht mit ihm verbundenes krankhaftes Gebilde
aus Bindegewebe, Knorpel- od. Knochensubstanz; -obus,
MHiinibus, der: vgl. Fahrzeug; ^pfanne, die (Anat., Med.):
Pfanne eines Gelenks (a); -plastik, die (Med.): künstliche
Bildung eines neuen Gelenks (a); -puppe, die: svw. t
Gliederpuppe; -rheumatianus, der (Med.): schmerzhafte, meist
mit Fieber verbundene rheumatische Erkrankung der
Gelenke; -schmiere, die (Anat.): von der Innenhaut der
Gelenkkapsel abgesonderte Flüssigkeit, die das Gelenk geschmeidig
erhalten u. die Reibung mildern soll; -Straßenbahn, die:
vgl. Fahrzeug; -Versteifung, die (Med.): Steifwerden eines
Gelenks (durch Verletzung, Entzündung, Wucherung u.a.);
-wagen, der: vgl. -fahrzeug; -Wassersucht, die (Med.):
krankhafte Ansammlung von Flüssigkeit in einem Gelenk
(a); -welle, die (Kfz.-T.): zwischen zwei Kardangelenken
angebrachte Welle; Kardanwelle; -mg, der (Verkehrsw.):
aus mehreren Gelenkwagen bestehender Zug: Heimfahrt
in den modernen und schnellen Gelenkzügen der Rhein-
Haardt-Bahn (Werbeprospekt).
gelenkig <Adj.> [zu f gelenk]: a) von besonderer Beweglichkeit
in den Gelenken (a) leicht beweglich u. wendig: ein -er
Sportler; Seine schmalen Hüften wurden -er. Brust und
Schulter breiter (Feuchtwanger. Erfolg 317); er sprang
g. über den Zaun; b) (Technik) mit Gelenken (b) versehen;
so angebracht, daß es bewegt werden kann: da ja die
Kolbenstange oben g. mit dem Wagenkörper verbunden ist
(Auto 6.1965.32); <Abl.:> Gelenkigkeit, die; -: Biegsamkeit.
Beweglichkeit des Körpers in den Gelenken (a).
Gelenks- (österr.): svw. tGelenk-.
gelernt [gelernt] <Adj.; o. Steig.; nur attr.) [eigtl. 2. Part,
von t lernen, das früher auch im Sinne von ..lehren**
gebraucht wurde u. daher ein persönliches Passiv (gelernt
worden sein) bilden konnte]: für ein bestimmtes Handwerk,
einen Beruf vollständig ausgebildet: sie ist -e Verkäuferin,
arbeitet aber jetzt im Büro.
gelesen [gd'le:zn]: fiesen.
Geleucht, das; -[eis. (älter:) Geleuchte [gd'byfUe)]. das; -s
[mhd. geliuhte = Licht. Glanz, zu t leuchten]: 1. (geh.)
Leuchten; Lichtschein von besonderer Art: Überall das
warme, flutende Geleucht, die Weiten schimmerten im
Morgenblau (Kreuder. Gesellschaft 161). 2. (Bergmannsspr.)
Licht, Beleuchtung unter Tage (z. B. Grubenlampe).
Gelichter [gd'h^te]. das; -s [mhd. gelihter = Sippe. Art,
zu ahd. lehtar = Ort. wo das Kind liegt. Gebärmutter,
zu fliegen; also eigtl. = zur selben Mutter Gehörende.
Geschwister] (veraltend abwertend): [heruntergekommene]
Menschen, die dutiklen Geschäften nachgehen od. auf
Verbrechen ausgehen; Gesindel: Zuhälter. Diebe u. anderes
G. trieben sich in den Straßen herum.
gdkbt f lieben: 'Geliebte [gd'li:pto]. der. -n. -n <Dekl. f
Abgeordnete) [subst. 2. Part, von f lieben]: l.a) Mann, mit
dem eine verheiratete Frau außerhalb ihrer Ehe eine sexuelle
Beziehung hat: der eifersüchtige Ehemann erschoß den
-n seiner Frau; einen -n haben; b) (veraltend) Mann, mit
dem eine Frau eine intime Beziehung, ein Liebesverhältnis
hat: ihr -r ist viel jünger als sie. 2. (geh.. veraltet; als
Anrede) geliebte, männliche Person: -r. hörst du mich?
^Geliebte [-]. die; -n. -n <Dekl. f Abgeordnete): l.a) Frau,
mit der ein verheirateter Mann außerhalb seiner Ehe eine
sexuelle Beziehung hat: nach der Scheidung hat er seine
langjährige G. geheiratet; b) (veraltend) Frau, mit der ein
Mann eine intime Beziehung, ein Liebesverhältnis hat: er
wohnt mit seiner -n zusammen; Ü einen Kapitän, der
... eine einzige G. hat: die Astronomie (Frisch. Cruz 85).
2. (geh., veraltet; als Anrede) geliebte weibliche Person:
komm nahe zu mir. G. (Remarque. Triomphe 203).
gelkfert: 1. f liefern. 2. *g. sein (salopp; verloren, ruiniert,
tot sein; urspr. = dem Gericht überliefert, ausgeliefert:
Sie haben dich! ... Jetzt bist du g. (Fallada. Jeder 296);
Jeden Moment konnte ein Blitz in unsere Gruppe fahren,
dann waren wir g. (Eidenschink. Fels 100).
geliehen te'li:dn]: f leihen.
gelieren [je'lhren. auch: 33li:ren] <sw. V.; hat) [frz. geler
= zum Gefrieren bringen; gefrieren; steif werden < lat.
geläre = gefrieren machen, zum Erstarren bringen]: zu
einer halbfesten Masse, zu Gelee werden: Beeren gelieren
besonders gut: der Bratensaft hat sofort geliert: <Zus.:)
Geliermittel, das (Kochk.): Zusatz, der das Gelieren einer
Flüssigkeit ermöglicht od. fördert (z. B. Gelatine);
Gelierzucker, der: mit einem Geliermittel versetzter Zucker.
Gelifraktion [gelifrak't?lo:n]. die: -. -en [Kunstwort, zu lat.
gelü (gelum, gelus) = Frost u. f Fraktion] (Geol.): svw.
f Frostverwitterung.
ge!jnd[e] <Adj.; gelinder, gelindeste) [mhd. gelinde, zu f lind]:
1. (geh.. veraltend) a) mild, nicht rauh: gelindes Klima;
jener begünstigte Landstrich.... gelinde und ohne
Schroffheit (Th. Mann, Krull 10); b) schwach, nicht stark: ein
gelinder Regen; etw. bei gelindem Feuer braten; ein
gelinder Schmerz; die Speisen sind gelindle] gewürzt; c) mild,
sanft, nicht streng, nicht hart: mit einer gelinden Strafe
davonkommen; d) schonend, vorsichtig: nachdem er ...
unliebsame Persönlichkeiten, die in seine Nähe gerieten. ...
mit einem gelinden Fußtritt bedacht hatte (Brach.
Versucher 79); wusch sie meine Füße .... trocknete sie gelinde
ab (Fallada, Trinker 31). 2. <adv. nur: gelinde) (in
Verbindung mit einem Verb des Sagens od. einem entsprechenden
Subst.) abschwächend, schonend, vorsichtig /ausgedrückt/,
obgleich eigentlich ein stärkerer, weniger beschönigender
Ausdruck angebracht wäre: das ist nur ein gelinder
Ausdruck dafür; das Wort „Unverschämtheit" ist noch sehr
gelinde dafür; das ist, gelinde gesagt, nicht sehr geschickt
von ihm; diese Darstellung ist. um es gelinde auszudrücken,
viel zu allgemein gehalten; 3. (nur attr.) (ugs.) auf Grund
von Gemütsbewegungen nicht zu unterdrücken, nicht gering:
ein gelinder Schauer lief ihm den Rücken hinunter; da
packte ihn gelinde Wut.
984
Gelüst
gelingen [gahnan] <st. V.; ist) /vgl. gelungen/ [mhd. (ge)-
lingen. ahd. gilingan. eigtl. = leicht in der Bewegung
u. im Gewicht sein; verw. mit t leicht): jmds. Bemültungen
od. Absicht gemäß erfolgen; durch jmds. Planung od.
Bemühung mit Erfolg zustande kommen: das Werk gelingt; es
muß gelingen, das Feuer einzudämmen: die Überraschung
ist vollauf gelungen; das ist [ihm] gut gelungen; es gelang
mir nicht, ihn zum Mitkommen zu überreden; der Kuchen
ist mir gut. gar nicht gelungen; die Arbeit ist dir schlecht
gelungen; (häufig im 2. Part.:) eine gelungene (geglückte)
Überraschung; die Aufführung war sehr gelungen
(wirksam, gut gestaltet; erfolgreich); <subst.:> Gelingen, das;
-s: das Gelingen; Erfolg: auf ein gutes G.
Gelispel[ga'lispl],das; -s(geh.. veraltet abwertend):
(dauerndes] Lispeln t u. Flüstern]; geljspelt: t lispeln.
gelitten bp'litn]: t leiden.
'gell [gell <Aclj.) [zu tgellen] (geh.): laut, schrill, gellend:
-es Geschrei; das Lachen wurde immer -er; <subst.:) in
die Augen springt das Gelle, das Grelle, das Laute
(Tucholsky. Werke II. 280).
*gell?H (Interj.) (südd.): svw. t^elt?; »eile? ['gcb]'<Interj.>
(md.): svw. f^lt?
gellen ['gelan] <sw. V.; hat) [mhd. gellen, ahd. gellan. eigtl.
= rufen, schreien]: a) hell u. durchringend sclmllen: ein
Pfiff gellte durch die Nacht; seine Stimme gellte mir in
den Ohren; gellende Hilferufe; b) durch den Schall
erschüttert werden u. nachhallen: sie schrie, daß das ganze Haus
gellte; ihm gellten die Ohren von all dem Lärm.
geloben <sW. V.; hat) [mhd. geloben, ahd. gilobön, zu t loben]
(geh.): a) feierlich versprechen: Besserung g.; jmdm. Hilfe
g.; einander, sich [gegenseitig] Treue g.; er gelobte, sie
nie zu verlassen; b) <g. + sich) sich etw. fest vornehmen:
ich habe mir gelobt, ein anderer Mensch zu werden; <Abl.:>
Gelöbnis [g3'l0:pnis], das; -ses. -se (geh.): feierliches
Versprechen. Schwur: ein G. ablegen.
Gelock to'bk]. das; -[eis [Kollektivbildung zu f Locke]
(geh.): lockiges Haar. Lockenpracht: krauses G. fiel ihm
in die Stirn.
Geloder [ga'lo:dB]. das; -s: helles Lodern: die Birken ...
vor dem rotgoldenen G. ihres sich färbenden Laubes (Re-
marque. Westen 134).
gelogen [ga'lo.gn]: f lügen.
gelöst [ga'to.st]:' I. f lösen. 2. <Adj.; nicht adv.) [eigtl. 2.
Part, von lösen]: innerlich entspannt, nach einem Zustand
innerer Anspannung nun frei von Sorge. Belastung, ruhig
und gelassen: eine -e Stimmung; ich war entspannt, g.;
sie wirkte g.; <AbI.:) Gelöstheit, die; -: ungezwungene
Haltung des Entspanntseins: ein Ausdruck innerer G.
Gelse [gelzd]. die; -. -n [zu veraltet gelsen = summen,
schreien, zu tgellen] (österr.): Stechmücke.
'gelt [gelt] <AdU.: o. Steig.; nicht adv.) [mhd.. ahd. galt,
eigtl. 2. Part, zu ahd. galan = singen, zaubern, behexen;
unfruchtbares Vieh galt nach dem Volksglauben als behext]
(Jägerspr.. landsch.. auch Landw.): keine Jungen führend,
/vorübergehend] unfruchtbar: eine -e Geiß; das Tier ist
in diesem Jahr g.; vgl. 'galt.
^It? I-] (Interj.) [eigtl. verkürzte Form der 3. Pers. Elnz.
KonJ. von t gelten, also eigtl. = es möge gelten] (südd..
österr. ugs.): nicht wahr?: da staunst du. g.?
Gelte ['gelte], die; -. -n [mhd. gelte, ahd. gellita = Gefäß
für Flüssigkeiten < mlat. galeta < lat. calathus < griech.
kälathos = Körbchen, Trinkschale]: a) (landsch.) Wasch-
gefaß* Bottich; b) (südd.) Melkeimer.
gelten l'geltn] <st. V.: hat) /vgl. geltend/ [mhd. gelten =
zurückzahlen, entschädigen; für etw. büßen; Einkünfte
bringen; kosten, wert sein, ahd. geltan = zurückzahlen,
zurückerstatten; opfern: vgl. Geld]: 1. gültig sein;
Gültigkeit haben: die Fahrkarte gilt zwei Monate: diese
Briefmarken gelten nicht mehr; das Gesetz gilt für alle; das gilt
nicht! (im Spiel: das widerspricht den Regeln): nach
geltendem Recht; *etw. [nicht] g. lassen (7nicht] anerkennen):
diesen Einwand lasse ich [nicht] g.; die Bereitschaft, uns
gerade auch in unserm Fremden und Schwierigen
wechselseitig g. zu lassen (Goes. Hagar 13). 2. einen bestimmten
Wert haben; etw. wert sein: diese Münze gilt nicht viel;
das Geld gilt immer weniger; es gilt ihm gleich, ob ...
3. betrachtet, angesehen werden: als klug, als [ein]
überzeugter Sozialist g.; das gilt als sicher; sie könnte für schön
gelten, wenn ... (Werfel, Bernadette 21); das galt ihm für
ausgemacht. 4.a)fürjmdn.. etw. bestimmt sein: der Beifall
galt den Schauspielern; das gilt dir; Einschläge von
Bomben, die ... der Brücke gegolten hatten (Gaiser. Schlußball
209); b) (geh.) sich mit etw. beschäftigen, sich auf etw..
jmdn. beziehen: mein Interesse gilt diesem Problem; Dem
Tod gelten seine Gedanken, gilt sein Kampf (Schneider,
Leiden 61); sein letzter Gedanke hatte seiner Frau gegolten
(Plievier. Stalingrad 91). 5. (unpers. > a) auf etw. ankommen:
es gilt, sich zu entscheiden; es gilt einen Versuch (kommt
auf den Versuch an); dieses Ziel gilt es zu erreichen (dieses
Ziel muß erreicht werden); b) (geh.) um etw. gehen, was
in Gefahr ist: es gilt seine Ehre; bei dem Kampf galt
es Sieg oder Niederlage; er läuft, als gelte es sein Leben;
<1. Part.:) geltend in den Verbindungen etw. g. machen
(vorbringen): seine Wünsche. Forderungen g. machen; sich
g. machen (sich auswirken, bemerkbar werden): die
Mißstimmung hat sich in Unruhen g. gemacht; <subst.:>
Geltendmachung ['geltntmaxuQ], die; - (Papierdt.): das
Vorbringen. Geltendmachen: Übereinkommen über die G. von
Unterhaltsansprüchen im Ausland (Börsenblatt 83. 1960.
4824).
G^lttier, das; -[e]s, -e [zu T 'gelt] (Jägerspr.): weibliches Wild,
das I in dem betreffenden Jahr] keine Jungen gehabt nat.
Geltung, die: - [t gelten]: 1. das Gelten (1). Gültigkeit: die
G. der Naturgesetze; G. haben (gültig sein, zutreffen);
die Bestimmung hat für die Fälle G.. bei denen ...; in
G. sein/bleiben (gültig seinlbleiben; nicht abgeschafft
werden). 2. Wirkung. Wirksamkeit: der Künstler mit seinem
Drang nach G.; ein Mann von G.; .*Jmdm.« sich, einer
SacheG. verschaffen (dafür sorgen, daßjmd.. etw. beachtet,
gewürdigt, respektiert wird): dem Recht wieder G.
verschaffen: an G. verlieren (weniger beachtet, bedeutungslos
werden); zurG. bringen (vorteilhaft wirken lassen): sich selbst,
seine Ansichten immer wieder zur G. bringen; zur G.
kommen (vorteilhaft wirken): in dieser Beleuchtung kommt
das Bild sehr gut zur G.
geltungs-. G?ltungs-: -bedürfnis, das (o. PI.): Bedürfnis,
angesehen zu sein u. bei anderen etwas zu gelten: Spitzenstars
sind überempfindlich und haben ein übersteigertes G.
(Hörzu 35. 1974. 10); ^bedürftig <Adj.; nicht adv.); -b*
reich, der: Bereich, in dem. für den etw. gilt: G. dieses
Gesetzes ist die Bundesrepublik; -dauer, die: Zeitraum
der Gültigkeit: ein Mietvertrag mit zehnjähriger G.;
Mlrang, der: svw. t ^bedürfnis; -streben, das: svw. t ^be-
dürfnis; -sucht, die <o. PL): allzu starkes, krankhaftes
Geltungsbedürfnis, dazu: -süchtig <AdJ.; nicht adv.);
^ trieb, der: Trieb, etw. zu gelten, sich Geltung zu
verschaffen; -wille* der: Wille, als wichtig u. bedeutend angesehen
zu werden: den -n seines Landes durch repräsentative
Anlagen und Gebäude auszudrücken (Sieburg. Paris 22).
Geltvieh, das; -[eis (landsch.): svw. tGaltvieh.
Gelübde [gd'lypdd]. das; -s. - [mhd. gelüb(e)de. ahd. gilubida.
zu Tgeloben] (geh.): feierliches > vor Gott abgelegtes]
Versprechen; Gelöbnis, etw. Bestimmtes zu tun: ein stilles,
heiliges G.; das G. der Armut, der Keuschheit; ein G. tun;
sein G. halten, erfüllen, verletzen, brechen; die ewigen
G. (kath. Rel.: Ordensgelübde)ablegen; an ein G. gebunden
sein; die Nonne wurde von ihrem G. befreit.
Gelump, das; -[e]s. Gelumpe [ga'lompfo)]. das; -s
[Kollektivbildung zu tLump. Lumpen]: 1. (ugs. abwertend)
(herumliegende od. -stehende] Dinge, die als wertlos, alt. überflüssig
angesehen werden; Lumpen. Plunder: Während Bichler den
Rucksack und das andere Gelumpe mit vielsagendem
Grinsen im Auto verstaute (Werfel. Himmel 81); Möbel,
Kleider, Schmuck ... Es hing an all dem ausgedienten Gelump
noch der Geruch des kleinen Lebens, von dem es ein
Teil gewesen war (Feuchtwanger. Erfolg 774). 2.
(abwertend) bestimmte Gruppe von Menschen, die abgelehnt oder
verachtet wird; Pack. Gesindel: die Fabrikanten und die
Schwerverdiener und dieses Gelumpe (Bieler, Bonifaz 88).
Gelänge [ga'lYos], das; -s [spätmhd. gelunge.
Kollektivbildung zu t Lunge] (Jägerspr.): svw. t ^Geräusch.
gelungen [ga'liwn]: 1. t gelingen. 2. <Adj.) (ugs.) durch
eine komische, originelle Art belustigend; ulkig, drollig, zum
Lachen: das ist eine -e Idee; das finde ich g., daß wir
uns ausgerechnet hier wiedersehen; du siehst in deinem
Faschingskostüm einfach g. aus.
Gelüst, das; -[e]s. -e. Gelüste [gd'lvsttd)]. das; -s. - [mhd.
gelüste, gelüste, ahd. gilusti] (geh.): das sich in jmdm.
regende u. Befriedigung. Erfüllung fordernde Verlangen nach
einem mit Lustempfindungen. Vergnügen verbundenen Tun:
985
gelüsten
ein seltsames, sündiges G.; sexuelle Gelüste; das G. der
Schwangeren «ach Gurken; ein G.. etw. zu tun; ein G.
spüren, haben; einG. auf etw. haben; Ü Jedes revolutionäre
Gelüste lag ihnen fern (Niekisch, Leben 89); gelüsten
[ga'lYstn] <sw. V.; hat; unpers.) [mhd. gelüsten, ahd. gilu-
sten, zu TLustJ (geh.): ein Gelüst. Lust verspüren: mich
gelüstet [es] nach frischem Obst; es gelüstete ihn, heftig
zu widersprechen; Geht eine Frau über den Markt und
sieht einen Jüngling, nach dem es sie gelüstet, so legt
sie sich zu ihm (Th. Mann, Joseph 97); <subst.:> Gelüsten
[-1, das; -s (veraltet): svw. tGelüst; <Abl.:> gefystig <Adj.>
(landsch. od. geh.): begierig, von Gier, Lust erfüllt: mit
-en Blicken; sie ist g. (versessen) auf Schokolade; die
Herren, die schon das nächste Weltgemetzel g.
vorbereiteten (Kantorowicz. Tagebuch I, 540).
Geize ['geltsdl. die; -. -n [mhd. geize, galze, ahd. gelza.
galza] (Landw. veraltet, noch landsch.): verschnittene Sau;
geizen <sw. V.; hat) (Landw. veraltet, noch landsch.): (ein
Schwein) verschneiden.
gemach [ga'ma(:)x] <Adv.> [mhd. gemach = bequem, ruhig,
langsam, ahd. gimah = passend, geeignet, bequem; zu
t machen; vgl. allmählich, allgemach] (altertümelnd):
langsam /. nichts überstürzen 1! (als Ausruf): nur g.!; g.. g.!;
G.! versetzte der jüngere Hak im ... Unser Herr hat auch
meine Meinung ... zu hören verlangt (Jacob. Kaffee 30);
Gemach [gd'maOx]. das; -[eis. Gemächer [ga'me(:)<^] u.
(veraltend:) -e [mhd. gemach, ahd. gimah, urspr. =
Bequemlichkeit; vgl. Ungemach] (geh.): Zimmer,
[vornehmer] Wohnraum: ein fürstliches G.; die Gemächer der
Königin: die Augen der Mutter starrten ... in das dürftige
G. und auf die alte geblümte Tapete (Thieß. Legende
36); sich in seine Gemächer zurückziehen (scherzh.; nicht
mehr zu sprechen sein; schlafen gehen): gemächlich
[gd'me(:)cli9] <Adj.) [mhd. gemechlich. ahd. gimahlih]: a)
sich Zeit lassend: langsam u. ohne Hast: -en Schrittes
daherkommen; Fragen, die ... in einem wohltuend -en Bern-
deutsch beantwortet werden (Blick 18. 10. 68); sein Tempo
war g.; g. am Fluß entlangschlendern; Die schnelle Saöne
drängt sich ... eifrig der breiter und -er fließenden Rhone
zu (Sieburg. Blick 145); b) ruhige Behaglichkeit
ausströmend; gemütlich: ein -es Leben führen; Leutnant
Aschbliebg. sitzen (Kirst, 08/15. 779); Abi
Gemächlichkeit, die; -; gemachsam [g3'ma(:)xza:m] <Adj.> (geh..
veraltend): svw. T gemächlich (a): Herr Ruy ritt mit dem Buben
oft vom Wege in die Tiefen des Waldes, während die
Knechte g. ... weiterzogen (Doderer. Abenteuer 15).
gemacht: 1. tmachen. 2. *ein gemachter Mann sein (ugs.;
das geschafft haben, was man erreichen wollte, und jetzt
finanziell gut dastehen, in wirtschaftlich gesicherten
Verhältnissen leben): zu/für etw. [nicht] gemacht sein (ugs.; /nicht!
geschaffen zu. für etw. sein): Das Ganze ist ein
Mißverständnis, so wie es ein Mißverständnis ist, daß wir zum Glück
g. sein sollen (Chr. Wolf, Nachdenken 78).
'Gemacht das; -[e]s. -e. 'Gemachte [ga'me^tta)]. das; -s.
- [mhd. gemäht (PI. gemehte). ahd. gimaht(i). zu t Macht
= Zeugungskraft (des Mannes)] (veraltet, noch scherzh.):
männliche Geschlechtsteile: ..Sie starrt ganz schön auf mein
Gemachte, wenn sie mir das Bett richtet" (Strittmatter,
Wundertäter 214).
'Gemacht, das; -[e]s. -e. 'Gemachte [-]. das; -s. - [mhd.
gemeht(e). gemachede. ahd. gimahhida, zu f machen]
(veraltet): a) Geschöpf: der Mensch ... ein hinfälliges Gemachte
(Thielicke. Ich glaube 179); b) (abwertend) Gemachtes.
Machwerk: ein miserables G.
Gemahl [ga'ma:!]. der; -s. -e <P1. selten) [mhd. gemahel(e).
ahd. gimahalo. zu mhd. gemahelen. ahd. gimahalen =
zusammensprechen, verloben; zu mhd. mahel. ahd. mahal
= Versammlung(sort), Gericht(sstätte). (Ehe)vertrag; vgl.
vermählen] (geh.): E/iemann. Gatte (wird gewöhnlich auf
den Ehemann einer anderen Frau bezogen und schließt
einen höheren gesellschaftlichen Status ein): der G. der
Herzogin; (wird im Gespräch aus Höflichkeit oft in
Verbindung mit vorangestelltem Herrn gebraucht:) Liebe gnädige
Frau, würden Sie und Ihr Herr G. uns die Freude bereiten
(Hörn. Gäste 12); bitte grüßen Sie Ihren Herrn G.!; (iron.:)
Der feine Herr G. war inzwischen herumgestrolcht
(Döblin. Märchen 62); ^Gemahl, das [-]. -[e]s. -e <P1. selten)
(veraltet, dichter.): Braut. Ehefrau: „Lieber Freund", sagte
er dann. ..ich hatte nie liebere Gäste als dein schönes
G. und dich ..." (Hagelstange. Spielball 295); Dies ist
Adelheid von Burgund, die ich soeben aus Liebe zu meinem
ehelichen G. erhoben (Hacks, Stücke 14).
gemahlen: tmahlen.
Gemahlin, die; -. -nen <P1. selten): w. Form zu t 'Gemahl
(wird gewöhnlich auf die Ehefrau eines anderen Mannes
bezogen und schließt einen höheren sozialen Status ein):
die G. des Erzherzogs; (iron.:) Vor der Tür fand er die
liebe G. mit den sieben Jöhren (Döblin. Märchen 62);
(wird im Gespräch aus Höflichkeit oft mit vorangestelltem
Frau gebraucht:) empfehlen Sie mich bitte Ihrer Frau G.
gemahnen <sw. V.; hat) [mhd. gemanen, ahd. gimanön.
zu tmahnen]: a) (geh.) jmdm. jmdn.. etw. eindringlich ins
Gedächtnis rufen: der Ehrenfriedhof gemahnt [uns] an die
Opfer des Krieges; Das Schicksal versäumte nicht, mich
grausam an die Wahrheit von Thompsons Worten zu g.
(Thorwald. Chirurgen 50); b) auf Grund seines Aussehens
o. ä. an einen bestimmten Gegenstand, eine bestimmte Person
o.a. denken lassen; erinnern: die Raumkapsel gemahnt
an ein seltsames Meerestier; Es besteht aus ... an Schnee
gemahnenden Nadeln (Jacob. Kaffee 26); An diesen Satz
der romantischen Physik und Naturphilosophie ... fühlt
man sich gemahnt und erinnert (Jacob. Kaffee 26).
Gemälde [g3'me:ldd]. das; -s. - [mhd. gemaelde. ahd. gimälidi.
eigtl. = Ge- od. Bemaltes; zu t malen]: in Öl gemaltes,
farbiges Bild: ein altes, meisterhaftes, gut erhaltenes,
zeitgenössisches G.; ein G. von Rubens; eine Ausstellung
impressionistischer G. und Zeichnungen; Ü der Roman
bringt ein breit ausgeführtes G. (Sittenschilderung) des
bürgerlichen Lebens um die Jahrhundertwende; Nach
dieser Abschweifung ... fahre ich fort, das G. meiner Jugend
in großen Zügen zu entwerfen (Th. Mann. Krull 15).
Gemälde-: -ausstelhing, die: Ausstellung von Gemälden eines
Malers, einer bestimmten Epoche od. Thematik; ^galerie,
die: a) /öffentliche/ Räutnlic/tkeit. in der Getnälde
ausgestellt werden; b) / private] Satnmlunx von Gemälden; ^koi>-
servator, der: Fachmann, der für die bestmögliche Erlialtung
von Gemälden in ihren ursprünglichen Farben zu sorgen
Ixat (Berufsbez.); -restaurator, der: Künstler, der
beschädigte od. verblaute Gemälde in ihren Farben auffrischt ixl.
ergänzt (Berufsbez.); -Sammlung, die.
Gemansche [gd'maofo]. das; -s [zu t manschen] (ugs.
abwertend): I dauerndes] Manschen; Manscherei.
Gemardien[ga'manpi] <P1.) [zuT March] (Schweiz.):
Gemeindegebiet; <Abl.:) Gem^rchung, die; -. -en (Schweiz.): 1.
Grenze. 2. abgegrenztes Gebiet; Gemarkung [ga'markonJ.
die; -. -en [zu 12Mark]: Gebiet, gesamte Fläche einer
Gemeinde; Gemeindeflur: dieses Waldstück gehört zur G.
Neustadt; <Zus.:) Gem^rkungsgrenze, die: die -n kennzeichnen.
gemasert: f masern.
gemäß [gd'ms.'s; mhd. gem<e3e. ahd. gimäsi. eigtl. = was
sich messen läßt, angemessen; zu tmessen]: I. <Präp. mit
Dativ) nach, entsprechend, zufolge: seinem Wunsch g.;
alter Sitte g.; die Ausschüsse im Parlament g. der Stärke
der Fraktionen besetzen; g. Artikel 1 des Grundgesetzes;
Wir frisieren Ihren Kadett g. Anhang .J" (Auto 8. 1965.
79). II. <Adj.; -er. -este) in der Verbindung bndm..
einer Sache g. sein (angemessen sein; einer Sache, der
Beschaffenheit von etw. entsprechen; mit jmdm.. etw.
übereinstimmen): das ist ihrem Geschmack g.; das unstete Leben
war ihm nicht mehr g.; (auch attr.:) eine seinen
Fähigkeiten -e Stellung; Er fühlte sich sogleich als etwas
Besseres und suchte sich einen ... ihm -en Umgang (Niekisch.
Leben 11); <subst.:) als er ... so weit war. dies für das
einzige Gemäße ... zu halten (Schnabel. Marmor 105);
Gemäß [-]. das; -es. -e [Kollektivbildung zu TMaß. eigtl.
= Norm, nach der gemessen wird] (veraltet, noch
scherzh.): Gefäß [das eine bestimmte Menge faßt/. Mali:
die -e reichten nicht aus. um alles wegzuschaffen; Ü seine
Geschichte möchte unserer politischen Situation ein G.
Tränen abpressen (Spiegel 52, 1965, 102); -gemäß in Zus.
mit Subst., z. B. befehlsgemäß (wie es der Befehl verlangt,
dem Befehl entsprechend), erfahrungsgemäß (der Erfa/i-
rung entsprechend), programmgemäß (wie es das
Programm vorsieht, dem Programm entsprechet^); Gemäßheit,
die; - (selten): Angemessenen. Entsprechung; gemißigt
<Adj.>: 1. t mäßigen. 2.a) in seiner Art nicht so streng,
extrem, radikal I wie die andern vorgehend, handelnd,
denkend/: die -en Kräfte; der -e Flügel der Partei; Wieso
findet Mühlen, bei dieser Zusammenkunft sei... g.
gesprochen worden (Hochhuth. Stellvertreter 264); b) in einer
986
Gemeinde
Art, Beschaffenheit, die nicht ins Übertriebene geht [u.
daher im Ausmaß reduziert ist]: -er Optimismus; die gleiche
in der Ausführung etwas -ere Kragenform mit
Schenkellängen von 7-8 cm (Herrenjournal 2.1966.88); Das gilt sowohl
für die -en Zonen außerhalb Europas als auch für den
größten Teil der Tropen (Mantel, Wald 70).
Gemäuer [gd'moyB]. das: -s. - [mhd. gemiure.
Kollektivbildung zu tMauer] (geh.): altes [verfallenes] Mauerwerk,
aus alten Mauern bestehendes Bauwerk: ein fensterloses
G.; Durch ragendes G. Hei der Blick auf den lichtübergosse-
nen ..Platz der Gefallenen*' (Plievier. Stalingrad 282).
Gemaule [ga'maub], das; -s (ugs. abwertend): [dauerndes]
Maulen: laß das ewige G.!
Gemauschel [gs'maujl]. das; :s (ugs. abwertend): das
Mauscheln: erw., was in seinen Äußerungsformen o.a.
undurchsichtig, nicht klar zu deuten, nicht recht zu durchschauen
ist: das G. in der Filzokratie; ich sah es durchs Bullauge,
was ihr hier für ein G. hattet ... Du hast ihn (= den
Plan) unters Hemd gesteckt (Leip. Klaubauterflagge 58).
Gemecker [ga'meke], das; -s. Gemeckere [ga'mekara], das;
-s: 1. das Meckern (1) von Schafen, Ziegen u.a.: Seitab
grasten Ziegen, deren dürres Gemecker herüberklang
(Strittmatter. Wundertäter 198). 2. (abwertend)
meckerndes Lachen: bei jeder Gelegenheit brach sie in albernes
G. aus. 3. (ugs. abwertend) fortwährendes,
kleinlich-unzufriedenes Beanstanden von etw.: dein ständiges G. geht
mir auf die Nerven.
gemein [ga'main] <Adj.) [mhd. gemein(e). ahd. gimeini;
urspr. = mehreren abwechselnd zukommend; den
abwertenden Nebensinn erhielt das Wort aus der Vorstellung,
daß das. was vielen gemeinsam ist. nicht wertvoll sein
kann]: l.a) abstoßend roh: -e Menschen; -e Gesichtszüge;
-es Lachen; Sie hatte schon immer gefunden, daß er
ziemlich g. aussah (Brand. Gangster 18); b) (in bezug auf
jmds. Verhalten o. ä.) in empörender Weise schlecht,
niederträchtig: -e Gesinnung; -e Handlungsweise; Dieser
Rohling, pfui! Ein -er Mörder (Andres, Liebesschaukel 46);
Hab ich wissen können, daß die Anna so g. ist und mich
gleich anzeigt (M. Walser, Eiche 16); c) in empörender
Weise frech, unverschämt: -e Lüge; -e Behauptung; d) unfein
u. unanständig: ordinär; unflätig; gemeine Witze,
Schimpfwörter. 2. (ugs.) a) so beschaffen, daß man es als
unfreundlich, wenig nett empfindet; unerfreulich, ärgerlich:
ich gewinne nie im Lotto, das ist einfach g.; Daß mir
die Straßenbahn vor der Nase weggefahren ist. war ganz
schön g.; ich finde das g.; b) (intensivierend bei Adjektiven
u. Verben) sehr: draußen ist es g. kalt; Aber vorher wurde
... Jod reingetan ... Das hat g. weh getan (Keun. Mädchen
69). 3. <o. Steig.; nur attr.) ganz allgemein üblich,
vorkommend; keine besonderen Merkmale habend, durch nichts
herausragend (Bot.. Zool., sonst veraltet): der -e Spatz,
Wasserfloh; die -e Kratzdistel; der -e Mann (veraltet; der
Durchschnittsbürger): er ist -er Soldat (Soldat ohne
militärischen Dienstgrad). 4. <o. Steig.) (veraltend) allgemein: -es
Recht; Ihr erklärtes Ziel ist es, ... ein Maximum an -em
Wohl zu verwirklichen (Fraenkel. Staat 78); -e Figuren
(Her.; Bilder im Wappenschild, z. B. Tiere, Pflanzen): daß
aber zu derart entlegener Zeit dfe Wissenschaft so g.
geworden (Th. Mann, Joseph 27); *etw. mit jmdm., etw. g.
haben (erw. Gemeinsames, eine gemeinsame Eigenschaft
haben; in bestimmter Weise zusammengehören): Den
südlichen Elfenbeinton hatte Zouzou ... mit ihrer Mutter g.
(Th. Mann. Krull 333); das hat wenig mit dem Traum
g., den ich diese Nacht 'träumte (Sieburg. Robespierre
240); sich mit imdm. g. machen (sich mit jmdm., der als
sozial od. moralisch tieferstehetui angesehen wird,
freundschaftlich verbinden, sich mit ihm in Benehmen u. Tun auf
die gleiche Stufe stellen, sich mit ihm einlassen): Schon
machte ich mich insgeheim mit den Burschen g. (Grass.
Blechtrommel 4S6); jmdm., einer Sache g. sein (geh.;
mehreren Personen od. Sachen gemeinsam sein od. gehören): allen,
die hier zusammengekommen waren, war die Liebe zur
Musik g.
gemein-. Gemein- (vgl. auch: allgemein-. Allgemein-):
-besitz, der: gemeinschaftliches Eigentum an etw.: der Grund
und Boden war G. der Bauern; -deutsch <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.>: zu allen Deutschen in gleicher Weise gehörend,
auf alle Deutschen bezüglich: -e und landschaftlich
gebrauchte Wörter; -eigentun, das (Politik. Wirtsch.): etw.,
was nicht nur einem, sondern einer ganzen Gemeinschaft
gehört u. zur Bearbeitung od. Nutzung zur Verfügung steht;
-faßlich <Adj.>: svw. T ^verständlich; ^frei <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.>: a) (hist.) allepolit. Rechte u. die volle
Rechtsfähigkeit besitzend; b) (Buchw.) nicht mehr der Schutzfrist
unterliegend, dem Nachdruck frei zugänglich: die Werke
dieses Schriftstellers sind im letzten Jahr g. geworden;
-geflhrlich <Adj.>: eine Gefahr für die Allgemeinheit
bildend: dieser Verbrecher ist g.. dazu: -gelährlichkeit, die:
jmdn. wegen G. in einer Anstalt unterbringen; -geist.
der <o. PI.) [LÜ von engl, public spirit]: Sinn für das
allgemeine Wohl: er hat G. bewiesen, gezeigt; -gültig
<AdJ.>: svw. Tallgemeingültig; -gültigkeit, die: svw. T
Allgemeingültigkeit: Das Beispiel des revolutionären
Frankreich ... kann keinerlei G. beanspruchen (Augstein.
Spiegelungen 101); MBit, das <o. PI.) (geh.): etw., was jeder
einzelne einer größeren Gemeinschaft als seinen Besitz
bezeichnen kann: diese Anlage ist G. aller Bewohner der
Siedlung; Ü dieser Schlager ist längst zum G. geworden;
^hin <Adv.): im allgemeinen, für gewöhnlich: das geht
schneller als g. angenommen wird; Was man so g. Kunst
u. Kultur nennt (Tucholsky. Werke II, 77); -kosten <PI.)
(Wirtsch.): Kosten, die nicht als Einzelkosten erfaßbar sind;
indirekte, unproduktive Kosten: Da er aber auf der anderen
Seite durch Einsparungen die Lohn- und G. bei diesem
Erzeugnis um insgesamt 0.67 DM senken konnte... (Neues
D. 12. 6. 64. 3); -nutz, der; -es: Nutzen, der einer
Gemeinschaft zugute kommt: daß diese glückliche Mischung von
Gemein- u. Eigennutz einen seltenen Idealfall vorstellt
(Werfel, Himmel 165); Spr (bes. ns.:) G. [geht) vor
Eigennutz; -nützig I-nYtsi<;J <Adj.>: a) dem allgemeinen Wohl
dienend: -e Taten; ich denke nicht g. (Wohmann, Absicht
198); b) <o. Steig.; nicht adv.) (Steuerw.) nicht auf Gewinn
ausgerichtet, sondern sozialen Aufgaben dienend: Spenden
Tür diesen Zweck werden als g. anerkannt, dazu: -nützig-
keit, die; -; -platz, der [LÜ von engl, commonplace, dies
LÜ von lat. locus communis! (abwertend): abgegriffene,
nichtssagende Redensart: seine Gemeinplätze gingen ihr
auf die Nerven; der Redner bewegte sich nur in
Gemeinplätzen, dazu: -plätzig [-pletsu;] <Adj.; Steig, ungebr.):
Gemeinplätze bildend, sich in Gemeinplätzen bewegetul: -es
Denken, Allerweltsbewußtsein. dazu: -plätzigkeit, die; -:
seine Rede war durch und durch von G. geprägt;
^Schuldner, der (jur.): Schuldner, über dessen Vermögen ein Konkurs
stattfindet, durch den alle Gläubiger anteilmäßig befriedigt
werden sollen: -sinn, der <o. PL): Verständnis u.
Einsatzbereitschaft für die Allgemeinheit: eine Staatsform, die
höchste Anforderungen an die politische Reife, die
Einsichtsfähigkeit und den G. der Bürger stellt (Fraenkel. Staat 78):
-spräche, die (Sprachw.): allgemein verwendete u. allen
Mitgliedern einer Sprachgemeinschaft verständliche Sprache
(ohne Mundarten od. Fachsprachen); -verständlich <AdJ.;
o. Steig.): so abgefaßt, daß jeder es verstehen kann: ein
-es Buch; der Gelehrte versuchte sich g. auszudrücken,
dazu: -Verständlichkeit, die: -werk, das (Schweiz.):
unbezahlte Arbeit für die Gemeinde, eine Genossenschaft o.a.:
G. leisten; -wesen, das: Gemeinde! verband], Staat als
öffentlich-rechtliches Gebilde; -wille, der (Politik): Wille der
Mehrheitod. Gesamtheit: Diktaturen versuchen einen
möglichst einheitlichen -n zu erreichen; -Wirtschaft, die: der
Gesamtheit dienende, nicht auf Gewinn ausgerichtete
Wirtschaftsform, dazu: -wirtschaftlich <Adj.; o. Steig.): die
Gemeinwirtschaft betreffend, nach ihren Prinzipien
aufgebaut: -e Aufgaben; Post, Gesundheitswesen. Volksbildung
sind g. aufgebaut; -wohl, das [LÜ von engl, commonweal]:
das Wohl]ergehen] aller Mitglieder einer Gemeinschaft:
diese Einrichtung dient dem G.
Gemeinde [ga'mainda], die; -. -n [mhd. gemeinde, ahd.
gimeinida. zu tgemein]: l.a) unterste Verwaltungseinheit
des Staates: eine bürgerliche, ärmere, reichere, kleine,
große, ländliche G.; die G. hat 5000 Einwohner; Die G.
(Kommune) ist eine mehr oder minder geschlossene ...
Siedlung (Fraenkel. Staat 159); diese Häuser gehören zur
G. Neustadt; auf die. zur G. (ugs.: zum Gemeindeamt,
Rathaus) gehen; Ü Vielleicht machen wir noch 'nen kleinen
Zug durch die G. (ugs.; besuchen etliche Lokale) und
nehmen irgendwo etwas Jazz zu uns (Baldwin [Übers.]. Well
347); b) unterste kirchliche Verwaltungseinheit;
Seelsorgebezirk, ]Gebiet einer] Pfarrei: eine christliche, freireligiöse,
jüdische G.; die evangelische G. des Ortes zählt 2000
Seelen; DieG. des Heiligen Lorenz ... gehörte ... zu den
987
gemeinde-, Gemeinde-
reichsten (Kuby. Sieg 322). 2.a) Bewohner einer Gemeinde
(1 a): dieG. wählt einen neuen Bürgermeister; die
umliegenden -n beteiligten sich an dem Demonstrationszug gegen
das geplante Kernkraftwerk; b) Mitglieder, Angehörige
einer Kirchengemeinde: die G. sammelt für eine neue Orgel.
3.a) Teilnehmerschaft eines Gottesdienstes: die G. sang
einen Choral; zu Weihnachten versammeln sich immer
große -n in den Kirchen; das MittelschifT... ist der
eigentliche Ort der versammelten G.; b) l zu einer bestimmten
Gelegenheit zusammengekommene! Gruppe von Menschen
mit gleichem Interesse: zu der Dichterlesung war eine
stattliche G. versammelt; die G. seiner Anhänger wird immer
größer; Die schwarze G. hat zwar nicht dieselbe
Klassenstruktur wie das übrige Amerika (Wolfe. Radical 46).
4. (Schweiz.) Versammlung aller Stimmfähigen.
Gemeindeversammlung; vgl. Landsgemeinde.
gemeinde-, Gemeinde- (Gemeinde 1): -abgaben <P1.): von
den Gemeinden erhobene Gebühren. Beiträge. Steuern usw.:
-ammann. der (Schweiz.): a) Gemeitidevorsteher; b) Betrei-
bungs- u. Vollstreckungsbeamter: -amt. das; untere
Verwaltungsbehörde, ^bau. der <PI. -ten> (Osten*.):
gemeindeeigenes Wolinhaus; -beamte. der; -behönie. die; -besdiluß.
der: von dem Gemeinderat od. dem Gemeindevorstand
gefaßter Beschluß; -bezirk, der: a) gesamtes zu einer Gemeinde
gehörendes Gebiet; b) (österr.) Teilgebiet. Bezirk
innerhalb einer Großstadtgemeinde; -böte, der; -bürgerrecht,
das: Bürgerrecht. Heimatrecht in einer Gemeinde (in der
Schweiz Grundlage für das Schweizer Bürgerrecht); Mlia-
kon, der: Gemeinde- u. Sozialhelfer in der ev. Kirche (Berufs-
bez.); -diakonin. die: w. Form zu t^diakon; -diener, der
(veraltet): jmd.. der im Dienst einer kleinen Gemeinde als
Bote o. ä. tätig war; -direktor. der: hauptamtlicher Leiter
der Gemeindeverwaltung in einigen Bundesländern (Amts-
bez.); vgl. [Oberlstadtdirektor; --eigen <Adj.;o. Steig.; nicht
adv. >: der Gemeitide gehörend: ein -es G rundstück; -e Kran-
kenhäuser; diese Wiese war schon immer g.; -eigentum,
das: dort, wo der bäuerliche Waldbesitz aus früherem
G. ... entstanden ist (Mantel. Wald 122); -flnanzrefonn,
die; ^flur, die: Wald- od. Weideland, das einer Gemeinde
gehört u. von allen genutzt werden kann; Allmende: ~frak-
tion, die: svw. t Fraktion (lc); -glied. das <meist Pl.>:
Mitglied einer / Kirchen]gemeinde: viele -er waren erst in
den letzten Jahren zugezogen; -gut. das: svw. t-flur;
-haus, das: Gebäude/ teil] mit kirchlichen Amts- u.
Versammlungsräumen w. sozialen Einrichtungen; ^helfer. der:
ältere Bez. für t Diakon; -helferin. die: w. Form zu T
^-helfen -kindergarten. der: a) von einer Kommune getragener,
öffentlicher Kindergarten; b) von einer Pfarrgemeitide
eingerichteter und kottfessionell gebundener Kindergarten; ^kir-
chenrat. der: svw. t Presbyterium; -mitglied, das: svw.
T -glied; -Ordnung, die: Gesetz, das die Rechte u. Pflichten
in einer Gemeindet Verwaltung] u. die verschiedenen
Zuständigkeiten regelt; -pflege, die: lev.j kirchl. Alten- u.
Krankenpflege, dazu: -Pflegestation, die: von einer od. mehreren
Kirchengemeinden unterhaltene, mit einer od. mehreren
Schwestern ausgestattete Station, von der aus in
Hausbesuchen Pflegedienste übernommen werden; -Präsident, der
(Schweiz.): Bürgermeister; ^rat, der: I. Gremium der
gewählten Vertreter einer Gemeinde: im G. wurde
beschlossen, daß ... 2. einzelnes Mitglied eines Gemeinderates (1):
er wurde auf 4 Jahre zum G. gewählt; -rätin, die: w.
Form zu t^rat (2): -rodel. der (Schweiz.): amtliches
Verzeichnis von Zinsen, Gütern oder Rechten einer Gemeinde:
die Daten wurden in den G. eingetragen: -saal. der: Saal
für Veranstaltungen einer / Kirchen /gemeinde: -Schwester,
die: / von einer Gemeindepflegestation aus] in der häuslichen
Alten- u. Krankenpflege eingesetzte Schwester; -spital, das
(österr.): kommunales Krankenhaus; Ausbau der
bestehenden Gemeindespitäler (Vorarlberger Nachr. 271. 23. 11.
68.6); -Steuer, die (meist PL): von einer Gemeinde erhobene
Steuer (z.B. Grundsteuer. Gewerbesteuer); -väter <P1.>
(ugs. scherzh.): die gewäfilten Vertreter einer Gemeinde;
-verband, der: verwaltungsmäßiger Zusammenschluß
mehrerer kleiner Gemeinden; -Verfassung, die; -Versammlung.
die: a) (in kleineren Gemeinden, bes. in der Schweiz)
Versammlung aller Stimmberechtigten zur Beschlußfassung über
wichtige Angelegenheiten der Gemeinde; vgl. Gemeinde (4);
b) I einmal jährlich abzuhaltende] Versammlung aller
Mitglieder einer Kirchengemeinde; -Vertretung, die: svw. t -rat
(1); -Verwaltung, die; -vorstand, der. 1.
Verwaltungsausschuß zur Ausführung von Beschlüssen der
Gemeindevertretung; Vorstand der Gemeinde. 2. Vorsitzender
Verwaltungsbeamter: Bürgermeister: -Vorsteher, der: svw. f ^vorstand
(2); -wähl,die: svw. t Kommunalwahl; -Zentrum, das: einer
kirchlichen Gemeinde od. einer Kommune gehörender
Komplex von Gebäuden u. Anlagen für soziale u. Verwaltungs-
aiifgaben sowie für Veranstaltungen.
gemeindlich [ga'maintlic] <Adj.; o. Steig.; nur attr.): zu einer
Gemeinde (1) gehörena. sie betreffend: -e Angelegenheiten;
gut geleitete -e Forstverwaltungen (Mantel. Wald 64);
Handbuch des -en Steuerrechts (Börsenblatt 75. 1%5.
5113); 'Gemeine, die; -. -n [mhd. gemeine, ahd. gimeini,
zu tgemein] (veraltet, noch landsch.): svw. tGemeinde;
*Gefl«ine, der. -n. -n (Druckw.): svw. tMinuskel.
Gemeinheit, die; -. -en Izu tgemein]: a) <o. PI.)
Niederträchtigkeit ausdrückende Eigenschaft. Gesinnung: etwas aus G.
tun. sagen; diese Tat zeugt von seiner G ; b) gemeine
Handlung. Ausdrucksweise: eine bodenlose, abgründige G.;
eine G. begehen, verüben; man traut ihm Jede G. zu;
willst du dir diese -en gefallen lassen?; c) (ugs.)
unerfreulicher Umstand, ärgerliche Handlungsweise: so eine G.!
Fährt mir doch die Straßenbahn vor der Nase weg.
gemeiniglich [ga'mainiklif] <Adv.) [mhd. gemeinecliche =
auf gemeinsame Weise, insgesamt] (geh.. veraltend): im
allgemeinen, gewöhnlich: sind Sie dann das geworden, was
aus allen Huren g. wird, Sie sind eine Kuppelmutter
geworden (Fallada. Jeder 362); gemeinsam [g3'mainza:m] <Adj.;
o. Steig.) [mhd. gemeinsam, ahd. gameinsam]: l.a)
mehreren Personen od. Dingen in gleicher Weise gehörend: die
-e Wohnung; -e Interessen; -e Kasse machen; eine -e Basis
der Verständigung finden; das Grundstück gehörte ihnen
g.; größter -er Teiler u. kleinstes -es Vielfaches (Math.:
höchste Zahl, die in allen gegebenen Zahlen als Faktor
enthalten ist u. niedrigste Zahl, in der alle gegebenen Zahlen
als Faktoren enthalten sind): b) <nur präd.) in bestimmten
Dingen od. Eigenschaften übereinstinunend: die Liebe zur
Musik war ihnen g.; mit Elefanten haben Kaffernbüffel
g., daß ... (Grzimek. Serengeti 120). 2. (nicht präd.) in
GemeinschaJ't mit anderen [unternommen]; zusammen, mit-
eimnder: -e Wanderungen; sie haben -e Aufgaben; etw.
in -er Arbeit fertigstellen; g. ins Theater gehen; wir wollen
das g. besprechen; <Abl.:> Gemeinsamkeit, die; -. -en: 1.
gemeinsames (1) Merkmal, gemeinsame (1) Eigenschaft:
zwischen diesen beiden Völkern gibt es viele -en. 2. <o.
PI.) Übereinstimmung. Einheit. Einhelligkeit.
Verbundenheit: in trauter G. handeln; Es entstand, ohne viele Worte,
eine neue G. zwischen ihnen (Feuditwanger. Erfolg 798);
Gemeinschaft, die; -. -en [mhd. gemeinschaft, ahd. gimein-
scaO: 1. <o. PI.) das Zusammensein, -leben, -arbeiten mit
anderen; Verbundenheit (von Personen u. Völkern): die
eheliche G.; die freie, friedliche G. der Völker; mit jmdm.
G. haben; er hielt ... mit keiner Seele G. (Th. Mann.
Tod 72); das wahre Ziel des geistigen Lebens ... in der
G. der Seele mit Gott (Nigg, Wiederkehr 166); *in G.
mit (gemeinsam, zusammen, in Zusammenarbeit mit): die
Festspiele werden vom Kulturamt in G. mit dem Rundfunk
ausgerichtet. 2. durch gemeinsame Anschauungen, Ziele.
Interessen u. ä. verbundene Gruppe von Personen; eine ver-
schworeneG.; dieG. der Heiligen (der geheiligten
Christenheit, der getauften Christen, der Gläubigen): einer G.
beitreten; jmdn. in eine G. aufnehmen; aus der G. ausgeschlossen
werden. 3. Bündnis zwischen Staaten, die ein gemeinsames
wirtschaftliches und politisches Ziel verfolgen; die westliche,
atlantische G.; einen großen Teil der Gespräche ... nahm
das Thema ... der Erweiterung der europäischen G. ein
(Bundestag 188. 1968. 10163); <Abl.:) geitKinschaftlidi
<Adj.; o. Steig.; nicht präd.): 1. mehrere Personen als
Gemeinschaft betreffend, mehreren zusammen gehörend: -e
Interessen; das Gut gehörte ihnen g. 2. von mehreren
zusammen im Hinblick auf ein gemeinsames Ziel durchgeführt,
gemeinsam, zusammen: -e Anstrengungen; sie wurden
wegen -en schweren Diebstahls angezeigt; das Sterben würde
leichter gemacht dadurch, daß es g. geschah (Fallada.
Jeder 335).
gemeinschafts-, Gemeinschafts-: -anläge, die: von mehreren
Benutzern gemeinsam betriebene Datenverarbeitungsanlage;
-ansdiluB, der: Verbindung mehrerer Fernsprechanschlüsse
in einem Hauptanschluß; -antenne, die: Antenne, an die
[innerhalb eines Gebäudes] mehrere Rundfunk- u.
Fernsehgeräte angeschlossen sind; Murbeit, die: a) <o. PI.) Zusam-
988
gems-, Gems-
menarbeiten mehrerer Personen für eine gemeinsame
Aufgabe; gemeinschaftliches Arbeiten: diese Aufgabe wurde
in G. erledigt; b) das Ergebnis gemeinschaftlichen Arbeitens:
den ersten Preis bekam eine G. zweier Architekten;
-aufgäbe, die: a) Aufgabe, die einer Gemeinschaft gestellt ist,
von ihr zu bewältigen ist; b) (Bundesrepublik Deutschland)
eine für die Gesamtheit bedeutungsvolle Aufgabe, die ein
Land gemeinsam mit dem Bund ben'ältigt: -n. wie z. B.
die Errichtung von Hochschulen; -en des Staates; -beichte,
die: Er lehnt die Ohrenbeichte ab und läßt nur die G.
gelten (Welt 17. 8. 76, 1); -besitz, der: gemeinsamer Besitz;
-bildend <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): der Bildung einer
Gemeinschaft, eines Gemeinschaftsgefühls förderlich: -e
Kräfte; das Zusammenleben in Jugendheimen wirkt g..
dazu: -biMung,die; -dienlich <Adj.>: (von einem Verhalten
o. ä.) der Gemeinschaft dienend, für die Gemeinschaft
nützlich: seine Fähigkeiten nicht g. einsetzen; ^ehe. die: svw.
tGruppenehe; -Erziehung, die: a) Erziehung der Jugend
durch u. für eine Gemeinschaft: Einübung sozialen
Verhaltens; b) gemeinsamer Schulunterricht für beide Geschlechter;
Koedukation; -gefühl, das <o. Pl.>: Gefühl der Verbutuien-
heit mit den Menschen in einer Gemeinschaft / u. das
uneigennützige Eintreten für die Gemeinschaft}': -geist, der <o.
PI.): Bereitschaft, sich für eine Gemeinschaft einzusetzen
u. Opfer dafür zu bringen; Uneigennützigkeit: G. beweisen,
zeigen; er hat keinen G.; -grab, das: Grab, in dem mehrere
Tote (meist Opfer von Unglücksfällen, Seuchen, Kriegen)
beigesetzt werden; -haft, die: Haft in einer mit mehreren
InJiaftierten belegten Gefängniszelle: Unterwegs erfahrt
Kreibe 1 .... daß er auf Anordnung der Staatspolizei in
G. komme (Bredel. Prüfung 280); -küche. die: a) Küche,
in der Gemeinschaftsverpflegung zubereitet wird; Werks-,
Krankenfiauskücheusw., Kantine; b) Küche (in einem Lager,
Wohnheim o. ä.), in der mehrere Parteien gleichzeitig kochen
können; -künde, die <o. PI.): Sozialkunde, Geschichte,
Geographieumfassendes Schulfach; Staatsbürgerkunde; -leben,
das <o. PI.): Leben in der Gemeinschaft; -leistung, die:
von mehreren gemeinsam erbrachte Leistung; -Produktion,
die: a) vgl. -arbeit (a): das Flugzeug wurde in britisch-
französischer G. hergestellt; b) vgl. ^arbeit (b): der Film
ist eine deutsch-italienische G.; -räum, der: Aufenthalts-
u. Veranstaltungsraum (in Heimen, Betrieben, Wohnblocks
u. dgi); -schule, die: für alle gemeinsame, nicht nach
bestimmten Kotifessionen getrennte Schule; Simultanschule
(Ggs.: Bekenntnisschule); -sendung, die (Rundf.. Ferns.):
von mehreren Setuiern od. verschiedenen Abteilungen eines
Senders gemeinsam gestaltete Sendung; -sinn, der <o. PL):
svw. t-geist; vgl. auch: Gemeinsinn; -Verpflegung, die:
l in einer Gemeinschaftsküche (a) zubereitete] gemeinsame
Verpflegung für eine größere Personengruppe; -Werbung,
die: von einer ganzen / Industrie/branche betriebene
Werbungfür ein Produkt ohne Netmung einer bestimmten Firma
oder Marke; -zelle, die: Raum in einer Haftanstalt, in
dem mehrere Häftlinge untergebracht werden; -Zentrum,
das: Aus den städtebaulichen Konzepten ergeben sich
vielfältige Gemeinschaftszentren: komplexe Anlagen aus
Versammlungsräumen. Theater-und Kinobauten (Bild. Kunst
3. 44).
Gemenge [gamena], das: -s. - [mhd. gemenge =
Vermischung, zu tmengen): 1. Durcheinandergemischtes;
Gemisch, dessen Bestandteile meist grob verteilt sind und mit
dem Auge unterschieden werden können; ein G. aus den
verschiedensten Zutaten; ein G. aus Klee u. Gerste; ein
G. aus flüssigen und gasförmigen Stoffen. 2. [buntes/
Durcheinander: ein G. von Sprachen, Farben. Klängen,
Düften; es entstand ein heilloses G.; er mischte sich in
dasG. (Gewüid) des Jahrmarkts. 3. (Landw.) gleichzeitiger
Anbau mehrerer Fruchtarten auf demselben Acker. 4.
(veraltet) Handgemenge, Kampf: Bin im G. mit T 34 (Plievier,
Stalingrad 121): mit jmdm. ins Gemenge kommen/geraten
(selten; mit jmdm. handgreiflich einen Streit austragen):
<Zus.:) Gemengte]tage, die (Landw.): verstreut liegende
Feld- u. Waldstücke eines Grundbesitzes; Gemengesaat, die:
Saatgut für ein Gemenge (3); <Abl.:) Gemengsei [ga'menzj],
das; -s, -: Gemenge, /wertlose/ Mischung: die Füllung
besteht aus einem G. von Kastanien, Äpfeln und Rosinen;
dunkelrotesG.. Lunge, Leberund Herz (Böll. Haus 105).
gemessen [go'mesn; 2: eigtl. 2. Part, von tmessen, urspr.
= genau abgemessen, knapp): I. tmessen. 2. <Adj.) a)
ruhig u. würdevoll; feierlich, gravitätisch: -es Auftreten;
-en Schritts trat er zu mir (Niekisch, Leben 292); g.
sprechen, schreiten, wirken; b) (veraltend) beherrscht,
zurückhaltend: vor einem gelben hageren Beamten mit... dünnen
Lippen, der mich mit -er Höflichkeit befragte (Seghers.
Transit 217); c) (veraltet) exakt, knapp u. genau: -e Befehle;
d) <nur attr.) angemessen: jmdm. in -em Abstand folgen;
Nun bauen aber die Nachkommen dieser alten vornehmen
Handelsfamilien auch heute noch in einem -en Stil (R.
Walser, Gehülfe 44); g. klingen; <Abl.:> Gemessenheit.
die; -: gemessene Art, gemessenes Auftreten, Zurückhaltung,
Ernst u. Würde: weil er nur so seinem nervösen
Temperamenteine fürstlicheG. abringen konnte (Hollander,
Akazien 146).
Gemetzel [ga'metsl], das; -s. - [zu fmetzeln] (abwertend):
grausames Morden; mörderischer Kampf, bei dem viele
i Wehrlose] getötet werden; Blutbad: es war ein
entsetzliches, fürchterliches G.; hatte eins der großen
weltgeschichtlichen G. veranstaltet (Ceram, Götter 131).
gemieden [ga'mhdn]: t meiden.
Gemisch [gd'mij]. das; -[e]s. -e [zu tmischen]: 1. aus zwei
ixier mehr verschiedenen Stoffen bestehende Mischung, deren
Bestandteile meist sehr fein verteilt sind: ein G. aus Gips,
Sand und Kalk; ein breiiges G., Schnee und Dreck ...
klebte an seinen Rädern (Kirst, 08/15, 28); in dem Kessel
befand sich ein hochexplosives G.; man unterscheidet
zwischen homogenen und heterogenen -en; Ü sich in einem
G. aus Deutsch und Englisch verständlich zu machen
suchen; ein G. aus Angst u. Hoffnung; mit einem G. von
Zorn und Bewunderung blickt Bonaparte auf den eisernen
Rechner (St. Zweig, Fouche 113). 2. (Kfz.-T.) a) zünd-
u. verbrennungsfähige Mischung aus Kraftstoff u. Luft; b)
Mischung aus Benzin u. Öl: G. tanken; die meisten
Motorräder fahren [mit] G.; gemjscht: 1. t mischen. 2. <Adj.;
-er. -este) a) <o. Steig.) aus verschiedenen Bestandteilen
bestehend od. zusammengesetzt: -e Kost; -er Wald; -e (aus
Mitgliedern aus verschiedenen Institutionen, Ländern o. ä.
bestehende) Kommission; -er (aus Personen männlichen
u. weiblichen Geschlechts bestehender) Chor; von den
Parallelklassen war eine evangelisch, eine katholisch und eine
g.; das Publikum war [bunt] g. (bestand aus Vertretern
verschiedener gesellschaftlicher Schichten, war bunt
zusammengewürfelt); b) (abwertend) anrüchig, gewö/mlich: eine
-e Gesellschaft; auf dem Fest ging es ziemlich g. (nicht
auf dem Niveau, wie man es erwartet, wenig gesittet,
unanständig) zu; jetzt wird es g. (jetzt hat es nicht mehr das
Niveau, das man erwartet; jetzt wird es unanständig).
gemjscht-, Gemjscht-: -sprachig <Adj.; o. Steig.; nicht adv.):
verschiedene Sprachen (als jeweilige Muttersprache)
sprechend: ein -es Gebiet; die Bevölkerung in diesem Grenzland
ist g.; -Warenhandlung, die (veraltend): Laden in einer
kleineren Ortschaft]. in dem neben Lebensmitteln viele
andere Gegenstände des täglichen Bedarfs, auch Textilien,
angeboten werden; -wirtschaftlich <Adj.; o. Steig.; nicht adv.):
mit privaten n. Staatsgeldern arbeitend u. dabei {auch}
Dienstleistungen für die Allgemeinheit erbringend:
Elektrizitätsgesellschaften sind meist -e Betriebe; diese
Genossenschaft ist g. organisiert.
gemittelt [gamitU] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [eigtl. 2.
Part, von tmittein]: auf den Durchschnitt, den Mittelwert
gebracht: -e Messungen; (Fot.:) ein -er Wert für die
Belichtungszeit.
Gemme l'gema], die: -. -n [ital. gemma < lat. gemma.
urspr. = Auge od. Knospe am Weinstock; schon mhd.
gimme. ahd. gimma = Edelstein]: I. [Halb]edelstem mit
vertieft od. erhaben eingeschnittenen Figuren (bes. zahlreich
in der Antike): eine Sammlung wertvoller -n. 2. (meist
PL) (Biol.): bei der ungeschlechtlichen Fortpflanzung von
Pilzen gebildete dauerhafte Zelle; <Abl. zu 1 :> GemmolQge,
der; -n, -n [t-loge]: Fachmann für Schmuck- u. Edelsteine
(Berufsbez.); Gemmologje. die; - [1-logie]: Edelsteinkunde;
Gemmologin, die: w. Form zu TGemmologe; gemmologisch
<Adj.; o. Steig.; nicht präd): die Edelsteinkunde betreffend:
-es Laboratorium: einen Stein g. untersuchen.
gemocht [ga'moxt]: t mögen.
gemolken üp'molkn]: f melken.
gemoppelt [ga'maplt]: fdoppelt.
Gemotze [ga'mDtsai. das; -s [zu tmotzen] (salopp):
vorwurfsvolles Kritisieren: das G. der Kollegen.
g^ms-, Gpns- [gems-]: -hart, der: tGamsbart; -bock, der:
männliche Gemse; -färben <Adj.: o. Steig.; nicht adv.):
989
Gemse
in einem gelblichen Braun getönt wie das Fell der Gemse
l im Sommer]: gelbbräunlich, chamois; ^geiß, die: weibliche
Gemse: -gelb: svw. t ^färben; -Jäger, (auch:) Gemsen-
Jäger, der; -leder, das <o. Pl.>: weiches, bes. haltbares
Leder aus dem Fell der Gemsen.
Gemse ['gemza]. die; -, -n [mhd. gemese. ahd. gamija;
wahrsch. aus einer untergegangenen, einst in den Alpen
gesprochenen Sprache): einer Ziege ähnliches Tier mit
gelblich- bis rotbraunem Fell u. mit nach hinten gekrümmtem
Gehörn, das im Hochgebirge lebt u. in den Felsen
herumklettert: ein Rudel -n; dieG. springt von Felszacke zu Felszak-
ke; er klettert wie eine G. (schnell u. gewandt): <Zus.:>
G^msenjäger. (auch:) G^msjäger, der.
Gemuflel [ga'mofl], das; -s (ugs. abwertend): l dauerndes]
1Muffeln.
Gemunkel[gd'munk}].das; -s: [daueriydes] Munkeln,
[heimliches] Gerede: Mit der Zelt ... kam in der Stadt einiges
G. auf (Bergengruen, Rittmeisterin 132).
gemünzt: t münzen (2).
Gemurmel [ga'murml], das; -s: dauerndes [ gleichförmiges j.
unverständliches Murmeln: drohendes, dumpfes,
beifälliges, greisenhaftes G.; seine Worte waren nur noch ein
undeutliches G.
Gemurre [gd'mora]. das; -s: [dauerndes] Murren.
Gemüse [g3'my:za]. das; -s. - [mhd. gemüese. urspr. = Brei.
Speise (aus gekochten Nutzpflanzen). Kollektivbildung zu
tMusl: 1. [krautartige] Pflanzen, deren verschiedene Teile
in rohem od. gekochtem Zustand gegessen werden können:
Wurzel-. Knollen- u. anderes G.; grünes. Junges G.; G.
anbauen, putzen; Fleisch mit Kartoffeln und G. (Gemüse-
beilage). Ü (iron.:) kein höheresG. Nicht einmal ein Major.
Leutnants in rauhen Mengen (Remarque. Obelisk 281);
junges G. (ugs.; [unerfahrene] Jugendliche. Kinder). 2. <o.
PI.) Gemüseeintopf 2Gericht aus Gemüse (1): heute gibt
es bei uns G. 3. (salopp scherzh.) a) Blumenstrauß. Blumen:
..Hier, nimm das G.! Ich kann es nicht im Hause haben.
Mein Alter ist zu eifersüchtig" (Remarque. Obelisk 70);
b) (rhein.. hess.) Früchte in der Bowle.
Gemüse- (Gemüse I): -anbau, der <o. PL): gärtnerische
od. landwirtschaftliche Nutzung einer Bodenfläche fi'w
Gemüse, dazu: ^anbaubetrieb, der: Unternehmen, in dem Gemüse
zu gewerblichen Zwecken angebaut wird: ^art, die; -bau,
der <o. PI.): svw. t ^anbau; ^beet. das; -beilage, die: einem
Hauptgericht /aus Fleisch] beigegebenes Gemüse: -brühe,
die: Brü/ie, die heim Kochen von Gemüse entsteht: -eintopf,
der: Ein topf aus den verschiedensten Gemüsesorten: -ernte,
die; -erzeugung, die <o. PI.); -feld, das; -frau, die (ugs.):
Frau, die [auf dem Markt] Gemüse verkauft, [auf der
Straße] mit Gemüse handelt: -fritase, der (ugs. abwertend):
Mann, der mit Gemüse handelt, ein Gemüsegeschäft hat:
-garten, der: Garten! teil7', in dem Gemüse angebaut wird:
U quer durch den G. (ugs.; alles bunt durcheinander, von
allem etwas): sie hat sich einen richtigen G. gekauft
(scherzh.; Hut. der mit künstlichen Blumen u. Blättern
verziert ist): ^Bericht, das (selten): 2Gericht. das hauptsächlich
aus Gemüse besteht: -geschäft, das: svw. T ^ laden; -Händler,
der; -Händlerin, die; -Handlung, die: svw. f -laden; -kohl,
der (Landw.): Kulturpflanze, die in zahlreichen Formen
angebaut u. als Gemüse verwertet wird: -konserve, die <meist
PI.): in einem Glas od. einer Dose verschlossenes, haltbar
gemachtes Gemüse: -laden, der: Ladengeschäft, in dem
Obst u. Gemüse verkauft wird: Mnann, der (ugs.): Mann,
der [auf dem Markt] Gemüse verkauft, auf der StraßeI
mit Gemüse handelt: -markt, der: [Groß/markt, auf dem
Erzeuger ihr Gemüse anbieten: -paprika, der: milde, süße
Paprikasorte: -pflanze, die: -platte, die: Platte, auf der
verschiedene Gemüse [appetitlich/ angerichtet sind: -saft,
der: aus Gemüse (z. B. Mohrrüben) ausgepreßter Saft: -sa-
bt, der; -sorte. die; -suppe, die: Suppe aus verschiedenen
Gemüsen u. der beim Kochen entstandenen Brühe:
-Zubereitung, die: [Art der] Zubereitung von Gemüse: -zucht, die.
gemüßigt [gd'my.'si^t] (veraltet): t bemüßigt.
gemußt [gd'most]: t müssen.
gemustert: t mustern.
Gemüt [g3'my:t]. das; -[eis, -er [mhd. gemüete = Gesamtheit
der seelischen Empfindungen u. der Gedanken;
Gemütszustand; Kollektivbildung zu t MutJ: 1. Gesamtheit der
seelischen u. geistigen Kräfte eines Menschen: ein sanftes, zartes,
tiefes, schreckhaftes, trauriges, aufrührerisches G.; das G.
eines Künstlers. Gelehrten; sein kleiner Sohn hat ein sonni-
gesG.; du hast vielleicht ein sonniges, kindliches G.! (iron.;
du bist wirklich recht naiv; in bezug auf ein entsprechendes
Verhalten des Betreffenden); Doch bangte ich, ob es mir
gelingen werde, in die -er der so anders gelenkten Jungen
zu dringen (Erh. Kästner. Zeltbuch 128); *ein G. haben
wie ein Fleisdierhund (ugs.; gefühllos sein, überhaupt Kein
Gemüt haben): ein G. haben wie ein Veilchen (ugs.. ber-
lin.) ein G. haben wie ein Schaukelpferd (ugs.; naiv sein:
ohne sich Gedanken zu machen, jmdm. etw. zumuten). 2.
geistig-seelisches Empfindungsvermögen: Empfänglichkeit
für Sentimentalitäten, gefühlserregende Eindrücke: diese
Frau hat viel G.; das rührt ans/ist etwas fürs G.; Ü mir
gaben sie wohl zuviel fürs G. (machten mich betrunken).
denn ich stand schon wieder auf dem Stuhl (Bieler. Bonifaz
60); *imdm. aufs G. schlagen (deprimierend aufjmdn.
wirken); bndm. nach dem -e sprechen (mit jmdm. voll und
ganz übereinstimmen); sich <Dativ> etw. zu -e führen (1.
erw. beherzigen: diese Mahnung solltest du dir gründlich
zu -e führen! 2. [etw. Gutes] mit Genuß essen od. trinken).
3. <oft PI.) Mensch (in bezug auf seine geistig-seelische
Regung als Reaktion auf etw. od. in der Verarbeitung von
Eindrücken o.a.): einfache -er; er ist ein heiteres, offenes
G.; Auch davon hat Ihnen dieses romantische G. erzählt?
(Geissler. Nacht 36); die ausgedorrten -er wurden gespeist
mit Hoffnungen (Feuchtwanger. Erfolg 657); inzwischen
haben sich die -er beruhigt (Nossack. Begegnung 390);
ein Fall, der die -er bewegt (Frisch. Gantenbein 426);
<Abl. zu 2:> gemüthaft <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: vom
Gemüt her bestimmt; Gemüt zeigend: ein -er Mensch.
gemütlich <Adj.) [spätmhd. gernüetlieh, zu mhd. gemüete
in der Bed. ..das Gemüt betreffend** u. mhd. gemüete.
ahd. glmuati = gleichen Sinnes, angenehm, lieb]: a) so
beschaffen, daß eine angenehme, warm-freundliche
Atmosphäre davon ausgeht: behaglich, beauem: eine -e Wohnung;
hier finde ich es recht g.; ein g. eingerichtetes Lokal; mach
es dir g.!; b) zwanglos gesellig, ungezwungen: jetzt beginnt
der -e Teil der Veranstaltung; imdn. zu -m Beisammensein
einladen; nun wird es endlich g. hier; sich g. unterhalten;
c) umgänglich, freundlich: ein -er alter Herr; d) in aller
Ruhe, gemächlich, bedächtig: ein -es Tempo; g.
Spazierengehen; hatte er sich scheinbar aufs gemütlichste eine
Sammlung Ansichtspostkarten angeschaut (R. Walser. Gehülfe
96);<AbI.:>Gemütlichkeit.die;-:a)/dli5C£^/i/^r7ÄMw-
lichkeit auslösende Atmosphäre (2): die alte G. stellte sich
wieder her; die G. der Wohnung, des Lokals; b) Zwang-
losigkeit: Gemeinsame Lieder singen ... G. organisieren
(Leonhard. Revolution 178); ein Prosit derG.!; c)
Bedachtsamkeit, Ruhe, Gemächlichkeit: ich werde diese Arbeit in
aller G. in Angriff nehmen: *da hört [sich] doch die G.
auf (ugs.; das ist unerhört, das kann man sich wirklich
nicht bieten lassen): in aller G. (ohne sich aus der Ruhe
bringen zu lassen): er trank in aller G. sein Bier aus.
gemgts-, Gemüts-: -anläge, die: geistig-seelische Eigenschaft
od. Fälligkeit eines Menschen; -arm <Adj.; nicht adv.>:
wenig Gemüt zeigend, gefühlskalt, dazu: -armut, die: G.
und Kontaktschwäche; ^art. die: Beschaffenheit. Art des
Gemüts (1): eine weiche, herrschsüchtige G.; ein Mensch
von stiller G.; -athlet, der (ugs.): a) (scherzh.) Mensch,
der sich durch nichts aus der Ruhe bringen läßt; b) (iron.)
Rohling; Mensch, den das Leiden, das Unglück o. ä. eines
anderen kaltläßt, der nichts dagegen unternimmt: dieser
G. sieht zu. wie man seine Frau verprügelt; -bewegung,
die: seelische Erregung; / sichtbare] gefühlsmäßige Reaktion
auf etw.; Rührung, Anteilnahme: sie zeigte keine G.; der
Arzt warnte vor heftigen -en; -fetzen, der (abwertend):
rüfirseliges Theaterstück, Film; -kalt <Adj.>: kein Gemüt
zeigend: gefühlskalt; -krank <Adj.; o. Steig.; nicht adv.)
(Med., Psych.): krank in bezug auf das Gemüt (\):an
Depressionen leidend, <subst.:> -kranke, der u. die; -krankheit,
die: seelische Krankheit; ^krüppel. der: a) (abwertend) roher
Mensch; b) (scherzh.) Mensch, der alles mit kühlem
Verstand betrachtet od. bewertet u. sich in bezug auf
Handlungen, Entscheidungen u. ä. nicht durch Gefühle beeinflussen
läßt; -läge, die: augenblickliche Verfassung des Gemüts;
-leiden, das: svw. T ^krankheit; -mäßig <Adv.>: im
Hinblick auf das Gemüt: g. war er nicht ansprechbar (Mostar.
Unschuldig 160); -mensch, der (ugs.): a) jmd.. der sich
durch nichts aus der Rufte bringen läßt; gutmütiger, aber
etwas langsamer Mensch: der Feldwebel ... war ein G.
(Kirst. 08/15. 341); b) (iron. abwertend) jmd., der, ohne
990
genehm
über die Schwierigkeiten nachzudenken, anderen fast
Unmögliches zumutet: die Arbeit soll ich in einer Stunde
schaffen? Du bist ein G.!; -regung. die: svw. T^bewegung;
^ruhe. die: innere Ruhe: Freisein von Aufregung u. Hast:
er bewahrt immer seine G.; *in aller G. (ugs.; mit größter
Gelassenheit: [fast aufreizend] gemächlich, obgleich man
in dieser Situation eine gewisse emotional gesteuerte
Schnelligkeit erwarten könnte): der Zug war schon eingefahren,
doch er trank noch in aller G. sein Bier aus; (Rossa)
langt in aller G. aus und verpaßt ihr eins auf den Hintern
(Gaiser. Jagd 51); -Stimmung, die: svw. t-lage; -tiefe.
die <o. Pl.>: Tiefgründigkeit des Gemüts (1); -Verfassung,
die: svw. 1 ^lage: sich in einer heiteren G. befinden; ^wert.
der: Wert, den etw. für das Gemüt, für die innere
Erlebnisfähigkeit hat: -zustand, der: svw. f ^lage: unbestimmte
Gemütszustände, die wir als Stimmung der Ängstlichkeit.
Gereiztheit ... bezeichnen (Musil. Mann 1286).
gemütvoll <Adj.>: Gefühl, seelische Beteiligung zeigend:
Gemüt (2) offenbarend: Seine knappen und dennoch -en Reden
(Grass. Hundejahre 449); jmdn. g. ansehen.
gen [gen] <Präp. mit Akk.) [mhd. gein. zusgez. aus: gegen,
tgegen] (veraltet, bibl.. noch dichter.): (in Richtung) nach,
gegen (I. 1 a): Weithin ging der Blick über die Eifel g.
Westen (Kuby. Sieg 46). ,
-gen [...'ge:n; griech. -genes = hervorbringend,
verursachend; hervorgebracht, verursacht] <bei Substantiven u.
Adjektiven auftretendes Suffix mit der Bedeutung):
erzeugend, liefernd: erzeugt (z. B. Androgen, autogen).
Gen [ge:n], das; -s, -e [von dem dän. Botaniker W. Johannsen
(1857-1927) geprägt, zu griech. g&ios = Geschlecht.
Gattung) (Biol.): in den Chromosomen lokalisierter Träger einer
Erbanlage, eines Erbfaktors, der die Ausbildung eines
bestimmten Merkmals bestimmt, beeinflußt; Erbträger.
genannt [ga'nant]: f nennen.
genant foe'nant] <Adj.) [frz. genant, eigtl. 1. Part, von:
gener. t genieren): a) (veraltend) unangenehm, lästig,
peinlich: es war [ihm) etwas g.. daß er nicht entsprechend
gekleidet war; b) (landsch.) gehemmt u. unsicher,
schüchtern: leicht durch belanglose Dinge in Verlegenheit zu
bringen; etw. (z.B. Nacktheit) als peinlich empfindend: ein
-es Kind; er stand etwas g. abseits in einer Ecke; sei nicht
so g.; Prüde Buchhändler ... Die Vertreter des ... Verlages
... zeigten sich g.: Eine ... phallusreich illustrierte Ausgabe
(Spiegel 38.1974. 124).
genas [gd'na:s]: tgenesen.
genäschig [ga'neju;] <Adj.>: gerne naschend; sehr häufig Lust
zum Naschen verspürend; naschhaft: ein -es Kind; Dort
wollten ... saftige Williams-Christ-Birnen dem Zugriff-er
Wespen entzogen sein (Lentz, Muckefuck 59); <Abl.:> Ge-
n$sdiigkeit, die; -.
genäse [ga'neiza]: t genesen.
Genäsel [ga'ne:zl]. das; -s (oft abwertend): als utiangenehm
empfundenes] dauerndes Näseln: das G. des Redners war
sehr störend.
genau [ganau; mhd. genou = knapp, eng; sorgfältig): I.
<Adj.)a) von einem Muster. Vorbild, einer Vergleichsgröße
nicht abweichend, damit ]bis in die Einzelheiten]
übereinstimmend; einwandfrei stimmend, exakt; eine -e Waage;
die -e Uhrzeit; den -en Wortlaut einer Rede wiedergeben;
er kam g. (pünktlich) um acht Uhr; das ist g. das gleiche;
er konnte sich g. daran erinnern; die Länge stimmte auf
den Millimeter g.; die Schuhe passen g. (sind nicht zu
großu. nicht zu klein); <subst.:> Genaues. Genaueres weiß
ich nicht (die einzelnen Zusammetihänge. Hintergründe
kenne ich nicht); b) gründlich, gewissenhaft ins einzelne gehend;
sorgfältig: -e Kenntnis; im -eren Sprachgebrauch; er ist
ein sehr -er Mensch, ist in allem sehr g.; er arbeitet ihm
nicht g. genug; sie hat den Vorgang g. (detailliert)
geschildert; etw. ist peinlich g. durchdacht; ich kenne ihn ganz
g.; etw. g.. genauestens unterscheiden; die Vorschriften
müssen aufs genau[e]ste beachtet werden; *es mit etw.
[nicht so) g. nehmen (auf die Einfutltung. Erfüllung von
etw. /nicht/ sehr bedacht sein): er nimmt es mit der
Wahrheit, mit den Vorschriften nicht sehr g.; c) sparsam, geizig.
knapp: Sie gibt nicht einen Dollar mehr aus. als sie kann;
Sie ist eine -e Frau (L. Frank, Wagen 52); Aber er hatte
eben auch die Schattenseiten der Großzügigkeit. ... und
da ich ... ziemlich viel von den Lassenthins abbekommen
habe, die sehr -e Leute sind .... ärgerte mich das manchmal
(Fallada. Herr 8). II. <Adv.) betont die Exaktheit.
Genauigkeit einer Angabe, drückt bestätigend aus. daß etw.
gerade richtig, passend, wie geschaffen für etw. ist; gerade,
eben: das reicht g. für zwei Personen; das kommt g. zur
rechten Zeit; er ist g. der Mann für diese Aufgabe; als
Ausdruck der Hervorhebung, der reinen Verstärkung einer
Aussage: g. das wollte ich sagen; g. das ist nötig!; als
Ausdruck bestätigender Zustimmung: [g.Jg.! (ja!, richtig!,
stinunt!. so ist es!); genaugenommen <Adv.>: wenn man
es genau nimmt, näher betrachtet; recht besehen, bei näherer
Betrachtung; eigentlich: Da der Begriff ..normal" für den
Menschen g. nicht existiert (Lorenz. Verhalten I. 111);
Genauigkeit« die; -: a) das Genausein. Exaktheit: die G.
einer Waage; etw. mit mathematischer G. prüfen; b) das
Genausein. Gründlichkeit. Gewissenhaftigkeit. Sorgfalt:
etw. mit großer, pedantischere berichten, befolgen; jeden
Tag wurden wir mehr und mehr dazu angehalten, nicht
so sehr auf G. als vielmehr auf Schnelligkeit zu sehen
(Leonhard. Revolution 222); c) Sparsamkeit.
Wirtschaftlichkeit. Geiz: die letzte Rechnung, so forderte sie mit
puritanischer G.. mußte beglichen, die letzte fällige Rate
abgeführt werden (Fussenegger. Haus 551); genauso
<Adv.): in derselben Weise. Art. in demselben Maße;
geradeso /sehr], ebenso [sehr]: sie macht alles [ganz] g. wie
er; das Wetter ist heute g. schlecht wie gestern; ich habe
beide Sorten probiert, diese schmeckt g. [ausgezeichnet];
Dies gilt g. für Freuden, wie es für zugefügte Schmerzen
gilt (Dwinger. Erde 51).
genauso-: -gut. -häufig, -langte], -oft. -viel. -weit, -wenig:
svw. tebensogut, tebensohäufig usw.
Gendarm [san'darm. auch: sä*...], der; -en. -en [frz. gendarme
= Polizeisoldat, urspr. = bewaffneter Reiter < gens d'ar-
mes = bewaffnete Männer, aus gens = Leute. Volk (<
lat. gentes) u. armes = Waffen < lat. arma] (österr.,
sonst veraltend, noch volkst.): bes. auf dem Land
eingesetzter) Polizist; Angehöriger einer Gendarmerie: Rosina ...
bekam einen Tobsuchtsanfall, vier -en mußten sie bändigen
(Mostar. Unschuldig 82); <Abl.:> Gendarmerie fcandar-
ma'ri:, auch: 3äd...]. die; -. -n [...i:an; frz. gendarmerie]
(österr. u. regional, sonst veraltend, noch volkst.): Einheit
der staatlichen Polizei in Landbezirken: Gesamtheit der
Gendarmen: nach einer großangelegten Suchaktion, an der
sich alle verfügbaren Kräfte der G. ... beteiligten (MM
20. 8. 68. 6)
Gendarmerie-: -beamter. der; -Inspektor, der; -kaserne,
die; -Offizier, der; -posten. der; -Station, die.
'Gene [3£:n. auch: *3e:nd. '3e:n3l. die; - [frz. gene = Störung.
Zwang, veraltet auch: Folter < afrz. gehine = das durch
Folter erpreßte Geständnis, zu: gehir, jehir = zum
Geständnis zwingen] (veraltet): [selbstauferlegter] Zwang;
Unbehagen. Unbequemlichkeit; vgl. sans gene.
^Gene [*ge:nd]: PI. von TGen.
Genealoge [genea'lo:gd]. der; -n. -n [lat. geneälogus = jmd..
dereinGeschlechtsregisteranfertigt < griech. geneälogos):
Wissenschaftler. Forscher auf dem Gebiet der Genealogie;
Genealogie [genealogi:], die; -. -n [...i:an; 2: lat. geneälogia
< griech. geneälogia. zu: geneä = Geburt. Abstammung
u. t-logie]: I. <o. PI.) Forschungsgebiet, das sich mit der
Herkunft u. den Verwandschaftsverhältnissen bestimmter
Personen. Familien od. Sippen, mit Ursprung. Folge u.
Verwandtschaft der Geschlechter befaßt; Ahnenforschung.
Familienforschung, -künde: die theoretische G. befaßt sich
mit der Erforschung von der Gesetzmäßigkeit
genealogischer Zusammenhänge, die praktische G. wertet
genealogische Quellen, wie Chroniken. Urkunden. Kirchenbücher
usw.. aus. 2. [Darstellung der] Abstammung einer Person.
Geschlechterfolge einer Familie. Sippe; Geschlechtsregister.
Ahnentafel: die G. eines Adelsgeschlechts; Wer kennt den
Menschen ganz. Was ahnt er selbst von seiner unerforsch-
lichenG. (Herkunft* Abstammung; A. Kolb. Schaukel 117);
<Abl :> genealogisch <Adj.; o. Steig.; nicht präd.): die
Genealogie betreffend, auf ihr beruhend, zu ihr gehörend, mit
Hilfe der Genealogie: -e Studien. Schriften, Daten,
Sachverhalte; die Verwandtschaftsverhältnisse g. untersuchen.
genehm [ga'ne:m] <Adj.) [mhd. genaeme. eigtl. = was zu
nehmen ist. gern genommen wird; zu t nehmen] in der
Verbindung jmdm. g. sein (geh.; jmdm. passen, günstig
erscheinen; jmdm. angenehm, willkommen, erwünscht sein):
diese Lösung war ihm sehr g.; sie war ihm als Mitarbeiterin
nicht g.; du kannst nicht einfach gehen, wenn es dir g.
ist; <auch attr.:) ist das ein Ihnen -er Termin?; durch
991
genehmigen
die ihr -e Möglichkeit (Musil. Mann 1331); <Abl.:>
genehmigen <sw. V.; hat): 1. (insbes. amtlich, offiziell) die
Durchführung, Verwirklichung eines Plans, einer Absicht, die jmd.
als Antrag, Gesuch o. ä. vorgebracht hat, gestatten, sie
erlauben, bewilligen: die Baubehörde hat den Anbau genehmigt.
2. <g. + sich) (ugs. scherzh.) sich etw. I Besonderes,
Zusätzliches] leisten: sich etw. gönnen: soll ich mir noch ein
Paar Würstchen g. (Döblin. Berlin 76); sich ein Gläschen
Wein g.; <auch ohne sich:) als sie ein einziges Schlückchen
genehmigte (zu sich nahm; Klepper. Kahn 113); *sidi
<Dativ) einen g. (ugs. scherzh.; ein Glas Bier, Schnaps
o.a. trinken): <auch ohne sich:) von jenen, welche darauf
bestehen, niemals vor fünf Uhr nachmittags einen zu g.
(Bamm. Weltlaterne 127). dazu: Genehmigung, die; -. -en:
a) das Genehmigen (1): eine offizielle, schriftliche G.; die
G. zur Ausreise erteilen, verweigern; eine G. einholen,
erhalten; mit polizeilicher G.; b) Schriftstück, Papier, auf
dem etw. (amtlich) genehmigt wird: eine G. vorlegen; bitte
zeigen Sie mir mal Ihre G !; <Zus.:) Genehmigungspflicht.
die <o. PI.) (jur.. Amtsspr.): gesetzliche Verpflichtung, sich
für etw. von offizieller Stelle die Genehmigung einzuholen:
eine solche Anlage unterliegt der G.. dazu:
genehmigungspflichtig <Adj.; o. Steig.; nicht adv.).
geneigt <Adj.; -er. -este) [2. Part, von t neigen, eigtl. =
zum Ausdruck des Wohlwollens zu einem Bittenden
hinabgebeugt]: I. in der Verbindung zu etw. g. sein/sich zu
etw. g. zeigen (die Neigung, die Absicht haben, et*', zu
tun; bereit, willens sein): zum Mitmachen g. sein; er war
g.. das Angebot anzunehmen; sie zeigten sich nicht im
geringsten g.. sich mit ihm einzulassen. 2. in der
Verbindung jmdm., einer Sache g. sein (geh.; jmdm. wohlgesinnt,
zugetan sein, jmdm., einer Sache wohlwollend
gegenüberstehen): sein Vorgesetzter war ihm nicht sonderlich g.; Seine
Frau, die ... der Mythologie -er (für sie aufgeschlossener)
war. ... (Grass. Hundejahre 69); <auch attr.:> jmdm. ein
-es Ohr leihen (ihn wohlwollend anhören); -er Leser
(veraltete Höflichkeitsanrede des Autors in einem Buch); <Abl.:>
Geneigtheit, die; -: 1. das Geneigtsein (1). Bereitschaft.
2. das Zugetansein, Wohlwollen.
Genera: PI. von tGenus.
General [gero'ra.lj. der: -s. -e u. ...räle (...re:b; 1: unter
Einfluß von frz. general. gek. aus capitaine general. lieute-
nant general o.a.; 2a: mhd. general = Oberhaupt eines
Mönchsordens < kirchenlat. generalis (abbäs) =
Oberhaupt eines Mönchsordens. Hauptabt. zu lat. generalis
= allgemein, die (ganze) Gattung betreffend, zu: genus.
tGenus): l.a) <o. PI.) [höchster/ Dienstgrad der lükhsten
Rangklasse der Offiziere; b) Offizier dieses Dienstgrades:
Generale kamen vor das Tribunal (Benn. Leben 16);
Deutsche Truppen unter den Generälen Gerstenberg und Sta-
cherl ergeben sich (MM 22. 8. 69. 10); die Pläne des
kommandierenden -s Meier; die Absicht G. Meiers. 2.a)
oberster Vorsteher einer kath. Ordensgemeinschaft; b)
oberster Vorsteher der Heilsarmee.
general-, 'General- (lat. generalis = allgemein, tGenerali
(im Sinne von haupt-, Haupt-, oberster ...): - absolut ion.
die (kath. Rel.): I. einem od. mehreren Gläubigen in
bestimmten Notsituationen erteilte sakramentale
Lossprechung von allen Sünden ohne vorhergehendes persönliches
Schuldbekenntnis. 2. vollkommener Abla/J in Verbindung
milden Sakramenten der Bulie u. Eucharistie (für Sterbende
od. Ordensmitglieder); -amnestie, die (jur.): allgemeine
Amnestie wegen bestimmter Straftaten für eine größere
Anzahl von Personen; -angriff, der: großangelegter Angriff
Hauptatigriff: den G. des Gegners abwehren; Im G. der
zweiten Halbzeit versagte dann der Sturm, der planlos
und hektisch angriff (Welt 10. 5. 65. 17); Attacke, die:
vgl. -angriff; -ausspernmg, die: Der Verband der
Zechenbesitzer halte über die streikenden Bergleute die G.
verhängt (Marchwitza. Kumiaks 262); -baß. der lital. basso
generale] (Musik): (bes. im 17. u. 18. Jh.) einer Komposition
durchlaufend zugrundeliegende Balistimme, meist mit den
vom Komponisten zugefügten Ziffern u. Zeichen, nach denen
{bei einer Aidfii/irung) auf einem Tasteninstrument eine
mehrstimmige Begleitung zu spielen ist, dazu: -vbaßinstru-
ment, das: Musikinstrument (bes. Orgel, Cembalo), auf dem
die durch den Generalbaß festgelegten Harmonien
akkordisch gespielt werden; -beichte, die [nach mlat. cönfessio
generalis] (kath. Rel.): in bestimmten Situationen
empfohlene od. notwetulige Beichte über das ganze Leben od. einen
größeren Lebensabschnitt; -bevollmächtigte, der (jur..
Wirtsch.. Politik): jmd., der eine Generalvollmacht besitzt;
-bundesanwalt, der: Leiter der Staatsanwaltschaft beim
Bundesgerichtshof; -debatte, die: die Gesamtpolitik einer
Regierung einer G. unterwerfen; -direktion, die: Ein
Vorschlag der G. der EG-Kommission; -direkter, der: a) <o.
PI.) Position der obersten Instanz an der Spitze der Leitung
eines grofJen Unternehmens; b)jmd., der diese Position
innehat; -gouvernement, das: 1. größeres Gou vernement. 2«
Statthalterschaft; -gouverneur, der: Leiter eines
Generalgouvernements; Statthalter, oberster Beamter (bes. in Kolonien);
-handel, der (Wirtsch.): die gesamte Ein- und Ausfuhr eines
Lamles einschließlich Durchfuhr; -lnspektion, die:
gründliche, umfassende bxspektion; -Intendant, der: für die
künstlerische Gestaltung u. die Verwaltung verantwortlicher Leiter
eines größeren Theaters mit mehreren Gattungen der
darstellenden Kunst: er wurde zum -en ernannt; -kapitel, das
(kath. Kirche): die höchste gesetzgeberische Gewalt in den
kath. Ordensgemeinschaften besitzende, in bestimmten
größeren Zeitabständen stattfindende Versammlung der
Oberen aus den einzelnen Klöstern u. Ordensbereichen;
-klausel, die (jur.): Gesetzesbestimmung, welche die von
ihr erfaßten Sachverhalte nicht aufzählt u. beschreibt,
sondern nur abstrakt umschreibt; -kongregation, die (kath.
Kirche): Versammlung einer kirchlichen Körperschaft, an
der alle stimmberechtigten Mitglieder teilnehmen; -konsul,
der: der höchsten Rangklasse angehörender Konsul (2). der
Leiter eines meist zu einem größeren Bezirk gehörenden
Konsulats ist; -konsufait, das: a) <o. PI.) Amt eines
Generalkonsuls; b) Amtssitz, -gebäude eines Generalkonsuls; -linie,
die: für einen bestimmten Bereich allgemein geltende, für
alle verpflichtende Richtlinie mit oft programmatischem
Charakter: die G. einer Partei; Musikdirektor, der: a)
<o. PI.) Amt, Titel des obersten musikalischen Leiters eines
Opernhauses, Orchesters; b)jmd., der dieses Amt bekleidet;
erster Dirigent; -nenner, der: svw. t Hauptnenner: U man
kann alle diese Argumente auf einen G. bringen (zu einem
Hauptargument zusanvnenfassen); ^obere, der (kath.
Kirche): höchster Oberer einer Ordensgemeinschaft; -pardon,
der: a) (veraltet) svw. t ^amnestie; b) pauscliale Vergebung.
Nachsicht gegenüber jmds. Verfehlungen: das einzige, was
jetzt kommen muß. ist die große Vergebung. Der G. (Kirst.
08/15. 761); -pause, die (Musik): in einem Musikwerk mit
mehreren Instrumenten; u. SingstimmenJ auftretende, meist
als starke Zäsur wirkende Pause für alle beteiligten
Stimmen; -Prävention, die (jur.): allgemeine Abschreckutig von
strafbaren Taten durch Atidrohung u. Verbüßung von
Strafen, dazu: -präventiv <Adj.; o. Steig.): Nicht einmal die
Todesstrafe habe -e Wirkung (MM 19. 4. 73. 13); -probe.
die: I. meist ohne Unterbrechung ablaufende letzte Probe
vor der Premiere im Theater, vor der ersten Aufführung
eines Konzerts o. ä.: bei derG. zu seiner ersten Inszenierung
ging noch einiges schief. 2. (Sport) abschließendes Testspiel
vor einem entscheidenden Spiel: Als G. will Hertha BSC
... gegen Blau-Weiß spielen (Fußball; Welt 29. 10. 69.
13); -prokurator, der (kath. Kirche): Vertreter eines
geistlichen Ordens beim Vatikan; -reprasentanz, die (österr.):
svw. f Alleinvertretung; -resident, der (hist.): oberster
Vertreter Frankreichs in den ehemaligen französischen
Protektoraten Marokko u. Tunesien; -Sekretär, der: oberster Ge-
scfiäftsjiihrer einer Partei, eines wirtschaftlichen, wissen-
scliaftlichen o. ä. Verbandes od. einer internationalen
Organisation, dazu: -Sekretariat, das: a) <o. PI.) Amt eines
Generalsekretärs; b) Sitz eines Generalsekretärs; -Staaten
<P1.): I. das niederländische Parlament. 2. (hist.) im 15. Jh.
der vereinigte Landtag der niederländischen Provinzen. 3.
(hist.) 1593-1795 die Abgeordnetenversammlung der sieben
niederländischen Nordprovinzen; ^Staatsanwalt [ ' 1.
der: oberster Staatsanwalt beim Oberlandesgericht, der den
anderen Staatsanwälten des Oberlandesgerichts u. der in
seinen Bereich fallenden Landgerichte vorgesetzt u. ihnen
gegenüber weisungsbefugt ist; -stände <P1.): svw. t Etats
generaux; -streik, der: / ptditischen Zielen dienender]
allgemeiner Streik der Arbeitnehmer eines Landes;
-Superintendent, der (ev. Kirche): dem Bischof od. Prälaten rangmäßig
entsprechender leitender Geistlicher einer Landeskirche;
-synode, die: I. oberste Synode der ev. Kirche. 2. (veraltet)
allgemeines Konzil der röm.-kath. Kirche: -überholen <sw.
V.; nur im Inf. u. 2. Part, gebr.) (bes. Technik): im ganzen
aid sämtliche möglicherweise vorhandenen Fehler hin üher-
992
Generator
prüfen u. alle aufgetretenen Manuel durch Ausbesserung,
Erneuerung beseitigen: seinen Wagen g. lassen; im Werk
generalüberholter Motor (Auto 6. 1965. 84). dazu: Miber-
hohing, die; -Versammlung, die: Versammlung sämtlicher
Mitglieder (od. deren Vertreter) einer Gesellschaft,
Genossenschaft, eines Vereins o. ä.; Hauptversammlung:
^Vertreter, der: Handelsvertreter für alle od. eine Vielzahl der
Erzeugnisse eines Unternehmens in einem größeren Gebiet;
-Vertretung, die: svw. T Alleinvertretung; ^vertrieb, der:
svw. T Alleinvertrieb; -vikar, der (kath. Kirche): ständiger
Vertreter des Bischofs einer Diözese für den Bereich der
Verwaltung, dazu: -vfltariat. das (kath. Kirche): für die
Verwaltung zuständige Behörde einer Diözese: -vollmacht,
die (jur.. Wirtsch., Politik): unbeschränkte Vollmacht für
alle Absprachen. Abschlüsse. Geschäfte. Verträge o.a.,
Blankovollmacht.
^General- (Milit.; vgl. auch: Generals-): -admiral. der: I.
Offizier der Kriegsmarine im Range eines Generalobersten.
2. <o. PI.) Titel der ältesten Admirale im 17. u. 18. Jh.;
-arzt, der: im militär. Sanitätswesen Arzt im Rang eines
Generals; -fekimarschall [ ' ]. der: vgl.
Feldmarschall; - Inspekteur, der: unmittelbar dem
Verteidigungsminister unterstehender ranghöchster Soldat u. höchster
militärischer Repräsentant der Bundeswehr; -kommando, das:
oberste Kommandostelle u. Verwaltungsbehörde eines
Armeekorps; -leutnant, der: a) <o. PI.) zweithöchster
Dienstgrad in der Rangklasse der Generale; b) Offizier dieses
Dienstgrades; -major, der: a) <o. PI.) dritthöchster
Dienstgrad in der Rangklasse der Generale; b) Offizier dieses
Dienstgrades; -quartiermeister, der: 1. (früher) wichtigster
Adjutant eines Feldherrn seit der zweiten Hälfte des 17. Jh.s;
engster Mitarbeiter des Chefs des Generalstabs. 2.
Verantwortlicher für die Verpflegung aller Fronttruppen im 2.
Weltkrieg; -Stab, der: Kreis von ausgewählten, bes. ausgebildeten
Offizieren, der den obersten Befehlshaber od. Heerführer
in der militärischen Führung beratend unterstützt: Ein
Offizier sprach so. irgendein großes Tier im G. (Simmel. Affäre
165). dazu: ^stäbler[-Jt€:plBj, der (Jargon): svw. T
-Stabsoffizier, -Stabschef, der. -stabskarte. die (früher): amtliche
Landkarte (bes. des ehem. Deutschen Reiches).
-Stabsoffizier, der: dem Generalstab angehörender Offizier.
Generabt [genaralau]. das; -[eis. -e [zu t General]: 1. (bil-
dungsspr.) Würde. Amt eines Generals (1). 2. (kath. Kirche)
a) Amt. Amtszeit eines Generaloberen; b) Amtssitz eines
Generaloberen; Generale [gena'ra:^). das; -s, ...lien [...lj?n].
auch: ...lia [...lja; lat. generale, zu: generalis = zum
Geschlecht, zur Gattung gehörend, allgemein, f General] (bil-
dungsspr.): allgemein Gültiges; allgemeine Angelegenheiten;
Generalin, die; -, -nen (veraltet): Frau eines Generals; Gene-
ralisation[gendraliza'tsio:n],die; -. -en (seltener): svw.
tGeneralisierung; generalisieren [genarali'zi.ranj <sw. V. hat)
[frz. generaliser. zu: genöral = allgemein < lat. generalis,
t General] (bildungsspr.): aus Einzelfällen auf das
Allgemeine schließen, das Allgemeine gewinnen; verallgemeinern:
Man soll gewiß nicht g. und sich auch nicht zu
Kurzschlüssen verleiten lassen (Dönhoff, Ära 47); <2. Part.:)
generalisiert (Med.): (bes. von Hautkrankheiten) über den ganzen
Körper verbreitet; <Abl.:) Generalisjening, die; -. -en
(bildungsspr.): das Generalisieren; Verallgemeinerung: vor -en
sollte man sich hüten; Generalissimus [gendralisimus], der.
-. ...mi u. ...müsse [ital. generalissimo. Superlativbildung
zu: generale (capitano o.a.) = General, zu: generale =
allgemein < lat. generalis. TGeneral] (Milit.): oberster
Befehlshaber. Kommandierender; Generalist [genara'listj. der;
-en. -en: jmd.. der in seinen Interessen nicht auf ein
bestimmtes Gebiet festgelegt ist: so brilliert Kohl mit einer
Wortschöpfung Ich bin ein G. und kein Spezialist"
(Spiegel 35. 1976. 19); Generalität [gendrali't£:t]. die: -.
-en <P1. selten) [1: lat. generälitäs; 2: zu TGeneral]: 1.
(veraltet) Allgemeinheit. Gesamtheit. 2. (Milit.) Gesamtheit
der Generale (eines Staates): Die in innenpolitischer
Opposition stehende türkischeG. (Spiegel 48.1965.37); generali-
ter [gero'ra.litej <Adv.) [lat. generäliter] (bildungsspr.
veraltend): im allgemeinen, ganz allgemein betrachtet; im
ganzen gesehen: Nehmen Sie daher g. den Standpunkt ein.
daß ... (Dwinger. Erde 184).
Generals- (vgl. auch: General-): -rang, der: ein Offizier
im G.; -streifen <P1.): rote, seitlich angebrachte Streifen
an der Hose der Generalsuniform; Minifonn, die; -zügel
<P1.) (Milit. Jargon): Riemen am Sattelrist.
Generation [gendra'tßio.nl. die; -. -en [lat. generätio =
Zeugung(sfähigkeit); Generation, zu: genus. TGenus]: l.a)
Einzelgliedder Geschlechterfolge (Großeltern. Eltern.
Kinder. Enkel): der Ring wurde von G. zu G. weitergegeben;
in diesem Haus wohnen drei -en (Vertreter dreier
Generationen); b) (Biol.) in der Entwicklung einer Tier- oder
Pflanzenart die zu einem Fortpflanzungs- oder WachstwnsprozelS
gehörenden Tiere bzw. Pflanzen: die Merkmale lassen sich
bei vier -en dieser Züchtung feststellen. 2. (bes. Soziol.)
Gesamtheit der Menschen ungefähr gleicher Altersstufe [mit
ähnlicher sozialer, moralischer, kultureller Orientierung u.
weltanschaulich weitgehend übereinstimmender
Einstellung]: die junge, heranwachsende, heutige G.; die ältere
G.; dieG. nach dem Krieg; Ü die neueG. (in der technischen
Entwicklung auf einer bestimmten Stufe stehende, durch
eine bestimmte Art der Konzeption u. Konstruktion
gekennzeichnete Kategorie) nuklearer Vergeltungswaffen (MM
23. 8. 69. 2); ein Computer der dritten G. 3. ungefähr
die Lebenszeit eines Menschen umfassender Zeitraum;
Menschenalter: es wird noch -en dauern; Von dieser ersten
Entdeckung bis zu der eindeutigen Feststellung ... muß
mindestens eine weitere G. vergangen sein (Nossack.
Begegnung 314).
generationen-, Generationen-: -konflikt. der (seltener): svw.
tGenerationskonflikt; -lang <Adj.; o. Steig.): sich über
Generationen hin erstreckend: der -e Ablauf des Betriebes
(Mantel. Wald 101); -mäßig <Adj.; o. Steig.; nicht präd.):
svw. t generationsmäßig; -problem. das (seltener): svw.
TGenerationsproblem; -Wechsel, der (seltener): svw. T
Generationswechsel (1).
generations-, Generation»-: -konflikt. der: Konflikt zwischen
Angehörigen verschiedener Generationen, bes. zwischen
Jugendlichen u. Erwachsenen, der aus den unterschiedlichen
Auffassungen in bestimmten Lebensfragen erwächst; -lang
<Adj.; o. Steig.): svw. Tgenerationenlang; -mäßig <Adj.;
0. Steig.; nicht präd.): eine Generation bzw. verschiedene
Generationen betreffend; durch den Wechsel der
verschiedenen Generationenbedingt, auf ihm beruhetid: die allein schon
g. sichergebenden Probleme; -Problem.das: vgl. -konflikt;
-unterschied, der: Unterschied in der Denk- u. Lebensweise
von Angehörigen verschiedener Generationen; -Wechsel, der:
1. Ablösung von Angehörigen der älteren durch Angehörige
der jüngeren Generation, bes. in wirtschaftlichen, politischen,
kulturellen o. ä. Wirkungsbereichen: die FDP ist zur
künftigen Agrarpolitik der Meinung, daß die Abwanderung in
der Landwirtschaft vor allem im Rahmen des -s
weitergehen wird (Bundestag 190. 1968. 10288). 2. (Biol.) Wechsel
zwischen geschlechtlicher u. ungeschlechtlicher
Fortpflanzungsweise bei bestimmten Pflanzen u. wirbellosen Tieren:
der G. der Farne.
generativ [genara'thf] <Adj.; o. Steig.) [1: spätlat. generä-
tivus. zu lat. generätus. 2. Part, von: generäre = (er)zeugen.
hervorbringen; 2: engl.-amerik. generative]: 1. (Biol.) die
Zeugung, geschlechtliche Fortpflanzung betreffend, auf ihr
beruhend; geschlechtlich; erzeugetul: bis zu einem Viertel
des Geburtenrückgangs ... ist denn auch nicht etwa eine
Folge von Veränderungen des -en Verhaltens (Spiegel 13,
1975, 49). 2. (Sprachw.) die Erzeugung von Sätzen
betreffend, erzeugend: -e [Transformations]grammatik (die
Sprache, das sprachliche Regelsystem unter Zuhilfenahme u.
mit Mitteln der mathematischen Logik u. der Psychologie
beschreibende Gramtnatiktheorie. die zu erklären sucht, wie
es einem Sprecher möglich ist. auf Grund der unbewußten
Beherrschung einer endlichen Menge von Regeln seiner
Muttersprache eitie unendliche Menge von Sätzen in dieser
Sprache zu erzeugen u. zu verstehen): In der
Grammatikforschung der letzten Zeit spielt die -e Grammatik
(Transformationsgrammatik) eine besondere Rolle (Zeitschrift für
Phonetik 1974. 31); Generativität [...tivi'te:t], die; -:
Fortpflanzungs-, Zeugungskraft: wenn die Gesellschaft auf die
volle Ausschöpfiing der G. ihrer Mitglieder angewiesen
ist (Schmidt. Strichjungengespräche 38); Generator [ge-
n3'ra:tDr. auch: ...to:?l. der; -s. -en [...ra'to:ron; lat. generä-
tor = Erzeuger): 1. Maschine, in der mechanische Energie
in elektrische Energie umgewandelt, elektrische Spannung
od. elektrischer Strom erzeugt wird; dann kamen die Wagen
der elektronischen Anlage, wo die -en summten (Jaeger.
Freudenhaus 21). 2. einem Schachtofen ähnlicher Apparat
zur Erzeugung von Gas aus festen Brennstoffen wie Kohle
u. Koks; Gasgenerator: Aber so ist die Kohle für unsere
63 GDW
993
Generatorgas
-en unverwendbar (Hacks. Stücke 304); <Zus. zu 2:>
Generg torgas, das; generell [gera'rel] <Adj.; o. Steig.)
[französierende Bildung für veraltet general < lat. generalis =
allgemein, zu: genus.!Genus]: ganz allgemein,
allgemeingültig, grundsätzlich: für die meisten od. alle Fälle derselben
Art geltend, zutreffend: das ist ein generelles (Ggs.:
spezielles) Problem; eine -e Lohnerhöhung; die Mißstände müssen
g. beseitigt werden: etw. ganz g. regeln: generieren [ge-
nd'ri.ren] <sw. V.; hat) [1: lat. generäre; 2: nach engl.-ame-
rik. to generate]: I. (bildungsspr.) erzeugen, hervorbringen,
produzieren: Allerdings generiert Kreuder... nie ein
stilistisches Novum (Deschner. Talente 181). 2. (Sprachw.) t von
sprachlichen Äußerungen) in Übereinstimmung mit einem
grammatischen Regelsystem (im Sinne der generativen
Grammatik) erzeugen, bilden: <Abl.:) Generknmg, die;
-. -en; generisch [ge'ne:nj] <Adj.; o. Steig.) [zu lat. genus.
t Genus] (Fachspr. selten): das Geschlecht od. die Gattung
betreffend: generös [gend'ras. auch: 3e...] <Adj.; -er. -este)
[frz. genereux < lat. generösus. eigtl. = von (guter) Art.
Rasse, zu: genus. TGenus] (geh.): edel, großmütig denkend
u. handelnd: von großherziger Gesinnung [zeugend]:
großzügig, nicht kleinlich im Geben, im Gewähren von etw.: ein
-er Mensch; eine -e Geste; -es Verhalten; er war. zeigte
sich sehr g. (freigebig, großzügig): <Abl.:) Generosität [ge-
naroziteu.auch: 3e...], die; -. -en <P1. selten) [frz. generosite
< lat. generösitäs. eigtl. = edle Art] (geh.): Großmut.
Edelmütigkeit. Großzügigkeit. Freigebigkeit: Sie wissen,
daß sie sich auf meine G. stets verlassen konnten (Re-
marque. Triomphe 185).
Genese [ge'ne:z3], die; -. -n [lat. genesis < griech, genesis
= Zeugung, Schöpfung] (Wissensch.. bes. Med., Biol..
Geol.): das [entwicklungsgeschichtliche/ Werden, der
Ursprung von etw.: Entstehung. Enwicklung: die G. einer
Krankheit, einer Gesteinsbildung, eines Kunstwerkes;
Kafkas hermetische Protokolle enthalten die soziale G. der
Schizophrenie (Adorno. Prismen 261).
genesen [gd'ne:zn] <st. V.; ist) [mhd. genesen, ahd. ginesan.
urspr. = davonkommen, überleben, errettet werden]: 1.
(geh.) wieder gesund werden, gesunden, wieder zu Kräften
kommen: nach langer Krankheit, von langer Krankheit
g.; Nun bin ich genesen. Das gibt es: -er als je (Frisch,
Cruz 32); Stanislaw.... nachdem er das gehört hatte, genas
augenblicklich (Lenz. Suleyken 62); Ü Endlich kann die
Welt g.! (Kirst. 08/15. 891). 2. (geh., dichter.) zur Welt
bringen, gebären: da ist die ledige Franziska ... eines Knäb-
leins genesen (Mostar. Unschuldig 114); Rachel werde
... eines Sohnes genesen (Th. Mann. Joseph 342); <subst.
1. Part, zu 1 :> Genesende, der u. die;-n.-n(Dekl. t
Abgeordnete).
Genesis I'genezis]. die; - (seltener): svw. tGenese.
Genesung, die; -. -en <P1. selten) (geh.): das Genesen.
Gesundwerden: wir wünschen baldige G.; er befindet sich auf
dem Wege der G.; auf G. hoffen.
Genesunss-: -heim, das: Heim zur Erholung nach einer länge-
renKrankheit. -kompanie, die (Milit.): militärische Einheit,
beider sich aus dem Lazarett entlassene Soldaten bei
leichterem Dienst (vor dem Wiedereinsatz an der Front) erholen;
-kur, die; -prozeß, der: Verlauf der Genesung: -Urlaub,
der (Milit.): Urlaub für Soldaten, die verwundet wurden
od. schwerer krank waren: Ich mußte mich am neunten
Mal in Dresden vom G. zurückmelden (Fühmann,
Judenauto 124).
Genetik [ge'ne:tik]. die; - [zu griech. genesis. t Genese] (Biol.):
Wissenschaft, die sich mit den Gesetzmäßigkeiten der
Vererbung von Merkmalen, im besonderen mit den grundlegenden
Phänomenen der Vererbung im Bereich der Moleküle befafit:
Erbbiologie. Erbforschung. Erblehre: allgemeine,
biochemische, klinische G.; Humangenetik bedeutet Erblehre des
Menschen. Sie ist als solche ein Spezialgebiet der G.
(Medizin II. 81); <AbI.:) Genetiker, der; -s. -: Wissenschaftler
auf dem Gebiet der Genetik: genetisch <AdJ.; o. Steig.)
(Biol.): a) die Entstehung. Entwicklung der Lebewesen (im
Sinne der Genetik) betreffend: entwicklungsgeschichtlich,
erblich bedingt: die -e Verwandtschaft von Lebewesen;
-e Zusammenhänge. Faktoren; Die komplizierte
Bewegungsform des Fliegens war in diesem Fall also g. verankert
(Wieser. Organismen 134); b) auf der Genetik beruhend,
zu ihr gehörend: -e Experimente.
Genetiv [ge.netif, auch: 'gen.... geneti:fl: seltener fürt
Genitiv.
Genette [»'nette), se'n...]. die: -. -s u. -n [frz. genette über
span. gineta < arab. fcarnaitJ: ein in den afrikanischen
Steppen, auch in Südfrankreich u. den Pyrenäen lebendes,
dem Marder ähnliches Tier mit dunkelgeflecktem gelblichem
od. gelbgrauem Fell, das auch zu Pelzen verarbeitet wird;
Ginsterkatze.
Genever [3e'ne:vp. auch: 3a'n.... ge'n...]. der; -s. - [älter
niederl. genever < afrz. gene(i)vre = Wacholder < lat.
iüniperus]: niederländischer Wacholderbranntwein.
genial [ge'nia:!] <Adj.) [gek. aus älterem t genialisch]:
hervorragend, bes. schöpferisch begabt; von größter schöpferischer
Geisteskraft zeugend, auf ihr beruhend, durch sie
hervorgebracht; überragetul. großartig, vollendet: ein -er Künstler.
Heerführer, Schachzug; eine -e Entdeckung, Idee,
Außenpolitik. Konstruktion; er hat das Problem g. gelöst; sein
Spiel ist geradezu g.; Diesmal führte er den Wienern eine
nicht minder g. konstruierte Sprechmaschine vor (Menzel.
Herren 44); genialisch <Adj.) [zu tGenie]: a) in Art //.
Leistung überdurchschnittlich, über das Normale
hinausgehend; zum Genialen tendierend: genieälmlich: ein -es Talent;
So g. wie vor 20 Jahren die Struktur des Kettenmoleküls
DNS aufgeklärt wurde ... (Spiegel 5, 1973. 108); b) in
oft exaltierter Weise das Konventionelle. Durchschnittliche
mißachtend, in seinem Verhalten. Auftreten ungewöhnlich
wie ein Genie: sich g. gebärden; Genialität [genialite:t],
die; -: das Genialsein; geniale Begabung. Schöpferkraft:
geistig überragetuie. schöpferische Veranlagung: dieG. eines
Erfinders; wo sich im künstlerischen Werk G. und
moralische Kraft ... vereinen (Welt 9. 10. 65, 12); Aber jetzt
erst erkennt man die politische G. dieser verblüffend
frechen letzten Wendung Fouches (St. Zweig. Fouch£ 50).
Genick [gs'nik], das; -[e]s. -e [mhd. genic(ke).
Kollektivbildung zu: necke, ablautend zu gleichbed. nacke. f Nak-
ken]: hintere Seite, hinterer Teil des Halses; Nacken: er
schob den Hut ins G.; Der erste schlug mir sofort, als
ich eintrat, mit der flachen Hand ins G. (Simmel. Affäre
82); ein steifesG. haben (ugs.; als Folge von
Muskelverspannungen im Nackenbereich den Kopf nicht richtig bewegen
können): du wirst dir noch das G. (den Hals) brechen!;
* jmdm., einer Sache das C. brechen (ugs.; jmdn.. etw.
scheitern lassen, ruinieren, zugrunde richten)', die dunklen
Machenschaften haben ihm. der Partei das G. gebrochen;
imdm. im G. sitzen (ugs.; jmdn. bedrängen, daß er eine
bestimmte Arbeit schnell erledigt): an allen Stellen muß
er (= der Meister) ihnen ( = den Menschen) im G. sitzen
(Hacks, Stücke 307).
Genick-: -fang, der (Jägerspr.): Stich mit dem Jagdmesser
in das Genick eines verwundeten Tieres, um es zu töten,
-fänger, der (Jägerspr.): zweischneidiges Jagdmesser, mit
dem einem Tier der Todesstoß versetzt wird; -hebet, der
(Ringen): Hebelgriff, mit dem der Angreifer seine auf dem
Nacken des Gegners liegende Hand unter der Achsel des
Gegners hindurch mit seinem noch freien Arm faßt, um
den Kopf des Gegners nach unten zu drücken; -schlag,
der: Schlag in den Nacken; -schuß, der: gezielter Schuß
ins Genick (eines Wehrlosen): jmdn. durch G. ermorden,
umbringen, dazu: -schußbremse, die (salopp scherzh.):
lange, tief in den Nacken hängende Haare (bei Männern):
Mecklenburgs Helden im Weltkrieg. Ganz schön lang
schon wieder. Über dem Kragen die G. (Kempowski.
Uns 232); -stand, der (Turnen): svw. t Nackenstand;
-starre, die (Med.): svw. t Hirnhautentzündung; -waage, die
(Turnen): svw. t Nackenwaage; ^zug, der (Ringen): Griff,
bei dem der Gegner mit geschlossenen Händen im Genick
gefaßt und nach unten gezogen od. gedrückt wird.
'Genie [3e'ni:]. das; -s. -s [frz. genie < lat. genius, TGenius]:
1. <o. PI.) überragende schöpferische Begabung.
Geisteskraft: das G. des Künstlers wurde schon früh deutlich;
ein Regisseur von G. 2. Mensch mit überragender
schöpferischer Begabung. Geisteskraft: er ist ein großes, vielseitiges,
politisches G.; er ist nicht gerade ein/kein G. auf diesem
Gebiet (iron.; er versteht davon nichts): ^Genie [-]. die:
-. -s [frz. ginie = militärisches Ingenieurwesen] (Schweiz,
ugs.): svw. TGenietruppe.
'Genie- ('Genie): -Periode, die: zeitgenössische Bez. der
t ^zeit; -streich, der: oft bestimmte Auswirkungen. Folgen
habende, [in einem Wurf geglückte] originelle Tat;
Glanzleistung, der man bei allen auch möglichen Vorbehalten die
Anerkennung nicht versagen kann: die kühne Konstruktion
des Bauwerks war ein wahrer G.. mit dem der Architekt
994
geno-, Geno-
seine Zeitgenossen verblüffte; oft iron. od. abwertend für
etw. Mißlungenes, eine Tat, Handlung, die ihrem Urheber
nicht gerade als Großtat angerechnet werden kann: die G rün-
dung der Firma unter so ungünstigen Bedingungen war
wirklich ein G. von ihm; ^zeit, die (Literaturw.):
Zeitabschnitt der deutschen Literaturgeschichte von 1767 bis 1785:
Sturm-und-Drang-Zeit.
^Genie- ('tienie): M>ffizier. der (schweiz.): Offizier der
Genietruppen: ^trappe, die (schweiz.): Truppengattung der
schweizerischen Armee, technische Kriegstruppe: ^wesen,
das (schweiz.): militärisches Ingenieurwesen.
Genien: PI. von tGenius.
genieren [senhran] <sw. V.; hat) [frz. (se) gener. zu: gene,
t 'Gene]: l.<g. + sich> />i Verlegenlieit, Verwirrung gebracht
u. deshalb befangen sein: sich gehemmt, verunsichert, nicht
frei fühlen: sich schämen: du brauchst dich deswegen, vor
ihm nicht zu g.; ich genierte mich nicht (Ixatte keinerlei
Hemmungen), ihm die Wahrheit zu sagen; da zeigte sich,
daß es mit der Sexualität so eine Sache ist. Die Männer
standen herum und genierten sich voreinander (Tucholsky.
Werke 1,56). 2. (veraltend) belästigen, stören, jmdm.
hinderlich sein: meine Gegenwart geniert Sie nicht beim Essen?
(Th. Mann. Krull 269); wenn es Ihnen die paar kleinen,
nicht gar sehr genierenden Verhältnisse erlauben (R.
Walser. Gehülfe 174); Deutsche Banken und
Investmentgesellschaften sind geniert (Spiegel 48.1965.50); <Abl.:> Genierer
[je'nirrel. der; -s. - (österr. ugs.): Schüchternheit, Scheu:
da kannte der Herr Minister keinen G. (Feuchtwanger.
Erfolg 629); genierlich <Adj.> (ugs.): a) lästig störend:
peinlich: genant (a): der -e Geruch eines anderen Mannes
(Sebastian, Krankenhaus 67); Ich weiß, es wird langsam
g. (Dürrenmatt. Meteor 28); b) schüchtern, genant (b):
er ist ein etwas -er Mensch; g. war der Ja nicht (H. Kolb.
Wilzenbach 140).
Geniese [g3'ni:z3]. das; -s: dauerndes! Niesen.
genießbar [ga'ni.sba:«] <Adj.; nicht adv.>: so beschaffen,
daß man es ohne Bedenken essen od. trinken kann: -e
Früchte; das Fleisch ist nicht mehr g.; er hielt sie (= die Orangen)
als Obst für nicht sehr g. und nur zur Saftbereitung zu
verwenden (Baum. Paris 40); Ü der Chef ist heute wieder
mal nicht g. (ugs.; ist unausstehlich, schlechter Laune):
<Abl.:> Genteßbarkeit, die; -: es gelingt ihm .... den Brei
in einen Zustand zweifelhafter G. zu versetzen ..., aber
verdorben ist der Brei noch nicht (Hildesheimer, Legenden
148); genießen [ga'nrsrt] <st. V.; hat) [mhd. (gc)nie3(3)en.
ahd. (gitaiosan = innehaben, gebrauchen. Freude an etw.
haben; urspr. = ergreifen, erreichen u. nutzen]: 1. von
einer Speise, einem Getränk etw. zu sich nehmen, verzehren:
er konnte nur wenig von den angebotenen Leckerbissen
g.: sie hat den ganzen Tag noch nichts genossen: das
Fleisch ... kann man ohne Schaden g. (ist genießbar: Grzi-
mek. Serengeti 167); Ü sie ist heute nicht, nur mit Vorsicht
zu g. (ugs.; ist unausstehlich, schlechter Laune). 2. mit
Freude, Genuß, Wohlbehagen auf sich wirken, geschehen
lassen, in sich aufnehmen: Vergnügen, Freude bei etw.
empfinden: die Natur, seinen Urlaub, das Leben in vollen
Zügen g.; er genoß es sichtlich, so gefeiert zu werden.
3. /zu seinem Nutzen, VorteilJ erhalten, erfahren: eine
gründliche Ausbildung, eine gute Erziehung g.;
Geschäftsleute, bei denen er Kredit zu g. wünschte (Hesse, Sonne
7); häufig verblaßt: jmds. Vertrauen g.: jmds. Achtung
g. (von jmdm. geachtet werden): bei jmdm. hohes Ansehen
g. (hoch angesehen sein): sie genießt seinen ganz
besonderen Schutz (ihr wird sein ganz besonderer Schutz zuteil):
<Abl. zu 2:> Genießer, der; -s, - [mhd. genie3er = der
Genußsüchtige]: jmd., der es versteht, etw. bewußt] zu
genießen: ein stiller G. sein; was ein G. und Lebemann
ist, der bevorzugt immer die seltenen Sachen (Kirst, 08/15,
811), dazu: genießerisch <Adj.>: nach der Art eines
Genießers: bewußt genießend, mit Genuß: ein -er Mund; etw.
mit -er Miene kosten; er zog g. an seiner Zigarre.
Genisa. Geniza [ge'ni:zal, die; -, -s [hebr. gentz^h =
Versteck. Aufbewahrungsort]: Raum in der Synagoge zur
Aufbewahrung schadhaft gewordener Handschriften u.
Kultgegenstände.
Genist [ga'nist]. das; -[e]s. -e [mhd. genist(e). eigtl. =
Nest(er). Kollektivbildung zu f Nest] (veraltend): 1. dichte
Verflechtung, Verfilzung, Zusammenballung von Stroh,
Laub, Reisig o.a.: -e von Blättern und Stengeln (Gaiser.
Schlußball 210). 2. (veraltet) svw. TNest.
Genista[ge'nista]. die;-[vgl. TG inster]: lat. Bez. für TG inster.
genital [genita:!] <Adj.; o. Steig.; meist attr.) [lat. genitalis]
(bes. Med.): die Geschlechtsorgane betreffend, zu ihnen
gehörend, von ihnen ausgehend: -e Phase (Psychoanalyse; mit
der Pubertät beginnende Stufe der sexuellen Entwicklung,
in der die für den Erwachsenen endgültige Ausprägung der
Sexualität erreicht wird)', Genitalapparat, der (bes. Med.):
die Geschlechtsorgane bes. des Mannes: Genitale, das; -s,
...lien [...Udn] (meist Pl.> [lat. (membrum) genitale] (bes.
Med.Y.männlichesbzw. weibliches Geschlechtsorgan: <Abl.:>
genitalisch <AdJ.; o. Steig.; nicht adv.>: sich auf das Genitale
beziehend, dazu gehörend: Diese ... zivilisierten Formen
sind ihrer Meinung nach aber Beeinträchtigungen der -en
Liebe (Ruthe. Partnerwahl 164); Genitalorgan, das: svw.
f Genitale.
Genitiv ['ge:niti:f, auch: 'g£n.... geni'ti:f1. der; -s. -e [...i:va;
lat. (casus) genitlvus = die Herkunft, Zugehörigkeit
bezeichnender Fall), zu: gignere = hervorbringen, erzeugen;
falsche lat. Übersetzung von griech. (ptösis) genike =
die Gattung bezeichnend(er). allgemeiner Fall)]
(Sprachw.): I. Kasus, in dem das Objekt bestimmter
intransitiver Verben, bestimmte substantivische Attribute u.
bestimmte adverbiale Fügungen stehen: Wesfall, zweiter Fall:
die Präposition „jenseits" regiert den G.; das Substantiv
steht hier im G.; Abk.: Gen. 2. Wort, das im Genitiv (1)
steht: der Satz enthält mehrere -e; <Abl.:> genitivisch [ge-
niti:vij; auch: gan..., geni'ti:vij] <Adj.; o. Steig.: nicht
präd.) (Sprachw.); (Zus. zu 1:> Genitivkompositum, das
(Sprachw.): zusammengesetztes Substantiv, dessen
Bestimmungswort aus einem Substantiv im Genitiv besteht (z. B.
Bundesämter, MenschenfvzYind); Genitivobjekt, das
(Sprachw.): Ergänzung eines (intransitiven) Verbs im
Genitiv: im Genitiv stehendes Objekt (z. B. Ich bedarf nicht
seines Rates): Genitivus [geni'ti:vos, auch: *ge:n...]. der;
-, ...vi [tGenitiv] (Sprachw.): lat. Form von TGenitiv: G.
definitivus [- defini'ti:vos, auch: de:...] od. explicativus
[- eksplika'ti:vus, auch: 'eks...] (bestimmender, erklärender
Genitiv, z. B. das Vergehen des Diebstahls [Diebstahl =
Vergehen]);G. obiectivus[- Dpjek'ti.vos. auch: 'dp...]
(Genitiv als Objekt einer Handlung, z. B. der Entdecker des
Atoms [er entdeckte das Atom]); G. partitivus [- parti-
ti:vüs, auch: 'par...] (Genitiv als Teil eines übergeordneten
Ganzen, z. B. die Hälfte seines Vermögens)', G. possessivus
[- pose'shvus. auch: 'pns...] (Genitiv des Besitzes, der
Zugehörigkeit, z. B. das Haus des Vaters); G. qualitatis [- kvali-
ta:tis] (Genitiv der Eigenschaft. z.B. ein Mann mittleren
Alters); G. subiectivus [- zupjek'ti:vos, auch: 'zop...]
(Genitiv als Sid)jekt eines Vorgangs, z. B. die Ankunft des
Zuges [der Zug kommt an]).
Genius [ge.njus], der; -. ...ien [...jsn; lat. genius =
Schutzgeist; spätlat. = Schöpfergeist. natürliche Begabung, eigtl.
= Erzeuger, zu: gignere = hervorbringen, erzeugen]: 1.
(bes. im röm. Altertum) beschützender, vor Unheil bewah-
retider Geist eines Menschen, einer Gemeinschaft, eines
Ortes: ein guter G. hat ihm geholfen; *G. loci [- lo:tsi]
(bildungsspr.; [Schutz Jgeist einesOrtes); G. morbi [- 'morbi]
(Med.; Charakter einer Krankheit); G. epidemicus I- epi'de:-
mikos] (Med.; vorherrschender Charakter einer /gerade
herrschenden) Epidemie). 2. <meist Pl.> (Kunstw.) geflügelt
dargestellte Gottheit der röm. Mythologie: die üppigen
Malereien an der Saaldecke und auf dem Vorhang, die eine
Menge entblößter Genien ... zeigten (Th. Mann, Krull
32). 3. (geh.)a) <o. PI.) /höchste! schöpferische Geisteskraft
eines Menschen: der G. dieses Komponisten. Goethes;
Von der Dienstbarmachung des Feuers durch den
menschlichen G. bis zur Dienstbarmachung der Elektrizität (Kan-
torowiez. Tagebuch 1.94); b) Mensch mit höchster
schöpferischer Geisteskraft: Bach, der große musikalische G. des
Barock.
Geniza: vgl. Genisa.
Genmutation, die; -. -en [zu TGen u. T Mutation] (Biol.):
erbliche Veränderung eines Gens.
gennematisch [gene'ma:tiJl. gememisch [gene:mil] <Adj.;
o. Steig.) [zu griech. g£nnema = Erzeugen. Hervorbringen]
(Sprachw.): Sprachlaute als akustische Erscheinung
betreffend.
geno-,Geno- [geno-; zu griech. genos = Geschlecht]:
^spezifisch <Adj.; o. Steig.) (Biol.): charakteristisch für das
Erbgut: -typisch <Adj.; o. Steig.) (Biol.): auf den Genotypus
bezogen: ^typ [auch: ' ], der; -s. -en. ^typus, der; -.
63f
995
Genökologie
...pen (Biol.): die Gesamtheit der Erbfaktoren eines Lebe-
wesens.
Genökologjfi, die; - Izu tuen u. ÖkologieJ: die Lehre von
den Beziehungen zwischen Genetik u. Ökologie.
Genom [geno:ml. das; -s, -e [zu griech. genos = Geschlecht.
Gattung] (Biol.): der einfache Chromosomensatz einer Zelle,
der deren Erbmasse darstellt.
genommen [gd'nomdn]: t nehmen.
Genommutation, die; -. -en [zu T Genom u. f Mutation]:
erbliche Veränderung eines Genoms.
genoppt [ga'nDpt] <Adj.; nicht adv.>: Noppen aufweisend,
mit Noppen versehen: -er Stoff
Genorgel [ga'nrergj]. das; -s (abwertend): [dauerndes!
Nörgeln. Nörgelei: hör endlich auf mit deinem G.!
genoß [ga'nDs]: 1 genießen.
Genosse [ganssa]. der; -n. -n [1: mhd. geno3(e). ahd. gi-
nÖ3(o), eigtl. = jmd., der mit einem andern die
Nutznießung von etw. gemeinsam hat; zu T genießen]: 1. (veraltend)
Kamerad: Begleiter. Gefährte: sie suchten noch einen G.
für die Reise. 2. An/üinger der gleichen linksgerichteten
politischen Weltanschauung: bes. als Anrede gebrauchte
Bezeichnung für ein Parteimitglied, einen Parteifreund in
linksstehenden Parteien: alte, kampferprobte -n der SPD,
aus der SPD: der Antrag des -n [Müller] wurde
angenommen; Am anderen Tag mußte ich mit Kurt Semmler zum
-n Abteilungsleiter (Frösi 4, 1976. 31): „Kennen wir uns
nicht. G. General?" (Frösi 12. 1975. 2). 3. (Wirtsch.
veraltend) Mitglied einer Genossenschaft: genösse [ga'noesa],
genossen [ganosn]: Tgenießen; GenQssengemeinde, die
(Schweiz.): svw. T Genossenschaft; Genossenschaft, die; -. -en
[zu T Genosse]: Vereinigung, Zusammenschluß mehrerer
Personen mit dem Ziel, durch gemeinschaftlichen
Geschäftsbetrieb den einzelnen wirtschaftlich zu fördern: eine bäuerliche
G. gründen; die Inhaber vieler Zwerg- und Kleinbetriebe
gehören ... häufig ... irgendeiner der verschiedenen
ländlichen -en ... an (Fraenkel. Staat 277); <Abl.:>
Genossenschafter, (häufiger:) Genossenschaftler, der: -s. -: Mitglied
einer Genossenschaft: genossenschaftlich <Adj.; o. Steig.):
eine Genossenschaft betreffend, zu ihr gehörend: den
Prinzipien einer Genossenschaft entsprechend, auf ihnen beru/wnd:
ein -er Betrieb; etw. g. verwalten, bewirtschaften.
Genossenschaft^-: -anteil, der: Anteil aus dem Vermögen
einer Genossenschaft: -bank, die <P1. ...banken): Bank
in der rechtlichen Form einer Genossenschaft, ^bauer, der
<P1. ...bauem) (bes. DDR): einer landwirtschaftlichen
Produktionsgenossenschaft angehörender Bauer (Ggs.:
Einzelbauer): -betrieb, der: -mitglied. das; ^Versammlung, die;
-wesen, das: das G. hat in der Forstwirtschaft nie die
Bedeutung gehabt wie in der Landwirtschaft (Mantel.
Wald 122).
Genossin, die; -. -nen: w. Form zu tGenosse (1. 2);
Genoßsame [ganDSzaimo], die; -, -n (Schweiz.): 1. Genossenschaft.
2. Gemeindebezirk.
Genozid [...'t$i:t]. der. auch: das; -(eis. -e u. -ien [...i:dj?n;
zu Tgeno-. Geno-; 2. Bestandteil zu lat. caedere (in Zus.
-cldere) = niederhauen, töten] (bildungsspr.): Mord a>\
nationalen, rassischen ml. religiösen Gruppen.
Genre ['38:1?]. das; -s, -s [frz. genre < lat. genus (Gen.:
generis). T Genus]: Gattung. Art. Wesen, bes. in der Kunst:
das literarische G. der Erzählung; Lokale zweifelhaften
-s (R. Walser. Gehülfe 124); Mäntel im gehobenen G.
(Herrenjournal 1. 1966. 10); *jmd. ist nicht imds. G.
(gesprochen: '3anp; ugs.; der Betreffende ist nicht nach jmds.
Geschmack, paßt nicht zu jmdm.. mit ihm will er keinen
Kontakt): wenn ein Mann ... sich einbildete, sie ginge
auch nach ihrer Bekanntschaft mit ihm mit all und jedem.
Dann war der Alte eben doch ihr G. nicht (H. Mann,
Unrat 113). dazu: Genrebild, das: Bild im Stil der
Genremalerei: genrehaft <Adj.; o. Steig.): im Stil, in der Art der
Genremalerei gestaltet: ein -es Gemälde; Genremalerei, die
<o. PI.) [LÜ von frz. peinture de genre]: Malerei, in der
typische Haiullungen u. Begebenheiten aus dem täglichen
Leben einer bestimtnten Berufsgruppe od. sozialen Klasse
dargestellt werden.
Gens [gens), die; -. Gentes ['gente:s; lat. gens =
Geschlechtsverband. Sippe]. Verband mehrerer Familien im alten Rom:
Gent [dsentj. der; -s. -s [engl. gent. Kurzf. von gentleman.
tGentleman] (iron.): Geck, modisch gekleideter, feiner
Mann. Gentes: PI. von TGens; gentil tsen'tl:!. 3ätl:l] <Adj.)
[frz. gentil = nett, freundlich, veraltet auch: adelig, einem
edlen Geschlecht angehörig < lat. gentilis = aus
demselben Geschlecht, zu: gens, t Gens] (veraltet): nett,
liebenswürdig: Gentilen [gen'tr.bn] <P1.) [lat. gentfles]: die Angehörigen
der altrömischen Gentes: vgl. Gens; Gentilhomme [sätijom],
der; -s. -s [frz. gentilhomme. eigtl. = Edelmann]: frz.
Bez. für Mann von vornehmer Gesinnung. Gentleman:
Gentleman [d3£ntlmdn]. der: -s. ...men [...man; engl,
gentleman, LÜ von frz. gentilhomme, zu engl, gentle = edel,
vornehm (< frz. gentil < lat. gentilis) u. man = Mann]:
Mann mit Lebensart u. Charakterj der durch seine tadellosen
Umgangsformen besticht]: Gelehrsamkeit, aufdringliche
zumal, ist nicht Sache des -s (Th. Mann, Krull 272);
gentlemanlike [...lajk] <Adj.; o. Steig, nicht attr.) [engl,
gentlemanlike]: in der Art eines Gentlemans: sehr höflich,
vornehm: er benahm sich nicht gerade g.; Gentlemans
od. Gentlemen's Agreement [djcntlm^nz s'grhmsnt], das:
-. - -s [engl, gentleman's (PI.: gentlemen's) agreement.
t Agreement] (bildungsspr.): im Vertrauen auf die
Redlichkeit des Partners getroffene Übereinkunft. Abmachung ohne
formalen Vertrag, bes. im diplomatischen Bereich:
Vereinbarung auf Treu u. Glauben: Gentry [dsentn]. die; - [engl,
gentry < afrz. genterise. gentelise. zu lat. gentilis: vgl.
gentil]: der niedere englische Adelu. die ihm sozial
Nahestehenden.
Genua [ge.nua], die: -. - [nach dem erstmaligen Auftauchen
dieses Segels 1927 bei einer Regatta in Genua] (See-
mannsspr.): großes, den Mast u. das Großsegel stark
überlappendes Vorsegel: Genuakord, Genuasamt, der; -[eis [nach
der ital. Stadt Genua]: Rippensamt zur Herstellung
strapazierfähiger Hosen u. Jacken sowie von Möbelbezügen.
genug [ga'nu:k] <Adv.) [mhd. genuoc. ahd. ginuoc): a) in
zidriedenstellendem Maß: befriedigend viel, genügend: wir
haben g. Arbeit/Arbeit g.; hast du g. Geld. g. zu essen
dabei?; das ist g. für mich: wir haben für heute g. gearbeitet;
nicht g. damit, daß er seine Aufgaben erledigte (obwohl
er eigentlich mit seinen Aufgaben genügend zu tun hatte).
half er auch noch anderen; unsere Nachbarn können nicht
g. bekommen, kriegen (sie sind raffgierig u. wollen immer
mehr): sie konnte sich nicht g. darin tun (fandkein Ende).
das Buch zu loben; jetzt habe ich g. von dieser Arbeit
(sie interessiert mich nicht mehr, ich bin ihrer überdrüssig):
jetzt habe ich aber g.! (jetzt ist meine Geduld zu Ende):
g. der [vielen] Worte, wir müssen jetzt etwas unternehmen;
♦sich <Dativ> selbst g. sein (auf den Umgang mit andern,
die Anregung von anderen verzichten, sie nicht benötigen):
b) (nachgestellt bei Adjektiven einen bestimmten Grad
o. ä. kennzeichnend) genügend, ausreichend: der Schrank
ist groß g.; wir haben jetzt lange g. gewartet: dazu ist
er jetzt alt g. (hat er das entsprechende Alter): es ist ihr
alles nicht gut g. (sie hat an allem etwas auszusetzen):
das alles ist schlimm g. (sehr schlimm): das ist wenig
g. (ist recht wenig): <Abl.:> Genüge [ga'ny:g3; mhd. genüe-
ge. ahd. ginuogi] meist in den Wendungen jmdm., einer
Sache G. tun/leisten (geh.; jmdn. zufriedenstellen, einer
Sache entsprechen, gerecht werden, sie gebühreml
berücksichtigen, einhalten): seinen Forderungen muß G. getan werden;
G. [anetw.] finden/haben (geh.. veraltend; mit etw. zufrieden
sein); jmdm., einer Sache geschieht G. (jmds.
Forderungen o.a. werden erfüllt, etw. wird in genügendem Maße
beachtet): Soll der Staat zugrunde gehen, damit einem
Mann G. geschieht (Augstein. Spiegelungen 134); zur G.
(in genügendem, ausreichendem Maß): die Öffentlichkeit
wurde nicht zur G. darüber informiert; oft mit
abwertendem Unterton: diese Zustände kenne ich zur G. (ich habe
genug davon): genügen <sw. V.; hat) [mhd. genüegen. ahd.
ginuogen]: 1. in einem Maß. einer Menge vorhanden sein,
daß es für etw. reicht: genug sein, ausreichen: das genügt
[mir] fürs erste vollkommen; der Platz genügt fiir unsere
Zwecke; zwei Meter Stoff genügen nicht; Es genügte nicht
mehr. Assessor und Doktor der Rechte zu sein (Böll.
Adam 62); hast du genügend Geld dabei?; (als Schulnote;
veraltet:) seine Leistungen wurden mit ..genügend"
beurteilt. 2. gerecht werden, entsprechen: etw. in befriedigender
Weise erfüllen: jmds. Wünschen, den gesellschaftlichen
Pflichten g.; er genügte den Anforderungen nicht; nachdem
ich meiner militärischen Dienstpflicht genügt habe (Th.
Mann. Krull 113); genugsam [g3nu:kza:m] <Adv.) [mhd.
genuocsam] (geh.): zur Genüge, hinreichend: Natürlich gibt
es auch heute noch g. Kritiker (Graber, Psychologie 36);
Es ist ja g. bekannt, daß Tiere ... ganz verblüffende Ge-
996
geographisch
dächtnisleistungen vollbringen (Lorenz. Verhalten I, 33):
genügsam [g3'ny:kza:m] <Adj.>: mit wenigem zufrieden,
leicht zufriedenzustellen: bescheiden, anspruchslos: ein -er
Mensch; Ihres Mannes ... -es Wesen schrieb Frau Harde-
kopf der Einwirkung des Sparvereins ..Maienblüte" zu
(Bredel. Väter 49): im Essen und Trinken ist er sehr g.:
g. leben; <Abl.:> Genügsamkeit, die; -; genugtun <unr. V.;
hat) [mhd. genuoctun, LÜ von tat. satisfacere] (veraltend):
gerecht werden, entsprechen: jmdn.. etw. zufriedenstellen,
befriedigen: sie war eifrig bemüht, seinen Fragen
genugzutun; keiner hätte ihm g. können; Er muß sich ... des
Nachdenkens ganz entschlagen, woran sich viele genugtun
{womit sich viele zufriedengeben; Musil, Mann 520); *sich
<Dativ> nicht g. können (nicht mit etw. außiören; bei etw.
kein Ende finden können): er konnte sich nicht g., ihre
Gastfreundschaft zu loben; da kommt man von selbst
ins Schwatzen und kann sich nicht g. (Kaschnitz. Wohin
47); Genugtuung I-tu:ooL die; -, -en <P1. selten) [spätmhd..
LÜ von lat. satisfactiol: 1. innere Befriedigung: das ist
mir eine große G.; die G. haben, daß ...; G. über etw.
empfinden; er vernahm die Nachricht [über ihre
Niederlage] mit G.: Herr Heßreiter war geschwellt von G.
(Feuchtwanger. Erfolg 625). 2. (geh.) Entschädigung für
ein zugefügtes Unrecht; Wiedergutmachung: der Beleidigte
verlangte, erhielt G.; man sollte ihm G. geben
genuin [genu'i.n] <Adj.) [lat. genulnus, eigtl. = angeboren,
natürlich]: 1. (bildungsspr.) echt, unverfälscht, rein: Nur
selten begegnet uns in der jüngsten deutschen Literatur
ein so g. künstlerisches Werk (Deschner. Talente 233):
die Versorgung der sogenannten Laienlescr (ist) die -e
Aufgabe der öffentlichen Büchereien (Börsenblatt 26, 2.
4. 1965, 651). 2. <o. Steig.; nicht adv.) (Med.) nicht als
Folge anderer Krankheiten auftretend; angeboren, erblich:
-e Krankheiten; Genus [gcnos], das; -, Genera [genera;
lat. genus = Geschlecht; Gesamtheit der
Nachkommenschaft; Art. Gattung, zu: gignere = hervorbringen,
erzeugen]: 1. (bildungsspr. veraltend) Art. Gattung: die Form
der Fürstenspiegel, deren G. ... auf Augustins Porträt
des gerechten Herrschers ... zurückgeht (Fraenkel, Staat
264). 2. (Sprachw.) eine der verschiedenen Klassen
(männlich, weiblich, sächlich), in die die Substantive (danach
Adjektive u. Pronomen) eingeteilt sind; grammatikalische
Kategorie beim Nomen; grammatisches Geschlecht; <Zus.:>
G$nusbezeidinung. die: Bezeichnung des Genus; Genuskauf,
der(jur.): svw. TGattungskauf.
Genuschel [ga'nojl], das; -s (meist abwertend): t dauerndes'
Nuscheln, nuschelndes Sprechen: sein G. geht mir auf die
Nerven.
Genuß [ganos], der; Genusses, Genüsse [ga'nYsa; zu f
genießen]: 1. <o. PI.) das Genie/Jen (1); Aufnahme von Speisen.
Getränken: übermäßiger G. von Alkohol ist schädlich;
er ist nach dem G. dieser Pilze erkrankt; jmdm. vom
G. einer Speise abraten. 2. bewußt empfundenes Vergnügen.
Wohlbehagen; Freude. Annehmlichkeit, die jmd. beim
Genie/Jen (2) von etw. empfindet: der Kaffee ist ein G. (bereitet,
verschafft Gemiß); diese Musik ist ein großerG.; die
Genüsse des Lebens; Er aß langsam und ohne sonderlichen G.
(Kirst, 08/15. 148); eine Quelle des Genusses; * in den
G, von etw, kommen (an einer Vergünstigung teilhaben;
etw. bekommen): er kam nicht in den G. eines Stipendiums,
einer Rente, einer Versicherung, von Zinsen.
genyß-, Genuß-: ^fähig <Adj>: Wir wollen uns g. machen
für die Schätze der Wcltkultur (Neues Leben 10, 1975,
8); -freudig <Adj.>: für alle möglichen Genüsse.
Vergnügungen empfänglich, aufgeschlossen; ^gift. das (Amtsspr.): der
Gesundheit schadendes Genußmittel: Nikotin ist ein
weltverbreitetes G.; -mensch, der: jmd.. der sich gerne allen
möglichen Genüssen. Vergnügungen hingibt; genußfreudiger
Mensch; -mittel, das: etw. (ein Produkt), was nicht wegen
seines Nährwertes, sondern wegen seines guten Geschmacks,
seiner anregenden Wirkung o.a. genossen wird, dazu: ^mit-
telindustrie, die; ^reich <Adj.; nicht adv.): einen großen
Genuli. vielerlei Genüsse bietend: Über die angenehme
Mahlzeit hinaus sah ich einem -en Abend entgegen (Th.
Mann, Krull 267); -specht. der (österr.): svw. T Genießer:
-sucht, die <o. PI.) (oft abwertend): gesteigertes Bedürfnis.
Verlangen. Streben nach Genüssen, dazu: -süchtig <Adj.>:
Genüsse suchend; sehr, unmäßig nach Genüssen verlangend,
ihnen ergeben; ^voll <Adj.>: a) (nicht adv.) großen Genuß,
vielerlei Genüsse bietend: wenn sie ... einen -en Urlaub
... verleben wollen (Eidenschink. Eis 96); b) einen Gemfi,
ein Vergnügen auskostend; mit Genuß, voller Wohlbehagen;
-es Schmatzen; G. stieß er die erste Rauchwolke aus (Kirst,
08/15, 713); ... Strümpfe, die sie g. anzieht, denn sie sind
rar im vierten Kriegsjahr (Hochhuth, Stellvertreter
183).
genüßlich [ga'nYslu;] <Adj.): einen Genuß voll auskostend;
bewußt den Genuß genießend: ein -es Gefühl der Schwere;
g. seinen Kaffee schlürfen; sich g. im Sessel zurücklehnen;
g. wiederholt Felsner eine bestimmte und besonders
traurige Passage (Grass. Hundejahre 215); Genüßling [ga'nYslwl.
der; -s. -e (veraltend, noch scherzh.): svw. TGenußmensch.
geo-, Geo- [geo-. betont: ge:o-; griech. geö-. zu: gS =
Erde] (Best, in Zus. mit der Bd.): erd-. Erd-, Land- (z. B.
geographisch. Geographie); geoantiklingl [auch: ge:o...]
<Adj.; o. Steig.; nicht präd.) (Geol.): die Geoantiklinale
betreffend; Geoantiklinale [auch: ge:o...]. Geantiklinale.
die; -. -n (Geol.): weiträumiges Aufwölbungsgebiet der
Erdkruste; Geotumor; Geobiologfe [auch: ge:o...l. die; -:
Wissenschaft von der geographischen Verbreitung der
Pflanzen u. Tiere; Geobiont [...'b]pnt], der; -en. -en [zu
griech. biön (Gen.: bioüntos). I. Part, von: bioün = leben]:
im Erdboden lebender Organismus; Geobotanik [auch:
ge:o...].die;-: Wissenschaft von der geographischen
Verbreitung der Pflanzen, dazu: geobotgnisdi [auch: ge:o...] <Adj.;
o. Steig.; nicht präd.): die Geobotanik betreffend, zu ihr
gehöretui. auf ihr beruhend; Geochemk [auch: 'ge:o...J, die;
-: Wissenschaft von der chemischen Zusammensetzung der
Erde, dazu: geochemisdi [auch: ge:o...J <Adj.; o. Steig.;
nicht präd.): die Geochemie betreffend, zu ihr gehörend,
auf ihr beruhend; Geochronologfe [auch: ge:o...l. die; -
(Geol.): Teilgebiet der Geologie, das sich mit der absoluten
u. relativen geologischen Datierung beschäftigt; Geodäsie
[geodezi:]. die; - [griech. geödaisia = Erd-,
Landverteilung]: Wissenschaft u. Technik von der Vermessung der
Erde, der Vermessung von Land! stückenj; Geodät [...'de:!],
der; -en, -en [griech. geödaites = Landvermesser]: Fach-
mann. Wissenschaftler auf dem Gebiet der Geodäsie; Geome-
ter; geodätisch <Adj.; o. Steig.; nicht präd.): die Geodäsie
betreffend, zu ihr gehörend, auf ihr beruhend: -e Forschung,
Technik; Geode [ge'o:da], die; -, -n [zu griech. geodes =
erdartig; die Bez. wurde urspr. nur für Gestein gebraucht,
das einen Kern aus lockeren, erdähnlichen Bestandteilen
umschloß] (Geol.): 1. vulkanisches Gestein mit rundem od.
ovalem Hohlraum, an dessen Innenseiten sich Kristalle aus
Mineralien bilden; Mandelstein. 2. Blasenlxohlraum eines
Ergußgesteim. der mit Kristallen gefüllt sein kann. 3. svw.
tKonkretion (2); Geodepression [auch: ge:o...], die; -.
-fen: svw. tGeosynklinale; Geodynamik [auch: 'ge:o...J
die; -: allgemeine Geologie, die die exogenen u. endogenen
Kräfte behandelt; Geofraktur [auch: 'ge:o...], die; -, -en
(Geol.): alte, innerhalb der Erdgeschichte immer wieder
aufbrechende Zone der Erdkruste; Geogenese [auch: 'ge:o...],
die; -: svw. tGeogenie; Geogenie [...ge'ni:]. die; - [zu
griech. gene = Geschlecht, Abstammung. Herkunft]:
Wissenschaft von der Entstehung der Erde; Geognosie
[...gno'zi:]. die; - [zu griech. gnösis = Erkennen,
Kenntnis] (veraltet): svw. TGeologie; Geognost [...gnost], der;
-en, -en [zu spätgriech. gnöstes = Kenner] (veraltet):
svw. TGeologe; geogngstisch <Adj.; o. Steig.; nicht präd.)
(veraltet): svw. Tgeologisch; Geogonie [...go'ni:], die; - [zu
griech. goneia = Zeugung]: svw. TGeogenie; Geograph,
der; -en. -en [lat. geögraphus = Erdbeschreiber < griech.
geögräphos; T-graph]: Wissenschaftler auf dem Gebiet der
Geographie; Geographie, die; - [lat. geögraphia < griech.
geögraphia; t-graphie]: Wissenschaft von der Erde u. ihrem
Aufbau, von der Verteilung u. Verknüpfung der
verschiedensten Erscheinungen u. Sachverhalte der Erdoberfläche, bes.
hinsichtlich der Wechselwirkung zwischen Erde u. Mensch;
Erdkunde: er studiert G.; er hat in G. (in dem Schuljach
Geographie) die Note 2; Die Grenzen (= zwischen Exzen-
trik und Originalität) sind manchmal fließend, oft auch
nur eine Frage der Geographie {der geographischen Lage;
des bestimmten Gebietes, wo etw. zu finden, anzutreffen
ist; Dariaux [Übers.]. Eleganz 82). dazu: Geographklehrer.
der: Lehrer, der Geographie unterrichtet. Geographjfistunde.
die: Unterrichtsstunde im Schulfach Geographie.
Geograph kunterricht, der: Unterricht im Schulfach Geographie:
geographisch <Adj.; o. Steig.; nicht präd.): a) die Geographie
betreffend, zu ihr gehörend, auf ihr beruhend; erdkundlich:
997
Geoid
-er Unterricht; -e Untersuchungen, Forschungen; eine -e
Karte (Karte, deren Maßstab kleiner als 1:500000 ist);
b) die Lage, das Klima usw. eines Ortes. Gebietes
betreffend: eine g. sehr günstig gelegene Stadt; c) sich auf einen
bestimmten Punkt o.a. der Erdoberfläche beziehend: -e
Namen; Geoid [geo'i:tl. das; -[eis (Geophysik): der von der
tatsächlichen Erdgestalt abweichende theoretische Körper,
dessen Oberfläche die Feldlinien der Schwerkraft überall
im rechten Winkel schneidet: Geoisoth^rme [auch: 'ge:o...l.
die; -, -n (Geophysik): Kurve, die Bereiche gleicher
Temperatur des Erdinnern verbindet: geokarp [...'karpl <Adj.; o.
Steig.; nicht adv.> [vgl. Geokarpiel (Bot.): (von
Pflanzenfrüchten) unter der Erde reifend: Geokarpie [...kar'pi:]. die;
- [zu griech. karpös = (Feld)frucht) (Bot.): das Reifen
von Pflanzenfrüchten unter der Erde: Geokorona [auch:
•ge:o...l. die; - (Geophysik): überwiegend aus Wasserstoff
bestehende Gashülle der Erde von etwa 1000 bis 20000
km Höhe: geokrat |...'kra:t]: svw. tgeokratisch: geokratisch
[...'kra:tij] <Adj.; o. Steig.; nicht präd.) [zu griech.
krätos = Kraft. Herrschaft! (Geol.): Erdperioden
betreffend, in denen die Festländer größere Ausdehnung hatten
als die Meere: Geologe, der; -n. -n [rückgeb. aus f Geologie;
t-logel: Wissenschaftler auf dem Gebiet der Geologie, dazu:
Geologenhammer. der (Geol.): zum Schürfen, Abschlagen
von Gesteinsproben o.a. bei der geologischen Arbeit im
Gelände bestimmter kleinerer Hammer: Geologie, die; -
[t-Iogiel: Wissenschaft von der Entstehung. Entwicklung,
dem Aufbau der Erde u. der sie bewohnenden Lebwesen
in erdgeschichtlicher Zeit: geologisch <AdJ.; o. Steig.; nicht
präd.): die Geologie betreffetid, zu ihr gehörend, auf ihr
beruhend: die -e Untersuchung eines Geländes; eine -e
Karte (Karte, kartographische Darstellung der geologischen
Verhältnisse eines bestaunten Gebietes); Geomantie [.. .man-
'tl:l, die; - [zu griech. manteia = Weissagen; Orakel):
Kunst (bes. der Chinesen u. Araber), aus absichtslos in
den Sand gezogenen Figuren zu weissagen: Geomanttk
[...'mantik], die; -: svw. t Geomantie; Geomedizin [auch:
ge:o...l. die; -: Zweig der Medizin, der sich mit dem Einfluß
geographischer u. klimatischer Faktoren auf Vorkommen,
Ausbreitung u. Verlauf von Krankheiten befaßt: Geometer,
der; -s, - [Lat. geömetres < griech. geömetres; t-meter]:
1. svw. TGeodät. 2. (veraltend) Mathematiker, der sich
vor allem mit der Geometrie befaßt: Geometrie, die; - [lat.
geömetria < griech. geömetria]: Teilgebiet der Mathematik,
das sich mit räumlichen u. nichträumlichen (ebenen)
Gebilden befaßt: analytische G. (tanalytisch);
projektive G. (Tprojektiv); geometrisch <Adj.; o. Steig.) [lat.
geömetricus < griech. geömetrikösl: a) <nicht präd.) die
Geometrie betreffend, zu ihr gehörend: auf
Gesetzmäßigkeiten der Geometrie beruhend, durch Begriffe der Geometrie
darstellbar: -e Grundbegriffe. Berechnungen; b) Figuren
der Geometrie (Dreiecke. Kreise. Punkte o.a.) aufweisend,
aus ihnen bestehend: bestimmten Figuren der Geometrie
entsprechend: ein -es Muster; -e Formen; etw. streng g.
anordnen; Geomorphologe [auch: ge:o...l. der; -n. -n:
Wissenschaftler auf dem Gebiet der Geomorphologie:
Geomorphologie [auch: ge:o...],die; -: Wissenschaft von den Formen
der Erdoberfläche u. den sie beeinflussenden Kräfteyi u.
Prozessen: geomorphologisch [auch: 'ge:o...l <Adj.; o. Steig.:
nicht präd.): die Geomorphologie betreffeml. zu ihr
gehörend, auf ihr beruhetut: -e Untersuchungen, Forschungen;
Geonym [geony:ml. das; -s, -e [zu griech. ge = Erde
u. önyma = NameJ (Fachspr.): Deckname, der aus einem
geographischen Namen od. Hinweis besteht (z. B. Stendhal):
Geoökonomk [auch: ge:o...], die: -: geograpliische
Produktenkunde: geopathtsch [auch: ge:o...l <Adj.; o. Steig.; nicht
präd.) [t-pathiel (Med.): in Zusammenhang mit
geographischen, klimatischen, meteorologischen Bedingungen
Krankheiten verursachend; Geophage [...Ta:g3l, der u. die;
-n, -n [zu griech. phageln = essen, fressen): a) (Völkerk.)
jmd.. der Erde ißt; vgl. Geophagie (a); b) (Med.) jmd..
der an Geophagie (b) leidet; Geophagie [...fagi:l, die; - [zu
griech. phageln = essen, fressen): a) (Völkerk.) Sitte,
bes. bei Naturvölkern, tonige od. fette Erde zu essen.
(b) (Med.) krankhafter Trieb.Erde zu essen: an G. leiden:
Geophon [...fo:n], das; -s, -e [T-phon) (Geophysik):
Instrument für geophysikalische Untersuchungen;
Geophysik [auch: 'ge:o...J, die; -: Teilgebiet der Physik, das sich
mit den natürlichen Erscheinungen u. Vorgängen auf der
Erde, in ihrem Inneren u. ihrer Umgebung befaßt: zum
Forschungsbereich der G. gehören die Einflüsse anderer
Himmelskörper auf die Erde; geophysikalisch [auch:ge:o...]
<Adj.; o. Steig.; nicht präd.): die Geophysik betreffend, zu
ihr gehörend, auf ihr beruliend; Geophysiker [auch: ge:o...].
der. -s, -: Wissenschaftler auf dem Gebiet der Geophysik;
Geophyt [...fy:t], der; -en, -en <meist PI.) [zu griech.
Phyton = Pflanze. Gewächs) (Bot.): mehrjährige, krautige
Pflanze, die ungünstige Jahreszeiten, bes. den Winter, mit
Hilfe unterirdischer Organe (Zwiebel, Knolle u.a.)
überdauert: Dahlien. Möhren. Kartoffeln sind -en; GeoptystBt
[auch: 'ge:o...], die; -. -en: räumliche Darstellung von Teilen
der Erdoberfläche; Geopolitjk [auch: 'ge:o...l, die; -:
Wissenschaft von der Einwirkung geographischer Faktoren auf
politische Vorgängeu. Kräfte; aeopoljtisdi [auch: ge:o...J <Adj.;
o. Steig.; nicht präd.): a) die Geopolitik betreffend; b)
durch die geographische Lage bedingt politisch,
raumgebunden politisch: -e Organisationen; Geopsychologk [auch:
ge:o...l, die; -: Wissenschaft von der Beeinflussung der
Psyche durch Klima, Wetter, Jalireszeiten u. Landschaft.
geordnet: T ordnen,
Georgette, die; -, -s od. der; -s, -s: t Crepe Georgette.
Georgine [gesr'ghna], die; -. -n [nach dem russ.
Ethnographen I. I. Georgi (1729-1802)): svw. t Dahlie.
Geosphire [auch: 'ge:o...l. die; -[tgeo-, Geo-1 (Fachspr.):
Raum, in dem die Gesteinskruste der Erde, die Wasser- u.
Lufthülle aneinandergrenzen; aeostatkmSr [auch: ge:o...l
<Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (Fachspr.): (von bestimmten
Satelliten od. Synchronsatelliten) immer über dem gleichen
Punkt des Erdäquators stehend u. dabei über dem Äquator
mit der Erdrotation mitlaufend: Bodenstation für -e
Satelliten (MM 9. 9. 76. 17); Geosutur [auch: ge:o...]. die; -,
-en: svw. tGeofraktur; geosynklingl [auch: ge:o...) <Adj.;
o. Steig.; nicht präd.) (Geol.): die Geosynklinale betreffend;
Geosynklinale [auch: ge:o...].die; -.-n(Geol.): weiträumiges
Senkungsgebiet der Erdkruste, Geodepression; Geosynkline
[auch: 'ge:o...]. die: -. -n: svw. tGeosynklinale; Geotyxis
[auch: 'ge:o...].die; -, ...laxen (Bot., Zool.):
Orientierungsbewegung bestimmter Pflanzen u. Tiere, die in der Richtung
durch die Erdschwerkraft bestimmt ist; Geotfchnfk [auch:
'ge:o...l,die; -: svw. t Ingenieurgeologie; Geotektonik [auch:
'ge:o...j, die; -: Teilgebiet der Geologie, das sich mit dem
Aufbau u. der Entwicklung, mit Bewegungen, Verlagerungen
u. magmatischen Erscheinungen der Erdkruste befaßt: geo-
tektonisch [auch: 'ge:o...l <Adj.; o. Steig.; nicht präd.):
die Geotektonik betreffend, zu ihr gehörend, auf ihr
beruhend; Geotherapfe [auch: ge:o...]. die; - (Med.): klimatische
Heilbehandlung; geothermal [auch: ge:o...] <Adj.; o. Steig.;
nicht präd.): die Erdwärme betreffend; Geoth^rmik, die;
-: Lehre. Wissenschaft von der Wärme, der Verteilung der
Temperatur im Erdkörper; geoth^rmisch <Adj.; o. Steig.;
nicht präd.): die Wärmeverhältnisse im Erdkörper
betreffend, auf ihnen beruhend, durch sie verursacht: -e
Untersuchungen: -e Energie: -er Wasserdampf: Geothermometer
[auch: ge:o...J. das; -s, -: Meßgerät zur Bestimmung der
Temperatur in verschieden tiefen Erdschichten; geotrop
[...'tro:pl <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [zu griech. trope
= (Hin)wendungl (Bot.): (von Pflanzen) auf die
Schwerkraft ansprechend; Geotropismus [auch: ge:o...l. der; - [zu
griech. trope = (Hin)wendungl (Bot.): Vermögen
bestimmter festgewachsener Pflanzen, sich in Richtung der
Erdschwerkraft zu orientieren; Geotroposkop , [...tropo-
sko:p, auch: ge:o...). das; -s, -e [zu griech. trope =
(Hinwendung u. griech. skopein = betrachten, beschauen):
svw. tGyroskop; Geotumor, der; -s, -en: svw. tGeoanti-
klinale; Geowissenschaft [ge:o-]. die; -. -en <meist PI.):
eine der Wissenschaften, die sich mit der Erforschung der
Erde befassen: die Mineralogie gehört zu den -en; Geo-
zpitrik [auch: ge:o...]. die; - [zu tZentrum): Weltsystem,
das die Erde als Mittelpunkt betrachtet (z. B. bei Ptole-
mäus): geozentrisch [auch: ge:o...] <Adj.; o. Steig.)
(Astron.): 1. die Erde als Mittelpunkt betrachtend, von der
Erde als Mittelpunkt ausgehend (Ggs.: heliozentrisch):
das -e Weltsystem des Aristoteles. 2. auf den Erdtnittel-
punkt bezogen, vom Erdmittelpunkt aus gerechnet: der -e
Ort eines Gestirns; Geozoologje [auch: ge:o...l, die; -:
Wissenschaft von der geographischen Verbreitung der Tiere;
geozoologisdi [auch: 'ge:o...l <Adj.; o. Steig.; nicht präd.):
die Geozoologie betreffend, zu ihr gehörend, auf ihr
beruhend; geozgklisdi [auch: ge:o t^Yk...] <Adj.; o. Steig.)
(Astron.): den Umlauf der Erde um die Sonne betreffend.
998
Gepränge
Gepäck [ga'pck], das; -[e]s [Kollektivbildung zu t 'Pack]:
a) Gesamtheit der für eine Reise. Wanderung o. ä. in
verschiedenen Behältnissen (Koffer. Reisetascheo. ä.)
zusammengepackten l Ausrüstungs[gegenstände: großes, leichtes G.
haben; dasG. zum Bahnhof bringen, schaffen; das G.
aufgeben, verstauen; das G. der Fluggäste wurde kontrolliert;
Ü der Minister hatte keine neuen Vorschläge im G. {brachte
keine neuen Vorschläge mit); b) (Milit.) feldmarschmäßige
Ausrüstung: G. aufnehmen!: ein Marsch mit leichtem G.
Gepäck- (österr. meist: Gepäcks-): -abfertigung, die: 1. <o.
PL> das Abfertigen des Reisegepäcks: die G. im Flughafen
dauerte nicht lange. 2. Schalter. Stelle, wo das Reisegepäck
abgefertigt wird: wo ist hier die G.?; zuerst zur G. gehen;
^abläge, die: Vorrichtung zum Ablegen von Gepäck:
^annähme, die: 1. <o. PI.) das Annehmen. Entgegennehmen
des Gepäcks zur Aufbewahrung od. Weiterbeförderung. 2.
Schalter. Stelle, wo das Gepäck zur Aufbewahrung od.
Weiterbeförderung entgegengenommen wird; ^aufbewah-
rung, die: 1. <o. PI.) das Aufbewalxren des Reisegepäcks:
die Gebühr für die G. richtet sich nach der Dauer der
Aufbewahrung. 2. Schalter. Stelle, wo das Reisegepäck
zur Aufbewahrung aufgegeben wird; Stelle, wo das Gepäck
aufbewahrt wird: die Koffer bei der G. abgeben, dazu:
^aufbcwahrungsschein, der: Schein, auf dem die
Gepäckaufbewahrung (I) Quittiert ist; ^aufgäbe, die: 1. <o. PI.) das
Aufgeben (1). Abgeben des Reisegepäcks zur
Weiterbeförderung: die G. ging schnell vonstatten. 2. Schalter. Stelle,
wo das Reisegepäck zur Weiterbeförderung abgegeben wird:
an der G. stand eine Schlange von Reisenden; ^ausgäbe,
die: 1. <o. PI.) das Ausgeben von aufbewahrtem oder
weiterbefördertem Gepäck. 2. Schalter. Stelle, wo
aufbewahrtes od. weiterbefördertes Gepäck ausgegeben wird: die
G. ist geschlossen; -Auslieferung, die: svw. t ^ausgäbe;
^bahnsteig. der: (auf großen Bahnhöfen) besonderer
Bahnsteig, auf dem nur das Reisegepäck u. Frachtgut ver- od.
entladen wird; -beförderung, die, dazu: -befbrderungsge-
bühr, die; -brücke, die: der Gepäckbeförderung dienender,
kleinerer Autoanhänger; -fracht, die: Preis für die
Beförderung von Reisegepäck; -giebel, der (DDR): svw. TApsis
(2); -karren, der; -kontrolle, die: Kontrolle des
Reisegepäcks / durch Zollbeamte bei der Zollabfertigung]; -marder.
der (ugs.): Dieb, der Reisegepäck stiehlt: Wußten Sie ....
daß ... Taschendiebe und G. mit ausschließlicher
Zielrichtung auf Touristen unterwegs sind (MM 22. 8. 69, 9);
-marsch, der (Milit.): Übungsnuirsch von Soldaten mit
Gepäck (b) von bestimmtem Gewicht; -netz, das: meist über
den Sitzplätzen in Verkehrsmitteln angebrachte Vorrichtung
mit einer aus dicken Schnüren geknüpften, netzartigen
Ablagefläche zum Unterbringen von Gepäck: die Reisetasche
im G. verstauen; -rampe. die; -9chalter. der: Schalter,
an dem die Gebühren für Gepäck zur Aufbewahrung od.
Weiterbeförderung entrichtet. Gepäck angenommen od.
ausgegeben wird; -schein, der: als Beleg dienender Schein für
Gepäck, das zur Beförderung mit der Bahn aufgegeben wird:
-Schließfach, das; -spinne, die: mehrere in der Mitte
aneinander geknotete elastische Seite mit Haken zur
Befestigung von Gepäckstücken o.a. auf einem [Dachlge-
päckträger; -stück, das: einzelner Gegenstand
(Koffer. Tasche. Paket o.a.). der als Gepäck mitgeführt,
weiterbefördert wird: der Gang war blockiert mit
Dutzenden von -en (Seghers, Transit 51); -trager, der: 1. jmd..
der Reisenden gegen Bezahlung (meist nur innerhalb des
Bahnhofsgeländes od. Flughafenbereiches) Gepäckstücke
transportiert. 2. über dem Hinterrad eines Fahrrades
angebrachter Halter. Träger für kleinere Gepäckstücke: auf dem
G. mitfahren; er klemmte den Zeichenblock auf den G.
(Kuby. Sieg 344); -Versicherung, die: Versicherung des
Reisegepäcks; -wagen, der: Wagen eines Eisenbahnzuges, der
nur für die Beförderung von Reisegepäck. Expreßgut.
Postsendungen o.a. vorgesehen ist; Packwagen.
Gepard [ge:part]. der; -s, -e [frz. guöpard. älter: gapard
< ital. gattopardo = Leopard < mlat. gattus pardus
= Pardelkatze, kleiner Leopard, aus spätlat. cattus =
Katze u. lat. pardus = Pardel < griech. pärdos]: vor
allem in den Steppen u. Savannen Afrikas heimisches, sehr
schlankes, hochbeiniges, katzenartiges Raubtier mit
schwarzgeflecktem gelblichem Fell.
geperlt [gaperlt] <AdJ.; o. Steig; nicht adv.) [zu !Perle]
(selten): mit Perlen versehen: -e Arm- und Beinringe aus
der Römerzeit.
gepfeffert [ga'efefet] <Adj.; nicht adv.) [2. Part, von pfeffern,
eigtl. = mit Pfeffer gewürzt, dann = scharf, kräftig] (ugs.):
I. (bezogen auf eine für etw. geforderte Geldsumme)
übertrieben, unverschämt hoch: -e Mieten; seine Preise sind
ganz schön g. 2. a) streng, hart; heftig, schonungslos: eine
-e Kritik; die Fragen. Aufgaben der Prüfung waren
ziemlich g. (schwierig); b) derb, anzüglich, zweideutig: er erzählt
gern -e Witze. Anekdoten.
Gepfeife [ga'pfaifo], das; -s (ugs. abwertend): dauerndes,
als lästig empfundenes Pfeifen: laß doch endlich das G.!;
gepfiffen [ga'pfifn]: t pfeifen.
gepflegt [ga'effckt] <Adj.; -er, -este) [eigtl. 2. Part, von
!pflegen]: a) <nicht adv.) dank aufmerksamer Pflege,
sorgsamer Behandlung gut erhalten, in einer guten Verfassung,
einem erfreulichen Zustand [u. daher angenehm wirkend]
(Ggs.: ungepflegt): ein -es Äußeres; sie ist eine -e
Erscheinung; der Park ist. wirkt immer sehr g.; b) von bestimmter
Güte. Qualitätvoll [u. daher angenehme Empfindungen.
Wohlbehagen auslösendJ: -e Weine und Biere; ein -es
Restaurant; eine -e Atmosphäre, Gastlichkeit; dort kann man
sehr g. (gut u. in angenehmer Umgebung) essen; c) einem
gewissen Anspruch auf Niveau u. Kultiviertheit genügend:
ein -es Gespräch; eine sehr -e (kultivierte, gewählte)
Ausdrucksweise; sich g. miteinander unterhalten; <Abl.:)
Gepflegtheit, die; -: Dein Stil hat gegen früher entschieden
an G. und angenehmer Politur gewonnen (Th. Mann,
Krull 399).
gepflogen [g3'eflo:gn]: Tpflegen; <Abl.:) Gepflogenheit, die;
-. -en (geh.): durch häufige Wiederholung zur Gewohnheit
gewordene, oft bewußt gepflegte u. kultivierte Handlung
od. Handlungsweise: Es hätte allen -en meines Elternhauses
widersprochen (Bergengruen, Rittmeisterin 345).
Geplänkel [gd'plenkl], das; -s. - [zu Tplänkeln]: I. (Milit.
veraltend) leichtes Gefecht, unbedeutende militärische
Auseittandersetzung (vor od. nach der Schlacht): Es sollten
höher im Norden G. mit der deutschen Nachhut
stattgefunden haben (Kaiser. Villa 40). 2. in Rede u. Gegenrede
vorsieh gehende, harmlose Auseinandersetzung,
[scherzhaftes] Wortgefecht: Immerzu herrschte giftiges G. auf Burg
Veltums (Feuchtwanger, Herzogin 49).
Geplapper [gd'plape], das; -s (ugs.. oft abwertend):
[dauerndes/ Plappern; naives, nichtssagendes Gerede: das G. des
Kindes; er hört sich höflich lächelnd das G. seiner jungen
Tischdame an (Grzimek. Serengeti 46).
Geplärr, das; -Ie]s, Geplärre [gd'pler(d)]. das; -s (ugs.
abwertend): [dauerndes! als lästig empfundenes Plärren. Schreien.
Geplätsdier [ga'pletjB], das; -s: [dauerndes] Plätschern: Ü
das G. (dasoberflächliche Dahinfließen) ihrer Unterhaltung
langweilte mich.
geplättet [ga'pletat] <Adj.; nicht adv.) [in Analogie zu t platt
(sein); eigtl. 2. Part, von t plätten] (salopp): verblüfft, völlig
überrascht, sehr erstaunt, sprachlos: Mensch, da bin ich
aber g.!; Die ganze Klasse war g. (Kempowski. Immer
45).
Geplauder [gd'pl^idB], das; -s (geh.): das Plaudern. Plauderei;
leichte, ungezwungen vertrauliche Unterhaltung: Das sanfte
G. der drei war herrlich (Böll, Mann 39); wie zwischen
Goldmund und der Dame ein lässiges G. über nichts
gesponnen wurde (Hesse. Narziß 141).
Gepolter [ga*palte], das; -s: 1. [dauerndes] Poltern;
polternder Lärm: sie rannten mit G. die Treppe hinunter. 2.
lautes [gutmütiges] Schimpfen: die Kinder fürchteten sich
etwas vor dem G. des Großvaters.
Gepräge [g9'pre:gd], das; -s. - [mhd. gepraeche. gebraeche;
ahd. gabrächa = erhabenes Bildwerk; zu t prägen]:
1. (Münzk.) geseunte Prägung von Bildu. Schrift auf Münzen
u. Medaillen: das unversehrte G. einer alten Münze. 2.
<o. PI.) (geh.) kennzeichnendes Aussehen. Merkmal;
charakteristische Eigenart. Wirkung. Note: das äußere G. einer
Stadt; Die römische Zivilisation hat ... bereits ein fast
modernes G. (Thieß. Reich 28); diese Epoche trägt sein
G.; Bürokratisierung.... die der industriellen Gesellschaft
ihr besonderes G. gibt {sie in besonderer Weise prägt,
formt; Fraenkel. Staat 37).
Geprahle Igd'pra:l3]. das; -s (abwertend): [dauerndes]
Prahlen: Sein ständiges G. war die Ursache dafür, daß er
keine Freunde hatte.
Gepränge [ga'prena]. das; -s [zu f prangen] (geh.): großer,
prachtvoller Aufwand; Prachtentfaltung. Prunk: der Dichter
wurde mit festlichem, feierlichem G. zu Grabe getragen.
999
Geprassel
Geprassel[gaprasj],das; -s: [dauerndes] Prasseln:
prasselndes Geräusch: das G. des Regens, des Feuers; Und jetzt
stiegen auch mit einem Male aus dem Teich lauter kleine
Fontänen hoch, und es fing ein heftiges G. und Pfeifen
anOCuby, Sieg 201).
gepriesen [ga'pri:zn]: t preisen.
gepunktet [ga'ponktot] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [eigtl.
2. Part, von T punkten]: a) mit vielen Punkten versehen:
Ihr Kleid aus Baumwolle ... war es g.. gestreift, kariert?
(Grass, Hundejahre 321); b) aus Punkten bestehend:
unterhalb einer -en Linie stand: Hier reißen! (Grass,
Blechtrommel 330).
Gequake [g3'kva:k3], das; -s (ugs.): [dauerndes] als lästig
empfundenes Quaken: das G. der Frösche wollte nicht
enden; Ü alles G. (salopp; überflüssiges Gerede, Geschwätz)
um ein Für oder Wider des Rauchverbots ... verstummt
sofort, wenn... (Berliner Morgenpost 12.4. 74,2); Gequäke
lgd'kve:k3]. das; -s (ugs., oft abwertend): [dauerndes]
Quäken: quäkendes Geräusch: das G. eines Transistorradios.
gequ£lt: tquälen.
Gequassel [gdkvasj], das; -s (ugs. abwertend): [dauerndes]
als lästig empfundenes Quasseln: wortreiches, unnützes
Gerede: Lecken Sie mich am Arsch mit Ihrem G.! (Bieler.
Bonlfaz 39).
Gequatsche [ga'kvatjo]. das; -s(ugs. abwertend): i dauerndes J
Quatschen: unsinniges, überflüssiges Gerede: sein ewiges
G. ging ihr auf die Nerven; Darf ich Sie fotografieren,
hatte er nach einer Weile befangenen -s gefragt (Johnson.
Ansichten 91).
Gequengel [gakveol). Gequenslejle [...Q(d)b], das; -s (ugs.
abwertend): (meist von Kindern) dauerndes, als lästig
empfundenes Quengeln, weinerliches Nörgeln: hört endlich auf
mit eurem G.!
Gequieke [ga'kvi.kd], das; -s (ugs.): [dauerndes/ Quieken.
Gequietsche [ga'kvrtja). das; -s (ugs., oft abwertend):
[dauerndes 1 Quietschen: Quietschendes Geräusch,
quietschende Töne: das G. einer Tür, der Bremsen.
gequollen [gd'kvabn]: Tquellen.
Ger [ge:B], der; -[eis, -e [mhd., ahd. ger): germanischer
Wurfspieß.
ger&d-,Gerad-,(ugs.:) grad-, Grad- (2gerade 11.2): -flügler,
der; -s. -: svw. tOrthoptere; -läufig <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.) (selten): in gerader Richtung verlaufend: -linig
|...li:nif] <Adj.; o. Steig.): in gerader Richtung verlaufend:
eine -e Häuserfront; -e Schraffuren; geringe Verzerrungen
und besonders geradliniger Frequenzgang (Funkschau
19, 1971, 1945); die Strecke verläuft g.; Ü ein -er
(direkter) Nachkomme; ein g. (aufrichtig) denkender Mensch,
dazu: -linigkeit, die; -: die G. der Strecke; Ü die G. seines
Denkens; -sinnig <Adj.; o. Steig.): aufrichtig, ehrlich:
ein -er Mensch, dazu: -sinnigkeit, die.
'gerade [gd'ra:ddl <Adj.; o. Steig.: nicht adv.) [mhd. gerat,
ahd. girat = gleichzählend, gerade] (Math.): (von Zahlen)
durch zwei ohne Rest teilbar (Ggs.: ungerade): Der eine
(= Fahrstuhl) hält in allen -n. der andere in allen
ungeraden Stockwerken (Reinig, Schiffe 112).
^gerade [-], (ugs.:) grade fgra:dd; mhd. gerade, gerat =
schnell; gewandt: schlank aufgewachsen, lang;
gleichartig), ahd. (Adv.) rado = schnell): I. <Adj.; o. Steig.) 1.
a) in unveränderter Richtung fortlaufend, nicht krumm: eine
g. Linie; in -r Richtung; der Weg ist g. (1. ändert die
Richtung nicht. 2. verläuft eben, steigt nicht an): der Rock
ist g. geschnitten (nicht eng u. nicht ausgestellt): Ü er
stammt in -r (direkter) Linie von ... ab; den -n Weg
verfolgen (sich nicht beirren lassen): b) in natürlicher
Richtung [fortlaufend], nicht schief: ein -r Baumstamm; er
hat eine g. (aufrechte) Haltung, ist g. gewachsen; das
Bild hängt nicht g. 2. aufrichtig, offen seine Meinung
äußernd, ohne sich durch Rücksichtnalime auf andere beirren
zu lassen: ein -r Mensch; Ein PfafTe mit einem geraden
Maul (Andersch. Sansibar 29); sie sieht mich an, gerade
und klar (Remarque. Obelisk 160). 3. <nur attr.) genau,
auch im Kleinsten übereinstimmend: das g. Gegenteil
behaupten; Anne war das gerade Gegenteil von Margot
(Schnabel, Anne 15). II. <Adv.) 1. a) (zeitlich) in diesem
Augenblick, soeben, momentan: er telefoniert g.; ich komme
g. [erst] zurück; wir waren g. beim Essen, als das Unglück
passierte; der Politiker hat da zu stehn. wo grade der
Erfolg ist (Tucholsky, Werke II. 484); als er ankam, war
sie g. (kurz vorher) gegangen; b) (ugs.) rasch, geschwind.
für [ ganz] kurze Zeit: bring doch g. [mal] das Buch
herüber!; c) unmittelbar, direkt (1): er wohnt g. um die Ecke;
der Schuß traf g. ins Genick; d) mit Mühe u. Not, knapp:
das Geld, die Zeit reicht g. [aus] für ...; wir kamen g.
[noch] rechtzeitig an; Sie sind alle ziemlich schwach, denn
sie erhalten gerade so viel, daß sie nicht verhungern
(Remarque, Westen 136); beim internationalen Sportfest ...
hatte er es als Fünfter gerade mal auf 10,78 s gebracht
(Junge Welt 12.10. 76,16). 2. (verstärkend od. bestätigend)
a) genau, eben: g. diese Angelegenheit beschäftigt mich
sehr. g. hier, g. vor einer Woche hat das Fest stattgefunden;
es ist g. wie früher; „Das ist es ja gerade", erklärt Frau
Niebuhr mit schöner Logik (Remarque, Obelisk 194); b)
ausgerechnet: Im zweiten Teil werden ihm gerade jene
Eigenschaften, die die Voraussetzung für seine bisherige
Wirkung waren, zum Verhängnis (Dönhoff, Ära 14); oft
emotional: „Was lachst du", schreit Eduard wütend.
„Gerade du hast keinen Grund dazu" (Remarque. Obelisk
151); warum g. ich, heute?; c) besonders, speziell: g. Kinder
brauchen Bewegung; g. auf diesem Gebiet weiß er gut
Bescheid; * nicht g. (wirklich nicht, keineswegs ! so. wie
man annehmen, erwarten könnte]): er ist nicht g. ein
Musterschüler; der Garten ist nicht g. groß, aber er macht
dennoch viel Arbeit; das Buch hat mich nicht g. sehr
gefesselt; Gegenüber den bisherigen Versammlungen war
diese nicht gerade feierlich zu nennen (Leonhard,
Revolution 48); d) (ugs.) erst recht: jetzt [tue ich es] g. [nichtl!;
Gerade M, die; -n, -n: 1. (Geom.) als kürzeste Verbindung
zweier Punkte denkbare, gerade Linie, die nach beiden
Richtungen nicht durch Endpunkte begrenzt ist: vier -Inj; Ü
die endlosen -n der Gänge (Musil, Mann 1498). 2.
(Leichtathletik) gerade verlaufender Teil einer Rennstrecke
(Aschen-, Kunststoffbahn): die Läufer spurten die G.
herunter; das Feld bog in die G. ein. 3. (Boxen) durch das
Stoßender Faust in gerader Richtung nach vorn ausgeführter
Boxschlag: die rechte, linke G.; Mit langen -n wurde der
Westdeutsche immer wieder empfindlich gekontert (Welt
26. 5. 65. 22).
gerade-. Gerade-, (ugs.:) grade-, Grade-: -aus [ '-]
<Adv.>: in gerader Richtung weiter, ohne die Richtung zu
ändern: g. blicken; wo geht es zum Hauptbahnhof? - Immer
g.!; Ü sie ist immer sehr g. (aufrichtig u. offen), dazu:
-ausfahrt I '—1, die: nicht durch Kurven behindertes
Fahren auf gerader Strecke: man kann den Saab nicht
allein nach seinen Fähigkeiten bei Geradeausfahrt
beurteilen (Auto 6. 1965. 33). -ausflug [ '--). der: vgl.
^ausfahrt, -empfangen der: einfacher Rundfunkempfänger ohne
Möglichkeit der Frequenzveränderung: -biegen <st. V.; hat):
a) etw. Gebogenes, Verbogenes [durch Biegen] in gerade
Form bringen, geraderichten: einen Draht, das Kreuz g.;
b) (ugs.) in Ordnung bringen: wir werden diese Geschichte
schon g.; -halten <st. V.; hat): a) waagerecht halten: du
mußt den Teller g.; b) aufrecht halten: den Kopf, die
Schultern g.; c) <g. + sich) eine aufrechte Haltung
einnehmen, bewahren: <Abl.:) -halter, der: orthopädisches
Hilfsmittel zum Geradehalten der Schultern: -heraus [ '-)
<Adv.) (ugs.): offen, freimütig, direkt: um es g. zu sagen:
...; Sie ist unkompliziert und geradeheraus (Frau im Spiegel
41, 1976, 22); sie fand, sie dürfe so geradeheraus fragen,
denn sie kenne meine Familienverhältnisse gut (Wohmann.
Absicht 291); -hin [ '-] <Adv.>: ohne zu überlegen,
leichtfertig: ... geheime Ratschlüsse Gottes, die ... für zu
heilig und undurchsichtig erachtet wurden, um g.
ausgesprochen zu werden (Th. Mann, Joseph 44): ^klopfen
<sw. V.; hat): Verbogenes durch Klopfen gerademachen:
-legen <sw. V.; hat): (etw. Liegendes) in die richtige Lage
bringen: das Besteck g.; -machen <sw. V.; hat) (ugs.):
vgl. -richten; -richten <sw. V.; hat): / wieder] in die gerade,
richtige Lage bringen: einen verbogenen Zaun g.; -rollen,
das (Rhönradturnen): das Vor- und Rückwärtsrollen auf
zwei Reifen: -sitzen <unr. V.; hat): aufrecht sitzen: -so
<Adv.): ebenso, genauso: er macht es g. [wie/(Schweiz,
auch:) als ich], dazu: -sogut <Adv.): ebensogut: das
Problem läßt sich g. von der anderen Seite aufrollen; -soviel
(Indefinitpr.): er hat g. Angst wie ich; -stehen <unr. V.:
hat): 1. aufrecht stehen: auf einem Bein g.; er konnte
nicht mehr g. (verhüll.; war betruttken). 2. für etw., jmdn.
die Verantwortung übernehmen, einstehen: für die Folgen
g.; für das. was du angestellt hast, mußt du auch g.;
er hat mir einmal geholfen, jetzt werde ich für ihn g.;
1000
Geräusch
-stellen <sw. V.; hat): etw. so stellen, doli es gerade ist,
aufrichten: die Bücher g.; -wegs <Adv.>: a) ohne Umweg,
direkt: wir fuhren g. ins Stadtzentrum; b) ohne Umschweife,
unmittelbar: er kam g. darauf zu sprechen; ^zu <Adv.>:
1. (drückt eine Verstärkung aus) direkt, sogar: man kann
sogar, fast sagen ...: ein g. ideales Beispiel; ich habe ihn
g. angefleht. 2. [ '-] (landsch.) I in verletzender Weise]
geradeheraus, offen, unverblümt: er ist immer sehr g.; du
darfst ihn nicht so g. fragen.
Geradenläufer [ga'radntjyfe], der; -s, - (Leichtathletik):
Läufer, der auf der Geraden (2) besonders stark läuft:
geradenwegs [gd'ra:dnve:ks]. (ugs.:) gradenwegs [gra:dnve:ks]
<Adv.>: svw. t geradewegs.
gerädert [ga'n::dm] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [2. Part,
von t rädern, eigtl. = auf dem Rad hingerichtet] (ugs.):
erschöpft, abgespannt, zerschlagen: nach dem langen
Marsch waren wir. fühlten wir uns [wie] g.
geradeswegs [gd'ra:ddsve:ks] <Adv.> (Schweiz., sonst selten):
svw. t geradewegs: Man hatte... ihn g. und in unbehilflicher
Form zur Rede gestellt (Th. Mann. Hoheit 47); Geradheit
Ig3ra:thait],(ugs.:)Gradheit['gra:thait).die; -:
Aufrichtigkeit, Offenheit.
Geraffel teraflLGrafTeUgran]. das;-s[zuT raffeln =
klappern, rasseln] (österr. ugs.): Gerumpel.
gerammelt [garamlt] in der Wendung g. voll (ugs.; bis zur
Grenze des Fassungsvermögens voll / von Menschen J: analog
zu: gerüttelt voll, weil das Rammeln (1) mit rüttelnden
Bewegungen einhergeht): alle Bahnen waren g. voll; das
Lokal, die Tanzfläche war g. voll.
Gerangel [garaol]. das; -s (ugs): a) l dauerndes/ Rangeln.
Balgerei, Rauferei: das G. der Kinder auf dem Schulhof;
b) (abwertend) mehr od. weniger ernsthafter, aber zäher
Kampf um bestimmte Positionen, Einflußbereiche o. ä.: Das
ständige G. um den Agrarmarkt und die getrennten Wege
in der Energiepolitik widerlegen solchen Optimismus (Zeit
14. 3. 75, 38); bereits vorder Fusion von Veba und
Gelsenberg ... hat ein G. um Vorstandsposten eingesetzt (Spiegel
39, 1974,36).
Geranie [ge'rd:np], die; -, -n [TGeranium]: 1. gärtner. Bez.
für Pelargonie. 2. svw. T Storchschnabel; Geraniol [ge-
ra'nio:l], das; -s [Kurzw. aus Geranium u. Alkoho/1: in
zahlreichen ätherischen ölen (z. B. im Rosenöl) enthaltener
aromatischer Alkohol, der als sehr beständiger Riechstoff
bes. in der Parfümherstellung verwendet wird: Geranium
[ge'ra:njom]. das; -s, ...ien [...Jan; lat. geranion < griech.
geranion = Name einer Pflanze mit
..kranichschnabelförmigen" Früchten, zu: geranos = Kranich]: svw. T
Storchschnabel; <Zus.:> Ger&niumöl. das: aus Blättern der
Pelargonie gewonnenes ätherisches Öl mit feinem Rosenduft, das
in der Parfüm- u. Seifenherstellung verwendet wird.
Gerenkte] [gd'rank(d)]. das; -s [Kollektivbildung zu t Rankel
(geh.): Rankenwerk: Efeu, Waldrebe, Geißblatt und
anderes Gerank (Schröder, Wanderer 21).
gerannt [ga'rant]: trennen.
Gerant Ljerant], der; -en. -en [frz. gerant, zu gerer =
verwalten < lat. gerere = verwalten, ausführen] (Schweiz., sonst
veraltet): 1. Geschäftsführer. 2. Herausgeber einer Zeituttg
od. Zeitschrift.
Gerasdiel [ga'ralj]. das; -s (ugs.. gelegtl. abwertend):
[dauerndes] Rascheln: das G. von Papier.
Gerassel [ga'rasl], das; -s (ugs.. gelegtl. abwertend):.
dauerndes] Rasseln: das G. der Panzerketten; er schreckte vom
G. des Weckers hoch.
Gerät [gd'rc:t], das; -[e]s. -e [mhd. gerate, ahd. giräti =
Ausrüstung; Vorrat; Hausrat, Werkzeuge; Rat. Beratung.
Überlegung. Kollektivbildung zu t Rat]: 1. a) / beweglicher j
Gegenstand, mit dessen Hilfe etw. bearbeitet, bewirkt od.
hergestellt wird: ein modernes, empfindliches G.;
elektrische, landwirtschaftliche -e; dasG. funktioniert nicht, ist
leicht zu bedienen; stell bitte das G. (kurz für: Radio-.
Fernsehgerät) ab!; b) zum Turnen dienende Vorrichtung:
an den -n turnen. 2. <o. PI.) Gesamtheit von Geräten da),
Ausrüstung: kriegswichtiges G.; der Maler hält sein G.
(Malwerkzeug) in Ordnung.
Gerät-: -Sicherung, die (Turnen): Kontrolle über den sicheren
Aufbau. Standu. Abbau der Turngeräte: -turnen, das:
tGeräteturnen; -turner, der:!Geräteturner.
Geräte-: -boxen, das: Boxtraining an bestimmten Geräten
(lb); -haus, das: Teil der Feuerwehr zentrale, in dem die
Löschgeräte aufbewahrt werden: -räum, der: Raum, in dem
l Turn-, Sport/gerate aufbewa/irt werden: -schuppen, der:
Schuppen, in dem Arbeitsgeräte aufbewahrt werden:
Werkzeug aus dem G. holen; -Stecker, der: Stecker für
elektrische Geräte: -turnen, das: das Turnen an Geräten (lb);
-turner, der: jmd., der an Geräten (lb) turnt: -turnmatte,
die; -Übung, die: Übung an einem Turngerät: ^wart, der:
jmd., der für die Turngeräte / einer Schule, eines Sportvereins
o. ä. ] zuständig ist.
'geraten <st. V.; ist) [mhd. geraten, ahd. girätan, urspr.
= anraten, Rat erteilen, zu Traten]: 1. a) ohne Absicht,
zufällig an eine bestimmte Stelle, irgendwohin gelangen / u.
dadurch Nachteile erfahren, Schaden erleiden/: in eine
unbekannte Gegend, in ein Gewitter g.; sie gerieten nachts
in einen Sumpf; das Auto geriet beim Schleudern an die
Leitplanke; (ugs.:) wie bist du denn an diesen Kerl geraten?;
der Hund geriet unter das Auto (wurde überfahren): b)
in einen bestimmten Zustand, eine bestimmte Lage kommen:
in Schulden g.; er ist in eine gefährliche Situation, in
eine Krise, in Schwierigkeiten, in Not geraten; in schlechte
Gesellschaft g.; sie möchte nicht in Verruf g.; er ist unter
den schlechten Einfluß seiner Freunde geraten; die
Zuschauer gerieten in einen Taumel der Begeisterung; die
Forschung geriet in Mißkredit; Aber damit geraten wir
schon zu sehr in die Einzelheiten (Kosmos 3, 1965, 120);
(häufig verblaßt:) in Vergessenheit g. (vergessen werden):
in Verfall g. (Papierdt.; verfallen): in Rückstand, in Verzug
g. (hinter der erwarteten Leistung zurückbleiben: zum
vorgesehenen Zeitpunkt mit etw. nicht fertig werden): in Aufruhr
g. (sich auflehnen): in Erstaunen g. (erstaunen): in
Gefangenschaft g. (gefangengenommen werden): in Zorn g.
(zornig werden): in Wut g. (wütend werden): in Verlegenheit
g. (verlegen werden): in Verlust g. (Papierdt.;
verlorengehen): in Brand g. (zu brennen anfangen): in Streit g. (zu
streiten anfangen): ins Stocken g. (zu stocken anjangen).
2. a) gelingen, gut ausjällen: der Kuchen ist heute geraten;
seine Kinder geraten (entwickeln sich gut): b) am Ende
einer Herstellung bestimmte Eigenschaften aufweisen,
ausfallen: das Essen ist [ihr] gut, schlecht geraten; das
Brettchen geriet ihm sehr breit (Strittmatter, Wundertäter 185);
(scherzh.:) Da stand er, ein erwachsener Mann, nicht so
groß wie Giovanni, sondern etwas kurz geraten (Thieß,
Legende 179). 3. (einem Eltern- od. Großelternteil) ähnlich
werden: er gerät nach dem Vater.
2geraten [-] <AdJ.; nur präd.) [eigtl. 2. Part, von traten
= empfehlen]: ratsam, empfehlenswert: es schien [mir] g..
zunächst einmal zu warten.
Geratewohl [g3ra:t3(vo:l] nur in der Wendung aufs G. (ugs.;
ohne zu wissen, was sich daraus ergibt: auf gut Glück:
frühnhd.. zum subst. Imperativ von ^geraten [2a]): aufs
G. losmarschieren; er sprach sie aufs G. an; Sollte er
einfach warten? So ein provisorisches Leben aufs G.,
vielleicht kommt's, vielleicht auch nicht (Frisch. Stiller 272).
Gerätschaften [ga'ir^tjaftn] <P1.>: Haushaltsgegenstände,
zusammengehörende/ Geräte: die G. zusammenpacken,
aufräumen.
Geratter[gD'ratr?].das; -s(ugs., gelegtl. abwertend):
idauerndes] Rattern: das G. der Räder; mit lautem G. ging der
Motor los; das G. der Maschinenpistole (Simmel, StofT
19).
Geräucherte [ga'reycRto]. das; -n: geräuchertes Fleisch.
Geraufe [garaufs], das; -s (ugs., meist abwertend):
/dauerndes! Raufen: laßt doch das G.!
geraum[g3'rapm]<Adj.;o. Steig.; nurattr.) [mhd. gerüm(e).
ahd. (adv.) girümo. zu: rümi = weit, geräumig; vgl. Raum]
(geh.): (zeitlich) länger, beträchtlich: vor -er Zeit; nach
einer -en Weile; Geräumde [ga'roymds], das; -s. - [frühnhd.,
zu t räumen]: abgeholztes ] zu Acker gemachtes] Waldstück:
geräumig [ga' raymn;] <Adj.; nicht adv.) [zu gleichbed.
veraltet geraum, t geraum]: viel Raum. Platz (für etw.) bietend:
ein -es Arbeitszimmer; der Schrank ist sehr g.; <Abl.:>
Geräumigkeit, die; -.
Geraun[e] (ga'raunta)], das: ...nes: [dauerndes/ Raunen.
Gemurmel: das G. im Saal verstummte, als er zu reden anfing.
Geraunzle] [garapntsta)]. das; ...zes [zu T raunzen] (österr.,
auch südd. abwertend): Nörgelei.
'Geräusch [ga'rgyjl das; -[eis. -e [mhd. geriusche. zu f
rauschen]: etw.. was akustisch mehr od. weniger stark
wahrgenommen wird (u. was ohne bewußte Absicht durch etw.
in Bewegung Befindliches od. Gesetztes entstanden ist): ein
leises, dumpfes, verdächtiges G.; -e machen, erzeugen.
1001
Geräusch
verursachen; er vernahm ein seltsames G.; ein G. drang
an sein Ohr; der Fernseher leidet unter -en; U mit viel
G. (iron.; in aufsehenerregender Art u. Weise) etw. tun,
von etw. sprechen.
^Geräusch [-]. das; -[eis [frühnhd.; spätmhd. ingeriusche.
H. u.] (Jägerspr.): Herz. Lunge. Leberu. Nierendes
Schalenwildes. Gelünge.
getjuisch-, Geräusch- ('Geräusch): -arm <Adj.>: wenig
Geräusch machend: ein -er Außenbordmotor; der Wagen läuft
g.; -dämpfung. die; -empfindlich <Adj.; o. Steig.; nicht
adv.): empfindlich gegen Geräusche: eine hochgradig -e
Mieterin.dazu: -empfindlichkeit, die; -kulisse, die: 1.
ständig im Hintergrund vorhandene, nicht bewußt, deutlich als
solche wahrgenommene Geräusche: 19% gaben an, sich
durch dieG. von Flugzeugen. Kirch tu rmuhren und
Kirchenglocken empfindlich belästigt zu fühlen (Hörzu 41.
1973. 163). 2. akustische Untermalung in Theater. Film.
Funk u. Fernsehen, durch die ein Geschehen realistisch
gestaltet wird; -los <Adj.; o. Steig.): a) kein Geräusch
machend, lautlos: ein -er Mechanismus, er öffnete g. den
Schrank; b) <nur adv.) (ugs.) otme Aufsehen: Er soll Walter
Matern... geraten haben, möglichst g. zu verduften (Grass.
Hundejahre 284). zu a: -losigkeit. die: -: -maschine. die:
Maschine, die bestimmte Geräusche imitiert od. bestimmte
Klangeffekte erzeugt; -messer, der (Technik): Gerät zur
Erfassung der Lautstärke von Geräuschen; -minderung, die:
Maßnahmen zurG. standen bei vielen Herstellern
elektrischer Maschinen ün Vordergrund (Elektrotechnik 12.
1975. 8); -mine, die (Milit.): Mine, deren Zündung durch
Geräusche des Zielobjekts ausgelöst wird; -pegel. der:
gemessene Stärke eines Geräusches: der G. liegt zu hoch;
den G. senken; ^voll <Adj.; o. Steig.): mit viel Geräusch
verbutiden. laut: ein -er Auftritt; die Schüler erhoben sich
g. von ihren Bänken; Ü (scherzh.:) Als der Wagen das
-e Laubinger Kopfsteinpflaster hinter sich hatte (Geissler,
Wunschhütlein 158).
Geräusche [gd'raujd], das; -s: [dauerndes! Rauschen: das
G. der alten Bäume; (ugs. abwertend:) das G. im Radio,
in der Telefonleitung.
Geräusper [ga'royspBj. das; -s (gelegtl. abwertend):
dauerndes, als lästig empfundenes/ Räuspern.
Gerb- I'gerp-] (gerben): -extrakt, das; -holz, das: für die
Gewinnung von Gerbmitteln verwendetes Holz; -mittel, das:
Gerbstoffe enthaltendes, zum Gerben verwendetes Mittel;
-rinde, die: Rinde für die Bereitung von Gerbmitteln; -säure,
die: pflanzlicher Gerbstoff; ^stoff, der: natürlich
vorkommende, synthetische od. anorganische Substanz, die zur
Umwandlung von tierischen Häuten in Leder verwendet wird.
gerben [g£rbn] <sw. V.; hat) [mhd. gerwen. ahd. garawen.
urspr. = fertigmachen, [zulbereiten, machen, zu tgarj:
(tierische Häuteu. Felle) mit Gerbmitteln zu Leder
verarbeiten: die Haut eines Tieres g.; Ü Ihr Gesicht war von
Sonne und Kummer gegerbt (Baum. Bali 276); Gerber
['gerbe], der; -s, - [mhd. gerwer. ahd. (leder)gerwerej:
Handwerker, der tierische Häute u. Felle zu Leder verarbeitet
(Berufsbez.).
Gerber-: -beize, die: svw. t'Beize (1c); -handwerk, das:
-lohe, die: pflanzliches Gerbmittel; -metster, der; -wolle,
die (Gerberei): Wolle, die von den gekalkten Häuten
geschlachteter Schafe gewonnen wird.
Gerbern [gertora], die; -, -[sj [nach dem dt. Arzt u.
Naturforscher T. Gerber. 11743]: (als Schnittblume kultivierte)
tnargeritenähnliche Blume, deren aus strahlenförmig
angeordneten, meist gelben, orangefarbenen oder roten
Blütenblättern bestehende Blüten auf langen, dicken Stielen sitzen.
Gerberei [gerto'ny]. die; -, -en: 1. Handwerksbetrieb, in
dem tierische Häute u. Felle zu Leder verarbeitet werden.
2. <o. PI.) das Gerben; Gerbung fgerboo], die; -, -en:
das Gerben.
gerbulieren [gerbulr.ren] <sw. V.; hat) [ital. garbellare <
mlat. garbellare = aussondern, sichten] (Kaufmannsspr.
veraltet): aus trockener Ware Verunreinigungen auslesen;
<Abl.:) Gerbukir [gerbu'Iu:?], die; -, -en (Kaufmannsspr.):
1. (veraltet) aus trockener Ware ausgelesen
Verunreinigungen. 2. Abzug wegen Verunreinigung trockener Ware.
Gerebelte [g3're:bjt3], der; -n [subst. 2. Part, von f rebeln]
(österr.): Wein aus einzeln abgenommenen Trauben.
gerecht [garest] <Adj.; -er. -este) [mhd. gereht = gerade;
recht...; richtig; passend; tauglich; geschickt, ahd. gireht
= gerad(linig); zu t recht]: 1. dem geltenden Recht
entsprechend, gemäß: nach bestehenden Gesetzen handelnd, urtei-
lend: ein -er Richter; ein -er Anspruch auf das Erbe; das
Urteil ist g.; er war g. gegen alle; g. handeln, urteilen.
2. <nichtadv.)dem [allgemeinen] Empfinden von
Gerechtigkeit. Wertmaßstäben entsprechend, gemäß; begründet,
gerechtfertigt: ein -er Ausgleich; eine -e Verteilung, Sache;
sie kämpfen einen guten, -en Kampf (Hochhuth,
Stellvertreter 93); ein -er Zorn; Aber manchmal fängt man mit
... -em Ärgernis an (Th. Mann. Zauberberg 246); * jmdm..
einer Sache g. werden (jmdn.. eine Sache angemessen
beurteilen): der Kritiker ist dem Autor nicht g. geworden;
Seeck gibt von ihr (= der Schwester Theodosius' II.)
ein ... entstelltes Bild, das nicht ihrer Bedeutung g. wird
(Thieß. Reich 383). 3. (nicht adv.> bestimmten Ansprüchen.
Gegebenheiten angepaßt, genügend, entsprechet^: Eine jeder
Witterung -e Kleidung muß im Rucksack sein (Eiden-
schink. Fels 31); * einer Sache g. werden (eine Aufgabe
bewältigen, erfüllen, einem Anspruch genügen): er ist den
Anforderungen seines Berufs nicht g. geworden; Das
Wahmehmungssystem bewältigt hier eine Aufgabe, der
unsere Ratio nur mit Mühe g. zu werden vermöchte
(Hofstätter. Gruppendynamik 30); (auch attr.:) Eine unseren
heutigen Problemen g. werdende demokratische Theorie
(Fraenkel. Staat 256). 4. (bibl.) a) (von Menschen) Gott
gehorsam, fromm; trotz Sünden von Gott akzeptiert: so
man von Herzen glaubt, so wird man g. (Rom. 10, 10);
<subst.:> (Gott) läßt regnen über Gerechte und Ungerechte
(Matth. 5. 45); b) (von Gott) die Menschen trotz Sünde
akzeptierend, gnädig, barm/ierzig: der -e Gott; -gerecht
<Sufllxoid>: wie es dem im Bestimmungswort Genannten
entspricht, angemessen ist: bedarfsgerecht; menschengerechte
Arbeitsbedingungen; sportliche Ereignisse jugendgerecht
präsentieren (Hörzu 12. 1976. 18); gerechterweise
[ga'rajtevaiza] <Adv.): um jmdm.. einer Sache gerecht zu
werden: g. muß man einräumen, daß ...; gerechtfertigt
Iga'rajtfertKjt] <Adj.; o. Steig.; nur präd.) [eigtl. 2. Part,
von t rechtfertigen]: zu Recht bestehend, richtig: diese
Maßnahme erweist sich als/ist g.; Gerechtigkeit [garajti^kait],
die; - [mhd. gerehtikeit]: 1. a) das Gerechtsein; Prinzip
eines staatlichen od. gesellschaftlichen Verhaltens, das jedem
gleichermaßen sein Recht gewährt: die soziale G.; die G.
des Richters, eines Urteils; G. fordern, (geh.:) üben; jmdm.
G. verschaffen, (geh.:) widerfahren lassen; um der G.
willen; b) etw.. was als gerecht (2) angesehen wird: Das
Gewissen wird ihnen keine Ruhe gönnen, oder die G. ihren
Lauf nehmen (Kirst, 08/15, 744); und Sie sollten ... Ihren
ganzen Lohn in dem Bewußtsein finden, daß Sie einer
Frau G. verschafft haben (H. Mann. Stadt 184); im
Ausland schreibt man. der Kaiser habe „der G. ins Gesicht
geschlagen'' (Mostar, Unschuldig 89); * ausgleichende G.
(etw.. was eine als Ungerechtigkeit empfundene
Entscheidung o.a. wieder wettmacht): er betrachtet seinen Sieg
als ausgleichende G. für die knappe Niederlage beim letzten
Mal; Es scheint also doch so etwas wie eine ausgleichende
G. zu geben (Kirst. Aufruhr 58). 2. a) (geh.) Justiz: die
strafende G.; einen Verbrecher den Händen der G.
übergeben; b) (Myth.) Verkörperung der Gerechtigkeit (2a) in
der Gestalt einer Göttin. Justitia. symbolisiert durch Waage.
Schwert u. Binde vor den Augen. 3. (christl. Rel.) Gottes
Akzeptieren des Menschen trotz dessen Sünde, göttliche
Gnade. 4. (veraltet) Berechtigung. Legitimität: die G. einer
Forderung. 5. (veraltet) svw. TGerechtsame.
ger^chtigkeits-, Ger^chtigkeits- (Gerechtigkeit 1): -fcinati-
ker, der: Person mit ausgeprägter bis übertriebener
Gerechtigkeitsliebe: Er ist selbstkritisch und ein G. (Hörzu 11,
1975.10); Fimmel, der (ugs. abwertend): ein falsch
verstandener G.; -gefühl, das: Gefühl für Gerechtigkeit: kein G.
besitzen; dasG. verletzen; -liebe, die: ausgeprägtes
Gerechtigkeitsgefühl, dazu: -liebend: ein ausgeprägtes
Gerechtigkeitsgefühl besitzend; -sinn: svw. t^gefühl.
Gereditsame[g3'rectza:m3],die;-.-n: l.(Rechtsspr. veraltet)
[Vorjrecht. Privileg. 2. (Schweiz, selten) Gerichtsbezirk.
Gerede [ga'reris], das; -s (abwertend): 1. (ugs.) unnötiges,
sinnloses Reden. Geschwätz: leeres, dummes,
demagogisches G.; was soll das ewige G. von der Gleichberechtigung
von Mann und Frau; er konnte das G. nicht mehr mit
anhören. 2. abfälliges Reden über jmdn.. der nicht anwesend
ist; Klatsch: es hat viel G. gegeben; sich dem G. der
Leute aussetzen; *jmdn. ins G. bringen (bewirken, daß
über jmdn. [schlecht/ geredet wird): hör damit auf. du
1002
gerichts-, Gerichts-
bringst uns ins G.!; er hatte es endlich geschafft, sich
ins G. zu bringen; ins G. kommen/geraten (Gegenstand
des Klatsches, eines Gerüchtes werden): das Institut kam
wegen der Unterschlagung ins G. 3. (Schweiz.) Gespräch,
geregelt [ga're.gltl <Adj.; nurattr.) [eigtl. 2. Part, von
tregeln): regelmäßig; geordnet: einer -en Arbeit nachgehen;
Seine Frau ... versah den Haushalt ... mit einer ganzen
Reihe von Haustöchtern, über die Grimm ein festes, -es
Regiment führte (Niekisch. Leben 158).
gereichen [ga'raujn] <sw. V.; hat) [mhd. gereichen, zu t
reichen] (geh.): einbringen (nur in Verbindung mit zu u.
bestimmten Substantiven): diese Tat gereicht ihm [nicht
gerade] zur Ehre, zum Ruhm; es gereicht uns zum Vorteil.
Nachteil. Nutzen, Verderben, daß ...; dieser Sessel gereicht
dem Zimmer nicht gerade zur Zierde (paßt überhaupt nicht
ins Zimmer).
gereift [ga'raift] <Adj.; nurattr.) [eigtl. 2. Part, von f reifen):
auf Grund von Ijebenserfahrung charakterlich gefestigt tu.
geistig in hohem Grade entwickelt]: er ist eine -e
Persönlichkeit; Nach langer Gefangenschaft kehrte er in die Heimat
zurück. Geistig g.. aber körperlich stark beschädigt (Kirst.
Aufruhr 144); <Abl.:> Gereiftheit, die; -.
Gereime [garaima], das; -s [zu T reimen] (abwertend): a)
das Reimen; b) schlechte Verse.
gereimelt [ga'raimlt] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [zu Reim
= die obersten weißen Spitzen des Gamsbartes < mhd.
rieme = Band, schmaler Streifen] (Jägerspr.): (vom Garns-
hart) weiße Spitzen aufweisend.
gereizt [ga'raitst] <Adj.; -er. -este) [eigtl. 2. Part, von f reizen
(1)]: sich seelisch in einem Zustand befindend, in dem man
auf etw.. was einem nicht paßt, sogleich nervös-empfindlich,
böse und ärgerlich reagiert: überempfhidlich: in -er
Stimmung. Laune sein; in -em Ton sprechen; der Chef war
den ganzen Tag über g.; g. antworten; (Abi :> Gereiztheit,
die; -: das Gereizt sein, gereizte Stimmung: sich in einem
Zustand nervöser G. befinden.
Gerenne [garend], das; -s (ugs.. meist abwertend):
/dauerndes] Rennen, das Umherhasten [von mehreren Leuten/:
das G. auf dem Schulhof; das G. am Abend von einem
Geschäft ins andere und der jedesmal überstürzte Einkauf
sind wirklich unerträglich (Hörzu 39, 1973. 131).
gereuen [ga'reyan] (gereute, hat gereut) (geh.. veraltend):
in jmdm. das Gefühl der Reue über etw. entstehen lassen;
etw. bedauern; bereuen; jmdm. leid tun: deine Worte werden
dich noch g.!; <unpers.:) es gereute ihn. daß er sie so
schlecht behandelt hatte.
Gerfalke, der; -n. -n [mhd. gervalke < anord. geirfalki.
zu: geiri = speerförmiges Stück. Striemen (nach den
braunen Flecken auf dem weißen Gefieder, die wie Pfeilspitzen
aussehen)]: in nördlichen Breiten vorkommender, großer,
kräftiger Falke mit weißbraun geflecktem Gefieder, der
früher für die Beizjagd abgerichtet wurde.
Geriater [ge'ria:tB], der; -s, - [zu t Geriatrie!: Arzt mit
Fachausbildung auf dem Gebiet der Geriatrie; Geriatrie [gerja-
'tri:], die; - [zu griech. gerön = Greis u. iatreia = das
Heilen]: svw. tAltersheilkunde; Geriatrikum [geria:-
trikom], das; -s. ...ka [zu griech. gerön = Greis u. iatreia
= das Heilen]: Medikament zur Behandlung von
Alterserscheinungen u. -beschwerden: der Gebrauch von Geriatrika;
geriatrisch lge'ria:trij] <AdJ.; o. Steig.): die Geriatrie
betreffend, zu ihr gehörend: eine -e Klinik, Abteilung.
'Gericht [ga'nct], das; -[e]s. -e [mhd. geriht(e). ahd. girihti.
unter Einfluß von I richten zu t recht]: 1. a) öffentliche
Institution, die vom Staat mit der Rechtsprechung betraut
ist. Verstöße gegen Gesetze bestraft u. Streitigkeiten
schlichtet: das zuständigeG.; das G. tagte, sprach den
Angeklagten frei; dieser Fall wird noch die -e beschäftigen; der
Dieb stellte sich freiwillig dem G.; jmdn. dem G.
übergeben, den -en ausliefern; jmdn. vor G. laden, zitieren; vor
G. erscheinen, aussagen; ein ordentliches G. (Gericht, das
für Verstöße gegen das Zivil- u. das Strafrecht zuständig
ist); ein G. anrufen (Klage erheben); einen Angeklagten
demG. vorführen (ihm den Prozeß machen); vorG. stehen
(angeklagt sein); mit einem Streitfall vor G. gehen (in
einem Streitfall eine gerichtliche Entscheidung
herbeiführen); b) Richterkollegiwn: das G. zieht sich zur Beratung
zurück; Hohes G.! (Anredeformel); c) Gerichtsgebäude:
wo finde ich hier das G.?; das G. war von Polizisten
umstellt. 2. <o. PI.) das Richten. Urteilen, Rechtsprechen:
... die Forderung eines gerechten und schonungslosen -s
über die Kriegsverbrecher (Leonhard, Revolution 226);
*das Jüngste/Letzte G. (Rel.; göttlicher Gerichtsakt am
Tag des Weltuntergangs; Jüngst... = allerletzt...): der Tag
des Jüngsten -s; mit jmdm. [hart, scharf! ins G. gehen (I.
sich mit jmdm. hart auseinandersetzen u. ihn scharf
kritisieren, zurechtweisen: alle gingen mit ihm ins G.; die
Kernkraftwerksgegner gingen auf der Versammlung mit den
verantwortlichen Politikern streng, hart ins G. 2. jmdn.
hart bestrafen); über jmdn. G. halten/zu G. sitzen (geh.:
1. über einen Angeklagten bei Gericht verhandeln. 2. jmds.
Haltung, Tun. Ansichten verurteilen mit dem Ziel, bestimmte
Maßnahmen dagegen zu ergreifen: der reiche Familienclan
saß über die aufsässige jüngste Tochter zu G.; Niemand
sitzt selbstgerechter als er (= Robespierre) über die
Schwächen der Menschheit zu G. (Sieburg, Robespierre 65).
^Gericht [-]. das; -[eis, -e [mhd. geriht(e). zu t richten =
zubereiten, anrichten]: als Mahlzeit zubereitete Speise: ein
G. aus Fleisch und Gemüse; ein G. zubereiten, auftragen;
ein G. Krebse genießen.
gerichtet [ga'n$t3t] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [eigtl. 2.
Part, von I richten = in eine bestimmte Richtung bringen]:
auf ein bestimmtes Ziel ausgerichtet, gelenkt, gesteuert;
Deckenstrahler... werfen -es Licht auf die Arbeitsbereiche
(Wohnfibel 34), dazu: Gerjchtetheit, die; -.
gerichtlich <Adj.; o. Steig.; nicht präd.): 1. das Gericht
betreffend, zu ihm gehörend: -e Zuständigkeit; -e
(forensische) Psychologie; -e Polizei (Schweiz.; Behörden, die sich
ausschließlich mit der Strafverfolgung befassen). 2. vom
Gericht, mit Hilfe des Gerichts /durch-, herbeigefüfirt/:
ein -es Verfahren; -e Untersuchungen, Entscheidungen;
dieser Vorfall hat ein -es Nachspiel; jmdn. g. verfolgen,
belangen: er wollte gegen seinen Nachbarn g. vorgehen;
dieser Sachverhalt ist g. nachprüfbar; Jmdn. g. (durch
Gerichtsbeschluß) für tot erklären lassen.
gerjchts-, Gerjchts- ('Gericht): -akte, die <meist PL); -arzt.
der: Arzt, der dem Gericht für gerichtsmedizinische
Untersuchungen zur Verfügung steht, Gerichtsmediziner; -ärztlich
<Adj.; o. Steig.; nicht präd.): a) den Gerichtsarzt betreffend,
zu ihm gehörend; b) vom Gerichtsarzt [durchgeführt]: eine
-e Untersuchung; -assessor. der: zum Beamten od. Richter
auf Probe ernannter Jurist nach der zweiten Staatsprüfung;
-beamter, der; -behörde, die: die Gerichtsbarkeit
ausübende Behörde, Gericht; -berichterstatter, der. dazu:
-berichterstattung, die; -beschhiß. der: Beschluß eines
Gerichts; -bezirk, der; -böte, der (veraltet): jmd., der
bei einem Gericht als Bote angestellt ist; -diener, der
(veraltet): jmd., der als Amtsgehilfe bei einem
Gericht angestellt ist; -dolmetschen der; -entscheid, der.
-entschekhing, die: Entscheid/ung] eines Gerichts; -ferien
<P1.>: Arbeitspause eines Gerichts während des Sommers
(in der nur dringende Prozesse geführt werden); -gebäude.
das; -gebühren <P1.): svw. t-kosten; -herr, der (hist.):
Intiaber der Gerichtsbarkeit (z. B. Gutsherr, Landesherr);
-hof, der: 1. Gericht höherer Instanz: der Oberste.
Internationale. Europäische G. 2. (früher) Gericht mit mehreren
Richtern. HoherG. (Anredeformel), -hoheit.die: Befugnis,
Gerichtsbarkeit auszuüben: die G. des Staates; -kanzlei,
die: svw. t Geschäftsstelle (b); -kasse. die; -kosten <P1.):
die in einem gerichtlichen Verfahren anfallenden Kosten;
-kritik, die (DDR): vom Gericht beschlossene Kritik an
Mängeln bei anderen staatlichen od. gesellschaftlichen
Organen; -kundig <Adj.; o. Steig.): svw. t notorisch; -medizin.
die: Zweig der Medizin, der sich mit
medizinisch-naturwissenschaftlichen Fragen befaßt, die für die Rechtspflege von
Bedeutung sind, dazu: -mediziner, der: svw. T -arzt,
-medizinisch <Adj.; o. Steig.; nicht präd.): a) svw. t-ärztlich:
eine -e Untersuchung des Falls; b) die Gerichtsmedizin
betreffend: -e Methoden; -notorisch <Adj.; o. Steig.) (jur.):
vom Gericht amtlich zur Kenntnis genommen: seine
Straftaten sind g.; Ein Minister ... kann sich ... die Freundschaft
mit einer g. fragwürdigen Figur... nicht mehr leisten (Welt
17. 3. 62, 1); -ort, der: mit der Geschichte unseres Ortes
... G. warder früher, ein Gaufürst hat da residiert (Kem-
powski. Immer 44); -Präsident, der; -praxis. die; -referen-
dar, der: Jurist mit erstem Staatsexamen, der seine
Referendarzeit absolviert; -saal. der: großer Raum, in dem die
Gerichtsverhandlungen stattfinden: Ist das Publikum, das
die Zuschauerräume der Gerichtssäle füllt.... die
..Öffentlichkeit4'? (Mostar. Unschuldig 14); -Schreiber, der: (im
schweizerischen Recht) Angehöriger der Justizbehörde mit
1003
Gerichtsame
juristischer Ausbildung, dem u. a. das Führen des Protokolls
hei Gerichtsverhandlungen obliegt; --spräche, die: Sprache,
in der die Prozesse gefuhrt werden; in Osterreich ist Deutsch
die G.; ^stand. der (jur.): örtliche Zuständigkeit der Zivil-
u. Strafgerichte der G. einer Person ist in der Regel ihr
Wohnort; ein vertraglich vereinbarter G.; -tafel, die: im
Gerichtsgebäude angebrachte, jedermann zugängliche Tafel,
auf der offizielle Bekanntmachungen ausgehängt werden;
--tag. der: Tag. an dem Gerichtsverhandlungen stattfinden;
in dieser kleinen Stadt wird nur alle zwei Wochen ein
G. gehalten: -termin. der: Termin für eine
Gerichtsverhandlung; -urteil, das; -verfahren, das: Verhandlung u.
Entscheidung einer Rechtssache durch ein Gericht; ein G. einleiten;
er wurde ohne G. zum Tode verurteilt und hingerichtet;
-Verfassung, die. dazu: -Verfassungsgesetz, das;
-Verhandlung, die: Verhandlung eines Streitfalles od. einer Straftat
vor Gericht; an einer G. teilnehmen; -Verwaltung, die:
1. Verwaltung der Gerichte durch die zuständigen
Ministerien. 2. Teil der administrativen gerichtlichen (1) Tätigkeit,
der nicht zur Rechtsprechung gehört; die Dienstaufsicht
über Notare ist eine Aufgabe des Landgerichtspräsidenten
im Rahmen der G.; -verwertbar <Adj.; o. Steig.; nicht
adv.> (jur.): dazu geeignet, eine gerichtliche Untersuchung
einzuleiten; belastend; gegen diesen Mann liegen einige
-e Erkenntnisse vor; -Vollzieher, der: (im deutschen Recht)
Angehöriger der Justizbehörde, der mit der Durchführung
von Zwangsvollstreckungen betraut ist; derG. hat die Möbel
gepfändet; der Gläubiger will die Schulden mit Hilfe des
-s eintreiben; -Vorsitzende der: Vorsitzender des ^Gerichts
(lb); -weg,der:erdrohte,aufdemG. (gerichtlich) dagegen
vorzugehen; -weibel, der (Schweiz.): svw. t-diener:
-Wesen, das <o. PI.>: alles, was mit dem ^Gericht da)
zusammenhängt.
Gerichtsame [g3'rictza:m3]. die; -. -n [zu tGericht u. mhd.
säme = Feld, Boden] (Schweiz, veraltet): svw.
tGerichtsbezirk.
Gerichtsbarkeit Iga'rietst**:pkajt]. die; -, -en: 1. <o. PI.)
Befugnis zur Rechtsprechung; Unter G. ... wird die
Ausübung staatlicher Hoheitstätigkeit verstanden, die sich mit
der Entscheidung konkreter Konflikte rechtlichen
Charakters beschäftigt (Fraenkel. Staat 103). 2. <PI. fachspr.)
Ausübung der recht sprechenden Gewalt.
gerieben [gd'ri:bn; 2: spätmhd., 2. Part, von treiben, eigtl.
= abgerieben, geglättet): 1. treiben. 2. <Adj.; nicht adv.)
(ugs.) seine Absichten auf schlaue Weise durchsetzend, sich
in allen Schlichen auskennend u. daher in der Lage, zum
eigenen Vorteil Dinge zu drehen u. zu wenden; durchtrieben,
gerissen; ein -er Geschäftemacher; die Burschen sind ganz
schön g.; <Abl. zu 2:> Geriebenheit, die; -.
geriehen [gd'iran): t reihen.
gerieren [ge'ri:n>n]. sich <sw. V.; hat) [lat. se gerere (pro)]
(bildungsspr.): sich auffütnen. auftreten, sich zeigen alsjmd..
etw.; in seiner Rede gerierte er sich als Staatsmann; Im
westlichen Deutschland... war es Mode und galt als schick,
sich links zu g. (Zwerenz. Kopf 19|).
Geriesel [g3'ri:zl]. das; -s: /dauerndes] Rieseln.
gering [gannl <Adj.) [mhd. (ge)ringe = leicht; schnell,
behend; klein, unbedeutend, schlecht, ahd. (nur verneint)
ungiringi = gewichtig]: 1. a) <nicht adv.) als wenig zu
erachten in bezug auf Menge. Umfang. Anzahl u.a.; nicht
sehr groß; unbeträchtlich klein; eine -e Menge. Anzahl;
der Baum erreicht nur eine -e Höhe; die Zahl der Ausfälle
war. blieb g.; der Abstand wird immer -er; * ein -es (veraltet;
ein wenig): Es (= das Vögelchen) flatterte ein -es hoch
(Molo. Frieden 100); um ein -es (veraltet: 1. um wenig
Geld; etw. um ein -es erwerben. 2. ein wenig; um ein
-es nachgeben. 3. fast; um ein -es hätte er den Zug verpaßt);
b) in bezug auf den Grad, das Maß. Ausmaß von etw.
minimal, niedrig, geringfügig, unbedeutend; eine -e
Abweichung aufweisen; das war mir eine -e (wenig) Mühe; das
spielt eine -e Rolle; er befand sich in nicht -er < ziem/ich
großer) Verlegenheit; das ist meine -ste Sorge (kümmert
mich wenig); er hatte nicht die geringste (nicht die mindeste,
überhaupt keine) Lust; die Sache ist von -em Wert (hat
kaum einen Wert); er bekam nur ein -es (bescheidenes!
Entgelt; die Anforderungen. Chancen waren g. (niedrig):
hatten die Holländer Produktion und Ertrag g. (niedrig)
gehalten (Jacob. Kaffee 241); die Aussichten g.
veranschlagen; weil das Knie nur g. (geringfügig) abgewinkelt wird
(Eidenschlnk. Fels 31); die Qualität um ein -es (geh.;
geringfügig) erhöhen; <subst.:) das Geringste (mindeste), was
er tun müßte, wäre ...; auch das Geringste (die kleinste
Kleinigkeit) entgeht ihm nicht; er ist auch im Geringsten
(in den kleinsten Dingen) genau; * nicht das geringste
(überhaupt nichts): er hat nicht das g. davon gewußt; nicht
im geringsten (nicht im mindesten, überhaupt nicht): du
störst nicht im g. 2. (geh.) (nicht adv.) einer niedrigen
sozialen Schicht angehörend: das -e Volk; er ist von -er
(niedriger) Herkunft; Sie waren -ere Leute als er (Jahnn.
Geschichten 151); *kein Geringerer als ... (immerhin ....
sogar ...): Der ..producer". der sich ein so kostspieliges
Experiment leisten konnte, war kein G. als das US
Government (K. Mann. Wendepunkt 313). 3. <nicht adv.) (geh..
selten) von wenig hoher, minderer Qualität: eine -e Sorte.
Qualität; hier ist sandiger, -er Boden (Waggerl, Brot 109);
auf der Suche nach einer erschwinglichen Wohnstätte ...
in -em Viertel (Th. Mann, Krull 89). 4. (Jägerspr.) (vom
WHd) klein, jung.
gerjng-. Gering-: -achten <sw. V.; hat): 1. wenig od. gar
nicht achten, mißachten: sein Leben, eine Gefahr g. 2.
verachten: einen Rivalen, jmds. Tätigkeit g.. dazu:
Pachtung, die: -füg« [-fy:gu;] <Adj.>: unbedeutend, nicht ins
Gewicht fallend, belanglos: -e Verletzungen. Unterschiede;
der Text wurde g. abgeändert, dazu: -fügigkeit, die; -.
-en: I. <o. PL) Unbedeutenilheit. Belanglosigkeit: die G.
eines Vergehens. 2. unwichtige, nebensächliche Sache.
Kleinigkeit: solche -en kann man außer Betracht lassen;
-gradig l-gra:di<;] <Adj.; o. Steig.) (selten): in geringem
Grad. Ausmaß! vorhanden]:eine-eHautentzündung; ^hal-
tig <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (Mineral.): wenig Feingehalt
aufweisend: -es Erz; ^schätzen <sw. V.; hat): svw.! ^achten;
^schätzig [-Jets1?! <Adj.): abschätzig, verächtlich: eine -e
Handbewegung; der Junge zog eine -e Grimasse; er lächelte
g.. dazu: -schätzigkeit, die; -: die G.. mit der er sprach,
war nicht zu überhören; ^Schätzung, die <o. PL): das
Geringschätzen. Verachtung: kalte G.; seine G. zum Ausdruck
bringen; sie betrachtete ihn voller G.; -wertig <Adj.; o.
Steig.; nicht adv.) (selten): von geringem Wert: -e Waren.
geringelt [ga'ngjt): I. T ringeln. 2. <Adj.; o. Steig.; nicht adv.)
zu einem Ringel, zu Ringeln geformt: die Frisur hat eine
-e Seitenpartie. 3. mit ringsherum laufenden Quer streifen
versehen: er trägt gern -e Söckchen.
Geringigkeit [gd'rinifkait], die; - (veraltet, selten): das
Geringsein: ... ich bin alt geworden im Schätzen und
Abschätzen der Dinge und ihrer Güte oder G. (Th. Mann, Joseph
610); geringstenfalls <Adv.) (geh.): zumindest: er bekommt
g. die Hälfte der Summe ersetzt.
gerinnbar [gannba:^] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): svw.
T gerinnungsfähig, dazu: Gerinnbarkeit, die: svw. f
Gerinnungsfähigkeit.
Gerinne [ga'nna], das; -s. - (veraltend): kleiner > künstlich
angelegter] Wasserlauf: ein offenes G.; gerinnen [ga'nnan]
<st. V.; ist) [mhd. gerinnen; ahd. girinnen =
zusammenfließen (von Flüssigkeiten)!: (von eiweißhaltigen Flüssigkeiten)
feine Klümpchen, Flocken bilden u. dadurch dickflüssig,
fest werden, klumpig, flockig werden, stocken: die Milch
gerinnt beim Kochen; geronnenes Blut; Ü bei diesem
Anblick gerann mir das Blut in den Adern (erstarrte ich
vor Schreck); Allmählich erst gerinnt die Zeit zum
Schweigen des gleichmäßigen Tickens (Jahnn. Geschichten 37);
Gerinnsel [ga'nnzl], das; -s, -: 1. (veraltend) Rinnsal: der
kleine Bach, der sbnsthin als ein müdes G. über die Steine
... schlich (Salomon. Boche 58). 2. kleiner Klumpen von
geronnenem Blut in der Blutbahn. Embolus: ein G. hat
sich gebildet, hat die Blutbahn verstopft; Gerjnnung. die;
-, -en <P1. selten): das Gerinnen.
gerjimungs-.Gerjnnungs- (Med.): -eiweiß, das: -fähig <Adj.;
nicht adv.): die Eigenschaft besitzend, gerinnen zu können.
dazu: ^fähigkeit. die: das Hauptmerkmal der
Bluterkrankheit ist die fehlende G. des Blutes; -faktor, der; -fordernd
<Adj.; nicht adv.); -hemmend <Adj.; nicht adv.): Heparin
ist ein -er Stoff.
Gerippe [gonpo], das; -s. - [Kollektivbildung zu t Rippe,
eigtl. = Gesamtheit der Rippen]: Knochengerüst des
Körpers. Skelett: das menschliche G.; das G. eines Pferdes;
Mir kam es vor. sein ganzes G. knirsche (Seghers, Transit
47); sie ist fast bis zum G. abgemagert; er läuft herum
wie ein wandelndes G. (ugs.; er sieht sehr schlecht, krank
aus): Ü das G. (Gerüst) eines Schiffs, eines Flugzeugs,
eines Blatts; dasG. (inhaltlicher Aufbau. Gliederung) eines
1004
Gerste
Aufsatzes; gerippt [ga'npt] <Adj.; o. Steig.: nicht adv.):
mit in Quer- od. Längsrichtung verlaufenden Rippen (2)
[versehen]: ein -er Pullover.
GeriBlgansJ.das; ...isseslzu t reißen] (landsch.. bes. österr.):
Wetteifern: um diese Auszeichnung war ein G.; sie hatte
ein großes G. (war sehr umworben* begehrt). Wohin er
kam. war um den schönen Emmerich Zell ... ein ..Geriß"
(A. Kolb. Daphnc 146); gerissen [gd'nsn; 2: viell. aus der
Jägerspr.. nach der Charakterisierung eines Tiers, das
angefallen u. gerissen wurde, aber entkommen konnte (vgl.
reißen)]: 1. T reißen. 2. <Adj.) (ugs.) sieh in allen Schlichen
auskennend, so daß man von anderen nicht mehr überlistet
werden kann: in unangenehmer Weise schlau u. auf' seinen
Vorteil bedacht: ein -er Geschäftsmann; ein -er Kriminalist;
er kam sich sehrg. vor; (mit dem Unterton von
[widerstrebender] Anerkennung:) so ein -er Bursche!; <Abl.:) Gerjs-
senheit.die; -: Daß man nicht sein biederes Gesicht gewählt
hatte, sondern seine kaufmännische G.. war ihm ... klar
geworden (Kirst, Aufruhr 26).
geritzt [ga'ntßt] zu T ritzen]: 1. T ritzen. 2. in der
Verbindung [die Sache] ist geritzt (salopp; etw. ist abgemacht,
wird so erledigt, wie es besprochen worden ist: man kann
sich darauf verlassen): die Sache ist g. Beim nächsten Mal
bringste Moneten mit (Degener. Heimsuchung 15).
Germ [germ], der. -[e]s, südd. nur, österr. auch: die; -
[ zusgez. aus spätmhd. gerben, mhd. gerwe. zu: gern = gären]
(südd.. österr.): Backhefe: <Zus.:> G?rmknödel, der;
Germkrapfen, der; Germteig, der: svw. t Hefeteig.
-Genüane [ger'ma:nd]. der; -n. -n [spätmhd. German <
lat. Germänus. wohl aus dem Kelt.) (hist.): Angehöriger
einer der indogermanischen Sprach- u. Völkerfamilie
angehörenden Gruppe untereinander sprachverwandter
Völkerschaften in Nord- u. Mitteleuropa: die alten -n; Ü sein
Freund war ein blonder G. (scherzh.; ein großer, blonder,
blauäugiger Mensch): ^Germane [-] <PI. >:
Wasserstoffverbindungen des ] Germaniums: Germanentum, das; -s: Wesen
u. Kultur der Germanen: Germania [...nja]. die; -:
Frauengestalt, die das ehemalige Deutsche Reich symbolisiert:
Germanien [...njan] (Eigenn.; o. PI.) (hist.): Deutschland zur
Römerzeit: Germanin, die; -. -nen: w. Form zu t -Germane;
Germanin <S> [g£ima'ni:n], das; -s [zu lat. Germania =
Germanien. Deutschland, dem Herkunftsland]:
chemotherapeutisches Mittel gegen die Schlafkrankheit: germanisch
<Adj.; o. Steig.): die Germanen betreffend, zu ihnen
gehörend, von ihnen stammend: die -en Völker; das -e Recht;
die -en Sprachen; Ü Lessing habe eine sehr hübsche, große,
blonde, -e (die typische Haarfarbe u. Körpergröße der
Germanen aufweisende) Frau (Katia Mann. Memoiren 77);
germanisieren [germani'zi:ran] <sw. V.; hat): svw.
teindeutschen, dazu: Genmanisicrung, die; -: Die Verwaltungs- und
Herrschaftstechnik dieses ,.SS-Staates" hatte sich schon
... in der Vertreibung. G. und Zwangsverpflichtung riesiger
Menschengruppen ausgebildet (Fraenkel, Staat 208);
Germanismus [germanismos], der; -. ...men (Sprachw.): 1.
sprachliche Besonderheit des Deutschen. 2. Entlehnung aus
dem Deutschen [in eine andere Sprache/: das französische
..le leitmotiv" ist ein G.; Germanist [germanistl. der; -en.
-en: 1. Wissenschaftler auf dem Gebiet der Germanistik,
jmd.. der sich wissenschaftlich mit der deutschen Sprache
u. Literatur befaßt: auch hat ja Jacob Grimm den Namen
..Germanist" ... 1846 geschaffen (Mitteilungen des
Deutschen Germanisten-Verbandes 3. 1971. 45). 2. (veraltet)
Jurist auf dem Gebiet des deutschen u. germanischen Rechts:
Germanjstik, die; -: deutsche od. gennanische Sprach- u.
Literaturwissenschaft. Deutschkunde im weiteren Sinn
(unter Einschluß der deutschen Volks- u. Altertumskunde):
Germanistin, die; -, -nen: w. Form zu TGermanist (1);
germanistisch <Adj.; o. Steig.: nur attr.): die Germanistik
betreffend: eine -e Fachzeitschrift; Germanium [germa:-
niom], das; -s [zu lat. Germania = Germanien.
Deutschland, dem Vaterland seines Entdeckers C. Winkler
(1838-1904)]: halbmetallisches Element mit den
Eigenschaften eines Halbleiters (chemischer Grundstoff): Zeichen: Ge;
germanophil [g£imano'fi:l] <Adj.; Steig, ungebr.) [zu giiech.
phileTn = lieben]: deutschfreundlich (Ggs.: germanophob);
Germanophilie [...fi'li:]. die; - [zu griech. philia = Liebe.
Zuneigung]: Deutschfreundlichkeit (Ggs.: Germanopho-
bie); germanophob [...To:p] <Adj.; Steig, ungebr.) [zu
griech. phobeTn = fürchten]: deutschfeindlich (Ggs.:
germanophil); Germanophobfe, die; -: Deutschfeindlichkeit
(Ggs.: Germanophilie); germanotyp [.,.'ty:p] <Adj.; o.
Steig.) [2. Bestandteil zu griech. typös = Schlag. Muster.
Gepräge] (Geol.): einen für Mitteldeutschland
kennzeichnenden Typ der Gebirgsbildung betreffend, bei dem der ge-
birgsbildende Druck nicht zur Faltung, sondern zur
Bruchbildung führte.
germinal [germi'na:l] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [zu lat.
germen (Gen.: gemiinis) = Keim, Sproß] (Bot.): den Keim
betreffend: Germingldhisen <P1.) (Biol.): Keim- od.
Geschlechtsdrüsen: Germinalien [germi'na.Uan] <P1.>: svw.
f Germinaldrüsen; Germination [germina'tsio.n], die; -. -en
lat. germinatio = Hervorsprossen] (Bot.l:
Keimungsperiode der Pflanzen: germinativ [...'ti:fl <Adj.; o. Steig.; nicht
adv.) (Bot.): den Keim bzw. die Keimung betreffend.
gern, (seltener:) gerne fgemte)] <Adv.; lieber, am liebsten)
[mhd. gerne, ahd. gerno. Adv. zu: gern = eifrig]: 1. mit
freudiger Bereitwilligkeit, Vergnügen: sie spielt g. Klavier;
g. verreisen; vor dem Schlafengehen liest er g. noch ein
paar Seiten; er ist immer g. gesehen; „Danke schön!"
- „Gern geschehen!"; „Kommst du mit?" - ..[Ja.] g.!";
sie hat, sieht es [nicht, sehr] g., wenn ... (sie mag. liebt
es [nicht, sehr], wenn ...); so etwas habe ich g.! (ugs.
iron.; das gefällt, paßt mir ganz u. gar nicht)', sie hatten
sich [sehr] g. (empfanden [große] Sympathie. Zuneigung
für einander): sie hat es bestimmt nicht g. getan (ugs.;
nicht mit Absicht)-. *der kann/du kannst o. ä. mich g. haben!
(ugs. iron.; mit dem will ich nichts [mehr] zu tun haben)'.
ich sagte ihm. er könne mich g. haben. 2.a) drückt eine
Bestätigung. Billigung aus: das glaube ich dir g.; du kannst
von mir aus g. mitkommen; b) drückt einen Wunsch aus:
er wäre am liebsten allein geblieben; ich wüßte [nur zu.
ganz] g., was daraus geworden ist; Mann ... sucht
Bekanntschaft mit strenger Dame (gerne vollschlank) (Mannh.
Wochenblatt 3. 1. 75. 6); c) dient der Abschwächung eines
Wunsches: ich hätte g. ein Kilo Trauben; „Kommst du?4'
- „Ja. ich möchte mir nur noch g. die Hände waschen."
3. a) gewöhnlich, in der Regel: er geht g. früh schlafen;
Pilze siedeln sich g. an feuchten Stellen an; b) (ugs.) leicht,
schnell: er ist g. beleidigt; im Sommer wird die Milch
g. sauer.
Gernegroß, der. -. -e (ugs. scherzh.): jmd.. der mehr gelten
möchte, als er ist: Angeber: ein kleiner G.; Gerneklug,
der; -. -e (ugs. scherzh.): jmd.. der als klug angesehen werden
möchte.
Geröchel [ga'rca;}]. das; -s: [dauerndes] Röcheln: das G.
der Sterbenden.
gerochen [ga'roxn]: 1.1 riechen. 2. t rächen.
Geroderma [gerdderma]. das; -s. -ta [zu griech. gerön =
Greisu. derma = Haut] (Med.): svw. T Altershaut;
Gerohygiene, die: - [zu griech. gerön = Greis u. f Hygiene] (Med.):
Hygiene im Alter.
Geröll, das; -[e]s. -e <PI. selten), (auch:) Gerolle [ga'roeUa)],
das; -s, - < PI. selten) [zu trollen]: sich an Berghalden
u. in Bach- u. Flußbetten ablagernde, große Massen von
Steinen, lockeres Gestein: kalkiges G.; Eine
Klapperschlange ... verschwand zuckend im Geröll (Menzel. Herren
III); Der Anstieg im Geröll ist mühsam und kraftraubend
(Eidenschink. Fels 34).
Geröll- ^brocken, der: die Steine ... waren weder Bruch-
noch Ziegelsteine, sondern G. (Böll. Tagebuch 42): ^halde,
die: ^masse, die: einige Zuflüsse zum Bodensee .... die
nach der Schneeschmelze -n von mehreren Kubikmetern
Größe mitbringen (Kosmos 1. 1965. 10); -Schicht, die;
-schutt. der; -wüste, die.
Gerolle: ! Geröll.
geronnen [gd'renan]: T rinnen.
Geront[gen>nt],der, -en. -en [griech. gerön (Gen.: gerontos)
= Greis, eigtl. = der Geehrte]: Mitglied der Gerusia:
Gerontokratie [gerontokrati:], die; -. -n [...i.an; zu griech.
gerön (Gen.: gerontos) = Greis u. kratem = herrschen]
(Geschichte, Völkerk.): Herrschaftsform eines sozialen
Systems, bei der die Entscheidungsbefugnisse in den Händen
seiner älteren Mitglieder liegen: Gerontologe, der; -n, -n
[zu griech. gerön (Gen.: gerontos) = Greis u. T-loge]
(Med.): Forscher od. Arzt auf dem Gebiet der Gerontologie:
Gerontologie, die; - [T-logie]: svw. T Alternsforschung.
Geröstete [gd'r0:stoto. ga'roestoto] <Pl.; Dekl. f Abgeordnete)
(südd.. österr.): Bratkartoffeln: Rindfleisch mit Kohl und
-n.
Gerste ['gerstal. die; -. (Sorten:) -n [mhd. gerste. ahd.
1005
Gerstel
gersta. H. u.l: a) Getreideart mit kurzem Halm, langen
Grannen u. kantigen Körnern, deren Frucht vor allem zum
Brauen von Bier u. als Tierfutter verwendet wird; b) Frucht
der Gerste (a): Kaffee-Ersatz, der diesmal statt aus G.
aus getrockneten Erbsen bestand (Seghers. Transit 126);
Gerstel [gerstl], das; -s. -In] [1: nach der Ähnlichkeit mit
Gerstenkörnern]: 1. (österr.) a) Graupe; b) <o. PI.)
geriebener Nudelteig als Suppeneinlage. 2. <o. PI.) (südd..
österr. scherzh.) Geld: Johanna werde ... sein G. schon
zusammenhalten (Feuchtwanger. Erfolg 615); bis in ihr
höchstes Alter durften sie ihres -s genießen, während sich
andere plackten (Fussenegger. Haus 28); <Zus. zu 1:>
G$rstelsuppe, die.
Gersten- (Gerste): -bier, das; -brand, der <o. PI.) (Bot):
durch einen Brandpilz verursachter, schwarzer, krankhafter
Belag auf der Gerste; ^brot, das; ^feld, das; *mit einem
Auge ins G. [, mit dem anderen in den Kleeacker] schauen
(ugs.. scherzh.; stark schielen); -gnuipe, die <meist PI.):
Graupe aus einem enthülsten Gerstenkorn; ^griitze, die:
a) Grütze aus Gerstenkörnern; b) Brei, Gericht aus
Gerstengrütze (a); -haIm, der; -hartbrand, der: svw. T^brand;
-kaffee, der: Malzkaffee; -körn, das <PI. ...kömer) 1.
Frucht der Gerste. 2. mit einer gerstenkornähnlichen
Schwellung verbundene eitrige Entzündung einer Hautdrüse am
Lid; -malz, das: bes. zum Bierbrauen verwendetes, aus
Gerste gewonnenes Malz; -mehl, das; -saft, der (scherzh.):
Bier: Schon vor der Sendung begann er. sich mit G. die
Zunge zu lösen (Hörzu 41, 1974, 17); -schrot, der od.
das; -suppe, die; -zucker, der: Malzzucker.
Gerte [gerto]. die; -. -n [mhd. gerte. ahd. gerta = Rute.
Zweig. Stab; Meßrute, zu mhd.. ahd. gart = Stachel.
Treibstecken]: dünner, sehr biegsamer Stock: sich eine G.
schneiden; er schlug ihm mit der G. ins Gesicht; der
Dressurreiter mußte die G. (Peitsche) zu Hilfe nehmen; <Zus.:)
gertenschlank <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): sehr, auffallend
schlank: ein -es Mädchen; Schon diese Schilderung des
Generals von Greehahn-er war übrigens g, (Habe. Namen
200); gertig [gertu;! <Adj.; nicht adv.) (selten): biegsam,
federnd wie eine Gerte.
Geruch [ga'rux], der; -[e]s, Gerüche [gs'rY^a; 1: mhd. geruch.
zu: ruch = Duft; Ausdünstung; Dunst, Dampf, zu T
riechen; 2: volksetym. an ..riechen44 angeschlossen; eigtl. zu
tGerücht]: l.a) Ausdünstung, Ausströmung, die durch das
Geruchsorgan wahrgenommen wird; die Art, wie etwas
riecht: ein süßlicher, stechender G.; betrunken machender
G. von gegorenem Fallobst (Schnurre. Vater 104); der
G. nach frischgebackenem Kuchen, von angebrannter
Milch verbreitet sich, hängt in der Luft, durchzieht das
ganze Haus: die Mülltonnen verbreiten einen
unangenehmen G. (Gestank); G. in Duft zu verwandeln, ist das
Geheimnis der Parfümherstellung (Petra 10, 1966. 122);
b) <o. PI.) Fähigkeit zu riechen, Geruchssinn: der Hund
hat einen feinen G.; Ich weiß wohl, daß er blind ist.
aber er hat dann auch den G. verloren (H. Mann. Stadt
204). 2. <o. PI.) (geh.) allgemeine, weitverbreitete, meist
schlechte Meinung von jmdm.: er kam allmählich in den
G. (Ruf) der Geschichtsfeindlichkeit; die Franzi... geriet
nun auch wieder in den ihr zukommenden guten G. (Mo-
star. Unschuldig 120); unter einem infamen G. leiden;
♦im G. stehen (betrachtet, angesehen werden als .... im
Ruf stehen): er steht im G. eines Heiligen, radikalen
Kreisen anzugehören.
genjch-, Gerydi- (Geruch 1): ^los <Adj.; o. Steig.): keinen
Geruch ausströmend, ohne Geruch: Lachgas ist absolut g..
dazu: -losigkeit, die; -; -tilgend <Adj.; o. Steig.; nicht
adv.): schlechten Geruch beseitigend, desodorierend: ein -es
Mittel.
gerychs-,Geruchs- (Geruch 1): -belästigung,die: die
Mülldeponie ist eine starke G. für die Anwohner; -bindend <Adj.;
o. Steig.; nicht adv.): geruchtilgend, desodorierend;
-empfindlich <Adj.; nicht adv.): empfindlich gegen Geruch; -emp-
findung, die: a) Wahrnehmung eines bestimmten Geruchs;
derselbe Stoff kann je nach Konzentration verschiedene
-en hervorrufen; b) <o. PI.) Geruchssinn: meine G. ist
gestört; ^filter, der: FUter zur Beseitigung von Gerüchen;
^nerv, der; MHngan, das: das Organ, dessen Sinneszellen
Gerüche wahrnehmen, Riechorgan; -süm, der <o. PL):
Fähigkeit von Lebewesen, mit Hilfe bestimmter Organe
Gerüche wahrzunehmen: ^stoflf, der <meist PI.): meist dampf-
od. gasförmiger chemischer Stoff, auf den die Sinneszellen
des Geruchsorgans ansprechen; ^Störung, die: Störung des
Geruchssinnes; ^vermögen, das: svw. T^empfindung (b):
er hat ein ausgeprägtes G.; -Verschluß, der: mehrfach
gekrümmtes Rohr in Abwasserleitungen, das ständig mit
Wasser gefüllt ist u. dadurch das Ausströmen von Gerüchen
aus der Kanalisation verhindert: das Waschbecken hat einen
U-förmigen G.
Gerücht [gan^t], das; -[e)s. -e [aus dem Niederd. < mnie-
dend. gerüchte. urspr. = Gerufe. Geschrei; zu trufenj:
etwas, was allgemein gesagt, weitererzählt wird, ohne daß
bekannt ist, ob es auch wirklich zutrifft: ein hartnäckiges
G.; die verschiedensten, wildesten -e tauchten, kamen auf;
die -e verstärken sich, breiten sich aus. verstummen nicht,
gehen wie ein Lauffeuer durch die Stadt, finden sich
bestätigt, halten sich lange; etw. stellt sich als bloßes G. heraus;
es ging das G. unter ihnen, daß ... Felitzsch auf den
Richter eingewirkt habe (Kühn, Zeit 62); von jmdm. geht
dasG.. daß ...; ein G. aufbringen, ausstreuen, in die Welt,
in Umlauf setzen, bestätigen; -en zufolge soll er alles
gestanden haben; einem G. entgegentreten, aufsitzen, zum Opfer
fallen.
Gerichte-: -küche, die (ugs. abwertend): Ort, an dem viele
Gerüchte entstehen: diese Nachricht kommt aus der Bonner
G.; -macher, der (abwertend): jmd., der Gerüchte ausstreut:
die Männer die G.. sind bezahlte Handlanger einer
anonymen Obrigkeit (Jens. Mann 102). dazu: -macherei
[-maxa'r^j], die; -. -en (abwertend).
gerüchtweise <Adv.): als Gerücht: etw. g. vernehmen, hören;
etw. kommt jmdm. g. zu Ohren.
Genicke! [gd'rukjl. das; -s (ugs.. auch abwertend):
/dauerndes/ Ruckein; das G. der Straßenbahn.
Genire [g3ru:fo], das; -s (abwertend): dauerndes/ Rufen:
gerufen [ga'ru.fn]: trufen.
geruhen [garu^nl <sw. V.; hat) [mhd. geruochen, ahd. (gi)-
ruohhen = bedacht, besorgt sein; belieben! (geh..
veraltend, sonst iron.): sich gnädig herablassen, belieben, etw.
zu tun: seine Majestät haben geruht, den Botschafter zu
empfangen; Ja. glauben Sie denn. ... daß ich ... warten
werde, bis Sie geruhen, mich herauszulassen? (Fallada.
Herr 134).
geruhig <Adj.) [mhd. geruowecl (veraltet): svw. Truhig: ein
-es Leben führen: Aber hier machten es die Stechmücken
unmöglich, g. zu wandeln (Doderer. Wasserfälle 6).
geruhsam [garu.za'.ml <Adj.): ruhig u. behaglich: einen -en
Abend verbringen; g. frühstücken; jmdm. eine -e Nacht
wünschen; <Abl.:> Geruhsamkeit, die: -.
Gerumpel [garumpl].das; -s(auch abwertend): /dauerndes/
Rumpeln: das G. der über das Pflaster fahrenden schweren
Lastwagen: Gerumpel [garYmpl). das; -s [mhd. gerümpel
= Gepolter. Lärm; später = rumpelnd wackelnder,
zusammenbrechender Hausrat] (abwertend): alte,
unbrauchbar u. wertlos gewordene Gegenstände: altes, rostiges G.;
der Dachboden steht voller G., ist mit G. angefüllt; Ü
Man sollte solche Vorstellungen zusammen mit vielem
anderen alten G. des 19. Jahrhunderts endlich aus der
aktuellen Politik entfernen (Dönhoff, Ära 134).
Gerundium [gerondj[uml, das; -s. ...ien [...jan; spätlat. gerun-
dium. zu lat. gerundum, älter für: gerendum = was
ausgeführt werden muß. Gerundiv von: gerere = tragen,
ausfuhren, vollziehen] (Sprachw.): gebeugter Infinitiv des
lateinischen Verbs (z. B. lat. gerendi = des Vollziehens); gerundiv
[geron'di:f] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (Sprachw.): svw.
t gerundivisch; Gerundiv [-1. das; -s, -e [...va; spätlat. modus
gerundivus. zu: gerundium, t Gerundium! (Sprachw.):
Partizip des Passivs des Futurs, das die Notwendigkeit eines
Verhaltens ausdrückt (z. B. lat. laudandus = der zu
Lobende; jmd.. der gelobt werden muß); gerundivisch <Adj.; o.
Steig.; nicht adv.) (Sprachw.): das Gerundiv betreffend,
in der Art des Gerundivs; Gerundivum [gerun'di:vom], das;
-s, ...va (Sprachw. veraltet): svw. fGerundiv.
gerungen [garonanj: t ringen.
Gerusia [geru'zi:a]. Gerüste [geru'zi:]. die; - [griech, gerou-
sia]: Ältestenrat altgriechischer Staaten.
Gerüst [gd'rYst]. das; -[eis. -e [mhd. gerüste. ahd. gi(h)rusti,
urspr. = Zu-, Ausrüstung. Bereitung): (aus Stangen oder
Metallrohren, Brettern o.a. errichtete) Konstruktion bes.
für Bau-, Reparatur- u. Montagearbeiter}: ein tragfähiges
G.; -e aus Leichtmetall; ein G. aufbauen, aufschlagen;
auf das G. klettern; vom G. stürzen; Ü das logische G.
(die grundlegenden Gedanken) einer Lehre; das G. (der
1006
Gesang
Grundplan) eines Dramas; (Zus.:> Gerüstbau, der <o. PL):
das Errichten von [Baujgerüsten: Gerüstbauer, der; -s. -:
jmd.% der Baugerüste errichtet: Gerüsten [ga'rYsta], das;
-s (Schweiz.): der Aulbau eines Gerüstes: Geriister [ga'rYStB).
der; -s. - (österr.): svw. T Gerüstbauer.
Gerüttel [ga'rYtl], das; -s (gelegtl. abwertend): [dauerndes]
Rütteln: er schlief und spürte nichts von dem G. des
schlecht gefederten Wagens; gerüttelt [ga'rYtjt] in der
Fügung g. voll (veraltend; randvoll): der Sack, Saal ist g.
voll.
Gervais© taerve:). der; - [...'ve:(s)]( - [...'ve:s] [nach der
frz. Herstellerfirma bzw. deren Begründer Ch. Gervais
(1830-1892]: ein streiclifahiger Rahmkäse.
ges.Ges [ges], das; -. - (Musik): um einen halben Ton
erniedrigtes g. G (2).
Gesabber [ga'zabe],das; -s(abwertend): 1. [dauerndes] Sab-
bern (1). 2. (salopp) dummes, überflüssiges Geschwätz: sein
G. kann ich nicht mehr hören.
Gesäge [g3'ze:g3), das; -s (ugs. abwertend): [dauerndes!
Sägen: das G. auf dem Hof ist ja nicht zum Aushalten:
Ü sein G. (salopp; Schnarchen) hat mich längere Zeit wach
gehalten; gesigt <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (Biol.): (bes.
bei Laubblättern) einen einem Sägeblatt ähnlichen, gezähnten
Rand aufweisend.
Gesalbte [gazalpta], deru. die; -n, -n <Dekl.!Abgeordnete)
(Rel.. hist.): jmd.. der durch eine zeremonielle Salbung
geweiht od. gekrönt worden ist.
gesalzen[g3'zalt$n; 2: 2. Part, von t salzen, eigtl. = mit
Salz gewürzt, dann = sharf. kräftig]: 1. T salzen. 2. <Adj.;
nicht adv.) (salopp) a) (von Preisen. Rechnungen u.a.)
sehr hoch: eine -e Rechnung; b) derb (2a): ein -er Witz;
c) unfreundlich, grob: ein -er Brief; Gesalzene [ga'zalt^dna],
das; -n: Pökelfleisch.
gesammelt: 1. Tsammeln. 2. <Adj.; -er. -este) konzentriert.
gesamt [ga'zamt] <Adj.; o. Steig.; nur attr.) [mhd. ge-
sam(en)t. ahd. gisamanöt. 2. Part, zu mhd. samenen. ahd.
samanön = (ver)sammeln. vereinigen (vgl. sammeln)]: alle
Teile od, Bestandteile eines zusammen/längenden Ganzen
zusammengenommen, zusammengefaßt: ganz, vollständig:
die -e Bevölkerung; er hat sein -es Vermögen verloren;
der -e Bestand des griechischen Denkens; die
Kommunalwirtschaft hat ... eine erhebliche Bedeutung für die -e
Volkswirtschaft gewonnen (Fraenkel. Staat 163); der
Herrscher verfügt also über die -e exekutive, legislative und
richterliche Gewalt (Fraenkel. Staat 17); im -en (veraltend;
insgesamt, alles in allem) waren etwa 100 Personen
anwesend; Gesamt [-]. das; -s (selten): das Ganze, Gesamtheit:
Struktur ist... das G. der Relationen der Elemente
innerhalb eines Systems (Henne. Semantik 19).
gesamt-,Gesamt-: -ansieht, die (Ggs.: Teilansicht):
vollständige, alles unifassende Ansicht: das Bild ist eine G. des
Schlosses; -aspekt, der (Ggs.: Teilaspekt): Aspekt, der etw.
als Ganzes berücksichtigt: -aufläge, die (Druckw.):
Gesamtheit der Teilauflagen eines Buches: -ausgäbe, die (Druckw.):
Ausgabe, die alle Werke eines Dichters. Schriftstellers.
Komponisten od. Wissenschaftlers umfaßt: -betrag, der: Betrag,
der sich aus einzelnen Beträgen zusammensetzt (Ggs.:
Teilbetrag); -bild, das: Bild, das etw. im Ganzen zeigt:
Fliegeraufnahme mit dem G. von Franzensbad (Bieler.
Mädchenkrieg 279); Ü das G. einer Krankheit -darstelking, die:
vollständige, umfassende Darstellung: die G. eines
Problems; -deutsch <Adj.; o. Steig.; nur attr.): das ganze
Deutschland, beide Teile Deutschlands betreffend: die -e
Frage; (Sport:) eine -e Mannschaft, dazu: -deutschland,
das: das ganze Deutschland, beide Teile Deutschlands:
^eindruckt der: Eindruck, der sich aus einzelnen Eindrücken.
Beobachtungen ergibt: -einkommen, das; ^erbe, der:
Alleinerbe. Universalerbe: -ergebnis, das: Ergebnis, das aus
verschiedenen Einzel- od. Teilergebnissen errechnet wird
(Ggs.: Einzel-,Teilergebnis): im G. (in der Gesamtwertung)
ist die deutsche Mannschaft auf den zweiten Platz
gekommen; -ersdieinung, die; -ertrag, der (Ggs.: Teilertrag);
-fläche, die: Griechenland hat eine G. von etwa
132000 km2; -geselischaft, die (Soziol.): svw. ? Gesellschaft
(1), dazu: -gesellschaftlich <Adj.; o. Steig.; nur attr.): der
-€ Produktionsprozeß; -gewicht, das: das zulässige G.
(Kfz.-W.; Gewicht eines Fahrzeugs, das sich aus seinem
Leergewicht u. dem Gewicht der beförderten Last zusammen-
setzt): -hochschule, die: die integrierte G. (Hochschulw.;
organisatorische Zusammenfassung verschiedener
Universitäten u. Hochschulen mit dem Ziel, in den einzelnen
Studiengängen Austausch u. Wechsel zu ermöglichen u. dadurch
dem Studenten eine individuelle Ausbildung zu ermöglichen):
-Interesse, das: gemeinsames Interesse eines Volkes ixl.
einer [Bevölkerungsjgruppe (Ggs.: Einzel-, Teilinteresse):
-kapital, das: dieses Unternehmen verfügt über ein G.
von 10 Millionen DM; -katalog,der: svw. TZentralkatalog;
-kunstwerk, das: I. Vereinigung von Dichtung. Musik.
Tanz- u. bildender Kunst in der Oper: Richard Wagner
entwickelte die Idee des -s. 2. Vereinigung beliebiger
künstlerischer Mittel: druckgraphische -e; -läge, die: allgemeine
Lage: die politische und militärische G.; -note, die: Note,
die sich aus einzelnen Bewertungen ergibt: -Produktion,
die; -schaden, der: der bei dem Autounfall entstandene
G. belief sich auf etwa 7000 DM; -schau, die:
Zusammenfassung, vergleichende Übersicht. Synopse: -Schuldner <P1.)
(jur.): mehrere Schuldner, die einem Gläubiger gegenüber
zusammen zu einer Leistung verpflichtet sind: -schule, die:
Schulform, bei der Haupt- u. Realschule sowie Gymnasium
eine organisatorische Einheit bilden: die integrierte G.
(Schultyp, in dem das dreigliedrige Schulsystem zu einer
organisatorischen Einheit mit unterschiedlichen
Leistungskursen zusammengefaßt ist): -sieg, der (Sport): Sieg in
einem Wettkampf, der aus mehreren Konkurrenzen besteht
od. mehrere Disziplinen umfaßt: dazu: -Sieger, der; -starke,
die: die G. eines Heeres; -strafe, die (jur.): Strafmaß,
das sich aus den einzelnen Strafen für verschiedene Straftaten
ergibt: er wird zu einer G. von sechs Jahren Gefängnis
verurteilt; -summe, die: svw. T -betrag: die G. der
Steuerbeträge; -umsatz, der; -Unterricht, der (Schulw.): Form des
Unterrichts, bei der die herkömmliche Aufteilung der
Unterrichtsfacher durch größere Sachzusammenhänge ergänzt
bzw\ ersetzt wird: -verband, der (Wirtsch.): Verband, in
dem mehrere gleichartige Verbände zusammengeschlossen
sind.G. der Versicherungswirtschaft, des Deutschen Groß-
und Außenhandels; -volumen, das (Wirtsch.): gesamter
Umfang das G. des Agrarhaushalts 1975; -werk, das:
das gesamte Schaffen eines Künstlers: das musikalische
G. Beethovens; -wert, der: die Diebe stahlen Schmuck
im G. von über 30000 DM; -Wirkung, die: vgl. -eindruck;
-Wirtschaft, die: die gesamte Wirtschaft eines Landes: Eine
Vollbeschäftigungspolitik erfordert eine intensive
Beobachtung und „Lenkung" der G. (Fraenkel. Staat 379).
dazu: -wirtschaftlich <Adj.; o. Steig.; nicht präd.): die
Gesamtwirtschaft betreffend: das -e Wachstum; diese
Maßnahme ist g. nicht vertretbar: -zahl, die: Zahl, die alles
umfaßt, endgültige Zahl: die G. der Einwohner Baden-
Württembergs; -Zusammenhang, der.
ges^mthaft (Schweiz., auch westösterr.): 1. <Adj.; o. Steig.;
nur attr.) gesamt: der -e Einsatz. 2. <Adv.) insgesamt:
g. waren es 30 Teilnehmer; dieses g. wohlabgewogene
Scheidungsurteil; Gesamtheit, die; -: 1. alle Personen.
Dinge. Vorgänge. Erscheinungen, die auf Grund von bestimmten
übereinstimmenden Eigenschaften. Merkmalen.
Bedingungen u.a. zusammengehören, alle ... zusammen: die G. der
Arbeiter; die G. der Kenntnisse auf dem Gebiet der
Nuklearmedizin; in seiner usw. G. (insgesamt): die
Abgeordneten vertreten das Volk in seiner G. 2. svw. f Allgemeinheit
(I): etwas zum Wohle der G. tun.
gesandt [ga'zant]: t senden; Gesandte [ga'zanta]. der: -n. -n
<Dekl. t Abgeordnete) [gek. aus spätmhd. gesanter pote
= abgesandter Bote): bei einem Staat akkreditierter
[ständiger] diplomatischer Vertreter eines anderen Staates, der
im Rang unter dem Botschafter steht: der deutsche G.;
der päpstliche G. (Nuntius): <Zus.:> Gesandtenposten, der:
Amt. Stelle eines Gesandten: Gesandtin, die; -, -nen: w.
Form zu tGesandte; Gesandtschaft, die; -, -en: I. von einem
Gesandten geleitete diplomatische Vertretung eines Staates
im Ausland. 2. Gebäude, in dem eine Gesandtschaff (1)
untergebracht ist: eine prunkvolle Gesandtschaft; <Zus.:>
Gesandtschaftsgebäude, das; Gespndtschaftsrat, der <P1.
...rate): erster Mitarbeiter eines Gesandten.
Gesang [ga'zanl. der; -[e]s, Gesänge [ga'zeoa; mhd. gesanc.
ahd. gisang, zu tSang]: 1. <o. PI.) a) das Singen des
Menschen: lauter, ausdrucksvoller, gemeinsamer G.; der G.
schwillt an; jmds. G. [auf der Mandoline] begleiten; sie
zogen mit/(veraltend:) unter G. durch die Straßen; sie
will G. (Singen als künstlerisches Unterrichtsfach)
studieren; Ü (dichter.:) der G. des Windes; Aber statt ... mit
Krachen erging sich der nachfolgende Donner in einem
1007
gesang-, Gesang -
gewaltigenG. (Döblin. Märchen 39); b) klingende od.
rhythmische Lautäu/Jerungen bestimmter Tiere: derG. der Vögel.
Zikaden. 2. das Gesungene in seiner charakteristischen
Form. etw. zum Singen Bestimmtes. Lied: die Gesänge
afrikanischer Neger; geistliche, weltliche Gesänge
(Lieder): Sie (= die Kalifen in Spanien) hinterließen ... den
langen arabischen G., den man zuweilen... in einer Schenke
der Altstadt hört (Koeppen, Rußland 9); Gregorianischer
Gesan&ieinstimmiger. rhythmisch freier, unbegleiteter
liturgischer Gesang der kath. Kirche: benannt nach Papst
Gregor I.. um 540-604). 3. a) <o. PI.) (dichter, veraltet) das
Dichten. Dichtkunst: b) (Literaturw.) Abschnitt einer
Versdichtung; Unterteilung des Epos: der letzte G. von Homers
„Ilias".
gesang-, Gesang- (südd.. öslerr. auch: Gesangs-; vgl. auch:
Gesangs-): ^artig <Adj.; o. Steig.): einem Gesang ätinlich;
-buch, das: / zum Gebrauch im Gottesdienst bestimmtes]
Buch, in dem eine Sammlung von Kirchenliedern u.
geistlichen Gesängen enthalten ist; *das falsche G. haben (ugs.
scherzh.: 1. zu einer Religionsgemeinscliaft gehören, die
bestimmten Vorgesetzten. Institutionen oder Behörden nicht
genehm ist u. was sich nachteilig auf den Beruf auswirkt.
2. politische Ansichten vertreten, die. weil sie mit den gerade
vorherrschemlen politischen Parteien. Verhältnissen nicht
übereinstifwnen. ein Hindernis sind für das berufliche
Fortkommen), dazu: -buchvers, der: Vers eines im Gesangbuch
enthaltenen Kirchenliedes; -lehrer, der: jmd.. der
Gesangunterricht erteilt (Berufsbez.); -lehrerin, die: w. Form zu
Nlehrer; -schule, die: Lehrmethode. Richtung des
Gesangunterrichts: dieser Tenor kommt aus der italienischen
G.; -stück, das: Komposition für eine od. mehrere
Singstimmen; Lied; ^stunde, die: Unterrichtsstunde in künstlerischem
Singen: sie nimmt, bekommt -n; -Unterricht der:
Unterricht zur Ausbildung von Opern-. Konzert- u. Liedersängern
u. -Sängerinnen; -verein, der: Verein, in dem der
volkstümliche Chorgesang gepflegt wird; "mein lieber Herr G.!
(salopp; Ausruf der Bewunderung, der Überraschung, der
Enttäuschung): mein lieber Herr G. (ach. du meine Güte).
spielen die heute einen Mist zusammen.
gesanglich <Adj.; o. Steig.): 1. (nicht präd.) den Gesang
betreffend, mit Gesang verbunden: eine -e Aufführung; über
jmds. -e Fähigkeiten streiten. 2. in einer für den Gesang
typischen, die Töne gut bindenden Art. durch melodischen
Fluß gekennzeichnet: sie spielten sehr g.
Gesangs- (vgl. auch: gesang-. Gesang-): -kunst, die:
künstlerische Ausübung des Gesangs; -lehrer, der: t Gesanglehrer;
-lehrerin, die: t Gesanglehrerin; -Pädagoge, der: svw. T
Gesanglehrer; -Pädagogik, die: svw. tGesangunterricht;
-pädagogin, die: svw. t Gesanglehrerin; -schule, die: t
Gesangschule; -sollst, der: als Solist eingesetzter Sänger (in
Gegenüberstellung zu Orchester. Chor u. äj: Das farbige
Ensemble aus Fidein und Zupfinstrumenten .... dazu vier -en.
musizierte lebendig (Welt 1. 12. 62. 8); -Solistin, die: w.
Form zu f-solist; -stück, das: tGesangstück; -stunde,
die: TGesangstunde: ... daß die G. bei Fräulein Kaiman
ausfiele (Bieter. Mädchenkrieg 277); -text, der: mit den
•ender Messe (Bild. Kunst 3.65); -Unterricht, der:
tGesangunterricht.
Gesäß [gdze:s|. das; -es. -e [mhd. gesa&3e. ahd. gisäsi =
Sitz; Wohnsitz; Lager; Belagerung; Lage; Hintern, eigtl.
= das. worauf man sitzt; Ort, an dem man sich aufhält]:
Teil des Körpers, auf dem man sitzt: ein üppiges, nacktes
G.; nur mit entspanntem G. ... füllen Sie seine (= des
Sattels) Mulde zur Gänze aus (Dwinger, Erde 62).
Gesäß-: -backe, die <meist PI.): rundliche Hälfte des
Gesäßes: die -n zusammenkneifen; -falte, die: die zwischen
Gesäß u. Oberschenkel in einem leichten Bogen verlaufende
Querfalte; -furche, die (Med.): svw. t-falte; ^krochen.
der: Sitzbein; -muskel, der (meist PL): die -n anspannen:
-spalte, die: senkrechte Spalte zwischen den Gesäßbacken;
-tasdie, die: Hosentasche über dem Gesäß; -weite, die:
über dem Gesäß gemessener Körperumfang.
gesittigt [gd'zEtigt]: 1. ! sättigen. 2. <AdJ.; o. Steig.: nicht
adv.> (Chemie) (von Lösungen u.a.) löslichen Stoff in
dem Maße enthaltend, als sich maximal darin auflösen läßt
(Ggs.: ungesättigt): -e Fettsäuren.
Gesätz [ga'zEts]. das; -es. -e [identisch mit f Gesetz]
(Literaturw.): Strophe im Meistergesang; Gesätzlein [gd'zetslain],
das; -s. - (südd.): Abschnitt. Strophe. Vers: er sagte sein
G. herunter.
Gesaufe [gd'zaufal. das; -s (ugs. abwertend): / dauerndesj
Saufen. Sauferei.
Gesäuge [ga'zgygal. das: -s (Jägerspr.): Milchdrüsen des
Haarwildes u. des Hundes: im Liegen ist nicht zu entdecken,
welche Weibchen Milch im G. haben (Grzimek. Serengeti
84).
Gesause [ga'zauza], das; -s: / dauerndes] Sausen.
Gesäusel [gazgyzlj. das: -s: [dauerndes] Säuseln; das G.
des Windes.
Geschabsei [ga'Ja:ps|J, das; -s: das Abgeschabte: abgeschabte
kleine Teile.
Geschacher [gs'Jaxe], das; -s (ugs. abwertend): / dauerndes]
Schachern: ein läppisches G. um Kleinigkeiten.
Geschädigte [g3'Je:du;t3], deru. die; -n, -n <Dekl. f
Abgeordnete): l.jmd.. der geschädigt, dem Schaden zugefugt worden
ist. 2. (Schweiz, jur.): Verletzte]r/.
geschaffen[ga'Jafn]:Tschaffen;geschafft[gdjaft]: tschaffen:
Geschäft [ga'Jeft]'. das; -[eis. -e [mhd. gescheft(e) =
Beschäftigung. Arbeit, Angelegenheit; Anordnung. Befehl:
Testament; Abmachung. Vertrag; zu! schaffen]: 1. a) auf Gewinn
abzielende [kaufmännische] Unternehmung,
[kaufmännische] Transaktion; Handel: die -e gehen gut. stocken; das
ist ein solides, einträgliches, gewagtes, unsauberes G.; das
G. kommt zustande, ist perfekt; mit jmdm. ein G.
abschließen; mit jmdm. -e machen; dunkle -e treiben, abwickeln,
tätigen; aus einem G. aussteigen (ugs.; sich nicht mehr
daran beteiligen): Ich singe, solange mich das Publikum
hören will... Es ist Unsinn, wenn man sagt, ich sei längst
nicht mehr im G. (Hörzu 6, 1976, 10); in ein G. einsteigen
(ugs.; sich daran beteiligen): in -en (geschäftlich) reisen,
unterwegs sein; mit jmdm. ins G. kommen (jmdn. als
Geschäftspartner gewinnen); R G. ist G. (wenn es um Geld
geht, kann man auf Gefühle o. ä. keine Rücksicht nehmen);
*das G. mit der Angst (Verbreitung von Unsicherheit u.
Erzeugung von Angstgefühlen, um in dem so geschaffenen
geistigen Klima besser seine eigenen Ziele erreichen zu
können); b) <o. Pl.> die kaidtnännisehen Transaktionen;
Verkauf. Absatz: das G. belebt sich, blüht, ist rege; das G.
ankurbeln; c) <o. PI.) Gewinn aus einer kaufmännischen
Unternehmung j. Profit: diese Unternehmung war für uns
[klein G. ([klein finanzieller Erfolg); ein G. wittern; sie
macht dabei ein G. von zehn Prozent; er hat mit dem
Garagengrundstück ein glänzendes G. gemacht (sehr viel
daran verdient).• Udasie( = Hilfstruppen) bei diesem
schweren Beruf ihr Leben einzusetzen hatten, machten sie ein
schlechtesG., wenn sie ihr Gehalt erst im Himmel erhielten
(Thieß. Dämonen 600). 2.a) gewerbliches od.
kaufmännisches Unternehmen. Handelsunternehmen. Firma: ein
altrenommiertes G.; ein G. führen, leiten; als Teilhaber in
ein G. einsteigen (ugs.; sich an einem Unternehmen
beteiligen): morgen gehe ich nicht ins G. (ugs.; zum Arbeiten
in die Firma, ins Büro): b) Räume. Räumlicltkeiten. in denen
ein Handelsunternehmen, ein gewerbliches Unternehmen
Waren ausstellt u. zum Verkauf anbietet; Laden: wir müssen
warten, bis die -e öffnen, (ugs.:) aufmachen; die -e schließen
um 18*° Uhr. sind bereits geschlossen; ein teures G. (ein
G.% in dem man teure Waren bekommt, in dem hohe Preise
verlangt werden); sie steht von morgens bis abends im
G. (verkauft von morgens bis abends). 3. Aufgabe;
Angelegenheit, die zu erledigen ist: ein nützliches, undankbares
G.; die schmutzigen -e einer Diebesbande; dem
Polizeiminister fällt das peinliche G. zu. diese Proskriptionsliste
zusammenzustellen (St. Zweig. Fouche 211); er besorgt die
-e (Funktionen) eines Schließers; er versteht sein G. (er
ist tüchtig in seinem Beruf); *sein [großes od. kleines] G.
erledigen verrichten machen (ugs. verhüll.; seine Notdurft
verrichten): das Kind verrichtet auf dem Töpfchen sitzend
still sein großes G. (entleert den Darm); er (verspürte)
ein heftiges Verlangen, ein kleines G. zu verrichten (Wasser
zu lassen; Kirst. 08/15. 75); Da waren auch ... Ruhrkranke,
die ihre -e an Ort und Stelle erledigten (Plievier. Stalingrad
313); Geschäftchen [gdjeft^dn] in den Wendungen sein
G. erledigen/machen verrichten (fam. verhüll.; seine
Notdurft verrichten).
geschürte-, Geschäfte-: -halber [...halbe] <Adv.>: um der
Geschäfte da) willen, um Gescliäfte abzuwickeln: er ist
g. nach Rom geflogen; -macher, der (abwertend): jmd..
der um des Gewinnes willen aus allem ein Geschäft (1 a)
zu machen sucht: er ist ein übler G.; Heute ist Dali halb
gehssenerG.. halb verspielter Blagueur (K. Mann. Wende-
1008
geschäfts-, Geschäfts-
punkt 210). dazu: -macherei [...maxaraj], die (abwertend):
hinter seiner angeblichen Hilfsbereitschaft steckt nur üble
G.
geschäftig [gd'Jeftu;] <Adj.) [mhd. (md.) gescheftig]:
unentwegt tätig, sich (mit viel Aufwand an Bewegung)
unausgesetzt mit etw. beschäftigend: in den Kaufhäusern herrschte
-es Treiben; er schleppt bienenhaft mit unzähligen winzigen
Maschen, einem -en Hin und Her. tausend und tausend
Beobachtungen zusammen (St. Zweig. Fouche 132); er
tat sehrg.; -e (beflissene) Kellner nehmen die Bestellungen
auf. dazu: Geschäftigkeit, die; -: das Geschäftigsein,
geschäftiges Wesen: mit hektischer G.; die Welt verwandelte sich
in ihren Erzählungen in einen Ameisenbetrieb von
Leerheit, dünner Geilheit, vollkommen unsinniger G.
(Feudi twanger. Erfolg 283); Geschaftlhuber ltp'Jaftlhu:be],
Gschaftlhuber[kJa...],der;-s.-[ausGeschaftl =
Geschäftchen u. dem in Süddeutschland u. österr. häufigen Fami-
lienn. Huber] (bes. südd., österr. abwertend): jmd., der
fast unangenehm betriebsam ist u. immer entsprechende
Betätigungen sucht, die er dann besonders wichtig nimmt, dazu:
Geschaftlhubern [gajaftlhuito'raj]. Gschaftlhuberei
[kja...]. die; -: übertriebene Betriebsamkeit. Geschäftigkeit:
er war leidend, der großkopfige Klenk. seine wütige
übermäßige G. ... rächte sich (Feuchtwanger. Erfolg 384);
geschäftlieh [gd'jeftlK;] <Adj.; o. Steig.): a) die Geschäfte (1.
2) betreffend (Ggs.: privat): -e Interessen; eine -e
Verabredung; den -en Teil einer Unterredung abschließen; Der
junge Mann ist g. so tüchtig (Brecht. Mensch 126); er
ist g. verhindert, nach London unterwegs; <subst.:> das
Geschäftliche erledigen wir später; b) unpersönlich, formell:
etwas in -em Ton sagen; nach dieser Unterbrechung wurde
er wieder g.; er Ist manchmal zu g.
gesdipts-, Geschäfts-: -ablauf, der: Ablauf der Geschäfte
(1 a): der geordnete G. muß gewahrt bleiben; -abschluß,
der: Abschluß eines Geschäftes (1 a). geschäftliche
Vereinbarung: einen G. tätigen; -anteil, der: finanzieller Anteil an
einem Geschäft (2a). dazu: -anteilschein, der; -aufgäbe.
die: Auflösung eines Geschäfts (2a): wegen G. stark
reduzierte Preise; -auflösung, die: svw. t-aufgäbe: -aufsieht
die <o. PI.) (jur.): früher übliche Zwangsverwaltung, durch
die der Konkurs von einem Unternehmen abgewendet werden
sollte: eine Firma unter G. stellen; -auslage. die: svw.
T Auslage (1); -auto. das: svw. t-wagen; -bedingungen
<PI.>: für den Abschluß eines Geschäfts (la) bindender, im
voraus festgelegter Inhalt typischer Verträge: die
allgemeinen G.; die G. beachten; -beginn, der (Ggs.: ^Schluß);
-bereich, der: Amtsbereich, Ressort: Minister ohne G.
(Portefeuille): -beridit, der: zum Jahresabschluß
gehörender schriftlicher Bericht über den Verlauf eines
Geschäftsjahrs: -besitzer. der: svw. t Inhaber; -betrieb, der: 1.
svw. T Geschäft (2 a). 2. <o. PI. > die Gesamtheit der
geschäftlichen (a) Aktivitäten: ein reger G.; -beziehung, die (meist
Pl.>: geschäftliche (a) Beziehung: in -en mit jmdm. stehen;
abrief, der: geschäftlicher (a) Brief eines Unternehmens;
-buch, das <meist Pl.>: Buch, in das ein Kaufmann seine
Geschäfte (la) u. den Stand seines Vermögens einzutragen
verpflichtet ist: Einsicht in die Geschäftsbücher nehmen;
-eröflhung, die: die G. ist am Montag um 9 Uhr; -fähig
<Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (jur.): fähig, Rechtsgeschäfte
selbständig u. verbindlich zu erledigen: dispositionsfähig
(Ggs.: -unfähig): Minderjährige im Jugendalter sind nur
beschränkt g.; Ü nicht [mehr] g. sein (ugs. scherzh.; durch
Trunkenheit o.a. stark benommen sein), dazu: -fähigkeit,
die <o. PI.) (Ggs.: ^Unfähigkeit); -frau, die: Frau, die
beruflich Kaufu. Verkauf betreibt: Geschäftsiniiaberin: eine
erfahrene, tüchtige G.; -freund, der: jmd., mit dem man
enge geschäftliche (a), aber auch gewisse private Beziehungen
hat, pflegt: einen G. zum Abendessen einladen; -führend
<Adj.; o. Steig.; nur attr.): a) zur Geschäftsführung
berechtigt, leitend: der -e Angestellte; b) verantwortlich: amtierend:
der -e Vorsitzende der Schriftstellervereinigung; die -e
Regierung (zurückgetretene Regierung, die die
Regierungsgeschäfte wahrnimmt, bis eine neue Regierung eingesetzt ist);
^fiihrer, der: I. Angestellter, der ein Unternehmen
verantwortlich leitet: der Kunde beschwerte sich direkt beim
G. 2. jmd., der damit beauftragt ist. fürjmdn.. einen Verein
od. eine Organisation die rechtsgeschäftlichen Interessen
wahrzunehmen: er hatte sich als G. des Nationalvereins
große Verdienste erworben; parlamentarischere (Politik;
Angehöriger einer parlamentarischen Fraktion, der für die
organisatorischen u. taktischen Probleme seiner Fraktion
zuständig ist): ^fiihning, die <o. Pl.>: I.Leitung eines
Unternehmens: mit der G. beauftragt werden. 2. die leitenden
Angestellten eines Unternehmens: sich an die G. wenden;
-gang, der <o. PI.>: 1. Gang der Geschäfte (1 a): die Kaufleu-
te beklagen sich über einen schlechten, schleppenden G.
2. Dienstweg: Es ist ... eine der dringlichsten Aufgaben
des Oberbeamtentums, den amtlichen G. den Bedürfnissen
der Allgemeinheit ... anzupassen (Fraenkel. Staat 38). 3.
geschäftliche Besorgutig: einen G. machen müssen,
erledigen; -gebaren, das: Vorgehen beim Abwickeln von
Geschäften (1 b): ein solides, reelles G.; -gebarung. die (österr.):
svw. f - fuhrung (1); -geheimnis, das: svw. f
Betriebsgeheimnis; -geist. der <o. PL): Sinn, Aufgeschlossenheit für
geschäftliche (a) Unternehmungen: -gründung. die: Gründum
eines Geschäftes (2 a); -haus, das: 1. Handelshaus, Firma.
2, Haus, dessen Räume für gewerbliche Zwecke genutzt
werden: Wohn- und Geschäftshäuser; ^herr, der (Schweiz.):
vgl. Miiann; -Inhaber, der: Inhaber eines Geschäfts (2a);
-inhaberin. die: w. Form zu Kinhaber; -interesse. das
<meist Pl.>: die geschäftlichen (a) Belange: dasG. ist
vorrangig; die -n wahrnehmen; -Jahr, das: Zeitraum, an dessen
Ende eine Jahresbilanz aufgestellt wird: Wirtschaftsjahr,
Rechnungsjahr: das abgelaufene G.; imG. 1978; -Jubiläum,
das: festlicher Jahrestag einer Geschäftsgründung nach einer
bestimmten Anzahl von Jafiren: das 75jährige G. feiern;
-kapital, das: zum Betrieb eines Geschäftes (2 a)
erforderliches Kapital; -karte, die: Visitenkarte mit Namen u.
Adresse der Firma; -kette, die: svw. T Ladenkette; ^korre-
spondenz. die; -kosten <P1.) in der Fügung auf G. (zu
Lasten des Unternehmens, der Firma): auf G. reisen; der
Wagen geht auf G.; -kreise <P1.>: aus -n verlautet ...;
in -n wird die Wirtschaftslage negativ beurteilt; -künde.
der: svw. f'Kunde (1); -kundig <Adj.; nicht adv.>: in
geschäftlichen (a) Dingen erfahren; -läge, die: 1.
wirtschaftliche Situation: die G. dieses Unternehmens hat sich
gebessert. 2. Lage eines Geschäfts (2 b): ein Haus in günstiger
G.; -leben, das: sich aus dem G. zurückziehen; im G.
stehen; -leitung, die: svw. t^fiihrung (2); -leute PI. von
tMTiann; -liste, die (Schweiz.): svw. tTagesordnung;
-mann, der <PI. ...leute. selten: ...männer) [LÜ von frz.
homme d'aflaires]: jmd., der Geschäfte (la) tätigt, der ein
Geschäft (2a) führt: ein versierter, seriöser G.; Ich bin
kein Held, ich bin G. (Kirst. 08/15. 847); -maßig <Adj.;
o. Steig.): a) im Rahmen des Geschäftlichen bleibend,
sachlich, objektiv: eine -e Unterredung; b) unpersönlich, kühl:
er hielt die Ansprache in -em Ton; -methode, die <meist
PL): unsaubere -n; -Ordnung, die: Gesamtheit der
Bestimmungen, die das Funktionieren eines Parlaments, einer
Behörde, einer Partei, eines Vereins u. ä. regeln: sich an die
G. halten; ein Antrag. Fragen zur G.; Abweichungen von
der G. müssen mit zwei Dritteln Mehrheit beschlossen
werden (Fraenkel. Staat 229). dazu: -Ordnungsbestimmung,
die. -Ordnungsvorschrift, die; -papier, das (meist PL): 1.
Schriftstück, das über ein Geschäft (la) Auskunft gibt.
2. (Post) aus Schriftstücken u. Urkunden bestehende
Postsendung zu ermäßigten Gebühren; -partner, der: jmd., der
an einem Geschäft (2 a) beteiligt ist: jmdn. als G. gewinnen;
-Politik, die: Gesamtheit der geschäftlichen (a) Aktivitäten
mit bestimmter Zielsetzung: eine verfehlte G.. dazu:
-politisch <Adj.; o. Steig.; nicht präd.); -raum. der <meist Pl.>:
gewerblich genutzter Raum: die Wohnungen werden in
Geschäftsräume umgewandelt; -reise, die: Reise in
geschäftlichen (a) Angelegenfieiten: eine G. machen; er ist
auf G.; -reklame, die; -rückgang, der: das Jahr 1974
brachte dem Unternehmen einen empfindlichen G.;
-schädigend <Adj.>: durch sein Verhalten einem Geschäft (2 a)
Schaden zufügend, dazu: -Schädigung, die; -Schluß, der:
Laden-, Büro-, Dienstschluß (Ggs.: ^beginn): ein früher
G.; nach G. ist in diesem Haus niemand mehr zu erreichen;
-sinn, der <o. PI.): vgl. -geist: er hat einen ausgeprägten
G.; ^sitz, der: Ort, an dem sich ein Geschäft (2a) befindet;
^-stelle, die: a) Stelle, Büro einer Institution, wo die laufenden
Geschäfte (la) erledigt u. die Kunden bedient werden: die
G. des ADAC in München; b) (jur.) bei Gericht
eingerichtete Stelle, durch die Beurkundungen, Ausfertigungen von
Urteilen, Zustellungen u. ä. erledigt werden; -Straße, die:
Straße, in der sich besonders viele Geschäfte (2 b) bejinden:
Das Original (= eines Plakats oder einer Bildserie) wurde
täglich ... auf dem Kusnjetzki Most, einer bekannten G.
64 GDW
1009
geschah
Moskaus, ausgehängt (Leonhard. Revolution 97);
-stunden <P1.>: svw. t^zeit: etwas außerhalb der G. erledigen;
-tfitigkeit, die: geschäftliche (a) Tätigkeit: eine rege G.;
-träger, der [für frz. Charge d'affalres]: dem niedrigsten
Rang angehörender diplomatischer Vertreter eines Staates
im Ausland: der ständige G. Griechenlands; -tüchtig
<Adj.>: a) kaufmännisch geschickt: -e Wirtsleute; seine Frau
ist sehr g.; b) (abwertend) äußerst findig, mit nicht ganz
einwandfreien Methoden aus bestimmten Umständen
gewinnbringende Vorteile herauszuschlagen: Denn von nun
an war ich in den Augen einer ..literarischen Welt*' ...
der naseweise Sohn eines berühmten Vaters, der sich nicht
entblödet, den Vorteil seiner Geburt g. und reklamesüchtig
auszunützen (K. Mann. Wendepunkt 134), dazu: -tüditig-
keit, die; -Übergabe, die: Übergabe eines bestehenden
Geschäfts (2 a) an einen Käufer od. Erben: wegen G.
geschlossen; -Übernahme, die: Übernahme eines bestehenden
Geschäfts (2 a) durch einen Käufer <xi. Erben: -unfähig <Adj.;
o. Steig.; nicht adv.> (Jur.): (wegen Minderjährigkeit od.
Geistesgestörtheit) nicht fähig, Rechtsgeschäfte selbständig
u. verbindlich durchzufuhren (Ggs.: -fähig), dazu:
-Unfähigkeit, die (Ggs.: -fähigkeit); -Verbindung, die: geschäftliche
(a) Verbindung: -en [mit jmdm.] aufnehmen; in G. mit
einer Firma stehen; -verkehr, der: 1. Gesamtheit der
geschäftlichen (a) Wechselbeziehungen. 2. (selten) svw. T
Berufsverkehr: der abendliche G.; -viertel, das: Stadtteil,
in dem sich besonders viele Geschäfte (2 b) befinden.
Geschäfts-. Einkaufszentrum: -Vorfall, der <meist PI.) (Kauf-
mannsspr.): Geschäft (la), Gescliüftsabschlufi: -Vorgang,
der: in ein Gescliäftsbuch eingetragenes Geschäft (la);
-wagen, der: von einer Firma gehaltener, gewerblichen Zwecken
dienender Wagen. Firmenwagen: -wwelt, die <o. PI.): 1.
Gesamtheit der Geschäftsleute: die G. begrüßte diese
wirtschaftspolitische Maßnahme. 2, Gesclxäftsleben: -wert, der:
svw. T Firmenwert; -zeichen, das: svw. T Firmenzeichen;
-zeit, die: Zeit, in der die Geschäfte (2 b) geöffnet sind.
Öffnungszeit: etwas während, außerhalb der G. erledigen;
-Zentrum, das: svw. T ^viertel; ^zitroner, das: Zimmer, in
dem Verwaltungsarbeiten getätigt werden: Büro: -zweig,
der: Wirtschaftszweig. Branche.
geschah [ga'Ja:]: t geschehen.
Geschäker [gd'fcta], das; -s (gelegtl. abwertend):
[dauerndes] Schäkern: ein innig leises, vertrauliches kleines G.
(K. Mann. Wendepunkt 158).
geschämig [ga'Ja:mi$], geschämig [ga'Je:mi<;], (auch:) gscha-
mig ['kjamifl. gschämig ['kjermu;] <AdJ.) zu gleichbed.
mhd. schemec, schamec. ahd. scamig, zu tScham] (bayr..
österr.): verschämt, schüchtern, schamhaft.
Gescharre [ga'Jara], das; -s (abwertend): [dauerndes]
Scharren.
geschaßt: tschassen.
Geschaukel [gd'Jqpk.Ü. das; -s (gelegtl. abwertend):
[dauerndes] Schaukeln: das G. der Straßenbahn.
gescheckt [ga'Jekt] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [mhd. ge-
schecket. 2. Part, von: schecken = scheckig, bunt machen,
zu: schecke = gescheckt, t Schecke]: scheckig, gefleckt:
eine -e Kuh; die -e Rinde der Platanen; g. mit braunen
Kringeln; Ü weit hinter diesem narrenhaft -en Gespräch
erinnerte ihn sein Gewissen an die erste Unterhaltung
(Musil. Mann 778).
geschehen [gd'Je:an] <st. V.; ist) [mhd. geschehen, ahd. giske-
han, zu: skehan = eilen, rennen, schnell fortgehen]: 1.
a) (von etw. Auffallendem, Bemerkenswertem) in eine
bestimmte Situation eintreten, eine entsprechende Zeitspanne
durchlaufen u. zum Abschluß kommen: sich ereignen,
zutragen, sich abspielen, vorgehen, passieren: ein Unglück, etwas
Unvorhergesehenes, ein Wunder ist geschehen; es geschah,
daß ...; so tun. als wäre nichts geschehen; sie dachte,
es würde wunder was g. (ugs.; es würde sich etw.
Einschneidendes ereignen)', wenn du nicht aufpaßt, wird noch etwas
g. (ugs.; wird noch etw. Unangenehmes, Schlimmes
passieren); so geschehen (veraltet, noch iron.; so hat es sich
ereignet) am 12. Juni 1866; geschehen ist geschehen (was
geschehen ist, läßt sich nicht mehr rückgängig machen):
<subst.:> das Geschehene geschehen sein lassen
(Vergangenes ruhen lassen): b) ausgeführt, getan, unternommen
werden: das Verbrechen, der Mord geschah aus Eifersucht;
es wird alles nach Wunsch, in größter Heimlichkeit g.;
in dieser Sache muß etwas g.!; was geschieht mit den
alten Zeitungen?; ..Danke schön!4' - ..Gern geschehen!"
(Höflichkeitsfloskel bei Erweisung von Gefälligkeiten); er
ließ es g. (duldete es, ließ es zu, unternahm nichts dagegen),
daß der Angeklagte schuldlos verurteilt wurde; Mein
ärztliches Handeln geschehe zum Heile der Kranken (Eid
des Hippokrates in: Sebastian. Krankenhaus 5); c)
widerfahren, zustoßen, passieren: jmdm. geschieht ein Unrecht,
Leid; bei dem Unfall ist ihm nichts [Ernstliches], kein
Schade geschehen; wenn du achtgibst, kann dir nichts
[Böses] g.; es wird ihnen nichts mehr geschehen (sie sind
außer Gefahr): das geschieht ihm ganz recht (er hat es
nicht besser verdient): Gleich im Anfang geschah dem
Professor das kleine Mißgeschick, daß ... (Fallada. Herr
89); da soll man gar nicht erst von Taufe reden, wenn
sie so ein kleines Kind zum Taufstein schleppen, das weiß
ja nicht, wie ihm geschieht, das Kind (Bobrowski. Mühle
16). 2. * es ist um jmdn.. etw. geschehen (1. jmd., etw.
ist verloren, [gesundheitlich, finanziell] ruiniert, hat keine
Chancen mehr: wenn dieser Skandal an die Öffentlichkeit
dringt, ist es um ihn. um seinen Ruf geschehen. 2. jmd.,
hat sich hoffnungslos verliebt: schon am ersten Abend,
kaum daß sie sich kennengelernt hatten, war es um beide
geschehen); Geschehen [-]. das; -s, - <P1. ungebr.) (geh.):
1. env.. was geschieht: besondere, auffallende Vorgänge,
Ereignisse:ein unerwartetes, dramatisches G.; das G.
überschlägt sich (die Ereignisse überstürzen sich): Nun werden
die Bilder und Augenzeugenberichte dieses unheilvollen
-s monatelang den Gesprächsstoff ... bilden (Dönhoff,
Ära 116). 2. die Vorfälle. Ereignisse in ihrem Ablauf: das
weltpolitische, sportliche G.; dem lebendigen G. auf der
Bühne mit Aufmerksamkeit folgen; -geschehen, das; -s:
Grundwort in Zus. mit einem substantivischen Best, in
der Bed. ..Hergang; etw., was im Hinblick auf das Best,
geschieht, abläuft'4, z. B. Vereinsgeschehen,
Unfallgeschehen. Tatgeschehen; ...ist das Arbeitsgeschehen ...
wissenschaftlich erfaßbar durch Einbeziehung der
Sozialwissenschaften (Mensch 9); Geschehnis [gd'Je:nis], das; -ses. -se
(geh.): Ereignis. Vorgang: die -se während der Revolution;
er rekonstruierte die -se dieses Tages aufs genaueste; über
ein G. berichten.
Gescheide [ga*Jajda). das; -s. - [eigtl. = das aus dem erlegten
Wild Auszuscheidende, zu !scheiden) (Jägerspr.): Magen
u. Gedärm des Jagdwildes.
Geschein [gs'Jain], das; -[eis. -e [zu Tscheinen] (Bot.):
Blütenstand der Weinrebe.
gescheit [ga'Jait] <Adj.; -er. -este) [mhd. geschlde, eigtl.
= (unter)scheidend. scharf (vom Verstand u. von den
Sinnen), zu: schlden = scheiden; deuten, auslegen;
entscheiden, t scheiden]: a) einen guten, praktischen Verstand
besitzend: ein gutes Urteilsvermögen erkennen lassend: klug,
intelligent: ein -es Mädchen; er hält sich für schrecklich
g.; g. antworten; er fing die Sache g. (geschickt) an; aus
seinen Aussagen werde ich nicht g. (seine Aussagen verstehe
ich nicht): b) kluge Gedanken enthaltend, von einem guten
Verstand zeugend: eine -e Äußerung; das Buch ist amüsant
und g.; c) (ugs.) vernünftig: sei doch g. und tu. was man
dir geraten hat!; es wäre -er, wenn wir gleich anfangen
würden; R du bist wohl nicht ganz/nicht recht g. (bei
Verstand, bei Trost)!: <subst.:> er hat den ganzen Tag
über nichts Gescheites (Sinnvolles) gemacht; <Abl. zu a:)
Gescheitheit, die; -: das Gescheitsein: Klugheit, Intelligenz:
Diese schillernde G.. dieses ganze flohhupfende Esprit-
gigerltum (Feuchtwanger. Erfolg 551).
Geschenk [gd'Jcnk]. das; -[eis, -e [mhd. geschenke. eigtl.
= Eingeschenktes; zu Tschenken = zu trinken geben]:
etw., was man jmdm. schenkt bzw. von jmdm. geschenkt
bekommt: Gabe: ein unerwartetes, großzügiges G.; das
ist ein G. [von] ihrer Mutter, für ihre Mutter; jmdm.
etw. als G. überreichen; er machte ihr den Ring zum
G.; jmdm. ein G. machen; ein G. aussuchen, kaufen,
erhalten, annehmen; -e verteilen; er überhäufte sie mit -en;
Sprkleine -e erhalten die Freundschaft (kleine
Aufmerksamkeiten bewirken, daß sich jmd. weiterhin in
entgegenkommender, freundschaftlicher Weise verhält): *etw. ist ein G. des
Himmels (erw., was man unerwartet erhält od. was bereits
vorhanden war u. was sich in einer bestimmten akuten
Situation als ein glücklicher Umstand erweist, wodurch einem
aus einer Schwierigkeit o.a. herausgeholfen werden kann):
Eile tat not. und das Dienstfahrrad war in diesem
Augenblick ein G. des Himmels (Kirst, Aufruhr 75).
gesch^nk-,Geschenk- (österr. auch: gesch^nks-, Geschenks-):
1010
geschickt
-artikel, der: erw.. was sich besonders zum Schenken
eignet, eigens zum Verschenken hergestellt wird: das
Kaufhaus hat eine Abteilung für G.; ^Packung, die: / hübschJ
aufgemachte Verpackung, in der eine Ware verkauft wird:
Kaffee, in hübscher G.; spaltet, das: -Papier, das:
dekoratives Papier zum Verpacken von Geschenken: eine
Bonbonniere in G. einwickein; -sendung, die (Amtsspr.):
G. - keine Handelsware (Aufschrift auf Geschenkpaketen
ins Ausland zur Bestätigung, daß der Inhalt des Pakets
keine Handelsware ist): er brachte die ostdeutschen
Vorschriften für den Inhalt von -en in Erfahrung (Johnson.
Ansichten 29); -weise <Adv.> (Papierdt.): als Geschenk:
jmdm. etw. g. überlassen; -zwecke <P1.> (Papierdt.) meist
in der Wendung zu -en für -e (als Geschenk): diese
Gegenstände sind besonders zu -n geeignet.
Geschepper [ga'tepBh das; -s (ugs.. oft abwertend):
Idauerndes] Scheppern: das G. der Eimer.
geschert [ga'Je^t]. gschert [kje:£t] <Adj> [mundartl. 2. Part,
von t 'scheren, wohl nach dem geschorenen Kopf der
Leibeigenen] (südd.. österr. salopp): dumm iu. ohne feine
Umgangsformen]: ein -er Lackel, dazu: Gescherte
[gd'Je^ts]. Gscherte ['klebte), der; -n. -n <Dckl. T
Abgeordnete) (südd.. österr. salopp): dummer Mensch > ohne
feine UmgangsformenJ: Provinzler,
Geschichte [ga'jKJto]. die; -. -n [mhd. geschiht. ahd. gisciht
= Geschehnis. Ereignis, zu tgeschehen]: 1. <o. PI.) a)
politischer, kultureller u. gesellschaftlicher Werdegang,
Entwicklungsprozeß eines bestimmten geographischen <xl.
kulturellen Bereichs: die deutsche G.; die G. Englands; die G.
der Menschheit; die G. der antifaschistischen
Widerstandsbewegungen; man kann das Rad der G. nicht zurückdrehen
(man kann Entwicklungen, die stattgefunden haben, nicht
rückgängig machen): seine Taten gingen in die G. ein
(geh.; waren historisch bedeutsam)'. Es war. als ob man von
Ereignissen spräche, die längst der G. (Vergangenheit)
angehörten (Leonhard, Revolution 45); *G, machen (für
die Entwicklung der Menschheit etw. Entscheidendes leisten
od. bedeuten): Wir reden hier von einem Teil der Literatur,
der nicht G. gemacht hat (Greiner, Trivialroman 10); b)
Geschichtswissenschaft: er ist Professor flirG.; sie studiert
G.; er hat in G. (Geschichte als Unterrichtsfach in der
Schule) gute Noten; *Alte G. (wissenschaftliche
Erforschung des Altertums): Mittlere G. (wissenschaftliche Er-
forschutig des Mittelalters): Neue G. (wissenschaftliche
Erforschung der Neuzeit): c) wissenschaftliche Darstellung
einer historischen Entwicklung: eine G. des Dreißigjährigen
Krieges schreiben. 2. mündliche od. schriftliche, in einen
logischen Handlungsablauf gebrachte Schilderung eines
tatsächlichen od. erdachten Geschehens. Ereignisses:
Erzählung: eine spannende, wahre, traurige G.; die G. vom
Räuber Hotzenplotz; eine G. aus dem Krieg; jetzt ist
die G. zu Ende; eine G. vorlesen, erzählen, aufschreiben,
zum besten geben; Großmutter erzählt den Kindern gern
-n; ein kleiner Negerjunge ist der Held der G. 3. (ugs.)
unangenehme] Sache. Angelegenheit: eine dumme,
verzwickte G.; das sind alte -n (das ist nichts Neues): das
ist wieder die alte G. (das ist hinlänglich bekannt): das
sind Ja schöne -n (Affaren. Dummheiten): mach keine
-n! (mach keine Dummheiten, zier dich nicht!): mach keine
langen -n (Umstände)!: du brauchst mir die ganze G.
(dasalles) nicht noch mal zu erzählen; die ganze G. (alles
zusammen) kostet 50 Mark; er hat eine böse G. mit den
Nieren (ist nierenkrank): <Zus. zu 2:> Geschjchtenbuch.
das: Buch mit Geschichten (2); Geschichtenerzähler, der:
jmd.. der Geschichten (2) erzä/ilt: er erwies sich als guter
G.; <Abl. zu 1:> geschichtlich <Adj.; o. Steig.): a) <nicht
präd.) die Geschichte betreffend, auf sie bezüglich, der
Geschichte gemäß: historisch: eine -e Darstellung; den -en
Hintergrund klären: ein Ereignis g. bewerten, erklären;
zu -er Zeit (nicht prähistorisch): b) auf Grund von
Überlieferung od. Quellen als wahr od. existent erwiesen: historisch:
-e Ereignisse; diese Gestalten sind g.; c) svw. T historisch
(c): ein Vertrag von -er Bedeutung; diese Stadt war g.
nie bedeutend, dazu: Geschichtlichkeit, die; -.
geschjdits-, Geschjdits- (Geschichte 1): -atlas, der: Atlas,
auf dessen Karten historische Zustände od, Abläufe räumlich
ixi. zeitlich dargestellt werden: ^auflassung, die: geistige
(xJ. wissenschaftliche Grundauffassung, von der aus
Geschichte beurteilt wird: die materialistische G. lehnt es
ab. die bestehende Gesellschaft am Maßstab einer
absoluten Ethik zu messen (Fraenkel. Staat 189); -betrachtung,
die: vgl. ^auffassung; -bewußtsein, das: Bewußtsein von
der geschichtlichen Bedingtheil der menschlichen Existenz:
^bild, das: 1. vgl. ^auflassung. 2. svw. t Historienbild;
-buch, das: Lehrbuch für das Schulfach Geschichte: Mlar-
stelhing. die; -Deutung, die; -drama, das: Drama, das
historische Stoffe gestaltet: ^epoche.die; -fälschung,die: bewußt
verfälschte Darstellung eines geschichtlichen Ereignisses:
^forscher, der: jmd.. der Geschichte [wissenschaftlich/
erforscht: Historiker: -forschung, die: wissenschaftliche
Erforschung der Geschichte: ^kalender. der: nach der zeitlichen
Abfolge geordnete Zusanvnenstellung wichtiger
geschichtlicher Ereignisse od. Zusammenliänge: ^kenner. der;
-Witterung, die [aus dem Titel eines 1S82 erschienenen Buches
von J. Fischart; zu t klittern]: in bestimmter Absicht
verfälschte Darstellung od, Deutung geschichtlicher Ereignisse
od. Zusammenliänge: ^lehrer. der: Lehrer im Schulfach
Geschichte: -los <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): ohne
Beziehung zur (eigenen] Geschichte, ohne Bewußtsein der
[eigenen! geschichtlichen Vergangenheit: Sind wir wirklich ein
so total -es Volk geworden ...? (Dönhoff, Ära 52); -lüge,
die: ungestört lehren wildgewordene Oberlehrer ... -n
(Tucholsky, Werke II. 307); -maier,der svw. THistorienmaler;
-maierei, die: svw. THistorienmalerei; -Philosophie, die:
philosophische Deutung der Geschichte auf ihren Sinn hin.
dazu: -philosophisch <Adj.; o. Steig.); -Professor, der: a)
(bes. bayr.. österr.) Lehrer für das Schuljach Geschichte
mit dem Titel ..Professor": b) (ugs.) Hochschullehrer für
Geschichtswissenschaft: --Schreiber, der (veraltet): jmd.. der
vergangene Ereignisse in ihrem geschichtlichen Ablauf
beschreibt: Historiker: -Schreibung, die: schriftliche
Darstellung der Geschichte: -Studium, das; -stunde, die:
Unterrichtsstunde im Schulfach Geschichte: -Unterricht, der: vgl.
^stunde; -werk, das: größere geschichtliche Darstellung:
-Wissenschaft, die: Wissenschaft von der Geschichte u. ihrer
Erforschung. Historie, dazu: -Wissenschaftler, der:
Historiker: -zahl, die: Jahreszahl eines geschichtlich bedeutenden
Ereignisses: wir haben in der Schule fast nur -en gelernt.
'Geschick [ga'Jik], das; -[eis, -e [mhd. geschicke =
Begebenheit; Ordnung, Verfügung, zu t schicken]: a) (geh.)
Schicksal: ein böses, glückliches, launisches G.; ihn traf ein
schweres G.; sein G. beklagen, hinnehmen; sich in sein G.
ergeben; Gegen vier Uhr ... wurde Lauermann von seinem
wohlverdienten G. ereilt. Er wurde ... gehenkt
(Strittmatter, Wundertäter289); b) (meist PI.)politischeu.
wirtschaftliche Situation. Entwicklung: Lebensumstände: die -e der
Stadt lagen in seinen Händen; die -e des Unternehmens
lenken; ^Geschick [-]. das; -le]s [in Anlehnung an
fgeschickt]: a) das Geschicktsein. Geschicktheit:
diplomatisches G.; sie hat G. zu/für Handarbeiten; sie hat G..
mit Kindern umzugehen; mit großem handwerklichem G.;
selbst bei hervorragendem G. wäre diese Aufgabe nur
unter höchster Gefahr zu lösen gewesen; b) (landsch.)
Ordnung: das hat kein G.; etw. wieder ins G. bringen;
Geschicklichkeit, die; -: Fähigkeit, eine Sache rasch, auf
zweckmäßige Weise u. mit positivem Resultat auszuführen,
wobei vorhandene Begabung mit Erlerntem u. Erfahrung
zusammenwirkt: handwerkliche G.; eine erstaunliche G.
an den Tag legen (sehr geschickt sein): G. erlangen; etw.
mit großer G. anpacken, ausführen; Ü Jedem Gespräch
... wich sie mit großer G. aus (Werfel, Himmel 119).
Geschjcklichkeits-: -fahren, das (Motor- u. Pferdesport):
Wettbewerb, bei dem es darauf ankommt. Hindernisse in
begrenzter Zeit zu überwinden: -prufung, die (Motorsport):
Wettbewerb, bei dem geprüft wird, ob der Fahrer das
Fahrzeug in allen möglichen Situationen beherrscht: ^spiel. das:
Spiel, bei dem es vor allem auf Geschicklichkeit ankommt:
-turnier, das: vgl. ^prüfung; -Übung, die; ^Wettbewerb.
der.
geschickt [ga'Jikt] <Adj.; -er, -este) [mhd. geschicket, eigtl.
2. Part, von: schicken = vorbereitet sein, geeignet sein:
vgl.schicken]: 1.a) /körperlich!
wendig.gewandt:bestimmte praktische Fertigkeiten beherrschend: ein -er
Handwerker; er hat -e Hände; der kleine Junge ist sehr g.; sie
ist g. in praktischen Dingen; sich g. anstellen: die Blumen
g. in der Vase arrangieren; b) gewandt im Umgang mit
Menschen, im Erfassen u. Beherrschen komplizierter
Situationen: klug: diplomatisch: ein -er Diplomat; -e
(wohlüberlegte) Fragen stellen; sie ist g. im Umgang mit Kindern;
sich g. verteidigen. 2. (nicht adv.) (südd.) a) praktisch.
64'
1011
Geschicktheit
tauglich, geeignet: das Werkzeug ist sehr g.; b) passend:
ein -er Zeitpunkt; das ist (mir) aber gar nicht g.; <Abl.
zu 1:> Geschjcktheit, die; -: das Geschicktsein: ihre G.
in Handarbeiten, in Alltagsdingen.
Geschiebe [g3'Ji:ba], das; -s, -: 1. <o. Pl.> (ugs.) i dauerndes;
Schieben: Gedränge auf der Tanzfläche. G. im Foyer
(Koeppen, Rußland 169). 2. (Geol.) von Gletschern
transportierte u. in Moränen abgelagerte Gesteinsbrocken: <Zus.
zu 2:> Gesdtkbelehm. der (Geol.): verwitterter
Geschiebemergel; Geschkbemergel, der (Geol.): am Grund eines
Gletschers abgelagertes ungleichartiges Gestein.
geschieden [ga'Ji.dn]: t scheiden; Geschiedene, der u. die;
-n. -n <Dekl. t Abgeordnete): imd., dessen Ehe geschieden
ist: ich habe gestern meine G. getroffen (ugs.; die Frau,
mit der ich verheiratet war).
geschienen [ga'Jrnan]: tscheinen.
Geschieße [ga'Jisa]. das; -s (ugs. abwertend): /dauerndes,
als lästig empfundenesJ Schießen: hört auf mit dem G.!
Geschimpfe [gs'Jimqfo], das; -s (ugs.): . dauerndes!
Schimpfen: leises, unflätiges G.
Geschirr Lga'Iir], das: -[e]s, -e [mhd. geschirre. ahd. giscirri.
zu t'scheren, also eigtl. = das (Zurecht)geschnittene]: 1.
a) [zusammengehörende] Gefäße aus Porzellan, Steingut
o.a., die man zum Essen u. Trinken benutzt:
unzerbrechliches, feuerfestes G.; G. aus Porzellan; ein bemaltes
Geschirr für 12 Personen; sie bekamen zur Hochzeit zwei
-e; b) <o. PL) Gesamtheit der Gefäße u. Geräte, die man
zum Kochen u. Essen benutzt: das gebrauchte G.
abwaschen; in der Küche standen Berge von G.; mit dem G.
klappern; c) (veraltet) Gefäß: ein G. zum Wasserschöpfen.
2. Riemenzeug, mit dem Zugtiere vor den Wagen gespannt
werden: dem Pferd das G. anlegen; im G. gehen
(eingespannt sein); U Mittagspause .... wo man sich von der
Schufterei eine Stunde lang erholen konnte, bis es noch
einmal einen halben Tag hinein ins G. ging (Kühn. Zeit
60); *sich ins G. legen (I. kräftig zu ziehen beginnen: die
Pferde legten sich ins G. 2. angestrengt arbeiten: um das
zu schaffen, muß ich mich kräftig ins G. legen); aus dem G.
schlagen/treten (1. aus der Art schlagen. 2. untreu werden).
Geschjrr-: -aufzug, der: Aufzug zur Beförderung von
größeren Mengen von Geschirr (1 a. b); -macher. der: 1. (zu
Geschirr 2): Sattler. 2. (landsch. zu Geschirr 1 a, b) Töpfer;
-schrank, der: Schrank, in dem das Geschirr (1 a. b) aufbe-
wa/irt wird; -spulen, das: der Mutter beim G. helfen;
-spüler, der (ugs.): svw. t-Spülmaschine; -Spülmaschine, die:
Haushaltsgerät, in dem verschmutztes Geschirr (1 a, b) mit
Hilfe von heißem Wasser u. Reinigungsmittel (maschinell)
gereinigt wird; -tuch, das <PI. -tücher): Handtuch zum
Abtrocknen des Geschirrs (I a, b).
Geschiß [ga'Jis], das; ...isses [zu tscheißen] (derb): jmds.
Betragen, Verhalten als eine als lästig, störend o. ä.
empfundene Reaktion aid etw.: er macht um jede Kleinigkeit
großes G. (macht viele ärgerliche Schwierigkeiten,
Anstände): geschissen (gd'Jisnl: f scheißen.
Geschlabbcr Igo'Jlabn], das: -s (ugs.): a) (meist abwertend)
/dauerndes/ Schlabbern: mit leisem G. trank die Katz
die Milch; b) Masse von weicher, schlabbriger
Beschaffenheit: dasG. am Fleisch abschneiden; c) etw. weich
Fließendes: das G. des langen Rocks stört beim Gehen; d) dünnes
Getränk; wäjiriges Essen.
geschlafen [gdjla:fn]: fschlafen.
geschlagen [gs'Jla^n]: f schlagen.
Geschlecht [gd'Ilr^ti. das; -[eis. -er [mhd. gesclehte. ahd.
gislahti, zu f schlagen, eigtl. = was in dieselbe Richtung
schlägt, (übereinstimmende) Art]: 1. a) <o. PI.) (von
Lebewesen, bes. dem Menschen u. höheren Tieren) Gesamtheit
der Merkmale, wonach ein Lebewesen in bezug auf seine
Funktion bei der Fortpflanzung als männlich od. weiblich
zu bestimmen ist: das G. ist bei manchen Vögeln schwer
festzustellen; ein Kind männlichen -s; junge Leute beiderlei
-s; b) Gesamtheit der Lebewesen, die entweder männliches
od. weihliches Geschlecht (a) haben; das männliche G. (die
Männer); das andere G. (auch für: die Frauen); der Kampf
der -er; *das starke G. (ugs. scherzh.; die Männer): das
schwache/zarte/schöne G. (ugs. scherzh.; die Frauen)', das
dritte G. (ugs.; die Homosexuellen; gepr von dem dt.
Nervenarzt u. Sexualforscher Magnus Hirschfeld. 1868 bis
1935): Transvestiten: Neue Toleranz für das „dritte
Geschlecht" iSpiegel 50. 1975. 18]). 2. <o. PI.) kurz für fGe-
schlechtsteil: DelofTresG. ...zeichnete sich unter der nassen
Badehose ab (Genet [Übers.], Miracle 290). 3. a) Gattung,
Art: das menschliche G.; b) Generation: die kommenden
-er: das vererbt sich von G. zu G.; c) Familie, Sippe:
ein altes, vornehmes G.; er entstammt einem adligen G.
4. (Sprachw.) svw. TGenus: ..Mann44 hat männliches.
..Frau44 weibliches. ..Kind'4 sächliches G.
Geschlechter- (vgl. auch: geschlechts-. Geschlechts-): -buch.
das: genealogisches Handbuch bürgerlicher Familien;
-folge, die: Folge von Generationen; -künde, die; -: svw. T
Genealogie; -rolle, die: svw. tGeschlechtsrolle; -tremung,
die: Trennung nach dem Geschlecht (z. B. bei der Erziehung).
geschlechtlich <Adj.; o. Steig.): a) das Geschlecht (1)
betreffet: -e Fortpflanzung; b) die Geschlechtlichkeit betreffet;
sexuell: -e Anziehung. Lust. Beziehung. Freiheit. Askese;
mit jmdm. g. verkehren (Geschlechtsverkehr mit ihm
haben); <Abl.:) Geschlechtlichkeit, die; -: das gesamte
Empfinden u. Verhalten im Bereich der Liebe u. Sexualität.
geschlechts-, Geschlechts- (vgl. auch: Geschlechter-): -akt.
der: svw. ! Koitus; -apparat. der (Fachspr.): Gesamtheit
der Geschlechtsorgane; - best immung, die: a) (Biol.)
Festlegung des Geschlechts (la) eines Organismus; b) Feststellung
des Geschlechts bei einem Individuum; -betätigung. die
(selten): sexuelle Betätigung; -beziehung, die (selten): sexuelle
Beziehung; -Chromosom, das (Biol.): Chromosom, das für
die Ausbildung des Geschlechts (1 a) entscheidend ist; -drüse,
die: svw. f Keimdrüse; -erziehung, die: Erziehung, die sich
auf die sexuelle Entwicklung u. das sexuelle Verhalten des
Menschen bezieht; -folge, die: seltener für t
Geschlechterfolge; -gebunden <Adj.; o. Steig.; nicht adv): an das eine
od. andere Geschlecht (la) gebumlen: eine -e Krankheit:
-genösse, der (Fachspr.): Individuum gleichen Geschlechts
(la); -hormon, das: Hormon, das die Fortpflanzung u. die
Ausbitdung von Geschlechtsmerkmalen steuert; -krank
<Adj.; o. Steig.; nicht adv.): an einer Geschlechtskrankheit
leidend: -krankheit, die: Infektionskrankheit, die
vorliegend durch den Geschlechtsverkehr übertragen wird u. deren
Erscheinungen vor allem an den Geschlechtsorganen sichtbar
werden; -leben, das (selten): sexuelles Verhalten; sexuelle
Betätigung: das G. der Affen beobachten; -leiden, das:
vgl. ^krankheit; ^los <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): ohne
bestimmtes Geschlecht: -e Organismen; Ü man betrachtete
sie als -es Wesen (sprach ihr Sexualität ab od. gestand
sie ihr nicht zu), dazu: -kKigkeit, die: -; ^lust, die: svw.
t Libido; -merkmal, das (meist PI.): Merkmal, das
männliche u. weibliche Individuen vtmeinander unterscheidet:
primäre -e (die Geschlechtsorgane); sekundäre -e
(Gestalt, Behaarung u.a.); -moral, die (Fachspr.): svw.
fSexualmoral; -neutral <Adj.; o. Steig.): keines der
beiden Geschlechter (1b) betreffend: -es Verhalten;
-organ. das: Organ, das unmittelbar der geschlechtlichen
Fortpflanzung dient; Fortpflanzungsorgan: innere -e
(Eierstöcke, Gebärmutter. Hoden u.a.); äußere -e (Penis,
Klitoris u.a.); -partner, der: svw. fSexualpartner;
-Produkt, das: von einer Geschlechtsdrüse gebildete Ei- <xl.
Samenzelle; ^register, das: Stammbaum eines Geschlechts
(3c); ^relf <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): das Alter, die
Reife erreicht habend, um sich fortpflanzen zu können: -e
Jungtiere, dazu: ^reife, die; -rolle, die (Soziol.): von der
Gesellschidt für Mann u. Frau unterschiedlich festgelegtes
Rollenverhalten: Es zeigt sich. ... wie stark jeder einzelne
seine G. verinnerlicht hat (Wohngruppe 11); -spezifisch
<Adj.; o. Steig.): sich auf ein Geschlecht (lb) beziehetul,
nur ein Geschlecht betreffend: -e Merkmale; -teil, das.
auch: der <meist PI.) [LÜ von lat. pars genitalis]: äußeres
Geschlechtsorgan: seinG. milden Händen schützen; -trieb,
der: Trieb, der alle Verhaltensweisen auslöst u. steuert,
die darauf abzielen, einen Geschlechtspartner zu suchen u.
sich mit ilvn [zum Zweck der Fortpflanzung 1 zu vereinigen;
Fortpflanzungstrieb; -Umwandlung, die: natürliche od. durch
äußere Einwirkungen bewirkte Umwandlung des Geschlechts
(la) bei einem Utdividuum; vgl. transsexuell; -unterschied,
der: auf den Geschlechtsmerkmalen beruliender Unterschied
zwischen männlichen u. weiblichen Individuen einer
bestimmten Bevölkerung/ sgruppej; -verirrung, die (abwertend): von
der Norm abweichende Wahl des Geschlechtspartners:
Perversion; -verkehr, der (bes. Amtsspr.): sexueller Kon-
tak t mit einem Partner (mit dem Ziel der sexuellen
Befriedigung ). bes. der Kontakt zwischen Mann u. Frau, bei dem die
Frau in ihrer Scheide das Glied des Mannes aufnimmt: G.
haben; kam es zum G.?; ... daß mehrere Jungen zugleich
1012
geschmacks-, Geschmacks-
G. mit einem Mädchen ausüben (Schmidt, Strichjungenge-
spräche 143): Teilweise kann von häufig wechselndem G.
(Geschlechtsverkehr mit verschiedenen Partnern) im Sinne
der Kriminologie gesprochen werden (Schmidt.
Strichjungengespräche 122): -wort, das <P1. ...Wörter) (Sprachw.):
svw. ! Artikel (4); -zelle, die: svw. TGamet.
Geschleck, das; -[eis. Geschlecke [gdjlek(d)]. das; -s (ugs.):
a) (meist abwertend) f dauerndesJ Schlecken; b) Süßigkeit,
Naschwerk.
Geschleif, das; -[eis. Geschleife [ga'Jlaifla)]. das; -s [zu
T^hleifen] (Jägerspr.): Röhren des Dachsbaus.
Geschleik [ga'Jlajk], das; -s [zu Tschleichen! (Schweiz.): svw.
r Geschleif.
Geschleppe [gd'Jlepo]. das; -s [zu fschleppen] (Jägerspr.):
vom Jäger an einem Strick hinterhergezogener K<)der.
geschlichen [ga'Jlicn]: t schleichen.
geschliffen [gd'Jlitn; 2: 2. Part, von t'schleifen, eigtl. =
abgeschliffen, geglättet, geschärft): 1.1' ^schleifen. 2. <Adj.)
a) vollendet, tadellos in bezug auf die äußere Form,
überzeugend kultiviert wirkend: er schreibt einen -en Stil; seine
Manieren sind g.; b) (in der Formulierung) scharf: sie
hat eine -e Zunge; <Abl.:> Geschliffenheit, die; -, -en <P1.
selten).
'Geschling, das; -[eis. -e. Geschlinge [ga'Jlinta)). das; -s,
- [spätmhd. (md.) geslinc. Kollektivbildung zu: slung. Ne-
benf. von t Schlund, also eigtl. = alles, was zum Schlund
gehört): Herz. Lunge. Leber von Schlachttieren.
Hieschling [-). das; -[e)s. -e [zu f 'schlingen): etw. ineinander
Verschlungenes: dazwischen stand dickes Geschling von
Famkraut und Brombeeren (Gaiser, Schlußball 209).
geschlissen [gd'Jhsn]: t schleißen.
geschloffen [ga'Jbfn]: T schliefen.
geschlossen [gd'Ibsn]: 1.1schließen. 2. <Adj.) a) gemeinsam,
ohne Ausnahme, einheitlich: der -e Abmarsch der Einheiten;
die Schüler blieben g. dem Unterricht fem; g. gegen einen
Antrag stimmen; b) in sich zusammenhängend: eine -e
Ortschaft; die Wolkendecke ist g.; c) <nur attr.) abgerundet,
in sich eine Einheit bildend: eine [in sich] -e Persönlichkeit;
die Arbeit ist eine -e Leistung; Frankfurt erwies sich als
eine -e (Sport; gut aufeinander eingespielte, auf allen Posten
ähnlich gut besetzte) Mannschaft. 3. <Adj.; o. Steig.)
(Sprachw.) a) (von Vokalen) mit wenig geöffnetem Mund
gesprochen: b) (von Silben) mit einem Konsonanten endend;
<Abl.:>GeschlQssenheit,die;-: die organisatorische G. einer
Partei; der G. der Architektonik; ein Minimum an G.
Geschlotter [ga'Jbu?]. das; -s (ugs.. meist abwertend):
dauerndes] Schlottern.
Geschluchz, das; -es. Geschluchze [gdjloxts(d)]. das; -s (ugs..
meist abwertend): [dauerndes] Schluchzen.
GeschKirfe [gd'JlYrfo]. das; -s (ugs. abwertend): / dauerndes]
Schlürfen: die Suppe mit lautem G. essen.
geschlungen [gs'Jluodn]: Tschlingen.
Geschmack [ga'Jmak], der. -[eis. Geschmäcke Igdjmekd]
u. (ugs. scherzh.:) Geschmäcker [ga'Jmeki*; 1. 2: mhd.
gesmac. zu gleichbed. mhd.. ahd. smac, zu T schmecken;
3-5: nach frz. (bon) goüt od. ital. (buon) gustol: 1. etw..
Htis man mit dem Geschmackssinn wahrnimmt;
charakteristische Art. in der ein Stoff schmeckt, wenn man ihn ißt
od. trinkt: ein süßer, angenehmer G.; die Suppe hat einen
würzigen G.; einen schlechten G. im Munde haben: Ü
dieser höllische G. von Ewigkeit (Frisch. Stiller 168); Er
schmeckte schon den faden G. der Enttäuschung (Baum.
Paris 53). 2. <o. PI.) Fähigkeit zu schmecken;
Geschmackssinn: wegen eines Schnupfens keinen G. haben; G. ist
einer der fünf Sinne. 3. a) Fälligkeit, zwischen schön u.
häßlich zu unterscheiden; Fähigkeit zu ästhetischem
Werturteil: ein feiner, sicherer G.; seinen G. bilden; er hat keinen
[guten] G.; sie verfügt über einen untrüglichen G.; seine
Wohnung mit viel G. einrichten; b) (geh.) einheitlicher
ästhetischer Wertmaßstab einer bestimmten Zeit od. Epoche:
imG. des Biedermeiers; nach neuestem G.; Aber die innere
Ausstattung ... war ... durchaus in einem neuzeitlichen
und behaglich bürgerlichen G. gehalten (Th. Mann. Hoheit
93); c) das an einem Gegenstand. Gebäude o. ä.
Sichtbarwerden bestimmter ästhetischer Prinzipien u. Wertmaßstäbe:
ein Schmuckstück von verfeinertem G.; International ist
auch der G. der Reiseandenkengeschäfte (Koeppen.
Rußland 63); ein kleiner gewölbter Raum von erlesenem G.
(Niekisch. Leben 263). 4. subjektives Werturteil über das.
*as für jmdn. schön od. angenehm ist. was jmdm. gefallt.
wofür jmd. eine Vorliebe hat: mein G. neigt zu Blond
(Erich Kästner. Fabian 9): das ist nicht mein/nach meinem
G.; sie hat mit dem Geschenk genau seinen G. getroffen;
Vom Vater (hat sie) auch den sehr frühen G. am
Geschlechtsverkehr (Wohmann. Absicht 383); R über G. läßt
sich nicht streiten; (ugs. scherzh.:) die Geschmäcker sind
verschieden; * an etw. G. finden (jmdm. gefallen, angenehm
sein): ich finde G. an dem Spiel. G. daran, täglich eine
Stunde spazierenzugehen; an etw. G. gewinnen; einer Sache
G. abgewinnen; auf den G. kommen (die angenehmen Seifen
einer Sache langsam entdecken): du wirst schon noch auf
den G. kommen. 5. (geh.) Anstand. Takt, guter Ton: gegen
den [guten] G. verstoßen; was ich dir aus Gründen des
-es abschlagen muß (Th. Mann. Krull 209). 6. (Schweiz.)
svw. TGeruch (1).
geschm^ck-, Geschmack- (gelegtl. mit geschmacks-.
Geschmacks- wechselnd): -bildend: svw. T
geschmacksbildend; ^los <Adj.; -er. -este): a) <o. Steig.) ohne Geschmack
(1): ein -es weißes Pulver; das Essen ist völlig g. (fade);
b) keinen guten Geschmack (3) zeigend, unschön, ästhetische
Grundsätze verletzend: ein -es Kleid; g. gekleidet sein; c)
die guten Sitten verletzeml: ein -er Witz; Lila findet mich
g. (Frisch, Gantenbein 263), zu b, c: -losigkeit, die; -,
-en: a) <o. PI.) Eigenschaft, geschmacklos (b) zu sein: seine
Bemerkung war ein Gipfel an G.; b) geschmacklose (c)
Äußerung. Handlung: derartige -en erwarten Sie nicht von
mir (Dürrenmatt, Meteor 68); -sadie: svw. t
Geschmackssache; -sinn, der: svw. T Geschmackssinn; -voll <Adj.):
Schönheitssinn zeigend; mit !künstlerischem] Geschmack:
eine -e Tapete; die Einrichtung war g.; sich g. kleiden.
geschmackig <Adj.) (österr. ugs.): a) gut gewürzt,
wohlschmeckend: ein -er Braten; b) nett, gefällig, vornehm: Das
wirkt doch sehr nobel und g. (Doderer. Strudlhofstiege
190). dazu: Geschmgcktgkeit, die; -; geschmäcklerisch
[ga'jmeklarij] <Adj.) (abwertend): übertriebene
[ästhetische] Ansprüche stellend; einen besonders erlesenen
Geschmack in bezug auf Kunst o. ä. habend: Es war also
nicht nur -e Mode, die ihn (= den Film Blow-up) zum
Symbol dieser Zeit gemacht hat (Berliner Morgenpost 11.
1. 76. 11); Wie g. und unduldsam bin ich seither geworden
(K. Mann. Wendepunkt 72); geschmacklich <Adj.; o. Steig.;
nicht präd.): a) den Geschmack (1) betreffend: -e
Verbesserung; die Milch ist g. einwandfrei; b) den Geschmack (3)
betreffend: dieses Bild ist eine -e Unmöglichkeit; ein g.
hervorragender Entwurf.
geschmacks-, Geschmacks- (gelegtl. mit geschmack-,
Geschmack- wechselnd): -bildend, (auch:) geschmackbildend
<Adj.; nicht adv.): erzieherisch auf den Geschmack (3)
einwirkend: Malunterricht wirkt g.. dazu: -bikhmg, die <o.
PI.); -empfindung, die: vgl. -sinn; -frage, die: Frage, die
vom Geschmack (3) zu entscheiden ist: er ist sehr sicher
in -n; -knospe,die (Biol.. Med.): (bei Mensch u. Säugetier)
auf der Zunge liegendes Organ, mit dem Geschmack (1)
wahrgenommen wird; -muster.das (jur.): durch Gesetz
urheberrechtlich geschützte Gestaltungsform eines
Gebrauchsgegenstandes; -nerv, der (Med.): Nerv, der eine
Geschmacksempfindung von der Zunge zum Gehirn leitet; -neutral <AdJ.;
o. Steig.; nicht adv.): ohne spezifischen Geschmack (1):
der KonservierungsstofT ist g.; -organ, das: Sinnesorgan,
das Geschmack (1) wahrnehmen kann (z.B. die Zunge);
-probe, die: das Probieren des Geschmacks (1), den etw.
(bes. ein Nahrungsmittel) hat: eine G. vornehmen; -rich-
tung, die: a) verschiedener Geschmack (1) bei der Bereitung
von Speisen: Pudding in drei -en; b) Richtung des
Geschmacks (1) bei einem Menschen: dieser Wein ist genau
meine G.; c) allgemeine Richtung des Geschmacks (3b):
Möbel in der G. unserer Zeit; -sadie, (auch:)
Geschmacksache, die: Sache. Angelegenheit, für deren Beurteilung es
keine objektiven Kriterien gibt, die vom Geschmack (3)
abhängig ist. meist in der Verbindung das ist G.; -sinn,
(auch:)Geschmacksinn,der<o. PI.): Fähigkeit von
Lebewesen, mit Hilfe bestimmter Organe verschiedene lösliche
(chemische) Stoffe wahrzunehmen; -Sinnesorgan, das:
Sinnesorgan zur Wahrnehmung des Geschmacks (1); ^stoff, der:
(chemischer) Stoff, der durch Geschmacksorgane
wahrgenommen wird; -Störung, die: / vorübergehende]
Beeinträchtigung des Geschmacks (2); -test, der: Test, bei dem der
Geschmack (1) eines Nahrungsmittels geprüft werden soll;
-verirning, die (abwertend): Wahl. Zusammenstellung von
Gegenständen, die dem Geschmack (3) eines anderen ganz
1013
Geschmatze
u. gar nicht entspricht: dieses Kleid ist aber wirklich eine
G.; -wände!, der.
Geschmatze [gd'Jmatsd]. das; -s (ugs., oft abwertend):
[dauerndes] Schmatzen: mit gierigem G. trank das Baby
die Flasche leer.
Geschmause [gd'Jmauzd], das; -s (ugs.): das Schmausen.
Geschmeichel [gd'Jmaj^l], das; -s (ugs. abwertend):
[dauerndes] Schmeicheln.
Geschmeide [go'Jmaids], das; -s. - [mhd. gesmfde, ahd.
gismldl. Kollektivbildung zu mhd. smlde = Metall.
Schmuck, ahd. smida = Metall, zu T Schmied] (geh.):
kostbarer Schmuck: glitzerndes G.; die brillantnen G.. auf
Sammet gebettet (Th. Mann.Krull%); <Abl.:> geschmeidig
[ga'Jmajdi^] <Adj.> [mhd. gesmldec. eigtl. = leicht zu
schmieden, gut zu bearbeiten): 1. biegsam; schmiegsam
u. glatt: weich u. dabei voll Spannkraft: -es Leder; eine
-e Haselgerte; die Haut mit öl g. halten; Ü ... wenn man
an all die Flaschen Wein ... dachte, die er in dieses Lächeln
gießen mußte, um es g. zu halten (Fries, Weg 314). 2.
biegsame, gelenkige Glieder besitzend u. daher sehr gewandt:
mit gleitenden, kraftvollen u. dabei anmutigen Bewegungen:
ein -er Körper; sie ist g. wie eine Katze; sich g. bewegen.
3. anpassungsf(üüg% wendig im Gespräch od. Verhalten: ein
-er Diplomat; er, sein Wesen ist sehr g.; sich in schwierigen
Situationen g. verhalten; (Abi. zu 1:> geschmeidigen [ga-
'Jm^jdign) <sw. V.; hat) (geh.. veraltet): geschmeidig
machen: hatte der Knabe sich aus einem Salbgefäß ge-
schmeidigt (Th. Mann, Joseph 62); zu 1-3:
Geschmeidigkeit, die; -: das Geschmeidigsein: mit katzenhafter G.; und
grüßte ihn mit kalter G. (H. Mann. Stadt 171).
Geschmeiß [ga'Jmajs], das; -es [mhd. gesmeise = Auswurf.
Unrat. Schmetterlingseier; Gezücht, zu t schmeißen): 1.
ekelerregendes Ungeziefer u. dessen Brut: es wimmelte von
Würmern und anderem G. 2. (abwertend) widerliche, verab-
scheuenswürdige Menschen: Kameraden, jetzt wollen wir
dem G. mal zeigen, was deutsche Kraft vermag! (Küpper.
Simplicius 13). 3. (Jägerspr.) Kot von Raubvögeln.
Geschmetter [gajmete], das; -s (ugs.): [dauerndes]
Schmettern, schmetternde Töne: das G. der Trompeten.
Geschmier, das; -[eis. Geschmiere [ga'Imiig. ...ra], das; -s
(ugs. abwertend): a) Schmieriges: schleimigesG.; b)
unleserlich (weil unsauber u. liederlich) Geschriebenes:
Schmiererei: dein G. kann ich nicht lesen; c) schlecht (weil schnell
u. unsorgfältig) Geschriebenes. Machwerk: er wagt es.
dieses G. auch noch drucken zu lassen.
geschmissen [ga'Jmisn]: T schmeißen.
geschmolzen [ga'Jmoltsn): t schmelzen.
Geschmorte [gajmo^to], das; -n [zu tschmoren] (ugs.):
Schmorbraten: geschmortes Fleisch: zum Abendessen gab
es -s.
Geschmunzel üp'Jmont^f], das; -s (ugs.): das Schmunzeln.
Geschmus [gd'fmu:s], das; -es. Geschmuse [gd'Jmu:z3], das;
-s (ugs.): [dauerndes] Schmusen: das ständige G. der beiden
regt mich auf.
geschmutzt [gdlmYtstl: tschmutzen.
Geschnäbel[gs'Jn&bl],das; -s (ugs.): [dauerndes] Schnäbeln;
geschnäbelt <AdJ.; o. Steig.; nicht adv.) [zu tSchnabel]:
wie ein Schnabel gebogen, nach oben spitz zulaufend; -e
Schuhe.
Geschnarch, das; -[e]s. Geschnarche [ga'Jnanjta)], das; -s
(ugs., oft abwertend): [dauerndes] Schnarchen: aus dem
Schlafzimmer drang lautes G.
Geschnatter hpfnate], das; -s (ugs.): a) (dauerndes]
Schnattern: das G. der Gänse; b) (meist abwertend) schnelles,
lautes Durcheinandersprechen / von Frauen od. Mädchen]:
das G. auf dem Schulhof.
Geschnaube [ga'Jnapte], das; -s [dauerndes] Schnauben: das
leise G. der Pferde.
Gesdinetzelte [gafnetslto], das; -n [zu fschnetzeln]
(landsch.): Gericht aus dünnen, kleinen Fleisch scheibchen
[in einer Soße]: -s [vom Kalb] mit Nudeln.
geschniegelt: T schniegeln.
geschnitten [ga'JYutn]: f schneiden.
geschnoben [ga'Jno:bn]: t schnauben.
Geschnörkel [gdlncerkl], das; -s (ugs.. oft abwertend): /
übertrieben] schnörkelhafte Verzierung! en].
Geschnüffel [ga'JnYfl], das; -s (ugs.. oft abwertend):
[dauerndes] Schnüffeln.
geschoben [ga'Jb.bn]: f schieben.
gescholten [ga'toln]': tschallen.
gescholten [ga'Jbltn]: T schelten.
geschont: t schönen.
Geschöpf [ga'Jcee/l. das; -[e]s. -e [zu T ^höpfen]: 1.
Lebewesen: -e Gottes. 2. Mensch. Person: ein faules, undankbares,
bemitleidenswertes G.; sie ist ein reizendes G. (Mädchen).
3. künstlich erschaffene [literarische] Gestalt: die -e seiner
Phantasie: der Dichter stellt sich in seinen -en oft selbst
dar; <Abl.:> geschfrflich <Adj.; o. Steig.; nur attr.) (geh..
veraltet): (von Gott) geschaffen: in dem er die beiden
Naturkräfteden -en Dingen zuweist (Deutsche
Literaturzeitung 4. 1971. 299). dazu: GesdiQpflichkeit, die;.
geschoren [ga'foren]: f 'scheren.
Geschoß [gd'Jos, südd., Osten*, auch: g3'Jb:s]. das;
Geschosses. Geschosse, südd.. österr.: Geschoßes. Geschoße [1:
mhd. geschös. ahd. giscos. zu tschießen; 2: zu schießen
= aufschießen, in die Höhe ragen]: 1. aus od. mit Hilfe
einer [ Feuer jwaffe auf ein Ziel geschossener [meist
länglicher] Körper: das G. explodiert, schlägt ein, krepiert,
trifft ins Ziel; ein G. streifte ihn am Arm; die Geschosse
pfiffen ihm um die Ohren; Ü dieses G. (Fußball; besonders
scharf geschossenen Ball) konnte der Torhüter nicht halten.
2. Gebäudeteil, der alle auf gleicher Höhe liegenden Räume
umfaßt; Stockwerk. Etage: ein Neubau mit drei
Geschossen; im obersten G. wohnen.
GeschQß- (Geschoß 1): -bahn, die: Bahn, die ein abgefeuertes
Geschoß beschreibt; -garbe, die: svw. t 'Garbe (2); -hagel
der: große Menge einschlagender Geschosse; -hübe, die:
Hülse eines Geschosses; -mantel, der: Mantel eines
Geschosses.
geschossen to'jDsn): tschießen; -geschossig [-gdjasi^] in
Zusb., z.B. eingeschossig (ein Geschoß (2) aufweisend).
geschraubt [ga'frappt] <Adj.; -er. -este> [2. Part, von t
schrauben, eigtl. = (künstlich) hochgedreht] (ugs. abwertend):
nicht natürlich u. schlicht; gekünstelt u. schwülstig wirkend:
ein -er Stil; So ein -es Dahergerede (Kühn. Zeit 36); sich
g. ausdrücken; <Abl.:> Geschraubtheit, die: -.
Geschrei [ga'Jrai], das: -s [mhd. geschrei(e). ahd. giscreigi.
Kollektivbildung zu T Schrei]: a) (oft abwertend) t
dauerndes] Schreien: das G. der Kinder; klägliches G. ertönte;
das G. verstummt; es erhob sich ein fürchterliches G.;
die Möwen stoßen krächzendes G. aus; ein G. erheben;
b) (ugs.) lautes, anhaltendes Jammern. Lamentieren um
Geringfügigkeiten: es gab ein riesiges G. wegen dieser Sache;
mach doch kein solches G. [deswegen]!; Spr viel G. und
wenig Wolle (viel Aufhebens ohne Ergebnis: nach der
Erzählung vom betrogenen Teufel, der versuchte, eine Sau zu
scheren); c) (landsch.) Klatsch. Gerede: jmdn. ins G.
bringen.
Geschreibe [ga'f raiba], das; -s (ugs. abwertend): / dauerndes]
Schreiben; Geschreibsel [gd'Jraipsl], das; -s (ugs.
abwertend): Geschriebenes, schlechtes od. inhaltlich abzulehnendes
[literarisches] Werk: Sie (= die Schnüffeleien) inspirieren
nichtsnutzige Menschen zu anonymen Briefen an mich,
wüstes G. (Hauptmann. Schuß 47); Das peinliche G. war
wohlunterrichtet aus intimer Kenntnis, indiskret, ätzend
und illoyal (Maass. Gouffe 337); geschrieben [ga'Jri:bn]:
T schreiben.
geschrieleln [gdjri:(d)n]: tschreien.
Geschrill [ga'Jnl], das; -s (ugs.): [dauerndes] Schrillen: das
G. des Telefons, einer Klingel.
geschritten [gs'Jntn]: t schreiten.
geschunden [ga'Jondn]: t schinden.
Geschüttel [galvtl], das; -s (ugs.): [dauerndes] Schütteln.
Geschütz [gs'JVts]. das: -es. -e [mhd. geschütze.
Kollektivbildung zu T Schuß, urspr. = Gesamtheit der Schußwaffen]:
fahrbare oder fest montierte, schwere Feuerwaffe: ein
schweres, weit tragendes G.; die -e feuern; -e auffahren, in Stellung
bringen; der Donner der -e; * grobes/schweres G. auffahren
(ugs.; jmdm. [übertrieben] scharf entgegentreten).
Geschütz-: -bedienung, die (Milit.): Soldaten, die ein
Geschütz bedienen: Die zweite G. verlangte Wellfleisch mit
Sauerkraut (Kirst, 08/15. 426); -bettung, die: svw. f
Bettung; -donner, der: donnerartiger Schall, der bei
Geschützfeuer entsteht; ^feuer.das: das Feuern der Geschütze; ^rohr,
das: Rohr am Geschütz, in dem das Geschoß seine Richtung
auf das Zielerhält: da standen die ... Panzer mit erhobenen,
stummen -en (Plievier. Stalingrad 328); -stand, der (Milit.):
/ Unter]stand, in dem ein Geschütz montiert ist; -Stellung,
die: vgl. ^stand; -türm, der (Milit.): turmartiger Aufbau
auf Panzern od, Schiffen, in dem Geschütze montiert sind.
1014
Geseires
geschützt [gd'jYtst]: 1. t schützen. 2. <Adj. o. Steig.; nicht
adv.> (Biol.): unter Naturschutz gestellt, stehend: -e
Pflanzen, Tiere; der Enzian ist g.
Geschwader (ga'Jvaide). das; -s. - [Kollektivbildung zu
spätmhd. swader = Reiterabteilung. Flottenverband <
ital. squadra = Viereck; in quadratischer Formation
angeordnete (Reiter)truppe, zu lat. quadrus = viereckig]:
1. größerer Verband von Kriegsschiffen od.
Kampfflugzeugen: ein G. von Bombern flog über uns. 2. (salopp
abwertend) weibliche Person: dieses alte, blöde G. <Zus. zu 1:>
Geschwaderkommandeur, der.
Geschwafel [g3'fva:fl].das; -s(ugs. abwertend): [dauerndes]
Schwafeln: Kurz, sachlich, kein G.. keine persönlichen
Urteile, verstanden. Herr Schröder? (Fallada, Jeder 153).
geschwänzt [ga'JVent^t]: 1. Tschwänzen. 2. <Adj.; o. Steig.;
nicht adv. >: mit einem Schwanz [ versehen]: eine -e Peitsche;
eine Krippe ... mit ... einem hellen -en Stern (Kaschnitz,
Wohin 130).
Geschwätz [ga'jvetß]. das; -es [mhd. geswetze, zu f schwätzen]
(ugs. abwertend): a) dummes, inhaltsloses Gerede: leeres
G.; das ist doch alles törichtes G.; ich kann das G. nicht
mehr mit anhören; Man erkennt die Untäter daran, daß
sie alles zu G. machen (Kreuder. Gesellschaft 77); was
kümmert, scfrert mich mein G. von gestern (ugs.; ich habe
meine frühere Meinung o. ä. nun eben geändert: als
Entgegnung auf einen Vorwurf); b) Klatsch. Tratsch,
[verleumderisches] Gerede: nichts auf das G. der Leute geben; Was
für ein empörendes G. mußte ich gestern wieder von ihr
über Amalia anhören (Kafka. Schloß 200); Geschwatze
[gd'JVat^d], (landsch. auch:) Geschwätze [ga'JVetsa], das;
-s (ugs. abwertend): [dauerndes] Schwatzen: geschwätzig
<AdJ.> (abwertend): viel u. in aufdringlicher Weise redend,
redselig: eine -e alte Frau; er ist sehr g.; Ü Hindemith
zieht das Resümee in einem launigen -en Sextett (FAZ
19. 12. 1961. 16); <Abl.:> Geschwätzigkeit, die; -: Schwatz-
haftigkeit. das Geschwätzigsein: ... über die greisenhafte
G. des Anwalts konnte man sogar lächeln (Nossack,
Begegnung 142).
geschweift [ga'Jvajft] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.> [1: zu
! Schweif, 2: zu T schweifen]: 1. mit einem Schweif. Schwanz
: versehen/: der -e Stern über Bethlehem. 2. gebogen,
geschwungen gearbeitet: -e Tischbeine.
geschweige [ga'JVaiga] <Konj.) [eigtl. = ich geschweige,
zu veraltet geschweigen = stillschweigen, mhd. geswigen.
ahd. giswigen]: (nur nach einer verneinten od.
einschränkenden Aussage, oft in Verbindung mit denn) schon gar
nicht, noch viel weniger, ganz zu schweigen von: er hat
nicht einmal Geld zum Leben, g. [denn] ftir ein Auto;
so etwas sagt man nicht, g. daß man es täte.
geschwind [ga'JVint] <Adj.; -er, -este) [mhd. geswinde. zu:
swinde. swint = stark, heftig, ungestüm, ahd. swind]
(landsch.): etw. in kurzer Zeit erledigend: schnell, rasch:
•en Schrittes verließ er den Raum; er ist g. (flink) bei
der Arbeit; g. wie der Wind; g. zum Bäcker gehen; alles
ging sehr g.; <Abl.:> Geschwindigkeit, die; -. -en: a) (Physik)
Verhältnis von zurückgelegtem Weg zu aufgewendeter Zeit:
die G. messen; der Meeresspiegel stieg mit einer G. von
einem Meter in der Stunde: b) Schnelligkeit. Tempo: eine
große, hohe G.; die G. beträgt 100 [Stundenikilometer.
dieG. steigern, erhöhen, drosseln, verlangsamen,
herabsetzen. [ab]bremsen. beschränken; das Flugzeug entwickelt
eine enorme G.. erreicht eine G. von ...; das Feuer griff
mit rasender G. um sich; er fuhr mit überhöhter G.; *mit
affenartiger G. (ugs.; sehr schnell): mit affenartiger G.
kletterten die Kinder über den Zaun.
Geschwindigkeit»- (Verkehrsw., Kfz.-W.): ^abfall. der:
Abfall (4) der Geschwindigkeit (Ggs.: -^zunähme); ^begren-
zung, die: svw. t-beschrankung; ^beschrankung, die:
[durch Verordnungen o.a. festgelegte] Beschränkung der
Geschwindigkeit für Fahrzeuge auf bestimmten Straßen[
abschnitten]: G. in geschlossenen Ortschaften, auf der
Autobahn; -kon trolle, die: Kontrolle von Kraftfahrern in bezug
aiddie Einhaltung von vorgeschriebenen
Höchstgeschwindigkeiten: ^messer, der: svw. ITachometer; -Überschreitung,
die: Überschreitung einer vorgeschriebenen
Höchstgeschwindigkeit; -zunähme, die (Ggs.: -abfall).
Geschwindmarsch, der; -[e]s, ^märsche (veraltend): svw.
! Eilmarsch; Gesdiwjndschrittder: -[e]s. -e (veraltend): svw.
! Eilschritt: im G.
Geschwirr [ga'Jvir], das; -s: das Herumschwirren.
Geschwister [ga'JvistB], das; -s, - [mhd. geswister, ahd. giswe-
star. Kollektivbildung zu T Schwester]: 1. <P1.> männliche
u.lod. weibliche Kinder gleicher Eltern: seine leiblichen G.
(Kühn. Zeit 55); die G. sehen sich alle ähnlich; ich habe
drei G. 2. (Fachspr.. bes. Biol.. Psych.; auch Schweiz.)
ein Geschwisterteil; ein Kind reagiert auf ein neugeborenes
G. mit Eifersucht.
geschwjster-, Geschwjster-: -kind, das (veraltet, noch
landsch.): a) Nichte. Neffe: ich habe drei -er; b) Cousin,
Cousine: wir sind -er; ^los <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>:
ohne Geschwister: das Kind muß g. aufwachsen; -liebe,
die: 1. Liebe zwischen Geschwistern. 2. inzestuöse Beziehung
zwischen Geschwistern: Bei Frank Thieß kam G. vor (Kem-
powski. Uns 216); -paar, das: Bruder u. Schwester; ^teil.
der: eines der Geschwister.
geschwisterlich <Adj.; o. Steig.; nicht präd.>: die Geschwister
betreffend, wie Geschwister. Geschwistern gemäß: -e Liebe;
-e Ähnlichkeit; etw. g. teilen.
geschwollen [ga'JVobn]: 1. ^schwellen. 2. <Adj.>
(abwertend): hochtrabend u. wichtigtuerisch, schwülstig: eine -e
Ausdrucksweise: sein Deutsch ist g.; g. reden, schreiben;
g. daherlabern (Degener. Heimsuchung 27).
geschwommen Up'JVoman]: T schwimmen.
geschworen [ga Jvoiren]: 1. t schwören. 2. <Adj.) meist in
der Fügung ein -er Feind/Gegner von etw. sein (geh.: etw.
entschieden verurteilen, ablehnen): er ist ein -er Feind des
Alkohols; Geschworene, (österr. amtl. auch:) Geschworne.
deru. die; -n. -n <Dekl. t Abgeordnete) [spätmhd. gesworne
= derjenige, der geschworen hat u. damit eidlich
verpflichtet istj: 1. (veraltet) Schöffe an einem Schwurgericht. 2.
a) (in Österreich) Laienrichter, der bei schweren Verbrechen
u. politischen Straftaten allein über die Schuld u. zusammen
mit dem Richter über das Strafmaß entscheidet; b) (in
angelsächsischen Ländern) Laienrichter, der unabhängig vom
Richter über die Schuld des Angeklagten entscheidet.
Geschworenen-: -bank, die: a) Plätze im Gerichtssaal, auf
denen die Geschworenen sitzen; b) Gesamtheit der
Geschworenen: daß ... die G. selbständig über die Schuld- und
die gelehrten Richter selbständig über die Straffrage
entschieden (Fraenkel, Staat 107); -gericht, das: 1. (veraltet)
svw. t Schwurgericht. 2. (österr. auch: Geschwornenge-
richt) (in Österreich) Gericht, das über schwere Verbrechen
u. politische Straftaten zusammen mit Geschworenen (2a)
entscheidet: ^liste, die: Liste, aus der die Geschworenen
ausgewählt werden.
Geschworne: t Geschworene.
Geschwulst [ga'Jvolst], die; -, Geschwülste [gd'Jwlsto; mhd.
geswulst. ahd. giswulst, eigtl. = Schwellung, zu f
schwellen]: 1. krankhafte Wucherung von Gewebe; Tumor: eine
gutartige, bösartigeG.; es bildete sich eine G.; Geschwülste
operieren, operativ entfernen. 2. (Med.) krankhafte
[Anschwellung.
gesdiwybt-, Geschwykt-: -artig <Adj.; o. Steig.): wie eine
Geschwulst; -bildung, die; -knoten, der; -krankheit, die.
geschwunden [ga'JVondn]: f schwinden.
geschwungen [ga'JVorpn): 1.1 schwingen. 2. <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.) bogenförmig, gebogen: sie hat -e Augenbrauen;
eine Kirche mit -en Fenstern.
Geschwür üp'Jvy:^]. das; -s, -e [zu I schwären, eigtl. =
das. was eitert]: [mit einer Schwellung einhergehende,
eiternde Entzündung der [Schleim]haut; Ulkus: ein eitriges G.;
das G. platzt, bricht auf; ein G. am Hals haben; ein
G. aufschneiden: Ü die Bewohner der Slums wußten: Wir
sind für diese Sozialreformer nur ein G. am Leibe der
Gesellschaft (Thielicke. Ich glaube 199); <Zus.:>
geschwürartig <Adj.; o. Steig): eine -e. g. veränderte Wunde;
Geschwürbildung, die: Bildung eines Geschwürs; <Abl.:>
geschwürig <Adj.; o. Steig.): in der Art eines Geschwürs,
eitrig entzündet.
G^s-Dur [auch: '-'-]. das; -: Tonart; Zeichen: Ges (Tges.
Ges); <Zus.:> G^s-Dur-Etüde. die.
gesegnet: f segnen.
Geseich [ga'zaj«;]. das; -s [zu t seichen] (salopp): leeres,
inhaltsloses Gerede. Geschwätz: „Alles nur G/\ sagte er
angewidert (Kirst. 08/15. 652).
Geseier[ga'zate].Geseire,das;-s,Geseires[gdz^jrd(s)]. das;
- [gaunerspr. < jidd. gesera = Bestimmung. Verordnung]
(ugs.): unnützes, als lästig empfundenes Gerede. Gejammer:
ich kann dieses Geseire über ihre Krankheiten nicht mehr
hören.
1015
Geselchte
Geselchte [ga'zel^te]. das; -n [zu Tselchen] (südd.. österr.):
geräuchertes Fleisch: er ißt gern -s; Die Herren hätten
... einen großen Appetit entwickelt und den gesamten
Hausvorrat an -m ... verzehrt (Werfel. Himmel 115).
Gesell [ga'zel]. der; -en. -en [T Geselle! (früher): wandernder
Handwerksbursche od, Student: ein fahrender G.; Geselle
[ga'zebl. der. -n. -n [mhd. geselle, ahd. gisell(i)o.
Kollektivbildung zu TSaal. eigtl. = der mit jmdm. denselben
Wohnraum teilt]: 1. Handwerker, der nach einer Lehrzeit die
Gesellenprüfung abgelegt hat: ein tüchtiger G.; bei jmdm.
G. sein, als G. arbeiten; einen -n einstellen, entlassen;
Jetzt regierte die Frau das Geschäft mit einem -n. 2. (oft
abwertend) Bursche. Kerl: ein wüster, wilder, lustiger G.;
vaterlandslose -n (Bez. der Sozialdemokraten durch Kaiser
Wilhelm II.). 3. (selten) Gefährte. Kamerad: ..Was macht
die Kunst. Gesellen?' fragt er (Remarque. Obelisk 149);
gesellen, sich <sw. V.. hat) [mhd. gesellen, ahd. gisellan
= (sich) zum Gefährten machen]: I. sich jmdm. anschließen:
auf dem Heimweg gesellte ich mich zu ihr; Am Ende
gesellte sich uns (veraltet; zu uns) noch der Leiter der
deutschen Abteilung von BBC (Kantorowicz. Tagebuch I.
271). 2. zu einer Sache dazukommen: zu den beruflichen
Mißerfolgen gesellten sich noch familiäre Schwierigkeiten;
Dazu gesellte sich, daß mich gerade die vollendete Unmo-
ralität meines Vorhabens von ihrer Berechtigung
überzeugte (Habe. Namen 245); saubere Doppelsprünge .... die
sich nun zu ihren schon immer glänzenden Pirouetten
gesellten (Maegerlein. Triumph 26).
Gesellen- (Geselle 1): abrief, der: Zeugnis, das der Geselle
nach bestandener Gesellenprüfung erhält: -priifiing. die:
Prüfung, die ein Lehrling am Ende der Ausbildung ablegt
u. in der er praktische u. theoretische Kenntnisse nachweisen
mulS; -stück, das: praktische Arbeit, die bei der
Gesellenprüfung vorgelegt wird; -zeit, die: Zeit, in der jmd. [bevor
er Meister wird] als Geselle arbeitet.
gesellig [gd'zelu;] <Adj.; o. Steig.) [mhd. gesellec = zugesellt,
verbunden, freundschaftlich, zu tGeselle]: 1. a) mit der
Fähigkeit u. Neigung ausgestattet, sich leicht anderen
anzuschließen u. mit ihnen gesellschaftlichen Umgang zu pflegen:
er war nie ein -er Typ; jeder mochte sie gern, denn
sie war ausgesprochen g.; b) (Biol.) mit anderen Artgenossen
zusammenlebend: der Mensch ist ein -es Wesen; gesellige
Vögel; g. leben. 2. in zwangloser, anregender Gesellschaft
stattfindend; unterhaltsam: ein -er Abend; nach dem
Vortrag ist -es Beisammensein; g. bei einem Glas Wein sitzen;
<Abl.:> Geselligkeit, die; -. -en [mhd. gesellekeit]: 1. <o.
PI.) zwangloser Umgang, Verkehr mit anderen Menschen:
dieG. lieben. 2. geselliger Abend, geselliges Beisammensein:
die -en des letzten Winters; Gesellschaft, die; -. -en [mhd.
geselleschaft.ahd. giselliscaft = Vereinigung mehrerer
Gefährten; freundschaftliches Beisammensein]: 1. Gesamtheit
der Menschen, die unter bestimmten politischen,
wirtschaftlichen u. sozialen Verliältnissen zusammen leben: die
bürgerliche, sozialistische, klassenlose G.; die G. verändern
wollen; er ist ein nützliches Glied der G.; die veränderte
Stellung der Frauen in der G. 2. a) das Zusammensein.
Begleitung. Umgang: das ist keine G. für dich; er sucht
ihre G. (möchte mit ihr Zusammensein); Jmds. G. fliehen,
meiden; in schlechte G. geraten; *Jmdm. G. leisten (bei
jmdm. sein, sich jmdm. anschließen, damit der Betreffende
nicht allein ist); sich in guter G. beflnden (scherzh.; einen
Fehler machen, den berühmte od. als Vorbild geltende
Menschen auch schon gemacht haben): zur G. (nur aus einer
die Geselligkeit fördernden Haltung heraus od. um jmdm.
einen Gefallen zu tun): zur G. eine Zigarette [mitlrauchen.
ein Bier [mit]trinken; Mit Eifer trank er das Heilwasser.
... begleitet von seiner Tochter, die übrigens ganz gesund
war und nur zur G. mittrank (Th. Mann. Hoheit 127);
b) größere gesellige Veranstaltung: eine geschlossene G.
(nur einem bestimmten Kreis zugängliche Veranstaltung);
eine G. geben; sich auf einer G. kennenlernen; er wurde
zu der G. nicht eingeladen; c) Kreis von Menschen, die
gesellig beisammen sind: eine fröhliche. laute, langweilige
G.; ich will von der ganzen G. (ugs.; von allen diesen
Leuten) nichts mehr wissen. 3. durch Vermögen. Stellung
[u. Bildung] maßgebende u. im Hinblick auf ihre
Lebensweise u. ihre Gewohnheiten anderen Menschen als Vorbild
dienende obere Schicht der Bevölkerung; gesellschaftliche
Oberschicht: die Damen der G. waren vom Oberbürgermeister
zum Essen geladen; jmdn. in die G. einführen; zur G.
gehören. 4. a) Vereinigung mehrerer Menschen, die ein
bestimmtes Ziel od. gemeinsame Interessen haben: eine
wissenschaftliche G.; eine literarische G. gründen; die G.
Jesu (kath. Rel.; der Jesuitenorden): b) (Wirtsch.)
Vereinigung mehrerer Personen zu einem Handels- od.
Industrieunternehmen: eine bankrotte G.; eine G. gründen; G. mit
beschränkter Haftung (Wirtsch.; Kapitalgesellschaft, bei
der die Gesellschafter (2) nur mit ihrer Einlage haften. Abk.:
GmbH); <Abl.:> Gesellschafter, der; -s. -: I. jmd., der eine
Gesellschaft (2 c) unterhält: ein amüsanter, glänzender G.
2. Teilhaber an einem Wirtschaftsunternehmen: ein stiller
G. (allein am Gewinn beteiligter Gesellschafter, der keine
sonstigen Rechte u. Pflichten hat); Der zweite G. des
Verlages ... nimmt auf die redaktionellen Entscheidungen ...
keinen Einfluß (Enzensberger, Einzelheiten I. 75). 3.
(verhüll.): männliche Person, die jmdm. [für sexuelle Kontakte]
zur Verfügung steht: G. Harry ... noch Termine frei (MM
21. 1. 76. 12); Gesellschafterin, die; -. -nen: 1. weibliche
Person, die zur Begleitung u. Unterhaltung hochgestellter
Personen angestellt ist: sie ist kein Dienstmädchen, sondern
die G. der alten Dame. 2. w. Form zu TGesellschafter
(2): diese Firma ist G. bei einem großen Unternehmen.
3. (verhüll.) weibliche Person, die jmdm. [für sexuelle
Kontakte] zur Verfügung steht: G.. Domina (MM 21. 1. 76.
12); gesellschaftlich <Adj.; o. Steig.; nicht präd.) 1. die
politischen, wirtschaftlichen, sozialen Verhältnisse einer
Gesellschaft (1) betreffend: die -en Verhältnisse; die -en
Zusammenhänge; g. bedingt sein. 2. in der feinen Gesellschaft
(3) üblich; die guten Umgangsformen betreffend: -e Formen;
-e Bildung; er macht sich damit g. unmöglich. 3. a) (nur
attr.) (marx.) gemeinschaftlich: die Gesamtheit der
Beziehungen der Menschen in einer bestimmten Gesellschaft
betreffend: -es Eigentum an Produktionsmitteln; b) (DDR)
der Gesellschaft nützend, dienend (in bezug auf
entsprechende Tätigkeiten): -e Arbeit; g. aktiv sein; sich g. betätigen.
ges^llschafts-, Ges^l(schaffe-: -abend, der: gesellschaftliche
Abendveranstaltung; -anzug, der: Anzug für einen
offiziellen, festlichen Anlaß; Smoking u.a.: für den Empfang ist
G. vorgeschrieben: -aufbau, der; -bild. das: Auffassung,
Bild, das jmd. von der Gesellschaft (1) hat; -dame, die
(veraltet): svw. tGesellschafterin (1); -fähig <Adj.; nicht
adv.>: den Normen der guten Gesellschaft (3) entsprechend,
von ihr anerkannt; korrekt: nach diesem Skandal ist sie
nicht mehr g.; Ü Noch scheint es so. als liege den
Kommunisten ernsthaft daran, ihren deutschen Staat g. zu machen
(Augstein. Spiegelungen 125); -fahrt, die: svw. Kreise;
-feindlich <Adj. > der [bestehenden] Gesellschaft] sordnung]
feindlich gesinnt; -form, die: Form. Art u. Weise, in der
eine Gesellschaft (1) aufgebaut ist; -formation, die (marx.):
Gesamtheit der materiellen u. ideologischen Verhältnisse
einer Gesellschaft (1) auf einer bestimmten historischen
Entwicklungsstufe; -kapital, das (Wirtsch.): Kapital einer
Unternehmensgesellschaft; -klasse, die: Klasse innerhalb einer
Gesellschaft (1); -kleidung. die: Kleidung für festliche txi.
offizielle Anlässe; -kritik, die: Kritik an einer bestehenden
Gesellschaft (1). dazu: -kritiker. der. -kritisch <Adj.>;
-lehre, die: a) Schulfach, das Geschichte. Geographie u.
Sozialkunde umfaßt; b) Wissenschaft vom Aufbau u.
Funktionieren einer Gesellschaft (1). Soziologie; -löwe. der (ugs.
abwertend): svw. T Salonlöwe; -Ordnung, die: Art u. Weise,
wie eine Gesellschaft (1) wirtschaftlich, politisch u. sozial
aufgebaut ist: die kapitalistische, sozialistische G.; -Politik.
die: svw. t Sozialpolitik: betrieben sie... eine auf das
Proletariat als Klasse bezogene G. (Fraenkel. Staat 273). dazu:
-politisch <Adj. o. Steig., nicht präd.); -räum, der <meist
Pl.>: Raum, in dem Gesellschaften (2 b) veranstaltet werden;
^reise.die: organisierte Gruppenreise; -roman, der: Roman,
der das gesellschaftliche Leben einer Epoche schildert;
-Schicht, die: Gruppe von Menschen, die sich auf Grund
von ökonomischen Verhältnissen. Herkunft. Bildung o.a.
in der etwa gleichen Lage befinden; -spiel, das:
unterhaltendes Spiel, das von mehreren Kindern od. Erwachsenen
zusammen gespielt wird. bes. Rate-. P/ander-. Reimspiel: Ü Es
gibt zur Zeit zwei verschiedene -e in der Bundesrepublik.
Bei dem einen können alle mitmachen ... Es heißt: Wir
suchen einen neuen Kanzler (Dönhoff. Ära 200); -Steuer,
(Steuerw.:) Ges^lbchaftsteuer, die (Wirtsch.): Steuer, die
von einer Kapitalgesellschaft auf die Einlage zu entrichten
ist; -struktur, die: vgl. ^form: Die Kommunen können
als ein Experiment mit neuen -en angesehen werden
1016
Gesicht
(Wohngruppe 126): -stück, das: 1. Theaterstück, das das
Leben in der besseren Gesellschaft (3) darstellt. 2. Gemälde,
das ein geselliges Beisammensein darstellt: -System, das:
System, nach dem eine Gesellschaft (1) politisch,
wirtschaftlich u. sozial aufgebaut ist: ^tanz. der: nicht od. wenig
improvisierter Tanz, der bei geselligen Festen getanzt wird
(im Unterschied zu Ballett u. Volkstanz): -vertrag, der
[1: LÜ von frz. Contrat social; nach der 1762 erschienenen
gleichnamigen staatsphilosophischen Schrift des frz.
Schriftstellers u. Kulturphilosophen J.-J. Rousseau (1712
bis 1778)): 1. (Staatsphilos.) freiwillige, von der Vernunft
bestimmte Übereinkunft, durch die der Wille des einzelnen
dem Willen der Allgemeinheit untergeordnet bzw. mit ihm
in Einklang gebracht wird. 2. Vertrag einer Gesellschaft
(4) des bürgerlichen Rechts: -verändernd <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.>: die bestehende Gesellschaft verändernd, dazu:
-Veränderung, die: -Wissenschaft, die: 1. <PI.)
zusammenfassende Bez. für Soziologie, politische Wissenschaften u.
Volkswirtschaftslehre. 2, <meist PI.} Gesamtheit der
Wissenschaften die sich mit dem gesellschaftlichen Leben befassen.
3. (DDR) Studienfach, das die philosophischen u.
ideologischen Grundlagen des Sozialismus vermittelt: unser junger
Dozent für G. (Chr. Wolf. Himmel 151), dazu:
-wissenschaftlich (Adj.; o. Steig.).
Gesenk [gazeok], das: -[eis. -e [zu fsenken]: 1. (Technik)
Hohlform zum Pressen von Werkstücken. 2. (Bergbau) unter
Tage von oben nach unten hergestellte Verbindung zweier
Sohlen: Gesenke [ga'zeoka], das; -s, - (selten): Bodensenke,
Tal: ein paar verstreute Hütten ... und in den -n die Hütten
der Hirten (Strittmatter. Wundertater 478); Gespik-
sdimied. der: Schmied, der am Gesenk (1) arbeitet:
Gesenkschmiede, -presse, die; svw. f Gesenk (1).
gesessen [ga'zesn]; f sitzen.
Gesetz [gazEts], das; -es. -e [mhd. gesetze. gesetzede. ahd.
gisezzida. eigtl. = Festsetzung, zu f setzen]: 1. vom Staat
festgesetzte, rechtlich bindende Vorschrift: ein strenges,
einschneidendes G.; das G. zum Schutz der Jugend: das neue
G. sieht vor. daß ...; dieses G. besagt ...; ein G. tritt
in Kraft, wird außer Kraft gesetzt; ein G. einbringen,
beraten, beschließen, durchbringen, verkünden, erlassen,
verabschieden, aufheben, annullieren; ein G. anwenden;
die -e einhalten, brechen: Würden die Sozialdemokraten
... -e auch für die Schwachen machen? (Kühn. Zeit 71);
gegen die -e verstoßen; nach geltendem G.; auf dem Boden
der -e stehen (sich den Gesetzen entsprechend verhalten):
durch die Maschen des -es schlüpfen (auf Grund von
Unzulänglichkeiten im Gesetz einer Strafe entgehen): eine Lücke
im G. finden (einen im Gesetz nicht berücksichtigten Fall
ausnutzen): mit dem G. in Konflikt geraten, kollidieren
(straffällig werden): im G. (Gesetzbuch) nachschlagen;
vor dem G. sind alle gleich (bei der Rechtsprechung sollen
keine Unterschiede nach Klasse, Rasse, Geschlecht, Religion
o.a. gemacht werden). 2. einer Sache innewohnendes
Ordnungsprinzip: unwandelbarer, fester Zusammenhang
zwischen bestimmten Dingen u. Erscheinungen in der Natur,
der unter gleichen Bedingungen stets wiederholbar ist: das
G. vom freien Fall; das G. von Angebot u. Nachfrage;
ein ewiges G. der Natur ... das war gewissermaßen das
G., wonach wir 1946 antraten (Dönhoff. Ära 15; nach
Goethe. Orphische Urworte); *das G. der Serie
(Wahrscheinlichkeit, daß ein bisher immer gleiches Ereignis auch
weiterhin eintreten wird): nach dem G. der Serie verliert
die Mannschaft; das G. des Handelns (die zwingende
Notwendigkeit zu handeln): sich das G. des Handelns
aufzwingen lassen (sich [entgegen seiner eigentlichen Natur] der
Notwendigkeit des Handelns unterwerfen): dasG. des
Handelns an sich reißen (die Notwendigkeit des Handelns erketi-
nen u. die Initiative dazu in die Hand nehmen). 3. feste
Regel, Richtlinie, Richtschnur: ein ungeschriebenes G.; die
Tatsache, daß ich ihm des öfteren unter die Arme greife,
ist ein G. der Kollegialität; das Wohl des Volkes ist ihm
oberstes G.; sich an die -e des Dramas halten; R das
ist ein G. von Medem und Persem (das ist ein
unumstößliches Gesetz, eine feste Regel).
Besitz-, Gesetz- (vgl. auch: gesetzes-, Gesetzes-): -blatt,
das: Amtsblatt zur Veröffentlichung von Gesetzen u.
Verordnungen: -buch, das: [großes] Buch, in dem alle Gesetze
u. Verordnungen zu einem bestimmten Sachgebiet enthalten
sind: das Bürgerliche G. (Abk.: BGB); -entwurf, der: dem
Parlament vorgelegter Entwurf eines Gesetzes: -gebend
<Adj.; o. Steig.; meist attr.>: Gesetze beratendu.
verabschiedend: die -e Versammlung; -geber, der: von der Verfassung
bestimmtes Staatsorgan, das Gesetze erläßt: das Parlament
in seiner Funktion als G.; -«eberisch <o. Steig.; nicht
präd.>: in der Funktion als Gesetzgeber: gesetzgebend: -es
Staatsorgan; -e Zuständigkeit; -gebung, die: Vorschlagen,
Beraten u. Erlassen von Gesetzen: bei der G. mitwirken,
dazu: -gebungshoheit, die: das alleinige Recht, Gesetze zu
erlassen: die G. des Parlaments, -gebungsverfahren, das:
ein kompliziertes G.; -kundig: svw. tgesetzeskundig; -los
<Adj.; nicht adv.>: keinerlei Gesetze achtend: ein -er
Tyrann; -e Zustände (Zustände, in denen keinerlei Gesetze
mehr geachtet werden), dazu: -losigkeit, die <o. Pl.>: a)
das Fehlen von Gesetzen od. Vorschriften: es herrschte wilde
G.; b) Mißachtung von Gesetzen: -mäßig <Adj.; o. Steig.;
nicht präd.>: 1. a) einem inneren Gesetz folgend: eine -e
Entwicklung; g. ablaufen; b) (selten) rechtmäßig:
normalerweise: Mitten in der Nacht, darin man g. schläft (Woh-
mann. Absicht 176). 2. gesetzlich, rechtmäßig: der -e
Besitzer; Neben der -en Verpflichtung zur Beitragszahlung ...
(Fraenkel.Staat313).dazu: -mäßtgkeit,die; -widrig <Adj;
o. Steig.): gegen das Gesetz verstoßend: eine -e Handlung,
dazu: -Widrigkeit, die.
gesetzes-, Gesetzes- (vgl. auch: gesetz-, Gesetz-): -bracher,
der: jmd., der straffällig geworden ist: Nach Angaben ...
der Polizei wurden 603 weitere G. inhaftiert (MM 10.
8. 70. 3); -hüter, der (oft iron.): Polizist: Liegt unseren
-n weniger daran, daß Bürger vor Schwindlern geschützt
werden (DM 5. 1966, 5); -kraft, die: gesetzliche Gültigkeit:
der Entwurf hat bereits G.; -kundig <Adj.; nicht adv.>:
rechtskundig: sich in den Gesetzen auskennend: -novelle,
die: Abänderung, Ergänzung, Nachtrag zu einem Gesetz;
-Sammlung, die: Sammlung von Gesetzestexten; -tafel, die
(meist Pl.>: steinerne Tafel, auf der Gebote od. Gesetze
geschrieben sind; -text, der: Text, Wortlaut eines Gesetzes;
^treu <Adj.>: die Gesetze befolgend, dazu: streue, die;
-Übertretung, die; -vorläge, die: vgl. Gesetzentwurf;
^werk. das: alle in einem bestimmten Zusammenhang
erlassenen Gesetze: das nun ausgehandelte G. geht zu Lasten
der Gewerkschaften (Spiegel 50. 1975. 25).
gesetzlich <Adj.; o. Steig.): einem Gesetz (1) entsprechend;
die Gesetze einhaltend; durch Gesetze geregelt, festgelegt:
-e Bestimmungen; ein -er Feiertag; -e Zahlungsmittel; die
Eltern sind die -en Vertreter des Kindes; g. verankert,
festgelegt sein; g. geschützt (Vermerk auf Waren, der
besagt, daß sie nicht nachgebildet werden dürfen): ... und
ich bin ein -er Mann, ein Mann des Anstandes (Th. Mann.
Joseph 313); <Abl.:> Gesetzlichkeit, die; -: 1.
Gesetzmäßigkeit, Gesetz (2):... daß die Entwicklung mit
naturnotwendiger G. zum Sozialismus fuhren müsse (Fraenkel. Staat
305). 2. durch Gesetze geregelter Zustand.
gesetzt [ga'z£tst]: 1.1setzen. 2. <AdJ.; -er, -este> [auf Grund
des Alters od. der Erfahrung] ruhig u. besonnen, in sich
gefestigt: ein -er älterer Herr; für seine Jugend wirkt er
sehr g.; sich g. benehmen, dazu: Gesetztheit, die: -•
Geseufze [gazgyftsd], <&*'* "s: [dauerndes] Seufzen.
"Gesicht [ga'zuft], das; -[eis. -er (mhd., ahd. gesiht = das
Sehen. Anblicken): 1. a) Vorderseite des menschlichen
Kopfes vom Kinn bis zum Haaransatz: ein hübsches, zartes,
volles, häßliches G.; ihr G. strahlte; sein G. lief vor Wut
rot an. verzerrte sich; das G. abwenden, verbergen; sich
jmds. G. einprägen; jmdm. ins G. sehen, starren; Jmdm.
(auch:) jmdn. ins G schlagen; sich eine [Zigarette] ins
G. stecken (ugs.; sich eine Zigarette anzünden): er strahlte
über das ganze G. (ugs.; sein ganzes Gesicht drückte die
Freude über etw. aus): sie saß mit einer Zeitung vor dem
G. auf der Bank; (auch von bestimmten [dem Menschen
ähnlichen od. nahestehenden] Tieren:) die Katze hat ein
niedliches G.; *sein wahres G. zeigen (seine eigentliche
Gesinnung, seinen wirklichen Charakter offen durch etw.
zutage treten lassen); jmdm. wie aus dem G. geschnitten
sein (jmdm. sehr ätinlich sehen): sie war ihrer Mutter wie
aus dem G. geschnitten; das Essen fällt jmdm. aus dem
G, (ugs. scherzh.; jmd. übergibt sich); etw. ist ein Schlag
ins G. (etw. ist eine schwere Kränkung, Beleidigung): die
Absage war ein Schlag ins G. für ihn; jmckn, ins G. lachen
(jmdn. mit herausforderndem, höhnischem Lachen ansehen);
jmdm. ins G. lügen (jmdn. offen u. frech anlügen); Jmdm.
etw. insG. sagen (jmdm. offen u. rückhaltlos etw.
[Unangenehmes] sagen); jmdm. nicht ins G. sehen/blicken können
1017
gesichts-, Gesichts-
(jmdm. gegenüber ein schlechtes Gewissen haben): nach
diesem Vorfall kann er mir nicht mehr ins G. blicken;
jmdm. [mit dem Arsch] ins G. springen (ugs.; sehr große
Wut auf jmdn. haben): den Tatsachen ins G. sehen feine
Situation realistisch einschätzen u. entsprechend handeln):
mit dem G. in die Butter fallen (eine unangenehme Situation
glimpflich überstehen: wenn man fällt, ist es besser, in
etw. Weiches zu fallen); imdm. einen Spiegel vors G. halten
(jmdm. mit Hilfe eines Beispiels od. Gleichnisses das eigene
Verhalten klannachen): zu Geskhtte] stehen (zu jmdm.
passen): diese Äußerung steht dir schlecht zu G.; b) Mensch
(im Hinblick darauf, ob man ihn schon kennt oder nicht
kennt): ein neues, bekanntesG.; lauter fremde, unbekannte
-er; c) (selten) Vorder- od. Oberseite eines Gegenstands:
das Butterbrot ist aufs G. (auf die mit Butter bestrichene
Seite) gefallen; das Buch aufs G. legen (ein geöffnetes
Buch mit der Schrift nach unten legen). 2. Miene,
Gesichtsausdruck: ein freundliches, trauriges, neugieriges G.; ihr
G. ist immer fröhlich; ein böses, beleidigtes, dummes G.
machen; jmdm. etw. vom G. ablesen; *ein hippokra-
tisches G. (Med.; Gesicht eines Schwerkranken,
Sterbenden: nach dem altgriech. Arzt Hippokrates. um 460-um
370); ein anderes G. aufsetzen/machen (freundlicher,
fröhlicher scltauen: meist als Aufforderung): setz mal endlich
ein anderes G. auf!; das G. wahren/retten (den Schein wafi-
ren, so tun, als ob alles in Ordnung sei: LÜ von engl,
to save one's face); das G. verlieren (sein Ansehen, seine
Wertschätzung verlieren: LÜ von engl, to lose one's face;
ostasiatischen Ursprungs, eigtl. = die würdige Haltung,
die unbewegliche Miene verlieren): ein G. machen wie drei/
sieben/acht/vierzehn Tage Regenwetter (besonders
mürrisch, verdrießlich dreinblicken): ein G. machen, als ob ihm
die Petersilie verhagelt sei (verdutzt, hilflos, ratlos dreinblik-
ken): ein langes G. lange -er machen (enttäuscht dreinhlik-
ken): ein schiefes G. machen (seinem Mißfallen Ausdruck
geben): ein G. ziehen/machen (seinem Mißfallen Ausdruck
geben): -er schneiden (das Gesicht zu Grimassen verziehen):
etw. steht imdm. im G. geschrieben (etw. ist als
Gefühlsregung o. ä. am Gesichtsausdruck deutlich erkennbar). 3.
[charakteristisches! Aussehen, äußeres Erscheinungsbild: das
G. der Stadt hat sich verändert; das G. einer Epoche
prägen: durch den neuen Umschlag bekam die Zeitschrift
ein anderes G.; dieses Land hat viele -er (kann sehr
verschiedenartig erscheinen): *einG. haben (das richtige, erwartete
Aussehen haben): jetzt hat die Sache ein G.; so hat das
aber kein G.; ein anderes G. bekommen (in einem anderen
Licht erscheinen): durch diese Äußerung hat die Sache
ein ganzanderesG. bekommen. 4. <o. PI.) (geh.. veraltend)
Sehvermögen, Gesichtssinn: sein G. wird schwächer; sie
hat dasG. verloren (ist erblindet): * das Zweite G.
(Fähigkeit, Zukünftiges vorauszusehen: nach engl, second sight);
aus dem G. verlieren (nicht mehr wahrnehmen, sehen):
ins G. fallen/springen (sehr deutlich [zu sehen] sein): zu
G. bekommen (zu sehen bekommen): ich habe diesen Brief
erst heute zu G. bekommen; jmdm. zu G. kommen (Papier-
dt.; von jmdm. gesehen, bemerkt werden): ^Gesicht [-). das.
-[eis. -e: Vision: -e haben; Gesjchtel. das; -s. -[n] (österr.
ugs.): schönes, zartes Gesicht.
gesjchts-,Gesichts- ('Gesicht): -ausdruck, der: Mienenspiel
des Gesichts auf Grund einer bestimmten seelischen Verfas-
sung: mit zufriedenem G.; am G. läßt sich oft die Stimmung
erkennen; -bikhing, die: charakterisierende Form des
Gesichts: Mutschmann. dessen G. daran zweifeln ließ, ob
er ein Mensch oder ein Affe sei CNiekisch. Leben 130);
-creme, die: Hautcreme für das Gesicht: -erker, der (ugs.
scherzh.): Nase: -färbe, die: eine blasse G.; -feW, das:
1. Teil eines Raumes, der mit unbewegtem Auge erfaßt
werden kann: in jmds. G. fallen. 2. (Optik) das kreisförmige
Gebiet, das man durch optische Instrumente sehen kann:
-form, die: Form des Gesichts da): eine runde, ovale
G.; -hälfte, die: die rechte G.; -haut, die; -kontrolle, die:
in manchen Lokalen o. ä. geübtes Auswahlverfahren für den
Einlaß, u. zwar nach dem Aussehen dessen, der hineingehen
will, um nicht erwünschte Gäste fernziüxalten: -krebs, der
(Med.): Krebs im Bereich der Gesichtshaut: -kreis, der
[frühnhd., Ersatzwort für Horizont]: 1. (veraltend)
überschaubarer Umkreis: das Auto entfernte sich, bis es aus
meinem G. entschwand; Ü ich habe ihn ganz aus dem/aus
meinem G. verloren (treffe ihn nicht mehr, weiß nichts
mehr von ihm). 2. (veraltet) svw. T Horizont. 3. durch
Erfahrung u. Kenntnisse gewonnener geistiger Horizont, geistige
Weite: ein enger G.; seinen G. durch Reisen erweitem;
Der G. einer älteren Frau ist naturgemäß klein (Kaschnitz.
Wohin 40); -läge, die (Med): abnorme Geburtslage, bei
der das Gesicht des Kindes bei der Geburt den vorangehenden
Teil bildet: -Idhmung. die; -k» <Adj.; o. Steig.; nicht
adv.>: a) das ^Gesicht (1) nicht erkennen lassend: ..Der
Turm ist besetzt", sagte plötzlich ein anderer ... und blieb
im Schatten der weit in die Stirn gezogenen Schirmmütze
ganz g. (Bieler. Mädchenkrieg 361); b) (vom Menschen)
keine besonderen, charakteristischen Eigenschaften
erkennen lassend: -maske, die: 1. vor dem Iganzen] Gesicht
getragene Maske, Larve: einige Schauspieler trugen -n.
2. (Med.) a) svw. TAtemmaske: b) svw. f Mundschutz.
3. kosmetisches Präparat, das aufs Gesicht aufgetragen wird
[u. nach einiger Zeit wieder entfernt wird). 4. (Eidiockey)
vom Torhüter getragene Schutzmaske für das Gesicht:
-milch, die: milchiges kosmetisches Präparat für das
Gesicht: -muskel, der; -nerv, der; -Packung, die: vgl. -maske
(3); -partie, die: ein Teil des Gesichts: die obere G.; -pflege,
die: ^phstik, die (Med.): chirurgische Operation im Bereich
des Gesichts: -puder, der: kosmetischer Puder für das
Gesicht: -punkt, der [LÜ von lat. punctum visüs; von Dürer
auf das perspektivische Zeichnen bezogen, von Leibniz
in Analogie zu frz. point de vue auf das Geistige
Überträgen!: Art u. Weise, eine Sache anzusehen u. zu beurteilen:
Teilaspekt, unter dem eine Sache betrachtet werden kann:
private, persönliche -e; etw. unter einem anderen, neuen
G. betrachten; von einem psychologischen, pädagogischen
G. aus gesehen, verhält sich die Sache anders: -rose, die
(Med.): Wundrose im Bereich des Gesichts: ^röte, die;
-schädel, der (Anat.): vorderer Teil des menschlichen
Schädels ohne das Stintbein: -schnitt, der: vgl. ^bildung: Man
fand dort ihren Sohn ... vor. dessen G. erstaunlich
europäischen Charakter hatte (Hauptmann, Schuß 52); -sinn.
der <o. Pl.>: Fähigkeit von Lebewesen, mit Hilfe bestimmter
Organe Lichtsinnesreize aufzunehmen: -täuschung. die:
optische Täuschung: -vertust, der: Verlust an Ansehen,
Wertschätzung: (Carstens) hatte ... versucht, seinem bayrischen
Gönner den G. zu ersparen (Spiegel 21. 1975. 23); die
Gelegenheit .... ohne G. aus der sozialliberalen
Regierungsmannschaft auszuscheren (Spiegel 28. 1974. 17):
-wasser, das: kosmetische Flüssigkeit zur Reinigung u.
Pflege des Gesichts: -winkel, der: a) Winkel, unter dem ein
Gegenstand dem Betrachter von seinem Standpunkt aus
erscheint: b) vgl. T-punkt: etw. unter einem zu engen G.
beurteilen; ^zug, der <meist Pl.>: Ausformung eines
Gesichts, ständiger Gesichtsausdruck: edle, feine, strenge
Gesichtszüge; seine Gesichtszüge drückten Unmut aus.
Gesims [ga'zims]. das; -es. -e [Kollektivbildung zu TSims]:
waagerecht aus einer Mauer hervortretendes,
fensterbrettartiges Bauteil zur Gliederung von Außenwänden.
Gesinde [gd'zmda]. das; -s. - [mhd. gesinde. ahd. gisindi.
Kollektivbildung zu mhd. gesinde. ahd. gisind(o) =
Gefolgsmann. Diener. Weggenosse, zu mhd. sint. ahd. sind
= Weg. Reise, also eigtl. = jmd.. der den gleichen Weg
hatj (veraltet): Gesamtheit der Knechte u. Mägde / auf einem
Bauernhof]: Gesindel [gd'zmd}]. das: -s [Vkl. zu TGesindel
(abwertend): größere Anzahl von Menschen, die mit ihrem
Denken u. Handeln außerhalb der gesellschaftlichen
Ordnung u. der sittlichen Gesetze stehen: heruntergekommene,
verbrecherische Menschen: lichtscheues G.;
Gesindeordnung, die: Verordnung, die Lohn, Arbeitszeit o. ä. des
Gesindes regelte: Gesjndestube, die: Raum im Bauernhaus, in
dem sich das Gesinde aufhielt.
Gesinge[gazioal.das; -s(ugs. abwertend): [dauerndes]
Singen: Sie stimmten ... ihr wüstes G. an. um uns zu feiern
oder zu argem oder beides zugleich (Seghers. Transit 67).
gesinnt üp'zint] <Adj.; o. Steig.; meist präd.. nicht adv.;
mit Artangabe) [mhd. gesinnet = mit Sinn u. Verstand
begabt, zu tSinn]: von, mit bestimmter Gesinnung:
menschenfreundlich, christlich g. sein; ich bin anders g. als
du; (auch attr.:> ein sozial -er Politiker; *jmdm./(selten:)
gegen jmdn. g. sein (gegenüber jmdm. in bestimmter Weise
eingestellt sein): jmdm. freundlich, übel g. sein; <auch
attr.:> der ihm günstig -e Chef.
Gesjnnung, die; -. -en [zu veraltet gesinnen = an etw. denken;
begehren]: Haltung, die jmd. einem anderen od. einer Sache
gegenüber grundsätzlich einnimmt, geistige u. sittliche
Grundeinstellung eines Menschen: eine anständige, freiheit-
1018
Gespinstpflanze
liehe, fortschrittliche, niedrige, gemeine G.; ich kenne seine
politische G. (Denkweise) nicht; seine G. wechseln; eine
freundlicheG. für. gegen jmdn. haben (veraltet; ihm freund-
lieh gesinnt sein).
gesjnnungs-, Gesinnung»-: -freund, der: vgl. -genösse;
-genösse, der: jmd.% dessen [politische] Gesinnung man teilt;
^k» (abwertend) <AdJ.; Steig, ungebr.; nicht adv.>: ohne
sittliche Grundsätze: ein -er Lump, dazu: -losigkeit, die;
-; -hmp, der (ugs. abwertend): jmd.. der seine Gesinnung
der jeweiligen Lage anpaßt, um sich einen Vorteil zu
verschaffen, dazu: -kmperei, die; -Schnüffelei, die (abwertend):
heimlich vorgenommene Nachforschungen. Ermittlungen, die
angestellt werden, um jmds. [politische] Gesinnung auf
Grund von Äußerungen od. Betätigungen in Erfahrung zu
bringen, das Suchen nach solchen Äußerungen usw.: die
neuen Verfassungsschutzgesetze, „die G. erleichtem4'
(Spiegel 35, 1976. 143); -tüter, der: jmd.. der aus einer
(politischen] Überzeugung heraus eine Tat begeht, die nach
geltendem Recht strafbar ist; -treu <Adj.>: einer Gesinnung
treu bleibend, dazu: -treue, die; -wandel, der: Wandel
der [politischen] Einstellung; -Wechsel, der: vgl. ^wandel.
gesittet [gd'zitot] <AdJ.> [mhd. gesitet = gesittet, geartet,
beschaffen < ahd. gesit = geartet, eigtl. 2. Part, von
(gi)siton = bewirken, tun. bewerkstelligen]: a) sich den
guten Sitten entsprechend benehmend, wohlerzogen: ein -es
Benehmen; Kinder sollen sich g. aufführen; b) zivilisiert:
... damit wir mit euch darin von Sinnen kommen und
zwei -e Wesen sich aufführen wie Menschenfresser (Th.
Mann. Krull409); Gesjttung, die; - (geh.): gesittetes Wesen,
zivilisiertes Verhalten; Bildung: Mit den Maßstäben der
humanistischen G. dürfe man da nicht herantreten (Th.
Mann. Zauberberg 697).
Gesitze [gd'zitsa]. das; -s [zu f sitzen] (ugs. abwertend):
längeres Sitzen!müssen/: von dem ewigen G. wird man ganz
kreuzlahm.
Gesocks [gd'zaks]. das; - [wahrsch. geb. zu veraltet socken
= [davonllaufen. also eigtl. = die. die immer davonlaufen
(müssen) od. umherziehendes Volk] (salopp abwertend):
Gesindel, Pack: Nun aber raus mit dem G.! (Bobrowski.
Mühle 254).
Gesöff [gd'zoefl. das; -[e]s. -e [Kollektivbildung zu veraltet
Soff, zu TSuff) (salopp abwertend): schlecht schmeckendes
[billiges, alkoholisches] Getränk: ein übles, scharfes,
ekelhaftes G.; aber das süße G.. das sie dort vorgesetzt
bekamen, war nichts für sie gewesen (Ott. Haie 135); gesoffen
[gd'zafn]: t saufen.
gesogen [ga'zo:gn]: f saugen.
gesondert [gazondm] <Adj.; o. Steig.) [zu Isondern]: von
etw. anderem getrennt, extra, für sich: -e Abrechnungen;
das Cafe besitzt drei -e Räume; etw. g. betrachten,
verwalten, verpacken.
gesonnen [ga'zaran] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [1: 2. Part,
zu veraltet gesinnen = streben, trachten < mhd. gesinnen.
ahd. gesinnan; 2: 2. Part, zu T sinnen]: 1. *ni etw. g. sein
{die Absicht haben, gewillt, entschlossen sein. etw. zu tun):
ich bin nicht g., meinen Plan aufzugeben; sie schien nicht
g. zu kommen. 2. falsch für: f gesinnt.
gesotten [gszotn]: tsieden; GesQttene, das; -n (landsch.):
gekochtes Fleisch: heute gibt es -s mit Kartoffeln.
"Gespan [ga'Jpa.n], den -[e]s u. -en, -e[n] [mhd. gespan
= Gefährte. Genosse; wahrsch. verw. mit spannen, also
eigtl. = der mit (einem anderen) eingespannt ist] (veraltet,
noch landsch. u. in der Druckersprache): Mitarbeiter.
Helfer, jmd.. mit dem man durch die Arbeit u. gemeinsame
Interessen verbunden ist: Heuchelten die -en. oder war ich
allein mit meinem Mißbehagen? (Dessauer, Herkun 108).
2Gespan [-]. der; -[e]s, -e [ung. ispän < slaw. 2upan =
Burggraf] (hist.): ungarischer Verwaltungsbeatnter; Gespgn-
schaft, die; -. -en (veraltet): svw. t Komitat.
Gespänge [gö'Jpena]. das; -s [Kollektivbildung von t Spange]:
svw. t Spangenwerk.
Gespiniein [g3'Jpe:nlain]. das; -s. - [zu 'Gespan] (Schweiz.):
: gleichaltriger] Spielgefährte.
Gespann [ga'Jpan], das; -lejs. -e [zu f spannen]: 1. a) vor
einen Wagen o.a. gespannte Zugtiere: ein G. Pferde; man
denke an die todkranken Schlittenhunde, die ihren Platz
im G. um keinen Preis aufgeben wollen (Lorenz. Verhalten
I. 98); b) Wagen mit einem od. mehreren davor gespannten
Zugtieren: ein elegantes G. mit vier Pferden; Ü ... wenn
Sie statt der 1000 kg Anhängerlast... 600 bis 650 kg fahren.
werden Sie ein reise- und bergfreudiges G. (Auto mit
Anhänger) haben (Auto 7, 1965. 54). 2. zwei auf bestimmte
Weise zusammengehörende Menschen: diese beiden sind
ja ein merkwürdiges G.; der Frankfurter und der
Hamburger sind in der Nationalmannschaft ein G.. das sich
hervorragend versteht. 3. (Schweiz.) Lattengerüst.
gespannt [gd'Jpant] <Adj.; -er. -este> [zu t spannen]: 1. voller
Erwartung den Ablauf eines Geschehens verfolgend; aus
Neugierde aufmerksam: -e Erwartung. Aufmerksamkeit;
ich bin g.. ob es ihr gelingt; sie verfolgten g. das Geschehen;
* g. sein wie ein Regenschirm/wie ein Flitz[e]bogen (ugs.;
sehr neugierig auf den Ausgang einer Sache sein). 2. <nicht
adv.> von einem latenten Konflikt, von Gereiztheit zeugend:
-e Beziehungen; die Lage. Atmosphäre ist g.; was der
Korbmacher unter einem ..gespannten Verhältnis"
verstand (Bieler. Mädchenkrieg 368); <Abl.:> Gespanntheit
die; -: 1. das Gespanntsein (1); erwartungsvolle Neugier.
Aufmerksamkeit: waren alle Gesichter mit einer
schweigenden G. auf Herrn von Balk gerichtet (Wiechert. Jeromin-
Klnder9l6). 2. das Gespanntsein (2); Gereiztheit: wir
trennten uns bald und in deutlicher G. (Rinser. Mitte 94).
Gespärre [gs'Jpere], das; -s [mhd. gesparre. zu t Sparren]
(Bauw.): ein Paar sich gegenüberliegende Dachsparren.
gespaßig [gd7pa:si<;]. (auch:) gspaßig l'kjpa.'sif] <Adj.> [zu
t spaßig] (bayr.. österr.): spaßig, lustig.
Gespenst [gd'Jpenst], das; -[eis. -er [mhd. gespenst(e). ahd.
gispensti = (Ver)lockung. (teuflisches) Trugbild, zu mhd.
spanen.ahd. spanan = locken, reizen; vgl. T abspannen]:
1. grauenerregendes Spukwesen [in MenschengestaltJ;
2Geist (2 b): im alten Schloß geht ein G. um; der
Verstorbene soll ihm als G. erschienen sein; du siehst aus wie ein
G. (sehr schlecht, bleich); [nicht] an -er glauben; *-er
sehen (Dinge sehen, die gar nicht da sind: unbegründet
Angst haben, sich unnötige Sorgen machen): du siehst doch
-er! 2. (geh.) drohende Gefahr: das G. eines Atomkrieges.
Gespenster- (Gespenst 1): -furcht, die: Furcht vor
Gespenstern; -geschichte, die: [literarisch gestaltete] Darstellung
unheimlicher Begebenheiten; -glaube, der: fester Glaube
an die Existenz von Gespenstern; -reich, das: Geisterwelt;
-schiff, das: Schiff das der Sage nach mit einer Besatzung
von Toten auf dem Meer treibt; -stunde, die: Zeit zwischen
24 Uhr und 1 Uhr.
gespensterhaft <Adj.; -er. -este>: wie von Gespenstern
herrührend; unheimlich: eine -e Erscheinung; gespenstern
[ga'Jpensten] <sw. V.>: a) als Gespenst umherirren; spuken
<hat>: der tote Graf soll wieder im Schloß gespenstert
haben; b) sich gespensterhaft bewegen <ist>: Boden .... über
dessen dunkles Muster das ... Licht einer Funzel
gespensterte (Fussenegger, Zeit 232); gespenstig, gespenstisch
<Adj.> [mhd. gespenstec = verführerisch, zauberisch]:
unheimlich, düster drohend; auf unerklärliche Weise
[geschehend]: ein -er Friedhof; -es Aussehen; seine Erscheinung
war geradezu g.; g. aussehen; Es ist gespenstisch, daß
fast nichts so zuverlässig funktioniert wie die Mechanismen
der Vorurteile (Kant. Impressum 303).
gesperbert [ga'JperbBt] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.> (Jä-
gerspr.): in der Art eines Sperbers gezeichnet: -es Gefieder.
Gesperre [ga'Jpera], das; -s, - [mhd. gesperre = das
Sperrende. Schließende; zu T sperren]: 1. (Technik) Vorrichtung
zum Hemmen einer Bewegung; Sperrgetriebe. 2. (Jägerspr.)
bei Auerwild. Birkwildod. Fasanen die Jungen [u. die Henne
(xl. beide Altvögel].
gespie[e]n [gdjpi:(d)n]: Tspeien.
■Gespiele [gd'Jpi:b], das; -s (ugs. abwertend): [dauerndes]
Spielen; ^Gespiele [-], den -n. -n [mhd. gespil(e) =
Spielgefährte, Gespielin, bes. in der höfischen Dichtung] (geh..
veraltend): 1. jmd.. der als Kind mit einem anderen Kind
häufig zusammenkommt u. mit ihm gemeinsam spielt;
Spielkamerad. 2. (abwertend) svw. f ■Geliebte da): er soll der
neue G. der Filmschauspielerin sein; Gespfelin, die; -, -nen:
I. w. Form zu t bespiele. 2. (abwertend) svw. ^Geliebte
da).
Gespinst [gd'Ipinst], das; -[eis. -e [älter: Gespunst < mhd.
gespunst = das Spinnen. Gesponnenes, zu f spinnen]: a)
etw. Gesponnenes; zartes Gewebe. Netzwerk: ein feines,
durchsichtiges G.; Ü behutsam suchte er das feine G.
seines Traumes festzuhalten (Plievier. Stalingrad 49); b)
(Textilw.) endloser Faden; <Zus.:> Gespinstfaser, die: Faser,
die man spinnen kann; Gespinstpflanze, die: Pflanze, die
Gespinstfasern liefert.
1019
gesplissen
gesplissen [go'Jplisn]: t spleißen.
gesponnen [ga'Jpanan]: t spinnen.
'Gespons [gd'Jponsl: der; -es. -e [mhd. gespons. gespunse
= Bräutigam. Braut < lat. sponsus. sponsa] (veraltet,
noch scherzh.): Bräutigam. Ehemann: Die Holde
entschlüpft ihm und seinen eifersüchtigen Vorhaltungen mit
einem unkomplizierten G. (MM 18. 1. 69. 10); ^Gespons
[-]. das; -es. -e (veraltet, noch scherzh.): Braut. Ehefrau.
gesponsert: t sponsern.
gespornt [gd'jpsrnt]: 1.1 spornen. 2. vgl. gestiefelt.
Gespött [gd'jpoet]. das; -[eis [mhd. gespötte. zu Tspotten]:
Spott. Hohn: sein G. mit jmdm. treiben; das G. der
Nachbarn fürchten; Jmdn. dem G. der Leute preisgeben; * jmdn.
zumG. machen (bewirken, daß jmd. Gegenstand des Spottes
wird): zum G. werden (sich lächerlich machen u. verspottet
werden): durch diese Enthüllungen ist er zum G. der ganzen
Stadt geworden; Gesp$ttel, das; -s: svw. T Spöttelei: es ist
das arrogante G. eines Snobs (Enzensberger. Einzelheiten
I. 171).
Gespräch [ga'Jpre:«;], das; -[eis. -e [mhd. gespraeche, ahd.
gisprächi = Sprech vermögen. Rede. Unterredung, zu
t sprechen]: 1. mündlicher Gedankenaustausch zweier od.
mehrerer Personen in Redeu. Gegenrede über ein bestimmtes
Thema: ein offenes, freundschaftliches, interessantes,
politisches, geistreiches, lautes, fachliches, vertrauliches G.;
das G. kommt in Gang, plätschert dahin, verstummt,
kommt zustande, entwickelt sich, versiegt; die Gespräche
drehten sich um die gegenwärtige politische Lage; das
G. auf etw. bringen; ein G. mit jmdm., ein G. über etw..
zwischen Lehrer u. Schüler; die -e (politischen Gespräche.
Verhandlungen) zwischen Washington und Moskau: ein
G. führen, beginnen; dasG. beenden, abbrechen,
unterbrechen, fortsetzen, wieder aufnehmen; ein G. unter vier
Augen (vertrauliches Gespräch zwischen zwei Personen); er
konnte dem G. nicht folgen; Gegenstand unseres
Gesprächs war ...; sich an einem G. beteiligen; sich in ein
G. einmischen; in ein G. vertieft sein; laß dich nicht auf/in
ein G. mit ihm ein!; jmdn. in ein G. verwickeln, ziehen;
Woraufhin ein Sprecher des Auswärtigen Amtes mitteilte,
daß an die Aufnahme solcher Gespräche (unverbindlicher
Verhandlungen) gar nicht zu denken wäre (Dönhoff. Ära
56); *mit jmdm. ins G. kommen (sich mit jmdm.
unterhalten); mit jmdm. im G. bleiben (mit jmdm. in Kontakt
bleiben); im G. sein (Gegenstand von [öffentlich diskutierten]
Verhandlungen sein): als Nachfolger ist Herr Schmidt im
G.; der Bau einer neuen Straße ist im Gemeinderat seit
längerem im G. 2. Telefongespräch: ein dienstliches,
privates, dringendes G.; das G. dauert zehn Minuten, kostet
90 Pfennig, wurde unterbrochen; ein G. nach Paris
anmelden, vermitteln; ein G. mit London (mit einem Teilnehmer
in London) führen; legen Sie das G. auf mein Zimmer!;
erwartete auf ein G. aus. mit Berlin. 3. (ugs.) Gegenstand
eines Gesprächs; besprochenes Ereignis: die Affäre wurde
G.. wurde zum G. der ganzen Stadt; <Abl.:> gesprächig
<Adj.) [spätmhd. gespraechec. zu mhd. gespneche < ahd.
gisprächi = beredt]: zum Reden. Erzählen aufgelegt, gern
bereit: ein -er älterer Herr; du bist heute aber nicht sehr
g.; sich g. zeigen, dazu: Gesprächigkeit die; -: das
Gesprächigsein, gesprächiges Wesen: Frau Stöhr ... legte eine
fast wilde G. an den Tag (Th. Mann. Zauberberg 243).
gespr$dis-, Gesprächs-: -bereit <Adj.; nicht adv.):
Bereitschaft zu einem Gespräch (1) zeigend, dazu: ^bereitschaft.
die: G. zeigen: -^datier, die: Dauer eines Telefongesprächs:
für die Berechnung der Gebühren ist die G.
ausschlaggebend; -einheit, die: svw. tGebühreneinheit; -fetzen, der:
aus dem Zusammenhang gerissener Teil eines Gesprächs
(1); -form, die <o. Pl.>: ein Roman in G.; -gebühr, die:
Gebühr für ein Telefongespräch; -gegenständ, der: Der
bevorzugte G. sind Mädchen (K. Mann, Wendepunkt 397);
-kreis, der: Gruppe von Personen, die gemeinsame
Gespräche (1) führen; -leiter, der: Diskussionsleiter; -partner,
der: jmd.. mit dem man ein Gespräch (1) führt: älteren
Leuten fehlt oft ein G.; Er machte Meldung bei Hauptmann
Weber ... Der aber teilte ihm ... mit, er sei nicht der
richtige G. (er sei dafür nicht der zuständige, geeignete
Mann; Spiegel 18, 1976. 38); -pause, die; -Psychotherapie,
die: svw. t ^therapie; ^stoff, der: Thema eines Gesprächs:
sie hatten genügend G.; ^teilnehmen der: jmd.. der an
einem Gespräch (1) teilnimmt; -thema, das: ein
interessantes G ; Kindererziehung ist ein unerschöpfliches G.; die
Nachricht war G. Nummer eins; -therapie, die (Psych.):
psychotherapeutische Methode, bei der der Patient durch
Gespräche (1) seine Probleme selbst erkennen u. lösen soll;
^weise <Adv.>: durch ein Gespräch (1); während, im Laufe
eines Gesprächs (I): ich habe g. davon erfahren; -zähler,
der (Femspr.): Zählwerk, das Ortsgespräche u.
Gebühreneinheiten zählt; ^zeit, die: vgl. Miauer; -Zeitmesser,
der (Femspr.): Zählwerk, das die Dauer von
handvermittelten Ferngesprächen registriert.
gespreizt to'f praitst] <AdJ.; -er. -este> [zu T spreizen]
(abwertend): / in der Ausdrucksweisel geziert u. unnatürlich: -er
Stil; Ich bemühte mich ehrlich, wenngleich immer noch
mit -em und unangemessenem Vokabular (K. Mann,
Wendepunkt 73); seine Ausdrucksweise ist g.; sich g. benehmen;
<Abl.:> Gespreiztheit, die; -.
'Gesprenge üp'jpreoa]. das; -s. - [1: zu T sprengen; 2. 3:
zu f sprengen in der urspr. Bed. ,.von der geraden Linie
abspringen (machen)"]: 1. <o. PI.) (ugs.) (häufiges od.
dauerndes] Sprengen. 2. (Archit.) feingliedriger,
holzgeschnittener Aufbau auf spätgotischen Flügelaltären. 3.
(Bergmann sspr.) steil aufsteigendes Gebirge (3); 2Gesprenge [-1,
das; -s, - [wohl zu veraltet niederd. sprengen = einen
Balken in gebogener Form aus einem Stamm heraussägen;
vgl. mniederd. sprenc = Tor-. Gewölbebogen u. das
Adverb sprenc in der Wendung: sprenc scheten = im Bogen
schießen] (Bauw.): Dachstuhl od. Wand mit Sprengwerk.
gesprenkelt [ga'Jprenklt] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [zu
T Sprenkel]: Sprenkel aufweisend: -es Gefieder, -e Vogeleier;
die Krawatte ist blauweiß g.; Ü die Tribüne der Rennbahn
war von Leinenkleidem g. (Bieler. Mädchenkrieg 356).
Gespritzte [ga'Jpntsto], der; -n. -n <Dekl. f Abgeordnete)
[zu tspritzen]: a) (bayr.. österr.) Wein mit Sodawasser;
b) helles Bier, das mit etwas Malzbier od. einem koffeifthalti-
gen Erfrischungsgetränk vermischt ist.
gesprochen [gd'Jproxn]: t sprechen.
gesprossen [gd'Jprosn]: t sprießen.
Gesprudel [g3'Jpru:dl], das; -s: das I Hervor jsprudeln.
Gespriih [ga'Jpry:]. das; -s [zu tsprühen]: I. [dauerndes]
Sprühen. 2. sehr feiner Regen. Schnee o.a.: Unterm
Exerzierschuppen ... jagte der Wind Schneebrocken, feine
Kristalle, eisiges G. ziemlich weit unters Dach (A. Zweig.
Grischa 351).
gesprungen to'Jpruoan]: t springen.
Gespür [gdjpy:?]. das; -s [mhd. gespür = Spur. Spuren,
zu t Spur]: Fähigkeit. Begabung, einen verborgenen od. nicht
deutlich sichtbaren Sachverhalt gefühlsmäßig zu erfassen
fu. sein Verhalten darauf einzurichten /; Gefühl (3 b): ein
feines, sicheres, psychologisches G. für etw. haben; er
hat überhaupt kein G. dafür, daß man so etwas nicht
sagt; ohne G. für die Zusammenhänge.
Gest Igest], der; -[e]s od. die; - [vgl. Gischt] (niederd.):
svw. T Hefe.
Gestade [ga'J*ta:da], das; -s. - [mhd. gestat = Ufer,
Kollektivbildung zu mhd. Stade, ahd. stad(o) = Ufer] (dichter.):
Teil des festen Landes, der an das Wasser grenzt; Küste.
Ufer: die G. des Mittelmeers.
gestaffelt: t staffeln.
Gestagen [gesta'ge.n]. das; -s. -e (meist PI.) [zu lat. gestatio
= das Tragen u. t-gen]: weibliches Keimdrüsenfwrmon.
das der Vorbereitung u. Erhaltung der Schwangerschaft
dient.
Gestalt [ga'Jtalt], die; -. -en [mhd. gestalt = Aussehen.
Beschaffenheit. Art u. Weise; Person, zu mhd. gestalt,
ahd. gistalt. 2. Part, von Tstellen]: 1. <P1. ungebr.) sichtbare
äußere Erscheinung des Menschen im Hinblick auf die
besondere Art des Wuchses: eine untersetzte, schmächtige G.;
die menschliche G.; zierlich von G.; von der äußeren G.
her Jmdm. [nicht] sympathisch sein: der Teufel in [der]
G. der Schlange (in der Schlange verkörpert). 2. unbekannte
od. nicht näher zu identifizierende Person, die man erblickt:
vermummte, armselige, bäurische, hohlwangige -en; eine
dunkle G. kam näher; sie schrie entsetzt auf. als sie die
blutverschmierte, leblose G. sah; Und doch dringt von
der reglosen G. da drüben eine Gefahr zu ihr herüber
(Fallada. Mann 245). 3. a) [bedeutende] Persönlichkeit,
wie sie sich im Bewußtsein anderer herausgebildet hat: die
G. Caesars, er gehört zu den großen -en der Geschichte;
um seine G. ranken sich Legenden; b) von einem Dichter
o. ä. geschaffene Figur in Epik. Drama od. Lyrik: die
zentrale G. eines Romans; die -en der Sage wurden im Drama
1020
Gestehe
verändert; die Armen, die gebeugt die Schiffe hinaufzogen,
sind zu -en russischer Romantik geworden (Koeppen.
Rußland 117). 4. <P1. ungebr.) Form, die etw. hat od. in der
etw. erscheint; sichtbare Form eines Stoffes: in
schwermütigen Liedern G. gewordene Melancholie; Er lächelte über
diese voreilige Bekräftigung einer Absicht, deren G. erst
ausreifen mußte (Musil. Mann 549); der Grundriß der
Kirche hat die G. eines Achtecks; *G. annehmen/gewinnen
(sich mit der Zeit deutlicher herausgestalten u. Wirklichkeit
werden): der Plan nimmt allmählich G. an; einer Sache
G. geben/verleihen (etw. deutlich, wirklich werden lassen):
bedeutender aber ist die Schwierigkeit, dieser Erinnerung
eine G. zu verleihen (Hagelstange. Spielball 217); in G.
+ von od. adj. Attr. od. Genitivattr. (in Form von; als):
Gas wurde in G. von aufsteigenden Bläschen sichtbar;
(Papierdt.:) Unterstützung in G. von Nahrungsmitteln;
(Papierdt.:) eine Meldung in G. eines Funkspruchs; (ev.
Rel.:) das Abendmahl in beiderlei G. (in Form von Brot
u. Wein); sich in seiner wahren G. zeigen (zeigen, wer
man wirklich ist; sich entlarven).
gestylt-,Gestylt-: ^los <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: ungeformt
u. unklar: eine -e Wolkendecke; un pro filierte, -e Figuren
in der Politik, dazu: -losigkeit, die; -; ^Psychologie, die:
psychologische Forschungsrichtung, nach der Erleben u.
Verhalten sich in Ganzheiten vollziehen; ^wandel. der (Med.):
sich mit den Vorgängen in den einzelnen Entwicklungsstiifen
vollziehende Wandlung der körperlichen Proportionen u.
der Gesamtgestalt; -Wechsel, der: svw. t ^wandel.
gestaltbar <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: zum Gestalten (I)
geeignet; so beschaffen, daß es in eine bestimmte Form
da, b) gebracht werden kann: ein -er Raum.
gestalten [ga'Jtaltn] <sw. V.; hat) [zu fGestalt]: 1. einer
Sache eine bestimmte Form, ein bestimmtes Aussehen geben:
ein Thema dichterisch g.; den Abend abwechslungsreich
g.; eine Wohnung nach seinem Geschmack g. (einrichten);
eine Lage erträglich g. (Schwierigkeiten o.a.. soweit es
geht, in Grenzen halten). 2. <g. + sich) sich in einer
bestimmten Art entwickeln; werden: der Abstieg gestaltete sich
weit schwieriger als der Aufstieg; es gestaltete sich alles
aufs glücklichste; ... begann in seinem Innern ein anderes
Bild sich zu g. (Hesse. Narziß 204); <Zus.:> Gestyltenfülle.
die: Fülle von Gestalten (3): ein Roman mit einer
verwirrenden G.; gestyltenreich <Adj.; nicht adv.): eine Fülle von
Gestalten (3) aufweisend; Gestylter, der; -s, -: jmd.. der
etw. gestaltet: der Mensch als G. der Natur; der G. eines
Films, Kunstwerks; Gestylterin, die: w. Form zu f
Gestalter; gestalterisch <Adj.; o. Steig.; nicht präd.): die
Gestaltung betreffend; künstlerisch: seine -en Fähigkeiten;
Einbauleuchten .... die ... ein -es Element bilden (Wohnfibel
90); gestylthaft <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): wie eine Gestair
(1) wirkend: eine -e Erscheinung; gestyltlkh <Adj.; o. Steig.;
nicht präd. >: die Gestalt. Form betreffend: Durch irgendeine
-e Verwandtschaft bemächtigte sich dabei ihres Gemüts
auch die unheimliche Stimmung wieder (Musil, Mann
1198); Gestaltung, die; -. -en: 1. <P1. ungebr.) a) das
Gestalten (1): die geschmackvolle G. einer Galerie; die G. des
Unterrichts, einer Sozialordnung, des kirchlichen Lebens;
b) Art u. Weise, in der etw. gestaltet (1) ist; Besclmffenheit:
die äußere G. einer Zeitschrift. 2. etw. Gestaltetes, gestaltete
Einheit: Der Mensch ist ja keine feste und dauernde G.
(Hesse, Steppenwolf 25).
Gestaltung*-: ^element, das: diese Elemente wirken als
Einbauten, sind -e des Raumes (Wohnfibel 58); -form, die:
-en der parlamentarischen Demokratie; -kraft, die:
künstlerische Fähigkeit, etw. zu gestalten; ^prinzip, das: Prinzip,
nach dem etw. gestaltet ist: ein politisches G.; die
Sonatenform als G.
Gestammel [goftamll. das; -s: a) (dauerndes/ Stammeln;
b) gestammelte Worte. Sätze: unverständliches G.
Gestampf, das: -le]s, Gestampfe [gaftamßfta)], das; -s:
dauerndes/ Stampfen; stampfendes Geräusch:... hörte man
das dumpfe Gestampfseiner Maschine (Schnabel. Marmor
65).
Gestände [gaftenda], das: -s. - [Kollektivbildung zu t Stand]
(Jägerspr.): 1. svw. T Horst (I). 2. svw. t Ständer (2).
gestanden [gdltandn: 2: mhd. gestanden. 2. Part, von
tstehen, eigtl. = (seinem Gegner) standgehalten habend]: 1.
tstehen. 2. <Adj.; o. Steig.; nur attr.) (meist von Männern)
reiferen Alters u.J erfahren, erprobt, sich auf seinem Gebiet
auskernend: ein -er Mann. Parlamentarier; Hörzu wollte
die Probleme junger, aber ..-er" Schauspielerinnen
kennenlernen (Hörzu 20. 1973. 28). 3. *-e Milch (landsch.;
Sauermilch. Dickmilch).
geständig [gdltendif] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [mhd.
gestendec = beständig, beistehend, zustimmend; zu f
gestehen]: ein Vergehen. Unrecht, seine Schuld [vor Gericht
od. auf der Polizeibehörde] eingestehend: ein -er
Angeklagter; der Verhaftete war g.; Geständnis [...ntnis]. das; -ses.
-se: das Eingestehen einer Schuld, eines Vergehens [vor
Gericht od. auf der Polizeibeliörde/: ein erzwungenes G.;
ein [umfassendes] G. ablegen; sein G. widerrufen; jmdm.
ein G. abnötigen; ich muß dir ein G. machen (etw. sagen,
was ich bisher verschwiegen habe, weil es mir peinlich o. ä.
war); endlich kam es zu dem befreienden G.
Gestänge [ga^tenal. das; -s. - [Kollektivbildung zu TStange]:
1. miteinander verbundene Stangen, die etw.
zusammenhalten, tragen o.a.: das G. eines Bettes, eines Karussells;
... einen Bronzekessel in das G. seiner drei Beine
einzuhängen (Bild. Kunst I, 189). 2. (Technik) aus mehreren durch
Gelenke verbundenen Stangen u. Hebeln zusammengesetzte
Vorrichtung zur Übertragung von Schub- u. Zugkräften.
3. (Bergmannsspr.) Gleis in einer Grube.
Gestank [gaftaok], der; -[eis [mhd. gestanc;
Kollektivbildung zu mhd., ahd. stanc = (schlechter) Geruch]
(abwertend): übler, durchdringender Geruch: ein scheußlicher,
schwefliger G.; ein G. von Karbid und faulen Eiern schlug
ihnen entgegen; von dem nahegelegenen Fabrikgelände
trieb Staub und G. in die Straße; Gestänker [gd'j'tenke].
das; -s [zu t stänkern] (ugs.): anhaltender Versuch. Unfrieden
zu stiften: Sei still mit deinem G. Der Chef ist nicht der
Schlechteste! (Strittmatter, Wundertäter 321).
Gestapo [ge'sta:po], die; - [Kurzwort aus Geheime
Staatspolizei]: politische Polizei des nationalsozialistischen Regimes:
die G. arbeitete unabhängig von Justiz und Verwaltung;
er drohte mit G. und Konzentrationslager; er wurde von
der G. gesucht, abgeholt, gefoltert; <Zus.:> Gestapokeller,
der: in Kellern gelegene Haft- u. Vernehmungsräume der
Gestapo: Die Narbe an seiner Stim ... war ihm im G.
geschlagen worden (Remarque. Triomphe 324):
Gestapomethoden <P1.) (abwertend): unmenschliche
Terrormethoden.
gestärkt: f starken.
gestatten [gdjtatn] <sw. V.; hat) [mhd. gestaten. ahd. gista-
tön. zu ahd. stata = rechter Ort, günstiger Zeitpunkt.
Gelegenheit]: 1. [ in förmlicher Weise J einwilligen, daß jmd.
etw. tut od. läßt: jmdm. den Aufenthalt in einem Raum
g.; jmdm. g.. die Bibliothek zu benutzen; das Rauchen
ist hier nicht gestattet; ich werde das Fenster öflhen, wenn
Sie gestatten; häufig als Höflichkeitsformel: gestatten Sie
[eine Frage]: wann waren Sie zuletzt dort?; gestatten Sie.
daß ich rauche?; gestatten Sie? (darf ich an Ihnen vorbei?).
2. (geh.) sich die Freiheit zu etw. nehmen: sich ein Vergnügen
g.; ich möchte mir^rst eine Zigarette g.; als
Höflichkeitsformel: wenn ich mir die Frage, eine Bemerkung g. darf
...; ich gestatte mir. Sie zum Essen einzuladen. 3. a) als
Voraussetzung etw. zulassen: wenn die Umstände,
Verhältnisse es gestatten ...; wenn meine Gesundheit es gestattet,
werde ich an der Sitzung teilnehmen; b) ermöglichen, die
Voraussetzung für etw. bieten: seine große Belesenheit
gestattet es ihm. sich über die verschiedensten Probleme
zu äußern.
Geste ['gesto. auch: 'ge:sto], die; -, -n [lat. gestus =
Gebärdenspiel des Schauspielers od. Redners, zu: gerere = [zur
Schau] tragen; sich benehmen]: 1. unwillkürliche od.
bewußte Bewegung der Arme od. Hände, die jmds. Worte begleitet
od. ersetzt [u. eine bestimmte innere Haltung ausdrückt]:
eine verlegene, feierliche G.; eine G. der Entschuldigung
machen; seine Rede durch eindringliche -n unterstützen;
jmdn. mit einer einladenden G. ins Haus bitten. 2.
Handlung od. Mitteilung, die etw. indirekt ausdrücken soll: das
Angebot war nur eine G.; etw. als freundliche G.
betrachten.
Gesteck [go'Jtek], das; -[e]s. -e [zu T stecken]: 1. / vom
Floristen] in bestimmter Anordnung in eitler Schale o.a. fest
eingesetztes Blumenarrangement. 2. (bayr.. österr.)
Hutschmuck I aus Federn od. einem Gamsbart].
gesteckt [ga'Jtekt; 2. Part, von t stecken] in der Verbindung
g. voll (ugs.; so voll, daß niemand, nichts mehr Platz findet):
das Theater war g. voll.
Gestehe [gölten], das; -s [zu tstehen] (ugs. abwertend):
1021
gestehen
längeres StehenlmüssenJ: von dem ewigen G. tun mir
die Füße weh.
gestehen [gdjte:dn] <sw. V.; hat) (mhd. gesten. ahd. gistän.
indermhd. Rechtssprache auch = beipflichten, bekennen,
einräumen, zur Aussage vor Gericht treten; verstärktes
T stehen]: a) eine Tat, ein Unrecht, das man begangen hat.
zugeben, bekennen: die Tat, das Verbrechen, den Mord
g.; er hat [alles] gestanden; keiner der Angeklagten hat
gestanden; er hat ihr sein Vergehen gestanden; b) Gefühle,
einen Sachverhalt offen aussprechen: die Wahrheit g.; jmdm.
seine Liebe g.; ich muß zu meiner Schande g.. daß ich
vergessen habe, das Buch zurückzugeben; offen gestanden,
ich habe keine rechte Lust dazu; Gestehungskosten <P1.)
(zu mhd. gesten = zu stehen kommen, kosten] (Wirtsch.):
Kosten der Herstellung. Selbstkosten: die G. bei
Betriebsküchen; die G. durch Massenabsatz senken.
Gestein [ga'Itajn). das; -(eis. -e (Kollektivbildung zu TStein]:
I. aus einem Mineralf gemenge] bestehender, fester Teil
der Erdkruste: kristallines, mesozoisches G.; die
Schichtung des -s. 2. svw. T Fels (1): brüchiges, hartes G.
gestfiins-, Gestdns-: -ader, die; -art, die: Art des Gesteins
(1); -bildend <Adj.; o. Steig.: nicht adv.>: -e Mineralien;
^bikhing, die: -bohrmasdiine, die: Bohnnaschine zum
Bohren von Sprenglöchern im Gestein (2); ^brocken, der;
^faser,die: aus geschmolzenem Sedimentgestein durch Blasen
hergestellte Faser: ^formatiofi.die; ^kunde.die: Wissenschaft
von Zusammensetzung. Aufbau u. Vorkommen der Gesteine:
Mnasse« die: zu Tal stürzende -n: -pflanze, die: genügsame:
im Gestein in dünner Bodenschicht einer Spalte wachsende
Pflanze (z.B. Steinbrech); -probe, die: -n sammeln;
-Schicht (österr. auch:) -schichte, die; -Schichtung, die;
-schölle, die (Geol.): durch Beilegungen im Erdinnern
entstandener, scharf begrenzter Teil der Erdkruste:
-Sprengstoff, der (Bergbau): Sprengstoff, der keinen besonderen
Anforderungen in bezug auf die Gefahren durch Schlagwetter
u. Kohlenstaub unterliegt: -strecke, die (Bergbau): Gang
unter Tage, der im Gestein verläuft: -trümmer, die <P1.>
(Geol.): svw. T Trümmergestein.
Gestell [gdjtel], das:-(eis.-e (mhd. gestelle = Mühlengestell:
Rahmenwerk. ahd. gistelli = Stellung; Standort;
Zusammengestelltes; Kollektivbildung zu mhd., ahd. stal =
Standort. Stelle]: 1. Aufbau aus Stangen. Brettern o.a..
auf den man etw. stellen od. legen kann: die Flaschen liegen
auf einem G. 2. Unterbau, fester Rahmen (z. B. einer
Maschine, eines Apparats): das G. des Hochofens; das G.
des Bettes ist aus Messing; ein Photographierapparat auf
... hohem G. (Langgässer. Siegel 11); Ü zieh dein G. ein!
(salopp; nimm die Beine weg!). 3. (salopp) Person mit einem
dürren Körper: sie ist ein dünnes G. 4. (Jägerspr.)
schneisenartig ausgehauenes Waldstück. 5. (ugs.) kurz für f
Brillengestell; Gestellung, die; -. -en <P1. ungebr.) (1: zu veraltet sich
gesteilen = sich vor Gericht, bei einer Behörde einfinden;
2: zu mhd. gestellen, ahd. gistellen = herbeischaffen, zum
Stehen bringen, zu f stellen]: 1. das Sichstellen zum
Militärdienst auf Grund des Gestellungsbefehls. 2. (Amtsspr.)
Bereitstellungfür einen bestimmten Zweck, aus einem
bestimmten Anlafi: durch zusätzliche G. von Wagen erster Klasse
(Bundestag 189. 1968. 10190); Gestellungsbefehl, der
(früher): amtliehe Aufforderung, sich zum Militärdienst zu
stellen: In Zivil, aber mit einem G. ... wurde er in seine
Heimatstadt geschickt (Grass. Hundejahre 294).
gestelzt: f stelzen.
gestern [gesten] <Adv.) [mhd. gestertn). ahd. gesteron =
am Tage vor heute]: 1. an dem Tag. der unmittelbar vor
dem heutigen Tag abgelaufen ist: g. vormittag, abend; g.
um dieselbe Zeit; g. vor einer Woche; (landsch.:) in der
Nacht auf g.; er ist seit g. krank; die Zeitung ist von
g. (ist gestern erschienen): ich bin seit g. hier. 2. früher:
Manches, was g. noch denkbar war, ist seit heute für
immer vorbei (Chr. Wolf, Himmel 177); die Welt von
g.; <subst.:> keinen Gedanken an das Gestern
verschwenden; * (nicht] vong. sein (ugs.; / nicht] altmotJisch, unmodern,
rückständig sein; nach Hiob 8. 9: ..Denn wir sind von
gestern her und wissen nichts"): ihre Ideen, diese Leute
sind einfach von g.; der junge Pfarrer ist nicht von g.
Gestichel [go'Jti^l]. das; -s (ugs. abwertend): Idauerndes]
Sticheln. Angreifen mit boshaften Bemerkungen: sie konnte
das G. der Leute nicht länger ertragen.
gestiefelt teltiint] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (2. Part,
von veraltet sich stiefeln = Stiefel anziehen]: mit Stiefeln
versehen. Stiefel tragend: das Märchen „Der Gestiefelte
Kater";... ihn.... der sich ... plump g. vorkam (Th. Mann,
Zauberberg 681); *g. und gespornt (ugs. scherzh.; fertig,
bereit zum Aufbruch): er stand g. und gespornt in der
Tür.
gestiegen [gafti.gn]: t steigen.
gestielt [ga'Jthlt] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (Fachspr.):
mit einem Stiel versehen: -e Blätter, Früchte; ein -er
Hammer.
Gestik [gestik], die; - (zu tGeste]: Gesamtheit der Gesten
[als Ausdruck einer charakteristischen inneren Haltung 1:
die G. eines Schauspielers; Das ... Gehabe in einzelnen
Auftritten, wie die allzu betont kleinbürgerliche G.
einzelner Darsteller, wäre ... gewiß unterblieben (FAZ 19. 12.
61. 16); jmdn. an seiner G. erkennen; Ü Was dem Spiegel
an kritischer Potenz fehlt, versucht er durch inquisitorische
G. (durch inquisitorisches Gebaren) zu ersetzen (Enzensber-
ger, Einzelheiten 1.91); Gestikulation (gestikula' &lo:n], die;
-, -en Hat. gesticulätio]: das Gestikulieren, [heftige]
Gebärden mit denen man sich verständlich machen will]: die
Blicke, -en und Seufzer des unruhigen Wanderers (Hesse.
Sonne51);gestikulieren[...'li:ran]<sw. V.; hat)(lat. gesticu-
läri]: heftige Bewegungen mit Armen u. Händen ausführen
[um sich verständlich zu machen]: wild, aufgeregt mit dem
Stock g.; die beiden Frauen gestikulierten und redeten
heftig aufeinander ein (Jens. Mann 161); Unser Geld
stimmt nicht, behauptet er gestikulierend (Grzimek. Seren-
geti 36).
gestimmt [gd'Jttmt]: Tstimmen; Gestjmmtheit, die; -. -en:
Stimmung, in die man durch etw. versetzt worden ist: es
geht ihr (= der Malerin) ... um die möglichst genaue
Fixierung von -en des Gemüts, und diese Stimmungen
wechseln (MM 27. 11. 73, 24).
Gestion [gEs'üo:n], die; -. -en (lat. gestio] (selten): Führung.
Verwaltung: alle Kritik an Programm und G. der Festspiele
(MM 1. 7. 71. 36); <Zus.): Gestionsbericht, der (österr.
Amtsspr.): svw. t Geschäftsbericht.
Gestirn [ga'Jtim], das; -[e]s. -e [mhd. gestime. ahd. gistimi
= (Gesamtheit der) Sterne. Kollektivbildung zu t Stern]:
selbst leuchtender od. Licht von anderen Planeten
reflektierender Himmelskörper: das bleiche G. des Mondes ging
auf; scheint das G. (die Sonne) ... (Koeppen. Rußland
163); ein neues G. entdecken; den Gang der -e verfolgen:
das Kreisen der -e; aus den -en das Schicksal lesen; *hnds.
G. geht auf (geh.; jmd. ist auf dem Wege, bekannt, berühmt
zu werden): plötzlich war Laudons G. aufgegangen
(Bergeng ruen, Rittmeisterin 335); gestirnt Iga'Jtirnt] <Adj.; o.
Steig.; nicht adv.) (mhd. gestimet. ahd. gistimöt = mit
Sternen versehen, nach Art der 2. Partizipien gebildete
Abi. zu TStern] (geh.): Sterne aufweisend: der -e Himmel
(der Sternenhinvnel); in der Stille einer -en Sommernacht
(Benrath, Konstanze 94).
gestisch I'gEstiJ] <Adj.; o. Steig.): hinsichtlich der Gestik,
mit Hilfe von Gesten: ohne -e Übertreibung; Doch während
er g. renommiert (MM 2. 2. 65. 18).
gestoben [g^Jto:bn]: tstieben.
Gestöber [gs* Jt0:bej. das; -s. - [spätmhd. gestöber. gestobere,
zu t stöbern = flockenartig umherfliegen]: heftiges
Durcheinanderwirbeln von niedergehenden [Schnee[flocken: ins
G. hinaustreten; Ü in dem G. von Gunst, das auf sie
niedergeht (Werfel, Bemadette 11).
gestochen Igaftoxn]: 1.1stechen. 2. <Adj.; o. Steig.)äußerst
sorgfältig; genau: eine -e Handschrift; -e (Fußball; sehr
genaue, präzise) Flanken schlagen; eine -e (Boxen; sauber
angesetzte u. einwandfrei geschlagene) Rechte; die Kamera
liefert g. (sehr) scharfe Bilder; Heinrich Mann schrieb
in -em Deutsch das Buch (Zwerenz. Kopf 103).
gestohlen [gd'Jto:bn]: T stehlen.
Gestöhn, das; -[e]s. Gestöhne [ga'Jtante)]. das; -s (ugs.):
[anhaltendes] Stöhnen: jmds. G. nicht mehr ertragen
können.
Gestolper [ga'Jtolpe]. das; -s (meist abwertend): [dauerndes]
Stolpern.
gestQpft: T stopfen.
Gestör [gd'Jte:?]. das; -[eis, -e [mhd. gestore,
Kollektivbildung zu: storre = Baumstumpf. Klotz] (landsch.
veraltend): Verbindung mehrerer Stämme beim Flauen.
gestorben [gd'Jtorbn]: T sterben.
gestört ÜP'Jto.^t]: \. tstören. 2. <Adj.; o. Steig.; nicht adv.)
durch bestimmte Ereignisse belastet u. beeinträchtigt; nicht
1022
gesund
solcher Art. wie es wünschenswert wäre: Kinder aus -en
Ehen. Familienverhältnissen; Du hast ein -es Verhältnis
zum Begriff des Verzichts (Wohmann, Absicht 260). 3.
* geistig g. ([zeitweise] nicht über seine [volle] geistige
Kraft verfügend u. krankhaft wirr im Denken u. Handeln):
jmdn. für geistig g. halten.
gestoßen [gd'Jto:sn]: f stoßen.
Gestotter [ga'Jtate], das; -s (ugs.. meist abwertend):
[dauerndes] Stottern: hör auf mit deinem G.!; zwei Mädchen
... reden eine Sprache, die Swoboda nicht versteht, und
es bleibt ein G. (die sprachliche Verständigung gelingt nicht:
Frisch. Gantenbein 368).
Gestrampel [g3'ftramp|l. das; -s (ugs.): [dauerndes]
Strampeln: das G. des Babys im Wagen.
Gesträuch [gdjtrqy^. das; -[eis. -e [spätmhd. gestriuche.
zu t Strauch]: a) [dicht] nebeneinander wachsende Sträucher
mit vielen Zweigen: kahles G.; Er trampelte mit seinen
krummen Bäckerbeinen das G. nieder (Strittmatter.
Wundertäter 156); b) Strauchwerk. Strauchzweige: dürres G.
verbrennen.
gestreckt: f strecken.
gestreift te'Jtraiftl <Adj.; o. Steig.; nicht adv.> [frühnhd.
gestryfft. gestreift, zu mhd. strifen = mit Streifen versehen]:
(in regelmäßigen Abständen) Streifen aufweisend: -e
Tapeten: eine -e Katze; der Rock ist blauweiß g.; das Fell
des Zebras ist g.; sie zieht sich gern g. an (ugs.; liebt
Kleidung mit Streifen).
Gestreite [ga'Jtraito]. daS; .s (abwertend): dauerndes,
kleinliches Streiten.
gestreng te'JtrEo] <Adj.) [mhd. gestrenge, eigtl. = stark,
gewaltig! (altertümelnd): streng u. furchtgebietend: ein -er
Trainer; <subst.:> Die Hand der Gestrengen zog sie (=
die Tür) zu (Th. Mann. Krull 441).
gestrichen [ga'Jtn^n]: | streichen.
Gestrick [ga'Jtnk]. das; -[e]s, -e (Fachspr.): erw. Gestricktes:
Strickware: Als Material für... saloppe und bequeme
Kleidung bieten sich Maschenstoffe und -e... an (Herrenjournal
1. 1966.65).
gestrig ['gestrig <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [mhd. gestehe,
ahd. gesterig]: 1. <nur attr.) gestern gewesen, von gestern:
die -e Zeitung; unser -es Gespräch; Am anderen Tag lief
ich. um den -en Tag (den Tag davor) einzuholen (Kesten.
Geduld 28): <subst.:> unser Gestriges (Kaufmannsspr.
veraltet; unser gestriges Schreiben). 2. altmodisch, nicht
fortschrittlich: rückständig: jmdn. als g. abtun; in seinen
Anschauungen völlig g. sein;.... weil die pädagogische
Gegenwart so g. ist in der Bundesrepublik (Spiegel 4. 1973.
9); <subst.:> die ewig Gestrigen.
Geström [gd'Jtre:m]. das; -[eis: svw. t Strömung.
geströmt te7tro:mt] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [zu veraltet
Strom. Nebenf. von mhd. sträm = Streifen!: (von Hunden
od. Katzen) im Fell einzelne ineinanderlaufende Querst reifen
aufweisend: eine -e Dogge.
Gestrüpp [gs'ItrYp], das; -[eis. -e [Kollektivbildung zu mhd.
struppe = Buschwerk. Gesträuch]: wild wachsendes, fast
undurchdringliches Gesträuch: etw. ins G. werfen; der
Grabstein lag unter G. und Ranken versteckt; Ü das G. der
Barthaare; sich im G. der Paragraphen verfangen.
Gestübe [ga'Jty:bol. das; -s [mhd. gestüppe = Staub.
Staubähnliches, Kollektivbildung zu: stüppe = Staubl (Hüt-
tenw.): Gemisch aus Kohlenstaub u. Lehm.
Gestüber [gd'Jty:bB]. das; -s [zu: stäuben, stieben, in der
Jägerspr. = Kot fallen lassen (vom Federwild gesagt)!
(Jägerspr.): Kot vom Federwild.
gesteckt: 1. Tstücken. 2. <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (Her.)
schachbrettartig in zwei od. mehreren Farben
zusammengesetzt: ein -es Stabkreuz.
Gestühl [gd'Ity:l]. das; -[e]s. -e [mhd. gestüele. ahd. gistuoli.
Kollektivbildung zu f Stuhl]: alle Stühle, Sitzgelegenßieiten.
die in bestimmter Anordnung in einem größeren Raum
aufgestellt sind: das G. im Theater, in einer Kirche; ftir einen
Ball das G. aus dem Saal entfernen; die Manege ... wies
kein G. auf (Kirsch. Pantherfrau 12).
gestammelt: 1. tstümmeln. 2. <AdJ.; o. Steig.; nicht adv.)
(Her.) ohne bestimmte Körperteile: -e Adler. Enten (ohne
Krallen u. Schnäbel).
Gestümper [ga'JtYmpB], das; -s (ugs. abwertend): das
Stümpern: jmds. G. [auf dem Klavier] nicht länger mit anhören
können; seine schriftstellerischen Versuche sind
dilettantisches G.
gestunken [gajtunkn]: tstinken.
Gestürm [gd ItYrm]. das; -[e]s [mhd. gestürme. ahd. gisturmi
= Getümmel, zu T stürmen] (Schweiz, mundartl.):
aufgeregtes Gerede. Getue: nach der Preisverteilung gab es ein
großes G.
gestürzt: 1.1stürzen. 2. <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (Her.)
nach unten zeigend: auf den Kopf gestellt: ein -er Sparren;
eine -e Krone.
Gestus fgestus], der; - [t Geste]: a) svw. tGestik: der G.
eines Schauspielers; b) Ausdruck. Habitus: der dramatische
G. der Verdischen Musik; einen G. von Verkommenheit
haben, zeigen.
Gestüt [gd'Jty:t]. das; -[e]s. -e [Kollektivbildung zu f Stute;
zunächst = Herkunft eines Pferdes]: 1. Zuchtstätte für
[ Rasse]pferde: privater od. staatlicher Betrieb, der Pferde
züchtet: das G. Fürstenberg; ein G. besitzen; wir machen
Ferien auf einem G.; das G. (die Stallungen u. Bauliclikeiten
des Gestüts) ist abgebrannt. 2. Gesamtheit aller Pferde
eines Gestüts (1). 3. Abs ta/nmungsmerk male eines [ Rasse j-
pferdes: Gestütbuch, das; -[e]s. -bücher: svw. t Stutbuch.
Gestüts-: ^brand, der: auf Hinter Schenkel od. Hals eines
Zuchtpferdes aufgebranntes Zeichen des betreffenden
Gestüts od. Pferdezuchtverbandes: ^hengst, der; ^herr, der
(veraltend): Besitzer eines Gestüts: Miieister. der: Verwalter
eines Gestüts: ^pferd, das; -zeichen, das: svw. Nbrand.
Gesuch [ga'zu.x], das; -[e]s. -e [zu T suchen; zunächst =
Streben nach Gewinn; mhd. gesuoh. ahd. gisuoh =
Erwerb; Ertrag; Zinsen; Weide(recht). Pirschüagd)]:
Schreiben, das eine Privatperson an eine Behörde od. an jmdn.
mit entsprechender Befugnis richtet, um in einem bestimmten
Fall eine Bewilligung od. Genehmigung zu erhalten: ein
G. um Gewährung einer Beihilfe; ein G. auf Erhöhung
der Pensionsbezüge; ein G. einreichen, zurückziehen,
ablehnen, (Amtsdt.:) abschlägig bescheiden; einem G.
entsprechen; das ... Preußische Kriegsministerium schenkte
auf sein G. zwei Geschütze (Winckler. Bomberg 229);
<Zus.:) Gesuchsteller [-Jtete], der (Amtsspr. veraltet): svw.
t Antragsteller; gesucht [ga'zu:xt]: 1. f suchen. 2. <Adj.; -er.
-este) a) unter größter Anstrengung zustande gekommen
u. unecht wirkend, gekünstelt: ein -er Briefstil: seine Witze
wirken immer g.; sie drückte sich sehr g. aus; b) begehrt:
er war der -este Junggeselle der Stadt; Auf dem
Antiquariatsmarkt gehört „Theben" heute zu den -esten
Ausgaben der Dichterin (Herrenjournal 3. 1966. 202): <Abl.:>
Gesuchtheit, die; -.
Gesudel [gd'zu:dj], das: -s (abwertend): a) [dauerndes]
Sudeln: b) Sudelei.
Gesülze [ga'zYltsa], das; -s [zu t sülzen = inhaltlos reden]
(landsch. salopp): inhaltloses Gerede: bloß Schluß mit det
G. (Döblin. Berlin 166).
Gesumm te'zum], das; -[e]s: [dauerndes] Summen,
summendes Geräusch: das G. der Bienen, einer Fliege, eines
Apparates; Gesumme [ga'zuma], das; -s (ugs., meist abwertend):
[dauerndes] Summen: summendes Geräusch: in der ...
Baracke mit ihrer Geschäftigkeit, ihrem leeren, angespannten,
maschinenhaften G. (Gaiser. Jagd 98).
Gestirns [ga'zums], das: -es [zu veraltet sumsen =
Intensivbildung zu t summen, eigtl. = Gesumme] (ugs.): unnötiges
Gerede: er macht immer viel G. um alles.
gesund [gazunt] <Adj.; gesünder, seltener: gesunder,
gesündeste, seltener: gesundeste) [mhd. gesunt. ahd. gisunt]:
1. <nicht adv.) a) ohne Störung im körperlichen u. geistigen
Wohlbefinden: durch Krankheit nicht beeinträchtigt, keine
Krankheitsschäden aufweisend (Ggs.: krank): ein -es Kind;
-e Zähne; ein -er Magen; seine Frau hat eine gesündere
Natur als er; g. und munter sein; [noch nicht] wieder
[ganz] g. sein; bleib schön g.!; du bist wohl nicht [ganz]
g. (ugs.; nicht recht bei Verstand)!', jmdn. g. pflegen, [aus
dem Krankenhaus] als g. entlassen; der Arzt hat ihn g.
geschrieben (hat ihm seine Arbeitsfähigkeit bescheinigt):
einen -en (starken) Appetit haben; auch von Pflanzen:
ein -er Obstbaum: das Getreide ist nicht g.; R aber sonst
bist du g.? (ugs.; du bist wohl ein bißchen verrückt!): Ü
ein -er Mittelstand; die Firma, das Unternehmen ist [nicht]
g. (ist wirtschaftlich [nicht] gesichert): Andererseits war
der Kern der Lehre ... zu g.. um an diesen psychischen
Störungen zugrunde zu gehen (Thieß. Reich 223); b) durch
sein Aussehen von Gesundheit zeugend: er. sein Gesicht
hat eine -e Farbe; das -e Rot des Zahnfleisches (K. Mann.
Mephisto 72). 2. die Gesundheit fördernd, ihr zuträglich:
1023
gesund-, Gesund -
eine -e Luft. Lebensweise; Bewegung, nicht im Übermaß
von Rekordmärschen, sondern in -em Wandern (Kosmos
3, 1965. 93); Obst essen ist g.; g. leben; Ü diese Strafe
ist ganz g. für dich (ist ganz heilsam für dich, wird dir
eine Lehre sein). 3. der allgemeinen menschlichen
Beurteilung nach richtig, vernünftig, normal: ein -er Ehrgeiz; seinen
-en Menschenverstand walten lassen; ein -es Prinzip; 4
Monate Arbeit, dann 8 Monate Ruhe ... Ist das eine
-e Aufteilung des Jahres? (Kosmos 2. 1965. 50); diese
Preise sind nicht g. 4. (Jägerspr.) nicht getroffen; nicht
angeschossen u. daher kein Blut verlierend (Ggs.: krank):
der Bock ist g.; eine -e Fährte (Fä/irte eines nicht getroffenen
Wildes ohne Blutspuren).
gesund-, Gesynd-: -beten <sw. V.; hat): jmds. Krankheit
durch das Sprechen von Gebeten. Sprüchen o. ä. behandeln
mit dem Anspruch, ihn auf diese Weise gesund zu machen;
er wollte sich nicht g. lassen; -beter, der: jmd.. der andere
gesundbetet, dazu: ^beterei. die (abwertend); abrannen,
der [urspr. = Heilquelle. T Brunnen (3)] (geh.): etw.. was
jmdn. gesund macht od. gesund erhält, in Schwung hält:
tägliche Gymnastik ist für sie ein G.; die Beschäftigung
mit seinem Hobby ist für manchen ein G.; -erhaltung,
die: dieG. des Körpers; -machen, sich <sw. V.; hat) (ugs.):
durch geschickte Manipulationen bei einem Geschäft o.a.
zu Geld kommen: am Verkauf dieser Produktion haben
sie sich gesundgemacht; er dachte sich bei unserem Handel
gesundzumachen; -schrumpfen <sw. V.; hat) (ugs.): aus
Gründen der Rentabilität die Produktion eines
Unternehmens, eines Wirtschaftszweiges einschränken: eine Firma,
die Theater, die Landwirtschaft g.; (auch g. + sich:) Mit
knapp 140 Mann soll sich der... Großbetrieb ... g. (Spiegel
43. 1966. 70); -Schrumpfung, die: Er warnte vor einer
allzu drastischen G. (MM 7. 3. 75. 19); -stoßen, sich
<st. V.; hat) [aus der Börsensprache: vor dem Börsensturz
Aktien abstoßen, wodurch man seine wirtschaftliche Lage
verbessert! (ugs.): svw. t ^machen: sich durch überhöhte
Rechnungen, im Krieg, mit alten Autos g.; du willst dich
wohl auf unsere Kosten g.?
Gesunde [gazunda], der u. die; -n. -n <Dekl. t Abgeordnete):
jmd., der gesund, nicht krank ist (Ggs.: Kranke): G. und
Kranke mußten auf engstem Raum miteinander wohnen;
zu den -n gehören; gesunden [gd'zundn] <sw. V.) [mhd.
gesunden, ahd. gisunten = gesund werden; gesund
machen) (geh.): 1. <ist> a) eine Erkrankung überwinden u.
allmählich den früheren Zustand der Gesundheit
wiedererlangen; wieder gesund werden: in diesem Klima gesunden
die Patienten verhältnismäßig rasch; b) sich wieder erholen,
seine frühere Kraft zurückgewinnen, einen guten Zustand
erreichen: seine Regierung ließ das Land, die Finanzen
g.; eine glückliche Ehe, in und an der sie vollends gesundete
(Mostar. Unschuldig 84). 2. sich wieder erholen od. einen
guten Zustand erreichen lassen <hat>: da dieses ...
staatsmännische Genie ... den Staat gesundet und Europa
befriedet (St. Zweig. Fouche 107); Gesundheit, die; - [mhd. ge-
sundheit]: Zustand od. bestimmtes Maß körperlichen od.
geistigen Wohlbefindens; Nichtbeeinträchtigung durch
Krankheit: eine robuste, schwache G.; die G. der Gewebe
und Zellen; seine G. ist sehr angegriffen; etw. ruiniert
die G., schadet der G.; sich bester G. erfreuen; auf jmds.
G. trinken (jmdm. zutrinken); bei guter G. sein; über
seine G. (über Störungen seines Wohlbefindens) klagen;
sie war immer von zarter G.; in der Glückwunschformel:
G. und [einl langes Leben!; G.! (scherzh. Ausruf, der den
Wunsch ausdrückt, daß jmd.. der gerade geniest hat.
gesund bleiben möge); U eine finanzielle, moralische G.;
die G. der Wirtschaft; <Abl.:) gesundheitlich <Adj.; o.
Steig.; nicht präd.): a) die Gesundheit betreffend: die -e
Gefährdung von Nichtrauchern durch Raucher; g. nicht
auf der Höhe sein; b) der Gesundheit dienend:
wirtschaftliche, -e, aber auch erzieherische Arbeit (Fraenkel. Staat
381).
gesyndheits-, Gesyndheits-: ^amt, das: staatliche Behörde
in einem Stallt- oder Landkreis für den öffentlichen
Gesundheitsdienst; -apostel, der (spött.): jmd.. der sehr auf die
Erhaltung der Gesundheit, auf eine gesunde Lebensweise
bedacht ist; mattest, das: Attest, in dem jmdm. bescheinigt
wird, daß er gesund ist; -bebörde, die <meist PI.): Behörde,
die für das öffentliche Gesundheitswesen zuständig ist;
-dienst, der: svw. t^wesen: die Verstaatlichung des -es;
^fanatiker, der: vgl. ^apostel; -fordernd <Adj.; nicht adv.);
^fiirsorge. die: staatliche Fürsorge zur Beseitigung
gesundheitlicher Notstände; -gefahniung, die; -halber <Adv.):
mit Rücksicht auf die Gesundheit: g. zurücktreten; -lehre,
die <o. PI.): svw. T Hygiene (1); -pflege, die:
Maßnahmen zur Erhaltung u. Förderung der Gesundheit: private,
öffentliche G.; -politik, die: Gesamtheit der Bestrebungen
auf dem Gebiet der öffentlichen Gesundheitspflege, dazu:
-politisch <Adj.; o. Steig.); -polizei, die: auf dem
Gebiet der Seuchenbekämpfung u. zur Überwachung der
allgemeinen Hygiene tätige Polizei; -rücksichten <PL): aus
G. auf eine Kandidatur verzichten; -schaden, der. dazu:
-schädigend <Adj.; nicht adv.); -schädlich <Adj.): der
Gesundheit schadend: diese Stoffe sind g.; -schütz, der: Maß-
nahmen zum Schutz der Gesundfieit: Gesichtspunkte des
Arbeits- und -es (Klein. Bildung 37); -wesen, das:
Gesamtheit der staatlichen Einrichtungen zur Förderung u.
Erhaltung der Gesundheit, zur Bekämpfung von Krankheiten od.
Seuchen; -Zeugnis, das: Schriftstück des Gesundheitsamtes
od. Arztes, das jmdm. bescheinigt, daß er nicht an bestimmten
ansteckenden Krankheiten leidet; -zustand, der: jmds.
gesundheitliches Befinden [unter ärztlicher Kontrolle/: sein
G. gibt Anlaß zur Besorgnis; jmds. G. überwachen.
Gesundung, die; - (geh.): 1. das Gesunden (la): seine G.
macht langsam Fortschritte. 2. a) das Gesunden (lb): die
G. der Wirtschaft, einer Firma; b) das Gesunden (2): eine
sittliche G. des Volkes durchzuführen (Thieß. Reich 640);
ein Gesetz zur G. des Steinkohlenbergbaus.
gesungen [gd'zundn]: t singen.
gesunken [ga'zookn]: t sinken.
Gesurr,das; -[eis,Gesurre(ga'zurto)].das; -s(ugs.):
/dauerndes) Surren; surrendes Geräusch: das Gesurre der Kameras.
Getäfel [gd't£:fl]. das; -s [mhd. getevele. Kollektivbildung
zu TTafel): Wand- od. auch Deckenverkleidung aus Holz:
dunkles G. an den Wänden.
Getäfer [ga'tofB). das; -s (schweiz.): svw. tGetäfel.
getan [ga'ta:n]: T tun.
Getändel [ga'tendl], das; -s [zu T tändeln) (abwertend):
[dauerndes] Tändeln: das G. der Kellnerin mit einigen
Herren mißfiel ihm; Ü in ... seinem schlimmen G. mit
der Ewigkeit (Th. Mann. Zauberberg 757).
Getast [ga'tast], das; -le]s [zu f tasten] (selten): das Tasten;
Tastsinn: Die Raumerfahrung erfolgt durch Gehör,
Gesicht, G. und Bewegung (Krech [Übers.), Psychologie I.
139).
Getaumel [ga'tauml], das; -s: [dauerndesJ Taumeln.
Getier bp'ti^]. das; -[eis [mhd. getier. Kollektivbildung
zu TTier): nicht näher charakterisierte Tiere: das G. des
Waldes; allerlei jagdbares G.; sie halten Hunde. Katzen.
Eichhörnchen und anderes G.; Ü (salopp:) Auf Hauptleute
und ähnliches G. bin ich noch niemals scharf gewesen
(K irst, 08/15, 741); b) nicht nä/ier charakterisiertes einzelnes
Tier (bes. Insekt): was ist denn das für ein G. an der
Wand?
getigert [ga'thgutj <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [zu TTiger]:
a) ungleiche Flecke am ganzen Fell aufweisend: -e Doggen.
Schimmel; Aber außer gelben gibt es gescheckte, -e
Kanarienvögel (Bredel. Väter 224); b) viele dunkle
Querstreifen, älinlich wie der Tiger, am Fell aufweisend: eine
-e Katze.
getitelt [gd'titlt] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [zu t titeln]
(Schweiz.): mit Untertiteln versehen: deutsch getitelt.
Getobe[gato.te).das; -s(ugs. abwertend): /dauerndes[
Toben, lärmendes Umherlaufen: das G. der Kinder nicht
aushalten können.
Getön, das; -[eis. Getöne [ga'tontd)]. das; -s: a) [anhaltendes/
Tönen: das feine Getön der Telegrafenstangen; in einem
vieltausendstimmigen Getöne der Bewillkommnung und
grüßenden Jubels (Maass.Goufle 227); b) (ugs. abwertend)
angeberisches Gerede.
Getose [ga'Uxza], das; -s: /anlialtendes] Tosen: das G. des
Sturms; Getöse [ga'to.za], das; -s [mhd. gedoese.
Kollektivbildung zu mhd.. ahd. dÖ3 = Geräusch]: tosendes Geräusch,
tosender Lärm: das G. der Wellen, eines
zusammenstürzenden Hauses; mach nicht solch ein G.!; mit lautem G.;
Ü Das lag teilweise an administrativem G. (Zeit 7. 5.
75. 2).
getragen [gd'tra:gn; 2: nach ital. portare la voce = die
Stimme tragen, kunstgerecht singen]: 1.1 tragen. 2. <Adj.;
-er. Sup. ungebr.) in gemessenem Tempo u. mit ruhigem
Ernst erklingend, vorgetragen: eine -e Melodie; mit -er
1024
Getto
Stimme sprechen; etw. sehrg. spielen; <Abl.:> Getragenheit,
die; -.
Geträller [ga'trete], das; -s: [dauerndes/ Trällern: seine
Ohren konnten das G. nicht mehr ertragen.
Getrampel [gatrampl]. das; -s (ugs.): [dauerndes/ Trampeln:
jmdm. mit G. applaudieren.
Getränk [ga'trenk]. das; -[eis. -e [mhd. getrenke.
Kollektivbildung zu tTrank]: zum Trinken zubereitete Flüssigkeit:
ein heißes, eisgekühltes, alkoholisches, alkoholfreies G.;
-e reichen, anbieten; er bevorzugt starke (viel Alkohol
enthaltende) -e.
Getränke-: ^automat. der: Automat, aus dem man nach
Einwurf einer od. mehrerer Münzen Getränke entnehmen kann:
-karte, die: auf einem od. mehreren Blättern aufgeführte
Getränke, die in einer Gaststätte o. ä. ausgeschenkt werden:
-Steuer, die: Steuer für alkoholische Getränke, die in einer
Gaststätte o. ä. getrunken werden.
Getrappel [ga'trapl]. das; -s: /dauerndes j Trappeln,
trappelndes Geräusch: das G. der Pferde. Füße. Schritte; er sah
sie in hastigem G. davoneilen.
Getratsch, das; -lc]s. Getratsche [ga'traitjfo)]. das; -s (ugs.
abwertend): das Tratschen: Klatsch: aber unter Tage ging
es weiter: die Anzüglichkeiten des Steigers, das Getratsche
der Kameraden (v. d. Grün. Irrlicht 7); nicht in das
allgemeine Getratsche über jmdn. einstimmen.
getrauen [gd'tnguan]. sich <sw. V.; hat) [mhd. getrouwen.
getrüwen. ahd. gitrüwen = (sich) zutrauen, sich auf etw.
stützen; zu T trauen]: genug Mut besitzen, etw. zu tun: ich
getraue mich/(seltener:) mir nicht, das zu tun; das getraut
er sich bestimmt nicht; (geh.:) ... getraue ich mich bereits
einiger ... Bemerkungen (Freud. Unbehagen 114).
Geträufel [gd'tnjyfl]. das; -s: a) [dauerndes] Träufeln: b)
träufelnde Flüssigkeit.
Getreibe [ga'traibs], das; -s: a) (abwertend) ununterbrochenes
I AnItreiben: b) eine sich hastig, schnell bewegende Masse.
Menge von Menschen od. Tieren.
Getreide [ga'traida]. das; -s. - [mhd. getreide. getregede
= Bodenertrag; Nahrung; Kleidung; Gepäck; Last;
Tragbahre; später = Körnerfrucht; ahd. gitregidi = Ertrag.
Einkünfte. Besitz, zu T tragen, eigtl. = das. was getragen
wird]: Pflanzen, die angebaut werden, um aus ihren in Äliren
enthaltenen Körnern Mehl. Schrot o. ä. zu gewinnen (Gerste.
Hafer, Roggen. Weizen): das G. ist reif; das G. steht
dieses Jahr zulfhat einen guten Wuchs): G. anbauen,
mähen, ernten, dreschen; das G. (die Körner) lagern; *
flüssiges G. (ugs. scherzh.; Kornschnaps).
Getreide-: -abliefening, die; -anbau, der <o. PL); -art,
die; -ausfuhr, die; -aussaat, die; -bau, der <o. PI./: svw.
-anbau; -binder, der (veraltend): svw. t Mähbinder;
-baden, der: 1. für den Getreideanbau geeigneter Boden. 2,
vgl. ^silo; -börse, die: Produktenbörse für den
Getreidehandel: -einfuhr, die; -ernte, die; -ertrag, der; -feld, das:
die -er sind abgeerntet; der Ausreißer hatte sich in einem
G. versteckt; -frechter, der; -garbe, die; -hahn. der; -han-
del, der; -kammer, die: Gebiet eines Landes, das den größten
Teil des Getreidebedarfs deckt: ^keim, der; -körn, das:
Frucht u. Samen eines Getreides: -fauid, das: 1. Land, in
dem hauptsächlich Getreideatibau betrieben wird. 2. <o. PI.)
mit Getreide bebautes Ackerland: Wege. ... durch offenes
G., bis er sich ... umgeben von weitem Weizenmeer fand
(Plievier. Stalingrad 256); -motte, die: kleine Motte mit
gelben Vorderflügeln u. helleren Hinterflügeln, deren Raupen
Getreidekörner u. Bohnen anfressen: -mühle, die; -preis,
der; -prober [-pro:bi?]. der (Landw.): Gerät zum Bestinunen
des Hektolitergewichts von /GetreideJsamen: -Produkt,
das: aus Getreidekörnern hergestelltes Lebensmittelprodukt
(z. B. Grieß. Mehl); -rohrsänger, der (selten): svw. T
Sumpfrohrsänger; -Schädling, der; -schnitt, der: das Mähen des
Getreides: -silo, der. auch: das: Silo für die Lagerung
von Getreide: ^sorte, die; -Speicher, der: vgl. ^silo; -voll-
erntekombine, die (DDR): Von den Fließbändern
modernster Werke rollten ... Kraftfahrzeuge. ... Traktoren
und 75000 -s (Horizont 45. 1976. 2); -Vorrat der;
-Wirtschaft, die: landwirtschaftliches Bodennutzungssystem, bei
dem vorwiegend Getreide angebaut wird.
getrennt: T trennen.
getrennt-. Getrennt-: -geschlechtig <Adj.; o. Steig.; nicht
adv.) (Bot.): entweder nur männliche Staubblätter od.
weibliche Fruchtblätter ausbildend: -e Blüten, dazu: -geschlech-
tigkeit, die; -: 1. (Bot.) Ausbildung entweder nur männlicher
Staubblätter od. weiblicher Fruchtblätter. 2. (Zool.)
Ausbildung männlicher u. weiblicher Gameten in verschiedenen
Individuen einer Art: -Schreibung, die.
getreu [gatnjy] <Adj.; -er. -[e]ste> [mhd. getriuwe. ahd. gi-
triuwi. vgl. treu]: 1. (geh.) mit Hingabe in einem
Anerkennung verdienenden Maße treu: ein -er Diener. Freund; ...
und wäre bloß der Hund mit seinem -en Gewedel
gekommen, hätte Rip nicht länger an den Traum gedacht (Frisch.
Stiller 87); sei dir selbst g.!; g. bis in den Tod; g. zu
jmdm. stehen;... daß die SED g. zur Sache des Marxismus-
Leninismus steht (Neues D. 9. 6. 64, 2). 2. einer
vorgegebenen Sache genau entsprechend: eine -e Wiedergabe; ein
-es Spiegelbild der herrschenden Verhältnisse; eine
Anordnung g. befolgen; einen Text möglichst g. übertragen;
(häufig präpositional:) g. seinem Vorsatz, seinem Vorbild, der
Tradition des Hauses; <subst.:> Getreue, der; -n, -n <Dekl.
f Abgeordnete): mit andern zu jmdm. gehörender Freund.
Anhänger, Gefolgsmann: zwei seiner -n hatte er [in dem
Kampf] verloren; getreulich <Adj.; nicht präd.) (geh.): 1.
in treuer, atihäng lieber Weise, beständig bei etw. ausharrend:
der Hund lief ihm g. nach; diese puristische Tätigkeit
(= Bearbeitung eines Wörterbuchs) setzte er auch später
g. fort (Vries. Spinoza 64). 2. sich in zuverlässiger Weise
genau an eine vorgegebene Sache Imltend: den Sinn seiner
Worte habe ich g. wiedergegeben; Diese Texte mußte man
in der nächsten Stunde g. rekapitulieren (Kempowski.
Immer 121).
Getriebe [ga'tri.ba]. das; -s. - [zu t treiben]: 1. Vorrichtung
in Maschinen o. ä.. die Bewegungen überträgt u. die
betreffende Maschine o.a. funktionstüchtig macht: ein
hydraulisches, automatisches G.; das G. des Autos ist
synchronisiert; Ü das G. einer Massengesellschaft; das pochende
G. der Blutbahn, die in immer gleichem Lauf zum Herzen
strömt und von ihm durch alle Adern gestoßen wird (Thieß.
Reich 571). 2. lebhaftes Treiben: Betriebsamkeit: das bunte
G. eines Marktes; im G. der Großstadt untertauchen.
3. (Bergbau) Pfähle zur Sicherung des Schachtes, zur
Verhinderung eines Einsturzes.
Getriebe- (Getriebe 1): -bremse, die: Bremse, die die
Bremswirkung auf das Getriebe ausübt: -gehäuse, das: festes,
dicht geschlossenes Behältnis, in dem die beweglichen Teile
des Getriebes gelagert sind: -lehre, die (Physik): Teilgebiet
der Mechanik: mM, das: Schmieröl (mit besonders hoher
Druckfestigkeit u. guter Haftfähigkeit) für das Getriebe:
-schaden, der: Schaden. Defekt am Getriebe: mit einem
G. liegenbleiben (ugs.; nicht mehr weiterfafiren können).
getrieben [...bn]: 1. t treiben. 2, <Adj.; o. Steig.; nicht adv.)
(Tumen) mit starker Körperneigung, sehr flach u. schnell
ausgefülirt: ein -er Überschlag; <Abl.:> Getriebenheit, die;
-: / sich in körperlicher Utwast äußernde] innere Unruhe
als Veranlagung od. seelische Situation: diese Handlungen
zeugen von seiner unheilvollen G.
Getriller [ga'tnte], das; -s: [dauerndes/ Trillern: das G. der
Lerchen; ihr G. (abwertend; Geträller) wird mit der Zeit
unerträglich; U die Finger ... zum Entkrümeln mit einer
Art von leichtem G. in der Luft bewegend (Th. Mann,
Krull231).
Getrippel [ga'tnpl]. das; -s: /dauerndes/ Trippeln: das G.
der Kinder.
getrocknet: I trocknen.
getroffen [ga'trofn]: t treffen.
getrogen [ga'tro:gn]: t trügen.
Getrommel [ga'trDmf]. das; -s (ugs.): /dauerndes] Trommeln:
eine Äußerung des Professors in der Vorlesung mit G.
kommentieren.
getrost [gstro.st] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [mhd. getrost,
ahd. gitröst. zu T Trost od. altes 2. Part, von T trösten]:
1. sich vertrauensvoll in etw. schickend od. schicken könnend:
-en Mutes sein; sei g.!; der Zukunft g. ins Auge blicken.
2. ohne Bedenken haben zu müssen: ruhig: g. mit etw.
fortfahren; man darf g. behaupten, daß ...; getrosten
Ig9'tr0:stn], sich <sw. V.; hat) [mhd. getresten; ahd. gitrö-
stan = trösten]: 1. (geh.) auf etw. vertrauen /können]:
sich der himmlischen Gnade und Barmherzigkeit g. 2.
(veraltet) svw. T trösten; Getrostheit, die; -: das Getrostsein
(1): Vorbei ist es mit der ruhigen G. unserer Seelen (MM
19. 1. 74.3).
getrunken [ga'tronkn]: T trinken.
Getto fgeto]. das; -s. -s [ital. ghetto. H. u.; viell. aus dem
Hebr. od. aus ital. getto = Gießerei (wegen der Nachbar-
65 GDW
1025
Getu
schaft des ersten in Venedig belegten Judenviertels zu einer
Kanonengießerci. nach der dieser Stadtteil schon vorher
geheißen haben könnte)): a) abgesperrtes [jüdisches]
Wohnviertel: Die im Mittelalter in Europa weitverbreitete Übung
der Juden, sich in geschlossenen -s anzusiedeln, wurde
in der Periode des Absolutismus zwangsweise wieder in
der Mehrzahl der Staaten durchgeführt (Fraenkel. Staat
142); Ü Die Armeeführer waren ... vorsichtig genug, ihre
Verbände ... in -s fem der Bevölkerung zu konzentrieren
(Spiegel 20.1975. 78); b) bestimmter geistiger od. seelischer
Bezirk od. Rahmen, aus dem man sich nicht entfernen kann:
das G. des Seelenlebens (Thielicke. Ich glaube 248).
Getu [gd'tu:]. das; -s [vgl. Getue): a) selten für fGetue;
b) (landsch.) etw.. womit man /angeblich] beschäftigt ist;
/angeblich wichtigeJ Beschäftigung: sie rannten umher und
täuschten G. vor (Strittmatter. Wundertäter 470); Getue
[ga'tu:^). das; -s [zu Ttun) (ugs. abwertend): übertrieben,
unecht wirkemies Verhalten: Gehabe: ein albernes,
vornehmes, betriebsames G.; er macht ein [großes) G. (macht
sich wichtig, spielt sich auf); Und überall hatten sie hier
das dumme G. mit der Ostsee (Klepper. Kahn 30).
Getümmel [gd'tYml]. das; -s. - <P1. ungebr.)
[Kollektivbildung zu mhd. tumel = Lärm, betäubender Schall od.
Bildung zu T tummeln): wildes Durcheinanderwogen bei
Menschenansammlungen, im Verkehr, im Kampf o.a.: das
G. des Festes, der Schlacht; im G. des Bahnhofs, der
Wagen; sich ins dickste G. stürzen; Ü oft stehenbleibend
und manchmal bis zu Worten ins G. der Empfindungen
hineingerissen (A. Zweig, Claudia 132).
getypft:! tupfen.
getyrkt: f türken.
Getuschel [gatufl), das; -s (ugs.): [dauerndes] Tuscheln:
heimlichesG.: unter dem G. der Nachbarn, der
Umstehenden; Ü das G. der hohen Halme im Winde (Frisch. Stiller
186).
geübt [ga'|y:pt]: 1. Tuben. 2. <Adj.; -er. -este; nicht adv.)
durch Übung etw. gut beherrschend u. darin erfahren: ein
-er Segler, Skifahrer; ein -es Auge. Ohr erkennt das gleich;
sie war im Reden nicht sehr g.; <Abl.:> Geübtheit, die;
-, -en <P1. ungebr. >.
Gevatter [gafaU>J, der; -s (älter: -n), -n [mhd. gevaterte).
auch = Onkel, Freund (der Familie), ahd. gifatero; LÜ
von kirchenlat. compater = Mitvater (in geistlicher
Verantwortung), Taufpate): 1. (veraltet) Taufpate: G.
stehen; Jmdn. zu G. bitten; *bei etw. G. stehen (scherzh.;
bei etw. Pate stehen). 2. (veraltend, aber noch scherzh.)
jmd.. mit dem man befreundet, verwandt od. bekannt ist:
von Tagen der Freundschaft mit ... -n der Grußformel
„Kenn. Kunde?44 (Lynen. Kentaurenfährte 182); (dichter,
veraltet:) G. Tod; <Abl.:> Gevatterin, die; -, -nen: w. Form
zu t Gevatter; gevQtterlich <Adj.>: vertraut fu. traulich]
(veraltet): die Seifengasse, die altdeutsch eng und g. wie
vor zweihundert Jahren ist (FAZ 22. 7. 61, 47);
Gevatterschaft, die; -. -en [mhd. gevaterschaft) (veraltet):
Patenschaft; <Zus.:> GevQttersmann, der; -es. ...leute (veraltet):
svw. tGevatter.
Gevier [ga'fi:?). das; -[eis, -e [zu tvier) (Bergbau): zu einem
Viereck verbundene Schachthölzer; Geviert [g3Ti:£t]. das;
-[e)s. -e: Viereck. Quadrat; durch etw. begrenzter viereckiger
Platz. Raum: das G. eines Gefängnishofes; ein G. von
Baracken; Dort sowohl wie in dem ungleich größeren
G. hing ein Kristallüster (Th. Mann. Krull 324); ein Garten
von ein paar hundert Metern im G.; <Zus.:> Gevjertmeter,
der od. das: selten für fQuadratmeter: ein Gelände ...
von rund 32.500 gm zum Preise von einem Schilling je
G. (Vorarlberger Nachr. 8. 11. 68).
Gevögel Up'fo:g|J, das; -s [1: mhd. gevügele. ahd. gifugili.
Kollektivbildung zu T Vogel; 2: zu T vögeln): 1. verschiedene,
nicht näher charakterisierte Vögel: Käfige mit allerlei G.
2. (vulg.) /dauerndesJ Koitieren. [häufiger]
Geschlechtsverkehr: hört endlich mit eurem G. auf!
Gewächs [gd'vcks], das; -es. -e [mhd. gewechse. eigtl. =
Gewachsenes, zu t wachsen): La) (aus der Erde)
Gewachsenes, nicht notier charakterisierte Pflanze (drückt meist aus.
daß dem Sprecher die Merkmale nicht vertraut sind):
seltene, tropische, unbekannte -e; Ü in der Ahnung, einmal
als weite Erde gesehen zu haben, was sonst nur den Topf
füllt, aus dem die kümmerlichen -e der Moral sprießen
(Musil. Mann 592); b) zu einer bestimmten Zeit, an einem
bestimmten Ort angebaute Pflanzen-, bes. Weinsorte: dieser
Wein ist ein G. aus dem Jahrgang 1957; der Tabak ist
eigenes G. (eigenes Erzeugnis, auf eigenem Boden
gewachsen) . 2. unnatürlicher Auswuchs an einem Organ. Wucherung
des Gewebes. Geschwulst: ein gutartiges, bösartiges G.;
einG. im Unterleib; ein G. operieren. 3. (salopp)
bestimmter Menschentyp; Mensch, wie er sich in einer bestimmten
Art herausgebildet hat: ein ... blauäugiger Junge. ... ein
echtes, helles Berliner G. (Fallada. Jeder 195); ahnt denn
so ein dürftiges, verquollenes G.. wie schwer es ist. ...
die Wahrheit zu sagen? (Tucholsky. Werke II. 49);
gewachsen [gd'vaksn]: 1. f wachsen. 2. *jmdm., einer Sache g.
sein {einem Überlegenen standhalten, eine Aufgabe ben'älti-
gen. jmdnu. einer Sache Widerpart bieten können; eigtl.
= an Kraft zugenommen haben u. damit ebenbürtig sein):
seinem Gegner, einem Redner, einem Problem, der
Situation g. sein: einem solchen Ton bin ich nicht g.; ... ist
die Kupplung auch einem Rennstart im I. Gang ... g.
(Auto 8. 1965. 30); Gewächshaus, das: -es. -häuser: an
allen Seiten u. am Dach mit Glas ixi. Folie abgedeckter,
hausartiger Bau. in dem unter besonders günstigen
klimatischen Bedingungen Pflanzen gezüchtet werden:
Alpenveilchen, Salat, Gurken im G. ziehen; Gew$chshauspflanze.
die; -. -n.
Gewackel [ga'vakl], Gewack[e]le [ga'vakteMal. das; -s (ugs.
abwertend): /dauerndes] Wackeln: das Gewackel des
Tisches macht mich ganz nervös.
GewaflTto'vafl. das; -[eis [gek. aus tGewaften) (Jägerspr.):
1. die aus dem Unter- u. Oberkiefer seitlich der Schnauze
hervortretenden Eckzähne des Keilers; Waffen. 2. (selten)
svw. T Fang (2c); Gewaflen [ga' vafn).das; -s [mhd. gewaefen,
Kollektivbildung zu T Waffe) (dichter.): nicht näher
charakterisierte Waffen: kein feldgrau Tuch, kein G. (Benn,
Stimme 18).
gewagt [ga'va:kt]: I. T wagen. 2. <Adj.; -er. -este> a) im
Hinblick auf den zweifelhaften Erfolg äußerst külm. von
[ungerechtfertigtem ] Wagemut zeugend: ein -es
Unternehmen; es erscheint mir recht g., dies zu behaupten; diese
Farbe ist für mich wohl zu g. (ich bin nicht sicher, ob
ich diese Farbe tragen kann); b) sich im Hinblick auf die
herrschenden Moralvorstellungen allzu große Freiheiten
gestattend: ein -er Witz; alle -en Einstellungen wurden aus
dem Drehbuch gestrichen; das Dekollete ist sehr g.; <Abl.:>
Gewagtheit, die; -. -en: (sie) sang mit der Stimme einer
Hausfrau geduldig ins Publikum, auch wenn dazwischen
kleine sittliche -en unterliefen (Musil. Mann 21).
gewählt [gave:lt): 1. twählen. 2. <Adj.; -er. -este) nicht
alltäglich; im Ausdruck abgewogen; mit Bedacht u.
Geschmack: ein -es Hochdeutsch sprechen; seine
Umgangsformen sind g.; sich immer sehr g. (vornehm) ausdrücken;
<Abl.:> Gewähltheit, die; -. -en <PI. ungebr.): die G. seiner
Ausdrucksweise.
gewahr [gd'va:g; mhd. gewar. ahd. giwar = beachtend,
bemerkend; aufmerksam, sorgfältig, vorsichtig] in der
Verbindung jmdn., etw./imds., einer Sache g. werden (1. jmdn.
ixt. etw.. was einem bisher entgangen war. mit den Sinnen,
bes. mit den Augen wahrnehmen: erblicken: ein Geräusch,
einen Geruch g. werden; in der Menge wurde ich ihn/seiner
plötzlich g.; Femer hat die Natur ... dafür gesorgt, daß
die Insekten die Blumen schon von weitem g. werden
[Friedell. Aufklärung 29). 2. etw. nach einer gewissen Zeit
in seiner Bedeutung erkennen: ...blättere ich einige Seiten
um. ohne des Inhalts recht g. zu werden [Sieburg, Blick
160); Bei genauem Zusehen aber wird man staunend g..
daß ... [Dönhoff. Ära 87)).
Gewähr [ga've:?), die; - [mhd. gewer, ahd. gaweri =
Sicherstellung, Bürgschaft, zu f gewähren): Sicherheit, diejmdm..
der sich auf etw. einläßt, vonjmdm. od. durch etw. geboten
wird: darin liegt schon eine gewisse G.; nur dadurch ist
die G. gegeben, daß ...; für etw. G. leisten; können Sie
mir die G. geben, daß diese Angaben richtig sind?; keine
G. für etw. übernehmen; das bietet die beste G. gegen
Erkältungen; die Angabe der Lottozahlen erfolgt ohne
G.; gewghrtar <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: so beschaffen,
daß es gewährt werden kann: der Antrag ist g.
gewahren [ga'va:ranl <sw. V.; hat) [mhd. gewam. zu T
gewahr) (geh.): 1. [unvermutet] jmdn. od. etw., was sich aus
etw. Ungeordnetem herauslöst, sehen: in der Ferne eine
Gestalt, die Stadt g.; die Wache hatte ihn nicht gewahrt.
2. durch Einfühlung od. teilnehmendes Beobachten
wahrnehmen, erkennen: jmds. Veränderung, die großen Linien eines
1026
gewaltsam
Plans g.; Fast unbewußt gewahrte^sie das Interesse an
ihr. das im Ton seiner höhnischen Kritik lag (Andersch.
Sansibar 119).
Bewähren [ga'veiran] <sw. V.; hat) [mhd. (ge)wern, ahd.
(gi)weren]: 1. a) [jmdm. erw., was er erbittet od. wünscht'.
aus Machtvollkommenheit] gro/Jzügigerweise geben: jmdm.
eine Audienz, eine [Zahlungsfrist, in etw. Einblick g.;
einem Flüchtling Asyl. Unterkunft g.; auf diese Preise
gewähren wir Ihnen 5 % Rabatt; b) einer Bitte o. ä.
entsprechen, sie erfüllen: jmdm. eine Bitte g.; c) jmdm. durch
sein Vorhandensein etw. zuteil werden lassen: die Musik
gewährte ihm Trost; diese Einrichtung gewährt große
Sicherheit. Ihnen manche Vorteile. 2. * jmdn. g. lassen (jmds.
Tun geduldig od. gleichgültig zusehen u. ihn nicht hindern):
die Kinder g. lassen; gewährleisten <sw. V.; hat): durch
bestimmte Maßnafimen, durch sich selbst etw. sicherstellen,
dafür sorgen od. eine Gewähr dafür sein, daß etw. /als
Grundvoraussetzung] nicht gefährdet ist: alles tun. um die
Einbringung der Ernte, die Sicherheit des Lebens, einen
reibungslosen Übergang zu g.; die Sauerstoffzufuhr sollte
durch einen Luftröhrenschnitt gewährleistet werden; das
Gesetz gewährleistet den Gemeinden das Recht....; <Abl.:>
Gewährleistung, die; -. -en: I. das Gewährleisten. 2. svw.
T Mängelhaftung; <Zus.:> Gewährleistungsanspruch, der:
aus der Gewäftrleistung (2) entstehender Anspruch.
'Gewahrsam [gd'va:£za:m]. der; -s [mhd. gewarsame =
Sicherheit. Aufsicht; Obhut; sicherer Ort. zu: gewarsam =
sorgsam, vorsichtig (vgl. gewahr)]: 1. Obhut: etw. in
[sicheren] G. bringen, geben, nehmen; etw. in [sicherem] G.
[bejhalten. haben;... erschien Polydoros im G. (in sicherer
Begleitung) einiger Kriegsleute (Hagelstange. Spielball 52).
2. Haft: jmdn. in [polizeilichen] G. nehmen, bringen; Jmdn.
in [polizeilichem] G. halten; in G. sein; sich in G. befinden;
^Gewahrsam [-], das; -s, -e (veraltet): Gefängnis: jmdn.
in ein festeres G. bringen.
Gewährsmann, der; -[e]s. ...männer u. ..Aeule.jmd.. auf
dessen fundierte Aussage man sich stützt: seine
Gewährsmänner angeben, nennen; zuverlässige Berichte unserer
Gewährsleute besagen, daß ...; die Historiker berufen sich
in diesem Punkt auf Tacitus als G.; Gewährsperson, die;
-. -en (seltener): vgl. Gewährsmann; Gewährträger, der;
-s. - (Bankw.): Vereinigung. Gemeinde o. ä., die eine
Sparkasse errichtet [hat], Gewährung, die; -. -en <P1. ungebr.):
das Gewähren (1).
sew^knt: twalmen.
Gewalt [ga'valtj, die; -. -en [mhd. gewalt. ahd. (gi)walt.
zu T walten]: 1. Macht. Befugnis, das Recht u. die Mittel,
über jmdn.. etw. zu bestimmen, zu herrschen: die staatliche,
richterliche, priesterliche, göttliche G.; die Teilung der
-en in gesetzgebende, richterliche und ausführende G.;
die elterliche G. ausüben, vertreten; G. über Leben und
Tod haben; jmdn. in seiner G. haben; sie stehen
vollkommen in. unter seiner G. (werden vollkommen von ihm
beherrscht, unterdrückt, sind ganz von ihm abhängig): Ü die
G. über sein Fahrzeug verlieren (im Fahren durch überhöhte
Geschwindigkeit o. ä. plötzlich nicht mehr in der Lage sein,
sein Fahrzeug zu lenken): *sich, etw. in der G. haben (sich.
etw. beherrschen u. die nötige Zurückhaltung üben): sie
hat ihre Zunge oft nicht in der G.; er hat sich wieder
in derG. 2. <o. Pl.> a) unrechtmäßiges Vorgehen, wodurch
man jmdn. zu etw. zwingt: in ihrem Staat geht G. vor
Recht; G. leiden müssen; ich weiche nur der G.; etw.
mit G. zu erreichen suchen; * sich <Dativ) G. antun [müssen]
f etw. nur lustlos, unter Selbstüberwindung tun): einer Sache
G. antun (etw. den eigenen Ansichten. Wünschen entspre-
chemi deuten o. ä. u. dafür passend machen): der Wahrheit,
den Tatsachen, der Geschichte G. antun; mit [aller] G.
/ unbedingt, unter allen Umständen, indem man alle
möglichen Anstrengungen macht): er wollte mit [aller] G. reich
werden, von hier fort; b) /gegen jmdn.. etw. rücksichtslos
angewendete] physische Kraft, mit der man etw. erreicht:
bei etw. G. anwenden; G. in den Händen haben (veraltend;
kräftig zupacken können): jmdn. mit G. am Eintreten
hindern; man mußte ihn mit [sanfter] G. hinausbefördern;
die Tür ließ sich nur mit G. (gewaltsam) öffnen; * einer
weiblichen Person G. antun (geh. verhüll.; eine weibliche
Person vergewaltigen). 3. (geh.) elementare Kraft von
zwingender Wirkung: die G. des Sturms, der Wellen; den -en
des Unwetters trotzen; doch der Regen schien seine G.
zu vermehren (Langgässer. Siegel 580); Ü dieG. der
Leidenschaft, seiner Rede; * höhere G. (etw. Unvorhergesehenes,
auf das der Mensch keinen Einflußhat): Naturkatastrophen
sind höhere G.. für die keine Haftung übernommen wird.
gewglt-, Gewalt-: -akt, der: durch Gewaltanwendung
gekennzeichnete Handlung, mit der man gegen jmdn. vorgeht u.
sich über dessen Interessen hinwegsetzt: politische -e; ^an-
drohung, die: Androhung von Gewalt (2); ^anwendung, die:
Anwendung von Gewalt (2); -einwirkung, die: Einwirkung
von Gewalt (2 b); ^familie. die: Familie, in der geschlagen
wird: Die Mutter ... kümmert sich ... besondere um die
gefährdeten Kinder aus -n (Spiegel 46. 1976. 84); -friede
(älter, geh.). -frieden, der: Frieden, der dem Besiegten in
der betreffenden Form mit besonders ungünstigen
Bedingungen für ihn aufgezwungen wird: ^haber, der (selten): jmd..
der die Gewalt (1) innehat u. diese Stellung rücksichtslos
ausnutzt: -herrschaft, die: unumschränkte Herrschaft eines
einzelnen, einer bestimmten Gruppe: Zwangsherrschaft:
^Herrscher, der: jmd., der eine Gewaltherrschaft ausübt:
^kur, die (ugs.): radikale therapeutische Maßnahmen, durch
die man Heilung od. Besserung gewaltsam herbeizuführen
sucht: eine G. auf sich nehmen; -le istung. die: dem Körper
abgezwungene Leistung, Kräfteanspannung: eine sportliche
G.; ^los <Adj.; o. Steig.): ohne Anwendung von Gewalt:
eine -e Änderung des politischen Systems; -marsch, der:
anstrengender, schneller u. langer Marsch: -maßnähme,
die: Maßnahme, die man rücksichtslos gegen jmdn. ergreift:
politische -n; -mensch, der: grober Mensch, der
rücksichtslos mit anderen verjährt: -mittel, das: vgl. ^kur: dieses
G. greift die Nieren an; -natur. die: vgl. ^mensch: isolierter
politischer Organismen .... geführt von herrischen -en
(Fraenkel. Staat 265); -schuß, der (Sport): äußerst
wuchtiger, meist aus größerer Entfernung auf das Tor abgegebener
Schuß: durch die dichte Deckung gab es kein
Durchkommen, und so versuchte der Gegner sein Glück mit
Gewaltschüssen; -streich, der: den Gegner, Partner o. ä.
überrumpelnder, eigenmächtiger Gewaltakt: Salan hat erkannt, daß
diese Art von G. das Ende seiner Bewegung bedeutet
(Welt 31. 3. 62. 5); ^tat, die: unter Anwendung von
[körperlicher] Gewalt [an jmdm.] begangene unrechtmäßige od.
kriminelle Tat: zu -en neigen, übergehen, dazu: ^tfiter,
der: jmd., der eine Gewalttat, ein Verbrechen verübt: ein
kaltblütigere, -tätig <Adj.>: seinen Willen rücksichtslos
u. mit roher Gewalt durchsetzend: ein -er Mensch.
Charakter: er sieht sehr g. aus; jmdn. g. behandeln, -tättgkeit,
die; -. -en: 1. <o. PI.) gewalttätige [Wesens/art: hatte ...
eine gewisse... G.... bis in seine Berufsneigungen
hineingespielt (Musil, Mann 591). 2. svw. Ntat: ich verurteile
diesen Indianer wegen schwerer G. (Hacks, Stücke 144);
-verbrechen, das: vgl. -tat: die Ermittlung nazistischer
G.. dazu: ^Verbrecher, der: vgl. ^täter: der Tätertyp des
-s; -verzieht, der: Abkommen, in dem auf den Einsatz
militärischer Mittel für einen bestimmten Zweck verzichtet wird,
dazu: -Verzichtsabkommen, das.
GewfltenteiHing, die; -: Trennung von gesetzgebender,
ausführender u. richterlicher Staatsgewalt u. ihre Zuweisung an
voneinander unabhängige Staatsorgane: das demokratische
Prinzip der G.; die Lehre Montesquieus von der G.; Ge-
wfltentrennung, die; -: svw. tGewaltenteilung; gewaltig
[go'vaUu;] <Adj.> Imhd. gewaltec. ahd. giwaltig. zu t
Gewalt): 1. über eindrucksvolle Machtfülle verfügend u. sie
unumschränkt ausübend: mit Gewalt auf etw. einwirkend:
es war der -ste Mann Frankreichs; Angst und Neid als
die -sten Triebkräfte. 2. a) von außerordentlicher Größe
od. Stärke: den Eindruck übergroßer Kraft od. Wucht erwek-
kend: ein -es Bauwerk; vor einer -en Naturkulisse; b) das
normale Maß weit übersteigend: eine -e Last. Menge; -e
Anstrengungen unternehmen; der Fortschritt der letzten
Jahre ist g.; c) (intensivierend bei Adj. u. Verben) (ugs.)
sehr, überaus: hier ist es g. kühl; sich g. überschätzen,
irren; der Absatz ist g. gestiegen; gewältigen [gd'veltign]
<sw. V.; hat) [mhd. geweitigen, gewaltigen = etw. in seine
Gewalt bringen, unter seine Verfügung zwingen, zu
tGewalt] (Bergbau): wieder zugänglich machen: einen Stollen,
eine Zeche g.; Gewaltigkeit, die; -: Die Anlage ... zeigte
... durch ihre G.. gepaart mit Prunk und Schönheit, daß
... (Ceram. Götter 78); gewaltsam [ga'valtzam] <Adj.>:
unter Gewaltanwendung, durch Gewalteinwirkung: eine -e
Einigung. Vertreibung; ein -er Tod; ein -es Ende nehmen
(keines natürlichen Todes sterben): Musik und Marschtakt
werden immer -er (Weiss. Marat 135); g. die Tür öffnen;
65'
1027
Gewaltsamkeit
etw. g. zu konservieren suchen, dazu: Gewaltsamkeit, die;
-. -en.
Gewand [ga'vant], das; -[e)s, Gewänder [gd'vende; mhd.
gewant. ahd. giwant, urspr. = das Gewendete, d. h. das
gefaltete od. in Falten gelegte, autbewahrte Tuch, zu f
wenden) (geh.. gelegtl. österr. u. südd.): [beibestinunten
Anlässen getragenes, festliches, langes, weites] Kleidungsstück:
ein lang herabwallendes, perlenbesetztes, griechisches,
indisches G.; das geistliche G. (Talar); liturgische Gewänder
(von den Liturgen der christlichen Kirchen beim Gottesdienst
getragene, besondere Kleidungsstücke): dasG. des Försters;
ein G. an-, ablegen, tragen; Ü das Buch erscheint in neuem
G. (in neuer Aufmachung );\n das G. des Mythos gekleidete
Ideen.
Gewand-: -haus, das [eigtl. = Tuchhallel: im späten MA.
Lager- u. Verkaufsixaus der Tuchmacherzunft, das auch
Räume für gesellige Veranstaltungen enthielt (in Leipzig erstes
Konzertsaalgebäude des Gewandhausorchesters): -laus,
die (österr. salopp): lästiger, aufdringlicher Mensch: -mei-
ster, der: bei Theater, Film u. Fernsehen Vorstand der
Kostümschneiderei, der mit dem Kostümbildner
zusammenarbeitet u. die Herstellung, Aufbewahrung u. Pflege der
Kostüme überwacht (Berufsbez.); -statue, die (Kunstwiss.):
Statue einer bekleideten Person: -Studie, die (Kunstwiss.):
Vorzeichnung zur Darstellung eines Gewandes od. eines
Faltenwurfs.
Gewände [ga'venda], das: -s. - [Kollektivbildung zu f Wand]
(Archit.. Kunstwiss.): I. durch schrägen Einschnitt in die
Mauer entstehende fgestaffelte, mit Figuren, Säulen o.a.
versehene/ Fläche an Fenstern u. bes. Portalen. 2. (österr.)
Felswand: <Zus.:>Gew$ndeftaur,die (Archit., Kunstwiss.):
bes. in der Romanik u. Gotik Plastik am Gewände (1):
die -en am Straßburger Münster, am Westportal: Gewinde
portal, das (Archit.. Kunstwiss.): Portal mit einem Gewände
(1) [u, Gewätulejiguren].
gewanden [ga'vandn] <sw. V.; hat) [mhd. gewanden, zu
TGewandl (geh., veraltet, aber noch scherzh.): in
bestimmter Weise kleiden: ein Kind festlich g.; im „Total-Look44.
derauf sämtlichen Dessous... das gleiche Blümchenmuster
wiederholt, soll sie sich g. (MM 22. 10. 69, 6); <heute
noch im 2. Part.:> gewendet: hellblau g. sein (ein hellblaues
Kleid tragen).
gewandt te'vant; 2: 2. Part, von ! wenden, eigtl. = (leicht)
in eine andere Richtung gebracht, wendig]: 1. ! wenden.
2. <Adj.; -er. -este> in Bewegungen, Benehmen, Auftreten,
Ausdrucksweise o.a. sicher u. geschickt: von dieser
Sicherheit m. Geschicktheit zeugend: ein -er Tänzer; eine -e
Redeweise; er ist sehr g. und weiß mit Menschen umzugehen:
das Pferd sprang g. über das Hindernis; <Abl.:>
Gewandtheit, die; -: das Gewandtsein, gewandtes Wesen: sich mit
G. bewegen; sie verfügte über eine erstaunliche G. [des
Geistes].
Gewandung, die; -. -en [zu Tgewanden]: 1. (geh.. gelegtl.
österr. u. südd.) besondere Kleidung für einen bestimmten
Zweck: in festlicher, nächtlicher G. erscheinen; ... werden
solche ... -en den Beschäftigten ... zur Verfügung gestellt
(Machui. Titel 25). 2. (Kunstwiss.) Darstellung des
Gewandes od. Faltenwurfs: die von den alten Meistern
geschaffenen -en (Kisch. Reporter 278).
gewann [gd'van]: t gewinnen.
Gewann, das: -[e]s. -e. (seltener:) Gewanne Igavante)]. das;
-s. - [mhd. gewande. eigtl. = Ackergrenze, an der der
Pflug gewendet wird, zu t wenden] (bes. südd.): in mehreren
Streifen aufgeteilter, allen Bauern eines Dorfes zustehender
Teil der Ackerflur: beim Pflügen eines Ackers im Gewann
..Rohrlach" (MM I. 9. 66. 5); <Zus.:> Gew^imflur, die:
aus einem od. mehreren Gewannen bestehende Flur.
Gewarte [ga'varta], das; -s [zu T warten] (ugs. abwertend):
langes Warten: Dann das G. vor der Ladentür (Kinski.
Erdbeermund 24).
gewärtig [ga'vertu;; mhd. gewertec. zu mhd. gewarten, ahd.
giwarten = beobachten, erwarten] in der Verbindung einer
Sache g. sein (etw. Neues od. Unangenehmes erwarten,
sich ilarauf eingestellt liaben): einer neuen Überraschung,
der Folgen, des Äußersten g. sein; man mußte jeden
Augenblick [dessen] g. sein, von ihm hinausgeworfen zu werden:
(selten mit Akk.:> Er blickte Aage. Widerspruch g
an (Seidel, Sterne 75); <Abl.:> gewärtigen [ga'vertign] <sw.
V.; hat) (geh.): 1. a) die Erfüllung eines bestimmten
Anspruchs o. ä. [vergeblich! erwarten: von jmdm. nichts, keine
Hilfe zu g. haben; wer Außerordentliches gewärtigt hatte,
wurde enttäuscht; b) sich etw. von etw. erwarten,
versprechen: welche Reizungen und Erschütterungen man sich
von einem Schriftwerke gewärtigt (Th. Mann. Krull 73). 2.
(meist in Verbindung mit müssen o. ä.) sich auf etw.
Unangenehmes, das auf einen zukommt, einstellen: eine Strafe,
eine Anzeige, die Ausweisung zu g. haben: man muß leider
g.. daß er nicht alt werden ... wird (Th. Mann. Hoheit
173); <g. + sich:) die eingezogenen Lippen ...
demonstrieren, wessen sich das Objekt der Kritik zu g. hat (Tucholsky.
Werke I. 480).
Gewäsch [ga'vej], das; -[e]s Izu spätmhd. weschen. waschen
= schwatzen. T waschen] (ugs. abwertend): leeres Gerede,
mit dem jmd. einen andern belästigt: das G. über Politik;
jmds. dummes G. nicht mehr hören können; hör auf mit
diesem G.!; Diese Stadt... stirbt täglich im G. der Cicero-
nen (Koeppen. Rußland 40).
Gewisser [ga' vese], das; -s, - [spätmhd. gewe33ere,
Kollektivbildung zu t Wasser]: größere natürliche Ansammlung von
Wasser (gemeinsprachlich gewöhnlich auf nicht fließende
Ansammlungen von Wasser auf dem Festland bezogen,
fachspr. dagegen auf alle natürlichen od. künstlichen
Ansammlungen von Wassermassen): ein stilles, dunkles,
sumpfiges, stehendes G; die fließenden G. Nordeuropas;
die G. eines Landes regulieren; in asiatische G.
vordringen; in den afrikanischen -n Handel treiben.
Gewisser-: -künde, die: Teilgebiet der Hydrologie, das sich
mit den Gewässern im natürlichen Wasserkreislauf zwischen
dem Niederschlag auf das Festland u. dem Rückfluß ins
Meer befaßt; -raune, der: Name, den ein Gewässer hat;
-wart, der: jmd.. der (in einem Angelsportverein) über
die Reinhaltung des Wassers wacht u. für den Fischbesatz
zuständig ist.
Gewebe [gd've:to]. das; -s. - [mhd. gewebe. ahd. giweb(i).
zu fweben]: 1. in bestimmter Weise gewebter, aus sich
kreuzenden Fäden bestehender Stoff: ein feines, grobes,
festes, synthetisches G.; dieses Reinigungsverfahren greift
empfindliche G. an; U sich im G. (Netz) seiner Lügen
verstricken. 2. (Med., Biol.) Verband von Zellen annähernd
gleicher Bauart u. gleicher Futtktton: pflanzliches, tierisches,
gesundesG.; dasG. der Muskeln: G. verpflanzen,
untersuchen; krankes G. wegschneiden; U um das G. der Vorgänge
... so weit wie möglich bloßzulegen (Thielicke. Ich glaube
77).
Gewebe- (Gewebe 2; vgl. auch: Gewebs-): -bank, die <P1.
-banken): Vorratsstelle für konserviertes menschliches
Gewebematerial, das für Transplantationen bereitgehalten
wird; -brand, der (Med.): Absterben des Gewebes; -flüsstg-
keit,die: svw. t Gewebsflüssigkeit; -hormon, das: svw. t
Gewebshormon; -kultur, die: Züchtung von Zelten höherer
Organismen im Reagenzglas i für die Virus- u.
Krebsforschung i; -lehre, die: svw. tHistologie: -probe, die: einem
Organ für eine histologische od. biocltemische Untersuchung
entnommefies Stück Gewebe; -Schicht, die (Bot.); -therapie,
die: Behandlung von[ Abnutzun$sJkrankheitenmit
Einpflanzungen od. injizierten Extrakten von Gewebe; -Züchtung,
die: svw. T ^kultur.
Gewebs- (Gewebe 2; vgl. auch: Gewebe-): -flüssigkeit, die:
farblose bis hellgelbe Flüssigkeit, die in den Lymphgefäßen
verläuft; Lymphe; -hormon« das: in verschiedenen Geweben
erzeugter, in seiner Art u. Wirkung einem Hormon ähnlicher
Stoff: diese „Gewebshormone", die den Blutdruck, die
Verdauung, die Hirntätigkeit beeinflussen (Medizin II.
253); Miekrose. die: svw. t Nekrose; ^rest, der; -sträng,
der; ^teil. das, auch: der; ^tod, der <o. Pl.>: svw. T Nekrose;
-Übertragung, die: svw. f Transplantation; -Verpflanzung,
die: svw. f Transplantation; -Wucherung* die; -zelle, die;
-zerfall, der: Die nekrotisierende Entzündung geht mit
größerem G. einher (Medizin II. 173); -Zerreißung, die.
geweckt to'vekt]: 1. T wecken. 2. <Adj.; -er, -este; nicht
adv.>: svw. taufgeweckt.
Gewehr [gove:?]. das; -[e]s. -e [mhd. gewer, ahd. giwer
= Verteidigung. Abwehr. Schutz. Kollektivbildung zu
t 'Wehr = Befestigung. Verteidigung]: 1. Schußwaffe mit
langem Lauf* die mit beiden Händen bedient wird: ein
großkalibriges G.; das G. laden, anlegen, in Anschlag bringen,
entsichern, schultern, spannen, reinigen: G. bei Fuß (in
militärischer Haltung* wobei das Gewehr mit dem Kolben
nach unten neben den Fuß gestellt ist) stehen; ins/unters
G. treten (mit dem Gewelir antreten); jmdn. mit vorgehalte-
1028
Gewerkschaftlerin
nem G. zu etw. zwingen; er zielte mit dem G. auf ihn;
Am nächsten Tag hatten den Berliner zwei Wachen unter
G. abgeholt (Kühn. Zeit 17); in militär. Kommandos:
G. ab!; das G. über!; präsentiert das G.!; R ran an die
-e! (ugs.; fangen wir also an!; nachdem man einen
bestimmten Beschluß gefaßt hat); haben ein G.! (ugs. scherzh.:
das ist leider nicht möglich; nach dem Anfang des
Kinderliedes ..Wer will unter die Soldaten, der muß haben ein
Gewehr" des dt. Dichters F. Gull. 1812-79); *G. bei Fuß
(aufmerksam wachend u, bereit, notfalls einzugreifen):
Rußland erwartet G. bei Fuß den Frieden (A. Zweig. Grischa
14). 2. (Jägerspr.) die aus dem Unterkiefer seitlich der
Schnauze hervortretenden Eckzähne des Keilers; Hauer.
Gewehr- (Gewehr 1): -abzug. der; -aufläge, die: Stütze
für das Gewehr beim Schießen; -feuer, das <o. PL>: Feuer
(4) aus Gewehren; -gabel. die (früher): gabelförmiger Stock
zum Auflegen des Gewehrs beim Schießen; -granate, die:
auf die Gewehrmündung aufgesetzte u. von dort
abgeschossene Granate; ^grifT, der <meist Pl.>: militärisch eingeübter
Griff zur Handhabung des Gewehrs: Haben Sie eigentlich
mal einen anständigen G. gelernt? (Gaiser. Jagd 152);
-kolben. der: der Gefangene. Flüchtling erhielt einen
Schlag mit dem G.; -kugel. die: von einer G. tödlich
getroffen werden; -lauf, der: den G. reinigen; die Entführer
hatten die Gewehrläufe auf ihn gerichtet; -mündung. die:
Ende des Gewehr laufs, wo die Kugeiden Lauf verläßt:
-Pyramide, die: in Pyramidenform zusammengestellte Gewehre;
-rietnen. der: Tragriemen zum Umhängen des Gewehrs;
-salve, die: Salve von Gewehrschüssen; -schaft, der;
-schloß, das: Verriegelung am Gewehrlauf; -schrank, der:
Schrank für [Jagdjgewehre; -schuß, der: Schuß aus einem
Gewehr.
Geweih [ga' vai). das; -[eis. -e [mhd. gewf[g]e. urspr. = Geäst.
Kollektivbildung zu ahd. *wi(a) = Ast, Zweig]: paarig
ausgebildete, zackige u. verästelte Knochenauswüchse auf
dem Kopf von Hirsch, Rehbock o. ä.: ein starkes,
ausladendes, verzweigtes G.: das G. abwerfen. (Jägerspr.:) fegen;
*imdm. ein G. aufsetzen (! Hom).
Geweih-: -ende, das (Jägerspr.): Spitze der Sprosse eines
Geweihs; -farn, der: [als Zimmerpflanze beliebtes]
Tüpfelfarngewächs mit aufrechten, lederigen, gabelig verzweigten,
Keweihähnlichen Blättern; -schaufei. die (Jägerspr.):
Abflachung u. Verbreiterung der Geweihstange; -spitze, die: svw.
I -ende; -Stange, die (Jägerspr.): eines der beiden
stangenähnlichen Gebilde, die mit ihren Abzweigungen das Geweih
bilden.
'geweiht [ga'vait]: T weihen.
^geweiht [-; zu TGeweih] (Jägerspr.): (vom Hirsch) ein
Geweih tragend.
Geweine [ga'vains], das; -s (ugs.. meist abwertend): /
dauerndes! Weinen: hör endlich auf mit dem G.!
gewollt T wellen.
Gewende [gd'vcndo]. das; -s [zu f wenden; eigtl. = Stelle,
wo beim Pflügen der Pflug gewendet wird): I. (landsch.
veraltend) Ackergrenze. 2. (früher) Ackerstück (als
Feldmaß).
Gewerbe [gsverba]. das; -s. - [mhd. gewerbe = Wirbel;
Gelenk; Geschäft, Tätigkeit; Anwerbung (von Truppen),
zu: werben = kreisen, sich drehen; sich umtun, tätig sein;
handeln; (an)werben]: 1. / selbständige] dem Erwerb
dienende berufliche Tätigkeit (nicht in bezug auf freie Berufe
u. Berufe in Land- u. Forstwirtschaft, Fischerei u.
Bergbau): ein ehrliches, einträgliches, schmutziges G.; das
ambulante (nicht an einen bestimmten Ort gebundenes, von
Ort zu Ort ziehendes) G.; das G. des Bäckers; ein G.
ausüben, betreiben; im graphischen G. tätig sein; In der
anderen Mansarde ging Tilly ihrem G. (der Prostitution)
nach (Jaeger. Freudenhaus 91); Seine Suche nach Leuten,
die sich ein G. aus der heimlichen Überführung
Ostdeutscher machten (die die heimliche Überfiilmmg
Ostdeutscher wie ein Gewerbe betrieben; Johnson, Ansichten
161); * das horizontale (selten) ambulante G. (ugs. scherzh.:
1. Prostitution. 2. Gesamtheit der Prostituierten): das älteste
G. der Welt (verhüll, scherzh.; die Prostitution): Jetzt, am
Dienstag bei der ..Galgentoni" wird das älteste G. der
Welt zum Mittelpunkt einer deftigen Story (Hörzu 19,
1972. 8); sich <Dativ> ein G. machen (ugs.; sich unter
einem Vorwand eine Beschäftigung in jmds. Nähe suchen,
in Kontakt mit jmdm. treten, um erw. zu erfahren): Vielleicht
hat sie gewollt, daß wir Freundschaft schließen ... Oder
sie hat sich ein G. bei Ihnen machen wollen (Fallada.
Herr 98). 2. <o. Pl.> [produzierende] kleine u. mittlere
Betriebe, [ Handels /unternehmen; Wirtschaftsbereich der
gewerblichen Tätigkeit: Handwerk und G. fordern. 3. <Vkl.
T Gewerblein) (Schweiz.) Gehöft u. der dazu gehörende
Grundbesitz eines Bauern.
Gewerbe-: -amt. das: kurz fiir T ^aufsichtsamt; -arzt. der:
in Betrieben od. bei Gewerbeaufsichtsämtern zur
Überwachung des Gesundheitsschutzes in Industrie u. Handel tätiger
Arzt; ^aufsieht, die: staatliche Überwachung der Einhaltung
der Bestimmungen über den Arbeitsschutz in
Gewerbebetrieben, dazu: -aufsichtsamt, das: staatliche Behörde, der die
Gewerbeaufsicht obliegt; -berechtigung, die (österr.): vgl.
^Zulassung; -betrieb, der: gewerblicher Betrieb; -fleiß, der:
die Produktivität in einem bestimmten Gewerbe: der G.
der deutschen Automobilindustrie; -freiheit. die [LÜ von
engl, freedom of trade]: Recht, ein Gewerbe zu betreiben,
sofern nicht gesetzliche Ausnahmen od. Beschränkungen
bestehen; -gebiet, das: für die Ansiedlung von
Gewerbebetrieben bestimmtes Gebiet; Gebiet, in dem sich viele
Gewerbebetriebe befinden; -hygiene, die: Sachgebiet der
Arbeitsmedizin, das sich mit gesundheitlichen Einrichtungen am
Arbeitsplatz u. in den Betrieben befaßt; ^Inspektor, der: Beamter bei
der Gewerbeaufsicht (Berufsbez.); -krankheit, die: svw.
t Berufskrankheit: -lehrer.der: Lehrkraft an einer
Gewerbeschule; -lehrerin. die: w. Form zu T ^lehren -Ordnung.
die: Gesetz, das Regelungen zur Ausübung eines Gewerbes
enthält; -polizei, die: Polizei, die die Ein/ialtung der
Gewerbeordnung überwacht; -recht, das <o. Pl.>: Gesamtheit der
öffentlich-rechtlichen Vorschriften, die die Ausübung eines
Gewerbes regeln (z.T. in der Gewerbeordnung enthalten);
-schein, der: behördliche Bescheinigung über den Empfang
der vorgeschriebenen Anzeige, wenn man ein Gewerbe
betreiben will: ^schule, die: Berufsfach schule für die Vermittlung
der GrUmbildung in einem gewerblich-technischen Beruf;
-Steuer, die: Steuer, die ein Gewerbebetrieb abführen muß;
-tätigkeit, die: selbständige Tätigkeit in einem Gewerbe;
-treibende, der u. die; -n. -n <Dekl. ! Abgeordnete): jmd.,
der ein Gewerbe betreibt; -verein, der: freie gewerbliche
; Handwerker [Vereinigung zur Förderung des Gewerbes od.
bestimmter Zweige im Vereinsbezirk; -Zulassung, die:
staatliche Erlaubnis zur Ausübung eines Gewerbes im Hinblick
auf bestimmte Anlagen od. die Befäliigung des
Gewerbetreibenden; ^zweig, der: Teilbereich innerhalb des Gewerbes
(2).
Gewerblein [gaverplain]. das; -s. -: TGewerbe (3); gewerblich
[gaverplic] <Adj.; o. Steig.; nicht präd.X das Gewerbe (1.
2) betreffetid; zum Gewerbe (1.2) gehörend: -e Tätigkeit;
-e Berufsgenossenschaften; kaufmännische und -e (in der
Produktion arbeitende) Lehrlinge; Räume zu -er Nutzung;
wenn jemand das g. (gewerbsmäßig) betriebe (Bergengruen.
Rittmeisterin 247).
gewerbsmäßig <Adj.; o. Steig.; nicht präd.): auf regelmäßigen
Erwerb ausgerichtet; wie ein Gewerbe betreibend; etw.
betreibend; ein -er Einbrecher; Ich bin vorbestraft wegen
-er Unzucht! (Jaeger. Freudenhaus 292); einen Handel
g. betreiben; Ü Nachtportiers und Ärzte sind -e (durch
ihren Beruf) Pessimisten (Remarque. Triomphe 261); Ge-
wfrbsunzucht, die; - (jur.): [strafbare] Prostitution.
Gewerk [ga'vtrk], das; -[e]s. -e [mhd. gewerke = vollendete
Arbeit, zu T Werk] (veraltet): 1. Gewerbe, Handwerk; Zunft.
2. (landsch.) [Uhr-, Räder/werk: ... richtete er seine ...
Lebenskraft auf seine Uhimacherei ... Wenn so ein altes,
rostiges, kaputtes G. wieder angeht ... (Feuditwanger.
Erfolg 678); Gewerke [gaverka], der; -n. -n [mhd. gewerke.
zu t Werk] (veraltet): I. Anteilsinhaber einer Gewerkschaft
(2). 2. Mitglied einer bergbaulichen Genossenscliaft,
Zunftgenosse; Gewerkschaft, die: -. -en: 1. Organisation der
Arbeitnehmer / einer bestimmten Berufsgruppe] zur
Durchsetzung ihrer [sozialen] Interessen: freie, christliche -en; die
G. der Eisenbahner; die G. fordert höhere Löhne; eine
G. gründen; einer G. beitreten, angehören; in eine G.
eintreten. 2. bergbauliche Unternehmensjörm einer
Kapitalgesellschaft: ... beteiligten sich Herzog und Grafen mit
großen Zeichnungen an der G. Bulderuhm (Winckler.
Bomberg 207), zu 1: Gewerkschafter (bes. österr.).
Gewerkschaftier, der; -s. -: Mitglied od. Funktionär einer
Gewerkschaft: es waren alles alte Gewerkschaftler; Der Feldkircher
Gewerkschafter ... (Vorarlberger Nachr. 27. II. 68. 1).
Gewerkschafterin, Gewerkschaftlern!, die: w. Form zu t Ge-
1029
gewerkschaftlich
werkschafter, Gewerkschaftler: Hilde Breitner ... wird
Gewerkschafterin (Spiegel 51. 1976. 200). gewerkschaftlich
<AdJ.; o. Steig.): die Gewerkschaft betreffend, zur
Gewerkschaft gehörend: -e Verbände; ein solches Denken ist nicht
g. (im Sinne der Gewerkschaft): g. organisiert sein.
Gew^rkschafts- (Gewerkschaft 1): -apparat, der: Apparat
(2) der Gewerkschaft; -arbeit, die <o. PL): Arbeit in der.
für die Gewerkschaft; -bank. die: -. -en (früher): Bank
der Gewerkschaft zur Verwaltung der Mitgliedsbeiträge,
zur Finanzierung von Streiks o. ä.; -bewegung, die <o. Pl.>:
auf Verbesserung der wirtschaftlichen u. sozialen
Verhältnisse abzielende* von der Gewerkschaft organisierte Bewegung
(3 a) der Arbeitnehmer: Die deutsche G.. in ersten Ansätzen
auf die Revolution von 1848 zurückgehend ... (Fraenkel.
Staat 28); -boß, der (ugs. abwertend): vgl. -ftinktionär:
... muß die Labour Party ... gegen radikale Aktionen der
Gewerkschaftsbosse kämpfen (Zeit 6. 6. 75, 17); -bund.
der: Vereinigung von verschiedenen Einzelgewerkscltaften
(in Namen wie Deutscher G.); -rührer, der: jmd.. der
zum Führungsausschuß einer od. mehrerer Gewerkschaften
gehört; -fiihrung, die: 1. Führungsausschuß einer od.
mehrerer Gewerkschaften. 2. <o. Pl.> Führung einer Gewerkschaft;
-ftinktionär, der: Funktionär einer Gewerkschaft; -gruppe,
die: kleinste gewerkschaftliche Einheit; -haus, das:
Gebäude, in dem die Verwaltung der Gewerkschaften untergebracht
ist; -Journalist, der: im Bereich der Gewerkschaftspresse
tätiger Journalist: -kongreB, der: Kongreß von
Gewerkschaftsmitgliedern; -mitglied, das; -presse, die <o. Pl>:
von den Gewerkschaften herausgegebene Presseorgane;
-Sekretär, der: hauptamtlich angestellter Funktionär der
Gewerkschaft, der für bestimmte Bereiche verantwortlich ist;
-Sekretärin, die: w. Form zu T-sekretär; -Sitzung, die:
vgl. -Versammlung; -tag, der: svw. t-kongreß; -union,
die: vgl. -bund; -verband, der: vgl. -bund; -Versammlung,
die: von einer Gewerkschaft abgehaltene Versammlung;
-Vertreter, der; -Vorsitzende, der u. die: Vorsitzender eitler
Gewerkschaft.
Gewerkverein, der; -s. -e: frühere gewerkschaftliche
Organisation (Vorstufe der heutigen Gewerkschaft).
Gewese [g3've:z3j, das; -s [aus dem Niederd.. zu Twesen]
(ugs.. häufig abwertend): 1. auffallendes Verhalten.
Gebaren: Weiter Ferngespräche .... weiter gespenstisches G.
(Plievier, Stalingrad 270); Die andern mieden ihn wegen
seines abstoßenden, frechen, mürrischen -s (Feuchtwanger.
Herzogin 91); *G. [von etw., sich] machen (Aufhebens [von
erw.. sich] machen): er hatte weiter kein großes G. gemacht
und sich sofort bereit erklärt; Sie machte mit ihren drei
Töchtern viel G. von sich (Feuchtwanger. Herzogin 36).
2. (niederd.) svw. t Anwesen.
gewesen [gd've:zn]: 1. t'sein. 2. <Adj.; o. Steig.; nur attr.)
(bes. österr.) ehemalig: die -e Schauspielerin R.; Kritiker
sind oft -e Lyriker; <subst.:> Gewesene, das; -n:
Vergangenes: wenn etwas zum -n werden kann, hat ihm zum
Vollkommenen etwas gefehlt (Jahnn. Geschichten 213).
gewichen [ga'vifn]: t weichen.
gewichst [ga'vikst; 2 b: 2. Part, von T wichsen, eigtl. = blank
geputzt, glatt gerieben]: 1. T wichsen. 2. <AdJ.; -er, -este>
a) (veraltet) herausgeputzt: Die Gesellschaft war dermaßen
elegant und ritterlich g. (Th. Mann, Zauberberg 932);
b) (ugs.) klug, gewitzt.
'Gewicht [ga'vict], das; -Ie]s. -e [mhd. gewiht(e). zu t wägen]:
1. <o. PI.) a) Schwere eines Körpers, die sich durch Wiegen
ermitteln läßt; Last: ein G. von 45 kg; ein geringes, großes
G.; das zulässige G.; das spezifische G. (das Gewicht der
Volumeneinheit eines Stoffes); das G. vom rechten auf
das linke Bein verlagern; sein G. halten (nicht zu- od.
abnehmen); der Koffer hat sein G. (ist ziemlich schwer);
Orangen nicht nach Stückzahl, sondern nach G. verkaufen;
der Mann krümmte sich unter dem G. der Last; b) (Physik)
Größe der Kraft, mit der ein Körper auf seine Unterlage
drückt od. nach unten zieht. 2. Körper von bestimmter
Schwere [der zum Wiegen dient]. Maßeinheit: große, kleine -e;
die -e (an einer Kette hängende, als Triebkraft wirkende
Metallstücke) der Pendeluhr; die -e müssen geeicht sein;
mehrere -e auf die Waage legen; (Sport:) ein G. stemmen.
3. <o. PI.) Bedeutung, die im Verhältnis zu anderen Fakten
schwer wiegt u. den Charakter eines Zusammenhangs od.
Sachverhalts beeinflußt: in der Partei hat seine Stimme
großes, kein G.; dieses Land bekommt immer mehr G.;
einer Sache kein G. beilegen, beimessen; mit dem ganzen
G. seiner Persönlichkeit: *sein ganzes G. in die
Waagschale werfen (alle Anstrengungen unternehmen, seinen
ganzen Einfluß geltend machen, um etw. zu erreichen): er
versicherte, er werde sein ganzes G. in die Waagschale
werfen, um den Beschluß durchzusetzen; auf etw. G. legen
{etw. für wichtig halten u. Wert darauf legen [nach der
Waagschale, auf die man ein Gewicht legt, damit die Zunge
nach ihrer Seite ausschlägt]); [nicht] ins G. (allen ([nicht]
von ausschlaggebender Bedeutung in einem bestimmten
Zusammenhang sein) [nach der Sache, die schwer wiegt u.
die Waagschale herunterdrückt]: da fällt eine gewisse lässige
Großzügigkeit kaum ins G. 4. [Zahlen]faktor. der in einer
mathematischen Beziehung einer od. mehreren Größen
einen stärkeren Ebifluß verleihen kann.
^Gewicht [-]. das; -[e]s. -erfNebenf. von t Geweih] (Jägerspr.):
svw. f Gehörn (2).
Gewjdit- (lGewicht): -heben, das; -s: schwerathletische
Sportart, bei der ein Gewicht durch Reißen od. Stoßen vom
Boden zur Hochstrecke gebracht wird; -heber, der:
Schwerathlet in der Disziplin des Gewichthebens: -training. das:
svw. t Krafttraining.
gewichten [ga'vi^tn] <sw. V.; hat) [zu T'Gewicht (3)]: 1.
(Statistik) von etw. unter Berücksichtigung der Häufigkeit
des Auftretens vorhandener Einzelwerte einen Durchsclmitts-
wert bilden u. damit den Wert, die Bedeutung der
Einzelgrößen einer Reihe ermitteln: ... werden ... die ...
Zahlen nach ... sozioökonomischen Faktoren gewichtet
und die ersten Hochrechnungen erstellt (MM 26. 9. 69,
20); „Gewichtet" wird entweder durch Duplizieren oder
Herausnehmen von Karten oder auf rechnerischem Wege
(Noelle, Umfragen 144). 2. die Bedeutung. Bedeutsamkeit.
Wichtigkeit von etw. festhalten, festlegen; Schwerpunkte
bei etw. setzen: diese Pläne. Vorschläge, Überlegungen
gilt es nun [neu. richtig] zu g.; gewichtig [ga'vi^ti^l <Adj.)
[zu t'Gewicht): 1. (veraltend) schwer u. massig: ein -er
Koffer; ein -er (utnfangreicher) Band; sie ist ziemlich g.
(scherzh.; dick, korpulent). 2. [in einem bestimmten
Zusammenhang] bedeutungsvoll: ein -er Satz. Grund; Er machte
-e Schritte im Zimmer auf und ab (R. Walser. Gehülfe
27); -er ist hier die Frage, ob ...; (iron.:) sich g. räuspern;
<Abl.:> Gewichtigkeit, die; -: bedeutungsvolle Schwere.
Wichtigkeit: die G. der Fragen; die Angelegenheit erhielt
dadurch einen anderen Grad von G.
gewichte-,Gewjdits- ('Gewicht): -abnähme, die (Ggs.:
-zunähme): G. durch eine Schlankheitskur; -analyse, die:
Gewichtsbestimmung von chemischen Elementen u. Gruppen
in Stoffgemischen mittels Auswägen von Niederschlägen od.
Rückständen; -angäbe, die; -bestimmung, die; -einheit,
die: Einheit zur Gewichtsbestimmung; -klasse, die (Sport):
international einheitlich abgegrenzte Klasse, der die Kämpfer
in den Sportarten Boxen. Gewichtheben. Judo u. Ringen
entsprechend ihrem die Leistung beeinflussenden
Körpergewicht zugeordnet werden; -kontrolle, die: Kontrolle des
Körpergewichts in bestimmten Zeitabständen: -los <Adj.;
-er. -este; nicht adv.): 1. <o. Steig.) ohne körperliche
Schwere; schwerelos: ein ... Mädchen ... in seinen letzten Tagen,
verdorrt und beinahe g. (Kaschnitz. Wohin 60). 2. ohne
lGewicht (3); bedeutungslos: scheinen die Gottesdienste ...
in ihrem Gehalt ... -er zu werden (Thielicke. Ich glaube
10); -norm, die: zulässiges ]Gewicht (1) von etw.; -prozent,
das: Anteil eines Stoffes in einem Gemisch od. einer Lösung,
der in Gramm je 100 g Mischung gemessen wird; -satz,
der: zu einer Waage gehörender Satz von verschiedenen
^Gewichten (2); -stein, der: svw. T 'Gewicht (2); -tolenuiz,
die: zulässige Abweichung vom vorgeschriebenen ^Gewicht
(1); -Verlagerung, die: 1. Verlagerung des Körpergewichts:
Alle durch falsche Verschiebungen hervorgerufenen -en
... (Dwinger. Erde 103). 2. Verlagerum des lGewichts (3):
Im Laufe des 19. Jh.s fand eine G. von rechts nach links,
vom Absolutismus zum Parlamentarismus ... statt
(Fraenkel. Staat 247); -verlust, der: Verlust an ^Gewicht (1);
-Verschiebung, die: Verschiebung des [politischen]
'Gewichts (3): wieweit jeder der Beteiligten derartige -en ...
respektiert ...: wer wen wie hoch einschätzt ... (Dönhoff.
Ära 182); -zoll, der: nach dem Gewicht der Ware
festgesetzter Zoll: Zölle werden als Gewichtszölle (spezifische Zölle)
oder als Wertzölle erhoben (Fraenkel. Staat 132);
-zunähme, die (Ggs.: -abnähme).
Gewichtung, die; -. -en: 1. (Statistik) das Gewichten (1):
um noch vor Beginn weiterer Auszählungen eventuell eine
1030
gewinnen
Korrektur durch G. vornehmen zu können (Noelle.
Umfragen 219). 2, das Gewichten (2); das Festlegen von
Schwerpunkten: Bei der zu diskutierenden G. von Lemzielen
(Zeitschrift für germanistische Linguistik 1.1. 1973. 3).
gewieft üp'vi:ft) <Adj.; -er. -este; nicht adv.> [wahrsch. 2.
Part, von mhd. wlfen = winden, schwingen, zu der
Wortgruppe von T Wipfel] (ugs.): so aufmerksam* daß man jeden
Vorteil sogleich erkennt u. ihn wahrnimmt od. sich nicht
übervorteilen läßt: schlau: ein -er Bursche.
Wahlkampftaktiker; Der Erfolg dürfte selbst -e Ganoven verblüffen
(Berliner Morgenpost 2. 4. 76. 6); er ist g. im Auskundschaften;
<Abl.:> Gewjfiftheit, die; -: Seine G.. mich von sich zu
überzeugen, belustigte mich (Ossowski, Bewährung 59).
gewiegt [gö'vi.kt; 2: 2. Part, von fliegen, eigtl. = (in
einer Wiege) geschaukelt; in etw. aufgezogen, groß
geworden]: 1. T biegen. 2. <Adj.; -er. -este; nicht adv.>
(ugs.) durch Erfahrung Beschickt u. mit allen Feinheiten
vertraut: ein -er Kriminalkommissar; trotz allem -en
kompositorischen Können überzeugte das Werk nicht; der
Bursche ist ganz schön g.
Gewieher [gd'viie]. das; -s: 1. dauerndes] Wiehern: das
G. der Pferde. 2. (salopp) wieherndes Gelächter: sie hob
ihre zarte Stimme zu wildem G. (Bergengruen,
Rittmeisterin 174); die wichtigste ... Angelegenheit ... des Lebens
dem G. des Pöbels überantworten (Th. Mann. Krull 59).
gewiesen [ga'vi:zn]: f weisen.
gewillkürt [ga'vilky.'gt] <Adj.; o. Steig.) [mhd. gewillkürt.
2. Part, von: willekum (md.). willekürn = freiwillig
wählen, beschließen, zu T Willkür] (jur.): nicht nach dem Gesetz,
sondern durch Verfügung des Erblasses od. Vereinbarung
der Vertragspartner erfolgend: -e Erbfolge; ein -er Erbe.
gewillt [ga'vilt] <Adj.) [mhd. gewillet. gewilt. 2. Part, von:
willen = willig machen, (refl.:) sich wozu entschließen,
ahd. will(e)ön = zu Willen, geneigt sein, zu tWille] in
der Verbindung [nicht] g. sein, etw. zu tun (den festen
Willen haben, entschlossen sein, etw. /nicht j zu tun): er
ist nicht g.. ohne weiteres nachzugeben; Er bezog,
anscheinend g.. längere Zeit zu bleiben, ein Zimmer (Lentz. Muk-
kefuck 100); <Abl.:> Gewjlltheit. die; -: Joachims ... G..
zu sprechen ... (Th. Mann. Zauberberg 578).
Gewimmel [gd'viml], das; -s [mhd. gewimmel. zu t wimmeln]:
a) Durcheinamler von vielen, sich schnell bewegenden
Lebewesen: auf dem Platz entstand, herrschte ein G.; sich ins
G. stürzen; b) sich in lebhaftem Durcheinander bewegemle
Masse: ... taucht das fröhliche G. auf. das zum Empfang
... sich versammelt hat (Bamm, Weltlaterne 123); Und
ihr, meine Sterne. ... mein helles G. (Kaschnitz, Wohin
226); Ü ich schlug mich durch das G. von Gassen in
die Rue de la Providence (Seghers, Transit 267).
Gewimmer [gs'vime], das; -s: idauermlesj Wimmern: das
G. des Kranken, der alten Frau, des kleinen Kindes; Ü
das melodische G. der Gitarre (Thieß, Legende 183).
Gewinde [gd'vinda]. das; -s. - [zu T'winden]: 1. in Form
einer Schraubenlinie in die Außenfläche eines zylindrischen
Körpers od. in die Innenfläche eines zylindrischen
Hohlkörpers eingeschnittene Rille von bestimmtem Profd: ein G.
schneiden; eine massive Flasche mit einem Syphonkopf.
aufweichen mittels eines -s eine Kohlensäurepatrone
aufgesetzt wird (Hom, Gäste 97). 2. (veraltend) etw. aus
Blumen. Laub o. ä. Gewundenes.
Gew|nde- (Gewinde 1): -bohrer, der: Bohrer zur Herstellung
eines Gewindes in der Innenfläche eines zylindrischen
Hohlkörpers: -bolzen, der; -fräsen, das; -s: vgl.
^schneiden, dazu: -fräsmaschine, die: Fräsmaschine zur
Herstellung eines Gewindes; -gang, der: voller Umlauf der
Schraubenlinie eines Gewindes: -schleifen, das; -s: vgl. -schneiden;
-schneiden, das; -s: Herstellung eines Gewindes an einer
Schraube od. in der Innenfläche eines zylindrischen
Hohlkörpers mit Gewindebohrer u. Schneideisen od. Schneidmutter;
-stift, der: Schraube oline Kopf u. einem auf der ganzen
Länge durchlaufenden Gewinde.
Gewinkel [gd1 vmk)]. das; -s. - [Kollektivbildung zu f Winkel]:
winkelige Anlage: ... hinein in das ... G. einer ... Straße.
wo drei, vier Häuser ... einen kleinen Innenhof bildeten
(Langgässer, Siegel 454); gewjnkelt [...k|t]: 1. fwinkeln.
2. <Adj.; o. Steig.) (Fachspr.) abgewinkelt konstruiert; in
einem Winkel abgeknickt: Spinnen ... mit langen -en
Gliedmaßen (Kaschnitz. Wohin 58).
Gewinn [ga'vin], der; -[e]s, -e [mhd. gewin. ahd. giwin =
Kampf, Anstrengung, Plage. Arbeit; Erlangtes. Erwerb.
Vorteil, Nutzen, zu t gewinnen]: 1. materieller Nutzen.
Ertrag /eines UnternehmensJ; Überschuß über den
Kostenaufwand (Ggs.: Verlust b): ein beachtlicher, bescheidener G.;
einen G. von fünf Prozent erzielen; aus etw. G. schlagen,
ziehen; (ugs.:) den G. einstreichen; das Geschäft wirA
kaum [einen] G. ab; -e abschöpfen; etw. bringt G. ein;
am G. beteiligt sein; etw. mit G. verkaufen; Seit Januar
wirtschaften wir mit G. (Bieler. Mädchenkrieg 314). 2.
a) Geld od. Sachwert, der als Preis bei einem Spiel o.a.
gewonnen werden kann: die -e einer Tombola: -e
ausschütten, auszahlen; im Lotto einen G. haben, (ugs.:) machen;
seinen G. bei der Lottostelle abholen; mit einem G.
herauskommen; b) Los. auf das ein Gewinn (2 a) fällt; Gewinnlos:
jedes dritte Los ist ein G.; die -e auslosen. 3. <o. PI.)
praktischer Nutzen od. innere Bereicherung, die aus einer
Tätigkeit od. dem Gebrauch von etw. kommt: die Lösung
dieses Problems wäre ein unschätzbarer G.; einen G. von
etw. haben; ein Buch mit [großem] G. lesen.
gewjim-. Gewjim-: -abfuhrung, die, dazu: -abführungsver-
trag. der <o. PI.) (Wirtsch.): Vertrag, durch den sich eine
Aktiengesellschaft od. eine Kommanditgesellschaft auf
Aktien als abhängiges Unternehmen verpflichtet, ihren ganzen
Gewinn an das herrschende Unternehmen abzuführen; -an-
teil, der: Anteil, auf den der Teil/iaber einer Gesellschaft
Anspruch hat; -ausschüttung, die: Auszahlung von
Gewinnanteilen; -beteiligung, die: Beteiligung auch der
Arbeitnehmeram Gewinn eines Unternehmens: er ... gab als
einzigen Vermögenswert seinen Vertrag auf G. ... an (Spiegel
5. 1966, 66); -bringend <Adj.): I. <nicht präd.) hohen
Gewinn (1) erzielend: ein -es GeschäA. Unternehmen. 2.
von einer Art od. in einer Weise, die für jmdn. einen Gewinn
(3) bedeutet: eine -e Gestaltung der Freizeit; sich g.
unterhalten; -chance, die: a) Chance, in einem Spiel o. ä. zu
gewinnen: b) Chance, einen Gewinn (1) zu erzielen; -erwar-
tung, die: die -en der Unternehmen; -Masse, die: Klasse.
Kategorie bei Wettspielen o.a.. zu der alle Gewinner mit
dem gleichen Tip. der gleichen Lösung gehören u. nach
der sich die Gewinnauote richtet; Rang; -liste, die: Liste,
in der die Gewinner eines Lotteriespiels o.a. aufgeführt
sind; ^los, das: Los. auf das ein Gewinn (2 a) fällt; -marge.
die (Wirtsch.): svw. t^spanne; -maximierung, die
(Wirtsch.): svw. t-streben; -mitnähme, die; -. -en
(Börsen w.): Käuferverhalten in bezug auf Wertpapiere, das
darauf gerichtet ist. aus Kursanstiegen schnellen Gewinn zu
ziehen: Nach vorübergehenden -n ... zogen die Kurse
darauf... weiter an (Darmstädter Echo 18. 11.67,33); -num-
mer, die: vgl. -los; -quote, die: Anteil am ausgeschütteten
Gesamtgewinn, der auf den einzelnen Wetteilnehmer
entsprechend der jeweiligen Gewinnklasse entfällt; -satz, der
(Tennis, Tischtennis, Volleyball): zum Gesamtgewinn
erforderlicher gewonnener Satz (2 b): das Einzel wurde über drei
Gewinnsätze gespielt; -spanne, die: durch den Unterschied
zwischen Selbstkosten u. Verkaufspreis erzielter Gewinn;
-streben, das; -s: Streben eines Unternehmens nach /
maximalem] Gewinn; -sucht, die <P1. selten): Erwerbssinn von
sittlich anstößigem Ausmaß; Habgier: sein Boden, verwüstet
von derG. der Nachbarn (Jahnn. Geschichten 106);
..Unsere Stadt... ist ein Hexenkessel geworden! Fast alle
schmoren darin mit ihren Ängsten, Gewinnsüchten ..." (Kirst.
08/15, 760). dazu: -süchtig <Adj.>: von Gewinnsucht
getrieben, habgierig; -trächtig <Adj.>: einen lohnenden Gewinn
erwarten lassend: ein Mann mit Gespür für -e Aktionen
(Spiegel 48.1965.134); Allzu g. schlägt die ...
Rationalisierung zu Buche (Spiegel 9. 1976, 5);
--und-Verlust-Rechnung, die (Wirtsch.): für eine Aktiengesellschaft o. ä. neben
der Bilanz auf zustellende jährliche Erfolgsrechnung, die
Einblick in das Zustandekommen des Erfolgs (Gewinn od.
Verlust) gibt; -Verwendung, die <PI. selten): Verwendung des
Gewinns eines Unternehmens; -Vortrag, der (Wirtsch.): hei
der Bilanz eines Unternehmens der nicht verteilte Rest des
Gewinns, der auf das nächste Jahr übertragen wird; -zahl,
die <meist PI.): vgl. -los: die -en von diesem Wochenende
lauten ...; die Bekanntgabe der -en im Fernsehen.
gewinnen [ga'vinan] <st. V.; hat) /vgl. gewinnend/ [mhd.
gewinnen, ahd. giwinnan = durch Anstrengung. Arbeit
od. Kampf zu etw. gelangen, schaffen, erringen, erlangen,
zu mhd. winnen. ahd. winnan = kämpfen, streiten; toben;
sich anstrengen, sich plagen; leiden, erringen, erlangen]:
I. a) einen Kampf, einen Wettstreit, eine Auseinandersetzung
o. ä. zu seinen Gunsten entscheiden: den Krieg, eine Schlacht
1031
gewinnend
g.; einen Boxkampf g.; ein Rennen klar, eindeutig,
überlegen g.; ein Fußballspiel [mit] 2:1 g.; eine Wette g.; er
hat den Prozeß gewonnen; *es [nicht] über sich g.. etw.
zu tun (geh.. veraltend; sich /nicht! überwinden, etw. zu
tun): er konnte es nicht über sich g.. seinen Fehler
einzugestehen; b) in einem Kampf. Wettstreit o.a. Sieger sein:
[bei/in einem Spiel] klar, (salopp:) haushoch, nur knapp,
nach Punkten g.; Spr frisch gewagt ist halb gewonnen
(nach Horaz, Episteln I. 2, 40); wer nicht wagt, der nicht
gewinnt. 2. a) heim Spiel o.a. Geld od. einen Sachwert
als Preis erhalten: einen Pokal g.; bei der Tombola sind
hauptsächlich Gebrauchsgegenstände zu g.; [5000 Mark]
in der Lotterie g.; noch nie gewonnen haben; b) einen
Gewinn (2 a) brinnen: jedes vierte Los gewinnt. 3. a) durch
eigene Anstrengung iu. günstige Umstände] etw.
Wünschenswertes erhalten: Zeit, einen Vorsprung, großes
Ansehen g.; jmds. Liebe. Herz. Vertrauen g.; die Herrschaft
über jmdn.. die Oberhand g.; mit etw. keine Reichtümer
g. können; seine entschlossene Haltung hat ihm viele
Sympathien gewonnen (eingebracht, verschafft): (häufig
verblaßt.) Abstand von etw.. Klarheit über etw.. Einblick
in die Verhältnisse g.: den Eindruck g.. daß ...; die Sache
gewinnt dadurch eine besondere Bedeutung; es gewinnt
den Anschein (es scheint so), als ob ...; R wie gewonnen,
so zerronnen; b) (geh.) ein räumliches Ziel /mit Mühe
erreichen: das Ufer zu g. versuchen: das Schiff gewann
das offene Meer; das freie Feld, das Freie g. (aus dem
Wald, aus der Stadt o.a. in freies Gelände kommen): c)
jmdn. durch Reden dazu bringen, sich an etw. zu beteiligen
od. sich für etw. einzusetzen, was man beabsichtigt od.
wünscht: jmdn. für einen Plan, einen Künstler für ein
Konzert g.; jmdn. als Kunden, zum Freund g. 4. a) sich
zu seinem Vorteil verändern: sie hat in letzter Zeit
gewonnen; der Saal hat durch die Renovierung gewonnen: b)
an etw. Erstrebtem zunehmen: an Sicherheit g.; das
Flugzeug gewann immer mehr an Höhe. 5. a) Bodenschätze.
Naturvorkommen abbauen, fördern: Kohle, Eisen g.; b)
aus einem Naturprodukt erzeugen, herstellen: Zucker aus
Rüben g.; der Saft wird aus reifen Früchten gewonnen;
zu 3 c: gewjnnend <Adj.>: von liebenswürdigem Wesen,
solches Wesen erkennen lassend u. andere für sich einnehmend:
ein -es Wesen; seine Art war sehr g.; g. lächeln; zu 1,
2 a: Gewjnner. der; -s, -: I. jmd.. der gewinnt (1): der G.
eines sportlichen Wettkampfs; Es handelte sich ... um
den Machtkampf zwischen Armee und SA ... mit dem
Erfolg, daß die SS der eigentliche G. war (Rothfels,
Opposition 55). 2. jmd.. der gewinnt (2 a): derG. der
Bronzemedaille; in der Lotterie unter den -n sein; Gewjnnerin, die;
-. -nen: w. Form zu tGewinner, <Zus.:> Gewjrmerstraße.
die (Sport, Jargon): auf der G. liegen (im Begriff sein
zu gewinnen): Gewinnung, die; -. -en <PI. ungebr.): a)
das Gewinnen (5 a): die G. von Kohle; wahllose G. des
... Bau- und Brennholzes an günstig gelegenen Stellen
(Mantel. Wald 35): b) das Gewinnen (5 b): die G. von
Gummi aus Kautschuk.
Gewinsel [govinzl], das; -s (abwertend): 1.. dauerndes]
Winseln: das G. des Hundes. 2. unwürdiges Klagen. Bitten:
unterlaß doch dein unerlaubt ästhetisches, humanitäres
G. (Wohmann, Absicht 323).
Gewinst [ga'vinst], der; -[eis. -e [aus dem Niederd. < mnie-
derd. gewinst. Nebenf. von fGewinnl (veraltend): Gewinn
(I): Aktien und Papiere, die ... auf den Gerüsten des
Erfolges und Gewinstes umhergetumt waren (Fussenegger,
Haus 107).
Gewirbel [go'virb)]. das; -s: dauerndesj
Durcheinanderwirbeln: im G. der Schneeflocken, der Herbstblätter.
Gewirk, das: -[eis, -e. Gewirke, das; -s. - [ga'virkte); zu
Twirken (6)1: I. (Textilind.) gewirkter Stoff: Gewirke und
Gestricke, die nicht ... verfilzen (Herrenjoumal I, 1966.
17); Ü baumelte das verfilzte Gewirk der
Schmarotzerpflanze von seinen (= des Waldes) umsponnenen ... Zweigen
(Th. Mann, Zauberberg 859); Es (= das Gitter) zeigte
... die Eintönigkeit hinter dem bunten Gewirke des Tims
und seiner Gefühle (Musil. Mann 1163). 2. (Biol.) Zellen
in einem Bienenstock od. Wespennest. Waben: Gewjrkst.
Gwjrkst. das; -s (österr. ugs.): verzwickte Angelegenlieit:
mülxsame Arbeit.
Gewirr, das; -[eis. Gewirre [gavirte)). das; -s [mhd. gewerre.
zu veraltet wirren = t verwirren): 1. wirres Knäuel: Fäden
o. ä.. die sich verwickelt haben: ein dichtes G. von Drähten;
das Gam war zu einem unauflösbaren G. verknäult. 2,
wirre Ungeordnetheit I von optischen od. akustischen
Sinneseindrücken 1'. so daß die Dinge nicht zu unterscheiden
sind u. unklar bleiben: ein G. von Baumstämmen; das
G. der engen Gassen; der Kirchturm ragte aus dem G.
von Häusern heraus; das G. der Stimmen; ein G. von
Dogmen; im G. der Träume; unmöglich, in dem wilden
Gewirr ... etwas anderes als ein schwarzes Zucken und
Vorbeihuschen wahrzunehmen (Menzel. Herren 50).
Gewisper [gavispcl. das; -s: dauerndes] Wispern: auf den
Gängen, in einer Ecke hörte man G.; er mußte das G.
der Umstehenden über sich ergehen lassen.
gewiß [ga'vis; mhd. gewis. ahd. giwis. eigtl. = was (sicher)
gewußt wird; vgl. wissen): I. <Adj.; gewisser, gewisseste)
1. <o. Steig.; nur attr.) a) nicht genau bestimmbar: nicht
näher bezeichnet aber doch dem andern bekannt/: ein
gewisser Herr Krause; ein gewisser Jemand; ein gewisser
Ort/gewisses Örtchen (fam. verhüll.; die. eine Toilette): in
gewissen Kreisen; in einer gewissen Beziehung mit jmdm.
übereinstimmen; von einem gewissen Alter an; b) von nicht
sehr großem Ausmaß o. ä.. aber doch ein Mindestmaß
einhalte tuJ: eine gewisse Ähnlichkeit; aus einer gewissen Distanz;
mit einer gewissen Hochachtung; bis zu einem gewissen
Grade. 2. <nicht adv.) ohne Zweifel bestehend, eintretend:
die gewisse Zuversicht. Hoffnung haben, daß ...; jmds.
Unterstützung, seines Erfolges g. sein können; etw. für
g. halten. II. <Adv.> nach jmds. Meinung ohne Zweifel,
mit Sicherheit: du hast dich g. darüber gefreut; das kannst
du mir g. glauben; g.. es geht ihm schon besser, aber
...; aber g. [doch)! (es verhält sich tatsächlich so).
Gewissen [ga'visnl. das; -s. - [mhd. gewi33en(e), ahd.
gewissem = (inneres) Bewußtsein, (religiös-moralische)
Bewußtheit, Adjektivabstraktum zum 2. Part, gewinn =
bewußt; vgl. wissen; LÜ von lat. cönscientia = Mitwissen;
Bewußtsein; Gewissen. LÜ von griech. syneidesis): Bewu/Jt-
sein von Gut u. Böse des eigenen Tuns: BewuJStsein der
Verpflichtung einer bestimmten Instanz gegenüber: das
menschliche G.; sein ärztliches, künstlerisches G. läßt das
nicht zu: sein schlechtes G. stand ihm im Gesicht
geschrieben (man sah ihm sein schlechtes Gewissen an): bei diesen
Maßnahmen regte sich sein G. (kamen ihm Bedenken
hinsichtlich der moralischen Vertretbarkeit): ihn plagt sein
G.; sein G. erleichtem, wachrütteln, erforschen, zum
Schweigen bringen; kein G. haben (skrupellos sein): ein
reines G. haben (sich nicht schuldig fühlen): sie hatte wegen
des Ladendiebstahls ein schlechtes G. (war wegen dieses
schuldhaften Verhaltens bedrückt): ich hatte schon ein
schlechtes G.. dir nicht geschrieben zu haben (machte
mir schon Vorwürfe wegen dieser Nachlässigkeit): ich habe
auch ein schlechtes G. gegen ihn (Bergengruen,
Rittmeisterin 442); seinem G. folgen; ruhigen -s etw. tun; an jmds.
G. appellieren; gegen sein G. handeln; etw. mit gutem
G. tun; seine Angaben nach bestem Wissen und G. (ohne
etw. dabei zu verschweigen) machen; etw. vor seinem G.
nicht verantworten können; Spr ein gutes G. ist ein sanftes
Ruhekissen; *sich (Dativ> kein G. aus etw. machen (etw.
Übles tun. ohne sich durch sein Gewissen davon zurückhalten
zu lassen: nach Römer 14. 22): Jmdn. auf dem G. haben
(durch sein Verhalten an jmds. Ttxi od. Untergang schuld
sein): Der arme Jerzy. Wenn sie dem was tun, dann hat
sie ihn aufm G. (M. Walser, Eiche 35): etw. auf dem
G. haben (etw. durch sein Verhalten verschuldet haben),
jmdm. ins G. reden (jmdn. wohlmeinend, aber ernsthaft
u. eindringlich ermahnen u. ihn zu einer Änderung seines
verkehrten, mißbilligten Verhaltens zu bewegen, vom
falschen Weg abzubringen suchen): <Abl.:> gewissenhaft <Adj.;
-er, -este>: mit großer Genauigkeit u. Sorgfalt vorgehend,
so daß man die betreffetuie Arbeit verantworten kann: eine
-e Untersuchung; der Schüler ist sehr g.; etw. g. prüfen,
erledigen, dazu: Gewissenhaftigkeit, die: -: das
Gewissenhaftsein, gewissenliaftes Wesen: Sorgjält: sie nahm mit
größterG. ihre Medizin: vor lauterG.... hauen Sie daneben
(Gaiser, Jagd 143); gewissenlos <Adj.; -er. -este>: ohne
jedes] Empfinden fiir Gut u. Böse seines Tuns: ein -er
Abenteurer: g. handeln, dazu: Gewissenlosigkeit, die: -. -en: 1.
<o. PI.) das Gewissenlossein, gewissenloses Wesen: mit
unglaublicher G. handeln. 2. gewissenlose Handlung: eine
lange Kette von -en.
Gewjssens-: -angst, die: durch das Gewissen verursachte
Angst im Hinblick auf die eigene Handlungsweise: G. ist
1032
gewöhnen
verinnerlichte Strafangst (Heiliger. Angst 85); von G.
gepeinigt sein; -bedenken <PL> (selten): svw. t ^Skrupel: einer,
der über G. hinaus ist (Tucholsky. Werke 11. 213); -biß,
der <meist PI.) [LÜ von lat. cönscientiae morsus): Quälendes
Bewußtsein, unrecht gehandelt zu haben, an etw. schuld
zu sein: Gewissensbisse haben, spüren, empfinden: sich
Gewissensbisse über etw. machen; Ist der G. für das
moralische Leben notwendig? (Spiegel 50. 1966, 85); ^ehe, die
[LÜ von lat. mätrimönium cönscientiaej: nicht gesetzliche,
nach kath. Kirchenrecht geheim geschlossene Ehe zur
Legalisierung eines Verhältnisses; ^entschekhing, die:
Entscheidung, die jtnd. allein nach seinem Gewissen getroffen hat;
^erforschung, die <P1. ungebr.): [ Selbst Jbejragung ldes
katholischen Gläubigen vor der Beichte! über begangene
Sünden: Wie lauten die Fragen bei der G. über die Sünder
der Unschamhaftigkeit? (Böll, Haus 119); Ü Das Meer
war wie eine unerbittliche Geliebte und Nebenbuhlerin;
jede Minute war eine vernichtende G. (Musil, Mann 1419);
-frage, die <P1. ungebr.): unabweisbare schwierige Frage,
die lpersönlich j entschieden werden muß: Der Mensch unter
dem Uniformmantel fragt weiter: Wohin? - Das bleibt
die G.! (Plievier. Stalingrad 239); -freiheit, die <o. PI.)
[LÜ von lat. llbertäs cönscientiae]: Recht des Menschen,
in seinen Äußerungen u. Handlungen nur seinem Gewissen
zu folgen: dieG. respektieren; -gründe <PL>: vom Gewissen
vorgeschriebene Gründe für jnuis. Haltung: Verweigerung
des Kriegsdienstes aus -n; -kämpf, der: Ihm. der nun.
nach vielnächtigem G einschwenken wollte (Simmel,
Stoff 282); -konflikt, der: Konflikt, in den man gerät, wenn
man eine notwendige Entscheidung mit dem Gewissen nicht
vereinbaren kann: in einen G. geraten; ^not, die: vgl. ^kon-
flikt; -pauke, die (ugs.): svw. tStandpauke; -pein, die:
vgl. -quäl; -quäl, die: das Schreckliche an ihr (= der Hölle)
ist... die verzehrende G., die keine Vergebung kennt (Thie-
licke, Ich glaube 164); -ruhe, die; -Skrupel, der (meist
PL): Skrupel über die moralische Vertretbarkeit der eigenen
Handlungsweise; ^wurra, der <o. PI.) (ugs. scherzh.):
schlechtes Gewissen, dasjmdn. plagt: daß es Coppola nicht
um den alten Ideal-Filmdreh vom erwachenden G. geht
(Spiegel 36. 1974, 114); -zwang, der <o. PI.): Zwang von
au/Jen. gegen sein Gewissen zu handeln: unter G. handeln,
stehen.
gewissermaßen <Adv.) [zu tgewiß u. T-maßenl: in gewissem
Sinne, Grade; sozusagen: g. aus heiterem Himmel, zum
Spaß; das tat ihrer Würde keinen Abbruch, sondern
erhöhte sie noch g.; GewjOheit, die; -. -en [mhd. gewisheit. ahd.
giwisheit, zu f gewiß): I. <o. PI.) sicheres Gefühl. Wissen
in bezug auf etw. / Geschehendes/: die G.. auf dem rechten
Wege zu sein; die unerschütterliche G. haben, daß ...;
G. überetw. erlangen; ich muß mir darüber G. verschaffen;
was gibt dir die G.?; etw. mit innerster G. spüren; der
Verdacht wurde ihnen zur G. 2. etw., was für jmdn.
unanzweifelbar eintritt od. sich unanzweifelbar in bestimmter
Weise verhält; unanzweifelbare Sache: mindestens eine G. hat
diese politische Begegnung gebracht; Vergeblich suchte
er nach Zusammenhängen, -en. genauen Vorstellungen
(Jahnn. Nacht 75); gewjßlieh <Adv.) [mhd. gewislich. ahd.
giwisliho. zu Tgewiß] (geh., veraltend): ganz gewiß (II):
das ist g. wahr; das erfahren wir früher oder später g.
sehr nachdrücklich (Jahnn, Nacht 44).
Gewitter [ga'vite). das; -s. - [mhd. gewiterte), ahd. giwitiri.
Kollektivbildung zu T Wetter: urspr. = Witterung, Wetterl:
mit Blitzen. Donner / u. heftigem Regen o. ä. ] verbundenes
Unwetter: ein schweres, heftiges, nächtliches G.; ein G.
zieht [herlauf, liegt in der Luft, ist im Anzug, braut sich
zusammen, bricht los. entlädt sich, geht über der Stadt
nieder, zieht vorüber; der Streit wirkte wie ein reinigendes
G.; es gibt heute bestimmt noch ein G.; die Strandgäste
flüchteten vor dem G.; U man mußte warten, bis sich
das häuslicheG. (der Streit) ausgelobt hatte; Die
Abgeordneten ... eilen zu Robespierre, um das G. (Un/ieil)
abzuwenden, das sich über ihren Köpfen zusammenzieht
(Sieburg. Robespierre 54).
gewjtter-, Gewjtter-: -ecke, die <PI. ungebr.): Gegend, aus
der in einer bestimmten Landschaft die Gewitter kommen:
In derG. ging schon schräger Strichregen nieder (L. Frank.
Wagen 9); -fliege, die: kleines Insekt, das bes. an schwülen
Spätsommerabenden schwärmt: Der letzte Sonntag im
August war ein schwüler Tag .... und an den Fensterscheiben
hingen lästige -n (v. d. Grün, Glatteis); -front, die: Front
(5). deren Durchzug von Gewittern begleitet ist; -guß, der
(ugs.): kurzer Gewitterregen; -herd, der (Met): Stelle, an
der (häufig bei aufsteigender feuchtwarmer Luft) ein
Gewitter entsteht; -hfanmel, der: düsterer Himmel vor od. bei
einem Gewitter; -kragen, der (Met.): dunkelgraue
zusammenhängende Wolken, deren Unterseite sich bes. deutlich
vom helleren Hintergrund abhebt; ^luft. die: schwüle Luft
vor einem Gewitter; -neigung, die <o. PI.): mögliches
Aufkommen von Gewittern; -regen, der: [kurzer] heftiger
Regen wäfirend eines Gewitters: -schauer, der: vgl. -regen;
-schwul <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): schwül wie vor einem
Gewitter, dazu: -schwüle, die; -Stimmung, die: Stimmung
der Natur vor einem Gewitter: Ü in der Familie, in seinem
Zimmer herrscht G.; -stürm, der: Sturm vor einem
losbrechenden Gewitter, während eines Gewitters; -wand, die:
große, zusammenhängende Masse von Gewitterwolken;
-wölke, die: dunkle, schwere Wolke, die ein Gewitter
ankündigt; -ziege, die (derb abwertend): böse / zänkischeJ Frau.
Weibsbild (oft als Schimpfwort).
gewitterig: f gewittrig: gewjttern <sw. V.; hat; unpers.):
donnern u. blitzen; als Gewitter heraufziehen od. niedergehen:
es begann zu regnen und zu g.; seit Stunden will es g.;
Ü die Front gewittert dumpf wie ein Trommelkonzert
(Remarque. Westen 30); .Ach, der Herr Großonkel
gewittert (schimpft) öfter" (Fallada. Herr 197); In diesem
Vorgang gewittert Tragik (wenn auch nur als fernes
Wetterleuchten) (MM 23.11.74. 56): gewjttrig, (selten:) gewjtterig
[...t(3)n<;] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): a) ein Gewitter
erwarten lassend: ein gewittriger Augustabend; eine gewittrige
Schwüle; Ü Der Meister warf einen gewittrigen Seitenblick
auf Stanislaus (Strittmatter, Wundertäter 92); b) in der
Art eines Gewitters; durch ein Gewitter hervorgerufen:
gewittrige Störungen. Niederschläge.
Gewitzel [ga'vit^l]. das; -s Izu t witzeln]: / dauerndes} Witzeln:
Hat Rosenbauer das nötig? ... dieses unentwegte G., das
sich als Causerie drapiert (Zeit 19. 9. 75. 42); gewitzigt
[ga'vitsujt) <Adj.; -er. -este) [mhd. gewitziget. 2. Part, von:
witzegen = klug machen, zu twitzig): a) (meist präd.)
durch Schaden od. unangenehme Erfahrungen klüger
geworden: ich bin. war durch diesen Schaden g.; Die Kleinen
... wurden durch diese üblen Erfahrungen nicht g. (Lorenz,
Verhalten I. 23); durch Erfahrung g.. änderte der Staat
seine Wirtschaftspolitik: b) seltener für f gewitzt; gewitzt
[govitßt) <Adj.: -er. -este) [mhd. gewitzet. 2. Part, von:
witzln = klug machen, zu TWitz]: mit praktischem
Verstand begabt, geschickt u. schlau: ein -er Junge,
Geschäftsmann; mit der Zeit wurden wir allerdings auch -er: g.
antworten; Ü Timm ... mit seiner -en Zunge (H. Kolb.
Wilzenbach 84); <AbI.:) Gewjtztheit, die; -.
gewoben [g3'vo:bn): t weben.
Gewoge[g3'vo:go]. das; -s [zu f wogen]: / dauerndes 1 Wogen,
fortwährendes Auf u. Ah. Hin u. Her: dasG. eines
Getreidefeldes: Ü die Middlesex-Street, die am Sonntag derTandel-
markt mit lautem G. (mit einer in ständiger Bewegung
befindlichen Menschenmenge) erfüllt (Kisch. Reporter 12);
in einem G. (einer verwirrenden Vielzahl) von Eindrücken
und Empfindungen (Seghers. Transit 52).
gewogen [gd'vo:gn; 2: eigtl. 2. Part, zu mhd. (ge)wegen
= Gewicht od. Wert haben, angemessen sein; vgl. wägen):
1. T 'wiegen. 2. <Adj.; nicht adv.) (geh.) zugetan, freundlich
gesonnen, wohlgesonnen: Ich bat die mir -e Dame an meinen
Tisch (Grass, Blechtrommel 563); er war, blieb, zeigte
sich ihm stets g.; ... zeigte sie sich meinem Plan endgültig
g. {hilligte ihn; Habe. Namen 363); <Abl. zu 2:)
Gewogenheit, die; -: das Gewogensein. Zugetansein; wohlwollende
Einstellung.
gewöhnen [gavoman] <sw. V.; hat) [mhd. gewenen, ahd.
giwennen]: a) durch Einübung, eingehende Beschäftigung,
häufigen Umgang o.a. mit jmdm.. etw. vertraut machen,
auf jmdn.. etw. einstellen: Es ist schwer. Kitty an etwas
Neues zu g. (Wohmann, Absicht 61); er mufJte den Hund
erst an sich g.; du mußt die Kinder an Ordnung g. (sie
ihnen zur Gewöhnlich machen); sie waren gewöhnt worden,
sich überlegen zu fühlen (Gaiser. Jagd 123); b) <g. -f
sich) mit jmdm.. etw. vertraut werden; sich auf jmdn.. etw.
einstellen: ich habe mich langsam an ihn. an seine
Eigenarten gewöhnt; Sie sollten heiraten ... damit Sie sich an
den Anblick eines nackten Mannes gewöhnen (Sebastian.
Krankenhaus 77); die Augen müssen sich erst an die
Dunkelheit g.; wir sind an Arbeit, an dieses Klima gewöhnt
1033
Gewohnheit
(die Arbeit, das Klima ist uns nicht fremd, wir sind darauf
eingestellt); sie ist von Kindheit an gewöhnt, unabhängig
zu leben (es ist ihr nicht neu, sie kennt es nicht anders;
Remarque, Obelisk 301); Gewohnheit [ga'vo.nhajt], die;
-. -en [mhd. gewon(e)heit, ahd. giwonaheit, zu mhd. gewon.
ahd. giwon = der Gewohnheit gemäß, üblich,
herkömmlich]: im Ablauf des täglichen Lebens durch häufige u. stete
Wiederholung meist selbstverständlich gewordene Handlung.
Haltung. Eigetüieit. etw. oft nur noch mechanisch od,
unbewußt Ausgefülltes: eine liebe, gute, alte G.; eine üble,
absonderliche, schlechte G. (Angewohnheit); eine G.
annehmen; seine -en ändern; er hatte die G. beibehalten.
Marion einmal in der Woche zu sehen (Baum. Paris 50);
etw. aus Ireiner). entgegen aller G. tun; das ist ihm schon
zur [festen] G. geworden (er hat sich daran gewöhnt, er
tut es immer wieder); Es ist schwer, aus der G. zu kommen
(Gaiser. Schlußball 32); Die Kinder umarmten ... auch
mich nach alter G. (Werfel, Himmel 48).
gewohnheits-, Gewohnheits-: -gemäß <Adj.; o. Steig.): einer
bestimmten Gewohnheit entsprechend; er schloß g. die
Haustür ab und schob den Schlüssel unter die Matte; MnäBig
<Adj.; o. Steig.>: mechanisch, unbewußt/ einer bestimmten
Gewohn/ieitfolgend; ausGewohnheit; -e Verrichtungen; ihre
Blicke, die g. jeden Ankommenden ... betrachteten (Plie-
vier. Stalingrad 296). dazu: -mäßigkeit, die; -; -mensch.
der: jnul.. dessen Lebensweise von bestimmten Gewohnheiten
geprägt ist. der nach seinen GewohnJieiten geprägt ist. der
nach seinen Gewohnheiten handelt, nicht von ihnen abweicht;
-panide. die (Fechten): Parade (2). die ein Fechter immer
wieder rein gewohnlieitsmäßig ausführt; -recht, das <P1.
selten) (jur.): schriftlich nicht festgelegtes Recht, das durch
fortwährende Praktizierung u. längere Tradition verbindlich
ist; dasG., welches viele Lücken des geschriebenen
Gesetzes zu füllen hat (Fraenkel. Staat 115). dazu: -rechtlich
<Adj.; o. Steig.; meist attr.): -e Prinzipien; -sache. die:
Reine G.. wenn sich der Körper umgestellt hat (Hörzu
34. 1972. 87); -tier, das (scherzh.): svw. t-mensch: R
der Mensch ist ein G. (kann sich von seinen Gewohnheiten
nicht so leicht lösen); ^trinker. der: jmd.. der sich an den
übermäßigen Genuß von Alkohol gewöhnt hat u. vom Trinken
nicht mehr ohne weiteres loskommt; -Verbrecher, der (jur.):
jmd.. der immer wieder Verbrechen begeht u, bei dem das
wiederholte Begehen der Verbrechen Ausdruck einer
dauernden Eigenart semer Persönliclikeit ist; Rückfalltäter.
gewöhnlich [ga'v0:nlic) <Adj.) [mhd. gewonlich, zu mhd.
gewon. ahd. giwon. [Gewohnheit): 1. <o. Steig.; nur attr.)
durchschnittlichen, normalen Verhältnissen entsprechend;
durch keine Besonderheit hervorgehoben od. auffallend; all-
täglich, normal; ein [ganz) -er Wochentag: im -en Leben;
an dem Raum war nichts Auffälliges, er war. er erschien
ihr ganz g. 2. <o. Steig.; nicht präd.) gewohnt, üblich;
er kam zur -en Zeit, Stunde; sie gehen jetzt wieder ihrer
-en Beschäftigung nach; er steht g. (üblicherweise, in der
Regel) sehr früh auf; [für) g. (üblicherweise, im
allgemeinen) ist sie sehr pünktlich; es endete wie g. (wie meist,
wie sonst auch immer). 3. in Art, Erscheinung. Auftreten
ein niedriges Niveau verratend; ordinär; er ist ein ziemlich
-er Mensch; -e Ausdrücke; ein -es Benehmen; er war ihr
zu g.; er benahm sich recht g.; <Abl. zu 3:) Gewöhnlichkeit
die; -: die durch rasch erworbenen Reichtum verkleidete
Grobheit und G. (Werfel, Himmel 167); gewohnt [ga'vo.nt]
<Adj.; o. Steig.) [spätmhd. gewon(e)t. eigtl. 2. Part, zu
mhd. gewonen. ahd. giwonen = gewohnt sein; wohnen,
verweilen; TGewohnheit): a) <nur attr.) durch Gewohnheit
üblich geworden, vertraut; bekannt; herkömmlich; die -e
Arbeit. Umgebung; etw. in -er Weise, mit der -en
Gründlichkeit, zur -en Zeit erledigen; b) *etw. g. sein (etw. als
Selbstverständlichkeit empfinden; an etw. gewöhnt, mit etw.
vertraut sein; in etw. Erfahrung. Übung haben); schwere
Arbeit g. sein; er war g., früh aufzustehen; er war es
g.. daß alle höflich zu ihm waren; sie ist harte Arbeit
g.; gewöhnt: Tgewöhnen (b); gewohntermgflen <Adv.>: wie
gewohnt, wie üblich; er verließ g. um 8 Uhr das Haus;
Gewöhnung« die; -: das Sichgewöhnen, das Sicheinstellen
aufjmdn.. etw.. Anpassung; die G. an Narkotika; Schon
bemerkte sie an sich mit Schrecken Zeichen der G. an
den einförmigen Ablauf ihrer Tage (Chr. Wolf. Himmel
19); so abstumpfen kann man durch G. nicht (Kafka.
Schloß 194).
Gewölbe [ga'voelba], das; -s, - [mhd. gewelbe. ahd. giwelbi.
zu T wölben): l.aus Steinen zusammengefügte Baukonstruk-
tum mit bogenförmigem Querschnitt, meist als gewölbte
Decke eines Raumes; man hat ihre Denkmale zu beiden
Seiten des Westportals unter wuchtigen -n aufgestellt
(Schneider. Leiden 146); Ü das G. eines Schädels; das
blaue G. des Himmels. 2. von massivem Mauerwerk
umschlossener, oft niedriger, lichtloser Raum mit gewölbter
Decke; ein dunkles, finsteres, feuchtes G.; nicht selten
trieb ich mich als Knabe in den kühlen -n umher (Th.
Mann. Krull 11).
Gewölbe- (Gewölbe 1; Archit.): -bogea. der: Krümmung
eines Gewölbes; -fläche. -Kaibung, die: untere, innere Seite
eines Gewölbes; ^pfeiler, der: ein Gewölbe i mit J tragender
Pfeiler; -rücken, der: obere, äußere Seite eines Gewölbes.
gewölbt [gd'vaelpt]: t wölben.
Gewölk [gs' voelk). das; -[e]s [mhd. gewülke. Kollektivbildung
zu t Wolke): eine größere Menge von /zusammenliängendenj
Wolken; dichtes, schweres, schwarzes G.; G. war
aufgestiegen, und die Sonne stach bereits (Frank. Tage 93).
Gewölle [ga'voetal. das; -s. - [mhd. gewclle. zu: wellen, willen
= Ekel empfinden, erbrechen) (Zool., Jägerspr.): (bes.
von Eulen u. Greifvögeln) herausgewürgter Klumpen von
unverdaulichen Nahrungsresten (wie Haaren. Federn.
Fischschuppen o.a.); Wir suchten ... im Garten das G. der
Käuze zusammen (Schnurre. Bart 127); Ü So hat sich
dieser Staat von jedwedem historischen G. erleichtert
(Spiegel 35. 1967, 112).
gewollt [gd'valt]: t wollen.
gewönne [ga'voenal. gewonnen [ga'vananj: f gewinnen.
geworben [ga'varbnj: twerben.
geworden [gavDrdnj: t werden.
geworfen [ga'vDrfnj: T werfen.
gewrungen [ga'vrunan): t wringen.
Gewühl [ga'vy:l). das; -[eis [zu twühlen): 1. (oft abwertend)
; dauerndes) Wühlen. Herumsuchen; mit deinem G. in den
Schubladen bringst du alles durcheinander. 2. lebhaftes
Durcheinander sich hin u. her bewegetider u. sich drängender
Menschen; es herrschte ein fürchterliches G.; aus dem
G. heraus schoß er sein zweites Tor; jmdn. im G. aus
den Augen verlieren; sich ins G. stürzen; als hätte sie
... nichts mehr im Sinn, als immer tiefer in das G. zwischen
den Buden einzudringen (Zuckmayer, Fastnachtsbeichte
124).
gewunden [gd'vondn]: t winden.
gewund[e]rig, gwund[e]rig [gs'vondtaJru;, gvon...) <Adj.>
(Schweiz.): neugierig.
gewunken [govookn): t winken.
'gewürfelt [ga'vYrflt] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.> [eigtl. 2.
Part, von t würfeln (2)): mit einem Muster aus regelmäßig
abwechselnden Vierecken versehen; mit gleichartigen
verschiedenfarbigen Karos schachbrettartig gemustert: ein -er
Bettüberzug.
^gewürfelt [-1 <Adj.> [2. Part, von würfeln, mundartl. Nebenf.
von T worfeln, eigtl. = von der Spreu gereinigt) (landsch.):
schlau, aufgeweckt: ein -er Bursche.
Gewürge [ga'wrga]. das; -s [zu t würgen): 1. länger
anhaltendes, heftiges : Aus/würgen: nach qualvollem G. kam der
verschluckte Knopf wieder zum Vorschein. 2. (landsch.)
umständliches, beschwerliches, oft planloses, wenig Erfolg
bringendes Vorgehen, Arbeiten: das war kein Fußballspiel,
sondern ein entsetzliches G.; Nach unendlichem G.
bekommst du einen Ausweis (Tucholsky. Werke I, 114).
Gewürm [ga'vYrm], das; -[e]s, -e [mhd. gewürme,
Kollektivbildung zu TWurm) (oft abwertend): größere Anzahl von
Würmern: Seen .... in denen gerade G., Bakterienschlamm
und Algen zahlreich geworden sind (Grzimek. Serengeti
327).
Gewürz [ga'wrtß), das; -es. -e [Kollektivbildung zu T Würz):
aus bestimmten Teilen von Gewürzpflanzen bestehende od.
aus ihnen hergestellte aromatische Substanz, die Speisen
zugesetzt wird, um ihnen eine bestimmte
Geschmacksrichtung zu verleihen; Zutat zum Schmackhajtmachen von
Speisen: ein scharfes, mildes, fremdartiges G.; eine Soße mit
mehreren -en abschmecken.
Gewyrz-: ^essig. der: svw. t Kräuteressig; -extrakt, der;
^gurke, die: in Essig mit bestimmten Gewürzen eingelegte
Gurke; ^kraut. das: Kraut, das wegen seines aromatischen
Geschmacks zum Würzen von Speisen verwendet wird; -^ku-
chen. der: unter Verwendung von bestimmten Gewürzen.
Honig. Nüssen u. Rosinen hergestellter, in einer Kastenform
1034
Ghostwriter
gebackener Kuchen; ^misdiung, die: geschmacklich
abgestimmte Mischung von verschiedenen Gewürzen; ^mühle,
die: a) Mulde (1 b) für Gewürze; b) Fabrik, in der
Gewürze gereinigt, gemahlen o.a. werden; -nelke,
die: als Gewürz verwendete, getrocknete, dunkelbraune,
aromatische u. süßlich schmeckende Blütenknospe des Gewürz-
nelkenbawns. dazu: ^neDtenbaum, der: (zur Familie der
Myrtengewächse gehörender) recht hoher Baum, der zur
Gewinnung von Gewürznelken (bes. auf Madagaskar u.
Sansibar) kultiviert wird; -paprika, der; -pflanze, die: Pflanze,
von der bestimmte Teile (Blüten. Früchte. Samen. Blätter.
Wurzeln. Rinde u. a.) als Gewürze verwendet werden;
^Ständer, der: kleines, regalähnliches Gestell zur Aufbewahrung
der Gefäße mit den verschiedenen Gewürzen; ^traminer,
der: a) <o. PI.) Rebsorte (Spielart des Traminers) mit
rosafarbenen, spätreifen Trauben; b) aus den Trauben des
Gewürztraminers (a) hergestellter, alkoholreicher, würziger,
dabei säurearmer Weißwein; -tunke, die: Bismarckheringe
in G.; -wein, der: svw. f Würzwein.
gewürzig [ga' wrtsu;] <Adj.>: aromatisch schmeckend, kräftig
im Geschmack; würzig: die Soße schmeckt g.
Gewusel [ga'vu.zl], das; -s [zu twuseln] (landsch.): lebhaft
bewegtes Durcheinander. Hin u. Her vieler Lebewesen;
rasches, geschäftiges Hinundhereilen; Gewimmel: das G. auf
einem Marktplatz.
gewußt [ga'vost]: t wissen.
Gewutzelte[ga' votplto],die; -n. -n (bayr., österr. ugs.):
selbstgedrehte Zigarette.
Geysir fg^izir). der; -s, -re. (eindeutschend auch:) Geiser
['gajzel. der; -s. - [isländ. geysir. zu: geysa = in heftige
Bewegung bringen): heiße Quelle, bei der in periodischen
od. unregelmäßigen Abständen Wasser in Form einer
Fontäne ausgestoßen wird.
gezackt: T zacken.
Gezähe [gd'tsea], das; -s, - [mhd. gezawe, gezouwe =
Geschirr, Gerät, zu mhd. zouwen = tun, (fertig)machen,
bereiten, ahd.zoujan.zaujan = machen, bearbeiten] (Berg-
mannsspr): Arbeitsgerät der Bergleute u. Hüttenarbeiter.
gezahnt: f zahnen; gezähnt: f zahnen.
Gezänk [ga'tsenk]. das: -[eis. (auch:) Gezanke [gd'tsaoka],
das; -s (abwertend): /dauerndes/ Zanken, zänkisches
Streiten: Auf einmal waren die immer längeren Pausen ...
angefüllt mit Gehässigkeiten und Gezänk (Chr. Wolf. Himmel
80); hört endlich auf mit eurem ewigen Gezanke!
Gezappel l'ga'tsapl], das; -s (ugs.. oft abwertend):
[dauerndes] Zappeln: das G. der Kinder fiel ihm auf die Nerven;
das hilflose G. (Zappeln mit den Beinen) eines Käfers,
der auf dem Rücken liegt; mit viel G. auf etw. warten.
Gezauder [göt^idRl, das; -s (ugs. abwertend): /dauerndes j
Zaudern.
gezeichnet: t zeichnen.
Gezeiten [ga't$ajtn] <P1> [verhochdeutschend für mniederd.
getlde = Flutzeit, zu: tide = Zeit; mhd. geat =
(festgesetzte) Zeit; Gebetsstunde; Begebenheit, ahd. gizit = Zeit,
Zeitlaufl: durch die Anziehungskraft des Mondes
mitverursachte Bewegung der Wassermassen des Meeres, die an
den Küsten als periodisches Ansteigen u. Absinken des
Meeresspiegels in Erscheinung tritt; Ebbe u. Flut: die
Berechnung der G.; Ü Krieg und Frieden scheinen die G. der
Menschheit zu sein (A. Zweig. Grischa 323).
Gezeiten- (Seew.): Mitlas, der: Atlas, der für ein bestimmtes
Seegebiet Richtung u. Stärke der Gezeitenströme für jede
Stunde angibt; ^kraftwerk, das; Kraftwerk, bei dem die
durch den unterschiedlichen Wasserstand der Gezeiten sich
ergebende Energie zur Stromgewinnung ausgenützt wird;
-stand, der; -ström, der <P1. selten): durch die Gezeiten
verursachte Strömung im Meer; -tafel, die: svw. T
Tidenkalender; -Wechsel, der.
Gezelt [gd'tsslt], das; -[e]s. -e [mhd.. ahd. gezelt] (dichter,
veraltet): Zelt: das seidene G. des Herrschers.
Gezeme [gd'tsera]. das; -s (abwertend): /dauerndes] Zerren
an erw.. Hinundherzerren: das G. des Hundes macht mich
ganz nervös; Ü das G. (das Hin und Her, der Streit)
um die Erbschaft stieß ihn ab.
Gezeter [gd'tse:te]v das; -s (abwertend): f dauerndesj Zetern:
Er schilderte .... welches G. er noch zu Hause zu erwarten
hatte (Ossowski. Bewährung 54).
Geziefer [ga'tsi:fa], das; -s [rückgeb. aus t Ungeziefer]: 1.
(veraltend) svw. T Ungeziefer: Brombeerranken, zwischen
denen es von unbekanntem G. flog und wimmelte (Musil.
Mann 1442). 2. (landsch.) die Ikleineren] nutzlichen
Haustiere eines Bauern. I Klein] vi eh.
geziehen [gd'tsiisn]: T zeihen.
gezielt [ga'tsi:lt] <Adj.> [eigtl. 2. Part, von Tzielen]: etw.
ganz Bestimmtes bewirken sollend; einen bestimmten Zweck
verfolgend; auf ein bestimmtes Ziel ausgerichtet: -e Fragen,
Maßnahmen; Die einzige Therapie besteht in der -en
Bekämpfung der Bakterien (Hörzu 1. 1973. 75); -er gegen
Mißstande vorgehen.
geziemen [gatsi.man] <sw. V.; hat) /vgl. geziemend/ [mhd.
gezemen. ahd. gizeman. zu tziemen] (geh.. veraltend): I.
gernäß sein; jnubn. auf Grund seiner Stellung. Eigenschaften
o. ä. zustehen, gebühren: es geziemt dir nicht, danach zu
fragen; an einen Ort.... der Ihnen besser geziemt als dieser
(Th. Mann. Krull 154). 2. <g. + sich) sich gehören, schik-
ken: genauso, wie es sich einem Vorgesetzten gegenüber
geziem teÜCirst, 08/15,823 );gezj&nend <Adj.) (geh.): derart,
wie es Takt, Höflichkeit oder die Rücksicht auf die Würde
einer Person verlangen: etw. in -er Weise, mit -en Worten
sagen; Beziehungen .... die der Gemeindepfarrer in meiner
Lage fürg. hält (Gaiser. Schlußball 18).
geziert [ga'tsi:pt] <Adj.; -er, -este) [eigtl. 2. Part, von f zieren]
(abwertend): sich nicht natürlich gebend; affektiert;
gekünstelt, unecht wirkend: eine -e Sprechweise; -es Benehmen;
er ... hielt mit -en Gesten die Bandenden (= des Ordens)
über den Hüftknochen (Grass, Katz 104); sie gibt sich
entsetzlich g.; der kleine Uralte trippelte g. auf den Platz
hinaus (H. Mann, Stadt 442); <Abl.:> Geziertheit, die; -.
Gezirp,das;-[e]s.Gezjrpe[g3,tßirp(3)],das;-s (oft abwertend):
/dauerndes] Zirpen: dasG. der Grillen wollte nicht enden.
Gezisch, das; -[e]s. Gezische [gd'teilte)], das; -s (oft
abwertend): [dauerndes] Zischen: das Brodeln und G. des
Wassers auf dem Herd; Gezischel [...J]], das; -s (abwertend):
idauerndesJ Zischeln: sie tat, als bemerkte sie das G. der
Nachbarinnen nicht.
gezogen [gatso.gn]: fziehen; Gezücht [ge'tsY^t]. das "^
-e [mhd. gezühte, Kollektivbildung zu T Zucht] (geh.
abwertend): verachtenswerte Menschen, Brut. Gesindel: als
flüsterte irgendein verfluchtes G. es mir hartnäckig ins Ohr
(Th. Mann. Joseph 489).
Gezumpel[ga'tsompl]. das; -s (landsch.): Knochen.
Fleischreste u. minderwertige Fleischteile.
Gezüngel [ga'tsYQ|]. das; -s: /dauerndes] Züngeln: das G.
der Schlange; Ü er schaute in das G. der Flammen.
Gezweig [gatsvajk], das; -[eis [Kollektivbildung zu T Zweig]
(geh.): Gesamtheit der Zweige eines Baumes od. auch einer
Vielzatil von Bäumen: ein Baum mit starkem G.
Gezwinker [ga'tsviQki?]. das: -s: / dauerndes] Zwinkern mit
den Augen: Zaza. die es an schelmischem Augenspiel und
heimlichem G. nicht fehlen ließ (Th. Mann. Krull 293).
Gezwitscher [go'tsvitji?!, das; -s: /dauerndes] Zwitschern:
lautes G. erfüllte das Vogelhaus; Ü im Hause hörte man
das vergnügte G. der Kinder.
gezwungen [ga'tsvunan] <Adj.) [eigtl. 2. Part, von t zwingen]:
sich nicht frei u. natürlich gebend; unfrei, unnatürlich
wirkend; gekünstelt: ein -es Wesen, Benehmen; sie lachte etwas
g.; gezwungenermaßen <Adv.>: einem Zwang, einer
Notwendigkeit. Verpflichtung. Forderung folgend; nicht freiwillig;
notgedrungen: den Rest des Heimwegs legten sie g. zu
Fuß zurück; Gezwyngenheit, die; -: Unnatürlichkeit,
Gekünsteltheit: die G. seines Benehmens. Lachens, seiner
Sprechweise war störend.
Gfrett [kfret]: TGefrett.
Gfrieß[kfri:s]:TGefrieß.
Ghasel, Ghasele: TGasel. Gasele.
Ghasi ['ga:zi, 'xa.zi], Gazi ['ga:zi], der; - [arab. gäzT. türk.
gazi = Kriegsheld]: E/irentitel türkischer Feld/ierren,
Offiziere u. Soldaten.
Ghetto: TGetto.
Ghibelline: t Gibelline.
Ghibli: TGibli.
Ghillyschnürung fgili-], die; -. -en [engl -schott. g[h]illy.
g[h]illie] (veraltend): Schuhschnürung. bei der der
Schnürsenkel nicht durch Ösen, sondern durch Lederschlaujen
gezogen wird.
Ghostword [gOüstw3:d]. das; -s, -s [engl, ghost word. eigtl.
= Geisterwort] (bildungsspr.): Wort, das seine Entstehung
einem Schreib-, Druck- od. Aussprachefehler verdankt (z. B.
der Name Hamsun aus dem eigtl. Pseudonym Hamsund);
Ghostwriter ['...raio], der; -s. - [engl.-amerik. ghost-writer.
1035
G. /., Gl
eigtl. = Geisterschreiber) (bildungsspr.): Autor, der für eine
andere Person, meist eine bekannte Persönlichkeit, bes. einen
Politiker, schreibt u. nicht als Verfasser genannt wird: Kein
guter G. schreibt für einen miesen Minister (Capital 7.
1966. 10).
G. I.. Gl ['dsh'aij. der: -[sl. -[s] [amerik. G. 1.. Gl. eigtl.
Abk. für amerik. government issue.etwa = Staatseigentum
od. general issue = allg. Eigentum! (ugs.): einfacher
amerikanischer Soldat: Bereits in den nächsten Wochen werden
die ersten GIs auf dem Luftweg in die USA verfrachtet
(Spiegel 17. 1966.30).
Giaur ['gjauR], der: -s. -s [türk. gjaur. gjawr < pers. gäbr
= Feueranbeter, wahrsch. aus arab. käfir = Ungläubiger):
im Islam übliche Bez. für Nichtmohammedaner,
Ungläubiger.
gib! [gi:p): Tgeben.
Gibbon ['gitonl. der: -s. -s (frz. gibbon. H. u.l: in den
Urwäldern Südostasiens heimischer, kleinwüchsiger, schwanzloser
Affe mit kleinem, rundlichem Kopf u. sehr langen Armen.
Gibelline, Ghibelline [gibeli:nd]. der: -n. -n [ital. ghibellino
< mhd. wlbeling. zu: Wlbelingen. Stammsitz der Staufer
(heute Waiblingen)] (hist.): Anhänger der Hohenstaufenkai-
ser in Italien. Gegner der Guelfen.
Gibli. Ghibli [gibli], der: - [ital. ghibli < arab. qiblly =
Süd(wind)]: vorwiegen! im Frühjahr auftretender trocken-
heißer, staub- u. sandführender Wüstenwitid in Nordafrika
(bes. an der libyschen Küste).
gibst [gi:pstl. gibt |gi:pt]: t geben.
'Gicht [gi<;t]. die: -. -en [H. u.] (Hüttenw.): 1. a) Öffnung
für die Beschickung des Hochofens: b) oberhalb der Öffnung
für die Beschickung befindlicher Oberteil eines Hochofens.
2. Menge des Gutes (z.B. Koks), mit dem der Hochofen
beschickt wird.
*Gicht [-]. die: - [mhd. giht, ahd. firgiht(e). gigiht(e). zu
ahd. jchan = sagen, bekennen, urspr. = Besprechung.
Behexung (ausgehend von der im Volksglauben
verbreiteten Vorstellung, daß Krankheiten durch Besprechen
angezaubert werden können); vgl. Beichte]: durch eine Störung
des Stoffwechsels verursachte Krankheit, die sich bes. in
schmerzhaften Entzündungen von Gelenken äußert.
gjeht-, Gjcht- (^iicht): -anfall, der; -beere, die (landsch.):
schwarze Johannisbeere: -brüchig <Adj.: o. Steig.; nicht
adv.) (veraltend): an der Gicht erkrankt: durch die Gicht
stark behindert, gebrechlich: Virchow... erklärte das Skelett
als die Reste eines -en Greises (Ceram. Götter 36): <subst.:>
-brüchige, der u die; -n, -n <Dekl. f Abgeordnete); -lieber,
das; -händchen. das in der Wendung G. machen (ugs.;
die Hand zum Betteln od. zum Empfang von Tritikgeld
o. ä. hinhalten): -knoten, der: infolge chronischer Gicht
entstandene, knotenförmige Verdickung in der Umgebung von
Gelenken: -krank <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): an der
Gicht erkrankt: gichtisch: -krumm <Adj.; o. Steig.; nicht
adv.): -e Hände.
Gjchtbiihne. die; -. -n (Hüttenw.): etwa in Höhe der lGicht
(lb) angebrachte Plattform, Arbeitsbiene: der Arbeiter,
der mit zwei weiteren Kollegen auf der G. beschäftigt
war (MM 2. 9. 69. 6); Gjchtgas. das; -es. -e [zu t 'Gicht]
(Hüttenw.): Abgas, das bei der Verhüttung von Eisenerzen
im Hochofen entsteht: Ist das G. für ihn (= Arbeiter)
kein Gift? (Kisch. Reporter 223).
sjehtig« gjehtisch <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): an der ^icht
erkrankt: von der 2Gicht befallen: gichtkrank: ... in
seltsamem Gegensatz zu ... der verzweifelten Anstrengung ihrer
gichtigen Hände (Jens. Mann 32); Der alte Diener ging
langsam und steif, als sei er gichtisch (Fallada. Herr 136).
Gickel ['gikll. der; -s. - [lautm.] (landsch.): Hahn: er stolziert
umher wie ein G, im Hühnerhof.
gickeln [gikln]. gickern [giknn] <sw. V.; hat) [lautm.]
(landsch): hell kichernd, in hohen Tönen glucksend u. etwas
unterdrückt (oft etwas albern u. ohne einsehbaren Grund)
lachen: die Mädchen stießen sich heimlich an. tuschelten
u. gickelten; die Braut ließ ein halblautes Gelächter hören.
Sie gickerte (Augustin, Kopf 339).
gicks [giks] in den Wendungen weder g. noch gacks
wissen/sagen/verstehen (ugs.: völlig unerfahren, dumm, naiv sein:
überhaupt nichts wissen, sagen, verstehen); g. und gacks (ugs.;
alle Welt: jeder): das weiß g. und gacks; gicksen ['giksnj
<sw. V.; hat) [1: mhd. gichzen. gigzen, ahd. gicchaz(z)en.
lautm.: 2: zu gleichbed. gicken. zu der lautm. Interj. gick]
(landsch.): 1. einen leichten, hohen Schrei ausstoßen: (von
der Stimme) plötzlich in die Kopfstimme umschlagen u.
zu hoch / u. schrill/ erklingen: er. seine Stimme gickste
manchmal beim Sprechen. 2. mit einem spitzen Gegenstand
stechen, stoßen: er hat ihn/ihm mit dem Stock in die Seite
gegickst.
Giebel ['gi:b|l. der: -s. - [mhd. gibel. ahd. gibil]: 1. der
meist dreieckige, obere Teil der Wand an der Schmalseite
eines Gebäudes, der zu beiden Seiten vom schräg
aufsteigenden] Dach begrenzt wird: ein spitzer. steilerG.; Das Zeichen
des Roten Kreuzes war auf dem Dach, den beiden -n
je einmal und auf den Breitseiten ... angebracht worden
(Kirst. 08/15, 811). 2. (Archit.) in der Grundform meist
dreieckiger, oft verzierter, schmückender Aufsatz als oberer
Abschluß von Fenstern, Portalen o. ä.: Häuser... mit
griechischen -n und barocken Muscheln über den Fenstern (Musil.
Mann 946). 3. (ugs.) Nase: Mensch, hat der einen G.
Gkbel- (Giebel 1. 2): -balken, der; Mlach, das: Satteldach,
bes. eines Hauses, dessen Giebelseite der Straße zugekehrt
ist: -fassade, die; -feM. das: vom Dach, von Gesimsen
eingegrenzte Fläche des Giebels: -fenster, das: Fenster im
Giebel eines Hauses: -haus, das: Haus, dessen Giebelseite
der Straße zugekehrt ist: -seite, die: Seite eines Hauses,
an der sich der Giebel befindet: -spitze, die; -Stube, die:
svw. T ^Zimmer; -wand, die: Wand an der Giebelseite eines
Hauses einschließlich des sich darüber erhebenden Giebels:
-zimmer, das: Zimmer, das am Giebel eines Hauses liegt.
gieWellig [gi:b(3)li9] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: mit einem
[hohen, spitzen] Giebel versehen: an der Frontseite einen
Giebel aufweisend, gegiebelt: Eine würdig-idyllische
Kleinstadt mit engen Gassen und grauen, giebeligen Häusern
(K. Mann. Wendepunkt 9).
Giekbaum [gi:k-]. der; -[e]s, ...bäume [aus dem Niederd.
< niederl. giek = Rundholz,Spiere.H.u.KSeemannsspr.):
runde Holzstange, an der das Gaffelsegel mit seiner unteren
Kante befestigt ist: Gkksegel, das; -s. - (veraltet): svw.
T Gaffelsegel.
Giemen I'gKman], den -s, - [zu veraltet giemen = klaffen,
offenstehen, verw. mit t gähnen] (südd.): Gletscherspalte.
Erdriß.
Gien [gi:n]. das;-s.-e [niederl. gUn < engl, gin =
Hebewerkzeug, Kran < afrz. engin = Werkzeug. Vorrichtung <
lat. Ingenium = Erfindung] (Seemannsspr.): starker
Flaschenzug mit mehr scheibigen Blöcken zum Bewegen
schwerer Lasten: <Zus.:> GJ&iblock, der <P1. -blocke); dienen
l'ghnan] <sw. V.; hat) (Seemannsspr.): mit dem Gien
schleppen, heben.
dienen [-] <sw. V.; hat) [verw. mit f gähnen] (südd.): svw.
T gähnen.
giepen ['gi.pnl <sw. V.; hat) [niederd.. niederl. gijpen. H.
u.] (Seemannsspr. veraltend): svw. T schiften.
Gieper [gi.pi?]. der. -s [aus dem Niederd.. rückgeb. aus
Tgiepern] (landsch.. bes. nordd.): auf etw. Bestimmtes, bes.
etw. Eßbares gerichtete, plötzlich wach werdende Begierde:
heftiges Verlangen, in den Genuß von etw. zu kommen:
große Lust auf erw.: er konnte seinen G. kaum unterdrük-
ken; er hatte einen ungeheuren G. auf etwas Saures; gkpern
<sw. V.; hat) [aus dem Niederd.. zu: giepen = Luft
schnappen; vgl. Geifer] (landsch.. bes. nordd.): plötzlich große
Lust auf etw., bes. etw. Eßbares, haben: gierig nach etw.
verlangen: die Kinder gieperten bereits nach dem
knusprigen Gänsebraten; gieprig ['gi:pn$] <Adj.) (landsch., bes.
nordd.): heftiges Verlangen in sich verspürend, in den Genuß
von etw. zu kommen: gierig: er griff g. nach dem
angebotenen Kuchen.
Gier [gi:g], die; - [mhd. gir(e). ahd. giri; vgl. gierig]: aid
Genuß u. Befriedigung. Besitz u. Erfüllung von Wünschen
gerichtetes, heftiges, maßloses Verlangen, ungezügelte
Begierde: hemmungslose, blinde G.; eine wilde G. stieg in
ihm hoch; er war von unersättlicher G. nach Macht und
Geld besessen; Er hatte ... die wilden Legenden gehört.
... wie sie ... zahllose Liebhaber habe verschwinden lassen
in grenzenlosere (Feuchtwanger. Herzogin 143); 'gieren
[*gi:ran] <sw. V.; hat) (geh.): heftig, übermäßig, voller Gier
nach etw. verlangen, etw. begehren: Morton giert ... nach
dem gleichen Ruhm, aber nicht weniger nach Geld
(Thorwald. Chirurgen 144).
agieren [-] <sw. V.; hat) [niederl. gieren, eigtl. = schief
(ab)stehen] (Seemannsspr.): infolge heftigen Seegangs hin
u. her gehen, nicht den geraden Kurs halten: die
Rudermaschine ... rasselt unentwegt, das Boot giert und will nicht
1036
gift-, Gift-
auf Kurs bleiben (Rehn. Zuckerfresser 73); <Zus.:>
Gierfähre, die: an einem stromaufwärts liegenden Anker befestigte
od. an einem strotnaufwärts über den Fluli gespannten Seil
geführte u. in einem bestimmten Winkel zur Strömung
gestellte Fähre, die ttur durcli die Kräfte der Wasserströmung
vorwärts geschoben wird.
gierig I'gi:ru;] <Adj.) [mhd. giric. ahd. girig. zu mhd.. ahd.
ger = begehrend, verlangend]: von einem heftigen, malilosen
Verlangen nach etw. erfüllt; voller Gier; -e Blicke. Augen;
mit -en Händen nach etw. greifen; er ist auf Geld g.
(Fallada. Jeder 197): sie war ganz g. nach Obst; etw.
g. trinken, essen, verschlingen; Die Alte horchte g. herum
nach all diesem Tratsch (Brecht, Geschichten 102); <Abl.:>
Gj&igkeit, die; - (selten): svw. iGier.
Giersch [gi:&f], der; -[e]s [mhd., ahd. giers. gers. eigtl. =
(Un)kraut) (landsch.): a) vgl. Geißfuß (1); b) häufig
vorkommendes Unkraut mit wei/ier od. rötlicher Blütetidolde.
Gieß- [gi:s-l: -bach.der: [Gebirgs/bach mit starkem Gefälle,
der / infolge von Regen- od. Schnee/allen] viel Wasser führt;
-bad.das svw. fGuß (2a); -bett.das(Hüttenw.):
Sandfläche vor einem Hochofen, in der das flüssige Metall nach
dem Abstich in dafür vorgesehenen Hohlräumen zu Blöcken
erstarrt; -grübe, die (Gießerei): Grube zum Guß von Teilen
mit großen Dimensionen; -harz, das (Technik): Kunststoff,
der in seinem ursprünglich flüssigen Zustuml gegossen
werden kann u. der ohne Einwirkung von Druck hart wird:
-karme, die: I. kannenförmiges Gefäß mit einem siebartig
durchlöcherten Aufsatz auf einem Rohr zum Begießen von
Pflanzen. 2. (ugs. scherzh.) Penis; Sich <Dativ> die G.
verbiegen (salopp scherzh.; [vom Mann] sich eine
Geschlechtskrankheit zuziehen), dazu: -kaimenprinzip, das <o.
PI.): für die Verteilung von etw. getroffene Regelung, nach
der jeder Empfänger, jeder Bereich in gleicher Weise mit
etw. bedacht wird ohne Berücksichtigung der
unterschiedlichen Verhältnisse; das G. führt oft zu Ungerechtigkeiten;
die Einführung einer Mindestrente würde... einer
Sozialpolitik nach dem G. entsprechen (MM 14. 6. 71, 1); ^kelle.
die (Gießerei): Kelle, mit der geschmolzenes Metall in
Formen (3) gegossen wird; -kran, der (Gießerei): Kran, der
Gießpfannen transportiert u. kippt; -k>flel, der (Gießerei):
svw. Nkelle; -maschine, die (Gießerei): Maschine, mit
der flüssige Metalle od. Kunststoffe in die Formen
eingegossen, gepreßt od. gespritzt werden; M>fen. der (Gießerei):
Ofen einer Erzgießerei; -pfanne, die (Gießerei): an einem
Kran befestigter, feuerfest ausgekleideter Behälter, mit dem
flüssiger Stahl aus dem Ofen aufgetwmmen. zu den Formen
(3) transportiert u. in diese eingegossen wird; - verfahren,
das (Gießerei): Verfahren zum Gießen geschmolzener
Metalle in bestimmte Formen (3); --wagen, der (Gießerei):
elektrisch betriebenes Gestell, das anstelle eines Gießkranes die
Gießpfanne transportiert; -zettel, der (Druckw.):
Verzeichnis der verschiedenen Mengen von Buchstaben, die bei einem
bestimmten Gesamtgewicht des Gusses gegossen werden
müssen
gießen [gi:sn] <st. V.: hat) [mhd. gießen, ahd. giosan]: 1.
a) eine Flüssigkeit aus einem Gefäß an eine bestimmte Stelle,
in ein anderes Gefäß fließen lassen, über etw. rinnen, laufen
lassen, schütten; Kaffee in die Tassen. Wasser an/auf/über
den Braten g.; sie ... goß den Rest aus der Flasche hastig
in Casculades Glas (Langgässer. Siegel 166); Whisky,
murmelte sie und goß ihr Glas randvoll (füllte es durch
Eingießen bis zun} Rand; Rinser. Mitte 8); Ü (dichter.:) der Mond
goß sein Licht über die Felder; b) <g. + sich) sich in
bestimmter Weise gießen da) lassen; aus/mit dieser Kanne
gießt es sich nicht gut; c) eine Flüssigkeit versehentlich
über etw. ausgießen, verschütten; er hat die Tinte auf die
Tischdecke, übers Heft gegossen; du hast ihr den [ganzen]
Wein aufs Kleid gegossen. 2. mittels einer Gießkanne mit
Wasser versorgen; begießen; die Blumen, die Gemüsebeete
g.; er muß fast jeden Abend den Garten g.; wenn es nicht
mehr regnet, müssen wir heute noch g. 3. <unpers.) (ugs.)
heftig regnen; es goß in Strömen; Sie waren kaum da.
als es schon zu g. begann. Das Wasser stürzte nur so
herunter (Remarque. Triomphe 354). 4. a) durch Schmelzen
flüssig gemachtes Metall in dafür vorgesehene Hohlformen
gießen u. darin erstarren lassen; Silber. Kupfer g.; in diesem
Werk wurde früher nur Eisen gegossen; b) aus einer durch
Schmelzen flüssig gemachten Masse dadurch herstellen, daß
man diese in eine entsprechende Form fließen u. darin zu
dem gewünschten Gegenstand erstarren läßt; Lettern. Glok-
ken g.; Kerzen g.; der Stuhl wurde aus einem neuartigen
Kunststoff in einem Stück gegossen; Was wüßten wir noch
von Colleoni. wenn Verocchio ihn nicht in Bronze gegossen
hätte (Bamm. Weltlaterne 31); <Abl. zu 4:> Gießer ['gi:st?l.
der; -s. -: jmd.. der berufsmäßig mit einem der
verschiedenartigen Verfahren des Gießens einer flüssig gemachten Masse,
bes. Metall, beschäftigt ist; Gießerei [ghss'rai)« die; -. -en:
1. <o. PI.) a) das Gießen von flüssig gemachtem Metall
u. die Herstellung bestimmter Gegenstände aus diesem
Metall; b) Zweig der Metallindustrie, der sich mit der
Herstellung bestimmter Gegenstätule durch Gießen von flüssig
gemachtem Metall befaßt. 2. Betrieb der Metallindustrie, in
dem Metall gegossen wird. bzw. die entsprechende Anlage
innerhalb eines solchen Betriebs; <Zus.:) Gießereiarbeiter,
der: Gießereibetrieb, der; Gießereitechnik, die.
Gift [gift]. das; -[eis. -e [mhd., ahd. gift, eigtl. = das Geben.
Übergabe; Gabe]: in der Natur vorkommender od. künstlich
hergestellter Stoff, der nach Eindringen in den Organistnus
eines Lebewesens eine schädliche, zerstörende, tödliche
Wirkung hat (wenn er in einer bestimmten Menge, unter
bestimmten Bedingungen einwirkt); ein gefährliches,
chemisches G,; jenes feine .... tödliche G. (Ott, Haie 137); Wir
haben ihm oft zugesehen, wenn er seinen Schlangen das
G. abzapfte (Schnurre. Bart 136); die Samen der Pflanze
enthalten ein G.; G. nehmen (absichtlich Gift einnehmen);
er hat dem kranken Tier G. gegeben (hat es vergiftet);
die Pflanze ist gegen das G. widerstandsfähig; das Messer
schneidet wie G. (ugs.; ist sehr scharf): Ü Voller Gift
(Gehässigkeit, Boshaftigkeit). daß die Häftlinge gewagt hatten.
Trotz zu bieten, fauchte Kluttig auf Schwahl ein (Apitz,
Wölfe 298); * blondes G. (ugs. scherzh.: erotisch attraktive
Frau mit auffallend hellblonden Haaren): G. für jmdn., etw.
sein (sehr schädlich für jmdn.. etw. sein); Zugluft ist G.
für alle Schnittblumen (Petra 11. 1966, 132); sein G.
verspritzen (ugs.; sich sehr boshaft, gehässig äußern):
Gelegenheit genug, um Ihr ..Gift" zu verspritzen und jemand
zur Weißglut zu bringen (Bild u. Funk 47, 1966. 83):
G. und Galle speien/spucken (sehr wütend sein, sehr heftig
werden; sehr böse, gehässig auf etw. reagieren; nach 5.
Moses 32. 33): Sie spucken G. und Galle über einen
..lieben" Kollegen (Bild 1.6.64.2); auf etw. G. nehmen können
(ugs.; sich auf etw. verlassen können; etw. als ganz sicher
betrachten können: viell. nach der gifthaltigen Arznei, die
der Kranke auf ärztlichen Rat hin ohne Bedenken
einnehmen kann): Sie fliegen raus! Darauf können Sie G. nehmen
(v. d. Grün. Glatteis 42).
gjft-. Gjft-: Miinpulle. die: ein tödlich wirkendes Gift
enthaltende Ampulle; ^becher, der (früher): mit einer ein tödliches
Gift enthaltenden Flüssigkeit gefüllter Becher, den ein zu
dieser Todesart Verurteilter austrinken mußte; er mußte
den G. trinken; -blatt, das (Schülerspr. landsch.): svw.
T ^zettel: -drüse, die (Zool.): bei bestimmten Tieren
entwickelte Drüse, die einen für andere Lebewesen giftigen Stoff
ausscheidet, der auf verschiedene Weise (z. B. durch Zähne.
Stachel) verabfolgt wird; ^ei. das: mit gelbem Phosphor
(in öliger Lösung) gefülltes Ei zur Bekämpfung schädlicher
Vögel, bes. von Krähen; ^empfindlichkeit. die:
individuelle, unterschiedlich ausgeprägte u. von bestimmten
Bedingungen (Alter. Geschlecht o.a.) abhängende Empfindlichkeit
gegenüber Giften; ^festigkeit, die: Unempfindlichkeit.
Immunität unterschiedlichen Grades gegenüber Giften; ^frei
<Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: keine giftigen Stoffe enthaltend
u. deshalb ungefährlich: ein -es Gas; die Farben sind g.:
MEas. das: [als ehem. Kampfmittel eingesetztes] Gas. das
eine schädigende, zerstörende, tödliche Wirkung auf den
Organismus von Lebewesen, bes. von Menschen, ausübt;
^getreide, das: mit bestimmten giftigen Stoffen imprägnierte
(u. zur Kenntlichmachung dunkelrot gefärbte)
Getreidekörner, die zur Vernichtung von Mäusen u. Ratten ausgelegt
werden; -grün <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: eine kräftige,
grelle grüne Farbe aufweisend: ein -es Kleid; Das Wasser
war g. und kalt (Strittmatter. Wundertäter 460); -haltig.
(österr.:) -hält!« <Adj.; nicht adv.>: giftige Stoffe
enthaltend; -kröte, die (ugs. abwertend): sehr boshafter,
gehässiger Mensch (oft als Schimpfwort): er schwor es sich zu.
dieser kleinen G. von Baidur einmal gründlich zu sagen,
was er von solchen Aufträgen hielt (Fallada. Jeder 56);
^küche, die: 1. (scherzh.) Labor, laborähnlicher Raum, in
dem jmd. mit Chemikalien experimentiert o. ä.: er hat das
ganze Wochenende über Versuche in seiner G. gemacht.
1037
giften
2. (abwertend) Ort, an dem boshafte, gehässige Gerüchte
entstehen, von dem üble, unsaubere Machenschaften
ausgehen: ^mischer, der: 1. (ugs. abwertend) jmd.. der verbotener-
maßen, in böser Absicht Gift zubereitet, etw. mit Gift
präpariert. 2. (ugs. scherzh.) jmd.. der beruflich mit Chemikalien.
Medikamenten, Giften zu tun hat. bes. Apotheker:
-mischerin, die: w. Form zu T^mischer; Mnont. der: mit Hilfe
von Gift verübter Mord: Der G. ist das typische Verbrechen
der Frau (Baum, Paris 38); -roörder, der: jmd.. der einen
Giftmord begangen hat: -mörderin, die: w. Form zu T
^morden ^müll, der: aus Gewerbe- u. Industriebetrieben
stammende Abfallstoffe, die giftige, die Umwelt schädigende,
verseuchende Stoffe enthalten: -nudel.die: 1. (ugs. scherzh.)
/ schlechte] Zigarre. Zigarette. 2. vgl. ^kröte; -pfeil, der:
Pfeil, dessen Spitze mit Gift präpariert ist: Ü er ließ sich
auch durch ihre gefiirchteten -e (boshaften, gehässigen
Bemerkungen) nicht aus der Ruhe bringen; ^pflanze, die
(Biol.): Pflanze, die einen giftigen Stoff enthält, der bei
Menschen u. Tieren eine schädliche, zerstörende, tödliche
Wirkung hat: ^pilz, der: vgl. -pflanze; ^schlänge, die:
Schlange, bei deren Biß ein giftiges Sekret in die Bißwunde
gelangt: -schrank, der: 1. verschließbarer Schrank (in
Apotheken u. Krankenfiäusem). in dem bes. gefährliche
Medikamente, Gifte aufbewahrt werden. 2. (ugs.) Schrank, in dem
Bücher unter Verschluß gehalten werden, die aus bestimmten
(politischen, moralischen o. ä.) Gründen nicht jedem
zugänglich sein sollen: Es (= das Buch von Walter Benjamin)
befand sich im ..Giftschrank", ich konnte mit
Sondergenehmigung heran (Zwerenz. Kopf 118); -spritze, die: vgl.
-kröte; -Stäbchen, das (scherzh.): Zigarette: Amerikas
Rauchern wurde abermals die Freude am G. getrübt
(Spiegel 39. 1966. 168); -Stachel, der (Zool.): stachelartiges
Organ bei bestimmten Tieren (z.B. Insekten, Fischen), mit
dessen Hilfe das Sekret der Giftdrüse in die Einstichstelle
gefüJirt wird: -Stengel, der (scherzh.): svw. t -Stäbchen;
-Stoff, der: giftige Substanz: Gift: -tier, das (Biol.): Tier,
das ein giftiges Sekret produziert, mit dessen Hilfe es Beute
machen od. sich verteidigen kann: -trank, der (geh.): mit
Gift vermischtes, aus giftigen Zutaten bereitetes Getränk,
mit dem jmd. getötet werden soll: Jeder Eingeweihte weiß,
daß Gifttranke (entsprechetute Kräuter o. ä. für Gifttränke)
bei wachsendem Monde gepflückt werden sollen (A. Zweig.
Grischa 272); -weizen, der: vgl. -getreide; -zahn, der
(Zool.): m/7 einem Kanal od. einer Rinne versehener Zahn
bestimmter Schlangen, durch den das Sekret der Giftdrüse
beim Biß weitergeleitet u. übertragen wird: * jmdm. die
Giftzähne ausbrechen/ziehen (ugs.; jmdn. energisch daran
hindern, gehässige, boshafte Reden zu ji'diren, sich weiterhin
abfällig, verleumderisch über jmdn., etw. zu äußern)', ^zettel,
der (Schülerspr. landsch.): Schulzeugnis: ^zwerg, der (ugs.
abwertend): sehr boshafter, gehässiger Mensch, bes. jmd.,
der seine körperliche Kleinlieit durch Boshaftigkeit,
Gehässigkeit kompensiert (oft als Schimpfwort).
giften fgiftn] <sw. V.; hat) [zu TGift) (ugs.): 1. a) sehr
ärgerlich, böse machen: daß sie ständig bevorzugt wurde,
giftete ihn immer mehr; b) <g. + sich) sich sehr ärgern:
sehr ärgerlich, böse werden: als ich davon hörte, giftete
ich mich mächtig. 2. seinem Arger, Mißfallen heftig
schimpfend, mit boshaften, gehässigen Worten Ausdruck geben:
einige hundert Meter entfernt ... giftete Gomulka gegen
Bonn (Spiegel 18, 1966. 134); Endlich kommt er in Fahrt
und giftet über die ..bösen Zungen" (Hörzu 37. 1974.
6); giftig [giftig <Adj.) [1: mhd. giftec]: 1. <nicht adv.)
Gift, einen Giftstoff enthaltend: die schädigende Wirkung
von Gift habend, entwickelnd: -e Pflanzen, Pilze,
Chemikalien; das Medikament enthält eine -e Substanz (ein Gift,
einen Giftstoff): eine -e Schlange (Giftschlange): ein -er
Pfeil (Giftpfeil): die Abgase. Dämpfe sind [nicht] g.; Stoffe
.... die für die Organzellen selbst relativ wenig g. sind
(Medizin II. 205). 2. (ugs.) bösartig iu. aggressiv], von
Bosheit. Gehässigkeit geprägt, zeugend: eine -e Bemerkung;
ein -er Blick; etw. mit -em Spott, Lächeln sagen; Wir
Kinder hatten nicht viel übrig für den ... -en kleinen Herrn
(K. Mann. Wendepunkt 81); g. lächeln; jmdn. g. anstarren,
anfahren: die Lakaien sind g. (sehr böse, wütend) auf
ihn, weil sie kein Trinkgeld bekommen haben (Th. Mann.
Hoheit 50). 3. (von bestimmten Farben) grell, schreiend:
ein -es Gelb: die Kirchenkuppel war g. grün angestrahlt
(Werfel. Himmel 170). 4. (Sport Jargon) verbissen, mit
großem körperlichem Einsatz kämpfend u. deshalb für den
Gegner gefahrlich: ein -er Mittelstürmer; er war. spielte
sehr g.; Die Zuschauer toben ... Und Borussia wird g.
(Bild 16. 4. 64, 7); <Abl. zu I, 2, 4:) Giftigkeit, die; -.
'Gig [gik]. das; -s. -s [engl, gig] (veraltend): leichter, offener
Wagen. Einspänner mit einer Gabeldeichsel: ein G., ein
Schlitten und einige Reitpferde standen ihnen zur
Verfügung (Th. Mann. Hoheit 51); H2ig [-], die; -. -s, seltenen
das; -s. -s [engl, gig]: 1. (Seemannsspr.) als Beiboot auf
! Kriegs]schiffen mitgejührtes leichtes, schnelles Ruderboot,
bes. zur Benutzung für den Schiffskommandanten. 2.
(Rudern) zum Training u. für Wanderfahrten verwendetes, im
Klinkerbau hergestelltes, leichtes Ruderboot.
^Gig [gig], der; -s, -s [engl.-amerik. gig]: 1. durch ein
einmaliges Auftreten gegebene zusätzliche Verdienstmöglichkeit für
einen [JazzJmusiker: Im östlichen Musikerjargon ist ein
bezahlter Auftritt... immernoch ..eine Mucke". Im Westen
heißt die gleiche Übung ein Gig" (Spiegel 10, 1977.
190). 2. Jazzveranstaltung: Bei acht ausverkauften -s
bewiesen die Bay City Rollers .... daß sie mehr können, als
nur nett aussehen (Hörzu 25. 1976. 88).
Giga... [giga...; griech. gigas. tGigant] (Physik) (Best, in
Zus. mit der Bed.>: das Milliardenfache einer Einheit:
<Zus.:> Gigahertz, das (Zeichen: GHz); Gigameter, das
(Zeichen: Gm).
gigampfen ['gi:gamijfn] <sw. V.; hat) [Intensivbildung zu
alemann, gampfen. gampen = schaukeln, schwanken, auf
u. ab bewegen, mhd. gampen = hüpfen, springen,
stampfen] (Schweiz.): schaukeln: Ü eine realistische Politik kann
es sich nicht leisten, zwischen Ost und West zu g.; <Abl.:>
Gigampferci. die; - (Schweiz.): Schaukelpolitik.
Gigant [gi'gant]. der; -en. -en [1: lat. gigäs (Gen.: gigantis)
< griech. gigas (Gen.: gfgantos). nach den riesenhaften
Söhnen der Gäa (= Erde) in der griech. Sage]: 1. (geh.)
Riese: die Felsblöcke lagen da. als wären sie von -en
hingeworfen worden; Die Schändungen und Peinigungen,
die ich meine erdachten -en ausfuhren ließ (Weiss. Marat
69). 2. jmd., der durch außergewöhnlich große
Leistungsfähigkeit, Machtfülle, Bedeutsamkeit o.a. beeindruckt: erw.,
was hinsichtlich seiner Größe, Mächtigkeit, Wirksatnkeit
o.a. Vergleichbarem weit überlegen ist: die -en des
Skisports; der Konzern ist ein G. auf dem Weltmarkt; daß
Europa im Dialog der -en (Weltmächte) in Ost und West
mit einer Stimme spricht (Bundestag 189, 1968, 10256);
Ü Lastzüge, Tieflader, Autotransporter - -en der
Landstraße (Auto 8, 1965, 6); Es hätten ... drei -en (= Flugzeuge)
kommen sollen, um uns herauszufliegen (Gaiser,
Schlußball 149); gigantesk [gigantesk] <Adj.> [frz. gigantesque
< ital. gigantesco, zu: gigante = Riese < lat gigäs (Gen.:
gigantis). tGigant] (bildungsspr.): ins Riesenhafte, ins
Maßlose übersteigert: maßlos: Dazu kommt noch eine gewisse
-e Manier. Sprachbilder zu hypertrophieren (Welt 16. 3.
63. Geist. Welt 2); Giganthropus [gigantropus], der; -.
...pi [latinisierte Form zu griech. gigas = Riese (tGigant)
u. änthröpos = Mensch]: Urmenschenform mit übergroßen
Körpermaßen: gigantisch <Adj.; nicht adv.) [griech. giganti-
kös]: a) sehr, riesig groß: gewaltige, imposante Ausmaße
aufweisend: -e Bauwerke, Schiffe; ein -er Konzern; Ein
-er Wurm schien sich über die Landstraße zu quälen (Kirst.
08/15. 831); die Rocky Mountains sind -er (Grzimek. Se-
rengeti 245); b) ungeheuer, gewaltig, riesig, außerordentlich:
ein -er Erfolg, Machtkampf; -e Anstrengungen; ein -es
Verbrechen; danke dem Schöpfer für dein -es Talent
(Kinski, Erdbeermund 135); Der Skandal ist g. (Dürrenmatt,
Meteor 60); Gigantismus [gigan'tismos], der; -: 1. (Med.)
krankhafter Riesenwuchs: übermäßiges Wachstum (Ggs.:
Nanismus): an G. leiden. 2. (bildungsspr.) Gesamtheit der
Erscheinungsformen, in denen das Bestreben, die Sucht, alles
ins Riesenhafte, Maßlose zu übersteigern, mit gewaltigen
Ausmaßen zu gestalten, sichtbar, offenbar wird: Es scheint,
als ob die Spiele der 19. Olympiade in Mexiko den
endgültigen Durchbruch zum monströsen G. brächten (Bund 7.
10. 68); Gigantographk [giganto...]. die; - [zu griech. gigas
(Gen.: gigantos) = Riese (tGigant) u. T-graphie]
(Druckw.): Verfa/iren zur Vergrößerung von Bildern für
Plakate durch Rasterübertragung [ auf ein Off setblech ].
wobei ungewöhnlich große Rasterweiten entstehen: Gigantoma-
diie [...maxi:], die; - [zu griech. gigas (Gen.: gigantos)
= Riese (tGigant) u. mache = Kampf! (Kunst, griech.
Myth.): der Kampf der Giganten gegen Zeus in der griech.
Mythologie (insbes. seine Darstellung im Fries am Pergamon-
1038
Gipfel
altar); Gigantomank. die: - [zu griech, gigas (Gen.: gfgan-
tos) = Riese (tGigant) u. tManie] (bildungsspr.):
Bestreben, Sucht, alles ins Riesenhafte, Mafibse zu übersteigern,
mit gewaltigen Ausmaßen zu gestalten: das monströse
Bauwerk ist das beste Zeugnis der G. seines Erbauers: Aber
auch sonst verfällt die deutsche Industrie keiner G. (MM
2. S. 69, 22): <Abi.:> gigantomanisch <Adj.> (bildungsspr.):
die Gigantomanie betreffend, auf ihr beruhend, von ihr
zeugend: bei denen, die in anderen als -en Maßstäben nicht
mehr denken können (MM 18. 11. 72. 26).
Gigerl [gi:gel. auch: 'gl...], der. auch: das: -s. -n [urspr.
oberösterr.. lautm. = Hahn) (südd., österr. ugs.):
stutzerhafter, eitler Mann: i Model geck: ein eingebildeter G.:
<Abl.:> gigerhaft <Adj.; -er. -este> (südd.. österr. ugs.):
sich wie ein I Mode]geck benehmend: eitel, stutzerhaft: im
Wintergarten hatte er mit jungen -en Italienern am Büfett
Händel angefangen (R. Walser. Gehülfe I2S): Gigerltum.
das: -s (österr.): eitles Wesen, stutzerhaftes Gebaren:
Lebensart von Modegecks.
Gigolo ['3i:golo. auch: '31g.]. der: -s. -s [frz. gigolo. eigtl.
= Tänzer. H. u., viell. zu: gigoter = die Beine bewegen,
tanzen, zu afrz. giguer = springen, tanzen]: 1. svw. t
Eintänzer. 2. (ugs.. meist abwertend) jüngerer Mann, der sich
von Frauen ausixalten läßt: Zuhälter und -s in Lackschuhen
(Genet [Übers.]. Miracle 292): er war dort auch
willkommen ... als besserer G. für ältere Semester (Kirst. 08/15,
42).
Gigots [3igo:] <PI.> [frz. gigot = Schenkel. Hinterkeule,
Vkl. zu: gigue = Bein] (Mode): im 16. u. 19. Jh. modische,
keulenförmig nach oben erweiterte Ärmel an Frauenkleidern.
Gigue bi'.kl. die: -, -n [3i:gn: frz. gigue < engl. jig. wohl
zu afrz. giguer = springen, tanzen]: a) alter, aus Englatul
übernommener, lebhafter Schreittanz im Dreiertakt: b)
bestimmter Satz einer Suite.
giksen fgi:ksn]: svw. t gicksen (2).
Gilatier fhi.lä-]. das: -[e]s. -e [nach dem Fluß Gila River
in Arizona]: bes. in wüstenartigen Gegenden Nordamerikas
heimische, schwarz-rosarot gefleckte, sehr giftige
Krustenechse.
gilben [gilbnl <sw. V.: hat) [mhd. (sich) gilwen. zu fgelb]
(dichter): gelb, fahl werden: in der mageren Saat, die zu
g. anfing (Gaiser. Jagd 196): Die Scheibe eines gilbenden
Mondes stand über den Bäumen (Kesten, Geduld 56):
Gilbweiderich ['gilp-1. der: -s.-e(Bot.): vor allem an feuchten
Stellen vorkommendes, hohes .Staudengewächs mit gelben
Blüten; Gelbweiderich.
Gilde [gilda], die: -. -n [aus dem Niederd. < mniederd.
gilde = Innung: Trinkgelage, urspr. = Opfergelage
anläßlich einer eingegangenen rechtlichen Bindung: zu TGeld
od. zu t gelten in der urspr. Bed. ..(zurück)zahlen: opfern"]:
1. (hist.) genossenschaftliche Vereinigung bes. von Kauf
teufen u. Handwerkern od. Zusammenschluß von religiös
Gleichgesinnten (bes. im MA.) zur Förderung gemeinsamer
gewerblicher txi. religiöser Interessen, auch zum
gegenseitigen Schutz der Mitglieder: Zum damaligen Bürgertum
gehörten in erster Linie die in Zünften. Innungen und
-n organisierten Handwerker und Kaufleute (Fraenkel.
Staat 66). 2. Gruppe von Leuten in gleichen Verhältnissen,
mit gleichen Interessen, Absichten o. ä.: Die Gefahr
schmiedet die G. der Rennfahrer ... zusammen (Frankenberg,
Fahrer 13): (oft scherzh.:) Willy Junghans gehört seit 1957
zur G. der Möblierten (DM 5. 1966, 3): <Zus. zu 1:>
Gfldehaus, das: Haus für die Zusammenkünfte,
Versammlungen einer Gilde (1): Gjldemeister, der: Vorsteher einer
Gilde (1): Gildenhalle, die: vgl. Gildehaus: Gjldenschaft.
die: -, -en: Gesamtheit der Mitglieder einer Gilde (1): G jlden-
sozialismus, der: (Anfang des 20. Jh.s in Großbritannien
entstandene) sozialistische Theorie, Lehre, Bewegung, die
das Ziel hatte, die Wirtschaft in kollektivistische, nicht
verstaatlichte, den mittelalterlichen Gilden u. Zütxften
ähnliche Organisationen zu überführen, wobei die industrielle
Selbstverwaltung durch die Gewerkschaften übernommen
werden sollte; Gjldenwappen. das: svw. f Zunftwappen.
Gilet bi'le:]. das: -s, -s [frz. gilet < älter span. gileco.
jileco < arab. (algerisch) feallka = Gewand der Christen
in maurischer Gefangenschaft < türk. yelek = Weste]
(landsch., österr. veraltend, Schweiz.): Weste.
Gilka<S)['gilka]. der: -s. -s [nach dem Namen des Herstellers
J. A. Gilka]: ein Kümmellikör.
Gillins ['gilinl. die: -. -s [niederl. gilling. zu: gillen = schräg
zuschneiden] (Seemannsspr.): a) nach innen gewölbter Teil
des Hinterschiffs; b) einwärts gebogener unterer Teil eines
Rahsegels; Gittasnt ['gilunl. die: -, -en (Seemannsspr.): svw.
tGilling.
giltig I'giltif] (veraltet, österr. veraltend): svw. t gültig.
Gimmiek fgrmik], der. auch: das: -s. -s [engl.-amerik. gim-
mick: eigtl. = verborgene Vorrichtung: H. u.] (Werbung):
etw. möglichst Ungewöhnliches, Auffallendes (z. B. ein
Werbegeschenk), was die Aufmerksamkeit auf ein bestimmtes
Produkt, auf eine wichtige Aussage der Werbung für ein
Pnxlukt lenkt.
Gimpe [gimpa]. die: -. -n [H. u.] (Schneiderei): mit einem
Seidenfaden umsponnener Faden aus Baum- od. Zellwolle,
der für Knopflöcher, bei der Herstellung von Spitzen o. ä.
verwendet wird; <Zus.:>Gjmpenhäkelei.die: svw.
TGabelhäkelei.
Gimpel ['gimp}]. der: -s. - [I: mhd. gümpel. zu: gumpen
= hüpfen, springen (nach den ungeschickten Sprüngen
auf ebener Erde); 2: in Anspielung darauf, daß der Vogel
leicht im Gam zu fangen ist]: I. a) (mit mehreren Arten
in Eurasien heimischer) Finkenvogel mit kurzem, kräftigem
Schnabel, grau-schwarzem Gefieder u. (beim Männchen)
roter Brust; b) (volkst.) svw. T Dompfaff. 2. (ugs.
abwertend) einfaltiger, unerfahrener, unbeholfener Mensch: Ich
mische mich nicht in deine dämlichen Geschäfte. Du G.
wirst sie ja doch nur verderben (Th. Mann, Krull 164).
Gin [d3in]. der; -s. (Sorten:) -s [engl, gin, Kurzf. von: geneva
< älter niederl. genever.TGenever]: wasserklarer englischer
Wacholderbranntwein: er trinkt G. gerne pur: G. ist eine
beliebte Grundlage für Mixgetränke; er wollte die
verschiedenen englischen -s ausprobieren; einen doppelten G. (ein
Glas mit der doppelten Menge Gin) bestellen; drei G.
(Gläser Gin) trinken; Gin-Fizz [djinfis], der: -, - [t Fizz]:
Mixgetränk aus Gin, Mineralwasser, Zitrone u. Zucker: einen
G. trinken; er bestellte zwei G. (zwei Gläser Gin-Fizz).
ging [gm]: f gehen.
Gingan fgingan], Gingham [gioam], der; -s. -s [engl, ging-
ham < malai. ginggang, eigtl. = gestreift]: gemustertes
Baumwollgewehe in Leinenbindung.
Ginger [djind^]. der; -s. - [engl, ginger < lat. gingiber.
t Ingwer): svw. t Ingwer; Ginger-ale [-eil], das: alkoholfreies
Erfrischungsgetränk mit Ingwergeschmack; Ginger-beer
[-bra], das: svw. t Ingwerbier.
Gingivitis [gingivi.tis]. die; -. ...tiden [...vi'ti:dn; lat. gingiva
= Zahnfleisch, eigtl. = Klumpen, klumpig] (Med.):
Zahnfleischentzündung.
Gingko fgioko], (auch:) Ginkjo ['ginkjo], der; -s, -s [Jap.
ginkyo): in China u. Japan heimischer, den Nadelhölzern
verwandter, sehr hoher Baum mit meist zweiteiligen
fächerförmigen Blättern u. gelben, kirschenähnlichen
Früchten, der oft als Zierbaum in Parks u. Anlagen angepflanzt
wird.
Ginseng fgmzen. auch: '3...]. der; -s. -s [chin. jen-shen]:
in Ostasien heimisches Staudengewächs, dessen oft
menschenähnlich geformte Wurzel ein allgemein anregendes
Mittel liefert; <Zus.:> Ginsengwurzel, die.
Ginster ['ginstgl. der; -s. - [mhd. ginster. genster. ahd. gen-
ster. geneste < lat. genista]: a) vorwiegetid gelbblühender
Strauch mit grünen, elastischen, gelegentlich dornigen
Zweigen u. kleinen (manchmal fehlenden) Blättern, der vor allem
auf trockenem Boden wächst; b) svw. T Besenginster: Und
wieder mußte ich... in denG. hinein: dürre Schoten
raschelten (Grass. Hundejahre 258); <Zus.:> Gjnsterkatze. die:
svw. TGenette.
giocoso [d5o'ko:zo; ital. giocoso < lat. iocösus =
scherzhaft] (Musik): freudig, scherzhaft, spielerisch.
'Gipfel fgiqfl], der; -s, -[1.2: spätmhd. gipfel. güpfel;
H. u.: 3: nach engl.-amerik. summit]: 1. a) höchste Spitze
eines! steil emporragenden, hohen) Berges: steile,
bewaldete, vom Schnee bedeckte G.; der G. lag im Nebel; einen
G. besteigen, bezwingen; den G. erreichen; auf dem G.
rasten; Ein Gewitter zwang sie zweihundertfünfzig Meter
unter dem G. zur Umkehr (Trenker. Helden 49); b)
(veraltend, noch landsch.) oberer Teil, Spitze eines Baumes;
Wipfel: der Sturm hat die G. [mehrerer Bäumel geknickt.
2. das höchste denkbare, erreichbare Maß von etw.; das
Äußerste; Höhepunkt: der G. des Glücks, der
Geschmacklosigkeit; Der G. der Genüsse dünkte ihr heute, sich um
neun Uhr schlafen zu legen (A. Kolb. Daphne 100): die
Ausgelassenheit erreichte ihren G. um Mitternacht; er war
1039
Gipfel
auf dem G. der Macht, des Ruhms angelangt; Sie dagegen,
Zouzou. sind das Hübsche und Reizende in Perfektion
und auf seinem G. (Th. Mann. Krull 415); * das ist [doch]
der G.! (ugs.; das ist unerhört, empörend). 3. kurz für
tGipfelkonferenz. Gipfeltreffen: Im Mittelpunkt ...
stand ... die Frage, ob der ..rote G." in Moskau überhaupt
stattfinden soll oder nicht (MM 1. 10. 68. 1).
^Gipfel [-]. der; -s. - Ivgl. Kipfel] (Schweiz.): a) kleines,
längliches Weißbrot: b) Hörnchen (2).
Gjpfel-: ^budi. das (Alpinistik): auf dem ^Gipfel (I a) eines
hohen Berges an einem wettergeschützten Platz aufbewahrtes
Buch /mit den Daten der Erstbesteigung des Gipfels], in
das sich jeder, der den Gipfel bestiegen hat, eintragen kann:
Mliirre. die (Forstw.): das Verdorren u. Absterben eines
Baumes vom ^Gipfel (1 b) her: -feuer, das: bei Waldbränden
durch den glühendheißen Luftstrom verursachtes In-Brand-
Geraten der ^Gipfel (1 b); -konferenz. die [LÜ von engl.-
amerik. summit Conference]: Zusammenkunft, Konferenz
der obersten Staatsmännerbes, von fiüirenden. einflußreichen
Staaten: internationales Treffen auf höchster Ebene: eine
europäische, west-östliche G.; die Sowjets, die sich lange
gegen ein AußenministertrefTen zur Vorbereitung der G.
gewehrt haben (Dönhoff, Ära 130); -kreuz, das
(Alpinistik): auf dem höchsten Punkt eines Berggipfels errichtetes
Kreuz: Wir fliegen vorbei; man sieht das G., weiß, es
leuchtet, aber sehr einsam (Frisch, Homo 278); -letstung,
die: außergewöhnliche. Vergleiclibares [weit] überragende
Leistung: eine G. modemer Forschung; -punkt, der: I.
höchster Punkt der Bahn eines Flugkörpers, eines
Geschosses. 2. höchste Stufe, höchstes erreichbares Maß von etw.:
das Äußerste, Höhepunkt: diese Oper stellt einen absoluten
G. in seinem Scharten dar; daß mir die letzten Wochen
... wie ein G. der Freiheit erschienen (Leonhard.
Revolution 214); -treffen, das: vgl. ^konferenz.
-gipflellig [-gJ&Ad)li9] in Zusb.. z.B. zweigipflig (zwei
Gipfel 1 a aufweisend).
gipfeln [gißfln] <sw. V.; hat) [zu tGipfel (2)1: in. mit etw.
Bestimmtem seinen Höhepunkt finden, erreichen / u. damit
enden]: seine Ansprache gipfelte in der Forderung nach
mehr Demokratie; Der neue Mythos... gipfelt in der
Verehrung, die Lenins Leichnam genießt (Niekisch. Leben 225).
Gips (gips], der; -es. (Arten:) -e [mhd.. ahd. gips < tat.
gypsum < griech. gypsos. aus dem Semit.]: I.a) aus
Kalziumsulfat bestehendes, in Gestalt farbloser od. weißer
Kristalle vorkommendes gesteinsbildendes Mineral: b) (durch
Erhitzen) aus Gips da) gewonnene, graue od. weiße,
mehlartige Substanz, die nach Aufnahme von Wasser schnell wieder
erhärtet u. bes. als Bindemittel verwendet wird: der G.
bindet schnell ab; den G. anrühren; eine Büste aus G.;
etw. in G. abgießen, formen; Löcher in der Wand mit
G. ausfüllen, verschmieren. 2. kurz für TGipsvcrband: das
Bein ist gebrochen, wir müssen Ihnen einen G. anlegen;
denG. abnehmen, erneuem; den rechten Arm in G. haben.
Gjps-: -abdmck.der: mit Hilfe von Gips gefertigter2Abdruck
(2): der Künstler formte die Plastik nach einem G. ihres
Gesichtes; -abguß, der: mit Hilfe von Gips hergestellter
Abguß (2) als Nachbildung eines Gegenstands der Natur
od. eitles plastischen Kunstwerks od. als Vorstufe zum
eigentlichen Guß des Kunstwerks in Metall: ^bein, das (ugs.):
wegen eines Bruches, einer Verstauchung o. ä. in Gips
gelegtes Bein: ich gerate ins Rutschen, das G. ist keine Hilfe,
unchmit einem Krach liege ich auf dem Boden (Remarque.
Westen 173); ^bett, das (Med.): an den Körper eines
Patienten modellierte Schale aus Gips zur Ruhigstellung bes. der
Wirbelsäule im Liegen: ^binde, die (Med.): in Gips
getränkte, mit Gips bestrichene Mullbinde zum Anlegen eines
Gipsverbandes: ^brei. der: mit Wasser verrü/irter Gips: ^büste.
die: vgl. ^figur; -diele, die (Bauw.): tafelförmige, aus Gips
u. Einlagen von Rohr o. ä. gefertigte Platte für die
Verkleidung von Decken u. Wänden, für leichte Trennwände o.a.:
^ftgur, die: aus Gips gegossene od. modellierte Figur: ^form.
die: für das Gießen (1 b) bestimmter Gegenstätule. Plastiken
o.a. aus Gips hergestellte Form: ^kopf, der: 1. (selten)
vgl. ^figur. 2. (ugs. abwertend) einfältiger Mensch.
Dummkopf (od als Schimpfwort); -korsett, das (Med.):
Gipsverband um den Rumpf zur Ruhigstellung der Wirbelsäule:
es waren nur Verwundete.... solche mit -s (Plievier.
Stalingrad 317); -krawatte, die (Med.): Gipsverband um den
Hals zur Ruhigstellung u. Entlastung der Wirbelsäule im
Bereich des Halses: ^maske. die: aus Gips geformte Maske
eines Gesichts: MnehL das: gebrannter, zu Pulver
gemahlener Gips: Miiodell, das: vgl. -abguß; -platte, die (Bauw.):
svw. fMliele; -säge, die (Med.): Instrument in Form einer
Säge zu/n Durchtrennen. Öffnen von Gipsverbänden:
^verband« der: aus Gipsbinden [u. einer Schiene o. ä.j
hergestellter, fester, dauerhafter Verband zur möglichst vollständigen
Rulügstellung von Körperpartien, Gliedmaßen, bes.
Gelenken: jmdm. einen G. anlegen, den G. abnehmen; sie ...
schlitzte seinen G. auf (Strittmatter. Wundertäter 216).
gipsen I'gipsn] <sw. V.; hat): 1. mit Gips bearbeiten,
ausbessern, reparieren, überziehen: einen zerbrochenen
Blumenkübel [wieder] g.; eine Decke g.; der Arzt hat den
gebrochenen Arm sofort gegipst (ugs.; mit einem Gipsverband
versehen). 2. Wein mit Gips versetzen, um den Gesamtsäuregrad
zu erhalten u. Farbe u. Klarheit zu verbessern: <subst.:>
das Gipsen des Weines ist in Deutschland verboten; Gipser
fgipsE]. der; -s, -: Facharbeiter, der Verputz-, Stuckarbeiten
o. ä. mit Gips ausführt: in dem Neubau sind bereits die
G. an der Arbeit; gipsern fgipsBn] <Adj.; o. Steig.; nur
attr. >: aus Gips gefertigt, bestehetul: eine K rippe mit
buntbemalten -en Figuren.
Gipüre [gipy.re], die; -. -n [frz. guipure, zu: guiper = mit
Seide überspinnen < mniederl. wlpen = bekränzen]: aus
Gimpen bestehende Klöppelspitze.
Giraffe [gi'rafd]. die; -. -n [spätmhd. gerafT (durch
Vermittlung von ital. giraffa). mhd. schrafTe < vulgärarab. gräfa.
arab. zuräfa]: in den Savannen Afrikas in Herden lebendes,
großes Säugetier mit sehr langem Hals, stark abfallendem
Rücken u. kurzhaarigem, unregelmäßig braun geflecktem,
sandfarbenem Fell, das sich vorwiegend von Blättern u.
Zweigen ernährt, die es von den Bäumen frißt.
GirateeM toi'ra:!-]. das; -[e]s. -er [zu tGiro] (Bankw.): Geld
des bargeldlosen Zahlungsverkehrs der Banken: Guthaben
bei einem Kreditinstitut, über das der Inhaber durch
Überweisung, od. Scheck vertilgen kann: Buchgeld.
Girandola [dji'randola].Girandole biran'do:b. 3irä...]. die;
-, ...len [frz. girandole < ital. girandola. zu: girare <
(spät)lat. gyräre = etw. im Kreise drehen, sich drehen,
zu: gyrus. tGiro]: l.a) (beim Feuerwerk) aus mehreren
Raketen, Leuchtkugeln. Schwärmern o.a. bestehende
fachen od. kreisförmig aufsteigende Feuergarbe: b) Feuerrad.
2. mehrarmiger Leuchter aus Silber (xl. Bronze (bes. im
Barock).
Girant bi'rant], der; -en. -en [ital. girante. zu tGiro)
(Bankw.):jwrf.. der einen Wechsel od. ein sonstiges
Orderpapier durch Indossament au) einen amier en überträgt:
Indossant.
Girardihut Isirardi-]. der; -[e]s. ...hüte [nach dem Wiener
Schauspieler A. Girardi (1850-1918)] (Mode): flacher,
gradrandiger Herrenstrohhut (im frühen 20. Jh.).
Girat bira:t], der; -en, -en, Giratar bira'ta:^]. der; -s.
-e [ital. giratario, zu: giro, tGiro] (Bankw.): jmd., für den
bei der Übertragung eines Wechsels od. eines sonstigen
Orderpapiers ein Indossament erteilt wurde: Indossat: girierbar
[3i'ri:?ba:£] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.> (Bankw.): sich
girieren lassend: die Voraussetzungen erjullend. geeignet,
giriert zu werden: ein -er Scheck; der Wechsel ist nicht
g.; girieren toi'ri:ran] <sw. V.; hat) [ital. girare < (spät)lat.
gyräre = etw. im Kreise bewegen, sich drehen, zu: gyrus.
tGiro] (Bankw.): durch einen entsprechenden Vermerk, ein
Giro (2) auf eine andere Person übertragen, in Umlauf setzen:
einen Scheck, einen Wechsel g.
Girl [go.yl. goerl), das; -s. -s [engl, girl]: I. (ugs.. oft scherzh.)
Mädchen: mit Anträgen .... denen doch gerade ein
sportgeübtes G. unserer Zeit gefaßt entgegensehen könnte
(Tucholsky. Werke I. 171). 2. einer Tanzgruppe, einem Ballett
angehörende Tänzerin: Die -s der Revue und Music Hall
... werfen die Beine in wortloser Präzision (K. Mann.
Wendepunkt 308).
Girlande [gir'landa]. die; -. -n [frz. guirlande < ital. ghir-
landa): langes, meist in durch/längenden Bogen angeordnetes
Gebinde aus Blumen, Blättern, Tannengrün o.a. od. aus
buntem Papier zur festlichen Dekoration von Straßen,
Gebäuden od. Räumen: Sollen wir den Eingang mit einer
G. umwinden? (Kirst. 08/15. 187); Sein Blick glitt über
die Stukkatur der Zimmerdecke^über diese -n
(Nachbildung von Girlanden) gipserner Äpfel, Bananen, Birnen.
Pfirsiche (Molsner. Harakiri 48).
Girlitz ['girlits]. der; -es. -e [lautm.. wahrsch. aus dem Slaw.]:
dem I wilden / Kanarienvogel ähnlicher Singvogel mit gelblich
1040
Glacä-
u. urait gestreiftem Gefieder, (bei den Männchen) leuchtend
gelber Stirn u. Brust u. dickem, ungewö/mlich kurzem,
stumpfem Schnabel, der vor allem an Waldrändern, in
Parkanlagen u. Gärten lebt.
Giro ['3i:n>]a das; -s, -s, österr. auch: Giri [ital. giro =
Kreis. Umlauf (bes. von Geld od. Wechseln) < lat. gyrus
< griech. gyros = Kreis. Rundung] (Bankw.): 1.
Überweisung von Geld od. Wertpapieren im bargeldlosen
Zahlungsverkehr: der Betrag wind durch G. weitergeleitet,
überwiesen. 2, Vermerk, durch den ein Wechsel o. ä. auf einen
andern übertragen wird: Indossament: das Papier ist auf
der Rückseite mit dem G. versehen.
Giro- I-] (Bankw.): -bank, die: Bank, bei der vorwiegend
Girogeschäfte abgewickelt werden: ^geschäft. das: Geschäft
im bargeldlosen Zahlungsverkehr: -kasse, die; vgl. ^bank;
-konto, das: Konto, über das Girogeschäfte durch Scheck
od. Überweisung abgewickelt werden: -Scheck, der: Scheck,
der durch Belastung des Girokontos des Ausstellers u. durch
Gutschrift auf dem Konto des Zahlungsempfängers beglichen
wird: -verkehr, der: bargeldloser Zalilungsverkehr. der über
Girokonten abgewickelt wird.
Girondisten fcirödistn] (PI.) [zu frz. la Gironde. nach dem
frz. Departement Gironde] (hist.): Gruppe der gemäßigten
Republikaner in der französischen Nationalversammlung
(1791-93) zur Zeit der Französischen Revolution: Ü In
diesen zwei Linien endete bislang noch jede, auch die
chinesische Revolution: Jakobiner gegen G. (Spiegel 3.
1977.68).
girren ['giren] <sw. V.; hat) [spatmhd. girren = zwitschern,
pfeifen; lautm.]: 1. (von Vögeln, bes. von Tauben) einen
rollenden, glucksenden, gurrenden Laut wiederholt von sich
geben: gurren: der Tauber saß girrend auf dem Dachfirst.
2. schmeichelnd, verführerisch, kokettierend sprechen,
lachen: ..Zu schade!" girrte sie (K. Mann, Mephisto 50);
Das Fräulein begann sich girrend zu lagern (Strittmatter.
Wundertäter 47).
'gis, 'Gis [gis], das; -, - (Musik): tun einen halben Ton erhöhtes
g. G (2); ^is: tgis-Moll; *Gis; tGis-Dur.
gischen [*gijn] (veraltet): svw. fgischten; Gischt [gilt], der;
-[e]s. -e, auch: die; -. -en <PI. selten) [wohl mit lautm.
-seh- aus mhd. jest; verw. mit T gären]: wild aufsprühendes,
spritzendes, schäumendes Wasser. Schaum heftig bewegter
Wellen: salziger G. übersprühte mein Gesicht (Weiss.
Abschied 87); Nur die weiße G. leuchtete ... über der
kochenden See (Ott. Haie 285); <Abl.:> gischten ['gijtn] <sw. V.;
hat) (geh.): als Gischt aufschäumen, wild aufsprülien:
Sichtbar ist der Stau vor den Betonpfeilem. der sich in
gischtenden Strudeln auflöst (Noack. Prozesse 190).
Gjs-Dur [auch: '-'-]. das; -: Tonart: Zeichen: Gis (T'gis.
'Gis); <Zus.:> Gjs-Dur-Etüde, die; sjs-Moll [auch: *-*-].
das; -: Tonart. Zeichen: gis (T 'gis. 'Gis); <Zus.:) gjs-Moll-
Etüde, die.
gissen l'gisn] <sw. V.; ist) (Seemannsspr.. Fliegerspr.): die
Position eines Schiffes ixl. Flugzeugs ungefähr bestimmen,
schätzen.
Gitana[xi'ta:na. span.: xi'tana], die;- [span. gitana =
Zigeunerin]: feuriger Zigeunertanz mit Kastagnettenbegleitung.
Gitarre [gi'tare]. die; -. -n [span. guitarra < arab. qltära
< griech. kithära = T Zither]: Zupfinstrument mit flachem
einer Acht ähnlichemJ Körper u. breitem Hals mit sechs
Saiten: er lernt G. spielen; einen Sänger auf der G.
begleiten; zur G. singen; <Zus.:> Gityrrenspiel, das; Gityrrenspie-
ler,der; Gityrrenverstärker. der; <Abl.:) Gitarrist Igita'nst],
der; -en. -en: jmd.. der / berufsmäßig] Gitarre spielt:
Gitarristin, die; -. -nen: w. Form zu TGitarrist.
Gitter ['gitß], das; -s. - [1: wahrsch. aus spatmhd. gegiter.
zu mhd. geter = Gitter. Gatter; verw. mit 1 Gatter]: 1.
aus parallel angeordneten od. gekreuzten Metall- od.
Holzstäben ml. aus grobem Drahtgeflecht gefertigte Absperrung
(bes. als äußerer Abschluß von Fenster- od. Türöffnungen),
Abdeckung (von Öffnungen, Schächten). Verkleidung (von
Heizkörpern o.a.), Füllung (von Geländern). Einfriedung
u. a.: ein hölzernes, schmiedeeisernes G.; das G. eines
Käfigs, vor einem Fenster, vor einem Heizungsschacht; sie
(= die Balkons)... hatten ein gebrechliches G. (Nossack.
Begegnung 291); Evelyn ließ vorsichtig das kleine G. an
Bärchens Bett herunter (Baum. Paris 69); das Gehege ist
von einem G. umgeben; * hinter G./-n (ugs.; ins/im
Gefängnis): jmdn. hinter G. bringen; Er hatte ein Jahr hinter
-n gesessen (MM 13. 8. 66.10). 2. (Physik. Chemie)
periodische Anordnung von Punkten od. von Materieteilchen
(Atomen, Ionen, Molekülen) (z.B. in Kristallen). 3. a) (bes.
Math.) Netz aus sich kreuzenden, meist senkrecht
aufeinanderstellenden Linien: b) svw. TGitternetz. 4. (Elektronik)
in Elektronenröhren zwischen der Kathode u. der Anode
angebrachte, gitterförmig angeordnete Elektroden, mit deren
Hilfe der elektrische Strom in der Röhre beeinflußt wird.
gjtter-, Gjtter-: -artig <AdJ.; o. Steig.): einem Gitter (1)
ähnlich: an ein Gitter erintiernd: ein -es Gewebe; ^bett,
das: Bett mit gitterartigem Gestell, bes. Kinderbett mit
ihochklappbarem] Gitter (1); -fenster, das: Fenster, das
mit einem Gitter (1) versehen ist: die G. des Gefängnisses;
-leinen, das: vgl. ^stofT; -leiter, die (Turnen): aus
gitterartig miteinander verbundenen Holmen u. Sprossen
bestehendes, frei stehendes, an Decke u. Fußboden befestigtes Gerät
für bestimmte gymnastische Übungen: -mast, der (Technik):
frei stehender, stählerner Mast mit Quadratischem od.
rechteckigem Querschnitt, dessen vier Eckpfosten durch
Querstreben gitterartig miteinander verbunden sind, -netz, das
(Kartographie): auf Karten mit großem Maßstab eingetragenes,
der geographischen Orts- u. Lagebeschreibung bestimmter
Punkte dienendes Netz von senkrecht aufeinanderstehenden
Geraden (das nicht mit dem Netz der Längen- u.
Breitengrade übereinstimmt u. bes. bei der Navigation eine Rolle spielt):
Auf Stadtplänen ist das G. häufig mit Buchstaben u. Zahlen
versehen; ^rost, der: begehbare Abdeckung von Schächten.
Kellerfenstern o.a. aus Metall od. Kunststoff in Form eines
gitterartigen 'Rostes: -schlänge, die: svw. T Netzschlange;
-Spannung, die (Elektronik): elektrische Spannung zwischen
dem Gitter (4) u. der Kathode einer Elektronenröhre: -stab,
der: -ställchen, das: Ich mache Jessicas Sohn tagsüber
zu essen ... und lasse ihn zwischendurch in seinem G.
(Kinski, Erdbeermund 221); -stein, der: vgl. ^ziegel;
^stoff, der (Textilw.): aus groben Fäden bestehendes, stark
appretiertes, gitterartiges Gewebe aus Leinen. Baumwolle
od. Chemiefasern für Vorhänge. Kleider u. bes. für Einlagen
sowie als Untergrutidfür Stickereien: -ström, der
(Elektronik): zum Gitter (4) fließender Strom bei Elektronenröhren:
-struktur, die (Physik): gesetzmäßiger, periodischer Aufbau
der Kristalle aus Atomen, Ionen, Molekülen: ^tüll, der
(Textilw.): durch regelmäßig angeordnete Verstärkungen
gilter- od. netzartig wirkender Tüll, bes. für Gardinen: ^tür,
die: aus einem Gitter (1) bestehende Tür: die G. in einem
Gartenzaun; der Eingang war durch eine zusätzliche G.
gesichert; Mverk, das <o. PL): a) Gefüge. Struktur,
Gliederung eines meist kunstvolleren Gitters (1): das G. eines
schmiedeeisernen Geländers; b) Gesamtheit aller an einem
Bauwerk, einer technischen Anlage o. ä. vorhandenen Gitter
(1): das G. des gesamten Fabrikgeländes wird gestrichen;
-zäun, der: aus einem Gitter (1) bestehender Zaun: -ziegel,
der(Bauw.): der Verbesserung der Wärmedämmung
dienender Mauerstein mit gitterartig angeordneten Löchern, deren
Querschnitt rautenförmig ist.
gittern [gitnn] <sw. V.; hat) (selten): mit einem Gitter
versehen: eingittern.
giusto [d30sto]<Adv.> [ital. giusto = richtig, angemessen]
(Musik): richtig, angemessen: allegro g. (in gemäßigtem
Allegro).
Givrine taivrin]. der; -[s] [zu frz. givre = Rauhreif, nach
dem durch Gaufrieren erzielten schillernden Aussehen]:
bes. für Damenmäntel verwendetes kreppartiges Ripsgewebe.
Glabelb [glabela], die; -. ...llen [nlat. Bildung zu lat. glaber
= glatt, unbehaart] (Anthrop.): die unbehaarte] Stelle
zwischen den Augenbrauen, die einen wichtigen Punkt für
die Kopf- u. Schädelmessung darstellt.
Glace [frz. glace. eigtl. = Eis < vlat. glacis < lat. glacies]:
1. [gla:s],die; -. -s [gla:s] (Kochk.) a) aus Zucker hergestellte
Glasur: b) ungesalzener, geleeartig eingekochter, nach dem
Erkalten schnittfester Fond (4) zum Verfeinern von Suppen
u. Soßen. 2. ['glasa], die; -. -n (Schweiz.): Speiseeis.
Gefrorenes.
Glace [gla'se:]. der; -[s], -s [frz. glace = Glanz, urspr. 2.
Part.zu.glaccr = vereisen, also eigtl. = vereist. Tglacieren]:
1. schillerndes Gewebe aus Naturseide od. Reyon. 2. <PI.)
svw. TGlacehandschuhe.
Glace-: -gerbung, die: Verfahren zur Herstellung weicher
Hatidschuhe durch Gerben mit Alaun. Weizenmehl <u. For-
malinj: -handschuh, der [nach frz. gantsglaces (PI.)]:
Handschuh aus Glaceleder: + imdn., etw. mit -en anfassen (ugs.;
jmdn.. etw. besotulersrücksichtsvoll, zart, vorsichtig, überaus
66 GDW
1041
glacieren
behutsam behandeln, damit er (es) nicht empfindlich, negativ
auf etw. reagiert): nieder, das: feines, weiches, glänzendes
Leder aus Fellen von jungen Schafen od. Ziegen.
glacieren [gla'si:rcn] <sw. V.; hat) [frz. glacer. eigtl. = zu
Eis machen < lat. glacläre. zu: glacies = Eis. tGlace]:
I. (veraltet) zum Gefrieren bringen. 2. (Kochk.) mit
geleeartigem Fleischsaft überziehen: den Braten g. 3. (veraltet)
svw. T glasieren; Glacis [gla'si:], das; - (gla'si:(s)]. - [glasi:s;
frz. glacis, eigtl. = Abhang, zu afrz. glacier = gleiten
< lat. glaciäre. Tglacierenl (Milit.): a) feindwärts flache,
ins Vorfeld verlaufende Erdaufschüttung vor einem
Festungsgraben, die keinen toten Winkel entstehen läßt: b)
ungedecktes, (einer Festung] vorgelagertes Gelände: Für
Frankreich ... bedeutet das vorgeschobene deutsche G.
mit den amerikanischen Truppen ... mehr Sicherheit als
Risiko (Dönhoff. Ära 122); c) Abdachung der äußeren
Brustwehr einer Festung.
Gladiator [gla'djaitor, auch: ...to:g]. der. -s, -en [gladia-
to:ren; lat. gladiätor. zu: gladius = Schwert): im alten
Rom Fechter, Schwertkampfer, der in Zirkusspielen auf
Leben u. Tod gegen andere Gladiatoren od. gegen wilde
Tiere kämpfte: <Zus.:> Gladiatorenkampf, der; Gladiole
[gla'djo:b], die; -. -n Hat. gladiolus. eigtl. = kleines
Schwert]: (zu den Schwertliliengewächsen gehörende)
Blume mit hohem Stiel, breiten, schwertförmigen Blättern
u. trichterförmigen Blüten, die in einem dichten Blütenstand
auf einer Seite ausgerichtet sind.
glagolitisch [glago'li:tiJ1 <Adj.; o. Steig.) [vgl. serbokroat.
glagolisky. zu tGlagoliza]: altkirchenslawisch: -e Schrift
(älteste kirchenslawische Schrift): Glagoliza [gla'gaütsa],
die; - [serbokroat. glagoljica, zu altslaw. glagolu = Wort]:
die glagolitische Schrift.
Glamour fgtema]. der od. das; -s [engl.-amerik. glamour.
eigtl. = Blendwerk, Zauber]: bezaubernde Schönheit;
betörende, raffinierte Aufmachung: G. gehört nämlich
manchmal auch zum Geschäft (Hörzu 40. 1974. 123);
<Zus :>GI$mourgirl,das [engl.-amerik. glamour girlj:
raffiniert aufgemachtes Mädchen; Reklame-, Fibnschönheit: ein
berühmtes G. des Musikfilms; <Abl.:> gbunourös <Adj.:
o. Steig.; nicht adv.) [französierend nach engl.-amerik.
glamourous]: bezaubernd, raffiniert aufgemacht: Neben
dem -en Mittelpunkt Peggy Fleming (MM 22. 3. 73, 12).
Gbns [glans], die; -. Glandes fglande.s; lat. gläns (Gen.:
glandis) = Eichel. Kernfrucht] (Med.): svw. TEichel (2).
Glanz [glants], der; -es [mhd. glänz = Schimmer, das
Leuchten, zu mhd.. ahd. glänz = hell, glänzend, leuchtend]:
a) das Glänzen, die glänzende Beschaffenheit von etw.: heller,
strahlender G.: der fiebrige G. der Augen; der seidige
G. ihrer Haare; der matte, warme G. von Seide: die Gläser
standen als weicher G. (Musil. Mann 1409); seinen G.
verlieren; sie war vom überirdischen G. des goldenen
Kreuzes geblendet; R welcher G. in meiner Hütte!
(scherzhaftironische Äußerung, mit der jmd. begrüßt wird, mit dessen
Besuch man nicht gerechnet hat od. der nur selten zu dem
Betreffenden kommt; nach Schillers ..Jungfrau von
Orleans". Prolog, 2. Auftritt); Ü sich im G. des Ruhmes
sonnen; b) einer Sache innewohnender bewunderter Vorzug,
der in entsprechender Weise nach außen hin in Erscheinung
tritt: ein hohler, trügerischerG.; ein längst entschwundener
jugendlicher G.; der G. des Adels, der Paläste ist
verblichen; der G. ihrer Schönheit; seine Stimme hat G.
verloren; ein Fest mit großem G. (Aufwand, Pomp) feiern;
etw. kommt zu neuem G.; *mlt G. (ugs.; sehr gut,
hervorragend, ausgezeichnet): er hat die Schwierigkeit mit G.
gemeistert; G. und Gloria (öffentliche Ehrung u. Anerkennung):
nach G. und Gloria streben; ein Geburtstag ohne G. und
Gloria; Kein G. und Gloria für Ludwig Erhard? (Hörzu
8. 1977, 129); mit G. und Gloria (ugs. iron.: in einer Weise,
die Aufsehen erregt): er ist in der Prüfung mit G. und
Gloria durchgefallen.
gl?nz-, Gtynz-: ^ahzug, der (Fot.): glänzender Abzug (2 a);
^appretur. die (Textilw.): Bearbeitung von Geweben, um
sie glänzend zu machen; ^auge. das (Med.): 1. durch weite
Lidöffnung u. vermehrte Tränenabsonderung glänzend
erscheinendes Auge im Anfangsstadium der
Basedow-Krankheit. 2. svw. tPfauenauge; -blech, das (Technik): Blech mit
gleichmäßig blauem, glänzendem Oxydüberzug;
-brennen, das; -s (Technik): Behandlung von Kupfer u. seinen
Legierungen mit Gemischen aus Schwefel- u. Salpetersäure,
so daß die Oberfläche glänzt: -bügeln, das; -s (früher): das
Glänzendmachen gestärkter Weißwäsche durch Bügeln:
-erfUllt <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (geh.): bedeckt,
ausgefüllt mit Glanz, mit Leuchten: sein Gesicht war g.; -form,
die (ugs.): Zustand, in dem jmd. zu hervorragender Leistung
fähig ist; -haut, die (Med.): glatte, glänzende, dünne Haut,
vor allem an den Fingern u. Zehen, die als Folge einer
Nervenentzündung od. eines durch Verletzung bedingten
Hautschwundesauftritt; -idee.die (ugs.): glänzende,
hervorragende, ausgezeichnete, außerordentliche, großartige Idee:
Sabeth fand es eine G. von mir. einfach weiterzuwandem
(Frisch. Homo 212); -kohle, die: hochglänzende, spröde,
aus Borke od. Holz entstandene Kohle; -letstung, die:
besonders herausragende, auffallende Leistung: der Sprinter
vollbrachte eine G.; -licht, das <P1. -er): a) Licht, das auf
blanken Körpern reflektiert: b) (bild. Kunst) tupfenartiger
Lichteffekt: Ü Das sind so ein paar -er (Lichtblicke) des
Lebens (Hörzu 12. 1976, 37); * einer Sache -er aufsetzen
(etw. durch etw. besonders effektvoll gestalten): er setzte
seinem Artikel noch ein paar -er auf; -los <Adj.; Steig,
ungebr.; nicht adv.): ohne Glanz, matt, trübe: ihr Haar
war. wirkte g.; Ü ... daß ihnen die Demokratie allzu g.
erscheint, so ohne Inspiration (Dönhoff. Ära 30), dazu:
-losigkeit. die; -; -nummer, die: bester, wirkungsvollster
Teil einer Darbietung: die Rezitation des Sphinx-Monologs
aus dem ödipus-Drama ist eine seiner -n (K. Mann.
Wendepunkt 201); -papier, das: auf einer od. zwei Seiten mit
metallartiger Folie beschichtetes Papier:
Christbaumschmuck ausG.; -parade, die (Sport): besonders gute
Parade des Torwarts: der Dortmunder Torwart zeigte einige
-n; -Periode,die: svw. t ^zeit.; -polieren, das: -s: Verfahren,
einem Gegenstand durch Polieren einen bestimmten Grad
des Glanzes zu verleihen; ^polltur, die: Mittel zum
Glanzpolieren; -punkt, der: Höhepunkt, Attraktion, Schlager,
Sensation: in zehn Minuten steigt der G. des Abends (Spoerl,
Maulkorb 96); -rolle, die: Rolle, in der ein Darsteller seine
künstlerischen Fähigkeiten besonders entfalten kann: der
Mephisto war eine der -n Gründgens'; Ü Dieses Amt ...
ist Rainer Barzels G. (Spiegel 21. 3. 66. 52); ^ruß, der:
an Schornsteinwänden sich niederschlagender, teerhaltiger,
glänzender Ruß, der Schornsteinbrände verursachen kann;
-schleifen, das: -s (Technik): Verfahren, Material durch
Schleifen glänzend zu machen: ^stück.das: a) Meisterwerk,
Spitzenleistung: Eines der -e ist von ihm - eine weinende
Frauengestalt, über einen Sarg gebeugt (Remarque.
Obelisk 113); Ü (ugs. iron.:) Sein (= Hitlers) G. war dabei
die Veranstaltung des Reichstagsbrandes (Niekisch, Leben
233); b) Kleinod, Perle, Juwel, Schatz: dieser seltene Stein
ist das G. seiner Sammlung: Für viele ist er (= der Trevi-
brunnen)... das G. ihrer Erinnerungen an Italien (Koep-
pen. Rußland 188); ^tat, die: svw. T Leistung; ^voll <Adj.>:
a) voller Glanz (b), ausgezeichnet: eine -e Varietenummer;
Er überschüttete den Diskussionsgegner mit -en ...
Formulierungen (Niekisch. Leben 131); ein Examen g. bestehen;
b) festlich, prachtvoll, prunkhaft: der -e Einzug der
Teilnehmer ins Olympiastadion; Die Fröhlichkeit ... halte g. Hof
(Th. Mann. Zauberberg 518); ^zeit, die: Periode der Glanz-
leistungen,glanzvolleZeit: dieG. eines Künstlers. Sportlers.
Sängers.
glänzen f glentsn] <sw. V.; hat) vgl. glänzend/ [mhd. glenzen.
ahd. glänzen, zu mhd. glinzen = leuchten, schimmern,
glänzen): a) Lichtschein zurückwerfen, so blank od. glatt
sein, auf der Oberfläche so beschaffen od. in einem solchen
Zustand sein, daß auffallendes Licht [stark] reflektiert wird:
das Gold. Wasser. Metall glänzt in der Sonne; ihre Augen
glänzen feucht; der Boden glänzt von Sauberkeit; Tobler
glänzt vor Festnachtfreude (man sieht ihm die Freude an;
R. Walser. Gehülfe 41); Das Laub... und der weiße Himmel
glänzten (spiegelten sich) in ihren ... Augen (Gaiser;
Schlußball 74); glänzendes Stanniol; Ü Dort (= in der
pädagogischen Literatur) glänzt man (tut tnan, als sei
man) treu wieGoldund hält... zusammen (Gaiser.
Schlußball 34); b) in bestimmter Weise Bewunderung hervorrufen,
sich hervortun, sich auszeichnen, auffallen: durch Wissen.
Talent. Virtuosität g.; er glänzte in der Rolle des Hamlet;
bei Jeder Gelegenheit versucht sie zu g.; er glänzte
besonders beim Weitsprung; glänzend <Adj.) (ugs.): großartig,
hervorragend, ausgezeichnet: ein -er Einfall; die -e Parade
des Abwehrspielers; sie kommen g. miteinander aus; es
geht ihr g.; sehr bald hatte sich das Übersetzungssystem
g. eingespielt (Leonhard. Revolution 164).
1042
glas-, Glas-
lGlas [gla:s]. das: -es. Gläser ['gle:ze]a (als Maß- u.
Mengenangabe:) - [mhd., ahd. glas, urspr. = Bernstein: die
Germanen benannten das von den Römern zunächst in
Form von Perlen u. Schmuck eingeführte Glas mit ihrem
heimischen Wort für ..Bernstein0, da auch der Bernstein
fast ausschließlich in Form von Schmuck gehandelt wurde]:
1. <o. Pl.> lichtdurchlässiger, fester, spröder, leicht
zerbrechlicher Stoff der aus einem geschmolzenen Gemisch
hergestellt wirdu. als Werkstoff dient (z. B. für Scheiben, Gläser):
dünnes, schwaches G.: G. [zerlbricht. zersplittert, springt
leicht: G. pressen, blasen, schleifen, ätzen; ein Bild unter,
hinter G. setzen [lassen]; Briefmarken. Juwelen unter G.
legen; Da liegen sie also: ... unter dickem G. in unserem
Heimatmuseum (Böll, Erzählungen 89); R du bist nicht
aus G.! (ugs.; du nimmst mir die Sicht f): Ü sie wird G.
für mich sein, durch das ich hindurchschaue (Jahnn.
Geschichten 141); ... konnte man meinen, sie sei aus G.
(sei zart, zierlich, zerbrechlich; Hausmann. Abel 35). 2.
a) <Vkl. !Gläschen) Trinkgefäß aus Glas (1): ein leeres,
bauchiges, grünes G.; das G. füllen, austrinken, absetzen,
spülen; ein G. (voll) Bier. Wasser; ein G. guter Wein/(geh.:)
guten Weines; der Genuß eines G. Wein[e]s/eines -es Wein;
(als Maßangabe:) zwei G. Wein; mit jmdm. ein G. Wein
trinken; Herr Casculade atmete tief und hob sein G. gegen
Marinier (Langgässer. Siegel 148); sie nippte am G.; den
Erfolg mit einem G. [Wein] begießen; *ein G. über den
Durst trinken: zu tief ins G. gucken/schauen (ugs. scherzh.:
zu viel Alkohol trinken u. nicht mehr nüchtern sein): b)
<Vkl. tGläschen) [Zierjgefäß od. Behälter aus Glas (1):
venezianisches G. schmückt das Regal; bunte Gläser mit
Marmeladen. Honig u. Eingemachtem (Th. Mann. Krull
54); c) (geh.) geschliffenes Material, mit dem Sehfetiler
korrigiert werden: das linke G. ist stärker als das rechte:
er trägt dicke, dunkle Gläser; seine Gläser (Brille)
aufsetzen; er nahm sein G. ab; d) kurz für tFem-, Opernglas:
er suchte mit dem G. das Gelände ab; Während des Spiels
konnte er sie ... durch sein G. betrachten (Th. Mann.
Hoheit 141); ^Gbs [-]. das; -es. -en [niederl. glas, eigtl.
= Stundenglas. Sanduhr, die früher an Bord verwendet
wurde, deren Sand nach einer halben Stunde durchgelaufen
war. identisch mit T ^las] (Seemannsspr.): Zeitraum einer
halben Stunde: die Wachzeit von je vier Stunden ist in
acht -en eingeteilt.
glas-, Glas- ('Glas): -aal, der: junger, durchsichtiger Aal
(Larvenform); -apparatebläser, der: jmd.. der medizinische
Apparaturen u. Geräte aus Glas industriell anfertigt
(Berufsbez.); -arbeit, die: Erzeugnis, Produkt, Kunstwerk aus Glas;
-artig <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): die Eigenschaften des
Glases besitzend, wie Glas aussehend: eine -e Masse;
-äuge, das: [aus Glas hergestelltes] künstliches Auge: ein
Mann mit einem G.; ... indem ich ... Katzen ausstopfte
und mit... -n versah (Th. Mann. Krull 340); -ballon, der:
ballonartiger, runder, bauchiger Behälter aus Glas; -battst,
der: feines, steifes Baumwollgewebe von
durchsichtig-glasigem Aussehen; -bau, der <P1. -ten): Bauwerk mit großen
Glasfassaden u./od. Glasdächern: -baustein, der <meist PI.):
lichtdurchlässiger Baustein aus Glas für Abschlüsse von
Außen- od. Innenöffnungen, durch die Licht eindringen soll;
-bedeckung, die: svw. t -dach; -blasen, das; -s: eine
Technik zur Formung von zähflüssigem Glas mit Hilfe einer
Glasbläserpfeife; -bläser, der: jmd., der Gegenstände aus
Glas mit Hilfe der Glasbläser pfeife herstellt (Berufsbez.).
dazu: -bläserei [-ble:zö'r%j], die; -, -en: 1. <o. PI.) Gewerbe
des Glasbläsers. 2. Betrieb, in dem Gegenstände aus Glas
mit Hilfe der Glasbläserpfeife hergestellt werden:
-bläserpfeife, die: etwa ein bis eineinhalb Meter langes Rohr mit
Mundstück zum Glasblasen; -bläserstar, der (Med.): durch
längere Einwirkung übermäßiger Wärmestrahlung
hervorgerufene Trübung der Augenlinse (Berufskrankheit);
-bohrer, der: Spezialwerkzeug zum Durchbohren von
Glas; -bord, das: einem Wandbrett ähnliche Absteilfläche
aus Glas:... ein nachlässig behandelter Rasierpinsel stand
auf dem G. (Böll, Haus 191); -brillant, der: Imitation
eines Brillanten aus Glas; -brach, der: zerbrochenes Glas,
dazu: -bruchversichening,die: svw. t -Versicherung; -dach,
das: Dach aus Glas; -fabrflc, die: Industriebetrieb, in dem
Glas hergestellt u. verarbeitet wird; -fabrikation, die;
-faden, der: aus einem Gemisch verschiedener Glassorten
hergestellter, stabiler Faden; -faser, die <meist PI.): aus Glas
hergestellte Faser, dazu: -faseroptfk, die: 1. Teilgebiet der
Optik, auf dem man sich mit der Übertragung (Leitung)
von Licht mit Hilfe gebündelter Glasfasern befaßt, die auf
Grund ihrer Flexibilität das Licht auch auf gekrümmten
Bahnen leiten können. 2. Vorrichtungen, Geräte für
Glasfaseroptik (1). -faserpapier, das: Folie aus feinen Glasfasern
für Filtration u.a.. -faserverstärkt <AdJ.; o. Steig.; nicht
adv.): -e Kunststoffe; -fassade, die: Fassade aus Glas;
-fenster. das: svw. t Fensterscheibe; -Aber, die: svw. t
^faser. dazu: -flberstab, der (Leichtathletik): aus Glasfiber
hergestellter Stab zum Stabhochsprung; -flasche. die:
Flascheaus Glas; -flügler, der: kleiner bis mittelgroßer
Schmetterling mit Flügeln wie aus Glas; -fluß, der: stark glänzendes,
buntes, aus Bleiglas gewonnenes Material, das zur Imitation
von Edelsteinen verwendet wird:... der Schurz ... ist
vielfarbig gewirkt, mit Perlen und G. darin (Th. Mann. Joseph
449); -form, die: Kuchen-. Backform aus feuerfestem Glas:
In eine feuerfeste G. gibt man etwas Butter (Hörn. Gäste
199); -garn, das: Neues Kabel mit Zugentlastung aus G.
(Elektrotechnik 12. 1975. 93); -gedeckt <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.): mit einem Glasdach versehen: Man konnte
von der großen, schönen -en Terrasse die Berge...
betrachten (Schröder. Wanderer 114); -gefäß, das; -gemälde, das:
künstlerische Darstellung (aus Schmelz- u. Emailfarben)
auf Glas; -geschirr, das: Geschirr aus Glas; -gespinst, das:
sehr feines Gewebe aus Glasfäden; -gewebe, das: Gewebe
aus Glasfasern u. -faden; -glocke, die: a) Glocke aus Glas;
b) gläserne Schutzbedeckung in Form einer Glocke (meist
für Lebensmittel, bes. Käse): jmdn. in Watte packen und
eineG. darüberstülpen (ugs. Iron.; jmdn. übertrieben
behüten); -graveur, der: jmd., der Figuren, Wappen od. Schriften
in Gläser od. Scheiben graviert (Berufsbez.); -gravierung,
die; -harfe, die: Glasspiel mit zartem Klang, der durch
in einem Resonanzboden fest stehende Glasglocken
hervorgerufen wird, die so angeordnet sind, daß Dreiklänge mit
einer Hand gespielt werden können; -harmonika, die [T
Harmonika]: Glasspiel mit flötenähnlichen Tönen, die durch
verschieden große, ineinander geschobene Glasglocken
hervorgerufen werden, die auf einer horizontalen Achse lagern,
durch Pendelantrieb in Umdrehung versetzt u. durch
Berührung mit feuchten Fingerspitzen zum Klingen gebracht
werden; -hart <Adj.; o. Steig.): a) ['—] <nicht adv.) hart,
spröde; b) ['-'-] (Sport) hart [u. wuchtig]: ein -er Schuß;
mit einer -en Rechten zum Kinn des Herausforderers
entschied er den Kampf; -haus, das: Gewächshaus, Treibhaus:
Spr wer [selbst] im G. sitzt, soll nicht mit Steinen werfen
(man soll anderen nicht Fehler vorwerfen, die man selbst
macht od. hat); -hell <AdJ.; o. Steig.): helleuchtend,
durchsichtig wie Glas: der Tautropfen schimmerte g.;
-Herstellung, die; -Mitte, die: industrielle Anlage, in der aus
Rohstoffen Glas gewonnen u. teilweise weiterverarbeitet wird;
-Industrie, die: Gesamtheit der Unternehmen, die Glas u.
Glasprodukte herstellen; -kästen, der: a) kastenartiger Behälter
aus Glas: ... in tropisch bepflanzten Glaskästen verstaut,
auch zwei bis drei Dutzend Giftschlangen (Schnurre. Bart
135): b) (ugs.) [abgeteilter] Raum mit Glaswänden, in dem
z. B. ein Pförtner sitzt: Eine dunkelhaarige Frau saß dort
im G. und las (Böll. Haus 142); -kinn, das (Boxen Jargon):
Kinn, das gegen Treffer sehr empfindlich ist: der
Herausforderer hat ein G.; -kirsche, die: svw. tAmarelle; -klar
<Adj.; o. Steig.): 1. ['—] <nicht adv.) so klar wie Glas,
durchsichtig, hell: die -e Gebirgsluft; -es Gebirgswasser.
2. ['-'-] sehr klar u. deutlich: noch niemals aber war es
so g., daß ... der moderne Olympiabetrieb ein
Riesengeschäft ist (Express 11.10. 68,1); Dem müsse glasklar"
die amtliche Parteimeinung entgegengesetzt werden
(Berliner Morgenpost 3. 4. 74, 1); -knöpf, der: Knopf aus Glas;
-kolben, der: kolbenförmiges Glasgefäß; -konserve, die
(Fachspr.): in Glasgefäßen haltbar gemachtes Nahrungs-
od. Genußmittel; -köpf, der: kugeliges, trauten- od.
nierenförmiges Mineral mit glatter, glänzender Oberfläche;
-körper, der (Med.): zwischen Linse, Ziliarkörper u.
Netzhaut gelegener, gallertiger, in der Hauptsache aus Wasser
bestehender Teil des Auges, dazu: -körpertrübung, die; -ku-
gel, die: [farbige] Kugel aus Glas als Schmuck für den
Weihnachtsbaum, als Ziergegenstand od. zum
Murmelspielen; -kuppel, die: Kuppel aus Glas; -lot, das: bei niedrigen
Temperaturen weich werdendes Glas, das als Lötmittel
verwendet wird; -maler, der: jmd., der Glas nach vorgegebenen
od. auch eigenen Entwürfen bedruckt, [unter Verwendung
von Schablonen] spritzt u. bemalt (Berufsbez.). dazu: -ma-
66*
1043
Gläschen
lerd. die; Miusse, die: svw. 1 -schmelze; -mehl, das: vgl.
^pulver; Miiosaik, das: Einlegearbeit aus
verschiedenfarbigen Glasstückchen auf Fußböden, an Wänden od. Gewölben:
Die Wände waren mit ... G. verkleidet (Bild. Kunst I,
49); -nudel, die (meist PL): [aus Reis hergestellte]
dünne, glasige, bes. als Suppeneinlage verwendete Nudel
(1); -palast, der (iron.): größeres Gebäude mit langen
Fronten aus Glas od. vielen großen Fenstern: Neben den neuen,
öden Glaspalästen standen die alten, Fensterarchitektur
auch hier (Kaschnitz. Wohin 145); -papier, das: vor allem
zum Abschleifen u. Polieren von Holz dienendes Papier
mit einer Schicht aus Glaspulver: -perle, die: Perle aus
Glas; -plastik, die: Plastik aus Glas; -platte, die; Platte
aus Glas: Mit einem Satz ist er bei ihr. fegt
unbeabsichtigt einige Flaschen von der G. (Degener. Heimsuchung
70); Dann schob er die G. unter das Mikroskop (Re-
marque. Triomphe 51); -puKer, das: körnige bis pulver-
od. staubartige Masse aus gemahlenem Glas (die z. B. bei
der Herstellung von Glaspapier verwendet wird); -rahmen*
der: 1. Rahmen aus Glas mit geschliffenen od. geätzten
Verzierungen. 2. geschliffene Glasscheibeinj u.
dazugehörige Rückenplatte, die mit Klammern zusammengehalten
werden u. zwischen die ein Bildo. ä. gelegt werden kann; ^reini-
ger, der: a) Mittel zum Reinigen von Glas; b) jmd.. der
Glas reinigt (Berufsbez.): Zur Übernahme eines neuen
Großobjektes stellen wir ... 3 Glasreiniger ein (MM 22. 2.
70. 48); -röhr, das: Rohr aus Glas; -röhrchen, das:
Röhrchen aus Glas, vorwiegend zur Aufbewahrung von Tabletten:
Der Mensch liegt angekleidet auf seinem Bett, ein G. leer
auf seinem Nachttisch (Seghers. Transit 23); -röhre, die:
Röhre aus Glas; -schale, die: Schale (2) aus Glas; -Scheibe,
die: Scheibe aus Glas / in einem Rahmen, bes. bei Fenstern
u. Bildern]; -scherbe, die: Stück eines zerbrochenen
Glasgefäßes od. einer zerbrochenen Glasscheibe: der Boden war
mit -n übersät: abgegrenzt mit einer kniehohen Mauer,
oben mit -n gespickt (Degenhardt. Zündschnüre 26);
-schirm, der: Lampenschirm aus Glas; -Schleifer, der: a)
jmd.. der Gläser durch eingeschliffene od. geätzte Ornamente
verziert (Berufsbez.); b)jmd.. der Glas für optische Zwecke
bearbeitet (Berufsbez.). dazu: -Schleiferei, die; -schliff*,
der: a) das Einschleifen von Gravuren u. ä. in Glas; b) die
durch Schleifen u. anschließendes Polieren entstehende glatte
Oberfläche von Kristall u. Spiegelglas; -schmelze, die:
Rohstoff zur Verarbeitung von Glas in eingeschmolzenem
Zustand; -schmuck, der: Modeschmuck aus Glas; -Schneider,
der: Werkzeug zum Anritzen von Glas{Scheiben /. an dessen
Griff ein Diamant od. ein gehärtetes Stahlrädchen
angebracht ist. das unter Druck in das Glas eindringt, dazu:
-schnitt, der; -schrank, der: Schrank mit Türen od. Wänden
aus Glas (für Ausstellungsstücke o.a.); -Schüssel, die:
Schüsselaus Glas; -sorte, die; -spiel, das (Musik):
Musikinstrument aus Glas, das durch Reiben (seltener durch
Anschlagen) zum Klingen gebracht wird(z. B.Glasharfe. -harmoni-
ka); -Splitter, der; -staub, der: vgl. -pulver; -stein, der:
svw. f -baustein; -Stöpsel, der: Stöpsel aus Glas; -stück,
das; -stürz, der (südd.. österr.. Schweiz.): svw. T^glocke
(b): den Käse unter den G. stellen; eine zierliche ... Uhr
... unter einem gewaltigen G. (Augustin. Kopf 227); -tisch,
der: Vier-Zimmer-Mietwohnung ... Ledersofa, G. ...
Schallplatten (Hörzu 24, 1976, 14); -tür, die: Tür aus
Glas od. mit Glasscheiben; -Überdachung, die: Überdachung
aus Glasplatten od. Glasbausteinen; -veranda, die: Veranda
mit Wänden aus Glas od. großen Fenstern: Ich setzte mich
in die G. des Cafös (Seghers, Transit 202); -Verpackung,
die: Gefäß aus Glas für Konserven: G. ist für Heidelbeeren
besser geeignet (DM 5, 1966, 32); -Versicherung, die:
Sachversicherung zur Deckung von Schäden, die an Scheiben
od. anderen Gegenständen aus Glas durch Zerbrechen
entstehen; ^vitrine, die: vgl. -schrank; -wand, die: Wand aus
einer od. mehreren Glasscheiben: Sehr entfernt, wie durch
dicke Glaswände von ihm getrennt (Böll. Adam 14); -wäre,
die <meist PL): zum Verkauf hergestellter Gegenstand aus
Glas; -watte, die: vgl. -wolle; -weise <Adv.>: in kleinen
Mengen (soviel wie in ein Glas 2a paßt): Wein wird häufig
g. verkauft; -weizen, der: svw. T Hartweizen; -werk, das:
a) svw. Nfabrik; b) (veraltet) Erzeugnisse aus Glas, zu
a: -werker, der: jmd.. der serienmäßig maschinell gepreßte
Produkte aus Glasmasse od. Rohglas herstellt (Berufsbez.);
-wolle, die: zur Schalldämpfung, zur elektrischen Isolierung
u. Wärmeisolierung verwendetes watteäJmliches Material
aus Glasjäsern; -ziesel, der: (im Preßverfahren
hergestellter) Ziegelaus Glas; -Zylinder, der: Glasgefäß in
Zylinderform.
Gläschen ['gle:sc3n]. das; -s. -: t'Glas (2a. b): etw. mit
einem G. begießen (ugs.; einen Erfolg o. ä. mit alkoholischen
Getränken feiern)', glasen ['gla:zn] <sw. V.; hat) [zu
T 'Glas (2 a)J (selten): eine Glasscheibe i in einen Rahmen]
einsetzen; glasen [-1 <sw. V.; hat) [zu T^las] (See-
mannsspr.): durch halbstündliches Anschlagen an die
Schiffsglocke - entsprechend der Anzahl der verstrichenen
Glasen- bekanntgeben, wieviel halbe Stunden einer
vierstündigen Wache (acht Glasen) vergangen sind: Wenn es glast,
also die Schiffsglocke ertönt, singt der Ausguckposten
vorne wie zu alten Fahrenszeiten (FAZ 15. 7. 61. 51);
Ich hörte es glasen, ich zählte: Drei Doppelschläge, elf
Uhr (Frösi 4. 1976, 25); Glaser, der; -s. - [mhd. glaser.
ahd. glesere]: Handwerker, der in Fenster ]Glas einsetzt
u. Bilder rahmt (Berufsbez.): R ist/war dein Vater G.?
(ugs. scherzh.; du stehst gerade so. daß du das. was ich
sehen möchte, verdeckst, daß ich etw. nicht sehen kann;
Aufforderung, sich woanders hinzustellen).
Glaser-: -diamant, der: spitzer, in einen Halter eingesetzter
Diaimant zum Ritzen od. Schneiden von lGlas; -handwerk,
das; -kitt, der: Kitt zum Einsetzen der Fensterscheiben
in den Rahmen u. zum Abdichten der Fugen; -meister,
der: Glaser mit Meisterprüfung (Berufsbez.).
Gläser-: -bord, das: Wandbrett zum Abstellen von Gläsern;
-klang, der (geh.): Klang der Gläser beim Anstoßen; -tas-
serl, das (österr. ugs.): Untersatz für Gläser; -tudi, das:
(Leinen )tuch speziell zum Polieren von Gläsern.
Glaserei [gla:z3'rai]. die; -. -en: a) Betrieb. Werkstatt des
Glasers: in einer G. arbeiten; b) <o. PI.) svw.
Glaserhandwerk: die G. erlernen; gläsern ['gle.zen] <Adj.; o. Steig.)
[mhd. gleserinj: 1. <nur attr. > aus xGlas (1) bestehend,
hergestellt: -e Figuren; sauber verzinkte Kästen mit
Gesteinsproben unter -en Deckeln (Böll, Adam 67). 2. (dichter.)
glasartig: die Augen hatten im Latemenlicht einen Ausdruck
so -er (starrer) Leere, daß er aufmerksam wurde (Re-
marque. Triomphe 5); bei jedem Schritt schrie g. (klirrte
spröde) der Frost unter den Schuhen (Schnurre, Bart 46):
Aber jetzt genoß ich die -e (durchsichtig-klare) Luft
(Jahnn.Geschichten68);glasieren[glazi:ran]<sw. V.; hat)
[mit roman. Endung zu T 'Glas]: a) mit einer Glasur
überziehen u. dadurch glätten od. Iialtbar machen: Wände waren
hier von farbig glasierten Ziegeln (Ceram. Götter 258);
b) (Kochk.) Speisen od. Gebäck durch eine Glasur ein
schöneres Aussetien geben u. gleichzeitig schmackhafter
machen: statt dessen ... werden ... Kuchen glasiert (Fusseneg-
ger.Zeit 156);glasig[g\a:z\q\<Adj.;o.Steig.):
I.ausdruckslos, starr: ein -er Blick; während die Augen, g. vor
Trunkenheit, blicklos zum Himmel starrten (K. Mann.
Wendepunkt 67). 2. a) (nicht adv.) von matt glänzender
Durchsichtigkeit: Speck mit Zwiebeln anbraten, bis alles g. ist; b)
kalt schimmernd: zur Spree, die schwarz und g. zwischen
... Pappeln lag (Hauptmann. Thiel 13); Im Westen war
heller Tag gewesen, ein g. nüchternes, entschiedenes
Tageslicht (Th. Mann. Zauberberg 218).
Glast [glast], der; -[eis [mhd. glast, verw. mit IG las] (südd..
Schweiz, u. dichter.): Glanz: goldener, matter, roter G.;
Der flirrende G. von Gold und Menschenstimmen (Broch.
Versucher 347); <Abl.:) glgstig <Adj.; nicht adv.) (südd.,
Schweiz, u. dichter.): glänzend.
Glasur [gla'zu:g], die; -. -en [frühnhd. Bildung unter Einfluß
von t Lasur, aus: Glas u. der Endung -ur]: a) dünne,
glasartige Schicht auf keratnischen Erzeugnissen; b) (Kochk.)
glänzender Überzug auf Speisen od. Gebäck.
glatt [glat] <AdJ.: -er. -este. ugs.: glätter, glätteste) [mhd.
glat = glänzend, blank; eben: schlüpfrig, ahd. glat =
glänzend]: I. a) ohne jede Unebenheit; ganz eben: eine
-e Fläche; sich im -en (wellenlosen, unbewegten, stehenden)
Wasserspiegeln; g. rechts (oixneMuster) stricken; -e (nicht
lockige) Haare; -e (faltenlose) Haut; Ü ein -er (flüssiger,
gewandter) Stil; er schrieb eine -e (ugs.; eindeutige) Eins.
Fünf; die Rechnung ging g. (exakt) auf; der (= Student)
sprach g. (fließend) und gut französisch (Tucholsky.
Zwischen 103); b) <nicht adv.) an der Oberfläche so beschaffen,
daß es keinen Halt bietet; rutschig, glitschig: eine -e.
regennasse Straße; auf dem -en Rasen ausrutschen; es ist heute
g. draußen; die Fische waren so g.. daß er sie nicht
festhalten konnte. 2. (nicht präd.) ohne Komplikationen. Schwie-
1044
Glaube
rigkeiten, Hindernisse: eine -e Landung; ein -er Bruch
(Med.; ohne Komplikationen); die Sache, die Arbeit geht
g. vonstatten; damit die paar Wochen des Zusammenseins
g. ablaufen (ohne Ärger. Faller. Frauen 121). 3. (nicht
präd.) (ugs.) so eindeutig od. rückhaltlos [geäußert /. daß
das damit Beabsichtigte offensichtlich ist. daß kein Zweifel
daran aufkommen kann: das ist eine -e Lüge. Irreführung,
Provokation; das ist ja -er Wahnsinn; sie ging darüber
g. hinweg; sie konnten ihre Gegner g. (mit großem
Vorsprung) schlagen; er sagte es ihm g. ins Gesicht; das haut
mich g. um (salopp; ich bin fassungslos: damit werde ich
nicht fertig!). 4. allzu gewandt* übermäßig höflich:
einschmeichelnd [u. dabei unaufrichtig, heuchlerisch!: ein -er
Geschäftsmann, Diplomat, Weltmann; Seine Nervosität war
so groß, daß sie die -e Maske der Unangreifbarkeit
zerfressen hatte (Sebastian. Krankenhaus 126).
gtytt-, Gtytt- ^bügeln <sw. V.; hat): etw. bügeln, bis es
glatt ist: einen zerknitterten Rock g.; Ü die Straßen sind
glattgebügelt, verbreitert und vermehrt (Küpper. Simpli-
cius 184); -decker, der (Seemannsspr.): Segeljacht, die
keine Aufbauten, sondern nur Oberlichter hat: -eis, das:
dünne, glatte Eisschicht, die sich durch Gefrieren von
Feuchtigkeit (z. B. im Winter bei Sprühregen. Nebel) [auf dem
Boden] bildet: auf dem G. ausrutschen; bei G. sollte man
vorsichtig fahren, gehen; Ü Er lehrte sie. sich auf dem
G. gesellschaftlicher Verpflichtungen einigermaßen
aufzuführen (Böll. Adam 20); Toller (hatte sich) auf das G.
der Politik begeben (Niekisch. Leben 99); *imdn. aufs
G. führen (jmdn. durch bewußt irreführende Fragen u.
Behauptungen auf die Probe stellen, überlisten, in Gefahr
bringen): aufsG. geraten (unversehens in eine schwierige, heikle
Lage geraten: sich unbeabsichtigt auf einem Gebiet bewegen,
das man nicht sicher beherrscht, in einen Bereich geraten,
in dem man sich nicht auskennt), dazu: Eisbildung, die:
der Verkehrswamfunk meldete neuerliche -en, -etsgefahr,
die <P1. ungebr.): in den Nachrichten wurde vor G.
gewarnt; -gehen <unr. V.; ist): ohne Komplikationen ablaufen:
ich freue mich, daß die Fahrt glattgegangen ist; wenn
mit der Frau oben alles glattgeht, will ich vorläufig ...
verzichten (Fallada. Herr 201); -hafer, der: [als
Futtergras verwendetej Graspflanze mit schlankem Halm u.
fein verzweigtem Blütenstand: -hobeln <sw. V.; hat):
mit dem Hobel eine Oberfläche glätten: ein Brett g.; Ü
Der Sturm raste über die Wellen .... als wolle er die
aufgewühlte See g. (Ott. Haie 332); -kfimroen <sw. V.; hat):
durch Kämmen glätten: das Haar g.; -legen <sw. V.; hat):
so legen, daß es ohne Falten u. geglättet daliegt: Bettwäsche
g.; -machen <sw. V.; hat): 1. ebnen, glätten: die Bettdecke
g. 2. (ugs.) eine seit einiger Zeit bestehende finanzielle
Forderung begleichen: eine Rechnung g.; -polieren <sw. V.; hat):
auf Hochglanz polieren: Marmor g.; eine glattpolierte
Tischplatte; -randig <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): einen
glatten Rand besitzend: -rasieren <sw. V.; hat): so rasieren,
daß sich die Haut glatt attfüldt: das Kinn g.; -rühren <sw.
V.; hat): eine weiche Masse rühren, bis sie keine Klumpen
mehr bildet: Mehl in Milch. Zement in Wasser g.; -schleifen
<st. V.; hat): durch Schleifen eine glatte Oberfläche bei
etw. erzeugen: Kieselsteine werden durch das
Aneinanderreihen im bewegten Wasser glattgeschliffen; -schneiden
<unr. V.; hat): durch Schneiden den Rand gerademachen:
-stellen <sw. V.; hat): 1. (Kaufmannsspr.. Bankw.) (bei
einem Konto o. ä.) die Soll- und Habenseite auf den gleichen
Stand bringen, ausgleichen: die Buchung g. 2. laufende
Geschäfte abwickeln, dazu: -Stellung, die; -streichen <st.
V.; hat): durch Streichen glätten: zerknülltes Papier g.;
-strich, der (Bauw.): dünne, glatte abschließende
Putzschicht aus fettem Zementmörtel: ^wabe, die: Walze, die
den aufgeschütteten Straßenbelag zusammenpreßt u. glättet.
dazu: -walzen <sw. V.; hat): durch Walzen Unebenheiten
glätten, eben machen: den Schotter g.; -wandig <Adj.; o.
Steig.; nicht adv.): mit glatten Wätuten / ausgestattet!: -weg
<Adv.) (ugs.): ohne die Gegebenheiten zu berücksichtigen,
auf sie einzugehen: einfach, ohne Bedenken: kurzerhand,
rundheraus: eine Sache g. ablehnen; das ist g. erlogen;
War man denn schon so sehr verroht, daß man
Empfindungen und Gefühle g. ignorierte? (Sebastian, Krankenhaus
77); -ziehen <unr. V.; hat): durch Ziehen Falten entfernen:
durch Ziehen glätten: Sie ... schüttelten das Kopfkissen
auf und zogen das Leintuch glatt (Ott. Haie 193); -züngig
[-tsynn;! <Adj.) (geh. abwertend): zu allzu gewandten,
einschmeichelnden, übermäßig höflichen [u. dabei
heuchlerischen, unaufrichtigen] Äußerungen neigend, dazu: -züngig-
keit, die; -.
Glatt-: -eisen, das (Schweiz.): svw. T Bügeleisen; -presse,
die (selten): svw. T Kalander; -stahl, der (landsch.): svw.
f Bügeleisen.
Glätte [gleto], die; - [mhd. glete. zu T glatt]: 1. a) glatte,
ebene Beschaffenheit: die G. des Spiegels, der Wasserfläche;
Ü Sie (= die Gesichtszüge) hatten die festliche G., die
Ruhe und die Meißelung einer Plastik (A. Kolb. Schaukel
116); b) das Glattsein (in bezug auf das Ausrutschen.
Gleiten): die G. des Eises, der Straße; Unsicher vor G. ...
horcht er in den Wind hinein (A. Zweig, Grischa 19).
2. (abwertend) allzu große Gewandtheit od. Höflichkeit [
verbunden mit Unaufrichtigkeit u. Heuchelei]: die G. seines
Auftretens, seiner Reden verdeckt vieles; Auch die
Diplomaten, G. der Haltung markierend, standen ... zusammen
(A. Kolb. Daphne 163); glätten ['glEtn] <sw. V.; hat) [mhd.
gleten]: 1. a) glatttnachen, eben machen: einen zerknitterten
Zettel. Geldschein g.; ein Brett [mit dem Hobel) g.; Falten
des Kleides g.; die Erde zu einem Beet g.; ... denen die
Mutter den Scheitel mit ranzigem Nußöl zu g. bemüht
ist (Langgässer. Siegel 119); U jmds. Zorn, Stimmung g.;
das glättet sein aufgebrochenes Gewissen ein wenig (Hoch-
huth. Stellvertreter 176); b) <g. 4- sich) glatt werden: nach
dem Sturm beginnt das Meer sich zu g.; ihre Stirn glättete
sich wieder. Ü die Wogen der Erregung haben sich geglättet;
da glättete sich sein Gewissen, und ein ... Lächeln legte
sich aufsein Gesicht (Baum. Bali 162). 2. (Schweiz.) bügeln,
plätten: glatterdings ['glatedms] <Adv.): durchaus: ganz
u. gar: schlechterdings: das ist g. unmöglich; Glätterin
['gletannj.die. -. -nen (Schweiz.): Büglerin, Plätterin:
Gottheit, die; -: svw. TGlätte; Giftigkeit, die; -. -en (landsch.):
svw. !Glätte: Und ich hab' ihm gesagt, daß er bei mir
nicht durchkommen soll mit seiner G. (Fallada. Herr 59).
Glatze[glatsdl.die; -. -n [mhd. gla[t]z. zu: glat = glänzend,
blank, t glatt]: größere, durch Haarausfall entstandene kahle
Stelle auf dem Kopf: eine G. bekommen, haben, kriegen;
ein Mann mit G.; Die Haare fallen nicht aus. sie fallen
nur flacher, und was wächst, ist die Stirn; noch braucht
man es nicht eine G. zu nennen (Frisch, Gantenbein 245);
sich [eine] G. schneiden lassen (ugs.; sich alle Haare ganz
kurz schneiden lassen): Jene Buben, die am Sparhaarschnitt
G. mit Vorgarten zu erkennen waren (deren Haare am
Hinterkopf ganz kurz geschnitten waren: Lentz. Muckefuck
15): Glatzkopf, der; -[e]s, ...köpfe: a) Kopf ohne Haar,
mit wenig Haaren: b) (ugs.) jmd., der eine Glatze hat:
Ü der Wagen hat vorn links einen G. (salopp scherzh.;
einen abgefahrenen Autoreifen): <Abl.:) glatzköpfig <Adj.;
o. Steig.; nicht adv.): olme Haare, kahlköpfig: g. sein,
dazu: Ghjtzköpfigkeit, die; -: Ka/ilköpfigkeit.
Glaube ['glauto]. der; -ns (seltener auch: tGlauben) [mhd.
g(e)laube, ahd. gilauba]: 1. innere Sicherheit, die keines
Beweises bedarf gefühlsmäßige Bindung an eine Autorität.
Vertrauen auf jmdn. txi. etw.: ein blinder, fanatischer G.;
in vielen Menschen lebt der G. an das Gute; Worauf
beruht also dieserG.. daß das Geheimnis der Natur einfach
sein müsse? (Musil. Mann 1262); den -n an jmdn. verlieren;
jmdm. -n schenken (nachdrücklich; jmdm. glauben, seine
Aussagen für wahr halten): [keinen] -n finden
(nachdrücklich; ! nicht] geglaubt werden, [nicht] überzeugend wirken):
Der Advokat verdient nicht mehr -n als der Komödiant
(H. Mann. Stadt 349); man muß ihm den -n lassen; er
gab sich dem törichten -n hin. ihm könne nichts geschehen;
guten -ns sein (ganz überzeugt sein): des [festen] -ns sein
(der Überzeugung, Meinung sein: überzeugt sein): die
Hoffnung auf Hilfe von außen zeitigt ... einen Verfall des
-ns an die eigene Kraft (Plievier. Stalingrad 145); aus
dem anscheinend in Deutschland unausrottbaren -n an
den Nutzen militärischen Druckes (Augstein. Spiegelungen
72);... lebte ich in dem -n, die schreckliche Zeit der
Denunziationen ... sei vorüber (Leonhard, Revolution 76); von
diesem -n ist er nicht abzubringen; jmdn. bei/in dem -n
lassen (ihm nicht die Überzeugung rauben), daß ...; G.
und Schönheit (ns.; Abteilung des Bundes deutscher Mädel,
in der die Mädchen im Alter von 18 bis 21 in allen Fragen
der persönlichen Lebensführung (Kleidung. Körperpflege,
Haushalt. Gymnastik usw.) geschult wurden): R der G.
versetzt Berge/kann Berge versetzen (wenn man fest von
etw. überzeugt ist, kann man auch etw. schaffen, was sich
1045
glauben
normalerweise nicht verwirklichen läßt; 1. Kor. 13. 2); *den
-n an jmdn., etw. verlieren (enttäuscht worden sein u. nicht
mehr von der Richtigkeit einer Sache od. der Kraft u. den
Fähigkeiten eines Menschen überzeugt sein); sich in dem
-n wiesen, daß ... (geh.: fälschlicherweise der Meinung sein,
daß...): im guten/in gutem -n (im Vertrauen auf die
Richtigkeit): ich habe in gutem -n unterschrieben, ohne die
Einzelheiten nachprüfen zu können. 2. a) innere Gewißheit von
Gott, religiöse Überzeugung: ein fester G. bestimmte sein
Leben; das ergreifendste Zeichen dessen, was wirklicher
G. vermag (Thleß, Reich 227); seinen -n tan Gott] nie
verlieren; die Kraft des in Gott gesetzten -ns; sie starb
im festen -n an ihren Erlöser; von echtem -n erfüllt sein;
b) Religion. Bekenntnis: der christliche G.; seinen -n
bekennen; dem -n der Väter anhängen; in Fragen des -ns tolerant
sein; für seinen -n kämpfen; er ließ sich durch nichts
von seinem -n abbringen; glauben <sw. V.; hat) [mhd.
gelouben, ahd. gilouben, Grundbed. = sich etw. lieb,
vertraut machen; verw. mit t lieb]: 1. a) für möglich u.
wahrscheinlich füllten, annehmen, der Meinung, der Ansicht
sein: glaubst du. daß er kommt?; <oft hilfszeitwörtlich:)
er glaubte sich zu erinnern; daß er ... reale Vorbilder
glaubte nachweisen zu können (Jens. Mann 51); * ich glaube
gar (ugs. als Ausdruck der Überraschung. Verwunderung,
des Zweifels od. der Ablehnung: ich habe fast den Eindruck;
ist es etwa so. daß ...): ich glaube gar. du weinst?; willst
du schon wieder ausgehen? ich glaube gar!; jmdn. etw.
g. machen wollen (jmdm. etw. einzureden versuchen): sie
wollte mich g. machen, ich sei wieder ganz gesund; b)
falschlich glauben, für jmdn. od. erw. halten: sich allein,
unbeobachtet g.; ich glaubte mich im Recht; wir glaubten
ihn längst in Berlin; Arlecq glaubt sich Seraflm Über Sodom
und Gomorrha (Fries. Weg 27); Längst Getilgtes, verloren
geglaubt, trat wieder hervor (Erh. Kästner. Zeltbuch 16).
2. a) für wahr, richtig, glaubwürdig halten; gefühlsmäßig
von der Richtigkeit einer Sache od. einer Aussage überzeugt
sein: etw. sicher g.; glaubst du im Ernst, daß das wahr
ist?; das glaubst du doch selbst nicht!; man muß nicht
alles g.. was in der Zeitung steht; sie glaubt Jedes seiner
Worte/glaubt ihm Jedes Wort; man glaubt ihr die Tänzerin
(sieht aus ihren Bewegungen, daß sie wirklich Tänzerin ist;
Frisch. Stiller 64); verstärkend: du glaubst nicht, wie ich
mich freue!; R wer's glaubt, wird selig [und wer's nicht
glaubt, kommt auch in den Himmel] (ugs. scherzh.; ich
glaube das niemals; parodierend nach Markus 16. 16);
* das ist doch kaum/nicht zu g. (ugs.; das ist unerhört):
b) jmdm.. einer Sache vertrauen, sich auf jmdn.. etw.
verlassen: ich glaube an ihn. an seine Zuverlässigkeit; an das
Gute g.; Man glaubt an Wunder und nachher sind es
Kommißbrote (Remarque. Westen 111); an sich selbst
g. (Selbstvertrauen haben). 3. a) vom Glauben (2a) erfüllt
sein, gläubig sein: fest, unbeirrbar g.; zu g. beginnen;
Zwischen ihm. der ... in voller Einfalt glaubt, und ihm. dessen
Gedankenwelt alle Rätsel ... der Empirie einbezieht ....
ist der Unterschied ... abgründig (A. Kolb. Schaukel 160);
<subst.:> Glauben heißt... das menschliche
Selbstbewußtsein nicht zu verlieren (Sommerauer. Sonntag 93); b) in
seinem Glauben (2 a) von der Existenz einer Person od.
Sache überzeugt sein. etw. für wahr, wirklich halten: an
Gott, an die Auferstehung g.; (geh.:) den Himmel glaube
ich (Langgasser. Siegel 405); *dran g. müssen (1. salopp;
sterben: bei Verkehrsunfällen haben schon viele
Menschen dran g. müssen. 2. ugs.; von etw. Unangenehmem
betroffen sein, an der Reihe sein: heute muß sie dran g.
und Küchendienst machen; bei dem Konkurs des Werkes
mußten viele Arbeiter dran g. [wurden entlassen]; urspr.
religiös, zu ergänzen etwa: ... daß Gott den Sünder straft);
Glauben, der; -s: seltener für tGlaube: G. in der Welt
(ein Buchtitel).
glailbens-, Gbuibens-: Partikel, der: einzelner Abschnitt des
T Glaubensbekenntnisses (b); -bekenntnis, das: a)
Zugehörigkeit zu einer bestimmten Konfession: ich habe den kleinen
Dorfpfaflfen ein bißchen über mein G. beschwindelt
(Fallada, Herr 248); b) <o.. PI.) formelhafte Zusammenfassung
der wesentlichen Aussagen der christlichen Glaubenslehre:
das G. sprechen; am Sonntag betet sie immer das G.;
c) Überzeugung, [leidenschaftlich vertretene]
Weltanschauung: ein politisches G.; zwei doktrinäre Lager.... die
beide ihre Aufgabe - ihre moralische Pflicht - darin sahen.
... an ihrem G. festzuhalten (Dönhoff. Ära 204); -bruder.
der: Angehöriger des gleichen Bekenntnisses: dir seine G lau-
bensbrüder eintreten; das Konkordat soll unsere
Glaubensbrüderschützen (Hochhuth. Stellvertreter 91); -dinge <P1.>:
Fragen des Glaubens (2a): (meist in der Form:) in -n; in
-n war er sehr doktrinär; -eifer, der: aktives, eifriges
Eintreten für den Glauben (2 a). mit dem Willen, auch andere
zu überzeugen: ^fest <AdJ.; nicht adv.>: unbeirrbar im
Glauben (2 a). dazu: -festigkeit, die; -frage, die: Angelegenheit
des Glaubens (1); Frage, die rein verstandesmäßig nicht
beantwortet werden kann; -freiheit, die <o. Pl.>: Recht,
seinen religiösen Glauben frei zu wählen, sich zu einer
Konfession zu bekennen; -gemeinsdiaft, die: Gesamtheit der
Angehörigen einer Konfession od. religiösen Gruppe: die groß«!
-en. die römisch-katholische und die evangelische Kirche
(Fraenkel, Staat 279); -genösse, der: a) jmd.% der sich zur
gleichen Konfession bekennt: b) jmd.. der sich zur gleichet}
politischen Überzeugung bekennt: er sah in ihm eine Art
-n; -kämpf, der: [kriegerische] Auseinandersetzung in
Fragen des Glaubens (2). der Konfession; -kraft, die: a) <o.
PI.) Stärke, Intensität des Glaubens (2 a); b) vom Glauben
(2 a) u. von einem Gläubigen ausgehende Kraft: Hörn mit
seinen vitalen Glaubenskräften überzeugt jeden (Zwerenz.
Kopf 152); -krieg, der: um die Durchsetzung eines Glaubens
(2), einer Konfession geführter Krieg; Religionskrieg;
^lehre, die: Lehre vom Glauben (2). von der Religion; -los
<Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: ohne Glauben (2). <subst.:>
-lose, der u. die; -n. -n <Dekl. t Abgeordnete): Der -e
will gläubig werden; der Agnostiker sucht nach dem
Absoluten (K. Mann. Wendepunkt 287); -sadie, die (ugs.):
etwas, was nur durch den Glauben (2 a) erkennbar ist: die
Auferstehung ist reine G.; -satz, der: a) mit dogmatischer
Strenge, mit dem Anspruch unbedingter Geltung vertretene
religiöse These; b) starre, festgelegte Anschauung.
[Lehrjmeinung: Die CDU verrennt sich ... in den G..
daß es kein Arrangement mit den Sowjets geben könne
(Augstein. Spiegelungen 41); -Spaltung, die: Spaltung in
verschiedene Konfessionen, in verschiedene Lager mit
unterschiedlichen Auffassungen in bestimmten den Glauben (2).
bestimmte Glaubenssätze o. ä. betreffenden Fragen; -stark
<Adj.; nicht adv.): stark, unbeirrbar im Glauben (2 a): Die
-en Brüder der Heilsarmee (Jahnn. Geschichten 79). dazu:
-stärke, die <o. PL); -streit, der: grundsätzliche
Auseinandersetzung um grundlegende Fragen des Glaubens (2). der
Religion; -verschieden <Adj.; o. Steig.; nicht adv.)
(Amtsspr.): verschiedenen Konfessionen od. Religionen
angehörend: Regelung der Kirchensteuer bei -en Eheleuten;
-verwandt <AdJ.; o. Steig.; nicht adv.): von ähnlichem od.
vergleichbarem Glauben (2); -voll <Adj.) (geh.): tief
gläubig: einem Menschen, der Jesus mit -en Augen ansieht
(Thielicke. Ich glaube 93); -Wahrheit, die: a) <o. PI.)
Wahrheit des Glaubens (2 a) an sich; b) Wahrheitsgehalt
einzelner Glaubenssätze: ein Streit um die -en; -Wechsel.
der: Wechsel des Bekenntnisses. Übertritt zu einer andereti
Religion; -zeuge, der: jmd.. der öffentlich für seinen Glauben
(2) Zeugnis ablegt: Märtyrer als -n; -zweifei, der: Zweifel
in bezug auf den Glauben (2 a); -zwtst, der: svw. t-streit.
Glaubersalz [glaube-], das; -es [nach dem dt. Chemiker
J. R. Glauber U6OM670)] Chemie): wasserhaltiges
Natriumsulfat, das als Mineral (in Prismen kristallisiert) u.
gelöst als Bestandteil vieler natürlicher Mineralwässer
vorkommt u. industriell bes. in der Glasfabrikation, med. als
Abführmittel verwendet wird.
glaubhaft [glayphaft] <Adj.; -er. -este) [mhd. g(e)loubehaft]:
so [geartet, dargestellt], daß man es für wahr halten kann;
einleuchtend, überzeugend: eine -e Entschuldigung; ein -er
Bericht; die Ausrede wird dadurch nicht -er; ein g.
gemachtes Alibi; der Schauspieler hat seine Rolle g. verkörpert;
Reife: Entwicklungsgrad, in dem der Mensch g. lügen
kann (Hörzu 6. 1974. 38); glaubhafterweise <Adv.): was
man wohl glauben, als wahr annehmen kann; offensichtlich:
das Häuschen, das ja g. nur eine Art Stall war (A. Zweig.
Grischa 424); Glaubhaftigkeit, die; -: das Glaubhaftsein:
ich bezweifle die G. dieser Aussage; Glaubhaftmachung,
die; - (jur.): Nachweis einer erheblichen Wahrscheinlichkeit
der zu beweisenden Tatsache; Beweis geringeren Grades;
gläubig [gbybig] <Adj.) [mhd. geloubec. ahd. giloublg;
wahrsch. zu TGlaubel: a) vom Glauben (2 a) erfüllt, im
Vertrauen auf die Macht u. Gnade Gottes handelnd u. lebetid;
religiös: ein gläubiger Christ; er ist zutiefst g.. sieht g.
dem Tod entgegen; b) vertrauend, vorbehaltlos (einem Men-
1046
gleich
sehen, einer Sache) ergeben: er hat -e Anhänger um sich
gesammelt; standen ... Schulkinder in Uniform, und ihre
Augen ... leuchteten g. (Kirst. 08/15.682): -gläubig <Suffi-
xoid>: sich ganz darauf verlassend, auf dem Glauben fußend,
daß (in bezug auf eine bestimmte Sache) das Heil o.a.
von dem im Best. Genannten ausgeht, abhängt: Jugend-,
vemunftgläubig; das Schreckgespenst des drogengläubigen
zwanzigsten Jahrhunderts (Spiegel 48. 1965. 163);
Gläubige, der u. die; -n. -n <Dekl. T Abgeordnete): gläubiger,
religiöser Mensch: die -n versammelten sich in der Kirche;
Herbei, o ihr -n (Choral); Gläubiger, der; -s, - [spätmhd.
gleubiger; LÜ von tat. creditor. zu mhd. gelouben =
einem etw. anvertrauen, borgen, kreditieren]: jmd.% der
durch ein Schuldverhältnis berechtigt ist. an einen anderen
finanzielle Forderungen zu stellen, der einem Schuldner
gegenüber anspruchsberechtigt ist: ein harter G.; die G.
wurden anteilig aus der Konkursmasse befriedigt; die G.
hinhalten, befriedigen; von seinen -n bedrängt werden.
Gläubiger-: MUispruch. der (Wirtsch.): Forderung eines od.
mehrerer Gläubiger: die Gläubigeransprüche befriedigen;
^ausschuß. der (Wirtsch.): gewählte Vertretung der
Gläubiger in einem Konkursverfahren: ^Versammlung, die
(Wirtsch): Zusammenkunft aller Gläubiger in einem Kon-
kursverfahren zur Wahrung ihrer Rechte: ^Verzug, der (jur.):
Nichtannahme der vom Schuldner angebotenen Leistung
durch den Gläubiger.
Gläubigerin, die; -. -nen: w. Form zu f Gläubiger:
Gläubigkeit, die; - [zu f gläubig]: a) das Gläubigsein, überzeugte
Hingabe an den Glauben: ihre starke G. half diesen
Flüchtlingen das harte Los zu ertragen; b) gläubiges Vertrauen:
mit kritikloser G. hielt sie alles Gedruckte für wahr; -gläu-
bigkeit: Subst. zu t -gläubig; glaublich <Adj.) in der
Verbindung es/das ist kaum g. (es/das ist unwahrscheinlich): es
ist kaum g.. daß er das allein gemacht hat; glaubwürdig
<Adj.>: so [geartet], daß man dem betreffenden Menschen
Vertrauen entgegenbringen, der betreffenden Sache Glauben
schenken kann: vertrauenswürdig: eine -e Entschuldigung;
hätten wir uns damals zu einer aktiven Ostpolitik
entschlossen, wir wären heute -er (Dönhoff. Ära 13); wie er g.
versicherte; diese Angaben wirken durchaus g.; <Abl.:>
Glaubwürdigkeit, die; -: glaubwürdige Beschaffenheit: die
G. des Zeugen bezweifeln; an G. verlieren.
Glaukom [glauko.m]. das; -s. -e [g riech, glaüköma =
Augenfehler, bläuliche Haut über der Linse; Star, zu: glaukos
= bläulich glänzend; grünlichblau] (Med.): durch erhöhten
Innendruck des Auges verursachte chronische
Augenkrankheit, die zur Erblindung fuhren kann: grüner Star: Glaukonit
[glauko'ni:t. auch: ...nit]. der; -s, -e [zu griech, glaukos
= bläulich glänzend, grünlichblau]: ein grünes, körniges
Mineral: <Zus.:> Glaukonitsand, der; -[eis (Geol.):
Ablagerung im Schelfmeer: Grünsand.
Gläve ['gteifsj: TGleve.
glazial [glatsia:l] <Adj.; o. Steig.) [lat. glaeiälis = eisig,
voll Eis] (Geol.): eiszeitlich, wahrem! einer Eiszeit
entstanden, mit einer Eiszeit im Zusammenhang stehend: -e
Ablagerungen, Schichten; -es Abflußregime (bei einem Fluß
vom Schmelzwasser eines Gletschers abhängiger
Wasserstand): Glazial [-], das; -s. -e (Geol.): Eiszeit: ein steter
Wechsel zwischen -en und Interglazialen.
Glazial-: ^erosion, die (Geol.): von einem Gletscher bewirkte
Abtragung: ^fauna, die: Tierwelt der unvereisten
Nachbargebiete der eiszeitlichen Gletscher: ^flora, die: Pflanzenwelt
der unvereisten Nachbargebiete der eiszeitlichen Gletscher:
^kosmogonie, die: Hypothese, nach der durch den
Zusammenprall von riesenhaften Eis- u. Glutmassen die Gestirne
entstanden sein sollen: ^bndschaft, die (Geol.): Landscltaft.
deren Oberfläche durch die Einwirkung von Eis u. Gletschern
gestaltet worden ist: ^rellkte <P1.>: durch die Eiszeit
verdrängte Tier- u. Pflanzengruppen, die auch mch dem
Rückzug der Gletscher in wärmeren Gebieten blieben: ~see, der
(Geol.): infolge d#r Vergletscherung od. durch Schmelzen
des Eises im Bereich der Grundmoräne entstandener See:
^zeit, die: svw. tGlazial.
glaziar [glatsie:?] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [frz. glaciairc.
zu: glace = Eis. tGlace] (Geol.): im Umkreis eines
Gletschers od. des Inlandeises entstanden (z. B.
Schmelzwasserablagerungen): glazigen [glatsi'ge:n] <Adj.; o. Steig.; nicht
adv.) [t-gen] (Geol.): unmittelbar vom Eis geschaffen (z. B.
bestimmte Ablagerungs- od. Abtragungsformen): Glazio-
loge [glatsiolo:gd]. der; -n, -n [rück geb. aus t Glaziologie]:
Wissenschaftler auf dem Gebiet der Glaziologie: Glaziologie
[...lo'gi.]. die; - [zu lat. glacies = Eis u. t-logie]:
Wissenschaft von der Entstehung u. Wirkung des Eises u. der
Gletscher: Gletscherkunde: glaziologisdi <Adj.; o. Steig.):
die Glaziologie betreffet.
Gleditschie [gle'ditjp]. die; -. -n [nach dem dt. Botaniker
J. G. Gleditsch (1714-1786)]: akazienähnlicher Zierbaum
mit dornigen Zweigen u. braunen Hülsenfrüchten.
Glee[gli:]. der;-s.-s [engl. glee. eigtl. = Heiterkeit.
Fröhlichkeit, aus dem Altnord., urspr. = das Klingen. Schallen]:
geselliges Lied für drei od. mehr Stimmen (meist
Männerstimmen) in der englischen Musik des 17. bis 19.Jh.s.
Glefe: tGleve.
Gleiboden ['glai-1. der; -s. ...böden [russ. glei = Ton. Lehm]
(Geol.): feuchter, mineralischer Boden.
gleich [glaif; I: mhd. gel ich, ahd. galih; urspr. = denselben
Körper.dieselbe Gestalt habend, vgl. Leiche; II: aus der
Verwendung als Ausdruck räumlicher od. zeitlicher
Übereinstimmung]: I. <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) 1. a)
in allen Merkmalen, in jeder Hinsicht übereinstimmend:
der-, die-, dasselbe: die -e Anzahl; das -e Gewicht; das
-e Ziel haben; auf die -e Weise; die -e Sprache sprechen;
den -en Weg zurücklaufen; -er Lohn für -e Arbeit; -es
Recht für alle fordern; die -en Gesichter (dieselben Leute)
wie gestern; am -en Platz; im -en Haus wohnen; im -en
Augenblick; zur-en Zeit; -e (Math.: kongruente) Dreiecke;
g. (ebenso) alt, schwer, schnell sein; nie sind zwei Dinge
völlig g.. weil sie nicht denselben Ort und dieselbe Zeit
zugleich haben können; zweimal zwei [ist] g. (ist
gleichbedeutend, identisch mit. ergibt) vier; (alleinstehend:) alle
wollen das -e; das -e gilt (dieselben Worte. Anordnungen
gelten) auch für dich; ... sandte ihm ein paar Schuhe
als Entschädigung. Es waren die -en. die er vor der Polizei
hatte ausziehen müssen (Fries. Weg 212): *das kommt
auf das -e aufs -e hinaus (das ist letzten Endes dasselbe):
b) miteinander od. mit einem Vergleichsobjekt in bestimmten
Merkmalen, in der Art. im Typ übereinstimmend: sich
gleichend: vergleichbar: das -e Kleid tragen; sie hat die -e
Figur wie ihre Schwester; die -en Schwierigkeiten haben;
die Motoren sind immer g. zuverlässig; sie waren einander
[in ihren Ansichten] ziemlich g.; seinem Vorbild g. zu
werden versuchen; Steppe ist nicht g. Steppe (Grzimek,
Serengeti 320); (ironisierend auch mit Komp.:) R alle
Menschen sind g.. nur einige sind -er (urspr. von Tieren gesagt,
in einer satirischen Fabel von George Orwell);
(alleinstehend:) er ist immer der-e geblieben (unverändert in seinem
Wesenu. in seinen Ansichten): Er hat... seinem Vorgesetzten
gegenüber einen Ton von g. zu g. (wie unter
Gleichgestellten: A. Zweig. Grischa 471); R [man soll nicht] Gleiches
mit Gleichem vergelten (nach dem alten Rechtsgrundsatz
aus dem mosaischen Gesetz [2. Mose 21, 24]: Auge um
Auge. Zahn um Zahn); Spr g. und g. gesellt sich gern
(Menschen mit gleicher Gesinnung, gleichen /schlechten/
Absichten schließen sich gern zusammen: nach einem gleich-
bed. Sprichwort in Piatos „Symposion*4). 2. <in der Rolle
einer Präp. mit Dativ) (geh.) einem andern Menschen, einer
anderen Sache gleichend: wie: sie hüpfte g. einem Ball;
Der Pulk schwitzte g. schwarzen Tropfen Menschen aus
(Plievier. Stalingrad 162); einige Ihrer Leidensgefährten,
die g. Ihnen heute den letzten Gang antreten (Fallada.
Jeder 391); Grotewohl sah sich (allen Satelliten g.)
gezwungen, das Ruder herumzuwerfen (Dönhoff. Ära 90). 3.
* jmdm. g. sein (ugs.; jmdm. gleichgültig sein: keine
besondere Bed. [fürjmdn.] haben): es ist mir völlig g.. was du
dazu sagst; (häufig verkürzt:) ganz g.. ob ...; Man möchte
aufstehen und fortlaufen, ganz g.. wohin (Remarque.
Westen 50); ein U-Boot g. welchen Typs. 4. unverändert,
gleichbleibend: mit immer -er Freundlichkeit; sechshundert
Jahre waren dazumal ... ein stilleres, stummeres, -eres
Zeitgebreite (Th. Mann. Joseph 16); <subst.:) das, Ewige,
das Bestehende, das immer Gleiche (Dönhoff. Ära 8);
*etw. ins -e bringen (geh.; in Ordnung bringen). II. <Adv.)
I. a) in relativ kurzer Zeit, sofort. / sehr] bald: ich komme
g.; es muß nicht g. sein; g. nach dem Essen gingen sie
weg; er verstand nicht g.; wenn ich das sage, komme
ich mirg. albern vor; warum nicht g. so?; bis g.!
(Abschiedsgruß von jmdm.. der bald zurückkommen wird): b)
unmittelbar daneben: dicht bei: der Gemüsestand ist g. am Eingang;
g. rechts von dir; g. daneben; g. hinterm Haus beginnt
der Wald. 2. (meist in Verbindung mit einer Zahl) erstaun-
1047
gleich-, Gleich -
licherweise auf einmal, zugleich: g. zwei Paar Schuhe
kaufen; eine Uhr. nein. g. drei kostbare Stücke ticken
verschieden gestimmt (Grass, Hundejahre 561); ein
Mantel, den er in den Nächten g. als Decke benutzte (Plievier,
Stalingrad 274). 3. verblaßt, als Füllwort bes. bei
rhetorischen Fragen: bloß. nur% gar: wie hieß er g.?; was hat
er doch g. gesagt?; Zeiten, wo der Mann von Adel ...
überhaupt nichts lernte, schon g. (erst recht) nicht Lesen
und Schreiben (Th. Mann, Krull 272); Wenn er
Vorschriften ausgibt, brauchen wir das Fest g. gar nicht abzuhalten
(Express 1. 10. 68, 18). 4. (einräumend, meist in
Verbindung mit einer Konjunktion) (geh.) schon, auch: ob er
g. unschuldig war. nahm er doch die Strafe auf sich; daß
... er ... mehr Anteil daran haben werde als ich. wenn
ich g. der Aktivere dabei sei (Th. Mann, Krull 284); Die
Töchter solcher Häuser, mochten sie g. lahmen oder
schielen, wurden als Bräute umworben (Fussenegger. Haus
28).
gleich-. Gleich-: -achten <sw. V.; hat) (geh.. selten): gleich
hoch einschätzen; jnulm. od. einer Sache die bleiche
Bedeutung zumessen: ^alt[e]rig [-alttelnc] <Adj.; o. Steig.; nicht
adv.>: im Kleichen Alter stehend: ebenso alt: ihre -e
Freundin; die beiden waren g.; <subst.:> sie hatte mit vierzehn
schon viel mehr erfahren als andere Gleichaltrige; Minnig
<Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (Mech.): bleich lange Hebelarme
habend: -artig <Adj.; o. Steig.): von/in gleicher Art: selir
ahnlich (Ggs.: andersartig): zwei -e Krankheitsfälle; -e
Verhältnisse; Ein farbiger Mensch ist uns g. und
gleichberechtigt (Grzimek. Serengeti 175); g. reagieren, dazu: -artig-
keit, die <o. Pl.>; ^auf [-'- od. '-"-] (Sport): auf hleicher
Höhe: wertungsgleich: g. liegen; sie waren im Ziel g.; sie
war Dritte im Slalom und, g. mit Christine Goitschel,
Zweite im Riesenslalom geworden (Maegerlein. Piste 131);
-bedeutend <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): die gleiche
Bedeutung habend: -e Worte; ihr Schweigen war g. mit
Ablehnung; -behandhwg* die <o. PL): gleiche, gleichartige
Behandlung; -berechtigt <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): mit
gleichen Rechten ausgestattet; rechtlich gleichgestellt:
Mann und Frau als -e Partner; Frauen müssen auch in
der Politik g. sein mit den Männern; ehe ich mich Ihnen
g. fühlen kann (Winckler, Bomberg 62); <subst.:> alle
Freien als politisch Gleichberechtigte; eine Gruppe
Gleichberechtigter, dazu: - be rech tigung, die <o. PI.): gleiches Recht:
die G. aller Menschen. Völker und Rassen; auf dpr
Grundlage der G. verhandeln; für die volle G. der Frauen
kämpfen; -bleiben <st. V.; ist): a) unverändert bleiben: der Preis
für diesen Artikel ist seit zehn Jahren gleichgeblieben;
<meist im 1. Part.:) in gleichbleibendem Abstand; es waren
gleichbleibend jedesmal rund hundert Bewerber; b) <g.
+ sich) sich nicht ändern: du bist dir in deinem Wesen
immer gleichgeblieben; daß ein Gefühl... sich selbst immer
g. soll (Chr. Wolf. Nachdenken 163); das bleibt sich doch
gleich (ugs.; ist gleichgültig, konvnt auf dasselbe hinaus):
-denkend <Adj.; o. Steig.; nur attr.): svw. Ngesinnt;
-druckturbine, die: svw. t Aktionsturbine; -erbig <Adj.;
o. Steig.; nicht adv.) (Bio!.): [in bezug auf bestimmte
Merkmale] von beiden Eltern her gleiche Erbanlagen besitzend;
reinerbig: ein Stamm von g. roten Blüten wurde gezüchtet;
^falb <Adv.>: in gleicher Weise; auch, ebenfalls: er hatte
g. kein Glück; danke g.! (ich wünsche Ihnen <las gleiche);
-farbig <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): von gleicher Farbe:
ein grünes Kleid und -e Strümpfe; die Tischdecke ist g.
mit den Sesseln; -flügler. der: svw. 1 Pflanzensauger;
-förmig <Adj.>: immer in gleicher Weise / verlaufend] lu. daher
eintönig, langweilig!; keine, wenig Abwechslung bietend;
einförmig: graue, -e Steingiebel (Böll, Tagebuch 39); sein
Leben ist immer -er geworden, dazu: -förmigkeit, die;
-: Eintönigkeit: wohin sie führt, diese Revolution ... zu
einem langsamen Aufgehen inG. (Weiss. Marat 72);
-geartet <Adj.; o. Steig.; nur attr.): in gleicher An [verlaufend];
gleichartig: -e Verhältnisse; -gelagert <Adj.; o. Steig.; nur
attr.): in bezug auf die näheren Umstände vergleichbar:
in -en Fällen; -geschlechtig <Adj.; o. Steig.; nicht adv.):
gleiches Geschlecht habend: von gleichem Geschlecht:
eineiige Zwillinge sind immer g.; -geschlechtlich <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.): 1. auf ein Wesen gleichen Geschlechts gerichtet;
homosexuell: -e Liebe; er ist g. veranlagt. 2. svw. Nge-
schlechtig. zu 1: -geschlechtlichkeit,die; -: Homosexualität;
-gesinnt <Adj.; o. Steig.; nur attr.): gleiche Anschauungen
vertretend, von gleicher Gesinnung: -e Freunde; <subst.:)
ein Bündnis Gleichgesinnter; -gestimmt <Adj.; o. Steig.;
nur attr.): in der gleichen Stimmung. Gemütsverfassung
befindlich: -e Seelen; <subst.:> Gleichgestimmte stellen sich
immer ein (K. Mann. Wendepunkt 452). dazu: -gestimmt-
heit. die <o. PL); -gewicht, das <o. PI.) [LÜ von lat.
aequiUbrium. frz. equilibre]: 1. a) Zustand eines Körpers,
in dem die entgegengesetzt wirkenden Kräfte einaiuier
auflieben: stabiles G.; das G. halten; sie verlor das G. und
stürzte; aus dem G. kommen; die Waage ist im G.; unsere
Maschine schaukelte, bis sie sich wieder im G. hatte und
stieg (Frisch. Homo 26); b) Ausgeglichenheit.
Ausgewogenheit. Stabilität: das europäische G.; das G. der Kräfte;
ein G., das nicht starr, sondern labil ist (Thienemann.
Umwelt 21); Sicherung des ökologischen -s. 2, innere,
seelische Ausgeglichenheit: Darunter leidet mein seelisches G.
(Kirst. Aufruhr 67); sein G. bewahren, verlieren; aus dem
G. geraten; sich nicht aus dem G. bringen lassen (ruhig
bleiben); ein sich nicht im G. befindendes Seelenleben
(Nigg, Wiederkehr 98); jmdn. um sein inneres G. bringen,
dazu: -gewichtig <Adj.; o. Steig.): im Gleichgewicht.
Gleichmali befindlich: daß zwischen Angebot und Nachfrage ein
-es Verhältnis hergestellt werden müsse (MM 31. 1. 70.
9); Angebot und Nachfrage sollten g. wachsen, -gewkhts-
empfinden, -gewichtsgefühl, das: Fähigkeit, seinen Körper
! aufrecht] im Gleichgewicht zu halten, -gewiditslage, die:
Zustand der Ausgewogenßieit: die Volkswirtschaft in eine
G. bringen, -gewichtsorgan, das (Biol.. Med.): Organ, das
das Gleichgewichtsgefühl steuert, -gewichtssiiwi, der: svw.
t^gewichtsgefühl. -gewkhtsstörung, die: Störung der
Fähigkeit, sich im Gleichgewicht zu halten: Trunkenheit äußert
sich besonders in -en. -gewichtsteil, der (Turnen): Teil
einer Übung mit der besonderen Schwierigkeit, das
Gleichgewicht zu halten: bei den -en am Schwebebalken zeigte sie
Unsicherheiten, -gewlchtsubung, die (Sport): Übung (z. B.
am Schwebebalken) zur Ausbildung des
Gleichgewichtsgefühls, -gewichtszustand, der: svw. t-gewichtslage: ein G.
zwischen Ost und West; -giltig <Adj.) (veraltet, noch
österr.): svw. T ^gültig; -gültig <Adj.) [urspr. =
gleichwertig]: I. ohne Interesse od. / innere] Anteilnahme; weder Lust
noch Unlust bei erw. empfindend od. erkennen lassend: ein
-es Gesicht machen; ihre Stimme klang g.; sich g. gegen
jmdn./jmdm. gegenüber benehmen; <subst.:) so wie Ostern
und Weihnachten auch die Gleichgültigen in die Kirche
gehen (Dönhoff. Ära 65). 2. (nicht adv.) belanglos,
unwichtig; nicht interessant [für jmdn.]: über -e Dinge sprechen;
das ist doch g.; g.. ob er Alexander heißt oder Stalin
(Hochhuth. Stellvertreter 120); das ist mir g.; das entstellte
Gesicht blieb ihr g. (Gaiser, Jagd 72); ich bin ihm bereits
bedeutend -er (Remarque. Obelisk 260); sie ist ihm nicht
g. (geh. verhüll.; er liebt sie), dazu: -gültigkeit, die: Teil-
nalimslosigkeit. gleichgültiges Verhalten. Desinteresse,
inneres Unbeteiligtsein: ihre G. geht mir auf die Nerven; er
antwortet mit gespielter G.; -klang, der: Zusammenklang
i von Tönen]. Harmonie. Übereinstimmung: im G.; Ü G.
der Seelen; Bewunderung für den G. von Kunst und Natur
(Langgässer. Siegel 221); -kommen <st. V.; ist): a) gleichen,
entsprechen: eine Versetzung, die einer Beförderung
gleichkam (Maass, Gouffe 339); b) die gleiche Leistung o.a.
wie eine bestimmte andere Person erreichen: niemand
kommt ihm an Schnelligkeit gleich; -lauf, der <o. PI.)
(meist Technik): ausgeglichener\ gleichmäßiger Lauf {eines
Gerätes od, mehrerer aufeinander abgestimmter Antriebe!:
derG. muß präzise gesteuert werden; Uhren im G. halten;
sie fugte sich arbeitend in einen G. der Dinge (Fries.
Weg 97); -laufend <Adj.; o. Steig.): in der gleichen Richtung,
gleichartig od. gleichzeitig vorangehend; parallel: -e
Tendenzen; g. mit dem Bau einer neuen Fabrikhalle soll auch
ein Verwaltungsgebäude errichtet werden; -läufig <Adj.;
o. Steig.) (Technik): im gleichen Sinne laufend; synchron:
bewegen sich die Kolben nicht ... gegenläufig, sondern
g. (Auto 7. 1965. 4), dazu: -läufigkeit, die (Technik):
synchroner Lauf; -lautend <Adj.; o. Steig.; nicht adv.):
a) im Klang, in der Lautung übereinstimmend: -e Namen;
-e Wörter (Sprachw.; Homonyme)', b) im Wortlaut
übereinstimmend: -e Meldungen; der Aufruf wurde g. überall
verbreitet; -machen <sw. V.; hat): die Unterschiede, die
zwischen erw. bestehen, beseitigen, angleichen, anpassen:
die jungen Leute wollen alles g.; Hunderten von
Examensarbeiten, die die Jahrzehnte hier abgelagert haben ... der
Staub macht sie schnell gleich (Chr. Wolf. Nachdenken
1048
gleich-, Gleich -
120). dazu: -macher, der (abwertend): jmd.. der sich ohne
Rücksicht auf Leistung usw. für die Aufhebung der { sozialen ]
Unterschiede einsetzt, -macherd, die; -. -en (abwertend):
Außiebung aller [sozialen] Unterschiede: Gleichheit vor
dem Gesetz ist etwas anderes als G.; daß jede Nivellierung
die Gefahr einer öden G. mit sich bringt (Hörzu 8, 1973.
119). -macherisch <Adj.; Steig, ungebr.) (abwertend): die
Gleichmacherei betreffend: seine -en Theorien waren
wirklichkeitsfremd; -maß, das <o. PI.) [rückgeb.
ausTgleichmäßig]: a) Ebenmaß. Harmonie: das G. ihrer Züge; b)
Ausgeglichenheit. Einheitlichkeit (des Verlaufs od. der Bewegung):
das ruhige G. de{ Tage; sich nicht aus dem [inneren]
G, bringen lassen; das ewige G. der Arbeit (abwertend;
Einerlei, Einförmigkeit)', -mäßig <Adj.>: voller Gleichmaß
(b), ohne [starke] Veränderungen vor sich gehend,
ablaufend; ausgeglichen: -c Schritte; in -em Tempo; g. atmen;
Die Bremsen arbeiten wirksam und g. (Auto 7, 1965.
69), dazu: -mäßigkeit, die: gleichmäßige Beschaffenheit,
gleichmäßiger Fortgang; Gleichmaß: G. der Nutzung; eine
Bewegung von großer G.; -mittig <Adj.; o. Steig.):
verdeutschend für t konzentrisch; -mut, der (veraltend,
landsch. auch: die; -) [rückgeb. aus t gleichmütig]: ruhiger,
leidenschaftsloser Gemütszustand. Gelassenheit; ruhige,
beherrschte Haltung: unerschütterlicher G.; höflichen G.
bewahren; mit gespieltem G.; Vieh, das... unserem
gepanzerten Fahrzeug mit ... G. begegnete (Grass. Blechtrommel
410); -mutig <Adj.>: voller Gleichmut, gelassen /u.
gleichgültig]: ein -es Gesicht; g. bleiben; sie wandte sich g.
ab; <subst.:> konnte sich unter einer Uniform einfach alles
verbergen: ... Gleichmütige und Gepreßte (Kirst, 08/15,
93), dazu: -mütigkeit, die; -; -namig [-na:mi<;] <Adj.; o.
Steig.; nicht adv.): a) den gleichen Namen tragend: ein
Film nach dem -en Roman von ...; b) (Math.) mit gleichem
Nenner: -e Brüche; um Brüche addieren zu können, muß
man sie g. machen; c) (Physik) gleich! artig J: -e Ladungen.
Pole, dazu: -namigkeit, die; -. -en; -ordnen <sw. V.; hat):
im Rang gleichstellen, auf eine Stufe stellen: ... Erlaß, der
die Wehrmachtsbeamten den Soldaten gleichordnete
(Dönhoff, Ära 32), dazu: -Ordnung, die; -rangig [-ran 19]
<Adj.; o. Steig.; nicht adv.): von gleichem Rang, auf einer
Stufe stehend: -e Stellungen an verschiedenen Behörden;
das muß g. behandelt werden; die beiden Straßen sind
g.. dazu: -rangigkeit, die; -. -en; -richten <sw. V.; hat)
(Elektrot.): von Wechselstrom in Gleichstrom umwandeln:
In dieser Schaltung wird das ungefilterte Signal...
gleichgerichtet (Elektronik 10.1971.140). dazu: -richten der
(Elektrot.): Gerät zum Gleichrichten, dazu: -richterröhre, die
(Elektrot.): als Gleichrichter arbeitende Elektronenröhre.
-richtung, die <o. PI.) (Elektrot.): Umwandlung in
Gleichstrom; -schalten <sw. V.; hat) [urspr. Wort der
Elektrotechnik, von den Nationalsozialisten 1933 zuerst für das
..Gesetz zur Gleichschaltung der Länder mit dem Reich"
übernommen] (abwertend, bes. ns.): a) (mit
Zwangsmaßnahmen] auf eine einheitliche, zentral bestimmte Linie bringen,
zu einer einheitlichen Denkweise zn'ingen. im Denken u.
Handeln der Politik u. Weltanschauung der regierenden
Machthaber unterwerfen: Parteien und Vereine wurden
gleichgeschaltet; Griechenland wird Zug um Zug
gleichgeschaltet. Das Volk ist eingeschüchtert (MM 12. 5. 67,
2); b) <g. + sich) sich [der herrschenden Meinung] anpassen,
unterwerfen; sich in Einklang mit jmdm.. etw. befinden:
Und die Schweine schalten sich gleich und verleugnen
Leber und ihn (Bredel. Prüfung 93); Sobald die Rede
auf ..Weiber" kam. schienen sich ihre Hime automatisch
gleichzuschalten (Kirst. 08/15. 409). dazu -Schaltung, die:
das Gleichschalten: dieser Klub war der G. zum Opfer
gefallen; wurde der IdeologiebegrifT ... Instrument einer
G. der Massen (Fraenkel, Staat 139); -schenk[e)lig <Adj.;
o. Steig.; nicht adv.) (Math.): (vom Dreieck) mit zwei
gleich langen Seiten: dieses Dreieck ist g.; -schritt, der
<o. PL): Marschieren mit gleicher Schrittlänge, mit
gleichmäßigen, in einem genauen Rhythmus verlaufenden
Beinbewegungen (bes. beim Marschieren in [militärischen]
Gruppen): derG. einer großen Kolonne kann eine Brücke
in Schwingungen versetzen; G. halten; im G.. marsch!
(miliar. Kommando); Ü daß Sie mit dem
Bundeswirtschaftsminister in dieser Frage nicht im G. marschieren
wollen (Bundestag 190,1968, 10273); -sehen <st. V.; hat):
gleichen; im Aussehen, in der Art jmdm.. einer Sache sehr
ähnlich sein: sie sieht ihrer Mutter gleich; der Mantel sieht
meinem zum Verwechseln gleich; die Erde ist ein Ball,
welcher, weil ja der Beschreiber auf ihm wohnt, einem
Brett gleichsieht (Hacks. Stücke 78): *etw. sieht jmdm.
gleich (ugs.; etw. ist typisch für jmdn.. paßt zu ihm): er
hat verschlafen und den Zug verpaßt? Das sieht ihm mal
wieder gleich!; etw./nichts g. (landsch.. bes. südd.;
ansehnlich, passabel!unscheinbar. unansehnlich sein): Ihre
Kleidung sieht nichts g.; -seitig <Adj.; o. Steig.; nicht adv.)
(Math.): (von Flächen od. Körpern) gleich lange Seiten
aufweisend: ein -es Dreieck; diese Pyramide scheint genau
g. zu sein, dazu: -seitigkeit,die; - (Math.): die Eigenschaft,
gleiche Seiten aufzuweisen: bei G. sind auch die Winkel
gleich; -setzen <sw. V.; hat): a) vergleichbar machen; als
gleich, als dasselbe ansehen: Gebiete, in denen der Traum
das Geschehene und das Kommende einander gleichsetzt
(Broch. Versucher 94); gewohnt, vaterländische Gesinnung
mit einem erhaltenden Ordnungssinn gleichzusetzen (Th.
Mann. Zauberberg 215); <g. + sich:) daß die katholische
Kirche sich noch immer mit Christus u. seiner Einen
Kirche einfach gleichsetzt (identifiziert; Stern 1. 1965. 56); b)
auf eine Stufe stellen, als [sozial] gleichwertig ansehen: der
Handarbeiter ist dem Kopfarbeiter gleichzusetzen
(Tucholsky. Werke II. 118), dazu: -Setzung, die: a) das Gleichsetzen
(a): dieG. von fortschrittlichen und sozialistischen Ideen;
b) das Auf-eine-Stufe-stellen: die G. der Arbeiter mit den
Vertretern der Intelligenz, dazu: -Setzungsglied, das
(Gramm.): Satzteil, der im t Gleichsetzungssatz dem Subjekt
gegenübergestellt wird; Prädikativum. -setzungssatz, der
(Gramm.): Satz, in dem ein Subjekt mit einem Wesen od.
Ding gleichgesetzt wird; -silbig <Adj.; o. Steig.; nicht adv.):
in der Silbenzahl übereinstimmend; -sinnig <Adj.; o. Steig.)
(Wissensch.): im gleichen Sinne, in gleicher Art u. Weise:
Auswirkung -er Schwankungen im geophysikalischen
Zustand der Erde und ihrer Lufthülle (Thienemann. Umwelt
22); eines ... Kreises g. arbeitender Tierkenner (Lorenz,
Verhalten 1. 339); -stand, der <o. PL): a) (Sport) gleicher
Spielstand, gleiche Punktzahl: er konnte durch einen Treffer
kurz vordem AbpfifTden G. herstellen; b) (Politik) gleiches
Kräfteverhältnis; Gleichgewicht: der nukleare G. der beiden
Weltmächte; ^stehen <unr. V.; hat): mit jmdm.. etw.
gleichwertig sein; auf gleicher Stufe stehen: er steht im Rang
einem Oberregierungsrat gleich; <subst. 1. Part.:) die
Anrede unter Gleichstehenden; -stellen <sw. V.; hat): auf die
gleiche Rang]stufe stellen; die gleichen Rechte zugestehen:
man wollte die Arteiter der verschiedenen Zweige
gehaltlich [einander] g.; den Arbeiter dem Angestellten/mit dem
Angestellten g.; Ü Wir werden oft einer Schafherde
gleichgestellt (Molo. Frieden 63)..dazu: -Stellung, die: das
Gleichstellen. Gleichgestelltwerden: im marxistischen Staat würde
bei aller sozialen G. der individuelle Lebensraum des
einzelnen nicht eingeengt werden (Feuchtwanger. Erfolg 319);
-ström, der: elektrischer Strom gleichbleibender Richtung
(Ggs.: Wechselstrom).dazu: -stromgenerator,der. -strom-
masdiine. die; -takt, der <o. PI.): gleichmäßiger,
gleichbleibender Rhythmus: ein ruhiger G.; die Uhren schlagen im
G.; stritt, der: svw. f -schritt; -tun <unr. V.; hat) in der
Wendung es jmdm. g. (1. jmdn. nachahmen; sich genauso
benehmen wie ein anderer: alle benahmen sich ähnlich ...
Ich versuchte, es Ihnen gleichzutun, aber es gelang mir
noch nicht [Leonhard. Revolution 152]. 2. die gleiche als
vorbildlich angesehene] Leistung eines atuleren anstreben
u. erreichen: er hat es ihm an Schnelligkeit, im Trinken
gleichgetan); -viel [-'-. auch: '--] <Adv.): einerlei; wie
dem auch sei; gleichgültig / ob j: G., es muß durchgestanden
werden (Hacks. Stücke 15); ich gehe weg. g. wohin; getan
werden muß es, g. ob es leicht oder schwer geht; -wertig
<AdJ.; o. Steig.; nicht adv.): von gleichem Wert: -e Gegner;
Sind die gegenseitigen Konzessionen wirklich g.? (Dönhoff,
Ära 215). dazu: -Wertigkeit, die <PI. selten): gleichwertige
Beschaffenheit: Erklärung der G. der Frau in der
Allgemeinen Deklaration der Menschenrechte (Bund 15. 10. 68.7);
-wie <Konj.) (geh.): a) nicht anders als. ebenso wie: g.
ich mir vorstelle, daß das fröhliche Völkchen der alten
Griechen ihr Idiom für die einzig menschliche
Ausdrucksweise ... mögen gehalten haben (Th. Mann. Krull 145);
... der ins Westland einzog, g. in ein fremdes Land (Th.
Mann, Joseph 246); b) wie: die ... Abwasserpilze, die ...
alles, was darin ( = im Bachbett) liegt, g. mit zottigen
Schaffellen überziehen (Thienemann, Umwelt 43); ^win-
kleliig <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): gleiche Winkel aufwei-
1049
Gleiche
send, bildend: die Lamellen sind g. angeordnet; ^wohl [-'-,
auch; - -; spätmhd. glich(e)wol, eigtl. = in gleicher Weise
gut, wirksam]: I. <Adv.> unbeschadet einer vorangegangenen
gegenteiligen Feststellung: dennoch, trotzdem: es wird g.
nötig sein, die Angaben noch einmal zu überprüfen; g.
kann man sich diesen Film nur mit einer innem
Beklommenheit ansehen (Nigg, Wiederkehr 193). II. <Konj.>
(selten, noch landsch.) obgleich, obwohl: erkannten Mclntosh
wieder, g. dieser im grauen Anzug war (Fries. Weg 191);
-zeitig <Adj.; o. Steig.; nicht präd.): 1. zur gleichen Zeit
l stattfindendj: für den 1. April war die -e Uraufführung
der neuen Oper in Hamburg und München angesetzt;
sie redeten alle g.; so kann ich g. das Telefon hören und
die Straße und den Hof überblicken (Remarque, Obelisk
117). 2. (selten) zugleich, auch noch: das Rauchtischchen
... ist nun g. ein Schachspiel (Strittmatter, Wundertater
375), dazu: -zeitigkeit, die; -: gleichzeitiges Eintreten, Vor-
sichgehen: -ziehen <unr. V.; hat) [zu gleich = gerade,
eben, also eigtl. geradeziehen] (bes. Sport): die gleiche
Leistung erzielen: auf die gleiche Stufe, Höhe, auf der sich
ein anderer bereits befindet, gelangen: im Lebensstandard
mit anderen Landern g.;... waren fast die gesamte Spielzeit
überlegen, mußten jedoch acht Minuten vor Schluß die
Lichterfelder g. lassen (Welt 29. 4. 65. 8). dazu: -Ziehung.
die (selten): das Gleichziehen: DieG. bei den Normaltarifen
werde ... einen Einheitstarif auf Schiene und Straße zur
Folge haben (Presse 3. 10. 68. 1).
Gleiche ['glakpl. die; -. -n [mhd. geliche. ahd. gilihf =
Gleichheit]: 1. *in die G. bringen (selten; in Ordnung
bringen): vielleicht kann dieser Fachmann unsere Finanzen
wieder in die G. bringen. 2. (österr.) Richtfest: vgl.
Dachgleiche; gleichen ['glaujn] <st. V.; hat) [mhd. geliehen, ahd.
gilihhan. gillhhen]: sehr ähnlich, vergleichbar sein: viele
Merkmale od. Eigenschaften mit jmdtn., etw. gemeinsam
haben: er gleicht seinem Bruder; die Brüder gleichen sich,
(geh.:) einander sehr; diese Dinge gleichen sich wie ein
Ei dem andern; irgendwie glich sein Gesicht einer
gesprungenen Fensterscheibe (Ott. Haie 196); In der griechischen
Abteilung flüsterten vorder Venus von Milo einige
Mädchen, die ihr in nichts glichen (Remarque. Triomphe 308).
gleichen-. Gleichen-: -feier, die (österr.): svw. !Gleiche (2):
am Freitagvormittag bei der G. des ersten Hochhauses
(Presse 12. 10. 68. 7); mhIs <Adv.) (Schweiz.): am gleichen
Ort: ^tags <Adv.> (bes. Schweiz.): am gleichen Tage.
-gleichen [mhd. -gellhen. erstarrte schwache Form des mhd.
subst. Adjektivs gelich] in Zusammenrückungen, z. B.
dergleichen, deinesgleichen, sondergleichen.
gleicher-: -gestylt <Adv.> (geh.. veraltet): svw. T^maßen;
-maßen <Adv.>: in gleichem Maße: ebenso, genauso:
Gesundheit ist ein Wert .... der allen Menschen g. zukommt
(Sebastian. Krankenhaus 24); die einzige Persönlichkeit,
die in der Bundesrepublik und in der DDR g. anerkannt
ist (Dönhoff, Ära 219); -weise <Adv.>: in derselben Weise,
auf dieselbe Art: ebenso: Herrscherund Beherrschte müssen
g. der Rechtsordnung unterworfen sein.
Gleichheit, die; -. -en [mhd. gellcheit. glicheit = Gleichheit,
auch: Gleichmäßigkeit): a) Übereinstimmung in bestimmten
Merkmalen: große Ähnlichkeit: die G. der Ansichten und
Meinungen; die formale G. vieler Satze im Grundgesetz
mit denen der Weimarer Verfassung; Da hören aber die
-en schon auf (Chr. Wolf. Nachdenken 131); ihre Aussagen
waren von erstaunlicher G.; b) <o. PI.) gleiche Stellung,
gleiche Rechte: die G. aller vor dem Gesetz; soziale G.;
für die G. (Gleichberechtigung) von Mann und Frau
eintreten.
Gleichheit»-: -grundsatz, der. -prinzip, das. -satz, der:
Grundrecht der Gleichheit und Gleichbehandlung aller vor
dem Gesetz: -zeichen, das: Symbol für die Gleichheit der
Werte auf beiden Seiten [einer Gleichung! (Zeichen: =).
Gleichnis [glaipiis], das; -ses. -se [mhd. gellchnisse, ahd.
gifihnissa. eigtl. = das. was sich mit etw. anderem
vergleichen läßt. etw. anderem ähnlich ist. Vorbild. Urbild; LÜ
von lat. parabola, T Parabel]: kurze bild/iufte Erzählung,
die einen abstrakten Gedanken od. Vorgang durch Vergleich
mit einer anschaulichen, konkreten Handlung [mit
belehrender Absicht! verständlich machen will: DasG. vom
verlorenen Sohn; das ist keine wahre Geschichte, sondern ein
G.; Nehmen Sie das Bild als ein G. für Ihr Leben (Sommer-
auer. Sonntag 9); ich möchte es in einem G. ausdrücken,
durch ein G. erläutern; sie redete in -sen (schwer
verständlich in bezug auf den eigentlichen Sinn des Gesagten): Abi.:
gleichnishaft <Adj.; o. Steig.): in der Art eines Gleichnisses
idargestellt]: eine -e Umschreibung; das ist hier nur g.
gesagt worden, dazu: Gfejchnishaftigkeit, die; -:
gleichnishafte Beschaffenheit; gleichnisweise <Adv.>: in Gleichnissen.
gleichsam [gla)9za:m] <Adv.) [mhd. dem geliche sam =
dem. was gleich ist, ähnlich) (geh.): sozusagen,
gewissermaßen, wie: der Brief ist g. eine Anklage; er sah uns mit
staunenden Augen an. g. als käme er aus einer anderen
Welt.
Gleichung [glai^onl. die; -. -en [mhd. g(e)llchunge = Ver-
gleichung. Gleichartigkeit. Ähnlichkeit, zu tgleichen):
1 Ausdruck (5). in dem zwei mathematische Größen
gleichgesetzt werden: eine G. mit einer Unbekannten; die G. geht
auf; quadratische -en; -en dritten Grades; homogene G.
(Math.; Gleichung, in der alle Glieder mit der Unbekannten
gleichen Grades sindu. auf einer Seite der Gleichung stehen,
wobei die andere Seite den Wert Null hat)-, inhomogene
G. (Math.; Gleichung, bei der mindestens zwei Glieder
verschiedenen Grades auftreten)', eine G. aufstellen; Ü er wollte
seine Ideale in die Praxis umsetzen, aber die G. ging nicht
auf; im Sinne der ... G. von Sozialismus und Demokratie
(Stamokap 110).
Gleis Iglais). das; -es, -e ItGeleise): a) aus zwei in
gleichbleibendem Abstand voneinander laufenden / auf Schwellen
verlegten] Metallschienen bestehende Fahrspur für
Schienenfahrzeuge: -e verlegen, erneuem; Überschreiten der -e
verboten; der Zug läuft auf G. 5 ein; die Räder sind aus
dem G. gesprungen; ein totes (unbermtztes) G.; Ü auf/in
ein falsches G. geraten; die Unterhaltung ist in ein
politisches G. gekommen; *[in den folgenden Wendungen (mit
Ausnahme der ersten) bedeutet ..Gleis44 urspr. die
eingefahrene Spur der Wagenräder auf Landstraßen, auf deren
Einhalten der Fahrer zu achten hatte] hndn.. etw. auf ein
totes G. schieben (auf einen Platz stellen, rücken, wo kein
Weiterkommen mehr möglich ist, wo die Person, die Sache
in Vergessenheit gerät; abschieben): die Reformen dürfen
nicht wieder auf ein totes G. geschoben werden; der
Parteisekretär wurde mit diesem Posten auf ein totes G.
geschoben (kaltgestellt); aus dem G. kommen (die gewohnte
Ordnung u. Regelmäßigkeit verlieren); aus dem G.
bringen/werfen (aus der gewohnten Ordnung reißen): Diese Sache mit
Otto und Anna muß ihn viel mehr aus dem G. geworfen
haben, als er bisher gedacht hat (Fallada. Jeder 17); im
G, sein (in Ordnung sein); wieder ins [rechte] G. kommen
(sich wieder richtig einspielen; die gewohnte Ordnung
zurückgewinnen); wieder ins [rechte] G. bringen (zurechtrük-
ken, in Ordnung bringen); sich in ausgefahrenen -en bewegen
(einfallslos, unselbständig handeln); b) (selten) einzelne
Metallschiene, einzelnes Seitenglied des Gleises (a): er lief
zwischen den -n entlang, von Schwelle zu Schwelle tretend;
Durch die Wucht des Aufpralls wurde die schwere Lok
... aus den -en gehoben (MM 28. 8. 69. 11).
gleis-. Gleis- -anläge, die: die gesamte mit
Eisenbahnschienen belegte Fläche: der Bahnhof mit allen -n; -anschlufl,
der: Gleise, auf denen die f Haupt Jeisenbahnlinie erreicht
werden kann: der G. reicht unmittelbar an die Kaimauer;
die Fabrik hat ihren eigenen G.; -arbeiten <P1.>: / Ausbesse-
rungs]arbeiten an den Gleisen; -bau, der <P1. -bauten),
dazu: -bauer, der: Facharbeiter für das Verlegen von
Schienen u. die Herstellung des Unterbaus (Berufsbez.); -bettung,
die: t Bettung; -bremse, die (Eisenb.): in den Gleisen (auf
Rangierbahnhöfen) angebrachte, vom Stellwerk aus bediente
Anlage, durch die die Geschwituligkeit von Wagen, die
rangiert werden, abgebremst werden kann; -dreieck, das: aus
drei Weichen u. drei Schienensträngen bestehende
Verbindung von Gleisen in Form eines Dreiecks, die
Schienenfahrzeugen den unmittelbaren Übergang in eine andere Richtung
od. das Wenden ohne Drehscheibe o. ä. ermöglicht; -kette,
die (Technik): Kette aus ineinandergreifenden, durch Bolzen
beweglich verbundenen Laschen für geländegängige
Fahrzeuge; Raupenkette, dazu: -kettenfahrzeug, das: Fahrzeug,
dessen Räder auf Gleisketten laufen; Raupenfahrzeug; ^kör-
per. der: Bahngleise mit Unterbau; ^los <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.): ohne / Straßenbahn /gleise: für -en Verkehr
eintreten; -meßfahrzeug, das (Eisenb.): Schienenfahrzeug,
meist Triebwagen, mit dem die Gleisanlagen auf
Verformungen u. Schäden überprüft werden; ^sperre, die (Eisenb.):
auf ein Gleis montierte klotzförmige Vorrichtung, mit der
verhindert werden kann, daß Wagen auf einen gesperrten
1050
gletscher-, Gletscher-
Gleisabschnitt rollen; -Verlegung, die: das Verlegen von
Gleisen; -waage, die (Eisenb.): mit einer Wiegevorrichtung
versehenes Gleisstück zum Wiegen von Güterwagen;
-Wechsel, der: a) (Bergbau) Ausweichstelle auf einer eingleisigen
Strecke einer Grubenbahn unter Tage; b) Verbindungsstelle
zwischen Gleisen* die den Wechsel eines Straßenbahnzuges
von einem Gleis auf ein anderes ermöglicht; ^werker, der:
Facharbeiter bei der Bahn (Benifsbez.).
-gleisig [-glaizKj] in Zusb.. z. B. eingleisig, zweigleisig.
Gleisner fglaisnB). der. -s, - [mhd. gllsnere. gelichs(e)naere.
zu mhd. gelichesen. ahd. gilThhisön = es jmdm. gleichtun,
sich verstellen, heucheln, zu T gleich) (veraltet): Heuchler;
ein Lügner und G.; <Abl.:> Gleisnerei, die; - (geh..
veraltend): Heuchelei; ... gegen den Geist der Zersetzung,
welcher sich hinter jener seraphischen G. verberge (Th. Mann.
Zauberberg. 724); gleisnerisch <Adj.> (geh.. veraltend):
heuchlerisch, scheinheilig; mit -er Freundlichkeit; Und mit
dieser Konstruktion, die viele Juristen als ..gleisnerisch"
und viele Laien als ..infamen Dreh** bezeichneten, war
das Ehrenschild... notdürftig geflickt (Mostar. Unschuldig
138).
Gleiße I'glajsa]. die; -. -n [wahrsch. so benannt, weil die
Blätter im frischen Zustand stark glänzen, zu T gleißen]
(landsch.): svw. tHundspetersilie; gleißen <sw. V.; hat;
landsch. auch stark: gliß. geglissen) [mhd. glben. ahd.
gli3(3)an. verw. mit tgelbl (dichter.): stark u. spiegebul
I metallisch] glänzen; die Sonne gleißt weiß über der
dampfenden Küste (Frisch. Gantenbein 380); Falsche Brillanten
gleißen an ihren Ohren (Th. Mann. Krull 132); in dem
Fjord, der gliß wie flüssige Glut zwischen schwarzen
Schlackenrändern (Gaiser. Jagd 77); <meist im 1. Part.):
gleißendes Licht; gleißend hell; ihre Schultern hoben sich
aus gleißendem Atlas (Fussenegger. Haus 30); Ü vor allem
die von Wahrheit gleißenden Ausreden des Lügners (Wer-
fel. Himmel 192).
gleit-. Gleit- I'glait-]: -bahn, die (Flugw.): Bahn beim
Gleitflug; ^bein, das (Leichtathletik): beim Kugelstoßen das nach
hinten gestreckte Bein, das beim Abdrücken flach über den
Boden gezogen wird, ohne ihn dabei zu berühren; ^boot,
das: schnelles Motorboot, das sich durch seine
Geschwindigkeit aus dem Wasser hebt u. /mit bes. ausgebildeten
Tragflügeln] auf der Wasseroberfläche gleitet; -fläche, die: glatte
Fläche, auf der etw. [entlang]gleiten kann; -flug, der:
schwebender, leicht abwärts führender Flug ohne
Flügelschlag (bei Vögeln) od. ohne Motorantrieb (bei
Flugzeugen); im G. niedergehen, landen, dazu: -flugzeug, das:
svw. T Segelflugzeug; -gesdwindigkeit, die:
Geschwindigkeit, mit der ein Schiff o. ä. ohne mechanischen Antrieb
auf einem Fluß o.a. fährt; -hang, der (Geogr.): flacher
Hang an der Innenseite einer Flußbiegung. Flachhang (Ggs.:
Prallhang); -klausel, die: Klausel in einem Vertrag.
Vereinbarung, daß die Höhe einer Zahlung (z. B. Mietszahlung.
Gehaltszahlung) nach einer bestinvnten Frist den
veränderten / Lebenshaltungs]kosten angepaßt wird; in einen Vertrag
eine G. einbauen; -kufe, die (Fliegerspr.): unter dem Rumpf
mancher Segelflugzeuge angebrachte Kufe, auf der sie beim
Start u. bei der Landung gleiten; -lager, das (Technik):
Lager mit feststehenden, in einem Gehäuse eingebauten
Lagerschalen, über deren Flächen ein sich drehender [ von einem
Ölfilm getragener] Zapfen gleitet; -vlaut, der (Sprachw.):
svw. t Übergangslaut; -mittel, das: 1. (Med.) a) Zusatzstoff
bei Medikamenten. Kathetern u. ä., der leichteres, gleitendes
Eindringen ermöglicht; b) Zusatzstoff bei Abführmitteln,
durch den der Kot geschmeidiger werden soll. 2. (Technik)
Zusatzstoff, der bei Preß- u. Spritzgußmassen das plastische
Verformen erleichtert; -schiene, die: Leinwandflächen, die
in -n vor- und zurückgezogen werden konnten (Bild. Kunst
3. 73); -schütz, der (Kfz.-T.): Schützt mittel] gegen das
Gleiten der Räder auf glatter Fahrbahn; Schneeketten sind
der sicherste G.; -sicher <Adj.:> gegen Ausgleiten, Rutschen
gesichert; -e Reifen; die Gehwege müssen g. gestreut
werden; -siditbrille.die: vgl. -sichtglas; -sichtglas, das
(Augenoptik): aus einem Stück geschliffenes Brillenglas mit
stufenlos wirksamer Optik, das einen gleitenden Übergang vom
Teil für die Ferne zum Teil für die Nähe schafft u. auf
diese Weise eine Art natürliches Sehen ermöglicht; -stoß,
der (Fechten): svw. TFilo; -wachs, das (Skilauf): Wachs,
das die Lauffläche der Skier bes. glatt macht u. das Festbak-
ken von Schneeklumpen verhindert (Ggs.: Steigwachs);
-winkel, der: Winkel, den die Gleitbahn eines Flugzeugs
im Landeanflug mit der Erdoberfläche bildet; -zeit, die:
a) (bei gleitender Arbeitszeit) Zeitspanne außerhalb der
Fixzeit, in der der Arbeitnehmer Arbeitsbeginn bzn>. -ende
frei wählen kann: Im Rahmen der ..Gleitzeiten'* können
die Angehörigen der Behörde von 6 Uhr 30 bis 8 Uhr
30 den Beginn und von 16 bis 19 Uhr das Ende ihrer
Arbeitszeit wählen (Tagesspiegel 25. 12. 70, 13); b) (in
Stunden ausgedrückte) Zeitsumme, die ein Arbeitnehmer
gegenüber der insgesamt nötigen Stundenzahl zu viel oder
zu wenig abgeleistet hat: mir fehlen noch 3 Stunden G.;
ich habe 12 Stunden G. gespart; c) (ugs.) svw. tgleitende
Arbeitszeit, dazu: -zeiturlaub, der: zusätzlicher Urlaub-
Istag], den ein Arbeitnehmer für ersparte Gleitzeit (b)
nimmt.
gleiten fglaitn] <st. V.> [mhd. gllten. ahd. glitan, wahrsch.
eigtl. = blank, glatt sein]: 1. <ist> a) schwebend fliegen:
durch die Luft g.; die Möwen gleiten im Wind; ... gerät
Paasch in einen absurden Traum, in dem Gott und er
in einer Flasche durch das Weltall gleiten (Fries, Weg
72); das Flugzeug glitt sanft zu Boden; b) sich leicht u.
gleichmäßig, fast schwebend über eine Fläche hinbewegen:
über das Eis g.; die Segelboote gleiten über das Wasser;
die Tanzpaare gleiten über das Parkett; der Tanker glitt
über die Helling ins Hafenbecken; seine Hände glitten
hin und her. die Tür glitt ins Schloß; Ü seine Blicke glitten
über ihren Körper, in die Ferne; c) sich leicht u. gleichmäßig
nach unten bewegen; herabgleiten: aus dem Sattel g.; sie
glitt ins Wasser; ich aber ließ mich von meiner Zaunstange
g. (Broch. Versucher 164); die Decke war von ihren Füßen
geglitten; Ü Aus dem Weinen glitt sie sanft in den Schlaf
(Rinser. Mitte 188); das Geld gleitet ihm aus den Händen
(er gibt es aus, fast ohne es zu bemerken, kann es nicht
zusammenhalten); d) (selten) ausrutschen, ausgleiten: Er
glitt und taumelte gegen den Eisenzaun (Gaiser, Schlußball
199). 2. (ugs.) Arbeitsbeginn u. -ende im Rahmen der
gleitenden Arbeitszeit frei wählen <hat>: ... daß Arbeitnehmer,
die an Gleitzeit gewöhnt sind, nur noch ihre Stelle
wechseln, wenn sie auch im neuen Unternehmen g. können
(MM 17. 10. 70. 7); <1. Part.:) gleitend: wandelbar, sich
/nach bestimmten Gesetzen] verschiebend, verändernd Cm
bestimmten Fügungen): -e Arbeitswoche (/bei Fabriken,
deren Arbeitsschichten an Wochenenden weiterlaufen]
Arbeitswoche mit wechselnden freien Tagen); -e Arbeitszeit
(Arbeitszeitregelung, bei der der Arbeitnehmer in einem
bestimmten Rahmen Beginn u. Ende der Arbeitszeit frei
wählen kann); -e (den steigenden Preisen sich anpassende)
Lohnskala; Gleiter, der. -s. - [engl.-amerik. glider]
(Fliegerspr.): svw. tGleitflugzeug (Segelflugzeug,
Drachenflieger u.a.).
Glencheck ['glentjek], der; -[s]. -s [engl, glen check, zu schott.
glen = Tal (Phantasiebildung des 20. Jh.s nach den für
die schottische Landschaft charakteristischen engen
Tälern) u. engl, check = Schachbrett-. Karomuster]: a) aus
hellen u. dunklen Fäden entstandenes großflächiges
Karomuster: der Stoff ist in G. gemustert; b) Gewebe (Anzug-
od. Mantelstoff) mit diesem Muster: ein blaßlila G. aus
Trevira (MM 11. 11. 59. 6); c) Anzug aus diesem Gewebe:
er trug einen eleganten G.; <Zus.:> Glencheckanzug, der.
Glencheckmantel, der.
Gletscher [gletJH der; -s. - [walliserisch glaier < vlat.
•glaciärium = Eis; Gletscher, zu: glacia = Eis < lat.
glaciesl: großes Eisfeld, Eismassen, die sich in hochgelegenen
Gebirgsschluchten durch den von den Bergspitzen
abschmelzenden und wiedergefrierenden Schnee bilden: der G.
schmilzt, geht zurück; G. bedecken den Berghang; der
G. kalbt (Eismassen brechen von ihm ab).
gtyscher-. Gletscher-: -artig <Adj.; o. Steig.): ^badi. der:
unter einem Gletscher fließender u. am Ende der
Gletscherzunge austretender, aus Schmelzwasser gespeister Bach;
-brand, der: im Hochgebirge durch ultraviolette Strahlung
u. deren Reflexion an Schnee u. Eis hervorgerufener starker
Sonnenbrand; -brille, die: Sonnenschutzbrille für Touren
auf einem Gletscher; ^eis, das; -fahrt, die; svw. Ktour:
^fall, der: svw. T ^sturz; -feld, das: /flache]
zusammenhängende Oberfläche eines Gletschers; -floh, der: kleines,
schwarzes Urinsekt, das oft in Massen auf alpinen Schnee-
u. Eisflächen auftritt; -forschung,die; ^gebiet, das; -künde,
die: svw. TGlaziologie; -milch, die (Geol.): (durch
mitgeführten feinsten Schutt) milchig-trübes Wasser eines
Gletscherbachs; -mühle, die [nach der Ähnlichkeit mit dem
1051
Gleve
Mahlgang von Kaffeemühlen o.ä.l (Geol.): vom Wasser
spiralförmig ausgespülter Schacht im Eis od. in einem früher
von Gletschereis bedeckten Fels; -nelke, die: Staude mit
steifen, grasartigen, in Büscheln angeordneten Blättern u.
roten, der Nelke ähnlichen Blüten, die als Steingartenpflanze
beliebt ist; -schliff, der (Geol.): durch die Reibung von
Gletschereis u. Geröll auf dem Fels entstandener glatter
Schliff; -spalte, die: Spalte im Gletschereis: in eine G.
stürzen; -stürz, der: stückweises Herabstürzen eines
Gletschers an einer Felskante; Gletscherfall; -tisch, der (Geol.):
von einer Steinplatte bedeckter u. dadurch vor dem
Abschmelzen geschützter, säulenartiger Eisblock auf einem
Gletscher; -topf, der (Geol.): durch Strudel entstandene
Höhlung am Grund einer Gletschermühle; -tor, das (Geol.):
am Ende der Gletscherzunge im Eis entstandene, gewölbear-
tige Austrittsöffnung für den Gletscherbach; -tour.die: [mit
Spezialausrüstung u. Seilsicherung zu unternehmendej
Hochgebirgsfour über einen Gletscher; -wasser, das;
-Zunge, die (Geol.): nach vorn schmaler werdendes u. zungenartig
auslaufendes Ende eines Gletschers.
Gleve [gle:fd]. die; -. -n [mhd. gleve < afrz. glaive <
provenz. glavi = Vermischung von lat. gladius = Schwert
mit clava = Keule): 1. im Mittelalter gebräuchliche helle-
bardenähnliche Hieb- u. Stichwaffe mit einschneidiger,
messerförmiger Klinge. 2. kleinste militärische Einheit der
mittelalterlichen Ritterheere. 3. (Her.) obere Hälfte einer
Lilie in einem Wappen.
Gl» [gli:a]. die; - [griech. glia = Leim]: svw. tNeuroglia:
Gliadin [glia'dhn]. das: -s (BioL): entfache eiweißartige
Verbindung im Getreidekorn (bes. in Roggen u. Weizen).
Glibberf glibe], der; -s (nordd.): schlüpfrige, glitschige
Igallertartige I Masse, schmierige Flüssigkeit: sich den G. von
den Händen waschen; glfbbern <sw. V.; hat) [niederl. glib-
beren = gleiten, glitschen] (nordd.): sich schwankend
bewegen, wackeln: der Boden glibbert unter meinen Füßen;
<Abl.:> gljbberig <Adj.; nicht adv.) [niederl. glibberig]
(nordd.): schlüpfrig, glitschig: -e Quallen; <Zus.:> Gljbber-
pudding, der (nordd. scherzh.): mit Gelatine bereitete
Nachspeise, Götterspeise.
glich [glu;]: t gleichen.
Glider ['glaide], der; -s, - [engl, glider = Segelflugzeug]:
Flugzeug ohne eigenen motorischen Antrieb, Lastensegler;
Gleit-, Segelflugzeug; Gleiter.
Glied [gli:t]. das: -[e]s, -er [mhd. gelit, ahd. gilid; ge-Bildung
zu gleichbed. mhd. lit, ahd. lid, eigtl. = Bewegliches.
Biegsames (am Körper); 2: Übers, von lat. membrum virile,
mhd. lit, ahd. lid]: 1. a) (bei Mensch u. Tier) beweglicher,
durch ein Gelenk mit dem Rumpf verbundener Körperteil:
kräftige, schmale, bewegliche -er; ein künstliches G.
(Prothese); die -er sind ihm steif vor Kälte; mir tun alle -er
weh; sei froh, daß du noch gesunde -er hast; alle -er
von sich strecken; [vor Kälte, Schrecken] kein G. rühren
können (sich nicht bewegen können, wie gelähmt sein);
an allen -em zittern (vor Angst od. Aufregung heftig, am
ganzen Körper zittern): die Angst, das Schwächegefühl,
die Krankheit steckte/saß ihm [noch] in den -em (hatte
seinen ganzen Körper erfaßt); der Schreck fuhr ihm
in die -er/durch alle -er (erfaßte ihn ganz, traf ihn
schlagartig); b) (Anat.) Gliedteil zwischen zwei
Gelenken: ein Finger besteht aus drei -em; ich habe mir ein
G. am Mittelfuß verstaucht. 2. das äußere männliche
Geschlechtsorgan; Penis: das männliche G.; Durch nichts
als ... Vorstellung ... gelangt das G. ... zur prächtigsten
Erektion (Zwerenz, Kopf 16). 3. eines der
ineinandergreifenden Teilstücke, die zusammen eine Kette bilden: eiserne
-er; jede Kette ist so stark wie das schwächste ihrer -er,
ein Armband aus goldenen -ern; U es fehlt noch ein G.
in der Kette der Beweise; die Erzieher ... machen „das
schwächste G.%t der sozialen Kette aus (Spiegel 4. 1973.
79). 4. Teil eines Ganzen: die -er eines Satzes, einer
Gleichung; ein nützliches G. (Mitglied) der Gesellschaft; so
ist die Baumschicht im soziologischen Aufbau des Waldes
die herrschende Schicht, die übrigen sind dienende -er
(Mantel, Wald 16). 5. a) Reihe einer angetretenen
Mannschaft: das erste G. tritt einen Schritt vor; aus dem G.
treten; ins G. zurücktreten; im G. stehen: der Mann im
drittenG.; in Reihen zu drei -ern antreten!; Ü Es gibt Pausen
auch für die tüchtigsten Völker, man muß nicht immer
im ersten G. stehen (Augstein, Spiegelungen 40); b) (geh..
veraltet) Geschlechterfolge, Generation: er konnte seine
Vorfahren bis ins zehnleG. zurück verfolgen; derdie
Missetat der Väter heimsucht an den Kindern bis ins dritte
und vierte G. (2. Mos. 20. 5).
glfcd-, Glied-: -kunche, die: verwaltungstnäßig] selbständige
Kirche als Glied einer größeren Vereinigung; -maße, die:
tGliedmaße; -satz, der (Sprachw.): abhängiger Satz in
einem Satzgefüge; Nebensatz (Ggs.: Hauptsatz): einen G.
mit Komma abtrennen; -Staat, der: einzelner Staat eines
Bundesstaates od. Staatenbundes; Bundesstaat (2): die
Staatsgewalt ist zwischen -en und Gesamtstaat aufgeteilt;
-weise <Adv.>: Glied für Glied: g. vortreten.
glieder-, Glieder- [gli:dp-]: -armband, das: aus einzelnen
Gliedern (3) bestehendes Armband; -hau, der <o. Pl.>: Bau
der Glieder (la): ein Mann von kräftigem G.; -fußer.
der(Zool): Vertreter eines mit einem Chitinpanzer
versehenen, Insekten, Krebstiere, Spinnentiere, Tausendfüßer u.
andere Gruppen unifassenden Stammes aus der Stammgruppe
der Gliedertiere; -kaktus, der: Kaktus mit flachen, aus
einzelnen Gliedern (4) zusammengesetzten Sprossen
(Blattabschnitten) u. großen, rosa bis tiefroten Blüten, der als
Topfpflanze beliebt ist; Weihnachtskaktus; -kette, die;
-lahm <Adj.; o. Steig.; nicht adv>: (vor Müdigkeit, langem
Verweilen in unveränderter Haltung o. ä.) steif, unbeweglich
in den Gliedern (1 a): nach der langen Fahrt in dem kleinen
Auto bin ich ganzg.; -maßstab, der (Technik): svw. T
Zollstock; -meter, der (Schweiz.): svw. t-maßstab; -puppe,
die: Puppe mit beweglichen Gliedern (la); -reißen, das
(ugs.): svw. t ^schmerz: ^satz, der (Sprachw.): Satz, der
aus mehreren Gliedern (4) besteht; Satzgefüge, Periode,
Großsatz; -schmerz, der: ziehender Schmerz in einem Glied
(la) od. in allen Gliedern (als Symptom verschiedener
Krankheiten): -schwere, die: subjektives Gefüllt, als hätten
Arme u. Beine an Gewicht zugenommen u. wären nur mit
Anstrengung zu bewegen; bleierne Müdigkeit; -sucht, die
<o. PL> (mundartl.. Schweiz.): Rheuttiatismus; -tier, das
(Zool.): Vertreter einer Tierart, bei der der Körper in mehr
od. weniger gleichartige Segmente gegliedert ist; -wurm,
der: svw. f Ringelwurm; -zucken, das; -s: unkontrollierte,
krankhafte Bewegung der Glieder da); -zug. der: aus eng
aneinandergekoppelten Teilen bestehender / Triebwagen ]zug
bei Eisenbahn od. Straßenbahn.
gliedern [gli:dBnl <sw. V.; hat> [spätmhd. gelideren, zu
tGlied]: a) etw. Zusammenhängendes [übersichtlich u.
schwerpunktmäßig, nach bestimmten Gesichtspunkten! in
einzelne Abschnitte einteilen, ordnen: einen Aufsatz g.; seine
Gedanken sinnvoll, nach bestimmten Gesichtspunkten g.;
das Buch ist in einzelne Abschnitte gegliedert; b) <g. +
sich) in verschiedene, unterscheidbare, aber
zusammen/längende Teile untergliedert sein: Die Lehre von der Politik
gliedert sich heute ... in drei Gebiete (Fraenkel. Staat
268); eine strafThierarchisch gegliederte Organisation; eine
reich gegliederte (Geogr.; buchtenreiche) Küste; <Abl.:>
Gliederung, die; -. -en: 1. a) das Gliedern, Aufteilen: eine
G. nach bestimmten Gesichtspunkten; sich um eine
übersichtliche G. bemühen; b) das Gegliedertsein; Aufbau,
Einteilung: die gesellschaftliche G. eines Volkes; Die
Langhauswand zeigt differenzierte -en durch Wandsäulen und
pilasterartige Bauglieder (Bild. Kunst 3. 18). 2. (ns.)
Gruppe, Formation: die Partei und ihre -en; <Zus.:> GUfiderungs-
prinzip, das: Grundsatz der Einteilung: nach einem
einheitlichen G. suchen; Gliedmaße ['gli:tma:s3], die: -. -n (meist
PI.) [mhd. gelidmäje = Maß. rechtes Verhältnis der
Glieder. Leibeslänge, gelidema^e = Glied. Gliedmaßen; 2.
Bestandteil zu Tmessen (die Glieder wurden als Maße
verwendet)]: svw. TGlied (la): die vorderen, hinteren -n des
Hundes; an den unteren -n gelähmt sein; Was aber den
vollschlanken Frauenarm angeht, so sollte man bei dieser
G. sich gegenwärtig halten, daß sie nichts anderes ist als
der Krallenflügel des Urvogels (Th. Mann. Krull 311);
-gliedrig [-glirdru;] in Zusb.. z. B. feingliedrig (von feinetn
Gliederbau).
Glima [gli:ma], die; - [isländ. glima]: alte, noch heute übliche
Form des Ringkampfs in Island.
Gljmm- (gelegtl. mit Glimmer- wechselnd): -Entladung, die
(Elektrot.): Form der Gasentladung, bei der an den
Elektroden ein Glimmlicht u. dazwischen eine leuchtende Saide
entsteht; -faunpe, die (Elektrot.): meist als Signal- od.
Kontrollampe verwendete, überwiegend mit Neon gefüllte, kleine
Lampe, die nur das bei der Glimmentladung entstehende
rötliche Glinunlicht ausnutzt; -licht, das (Elektrot.): bei
1052
Glochidium
einer Glimmentladung an den Elektroden auftretende,
schwach glühende Lichterscheinung; -raupe, (auch:) Gljm-
merraupe. die (niederd.): svw. f Leuchtkäfer; -Stengel, der
[seit Anfang des 19. Jh.s zunächst als Ersatzwort für
.Zigarre" verwendet] (ugs. scherzh.): Zigarette; -ström, der
(Elektrot.. selten): bei einer Glimmentladung fließender
Strom; -wurm, (auch:) Gl|mmerwurm. der (niederd.): svw.
I Leuchtkäfer.
glimmen [glmisn] <st., auch sw. V.) [mhd. glimmen =
glühen, wohl zu: gllmen = leuchten, glänzen]: ohne Flamme
schwach brennen; schwach glühen; die Zigaretten glimmten,
(geh.:) glommen in der Dunkelheit; unter der Asche glimmt
noch das Feuer; Ü in seinen Augen glomm ein gefährlicher
Funke; eine letzte Hoffnung glomm noch in ihr; der Streit
glomm unter der Oberfläche (Jaeger, Freudenhaus 124).
Glimmer ['gltme], der; -s. - [zu f glimmern]: 1. glänzendes
Mineral, das in vielen Gesteinen in blättrig-tafeliger Form
vorkommt. 2. (selten) schwacher Glanz. Schimmer.
Gljmmer- (gelegtl. mit Glimm- wechselnd): -raupe, (auch:)
Gljmmraupe. die (niederd.): svw. T Leuchtkäfer; -schiefer,
der: im wesentlichen aus Glimmer u. Quarz bestehendes
Gestein mit schieferartiger Struktur; -wurm (auch:) Gljmm-
wurm, der (niederd.): svw. t Leuchtkäfer.
glimm[e]rig ['ghmfolnf] <Adj.> (veraltend): 1. schimmernd,
schwach glänzend. 2. Glimmer (1) enthaltend; -es Gestein;
glimmern l'glimnn] <sw. V.; hat) [mhd. glimmer(e)n =
glänzen, leuchten, zu t glimmen]: schimmern, schwach
glänzen; und hinter einem Gitter von Reben glimmert der
See (Frisch, Stiller 413); Da fiel sein Blick auf das Rotlicht,
das am Instrumentenbrett glimmerte (Gaiser. Jagd 11);
glimmernde Granite.
'Glimpf [gliiTOjil. der; -[e]s. -e [H. u., vielleicht identisch
mit spätmhd. glimpf = herabhängendes Gürtelende als
Zierat] (Schweiz.): Nadel zum Durchziehen (1).
^Glimpf [-]. der; -[eis [mhd. g(e)limpf. ahd. gilimpf =
angemessenes Benehmen, zu untergegangenem mhd. gelimpfen,
ahd. gilimpfen = etw. angemessen tun. rücksichtsvoll seinl
in der Fügung mit G. (geh.. veraltet; glimpflich): wir sind
mit G. davongekommen; glimpflich <Adj.) [mhd. gelimpf-
lich. ahd. gilimpflih, entw. zu mhd. gelimpf = angemessen
od. zu mhd. gelimpfen, ahd. gilimpfen = etw. angemessen
tun. rücksichtsvoll sein od. zu TGlimpf): 1. <nicht präd.)
ohne größeren Schaden, ohne schlimme Folgen /abgehend/:
der -e Ausgang einer Sache; er ist noch g. davongekommen.
2. mild, schoneml. nachsichtig: ein -es Urteil; die Strafe
war recht g.; er behandelte ihn nicht gerade g.. dazu Gljmpf-
lichkeit. die; -.
Glioblastom [glio-]. das; -s, -e [zu griech. glia = Leim u.
T Blastom] (Med.): bösartiges Gliom; Gliom [gli'o:m]. das;
-s, -e u. (Fachspr.:) -a [zu griech. glia = Leim] (Med.):
Geschwulst im Gehirn. Rückenmark od. an der Netzhaut
des Auges; Gliosarkgm [glio-]. das; -s, -e [zu griech. glia
= Leim u. TSarkom] (Med. veraltet): svw. TGlioblastom.
Glissade [gli'sa:dd], die; -. -n [frz. glissade. zu: glisser =
gleiten] (Ballett): dicht über dem Boden ausgeführter
Gleitschritt; glissando [glisando] <Adv.) [ital. glissando, zu frz.
glisser (vgl, Glissade). geb. nach accelerando u. ä.) (Musik):
(über mehrere Töne hinweg) gleitend. <subst.:> Glissando
[-], das; -s, -s u. ...di (Musik): das Gleiten (über mehrere
Töne hinweg).
Glissonschlinge [glisn-]. die; -. -n [nach dem engl. Anatomen
F. Glisson (1597-1677) (Med.): Zugvorrichtung zur Strek-
kung u. Entlastung der Wirbelsäule bei der Behatullung
von Wirbelsäulenerkrankungen.
Glitschbahn ['glitj-]. die; -. -en. Gljtsche, die; -. -n (mund-
artl.): Schiitterbcüm; glitschen [glitfn <sw. V.) [spätmhd.
glitschen, glitzschen. zu tgleiten]: 1. (ugs.) rutschen, lausj-
gleiten <ist>: die Seife ist mir aus der Hand geglitscht;
die Füße trotteten und schleiften und glitschten über die
Straße (Plievier. Stalingrad 347). 2. (landsch.) schlittern
(hat/ist): die Kinder haben den ganzen Nachmittag
geglitscht; sie sind über den gefrorenen See geglitscht; glit-
sdi[e]rig ['glitjfo)!^] <Adj.; nicht adv.) seltener für T
glitschig (1): glitschig <Adj.; nicht adv.> (ugs.): 1. schlüpfrig,
glatt: der -e Fisch ist mir aus der Hand gerutscht; der
Torwart konnte den -en Ball nicht festhalten; der Rasen
war g.; die Wege sind vom Regen aufgeweicht und g.
2. (landsch.) (von Kuchen o. ä.) nicht richtig durchgebacken,
nicht ganz ausgebacken, noch teigig: der Kuchen, das Brot
ist innen noch g.
Glitt [gilt], der; -[e]s, -e (ugs. scherzh.): gleitende Arbeitszeit:
Eine Schar von Gleitspezialisten brütet und tüftelt an dem
vorteilhaftesten G. (MM 18. 10. 75. 6).
Glitzer ['glitsßj. der; -s, - (veraltet): ein Glitzern. Funkeln;
gljtz[e]rig <Ädj.; nicht adv.> (ugs.): glitzernd: -e
Regentropfen: glitzern ['ghtsen] <sw. V.; hat) [zu mhd. glitzen =
glänzen]: im Licht immer wieder in kleinen, aber kräftigen
silbrigen Funken vielfältig aufblitzen: die Sterne glitzern;
der Schnee glitzert in der Sonne, an den Felswänden;
der Schmuck glitzerte hell; Die Sonne glitzerte auf dem
nassen Badeanzug (Salomon. Boche 42); ein glitzernder
Weihnachtsbaum; Ü Rose sah den Bullen ins Auge, darin
glitzerte unergründliche Gefahr (Apitz. Wölfe 233);
<subst.>: ich sah ein Glitzern in ihren Augen; Glitzersachen«
die <P1.) (ugs.): Juwelen; Schmuck.
global [globa:l] <Adj.; o. Steig.) [zu tGlobus]: 1. auf die
ganze Erde bezüglich; weltumspannend: ein -er Konflikt;
etw. hat -e Auswirkungen. 2. a) umfassend, gesamt: ein
-es Wissen haben; die Kompetenzen des Staates in der
strukturellen und -en Wirtschaftssteuerung (Stamokap 41);
b) nicht ins Detail gehend, allgemein, ungefähr: nur eine
-e Vorstellung von etw. haben.
Global-: -abkommen, das: vgl. -Vereinbarung; -Steuerung,
die (Wirtsch.): Einsatz wirtschafts- u. finanzpolitischer
Mittel zur Erreichung eines gesamtwirtschaftlichen
Gleichgewichts; -Strahlung, die (Met.): Summe aus Sonnen- u.
Himmelsstrahlung; -Strategie, die: Diese provokativen Akte
sind integrierter Bestandteil der imperialistischen G. gegen
die ... demokratischen Kräfte Afrikas (Neues D. 8. 11.
76.1); -summe, die: [ungefähre] Gesamtsumme: die
Stempelgebühr zahlt der Klient, oder sie wird in der G. des
Honorars verborgen (Fischer. Wohnungen 12); -urteil,
das: svw. t Pauschalurteil; -Vereinbarung, die: umfassende
Vereinbarung ohne genaue Festlegung von Einzelheiten;
-vertrag, der: vgl. ^Vereinbarung.
Globen: PI. von TGlobus.
Globetrotter [glo:botn>u>. glo:ptrcte, engl.: gloobtroto],
der, -s, - [engl, globe-trotter. zu: globe = Erdball (TGlobus)
u. to trot = traben, laufen]: Weltenbunvnler: 45 G. aus
Amerika machten auf ihrer Europareise Station in
Hamburg (Enzensberger. Einzelheiten I, III).
Globiger ine [globigeri.na], die; -. -n (meist PI.) [nlat.
Bildung zu lat. globus (TGlobus) u. gerere = an sich tragen,
haben, nach dem kugelförmigen Aussehen]: in allen Meeren
vorkommende kleine Foraminifere mit poröser Kalkschale,
deren einzelne blasig aufgetriebene Kammern oft lange
Schwebestacheln aufweisen; <Zus.:> Globigerinenschhmm,
der; -[e]s. -e u. ...schlämme: aus den Schalen der Globigeri-
nen entstandene, kalkreiche Ablagerung in der Tiefsee;
Globin [glo'bhn], das; -s [zu lat. globus (TGlobus), nach dem
kugelförmigen Aussehen der roten Blutkörperchen, in
denen es enthalten ist] (Med.. Biol.): Eiweißbestandteil des
Hämoglobins; Globoid [globoi:t], das; -s, -e [zu lat. globus.
TGlobus]: 1. (meist PI.) (Biol.) kugelförmiges Gebilde, das
in den Aleuronkörnem pflanzlicher Speichergewebe
enthalten ist. 2. (Geom.) Fläche, die von einem um eine beliebige
Achse rotieremlen Kreis erzeugt wird; Globularia [globu'la:-
rja], die; -. ...ien [...pn; nlat. Bildung zu lat. globulus
= Kügelchen, Vkl. zu: globus, TGlobus]: svw.
TKugelblume; Globuli: PI. von tGlobulus; Globulin [globu'li:n],
das; -s, -e [zu lat. globulus = Kügelchen, Vkl. zu: globus
(TGlobus), nach dem kugelförmigen Aufbau der Moleküle]
(Med.. Biol.): wichtiger Eiwei/Jkörper des menschlichen,
tierischen u. pflanzlichen Organismus (z. B. in Blutplasma.
Milch. Eiern. Pflanzensamen u.a.); Globulus [glo.bulos],
der; -. ...li [zu lat. globulus. Vkl. zu: globus. TGlobus]
(Pharm.): kugelförmiges Arzneimittel; Globus ['glorbosl.
der; - u. ...busses. ...ben u. (häufiger:) -se [lat. globus
= Kugel. Ball. Klumpen, eigtl. = Zusammengedrücktes.
Geballtes]: 1. a) Kugel mit dem Abbild der Erdoberfläche,
kugelförmiges Modell der Erde. Erdglobus, -kugel (b); b)
kurz für Himmels-, Mondglobus.2. (salopp) /dicker,
runder] Kopf: zieh mal deinen G. ein!; du kriegst gleich eins
an den G.
Glochidium [gbxi:diom]. das; -s. ...ien [...pn; zu griech.
glöchfs = Spitze, nach dem gezähnten Haken am Ende
der Schalenklappen]: Larvenform bestimmter im Sü/Jwasser
lebenden Muscheln mit dreieckigen Schalen, die in einem
beweglichen, gezähnten, zum Festheften an Fischen
dienenden Stachel auslaufen.
1053
Glock
Glock [gbk; tGlocke] in Verbindung mit der in der vollen
od. halben Stunde angegebenen Uhrzeit (landsch.): genau
um .... G. halb zwei verließ Onkel Johann ... das Haus
(Fussenegger. Haus 18); Glöckchen [ glcekipn). das; -s. -:
tGlocke; Glocke [gbks], die; -. -n [mhd. glocke. ahd.
glocca.clocca < air. cloc(c). lautm.J: 1. (Vkl. t Glöckchen)
a) aus Metall bestehender, in der Form einem umgedrehtem
Kelch ähnlicher, nach unten offener, hohler Gegenstand,
der innen mit einem Klöppel versehen ist. durch dessen
Anschlag an der Wandung der Körper zum Klingen gebracht
wird: eine schwere, bronzene G.; die G. läutet, tönt; die
G. schlägt acht [Uhr), läutet Sturm; die G. zur letzten
Runde (Sport; das mit einer Glocke gegebene Signal für
den führenden Läufer. Radfahrer o.a.) ertönte; er läutet
die -n; eine G. gießen; der Guß einer G.; eine Schnur
mit vielen kleinen -n. Glöckchen; *etw. an die große G.
hängen (ugs.; etw. [Privates. Vertrauliches] überall
erzählen: nach dem Brauch, die Teilnehmer an einer
Gerichtsversammlung durch das Läuten der großen Kirchenglocke
zusammenzurufen): ..Ich möchte nur", sagt er zögernd.
..daß man's nicht an die große G. hängt" (Werfel, Bema-
dette 348); wissen, was die G. geschlagen hat (ugs.; über
etw. Unangenehmes o.a.. was einem bevorsteht, schon
Bescheid wissen): der Junge weiß, was die G. geschlagen
hat. wenn er zu spät nach Hause kommt; die G. läuten
hören, aber nicht wissen, wo sie hängt (ugs.; über etw.
nicht genau Bescheid wissen [u. dennoch darüber reden])'.
b) (veraltend) Klingel: die G. schrillte; Er kam durch die
Glastür, wo er vorher die G. gezogen hatte, herein (wo
er geläutet, geklingelt hatte: Hesse. Steppenwolf 6). 2. etw..
was einer Glocke (la) ä/wlich ist: die -n (Blüten: Vkl.
tGlöckchen) der Narzisse. 3. a) svw. tBowler; b) runder
Damen/wt [aus Filz] mit / leicht gewellter]
heruntergebogener Krempe. 4. kreisrund geschnittener, vorn offener [mit
einer Kapuze versehener] Umliang: der Gentleman, der
mit schwarzer G. über dem grauen Sportanzug durch
Kensington Gardens stolziert (Reinig, Schiffe 115). 5.
glockenförmiger Gegenstand, den man über etw. stülpt (z. B.
Butter-, Käse-. Kuchenglocke): sie legt den Käse, die
restlichen Kuchenstücke unter die G.; Ü eine G. von Nebel
und Dunst hing über der Stadt. 6. (Fechten)
halbkugelförmiger, aus Metall bestehender Schutz für die Hand oberhalb
des Waffengriffs.
glücken-, Glgcken-: ^apfel.der: harter, grüner,
glockenförmiger, säuerlich schmeckender Apfel mit glatter Schale:
^ballten, der: Balken, an dem die Glocke im Turm aufgehängt
ist: ^blume, die (Bot.): zu den Glockenblumengewächsen
gehörende Blume, die als kleinere Staude mit meist blauen,
auch rosafarbenen od. weißen, glockigen, trichter- bis radför-
migen Blüten im Garten gezogen wird od. wild wächst, dazu:
^bhmengewächs, das (Bot.): Vertreter einer bes. in den
gemäßigten Gebieten beheimateten, meist in Form von
Kräutern od. Sträuchern vorkommenden Pflanzenfamilie: -boje,
die: Boje mit eingebauter Glocke, die durch die Bewegung
im Seegang zum Anschlagen gebracht wird: ^brorae, die:
aus Kupfer u. Zinn bestehende Legierung zum Gießen von
Glocken: -form, die <o. PL>: die Blüte hat G., dazu:
-förmig <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: von. in der Form einer
Glocke: in einem -en Sammethut (Th. Mann. Krull 146);
-gelöutle], das <o. PL); -gießer, der: Handwerker, der
Glocken gießt u. Glockenstühle aufstellt (Berufsbez.), dazu:
-gießerei [ '-], die: Handwerksbetrieb, in dem GltKken
gegossen werden: -guß, der <o. PL): das Gießen von Glok-
ken: ^gut, das <o. Pl.>: svw. t ^speise; -beide, die (Bot.):
(zu den Heidekrautgewächsen gehörender) niedriger,
immergrüner Strauch mit nadeiförmigen Blättern u. lebhaft
gefärbten, oft glockenförmigen Blüten, die zu mehreren an
den Etuien der Ästchen stehen: Erika (a); -4iell <Adj.; o.
Steig.): besotulers hell [klingendJ: ein -es Lachen; ihre
Stimme klingt g.; -heim, der: oberster Teil einer Glocke,
an dem sich der Henkel zum Aufhängen befindet: -hose,
die (ugs.): Hose, deren Beine nach unten sehr weit geschnitten
sind: -klang, der; -klar <Adj.; o. Steig.): hell u. klar
[klingend]: eine -e Stimme; sie brach in -es Gelächter
aus; -klöppel, der: -läuten, das; -s; -mantel. der: 1.
Form, in die beim Glockenguß das Metall gegossen wird.
2. svw. tGlocke (4); -putzen, das; -s (landsch.): svw.
t Klingelputzen; -rebe, die: Kletterpflanze mit großen,
glockenförmigen, blauvioletten od. weißen Blüten
(Zierpflanze in Gärten): Cobaea: -rein <Adj.; o. Steig.):
besonders rein [klingend]: ein -er Sopran; ^rock, der: [aus
mehreren Bahnen zusammengesetzter] glockig fallender
Rock: ^schlag, der: Schlag einer Glocke zum Anzeigen
der Zeit: der G. der Kirchturmuhr; *mlt dem, auf den
G. (ugs.; sehr pünktlich)', er betritt jeden Morgen mit dem
G. das Büro; --seil, das: svw. t ^sträng; --speise, die [mhd.
glockensplsel: zum Glockenguß verwendete metallische
Legierung (z. B. Glockenbronze od. Gußstahl); -spiel, das:
1. aus einer Reihung aufeinander abgestimmter Glocken
bestehendes Werk, das. durch einen bestimmten
Mechanismus angetrieben (meist mit Hämmern, die die Glocken
anschlagen), bestimmte Melodien hervorbringt, häufig in
Kirch- od. Stadt türmen aufgestellt u. mit einer Uhr gekoppelt
ist: Von der Kirche her begann ein barockes G. zu läuten
(Augustin, Kopf 97); von dem alten Turm herab ertönte
ein hübsches G. (eine von einem Glockenspiel
hervorgebrachte hübsche Melodie). 2. Musikinstrument, das aus
einer Reihung aufeinander abgestimmter Stäbe, Plättchen
od. Röhren aus Metall besteht, die mit einem Hämmerchen
angeschlagen werden: das G. einer Militärkapelle; die
Schüler spielen die Melodie auf dem G.; -sträng,
der: starkes Seil, mit dessen Hilfe die Glocke
zum Schwingen gebracht wird: ^stube, die: mit
Öffnungen versehener Raum im Glockenturm, in dem die Glocke
aufgehängt ist, -stuhl, der: Gerüst, an dem die Glocke
aufgehängt ist: ^ton, der: ein dumpfer G.; treffer, der
(Fechten): auf die Glocke (6) aufkommender Treffer, der
nicht gezählt wird: ^turm, der: Turm, in dem die Glocke
aufgehängt ist: ^weBie, die (kath. Kirche): Weihe einer
neuen Kirchenglocke: -zeichen, das: mit einer kleineren
Glocke od. Klingel gegebenes Zeichen: auf ein G. hin
nahmen die Theaterbesucher wieder ihre Plätze ein; -zug,
der: Zug od. Strang, mit dem eine Glocke zum Läuten
gebracht wird: der G. der Kirchenglocke.
glockig ['gbki^J <Adj.; nicht adv.): sich wie eine Glocke
nach unten erweiternd, glockenförmig: ein g. geschnittener
Rode; der große -e Gebirgsenzian (Molo, Frieden 26);
Glöckner ['gloekm?]. der, -s. - [mhd. glockerwere] (veraltet):
jmd., der für das Läuten der Glocken zu sorgen hat.
'Gloria ['global, das; -s od. die; - [lat. glöria = Ruhm,
Ehre] (meist iron.): Ruhm, Glanz, Herrlichkeit:
Monarchisten .... die sich beim Rundgang durch Rittersäle und
Schlafgemächer an Preußens vergangener G. berauschen
(Hörzu 44. 1975. 7); TGlanz (b); ^Gloria [-1, das; -s, -s:
nach dem Anfangswort bezeichneter Lobgesang in der
christlichen Liturgie: das G. singen; das große G. (..Ehre sei
Gott in der Höhe"); das kleine G. (,£hre sei dem Vater44);
^Gloria [-1, das od. der; -s. -s [frz. gloria < lat. gloria.
f'Gloria; wie das kleine Gloria (t^Gloria) einen Psalm
abschließt, so rundet eine Tasse Kaffee das Essen ab;
urspr. nur eine einfache Tasse schwarzer Kaffee] (Gastr.):
süßer, starker Kaffee, auf dem ein Löffel Kognak abgebrannt
wird: ^Gloria [-1, die; -: svw. tGloriaseide; Gloriaseide,
die; - [Phantasiebez.]: Halbseidengewebe in Taft-, Köper-
od. Atlasbindung, das meist als Futter- od. Schirmstoff
verwendet wird: Glorie fglo:rj3]. die; -. -n [mhd. glörie <
lat. glöria. T 'Gloria]: 1. (geh.) Ruhm. Glanz: war Napoleons
Feldzug doch der Beginn sagenhafter G. (Jacob. Kaflee
162). 2. (geh.) Lichtkreis. Heiligenschein: die Gestalt des
Engels war von einer G. umgeben. 3. Lichterscheinung
aus hellen farbigen Ringen um den Scliatten eines Körpers
(z. B. eines Flugzeugs od. Ballons) auf einer von Sonne
od. Mond beschienenen Nebelwand od. Wolkenoberfläche,
die durch Beugung des Lichtes an den Wasser tropfchen
od. Eiskristallen der Wolken entstehen: Glorienschein, der;
-[eis, -e: Heiligenschein: Gloriole: Ü Für sie hatte der Tod
keinen G. (sie verherrlichten den Tod nicht: Kirst, 08/15,
292); Gloriette [glo'iieto], die; -, -n [frz. gloriette < mlat.
glorieta = kleines Gebäude. H. u.l: offener Gartenpavillon
in barocken od. klassizistischen Parkanlagen: Glorifikation
[glorifika'tsio.n], die; -. -en [(kirchen)lat. glörifleätio =
Verherrlichung]: Verherrlichung, Glorifizierung:
glorifizieren [...itsi:ran] <sw. V.; hat) Öcirchenlat. glöriflcäre]:
verherrlichen: er wurde als Held glorifiziert; Es grenzt an
Schizophrenie, wenn man den Rennsport einmal verteufelt
und das andere Mal glorifiziert (Hörzu 33. 1973. 91);
<Abl.>: Glorifizjfirung, die; -. -en; Gloriole [glo'rio:b]. die;
-, -n [lat. glöriola, Vkl. zu: glöria. T Gloria): Heiligen-,
Glorienschein: ... und blitzte wie eine himmlische G.
(Schneider. Erdbeben 23); Ü umwoben von der strahlenden
1054
Glück
G. der Toleranz (Friedeil. Aufklärung 57); glorios [glo-
'rjo:s] <Adj.; -er. -este) [lat. glöriösus) (meist iron.):
großartig, glanzvoll: die Zeit der -en Gründerjahre; das war ja
ein -er Reinfall; ich hatte das Gefühl, mich g. aufzuführen
(Dessauer. Herkun 184); glorreich ['glo:^-] <Adj.>: so
beschaffen, daß es als großartig, glanzvoll gerühmt wird:
ruhmreich, herrlich: die -e Vergangenheit; „Und dann fünf -e
Jahre Krieg?" (Kirst, 08/15. 755); die Revolution g.
beenden.
glosen [glo:zn] <sw. V.; hat) [mhd. glosen = glühen,
glänzen] (landsch.. dichter.): schwach glühen, glimmen:
zwischen den glosenden Koksrosten (Schnurre. Bart 187);
Ü In seinen Pupillen gloste eine Angst, die so furchtbar
war. daß ... (Borchert. Geranien 68).
Glossar [gbsa:g]. das: -s, -e [lat. glössärium < griech,
glössärion. eigtl. Vkl. zu: glössa. TGlosse]: Sammlung von
Glossen (2). 2. selbständig od. als Anhang eines bestimmten
Textes erscheinendes Wörterverzeichnis [mit Erklärungen]:
jeder Band enthält ein nützliches G. seiner HauptbegrilTe;
Glossarium [gb'sa:rj[um]. das; -s. ...ien [...pn; tGlossar)
(veraltet): svw. TGlossar; Glossator [...'a:tor. auch: ...to:g].
der; -s. ...oren [gbsato:ron: mlat. glossator]: Verfasser von
Glossen (2). bes. zu Rechtstexten: Glosse ['gbsa. fachspr.
auch:'glo:s3].die;-,-n [mhd. glöse < lat. glössa =
schwieriges, erklärungsbedürftiges Wort; erläuternde Bemerkung.
< griech. glössa = Zunge. Sprache]: 1. a) / spöttische]
Bemerkung. Randbemerkung: er muß über alles, zu allem
seine -n machen; ... kritzelte höhnisch -n an den Rand
(Feuditwanger. Erfolg 717); b) knapper ] polemischer]
Kommentar (in Presse. Rundfunk od. Fernsehen) zu
aktuellen Ereignissen od. Problemen: eine ironische G. zu einem,
über einen neuen Sprachgebrauch; Dabei wird, aus
Gründen der räumlichen Beschränkung, der G. der Vorzug
vor dem Leitartikel gegeben (Enzensberger. Einzelheiten
I, 25). 2. (Sprachw., Literaturw.) in alten Handschriften
erscheinende Erläuterung eines erklärungsbedürftigen
Ausdrucks: die althochdeutschen, altfranzösischen -n; die G.
steht am Rand, zwischen den Zeilen, im Text. 3. (Verslehre)
spanische Gedichtform, bei der jede Zeile eines
vorangestellten vi erzeiligen Themas als jeweiliger Schlußvers von vier
Strophen wiederkehrt: Glossem [gb'se:m], das; -s, -e [geb.
von dem dän. Sprachwissenschaftler L. Hjelmslev
(1899-1965) in engl. Sprache (glosseme), zu tGlosse]
(Sprachw.): (nach der Kopenhagener Schule) kleinste
sprachliche Einheit, die nicht weiter reduzierbar ist: Glosse-
matik [gbse'ma:tik]. die; - [engl, glossematics] (Sprachw.):
Richtung des Strukturalismus (der Kopenhagener Schule),
die unter Einbeziehung formallogischer u.
wissenschaftsmethodologischer Prinzipien die Ausdrucks- u. Inhaltsseite der
Sprache untersucht: Glossematist [...ma'tist], der; -en. -en
(Sprachw.): Anhänger der Glossematik: Glossenschreiber,
der; -s. -: Verfasser von Glossen (1 b. 2); glossieren [gbshren]
<sw. V.; hat) [mhd. glösieren < spätlat. glossari]: 1. a)
mit i spöttischen, polemischen] Bemerkungen versehen,
begleiten: ihre extravagante Aufmachung wurde von den
Anwesenden eifrig glossiert; b) in Form einer Glosse (lb)
kommentieren: er glossiert in unserer Zeitung die
Tagesereignisse; vielmehr glossierte er den Presserummel unter
dem Titel: ..Auf den Hund gekommen" (Grass. Hundejahre
185). 2. (Sprachw.. Literaturw.) mit Glossen (2)
versehenem reich glossierter mittelalterlicher Text; Glossogrgph
[gbso...]. der;-en,-en [zu griech. glössa (T G losse) u. T-graph]
(Sprachw.): Verfasser von Glossen (2); Glossosraphk« die;
- [t-graphie] (Sprachw.): das Erläutern durch Glossen (2);
Glossolale [gbsola:b]. Glottolale [gbto...]. der u. die; -n.
-n <Dekl. t Abgeordnete) [2. Bestandteil zu griech. LaleTn
= schwatzen, unartikuliert reden] (Psych.): jmd.. der im
Zustand religiöser Ekstase fremdartige Laute u.
unverständliche Worte hervorbringt: Zungenredner[ in]: Glossoblie
[gbsolali:]. Glottolalie [gbto...]. die; - [zu griechI laliä
= Geschwätz] (Psych.): das Hervorbringen fremdartiger
Laute u. unverständlicher Wörter im Zustand religiöser
Ekstase.
glosten ['gbstn] <sw. V.; hat) [mhd. glosten. Nebenf. von
t glosen] (veraltet): schwach glü/ien. glimmen: aus den
Schuttvulkanen und aus glostenden Holzresten steigen
Rauchschwaden auf (Kisch. Reporter 157).
Glottal [gbta:l], der; -s. -e Izu griech. glötta = attische
Form von glössa. tGlosse] (Phon.): in od. mit Beteiligung
der Glottis artikulierter Laut: Kehlkopf-. Stimmritzenlaut:
Glottis [gbtis], die; -, ...ides [...ide:s; griech. glöttis, eigtl.
= Mundstück der Flöte]: a) das aus den beiden
Stimmbändernbestehende Stimmorgan im Kehlkopf: b) die Stimmritze
zwischen den beiden Stimmbändern im Kehlkopf: <Zus.:>
GlQttisschlag, der; -[eis, -schlage (Phon.): der harte,
plötzliche Ansatz von Vokalen beim Sprechen u. Singen: Glotto-
chronolottk [gbto-]. die; - [zu griech. glötta = attische
Form von glössa (TGlosse) u. TChronologie] (Sprachw.):
Teilgebiet der diachronischen Linguistik, die an Hand
etymologisch nachweisbarer Formen das Tempo sprachlicher
Veränderungen, die Trennungszeiten von miteinander
verwandten Sprachen zu bestimmen sucht: Glottoggonie [gbtogo'ni:].
die; - [2. Bestandteil zu griech. gone = Erzeugung]
(Sprachw. veraltend): wissenschaftliche Erforschung der
Entstehung einer Sprache, insbes. ihrer formalen
Ausdrucksmittel, dazu: glottogonisdi <Adj.; o. Steig.) (Sprachw.
veraltend): eine -e Interpretation: Glottolale: tGlossolale:
Glottolalie: fGlossolalie.
glQtz-, Glptz-: -äuge, das: 1. (meist PI.) (salopp abwertend)
starr blickendes Auge, das /dummes/ Staunen über etw.
ausdrückt: er bekam -n; du wirst -n machen, wenn du
das siehst. 2. (Med.) abnorm stark, krankhaft
hervortretender Augapfel, dazu: -äugig <Adj.; o. Steig.; nicht adv.):
geschnitzte Bilder von breitmäuligen, -en Heiligen (Hacks.
Stücke 104); er starrte g. vorsieh hin; -kästen, der (salopp),
-kiste, die (salopp): Fernsehgerät: -köpf, der (salopp
abwertend): Mensch mit großen Augen u. /dummem]
starrendem Blick.
Glotze ['gbts3l. die; -, -n (salopp): Fernsehgerät: jeden
Abend sitzen sie vor der G.; Unterricht per ..Glotze"
finden Kinder ..Klasse" (Hörzu 52, 1972, 93); gkjtzen <sw.
V.; hat) [mhd. glotzen, eigtl. = leuchten, anstrahlen]:
1. (abwertend) mit weit aufgerissenen od. hervortretenden
Augen (u. dummer Miene] starren: er glotzte verständnislos
auf das Papier; glotz nicht so dämlich! 2. (salopp) fernsehen:
die nach dieser Fünf-Tage-Kur in Medienkritik ..nie wieder
romantisch g. können" (Spiegel 16, 1975. 200); Gtytzer
<P1.) (salopp): Augen: G. im Gesicht, blaue Laternen (Ly-
nen. Kentaurenfährte 156); Glotzophon [gbtsofo:n], das;
-s. -e [2. Bestandteil zu t-phon. geb. nach der Endung
in Grammophon u.a.] (salopp scherzh.): Fernsehgerät:
weiß Gott, nicht jeden Abend bereitet das G. eitel Freude
(Presse 15./16. 2. 69,23).
Gloxinie [gb'kshnja], die; -. -n [nach dem elsässischen Arzt
B. P. Gloxin (gest. 1784)] (Bot.): I. im tropischen
Südamerika vorkommende Pflanze mit glocken- bis röhrenförmigen
Blüten. 2. aus Südbrasilien stammende Pflanze mit ovalen,
weich behaarten Blättern u. großen, glockenjörmigen.
leuchtenden Blüten, die als Zierpflanze beliebt ist u. in vielen
Farben gezüchtet wird.
Ghibsdiauge: tGlupschauge; glubschen: t glupschen.
gluck! [gluk] <lnterj.>: 1. lautm. für das Glucken der Henne.
2. lautm. für das Gluckern einer Flüssigkeit: R g.. g..
weg war er (scherzhafter Kommentar, der einen
entsprechenden Vorgang begleitet. z.B. wenn jmd. untergeht,
unter die Wasseroberfläche taucht): g.. g, machen (ugs.
scherzh.; laus der Flasche] trinken).
Glück [glyk]. das; -[e]s. -e <P1. selten) [mhd. gelücke =
Geschick. Schicksal(smacht); Zufall; günstiger Ausgang;
[guter] Lebensunterhalt < mniederd. (ge)lucke < mnie-
derl. (ghe)lucke. H. u.]: 1. <o. PI.) besonders günstiger
Zufall: Zusammentreffen günstiger Umstände: günstige
Fügung des Schicksals (Ggs.: Pech): großes, unverdientes,
(ugs.:) unverschämtes G.; [es ist] ein G. (es ist nur gut).
daß dir das noch eingefallen ist; das ist dein G. (es ist
nur gut. günstig für dich), daß du noch gekommen bist;
er hat G. gehabt (es war ein besonders günstiger Zufall).
daß ihm nichts passiert ist; bei dem Unfall hatten wir
noch einmal G. im Unglück (sind wir trotz unglücklicher
Umstände noch gut davongekommen): er hat viel G.
(Erfolg) bei Frauen; mit diesen Plänen wirst du bei ihm
kein G. haben (keinen Erfolg haben, nichts erreichen):
mit Zimmerpflanzen habe ich kein, wenig G. (sie gedeihen
bei mir nicht): dieses Amulett soll dir G. bringen; ich
wünsche dir für die Prüfung, zu dem Unternehmen viel
G.; R G. muß der Mensch haben! (wird gesagt, wenn etw.
geglückt, gelungen ist. sich wunschgemäß entwickelt hat.
ohne daß man selbst Einfluß daraufnehmen konnte); mehr
G. als Verstand haben (wird gesagt, wenn etw.
wunschgemäß gelungen ist. obgleich die Voraussetzungen dafür
1055
glück-, Glück -
gar nicht gegeben waren od. wenn etw. wider Erwarten
glimpflich abgelaufen ist); noch nichts von seinem G.
wissen (iron.; twch nicht wissen, was einem an Unerfreulichem
bevorsteht): *sein G. versuchen/probieren (etw. mit Jer
Hoffnung auf Erfolg tun. unternehmen): er versucht sein
G. beim Spiel, als Schauspieler; seinG. machen (erfolgreich
sein, es zu etw. bringen): mit einer Idee sein G. machen;
er hat in Amerika sein G. gemacht; auf gut G. (ohne
die Gewißlieit eines Erfolges, aufs Geratewohl): wir werden
es auf gut G. versuchen müssen; von G. sagen/reden können
(etw. einem glücklichen Umstand verdanken): du kannst
von G. sagen, daß du eine Arbeit gefunden hast; zum
G.; zu jmds. Glück (zu jmds. Vorteil, glücklicherweise):
zum G. sah ich den Lastwagen noch zeitig genug (Frisch,
Homo 182); zu meinem G. hat mich niemand gesehen;
G. ab! (Fliegergruß; dem Bergmannsgruß ..Glück auf!"
nachgebildet); G. auf (Bergmannsgruß; im 16. Jh. von
den Bergleuten im Erzgebirge als bergmännischer Gruß
zur Unterscheidung von dem allgemeinen Gruß „Glück
zu!" gebildet); G. zu! (veraltet; Zuruf. Grußformel). 2.
<o. PI.) das personifiziert gedachte Glück (1). Fortuna:
das G. ist blind, launisch, wechselhaft; (geh.:) das Glück
ist mit jmdm.. gegen jmdn.. begünstigt jmdn.; ihm lächelt,
lacht, winkt dasG.; dasG. ist ihm gewogen, (geh.:) hold;
er ist ein Kind, ein Liebling des -s (er hat immer Glück,
ihm fällt alles zu): er ist ein Stiefkind des -s (er hat kein
Glück). 3. a) <o. PL> angenehme u. freudige
Gemütsverfassung, in der man sich befindet, wenn man in den Besitz
od. Genuli von etw. kommt, was man sich gewünscht hat:
Zustand der frohen Zufriedenheit, der inneren Befriedigung
u. Hochstimmung: das wahre, höchste, irdische, häusliche
G.; ein zartes, kurzes, ungetrübtes, stilles G.; das G. des
jungen Paares, der ersten Ehejahre; das Kind ist ihr ganzes
G.; sein G. verscherzen, mit Füßen treten; ich will deinem
G. nicht im Wege stehen; wir wollen in G. und Unglück
zusammenstehen; manche Leute muß man zu ihrem G.
zwingen; R du hast/das hat mir gerade noch zu meinem
G. gefehlt (iron.; du kommst/das kommt mir jetzt sehr
ungelegen): Spr G. und Glas, wie leicht bricht das (das
Glück kann überraschetut. plötzlich durch etw. zerstört
werden): jeder ist seines -es Schmied (man hat sein Schicksal.
Wohlergehen selbst in der Hand): b) einzelne glückliche
Situation: glückliches Ereignis. Erlebnis: ..Nicht für die
kleinen -e. von denen Sie einmal sprachen" (Remarque.
Triomphe 192).
glück-, GHjck- ^ab [-'-). das; -s: Fliegergruß: vor dem
Start riefen sich die Flieger ein G. zu; -auf [ ' 1. das;
-s: Bergmannsgruß: ein munteres G.; -bringend <Adj.:
0. Steig.: nicht adv.>: sein Talisman hat sich als g. erwiesen;
-los <Adj.; o. Steig.): kein Glück habetul. ohne Glück:
der ... im Riesenslalom so gut und so g. gelaufen war
(Olymp. Spiele 1964. 15); -sache, (auch:) Glückssache
in der Verbindung etw. ist G. (etw. ist allein einem
glücklichen Zufall. Umstand zu verdanken): Daß es glimpflich
abging, war gleichwohl Glücksache (Spiegel 18. 1975, 23);
Denken ist G.! (spöttische Feststellung angesichts einer
nicht sehr klugen Bemerkung, die mit ..Ich dachte/Ich
habe gedacht" eingeleitet wurde); -selig [-'- -] <Adj.>
Imhd. glücksaelec]: selig vor Glück: überglücklich: g.
lächelnd sahen sie sich an. dazu: -Seligkeit, die; -. -en:
1. <o. PI.) glückseliger Zustand: sie jubelte, tanzte vor
G.; in G. schwelgen. 2. glückseliges Ereignis: -strahlend
<Adj.; o. Steig. >: strahlend vor Glück: das -e Paar; g. lächeln;
-vertieißend <Adj.; o. Steig.; nicht adv.> (geh.);
-versprechend <Adj.; o. Steig.; nicht adv.); -wünsch, der: Wunsch
für Glück u. Wohlergehen zu einem besonderen Fest od
Ausdruck der freudigen Anteilnahme an einem Erfolg, einer
Leistung, einem freudigen Ereignis o. a.: jmdm. die
herzlichsten Glückwünsche aussprechen, übermitteln, senden; viele
Glückwünsche empfangen; herzlichen G. zum Geburtstag,
zum bestandenen Examen, zur Geburt Ihrer Tochter!,
dazu: -wunschadresse. die: Glückwunschschreiben offiziellen
Charakters: eine G. an den Parteivorsitzenden richten,
-wunschbrief. der. -vmnschkarte, die. -wunschschreibea
das. -wunschtelesramm. das; -zu [ ' ]. das; - (veraltet):
Grußformel.
Glucke I'glokol. die; -. -n Imhd. klucke. zu ! glucken]: 1.
Henne, die brütet od. die Küken ausfuhrt: Küken (finden)
die Lock töne aussendende G. erst nach längerem ...
Zickzacklaufen (Lorenz, Verhalten I. 176); Sie wacht wie eine
G. über ihre Kinder; Ü Ich gefalle mir gar nicht in der
Rolle der ängstlichen G. (Grzimek. Serengeti 306). 2,
dickleibiger, meist brauner Nachtfalter; glucken I'glokn] <sw.
V.; hat) [mhd. glucken, klucken, lautm.]: 1. (von der
Henne) a) brüten i wollen!; b) tiefe Kehllaute hervorbringen
u. damit die Küken locken. 2. (ugs.) an ein und derselben
Stelle sitzen, sich aufhalten u. keinen Antrieb haben, sich
von dort wegzubewegen: er gluckt den ganzen Tag zu Hause.
glücken [glvkn) <sw. V.; ist) (mhd. g(e)lücken = gelingen,
zu T Glück): durch günstige Umstände] das erstrebte
Ergebnis, den gewünschten Erfolg haben; gelingen (Ggs.: mißglük-
ken): die Flucht schien zu g.; der Plan ist geglückt; die
Torte ist dir wieder gut geglückt; endlich ist es geglückt;
und dann, mit einemmal. glückt alles, auch das
Unwahrscheinlichste (Geissler. Wunschhütlein 115); es glückte mir.
ihn zu finden; ein geglückter Versuch.
gluckern ['glokEn] <sw. V.) [zu fglucken]: 1. (von einer
Flüssigkeit) durch leichte Wellen Ibewegung leise, dunkel
klingende Laute hervorbringen <hat): der Wein gluckert
im Faß; das Wasser gluckert am Ufer; Ü ... gluckerte
unterirdisches Gelächter (Tucholsky. Werke IL 134). 2.
(von einer Flüssigkeit) sich fließend fortbewegen u. dabei
leise, dunkel klingende Laute hervorbringen <ist>: das
Wasser gluckerte durch die Leitung; der Likör gluckert in
die Gläser.
glückhaft [ glvkhaft) <Adj.; -er, -este> [spätmhd. gelückhaft]
(geh.): a) mit Glück (1) verbunden: ein -er Fischzug; Preise,
die ... unrechtmäßig hoch, unverdient, g. waren (Johnson.
Ansichten 145); b) Glück (3) enthaltend od. verheißend:
ein -er Tag; jener fast -en Befriedigung (Broch, Versucher
181); <Abl.:> GtycUutftigkeit. die; -: kein Mißgeschick
beeinträchtigte ihre G.
Gluckhenne, die; -. -n: svw. f Glucke (1).
glücklich [glYkli^; spätmhd. g(e)lück(e)lich = vom Zufall,
vom Schicksal abhängig; günstig]: I. <Adj.) 1. a) vom Glück
(2) begünstigt, erfolgreich: der -e Gewinner; eine -e Reise;
die Geschichte endete g.; die Mannschaft kam zu einem
-en (eher durch Glück als durch Können errungenen) Sieg;
unsere Mannschaft hat sehr g. gewonnen; b) vorteilhaft,
günstig: ein -er Gedanke. Zufall; die Auswahl der Bilder
ist nicht sehr g.; der Zeitpunkt war nicht gerade g. gewählt.
2. von froher Zufriedenheit. Freude. Glück (3) erfüllt: ein
-er Mensch, eine -e Familie; eine -e Zeit; ein -es neues
Jahr! (Glückwunschformel zum Jahreswechsel); er ist/hat
eine -e Natur; wunschlos, grenzenlos, unsagbar g. sein;
ich bin darüber sehr g.; jmdn. g. machen; g. verheiratet
sein; <subst.:>Spr dem Glücklichen schlägt keine Stunde.
II. <Adv.> endlich, schließlich, zu guter Letzt: jetzt haben
wir es g. doch noch geschafft; nun hat er sich g. auch
das noch verscherzt; glücklicherweise <Adv.>: zum Glück,
erfreulicherweise: g. gab es keine Verletzten; es war g.
noch nicht zu spät.
GNjcks-: -automat, der: svw. fSpielautomat; -böte, der:
jmd.. der eine glückliche Nachricht überbringt, dazu: -bot-
schaft. die; -bringer. der: jmd.. etw.. was Glück bringen
soll: das Hufeisen gilt als G.; für die jedem zugemessene
Zeit sind sie (= die Götter) Bundesgenossen, Helfer und
G. (Hagelstange. Spielball 276); -bude, die: Bude auf einem
Ja/irnutrkt o.a.. in der man bei Glücksspielen od. durch
den Kauf von Losen etw. gewinnen kann; «.fall, der: als
besonders glücklich, vorteilhaft, erfreulich empfundener
Umstand. Zufall: das war ein großer G. für dich; durch einen
G. lernten wir ihn kennen; ^fee. die (oft scherzh.): weibliche
Person, die jmdm. Glück bringt, die als Glücksbringer
betrachtet wird; -gefÜhl, das: Gefühl des Glücklichseins; ein
unbeschreiblichesG. durchströmte ihn; -göttin, die: Göttin
des Glücks. Fortumi: die G. lächelte ihm. war ihm hold;
-guter <PL> (geh.): materielle Güter. Reichtümer: er war
mit -n nicht gerade gesegnet; -hafen, der (österr.): svw.
f ^lopf; -haube, die: die den Kopf eines Neugeborenen bei
ausgebliebenem Blasensprung haubenartig überziehenden
Eihäute (nach dem Volksglauben ein Zeichen Tür
Glückskinder); * mit der G. geboren sein (veraltend; von besonders
vielen Glücksfällen begünstigt sein): -haut, die: seltener
für t -haube: Mag übrigens sein, daß du mit einer G.
geboren bist (Th. Mann, Krull 165); -Jäger, der: dem
Glück nachjagender Mensch; -käfer, der: volkst. für t
Marienkäfer; -kind, das [eigtl. = „mit einer Glückshaube
geborenes Kind" od. LÜ von lat. fortünae ftlius (Horaz)J:
jmd.. der immer Glück hat. dem alles zufallt; -klee, der:
1056
Glutamat
Klee mit ausnahmsweise vierteiligem Blatt, der als
Glücksbringer gilt: ^linie. die (Chiromantie): bestimmte Linie in
der Haut der Innenfläche der menschlichen Hand: Mnäim-
chen, das: svw. t Alraune; -pferaiig, der: als glückbringend
geltender i gefundenerJ Pfennig: ein blanker, glänzender
G.; einen G. finden; -pilz, der [wohl nach engl, mushroom
= Pilz; Emporkömmling] (ugs.): jmd.. der unvertnutet
Glück hat: dieser G. hat schon wieder im Lotto gewonnen;
sie ist eben ein G.; -rad, das [mhd. gelückes rat, gelückrat):
1. auf Jahrmärkten od. Volksfesten aufgestelltes Rad, das
zu Verlosungen gedreht wird. 2. Rad als Symbol für den
Wechsel des Glücks: das G. dreht sich; Fortuna dreht
das G.; dritter, der (abwertend): Abenteurer, der sich blind
auf sein Glück verlä/Jt: unter die G. unseres gehetzten
Jahrhunderts zu gehen und nach Uran zu schürfen
(Menzel, Herren 110); -sache, die; -: tGlücksache; -schmiede,
die (ugs. scherzh.): Standesamt: -schuß, der (Fußball):
Schuß, der völlig überraschend ins Tor geht: -schweinlchen],
das: Nachbildung eines als glückbringend geltenden
Schweines: jmdm. ein G. aus Marzipan schenken; -spiel
das: Spiel, bei dem der Erfolg nur vom Zufall abhängt:
ein verbotenes G.; Ü dich in dem Gedränge aufzuspüren,
war ein richtiges G.. dazu: -spielen der; ^stern, der: als
glückbringend geltendes Gestirn: unter einem G. geboren
sein; -strähne, die: Reihe glücklicher Zufälle, von denen
jmd. in kürzester Zeit betroffen wird (Ggs.: Pechsträhne):
eineG. haben; von einer G. erfaßt werden; Bremen hatte
an diesem Abend eine G. erwischt (beim Kartenspiel:
Bredel, Väter 382); -tag, der: glückbritigender Tag: heute
ist ein G. für mich!; -topf, der: 1. Gefäß, aus dem Lose
gezogen werden. 2. Lotterie mit einem Glückstop/"(1); ^tref-
fer, der: von einem glücklichen Zufall begünstigter Treffer:
dieser Lottogewinn war ein richtiger G. für uns; -umstand,
der: glücklicher Umstatid; -zahl, die: für glückbringend
gehaltene Zahl: die 13 ist meine G.; -zufall, der: glücklicher
Zufall: es ist ein ausgesprochener G.. daß wir uns hier
treffen.
glucksen fgluksn] <sw. V.; hat) [mhd. glucksen, klucksen.
lautm.]: 1. svw. f gluckern (1). 2. unterdrückte Laute von
sich geben: sie gluckste vor Lachen, vor Vergnügen; Regina
gluckst wie eine Henne an ihren Tränen (Waggerl, Brot
157); Gluckser [gluksE], der; -s, - (alemann.): Schluckauf.
Glucose [gluko.ze], die; - [zu g riech, glykys = süß] (Chemie):
Traubenzucker: Glucoside [glukozi:da] <P1.) (Chemie):
Glykoside des Traubenzuckers.
Ghife ['glu:fö], die; -, -n [mhd. glufe] (südd.): svw. T
Stecknadel.
glüh-. Glüh-: -birne, die [der Form wegen in Anlehnung
an den Glühstrumpf der Gaslampe geb.): birnenförmige
Glüfdampe: die G. ist durchgebrannt; eine neue G.
einschrauben; -draht, der: Drain in Glühbirnen, elektr.
Heizgeräten o.a.. der durch den hindurchfließenden elektrischen
Strom zum Glühen gebracht wird: ^laden, der: dünner Wolf
ramfaden in Glühbirnen, der durch den hindurch!ließenden
elektrischen Strom zum Glühen gebracht wird: ^larbe. die:
Farbe der Glut eines erhitzten Körpers, aus der auf seine
Temperatur geschlossen werden kann; -frischen <sw. V.;
hat) (Hüttenw.): Gußeisen durch Glühen bei Temperaturen
von 900 bis 1000°C in Sauerstoff abgebenden Mitteln unter
Verringerung des Kohlenstoffgehalts zäh u. leicht
bearbeitbar machen: tempern: <subst.:> -frischen, das; -s; -heiß
<Adj.; o. Steig.) (selten): svw. f glühendheiß: eine -e
Schüssel; Um zwölf Uhr harrten wir noch immer in dem ...
g. gewordenen Flugzeug (Spiegel 20. 1966, 99), dazu: ^hit-
m. die (selten): svw. tGluthitze; -kerze. die: Vorrichtung,
in der ein Draht od. Stift durch den hindurchfließenden
elektrischen Strom zum Glühen gebracht wird und die als
Zündhilfe zum Anlassen von Dieselmotoren dient: -kopfino-
tor. der (Technik): Zweitaktmotor, bei dem der Kraftstoff
während der Verdichtung in eine Kammer gespritzt wird,
an deren glühender Wandung er sich entzündet: -lampe,
die (bes. Fachspr.): Lichtquelle, bei der in einem luftleeren
od. mit Gas gefüllten Hohlkörper aus Glas ein elektrisch
leitender Faden od. Stift durch den hindurchfließenden Strom
zum Glühen gebracht wird: blicht, das <P1. -er>: von einem
glühenden Körper ausgehendes Licht: -ofen, der (Technik):
Ofen, in dem Metalle geglüht werden: -strumpf, der: aus
einem mit einer Lösung getränkten Gewebe bestehender
Teil einer Gas-. Campinglampe o.a.. der durch brennendes
Gas zum Weißglühen gebracht wird u. dadurch einen hellen
Lichtschein verbreitet: Michael... nahm die Glühstrümpfe
ab und band neue ... hinein (Grzimek, Serengeti 128);
^wein, der: mit Zucker od. Honig u. Gewürzen erhitzter
Rotwein: -mirmchen, das (ugs.): svw. f Leuchtkäfer.
glühen ['gly:dn] <sw. V.; hat) [mhd. glüe(je)n, ahd. gluoen,
verw. mit tgelbl: 1, a) ohne helle Flamme, rot leuchtet*!
brennen: rot vor Hitze leuchten: das Feuer glüht nur noch;
die Zigaretten glühten in der Dunkelheit; die Herdplatte
glüht; eine glühende Nadel; <subst.:) das Eisen wurde
im Feuer zum Glühen gebracht; Ü ihre Wangen glühten;
ihr Gesicht glühte vor Begeisterung; ihr Körper glühte
im Fieber; Die brennende Stadt glühte im Talkessel (Re-
marque, Funke 189); die Sonne glüht (scheint sehr heiß):
der Himmel glühte (leuchtete rot) von der untergehenden
Sonne; heute ist es glühend (sehr) heiß; b) durch starkes
Erhitzen zum Leuchten bringen: Eisen g.; ... in das große
Feuer .... wo nicht Holz geglüht wurde, sondern Menschen
(Wiechert. Jeromin-Kinder 354). 2. (geh.) von einer leiden-
schaftlichen Gemütsbewegung erfüllt, erregt'. begeistert sein:
er glühte in Leidenschaft, vor Eifer, für seine Idee; er
glühte danach, sich zu rächen; <1. Part.:) glühende Liebe.
Begeisterung; glühender Haß; ein glühender Verehrer.
Gegner; sie schilderte den Vorgang in glühenden Farben,
mit glühenden Worten; jmdn. glühend bewundem; Ich
springe auf. g. (von dem leidenschaftlichen Wunsch erfüllt).
ihm zu helfen (Remarque, Westen 201); <Zus.:> glühendheiß
<Adj.; o. Steig.; nurattr.): sehr heiß: -er Asphalt; glühendrot
<Adj.; o. Steig.; nur attr.): svw. f glutrot: er hatte vor
Eifer -e Ohren; Glüherei [glya'iqj], die; -, -en: Abteilung
eines Gießereibetriebes, in der der Guß thermisch nachbeharh
delt werden kann: die Kollektive des Stahlwerkes, der
Walzenstraßen, der Schmiedemaschine und der G. (Neues D.
8. 11. 76.3).
Glukose: tGlucose: Glukoside: iGlucoside; Glukosurie [glu-
kozu'ri:]. die; -, -n [...i:an; zu tGlukose u. griech. oüron
= Harn] (Med.): vermehrte Ausscheidung von Traubenzuk-
ker im Harn: vgl. Glykosurie.
Gtumpert fglumpet]: tKlumpen.
Gkimse['glomz3].die; - [poln. glomz(d)a] (landsch.): Quark.
gkipen I'glu:pn] <sw. V.; hat) (nordd.): svw. !glupschen;
glupsch [glupj] <Adj.; o. Steig.) [zu tglupen] (nordd.): (von
jmds. Gesichtsausdruck. Blick) finster-drohend, böse: er hat
ihn g. angesehen; <Zus.:> Gtypschauge. das; -s. -n (meist
PI.) (nordd.): stark hervortretendes Auge: er hat -n; Einstein
hatte eigentlich etwas Kindliches im Wesen, so große -n
(Katia Mann. Memoiren 122); -n bekommen, machen
(neugierig, gierig gucken): glupschen ['glopjn] <sw. V.;
hat) [zu Tglupen] (nordd.): mit großen, hervortretenden
Augen dreinblicken: Der Offizier glupschte mißtrauisch
(Müthel. Baum 70).
Glut [glu:t]. die; -. -en [mhd.. ahd. gluot. zu Tglühen]: 1.
glühende Masse: die G. im Ofen; die G. der brennenden
Zigarette; die G. anfachen, schüren, austreten; Kartoffeln
in der G. rösten: Ü dieG. des Abendhimmels; die sengende
G. (Hitze) der Sonne; die G. (Röte) ihrer Wangen. 2.
(geh.) leidenschaftliches Gefühl. Leidenschaftlichkeit: die
G. der Liebe, des Hasses; die G. seiner Blicke, seiner
Augen, seiner Worte; jmdn. bis zur G. (sehr) reizen; mit
der ganzen G. seines Herzens leiden.
ghJt-,Glut-: -äugig <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): mit dunklen,
feurigen Augen: eine -e Schöne; ~ball, der (dichter.): die
Sonne als glutrote, kreisrunde Erscheinung: ... verfolgte
Doreen ... den kreisenden Flug der Aasvögel, die in großer
Höhe unter dem grellen G. der Sonne dahin seh webten
(Cotton. Silver-Jet 128); -hauch, der: glühendheißer Hauch:
angeweht vom ersten G. der Wüste (Ceram. Götter 93);
-heiß <AdJ.; o. Steig.): sehr, sengend heiß: ein -er Tag.
dazu: -hitze, die: sehr große, sengende Hitze: die G. der
Wüste; unter der Q. leiden; ^rot <Adj.; o. Steig.; nicht
adv.): von dunklem, tiefem Rot: sie wurde g. vor Scham;
die untergehende Sonne färbte den Himmel g.. dazu: -röte,
die: G. stieg ihr ins Gesicht; -voll <Adj.; o. Steig.): voller
Glut (2), Leidenschaft. Begeisterung: -e Augen; g. von etw.
schwärmen; -wind, der: sehr heißer, sengender Wind: -e
aus der Sahara.
Glutamat [gluta'ma:t], das; -[e]s. -e [zu I Glutamin]: 1.
(Fachspr.) <o. PI.) u.a. aus Weizenkleber gewonnene, geruchlose
Substanz (ein Salz der Glutaminsäure) von würzigem,
fleischbrühartigem Geschmack, die kochfertigen Suppen od.
Konserven zur Geschmacksverfeinerung zugesetzt u. auch
67 GDW
1057
Glutamin
in der Medizin als Mittel gegen mangelnde
Konzentrationsfähigkeit verwendet wird. 2. <meist Pl.> (Chemie) eins der
neutralen Salze der Glutaminsäure; Glutamin [gluta'mi:n].
das; -s, -e [zu TGluten u.! Amin] (Chemie): bes. im
Pflanzenreich weitverbreitete, vor allem beim Keimen auftretende
Aminosäure, die im menschlichen m. tierischen Organismus
aus Glutaminsäure u. Ammoniak (unter Energieverbrauch)
entsteht; <Zus.:> Glutaminsäure, die; -. -n (Chemie): in
vielen eiweißhaltigen Nahrungsmitteln enthaltene
Aminosäure, die im Stoffwechsel der Zellen, bes. im Hirn.>eine wichtige
Rolle spielt u. daher zu therapeutischen Zwecken, bes. zur
Erhöhung der geistigen Leistungsfähigkeit, verwendet wird;
Ghiten [glu'te:n], das; -s [lat. glüten = Leim]: svw. t Kleber
(2); Glutin [glu'ti.n]. das; -s [zu lat. glütinum = Leim]
(Chemie): als Hauptbestandteil der Gelatine vorkonvnender
Eiweißstoff, der beim Auskochen von Knochen. Knorpel u.
Sehnen entsteht.
Glycerid [glytseri:t], das; -s. -e [T Glyzerin] (Chemie): Ester
des Glyzerins: Glycerin: tGlyzerin; Glycin [gly'tsi:n]. das;
-s [zu griech. glykys = süß]: 1. svw. fGlykokoll. 2. ©
ein fotografischer Entwickler; Glykimie [glykE'mi:]. die;
- [zu griech. glykys = süß u. halma = Blut] (Med.):
normaler Zuckergehalt des Blutes; Glykogen [glyko'ge:n].
das; -s [zu griech. glykys = süß u. t-gen] (Med.. Biol.):
energiereiches, bes. in den Muskeln u. in der Leber
gespeichertes, oft auch als tierische Stärke bezeichnetes
Kohlehydrat: Glykogenose [...ge'no.za], die; -. -n [tGlykogen]
(Med.): Stoffwechselerkrankung im Kindesalter mit
übermäßiger Ablagerung von Glykogen bes. in Leber u. Niere,
Glykogenspeicherkrankheit; Glykokoll [...'kDlJ, das; -s [zu
griech. glykys = süß u. kölla = Leim] (Chemie): im
tierischen Organismus synthetisierbare, auch als Bestandteil von
Gallensäuren vorkommende einfachste Aminosäure; Leim-
süß; Glykol [gly'ko:l], das; -s. -e [Kurzwort aus griech.
glykys = süß u. T Alkohol]: bes. als Frostschutz- u. Desinfi-
zierungsmittel verwendeter, zweiwertiger, giftiger Alkohol
von süßem Geschmack; <Zus.:)Glykolsaure.die; - (Chemie):
in Wasser leicht lösliche Substanz, die u. a. in Fruchtsäften,
unreifen Weintrauben u. im Zuckerrohr vorkommt u. in
der Gerberei zum Entkalken der Häute sowie zum Veredeln
von Leder u. Pelzen verwendet wird; Glykolyse, die; -. -n
[2. Bestandteil vgl. Lyse]: Aufspaltung des Traubenzuckers
in Milchsäure im Organismus.
Glykoneuslglykone.üsl.der;-. ...een[...e:dn; lat. Glycönium
(metrum) = glykonisches Versmaß, nach dem griech.
Dichter Glykon] (Verslehre): (in der Regel) achtsilbiger
Vers der griechischen u. lateinischen Dichtung.
Gly kose [gly'ko:z3]. die; - [zu griech. glykys = süß]:
außerhalb der chemischen Fachsprache vorkommende, ältere
Form für fGlucose; Glykosid [glyko'zi:t], das; -[e]s. -e
<meist Pl.> (Chemie): Pflanzenstoff der in Zucker u. andere
Stoffe, bes. Alkohole, gespalten werden kann; Glykosurie
[glykozu'ri:]. die; -. -n [...i:an; 2. Bestandteil zu griech.
oüron = Harn] (Med.): vermehrte Ausscheidung von Zucker
im Harn.
Glyphe ['gly.fe], die; -. -n [griech. glyphe = das Schnitzen.
Gravieren): svw. tGlypte; Glyphik ['gly:fik], die; - [griech.
glyphike (t&hne) = Schnitzkunst. Steinschneidekunst]
(veraltet): svw. fGlyptik; Glyphographjfi [glyfo...]: svw.
tGlyptographie; Glypte ['glypto). die; -. -n [griech. glyptös
= in Stein. Erz. Holz geschnitzt, graviert, zu: glyphein
= ausmeißeln, einschneiden, schnitzen, gravieren]:
geschnittener Stein; Skulptur; Glypfik fglYptik], die; - [griech.
glyptike (techne) = Schnitzkunst. Steinschneidekunst]: 1.
svw. t Steinschneidekunst. 2. die Kunst, mit Meißel od.
Grabstichel in Stein od. Metall zu arbeiten; Glyptographie
[glypto...]. die; - [zu griech. glyptös (tGlypte) u. T-graphie]:
Beschreibung der Glypten; Glyptothek [...te:k]. die; -. -en
[2. Bestandteil zu griech. theke = Behältnis]: Sammlung
von Glypten.
Glysantin© [glyzan'thn]. das; -s [Kunstwort]: aus Glykol
u. Glyzerin bestehendes Frostschutzmittel
Glyzerid: tGlycerid; Glyaserin, (ehem. fachspr.:) Glycerin
[glyt£e'ri:n]. das; -s [frz. glyc&ine. geb. von dem frz.
Chemiker M. E. Chevreul (1786-1889) zu griech. glykerös =
süß]: dreiwertiger, farbloser, sirupartiger Alkohol, der in
allen natürlichen Fetten enthalten ist u. z. B. zur Herstellung
von Sprengstoff, von Cremes u. Salben, von Farbstoffen
u.a. verwendet wird.
Glyzerin-: -salbe, die: Glyzerin enthaltende Salbe: ^seife.
die: Glyzerin enthaltende Seife; ^trine. die (Film. Ferns.):
künstliche Träne aus Glyzerin.
Glyzine. Glyzinie [gly'tsi:n(ito], die; -. -n [zu griech. glykys
= süß]: üppig wuchernder, sich in die Höhe windender
Zierstrauch mit großen, oft süßlich duftenden, blauen, weißen
od. lilafarbenen Blüten, die in langen, hängenden Trauben
angeordnet sind.
G-man ['d3i:maen], der. -[s], G-men ['dornen; engl.-amerik.
g-man. Kurzwort für: government man = ,.Regierungs-
mann' ']: Sonderagent des FBI.
g-Moll [ge:-. auch: '-'-]. das; - (Musik): Tonart (tg. G
2); Zeichen: g: <Zus.:> g-Moll-Etüde, die.
Gnade [gna:dd]. die; -. -n [mhd. g(e)nade = Rast. Ruhe;
Behagen; Gunst; (göttliches) Erbarmen, ahd. ginäda =
(göttliches) Erbarmen, eigtl. = Hilfe. Sicherheit. Schutz]:
1. a) wohlwollende Gesinnung. Gewogen/ieit eines Höheren
gegenüber einem sozial Tieferstehenden: die G. des Königs
erlangen, verlieren; er wollte nicht von der G. seines Vaters
abhängen, leben: Ü die G. (Wohltat) des Vergessens. des
Augenblicks; *die G. haben (iron.; sich herablassen, so
gnädig sein): er hatte nicht die G.. uns eintreten zu lassen;
vor imdm. vor imds. Augen G. finden (vor jmdm. bestehen
können, von ihm anerkannt, akzeptiert werden); auf G.
und/oder Ungnade (bedingungslos, auf jede Bedingung hin):
sich jmdm. auf G. und Ungnade ergeben, ausliefern; aus
G. [und Bannherzigkeit] (aus purem Mitleid): er wollte
nicht aus G. und Barmherzigkeit geduldet sein; in -n (mit
Wohlwollen): jmdn. in -n entlassen, wieder aufnehmen;
bei jmdm. in [hohen] -n stehen (geh.: von jmdm. isehr!
geschätzt werden): Was mich anlangt, stehe ich ja bei ihr
in -n (A. Kolb. Daphne 42); von imds« -n (durch jmds.
Gunst, durch jmdn. / bewirkt, geworden. zustandet
gekommen!): ein ... Staat von Moskaus -n (Dönhoff, Ära 203);
b) (Rel.) göttliches Erbarmen (als Vergebung menschlicher
Sünde), verzeihende Güte Gottes: die göttliche G.; das
ist kein Verdienst, sondern eine G. des Himmels; der mit
Hilfe des wahren Glaubens in den Besitz der G. gelangt
ist (Sieburg, Robespierre 98); *von Gottes -n (hist.; durch
die besondere Güte Gottes; Übers, von lat. grätiä dei):
ein Herrscher von Gottes -n. 2, Milde. Nachsicht in bezug
auf eine verdiente Strafe. Strafnachlaß: dieser Verbrecher
verdient keine G.; ich will an euch G. üben (H. Mann,
Stadt 373); der Gefangene bat. flehte um G.; *G. vor für
Recht ergehen lassen (von einer Bestrafung absehen,
nachsichtig sein). 3. * Euer, (auch:) Ihro, Ihre Gnaden (veraltete
Anrede an Personen von hohem Rang; vgl. [mjlat. vestra
dementia): Euer -n wollen mich entlassen? (Frisch. Cruz
18); gnaden [mhd. genäden, ahd. ginädön] meist in der
Fügung gnade mir, dir usw. Gott! (wehe mir. dir usw.!):
wenn er jetzt nicht gleich kommt, dann gnade ihm Gott!;
Der Himmel gnade Ihnen, wenn Ihnen auch in dieser
Woche nichts einfällt! (Fallada. Jeder 238).
gnaden-, Gnaden-: -akt, der: Akt der Gnade (2): auf Grund
eines -s wurde der Häftling vorzeitig entlassen: -beweis,
der: Beweis. Bezeigung von Gnade (1, 2); ^bezeigung. die;
^bild, das (kath. Rel.): an Wallfahrtsorten verehrtes, oft
als wundertätig angesefienes Bild von Christus od. von
Heiligen, bes. von Maria: Über dem Altar ... stand das G.
in einem gläsernen Schrein (Fussenegger. Haus 189); -brot,
das <o. PI.) [älter = Almosen]: Versorgung [im AlterJ
trotz Arbeitsunfähigkeit aus Mitleid od. aus Dankbarkeit
für früher geleistete Dienste: einem Pferd das G. gewähren;
er ißt. bekommt bei ihnen das G.; ... und essen gerade
noch zur Not ein G. in untergeordneten Verwaltungsstellen
(Kantorowicz. Tagebuch 1.455); -erlaß, der: svw. t
Amnestie: ^erweis, der: wird einer Reihe von Strafgefangenen
zum Weihnachtsfest ein G. zuteil (Welt 24. 11. 65. 13);
-frist, die [älter = Zeit der Gnade, die bis zum Jüngsten
Gericht gewährt wird]: letzter Aufschub, der jmdm. gewährt
wird: jmdm. eine G. geben, gewähren, bewilligen; mir
bleibt noch eineG. von zwei Wochen, um meine Schulden
zu bezahlen; -gehalt, das (veraltend): svw. f ^brot; Mie-
such, das: Gesuch um Begnadigung: ein G. beim Präsidenten
einreichen; Nun richtet er ein G. an die Regierung (Mostar.
Unschuldig 27); -hochzeit, die: der siebzigste Hochzeitstag;
^Instanz, die (Jur.): staatliche Instanz, der das Recht zur
Begnadigung zusteht; -kraut, das [Übers, des lat. Namens
grätiola (Vkl. zu: grätia = Gnade), nach den heilsamen
Eigenschaften der Pflanze] (Bot.): auf feuchten Wiesen,
an Flußrändern u. sumpfigen Stellen wachsende Pflanze mit
1058
Gockelhahn
länglich-spitzen, scharf gesägten Blättern u. hellrosa bis
weißlichen Blüten an einzeln stehenden, langen Stengeln;
-lohn, der (veraltend): svw. t^brot; ^los <Adj.; o. Steig.)
[mhd. genädelös = von allen verlassen; unglücklich; aller
Ruhe beraubt): a) ohne Gnade da), mitleidlos: ein -er
Tyrann; Ü die Sonne brannte g. (erbarmungslos) auf uns
herab; b) ohne Milde, ungemildert: ein -es Urteil, dazu:
^lostgkeit. die; -; mhI, der (kath. Rel.): svw. t
Wallfahrtsort; -reich <Adj.> [mhd. genädenriche. genäden riche]
(geh.): voller Gnade (\ b): eine -e Zeit; der -e Gott; -schuß,
der: Schuß, mit dem tnan die Todesqualen eines Tieres
beendet: er gab dem verletzten Pferd den G.; -stoß, der:
Stoß. Stich, mit dem man die Todesqualen eines Tieres
beendet: der Hirsch erhielt den G.; Ü die Veränderungen
auf dem Markt gaben dem Unternehmen den G. (führten
seinen endgültigen Bankrott herbei): -tod, der (geh.): Tod
durch Euthanasie (1); -verheiOung, die (chrlstl. Rel.):
Zusicherung der Gnade Gottes; ^voll <Adj.) [mhd. genäden
voj, LU von lal. grätiä plena] (geh.): voller Gnade (lb):
eine -e Zeit; -weg, der: a) Begnadigung auf Grund eines
Gnadengesuchs: dem Häftling blieb nur noch der G. offen;
b) Verfahren der Begnadigung: ein Teil der Strafe wurde
ihm auf dem G. erlassen; -weise <Adv.>: jmdm. g. etw.
geben; <auch attr.:) eine g. Aussetzung der
Strafvollstrekkung (MM 31. 5./1.6. 75. 1).
gnädig ['gne:di<;] <Adj.) [mhd. g(e)naedec. ahd. g(i)nädig
= wohlwollend, liebreich, huldvoll, barmherzig]: 1. (oft
iron.) Gnade da) zeigend, gütig, wohlwollend: sei doch
sog., mir zu helfen!; er nickte, dankte. lächelte g.
(herablassend); (in höflicher Anrede:) -es Fräulein, sehr geehrte
-e Frau; (veraltet:) -er Herr, die -e Herrin; <subst.:> ich
danke Ihnen, meine Gnädige. Gnädigste (veraltet; gnädige
Frau):... und ihr eines der Staatskleider von der verflösse*
nen Gnädigen anziehen (spött.; Wiechert. Jeromin-Kinder
674). 2. Milde. Nachsicht zeigend; schonungsvoll: ein -er
Richter; machen Sie es g. mit mir (scherzh.; verfahren
Sie nicht zu hart mit mir. schonen Sie mich): das ist noch
einmal g. (glimpflich) abgegangen. 3. (Rel.) (von Gott)
voller Gnade (lb). barmherzig, gütig: der -e Gott; Gott
ist [zu] den Sündern g.
Gnagi fgna:gi], das; -s [zu Schweiz. Genage = Knochen,
an dem noch Fleisch ist, zu tnagen] (Schweiz.): gepökelte
Teile von Kopf. Gliedmaßen u. Schwanz des Schweines.
Gnatz [gnat$], der; -es. -e [mhd. gnaz = Schorf, auch:
Knauserei, eigtl. = Zernagtes, Zerkratztes] (landsch.): 1.
Ausschlag. Grind. Schorf 2. mürrischer, übelgelaunter
Mensch.gnatzenrgnatsn] <sw. V.; hat) (landsch.): mürrisch,
übelgelaunt sein; gnatzig [gnatßu;] <Adj.) (landsch.):
mürrisch, übelgelaunt, verdrossen: g. sein.
Gneis [gnajs], der; -es, -e [viell. zu der germ. Wortgruppe
von mhd. g(a)neist = Funke, nach dem funkelnden Glanz]:
im wesentlichen aus Quarz. Feldspat u. Glimmer bestehendes
Gestein; <Abl.:> gnefcig <Adj.; o. Steig.; nur attr.): aus
Gneis bestehend.
gneiOen fgnajsn] <sw. V.; hat) (österr. mundartl.): bemerken.
gniedeligfgni:cblic] <Adj.) [aus dem Niederd.. zu mniederd.
gnideln. eigtl. = durch Hinundherreiben glätten] (landsch.):
kratzend u. schlecht (ein Streichinstrument spielend): Ein
Streichquartett spielte da vome ziemlich g. (Kempowski.
Uns 155).
Gnitte ['gnito]. Gnitze ['gnit^l. die; -. -n [mniederd. gnitte.
eigtl. = stechendes, nagendes Tier] (nordd.): kleine Mücke.
Gnocdii [nfoki] <P1.) [ital. gnocco (PI. gnocchi) =
Mehlklößchen. Knödel, aus dem Venez.] (Kochk.): Grieß-
od. Mehlklößchen, die mit Bechamelsoße übergössen u. mit
Käse überbacken sind.
Gnom [gno:m], der; -en. -en [auf Paracelsus (um 1493-1541)
zurückgehende Wortneuschöpfung, ohne sichere
Deutung]: a) Kobold. Zwerg:... der infolge seines großen
Kopfes wie ein G. wirkte (Niekisch, Leben 252); b) (ugs.)
sehr kleiner Mensch: Hanni... deutet auf einen
langhaarigen G. (Degener. Heimsuchung 22).
Gnome ['gno:md]. die; -. -n [lat. gnöme < griech. gnöme
= Sinnspruch] (Literaturw.): lehrhafter /Sinn-. DenkJ-
spruch in Versform od. in Prosa.
gnomenhaft <Adj.; Steig, ungebr.): in der Art eines Gnomen,
wie ein Gnom: g. aussehen.
Gnomiker fgno:mike]. der; -s. - [griech. gnömikös (poietes)
= Verfasser von Gnomen] (Literaturw.): Verfasser von
Gnomen; gnomisch <Adj.; o. Steig.) (Literaturw.): die
Gnome betreffend, in der Art der Gnome: ein -er Dichter
(Spruchdichter); -es Präsens (Sprachw.; in Sprichwörtern
u. Lehrsätzen zeitlos verwendetes Präsens): Gnomologiß
[gnomo...]. die; -. -n [...i:sn; zu griech. gnömologia =
Reden in Denksprüchen] (Literaturw.): Sammlung von
Weisheitssprüchen u. Anekdoten; <Abl.:> gnomologisch
<Adj.; o. Steig.) (Literaturw.): eine -e Sammlung.
Gnomon ['gno:mDnl. der; -s. -e [gno'mo.na; griech. gnomön
= Richtschnur]: senkrecht stehender Stab, aus dessen
Schattenlänge sich die Höhe des Sonnenstandes bestimmen
läßt: dieses sogenannte G. gibt mit einem Drittel Grad
Genauigkeit die Senkrechte an (MM 17. 11.,69, 3).
Gnoseologie [gnozeologi:]. die; - [zu griech. gnosis (tGnosis)
u. t-logie] (Rel.): Erkenntnislehre, -theorie: <Abl.:)
gnoseologisch <Adj.; o. Steig.) (Rel.): die Gnoseologie betreffend,
auf ihr beruhend; Gnosis ['gno:zis], die; - [griech. gnosis
= Erkennen. Kenntnis. Einsicht] (Rel.): I Gottes]erkennt-
nis; /das einer Elite vorbehalteneI Wissen um göttliche
Geheimnisse; vgl. Gnostizismus; Gnostik ['gnastik]. die; -
[zu griech. gnöstikös = das Erkennen betreffend]
(veraltet): die Lehre der Gnosis; Gnpstiker. der; -s. - (Rel.):
Vertreter der Gnosis od. des Gnostizismus; gngstisch <Adj.;
o. Steig.) (Rel.): die Gnosis od. den Gnostizismus betreffend;
Gnostizismus [gnostizismus]. der; - (Rel.): X.alle religiösen
Richtungen, die die Erlösung durch / philosophischeI
Erkenntnis Gottes u. der Welt suchen. 2. synkretistische
religiöse Strömungen u. Sekten der späten Antike.
Gnotobk>logj£[gnoto-]. die; - [zu griech. gnötös = erkennbar
u. T Biologie]: Forschungsrichtung der I Mikrojbiologie. die
sich mit der keimfreien Aufzucht von Versuchstieren
beschäftigt, um Aufschluß über ihr immunologisches Abwehrsystem
zu erluxlten.
Gnu [gnu:]. das; -s. -s [hottentott. ngu]: in den Steppen
Süd- u. Ostafrikas heimische Antilope mit einem Kopf wie
ein Rind, langen Haaren an Stirn. Hals u. Brust, einem
Körper wie ein Pferd, einem Schwanz mit langer Haarquaste
am Ende u. mit schlanken Beinen.
Go [go:]. das; - [jap. go]: japanisches Brettspiel, bei dem
mit Steinen auf den Schnittpunkten von waagerechten u.
senkrechten Linien Ketten zu bilden sind u. die vom Gegner
auf die Schnittpunkte gesetzten Steine durch Umschlie/ien
mit eigenen Steinen zu gewinnen sind.
Goal [go:l], das; -s. -s [engl, goal = Tor, eigtl. = Ziel,
Endpunkt] (österr., Schweiz., sonst veraltet): Tor. Treffer
(z. B. beim Fußballspiel).
Goal-: -getter [-getc]. der; -s, - [anglisierend zu engl, to
gel a goal = ein Tor schießen] (Sport): Torjäger:
Deutschlands Führungstor schoß Gerd Müller in der
kaltschnäuzigen Art, die ihn zum gefürchteten G. gemacht hat (MM
17. 4. 69, 17); -keeper [-ki:pß], der; -s, - [engl, goal-keeper
= Torwart, zu goal (tGoal) u. to keep = (beHvahren]
(Sport, bes. österr. u. Schweiz.): Torhüter; -mann, der;
-[e]s, -männer (Sport, selten): Torhüter.
Gobelet [goba'le:, frz.: gable], der: -s, -s [frz. gobelet =
Becher]: Becher od. Pokal auf einem Fuß aus Gold. Silber
od. Glas.
Gobelin [gotele:. frz.: gable], der; -s. -s [wohl urspr. Appela-
tiv. das aus dem Eigennamen les Gobelins hervorgegangen
ist. dem Namen einer renommierten Teppich- u.
Kunsttapetenfabrik, die ihrerseits nach einem Färber Gille Gobelin
benannt sein soll]: Wandteppich mit eingewirkten Bildern:
kostbare, schwere -s; Die Möbel sind alle echt, die Teppiche
und -s alt (Remarque. Triomphe 394); einen G. wirken,
weben; Ü die Sonne hing ihre ersten goldenen -s an die
Häuserwände (Remarque. Triomphe 401).
Gobelin-: ^malerei, die: Malerei auf ripsartigem Stoff, die
einen gewirkten Gobelin nachafimt; ^stich. der:
Stickereistich, der / halbJschräg od. senkrecht ausgeführt wird, und
zwar meist über einen vorgespannten Faden, um die Stickerei
zu verdichten; -Stickerei, die: Stickerei in Gobelinstich,
mit der Bezüge von Polstermöbeln. Kissen. Taschen o.a.
verziert werden.
Go-cart: T Go-Kart.
Gockel ['gak)]. der; -s. - [wohl lautm.] (bes. südd., sonst
ugs. scherzh.): Hahn: ein prächtiger G.; er stolziert wie
ein G. über die Straße; Ü sie will überhaupt von dem
verliebten alten G. nichts wissen (Fallada. Jeder 184);
<Zus.:> GQckehahn, der: svw. tGockel: Er stolzierte wie
ein G. durchs Zimmer, ekstatisch schielend und das Kinn
gereckt (K. Mann. Mephisto 177).
67'
1059
Göd
Göd [go:d], der: -en. -en (bayr.. Osten*, ugs.): Pate.
■Gode [go:da]. der: -n. -n [anord. goöi = Priester) (hist.):
Priester u. Gauvorsteher im alten Island u. in Skandinavien.
*Gode [-]: Nebenf. von t'^Gote: Gpdlell [go:dI]. die: -,
-n. Coden [go:dn]. die; -. - [vgl. ,:t}ote] (südd.. österr.
mundartl.): Patin.
Godemiche [go:dmi'Je:]. der; -. -s [frz. godemiche; H. u.,
viell. aus lat. gaudium mihi = mir zur Freude) (bil-
dungsspr.): künstliche Nachbildung des erigierten Penis,
die von Frauen zur Selbstbefriedigung od. bei der Ausübung
gleichgeschlechtlichen Verkehrs benutzt wird: Baby Blue
stieß einen Schrei der Wonne aus ... und küßte den G.
(Simmel. Stoff 341).
Goder [go:d*3). der; -s, - [mhd. goder = Gurgel, Schlund]
(österr. ugs.): Doppelkinn; Goderl ['go:dul], das: -s, -n [Vkl.
zu TGoder] nur in der Wendung jmdm. das G. kratzen
(österr. ugs.. jmdm. schöntun, schmeicheln).
Godet [gs'de]. das: -s. -s [frz. godet = falsche Falte. H.
u.) (Schneiderei): in Kleidungsstücken (bes. Röcken)
eingesetzter keilförmiger Stoffteil: Kleiderröcke zeigten
raffinierte Gliederungen durch Falten. Plissees. Bahnen, -s
(MM 5.3. 71.7).
Godl: TGod[e]l.
Goetheana [g0te*a:na] <P1.> [nlat. Bildung zum Namen J.
W. Goethes]: Werke von u. über Goethe.
Gof [go:fl. der od. das: -s. -en [H. u.] (Schweiz, mundartl.):
/kleines, ungezogenesI Kind: <Zus.:> Gofenpack, das.
Go-go-: ['go:go; amerik. go-go = aufreizend, begeisternd
(von der Musik in Diskotheken u. Nachtklubs, auch: Tanz
(in einer Diskothek), Verdoppelung von go = los!,
vorwärts!, zu to go = gehen]: -Boy, der: Vortänzer in einem
Beat- od. anderen Tanzlokal; -Girl, das: Vortänzerin in
einem Beat- od. anderen Tanzlokal; -Show, die: von Go-go-
Girls od. Go-go-Boys getanzte Show; -Stil, der <o. PI.)
[amerik. go-go-style]: Tanzstil der Go-go-Girls od. Go-go-
Boys.
Goi ['go:i], der: -ls], Gojim ['go:jim, go'jkm; hebr. göy =
Volk; Fremder. NichUude): jüdische Bez. für Nichüude.
Go-in [go:'|in]. das; -s. -s [zu engl, to go in = hineingehen]:
unbefugtes /gewaltsames] Eindringen Demonstrierender in
einen Raum od. ein Gebäude / um eine Diskussion zu
erzwingen/: nachdem der SDS mit einem ..Go-in" eine Vorlesung
von Bundesratsminister Carlo Schmid gestört hatte (MM
25. 11.67.2).
Goiserer fgQyzarR]. der; -s. - (meist PI.) [nach dem
Herstellungsort, der österr. Stadt Bad Goisem (Salzkammergut)]
(österr.): schwerer, genagelter Bergschuh.
Go-Kart ['go.karl]. der; -[s]. -s [amerik. go-karl, (als Wz.:)
Go-Kart < engl, gocart = Laufwagen (für Kinder)]:
1. niedriger, unverkleideter kleiner Sportrennwagen. 2. Art
Holländer (2) mit Kettenantrieb.
gokeln [go.kln]: <sw. V.; hat) [zu tgaukeln] (ostmd.):
unvorsichtig mit Feuer umgehen, mit Feuer spielen.
Gobtsche [go'la:Lfc]: TKolatsche.
gold [galt] <Adj.; o. Steig.) (österr.): mit ziemlich viel Milch:
eine Schale [Kaffee] g.
Gold [-]. das; -[eis [mhd. golt. ahd. gold. eigtl. = das
Gelbliche od. Blanke]: 1. gelblich glänzendes, weiches Edelmetall
(chemischer Grundstoff); Zeichen: Au (TAurum): reines,
schweres, gediegenes G.; 24karätiges G.; Gold in Barren;
G. mit Silber legieren; etw. glänzt, ist kostbar wie G.;
G. graben, waschen, schürfen; der Ring ist aus massivem
G.; die Währung ist durch G. gedeckt; die Staatsanleihen
bekam die Bank in G. ausbezahlt; einen Edelstein in G.
fassen; etw. mit G. überziehen; Spr es ist nicht alles G..
was glänzt (der Schein trügt oft); U Erlebnisstoff .... den
er in das G. seiner Poesie ummünzt (Niekisch, Leben
99); *treu wie G. sein {sehr treu sein; Gold ist (bes. im
MA.) das Sinnbild der Treue, oft in Zusammenhang mit
der Symbolik des goldenen Fingerringes). 2. a) Goldmünze.
Geldstück aus Gold: etw. in G. bezahlen; Ü im G.
(Reichtum) schwimmen; *G. in der Kehle haben (eine besonders
schöne Singstimme haben / mit der man viel Geld verdienen
kann od. könnte ); etw. ist nicht mit G. zu bezahlen
aufzuwiegen (etw. ist überaus kostbar, unbezahlbar, unersetzbar) ;
b) Gegenstand am Gold: er verwöhnte sie mit G.
(Schmuckstücken aus Gold) und Edelsteinen; von G. und Silber
(von goldenem u. silbernem Tafelgeschirr) speisen; „Was
wollen Sie hiei"?" fragte der ältere, der etwas mehr G.
(Goldlitze als Rangabzeichen des Offiziers) am Kragen
hatte (Kant. Impressum 265); olympischesG.
(Goldmedaille); daß dieser winzige Vorsprung über G. und Silber
(die Gold- u. die Silbermedaille) entschieden hatte (Maeger-
lein, Piste 123). 3. a) etw.. was für jmdn. überaus wertvoll
ist. einen unschätzbaren Besitz für ihn darstellt; Kostbarkeit:
... waren die Nordländer im Vorteil, weil sie ... bis zu
acht Monaten im Jahr über das weiße G. (= Schnee)
des Wintersportlers verfügen (Gast. Bretter 76); flüssiges
G. (Erdöl); schwarzesG. (Kolile): b) goldene Farbe.
Goldglanz: das G. der Sonne: das seidige G. ihres Haares:
was noch an den Bäumen hing, war weinrot und blutrot,
wenig G. und Feuer in diesem Jahr (Kaschnitz. Wohin
38).
gpld-, G9M-: -ader, die: goldhaltige Gesteinsader; -after,
der: weißer Schmetterling mit gelbem Hinterleib, dessen
Raupe ein Obstbaumschädling ist: -ähnlich <Adj.: o. Steig. >:
dem Gold (1) ähnlich; -amalgam, das: Legierung aus Gold
u. Quecksilber; -ammer, die: ziemlich großer Finkenvogel
mit goldgelber Bauchseite; -amseLdie: svw. T Pirol; -arbeit,
die: in Gold ausgeführte Arbeit. Goldschmiedearbeit; -artig
<Adj.; o. Steig.): in der Art des Goldes (I): -er Glanz;
-aufläge, die: Auflage aus Gold (auf einem anderen Metall):
ein Armband mit 18karätiger G.; -ausbeute, die: Menge
des in einer Mine, einem.Fluß o.a. gefundenen Goldes;
-harren, der: Block. Stange aus massivem Gold: er hat
einen Teil seines Vermögens in G. angelegt; -barsch, der:
svw. T Rotbarsch; -beryll, der: goldgelb gefärbter Beryll;
-bestand, der: der G. eines Landes; -bestickt <Adj.; o.
Steig.; nicht adv.>: mit einer Stickerei aus Goldfäden
versehen: ein -es Kissen; -betreßt <Adj.; o. Steig.; nicht adv.):
mit Goldtressen besetzt: eine -e Livree; -blättchen, das:
Blättchen von fein ausgewalztem Gold; -blech, das: zu Blech
ausgewalztes Gold: breite Armbänder aus gemeinem G.
(K. Mann, Mephisto 76); -blond <Adj.; o. Steig.; nicht
adv. >: a) (vom Haar) von goldglänzendem Blond: < Locken,
Zöpfe; <subst.:> ihr Haar ist von seidigem Goldblond;
b) mit Haar von goldglänzendem Blond: ein -es kleines
Mädchen; -borte, die: aus flach ausgewalztem Golddraht
hergestellte Borte, die an Uniformen u. Ornaten, zur
Umrandung von Deckchen o. ä. verwendet wird; -brasse, die.
-brassen, der: im Mittelmeer u. Atlantik vorkommende, als
Speisefisch geschätzte Meerbrasse mit goldgelben Längsstreifen
auf den Körperseiten; -braun <Adj.; o. Steig.; nicht adv.):
von leuchtendem, ins Gelbliche spielendem Braun: -e Augen;
die Sahne verleiht dem Kaffee eine -e Farbe; -broiler,
der (DDR): goldbraun gegrilltes Hähnchen; -brokat, der:
mit Goldfäden durchwirkter Brokat: schwere Gardinen aus
G.; -bronze, die: goldähnlich aussehendes Messing mit sehr
hohem Kupfergehalt; -buchstabe, der: gold/färb Jener
Buchstabe: der Grabstein trug eine Inschrift aus -n; -dek-
kung, die: Deckung der im Umlauf befindlichen Banknoten
in einer festen Relation durch Goldbestände: die G. dieser
Währung ist gefährdet; -Devisen <P1.>; -dolbr, der:
offizielle Währungseinheit der USA seit dem Übergang zur reinen
Goldwährung; -double, das: svw. t-dublee; -draht, der:
gold! färb jener Draht; -drossel, die: volkst. Bez. für T Pirol;
-druck, der: das Bedrucken mit Goldbuchstaben od.
goldenen Verzierungen: ein mit G. versehener Buchrücken; -du-
blee, das: mit Gold überzogenes minderwertiges Metall;
-durchwirkt <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): mit Goldfäden
durchwirkt: -es Gewebe; -$dit <Adj.; o. Steig.) (ugs.):
vollkommen aufrichtig u. vertrauenswürdig: Die Trudel ist
g. Sage ihnen, daß du nicht geschwatzt hast. Trudel!
(Fallada. Jeder 74); -esel, der [nach dem Esel im Grimmschen
Märchen ..Tischlein, deck dich!44, der auf Geheiß
Goldstücke von sich gibt] (ugs.): unerschöpfliche Geldquelle:
Lohnsteuer - G. des Staates (Die Bundesbahn 9, 1976.
598 [Zeitschrift]. Darmstadl); -faden, der: goldl färb Jener
Faden: das Gewebe ist mit feinen Goldfäden durchwirkt:
-färben, -farbig <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): von der Farbe
des Goldes: -er Stoff; -fasan, der: 1. in China heimischer
Fasan mit farbenprächtigem Federkleid u. goldgelbem
Federschopf, der in Tiergärten häufig als Ziervogel gehalten wird:
Ü (Kosew.:) mein G. nannte er sie zärtlich. 2. (ns. ugs.
abwertend) höherer Funktionär der Nationalsozialistischen
Deutschen Arbeiterpartei: man sah die mehr gelben
Uniformen der Sonderführer, die -en genannt wurden (Fallada,
Jeder 73); -feder, die: goldene Feder eines Füllfederhalters;
-feld, das: Lagerstätte von Gold; -fieber, das: svw.
T -rausch; -finger, der: selten für f Ringfinger; -lisch, der.
1060
gold-, Go/d-
I. aus China stammender Zierfisch mit rotgolden bis golden
glänzendem, gedrungenem Körper. 2. (ugs. scherzh.) (im
Hinblick auf eine Heirat) jmd.. der ein ansehnliches
Vermögen hat: da hat sich deine Tochter einen ganz schönen
G. an Land gezogen (v. d. Grün. Glatteis 129), zu 1:
-fischglas. das: Glas% in dem Goldfische gehalten werden;
-flieder, der: svw. t Forsythie; -fliege, die: Schmeißfliege
mit metallisch glänzendem, goldgrünem Körper; -folie, die:
-fuchs, der 13: vgl. Fuchs (8). nach dem rötlichen
Farbschimmer der Goldmünze]: I. Fuchs mit hellerer, gelbroter
Färbung. 2. Pferd mit goldglänzendem Fell. 3. (veraltet)
Gold-, Geldstück: ... in meinen Taschen ... nach einem
kleinen G. für den Stallburschen zu suchen (Fallada, Herr
115); -führend <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: svw. T -haltig:
ein -er Fluß; -fiillung, die: aus Gold bestehende Füllung
eines Zahnes; -fund, der; -gefaßt <Adj.; o. Steig.; nicht
adv.>: eine -e Brille (Simmel, Stoff 678); -gehalt, der:
Gehalt. Anteil an Gold: der G. einer Münze; -gelb <Adj.;
o. Steig.; nicht adv.>: von kräftigem, leuchtendem Gelb:
-er Honig; ein -es Eidotter; -gelockt <Adj.; o. Steig.; nicht
adv.) (geh.): mit goldblonden Locken: ein -er Jüngling;
-gerändert <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: mit einem Goldrand
versehen/: eine -e Brille; -e Tassen; -gewicht, das: svw.
I Karat; -gewinnung, die; -gier, die: Gier nach Gold: von
G. erfaßt, ergriffen werden, erfüllt sein, dazu: -gierig
<Adj.>; -glänz, der. dazu: -glänzend <Adj.; o. Steig.; nicht
adv.>; -glas, das (bild. Kunst): Glas mit einer Auflage
von Blattgold, in die figürliche Darstellungen. Ornamente.
Inschriften geritzt sindu. die meist wieder mit einer farblosen
Glasschicht überzogen ist; -gräber, der: jmd.. der nach
goldhaltigem Gestein gräbt; -grübe, die: I. Goldkigerstätte.
Goldmine: Er (= Cortez) ging auf ein Landgut, führte
als erster in Cuba europäisches Hornvieh ein. beutete -n
aus (Ceram. Götter 347), 2. (ugs.) sehr einträgliches
Unternehmen. Lokal. Geschäft o.a.: er hat aus dem kleinen
Laden eine G. gemacht; dieses Restaurant ist wegen seiner
guten Lage eine wahre G.; -grün <Adj.; o. Steig.; nicht
adv.>: die g. schimmernden Flügel eines Insekts; -grund,
der (Kunstwiss.): gold/färb Jener Hintergrund bes. von
byzantinischen Malereien u. abendländischen Malereien des
Mittelalters: der G. russischer Ikonen; auf G. malen;
-haar, das: 1. (geh.) goldblondes Haar. 2. Aster mit kleinen,
dicht stehenden Blättern u. kleinen, goldgelben, haarigen
Blütenköpfen, zu 1: -haarig <Adj.; o. Steig.; nicht adv.)
(geh.): Dann kam noch ein schönes, gut gekleidetes, -es
Mädchen (Seghers, Transit 55); -Hähnchen, das: meist in
kleinen Trupps auftretender Singvogel aus der Familie der
Grasmücken mit graugrünem Gefieder u. leuchtendgelbem
Scheitel; Regulus; -haltig, (österr.:) -hältig <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.>: -es Gestein; -hamster, der: Hamster mit gold-
braunem, an der Bauchseite weißlichem Fell, der als Haustier
bei Kindern] sehr beliebt ist; -handel, der; -hell <Adj.;
o. Steig.; nicht adv.) (geh.):... ließ sich ein Glas -en
Rheinwein abzapfen (Bredel. Väter 189); -hortung, die; -hungrig
<Adj.): gierig nach Gold; -junge, der (ugs.): 1. (Kosew.)
Junge, den man bes. gern mag: komm, mein G.; das ist
mein G.; (iron.:) eine hysterische Glucke, die ihren -n
noch immer wie ein Baby verhätscheln möchte (MM 26.
II. 70. 41). 2. (Sport) Gewinner einer Goldmedaille: Aber
für den -n von Tokio, Deutschlands Medaillen-Hoffnung
für Kiel, ist der Lustverzicht kein Opfer (Hörzu 25. 1972.
24); -käfer, der: 1. goldgrüner, metallisch glänzender Käfer;
Rosenkäfer: Ü (Kosew.:) mein kleiner G. 2. (ugs.) reiches
Mädchen, dazu: -käferschuh, der (bist.): um 19(K) beliebter
Damenschuh, dessen Leder mit einem Lack von bräunlichem
Goldglanz überzogen war; -kehlchen, das; -s. - (ugs. iron.):
junger Gesangsstar, dem das Singen viel Geld einbringt:
Aus dem G. HeinUe wurde Heintje Simons, aus seinem
Drei-Oktaven-Tenor ein Beinahe-Bariton (Hörzu 50,1973.
51); -kette, die: sie trug eine schmale G. um den Hals;
-kind,das: 1. (Schülerspr.) Klassenbester. 2. (ugs. Kosew.):
Auch davor werd' ich dich bewahren, mein G. (Bredel.
Väter 248); -klausel, die (Wirtsch.): Klausel, die einen
Schuldner verpflichtet, am Zahlungstermin den Preis in Gold
od. Goldwert zu zahlen; -klumpen, der: Klumpen
unbearbeiteten Goldes; -knöpf, der <meist PL): eine Livree mit
Goldknöpfen; -kröne, die: 1. goldene Krone: die G. der
Königin. 2AZahnl.)ZafaikroneausGold.3.BczSurvcrsch\c-
dene Goldmünzen; -kurs, der (Börsenw.): Kurs. Preis des
Goldes: -lack, der: halbhoher /Zier)Strauch mit stark
duftenden, goldgelben, braunen od. dunkelroten Blüten; -lager,
das. -lagerstätte, die: Lagerstätte von Gold; -bind, das:
Land, in dem Gold zu finden ist; -laufkäfer, der: svw.
T-t-schmied (2); -leder, das: mit Blattgold beschichtetes,
weiches I^eder. das als Oberleder für leichte Damenschuhe
(bes. Ballschuhe) verwendet wird; -legierung, die:
Legierung von Gold mit einem anderen Metall, bes. mit Kupfer
u. Silber; -leiste, die: vergoldete Zierleiste für Bilderra/imen,
Tapetenabschlüsseo. ä.; -lockig <Adj.; o. Steig.; nicht adv.)
(geh.): svw. t -gelockt; -macher, der: svw. t Alchimist,
dazu: -macherei [-maxo'rajl. die; - (abwertend): svw. T
Alchimie, -macherkunst, die: svw. t Alchimie; -mädchen, das:
vgl. -junge; -makrele, die: Makrele mit metallisch
glänzendem Körper, die als Speisefisch geschätzt wird; -mark,
die: (der Goldparität der deutschen Währung vor 1914
entsprechende) Rechnungsein/ieit während der Inflation (nach
dem 1. Weltkrieg): Eine Billion Inflationsmark wird eine
G. werden (Remarque. Obelisk 323); -markt, der
(Wirtsch.): An den westdeutschen Goldmärkten gab es
... zum Teil erhebliche Preissteigerungen (Welt 14. 8. 65.
8); -medaille. die: i sportliche] Auszeichnung in Form einer
Medaille aus Gold od. einem vergoldeten Metall, die für
den ersten Platz verliehen wird: eineG. erringen, gewinnen;
Mit Max Hainle ... holte er auch die erste G. in einem
Mannschaftswettbewerb (FAZ 13. 5. 61. 10). dazu: -me-
daillengewinner, der: Gewinner einer Goldmetaille.
-medaillengewinnerin, die: w. Form zu t -medaillengewinner; -mi-
ne, die: Mine (I a) mit goldhaltigem Gestein: -n ausbeuten;
-muH, der; -[e)s. -e [2. Bestandteil niederd. muH =
Maulwurf < mniederd. mul = lockere Erdel: in Südafrika
heimisches Tier mit maulwurfähnlichem Körper u. braun
od. grünlichgolden glänzendem Fell, das sich von Insekten
ernährt; -mundstück, das: mit Goldixipier überzogenes
Mundstück einer Zigarette; -münze, die: Münze aus Gold
od. einer Goldlegierung: -nessel, die: in feuchten
Laubwäldern verbreitete Pflanze mit goldgelben Blüten, eiförmigen
Blättern u. vierkantigem Stengel; -orfe, die: orangegelbe
bis rot goldene Abart des Alands, die häufig in Gartenteichen
gehalten wird; -popier, das: goldfarbenes Papier:
Weihnachtssterne aus G. basteln: -Parität, die (Wirtsch.):
Austauschverhältnis der Währungen unteremander auf GrutuI
des festgelegten Feingoldgehaltes; -parmäne, die:
aromatischer, mittelgroßer Tafelapfel von süßem Geschmack mit
etwas duftender, rötlichgelber, rotgestreifter Schale;
-plattierung, die: das Aufbringen einer dünnen Schicht Gold auf
ein unedles Metall; -plombe, die (Zahnt.): goldene Plombe
in einem Zahn; -pool, der (Wirtsch.): Zusammenschluß
der wichtigsten europäischen für die Währungen zuständigen
Behörden u. Banken zu dem Zweck, die Preisschwankungen
bei Gold auszugleichen, um so das Vertrauen in die (an
das Gold gebundenen) Währungen zu gewährleisten; -preis.
der: Preis des Goldes; -probe, die: Verfahren zur
Feststellung des Goldgehalts einer Goldlegierung; -punkt, der
(Wirtsch.): eine der beiden Grenzen, innerhalb deren die
Wechselkurse bei Goldwährung schwanken können: oberer,
untererG.; -rahmen, der: vergoldeter Bilderrahmen; -rand,
der: gold! färb/ener Rand: eine Brille, Tassen mit G.;
-rausch, der: rauschhafter, fieberhafter Drang. Gold zu
finden: Tausende von Menschen gerieten in einen
wahren G.; vom G. erfaßt werden; -raute, die: svw. f-rute;
-regen, der (2. Bestandteil wahrsch. nach den
Blütentrauben, die. vom Wind bewegt, einem Goldregen ähnlich
sehen]: 1. Zierstrauch od. Baum mit langen, hängenden,
goldgelben Blütentrauben. 2. a) Feuerwerkskörper, der beim
Abbrennen einen dichten gelben Funkenregen gibt; b) /
unerwarteter] Wohlstand. Reichtum: die Funde von
Bodenschätzen brachten dem Land einen überraschenden G.;
-reichtum, der: -reif, der (geh.): svw. t-ring: sie trug
einen schmalen G. am Finger, am Handgelenk, im Haar;
-renette, die: großer Tafelapfel von süßsaurem Geschmack
mit ledriger. rötlichgelber, rotgestreifter Schale; -reserve.
die: die -n eines Landes; -rjehtig <Adj.; o. Steig.) (ugs.):
völlig richtig: ein -es Mädchen aus gutbürgerlichem Hause
(MM 15./I6. 10. 66, 35); deine Entscheidung war g.; (Sie)
sind ja auch der würdigste, der begabteste von uns allen,
g. sozusagen (Dürrenmatt, Grieche 48); das hast du g.
gemacht; -ring, der: sie trug einen schmalen G. am Finger;
-röhrling, der: zur Familie der Röhrlinge gehörender Pilz
mit goldgelbem, kuppelartig gewölbtem Hut u.
rötlichgelbem, weiß beringtem Stiel, der mit seinem gelben, mild
1061
golden
schmeckendem Fleisch als guter Speisepilz gilt; ^röschen,
das: svw. t Kerrie; -rufe, die im Sommer blühende Staude
mit goldgelben Blütenrispen; ^sand, der: goldhaltiger Sand;
^schätz, der: 1. Schatz von Gold/ gegenständen 1: ein sagen -
hafterG.; Die monetären Goldschätze häuften sich damals
in den USA (Fort Knox) an (Fraenkel, Staat 362). 2.
(Kosew.): komm her. mein G.; ^schläger, der: jmd., der
Blattgold in Hatidarbeit herstellt (Berufsbez.); -schmied,
der: 1. Handwerker, der Schmuck od. künstlerisch gestaltete
Gebrauchsgegenstände aus Gold od. anderen Edelmetallen
anfertigt (Berufsbez.). 2. ziemlich langer, goldgrüner
Laufkäfer, der Insektenlarven, Schnecken u. Würmer frißt;
Goldlaufkäfer, zu 1: -Schmiedearbeit, die. -schmiedehandwerk,
das. -schmiedekunst, die <o. PI.); -schmuck, der: Ein alter
G. mit Medaillon lag um ihren elfenbeinfarbenen Hals
(Th. Mann. Knill 357); -schnitt, der: die mit Blattgold
versehenen Schnittflächen eines Buches; -schnür, die:
Schnur aus zusammengedrehten Goldfäden; ^Schrift, die:
aus goldi färb jenen Buchstaben, Zeichen bestehende Schrift:
der Name steht in G. über dem Eingang des Geschäfts:
-söhn, der: (ugs.. Kosew.) Sohn, der einem bes. lieb ist;
Lieblingssohn: du bist mein G.; Gleichviel, der G. ward
abgefertigt zur Reise (Th. Mann. Joseph 528); -spitze,
die: aus Goldfäden hergestellte Spitze: ein mit einer G.
umrandetes Brokatdeckchen; -Standard, der (Wirtsch.):
Währungssystem, bei dem Gold Hauptfaktor der Währung
ist; -staub, der: staubfein verteiltes Gold; -stern, der: auf
Äckern u. Wiesen wachsende, im Frühling blü/iende Pflanze
(aus der Gattung der Liliengewächse) mit sternförmigen,
schwefel- bis grünlichgelben Blüten; -Stickerei, die:
Stickerei mit Goldfäden; -stück, das: (früher) als Zahlungsmittel
geltende Goldmünze: ein Beutel mit -en; Ü meine Sekretärin
ist ein wahres G.; -suchen der: vgl. -graben ^ton. der:
goldener Farbton: in einem G. gehaltene Gardinen; -topas,
der: durch starkes Erhitzen goldgelb gewordener Amethyst;
-tresse, die: von Goldfäden durchzogene Tresse: eine mit
-n besetzte Livree: -tropfen <P1.>: Naturheilmittel zur
Behandlung von Herz- u. Kreislauferkratjkungen, das u. a.
feinverteiltes Gold enthält; -Überzug, der: das Armband ist mit
einem dünnen G. versehen; -uhr, die: goldene / Taschen I-
uhr: Er holte die altmodische flache G. seines Vaters
heraus, die er immer trug (Baum. Paris 158): -umrändert,
-umrandet <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: svw. T-gerändert;
-vorkommen, das: ein Land mit reichen G.; -vorrat, der:
die Goldvorräte des Landes sind erschöpft: -waage, die:
Feinwaage für Edelmetall; * alles, jedes Wort auf die G.
legen (ugs.: 1. alles wortwörtlich, übergenau nehmen: du
darfst nicht alles, was er bei dem Streit gesagt hat. auf
die G. legen. 2. in seinen Äußerungen sehr vorsichtig sein:
bei ihm muß man jedes Wort auf die G. legen); -Währung.
die (Wirtsch.): Währungssystem, bei dem das Geld in
unterschiedlicher Weise an das Gold gebunden ist od. aus ihm
besteht; -waren <PI.>: Gegenstände aus Gold; -wasche,
die: das Abschlämmen od. Auswaschen von Gold aus Sand
od. Gestein,dazu: -waschender. -Wäscherei, die; -wasser,
das: wasserheller Gewürzlikör mit echten Blattgoldflittern:
DanzigerG. (ein Likör); -wert, der <o. Pl.>: er
verpflichtete sich, die Schuld in Gold od. G. zurückzuzahlen; -zahn,
der (ugs.): Zahnkrone aus Gold.
golden t'goldn) <Adj.; o. Steig.) [mhd.. ahd. guldm, zu
TGold]: 1. <nur attr.) aus Gold bestehend: eine -e Münze.
Kette, Uhr; ein -er Ring, Becher. 2. (dichter.) von der
Farbe des Goldes, goldfarben: die -en Ähren; der -e
Rebensaft; ihre Haare schimmerten, glänzten g. 3. so herrlich
u. schön, daß man davon begeistert ist: die -e Freiheit;
die -e Jugendzeit; (iron.:) -en Zeiten entgegengehen; -e
(beherzigenswerte) Worte, Lehren; er hat einen -en
(heiteren, echten) Humor; als wären diese Zeiten g. gewesen
(v. d. Grün, Glatteis 218); Golden Delicious [gookbn
di'lijds], der; - -, - - [engl, golden delicious. eigtl. = der
goldene Köstliche]: mittelgroßer Edelapfelmit dünner,
grüngoldgelber, bräunlich punktierter Schale u. gelblichem, süßem
Fruchtfleisch; vgl. Delicious; Golden Twenti« ['goulddn
'twentiz] <PL) [engl, golden twenties]: die / goldenen]
zwanziger Jahre: und die Väter .... deren Jugend in die G. T.
fiel, die so golden gar nicht waren (MM 18. 4. 73. 45);
goldig ['goldig <Adj.) [frühnhd. guldig, zu tGold]: 1. (ugs.)
a) in seiner äußeren Erscheinung in einer Weise reizend,
daß man es mit Rührung u. Zärtlichkeit feststellt: ein -es
kleines Mädchen; das Ferienkind ... Ein -es kleines Ding
(Hörzu 38.1975. 18); das Kleidchen ist ja g.!; b) (landsch.)
in menschlicher Hinsicht rührend nett: daß du uns beim
Umzug helfen willst, finde ich g. 2. <o. Steig.) (selten)
golden leuchtend: der -e Schimmer der Abendsonne.
Golem [go:lEm], der; -s [hebr. gol^m = formlose Masse,
ungeschlachter Mensch]: nach der jüdischen Sage aus Lehm
od. Ton künstlich erschaffenes, stummes menschliches
Wesen, das oft gewaltige Größe u. Kraft besitzt [u. als Retter
der Julien in Zeiten der Verfolgung erscheint] (bekannt
vor allem durch die Legende von Rabbi Low. der um
1580 in Prag eine von ihm geknetete Tonfigur für einige
Zeit belebt haben soll).
"Golf Igalf). der: -[eis. -e [ital. golfo < vlat. colphus <
griech. kölpos = Busen, Meerbusen, Bucht]: größere
Meeresbucht: der G. von Genua.
*Golf [-]. das; -s [engl, golf, aus dem Schott.. H. u.] (Sport):
Rasenspiel mit Hartgummiball u. Schlägern, bei dem es
gilt, den Ball mit möglichst wenig Schlägen in die einzelnen
Löcher zu spielen: G. spielen.
Gplf- (^GolO: ^ball, der: Ball, mit dem Golf gespielt wird,
dazu: ^balbufen, das; -s (Leichtathletik): Trainingsform,
bei der man auf einem Golfplatz einen Golfball von Loch
zu Loch wirft u. dann hinterherläuft; ^hose, die: Hose,
die man beim Golfspiel trägt; -mutze, die: vgl. ^hose;
-platz, der: Platz, auf dem Golf gespielt wird; ^pro [-pro],
der; -s, -s [2. Bestandteil kurz für tProfi] (ugs.): jmd.,
der berufsmäßig GoU spielt; -schlag, der (Leichtathletik):
Beginn der Hatnmerwurfdrehungen aus einer starken
Verdrehung der Wirbelsäule heraus (wie bei bestimmten GoÜschlä-
gen); -Schlager, der: Schläger, mit dem Golf gespielt wird;
-schuh, der: vgl. -hose; -schuß, der (Eishockey): mit der
Vorhand ausgeführter Schuß, bei dem sehr weit Schwung
geholt wird; -spiel, das: svw. t \3olf; -spielen der; -tasche,
die: Tasche, in der die verschiedenen Golfschläger für die
verschiedenen Schläge untergebracht werden; -turnier, das.
Golfer ['galfe], der; -s. - [engl.-amerik. golfer = Golfspie-
lertin)]: svw. T Golfspieler: er wird nie ein guter G.: Gplferin,
die; -, -nen: w. Form zu T Golfer.
Golgatha[golgata].das;-[s] [kirchenlat. golgotha < griech.
golgothä < hebr. gulgol^l = Schädel. Kopf; nach dem
als Hinrichtungsstätte benutzten gleichnamigen Hügel bei
Jerusalem] (geh.): tiefster Schmerz, den jmd. zu erleiden
hat: er erlebte hier sein G.
Goltard [go'ljart]. Goliarde [...rda]. der; ...den. ...den [frz.
goliard < afrz. goliart. zu: gole = Schnauze < lat. gula
= Kehle, Gurgel]: umherziehender, kirchenfeindlicher
französischer Kleriker u. Scholar bes. des 13. Jh.s.
Goliath fgo.iiat]. der; -s. -s [hebr. GplyaL riesenhafter
Krieger der Philister, der nach 1. Sam. 17 vom jungen David
im Zweikampf mit einer Steinschleuder getötet wurde]:
sehr großer Mensch von kräftigem Körperhau: Mensch von
riesenhafter Gestalt: im Vergleich zu seinem Bruder ist
er ein wahrer [Riese] G.; <Zus.:> Goliathfrosch, der: in
Westafrika heimischer, riesiger Frosch mit dunkler Färbung,
zugespitzter Schnauze, großen Augen u. stark entwickelten
Schwimmhäuten an den Hinterfüßen.
Golilla [gohlja], die; -. -s [span. golilla. Vkl. von: gola =
Halskrause; Kehle < lat. gula = Kehle. Gurgel] (früher):
/ als Stütze unter dem Spitzenkragen getragener] kleiner,
runder, gestreifter Leinenkragen.
Göller[goete]. der; -s. - [mhd. göller. koller. gollier, kollier
< lat.collarium = Halsband] (Schweiz.): Kragen,
Halspartie: <Zus.:) Gpllerkette, die (Schweiz.): Halskette.
gölte ['goelto]: Igelten.
Gomorrha [gom^ra]: fSodom.
Gon [go:n]. das; -s, -e (aber: 5 Gon) [griech. gönia =
Winkel, Ecke] (Geodäsie): Maßeinfieit für ebene Winkel
(100. Teil eines rechten Winkels); Zeichen: gon
Gonade [go'na:da], die; -, -n [zu griech. gone = Erzeugung]
(Biol., Med.): svw. 1 Keimdrüse: Die Determination des
Geschlechts eines Lebewesens, d. h. die Bildung einer
weiblichen oder männlichen G. ist von der Natur in
verschiedener Weise realisiert worden (Studium 5. 1966.286); gonado-
trop[...nado"tro:p] <Adj.; o. Steig.; meist attr.) [2.
Bestandteil zu griech. trope = Drehung. Hinwendung] (Biol..
Med.): auf die Keimdrüsen wirkend: Ein Ovar z. B.
produziert Follikelhormon.dasdie Produktion von -em Hornion
der Hypophyse hemmt (Medizin II, 109).
Gonagra ['go.nagra], das; -s [zu griech. göny = Knie u.
-ägra (in Zus.) = Gicht] (Med.): Gicht im Kniegelenk;
1062
Goodwill
Gonarthritis [gonarthitis]. die; -, ...itiden [...ri'thdn; zu
griech. göny = Knie u. t Arthritis] (Med.): Kniegelerikent-
Zündung.
Gondel [g:>nd|], die; -. -n [ital. gondola = kleines Schiff.
Nachen, aus dem Venez.; H. u.]: 1. langes, schmales [z. T.
überdachtesJ venezianisches Boot mit steilem, verziertem
Vorder- u. Achtersteven, das im Stehen auf einer Seite
gerudert wird: eine G. besteigen; in eine G. [einlsteigen;
eine Fahrt mit der G. machen. 2. an Ballon. Luftschiff.
Seilbahn o. ä. meist hängend befestigte Kabine, auch Korb
o. ä. zur Aufnahme von Personen. Lasten o. ä.: dann heulte
der Motor (= des Fliegerkarussells). ... und die -n fingen
sich zu bewegen an (Gaiser. Schlußball 99); Mit einem
Fernglas bewaffnet, verfolgte sie die schwebende G. ( =
des Skilifts; Wendtland. Eisprinzeßchen 46). 3. svw. t
Ampel (3). 4. (landsch.) einem Hocker ähnlicher Stuhl mit
niedrigen Armlehnen. 5. längerer, von allen Seiten
zugänglicher Verkaufsstand in einem Kaufhaus.
Gondel-: -bahn, die: a) svw. TSeilbahn; b) (Schweiz.)
Sessellift, -fahrt, die: Fahrt mit einer Gondel (1): eine G. machen;
-fuhrer, der: svw. T Gondoliere.
gondeln ['gondln] <sw. V.; ist) (ugs.): a) langsam, gemächlich
mit einem Boot faliren: wir sind über den See gegondelt;
b) gemächlich / ohne festes Ziel] fahren, reisen, gehen, sich
vorwärts bewegen: durch die ganze Stadt g.; So gondelte
ich also durch halb Europa (Walter. Spiele 64): Gondoletta
[...do'leta]. die; -. -s [ital. gondoletta, Vkl. zu: gondola.
t Gondel]: in bestimmtem Abstand zu anderen über ein Band
laufendes, kleines, überdachtes Boot (z.B. auf Parkseen):
Neue Postkarten ... Am häufigsten verlangt werden ...
der Aerobus und der Kutzerweiher mit -s (MM 21. 5.
75.17); Gondoliere [gondo'Ue:ra], die; -. ...ren [ital. gondo-
liera]: (in die Kunstmusik übernommenes) italienisches
Schifferlied im %- od. l2/rTakt: Gondoliere [...'Ue:ra]. der,
-s, ...ri [ital. gondoliere]: jmd.. der berufsmäßig eine Gondel
(1) rudert.
Gonfaloniere [gDnfalo'nie:ro], der; -s. ...ri [ital. gonfaloniere
= Bannerträger, Schutzherr, zu: gonfalone = Banner,
Fahne]: früher in Italien u. in den Provinzstädten des
Kirchenstaates gebräuchliche Bez. für Stadtoberhaupt.
Gong [g30l. der. selten: das; -s. -s [angloind. gong < malai.
(e)gung = Schallbecken aus Metall (wie es die
Eingeborenen auf Java verwenden)]: [an Schnüren frei aufgehängte/
runde Metallscheibe, die einen dumpf hallenden Ton
hervorbringt, wenn man mit einem Klöppel dagegenschlägt: der
G. ertönt, schlägt [zum Mittagessen, zur nächsten Runde];
da ... draußen ein G. zur Mahlzeit rief (Th. Mann. Krull
299); den G. [nicht] hören; Holden ... schlug, anstatt an
ein G., an eine verrostete Waschschüssel (Lynen,
Kentaurenfährte 251); Ü ... steigt der bronzene Mond empor,
eine gehämmerte Scheibe, ein G.. der schweigt (Frisch.
Stiller 374); <Abl.:> gongen [gonan] <sw. V.; hat): mit
dem Gong ein Zeichen für etw. geben: der Kellner hat
in der Halle [zum Essen] gegongt; (unpers.:) bald darauf
gongte es (ertönte der Gong) zum ersten Service (Frisch.
Homo 102); <subst.:> er hatte das Gongen nicht gehört.
Gongorismus [gooßo'nsmusj. der; - [span. gongorismo, nach
dem span. Dichter L. deGöngora y Argote (1561-1627)]:
spanischer literarischer Stil des 17. Jh.s. der durch häufige
Verwendung von Fremdwörtern. Nacfibildungen der
lateinischen Syntax, durch bewußt gesuchte u. überraschende
Metaphern, rhetorische Figuren u. zahlreiche Anspielungen auf
die antike Mythologie gekennzeichnet ist: Gongorjsf, der.
-en, -en: Vertreter des Gongorismus.
Gongruf, der; -[e]s. -e: mit dem Gong gegebenes Zeichen,
durch das man zu etw. gerufen, aufgefordert wird: nach
dem G. zum Abendessen wendet man. schon dem
Hafengebäude zustrebend.... sehnsüchtig den Kopf zurück (Kasch-
nitz. Wohin 130); Gpigschlag. der; -[e]s, -schlage: Schlag
auf den Gong [als akustisches Zeichen für etw.]: den G.
hören; beim G. ist es sieben Uhr (Zeitansage im Rundfunk);
Er kommt zu jeder Schicht fünf Minuten zu spät, ein
Prinzip, das einzuhalten ihm ... schwerer fällt als das
Eintreffen mit dem G. (Fries. Weg 117).
Goniometer [gonjo'me:tB], das; -s. - [zu griech. gönfa =
Winkel u. t -meter]: Gerät zum Messen der Winkel zwischen
I Kristall]flächen durch Anlegen zweier Schenkel: Goniome»
trfc, die; - [t-metrie]: Teilgebiet der Trigotiometrie. das
sich mit den Winkelfunktionen befaßt: Winkelmessung: go-
niometrisch <AdJ.; o. Steig.; meist attr.>: das Messen mit
dem Goniometer, die Goniometrie betreffend: -e Funktionen
(Whikelfunktionen als Hilfsmittel bei der Berechnung von
Seiten u. Winkeln eines Dreiecks: trigonometrische
Funktionen).
gönnen ['goensn] <sw. V.; hat) [mhd. gunnen, ahd. giunnan.
eine ge-Bildung zu dem einfachen Verb unnan = gönnen;
gestatten, gewähren]: 1. auf das Glück u. den Erfolg eines
anderen nicht neidisch sein, es ihm zugestehen: jmdm. seinen
Erfolg, seinen Aufstieg [nicht] g.; gönnst du mir nicht
das kleine Vergnügen?; ich gönne es ihm. daß er endlich
Professor geworden ist; immerhin, ich gönne Eduard die
Herzogin von Herzen (Remaraue. Obelisk 180); Adel und
Jesuiten, die ihm sein Recht nicht gönnten (Schneider.
Erdbeben 107); das sei dir gegönnt (das neide ich dir
nicht [weil es mich gar nicht reizt]): Die Freude gönne
ich denen nicht (ich möchte verhindern, daß sie Grund zur
Schadenfreude über mich haben: Ott, Haie 165); (iron:)
diesen Reinfall, diese Blamage gönne ich ihnen;
Wedelmann aber dachte gar nicht an Protest; er witterte Unheil
für Schulz und gönnte dem das von Herzen (Kirst. 08/15.
247). 2. jmdm.. sich etw. zuteil werden, zukommen lassen:
sic/i etw. leisten: jmdm.. sich etw. Gutes, eine Pause, einige
Tage Ruhe und Erholung g.; Der alte Buddenbrook spielte
während einer Pause, die er seinem Kinnladen gönnte,
mit einer goldenen Dose (Th. Mann. Buddenbrooks 21);
er gönnt ihr kein gutes Wort (hat für sie kein freundliches,
anerkennendes Wort übrig): sie gönnte ihm keinen Blick
(würdigte ihn keines Blickes, beachtete ihn nicht);
Regelmäßig gönne ich Im Vorübergehen einen Blick dem barocken
Grabmal (werfe ich ... einen Blick auf das Grabmal) in
der Vorhalle (Bergengruen, Rittmeisterin 9); Das Gewissen
wird ihnen keine Ruhe g. (wird sie nicht zur Ruhe kommen
lassen: Kirst, 08/15, 744); <Abl.:> Gönner ['goaiel. der.
-s. - [mhd. gunner. günner]: einflußreiche, vermögende
Persönlichkeit, die jmdn. in seinen Bestrebungen finanziell
fördert: er ist sein großer, besonderer G.; Jetzt aber scheint
in der Stadt ein hoher G. für uns einzutreten (Kafka,
Erzählungen 263); einflußreiche G. besitzen; einen
unerwarteten G. finden; Da diese Seite an ihrem erlauchten
G. Diotima neu war (Musil. Mann 323); <Abl.:> gönnerhaft
<Adj.; -er. -este> (abwertend): einem anderen mit deutlicher
Herablassung etw. Gutes zukommen lassend: bei den
Freundlichkeiten, die man jmdm. erweist, zu sehr die eigene
Überlegenheit durchblicken lassend: mit -er Miene; Der
Kommandant spielte ... den -en Vorgesetzten (Apitz. Wölfe 37);
er gab sich, tat g.; er klopfte ihm g. auf die Schulten
..Du kannst hierbleiben!" sagte Dieter g. (Seidel. Sterne
71). dazu: Gönnerhaftigkeit, die; -: gönnerhafte Art: Gtfnne-
rin, die; -. -nen: w. Form zu f Gönner. g$nnerisch <Adj>
(selten): svw. t gönnerhaft; Gönnermiene, die (abwertend):
Ausdruck freundlicher Herablassung: jmdm. etw. mit Q.
überreichen, anbieten, sagen; Gönnerschaft, die; -: 1.
Förderum durch einen Gönner: jmds. G. genießen. 2. Gönner,
die jmd. hat: die ganze G. des Künstlers saß im S^al.
Gonochorismus [gonoko'nsmus], der; - [zu griech. gone =
Erzeugung. Geschlecht u. chörismös = Trennung] (Biol.):
Getrenntgeschlechtigkeit bei Tieren: Gonochorist [...'nst].
der; -en. -en <meist PI.) (Biol.): getrenntgeschlechtiges Tier±
Gonokokkus [gono'kakus]. der; -. ...kken [zu griech. gone
= Erzeugung. Geschlecht. Samen u. t Kokke. wohl zusgez.
aus nlat. gonorrhoeae coccus = Bakterie, die die Gonorrhö
hervorruft]: Bakterienart. die als der Erreger des Trippers
gilt: Gonorrhö, Gonorrhöe [gona'ro:], die -. ...öen [...0:an;
griech. gonörrhoia = Samenfluß (für den der eitrige
Ausfluß gehalten wurde)]; Geschlechtskrankheit, die sich in
einer Entzündung der Schleimhäute der Harnröhre u.
Geschlechtsorgane äußert [u. mit schmerzhaftem Brennen u.
eitrigem Ausfluß einhergeht ]: Tripper: Gonorrhö haben;
(Abi :> gonorrhoisch [...'ro:iJl <Adj.; o. Steig.): den Tripper
betreffetid. darauf beruhend.
good bye! ['gud bai; engl, good bye. zusgez. aus God be
with you = Gott sei mit dir] (engl. Gruß): lebft]. leben
Sie wohl!: auf Wiedersehen!
Goodwill [gud'wil], der; -s [engl, goodwill. eigtl. =
Wohlwollen]: a) ideeller Firmenwert. Geschäftswert: Wechselt
ein Unternehmen den Besitzer, so zahlt der Erwerber meist
für diesen ..Goodwill" einiges auf den Bilanzwert des
Übernommenen drauf, um für sich den immateriellen Wert
der Firma zu erhalten (FAZ 63. 1958. 7); b) Ansehen,
guter Ruf einer Institution o.a.: Das sei schon deshalb
1063
Goodwill-
erforderlich, um den G. der Bundesrepublik nicht zu
gefährden (FAZ 27. 5. 61. 7); c) Wohlwollen, freundliche
Gesinnung: Damit aber hatte de Gaulle den G. überzogen,
den auch die Anglokanadier dem Franzosen bislang
entgegenbrachten (Spiegel 32. 1967. 72).
Goodwill-: -besuch, der: vgl. -reise; -reise, die: Reise eines
Politikers, einer einflußreichen Persönlichkeit od. Gruppe,
um freundschaftliche Beziehungen zu einem anderen Land
herzustellen od. zu festigen: Es handelt sich also um mehr
als um eine sogenannte G. (FAZ 14. 6. 61. 1); -tour,
die: vgl. -reise: Der italienische Fremdenverkehrsminister
Achille Corona will den Untergang verhindern und begab
sich auf eine G. nach Bonn (Zeit 19. 6. 64. 22).
Gopak l'go:pak], der; -s, -s [russ. gopak, eigtl. = Hopser]:
besonders in der Ukraine u. in Weißrußland üblicher,
schneller Tanz im Zweivierteltakt für einen od. mehrere Tänzer.
Göpel ['g0:pl], der; -s, - [aus dem Ostmd.. erstmals im
16. Jh. im sächs. Bergbaugebiet gebraucht, H. u.]: durch
im Kreis herumgehende Menschen od. Tiere bewegte, große
Drehvorrichtung zum Antrieb von Arbeitsmaschinen: <Zus.:>
Göpelwerk, das: svw. TGöpel.
gor [go:^]: t gären.
Gör (g0:sl, das; -le]s. -en [nlederd., wahrsch. zu einem Adj.
♦gor = klein (vgl. mhd. görec = klein, gering, armselig,
ahd. görag)l (nordd., oft abwertend): 1. kleines Kind: das
ist ja ein niedliches G.; Man muß doch das G. da
herauskriegen! (Tucholsky, Gripsholm 134); er hat sechs -en
zu versorgen; sollen sich die Eltern doch selbst um ihre
-en kümmern! 2. svw. TGöre (2).
Gording [gordml. die; -. -s [niederd. < nieder! gording,
zu: gorden = gürten] (Seemannsspr.): Tau zum Zusammett-
holen der Segel.
gordisch ['gordiJI: T Knoten.
Göre ['go:ra], die; -, -n [vgl. Gör] (nordd.. oft abwertend):
1. (meist PI.) /kleines] Kind: die -n toben im Hof herum;
wieviele -n sind es?; wer hat denn die -n hereingelassen?;
sich über die -n ärgern; Du erbärmlicher, ... gemeiner
Lümmel! ... Du elende G. (= Tobias) unterstehst dich,
das ... Kind aufs Maul zu schlagen? (Hauptmann. Thiel
20). 2. [freches] Mädchen: eine echte Berliner G.; das
ist ja eine süße G.: die beiden -n trippelten wie Mannequins
daher.
Gorgogesicht ['gorgo-]. das; -[eis. -er: svw. f Gorgonenhaupt
(1): Ü Der Kreis derer, die über ... das G. der Macht
einigermaßen unterrichtet sind, wird immer kleiner (Welt
25. 11. 61. 1): Gorgonenhaupt [gor'goinan-]. das; -[eis.
...häupter [nach dem in der griech. Sage vorkommenden
weiblichen Ungeheuer Gorgo mit Schlangenhaaren u.
versteinerndem Blick]: l.künstlerisch vielfach u. in
verschiedener Weise dargestellter, häufig auch als Etnblem auf
Waffen u. Geräten bes. der Antike erscheinender Kopf eines
weiblichen Ungeheuers, bei dem sich an Stelle der Haare
Schlangen befinden: das G. auf einem Harnisch; Ü das
G. (geh.; der furchtbare Anblick, das Schreckensbild) des
Krieges. 2. großer, rötlicher, gelblicher od. weißer
Schlangenstern mit sehr stark verzweigten Armen.
Gorgonzob [g3rg:>n'tso:la], der; -s. -s [nach dem
gleichnamigen ital. Ort östlich von Mailand]: mit Schimmelpilzen
durchsetzter, schnittfester Weichkäse.
Gorilla [gonla], der: -s, -s [engl, gorilla < griech. GorillaL
eigtl. = behaarte Weiber in Afrika; westafrik. Wort]: I.
in den Wäldern Äquatorialafrikas lebender, großer
Menschenaffe mit stark vorspringender Schnauze, wulstiger
Nase, starken Wülsten über den Brauen, relativ kleinen Augen,
langen Armen, breiten Handtellern u. dichtem. ! braunj-
schwarzem Fell. 2. (ugs.) a) bulliger /brutal aussehender/
Leibwächter: einer der -s drohte, der Frau eines Kritikers
die Beine zu brechen (Spiegel 21. 1975. 129); b) Gangster.
Gösch: tGosche.
Gösch [goejl. die; -. -en [niederl. geusOe) = kleine Fahne]
(Seemannsspr.): a) kleine, rechteckige (an Feiertagen im
Hafen gesetzte) Landesflagge: b) andersfarbige obere Ecke
am Flaggenstock als Teil der Landesflagge.
Gosch[e] l'gol(o)]. Goschen l'goln]. die; -. Goschen [H. u.:
vgl. Gusche] (landsch., bes. südd., österr.. meist
abwertend): Mund: du hast dir die G. verschmiert; er schlug
ihm auf die G. (ins Gesicht): *eine groöe/freche G. haben
(landsch. derb: großsprecherisch!frech sein): die G. halten
(landsch. derb; zu reden aufhören, stillschweigen): ..Ruhe!"
brüllte er. „Halt die Goschen!" kam es zurück
(Hasenclever. Die Rechtslosen 420); Goscherl [gojBl], das; -s. -[n]:
1. (bayr., österr. fam.) svw. fGosche. 2. (österr. salopp)
hübsches Mädchen. 3. (österr.) kurz für tFroschgoscherl:
Stehkragen. Ärmelbündchen. Silberknopfreihen,... -n und
Spitzen am Mieder (Kronen-Zeitung 5. 10. 68. 9); gescheit
[golBt] <Adj.; nichtadv.> (österr. salopp): in seinen Reden
frech u. ausfallend: ein -er Kerl.
Ggschflagge. die: -. -n: svw. tGösch (a): die G. des
Heimathafens (Grass. Blechtrommel 34).
Gose [go:z3], die; -. -n [nach dem gleichnamigen Fluß,
der durch Goslar, den ursprünglichen Herstellungsort.
fließt]: obergäriges, säuerlich-salziges, in offenen bauchigen,
langfialsigen Flaschen gehaltenes Bier, das in der Gegend
von Leipzig hergestellt wird; <Zus.:> Gosenflasche. die; Go-
senglas, das.
Go-show [gou'Jbo], der; -s. -s [engl.-amerik. go-show. eigtl.
= Versuch, noch eine Chance (zum Mitfliegen) zu erhalten]
(Flugw. Jargon): jmd.. der seine geplante Flugreise nicht
vorher gebucht hat. sondern erst am Flughafenschalter
versucht, einen Flugplatz zu bekommen.
Go-skm [gooslou], der od. das; -s. -s [engl, go-slow. zu:
go slow! = geh, mach langsam!]: Bummelstreik. Dienst
nach Vorschrift (im Flugwesen]: In den Umschlaghäfen
... organisierten Schauerleute ein vielschichtiges „Go-
slow": Kräne und Gabelstapler fuhren plötzlich aufreizend
langsam (Spiegel 36, 1974. 72).
Gospel [gospl], das od. der; -s. -s [engl, gospel. eigtl. =
Evangelium]: kurz Tür tGospelsong; Ggspelsänger, der:
-s. -.Ggspekinger [...sind].der; -s, -[s]: jmd.. der Gospelsongs
vorträgt; GQspelsong. der; -s. -s [engl, gospel song. eigtl.
= Evangelienlied]: (bes. in den Städten entstandenes)
einfach komponiertes geistliches Lied der nordamerikanischen
Neger, das Elemente des Spirituals und des Jazz enthält,
die aber häufig zugunsten einer europäischen Musikalität
zurückgedrängt sind.
Gospodar [g3Spo'da:g; russ. gospodar]: tHospodar; Gospo-
din[gaspodi.n. russ.:gt?spa'din], der; -s, ...da [russ. gospo
din]: Herr (russische Anrede; meist in Verbindung mit
dem Namen).
goß [gas]: t gießen.
Gosse ['gosd]. die; -. -n [md. gösse, mniederd. gote. eigtl.
= Stelle, wo etw. ausgegossen wird, zu f gießen]: 1. an
der Bordkante entlanglaufende Straßenrinne, durch die
Regenwasser u. Straßenschmutz abfließen: die G. lief über,
war verstopft; bis ihn (= den Regen) ... die -n schluckten
(Fries, Weg 41); Anderswo kann ich die G. fegen (v.
d. Grün, Glatteis 187); Trunkene taumelten durch die
G. (Böll. Tagebuch 57). 2. (abwertend) Bereich sozialer,
moralischer Verkommenheit: Von der G. genährt, wird
bis zu seinem Tode die Seele der G. in ihm verbleiben
(Genet [Übers.], Totenfest 189); aus der G. kommen; jmdn.
aus der G. auflesen, ziehen (ugs.; aus den übelsten
Verhältnissen herausholen)', in der G. aufwachsen, enden, (ugs.:)
landen; in der G. liegen (verkommen sein); sich in der
G. wälzen (sich in seiner Verkommenheit wohl fühlen);
*jmdn./jmds. Namen durch die G. ziehen/schleifen (sehr
Schlechtes über jmdn. sagen, jmds. Ruf beschmutzen): wenn
auch mein ehrbarer Name dabei noch so unbarmherzig
durch die G. geschleift wird! (Maass, Goufle 147).
gösse [goesd]: f gießen.
Gössel [goesl], das; -s. -[n] [aus dem Niederd.. Vkl. zu:
gos = Gans] (nordd.): Junges einer Gans. Gänschen: Ü
alles SehnüfTler und Stänkerer, diese Schalenbergs. Wie
dasG. (= die Tochter) schon stänkern kann. ... das muß
ihnen von der Eierschale her ankleben (Fallada. Herr 128).
Ggsseniargon, der; -s, -s <P1. selten): Jargon der Gosse (2):
ungepflegte, niedrige Ausdrucksweise: Böll antwortete im
G. (Berliner Morgenpost 10. 12. 74, 9); Ggssensprache,
die; -, -n <PI. selten): svw. T Gossenjargon.
Göte [g0:td], (auch:) 'Gote [go:td], der. -n. -n [mhd. göte.
eigtl. = der zur \3ote Gehörige] (landsch.): Pate; ^Gote
[-], die; -, -n [mhd. gote.# göte. ahd. gota, wohl Kurzf.
von aengl. godmodor = LÜ von kirchenlat. mater spiritua-
lis in deo = geistliche Mutter in Gott] (landsch.): Patin.
Gotha [go:ta], der; - [nach dem Verlagsort Gotha]:
genealogisches Handbuch des europäischen Adels: die (= seine
Frau) ... außer Bibel. Gesangbuch und dem G., für den
sie, nach Abstammung und Wesen durchaus bürgerlich,
eine merkwürdige Vorliebe hegte, nie ein Buch gelesen
hatte (Jens, Mann 48).
1064
gott-, Gott-
Gotik I'go:tik]. die; - [zu T gotisch]: europäische Stilepoche
(von der Mitte des 12. bis zum Ende des 15. Jh.s)% die
sich bes. in der / Sakralarchitektur (mit Rippengewölben,
Spitzbogen. Strebewerk. Maßwerk), in der IArchitektur/-
plastik u. in der Tafel- u. Buchmalerei ausprägte: die
Französische, englische, deutsche G.; Kathedralen, die
Gewändeplastik der G.; Die Tendenz der G. zum
Naturalismus (Bild. Kunst 3. 9); gotisch <Adj.; o. Steig.; nicht
adv.) [1: nach mlat. gothicus; 2: nach frz. gothique. engl,
gothic = barbarisch, roh, mit Bezug auf den im Italien
der Renaissance als barbarisch empfundenen ma. Baustil,
der auf die Goten ( = Germanen) zurückgeführt wurde]:
1. den Volksstamm der Goten betreffend: die -e Sprache,
Bibel; die -e Schrift des Codex argenteus. 2. a) die Gotik
betreffend, zu ihr gehörend, aus ihr stammend: -e Dome.
Gewölbe; Dem -en Menschen kam das Pilgertum mit seiner
kühnen Ablösung vom verflachenden Alltagsleben ... viel
zu sehr entgegen (Nigg. Wiederkehr 14); die -e Schrift.
Minuskel (seit dem 12. Jh. aus der karolingischen Minuskel
durch doppelte Brechung der Schäfte, Streckung der Schrift
u. engeren Zusammenschluß der Buchstaben gebildete
Schrift mit spitzbogigem Duktus als Vor form der Fraktur):
b) für die Gotik typisch: von der Art. wie die betreffende
Sache in der Gotik üblich war: an die Gotik erinnernd:
eine Baßlaute zwischen seinen langen -en Fingern (Hildes-
heimer. Tynset 106); Seine großartige Physiognomie, eben
noch von -em Schmerz beseelt (Th. Mann. Zauberberg
790); <subst.:> Gotisch, das; -[s]: 1. gotische (1) Sprache.
2. gotische (1. 2a) Schrift: Gotische, das; -n: a) <nur mit
best. Art.) die gotische Sprache im allgemeinen: b) das
die Gotik Kennzeichnende: Gotizismus [goti't$ismus]. der;
-. ...men: 1. (Sprachw.) Übertragung einer für das Gotische
charakteristischen sprachlichen Erscheinung auf eine nicht-
gotische Sprache. 2. (Kunstwiss.) Nachahmung eines
gotischen Stilelements.
Gotlandium [gat'tandiom]. das; -[s] [nach der schwedischen
Insel Gotland] (Geol): früher für f Silur.
Gott [got], der; -es (selten in festen Wendungen -s). Götter
fsoetB; mhd.. ahd. got. urspr. Neutrum, weil das Wort
männliche u. weibliche Gottheiten zusammenfaßte; H. u..
vielleicht subst. zweites Part, zu einem Verb mit der Bed.
= (an)rufen. eigtl. = das (durch Zauberwort) angerufene
Wesen]: 1. <o. PI.; o. Art. außer mit attributiver
Bestimmung) (im Monotheismus, bes. im Christentum) höchstes,
übernatürliches Wesen, das als Schöpfer Ursache allen
Naturgeschehensist, das Schicksal der Menschen lenkt. Richter
über ihr sittliches Verhalten u. ihr Heilsbringer ist: der
allmächtige.dreieinige, gütige, gerechteG.; G. Vater. Sohn
und Heiliger Geist; G.. der Allmächtige; G. der Herr;
der G. der Juden, der Christen, der Mohammedaner: G.
ist barmherzig: das walte G.! (1. ev. Rel.; das möge Gott
verwirklichen, uns schenken. 2. ugs.: Bekräfligungsformel);
G. segne dich!; G. [sei] mit dir!; G. mit uns! (Wahlspruch
der preußischen Könige); so wahr mir G. helfe
(Eidesformel); G. anbeten, [zum Zeugen] anrufen, ehren, lieben,
loben, preisen, leugnen, lästern; er dankte G. für die
Errettung; G. sei Lob und Dank!; wie es G. gefällt (nach
Gottes Willen): das Reich -es; -es Wort (wie es in der
Bibel steht), Segen, Wille; mit -es Hilfe; vor -es Angesicht.
Thron; -es Sohn (Jesus): die Mutter -es (Maria): an
G. glauben, zweifeln; auf G. vertrauen; bei G. schwören;
die Toten sind bei G.; hier ruht in Gott ... (Inschrift
auf einem Grabstein); er handelt damit recht vor G. und
der Welt; zu G. beten, (geh.:) flehen; Ü Ich bin kein
Kultusminister. ... und ich bin schon gar nicht der pädagogische
liebe G. (Spiegel 3. 1975. 46); Maiwald, spiel hier nicht
den lieben G. (v. d. Grün. Glatteis 144); Spr was G.
tut. das ist wohlgetan (Strophenanfang eines barocken
Kirchenliedes); was G. zusammengefugt hat. das soll der
Mensch nicht scheiden (in bezug auf die Ehe; Matthäus
19, 6); hilf dir selbst, so hilft dir G.; wer G. vertraut,
hat wohl gebaut/hat nicht auf Sand/der hat auf keinen
Sand gebaut; -es Mühlen mahlen langsam [mahlen aber
trefflich fein] (für sein unrechtes, böses Tun wird man
schließlich dtKh von Gott gestraft): an -es Segen ist alles
gelegen; bei G. ist kein Ding unmöglich (Lukas 1. 37);
*[großer/allmäditiger/guter/mein] G. [im Himmel]!, o/ach
[du lieber/mein] G.! (Ausrufe der Verwunderung.
Bestürzung, des Bedauerns o.a.); [ach] G (am Satzanfang
als Ausdruck einer Überlegung; nun): [ach] G.. ich kann
nicht klagen; [ach] G.. das ist auf die Dauer auch nichts
Rechtes: grüß [dich. euch. Sie] G.! (landsch.; Grußformel):
G. zum Gruß! (veraltet: Grußformel): behüt' dichG.! (südd .
österr.; Abschiedsgruß); verselt'sG.! (landsch.;
Dankesformel); G. behüte/bewahre; da sei G. vor! (Ausrufe des
Erschreckens, der Abwehr); G. steh' mir/uns bei! (Ausruf
des Erschreckens); wollte/gebe G., daß ... (hoffentlich ist
es so, daß ...); G. soll mich strafen, wenn [nicht] ... (es
ist bestimmt [nicht] wahr, daß ...); gnade dir usw. G.!
(ugs.; Drohung): wenn du das entzweimachst, dann gnade
dir G.!; weiß G. (wahrhaftig, wirklich, gewiß: wie tnan
doch weiß): das wäre weiß G. nicht nötig gewesen; G.
weiß (ugs.; keiner weiß, es ist ungewiß): G. weiß, wann
sich das ändert; sie hat es G. weiß wem [alles] erzählt;
G. verdamm* mich (derb; Fluch); so G. will (ugs.; wenn
nichts dazwischenkommt), soG. will, sehen wir uns nächstes
Jahr wieder; jmdn. hat G. im Zorn erschaffen (jmd. ist
häßlich, abstoßend, so daß man am liebsten nichts mit ihm
zu tun haben möchte): wieG. jmdn. geschafTen hat (scherzh.:
fzujmds. Erstaunen] nackt): sie stand da. wie G. sie
geschafTen hatte; G. hab' ihn usw. selig (er ist nun auch
schon gestorben: als Einschub nach der Nennung des
Betreffenden): unser lieber Freund. G. hab' ihn selig, sagte
immer ...; leben wie G. in Frankreich (ugs.; im Überfluß
leben: vielleicht in Anspielung auf das Wohlleben der
französischen Geistlichkeit im Mittelalter od. auf die ersten
Jahre der Französischen Revolution, wo Gott abgeschafft
war u. deshalb ein bequemes Leben hatte); imds. G. sein
(von jmdm. als sein höchstes Gut betrachtet u. aus einem
übersteigerten Empfinden heraus abgöttisch geliebt werden):
er. das Geld ist ihrG.; helT G,! (Zuruf an einen Niesenden;
nach der Vorstellung, daß beim Niesen etw. Böses aus
dem Menschen heraus- od. in ihn hineinfahre); G. und
die Welt (alles Mögliche, alle mögHellen Leute): G. und
die Welt waren an dem schönen Frühlingstag unterwegs;
über G. und die Welt reden; Magda kennt G. und die
Welt (Kinski. Erdbeermund 231); den lieben G. einen guten
Mann sein lassen (ugs.; unbekümmert seine Zeit verbringen:
d. h. also, sich Gott nicht als Rachegott vorstellen); daß
G. erbarm' (ugs.; erbärmlich schlecht): ein Wetter, daß
G. erbarm'; sie spielte, sang, daß G. erbarm'; G. sei Dank!
(ugs.; Ausruf der Erleichterung); G. sei's getrommelt und
gepfiffen! (ugs. scherzh.; freudiger Ausruf sichtlicher
Erleichterung); G. sei's geklagt! (ugs.; leider): G. befohlen!
(geh.. veraltend; Abschiedsgruß): dem lieben G. den Tag
stehlen (ugs.: seine Zeit unnütz verbringen): um -es willen
(1. Ausruf des Erschreckens, der Abwehr: um -es willen,
wie siehst du denn aus! 2. Ausdruck einer inständigen,
dringenden Bitte: sei um -es willen vorsichtig!); in -es
Namen (ugs.: wie sehnlich gewünscht, schließlich einer Bitte
entsprechend): ihrer ... Forderung endlich Folge zu leisten
und ihr in -es Namen die Bilder vorzulegen (Th. Mann.
Krull 437); leider -es (ugs.; bedauerlicherweise): leider -es
ist es nun einmal so; seinen Frieden mit G. machen (sich
vor dem Sterben in Gottes Willen ergeben): jmd. ist [wohl]
ganz und gar vonG. verlassen! (ugs.; Ausruf des Unwillens,
der Mißbilligung); jmdn.. etw. zu seinemG. machen (jmdn..
etw. als sein höchstes Gut betrachten u. aus einem
übersteigerten Empfinden heraus abgöttisch lieben): daß er den
Geist zu seinem G. machte und durch den Geist, seinen
G.. stolz und einsam ward (H. Mann. Stadt 384); vgl.
Gottchen. 2. (im Polytheismus) kultisch verehrtes
übermenschliches Wesen als personal gedachte Naturkraft,
sittliche Macht: heidnische Götter; die griechischen,
germanischen Götter; Ich will dir sagen, süßer Tropf, wer Hermes
ist. Er ist der geschmeidige G. der Diebe (Th. Mann.
Krull 206); Schönheit ist ein Geschenk der Götter (ein
herrliches Geschenk, mit dem man von der Natur bedacht
werden, das man aber nicht erwerben kann): * wie ein junger
G. (übermenschlich großartig, schön u. mit absoluter
Leichtigkeit in der /künstlerischen/ Ausführung): wie ein junger
G. spielen, tanzen; Der Pilot fliegt wie ein junger G. (Quick
49, 1958, 54); das wissen die Götter (ugs.; das ist ganz
unbestimmt, ungewiß): ob sich der frühere Erfolg je
wiederholt, das wissen die Götter; Götter in Weiß (abwertend;
/ leitende Chef/ärzte): Es ist in letzter Zeit Mode geworden,
an dem Thron zu rütteln, auf dem Ärzte. ... auch „G.
in Weiß" genannt, sitzen sollen (Hörzu 20, 1976. 85).
gQtt-, Gptt- (vgl. auch: götter-, Götter-; gottes-, Gottes-;
gotts-, Gotts-): ^ähnlich <Adj.; o. Steig.): einem Gott ahn-
1065
gott-,
Göttlich: ein -es Wesen; jmdn. g. verehren, dazu: -Ähnlichkeit,
die<o. Pl.>; -begnadet <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>
(emotional): von Gott mit außergewöhnlichen künstlerischen,
geistigen Gaben beschenkt: ein -er Künstler; -behüte [--'—]
<Adv.> (Osten*.): gottbewahre: Eine paßt auf die andere
auf. ob die. g.. schon wieder Glück gehabt hat mit dem
Abnehmen (Doderer. Dämonen 73); -bewahre [--'--]
<Adv.>: (abwehrende od. verneinende Beteuerung) auf
keinen Fall bestimmt nicht: g., so etwas lasse ich mir doch
nicht einfallen; -erbarmen nur in der Wendung zum G.
(ugs.: I. jämmerlich, mitleiderregend: die Kinder weinten,
froren zum G. 2. jämmerlich schlecht in bezug auf die
Ausführung von etw.: er spielte Geige zum G.); -ergeben
<Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [spätmhd. gottergeben]: mit
allzu großer Selbst verstämllichkeit untertänig u. willig jmdm.
gegenüber, als müsse man sich in sein Schicksal fügen:
g. aussehen; Die Soldaten warfen sich g. in den Dreck
(Kirst. 08/15. 119); <Abl.:> -emebenheit die; -ferne, die
<o. Pl.>: das Fernsein, die Abwesenheit Gottes: Die Hölle
... kann uns schon ... hier und jetzt in ihr dämonisches
Kraftfeld ziehen. Denn sie ist dieG. in jeder Gestalt (Thie-
licke. Ich glaube 164); -froh <Adj.; o. Steig.; meist nur
präd.) (Schweiz, ugs.): herzlich froh, außerordentlich
erleichtert: du kannst g. sein, daß bei dem Unfall nicht mehr
passiert ist; vgl. gottenfroh; -geföllig <Adj.; o. Steig.; nicht
adv.) (geh.): von, in einer Art, wie Gott es haben will:
auf Gottes Wohlgefallen gerichtet: ein -es Leben führen;
Ich lüge nicht. Das ist g. (Jahnn. Geschichten 117); <Abl.:>
-gefälltskeit. die <o. PI.); -gegeben <Adj.; o. Steig.: nicht
adv.): unabwendbar wie von Gott gegeben: diese
Kostenexplosion wird als g. hingenommen. So als sei sie
unabwendbar gewesen (Hörzu 18, 1973, 22); <subst.:) schon wurde
die apokalyptische Vorstellung als etwas Gegebenes
(Gottgegebenes?) hingenommen u. dem Alltag vermählt (Kasch-
nitz. Wohin 56); -gesandt <Adj.; o. Steig.; nicht adv.)
(geh., veraltend): von Gott gesandt: ein -er Retter. Helfer.
Prophet; -geweiht <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): bestimmt,
im Dienste Gottes zu stehen: ein -es Leben; -gewollt <Adj.;
o. Steig.; nicht adv.): in Gottes Willen beschlossen, seinen
Ursprung habend: als Gottes Wille verstanden: in einem
Land, in dem es eine gewachsene, hierarchische, scheinbar
-e Ordnung gab (Dönhoff. Ära 42); etw. als g. hinnehmen,
dazu: -gewolltheit [-gavalthait]. die; -gläubig <Adj.; o.
Steig.; nicht adv.): 1. (veraltet) fromm, gottesfürchtig; Gott
vertrauend. 2. (ns.) ohne Zugehörigkeit zu einer
Religionsgemeinschaft an Gott glaubend, zu 1: -gläubigkeit. die;
-königtum, das <o. PI.): Idee u. Institution eines sakralen
Herrschertums (bei Naturvölkern, im Alten Orient, im
Hellenismus u. in der römischen Kaiserzeit): -lob [-'-] <Adv.)
[mhd. got(e)lob. ahd. got si lob): zu jmds. Beruhigung.
Erleichterung. Freude: Gott sei Lob u. Dank: wir hatten
g. immer schönes Welter; g. ist es nicht weit bis dahin;
G.. wir brauchen diesen Unsinn nicht mehr lange
anzuhören! (Remarque. Obelisk 343); -los <Adj.; -er, -este;
nicht adv. > [mhd. gotlösl: a) Gott nicht achtend, verwerflich:
eine-e Gesinnung; ein -es Leben führen; ein -es Mundwerk;
b) <o. Steig.) nicht an Gott glaubend, Gott leugnend: eine
-e Philosophie; Sicher kann ich Dein Wille geschehe"
... zugleich ganz g. sagen .... wenn ich es schicksalsgläubig
sage (Thielicke, Ich glaube 44); <subst.:) Gottlose, der
u. die; -n, -n <Dekl. t Abgeordnete), dazu: -losenbewegung.
die <o. PI.): kommunistische atheistische
Freidenkerbewegung: -losigkeit.die; -: 1. Nichtachtung Gottes,
Verwerflichkeit. 2. Unglaube. Gottesleugnung; -mensch, der <o. PL):
Person, die Gott u. Mensch zugleich ist (in bezug auf Jesus
Christus); -seibehins[--'--.auch: -' ]. der; - (verhüll.):
Teufel: es müßte der G. selbst die Hand im Spiele haben,
damit alles wieder zu Wasser werde wie so oft in meinem
Leben (Werfel. Himmel 44); -selig [ '--. auch: ' 1
<Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (veraltend): vom Glauben an
Gott erfüllt, fromm: ein -es Leben, dazu: -Seligkeit [-' .
auch: ' 1, die <o. PI.) (veraltend): die Zweiglein der
G./steckt auf mit Andacht, Lust und Freud (Adventslied
„Macht hoch die Tür". 4. Strophe. Zeile 3/4); -suche.
die: intensives Streben, in seinem Leben Gott zu finden,
ihm in Lebensweise u. Erkennen nahezukommen; -Sucher,
der: Rilke gehört zur gleichen Gruppe der wandernden
G. und vereinsamten Beter (K. Mann. Wendepunkt 98);
-vater [-'-], der <o. PI., meist o. Art.): Gott der Vater
als Person des dreieinigen Gottes (als Vater Jesu Christi
u. als Schöpfer): das Kirchenfenster zeigt eine Darstellung
der Dreieinigkeit mit G., Christus und dem Heiligen Geist
in Gestalt der Taube; -ventynwnich! <lnterj.) (derb): Gott
verdamme mich!: ..G.!" brüllt er. ..Die kommt mir jetzt
aber sofort aus dem Haus!" (Fallada. Mann 43);
-verdammt <Adj.; o. Steig.; nur attr.) (derb): so schlimm, übel,
daß die betreffende Person od. Sache jmdm. höchst zuwider
od. hinderlich ist u. ihn in hckhstem Maße aufregt: du
mit deinem -en Gerede!; diese -en Spitzbuben!; -verflucht
<Adj.; o. Steig.; nur attr.) (derb): vgl. -verdammt: das
ist wirklich eine -e Schweinerei; Das ist genauso traurig
wie alles andere auf dieser g. preußischen Welt (Tucholsky,
Zwischen 53); -vergessen <Adj.; nicht adv.): 1. nicht mehr
an Gott denkend, so daß man den Maßstab für sein
moralisches Verhalten verloren hat: Bibi erwies sich als ein -er
Säufer (Dürrenmatt, Grieche 14). 2. (ugs.) svw. f -verlassen
(1): eine -e Gegend: -verlassen <Adj.; nicht adv.): I. (ugs.)
abseits von allem Verkehr, von allem städtischen Getriebe
gelegen, so daß man es als bedrückend u. trostlos empfindet:
was sollen wir denn in diesem -en Kart? 2. von Gott verlassen
(xl. dieses Gefühl empfindend: während das Kennzeichen
des heutigen Menschen seine -e Einsamkeit und Langeweile
ist (Kaschnitz, Wohin 87); Bist unterwegs wie wir, g. allein
in der wilden Nacht (A. Zweig, Grischa 48); sich g.
vorkommen. 3. jmdm. wie von Gott verlassen, ohne Verstand
erscheinend: ich ... hatte ihn unbewußt gesucht in den
-en Horden, die die Straßen und Bahnhöfe füllten (Seghers,
Transit 80); Wer ... ist denn so g., daß er nicht sehen
will, wo wir heute stehen? (Plievier. Stalingrad 293);
^Verlassenheit, die: das Sich-von-Gott-verlassen-Fühlen; Gerade
hier bei St. Peter erlebte sie die tiefste G. ihres Lebens
(Werfel. Himmel 185); -vertrauen, das: Vertrauenaui Gott:
sein G. ließ ihn ausharren; kein G. haben; -voll <Adj.;
o. Steig.): 1. (ugs.) übermäßig komisch wirkend: ein -er
Anblick; du hast ja einen -en Hut auf; du bist g.! (du
kommst auj merkwürdige Ideen). 2. herrlich, so daß man
staunend ergriffen ist: Noch einmal will uns die Liebe
aufgehen, wie ein -er Morgen (Proust [Übers.], Tage der
Freuden. Ullstein Bücher 71, 131); keineswegs war dieses
sein (= Urvaters) g. mutiges Ich gesonnen, in Gott zu
verschwinden, mit ihm eins zu werden (Th. Mann, Joseph
431); der junge Künstler spielte g.; -wesen, das: göttliches
Wesen. Gott: Aber ein G.. das allem Irdischen entrückt
ist. läßt uns kalt (Thielicke. Ich glaube 195).
Gottchen l'goUpn]. das; -s, - [1: Vkl. von Gott (1); 2: Vkl.
von Gotte]: 1. *[ach] G.! (Ausruf des [gerührten]
Erstaunens, des Erschreckens o. ä.): Ach G., das liebe Köpfchen
(Döblin. Berlin 56); ..Ich bin Ihr Bruder" Brudetf
... Himmel. G.r (Strittmatter. Wundertäter 179). 2.
(Schweiz.) Patenkind: Gotte I'gata]. die; -. -n (Schweiz.):
svw. t^Gote; gottenfroh <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [eigtl.
= froh zu Gott]: Schweiz, seltener fürt gottfroh; G^ttenkind.
das; -[e]s, -er (Schweiz.): Kind einer Patin.
g$tter-, Gatter- (vgl. auch: gott-. Gott-; gottes-. Gottes-;
gotts-. Gotts-): -bäum, der [nach einer Bez. der
Eingeborenensprache auf den Molukken; wegen der
..Himmelsnähe", die der Baum infolge seiner Höhe zu haben scheint]:
aus Indien, Ostasien u. Australien stammender, in Parks
u. Alleen wachsender Baum mit kräftigen Zweigen, großen
gefiederten Blättern u. Blütenrispen mit grünlichen Blüten;
-berg. der: svw. T Olymp; -bild, das: 1. in den Kult
einbezogene bildliche Darstellung eines Gottes (2). 2. überaus
schönes Bildnis; -bhone, die [nach der Übers, des 2.
Bestandteils des griech. Pflanzennamens dödekatheön =
Zwölfgötterblume]: zu den Primelgewächsen gehörende,
frühblühende Steinxartenpflanze mit Blattrosette u. weißen
od. roten Blütendolden; -böte, der: Mittler, durch den in
der antiken Mythologie die Götter mit den Menschen in
Beziehung treten (z. B. Hermes, der Bote des Zeus); -däro-
merung, die <o. PI.) [durch Richard Wagner popularisiert;
falsche LÜ von aisl. ragna rökkr = Götterverfinsterung,
dasmitaisl. ragnarök = Götterschicksal vermischt wurde]
(nord. Myth.): Untergang von Göttern u. Welt vor Anbruch
eines neuen Weltzeitalters: Ü Das Abendrot der
Zivilisation. Müde, gestaltlose G. (Remarque, Triomphe 105);
-funkeln], der (dichter.): etw., was gleichswn von den
Göttern kommt u. in Begeisterung versetzt; begeisterndes
Gefühl; -gäbe, die (dichter.): gleichsam von den Göttern
kommende herrliche Gabe: Die Zeit ist eine G.. dem Menschen
verliehen, damit er sie nutze... im Dienste des Menschheits-
1066
Gotthardchinese
Fortschritts (Th. Mann, Zauberberg 340); -gatte, der [der
Ausdruck fand Verbreitung durch die Operette „Der
Göttergatte** von Lehär 1904; H. u.) (ugs. scherzh.): Ehemann:
der Anrufer kann nur dein G. sein; ... mein G. lasse
ein Tierbuch nach dem anderen erscheinen, währenddessen
ich ... (H.Grzimek, Tiere9); -geschenk, das: svw. T-gabe;
-gestalt, die: 1. svw. tGott (2): die -en der nordischen
Mythologie. 2. svw. t-statue; -gleich <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.): einem Gott, den Göttern gleich, ähnlich: wie
ein Gott, die Götter: ein -es Weib; sich g. wähnen; -kind,
das: svw. T -liebling; -liebling, der: vom Schicksal
begnadeter, begünstigter Mensch: das Wunderkind gilt vielen als
ein G.; -mahl, das (scherzh.): erlesenes, großartiges Mahl:
-maske, die: Maske eines heidnischen Gottes: -pflaume.
die [nach dem botanischen Namen Diospyros < griech.
Diös pyrös. eigtl. = Weizen des Zeus]: svw. f
Dattelpflaume (1, 2); -sage, die: a) bestimmte Mythologie: die
griechische G.; b) einzelne Sage von einem Gott od. von
Göttern: eine Sammlung von -n; -speise, die: l.a) <o.
PI.) svw. TAmbrosia (1); b) (scherzh.) köstliche Speise.
2. aus Gelatine mit Aromastoffen od. unter Verwendung
von Fruchtsaft hergestellte Sü/Jspeise: -spruch. der: Urteil.
Weissagung der Götter: -trank, der: a)<o. PL ) svw. T Nektar
(1); b) (scherzh.) köstliches Getränk: -vater, der: oberster
der Götter einer Mythologie: Zeus als der G. der
griechischen Mythologie.
gQttes-. Gattes- (vgl. auch: goti-, Gott-; götter-, Götter-;
gotts-. Gotts-): -acker, der [mhd. goczachcker. urspr. =
der in den Feldern liegende Begräbnisplatz, im Unterschied
zum Kirchhof) (landsch.. geh.): Friedhof: -anbeterin, die
[nach der Haltung ihrer Fangbeine beim Lauern auf Beute,
die an betende Hände erinnert]: Fangheuschrecke mit meist
grünem Körper, dreieckigem Kopfu. breiter Stirn: -begriff,
der: bestimmter Begriff von Gott: Aber sogar wenn unser
G. nur einer unter unendlich vielen wäre. Er (= Gott)
könnte ihn nicht entbehren (K. Mann. Wendepunkt 382);
-beweis, der: Versuch, aus Vernunftsgründen (nach
bestimmten Beweisprinzipien) auf die Existenz Gottes zu
schließen: -braut, die [mhd. gotes brüt] (geh.. selten): Braut
Gottes. Christi (in Bezug auf eine Nontw. die Jungfrau
Maria, die Kirche, die Seele): -dienst, der [mhd. gots-
dienstl: (in einer Kirche stattfindende) gemeinschaftliche
religiöse Feier zur Verehrung Gottes: ein evangelischer,
katholischer, ökumenischer G ; die -e beginnen in dieser
Kirche um halb zehn; einen G. abhalten, besuchen; G.
halten; am öffentlichen G. teilnehmen; zum G. gehen,
dazu: -dienstbesucher, der, -dienstlich <Adj.; o. Steig.;
nicht präd.): den Gottesdienst betreffend: eine -e
Versammlung, -dienstordnung, die: geregelte Einteilung der in
einer Kirche innerhalb eines bestimmten Zeitabschnitts
stattfindenden Gottesdienste: die G. für die Feiertage, für den
morgigen Sonntag; -ebenbiMlichkeit, die; -: Eigenschuft
des Menschen. Gottes Ebenbild zu sein: reiferer, der: jmd..
der von seitiem Glaubenseifer durchdrungen ist, -erfahrung.
die; -erkenntnis, die <o. PI.): Fähigkeit des Menschen zur
Erkenntnis von Gottes Dasein u. Wesen: -ferne, die <q.
PL): svw. tGottferne; -friede, der [mhd. gotes vride. LÜ
von mlat. treuga od. pax deil: zeitweilige Einstellung
kriegerischer Auseimndersetzungen; im Mittelalter kirchliches
Verbot der Fehde an bestimmten Tagen aus religiösen
Gründen: Wir haben -n vom Mittwoch bis zum Montag. Die
Kirche hat ihn eingesetzt ... Wir haben Landfrieden, die
ganze Woche. Der Kaiser hat ihn eingesetzt (Hacks. Stücke
13); -furcht, die [LÜ von lat. timor deil: Ehrfurcht vor
Gott (u. daraus folgende fromme Lebensweise): keine G.
besitzen, dazu: -furchtig <Adj.; nicht adv.): in der Elirfurcht
vor Gott lebendu. danach trachtend, seine Gebote zu erfüllen:
er war schlau und g. und hielt von der Jungfrau Maria
mehr als von seiner Mutter (Strittmatter, Wundertäter
311); dreist und g. (ugs.; mit einer geradezu
selbstverständlichen Kühnheit. Frechheit) behauptet er, daß ...; Ü Die
Kirche der evangelischen Gemeinde, zehn Uhr markierte
das Zifferblatt, der Tag war noch jung und g. blau (Fries,
Weg 103); -gäbe, die: wunderbare Gabe: Ein ... Chor ...
setzte ... die hochgeschulte G. seiner Stimmen ein zur
Ausführung von Arien, Duetten (Th. Mann, Zauberberg
889); -gebärerin, die <o. PI.) [LÜ von lat. dei genetrixl:
svw. t-mutter; -gelahrtheit, -gelehrtheit, die (veraltet):
Theologie: -gelehrte, der (veraltet): Theologe: -gericht,
das: a) Strafgericht, das Gott hält: b) svw. Kurteil;
^geschenkt das: vgl. -gäbe, -glaube, der: Glaube an Gott:
-gnade, die: Gnade Gottes, dazu: -gnadentum, das; -s [nach
der Formel „von Gottes Gnaden"] (hist.): göttliche
Legitimität des abendländischen Herrschers, bes. im Absolutismus:
-haus, das [mhd. gotshüs. ahd. gotes hüs; LÜ von lat.
templum dei bzw. domus od. casa dei] (oft geh.): für
den Gottesdienst bestimmtes Gebäude: Kirche (mit dem
Wort verbindet sich die Vorstellung von Weihe, Würde
u. Feierlichkeit): ein evangelisches, christliches, jüdisches
G.; Das G. wird wieder - wie in der griechischen Antike
- die wesentliche Bauaufgabe und bleibt sie bis zum
ausgehenden Mittelalter (Bild. Kunst 3. 16); -kind, das (selten):
Menschenkind: Das waren meine neuen Erfahrungen mit
Kindern, auch die eines schwachsinnigen -es. in dem eine
ganze unruhige, unlustige Familie ihren Mittelpunkt, ihre
Stille fand (Kaschnitz. Wohin 80); -kindschaft, die; -:
enge, persönliche Bindung des Menschen an Gott: Die Kirche
ist auch die Gemeinschaft, die ... am Erlösungswerk Jesu
Christi ... Anteil hat. die dadurch die Versöhnung mit
Gott, die G. empfängt (Glaube 1. 1967, 9); -lamm, das
<o. PI.) [LÜ von lat. agnus deil: symbolische Bezeichnung
Jesu: -lasterer. der: jmd.. der Gott lästert: -lästerlich
<AdJ.): Gott lästernd: -e Flüche, Reden; der Pächter ...
flucht g., als er ihn ( = den Kater) an die Stallwand knallt
(Chr. Wolf, Nachdenken 28); -lästerung, die: / öffentliche]
Beleidigung, Herabsetzung, Beschimpfung Gottes: was er
da sagt, ist eine G.; wegen G. angeklagt werden; -leugner,
der: jmd., der Gott leugnet: Atheist, dazu: -leugnerisch
<Adj.; o. Steig.; nicht adv.): Gott leugnend, atheistisch:
eine -e Einstellung; -leugnung, die: das Leugnen der
Existenz Gottes: -lohn« der <o. PI.): Belohnung einer guten
Tat durch Gott: sich mit etw. einen G. verdienen; *im
[einen 1 G. (unentgeltlich, ohne etw. für eine Leistung zu
erhalten): Nun soll niemand glauben, Amsel hätte die
Gruppe ... um G. hergestellt: laut Diarium brachte sie
zwei Gulden zwanzig ein (Grass. Hundejahre 72); -mann,
der <PI. ...männer) [spätmhd. gottesmann = Prophet,
ahd. gotesman = Priesterl (geh., oft scherzh.): / sich seinem
Beruf mit Eifer hingebender j Geistlicher: ein katholischer
G.; Das Amtsgericht... verurteilte den G. zu drei Wochen
Gefängnis (MM 12. 11. 65. 10); -mutter, die <o. PL):
Maria, die Mutter Jesu als des Gottmenschen: -segen, der
<o. PI.) (selten): (in bezug auf bestimmte Lebensgüter)
Gabe Gottes: ^sohn, der <o. PI.): Jesus Christus, der Sohn
Gottes, dazu: -sohnschaft, die; -: Verständnis Jesu Christi
als des Sohnes Gottes: Darum lassen Sie die G. Christi,
lassen Sie Ostern und Himmelfahrt ruhig auf sich beruhen
(Thielicke, Ich glaube 32); -Staat, der [nach lat. civitas
dei = Stadt. Gemeinde Gottes]: (in Augustinus* ..Civitas
Der*) der Staat Gottes, der aus der in Liebe zu ihm
verbundenen Menschheit im Himmel u. auf Erden besteht: -Streiter,
der: 1. (selten) jmd.. der seinen Glauben streitbar vertritt.
2. (veraltet) christlicher Glaubenskämpfer. Ritter [der
Kreuzzüge]: -tag, der (dichter., selten): Sonntag: und sogar
das barbarische Ehepaar vom schlechten Russentisch hatte
demG. Rechnung getragen, indem ... (Th. Mann.
Zauberberg 156); -tisch, der (selten): Altar: -urteil, das (hist.):
bes. im MA. beim Fehlen sicherer Beweismittel angewandtes
Verfahren (z.B. Feuerprobe. Zweikampf) zur Ermittlung
des Schuldigen, wobei dem Ausgang des Verfahrens das
als richtig angesehene Urteil Gottes entnommen wird: ein
G. sollte entscheiden;... muß der Mann sich in den Dreck
jagen lassen, muß jeden Befehl eines größenwahnsinnigen
Anstreichers wie ein G. widerspruchslos hinnehmen (Kirst,
08/15, 216); Ü die Dorfbewohner sahen in dem Einsturz
der Brücke ein G. (einen göttlichen Richterspruch, eine
von Gott verhängte Strafe): -Verehrung, die <P1. ungebr.):
Verehrung [eines] Gottes: -volk, das <o. PI.) (geh.):
Gemeinschaft der Christen: Diese Aufgabe des -es suchen
viele Christen zu erfüllen (Glaube 5, 1967, 9); -wort, das
<o. PI.): Gottes Wort, wie es die Bibel enthält: -wunder,
das (geh.): Wunder, das Gott gewirkt Iwt: Unmöglich, daß
es (= das Kind) die Baracke verlassen hatte. Hier war
ein G. geschehen (Apitz. Wölfe 254/255).
gQtthaft <Adj.; o. Steig.) [mhd. gothaft] (selten): in der
Art eines Gottes, wie es einem Gott gemäß ist: göttlich:
Er war nicht gefaßt gewesen, den Königsnamen ...
dermaßen g. und prachtbehangen zu verstehen (Th. Mann.
Joseph 683).
Gotthardchinese [gothart^ine:^], der; -n. -n (Schweiz, abwer-
1067
Gottheit
tend): Italiener, bes. italienischer Gastarbeiter: Ihnen (=
Schweizer Kleinbürgern) sind vor allem die fast 600000
Italiener, auch „Salami-Brüder'k oder ..Gotthard-Chine-
sen" genannt, zuwider (Spiegel 42, 1974, 131).
Gottheit, die; -. -en [mhd.. ahd. got(e)heit]: I. <o. PI.; nur
mit best. Art.) (geh.): Gott (1):... begreift Seydel plötzlich
das Geheimnis der Menschwerdung der G., an dem die
Päpste in ihrer Art teilnehmen (Werfel, Himmel 220).
2. nicht eindeutig bezeichneter Gott (2) bzw. Göttin:
heidnische -en; ein Idol zu umarmen, das einer grausamen G.
glich, der man sich ausliefern mußte (Langgässer. Siegel
515); Ü Fürchterliche Gewalt der Wiederholung,
fürchterliche G.! Anziehung der Leere (Musil, Mann 1425). 3.
<o. PI.) (geh.) das Gottsein, Göttlichkeit, göttliche Natur:
Was immer Sie von ihm (= Christus) halten - solange
Sie ihm seine G. nicht glauben können, glauben Sie ihm
wenigstens seine Menschlichkeit (Sommerauer. Sonntag
22);Götti[,goeti),der; -s, - [vgl. 'Gotel (Schweiz, mundartl.):
Pate: <Zus.:> Gpttibub, der (Schweiz, mundartl.):
männliches Patenkind eines Paten; gottigkeit fgati^kaitl <Adv.>
[H. u.. zu TGott (zur Bekräftigung der Aussage) u. viel),
zu mhd. queden, ahd. quedan = sagen, sprechen] (österr.
veraltet): gewissermaßen, sozusagen: bei Gott, wirklich; G$t-
tikind, das: -[eis, -er (Schweiz, mundartl.): Patenkind eines
Paten; Gpttin, die; -. -nen: w. Form zu TGott (2): weibliche
Gottheit: Minerva, die römische G. der Weisheit; Ihr
bleiches, abgewandtes Gesicht... glich nun dem einer keuschen
G. {einer Diana od. Artemis; Langgässer, Siegel 239);
göttlich ['gaetln;] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [mhd. gotelich,
ahd. gotllh]: 1. a) Gott eigen, zugehörend; von Gott
ausgehend, stammetul: die -e Gnade, Weisheit. Allmacht.
Gerechtigkeit, Ordnung; die -e Offenbarung im Wort, in Jesus
Christus; ein -esGebot; nach -em und menschlichem Recht;
wo ich ... das Trümmerfeld meines Daseins wieder als
-es Fragment erkannte (Hesse. Steppenwolf 161); <subst.:>
das Göttliche im Menschen; b) auf Gott gerichtet, bezogen:
Daß ich Bittschriften ... voll philosophischer und -er
Erwägungen an den Freund richtete (Jahnn. Geschichten 23);
Einzig aus dieser -en Dienstverpflichtung (dieser
Dienstverpflichtung Gott gegenüber) entstand dieses „wunderbare
Buch4* (Nigg. Wiederkehr 65). 2- a) einem Gott zugehöretul:
In früheren Zeiten konnte man Blitz und Donner für
den Ausdruck eines -en Zorns halten (Sommerauer.
Sonntag 38); b) einem Gott zukommend: in diesem Land genießen
bestimmte Tiere -e Verehrung. 3. a) einem Gott, einer
Göttin ähnlich, gleich: g. edle Gesichtszüge; ..Sind wir
pleite, oder geht es uns glänzend?" Ich glaube, das
weiß heute keiner mehr von sich in Deutschland. Nicht
einmal der -e Stlnnes ..." (Remarque. Obelisk 12); Muß
er (= der Feldherr) nicht g. fühlen bei aller Macht, die
ihm verliehen? (Kaiser, Villa 36); b) (oft scherzh.) herrlich
I so daß man nur staunen kann]: weil er in seiner -en Faulheit
von keinem der Details belastet ist (Fr. Wolf. Menetekel
18): so ist er (= der Tee) unter den Nomaden auch
Zahlungsmittel, das Silber vertritt. Unentbehrlich g. und
kostbar (Jacob, Kaffee 104); Sie blasen g. auf dem Bleistift!
(H. Mann, Stadt 297); <Abl.:> Göttlichkeit, die; -: das
Göttlichsein, göttliche Art.
gQtts-, Gpfts- (vgl. auch: gott-, Gott-; götter-, Götter-; gol-
tes-, Gottes-) [drückt eine Verstärkung aus!: -erbärmlich
<Adj.; o. Steig.) (salopp): I. ganz erbärmlich da): der
Flüchtling sah g. aus; sie heulte g. 2. a) <nur attr.) in
unangenehmer Weise äußerst groß, stark: eine -e Hitze;
b) intensivierend bei Adj. u. Verben) sehr, außerordentlich:
es war g. kalt; sie froren g.; -jämmerlich <Adj.; o. Steig.)
(salopp): vgl. ^erbärmlich; -oberste [...'I0:brstol, der; -n,
-n <Dekl. t Abgeordnete) [2. Bestandteil toberst...] (österr.
veraltend, iron): hoher, nobler, gnädiger Herr; DerG. geht
jetzt dort auf der Straßen, weißt wie? Mifn Marschallstab
spaziert er herum (Kraus, Menschheit I. 112); -verdori
[...fE?'dD:ril <lnterj.) [entstellt aus niederd. Gott verdomi
= Gott verdamme mich] (nordd. derb): zum Teufel: Dann
heißt es. die schon langsam rostig werdenden Knochen
geölt und los. ins Feld! G., so alt sind wir doch noch
nicht (Bredel. Väter 401).
Götz [goetsl in der Fügung G. von Berlichingen [- fori
berlujwan] (salopp verhüll.; leck mich am Arsch: nach
dem tGötzzitat).
Götze ['goetsal, der; -n. -n [mhd. götz = Koseform zu
TGott = Heiligenbild; bei Luther dann = falscher Gott]:
1. etw. /bildlich Dargestelltes/ (Gegenstand, Wesen o.a.),
was als Gott (2) verehrt wird: heidnische -n; ein G. aus
Gold; -n anbeten, verehren; sich einen -n schnitzen,
machen; einem -n opfern; um einen -n herumtanzen. 2. (geh.
abwertend) jmd. od. en\>., was es gar nicht wert ist, was
aber zu jmds. Lebensinhalt wird u. von dem er sich sklavisch
abhängig macht: Femsehen und schnelle Autos sind die
-n der modernen Gesellschaft; Er (= dieser Vater) war
ein leerer G. Aber woher hatte er diese Macht? (Hesse,
Narziß 52): sie verfiel dem Alkohol derart, daß er zu
ihrem -n wurde.
Götzen-: Mritar, der: Jür einen Götzen (1) errichteter Altar;
-anbeter, der: I. jmd., der Götzen (1) anbetet, verehrt.
2. (geh. abwertend) jmd.. der jmdn., etw. als seinen Götzen
(2) verehrt: ... bin selbst ... Goldkoch, Glücksritter, G.
(Plievier, Stalingrad 259); ^bild, das: in den Kult
einbezogene bildliche Darstellung eines Götzen (1): Ü wo die Mumie
Lenins, ein mürbes, zartes und doch mächtiges G., die
Huldigungen der Nation empfängt (K. Mann.
Wendepunkt 181); -diener, der: 1. svw. T^anbeter (1). 2. (geh.
abwertend) svw. t^anbeter (2); ^dienst, der <o. PL): 1.
Verehrung von Götzen (I). 2. (geh. abwertend) Verehrung
einer Person od. Sache als Götze (2): so etwas ist G.;
keinen G. (Kult) treiben; -glaube, der: Glaube an Götzen
(1): -priester, der: Priester im Götzendienst (1); -Verehrung,
die <o. PL): Verehrung von Götzen (1.2).
gQtzenhaft <Adj.; o. Steig.): auf jmdn., etw. wie auf einen
Götzen bezogen; eine -e Verehrung; Gptzentum, das; -s:
svw. t Götzenglaube.
GQtzzitat, das; -[eis [in Goethes Urfassung des „Götz von
Berlichingen". 3. Akt. Götzens Worte: ..er kann mich
im Arsch lecken"!: Das unter Autofahrern nicht allzu
selten gebrauchte G. wurde nächtlichen Passanten ... auf
eindrucksvoll-optische Weise in Erinnerung gebracht (MM
31. 1. 68. 10).
Gouache (österr. u. fachspr. nur so), die; -. -n,
(eingedeutscht:) Guasch [gua(:)f], die; -. -en [frz. gouache <
ital. guazzo. eigtl. = Wasserlache < lat. aquätio = das
Wasserholenl: 1. <o. PI.) deckende Malerei mit
Wasserfarben in Verbindung mit Bindemitteln u. Deckweiß, deren
dicker Farbauftrag nach dem Trocknen eine dem Pastell
ähnliche Wirkung ergibt. 2. Bild in der Technik der Gouache
(1): Über 70Gemälde, Aquarelle. Gouachen und
Lithographien aus allen Schaffensperioden hat das Unterlinden-
Museum zusammengetragen (Welt 27. 7. 65, 5); <Zus.:>
Gouachemalerei, die; -: das Malen in der Technik der
Gouache (\Y
Gouda [gauda], der; -s, -s, Goudakäse, der; -s. - [nach
derniederl. Stadt Gouda): / niederländischer hell- bis
goldgelber Schnittkäse in Form eines Brotlaibs mit runden bis
ovalen Löchern u. von mildem bis pikantem Geschmack
entsprecheml der Reifezeit.
Goudron [gu'drö:!, der, auch: das; -s [frz. goudron = Teer
< arab. qajränl: als wasserdichter Anstrich verwendete
Mischung aus reinem Asphalt u. Rückständen aus der
Erdöldestillation.
Goubsch: tGulasch.
Gourde [gurd], der; -. -s [gurd] <aber: 30 Gourde> [frz.
gourde, eigtl. = steif, starr, wohl nach der ugs. scherzh.
Bez. (piastre) gourde, span. (perra) gorda für die
Eindollarmünze in den südlichen USA u. in der Karibikl: Währungs-
einfieit auf Haiti (1 Gourde = 100 Centimes); Abk.: Gde.,
G
Gourmand (gor'mä:), der; -s. -s [frz. gourmand; H. u.]:
jmd., der gern gut u. zugleich viel ißt, Schlemmer: Dies
nur eine kleine Warnung für den sensiblen Feinschmecker.
Der draufgängerische G. wird ihrer nicht achten CHildes-
heimer. Legenden 144); Ü Aus dem Feinschmecker für
Mädchen, aus dem Gourmet, wird ein G., ein Fresser
(Kesten. Casanova 265); Gourmandise [gormä di:z3], die:
-, -n [frz. gourmandise!: besondere Delikatesse;
Leckerbissen; Gourmet [gur'me. ...me:l, der; -s, -s [frz. gourmet,
afrz. gormet = Gehilfe des Weinhändlers; H. u.J: jmd.,
der auf Grund seiner diesbezüglichen Kenntnisse in der Lage
ist, über Speisen u. Getränke, bes. Wein, ein fachmännisches
Urteil abzugeben, u. der gern ausgesuchte Delikatessen
verzehrt, ohne jedoch unmäßig dabei zu sein; Feinschmecker:
dieses Restaurant ist eine Hochburg der -s.
Gout [gu:]. der; -s. -s [frz. goüt < lat. güstus = das Kosten]
(bildungsspr. veraltend): jmds. persönlicher Geschmack,
1068
Grab-
dem etw. entspricht; vgl. Hautgout u. chacun ä son goüt;
goutieren[gu'ti:ren] <sw. V.; hat) [frz. goüter < lat. güstäre
= kosten, schmecken] (bildungsspr.): Geschmack an etw..
Gefallen an etw.. (selten:) jmdm. finden: exotische Musik
als interessanten Reiz g.; man kann seinen Stil, die Dialoge
durchaus g.; meine mangelhafte Kenntnis des
Französischen gestattet mir kaum, die ...IÜuminations" ... zu g.
(K. Mann, Wendepunkt 102); Auch den Rebellen... könnte
man hierzulande allenfalls g. (gutheißen; Augstein.
Spiegelungen 90).
Gouvernante [guver'nanto], die; -. -n [frz. gouvernante. eigtl.
= l.Part.zu:gouverner = lenken, leiten < lat. gubernäre,
TGouvemeurl: a) (veraltet) Erzieherin. Hauslehrerin; die
Kinderfrau ist noch immer im Haus und wird verschämt
unsere ehemalige G. genannt (Fischer, Wohnungen 20);
b) weihliche, etwas altjüngferlich wirkende Person, die dazu
neigt, andere zu belehren u. zu bevormunden: sie ist eine
richtige G.; ich verzichte auf deine Belehrungen, ich bin
alt genug und brauche keine G. mehr; gouvernantenhaft
<Adj.; -er. -este): in der Art einer Gouvernante (b): ein
-er Zug in ihrem Wesen; Deshalb erklären wir auch, daß
unser Alleinvertretungsrecht nicht mißverstanden werden
solle, es ist nicht g. gemeint (Spiegel 13, 1967, 53); Gou-
verroMitenkleid, das; -[e]s, -er: / schwarzesJ Kleid einer
Gouvernante; Gouvernement [guvernD'mä:!, das; -s, -s [frz. gou-
vemement]: a) Regierung, Verwaltung durch einen
Gouverneur; b) Verwaltungsbezirk einer militärischen od. zivilen
Behörde [in einem besetzten GebietI; gouvernemental
[...ä'tarl] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.> (Schweiz., sonst
veraltet): regierungsfreundlich; Regierungs...: eine -e Vorlage;
... spaltete sich der deutsche Konservatismus in Praxis
und Theorie. Die Praxis wurde g. im Sinne Bismarcks,
dessen Politik den Interessen der bisher führenden Schicht
entsprach (Fraenkel, Staat 172); g. (fiir die Vorlage der
Regierung) stimmen; Gouverneur [guverno:^], der; -s, -e
[frz. gouverneur < lat. gubernätor = Steuermann (eines
Schiffes); Lenker. Leiter, zu: gubernäre = das Steuerruder
führen; lenken, leiten < griech. kybernänj: a) höchster
Exekutivbeamter eines größeren Verwaltungsbezirks, einer
Provinz: Der G. hat das Begnadigungsrecht und kann
bei Notstand den Befehl über die Polizei selbst übernehmen
(Dönhoff, Ära 81); Zwar hatte er einen Erlaubnisschein
des -s von Kreta (Ceram, Götter 74); b) höchster
Exekutivbeamter einer Kolonie: Nach den Worten des letzten
britischen -s ist es die Absicht der Regierung, den Krater
zum Vorteil der Menschen zu entwickeln ..." (Grzimek.
Serengeti 341); c) oberster Befehlshaber einer Festung.
Garnison od. eines Standorts: das Volk von Maui... marschierte
mit ... Gebrüll um das Fort herum. Als der Herr G.
besorgt aus seinem Befehlsgebäude schaute ... (Reinig.
Schifle 18); d) höchster Exekutivbeamter eines
Bundesstaates in den USA.
GPU [ge:pe:'|u:], die: - [Abk. aus russ. gossudarstwennoje
polititscheskoje uprawlenije = staatliche politische
Verwaltung]: sowjetrussische staatliche Geheimpolizei (unter
diesem Namen bis 1934); <Zus.:> GPU-Keller, der; -s.
-: im Keller gelegene Haft- u. Vernehmungsräume der GPU:
An fünftausend Mann hatten in der Ruine des
„Volkskommissariats für innere Angelegenheiten" (in den
sogenannten GPU-Kellern) Zuflucht gefunden (Plievier. Stalingrad
237).
Graaf-Follikel ['gra:f-, niederl.: xra:f-l. der; -s. - [nach dem
niederl. Anatomen R. deGraaf (1641-1673)1 (Biol., Med.):
das reife Ei enthaltendes Bläschen im Eierstock.
Grab [gra:p], das; -[e]s, Gräber ['gre:bB] <Vkl. TGräbchen)
[mhd. grap, ahd. grab, urspr. = in die Erde gegrabene
Vertiefung, zu t graben): a) für die Beerdigung eines Toten
ausgehobene Grube: ein offenes, tiefes, leeres G.; ein G.
graben, ausschachten, [zulschaufeln, zuschütten; an jmds.
G. stehen, treten; im G. liegen, ruhen; jmdn. ins G. legen,
betten; b) durch einen kleinen / geschmücktenj Erdhügel
mit einem Kreuz, mit Grabstein od. -platteJ kenntlich
gemachte Stelle, wo ein Toter beerdigt ist; Begräbnisstätte:
ein eingefallenes G.; ein G. bepflanzen, schmücken,
pflegen, einebnen, besuchen; man hatte sein G. geschändet;
Blumen, einen Kranz auf jmds. G. legen: Ü das G. seiner
Träume; R jmd. würde sich im Grab[e] herumdrehen (ugs.;
wäre entsetzt, sehr ärgerlich, sehr bekümmert), wenn er
wüßte, ...; *das Heilige G. (Grab Jesu Christi); das G,
des Unbekannten Soldaten (Name von Gedenkstätten für
gefallene Soldaten); verschwiegen wie ein/das G. sein (ugs.;
sehr verschwiegen, diskret sein): ein feuchtes/nasses G.
finden; sein G. in den Wellen finden (geh.; ertrinken): ein
frühes G. finden (geh.; früti sterben): sich (Dativ) selbst
seinG. schaufeln/graben (seihst seinen Untergang
herbeiführen); mit einem Fuß/Bein im -e, (geh.:) am Rande des
-es [stehen] (dem Tod sehr nahe /sein/): Ich stehe mit
einem Fuße im -e. mir bleibt nur eine kurze Frist (Th.
Mann, Buddenbrooks 514); ... während sie, Teta, schon
siebzig vorüber war und daher am Rand des -es (Werfel,
Himmel 179); jmdn. an den Rand des -es bringen (geh.:
beinahe jmds. Tod verursachen): jmdn. ins G. bringen (1.
an jmds. Tod schuld sein: „Meine Freunde werden mich
noch einmal frühzeitig ins G. bringen" [Kirst. Aufruhr
125]. 2. jmdn. zur Verzweiflung bringen, völlig entnerven:
diese Person/dieses Gequatsche bringt mich noch ins G.);
ins G. sinken (geh.; sterben): jmdm. ins G. folgen (geh.;
ikurzj nach jmdm. sterben): etw. mit ins G. nehmen (geh.;
ein Geheimnis niemals preisgegeben haben): ... und die ...
Möller hat's nicht mit ins G. genommen (Fallada, Mann
81); bis ins/ans G.; bis über das G. hinaus (geh.; bis in
den Tod, über den Tod hinaus, für immer, für alle Zeit):
jmdm. bis ins/ans G., [bisl über das G. hinaus die Treue
bewahren; jmdn. zu -e tragen (geh.; jmdn. beerdigen): etw.
zu -e tragen (geh.; etw. endgültig aufgeben): einen Wunsch,
eine Hoffnung zu Grabe tragen.
grab-, trab- (Grab; vgl. auch: Gräber-; grabes-, Grabes-):
-beigäbe, die (Archäol.): einem Toten ins Grab
mitgegebener Gegenstand; -denkmal, das: bei einem Grab befindlicher
Gedenkstein; -einfassung, die; -fund, der: vgl. Gräberfund:
-geläut[e], das: GlockengeläutfeJ beim Begräbnis; -geleit,
das (geh.): Geleit zu jmds. Beerdigung: jmdm. dasG. geben;
das G. bilden; -gesang, der: Gesang bei der Bestattung,
Totenlied: Ü diese Ereignisse waren der G. (der Beginn
des Untergangs) der Demokratie; -gewölbe, das: als
Begräbnisstätte dienendes Gewölbe (2); -hügel.der: -inschrift,
die: Inschrift auf einem Grabstein; -kammer, die: vgl.
-gewölbe; -kapelle, die: Kapelle für
Begräbnisfeierlichkeiten; -kirche, die: vgl. -lege: Die Kirche ... ist gleichzeitig
G. des Hauses Habsburg und Zentrum des Reliquien-
und Heiligenkultes (Bild. Kunst 3, 28); -kreuz, das: vgl.
-denkmal; -lege, die; -. -n (Fachspr.): für mehrere Gräber
bzw. Grabmäler einer königlichen, fürstlichen txi. adligen
Familie bestimmte Anlage (insbes. im Chor einer Kirche):
Lorsch wurde die zentrale G. des Herrscherhauses (MM
23. 6. 72. 9); -legung. die; -, -en: I. <o. PI.) (christl.
Rel.) Begräbnis Christi. 2. Darstellung des Begräbnisses
Christi in der Kunst; -licht, das <P1. -er>; -lied, das: vgl.
-gesang; ^mal, das <PI. -mäler, geh.: -e>: Bauwerk.
Monument od. größerer Gedenkstein als Erinnerungs- u.
Gedenkzeichen für einen Toten (mit einer Grabstätte
verbunden od. selt)st als Grabstätte dienend); *das G. des
Unbekannten Soldaten (vgl. Grab); -monument, das: vgl.
-mal; -nische, die: Nische (z. B. in einem Grabgewölbe)
für die Beisetzung eines Toten; -pflege, die: ^platte, die:
I. liegender Grabstein, insbes. in Form einer das Grab
abschließenden großen Platte. 2. an einer Außen- od. Innenwand
der Kirche angebrachte od. darin eingelassene Gedenktafel
für einen Toten [im Format einer Grabplatte (1)/. -predigt,
die: vgl. -rede; -rede, die: Rede bei der Beerdigung;
-schander, der: jmd., der Grabschändung begeht, dazu: -sdiände-
risch <Adj.; o. Steig.); -Schändung, die: Beschädigung,
Verwüstung od. Beraubung eines Grabes; -Schrift, die: svw.
f ^ inschrift; -sprach, der: Spruch auf einem Grabstein, Grab-
denkmalo. ä.; -statte, die: Grab: eine ehrwürdige G.; -stein,
der: Gedenkstein auf dem Grab: jmdm. einen G. setzen;
auf dem Friedhof sah man etliche frischgesetzte -e; -stele,
die: vgl. Stele; -stelle, die: Stelle für ein Grab: eine G.
kaufen; -tuch, das: Leichentuch; -urne, die: Urne, die mit
den sterblichen Überresten (insbes. der Asche) eines Toten
beigesetzt wird; -vase, die: Vase, die in das Erdreich des
Grabes gesteckt werden kann.
^Grab- [-] (graben 1,3; auch:Grabe-): -gabel.die: vierzinkige
Gabel zum Umgraben des Bodens; -bnd, das: t Grabeland;
-meiOel, der: Meißel zum Eingravieren (z. B. von Schrift
od. bildlichen Darstellungen in Stein); -schaufei, die: kleine
Schaufel zum Graben in der Erde; -scheit, das (landsch.):
Spaten; -Stichel, der: insbes. beim Kupfer-, Stafd-. Holzstich
gebrauchtes Werkzeug zum Gravieren u. Ziselieren; -stock,
der: zugespitzter Stock zum Auflockern od. Umgraben des
1069
Grabbelei
Bodens (Vorform des Spatens); ^tier, das (Zool.): Tier
mit Gliedmaßen, die als Grabwerkzeuge ausgebildet sind;
-Werkzeug, das; -wespe, die: Wespe, die für ihre Brut
Nester in die Erde od. in morsches Holz gräbt.
Grabbelei [grata1 laj], die; -. -en (ugs.. bes. nordd.): I
dauerndes] Grabbeln; grabbeln ['grabln] <sw. V.; hat) [aus dem
Niederd., Iterativbildung zu: grabben = raffen, schnell
an sich reißen, verw. mit grapschen] (ugs., bes. nordd.):
a) mit den Fingern [herum]tasten, tastend herumwühlen.
Hierum]suchen: in der Aktentasche [nach etw.) g.; Er ...
grabbelte unter den Schrank und zog tatsächlich eine
Flasche hervor (Kempowski. Uns 266); b) tastend, mit den
Fingern herumwülilend I in die Hand/ nehmen: Kleingeld aus
der Tasche g.; Gr^bbeteack, der; -[e]s. ...sacke (ugs.): Sack
/des Nikolaus/ mit kleinen Geschenkpäckchen, aus dem
man sich, ohne hineinzuschauen, eines nimmt; Gnjbbeltisdu
der; -[eis. -e (ugs.): Verkaufstisch, auf dem eine ungeordnete
Menge preisgünstiger Waren, meist Textilien, zum Verkauf
angeboten wird: Maxi-Ware zu Mini-Preisen gibt's nur
am G. (Hörzu 38, 1976. 107).
Grabben [grabn] <P1.) [niederd. meist: Grappen. zu: grap-
pen = greifen, fassen; also eigtl. = (aufgegriffener) Einfall,
meist lustiger od. abwegiger Art] (nordd.): närrische
Einfälle. Schrullen, Grillen, dumme Gedatiken: manche Kollegen
haben G. im Kopf, Flausen (Kant. Impressum 373).
Gräbchen [gre:p<pn], das; -s, -: tGrab.
Grabe- (graben 1; vgl. auch: ^Grab-): -gabel, die: svw.
t Grabgabel; ^ bind, das: vorübergehend kleingärtnerisch
genutztes Brachland od. zukünftiges Bauland: Mnasdiine, die:
früher für T Bagger; ^tier. das: svw. tGrabtier.
graben [gra:bn] <st. V.; hat) [mhd. graben, ahd. grabanl:
1. a) mit dem Spaten o.a. Erde umwenden, ausheben: im
Garten g.; er grub so lange, bis er auf Fels stieß; einen
Meter tief g.; b) durch Graben (a) schaffen, herstellen, ante-
gen: ein Loch, ein Grab g.; einen Brunnen. Stollen [In
die Erde] g.; sich einen Weg durch den Schnee g.; der
Maulwurf hat sich einen Bau gegraben; Ü der Fluß hat
sich ein neues Bett gegraben; das Alter hat tiefe Furchen
in sein Gesicht gegraben. 2. a) grabend nach etw. suchen,
durch Graben (1) aus der Erde zu fördern suchen: nach
Kohle. Erz,Gold g.; Als Knabe ... verführte (er) die
Kameraden, mit ihm nach alten Urnen zu g. (Ceram, Götter
27); b) durch Graben (1) aus der Erde gewinnen: Torf g.;
Ü er grub, seine Hände gruben mancherlei Gegenstände
aus der Schublade (ugs. scherzh.; holte! nj sie suchend,
wü/dendheraus, kramte/ n] sie hervor). 3. (geh.) durch
Ritzen. Kratzen. Meißeln o.a. eingraben: eine Inschrift [mit
dem Meißel] in einen Gedenkstein g.; eine Inschrift in
Kupfer g. (gravieren); Ü die Katastrophe hat mir diesen
Namen für immer ins Gedächtnis gegraben (eingeprägt).
4. (geh.) a) wie grabend in etw. eindringen lassen; etw.
in etw. bohren: sie grub ihre Zähne in den Apfel; b) <g.
-I- sich) bohrend in etw. eindringen, sich in etw. bohren,
wühlen, [hin/eingraben: ihre Fingernägel gruben sich in
seinen Arm; die Schaufeln des Baggers gruben sich ins
Erdreich; U etw. gräbt sich in jmds. Gedächtnis (prägt
sich jmdm. ein); Falten graben sich in jmds. Stirn (geh.;
entstehen auf jmds. Stirn, bilden Vertiefungen darauf):
Graben [-]. der; -s. Gräben ['gre:bn; mhd. grabe, ahd.
grabo. zu t graben]: 1. (für einen bestimmten Zweck
ausgehobene/ längere, schmale Vertiefung im Erdreich: einen
G. ausheben; Gräben [zur Bewässerung] anlegen; als das
Haus gebaut wurde, hätte der G. gezogen werden müssen
(Jägersberg. Leute 29); seinen Wagen in den G.
(Straßengraben) fahren; einen G. nehmen (bes. Sport; beim
Laufen. Reiten überqueren). 2. a) Schützengraben: einen
G. verteidigen, einnehmen, aufrollen; ... und der Panzer
kurvte durch den G. (Plievier, Stalingrad 327); im
[vordersten] G. liegen; b) Festungsgraben. 3. (Geol.) eingesunkenes,
langgestrecktes Stück der Erdkruste.
Graben-: ^bagger, der: Bagger zum Ausheben von Gräben;
-bord, das (Schweiz.): svw. -boschung; ^böschung, die;
-bruch, der (Geol.): Bruch (6) in Form eines Grabens (3);
^kampf, der: Kampf im Schützengraben; ^krieg. der: vgl.
-kämpf; -linie, die; -rand, der; -senke, die; -sohle, die;
-sprung, der (Leichtathletik): Sprung über den
Wassergraben beim Hindernisrennen; ^wand, die.
•Gräber: PI. zu fGrab; ^Gräber f'grE:bi?]. der; -s. - (selten):
svw. tGrabstichel.
Gröber- (Gräber; vgl. auch: grab-, 'Grab-; grabes-, Grabes-):
-feld.das: Feld mit vielenGräbern: die Umweltbedingungen,
Friedhofsruhe. Grabesstille, Totenacker, G. (Kant,
Impressum 381); -fund, der (meist PI.): in einem alten
Grab gefundener Gegenstand; Grabfund; ^strafte, die: von
Gräbern gesäumte Straße.
grabes-. Grabe»- (vgl. auch: grab-, 'Grab-; Gräber-):
-dunkel, das (geh.): tiefes Dunkel /wie in einem Grab/; ^kalt
<AdJ.; o. Steig.) (geh.): feuchtkalt fu. einen leichten
Schauder verursachend/: g. war es in der dunklen Zelle (Apitz,
Wölfe 250); -kälte, die (geh.): /mit leichtem Schauder
verbundene/ Kälte (wie in einem Grab); ^hift. die <o. PI.)
(geh.): feuchtkalte, moderige Luft (wie in einem Grab);
-nacht, die <o. PI.) (dichter.): vgl. ^dunkel; -rand, der
in der Wendung am G. (geh.; dem Tod sehr nahe); -ruhe,
die: tiefe /ewige/ Ruixe (wie im Grab); --stille, die: tiefe
Stille (wie im Grab); -stimme, die <o. PI.) (ugs.): ernste,
tiefe, wie von weit herkommende Stimme: mit G. sprechen.
grabschen [grapjnl <sw. V.; hat): svw. Tgrapschen: Du
kannst natürlich ... schnurstracks in ein Geschäft gehen,
einfach etwas g. und dann türmen (Kinski, Erdbeermund
31).
gräb(s]t [gre:p(s)t]: tgraben; Grabung ['gra:bonl. die; -. -en
(bes. Archäol.): das Graben: archäologische -en; <Zus.:>
Grabungsfund, der; Grabungskampagne, die: svw. t
Kampagne (3).
Gracht [graxt], die; -. -en [aus dem Niederl., entspr. mhd..
ahd. graft. zu tgraben]: Wassergraben. Kanalsfraße (in
Holbnd): ich zeigte ihm die -en von Amsterdam.
Gracioso [gra's.io:zo]. der; -s. -s [span. gracioso = drollig,
witzig, auch: lieblich < lat. grätiösus = lieblich] (Litera-
turw.): die komische Person (meist der lustige, seinen Herrn
parodierende Bediente) im spanischen Barockschauspiel.
grad [gra.t] (ugs.): svw. tgerade (bes. 11.).
Grad [-]. der; -[e]s, -e <aber. 30 Grad) [lat. gradus, eigtl.
= Schritt, zu: gradi = schreiten): I. a) /meßbare/ Stufe.
Abstufung des mehr od. weniger starken Vorhandenseins
einer Eigenschaft, eines Zustandes; Stärke. Maß: ein hoher,
geringer G ; der G. der Feuchtigkeit. Helligkeit. Härte.
Reife; ein hoher G. der Intelligenz, der Kultur; den
höchsten G. der. an Reinheit erreichen; einen hohen G. von
Verschmutzung, Verwahrlosung aufweisen; diese
Annahme hat einen hohen G. der Wahrscheinlichkeit; (Chemie:)
den G. der Konzentration einer Flüssigkeit feststellen;
(Med.:) Verbrennungen ersten, vierten -es; ein Verwandter
zweiten, dritten -es; Vater und Sohn sind Verwandte ersten
-es; miteinander im dritten G. verwandt sein; bis zu einem
gewissen -e (in gewissem Maße) übereinstimmen; das
mißfällt mir in hohem, in höchstem, im höchsten -e
(außerordentlich); sich in gewissem, nur in geringem -e (Maße)
an etw. beteiligen; diese Farbe ist [um] einen G. (Ton).
um einige -e dunkler; (geh.:) ein Künstler von hohen -en;
diese Schrift ist um einen G. (Druckw.; Schriftgrad) größer
als jene; b) Rang einen akademischen G.. den
akademischen G. eines Doktors der Philosophie erwerben; ein
Offizier im G. eines Obersten; c) (Math.) die höchste Potenz,
in der eine Unbestimmte (Variable od. Unbekannte) I in
einer Gleichung] auftritt: eine Gleichung zweiten, dritten
-es. 2. Maßeinheit einer gleichmäßig eingeteilten Skala für
das mehr od. weniger starke Vorhandensein bestimmter
Eigenschaften (z. B. Wärme [der Luft]); insbes. Einheit für
die Temperaturmessung: 20 G. Celsius (20° C. fachspr.:
20°C); 80 G. Fahrenheit; es waren 35 G. [Celsius] im
Schatten; draußen herrschten 25 G. Wärme. Kälte; gestern
war es [um] einige G. kälter; 40 G. Fieber haben; das
Thermometer zeigt minus 5 G./5 G. minus/5 G. unter
Null; eiw. auf 80 G. erhitzen; das Thermometer stieg
auf 30 G.. steht auf, bei 30 G.; Wasser kocht bei 100
G.: Zeichen: °. 3. (Zeichen: °: vgl. Minute, Sekunde)
a) Maßeinheit für ebene Winkel (neunzigster Teil eines
rechten Winkels): der Winkel hat genau 30 G. (30°); ein
Winkel von 32 G.; um 10 G. [mehr als etw. anderes]
geneigt sein: sich um 180 G. drehen (eine halbe Drehung
machen); * sich um hundertachtzig G. drehen (zum entgegen-
gesetzen Standpunkt übergehen): b) (Geogr.. auch Astron.)
Breiten- od. Längengrad: der Ort liegt auf dem 51. G.
nördlicher/südlicher Breite, auf dem 15. G.
westlicher/östlicher Länge; der Ort liegt unter 51 G. (51°) nördlicher
Breite und 15 G. (15°) westlicher Länge.
'grad-, Grad- (Grad): -abteilung. die (bes. Geogr.): von
je zwei benachbarten Längen- u. Breitenkreisen eingeschlos-
1070
Grain
senes Flächenstück: otogen, der: 1. Meßgerät zur
Bestimmung von Höhen- u. Neigungswinkeln. 2. Einstellskala für
Höhen- bzw. Seitenrichtung bei Geschützen: ^einteihing,
die: Einteilung in Grade (2. 3); -feU, das: svw. f ^abteilung;
• ^gold, das (Schweiz., oft scherzh.): Rangabzeichen [der
Offiziere]: -kreis, der (Math.): Kreis mit Gradeinteilung:
-mäßig <Adj.; o. Steig.; nicht präd.>: den Gradila)
betreffend: in. nach Graden: -e Unterschiede; g. verschieden;
-messer, der: Maßstab für den Grad (la): der Preis ist
kein G. für die/kein G. der Qualität einer Ware; -messung.
die: 1. (Technik) Winkelmessung. 2. (Vermessungsw.) Bo-
genmessung (insbes. bei Längen- u. Breitenkreisen): -netz,
das (bes. Geogr.): Netz der Längen- u. Breitenkreise:
-Skala, die; -stock, der (Seew. früher): svw. t Jakobsstab;
-strich, der: Markierungsstrich bei der Gradeinteilung:
-unterschied, der: Unterschied im Grad (la); -weise <Adv.>:
in Graden, Grad Tür Grad (la): sich g. verändern; <auch
attr.:> eine g. Veränderung.
^grad-, Grad-: 1. tgerad-, Gerad-. 2, t gerade-. Gerade-.
gradatim (gra'da.irm) <Adv.) [lat. gradätim. zu: gradus.
tGrad] (veraltet): schritt-, stufenweise: nach u. nach:
Gradation [grada'tsj[o:n]. die; -. -en [lat. gradätio = Errichtung
von Stufen]: 1. (Fachspr.) Abstufung (z. B. der
Helligkeitswerte einer Fotografie, eines Fernsehbildes): Damit
komme ich mit Vergrößerungspapier der G. „Normal" zu
ausgezeichneten Resultaten (Fotomagazin 8, 1967. 44).
2. (Rhet.) Aneinanderreihung steigernder od.
abschwächender Ausdrucksmittel: Ü Eine G. der Leidenschaften (Desch-
ner, Talente 147).
grade, Grade [gra:d3]: ?' 2gerade, Gerade.
grade-, Grade- [-1: T gerade-. Gerade-.
Grade!. Gradl [gra:dl], der; -s, - [H. u.) (südd.. österr.):
1. bes. für Arbeitsk leidung. Säcke, Matratzen o. ä.
verwendetes festes Gewebe aus Leinen u. Wolle mit eingewebtem
Fischgrat/müster. 2. Kies, grober Sand.
gradenwegs: t geradenwegs; Gradheil: tGeradheit.
Gradient [gra'dient], der; -en. -en [zu lat. gradiens (Gen.:
gradientis). 1. Part, von: gradi = (einher)schreitenl
(Fachspr.): Gefälle od. Anstieg einer Größe auf einer
bestimmten Strecke: Gradiente [gra'djento], die; -. -n
(Fachspr.): von Gradienten gebildete Neigungslinie:
Gradientwind, der; -[eis, -e (Met.): Wind der freien Atmosphäre,
der eigentlich in Richtung des Luftdruckgradienten weht,
jedoch infolge der Coriolis-Kraft nahezu parallel zu den
Isobaren verläuft.
Gradier-: -eisen, das: gezäJwter Meißel des Bildhauers:
-haus, das: vgl. -werk; -waage, die: Aräometer zur
Bestimmung des Salzgehalts einer Sole: -werk, das: hohes, mit
Reisig belegtes Holzgerüst, über das Sole herabrieselt, die
durch erhöhte Verdunstung konzentriert wird (früher zur
Salzgewinnung, heute noch in Kurorten zur Erzeugung
salzhaltiger u. heilkräftiger Luft).
gradieren [gra'dhren] <sw. V.; hat) [mit französierender
Endung zu f Gradl: I. a) (bildungsspr.) verstärken, auf einen
höheren Grad bringen: b) (insbes. Salzsolen in
Gradierwerken) allmählich konzentrieren. 2. gradweise abstufen. 3.
(Fachspr.) in Grade (bes. 2,3) einteilen: (Abi >Gradifimng,
die; -en; -gradig [-gra:du;]. (österr. in Maßangaben:) -grädig
l-gre:di9l in Zusb.. z.B. dreigradig (mit Ziffer: 3gradig).
(österr.:) dreigradig Ogrädig): von drei Grad (bes. 3 a).
dazu: Grödigkeit, die; -, -en (Chemie): Konzentrationsgrad.
Gradl: tGradel.
gradual [gra'dya.i] <Adj.) [mlat. gradualis. zu lat. gradus.
tGradl (bildungsspr. selten): den Grad. Rang betreffend:
Graduale [-3]. das: -s. ...lien [...lpn; mlat. graduale =
Stufengebet, da dies meist auf den Stufen des Altars od.
Lesepults vorgetragen wurdeKRel.): 1. (Inder kath. Messe)
kurzer liturgischer Meßgesang nach der Epistel. 2.
liturgisches Buch mit Gesängen der Messe.
Gradual-: -lied, das(Rcl): (im ev. Gottesdienst) anbetendes
u. lobpreisendes Gemeindelied zwischen den Schriftlesungen:
-psalm. der (Rel.): vgl. Graduale (1); -system. das (jur.):
Erbfolge nach dem Grad der Verwamlt schalt zum Erblasser
durch Eintritt der übrigen Erben der gleichen Ordnung in
die Erbfolge eines ausfallenden Erben: vgl. Parentelsystem.
Graduation [gradya'tsio:n]. die; -. -en [frz. graduation. zu:
grade. TGradl (Fachspr.): Gradeinteilung auf Meßgeräten
o.a.: graduell [gra'dyel] <Adj.) [frz. graduell: 1. <o. Steig.)
dem Grad nach: ein -er Unterschied, 2. in Graden, gradweise,
stufenweise, abgestuft, allmählich: -er Übergang; graduieren
[gradu'i.ren] <sw. V.; hat) [wohl unter Einfluß von frz.
graduer < mlat. graduarej: 1. (Hochschulw.) a) einen
akademischen Grad, Titel verleihen: jmdn. g.; b) (selten) einen
akademischen Grad. Titel erwerben. 2. (Fachspr.) a)
gradweise abstufen: b) mit Gradeinteilung versehen, zu la:
graduiert [...'i:?tl <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): 1. einen
akademischen Grad. Titel besitzend. 2. das Abschlußzeugnis
einer Fachhochschulebesitzend: Abk.: grad., z. B. Ingenieur
(grad.); <subst.:) Graduierte, der u. die; -n, -n <Dekl. T
Abgeordnete); Gradukning, die; -, -en: das Graduieren (la,
2): Eine rückwirkende G. für alle Ingenieure mit dem
Examen einer ... Ingenieurschule forderten mehr als
tausend Ingenieure auf einer Kundgebung (Welt 23. 7. 65,
7).
Graecum [gre:kuml. das;-s [zu lat. Graecum = das
Griechische, griech. Sprache u. Literatur, zu griech. Graikös =
griechisch. Grieche!: bestimmte Kenntnisse der
altgriechischen Sprache, die durch ein staatlich anerkanntes Zeugnis
od. durch eine staatlich anerkannte Prüfung nachweisbar
sind: das G. haben, machen.
Graf [gra:fl. der; -en. -en [mhd. gräve. ahd. grävo. gräfio
< mlat. graphio. urspr. = königlicher Beamter mit
administrativen u. richterlichen Befugnissen, davor: Polizei-
u. Vollstreckungsbeamter, nach: grapheus (byzantin.
Hoftitel), eigtl. = Schreiber, zu griech. graphein = schreiben):
1. (hist.) königlicher Amtsträger (Beamter), der in seinem
Amtsbezirk weitgehende administrative u. richterliche
Befugnisse I sowie grundherrliche Rechte/ hatte. 2. a) <o. PI.)
Adelstitel zwischen Fürst u. Freiherr: der Titel „GraPk;
*G. Koks [von der Gasanstalt] (salopp scherzh.; /elegant
gekleideter/ vornehm auftretender Mann): G. Rotz [von
der Backe] (salopp abwertend; großspurig, anma/iend.
dreist, unverschämt auftretender [junger] Mann)', b) Mann
mit Grafentitel: der Besitz des -en ...; die kleinen -en
Siebenklingen ... baten mich artig, eine Partie Krocket mit
ihnen zu spielen (Th. Mann. Krull 27); <Abl.:) grafen
[gra:fnl <sw. V.; hat) (selten): in den Grafenstand erheben.
Grafen-: -bank, die (hist.): Gesamtheit der Grafen, die im
Reichstag des alten Deutschen Reiches (bis 1806) Sitz u.
Stimme hatten: -familie, die; -geschlecht, das; -kröne,
die; -stand, der: 1. Stand, Status, Rang eines Grafen: jmdn.
in denG. erheben. 2. Gesamtheit der Grafen /eines Reichs/:
^titel, der; ^würde, die <o. PI.).
Graflel: TGerafTel; <Zus.:) GnjfTehverk, das (bayr.. österr.
ugs.): wertloses Zeug.
GrafTiato [gra'Qa.to]. Sgraffiato [sg...]. der; -s. ...ti [ital.
graflfiato.eigtl. = 2. Part, von: grafllare = kratzen]:
Verzierung von Tonwaren durch Anguß einer Farbschicht, in die
ein Ornament eingegraben wird: Graffito [gra'fi:to], der
od. das; -[s], ...ti [ital. graffito. zu: grafllare. tGraffiato]
(Kunst): I. in eine Wand eingekratzte Ikultur- u.
sprachgeschichtlich bedeutsame] Inschrift. 2. in eine Marmorfliese
eingeritzte mehrfarbige ornamentale od. ßgurale
Dekoration.
Grafik: eingedeutscht fürt Graphik; Grafiker: eingedeutscht
für tGraphiker.
Gräfin ['gre:finl. die; -, -nen: I. Adelstitel zwischen Fürstin
u. Freifrau. 2. Frau mit Grafentitel. 3. Frau eines Grafen:
<Zus.:> Gröfinwjtwe, die.
grafisch: eingedeutscht für T graphisch; Grafismus
eingedeutscht fürt Graphismus.
gräflich ['grE.flKj] <Adj.) [mhd. gräflich, zu TGraft: 1. <o.
Steig.; nicht adv.) I zu] einem Grafen gehörend: -er Besitz.
2. fiach Art eines Grafen, wie ein Graf: g. leben; Grafschaft,
die; -. -en [mhd. gräveschaft. ahd. gräsc(h)aft, zu TGrafi:
1. Amts-. Herrschajtsbezirk des Grafen. 2. Gerichts- u.
Verwaltungsbezirk, bes. in Großbritannien (County).
Grafothek: TGraphothek.
Grafschafts- (zu Grafschaft 2): -btzirk, der: -gericht, das;
-hauptstadt, die; ^rat. der: Bezirksparlament in
Großbritannien.
Grahambrot ['gra:ham-l, das; -[eis. -e [nach dem
Amerikaner S. Graham (1794-1851). dem Verfechter einer auf
Diät abgestellten Emährungsreform]: Weizenschrot-
Vollkornbrot in Kastenform (urspr. ohne Hefe u. Sauerteig
hergestellt): Grahammehl, das; -[e]s.
'Grain [grein], der; -s, -[s] [frz.. engl, grain = Korn, kleine
Menge < lat. gränum = Korn]: älteres Gewicht für feine
Wägung (Gold, Silber. Diamanten u. Perlen): vgl. Gran.
Grän; ^Grain [gr£:l. das; -s, -s [frz. grain = Köper, eigtl.
1071
grainieren
= Korn, wegen der aufgerauhten Stoffoberfläche]: bes.
für Kleider verwendetes, zweischüssiges Ripsgewebe;
grainieren [gre'ni:n>n] <sw. V.; hat) [frz. grainer; eigtl. = eine
Oberfläche aufrauhen, zu: ^rain] (Fachspr.): Papier
einseitig aufraul\en% körnen, narhen.
gräko-tateinisch ['gre:kola'tainiJ] <Adj.; o. Steig.) [1.
Bestandteil zu lat. Graecus < griech. Graikös = griechisch]:
griechisch-lateinisch; Gräkomank [greko...]. die; -:
leidenschaftliche Vor liehe für die i alt J griechische Kultur; Sucht,
die i altenj Griechen nachzuahmen; Gräkum: I Graecum.
Gral [gra:l], der; -[e]s Imhd. gräl < afrz. graal, eigtl. =
Gefäß. H. u.]: < in der ma. Divinum) geheimnisvoller,
wunderwirkender Stein, geheimnisvolle, lebenspendende Schale
[in der Christi Blut aufgefangen wurde].
Grab-: ~burg. die: Burg, in der der Gral aufbewahrt wird;
-huter, der; dritter, der: Ritter der Gralsburg; -roman,
der; -sage, die; -suche, die.
gram [gram] <Adj.; o. Steig.; nur präd.) [mhd.. ahd. gram
= zornig, wütend, eigtl. = grollend, brummig; im Ablaut
zu t grimm] in der Verbindung jmdm. g. sein/bleiben/werden
(geh.; jmdm. böse sein/bleiben/werden): Jeder andere wäre
mir bitter g., nicht Cocteau (K. Mann, Wendepunkt 201);
Gram [-]. der; -[e]s [subst. aus der spätmhd. Verbindung
grame muot = erzürnter Sinn)] (geh.): naxender Kummer,
dauernde tiefe Betrübnis über jmdn. od. etw.: großer, tiefer,
verzehrender G.; Am meisten aber zehrte der G. um die
Stadt... an uns (Erh. Kästner. Zeltbuch 85); in G.
versunken sein; von G. erfüllt; vom/von G. gebeugt; eine von
G. gefurchte Stim; sich vor G. verzehren; vor/aus G.
über einen Verlust sterben; Er erkannte .... daß der Junge
... von einem G. bedrückt sein mußte (Jahnn. Nacht 73).
'gram-,Gram- (geh.): -entstellt <AdJ.; -er. -este; nicht adv.):
von Gram entstellt; ein -es Gesicht; -erfüllt <Adj.; -er.
-este): von Gram erfüllt; -falte, die; ^furche, die; -gebeugt
<Adj.; -er. -este; nicht adv.): von Gram gebeugt; -gefurcht
<Adj.; -er, -este; nicht adv.): von Gram gefurcht: eine -e
Stim; -versunken <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (dichter.):
in Gram versunken; ^voll <Adj): voller Gram; -zerfurcht
<Adj.; -er. -este; nicht adv.): von Gratn zerfurcht; ein -es
Gesicht.
^gram-. Gram- [gram-; nach dem dän. Bakteriologen H.
C. J. Gram (1853-1938)] (Bakteriol.): -Färbung, die (mit
Bindestrich): bestimmte Färbemethode bzw. Färbung, durch
die sehr ähnlich aussehende Bakterien voneinander
unterschieden werden können; ^fest <Adj.; o. Steig.): svw. t
^positiv; ^frei <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): svw. T-negativ;
^negativ <Adj.; o. Steig.): bei der Gram-Färbung den
gebundenen Farbstoff rasch wieder abgebend u. auf Gegenfärbung
(Rotfärbung) ansprechend; -positiv <Adj.; o. Steig.): bei
der Gram-Färbung den (blauen) Farbstoff festhaltend.
grämein [grermln] <sw. V.; hat) [Iterativbildung zu t grämen]
(bes. md.. niederd.): mißmutig sein; grämen [gre:m3n] <sw.
V.; hat) [mhd., ahd. grem(m)en, urspr. = zornig, wütend
machen, zu t gram] (geh.): l.mit Gram erfüllen; seine Worte
grämten sie sehr; es grämte ihn, daß ...; das grämt mich
nicht/wenig (ist mir gleichgültig). 2. <g. -I- sich) voller
Gram sein, tief betrübt, bekümmert sein; sich über jmdn.,
über einen Verlust, wegen jmds., wegen einer Sache, sich
um jmdn. g.; sie hatte sich zu Tode gegrämt.
Gramineen [grami'ne:dn] <P1.) [lat. gramen (Gen.: graminis)
= Gras] (Bot): Gräser.
grämlich [gre:mli<;] <Adj.) [spätmhd. grem(e)lich. zu T gram]
(geh.): verdrießlich, [bekümmert u.J mißmutig; ein -er
Mensch; -e Gedanken; ein -es Gesicht; mit -er Miene;
g. sein, blicken; <Abl.:> Grftmlichkeit, die; - (geh.):
grämliche Stirwnung. mürrisches Wesen.
Gramm [gram], das; -s. -e <aber: 2 Gramm) [frz. gramme
< lat. gramma, griech. gramma = Gewicht von V24 Unze,
eigtl. = Geschriebenes. Aufgezeichnetes; Schrift(zeichen).
zu: gräphein = schreiben]: tausendster Teil eines
Kilogramms; ^wotikg {Grundeinheit des metrischen
Gewichtssystems; Zeichen: g): 1 000g sind 1 Kilogramm; 1 Kilogramm
hat 1000g; der Stein wiegt 109g. hat ein Gewicht von
109 g; 100 g gekochten Schinken kaufen; -gramm [-]. das;
-[e]s. -e [griech. gramma in der Bed. „Geschriebenes;
SchrifUzeichenV4; t Gramm] in Zus., z. B. Autogramm, Ba-
rogramm.
Gr^mm- (bes. Chemie, Physik): -äquivalent, das: diejenige
Menge eines chemischen Elements, die sich mit einem
Grammatom Wasserstoff verbinden od. die entsprechende
Menge Wasserstoff in einer Verbindung ersetzen kann;
-atora, das: Menge eines ehem. Elements, die so viele
Gramm enthält, wie das Atomgewicht angibt; Atomgramm;
-gewicht, das: Gewicht in Gramm; -kalorie, die (früher):
Kalorie; -molekül (nicht getrennt: Grammolekül), das:
Menge einer chemischen Verbindung, die soviel Gramm
enthält, wie das Molekulargewicht angibt.
Grammatik [gra'matik], die; -, -en [lat. (ars) grammatica
< griech. grammatikd (techne). zu: grammatikös = die
Buchstaben, die Schrift betreffend, zu: gramma, TGramm]:
1. Teil der Sprachwissenschaft, der sich mit den sprachlichen
Formen u. deren Funktion im Satz, mit den
Gesetzmäßigkeiten in einer Sprache, mit dem Bau einer Sprache beschäftigt;
Sprachlehre (gegliedert in: Phonetik. Morphologie u. insbes.
Syntax): die historische, vergleichende, generative G.; die
G. der deutschen Sprache, die deutsche G. beherrschen;
die G. des lateinischen Verbs; gegen die G. verstoßen;
die fehlerhafte G. (grammatische Beschaffenheit) einer
Formulierung; Ü dieG. (bildungsspr.; das zugrundeliegende
Regelsystem) des kompositorischen Verfahrens; die G.
(bildungsspr.; gesetzmäßige Struktur u. Verlaufsform t
meteorologischer Phänomene. 2. wissenschaftliche
Darstellung. Lehrbuch der Grammatik; Sprachlehre: eine
französische G.; eine G. der chinesischen Sprache; Ü das Werk
soll eine G. (bildungsspr.; eine Darstellung des
Regelsystems, ein Regelbuch) der bildenden Künste sein. 3. (Philos.,
Logik) a) 1 sprachlichej Struktur. [sprachlicherj Au/bau
einer formalen Sprache; b) * logische G. (Theorie der
logischen Analyse sprachlicher Ausdrücke [in
Wissenschaftssprachen u. formalen Sprachen /); Grammatikalisation [...ti-
kaliza't$io:n]. die; -. -en (Sprachw.): das Absinken eines
Wortes mit eigenständiger Bedeutung zu einem bloßen
grammatischen Hilfsmittel (z. B. ahd. lieh ..Körper. Leib" zur
Nachsilbe -lieh): grammatikalisch [...'ka.iij] <Adj.; o.
Steig.) [nach lat. grammaticalis. zu: grammatica.
tGrammatik]: svw. f grammatisch (1); grammatikalisieren [...ikali-
'zi:ran] <sw. V.; im Passiv) (Sprachw.): im Verlauf der
Sprachentwicklung zum festen Bestandteil der Grammatik
machen: grammatikalisiert werden, sein, dazu: Grammati-
kaliskrung, die; -, -en: svw. f Grammatikalisation; Gram-
matikalität [...t£:t], die; - (Sprachw.): Ühereinstimmum
mit den Regeln der Grammatik, granmiatische Korrektheit.
Stimmigkeit; Grammatiker, der; -s. - [nach mhd. grämati-
cus < lat. grammaticus = Sprachgelehrter < griech.
grammatikös, IGrammatik; schon ahd. gramatikhäre]:
Wissenschaftler auf dem Gebiet der Grammatik (1); GraramQtikre-
gel, die; -. -n; Grammy tiktheorie, die; -. -n; grammatisch
<Adj.) [zu tGrammatik] (Sprachw.): 1. <o. Steig.; nicht
präd.) die Grammatik betreffend, zur Grcunmatik gehörend:
-e Termini. Kenntnisse; die -e Struktur einer Sprache;
ein -er Fehler; einen Satz g. analysieren; g. richtig sprechen;
-es Geschlecht (Genus); -er Wechsel ( Wechsel von
stimmhaften u. stimmlosen Reibelauten im Germanischen u.
dementsprechend von h und g. d und t. s und r im Nhd..
je nach der Stelle des Akzents in der idg. Grundsprache).
2. (selten adv.) der Grammatik gemäß, den Regeln der
Grammatik entsprechend, nach diesen Regeln korrekt
gebildet (Ggs.: ungrammatisch): ein -er Satz; die Äußerung
ist nicht g.; Grammatizitat [...itsi't£:t). die; - [zu t
Grammatik! (Sprachw.): grammatische Beschaffenheit. Grammati-
kalität.
Grammel [graml]. die; -. -n [viell. zu mundartl. grammein
= fest auf etw. beißen, (mit den Zähnen) knirschen, also
eigtl. = das harte Überbleibsel ausgelassenen Fetts, das
beim Kauen zwischen den Zähnen knirscht]: 1. (bayr..
österr.) Griebe. 2. (österr. ugs.. bes. wiener.) Dirne. Hure;
<Zus. zu 1:) Grymmelschmalz, das.
-grammig [-gram«;] (Fachspr.) in Zusb.. z. B.
fünfziggrammig (mit Ziffern: 50grammig): mit einem Gewicht von
fünfzig Gramm.
Grammo[gramo].das.Schweiz.gelegtl.:der;-s. -s (Schweiz,
od. ugs.): Kurzf. für TGrammophon.
Grammol [grammo:!]. das; -s. -e: svw. TGrammolekül.
Grammophon® lgramo'fo:n], das. Schweiz, gelegtl.: der;
-s. -e [aus griech. gramma = Aufgezeichnetes (tGramm)
u. phöne = Stimme, Ton, Schall] (früher): [mit einer
Kurbel aufzuziehendes] Gerät [mit einem Schalltrichter]
zum Abspielen von Schallplatten: das G. spielt, dudelt;
Sie spielten ununterbrochen auf dem G. (ugs.; sie hörten
ununterbrochen Schallplattetunusik; Salomon. Boche 131).
1072
Granit
Grammophon- (früher): -ansdihiß. der: ^kästen, der: ^mu-
sik, die: Miadel, die: auswechselbares Teil am Tonabnehmer
zum Abtasten der rotierenden Schallplatte; -platte, die:
Schallplatte; -trichter. der (früher): Schalltrichter am
Grammophon.
Grammy [Award] ['gnemi (a'w:>:d)], der: -s, -s fengl.-amerik.
grammy. wohl Kurzf. für: gramophone = Grammophon
(award = (Preis)verleihung)!: (seit 1958 jährlich
verliehener) amerikanischer Schallplattenpreis.
Gramolata (gramo'la.ta). die: -. -s [ital. gram data, eigtl.
= 2. Part, von: gramolare = kneten, geschmeidig machen):
(in Italien viel getrunkene) Limonade mit Fruchtsaft'.
Früchten u. geschabtem Eis.
Gran [gra:nl. das: -(eis, -e <aber: 20 Gran> II: lat. gränum
= Korn; 2: frz. grain. T'Grain] (früher): 1. sehr kleines
Apothekergewicht (meist etwa 65 mg): Ü er hat bei der
Kur kein G. (kein bißchen, überhaupt nicht) zugenommen;
er bewältigte die Aufgabe, ohne ein G. (eine Spur, ein
bißchen) seiner Sicherheit zu verlieren; darin ist/liegt ein
G. Wahrheit (daran ist etwas Wahres). 2. meist: Grän
[gre:n].das;-[e]s.-e<aber: 20Grän>: sehr kleines Edelmetall-
od. Juwelengewicht (z. B. bei Juwelen: V4 Karat, bei Gold:
Vi2 Karat); Grana ['gra.na] <PI.> [lat. gränum (Nom. PI.:
gräna) = Komi (Bot.): farbstoffhaltige Körnchen in der
farbstofflosen Grundsubstanz der Chromatophoren (1).
Granadille: fGrenadille.
Granalien [gra'na:lpn] <P1.) [nlat. Bildung zu lat. gränum
(Nom. PL: gräna) = Korn] (Fachspr.): tropfenförmige,
kugelartige od. andere Gebilde, die entstehen, wenn ein feiner
Strahl aus flüssiger Schlacke od. Metall in strömetules
Wasser hineinfließt.
'Granat [gra'na:tj, der; -[eis, -e [aus dem Niederd. < fläm.
grenat; vgl. Garnele): in küstennahen Gewässern des
Nordatlantiks u. seiner Nebenmeere vorkommende Garnele.
^Granat [-], der: -[e)s. -e. österr.: -en, -en [1: mhd. gränät
< mlat. granatus. zu lat. gränätus = gekörnt (in der
Fügung: lapis gränätus = körniger, kornförmiger
Edelstein), zu: gränum = Kom; 2: wohl wegen des minderen
Werts dieses Steines): 1. hartes, stark glänzendes, meist
braunrotes Mineral, das als Schmuckstein beliebt ist. 2.
(österr. ugs.) Falschspieler.
'granat-, 'Granat- (^Granat 1): -brosche. die: -färben <Adj.;
o. Steig.; nicht adv.>; -haltig <Adj.; nicht adv.>; -kette.
die: Schmuckkette aus Granaten; ^rot <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.>: braunrot; vgl. 2granatrot; -schmuck, der;
-stein, der.
2granat-, ^Granat- (veraltet Granat = Granatapfellbauml):
-apfel, der [mhd. gränätapfel. entlehnt u. teilweise
übersetzt aus lat. mähim gränätum = kernreicher Apfel, zu:
gränum = Korn. Kern): apfelähnliche, wolüschmeckende.
zunächst rote, dann gelb werdende Frucht des Granatapfel-
baums. dazu: -apfelbaum, der: in den Subtropen heimischer.
Scharlach-, pur pur-, korallenrot blü/iender Baum od. Strauch
mit Granatäpfeln als Früchten; -bäum, der: svw. t
^apfelbaum: -färben, -rot <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: purpur-.
korallenrot; vgl. 'granatrot.
^Granat- (Granate 1): -einschlag. der; -feuer. das: Beschuß
mit Granaten; -fülhing, die (Waflent.): Sprengstoffüllung
einer Grämte; -hagel. der: svw. tGranatenhagel; -hülse,
die (WafTent.); -köpf, der (Waflent.): Granate als
/ Spreng jköpf einer Treibladung; -loch, das: vgl. -trichter.
-manteL der (Waflent.): svw. -hülse; -splitternder: Splitter
einer explodierten Granate; -treffer. der; -trichter, der:
durch Granateinschlag entstandener Trichter im Erdboden;
-werfer, der: [aus Bodenplatte. Zweibein u. Rohr
bestehendes] kleines Steilfeuergeschütz der Infanterie, dazu: -wer-
ferbatterie, die. -werferfeuer, das.
Granate [grana:td]. die; ~. -n [1: ital. granata = von f
Grenadieren geschleudertes, kugelförmiges Wurfgeschoß, das mit
Pulverkörnern gefüllt war. eigtl. = tGranatapfel, nach
der Form u. Füllung des Wurfgeschosses): 1. mit
Sprengstoff gefülltes [ ArtillerieJgeschoß: heulende -n; die G.
schlägt ein. krepiert: -n drehen; im Hagel der -n. 2. (Sport
Jargon) wuchtiger Schuß aufs Tor; jmds. G. abwehren,
zu 1: Granatenhagel, der: große Menge einschlagender
Granaten; granatenvQll <Adj.; o. Steig.; nicht adv.> [wohl
im Hinblick auf die Sprengladung der Granate, also eigtl.
= zum Bersten voll) (ugs.): völlig betrunken, granatig
[gra'na:ti<;] <Adj> (landsch.): groß, stark; eine -e Kälte;
es warg. (sehr) kalt.
'Grand [grant), der; -[eis [im Ablaut zu f Grind) (niederd.):
Kies.
^Grand [-), der; -[eis, -e [mhd.. ahd. grantl (bayr., österr.):
Wasser trog aus Stein.
trand [grä:. auch: granl. der; -s. -s [gek. aus frz. grand
jeu = großes Spiel; frz. grand < lat. grandis = groß(artig);
bedeutend, erhaben, vomehml: höchstes Spiel im Skat,
bei dem nur die Buben Trumpf sind; [einenl G. mit vieren
(mit vier Buben) spielen; *G. Hand (Grand aus der Hand,
bei dem der Skat nicht aufgenommen werden darf); Grande
[grandsl. der; -n, -n [span. grande. eigtl. = der Große
< lat. grandis. t^Grand] (früher): Angehöriger des span.
Hochadels; Ich war ein piekfeiner Mann, ein freier G.
(Lynen. Kentaurenfährte 69).
Grandel [grand)]. Grane ['grand], (österr.:) Grane [gra:nd],
die; -. -n [H. u.l (Jägerspr.): Eckzahn im Oberkiefer beim
Rotwild, der als Jagdtrophäe beliebt ist.
Grandeur [grä'do:?]. die; - [frz. grandeur. zu: grand.
t\3rand] (bildungsspr.): Großartigkeit. Größe: Auf den
Devisenmärkten galt der Franc gestern als die monetäre
Attrappe verblichener G. (MM 31. 5. 68. 20); Grandezza
[gran'detsa], die; - [ital. grandezza < span. grandeza. zu:
grande. tGrande): ihoheitsvolles u.J würdevoll-elegantes
Benehmen; mit [spanischer) G.; Grandhotel [grä:-], das;
-s, -s [frz. grand hotel. T \3rand u. T Hotel): großes Luxusho-
tel;grandig [grandu;] <Adj.> [t^Grand] (landsch.): großlar-
tigj; stark; grandios [gran'djo:s] <Adj.; -er, -este> [ital.
grandioso, zu: grande = groß; großartig < lat. grandis,
t\3rand): großartig, überwältigend: ein -er Gedanke.
Anblick. Erfolg; etw. g. bewältigen; das Werk ist g. [gestaltet],
dazu:Grandiosität [...iozi't£:tl, die; -: Großartigkeit.
Gewaltigkeit, überwältigende Größe. Pracht; grandioso [gran'dio:-
zo) <Adv> [ital. grandioso, t grandios) (Musik): großartig,
erhaben; Grand lit [grä'li:], das; - -, -s -s [grä'li:; frz.
grand lit, eigtl. = großes Bett): breiteres Bett für zwei
Personen: Wohnraum mit G. 1.; Grand mal [grä mal],
das; - - [frz. grand mal, eigtl. = großes Übel, großer
Schmerz] (Med.): großer epileptischer Anfall mit schweren
Krämpfen u. Bewußtlosigkeit; Grand Old Lady ['graend
oüld -]. die; ---. ---s. auch: ...dies [engl, grand old lady.
eigtl. = große alte Dame]: die älteste bedeutende weibliche
Persönlichkeit in einem bestimmten Bereich; Grand OH
Man [- - 'maenl. der; ---,-- Men [- - men; engl, grand
old man, eigtl. = großer alter Mann]: die älteste bedeutete
männliche Persönlichkeit in einem bestimmten Bereich: er
ist der G. O. M. der deutschen Literaturwissenschaft;
Grand ouvert ['grä: u've:?. - u'vc:?], der; - -[s] [- u've:^(s),
- u've:?(s)1, - -s [- u've:?s, - uve:i?s; zu t3Grand u. frz.
ouvert = offen] (Skat): Grand aus der Hand, bei dem
der Spieler seine Karten offen hinlegen muß; Grand Prix
[grä'pri:], der; - - [- pri:(s)l. - - [- pri.s; frz. Grand Prix]
(Sport): frz. Bez. für Großer Preis: Sieger des, inrrG. P.
von Südafrika wurde der argentinische Rennfahrer; Grand-
setgneur [gräsenjo:^]. der; -s, -s u. -e [frz. grand seigneur
= Standesherr] (bildungsspr.): vornehmer, weltgewandter
Mann; er ist ein G.; wie ein G. (spött.; /sorgenfrei] auf
großem Fuß) leben; Grand-Tourisme-Rennen [grätu'rism
...], das; -s. - [frz. grand tourisme, eigtl. = großer
Reisesport]: Rennen für Grand-Tourisme-Wagen; Kurzf: TGT-
Rennen; Grand-Tourisme-Wagen [-), der; -s, - (Kfz.-W.):
1. in kleinen Serien hergestellter Kraftwagen mit einem
Höchstmaß an Leistung u. Komfort ohne Rücksicht auf
Unterhaltungskosten. 2. für Wettbewerbszwecke
homologier ter zweisitziger Kraftwagen od. Serientourenwagen / mit
weitgehenden Veränderungen] (Kurzf.: TGT-Wagen).
Grane, Gräne: t Grandel.
granieren[gra'ni:r3n) <sw. V.; hat) [mit französierender
Endung zu lat. gränum = Kom, vgl. grainieren] (Fachspr.):
I. die Platte beim Kupferstich aufraulxen. 2. svw. f grainieren.
3. svw. f granulieren (1); <Zus.:> Grankrstahl, der:
bogenförmiges, mit gezähnter Schneide versehenes Stahlinstrument
(.. Wiege"), mit dem beim Kupferstich die Platte aufgerauht
(..gewiegD wird; Wiegestahl;Granit[gra'ni:t.auch: ...mtl.
der; -s, -e [mhd. granlt < ital. granito (mlat. granitum
marmor = gekörntes Marmorgestein), zu: granire =
körnen, zu: grano = Kom < lat. gränum = Korn. Kern]:
sehr hartes Gestein aus körnigen Teilen von Feldspat. Quarz
u. Glimmer: ein Denkmal ausG.; hart wie G.; *bei jmdm.
auf G. beißen (bei jmdm. mit einem Bestreben, einer
Forderung o.a. auf unüberwindlichen Widerstand stoßen).
68 GDW
1073
granit-, Granit-
granit-, Granit-: -artig <Adj.; o. Steig.); ^bildung. die;
-block, der <P1. -blocke); -bruch, der: svw. -Steinbruch;
-felslen], der; ^ forma tion, die (Geol.); -gebirge. das;
-gestern« das; -haltig <Adj.; nicht adv.); -massiv, das; -por-
phyr, der (Mineral.): Granit mit porphyrischer Struktur
(feinkörnige Grundmasse mit eingesprengten
Feldspatkristallen): vgl. Quarzporphyr; -quader. der. auch: die;
-Steinbruch, der.
Granita [gra'nita], die; -. -s [ital. granita, zu: granire.
TGranit]: svw. tGramolata.
graniten [auch: ... nitn] <Adj.): 1. <o. Steig.; nur attr.)
aus Granit. 1, <nicht präd.) (geh.) hart u. fest wie Granit:
ein Stoff von -er Härte; Ü ein Charakter von -er
(unbeugsamer, unnachgiebiger) Härte; ein -er (unumstößlicher,
unerschütterlich fester) Grundsatz; Granitisation [granitiza-
'tsio:n], die; -. -en (Geol.): Entstehung der verschiedenen
Granite: granitisch lauch: ...nitij] <Adj.; o. Steig.) (Geol.,
Mineral.): zum Granit gehörend, nach Art des Granits: -er
Gneis; Granitfeierung. die; -, -en: svw. tGranitisation;
Granitit [grani'ti:t, auch: ...tili, der; -s, -e: eine Art des
Granits, die hauptsächlich dunklen Glimmer enthält.
Granne ['grana], die; -. -n [mhd. gran(e) = Haarspitze;
Barthaar; Borste; Ährenborste; Gräte, ahd. grana =
Barthaar; Gräte]: 1. borstenartige Spitze an dem blühenden
Teil bei Gräsern u. Getreide. 2. eines der zum Deckhaar
gehörenden, über die Wollhaare hinausragenden, steifen,
unterhalb ihrer Spitze verdickten Haare des Fells von Säuge-
tieren.
gninnen-, Grannen-: -haar, das: vgl. Granne (2); -hafer,
der: ein Gras mit haferähnlicher Rispe: ^los <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.): ohne Grannen (1): -tragend <Adj.; o. Steig.;
nicht adv,) (Bot.).
grannig ['granit;] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (Bot.): mit
Grannen, borstig.
Granny Smith [gram smi8], der; - -. - - [eigtl. = Oma
Smith, nach M. A. Smith (gest. 1870)]: glänzendgrüner,
fester, saftiger, säuerlicher australischer Apfel.
Granodiorit [gran3dio'ri:t. auch: ...ntj. der; -s. -e [zu lat.
gränum = Korn u. f Diorit] (Geol.): ein verbreitetes,
kieselsäurereiches Tiefengestein.
Grans [grans], der; -es, Gränse,Gramen [granzn], der, -s. -
[mhd. grans. ahd. granso = Schiffsschnabel] (bes.
alemann.): Schiffsschnabel.
Grent [grant], der; -s [vgl. grantig] (bayr., österr. ugs.):
Übellaunigkeit, ärgerlicher Unwille. Unmut: einen G.
[wegen etw.] haben, bekommen; granteln [grantln] <sw. V.;
hat) [vgl. grantig] (südd.): grantig sein, grantig reden, sich
grantig zeigen: grantig <Adj.) [viell. eigtl. = spitz, scharf.
H. u.J (südd.. österr. ugs.): übelgelaunt: ärgerlich, unmutig:
g. sein, werden: Denn ... unser ... Mann ... ist ja nicht
g., nicht sauertöpfisch, nicht übellaunig (Kreuder.
Gesellschaft 93). dazu: Giftigkeit, die; -: Grantier [...tlt>], der.
-s. - [zu granteln], Grantlniber [...t|hu:bti. der; -s. - [2.
Bestandteil zu dem in Süddeutschland u. Österr. häufigen
Familiennamen Huber] (bayr.. österr. ugs.): jmd.. der sich
dauernd grantig zeigt.
Granula: PI. von t Granu tum; granulär [granu'le:^] <Adj.)
[zu lat. gränulum = Körnchen] (Fachspr.. bes. Chemie.
Biol., Med.): körnig, gekörnt: Granulgratrophie. die; -. -n
[...i:an] (Med.): körnige Schrumpfung von Organen, insbes.
der Niere (auf der Oberfläche): Granulat [...'la:t], das;
-[e]s, -e (Fachspr.): durch Granulieren in Körner zerkleinerte
Substanz: ein linsenförmiges G., das von Spezialmaschinen
zu Haushaltsgeräten verarbeitet wird (Spiegel 7, 1966, 49);
Granulation [...la'tsio:n]. die; -, -en (Fachspr.): 1.
Herstellung u. Bildung einer körnigen / Oberflächen)struktur. 2.
körnige [Oberflächen]struktur, dazu: Granulationsgewebe,
das (Med.): sich neu bildendes Bindegewebe (bei Wunden.
Entzündungen). das nach einiger Zeit in Narbengewebe
übergeht: Granulen [...'nu:bn] <P1.) (Astron.): auf der nicht
gleichmäßig hellen Oberfläche der Sonne als körnige
Struktur sichtbare, auf- u. absteigende Gasmassen, deren
Anordnung sich inner/ialb weniger Minuten ändert: granulieren
[granulären] <sw. V.): 1. (Fachspr.) [an der Oberfläche/
körnig machen, in körnige, gekörnte Form bringen <hat>.
2. (Med.) Körnchen. Granulationsgewebe bilden (ist/hat),
dazu: Granulkrung. die; -, -en: 1. das Granulieren:
Granulation (1). 2. (selten) Granulation (2); Granulit [...'li:t. auch:
...lit], der; -s, -e (Mineral.): hellfarbiger, kristalliner Schiefer
aus Quarz, Feldspat, 2Granat u. Rutil: Weißstein: granuli-
tisch [auch: ...litij] <Adj.; o. Steig.; nur attr.): den Granulit
betreffend: aus Granulit: Granulom [...lo:m], das; -s. -e
(Med.): Geschwulst od. geschwulstähnliche Bildung aus
Granulationsgewebe: Granulomatose [...loma'to:za], die; -.
-n (Med.): Erkrankung, die mit der Bildung von Granulomen
einhergeht: Granulometrie [...me'tri:], die; - [t-metrie]:
Gesamtheit der Methoden zur prozenmalen Erfassung des Korn-
aufbaus von Sand. Kies. Böden od. Produkten der Grob-
u. Feinzerkleinerung mit Hilfe von Sichtung. Siebung od.
Sedimentation: granulös [...lo.s] <Adj.; -er, -este) [frz.
granuleux, zu lat. gränulum = Körnchen] (Fachspr.. bes.
Med.): körnig, gekörnt: Granulozyt [granulo'tsy:t]. der;
-en, -en <meist PI.) [2. Bestandteil zu griech. kytos =
Höhlung. Wölbung] (Med.): weißes Blutkörperchen von
körniger Struktur: Granukim ['gra:nulom], das; -s. ...la
[lat. gränulum = Körnchen]: 1. (Pharm.) in Form von
Körnchen od. Kugelt hen vorliegendes Arzneimittel. 2. (Biol.,
Med.) körnchenä/wliche Einlagerung, körnchenartige
Struktur im Plasma einer Zelle (z. B. in den Granulozyten).
3. (Med.) Gewebeknötchen im Granulationsgewebe.
Grapefruit [grc:pfru:t, engl.: greip...], die; -, -s [engl, grape-
fruit. aus grape = Traube u. fruit = Frucht, nach den
traubenfbrmigen Blütenständen]: große, runde Zitrusfrucht
mit dicker, gelber Schale u. saftreichem, säuerlich-bitter
schmeckendem Fruchtfleisch: <Zus.:> Grapefniitbaum. der;
Grapefniitsaft, der.
'Graph [gra:0. der; -en. -en [zu griech. graphein = schreiben,
zeichnen] (bes. Math., Naturw.): graphische Darstellung
(z.B. von Relationen) in Form von [markierten] Knoten-
[punkten] u. verbindenden Linien (Kanten): ^Graph [-],
das; -s, -e (Sprachw.): Schrift zeichen, Buchstabe, kleinste,
nicht bedeutungskennzeichnende Einheit in Texten,
gewonnen durch Segmentierung von Geschriebenem, im
Unterschied zum T Graphem aber noch nicht klassifiziert: -grgph
H.der;-en,-en[tGraph]inZus..z.B.Autograph,Barograph;
Graphem Igra'fe.m). das; -s. -e [engl.-amerik. grapheme.
zu griech. gräphema = Schrift] (Sprachw.): kleinste bedeu-
tungsunterscheidende Einheit in einem Schriftsystem, die
ein Phonem bzw. eine Phonemfolge repräsentiert: Graphe-
matik [grafe'ma:tik], die; -: svw. tGraphemik; graphemg-
tisch <Adj.; o. Steig.) (Sprachw.): die Gräphematik
betreffend: Graphemik [gra'fe:mik], die; - [engl.-amerik. graphe-
mics] (Sprachw.): Wissenschaft von den Graphemen unter
dem Aspekt ihrer Unterscheidungsmerkmale, ihrer Kombi-
nierbarkeit u. ihrer Stellung im Alphabet: graphemisch
<Adj.; o. Steig.) (Sprachw.): die Graphemik betreffend;
Grapheologie [grafeolo'gi:]. die; - [zu griech. graphe =
Schrift u. t-logie]: 1. Wissenschaft von der Verschriftung
von Sprache u. von den Schreibsystemen. 2. svw.
TGraphemik; grapheologisch <AdJ.; o. Steig.): die Grapheologie be-
treffend,Graphie[grafi:].die; -. -n [...{-.an; zu griech. graphe
= Schrift, zu: gräphein = schreiben] (Sprachw.):
Schreibung. Schreibweise; -graphk [tGraphie]. die; -. -n [...i:sn]
in Zus.. z.B. Geographie. Röntgenographie; Graphik
[gra:fikj, (ofteingedeutscht:)Grafik [-].die; -. -en [griech.
graphike(t6chne) = Schreib-. Zeichenkunst; zu: graphikös
= das Schreiben betreffend, zu: gräphein = schreiben;
zeichnen]: 1. <o. PI.) künstlerische (insbes. zeichnerische
o. ä.j Gestaltung von Flächen, vor allem mit Hilfe bestimmter
Verfahren, die Abzüge. Vervielfältigungen /auf PapierJ
ermöglichen: ein Meister der G.; eine Fachhochschule für
G. 2. <o. PI.) Gesamtheit von Erzeugnissen der Graphik
(1). graphisches Schaffen: seine Porträts gehören zum
Reizvollsten in der barocken G. 3. Werk der künstlerischen
Graphik (1): eine farbige G. von Picasso; Graphiker, (oft
eingedeutscht:) Grafiker, der; -s, -: Künstler. Zeichner od.
Techniker auf dem Gebiet der Graphik (1); Gr&phikerin,
(oft eingedeutscht:) Grafikerin, die; -, -nen: w. Form zu
tGraphiker; graphisch [gra:fij], (oft eingedeutscht:)
grafisch [zu TGrafik (1)] <Adj.; o. Steig.): 1. zur Graphik
(1) gehörend, der Graphik (1) eigentümlich, gemäß: die
-e Kunst; das -e Schaffen eines Künstlers; er ist -er Zeichner
bei einem Verlag; etw. mit -en Mitteln/etw. g.
[eindrucksvoll] gestalten; g. begabt sein; -es Gewerbe (veraltend;
die Druckindustrie). 2. mit den Mitteln der Graphik (1),
durch Zeichnung! en], Schaubilder [veranschaulicht,
schematisch dargestellt]: eine -e Darstellung; eine
[mathematische] Funktion g. darstellen; wirtschaftliche
Zusammenhänge g. veranschaulichen; -es Rechnen (Math.;
zeichnerische Ermittlung von Lösungen mathematischer Gleichun-
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gras-, Gras-
Ken). 3. (bes. Sprachw.) die zeichnerische Gestalt der
Schriftzeichen betreffend, dazu gehörend: ein -er
Unterschied; ein -es Symbol; eine -e Variante; Graphismus
[gra'fismos], (eingedeutscht:) Grafismus [-]. der; -, ...men
(Kunst): graphisches Gestaltungselement.
Graphit [gra'fi:t. auch: ...fitl. der; -s. -e [zu griech. gräphein
= schreiben, zeichnen): industriell vielseitig verwendetes,
weiches, schwarzgraues Mineral aus reinem Kohlenstoff
graphit-, Graphit-: -artig <Adj.; o. Steig); Elektrode, die
(Technik); -färben <Adj.; o. Steig.; nicht adv.). -grau
<Adj.; o. Steig.; nicht adv.): von der Farbe des Graphits,
schwarzgrau; -haltig <Adj.; nicht adv.): Graphit enthaltend;
-mine. die; -Stab, der (Technik): aus Graphit bestehender
Stab für bestimmte technische Anwendungsbereiche (z. B.
bei Elektroden); -stift,der: Bleistift mit Graphitmine; -tie-
gel, der (Gießerei): aus Graphit bestehender Schmelztiegel
zum Schmelzen bestimmter Metalle (z.B. Aluminium) u.
Legierungen; -Zeichnung, die (Kunst): mit dem Bleistift
od. einem nur aus Graphit bestehenden Stift gefertigte
Zeichnung.
graphitieren [graff ti:ren] <sw. V.; hat) (Technik): mit Graphit
überziehen; graphitisch [auch: ...TitiJ] <Adj.; o. Steig.; nicht
adv.) (Mineral.): 1. das Graphit betreffend; aus Graphit
bestehend, Graphit enthaltend: das -e Kristallgitter; -es
Gestein. 2. graphitartig.
grapho-, Grapho- [grafo-; zu griech. graphein = schreiben,
zeichnen]; Graphologe« der; -n, -n [t-loge]: Fachmann auf
dem Gebiet der Graphologie; Handschriftendeuter;
Graphologie, die; - [t-logie]: Wissenschaft von der Deutung der
Handschrift insbes. als Ausdruck des Charakters;
Handschriftendeutung; Graphologin, die: -, -nen: w. Form zu
tGraphologe; graphologisch <AdJ.; o. Steig.): die
Graphologie betreffetul; auf der Graphologie beruhend; Graphonuwk.
die; - (bildungsspr. abwertend): Schreibwut; Graphosp^s-
mus, der; -. ...men (Med.): Schreibkrampf; Graphostatik,
die; - (Bauw.): zeichnerische Methode zur Lösung statischer
Aufgaben; Grapfwtek [...te:k]. die; -. -en [2. Bestandteil
zu griech. theke = Behältnis]: Kabinett, das graphische
Originalblätter moderner Kunst ausleiht; Graphotherapk«
die; - (Psych.): Befreiung von Erlebnissen od. Träumen durch
deren Niederschrift.
Grappa [grapa], die: - [ital. grappa. zu: grappo. grappolo
= Traube]: italienischer Tresterbranntwein.
grapschen ['grapjn] <sw. V.; hat) [zu mundartl. grappen
= raffen, an sich reißen, (er)haschen. entspr. niederd.
grabben. vgl. Tgrabbeln] (ugs.): a) rasch ergreifen, an sich
raffen: etw. g.; ich grapschte mir. was ich gerade fand;
[sich] jmdn. g. (1. fassen, packen. 2. jmdn. [erjgreifen;
festnehmen): b) schnell nach em\, irgendwohin greifen,
fassen, haschen: nach etw., unter etw. g.; grapsen [grapsn]
<sw. V.; hat): a) (nordd.) svw. t grapschen; b) (österr. ugs.)
stehlen.
Graptolith [grapto'Iht. auch: ...lit]. der; -s u. -en. -en (meist
PI.) [zu griech. graptös = geschrieben u. t-Iith, wegen
der Schriftzeichen gleichenden Abdrücke der
Ablagerungen]: in Familien erhaltenes, koloniebildendes, sehr kleines
Meerestier mit einem chitinartigen äu/Jeren Skelett.
Gras[gra:s],das; -es, Gräser ['grE.zn; mhd., ahd. gras,eigtl.
= das Keimende. Hervorstechende]: 1. <Vkl. TGräschen)
meist auf Wiesen mit einem schmalen, grünen Blatt
/unmittelbar! aus dem Boden sprießende, in Halmen wachsende
krautige Pflanze mit ähretiförmigem Blütenstand: seltene
Gräser sammeln. 2. <o. PI.) Gesamtheit von Gräsern (1),
((rasähnlichen Pflanzen, Rasen- u. Wiesenpflanzen mit
schmalen grünen Blättern u. Halmen, häufig als
Pflanzendecke, Rasen: hohes, dichtes, üppiges, junges, saftiges,
frisches, grünes, dürres, welkes G.; das niedergetretene
G. richtet sich wieder auf; G. mähen, schneiden; die Kühe
fressen G.; im G. liegen; sich ins G. legen; der Hang
ist mit G. bewachsen; der Weg ist mit/von G. überwuchert;
barfuß über das kurze G.. durch das [knie]hohe G. gehen;
R wo der hinhaut, da wächst kein G. mehr (ugs.; er haut
kräftig zu); wo der hintritt, da wächst kein G. mehr (ugs.;
er ist in seinem Verhalten sehr derb, grob, in seinen
Maßnahmen, Handlungen rigoros, sehr massiv); *das G. wachsen
hören (ugs. spött.; an den kleinsten od. auch an eingebildeten
Anzeichen zu erkennen glauben, wie die Lage ist od. sich
entwickelt): Er hört das G. wachsen, er sieht Fehler, wo
keine sind (Ruthe. Partnerwahl 34); das G. von unten
besehen betrachten/wachsen hören [können] (salopp scherzh.;
tot sein, im Grab liegen); über etw. wächst G. (ugs.; eine
unamenehme Sache gerät mit der Zeit in Vergessenheit):
darüber müssen wir erst G. wachsen lassen; ins G. beißen
(salopp; sterben; vermutlich nach der antiken Vorstellung,
daß der Kämpfer beim Todeskampf in Erde od. Gras
beißt).
gras. Gras- -äffe, der [1. Bestandteil nach dem im Frühjahr
noch frischen u. grünen Gras als Ausdruck der Unerfahren-
heit u. Unreife] (salopp abwertend): unreifer, eitler Mensch;
-ährchen, das; -ähre, die; -anger, der; ^art. die:
verschiedene -en; -artig <Adj.; o. Steig.); -bahn, die (Sport), dazu:
-bahnrennen, das: Motorradrennen auf einer Grasbahn;
-bäum, der: in Australien heimische, baumförmige Pflanze
mit Grasblättern, die am Ende der Zweige schopfartig
angeordnet sind; -bedeckt <Adj.; o. Steig.; nicht adv.);
-bestand, der; -bewachsen <Adj.; o. Steig.; nicht adv.); -blatt.
das (meist PI.) (Bot.): grasartiges Blatt; -blätt[e]rig <AdJ.;
o. Steig.; nicht adv.); -blute, die; -boden, der:
grasbewachsener Boden; -brand. der: einen G. löschen (Kinski.
Erdbeermund 359); -bündel. das; -büschel. das; -butter. die
(Landw.): Butter aus Milch von Tieren, die durch
Grasfütterung (nicht durch Stallfütterung) ernä/irt werden: Dazu
frisches Landbrot... und einen gewaltigen Knollen gelber
G. (Fallada. Herr 102); -decke, die: Pflanzendecke aus
Gras: eine dünne, verdorrte G.; -ebene, die:
grasbewachsene Ebene; -eule, die: Eulenfalter, dessen Raupe an Gras
frißt; -feldbau, der <o. PI.) (Landw.): svw. t^Wirtschaft;
-fläche, die; -fleck, der: 1. grasbewachsenes Stück Boden.
2. durch zerquetschtes Gras verursachter grüner Fleck;
-flecken, der: svw. t^fleck (2); -flur. die (geh.); -förmig
<Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (Bot.); -fressend <Adj.; o.
Steig.; nicht adv.) (bes. Zool.); -fresser, der (Zool.):
grasfressendes Tier; -frosch, der: meist im feuchten
Wiesengelände lebender, gelb- bis dunkelbrauner, auf der Oberseite
dunkel, auf der Unterseite weißlich gefleckter Frosch; ^fiit-
ter, das: Gras als Futter für Tiere; -fütterung, die: Fütterung
mit Gras; -garten, der: /Obst]garten mit grasbewachsener
Fläche; ^grün <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): leuchtendgrün
(wie Gras): ein -er Pullover; -hafrn, der: er kaute auf
einem G.; -hecht, der (Angeln): junger Hecht, der sich
hauptsächlich im Pflanzenbewuchs der Gewässer aufhält;
-hirsch, der (Jägerspr.): Rothirsch, der (im Vorsommer,
vor Beginn der Ahrenbildung des Getreides) nur Gras geäst
hat: ^hüpfer, der (ugs.): [Feld] heuschr ecke; -land. das
<o. PL): grasbewachsenes Land. Gelände: ein Stück G.;
über das weite G. reiten; -buch, der: svw. Schnittlauch;
-leinen, das: weißes, glänzendes Gewebe; —lilie« die: Lilie
mit grasartigen Blättern; -mahd, die (landsch.); -mäher,
der: svw. -mähmaschine; -mähmaschine, die; -motte, die:
svw. t^Zünsler; -mucke, die [mhd., ahd. gras(e)muc(ke),
urspr.ahd. * grasa-smucka = Grasschlüpferin] (2.
Bestandteil venv. mit t schmiegen)]: kleiner, lebliafter Singvogel mit
feinem, spitzem Schnabel, der sich bes. von Insekten ernährt;
-narbe, die: die oberste Bodenschicht dicht überziehende
u. durchziehende Vegetationsdecke, gebildet durch die
Verwachsung von Gräsern [Klee u. verschiedenen
Kräuterarten J: die G. abstechen, abheben; Hier und da stiegen
Rauchsäulen von brennender G. auf (Chr. Wolf, Himmel
222); -nelke. die: krautiges / Stauden Jgewächs mit
grasartigen Blättern u. trichterförmigen bis röhrenartigen, weißen,
rosa- od. karminroten Blüten (in manchen Arten als
Steingarten- bzn>. Zierpflanze beliebt); -pfad, der; -pferd,
<Vkl.:) -pferdchen, das [nach dem pferdeähnlichen Kopf)
(ugs.): / Feldjheuschrecke; -pflanze, die (Bot.): zu den
Gräsern gehörende Pflanze; -platz, der: grasbewachsener Platz,
grasbewachsene Stelle; -rain, der; -reich <Adj.; nicht adv.):
ein -es Gelände; -samen, der; -schere, die; -schnitt, der;
wenn der Sommer gut ist, kann man im Schwarzwald
mit drei -en rechnen; -sichel, die; ^ski, der: eine Art kurzer
Ski mit beweglichem Band unter der Lauffläche (zum
Skifahren auf Grashängen [als Sport]), dazu: -skifahrer. der,
-skirennen, das; -spitze, die: aus dem ... Schnee schauten
noch welke -n (Handke, Frau 104); -Stengel, der (Bot.);
^steppe, die (Geogr.): ^fruchtbare, von Gras u. Kräutern
üppig bewachsene Steppe; ^streifen, der: mit Gras
bewachsener Streifen des Bodens; -stück, das (landsch.): Stück
Wiese, Stück Grasland; -teppich. der (geh.): dichte, weiche
Grasdecke; -topf, der [nach dem topfartigen Aussehen
der Pflanzenbüsche]: in niedrigen, dichten Büschen
wachsende Sumpfpflanze (aus der Familie der Riedgräser) mit
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Gräschen
fadenförmigem Stengel u. borstenförmigen Blättern, die an
der Spitze doldenartig gehäufte Blütenährchen tragen (auch
als Zierpflanze kultiviert); -überwachsen <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.); ^überwuchert <Adj.; o. Steig.; nicht adv.);
-weg, der; -weide, die: das Vieh findet hier eine
ausreichende G.; -Wirtschaft, die (Landw.): landwirtschaftliche
Betriebsform, bei der der überwiegende Teil der Nutzfläche
aus Graslatid besteht (bes. in Verbindung mit intensivem
Obstanbau); ^wwJhs. der <o. PI.); -wurzel, die: I. Wurzel
des Grases. 2. (volkst.) Wurzelstock der Quecke; -Zünsler,
der: hauptsächlich in Graslanil u. Steppen lebender Zünsler.
Gräschen l'gre:s<pn], das; -s, -: fGras (1).
Grasel [gra:zl], der; -s, -Inj [viell. nach Gräslein, dem
landsch. Namen für den Hänfling, der in Süddeutschland
u. österr. oft als scherzhaftes Schimpfwort gebraucht wird;
H. u.] (österr.. bes. wiener, veraltet): Lump. Gauner.
grasen [gra.zn] <sw. V.; hat) [mhd. grasen = Gras
schneiden; weiden, ahd. grasön = Gras schneiden, zu TGras]:
I. a) Gras /abjfressen, weiden; die Kühe grasen [auf der
Weidel; grasende Rinder; b) (ugs.) ■überall1 [wühlend/
nach etw. suchen; in einer Schublade [nach etw.) g.; nach
einem Zitat g. 2. (landsch.. bes. Schweiz.) Gras schneiden.
dazu: Graser, der; -s, - (Jägerspr.): Zunge (bei Roh. Reh-.
Dam-. Garns-, Muffelwild); Gräser: PI. von fGras; grasig
<Adj.> [mhd. grasec. ahd. grasag = mit Gras bewachsen,
zu fGras]: 1. grasartig. 2. <nicht adv.) mit Gras bewachsen;
ein -er Pfad; Grass [gra:s]. das; - [engl, grass. eigtl. =
Gras, nach den getrockneten Pflanzenteilen] (Jargon
verhüll.): Marihuana; der süßliche Geruch von gerauchtem
„Grass" (MM 7. 8. 70. 9).
grassieren [gra'shren] <sw. V ; hat) [mit französierender
Endung zu lat. grassäri = (los)schreiten]: (von Krankheiten
o.a.) um sich greifen, sich ausbreiten; gehäuft auftreten;
in Bayern grassiert die Grippe; ein Gerücht grassiert; Welch
lächerliche Bilder und hinkende Vergleiche grassieren da!
(Deschner. Talente 36); eine grassierende Unsitte.
gräßlich [gresli^] <Adj.) [unter Anlehnung an mhd. gra3
= zornig, wütend < mniederd. greselik =
schaudererregend, verw. mit ahd. grisenllh = gräßlich, H. u.]
(emotional): 1. Entsetzen, schauderndes Erschrecken hervorrufend;
abscheulich, schrecklich: ein -es Verbrechen; ein -er Unfall.
Anblick; die Wunde sah g. aus; die Toten waren g.
verstümmelt; sein Gesicht war g. entstellt. 2. (ugs.) a) unangenehme
Gefühle hervorrufend; sehr schlecht, sehr schlimm: -es
Wetter; ein -er Zustand; ein -er (unausstehlicher) Kerl; dieser
Mensch ist g.; b) in besonders großem, starkem Ma/Je
vorhanden; in unangenehmer Weise sehr groß, stark: -e
Angst haben; jmdn. in -e Verlegenheit bringen; ich habe
einen -en Schnupfen; c) (intensivierend bei Adjektiven
u. Verben) sehr: ich war g. müde, aufgeregt; hier sieht
es ja g. unordentlich aus; wir haben uns dort g. gelangweilt;
<Abl.:> Grpiichkeit, die; -. -en: 1. <o. PI.) gräßliche Art.
Beschaffenfieit: die hohe und unwiderlegliche
Beschönigung, die sie (= Idealität) der gemeinen G. der wirklichen
Dinge angedeihen ließ (Th. Mann. Zauberberg 896). 2.
gräßliche Äußerung. Handlung; gräßlicher Umstand: die
-en der Jagd auf die entflohenen Häftlinge schildern.
Grat [gra.t]. der: -[e]s. -c [mhd. grät = Bergrücken;
Rückgrat; Gräte; Spitze, Stachel; Ährenborste, ahd. grät =
Rückgrat]: 1. oberste Kante eines Bergrückens. / scharfe]
Kammlinie: ein schmaler, scharfer G.; den G. eines Berges
entlangwandern; über den G. zum Gipfel aufsteigen. 2.
(Bauw.. Archit.) a) schräg verlaufende Schnittlinie zweier
Dachflächen. Dachgrat; b) Schnittlinie zweier
Gewölbeflächen. 3. (bes. Technik. Handw.) beim Gießen. Stanzen
usw. entstehende/ scharfe, harte Kante, scharfkantiger
Werkstoffrand: Da ist die Kannelierung. die den Körper
der Säule ... aufteilt in Furchen einerseits und scharfkantig
sie trennende -e andererseits (Bild. Kunst I. 212); dem
Werkstück den G. (die Gufinaht) nehmen; der G.
(scharfkantige Rand) eines gestanzten Teils; U die
steif-zarte Nase mit ihrem G. (Frisch, Gantenbein 447). 4. (Textil-
ind.) aus der Gewebefläche heraustretende Bindungslinie
mit schrägem Verlauf.
Gral-: -gewölbe, das: svw. T Kreuzgratgewölbe; -hobel, der
(Handw.): Hobel zur Beseitigung des Grates (3); ^leiste,
die (Schreinerei): in eine Vertiefung passende Leiste; ^tier.
das (Jägerspr.): sich meist vereinzelt in den obersten
Alpenregionen außialtende Gemse, bes. alter Gemsbock; -tuim
der: Fels auf dem Kamm eines Berges; -Wanderung, die:
Wanderung auf einem Grat (1): Ü Die Untersuchung der
Lohnpolitik der Gegenwart läßt erkennen, daß sich die
Bevölkerung der hochentwickelten Industriestaaten
gewissermaßen auf einer G. befindet (Rittershausen, Wirtschaft
16); -wandler, der: jmd. (z.B. ein Politiker), der in den
Angelegenheiten, für die er verantwortlich ist. sehr riskant
handelt u. an den Gefahren gerade noch vorbeikommt; ~zie-
gel, der: svw. t Firstziegel.
Gräte [gre.tö], die; -, -n [mhd. graete, urspr. PI. von: grät,
fGrat]: I. bei Fischen eine Art Ktwchen. der dünn u. spitz
ist: dünne, feine -n; die -n entfernen; ihm ist eine G.
im Hals steckengeblieben; an einer G. ersticken; einen
Fisch von den -n befreien; * -n im Gesicht haben (salopp
scherzh.; unrasiert sein). 2. (salopp) Knochen: sich die -n
brechen; Der hätte dir sämtliche -n im Leib gebrochen
(Jaeger, Freudenhaus 90); *nur noch in den -n hängen
{ganz schlapp, erschöpft [u. abgemagert] sein; der
Erschöpfte wird nur noch von seinen Knochen aufrecht gehalten,
nicht mehr von seinem Willen).
gräten-, Griten-: -fisch, der (ugs.): svw. tKnochenfisch;
^los <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: ohne Gräten; -muster,
das: svw. t Fischgrätenmuster; -schritt, der: Schritt mit
fischgrätettartiger Spur, den der Skiläufer beim Aufstieg
anwendet, indem er die Innenkante der mit den Spitzen
weit nach außen gerichteten Skier belastet: eine Steigung
im G. nehmen.
Gratias ['gra:t$jas]. das; -. - [nach dem Anfangswort des
Gebetes: Gratias agamus deo = Lasset uns Gott danken]
(kath. Rel.): [klösterliches] Dankgebet nach Tisch;
Gratifikation [gratifikatslo:n]. die; -. -en [lat. grätifieätio =
Gefälligkeit, zu: grätificäri, tgratifizieren]: zusätzliches i
Arbeits [entgeh zu besonderen Anlässen (z. B. zu
Weihnachten), freiwillige Vergütung. Sonderzuwendung: eine G.
bekommen, erhalten; gratifizieren [...i'tsi.ren] <sw. V.; hat)
[lat. grätificäri = eine Gefälligkeit erweisen, zu: grätus
= erwünscht, willkommen, gefällig u. facere = machen,
tun] (veraltet): vergüten, als Sonderzuwendung zahlen: Ich
hatte vor, dir mehr als zehn Mark Zulage für deine
Sonderleistung und die verschwiegene Teilhaberschaft zu g.
(Strittmatter. Wundertäter 229).
grätig [gre:ti9l <Adj.> [zu fGräte]: 1. (nicht adv.) viele
Gräten enthaltend: -e Fische; U -e Arme von sieben ...
kleinen Mädchen interessieren mich nun (Lentz. Muckefuck
33). 2. (ugs.) übellaunig, reizbar, gereizt.
Gräting [gre.tw], die; -, -e u. -s [engl, grating = Gitter-
(werk)] (Seemannsspr.): Gitterrost [auf Schiffen /.
gratinieren [gratini:ran] <sw. V.; hat) [frz. gratiner = am
Rand des Kochtopfs festbacken, zu: gratter = abkratzen;
vgl. ahd. krazzön, t kratzen] (Gastr.): durch Überbacken
mit einer braunen Kruste versehen.
gratis [gra:tis] <Adv.) [lat gratis, urspr. Ablativ von: grätia
= Dank; also eigtl. = um den bloßen Dank (und nicht
um Belohnung)]: ohne daß man etw. dafür bezahlen muß:
unentgeltlich, kostenlos, umsonst, frei: der Eintritt ist g.;
Eintritt g.!; etw. g. liefern; das kannst du g. bekommen;
* g. und franko (ugs. verstärkend; ganz umsonst).
Gratis-: -aktie, die: svw. t Freiaktie; -anzeigen der
(Schweiz.): regelmäßig erscheinendes Inseratenblatt; -beila-
ge. die (Zeitungsw.); ^exerapbr, das; -fahrt, die; -gäbe,
die; -le istung, die; Minister, das; -probe, die: Sie erhalten
cincG. des neuen Produktes; -Prospekt, der; -Vorstellung,
die: eine G. geben; -zugäbe, die; -Zustellung, die.
grätsch-. Grätsch- (bes. Turnen): -absdiwung, der: mit
gegrätschten Beinen ausgeführter Abschwung vom Gerät; -auf-
schwung, der: mit gegrätschten Beinen ausgeführter
Aufschwung auf das Gerät; -beinig <Adj.; o. Steig.>: mit
gegrätschten Beinen; -sitz, der: Sitz mit gegrätschten Beinen;
-sprung, der: Sprung mit (vorübergehend) gegrätschten
Beinen; -stand, ddr <o. PL): Stand mit gegrätschten Beinen:
^Stellung, die: Stellung mit gegrätschten Beinen; -stoß,
der (Schwimmen): Schwimmstoß mit gegrätschten Beinen.
Grätsche ['gFKtJal. die; -, -n [zu tgrätschen] (Turnen): I.
/ Stütz [sprung mit (vorübergehend) gegrätschten Beinen
(z. B. über Pferd, Bock, Kasten): eine G. über das Pferd;
mit G. [vom Reck] abgehen. 2. Stellung mit gegrätschten
Beinen: in dieG. springen, gehen; grätschen[gre:tjn] <sw.
V.) [Intensivbildung zu nicht mehr gebräuchlichem
„gräten" = mit gespreizten Beinen gehen; die Beine spreizen,
mhd. greten]: 1. die gestreckten Beine [im Sprung.
Schwung] seitwärts spreizen <hat>: die Beine g.; mit ge-
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grauen
grätschten Beinen. 2. einen Grätschsprung ausfithren <ist>:
über das Pferd, über den Kasten g.
Gratulant [gratu'lantl. der; -en. -en [tat. grätuläns (Gen.:
grätulantis), 1. Part, von: grätuläri. I gratulieren]: jmd..
der jmdm. gratuliert: die -en empfangen; im Kreise der
-en; Gratutyntin, die; -. -nen: w. Form zu IGratulant;
Gratulation [...ulatsjo:n]. die: -. -en [lat. grätulätio. zu:
grätuläri, tgratulieren): 1. das Gratulieren: zur G.
erscheinen. 2. Glückwunsch: zahlreiche -en trafen ein; -en
entgegennehmen, empfangen; Zu seinem Geburlstag hatten wir
beim Kinderfunk eine G. bestellt (Bieter, Bonifaz 183).
Gratulations-: -besuch, der; abrief, der; -cour. die: feierliche
Beglückwünschung (insbes. einer hochgestellten
Persönlichkeit) durch eine Vielzahl von Gratulanten:
Glückwunschzeremoniell: eine G. in den Wandelhallen des Parlaments;
-karte, die; -schreiben, das.
gratulieren [gratuli.renl <sw. V.; hat) [lat. grätuläri. zu:
grätus = willkommen): seine Glückwünsche aussprechen.
Glück wünschen Jmdn. beglückwünschen: jmdm. schriftlich,
mündlich, telegraphisch g.; jmdm. herzlich zum
Geburtstag, zur Verlobung g.; jmdm. zum bestandenen Examen,
zu einer Beförderung g.; es kamen viele, um zu g.; darf
man [schon] g.?; ich gratuliere; (ugs.:) gratuliere!; ich
gratuliere Ihnen zu dieser Rede; zu solchen Töchtern kann
man Ihnen [nur) g. (auf solche Töchter können Sie stolz
sein): *sidi <Dativ> g. können (ugs.; über erw. froh sein
können): zu diesem Schwiegersohn kannst du dir g.; du
kannst dir g.. daß du mit heiler Haut davongekommen
bist; wenn ich dich erwische, kannst du dir g. (iron.; geht
es dir schlechtY.
Grätzel [gretsl], das; -s, -[n] [viell. zu mhd. gereis =
Umkreis] (österr. ugs.): Teil eines Wohnviertels, einer Straße
in einem Wohnviertel: Häuserblock.
grau [grap] <Adj.; -er, -[eiste; Steig, selten; nicht adv.> [mhd.
grä. ahd. gräo. eigtl. ..schimmernd, strahlend, glänzend"]:
1. im Farbton zwischen Schwarz u. Weiß, von/in einer
Mischfarbe zwischen Schwarz u. Weiß (z.B. von/in der Farbe
der Asche, des Basalts, der [ Haus]maus, der Esels-.
Elefantenhaut od, düsterer Wolken): -er Stoff; ein -er Anzug;
eine -e Uniform; -e Mauern; er hat schon -e Haare, -e
Schläfen; sie hat -e Augen (Augen mit grauer Iris): eine
-e (farblose, bleiche) Gesichtsfarbe; -es Brot (Graubrot):
die -e Substanz (Med.; der an Nervenzellen reiche Teil
des Gehirns u. des Rückenmarks)-, die -en Zellen (ugs.:
Gehirnzellen): -er Körper (Physik; Graustrahler)', der
Himmel, das Meer ist heute ganz g.; er ist ganz g. geworden
(hat graue Haare bekommen): alt und g. werden; er wurde
g. (farblos, bleich) im Gesicht; der Himmel ist g. in g.
(zeigt {vorwiegend} graue Farbtöne: es ist sehr trübe):
lein Bild) g. in g. (immer in grauen Farbtönen) malen.
2. <meist attr.) in einem unbestimmten Bereich zwischen
nicht mehr erlaubt, legal, korrekt u. noch nicht verboten,
illegal, strafbar o.a. liegend: Cognac auf dem -en Markt
verkaufen; illegale VW-Händler... Die als ..graue
Händler4* bezeichneten Konkurrenten (Spiegel 10, 1967. 67).
3. trostlos, öde: dem -en Alltag entfliehen; eine -e Zukunft
erwartet sie; Wenn ich doch auch so einfach aus meinen
-en Stunden auftauchen könnte wie dieser
Verwandlungskünstler (Remarque. Obelisk 51); alles erschien ihm g.
(und öde. leer); * alles g. in g. sehen/malen (alles
pessimistisch beurteilen, darstellen). 4. /zeitlich weit entfernt u.J
unbestimmt, ungewiß: in -er Vorzeit; das liegt noch in
-«r Zukunft. Feme; von etw. nur eine -e Vorstellung haben;
<subst.:> Grau [-1. das; -s. - (ugs.: -s): 1. graue Farbe,
graues Aussehen: ein helles, dunkles G.; das erste [fahle]
G. des Morgens (die beginnende Morgendämmerung): sie
liebt [die Farbe] G. besonders; das G. (die graue
Malerfarbe, den grauen Farbstoff) dick auftragen; sie erschien ganz
in G. (in grauer Kleidung). 2. Trostlosigkeit. Öd/ieit: dem
G. des Alltags entfliehen. 3. Unbestimmtheit. Ungewißheit
' zeitlicher Ferne): im G. der Vorzeit entschwunden sein.
grill-« Grau-: ^ammer, die: graubraune, auf der Unterseite
weißlich-braune Ammer: -äugig <Adj.; o. Steig.; nicht
adv.>: mit grauen Augen: ^bär, der (selten): svw. TGrisly-
bän ^bart, der: I. (selten) grauer Bart. 2. (ugs.) Mann
mit ergrautem Bart, zu 1: -bärtig <Adj.; o. Steig.; nicht
adv.>; -behaart <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: ein -er Kopf;
-Mau <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: blau mit grauem
Einschlag: -braun <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: braun mit
grauem Einschlag: ^brot, das (landsch.): Mischbrot (aus
Roggen u. Weizen): -buch, das (Dipl.): Veröffentlichung
mit grauem Einband <xl. Umschlag, Farbbuch: eine bei
bestimmten Anlässen veröffentlichte Dokumentensammlung
der belgischen, dänischen od. japanischen Regierung: vgl.
Blaubuch; -erde, die (Geol.. Landw.); -erle. die: Erle
mit heller, grauer Rinde: Weißerle: -färben <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.>: von grauer Farbe: -farbung. die; -fiiule. die:
mit Grauschimmel (2) verbundene, schädliche Fäule: -fi-
scher. der: Fische jagender Eisvogel einer afrikanischen Art
(mit schwarzweißer Zeichnung, die ihn grau erscheinen läßt,
u. mit Feder schöpf): -fuchs, der: (bes. in Nordamerika
vorkommender) Fuchs von grauer Färbung mit schwarzem
Rückenstreifen u. rostbrauner Unterseite: -gans, die:
Wildgans (mit dunkelgrauer, meist weißlich ciuergebänderter
Oberseite, hellgrauer Unterseite und hellgrauem Kopf):
-getigert <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: Eine -e Katze (Bieler,
Mädchenkrieg 501); -gießerei. die (Technik): vgl. -^guß;
-grün <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: grün mit grauem
Einschlag: -guß, der (Technik): kohlenstoff- u. siliciumhaltiges
graues Gußeisen von geringer Zugfestigkeit: -haarig <Adj.;
o. Steig.; nicht adv.>: mit grauem Haar: ein -er Herr;
-hörnchen, das: oberseits bräunlichgraues od. schwarzes,
unter sei ts weißliches Eichhörnchen (bes. im östlichen
Nordamerika): -in-Grau-Malerei, die: vgl. Grisaille; -kappe,
die: svw. t Birkenröhrling; -kardinal, der: Grauer t Kardinal
(2); -köpf, der (ugs.): 1. Kopf mit grauem Haar. 2. Mensch
mit grauem Haar, zu 1: -köpfig <Adj.; o. Steig.; nicht
adv.>; -männchen. das: eine der bes. in Sagen Nord- u.
Mitteldeutschlands vorkommenden, kleinen, grauen
Spukgestalten: -mehl. das: Das aus Roggen hergestellte
Auszugsmehl heißt G. (Bruker. Leber 225); -meliert <AdJ.; o.
Steig.; nur attr.>: (in bezug auf das Haupthaar) leicht grau
geworden: von ergrauten Haaren durchzogen: -es Haar,
-e Schläfen; vgl. meliert; -papagei. der: in Zentral- u.
Westafrika beheimateter, grauer Papagei, der sehr sprechbegabt
ist: -scheckig <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: mit
unregelmäßigen grauen Flecken: -Schimmel, der: 1. / weiß/graues Pferd.
2. grauer Schimmel! pilz/. der bestimmte [ Kultur]pflanzen
befällt: -Schleier, der: Einschlag ins Schmutziggraue: die
weiße Wäsche hat einen G.; Ü Das neue
Filmförderungsgesetz will den G. (den dämpfenden, herabdrückenden Anteil)
mangelnder Qualität mit dem Wundermittel
..Projektförderung" herauszwingen (MM 1. 12. 73, 57); -Schnäpper.
der: zu den Fliegenschnäppern gehörender, bräunlichgrauer
Singvogel mit weißlicher Brust u. geflecktem Kopf: -schwarz
<AdJ.; o. Steig.; nicht adv.>: schwarz mit grauem Einschlag:
-specht. der: Buntspecht mit einem schmalen schwarzen
Haarbüschel am Schnabel, grauem Hals u. Kopf sowie (beim
Männchen) leuchtendroter Stirn: -spiefigbnz, der: svw.
t Antimonglanz; -strahier, der (Physik): Körper mit den
physikalischen Eigenschaften eines schwarzen Stra/ders.
aber einer geringen Strahlungsintensität: grauer Körper:
-strähnig <AdJ.; o. Steig.; nicht adv.>: mit grauen Strälmen:
^tier, das (ugs. scherzh.): a) Esel: b) Maultier: -ton,
der: grauer Farbton: Stoffe in allen Grautönen; -wacke,
die: harter, grauer, feldspat- u. chloritreicher Sandstein:
-wal. der: /schwarz/grauer, weißlich gefleckter Bartenwal
im nördlichen Pazifik: -weiß <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>:
weiß mit grauem Einschlag: '-werk, das <o. Pl.>: graues
Pelzwerk bes. vom sibirischen Eichhörnchen: Feh: -wert;
der: Helligkeitswert. Abstufung von Grau: Der
Schwarzweißfilm gibt diese Farben in -en wieder (Kosmos 1965.
71); -wollen <Adj.; o. Steig.; nur attr.>: aus grauer Wolle:
-e Socken; -wurst, die [nach dem grauen Belag, der sich
nach dem Trocknen an der Luft auf der Wursthaut bildet]
(landsch.): svw. t Dauerwurst; -zone, die: Übergangszone,
zweifelhafter od. zwielichtiger Bereich, insbes. zwisehen
Legalität u. Illegalität: Mit der vor 4 Jahren gegründeten
Aktionsgemeinschaft will der Frankfurter Bundesverband
die ..Grauzone" in der deutschen Ehevermittlung aufhellen
und für die Branche neue Berufsgrundsätze schaffen (MM
4. 4. 75. 9).
Grauchen [gnip<pn]. das; -s. - (ugs.. scherzh.): Esel/chenJ:
Graue ['gnjyal. die; - (selten): 1. Grau (1). 2. Grau (2):
'grauen ['grapan] <sw. V.; hat) [mhd. grä wen, ahd. gräwen
= grau werden; dämmern, tagen, zu tgraul: I. (geh.)
dämmern: der Morgen, der Abend graut; ein neuer Tag
graut (bricht an): es begann gerade zu g., als sie das
Haus verließen; <subst.:> beim ersten Grauen des Tages.
2. (selten) grau werden, ergrauen.
1077
grauen
^grauen!-] <sw. V.; hat; unpers.) [mhd. grüwen, ahd. (in)grü-
en, verw. mit „grausen. Greuel, grausam44]: Grauen
empfinden, sich fürchten: mir/(seltener:) mich graut, wenn ich
an morgen denke; bei diesem Gedanken graute ihm; vor
diesem Menschen graut [es] mir; es graut mir heute schon
vor der Prüfung; <seltener refl.:> sich vor einer Begegnung
g.; Dein Vater graut sich nicht so leicht, sagt Levin (Bo-
browski. Mühle 170); <subst.:> Grauen, das; -s, -: 1. <o.
PL) Furcht* Entsetzen, Schrecken u. Abscheu vor etw.
Unheimlichem, Drohendem: ein heimliches, leises, dunkles,
wildes, tödliches G.; ein G. ergreift, erfaßt, überläuft,
überkommt, lähmt jmdn.; ein G. vor einer Gefahr, vor dem
Krieg empfinden; die Unfallstelle bot ein Bild des -s; etw.
mit G. erkennen; ..Tot?* fragt er voll G.; vomG.
gezeichnete Gesichter. 2. grauenerregendes Ereignis: Schreckbild:
das G.. die G. des Atomkrieges schildern, dazu:
grauenerregend <Adj.): ein -es Bild.Geschehen; grauenhaft [grajian-
haft] <Adj.; -er. -este>: 1. Grauen u. Entsetzen hervorrufend:
furchtbar, entsetzlich: ein -er Anblick; die Verwüstungen
waren g.; die Leiche war g. verstümmelt. 2. (ugs.) in
besonders starkem Maße als unangenehm u. das Wohlbefinden
o.a. beeinträchtigend empfunden: das ist ja eine -e
Unordnung!; -e Angst haben; ich habe einen -en Schnupfen;
dieser Mensch ist g. (unerträglich): er hat [einfach] g.
gesungen; grauenvoll <Adj.>: 1. svw. T grauenhaft (1). 2.
(ugs.) svw. tgrauenhaft (2); graulen ['grauten] <sw. V.;
hat) [mhd. grüweln. griuweln = Furcht empfinden, zu
12grauen] (ugs.): 1. <g. + sich) / leichtes] Grauen empfinden,
ängstlich erschaudern, sich fürchten: sich vorder Dunkelheit
g.; Ich graule mich, wenn ich mir das Haus ohne Jungen
vorstelle (Böll. Haus 194); er graulte sich, wenn er an
morgen dachte; <selten unpers.:) mir/mich grault bei
diesem Gedanken; vor diesem Menschen grault [es] mir; es
grault mir heute schon vor der Prüfung. 2. durch
unfreundliches, unangenehmes Verhalten vertreiben: jmdn. aus dem
Haus g.; 'graulich [grauli«;] <Adj.) [unter Anlehnung an
„grau(I)en" zu tGreuel]: vor etw., was einem unheimlich
ist, Furcht empfindend: so geartet, daß man sich leicht
fürchtet od. daß es Furcht hervorruft: „Warum den
Klabautermann?" ..Weiß nicht. Fiel mir so ein. Vielleicht, weil er
die Leute g. machen will.4' (Fallada, Jeder 127).
^graulich [-]. gräulich [greyli^J <Adj.; o. Steig.; nicht adv.):
ins Graue spielend, mit grauem Einschlag: ein -es Blau.
Graupchen [gnjyp^n], das; -s. -: TG raupe (1); Graupe
['graupal. die; -. -n <meist PI.) [wahrsch. aus dem Slaw.;
vgl. obersorb.. poln.. russ. krupa = Graupe, Grütze;
Hagelkorn; schneeiger Hagel]: 1. <Vkl. TGräupchen) a)
enthülstes u. gerundetes Gerstenkorn od. auch Weizenkorn: grobe
-n; aus -n einen Brei kochen; eine Suppe mit -n als Einlage;
* [große] -n im Kopf haben (ugs. spött.; svw. [große] f
Rosinen im Kopf haben); b) <P1.) Graupengericht, insbes.
Graupenbrei: heute mittag gibt es -n mit Rauchspeck. 2. (Berg-
mannsspr.) Korn, Stückchen von [Zinnjerz. 3. (Textilind.)
eins der verfilzten Faserbällchen, die bei der Wollbearbeitung
abfallen od. bei der Fertigung ungleichmäßiger Garne
verwendet werden: Graupel [...pl], die; -, -n (meist PI.) [zu
tgraupeln]: kleines [weiches] Hagelkorn: Schnee mit -n.
graupel-, Graupel-: -artig <Adj.); -regen, der; -schauer,
der; ^werter, das.
grauplellig [...pte)Ii<j] <Adj.; o. Steig.): graupelartig, in Form
von Graupeln: -er Hagel; graupeln [...pln] <sw. V.; hat;
unpers.) [zu frühnhd. graupen = hageln, zu tGraupe]:
in Form von Graupeln niedergehen: es graupelte, regnete
und schneite abwechselnd.
Graupen-: ^brei, der; -gericht, das; -mühle, die: Gerät zum
Zermahlen von Graupen: ^schleim, der; -suppe, die.
grauplig: t grauplellig.
graus [graus] <Adj.; -er. -este; meist attr.) [zu TGraus]
(veraltet): grauenerregend, grausig: ein -es Schicksal; Effekte
von -er Komik (K. Mann, Wendepunkt 36): 'Graus [-].
der; -es [mhd. grüs(e), zu t grausen]: 1. (veraltet) a) Grausen:
... nicht ohne einen leichten stolzen G. bei dieser
Vorstellung zu empfinden (Musil, Mann 1104); b) grauenerregett-
des Ereignis: ... oder ist es bezahlte Unterwelt, die den
schnell wachsenden Abscheu des Volkes vor diesem
endlosen G. verdecken soll (Sieburg, Robespierre 175). 2.
(nur in bestimmten Verbindungen:) es ist [schon] ein G.
(ugs. veraltend; es ist schrecklich, schlimm) [mit jmdm.,
mit etw.]; o G. (ugs. scherzh.; o SchreckV.
^Gratis [-], der; -es [mhd. grÜ3 = Kom (von Sand od.
Getreide), verw. mit tGrieß] (veraltet): Steinschutt, Geröll,
grober Sand.
grausam [grauza:m] <Adj.) [mhd. grü(we)sam = Grauen
erregend, zu t2grauen]: I. rücksichtslos Schmerz zufügend:
hart, gefühllos u. roh: ein -er Mensch, Herrscher; eine
-e Handlung, Strafe; eine -e Lust, andere zu quälen; zu
jmdm., gegen jmdn. g. sein; g. handeln; sich g. rächen;
jmdn. g. behandeln. Quälen; g. lächeln. 2. schrecklich,
furchtbar, entsetzlich u. Quälend, hart: ein -es Erwachen;
eine -e Enttäuschung; ein -er Winter; Eng aneinanderge-
drückt, um sich gegen den -en Nachtfrost zu schützen
(Apitz. Wölfe 16); Felix Lichnowski.... der dann in
Frankfurt so g. ums Leben kam (Rilke. Brigge 85). 3. (ugs.)
a) in besonders starkem Maße wie eine Art Pein empfunden:
so [ geartet I, daß man es kaum noch ertragen kann, selw
schlimm: eine -e Müdigkeit. Verlegenheit, Hitze; der Pianist
hat dreimal danebengehauen, es war g.!; das ist ja g..
wie unsere Mannschaft spielt; b) (intensivierend bei Verben
u. Adj.) in kaum erträglicher Weise: sehr, überaus: sich
g. langweilen; g. müde. g. erschrocken sein; eine g. lange
Zelt warten müssen, dazu: Grausamkeit, die; -. -en: 1.
<o. PI.)das Grausamsein: Gefühllosigkeit, Roheit: seelische
G.; die G. eines Menschen, einer Handlung anprangern;
jmdn. mit großer, unerbittlicher G. verfolgen. 2. grausame
Handlung: unvorstellbare -en begehen; diese viehische G.
wird er büßen; grausen [grauzn] <sw. V.; hat; unpers.)
[mhd. grüsen. griusen, ahd. Tir)grü(wi)sön. zu t2grauen]:
Grausen empfinden: es grauste ihm/(auch:) ihn bei dem
Anblick; vor diesem Menschen graust [es] mir; mir graust
[es], wenn ich an die Prüfung denke: bei diesem Gedanken,
vor diesem Augenblick hatte Ihm (auch.) ihn oft gegraust;
Ansprachen, vor denen es seine Töchter grauste (Bleler.
Mädchenkrieg 118); (selten refl.:) sie graust sich vor
Spinnen; <subst.:> Grausen, das; -s: Schauder u. Entsetzen (vor
etw. Bestinuntem): Grauen (1): da packte ihn das kalte
G.; jmdn. faßt, ergreift, befällt, überkommt ein G., kommt
ein G. [vor jmdm., vor etw.] an; sich mit G. abwenden;
etw. mit G. erkennen; von G. erfüllt sein; vor G. gelähmt
sein; das G. (das Grausige, das grausige Geschehen) des
Krieges; das Schlachtfeld bot ein Bild des -s (ein grausiges
Bild): (ugs. übertreibend:) da kann man das große G.
kriegen; grausenhaft <Adj.; -er. -este) (selten): grauenhaft,
grausig: grausenvoll <Adj.) (selten): grauenvoll, grausig:
grausig ['grauzicj <Adj.) [zu t grausen]: 1. Grausen
hervorrufend: grauenvoll, entsetzlich, fürchterlich: ein -es
Verbrechen; ein -er Anblick; eine -e Entdeckung machen; ein
-es Lachen; schon der Gedanke ist g.; die Leiche war
g. verstümmelt. 2. (ugs.) a) in besonders starkem Maße
wie eine Art Pein empfunden: so [geartet], daß man es
kaum noch ertragen kann, sehr schlimm: eine -e Kälte;
ich habe -en Hunger; der Motor streikte immer wieder,
es war g.: b) (intensivierend bei Verben u. Adj.) in kaum
erträglicher Weise: sehr, überaus: g. lügen; der Vortrag
war g. langweilig; ich habe mich g. erkältet, zu 1:
Grausigkeit, die; -. -en [spätmhd. grausichkait]: 1. <o. PI.) das
Grausigsein. 2. grausige Handlung, grausiges Geschehnis:
grauslich [grausig] <Adj.) [mhd. grüslich. griuslich, zu
t'Graus] (bes. bayr.. österr. ugs.): leichtes Schaudern
hervorrufend: abscheulich, gräßlich: Sie hieß demnach: von
Konterhonz. Ich schreibe es nie. weil es g. klingt (Doderer.
Dämonen 415).
Gravamen [grava:mdn]. das: -s. ...mina (meist PI.) [lat.
gravämen = Beschwerlichkeit! (jur.): Beschwerde: Grava-
tion [grava'$jp:nl. die; -. -en [lat. gravätio] (veraltet):
Beschwerung. Belastung: grave [ gra:va] <Adv.) [ital. grave
< lat. gravis = schwer] (Musik): langsam, schwer u.
feierlich, ernst, <subst.:> Grave [-]. das; -s. -s: Musikstück od.
Teil davon mit der Tempobezeichnung ..grave".
Gravensteiner [gra:vnjt4jne]. der: -s. - [nach dem Namen
des Ortes Gravenstein in Südjütland, dän.: Grasten]: Apfel
einer mittelgroßen Sorte mit glatter, stark duftender,
hellgrüner bis gelber, leuchtend geflammter Schale u. gelblichem,
mittelfestem, vollsaftigem, süßsäuerlichem, aromatischem
Fruchtfleisch.
Graveftien [grave'Ue:]. das; -[s] [nach der Felsnische La
Gravette in Frankreich (Dordogne)] (Anthrop.):
Kulturstufe der jüngeren Altsteinzeit (nach dem Aurignacien u. vor
dem Solutreen).
Graveur [gra've:?], der; -s. -e [frz. graveur, zu: graver,
tgravieren]: Handwerker, der das Gravieren, das Herstellen von
1078
Greif-
Gravuren. Prägestempeln beherrscht; Metall-,
Steinschneider. Stecher (Berufsbez.); <Zus.:> Graveurarbeit, die;
Graveurin [...0:nn], die; -. -nen: w. Form zu TGraveur.
gravid [gra'vi.t], (seltener auch:) gravide [...i:dd] <AdJ.; o.
Steig.; nicht adv.> [lat. gravidus. eigtl. = beschwert; vgl.
gravierend] (Med.): schwanger: Wenn Mädchen ... schon
früh ... gravide werden, so geschieht das in der Regel
.... ohne daß sie ihre Rolle als Mutter bewußt erleben
(Studium 5. 1966. 288); Gravida [gra:vida], die; -. ...dae
[...de; lat. gravida] (Med.): schwangere Frau: Gravidität
[gravidi't£:t], die; -, -en [lat. graviditäsl (Med.):
Schwangerschaft.
Gravifir-: -anstalt, die: Werkstätte, in der Gravierungen.
Gravierarbeiten ausgeführt werden; -arbeit, die: 1. das
Gravieren (1), Gravierung (1). 2. a) gravierte Schrift. Verzierung;
Gravierung (2); b) mit Gravierungen verzierter Gegenstand;
-kunst, die; -maschine, die: Maschine, mit der
Gravierungen verschiedener Art mechanisch ausgeführt werden
können; -nadel, die; -Stichel, der; -Werkzeug, das.
gravieren [gra'vi:ren] <sw. V.; hat) [frz. graver, urspr. =
eine Furche, einen Scheitel ziehen < mniederl.. mniederd.
graven, entspr. nhd. T graben]: 1. (insbes. eine Verzierung,
Schrift) kunstgerecht in eine ftarte Oberfläche /
einJschneiden, ritzen, stechen: ein Monogramm, ein Ornament in/auf
eine Metall-, Glasplatte, in/auf einen Siegelring g. 2. mit
Gravierung versehen: Auch die Messer und Gabeln waren
graviert (Simmel, Affäre 24); Münzen g. (prägen);
gravierend <Adj.> [I. Part, von mhd. gravieren = jmdm. etw.
zur Last legen < lat. gravare = schwer machen, zu:
gravis = schwer] (bildungsspr.): schwer ins Gewicht fallend,
schwerwiegendu. sich möglicherweise nachteilig auswirkend:
-e Umstände; ein -er Vorwurf, Unterschied, Fehler; der
Verlust war [ziemlich] g.; etw. als g. ansehen, werten;
Gravierung« die; -, -en: I. das Gravieren. 2. Eingraviertes,
eingravierte Schrift, Verzierung.
Gravimeter [gravi'me:te], das; Ls, - [zu lat. gravis = schwer
u. T-meter] (Physik): Gerät zum Messen der Schwerkraft-
[änderungen]; Gravimetrk. die; - [t-metrie]: 1. (Physik)
Messung der Schwerkraft[änderungen)\ 2. (Chemie)
Verfahren zur Quantitativen Bestimmung von Elementen u.
Gruppen in Stoffgemischen; Gewichtsanalyse, dazu: gravime-
trisdi <Adj.; o. Steig.); Gravis t'gra:vis], der; -. - [zu lat.
gravis = schwer] (Sprachw.): i Betonungs] zeichen. Akzent
C) für den fallenden Ton (z.B. ä); Gravisphäre [gravi...],
die; -. -n (Physik. Astron.): Bereich eines Himmelskörpers,
worin dessen [meßbare] Schwerkraft die Schwerkraft
anderer Himmelskörper übersteigt; Gravität [...'le:t]( die; -
[lat. gravitäs. zu: gravis = schwer, gewichtig] (veraltet):
: steife] Würde; Erhabenheit. Gemessenheit. Schwere; Gm-
vitation[gravita lßio:n].die;-[frz.gravitation < nlat. gravi-
tatio, zu lat. gravis = schwer] (Physik, Astron.):
Anziehungskraft zwischen Massen; Massenanziehung.
Schwerkraft (insbes. der Erde): die G. der Erde, des Mondes;
der G. unterliegen; Aufhebung der G.
Gravitations-: -differentiation, die (Geol.): das Absinken
von Kristallen durch die Schwerkraft bei Erstarrung einer
Schmelze; -energie, die <o, Pl.>: die durch die Schwerkraft
aufbringbare Energie; -feld, das; -gesetz, das (von Newton
formuliertes) Naturgesetz der Gravitation; -konstante, die;
-kraft, die; zweite, die: sich im Vakuum mit
Lichtgeschwindigkeit wellenförmig ausbreitende Störung des
Gravitationsfeldes; -Wirkung, die.
gravitätisch <Adj.> [zu t Gravität]: mit [steifer] Würde;
würdevoll; ernst u. gemessen: mit -er Miene; in -em Ernst;
g. schreiten; sich g. verbeugen; gravitieren [gravi ti:ran]
<sw. V.; hät> [frz. graviter, zu lat. gravitäs, tGravität]:
1. (Physik, Astron.) sich infolge der Gravitation in einer
bestimmten Richtung bewegen. 2. (bildungsspr.)
[hinIstrehen, [hinjneigen, tendieren: der Fetischismus gravitiert zur
Mythologie (Adorno, Prismen 13); Der Marktpreis eines
Erzeugnisses gravitiert immer zum natürlichen Preis
(Jacob. Kaffee 215); Graviton [gra:viton]. das; -s, -en [gravi-
to:nan; zu lat. gravitäs. t Gravität] (Physik):
Elementarteilchen des Gravitationsfeldes.
Gravur [gra'vu:g], die; -. -en [mit latinisierter Endung (vgl.
Gravüre) zu Tgravieren]: eingravierte Verzierung. Schrift
o.a.; Gravüre [...y:ra], die; -, -n [frz. gravure. zu: graver,
T gravieren]: 1. Gravur: eine Truhe voller -n. 2. Erzeugnis
der Gravierkunst (z. B. Kupfer-, Stahlstich).
Grazie [gra.t&a], die;-,-n [1: lat. grätia = Anmut.
Lieblichkeit, Gunst; Dank, eigtl. = Verherrlichtes, Gepriesenes;
2: lat. Grätiae. personifizierter PI. zu: grätia (f 1), entspr.
griech. Chärites = Göttinnen der Anmut, PI. zu: chäris
= Gunst; Dank; Anmut]: 1. <o. PI.) Anmut. Liebreiz:
[viel] G. haben, zeigen; sich mit [natürlicher, tänzerischer]
G. bewegen; Ü sich mit G. (scherzh.; Geschick) aus der
Affäre ziehen; ein Problem mit G. (scherzh.; sehr geschickt,
elegant) lösen. 2. <P1.) a) die drei römischen Göttinnen
der Anmut: die drei -n; R die -n haben nicht an seiner,
ihrer Wiege gestanden (scherzh. verhüll.: er. sie ist nicht
hübsch): b) (scherzh.) anmutige junge Mädchen, junge
Damen.
grazil [gra't$i:l] <Adj> [unter Einfluß von frz. gracile <
lat. gracilis = schlank, schmal, mager]: fein gebildet, zart-
gliedrig, zierlich: ein -es Mädchen; eine -e Figur haben;
sie ist klein und g.; g. gebaut sein; Ü er streckt nur den
Arm nach ihr aus - eine leichte, g. (zart) andeutende
Aufforderung (Hochhuth. Stellvertreter 225); <Abl.:>
Grazilität [grat$ili't£:t], die; - [unter Einfluß von frz. gracilite
< lat. gracilitäs]: grazile Beschaffenheit. Gestalt. Form.
graziös [gra't^o.s] <Adj.; -er. -este) [frz. gracieux < lat.
grätiösus. zu: grätia. f Grazie (1)]: mit. voll Grazie; anmutig,
liebreizend: eine -e Bewegung. Haltung; ein -es Mädchen;
sie ist sehr g.; g. tanzen; sich g. verbeugen; Ü Diotimas
-er Schreibtisch (Musil. Mann 340); grazioso [...io:zo]
<Adv.> [ital. grazioso < lat. grätiösus. f graziös] (Musik):
anmutig, mit Grazie; <subst.:> Grazioso [-], das; -s, -s u.
...si: Satz von anmutigem, graziösem Charakter.
gräzisieren [gretsi'zi:n>n] <sw. V.; hat) [lat. graecissäre,
graecizäre < griech. graikizein = griechisch sprechen, zu:
Graikös = griechisch, Grieche]: 1. nach altgriechischem
Muster formen. 2. die alten Griechen nachahmen, dazu:
Gräzisjening. die; -, -en; Gräzismus [gre'&ismus], der; -.
...men: altgriech. Spracheigentündichkeit in einer nicht-
griech. Sprache, bes. in der lateinischen; Gräzjst, der; -en,
-en: jmd., der sich wissenschaftlich mit dem Altgriechischen
[u. der altgriech. Kultur] befaßt; Gräzjstik, die; -:
Wissenschaft von der altgriech. Sprache [u. Kultur]; Gräzitflt [gre-
tßi't£:t], die; - [lat. graecitäs = griechisches Wesen]
(bildungsspr.): Wesen der altgriech. Sprache, Sitte, Kultur.
Greenhorn [gri:nhD:n], das; -s, -s [engl, greenhom, eigtl.
= Tier mit grünem (= noch nicht ausgewachsenem)
Geweih, vgl. grün (3)]: jmd.. der auf einem für ihn neuen
Gebiet zu arbeiten begonnen hat u. noch ohne einschlägige
Erfahrungen ist; Neuling.
Greemvicher Zeit fgnnK&e, ...itje -], die; - - [nach dem
Londoner Stadtteil Greenwich]: westeuropäische Zeit,
bezogen auf den Nullmeridian, der durch Greenwich geht.
Gregarinen [grega'ri:ndn] <P1.) [lat. gregflrius = zur Herde
gehörig, zu: grex (Gen.: gregis) = Herde. Schar, da diese
Einzeller meist in großer Zahl vorkommen] (Zool.):
einzellige tierische Schmarotzer, die im Innern von wirbellosen
Tieren leben.
Grege [gre:3], die; - [frz. (soie) gr&ge = ungezwirntfe Seide)
< ital. greggio = roh. H. u.]: parallel liegende
Rohseidenfäden, die nicht durch Drehung, sondern durch den Seidenleim
zusammengehalten werden; <Zus.:> Gr£geseide. die; -: eine
Bluse aus G.
Gregorianik [grego'ija.nik], die; - [nach Papst Gregor I.
(um 540-604)): 1. die Kunstform des Gregorianischen
Gesangs: von Mönchen gesungene G. 2. die den
Gregorianischen Gesang betreffende Forschung; Gregorianisch [grego-
rla:mj]: t Gesang (2); T Kalender (2); gregorianisieren [gre-
goriani'zi:ran] <sw. V.; hat) (Musik): in der Manier des
Gregorianischen Gesangs komponieren; Gregorsmesse
['gre.gDrs-], die; - (bild. Kunst): im Spätmittelalter häufige
Darstellung der Legende, nach der Christus dem vor dem
Altar knieenden Papst Gregor I. (um 540-604) erschien.
Greif [gr^ifl. der; -[e]s u. -en. -e[n] [mhd. grifte) < ahd.
grifta) < mlat. griphus < lat. gryps < griech. gryps,
aus dem Semit.]: 1. früher häufig als Wappentier
verwendetes, geflügeltes Fabeltier mit dem Kopf [u. den Krallen]
eines Adlers u. dem Körper eines Löwen: im Mittelalter
galt derG. als Symbol Christi. 2. svw. TGreifvogel:
Jedenfalls haben viele Naturfreunde zwar die Singvögel in ihr
Herz geschlossen, aber die winterliche Not der -e läßt
sie kalt (Kosmos 2. 1965. 90).
Greif- (greifen): -arm, der (Technik): Geräte- od.
Maschinenteil, mit dem etw. automatisch gegriffen o. ä. wird: die
music box .... ging einer hin ... warf die Münze ein, in
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greifbar
dem rot und grün und engelsblau vollgestrahlten Gehäuse
lief der G. vorwärts auf der Schiene und rastete ein vor
der gewählten Platte (Johnson. Mutmaßungen 185); -bag-
ger. der: Bagger mit einem sich zangenartig schließenden
Greifer; ^bewegung. die: die -en des Säuglings; -fuß. der
(Zool.): Fuß. der (dadurch daß die große Zehe den anderen
Zehen gegenübergestellt werden kann) Greifbewegungen
ausfuhren kann; -reflex, der: reflexbedingtes Schließen der
Hände bei Berülirung der Handflächen, bes. bei
Säuglingen; -voeel, der: Vogel mit kräftigen Beinen, deren Zehen
starke, gekrümmte, spitze Krallen aufweisen, die dem
Greifen u. Töten der Beute dienen; fast alle Greifvögel stehen
unter Naturschutz; -zange, die: zangenahnliches
Instrument, mit dessen Hilfe man etw. ergreift, was man nicht
mit den Händen ergreifen kann od. will; mit einer G. die
Abfälle aufsammeln; -zirkel, der: zirkelartiges Gerät mit
gekrümmten Schenkeln zum Messen von Durchmessern u.
Dicken.
greifbar ['griyfba:^] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: 1. in der
Nähe befindlich; sich in der nächsten Umgebung befindend,
so daß man es ohne besondere Mühe u. ohne größeren
Zeitaufwand ergreifen kann: die Unterlagen g. haben; alles,
was g. war. nahm sie mit; Ü der Termin ist in -e Nähe
(ganz nahe) gerückt; die Berge sind g. (ganz) nahe. 2.
<nur präd.> verfügbar; das Geld ist erst im nächsten Jahr
g.; die Ware ist im Moment nicht g. (nicht auf Lager);
er wollte den Wirt sprechen, aber der war nicht g. (ugs.;
den konnte man nicht erreichen, finden). 3. a) konkret:
-e Ergebnisse; die Pläne nehmen -e Formen an; b) deutlich
erkennbar, offenkundig: hier bieten sich -e Vorteile; jene
Unterredung mit g. bürgerlichem Inhalt (Th. Mann.
Hoheit 235); Greife [greife], die; -, -n (Jugendspr.): Hand;
greifen l'grajfn] <st. V.; hat) [mhd. grifen, ahd. grifan]:
1. ergreifen, [in die Hand] nehmen, packen: einen Stein
g.; etw. mit der Zange g.; ich grifT (nahm) mir noch
ein Stück Kuchen; Ü ein Windstoß griff seinen Hut; *»m
Greifen nah[e] (i nicht mehr in weiter Ferne, sondern] ganz
nah): die Berge waren am Abend zum G. nah;*der Erfolg
schien zum G. nahte]. 2. fangen, fassen; gefangennehmen:
einen Dieb g.; Ganz zahme Dohlen schnarren nicht, wenn
man sie greift (Lorenz, Verhalten I. 81); <subst.:> die
Kinder spielen Greifen (Fangen); den werde ich mir mal
g. (ugs.; zur Rede stellen, rügen). 3. (geh.) in die Hand
nehmen u. damit etw. tun: Wir greifen zu Wurst und Käse
und öffnen die Bierflaschen (Remarque. Obelisk 247);
immer wieder zur Zigarette g. (rauchen); abends greift er
gerne zu einem Buch (liest er gerne); zur Feder g. (zu
schreiben anfangen, schriftstellerisch tätig werden); als er
keinen Ausweg mehr sah. griff er zur Pistole (verhüll.;
erschoß er sich mit einer Pistole)'. Ü zu den stärksten M itteln,
zu einer fragwürdigen Methode g. (Zuflucht nehmen). 4. a)
die Hand nach jmdm.. etw. ausstrecken [um ihn. es zu
ergreifen]: in die Tasche, in die Schublade g.; nach dem
Glas, nach seinem Hut g.; das Kind greift hilfesuchend
nach der Hand der Mutter; als er aufwachte, griff er
schlaftrunken um sich; der Fahrlehrer mußte öfters ins
Steuer g. (durch das Ergreifen des Steuerrads eine Korrektur
in der Steuerung des Fahrschülers vornehmen); sie wollte
sich festhalten, aber ihre Hand griff ins Leere (sie fand
keinen Halt); Ü der Krieg greift roh in sein Leben
(Schneider, Leiden 56); nach der Macht, Krone g. (die Macht.
Königsherrschaft anstreben); * hinter sich g. müssen
(Ballspiele Jargon; den Ball nicht halten können, als Torwart
ein Tor hinnehmen müssen): Eins ums andere Mal mußte
Zyperns Torwart ... hinter sich g. (MM 22. 5. 69, 27);
um sich g. (sich ausbreiten): das Feuer greift um sich;
die Epidemie greift immer schneller, zusehends um sich;
b) die Hand nach etw. ausstrecken, um es zu berühren:
an seine Mütze g.; sich an den Hals g.; er griff sich an
die Stirn (als Zeichen der Begriffsstutzigkeit); Ü diese
öffentlichen Beschimpfungen griffen an seine Ehre (geh.;
tasteten seine Ehre an): diese traurige Geschichte greift
ihm ans Herz (geh.; geht ihm nahe, rührt ihn). 5. durch
Bewegungen der Hand auf einem Musikinstrument zum
Erklingen bringen: einen Akkord auf der Gitarre, auf dem
Klavier g.; ihre Hand ist gerade groß genug, um eine
Oktave zu g. (zu umspannen); er griff mächtig In die
Tasten, Saiten (ugs.; er spielte mit großer Hingabe auf
dem Instrument). 6. (Technik) nicht rutschen, abrutschen;
fest aufliegen, einrasten o. ä.. so daß ein bestimmter Vorgang
richtig vonstatten geht; genügend Reibungswiderstand
haben: auf dem vereisten Boden griffen die Räder nicht;
das Zahnrad greift nicht mehr richtig; der Anker greift
(Seemannsspr.; hat Grund gefaßt): Ü diese Argumente,
Methoden greifen nicht mehr (überzeugen, wirken nicht mehr;
finden keinen Anklang mehr); ist es ... nicht absolut sicher,
daß der atmosphärische Treibhauseffekt zu g. beginnt
(MM 23. 11. 76, 3). 7. schätzen, veranschlagen: diese Zahl
hast du. ist zu niedrig gegriffen; Ü die Parallele ist
keineswegs zu hoch gegriffen (nicht übertrieben; keineswegs
abwegig).
Greifer fgraifp). der; -s. -: 1. (Technik) aus zwei
schaufelartigen, in einem Gelenk beweglichen Schalen bestehende
Vorrichtung an Kränen u. Baggern, mit der Sand. Steine. Kohle
o. ä. aufgenommen u. an eine andere Stelle gebracht werden
können. 2. (salopp abwertend) Polizist: er ist den -n
entkommen; Als die G. kamen ... (Degener, Heimsuchung
49).
greinen ['grainan] <sw. V.; hat) [mhd. grinen. ahd. grinan
= lachend od. weinend den Mund verziehen, murren,
knurren, brüllen] (ugs. abwertend): I. [schmerzlich den
Mund verziehend] leise u. kläglich vor sich hin weinen:
das kleine Kind greint, ein greinender Junge. 2. weinerlich
klagen, jammern: „Die Kaffeehäuser", greinte ein
Flugblatt, „sind große Feinde des Fleißes geworden" (Jacob,
Kaffee 96).
greis [grais] <Adj.; -er. -este; meist attr.) [mhd. gris <
mniederd. gris, eigtl. = graul (geh.): sehr alt [u.
entsprechend aussehend], [hochjbetagt: das -e Paar; sein -er Vater;
Niklas schaute aufmerksam dem Pfarrer zu: ... g. ist er
geworden, der Herr Pastor, sehr g. (Andres. Die
Vermummten 125); -es (weißes, vor Alter eisgraues) Haar,
seine -en (altersschwachen) Glieder; (iron.:) er schüttelte
sein -es Haupt; Greis [-1. der; -es, -e: sehr alter, hochbetagter
1 körperlich hinfälliger] Mann: -e und Kinder; ein
gebrechlicher, rüstiger, würdiger G.; er hat die Stimme eines -es;
in dieser Gesellschaft kam ich mir wie ein G. vor.
Greisen-: -alter, das: Altersstufe des sehr alten. / hoch
]betagten Menschen: sie stand an der Schwelle des -s; ins G.
eintreten, kommen; -hand, die (geh.): Hand eines Greises;
greisenlmfte Hand: eine zitterige G.; -haupt. das: 1. (geh.)
Haupt eines Greises: er schüttelte sein G. 2. (Bot.) aus
Mexiko stammender, sehr hoch wachsender Säulenkaktus
mit lockigen, weißen u. grauen Borstentmaren; ^krankheit.
die: svw. f Alterskrankheit; -paar, das: betagtes Ehepaar;
^stimme, die: greisenhafte, dünne u. brüchige Stimme: er
sprach mit zitteriger G.
greisenhaft [graiznhaft] <Adj.; -er. -este>: wie ein Greis;
in der Art eines [altersschwachen] Greises, senil: sein -es
Äußeres; Kinder mit -en Gesichtern; -er Eigensinn; er
ist g. geschwätzig, dazu: Greisenhaftigkeit, die; -:
greisenhaftes Äußeres. Verhalten; Altersschwäche. Senilität: Das
volle Gesicht des Fünfzigjährigen wurde von einem
Schatten von G. verdüstert (Schneider. Taganrog 6); Greisin.
die; -, -nen: w. Form zu f Greis.
Greisler usw.: f Greißler usw.
greislich [graislu;] <Adj.> (südd.. österr. ugs.): svw. I
grauslich.
Greißler. Greisler [graisb?]. der; -s, - [auch: Gräusler. eigtl.
= Kleinkrämer, zu T^Graus. mhd. grÜ3 in der Bed. =
Winzigkeit, das Geringste] (bes. ostösterr.): kleiner
Lebensmittelhändler. Krämer; <Abi.:> Greißlerei, Greislerei
[graste' r%j], die; -, -en (bes. ostösterr.): kleines
Lebensmittelgeschäft; Greißlerin, Grcislerin, die: -, -nen (bes. ostösterr.):
w. Form zu t Greißler.
grell [grcl] <Adj.> [mhd. grel = zornig, heftig, brüllend,
zu: grelen = laut schreien, vor Zorn brüllen]: 1. a) in
unangenehmer Weise hell, blendend hell: die -e Sonne; durch
das Fenster fällt -es Tageslicht; Es war ganz still in dem
großen Atelier, das die vielen -en Scheinwerfer erhitzten
(Simmel, Stoff 603); g. brannte das Vormittagslicht auf
die Straße herunter (Broch, Versucher 65); Ü diese Tatsache
wirft ein -es Licht auf die ganze Angelegenheit (zeigt
deutlich die Hintergründe); b) (von Farben) in auffallender,
dem Auge oft unangenehmer Weise hervorstechend, stark
kontrastreich: ein -es Rot; die Farbe ist mir zu g.; ein
Mädchen mit g. geschminktem Mund; ein Plakat flammte
g. vor meinen Augen auf (Hesse, Steppenwolf 231); Ü
ein -er (scharfer) Gegensatz; eine Begebenheit in -en
Farben schildern. 2. schrill, durchdringend laut: -e Schreie,
1080
grenz-, Grenz-
Pfiffe; ihre Stimme tönte g. an mein Ohr; je öfter ich
den Köter ... zu verjagen suchte, desto -er wurde sein
Gebell (v. d. Grün, Irrlicht 19).
gr^ll- (grell 1): -beleuchtet <Adj.; o. Steig.; nur attr.>: die
-e Bühne; -bunt <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: -e. g.
gemusterte Hemden; -farbig <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): ein -es
Muster; -rot <Adj.; o. Steig., nicht adv.>: ihr g.
geschminkter Mund; -weiB <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: in der
Dämmerung sahen wir die -en Häuser des Dorfes.
Grelle ['grebl, die; -: 1. a) blendende, gleißende, als
unangenehm empfundene Helligkeit von Licht: die G. der
Neonröhre schmerzte in den Augen; die G. der Leuchtreklamen;
U Diese Gegenwelt zur augenblendenden G, des
öffentlichen Lebens stellen in Byzanz die Klöster dar (Thieß.
Reich 431); b) besonders starke Leuchtkraft einer Farbe;
oft als unangenehm empfundene, leuchtende Buntheit: die
G. des Rots stach hervor. 2. durchdringende, schrille Schärfe
von Tönen: die G. der Pfiffe; Grellheit, die; -; svw. TGrelle.
Grelots [gra'lo:] <P1.> [frz. grelot = Schelle. Glocke, nach
dem Aussehen!: [als Randverzierung angebrachte/
Posamentenstickerei in Form von Knötchen u. kleinen Schlingen.
Gremium [gre.mjum]. das; -s. ...ien [...pn; spätlat. gremium
= Armvoll. Bündel < lat. gremium = Schoß): beratende
od. beschlußfassende Körperschaft* Ausschuß: ein
politisches, wirtschaftliches G.; ein internationales G. von
Fachleuten; ein G. bilden; in einem G. mitarbeiten.
Grenadier [grena'di:?], der; -s. -e [frz. grenadier =
Handgranatenwerfer, zu: grenade = Granate, Granat-
apfel[baum] < afrz. pume grenate = Granatapfel < ital.
pomo granato. tGranate): Infanterist; Grenadille Igre-
na'dib]. Granadille Igrana'dib], die; -, -n [frz. grenadille
= Passionsblume < span. granadilla = Blüte der
Passionsblume, eigtl. Vkl. zu: granada = Granatapfel]: elfbare
Frucht verschiedener Arten von Passionsblumen.
Grenadin IgrenadS], das od. der; -s. -s [frz. grenadin =
aus der span. Stadt Granada]: kleine gespickte lu. glacier-
te!, in Butter gebratene Fisch- od. Fleischscheibe.
lGrenadine'[grenadi:nd]. die; - [frz. grenadine. zu: grenade
= Granatapfel, t Grenadier]: Saft, Sirup aus Granatäpfeln.
^Grenadine [-]. die; - [frz. grenadine. eigtl. = das aus der
span. Stadt Granada Kommende]: leichtes, durchbrochenes
Gewebe aus Naturseide.
Grendel: tGrindel.
grpiz-, Gr^nz-: -abfertigung, die (Zoltw.); -abschnitt, der
(Milit.); -badi, der: Bach, der eine Grenze bildet; -bahnhof,
der: vor od. an einer Grenze liegender Bahnhof; -ball, der
(Ballspiele): Spiel zwischen zwei aus jeweils sechs Personen
bestehenden gegnerischen Parteien, die versuchen, durch
Weitwürfe den Ball über die hintere Grenze des Spielfeldes
der gegnerischen Partei zu schleudern; -bäum, der: 1. Baunu
der eine Grenze markiert. 2. svw. T Schlagbaum; -beamte,
der: Beamter, der an einer Grenze Dienst tut; -befesttgung,
die <meist PI.) (Milit.): Verteidigungsanlage zum Schutz
einer Grenze; -begehung, die: offizieller Gang entlang einer
Grenze (I b), um sie zu überprüfen od. zu besichtigen: -bela-
stung, die (Technik): äußerste Belastung eines Materials,
einer Konstruktion o. ä.; -bereich, der: 1. <o. PI.) Umkreis
der Grenze. 2. Bereich, in dem keine Steigerungen mehr
möglich sind, äußerster Bereich: die Geschwindigkeit von
180km/h liegt bei diesem Wagen bereits im G.; -beriditi-
gung. die; -betrieb, der (Wirtsch.): Betrieb, der gerade
seine Kosten decken, aber keine Gewinne erzielen kann;
unrentabler Betrieb; -bevölkerung. die: an einer
Landesgrenze lebende Bevölkerung; -bewohner, der: jmd., der an
einer Landesgrenze, in einem Grenzbezirk wohnt; -bezirk,
der: die Landesgrenze entlanglaufender Zollbezirk; -dorf.
das; -durchbrach, der: gewaltsames Durchbrechen einer
Grenze (1 b): den Einheiten gelang der G. überraschend
schnell; -fall, dqr: 1. Fall, der zwischen zwei I od. mehreren 1
Möglichkeiten liegt u. sich daher nicht eindeutig bestimmen
läßt: Hier liegt ein G. zwischen der glatten Unterschlagung
und der Technik des Rösselsprungs vor (Enzensberger.
Einzelheiten I, 38); Aber Grenzfälle, bei denen sich ein
Dissens nicht auflösen läßt, kann es immer geben (Spiegel
18.1976.92). 2. Sonderfall: Einen G. der Revolution stellen
die „gewaltlose Aktion" (Gandhi) und die „Revolution
by Consent" ... dar (Fraenkel, Staat 300); die
„fortschrittliche" neue (Kultur) treibt in die Isolierung und In Grenz-
fällen in die Sprachlosigkeit (Gehlen, Zeitalter 34);
-finanzer, der (österr. selten): svw. t Finanzer; -flufi, der: Fluß,
der eine Grenze bildet; -formalitäten <P1.): beim
Grenzübertritt zu erledigende Formalitäten wie Paß- u.
Zollkontrolle u.a.; -frage, die: svw. ?-Problem; -ganger, der:
jmd., der regelmäßig eine l Landes ] grenze passiert, um in
dem Gebiet jenseits der Grenze zu arbeiten, in die Schule
zu gehen o. ä.; -gebiet, das: 1. direkt an einer / Landes
[grenze liegendes Gebiet: die Kontrolle in den -en wurde
verstärkt. 2. Sachgebiet, das zu mehreren benachbarten
Disziplinen o.a. gerechnet werden kann: Die Pharmakologie ist
ein G. zu anderen nichtmedizinischen Disziplinen, die sich
auch mit ArzneistofTen befassen (Medizin II. 183); -gewäs-
ser, das: vgl. -fluß; -graben, der; -haus, das: Haus, in
dem Grenzkontrollen durchgeführt werden; -Jäger, der
(früher): svw. T -posten; -karte, die: Ausweispapiere für den
kleinen Grenzverkehr; -konflikt, der: I bewaffnete
militärische] Auseinandersetzung zwischen zwei Staaten wegen des
Verlaufs einer gemeinsamen Grenze; -kontrolle, die: 1.
amtliche Kontrolle von Personen od. Sachen, die eine
Landesgrenze passieren. 2. die Grenzkontrolle (1) ausübende Person
od. Gruppe: Herr Rohlfs dachte ja gar nicht daran ...
von derG. zwei verhaftete Personen zu übernehmen
(Johnson. Mutmaßungen 124). dazu: -kontrollpunkt, der
(DDR): svw. tKontrollpunkt; -land. das <P1. -länder
selten): svw. t-gebiet (1); -lehre, die (Technik): Meßgerät,
mit dem geprüft wird, ob ein Werkstück in seinen Ausmaßen
innerhalb bestimmter Grenzwerte bleibt; -linie, die: 1.
(veraltend) Grenze. 2. (Ballspiele) das Spielfeld begrenzende
Linie; -mark, die (hist.): svw. t-gebiet (1), -land; -maß.
das: größtes od. kleinstes zulässiges Mali eines fertigen
Werkstücks; -mauer, die: Mauer, die eine Grenze markiert;
-messer, der (veraltet): svw. T Landmesser; -mündig
<Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (DDR ugs.): die
Voraussetzungen dafür erfüllend, daß man ins westliche
Ausland reisen darf: als Rentner ist er g.; -nah <Adj.;
o. Steig.; nur attr.): in der Nähe einer Grenze gelegen:
-e Gebiete; -nutzen, der (ökon.): Zuwachs des Nutzens
durch den Verbrauch einer zusätzlichen Einheit eines Gutes
(1). dazu: -nutzenschule, die: volkswirtschaftliche Richtung,
die den Wert eines Gutes (1) aus der subjektiven Schätzung
des Nutzens durch den Verbraucher erklärt; -ort, der: in
der Nälie einer Grenze gelegener Ort; -polizei, die (bes.
in der DDR): Polizei mit der Aufgabe des Grenzschutzes,
dazu: -Polizist, der; -posten, der: Wachtposten an der
Grenze; -preis, der: äußerster Preis, den man für etw. zu zahlen
bereit ist; -Problem, das: 1. Problem im Zusammenhang
mit dem Verlauf einer Grenze: das G. wird im
Friedensvertrag geregelt. 2. Problem, das zwei od. mehrere Sachgebiete
berührt; -punkt, der: Punkt, der eine Grenze bezeichnet,
äußerster Punkt, Grenze (2): an einem G. angelangt sein
(nicht weiterkommen); -rain, der: Rain, der ein Stück
Land, bes. einen Acker, abgrenzt; -reg[e]hing, die: eine
für beide Staaten annehmbare G.; -schütz, der: 1.
Sicherung der Landesgrenze. 2. (ugs.) svw. t Bundesgrenzschutz,
zu 2: -Schützer, der <meist PI.) (ugs.): Angehöriger des
Bundesgrenzschutzes; -Sicherung, die: vgl. -schütz (1);
-Situation, die: ungewöhnliche Situation, in der nicht die
üblichen Mittel, Maßnahmen zu ihrer Bewältigung Anwendung
finden können: die -en menschlicher Existenz; -soldat, der.
-sperre, die: Absperrung an einer Grenze; -Stadt, die: vgl.
-ort; -Station, die svw. t^bahnhof; -stein, der: Stein, der
eine Grenze markiert: ein umgefallener G.; römische -e;
-strahlen, die <P1.) (Med.): zur Behandlung bestimmter
Hauterkrankungen angewandte Röntgenstrahlen, die wegen
ihrer geringen Energie nur geringfügig die Haut
durchdringen: -Streitigkeit, die <meist PL): -en der Bauern;
-Übergang, der: 1. das Überschreiten, Passieren einer Grenze.
2. mit bestimmten Anlagen versehene, bewachte Stelle, an
der man offiziell eine Grenze überschreiten kann: an den
Grenzübergängen nach Süden muß man in den Ferien
mit einer längeren Wartezeit rechnen; -überschreitend
<AdJ.; o. Steig.; nur attr.) (Fachspr.): der -e Handel.
Verkehr; -übertritt, der: svw. f -Übergang (1): illegale -e;
-verkehr, der: Verkehr über die Grenzen eines Staates hinweg:
den G. kontrollieren; kleiner G. (erleichterter
Grenzübergangfür Grenzgänger od. für kurzfristige Grenzübertritte);
-verlauf, der; -Verletzung, die: das Verletzen einer Grenze
(1 a) durch /bewaffneten/ illegalen Grenzübertritt: sich der
wiederholten G. schuldig machen; -vertrag, der: Vertrag
über eine Grenzregelung; -wache, die: 1. svw. t-Posten.
2, svw. t -schütz (1); -wacht, die (Schweiz.): militär. organi-
1081
Grenze
sierte Polizei zur Überwachung der Grenze: ^Wächter, der:
svw. f ^posten; ^wall, der: hoch aufgeschütteter, dem Schutz
einer Grenze dienender Wall. ^wert. der: 1. äußerster Wert,
der nicht überschritten werden kann, ohne daß
[unangenehme/ Folgen daraus entstehen. 2. (Math.) Zahlenwert, nach
dem eine Folge reeller Zahlen hinstrebt: Limes: die Folge
nähert sich dem G; -Wissenschaft, die: Wissenschaft, die
sowohl zu dem einen als auch zu dem anderen von zwei
benachbarten Wissenschaftsbereichen gehören kann, dazu:
-wissenschaftlich: -e Literatur; -zeichen, das: Zeichen, z. B.
Stein od. Pfahl, mit dem eine Grenze markiert wird:
^Ziehung, die <o. PI.): eine vorläufige G.; -Zwischenfall, der:
politischer od. militärischer Zwischenfall an einer
Landesgrenze: es kam zu schweren Grenzzwischenfällen.
Grenze[grentsal.die; -, -n [mhd. greniz(e), aus dem West-
slaw.. vgl. z.B. poln. granica, zu poln.. russ. gran =
Ecke; Grenze, eigtl. also = Ecke. Kante. Rand]: 1. a)
Linie, die das Gebiet eines Staates. Landes o. ä. von dem
eines anderen trennt: Trennungslinie mischen zwei Staaten,
die auf Grund politischer, militärischer o. ä. Entscheidungen
festgelegt worden ist: die G. zwischen Spanien und
Frankreich; die G. (der Grenzübergang) war gesperrt, (ugs.:)
dicht; die G. verläuft quer durch die Stadt; die G. sichern,
bewachen, überschreiten, verletzen; die
deutsch-französische G. passieren; das Hotel steht jenseits, diesseits der
G.; auch Menschen mit legalen Pässen wurden an der
G. zurückgehalten; Jmdn. über die G. abschieben; der
Handel erstreckt sich über die -n der einzelnen Länder
hinaus; sie wohnen an der G. (im Grenzgebiet): er ist
über die grüne G. gegangen (ugs.; hat die Grenze illegal,
an einem unkontrollierten Abschnitt überschritten): b)
Trennung sli nie zwischen Gebieten, die im Besitz verschiedener
Eigentümer sind od. sich durch natürliche Eigenschaften
voneinander abgrenzen: die G. des Grundstücks verläuft
unterhalb des Waldstücks; die -n der Prärie; die -n unserer
kleinen Wirtschaften sind abgesteckt, alles ist ordentlich
eingetragen (Kafka. Schloß 62); der Wald, der bisher nur
die ferne, weiche G. der Felder gewesen war (Geissler,
Wunschhütlein 22); eine G. ziehen, berichtigen; dieser
Fluß, das Gebirge bildet eine natürliche G.; c) nur gedachte
Trennungslinie unterschiedlicher, gegensätzlicher Bereiche
u. Erscheinungen o.a.: die G. zwischen Kirche und
weltlicher Ordnung. Hell und Dunkel. Kindheit und Jugend;
die -n zwischen Kunst u. Kitsch sind fließend (es gibt
keine eindeutige Trennung): die allenthalben forcierte
Industrialisierung hat die -n zwischen Stadt und Dorf vielfach
verwischt (Mehnert. Sowjetmensch 41); bald ging das
Villenviertel in die eigentliche Stadt über; auf der G. standen
Villen aus der Gründerzeit (Sebastian. Krankenhaus 36);
das rührt schon an die -n des Lächerlichen (das ist schon
fast lächerlich). 2. <melst PI.) Begrenzung. Abschluß/ liniej.
Schranke: eine zeitliche G.; jmdm.. einer Entwicklung sind
[enge] -n gesetzt; der Phantasie sind keine -n gesetzt; die
-n des Erlaubten. Möglichen überschreiten; Alles hat seine
-n (Bieler. Mädchenkrieg 24); sein Ehrgeiz kannte keine
-n (war grenzenlos, maßlos): er ist an der [äußersten! G.
des Machbaren angelangt; die Entwicklung stößt an
technische, wissenschaftliche, verfassungsmäßige -n; jmdn. in
seine -n verweisen; sein Stolz war ohne -n (war grenzenlos,
sehr groß); die -n wahren, beachten (nicht über ein
bestimmtes Maß hinausgehen, maßhalten): er kennt seine -n (weiß,
wie weit er gehen kann, was er leisten kann): *sidi in
-n halten (nicht übermäßig groß, gut, nicht überragend sein):
seine Leistungen halten sich in -n; <Abl.:> grenzen [grentßn]
<sw. V.; hat; unpers.) [mhd. grenizen = abgrenzen): mit
seinen Grenzen an etw. stoßen, eine gemeinsame Grenze
mit etw. haben: die Felder grenzen an die Autobahn;
Deutschland grenzt an Österreich; Ü das grenzt [hart. fast,
schonl an (ist schon fast) Erpressung, Geschmacklosigkeit.
Zauberei; die an Hysterie grenzende Leidenschaft; <Zus.:>
grenzenlos <AdJ.; o. Steig.): 1. unendlich: unüberschaubar
ausgedehnt: die -e Weite des Himmels; <subst.:> sich ins
Grenzenlose verlieren. 2. a) uneingeschränkt,
bedingungslos: mit -em Gottvertrauen; ihre Liebe war g.; b) über
die Maßen, sehr groß, maßlos: ein Gefühl der -en
Einsamkeit, Angst; ein Ausdruck -er Müdigkeit, -en Ekels machte
ihr Gesicht schmal und leidend (Seidel, Steme 117); ihre
Verachtung für ihn war g.. zu 1: Grenzenlosigkeit, die;
-:grenzenlose Weite, Unendlichkeit:Grenzer[grEntse],der.
-s, - [spätmhd. gränitzer = Grenzsoldat] (ugs.): 1.
Grenzbewohner. 2. Angehöriger einer Einheit, die zur Überwachung
der Grenze eingesetzt ist: Grenzposten: der tschechische
G. hatte unsem Koffer durchsucht (Fühmann, Judenauto
31); der Flüchtling wurde von -n abgeführt.
Gretchenfrage [gre^n-], die; - [nach der von Gretchen
an Faust gerichteten Frage ..Nun sag. wie hast du's mit
der Religion?". Goethe. Faust 1.34151 (geh.): unangenehme,
oft peinliche u. zugleich für eine bestimmte Entscheidung
wesentliche Frage, die in einer schwierigen Situation gestellt
wird: dem Bundesministerium für Wirtschaft stellt sich
von neuem die G.: Soll die Regierung die Kennzeichnung
verfügen? (FAZ 8. 7. 61, 54); Gi?tdienfrisiir, die; -. -en
[nach der üblichen Frisur, mit der Gretchen aus Goethes
„Faust11 im Theater auftritt): Frisur mit langen Zöpfen,
die auch zum Kranz aufgesteckt sein können.
Greube ['grgyte], die; -. -n [mhd. griube. ahd. griubo,
Nebenformen zu TGriebe] (Schweiz.): svw. f Griebe; <Zus.:)Grai-
benwurst, die.
Greuel ['gnjyal], der; -s. - [mhd. griu(we)l = Grauen, Schrek-
ken. zu: grüwen. t ^grauen] (geh.): a) Empfindung der
äußersten /moralischen J Abneigung, Abscheu: G. vor etw. haben;
*jmckn. ein G. sein (von jmdm. als höchst widerwärtig
angesehen werden): eigentlich ist mir der Kerl ein G.;
Gleichgültigkeit wäre ihm ein G. gewesen (Kirst, 08/15,
139); b) <meist PI.) grauenhafte, /moralisch] abstoßende
Gewalttat: die G. des Krieges; Diese Impfungen mit sich
selbst wollten ihm als eine abscheulich freudlose Diversion
erscheinen, als ein inzestuöser G. von Ich zu Ich (Th.
Mann. Zauberberg 882); G. miterleben, begehen; den -n
ein Ende bereiten.
Greuel-: -gesdikhte. die: svw. T ^märchen: -n erzählen,
verbreiten; "-hetze, die [bes. ns., nach ähnlichen Ausdrücken
zur Zeit des 1. Weltkriegsl: Hetze durch Verbreitung von
Greuelmärchen: -märchen, das: [bewußt] auf Auslösung
von Emotionen zielender, nicht den Tatsachen
entsprechender Bericht von Greueltaten: Franz Werfel soll in
Frankreich umgekommen sein; hoffentlich auch nur ein G. (K.
Mann. Wendepunkt 359); G. verbreiten; es war die Zeit
der G.; -mekhing, die: neue -en kamen durchs Radio;
^nachrkht, die; ^Propaganda, die [bes. ns.. nach ähnlichen
Ausdrücken zur Zeit des 1. Weltkriegsl: Diffamierung des
politischen Gegners durch die Verbreitung von
Greuelmärchen: Der Assistent schlug auf den Tisch. „Das ist doch
blanke G.. was Sie hier treiben!" (Kant. Impressum 79);
Matf die: Schreckenstat, Gewalttat, Greuel: -en verüben,
ausführen; Berichte über -en während des Krieges.
greulich ['gr^yli^l <Adj.) [mhd. griu(we)lich]: 1. mit Abscheu
u. Widerwillen verbundene Furcht erregend: scheußlich,
gräßlich, entsetzlich: ein -es Verbrechen; -e Fratzen; das
Ende war g.; das Opfer des Überfalls war g. zugerichtet.
2. (ugs.) a) überaus unangenehm, sehr übel, schlecht: ein
-er Gestank; hier riecht es g.; b) (intensivierend bei
Adjektiven u. Verben) in kaum erträglicher, besonders übler Weise,
sehr: das tut g. weh; dieser Mensch fällt mir g. auf die
Nerven.
Greyerzer [gratetsB], der; -s, -: kurz für: Greyerzer Käse
(dem Emmentaler ähnlicher Schweizer Hartkäse aus dem
Greyerzer Land): vgl. GruyeretkäseJ.
Greyhound ['greihaond], der; -[s]. -s [engl, greyhound <
aengl. grighund. zu: grig = Hund u. hund = Jagdhund]:
in England bes. für Rennen gezüchteter, gro/ier u. eleganter
Windhund mit schmalem u. langem Kopf, tätigem Hals u.
langem, dünnem Schwanz.
Griblette [gri'bleto]. die; -. -n [frz. griblette. Vermischung
von: riblette = Fleischschnitte u. gril = Rost] (veraltet):
kleine, gespickte Fleischschnitte.
Griebe [grr.bo], die; -. -n [1: mhd. griebe. ahd. griobo.
eigtl. = Grobes; 2: Ü von 1 a]: 1. <meist PI.) a) Rückstand
von ausgelassenem Speck: Schmalz mit -n; b) würfelförmiges
Stückchen Speck. 2. (landsch.) Ausschlag am Mund. Herpes
(1) in Wendungen wie: -n gegessen haben.
Grieben-: -fett, das: Fett mit Grieben da); -schmalz, das:
Schmalz mit Grieben da); ^wurst, die: Wurst mit Grieben
db).
Griebs [gri.psl. der; -es. -e [spätmhd. griebes. verw. mit
mhd. grobi3] (landsch.): 1. Kerngehäuse des Obstes: er ißt
den Apfel mitsamt dem G. 2. *jmdn. am G. packen
(\andsch.Jmdn. am Genick od. an der Kehle, Gurgel packen).
Griechentum ['gri:9ntu:m], das; -s: svw. t Hellenismus;
griechisch [gri.'tij] <Adj.; o. Steig.) [mhd. kriechisch. ahd.
1082
Griffel
chriehhisc < tat. Graecus < griech. Graikös]: zu
Griechenland, den Griechen gehörend; Griechenland, die Griechen
betreffend; Griechenland, den Griechen eigentümlich; die
-e Geschichte. Kultur. Sprache; das -e Alphabet; etwas
mit -en Buchstaben bezeichnen; ein -er (klassischer)
Tempel; die -e (klassische) Tragödie; -es Feuer (als Kampfmittel
im Altertum u. im MA. verwendete Mischung von leicht
explosiven u. brennbaren Stoffen); -es Kreuz (Kreuzform
mit gleich langen, im rechten Winkel zueinander stehenden
Armen).
griechisch- (mit Bindestrich): -katholisch (Adj.; o. Steig.):
einer mit Rom vereinigten, in Lehre u. Verfassung den Papst
anerkennenden orthodoxen Nationalkirche angehörend; der
-e Teil der Rumänen; -e Kirche (mit Rom unierte. bei
eigenen Gottesdienstformen in Lehre u. Verfassung den Papst
anerkennende orthodoxe Nationalkirche); MrthodQX (Adj.;
o. Steig.): der von Rom getrennten morgenländischen od.
Ostkirche od. einer ihrer unabhängigen Nationalkirchen
angehörend; die Bevölkerung ist hier g.; die -e Kirche
(im Abendland gebräuchliche Sammelbez. für die morgen-
ländischen Kirchen); -römisch (Adj.; o. Steig.): 1. (Ringen)
nur Griffe oberhalb der Gürtellinie gestattend; ein Ringen
im -en Stil. 2. svw. f ^katholisch; -unkrt (Adj.; o. Steig.):
svw. T ^katholisch.
Griefe [gri:fol. die; -. -n [mhd. griefe] (md.): svw. TGrlebe.
griemeln ['gri:mln] (sw. V.; hat) (westmd.): schadenfroh in
sich hineinlachen: ich griemlelle.
Grien [gri:nl. das; -s [mhd. gri(e)n, eigtl. = Zerriebenes!
(bes. alemann.): Kies.
grienen [gri:ranl (sw. V.; hat) [niederd. Form von T greinen]
(nordd.): grinsen; er griente verlegen, dreckig; bei diesem
Gedanken griente er.
gries [gri:s] (Adj.; o. Steig.) [mhd. gris; vgl. greis] (landsch.
veraltend): grau.
Grieselfieber [gri:z|-]. das; -s (nordd.): Schüttelfrost; grieseln
[gri:zjn] (sw. V.; hat) [verw. mit grausen, gruseln]
(niederd.): [vor Kälte. Furcht. Ekel] erschauern.
Griesgram [gri:sgra:m], den-le]s,-e [älter nhd. = mürrische
Stimmung. Mißmut < mhd. grisgram = Zähneknirschen,
rückgeb. aus: grisgramen. ahd. grisgramön = mit den
Zähnen knirschen; murren, brummen] (abwertend):
griesgrämiger Mensch; Ludwig Hardekopf war ein
magenkranker und menschenscheuere (Bredel. Väter 390);
griesgrämig [gri:sgrE:mi9l. (seltener:) griesgrämi9di [...gre-.mij],
griesgrämlidi [...gre:mli9l (Adj.) [spätmhd. grisgramig]:
ohne ersichtlichen Grund schlecht gelaunt, in seinem Verhalten
unfreundlich, mürrisch u. dadurch eine Atmosphäre der
Freudlosigkeit u. Unlust um sich verbreitend; verdrossen,
übellaunig: ein griesgrämiger Vorgesetzter; Es klingt anders
als griesgrämige Tiraden unserer Parteiwebel (Kantoro-
wiez. Tagebuch 1.326); er ist alt und griesgrämig geworden;
sie blickte griesgrämig drein.
Grieß [gri:s], der; -es. (Arten:) -e [mhd. griej, ahd. gri03
= Sand. Kies; Sandplatz; sandiges Ufer. Strand;
grobgemahlenes Mehl]: fein- bis grobkörnig gemahlene Körner
verschiedener Getreidearten (z. B. von Weizen, Mais. Reis):
sie rührt den G. in die Milch ein; er taucht den Löffel
In den milchigen G. (Grießbrei); Ü in G. zerfallen; Steine
zu G. zermalmen.
Grieß- -breuder; -kloß.der, (Vkl.:) -klöflehen, das (meist
PI.): als Beilage gab es Grießklöße; Suppe mit
Grießklößchen; -koch, das (österr.. auch südd.): svw. ^brei; Miok-
kerl, das (meist PL): -n als Beilage, in der Suppe; -pudding,
der: ich muß den G. noch stürzen; -Schmarren, der
(österr.): süße Speise aus geröstetem Grieß; -zucker, der
(österr.): svw. TKristallzucker.
grießein ['gri:sln] (sw. V.; hat) [zu tGrieß]: 1. körnig werden,
bröckeln. 2. (unpers.) (als Niederschlag) in kleinen Körnern
niederfallen: es fängt an zu g.; grießig ['gri:si<;] (Adj.; o.
Steig.) [mhd. griesec]: [feinjkömig: -er Sand; alle
Varianten des ebenso typischen wie gefürchteten Holmenkollen-
schnees: g.. grau und kaum gebunden (Zeit 14. 3. 75,
63): Grießig [-]. das: -[e]s: Bienenkot.
Grieve: T James Grieve.
griff [gnfl: Tgreifen; Griff [-], der; -[e]s. -e [mhd.. ahd. grif.
zu t greifen]: 1. a) das Greifen. Zupacken: der G. nach
der Pistolentasche; sein G. tat ihr weh; er hat einen
energischen, harten G.; einen G. in eine Pralinenschachtel tun;
sich jmds. -en entwinden; er hielt sie mit eisernem G.
fest; Seine Hand löste sich von der Kehle des Kindes,
welches sich unter seinem -e wand (Hauptmann. Thiel
44); Ü sie haben das Volk ... in den -en eines
„Sicherheitsdienstes" ... gesehen (Plievier. Stalingrad 160); *der G.
zu etw. (verhüll.; Hinwendung in einer Art Sucht zu einem
Genußmittel, einer Droge): der G. zur Tablette. Zigarette,
Flasche; mit jmdm.« etw. einen guten/glücklichen G. getan
haben (mit jmdm.. etw. eine gute Wahl getroffen haben);
einen glücklichen G. haben (Glück haben); Deine Eltern
plagen sich sehr, aber sie haben keinen glücklichen G.
und verstehen das Wirtschaften nicht (Werfel. Bemadette
375); einen G. in die [Ladenlkasse tun (verhüll.; Geld
stehlen): mit -en und Kniffen (mit List u. Spitzfindigkeiten);
b) Handgriff. Handhabung: ein geübter, falscher G.; bei
ihm sitzt jeder G. (er ist sehr geschickt); die Soldaten
übten ihre -e am Gewehr; er beherrscht spielend selbst
die schwierigsten -e (Fingerstellungen, mit denen jeweils
bestimmte Töne auf einem Musikinstrument erzeugt werden
können); der Ringer wendete zur Verteidigung einige
verbotene -e (mit Hand <xi. Arm ausgeführte greifende
Bewegungen) an; der Turner wechselte den G. (die Haltung der
Hände u. Unterarme am Gerät); mit wenigen -en etw.
rasch erledigen; das mache ich mit einem G.. das ist mit
einem G. getan (Imühelos] im Nu); * -e kk>ppen/(seltener:)
klopfen (Soldatenspr.; Griffe am Gewehr üben)', etw. im
G. haben (1. erw.. was mit den Händen getan wird,
routinemäßig beherrschen. 2. etw. unter Kontrolle haben): Das Boot
hatte ich langsam im G. (Plenzdorf. Leiden 132); Fangen
Sie mit Ihren Berichten an. sobald Sie die Lage im G.
haben (Ruark [Übers.]. Honigsauger 427); etw. in den G.
bekommen/(ugs.:) kriegen (in der Lage sein. etw.
Schwieriges o. ä. zu bewältigen, damit fertig zu werden): ein Problem,
eine Seuche, den Rauschgiftmißbrauch in den G.
bekommen; Es ist sehr merkwürdig, daß alle diese Experimente,
die Gestalt Jesu in den G. zu kriegen, mißlungen sind
(Thielicke. Ich glaube 104). 2. Teil einer Sache in Form
einer Klinke, eines Knaufs, eines Henkels. Bügels o. ä.. der
ein Zupacken der Hand, ein In-die-Hand-Nehmen
ermöglicht: ein lockererG.; derG. ist lose, ist abgebrochen;
der G. des Spazierstocks ist aus Holz. Bambus; SöfTchen
muß die Traghand wechseln. ..Der G. schneidet gewaltig
ins Fleisch.11 (Jägersberg. Leute 234); den Koffer am G.
packen; ein Schirm ohne G. 3. (Weberei) durch Anfühlen
feststellbare Beschaffenheit eines Gewebes: dieser
Seidenstoff hat einen besonders weichen G. 4. <meist PI.) (Jä-
gerspr.) Klaue des Greifvogels.
grjff-. Griff-: -bereit <Adj.; o. Steig.; seltener attr.): zum
Gebrauch fertig, bereit: Hut und Mantel sind g.; Sie ( =
Träume und Missetaten) befanden sich in dem -en
Aktendeckel (Wohmann. Absicht 144); etw. g. haben, neben
sich legen; ^brett. das: am Hals von Saiteninstrumenten
festgeleimtes schmales Brett, auf das die darübergespannten
Saiten beim Greifen der Töne niedergedrückt werden; ^fest
(ungetrennt: griffest) <Adj.>: einen festen, nicht beweglichen
Griff (2) habend: ein -es Messer; -günstig <Adj.; o. Steig.):
für das Zugreifen günstig: der Feuerlöscher ist leicht
zugänglich und g. angebracht; -loch, das: Öffnung in der
Wandung des Rohrs von Blasinstrumenten, die mit den
Fingerkuppen geschlossen wird, um die Tonhöhe zu verändern;
Fingerloch; ^los <Adj.; o. Steig.): 1. <nicht adv.) nicht
mit einem Griff (2) versehen, ohne Griff 2. (nicht adv.)
keinen Halt bietend, findend: Sind die Kamine griff- und
trittlos, werden die Hände und der Rücken an die glatte
und die Füße an die rauhe Seite gestemmt (Eidenschink,
Fels 43); Autos und Omnibusse, die Räder g. in
Schneewehen mahlend. wurden zu unfreiwilligen Nachtquartieren
(Spiegel 8. 1966. 34). 3. (Tumen) ohne Griff (1 b), ohne
das Turngerät mit den Händen zu greifen ausgeführt; ein
-er, g. geturnter Umschwung; >*nah <Adj.; o. Steig.): so
nah. daß man es mit einem Handgriff erreichen kann: in
dieser Schublade kann man das Schreibpapier g.
unterbringen; -nähe, die: etw. in G. unterbringen; -schritt, die
(Musik): Notation, bei der die auf einem Instrument
auszuführenden Griffe meist mit Buchstaben od. Zahlen bezeichnet
sind; -tabelle, die: Vorlage, die die möglichen Fingergriffe
auf einem Musikinstrument in Form eines Schemas erfaßt;
-technik. die (Ringen); -Wechsel, der (Turnen): Wechsel
von einem Griff in einen anderen; zweite, die: etw. liegt
in, außer G.
Griffel rgnfj]. der; -s, - 11: mhd. griffel, ahd. griffil, in
Anlehnung an grlfan = greifen gebildete Abi. mit dem
1083
griffe!-. Griffel-
WerkzeugsufTix-ilzu:graf = Schreibgerät < lat. graphium
< griech. grapheTon, graphion. zu: graphein = schreiben]:
I. Schreibstift für Schiefertafeln: der G. kratzt; Assunta
schrieb mit quietschendem G. auf eine Schiefertafel (Thieß.
Legende 38). 2. (Bot.) stielartiger Fortsatz eines
Fruchtknotens, der die Narbe trägt u. in eine für die Bestäubung
geeignete Stellung bringt. 3. (meist PI.) (salopp) Finger:
nimm deine [dreckigen] G. da weg!
grjflek Grjflel-: -bürste, die (Bot.): am Griffel (2)
bestimmter von Insekten bestäubter Blüten bürstenartig angeordnete
Haare, die den Blütenstaub (auch noch nach dem
Vertrocknen der Staubblätter) festhalten: -förmig <AdJ.>: der Form
eines Griffels (1) ähnlich: -fortsatz. der (AnaO:
griffeiförmiger Knochenfortsatz: -kästen, der (veraltet): bes. von
Schülern verwendeter kleiner Kasten zur Aufbewahrung u.
zum Transport von Griffeln (1); -spitzer, der: 1. Gerät
zum Spitzen von Griffeln (1). 2. (landsch. veraltend)
übertrieben spitzfindiger Mensch. Haarspalter: sei doch nicht
immer so ein G.l, zu 2: -spitzig <Adj.) (landsch. veraltend):
übertrieben spitzfindig, haarspalterisch.
griffig ['gnfu;]<Adj.; nicht adv.)[mhd. griflec]: l. so
beschaffen, daß es leicht, gut zu ergreifen, zu umfassen, zu handhaben
ist: handlich: Im steilen, gut -en Fels wird mit dem Gesicht
zur Wand abgestiegen (Eidenschink, Fels 46); das Lenkrad
dieses Wagentyps ist äußerst g.; diese Bohrmaschine ist
sehr g.; Lore, dachte er. meine Frau Lore, ist kleiner,
gedrungener. -er(Kirst.08/l 5,28); Ü ein -er (gut zu
gebrauchender) Ausdruck; in der Länderkammer ... wird sich
zeigen, ob die Politiker die gegenwärtigen Probleme nur
als -e (gut einsetzbare) Wahlkampfmunition zu begreifen
vermögen (Zeit 19. 9. 75, 1). 2.a) gut greifend (6): Gute
Fahrzeugbeherrschung durch -es Profil (Spiegel 43. 1975,
59); b) so beschaffen, daß etw. darauf gut greifen kann:
eine nasse, aber -e Fahrbahn; -er Schnee; Wachsspezialisten
mixen den -sten Belag für die unzähligen Steigungen (Zeit
14. 3. 75, 63). 3. (von Textilien) fest gewebt, nicht lappig:
ein -es Kammgarngewebe für Herrenanzüge; schwerer,
-er Seidenstoff. 4. (bes. österr.) (von Mehl) grobkörnig,
locker: -es Mehl eignet sich für Backwaren aus lockerem
Teig; <Abl.:> Griffigkeit, die; -.
Griffon [gri'ß:]. der; -s. -s [frz. griffen, verw. mit tGreifl:
als Jagd- od. Schutzhund gehaltener, mittelgroßer, kräftiger
Vorstehhund mit rauhem bis struppigem, grauem,
weiß-braunem od. braunem Fell, starkem Barthaar u. mittelgroßen
Hängeohren.
grignardieren [gnnjar'di:ran] <sw. V.; hat) [nach dem frz.
Chemiker V. Grignard (1871-1935)] (Chemie): nach einem
bestimmten Verfafiren Synthesen organischer Stoffe bilden.
Grill [gnl]. der: -s, -s [engl, grill < frz. gril (neben: grille)
< lat. cräticulum (neben: cräticula) = Flechtwerk, kleiner
Rost, zu: crätis = Flechtwerk. Hürde]: 1. a) mit Holzkohle.
Gas od. elektrisch beheizbares Gerät od. Feuerstelle zum
Rösten von Fleisch. Geflügel. Fisch o.a.: wir haben einen
G. geschenkt bekommen; am Wochenende bauen wir einen
G. im Freien; b) [zum Grillgerät gehörender] Bratrost:
die Steaks, Würste auf den Grill legen; das Hähnchen
vom G. nehmen; Fisch vom G. (gegrillter Fisch). 2. kurz
für t Kühlergrill.
Gr{ll-: ^gerät, das; -gericht, das: Gericht mit gegrillten
Speisen: -party, die; ^pbtz, der: im Freien eingerichteter Platz
mit einer od. mehreren Feuer st eilen zum Grillen: -restau-
rant, das; -room [...ru:m]. der; -s. -s [engl, grillroom. zu
f Grill u. room = Raum, Zimmer]: Restaurant od.
Speiseraum in einem Hotel, in dem hauptsächlich Grillgerichte
[zubereitet u.j serviert werden: ^wiese, die: vgl. ^platz.
Grillade [grija.dd], die; -. -n [frz. grillade. zu: griller =
grillen, rösten, zu: gril, fGrill]: gegrilltes Stück Fleisch.
Fisch. Geflügel o.a.: Rostbratstück.
Grille [gnb], die; -. -n [mhd. grille, ahd. grillo < lat.
grillus = Heuschrecke. Grille, lautm.]: 1. der
Laubheuschrecke ähnliches Insekt, das sich in der Erde kleine Gänge
gräbt u. an warmen Sommerabetiden / Zirptöne von sich
gibt: abends zirpten die -n im Garten. 2. a) sehr sonderbarer,
schrulliger Gedanke. Einfall: „Komm doch rüber*4, sagte
er. ..War doch Quatsch, -n von kleinen Mädchen" (Lynen.
Kentaurenfährte 156); er hat nichts als -n im Kopf; Sie
(= die Eltern) sind ... sehr liebenswert aber nicht
ohne ihre kleinen -n und Tücken (K. Mann. Wendepunkt
25); b) trübsinniger Gedanke (den der Sprecher!Schreiber
aber für unbegründet hält): seit sein Leben sich langsam
neigte, seit seine Künstlerfurcht, nicht fertig zu werden
... nicht mehr als bloße G. von der Hand zu weisen war
(Th. Mann, Tod 9); * -n fangen (veraltend; trüben Gedanken
nachhängen)-, jmdm. die -n vertreiben/austreiben (veraltend;
jmdn. aufheitern, von seinen trüben Gedanken abbringen).
grillen [gribn] <sw. V.; hat) [engl, to grill < frz. griller
zu: gril. f Grill]: auf dem Grill rösten: ein Hähnchen g.;
<oft im 2. Part.:) gegrillte Schweinshaxen; Ü sich in der
Sonne g. [lassen].
grjllen-, Grjllen (Grille 2 b; veraltend): -fSnger, der: trüben
Gedanken nachhängender Mensch: ^fängerei [...feoa'raj],
die; -: seelische Stimmung, in der jmd. trüben Gedanken
nachhängt: -fängerisch [...fenanJl <Adj.; o. Steig.): svw.
t grillenhaft.
grillenhaft <Adj.; -er. -este; meist attr. >: voller Grillen,
launenhaft* sonderbar, wunderlich, dazu: Grillenhaftigkeit die; -:
grillig [gnli<;] <Adj.): grillenliaft. dazu: Galligkeit, die; -:
jmds. G. ignorieren.
Grimasse [gri'masd]. die; -. -n [frz. grimace]: eine bestimmte
innere Einstellung. Haltung o.a. verzerrt wiedergebender
Gesichtsausdruck: eine bösartige, verächtliche, alberne G.;
eine G. [des Ekels] schneiden, machen, ziehen; sie hatte
Spaß an seinen drolligen -n; er verzog sein Gesicht, sein
Gesicht verzog sich zu einer scheußlichen G.; <Zus.:)
Grimassenschneider, der: jmd.. der gern Grimassen schneidet:
grimassieren [grima'skren] <sw. V.; hat) [frz. grimacer]:
das Gesicht verzerren: Fratzen. Grinmssen schneiden: Er
... grimassierte vor Anstrengung, sein Lachen
zurückzuhalten (Molsner. Harakiri 32).
grimm [gnm] <Adj.; nur attr.) [mhd. grim(me). ahd. grimm,
eigtl. = grollend, brummig] (veraltet): svw. T grimmig;
Grimm [-]. der; -[e]s [subst. AdJ. aus der mhd. Fügung
grimmemout = zorniger Sinn] (geh.. veraltend):
tiefsitzender, heftiger Zorn: verbissene Wut: dumpfer, wilder G.;
seinen G. verbergen, unterdrücken; seinen G. an jmdm..
etw. auslassen; er war vollerG. über die erlittene
Ungerechtigkeit.
Grjmmdarm.der; -[e]s. ...därme[da#hier der Sitz des
„Bauchgrimmens" vermutet wurde; T grimmen]: zwischen
Blinddarm u. Mastdarm verlaufender größter Teil des Dickdarms:
der aufsteigende, absteigende G.
'grimmen [grimdn] <sw. V.; hat) [mhd. grimmen = vor
Wut od. Schmerz mit den Zähnen knirschen, toben]
(veraltet): ärgern, mit Grimm erfüllen: die Niederlage grimmte
ihn ungemein.
^grimmen [-] <sw. V.; hat; meist unpers.) [in Anlehnung
an 'grimmen zu mhd. krimmen = zwicken, kneifen]
(veraltet): kolikartige Schmerzen verursachen: es grimmt mir/
mich im Bauch: (subst.:) ich verspürte ein heftiges
Grimmen (Bauchweh. Leibschmerzen).
grimmig [gnmi<;] <Adj.) [mhd. grimmec. ahd. grimmig]:
1. voller Grimm: sehr zornig, wütend: ein -es Gesicht; ein
-er (Furcht einflößender) Gegner. Löwe; der Chef ist heute
g. (schlecht gelaunt): der Mann lachte g. 2, körperlich
in besonders stechender, beißender Weise spürbar: eine -e
Kälte; mit -em Hunger; <Abl. zu 1:) Grimmigkeit, die;
-: svw. tGrimm.
Grind [gnnt], der; -[e]s. -e [mhd.. ahd. grint = Ausschlag.
Schorf): 1. a) (durch Erkrankung der Haut od. durch
mangelnde Körperpflege entstandener) Hautausschlag, der sich
zu einer Kruste verhärtet: juckender G.; Stanislaus ...
wünschte den Häuslern Ausschlag. G. und Masem an
den Hals (Strittmatter, Wundertäter 44); die Knie und
Ellenbogen waren mit G. bedeckt; b) Wundschorf: auf
der Wunde hatte sich G. gebildet. 2. (Bot.) Pilzkrankheit
bei bestimmten Pflanzen. 3. (Jägerspr.) Kopf von Hirsch
od. Gemse.
Grindel [gnndl], Grendel l'grend}]. der. -s. - [mhd. grindel.
grendel. ahd. grintil = Riegel. Balken] (landsch.): a)
Pflugbaum: b) Schlagbaum.
grindig ['grindig] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [mhd. grintec]:
[schmutzig u.j mit Grind bedeckt: -e. rotzige Kinder
(Fussenegger. Zeit 115); ein Bettler mit -em Kopf; Ü Es
(= das Entbindungsheim) ... faltete sich ein Schieferdach
über den Kopf, aus dem Mansarden beulen traten, g. und
vermoost (Bieter. Bonifaz 206).
Grfndwal, der; -[e]s, -e [dän. grindhval, aus dem FäröIschen,
zu: grind = Hürde. Pferch u. val = Wal. wohl nach
der ..Umzäunung", die diese Delphine um einen verfolgten
Fischschwarm bilden]: (in Gruppen od. Herden auftreten-
1084
grob-, Grob-
der) schwarzer, langer Delphin mit /weißer Kehle u.J
kugelförmig vorgewölbter Stirn.
Gringo [gringo], der; -s. -s [span. gringo. zu: griego =
Grieche, nach der Wendung hablar en griego =
unverständlich reden, eigtl. = griechisch redenl (abwertend):
t in Südamerika) jmd.% der nicht romanischer Herkunft ist.
Grinsel [gnnz|l. das; -s. -[nl fVkl. von: Runse = Falte.
Furche. Kerbe; eigtl. = (Wasser)rinne] (österr.): Kimme
am Gewehrlauf.
grinsen [grinzn] <sw. V.; hat) [Intensivbildung zu veraltetem
u. mhd. grinnen = (mit den Zähnen) knirschen, keifen;
weinerlich das Gesicht verziehen, weinen; vgl. greinen):
mit breitem Mund eine Art Lächeln zeigen (das
Schadenfreude* Dreistigkeit. Schläue. Verlegenheit u. Dummheit aus-
drücken kann): verächtlich, breit, vieldeutig, unverschämt
g.; er grinst über das ganze Gesicht; der Mann grinste
vor sich hin; <subst.:> ein spöttisches, breites,
schadenfrohes, idiotisches G.; ihm wird das G. schon noch vergehen;
Er versucht noch einmal, ein G. aufzusetzen (Wolfe
[Übers.l, Radical 83); sie begrüßte ihn mit unverschämtem
G.
Griper l'gri.pu]. der, -s. - [zu niederd. gripen = greifenl
(Seemannsspr.): kleiner vierarmiger Anker.
grippal [gn'pa:l] <Adj.; o. Steig.; nurattr.) (Med.): die Grippe
betreffend; von einer Grippe herrührend; mit Fieber u.
Katarrh verbunden: ein -er Infekt; Grippe [gnpal. die; -, -n
[frz. grippe. eigtl. = Grille, Laune, zu: gripper = nach
etwas haschen, greifen, nach der Vorstellung, daß diese
Krankheit einen plötzlich u. launenhaft befällt]: a) (volkst.)
mit Kopfschmerzen u. Fieber verbundene/
Erkältungskrankheit: die G. haben; mit G. im Bett liegen; b) (Med.) svw.
f Virusgrippe.
grippe-, Grjppe-: -anfall, der: einen G. gut überstehen;
-arte <Adj.; o. Steig.): einer Grippe ähnlich: eine -e
Erkrankung; Epidemie, die: die G. forderte 27 Todesopfer;
-Impfung, die: Schutzimpfung gegen Grippe; -kranke, der u.
die; -Pneumonie, die (Med.): gefährliche, durch Grippe
hervorgerufene Lungenentzündung; -tote, der u. die; ^virus*
der; -welle, die: epidemisch auftretende Grippe.
grippös [gn'p0:sl <Adj.; o. Steig.; nur attr.): grippeartig:
ein -er Infekt.
Grips [gnpsl, der; -es, -e [eigtl. = Griff, Fassen, Subst.
zu mundartl. gripsen = schnell fassen, raffen, stehlen.
Iterativbildung zu mundartl. grippen. f greifen] (bes. nordd.
u. md.): Verstand. Auffassungsgabe: genügend G. für etw.
[im Kopfl haben; ... Also du sitzt da rum. viel G. zum
Nachdenken hast du nicht (Döblin, Berlin 53): nun streng
mal deinen G. an!
Grisaille [gri'za:j], die; -. -n [frz. grisaille. zu: gris = grau]:
1. (Malerei) a) <o. PI. > Malkunst in grauen, auch bräunlichen
u. grünlichen Farbtönen; Grau-in-Grau-Malerei; b) Gemälde
tn grauen, auch bräunlichen u. grünlichen Farbtönen: die
-n von Giotto in Padua; Ü Die G. eines eintönigen,
beliebigen Lebens, in graue Worte gefaßt (MM 29. 1. 65, 23).
2. <o. Pl.> leichter Stoff für Damenkleider mit wechselnd
schwarzen u. weißen / Baumjwollfäden u. Seide od. Reyonfä-
den; Grisette [gri'zEto], die; -. -n [frz. grisette = graues
Tuch, Kleidung aus grauem Tuch, die z. B. von den frz.
Näherinnen getragen wurde, zu: gris = grau] (früher in
Paris): a) junge Näherin. Putzmacherin; b) leichtlebiges
junges Mädchen.
Grislybär, Grizzlybär fgnsli-]. der; -en, -en [engl, grizzly-
[bear], eigtl. = Graubär, zu: grizzle. grizzly = grau <
afrz. grisel, zu: gris = grau]: großer nordamerikanischer
Braunbär mit braungelbem bis schwarzem Fell u. - bes.
am Rücken- weißlichen Haarspitzen; Grison ['gri'zÖ:], der;
-s. -s [frz. grison, eigtl. = Grautier, zu gris = grau]:
in Mittel- u. Südamerika heimischer, einem Dachs ähnlicher
Marder mit langem, buschigem Schwanz u. langem, dickem
Fell, das an der Oberseite grau bis gelbgrau, an der Unterseite
u. im Gesicht schwarz ist u. an Kopf u. Hals an beiden
Seiten einen weißen Längsstreifen aufweist.
GriO: tGeriß.
Grit [gnt], der; -s, -e [engl. grit. eigtl. = Grobes. Körniges)
(Geol): a) grober Sand; b) Sattdstein.
Grizzlybär: TGrislybär.
grob [gro:p] <Adj.; gröber, gröbste > [mhd. grop, ahd. g(e>-
rob]: I, (Ggs.: fein 1 a) a) in seiner Beschaffenheit derb,
stark: -es Leinen, Papier; -er Draht; b) nicht sehr, nicht
so fein [zerkleinert o.ä.J (Ggs.: fein c): -er Sand. Kies;
ein -es (weitmaschiges) Sieb; der Kaffee ist g. gemahlen;
c) in bezug auf Form. Aussehen derb wirkend, ohne Feinheit:
er hat -e Gesichtszüge, Hände; -e (mit Schmutz verbundene)
Arbeit. 2. nur auf das Allerwichtigste beschränkt, nicht
ins einzelne gehend; ungefähr; unscharf: etwas In -en
Umrissen. Zügen wiedergeben; das kostet uns im -en
Durchschnitt zweihundert Mark pro Jahr; es waren, g. gerechnet.
200 Leute anwesend. 3, a) schwerwiegend u. offensichtlich:
ein -er Formfehler; -e Lügen; das war ein -er Irrtum;
(jur.:) g. fahrlässig handeln; er hat die Vorschriften g.
mißachtet; -er Unfug (jur.; ungebührliches Verhalten, das
geeignet ist. die Allgemeinheit zu belästigen, u. das damit
die öffentliche Ordnung stört): <subst.:> das Gröbste haben
wir wohl überstanden; * aus dem Gröbsten heraussein (ugs.;
das Schlimmste überstanden haben): b) heftig, stark: -e
See (Seemannsspr.; Meer mit starkem Wellengang): Immer
neue Niederschläge wechselten mit -en Windstößen ab
(A. Kolb. Daphne 152). 4. (abwertend) a) im Umgangston
mit anderen Menschen ohne Feingefühl, barsch u. unhöjlich:
ein -er Mensch; -e Worte, Spaße; eine -e Antwort; sie
wurde g. [zu ihm]; jmdn. g. anfahren; jmdm. g. kommen
(ugs.; in unhöflicher, zurechtweisender Weise etw. zu jmdm.
sagen): b) nicht sanft, sondern derb: jmdn. g. anfassen;
sei doch nicht so g., du tust mir ja weh!
grob-. Grob-: -anspräche, die (Milit.): Meldung eines
Standortes, bes. eines feindlichen Zieles, mit groben Kennzeichen
(Ggs.: Feinansprache); -blech, das: dickes Eisenblech
(Ggs.: Feinblech); -einstelhing, die: erste, ungefähre
Einstellung eines Geräts (Ggs.: Feineinstellung); -faserig
<Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: aus groben Fasern bestehend
(Ggs.: feinfaserig): -es Holz; -feile, die: Feile zum groben
Bearbeiten eines Werkstücks; -gemahlen <Adj.; gröber,
am gröbsten gemahlen; nur attr.) (Ggs.: feingemahlen):
-er Kaffee; -gesponnen <Adj.; gröber, am gröbsten
gesponnen; nur attr.) (Ggs.: feingesponnen): -es Garn; -gestreift
<Adj.; gröber, am gröbsten gestreift; nur attr.) (Ggs.: fein-
gestreift): ein -es Sonnendach; -jährig <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.) (Fachspr.): (von Holz) dicke Jahresringe
aufweisend; -keramik. die <o. PL): keramische Erzeugnisse
aus grob gekörnten Rohstoffen (Ton. Lehm o. ä.) mit
uneinheitlicher Struktur (z. B. Ziegel; Ggs.: Feinkeramik), dazu:
-keramisch <Adj.; o. Steig.; nur attr.): die Grobkeratnik
betreifend: die -e Industrie; -klotzig <Adj.>: ohne
Feingefühl, barsch u. unhöflich: im Stich gelassen von einem
ebenso hilflosen wie -en Talkmaster (Hörzu 47, 1976, 15);
-knochig <Adj.; nicht adv.): von starkem, kräftigem
Körperbau: eine -e Gestalt; Selbst Übungen am Langpferd
... ließ er nicht aus, sondern segelte krumm und g. vom
Federsprungbrett (Grass, Katz 12); -körn, das <o. PI.)
(Ggs.: Feinkorn): I. (Schießen) Art des Zielens, bei der
das volle Korn in der Kimme sichtbar ist. 1. (Fot.,
Metallurgie) grobes Korn (4a); -körnig <Adj.; nicht adv.) (Ggs.:
feinkörnig): I. aus vielen einzelnen / verhältnismäßig] groben
Körnern (4b) bestehend: -er Sand, -es Mehl. 2. (Fot.) (von
Filmen) mit einer Schicht [verhältnismäßig] grober,
unterschiedlich verteilter Körner (4 a) versehen, hochempfindlich,
kontrastreich. 3. (Metallurgie) eine Struktur von /
verhältnismäßig/ groben Körnern (4 b) aufweisend: von der
technischen Entwicklung (der Goldschmiedekunst der mittelmi-
noischen Zeit) zeugen Filigran und Granulation, deren
-er Ausführung die feinkörnige folgt (Bild. Kunst I, 132);
<Abl. zu 1-3:) -körnigkeit, die (Ggs.: Feinkömigkeit);
-maschig <Adj.; nicht adv.): mit weiten Maschen (Ggs.:
feinmaschig): ein -es Gitter, dazu: -maschigkeit, die; -;
-narbig <Adj.; nicht adv.): (von Leder) mit groben Narben
bedeckt (Ggs.: feinnarbig): -porig <Adj.; nicht adv.): mit
groben Poren versehen (Ggs.: feinporig): -es Leder;
-schläditig [-Jl£(;ti(;] <Adj.; nicht adv.) (abwertend): von
großer, kräftiger, aber derber, nicht fein ausgebildeter
Gestalt; plump-schwerfällig: ein -er Mann; Herr B. - das
ist Monsieur Badestamier, ein -er Neureicher (Bild u. Funk
16. 1966. 29); g. wirken, sein, dazu: -Schlechtigkeit.
[-fl£(;ti(;kajt], die: - (abwertend): Plumpheit. Derbheit;
-schmied, der (veraltet): Eisen-. Hufschmied; -schnitt, der:
grob geschnittener Rauchtabak (Ggs.: Feinschnitt 1);
-struktur, die (Ggs.: Feinstruktur): 1. oft mit bloßem Auge
erkennbarer geometrischer Aufbau von festen Stoffen. 2.
Größe. Anordnung u. Eigenschaften der Kristalle, aus denen
sich ein kristalliner Körper zusammensetzt; -zeug das: svw.
t Kroppzeug.
1085
Grobheit
Grobheit, die; -. -en [mhd. gropheit]: 1. <o. PI.)
ungeschliffene, gemeine, grobe Wesensart; Gefühllosigkeit: Wie die
meisten Diener alter Schule war sie ... unduldsam gegen
die durch rasch erworbenen Reichtum verkleidete G. und
Gewöhnlichkeit (Werfel. Himmel 167); er ist bekannt für
seine/wegen seiner G. 2. unhöfliche, grobe Äußerung od.
Handlung: jmdm. -en ins Gesicht sagen, (ugs.:) an den
Kopf werfen. 3. (selten) derbe, grobe Beschaffenheit: die
G. des Stoffes; Grobian [gro:bia:n], der; -lels. -e Ischerzh.
Bildung aus Tgrob u. der lat. Namensendung -ian wie
in Cassian. Damian] (abwertend): ungehobelter,
rücksichtsloser Mann: dieser G. hat mir fast den Arm gebrochen;
Sie unverschämter G.!; Er heiratete eine ... unterwürfige
Frau, die entsetzlich unter diesem G. zu leiden hatte (Ru-
the. Partnerwahl 110); grobianisch [gro'biamiJl <Adj.; Steig,
ungebr.): in der Art eines Grobians: Wenn Bangemann
... derart g. auftritt (Zeit 19. 9. 75, 1); *-e Dichtung
(Dichtung des 15. u. lö.Jh.s, die grobes, unflätiges Verhalten,
bes. bei Tisch, ironisch u. satirisch darstellte): Grobianismus
Igrobia'nismus], der; - (Literaturw.): die in der
grobianischen Dichtung angeprangerten unflätigen
Verhaltensformen; gröblich Tgreipüc] <Adj.; o. Steig.; nicht präd.): 1.
(geh.) in grober Weise [vorgenommen ], auf grobe Art: eine
-e Mißachtung der Vorschriften; jmdn. g. beleidigen; und
er kann... ausgeschlossen werden, wenn er... die
..geordnete Durchfuhrung" der Hauptverhandlung absichtlich und
g. gefährdet (Zeit 6. 6. 75. 2). 2. (veraltet) ein wenig grob:
-es Pulver.
Grödebi ['groidln] <P1.) (Bergstelgen): unter die Bergschuhe
zu bitidende kleine Eisen als Hilfen beim Steigen.
Groden [gro:dn]. der; -s. - [mniederd. gröde. zu: groien
= wachsen! (niederd.): [mit Gras bewachsenes/
angeschwemmtes Vorland von Deichen.
Gröfaz l'groTatsl. der; - iron. Abk. für wrOßter Feldherr
aller Zeiten: Hitler kehrt auf die Leinwand zurück ...
Syberberg ... hat soeben seine Version des G. abgedreht
(Spiegel 17. 1977. 233).
Grog [grok], der; -s. -s [engl. grog. wahrscheinlich nach
dem Spitznamen des engl. Admirals Vernon (1684-1757).
Old Grog, den dieser wegen seines Überrocks aus grobem
Stoff (engl, grogram) erhalten hatte. Vernon hatte
befohlen, seinen Matrosen nur mit Wasser verdünnten Rum
auszugeben]: heißes Getränk aus Rum (auch Arrak od.
Weinbrand), Zucker u. Wasser: ein steifer (starker) G.;
[sich] einen G. brauen; groggy fgrogi] <Adj.; o. Steig.;
nur präd.) [engl, groggy, eigtl. = vom Grog betrunken]:
1. (Boxen) schwer angeschlagen, nicht mehr kämpf- und
verteidigungsfähig: der Boxer hing g. in den Seilen. 2.
(ugs.) zerschlagen, erschöpft, fertig: ich war gestern völlig
g.; wir sind von dieser Tour total g. zurückgekehrt.
grölen [gro.lon] <sw. V.; hat) [mniederd. grälen = laut
sein, lärmen, zu TGral. eigtl. = lärmendes Tumierfest.
das im späteren MA. in niederd. Städten veranstaltet
wurde] (ugs. abwertend): a) in unangenehmer, als störend,
belästigend, nicht schön empfundener Weise laut singen od.
schreien: sie grölten die ganze Nacht hindurch; die
Zuschauer grölten vor Begeisterung; < 1. Part.:) grölende
Stimmen, eine grölende Menge; b) laut in nicht sehr schöner
Weise singend od. schreiend! von sich gehen: die Menge
grölte alte Kamevalslieder; Dann hatten sie ... noch im
Suff gegrölt: Und wir fahren, und wir fahren, und wir
fahren gegen Engelland (Kubby. Sieg 303); Grölerei
[grob'r^J], die; -, -en (abwertend): anhaltendes Grölen.
grolieresk [grolje'resk] <Adj.; o. Steig.) [nach dem frz.
Bibliophilen Grolier de Servieres (1479-1565)] (Buchbinderei):
in der Art eines Groliereinbandes. d. h. eines Einbändes aus
Maroquin od. Kalbsleder mit verschlungenen goldenen u.
farbigen Verzierungen.
Groll (groll, der; -[eis [mhd. grolle = Zorn, zu tgrell] (geh.):
heimliche, eingewurzelte Feindschaft ixl. verborgener Haß.
zurückgestauter Unwille, der durch innere od. äußere
Widerstände daran gehindert ist, sich nach außen zu entladen,
u. Verbitterung hervorruft: heimlicher, finsterer G.;
Neunjähriger großmütterlicherG. entlud sich (Grass.
Hundejahre 26); Sein geheimer G. richtete sich gegen den
Bataillonskommandeur, der auf der Apfelsineninsel Santorin saß
(Strittmatter, Wundertäter 486); Simon fühlt einen leisen
G. in sich aufsteigen, den krampfhaften G. des Alters
gegen seine Erben (Waggerl, Brot 230); einen G. auf jmdn.
haben, (geh.:) gegen jmdn. hegen; sie sagte das alles ohne
G.; „Was glaubst du'\ redete sie sich in G.. „eine andere
wäre ihm schon längst durchgegangen...lfc (Marchwitza,
Kumiaks 51); grollen [grobn] <sw. V.; hat) [mhd. grollen
= zürnen; höhnen, spotten] (geh.): 1. Groll haben [u.
ihn äußern]; zürnen; ärgerlich, verstimmt sein: sie grollt
seit Tagen; er grollt [mit] seinem Vater [wegen dieser
Entscheidung]; Ü mit dem Schicksal, über eine Entwicklung
g. 2. dumpf rollend dröhnen, donnern: der Donner grollt;
Aber noch immer grollten im Abflug nach Westen wie
weichende Fronten von Donner die Geschwader der
großen Bomber über der See (Gaiser. Jagd 101); <subst.:>
das Grollen des Donners, der Geschütze, der Front.
Grönländer [greinlende], der, -s, - [nach einer von den
Bewohnern Grönlands verwendeten Bootsari] (veraltet):
Kajak; Grönlandfahrer, der; -s. -: Walfischfänger;
Grönlandwal, der; -[e]s, -e.
Groom [gru:m], der; -s. -s [engl, groom < mengl. grome,
eigtl. = Knabe, aus dem Frz.]: 1. (veraltet) junger Diener,
Page: Gleich waren drei, vier galonierte -s und
grünbeschürzte Hausdiener um mein Gefährt beschäftigt (Th.
Mann. Krull 323). 2- Reitknecht.
Grooving ['gru.viol. das; -ls] [engl, grooving. Gerundium
von: to groove = (auOrillen] (Straßenbau): Herstellung
einer aufgerauhten Fahr bahn mit Rillen auf Startpisten,
Autobahnen u. ä.
Groppe ['gropa], die; -. -n [mhd. groppe. grope < ahd.
groppo, wohl < mlal. corabus. eigtl. = Karpfen]:
räuberischer Süßwasserfisch von keulenförmiger Gestalt mit breitem
Kopf, schuppenlosem Körper u. stacheligen Flossen.
'Gros [gro:). das; - [gro:(s)]. - [gro:sl [frz. gros, zu: gros
= groß, dick < spätlat. grossus = dick; dicker Teil;
Hauptmasse. Gros < lat. grossus = dick]: überwiegender
Teil einer Personengruppe: das G. der Truppen begann
zu meutern; Hier ist es ihm gelungen, sowohl das G.
der Industriearbeitnehmerschaft wie auch weite Teile der
Mittelschichten zu erfassen (Fraenkel. Staat 308); *Gros
[gros], das; -ses. -se <aber: 2 Gros) [niederl. gros < frz.
grosse (douzaine) = groß(es Dutzend), w. Form zu: gros;
vgl. 'Gros]: 12 Dutzend: 2 G. Schreibfedern; Abk.: Gr.;
Groschen [grojn]. der; -s. - [älter: grosch(e). mhd. grosse
< mlat. (denarius) grossus = Dickpfennig, zu lat. grossus
= dick]: 1. Untereinheit der Währungseinheit von Österreich
(lOOGroschen = 1 Schilling); Abk.: g2. (ugs.) a)
Zehnpfennigstück: ein paarG. zum Telefonieren. Parken
bereithalten; einen G. in einen Automaten einwerfen; R das ist
allerhand ftir'n G. (ugs.; das hätte ich nicht gedacht)', Ü
dafür gebe ich keinen G. (nichts); die Vorstellung war
keinen G. wert (ugs.; war miserabel): der Mann hat nicht
für'n G. (nicht den geringsten) Verstand; *der G. fallt
[bei jmdm.] (ugs.; jmd. versteht, begreift endlich etwas; bei
einem Warenautomaten wird durch Herabfallen der
eingeworfenen Münze der Mechanismus ausgelöst, der die Ware
freigibt): jetzt ist auch bei ihm der G. gefallen!; der G.
fallt bei jmdm. pfennigweise (ugs.; jmd. ist ziemlich
begriffsstutzig, begreift nur langsam)', nicht bei G. sein (salopp;
nicht recht bei Verstand sein): b) <P1.) (scherzh.) wenig
Geld (als Besitz, Einnahme): seine [paar] G.
zusammenhalten; er verdient sich ein paarG. dazu. 3. (hist.) alte
europäische Silbermünze.
grgschen-, Groschen-: -blatt das (abwertend): sensationell
aufgemachte, anspruchslose, billige Zeitung; ^grab. das
(scherzh.):a)etw. (einSpielautomat.ein Parkometer o.a.).
in das immer wieder ein kleiner Geldbetrag eingeworfen
wird, ohne daß der Betreffende etw. dafür erhält, so daß
das Geld als verloren, umsonst ausgegeben betrachtet wird;
b) etw.. was unrationell genutzt wird, wodurch Geld vergeudet
wird; -heft, das (abwertend): billiges Druckerzeugnis in
Heft form, das einen seichten, anspruchslosen Roman enthält;
billige, geistig anspruchslose Lektüre in Form eines Hefts;
^roman, der (abwertend): Roman in einem Groschenlieft;
^weise <Adv.): a) in einzelnen Groschen. Groschen für
Groschen: sie zählte das Geld g. auf den Tisch; b) (ugs.)
nach u. nach; allmählich.
groß [gro:s] <Adj.; größer, größte) [mhd.. ahd. grÖ3. urspr.
= grobkörnig]: I. a) (Ggs.: klein) in Ausdehnung [nach
irgendeiner Richtung] (xt. Umfang den Durchschnitt od.
einen Vergleichswert übertreffend: ein -es Format; eine
Karte in -em Maßstab zeichnen; Kleider in -en Größen;
Frankfurt ist eine -e Stadt; ein Haus mit -en Fenstern; er fährt
ein -es Auto; sie hat -e Hände. Augen; -e Eier. Kartoffeln;
1086
groß-, Groß-
die Wohnung ist nicht g. genug; das Kleid wirkt, macht
dich zu g.; nun gab es doch einen Mond heute nacht,
der g. in der Fensterscheibe aufging (Fries, Weg 151);
eine -e (lange) Leiter; -e (breite) Geschäftsstraßen; -e
(ausgedehnte) Waldgebiete; auf-er Flamme (mit starker
Hitze) kochen; den -en Zeiger (Minutenzeiger) um einige
Minuten vorrücken; sein -es Geschäft machen [müssen]
(Kot ausscheiden (müssen]); der Junge ist sehr g.
(hochgewachsen) für sein Alter; das Wort steht g. (in großen
Buchstaben) an der Tafel; ein Wort g. (mit großem
Anfangsbuchstaben od. mit Großbuchstaben) schreiben; jmdn. g.
(mit großen Augen, verwundert) ansehen; g. machen (fam.;
Kot ausscheiden): *g. und breit (in aller Ausführlichkeit;
als Vorwurf. Kritik): das habe ich dir doch schon g. und
breit erzählt!; b) <nicht adv.) eine bestimmte Länge. Höhe
aufweisend, sich über einen bestimmten Bereich erstreckend:
ein 4ha -es Grundstück; der Mann ist mindestens 2 Meter
g.; diese Bluse ist mir zwei Nummern zu g. 2. <nicht
adv.) a) eine höhere Anzahl von Lebensjahren habend, älter
(Ggs.: klein): sein -er Bruder; ihre größere Schwester, wenn
du größer bist, darfst du langer aufbleiben; <subst.:> unsere
Große (ältere Tochter); mein Größter (ältester Sohn);
b) erwachsen: [schon! -e Kinder haben; in diesem Haus,
mit diesen Grundsätzen bin ich g. geworden
(aufgewachsen); <subst.:> während die Kinder spielten, unterhielten
sich die Großen; *g. und klein (jedermann): g. und klein
hatte sich zu dem Schauspiel eingefunden. 3. (nicht adv.)
verhältnismäßig viel Zeit beanspruchend, von
verhältnismäßig langer Dauer (Ggs.: klein): ein -er Zeitraum; nach
einer größeren Verzögerung; die -e Pause (Schulw..
Theater) hat schon begonnen; die -en Ferien (Sommerferien);
eine -e (lange) Rede halten. 4. (nicht adv.) von
verhältnismäßig beträchtlicher Menge. Anzahl; sich aus [vielen] ein-
zelnen Bestandteilen od. Werten zusammensetzend (Ggs.:
klein): eine -e Zuhörerschaft. Kundschaft haben; wir sind
eine -e Familie; -e Zahlen, Summen. Beträge. Kosten;
eine -e Auswahl an Schuhen; er hat ein -es Vermögen;
der größere Teil des gestohlenen Geldes wurde gefunden;
nur -es Geld (Geld [in Scheinen] von höherem Wert) bei
sich tragen; das -e (viel) Geld verdienen; eine -e Koalition
(Politik; Koalition der [beiden] zahlenmäßig stärksten
Parteien im Parlament): im -en (en gros) verkaufen, handeln.
5. in hohem Grade, von starker Intensität: -er Lärm, Beifall;
unter -em Hunger, -er Hitze leiden; -e Angst, -e Sorgen
haben; mit -er Kraft, Geduld; mit dem größten Vergnügen;
einen -en Irrtum begehen: -e Fortschritte in etw. machen;
-e Aufregungen, Schwierigkeiten überstehen; die Nachricht
erregte -es Aufsehen; -en Wert auf etw. legen; in -er Eile
sein; sie ist eine -e Schönheit; er ist ein -er Feigling, Esel;
ihre Freude über das Geschenk war g.; der Leistungsdruck
wird in den oberen Schulklassen immer größer; kein -er
Esser sein (nicht viel zu essen pflegen); [klein -er ([kein]
begeisterter, leidenschaftlicher) Bastler sein; er war ihre
-e Liebe (der Mann, den sie am meisten geliebt hat); So
sind die Wepper-Brothers im Moment g. im Kinogeschäft
Oiaben großen Teil am Kinogeschäft; Hörzu 52, 1972, 18).
6. a) eine besondere Bedeutung habend. [ gel wichtig,
maßgeblich: die -en ölfördernden Länder; die -e Welt des Sports;
Ereignisse aus der -en Politik; ein -er Augenblick ist
gekommen; das war der größte Tag. die größte Chance seines
Lebens; -e Worte, Gesten, Gefühle; das spielt [kleine -e
Rolle; <subst.:> Nun haben sie sich wieder in alle Winde
zerstreut, die Großen dieser Welt, mit ihren Diplomaten,
Generalen, Expertenstäben (Dönhoff. Ära 182); die -en
i weitverbreiteten, überregionalen) Tageszeitungen; eine -e
Anfrage (Pari.; in einer Bundestagssitzung behandelte Frage
an die Regierung): b) <nur attr.) mit überdurchschnittlichem
Aufwand u]od. überdurchschnittlicher Wirkutig verbunden,
großartig, glanzvoll: ein -es Fest; in -er Aufmachung.
Garderobe erscheinen; eine Veranstaltung in -em Rahmen,
Stil; die -e (iron.; vornehme, feine) Dame spielen; sie fuhrt
ein -es Haus (besitzt ein luxuriöses Haus u. empfängt häufig
Gäste, die in der Öffentlichkeit bekannt sind); er spielt
den -en Herrn (iron.; spielt sich auf. protzt): c) <adv.>
(ugs.) in besonderer Weise, mit viel Aufwand verbunden:
g. ausgehen; das Jubiläum wurde g. gefeiert; der Artikel
soll g. aufgemacht werden; als die Spitzen der Sowjetunion
... in Pankow g. auftraten (Dönhoff. Ära 90); d) (nicht
adv.) von besonderer Fähigkeit, Qualität; bedeutend;
berühmt: er ist ein -er Künstler; der -e Goethe hat einmal
festgestellt ...; einen -en Namen, eine -e Vergangenheit
haben; er ist der größte Sohn unserer Stadt; Katharina
die Große (Abk.: d. Gr.); Unter den Pfälzergetränken
... gibt es eine Reihe ganz -er Gewächse (Hom, Gäste
88). 7. <o. Steig.; nicht präd.) wesentlich, hauptsächlich.
Haupt-: die -e Linie verfolgen; den -en Zusammenhang
erkennen; der -e Durchschnitt, die -e Masse der
Bevölkerung; etw. in -en Umrissen. Zügen berichten; eine
Begebenheit g. umreißen; das -e Licht (ugs.; die Decken-,
Hauptbeleuchtung) anmachen; * im -en [und] ganzen (im allgemeinen,
aufs Ganze gesehen): im -en [undl ganzen hast du keine
Fehler gemacht. 8. (geh.) großmütig, edel, selbstlos: ein
-es Herz haben; sie ist eine -e Seele; g. fühlen, handeln.
9. (ugs.) a) großartig, bewundernswert: sein Spiel ist -e
Klasse; das finde ich. das ist [ganz] g.!; Millie war g.
im Sprücheklopfen (Lentz. Muckefuck 267); er steht jetzt
ganz g. da (ist in besonderem Maße erfolgreich gewesen);
b) großspurig: -e Reden schwingen; er redet immer so
g. daher. 10. <nur adv.) (ugs.) in hohem Grade, besonders,
sehr: wir haben nicht g. darauf geachtet; niemand freute
sich g.; außer Egon hatte niemand Lust. g. zu laufen
(Schnurre. Bart 146); soll ich mich g. darüber auslassen?;
„Was ist das schon g. (was ist das schon Besonderes):
ein amputiertes Bein; hier werden ganz andere Sachen
wieder zurechtgepflasterr (Remarque. Westen 26).
groß-. Groß-: ^abnehmer, der: jmd., der [als
Zwischenhändler] eine Ware in größeren Mengen kauft; -admiral. der
(Milit. hist.): dem [General]feldmarschall entsprechender
höchster Dienstgrad bei der Marine sowie dessen Träger;
-agrarter, der (veraltend): svw. t ^grundbesitzer; -aktion*
die: Internationaler Arbeitsausschuß bereitet G. vor (Welt
27. 1. 62, 10); -aktionär. der (Wirtsch.): Aktionär, dem
ein maßgeblicher Teil des Grundkapitals einer
Aktiengesellschaftgehört; -alarm. der: G. geben, auslösen; -almoseni-
er. der (hist.): oberster Geistlicher des Klerus am
französischen Hof (seit dem 15. Jh.); ^angelegt <AdJ.; o. Steig.;
nur attr.>: großzügig, in großem Stil geplant: ein -es
Forschungsprogramm; -angriff, der (Milit.): einen G. starten;
Ü Fast gleichzeitig gehen die Moskitos zum G. über (Grzi-
mek, Serengeti 331); -anlaß, der (Schweiz.): svw. t
^Veranstaltung; -artig <Adj.>: durch seine ungewöhnliche,
bedeutende Art beeindruckend; ausgezeichnet: ein -er
Menschenkenner; -e Anlagen; eine -e Idee; daß du gekommen bist,
ist wirklich g.!; sie sieht g. aus; die neuen Anlagen
funktionieren g.; mir wurde plötzlich ganz wunderbar und g.
zumute (Schnurre. Bart 8); er ist immer so g. (abwertend;
großspurig) aufgetreten, dazu: -artigkeit. die: großartige
Art, Beschaffenheit: Gerade die ungeheuere Weite und
Leere dieser Landschaft... vermittelt den Eindruck einer
namenlosen G. (Bamm. Weltlaterne 98); -aufnähme, die:
a) (Fot.) svw. t Nahaufnahme; b) (Film) Einstellung, in
der ein Objekt (meist ein Gesicht od. ein Gegenstand) so
gefilmt wird, doli es das ganze Bild beherrscht: etw. in
G. zeigen, darstellen; blitzhaft, wie eine überraschende
G. im Film, sah er sie vor sich (Ott. Haie 313); -auftrag,
der (Wirtsch.); -äugig <AdJ.; o. Steig.; nicht adv.>: mit
großen Augen: Jmdn. g. ansehen: Während ich es einen
Quatsch finde, was er da sagt, hört sie g. (mit vor Staunen
großen Augen) zu (Frisch. Gantenbein 94): ^bank. die
<P1. -banken) (Bankw.): Bank mit weitverzweigtem
Filialnetz; -bauer. der: Bauer, der viel Land [u. viel Vieh] besitzt.
dazu: -bäuerlich <Adj.; o. Steig.): den Großbauern
betreffend, ihm gehörend, von ihm stammend; -bäum, der (See-
mannsspr.): runde Holzstange od. längeres Rohr aus
Aluminium, an dem das Großsegel mit seiner unteren Kante
angeschlagen (7 b) ist; -bauplatz. der; -bausteile, die; -beben,
das (Geol.): ein größeres Gebiet betreffendes, heftiges
Erdbeben; -behälter, der: svw. tContainer; -betrieb, der: a)
großer Gewerbe- od. Industriebetrieb (mit einer bestimmten
Mindestzahl von Beschäftigten); b) großer
landwirtschaftlicher Betrieb [mit mehr als 100ha Land]; -beziiger, der
(Schweiz.): svw. t^abnehmer; -bild, das: a) (Fot.)
großformatiges Bild (Ggs.: Kleinbild); b) großes Fernsehbild: Mit
dem G. beginnt nämlich ein ganz anderes Fernsehen
(Hörzu 26. 1976. 15). zu a: -bildkamera. die (Fot.): meist für
professionelle Zwecke eingesetzte großformatige Kamera
für Planfilme u. fotografische Platten (Ggs.:
Kleinbildkamera); -blött[e]rig <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: große Blätter
habend, mit großen Blättern: eine -e Pflanze: -blumig <Adj.;
o. Steig.; nicht adv.): große Blumen hervorbringend, mit
1087
groß-, Groß-
großen Blumen: die -e Kulturform der Kamille; -Wütig
<Adj.; o. Steig.; nicht adv.): mit großen Blüten; -bourgeot-
sie. die (bes. marx.): einflußreichster Teil der Bourgeoisie,
der im Besitz von Monopolen u. Großbanken ist; -brand,
der; -buchhandel, der; -buchstabe. der: Buchstabe aus der
Reihe der großen Buchstaben eines Alphabets: das Wort
beginnt mit einem -n; der Name steht in -n auf der Tafel;
-bürger, der (veraltet): Bürger des oberen
Mittelstandes* dazu: -bürgerlich <Adj.; o. Steig.): das
Großbürgertum betreffend, zu ihm gehörend, von ihm ausgehend:
Vor wenigen Jahren ... ertönte aus der -en „Frankfurter
Allgemeinen Zeitung" (Neues D. 2. 6. 64. 5). -bürgertum.
das: Gesamtheit der Großbürger: das industrielle G.; Die
..Viktorianische" Periode (1837-1901) stellt die Glanzzeit
des englischen -s dar (Fraenkel. Staat 69); -denkend <Adj.;
o. Steig.; nicht adv.) (geh.): selbstlos, edeldenkend: ein
-er Mensch; -deutsch <Adj.; o. Steig.): a) (hist.) im 19. Jh.
ein deutsches Reich durch den Zusammenschluß der
deutschen Staaten u. Österreichs anstrebend; b) (bes. ns.) den
staatlichen Zusammenschluß möglichst aller geschlossen
siedelnden Deutschen in Mitteleuropa unter Vorherrschaft des
Deutschen Reiches anstrebend: die -e Idee, Bewegung;
-deutsche, der u. die: Anhänger/in] einer großdeutschen
Bewegung; -druckbuch, das: Buch für Sehbehinderte dessen
Seiten mit großen, leicht lesbaren Buchstaben bedruckt sind;
-Einkauf, der: einen G. im Supermarkt machen; -einsatz,
der: ein G. der Feuerwehr; Gewinnbringender ist der
darstellerische G. (Hörzu 7. 1973. 36); -elterlich <Adj.; o.
Steig.; nur attr.): die Großeltern betreffend, zu ihnen
gehörend: die -e Wohnung; Die beiden rücken in die Jahre,
da sich -e Instinkte betätigen wollen (Fussenegger. Zeit
295); -altern <PL>: die Eltern des Vaters u.lod. der Mutter.
Großvater u. Großmutter: die G. besuchen, dazu: -eltern-
teil. der: einer der vier Großeltern; -enkel, der: Urenkel;
-enkelin. die: Urenkelin; -erzeuger, der: Erzeuger (2 a).
der etw. in großem Umjang produziert; -fahndung. die:
G. der Polizei [nach Terroristen]; eine G. einleiten; -fami-
lie, die (Soziol.; Ggs.: Kleinfamilie): a) (bes. hist.) großer
Familienverband, der aus Vertretern mehrerer Generationen
besteht: die bäuerliche G.; b) Familienverband, der sich
aus mehreren Kleinjamilien zusammensetzt:... wenn
schließlich vier integrierte Kleinfamilien hier wohnten, das heißt
eine G.. die aus fest organisierten integrierten Gruppen
besteht (Wohngruppe 82); -feuer. das: svw. t^brand; -fi-
gurig l-figu:^! <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): mit großen
Figuren: eine -e Abbildung; das Muster ist g.; -flächenwirt-
schaft. die: Bewirtschaftung von großen Flächen; -flächig
<Adj.; o. Steig.; nicht adv.): sich über eine große Fläche
erstreckend: -e Fenster; ein -es Gesicht (Gesicht. (Jas durch
hohe Backenknochen o. ä. ziemlich flach wirkt); -fhighafen,
der: Flughafen mit internationalem Flugverkehr; -fkigzeug.
das: svw. t -raumflugzeug; -folio, das (Buchw.): Buclifor-
mat in der Größe eines halben Bogens mit einer Höhe von
mehr als 45 cm (Abk.: Gr.-2°); - forma t. das: eine
Zeitungsanzeige im G.; Ü wenn ich ihn (= Jesus) ... für
einen Albert Schweitzer in G. halte (Thielicke. Ich glaube
32), dazu: - forma t ig [-fDrma:ti<;] <Adj.; o. Steig.; nicht
adv.): von großen Ausmaßen: ein -er Kalender; Georges
Braques -e Radierung „Baß" von 1911 (Welt 19. 7. 65.
10); -fresse, die (derb): svw. f-maul; -fruchtig <Adj.;
o. Steig.; nicht adv.): große Früchte hervorbringend, mit
großen Früchten: die -e Kulturform einer Pflanze; -fürst.
der (hist.): 1. russischer Ehren- u. Herrschertitel sowie dessen
Träger. 2. Herrschertitel in Finnbnd. Litauen. Polen.
Siebenbürgen u. dessen Träger; -fürstin. die: w. Form zu
t -fürst; -fürstlich <Adj.; o. Steig.; nur attr.): den
Großfürsten betreffend, zu ihm gehörend, von ihm ausgehend;
^füttern <sw. V.; hat) (ugs.): svw. T-ziehen: ein Kind, Tier
g.; -garage. die; -gemeinde, die; -gemustert <Adj.; o.
Steig.; nicht adv.): mit großem Muster (Ggs.:
kleingemustert): ein -er Kleiderstoff; -gerät, das; -gewachsen <Adj.;
o. Steig.; nicht adv.): von hohem Wuchs, hochgewachsen:
ein -er Mann; -grundbesitz. der: a) Grundbesitz von großer
Ausdehnung; b) die Gesamtheit der Großgrundbesitzer; das
industrielleGroßbürgertum müsse... von dem ökonomisch
und sozial hierzu nicht mehr qualifizierten adligen G.
die politische Führung übernehmen (Fraenkel. Staat 71),
dazu: -grundbesitzer, der: Eigentümer von Großgrundbesitz;
-handel. der: als Bindeglied mischen Hersteller u.
Einzelhandel fungierender Wirtschaftszweig, der mit Waren
in großen Mengen handelt; Engroshandel (Ggs.:
Einzelhandel), dazu: -handebkontor. das (DDR): Organ des
Großhandels, das Waren für den persönlichen Bedarf anbietet:
das G. für Textilwaren, -handelsprets. der (Ggs.:
Einzelhandelspreis), -handelsunternehmer. der. -handebunter-
nehmung. die. -handelsverband. der: Interessenverband der
Großliandelsunternehmer auf regionaler u. nationaler Ebene
(Ggs.: Einzelhandelsverband): -händler, der (Ggs.:
Einzelhändler); -handlung, die: Das Kartellamt folgte damit den
Antragen der pharmazeutischen G. Ferdinand Schulze und
Co. (Welt 2.8.65.11); -herzig <Adj.) (geh.): von selbstloser,
nicht kleinlicher Gesinnung / zeugend]; tolerant: eine -e Tat;
der -ste Herr, der je ihren kleinen, aber teuren ... Laden
verraucht (Frisch. Gantenbein 142); er hat mir g. verziehen,
dazu: -Herzigkeit, die; - (geh.): selbstlose, würdevolle
Gesinnung; Toleranz; -herzog, der [LÜ von ital. gran duca.
urspr. Bez. für den Herrscher von Florenz] (hist.):
Fürstentitel im Rang ZM'ischen König u. Herzog sowie dessen Träger;
-Herzogin, die: w. Form zu t -herzog; -herzoglich <Adj.;
o. Steig.; nur attr.): den Großherzog, das Großherzogtum
betreffend, zu ihm gehörend, von ihm ausgehend;
-Herzogtum, das (hist.): Herrschaftsbereich eines Großherzogs;
-Hirn, das (Anat.): in zwei Hälften geteilter vorderster Teil
des Gehirns, der den größten Teil der Sc/iädelhöhle ausfüllt.
dazu: -Hirnrinde, die: mit zahlreichen Nervenzellen
ausgestattete Partie an der Oberfläche des Großhirns; -hundert,
das (veraltet): altes Zählmaß (120 Stück); -Industrie, die:
a) in besonders großem Umfang produzierender
Industriezweig: die Autoindustrie zählt zu den -n; ... daß keine
G.... daran denken könnte, sich am See anzusiedeln
(Kosmos 2. 1965. 52); b) <o. PI.) Gesamtheit der Großindustrien
(a): die deutsche G . dazu: -industrielle, der: jnui. der
einen od. mehrere große Industriebetriebe besitzt od. leitet;
-Inquisitor, der (hist.): oberster Richter der spanischen
Inquisition; -jährig <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (veraltend):
volljährig, mündig: g. sein, werden, dazu: -jährigkeit, die
(veraltend): Volljährigkeit. Mündigkeit: die G. erlangen,
erreichen; -kaliftejrig [...kali:b(a)ri<;; zu TKaliberl <Adj.;
o. Steig.; nicht adv.): (von Geschützrohren od. Geschossen)
einen großen Durchmesser habend (Ggs.: kleinkaliblelrig):
ein -es Geschütz; Ü weil die Leute großkalibrige (große)
Dummköpfe sind (Tucholsky. Werke II. 220); der Sekt
wurde großkalibrig (ugs.; aufwendig) in überzeugenden,
silbernen Kübeln herangetragen (Augustin. Kopf 33):
-kampfschiff. das (Milit. veraltet): Schlachtschiff; -kampf-
tag. der (Milit.): Tag. an dem große Kämpfe stattfnulen:
Ü heute habe ich einen G. (ugs.; besonders harten
Arbeitstag) hinter mir; -kapital, das (Wirtsch.): a) Gesamtheit
aller kapitalistischen Großunternehmen: Er hat... die
Interessen des westlichen -s berücksichtigt (Spiegel 37. 1976.
133); b) Gesamtheit aller kapitalistischen Großunternehmer;
-kapitalismus, der: Wirtschaftssystem, in dem das
Großkapital bestimmend ist: die vom G. regierten Länder;
-kapitalst, der: Vertreter des Großkapitalismus; -kapitalistisch
<Adj.; o. Steig.): den Großkapitalismus betreffend, zu ihm
gehörend, von ihm ausgehend: die -en Interessen; -kariert
<Adj.; o. Steig.): I. (nicht adv.) mit großem Karomuster
(Ggs.: kleinkariert): ein -er Stoff, Mantel. 2. (ugs.)
anmaßend, überheblich: sein -es Auftreten; er benimmt sich g.;
-katze, die (meist PI.) (Zool.): große Katzen (Ja) in Asien.
Afrika u. Amerika, die im Gegensatz zu den kleinen Katzen
in der Lage sind zu brüllen (z. B. Tiger, Löwe, Leopard);
-kaufinam, der: 1. svw. f Grossist. 2. Kaufmann, der
umfangreiche Geschäfte abwickelt; -kind, das (Schweiz.):
Enkelkind; -klima. das (Met.): Klima größerer Gebiete, z. B.
eines Landes, eines Kontinents od. der gesamten Erde,
Makroklima; vgl. Kleinklima; -knecht, der (früher), oberster
Knecht auf einem Bauernhof; -konzern, der; -köpfete [-k>
ßjdte], (bes. bayr.. österr.:) -kopferte [-kaoftto; zu TKopfl.
der; -n, -n (ugs. abwertend): a) einflußreiche, gesellschaftlich
hochgestellte Person:... daß hier ein Sonderrecht fürGroß-
kopfete praktiziert werden soll ... (Spiegel 25, 1975, 48);
b)jmd.. der studiert [hat]; Intellektueller: In einem Land,
wo der Weiße Riese ... Frau Saubermann heiratet, ist
für einen unrasierten Großkopfeten ... kein Platz mehr
(Spiegel 34.1967,17); -köpftg (Adj.; o. Steig.; nicht adv.):
mit großem Kopf: Der kleine Mann, der sich hinter den
Schreibtisch zurückzog, war eben der zarte, -e Amerikaner,
der ... (Seghers, Transit 246); -kophta. der (hist.):
angeblicher geheimer Oberer. Vorsteher eines (von Cagliostro
1088
groß-,
Großerfundenen) ägyptischen Freimaurerhundes; -kotz [-kotsj.
der; -. -e Uidd. großkozen = schwerreicher Mann, auch:
Wichtigtuer; viell. zu hebr. q^iin = Vorsteher. Anführer,
volksetym. an kotzen angeschlossen] (salopp abwertend):
aufdringlicher, abstauender Angeber; -kotzig [-kotsi<;l
<Adj.> (salopp abwertend): widerlich aufschneidend,
protzig: Ich huste euch was, -e Blase, verfluchte (Bredel, Väter
291); ein -er Scheck; g. daherreden, dazu: -kotzigkeit,
die; -; -kraftwerk, das; -kredit, der: Kredit, der einen
bestimmten Prozentsatz vom Eigenkapital des
Kreditinstituts übersteigt (Ggs.: Kleinkredit); -kreis, der (Geom.):
größter Kreis einer Kugel, der sich dadurch ergibt, daß
die Kugel von einer Ebene durch ihren Mittelpunkt
geschnitten wird; -kreuz, das: Exemplar der höchsten Klasse bei
den meisten Orden: das G. des Eisernen Kreuzes; -küche.
die: mit Spezialgeräten ausgestattete große Küche für
Hotels. Kantinen u.a.; -kundgebung, die; -lautsprecher, der:
die Rede des Präsidenten wurde von -n über den ganzen
Platz übertragen; -k>ge, die: Verband von mehreren
Freimaurerlogen; -machen, sich <sw. V.; hat) (ugs.): sich rüfi-
men, prahlen, sich wichtig machen: du machst dich ganz
schön groß; er dachte, sich großzumachen (Gaiser.
Schlußball 192); -macht, die: Staat, der soviel Macht besitzt,
daß er einzeln od. im Bündnis mit anderen Staaten einen
erheblichen Einfluß auf die internationale Politik ausübt:
die Großmächte Amerika und Rußland; die drei westlichen
Großmächte; Ü dieG. Hauptbuchhalter (Kant, Impressum
250); -mächtig <Adj.>: 1. (geh.. veraltet) sehr mächtig,
einflußreich: ein -er Herr, König. 2. (veraltend) sehr groß:
-e Bäume; „Was hast du dich denn eben mit so einem
-en Koffer abgeschleppt? ..." (Fallada. Jeder 228); sein
-er Eigensinn (Th. Mann. Zauberberg 861). dazu: -mäch-
tigkeit, die; -; -machtpolitik, die; -machtstellung, die: die
Atombombe soll diesem Land G. verleihen; -magd, die
(früher): oberste Magd auf einem Bauernhof; -mama, die
(fam.): svw. t ^mutter; -marmssucht, die (abwertend):
übersteigerter Geltungsdrang; übersteigerter Wunsch, mehr zu
sein, als man ist: seine G. kennt keine Grenzen; der Kontakt
mit so hochgestellten Leuten befriedigt seine G.; der Vjrus
nationalere längst vergangener Epochen (Dönhoff, Ära
126), dazu: -mannssuchtig <Adj.; nicht adv.) (abwertend):
von übersteigertem Geltungsdrang besessen: seine -e Art;
-markt, der: Markt, auf dem vorzugsweise Einzelhändler
ihren Bedarf decken, dazu: -markthalle. die; -maschig
<Adj.; o. Steig.; nicht adv.): mit weiten Maschen: ein -es
Netz; -maßstäbig: t-maßstäblich, -maßstäblich, (selten:)
-maßstäbig [-ma:sjt£:bi(;l <AdJ.; o. Steig.; nur attr.): in
großem Maßstab: eine -e Landkarte; -mast, der (See-
mannsspr.): zweitvorderster Mast eines mehrmastigen
Segelschiffs: Mnaul. das (ugs. abwertend): jmd.. der / gerneJ
prahlt. Angeber: Dieses G. rief im Alter von fünf Jahren:
Was der Lehrer kann ka ka kann ich auch (Weiss. Marat
89); -maulig [-mgyli<;J <Adj.> (ugs. abwertend): prahlerisch,
angeberisch: er ist ein -er Sprücheklopfer; sie behauptet
g.. daß.... dazu: -mäuligkeit, die (ugs. abwertend):
-mehrheitlich <Adj.: o. Steig.) (Schweiz.): mit/in großer Mehrheit:
ein -er Beschluß: -meister, der [1: mhd. grösmeister): 1.
(hist.) im ma. Ordensrecht Oberer eines Ritterordens. 2.
in der Freimaurerei Vorsitzender einer Großloge. 3.
internationaler Meister im Schachspiel: Feste Plätze in der
Meisterklasse haben G. Klaus Darga ... und Hecht (Welt 4. 5.
65. 11): -mogul, der (hist.): Titel nordindischer Herrscher
vom J6. bis 19. Ja/irhundert u. dessen Träger: -mufti, der
(hist.): übergeordneter Mufti in den Provinzialhauptstädten
des Osmanischen Reiches; -mut, die: großzügige, edle
Gesinnung; Toleranz: die kindische G., mit der ich ihm seine
angeblichen Schwächen verzeihen wollte (Roth, Beichte
27); Vor allem aber zeigte er... stets G. gegen die Besiegten
(Thieß, Reich 300); -mutig <Adj.) [mhd. gräsmüetec
= voll Selbstvertrauen]: Großmut besitzend, zeigetui; voller
Großmut: eine -e Haltung. Tat; gegen jmdn. g. sein,
handeln; auf etw. g. verzichten; -mütigkeit, die; - [mhd. grÖ3-
muolecheitl: das Großmütigsein; -mutter. die [mhd. grÖ3-
muoter. Lu von frz. grand-mere): 1. Mutter des Vaters
od. der Mutter; meine beiden Großmütter; meine G.
väterlicherseits; ... daß es bei uns ... immer einige geben würde,
die ihre eigene G. schlachten würden, um sie der Direktion
zum Geschenk machen zu können (v. d. Grün. Glatteis
143); der Teufel mit seiner G.; sie ist zum dritten Mal
G. geworden (sie hat ein drittes Enkelkind bekommen);
R das kannst du deiner G. erzählen! (ugs.; das ist alles
nicht wahr, das glaube ich dir nicht). 2. (ugs.) alte Frau.
dazu: -mutterblatt, das (ugs.): hervorragendes Blatt (4)
beim Skat, mit dem das Spiel mühelos zu gewinnen ist.
-mütterlich <Adj.; o. Steig.; nicht präd.): a) (nur attr.)
die Großmutter betreffend, zu ihr gehörend, von ihr
ausgehend: die Verwandtschaft auf-er Seite; im -en Haus
aufwachsen; der Ring, die Nase ist -es Erbe (von der
Großmutter geerbt); b) in der Art u. Weise einer Großmutter, für
eine Großmutter charakteristisch: -e Gefühle haben; sie
verzog das Kind mit -er Nachsicht, -mutterskat, der (ugs.):
svw. T ^mutterblatt; -nefTe, der: Enkel des Bruders od.
der Schwester; -nichte, die: Enkelin des Bruders od. der
Schwester; -offensive, die (Milit.); -oktav, das (Buchw.):
Buchformat in der Größe eines achtel Bogens mit einer
Höhe bis zu 25cm (Abk.: Gr.-8°); -onkel, der: 1, Bruder
eines Großelternteils. 2. Ehemann einer Großtante (1); ^pa-
pa, der (fam.): svw. t-vatcr; -plastik, die (bild. Kunst;
Ggs.: Kleinplastik); -porig <Adj.; o. Steig.; nicht adv.):
mit großen Poren versehen: -e Haut; -Produktion,
die: landwirtschaftliche, industrielle G.; -Produzent, der:
-Projekt, das; -putz, der (landsch.): svw. f Hausputz;
-quart, das (Buchw.): Buchformat in der Größe eines viertel
Bogens mit einer Höhe bis zu 40 cm (Abk.: Gr.-4°);
Mnat. der (Schweiz.): Mitglied eines schweizerischen
Kantonsparlaments, dazu: -rätlich <Adj.; o. Steig.; nur attr.)
(Schweiz.): den Großen Rat (das Kantonsparlament)
betreffend, von ihm ausgehend, -ratsdebatte, die. -ratspräsident,
der, -ratssitzung, die; -räum, der: 1. großes Gebiet: im G.
Stuttgart (in Stuttgart u. seiner Umgebung). 2. svw.
T^raumbüro, dazu: -raumbüro, das: Büro, das aus
mehreren in einem Raum zusammengefaßten Büros besteht.
-raumflugzeug, das: Flugzeug mit besonders großen
Laderäumen zum Transport von Personen od. Fracht, -räumig
<Adj.): I. große Gebiete betreffend; eine -e Bekämpfung
von Schädlingen; ... wie g. unser Wettergeschehen
beeinflußt wird und zu betrachten ist (Eidenschink. Fels 123).
2. viel Raum bietend od. beanspruchend: ein -es Flugzeug;
70 Plastiken und Zeichnungen von 13 Bildhauern ... Im
Hof stehen -e Arbeiten von Szymanski (Welt 22. 7. 65,
5); Die Stadt ist g. und modern gebaut (Rehn, Nichts
12). dazu: -räumigkeit, die; -: das Großräumigsein.
-raumwagen, der: 1. Straßenbahnwagen, der aus zwei od. drei
durch Gelenke miteinander verbundenen Wagen besteht;
Gelenkstraßenbahn. 2. a) größerer Wagen der Eisenbalm ohne
einzelne Abteile, in dem man wie im Flugzeug /in einer
Richtung/ in Klubsesseln sitzt (z.B. beim Intercity-Zug);
b) gedeckter Güterwagen mit großer Ladefläche für sperrige
Güter od. /auf vier Achsen/ mit besonderer Tragfähigkeit
für Erze usw.. -raumwirtschaft,die: in einer sich
vollziehenden G.. die unter anderem auch den afrikanischen Raum
... umfassen muß (Herrenjournal 2, 1966. 67); -razzia.
die: eine G. durchführen: -reinemachen, das (ugs.):
gründlicher Hausputz: ein G. veranstalten; -satz, der (Sprachw.):
svw. TGliedersatz; -schanze, die (Skisport): der
Spezialsprunglauf auf der G.; -Schiffahrtsweg, der: der Bau des
-es von Basel zum Bodensee (Kosmos 1. 1965. 8): -schirm,
der: vgl. ^bild (b); -schnauze, die (salopp): Großsprecher:
eine Berliner G.: und wovon wollt ihr denn leben.
ihr -n? ..." (Döblin, Berlin 80): -schnauzig [-jn^i^u;],
-schnäuzig [-JnQyt^J <Adj.) (salopp): großsprecherisch;
-schot, die (Seemannsspr.): Schot, mit der das Großsegel
bedient wird; -schreiben <st. V.; hat) meist in der
Verbindung großgeschrieben werden (ugs.: 1. eine wichtige Rolle
spielen; einen wichtigen Platz einnehmen; für wichtig
erachtet werden: Teamwork wird bei uns großgeschrieben;
Gastfreundschaft wird bei den Skandinaviern großgeschrieben.
2. leider nicht in großer Zahl, nur wenig vorhanden sein,
/leider] nur selten möglich sein, vorkommen: Arbeitsplätze
wurden damals großgeschrieben); -Schreibung, die: das
Schreiben mit großen Anfangsbuchstaben (Ggs.:
Kleinschreibung): die G. ist seit dem 18. Jahrhundert zur Regel
geworden; -segel, das (Seemannsspr.): a) am Großmast
festgemachtes Segel; b) Segel eines Bootes ohne Beisegel;
-sender, der (Funkw.): Futiksender mit einer
Ausgangsleistung von 100kW od. darüber; -serie, die: Fertigung in
-n; -Siegelbewahrer, der: 1. svw. t Siegelbewahrer. 2. svw.
? Lordsiegelbewahrer; -spiel, das (Kartenspiel, selten): svw.
f Grand; -Sprecher, der [spätmhd. grössprecher]
(abwertend): jmd.. der [sehr/ prahlt, sich großer Dinge rühmt;
69 GDW
1089
groß-. Groß-
Angeber. Aufschneider: wir dachten nicht an die G., die
im Februar 1933 ... plötzlich verstummt waren (Kantoro-
wicz. Tagebuch I, 43), dazu: -sprecherei hTprecarai], die;
-. -en (abwertend): 1. <o. PI.) Pra/derei. Angeberei, Auf-
Schneiderei: was er da sagt, ist ja alles nur G. 2.
großsprecherische Äußerung: seine -en gehen mir auf die Nerven.
^Sprecherin, die: w. Form zu t ^Sprecher, -sprecherisch
[-jpretpnj] <AdJ.) (abwertend): in der Art eines
Großsprechers, prahlerisch, angeberisch, aufschneiderisch: -e Worte;
alles, was wir g. für unwahr erklärten (Molo, Frieden
145); -spurig <Adj.) (abwertend): a) im Auftreten u.
Benehmen großtuerisch u. eingebildet, sich in dieser Weise
aufspielend: anmaßend, überheblich, arrogant: ein -er Mensch;
-e Reden; sein Auftreten wirkte g.; b) hochtrabend: -e
Pläne; mit einem etwas -en Fremdwort nennt man diesen
... Vorgang: Meditation (Sommerauer, Sonntag 70), dazu:
-spurigkeit. die; -: anmaßende, überhebliche, arrogante Art:
die G. seines Auftretens; -Stadt, die: große, mit
pulsierendem Leben erfüllte Stadt mit vielen Einwohnern (amtlich
mit mehr als 100 000 Einwohnern): in einer G. leben,
aufgewachsen sein, dazu: -Stadtbevölkerung, die. -Städter, der:
jmd.. der in einer Großstadt wohnt u. von ihr geprägt ist.
-stadtgewühl, das. sich im G. zurechtfinden, -städtisch
<Adj>: zu einer Großstadt gehörend: einer Großstadt, dem
Leben in einer Großstadt entsprechend: -er Verkehr; -es
Leben; die Namensänderungen der großen geraden, zu
g. geraden Ausfallstraße (Fries. Weg 43). -Stadtkind, das:
1. in einer Großstadt aufgewachsenes Kind: Heute ist ein
lebendes Pferd auf der Straße für ein G. eine echte
Sensation (Welt 17. 11. 62. Geistige Welt I). 2. jmd.. der in
einer Großstadt aufgewachsen u. vom Leben in der Großstadt
geprägt ist: seine Frau fühlt sich unglücklich auf dem
Lande, sie ist eben ein echtes G.. -stadtlarm. der.
-stadtleben, das, -Stadtluft, die: 1. von schlechten Gerüchen u.
Abgasen erfüllte Luft in der Großstadt: am Wochenende
entfliehen wir der G. und fahren ins Grüne. 2. (ugs.)
geistig anregende, weit offene Atmosphäre der Großstadt:
G. atmen, -stadtmensch, der: Einwohner einer Großstadt,
der dem Großstadtleben völlig angepaßt ist, -stadtpflanze.
die (ugs. iron. od. abwertend): svw. T ^Stadtkind; -stadt-
pflaster, das: die Großstadt mit ihrem pulsierenden Leben
/u. ihrer weltoffenen Atmosphäre]: das G. hassen, ^stadt-
rummel, der (ugs. abwertend), -stadtsumpf, der
(abwertend): lasterhaftes Treiben. Kriminalität in der Großstadt:
er ist im G. untergegangen, -Stadtverkehr, der; -steingrab,
das (Archäol.): svw. t Megalithgrab, dazu: -steingräberleu-
te <PI.> (Archäol.): Megalithiker der jüngeren Steinzeit:
-tante, die: 1. Scfiwester eines Großelternteils. 2. Ehefrau
eines Großonkels (1); ^tat. die: bedeutende, hervorragende,
oft mit persönlichen Risiken verbundene Leistung: kulturelle,
wissenschaftliche -en; die -en [auf dem Gebietl der Medizin;
Eine G. war auch die winterliche Ersteigung der Grandes
Jorasses (Eidenschink, Eis 115); -technik, die: Technik,
die durch den Einsatz von Großgeräten charakterisiert ist.
dazu: -technisch <Adj.; o. Steig.; nicht präd.>: -e Anlagen;
g. hergestellte Produkte; "»teil, der: a) größerer Teil.
Hauptteil: Fichte ... hatte den G. seines Lebens als Emigrant
verbracht (Zwerenz, Kopf 9); b) nicht unerheblicher Teil:
Ein G. des Publikums ist offenbar anderer Meinung
(Spiegel 20, 1975. 153); sie (= die Hunde) wissen auch, daß
der Mensch zu einem G. aus Feigheit besteht (Schnurre.
Bart 192); ^teib <Adv.>: zum großen Teil: Diese
Gletscherart ist... das ganze Jahr über g. mit Firn bedeckt
(Eidenschink. Eis 12); -tönend <Adj.> (geh., abwertend):
bedeutungsvoll [klingend/, hochtrabetul: -e Worte; er verkündete
g., daß ...; -tuer [-tu:el, der; -s, - (abwertend): jmd., der
sich wichtig macht, der ständig prahlt: Angeber. Wichtigtuer.
dazu: ^tueneL die (abwertend): Prahlerei. Angeberei.
Wichtigtuerei, -tuerisch [-tu:snj] <Adj.> (abwertend):
prahlerisch, angeberisch, wichtigtuerisch: ^tun <unr. V.; hat)
(abwertend): sich einer Sache rühmen: prahlen, angeben, sich
wichtig tun. renommieren: Indriks wollte vor seinen
Freunden mit der Haube g. (Bergengruen. Rittmeisterin 210);
(auch g. + sich:) er tut sich groß mit seinen Reisen;
-türke, der (hist.): Bez. für Sultan des Osmanischen Reiches:
-unternehmen, das (Wirtsch.): den gewerblichen
Mittelstand vor der Macht der G. retten (Welt 17. 8. 65. 9);
-Unternehmer, der (Wirtsch.); -vater, der [mhd. grösvater.
LÜ von frz. grand-pere]: 1. Vater des Vaters od. der Mutter:
meine beiden Großväter: sein G. mütterlicherseits; R als
der G. die Großmutter nahm (scherzh.; vor langer Zeit,
als alles noch ganz anders war). 2. (ugs.) alter Mann, dazu:
-väterlich <Adj.; o. Steig.; nicht präd.): a) <nur attr.)
den Großvater betreffend, zu ihm gehörend, von ihm
ausgehend: der -e Sessel; der -e Rat; b) in der Art u. Weise
eines Großvaters: für einen Großvater charakteristisch: er
hat bereits -e Gefühle. Gewohnheiten; Ü Drinnen gab
es einen -en (aus der Mode gekommenen, leicht
antiquierten) Schaukelstuhl (Frisch, Stiller 301), -vatersessel, der
(ugs.): bequemer Sessel mit hoher Lehne: Ohrensessel, -va-
terstuhl, der (ugs.): vgl. -vatersessel. -vateruhr. die (ugs.):
alte Standuhr: -Veranstaltung, die: an einer G. teilnehmen;
-verband, der (Milit.): Zusanunenfassung mehrerer
Truppenteile verschiedener Truppengattungen: -Verbraucher.
der: Stelle. Institution o. ä.. die Waren in größeren Mengen
benötigt u. bezieht (z. B. ein Krankenhaus, eine Kantine):
Ü (scherzh.:) wenn ich Schnupfen habe, bin ich G. von
Papiertaschentüchern; -Verbrecher, der (selten): svw.
t Schwerverbrecher: eine Bande von -n; -verdienen <sw.
V.; hat) (Schweiz.): viel Geld verdienen: Ich großverdiene
jetzt (Frisch. Stiller 465); -Verdiener, der: jmd.. der viel
Geld verdient, der ein großes Einkommen hat: -Versandhaus,
das; -versuch, der: die Förderung eines -s zur
..Humanisierung des Arbeitslebens" (Zeit 6. 6. 75. 19); ^vieh. das:
Sammelbez. für Rinder u. Pferde (Ggs.: Kleinvieh), dazu:
-vieheinheit. die (Landw.): Wertzahl zur Erfassung des
Viehbestandes eines landwirtschaftlichen Betriebes: Abk.:
GV, GVE; -volumig [-volu:mi<;] <Adj.; o. Steig.; nicht
adv.) (ugs.): von großem Volumen, umfangreich, voluminös:
die -en „Amerikaner", vielpferdige. chromglitzernde cars
aus der „Neuen Welt" (Auto 8. 1965. 71); -Warnanlage,
die: ^wesir. der (hist.): oberster, nur dem Sultan unterstellter
Amtsträger des Osmanischen Reiches, der die
Regierungsgeschäfte fütirt, -Wetterlage, die (Met.): Wetterlage über
einem größeren Gebiet wälxrend des Zeitraums von mehreren
Tagen: ^wild. das: großes Wild. bes. Raubwild der Tropen.
dazu: -wildjaad, die: auf einer G. in Afrika, -wildjäger,
der; -Wirtschaft, die: eine Wirtschaftspolitik .... in
der die G. zum Prügelknaben werden würde" (Stamokap
76), dazu: -wirtschaftlich <Adj.; o. Steig.; nicht präd.);
-Wörterbuch, das; -wuchs, der (Med.): übermäßig großer
Wuchs (Ggs.: Kleinwuchs): krankhafter G.. dazu: -wüchsig
<Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (Ggs.: kleinwüchsig);
-Würdenträger, der: hoher Würdenträger: -ziehen <unr. V.; hat):
(ein Kind od. ein junges Tier) so lange ernähren u. fiir
es sorgen, bis es groß, erwachsen ist: sie nahm das uneheliche
Kind ... an eigen Statt und zog es unter Opfern groß
(Musil. Mann 456); Junge Hyänenhunde, die man mit
der Flasche großzieht, werden recht umgänglich (Grzimek.
Serengeti 212); U indem ich ... Gefühle verwundete, die
ich großgezogen hatte (Th. Mann, Krull 249); -zügig
<Adj.) [eigtl. = einen Zug ins Große habendi: 1. (von
Menschen) sich über als unwichtig Empfundenes
hinwegsetzend: Gesinnungen. Handlungen anderer gelten lassend: nicht
kleinlich fdenkend], tolerant: Matzerath war g. genug,
dem Ortsbauemfiihrer den kleinen Fehler nachzusehen
(Grass, Blechtrommel 371); auf einmal... stellen sie wieder
fest. ... daß ich zu g. (nicht genau genug) Buch führte
(Lenz, Brot 134). 2. a) in Geldangelegenfieiten. im Geben
und Schenken nicht kleinlich, spendabel: in -er Weise eine
Sache finanziell unterstützen; er war wenigstens so g..
mir das Mittagessen zu bezahlen; Ü sie ging mit ihrer
Zeit, mit dem Platz zu g. (verschwenderisch) um; b) von
einer großzügigen (2 a) Haltung zeugend: ein -es Trinkgeld;
gegen ein -es Lehrgeld stellte ihm sein Meister einige
Matrosen zur Verfugung (Hildesheimer, Legenden 50). 3.
große Ausmaße habend, weit/ räumigJ. in großem Stil: -e
Bauten. Gartenanlagen; die viel besseren und -eren For-
schungs- und Arbeitsbedingungen (Kosmos 3, 1965, 120);
die -e (viele Möglichkeiten offenlassende) Fassung Jeder
rechten Weissagung (Th. Mann, Hoheit 23), dazu:
-zügigkeit, die: großzügiges Wesen, großzügige Beschaffenlieit.
Größe fgr0:s3l. die; -. -n [mhd. groe3e. ahd. grösi. zu tgroßl:
I. a) <P1. selten) [Maß der] räumliche[nj Ausdehnung,
Dimension: Umfang eines Körpers: die G. eines Apfels,
einer Schachtel; die G. des Grundstücks beträgt 600qm;
die G. einer Fläche, eines Raumes schätzen, bestimmen,
messen; Tische unterschiedlicher G.; ein Mann mittlerer,
beachtlicher G.; Knöpfe in allen -n; etwas in natürlicher
G. darstellen; die Blüten fielen durch ihre G. und Schönheit
1090
Grotzen
auf; b) <PI. selten) zahlen-, mengenmäßiger Umfang: die
G. eines Volkes, einer Versammlung; Sie (= die Gemeinde)
wird nach... ihrer G.. ihrer wirtschaftlichen und kulturellen
Bedeutung ... in den Staatsaufbau eingefügt (Fraenkel.
Staat 159); c) <P1. selten) [Maß der} Erstreckung eines
Körpers in Länge od. Höhe; Körpergröße: die G. eines
Kindes; sie fiel schon durch ihre kleine G. (ugs.; ihren
kleinen Wuchs) auf; er ... richtete sich mit Hilfe seiner
Stöcke zu seiner vollen G. auf (Roth, Beichte 168); d)
nach der Größe des menschlichen Körpers od. eines
Körperteils genormtes Maß für Bekleidungsstücke: von diesem
Muster haben wir nur noch kleine -n; sie braucht Kleider.
Schuhe in G. 38. 40; der Anzug ist in allen -n erhaltlich.
L a) (Physik) quantitative u. Qualitative Eigenschaften od.
Merkmale einer physikalischen Erscheinung, die sich -
zusammengenommen - in einem zahlentnäßigen Wert ausdrük-
ken lassen: eine gegebene, unbekannte G.; die
Schwingungsdauer eines 1 m langen Pendels ist eine G. der Zeit;
b) (Astron.) svw. TGrößenklasse (2): ein Stern erster G.
3. <PI. selten) a) besondere Bedeutsamkeit, Tragweite: die
G. des Augenblicks, der Stunde. Katastrophe; die
geschichtliche G. dieses Herrschers; sich der ganzen G. seines
Einfalls bewußt werden; die Sage hat ... diesen wilden
Eroberer (= Attila) zu einem fürstlichen Manne und
Helden von luziferischer G. erhoben (Thieß. Reich 180);
b) besonderer, jmdni. od. einer Sache innewohnender Wert;
Großartigkeit: die wahre, innere, menschliche G.; die G.
seiner Gesinnung, des Denkens; Aber wirkliche G. zeigt
sich erst in einer Niederlage! (H. Mann. Stadt 185). 4.
bedeutende, berühmte Persönlichkeit. Kapazität; Genie,
Könner: die geistigen -n einer Epoche; (scherzh.:) er ist
eine [noch] unbekannte G.; die -n der Wissenschaft. Kunst;
er ist eine G. auf dem Gebiet der Medizin; Da wurden
kleinste Funktionäre der einstigen -n zur Rechenschaft
gezogen (Dönhoff, Ära 108).
großen-, Größen-: -klasse, die: 1. Klasse, in die etw. auf
Grund seiner Ausmaße einzustufen ist: Eier der G. 2.
2. (Astron.) Helligkeitsstufe eines Sterns; ^Ordnung, die:
1. /Zahlenjbereich, in welchem die Höhe, der Umfang,
das Ausmaß von etw. anzusiedeln ist; Dimension; kosmische
-en; die kleinsten -en der Materie; Die
Durchschnittsgeschwindigkeiten lagen noch in der G. von 20 bis höchstens
35 km/h (Frankenberg. Fahren 5). 2. (Physik, Math.) meist
durch aufeinanderfolgende Zehnerpotenzen begrenzter ZaJil-
bereich, in dem die Meßzahl einer Größe (2 a), einer Anzahl
o.a. liegt; ^unterschied, der: ein auffälliger, geringer G.;
zwischen den beiden Mädchen ist kein G. festzustellen;
-Verhältnis, das: 1. Verhältnis in bezug auf die Größe
zwischen gleichartigen, aber verschieden großen Personen od.
Gegenständen: ein Modell der mittelalterlichen Burganlage
im G. 1 zu 100; Ü du mußt seine Reaktion im richtigen
G. sehen (im Zusammenhang beurteilen); das sind ja
geradezu amerikanische -se (Maßstäbe, Kriterien, Richtlinien).
2« Verhältnis in bezug auf die Größe zwischen den einzelnen
Teilen eines Gegenstandes, Proportion: das Bild entspricht
nicht den tatsächlichen -sen; -wahn, der (abwertend):
krankhaft/ übersteigerter Geltungsdrang: vielleicht war
es Bescheidenheit, vielleicht auch G., vielleicht auch beides
(Spoerl, Maulkorb 32): der Faschismus, der die leicht
erregbaren Massen mit dem Gift rassistischen und
nationalistischen -s infiziert (K. Mann, Wendepunkt 293);
Streiken? Wegen ditf rief Rainer. Du leidest ja an G. (v. d.
Grün, Glatteis 163); ^Wahnsinn, der: svw. f ^wahn, dazu:
-wahnsinnig <Adj.; nicht adv.>: an Größenwahn leidend:
..Und deshalb ... muß der Mann ... jeden Befehl eines
-en Anstreichers ... widerspruchslos hinnehmen" (Kirst.
08/15, 216); Da hätte also das alte Asien gegen seine
g. gewordene Halbinsel Europa recht, wenn es sagt ...
(Molo. Frieden 91).
großenteils <Adv.>: zum großen Teil: eine der vielen
wundervollen Höhen unserer Heimat, die dank der Seilbahnen
g. mühelos erreichbar sind (St. Galler Tagblatt 563, 1968.
25); größer [groisn]: tgroß; größerenteils <Adv.>: zum
größeren Teil, vorwiegend: das Publikum besteht g. aus
Abonnenten.
Grossesse nerveuse [grosesnerv0:z], die; --. -s -s [-] [frz.
grossesse nerveuse, zu: grossesse = Schwangerschaft u.
nerveuse = die Nerven betreffend! (Med.): eingebildete
Seh wanger schaff.
Grossist [gresist], der; -en. -en [zu frz. gros = groß, dick;
vgl. *Grosl (Kaufmannsspr.): Großhändler, -kaufmann (1):
beim -en bekomme ich diese Waren billiger; Grossohandel
[gn>so-].der; -s [zu ital. in grosso. Ten gros] (Kaufmannsspr.
veraltet): svw. tGroßhandel; grosso modo [gn>so 'mo:do;
spätlat. = auf grobe Weise] (bildungsspr.): grob gesprochen,
im großen ganzen: Doch g. m. wird diese Anarchie ...
doch als die beste aller Staats- und Lebensformen
angepriesen (MM 19.6.69.24).
größte [gr0:std]: tgroß; größtenteils <Adv.>: zum größten
Teil, fast ausnahmslos, in der Hauptsache: diese Erfolge
gehen g. auf seine Verdienste zurück; Das Gewimmel von
alliierten Truppen, g. Franzosen und ..deplaced persons"
jeder Nationalitat (K. Mann. Wendepunkt 429);
Größtmaß, das: 1. größtes zulässiges Maß: bei der Anfertigung
von etw. das G. nicht überschreiten. 2. größtmöglicher
Anteil: er besitzt ein G. an Geduld und Ausdauer.
größtmöglich <Adj.; o. Steig.; nur attr.): so groß wie
möglich: -e Sicherheit. Vollständigkeit; die -e materielle
Unterstützung fordern.
Grossular [gr^sula:^]. der; -s. -e [nlat. grossularia =
Stachelbeere, nach der stachelbeerähnlichen Färbung, falsche
Ableitung von frz. groseillier = Johannisbeerstrauch, auch:
Stachelbeerstrauch < mlat. groselarius]: grüne u. gelbgrüne
Abart des 2Granats (1).
Grosz [groll, der; -, -e [poln. grosz < tschech. groS <
spätmhd. grosche, T Groschen!: Untereinheit der Wä/irung
in Polen (100 Grosze = 1 Zloty).
grotesk [grotesk! <Adj.; -er, -este) [frz. grotesque < ital.
grottesco. in Fügungen wie grottesca pittura. Bez. für
die spateren seltsam u. phantastisch anmutenden
Malereien in Grotten. Kavernen o.a. aus röm. Zeit; zu: grotta.
tGrotte!: durch eine sehr starke Übersteigerung od.
Verzerrung bestinunte Ordnungen, Normenvorstellungen
umkehrend u. absonderlich, phantastisch wirkend: eine -e Situation;
auf dem winzigen Körperchen saß ein großer Schädel;
seine Erscheinung wirkte g. (Niekisch. Leben 131); ... mit
einem überlangen, sich g. windenden Rohr (Dürrenmatt,
Grieche 78); ihre Aufmachung, seine Behauptung war
einfach g. (absurd, lächerlich); Grotesk [-1. die; -.
Groteskschriften [H. u.l (Druck- u. Schriftw.): gleichmäßig starke
Antiquaschrift ohne Serif en: eine Überschrift in G.;
Groteske [gro'teskal. die; -. -n: 1. (Kunstwiss.) phantastisch
gestaltete Darstellung von Tier- u. Pflanzenmotiven in der
Ornamentik der Renaissance u. der Antike. 2. (Kunstwiss.. Lite-
raturwiss.) Darstellung einer verzerrten Wirklichkeit, die
auf paradox erscheinende Weise Grauenvolles.
Mißgestaltetes mit komischen Zügen verbindet: eine G. schreiben; eine
Ausstellung mit vielen -n verschiedener ^Epochen; Ü Ich
stand unter dem Eindruck, eine politische -e miterlebt
zu haben (Niekisch. Leben 70). 3. ins Verzerrte gesteigerter,
karikierend übertreibender Ausdruckstanz; grot^skenvfiise
<Adv.>: g. wurde der Verbrecher geschnappt, als er gerade
einem Menschen behilflich war.
Grotesk-: ^film. der: Lustspielfilm mit oft völlig sinnloser
Situationskomik (z. B. Pat u. Patachon); ^schritt, die: svw.
IGrotesk; -tanz, der: svw. TGroteske (3).
Grotte ['grate], die; -. -n [ital. grotta < vlat. crupta =
Korridor, Kreuzgang; unterirdisches Gewölbe; Grotte,
Gruft < lat.crypta < griech. krypte. T Krypta]: malerische,
oft I in Renaissance- u. Barockgärten] künstlich gebildete
Felsenhöhle von geringer Tiefe: diese G. aus grauem Gestein
... hat keine Ähnlichkeit mit der holden Sirenengrotte
von Capri, mit den unterirdischen -n der Isis (Langgässer.
Siegel 156); eineG. aus Lavagestein, in der Steingutzwerge
mit Schubkarren spielten (Böll. Haus 16).
glitten-. Glitten-: -bau, der <PI. -ten>: -ten waren in
Renaissance-. Manierismus- und Barockgärten besonders
beliebt; M>bn. der: aalartig langgestreckter, blinder Schwanz-
lurch mit kleinen u. sehr dünnen Gliedmaßen; -werk, das:
Dekoration für künstliche Grotten aus Steinen, Felsstücken,
Muschelwerk u. ä.
Grotto l'groto], das; -s, ...ti. auch: -s [aus dem
Lombardischen, eigtl. = Weinkeller, zu ital. grotta. TGrotte]:
Weinschenke im Tessin.
trotzen [grotsn]. der; -s, - [1: vgl. mhd. grosse, gra3 =
Sprossen von jungem Nadelholz, Herz des Salatkopfes;
3: H. u.l: 1. (mundartl.) Kerngehäuse bes. beim Apfel.
2. (landsch.) Wipfelsprosse von Nadelbäumen.
trotzen [-], der; -s. - [H. u.] (Kürschnerei): oft dunkler
gefärbte Rückenmitte eines Fells.
89*
1091
Groundhostess
Groundhostess [graunt-]. die; -. -en [engl.-amerik.
groundhostess. zu: ground = (Erd)boden u. T Hostess]: Angestellte
einer Fluggesellschaft* der die Betreuung der Fluggäste auf
dem Flughafen obliegt.
Groupie [gru:pi], das; -s. -s [engl, groupie zu: group =
(Musik)gruppel (Jargon): a) weiblicher Fan. der immer
wieder versucht, in möglichst engen Kontakt mit der von ihm
bewunderten Person od. Gruppe zu kommen: Flugzeuge
mit jungen Menschen aus den USA an Bord: Popstars
.... Schauspieler, auch -s sind darunter (MM 25. 7. 70,
83); b) zu einer Gruppe. Organisation außerhalb der etablier-
ten Gesellschaft gehörendes Mädchen.
Growl [graul], das; -s [engl, growl = Brummen] (Jazz):
Spielweise der Blechbläser, mit der bes. durch Posaunen
u. Trompeten ein tiefes Grollen od. Brummen erzeugt wird.
grub [gru:p]: f graben.
grubben: t grubbern; Grubber [grubt?], der; -s. - [engl, grub-
ber, zu: to grub = graben, wühlen]: landwirtschaftliches
Gerät mit einer ungeraden Anzahl von (in zwei od. mehr
Reihen) versetzt angeordneten, starken Zinken zur
Bearbeitung, bes. zur Lockerung, des Ackerbodens: Kultivator:
<Abl.:> grubbern ['gruben], grubben [grubn] <sw. V.; hat):
a) mit dem Grubber arbeiten, tätig sein: die Bauern grubbern
und pflügen; b) mit dem Grubber bearbeiten, lockern: er
grubbert den Acker, das Feld.
Grübchen [gry:p93n]. das; -s. - [Vkl. von TGrube. eigtl.
also = kleine Grube]: kleine Vertiefung im Kinn u. (beim
Lachen entstehend od. sich vertiefend) in den Wangen: das
Baby hat noch G. auf dem Handrücken, in den Ellenbogen;
Adalbert v. Bißwanges schmale, asketische Wangen
besaßen G.. richtig niedliche, back fisch hafte G. (Beheim-
Schwarzbach. Freuden 38); ein Mädchen mit G. [in den
Wangen]; grübe [gry:ta]: fgraben; Grube [gru:bd]. die:
-. -n [mhd. gruobe. ahd. gruoba; zu t graben]: 1. [gegrabene,
ausgebaggerte, künstlich angelegte] Vertiefung in der Erde:
eine tiefe, rechteckige G. ausheben, ausschachten; eine
G. als Falle für Tiere mit Zweigen abdecken, tarnen; er
konnte gerade noch in einer kleinen G. in Deckung gehen:
den Müll, die Asche in die G. (Abfallgrube) werfen; Spr
wer andern eine G. gräbt, fällt selbst hinein (wer anderen
schaden will, schadet sich dadurch oft nur selbst). 2.
(veraltend) / noch offenesI Grab: den Sarg in die G. hinabsenken:
die Trauernden warfen Blumen in die G.; Das Zeug, mit
dem sie den Josef ausgespritzt hatten, als sie ihn in die
G. legten, war erste Klasse (Fries. Weg 213); Ü Kaiser
und Könige .... die mächtig waren, bis sie einander die
-n ihres Unterganges schaufelten (Koeppen, Rußland 180);
*in die/zur G. fahren (geh.. veraltet, auch noch salopp,
iron.; sterben): Und am Ende fahren wir doch alle auf
die gleiche Weise in die G. (Chr. Wolf. Himmel 306).
3. (Bergbau) a) technische Anlage, bes. unter der Erde,
zum Abbau, zur Gewinnung. Förderung von mineralischen
Rohstoffen. Bodenschätzen: Bergwerk. Zeche: eine
ergiebige, verfallene G.; eine G. stillegen; in die G. einfahren;
er arbeitet in der G. (ist Bergarbeiter): b) die in einer
Grube (3 a) beschäftigten Bergarbeiter: Tatsächlich stieß
man bald auf diesen tauben Gang ... Die ganze G. geriet
in Aufregung (Zwerenz. Quadriga 284). 4. (seltener)
/kleine/ rundliche Vertiefung. Mulde: die Sehnen am Hals
... und -n zwischen den Sehnen. Höhlen, die mir nie
aufgefallen sind (Frisch, Gantenbein 130); Und bevor er
antworten kann, zieht sie ... seinen Kopf in die G. zwischen
ihren Brüsten (Fr. Wolf. Menetekel 362).
Grübelei [gry:bd'lai]. die; -. -en: dauerndes, oft als quälend
empfundenes Grübeln: unnütze -en; Hier versank
er abermals in dumpfe G. (Hauptmann. Thiel 24);
Häufig verfiel er in -en (Maegerlein, Triumph 105); grübeln
[gry:bln] <sw. V.; hat) [mhd. grübelen, ahd. grubilön =
(wiederholt) graben, herumstochern; nachforschen,
nachdenken; zu t graben]: seinen meist einem schwierig
erscheinenden Problem geltenden, oft Quälenden, unnützen od.
fruchtlosen Gedanken nachhängen: über eine Sache
nachsinnen, in der man gerne zu einer Lösung ixi. Klärung kommen
möchte, an der aber oft nichts zu ändern ist: ergebnislos
g.; Vergebens grübelte Axel nach dem Grund der
Fremdheit (Müthel. Baum 213); er hat tagelang über dieses/über
diesem Problem gegrübelt; Er blickte gen Himmel, grübelte
um Erkenntnis und fragte sich, was hier zu tun sei (Kirst.
Aufruhr 65); <subst.:> Er war ... wieder aufgewacht und
ins Grübeln gekommen (Strittmatter. Wundertäter 426).
Gruben-: ^anteil. der: Anteil (1 b) an einem Bergwerk:
-arbeit, die (Bergbau): unter Tage verrichtete Arbeit in einem
Bergwerk: -arbeiter, der: vgl. Bergmann; -ausbau, der
<o. PI.) (Bergbau): in zahlreichen Verfahren mögliches
Absichern u. Offenhalten der für den fortlaufenden Betrieb
benötigten Teile einer Grube durch Abstützung. Festigung
des Gebirges o. ä.: -bahn, die: in einer Grube auf ebenen
Strecken zur Förderung benutzte, auf Schienen laufende
kleine Bahn: ^bau. der <PI. -e> (Bergbau): planmäßig
hergestellter, je nach Zweck verschieden gestalteter Hohlraum
(wie Schacht. Stollen. Strecke u.a.) in einem Bergwerk:
-besitzen der: -betrieb, der (Bergbau): a) alle Anlagen
in einem Bergwerk, die unter Tage liegen: b) im Tagebau
die Anlagen, die unter der Erdoberfläche liegen: ^bewerte-
rung, die (Bergbau): Zuführung von Frischluft u. Abführung
verbrauchter Luft bei unterirdischen Grubenbauen:
Wetterführung: ^bild. das (Bergbau): (gesetzlich vorgeschriebene
u. regelmäßig zu ergänzende) Planzeichnungen einer Grube:
-brand, der: Brand in einem Grubenbau (der meist durch
sich selbst entzümlende Kohle entsteht): ^feld. das
(Bergbau): I zu einer Grube gehörendes/ Gebiet, für das jmd.
über das Recht zur Förderung der entsprechenden
Bodenschätze verfügt: -gas, das: in Steinkohlebergwerken häufig
sich entwickelndes färb- u. geruchloses, ungiftiges, aber leicht
brennbares, explosives Gas: -gebäude. das (Bergbau):
Gesamtheit aller zu einem Bergwerk gehörenden Grubenbaue:
-gezähe, das (Bergbau): Handwerkszeug der Bergleute:
-handtudi. das: svw. f -tuch; -holz, das (Bergbau): zum
Ausbauen. Abstützen o.a. der Stollen in einem Bergwerk
bestimmtes od. dazu verwendetes Holz: ^katastrophe. die:
in einem Bergwerk sich ereignendes Unglück größeren
Ausmaßes: -bunpe. die: im Bergbau verwendete, tragbare
Lampe. Sicherheitslampe des Bergmanns: -licht, das <PI. -er)
(Bergbau): svw. t^lampe; ^pilz. der: Pilz, der an den im
Bergbau verwendeten Holzteilen wächst und dort erhebliche
Sc/iäden verursachen kann: -schmelz, der (Kunstwiss.):
svw. t Furchenschmelz; -tuch, das: für stärkere
Beschmutzung geeignetes Handtuch aus Baumwolle od. Leinen mit
blau u. grau od. weiß gewürfelter Musterung: -Unglück.
das: vgl. ^katastrophe; ^wagen, der (Bergbau): svw. t
Förderwagen: -wasser, das: Wasser, das sich in einem
Grubenbau sammelt: ^wehr. die (Bergbau): für
Rettungsmaßnahmen bei Unglücksfällen im Bergwerk ausgebildete
Mannschaft: -Zimmerung, die (Bergbau): a) <P1. selten) das
Herstellen der Abstützung mit Grubenholz in einem Grubenbau:
b) Abstützung aus Grubenholz in einem Grubenbau.
Grübler ['gry:blB], der; -s, -: jmd.. der zum Grübeln neigt,
der oft grübelt: grüblerischer, nachdenklicher Mensch: Nicht
zipfelsinnig, kein Spaltgeist oder G. (Hacks. Stücke 9);
Grüblerin, die; -. -nen: w. Form zu f Grübler; grüblerisch
<Adj.): zum Grübeln neigend: [häufig/ in Grübeleien
versunken: von Grübeln. Grübeleien zeugend: er ist ein -er Geist;
er wurde g. und sprach viel vor sich hin (Jens, Mann
111).
Grude [gru:da], die; -. -n [aus dem Niederd. < mniederd.
grude = Asche]: 1. <P1. selten) als Rückstandbei der
Schwelung von Braunkohle gewonnener Koks in Form von
mattschwarzen, porösen Körnern, der früher bes. als Heizmaterial
in Haushaltungen verwendet wurde: mit G. heizen. 2. (ugs.)
kurz für f Grudeherd. Grudeofen: sie heizen mit einer G.
Grude-: -herd, der (früher): für das Heizen mit Grudekoks
konstruierter Herd, «Jcoks. der: svw. f Grude (1); -ofen,
der: vgl. ^herd.
griiezi ['gry:etsi] <Adv.) [gek. aus: (Gott) gruezi-i = (Gott)
grüße Euch]: Schweiz. Grußformel.
Gruft [gruft], die; -, Grüfte fgTYfto; mhd.. ahd. gruft, kruft
= unterirdischer Raum. Grabkammer, unter Einfluß von
vlat. crupta (tGrotte) umgestaltet aus ahd. girophti =
Graben, zu T graben] (geh.): a) höhlen- txi. kellerartiger,
oft gemauerter Raum. Gewölbe, bes. als Grabstätte: Dort
erhoben sich die Pyramiden ... die ungeheuren Grüfte
der Könige (Ceram. Götter 98); sie stiegen in die G.
(Krypta) des Domes hinab; b) /offenes] Grab: den Sarg in
die G. hinablassen.
grummeln [grornfn] <sw. V.; hat) [zu veraltet grummen.
ablautende Bildung zu 'grimmen] (landsch.): 1. dumpf,
schwach dröhnen: ein rolletides. leise polterndes Geräusch
verursachen: man hörte den Donner jetzt etwas näher g.;
<subst.:> von den Sturmgeschützen ... das Grummeln der
schweren Motoren (H. Kolb, Wilzenbach 130); Ü Ohne
1092
grün-, Grün-
das G. der Revolution, das der progressiv gebildete
Zuschauer bei „Figaro" erwartet (Spiegel 51, 1976, 199).
2. leise u. undeutlich / vor sich hin] sprechen; murmeln,
brummein: „Da lernt man's am besten", grummelte Kroh-
nert, „ein besseres Training gibt es nicht" (Lenz, Brot
27).
Grummet [gromatl. das; -s, auch: Grumt [grumtl, das; -[eis
[mhd. gruo(n)mät. zu mhd. grüejen, ahd. gruoen =
wachsen, sprießen, grünen u. tMahd. also eigtl. = sprießende
Mahd]: Heu aus dem Gras, das auf einer Wiese nachwächst,
die bereits gemäht worden ist; durch den ZM'eiten (od. dritten)
Schnitt innerhalb eines Jahres gewonnenes Heu: das G.
mähen, machen, wenden, einfahren; sie gingen noch einmal
um den Teich, rochen die muffige Brise aus Grummet
und altem Laub (Bieler. Mädchenkrieg 11): <Zus.:> Grynv
meternte. die: zweite Heuernte innerhalb eines Jahres: bei
derG. helfen; Crynimetmahd, die (landsch.): svw. TGrum-
meternte.
Gnimpen fgrumpn] <P1.) [H. u.]: die untersten, z. T.
wertlosen, bei der Ernte oft schon braunen Blätter der
Tabakpflanze: bei der Einschreibung gab es für die losen G.
121.40 Mark, für gebündelte G. der Güteklasse I 170,01
Mark (MM 1. 10.68. 15).
Grumt: f Grummet.
grün [gry:n] <Adj.; Steig, selten; nicht adv\> [mhd. grüene,
ahd. gruoni, tu mhd. grüejen. ahd. gruoen = wachsen,
grünen, urspr. = wachsend, sprießend, grasfarbenl: 1.
die Farbe frischer, wachsender Pflanzen aufweisend; von
der Farbe frischen Grases, Laubs: -e Wiesen. Wälder; -er
Salat (Blattsalat): eine -e Flasche; -e Ölfarbe; dieses Jahr
werden wir -e Weihnachten (Weihnachten ohne Schnee)
haben: ihre Augen sind g.; Klaus Heinrich sah mit Bangen,
wie außerordentlich g. sein Gesicht war (wie elend er
aussah; Th. Mann. Hoheit 193); wir können gehen, die Ampel
ist grün (ugs.; zeigt Grün): die Bäume werden wieder g.
beginnen auszuschlagen;.etw. g. färben, anstreichen; das
Wasser schillerte g. und blau; *jmdn. g. und blau g. und
Selb schlagen (ugs.; jmdn. sehr verprügeln): sich g. und
bbu/g. und gelb ärgern (ugs.: sich sehr ärgern): jmdm. wird
es g. und bbu/g. und gelb vor den Augen (ugs.; jmdm.
wird übel, jtnd. fühlt sich plötzlich sehr elend). 2. a) noch
nicht ausgereift; unreif: -e Äpfel, Tomaten; -es Obst; die
Birnen sind noch zu g.; b) frisch u. saftreich; noch nicht
getrocknet, gedörrt: -e Bohnen, -e Ware (frisches Gemüse);
das Holz brennt schlecht, weil es noch zu g. ist; c) (nur
attr.) frisch, roh, nicht durch Räuchern, Salzen, Trocknen
o.a. konserviert: -er Speck; -e (ungesalzene) Heringe; -e
K löße (landsch.; Klöße aus rohen Kartoffeln). 3. (oft
abwertend) zu wenig Erfahrung u. geistige Reife besitzend: ein
-er Junge. Bengel; Ratschläge von dir sind unerwünscht.
Dafür bist du mir noch zu g. (Fallada, Jeder 99); manchmal
wird er zu g. (landsch.; frech, vorlaut). 4. *imdm. nicht
g. sein (ugs.; jmdm. nicht wohlgesinnt sein; jmdn. nicht
leiden können; grün verbindet sich hier über die urspr.
Bcd. „wachsend, sprossend, blühend" mit der Vorstellung
des Gedeihlichen, Angenehmen, Günstigen): die beiden
bekämpfen sich ... nicht nur laut Rolle vor der Kamera.
Sie sind sich auch sonst nicht g. (Hörzu 32, 1971. 10);
^subst.:)Griin [-1, das; -s, -, ugs.: -s: I. grüne Farbe; grünes
Aussehen: ein helles, kräftiges, leuchtendes, mattes G.;
das satte G. der Wiese; sie liebt [die Farbel G. besonders;
die Ampel zeigt G. (grünes Licht). steht auf G.; sie erschien
ganz in G. (in grüner Kleidung); *[das ist] dasselbe in
G. (ugs.; [das ist; so gut wie dasselbe, im Grunde nichts
anderes). 2. <o. PI.) grünende Pflanzen/ teileJ (junge Triebe,
frisches Laubwerk, frischer Rasen o.a.): das erste zarte
G. des Frühlings; Akazien und Kastanien, die noch in
vollem, prächtigem G. standen (Hildesheimer. Legenden
64); Ein wunderbares Ufer glitt auf ihn zu. mit üppigem
G. bedeckt (Geissler, Wunschhütlein 72). 3. (Golf) mit
bes. gepflegtem, kurzgeschnittenem Rasen bedeckter letzter
Abschnitt jeder Spielbahn (eines Golfplatzes), in dem sich
das Loch befindet, in das der Ball getrieben werden muff:
den Ball aufs dritte G. schlagen. 4. <o. Art.) (Kartenspiel):
Farbe in der deutschen Spielkarte (die dem Pik der
französischen Spielkarte entspricht): G. sticht; er hat G. [auslge-
spielt.
grün-. Grün-: -alge. die (meist Pl.>: (in zahlreichen Arten
vorkommende) Alge, die vor allem im Plankton des
Süßwassers vorkommt u. deren Zellwände grünen Farbstoff
enthalten; -anläge, die: parkähnliche Anlage, bes. innerhalb einer
Ortschaft; -äugig <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: grüne Augen
habend; -beere, die (landsch.): svw. TStachelbeere;
-belaubt <Adj.; o. Steig.; nur attr.>: grünes Laub tragend:
-e Bäume, Wälder; -bewachsen <Adj.; o. Steig.; nur attr.):
mit grünen Pflanzen bewachsen: -e Hügel; -blau <Adj.;
0. Steig.; nicht adv.X* einen blauen Farbton besitzend, der
ins Grüne spielt; -Wind <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: nicht
die Fähigkeit besitzend, grüne Farbtöne zu unterscheiden.
dazu: -blindheit, die; -buch, das (Dipl.): Veröffentlichung
mit grünem Einband od. Umschlag. Farbbuch; eine bei
bestimmten Anlässen veröffentlichte Dokumentensammlung
der italienischen Regierung; vgl. Blaubuch; -donnerstag
[-' ], der [mhd. grüene donerstac; H. u.. wohl nach
dem weitverbreiteten Brauch, an diesem Tag grünes
Gemüse, z. B. Spinat, zu essenl: Donnerstag vor Ostern; -düngung,
die (Landw.): Düngung des Bodens durch Unterpflügen
bestimmter dafür geeigneter u. zu diesem Zweck angebauter
Pflanzen in grünem Zustand; -eisenerz, das: /auch- bis
schwärzlichgrünes, meist in glänzender, kugeliger
Ausbildung vorkommemies Mineral; -färbung, die; -faule, die:
1. (Landw.) nach fortgeschrittener od. bei voller Reife an
Obst auftretende, durch einen grünlich stäubenden
Schimmelpilz hervorgerufene Fäule. 2. (Forstw.) an geschlagenen,
feucht lagernden Laubholzbäumen auftretende, durch einen
Schlauchpilz hervorgerufene Zersetzung des Holzes, die eine
leuchtendgrüne Verfärbung zur Folge hat; -filter, der, Fach-
spr. meist: das (Fot.): beim Schwarzweißfotografieren
verwendetes grüngefärbtes Filter zur Dämpfung roter Farbtöne;
-fmk. der: zu den Finkenvögeln gehörender, olivgrüner,
an Flügeln u. Schwanz gelb gezeichneter Singvogel, der
vorwiegend in Gärten. Parkanlagen u. lichten Wäldern lebt:
-fläche, die: a) innerhalb einer Ortschaft angelegte, größere,
mit Rasen //. Zierpflanzen/ bebaute Fläche /als Teil einer
Grünanlage/ die -n des Stadtparks sind mit Blumenbeeten
gesäumt; b) <oft. Pl.> Gesamtheit der Erholungs- u. oft
auch Sportmöglichkeiten bietenden Grünanlagen, Parks.
Wälder o. ä.. die zu einer Ortschaft gehören;
Vegetationsfläche: die ausgedehnten -n machen die Stadt besonders
reizvoll; -futter, das (Landw.): in frischem Zustand als Futter
verwemlete Pflanzen: Ü ich möchte noch gerne einen Teller
von dem G. (ugs. scherzh.; Salat od. Spinat): -gelb <Adj.;
o. Steig.; nicht adv.>: vgl. -blau; -gestreift <Adj.; o. Steig.;
nur attr.): ein -es Kleid; -gürtel. der: etwa ringförmig
die Innenstadt od. ein ganzes Stadtgebiet umgebende
Grünflächen (b): G. schaffen; -holzfraktur, die [mit Bezug auf
die Biegsamkeit jungen wachsenden Holzes] (Med.):
Knochenbruch bei Kindern u. Jugendlichen, bei dem die (noch
elastische) Knochenfiaut zum mindesten auf einer Seite
unversehrt bleibt; -hörn, das <PI. -hömer): eingedeutscht
für fGreenhorn; -kariert <Adj.; o. Steig.; nur attr.): -er
Stoff; -kern, der: unreif geerntetes, gedörrtes, geschältes
u. gema/denes Korn, das als Suppeneinlage verwendet wird,
dazu: -kernmehl, das, -kernmehlsuppe, die; -kohl, der:
Gemüsekohl mit stark gekräuselten Blättern, der erst im
Winter nach Einwirkung von Frost geerntet wird; -kram.
der (ugs., landsch.): Gemüse. Salat, Kräuter o. ä. (als
Waren), dazu: -kramladen, der (landsch.): Gemüsegeschäft,
-laden; -kreuz, das <o. PI.) [nach der Kennzeichnung der
Behälter mit einem grünen Kreuz): bes. im 1. Weltkrieg
angewendeter chemischer Kampfstoff, dazu: -kreuzgas, das:
svw. f Grünkreuz; -land. das <o. PI.) (Landw.): als Wiese.
Weide od. als mit Grünfutter bebaute Fläche
landwirtschaftlich genutztes Land; -bndwirtschaft. die (Landw.): auf
der Grundlage der Bewirtschaftung von Grünland arbeitende
Landwirtschaft: Naßwiesen werden wieder zu
wasserhaltenden Niedermooren, wenn die zurG. notwendigen
Entwässerungsnetze mit der Zeit unwirksam werden (Tier
12,1971.42); -lilie, die: Liliengewächs mit langen, schmalen
zugespitzten Blättern u. kleinen, weißen Blüten, das in der
kultivierten Form mit weißgestreiften od. weißgerandeten
Blättern als beliebte Zimmerpflanze gilt; -mais. der
(Landw.): hauptsächlich als Viehfutter verwendeter, grün
geernteter Mais; -pflanze, die: svw. t Blattgewächs; -pflük-
ke. die (Landw.. Gartenbau): das Abpflücken grüner, noch
unreifer Früchte bei bestimmten Obstsorten, das die am
Baum verbleibenden Früchte bes. groß werden läßt; -rock.
der (scherzh.): a) Förster; b) Jäger; -sand, der: svw.
tGlaukonitsand; -schnabel, der [zu tgrün (3)] (oft abwertend):
junger, unerfahrener, aber oft vorlauter, besserwisserischer
1093
Grund
Mensch; Neuling, Anfänger: zudem bist du ein G.. der
Liebe auf eine lächerliche Weise unkundig (Dorpat. Ellen:
bogenspiele 181); ^span, der: -[eis [mhd. grüenspän. LÜ
von mlat. viride Hispanum = spanisches Grün (ein im
MA. aus Spanien eingeführter künstlicher Farbstoff)!: auf
Kupfer u. Messing unter Einwirkung von Essigsäure u. Luft
entstehender, giftiger, blaugrüner Überzug: das Kupferdach
des Kirchturms ist mit G. überzogen; Ü Diese Geschichten
waren alt. hatten ein wenig G. angesetzt (Strittmatten
Wundertäter 37); -spedit. der [mhd. grüenspeht, ahd.
gruonspeht]: an der Oberseite grau- bis dunkelgrüner,
ziemlich grolier Specht mit roter Färbung auf Kopf u. Nacken,
der vorwiegend in Laubwäldern u. Parkanlagen lebt; -stein,
der: svw. t Diabas; -stich, der (Fot.): sich gleichmäßig über
das ganze Bild ziehende grünliche Verfärbung der Farben
eines Farbfotos: der Film war schon zu alt. die Fotos
haben leider alle einen G.. dazu: -stichig <Adj.; nicht
adv.): -e Farbfotos; -Stift, der: Schreibstift mit grüner
Mine; -streifen, der: schmale, langgezogene, mit Rasen
fu. Sträuchern u. Bäumen! bepflanzte Fläche vorwiegend
zwischen zwei Fahrbahnen od. am Rand einer Fahrbahn:
Mann, halten Sie den Wagen ruhig, wir waren jetzt fast
auf dem G. (Simmel. Affäre 172); -zeug, das (ugs.). 1.
a) Kräuter zum Würzen von Salaten, Suppen u. a.: du mußt
noch etwas mehr G. an den Salat tun; b) Salate u. Gemüse
als Rohkost, an manchen Tagen ißt sie nur G.. um
abzunehmen; Ü auf der Brüstung neben ihr standen Töpfe mit
G.. Metzgerpalmen. wie wir sie nennen (Gaiser. SchlußbaU
187). 2. junge, unerfahrene Menschen, Jugendliche, denen
noch die geistige Reife fehlt: das G. will auch schon
mitreden.
Grund [grünt], der; -[eis. Gründe [gnudd: mhd.. ahd. grünt,
eigtl. = Zerriebenes. Gemahlenes; grobkörniger Sand.
Sandboden, Erdel: 1. <o. Pl.> a) Erdboden als Untergrund;
Erdoberfläche, Boden: sumpfiger, fester G.; ... man ...
drängte und stieß sich ... und tappte auf dem weglosen
G. (Gaiser, Jagd 70); das Haus wurde bis auf den G.
(bis zum Boden, zum Fundament) abgerissen; ein Loch
in den felsigen G. bohren; *den G. zu etw. legen (die
Grundlage, Voraussetzung für erw. schaffen u. damit
beginnen): er hat den G. zu dieser Wissenschaft, Politik gelegt;
in G. und Boden (zutiefst, sehr; völlig): sich in G. u.
Boden schämen; er hat sie in G. und Boden verdammt;
jmdn. in G. und Boden reden (1. I in einer Diskussion/
jmds. Behauptungen, Argumente /mit vielen Worten/ so
gründlich widerlegen, daß sie nicht mehr stichhaltig sind.
2. jmdn. nicht zu Wort kommen lassen): etw. in G. und
Boden wirtschaften (etw. wirtschaftlich völlig ruinieren):
einen Bauernhof in G. und Boden wirtschaften; von G.
auf/aus (völlig, gänzlich, ganz u. gar, nicht nur teilweise):
etw. von G. auf erneuem, ändern; er ist von G. aus
verdorben; b) (veraltend, noch landsch.) Erde als Grundlage für
das Pflanzenwachstum; Erdreich; [ Acker Jkrume: lehmiger,
sandiger, trockener G.; der G. ist zu schwer für diese
Pflanzen; an seinen Arbeitsstiefeln hängt noch viel G.;
c) (bes. österr.) Grundbesitz; Grundstück: Der nachbarliche
G. war noch unverbaut (Doderer, Wasserfälle 141); sie
wohnen, wirtschaften auf eigenem G.; *G. und Boden
(Land-, Grundbesitz): er sitzt auf eigenem G. und Boden;
ein Teil seines G. und Bodens. 2. (geh. veraltend) kleines
Tal, l Bodenjsenke: ein waldiger, kühler, felsiger G.; die
Gründe und Schluchten des Gebirges; Die Pflanze wuchs
... namentlich in dem stillen -e. wo er sie ... zuerst gesehen
(Th. Mann. Zauberberg 537). 3. <o. PI.) a) Boden eines
Gewässers: der moorige G. eines Tümpels: der Schwimmer
suchte G.. fand keinen G.. hatte endlich wieder G. unter
den Füßen; Da hatte der Anker G. gefaßt und schlierte
durch den Schlamm (Schnabel. Marmor 86); der See war
so klar, daß man bis auf den G. blicken konnte; auf
dem tiefsten G. des Meeres; ein Schiff in den G. bohren
(geh.; versenken): Der Dampfer lief, geriet auf G. (fuhr
sich fest); Ü im -e seines Herzens, seiner Seele (geh.; im
Innersten) verabscheute er diese Tat; * einer Sache auf den
G. gehen (einen Sachverhalt zu klären suchen); einer Sache
auf den G. kommen (die wahren Ursachen. Motive für
etw. herausfinden); im -e [genommen] (bei genauer
Betrachtung; genaugenommen; eigentlich): im -e [genommen] sind
wir alle schuld an dieser Entwicklung; b) (geh.) unterste
Fläche, Boden eines Gefäßes, Behälters: auf dem G. des
Fasses hat sich Zucker abgesetzt; sie durchwühlte seine
Sachen und fand das Dokument schließlich auf dem G.
seines Koffers; ein<31as bis auf den G. (vollständig) leeren.
4. <o. PI.) einheitlich gestaltete od. wirkende Fläche, die
den Hintergruftd, den Untergrund für etw. bildet: der G.
der Tapete, des Stoffes ist gelb; die Fahne zeigt drei weiße
Ringe auf blauem G.; von dem dunklen G. hebt sich
das Muster nicht ab. 5. Überlegung, Gefühlsregung o.a.,
die eine bestimmte Einstellung zu erw., eine bestinvnte
Haltung hervorruft, ein bestimmtes Verhalten, Handeln
veranlaßt; Umstand, Tatbestando. ä., durch den sichjmd. bewogen
fühlt, etw. Bestimmtes zu tun, od. der ein aus ihm folgendes
Ereignis od. einen aus ihm folgenden anderen Tatbestand
erklärt; Ursache, Motiv, Beweggrund, Anlaß: ein
einleuchtender, gewichtiger, hinreichender, schwerwiegender G.;
taktische, berufliche, politische Gründe sprachen dagegen;
was hat er als G. angegeben?; Gründe Tür etw. aufzeigen,
geltend machen, vorbringen; sie suchten den G. für das
Versagen der Bremsen; die Gründe des andern achten,
billigen, einsehen; es gibt keinen, nicht den geringsten
G. zur Aufregung; ich habe [allen] G , mißtrauisch zu
sein, anzunehmen, daß ...; dafür habe ich meine Gründe;
das konnte seinen G. nur darin haben, daß ...; einen G.
zum Feiern, keinen G. zum Klagen haben; er hat es aus
irgendeinem unerfindlichen G., aus sehr praktischen
Gründen getan; Aus gutem G. hat es das Grundgesetz...
vermieden (Fraenkel, Staat 375); Ein Auto war dreimal nicht
da - vielleicht aus Gründen der Geheimhaltung (der Ge-
heim/uiltung halber, wegen der Geheimhaltung; Leonhard.
Revolution 153); er tat es aus dem einfachen G. (ugs.;
einfach deshalb), weil ...; er hat sich mit guten Gründen
(Argumenten) verteidigt; er hat das Kind ohne
ersichtlichen G. geschlagen; über die Gründe seines Fernbleibens
schwieg er sich aus; er drückte sich um den G., der ihn
hergeführt hatte, herum (Kuby. Sieg 345); *auf G.. (auch:)
aufgrund (begründet, veranlaßt durch; wegen): er wurde
auf G. der Aussagen, von Aussagen zweier Zeugen
verhaftet; Das erste Unterscheidungsmerkmal, auf G. dessen
sich Unterformen der Mehrheitswahl ergeben (Fraenkel.
Staat 355); aus diesem kühlen -e (ugs.; ganz einfach aus
diesem Grund; deshalb).
grynd-, Grynd-: -ablaß, der (Technik): bei Staudämmen,
Talsperren o.a. tief am Grund sitzende, verschließbare
Öffnung, die der Entleerung, der Entlastung bei Hochwasser
o. ä. dient; -akkord. der (Musik): auf dem Grundton (der
ersten Stufe) einer diatonischen Tonleiter, auch auf der
Quarte od. der Quinte aufgebauter Akkord; -angelei. die
(Fischereiw.): a) das bei allen Fischen mögliche Angebt
mit natürlichen Ködern; b) das Angeln, bei dem der mit
Blei beschwerte Köder auf dem Grund des Gewässers
ausgelegt wird; ^anschauung. die: grundlegende Anschauung;
grundsätzliche, entscheidende Meinung; -ansieht, die: vgl.
Anschauung; -inständig <Adj.; o. Steig.): sehr, durch
u. durch anständig: sie hat ihn immer für einen -en Kerl
gehalten (Fallada. Mann 67); -anstrich, der: meist bes.
haltbarer, vor Korrosion schützender erster Anstrich, auf
den weitere Farben aufgetragen werden; -ausbildung, die
<P1. selten) (Milit.): erster, etwa drei Motmte dauernder
Abschnitt der Ausbildung eines Soldaten, der zum Ziel hat,
den Soldaten so zu schulen, daß er im Kampf eingesetzt
werden kann; -ausstattung, die: Ausstattung mit unbedingt
notwendigen Dingen: das Ersatzrad gehört zur G. eines
Autos; -baß, der (Musik): 1. Reihe der tiefsten Töne eines
Musikwerkes als Grundlage seiner Harmonie. 2. svw. T
Fundamentalbaß; -bau. der (Bauw): 1. <o. PI.) alle Techniken
u. Arbeiten, die bei einem Bauwerk die in den Boden
eingelassenen od. ihm unmittelbar aufsitzenden Bauteile betreffen:
bereits beim G. dieser Brücke traten Schwierigkeiten auf.
2. <P1. -ten) Bauteil eines Bauwerks, der in den Boden
eingelassen ist od. ihm untnittelbar aufsitzt: die Berechnung
des -s einer Talsperre; -batistein, der: svw. t
Elementarteilchen; -bedeutung, die: I. grundlegende, wesentlichste
Bedeutung, Aussage: die G. eines Satzes, einer These erkennen.
2. (Sprachw.) einem Wort zugrunde liegende Bedeutung;
ursprünglicher Wortsinn: die G. des Wortes ist heute
untergegangen; -bedingung, die: wesentlichste Bedingung;
unerläßliche Voraussetzung: -bedürfhis, das: einfaches, auch
bei geringen Ansprüchen zum Leben notwendiges Bedürfnis;
-begriff, der: 1. grundsätzlicher Begriff (\): grundlegender,
fundamentaler Sinngehalt: Vierkandt analysiert vor allem
den G. der ..Gruppe" (Fraenkel. Staat 113); Sie lassen
1094
grund-,
Gründlich ... von obsoleten und ideologischen -en leiten, wie
zum Beispiel den Begriffen der Treue und Würde (Th.
Mann. Hoheit 12). 2.<meist PI.) einfaci\ste. wesentliche Vor-
stellunx% Auffassung von etw.. auf der man weiter aufbauen
kann: elementare Voraussetzung: Ihr habt euch mitreißen
lassen zur Revolution, ohne ihre -e zu kennen (Weiss.
Maral 103); der vierzig Jahre lang vergeblich versucht
hat, Menschen... die -e der lateinischen Sprache
beizubringen (Sebastian, Krankenhaus 79); -beladung, die (Milit.):
vorgeschriebene Menge an Versorgungsgütern, die von
Truppen/teilen! im Einsatz als Beladung mit zuführen ist. vgl.
Gefechtsbeladung; -besitz, der: a) Eigentum an Land.
Boden: Produktionsmittel, die ein auf Grund- oder
Kapitalbesitz beruhendes ... Einkommen garantieren (Fraenkel,
Staat 303); b) Land, das jmds. Eigentum darstellt: Boden,
den jmd. besitzt: ... und hatte sich in ihren prächtigen
G. als Herr mitten hineingesetzt (Hauptmann. Schuß 26);
c) Gesamtheit von Grundbesitzern: ... wurde zu einer ...
Massenpartei des ostelbischen -es und weiter Teile des
Bürgertums (Fraenkel. Staat 147); -besitzer, der: jmd..
der Grundbesitz hat: -bestandteiL der: grundlegender,
wesentlicher Bestami teil von erw.: -betrag, der (Rentenvers.):
Teil der Rente, der als Mindestleistung gewährt wird,
unabhängig davon, wieviel der Versicherte selbst bezahlt hat:
-birne, die (landsch.): Kartoffel: -blatt, das (Bot.): Blatt
einer Pflanze, das sich in der Nähe des Bodens befindet
u. mit mehreren zusammen eine Rosette bildet (im
Unterschied zum Stengelblatt); abrief, der (hist.): Urkunde über
das Eigentum eines Grundstücks: -buch, das [mhd. grunt-
buochl (Amts-, Rechtsspr.): von dem zuständigen Amt
geführtes öffentliches Verzeichnis der Grundstücke eines
Bezirks mit den Angaben über die jeweiligen rechtlichen
Verhältnisse: sich als neuer Eigentümer eines Grundstücks
ins G. eintragen lassen, dazu: -budiamt, das: Abteilung
eines Amtsgerichts (seltener einer Gemeindebehörde). die
das Grundbuch führt, -bucheintrag, der, -buche in tragung,
die; -Charakter, der: die wesentlichen Züge von etw.
bestimmende Eigenart: der düstere G. einer Landschaft, einer
Komposition; -deutsch, das (Sprachw.): für die
Verständigung notwendiger, geringster Bestand an Ausdrucksmitteln
der deutschen Sprache in Wortschatz u. Grammatik:
-ehrlich <Adj.; o. Steig.): sehr, durch u. durch ehrlich: -eigen-
schaft, die: vgl. -Charakter; -eigentun, das: vgl. -besitz
(a); -eigentümer, der: vgl. -besitzen -einheit, die: 1.
(Physik) einem physikalischen (der quantitativen Messung von
Grölien dienenden) Maßsystem zugrunde gelegte Einheit:
Sekunde. Meter, Kilogramm sind -en. 2. svw. t
-Organisation; -Einstellung, die: vgl. -anschauung; -eis, das: Eis.
das sich (in sehr kalten Gebieten) am Boden von
Binnengewässern bildet: -element, das: vgl. -bestandteil; -erfah-
rung, die: wesentliche, für erw. entscheidende Erfahrung,
die jmd. macht: -erkenntnis, die: vgl. -erfahrung; -erwerb.
der (jur.): Erwerb eines Grundstückes, dazu: -erwerbssteuer,
(Steuerw.:) -erwerbsteuer, die: auf den Erwerb von
Grundstücken erhobene Steuer: die bei Grundstückskäufen
übliche Grunderwerbssteuer von 7 Prozent (Welt 24. 8. 65,
12); -falsch <AdJ.; o. Steig.): ganz u. gar. völlig
falsch: Ein Biwak in einer Rinne, die von großen
geröllbedeckten Flanken umsäumt ist, ist g. (Eidenschink, Fels
101); -färbe, die: I. (Malerei. Druckw.) eine der drei
Farben, aus denen andere Farben durch Mischung hergestellt
werden können: Rot, Blau und Gelb sind -n. 2. Farbe,
die der Untergrund von etw. hat od. die als erste Farbe
aufgetragen wird u. auf die andere Farben aufgetragen
werden: -fehler, der: hauptsächlicher Fehler: hier liegt der
G. bei seiner Einschätzung der Lage; -festen <P1.> [mhd.
gruntveste, ahd. gruntfestF = Unterbau. Fundament) in
festen Wendungen wie an den G. von etw. rütteln (bei
etw. eine grundsätzliche, entscheidende Änderung
herbeiführen wollen): jede Lockerung der Hallstein-Doktrin ...
rüttele ja an den G. der bisherigen Außenpolitik (Dönhoff.
Ära 85); etw. in seinen G./bis in seine G. erschüttern (etw.
in seiner Gesamtheit in Frage stellen, in Gefalir. zum Wanken
bringen): so hieße das die Gerechtigkeit in ihren G.
erschüttern (Mostar. Unschuldig 32); ein Veto .... das die EWG
bis in ihre G. erschüttert hat (Welt 11.5. 63. 1); -fläche.
die: untere, ebene Fläche eines Körpers, eines Raumes o. ä.:
die runde G. eines Kegels; die G. eines Raumes ausmessen;
^form. die: I. a) Form, die etw. wesentlich kennzeichnet,
typisch für etw. ist: Haupt form: die G. der Fuge, der
Sonate; Sie (= die Gemeinde) ist eine das Kommen und
Gehen der Staaten überdauernde G. des sozialen
Zusammenlebens (Fraenkel. Staat 159); b) ursprüngliche,
elementare Form: Form, die anderen variierten, oft komplizierteren
Formen zugrunde liegt: die klassischen Lösungen ( =
Lösungen, das Wesen Gottes zu deuten) ... lassen sich
auf zwei -en zurückführen (Thielicke. Ich glaube 151);
alle diese Tänze haben sich aus drei -en entwickelt. 2,
(Sprachw.) einfachster Bauplan eines Satzes, der als
vorgegebenes Muster in einer Sprache den einzelnen in der Rede
gebildeten Sätzen zugrunde liegt. 3. (Sprachw.) svw. T
Infinitiv; -frage, die: grundsätzliche, schwerwiegende, für etw.
entscheidende Frage: grundlegendes, wesentliches Problem:
soziale, politische -n erörtern; -freiheiten <P1.>: politische
Freiheiten, auf die jeder Mensch auf Grund der
Menschenrechte Anspruch liat: -fiinktion, die: grundlegende,
hauptsächliche Funktion: wesentliche, entscheidende Aufgabe
innerhalb eines größeren Ganzen: ^gebirge, das (Geol.): ältere
Gesteinsschichtender Erde. bes. eines Gebirges, denen
jüngere Schichten (eines Deckgebirges) auflagern: -gebühr, die:
für das Recht der Inanspruchnahme bestimmter öffentlicher
Einrichtungen als feststehender Mindestbetrag zu zaidende
Gebühr, zu der je nach Nutzung weitere Gebühren
hinzukommen: die monatlichen -en für Strom und Gas, für die
Benutzung des Telefons; -gedanke, der: grundlegender
Gedanke: einer Sache zugrunde liegende, sie bestimmende,
für sie als Prinzip wirkende Idee: seine Theorie beruht
auf einem ganz einfachen -n, geht von einem falschen
-n aus; '-gehalt. der: wesentlicher lGehalt: 2-gehalt, das:
festes monatliches 2Gehalt ohne die für bestimmte Leistungen
gezahlten Zuschläge. Prämien o.a.: -gescheit <Adj.; o.
Steig.; nicht adv.>: sehr gescheit, außerordentlich klug: er
ist ein -er Mensch; -geschirr, das (Seemannsspr.): die
Gesamtheit der Geräte, die nötig sind, um ein Schiff im Grund
(3 a) zu verankern: -gesetz, das: I. einer Sache zugrunde
liegende, für sie entscheidende, sie bestimmende
Gesetzmäßigkeit: ein philosophisches, biologisches G.; ein G. der
modernen Wirtschaft, der Natur; Es gibt nämlich ein
eisernes, unabdingbares G. in dieser Welt: jedes Lebewesen
hat die Aufgabe, alle in ihm vorhandenen Möglichkeiten
zur bestmöglichen Entfaltung zu bringen (Natur 70). 2.
a) (früher) verfassungsrechtlich bes. bedeutsames, für die
Entwicklung einer Verfassung ausschlaggebendes Gesetz:
b)ßir die Bundesrepublik Deutschland geltende Verfassung:
das G. wurde verkündet, trat in Kraft, sollte geändert
werden; etw. verstößt gegen den Sinn des -es; etw. ist
im G. geregelt, verankert; der Minister, der laut G. sein
Ressort in eigener Verantwortung leiten soll (Dönhoff.
Ära 25); Nach dem G. darf niemand zu einer bestimmten
Religion gezwungen werden (Hörzu 12. 1975. 113); Abk.:
GG. dazu: -gesetzänderung, die: sie behaupteten, das
Wehrgesetz erfordere eine G. (Dönhoff, Ära 33); -große,
die (Math., Physik): mathematische, physikalische Größe,
die allen andern Größen in einem bestimmen Bereich
zugrunde gelegt wird: -gütig <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: sehr
gütig, von Herzen gut: sie ist eine -e Frau; (in Ausrufen
des Erstaunens, Entsetzens:) [du] -er Himmel!; -haltung,
die: 1. zuerst eingenommene Haltung. Stellung. Lage, aus
der heraus andere Haltungen. Stellungen. Bewegungsabläufe
entwickelt werden: Die Handrücken verlaufen mit dem
Unterarm in einer Linie, nehmen damit die G. ein (Dwin-
ger, Erde 65); zwischen den einzelnen Übungsteilen immer
wieder in die G. zurückkehren. 2. grundsätzliche innere
Haltung. Einstellung, die jmds. Wesen. Handeln bestimmt:
die Zeichnungen lassen einiges von der geistigen, seelischen
G. des Künstlers erkennen; -häßlich <Adj.; o. Steig.; nicht
adv.>: sehr häßlich, von abstoßender Häjilichkeit: Er war
... ein aufsässiges, faules und -es Tier (Schnurre, Bart
108); -herr. der [mhd. gruntherrel (hist.): mit den durch
die mittelalterliche Organisationsform der Grundherrschaft
gegebenen Rechten u. Befugnissen ausgestatteter
Grundbesitzer: Im Hochfeudalismus wurden immer mehr
obrigkeitliche Funktionen von diesen vornehmen -en erworben
(Fraenkel, Staat 88); -herrschaft. die (hist.): a) <o. PI.)
(vom Mittelalter bis ins 19. Jh. reichende) Form der
Herrschaft des Adels u. der Kirche über Land u. abhängige
Bauern, die den Landbesitz bewirtschafteten: das stammt
noch aus der Zeit der G.; b) Gesamtheit der Rechte u.
Befugnisse eines Grundherrn über Landu. abhängige Bauern.
dazu: -herrschaftlich <Adj.; o. Steig.); -holde, der <Dekl.
1095
grund-, Grund-
f Abgeordnete) [mhd. gruntholde, zu: grünt = Boden u.
holde = Dienstmann, zu: holt = dienstbar. T hold] (hist.):
von einem Grundherrn abhängiger Bauer; -Idee, die: vgl.
^gedanke: -Industrie, die: svw. t-stofiindustrie; -kapital,
das (Wirtsch.): in Aktien angelegtes Kapital, das die
finanzielle Grundlage einer Aktiengesellschaft bildet: dasG.
erhöhen; -karte, die (Geogr.): Geländekarte großen Maßstabs,
die auf Grund der Genauigkeit des Maßstabs als Grundlage
für die Erstellung von Karten kleinerer Maßstäbe dient:
-kategorie, die: vgl. ^begriff (1); -kenntnis, die <meist
PL): grundlegende Kenntnis; elementares Wissen /als
grundlegende Voraussetzung für die weiteren Kenntnisse! auf
einem bestimmten Gebiet: sich mathematische -se aneignen;
ohne eine gewisse G. der Grammatik ist es schwierig,
diese Fremdsprache zu lernen: -konzeptioa, die:
ursprungliche, grundlegende, für die weitere Gestaltung, den Aufbau
von etw. wesentliche Konzeption: eine architektonische,
wissenschaftliche G.; die G. [der Aufführung] einer Oper;
Dabei erweist sich die G. des Wagens als Vorteil (Auto
8, 1965, 22); -kurs, der: Lehrgang für die grunillegenden
Kenntnisse in einem Unterrichtsfach, an dem im Gegensatz
zum jeweils zusätzlich angebotenen Leistungskurs jeder
Schüler teilnimmt; -läge, die: etw.. was durch
Vorüberlegung, vorweg geleistete Arbeit. Planung geschaffen od. durch
bestimmte vorgegebene Umstände, Tatsachen bereits vor-
hatuien ist. auf dem man aufbauen, auf das man sich stützen
kann, das Ausgangspunkt. Voraussetzung. Fundament für
etw. ist: die geistigen, theoretischen, gesellschaftlichen,
gesetzlichen -n; eine politische Konzeption, die als G. für
die Verhandlungen dienen könnte (Dönhoff. Ära 113);
die -n für etw. schaffen, erwerben; du machst deine Lehrzeit
... ich will, daß du 'nc ordentliche G. (berufliche Ausbildung
als Voraussetzung) hasl (Andersch. Sansibar 41); iß zuerst
einmal tüchtig, damit du eine gute G. hast (ugs.; damit
du den Alkohol verträgst); die Behauptungen entbehren
jeder G. (sie lassen sich nicht beweisen, sind nicht haltbar,
sind frei erfunden, unwahr); etw. auf eine neue G. stellen;
auf breiter G. arbeiten, dazu: -lagenforsdiung, die:
zweckfreie, nicht auf unmittelbare praktische Anwendung hin
betriebene Forschung, die sich mit den Grundlagen, dem
systematischen u. methodischen Fundament einer Wissenschaft
beschäftigt: die mathematische, medizinische G.; G.
treiben; -lasten <PI.>: 1. alle auf einem Grundstück ruhenden
Lasten, die der Grundeigentümer zu tragen hat. 2. (hist.)
alle (zur Zeit der Grundlierrschaff) dem Grundherrn
zustehenden, von den abhängigen Bauern zu leistenden Abgaben
u, Dienste; -lebensmittel, das <meist Pl.>: vgl. -nahrungs-
mittel; -legend <Adj.>: a) die Grundlage, die Voraussetzung
für etw. schaffend, sehr wichtig, wesentlich; von
entscheidender Bedeutung: ein -er Unterschied; eine -e Voraussetzung;
er hat darüber eine -e Arbeit geschrieben: Diese Erfahrung
bleibt für die weitere Entwicklung ... g. (Fraenkel, Staat
151); er hat sich zu diesem Problem g. geäußert (hat
dazu einen wesentlichen Beitrag geliefert); b) intensivierend
bei Adj. u. Verben) sehr, ganz und gar. von Grund aid:
vor Einbringung von g. wichtigen Gesetzesvorlagen
(Fraenkel. Staat 253); die Verhältnisse haben sich
inzwischen g. geändert; -legung, die: Schaffung einer Gruwllage
für etw.; Gründung: die G. einer demokratischen Ordnung;
-linie, die: 1. (Math.) unterste Linie. Gerade einer
zweidimensionalen geometrischen Figur: die G. angeben; von der
G. ausgehen. 2, (Sport, bes. Tennis, Volleyball) die hintere
Begrenzung des Spielfeldes markierende Linie: den Ball
an die G. spielen. 3. vgl. ~zug: Jetzt aber ist es Zeit.
... die alten -n der Politik zu überprüfen (Dönhoff, Ära
189), <zu 2:> -linienduell, das (Tennis): Ballwechsel, bei
dem der Ball immer wieder an die Grundlinie gespielt wird,
-linienspiel. das (Tennis); -lohn, der: vgl. -gehalt; -los
<Adj.; o. Steig) [1: mhd. gruntlös]: 1. (nicht adv.) keinen
festen Untergrund. Boden besitzend: -er Schlamm. Morast;
sie mußten über die -en (aufgeweichten, schlammigen)
Wege fahren; wenn der Schnee in den Rinnen und
Schluchten nicht g. ist (Eidenschink, Eis 116). 2. keine Ursache
habend, ohne Grumt; unbegründet: ein -er Verdacht; -e
Vorwürfe; dein Mißtrauen war ganz g.; g. lachen; Ich fürchte
indessen. Sie könnten g. zu lügen beginnen (Jahnn.
Geschichten 176). zu 2: -losigkeit. die; - [spätmhd. grundlosig-
keit = Unergründlichkeit]: Unbegründetheit: die G. eines
Verdachtes; -mauer, die: unter der Erde liegender Teil
der Mauer eines Bauwerks (das die Last des auf ihr rufienden
Gebäudesauf den Baugrund überträgt): das Große Theater
ist bis auf die -n abgebrannt (Leonhard. Revolution 68);
-mittel <PI.> [LÜ aus dem Russ.] (DDR Wirtsch.): svw.
t Anlagevermögen: 1975 waren in der Volkswirtschaft der
DDR G. im Werte von 577 Milliarden Mark eingesetzt
(Wochenpost 6. 8. 76, 4); -morane. die (Geol.): unter
einem Gletscher gelegene, teils am festen Boden aufliegende,
teils in die untersten Eisschichten eingebettete Moräne;
emotiv, das: wesentliches, einer Sache zugrunde liegendes, sie
bestimmendes Motiv; -nahningsmittel. das: einfaches, im
wesentlichen die Grundlage der lebensnotwendigen
Ernährung bildendes Nahrungsmittel: Brot. Kartoffeln. Reis als
G.; ^netz.das(Fischereiw.): Fangnetz(1). das (mit
Stahlkugeln beschwert) über den Grund eines Gewässers gezogen
wird; -norm, die <meist PL): Norm, die von grundlegender
Bedeutung ist; -Ordnung, die: einer Sache zugrunde liegende,
sie bestimmende, für sie als Prinzip wirkende Ordnung:
die politische G. eines Staates; -organ. das (Bot.): eines
der bei allen höheren Pflanzen auftretenden Organe (Wurzel,
Sproß u. Blatt); -Organisation, die: kleinste organisierte
Einfielt bei (kommunistischen! Parteien u. größeren
Organisationen: ich ... schrieb eine Erklärung an die betreffende
G. des Komsomol (Leonhard. Revolution 56);
-Pfandrecht, das (jur.. Bankw.): in der Belastung eines Gruttdstücks
(in Form von Hypothek. Grundschuld od. Rentenschuld)
besteheiules Recht; -pfeiler, der: tragender Pfeiler: der G.
eines Gebäudes, einer Brücke; Ü die G. (die wichtigsten,
wesentlichen Elemente. Stützen) einer Wissenschaft, eines
Staatswesens; -Position, die: durch eine grundsätzliche Stel-
lungtuihme. Einstellung gekennzeichnete Position;
Standpunkt, der jmds. Handeln, sein Verhältnis zu anderen im
wesentlichen bestimmt; -prinzip, das: entscheidendes, eine
Sache grundsätzlich bestimmendes Prinzip: das G. einer
Politik; -Problem, das: vgl. -frage; -rechenart, -rech-
nungsart, die: eine der vier mit Zahlen vorgenommenen
Rechenarten (Zusammenzählen. Abziehen. Malnehmen.
Teilen); -recht, das (meist PI.) [mhd. gruntreht = Abgabe
an den Grundherren, Grundzins]: verfassungsmäßig
gewährleistetes [im Grundgesetz (2 b) enthaltenes]
grundlegendes, unantastbares Recht eines Bürgers gegenüber dem Staat.
dazu: -rechtlich <AdJ.; o. Steig.; nicht präd.): die
Grundrechtebetreffend, auf ihnen beruhend: das gleichberechtigte,
durch -e Garantien geschützte Nebeneinanderexistieren
(Fraenkel. Staat 254); -regel, die: einfachste, grundsätzlich
geltende u. stets zu beachtende Regel; als unerläßliche
Voraussetzung einer Sache zugrunde liegende Regel: die -n
eines Spiels lernen, beachten; sich etw. als G. einprägen;
Es gab nur eine G. des täglichen Lebens ...: er mußte
immer beschäftigt sein (Hollander. Akazien 112); -rente,
die: 1. (Wirtschaftswissenschaft) aus dem Eigentum an
Land. Boden bezogenes Einkommen; Bodenrente. 2.
(Rentenvers.) Mindestrente, auf die Bezieher von
Kriegsopferrenten einen Anspruch haben; -riß, der: I. (Math.) in einem
bestimmten Verfahren hergestellte Abbildung (senkrechte
Projektion) eines Gegenstandes auf einer waagerechten
Ebene. 2. (Bauw.) Zeichnung. Darstellung des waagerechten
Schnittes eines Bauwerks: So ergibt schon der G. eines
klassischen Tempels ein klares, durchsichtiges System von
Mauerzügen und Säulenstanden (Bfld. Kunst I. 209); der
Schuppen... bestand nur aus einem Raum von fast
quadratischem G. (Grundfläche; Kuby. Sieg 149). 3.a)
vereinfachtes, nur die Grundzüge von etw. darstellendes Schema: G.
zur Geschichte der deutschen Dichtung; eine
Literaturgeschichte im G.; b) m kurzer Form über ein bestimmtes
Gebiet unterrichtende Darstellung; kurzgefaßtes Lehrbuch;
Leitfaden: ein knapper G. der deutschen Grammatik;
-satz. der: a) feste Regel, die jmd. zur Richtschnur seines
Handelns macht, durch die sich jmd. im Denken u. Handeln
leiten läßt: strenge, moralische, gute -e haben; seine
Grundsätze befolgen, aufgeben; an seinen Grundsätzen
festhalten; diesen Gedanken, der gegen alle seine Grundsätze
gerichtet, hätte er ablehnen müssen (Musil. Mann 234);
er ist ein Mann mit/von Grundsätzen; b) allgemeingültiges
Prinzip, das einer Sache zugrunde liegt, nach dem sie
ausgerichtet ist. das sie kennzeichnet; Grundprinzip;
demokratische, rechtsstaatliche Grundsätze; Daher denn ein unver-
äußerbarer G. jedes Kulturstaates die Unabsetzbarkeit
und Unbestechlichkeit des Richters ist (Thieß. Reich 638),
dazu: -satzdebatte, die: Debatte, in der Grundsätzliches
diskutiert, geklärt wird, bei der die 1 theoretische/ Grundlage
1096
grund-, Grund -
für etw. erörtert wird, -satzdiskussion, die: vgl. -satzde-
batte. -satzentscheidung, die. -satzerkläning, die.
-satzfrage, die. -sätzlich [-zElßlu;! <Adj.; o. Steig.): I. einen
Grundsatz (b) betreffend, auf einem Grundsatz beruliend [u.
daher gewichtig]: -e Fragen erörtern; ein -er Unterschied;
ein Problem von -er Bedeutung; Bedenken -er Art; er
hat sich dazu g. geäußert. 2.a) (allg.) einem Grundsatz (a)
folgend, entsprechend: aus Prinzip, ohne Austialime: sein -es
Dafürsein allein nützt nur wenig; etw. g. ablehnen; er
raucht und trinkt g. nicht (nie): Ich weiß, daß du mich
nicht belügst, g. nicht (Kirst. 08/15. 226); b) (bes. jur.)
eigentlich, im Grunde, im Prinzip, mit dem Vorbehalt
bestimmter Ausnahmen: im allgemeinen, in der Regel: er
erklärte seine -e Bereitschaft, mit der Einschränkung, daß
...; der Direktor hat g. nichts gegen das Rauchen, aber
im Klassenzimmer erlaubt er es nicht, zu 1: -sätzlichkeit,
die; -: er versuchte durch Gesten die G. seiner Aussagen
ai unterstreichen, -satzprogranwn. das: Darlegung eines
Plans, in der Grundsätzliches festgelegt wird, in der die
grundsätzlichen Maßnaixmen genannt, erläutert werden, die
zur Erreichung eines gesteckten Zieles notwendig sind,
-satzreferat, das: Referat, in dem Grundsätzliches
vorgetragen wird, in dem die /theoretische] Grundlage für etw.
behandelt wird: ein G. halten, -satzurteil, das (jur.):
höchstrichterliche Entscheidung /über ein vorher noch
nwht grundsätzlich geklärtes u. daher häufig
umstrittenes juristisches Problem/: ein G. fällen; -säule, die:
vgl. -pfeiler; -schein, der: Ausweis (der Deutschen Lebens-
Rettungs-Gesellschaft), der die Gruruikenntnisse u. -fertig-
keiten. die für die Rettung eines Menschen aus dem Wasser
wtig sind, bescheinigt: er hat den G.. will den G. machen;
-schlecht <Adj.; o. Steig.): a) (nicht adv.) in Art u. Qualität
sehr minderwertig, sehr schlecht: dieser vortreffliche Ägyp-
tologe. aber -e Romancier (Ceram. Götter 135); b) sehr
schlimm, außerordentlich ungünstig, unangenehm: so g. sei
er noch niemals daran gewesen (Th. Mann. Zauberberg
743); c) sehr böse, (moralisch gesehen) durch u. durch
schlecht: Wenn Sie mir auch beweisen können, daß eine
Handlung ... g. ist (Genet [Übers.]. Tagebuch 202);
-sdileppnetz, das: vgl. -netz; -Schnelligkeit, die (Sport):
Fähigkeit, [kurze] Strecken ohne Temposchwankungen sehr
schnell laufen zu können: er verfügt über eine enorme G.;
-schrift, die (Druckw.): Schriftart, in der der überwiegende
Teil eines Textes gesetzt ist: -schuld, die (jur., Bankw):
finanzielle Belastung eines Grundstücks, die meist als
Sicherheit für eine Forderung besteht, aber (im Gegensatz zur
Hypothek 1 a) von einer solchen Forderung rechtlich
unabhängig ist: -schule, die: die vier ersten Klassen umfassende.
n>/r allen schulpflichtigen Kindern gemeinsam zu besuchende
Schule (die auf die weiterführenden Schulen vorbereitet),
dazu: -schiiler, der. -schullehrer. der: -see. die (See-
mannsspr.): Wellenbildung mit steilen, oft sich
überschlagenden Wellen, die durch Aultreffen einer aus tiefem Wasser
kommenden Welle auf Untiefen u. vor flachen Küsten
entgeht: -soljdle] <Adj.; o. Steig.): sehr solide, außerordentlich
maßvoll, durch u. durch anständig: ein -er Typ; -spräche,
die (Sprachw.): tatsächliche bezeugte od. auch nur erschlos-
urne Sprache, aus der mehrere verwandte Sprachen
hervorgegangen sind, zu denen sie die gemeinsame Vorstufe
darstellt die indogermanischeG.; Latein istdieG. der
romanischen Sprachen; -ständig <Adj.; o. Steig.; nicht adv.)
<Bot.): (von Blättern, die oft dicht gedrängt u. in einer
Rosette angeordnet stehen) unmittelbar über dem Boden,
an der Basis (4) eines Pflanzensprosses wachsend: die -en
Blatter des Tausendschöns; -stein, der: /größerer] Stein,
der in einer feierlichen Zeremonie sytnbolisch als erster
Stein der Grundmauer eines Gebäudes gesetzt wird: der
Maurermeister brachte den G. in die richtige Lage, der
Bauherr schlug mit einem Hammer dreimal darauf; *der
C. zu etw. sein (die Grundlage für die Entwicklung, der
entscheidende Anfang von etw. sein): sein erstes Konzert
*ar der G. zu einer großen Karriere; den G. zu etw. legen
»1. mit der Grundsteinlegung symbolisch den Bau eines
Gebaudesbeginnen: derG. zu der neuen Kirche wurde gestern
gelegt. 2. die Grundlage für die Entwicklung von etw1.
schaffen, die Entwicklung von etw. einleiten: den entscheidenden
Anfang von etw. machen, bilden: mit dieser Entdeckung
fegte er den G. zu einem neuen Wissenschaftszweig; daß
dieses Geständnis ... den G. zu einer lange dauernden
Liebe legte [Brecht. Geschichten 80]). dazu: -Steinlesung.
die: Feier zu Beginn der Bauarbeiten, bei der der Grundstein
symbolisch als erster Stein gesetzt wird: bei der G. wurden
Urkunden und Münzen mit eingemauert; -Stellung, die:
1. (Sport, bes. Turnen) gerade, aufrechte Körperstellung
mit parallel nebeneinanderstehenden Füßen, von der bei
bestimmten Übungen ausgegangen wird: Ausgangsstellung (1):
nach dem Sprung sofort wieder die G. einnehmen, in
die G. zurückkehren. 2. (Musik) Lage eines Akkordes mit
dem untersten Ton als Grundton. 3. (Schach) Stellung der
Figuren beim Beginn einer Schachpartie vor dem ersten
Zug; -Steuer, die (Steuerw.): auf Grundbesitz jeder Art
von den Gemeinden erhobene Steuer, der als maßgebende
Größe der Einheitswert zugrunde liegt: -stimme, die
(Musik): Baß als Grundlage einer Komposition; -Stimmung,
die: vorherrschende, etw. entscheidetul beeinflussende,
prägende Stimmung: es herrschte eine fröhliche, optimistische
G.; eine andere, eine nicht mehr heutige, nicht mehr gültige
G. (Kuby. Sieg 180); -stock, der [zu t Stock =
ausschlagender Wurzelstock. Haupttrieb einer Pflanzel: anfänglicher
Bestand, der erweitert, auf dem aufgebaut werden kann:
diese Bücher waren der G., bildeten den G. für seine
Bibliothek; Bedenk, daß dieser Tabak für uns den G.
zu einer kleinen Fabrikation abgeben könnte (Brecht.
Mensch 103); -stoff. der: 1. (Chemie) Element (5): feste,
flüssige, gasförmige -e; Schon hatte er den Zerfall der
radioaktiven -e geschildert und bewiesen, daß das Atom
keineswegs „das letzte Unteilbare44 ist (Menzel. Herren
117). 2. Rohstoff. Rohmaterial (als Ausgangsmaterial bes.
für die weiterverarbeitende Industrie), zu 2: -stofllndustrie,
die: Industrie, durch die Grundstoffe gewonnen u.
umgewandelt werden für die weiterverarbeitende Industrie; -stück,
das: abgegrenztes Stück Land, das jmds. Eigentum ist; die
beiden -e liegen an einem Hang; ein brachliegendes, auf
das Steigen der Bodenpreise wartendes G. (Musil. Mann
13); ein G. kaufen, erben, verpachten; mit -en spekulieren,
dazu: -Stücksbesitzer, der. -Stückseigentümer, der.
-Stücksmakler, der. -Stückspreis, der. -Stücksspekulant.
der. -Stücksspekulation, die: svw. t Bodenspekulation:
Döring wandte sich gegen ... -en im Ausland (Welt 31.
3. 62. 1). -Stücksverzeichnis, das: ein amtliches G.;
-Studium, das: (in bestimmten Fachgebieten) erster, in sich
abgeschlossener Teil eines Studiums, der die Grundlage für
spezialisierte Studiengänge schafft: in der Medizin wird
das G. durch Zwischenprüfungen abgeschlossen; -stufe,
die: 1. (Päd.) auf der Eingangsstuje aufbauender, dem dritten
u. vierten Schuljahr entsprechender zweiter Teilbereich der
Grundschule. 2. svw. T 'Positiv; -Substanz, die: Substanz,
aus der durch Weiterverarbeitung andere Substanzen
hergestellt werden: Moschus. Zibet und Ambra, berühmte -en
für die Parfümherstellung (Welt 6. 10. 62. Frau); -tarif.
der: vgl. -gebühr; -tatsadie, die: grundlegende Tatsache:
wissenschaftliche -n; -taxe, die: vgl. -gebühr; -tendenz,
die: wesentliche, eine Sache im ganzen bestimmende
Tendenz; -tenor. der: vgl. -tendenz; -text. der: Text, der
anderen (bearbeiteten, übersetzten o.a.) Texten zugrunde
liegt; Urtext: die Bibel aus dem G. übersetzen; Ü die
„Ars poetica" des Horaz- neben der Poetik des Aristoteles
der andere G. aller europäischen Dichtungslehre (Welt
12. 4. 62. Literatur); -thema, das: Hauptthemü: -these,
die: grundlegende These; -ton, der: I. (Musik) a) Ton,
auf dem ein aus Terzen bestehender Akkord aufgebaut ist;
b) erster Ton einer Tonleiter (nach dem diese benannt wird).
2. (Akustik) tiefster Ton eines einen Klang bildenden
Gemisches von Tönen. 3. Farbton, den der Untergrund von etw.
hat: der dunkle, grünliche G. einer Tapete. 4. vgl.
-Stimmung: es herrschte ein optimistischere in der
Versammlung; Dieses Leiden am Menschen ist derG. in der Melodie
seines Lebens (Thielicke. Ich glaube 133); -tugend. die:
svw. T Kardinaltugend; -übel, das: entscheidendes Übel,
das meist die Ursache anderer Übel, Mißstände o. ä. ist:
Was die Soziologen heutzutage als ein G. unserer
gesellschaftlichen Existenz erkannt haben: die Diskontinuität
unseres Daseins (Greiner. Trivialroman 117); -umsatz,
der (Med.): Energiemenge, die der Körper bei völliger Ruhe
für die Aufrechterhaltung seiner Lebensvorgänge benötigt
(ohne daß etw. davon für Muskel-, Verdauungsarbeit o.a.
umgesetzt wird); -verkehrt <Adj.; o. Steig.): völlig falsch;
-vermögen, das: aus Grund u. Boden, Gebäuden u. Zubehör.
Wohnungseigentum. Erbbaurecht o.a. bestehendes
unbewegliches Vermögen: land- und forstwirtschaftliches Vermögen
1097
Gründet
gehört nicht zum G.: -verschieden <Adj.; o. Steig.): ganz
u. gar verschieden, völlig unterschiedlich: das sind zwei
-e Dinge, Gründe: So g. beide Mädchen auch waren ...
(Maegerlein. Piste 87): -Voraussetzung, die: sehr wichtige,
entscheidende Voraussetzung: -Wahrheit, die: einer Sache
zugrunde liegender, wesentlicher, nicht zu widerlegender
Sachverhalt: entscheidende, eine Sache grundsätzlich
bestimmende Tatsache. Erkenntnis: die -en einer Philosophie,
der christlichen Religion; ^was§er.das<Pl. selten: -wasser):
Ansammlung von Wasser im Boden, das durch Versickern
der Niederschläge od. aus Seen u. Flüssen in den Erdboden
eingedrungen ist, dazu: -wasserkunde, die: svw. t
Hydrogeologie. -Wasserspiegel, der. der G. fällt, steigt: Die Kultur
hat in Mitteleuropa im allgemeinen den G. gesenkt (Thie-
nemann, Umwelt 27), -Wasserstand, der: vgl.
^Wasserspiegel; -Wehrdienst, der: erster Wehrdienst, der von einem
Wehrpflichtigen (nach Musterung u. Einberufung) geleistet
werden muH: -wissen, das: grundlegetides Wissen.
Elementarwissen; -Wissenschaft, die: Wissenschaft, die Grundlage
einer anderen Wissenschaft ist: ^wort, das <P1. -Wörter)
(Sprachw.): zweiter Teil einer Zusammensetzung (z.B.
„Tisch" in Marmortisch; Ggs.: Bestimmungswort);
-Wortschatz, der (Sprachw.): für die Verständigung notwendiger
geringster Bestand an Wörtern in einer bestimmten Sprache,
aus denen andere Wörter (Ableitungen. Zusammensetzutigen
o. ä.) gebildet werden können; -zahl, die: I. svw. f
Kardinalzahl. 2. svw. f Basis (3 c); -/ins, der [mhd. gruntzins]
(hist.): an den Grundherrn zu entrichtende Abgabe für die
Nutzung eines Stück Bodens; -zug, der: wesentliches, etw.
im ganzen bestimmendes Merkmal; hauptsächlicher,
grundlegender Zug: einen wichtigen, vielleicht den wichtigsten
G. seines Wesens (Zwerenz, Kopf 124); In seinen
Grundzügen entstand dieses Gedankengebäude bereits in den
vierziger Jahren (Fraenkel. Staat 189): -zustand, der (Physik):
der energieärmste Zustand eines atomaren Systems.
Grundel [grundl], Gründel fgirndl]. die; -. -n, auch: der;
-s, - [mhd. grundel, ahd. grundila. zu tGrund, vgl. Gründ-
lingl: in vielen Arten vorkommender, meist kleiner, schlatiker
Fisch mit buntgezeichnetem Körper, der gewöhnlich am
Grund eines Gewässers lebt: gründein f'grYndln] <sw. V.;
hat): (von bestimmten Wasservögeln) am Grund von flachen
Gewässern nach Nahrung suchen u. dabei Kopfu.
Vorderkörper ins Wasser tauchen: Enten. Gänse gründelten auf dem
See; Heinroth beschreibt, wie ein Höckerschwan seine
gründelnde Gattin angriff (Lorenz. Verhalten I. 208);
gründen l'grYndn) <sw. V.; hat) [mhd. gründen = Grund finden;
erörtern, ahd. gründen = ergründen): 1. die Grundlage
für das Entstehen von etw. schaffen; ins Leben rufen, neu
sclwffen: eine Partei, einen Orden, einen Verein, ein
Unternehmen g.; er wird nie ein Heim g. (Remarque. Triomphe
45); die Siedlung, die Stadt wurde um 1500 gegründet.
2. a) für etw. eine andere Sache als Grundlage.
Voraussetzung. Stütze benutzen; auf erw. aufbauen, mit etw.
untermauern: er gründete seine Hoffnung auf ihre Aussage;
Auf diese Einsichten gründen wir unseren Heilungsplan
(Freud, Abriß 41); die Ideen sind auf diese/(auch:) dieser
Überzeugung gegründet; b) in etw. seine Grundlage, seinen
Grund, seine Stütze haben: solche Parolen gründen auf
der Scheinwahrheit, daß Geschichte von Einzelnen
gemacht werde (Enzensberger, Einzelheiten I, 86); ... daß
derGlaube in solch einem Erfahrungsbeweis gründet (Thie-
licke. Ich glaube 224); c) <g. -I- sich) sich auf etw. stützen;
auf etw. beruhen, aufbauen. fulSen: zwei Arten von Ehen.
Die eine beruht auf Liebe, die andere gründet sich auf
Vernunft (Leonhard. Revolution 84); Seine glänzende
Praxis gründete sich hauptsächlich auf die Arbeit seines
früheren Assistenten (Remarque, Triomphe 186): <AbI. zu 1:>
Grynder, der; -s. -: jmd.. der die Grundlage für das Entstehen
von etw. schafft, etw. ins Leben ruft, gründet: der G. eines
Verlags, einer Stadt; Eduard Knobloch, der G. des Klubs
erscheint (Remarque, Obelisk 147); <Zus.:) Grijnderiahre
<PL>: Zeit im letzten Drittel des W.Jh.s (die Jahre nach
1871). in der während eines starken wirtschaftlichen
Aufschwungs viele industrielle! Unternehmen gegründet
wurden u. eine rege Bautätigkeit (mit einer vergangene Baustile
imitierenden Bauweise) einsetzte: die stürmische
wirtschaftliche EntwicklungderG.; ein Haus im Stil derG.;
Gründerzeit, die <o. PI): svw. tGründerjahre.
Grundkr-: -anstrich, der: erster Anstrich, auf den weitere
Farben aufgetragen werden, mit dem etwas grundiert wird;
-färbe, die: Farbe, die sich zum Grundieren von etw. eignet,
dafür vorgesehen ist, die als erste Farbe aufgetragen wird
u. auf die weitere Farben aufgetragen werden; -lack, der:
vgl. -färbe; -Schicht, die: vgl. -färbe.
grundieren [grun'dhron] <sw. V.; hat) [französierende
Bildung zu t Grund]: auf erw. den ersten Anstrich, die erste
Färb- od. Lackschicht als Untergrund auftragen: die Wand
muß man zuerst g.; Ü während die Piazza noch mit kühlen
blauen Schatten grundiert war (Andersch. Rote 153);
<Abl.:> Grundkrung, die; -, -en: 1. das Grundieren: schon
bei der G. hätte er etwas sorgfältiger arbeiten müssen.
2. erster Anstrich, unterste Färb- od. Lackschicht;
Grundanstrich: die G. ist noch nicht getrocknet, schimmert noch
durch; gründlich [grYntlu;) <Adj.> [mhd. grünt lieh. ahd.
gruntllhho (Adv.), eigtl. = auf den Grund gehend): a)
sehr genau u. sorgfältig; ins einzelne gehend, auch die
Feinheitenbeachtend, erfassend; gewissenhaft: -e Arbeit leisteq;
er ist ein sehr -er Mensch; -e Vorbereitungen treffen; -e
(umfassende, solide) Kenntnisse; er ist, arbeitet sehr g.;
Nur die Putzfrauen mußten um sieben Uhr da sein, um
g. zu lüften und sauberzumachen (Doderer, Wasserfälle
33); b) (ugs.; intensivierend bei Verben) sehr; gehörig,
gewaltig: da hast du dich aber g. getäuscht; Walter müßte
mal g. eine aufs Dach kriegen (Schnurre, Bart 34); <Abl.
zu a:> Gründlichkeit, die; -: das Gründlichsein; gründliches
Wesen; Gewissenhaftigkeit. Genauigkeit. Sorgfalt; er
forderte etwas mehr G. [bei der Arbeit]; Sie suchten mit
preußischere sogarzwischen den Schafherden
(Strittmatter. Wundertäter 448); Gründling fgirntlinl. der; -s, -e
[mhd. grundelinc. weil er sich am Grund von Seen u.
Bächen aufhält]: in vielen Arten vorkommender, kleiner
Fisch, der gewöhnlich in Schwärmen am Grund von
Gewässern lebt; Gründung, die; -. -en: 1. das Grüttden (1).
Gegründetwerden: Neuschaffung: dieG. einer Familie, einer Partei,
eines Staates; Die G. der frühesten jüdischen Gemeinden
im Gebiet des heutigen Deutschland (Fraenkel. Staat 141);
-en von Fabriken und Warenagenturen (Maass, Gouffe
255). 2. (Bauw.) a) svw. TGrundbau (1): bei der G. des
Gebäudes auf diesem Gelände waren spezielle Maßnahmen
nötig; b) svw. tGrundbau (2): ein Teil der G. hat dem
Druck nicht standgehalten.
Grijndungs-: -bank. die <P1. ...banken) (Wirtsch.): Bank,
die sich vorwiegend mit der bei der Gründung eines
Unternehmens notwendigen Finanzierung befaßt; ^feier. die: Feier
anläßlich der Gründung eines Unternehmens, eines Vereins
o.a.; -fest, das: vgl. -feier; -Finanzierung, die (Wirtsch.):
alle bei der Gründung eines Unternehmens notwendigen
Maßnahmen zur Ermittlung der Art u. des Bedarfs von Kapital
sowie zu dessen Beschaffung; -jähr, das; -kapital, das
(Wirtsch.): zur Gründung eines Unternehmens notwendiges,
vorhandenes Kapital; -rektor. der: [an der Gründung
beteiligter] erster Rektor einer neuen Universität; -tag, der;
-Versammlung, die (Wirtsch.): Versammlung, auf der die
Grütidung eines Unternehmens durch die beteiligten
Kapitaleigner vorgenommen wird; -Zeremonie, die: vgl. -feier.
■Grüne, das; -n: 1. das Grünsein, grüne Farbe. Färbung:
die Farbe des Mantels spielt ins G. 2. <meist o. Art.)
(ugs.) a) grüne Pflanzen /als Schmuck j: du kannst noch
ein wenig -s zu den Blumen binden; da wächst überall
schon Gras und Brennesseln und anderes -s (Rinser. Jan
Lobel 64); b) Salate u. Gemüse als Rohkost: du mußt
mehr -s essen wegen der Vitamine; c) Kräuter zum Würzen
von Salaten. Suppen u. a.: sie schnitt rasch noch ein wenig
-s für die Suppe; d) Grünfutter, bes. für Kleinvieh: gib
den Kaninchen noch ein wenig -s. 3. * im Grünen/ins Grüne
(in der freien Natur! in die freie Natur): sie wohnen draußen
im G.; Du mit deinen Ausflügen ins G! (Remarque,
Obelisk 57); ^Grüne, der; -n. -n <DekI. t Abgeordnete) [1: nach
der grünen Uniform; 2: nach der Farbe des Scheins]: 1.
(ugs.) Polizist. 2. (salopp) Zwanzigmarkschein. 3. (derb)
svw. t2Gelbe; ^Grüne. die; - [mhd. grüene, ahd. gruonl]
(veraltet, noch dichter.): grüne Farbe, grünes Aussehen:
die G. der Wälder; grünen <sw. V.; hat) (geh.): grüne
Triebe. Sprossen bekommen, zeigen; grün werden, sein;
sprießen: lange bevor ein Vogel sich in die Lüfte schwang
oderein Laubbaum grünte (Th. Mann, Krull 310);
grünende Felder, Wiesen; Ü die Liebe, Hoffnung begann wieder
zu g. (dichter.; zu erwachen, aufzuleben, lebendig zu werden):
wir waren es nicht ... Uns grünt der einzige Ruhm ...
nicht (dichter.; uns wird er nicht zuteil, kommt er nicht
1098
gruppen-, Gruppen -
zu; Kaiser, Villa 29); grünlich <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>:
leicht grün getönt, sich im Farbton dem Grün nähernd,
ins Grüne spielend: ein -es Blau: ein -er Schimmer; -es
Licht; -e Farbtöne; Buchen, deren Stamme g. wie alte
Bronze... emporstiegen zu ihrem Dach (A. Zweig. Claudia
26); Grünlins [gry:nliol. der; -s. -e [1, 2. 3: zu tgrün (1);
4: zu tgrün (3)1: 1. schmackhafter Speisepilz mit
gelblichweißem Fleisch, schwefelgelben Blättern u. einem
gebuckelten, wellig gerundeten, olivgrünen Hut. 2. svw. tGrünfink.
3. luftgetrockneter, noch ungebrannter Mauerziegel. 4. (ugs.)
unerfahrener, unreifer Mensch.
grunzen ['gruntsnl <sw. V.: hat) [mhd. grunzen, ahd. grunni-
zön. lautm., nach dem Grunzlaut der Schweine): 1. (von
bestimmten Tieren, bes. Schweinen) dunkle, rauhe, kehlige
Laute ausstoßen: die Schweine grunzten und quiekten; das
Nashorn lag grunzend, aufgebläht da (Schneider.
Erdbeben 45). 2. (ugs.) undeutlich im Grunzton äußern, sagen:
er grunzte irgend etwas und verschwand; ..Das hat mir
gerade noch gefehlt", grunzte er (Faller, Frauen 133):
<Zus.:> Grunzochse, der: svw. f Jak.
Grüppchen [grYp^nl. das; -s, -: t'Gruppe (la); 'Gruppe
I'gropa], die;-, -n [frz. groupe < ital. gruppo =
Ansammlung, Schar. Gruppe, H. u.l: 1. a) <Vkl. TGrüppchen)
kleinere Anzahl von [zufällig] zusammengekommenen, dicht
beieinanderstehetuien oder nebeneinandergehenden Personen
die als eine geordnete Einiieit erscheinen/: eine kleine,
größereG. Jugendlicher, Halbstarker, Erwachsener;
überall standen noch -n herum; eine G. diskutierender/(selte-
ner.) diskutierende Studenten; eine G. von Arbeitern. Tou-
risten/(seltener:) eine G. Arbeiter. Touristen; eine G. von
Bäumen stand vor dem Haus: eine G. Kinder. Reisender
stieg aus/(auch:) stiegen aus; der Lehrer bildete -n zu je
fünf Schülern; Für hundert Lire wird man in -n
hinabgeführt (Koeppen, Rußland 198); b) nach gemeinsamen
Merkmalen vorgenommene Unterteilung. Klassifizierung: die G.
der starken Verben; In der Gegenwart lassen sich die
Aufgaben der öffentlichen Verwaltung in drei -n gliedern
(Fraenkel, Staat 344). 2. Gemeinschaft. Kreis von Menschen,
die auf Grund bestimmter Gemeinsamkeiten
zusammengehören, sich auf Grund gemeinsamer Interessen. Ziele
zusammengeschlossen haben: konservative, radikale, soziale,
therapeutische -n; an dem Werk hat eine ganze G. (ein Team)
gearbeitet; er gehört einer G. literarisch interessierter
Menschen an; die Arbeit in der G. macht ihm Spaß; in der
Sozialpsychologie unterscheidet man zwischen primären
-n. z. B. die Familie, und sekundären -n. z. B. die
Berufsgruppe. 3. (Sport) bestimmte Anzahl von Mannschaften
otl. Spielern, die zur Ermittlung eines Siegers ixt. einer
Meisterschaft Qualifikationsspiele gegeneinander austragen.
4. (Milit.) kleinste Einheit aller Truppengattungen: mehrere
-n bilden einen Zug; Eine G. des Geschwaders lag damals
noch an einer östlichen Front (Gaiser. Jagd 136). 5. (Geol.)
Zusammenfassung mehrerer die Altersfolge der
Schichtgesteine betreffender Systeme.
^Gruppe [-1. Gruppe ['gnrpol. die; -, -n [aus dem Niederd.
< mniederd. grüppe = kleiner Grabenl (landsch.): I.
schmaler Graben zwischen einzelnen Feldern: Abzugsgraben,
-rinne: die -n der Marschweide reinigen. 2. im Stall hinter
dem Vieh verlaufende Rinne für Jauche u. Mist:
Abzugsrinne: <Abl. zu 1:> grüppeln [grypln]. gruppen [gropn] <sw.
V.; hat) [mniederd. gruppenl: schmale Wasserrinnen.
Abzugsgräben ausheben.
cryppen-,Gryppen- ('Gruppe) -abend,der: Beisammensein.
Zusammenkunft einer Gruppe (einer Organisation) am
Abend, -akkord. der (Wirtsch.): Akkordarbeit, die von
einer zusammenarbeitenden Gruppe von Arbeitern
geleistet wird; -arbeit, die <o. PI.): 1. Arbeit, die in einer Gruppe
verrichtet wird: Das Gespräch gestaltet sich besonders
fruchtbar, wenn die Kinder in Einzel- od. Gruppenarbeit
\crschiedene Wagentypen hergestellt haben (Meyer.
Unterrichtsvorbereitung 13). 2. (Päd.) Verfahren, hei dem die
Erziehung hauptsächlich durch fruchtbare Zusammenarbeit
in Gruppen erfolgt, wobei sich die Gruppenmitglieder
Aufgaben stellen u. ausführen: -aufnähme, die: fotografische
Aufnahme einer Gruppe von Personen: -bewußt <Adj.)
(Sozia lpsyeh.) ein Gruppenbewußtsein habend: das
Gruppenbewußtsein betreffend, auf ihm beruhend, von ihm zeugend:
Ein -es Denken zu vermitteln, war mir ... nicht möglich
(Ossowski, Bewährung 91); -bewußtsein, das (Sozial-
psych.): Bewußtsein einer bestimmten [sozialen] Gruppe,
einem Kreis von Menschen anzugehören, denen man auf Grund
bestimmter Gemeinsamkeiten verbunden ist. denen
gegenüber man Rechte u. Pflichten. Verantwortung hat: Sinn
für die Gemeinschaft, in der man lebt: Die Schwierigkeit,
eine Großfamilie zusammenzuhalten und ein G.
auszubilden (Wohngruppe 132); -bild, das: vgl. -aufnähme: —bil-
dung, die: Bildung. Entstehung einzelner Gruppen innerhalb
einer größeren Gemeinschaft von Menschen od. Tieren: Die
Grundrechte garantieren ... auch die freie G. in der
demokratischen Gesellschaft (Fraenkel. Staat 256); Interessant
war die G, unter den Jungvögeln nach ihrem Umzug auf
den Dachboden (Lorenz. Verhalten I. SD; -dynamik, die
[amerik. group dynamicsl (Sozialpsych.): Lehre.
Wissenschaft, die das Zusammenwirken, die wechselseitige
Beeinflussung u. Steuerung des Verhaltens der Mitglieder einer
Gruppe (2) untereinander od. das Verhalten des einzelnen
zur Gruppe od. die Zusammenhänge zwischen mehreren
Gruppen erforscht, dazu: -dynamisch <Adj.; o. Steig.)
(Sozialpsych.): die Gruppendynamik betreffend, zu ihr gehörend,
auf ihr beruhend, mit ihren Mitteln arbeitend: -es Training;
-egoismus, der: eigennütziges Verfolgen spezieller
Interessen einer bestimmten Gruppe ohne Rücksichtnahme auf das
Gemeinwohl: ^€he. die (Völkerk.): bei einzelnen
Naturvölkern übliche eheliche Verbindung einer bestimmten Anzahl
von Männern u. Frauen: Gemeinschaft sehe: Einteilung, die:
tiach bestimmten Gesichtspunkten vorgenommene Einteilung
in Gruppen: er war bei der G. der Touristen vom Reiseleiter
vergessen worden; -foto, das: vgl. -aufnähme; -fiihrer,
der: a) (Milit.) Führer einer ^Gruppe (4); b) (Wirtsch.)
Leiter einer Arbeitsgruppe in einer Abteilung: -gymnastik.
die (Sport): Übung. Vorführung gymnastischer Übungen
/mit Ball. Reifen. Seil. Band/, die von einer Gruppe von
Turnerinnen synchron durchgeführt werden: -Interesse, das
(meist PL): Interesse einer bestimmten /sozialen/ Gruppe;
-leben, das <o. PI.): das Zusammenleben, die gemeinsame
Arbeit. Freizeitgestaltung o.a. in einer Gruppe: Das G.
wirkt sich bei der Bewußtwerdung der
Persönlichkeitsstruktur ... positiv aus (Wohngruppe 31); Dann möchte
ich noch mehr Frauen gewinnen, die sich an unserem
G. beteiligen (Volk 3. 7. 64. 3); -leiter. der; -leitung.
die; -mitglied, das; -nachmittag, der (DDR): am
Nachmittag stattfindende Zusammenkunft einer organisierten
Gruppe: G. mit Jungpionieren (Trommel 40, 1976. 3);
-Pädagogik, die: spezielle Form der modernen Pädagogik, die bes.
im Bereich der sozialen Arbeit mit Jugendlichen auf der
Grundlage der Gruppenarbeit (2) praktiziert wird u. die
ihre Aufgabe darin sieht, zur Gemeinschaft zu erziehen;
-Pionierleiter, der (DDR); -posten. der: Genosse Brech
... und Genosse Geist ... gehören seit vielen Jahren zum
G. der Wasserschutzpolizei Waren (Wochenpost 30. 1976.
18); -prämie, die (Wirtsch.): Prämie, die einzelnen im
Gruppenakkord arbeitenden Arbeitern für besondere Leistungen
ausgezahlt wird; -prüfung. die: Prüfung.
Eignungsuntersuchung. Test mit mehreren Teilnehmern gleichzeitig;
-Psychotherapie, die [amerik. group psychotherapyl: svw.
t -therapie; -rat, der (DDR): aus mehreren Mitgliedern
bestehende Leitung verschiedenster Organisationen: offen
und ehrlich berichteten uns die Pioniere aus dem G. der
7 b, daß... (Wochenpost 6.6. 64. 5). dazu: -rats versitzende.
der u. die (DDR): Die durchaus zu begrüßende Praxis,
daß der G. bei Beginn der Stunde dem Lehrer die Klasse
unterrichtsbereit meldet (Wochenpost 6. 6. 64. 5): -reise.
die (Touristik): Reise, bei der für eine Gruppe von Personen
ein Reisebüro die Organisation, die Reservierung von
Flugkarten. Hotel o.a. übernimmt (Ggs.: Einzelreise): -sex,
der [amerik. group sexl: sexuelle Beziehungen.
Geschlechtsverkehr zwischen mehreren Personen / mit wechselnden
Partnerbeziehungen /: G., jene freie, zwanglose Konvertibilität
von Körpern und körperlichen Zärtlichkeiten (Spiegel 51,
1969. 148); -sieg, der (Sport): Sieg, erster Platz innerhalb
einer ^Gruppe (3); -sieger, der (Sport): die Mannschaft
wurde mit 10:2 Punkten G.; -spezifisch <Adj.>: für eine
lGruppe (2) spezifisch, kennzeichnend: Gruppen mit -em
Normensystem (Schmidt. Strichjungengespräche 37);
-spiel, das (Sport): innerhalb einer 1Gruppe (3)
ausgetragenes Spiel: bereits bei den -en gab es einige Überraschungen;
-Start, der (Sport): bei Automobil- u. Motorradrennen
üblicher Start einer ganzen Gruppe von Fahrzeugen zu gleicher
Zeit; -test, der: vgl. -priifung; -therapeutisch <Adj.: o.
Steig.): die Gruppentherapie betreffend: -e Behandlung;
1099
gruppieren
-therapie, die [amerik. group therapyj: 1. (Med.)
gleichzeitige Behandlung mehrerer Patienten in einer Gruppe (Ggs.:
Einzeltherapie): die krankengymnastische Gruppen- oder
Einzeltherapie (Gesundheit im Beruf I. 1975, 163). 2.
(Psych.) psychotherapeutische Behandlung von mehreren in
einer Gruppe zusammengefaßten Patienten, die sich
gegenseitig dabei unterstützen, ihre [meist ähnlichen]
Schwierigkeiten zu analysieren u. zu beheben; ^training, das (Sport):
Training mit Gruppen von Sportlern, die ihrer Leistung
nach etwa gleich stark sind; -turnen, das: vgl. ^training;
-Unterricht, der: 1. Unterricht, den man einer Gruppe von
Schülern zugleich erteilt (Ggs.: Einzelunterricht): als er
anfing, Geige zu spielen, war er zuerst im G.. dann nahm
er Einzelstundcn. 2. (Päd.) Unterricht, bei dem eine
Schulklasse od. ein Kursus in verschiedene Arbeitsgruppen
aufgeteilt wird; -Versammlung, die: Kurz darauf fand für uns
bereits eine G. zum Thema „Entspannung44 statt (Leon-
hard, Revolution 178); -Versicherung, die (Versiche-
rungsw.): Versicherung für mehrere Personen zugleich durch
einen Versicherungsvertrag; -en werden vorwiegend von
Firmen oder Vereinen für ihre Arbeitnehmer oder ihre
Mitglieder abgeschlossen: -Vorsitzende, der u. die: -weise
<Adv.>: in einzelnen Gruppen, Gruppe für Gruppe; die
Schüler verließen g. das Gebäude; (seltener auch attr.:> das
-e Antreten.
gruppieren <sw. V.; hat) [zu t'Gruppe, vgl. frz. grouper]:
a) in eine bestimmte Ordnung bringen; in einer bestimmten
Anordnung aufstellen; nach bestimmten Gesichtspunkten
anordnen, zusammenstellen; Kinder in einem Halbkreis g.;
sie gruppierte Stühle um den Tisch; in sich abgerundete
Stadtviertel, die man weniger nach Zweckmäßigkeit als
nach den Gesetzen der Harmonie und Schönheit gruppiert
hatte (Thieß. Reich 449): McDougall gruppiert ... die
Instinkthandlungen ... unter die Begriffe von ... dreizehn
übergeordneten Instinkten (ordnet sie dort jeweils ein;
Lorenz. Verhalten I, 319); b) <g. + sich) sich in bestimmter
Weise formieren; sich in einer bestinunten Ordnung
aufstellen, hinsetzen, lagern; sich zu einem Kreis g.; die Kinder
mußten sich immer wieder neu g.; In der Küche gruppierte
sich schon der Zug der gravitätischen Kellner (Langgässer.
Siegel 232); Wir gruppierten uns um den Tisch (Remarque.
Obelisk 22); wo die Wolken ... sich um die Sonne gruppiert
haben (Bö 11, Tagebuch 114); <Abl.:) Gruppierung, die; -.
-en: I. a) das Gruppieren (a). Anordnen, Zusammenstellen:
Die überall zu beobachtende Tendenz zur G. von
Einzelteilen zu Je einem geschlossenen Ganzen (Natur 22); b) das
Gruppiertsein, Anordnung: Es ist nur darauf zu achten,
daß genügend Sitzgelegenheiten in gefälliger G....
bereitgestellt werden (Hom, Gäste 15). 2. Gruppe von Personen,
die sich zur Verfolgung bestimmter politischer,
gesellschaftlicher o.a. Ziele zusammengeschlossen hat. die Iinnerhalb
einer größeren Organisation j eine bestinvnte Linie vertritt:
die offensichtlichen sowjetischen Bemühungen, eine neue
antigriechische G. auf dem Balkan zustande zu bringen
(Welt 9. 6. 62. 5); Ein gesunder und starker Mittelstand
verhindert das Anwachsen von extremen -en und Parteien
(Fraenkel, Staat 197).
Grus [gru:sl. der: -es. (Arten:) -e [aus dem Niederd. <
mniederd. grüs = in kleine Stücke Zerbrochenes < mnie-
derl. gruus = Grobes, grob Gemahlenes]: 1. (Geol.) [durch
Verwitterung! zerbröckeltes, körniges Gestein. 2. fein
zerbröckelte Kohle, grobkörniger Kohlenstaub: In euren
Waggons ... haben wir wieder keine Briketts gefunden,
nur Krümel und G. (Hacks. Stücke 304); gnjsarttg <Adj.;
o. Steig.): wie Grus beschaffen, aussehend: -es Gestein;
-e Kohle.
Grüsdi [gncfl. das; -[sl [mhd. grüschl (Schweiz.): Kleie.
Gruschel [grujll. die; -, -n [mhd. gruschel < mlat. grosela-
rius] (landsch.): Stachelbeere.
'Grusel ['gru.zl], der; -s [zu tgruseln] (selten): Empfindung
des Gruseins; Angst: wer die Uniform trägt von klein auf.
wovor hat der schon G.? (Bieler, Bonifaz 217).
^Grusel [-]. der; -s [zu tGrus] (landsch.): grober Sand u.
kleinere Steine. Kies.
Grusel-: Effekt, der: die Empfindung des Gruseins, des
Schauderns hervorrufende Wirkung: in dem Film wird mit
vielen -en gearbeitet; gleichzeitig aber ist diese Neugier
und dieses Interesse von einem eigenartigen G. begleitet
(Wohngruppe 7); -film, der: Film, der vom Thema u. von
der Gestaltung her darauf abzielt, beim Zuschauer Gruseln
hervorzurufen; beschichte, die: a) Geschichte, Erzählung
o.a. mit gruseligem Inhalt: sie erzählt, liest gerne -n; b)
svw. T Schauergeschichte: -märchen, das: vgl. ^geschichte.
gruselig, (auch:) gruslig ['gru:z(3)lu;] <Adj.): Gruseln
hervorrufend; schaurig, unheimlich: eine -e Geschichte, Erzählung;
es war ziemlich g., hörte sich recht g. an; Heute wirkt
es für viele noch gruselig, daß Erklärungen eines Menschen
in eine Lochkarte übersetzt werden; ein Röntgenbild
erscheint uns nicht mehr gruselig (Noelle, Umfragen 31);
gruseln [gru:zln] <sw. V.; hat) [älter: gruseln < mhd.
griuseln, Intensivbildung zu: griusen, grusen = Grauen
empfinden; f grausen]: a) (unpers.) Grausen, Furcht
empfinden; ängstlich schaudern; unfieimlich zumute sein; er-
scluiuem: in der Dunkelheit gruselte [es] ihr/(auch:) sie;
Ihm gruselte sichtlich vor Franziskas unerhört blutigem
Bild (Kant, Impressum 236); es hat mir/(auch:) mich vor
diesem Anblick gegruselt: da kannst Du hineinrufen, daß
es Dir selber gruselt vor Deiner Stimme (Frisch, Stiller
463); b) <g. + sich) sich voretw. Unfieimlichem. Makabrem
o. ä. fürchten; Grausen. Furcht empfinden: gruselsl du dich
allein im dunklen Wald?; ich gruselte mich ein wenig [vor
der Dunkelheit]; <subst.:> Man spürte, wie manches von
dem ... seinen politisch geschulten Landsleuten das G.
(einenSchauder) den Rücken herunterjagte (Dönhoff, Ära
121):Grusical [gru:zikl], das; -s. -s [anglisierende
Neubildung zu gruseln nach dem Vorbild von f Musical]
(scherzh.): / nach Art eines Musicals aufgemachter}
Gruselfilm: Tanz der Vampire, Polanskis weltberühmtes G. (MM
29.8. 75, 17).
grusig [gru.zu;] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): wie Grus
beschaffen, aussehend; aus Grus bestehend: eine -e Masse;
Gruskohle, die: svw. tGrus (2).
gruslig: T gruselig.
Gruß [gru:s], der; -es. Grüße [gry:s3; mhd. gruoj, rückgeb.
aus T grüßen]: 1. Worte (liäufig als formeUudte
Wortverbindung). Gebärden als Höflichkeits- o. Ehrerbietungsbezei-
gung zwischen Personen beim Zusammentreffen.
Sichbegegnen, bei einer Verabschiedung: ein freundlicher, höflicher,
förmlicher, ehrerbietiger, kurzer, stummer G.; mit
militärischem G. (Anlegen der Handan die Kopfbedeckung); sein
G. war sehr kühl; Grüße wechseln; einen G. entbieten;
jmds. G. erwidern; auf jmds. G. nicht danken; daß er
... mit mechanisch gemurmeltem G. sein Käppchen lüftete
(Langgässer, Siegel 493); ohne G. weggehen: er reichte
ihm die Hand zum G. (zur Begrüßung); ich ... zucke
sechs Meter vor ihm zu einem zackigen G. zusammen,
den ich erst wegnehme, als ich sechs Meter hinter ihm
bin (Remarque, Westen 118); *der Deutsche G. (ns.; das
Grüßen mit Erheben des rechten Arms [u. den Worten ..Heil
Hitler!"]): zäh, aber emsig kletterten rechte Arme in die
vorschriftsmäßige Höhe des Deutschen -es (Grass,
Hundejahre 251); auch als Grußformel am Briefschluß: mit
Deutschem G....; der EnglischeG. {katholisches
Mariengebet, Ave-Maria; zu 1 Englisch). 2. etw., was als Zeichen
der Verbundenheit, des Gedenkens o. ä. jmdm. übermittelt
wird: jmdm. herzliche, freundliche, beste, liebe Grüße
senden; jmdm. Grüße ausrichten, bestellen, überbringen,
übermitteln, schicken; einen G. an jmdn. mitgeben, unter einen
Brief setzen, anfügen; Unter bunten Sonnenschirmen
schreibt er seine Grüße aus Madrid (Koeppen. Rußland
48); sagen Sie ihm herzliche Grüße von mir; [einen] schönen
G. von deiner Mutter (fam.; deine Mutter läßt dir
ausrichten), du sollst sofort nach Hause kommen; in Grußformeln
am Briefschluß: viele, herzliche, liebe Grüße Euer ...;
freundliche Grüße Ihr ...; mit freundlichem G. [verbleibe
ich] Ihr ...; R [schönen] G. vom Getriebe, der Gang ist
drin (scherzh.; Äußerung, mit derjmd. die beim Autofafiren
durch schlechtes Schalten verursachten Geräusche
kommentiert): letzte Grüße aus Davos (scherzh.; Äußerung, mit
derjmd. das auffüllige, lang anfialtende Husten eines andern
kommentiert: in Anspielung auf die Lungenheilstätten im
Luftkurort Davos in der Schweiz).
grüß-, Gruß-: -adresse, die: bei einem bestimmten Anlaß
an jmdn., an mehrere bei einer Veranstaltung o. ä.
versammelte Personen gerichtetes offizielles Schreiben als Gruß,
als Zeichen der Verbundenheit o.a.: eine G. an jmdn..
an einen Kongreß richten; er verlas vor den versammelten
Gästen die G. seines Amtskollegen; -anspräche, die: Der
Erste Sekretär des ZK ... hob in seiner G. hervor, daß
... (Neues D. 20. 5. 76, 2): -bekanntschaft, die: Bekannt-
1100
Guardian
schuft, die sich auf gegenseitiges Grü/Jen beschrankt;
-bolschaft, die: vgl. ^adresse; -forme!, die: beim Gru/J
verwendete formelhafte Wortverbindung; -los <AdJ.; o. Steig.): olme
i den erwarteten] GrulS erfolgend; ohne zu grüßen; sein -es
Kommen und Gehen ärgerte sie; er ging g. weg. an ihnen
vorbei; -Ordnung, die (Milit.): Vorschrift für Soldaten, die
Grußpflicht u. Art des Grußes festlegt; -pflicht, die (Milit.):
Pflicht für Soldaten, höhere Dienstgrade militärisch zu
grüßen; -schreiben, das: vgl. -adresse; -telegramm, das: vgl.
-adresse; -wort, das <PL -worte): a) vgl. -adresse; b)
kurze, zur Begrüßung der Teilnehmer einer Veranstaltung
gehaltene Rede. Ansprache.
Grüß-: -august, der (salopp scherzh. od. abwertend):
Empfangschef in Hotels. Gaststätten o.a.; -fuß nur in der
Wendung mit imd. auf dem G. stehen (ugs,; mit jmdn..
ohne ihn näher zu kennen, in dem Maße bekannt sein, doli
man einander beim Sichbegegnen grüßt): -heini, der (salopp
abwertend): svw. I -august; -maxe, der (salopp scherzh.
od. abwertend): svw. I -august.
grüßen [gry:sn] <sw. V.; hat) [mhd. grüe3en = anreden;
grüßen, herausfordern, angreifen: strafen, züchtigen; ahd.
gruo3en = anreden; herausfordern, angreifen, eigtl. =
zum Reden bringen, sprechen machen): I. mit einem Gruß
auf jmdn. zugehen, an jmdm. vorübergehen; jmdm. seinen
Gruß entbieten: freundlich, höflich g.; er pflegt kaum, nur
flüchtig zu g.; Er lächelt und grüßt nach allen Seiten
(Faller, Frauen 36); Viel hatte ich auf der Avenida zu
g. (Th. Mann. Krull 405); jmdn. kurz, schweigend, mit
einem Nicken. Lächeln, im Vorübergehen, von ferne g.;
sie grüßen sich/(geh.:) einander nicht mehr; Teichmann
grüßte ihn auch künftig nur stumm (Ott. Haie 334); wir
kennen uns zwar nicht näher, aber wir grüßen uns; sei
Imirl gegrüßt [in meinem Hausl (geh.; ich begrüße dich,
heiße dich willkommen)'. <g. 4- sich:) grüßt du dich
mit ihm? (ugs.; kennst du ihn näher, so gut. daß ihr euch
grußt?)\ *griiß dich! (ugs.; Grußformel). 2. jmdm. einen
Gruß (2) zusenden; Grüße übermitteln: grüße deine Eltern
herzlich, vielmals [von mir); grüß mir deinen Vater; ich
soll auch von meiner Mutter g.; Übrigens lassen dich
die jungen Leute g. (Fallada. Mann 129); U grüße die
Heimat, die Berge von mir. grüß mir die Heimat, die
Berge (Äußerung, mit der jmd. seine Verbundenheit mit
der Heimat, den Bergen o.a. ausdrückt); die Glocken
der Stadt grüßten ihn schon von ferne (geh.; waren schon
von weitem zu hören)'. So prächtig sich Salamanca bei
der Ankunft bietet, so prächtig grüßt es den Fremdling
(geh.; liegt es vor ihm. bietet es sich ihm dar) beim Abschied
(Bamm, Weltlaterne 135).
Grijtz-: -beutel, der: svw. t Balggeschwulst; -brei, der: aus
Grütze (1 a) hergestellter Brei; -fiitter, das: gemahlene
Getreidekörner als Futter für Geflügel, bes. für Küken;
-köpf, der [a: geht von der Vorstellung aus. daß der
Betreffende statt des Gehirns Grütze im Kopf hat): a) (ugs.
abwertend) svw. t Dummkopf: so ein G.!; b) (ugs.)
Verstand: streng deinen G. ruhig mal an; das geht wohl nicht
in deinen G. hinein; -mühle, die: Mulde zum Mahlen von
Getreide; -suppe, die: vgl. -brei; -wirst, die: Wurst, deren
Füllung zum großen Teil aus Grütze (1 a) besteht.
Grütze [grYtsD], die; -, (Sorten:) -n [1: mhd. grütze, ahd.
gruzzi; zu f Grieß; 2: entweder zu 1 im Hinblick auf den
wertvollen, nützlichen Getreidekern im Unterschied zur
Spreu od. umgebildet aus frühnhd. Kritz = Witz,
Scharfsinn]: 1. <PI. selten) a) geschälte, grob bis fein gemahlene
Getreidekörner (bes. Hafer. Gerste. Buchweizen) zur
Herstellung von Suppen. Brei. Grützwurst: die G. mit Milch
ansetzen; b) svw. tGrützbrei: süße, dicke G.; heute gibt
es G.; * rote G. (mit rotem Fruchtsaft hergestellte
Süßspeise). 2. <o. PI.) (ugs.) Verstand: dazu braucht man nicht
viel G.; er hat allerhand, viel, kaum G. im Kopf; son
Kerl, kann ja nicht denken, hat ja keine G. in seinem
Deez(Döblin. Berlin 381).
Grützen [grotsnl. der; -s, - [Nebenf. von t trotzen]
<landsch.): 1. Kerngehäuse bes. beim Apfel: er ißt immer
denG. mit. 2. (scherzh. od. abwertend)^leiner Kerl. Knirps:
vor dem [kleinen) G. habe ich keine Angst.
Gruyerefkäse] [gry'jet(-)). der; -s [nach der Schweizer
Landschaft Gruyere = Greyerz]: svw. TGreyerzer [Käse).
G-Saite ['ge:-l, die; -, -n: auf den Ton g. G (2) gestimmte
Saite eines Saiteninstruments.
Gschaftlhuber usw.: tGeschaftlhuber usw.
gschamig: T geschämig; gschamig: f geschämig.
gschert: t geschert; Gscherte: T Gescherte.
Gsdibder [kJla:dT?], das: -s [zu: schiedern. schludern =
verschütten, sudeln) (österr. ugs. abwertend): dünner
Kaffee.
G-Schlüssel [ge:-l, der; -s. - [nach dem Tonbuchstaben G,
aus dem sich die Form des Zeichens für diesen Schlüssel
entwickelt hat): svw. t Violinschlüssel.
Gschnas [kjna:s], das; -s. - (PI. selten) [älter: Geschneise.
zu mhd. sneise = Reihe (gleichartiger Dinge)) (österr.
ugs.): 1. svw. TGschnasfest. 2. (landsch.) wertloses Zeug;
<Zus. zu I:) Gschngsfest, das; -[eis. -e (österr.): (bes. in
Wien üblicher) / Künstler/maskenball: er ist auf allen -en
zu finden.
gschupft [kjbjjft) <Adj.; -er. -este; nicht adv.) [mhd. schupfen
= in schaukelnder, schwankender Bewegung sein, zu:
schupf = Schwung < ahd. scupfa = Schaukelbrett)
(österr.. Schweiz, ugs.): überspannt, verrückt, extravagant:
so ein -er Kerl!; sie ist ein wenig g.. aber ganz sympathisch.
Gschwuf [kjvu.fl. der. -s. -e [wahrsch. zu: (umher)schweifenl
(österr. ugs.): Stutzer. Snob; Liebhaber.
Gspaß [kjpa:sl, der; -, - [zu tSpaß) (bayr., österr. ugs.):
Spaß. Vergnügen: das war ein G.!; gspaßig: tgespaßig;
GspaDlaberln [-la:beln) <PI.) [aus TGspaß u. Laberl = Vkl.
von: Lab = TLaib) (österr. salopp): Busen.
Gspusi [kjpu.zi], das; -s. -s [zu ital. sposa. sposo = Braut.
Bräutigam < lat. sponsa. sponsus, vgl. Gespons) (südd.,
österr. ugs.): I. Liebesverhältnis. Liebschaft: die haben ein
G. miteinander. 2. jmd.. der mit jmdm. eine Liebschaft
hat; Liebste(r). Schatz: ihr G. wohnt in der Stadt; er
trifft sich abends mit seinem G.
Gstanztell[kjtantsl).das; -s. -n [zu ital. stanza = Gesang,
vgl. Stanze] (bayr., österr. ugs.): lustiges, volkstümliches,
meist vierzeiliges Lied mit oft anzüglichem Text; Spottlied:
zu fortgeschrittener Stunde sangen die Hochzeitsgäste ein
G. nach dem andern.
Gstätten [kjteüi), die; -. - [H. u.) (ostösterr. ugs.): kleine,
abschüssige, meist steinige u. wenig bewachsene Wiese.
GT-Reimen [ge:'te:-l. das; -s. -: kurz für TGrand-Tourisme-
Rennen; GT-Wagen [-), der; -s, -: kurz für: tGrand-Touris-
me-Wagen.
Guaiak- [gya'jak-; span. guayaco = Guajakbaum. aus dem
Karib. (Taino)]: ^baum. der: in Mittelamerika wachsender
Baum od. Strauch mit gegenständigen Blättern u. blauen
od. purpurroten Blüten; *Jiarz, das <o. PI. >: aus dem Guaiak-
holz gewonnenes Harz, das zur Herstellung von Guajakol
u. in der Parfümerie zum Haltbarmachen von Düften
verwendet wird; -holz, das <o. PL): hartes, harzhaltiges.
olivbraunes bis schwarzgrünes, streifiges Holz des Guajakbaums.
das für den Schiffbau u. zu Drechslerarbeiten verwendet
wird; -probe, die (Med.): Untersuchung von Stuhl. Urin
od. Magensaft auf Blutbeimengungen mit Hilfe einer aus
Guajakharz hergestellten Tinktur.
Guajakol [...ja'ko:ll. das; -s [zu TGuajak-): laus Guajakharz
gewonnener/ aromatischer Alkohol, der als Antiseptikum
mit mild desinfizierender u. sekretionshemmender Wirkung
verwendet wird.
Guajavabaum[gya'ja:va-],der; -[eis, ...bäume [span. guyaba.
aus einer mittelamerik. Indianerspr.): in den Tropen u.
Subtropen heimischer, oft als Obstbaum angepflanzter Baum
od. Strauch mit langen, flaumig behaarten Blättern, weißen
Blüten u. Guajaven als Früchten; Guaiave [...vol. die; -,
-n: birnen- od. apfelförmige. rote od. gelbe Frucht des Gua-
javabaums mit rosa, weißem od. gelbem Fruchtfleisch, das
für Marmelade. Gelee u. Saft verwendet wird.
Guanako [gyanako], das. älter: der; -s. -s [span. guanaco
< indian. (Ketschua) huanaco): ein dem Lama ähnliches,
im westlichen u. südlichen Südamerika wild lebendes Tier
mit langem, dichtem, fahl rotbraunem Fell.
Guanidin [gyan^di:nj, das; -s: zur Herstellung von
Kunstharzen. Arzneimitteln. Farbstoffen o.a. verwetutetes Oxyda-
tionsproduktdesGwa/i/mvGuanin[gua'ni:n), das; -s:
erstmalig im Guano gefundener, in vielen pflanzlichen u. tierischen
Organen vorkommender Bestandteil der Nukleinsäuren;
Guano ['gya:nol, der; -s [span. guano < indian. (Ketschua)
huanu): aus Exkrementen von Kormoranen u. anderen
Seevögeln regenarmer Küsten- u. Inselgebiete bestehender
organischer Dünger.
Guardian (guar'dia:n). der; -s, -e [ital. guardiano = Wächter
< mlat. guardianus; vgl. Garde): jeweils auf drei Jahre
1101
Guarneri
ernannter Vorsteher eines Konvents der Franziskaner od.
Kapuziner.
Guarneri [gyar'ne:ri], die; -. -s: Geige aus der Werkstatt
der Geigenbauerfamilie Guarneri aus Cremotui (17.118. Jh.).
Guasch, die: svw. IGouache.
Guck. Gucke ['guk(a)], die; -. ...cken [viell. aus mlat. cuculla
= Zipfelkapuze,auch:Tüte; vgl. Gugel] (südd.): Papiertüte.
Gyck-: -äuge, das (fam.): Auge des kleinen Kindes: Ü er
hat noch nicht das Berliner G. (scherzh.; den Blick des
Berliners) für solche Dinge (Tucholsky, Zwischen 22);
^feilster, das: kleines [in einer Tür befindliches/ Fenster, durch
das man /unauffällig / beobachten kann, was draußen
vorgeht: -indiehift, der; - (ugs.): jmd.. der beim Gehen nicht
auf den Weg achtet: Hans G.; -indiewelt, der; - (ugs.):
unbeschwertes u. an allem Neuen interessiertes Kind:
-kästen, der: a) bes. im 18. Jh. verbreitete Vorrichtung zum
Betrachten von Bildern, bei der das Bild durch Verwendung
von Linsen w. Spiegeln unter vergrößertem Gesichtswinkel
(in scheinbar natürlicher Entfernung) erscheint: b) (ugs.)
svw. tFernseher: Fernsehgeräte gehören zum Hausrat ...
Zu bezahlen hat die Versicherung den G. auch (Berliner
Morgenpost 12. 6. 76. 6). dazu: -kastenbühne. die: vom
Zuschauerraum durch einen Vorhang abtrennbare Bühne
mit seitlichen Kulissen u. Schlußprospekt: -loch, das: Loch
i in einer Tür ixi. Wand], durch das man jmdn. beobachten
kann, ohne selbst gesehen zu werden: ein G. in die Tür
bohren; die vernagelten Fenster hatten nur Gucklöcher.
gucken [gokn] <sw. V.; hat) [mhd. gucken, gucken, guggenj
(ugs.): a) irgendwohin blicken, um sich wißbegierig über
etw. zu informieren: guck mal, was ich hier habe!; laß
mich mal g.!; aus dem Fenster, durchs Schlüsselloch,
durchs Fernrohr, in den Spiegel, dem Patienten in den
Hals, jmdm. über die Schulter g.; Ü die Illustrierte guckte
(ragtesichtbar) [ein Stückl aus der KofTertasche; Bei Lewis
guckt die Apparatur des täglichen Lebens durch alle Luken
(Tucholsky, Werke IL 274); b) seine Umwelt, andere mit
bestimmtem, die seelische Verfassung spiegelndem Gesichts-,
Augenausdruck ansehen: freundlich, finster g.; da guckte
er dumm (ugs.; verständnislos), als er das hörte; c) sich
ein Fernsehprogramm ansehen: dann wird halt mal kein
Femsehen geguckt (Hörzu 10, 1974. 20); <Abl.:) Gycker,
der; -s, - (landsch., ugs.): a) kleines Fernglas.
Vergrößerungsgerät: Operngucker: b)jmd.. der aufdringlich od.
neugierig jmdn. od. etw. betrachtet: c) <P1.) Augen: Guckerei,
die; - (ugs.): beständiges, als lästig empfundenes
[aufdringliches] Gucken (a).
Gyckerschecken [-Jekn] (PI.) [zu: Gucker = Kuckuck u.
Schecken = Flecken (vgl. scheckig), nach dem gefleckten
Bauchgefieder des Kuckucks) (österr.): Sommersprossen:
(Abi :>«pckerscheckert [...km] <Adj.; nicht adv.) (österr.):
sommersprossig: ein Mäd'I .... ein rothaariges Ding ....
ein -es (Herzmanovsky-Orlando, Gaulschreck 158).
Gucki fgoki], der; -s, -s [zu t gucken]: 1. (Kartenspiel,
veraltet) im Skat spiel die Möglichkeit für den Einzelspieler. die
zwei abseits u. verdeckt liegenden Karten aufzunehmen u.
gegen zwei schlechtere Karten seines Blattes auszutauschen.
2. (Fot.) Gerät zum Betrachten von Diapositiven.
Güdebnontag [gy:d|-], den -s, -e [wohl zu: Güdel = fetter,
mit Speisen vollgestopfter Bauch; vielleicht nach dem alten
Brauch, vor der am Aschermittwoch beginnenden
Fastenzeit noch einmal ausgiebig fette Speisen zu essen]
(Schweiz.): Rosenmontag.
GueHe [guelfe. auch: gelfa], der; -n, -n [ital. guelfo <
mhd. well = Bez. für einen Angehörigen des deutschen
Fürstengeschlechts der Weifen] (hist.): Anhänger der
päpstlichen Politik in Italien während des Mittelalters u. Gegner
der Gibellinen.
'Guerilb [ge'nlja], die; -, -s [frz. guerilla < span. guerrilla.
Vkl. zu: guerra = Krieg, germ. Ursprungs]: a) Kleinkrieg,
den irreguläre Einlieiten der einheimischen Bevölkerung
gegen eine Besatzungsmacht ixi im Rahmen eines Bürgerkriegs
führen: b) einen Kleinkrieg fülirende Einheit: ^Guerilb [-].
der; -[s], -s (meist PI.) (veraltend): Angehöriger einer
'Guerilla (b); Partisan.
Guerilb- ('Guerilla): ^führet*, der: Fülirer einer xGuerilla
(b); -kämpf, der: vgl. ^krieg; -kämpfen der: Angehöriger
einer lGuerilla (b); -krieg, den svw. t 'Guerilla (a).
Guerillera [...'Je:ra], die; -. -s: w. Form zu TGuerillero; Gue-
rillero [...je:ro], der; -s. -s [frz. guörillero < span. guerrille-
ro; vgl. 'Guerilla]: Untergrundkämpfer in Lateinamerika.
Gufel [gufl], das; -s, Güfel [eigtl. = Höhlung, zu veraltet
gauf = Höhlung der Hand, des Fußes] (Bergsteigen):
bauchige Höhle in der Felswand.
Gugel [gu.gj], die; -. -n [mhd. gugel, ahd. chugela, cucula
< mlat. cuculla]: männliche Kopfbedeckung der Gotik in
Form einer enganliegenden [ Zipfel]kapuze mit
kragenartigem Schulterstück: <Zus.:> Gusettopf [-hagf). (Schweiz.).
Gugelhupf [-huefl (südd., österr.. seltener Schweiz.), der;
-[e]s, -e [2. Bestandteil wohl zu f hüpfen, wegen der sich
nach oben hebenden Oberfläche des Kuchens]; svw. t
Napfkuchen.
Güggel [gYgl]. der; -s. - [wohl lautm.] (Schweiz, mdal.):
Gockel: <AbI.:> güuehaft <Adj.; -er, -este) (Schweiz.):
aufbrausend: ausgelassen: Güggeli ['gYgdli], das; -s, -
(Schweiz.): Brathähnchen,
Guide [frz.: gid, engl.: gaid], der; -s, -s [frz.. engl, guide
< mfrz. guide. zu: guider = fuhren < afrz. guier, aus
dem Germ.]: 1. Reisebegleiter, der Touristen führt. 2.
Reiseführer als Handbuch.
Guidonische Hand [gyi'do:niJd -]. die: -n - [nach dem ital.
Musiktheoretiker Guido von Arezzo (etwa 980-1050)]
(Musik): Darstellung der Solmisationssilben durch Zeigen
auf bestimmte Stellen der offenen linken Hand zur optischen
Festlegung einer Melodie.
Guilloche [gi'jaj. gil'joj], die; -. -n [frz. guil loche =
Grabstichel, zu: guillocher = mit verschlungenen Windungen
verzieren < ital. gocciolare, eigtl. = träufeln, zu: goccia
= Tropfen]: 1. Zeichnung verschlungener Linien auf
Wertpapieren od. zur Verzierung auf Metall, Elfenbein u. Holz.
2. Werkzeug zum Anbringen verschlungener / Verzierungsj-
linien: <Abl.:> Guillocheur [...70:$]. der; -s. -e [frz. guillo-
cheur]: jmd.. der Guillochen herstellt: Linienstecher (Berufs-
bez.). guillochieren [...'Ji:ren] <sw. V.; hat) [frz. guillocher]:
auf etw. Guillochen herstellen: Banknoten g.
Guillotine [gijo'trna. giljo'trnal, die; -. -n [nach dort
französischen Arzt Guillotin (1738-1814), der vorschlug.
Hinrichtungen aus humanitären Gründen mit einer
Maschine zu vollziehen]: Hinrichtungsgerät, durch das mittels
eines schnell herabfallenden Beils (Fallbeils) der Kopf vom
Rumpf getrennt wird: eine G. aufbauen; jmdn. auf die
G. bringen, schicken; unter der G. sterben; <Abl.:>
guillotinieren [...ti'ni:i?n] <sw. V.; hat) [frz. guillotiner]: durch
die Guillotine hinrichten: sie wurden in der Französischen
Revolution guillotiniert.
Guinea I'gini]. die; -. -s, Guinee [gi'ne.te)], die; -, -n [...e.sn;
engl, guinea. frz. Guinee, da die Münze zuerst aus Gold
geprägt wurde, das aus Guinea stammte]: a) frühere
englische Goldmünze: b) frühere englische Rechnungseinheit von
21 Schilling.
Guipurespitze [gipy:c-], die; -. -n [tGipüre]:
Klöppelspitzenstoff aus mit Seide ühersponnenen Baumwollfäden: Zum
großen Ball ... gehe man ... romantisch ... in G. oder
Georgette (MM 26. 3. 69, 7).
Gulasch ['golafl. das. auch: der; -[e]s. -e u. -s [ung. gulyäs
hüs = Pfefferfleischgericht, wie es von Rinderhirten im
Kessel gekocht wird, zu: gulyäs = Rinderhirt u. hüs =
Fleisch(gericht), verkürzt: gulyäs]: / scharf gewürztes J
Gericht aus kleingeschnittenem Rind-, auch Schweine- od.
Kalbfleisch, das mit Fett, Zwiebeln u. Gewürzen angebraten
u. dann gedünstet wird: ungarisches G.; ein saftiges G.;
Ü (meist als Drohung) Am liebsten stürzte er auf der
Stelle los. ... G. aus ihnen zu machen, sich sein Geld
wiederzuholen (Fallada. Jeder 204).
Gulasch-: -kanone. die (Soldatenspr. scherzh.): fahrbare
Feldküche: Erbsen aus der G.; An einer aufgestellten G.
faßte einer zehn Schläge (Plievier, Stalingrad 331); -konv
munismus, der (abwertend): Kommunismus, der tmr auf
die Befriedigung materieller Bedürfnisse, auf die Hebung
des Lebensstandards, nicht aber auf gesellschaftliche
Veränderungen abzielt: -suppe. die.
Gulden I'guldn], der; -s, - [mhd. guldin, gek. aus: guldln
pfenni(n)c = goldene Münze; 1 golden]: 1. (hist.) vom 14.
bis 19. Jh. bes. in Deutschland verbreitete Goldmünze (später
auch Silbermünze): Münzen verschiedener Herkunft mit
z.T. gleichartiger Bezeichnung (Taler. Krone, G. usw.)
(Fraenkel, Staat 362). 2. Währungseinheit in den
Niederlanden (1 Gulden = 100 Cents); Sonderbewegungen hatten
kanadische Dollars und holländische G. zu verzeichnen
(Welt 14. 8. 65, 8); Abk.: hfl = Hollands Florijn; vgl.
Florin; gülden [gYldn] <Adj.; o. Steig.) [umgelautete alte
1102
gummi-, Gummi-
Form von tgolden] (dichter., sonst meist iron.): golden:
Die -e Sonne spielte auf den hellgelben Flächen (Tucholsky.
Zwischen II): ... trugen die Wandervögel am -en Band
die Klampfe (Spiegel 39.1966. 75); gUUisdi ['gvldifl <Adj.;
o. Steig.; nicht adv.> (Bergmannsspr.): goldhaltig: -es
Gestein. Erz; <Zus.:> GgUischsilber, das: goldhaltige
Silberlegierung, die beim Treibeprozeß nach Beseitigung des
Bleioxyds zurückbleibt.
Gülle [gvb]. die; - [mhd. gülle = Pfütze] (südwestd..
Schweiz.): Jauche; <Abl.:> güllen [gYbn] <sw. V.; hat)
(südwestd.. Schweiz.): jauchen: <Zus.:> Gijlle[n]faß. das
(südwestd.. Schweiz.): ...daß ein Bauer hier mit einem undichten
Güllenfaß gefahren ist (Frankenberg. Fahren 169); G(JI-
le[n]rohr, das (südwestd.. Schweiz.): Zu kaufen gesucht
... Güllerohre ... Tür eine Alpe. A. Längle (Vorarlberger
Nachr. 30. 11.68.27).
Gulli tGully.
Gully [guli]. der. selten auch: das; -s. -s [engl, gully =
Schlammfang. Senkloch, wohl zu: gullet = Schlund <
afrz. goulet. Vkl. zu: gole. goule < lat. gula = Kehle]:
mit einem Rost od. einer Platte abgedeckter, in die
Siraffendecke eingelassener Schacht-, Sinkkasten, durch den die
Straffenabwässer in die Kanalisation abgeführt werden: einen
verstopften G. vom Schlamm befreien; die Diebe hatten
einen Teil des Geldes in den G. geworfen; (Zus.:) Ggllypbt-
te. die: Platte, mit der der Gully abgedeckt ist; Kanaldeckel.
Gültle] [gYlt(3)].die; -. ...ten [mhd. gülte = Schuld. Zahlung;
Einkommen. Rente. Zins; Wert. Preis; zu t gelten]: 1.
(veraltet) a) Grundstückszinsen in Geld od. Naturalien; b) Gült
(a) bezaldendes Gut. 2. (Schweiz.) bestimmte Art des
Grundpfandrechts; gültig ['gYltKjl <Adj.> [mhd. gültic =
im Preis stehend, teuer; zu zahlen verpflichtet]: a) <o.
Steig.; nicht adv.) rechtlich, gesetzlich o.a. anerkannt u.
entsprechend wirksam od. nutzbar: ein -er Ausweis.
Fahrschein; ein bisher -es Gesetz; der Fahrplan ist ab 1. Oktober
g.; diese Münze ist nicht mehr g.; einen Vertrag als g.
anerkennen; b) <nicht adv.) als Verhaltensgrundsatz o.a.
allgemein anerkannt u. verbindlich; von bleibender
Aussagekraft: eine -e Maxime, Losung; die einzigen Sätze in -er
Prosa (Böll, Erzählungen 71); daß die* Geschichte ... eine
ewig -e. trostlose Geschichte sei (Roth. Beichte 101); c)
mit einem Sachverhalt, mit der Wirklichkeit
übereinstimmend, darauf zutreffend, einem solchen Anspruch genügend
u. akzeptabel; daß die Chronisten des buchhändlerischen
Erfolges -ere Resultate als bisher vorweisen können
(Börsenblatt 63, 1965. 1587); Er versuchte, sich schreibend
einen Umriß zu entwerfen, der nur im Augenblick des
Schreibens g. war (Fries, Weg 74); ein Problem g.
formulieren; <Abl.:> Gültigkeit, die: -: a) das Gültigsein (a): die
G. eines Gesetzes muß von der Zustimmung des Volkes
abhängen; dieser Vertrag hatte keine G.; b) das Gültigsein
(b): seine Prinzipien können allgemeine G. beanspruchen;
Sein Ausspruch ... offenbart in diesem Zusammenhange
seine ewige G. (Thieß. Reich 76); c) das Gültigsein (c):
es geht um die objektive G. der Darstellung, dazu:
Gültigkeitsdauer, die: Zeit, während deren etw. Gültigkeit (a)
besitzt; Verklärung, die: die Gültigkeit (a) von etw.
bestätigende, rechtskräftige Erklärung.
Gulyas: zusätzliche österr. Schreibung für t Gulasch; Gulyäs:
ung. Schreibung für f Gulasch.
Gumma [guma). das; -s. -ta u. Gummen [zu lat. gummi.
tGummi] (Med.): bei Syphilis u. Tuberkulose in
verschiedenen Organen auftretende gummiartige Geschwulst.
Gummer ['gumel. die; -. -n [md.. auch: guckumer < lat.
cucumer, cucumis, f Kukumerl (landsch.): kleine
Salatgurke.
Gummi ['gomi; mhd. gummi < (m)lat. gummi(s), cum-
mi(s) < griech. kömmi, aus dem Ägypt.]: I. der, auch:
das; -s. -[s]: durch eine bestinunte Elastizität
gekennzeichnetes Vulkanisationsprodukt aus natürlichem od.
synthetischem Kautschuk: Stiefel. Reifen, eine Schürze aus G.;
Sie (= die Liebenden)... vergehen in einem wie G.
dehnbaren unendlichen Gefühl! (Musil, Mann 1142); Ü je nach
Verwendungszweck kann sie (= die PVC-Folie) leder-
oder gummiartig, aber auch durchsichtig als ..gläserner
G." hergestellt werden (Spiegel 7. 1966, 51). 2. das, auch:
der; -s. -[s]: a) kurz für tGummiharz; b) <o. PI.) kurz
für f Gummiarabikum. 3. der; -s, -s: kurz für T
Radiergummi. 4. das; -s, -s: kurz Tür t Gummiband. 5. der; -s, -s
(salopp): kurz für T Präservativ: ..Zieh zwei -s
übereinander4', sagt sie, als sie... auf dem Bett liegt (Kinski.
Erdbeermund 247).
g^mmi-. Ggmmi-: -absatz. der: Belag aus Hartgummi auf
dem unter der Ferse befindlichen Teil des Schuhs; -adler.
der (ugs. scherzh.): zäfies Brathähnchen; -anzug, der:
Schutzanzug aus Gu/nmi; -arabikum [gumi|a'ra:bikom],
das; -s [lat. arabicus = arabisch; im 11. Jh. von dem
jüd. Arzt Ibn Serapion wegen der Herkunft aus Ägypten
so bezeichnet]: aus der Rinde verschiedener Akazienarten
gewonnener, erhärteter, wasserlöslicher Milchsaft, der als
Klebstoff u. Bindemittel verwendet wird; -artig <Adj.; o.
Steig.): dem Gummi ähnliche Eigenschaften außveisend; wie
Gummi: ein -es Material; dieser Stoff läßt sich g. dehnen;
^ball. der: Ball aus Gummi: Eine dunkle Masse war unter
den Zug geraten und wurde zwischen den Rädern wie
ein G. hin und her geworfen (Hauptmann. Thiel 36); -band.
das <P1. -bänder): sehr dehnbares, meist schmales Band
mit eingewebten Fäden aus Gunvni o. ä.: das G. ist
ausgeweitet; ein G. in einen Schlüpfer. Halbrock einziehen; -bär.
der: vgl. ^puppe; -bärchen, das: 1. Vkl. zu Kbär. 2.
Süffigkeit aus gummiartiger Masse von der Form eines
kleinen Bären:... Dinge, die lange gelutscht oder gekaut werden
können. Decken Sie sich ein mit ... G Lakritzen
(Hörzu 25. 1975. 85): -bäum, der: I. svw. t
Kautschukbaum. 2. in Ostindien u. im Malaiischen Archipel heimisches,
als Zimmerpflanze kultiviertes Gewächs mit dicken,
glänzend dunkelgrünen, großen Blättern; -begriff, der (ugs.):
vgl. -Paragraph; -bein. das: in der Wendung -e haben/
bekommen (ugs.: 1. auf Grund von Krankheit o.a. sehr
schlecht stehen können. 2. groffe Angst haben): -belag. der:
Belag (Daus Gummi: ^bereift <AdJ.; o. Steig.; nicht adv.>:
mit Gummireifen ausgestattet: -e Räder; -bereifung. die;
-bonbon, das: Bonbon aus gummiartiger Masse; -Dichtung.
die: ' Dichtung (2) aus Gummi; -druck, der <o. Pl.>: svw.
f Flexodruck; -elastikum [gomi|e'lastikom], das; -s [T
elastisch]: svw. t Kautschuk; ^feder, die: aus Gummi
bestehender Klotz als elastisches Konstruktionselement; ^floß, das;
-fluß.der <o. Pl.>: Erkrankung von Steinobst- u.
Waldbäumen, wobeiausder Rindeein gelber bis bräunlicher,
gummiartiger Saft austritt; Gummöse; -galosche, die: svw. f Galosche;
-gesdmulst, die: svw. tGumma; ^glocke, die: (bes. im
Trab-u. Springsport) über den Pferdehuf gestreifter
Schutzüberzug aus Gummi; ^gutt, das; -s [malai. getah =
Gummi]: giftiges, grünlichgelbes, wasserlösliches Harz aus dem
Saft ostindischer Bäume, das in der Farbenindustrie, als
Aquarellfarbe u. als Abführmittel in der Tiermedizin
verwendet wird; Gutti; -handsduih. der: (bei Operationen od,
bei bestimmten Arbeiten in Haushalt u. Garten getragener)
Handschuh aus Gummi; -harz, das: Harz von verschiedenen
Gewächsen, das als Klebstoff, als Verdichtungsmittel sowie
für Emulsionen verwendet wird; -haut, die (Med.): svw.
t Faltenhaut; -höschen. das: svw. T Windelhöschen; -hose,
die: vgl. ^anzug; -kissen. das: mit Luft o. ä. gefülltes Kissen
aus Gummi; ^knie <P1.> (ugs.): vor Schwäche, von einer
Anstrengung weiche, zitternde Knie: Er riß sich hoch, aber
er sank wieder in den -n ein (Remarque, Triomphe 403);
-knüppel. der: / von der Polizei verwendeter! Schlagstock
aus Hartgummi: ein Schlag mit dem G.; die Polizei ging
mit -n gegen die Demonstranten vor; -knüttel. der (selten):
svw. Kknüppel; -lack, der: svw. T Schellack; -linse, die:
Objektiv mit veränderlicher Brennweite, Zoomobjektiv: Er
stellt sich ... den ... Schwenkungen der Kamera und dem
kühlen Zauber der G. (FAZ 23. 10. 61. 20); -kisung,
die: in Lösungsmitteln aufgelöster Kautschuk od. anderer
Pflanzengummi zum Kleben von Gummi od. anderem
Material; ^löwe. der (abwertend): sich gefährlich gebärdender,
aber nicht wirklich ernst zu nehmender Gegner: Israels
Militärs verglichen ihren zaudernden Premier Levi Eschkol
mit Deutschlands -n Ludwig Erhard (Spiegel 24, 1967.
112); -lutscher, der (fam.): vgl. ^bärchen (2); -mantel,
der: vgl. ^anzug; -Paragraph, der (ugs.): Paragraph, der
so allgemein <xi. unbestimmt formuliert ist, daff er die
verschiedensten Auslegungen zuläfft: Sie haben mit den Sowjets
keine Verträge mit -en geschlossen (Welt 11. 11. 61, 3);
-puppe, die: 1. [kleine] Puppe aus Gummi: Sexzubehör
wie Massagestäbe und -n (Spiegel 9. 1977, 180). 2. vgl.
^bärchen (2); ^rad, das: Rad mit Gummireifen:... verließen
Zweispänner auf Gummirädem den Brauereihof (Grass.
Hundejahre 315); -radler, der (österr. ugs.): a) zweirädriger
Handwagen mit Gummirädern; b) (veraltet) / vornehme]
1103
gummieren
Kutsche mit Gummirädern: G.. in denen die Tschirschkys.
die Palavicinis... einst gefahren sein mochten (Roth,
Kapuzinergruft 106); -reifen, der: Reifen aus Gummi, mit dem
das Rad eines Fahrzeugs ausgestattet ist; -ring« der: a)
fadenartiger Ring aus Gummi, der etw. Eingewickeltes]
zusammenlialten soll; b) i gasgefüllter j Ring aus Gummi
für Wurfspiele im Freien; c) flacher, schmaler Ring zum
Abdichten von Weckgläsern; Weckglasring; d)
Gummidichtung in Form eines Ringes; -«auger. der: auf die Milchflasche
des Säuglings aufgesetzter Sauger; -Scheibe, die; -schlauch.
der: ^sdiuh. der: a) svw. -Überschuh; b) Schuh aus Guftuni;
-schürze, die: vgl. -anzug; -schütz, der: svw. t
Präservativ; -sohle, die: Stiefel mit -n; -Stiefel, der: Stiefel
aus Gummi: mit -n durch das Wasser waten; -strumpf,
der: fester Strumpf aus elastischem Material mit
eingewebten Gummifäden: ... ging sie zu einem Bandagisten und
probierte für ihre wunden Beine Gummistrümpfe an (Wer-
fel. Himmel 181): -tier.das: a) vgl. -puppe; b)
[aufblasbares] Tier aus Gummi als Spielzeug; -Überschuh, der;
-Überzug, der: svw. t Präservativ; -unterläge, die: Unterlage
aus Gummi; -waren <P1.>: aus Gummi hergestellte Waren:
ein Geschäft für G.; -zelle. die: mit Gummi ausgekleidete
Zelle für Tobsüchtige in einer Heilanstalt; -zus. der: a)
durch eingewebte Fäden aus Gummi dehnbares Stück Stoff
als Einsatz in einem Kleidungsstück, in Stiefeln o.a.: Ein
Paar Zugstiefeletten mit ausgeleierten Gummizügen (Re-
marque. Triomphe 74); b) in ein Kleidungsstück
eingezogenes Gummiband: ... Meine Matrosenbluse mit dem G.
um den Bauch (Keun. Mädchen 109).
gummieren [go'mi:ronl <sw. V.; hat): a) eine Klebstoffschicht
auf etw. auftragen: Briefmarken g.; gummierte
Briefumschläge, Klebstreifen; b) (Textilind.) Latex od. Kunststoff
auf ein Gewebe auftragen, um es wasserdicht zu machen:
Stoffe g.; (AbDGummknmg.die; -. -en: 1. das Gummieren
(a. b). 2. gummierte (a, b) Fläche; gummös [go'mois] <Adj.;
0. Steig.) (Med.): zum Gumma gehörend. Gummas bildend:
-e Geschwülste; Gummöse [go'mo:z3l, die; -, -n [zu TGum-
mi]: svw. tGummifluß.
Gumpe [gompal. die; -. -n [mhd. gumpe = Wasserwirbell:
1. (südd., Schweiz.) Wasseransanunlung. Wasserloch; tiefe
Stelle in Wasserläufen u. Seen: Der Platz ..., begrenzt
von einem ... schnell fließenden Wasser, das an einer
Biegungeineso tiefeG. bildete, daß man darin... untertauchen
konnte (Kuby, Sieg 295). 2. (Bergmannsspr.)
Schlammkasten.
Gun [gan], dasod. der; -s. -s [engl.-amerik. gun =
Injektionsnadel, -spritze, eigtl. = Schußwaffe, Revolver] (Jargon):
Spritze, mit der Rauschgift in die Vene injiziert wird.
Gundelrebe ['gondl-1, die; -, -n [mhd. gunderebe. gundreb.
ahd. gundreba. wohl nach dem verw. Kundelkraut u. zu:
rebe, ahd. reba (TRebe). nach der Ähnlichkeit des unteren
Pflanzenteils mit Rebstöckenl: dicht am Boden entlang
wachsendes Unkraut mit Ausläufer bildendem Wurzelstock,
runden bis nierenförmigen Blättern u. blauen, hellvioletten,
rosa od. weilien Blüten; Gundermann ['gundc-J. der; -[e]s
[volksetym. umgedeutet aus mhd. gund(e)ram, ahd. gunde-
raj: in mehreren Arten vorkommende Pflanze aus der
Gattung Lippenblütler, zu denen als einheimischer Vertreter
die Gundelrebe gehört.
gunksen [gonksnl <sw. V.; hat) (landsch., bes. ostmd.):
mit dem Arm stolien: er hat ihn gegunkst; ihr sollt euch
nicht immer g.!
Gunman [gAnmonl. der; -s, Gunmen [-man; engl.-amerik.
gunman. zu: gun = Schußwaffe, Revolver]: bewaffneter
Gangster: nach solch einem Etagenwechsel vom unteren
Gangster und G. zum Gentlemancatcher (Fr. Wolf,
Menetekel 449).
Günsel ['grazil, der: -s. - [spätmhd. gunsel. mhd. cunsele
< (m)lat. consolida. zu: consolidäre = festmachen, wohl
wegen der heilenden u. Wunden schließenden Wirkung]:
aufwiesen u. in lichten Wäldern wachsende, niedrige,
krautige Pflanze od. Staude mit rötlichen, blauen od. gelben Blüten.
Gunst [gonstj, die; - [mhd. gunst. zu t gönnen]: a) wohlwollen-
de. freundlich entgegenkommende Haltung. Geneigtheit
gegenüber jmdm.. der sich in bestimmter Weise von dem
Betreffenden abhängig od. geringer als erfühlt: die G. der Wähler,
des Publikums; als ihn die königliche G. auf den Sessel
eines Ministers ... erhob (Schneider. Erdbeben 96); jmds.
G. erlangen, genießen, verlieren; jmdm. seine G. schenken;
Manche von ihnen (= den Mädchen) ... gaben ihre G.
(Liebe) nur widerwillig und unter Feilschen um den
höchsten Preis (Hesse. Steppenwolf 156); (geh..) ich erfreute
mich seiner G.; in jmds. G.. bei jmdm. in G. stehen (von
jmdm. sehr geschätzt u. begünstigt werden); nach G./
(landsch.:) nach G. und Gabeln] (parteilich, nicht objektiv)
urteilen; sich um jmds. G. bemühen; Ü dieG. des Schicksals,
der Stunde, der Umstände; b) bestimmte Auszeichnung,
die man jmdm. als Zeichen od. Ausdruck seiner Gunst (a)
gewährt: jmdm. eine G. zuteil werden lassen, gewähren;
Hier besaß er. als einzigartige G.. ein Zelt ganz für sich
allein (Erh. Kästner.Zeltbuch 50); (geh.:)einerG. teilhaftig
werden; *zu jmds. -en (zu jmds. Vorteil. Nutzen; seit dem
15. Jh. in dieser Wendung umlautloser Dativ PI. zu dem
mhd. starken PI. günste): sich zu jmds., seinen eigenen
-en verrechnen; etw. zu seinen -en wenden;
Ausnahmebefugnisse zu -en bestimmter (für bestimmte) Staatsorgane
(Fraenkel, Staat 319); Zu seinen -en (zu seiner Ehre; um
ihm gerecht zu werden) muß gesagt werden, daß ... (Hildes-
heimer. Legenden 41).
Gynst-: -beweis, der. -bezeigung, die: etw.. was jmds. Gunst
(a) deutlich zum Ausdruck bringt; -gewerblerin (-ua-
verpbrin], die; -. -nen (scherzh.): Prostituierte: Über
die Zimmervermieter der weltweit renommierten
Herbertstraße konnten die Finanzämter... rund 240 -nen namhaft
machen (Spiegel 39. 1966, 90).
günstig ['grastu;] <Adj.) [mhd. günstic = wohlwollend, zu
fGunst]: a) durch seine Art od. /zufallige/ Beschaffenheit
geeignet, jmdm. einen Vorteil od. Gewinn zu verschaffen,
die Vorzüge einer Person od. Sache zur Geltung zu bringen,
ein Vorhaben od. das Gedeihen einer Sache zu fördern:
eine -eGelegenheit; ein -es Urteil. Vorzeichen; -e
Bedingungen. Umstände: einen -en Eindruck machen; im -en
Augenblick kommen; etw. in -em Licht darstellen (durch seine
Darstellung vorteilhaft erscheinen lassen); das Licht ist.
fällt nicht sehr g.; der Moment, das Wetter war g.; dieser
Preis ist wirklich g.; etw. g. beurteilen; durch bestimmte
Maßnahmen eine Entwicklung, die Wirtschaft g.
beeinflussen; etw. zu -en Bedingungen (billig im Hinblick auf den
Wert der Ware) kaufen; diese Änderung wirkte sich g.
aus; das trifft sich g.; b) wohlwollend, wohlgesinnt: Die
glückliche, allen Anfängen -e Zeit früher Unbefangenheit
war vertan (Chr. Wolf. Nachdenken 181); (veraltet:) der
-e Leser möge diese Mängel entschuldigen; die Nachricht
wurde g. aufgenommen; ... den Freund ... in einem Kreis
zu lassen, von dem ein Teil ... jenem nicht g. gesinnt
war (Buber. Gog 52); gynstiglstlenfylls <Adv.>: im günstig-
/ st Jen Fall, bestenfalls; höchstens, allenfalls noch: Filme
französischen ... Ursprungs wiesen ihn als Halbstarken,
günstigstenfalls als Unterwelt-Playboy aus (Spiegel 48,
1965. 173); Günstling ['grastliol. der; -s. -e [LÜ von frz.
favori. T Favorit) (abwertend): jmd.. der die Gunst eines
eiriflulireichen Menschen [ meist aus fragwürdigen Gründen]
genießt u. von ihm bevorzugt wird: fürstliche -e; er galt
als G. der Pompadour; Schepilow. ... ein Geschöpf und
G. Chruschtschows (Dönhoff. Ära 224); Ü Am Tor ( =
des Hydeparks) stehen auf ihren Kisten die Redner, auch
sie -e der Freiheit (Koeppen. Rußland 173); <Zus.:>
Gynstlingswirtschaft, die: - (abwertend): Besetzung von
Stellen mit begünstigten statt mit befähigten Personen: Die
G. war weit verbreitet und die Versorgung von
ausgedienten Offizieren ... mit Försterposten alltäglich (Mantel.
Wald 114).
Gupf [gojjf], der; -[eis. Güpfe [gY^fs], österr.: -e [mhd.
gupf. H. u.l (südd.. österr.. Schweiz, mundartl.): a) Gipfel.
Spitze: b) oberer Teil von etw.. bei einem Gefäß o.a. über
den Rand aufragender Teil des Inhalts: der G. eines Eis;
auf der Tasse Kaffee einen G. mit Obers machen.
Guppy [gopi], der; -s. -s [engl, guppy. nach einem im 19.
Jh. auf Trinidad lebenden Geistlichen namens R. J. L.
Guppy. der das erste bezeugte Exemplar an das Britische
Museum sandte!: in den warmen Gebieten Amerikas (auf
Trinidad. Barbados u. anderen Inseln) heimischer, kleiner,
schlanker Fisch (Za/inkarpfen). der ab Aquarienfisch
gehalten wird.
Gut [gu:ßl. die; - [zu t gärenl (Bergmannsspr.): breiige, erdige,
aus Gestein herausgärende Flüssigkeit.
Gurde [gurtfaj. die; -. -n [frz. gourde = Kürbis(ftasche)
< mfrz. co(h)orde < lat. Cucurbita! (früher): am Riemen
getragene flach-runde Pilger- u. Soldatenflasche
(ursprünglich aus getrocknetem Kürbis).
1104
gürtet-, Gürtel -
Günsel [gorgl]. die; -, -n [mhd. gurgel(e). ahd. gurgula
< lat. gurgulio = Schlund. Kehle. Luftröhre]: a) Stelle
außen am Vorderteil des Halses unter dem Kinn mit
Kehlkopf: jmdm. die G. zudrücken, abschnüren; einem Tier
die G. durchschneiden; jmdm. an die G. springen, fahren;
er wollte mir an die G.; er packte ihn an. bei der G.;
die Hände um jmds. G. pressen; Ü Wenn ich meinem
Mann sagen würde. ... mach die Hausarbeit ... Ja. der
würde mir an die G. springen (Hörzu 4. 1975, 73); so
rücksichtslos sie mit ihren Steuergesetzen dem Bauern an
dieG. gingen (Thieß. Reich 323); Wenn einen die
Einsamkeit an der G. hat (Remarque, Obelisk 305); *imdm. die
G. zusdinüi^n zudrücken abdrehen zudrehen (salopp; jmdn.
zugrunde richten, wirtschaftlich ruinieren): b) <P1. ungebr.)
Schlund (bes. in bezug auf das Trinken): schließlich hatte
man sich die G. gespült und die Zahne geputzt (H. Kolb.
Wilzenbach 154); Ü die gewohnten Schimpfworte, die ihm
so locker in derG. saßen (Hesse. Sonne 50); *sidi <Dativ>
die G. schmieren/ölen (salopp scherzh.; Alkohol trinken):
etw. durch die G. jagen (ugs.; etw. vertrinken): er hat sein
ganzes Vermögen durch die G. gejagt; <Abl.:> gurgeln
['gurgln! <sw. V.; hat) [mhd. gurgeln]: I. unter
Hervorbringung bestimmter dumpfer Laute den Hals spülen, indem
man die in der Kehle befindliche Flüssigkeit durch Ausstoßen
der Luft in Bewegung setzt: laut, geräuschvoll, mit Kamille
g.; er mußte dreimal taglich g.; ..Exzellent" sagt er ...
und gurgelt {spült bei der Weinprobe den Mund mit dem
Wein: Remarque. Obelisk 198); einen g. (ugs.; Alkohol
trinken). 2. a) ein Geräusch wie beim Gurgeln hervorbringen,
von sich geben: die Priele. Bäche gurgeln; Es regnete. Es
gurgelte die ganze Nacht (Frisch. Homo 97); Lindenbergs
Stimme überschlug sich; sie gurgelte und fauchte (Kirst,
08/15,237); ein gurgelndes Röcheln; (subst.:) Seine Stimme
versank plötzlich in ein mooriges, unverstandliches
Gurgeln (Remarque. Funke 43); b) sich mit gurgelndem
Geräusch i fort i bewegen: der Korb ... gurgelte auf und nieder
durch die Wellen (Hausmann. Abel 100): Draußen gurgelte
ein Flugzeug in weißblauen Wolken (Kirst. 08/15. 754);
c) mit gurgelnder (2 a) Stimme sprechen, etw. von sich geben:
zusammenhanglose Worte. Unverstandliches g.; ..Du -".
gurgelt die Gestalt (Remarque. Obelisk 332); <Zus.:> Ggr-
gebnittel. das: Mittel, das bei Halsentzündungen o. ä. zutn
Gurgeln verwendet wird: Gijrgehvasser. das; -s. ...wässer:
a) svw. tGurgelmittel; b) svw. f Mundwasser.
GUrkchen (gv'rk^n). das; -s. -: tGurke; Gurke [gorko].
die; -. -n [im 16. Jh. aus dem Westslaw. entlehnt (vgl.
poln. ogörek. tschech. okurka) < mgriech. ägouros =
Gurke, zu griech. äöros = unreif; im Hinblick darauf,
daß die Gurke grün (unreif) geerntet wird): I. a) als Gemüse-
u. Salatpflanze angebautes, dicht am Boden entlang
wachsendes Gewächs mit großen, rauhen Blättern u. fleischigen,
länglichen, grünen od. grüngelblichen Früchten: -n anbauen,
im Treibhaus ziehen; -n legen (Gurkensamen einsäen):
b) <Vkl. tGürkchen) Frucht der Gurke (1 a): [süß-Jsaure,
eingelegte -n; -n ernten, abnehmen, schälen, zu Salat
verarbeiten, schmoren, einmachen, einwecken. 2. a) (salopp
scherzh.) / häßliche, große j Nase: ich hatte eine fürchterlich
geschwollene G.; einen Schlag auf die G. kriegen; b) (derb)
Penis: „Blonde Weiber ... nackend ausziehen, seine G.
herausholen ...", so entwarfen die Schüler ihre Sex-Idylle
(Spiegel 5. 1971, 67). 3. <meist PI.) (salopp) ausgetretener
Schuh: mit diesen -n kannst du eigentlich nicht mehr gehen.
4. (salopp abwertend) schlechtes t u. daher schwer zu
verkaufendes/ Kleidungsstück (bes. Kleid): für diese G. wollte
sie 120 Mark. 5. (salopp abwertend) i altes] Auto: eine
alte G.; der fährt eine ganz müde (langsame) G. 6. (salopp
scherzh.) Mensch, der jmds. Erstaunen hervorruft: das ist
dir eine G.; gurken ['gurkn] <sw. V.; hat/ist) (salopp):
I. irgendwohin gehen, fahren: über den Rummel, zum
Bahnhof, nach Hause g.; wollen wir noch ein Stück über die
Autobahn i&P.l.jmdn. mit dem Auto. Motorrad irgendwohin
fahren: Kann ja sein, daß die Kerls wieder zurückkommen
und uns nach Hause gurken (Degener. Heimsuchung 25).
gyrken-, Gyrken-: -ähnlich <Adj.; o. Steig.): einer Gurke
ähnlich: eine -e Form; -artig <Adj.; o. Steig.): in seiner
Art einer Gurke ähnlich: ein -er Geschmack; -förmig <Adj.;
o. Steig.): wie eine Gurke geformt: -gewürz, das: Gewürz
zum Einmachen von Gurken (z, B. Dill. Senfkörner); -glas.
das <P1. ...gläser): Weckglas für Gurken: -hachel, die
(österr.): svw. f ^hobel; -bobel. der: Küchengerät, mit dem
man Gurken {1 b) in Scheiben schneidet: -kern, der: platter,
eiförmiger Samenkern der Gurke: -kraut, das <o. PI.):
1. svw. tBorretsch. 2. svw. T Dill; -sabt. der: Salat aus
Salatgurken, die in Scheiben geschnitten u. in einer Marinade
0. ä. zubereitet werden: -schale, die: 1. Schale einer Gurke.
2. <P1.) (Soldatenspr.) Tressen der Unteroffiziere: Kein
schlechter Nachwuchs für das Unterofilzierkorps. wenn
man bedenkt, daß sich beide, sobald sie erst die -n besäßen,
akklimatisieren würden (Kirst. 08/15. 84).
Gurkha [gorka]. der; -[sj. -[s] [angloind. gurkha. nach dem
gleichnamigen ostindischen Volk in Nepal]: Soldat einer
nepalesischen Elitetruppe in der indischen bzw. britischen
Armee.
gurren ['goren] <sw. V.; hat) [mhd. gurren, lautm.l: 1. (von
der Taube) kehlige, dumpfe, weich rollende, langgezogene
Töne in bestimmten Abständen von sich geben: um ihn
herum, auf dem Hof gurrten die Tauben. 2. a) dem Gurren
der Taube ähnlich klingen: ihre Stimme, ihr Lachen gurrte;
in gurrendem Ton sprechen; b) mit gurrender (2 a) Stimme
sprechen, etw. von sich geben: ... gurrte sie weich, mit einer
Mischung aus Mitleid und Freude: ... (Th. Mann. Krull
203).
Gurt [gort], der; -[e]s, -e. landsch., fachspr. auch: -en [mhd.
gurt, zu T gürten]: I. a) (umgeschnalltes) starkes, breites
Band zum Halten. Tragen o.a.: die -e eines Fallschirms;
Dieser Sattel liegt viel zu weit vom. sein G. schneidet
sichtbar die Ellenbogenhaut ein! (Dwinger, Erde 46): Sehr
gut haben sich -en aus Kunstfaser bewährt, die frost-
und nässebeständig sind (Eidenschink. Eis 22): sich im
Auto, im Flugzeug mit einem G. anschnallen; b) breiter
Gürtel [einer Uniform]: Blaugrau die Uniform, sparsame
Aufschlage, leichter G. (Bieler. Bonifaz 66); den G. um-,
ablegen; c) kurz für T Patronengurt. 2. (Archit.)
durchgehender oberer od. unterer Stab eines Fachwerkträgers: die
Hausfront war durch -e gegliedert. 3. (Technik) waagerechter
Teil an der Ober- od. Unterseite des Steges bei geformtem
Stahl. Trägern. Holmen.
G^rt-: -band, das <P1. -bänder): festgewebtes Band für den
Bund eines Rocks od. einer Hose: -bett. das: transportables
Bett, in dessen Rafimen Gurte gespannt sind: -bogen, der
(Archit.): quer zur Längsachse eines Tonnengewölbes
verlaufender, zur Verstärkung dienender Bogen, der die
einzelnen Gewölbeeinheiten, die Joche voneinander trennt: ^ge-
sims. das (Archit.): zwischen den einzelnen Geschossen eines
Gebäudes angebrachtes, umlaufendes Gesims: -gewölbe, das
(Archit): durch Gurtbögen verstärktes Tonnengewölbe, das
eine Unterteilung in Joche ergibt.
Gürtel ['gvrtl], der; -s. - [mhd. gürteL ahd. gurtil. Bildung
zu einem alten starken, mit „gürten" verwandten Verb]:
1. festes Band / aus Leder /, das um Taille od. Hüfte getragen
wird: ein schmaler, breiter, lederner, geflochtener G.; der
G. wurde ihm zu eng; den G. umbinden, umschnallen,
abnehmen; den G. weiter, enger schnallen; das Kleid wird
durch einen G. zusammengehalten; ... dem vom G. (von
der Taille) abwärts alles wie Blei war (Gaiser. Jagd 1%);
*den G. enger schnallen (ugs.; sich in seinen Bedürfnissen
einschränken): die Bevölkerung mußte den G. enger
schnallen. 2. Zone in der Landschaft, die etw. wie ein Gürtel
(1) umgibt: ein G. von Gärten und Parks zieht sich rings
um die Stadt: Wenn man den Nahen Osten bereist, also
einen Teil jenes breiten -s, der von Indien und Indonesien
bis zur nordafrikanischen Küste am Atlantik reicht ...
(Dönhoff. Ära 162). 3. fast undehnbare, verstärkende
Einlage zwischen Lauffläche u. Unterhau eines Fahrzeugreifens
zur Stabilisierung der Lauffläche: Die Ausbildung eines
weichen -s erlaubt auch, im unteren
Geschwindigkeitsbereich den Komfort zu verbessern (Auto 8, 1965, 50).
gyrtek Gürtel-: ^artig <Adj.; o. Steig.): in seiner Art. Form
einem Gürtel ähnlich: -echse. die: in Steinwüsten u.
Grassteppen Mittel- u. Südafrikas u. Madagaskars heimische
Echsemil starken, langen Schuppen in gürtelartigen
Querreihen: -flechte, die: svw. Krose; -förmig <Adj.; o. Steig.):
svw. t^artig; -linie. die: a) svw. TTaille: bei diesem Kleid
ist dieG. betont; (Boxen:) Schläge unter dieG. sind
verboten; Ü Was uns Herr Pfarrer Junge da ... bescherte, lag
im wahrsten Sinne des Wortes „unterhalb der G."! {war
eine kräftige u. eindeutige Einbeziehung des sexuellen
Bereichs: Hörzu 15, 1971. 61); *ein Schlag unter die G. (ugs.:
1. unfaires, unerlaubtes Verhalten: was ich ... als ... Schlag
unter dieG. empfinden würde, wäre ihre Ungeschicklich-
70 GDW
1105
gurten
keit, es mich erfahren zu lassen [Hörzu 51, 1972, 30].
2. Leistung ohne Niveau: Redakteur ... gibt zu, daß die
Rosenmontagssendung ein Schlag unter die G. war [Hörzu
14, 1974. 221); b) (Jargon) Linie, über der die Fenster eines
Autos beginnen: Eine sehr niedrige G. und hohe Front-
und Seitenscheiben ergeben gute Sichtverhältnisse (Auto
7. 1965. 69); -linse, die (Optik): in der Schiffahrt (z.B.
für Positionslampen) verwendete ring- od. tonnenförmige
Linse, die das Licht horizontal bündelt: -los <AdJ.; o. Steig.;
nicht adv.>: ohne Gürtel (1): ein -es Kleid; -reifen, der:
Fahrzeugreifen mit Gürtel (3); -rose, die <o. PI.) [nach
der gürtelartigen Ausbreitung; 2. Bestandteil nach den
hellroten Knötchen]: (durch einen Virus verursachte)
schmerzhafte Krankheit, bei der sich am Rumpf gürtelartig
hellrote Knötchen ausbilden, die sich in Bläschen umwandeln:
-schnalle, die: die G. ein Loch weiter stellen; -tasche,
die: [kleine] Tasche, die am Gürtel (1) getragen werden
kann: -Her, das: Säugetier mit einem lederartigen od.
verknöcherten, mit Hornplatten versehenen Rückenpanzer,
der sich am Rumpfaus gürtelartigen, gegeneinander
beweglichen Ringen zusammensetzt.
gurten f'gurtn] <sw. V.; hat): 1. auf einen Gurt (1 c) stecken:
mit zwei Kästen ä dreihundert Schuß, gegurtet zu fünfzig
(H. Kolb. Wilzenbach 157). 2. a) den Pferdesattel mit
einem Gurt befestigen: <subst.:) Beim Gurten selber ziehen
Sie stets den vorderen Riemen zuerst an (Dwinger, Erde
46); b) sich im Auto] mit einem Gurt anschnallen:
Erst g., dann starten" ist die Parole (MM 4. 11. 74. 15);
gürten ['gYrtnl <sw. V.; hat) [mhd. gürten, ahd. gurten,
eigtl. = umzäunen, einhegen, (um-, einlassen]: I. mit
einem Gürtel versehen: etw. als einen Gürtel um jmdn..
sich. etw. legen: sich mit einer Schärpe g.; in einem ...
Seidenkleid mit... Tunika, deren Taille ein schwarzes Sam-
metband gürtete (Th. Mann, Krull 200); der Mantel war
sportlich gegürtet; Ü und wo er (= der Geist) sich mit
dem Schwerte gürtet (den Gurt mit dem Schwert umlegt),
vernichtet ihn das Schwert (Thieß, Reich 147); Die Zeiten
waren milder... geworden, niemand brauchte seine Lenden
mehr zu g. {sich zu waffnen: Wiechert, Jeromin-Kinder
243). 2. an einem Tier den Sattel mit einem Gurt befestigen:
Und gürtete einen Esel in der Frühe und nahm dich mit
mir (Th. Mann. Joseph 104); Gürtler ['gYrtle], der; -s, -
[mhd. gürtetere, zu t Gürtel]: jmd., der aus Metall. Glas.
Holz o.a. Beschläge (für Gürtel), Modeschmuck,
kunstgewerbliche Gegenstände formt (Berufsbez).
Gura [guru], der; -s, -s [Hindi gurü < sanskr. gunih.
eigtl. = gewichtig, ehrwürdig]: /als Verkörperung eines
göttlichen Wesens verehrter / religiöser Lehrer im
Hinduismus: Ü Hesse ... ist der „Gurufci (geistige Führer) der
Hippies und anderer Drop-outs (MM 15. 7. 70, 28).
Gusche [gofe], die; -, -n [H. u.] (md.): svw. TGosche: Die
G. hältst du! (Strittmatter. Wundertäter 38); das Kind
hat eine süße G.
Gusla [gusla], die; -, -s u. ...len. auch: Gusle fguste], die;
-, - u. -n [serbokroat. gusle]: südslawische lautenförmige
Kniegeige mit nur einer Saite, die über eine Felldecke
gespannt ist: Gusbr [gus'la:?]. der; -en, -en [serbokroat. gus-
larl: jmd.. der bestimmte Gesänge auf der Gusla begleitet,
Guslaspieler: Gusli ['gusli], die; -. -s [russ. gusli]: russisches
zitherähnliches Zupfinstrument mit 5 bis 32 Saiten.
Guß [gus], der; Gusses. Güsse [gYSd; mhd.. ahd. gu3. zu
fgießen]: I. a) das Gießen von Metall o.a. in eine Form:
der G. einer Plastik; es war eine Glocke aus gutem G.
(Koeppen, Rußland 119); Ü ein Werk von so
vollkommenem G. ist seit dem Don Giovanni nicht mehr von
Menschen gemacht worden (Hesse, Steppenwolf 247); *[wle]
aus einem G, (in sich geschlossen, einheitlich, vollkommen
in bezug auf die Gestaltung): das Werk, die Inszenierung
ist [wie] aus einem G.; b) gegossenes Erzeugnis des
Gießverfahrens: ein fehlerhafter G.; ein G. aus Eisen; der G.
ist zersprungen. 2. a) mit Schwung geschüttete, gegossene
Flüssigkeitsmenge: ein eiskalter G. klatschte ihm in den
Nacken; der Arzt verordnete ihm kalte Güsse; es riecht
nach den Güssen der Sprengwagen (Gaiser. Jagd 134);
b) (ugs.) kurz für T Regenguß: sie wurden von einem
heftigen G. überrascht; Bei dem Wetter können Sie nicht
draußen bleiben, warten Sie den G. ab, es muß ja mal
wieder aufhören (v. d. Grün, Irrlicht 20). 3. kurz für
t Schokoladenguß, Zuckerguß.
g^ß-. Gyß-: ^arbeit, die: gegossener Gegenstand, Guß (1
b); Misphalt, der: in erhitztem Zustand aufgetragene
Asphaltmasse, die nach dem Auftragen einen festen Belag
bildet: ^bad, das: svw. tGuß (2 a); ^beton, der: breiig
fließender Beton, der in die Verschalung gegossen wird [u. sich
dort verteilt]: -brudi, der (Gießerei): beim Gießen
entstehender Abfall, der wieder verwendet wird: --eisen, das:
graues, sprödes, nicht schmiedbares Roheisen von geringer
Elastizität u. hoher Druckfestigkeit: ^eisern <Adj.; nur
attr): aus Gußeisen hergestellt: -e Straßenlaternen; das
Hammelnierenfett wurde in einer -en Pfanne ausgelassen
(Grass. Hundejahre 171); -erzeugnb, das: vgl. -arbeit;
-fehler, der: beim Gießen entstandener Fehler in einer
Gußarbeit: ^form, die: Form, in die ein Metall o. ä. zum
Erstarren gegossen wird: -glas, das: durch Gießen u. Walzen
hergestelltes Glas: Mnauerwerk.das <P1. ungebr.) (Archit.):
altrömisches Mauerwerk, bei dem die äußeren
Wandbegrenzungen gemauert u. der entstandene Zwischenraum mit einem
Gemenge von Mörtel u. Steinen ausgegossen ist: ... hat
die ... Anwendung von G. ... den Römern gestattet, ...
Wölbungen aufzufuhren (Bild. Kunst I. 196); -modell,
das (Gießerei): Modell, mit dessen Hilfe die Gußform
hergestellt wird: --naht, die (Gießerei): Naht, die an der
Oberfläche von Gußstücken durch die Trennwände der Gußformen
hervorgerufen wird: -putzer, der (Gießerei): Arbeiter, der
die Gußstücke reinigt u. glättet (Berufsbez.). dazu:
-putzend, die (Gießerei): Abteilung in einer Gießerei, in der
Gußstücke gereinigt u. geglättet werden: -regen, der: heftiger,
kurzer Regen: -rohling, der (Gießerei): Gußstück, das noch
nicht bearbeitet ist: -stahl, der: in Tiegeln geschmolzener,
schmiedbarer Stahl, der bes. zur Herstellung von
Werkzeugen verwendet wird: -stück, das (Gießerei): gegossenes
Werkstück: fehlerhafte-e; -teil.das(Gießerei): vgl. -stück.
güst [gYst] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [aus dem Niederd.
< mniederd. guste, H. u.] (bes. nordd.): (von Kühen,
Schafen u.a.) unfruchtbar, nicht milchgebend: Die Broschüre
zeigt die Vorteile der Einzelhaltung -er und tragender
Sauen auf (Börsenblatt Leipzig 51/52. 1973).
Güster [gYstB], der; -s, - [H. u.l: in Seen u. größeren Flüssen
heimischer Karpfenfisch mit hohem, graugrünem Rücken,
hellen, silberglänzenden Seiten, stutnpfem Maul u. großen
Augen.
gustieren[gus'ti:ran] <sw. V.; hat) [ital. gustare; vgl.
gouHeren ]: 1. svw. tgoutieren. 2. (österr.) kosten, schmecken,
probieren.
Gustin© [gus'ti:n], das; -s [Kunstwort]: Maisstärke.
gustiös [gus'tj0:s] <Adj.; -er, -este; nicht adv.) [zu tGusto]
(österr.): appetitlich, appetitanregend: Gusto [güsto], der;
-s, -s <PI. ungebr.) [ital. gusto; vgl. Gout]: I. Neigung.
Lust: Wenn die Kritiker ... mit G. zu Propagandisten
oder Zensoren sich erniedrigen lassen (Adomo, Prismen
9); Wenn Staatsgelder von der Parteispitze ... nach eigenem
G. (Belieben) auf... Kreisorganisationen verteilt werden
(Spiegel 31,1966,18). 2. Appetit: Wenn du einen G. danach
hast, dann reicht dir der Greißler die ... Gurke mit der
Holzzange über die Budel hinweg (Express 12. 10. 68.
4); Gystomenscherl [-menjBl], das; -s, -[n] (österr. salopp):
hübsches Mädchen: Gustometer, das; -s, - [f-meter] (Med.):
Gerät zur Prüfung des Geschmackssinnes: Gustometrje, die;
- [T-metrie] (Med.): Prüfung des Geschmackssinnes: Gysto-
stückerl [-JtYlosl], das; -s, -[n] (österr.. ugs.): besonders gutes
Stück: Der Gefangenenchor, der... zu den -n des ...
Staatsopernchors zählt (Presse 11.8. 69. 4).
gut [gu.t] <Adj.; besser, beste) [mhd.. ahd. guot. eigtl.
= (in ein Baugefüge. in eine menschliche Gemeinschaft)
passend]: I. a) besonderen Ansprüchen. Zwecken genügend:
von zufriedenstellender Qualität, ohne nachteilige
Eigenschaften od. Mängel (Ggs.: schlecht): -e Qualität. Ware.
Nahrung; ein -er Wein. Apfel, Stoff, Film, Witz; ein -es
Werkzeug. Buch; eine -e Leistung. Arbeit; das ist kein
-es Deutsch; die besten Erträge; bei bester Gesundheit
sein; ein -es Gedächtnis. Gehör haben; einen -en
Geschmack haben: noch -e Augen. Ohren haben (/ trotz seines
Alters] noch gut sehen, hören können): du brauchst nicht
so zu schreien, ich habe noch -e Ohren; für diese Arbeit
braucht man eine -e (gesunde, leistungsfähige) Lunge; er
hat einen -en (sich für eine zeichnerische o.a. Wiedergabe
eignenden) Kopf; aus -em Grund (mit voller Berechtigung)
ist das so; der Kuchen ist mit einem halben Pfund -er
Butter (mit Butter und nicht mit anderem Fett) gebacken;
dein Vorschlag ist sehr g.; ihm ist nichts g. genug (er
1106
gut-, Gut-
%j/ an allem etwas auszusetzen); (häufig in Formeln der
Bekräftigung od. des Einverstandenseins:) also g.; nun
r. und damit g. (genug).schon g. (es bedarf keiner weiteren
Worte); könnt Ja mitsingen, wollt nicht, auch g. (Degener,
Heimsuchung 9); g.! (jawohl!); das ist Ja alles g. und
schon (zwar in Ordnung), aber ...; etw. für g. befinden;
«ein Aufsatz wurde mit [der Note] „gut44 bewertet; seine
Sache g. machen; g. lesen, schwimmen können; er spielt
besser Klavier als die andern; das kann er am besten;
das Holz brennt g.; der Anzug sitzt g.; eine g. angezogene
Frau; das Kind lernt g. (leicht, ohne Schwierigkeiten);
subst.:) etwas Gutes kochen; daraus kann nichts Gutes
»enden; *es g. sein lassen (ugs.; etw. mit etw. erledigt
iew lassen): b) seine Fähigkeiten erkennen lassend u. seine
Aufgabe zur Zufriedenheit erfüllend: ein -er Schüler.
Arbeiter, eine -e Regierung; er ist in der Schule sehr g.; <subst.:>
d« Besten ihres Faches; c) wirksam, nützlich: das ist das
beste Mittel gegen Migräne; der Tee ist g. gegen/(auch:)
Sir Husten; wer weiß, wozu das g. ist; d) für etw. günstig.
passend, geeignet: eine -e Gelegenheit; heute ist ^es Wetter
zum Angeln; unsere Aussichten sind g.; die Äpfel sind
t zum Kochen; der Augenblick war g. gewählt; es trifft
ach g.. daß du kommst; das hast du g. (treffend) gesagt;
•es g. treffen/haben (mit/bei etw. Glück haben): er hat
es in seinem Urlaub [mit der Unterkunft] g. getroffen:
fer etw. g. sein (ugs.; die Voraussetzung für etw. bieten;
einer bestimmten Erwartung entsprechen): dieser Stürmer
tst immer g. für ein Tor; g. daran tun (in bezug auf etw.
richtig handeln): du tust g. daran, dich nicht zu beteiligen.
L angenehm, erfreulich; sich positiv auswirkend: eine -e
Nachricht; sie hatten -es Wetter, eine -e Fahrt; etw. zu
etnem -en Ende führen; [wir wünschen Ihnen einl -es (nur
Erfreuliches u. Angenehmes enthaltendes) neues Jahr!; er
hat heute einen -en Tag (einen Tag, an dem ihm alles
gelingt); mein erster Eindruck von der Sache war nicht
besonders g.; mir ist nicht g. (ich fühle mich momentan
körperlich nicht wohl, leide unter Schwächegefühl od.
Brechreiz;; hier ist g. sein, leben (geh.; ist. lebt man gern):
t gelaunt sein; hier läßt sich's g. leben; die Bücher gehen
t- 'lassen sich schnell verkaufen); das Lokal, Geschäft
Geht g. (bringt Gewinn); die Kinder haben es g. zu Hause
ihre Eltern lassen ihnen alle Fürsorge angedeihen); du
bist g. dran (ugs.; du kannst dich in bezug auf etw. glücklich
tchätzeri): g. aussehen; der Braten riecht g.; die Kakteen
können Sonne g. vertragen; <subst.:> jmdm. alles Gute
«-ünschen; ihm ahnte nichts Gutes; was bringst du Gutes
Neues)?; es hat alles sein Gutes (seine positive Seite);
das ist denn doch des Guten zuviel (iron.; geht denn doch
oi weit)\\ er hat mit seiner Kritik ein bißchen des Guten
zuviel getan (iron.; hat... übertrieben)', * bei jmdm. g.
angeschrieben sein (ugs.; weil man sich irgendwie hervorgetan
hat. von jmdm. so geschätzt werden, daß man auf Nachsicht
cW. Erfüllung seiner Wünsche rechnen kann; vgl. 2. Mose
32, 32; Lukas 10, 20; Offenbarung 3, 5 u.a., nach dem
Buch des Lebens, in das die Gerechten eingeschrieben
sind). 3. a) in bezug auf etw., gemessen an etw.,
verhältnismäßig reichlich: eine -e Ernte; ein -es (ertragreiches) Jahr;
nul -em (großem) Appetit essen; er hat einen -en Zug
'ugs.; trinkt viel auf einmal), das kostet mich ein -es Stück
ueh Geld; ein gut [er] Teil [der] Schuld lag bei ihm;
das hat noch -e Weile (eilt nicht); b) reichlich bemessen;
mindestens, wenn nicht noch mehr als: eine -e Stunde; ein
<r Liter Flüssigkeit; der Sack wiegt g. zwei Zentner; der
Kaufmann hat g. gewogen; *g. und gern (ugs.; bestimmt
«v/W/, wenn nicht mehr): bis dahin sind es noch g. und
•em zehn Kilometer; so gut wie (ugs.; einer Angabe fast
n$Hig entsprechend, so daß Fehlendes, Abweichendes kaum
io/i Belang ist): das ist so g. wie sicher, wie gar nichts;
die Arbeit ist so g. wie erledigt. 4. a) tadellos, anständig:
an -es Benehmen; ein Mädchen aus -em Hause; in der
Klasse herrscht ein -er Geist; der Arzt hat einen -en Ruf;
«dl g. benehmen, aufführen; b) sittlich einwandfrei,
wertvoll; auf eine religiöse, ethische Grundlage bezogen (Ggs.:
böse 1 a): ein -er Mensch. Christ; eine -e Tat; für eine
< Sache kämpfen; verführt von ihrem mitleidigen, -en.
ücbcvollen Herzen (Bergengruen, Rittmeisterin 277); ein
<s 'gutartiges) Kind; ein -es Herz haben (gutartig u.
hilfsbereit sein); sie ist eine -e Seele (ugs.; ein gutmütiger
Mensch): er ist ein -er Kerl (ugs.; ist gutmütig, tut keinem
etwas zuleide): damit tust du ein -es Werk (etw. Nützliches);
(iron.; in herablassendem, plump vertraulichem Ton:) -e
Frau, wo denken Sie hin; ich hatte ein. dabei kein -es
Gewissen (war /dabei nichtJ von der Richtigkeit meines Handelns
überzeugt); sie war immer g. zu den Kindem/(selten:)
gegen die Kinder; dafür bin ich mir zu g. (ich halte diese
Sache für schlecht, zu gering u. tue so etwas nicht); du
bist g., wie soll ich denn das in der kurzen Zeit schaffen?
(iron.; ich muß mich doch sehr wundern, daß du von mir
verlangst, das in der kurzen Zeit zu scliaffen): <subst.:>
Gutes mit Bösem vergelten (nach 1. Mose 44, 4); an das
Gute im Menschen glauben; er hat viel Gutes in seinem
Leben getan; (iron.; in herablassendem, nachsichtigem
Ton:) Was die da machen, meine Gute, ist schlimmstes
Provinztheater (K. Mann, Mephisto 254); Doch so mächtig
das Dämonische ... ihn ... zu Taten hinriß, die Jenseits
von Gut und Böse das ... Schöpferische seines Wesens
erkennen ließen ... (Thieß. Reich 116); Jenseits von Gut
und Böse sein (iron.; bes. von Frauen: [im Klimakterium
sein u.J sich nicht mehr sexuell betätigen; wohl in
Anlehnung an die 1886 erschienene Schrift des dt. Philosophen
Fr. Nietzsche „Jenseits von Gut u. Böse**); *lm -ten wie
im bösen (mit Güte wie mit Strenge). 5. jmdm. in engerer
Beziehung zugetan u. sich ihm gegenüber entsprechend
verhaltend; freundlich gesinnt: ein -er Freund. Kamerad; es
waren -e Bekannte von ihm; auf -e Nachbarschaft!; bei
etwas -em Willen (innerer Bereitschaft) wäre es gegangen;
(fam.:) Jmdm. g. sein; die beiden sind wieder g.
miteinander/einander wieder g. (fam.; sind wieder versöhnt): sei bitte
so g. (nett, freundlich), und nimm das Paket mit!; Jmdm.
g. zureden (jmdn. in freundschaftlicher Art zu etw.
ermuntern); mit Jmdm. g. stehen, auskommen; er meint es g.
mit dir (ist dir wohlgesinnt u. will auch hiermit nur dein
Bestes); <subst.:> (fam.:) sie hat uns schon oft geholfen,
die Gute; *im -en (friedlich, ohne Streit): etw. im -en
sagen; sich im -en einigen. 6. nicht für den alltäglichen
Gebrauch bestimmt, besonderen, feierlichen Anlässen
vorbehalten: die -e Stube; seinen -en Anzug anziehen; dieses
Kleid lasse ich mir für g. (für besondere Gelegenheiten).
7. leicht, mühelos geschehend, sich machen lassend: die
Mine schreibt sich g.; dieser Artikel ließ sich nicht g.
verkaufen; hinterher hat, kann man g. reden; du hast
g. lachen (bist nicht in meiner unangenehmen Lage); es
kann g. sein (ist ohne weiteres möglich), daß ...; ich kann
ihn nicht g. darum bitten (es geht eigentlich nicht, daß
ich ihn darum bitte); <subst.:> Gut H, das; -[eis, Güter
['gy:te; mhd., ahd. guot = Gutes; Güte; Vermögen. Besitz;
Landgut]: 1. Besitz, der einen materiellen od. geistigen Wert
darstellt: ererbtes, gestohlenes, herrenloses, fremdes G.;
lebenswichtige, irdische, geistige, ewige Güter; In dem
Schutzraum sollen neben den ... heiligsten Gütern der
Menschheit, also ... den Erzeugnissen der Kunst .... auch
die ... chemischen Formeln ... untergebracht werden
(Kaschnitz, Wohin 113); liegende, unbewegliche Güter
(Immobilien, Liegenschaften); bewegliche, (veraltet:) fahrende
Güter (transportabler Besitz wie Möbel o.a.); er hat all
sein G. verschleudert; Indem die aristotelische Ethik nach
dem Glück ... als höchstem G. des Menschen fragt (Fraen-
kel. Staat 262); R Gesundheit ist das höchste G.; Spr unrecht
G. gedeihet nicht/tut selten gut. 2. landwirtschaftlicher
[Großjgrundbesitz mit den dazugehörenden Gebäuden;
Landgut: ein großes, kleines G. pachten, erwerben; das
väterliche G. übernehmen, bewirtschaften; nach seinem
Ausscheiden aus der Politik zog er sich auf seine Güter
zurück. 3. Stück. Ware für den Transport; Frachtgut,
Stückgut: sperriges, leicht verderbliches G.; Güter aufgeben,
abfertigen, verladen, versenden, verzollen, mit dem
Flugzeug befördern, zu Schiff bringen. 4. a) (veraltet) Stoff,
der zur Herstellung von etw. verwendet, verarbeitet wird:
Die Mühle war in Gang, die Steine ... mahlten, viel G.
lag still neben den fressenden Umdrehungen (Gaiser, Jagd
161); irdenesG. (Tonware); b) (Seemannsspr.) Gesamtheit
der Taue u. Seile in der Takelage eines Schiffes: stehendes
G. (feste, zum Abspannen von Masten dienende Taue);
laufendes G. (bewegliche, zum Bewegen von Segeln.
Ladebäumen u.a. dienende Taue).
gut-, Gut-: -achten <sw. V.; hat): ein Gutachten abgeben:
Warum aber Kastert ... in diesem Fall nicht selber g.
wollte... (Spiegel 1/2,1975,41); sie (= die Unterscheidung)
wird ... auf der Intuition und Erfahrung des gutachtenden
Arztes basieren (Noack. Prozesse 136); -achten, das; -s.
~o-
1107
gut-, Gut-
-: inbestinunter Weise auszuwertende (schriftliche] Aussage
eines Sachverständigen in einem Prozeß* bei einem
bestimmten Vorliaben o. ä.: ein ärztliches, medizinisches,
erbbiologisches, positives G.; ein G. anfordern, ausarbeiten,
ausstellen, abgeben, vorlegen, liefern, erstatten, über etw.
anfertigen; Wenn ich hier als Kaufmann mein G. abgeben (meine
Ansicht äußern) sollfTh. Mann, Buddenbrooks 154);
^achter, der; -s, -: Sachverständiger, der ein Gutachten abgibt:
alsG. fungieren.auftreten;einen G. bestellen, hinzuziehen,
dazu: -achterlich <Adj.; o. Steig.; nicht präd.): von einem
Gutachter herrührend, seitens eines Gutachters, durch einen
Gutachter: eine -cStellungnahme, nächtlich <Adj.; o. Steig.:
nicht präd. >: in der Form eines Gutachtens, in einem
Gutachten: eine -e Stellungnahme; etw. g. prüfen, untersuchen;
-artig <Adj.; nicht adv.): I. von gutem, anständigem Wesen:
ein -es Kind; das Tier ist g. (nicht widerspenstig od.
gefahrlich ). 2. keine Metastasen bildend u. das Leben des Patienten
nicht gefahrdettd (Ggs.: bösartig 2): eine -e Geschwulst;
der Tumor stellte sich als g. heraus, dazu: -artigkeit.
die: 1. <o. PI./ gutartiges (1) Wesen: So wie man sich
irgendwann entschlossen hat. an die G. der Menschen
zu glauben (Chr. Wolf. Nachdenken 220). 2. <P1. ungebr.)
Ungefährlichkeit eines Tumors (Ggs.: Bösartigkeit 2):
Genaueres, auch über -en. weiß man selbstverständlich erst
nach den Operationen (Wohmann, Absicht 21);
-ausgebaut <Adj.; besser ausgebaut, am besten ausgebaut: nur
attr.): eine -e Organisation: -aussehend <Adj.; o. Steig.;
nur attr.): ein -er Mann; -beleumdet <Adj.; o. Steig.; nur
attr.): (Ggs.: übelbeleumdet): Das Bezirksgericht...
verurteilte einen -en und nicht vorbestraften Werkmeister
(Vaterland 282. 1964. 4); -betudit <Adj.; o. Steig.; nur attr.)
(ugs.): svw. f betucht: -e Mieter verderben die Preise (MM
10. 3. 70, 4); <subst.:> Haus- und Grundbesitz ist eine
gute Kapitalanlage für Gutbetuchte (MM 6. 8. 70. 5):
-bezahlt <Adj.; besser bezahlt, am besten bezahlt: nur
attr.): eine -e Stellung. Arbeit; -bringen <unr. V.; hat)
(Kaufmannsspr): svw. t-schreiben; -bürgerlich <Adj.; o.
Steig.): von einer Qualität. Lebensart od. in einer Weise,
wie sie dem Bürgertum entspricht: solide: eine -e Küche
(Küche, die einjäche, nicht verfeinerte Gerichte in reichlichen
Portionen bietet): Das kann in jeder -en Familie
vorkommen (L. Frank. Wagen 13); das Essen war g.; sie waren g.
untergebracht; -dotiert <Adj.; besser dotiert, am besten
dotiert; nur attr): eine -e Position: -dünken, das: -s [mhd.
guotdunkenj: Befinden. Urteil über jmdn.. etw. nach dem.
was jmdn. persönlich gut dünkt: Siebzig Millionen ins G.
von dreitausend eigenmächtigen Herren gestellt! (A. Zweig,
Grischa 151); nach leigenem. seineml G. mit jmdm., etw.
verfahren; Im Rat ... wurden die Probleme formuliert,
die die Volksversammlung dann nach ihrem G. entschied
(Fraenkel. Staat 258); -edel, der; -s: Rebsorte von kräftigen
Pflanzen mit rotgeäderten, drei- bis fütiflappigen Blättern
u. runden, hellgrünen od. zartbraunen Beeren, die liebliche,
leichte, säurearme Tischweine liefern: -finden, das; -s
(Schweiz.): svw. t -dünken; -fundiert <Adj.; besser fundiert,
am besten fundiert; nur attr.): eine -e Ausbildung; eine
umfangreiche, zahlenmäßig -e Analyse; -gehen <unr. V.;
ist): a) (unpers.) sich in einem angenehmen iGesundheitsl-
zustand befinden: es geht [mir] wieder gut; es ist ihm in
seinem ganzen Leben gutgegangen: b) einen guten Verlauf
nehmen: die Arbeit ging überraschend gut; die Sache ist
noch einmal gutgegangen; (nordd.:) wenn das man gutgeht;
ob es auf die Dauer mit uns g. wird (ob wir gut miteinander
werden leben können: Hörzu 50. 1973. 82); -gehend <Adj.;
o. Steig.; nur attr.): guten Gewinn bringend, erzielend: ein
-es Geschäft; ein -er Betrieb; -gekleidet <Adj.; besser
gekleidet, am besten gekleidet: nur attr.): sonntags sah man
in der Stadt überall -e Menschen; -gelaunt <Adj.; besser
gelaunt, am besten gelaunt; nicht adv.): ein -er Lehrer; er
lachte g.; -gelungen <Adj.; besser gelungen, am besten
gelungen; nurattr.): -eFotos; -gemeint <Adj.; o. Steig.; nur
attr.): aus einer .wenn auch nicht so erkannten/
wohlwollenden Gesinnung od. guten Absicht heraus vorgebracht: ein -er
Rat. Vorschlag; -er Unsinn. Spott; Jede Propaganda, auch
die -e. hat es auf die Verdummung der Massen abgesehen
(K. Mann, Wendepunkt 376); -gesinnt <Adj.; o. Steig.:
nicht adv.): a) svw. f wohlgesinnt: ein [mirl -er Freund
und Förderer; b) von guter, edler Gesinnung: rechtschaffen:
ein -er Mensch; <subst.:) ^gesinnte, der u. die: -n. -n
<Dekl. tAbgeordnete); -gewicht, das; -[eis
(Kaufmannsspr.): über das erforderliche Gewicht einer Ware
hinausgehendes Gewicht; -gläubig <Adj.; o. Steig.; nicht adv.):
die eigene Aufrichtigkeit u. gute Absichten auch bei anderen
voraussetzendu. ihnen /unvorsichtigerweise 1Glauben
schenkend: ein -er Kunde; du bist viel zu g.;... daß eine
arbeitsame Frau g. dreißig Jahre lang einen Gottesschwindler
über Wasser hält (Werfet. Himmel 121). dazu: -glfiubig-
keit.die; -; -haben <unr. V.; hat): (meist eine Geldsumme)
von jmdm. fordern können: du hast bei mir noch einiges,
zwanzig Mark gut: so daß sie bei ihnen für wenigstens
einen Tag Vertretung guthatte (Johnson. Ansichten 210).
<subst.:> -haben, das: -s. -: a) zur Verfügung stehendes,
gespartes Geld [bei einer Bank/; Geldsumme, die man von
jmdm. fordern kann: er hat noch ein großes, kleines G.
auf der Bank, bei der Sparkasse, bei min der Kontoauszug
weist ein G. (einen Überschuß der Gutschriften) von 450
Mark auf; b) (Buchf.) Differenz zwischen der Summe der
Gutschriften u. der Forderungen, bei der die Forderungen
überwiegen; -heißen <st. V.; hat): nach seiner privaten
Ansicht für gut u. nützlich halten, obwohl die betreffende Sache
oft eher von zweifelhaftem Charakter ist: stillschweigend
alles g.; er konnte eine solche Tat, diese skrupellosen
Methoden niemals g.; und so etwas heißt du auch noch gut?;
gab ich ... eine Flasche Ale in Auftrag, was der Graubart
.... ohne den Vorwurf unerbetener Einmischung zu
scheuen, mit einigen Worten guthieß (zustimmend
kommentierte: Th. Mann. KruII 300). dazu: -heiflung. die; -. -en
<PI. ungebr.): das Gutheißen; Billigung: vorbehaltlich einer
G. durch das britische Kabinett (Bund 15. 10. 68. 2);
-herzig <Adj.; nicht adv.): von weicher Gemütsart u.
anderen gegenüber wohlwollend, freundlich u. hilfsbereit, so daß
man ihnen nichts abschlagen kann, dazu: -herzigkeit, die;
-: Er hätte ihn beinahe aus überlaufender G. geduzt (R.
Walser. Gehülfe 37); -leuthaus: TGutleuthaus; -machen
<sw. V.; hat): 1. a) ein Unrecht, einen Fehler wieder so
gut wie möglich in Ordnung bringen: ein Versäumnis, einen
Schaden, eine Unhöflichkeit g.; und dann, sagte er. hätte
er auch noch etwas gutzumachen (Schnurre. Bart 189);
er hat viel an ihr gutzumachen (hat ihr großes Unrecht
getan); Aber alles kann auch die Zeit nicht g. (ausgleichen;
Gaiser. Schlußball 160); b) sich für etw. erkenntlich zeigen,
revanchieren: Sie haben mir so oft geholfen, ich weiß gar
nicht, wie ich das g. soll. 2. für sich einen Überschuß
erzielen: er hat bei dem Geschäft 50 Mark gutgemacht:
Nach fünf Kilometern lag er schon vorne, hatte 14
Sekunden gegen Grönningen ... und 18 Sekunden vor Sixten
Jemberg gutgemacht (Olymp. Spiele 23): -mutig <Adj.;
nicht adv. >: seinem Wesen nach freundlich, hilfsbereit,
geduldig, friedfertig, /in naiver, argloser Weise/ nicht auf den
eigenen Vorteil bedacht od. ein solches Wesen erkennen
lassetui: ein -er Mensch, Charakter; Franz ist so ein -es
Schaf (Döblin, Berlin 249); sie ist g. [veranlagt]; g. drein-
blicken. nachgeben; Es war ein richtiges kleines
Vorstadtkino. Eines von denen, die man g. (ohne daß es herabsetzend
gemeint ist) Flohkiste nennt (Borchert. Geranien 32), dazu:
-mütigkeit, die; -: Daher die unfaßbare Roheit der
Deutschen ..im Dienst", die in so merkwürdigem Gegensatz
zu ihrer privaten G. stand (Tucholsky. Werke II. 120);
-nachbarlich <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): von. in einer
Art. wie sie unter guten Nachbarn üblich ist: -e Beziehungen;
die Staaten arbeiten auf diesem Sektor g. zusammen:
-punkt, der (Turnen): zusätzlicher Pluspunkt für Technik.
Ausführung u. Originalität bei der Bewertung einer Übung;
-sage, die (selten): das Gutsagen: Ich konnte durch eine
dringliche Empfehlung und G. bei den Amerikanern noch
das Meine dazu beitragen (Kantorowicz. Tagebuch 1.319);
-sagen <sw. V.; hat): sich für jmdn.. etw. verbürgen, um
der betreff enden Person od. Sache durch seine positive
Aussage zu nützen: fiir einen Bekannten, jmds. Schuldlosigkeit
g.; <subst.:) daß ihm sein Gutsagen fiir den toten
Blumenthal wüste Beschimpfungen eintrug (Kant. Impressum 51):
-schein, der: Schein, der den Anspruch auf eine Ware od.
einen Betrag [für den man etw. kaufen kann] bestätigt:
ein G. auf/für eine Warenprobe, eine Tageszeitung, einen
Kalender; -e ausgeben; jmdm. [zu Weihnachten) einen G.
[im Wert von 100 DMl schenken, dazu: ^scheinheft, das:
Heft mit mehreren Gutscheinen; -schreiben <st. V.; hat):
als Guthaben eintragen, anrechnen: der überschüssige
Betrag wird Ihrem Konto. Ihnen gutgeschrieben; Ü ... das
Wesen eines Systems .... dem Ausländer ... einige wirt-
1108
gütig
schaftliche Errungenschaften gutzuschreiben geneigt
waren (Rothfels, Opposition 94), dazu: -schritt, die (Ggs.:
Lastschrift): a) eingetragenes Guthaben, gutgeschriebener
Betrag: eine hohe G. auf seinem Konto haben; Von der
G. ... war ... nur soviel zurückgeblieben, daß er ... noch
einen ... Sportwagen hätte kaufen können (Johnson.
Ansichten 134); b) Bescheinigung über einen gutgeschriebenen
Betrag; -situiert <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: in guten
wirtschaftlichen Verhältnissen lebend od. davon zeugend:
die Kinder -er Leute; bei Empfängen, die ... über den
Rahmen eines -en Haushaltes hinausgehen (Hörn, Gäste
324): sie sind g.: -sitzend <Adj.; o. Steig.; nur attr.>: a)
eine gute individuelle Pa/Jform besitzend, den Körpermaßen
des Trügers genau entsprechend: ein -es Kostüm; ein -er
Anzug; eine -e Prothese; am meisten erstaunte er über
Chwostiks -e (sorgfaltig gebundene) Krawatte (Doderer.
Wasserfälle 51); b) (ugs.) sein Ziel treffend, nicht verfehlend:
eine -e Ohrfeige; Einige -e Granaten genügen, um sie ( =
die Fabrik) zu zerstören (Kuby. Sieg 267); -sprechen <st.
V.; hat) (landsch.): svw. f-sagen; -stehen <unr. V.; hat)
(landsch.): bürgen, gutsagen: der mich gewählt hat. der
steht mir für den Weg und seinen Fortgang gut (Goes,
Hagar 145); sie (= diese Welt) duldete ... seine (= des
Besuchers) Gegenwart auf eine nicht geheuere, für nichts
gutstehende Weise (Th. Mann, Zauberberg 657); -tat,
die (selten): gute, edle Tat: er hat sich durch viele -en
verdient gemacht, dazu: -tätig <Adj.; o. Steig.; nicht adv.)
«veraltet): Gutes tuend: ein -er Mensch; -templer. der;
-s, - [engl. Good Templar. zu: good = gut u. Templar
= t Templer]: a) Mitglied des Guttemplerordens; b)
Antialkoholiker, dazu: -templerorden. der; -s: in Amerika 1852
gegründeter, international verbreiteter Bund, dessen
Mitglieder sich zur Abstinenz gegenüber Alkohol verpflichten: -tun
•'unr. V.): 1. bei jmdm. eine gute Wirkung haben, auf etw.
gut wirken: der Tee wird dir, deinem Magen g.; seine
Worte taten mir gut; solche Gespräche tun [beiden Seiten]
gut; ein Schnaps tut gut bei der Kälte: der Major reist
in Ihrer Suite. Er wird Ihren Nerven g. (Erich Kästner.
Schule 21). 2. (landsch.) sich in einer Ausbildung o.a. gut
entwickeln: der Schüler tat auch im Internat nicht gut;
-unterrichtet <Adj.; besser unterrichtet, am besten
unterrichtet; nur attr.): genau informiert: wie aus -en Kreisen
verlautet ...; -verdienend <Adj.; o. Steig.; nur attr.): Der
Mann ist ein guter und auch ein -er Zahnarzt (v. d. Grün,
Glatteis 10); -willig <Adj.; o. Steig.) [mhd. guotwillic.
ahd. guotwilig]: 1, bei etw. guten Willen zeigend; geneigt
u. bereit, sich dem Willen od. Wunsch anderer zu fügen;
freiwillig, ohne andern Schwierigkeiten zu machen: ein -er
Schüler. Junge; Insgesamt 6 mal ist Frau Heinrich g. genug
gewesen ... (Wohmann. Absicht 298); etw. g. hergeben,
herausgeben, aufgeben; Ich gehe nur zu Fuß - g. steig*
ich nicht in Ihren Wagen (Hochhuth, Stellvertreter 48).
2. keine bösen Absichten gegen jmdn. verfolgend; wohlgesinnt
(Ggs.: böswillig): -e Leute hielten ihn fiir einen
Gottverwandten, böswillige für einen Bastard des Teufels
(Strittmatter, Wundertäter 59); für jeden, der sich g. damit
befaßt, ist das klar .... für Klatsch ist kein Raum (Kafka.
Schloß 198). dazu: -Willigkeit, die; -.
Gütchen l'gy^n] in der Wendung sich (Dativ) an etw.
ein G. tun (ugs. scherzh.; etw. reichlich genießen; urspr.
Vkl. von TGüte; vgl. die alte Wendung „sich eine Güte
tun" = sich selbst eine Freundlichkeit erweisen): sich
an Pfannkuchen ein G. tun; er tat sich ein G. daran,
uns lange warten zu lassen: Güte ['gy:to], die; - [mhd.
güete. ahd. guotl]: 1. freundlich-nachsichtige Einstellung
gegenüber jmdm.. das Gut ig sein: jmds. große, unendliche,
christliche G.; die G. Gottes; sie war die G. selbst; seine
G. gegen uns kannte keine Grenzen; hätten Sie die G.
(geh.; wären Sie so freundlich), mir zu helfen?; was die
Männer auch in väterlicher G. zu ihm sagen mochten
(Thieß. Legende 158); sich mit jmdm. in G. (ohne Streit)
einigen; mit G. ist hier nichts zu machen; er machte [ihm]
einen Vorschlag zur G. (zur gütlichen Einigung); ein Blick
vollerG.; jmdn. vollerG. ansehen; Ü durch eine besondere
G. des Schicksals (Musil. Mann 373); *[in den folgenden
Wendungen steht „Güte" verhüll, für: Gott] [ach] du meine/
HebeG.! (salopp; Ausruf des Erschreckens): bis du schwul
geworden? Du liebe G.! (Baldwin [Übers.]. Welt 122);
[du] meine G.! (salopp; Ausruf der Verwunderung, daß
andere etw. nicht begreifen wollen): Meine G., Geld hat
doch einen gewissen Wert für jeden von uns (Hörzu 25.
1975. 18). 2. / Grad der guten] Beschaffenheit eines
Erzeugnisses, einer Leistung o.a.; [gute] Qualität: die bekannte
G. einer Ware; so daß die G. der Werke von den
geschichtlichen Umständen abhängt (Musil. Mann 37); in dieser
G. bekam man den Kuchen nur in einer bestimmten
Konditorei. Vgl. Gütchen.
gute-. Güte-: -grad, der: vgl. -klasse; -khsse, die: Klasse,
der eine Ware auf Grund ihrer Güte (2) zugeordnet ist:
Aprikosen der gehobenen G. dürfen nur ohne dunkle
Pünktchen verkauft werden, die anderen mit vereinzelten
(DM 5. 1966. 29); -kontrolle. die: Prüfung der Qualität
von Produkten nach der Gütevorschrift; -tennin. der (jur.):
svw. t-verfahren; -triefend <Adj.; o. Steig.; nur attr.)
(iron.): von Güte (1) triefend, sich durch ein Übermali an
Güte auszeichnend: Es gibt da (= in den Todesanzeigen)
nur ... -e Generäle .... fast heilige Munitionsfabrikanten
(Remarque. Obelisk 66); -verfahren« das (jur.): Verfahren
im arbeitsgerichtlichen od. zivilrechtlichen Prozeß mit dem
Zweck, eine gütliche Einigung der Parteien herbeizufü/iren;
-Verhandlung, die (jur.): Teil der mündlichen
Gerichtsverhandlung, der der gütlichen Beilegung eines Rechtsstreits
od. einzelner Streitpunkte dient; -Vorschrift, die: Vorschrift
hinsichtlich der Güte (2) eines Erzeugnisses; -zeichen, das:
auf einer Ware angebrachtes Zeichen, durch das die
Überprüfung der Güte (2) bestätigt wird.
Gutenachtgruß, der; -es, ...grüße: Gruß vor dem
Schlafengehen; Gutenachtkuß, der; ...kusses, ...küsse: Kuß beim
Gutenachtsagen [in der Familie o.ä.J: de# G. des Vaters, die
Riten am Frühstückstisch (K. Maftn, Wendepunkt 16);
Gutenrnpigengruß, der; -es. ...grüße: Gruß am Morgen.
Vormittag.
guter-, Güter-: -abfertigung, die: a) Annahme u. Ausgabe
von Waren u. Frachten, die per Bahn befördert werden:
dieG. nahm längere Zeit in Anspruch; b) zum Güterbahnhof
gehöremle Stelle für die Annahme u. Ausgabe von Waren
u. Frachten: etw. auf der G. abholen; -angebot. das: svw.
tWarenangebot; -austausch, der: Austausch von Waren
u. Frachten mit dem Ausland; -bahnhof, der: Bahnhof für
den Güterumschlag von Straßen- auf Schienenfahrzeuge;
-expedition. die: svw. t -abfertigung; -fernverkehr
[gy:te'fem...], der: Beförderung von Gütern mit
Kraftfahrzeugen über die Grenzen des Güternahverkehrs hinaus (Ggs.:
-nahverkehr); -gemeinschaft, die: vermögensrechtlicher
Zustand, in dem das Vermögen der Elieleute
gemeinschaftlicher Besitz ist (Ggs.: -trennung): ..Das Vermögen seiner
Frau meint er wohl." Wir leben in G.'\ rief er wütend
(Fussenegger. Haus 264); -hafen, der: kleinerer Hafen für
den Güterumschlag: Dort (= in Konstanz) hat man schon
einen G. am ... Strohmeyerdorf und im Haupthafen
(Kosmos 2, 1965, 53); -halle, die: vgl. -schuppen; -nahverkehr
[gy:te'na:...], der: Beförderung von Gütern mit
Kraftfahrzeugen in einem Umkreis von 50 km vom Sitz des
Transportunternehmens aus (Ggs.: -fernverkehr); -Produktion, die:
PnxJuktion von Gütern. Waren; -recht, das <o. PI.) (Jur.):
vermögensrechtliche Beziehungen von E/ieleuten. dazu:
-rechtlich <Adj.; o. Steig.; nicht präd.): das Güterrecht
betreffend, ihm entsprechend; -Schiffahrt, die:
Gütertransport per Schiff; -schuppen, der: zu einem Güterbahnhof
gehörende Halle für die vorübergehende Lagerung ankom-
metider od. abgehender Güter; -Speicher, der: vgl.
-schuppen; -stand, der (jur.): Ordnung der vermögensrechtlichen
Beziehungen von Ehegatten untereinander: gesetzlicher,
vertraglicher G.; -tarif. der: Tarif für die Beförderung von
Gütern; -transport, der; -trennung, die:
vermögensrechtlicher Zustand, in dem jeder Ehegatte sein eigenes Vermögen
behält u. frei verwaltet (Ggs.: -gemeinschaft): in G. leben;
Heirat mit G. nicht ausgeschlossen (MM 3. 7. 69, Beilage
9); -Umschlag, der: das Umladen von Gütern aus einem
Transportmittel in ein anderes: Ihr Wagen ... stand ... in
der Gasse, wo ein Anhalten ... für G. (zum Eni- od.
Beladen) gestattet war (Frisch. Gantenbein 114); -verkehr,
der: Beförderung von Gütern durch Verkehrsmittel wie Bahn.
Kraftfahrzeug. Schiff. Flugzeug o.a.; -wagen, der: Eisen-
balinwagen. Wqggon für den Gütertransport: In Petropaw-
lowsk hatte man noch einige offene G. mit verrosteten
Maschinen angehängt (Leonhard. Revolution 113); -zug«
der: aus Güterwagen bestehender Eisenbahnzug.
gütig ['gy:ti<;] <Adj.) [mhd. güetec = freundlich, zu Tgut]:
anderen mit Freundlichkeit u. Nachsicht begegnend, ihnen
1109
Gütigkeit
wohlwollend zugetan od. diese Haltung erkennen lassend:
ein -er Mensch; zu g.! (iron.; daß Sie mir etwas so Geringes
anzubieten wagen!): sich g. gegen jmdn. zeigen; g. lächeln;
Wenn ich ... bitten dürfte, auf dieser Frage -st nicht weiter
bestehen zu wollen (Th. Mann. Krull 120); <Abl.:>
Gütigkeit, die; - (selten): die G. seines Wesens; (iron.; als Titel:)
Sein... Vetter.... seineG., der Unterrabbiner der jüdischen
Synagogengemeinde (Jahnn. Geschichten 89); gütlich
fgy:tli$] <Adj.; Steig, ungebr.; nicht prad.) [mhd. güetlich.
ahd. guotlih = gut. gütig, freundlich]: in freundlichem
Einvernehmen der Partner zustande kommend: ohne daß
es zu einer f weiteren] feindlichen Auseinandersetzung, zu
einem Gerichtsurteilo. ä. kommt: eine -e Abmachung,
Einigung, Verständigung; einen Streit g. beilegen, schlichten;
der Betriebsrat hat sich ... über strittige Fragen g. mit
der Firmenleitung geeinigt (v. d. Grün, Glatteis 76); *skh
<Dativ>anetw. g. tun (genießerisch u. behaglich etw.
verzehren): während wir im Zelt hockten und uns an Suppe
und Rum g. taten (Nossack. Begegnung 250).
Gutleuttaus [guitl^ythaps], das; -es, ...häuser [verhüll. Bez.
für außerhalb von Wohngebieten gelegene Häuser für
Aussätzige] (südd.): Armenhaus.
Guts- (Gut 2): -besitzer, der: Besitzer eines Gutes: Sie haben
jetzt Traktoren hier und Mähdrescher in der
Genossenschaft und keinen G. mehr (Kant, Impressum 290); -haus,
das: zu einem Gutshof gehörendes Wohnhaus; ^herr. der:
Gutsbesitzer als Vorgesetzter der auf seinem Gut
Arbeitenden: ^herrin, die: w. Form zu f^herr; ^Herrschaft, die:
Gutsherr mit semer Familie; ^hof, der: Gut (2) / im Hinblick
auf die dazugehörenden Gebäude]; -Inspektor, der:
diplomierter od. staatlich geprüfter Landwirt in einem
landwirtschaftlichen Großbetrieb; ^Verwalter, der: Verwalter eines
Gutes.
Gutsdi [gotjl. der; -[e]s. Gütsche ['gvtja; zu TGuß, eigtl.
= Ausguß (2)] (Schweiz.): Regenguß.
Gutsei ['gu:t£|]. das; -s. - [Vkl. zu gleichbed. Guts, eigtl.
= Gutes, zu tgut] (landsch.): Bonbon: noch ein G. haben
wollen;... greift ihrGegenüber in den gläsernen
Bonbonbehälter und steckt Paulchen ein dickes grünes G. in den
Mund (MM 26. 11. 65. 4); Gutsle Cgu:t?b], das; -s, -
(südd.): [Weihnachts]plätzchen.
Guttapercha [gutaper^a], die; - od. das; -IsJ [zu malai. getah
= Gummi u.percha = Baum, der Guttapercha absondert]:
kautschukähnliches Produkt aus dem Milchsaft einiger
Bäume Südostasiens, das vor allem als Isoliermittel u. zur
Herstellung von wasserdichten Verbänden verwendet wird;
<Zus.:> Guttaperchapapier, das: zu Papier ausgewalzte Gut-
taperclia.
Guttation [gota'tsio:n], die; -. -en [zu lat. gutta = Tropfen]
(Bot.): tropfetxförmige Wasserausscheidung an Blatträndern
u. -spitzen bestimmter Pflanzen.
Gutti ['guti], das: -s: svw. TGummigutt.
guttieren [gu'ti:ren] <sw. V.; hat) [mit französierender
Endung zu lat. gutta = Tropfen] (Bot.): (von Pflanzen)
Wasser in Tropfen ausscheiden; Guttiole © [go'tJo:b], die; -.
-n [zu lat. gutta = Tropfen u. T Phiole]: Fläschchen. mit
dem man Medizin einträufeln kann: 1-2 Tropfen ... durch
... Druck auf die Wandung der G. in jedes Auge einbringen
(Beilage Solan-Augentonicum 1973).
guttural [gutu'ra:!] <Adj.> (zu lat. guttur = Kehle]: a) kehlig
klingend: eine -e Sprache; seine Aussprache ist sehr g.;
Ja. sagte Gott wohlklingend, etwas g., hier Gott (Fries.
Weg 93); b) <o. Steig.) (Sprachw. veraltend) im Bereich
der Kehle gebildet: ein -er Laut; <subst.:> Guttural [-].
der; -s. -e (Sprachw. veraltend): mit Hilfe von Zunge u.
Gaumen gebildeter Konsonant; Gaumenlaut: ein palataler.
velarer G.; Gutturallaut, der: svw. tGuttural.
Guyot [gyi'jo:], der; -s. -s [nach dem amerik. Geographen
u. Geologen Schweiz. Abstammung A. H. Guyot
(1807-1884)] (Geol.): unter der Meeresoberfläche
aufragender Tafelberg aus vulkanischem Gestein (bes. häufig im
Pazifik).
Gwirkst [gvirkst], das; -s (österr. ugs.): tGewirkst.
gwund[e]rig: f = gewund[e]rig.
Gymkhana [gYm'ka:naJ, das: -s. -s [unter Einfluß von engl,
gymnasium = Sporthalle, -schule u. Hindi gend-khana
= Tennisplatz geb.. urspr. nach ind. Vorbild von engl.
Soldaten ausgetragener Wettkampfl: Geschicklic/ikeits-
wettbewerb, bes. für /Leichtjathleten. Reiter,
Kraftwagenfahrer u. Wassersportler; Gymnaestrada [gYmnes tra:da].
die; -. -s [zu TGymnastik u. span. estrada = Straße, geb.
1951 von dem Initiator, dem Niederländer J. H. Sommer;
der 2. Bestandteil spielt auf die breite Heerstraße des
Turnens an. die der Öffentlichkeit bewußt gemacht werden
sollte]: alle vier Jahre in einem andern Land stattfindendes
internationales Turnfest (ohne Wettkämpfe) mit
gymnastischen u. turnerischen Vorführungen; gymnasial [gYmna'4a:U
<Adj.; o. Steig.; nur attr.>: das Gymnasium betreffend, zum
Gymnasium gehörend: der -e Deutschunterricht; die -e
Oberstufe; Karl Müller: Gymnasiale (auf dem Gymnasium
vermittelte) Bildung (Buchtitel 1968).
Gymnasial-: --bildung. die: Schulbildung, die man auf dem
Gymnasium erworben hat; Miirektor, der: Direktor eines
Gymnasiums; Mlirektorin, die: w. Form zu Ndirektor.
-klasse, die: Schulklasse eines Gymnasiums; ^lehrer, der:
Lehrer an einem Gymnasium. Studienrat; ^leitung. die;
-Professor, der (österr.. sonst veraltet): Lehrer an ein&n
Gymnasium; [Oberjstudienrat: 1880 geboren in
Düsseldorf. Sohn eines -s (Welt 29. 12. 62. Literatur); -Studium,
das (österr.): Schulzeit auf dem Gymnasium.
Gymnasiardi [gYmna'ziartf, der; -en. -en [griech. gymnasiar-
chos] (bist.): Leiter eines Gymnasiums (2); Gymnasiast
[...'zjast], der; -en, -en: Schüler eines Gymnasiums (1);
Gymnasiastin, die; -, -nen: w. Form zu T Gymnasiast; Gymnasium
[gYm'na:ziom]. das; -s. ...ien [...pn: lat. gymnasium <
griech. gymnäsion. auch = Versammlungsstätte der
Philosophen u. Sophisten; vgl. Gymnastik]: 1. zur
Hochschulreifefuhrende höhere Schule: ein humanistisches i
altsprachliches ;. neusprachliches,
mathematisch-naturwissenschaftliches, musisches (die musischen Fächer besonders
pflegendes) G.; das G. besuchen; aufs G. gehen, kommen,
wechseln. 2. im Altertum, besonders in Griechenland. Übungs-
u. Wettkampfanlage zur körperlichen Ertüchtigung iu.
Ausbildung für den Kampf] der Jugend: In den großen Städten
gab es jeweils mehrere Gymnasien, die kleinen Städte und
die Heiligtümer mit Wettkampfbetrieb verfugten über Je
eine derartige Übungsstätte (Bild. Kunst I, 178); Gymnast
[...nast], der; -en. -en [1: griech. gymnastes]: 1. (im alten
Griechenland) jmd.. der mit den Athleten gymnastische
Übungen macht, sie auf den Wettkampf vorbereitet. 2-!
Heilgymnast, Krankengymnast; Gymnastik [...nastik], die: -
[griech. gymnastike (techne). zu: gymnäzesthai = mit
nacktem Körper Leibesübungen machen]: rhythmische
Bewegungsübungen zu sportlichen Zwecken od. zur Heilung
bestimmter Körper schaden: morgendliche, rhythmische,
künstlerische G.; G. treiben, machen.
Gymnastik«: ^Wirer,der; -lehrerin,die: w. Form zu Nlehren
-saal, der: -schule, die: Sie leitete eine G.. ließ sich aber
auch ... in jeder Saison als Solotänzerin sehen (K. Mann.
Wendepunkt 120); -Unterricht, der.
Gymiqstiker, der; -s, -: jmd.. der Gymnastik treibt; Gymra}sti-
kerin. die: -. -nen: w. Form zu tGymnastiker; Gymngstin,
die; -. -nen [w. Form zu t Gymnast (2)]: svw. t
Heilgymnastin. Krankengymnastin; gymnastisch <Adj.; o. Steig.): die
Gymnastik betreffend, zu ihr gehöretid; durch Gymnastik
den Körper trainierend: -e Übungen; Sie kamen nach
Waldläufen .... nach gründlicher -er Vorbereitung in jene Lager
(Maegerlein. Piste 38); das Training war rein g.; sie sind
g. gut trainiert; gymnastizieren [...sti'tsi.ren] <sw. V ; hat)
(Reiten): die Gliedmaßen u. Muskeln des Pferdes [u.
Reiters] für höchste Anforderungen systematisch durchbilden:
Die Seitengänge sollen ... dazu dienen, das Pferd in allen
seinen Gliedern zu g.! (Dwinger. Erde 14S); Gymnastizifi-
rung. die; -: das Gymnastizieren: Es (= das Travers) ...
ergibt mit ihm (= dem Schulterherein) erst die G. aller
vier Beine (Dwinger, Erde 149); Gjinnosophjst [gYmno-],
der; -en. -en [griech. gymnosophistes]: indischer Asket in
der griech. Literatur u. in der Historiographie.
Gynäkeion[gynekajon].das; -s. ...eien [griech. gynaikeion]:
Frauengemach des altgriechischen Hauses; Gynäkokratie
[...kokra'ti:]. die; -. -n [...i:an; griech. gynaikokratia =
Frauenherrschaft] (bildungsspr. selten): svw. t Matriarchat;
Gynäkologe [...ko'lo:gd]. der; -n, -n [zu griech. gyne (Gen.:
gynalkös) = Frau u. f-loge]: Facharzt. Wissenschaftler
auf dem Gebiet der Frauenkrankheiten u. Geburtsliilfe; Frau-
enarzt; Gynäkologie [...gi:]. die; - [T-logie]: Fachrichtung
der Medizin, die sich mit Frauenkrankheiten u. Geburtshilfe
befaJSt; Fraueniieilkunde; gynäkologisch <Adj.; o. Steig.:
nicht präd.): die Gynäkologie betreffend, zur Gynäkologie
gehörend: eine -e Untersuchung, Operation; Gynäkomastie
1110
haar-, Haar-
[...mas'ti:]. die; -. -n [...i:dn: zu griech. mastös = (Mutter)-
brust) (Med.): abnorme Bildung einer weiblichen Brust bei
einer männlichen Person [auf Grund hormoneller
Störungen 1; Gynäkophobk. die; - [tPhobie] (Psych.): neurotische
Abneigung gegen alles Weibliche: Gynander [gy'nande]. der;
-s, - [zu griech. gynandros = zwitterhaft] (Biol.): abnorm
entwickeltes Lebewesen, bes. Insekt, das sowohl männliche
wie weibliche Geschlechtsmerkmale zeigt: Gynandrie
[...dri:]. die; -. -n [...ton], (selten:) Gynandrtsmus
[...'dnsmus]. der; -. ...men: 1. (Biol.) Vorkommen von
männlichen u. weiblichen Geschlechtsmerkmalen bei einem Tier.
2. (Med.) Ausbildung von Körpermerkmalen des weiblichen
Geschlechts bei einer männlichen Person: Gynandromorphis-
mus [...dromDr'fismos], der; -. ...men: 1. (Biol.) Scheinzwit-
tertum: Ausbildung von sekundären männlichen u. weiblichen
Geschlechtsmerkmalen bei einem Tier. 2. (Med.) svw.
I Gynandrie (2); Gynanthropos [gy'nantropos], der; -.
.thropen[...tro:pn]u....poi [gy'nantrop^y; griech. an thrö-
pos = Mensch] (veraltet): menschlicher Zwitter: Gynäzeun
[gyne'tße.om]. das; -s, ...een [...e.an; lat. gynaeceum <
griech. gynaikeTon. tGynäkeion]: 1. svw. tGynäkeion. 2.
(Bot.) Gesamtheit der weiblichen Blütenorgane, der Frucht-
h. H [ha:. Ta. AI. das; -. - [mhd.. ahd. hl: 1. achter Buchstabe
des Alphabets, ein Konsonant: ein kleines h, ein großes
H schreiben. 2. (Musik) siebter Ton der G rund-(C-Dur-)-
Tonleiter: auf dem Klavier ein h anschlagen.
ha! [ha(:)l <Interj.): 1. Ausruf der [freudigen] Überraschung:
ha. da kommt sie ja schon!; ha no (schwäb.; je nun. was
soll das heißen?, jmds. Rede als selbstverständlich
ablehnend): ..Vielleicht sorgst du ... dafür, daß alles unter uns
bleibt/4 ..Ha noil, sagte der schwäbische Obergefreite. ..was
soll i denn mache?1' (Kuby. Sieg 137). 2. Ausruf des
Triumphes, der Überlegenheit: Ha. jetzt sollen sie nur kommen,
die Haifische (Kisch. Reporter 20).
hä! [he(:)l <Interj.> (salopp): svw. the (3): „Dann zahlen
andre besser, hä?" (Strittmatter, Wundertäter 13).
Haar [ha:?], das; -[e]s. -e [mhd.. ahd. här. eigtl. = ..Rauhes.
Struppiges"]: 1. <Vkl. t Härchen) beim Menschen u. bei
den meisten Säugetieren auf der Haut [dicht/ wachsendes,
feines, fadettförmiges Gebilde aus Hornsubstanz: graue,
(dichter.:) silberne, weiße -e an der Schläfe; die -e wachsen,
fallen ins Gesicht, hängen in die Stirn, fallen [ihm] aus;
[sich] ein graues H. auszupfen, ausreißen; [sich] die -e
schneiden lassen; [sich] die -e waschen, trocknen, fönen,
färben, tönen; die -e kämmen, bürsten, toupieren; Kreti
hat -e auf der Brust (hat eine behaarte Brust: Bieter. Bonifaz
150); Spr krause -e. krauser Sinn (wer krause Haare hat.
ist eigenwillig): lange -e. kurzer Verstand (wer lange Haare
hat. hat nicht viel Verstand. Intelligenz: meist auf Frauen
bezogen); Ü mehr Schulden haben als -e auf dem Kopf
(ugs.; sehr viel Schulden haben): einer ihrer Aussprüche
... sträubte ihm die -e (verursachte in ihm ein Gefühl des
Schauderns. des Entsetzens: Musil. Mann 1294); sich [vor
Wut. Verzweiflung] die -e [aus]raufen (ugs.; sehr wütend,
verzweifelt sein): *jmdm. stehen die -e zu Berge/sträuben
sich die «e (ugs.; jmd. ist in höchstem Maße erschrocken,
entsetzt): ein H. in der Suppe/in etw. finden (ugs.; an einer
sonst guten Sache etw. entdecken, was einem nicht paßt):
kein gutes H. an imdm.« etw. lassen (ugs.; nur Schlechtes
überjmdn.. etw. sagen: alles, was jmd. tut. schlecht finden,
kritisieren): imdm. die -e vom Kopf fressen (ugs. scherzh.:
1. auf jmds. Kosten sehr viel essen. 2. kaum satt zu bekommen
sein): -e auf den Zähnen haben (von schroffer,
herrschsüchtiger, streitbar-aggressiver, rechthaberischer Wesensart sein
!u. sich auf diese Weise behaupten]: meist auf Frauen
bezogen; vermutl. hergeleitet von starker Behaarung als
Ausdruck von Männlichkeit, die sich sogar auf den Zähnen
zeige); -e lassen [müssen] (ugs.; nur mit gewissen Einbußen
etw. durchfuhren, ein gestecktes Ziel erreichen können):
sieh (Dativ) über, wegen, (seltener:) um etw. keine grauen
-e wachsen lassen (ugs.; sich wegen etw. keine unnötigen
blätter einer Pflanze: Gynogenese [gyno-]. die; -. -n (Biol.):
Eientwicklung durch Scheinbefruchtung: gynogenetisdi
<AdJ.; o. Steig.): die Gynogenese betreffend, in der Art
einer Gynogenese [sich vollziehend]: eine -e Entwicklung
des Eis.
Gyrobus fgy:ro-]. der; -ses. -se [zu griech. gyros = Kreis
u. TBus]: besonders in der Schweiz verwendeter Bus. der
durch Speicherung der kinetischen Energie seines rotierenden
Schwungrades angetrieben wird: gyromagnetisch [gyro-]
<Adj.; o. Steig.) (Physik): kreiselmagnetisch, auf der
Wechselwirkung von Drehimpuls u. magnetischem Moment
beruhend: -e Kompasse; Gyrometer. das; -s, - [T -meter]:
Drehungsmesser für Drehgeschwindigkeit: Gyroskop [...'sko:p],
das; -s, -e [zu griech. skopein = betrachten, beschauen]:
Meßgerät für den Nachweis der Achsendrehung der Erde:
Gyrovage [...'va:g9], der; -n, -n [mlat. gyrovagus. zu lat.
vagus = unstet, umherschweifend]: (in der frühchristlichen
Kirche) der umherziehende, nicht klösterliche Mönch.
Gyttja [gYtja], die; -, ...Jen [schwed. gyttja = Schlamm.
Morast] (Geol.): am [zeitweise belüfteten] Boden von
nährstoffreichen Gewässern abgelagerter Schlamm organischer
Herkunft.
i
Sorgen machen, sich über etw. nicht im voraus aufregen,
grämen): imdm. kein H./niemandem ein H. krümmen
[können] (ugs.; gutmütig, nicht von bösartiger Wesensart sein:
niemandem erw. zuleide tun [können]): an einem H. hängen
(ugs.; sehr unsicher sein: in bezug auf das Gelingen von
einer bloßen Kleinigkeit abhängen): etw. an/bei den -en
herbeiziehen (ugs.; etw. anführen, was nicht od. nur sehr entfernt
zur Sache gehört: Begründungen von sehr weit herholen):
auf ein H./aufs H. (ugs.; ganz genau, exakt): In Hans
Castorps Fall glich der erste Oktobertag auf ein H. dem
letzten Septembertage (Th. Mann. Zauberberg 316); sich
in die -e fahren/geraten/kriegen (ugs.; Streit mitehuinder
anfangen, bekommen): sich in den -en liegen (ugs.; sich
heftig streiten): um ein H. (ugs.: 1. es hätte nicht viel gefehlt,
und ...; beinahe, fast: um ein H. hätte das schiefgehen
können QCirst. 08/15. 276]. 2. ganz wenig, eine winzige
Kleinigkeit: das Mädchen ist nur um ein H. größer als
der Junge); nicht [um] ein H.. [um] kein H. (ugs.; nicht,
um nichts): Silvi wurde ... um kein H. besser als wie immer
behandelt (R. Walser. Gehülfe 139); ums H. (svw. tum
ein Haar [1]): ums H. hätte er (= der Reporter) seinen
..Aufsager" geschmissen (Spiegel 1/2. 1977. 21). 2. <o.
PI.) a) die Gesamtheit der Haare auf dem Kopf des
Menschen: das Kopßiaar: sie hat schönes, blondes, rotes,
braunes, schwarzes, helles, dunkles, lockiges, krauses, glattes,
volles H.; das H. lang, kurz, offen, [in der Mitte] gescheitelt
tragen; das H. sitzt gut, schlecht; b) (bei den meisten
Säugetieren) Behaarung: Fell: das weiche, seidige H. des Hundes;
der Katze sträubte sich das H.; Mit diesem (= dem Striegel)
fahre ich dem Pferde am ganzen Körper ... gegen das
H. (Dwinger. Erde 79). 3. <meist PI.) (Bot.) haarähnliches
Gebilde, das in großer Zahl bes. Blätter u. Stengel
bestimmter Pflanzen bedeckt: die Unterseite der Blätter ist mit
-en bedeckt.
hagr-, Haar-: -ähnlich <AdJ.; o. Steig.); Minsatz, der: 1.
Stelle, an der der Haarwuchs rund um den Kopf u. im
Nacken beginnt, bes. an der Stirn: Remington: schneidet
H. und Schnurrbart einfach und exakt! (Quick 50. 1958.
41). 2. der nur wenige Millimeter lange Teil des Haares
unmittelbar über der Kopfhaut: den H. nach tönen; -artig
<Adj.; o. Steig.): in der Art von Haaren, der Beschaffenheit
von Haaren entsprechend: -ausfall, der: über das normale
Maß des Haarwechsels hinausgehender Ausfall der
Kopfhaare (beim Menschen) od. der Kör per haare (beim Tier):
-balg, der <P1. -bälge): Teil des Haares, der die Haarwurzel
umschließt: -band, das <P1. -bänder): Band, das im Haar
getragen wird, um es zu ordnen, zusammenzuhalten od. zum
Schmuck: -besen, der: Besen aus Tierhaar: -beutel. der:
schwarzer, gummierter Taftbeutel, in den im 18. Jh. das
H
1111
haar-, Haar-
lange Nackenliaar der weifigepuderten Perücke des Mannes
gesteckt wurde, dazu: -beuteltracht, die <o. Pl.>; -boden,
der: svw. t Kopfhaut:... Massieren des -s mit
Franzbranntwein (Doderer. Wasserfälle 114); -breit <Adv.>: sehr dicht,
ganz nahe: er stand h. vor einer Bestrafung; -breit in
der Fügung nicht [um] ein [umj kein H. (ganz u. gar nicht,
überhaupt nicht: in bezug auf einen Standpunkt, den jmd.
nicht aufgeben will): er ließ nicht [um] ein H. von seiner
Meinung ab; -bürste, die: 1. Bürste für die Kopfhaare.
2. (bes. bei Männern) kurz geschnittene, wie eine Bürste
aussehende Kopfhaare: -büschel, das: ausgerissene H.;
-creme, die: wohlriechende Fettcreme, die dem Haar Glanz
u. der Frisur Halt geben soll, Pomade: blecke, die: svw.
t^kleid; -dünn <Adj.: o. Steig.; nicht adv.>: so dünn wie
ein Haar, sehr dünn, sehr fein: -dutt, der (landsch.): svw.
T Dutt; -eisen, das (Fachspr.): gekrümmtes Messer mit zwei
Griffen zum Entfernen der Oberhaut u. der Haare von Fellen
vor dem Gerben: -entferner, der; -s, -: chemisches Mittel
zum Entfernen von Körperhaar an Stellen, an denen es
unerwünscht ist, -ersatz, der: Perücke. Toupet: -färbe.
die: 1. Farbton des Kopßtaars. 2. Präparat. Mittel, das
den natürlichen Farbton des Haars verändert: -Arbemittel,
das: svw. t-färbe (2); -fein <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>:
sehr dünn, sehr fein, zart: so fein wie ein Haar, -festiger,
der: wäßrige chemische Lösung, die nach dem Waschen
in das feuchte Haar gerieben wird, damit die Frisur ihre
Form behält: -filz, der: 1. Filzart. bei der als RtAstoff
Tierhaar verwendet wird. 2. verfitztes Haar: Wulff ...
schlägt den Schädel ... gegen die Wand. ... Blut fließt
... aus verschwitztem H. (Zwerenz, Kopf 14); -franse.
die; -, -n <meist Pl.>; -frisur. die: svw. t Frisur; -garn.
das (Textilind): grobes, hartes Garn aus Tierhaar, dazu:
-garnteppich, der (Textilind.): Teppich aus Haargarn: -ge*
faß, das (meist PI.) (Med.): svw. ?Kapillare (1); -genau
<Adj.; o. Steig.; nicht präd.) (ugs.): sehr genau, ganz genau
(in bezug auf die Übereinstimmung mit erw.): er gab eine
-e Schilderung des Vorganges; das stimmt h.; etw. h. (bis
in alle Einzelheiten) erzählen; -glänz, der; -gurke, die:
bes. in tropischen Gebieten vorkommende Pflanze mit
kleinen, weißen od. grünlichgelben Blüten u. ledrig-holzigen.
meist borstig behaarten Früchten, die zur Begrünung von
Mauern u. Baikonen kultiviert wird: ~kamm, der (selten):
svw. tEinsteckkamm: Nicht wenige Damen ... hatten sich
mit dem steilen H. und der Mantilha versehen (Th. Mann,
Krull 429); -klammer, die: kleiner, einer Klammer ähnlicher
Gegenstand aus Metall, mit dem man das Haar od. etw.
im Haar befestigen kann: ^kleid. das (geh.): svw. TFell
(a): in ihm (= im Stall) gibt es keinen Regen, der sein
(= des Pferdes) H. abwäscht (Dwinger, Erde 43); -klein
<Adj.; o. Steig.; nicht präd.): bis ins kleinste Detail: sehr,
ganz genau [darlegend, schildernd]: mit -em Befehl (H.
Kolb.Wilzenbach 39); etw. h. beschreiben, erzählen; jmdm.
etw. h. mitteilen; -klemme, die: svw. t-klammer; -knoten,
der: svw. t Knoten (1 b); -kosmetik, die: Schönheitspflege
des Haares: -krankheit, die; -kränz, der: a) (bei Männern)
verbliebener Kranz von Haaren bei einem auf dem Oberkopf
kahl gewordenen Schädel: Der Hüne mit dem weißen H.
schweigt (Hörzu 37.1974.6); b) rundum den Kopf gelegter,
festgesteckter Zopf: -kröne, die: 1. zu einem Krönchen
aufgesteckte Zöpfe. 2. (selten) Schopf: ..Den roten Hund
kennen wir doch!" ... Willys H. leuchtet auch nachts (Re-
marque. Obelisk 328); -künstler. der (oft scherzh.): Friseur
[der sein Handwerk meisterhaft beherrscht/: -lack, der:
Flüssigkeit zum Aufsprühen, die der fertigen Frisur Halt
u. Glanz gibt: -lineal, das: Stahllineal mit messerartiger
Meßkante: -locke, die; -los <AdJ.; o. Steig.; nicht adv.):
ohne jeden Haarwuchs: keine Haare habend, dazu: -losig-
keit,die; -: Er mochte Glum, obwohl ihn dessen Zahnlosig-
keit. dessen H. manchmal erschreckten (Böll, Haus 108);
-mark, das (Biol.): innerste Gewebesubstanz des tierischen
u. menschlichen Haares: -masche. die (österr.): Schleife
/Band] für das Haar: das kleine Mädchen trägt eine rote
H.; -mensch, der: Mensch mit anormal starker Behaarung
des Körpers: -mode. die; -mörtel, der (Fachspr.): Mörtel
aus Kalk (xi. Gips, dem (zur Verhinderung von Rißbildungen)
Tierhaare zugesetzt sind: -nadeL die: a) V-förmig gebogener
Draht, mit dem Knoten u. Hochfrisuren festgesteckt werden:
b) Ziernadel aus Edelmetall od. Hörn, die im Haar getragen
wird, zu a: -nadelkurve, die: [durch das Gelände bedingte]
sehr enge Kurve, die in der Form einer Haarnadel gleicht:
Bei der Talfahrt geriet der ... Omnibus ... in einer H.
von der Fahrbahn ab (MM 2. 5. 67, 11). -nadeltor. das
(Skisport): Da gibt es offene und blinde Tore ....
Traversen. Knickschneisen. Vertikale und -e (Gast, Bretter 103);
-netz, das: / feines] Netz, das über das Haar gezogen wird,
um es zusammenzuhalten od. als Schmuck: flüssiges
Haarnetz (ein Haarlack, der der Frisur besondere Festigkeit
verleiht): -öl, das: öl. das zum Einfetten u. Legen der
Haare verwendet wird: ^pfeil, der: Ziernadel in Pfeilform
zum kunstvollen Aufstecken langer Haare: -pflege, die:
Pflege des Kopfhaares, dazu: -Pflegemittel, das; -pinsel.
der. feiner Pinselaus Tierhaar: -pomade, die: svw. T
Pomade; -pracht. die (scherzh.): schönes, volles, meist langes
Haar: -puder, der. ugs. auch: das: a) (früher) Puder zum
Einpudernder Perücke: b) svw. t Trockenschampon;
-raubwild, das (Jägerspr.): zu den Säugetieren gehörendes Raub-
wild: ^riß. der: feinster, für das bloße Auge oft unsichtbarer
/Oberflächen]riß bei /sprödem] Material verschiedenster
Art: der Lack, die Glasur weist zahlreiche Haarrisse auf;
-röhrchen, das (Physik): svw. tKapillare (2); -schaf, das
(Landw.): Hausschaf, das im Gegensatz zum Wollschaf
wegen seines Fleisches u. seiner Milch gehalten wird: ^sch|rf
<Adj.; o. Steig.): 1. <nur adv.) sehr nah: so dicht, doli
es fast zu einer Berührung gekommen wäre / was aber für
den Betreffetiden od. die Sache nachteilige Folgen gehabt
hätte]: der Ball flog h. an ihr vorbei; Ü er ... sieht nicht
den Tod. der h. (umnittelbar) danebensteht (Koeppen,
Rußland 9); das ging h. an einer Niederlage vorbei. 2.
sehr genau, sehr exakt: Für solche Sachen habe sie kein
-es Gedächtnis (R. Walser, Gehülfe 96); wenn er h.
beobachtete fWinckler, Bomberg 108); -schere, die: Schere
zum Schneiden der Kopf od. Barthaare: -schleife, die:
zur Schleife gebundenes Band, das im Haar getragen wird
(bes. von Mädchen): -schmuck, der: Nadeln. Spangen.
Schleifen. Diademe, die als Schmuck im Haar getragen
werden: -Schnecke, die: Zopf, der über dem Ohr spiralenför-
mig (wie ein Schneckenhaus) aufgesteckt wird:
-Schneidemaschine, die: [elektrisches] Gerät zum Haarschneiden:
-Schneider, der (veraltend, noch volkst.): Herrenfriseur:
seine Haare wachsen ... als wären die H. ausgestorben
(Frisch. Cruz 30); -schnitt der: Schnitt, durch den das
Haar eine bestimmte Form bekommt: durch Schneiden des
Haars hervorgebrachte Frisur: ein guter, schlechter,
modischer, kurzer H.; jmdm. einen H. machen; -schöpf, der:
a) dichtes, kräftiges, kürzeres, wuscheliges Kopfhaar: Sem
... Gesicht unter dem braunen H. leuchtete (Wendtland,
Eisprinzeßchen 3); b) (selten) svw. t-strähne: dann rollt
sie damit" (= mit der Brennschere) einen H. nach dem
anderen auf (Imog. Wurliblume 302); -sdiwund, der:
allmählicher (endgültiger) Verlust des Haupthaares: -seite,
die: 1. (Textilind.) Außenseite eines Textilgewebes. 2.
(Gerberei) Außenseite des Fells. Narbenseite: -sieb, das: Sieb
aus feinstem Drahtgeflecht: -spater, der (abwertend): jmd..
der unwichtigen Kleinigkeiten übertriebene Bedeutung
beimißt u. diese als Argumentation für od. gegen etw.
heranzieht: jmd. der spitzfindig ist. dazu: -spaltereL die
(abwertend): Spitzfindigkeit. Wortklauberei, -spalterisch <Adj.;
o. Steig.) (abwertend): (bes. bei der Beurteilung von etw.)
übertrieben kleinlich u. spitzfindig: -spange, die: [als
Schmuck] im Haar getragene Spange, die Strähnen
zusammenhalten soll: -spitze, die: das Ende des einzelnen Haars:
die -n spalten sich, brechen ab. dazu: -spitzenkatarrh.
der (scherzh.): Schmerzempfindlichkeit des Haares bei
Berührung /nach einer durchzechten Nacht]: H. haben;
-spray, der od. das: Spray, der auf das frisierte Haar
aufgesprüht wird, um der Frisur Halt u. Glanz zu geben:
-stern, der: (zu den Stachelhäutern gehörendes) Meerestier
mit kelchförmigem Körper, das am Untergrund
festgewachsen ist: ^stillst, der: svw. t Hair-Stylist; -Stoppel, die <meist
PI.) (ugs.): kurzes, erst wenig aus der Haut
hervorgewachsenes Bart- od. Kopfhaar: stand dieser Chemiker ... und
hielt seine kurzen -n in den lauen Abendwind (Chr. Wolf.
Himmel 13); -strähne, die: -sträng, der: 1. stärkere Strähne
langen Haares. 2. zu den Doldenblütlern gehörende Pflanze
mit gefiederten Blättern u. kleinen, weißen, gelblichen od.
rötlichen Blüten: -sträubend <Adj.; nicht adv.): a) Entsetzen
hervorrufend: grauenhaft: Geschichten ... h.... im
schlimmsten Sinne (Kant. Impressum 282); Afrika-Bücher erzählen
von -en Abenteuern mit Löwen oder Schlangen (Grzimek.
Serengeti 247); b) Empörung. Ablehnung. Ärger hervorru-
1112
haben
fem/; unglaublich: was der für Witze erzählt hat - h.!
«Hörzu 25. 1975. 18): -strich, der: 1. sehr dünner Strich
\xm Federzeichtmngen. Radierungen u.a.: Ü wandten sie
sich diesen reizvollen Dingen wieder zu - um einen H.
ein kleines bißchen) zu unbefangen (A. Zweig. Grischa
348). 2. Richtung, in die die Haare wuchsen, bes. bei Tieren:
-teil, das: dem eigenen Haar ähnlicher, an einem Ende
lose zusammengefaßter Haarstrang, der zur Ergänzung der
Frisur in das eigene Haar eingekämmt wird: ^tinktur, die:
^ tolle, die (ugs.): a) über einen Kamm gewickeltes u. mit
^diesem auf dem Kopf befestigtes Deckhaar: Hahnenkamm
O); b) in die Stirn fallende Haarsträhne* Locke: Helmut
Schmidt... mit locker fallender H. (Spiegel 7. 1976. 147);
-tracht, die (veraltend): (in einer bestimmten Zeit, bei
einer bestimmten sozialen Schicht o. ä.) übliche Art. das
Haar zu tragen: Frisur: -trockner, der: Warmluftgerät zum
Trocknen nasser Haare: -truhe. die (gaunerspr.): Vagina;
-türm, der: zu einer Hochfrisur aufgestecktes,
hochgetürmtes langes Haar; ^wasche, die: das Waschen der Kopfhaare;
-Waschmittel, das; -wasser. das <P1. -wässer): Flüssigkeit
zur Pflege der Haare; ^Wechsel, der: kontinuierlich od.
periodisch auftretender Wechsel der Behaarung, vor allem
bei Säugetieren; ^werk. das (selten): alle, die gesamten
Haare; Fell: Pferde .... denen sich selbst unter zottigem
und reifbedecktem H. die Hungerriefen abzeichneten (Plie-
vier, Stalingrad 112); -wickel, der: svw. T Lockenwickler.
-wild, das (Jägerspr.): alles Wild, das ein Fell hat; -wirbel.
der: Stelle, an der das Haar in kreisförmiger Anordnung
aus der [ Kopf Jhaut wächst; Mvuchs, der: 1. das Wachsen.
Wachstum der Haare: ihr (= der Klette) Wurzelsaft
förderte den H. (Strittmatter, Wundertäter 271). 2. Bestand an
Haaren: dichter, spärlicher H.; Linde prüft mit dem
Handrücken den samtenen H. (Fries. Weg 237), zu 1: Mvuchs-
tnittel. das: Mittel, das das Wachstum der Haare fördern
soll; -wurzel. die: in der / Kopf/haut befindlicher Teil des
Haares; -zwiebel. die: unterster, zwiebeiförmig verdickter
Teil der Haarwurzel.
haaren ['ha.renl [. sich] <sw. V.; hat): Haare verlieren: die
Katze, der Hund haart [sich]; das Fell, der Teppich hat
sehr gehaart; Haaresbreite in der Wendung um H. (1.
um eine winzige Kleinigkeit fin bezug auf eine unangenehme
od. gefährliche Situation]: der Vernichtung, dem Tode
um H. entgangen sein. 2. ein ganz klein wenig; nur ein
wenig iin bezug auf jmds. Standpunkt o.a./: nicht um
H. von seiner Meinung abweichen); haarig [ha:n<;] <AdJ.)
(spatmhd. haarig): 1. <nicht adv.) [stark, dicht)behaart:
-e Beine; Esau ist h. überall, und dein Kind ist glatt (Th.
Mann. Joseph 205). L (selten) (nicht adv.) aus Haar
bestehend: Tante Millie trägt sehr dicke, -e Einlagen in ihrer
Frisur (Keun. Mädchen 62). 3. Schwierigkeiten.
Unwägbarkeiten od. gewisse Gefahren in sich bergend; nicht einfach
zu lösen: eine -e Sache. Angelegenheit; für sie hatten sich
die Dreharbeiten unerwartet h. gestaltet (Hörzu 40. 1970.
123); Haarlins fha:tfhi)l, der; -s, -e: (zur Familie der Läuse
gehörendes) kleines, flügelloses Insekt, das im Federkleid
der Vögel od. im Fell von Säugetieren lebt.
Hab [ha:p] in der Fügung H. und Gut (geh.; alles, was
jmd. besitzt): Wir ... laden ... das H. und Gut der Wilderer
auf (Grzimek. Serengeti 230).
Habachtstelhmg: t Hablachtstellung.
Habanera[habane:ral.die;-.-s[span.(danza)habanera.eigtl.
= (Tanz) aus Havanna, vom Namen der kuban.
Hauptstadt Havanna (span.: La Habana)!: kubanischer Tanz in
ruhigem 2lrTakt (auch in Spanien heimisch): die H. aus
Georges Bizets Oper „Carmen".
Habanerfayence [haba:nB-l, die; -, -n (meist PI.) [nach der
Bez. Habaner ftir die Nachkommen der Hutterer (nach
J. Hut(t)er. gest. 1536. benannte Sekte) in der westl.
Slowakei): volkstümliche Fayence, die bes. im 17. u. 18. Jh. von
den Habanern hergestellt wurde.
Habchen in der Fügung H. und Babchen. H.-Babchen
lostmd.; Habseligkeiten; viell. zu schles. Bäbchen = Wik-
kelkind od. bloß reimender Zusatz).
Habdab [hapdala:]. die; -. -s [hebr. havd^h, eigtl. =
Unterscheidung! (Jüd, Rel.): vom jüdischen Hausherrn in
der häuslichen Feier am Ausgang des Sabbats od. eines
Feiertags gesprochenes lobpreisendes Gebet.
Habe [ha:tal. die; - [mhd. habe. ahd. haba = Besitz.
Eigentum; auch: Halt. Anhalt, Stütze. Heft; Griff. Henkel, zu
! haben! (geh.): jmds. Besitz; die Gesamtheit dessen, was
jmdm. gehört u. woran er hängt: alle bewegliche H.; unsere
ganze H.; seine wenige, einzige H. verlieren; Dort...
heiratete er, ... wurde er schwer von H. (Th. Mann. Joseph
245); * fahrende H. (Rechtsspr. veraltet; noch scherzh.;
beweglicher Besitz; bezog sich urspr. wohl auf den
Viehbestand): liegende H. (Rechtsspr. veraltet; Grundbesitz).
Habeaskorpusakte [ha.beas'korpos-J, die; - [lat. habeäs
corpus = (daß) du habest den Körper (vor Gericht) =
Anfangsworte mittelalterlicher Erlasse, die den
Verhaftenden zwangen, den Verhafteten dem Gericht vorzuführen!:
1679 vom engl. Oberhaus erlassenes Gesetz zum Schutze
der persönlichen Freiheit, nach dem niemand verhaftet od.
in Haft gehalten werden darf, ohne daß ein Gerichtsbeschluß
darüber vorliegt.
habelos <Adj.; o. Steig.: nicht adv.) [mhd. habelös] (geh..
selten): besitzlos, unvermögend: Dorothy liebt diese stolzen,
-en Carreteros (Fr. Wolf, Menetekel 19).
habenusPapam[ha'be:moslpa:pam;lat. = wir haben eine»
Papst!: Ausruf von der Außenloggia der Peterskirche rurcft
vollzogener Papstwahl.
haben ['ha:bn! <unr. V.; hat) /vgl. gehabt, haste/ [mhd.
haben, ahd. haben, urspr. = fassen, packen]: I. 1. a)
(als Eigentum o. ä.) besitzen, sein eigen nennen: ein Haus,
ein Auto, viele Bücher, kein Geld h.; ich möchte, will
das h.; Leute, die hatten, was er nicht hoffen konnte
zu h. (Johnson, Ansichten 87); er hat nichts (ugs.; hat
keinerlei Besitz, ist arm)', wir haben's ja! (scherzh. od.
iron.; wir haben genug Geld, um uns das leisten zu können)'.
Großvater ... legt ein Sparbuch an,... dreieinhalb Prozent
h. und nicht h. sind sieben Mark (Bieler, Bonifaz 206);
R (scherzh. od. iron.:) wer hat, der hat; was man hat,
das hat man (es ist besser, sicherer, etw. Bestimmtes / wenn
auch nicht völlig Befriedigendes] zu haben als gar nichts);
(in bezug auf Personen:) Kinder, viele Freunde h.; er hat
eine nette Frau; haben Sie Familie? (sind Sie verheiratet?);
jmdn. zum Freund, zur Frau h.; b) über etw. verfügen:
Zeit. Muße h.; er hat gute Beziehungen; er hat ausgebreitete
Kenntnisse; ihr habt Erfahrung auf diesem Gebiet; c) (als
Eigenschaft o.a.) besitzen, aufweisen; jmdm.. einer Sache
als Eigenschaft o. ä. zukommen: blaue Augen, lange Beine,
schlechte Zähne h.; ein gutes Gedächtnis h.; er hat
Ausdauer, Geduld, Mut; die Sachen haben wenig Wert; das hat
keine Bedeutung; die Angelegenheit hat ihre
Schwierigkeiten; d) / vorübergehend/ von etw. ergriffen, befallen sein;
etw. [heftigJ empfinden, verspüren: Hunger, Durst h.; er
hatte Angst, Sorgen. Zweifel; den Wunsch, die Hoffnung
h., etw. Bestimmtes tun zu können (geh.; etw. wünschen,
hoffen): was hast du denn? (was bedrückt dich?); Husten,
Fieber h.; (ugs.:) er hat es an der Galle, auf der Brust,
im Hals; ich habe kalt (landsch.; mir ist kalt): *didi hat's
wohl! (ugs.; du bist wohl verrücktf). 2. verblaßt a) in
Verbindung mit Abstrakta, drückt das Vorhandensein von etw.
bei jmdm. aus: das Recht, die Pflicht, die Erlaubnis, den
Gedanken, die Idee h.. etw. zu tun; er hat Schuld an
dem Unfall; b) in Verbindung mit einem Adj. + „es",
charakterisiert die Umstände, den Zustand o.a.. worin
sich jmd. befindet: es gut. schwer, schön h.; er hat es
eilig (ugs.; ist in Eile): wir haben es warm, kalt in der
Wohnung (ugs.; es ist warm, kalt in unserer Wohnung):
c) in Verbindung mit „zu" u. einem Inf., drückt aus,
daß das im Verb Genannte in einem bestimmten Maß
für jmdn. vorhanden, da ist: nichts zu essen h.; viel zu
tun h.; sie haben genug zu leben; er hat kaum noch etw.
zu hoffen, zu erwarten; d) in Verbindung mit einem Inf.
u. einer Raumangabe, drückt aus, daß jmdm. etw. an
einem bestimmten Ort u. in bestimmter Weise zur
Verfügung steht: einen Teppich auf dem Boden liegen h.; seine
Kleider im Schrank hängen h.; (landsch.. bes. berlin. mit
Inf. mit „zu":) 5000 Mark auf der Bank zu liegen h.
3. in Verbindung mit „zu" u. einem Inf. a) etw. Bestimmtes
tun müssen: viel zu erledigen h.; wir haben noch eine
Stunde zu fahren; du hast zu gehorchen; b) (verneint)
etw. Bestimmtes tun dürfen, sollen; zu etw. Bestimmtem
berechtigt sein: du hast das nicht zu sagen, zu tun; er
hat hier nichts zu befehlen. 4. drückt aus. daß etw.. ein
bestimmter Sachverhalt o. ä. [für jmdn.l besteht, existiert;
sein: wir haben Ferien (es sind Ferien); heute habe ich
keine Schule (heute ist keine Schule); ich hatte im Urlaub
schönes Wetter; wir haben Sonntag, den 1. Juni; in
Südamerika haben sie jetzt Sommer; draußen haben wir 30°
1113
Haben
im Schatten. 5. aus einer bestimmten Menge. Anzahl
bestehen, sich zusammensetzen o. ä.: ein Kilo hat 1 000 Gramm;
das Mietshaus hat 20 Wohnungen. 6. bekommen, erhalten,
jmdm. zuteil werden o.a.: kann ich mal das Handtuch
h.?; Er ... hatte am nächsten Tag eine freundliche Presse
(Grass. Hundejahre 280); als Dankesformel: hab. habt,
haben Sie Dank! (geh.; ich danke dir. euch. Ihnen sehr!):
R wie hätten Sie es/Sie's Idennl gern? (wie möchten Sie
bedient, behandelt o.a. werden?): * da/Jetzt hast du's; da/
jetzt haben wir's, habt ihr's! (ugs.; nun ist das. was ich
befürchtet habe, eingetreten)', zu h. sein (1. zu kaufen,
erhältlich sein: das Buch ist im Laden nicht mehr zu h. [ist
vergriffenj; ein echter Dürer ist für zwei Flaschen Whisky
zu h. [K. Mann. Wendepunkt 1121. 2. ugs. abwertend;
[von Frauen] leicht zu einem Liebesverhältnis, einem
Beischlafbereit sein); [noch/wieder] zu h. sein (ugs.; noch nicht
od. nicht mehr verheiratet sein u. darum als möglicher
Partner in Frage kommen: aus der Kaufmannsspr.. eigtl. =
zu kaufen sein, erhältlich sein); für etw. zu h. sein (1.
sich für etw. gewinnen lassen [häufig verneint]: für solche
heiklen Unternehmungen ist er nicht zu h. 2. etw. sehr
gerne mögen, sich zu etw. nicht lange bitten, auffordern
lassen: für ein gutes Glas Wein ist er immer zu h.). 7.
(ugs.) (als Unterrichtsfach in der Schule) lernen: wir haben
im Gymnasium Latein und Griechisch. 8. (ugs.; in bezug
auf etw., was in Mode, was allg. verbreitet ist o. ä.)
verwenden, gebrauchen, tragen o.a.: man hat Jetzt wieder längere
Röcke; das hat man heute nicht mehr, immer noch. 9.
(ugs.) gefangen, gefaßt, gefunden u.a. haben: die Polizei
hat den Ausbrecher; Habe ich dich endlich, du
Schweinehund? (Remarque. Obelisk 314); ich hab's!. jetzt hab* ich's
(ugs.; habe es geraten, gefunden o.a.). 10. (salopp) mit
einer Frau schlafen: Wie ist es denn, habt ihr heute schon
ein Mädchen gehabt, oder werdet ihr euch eins nehmen?
(Aberle, Stehkneipen 87). 11. <unpers.> (landsch.. bes.
südd.. österr.) existieren, vorhanden sein, vorkommen,
geben: hier hat es. hat's viele alte Häuser: heute hat's draußen
30° im Schatten. 12. <h. + sich) a) (ugs. abwertend) sich
übermäßig aufregen über etw., viel Aufhebens machen um
etw.: hab dich nicht so! (stell dich nicht so an!): Und
die Frau Brest hatte sich vielleicht! Da durfte kein
Steinchen in dem Sand sein (Kant. Impressum 24); b) (ugs.)
sich streiten: die haben sich vielleicht wieder gehabt! 13.
<h. -I- sich; unpers.) (salopp) erledigt, abgetan sein: gib
mir 50 Mark dafür, und die Sache hat sich; Bringt man'n
Blumen mit.... und denn hat sich das wieder ... Ist wieder
alles vergessen (Aberle. Stehkneipen 13); damit hatte sich's;
*hat sich was (ugs.; das ist keineswegs erledigt, das kommt
gar nicht in Frage): es hat sich was mit der Ewigkeit
(Bieler. Mädchenkrieg 318). 14. verblaßt, in Verbindung
mit verschiedenen Präp.: Die werden schon merken, was
sie an ihm h. (wie nützlich u. hilfreich er für sie ist: Fallada,
Jeder 71); er hat einen sehr spöttischen Ton an sich (ist
sehr spöttisch): das hat er so an sich (ugs.; das ist eine
AngewohnJieit von ihm); das hat nichts auf sich (die Sache
hat keine Bedeutung): was hat es damit auf sich? (was
bedeutet das. was steckt dahinter?): er hatte seinen Sohn
bei sich (sein Sohn war in seiner Begleitung): sie haben
ihre Mutter bei sich (ihre Mutter wohnt / vorübergehend]
bei ihnen): ich habe kein Geld bei mir (habe kein Geld
mitgenommen): die Sache, der Plan hat einiges für sich
(ist von Vorteil): ich habe nichts gegen ihn (bin nicht
gegen ihn eingenommen): er hatte etwas gegen dieses
Vorhaben (war nicht damit einverstanden): er hatte alle gegen
sich (alle waren gegen ihn eingenommen): er hat die Prüfung
hinter sich (hat sie überstanden): in dieser Sache hat er
die ganze Partei hinter sich (die ganze Partei unterstützt
ihn darin): etw. hat es in sich (ugs.; etw. hat eine Eigenschaft,
die man ihm von außen nicht ansieht); er hat etwas mit
dem Mädchen (ugs.; hat ein Verhältnis mit ihr); er hat's
mit dem Fotografieren (ugs.; fotografiert mit Begeisterung);
er hat noch nie etwas mit ihm gehabt (ugs.; sich noch
nie mit ihm gestritten); der Besuch war nur zwei Tage
bei uns. so daß wir nur wenig von ihm. voneinander hatten
(wenig Zeit zu längerem Beieinandersein. Austausch o.a.):
er hat viel von seiner Mutter (ist seiner Mutter im Wesen
od. in bestimmten Zügen sehr ähnlich): von dem Vortrag
hatte ich nur wenig (hatte wenig Nutzen davon): er hat
etwas von einem Tyrannen (hat bestimmte Eigenschaften,
die ihn ais Tyrannen erscheinen lassen): er hat eine schwere
Prüfung vor sich (sie steht ihm bevor): Sie wissen wohl
nicht, wen Sie vor sich h.? (wer die vor Ihnen stehende,
Respekt. Achtung o.a. erwartende Person ist? Degener.
Heimsuchung 55). 11. dient als Hilfsverb in der Verbindung
mit dem 2. Part, der Perfektumschreibung: ich habe
gegessen; Hat Mies van der Rohe den BarceIona"-Sessel
nicht selbst entworfen? Fachleute vermuten: Eine seiner
Favoritinnen hat (Spiegel 14. 1977. 234); Haben [-1. das;
-s [gek. aus ..er soll haben"]: 1. (Kaufmannsspr.) alles,
was jmd. hat od. einnimmt. Guthaben (Ggs.: Soll): ihr H.
ist klein; Soll und H. (Ausgabenu. Einnahmen). 2. (Bankw.)
die rechte Seite eines Kontos im System der doppelten Buch-
fuhrung.
Haben-: -posten. der (Kaufmannsspr.); ^seite, die
(Kaufmannsspr.): (in der Buchführung) Seite des Kontos, auf
der Guthaben verbucht werden: auf der H. stehen; ^zins,
der (Bankw.): Zins, der von Banken auf die Guthaben der
Kunden gezahlt wird.
Habenichts, der; -[es], -e [mhd. habeniht] (abwertend): jmd..
der keinen [nennenswerten] Besitz, kein Vermögen hat:
jmd., der mittellos, arm ist: Aber gar diese -e und
Taugenichtse. ... sie seien Menschen wie wir (Hacks. Stücke
138); Ü die atomaren -e sollen ... auf Atomwaffen
verzichten (Spiegel 10. 1967. 17).
habent sua lata libelli [ha:bent zu:a fa:ta li'beli; lat.. nach
Terentianus Maurus, Carmen heroicum. V. 258] (bil-
dungsspr.): Bücher haben (auch) ihre Schicksale.
Haber l'ha:bB]. der, -s [mhd. habere, ahd. habaro. f Hafer]
(südd.. österr., Schweiz.): svw. tHafer.
Haberer, der; -s, - [wohl aus dem Jidd.; vgl. hebr. l)<jver
= Genosse. Gefährte, zu: l)?var = vereinigt, verbunden
sein] (österr. ugs.): 1. Verehrer: sie hat schon wieder einen
neuen H. 2. Freund. Kumpan, Zechbruder.
Haberfeldtreiben, das; -s, - [eigtl. = Ziegenfelltreiben; 1.
Bestandteil volksetym. entstellt aus: Haberfell =
Ziegenfell, vgl. Habergeiß]: nächtliches Rügegericht, das früher
in Bayern u. Tirol stattfand, um Vergehen, die außerhalb
der rechtlichen u. polizeilichen Gewalt lagen (z. B. Verstöße
gegen Brauchtum od. Moral) zu verfolgen, indem der
Schuldige in ein Ziegenfell gesteckt u. umhergetrieben wurde:
Ü Die Kostenentwicklung im Gesundheitswesen, obgleich
weltweit, ist ein willkommener Anlaß Tür ein H. gegen
die Ärzte (Bayer. Ärzteblatt [München] 1. 1976).
Habergetß. die: -. -en [zu: Haber, wahrsch. = (Ziegen)bock
u. Geiß = Ziege, als verdeutlichender Zusatz wegen der
Gleichlautung mit Haber = Hafer; 1: nach dem
meckernden Laut beim Balzflug; 2: nach der angeblichen
Ähnlichkeit mit einer Ziege; 3: nach dem häufig als Ziegenkopf
gestalteten Puppenkopfl: I. (landsch. veraltet)
Sumpfschnepfe. 2. (südd.) Spukgestalt, Korndämon. 3. (südd.)
Strohpuppe, die demjenigen Bauern aufs Dach gesetzt wird,
der als letzter das Einfahren des Getreides beendet. 4.
(alemann.) Brummkreisel.
Habersack, der; -[e]s, -sacke: a) (veraltet) svw. T Hafersack;
b) (veraltet) einem Tornister ähnlicher Ranzen: Die Soldaten
sind ... beschwert mit Degengurt. Patronentasche,
Tornister. H. (Hacks. Stücke 187).
Habgier, die; - (abwertend): von anderen als unangenehm
u. abstoßend empfundenes, rücksichtsloses Streben nach
Besitz od. Vermehrung des Besitzes: Der ... Haß der Armen
gegen die Reichen ist viel weniger gemeine H. als
Empörung gegen einen Mißbrauch der Rechte (Thieß,
Dämonen 38), dazu: habgierig <Adj.; nicht adv.>
(abwertend): voller Habgier, von Habgier geprägt: -e Augen; ...
hat er mich einen -en Kurpfuscher genannt (Remarque.
Triomphe 33).
habhaft <Adj.> [mhd. habhaft = Besitz habend]: 1. *jmds..
einer Sache h. werden: 1. (geh.) jmdn., den man gesucht
hat. finden, ausfindig machen I u. festnehmen]: jmdn. in
seine Gewalt bekommen: Bisher ist es noch nicht gelungen,
des Täters h. zu werden (Sonntagspost 3. 12. 67. 2). 2.
etw. in seinen Besitz bekommen, etw. erlangen, sich etw.
aneignen: er nahm alles an sich, dessen er h. werden konnte;
Ü eine Manier, deren ich rasch aufs täuschendste h. wurde
(Th. Mann. Krull 43); <selten auch attr.:> Es ... geht um
... den Inbegriff des scheinbar -en Glückes (Hagelstange.
Spielball 325). 2. <-er, -este; nicht adv.> (landsch.) sehr
sättigend, schwer: die Mahlzeit war h.
Habicht ['halbst], der, -s, -e [mhd. habech, ahd. habuch,
eigtl. = Fänger. Räuber]: I. (in vielen Arten vorkomnien-
1114
Hack
der) größerer Greif vogel mit braunem Gefieder, langen,
kräftigen Krallen, starkem, gebogenem Schnabel u. meist kurzen,
runden Flügeln. 2. svw. T Hühnerhabicht.
Habichts-: ^adler. der: Adler, dessen Gestalt u. Verhaltens-
weise an den Habicht erinnert; Miuge, das (geh.): scharf
beobachtender Blick eines Menschen; -fang, der: Fang von
Habichten mit Hilfe eines Habichtskorbs; - gesteht, das
(selten): Gesicht eines Menschen, das an einen Habicht
erinnert; -korb, der (Jagdw.): Fanggerät aus Holz u.
Drahtgeflecht für den Fang von Raubvögeln; -kraut, das [lat. hierä-
cium < griech. hieräkion zu: hterax = Habicht. Motiv
der Benennung nicht geklärt): / in vielen Arten
vorkommendes] Kraut mit langen, blattlosen Stengeln mit meist gelben,
orangefarbenen od. roten zungenförmigen Blüten; -nase,
die: [meist starke] hakenförmig nach unten gebogene Nase,
die an den Schnabel eines Habichts erinnert; -pilz, der
[nach den schwarzbraunen Schuppen des Hutes, die an
das Gefieder eines Habichts erinnernl: eßbarer Pilz von
weißlicher Färbung, dessen Hut eine schwarzbraune
schuppige Oberseite hat; -schwamm, der: svw. T ^pilz.
habil [ha'br.l] <Adj.) [lat. habilis] (bildungsspr. veraltet):
geschickt, fähig; gewandt, geübt: Alles bleibt im
konventionellen Rahmen, logios. h.. wohltemperiert (Deschner,
Talente 140); habil.: f habilitatus: er ist Dr. phil. habil.;
Habilitand [habili'tantl. der; -en. -en [mlat. habilitandus. Gerun-
divum von: habilitare = geschickt, fähig machen, zu lat.
habilis. t habil]: jmd., der zur Habilitation zugelassen ist;
Habilitation [habilita't$io:n], die; -. -en [mlat. habilitatio]:
Erwerb der Lehrberechtigung an Hochschulen u.
Universitäten durch Atifertigung einer schriftlichen Arbeit: er hatte
ihm sogar die H. angeboten (Sebastian. Krankenhaus 173).
dazu: Habilitationsschrift, die: wissenschaftliche Arbeit
größeren Umfanges, die zur Habilitation vorgelegt wird;
habilitatus [habili'ta:tos; mlat. habilitatus. 2. Part, von:
habilitare, t habilitieren): mit Lehrberechtigung (an
Hochschule u. Universität); Abk.: habil.; habilitieren [habili-
ti.ren] <sw. V.; hat) [mlat. habilitare. T Habilitand): a)
<auch:h. + sich) die Lehrberechtigung an einer Hochschule
od. Universität erwerben: in München, bei Professor N.
N. h.; bevorersich in Berlin für Kunstgeschichte
habilitierte (Muttersprache 6.1965.192); b)jmdm. die
Lehrberechtigung erteilen: Und Jacobi, der seine Hoffnungen, bei
Struppler habilitiert zu werden, schwinden sieht (Spiegel
14. 1969, 90); 'Habit [ha'bi:t. auch: ha'bit; österr.: 'habit).
der. auch: das; -s, -e [frz. habit. t Habitus): a) (abwertend,
iron.) einer bestimmten Gelegenheit od. Umgebung
entsprechende Kleidung: ... und das lieblose H. saß ungeschickt
auf seinen Knochen (Gaiser. Jagd 54); hohnsprechende
-e, die da gefordert wurden (= für Intematszögllnge; Fus-
senegger. Haus 516); Herren in seriösem H.; b)
Amtskleidung, Ordenstracht: unter ... dem weitschweifigen H. der
Vincentinerin (Hildesheimer. Legenden 166); 2Habit
[haebit], das. auch: der; -s. -s [engl, habit. tHabitus]
(Psych.): Gewohnheit, Erlerntes; Anerzogenes; Erworbenes;
Habitat [habi'ta:t], das; -s. -e [1: lat. habitätio = das
Wohnen, die Wohnung; 2: engl, habitat): 1. a) (Biol.)
Standort einer bestimmten Tier- od. Pflanzenart; b)
Wohnplatz von Ur- u. Frülimenschen: bei den verschiedenen
Fundstellen (handelt es sich) um eigentliche -e. also
Wohnplätze des Ur- und Frühmenschen (MM 7. 2. 70, 3). L
a) Aufenthaltsort, Wohnstätte; b) kapseiförmige
Unterwasserstation, in der Aquanauten wohnen können: Die
Aquanauten tauchen unter ihrem H. in einer ständig
offenstehenden Luke auf (MM 9. 2.69. 3); habitualisieren [habi-
tuali'zi:ran] <sw. V.; hat) (Psych.. Soziol.): zur Gewohnheit
werden od. machen: Es sind nämlich auch die zur Arbeit
notwendigen Bewußtseinsfunktionen habitualisiert
(Gehlen. Zeitalter 105). dazu: Habitualisknmg, die; -. -en:
Die Kritikfestigkeit ist eine generelle Eigenschaft aller -en
(Gehlen. Zeitalter 105); Habituation [habituatslo:n]. die;
-. -en [engl, habituation): a) (Psych.) Gewöhnung; b)
(bildungsspr.) physische u. psychische Gewöhnung an Drogen;
Habitue [[hjabi'tye:]. der; -s. -s [frz. habitu£) (österr.. sonst
veraltet): immer wiederkehremler Besucher, Stammgast: Bei
der Unzahl der Cafes ist der Raum nie so beschränkt,
daß der H. dort nicht Akten und Briefe schreiben könnte
(Jacob. Kaffee 197); habituell [habityel] <Adj.; o. Steig.)
[frz. habituell: I. gewohnheitsmäßig; ständig: -e Kritik; Auf
nervöse Konstitution deutete... das -e Schulterzucken (Th.
Mann. Krull 124). 2. (Psych.) verhaltenseigen; zur
Gewohnheit geworden, zum Charakter gehörend: einschließlich der
Aufmerksamkeit, die unter diesen Bedingungen selbst h.
wird (Gehlen. Zeitalter 105); Habitus ['ha(:)bitusl. der.
- [lat. habitus = Gehabe; äußere Erscheinung; Haltung;
Verhalten, persönliche Eigenschaft; zu: habere = haben,
an sich tragen): 1. a) Gesamterscheinungsbild einer Person
nach Aussehen u. Verhalten: Ich hielt ihn. seinem H. und
der Art seines Sprechens nach ... für einen der vielen
Kunststudenten (Jens. Mann 155); b) auf einer bestimmten
Grundeinstellung aufgebautes, erworbenes Auftreten,
Haltung: Seinem geistigen H. nach gehörte er unzweifelhaft
zur Linken (Niekisch. Leben 156); c) Benehmen, Gebaren:
vor dessen Glastür sich gerade zwei altmodisch gekleidete
Herren mit leicht übertriebenem H. voneinander
verabschiedeten (Zuckmayer. Herr 13). 2. (Med.) Besonderheiten
im Erscheinungsbild eines Menschen, die einen gewissen
Schluß auf Krankheitsanlagen zulassen: mein Freund war
seinem H. und seiner Veranlagung nach niemals ein
süchtiger Mensch (Jens. Mann 162). 3. (Biol.) Körperbeschaffen-
heit, äußere Gestalt von Tieren, Pflanzen od. Kristallen:
Die Gestalt des Baumes, der sogenannte H.. gibt den
einzelnen Baumarten das typische Äußere (Mantel, Wald 18).
hablich ['ha:pli<;] <Adj.) [mhd. habelichl: 1. (veraltet) a)
die Habe betreffend; was Bezug auf die Habe hat u. mit
ihr zusammenhängt; b) geschickt, tüchtig. 2. (Schweiz.)
wohlhabend: ein -er Bauer; das Dorf ist sehr h.; ein -er
(stattlicher) Bau.
Haboob[h3'bu:b]:tHabub.
Habschaft ['ha.p-Jaftl. die; -. -en (veraltet): Eigentum, Habe,
Besitz; Habseligkeit, die; -. -en <meist PI.): [dürftiger,
kümmerlicher] Besitz, der aus meist wenigen [wertlosen]
Dingen besteht: auf der Flucht konnten sie nur ein paar
-en mitnehmen; Habsucht, die; - (abwertend):
charakterliche Veranlagung, auf Grund deren man den krankhaften
Drang hat, ständig sein Vermögen zu mehren u. seinen
Besitz zu erweitern: Im Innern regiere die nackte H. der
Barone (Feuchtwanger, Herzogin 185). dazu: habsüchtig
<Adj.) (abwertend): voller Habsucht, von Habsucht geprägt:
der gemeine und hinterlistige, -e und grausame Mörder
(Mostar. Unschuldig 17).
Habtyditstelhing, die; -. -en [nach dem milit. Kommando
..habt acht" = stillgestanden!! (österr.): stramme
lmilitärische] Haltung.
Habub [habu:p]. der; -[sl [arab. habübj: heißer, meist aus
nördlicher Richtung wehender Sand- od. Staubsturm in
Ägypten u. im Sudan.
Habutai[habutai].der;-[s],-s[jap. habutai): svw. t
Japanseide.
Hätek Cha:tjek]. (eingedeutscht:) Hatschek [hatjekl. das;
-s. -s [tschech. häöek. eigtl. = Häkchen]: diakritisches
Zeichen in Form eines Häkchens, das, bes. in den slawischen
Sprachen, einen Zischlaut od. einen stimmhaften Reibelaut
angibt (z. B. tschech. t [tfl. t [3]).
hadi! [hax] (Interj.): Ausruf der freudigen Überraschung,
einer gewissen Begeisterung, des spöttischen Triumphes:
Hach. ich werde einen Schwips kriegen (Keun. Mädchen
144); „Hach!14 macht Pinneberg verächtlich (Fallada.
Mann 103).
HacWIIhla'Je:]: t Haschee.
'Hachel [haxl). die; -. -n [mhd. hachel, ahd. ahil. eigtl.
= Spitzes] (landsch.): a) Granne, Ährenstachel; b) Stachel,
Nadel: In Stanislaus war die H. einer kleinen Unruhe
hängengeblieben (Strittmatter. Wundertäter 123).
2Hachel [-]. das; -s. -. auch: die; -. -n [zu THechel] (österr.):
Küchenhobel, dazu: hecheln <sw. V.; hat) [zu Thecheln]:
(Gemüse) mit einem Hachel hobeln.
Hadii-Dan ['hatjida.n], der; -. - [jap. hachi-dan. zu: hachi
= acht u. dan, TDan] (Budo): achter Dan: im H. trägt
man einen rotweißen Gürtel.
Hachse ['haksah die; -. -n [mhd. hahse; ahd. hähsina =
Kniebug des Hinterbeines, bes. vom Pferd]: a) unterer
Teil des Beines von Kalb u. Schwein; b) (ugs. scherzh.)
Bein: zieh deine [langen] -n ein!; paß auf. sonst brichst
du dir die -n!
'Hack [hek. engl.: haek]. der; -[sl. -s [Kurzf. von engl, hack-
ney = Kutschpferd]: keiner bestimmten Rasse angehörendes
Reitpferd.
2Hack [hak], das; -s [zu t hacken] (ugs.. bes. nordd.):
Hackfleisch: Gefüllte Rouladen ... so wird's gemacht: ... H.
mit Ei. Zwiebel ... (Hörzu 8, 1976. 92).
1115
Hack-
Hgck-: -abstand, der: vgl. -Ordnung; -bank, die: Anrichte
mit dicker Holzplatte, auf der der Fleischer Knochen
durchhackt; -bau. der <o. PI.) (Landw.): Bearbeitung des Bodens
mit einer Hacke; ^beil. das: kleines Beil. das der Fleischer
zum Zerhacken von Knochen verwendet: Ü Armer Marat
... während das H. draußen schellt (der Henker wartet).
werden deine Worte entstellt (Weiss. Marat 112); -block,
der <PI. ...blocke): svw. t-klotz; -braten, der (Kochk.):
Braten in Form eines länglichen Brotlaibs aus Hackfleisch,
falscher Hase; -brett. das: 1. kleines Brett, das in der
Küche zum Schneiden u. Hacken von Fleisch. Gemüse u.
Kräutern verwendet wird. 2. (Musik) der Zither ähnliches
Saiteninstrument mit trapezförmigem Schallkasten, das mit
Klöppeln geschlagen wird: Zither und H. erklingen (MM
Ostern 74, 13); -fleisch, das: rohes, durch den Fleischwolf
getriebenes Fleisch von Schwein od. Rind: aus H.
Frikadellen bereiten; * aus jmdm. H. machen (ugs. [oft als Drohung];
jmdn. heftig verprügeln): wenn ich ihn erwische, mache
ich H. aus ihm; -frucht, die (Landw.) (meist PI.): auf
dem Feld angebaute Pflanze, bei der während des Wachstums
der Boden wiederholt durch Hacken gelockert werden nmli
(z. B. Rüben, Kartoffeln, Kohl u. a.): Wie die Hackfrüchte
stehen .... laßt sich noch nicht genau übersehen (Welt
19. 8. 65,9): -klotz, der: Klotz zum Zerhacken von Knochen
od. Spalten von Holz; -masdiine, die: 1. (Landw.) Maschine
zur Lockerung u. Krümelung der Bodenoberfläche u. zur
Unkrautvernichtung. 2. bei der Herstellung von
Holzfaserplatten u. Zellstoff eingesetzte Maschine zum Zerkleinern
von Holz; Mitesser, das: a) Blatt von Werkzeugen, die zum
Hacken u. Spalten dienen: b) svw. t Buschmesser; -Ordnung,
die: Form der Rangordnung im Zusammenleben von Vögeln,
bes. von Hü/wem. bei der der Ranghöhere den Rangniederen
von seinem Futterplatz weghackt; -pflüg, der: vgl. ^maschi-
ne (1); -Silber, das: zerkleinerte Silberstücke, die im
Mittelalter als Münzen verwetidet wurden; -Steak, das: gebratenes
Hackfleisch in Form eines Steaks; -stock, der (landsch.):
svw. t -klotz; -stück, das (landsch.): svw. t -braten;
-Waldwirtschaft, die (Fachspr.): Form der Bewirtschaftung, die
die Nutzung einer Fläche gleichzeitig für Land- u.
Forstwirtschaft ermöglicht.
'Hacke [haka], die; -, -n [mhd. hacke, zu thacken]: 1.
Gerät zur Bearbeitung des Bodens, das aus einem / langenJ
Holzstiel u. einem aufgesetzten, mit einer Spitze od. Schneide
versehenen Blatt aus Stahl besteht: eine spitze, stumpfe,
breite H.; die H. ansetzen; mit einer H. den Boden
bearbeiten; Er schwang wieder die H. und traf diesmal mitten
auf den Stein (Kuby. Sieg 27). 2. (Landw.) das Hacken
(I): bestimmte Knollenfrüchte erfordern während des
Wachstums mehrere -n. 3. (österr.) Beil. Axt: die
Pensionsinhaberin war mit einer H. oder einem Hammer getötet
worden.
*Hacke [-]. die; -, -n, (seltener auch:) Hacken ['hakn], der;
-s, - [aus dem Niederd. < mniederd. hakkel: a) (landsch.)
Ferse: wundgelaufene Hacken; eine Blase an der Hacke,
am Hacken haben; er tritt mir auf die Hacken; jmdm.
[fast! die Hacken abtreten (ganz dicht hinter jmdtn. hergehen
[u. ihm gelegentlich auf die Hacken treten]); *slch an
jmds. Hacken sich jmdm. an die Hacken hängen, heften
(jmdm. folgen, jmdn. hartnäckig verfolgen, um Kontakt
mit ihm zu bekommen od. um den Kontakt zu ihm nicht
zu verlieren); jmdm. [dicht] auf den Hacken
sein/bleiben/sitzen (1. hinter jmdm. hersein. jmdn. verfolgen u. dabei dicht,
unmittelbar hinter ihm sein, bleiben: die Polizei ist dem
Täter dicht auf den Hacken. 2. jmdn. in bezug auf Leistung
bald erreicht, eingeholt haben: nach der dritten Runde war
der Kandidat seinem Gegner dicht auf den Hacken); imdm.
nicht von den Hacken gehen (jmdn. dauernd mit einer Sache
behelligen, verfolgen, bedrängen / obwohl man bereits eitie
ablehnende Antwort bekommen hat}); b) (landsch.) Absatz
des Schuhs: abgetretene, schiefe Hacken; Tulla drehte sich
auf der Hacke (Grass, Katz 39); Schuhe mit hohen Hacken
tragen; die Hacken zusammenschlagen,
zusammennehmen, zusammenknallen (Soldatenspr. veraltend; als
Untergebener beim Einnehmen einer militärischen Haltung die
Absätze hörbar gegeneinander schlagen): *sich <Dativ) die
Hacken nach etw. ablaufen/abrennen (einen weiten Weg.
[oft] viele Wege wegen etw. machen; sich eifrig um etw.
bemühen); die Hacken voll haben; einen im Hacken haben
(nordd.; betrunken sein): weil wir schon so ziemlich die
Hacken voll hatten, lachten wir wie toll (Kempowski.
Uns 138); c) (landsch.) Fersenteil des Strumpfes txi des
Sockens: ein Loch in der Hacke, im Hacken haben.
H*cke-: -beil, das (landsch.): svw. t Hackbeil; -brett. das
(landsch): svw. t Hackbrett (1); -peter, der; -s [2.
Bestandteil der als Gattungsname gebrauchte Vorname ..Peter']
(nordd.): a) svw. tHackfleisch: Ü Der schwarze Mann
... macht alles zu H. (Bieler. Bonifaz 33); b) (Kochk.)
rohes, tnageres Hackfleisch vom Rind, angemacht mit
verschiedenen Zutaten; Tatarbeefsteak.
hacken [hakn] <sw. V.; hat) /vgl. Gehacktes/ [mhd. hacken,
ahd. hacchön. eigtl. = mit einem hakenförmigen Gerät
bearbeiten]: 1. a) mit der *Hacke arbeiten: gestern habe
ich drei Stunden im Garten gehackt; Ü auf dem Klavier
h. (mit dem Finger einzelne Töne hart u. laut anschlagen,
ohne zusammenhängend zu spielen od. spielen zu können);
b) (Erde. Boden) mit der 'Hacke bearbeiten, auflockern:
das Beet, den Weinberg, den Rüben-, Kartoffelacker h.
2. a) mit der Axt. mit dem Beil zerkleinern, in Stücke
schlagen: Holz h.; die Kiste in Stücke, den alten Stuhl
zu Brennholz h.; Ü und werden dann unsere Stadt kurz
und klein h. (Thieß, Reich 359); b) mit einer Spitzhacke,
mit der Spitze. Kante von em>. wiederholt auf eine Fläche
schlagen u. dadurch eine Vertiefung, einen Durchbruch o. ä.
entstellen lassen: eine Grube h.; er hat mit dem Absatz
ein Loch ins Eis gehackt; c) jmdn.. sich beim Arbeiten
mit einer 'Hacke (1), einem Beil o.a. an einer bestimmten
Körperstelle verletzen: ich habe mir/mich, ihm ins Bein
gehackt. 3. durch kurze, schnelle Schläge mit einem scharfen
Messer zerkleinern: Zwiebeln, Petersilie h.; gehackte
Kräuter; gehackter Spinat. 4. (meist von Vögeln) mit dem
Schnabel heftig schlagen, picken: der Papagei hackt nach
ihm; das Huhn hackt ihr/sie in die Hand; Ü Er ist ein
Oppositionsmann ... Er hackt auf alles Bestehende (greift
alles Bestehende an; Th. Mann. Zauberberg 144). 5. (Sport
Jargon) grob, unfair, rücksichtslos spielen: schon in den
ersten Minuten begann der Gegner zu h. 6. svw. Thackern.
Hacken: t ^Hacke.
Hfcken-: -Ballen-Drehung, die (Leichtathletik): Fußbewe-
gung des Drehbeins beim Hammerwerfen, die äußerst schnell
u. in einem Zug von der Ferse über die Außenkante des
Fußes zurück zur Ferse verläuft; -dorn, der (Leichtathletik):
Dorn. Metallstift im Absatz (1) des Sprung-. Renn- od.
Speerwerferschuhs; -schuh, der (ugs.): Damenschuh mit
hohem, schlankem Absatz (1); -trick. der (Fußball): Trick,
bei dem der Ball mit der Hacke gespielt wird, um den
Gegner auszuspielen od. zu umspielen: ein raffinierter H.
Hacker ['hakvl. der; -s. -: 1. (landsch.) Arbeiter im Weinberg,
der den Boden lockert. 2. (Sport Jargon) grober, unfairer,
rücksichtsloser Spieler: die Spieler dieser Dorfmannschaft
sind als H. gefürchtet; Hacker Theke], der; -s, - (landsch):
svw. tHacker (1); Hackerle [hekeb], das; -s (Kochk.):
feingewiegte Salzheringe, vermischt mit Speck od. Fleisch
u. Zwiebeln (als Brotaufstrich od. zu Pellkartoffeln); Häk-
kerling [hekulm]. der; -s (veraltend): Häcksel; hackern
[haken] [, sich] <sw. V.; ist/hat) (ostmd.): (von der Milch)
gerinnen, ausfallen. fltKken: die Milch ist/hat sich gehak-
kert; Häcksel ['heksf], der. auch: das; -s: kleinge/iacktes
Grünfutter. Heu od. Stroh, das als Viehfutter verwendet
wird; *H. im Kopf haben (veraltend; sehr dumm sein).
Häcksel- (Landw.): -drescher, der: kombinierte Häcksel-
u. Dreschmaschine, die Ähren ausdrischt u. die
übrigbleibenden Garben fiäckselt; -maschine, die: Maschine, die Heu.
Stroli od. Grünfutter zerkleinert; -mist, der: Mist aus ge-
häckseltem Stroh; -Stroh, das: gehäckseltes Stroh.
H$ckseler: fHäcksler; h$ckseln <sw. V.; hat): Heu. Stroh
od. Grünfutter zerkleinern; Hfcksler, der; -s, -: svw. T
Häckselmaschine.
Haddock [haeddk], der; -[$). -s [engl, haddock. H. u.)
(Kochk.): kaltgeräucherter Schellfisch ohne Kopfu. Gräten.
'Hader fha:dB], der; -s [mhd. (ostmd.) hader = Streit.
Zank; Injurienprozeß] (geh.): a) / über lange Zeit]
schwelender, mit Erbitterung ausgetragener Streit. Zwist: unsinniger
H.; der ständige H. war zermürbend; der alte H. flammte
wieder auf; mit jmdm. in H. leben, liegen; b)
Unzufriedenheit. Aufbegehren: So ist es nur natürlich, daß auch die
minderen Menschen mit H. erfüllt werden, und ihr Leben
ist nunmehr von Bedeutung (Hacks, Stücke 22).
2Hader [-; mhd. hader. ahd. hadara. urspr. = Schafpelz]:
a) der; -s, -n (österr., südd.): Stoffreste, -abfalle; Lumpen;
b) der; -s. - (ostmd.): Scheuertuch. Putzlappen.
1116
Hafer
'Haderer [ha.darel, der; -s, - [zu t 'Hader; eigtl. = Streiter.
Kämpfer) (Jägerspr.): aus dem Oberkiefer seitlich der
Schnauze hervortretender Eckzahn des Keilers.
*Haderer [-; zu 12Hader], da-; -s. - (veraltet):
Lumpensammler.
haderis ['haxton?]. häderig [he:ddn<;] <Adj.> [f 'Hader]
(alemann.): zänkisch, streitsüchtig; Haderkatze, die; -. -n [t
'Hadert (veraltend): zänkische Frau: Spr Armut ist eine H.
{Armut macht mißgünstig, zänkisch; Fr. Wolf. Zwei 127).
Haderlump, der; -en. -en [t2Hader; wohl wegen oftmals
abgerissener Kleidung] (österr. abwertend): liederlicher
Mensch, verkommenes Subjekt: ob sie ihn für einen ...
bestechlichen -en ... halte (Werfel. Himmel 41).
hadern [ha:dBn] <sw. V.; hat) [mhd. hadern = streiten,
necken] (geh.): a) (mit jnulm. um erw.) rechten, streiten:
Sie hat ihn reden und reden lassen, ohne zu h. (Frisch.
Gantenbein 359); b) unzufrieden sein u. / sich I deshalb / be /-
klagen od. aufbegehren: mit sich und der Welt, mit dem
Schicksal h.; Ich suchte Zuflucht in jener Kirche, in der
ich vordem mit Gott gehadert hatte (Jahnn. Geschichten
219).
Hadern [-]. der; -s. -: f-^Hader.
hadern-. Hadern- (^ader a): -haltig <Adj.; nicht adv.>
(Fachspr.): (von Papier) in der Herstellumssubstanz
Stoffreste od. Lumpen enthaltend: -es Papier; -krankheit, die
(Med.): Milzbrandinfektion der Lunge bei Personen, die
regelmäßig mit i Sortieren von] Lumpen. Fellen u. Häuten
zu tun haben: -papier. das (Fachspr.): holzfreies Papier\
zu dessen Herstellung ausschließlich 2Hadern verarbeitet
werden.
Haderwachl ['...vaxjl.der; -s. -[n] [unter Einfluß von t2Hader
zu tschech. halama = Lümmel. Bengel] (österr.
abwertend): jmd.. der nur Dummheiten im Kopf hat u. nicht
recht ernst zu nehmen ist: Die Sozi - das sind die größten
Feinde von unsere inem, die's gibt und überhaupt von jedem,
der kein H. oder Lamperl ist (Doderer, Dämonen 954).
Hades ['ha.desl. der; - [griech. Haides. Atdes. nach dem
griech. Gott der Unterwelt] (griech. Myth.): Unterwelt.
Totenreich: Ü es scheint daher kein Grund, den daf ( =
ein Auto) in den H. zu wünschen Uhn zu verwünschen;
FAZ 29. 4. 61. 10); *jmdn. in den H. schicken (dichter,
veraltet; jmdn. töten).
Hadrer [ha:dir]: t 'Haderer; hadrig ['ha:dnf]. hädris
fhe:dn<;]: f haderig. häderig.
Hadsdi [hat/], der: - [arab. Ijafefe]: Wallfahrt nach Mekka
zur Kaaba (die jeder Mohammedaner wenigstens einmal
in seinem Leben unternehmen soll).
Hadschi [ha:d3i], der; -s. -s [arab. l)ä£&I]: I. Ehrentitel
Ihr einen Mekkapilger. 2. christlicher Jerusalempilger im
Orient.
Haemanthus [he'mantos]. der; -. ...thi [zu griech. halma
= Blut u. änthos = Blume, weil einige Arten blutrot
blühen]: (aus einer Zwiebel wachsende, häufig in Töpfen
gezogene) Pflanze mit meist nur zwei ledrigen Blättern
u. reicfiblühender Blütendolde mit weißen, roten od.
orangefarbenen Blüten.
Haemoccult-Test© [hanokolt-], der; -[e]s. -e [zu griech.
halma = Blutu. lat. occultus = verborgen] (Med.):
besonderes, zur Früherkennung von Darmkrebs angewendetes
Verfahren, bei dem Stuhlproben mit Hilfe einer Lösung auf
das Vorhandensein von Blut im Stuhl untersucht werden.
'Hafen [ha:fn], der; -s. Häfen ['heifn; aus dem Niederd.
< mniederd. havene. urspr. = Umfassung; Ort. wo man
etw. bewahrt od. birgt]: natürlicher od. künstlich angelegter
Anker- u. Liegeplatz für Schiffe, der mit Einrichtungen
zum Abfertigen von Passagieren u. Frachtgut ausgestattet
ist: ein eisfreier H.; der Hamburger H.; der H. von. in
Hamburg; ein Schiff läuft den H. an. aus dem H. aus,
in den H. ein. liegt, ankert im H.: Hier lag der H.. ein
kleiner Fischereihafen (Salomon, Boche 43); U den andern,
dem man erklärt, man liebe ihn. tiefer und anders - als
H. für die Zwischenzeit {Ort der Sicherheit. Geborgenheit;
Remarque. Triomphe 346); *den H. der Ehe ansteuern
(scherzh.; heiraten wollen): Mit großen Illusionen ... steuern
viele Eheaspiranten den „H. der Ehe" an (Ruthe.
Partnerwahl 177); im sicheren H. sein (geborgen sein; in gesicherten
Verhältnissen leben); in den H. der Ehe einlaufen; im H.
der Ehe landen (scherzh.; / nach längerer, eventuell bewegter
Junggesellenzeit] heiraten /meist von Männern/): 2Hafen
[-1. der; -s. - [mhd. havenl: a) (südd., Schweiz., österr.)
großes/irdenes/ Gefäß; Schüssel. Topf: ein H. aus Steingut,
aus Gußeisen; Ü Nur ungern hatten die Christdemokraten
den Deckel von diesem H. gelupft (Spiegel 49, 1966. 65);
b) (nordd.) großes, hohes Glasgefäß; c) (Technik) zutn
Schmelzen von Glas verwendetes Gefäß aus feuerfester
Keramik: die Rohstofle werden in großen Häfen aus feuerfestem
Ton geschmolzen.
'Häfen: PI. von t 'Hafen; *Häfen [he:fnl. der; -s, - (österr.):
I. svw. t2Hafen (a). 2. (ugs.) Gefängnis: Es hätte für vier
oder fünf Jahre „Häfen" gelangt (Doderer. Dämonen 954);
<Zus. zu 2:> Häfenbruder, der (salopp): jmd.. der schon
im Gefängnis war; Häftling.
Hafen- ('Hafen): -abgäbe, die <meist Pl.>: Abgabe, die ein
Schiff bezahlen muß. um den Hafen mit sämtlichen Anlagen
benutzen zu können; -amt, das: Behörde, die den Verkehr
im Hafen beaufsichtigt u. regelt; -anlagen <P1.>: 1.
Gesamtheit aller zu einem Hafen gehörenden Einrichtungen. 2.
Gebiet einer / Binnen]Stadt, das zum Hafen ausgebaut wurde:
In Großstädten spielen femer kommunale H..
Omnibusbahnhöfe... eine bedeutende wirtschaftliche Rolle
(Fraenkel. Staat 163); -arbeiter, der: jmd.. der gegen Lohn
im Hafen bei Schiffsreparaturen, beim Ein- u. Ausladen
von Schiffen u. ä. beschäftigt ist; -urzt, der: Arzt der
Gesundheitsbehörde zur Überwachung u. Durchflihrung der
internationalen Gesundheitsvorschriften im Seeverkehr; -aufsieht.
die: Behörde, die die Kontrolle über den Hafen hat. die
die Aufgabe hat. den Hafen zu überwachen; -ausfahrt, die;
-bahn, die: im Hafengelände verkehrende Eisenbahn, die
den Hafen mit dem Eisenbahnnetz verbindet, dazu: -bahn-
hoff der; -bassin, das: svw. t checken; -bau, der <P1. -ten>;
checken, das: [abgeteiltes, für bestimmte Schiffe
reserviertes/ Wasserbecken in Hafenanlagen; -behörde, die: zur
Verwaltung des Hafens bestimmte Landesbehörde; -blocka-
de. die: Blockade eines feindlichen Hafens: -bucht, die;
-cafe, das: kleines Cafe im Bereich od. in der Nähe eines
Hafens: -dämm, der: svw. f-mole; -einfahrt, die: vgl.
-ausfahrt; -eingang. der; -feuer, das: Leuchtfeuer, das
die Hafeneinfahrt bezeichnet: -funk, der: Funkverkehr zwi-
schen dem Hafen u. den ein- od. auslaufenden Schiffen;
-"gasse. die: Gasse in der Nähe des Hafens; -gebühr, die:
svw. t -abgäbe; -gelande, das; -geld, das: svw. t -abgäbe;
-gesundheitsbehönle, die: Behörde, die
Gesundheitsvorschriften im Seeverkehr überwacht; -handbuch, das: Buch,
in dem Wassertiefen. Liegeplätze usw. der Häfen eines
bestimmten Gebiets genau verzeichnet sind; -kai. der; -kapi-
tän, der: Amtsperson, der die Verwaltung des Hafens unter-
steht; -kneipe, die: Kneipe im Bereich od. in der Nähe
eines Hafens; -kommandant. der: Hafenkapitän der
Kriegsmarine; -kran, der: Kran, der zu Arbeiten in Docks
verwendet wird; -lotse, der: Lotse, der Schiffe in die Docks
manövriert; -meister, der: Hajenkapitän eines kleinen Hafens;
-mole, die: Damm, der Hafeneinfahrt u. Hafen gegen
Brandung. Strömung u. Versandung schützen soll; -papiere <P1.>:
von der Hafenbehörde ausgestellte Papiere, die die Ein-
u. Ausfahrt eines Schiffes sowie seinen Aufenthalt im Hafen
betreffen: ..Ich warte nur noch auf die H.'\ sagte er (An-
dersch. Rote 258); -plan, der: Plan, der über Fahrwasser
u. Liegeplätze eines Hafens genaue Auskunft gibt; -pohzei,
die: Abteilung der Polizei, die für öffentliche Ordnung u.
Sicherheit im Hafen zuständig ist; -rundfahrt, die:
Rundfahrt durch den Hafen mit einem Kutter od. Motorboot;
-schenke, die: vgl. -kneipe; -Schiffahrt, die: -schifler,
der: jmd.. der in großen Häfen alle Arten von Schiffen
fährt od. schleppt u. auch laden u. löschen kann (Berufsbez.);
-Schlepper, der: Schlepper für den Dienst im Hafen;
^schleuse, die: Schleuse, die das Hafenbecken absperrt; -Stadt,
die: Stadt, die einen Hafen hat; -Umschlag, der: Gesamtheit
der Güter, die wahrem! eines bestimmten Zeitraumes in
einem Hafen umgeschlagen werden; -Verwaltung, die;
-viertel, das: Stadtgebiet, in dem der Hafen liegt: im düsteren,
schmutzigen, übelriechenden H.; -wache, die: vgl.
-aufsieht; -wasser,das<P1.-wasser): (meist stark verschmutztes,
übelriechendes) Wasser des Hafenbeckens: In der
plötzlichen Stille hörte ich das träge H. gegen die Schiffswan-
dung schlabbern (Fallada, Herr 57); -zoll, der: staatliche
Behörde, die fiir ausländische Erzeugnisse, die über den
Hafen eingefüfirt werden. Zoll erhebt.
Hafer [ha.fel, der; -s. (fachspr.:) - [(spät)mhd. haber, aus
dem Mittel- u. Niederd. < mniederd. haver(e) < asächs.
hafero. eigtl. = Futter für den Ziegenbock; vgl. Haber):
1117
Hafer-
a) Getreideart mit locker ausgebreiteten od. nach der Seite
ausgerichteten Rispen: H. anbauen, säen, ernten; der H.
steht gut. ist reif; b) Frucht der Haferpflanze: H. schroten,
mahlen, zu Haferflocken verarbeiten; H. ist u.a. ein
bekömmliches, schmackhaftes Kraftfutter; An H. braucht
das Pferd bei Heuhäcksel mindestens 5 Pfund (Dwinger.
Erde 50); * jmdn. sticht der H. (ugs.: jmd. ist [zu] übermütig:
urspr. von Pferden, die durch zu reichliche Fütterung von
Hafer übermütig werden; vgl. Haferstich): als habe es
sich... um den übermütigen Einfall von Kindern gehandelt,
die der H. sticht (Dönhoff. Ära 70); H. haben (landsch.
scherzh.; betrunken sein).
Hafer-: -brand, der <o. PI.) (Bot.): schwarzer, durch einen
Brandpilz verursachter krankhafter Belag auf dem Hafer:
-brei, der: dickflüssiger Brei, der aus Haferflocken u. Milch
od. Wasser zubereitet wird: -brot, das: Brot, das aus einer
Mischung von Mehl, Hafermehl u. anderen Zutaten gebak-
ken wird: -feld, das; pflocken <PL): von den Spelzen
befreite, in Form von Flocken gepreßte Haferkörner, die als
Nahrungsmittel dienen, dazu: -flockenbrei, der: svw. T-brei;
-gebäck, das: aus Hafergrieß u. anderen Zutaten
hergestelltes Gebäck: -grieß, der; -grütze, die: a) Grütze aus
Haferkörnern: b) Brei, Gericht aus Hafergrütze (a); -hart-
brand. der: svw. T -brand; -kakao, der: Mischung aus
Kakaopulver. Hafermehl u. Gewürzen: -körn, das <PI. -kör-
ner): Frucht des Hafers: -mark, das: vor dem Quellen u.
Walzen geschrotete Haferkörner: sehr feine
Haferflocken: -mehl, das: Mehl aus Hafer (b); -motor, der (ugs.
scherzh.): Pferd: Überall... Autos. Doch mittenmang wie
einst -e (Berliner Morgenpost 9. 10. 74. 3); -mudtgkeit,
die (Landw.): schlechtes Wachstum des Hafers bei
wiederholtem Anbau auf demselben Feld: -pflanze, die; -pflaume,
die Meli, in Vergleich mit dem als Unkraut wachsenden
wilden Hafer od. weil die Früchte mit dem Hafer
zusammen im August reifen]: als Baum od. Strauch wachsende
Pflaumenart mit kugeligen, gelblichgrünen od.
blauschwarzen, süßen Früchten: -sack, der: Futtersack, der
eingespannten Pferden zum Fressen um den Hals gehängt wird:
^schiebe, die: svw. t -pflaume; -schleim, der: sämiger Brei aus
mit Wasser gekochten Haferflocken (bes. als Krankenkost);
-schrot, der od. das: geschrotete Haferkörner: -stich, der:
(beim Pferd) Kolik, die durch zu viel Hafer im Futter
hervorgerufen wird: ^stroh, das: Stroh des ausgedroschenen
Hafers: H. ist ein gutes Rauhfutter für Pferde, dazu: -stroh-
bad, das: medizinisches Bad da) gegen rheumatische
Erkrankungen. Gelenkleiden u. Kreislaufbeschwerden, bei
dem dem Badewasser ein Sud von Haferstroh zugesetzt
wird: -suppe, die: Suppe mit Haferflocken od. Hafergrütze:
-würz, die: hoch wachsende Pflanze, deren Blätter dem Hafer
ähnlich sehen u. deren Wurzeln als Gemüse verwendet
werden.
Haferl ['haifell. Häferl |'he:fel], das; -s. -[nj [zu trafen]
(österr. ugs.): a) Tasse; b) Nacht topf; <Zus.:>
Haferliandung, die (Skispringen Jargon): Landung des
Skispringers mit leicht gespreizten, in den Knien eingeknickten
Beinen, parallel geführten Skiern u. Rücklage bei vorgeneigtem
Oberkörper (als .sei der Springer im Begriff, sich auf einen
Nacht topf zu setzen): Haferlschuh, der [der Schuh wurde
scherzhaft mit einem ..Haferl" verglichen] (österr.): derber,
fester Halbschuh, Sport schiJi, dessen Verschnürung von einer
in Fransen auslaufenden Lasche überdeckt wird.
Haff [hafl» das: -[eis. -su. -e [aus dem Niederd. < mniederd.
haf = Meer, viell. eigtl. = das sich Hebende, hohe See]:
durch eine Nehrung od. Inseln vom offenen Meer
abgetrenntes Gewässer an einer Flachküste: weil die Nehrungen und
-e wegen des Fehlens des Nilschlamms immer mehr ...
überspült werden (MM 23. 12. 74. 3); <Zus.:> H^fiküsle.
die: Küstenstreifen mit aneinandergereihten Haffen.
Hafis ['ha:fisl. der: - [arab. Ijäfi?]: in den islamischen Ländern
Ehrentitel eines Mannes, der den Koran auswendig kennt.
Haflinger [ha:flinB]. der; -s. - [nach dem Südtiroler Dorf
Hafling (ital. Avelengo) bei Meran]: kleines, gedrungenes
Gebt rgspferdmit meist braunem Fell, heller Mälineu. hellem
Schweif, das besonders als Zug- u. Tragtier eingesetzt wird:
<Zus.:> Haflingergestüt, das.
Hafner ['ha:fne], (auch:) Hafner ['hE:fnp], der: -s, - [zu t -^Ha-
fen] (südd., österr.. Schweiz.): Töpfer, Kachel/Ofensetzer
(Berufsbez.);<Abl.:>Hafnerßi,die;-,-en: Töpferei,
Ofensetzerwerkstatt: <Zus.:> Hafnerkeramik, die: mit / Bleilglasu-
ren verzierte Keramik.
Hafnium [ha(:)fnium]. das; -s [nach dem nlat. Namen Haf-
nia für Kopenhagen, den Wohnsitz des dän. Physikers
N. Bohr (1885-1962). der das mit Röntgenstrahlen
entdeckte Element theoretisch vorhersagte]: ein glänzendes,
leicht walz- u. ziehbares Metall (chemischer Grundstoff);
Zeichen: Hf
'Haft [hart], die; - [mhd. haft = Fesselung. Gefangenschaft;
Beschlagnahme, ahd. hafta]: 1. Gewahrsam, Gefängnis: aus
der H. entfliehen; jmdn. aus der H. entlassen, in H. halten,
behalten; sich in H. befinden; Ü aus der ewigen H. des
Grabes gibt es kein Entfliehen (Mostar. Unschuldig 16);
Dann aber ließ sich mein Gefühl nicht mehr in der H.
halten (Hagelstange. Spielball 72); *jmdn. in Haft nehmen
(jmdn. inhaftieren): Anfang Juni 1959 wird Pohlmann
wegen ... zu 16 Monaten Gefängnis verurteilt. Jedoch nicht
sofort in H. genommen (Noack. Prozesse 12). 2. Haftstrafe:
!leichte] Freiheitsstrafe: daraufstehen fünf Tage H.; seine
H. verbüßen; er wurde zu lebenslänglicher H. verurteilt.
2Haft [-]. der; -[e]s. -e[n] (veraltet): Haken; Spange; etw.,
was etw. anderes zusammenhält.
Hi^ft-, H^ft- ('Haft): -anordnung,die: Anordnung einer Haft:
-anstatt, die: Gefängnis, Strafanstalt; -aussetzung, die
(Jur.): vorübergehende Unterbrechung der Haft; -befehl,
der (jur.): schriftliche richterliche Anordnung zur Verhaftung
einer Person: Schon hat sich der Verdacht so verdichtet,
daß ... H. gegen sie ausgestellt wird (Noack, Prozesse
159); -beseh werde, die (jur.): unbefristetes Rechtsmittel,
das der Beschuldigte gegen einen Haftbefehl anwenden kann;
Miauer, die: Dauer des Freiheitsentzugs, zu dem jmd.
verurteilt wurde; -entlassene, deru. die; -n, -n <Dekl. t
Abgeordnete): jmd., der aus der Haft entlassen worden ist;
-Entlassung, die; -entsdiädigung, die (jur.): finanzielle
Entschädigung, die jmdm. für eine nicht gerechtfertigte Haft von
staatlicher Seite zuteil wird; -erleichterung, die; -erste-
hungsunßttiigkeit, die (Schweiz.): svw. t-Unfähigkeit;
-fähig <AdJ.; o. Steig.; nicht adv.) (Ggs.: -unfähig), dazu:
-fähigkeit, die <o. PI.) (jur.): körperlicher u. geistiger
Zustand eines Gefangenen, der die Durchführung der Haft
gestattet (Ggs.: -Unfähigkeit); -gnind, der (Jur.): Grund,
die Untersuchungshaft anzuordnen; -komplex, der: svw.
t -psychose; -phifiing,die (Jur.): Prüfung* ob ein Haftbefehl
berechtigt war od. Haftverschonung anzuordnen ist; -prii-
fungsverfahren, das (Jur.): innerhalb bestimmter Fristen
erforderliche richterliche Nachprüfung der Voraussetzungen
für die Fortdauer der Untersuchungshaft; -psychose, die:
heftige psychische Erregungszustände o.a., mit denen ein
Häftling auf die Erfahrung des Inhaftiertseins u. Isoliertseins
reagiert; -reaktion.die: vgl. -psychose; -richter. der:
Richter beim Amtsgericht, der, sobald eine verdächtige Person
festgenommen wurde, den Haftbefehl erläßt u. prüft, ob
dieser aufrechtzuerhalten ist; -strafe, die (jur. früher): von
einem Gericht verhängte Freiheitsstrafe; -Überprüfung, die:
svw. t-prüfling; -unfähig <AdJ.; o. Steig.; nicht adv.):
nicht haftfällig (Ggs.: -fähig), dazu: -Unfähigkeit, die (jur.)
(Ggs.: -fähigkeit); -Unterbrechung, die (jur.): svw. f-aus-
setzung; -Urlaub, der (jur.): befristete Entlassung aus der
Haft; -Verschärfung, die; -verschonung, die (jur.):
Aussetzung des Vollzugs eines Haftbefehls, wenn weniger
einschneidende Maßnahmen den Zweck der Untersuchungshaft zu
erfüllen versprechen; -zeit, die: Zeit, in der jmd. eine
Haftstrafe verbüßt.
^ft-, Hgft- ('haften): -creme, die: vgl. -salbe; -etikett,
das: selbstklebendes Etikett: -fähig <Adj.; nicht adv.):
fähig, imstande, an etw. zu 'haften (a. c). dazu: -fähigkeit,
die <o. PL); -«las. das <meist PI.): als Brillenersatz
dienende, dünne, durchsichtige kleine Kunststoffschale, die auf
die Hornhaut des Auges gesetzt wirdu. durch Kontakt [mit
der Augenflüssigkeit / haftet; -grenze, die: Grenze der Haft-
fäliigkeit: wenn man die H. der rollenden Räder
überschreitet (Frankenberg, Fahren 76); -haar, das (meist PL): an
den Beinen verschiedener Insekten ausgebildetes, weiches,
röhrenförmiges Haftorgan; -linse, die: svw. t -glas; -organ,
das <meist PL): Körperorgan, mit dessen Hilfe manche
Pflanzen od. Tiere an [glatten] Flächen Halt finden: echte
Gebirgsbachfische mit eigenartigen -en (Thienemann.
Umwelt 82); -reibung, die (Physik): Reibung zweier fester Kör-
per, die in dem Augenblick wirksam wird, in dem sie sich
in Bewegung setzen: wo doch die rollenden Räder eine
optimale H. besitzen (Frankenberg, Fahren 80), dazu: -rei-
bungskraft, die: Kraft, die durch Haftreibung hervorgerufen
1118
hagel-, Hagel -
wird, -reibungszifler, die: Ziffer, die die Stärke der
Haftreibung ausdrückt; ^salbe. die (Pharm.): Salbe, deren spezielle
Grundlage auf Schleimhäuten u. verletzten Hautstellen
besonders gut haftet; ^schale, die <meist Pl.>: svw. T^glas;
^schmiere, die: Mineralölprodukt zum Schmieren von
Maschinen, das auch bei schlechter Witterung haftet;
^Spannung, die (Physik): mechanische Spannung, die an der
Grenzfläche zwischen einer Flüssigkeit u. einem festen Körper
wegen unterschiedlicher Größe der molekularen
Anziehungskraft auftritt; -vermögen, das <o. Pl.>: svw. Nfähigkeit;
-Wirkung, die: alle Träger von Zahnprothesen
bescheinigten dem Präparat eine ungewöhnliche Haftwirkung; ^ze-
her, der: Vertreter der Familie der T Geckos.
^ft-, FLjft- (2haften): -pflicht, die: vom Gesetz
vorgeschriebene Verpflichtung zum Ersetzen eines Schadens, der einem
anderen zugefügt wurde, dazu: -pflichtig <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.>: verpflichtet zu haften: Eltern werden für den
durch ihr Kind verursachten Schaden h. gemacht; er ist
für den entstandenen Schaden h., -pflichtversichert <Adj.;
o. Steig.; nicht adv.): h. sein, -Pflichtversicherung, die:
Versicherung, die für den Versicherungsnehmer anfallende
Schadensersatzpflichten übernimmt; -summe, die (Bankw.):
Betrag, mit dem die Mitglieder einer Genossenschaft über
ihren Geschäftsanteil hinaus haften.
Haftara [hafta'ra:]. die; -, ...roth [hebr. haflar^h =
Abschluß) (jüd. Rel.): Lesung aus den Propheten im jüdischen
Gottesdienst an Sabbaten. Festen u. Fasttagen.
haftbar [haftba.g] <Adj.) in den Verbindungen jmdn. für
etw. h. machen (bes. jur.; jmdn. für etw. verantwortlich
machen, zur Rechenschaft ziehen [ u. Schadenersatz
verlangen]): er kann für den Unfall nicht h. gemacht werden
(haftet nicht im Sinne der Haftpflicht dafür); fiir etw. h.
sein (bes. jur.; für etw. bürgen, haften, einstehen müssen):
für den Schaden, für die Schulden, persönlich [nicht] h.
sein; Ü wenn man fiir fünfhundert Millionen Gläubige
... h. ist (die Verantwortung hat; Hochhuth, Stellvertreter
85). dazu: Haftbarkeit, die; -: svw. T Ersatzpflicht.
Haftel ['haftlj (südd.. österr.). Heftel ['heftl] (thüring.. ober-
sächs.), das; -s. - Izu t ^aft]: Häkchen u. Öse zum
Zusammenhalten eines Kleidungsstückes: ein H. annähen; Immer
war ihr Anzug tadellos, ... nie war ein Haftel offen an
ihrem Kleid (Fussenegger. Haus 235). dazu: Heftelmacher,
Heftelmacher, der; -s. -: jmd.. der Haftel herstellt; *
aufpassen wie ein H. (landsch.; ganz genau, sehr gespannt
aufpassen): häfteln, heftein [heftlnl <sw. V.; hat) (landsch.): durch
ein Haftel schließen; mit einem Haftel befestigen; 'haften
I'haftn) <sw. V.; hat) [mhd. haften, ahd. haften]: a) auf
Grund seiner Haftfähigkeit in bestimmter Weise an. auf
etw. festkleben: das Klebeband, das Etikett haftet gut,
schlecht; das Pflaster haftete nicht auf der feuchten Haut;
b) sich [hartnäckigJ an. auf der Oberfläche von etw.% in
einem Material festgesetzt haben: Staub. Schmutz, Farbe
haftet an Kleidern u. Schuhen; das Parfüm haftet lange
auf der Haut; in ihren Haaren haftete Zigarettenrauch;
schimmernde Tropfen hafteten ... auf den Blättern der
Rose (Th. Mann, Hoheit 195); an den Sohlen gelben,
zäh haftenden Lehm (Kaschnitz, Wohin 66); Ü ein Makel
haftet an ihm (er ist mit einem Makel belmftet. trägt einen
Makel an sich); bei ihm haftet nichts (ugs.; er hat ein
sehr schlechtes Gedächtnis, vergißt alles wieder): Sein Blick
haftete auf dem grünen Glasbassin (er schaute es
unverwandt an; A. Zweig, Claudia 116); haftende Eindrücke;
c) (in bezug auf die Reifen eines Autos) Bodenhaftung
haben: auf der regennassen Straße haften die Reifen
schlecht; taften 1-1 <sw. V.; hat) [mhd. (Rechtsspr.) haften
= bürgen): a) für jmdn.. jmds. Handlungen, für etw. die
2Haftung tragen, im Falle eines eintretenden Schadens o. ä.
Ersatz leisten müssen: Eltern haften für ihre Kinder; wir
haften nicht für Ihre Garderobe; die Transportfirma haftet
für Beschädigungen; die Versicherung hat nicht gehaftet;
für jmds. Schulden h. (jur.; bürgen. Sicherheit leisten):
b) (jur.; Wirtsch.) als Gesellschafter eines Unternehmens,
als Unternehmen in bestimmter Weise mit seinem Vermögen
eintreten müssen: beschränkt, unbeschränkt, einzeln,
gesamtschuldnerisch, mit seinem Vermögen h.: ein persönlich
haftender Gesellschafter; auf Schmerzensgeld.
Schadenersatz h. (jur.; im Hinblick auf Schmerzensgeld. Schadenersatz
die Haftung tragen): c) für jmdn.. etw. einem anderen
gegenüber verantwortlich sein, die Verantwortung tragen,
einstehen müssen: er haftet [mirl dafür, daß sich keine
Zwischenfälle ereignen, daß niemandem etwas zustößt: nun hafte
die Stadt mit ihrer Ehre für... die Kaiserin (für ihre
Sicherheit; Benrath, Konstanze 78); haftenbleiben <sw. V.; ist):
1. auf Grund seiner klebrigen o.a. Beschaffenheit an etw.
hängenbleiben, haften (b): große Erdklumpen waren an
den Schuhen haftengeblieben; Fäden. Flusen bleiben auf
dem Teppich haften; daß die Druckerschwärze nur an
den mit der Zeichnung bedeckten Stellen haftenbleibt (Bild.
Kunst 3. 89); Ü die traurigen Ereignisse waren ihm lange
im Gedächtnis haftengeblieben (geh.; er hatte sie nicht
vergessen können). 2. (ugs.) im Gedächtnis bleiben; zum
geistigen Besitz werden: von den Vorlesungen, dem Vortrag
ist nicht viel haftengeblieben; „Schön44 und „schauerlich44,
diese beiden Worte sind mir haftengeblieben (Kempowski.
Immer 83); Häftling ['heftlinJ. der; -s, -e: jmd.. der sich
in Haft befindet; Gefängnisinsasse: die -e hätten Anschläge
ausgebrütet, die bayerische Regierung zu stürzen (Nie-
kisch. Leben 95). dazu: H^ftlingshilfe, die <P1. selten)
(Bundesrepublik Deutschland): durch Gesetz festgelegte
Unterstützung für politische Häftlinge u. deren Angehörige; H#ft-
lingskleidung, die: Kleidung, die der Häftling in der Zeit
seiner Haft tragen muß.
'Haftung fhaftui)], die; -: Kontakt, Verbindung zu etw.:
da hatten alle ihre Fahrt so stark verringert, daß sie die
H. mit dem Boden nicht mehr verloren (Maegerlein, Piste
44); 2Haftung [-], die; -. -en <P1. selten) [mhd. haftunge
= Verhaftung; Beschlagnahme; Bürgschaft; Haftgeld]: 1.
das 2Haften (a); Verantwortlichkeit für den Schaden eines
anderen: ein Hundebesitzer trägt die H. für Schäden, die
sein Tier eventuell verursacht. 2. das 2Haften (b): die H.
der Gesellschafter des Unternehmens; Gesellschaft mit
beschränkter H.
H^ftungs- (:Haftung): ^ausschhiß, der (jur.): vertragliche
Vereinbarung, daß die Verantwortlichkeit einer Person in
bestimmten Fällen ausgeschlossen od. beschränkt ist; ^be-
scheid. der (Steuerw.): Bescheid des Finanzamts, daß jmd.
anders neben od. anstelle des Steuerpflichtigen für die
Zahlung der Steuer haftet; -beschränkung. die (Steuerw., jur.):
Beschränkung der Haftung.
Hag [ha:k], der; -[e]s. -e. Schweiz.: Häge [he:gd; mhd. hac.
ahd. hag = Einhegung] (dichter, veraltend, noch Schweiz.):
a) Hecke; Einfriedung aus Gebüsch o.a.; b) Iumfriedeter]
Wald: ein H. von Tannen starrte gesplittert, kronenlos
(Kaschnitz. Wohin 39).
hgge-, Hage-: -buche, die: f Hainbuche; -butte, die;
-, -n [spätmhd. hage(n)butte, zu mhd. hagen =
Dornbusch u. butte = Frucht der Heckenrose]: a) kleine,
orangefarbene bis rote Frucht der Heckenrose]; b) (ugs.)
Heckenrose, zu a: -buttenmarmelade, die: aus dem
Fruchtfleisch der Hagebutte zubereitete Marmelade, -but-
tenmus. das: vgl. -buttenmarmelade, -buttentee, der: aus
getrockneten Hagebutten (a) hergestellter Tee; -buttenwein,
der: aus Hagebutten bereitetes, weinähnliches Getränk;
-dorn, der <P1. -e>: svw. T Weißdorn; -stolz, der; -es, -e
[mhd. hagestolz, volksetym. umgedeutet aus älterem hage-
stalt < ahd. haga-, hagustalt; 2. Bestandteil zu einem
germ. Verb mit der Bed. „besitzen", also eigtl. =
Hagbesitzer. Besitzereines (umfriedeten) Nebengutes, dessen
Kleinheit einen Hausstand nicht erlaubte] (veraltet): älterer,
eingefleischter, etwas kauziger Junggeselle.
Hagel [ha:gj], der; -s. - <P1. selten) [mhd. hagel. ahd. hagal,
eigtl. = kleiner, runder Stein]: 1. Niederschlag in Form
von meist erbsengroßen, körnigen Eisstückchen: der H.
zerschlägt die Saat, prasselt, trommelt gegen die Scheiben;
das heulende Elend stürzt wie H. auf mich los (Remarque,
Obelisk 236). 2. wie ein Hagelschauer niedergehende große
Menge von etw.: ein H. von Steinen. Geschossen. Hieben;
im H. der Bomben sank die Stadt in Schutt und Asche.
3. (Jägerspr.) grobes Schrot.
hagel-, Hagel-: ^bö. die: Bö, die Hagel mit sich führt: Mljcht
<Adj.; o. Steig.; nicht präd.) (selten): sehr dicht (so wie
die Hagelkörner während eines Schauers niedergehen): -e
Hiebe; die Schläge fallen h.; -dtfrr <Adj.; o. Steig.; nicht
adv.): überaus dürr u. knochig: ein -er Kerl; Hinter dem
... Koloß reckt sich ... ein -es Männlein (Fr. Wolf.
Menetekel 21); ^feier. die (kath. Kirche): Bittgottesdienst u.
Flurprozession zum Schutz der Felder vor Hagelschlag; ^ge-
schmack. der: unangenehmer Beigeschmack des Weines,
der sich nach Hagelschlag durch die Pilzflora in den
angeschlagenen Weinheeren entwickeln kann; ^korn, das: 1.
1119
hageln
einzelnes Eisstückchen des Hagels (1). 2. (Med.)
hagelkorngroße Geschwulst unter der Haut des Augenlides; ^nai
<Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (landsch.): ganz neu: -schaden,
der: Schaden, der durch Hagelschlag verursacht wird;
-schauer, der: plötzlicher, nur kurze Zeit niedergehender
Hagel; -schieden, das: früher bes. im Alpengebiet
verbreitetes, gegen die Wolken eines vermeintlichen Hagelwetters
gerichtetes Schießen mit Kanonen, Böllern o. ä., um
Hagelschlag zu vermeiden; -schlag, der: heftig niedergehender,
Schäden anrichtender Hagel [mit großen Körnern!: fast
die gesamte Ernte wurde durch H. vernichtet; -schloße,
die (landsch.): svw. t^kom; -schnür, die [nach den
Gliedern des Eiweißstrangs, die an Hagelkörner erinnern]
<meist PI.) (Zool.): paariges, spiralig gedrehtes Gebilde
im Eiklar von Vogeleiern; -stürm, der: heiße Sonne. Hagel-
und Föhnstürme, wie man es hier im Dezember erleben
kann (Kaschnitz. Wohin 107); -Versicherung, die:
Schadenversicherung, hei der der Versicherer für den Schaden haftet,
der bes. an Getreide durch Hagelschlag entsteht; ^werter.
das: Unwetter mit Hagelschlag: ein H. prasselte auf uns
herab; Ü darauf entlud sich ein neues H. von
Schimpfworten (Hauptmann. Thiel 17); -zucker. der: grobkörniger
Zucker zum Bestreuen von Backwerk: Man bestreicht sie
... mit Milch ... und bestreut sie ... mit ... grobem H.
(Hom. Gäste 238).
hageln [ha:g|n] <sw. V.; hat) [mhd. hagelen]: 1. <unpers.)
(von Niederschlag) als Hagel zur Erde fallen: es fängt
an zu h.; gestern hat es während des Gewitters gehagelt:
es hagelt Taubeneier (ugs.; es fallen Hagelkörner so groß
wie Taubeneier). 2. (auch unpers.) in dichter Menge
niederprasseln, überjmdn.. etw. hereinbrechen: Geschosse.
Bomben hagelten auf die Stellungen; Ü es hagelt
Verwünschungen. Fragen. Proteste. Vorwürfe.
hager [ha:gB] <Adj.; nicht adv.) [spätmhd. hager. H. u.]:
(auf den menschlichen Körper od. einzelne Körperteile
bezogen) mager u. sehnig od. knochig, ohne Rundungen I dazu
häufig groß, hoch aufgeschossen/: ein -er Alter; -e Arme.
Finger; einen -en Hals, ein -es Gesicht, eine -e Gestalt.
Statur haben; Svob, sonnengebräunt; ... dazu etwas -er.
jedenfalls straff im Gesicht (Frisch. Gantenbein 375).
Hager [he:gt?]. Heger l'he:gB], der; -s. - [viell. zu t Höcker!
(landsch. veraltet): Sandbank (bes. in Flußmündungen).
Hagerkeit, die; -: das Hagersein: sehnige H.; über dem
Gesicht, dessen intelligente H. ... humorvoll durchleuchtet
war (Maass.Gouffe 78); hagern <sw. V.; ist) (selten):
abmagern; hager werden: ihre Beine ... waren auf... die Knochen
gehagert (Fussenegger. Haus 561).
Hagestolz: thage-, Hage-.
Haggada[hagada:].die;-....dQth[hebr. haggad^h =
Erzählung]: erbaulich belehrende Erzählung biblischer Stoffe in
der talmudischen Literatur.
Hagiograph [hagio'gra.f], der; -en. -en [zu griech. hägios
= heilig u. t-graphl(bildungsspr.): Verfasser von
Heiligenleben; Hagiographa [ha'gjo:grafaJ. Hagiographen (hagjo-
gra:fnj <P1.) [griech. hagiographa = heilige Schriften]
(Rel): griechische Bezeichnung des dritten (vor allem
poetischen) Teils des Alten Testaments; Hagiographie [hagiogra-
Ti:].die; -. -n [...i:an; t-graphie] (bildungsspr.): Erforschung
u. Beschreibung von Heiligenleben; hagiographisch <Adj.;
o. Steig.) (bildungsspr.): die Hagiographie betreffend; Ha-
giobtrie [...laut], die; -. -n [...i:on; zu griech. latreia =
Gottesdienst! (bildungsspr.): Verehrung der Heiligen; Ha-
giologk« die; - [T-Iogiel (bildungsspr. veraltend): svw. t
Hagiographie. dazu: haglologisch <Adj.: o. Steig.)
(bildungsspr.): svw. thagiographisch; Hagionym [...ny:ml.
das; -s, -e [griech. önyma = Name] (bildungsspr.):
Deckname, der aus dem Namen eines Heiligen od. einer kirchlichen
Persönliclikeit besteht.
haha! fha'hat:)]. hahaha! [haha'ha(:)J Ontcrj.): lautm. das
Lachen wiedergebender Ausruf.
Häher [*he:E]. der; -s. - [mhd. heher. ahd. hehara. lautm..
eigtl. = Vogel, der ..kik" macht]: (in verschiedenen Arten
vorkommender) größerer, in Wäldern lebetuier Vogel mit
buntem Gefieder, der helle, krächzemle Warnrufe ausstößt.
Hahn [ha.nl. der; -[eis, Hähne ['heindj. lächspr.. landsch.
auch: -en [ 1: mhd. hane.ahd. hano. lautm.. eigtl. = Sänger;
2: weil sie früher oft die Gestalt eines Hahns hatte; 3:
nach der Ähnlichkeit mit dem Kopf eines Hahns]: 1.
<Vkl.T Hähnchen) a) <PI. Hähne) männliches Haushuhn:
ein stolzer H.; die Hähne krähen, scharren; er stolziert
umher wie ein H. [auf dem Mist]; die beiden gingen wie
Junge Hähne aufeinander los; Hähnchen mästen, braten,
grillen; R wenn der H. Eier legt (scherzh.; niemals): wann
wird er mit dieser Arbeit wohl fertig werden? Wenn der
H. Eier legt; Spr ein guter H. wird selten fett; wenn der
H. kräht auf dem Mist, ändert sich das Wetter, od. es
bleibt, wie es ist; * der gallische/welsche H. (Sinnbild
Frankreichs); H. im Korb sein (ugs.; der einzige Mann in einem
Kreis von Frauen sein; Hauptperson, Liebling sein in einem
bestimmten Kreis; viell. zu Korb in der übertr. Bed.: der
ganze Hühnerhof); nach imdm., etw. kräht kein H. (ugs.;
niemand kümmert sich um jmdn., etw.. fragt nach jmdm.,
etw., vermißt jmdn.. etw.. interessiert sich [ noch] für jmdn..
etw): Wahrscheinlich würde kein H. danach krähen, wenn
ich sie (= die Akten) auf offener Straße verbrennen würde
(v. d. Grün. Glatteis 226); von etw. so viel verstehen wie
der H. vom Eierlegen (ugs.; von etw. nicht die mindeste
Ahnung haben): imdm. den roten H. aufs Dach setzen
(veraltet; jmds. Haus anzünden; viell. nach einem [Gaunerlzei-
chen, einem mit Rötel gezeichneten Hahn, das den
Bedrohten einschüchtern sollte, od. nach der Ähnlichkeit des
Hahnenkamms mit der auflodernden Flamme); vom H.
betrampelt/beflattert sein (salopp; nicht recht bei Verstand,
bei Sinnen sein): den soll ich stören? Ich bin ja nicht
vom H. beflattert (A. Zweig. Grischa 341); b) <P1. -en)
(Jägerspr.) männliches Tier von Auer- u. Haselwild, von
Trappen u. Fasanen: Von -en. Hirschen und Hütten
(Buchtitel 1967). 2. <PI. Hähne) Wetterfahne lauf Kirchtürmen],
deren Form der Gestalt eines Hahnes nachgebildet ist. 3.
<PI. Hähne, landsch., fachspr.: -en) Vorrichtung zum
Öffnen u. Schließen von Rohrleitungen: ein undichter H.; der
H. des Wasserbeckens, des Gasherdes, des Bierfasses; der
H. tropft; alle Hähne aufdrehen, ab-, zudrehen, öffnen,
schließen; Wasser aus dem H. laufen lassen; er hat
sämtliche -en aufgedreht (Frisch. Stiller 280). 4. <P1. Hähne)
Vorrichtung an Schußwaffen zum Auslösen des Schusses;
den H. spannen; Er nahm sie (= die Büchse) herunter,
spannte sie. stach den H. ein. suchte ein Ziel (Löns. Gesicht
22S); Hähnchen ['he:n^n]. das; -s. -: f Hahn (1); Hahnefaal-
ken ['ha:na-]. der; -s. - (landsch.): svw. f Hahnenbalken:
Er mußte auch bis unter den H. der Scheune klettern
(Fallada. Herr 183).
Hahnebampel [ha:ndbampl]. der; -s. - [md.. zu: Hann(e)
= Kurzf. von: Johannes u. Bampel = gutmütiger Trottel]
(landsch. Schimpfwort): schwerfälliger, ungeschickter
Mensch.
Hahnen- (Hahn I): -balken, der [auf diesen Balken setzte
sich nachts der Haushahn] (Bauw.): die Dachsparren
verbittender Querbalken im Dachgerüst eines Hauses, ^fe-
der. die: farbige Schwanzfeder eines Halms (1 a); ^fuß.
der: (in vielen Arten vorkommende) giftige Wiesenblume
mit kleinen gelben od. weißen Blüten u. hahnenfußähnlich
geformten Blättern, die in großer Zahl bes. auf Wiesen
wächst, dazu: -fußgewächs, das: Vertreter einer
Pflanzenfamilie mit vielen Gattungen u. Arten, meist als Kräuter mit
hahnenfußähnlich geformten Blättern; -kämm* der: I.
fleischiger, roter, gezackter Hautlappen auf dem Kopf des
Hahnes (1 a). 2. (ugs.) Bez. für verschiedene Pflanzen (z.B.
Fuchsschwanz 2, Traubenziegenbart. wegen der
Ähnlichkeit mit einem Hahnenkamm 1). 3. (ugs.) svw. f Haartolle
(a); ^kampf. der: 1. (in Spanien, Mexiko u.a. veranstalte-
ter) Wettkampf zwischen zwei abgerichteten / w. mit eisernen
Sporen versehenen] Hähnen (1 a). 2. (Gymnastik) Übung,
bei der jeweils zwei Teilnehmende mit auf der Brust
verschränkten Armen, auf einem Bein hüpfend, versuchen,
einander zu rempeln, bis einer das Gleichgewicht verliert u.
das angezogene Bein auf den Boden setzen muß; ^küken.
das: männliches Küken des Haushufms: (könnten) Hühner
nach Wunsch des Züchters nur Hahnen- oder
Hennenküken ausbrüten (Spiegel 20, 1968, 170); ^ruf. der: svw.
t ^schrei; ^schrei, der: das morgendliche Krähen des Hahnes
(1 a) kurz vor od. bei Sonnenaufgang: beim, mit dem ersten
H. aufstehen, aus dem Bett springen; -schwänz, der:
Gesamtheit der Schwanzfedern des Hahnes; -sporn, der: nach
hinten zeigender, dicht über dem Fuß sitzender, sporenartiger
Auswuchs am hinteren Teil des Beines beim Hahn (1 a);
stritt, der: 1. kleine, weißliche Keimscheibe auf dem
Eidotter. 2. <o. PI.) (Textilind.) svw. t^trittmuster. 3. (beim
Pferd) fehlerhafter Gang mit ruckartigem Hochheben eines
od. beider Hinterbeine, zu 2: -trittmuster. das (Textilind.):
1120
Haken
Muster aus kleinen Karos von bestimmter Form, die an
den Fujiabdruck eines Hahnes erinnert.
Hahnepot ['ha:ropo:t]. der. auch: das; -s. -en. selten: die;
-. -en [niederd. = Hahnenpfote, nach der Ähnlichkeit
mit dem Fuß eines Hahnes] (Seemannsspr.): Tau mit zwei
od. mehreren auseinanderlaufenden Enden, die an
verschiedenen Stellen einer hochzuhebenden Last o. ä. angebracht wer-
den.
Hahnium ['ha:n|om]. das; -s [von den USA vorgeschlagene
Bez. nach dem Entdecker der Kernspaltung Otto Hahn
(1879-1968)1: das Transuran 105; Zeichen: Ha
Hahnrei [ha:nrdil. der;-s.-e [aus dem Niederd. < spätmnie-
derd. hanerei; 2. Bestandteil svw. .JCastrat". also eigtl.
= verschnittener Hahn; vgl. jmdm. Hörner aufsetzen
(tHorn 1)1 (geh.. veraltend): Eliemann. den seine Frau mit
einem anderen Mann betrogen hat: sie hat ihn zum H.
gemacht; Bin ich ein geborener H.? (Remarque. Obelisk
174).
Hai [haj], der; -[eis. -e [niederl. haai < isländ. hai < anord.
härj: 1. im Meer lebender, großer, gefährlicher Raubfisch
mit an der Unterseite weit zurückliegendem Maul, in dem
in mehreren Reihen spitze Zähne stehen, u. mit großer
Schwanzflosse, deren oberer Teil beim Schwimmen aus dem
Wasser ragt. 2. (ugs. abwertend) skrupelbser. profitgieriger
Geschäftsmann. Unternehmer: Dieser H. ... will verdienen
wie jeder ehrliche Geschäftsmann (Remarque. Obelisk 45).
Haiduck: f Heiduck.
Haifisch, der; -[eis. -e: svw. T Hai.
Haifisch-: -flösse, die: Die Trümmer... hoben sich in das
Horizontfiimmem gleich düsteren -n (Plievier. Stalingrad
201). dazu: ^flossensuppe, die: Suppe aus den Flossen des
Hais: -gebiß, das (ugs. abwertend): Gebiß mit sehr spitzen,
scharfen Zähnen: so wild er mit seinem eisgrauen Vollbart
und dem gelben H. auch aussah (Schnurre. Bart 42); -haut.
die (Textilind.): Gewebe aus mattiertem Reyon. dem ein
Muster eingeprägt ist. das der Haut des Haifischs ähnelt:
-kragen, der [nach der Ähnlichkeit mit einem geöffneten
Haifischmaul] (Mode): breit auslaufender Hemdkragen mit
spitzen Enden: der starre H. mit einem geflissentlichen
Schlips (Johnson. Mutmaßungen 99). dazu: -kragenhemd.
das: Hemd mit einem Haifischkragen: Anzug mit H. und
schwarzem Schlips (Johnson, Mutmaßungen 170); -leder.
das: gegerbte, geschliffene Haut des Haifischs. die zum
Beziehen von Dosen. Schirm- u. Stockgriffen u. ä. verwendet
wird.
Haik [h^jkl. das od. der; -[s], -s [arab. fyä'ik]: (insbes. von
der ärmeren Bevölkerung in Nordafrika getragenes)
Kleidungsstück, das aus einem langen, breiten Stoffstreifen
besteht, der beim Verlassen des Hauses über Kleid u. Kopf
drapiert wird.
Haikai [h^k^l. Haiku [h<üku], (auch:) Hokku [hoku],
das; -[s], -s [jap. hai-kai. hai-ku]: japanische Gedichtform,
bestehend aus drei Zeilen mit zusammen 17 Silben.
Hain [hain], der; -[e]s. -e [mhd. (md.) hain < mhd. hagen,
ahd. hagan = Domgesträuch; vgl. Hag] (dichter, veraltet):
kleiner lichterJ Wald: ein sonniger H.; die schlanken
Buritf-Palmen. die als lichte -e den Fluß auf beiden Seiten
säumen (Zeit 20.11. 64, 30); ein heiliger H. (unantastbarer
Zufluchtsort im Kult verschiedener Religionen).
hain-. Hain-: ^artig <Adj.; o. Steig.): einem Hain ähnlich
angelegt: der Waldaufbau locker u. h. (Mantel. Wald 25);
-blume. die [nach der Übersetzung des nlat. bot. Namens
Nemophila.zugriech, nemos = Hain u. phflos =
freundlich. Freund, nach dem Standort]: krautige Pflanze mit
gelappten od. geschlitzten Blättern u. glockenförmigen
weißen, blauen od. gefleckten Blüten, die als Rabatte od. zum
Einfassen von Beeten angepflanzt wird: -buche, die [nach
der häufigen Verwendung zu Einfriedungen (T Hain. Hag)
u. wegen der Ähnlichkeit des Stammes u. der Blätter mit
der Buche]: Laubbaum mit glatter Rinde, hartem, knorrigem
Holz, gesägten Blättern u. hängenden, kätzchenähnlichen
Blütenständen, der bei enger Pflanzung u. entsprechendem
Schneiden als Hecke gezogen wird.
Hair-Stylist ['he:?st^ihst]. der; -en, -en [anglisierende
Bildung aus engl, hair = Haar u. stylist = Formgestalter.
t Stylist]: (bes. um Modernität bemüluer) Friseur mit
künstlerischem Anspruch (der modische, individuelle Frisuren
entwirft).
Haitienne [(h)ai'tien], die; - [frz. haitienne. nach der Insel
Haiti]: feingerippter, taftartiger Rips aus Naturseide od.
Reyon mit abwechselnd stärker u. schwächer betonten
Rippen.
Hajime [hacfeime] <o. Art.) (Budo): Kommando des
Kampfrichters, mit dem er die Kämpfer auffordert, den Kampf
zu beginnen.
Hakama ['hakama] <o. Art.) (Budo): plissierter Hosenrock,
wie er beim Kendo getragen wird.
Häkchen l'hE.kcan], das; -s. -: a) THaken (1): Spr was ein
H. werden will, krümmt sich beizeiten (was aus jmdm.
einmal wird, kann man schon in seiner Kindheit erkennen):
b) diakritisches Zeichen (z. B. HäCek. Cedille).
Hikel- (häkeln 1): -arbeit, die: Handarbeit, die mit einer
Häkelnadel ausgeführt wird: etw. Gehäkeltes: -decke, die:
gehäkelte Decke (1); -garn, das: Garn, das für
Häkelarbeiten bestimmt ist: -haken, der (landsch.): svw. t^nadel:
Beine, die aussahen wie H., so dünn waren sie (Schnurre.
Bart 14); -Look, der (mit Bindestrich): Musterung.
Aussehen (eines gewirkten Stoffes. Kleidungsstücks o.a.). das
den Eindruck einer Häkelarbeit erweckt:
Knopfmanschetten akzentuieren diesen feingestrickten Pulli im aktuellen
H. (HerrenJournal 1, 1966, 65); -muster, das: a)
unterschiedliche Kombination verschiedener gehäkelter Maschen
zu einem bestimmten Muster: b) Vorlage für Häkelmuster
(a); -nadel, die: rundes Stäbchen aus Metall. Kunststoff
o.a.. das an einem Ende einen Haken hat. mit dem beim
Häkeln jeweils das Garn aufgenommen u. durch eine Schlinge
od. bereits gearbeitete Masche gezogen wird: -spitze, die:
Häkelarbeit, die wie ein feines, durchbrochenes Gewebe
aussieht.
Hakelei [ha:k3lqi], die; -. -en (Sport Jargon): das Hakein
(2): kleine -en hinter dem Rücken des Schiedsrichters;
immer wieder kam es zu -en; Häkelei [hE:k3'lai], die; -,
-en: 1. svw. f Häkelarbeit. 2. (ugs.) kleiner, harmloser Streit:
er... nahm die zahlreichen -en nicht ernster als sie wohl
gemeint waren (MM 12. 5. 69, 13). 3. (Sport Jargon)
svw. T Hakelei; hakein ['ha:kln] <sw. V.; hat) [zu T haken]:
I. (landsch.) Fimerhakeln niachen. 2. (Sport) a) (Fußball.
Eishockey) svw. T haken (4); b) (Rugby) den Ball mit der
Ferse stoßen: c) (Ringen) ein gewinkeltes Bein od. einen
Fuß um den Fuß od. das Bein des Gegners schließen u.
ihn. es blockieren: den Gegner, sein entgegengesetztes Bein
h. 3. (Jägerspr.) (von Gemsen) mit den Hörnern den Feind
angreifen, mit dem artgleichen Rivalen kämpfen, dazu:
Häkeln, das; -s: das Hakein (1-3); hakein [he.klnl <sw. V.;
hat) [zu mhd. haekel. Vkl. zu: häke(n), t Haken; urspr.=
(wie) mit Häkchen fassen]: l.a) (eine Handarbeit) mit
einer Häkelnadel herstellen, anfertigen: ein
Kinderjäckchen h.; b) eine Häkelarbeit machen: sie häkelt [viel, gerne];
sie häkelt an einer Decke (ist mit dem Häkeln einer Decke
beschäftigt): Ü er häkelt (scherzh.; arbeitet, schreibt) schon
wieder an einem neuen Roman. 2, <h. + sich) (landsch.)
sich [in harmloser, lustiger Weise] streiten: sich necken,
frotzeln: ich häk[e]le mich mit ihr; häkelt euch doch nicht
ständig! 3. (Fußball. Eishockey, bes. südd.) svw. t haken
(4): in dem Spiel wurde beiderseits viel gehäkelt. 4. (selten)
(von Dornen. Stacheln u.a.) sich an. in etw. festhaken:
An seinen Kleidern häkelten domige Ranken (Fusseneg-
ger. Zeit 28); haken [*ha:kn] <sw. V.; hat) [spätmhd. haken
= mit einem Haken versehen; mit einem Haken fassen]:
1. mit einem Haken an etw. hängen, befestigen: die
Feldflasche an das Koppel h. 2. hakenförmig um etw. legen, in
etw. hängen: den Daumen in die Westentasche, den
Zeigefinger um den Fensterriegel h.; er hakte sich den Zwicker
über die Nase (Maass. GoufK 246). 3. hängenbleiben,
klemmen: der Schlüssel hakt im Schloß; Ü es hakt (ugs.; es
geht nicht weiter: die Sache geht nicht voran). 4, (Sport)
a) (Eishockey. Hockey. Polo) mit der Krümmung des
Stocks, dem abgewinkelten unteren Ende des Schlägers
behindern, zurückhalten: er hat den durchbrechenden Stürmer
von hinten gehakt; <subst.:) Haken gilt als Foul; b)
(Fußball) den Gegner von hinten beim Spielen des Balles, am
Weiterlaufen hindern, indem man ihm mit angewinkeltem
Fuß ein Bein od. beide Beine wegzuziehen versucht: der
Torjäger wurde im Strafraum gehakt; Haken [-]. der; -s.
- [mhd. häke(n), ahd. häko]: 1. <Vkl. Häkchen) a) winkelig
od. rund gebogenes Stück Metall. Holz od. Kunststoff zum
Anhaken. Festhaken von etw.: ein eiserner H.; ein kleiner,
in eine Öse greifender H.; einen H. in die Wand schlagen;
kein Fisch geht an den H. (Angelhaken): den Mantel
an. auf einen H. (Kleiderhaken) hängen; als wäre dieses
71 GDW
1121
haken-, Haken-
Frauenfleisch enthäutet und hinge auf einem H. (Musil.
Mann 59); das Boot mit einem H. (Bootshaken) ans Ufer
ziehen; das Bild vom H. {Bilderhaken) nehmen; * einen
H. schlagen (von einem Hasen] im Laufen plötzlich die
Richtung ändern, um Verfolger zu täuschen u. dadurch Vor-
sprung zu gewinnen): Er (= der Hase) schlug plötzlich
einen verzweifelten H. und raste ... auf Onkel Hugo zu
(Schnurre. Bart 48); (ein Fahrzeug) auf den H. nehmen
(abschleppen): die „Ostesand" .... die ... von dem
niederländischen Schlepper „Titan" auf den H. genommen
worden war (MM 23. 11. 71. 17); mit H. und Ösen (ugs..
auch: Sport Jargon; mit erlaubten u. unerlaubten Mitteln:
unfair; mit vielen Fouls): im Abstiegskampf wurde mit
H. und Ösen gespielt; einen Machtkampf mit H. und
Ösen kann sich die SPD schlecht leisten (MM 4. 9. 74.
2); b) hakenförmiges graphisches Zeichen: Die Lehrerin
... mach teeinen H. hinter Ullas Namen (Bordiert. Draußen
65). 2. (ugs.) verborgene Schwierigkeit: etw. /zunächst nicht
Erkanntest was eine Sache, die Losung eines Problems
o.a.. erschwert, behindert: da liegt, sitzt der H.; es gibt
einen H. [dabei]; wissen, wo der H. ist; der H. einer/an
einer Sache; das Angebot hat [irgendjeinen H. 3. (Boxen)
mit angewinkeltem Arm von unten nach oben geführter
Schlag: ein H. zum Körper. Kopf. Kinn; er wurde von
einem linken H. getroffen; Bei dem zweiten ... gelingt
es Gene, noch einen kurzen, trocknen H. hochzureißen
(Fr. Wolf. Menetekel 431). 4. (Jägerspr.) a) Eckzahn im
Oberkiefer des Rotwildes; Grandel; b) <PI.> Eckzälxne des
weiblichen Wildschweins in Ober- u. Unterkiefer.
haken-, Haken-: -aufgäbe, die (Volleyball): seitlich von oben
gespielte Aufgabe; -bein. das [nach dem hakenförmigen
Fortsatz bei der Menschenhand; vgl. lat. os hamatum]:
Handwurzelknochen mit hakenförmigem Fortsatz in der
Hand des Menschen u. in den Vorderextremitäten von
Reptilien u. Säugetieren; -bolzen, der: hakenförmig gebogener
Bolzen; -büchse, die (früher): Handfeuerwaffe mit
Hakenstange; -förmig <Adj.; o. Steig.): krumm, gebogen wie
ein Haken; -gurt, der: breiter, mit Haken versehener Gurt
des Feuerwehrmanns; ^kreuz, das: a) gleichschenkliges
Kreuz mit vier in die gleiche Richtung weisenden,
rechtwinklig geknickten, spitzwinkligen od. abgerundeten Armen;
b) Hakenkreuz (a) als Symbol der Nationalsozialistischen
Deutschen Arbeiterpartei: -e an eine Wand schmieren: Ü
Nur hie und da dreht eine Windmühle ihr H.. als winke
sie uns zu. .»hier ist noch deutscher Boden" (Kisch.
Reporter 34), dazu: -kreuzfahne, -kreuzflagge, die: Fahne mit
dem Hakenkreuz als nationalsozialistischem Symbol.
-kreuzler [...krgytste], der; -s, - (abwertend veraltet):
Anhänger des Nationalsozialismus; -leiter, die: kleine, tragbare
Feuerwehrleiter, die am oberen Ende mit Haken zum
Einhängen an Gebäudevorsprüngen u. ä. versehen ist; -nadel, die
fTextilind.): zur Herstellung von Wirkwaren verwendete
Nadel, deren Spitze hakenförmig gebogen ist; -nase, die: stark
abwärtsgebogene große Nase: ein markantes Gesicht mit
H.. dazu: -nasig <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): Joche ...
war über die dampfende Brühe gebeugt mit seinem -en
Kantengesicht (Johnson. Mutmaßungen 39); ^uaß, der
(Basketball): Paß. bei dem der seitlich ausgestreckte Arm
über die Schulter hochgezogen u. über den Kopf geworfen
wird: der H. wird häufig beim Schnellangriflf mit Ausreißer
angewendet; -pflüg, der: primitiver Pflug, der aus einer
Astgabelung angefertigt ist od. der aus einer Zugstange
u. einem daran in spitzem Winkel befestigten Haken besteht;
-schlagen, das; -s (Jägerspr.): (von Hasen) abruptes
Abbiegen. Ändern der Richtung während des schnellen Laufs mit
der Absicht, Verfolger zu täuschen; -9chlüssel, der: Schlüssel
zur Autoreparatur, der an einem Ende in einen Haken
ausläuft; -Schnabel, der: (von Vögeln) hakenförmig gebogener
Schnabel: -schütze, der: Schütze mit einer Hakenbüchse:
-Stange, die (früher): in eine Gabel auslaufende Stange,
auf die die Hakenbüchse gelegt wurde; -wurf. der
(Basketball): Korbwurf, bei dem der seitlich ausgestreckte Arm
über die Schulter hochgezogen u. der Ball über den Kopf
geworfen wird: beim H. zeigt die gegenseitige Schulter in
Wurfrichtung; -wurm, der: parasitischer Fadenwurm, der
sich in der Wand des Zwölffinger- u. Dünndarmes festbeißt
u. Blut saugt, dazu: -wurmkrankheit, die: durch
Hakenwürmer hervorgerufene Krankheit bei Mensch u. Tier; -zange,
die (bes. Schmiedehandwerk): Zange mit hakenförmig
gebogenen Enden.
hakig [ha:ki^] <Adj.; o. Steig.: nicht adv.>: hakenförmig,
wie ein Haken.
Hakim [ha'khm], der; -s, -s [arab. bakim]: 1. (im Orient)
Arzt. 2. (im Orient) Gelehrter. Weiser.
Hakler ['ha:klel. der; -s, - (Rugby): mittlerer Spieler der
ersten Reihe bei einem Gedränge: der H. muß seine
Außenstürmer oberhalb und unterhalb der Arme fassen.
Halacha [hala'xa:]. die; -. ...choth [hebr. häl^h = zu
gehende Richtung, Gesetz] (jüd. Rel.): aus der Bibel
abgeleitete verbindliche Auslegung der Thora; <Abl.:> hatychisch
<Adj.; o. Steig.): die Halacha betreffend, ihr gemäß: wenn
sie (= die Trauung) nach den -en. d.h. den religiösen
jüdischen Gesetzen verboten ist (MM 27. 10. 72, 57).
Halali [halali:]. das; -s. -[s] [frz. halali. H. u.. viell. aus
dem Maurischen] (Jägerspr.): a) Jagdruf (auch
Jagdhornsignal), wenn das gehetzte Wild auf einer Parforcejagd gestellt
ist; b) Signal, das das Emle einer Jagd anzeigt: das H.
blasen; c) Ende der Jagd: zum H. blasen.
halb [halp] <Adj. u. Bruchz.; o. Steig.; selten präd.) (als
Ziffer: VzMmhd. halp, ahd. halb; urspr.= (durch
^schnitten, gespalten]: X.die Hälfte von etw. umfassend; zur Hälfte:
eine -e Stunde; das -e Hundert (50); ein -es Dutzend;
ein -er Meter; eine -e (Musik; im Zeitwert zwei Viertelnoten
entsprechende) Note; eine -e Umdrehung; er hat die -e
Strecke zurückgelegt; sich auf -em Wege (in der Mitte)
treffen; das Lied einen -en Ton tiefer anstimmen; <indekl.
bei geographischen Namen o. Art.:) h. Europa war besetzt;
alle -e[n] Stunden/alle -e Stunde; es ist h. eins; es hat
h. [eins] geschlagen; drei Minuten vor, bis, nach h.; die
Wanne ist nicht einmal h. voll; auf jedes dieser Quadrate
entfallen zwei... h. so breite SeitenschifTjoche (Bild. Kunst
3, 19); *h. ... h. (teils ... teils, das eine wie das andere;
je zur Hälfte): h. Kunst, h. Wissenschaft; h. wohlwollend,
h. lauernd (Koeppen, Rußland 42); [mit jmdmj h. und
h./halbe-halbe machen (ugs.; Gewinn od. Verlust genau
miteinander teilen): wie es auch ausgeht, wir werden
halbe-halbe machen. 2. a) unvollständig, unvollkommen; teilweise
(häufig in Verbindung mit „nur" o.a.): die -e Wahrheit;
-e Maßnahmen; er hat nur -e Arbeit/die Arbeit nur h.
getan: Die Wirkung wird nur h. sein (Sebastian.
Krankenhaus 190); die Birnen h. reif abnehmen; das Fleisch ist
erst h. gar. ist noch h. roh; das Gemüse war h. erfroren:
er ist h. erblindet; etw. nur h. verstehen; nur h. zuhören;
<subst.:> * nichts Halbes und nichts Ganzes [sein] (zu
unzureichend rseinJ. als daß man etw. damit anfangen könnte);
b) vermindert, abgeschwächt, mit geringerer Stärke: mit
-er Kraft; bei -em Licht arbeiten; sie spricht mit -er
(gedämpfter) Stimme; ein -es (schwaches) Lächeln; einen -en
(flüchtigen) Blick auf etw. werfen; die Sonne ist h. aus
dem Nebel hervorgekommen; das ist h. so schlimm. 3.
fast [ganz], beinahe, so gut wie: er ist -er Mediziner: das
sind ja noch -e Kinder!; der Alte ist h. blind: Ich war
schon h. drüben über der Hier (Noack. Prozesse 185);
er hat schon h. zugestimmt; (ugs. übertreibend:) das dauert
ja eine -e Ewigkeit (sehr lange); das -e Dorf (sehr viele
Dorfbewotmer) war zusammengekommen; ich bin h.
verdurstet; sich h. totlachen; *h. und h. (ugs.; beinahe, fast
ganz): du gehörst schon h. und h. dazu.
hflb-, Hflb-: -äffe, der: (zu den Affen gehörendes) meist
als Baumbewohner lebendes Säugetier mit zum Greifen
ausgebildeter Großzehe u. Daumen; -afTix, das (Sprachw.):
Prä- od. Suffix als Wortbildunxsmittel. das als
eigenständiges Wort empfunden wirdiz. B. steinreich): -amtlich <Adj.;
o. Steig.) (Politik, N ach rieh tenw.): von amtlichen Stellen,
nahestehenden, gutunterrichteten Kreisen kommend, nicht
ganz amtlich, nicht ganz sicher verbürgt; offiziös: eine -e
Nachricht; die Zeitung gilt als h.; h. verlautete, daß ...:
-automat. der: Automat (1 b), bei dem einzelne
Arbeitsvorgänge (z. B. das Einlegen von Werkstücken) noch von Hand
erledigt werden müssen, dazu: -automatik. die:
halbautomatische Vorrichtung, -automatisch <Adj.; o. Steig.):
selbsttätig funktionierend mit einigen von Hand auszuführenden
Griffen: ein -es Getriebe; -batzig [-batsic] <Adj.) [zu t
Batzen] (Schweiz.): ungenügend, nicht zu Ende geführt;
halbherzig: eine -e Arbeit, Lösung; -bekleidet <Adj.; o. Steig.;
nurattr.): nur halb, unvollständig angezogen: -e Mädchen;
-bikhmg, die (abwertend): lückenhafte, oberflächliche
Bildung (1); -bitter <Adj.;o. Steig.; nicht adv.): (von
Schokolade) eine bestimmte Geschmacksrichtung aufweisend, die
zwischen süß u. bitter liegt; -Wind <Adj.; o. Steig.; nur attr.):
1122
halb-, Halb-
fdst, beinahe blind: ein alter, -er Mann; -bkit. das [LÜ
von engl, halfbloodl: a) Tier, bes. Pferd, dessen Eltern
verschiedenen Rassen entstammen, wobei meist ein Elter
reines Vollblut ist: b) Mischling: ein H. mit dem
charakteristischen Profil eines Indianers; -blutige [-bly:tiga], der u.
die <Dekl. t Abgeordnete): svw. t^blut (b); -bogen, der:
halber Bogen (1 a): Hoch die Axt im H., den Körper mit
aufgerichtet, schmetternder Schlag (Nachbar, Mond 295);
-bruder, der: nur über den Vater od. nur über die Mutter
blutsverwandter Bruder: er stammte aus der ersten Ehe
unserer Mutter und war somit unser H.; -bürtig l-byrtu;]
<Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (Genealogie): (von
Geschwistern) mir einen El fern teil gemeinsam habend: Mtamast,
der: Damastimitation mit glatten Musterkonturen: Mlek-
kung, die (Rentenvers.): Anzahl von entrichteten Beiträgen,
die der halben Zeit zwischen Eintritt in die Versicherum
u. Rentenbeginn entspricht: es fehlen noch 5 Monatsbeiträge
bis zur H.; -dunkel <Adj.; o. Steig.; nur attr.): zwischen
hell u. dunkel, noch nicht ganz lichtlos: im halbdunklen
Flur steht ein weißer Schemen vor ihnen (Fallada, Mann
6). <subst.:> -dunkel, das: Ein schläfriges H. umfing ihn
(Kirst. 08/15. 286): der Raum lag im H.; -edebtein, der
(veraltet): svw. t Schmuckstein; -erblindet: svw. T^blind;
-erfroren <Adj.; o. Steig.; nur attr.): fast, beinahe erfroren:
-erstickt <Adj.; o. Steig.; nur attr.): fast, beinahe erstickt:
mit -er Stimme; -erwachsen <Adj.; o. Steig.: nur attr.):
fast, noch nicht ganz erwachsen: eine Witwe mit drei -en
Töchtern; -erzeugnis, das: svw. t-fabrikat; -esel, der:
in Asien heimisches, wildlebendes Tier mit langen Ohren
(wieein Esel) u. ziemlich schlankem Hals (wie ein Pferd),
mit gelbem bis rotbraunem, am Bauch weißem Fell u. mit
Lautäußerungen zwischen Pferdegewieher u. Eselsgeschrei:
-fabrikat, das (Wirtsch.): halbfertiges Erzeugnis, Ware
zwischen Rohstoff u. Fertigfabrikat, die schon verschiedene
Fertigungsstufen hinter sich hat, aber noch weitere
durchlaufen muff: ^fertig <Adj.; o. Steig.; nur attr.), dazu: - fertigte -
brikat, das: svw. t -fabrikat. -fertigware, die; -fest <Adj.;
o. Steig.; nur attr.): a) (Physik) in einem zwischen fest
u. flüssig liegenden Aggregatzustand: gallertig: b) [noch]
nicht ganz fest zusammenhaltend od. zusammengehörend,
leicht lösbar: eine relativ große Anzahl fester u. -er
phraseologischer Verbindungen (Deutsche Literaturzeitung 4/5,
1973. Sp. 357); -fett <Adj.; o. Steig.) (Druckw.): a) in
einer Schriftart, deren Strichdicke zwischen mager u. fett
liegt: -e Buchstaben; dieses Wort muß h. gesetzt werden;
b) (von Käse) mehr als 2()% Fett in der Trockennuisse
enthaltend: -figur, die (Kunstwiss.): dargestellte
menschliche Figur mit Kopf, Oberkörperu. Oberarmen,dazu: ~figu-
renbild, das; -finale, das (Sport): Spielrunde bei einem
Wettbewerb, für die sich vier Spieler od. Mannschaften
Qualifiziert haben u. aus der die Teilnehmer am Finale
ermittelt werden: das H. erreichen; im H. wurde die Mannschaft
geschlagen; -flügler, der (selten): svw. t Schnabelkerf;
-formal, das (Fot.): Bildformat in der Größe 18 x 24mm:
-franz. das; - [T Franz-1 (Buchw.): Bucheinband in der Art
eines Franzbandes, bei dem aber nur der Rücken / u. die
Ecken/ aus Leder gefertigt werden: ein Buch in H. binden,
dazu: -franzband, der: in Halbfranz gebundenes Buch:
-gans, die (Zool.): Vertreter einer Gattungsgruppe der
Enten, bei der wie bei den Gänsen beide Geschlechter gleiche
Färbung haben: M»r <Adj.; o. Steig.; nur attr.) (Kochk.):
nicht ganz weich gekocht od. durchgebraten: -es Fleisch;
Hiebildet <Adj.; o. Steig.; nicht adv): mit Halbbildung:
-e Kommis; <subst.:) -gebildete, der u. die; -n. -n <Dekl.
T Abgeordnete) (abwertend); -gefrorfeine, das: in Formen
eingefrorenes, cremeartiges Speiseeis: -geschoß, das (Ar-
chit.): niedriges Zwischengeschoß: -gesamtster <P1.):
Geschwister, die nur einen Elternteil gemeinsam haben:
-gewalkt <AdJ.; o. Steig.; nicht adv.) (ugs.): zweifelhaft,
fragwürdig, undurchsichtig, dubios, ominös, obskur: ein -er Kerl;
<subst.:) Das Halbgewalkte auf dem Gebiet der heutigen
Klassikerpflege ... zeigt WolfT(= Buchhändler) möglichst
gar nicht (Zeit 13. 1958, 8); -gott, der [spätmhd.. ahd.
halbgot; LÜ von lat. semideus. griech. hemitheosl: 1.
(Myth.) Gestalt, die aus der Verbindung eines göttlichen
Wesens mit einem menschlichen stammt: Heros: die
griechischen Halbgötter: das Epos vom H. Gilgamesch. 2. (iron.)
mächtige, einflußreiche [u. gefürchtete] Persönlichkeit: Ich
fand ihn ( = einen Multimillionär) etwas enttäuschend;
wenn nicht die vielen alten Meister an den Wänden gewesen
wären, hätte man überhaupt nicht gemerkt, daß man bei
einem H. war (K. Mann, Wendepunkt 168); * Halbgötter
in Weiß (ugs. iron.; die /Krankenhauschef)ärzte): -herzig
<Adj.): nur mit halbem Herzen [getan], ohne rechte innere
Beteiligung [geschehend]: eine -e Antwort; den -en
Aufmarsch der Bürger mit Fahnen der verlorenen Ostgebiete
(Johnson, Ansichten 129); h. zustimmen, dazu: -herzigkeit,
die; -: die H., mit der das Unternehmen von den Vereinigten
Staaten gestützt wurde (FAZ 13. 5. 61. 2); ^hoch <Adj.;
0. Steig.): auf halber Höhe, bis zur halben Höhe /reichend]
(bes. Sport): eine halbhohe Vorlage; h. ansetzen; er gab
den Ball h. weiter; -idiot. der (ugs. abwertend): jmd..
der sich dumm anstellt, der für halb verrückt gehalten wird:
das soll ich glauben? Ich bin doch kein H.!; man behandelt
uns, als ob wir alle -en wären; -insel. die [LÜ von lat.
paeninsula. eigtl. = Fastinsel]: Gebiet, das von drei Seiten
von Wasser umschlossen ist, Insel mit nur einer / schmalen]
Landverbindung zum Festland: -jähr, das: a) Zeitspanne
von einem halben Kalenderjahr: im ersten H. 1976; b)
beliebiger, aber in sich eine Einheit bildender Zeitraum von rund
6 Monaten: Semester, dazu: -Jahresbilanz, die. -jghreskurs,
der. -iahreszeugnis. das; -iährig <Adj.; o. Steig.; nur attr.):
1. ein halbes Jahr alt: ihr -er Sohn; <subst.:> der
Entwicklungsstand eines Halbjährigen. 2. ein halbes Jahr dauernd:
eine -e Ausbildung, -jährlich <Adj.; o. Steig.): alle halbe
Jahre wiederkehrend, jeweils nach einem Halbjahr
stattfindend: -e/h. durchgeführte Kontrollen; der Wechsel erfolgt
h.. -Jahrsausweis, der (österr. veraltend): svw. -jahreszeug-
nis; vgl. Ausweis (3); -Jude, der: jmd., dessen einer
Elternteil Jude ist, dazu: -jüdisch <Adj.; o. Steig.; nicht adv.);
-kanton, der: (bei 3 Schweizer Kantonen vorkommend)
eine eigene Verwaltungseinheit bildende Kantonshälfte mit
eigenem Namen (z. B. Basel-Stadt, Basel-Land(schaftl);
-kettenfahrzeug, das (bes. Milit.): geländegängiges Fafir-
zeug, bei dem die Antriebsräder durch Gleisketten ersetzt
sind, die Lenkung aber durch normale Räder erfolgt:
-kolonial <AdJ.; o. Steig.; nicht adv.) (kommunist.): (von
Entwicklungsländern) nach außen selbständig, aber wirtsctiaft-
lich von den ehemaligen Kolonialmächten abhängig: ^konso-
nant, der: vgl. ^vokal; ^krefc. der: Hälfte eines Kreises,
eine halbe Drehung umschreibender Kreisbogen: einen H.
bilden; sie umstanden den Sprecher im H.. dazu:
-kreisförmig <Adj.; o. Steig.; nicht adv.); -kugel, die: (über einer
kreisförmigen Grundfläche liegende) halbe Kugel: die
nördliche, südliche H. (der Erde), dazu: -kugelförmig, -kuglel-
lig <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): wie eine Halbkugel
[aussehend]: ein -es Gewölbe; -kuppe!, die (Archit.): halbe (längs
od. quer durchschnittene) Kuppel: Die Aula hatte eine
Holzdecke. ... während die Apsis mit einer gemauerten H.
versehen war (Bild. Kunst I, 201); -lang <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.): etwa die Mitte zwischen lang u. kurz bildend,
in halber Länge: ein -es Kleid; -e, eben erblühte Teerosen
(Petra 11. 1966. 129); die Haare h. tragen; die Mode ist
jetzt h.; *[nun] mach [aber, mal] h.! (ugs.; spiele dich nicht
so auf, rede nicht so große Töne, übertreibe nicht so!):
^taut <AdJ.; o. Steig.): in halber Lautstärke, mit gedämpfter
Stimme /gesprochen/: eine -e Unterhaltung; ", sagte
er h.; -leder. das (Buchw.): fester Einband mit Lederrücken
[u. -ecken], dazu: -lederband, der: in Halbleder gebundenes
Buch: ^leer <Adj.; o. Steig.; nur attr.): zur Hälfte geleert,
nur halb gefüllt: ein -er Zuschauerraum; -leinen <Adj.;
0. Steig.; nur attr.): aus einem Mischgewebe bestehend,
das zur Hälfte Leinen enthält: -e Bettwäsche; -leinen, das:
1. Mischgewebe, das zur Hälfte Leinen, zur Hälfte eine
andere Faser (Baumwolle, Wolle o. ä.) enthält: eine
Tischdecke aus grobem H. 2. (Buchw.) fester Einband mit Rücken
Iu. Ecken] aus Leinen od. einem anderen Gewebe, dazu:
-leinenband, der: in Halbleinen (2) gebundenes Buch,
-leinenhose. die: Hose aus Halbleinen (1); -leinhose, die
(Schweiz.): svw. t-leinenhose. -leinwand, die: svw. T
^leinen (1); -leiter, der (Elektrot.): kristalliner Stoff, der bei
Zimmertemperatur den Strom leitet, bei tiefen Temperaturen
aber isoliert, dazu: -leitertechnik, die: Technik, die sich
bes. mit der Entwicklung u. den Anwendungsmöglichkeiten
von Halbleitern befaßt: -licht, das: dämmeriges, schwaches
Licht: ein H.. das weder Umrisse zeichnete noch Schatten
entstehen ließ (Gaiser. Jagd 66); -link... [-'-] <Adj.; o.
Steig.; nur attr.) (bes. Fußball): zwischen (gedachten
Längsachse u. linker Außenlinie befindlich: die -e Stellung
einnehmen; er schoß aus -er Position; -linke [-'--]. der
IV
1123
halb-. Halb-
(bes. Fußball): zwischen Linksaußen u. Mittelstürmer
eingesetzter Spieler: als -r spielen; überrumpelte der H.
Naumann die unsichere Hertha-Abwehr (Welt 28. 4. 65, 8);
'-links [-'-] <Adv.) (bes. Fußball): in Halblinker Position:
h. spielen; Ü die Organisation wieder h. zu stabilisieren
(Stamokap 158); 2-linksl-'-].der; -, -: svw. I -linke: -lustig
<Adj.; o. Steig.) (österr. ugs.): ein wenig dumm, ungepflegt,
halbstark, -seiden (2); -mast (Adv.) [LÜ von engl, half-
mastl: (von Fahnen) nur bis zur halben Höhe des Mastes
hinaufgezogen (als Zeichen offizieller Trauer): h. flaggen;
die Fahnen auf h. setzen; -matt <Adj.; o. Steig.; nicht
adv.) (Fot.): (von Fotopapieren, Abzügen) mit einer
zwischen glänzend u. matt liegenden Oberflächenstruktur: ein
-es Papier, den Abzug chamois h. bestellen; -mensch, der.
svw. TAffenmensch: Es war ein richtiger Mensch, kein
H. oder Vormensch, mit äffischen Merkmalen (Grzimek,
Serengeti 325): -messer, der (Math.): halber Durchmesser:
Radius: -metall. das (Chemie): chemischer Grumlstoff, der
teils metallische, teils nichtmetallische Eigenschaften besitzt
(z.B. Antimon. Arsen. Bor); -meterdick <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.): in einer Dicke, Breite von einem halben Meter:
eine -e Mauer; der Schutt lag h.; -militärisch <Adj.; o.
Steig.): in teilweise militärischer Art [aufgebautJ: eine -e
Organisation; -Monatsschrift, die: zweimal monatlich
erscheinende Zeitschrift: -mond, der: I. <o. PI.) Mond,
der zur Hälfte, als ab- od. zunehmende Sichel, sichtbar
ist: morgen haben wir H. 2. Gegenstand, Figur, Gebilde
in der Form des Halbmondes (1): der türkische H.
(Wahrzeichen des Islams): -e (halbmondförmig ausgestochenes
Gebäck) backen, dazu: -mondförmig <Adj.: o. Steig.): -nackt
<Adj.; o. Steig.; nur attr.): nur wenig bekleidet: ein -es
Mädchen; -nelson, der (Ringen): zu den Nackenhebeln
gehörender Spezialgriff, bei dem nur ein Arm eingesetzt
wird: vgl. Nelson; -offen <Adj.; o. Steig.; nur attr.): I.
nur halb geöffnet: die -e Zimmertür; eine -e (zur Hälfte
erblühte) Rose. 2, (Amtsspr.)a) (von Anstalten,
Gefangnissen u. ä.) nicht ganz verschlossen, den Insassen bedingt freien
Ausgang gewährend: Strafvollzug in einem -en Gefängnis;
b) eine nicht ganztägige Versorgung, Betreuung wnfassend:
Einrichtungen ... der -en Fürsorge (Fraenkel, Staat 381);
-ofTiziell<Adj.;o. Steig.): (von Veranstaltungen u.a.) nicht
ganz offiziell u. verpflichtend, aber doch sehr wichtig: an
einem -en Essen teilnehmen; -part <Adv.) [zu t Parti: die
beiden einigten sich auf h. (beschlossen eine Teilung in
zwei gleiche Teile): meist in der Verbindung [mit imdm.]
h. machen (ugs.; etw. [gemeinsam Erworbenes od. durch
ein Verbrechen Erbeutetes] mit dem andern zur Hälfte
teilen): wenn ich dir eine sichere Adresse nenne, wollen wir
dann h. machen? (Th. Mann, Krull 160); -Pension, die
<meist o. Art.; o. PI.): Unterkunft (in einem Hotel, einer
Pension o. ä.) mit Frühstück u. nur einer warmen Mahlzeit
(mittags od. abends): in H. wohnen; wir sind tagsüber
unterwegs und nehmen deshalb nur H.; -prftfix, das
(Sprachw.): Wortbestandteil im Übergangsfeld zwischen
Bestimmungswort einer Zusammensetzung u. Präfix (z. B.
steinreich); -recht... [-'-1 <Adj.; o. Steig.; nur attr.) (bes.
Fußball): vgl. -link...: -rechte [-'—]. der (bes. Fußball):
vgl. -linke; '-rechts [-'-1 <Adv.) (bes. Fußball): vgl. -links;
2-rechts [--1. der; -, -: vgl. -linke; -reif <Adj.; o. Steig.;
nur attr.): noch nicht voll ausgereift: -es Obst; -reim, der:
svw. TAssonanz; -roh <Adj.; o. Steig.; nur attr.): fast,
beinahe roh: -es Fleisch; -rund <AdJ.; o. Steig.; nur attr.):
zu einem Halbkreis gebogen: in der Form eines Halbkreises
od. einer Halbkugel: die -e Apsis; -c Vertiefungen; <subst.:>
-rund, das: Halbkreis: ein H. bilden; im H.; -säule. die
(Kunstwiss.): zur Hälfte in die Mauer eingebundene, zur
Hälfte plastisch hervortretende Säule: -schatten, der: a)
(Optik, Astron.) Bereich, in dem (von einem bestimmten
Punkt aus gesehen) von einem dazwischentretenden Körper
nur ein Teil einer Lichtquelle verdeckt wird, z. B. bei
Mondfinsternissen (Ggs.: Kernschatten): der Mond tritt in den
H. der Erde: b) hellerer Schatten, der durch ein nicht völlig
lichtundurchlässiges Medium entsteht: sich in den H. setzen;
-scheid [-Jait], die; - [2. Bestandteil zufl scheiden] (veraltet,
noch landsch): Hälfte, dazu: -scheidig [-Jaidu;] <Adj.;
o. Steig.; nicht präd.): halb, hälftig: Die Mauern des
Gebäudes standen h. auf der Grenze der ... Grundstücke (Mein
Eigenheim 2. 1973, 64); -sdittchtig l-Jle^t«;] <Adj.) (geh.,
veraltend): nicht eindeutig, schwankend, unklar:
unvollkommen: Denn das Leben im Leibe ist niemals Seligkeit,
sondern h. und zum Teil unangenehm (Th. Mann. Joseph
301); -schlaf, der: Dämmerzustand zwischen Schlafen u.
Wachen: im H. liegen; aus unruhigem H. aufschrecken;
U das habe ich im H. (unbewußt, ohne nachzudenken)
getan; -Schleier, der: das Gesicht nur zur Hälfte bedeckender
Schleier: -schkmmer, der (geh.): svw. f-schlaf; -Schluß,
der (Musik): eine Kadenz (1), die auf betontem Takt teil
mit der Dominante (2 b) schließt: -schranke, die (Eisenb.):
einteilige Bahnschranke, die die Straße nur zur Hälfte sperrt:
-schuh, der: nur bis zu den Knöcheln reichender, leichterer
Schuh, dazu: -schuhtourist, der (abwertend):.//?!*/., der
unerfahren u. leichtsinnig ohne Bergstiefel u. entsprechende
Ausrüstung Hochgebirgstouren unternimmt: -schür, die
(Landw.): Schur, die alle halbe Jahre vorgenommen wird,
dazu: -schürig l-Jy:rKj] <Adj.; o. Steig.) [urspr. von der
in der Qualität schlechteren Wolle halbjährlich geschorener
Schafe gesagt] (veraltet): unvollkommen, minderwertig:
-schürze, die: Schürze, die nicht über die Taille hinausreicht:
-Schwergewicht, das <P1. ungebr.) (Schwerathletik): 1. <o.
PI.) Körpergewichtsklasse zwischen Mittelgewicht u.
Schwergewicht: einen Wettkampf im H. austragen. 2. svw.
t-Schwergewichtler, zu 1: -Schwergewichtler [...gavi^tle].
der; -s, -: Sportler der Körpergewichtsklasse
Halbschwergewicht: -Schwester, die: vgl. -bruder; -seide, die: Gewebe
aus Baumwolle (Kette) u. Seide (Schuß), bei dem die
Oberseite Seidenglanz erhält, der durch eine einseitige
Bindungsart (Atlasbindung) hervorgerufen wird: -seiden <AdJ.; o.
Steig.; nicht adv.) [2: schon im 17. Jh. ugs. = der Halbwelt
angehörend, weichlich (von Männern)]: I. aus Halbseide.
2. (ugs. abwertend) a) in der äußeren Erscheinung u. in
seinem Gebaren weichlich, unmännlich, zur Homosexualität
neigend: -e Burschen. Typen; b) moralisch nicht einwandfrei,
anrüchig: -e Dämchen; die Werber arbeiten mit -en
Methoden. <subst.:) -seidene, der; -n, -n <Dekl. T Abgeordnete)
(ugs.): Homosexueller: -seitenblindheit, die: svw. f
Hemianopsie; -aeitenlähmung, die (Med.): svw. t
Hemiplegie; -seitig <Adj.; o. Steig.): a) (Med.) nur auf einer Seite
{des Körpers): -e Kopfschmerzen; er ist h. gelähmt; b)
über eine halbe i Buch']seile, ein halbes Blatt gehend: eine
-e Anzeige: -soldat, der (Soldatenspr. abwertend):
unmilitärisch wirkender Soldat: „Sauhaufen", murmelte er nur.
„Lauter-en" (Kirst.08/15.826); -staatlich <Adj.; o. Steig.;
nur attr.) (DDR): (von Betrieben) zur Hälfte dem Staat
gehörend, vom Staat betrieben: ein -er Betrieb; -stark <Adj.;
o. Steig.: nur attr.) (ugs. abwertend): zu den Halbstarken
gehörend: -en Bandenmitgliedern mit geschorenen Haaren
(MM 20.2.73.12); -statte, der; -n, -n <Dekl. t
Abgeordnete) (ugs. abwertend): Jugendlicher, der, meist in Gesellschaft
von Gleichgesinnten, sich laut produzierend, randalierend
u. ä. in der Öffentlichkeit auftritt (u. auf diese Weise seinem
inneren Protest gegen die Welt der Erwachsenen Ausdruck
gibt): eine Gruppe von -n auf Motorrädern; -Stiefel, den
Stiefel mit kurzem, nur eben über die Knöchel reichendem
Schaft: -stock, der; -[e]s. Halbstockwerke (österr.):
niedrigeres Zwischengeschoß: -stockts] <Adv.) (Seemannsspr.):
svw. 1 -mast; -Stoff, der (Fachspr.): aus Lumpen, Altpapier
u. pflanzlichen Stoffen gewonnener Faserstoff, Rohmaterial
zur Papierherstellung: -Strauch, der (Bot.): Pflanze, die
eine Zwischenform zwischen Strauch u. Staude darstellt,
da nur die unteren Teile verholzen u. ausdauern: —strumpf,
der: bis zur Wade reichender Strumpf: -stündig <Adj.; o.
Steig.; nur attr.): eine halbe Stunde dauernd: ein -es Referat;
-stündlich <Adj.; o. Steig.; nicht präd): jede halbe Stunde,
alle halbe Stunde / stattfindendJ: eine -e
Omnibusverbindung; die Uhr schlägt h.; -Stürmer, der (bes. Fußball):
Stürmer in der Verbindung zwischen Abwehr u. Angriff-
Mittelfeldspieler: -suffix, das (Sprachw.): Wortbestandteil,
der sich im Übergang vom Kompositionsglied zum Suffix
befindet (z.B. -los, -leer); -süß <Adj.; o. Steig.; nicht
adv.): (von Sekt, Süßweinen u.a.) eine bestimmte
Geschmacksrichtung aufweisend, die zwischen süß u. trocken
liegt: ^tägig <AdJ.; o. Steig.; nur attr./: einen halben Tag
dauernd: -e Arbeit; -täglich <Adj.: o. Steig.): alle halbe
Tagelstattfindend]: h. wechselnde Arbeitsschichten; -tags
<Adv.>: den Ixalhen Tag über: halbtägig: nur h. arbeiten;
-tagsarbeit, -tagsbeschäftigung, die <o. PI.); -tagskraft
die: einem Betrieb halbtags zur Verfügung stehende
Arbeitskraft (2); -tagsschule, die: Schule, in der die Kinder nur
vormittags unterrichtet werden: -taucher, der: Bohrinsel,
die auf Tanks schwimmt u. für Tiefen zw. 200 u. 400 m
1124
Halfter
bestimmt ist; -teil, das, auch: der (selten): Hälfte; ^ton,
der <PI. -töne): 1. (Musik) kleinstes Intervall des
diatonischen Systems; kleine Sekunde. 2. (Malerei) Tönung im
Übergang zwischen Licht u. Schatten: viele Halbtöne
verwenden: ~tot <Adj.; o. Steig.: nur attr.): fast tot. zu Tode
erschöpft: ein -es Tier: -totale, die (Film): Einstellung,
die die handelnde Person od. Gruppe mit der näheren
Umgebung erfaßt; -trauer, die: nach Ablauf der ersten Trauer zeit
getragene Trauerkleidung in Schwarz-Weiß: H. anlegen:
-verdaut <Adj.; o. Steig.; nur attr.): nicht vollständig
verdaut: -e Speisen; Ü -e Weisheiten (nicht Durchdachtes,
plirasenhaft Wiederholtes) von sich geben; -verhungert
<Adj.; o. Steig.; nur attr.): fast, beinahe verhungert: -es
Vieh; -vers. der: svw. THemistichion; -verwefct <Adj.;
o. Steig.; nur attr.): fast, beinahe verwelkt: -e Blumen;
-vokal, der (Sprachw.): unsilbischer, nicht als Silbenträger
auftretender Vokal (z. B. das i in Nation [als j gesprochen,
daher auch als Halbkonsonant bezeichnet) od. das u im
Diphthong au); ^voll <Adj.; o. Steig.; nur attr.): zur Hälfte
gefüllt: -e Teller; -vollendet <Adj.; o. Steig.; nur attr.):
nicht ganz fertiggestellt: ein -er Roman; -wach <AdJ.; o.
Steig.; nur attr.): [noch] halb schlafend: in -em Zustand;
-wahrtieit, die (häufiger PI.): Aussage o. ä., die zwar nicht
falsch ist. aber auch nicht vollständig den Tatsachen
entspricht, einen Sachverhalt nicht vollständig offenlegt: das
sind lauter -en; Mvaise, die: Minder jähr ige)' r] mit nur noch
einem Elternteil; ^ware, die: svw. f ^fabrikat; -we«e ['halp-
've.-ga] (veraltet, noch landsch.): svw. f ^wegs; -wegs ['halp-
ve:ks] <Adv.>: I. (veraltend) auf halbem Wege: jmdm.
h. (den halben Weg) entgegenkommen; über dem Fjord,
h. (auf halber Wegstrecke) hin zur senkrechten roten
Granitwand (Jahnn,Geschichten63). 2. einigermaßen,
leidlich, in mäßigem Grade: das Essen war h. gut; h. überzeugt
sein; das ist mir h. klar; daß Sie sich wie ein h. zivilisierter
Mensch benehmen (Kirst. 08/15, 203); ^weK. die <o. PI.)
[LÜ von frz. demimondej: elegant auftretende, aber
zwielichtige, anrüchige Gesellschaftsschicht ohne echte Kultur:
der H. angehören; daß... es hauptsachlich die
kostspieligere H. war, was sich, höchst elegant, ... eingefunden hatte
(Maass. Gouffö 252), dazu: -Weltdame, die:
-Weltergewicht, das <o. PI.) (Boxen): Körpergewichtsklasse, etwas
leichter als das t Weltergewicht; -wertszeit [-ve:?t£-], die
(Physik): (bei radioaktiven Stoffen) Zeitspanne, innerhalb
deren die Hälfte der Atome zerfallt: Elemente mit langer
H.; -wissen, das (abwertend): vgl. -bildung; -wolle, die:
Faser od. Gewebe mit mindestens 50% Wollanteil: Stepp-
deckenflillungen aus H.. dazu: -wollen <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.): aus Halbwolle; -wüchsig [-vy:ksi<;] <AdJ.; o.
Steig.; nicht adv.): noch nicht [ganz] erwachsen: er
hinterließ drei -e Kinder; <subst.:> -wüchsige [...iga], der u.
die <Dekl. T Abgeordnete): Jugendliche/ r/. noch nicht
Erwachsener]; ^art <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [Ggb. zu
T halbstark] (Jugendspr.): von der unreifen Art eines
Teenagers, jungmädchenhaft; ^zeit. die [LÜ von engl, halftime]
(Sport, bes. Fußball): 1. Hälfte der Spielzeit: die erste,
zweite H.; in der zweiten H. drehte die Mannschaft auf;
U nach der ersten H. der EWG-Konferenz von Luxemburg
(Spiegel 24. 1. 66. 15). 2. Pause nach der ersten Spielhälfte:
bei H. stand es unentschieden; mit einem Vorsprung in
die H. gehen; Ü Bis Ende März 1968 - und das war
ungefähr H. - gingen ... 56 700 Befreiungsanträge ein (MM
6. 7.68, 54); der Handel zog zur H. Bilanz, dazu: -zeitpfiff,
der (Fußball u. ä.): Pfiff des Schiedsrichters, der das Ende
der ersten Spielhälfte ankündigt; -zeug, das: svw. t ^fabri-
kat.
Halbe ['halte], der, die u. das; -n, -n <Dekl. t Abgeordnete)
iSubst. zu thalb] (ugs.): (bei Bier u. anderen alkoholischen
Getränken) halber Liter, halbes Maß: Herr Ober,
noch einen -n. bitte!; er hat schon 3 H. getrunken; sich
noch ein -s genehmigen; -halben [-'halbn; erstarrte
Kasusform (Dativ PI. u. Gen. Sg.) von mhd. halbe, ahd. halba
= Hälfte. Seite mit sekundärem t; also eigtl. = von ...
Seite(n) u. im übertragenen Sinne = wegen] in Zus.. z. B.
allenthalben, meinethalben; 'halber l'halbä] <Adv.)
[erstarrte Flexionsform (Nom. Mask. od. Neutr.) von thalb]
(landsch.): svw. thalb: Es ist h. zwölf (Werfel. Himmel
19); falber [-] <Präp. m. Gen. (nachgestellt)) [vgl. -halben,
also eigtl. = von der Seite des ... (od. der ...) aus] (geh.,
veraltend): wegen, um... willen: der Ordnung h.; dringender
Geschäfte h. verreisen.
Halbheit, die; -, -en (abwertend): halbe, unfertige Sache.
Handlung; unvollkommene Lösung: die H. (Unentschlossen-
heit) des Wollens; das sind doch nur -en!; sich nicht mit
-en abspeisen lassen; ein humanes Zuchthaus sei eine
ästhetische H., ein Kompromiß (Th. Mann. Zauberberg 631);
halbieren [hal'bi:ran] <sw. V.; hat) [mhd. halbieren]: in
zwei Hälften, zwei gleiche Teile teilen: eine Apfelsine h.;
einen Winkel, eine Strecke h.; Es ist immer besser, zu
h. als durch drei zu teilen (Kirst, 08/15, 658); ein halbierter
Bogen; <Abl.:) Halbkrung, die; -, -en: das Halbieren.
Halde ['hakte], die; -. -n [mhd. halde. ahd. halda = Abhang;
Subst. zu einem germ. AdJ. mit der Bed. „geneigt, schief.
schräg'4]: I. (geh.) [sanft] abfallende Seite eines Berges
od. Hügels. Bergabhang: eine lichte H.; daß die riesigen
Disteln, die auf den steinigen -n wucherten, von wahrhaft
goldener Farbe waren (Hagelstange. Spielball 256). 2.a)
(Bergbau) künstliche Aufschüttung von Schlacke od. tauben
Gesteinsmassen: im Revier türmten sich die Abfälle zu
riesigen -n; b) Aufschüttung von [zur Zeit] nicht
verkäuflichen [Kohle[Vorräten: die -n zum Verkauf in revierferne
Gebiete verlagern; Ü -n (große Lager) unverkaufter Ware;
die H. der Psychologen und Soziologen wächst; *auf H.
(auf Lager, in Vorrat): eine große Zahl von auf H.
befindlichen Wagen; Mehr als 260000 unverkaufte Autos stehen
aufH. (Spiegel 42, 1974. 173).
Halef['hal£:rJ].der;-.-(aber:2Hal^re. lOHatehi) [tschech.
halef]: Untereinheit der tschechischen Krone.
half (half): t helfen.
Half [ha:fl. der; -s. -s [engl, half, kurz für halfback. THalf-
Back] (Ballspiele, österr. veraltend): Spieler in der Position
eines Läufers: er stand mit dem Gesicht zum eigenen Goal
und der H. dicht hinter ihm (Torberg. Mannschaft 105).
Half- [ha:f-; engl. = halb]: -Back (mit Bindestrich), der
[engl, halfback; 12Back] (Schweiz.): svw. f Half; -court [*ha:f-
kD'.tJ, der; -s, -s [zu engl, court = Hof, Feld. Abteilung]
(Tennis): zum Netz hin gelegener Teil des Spielfeldes: der
Spieler zeigte große Sicherheit im H. (beim Spielen dicht
am Netz); -penny [heipni], der; -[s], -s: kleinste englische
Münze; ^reihe. die (Fußball, österr.): Läuferreihe einer
Mannschaft: ^Tlme (mit Bindestrich) [,ha:ftQ^n], die; -,
-s [engl, half time, zu: time = Zeit] (Sport): Halbzeit;
-volley(ball), der [zu T Volley] ([Tisch]tennis): Ball, der im
Augenblick des Abprallens vom Boden od. von der Platte
geschlagen wird: einen H. spielen.
Hälfte ['hellte], die; -. -n [aus dem Niederd. < mniederd.
helfte, zu: half = halb]: a) einer von zwei gleichen Teilen;
der halbe Teil: die obere, untere H.; die erste H. des
Monats; eine H. ist fertig, die andere folgt; die H. der
Schüler ist krank; [die] Kinder zahlen die H.; die H.
abgeben: ich habe schon mehr als die H. [des Geldes]
ausgegeben; einen Apfel in zwei -n zerschneiden; in der ersten
H. des vorigen Jahrhunderts; die meisten Szenen spielten
sich in der gegnerischen H. (Sport; auf der Spielfeldhälfte
des Gegners, in der Näfie des gegnerischen Tors) ab; die
Kosten dieser Bauvorhaben werden je zur H. vom Bund
und von den Ländern getragen; Die maßgeblichen Köpfe
in beiden -n unserer Welt (Natur 34); [gut] die H. (sehr
viel davon) ist gelogen; ich habe die H. (viel) vergessen;
man kann davon nur die H. glauben: * meine bessere H.
(ugs. scherzh.; meine EJiefrau. [seltener:] mein Ehemann):
da muß ich erst meine bessere H. fragen; meine schönere
H. (ugs. scherzh.; meine Ehefrau)', die H. abstreichen
[müssen, können] (ugs.; nicht alles glauben [können])', b) (ugs.)
einer von zwei verschiedenen Teilen eines Ganzen: die Armee
war in zwei Teile aufgesplittert. Die eine, kleinere H. war
in Stalingrad-Nord, die andere, größere H. in Stalingrad-
Mitte konzentriert (Plievier. Stalingrad 237); die gute H.
(mehr als die Hälfte); <Abl.:> hälften ['helftn] <sw. V.;
hat) (selten): halbieren: der Gewinn wurde gehälftet.
'Halfter ['halftel. der od. das; -s. -. veraltet auch: die; -.
-n [mhd. halfter. ahd. halftra. eigtl. = Handhabe]:
Kopfgeschirr (ohne Gebiß u. Trense) für Pferde u. Rinder mit
Riemen zum Füttern od. Anbinden des Tieres.
^Halfter [-], die; -, -n. auch: das; -s. - [älter nhd. Hulfter,
Holfter. mhd. hulfter = Köcher, zu mhd. hulfl. ahd.
hul(u)ft = Hülle, Futteral. Decke]: [am Sattel getragene!
Tasche für Pistolen: Ganz langsam zog ich die Pistole
aus der H. (Jerry Cotton. Heroin für Gangsterarme); eine
automatische Pistole, die er in einem H. an seinem Gürtel
trug (MM Pfingsten 1968. 33).
1125
halftern
halftern [ha Iften] <sw. V.; hat) [zu 'Halfter]: svw. fanhalf-
tem; Halfterriemen, der: am xHalfter befestigter Riemen
zum Führen u. Anbinden eines Zugtieres.
hälftig ['helft!«;] <Adj.; o. Steig.): aus zwei Hälften bestehetul;
in Hälften geteilt; je zur Hälfte: ein -er Anteil: Aufsichtsrat
mit -er (je zur Hälfte aus Arbeitgeber- u.
Arbeitnehmervertretern besteheruier) Besetzung; Sein Haus sei 1956 als
-es (eine Hälfte bildendes) Doppelhaus genehmigt worden
(MM 3.5.68.7): sie haben den Gewinn h. geteilt; H$lftung.
die; -, -en: das Hälften.
Halid [ha'liit]. das; -[e]s. -e [zu griech. hals = Salz]: svw.
THalogenid; Halisterese [haliste're:z3], die; - [zu griech.
hals = Salzu. steresis = Beraubung] (Med.): Weichwerden
der Knochensubstanz durch Entmineralisierung auf Grund
von hormonellen Störungen od. Vitaminmangel; Hallt [ha-
'li:t, auch: ...'lit], der; -s, -e: a) Steinsalz; b) Salzgestein
(z.B. Kalisalz. Gips).
halkyonlsdi [hal'kyo:ndl <Adj.): svw. talkyonisch.
Hall [hal], der; -[eis. -e <P1. selten) [mhd. hal. zu mhd.
hellen, ahd. hellan = schallen, ertönen]: a) (geh.) Schall
(bes. hinsichtlich der allmählich schwindenden, schwächer
werdenden hörbaren Schwingungen); der H. der Schritte
in der Nacht; der dumpfe H. der fernen Granateinschlage;
der H. der Vogelstimmen erfüllte alles mit seiner feinen
Lieblichkeit (Geissler. Wunschhütlein 138); b) Nachhall.
Widerhall. Echo: ohne H.; (Funkt.:) zwei Mikrofone, von
denen eins über H. arbeitet; Ü die Feier blieb ohne inneren
H. (berührre niemanden innerlich: Feuchtwanger. Herzogin
181).
Halle ['habl. die; -. -n [mhd. halle, ahd. ha IIa. eigtl. =
die Bergende; vgl. hehlen]: 1. verschiedenen Zwecken
dienendes größeres Gebäude, das f vorwiegend] aus einem
einzigen hohen Raum [mir gewölbrer DeckeJ besteht: die H.
(Fabrikhalle) dröhnte vom Lärm der Maschinen; das Werk
baut eine neue H.; unseren Stand finden Sie in H. 3 der
Ausstellung; diese H. (Schwimmhalle) hat die
vorgeschriebenen Maße für internationale Wettkämpfe; Springreiten
in der H. (Reithalle): der Zug verläßt die H.
(Bahnhofshalle). 2. größerer, ofr repräsenrariven Zwecken, als Entree.
Empfangshalle, allgemeiner Aufenthaltsraum o. ä. dienender
Raum in einem öffentlichen! Gebäude: eine geräumige
H. mit modernen Sesseln; In der H. (= eines Grandhotels)
saßen einige alte Damen und legten Patience (Salomon.
Boche 30); Zar ... sitzt... in der H. des Postamtes (Frisch,
Gantenbein 373).
H^lleflekt, der; -Ie]s. -e: (bei der elektronischen Musik)
durch Hall. Nachhall hervorgerufener klanglicher Effekr.
Hallel [ha'le:l]. das; -s [hebr. hallel = preise!, zu: hillel
= preisen] (jüd. Reh): jüdischer Lobgesang an hohen
Festragen (Psalm 113 118); hallehua! [hale'lu:ja] <Interj.) [aus
kirchenlat. hallelüiä.allelüiä < hebr. hällelü-yah = preiset
Jahwe!]: (aus den Psalmen übernommener
gottesdienstlicher Freudenruf) lober den Herrn: Christ ist erstanden,
h.!; h. amen; Ü endlich bin ich fertig, h.! (scherzh. Ausruf
der Erleichterung und Freude); <subst.:) HalleHjja, das;
-s. -s: a) liturgischer Freudengesang: ein H. anstimmen;
In der Höhe sprühte ein Chor energischer Knabenstimmen
auf und verlor sich mit seinem H. im Rund (Werfel,
Himmel 185): b) Vertonung eines Hallelujas (a): das H. aus
Händeis ..Messias"; <Zus.:> Hallelujablick, der (ugs. iron.):
frommer Augenaufschlag: jedenfalls ließ er es bei einem
H. und winkte ab (Bieler. Bonifaz 15); Halielwainädchen.
das (ugs. scherzh): Angehörige der Heilsarmee.
hallen [habn] <sw. V.; hat) [spätmhd. hallen, zu THall]:
a) (von einem , lautenJ Geräusch o.a.) sich in einem
bestimmten Bereich - einen Hall (a) erzeugend - weithin
fortpflanzen, schallen: seine Stimme hallte durch das leere
Haus; ein Schuß hallt durch die Nacht; Rufe hallten über
den weiten Platz; Ü Seine Warnung „rette deine Seele"
hallt wie ein einziger Schrei mit zwingender Gewalt durch
sein Buch (Nigg. Pilger 84); b) (in einem geschlossenen
od. weiten Raum) nachhallen, widerhallen: seine Schritte
hallten im Dom; Wie er schon ... entwischen wollte, rief
der Wirt, daß es schauerlich hallte: ... (H. Mann. Unrat
56); (auch unpers.:) Es hallte gewaltig zwischen den hohen
Wänden (Kuby, Sieg 279); das hallende Echo der Stimmen;
c) von einem Hall (a) erfüllt sein: Hallo! rief ich, daß
die Höhle hallte (Schnabel. Marmor 119); Explosionen,
von denen die Gänge hallten (Koeppen. New York 15).
hellen-. Hellen- [zu t Halle]: -artig <Adj.; o. Steig.): in der
Art einer Halle (1) /gebaut]; -bad. das: Schwimmbad in
einer Halle (1); tapllenbaden <sw. V.; hat; nur im Inf. u.
2. Part, gebr.) (ugs.): im Hallenbad baden: Ob Sie im
Winter h. oder eine Reise in sonnige Breiten gebucht haben
(MM 10. II. 72. 9); -bau. der <P1. -ten): hallenartiges
Bauwerk; -Handball, der: Handball in der Halle (Ggs.:
Feldhandball); -bockey, das: Hockey in der Halle (Ggs.:
Feldhockey); -kirche.die: Kirchenraum, bei dem die
Seitenschiffe die gleiche Höhe haben wie das Mittelschiff u. der
gesamte Bau von einem einzigen Dach überspannt wird;
-Schwimmbad, das: vgl. -bad; -spiel, das (Sport): in einer
Halle (1) stattfindendes Spiel (Ggs.: Feldspiel 2); -sport,
der; -tennts, das: in einer Halle (1) gespieltes Tennis; -tur-
nier, das: Turnier (z. B. Tennis. Springreiten) in einer Halle
(1).
hallig [hallel <Adj.; nicht adv.) [zu tHall] (selten): mit
starkem Hall (b): dieser Raum ist sehr h.
Hallig [-]. die; -. -en [aus dem Niederd. < nordfries. Haiig;
H. u.]: kleinere, bei Sturmflut überflutete Insel (an der
Westküste Schleswig-Holsteins): die H. Hooge; die -en
meldeten ..Land unter"; auf einer H. wohnen; <Zus.:)
Hqlligleute <PL): Bewohner der Halligen.
Hallimasch ['halimaJI. der; -[e]s. -e [H. u.; vidi, entstellt
aus lat. armilläria od. auch Verstümmelung aus „heil im
Arsch" (zu bayr. hal = heil), weil der Pilz in größeren
Mengen abführende Wirkung hat]: (zur Klasse der
Ständerpilze gehörender) meist in Büscheln an Baumstümpfenj
wachsender, eßbarer, brauner Pilz mit weißen Lamellen,
bräunlichen Schuppen u. einem häutig-flockigen Ring: der
H. ist gekocht eßbar.
Halljahr, das; -[eis. -e [nach dem Hall des Widderhorns,
das zu Beginn eines solchen Jahres geblasen wurde] (bibl.):
alle 50 Jahre wiederkehrendes Jahr des Feierns; Jubeljahr
(nach 3. Mose 25).
hallo! <lnterj.) [spätmhd. halo. urspr. Imperativ zu mhd.
haln (Nebenf. zu: hol[e]n) = herbeirufen, holen; urspr.
wohl Zuruf an den Fährmann am anderen Ufer; 3: nach
engl, hallo]: 1. [meist halo] Ruf. mit dem man jmds.
Aufmerksamkeit auf sich lenkt; Zuruf: h.. ist da jemand?;
h.. Sie haben etwas verloren!; h.! (Meldung am Telefon,
bes. wenn eine Verbindung, unterbrochen ist). 2. [meist
ha'lo:] Ausdruck freudiger Überraschung: h.. da seid ihr
ja!; (subst.:) man ... winkte den Gästen ein Hallo zu
(Bordiert. Geranien 61). 3. [halo:] (ugs.. bes. Jugendspr.)
Grußformel: h.. Leute!; Hallo [ha lo:J, das; -s. -s: a) lautes
freudiges] Rufen; allgemeine frewlige Aufregung. Geschrei:
lautes H. empfing ihn; es gab ein großes H. und freudige
Szenen des Wiedersehens (Leonhard. Revolution 128);
jmdn. mit H., unter großem H. verabschieden; b) auch:
der; -s, -s (landsch.): Aufsehen. Aufheben: als fange jetzt,
da sie sich aus den geräuschvollen Gassen des tätigen
Lebens bereits gedrückt hatten, der H. erst recht an (Hesse.
Sonne 5).
Hallodri [ha'lo:dri]. der; -s. -[s] [wohl zu landsch. Hailotria
= tAllotria] (bayr.. Osten*, ugs. abwertend): fröhlicher
u. unbeschwerter, aber ofr unzuverlässiger Mensch: in seiner
Jugend warerein H.; das seien nur die -s, die schlamperten.
die würden wiedermal demonstrieren (Fühmann,
Judenauto 19).
Hallore [ha'lo:ra]. der; -n, -n <meist PL): hist. Bez. für
Salinenarbeirer in Halle (Saale),
Hallstattkultur [haLftat-]. die; - [nach einem bei Hallstatt
in Oberösterreich gefundenen Gräberfeld] (Archäol.):
mitteleuropäische Kultur der älteren Eisenzeit; Ftylbtattzeit,
die; - (Archäol.): Kulturperiode am Anfang der älteren
Eisenzeit (erwa 700-450 v.Chr.); dazu: h^lbtattzeitlich <Adj.;
o. Steig.; nicht adv.): aus der Hallstattzeit stammend: -e
Schlangenfibeln.
Halhizinant [halutsi'nantj. der; -en. -en [lat. (h)al(Dücinäns
(Gen.: hallücinantis), 1. Part, von: (h)al(l)ücinäri. f
halluzinieren] (Fachspr.): jmd.. der an Halluzinationen leidet;
Halluzination [halutßinatsio.n], die; -. -en [lat. (h)al(Dücinätio
= gedankenloses Reden, Träumerei]: vermeintliche,
eingebildete, durch Sinnestäuschung hervorgerufene
Wahrnehmung eines in Wirklichkeit nicht vorhandenen Gegenstandes.
Geräuschs o.a.; Sinnestäuschung: optische, akustische -en;
Was Sie sehen und Tür nennen, ist eine H. (Zwerenz.
Quadriga 160); an -en leiden; halhizinativ [...a'ti:f; engl,
hallucinative], halluzinatorisch [...ato:nJ] <Adj.; o. Steig.)
(Fachspr.): auf Halluzination beruhend, in Form einer Hallu-
1126
Hals
zination: halluzinative Traumbilder; es seien vielleicht
halluzinatorische Vorgänge, die das Tier zu einem
Ablaufenlassen der Reaktion veranlassen (Lorenz. Verhalten 1.393);
halluzinieren <sw. V.; hat) [lat. (h)al(Dücinäri =
gedankenlos sein, wohl < griech. allein = außer sich sein, verwirrt,
gedankenlos sein] (Fachspr.): a) eine Halluzination.
Halluzinationen haben: einer Sinnestäuschung unterliegen: zu h.
beginnen; halluzinierende Geisteskranke; b) etw. als Hallu-
zimtionaufnehmen: die vorwiegend visuellen halluzinierten
Wahrnehmungen (Hacker. Aggression 180); halhizinogen
[...noge:n] <Adj.; o. Steig.) IT-gen] (Med.): Halluzinationen
hervorrufend, zu Halluzitiationen führend: -e Stoffe;
Halhizinogen [-1. das; -s. -e (Med.): Halluzittationen hervorrufende
Droge.
hallwene Chalve:gd] (berlin.): svw. thalbwege: *nu mach
mal h.! (ugs.; übertreibe nicht so): „Mir haben sie zum
Krüppel gemacht, ick bin zu nischt gut." ,.Nu mach mal
h." (Döblin, Berlin 260).
'Halm [halm]. der; -[eis. -e <Vkl. THälmchen) [mhd. halm.
ahd. haKahnl: schlanker, durch knotenartige Verdickungen
gegliederter, biegsamer Stengel von Gräsern u. Getreide:
kräftige, verdorrte, geknickte -e; die -e biegen sich im
Wind; das Getreide auf dem H. (vor der Ernte) verkaufen;
die Felder stehen hoch im H. (das Getreide ist gut
gewachsen u. fast reif): der Mann ... zerteilte die Menge wie
-e eines Ährenfeldes (Jaeger. Freudenhaus 222).
*Halm [-1. der; -[eis. -e (landsch.. fachspr.): a) svw. t^elm
(1); b) Teil einer Gabel, aus dem Zinken u. Steg
herausgearbeitet situi.
h?lm-. Hglm- ('Halm): ^fliege, die: sehr kleine Fliege, deren
Larven sich in den Halmen von Gras u. Getreide festsetzen
u. dort Schäden verursachen: vgl. Fritfliege; -frucht, die
(meist PI.): Getreideart: -tragend <Adj.; o. Steig.; nicht
adv.) (Bot.): (vonbestimmten Pflanzen) einen Halm
hervorbringend: Schilf ist eine -e Pflanze.
Halma l'halma], das; -s [griech. hälma = Sprung]: ein
Brettspiel für 2-4 Personen, bei dem jeder Spieler die Steine
seiner Farbe durch Überspringen möglichst schnell auf die
gegenüberliegende Seite des Spielfeldes zu bringen versucht.
Hähnchen [heimln], das; -s, -: f Halm.
hatmyrogen [halmyro'ge:n] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [zu
griech. halmyrös = salzig u. t -gen] (Geol.): ( von
Salzlagerstätten) durch Ausfällung aus dem Meerwasser entstanden:
Halmyrolyse. die; - ItLysel (Geol.): Verwitterung von
Gestein auf dem Meeresgrund unter dem Einfluß des
Meerwassers.
Halo [ha:lol, der; -[s], -s u. Halonen [ha'loman; lat. halö
(Akk. von: halös) = Hof um Sonne od. Mond < griech.
hälös. eigtl. = runde Tennel: I. (Physik) (durch Reflexion.
Beugung u. Brechung der Lichtstrahlen an kleinsten Teilchen
hervorgerufener) Hof um eine Lichtnuelle: ein H. um die
Sonne. 2. (Med.) a) Ring um die Augen: b) Warzenhof:
zu 1: Hgloeflekt [auch: heiloo-l, der; -[eis. -e (Psych.):
positive (xi. negative Beeitiflussung bei der Beurteilung
bestimmter Einzelzüge einer Person durch den ersten
Gesamteindruck od. die bereits vorhandene Kenntnis von
anderen Eigenschaften: Haloerscheinung. die; -. -en; Halonen:
PI. von tHalo; haloniert [halo'ni:?t] <Adj.; nicht adv.)
(Med.): von einem Hof umgeben, umrändert: -e Augen.
halo-. Halo- [halo-; griech. hals (Gen.: halös) = Salz]; hak>
biont [...'bjpntl <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [zu griech. biön
(Gen.: biountos), 1. Part, von: bioun = leben] (Biol.):
(von Tier u. Pflanze) an salzreichen Stellen lebend,
vorkommend: Halobiont [-], der. -en, -en (Biol.): Tier- od.
Pflanzenart, die vorzugsweise an salzreichen Stellen lebt, vorkommt:
halogen <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [t-gen] (Chemie):
salzbildend: Halogen, das; -s, -e (Chemie): chemischer
Grundstoff, der ohne Beteiligung von Sauerstoff mit Metallen
Salze bildet: Salzbildner (z. B. Brom, Chlor); Ha logen id
[haloge'ni:t], das; -[e]s. -e [zu t Halogen] (Chemie): aus
der Verbindung eines Halogens mit einem chemischen
Grundstoff (meist Metall) entstandenes Salz, Halid (z. B.
Kochsalz. Steinsalz), dazu: Halogenidsalz. das; halogenieren
[...ge'ni:ran] <sw. V.; hat) (Chemie): ein Halogen in eine
organischej Verbindung entführen: Halogenlampe, die; -.
-n: sehr helle Glühlampe mit einer Füllung aus Edelgas,
der eine geringe Menge von Halogen beigemischt ist:
Halogenscheinwerfer, der; -s. - (Kfz.-T.): Scheinwerfer mit
Halogenlampen: Halogenwasserstoff. der; -[e]s. -e <meist PI.)
(Chemie): Kohlenwasserstoff, bei dem die Wasserstoffatome
ganz od. teilweise durch Halogene ersetzt sind:
Halogenwasserstoffsäure, die; -. -n (meist PI.) (Chemie): Säure, die
aus einem Halogen u. Wasserstoff besteht (z. B. Salzsäure);
Haloid [haloi:t], das; -[e]s. -e: svw. THalogenid; Halojdsalz.
das: svw. Halogenidsalz; Halometer. das; -s. - [T-meter]:
Meßgerät zur Bestimmung der Konzentration von
Salzlösungen: halophil [...'fi:ll <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [zu griech.
phileln = lieben]: svw. thalobiont; Halophyt [...Ty:t], der;
-en.-en [zu griech. phytön = Pflanze] (Bot.): auf salzreichem
Boden (vor allem an Meeresküsten) wachsende Pflanze:
Halotherme, die; -. -n: [ koch ] salzhaltige Quelle.
'Hals [hals], der; -es. Hälse ['heb»; 1.2: mhd.. ahd. hals, eigtl.
= Dreher (des Kopfes); 4: nach den im Hals (2)
entstehenden Lauten]: I. <Vkl. t Hälschen) (beim Menschen u.
bestimmen Wirbeltieren) Körperteil, der Rumpf u. Kopf
miteinander verbindet u. bes. die Bewegung des Kopfes
ermöglicht: ein schlanker, kurzer, gedrungener,
ungewaschener H.; ein magerer H. mit einem starken Adamsapfel;
sie reckten die Hälse, um etwas sehen zu können; paß
auf. daß du nicht vom Pferd stürzt und dir den H. brichst;
einem Tier den H. umdrehen (es töten): bis an den H./bis
zum H. im Wasser stehen; Haß gegen meinen Vater. Wenn
der losgeht, dann möchte ich dem am liebsten gleich an
den H. springen (ihn würgen: Schmidt,
Strichjungengespräche 83); er läuft immer mit bloßem, nacktem, freiem H.
(ohne KrawatteJ;.Eine Amsel saß mit eingezogenem H.
in den unteren Ästen (Strittmatter. Wundertäter 248):
jmdm. um den H. fallen (ihn in einem plötzlichen, heftigen
Gefühl von Zuneigung, Freude od. Kununer umarmen): R
da steh' ich nun mit meinem gewaschenen H. (ugs.; nun
war alle Mühe umsonst, u. ich bin der Dumme, der Blamierte:
nach dem Witz, daß ein kleiner Junge sich darüber ärgert,
daß er sich umsonst den Hals gewaschen hat, weil der
angesagte Besuch nicht gekommen ist); *H. Über Kopf
(ugs.; überstürzt, sehr eilig u. ohne vorherige Planung: urspr.
..über H. und Kopf, „über H., über Kopf mit der
Vorstellung des Sichüberschlagens): sie haben H. über Kopf
das Land verlassen; sie hat sich H. über Kopf in ihn
verliebt; sich (Dativ) nach jmdm., etw. den H. verrenken
(ugs.; erwartungsvoll od. neugierig nach jmdm., etw. Aus-
sclmu halten)', einen langen H. machen (ugs.; sich recken,
um lüber andere hinweg! etw. sehen zu können): jmdm.
den H. abschneiden/umdrehen/brechen (ugs.; jmdn. ,
wirtschaftlich 1 zugrunde richten, ruinieren): mit solchen
Werbemethoden schneidet man den kleinen Geschäftsleuten den
H. ab; etw. kostet jmdn./jmdm. den H. (ugs.; etw. [die
eigene, leichtsinnige Handlungsweise] ist jmds. Verderben,
ruiniert jmdn.): sich (Dativ) die Schwindsucht, die Pest
o.a. an den Hals ärgern (ugs.; sich über längere Zeit so
sehr über jmdn., etw. ärgern, daß man schließlich dadurch
krank wird): jmdn., etw. am/auf dem H. haben (ugs.; mit
etw. belastet sein: viel Mühe od. Ärger mit etw. haben):
in seiner verantwortlichen Stellung hatte er immer viel
am H.; er hatte Verfahren wegen unberechtigter Führung
akademischer Titel am H. (Spiegel 49, 1966, 44); sich
jmdm. an den H. werfen (ugs.; sich jmdm. aufdrängen):
jmdm. jmdn. auf den H. schicken/hetzen (ugs.; jmdn.. der
unerwünscht ist. zu jmdm. schicken): er hat den Betrüger
erkannt und ihm die Polizei auf den H. gehetzt; sich (Dativ)
jmdn.. etw. auf den H. laden (ugs.; sich mit jmdm., etw.
belasten u. dadurch viel Arbeit u. Verantwortung auf sich
nehmen): barfuß bis an den/bis zum H. (ugs. scherzh.; nackt):
bis über den H. (ugs.; völlig, total): ich stecke bis über
den H. in Arbeit, in Schulden; sich um den/um seinen
H. reden (ugs.; sich durch unvorsichtige Äußerungen in große
Schwierigkeiten bringen, seine Existenz riskieren): jmdm.
mit etw. vom Hals[e] bleiben (ugs.; jmdn. mit etw. verschonen,
nicht belästigen): sich (Dativ) jmdn.« etw. vom Halsle] halten
(ugs.; sich mit jmdm.. etw. nicht einlassen): sich (Dativ)
jmdn.. etw. vom Halsle] schaffen (ugs.; sich von jmdm..
etw. befreien: jmdn., etw., was einem lästig ist, abschütteln).
2. der Rachenraum mit Kehlkopf, Luft- u. Speiseröhre als
Sitz der Atem- u. Stimmwege: Schlund, Kehle: ein rauher,
entzündeter, trockener H.; mein H. tut mir weh. schmerzt
mich/mir; der H. war ihr wie zugeschnürt; das Bier rann
ihm eiskalt den H. hinunter; er hat einen roten
(entzündeten) H.; jmdm. den H. zudrücken (ugs.; ihn durch
Abschneiden der Luft töten): dem Hund hängt die Zunge aus dem
H.; aus dem H. riechen; der riecht aus dem H. wie die
Kuh aus dem Arsch (derb; hat einen üblen Mundgeruch):
1127
Hals
Ich lauschte, bis mir das Herz im H. schlug (Schnurre,
Bart 9); eine Gräte war ihm im H. (im Schlund)
steckengeblieben; er hat es im H. (ugs.; hat Halsschmerzen); Ü
sein Geld durch den H. jagen (viel trinken); und dann
kriegte man ihn ( = den Löffel) voller Lebertran ... in
den H. gejagt (salopp; mußte man einen Löffel Lebertran
schlucken; Kempowski, Immer 13); Wozu ich der immer
mein teures Geld in den H. stecke (sie aushalte), gleich
morgen schmeiße ich sie raus (Fallada, Mann 80); *den
H. nicht voll [genug] kriegen [können] (ugs.; nie genug
bekommen [können], unersättlich sein, in bezug auf Geld,
Essen, Ruhm, Anerkennung u.a.): aus volkm Habfe] (sehr
laut): er lachte aus vollem H.; etw. in den fabchen/unrech-
ten/verkehrten H. bekommen (ugs.; etwas gründlich
mißverstehen ! u. deshalb übelnehmen]: geht von der Vorstellung
aus. daß etwas in die Luftröhre statt in die Speiseröhre
gerät u. dabei einen heftigen Hustenreiz hervorruft); etw.
hängt/wichst imdm. zum Hab[e] heraus (ugs.; jmd. ist einer
Sache überdrüssig, mag nichts mehr davon sehen od. hören;
geht von der Tatsache aus. daß Tieren, die sich überfressen
haben, das letzte Stück zum Halse heraushängen kann):
dein ewiges Gejammere hängt mir allmählich zum H.
heraus. 3.a) der [sich verjüngende] obere Teil einer Flasche
od. Ampulle: Er ... nahm einige Ampullen heraus, sägte
ihnen den H. durch (Sebastian, Krankenhaus 50); eine
Weißweinflasche mit langem H.; * einer Flasche den H.
brechen (ugs.; eine Flasche mit einem alkoholischen Getränk
öffnen [in der Absicht, sie zu leeren]): b) langer, schmaler
Teil zwischen Körper u. Wirbeln des Saiteninstrumentes,
auf dem das Griffbrett liegt u. über den die Saiten gespannt
sind: der H. einer Geige. Gitarre. Laute; c) (Med.) sich
verjüngender Teil eines Knochens od. Hohlorgans, der meist
das Verbindungsstück zu einem anderen Teil od. Organ
bildet: der H. des Oberschenkelknochens, der
Gebärmutter; d) (Archlt.) (beider griechischen Säule) Teil des
Säulenschaftes unmittelbar unter dem Kapitell: der H. einer Säule.
4. (Jägerspr.) das Bellen eines Jagdhundes: der Hund gibt
H.; der Hund riß Helmold den Riemen aus der Hand
und hetzte mit hellem -e weiter (Löns, Gesicht 146); 2Hab
[-1, der; -es, -en [a: 'Hals (3) als Bez. für den sich
verjüngenden Teil eines Gegenstandes] (Seemannsspr): a) untere,
vordere Ecke eines Segels; b) Tau, mit dem die untere
Ecke eines Segels nach vom gezogen wird; Halsentau.
h^b-, H$b- ('Hals 1.2): -abschneider, der (ugs. abwertend):
jmd., der einen anderen auf skrupellose Weise übervorteilt.
Wucherer, dazu: -abschneiderisch <Adj.; Steig, selten; nicht
adv.): ein -er Finanzmann; diese Preise sind h.; -ader,
die: svw. ? -Schlagader; Minsatz, der, ^ausschnitt, der:
Ausschnitt eines Kleidungsstückes am Hals: ein tiefer, spitzer
H.; -band, das <PI. -bänder): a) fester [Leder]riemen um
den Hals eines Hundes od. anderen Haustieres, an dem
die Leine befestigt wird: dem Hund ein H. anlegen, ihn
am H. fuhren; b) (veraltend) (wertvolle] breite Halskette;
c) fest um den Hals getragenes [ Samt [band / mit Anhänger ];
-berge [-bergd]. die; -. -n [mhd. halsberge, ahd. halsperga.
eigtl. = was den Hals birgt] (MA.): a) metallener
Halsschutz der Ritterrüstung; b) KettenJiemd; -berger [-bergB],
der, -s. -: Schildkröte mit der Fälligkeit, den Kopf durch
Krümmen des Halses in den Panzer zurückzuziehen; vgl.
Halswender; -binde, die: a) (früher) unter dem Kragen
des Uniformrocks getragenes Band zum Schonen des Stoffs:
Kinn an die-H., Brust raus, Bauch rein (Kirst, 08/15,
7%); b) (veraltend) Krawatte; -bräune, die (veraltend):
svw. t Bräune (2); -brecherisch [-bre^nj] <Adj.; nicht
adv.>: sehr gewagt, tollkühn, lebensgefahrlich (so daß man
sich den Hals dabei brechen kann): eine -e Kletterpartie;
ein -es (gefä/irliches) Unternehmen; Ü Einzelfallstudien
... zur Grundlage praktischer Maßnahmen zu machen,
ist h. (Noelle, Umfragen 282); -bündchen, das: vgl.
Bündchen; -eisen, das [mhd. halsisen] (MA.): [als
Folterwerkzeug benutztes] breites Eisenband, das Gefangenen eng um
den Hals gelegt wurde; -entzündung, die: mit
Halsschmerzen. Schluckbeschwerden / u. Fieber] einhergehende
entzündliche Erkrankung der Rachenschleimhaut: -fern <Adj.;
o. Steig.; meist attr.) (Mode): (von einem Kragen) nicht
eng am Hals anliegend (Ggs.: -nah): ein Pullover mit
-em Kragen; -fistel, die (Med): [angeborene] Fistel im
Hals; -gericht, das [mhd. halsgerichte = Befugnis, über
den Hals, d. h. über Leben u. Tod zu richten]: (vom späten
MA. bis zur früheren Neuzeit) Gericht zur Aburteilung
von schweren Verbrechen, dazu: -gerichtsordnung, die;
-kette, die: Kette, die als Schmuck um den Hals getragen
wird; -kragen, der: a) den Hals umschließender Kragen;
ein enger, runder, gesteifter H.; Ü ungewiß .... ob nicht
schließlich der Gendarm einen doch noch am H. packen
wird (ergreifen, verhaften wird; A. Zweig, Grlscha 86);
b) breites, steifes, abstehendes Gestell, das einem verletzten
Tier um den Hals gelegt wird, um es daran zu hindern,
seine Wunden zu lecken; -krause, die: a) gefältelter Kragen
(bei einigen Trachten u. bestimmten Formen des Talars);
b) stark ausgebildetes Federkleid am Hals (bei den
Männchen verschiedener Vögel, bes. der Hühnervögel); -länge,
die (Pferdesport): Länge eines Pferdehalses (als Maß für
den Abstand zwischen den Pferden): in der Zielgeraden
lag er um zwei -n zurück: den Konkurrenten um eine
H. schlagen; ^los <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: ohne Hals;
mit [fast/ utunittelbar auf dem Rumpf sitzendem Kopf:
Willi zog ... den Kopf zwischen die Schultern .... so daß
er jetzt mit seinem riesigen Mützenschirm wie eine -e
alte Krähe wirkte (Schnurre. Bart 79); -muskel. der:
Muskel am Hals, den Hals bewegender Muskel; -nah <Adj.;
o. Steig.; nicht adv.> (Mode): eng am Hals anliegend,
hochgeschlossen (Ggs.: -fem): Die Pullover haben einen
Rollkragen, einen -en oder einen V-förmigen Ausschnitt (Her-
renjouma!2,1966,14); -Nasen-Ohren-Arzt (mit
Bindestrichen), der: Facharzt für Erkrankungen im Bereich von
Ohren. Nase. Nebenhöhlen u. Rachenraum; Abk.: HNO-Arzt;
-Partie, die: Gegend des Halses: er hat Schmerzen in der
H.; -Schlagader, die: Schlagader am Hals; -schleife, die:
am Hals gebundene Schleife (bei einem Kleidungsstück):
sie band die H. ihrer Bluse; ein Schoßhund mit H.;
-schmerz, der (meist PI.): sie ist erkältet und hat starke
-en; * -«n haben (Soldatenspr. veraltend; danach streben,
einen hohen, am Hais zu tragenden Orden zu bekommen):
-schmuck,der: ^starr<Adj.) (selten): svw. t^starrig:
Vorsteher des Postamtes, ein h. rechtlich Denkender, Beamter
(Johnson. Mutmaßungen 8); -starre, die (selten): svw.
tGenickstarre; -starrig [-Jtan<;l <Adj.> [spätmhd. halsz-
starrigl (abwertend): [gegen bessere Einsicht! auf seinem
Willen, seiner Meinung beharrend, eigensinnig,
starrköpfigem -er Mensch; selbst dann blieb er h. und tobte und
verlangte Schadenersatz (Baum, Bali 112): „Ich will aber
nicht*', sagte er h.. dazu: -starrigkeit. die: - (abwertend):
halsstarrige Haltung. Dickköpfigkeit; -stück, das:
Fleischstück vom Hals eines Schlachttieres; -tuch, das <P1. -tü-
cher): [längliches, auadratisches od. dreieckiges! Tuch, das
um den Hals gelegt wird (als Schutz gegen Kälte tui. als
schmückendes Beiwerk): ein seidenes H. umbinden; - und
Beinbruch (mit Ergänzungsbindestrich): t Beinbruch; -weh,
das<o. PI.) (ugs.): svw. \ -schmerz; -weite, die: am
Halsansatz gemessener Umfang des Halses (als Maß für
Kragenweite u. Halsausschnitt); -wender [-vEndel. der; -s. -:
Schildkröte, die ihren / sehr langen/ Hals seitlich unter den
Panzer zurückziehen kann; vgl. Halsberger; -wickel. der
(Med.): zur Linderung od. Heilung (z.B. bei Angina) um
den Hals gelegter feuchter Umschlag; -wirbel. der (Anat.):
einer der sieben obersten Wirbel der Wirbelsäule: Stanislaus
riß grüßend den Kopf herum, daß die H. knackten
(Strittmatter, Wundertäter 330), dazu: -wirbelbruch, der.
Hälschen (hels^n). das: -s. -: t'Hals (1): Habe ['halzsl.
die; -, -n [zu 'Hals in der Bedeutung „Dreher,
Herumbeweger" 1 (Seemannsspr.): das 2Halsen: eine H. machen;
es wurde eine harte H. (Ott. Haie 55); 'halsen [halznl
<sw. V.; hat) [mhd. halsen, ahd. halsön, zu t 'Halsl (selten):
umarmen, liehevoll um den Hals fallen: Zeus, der ins
Gefieder schlüpfte und sich von Leda h. ließ (Hagelstange.
Spielball 61); foben [-1 <sw. V.; hat) [THalsel
(Seemannsspr.): den Kurs eines Segelschiffes ändern, indem es
mit dem Heck durch die Richtung gedreht wird, aus der
der Wind weht; H^bentau, das; -[eis. -e: svw. t^als (b);
-hakig [-halzi(;] in Zusb.. z.B. kurzhalsig (mit kurzem
lHals); Halsung ['halzool. die; -, -en (Jägerspr.):
Halsband des Jagdhundes.
4talt [halt] <Adv.) [mhd., ahd. halt = mehr, vielmehr!
(südd.. österr.. Schweiz.): (bringt eine Haltung der
Resignation zum Ausdruck) so. wie die Dinge liegen; 2eben (4);
nun einmal: das ist h. nicht anders; dagegen kann man
h. nichts machen; damit muß man h. rechnen; Beatrice
hat das Brot, das sie h. nicht mag. unter die Tischplatte
geklemmt (Frisch, Gantenbein 457).
1128
halten
^halt! [-] (Interj.) (Imperativ von halten]: nicht weiter!:
anhalten!: aufhören; stopp!: h.! Wer da? (Milit.; Anruf der
Wache); Abteilung h. - Gewehr ab! - Stillgestanden (Plievier,
Stalingrad 231); Mit flachen Händen schlage ich
wechselweise das Tamtam: ... bis Herr Mayerbär h.! sagt (Bieler,
Bonifaz 14).
Hglt. der; -[eis, -e [spätmhd. halt = das Halten, Aufenthalt,
Ort; Bestand, zu t halten]: 1. <o. PI.) etw.% woran man
sich festhalten kann, woran etw. befestigt wird: Stütze: einen
H., nach einem festen H. suchen; nach einem H. greifen;
der Bergsteiger fand, gewann [mit den Füßen] an der
Felswand, auf dem glatten Grund keinen H.; er verlor den
H.; das Bücherregal hatte keinen H.(Standfestigkeit) und
fiel um; Ü sie ist sein moralischer H.; inneren H. (Festigkeit.
Sicherheit) haben; jeden H. verlieren; an jmdm., etw.
[einen] festen H. (Rückhalt, moralische Unterstützung) haben;
Sie versuchte noch einmal... an den gestammelten Worten
eines Psalms H. in ihrer Qual zu finden (Thorwald.
Chirurgen 19). 2. das [kurze] Anhalten: [kurze] Unterbrechung
/einer Fa/irt]: Stillstand: ein plötzlicher H.; Voraussetzung
für solche Fahrzeiten (= der F-Züge) ist die Beschränkung
der ... -e (Bundestag 189, 1968, 10189); ohne H. ans Ziel
fahren; *jmdm., einer Sache H. gebieten (geh.: 1. jmdn.
anhalten (1 a), stoppen. 2. etw. Störendes. Schädliches sich
nicht weiter ausbreiten lassen). 3. (Schweiz.) Gehalt. [Flä-
chenjinfialt: Grundbesitz im -e von 20 Jucharten Land.
hijlt-. H$K- (vgl. auch: Halte-): ^los <Adj.; -er, -esje; nicht
adv.>: 1. ohne inneren, seelischen, moralischen Halt, labil,
ohne innere Festigkeit: ein -er Mensch; diese junge Frau
ist völlig h.; Wie kam es schließlich, daß Carlo ... zu
trinken und zu spielen begann und h. und krank wurde?
(Jens, Mann 110). 2. unbegründet, einer kritischen Prüfung,
einer sachlichen Beurteilung nicht standhaltend: aus der Luft
gegriffen: -e Behauptungen, Anschuldigungen; wer wird
sich um solch -en Klatsch kümmern! (Broch, Versucher
86). 3. (selten) ohne Halt (1); ohne Festigkeit: Die Wahl
des Weges auf Gletschern erfordert Umsicht und
Erfahrung, besonders... wenn der erste Winterschnee die Spalten
weich und h. überbrückt hat (Eidenschink, Eis 33), dazu:
-lostgkeit, die; -: 1. haltloses (1) Wesen: Vielleicht wäre
ich trotz allem in meiner H. auch nur eine Art Strolch
geworden (Werfel. Himmel 197). 2. Beschaffenheit.
Zustand, der haltlos (2), unbegründet ist: bald mußte er die
H. seiner Beschuldigungen einsehen; -machen <sw. V.;
hat): I an]halten: stehenbleiben: stoppen: h., um
auszuruhen; wir machten im nächsten Dorf halt; die Kompanie
machte vor dem Kasernentor h.; Ü In diesem besonderen
Falle jedoch macht mein Urteil halt (Th. Mann, Krull
75); * vor jmdm., etw. nicht h. (jmdn.. etw. nicht ausnehmen,
nicht verschonen): von einem kaustischen Witze beseelt,
der selbst vor dem Kaiser nicht haltmachte (Thieß, Reich
322); vor nichts [u. niemandem] h. (vor keiner Tat
zurückschrecken: skrupellos sein): -regel, die (Schlagball): Regel,
die besagt, daß ein Läufer stehenbleiben muH. wenn der
Ball gestoppt od. das Spiel unterbrochen wird: ^schild. das
(früher): svw. t Stoppschild; -signal, das: svw. T Haltesignal,
ein H. überfahren; Ü (dieser Vertrag ist) ein weithin
erkennbares H. flir Abenteurer (Neues D. 17. 6. 64, 2); ^verbot.
das. amtl. Bez. fiir t Halteverbot.
haltbar [haltba:£] <Adj.; nicht adv.>: l.a) (von
Lebensmitteln u. ä.) nicht leicht verderbend: über längere Zeit genielir
bar bleibend: lange -e Lebensmittel; etw. durch Zusätze
h. machen (konservieren): b) so beschaffen, daß es hält
(18), nicht leicht verschleißt, nicht leicht entzweigeht; von
fester, dauerhafter Beschaffenheit; strapazierfähig: -e
Stoffe, Tuche; die schweren Nagelschuhe sind sehr h.; Ü Es
war nicht der explosive Frühling der ersten Märztage,
sondern ein -er (beständiger) und richtiger (Broch,
Versucher 46); Keine Sorge: schlechte Ehen sind die -sten (die
beständigsten, die dm seltensten auseinandergehen; Woh-
mann, Absicht 28). 2. <o. Steig.) a) so geartet, daß es
sich aufrechterhalten läßt, daß es glaubhaft, einleuchtend
ist o. ä. (meist verneint): diese Theorie ist bestimmt nicht
h.; denn falls ... der ... Euphrat im Paradiese entsprang,
so ist die Annahme nicht h.. daß dieses in seinem
Mündungsgebiet gelegen gewesen sei (Th. Mann, Joseph 37);
b) <nur präd.) (selten) so beschaffen, so geartet, daß man
es halten (6a), erfolgreich verteidigen kann (meist verneint):
unter diesen Umständen ist die Stadt, die Festung nicht
h.; c) so beschaffen, so geartet, daß man es [beijbehalten
kann, nicht abgeben muß: sein erster Platz in diesem
Wettkampf ist wohl kaum h.; d) (Ballspiele) (von einem Ball,
einem Schuß) so geworfen, geschossen, daß der Tormatm
ihn halten (3 a), fangen, abwehren kann: dieser Ball war
h.; ein -er Flachschuß brachte die Führung; <Abl. zu 1 a,
b:> Haltbarkeit, die; -: haltbare Beschaffenen, dazu: Halt-
barkeitsdauer, die: Zeitraum, in dem etw. haltbar ist: die
H. der Konserven ist anzugeben.
Halte ['halte], die, -, -n: I. (Turnen) Übung, bei der der
Körper kurze Zeit in einer bestimmten Stellung gehalten
wird: eine H. dauert am Barren und auf dem Boden zwei,
an den Ringen drei Sekunden. 2. (ugs.) Haltestelle: Ich
schiebe mich bei der nächsten H. vorn hinaus (Fr. Wolf,
Zwei 146).
HfHe- (vgl. auch: halt-. Halt-): -ball, der (Basketball): a)
Ball, der von zwei gegnerischen Spielern gleichzeitig gefaßt
wird, ohne daß ihn einer für sich gewinnen kann; b) Ball,
den ein Spieler zu lange hält, nicht in der vorgeschriebenen
Frist abgibt; -bogen, der (Musik): Bogen (3), durch den
die Zeitwerte zweier Noten mit gleicher Tonhöhe addiert
werden; -bucht, die (Verkehrsw.): Ausbuchtung der
Fahrbahn am rechten Straßenrand, die es ermöglicht, mit einem
Fahrzeug auf einer vielbefahrenen Straße anzuhalten; --griff.
der: I. (in Autos, öffentlichen Verkehrsmitteln
angebrachter) Griff zum Festhalten. 2. (Budo) Griff, mit dem man
den Gegner auf der Matte unter Kontrolle zu halten versucht;
-gurt, der: svw. t Sicherheitsgurt; -kind, das (veraltet):
Kind, das sich bei einer Familie in Pflege befindet;
Pflegekind; -kraft, die (Bergsteigen): Kraft. Reibung bzw.
Klemmwirkung, die den Haken in einem Riß od. im Eis festhält;
-leine, die: Leine, mit der jmd.. etw. festgehalten wird;
-linie. die (Verkehrsw.): nicht unterbrochene Linie quer
zur Fahrspur, an der / vor Ampeln] angehalten werden muß;
-platz, der: a) Standplatz für Taxen; b) (selten) Parkplatz;
-punkt, der: 1. Bedarfshaltestelle an einer Balmlinie. 1.
(Schießen) Stelle auf der Zielmarkierung.auf die die
Visierlinie bei der Abgabe des Schusses gerichtet ist; -rlernen«
der: Schlaufe, die im Auto, in öffentlichen Verkehrsmitteln
zum Festhalten angebracht ist; -schwung, der (Skisport):
Abschwung (2). der zum Halten führt; ^seil. das: vgl. kleine;
-signal, das: Signal, das das Anhalten des Fahrzeuges
fordert; -Stange, die: a) Stange, an der man sich halten kann:
mit den Knien gegen die vordere Lehne gestemmt, mit
den Händen an der H. (Johnson, Mutmaßungen 123);
b) Stange, die etw. hält: während Nella es (= das Garten tor)
mit einem heftigen Ruck beiseite schob, so daß es gegen
die Haltestange schlug (Böll, Haus 160); -stelle, die: Stelle,
an der öffentliche Verkehrsmittel anhalten, um Fahrgäste
aus- od. einsteigen zu lassen, dazu: -Stelleninsel, die:
Verkehrsinseleiner Straße, auf der sich eine od. mehrere
Haltestellen befinden; ^tau. das: vgl. kleine; -technik, die:
Technik der Haltegriffe (2); ^teil. das: svw. T Halte (1); ^trosse.
die: starkes Tau. das vor allem dazu verwendet wird, große
Schiffe an ihrem Liegeplatz zu vertäuen: -verbot, das: 1.
(Verkehrsw.) a) Verbot für ein [ Kraft]fahr zeug, an einer
bestimmten Stelle anzuhalten: hier besteht eingeschränktes
H.; b) Stelle, an der das Anhalten für Kraftfahrzeuge
verboten ist: er steht mit seinem Auto im H. 2. Verbot, (ein
bestimmtes Tier) als Haustier [im Käfig] zu halten: ein
allgemeines ... H. für alle bedrohten Greifvogelarten (Tier
10, 1971, 31), zu 1: -Verbotsschild, das: Verkehrszeichen,
das ein Halteverbot anzeigt; -Vorrichtung, die: Vorrichtung,
durch die etw. gehalten (1) wird; -zeichen, das: 1. svw.
f ^Signal. 2. (Musik) Fermate.
halten ['haltnl <st. V.; hat) /vgl. gehalten/ [mhd. halten, ahd.
haltan; urspr. = Vieh halten, hüten, weidenl: l.a) ergriffen,
gefaßt haben u. nicht loslassen; festhalten: eine Stange,
die Tasse am Henkel, das Seil an einem Ende h.; das
Steuerrad nicht mehr h. können; würden Sie bitte einen
Augenblick meinen Schirm, das Kind h.?: haltet ihn. haltet
den Dieb! (laßt ihn nicht weglaufen, entkommen); ich halte
Ihnen die Tasche; er hielt ihr (half ihr in) den Mantel;
Der Kapellmeister hielt sich plötzlich mit beiden Händen
den Kopf (nahm den Kopf in die Hände; H. Mann. Stadt
95); er hielt (stützte) die Leiter; jmds. Hand, ein Kind
an. bei der Hand h.; die Mutter hält das Baby im Arm.
in den Armen; er hielt den Draht mit den Fingern, mit
einer Zange; einen Karton unterm Arm h.; Er konnte
das Mundstück des Tauchretters nicht zwischen den
Lippen h. (Ott. Haie 360): *sich nicht h. lassen; nicht zu
1129
halten
h. sein (sich nicht aufrechterhalten lassen): diese These,
Theorie läßt sich nicht h.. ist nicht zu h.; an sich h. (sich
zusammennehmen, beherrschen; seine Gefühle,
Empfindungen, seine Erregung o.a. zurückhalten, bezwingen, zügeln):
sie hätte am liebsten geweint, aber sie hielt an sich; ich
mußte an mich h./konnte nur noch mit Mühe an mich
h.. als ich das sah; er konnte nicht mehr länger an sich
h. und brach in lautes Gelächer aus; b) bewirken, daß
etw. in seiner Lage, seiner Stellung o. ä. bleibt. Halt hat;
Befestigung, Halt. Stütze o. ä. für etw. sein: nur ein paar
Stützbalken halten das baufällige Gemäuer; zwei Schleifen
halten den Vorhang [an der Seite); ihre Haare wurden
von einem Band [nach hinten] gehalten; das Regal wird
von zwei Haken gehalten (ist mit zwei Haken befestigt).
2.a) an eine bestimmte Stelle bewegen u. dort in einer
bestimmten Lage. Haltung. Stellung lassen: den Arm
ausgestreckt, den Kopf gesenkt h.; die Hand an, gegen den
Ofen h.; das Negativ gegen das Fenster, das Licht h.;
das Kind über das Taufbecken h.; Ich holte die zehn
Fünfzigmarkscheine aus der Tasche und hielt sie ihr unter
die Nase (Simmel. Affäre 37); du brauchst dir gar nicht
die Zeitung vors Gesicht zu halten; b) <h. + sich) eine
bestimmte Körperhaltung einnehmen, haben: sie hält sich
sehr aufrecht; du mußt dich besser h.; er hält sich schlecht,
nicht gut; c) <h. + sich) an einer bestimmten Stelle, in
einer bestimmten Lage. Stellung verharren, bleiben: er hielt
sich nur ein paar Sekunden auf dem wilden Pferd; meist
in Verbindung mit „können": sie konnte sich an der
abschüssigen Stelle nicht mehr halten und rutschte ab. 3.
(Ballspiele) a) einen aufs Tor geschossenen Ball abfangen,
abwehren können, die Torlinie nicht passieren lassen: jeden
Ball, der aufs Tor kommt, h.; er hat den Elfmeter gehalten;
b) in bestimmter Weise als Torwart abwehren, spielen, das
Tor hüten: phantastisch h.; der junge Torhüter hielt wieder
großartig. 4. zum Bleiben bewegen, zurückhalten; nicht
weggehen lassen: du kannst gehen, es hält dich niemand; was
hält uns hier, bei dieser Firma, in dieser Stadt eigentlich
noch?; die Firma versuchte alles, den Facharbeiter zu h.;
es hält ihn [hier] nichts mehr; er ließ sich nicht h. 5.
bei sich, in sich behalten; nicht ausfließen, herauslaufen
lassen; zurückhalten: der Teich, das Faß hält das Wasser;
den Urin halten; meist verneint in Verbindung mit
„können": sie konnte das Wasser (den Urin) kaum noch, nicht
mehr h. 6.a) (Milit.) erfolgreich verteidigen: die Soldaten
hielten die Festung, die Stellungen; Pitomnik sollte
gehalten werden, wenigstens ... so lange, bis die Bunker ...
geräumt sein würden (Plievier. Stalingrad 140); b) nicht
aufgeben, nicht weggeben müssen; sich nicht wegnehmen
lassen: er wird seine Gaststätte, seinen Laden nicht mehr
lange h. können; c) (in bezug auf eine erworbene Stellung
in einer Rangskala o.a.) weiterhin innehaben, behalten;
nicht abgeben müssen, nicht verlieren: er hält den
Weltrekord im Brustschwimmen; der Läufer konnte seinen
Vorsprung bis ins Ziel h. 7. <h. + sich) a) sich mit Erfolg
behaupten; erfolgreich bestehen; Schwierigkeiten
überwinden u. Dauer. Bestand haben: das Geschäft. Unternehmen
hält sich [wider Erwarten); wir werden uns. die Stadt wird
sich nicht mehr lange [gegen den Feind] h. können; er
hat sich gegen alle Voraussagen im Betrieb gehalten; der
Läufer hat sich über Jahre hinweg in der Weltspitze
gehalten: Ü das Stück konnte sich lange auf dem Spielplan
h.; b) sich in bestimmter Weise durchsetzen; in bestimmter
Weise eine Situation meistern, den Anforderungen genügen:
du hast dich in deinem ersten großen Wettkampf, in der
Prüfung gut, hervorragend gehalten: wenn er sich weiterhin
so tapfer, wacker hält, wird er siegen. 8.a) in gleicher
Weise weiterfüliren. beibehalten; bei erw. bleiben;
durchhalten: den gleichen Kurs, die Richtung h.; es fiel ihm schwer,
das hohe [Anfangsltempo zu halten; den Ton. die Melodie,
den Takt h.: Er stieg leicht bis zum G an. darüber hatte
er bereits Mühe, das A ohne Umschlag der Stimme zu
h. (Thieß. Legende 109); der Kranke muß Diät h.; sie
wollen [weiterhin] Verbindung miteinander h.; Er hielt
am Mittwoch ständigen Kontakt (blieb in ständigem
Kontakt) mit Außenminister Rusk (Welt 9. 9. 65. 4); b) (einen
bestimmten [inneren] Zustand) bewahren, nicht aufgeben:
Ordnung, Disziplin h.; Frieden, Freundschaft [mit Jmdm.l
h.; ihr müßt jetzt Ruhe h. (ugs.; euch ruhig verhalten).
c) einer Verpflichtung vereinbarungsgemäß, wie versprochen
nachkommen, sie einhalten, erfidlen, nicht davon abgehen.
nicht brechen: sein Wort, einen Eid, Schwur, einen Vertrag
h.; er hat sein Versprechen, die Gebote nicht gehalten;
Ich hielt die kühne Wette, in deiner Gegenwart ein
Verbrechen zu begehen (Dürrenmatt, Richter 84); was sie
verspricht, hält sie [meistens] auch; Ü der Film hielt nicht,
was er, was die Reklame versprach (er hat die Erwartungen
nicht erfüllt, hat enttäuscht); d)<h. + sich) einer Vorschrift.
Vorlage. Verpflichtung o. ä. entsprechend handeln; sich nach
etw. richten, an et*', orientieren: du mußt dich an dein
Versprechen, an unsere Abmachungen h.; sich an die
Gesetze. Verordnungen, an einen Vertrag h.; du solltest dich
mehr an die Tatsachen h.; daß ich mich bei der Schilderung
meiner Jugend nicht ängstlich an die Jahresfolge halte
(Th. Mann, Krull 32); ich halte mich lieber an das, was
ich selbst gehört, gesehen habe; er hat sich bei der
Verfilmung [eng] an das Buch gehalten. 9. <h. + sich) a) sich
(mit etw., seinen Ansprüchen, Anforderungen. Anliegen o. ä.
anjmdn. wenden, der zuständig ist. der für geeignet,
maßgebend gehalten werden kann: wenn du in diesem Punkt
etwas erreichen willst, muß du dich an den Direktor h.;
ich halte mich also an dich, wenn es soweit ist; Sie müssen
sich an Ihre Versicherung h. und nicht an uns; ich halte
mich lieber an diesen Gewährsmann (folge, halte mich
an dessen Aussagen); b) jmds. Nälie. Gesellschaft suchen
u. bestrebt sein, mit ihm in Kontakt zu bleiben: Doc war
prima, an den würde ich mich h. (Küpper, Simplicius
183); Still hielt er (= Hund) sich zu mir (veraltend; blieb
er an meiner Seite; Th. Mann, Herr 79). 10. auf etw.
besomieren Wert legen; auf sich od. etw. besonders achten;
um etw. bemüht sein: sehr, streng auf Ordnung. Anstand,
Sitte h.; Da sie aus unbedeutenden Verhältnissen stammt,
hält sie besonders auf Förmlichkeit (Werfel, Bernadette
347); er hielt sehr genau darauf, daß alles seinen geregelten
Gang ging; er ist jemand, der [etwas] auf Sauberkeit hält;
sie hält auf sich (ist sehr auf ihr Äußeres, ihren Ruf bedacht);
Wer sich leisten kann, etwas auf sich zu halten, zeigt
es und zieht aus der Stadt heraus in die Vororte (Roehler.
Würde 83). ll.a) auf jmds. Seite sein u. ihm beistehen,
zu ihm stehen; jmds. Partei ergreifen, hinter ihm stehen:
treu zu jmdm. h.; die meisten haben doch zu dir gehalten;
auch in der größten Bedrängnis hat er zu mir gehalten;
b) <in Verbindung mit ,,es") Sympathie für jmdn., etw.
haben; / gefühlsmäßig für jmdn., etw. sein: er hält es [lieber]
mit den Anspruchslosen. Fröhlichem sucht ihre
Gesellschaft); er hält es mehr mit seiner Mutter (ist mehr der
Mutter zugetan); er hält es stets mit der Bequemlichkeit
(ist sehr bequem); man erzählt sich, daß sie es mit ihrem
Chef hält (ugs.; daß sie mit ihm ein Liebesverhältnis hat)',
Ü während der Doktor an seinem Grapefruitjuice saugt
und AI Flagg und Adda es mit dem Tee halten (selten;
/lieber/ Tee trinken; Fr. Wolf. Menetekel 225). 12.a) <h.
-I- sich) eine bestinunte räumliche Position. Stelle, einen
bestinvnten Platz einnehmen u. beibehalten: er hielt sich
immer an ihrer Seite, dicht hinter ihr; das Flugzeug hielt
sich auf einer Höhe von 8000m; b) <h. + sich) eine
bestinunte Richtung einschlagen u, beibehalten, verfolgen:
wenn du an dem Punkt angekommen bist, hältst du dich
am besten immer [nach] links; wir müssen uns ostwärts,
nach Norden. Richtung Stadt h.; c) (Seemannsspr.) auf
ern>. Kurs. Richtutig nehmen, zusteuern: der Dampfer hielt
auf die Küste; wir mußten [mit dem Schiff! nach Süden,
südwärts h. 13. mit einer Schußwaffe [auf etw.] zielen;
eine Schußn'affe auf etw. richten: auf eine Zielscheibe, auf
einen Hasen h.; du mußt [genau] in die Mitte, mehr nach
rechts h. 14. a) zu seiner Verfugung. zu seinem Nutzen.
Vergnügen bei sich haben, aufziehen u. ä.: Haustiere. Kühe.
Hühner h.; willst du dir wirklich ein Pferd, einen Hund
h.?; Ü sie können sich kein Auto h. (leisten); b) (von
Zeitungen. Zeitschriften o. ä.) abonniert haben: er hält
mehrere Zeitungen. 15. für jmdn.. für den man verantwortlich
ist. für erw. in bestimmter Weise sorgen: versorgen u. dabei
in bestinunter Weise behandeln: seine Kinder streng h.;
die Gefangenen wurden straff gehalten; er wurde bei ihnen
gehalten wie der eigene Sohn; daß Herr de Chamant mit
dem Ausbruch des Krieges seine Tochter wie eine
Gefangene hält (Langgässer. Siegel 341); er hält seine Bücher,
sein Auto sehr gut; Die Pflanzen sahen hübsch aus und
waren immer sehr sauber und tadellos gehalten (Hesse.
Steppenwolf 21). 16. a) der Meinung. Auffassung sein, daß
sich etw. in bestimmter Weise verhält; etw. als etw. hetrach-
1130
Haltung
ten. auffassen: jmdn. für ehrlich, aufrecht, gerissen, falsch
h.; er wurde für tot gehalten; du hältst dich wohl für
besonders klug?; zwei Fremde, die nichts voneinander
wissen und ... sich für etwas anderes halten, als sie sind
(Remarque. Obelisk 252); etw. für gesichert,
wahrscheinlich h.; ich halte das nicht für gut. halte es für das beste,
wenn er jetzt geht; sie hat es nicht für möglich gehalten;
ich habe dich immer für meinen Freund gehalten; Indes
hielt man ihn für einen Simulanten (Niekisch, Leben 362);
er hält sich für etwas Besonderes; b) der Meinung.
Auffassung sein, daß jmdm.. einer Sache mehr od. weniger
Bedeutung beizumessen ist; über jmdn.. etw. in bestimmter Weise
denken, ein bestimmtes Urteil haben: von jmdm. nicht viel
h. (eine geringe Meinung von ihm haben, ihn nicht besonders
schätzen); von einer Sache viel, eine ganze Menge, wenig,
nichts h.: Von supranationalen Institutionen halten diese
Franzosen nicht viel (Dönhoff. Ära 121); was hältst du
davon (wie denkst du darüber)?; c) <in Verbindung mit
..es") jmdn.. etw. in bestimmter Weise behandeln, damit
in bestimmter Weise verfahren, vorgehen: wir halten es
mit dem neuen Mitarbeiter, mit dieser Lieferung so. daß
...; wie hältst du es mit der Steuererklärung?; dreimal
ging er nicht gleich nach Hause, wie er es sonst immer
gehalten hatte; das kann man h., wie man will. 17.
stattfinden lassen, veranstalten; durchfültren. abhalten: eine
Andacht, einen Gottesdienst h.; eine Vorlesung, eine
Ansprache h.; er hält einen guten Unterricht; wann wollt ihr
Hochzeit h.?; häufig verblaßt: er hielt Selbstgespräche; der
Hamster hält seinen Winterschlaf; Rat h. (geh.; sich
beraten)'. Wir hielten eine kurze Ratschlagung (Bergengruen.
Rittmeisterin 88); Er setzte sich auf die Hinterpfoten
und begann, sein Mittagsmahl zu halten (Sebastian.
Krankenhaus 79); er muß heute Wache h. (auf Wache stehen,
aufpassen). 18.a) in seinem augenblicklichen /guten]
Zustandbleiben; in der gleichen Weise. Form bestehen bleiben:
die Rosen halten sicher noch zwei Tage; ob das Wetter
wohl halten wird?; <meist h. + sich:) wenn sich das Wetter
hält, fahren wir morgen früh los; diese Waren halten sich
[lange) (verderben nicht so leicht, sind haltbar); sie hat
sich gut gehalten (ugs.; sie wirkt jünger als sie ist. wirkt
trotz ihres Alters noch sehr jugendlich)', b) trotz
Beanspruchung ganz bleiben, in unversehrtem Zustand erlxalten
bleiben, nicht entzweigehen, nicht defekt werden: die Schuhe
halten lange, haben lange gehalten; die Belastung war
groß, aber die gekittete, reparierte Stelle hielt; ob die Farbe
wohl h. wird?; der Nagel hält (sitzt fest, löst sich nicht
heraus); das Seil hat nicht gehalten (ist gerissen); das
Eis hält (trägt, zerbricht nicht); die Frisur hat nicht lange
gehalten (hat sich nach kurzer Zeit wieder aufgelöst); Ü
ihre Freundschaft hielt nicht lange (ging nach kurzer Zeit
in die Brüche, hatte keinen Bestand). 19. in verblaßter
Bed. a) veranlassen, bewirken, daß ein bestimmter Zustaml.
eine bestimmte Verfassung. Situation. Lage erhalten bleibt;
in einem bestimmten Zustand lassen, bewahren: die Tür
verschlossen h.; ein Land besetzt h.; sie wird dir das Essen
warm h.; die Speisen kühl, frisch h.; die Temperatur in
diesem Raum wird immer konstant, auf 30° Celsius
gehalten; etw. versteckt halten; obwohl wir uns hinter Zeitungen
verschanzt hielten (Becher. Prosa 123); er hält sich immer
abseits; die Augen geschlossen h.; Sie müssen viel Sport
treiben, das hält jung, fit; jmdn. bei [guter! Laune h.;
sich im Gleichgewicht h.; jmdn. in Bewegung, in Spannung
h.; die Maschine muß die ganze Nacht über in Gang
gehalten werden; die Akten unter Verschluß h.; er muß
sich stets zur Verfügung h.; b) in bestimmter Weise, in
einer bestimmten Art gestalten, anlegen, fertigen: den einen
der beiden Räume wollen wir ganz in Dunkel, in Grün
h.; <meist im 2. Part.:> das Zimmer war in Weiß und
Gold gehalten; Rock und Bluse sind im gleichen Ton.
sind Ton in Ton gehalten; seine Ansprache war in knappen
Worten, war sehr allgemein gehalten; Es (= das
wissenschaftliche Werk) war in einer sehr exakten und bestechend
ordentlichen Handschrift gehalten (abgefaßt, geschrieben;
Schnurre. Bart 131). 20. in seiner Vorwärtsbewegung
innehalten, zum Stillstand kommen; haltmachen, stehenbleiben,
anhalten, stoppen; sich nicht weiter fortbewegen: das Auto,
die Straßenbahn hielt, mußte h.; der Zug hielt plötzlich
auf freier Strecke; wir hielten genau vor der Tür; der
Schnellzug hält hier nicht, hält nur zwei Minuten (hat
hier keinen, nur zwei Minuten Aufenthalt); in formelhafter
Verwendung (vgl. ^alt!): Das Ganze - halt! (Milit.;
Kommando); halt! Wer da? (Milit.; Anruf der Wache);
halt (ugs.; bleib hier, bleib stehen), du darfst hier nicht
hinein!; Ü halt [mal] (ugs.; einen Augenblick bitte, einen
Moment mal), wie war das noch?: <subst.:> er konnte
den Wagen nicht mehr zum Halten bringen (nicht mehr
abbremsen).
Haller ['halte], der; -s, - [mhd. haltaere = Hirt; Bewahrer;
Beobachter; Inhaber; Erlöser, ahd. haltäri = Erlöser;
Empfänger]: 1. a) Vorrichtung, an der etw. befestigt werden kann,
die etw. (an einer bestimmten Stelle) hält: die Rolle
Toilettenpapier hing an einem H.; Die eisernen Feuerböcke
sind so gemacht, daß sie einen H. tragen, in den man
sein Glas stellen kann (Remarque. Triomphe 143); b) Teil
eines Gegenstands, an dem etw. gehalten wird; Griff (selten):
der Dübelbohrer hat einen H. aus Plastik; c) (ugs.) kurz
für T[Füll]federhalter: die Feder in den H. stecken; d)
(ugs.) kurz für f Strumpfhalter. Sockenhalter: die Strümpfe.
Socken am H. befestigen; e) (ugs.) kurz für t Büstenhalter:
mein H. ist zu eng; ihre linke Brust sprang aus dem H.
(Lynen. Kentaurenfährte 38). 2.a) kurz für T
Fahrzeughalter: der H. des verunglückten Fahrzeugs wurde von der
Polizei ermittelt; b) kurz für T Tierhalter: H. von Hunden
haben eine Steuer zu entrichten. 3. (österr.) Viehhirte;
<Zus. zu 3:> H^lterbub. der. Hflterbübl [-by.bl]. das; -s. -
(österr.): Hirtenjunge.
Halteren [hal'te:ren] <PI.> [lat. halteres < griech. haltgres
= Sprunggewicht, Hantel]: (im alten Griechenland) beim
Weitsprung zur Steigerung des Schwunges benutzte
hantelartige Stein- od. Metallgewichte.
Hüterin, die; -. -nen: w. Form zu ! Halter (2. 3); haltern
[halten] <sw. V,; hat): (in einer Halterung, mit Hilfe einer
Halterung) festklemmen, festnuiehen: vor dessen freiem
Ende, durch einen ... Hohlkörper gehaltert, sich eine ...
Reflektorscheibe befindet (Funkschau 21. 1971, 2196);
Halterung, die; -. -en: Haltevorrichtung, durch die etw.
an einer bestimmten Stelle so befestigt od. gehalten wird,
daß es jederzeit zum Zwecke des Gebrauchs wieder
abnehmbar ist: eine Fernsehkamera, die ... sich ... während der
Fahrt aus der H. löste (Welt 4. 8. 72. 15); die Gurte
aus der H. nehmen; den Schlauch, den Feuerlöscher in
die H. an der Hand hängen; -haltig [-halt«;], (österr.:)
-hältig [-heltig; zu veraltet haltig. hältig = Gehalt habend,
etw. enthaltend] in Zusb., z. B. bleihaltig (Bleienthaltend);
Haltung, die; -. -en [mhd. haltunge = Verwahrung; Inhalt;
Verhalten]: I. <PI. selten) a) Körperhaltung, die jmd.
dauernd hat od. vorübergehend einnimmt: eine gute, straffe,
beherrschte, gebückte, gerade, aufrechte, [nachjlässige H.;
die H. durch gymnastische Übungen korrigieren; in
[unibequemer, verkrampfter H. dasitzen; weil nur Helena keine
Anleitung brauchte, um in klassischer H. dazustehen (Geiss-
ler, Wunschhütlein 185); dem Turner, dem Skispringer
wurden wegen schlechter H. Punkte abgezogen; H.
annehmen, (selten:) einnehmen (Milit.; strammstehen): Ich. Herr
Hauptfeld, sagte der Bildhauer, und deutete H. an (Kuby.
Sieg 39); b) Körperhaltung. Pose, mit der eine bestimmte
innere Einstellung. Verfassung o.a. ausgedrückt wird od.
werden soll, mit der ein Gegenüber in bestimmter Weise
beeindruckt werden soll: eine amtliche, dienstliche,
drohende, respektlose H.; Änderungen, die der Verkäufer in
serviler H. ... vorzunehmen versprach (Thieß. Legende 119).
2.a) <P1. selten) innere / GrundJeinstellung. die jmds.
Denken u. Handeln prägt: eine sittliche, geistige, religiöse,
politische, liberale, progressive, konservative H.; eine
fortschrittliche, ablehnende, zögernde, klare, zwiespältige,
undurchsichtige H. in, zu einer Frage einnehmen; seine H.
[überprüfen; Die Gründung der Nationalliberalen Partei
entsprach einem ... Umschwung in der H. des deutschen
Bürgertums (Fraenkel. Staat 185); b) <P1. ungebr.)
Verhalten. Auftreten, das durch eine bestimmte innere Einstellung.
Verfassung hervorgerufen wird: eine mutige, entschlossene.
H. zeigen; eine vornehme, ruhige, selbstbewußte H.
zeichnete ihn aus; die Uniform schreibt ihrem Träger eine
bestimmte äußere H. vor; die abweisende H. beibehalten;
jmdn. aus seiner reservierten H. locken; sie war
beispielhaft, vorbildlich in ihrer H.; c) <o. PI.) Beherrschtheit;
innere Fassung: feste H. zeigen, bewahren; die H. verlieren,
wiedergewinnen; Der Resident Berginck zog heftig an
seiner Zigarre, um sich H. zu geben (Baum. Bali 191);
etw. in. mit H. aufnehmen, hinnehmen, geschehen lassen.
1131
Haltungs-
tun; um H. kämpfen, ringen. 3. Tierhaltum: die H. von
Zuchtvieh.
Hqltungs-: -fehler, der: 1. (Med.) /angeborene! fehlerhafte
Körperhaltung. 2. (Sport) Verstoß gegen die für eine Übung
vorgeschriebene Körperlxaltung; Mnängel <PI.>: vgl. ^fehler,
[körperliche] H. aufweisen; -note, die (Sport): Note, mit
der die für eine Übung vorgeschriebene Körperhaltung
bewertet wird; -schaden, der (Med.): Haltungsfehler, der auf
eine krankhafte Veränderung des Knochengerüsts
zurückzuführen ist; -Übung, die: Turn- od. Gymnastikübung zur
Kräftigung der Muskeln, die für eine gute Körperhaltung
wichtig smd.
Halunke [ha'lunM. der; -n, -n [zu ischech. holomek. eigtl.
= (Henkers)knecht; Jüngling, urspr. wohl = Bartloser]: a)
jmd., der Böses tut, andere gemein od. hinterhältig schädigt;
schlechter Mensch: alles Gauner und -n; dieser H. von
Wirt (Remarque. Triomphe 36); b) (scherch.) Schlingel,
Lausbub: na. ihr kleinen -n?; verschwindet bloß, ihr -n!;
Hatynkengalerie, die (salopp): die billigen / vorderen]
Sitzreihen im Kino.
Hahva [hal'va]. das; -[s] [arab. fyalwä]: Süßspeise aus
geröstetem Sesamsamen, Honig od. Sirup u. Zucker.
Häm [he:m], das; -s [griech. haTma = Blut] (Med., Biol.):
Farbstoffanteil im Hämoglobin; häm-, Hirn-: thämo-,
Hämo-.
Hamada: T Hammada.
Hamadan [hamada:n. pers.: hsmae'du:n]. der; -[s]. -s [nach
der gleichnamigen Stadt im Iran]: handgeknüpfter Teppich
mit Rhomben im Mittelfeld u. stilisierten Blüten in den
Haupt- u. Nebenborten.
Hämagghitination [hemaglutinatsio:n]. die; -, -en [zu t Häm
u. TAgglutination] (Med.): Zusammenballung,
Verklumpung von Blutkörperchen der gleichen Art außerhalb der
Blutgefäße; Hämagglutinin [...'ni:nl. das; -s, -e [zu I Hämag-
ghitination] (Med.): Bestandteil des Blutserums, der eine
Agglutination der Blutkörperchen bewirkt; Hämagogum
[hema'go:gum]. das; -s. ...ga [zu griech. halma = Blut
u. agögös = (herbei)ftihrend. zu: ägein = führen, leiten]
(Med.): Arzneimittel, das Blutungen herbeiführt od. fördert.
Hamam [ha'mam], der; -[s], -s [türk. hamam]: türkisches
Bad: der Profet sieht nicht gern Nacktes, sogar im Hamam.
im berühmten türkischen Bad nicht (Kunze. Jahre 65).
Vgl. Hammam.
Hamamelis [hama'me:lis]. die; - [griech. hamamelis =
Mispel]: svw. T Zaubernuß.
Harn and eggs [hsm and egz] <PI.) [engl, ham and eggs
= Schinken und Eier]: engl. Bez. für gebratene
Schinkenscheiben mit Spiegeleiern, die vorwiegend zum Frühstück
serviert werden.
Hämangiom [hcman'gjo.m], das; -s. -e Izu griech. halma
= Blut u. aggeTon = Gefäß] (Med.): gutartige Geschwulst
der Blutgefäße: Blutschwamm; Hämarthime [hemar'tro:z3],
die; -. -n [zu griech. haTma = Blut u. T Arthrose] (Med.):
Bluterguß in einem Gelenk.
hämat-, Hämat-: thämato-, Hämato-; Hämatemesis [hcma-
'te:mezis], die; - [zu griech. halma = Blut u. emesis =
Erbrechen] (Med.): svw. t Blutbrechen; HämatthJWrose
[...t(h)i'dro:2ö], die; -. -n: svw. t Häm[h]idrose; Humatin
[...'ti:n], das; -s [zu tHäm] (Med.): Derivat des Hämoglobins;
Hämatinon [...ti'no.n], das; -s [zu griech. haimätinos =
blutig(rot)] (Kunst): (in der Antike häufig verwendete) kup-
ferhaltige rote Glasmasse, deren Färbung erst nach öfterem
Erwärmen u. Kühlen auftritt; Hämatit [...'ti:t. auch: ...tit],
der; -s, -e [lat. haematites < griech. haimatites (lithos),
eigtl. = blutiger Stein (wegen der roten Färbung des
Roteisensteins)] (Geol): aus Eisenoxyd bestehendes, stahlgraues
bis schwarzes Mineral, wichtiges Eisenerz; Blutstein.
hämato-, Hämato-, (vor Vokalen:) hämat-, Hämat- [he-
mat(o)-; zu griech. haTma (Gen.: haimatos) = Blut] (Best.
von Zus. mit der Bed.>: Blut (z.B. hämatogen, Hämato-
gramm. Hämaturie); Hämatobbst [...blast], der; -en. -en
<meist Pl.> [zu griech. blastös = Sproß. Trieb] (Med.):
svw. t Hämoblast; hämatogen <Adj.; o. Steig.; nicht adv.)
[t-gen] (Med.): 1. aus dem Blut stammendTz. B. von
Bakterien, die durch das Blut verschleppt worden sind). 2.
blutbildend; Hämatognpnm. das; -s. -e [t-gramm] (Med.): svw.
t Hämogramm; Hämatokritwert, der; -[e]s. -e (Med.):
prozentualer Anteil der Blutzellen an der Gesamtblutmenge;
Hämatome, der; -n. -n [t-loge] (Med.): Arzt mit
Spezialkenntnissen auf dem Gebiet der Blutkrankheiten; Hämatolo-
gk.die; - [t -bgie] (Med.): Lehre vom Blut u. den
Blutkrankheiten; hämatoloeisch <AdJ.; o. Steig.) (Med.): die Hämato-
logie betreffend; Hämatom [hona'to:m], das; -s, -e (Med.):
Ansammlung von Blut außerhalb der Blutbahn in den
Weichteilen; Blutbeule, Bluterguß; Hämatophobfc,die; -. -n [...i:an]
(Psych.): krankhafte Aversion gegen eigenes u.lod. fremdes
Blut; Hämatopoese [...po'e:z3], die; - [zu griech. pofesis
= das Verfertigen] (Med.): Blutbildung, insbes. die Bildung
der roten Blutkörperchen; hämatopoetisdi <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.) (Med.): blutbildend; Hämatorrhö. Hämatorrhöe
[...ton»:],die; -, ...öen [...0:an; zu griech. rhoe = Fließen,
Fluß] (Med.): svw. tBlutsturz (a); Hämatotoxikose. die;
-, -n (Med.): svw. T Hämotoxikose; Hämatoxylin [...ksy-
li:n], das; -s [zu griech. xylon = Holz]: pflanzlicher
Farbstoff, der aus dem Holz des südamerikanischen
Blutholzbaumes durch Extraktion mit Äther hergestellt wird; Häma-
tozoon [...'tsoan], das; -s, ...zoen <meist PI.) [griech. zöon
= Lebewesen; Tier]: tierischer Parasit, der im Blut anderer
Tiere od. der Menschen lebt; Hämatozyt [...tsy.t], der;
-en, -en <meist PI.) [zu griech. kytos = HöhlungfSVölbung]
(Med.): svw. tHämozyt; Hämaturie [...tu'ri:]. die; -, -n
[...i:an; zu griech. ouron = Ham] (Med.): Ausscheidung
nicht zerfallener roter Blutkörperchen mit dem Urin;
Blutharnen; Harnblutung.
Hamburger [engl.: 'haemto:gd.auch: hamborgul.der, selten:
das; -s, - u. (bei engl. Ausspr. auch.) -s [kurz für: Hamburger
Steak, nach der Stadt Hamburg]: 1. [kleiner, flacher,
runder] Hackbraten; deutsches Beefsteak. 2. aufgeschnittenes
Brötchen od. Toastscheiben, zwischen die ein Hamburger
(1) gelegt ist: Ich trank ein Bier und aß einen ... H. mit
viel Senf (Frisch. Homo 90); Hamburgern [hamborgi?n]
<sw. V.; hat): Hamburger Mundart sprechen.
Häme [h£:md], die; - [zu T hämisch]: sich in Worten äußernde
Bosheit, Gellässigkeit: Der Mann (= Marx), der mit jedem
Wort ... gallige H. über die Bürgerlichkeit goß (Stern
13, 1975. 113); Die Rührstücke, ohne parodistische H.
inszeniert, sollen ... enthüllen und lehren (Spiegel 15.1974,5).
Hamen ['ha:mdn]. der; -s. - [mhd. ham(e), ahd. hämo, eigtl.
= sich Biegendes, viell. zu: hamal = verkrüppelt od.
zu lat. hämus = (Angel)haken] 1. (Fachspr.) a) großes
lbeuteiförmigesJ Fangnetz; b) /kleines, mit einem Stiel,
Griff versehenesJ Handnetz zum Fischen. 2. (selten)
Angelhaken /aus Zinn od. Messing in Form eines FischesJ. 3.
(landsch.) Joch eines Zugtiers; Kumt.
Hämthlidrae [hem(h)i'dro:z3], HämDilidrosis [hem(h)i-
dro:zis]. die; - [zu griech. haTma = Blut u. THidrose]
(Med.): Absonderung rotgefärbten Schweißes;
Blutschwitzen; Hämtglobin. das; -s [TG lob In]: svw. T Methämoglobin;
Hämin [he'mi.n]. das; -s, -e [zu tHäm] (Chemie; Med.):
Oxydationsprodukt des Häms.
hämisch ['he:mij] <Adj.) [mhd. hem[i]sch = versteckt,
boshaft, hinterhältig, zu hem = danach trachtend zu schaden;
aufsässig, wahrsch. im Sinne von „verhüllt, versteckt'',
zu: hamle] = Hülle]: auf eine hinterhältige Weise boshaft;
heimlich Freude, Triumph empfindend über etw., was für
einen anderen unangenehm, peinlich o. ä. ist; in boshafter
Weise schadenfroh: -e Blicke, Reden, Bemerkungen; -e
Schadenfreude; seine Bemerkungen waren ziemlich h.; h.
grinsen, feixen; Ü Selbst der Regen fiel in Wellenlinien,
bis ihn h. die Gossen schluckten (Fries, Weg 41).
Hämling [hemlm], der. -s. -e [zu fHammel] (selten): jnul.,
der kastriert worden ist; Verschnittener, Kastrat.
Hammada, Hamada [ha'ma:da], die; -, -s [arab. hammäda
= die Unfruchtbare] (Geogr.): Stein- u. Felswüste.
Hammam [ha'ma:m], der; -[s]. -s [arab. tyammäm]: Badehaus
im Vorderen Orient. Vgl. Hamam.
Hämmchen [hemcan], das; -s, -: tHamme; Hamme [hämo],
die; -, -n <Vkl. t Hämmchen) [mhd. ham(m)e; vgl. Hamen]
(landsch. veraltend): Hinterschenkel eines geschlachteten
Tieres; Schinken; Hammel [hamf], der; -s, -. seltener:
Hammel ['heml; mhd. hamel. spätahd. hamal, zu ahd. hamal
= verstümmelt; vgl. ahd. hamalön = verstümmeln,
verschneiden]: l.a) verschnittener Schafbock: einen H. mästen,
schlachten; sich wie die Hammel (ugs.: geduldig, ohne sich
dagegen zu wehren od. aufzulehnen) abtransportieren lassen;
R um [wieder] auf besagten H. zu kommen (um wieder
zum eigentlichen Thema zurückzukommen; nach frz. reve-
nons ä nos moutons = kehren wir zu unseren Hammeln
zurück!; in einer französischen Posse aus dem 15. Jh.
ruft dies ein Richter einem Tuchhändler zu. der seinen
1132
hämmern
Schäfer wegen der Veruntreuung von Hammeln verklagt
hat, aber dann immer von den sechs Ellen Tuch spricht,
um die ihn der Anwalt des Verklagten geprellt hat; wohl
nach Martial. Epigramme VI. 19); b) <o. PI.) kurz für
T Hammelfleisch, ^braten: zwei Pfund H. bestellen, kaufen,
[anlbraten; bei ihm gibt es heute H.; Die dritte bekundete
Appetit auf H. mit Bohnen (Kirst. 08/15, 426). 2. (derbes
Schimpfwort) dummer, einfältiger, grober Mensch: so
elnH.
Hammel-: ^bein in den Wendungen jmdm. die -e langziehen
(ugs.'Jmdn. zurechtweisen, scharf tadeln: jmdm. die Meinung
sagen: vermutlich darauf bezogen, daß der Fleischer dem
geschlachteten Hammel die Beine langzieht, um ihn zu
enthäuten); imdn. bei den -en nehmen/kriegen (ugs.: 1. bei
den Füßen fassen, l.jmdn. zur Verantwortung ziehen)',
^braten, der: Braten aus Hammelfleisch: -fleisch, das: Fleisch
vom Hammel (\ a); -herde, die (salopp abwertend): größere
Gruppe von Menschen, die konfus durcheinanderlaufen,
keinen eigenen Willen haben, unselbständig sind o. ä.: wie eine
H. durcheinandcrlaufen; was kann er vom Konvent
erwarten, von dieser feigen, verschüchterten H.. die geduldig
ihr Ja blökt (St. Zweig. Fouche 63); -keule, die: Keule
des Hammels (1 a); -sprung, der [weil die Abgeordneten
wie Hammel hinter ihren Vorsitzenden, den Leithammeln,
den Saal betreten] (Pari.): Verfahren der Abstimmung, hei
dem alle Abgeordneten den Saal verlassen u. durch drei
verschiedene Türen, die Zustimmung, Ablehnung od.
Stimmenthaltung bedeuten, wieder betreten (wobei die Stimmen
gezählt werden).
Hammer ['harne], der; -s. Hämmer l'hemu; mhd. hamer,
ahd.hamar.eigtl. = (Werkzeugaus)Stein]: l.<Vkl. f
Hämmerchen) Werkzeug zum Schlagen od. Klopfen aus einem
je nach Verwendungszweck eckigen / u. nach vorn spitz
zulaufenden] od. einem abgerundeten l Metall]klotz u. einem
darin eingepaßten kurzen, meist hölzernen Stiel: ein kleiner,
schwerer H.; drei Hämmer lagen im Werkzeugkasten; mit
einem stumpfen H. den Putz von der Wand klopfen; Der
Sonnenschein schlug mir auf den Kopf wie ein H. (Simmel,
Affäre 100); H. und Zirkel im Ährenkranz (Symbol der
Solidarität von Arbeitern, Intelligenz u. Bauern in der
DDR): An seiner Mütze prangten der Sowjetstern und
das Zeichen H. und Sichel (kommunistisches Symbol der
Solidarität von Arbeitern u. Bauern: Leonhard, Revolution
11); Ü Wenn der Kristall einmal zersprungen war unter
dem H. des Zweifels (Remarque. Triomphe 313); *das
ist ein H.! (ugs.: 1. das ist eine großartige Sache: Mensch,
ist dasein H.! 2. das ist unerhört, ist eine Ungeheuerlichkeit.
Unverschämtheit o.a.: Hassan will mit dir Schluß
machen." Ein ganz schöner H. war das [Homschuh, Ich
bin 34J; unter den H. kommen (öffentlich versteigert werden:
weil das Höchstgebot bei der Versteigerung durch einen
Hammerschlag des Auktionators bestätigt wird): ...
schließlich zündeten sie da und dort Gehöfte an. die unter
den H. kommen sollten (Niekisch. Leben 166); etw. unter
den H. bringen (etw. versteigern). 2. (Technik) a)
Werkzeugmaschine zum Uniformen von Werkstücken: b)
(veraltet) kurz für T Hammerwerk. 3. <Vkl. Hämmerchen)
(Musik) mit Filz bezogener Klöppel, mit dem die Saiten des
Klaviers angeschlagen werden: Die weichen, umwickelten
Hämmer pflückten leise, fast unhörbar, eine Melodie aus
der Dämmerung (Remaixjue, Triomphe 95). 4. (Med.) eines
der drei Gehörknöchelchen im menschlichen Ohr, das in
der Form einem Hammer ähnelt. 5. (Leichtathletik) an
einem starken Draht befestigte Kugel aus Metall, die
geschleudert wird. 6. a) <o. PI.) (Fußball Jargon) große
Schußkraft: dieser bullige Stürmer besitzt, hat einen
unwahrscheinlichen H. [im Bein]; b) (Ballspiele Jargon) besonders
wuchtiger Schuß: Arieta sorgte mit den beiden Hämmern
ftir die Überraschung des Abends. 7. (ugs.) grober,
schwerer, schwerwiegender Fehler: da hast du dir aber einen
H. geleistet!: in seinem Diktat waren einige dicke Hämmer
[drin]; * einen H. haben (ugs.; leicht verrückt sein):
wenn du da wieder ankämest..." - „Der hat 'n H.. würden
die sagen" (Kant, Impressum 361). 8. (derb) Penis: Die
Männer und Jungen ließen beim Schiffen und Baden stolz
ihre Hämmer sehen, man lachte, und alles war ganz normal
(Degenhardt, Zündschnüre 140).
hpraner-, Hammer-: -fisch, der (veraltet): svw. f -hai;
-förmig <Adj.; o. Steig.): die Form eines Hammers (1) besitzend:
^griff. der: a) (Leichtathletik) Griff, mit dem man den
Hammer (5) faßt: b) (Tennis) svw. TKontinentalgrifT. zu
a: -griflhaltung, die (Leichtathletik); -grundstück, das:
nicht unmittelbar an die Straße grenzendes Grundstück mit
Zufahrt über ein anderes, unbebaubares Grundstück: ^hai.
der: in großer Tiefe warmer Meere lebender Haifisch mit
schlankem Körper u. einer Verbreiterung am Kopfende, die
der Form eines Hammers (1) ähnelt: -klavier, das (veraltet):
svw. TKlavier; -köpf, der: a) Teil des Hammers (1), mit
dem man schlägt: b) (Leichtathletik) Metallkugel des
Hammers (5); -kugel, die: svw. f^kopf (b); ^lock [-lokl, der,
-[s], -s [engl, lock = Fessel! (Ringen): Griff, bei dem der
gebeugte Arm des Gegners auf den Rücken nach oben gedreht
wird, dazu: -lockwende, die (Ringen); - median ik, die:
Mechanik des Hammerklaviers: -mühle, die: Mühle mit
Hammerschlagwerk: -muschel, die: (im Indischen Ozean
vorkommende) Muschel mit langen, hammerförmigen,
schwärzlichbraunen Sclialen u. schöner Perlmuttschicht:
-schlag, der: 1. a) Schlag mit dem Hammer (1); b) (Technik)
beim Schmieden von glühendem Stahl entstehender
oxydischer Überzug, der in Form kleiner Schuppen abspringt.
2. (Sport) a) (Boxen) (nach den Regeln nicht erlaubter)
Schlag mit der Faust auf den Kopf od. in das Genick des
Gegners: b) (Faustball) Schlag, der mit der schmalen
Außenseite der Faust durchgeführt wird: c) (Gymnastik) Übung,
bei der man in Schrittstellung rechts das Gewicht auf das
linke Bein verlagert, den Rumpf leicht zurücklegt u. die
hochgelmltenen Fäuste nach vorn schwingt, wobei der Rumpf
mit Schwung nach vorn gebracht wird. 3. (Textilind.)
Seidenstoff, der in seinem Aussehen einem gehämmerten Blech
ähnelt.. -Schlagwerk, das (Technik): Maschine zum groben
Zerkleinern harter Stoffe durch Schlagen mit schnell
umlaufenden Hämmern (1); -sdunied, der (veraltet): Schmied
in einem Hammerwerk: -schmiede, die (veraltet): svw.
t^werk; -stiel, der: Stiel des Hammers (1); ^werfen, das;
-s (Leichtathletik): sportliche Disziplin, bei der der Hammer
(5) aus einem Wurfring heraus möglichst weit geworfen
werden muß: ^Werfer, der (Leichtathletik): jmd., der das
Hammerwerfen als sportliche Disziplin betreibt: -werk, das
(veraltet): Schmiede, in der große Hämmer (2 a) durch
Wasser- od. Dampfkraft betrieben werden: Mvurf, der
(Leichtathletik): a) <o. PI.) das Hammerwerfen: b) einzelner Wurf
im Hammerwerfen: er siegte mit einem H. von über 75 m,
dazu: -wurfring, der (Leichtatheltik): Wurfring, der mit
Bandeisen in der Erde abgesteckt ist u. aus dem heraus
der Hammer (5) geworfen wird: -zehe, die [nach dem
hammerförmigen Aussehen]: Deformation einer Zehe, bei
der das Mittel- u. Endglied nach unten gekrümmt ist( wobei
sich die deformierte Zehe oft über eine benachbarte Zehe
schiebt).
hämmerbar ['hemt?ba:sl <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): so
beschaffen, daß man es mit dem Hammer (1) bearbeiten
kann: <Abl.:) Hgmmerbarkeit, die; -: hämmerbare
Beschaffenheit: Hämmerchen ['hemc^n], das; -s. -: I Hammer (1,
3); FUmmerlein l'hemulain], das; -s. - (veraltet): Kobold,
böser Geist, Teufel: Meister H. (veraltet: 1. Teufel. 2.
Henker. Scharfrichter): Hämmerling ['honelroh der; -s, -e
(veraltet): svw. t Hämmerlein; hämmern ['honen] <sw. V.; hat)
[mhd. hemeren]: 1. a) mit dem Hammer (1) arbeiten,
schlagen, klopfen: wir hörten ihn im Keller h.; die Handwerker
hämmerten den ganzen Tag; in der Werkstatt wird an
allen Ecken und Enden gehämmert; (auch unpers.:) überall
ratterten Maschinen und zischte und hämmerte es
(Schnurre, Bart 9); b) mit dem Hammer (1) bearbeiten: Blech,
Zinn, Silber h.; Ü die Kunst, Worte so fein zu h., daß
sie wie unsichtbare Strahlen in Herzen drangen
(Strittmatter, Wundertäter 274); c) /durch Bearbeitung] mit einem
Hammer (1). hämmernd herstellen: Kupfergefäße h.; eine
gehämmerte Schale, gehämmerter Schmuck;... erzählt Bu-
nyan, wie ein Christenleben gehämmert wird - viel stärker,
als er es mit seinen alten Kesseln tat (Nigg. Wiederkehr
32). 2. in kurzen /rhythmischen/ Abständen heftig an, auf.
gegen etw. schlagen, klopfen: [mit den Fäusten] an die
Wand h.; Ich hämmere auf den Signalknopf, es kommt
keine Antwort (Habe, Namen 333); Oben hämmerte Rosa
gegen die Mansardentür: .Aufmachen!..." (Jaeger,
Freudenhaus 308); der Herausforderer hämmert (schlägt sehr
schnell u. immer wieder) in die Körperpartien des
Europameisters; man hört einen Specht h. (an der Baumrinde
klopfen): (subst.:) Es war kein dumpfes Pochen mehr,
sondern ein wütendes Hämmern (Ott, Haie 183); Ü Wasser-
1133
Hammondorgel
garben. Hagelkörner hämmerten an die Fensterscheiben,
auf das Dach; der Klöppel hämmert gegen die Glocke;
Absätze, Schritte hämmern über das Parkett. 3, (in beziig
auf Herz u. Puls) heftig, rasch schlagen, klopfen: der Puls
des Sprinters hämmert; ihr Herz hämmerte bis in den
Hals [hinein]; in seinen Schläfen hämmerte das Blut (das
pulsierende Blut, der Puls). 4. (ugs.) ein Geräusch, das
dem von Hammerschlägen ähnlich ist. hervorbringen; mit
einem anhaltenden, einem Stakkato ähnlichen Geräusch in
Tätigkeit sein: eine Schreibmaschine, ein Klavier hämmerte
im Nebenraum; Draußen ... hämmerte weiter die
Maschinenpistole (Simmel. Stoff 20). 5. (ugs.) a) laut, abgehackt,
kunstlos (auf dem Klavier) spielen: Auf dem ... Flügel
hatte einer ... einen Rag gehämmert (Fries, Weg 282);
b) (mit der Schreibmaschine) langsam, ungeschickt
schreiben: Er spannte einen Bogen ein und hämmerte ... ein
paar Worte darauf (Kuby, Sieg 364). 6. (ugs.) (durch
häufiges, wiederholtes Hinweisen. Erinnern o.a.) jmdm. etw.
fest, nachdrücklich einprägen: man muß ihm das immer
wieder ins Bewußtsein, in den Schädel h.; er hämmert
dem Leser diese eine Aufgabe unaufhörlich ins Gewissen
(Nigg. Wiederkehr 83). 7. (Fußball Jargon) [den Ball!
mit Wucht! in eine bestimmte RichtungJ schie/Jen: aus
vollem Lauf auf das Tor h.; einen Ball ins Tor h.
Hammondorgel ['haemand-l. die; -. -n [nach dem
amerikanischen Erfinder L. Hammond (1895-1973)]: elektroakusti-
sches Tasteninstrument mit variierbarer Klangfarbe, bes.
für Unterhaltungsnwsik.
hämo-. Hämo-,(vor Vokalen:) häm-, Häm- [han(o)-; griech.
haTma = Blut) (Best, von Zus. mit der Bed.>: Blut (z.B.
hämodynamisch. Hämoblast. Hämagglutination); Hämo-
bbst [...'blast!, der; -en, -en <meist PI.) [zu griech. blastös
= Sproß, Trieb) (Med.): blutbildende Zelle im
Knochenmark; Stammzelle; Hämodialyse, die; -. -n (Med.):
Blutwäsche; Hämodynamik, die; -: Lehre von den physikalischen
Grundlagen der Blutströmung; hämodynamisch <AdJ; o.
Steig.): die Hämodynafnik betreffend: Hämodynamometer.
das; -s. - (Med): Quecksilbermanometer zur Messung des
(arteriellen) Blutdrucks; Hämoglobin, das; -s (Med.):
Farbstoff der roten Blutkörperchen; Zeichen: Hb; vgl. Globin;
Hämoglobinurie [...nuri:]. die: -. -n [...ton; zu griech. oüron
= Harn) (Med.): Auftreten von gelöstem, reinem
Blutfarbstoff im Urin infolge plötzlichen Blutzerfalls; Hämogr^mm.
das: -s. -e [t-grammj (Med.): tabellarische
Zusammenfassung der zur Beurteilung eines Blutbildes wichtigen Befunde;
Hämofymphe, die; -. -n (Biol.): die alle Zellen. Gewebe
u. Organe umgebende Körperflüssigkeit wirbelloser Tiere
ohne geschlossenen Blutkreislauf; Hämolyse, die; -. -n (meist
PI.) [TLysel (Med.): Auflösung der roten Blutkörperchen
durch Austritt des roten Blutfarbstoffs infolge Einwirkung
von Blutgiften; Hämolysin, das; -s. -e (Med.): Antikörper,
der durch Oberflächenveränderung roter Blutkörperchen
deren Zerfall bewirkt; hämolytisch <Adj.; o. Steig.) (Med.):
Hämolyse bewirkend; mit Hämolyse verbunden; Hämopa-
thk. die; -, -n [...i:on; t-pathie] (Med.): Erkrankung des
Blutes bzw. der blutbiIdetiden Organe; Hämophilie [...fi'li:],
die: -. -n [...ton; zu griech. philia = (Vor)licbe; Neigung]
(Med.): Bluterkratikheit; Hämorrhagie [haTK>ra'gi:J. die;
-. -n [...ton: griech. haimorragia = Blutfluß. Blutsturz]
(Med.): starke Blutung; vermehrtes Ausströmen von Blut;
hämorrhagisch [hcmora:giX] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.)
(Med.): zu Blutungen führend; mit Blutungen
zusammenhängend; hämorrhokbl [henr>roida:l] <Adj.; o. Steig.; nicht
adv.) (Med.): die Hämorrhoiden betreffend, durch sie
hervorgerufen; Hämorrhoidalleiden, das: Hämorrhoide
[haTK>ro'i:ddJ. die; -, -n <meist PI.) [lat. haemorrhoides
(PI.) < griech. hämorrhoides (PI.), eigtl. = Blutfluß]
(Med.): knotenförmig hervortretende Erweiterung der
Mastdarm venen um den After herum; Hämorrhojdensdiaukel.
die (ugs., scherzh.): altes, klappriges Fahrrad. Motorrad
od. Auto; Hämospasie [...spa'zi:]. die; - [zu griech. spasis
= Saugen] (Med.): örtliche Ansaugung des Blutes in der
Haut mittels einer luftleer gemachten Glas- od. Gummiglok-
ke; [trockenes! Schröpfen; Hämostase, die; -. -n [zu griech.
stäsis = Stehen, Stillstand] (Med.): 1. Stillstand der
Blutzirkulation. Blutstockung (z. B. in Entzündungsgebieten). 2.
Blutstillung; hämostatisdi <Adj.; o. Steig): svw. t-styp-
tisch: Hämostyptikum, das; -s. ...ka (Med.): blutstillendes
Mittel: hämostyptisch [...stvptij] <Adj.; o. Steig.; nicht
adv.) (Med.): blutstillend; Hämotherapie« die; -. -n: svw.
T Eigenbluttherapie; Hlmotoxikose. die; -. -n (Med.): durch
Vergiftung hervorgerufene Schädigung der Blutzellen bzw.
des Knochenmarks; Hämotoxin, das; -s, -e <meist PI.)
(Med.): die roten Blutkörperchen schädigendes bakterielles
od. chemisches Blutgift; Hämozyt [...'tsy:tl, der; -en, -en
<meist PI.) [zu griech. kytos = Höhlung. Wölbung] (Med.):
Blutkörperchen.
Hampelei [hampo'lajl.die; - (ugs.. meist abwertend):
dauerndes Hampeln: diese H. mußt du dir abgewöhnen;
Hampelmann ['hampU], der; -[e]s. ...männer [zu thampeln]: l.a)
aus Holz. Pappe o. ä. hergestelltes, an die Wand zu
hängendes Kinderspielzeug in Gestalt eines Mannes (bes. eines
Kaspers, einer Märchenfigur o. ä.). der Arme u. Beine
waagrecht vom Körper abspreizt, wenn man an einem an ihm
befestigten, seine beweglichen Glieder verbindenden Faden
zieht u. Unterschenkel u. Unterarme nach unten baumeln
läßt: ein bunter, hölzerner H.; Dann erscheint er wie ein
H. an den unsichtbaren Fäden der Gewöhnung (Frisch.
Stiller 286); Er läßt den H. allerlei Kunststücke ausführen,
bis die Schnur zerreißt (Joho, Peyrouton 28); b) (ugs.
abwertend) schwacher, willenloser Mensch, der leicht zu
lenken u. zu beeinflussen ist: Das Kabinett... würde,
dergestalt an die Leine gelegt, zu einem Verein von
Hampelmännern werden (Dönhoff. Ära 25); imdn. zu einem, seinem
H. machen; einen H. aus jmdm. machen (imdn. ganz von
sich abhängig machen, zu einem willenlosen, gefügigen
Werkzeug machen): Was der einen Ton anschlägt... Willst
du etwa einen H. aus mir machen! (Jaeger. Freudenhaus
48). 2.a) (Handball) Abwehraktion des Torwarts, bei der
er im Sprung die Arme seitlich nach oben streckt u. die
Beine abspreizt: der H. ist immer noch eine der besten
Möglichkeiten der Abwehr im Hallenhandballtor; b)
(Gymnastik) Übung, bei der man aus der Grundstellung
in eine leichte Grätsche springt, gleichzeitig beide Arme
seitlich hochschwingt, über dem Kopf in die Hände klatscht
u. anschließend wieder die Ausgangsposition einnimmt;
hampeln [hampln) <sw. V.; hat) [aus dem Niederd.. H. u.)
(ugs.): sich;' von einem Bein auf das andere hüpfend] unruhig
hin u. her bewegen: hör auf [bei Tisch] zu h.!
Hamster[hamstel. der: -s. - Imhd. hamastra.ahd. hamustro.
aus dem Slaw.. vgl. aslaw. chomöstonb. russ. chomjak
= Hamster): (in mehreren Arten vorkommendes) kleines
Nagetier mit gedrungenem Körper, meist stummelartigem
Schwanz u. großen Backentaschen, mit deren Hilfe es Nali-
rungsvorräte für den Winterschlaf in einem unterirdischen
Bau zusammenträgt.
'Hamster- (hamstern): ^fahrt. die: (in Notzeiten) /unter
großen Schwierigkeiten unternommene 1 Fahrt aufs Land,
in der Absicht zu hamstern (b): auf H. gehen; -kauf, der:
aus Angst vorgenommener. / weit] über den unmittelbaren
Bedarf hinausgehender Kaut von Lebensmitteln od. Artikeln
des täglichen Gebrauchs, die rar od, teurer zu werd&i drohen;
-preis, der: (durch Hamsterkäufe) überteuerter Preis von
bestimmten Waren: sie mußten -e für das Fleisch bezahlen;
-tasche, die (ugs.): große, zum Hamstern, für Hamsterkäufe
bes. geeignete [Eitikaufs]lasche; -wäre, die: gehortete,
gespeicherte Waren, bes. Lebensmittel, die durch Hamstern,
in Hamslerkäufen erworben wurden.
Hamster- (Hamster): -backe, die. -backchen, das [nach
der Ähnlichkeit mit einem Hamster, der gefüllte
Backentaschen hat) (meist PI.) (fam): volle, runde, dicke Backe;
-bau. der <PI.: -e): unterirdischer Bau, Behausung des
Hamsters.
Hamsterer, der; -s, - (ugs.): jmd.. der hamstert. Hamsterkäufe
vornimmt; Hamstererin. die; -. -nen: w. Form zu T
Hamsterer: hamstern [hamstun) <sw. V.; hat): a) (bei drohender
Verknappung od. Verteuerung bestimmter Waren des
täglichen Bedarfs, bes. von Lebensmitteln) [weit} über den
unmittelbaren Bedarf hinausgehende Mengen von env.
einkaufen, um sich einen Vorrat zu schaffen: als bekannt wurde,
daß Tabak u. Alkoholika teurer werden sollten, fingen
die Menschen an zu h.; b) (in Notzeiten, in denen
Lebensmittel knapp sind, verbotenerweise) f mit geeigneten
Tauschobjekten ] aufs Land fahren u. bei Bauern heimlich Lebensmittel
eintauschen: Speck. Kartoffeln, Eier h.; <subst.:) zum
Kohlenklauen. ... zum Hamstern auf die Dörfer ... gingen
die Mutter und der Älteste weg (Johnson. Ansichten 97).
Hand [hant]. die; -. Hände [hendal u. - Imhd.. ahd. hant.
eigtl. = Greiferin. Fasserin): 1. <Vkl. I Händchen) von
Handwurzel. Mitteüiandu. fünf Fingern gebildeter unterster
1134
Hand
Teil des Armes bei Menschen u. Affen, der die Funktionen
des Haltens, Greifens usw. hat: die rechte, linke H.; schmale,
klobige, feingliedrige. schöne, verarbeitete Hände; eine
beringte (mit Ringen geschmückte) H.; feuchte, kalte Hände
haben; der Saum ist eine H. breit (etwa so breit wie eine
Hand); die Tür stand zwei H./Hände breit offen; vgl.
Handbreit; sie hat bei der Arbeit eine ruhige, sichere H..
sie arbeitet mit ruhiger, sicherer H. (ihre Handbewegungen
bei der Arbeit sind ruliig, sicher); keine H. frei haben;
die Hände falten; verzweifelt die Hände ringen; jmdm.
die H. geben, reichen, drücken, schütteln; der Dame des
Hauses die H. küssen; küß die H.! (in Wien noch übliche,
sonst veraltete, an weibliche, seltener auch an hochgestellte
männliche Personen gerichtete Grußformel); gib die schöne
H., das schöne Händchen! (Kinderspr.; Aufforderung an
ein Kleinkind, das bei der Begrüßung die linke Hand
hinstreckt an Stelle der rechten): Hände hoch [oder ich
schieße]! (Aufforderungeines Bewaffneten, Angreifers o. ä., sich
zu ergeben, keine Gegenwehr zu leisten); sich die Hände
waschen; vor Freude. Schadenfreude rieb er sich die
Hände; die Hände in die Hosentaschen stecken; es war so
dunkel, daß man die H. nicht vor den Augen sehen konnte;
sie hatte die Hände, eine H. voll Kirschen (die Hände,
eine Hand mit Kirschen gefüllt); vgl, Handvoll; jmdm.
die H. zur Versöhnung reichen (geh.; seine Bereitschaft
zur Versöhnung kundtun): sie nahm das Kind an die H.;
nimm dem Kind das Messer aus der H.. aus den Händen;
die Tiere fraßen [uns] aus der H.; sie legte ihre Arbeit
aus der H. (legte sie vorübergehend beiseite, hörte
vorübergehend damit auf); sie aßen [ihr Picknick] aus der H.
(ohne Ziüulfenahme von Bestecken. Tellern); eine
Zigeunerin las ihm [seine Zukunft] aus der H. (aus den Handlinien);
jmdn. bei der H. nehmen (ihn führen); etw, in der H..
in [den] Händen haben, halten, tragen; das Messer in
die H. nehmen; er hat schon lange kein Buch mehr in
die H. genommen (nicht mehr gelesen); den Kopf in die
Hände stützen; sie klatschten in die Hände; die Kinder
gingen H. in H. (hielten sich an den Händen); jmdm.
etw. in die H. drücken (jmdm. etw. geben, um damit ihn
selbst od. eine Sache, die einem lästig ist, von sich zu tun.
loszuwerden); etw. mit bloßen Händen anfassen; um sich
mit den Ausländem zu verständigen, redeten sie mit
Händen u. Füßen (mit vielen Gesten, die an Stelle der fehlenden
Worte etwas Bestimmtes verdeutlichen sollten); der Brief
ist mit der H. (handschriftlich) geschrieben; den Saum
mußt du mit der H. (in Handarbeit u. nicht mit der
Maschine) nähen; das Kleid ist ganz von H. (in Handarbeit,
nicht mit der Maschine) genäht; Zwei der Druckventile
... mußten von H. geöffnet werden (Spiegel 8, 1977. 155);
eine Sonate für vier Hände/zu vier Händen (Musik;
vierhändig zu spielen): er nahm einen Bleistift zur H. (in die
Hand)}R H. aufs Herz! (Aufforderung, seine Meinung.
Überzeugung ehrlich zu sagen; urspr. eine Gebärde beim
Ablegen eines Eides); die linke H. kommt von Herzen
(scherzhafte Erklärung, wenn jemand die linke Hand zur
Begrüßung reicht); nicht in die hohle H.! (auf keinen Fall!);
besser als in die hohle H. geschissen (derb; besser als
gar nichts): Spr eine H. wäscht die andere (ein Dienst
zieht einen Gegendienst muh sich); kalte Hände, warmes
Herz; *die öffentliche H.. die öffentlichen Hände (der Staut
als Verwalter des öffentlichen Vermögens); jmds. rechte
H. (jmd.. der in einer einem anderen untergeordneten
Position diesem wichtige Arbeiten abnimmt, ihn bei seiner Arbeit
unterstützt); jmdm. rutscht die Hand aus (ugs.; jmd. verliert
leicht die Nerven, was dazu führt, daß er demjenigen, der
ihn gereizt hat, eine Ohrfeige gibt): imdm. sind die Hände/
Hände u. Füße gebunden (jmd. kann nicht so handeln od.
entscheiden, wie er möchte, weil seine Handlungs-.
Entscheidungsfreiheit durch bestimmte äußere Umstände
entscheidend eingeengt ist); H. und Fufl haben (gut durchdacht
sein): wenn meine Auftraggeber etwas planen, dann so.
daß es H. und Fuß hat (Cotton. Silver-Jet 96); [bei etw.
selbst mit] H. anlegen (bei einer Arbeit, die eigentlich
anderen obliegt, [aus freiem Antrieb] mithelfen): daß Herr
Macheath in der kritischen Zeit oft selber in den Läden
den Rock ausgezogen und mit H. angelegt habe (Brecht.
Groschen 257); die/seine H. aufhalten/hinhalten (ugs.; für
Trinkgelder sehr empfänglich sein): imds. H. ausschlagen
(jmds. Heiratsantrag zurückweisen, nicht annehmen); keine
H. rühren (ugs.; jmdm. nicht helfen, nicht beispringen,
obwohl man sieht, daß er sich mit einer Arbeit o.a. abmüht);
ohne eine H. zu rühren (ugs.; olme jmdm. beizuspringen):
H. an sich lesen (geh.; sich mit einer Waffe töten, Selbstmord
begehen): H. an jmdn. legen (geh.. selten; jmdn. tätlich
angreifen fu. töten]): [die] letzte H. an etw. legen (die
letzten abschließenden Arbeiten o.a. an etw. ausführen);
jmdm. die H. [zum Bund] fürs Leben reichen (geh.; jmdn.
heiraten): sich/(geh.:) einander die H. reichen können (im
Hinblick auf ein bestimmtes, meist negativ beurteiltes
Verhalten gleich sein): ihr beide könnt euch die H. reichen,
von euch ist einer so unzuverlässig wie der andere; jmdm.
die Hände schmieren/versilbern {ugs.: jmdn. bestechen): alle/
beide Hände voll zu tun haben (ugs.; sehr beschäftigt sein;
viel zu tun, viel Arbeit haben; mit etw. große Mühe haben):
sich <Dativ> die H. für jmdn- etw. abhacken/abschlagen
lassen (ugs.; emotional verstärkend; in einem bestimmten
Zusammenhang jmdm. so vollkommen vertrauen o.a., einer
Sache so sicher sein, daß man ohne Zögern bereit ist, für
ihn, sie zu bürgen): jmdm. auf etw. die H. geben (von
etw. fest überzeugt sein u. dies jmdm. versichern): das wird
so kommen, darauf geb' ich dir die H.; die Hände in
den Schoß legen (I. sich ausru/ien. einmal nichts tun. 2.
sich untätig verhalten, wo man eigentlich helfend eingreifen
müßte): die/seine H. auf etw. halten (ugs.; dafür sorgen,
daß etw. nicht verschwenderisch ausgegeben od. verbraucht
wird): die H. auf der Tasche halten (ugs.; nicht leicht Geld
ausgeben, geizig sein): die/seine H. auf etw. legen (geh.;
von etw. Besitz ergreifen): bei etw. die/seine H.. seine Hände
[mit] im Spiel haben (hei etw. heimlich beteiligt sein); überall
seine H. seine Hände im Spiel haben (überall mitreden u.
seinen Einfluß geltend machen); seine Hände in Unschuld
waschen (geh.; beteuern, daß man an einer Sache nicht
beteiligt war u. darum nicht zur Verantwortung gezogen
werden kann, daß man mit bestimmten Vorgängen nichts
zu tun hat; nach Matth. 27. 26 u. 5. Mose 21. 5 f.; Pilatus
wusch sich vor der Verurteilung Jesu die Hände zum
Zeichen, daß er an seinem Tode unschuldig sei); für jmdn.«
etw. die/seine H. ins Feuer legen (in einem bestimmten
Zusammenliang jmdm. so vollkommen vertrauen o.a., einer
Sache so sicher sein, daß man ohne Zögern bereit ist, für
ihn. sie zu bürgen; vgl. Feuerprobe 2); die Hände überm
Kopf zusammenschlagen (ugs.; über etwas sehr verwundert
od. entsetzt sein; eigtl. eine Gebärde, durch die man in
der Gefahr den Kopf zu schützen sucht); die/seine H.
über jmdn. halten (geh.; jmdm. Schutz, Beistand gewähren;
nach einem alten Rechtsbrauch, nach dem jmd.. dem das
Begnadigungsrecht zustand, die Hand über einen
Angeklagten od. Verurteilten halten konnte, wodurch dieser
außer Verfolgung gesetzt wurde); jmdm. die Hände unter
die Füße breiten (geh.; jmdm. alles so leichtmachen wie
nur möglich): die/seine H. von jmdm. abziehen (geh.; jmdm.
seinen Schutz, seine Hilfe od. Zuwendung entziehen; nach
4. Mos. 14. 34); zwei linke Hände haben (ugs.; für manuelle
Arbeiten sehr ungeschickt sein): eine lockere/lose H. haben
(dazu neigen, jmdm. schnell eine Ohrfeige zu geben); eine
milde offene H. haben (gern geben; freigebig sein); eine
glückliche H. bei etw. haben (bei etw. besonderes Geschick
haben, intuitiv richtig handeln, vorgehen): bei der Auswahl
der Bewerber hatte er keine glückliche H.; eine grüne H.
haben (ugs.; bei der Pflege von Pflanzen in bezug auf das
Gedeihen guten Erfolg haben): eine hohle H. haben
(bestechlich sein); klebrige Hände haben (ugs.; zum Stehlen neigen):
schmutzige Hände haben (geh.; in eine ungesetzliche
Angelegenheit verwickelt, an etw. [mit/schuldig sein): linker H..
rechter H. (vom Sprecher aus gesehen links!rechts): linker
H. sehen Sie das Schloß des Freiherrn vom Stein; schlanker
H. (selten; anstandslos, ohne Bedenken): an H.. (jetzt
häufig:) anhand <Präp. mit Gen.) (mit Hilfe von): an H.
des Formulars, der Unterlagen; an H. von Indizien; jmdm.
etw. an die H. geben (jmdm. etw. geben, überlassen, zur
Verfügung stellen, was dieser für einen bestimmten Zweck
braucht); man hat ihm alles Material an die H. gegeben,
das er für seine Arbeit braucht; jmdm. [bei etw.] an die
H. gehen (jmdm. bei einer Arbeit durch Handreichungen
o.a. helfen, ihn bei der Arbeit unterstützen); jmdn. an der
H. haben (ugs.; jmdn. kennen, zu jmdm. Verbindung haben,
der einem in einer bestimmten Situation nützlich sein, helfen
kann o.a.): er hat einen Handwerker an der H.. der ihm
die Wohnung in Schwarzarbeit renoviert hat; sich <Dativ>
etw. an beiden Händen abzählen/abfingern können (ugs.;
1135
hand-,
Handsich etw. leicht denken, etw. leicht vorhersehen können):
auf eigene H. (auf eigene Verantwortung: selbständig, ohne
einen anderen / um Rat] zu fragen): [klar] auf der H. liegen
(ugs.; ganz offenkundig, nicht zu übersehen, naheliegend
sein): jmdn. auf Händen tragen (jmdn., dem man zugetan
ist, sehr verwöhnen, alles für ihn tun: nach Ps. 91, 11,
12); aus der H. (ohne Unterlagen, ohne genauere Prüfung):
Ich kann jetzt aus der H. nur ein paar Zahlen nennen
(Spiegel 18,1977,224); aus erster H. (1. vom ersten Besitzer:
er hat das Auto aus erster H. gekauft. 2. [in bezug auf
Informationen. Nachrichten] aus sicherer Quelle: die
Nachricht ist. stammt aus erster H.); aus zweiter H. (1. gebraucht,
nicht neu: aus der Hand eines Vorbesitzers: alles, was er
an Möbeln besitzt, hat er aus zweiter H.; aus zweiter
H. kaufen. 2. vom zweiten Besitzer: er hat sein Auto aus
zweiter H. 3. von einem Mittelsmann: die Nachricht stammt
aus zweiter H.); aus, von privater H. (von einer
Privatperson): etw. von privater H. kaufen; imdm. aus der H. fressen
(ugs.; imdm. so ergeben sein od. innerlich so abhängig sein
von jmdm., daß man alles tut, was er von einem erwartet
od. verlangt); etw. aus der H. geben (1. etw. aus seinem
Besitz o. ä. / vorübergehend] einem anderen überlassen,
anvertrauen: ein wertvolles Buch nicht aus der H. geben.
2. ein Amt o. ä. nicht länger innehaben wollen, auf seine
Weiterfüfxrung verzichten: der Senior hat die Leitung des
Unternehmens aus der H. gegeben); [aus der] H. spielen
(Skat; ohne den Skat aufzuheben spielen): einen Grand
aus der H. spielen; ich spiele Pik H.; imdm. etw. aus
der H. nehmen (jmdm. etw. entziehen, wegnehmen, wozu
man ihm die Befähigung o.a. nicht länger zutraut): etw.
bei der H. haben (1. etw. greifbar haben: hast du einen
Bleistift bei der H.? 2. um etw. nicht verlegen sein, etw.
parat haben: Natürlich haben die beiden Ausreden bei
der H); [mit etw.] schnell rasch u.a. bei der H. sein (ugs.;
sich sehr schnell, meist in vorschneller Weise, zu etw. äußern,
auf etw. reagieren o.a.): er ist [allzu] schnell bei der H..
einen anderen zu verurteilen; durch imds. H./Hände gehen
(im Laufe der Zeit, einer gewissen Zeit von jmdm. bearbeitet,
behandelt, gebraucht werden): wieviel Patienten sind in
all den Jahren durch seine Hände gegangen?; [schon/bereits]
durch viele Hände gesangen sein (schon liäufig den Besitzer
o. ä. gewechselt haben): hinter vorgehaltener H. (im
geheimen, inoffiziell): Solche Zahlen werden nur hinter
vorgehaltener H. genannt (Hörzu 23. 1973. 7); H. in H. arbeiten
(in der Weise zusammenarbeiten, daß man sich gegenseitig
ergänzt o. ä., so daß im Arbeitsablauf Stockungen vermieden
werden): mit etw. H. in H. gehen ([von zwei od. mehreren
Vorgängen, Eigenschaften o. ä. ] zusanvnen, gleichzeitig
auftreten, sich in einem Zusammenhang mit etw. anderem
zeigen): mit einer Rezession geht meist ein Ansteigen der
Arbeitslosigkeit H. in H.; imdm., einer Sache in die H./in
die Hände arbeiten (etw. tun. womit man unbeabsichtigt
jmdm. hilft, einer Sache Vorschub leistet): durch sein
Verhalten hat er den Gangstem in die Hände gearbeitet; jmdn.,
etw. in die H./in die Hände bekommen/kriegen ([durch
Zufall] einer Person od. Sache habhaft werden): die
Dokumente darf er niemals in die H. bekommen; wenn
sie ihn in die Hände bekommen, ist er verloren; imdm.
in die H./in die Hände fallen, kommen (durch Zufall von
jmdm. gefunden werden, ohne daß der Finder in diesem
Augenblick danach gesucht hätte): Jeden Tag fiel mir etwas
in die Hand, das ich dort (= in einen Schrank) hintrug.
... Wäsche, Wollsachen, Nähzeug (Kaschnitz. Wohin 1%);
imdm. in die Hände fallen (1. in jmds. Besitz kommen:
die Dokumente sind einem ausländischen Geheimdienst
in die Hände gefallen. 2. in jmds. Gewalt geraten: der
Spähtrupp ist dem Feind in die Hände gefallen); jmdn.,
etw. in imds. H. geben (geh.; jmdn., etw. einem anderen
überantworten): Die Zukunft des deutschen Volkes war
völlig in die H. der Sieger gegeben (Niekisch, Leben 382);
etw. in der H. haben (etw. haben, worauf man seine
Forderung o.a. stützen kann): jmdn. in der H. haben (jmdn.
lenken können: jmds. völlig sicher sein): etw. in Händen
halten (über etw. verfügen): Er ... ist sich ... der Macht
die er in Händen hält .... gar nicht bewußt (Dönhoff.
Ära 58); etw. in imds. H./Hände legen (geh.; jmdn. im
Hinblick auf seine Fähigkeiten, seine Zuverlässigkeit o.a.
mit einer Aufgabe betrauen): in imds. H. liegen/stehen (geh.;
in jmds. Macht, Verantwortung gegeben sein): etw. in die
H. nehmen (die Verantwortung für etw., die Leitung von
etw. übernehmen: sich um etw. kümmern, was bis dahin
nicht richtig angefaßt wurde): in imds. H. sein (in jmds.
Gewalt sein): in festen Händen sein (ugs.; einen festen
Freund, eine, feste Freundin haben, nicht mehr frei sein
für eine Bindung): in guten« sicheren o. ä. Händen sein (in
guter, sicherer Obhut, Betreuung o.a. sein): imdm. etw.
in die H./in die Hände spielen (jmdm. etw.. was für ihn
wichtig ist. wie zufällig zuspielen): imdm. etw. in die H.
versprechen (jmdm. etw. fest versprechen, zusagen): in imds.
H./Hände Übergehen (/ von etw., was vorher einem anderen
gehörtej injnuls. Besitz kommen, übergehen): mit Händen
zu greifen sein (so offenkundig sein, daß es jeder sehen,
erkennen kann): sich mit Händen und Füßen gegen imdn.,
etw. sträuben/wehren (ugs.: 1. sich heftig gegen jmdn.. etw.
zur Wehr setzen. 2. sich heftig gegen etw. sträuben, was
man nicht haben, nicht tun o. ä. möchte): etw. mit
geschmatzten Händen annehmen (ugs.; etw. sehr gern annehmen: eigtl..
indem man dem Geber zum Dank die Hände küßt); mit
leeren Händen (1. ohne eine Gabe mitzubringen. 2. ohne
in einer bestimmten Sache etw. erreicht zu haben, ohne
greifbares positives Ergebnis): mit leichter H. (ohne
Anstrengung od. krampfhafte Bemühung): etw. mit der linken H.
machen/erledigen (ugs.; weil es einem leichtfallt, wie
nebenbei tun. ohne sich anstrengen zu müssen): mit starker/fester
H. (tatkräftig, streng): mit vollen Händen (i in bezug auf
Geld o.a., was man ausgibt od. anderen schenkt, zuteil
werden läßt] reichlich, großzügig, verschwenderisch): um
imds. H. anhalten/bitten (geh.. veraltend; ein Mädchen
fragen, ob es in eine Heirat einwilligt): jmdn. um imds. H.
bitten (geh., veraltend; die Einwilligung der Eltern einfwlen.
ihre Tochter zu heiraten): etw. unter den Händen haben
(etw. in Arbeit haben): jmdm. unter den Händen zerrinnen
([bes. in bezug auf Geld. Vermögen o.a.] sich durch
verschwenderischen Verbrauch schnell verringern, aufzehren):
von imds. H. (geh.; durch jmds. Tat: von jmdm. ausgeführt):
schwerer ... lag der Tod Viktors auf ihm. der von seiner
H. gestorben war (Hesse. Narziß 19S); imdm. in bestimmter
Weise von der H. gehen ([in bezug auf eine Arbeit,
Tätigkeit] von jmdm. in bestimmter Weise erledigt, geschafft
werden): etw. von langer H. vorbereiten (etw.. bes. etw.
Negatives, vor der Ausführung lange u. sorgfältig
vorbereiten ): etw. von der H. weisen (etw. als unzutreffend,
unzumutbar o. ä. zurückweisen): Es fragt sich .... ob man die
Möglichkeit ganz von der H. weisen darf, daß ... (Lorenz.
Verhalten I. 330); sich nicht von der H. weisen lassen nicht
von der H. zu weisen sein (eine unleugbare, unübersehbare
Tatsache sein, offenkundig sein): von der H. in den Mund
leben (seine Einnahmen sofort für seine Lebensbedürfnisse
wieder ausgeben müssen: ohne finanziellen Rückhalt leben):
von H. zu H. gehen (häufig den Besitzer wechseln): zur
linken H., zur rechten H. (/ in bezug auf Richtungsangaben]
links, rechts: auf der linken, rechten Seite): zu treuen
Händen ([ in bezug auf etw.. was man einem anderen zur
vorübergehenden Benutzung, zur Aufbewahrung o.a. anvertraut]
zur guten, sorgsamen Behandlung. Verwahrung o.a.): etw.
zur H. haben (etw. greifbar, verfugbar. bereit haben): zur
H. sein (greifbar, verfügbar, vorhanden sein): imdm. zur
H. gehen (jmdm. bei einer Arbeit durch Handreichungen
o. ä. helfen): zu Händen ([bei Briefanschriften an eine
übergeordnete Stelle in Verbindung mit dem Namen der Person,
in deren Hände die Postsache gelangen soll] zu übergeben
an): zu Händen [von] Herrn Müller, (selten:) des Herrn
Müller. 2. <o. Pl.> (veraltend) kurz für [ Hand] sehr ift:
eine saubere, leserliche, ausgeschriebene H. 3. <o. PI.)
(Reiten) kurz für I Vorhand, Mittelhand. Hinterhand. 4.
<o. PI., ugs. gelegtl.: Hände; meist ohne Art.) (Fußball)
Handspiel: absichtliche H.; angeschossene H.
(unabsichtliches Handspiel, bei dem sich Hand od. Arm nicht zum
Ball bewegen): der Schiedsrichter pfiff H., entschied auf
H.; Hand! (Ruf. wenn ein Spieler den Ball mit der Hand
berührt). 5. (Boxen Jargon) Schlag. Treffer: der Boxer
brachte fünf Hände unter.
h«nd-, H#nd-: -abwehr. die: 1. (Ballspiele) Abwehr, bei der
der Torwart den Ball mit der Hand abwehrt. 2. (Boxen)
Abwehr eines gegnerischen Schlags mit der geöffneten Hand,
^abzug. der: 1. (Druckerspr.) mit der Handpresse
hergestellter Abzug eines Bleisatzes. 2. (Fot.) einzeln, von Hand
angefertigter Abzug von einem Negativ od. Diapositiv: ^ak-
te, die: Akte, die bestimmte dienstliche Schriftstücke enthält
u. die man in eine Sitzung o. ä. mitnbnmt: ^änderung, die
1136
hand-, Hand-
(Schweiz.): Übergang eines Grundbesitzes von einer Person
auf eine andere, dazu: -anderungsanzeige, die. -änderungs-
gebühr, die. -änderungssteuer, die; -antrieb, der: Antrieb,
das Angetriebenwerden eines Gerätes, einer Maschine o. ä.
mit der Hand, ohne Motor: -apparat, der: 1. (Fernspr.)
Teil des Telefonapparates, der Hör- u. Sprechmuschel
enthält; Hörer. 2. bestimmte Anzahl von Büchern eines
Sachgebietes o.a., die sich jmd. für eine wissenschaftliche Arbeit
0. ä. zur unmittelbaren Benutzung bereitstellt; -arbeit, die:
1. <o. PI.) a) mit der Hand, mit Muskelkraft verrichtete,
ausgeführte Arbeit (Ggs.: Kopfarbeit): er verrichtet H.;
b) zur Herstellung von einzeln mit der Hand, nicht maschinell
u. nicht serienmäßig gefertigten Gegenständen aufgewendete
Arbeit (Ggs.: Maschinenarbeit): etw. ist in H. hergestellt.
2. einzeln, nicht serienmäßig in Handarbeit (1 b) hergestellter
Gegenstand: dieser Schmuck ist eine H. 3. im allgemeinen
von Frauen in einer bestimmten Technik (z. B. Sticken.
Stricken. Nähen u.a.) mit der Hand hergestellte Arbeit
aus textilen Werkstoffen: sie macht gerne -en; sie sitzt
an einer H. 4. <o. PI.) (ugs.) kurz für ^arbeitsunterricht;
-arbeiten <sw. V.; hat)/vgl. handgearbeitet/: eine
Handarbeit (3) ausführen: sie handarbeitet gerne; -arbeiter, der
jmd.. der Handarbeit (1 a) verrichtet (Ggs.: Kopfarbeiter);
-arbeitsgarn, das: farbiges Garn verschiedener Art für Stick-
u. Häkelarbeiten; -arbeitsgeschaft, das:
Einzelhandelsgeschäft, das alle Materialien für Handarbeiten (3) führt;
-arbeitsheft, das: mit Arbeitsanleitungen. Mustern u. zaJd-
reichen Abbildungen versehene Druckschrift, die Anregungen
zu Handarbeiten (3) gibt; -arbeitskorb, der: Korb. Behälter,
in dem in Arbeit befindliche Handarbeiten aufbewahrt
werden; -arbeitslehrerin. die: Lehrerin, die Unterricht in
Handarbeit (3) erteilt; -arbeitsstunde, die: Unterrichtsstunde in
dem Schulfach Handarbeit (3); -arbeitsunterricht, der;
Mitlas, der: kleiner, hatullicher Atlas; MUif, das; -s, -s (Rugby):
das Niederlegen des Balles durch einen Spieler im eigenen
Malfeld; -aufheben, das; -s: das Erheben der Hand bei
in die Höhe gestrecktem Arm (bei einer nicht geheimen
Abstimmung): eine Abstimmung durch H.; -auflegen, das;
-s, -anflegung, die (bes. Rel.): Geste des Auflegens der
Hand od. beider Hände auf das Haupt eines Menschen
(od. auf einen Gegenstand) zum Zwecke der Segnung od.
auch der Heilung von Krankheiten; -ausgäbe, die (Buchw.):
kleinere, handliche Ausgabe eines größeren Druckwerks;
^bad. das: vgl. Armbad; ^ball, der: 1. <o. PI.) zwischen
zwei Mannschaften ausgetragenes Ballspiel, bei dem der
Ball nach bestinvnten Regeln mit der Hand in das gegnerische
Tor zu werfen ist. 2. im Handball (1) verwendeter Ball;
-ballen, der: Muskelpolster an der Innenseite der
Handfläche, bes. an der Handwurzel; -baller [-bäte], der; -s, -
(ugs.): svw. I Handballspieler, dazu: -bäuerisch <Adj.; o.
Steig.: nicht präd.): das Handballspiel betreffend;
-ballmannschaft, die; -balkpiel, das; -ballspieler, der,
-ballturnier, das; -becken, das: kleines Waschbecken für
die Hände; -bedient <Adj.; o. Steig.; nur attr.): (in bezug
auf eine Maschine o.a.) von Hand in Tätigkeit gesetzt,
ohne Motor, dazu: -bedienung, die <o. PI.): das Betätigen
einer technischen Anlage mit der Hand: eine Anlage für,
mit H.; -bell, das: kleines, handliches Beil; -besen, der:
kleiner Besen, bei dem der kurze Stiel an einer Schmalseite
der Bürste angebracht ist, so daß der Besen mit einer Hand
gejährt werden kaim; -betrieb, der <o. PL): Betrieb einer
Maschine od. technischen Anlage durch Ingangsetzen von
bestimmten Abläufen o. ä. mit der Hand: ein altes Butterfaß
für H. (Lentz, Muckefuck 139); Ü er ging auf H. (salopp
scherzh.; Onanie) über, dazu: -betrieben <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.): mit der Hand betrieben: eine -e Mühle;
-betrieblich <Adj.; o. Steig.): im Handbetrieb: die Lagerstätte
wird h. abgebaut; -beuger. der (Anat.): Muskel, der die
Beugung der Hand ermöglicht; -bewegung, die: 1. mit der
Hand ausgeführte Bewegung: Ich ... streifte mit matten
-en die Strohflusen von meiner Uniform (Böll. Mann 44).
2. Geste der Hand, durch die jmd. etw. Bestimmtes ausdrückt,
ausdrücken will od. diejmds. Worte begleitet u. unterstreicht:
eine wegwerfende, abwinkende, verächtliche,
abschließende, einladende H. machen; Mit einer H. forderte er mich
auf. Platz zu nehmen (Leonhard, Revolution 235); -biWio-
thek.die: 1. größerer Handapparat (2). 2. im Lesesaal einer
öffentlichen Bibliothek aufgestellte, für die Besucher frei
zugängliche größere Anzahl bes. von Nachschlagewerken
verschiedenster Wissensgebiete, die nur innerhalb des
Lesesaals benutzt werden dürfen; ^bohrer, der: kleiner,
handlicher Wendelbohrer; -brause, die: mit einem Schlauch
verbundene Brause, die zum Zweck des Duschens in die Hand
genommen u. bewegt werden kann; -breit <Adj.; o. Steig.):
etwa von, in der Breite einer Hand (1): ein -er Spalt; die
Tür stand h. offen; -breit, die; -. -: Breite einer Hand
(1) als Maßeinheit: der Rock muß eine/zwei H. länger
sein; Ü Hier kenne ich jede H. (jedes Stückchen) Boden
von Kindheit an (Reinig. Schiffe 118); -breite, die: Breite
einer Hand(\Y. das Auto war nur eine H. von mir entfernt;
-bremse, die: Bremse, die mit der Hand betätigt wird;
-buch, das [LÜ von lat. manuale]: ein- od. mehrbändiges
Druckwerk von handlichem Format, das den Stoff eines
bestimmten Wissensgebietes o.a. in systematischer u.lod.
lexikalischer Form behandelt; -bürste, die: kleine Bürste
zum Säubern der Hände; -Chirurgie, die: Teilgebiet der
Chirurgie, das sich mit der chirurgischen Versorgung bei
Verletzungen der Hände beschäftigt; -creme, die: Creme
für die Pflege der Hände; -deutung, die: svw. tChirologie
(1); -dressiert <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) Itdressieren
(2 b. c)l (österr.): (in bezug auf bestimmte Speisen) mit
der Hand verziert: -e Lebkuchen; -druck, der: 1. <P1. -druk-
ke> mit Hilfe einer Handpresse vom Künstler selbst
hergestellter Abdruck von einer graphischen Originalplatte. 2.
<P1. -drucks) mit der Hand bedruckter Stoff; -elfmeter,
der (Fußball): wegen eines Handspiels im Strafraum gegen
die Mannschaft des Betreffenden verhängter Strafstoß;
Empfindlichkeit, die <o. PI.) (Technik):
Störungsanfälligkeit von Hochfrequenzschaltungen bei Annäherung der
Hand; -eule, die (nordd.): svw. !-besen; -exempbr, das
(Bibliotheksw.): Buch zum persönlichen Gebrauch, zum
Handgebrauch; -f&ustel, der: schwerer Harwner aus Stahl
mit kurzem, hölzernem Stiel, bes. für die Bearbeitung von
Stein; -feger, der: svw. t-besen; * herumlaufen o.a. wie
ein wild gewordener H. (bes. berlin. salopp: 1. zerzaust,
unfrisiert o.a. umherlaufen. 2. unruhig, aufgeregt
umherlaufen)', -fehler, der (Hockey): Fehler beim Handstoppen
(2); -feile, die: kleine, handliche Feile; -fertigkeit, die <o.
PL): Fertigkeit, Geschicklichkeit der Hände, bes. für
bestimmte handwerkliche Arbeiten; -fessel, die: svw. I
-schelle; -fest <Adj.; nicht adv.) [mhd. hantveste = in feste
Hand genommen, gefangen; tüchtig mit der Hand; treu
am Glauben hängend]: 1. <nicht adv.) (in bezug auf die
Erscheinung eines Menschen) kräftig gebaut, derb, robust
wirkend: eine -e Person; sie ist ganz h. 2. <nicht adv.)
deftig, nahrhaft: eine -e Mahlzeit; <subst.:> etw. Handfestes
essen wollen. 3. von besonderem Gewicht, von deutlich
sichtbarer Kraft o.a., die jmdm., einer Sache innewohnt, was
auf entsprechende Wirkung schließen läßt: -e Vorschläge.
Beweise. Informationen; ein -er Krach, Skandal; eine -e
Prügelei; Jmdn. h. betrügen; -feste, die; -. -n [mhd.
hantveste = Handhabe, schriftliche Versicherung mit
eigenhändiger Unterschrift] (MA.): bes. ein bestimmtes Privileg
verleihende, feierliche Urkunde; -feuerlöscher, der: mit der Hand
zu bedienender Feuerlöscher; -feuerwaffe, die: Feuerwaffe,
die von einer Person getragen u. mit der Hand betätigt
werden kann; -fläche, die: Innenfläche der Hand (1);
-flügler, der: svw. t Flattertier; -förmig <Adj.; o. Steig.): die
Form einer Hand aufweisend: -e Blätter; -furche, die <meist
PL): svw. t^linie; -galopp, der (Reiten): kurzer, ruixiger
Galopp; -gas, das (Kfz.-T.): 1. mit der Hand zu bedienende
Vorrichtung (Hebel, Griff), mit der die Zufuhr des
Kraftstoffes geregelt wird. 2. Gas (3). das durch eine mit der Hand
zu bedienende Vorrichtung in einem KraftfaJxrzeug zusätzlich
dem Motor zugeführt wird; -gearbeitet <Adj.; o. Steig.;
nicht adv. >: in Handarbeit (1 b), nicht maschinell hergestellt:
-er Schmuck; das Möbelstück ist h.; -gebrauch, der <o.
PL): täglicher Gebrauch, ständige Benutzung: Geschirr für
den. zum H.; -gebunden <AdJ.; o. Steig.; nicht adv.): (von
Büchern) mit der Hand gebunden: ein -es Buch; -gefertigt:
vgl. -gearbeitet; -geformt <Adj.; o. Steig.; nicht adv.):
mit der Hand geformt; -geklöppelt <Adj.; o. Steig.; nicht
adv. >: mit der Handgeklöppelt: -e Spitzen; -geknüpft <Adj.;
o. Steig.; nicht adv.): mit der Hand geknüpft: ein -er
Teppich; -geld.das [urspr. Geld, das jmdm. bei der Anwerbung
in die gelobende Hand gezahlt wird]: 1. (früher) symbolische
Anzahlung einer kleinen Geldsumme beim mündlichen
Abschluß eines Vertrages. 2. beim Abschluß bestimmter
Arbeitsverträge gezahlte Geldsunune an die sich verdingende Person;
Draufgeld; Draufgabe (a); -gelenk, das: Gelenk zwischen
72 GDW
1137
hand-, Hand-
Hand (1) u. Unterarm: ich habe mir das H. verstaucht;
*ein lockeres/loses H. haben (ugs.; leicht zum Schlagen
geneigt sein): sein Vater hat ein lockeres H.; H. mal PI
(svw. faus dem H); aus dem H. [heraus] (ugs.: 1. ohne
entsprechende Vorbereitung, unvermittelt, improvisiert, ohne
nachzuschauen o.a.: Das kann ich ihnen so aus dem H.
nicht sagen [Martin. Henker 90]. 2. [in bezug auf eine
Tätigkeit, die jmd. verrichtet], ohne Mühe, mit Leichtigkeit:
seine ... Schreibstubenmiene .... mit der er Routinesachen
gewissermaßen aus dem H. zu erledigen pflegte [Kirst.
08/15. 83]); etw. aus dem H. schütteln (ugs.; etw. mühelos,
mit großer Leichtigkeit tun, zustande bringen): er ist ein
sehr begabter Schüler, der alles aus dem H. schüttelt;
-gemalt <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): mit der Hand gemalt:
-e Verzierungen; -gemein nur in der Verbindung
[miteinander] h. werden (einander tätlich angreifen): -gemenge. das:
1. tumultartige Situation, bei der es zu Tätlichkeiten,
Schlägereien unter den Anwesenden kommt: zwischen den
Demonstranten und der Polizei kam es zu einem H. 2. (Milit.)
Nahkampf: -genäht <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: mit der
Hand genäht: ein -er Saum; -gepäck, das: handliches,
leichtes Reisegepäck, das man nicht zur Beförderung aufgibt,
dazu: -gepäckaufbewahrung, die: vgl.
Gepäckaufbewahrung; -gerät, das: 1. handliche, leichte Ausfuhrung eines
handwerklichen o. ä. Gerätes. 2. (bes. Gymnastik) kleineres
Gerät, mit dem bestimmte Übungen ausgeführt werden u.
das in der Regel in der Hand gehalten wird: zu den -en
gehören Keule. Stab. Reifen u. a.; Mierecht <Adj.>: 1. <nicht
adv.> (veraltend) so beschaffen, daß es sich beim Anfassen
gut in die Hand fügt: eine -e Form. 2, <nur adv.> bequem
mit der Hand zu erreichen, zu greifen o. ä.: etw. h. hinlegen,
aufstellen; -gesäumt <AdJ.; o. Steig.; nicht adv.>: mit der
Hand gesäumt: -geschicklichkeit,die <o. PI.):
Geschicklichkeit im Gebrauch der Hände bei bestimmten Tätigkeiten:
-geschliffen <AdJ.; o. Steig.; nicht adv.): mit der Hand
geschliffen: --geschmiedet <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: mit
der Hand geschmiedet: schmiedeeisern: -geschöpft <Adj.;
o. Steig.; nicht adv.>: (in Zusammenhang mit der
Papierherstellung) durch Mit-der-Hand-Schöpfen des Papierbreis aus
der Bütte gewonnen: -es Papier; -geschrieben <Adj.; o.
Steig.; nicht adv.>: mit der Handgeschrieben (Ggs.:
maschinegeschrieben): ein -er Brief; -gesetzt <AdJ.; o. Steig.;
nicht adv.): im Handsatz hergestellt: ein -es Manuskript;
-gesponnen <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): mit der Hand
gesponnen: -gesteuert <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): (in
bezug auf eine technische Anlage o. ä.) von Hand gesteuert:
eine -e Signalanlage; -gestickt <Adj.; o. Steig.; nicht adv.):
mit der Hand gestickt: -gestrickt <Adj.; o. Steig.; nicht
adv.): mit der Hand gestrickt: -e Strümpfe; Ü (oft
abwertend:) -e (nicht ganz ernstzunehmende, naive) Methoden;
die Reaktionen ... entsprachen ... nicht meinen -en
Vorstellungen von angewandter Psychologie (Martin, Henker 55);
-gewebt <AdJ.; o. Steig.; nicht adv.): mit der Handgewebt:
-geweih. das: svw. t -kröne; -glocke, die: kleine, mit einem
Griff od. Stiel versehene Glocke, die mit der Hand betätigt
wird: auf dem Präsidententisch steht eine H.; -granate,
die: mit Sprengstoff gefüllter Hohlkörper [an einem Stiel],
der im Nalikatnpf mit der Hand auf ein Ziel geschleudert
wird: -greiflich <Adj.; Steig, ungebr.): I. unübersehbar,
sichtbar vor Augen liegend: konkret faßbar: ein -er Erfolg.
Beweis; jmdm. etw. h. vor Augen führen (so, daß es
unmittelbar einleuchtet): Die... Vorgänge sind äußerst geschickt
nebeneinandergestellt, um den unleugbaren Fortschritt h.
zu machen (Nigg, Wiederkehr 193). 2. in der Weise, daß
man jmdn. tätlich angreift od. von jmdm. angegriffen wird:
eine -e Auseinandersetzung; es gibt Situationen, in denen
er leicht gegen andere h. wird (andere tätlich angreift):
sie haben sich h. auseinandergesetzt, dazu: -greiflichkeit.
die: 1. die konkrete Faßbarkeit, Sichtbarkeit,
Erkennbarkeit: die H. der Mißstände. 2. <meist PI.) Tätlichkeit:
es kam zu -en; -griff, der: 1. greifende od. fassende
Bewegung der Hand, die bei der Ausübung einer Tätigkeit o. ä.
ausgeführt wird: ein falscher, stereotyper H.; bei dieser
heiklen Arbeit muß Jeder H. sitzen; die notwendigen -e
lernen, üben; Ich kann im Flugzeug mit einem H. eine
große Bodenklappe öffnen (Grzimek. Serengeti 327); U
der Schaden war mit einem H.. mit ein paar -en (schnell,
ohne große Mühe) behoben; er fand sich nicht bereit,
ab und zu einen H. für sie zu tun (ihr ein wenig zu helfen,
mit anzufassen): ich habe noch ein paar -e zu tun (noch
einiges zu erledigen, einige Verrichtungen zu machen). 2.
Griff an verschiedenen Gegenständen u. Werkzeugen zum
Anfassen, Festhalten, Tragen u.a.: sich am H. festhalten;
-groß <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): etwa von, in der Größe
einer HandiX): ein -er Fleck; -habbar. ^habbarkeit. -habe,
-haben, -habung: t handhabbar usw.; -haltung. die:
Haltung der Hand bei bestimmten Tätigkeiten o. ä.: -harmoni-
ka. die: Harmonika, bei der auf Druck u. Zug des Balges
verschiedene Töne erklingen u. die Knopftasten diatonisch
angeordnet sind: -hebel. der: mit der Hand zu betätigender
Hebel: -hoch <Adj.; o. Steig.): etwa so hoch, wie eine
Handlang (l)ist: handhohes Gras; Die... Flut stieg höher,
handbreit, h., bis zu den Waden (Kuby. Sieg 281);
-Innenfläche, die. -innere, das (selten): Innenfläche der Hand:
-kamen, die: Kamera, die bei der Aufnahme in der Hand
gehalten u. nicht auf einem Stativ befestigt wird: -kante.
die: äußere Schmalseite der Hand (mit der, bes. im Karate,
ein bestimmter Schlag ausgeführt wird): Seine stahlharten
-n sausten mit... Präzision herunter und trafen den
Kopiloten (Cotton. Silver-Jet 45), dazu: -kantenhieb,
-kantenschlag, der: Schlag mit der Handkante: -karre, die.
^karren, der: kleine Karre, die durch Ziehen od. Schieben mit
der Hand fortbewegt wird: -käse, der (landsch.): aus Quark,
Kümmel u. Salz hergestellter, mit der Hand geformter,
kleiner Käse von flacher, kreisrunder Form: * Handkäs' mit
Musik (landsch.; Handkäse, der mit einer Marinade aus
Essig, öl, Zwiebeln u. Pfeffer Übergossen gegessen wird):
-kehnm <Adv.) (Schweiz.): plötzlich, unversehens: Dann
wieder, h.. trinkt er. was seiner Niere nicht bekommt
(Frisch, Gantenbein 366); -kehrum nur in der Fügung
imH. (Schweiz.: im Handumdrehen): -klein <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.): (in bezug auf etw., dessen Handlichkeit von
Wichtigkeit ist) so klein, daß es sich gut in die Hand fügt:
METRIX-Multimetersindh. (Funkschau 19. 1971. 1960);
-krochen, der: einzelner Knochen des Skeletts der Hand:
-kofler. der: kleiner, handlicher Koffer, den man als
Handgepäck mitfü/irt: *jmdn. zum H. schlagen (ugs. [bes. als
Drohrede]; jmdn. verprügeln): den schlag1 ich zum H.!;
-koloriert <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): mit der Hand
koloriert, ausgemalt: ein -er Druck. Kupferstich; -korb, der:
kleinerer, handlicher Korb mit Henkel: -krause, die:
gekrauster od. gefältelter Stoffstreifen als Abschluß am unteren
Rand eines langen Ärmels: -kreis, der (Gymnastik): mit
den Händen beschriebener Kreis: -kreisen, das; -s
(Gymnastik): Übung, bei der mit den Händen eine kreisförmige
Bewegung ausgeführt wird: -krone, die (Jägerspr.):
Hirschgeweih, bei dem die Spitzen des obersten Geweih teils ähnlich
den Fingern einer Hand in einer Reihe stehen: -kurbel,
die: mit einem Handgriff versehener, einarmiger Hebel zum
Drehen einer fest mit ihm verbundenen Welle, Spindel od.
Walze: -kuB, der. a) (von einem Herrn gegenüber einer
Dame) bei der Begrüßung zum Zeichen der Verehrung
angedeuteter Kußauf den Handrücken: einen H. andeuten; jmdn.
mit H. begrüßen; *etw. mit H. [anlnehmen, tun o. ä. (etw..
was einem jmd. anbietet, gern, ohne Zögern [anlnehmen,
tun o.a.): sie haben die abgelegten Kindersachen mit H.
[abgenommen; zum H. kommen (Osten*.: 1. bei etw.
draufzahlen. 2. für jmdn.. etw. einstehen müssen): b) (gegenüber
einem geistlichen Würdenträger, bes. Papst od. Bischof)
Kuß auf den an der Hand getragenen Ring als Zeichen
der Ehrerbietung von Seiten des Gläubigen: -lampe, die:
in der Hand zu tragende elektrische Lampe [mit langer
SchnurJ, die bei bestimmten Arbeiten zum Ausleuchten
verwendet wird: -lang <Adj.; o. Steig.): etwa von, in der Länge
einer Hand (1): der Rock muß etwa h. angesetzt werden;
-langer: f Handlanger; -laterne, die: vgl. -lampe; -lauf,
der: Teil des Treppengeländers (im allgemeinen in Form
einer Stange o.a.), an dem man sich mit der Hand festhält:
-leiste,die: vgl. -lauf; -lesekunst,die<o. PI.): svw. tChiro-
logie (1); -leuchte, die: vgl. -lampe; -lexikon, das:
kleineres, in der Form handliches, von Umfang u. Inhalt her
für den praktischen täglichen Gebrauch bestimmtes Lexikon:
-linie, die: über bestimmte Grundformen hinaus individuell
ausgeprägte Linie in der Innenfläche der Hand beim
Menschen u. bei einigen Säugetieren, bes. Affen: etw. aus jmds.
-n lesen, dazu: -liniendeutung, die <o. PI.): Wahrsagen.
Deutung von jmds. Schicksal o. ä. aus den Linien seiner
Hand: Chiromantie: -loch, das: (bei bestimmten
Maschinen) Öffnung, die es erlaubt, zwecks Wartung o.a. mit
der Hand an im Innern liegende Teile heranzukommen:
1138
hand-, Hand-
^longe, die (Kunstkraftsport; Turnen): an einer Leine, die
von zwei Hilfestellung gebenden Personen gehalten wird,
befestigter Sicherheitsgürtel, der bei schwierigen Übungen
einen Sturz verhindern soll; Mittlem, die: 1. <o. Pl.> das
Malen mit der Hand. 2. mit der Hand ausgeführte Malerei:
das Muster auf dem Porzellan ist H.; -mehr, das; -s
(Schweiz.): durch Handaufheben festgestellte Mehrheit bei
einer Abstimmung; -melchter, die (Schweiz.): kleinere,
handliche Melchter; Mnixer, der: Haushaltsgerät zum
Mixen aus einem od. zwei Quirlen, die mit einem Handgriff
verbunden sind, in den der elektrische Antrieb eingebaut
ist; -mühle, die: kleine, mit der Hand zu betätigende Mühle
zum Zerkleinern, Schroten u.a. im Haushalt; -orgel, die
(Schweiz., sonst veraltet): 1. Drehorgel. 2. Ziehharmonika;
-papier, das: svw. t Büttenpapier; -pferd, das: im Gespann
rechts von der Deichsel eingespanntes Pferd; Beipferd (a);
-pflege, die <o. PI. >: das Pflegen der Hände u. der
Fingernägel; Maniküre (1>: H. betreiben; eine Creme für die H.;
-pflücke, die (Fachspr.): das Von-Hand-Pflücken, Von-
Hand-Ernten: sie (= die Buschbohne) ... wächst bei H.
gut nach (MM 13. 3. 71. 56); -presse, die: im Buch- u.
Steindruck verwendete, von Handbetriebene Presse zur
Herstellung von Probeabzügen, Liebhaberdrucken u. Grafiken,
dazu, -pressendruck, der: 1. <o. Pl.> Technik des Drückens
mit der Handpresse. 2. <P1. -drucke) mit der Handpresse
hergestellter 'Druck (lb): -pumpe, die: kleine, mit der
Hand zu bedienende Pumpe; -puppe, die: im Puppenspiel
verwendete Puppe, bei der der Kopf aus einem festen
Materialgeformt u. mit einer Höhlung für den Zeigefinger
versehen ist, während der Körper nur aus einer Stoffhülle besteht,
die der Puppenspieler mit der Hand u. dem unteren Teil
des Armes ausfüllt, wodurch er die Puppe führen u.
Bewegungen ermöglichen kann, dazu: -puppenbühne. die.
-Puppenspiel, das, -Puppentheater,das; -ramme, die (Bauw.):
Ramme aus Holz, die von zwei bzw. vier Personen von Hand
betätigt wird; -reichung. die: 1. Hilfeleistung, die darin
besteht, daßjmd. einem anderen bei einer Arbeit, bes. einer
manuellen Tätigkeit, zur Hand geht: er ist zu bequem zur
kleinsten H.; Umdm.] eine H. machen; -en leisten. 2.a)
Empfehlung (für ein Verhalten, den Gebrauch von etw. o. äj:
möge sich der Leser die kritischen -en des Buches... zunutze
machen (Enzensberger. Einzelheiten I. 207); b) Richtlinie:
Es wurden -en entwickelt, das Verwaltungsdeutsch auf
Formularen und Verträgen verständlicher zu machen
(Spiegel 21. 1975, 60); -riß, der (Vermessungsw.): bei der
Vermessung von Grundstücken angefertigter maßstäblicher
Grundriß, in den alle für die betreffende Grundfläche
wichtigen Zahlen u. Daten eingetragen werden; -rücken» der:
Oberseite der Hand(\) ohne die Finger: Die Mila ... trank
Bier und wischte sich mit dem H. die Lippen trocken
(Simmel, Affäre 118); -sack, der (Fachspr.): (bei
bestimmten Arbeiten) zum Schutz der Hand getragener Handschuh
ohne ausgearbeitete Finger; -säge, die: mit der Handgefü/ir-
te Säge, bei der das Sägeblatt waagrecht in einen Rahmen
aus Holz eingespannt ist; -satz, der <o. PI.) (Druckw.;
Ggs.: Maschinensatz): a) Technik des Setzens, der
Herstellung des Satzes mit der Hand: etw. im H. herstellen; b)
im Handsatz (a) hergestellter Druck, dazu: -satzzeile, die:
im Handsatz (a) gesetzte Zeile eines Schriftsatzes;
-schaufei, die: Schaufel mit kurzem Stiel, die zusammen mit
dem Handbesen bes. zum Aufnehmen von Kehricht gebraucht
wird; -schelle, die <meist PI.) IT'Schelle]: Fessel, die aus
zn'ei durch wenige Kettenglieder miteinander verbundenen,
um die Handgelenke zu legenden Metallringen besteht u.
mit der einem Gefangenen die Hände gefesselt werden: -n
tragen; jmdm. -n anlegen; den Gefangenen in -n abfuhren;
-scheu <Adj.; -er. -Ie]ste; nicht adv. > (Jägerspr.): (von einem
Hund) aus Angst vor Schlägen der Aufforderung
herbeizukommen nicht od. nur zögernd Folge leistend; -schlag, der:
1. (selten) mit der Hand ausgeführter Schlag: Jmdm. einen
H. versetzen; * keinen H. tun (ugs.; [zum Ärger für andere]
nichts arbeiten): in der Mittagspause haben sie mir mein
ganzes Handwerkszeug gestohlen und ich steh' ... da ...
ich kann keinen H. tun (Fallada. Blechnapf 258). 2. <P1.
selten) das Hinreichen bzw. Ergreifen der
entgegengestreckten Hand des Gegenübers zum Händedruck bei der
Begrüßung od. Verabschiedung, auch als symbolische Geste der
Bekräftigung bei Abschluß eines Vertrages od. bei einer
Abmachung: jmdn., sich/(geh.:) einander durch/per/mit H.
begrüßen; einen Vertrag durch H. besiegeln; Abraham
tätigte den Verkauf mit H. und Vorvertrag (Zwerenz, Erde
12); Gut, wir sind ausgesöhnt. H. (Hacks, Stücke 325);
-schreiben, das: a) persönlicher [handgeschriebener] Brief
im allg. einer hochgestellten Persönlichkeit [der als
besondere Geste zu werten ist]: der Ministerpräsident gratulierte
dem Jubilar mit einem H.; b) (veraltend)
Empfehlungsschreiben; -schrift,die [mhd. hantschrift, auch=
eigenhändige Unterschrift]: 1. die einem Menschen eigene, für ihn
charakteristische Schrift, die er, mit der Hand schreibend,
hervorbringt: ein steile, [unleserliche, ausgeschriebene H.
haben; seine H. ist schwer zu entziffern; Pinneberg ...
schreibt mit seiner schönsten H. einen Beschwerdebrief
(Fallada. Mann 177); *eine gute, klüftige H.
haben/schreiben (ugs.; [von jmdm.. der zu Tätlichkeiten neigt] hart
zuschlagen). 2, charakteristisches Gepräge, das jmd. seinen
[künstlerischen] Hervorbringungen, seinen Taten o. ä. auf
Grund seiner persönlichen Eigenart verleiht: das Werk trägt,
verrät die H. des Künstlers; der erste ... Mord, der schon
ganz die spätere Düsseldorfer H. trug (Quick 34. 1958.
36). 3. handgeschriebener Text aus der Zeit vor der Erfindung
des Buchdrucks, bes. aus der Zeit des Mittelalters: eine
wertvolle alte H.; eine H. aus dem 14. Jahrhundert; Abk.:
Hs.. PI.: Hss.. dazu: -Schriftenabteilung, die: Abteilung
einer wissenschaftlichen Bibliothek, die alte Handschriften
(3) aufbewahrt, -schriftendeuter, der (selten): svw. t
Graphologe. -Schriftendeutung, die: svw. tGraphologie.
-schriftendruck, der <P1. ...drucke) (Druckw.): Faksimile
einer Handschrift (3). -schriftenkunde. die <P1. ungebr.):
Wissenschaft, die sich mit der Erforschung von alten
Handschriften (3) befaßt; auch svw. TPaläographie,
-schriftenkundige, der. -schriftenprobe, die: Probe von jmds.
Handschrift (1); -schriftleser, der (Datenverarb.): zu einer Anlage
der Datenverarbeitung gehörendes Lesegerät, das in der
Lage ist, mit der Hand gedruckte Ziffern u. Buchstaben
zu lesen, -schriftlich <Adj.; o. Steig.; nicht präd.>: 1. mit
der Hand geschrieben; in Handschrift (1): eine -e
Bewerbung, Mitteilung; Der Termin ... war mit Schreibmaschine
geschrieben, das Datum ... dagegen ... h. eingefügt worden
(Leonhard. Revolution 263). 2. in einer Handschrift (3)
überliefert, -eTexte. Quellen. -Schriftprobe, die (Schweiz.):
svw. t ^schriftenprobe; -schuh, der [mhd. hantschuoch.
ahd. hantscuoh]: zum Schutz od. auch zur Zierde getragene,
die Hand[u. die Finger einzeln/ umschließende Bekleidung:
gehäkelte, gefutterte -e; ein Paar -e; -e tragen, anziehen;
seine -e überstreifen; er muß bei der Arbeit -e aus Asbest
tragen; etw. mit -en anfassen; * jmdm. den H. hinwerfen/vor
die Füße werfen/ins Gesicht schleudern, werfen (T
Fehdehandschuh); den H. aufnehmen/aufheben (t
Fehdehandschuh); jmdn. mit -en anfassen (tGlacehandschuh), dazu:
-schuhehe, die [als Nachweis der Vollmacht diente
ursprünglich ein Handschuh] (jur): (bes. in Südamerika geübte
Praxis der) Heirat, bei der die Beteiligten bei der Zeremonie
der Trauung nicht anwesend zu sein brauchen, -schuhfach,
das: Fach im Armaturenbrett eines Autos, in dem der Fahrer
seine Handschuhe u.a. ablegen kann, -Schuhgröße, die,
-Schubkasten, der: 1. a) svw. T ^schuhfach; b) Teil der
Flurgarderobe, der als Ablage für Handschuhe vorgesehen ist.
2. Vorrichtung, die es ermöglicht, Arbeiten mit radioaktiven
od. hochgiftigen Stoffen auszufü/iren, bestehend aus einem
Behälter, in den mit einer seiner Wände fest verbundene
Handschu/ie hineinreichen, -schuhleder, das: Leder, aus dem
bes. Handschuhe hergestellt werden, -Schuhmacher, der:
Handwerker, der Handschuhe herstellt (Berufsbez.).
-Schuhnummer, die: vgl. -Schuhgröße: *etw. ist [nicht]
jmds. H. (ugs.; etw. entspricht, gefällt jmdm. /nicht/)',
-schütz, der <P1. -schütze): 1. <o. PI.) Schutz der Hand
od. der Hände bei bestimmten Arbeiten u. Sportarten:
Asbesthandschuhe als H. gebrauchen. 2. Handschuhe o.a.,
die zum Schutz der Hände bei bestimmten Arbeiten u. bei
besthnmten Sportarten getragen werden, dazu: -schutzrie-
men. der (Turnen): die Innenfläche der Hand schützendes,
mit einem Riemen um das Handgelenk befestigtes weiches
Leder; -schweiß, der: Schweißabsonderung an den
Handinnenflächen; -schwinge, die (meist PI.): große Schwungfeder
im Vogelflügel; -segel, das (Eissegeln): in der Hand
gehaltenes Segel, mit dem der Eissegler manövriert; ^setzer, der
(Druckw.): Setzer, der Handsatz (b) herstellt;
-signiert <AdJ.; o. Steig.; nicht adv.): (vom Künstler,
vom Verfasser) mit einem handschriftlichen Namenszug
versehen: ein -es Exemplar; die Grafik ist vom Künstler
72-
1139
hand-, Hand-
h.; -skizze. die: / mit wenigen Strichen angefertigte] Skizze.
Entwurf von etw.: dann übertrug er ... seine grobe H.
der Fundstelle fein säuberlich auf den Maßstab 1:100
(Kirst, Aufruhr 123); -Spiegel, der: mit einem Stiel
versehener, kleiner, rumier od. ovaler Spiegel, den man mit der
Hand halten kann; -spiel, das (Fußball): regelwidriges
Berühren u. Spielen des Balles mit der Hand durch einen
Feldspieler; -stand, der (Tumen): Übung, bei der der Körper
mit dem Kopf nach unten, bei ausgestreckten Armen auf
die Hände gestützt, im Gleichgewicht gehalten wird: einen
H. machen; Rolle rückwärts in den H., dazu: -standbarren,
der (Turnen): kurzer, niedriger Barren, an dem bes. der
Handstand geübt wird, -standbriieke, die (Gymnastik.
Turnen): Übung, bei der man sich in der Rückenlage befindet,
den Rücken nach innen wölbt u. sich dabei auf die
Handflächen u. Fußsohlen od. Zehen stützt, -standdrehung, die
(Turnen): Übung, bei der man im Handstand eine Drehung
um einen Arm herum ausführt, -standgehen, das
(Gymnastik): Übung, bei der man sich im Handstand vorwärts
bewegt, indem man das Körpergewicht abwechselnd vom einen
auf den anderen Ann verlagert, -standkippe, die (Turnen):
Übung, bei der der Körper aus dem Handstand in der Hüfte
gewinkelt wird, gleichzeitig die Arme gebeugt werden u.
dann ein plötzliches Strecken der gewinkelten Hüfte erfolgt,
-Standsprung, der (Turnen): Sprung in Verbindung mit
einem Handstanil, -Standüberschlag, der (Turnen): Übung,
bei der man in den Handstand springt, sich dann mit den
Händen kräftig abdrückt u. einen Überschlag ausführt;
--stäuber [-JtQybeJ. der; -s. - (landsch.): svw. I -feger. -stein,
der (landsch. veraltend): svw. 1 Ausguß (1 a); -Steuerung,
die: a) <o. PI.) mit der Hand vorgenommene Steuerung
einer technischen Apparatur; b) Einrichtung, die eine
Steuerung mit der Hand ermöglicht; -Stickerei, die; -stoppen
<sw. V.; hat; nur im Inf. u. im 2. Part, gebr.): I.
(Leichtathletik) [etw.] mit der Stoppuhr stoppen: ich muß die Läufe
h.; der Lauf wurde handgestoppt. 2. (Hockey) den Ball
mit der Hand abfangen: <subst.:> Handstoppen ist im Hok-
key erlaubt, zu 2: -Stopper, der (Hockey): Spieler, der
den ins Tor gespielten Ball mit der Hand stoppt; -streich,
der [spätmhd. handstreich. urspr. = Schlag mit der Hand;
später LÜ von frz. coup de main = Überrumpelung,
plötzlicher Überfall! (bes. Milit.): Aktion, bei der ein Gegner
0. ä. in einem blitzartigen Überfall überrumpelt wird: der
Diktator wurde durch einen H. entmachtet; die Festung
war in einem/im H. besetzt worden; Ü Wozu der Kanonier
Wagner... volle drei Wochen brauchte, das schaffte
Vierbein in knapp drei Stunden: er eroberte sich die Dame
im H. (in kürzester Frist; Kirst. 08/15. 18); -Strickapparat,
der: mit der Hand zu bedienender Strickapparat; -stück,
das (Geol.): Gesteinsprobe, die für Lehr- u.
Anschauungszwecke auf eine Größe von etwa 8 x 1] cm zugeschlagen
ist; -tasdie, die: in der Hand od. vermittels Henkeltn]
am Arm od. über der Schulter zu tragende Tasche bes.
für Frauen u. Mädchen, die je nach Verwendungszweck
verschieden ist in Größe. Form u. Material u. in der bestinun-
te ständig gebrauchte Utensilien mitgeführt werden: eine
lederne, geräumige H.; eine H. für den Abend; -teller.
der: Innenfläche der Hand (1) vom Handgelenk bis zum
Ansatz der Finger, dazu: -tellerbreit <Adj.; o. Steig.): etwa
von. in der Breite eines Handtellers: ein -er Spalt, -tellergroß
<AdJ.: o. Steig.; nicht adv.): etwa von. in der Größe eines
Handtellers: eine -e Wunde; -tennis, das: svw. t2Indiaca;
-trommel, die: kleine, mit der Hand geschlagene Trommel;
-tueh, das <P1. -tücher) (mhd. hanttuoch, ahd. hantuh]:
1. schmales, aus Baumwollstoff, bes. aus Frottee od. aus
[ Halb]leinen, hergestelltes I schmales, längliches] Tuch von
unterschiedlicher Größe zum Abtrocknen: ein frisches,
gebrauchtes H.; die Handtücher wechseln; Ich komme mir
vor wie ein leerer Sack, ein ausgewundenes H. (Baum.
Paris 130): * ewiges H. (ugs. scherzh.: 1. Handtuch, das
auf einer waagrecht angebrachten Stange befestigt' ist. so
daß man es immer drehen kann, um an einer noch unbenutzten
od. einer trocknen Stelle seine Hände abtrocknen zu können.
2. im Gebrauch befindliches Handtuch, das sehr lange nicht
gewaschen worden ist): schmales H. (ugs. scherzh.; sehr
schmaler, schlankwüchsiger Mensch): das H.
werfen/schmeißen (1. Boxen; als Sekundant/ zum Zeichen der Aufgabe
eines Kampfes das Handtuch, den Schwamm in den Ring
werfen. 2. ugs.; eine Arbeit. Anstrengung o.a.. der man
sich nicht gewachsen fühlt, resignierend aufgeben). 2. (ugs.)
a) Raum, der im Verhältnis zu seiner Länge
unverhältnismäßig schmal ist: Die Küche war nicht mehr als ein H..
drei Meter lang und anderthalb breit (Fallada. Mann 225);
b) langes u. dabei übermäßig schmales Grundstück: Unser
Grundstück mit einer Breite von ISm ist recht schmal
und kann als „Handtuch" bezeichnet werden (Wohnfibel
46), dazu: -tuchautomat, der: meist in öffentlichen
Gebäuden. Restaurants u. a. verwendeter Automat, der eine
Handtuchrolle enthält, von der der Benutzer zum Gebrauch jeweils
ein sauberes Stück des Handtuchs herausziehen kann, -tuch-
drell, der: Handtuchstoff aus Drell. -tuchgestell, das:
Gestell, auf dem man in Gebrauch befindliche Handtücher
ablegt, -tudthalter, der: bes. im Bad / neben dem Waschbek-
kenj an der Wand angebrachte Stange] n] zum
Darüberhängen der in Gebrauch befindlichen Handtücher, -tudirolle,
die: zu einer dicken Rolle aufgerolltes Handtuch, -tuch-
sdimal <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: so schmal wie ein
Handtuch (2): Sie gerieten in ein kleines, -es Vorstadtkino
(Chr. Wolf. Himmel 41). -tuchständer. der: vgl. -tuchge-
stell, -tuchstolT, der: Stoff, aus dem Handtücher (1) gemacht
werden; -umdrehen nur in der Fügung im H. (I
überraschend J schnell [u. mühelos]): die Arbeit war im H.
erledigt; Lügendetektoren .... die ... die kompliziertesten Fälle
oft im H. lösen (Hörzu 19. 1973. 14); -verkauf, der <o.
Pl.>: Verkauf von nicht der Rezeptpflicht unterliegenden
Arzneimitteln in Apotheken; -verlesen <Adj.; o. Steig.; nicht
adv.>: mit der Hand verlesen, ausgelesen: -e Früchte;
-Vermittlung, die (Postw.): Herstellung von
Fernsprechverbindungen durch Apparate, die mit der Hand bedient werden;
-voll, die; -, -: a) Menge, die man mit einer Hand fassen,
in einer Hand halten kann od. könnte: eine H. schwarzefr]
Kirschen; ein paar H. Erde; Ü nichts würde übrigbleiben
als eine H. konzentrierter ... Trauer (Böll, Haus 21); b)
eine geringe Anzahl; wenige; einige: eine H.
Demonstranten; mit einer H. Gendarmen wird man diesen ...
Abenteurer schon bändigen (St. Zweig, Fouche 172); -wafle, die:
freihändig zu führende Waffe: Dolch u. Pistole gehören
zu den -n; -wagen, der: mit der Hand zu ziehender, kleiner
Leiterwagen; -warm <Adj.; o. Steig.): (bes. in bezug auf
Wasser. Waschlauge u. ä.) nur mäßig warm; so warm, daß
die Temperatur beim Prüfen mit der Hand als angenehm
empfunden wird: das Waschwasser soll nicht mehr als h.
sein; etw. h. waschen; -wüsche, die (Ggs.:
Maschinenwäsche): 1. das Waschen von Wäsche, die nicht gekocht zu
werden braucht, mit der Hand: das Waschmittel eignet
sich für H. bis 40°. 2. <o. PI.) Wäsche, die man mit der
Hand wäscht od. die nur für das Waschen mit der Hand
geeignet ist: die H. ist trocken; -weber, der: Handwerker,
der an einem Handwebstuhl arbeitet (Berufsbez.); -Weberei.
die: 1. <o. PI.) das Weben mit der Hand. 2. etw.. was
in Handweberei (I) hergestellt worden ist: Ausstellung von
-en; -Webstuhl, der: Webstuhl für Handweberei (1); -weiser,
der (selten): svw. T Leitfaden; -werk, das: t Handwerk usw.;
-winde, die: mit der Hand zu bedienende, kleinere Winde;
-Wischer, der (Schweiz.): svw. t-besen; -Wörterbuch, das:
vgl. -lexikon; -wurzel. die: Skeletteil der Hand zwischen
Mittelhandu. Unterarm, dazu: -wurzelknochen, der <meist
PL): zur Handwurzel gehörender Knochen; -zahm <Adj.;
o. Steig.; nicht adv.): (von einem wildlebenden Tier) so
zahm geworden, daß es mit Menschen zusammen leben kann:
Einen ausgewachsenen Wolf h. zu machen, das würde
kaum gelingen (Grzimek. Tiere 60); -zeichen, das: l.a)
mit der Hand gegebenes Zeichen. Geste, mit der jmd. etw.
Bestimmtes signalisiert, auf sich aufmerksam macht o. ä.;
b) (bei einer Abstimmung) Erheben der Hand zum Zeichen
der Zustimmung od. Ablehnung: die Abstimmung erfolgt
durch H. 2. (von jmdm.. der nicht schreiben kann) mit
der Hand ausgeführtes Zeichen anstelle des Namenszugs:
ein H. unter den Vertrag setzen. 3. (Musik) Darstellung
eines Tones durch eine bestimmte Stellung der Hand. 4.
svw. t Hausmarke (1); -Zeichnung, die: 1. mit spitzen
Zeichenmitteln auf Papier ausgeführte eigenhändige Zeichnung
eines Künstlers: eine H. von Dürer. 2. skizzenhafte I
technische] Darstellung ohne Zuhilfenahme von Zeichengerät;
-zeit, die (Leichtathletik): mit der Stoppulir gestoppte Zeit.
dazu: -Zeitnahme, die (Leichtathletik): Zeitnahme, bei der
mit der Stoppu/ir gestoppt wird; -zettel, der: einzelnes,
ein- od. zweiseitig bedrucktes Blatt, das eine /
Werbe]Information, die Ankündigung einer Veranstaltung o. ä. enthält
u. öffentlich, meist auf der Straße verteilt wird.
1140
handeis-, Handels-
Händchen ['halten], das; -s. -: t Hand (1); *H. halten (ugs.
scherzh.; [von einem Liebespaar] sich verliebt bei den
Händen füllten [u. miteinander zärtlich sein]): den ganzen Abend
sah man sie nur H. halten; für etw. ein H. haben (ugs.;
für etw. bes. geschickt sein; etw. geschickt auszunutzen
verstehen): H^nddienhalten, das; -s (ugs. scherzh.): (von
einem Liebespaar) das Sich-bei-den-Händen-Halten; h$nd-
dienhaltend <AdJ.; o. Steig.; nicht präd.) (ugs. scherzh.):
h. schlenderten sie durch die Straßen; Hände: PI. von
THand.
hfnde-, Hfnde-: -abtrockner, der; -s, -: svw. t-trocknen
Miruck, der <P1. -drücke): (bei der Begrüßung od.
Verabschiedung u. als Geste, die ein bestimmtes Gefühl unter-
streicht) das Drücken der Hand des Gegenübers: ein fester,
warmer, freundschaftlicher H.; sich mit einem stummen
H. verabschieden; ^handtuch, das: Handtuch, das zum
Abtrocknen der Hände bestimmt ist; -klatschen, das; -s:
Klatschen mit den Händen /durch das man Freude, Zustimmung.
Applaus u. ä. ausdrückt]: die Gäste wurden mit
freundlichem, begeistertem H. begrüßt; -paar, das: die beiden
Hände eines Menschen in einer bestimmten Haltung. Geste
o. ä. (in der beide zusammen als eine Einheit gesehen
werden): ein H. streckt sich nach ihm aus; -ringen, das;
-s (veraltet): das Verschränken der Hände als Gebärde der
Ver zwei flutig. des seelischen Schmerzes; -ringend <Adj.;
0. Steig.; nicht präd.): a) in äußerster Verzweiflung;
flehentlich [mit einer Gebärde des Händeringens]: sie baten h.
um Hilfe; Meine Schwiegermutter trat ... zwischen uns,
flehend, h.. weinend (v. d. Grün. Irrlicht 14); b) (ugs.)
dringend, sehr nötig: wir suchen h. eine Aushilfskraft;
-schütteln, das; -s: [wiederholter] kräftiger Händedruck
bei der Begrüßung. Verabschiedung o. ä.: Es gibt Ausländer
.... die sich über die deutsche Sitte des -s mokieren
(Jägersberg. Leute 43); -trockner, der: (meist in öffentlichen
Toiletten u. ä.) Gerät zum Trocknen der Hände mit Heißluft;
-waschen, das; -s: das Waschen. Säubern der Hände mit
Wasser.
'Handel [handl], der;-s [spatmhd. handel =
Handlungsweise. Handelsgeschäft; Rechtsstreit, rückgeb. aus I handeln]:
1. Teilbereich der Wirtschaft, der sich dem Kauf u. Verkauf
von Waren. Wirtschaftsgütern widmet; Gesamtheit der
Handelsunternehmen; Geschäftswelt (1): der H. hält eine
Preiserhöhung für unvermeidlich; die Verbände von H. und
Industrie. H. und Gewerbe. Z.a) das Kaufen u. Verkaufen.
Handeln(\ a)/w/7 Waren. Wirtschaftsgütern: ein blühender,
lebhafter, uneingeschränkterH.; der H. mit Waffen wurde
untersagt; es begann unter der Jugend in der Stadt ein
schwunghafter (florierender) H. mit Frankenknochen
(Küpper, Simplicius42); b) Waremustausch;
Geschäftsverkehr: der internationale, innerdeutsche, überseeische H.;
eine Ausweitung des -s anstreben; den H. mit dem Ausland
unterbinden; wir [beitreiben mit diesen Ländern keinen
H. (stehen nicht im Geschäftsverkehr mit ihnen); das
Medikament wurde aus dem H. gezogen (wirdnicht mehr
hergestellt u. verkauft); das Buch ist [nicht mehr] im H. (steht
[nicht mehr] zum Verkauf); ein neues Produkt in den
H. bringen (herstellen u. zum Kauf anbieten); *H. und
Wandel (veraltend; das gesamte geschäftliche u.
gesellschaftliche Leben u. Treiben in einem Gemeinwesen)', c)
: LadenJgeschäft. kleineres Unternehmen: er hat. betreibt
in der Vorstadt einen kleinen H. mit Gebrauchtwagen;
sie haben einen H. in Obst u. Gemüse aufgemacht; Er
will einen H. anfangen, ein Geschäft mit Ringen oder
Kämmen (Waggerl, Brot 213); R ist der H. noch so klein,
er bringt doch mehr als Arbeit ein. 3. [geschäftliche]
Abmachung. Vereinbarung, bei der etw. ausgehandelt wird;
Geschäft da): ein vorteilhafter, günstiger H.; das war ein
fauler H.; der H. ist nicht zustande gekommen; Geben
Sie mir die Hälfte des Wertes .... und der H. soll richtig
'gültig) sein (Th. Mann. Krull 187); einen H. mit jmdm.
[abschließen, machen, eingehen; sich auf. in einen H.
einlassen; *mit jmdm. in den H. kommen (mit jmdm. ins
Geschäft kommen, in etw. übereinkommen); Handel [-1.
den -s, Händel ['hend|] <meist PI.) [t 'Handel] (geh.): Streit,
handgreifliche Ausehwndersetzung: die beiden haben einen
H. auszutragen; Könnt ihr den H. nicht unter euch
ausmachen ...? (Th. Mann, Herr 55); Händel suchen, stiften,
anfangen; Händel mit jmdm. haben; Die Kaiserin will
eine Art Abwehrdienst... ins Leben rufen, um den blutigen
Händeln ... vorzubeugen (Benrath. Konstanze 140);
handeln ['handln] <sw. V.; hat) [mhd. handeln = mit den
Händen fassen, berühren; arbeiten, bearbeiten; verrichten,
vollbringen, tun; mit etw. verfahren; behandeln; bewirten;
ahd. hantalön = befassen, berühren; bearbeiten]: l.a)
mit etw. einen *Hatutel (2 c). ein Geschäft betreiben (Kauf-
mannsspr): die Firma handelt [en gros (im großen), en
detail (im kleinen)] in Getreide; ich hand[e]le mit
Gebrauchtwagen, mit Südfrüchten; b) mit jmdm. im
Geschäftsverkehr stehen. Handel (2 b) treiben: mit ausländischen
Firmen, mit vielen Ländern h.; die Eingeborenen handelten
mit den Einwanderern. 2. etw. verkaufen, vertreiben; zum
Kauf anbieten: Ich handle wieder Zeitungen, das nährt
seinen Mann (Döblin. Berlin 151); dieses Papier wird nicht
an der Börse gehandelt; Spargel werden heute für 8.50
DM das Kilo gehandelt; Zur Mitte des Berichtsabschnittes
wurde der Dollar wieder mit 4,0148 gehandelt (Welt 14.
8. 65. 8). 3. um den Preis von etw. feilschen; versuchen,
beim Kauf von etw. den Verkäufer zum Nachlassen in seiner
Forderung zu bewegen: er versucht immer zu h.; Sie handeln
um den Fahrpreis. Als ob es das in einer deutschen
Straßenbahn schon mal gegeben hätte (Bieler. Bonifaz 32); er
läßt nicht mit sich h. (läßt sich von seinen I
Preis)Vorstellungen. Absichten nicht abbringen); <subst.:) Sie wollen,
wie echte Orientalen, den Teppich nicht in den ersten
fünf Minuten verkaufen, sondern das Handeln genießen
(Dönhoff, Ära 184). 4. a) (einem Erfordernis, einer
Notwendigkeit o. ä. folgend) tätig werden, tätig eingreifen: schnell,
unverzüglich h.; wir müssen h.. ehe es zu spät ist; nicht
reden, h.!; auf Befehl, aus innerer Überzeugung.
Verantwortung h.; im Affekt, in Notwehr, nach Vorschrift h.;
Er muß unter dem Druck einer unerbittlichen
Notwendigkeit gehandelt haben (Th. Mann, Buddenbrooks 18); das
handelnde Subjekt; <subst.:) rasches Handeln ist jetzt
notwendig; b) in bestimmter Weise vorgehen, verfahren:
eigenmächtig, richtig, fahrlässig, verantwortungslos, korrekt,
edelmütig h.; er hat sehr selbstsüchtig, nicht wie ein
Ehrenmann gehandelt; In Wirklichkeit handelt der Mensch aber
vorwiegend nach seiner Neigung und von Zufällen
getrieben (Dönhoff. Ära 8); <subst.:) ein vorbildliches Handeln;
c) sich in bestimmter Weise einem anderen gegenüber
verhalten, benehmen: gut, schlecht, treulos, als Freund an Jmdm.,
gegen jmdn. h. S.a) (geh.) ausführlich über etw. sprechen,
etw. besprechen: De Bruyn wußte Bescheid über alle
Vorgänge, es war noch am Abend lange davon gehandelt
worden (Gaiser. Jagd 46); er handelt (schreibt) in seinem
Buch über seine Erlebnisse auf der Flucht; b) zum Thema
haben, behandeln: das Buch handelt von der/über die
Entdeckung Amerikas. 6. <h. + sich; unpers.) a) jmd.. etw.
Bestimmtes sein: bei dem Fremden handelte es sich um
einen Bruder seiner Frau; ..Riesling" ... bedeutet .... daß
es sich um eine kleinbeerige Traubensorte handelt (Hörn,
Gäste 90); es kann sich nur noch um Sekunden h.. bis
... (es kann nur noch wenige Sekunden dauern, bis etw.
Bestimmtes eintritt o.a.); b) um etw. gehen, auf etw.
Bestimmtes ankommen: es handelt sich darum, möglichst
wirksam zu helfen; es kann sich jetzt nicht darum h..
daß...
Handels-, Handels- ('Handel): -abkommen, das: Abkommen
über Handelsbeziehungen zwischen verschiedenen Staaten;
^aaent, der (österr.. sonst veraltet): svw. T ^vertreten -aka-
demie.die (österr.): höhere Handelsschule, dazu: -akademi-
ker, der (österr. ugs.): Absolvent einer Handelsakademie;
-artikel, der: vgl. ^ware; -attache, der: Attache, der einer
Botschaft als Berater in Fragen des Handels zugeteilt ist;
^austauscht der: Austausch bes. zwischen verschiedenen
Ländern im Bereich des Handels (2 b); -bank, die: Bank,
die sich mit der Finanzierung u. Abwicklung von Geschäften
bes. im Bereich des Außenhandels befaßt; -beschrlnkung.
die: Beschränkung des Handelsaustauschs mit anderen
Ländern durch erschwerende Maßnahmen (z. B. Zölle. Ein- od.
Ausfuhrverbote. Bewirtschaftung der Devisen); -betrieb,
der: Unternehmen, das Handel treibt, dazu: -betriebskhre.
die <o. PI.): spezielle Form der Betriebswirtschaftslehre,
die sich bes. mit der Unternehmensform des Handelsbetriebs
befaßt; -bevollmächtigte, der u. die: svw. t
Handlungsbevollmächtigte; -bezichungen <P1.): den Handelsaustausch
betreffende Beziehungen / zwischen Staaten]; -bilanz, die:
X.Bilanz eines Handelsunternehmens. 2. [Gegenüberstellung
der zusammengefaßten Werte von] Warenimport u. -export
einer Volkswirtschaft für eine bestimmte Periode: aktive
1141
handeis-, Handels-
H. (Bilanz, hei der der Wert der Ausfuhr den der Einfuhr
übersteigt); passive H. (Bilanz, bei der der Wert der Einfuhr
den der Ausfuhr übersteigt); -blockade. die; -boykott, der;
-brauch, der: eingebürgerter Brauch zwischen
Geschäftsleuten, der eine gewisse rechtliche Verbindlichkeit hat; Usance;
abrief, der (Kaufmannsspr.. bes. in juristischer Hinsicht):
einzelner, zur Geschäftskorrespondenz gehörender Brief;
Geschäftsbrief; -buch, das (Kaufmannsspr., bes. in juristischer
Hinsicht): vgl. Geschäftsbuch; -dampfer. der (veraltend):
Frachtdampfer, Frachter; -delegation, die: Vertretung von
Personen, die in offizieller Mission im Ausland die
Handelsbeziehungen eines Landes knüpft, pflegt u. a.; -dünger, der:
im allg. industriell hergestelltes anorganisches Düngemittel
im Gegensatz zum natürlichen Dünger; -einig, -eins in
den Verbindungen h. werden/sein (nach einigem Hin u.
Her mit jmdm.l miteinander in bezug auf einen
Geschäftsabschluß einig werden!sein); wird man handelseins ( = beim
Käseverkauf), spannt sich der Bauer ... vor seinen Wagen
und zieht ihn zur Waage (Koeppen. Rußland 61);
-Embargo, das: Verbot des Handelsaustauschs mit einem bestimmten
Land; den Hamiel betreffendes Embargo; -fach, das <o.
Pl.>: kaufmännischer Arbeitsbereich: im H. arbeiten; -fach-
packer, der: jmd., der Waren von Hand od. maschinell
zum Versand u. Verkauf mit der vorgesehenen Verpackung
versieht (Berufsbez.); -fachwirk der: jmd., der eine
Ausbildung an einer kaufmännischen Fachschule absolviert hat
(Berufsbez.); -fähig <Adj.; nicht adv.>: geeignet, gehandelt,
verkauft zu werden: -e Güter; -firma, die: vgl. -betrieb;
-flagge, die: Flagge eines Handelsschiffs, durch die es seine
Nationalität zu erkennen gibt; -flotte, die: Gesamtheit der
unter der Flagge eines Landes fahrenden Handelsschiffe;
-freiheit. die <o. Pl.>: 1. Möglichkeit, Recht zu
uneingeschränktem Hatulel (2 b). 2. (selten) svw. T
Handlungsfreiheit: -gängig <Adj.; nicht adv.): vgl. -fähig; -gärtner,
der (Fachspr.):./W.. der gärtnerische Erzeugnisse vertreibt,
dazu: -gärtnerei,die(Fachspr.): Handelsbetrieb, der
gärtnerische Erzeugnisse vertreibt; -gebrauch, der: vgl. ^brauch;
-gehilfe. der: svw. 1 Handlungsgehilfe; -gebt, der <o. PI.):
svw. I Geschäftsgeist; -geographie, die: Teilbereich der
Geographie, der sich mit den geographischen Bedingtheiten des
Güteraustauschs befaßt: -geridit, das: Gericht, das für die
Entscheidung handelsrechtlicher Streitigkeiten zuständig ist,
dazu: -gerichtlich <Adj.; o. Steig.; nicht präd.); -geschäft,
das: 1. kaufmännisches Unternehmen (Einzel- od.
Großhandelsunternehmen). 2. Rechtsgeschäft, Rechtshandlung eines
Kaufmanns in seiner Eigenschaft als Unternehmer; -gesell-
schaft, die: Gesellschaft (4 b), die ein Handelsunternehmen
unter gemeinsamer Firma betreibt: eine H. gründen; Offene
H. (Personengesellschaft, die auf den Betrieb eines
Handelsgewerbes gerichtet ist, mit unbeschränkter persönlicher
Haftung der Gesellschafter; Abk.: OHG); -gesetz, das, dazu:
-gesetzbuch, das <o. Pl.>: Gesetzbuch, das den Bereich
des Handels (1) betrifft; Abk.: HGB, -gesetzgebung, die;
-gewerbe, das: Gewerbe, das sich dem Handel in Form
von Kauf u. Verkauf von Gütern widmet; kaufmännisches
Gewerbe; -gewicht, das (Kaufmannsspr.): Trockengewicht
einer Ware unter Berücksichtigung einer bestimmten Norm
für den Feuchtigkeitsgehalt; -gewohnheit, die: svw.
t-brauch; -große, die (Kaufmannsspr.): genormte,
handelsübliche Größe einer Ware; -gut, das <meist PI.): Ware,
die gehatxdelt wird; -hafen, der: Hafen, der dem Umschlag
von Handelsgütern dient; -haus, das (veraltend): größeres
I traditionsreichesJ kaufmännisches Unternehmen: 1846 ...
ging er ... nach Petersburg, ein Jahr später gründete er
ein H. (Ceram, Götter 45); -hemmnis, das (Wirtsch.):
staatliche Maßnahme, die den freien internationalen
Austausch von Gütern behindert (z, B. Zölle.
Devisenbewirtschaftung u. a.); -herr, der (veraltet): Kaufmann, der einem
Handelshaus vorsteht; -hochsdmile, die (früher): svw.
T Wirtschaftshochschule; -Jude, der (veraltet): jüdischer
Händler, bes. Viehhändler: die ... -n mit flatterndem Bart
und Kaftan (K. Mann, Wendepunkt 206); Ü er ist ein
richtiger H. (veraltend abwertend; ein Mensch, der bei
Käufen o. ä. immer handeln, feilschen muß): -kammer, die:
T Industrie- und H.; -kapital, das: Kapital, das einem Unter-
nehmen dauernd zur Verfügung steht; -karawane, die;
-kauf, der (Kaufmannsspr.): Kauf, Geschäft über Waren
od. Wertpapiere, bei dem wenigstens einer der Partner
Kaufmann ist: ein einseitiger, zweiseitiger H. (Handelskauf,
bei dem einer bzw. beide Beteiligte Kaufleute sind); -kette.
die (Kaufmannsspr.): 1. Weg, den eine Ware vom Erzeuger
des Rohprodukts bis zum Käufer durchläuft. 2.
Zusammenschluß von Groß- u. Einzelhändlern zum Zweck eines
günstigeren Ein- u. Verkaufs; -kbsse, die (Kaufmannsspr.):
Qualitätsnorm für landwirtschaftliche Produkte u. Fisch;
Gütegrad eines landwirtschaftlichen od. fischereiwirtschaftlichen
Produkts: Äpfel der H. I; -kompanie.die (hist.): mit
Privilegien, Monopolen u. a. ausgestattete mächtige
Handelsgesellschaft* die im Handel mit fernen Ländern eine bedeutende
Rolle spielte; -kontor, das: (bes. zur Zeit der Hanse)
ständige Niederlassum von Kaufleuten im Ausland; -korrespon-
denz.die; -krieg, der (selten): svw. t Wirtschaftskrieg; -leh-
rer, der: Lehrer, der bes. an Handelsschulen kaufmännische
u. allgemeine Fächer unterrichtet; -lehrling, der (veraltend);
-macht, die: Staat% der durch seinen Handel eine
entscheidende Machtposition hat; -makler, (Rechtsspr.:) -mäkler,
der: selbständiger Kaufmann, der gewerbsmäßig Verträge
über Gegenstände des Handelsverkehrs, bes. Waren u.
Wertpapiere, vermittelt; -mann, der <P1. ...leute. selten: ...män-
ner) (veraltet): Hausierer; -marine, die: vgl. -flotte;
-marke, die (Kaufmannsspr.): geschützter Name, den ein
Handelsbetrieb einem Produkt gibt, das er i in eigenen Produk-
tionsstättenj herstellen läßt u. vertreibt; -maß, das: vgl.
-gewicht; -mäßig <Adj.; o. Steig.; nicht präd.):
entsprechend den Usancen des'Handels (2 a); -matura,die (österr.):
Reifeprüfung an einer Handelsakademie; -messe, die:
Messe, die für den lHandel (1) bestbnmt ist; -metropole, die:
Stadt, die im Hinblick auf den lHandel (1) große Bedeutung
hat: Hongkong verwandelt sich aus einer Handels- in eine
Industriemetropole (Welt 11. 11. 61. Forum); -minister,
der: Minister, der für den Bereich des l Handels (1) zuständig
ist, dazu: -ministerium, das: -mißbrauch, der
(Kaufmannsspr.): gegen die Sitten des Handelsbrauchs
verstoßendes Verhalten von Kaufleuten; -mission, die: konsularische
Vertretung in einem anderen Land, die bes. die
Handelsbeziehungen mit diesem fördern soll; -monopol, das: Monopol
in einem bestimmten Bereich des 'Handels (1); -münze,
die (früher): von einer Regierung eigens für Zwecke des
Handelsverkehrs mit anderen Staaten geprägte Münze [die
im Inland nicht als gesetzliches Zahlungsmittel galt]; -na-
me, der: svw. t Firma (1 b); -nation, die; -netz, das: Netz
von Handelsbetrieben gleicher od. ähnlicher Art, die über
eine Region verteilt sind: ein genossenschaftliches H.; -nie-
derlassung, die: Niederlassung eines Handelsunternehmens
in einer Stadt, an einem Ort; -objekt, das: etw., was
Gegenstand eines [ Tausch 1 handeis ist: die in den Tropen
wildwachsende Ananasfrucht, die wohl wegen ihres
Wohlgeschmacks ein beliebtes H. wurde (Kosmos 1, 1965, 18);
-organ, das (DDR): Einrichtung, die dem Handel dient;
-Organisation, die: 1. Organisation, die dem 'Handel (2 a)
dient: eine internationale H. 2. <o. PI.) (DDR) staatliches
Handelsunternehmen, das Warenhäuser, Gaststätten u.a.
betreibt; Abk.: HO; -Packung, die (Kaufmannsspr.): vgl.
^größe; -papier, das (Börsenw.): Wertpapier, das gehandelt
wird; -Partner, der: Land, seltener auch Unternehmen, mit
dem ein anderes Land od. Unternehmen im Handelsaustausch
steht: Frankreich ist ein wichtiger H. der Bundesrepublik
Deutschland; -platz, der: vgl. -Stadt; -Politik, die:
Teilbereich der Wirtschaftspolitik, die dem Außenhandel gewidmet
ist: H. bedeutet im Sprachgebrauch Außenhandelspolitik
(Fraenkel. Staat 131). dazu: -politisch <Adj.; o. Steig.;
nicht präd.): die Handelspolitik betreffend; -Präferenz, die
<meist PI.): Vergünstigung, die ein Staat einem anderen
im Handel gewährt; -Privileg, das <meist PI.) (früher):
bestimmtes Vorrecht, das Einzelpersonen,
Handelsgesellschaften, Städten für die Zwecke des Handels verliehen
wurde (z. B. das Recht, Zölle zu erheben); -recht, das
<o. PI.): die den Handel betreffende Gesetzgebung, dazu:
-rechtlich <Adj.; o. Steig.; nicht präd.); -register, das:
vom Amtsgericht geführtes öffentliches Verzeichnis, in dem
die Namen der Inhaber von Gewerbebetrieben u. bestimmte,
für ihre Haftung wichtige Daten eingetragen werden: eine
Firma aus dem H. streichen, ins H. eintragen; -reisende,
der u. die: svw. T -Vertreter; -richter, der: ehrenamtlicher
Richter in einer Kammer für Handelssachen; -sache, die
<meist PI.): Streitsache im Bereich des Handels; -schiff,
das: zur Handelsflotte gehörendes Schiff; -Schiffahrt, die;
-schranke, die <meist PI.): gegen die Freizügigkeit des
Handelsverkehrs gerichtete staatliche Schranke: -n
aufrichten, abbauen; -schule, die: auf einen kaufmännischen Beruf
1142
handlich
vorbereitende Fachschule: eine höhere H.. dazu: -schüler,
der. ^sdiullehrer, der: Lehrer, der an einer Handelsschule
unterrichtet: -spanne, die (Kaufmannsspr.): Differenz
zwischen Einkaufs- u. Verkaufspreis einer Ware: eine hohe,
niedrige H.; -sperre, die: svw. t-embargo; -spräche, die:
Sprache, die zwischen Handelspartnern im internationalen
Handelsverkehr in bestmimten Bereichen vorwiegend zur
Verständigung gebraucht wird: ^staat der: Staat mit
ausgedehntem Außenhandel: -Stadt, die: Stadt, die ausgedehnten
Handel treibt: -stand, der <o. PI.): vgl. Kaufmannsstand;
-Straße, die (hist.): oft durch verschiedene Länder führende
Straße, die vor allem dem Transport von Handelsgütern
dient: auf bestimmten -n wurden Seide u. Gewürze von
Asien nach Europa gebracht; ^teil, der (veraltet):
Wirtschaft steil (einer Zeitung): -üblich <Adj.; o. Steig.): so
wie es im ] Handel (2 a) üblich, gebräuchlich ist: eine -e
Verpackung. Größe; -unternehmen, das; -usance, die
<meist PL): svw. t^brauch; -Verbindung, die <meist PL):
das Unternehmen hat vielfältige -en nach Übersee;
-Vereinbarung, die (meist PI.): die zwei Staaten trafen neue -en;
-verkehr, der <o. PI.): vgl. Geschäftsverkehr (1); -vertrag.
der: Vertrag, durch den längerfristige Handelsbeziehungen
zwischen Einzelunternehmen od. Staaten festgelegt werden:
^Vertreter, der: jmd., der berufsmäßig für ein od. mehrere
Unternehmen ständig die Vermittlung od. den Abschluß von
Geschäften betreibt: Handelsagent: -Vertretung, die 1. svw.
f -mission. 2. von einem Land mit staatlichem
Außenhandelsmonopol eingerichtete, mit konsularischen Befugnissen
ausgestattete Vertretung in einem Land, mit dem
Handelsbeziehungen unterhalten werden: eine H. der DDR; -volk.
das: handeltreibendes, bes. vom Handel mit anderen Ländern
lebendes Volk: die Phönizier waren ein großes H.;
^Volumen, das (Wirtsch.): Volumen des Außenhandels in einem
bestimmten Zeitraunt: ^ware,die: Ware, die gehandelt wird:
Handelsartikel: ^weg« der: 1. Verkehrsweg, auf dem der
Transport von Handelsgütern stattfindet: der Rhein ist ein
bedeutender H. 2. über den Handel führender Weg einer
Ware vom Hersteller zum Verbraucher: der normale H.
führt über den Großhandel; ^wert, der (Kaufmannsspr.):
der im Geschäftsverkehr bei einem Verkauf zu erzielende
Durchschnittspreis: -zeitung, die (selten): Zeitung, die
hauptsächlich über Vorgänge in Handel u. Wirtschaft
orientiert: -Zentrum, das vgl. ^metropole; ^zweig.der: Branche
des Handels.
Händelsucht, die; - (geh.. veraltend): Streitsucht: <Abl.:>
händelsüchtig (Adj.) (geh.. veraltend): streitsüchtig: er ist
ein -er Mensch, dazu: H^ndelsüchtigkeit, die; - (geh..
veraltend): das Händelsüchtigsein: Händelsucht.
handeltreibend <Adj.; o. Steig.; nur attr.): vorwiegend
'Handel (2 b) ausübend: ein -es Volk, <subst.:> Handeltreibende,
deru. die; -n. -n <Dekl. t Abgeordnete): jmd., der
berufsmäßig Handel treibt: Kaufmann.
handhabbar ['hantha:pba:$] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.):
in bestimmter Weise zu handhaben (1): ein leicht, schwer
-er Apparat, dazu: Handhabbarkeit, die; -: das HatuUiabbar-
sein: Handhabe, die; -, -n [mhd. hanthabe, ahd. hanthaba
= Griff. Henkel]: I. Sachverhalt, der einen Angriffspunkt
darstellt u. jmdm. die Möglichkeit gibt, gegen jmdn., etw.
vorzugehen: Möglichkeit zum gerichtlichen o. ä. Eingreifen
od. Vorgehen gegen jmdn., etw.: [kleine rechtliche,
gesetzliche, juristische H. haben; jmdm. eine H. für ein
Einschreiten geben; eine gegnerische Gruppe zu einer Handlung
oder Haltung verleiten, die dann H. bietet, diese Gruppe
ai vernichten (Kant, Impressum 163). 2. (selten) svw.
! Handgriff: R (landsch.; als ausweichende Antwort auf
die neugierige Frage: Was machst du?:) Ich mache -n
an einen Mehlsack; <Abl.:) handhaben <sw. V.; hat) [mhd.
hanthaben = fest fassen, halten; schützen, erhalten,
unterstützen): 1. (ein Werkzeug, Instrument, etw., was man bei
seinem Gebrauch in der Hand hält, mit der Hand führt
o. ä.) sachgerecht führen, bedienen, gebrauchen o. ä.:
sachgerecht mit etw. umgehen: etw. geschickt h.; dieses Gerät
ist leicht, einfach zu h.; das Riesentuch eines Schleppsegels
ist nur schwer zu h. (Klepper. Kahn 66); sie lernte auch
Klavier spielen und die Mandoline h. (spielen: Fussenegger.
Haus 434). 2. etw. /bei dessen Auslegung, Ausführung od.
Anwendung ein gewisser Spielraum gegeben ist] in
bestimmter Weise aus-, durchführen, praktizieren: Die Verdunklung,
während der ersten Kriegsmonate ... noch lässig
gehandhabt (Kuby. Sieg 125); ein staatliches Monopol .... das
rücksichtslos gehandhabt wurde (Jacob, Kaffee 156); stur
gehandhabte Grundsätze, dazu: Handhabung, die; -, -en:
das Handhaben (1,2).
Handicap usw.: t Handikap usw.; handicapieren [hendike-
pi.ranl <sw. V.; hat) (Schweiz.): svw. thandikapen.
-bündig [-hendic; zu THand (1)] in Zus.. z.B. eigenhändig
(mit eigener Hand), vierhändig (mit vier Händen).
Handikap [hendikep], das; -s, -s [engl, handicap, H. u.]:
X.etw., wasfürjmdn., etw. eine Behinderung od. ein Nachteil
bedeutet: etw. ist für Jmdn. ein schweres H.; Von der
Frau ... werden Jugend und Schönheit verlangt. Männer
aber können sich mit ästhetischen -s präsentieren (Hörzu
36, 1974. 75). 2. (bes. Badminton. Golf, Polo,
Pferderennen) der durch eine Vorgabe für den leistungsschwächeren
Spieler, für das weniger leistungsfähige Pferd entstehende
Ausgleich gegenüber dem Stärkeren: ein H. festsetzen;
handikapen [hendikepn] <sw. V.; hat) [engl, to handicap]:
eine Behinderung, einen Nachteil für jmdn., etw. darstellen:
jmdm. ein Handikap auferlegen: die schlechten
Wetterverhältnisse handikapten uns sehr; der Verein war durch das
Ausfallen einiger Spieler gehandikapt (benachteiligt):
Handikapper [hendikepB], der; -s. - [engl, handicapper]
(Segeln, Pferderennen):;W., der bei Rennen mit der
Festsetzung der Handikaps (2) beauftragt ist: Ausgleicher (2);
Handikapspiel, das (Sport): Spiel, bei dem der schwächere
Spieler eine Punktvorgabe erhält.
händisch [hendij] <Adj.; o. Steig.) (österr. ugs.): mit der
Hand: manuell: eine Arbeit h. ausführen; Handlanger
['hantlane], der; -s, - [mhd. hantlangerl: l.a) ungelernter
Arbeiter, Hilfsarbeiter im Baugewerbe: er arbeitet als H.
auf dem Bau; b) (abwertend) jmd., der nur untergeordnete
Arbeit für andere verrichtet: Deswegen hast du ... bis in
die Nächte Griechisch und Latein gebüffelt? Um eines
Tages H. zu werden (Kinski. Erdbeermund 23); er
betrachtet ihn als seinen H. 2. (abwertend) jmd., der sich ohne
Skrupel zum Zuarbeiter od. Helfer bei einem verwerflichen
Tun gebrauchen läßt: Büttel: er wurde ein H. der
Unterdrücker; manche von uns erniedrigten sich ... zu -n ...
der zerstörerischen Kräfte (K. Mann, Wendepunkt 223);
<Zus.:> Handlangerarbeit, die (meist PI.) (abwertend):
untergeordnete Arbeit, Hilfsarbeit: Handlangerdienst, der
(meist PI.) (abwertend): Hilfsdienst, den jmd. bei etw. [
Verwerflichem I leistet: jmdm. -e leisten; -e für Jmdn. tun;
<Abl.:> handlangem fhantlanen] <sw. V.; hat) (ugs.
scherzh.): sich als Handlanger (1) betätigen.
Händler [hendte], der; -s, - [spätmhd. handteller = jmd..
der etw. tut. vollbringt, verrichtet; Unterhändler): jmd.,
der als Kauftnann einen ^Handel (2 b) betreibt: ein
ambulanter, fliegender H. (Händler, der seine Waren nicht in einmi
Ladengeschäft anbietet, sondern [umherziehend] an einem
Stand, Karren o.a.): Die Einwohner, kleine Handwerker,
H. und Fischer (Jens. Mann 102); Bodo Ledderhose, ein
H. in Häuten und altem Eisen (Remarque. Obelisk 137);
die Engländer sind eine „Nation von -n" (abwertend;
Kaufleute, die nur ihr Geschäft im Sinn haben: Dönhoff. Ära
129); U daß er (= der Zeitungsverleger) aus einem
Verkäufer neuer Nachrichten zu einem H. mit öffentlicher
Meinung wurde (Fraenkel. Staat 224).
Händler-: -boot, das: Boot eines Händlers, der [im Hafen
ankernde od. vorüberfahrendeJ Schiffe mit Waren des
täglichen Bedarfs versorgt: Bumboot: ^geschäft. das (Bör-
senw.): Geschäft mit Wertpapieren, bei dem alle Beteiligten
selbst Händler sind, die zum Börsenhandel zugelassen sind:
-netz,das (Kaufmannsspr.): bestimmte Dichte, Häufigkeit,
in der Händler gleicher Art in einem Bereich angesiedelt
sind: -volk, das (abwertend, selten): 1. handeltreibendes
Volk. 2. die Händler als Berufsstand, in ihrer Gesamtheit.
Händlerin, die; -. -nen: w. Form zu T Händler; h$ndlerisch
(Adj.; o. Steig.): in der Weise eines Händlers: einen Händler
charakterisierend: -es Denken.
handlich [hantig] <Adj.) [mhd. hantlich = mit der Hand
verrichteti: 1. (nicht adv.) (in bezug auf
Gebrauchsgegenstände u. ä.) von einer Größe, Beschaffenheit, mit
Eigenschaften so ausgestattet, daß etw. [gut in der Hand zu
halten u.l leicht, bequem zu handhaben ist (Ggs.:
unhandlich): ein -er Staubsauger; das Buch hat ein -es Format;
das Gerät ist nicht sehr h.; wenn Sie ... ein modernes
und -es (wendiges, nicht zu großes, leicht zu fahrendes)
Auto suchen .... dann (Ford-Werbeschrift 1968. 8). 2.
(Schweiz.) a) behende: b) tüchtig, kräftig, fest zufassetul:
1143
Handlichkeit
c) mit der Hand: so würde es ihm ... einfallen können,
den einen oder anderen ... h. anzupacken und über den
Gartenzaun hinüberzuwerfen CR. Walser, Gehülfe 67);
<Abl. zu 1:> Handlichkeit, die: -: das Handtichsein.
Handling [hamdlinl. das; -s [engl, handling. zu: to handle
= handhaben]: Handhabung, Gebrauch: Fahrzeuge mit
kompakten Außenmaßen sichern Übersichtlichkeit und
gutes H. (Einkaufsspiegel 20. 12. 73, 11).
Handlung [handlooL die; -. -en [mhd. handelunge =
Behandlung. Handhabung; Aufnahme. Bewirtung;
(gerichtliche) Verhandlung; Kaufhandel; Tun. Tätigkeit]: 1.
Vollzug od. Ergebnis eines menschlichen Handelns (4 b). Tuns;
Tat.fürdiejtnd. einstehen muß: eine [unlüberlegte.
vorsätzliche, strafbare, unverantwortliche H.; eine kultische,
feierliche H. (Zeremonie), eine symbolische H. (Akt),
kriegerische -en (Aktionen); seine H. (Handlungsweise, Verhalten)
rechtfertigen; für seine -en einstehen müssen, bestraft
werden; sich zu einer unbedachten H. hinreißen lassen. 2.
Stoff einer Dichtung, sofern er in einer Abfolge von
zusammenhängenden Geschehensabläufen, Vorgängen besteht;
Fabel: eine verwickelte, fesselnde, spannende H.; die H.
des Stückes. Films. Buches; die Einheit der H. im Drama;
der Roman hat wenig H.; Ü Ort der H. (Ort des Geschehens,
Tatort) war ein Steinbruch in der Nähe des Städtchens.
3. (veraltend) Handelsunternehmen, Laden, Geschäft (fast
nur noch in Zus.): eine zoologische H.; er betreibt eine
kleine H.
h^ndlungs-. Hfndkmgs-: -abhuf. der; -agent. der (veraltet):
svw. t Handelsvertreter; vgl. Handlung (3); -arm <Adj.;
nicht adv.>: mit wenig Handlung (2) [ablaufend] (Ggs.:
-reich): ein -er Film; ^art, die (Sprachw.): svw. I
Aktionsart; -bevollmächtigte, der u. die: jmd.. der auf Grund einer
Handlungsvollmacht zu bestimmten geschäftlichen
Rechtshandlungen berechtigt ist; Handelsbevollmächtigte;
-fähig <Adj.; nicht adv.) (Ggs.: -unfähig): 1. auf Grund
gegebener Voraussetzungen fällig, in der Lage zu handeln,
tätig zu werden: eine -e Mehrheit; ein -es Parlament; die
Regierung ist nicht mehr h. 2. <o. Steig.) (jur.) auf Grund
gegebener persönlicher Voraussetzungen in der Lage,
bestimmte Rechtshandlungen verantwortlich zu tätigen, dazu:
-föhigkeit. die <o. PI.) (Ggs.: -Unfähigkeit); -freiheit. die
<o. PI.): die jmdm. eingeräumte, gewährte Freiheit,
unabhängig, nach eigenem Wunsch od. Ermessen zu handeln: er
verlangte volle H.; jmds. H. einschränken; -gehilfe, der
(Kaufmannsspr): Angestellter in einem
Handelsunternehmen (vgl. Handlung 3). der gegen Entgelt kaufmännische
Arbeit ausführt (z. B. Buchhalter. Verkäufer.
Handlungsreisender); kaufmännischer Angestellter; -lehrling. der
(Kaufmannsspr.): Auszubildende! rj im Bereich des
lHandels; vgl. Handlung (3); -reich <Adj.; nicht adv.) (Ggs.
-arm): eine -e Erzählung; -reisende, der u. die
(Kaufmannsspr.): a) jmd., der als Handlungsgehilfe außerhalb
des Betriebes, dem er angehört, Geschäfte im Namen u.
für Rechnung des Unternehmens abschließt; b) svw. I
Handelsvertreter; -satz, der (Sprachw.): Satz mit einem
Akkusativobjekt, der im allgemeinen ins Passiv gesetzt werden
kann (z. B.: Die Stadt baut das Schwimmbad/Das
Schwimmbad wird von der Stadt gebaut); -sdiema. das:
schematischer Aufbau einer literarischen Handlung;
-Spielraum, der: Spielraum, der jmdm. für seine Handlungen,
Entscheidungen in einem bestimmten Zusatnmenhang zur
Verfügung steht; -unfähig <Adj.; nicht adv.) (Ggs.: -fähig),
dazu: -Unfähigkeit, die (Ggs.: -fähigkeit); -verb. das
(Sprachw.): Verb, das eine Tätigkeit benennt, die auf ein
Objekt gerichtet ist (z. B. jmdn. od. etw. lieben); -verlauf.
der: svw. Trablauf; -vollmacht, die: Vollmacht, die der
Inhaber eines Handelsunternehmens jmdm. erteilt, die dazu
berechtigt, Rechtshandlungen im Rahmen des Unternehmens
vorzunehmen; -webe, die: Art u. Weise des Verhaltens
u. Handelns einer Person in einer bestimmten Situation:
eine korrekte, unverantwortliche H.
Handout [hendaut], das; -s. -s [engl, handout. zu: to hand
out = austeilen, ausgeben]: der Information dienende
Unterlage, die an Teilnehmer einer Tagung o.a. verteilt wird
u. die Kurzfassungen von Vorträgen od. Stich worten,
Statistiken m. ä. zu Vorträgen enthält.
Hands [hents]. das: -. - [engl, hands] (Fußball österr.): svw.
t Handspiel. Hand (4).
handsam ['hantza.m] <Adj.; nicht adv.) (landsch.): 1. a) leicht
zu handhaben; handlich; b) leicht auszuführen, zu
bewerkstelligen. 2. anstellig, geschickt bei der Arbeit. 3. nicht schwierig
im Umgang, verträglich: Der stille -e Hebenstreit entpuppte
sich als ein eigensinniger Querulant (Kuby, Sieg 153).
Handschar [handln?]. Kandschar [k...]. der; -s. -e [arab.
bangar] (früher): im Vorderen Orient u. auf dem Balkan
gebräuchliche, dolchartige Waffe mit zweischneidiger, langer
Klinge.
Handwerk, das; -s. -e [mhd. hantwerc = Werk der Hände.
Kunstwerk;Gewerbe.Zunft,ahd. hantwerc(h)]: l.a)
[selbständige] berufsmäßig ausgeübte Tätigkeit, die in einem
durch Tradition geprägten Ausbildungsgang (Lehrling [
Auszubildender ]-Geselle-Meister) erlernt wird u. die in einer
manuellen, mit Handwerkszeug ausgeführten produzierenden
od. reparierenden Arbeit besteht: ein bodenständiges,
holzverarbeitendes, künstlerisches H.; das H. des
Schneiders, Töpfers; ein H. ausüben, [beitreiben, [erllernen; Es
gibt Müller, die mehr verstehen als ein ehrliches H. (Wag-
gerl. Brot 91);Spr H. hat goldenen Boden (ein
Handwerksberuf bietet die Gewähr für ein gesichertes Auskommen);
Klappern gehört zum H. (wer mit seinem Können Geld
verdienen will, seine Fähigkeiten an den Mann bringen will,
der muß dafür auch lautstark werben); b) jmds. Beruf,
Tätigkeit; Arbeit, mit der sich jmd. ernährt: ein ... Mann
meiner Art. der das abscheulichste aller -e (= die Tätigkeit
eines Spitzels) ausübt (Roth. Beichte 97); der Krieg ist
... ein einfaches und rauhes H. (Musil. Mann 974): sein
H. beherrschen, kennen; *sein H. verstehen (in seinem
Beruf tüchtig sein): wir brauchten einen Advokaten, der
sein H. versteht (Bieter. Bonifaz 39); * jmdm. das H. legen
(Jmds. üblem Treiben ein Ende setzen; urspr. bezogen auf
einen Handwerker, der sich gegen bestimmte Vorschriften
der Innung verging u. der dafür mit einem Verbot, sein
Handwerk weiter auszuüben, bestraft wurde); imdm. ins
H. pfuschen (sich in einem Bereich betätigen, für den ein
anderer zuständig ist; urspr. bezogen auf jmdn., der ein
Handwerk ausübte, ohne der Zunft anzugehören). 2. <o.
PI.) Berufsstand der Handwerker: Handel. Industrie und
H.; er fördert das H baut Straßen (Trenker. Helden
30); Handwerkeid« die; -. -en (ugs. abwertend):
unsachgemäßes hattdwerkliches Arbeiten: bei seiner H. kommt nie
etwas Richtiges heraus; h^ndwerkeln <sw. V.; hat)
(scherzh.): laienhaft handwerklich arbeiten, sich mit
handwerklicher Arbeit beschäftigen: er handwerkelt gerne;
Handwerker, der; -s, - [mhd. hantwerker]: jmd., der
berufsmäßig ein Handwerk ausübt: er ist selbständiger H.; für
eine Reparatur einen H. herbeirufen; wir haben die H.
im Haus; Ü er ist ein gu ter H. (er hat bei seiner künstlerischen
Arbeit technische Perfektion). aber es fehlt ihm die
schöpferische Gabe.
Handwerker- (vgl. auch: handwerks-, Handwerks-): -genos-
senschaft, die: Genossenschaft selbständiger Handwerker;
-stand, der <o. PI.): Berufsstand der Handwerker; -zunft
die (veraltet): Zunft der Handwerker.
Handwerkerschaft, die; -: Gesamtheit der Handwerker: die
H. ist in Innungen vereinigt; handwerklich <Adj.; o. Steig.;
nur attr.): zum Handwerk (1 a) gehörend; ein Handwerk
da) betreffend: ein -er Beruf; ein großes -es Können;
Bastelei auf -er Grundlage (einem Handwerk 1 a gemäßer
Grundlage; Klein. Bildung 24); die Möbel sind h.
hervorragend gearbeitet; Ü so zeichnen sich andere ... Regisseure
... durch das -e Niveau ihrer Inszenierungen aus (Gregor.
Film 154).
handwerks-, Handwerks- (vgl. auch: Handwerker-): -beruf.
der: handwerklicher Beruf; -betrieb, der: Betrieb eines
selbständigen Handwerkers; -bursche, der: 1. (veraltet)
Handwerksgeselle [auf WanderschaftJ. 2. (landsch. veraltend)
Bettler, der an den Haustüren um eine Gabe bittet; bettelnder
Landstreicher; -fleiß, der: Fleiß der Handwerker, der sich
in einem Werk o. ä. verkörpert; -geselle, der: Handwerker,
der die Gesellenprüfung gemacht hat; -kammer, die:
Interessenvertretung des Handwerks (2) in Form einer Körperschaft
des öffentlichen Rechts; -kunst. die <o. PI.): auf einem
Handwerk (1 a) basierende Kunstform: das Gobelinweben
als alte H.; -lehre, die: Lehre in einem Handwerksberuf;
-mann, der <P1. ...leute) (veraltet): svw. I Handwerker;
Müftßig <Adj.; o. Steig-; nicht präd.): in der Weise, im
Sinne eines Handwerks (1 a); handwerklich: eine -e
Ausführung; -meister, der: Meister in einem Handwerksberuf;
-rolle, die: von den Handwerkskammern geführtes
Verzeichnis, in das die selbständigen Handwerker mit dem von ihnen
1144
hangeln
betriebenen Handwerk eingetragen werden; -zeug, das <o.
Pl.>: /alles j Werkzeug, das bei der Ausübung eines
Handwerks od. bei handwerklichen Arbeiten gebraucht wird: er
trägt sein H. in einer Tasche bei sich; Ü Er hat ... das
H. der Begriffe auf die Vielfalt der historischen
Wirklichkeit hin erweitert (Fraenkel. Staat 113); -zunft, die
(veraltet): Zunft des Handwerks (2); -zweig, der: einzelner, von
einer bestimmten Tätigkeit gekennzeichneter Bereich des
Handwerks: das Aufkommen neuer -e.
Handyman[haendiman],der;-s, ...men [...man;engl, handy-
man, zu: Handy = geschickt, gewandt u. man = Mann]
i^Xitn): handwerklich geschickter Mann: Bastler,
Heimwerker.
hanebüchen[ha:ndby:9n]<Adj.;Steig, selten) [älterhagebü-
chen = grob, derb, klotzig < mhd. hagenbüechm =
aus Hagebuchenholz bestehend (I Hainbuche), nach dem
sehr knorrigen Holz] (geh.. veraltend): (in bezug auf eine
Handlung, Handlungsweise) so geartet, doli man darüber
entrüstet, empört ist; unglaublich, unerhört; unverschämt:
-e Frechheiten, Lügen; das ist Ja h.; Oder wenn Julika
von der -en Unverschämtheit eines Kritikers erzählt
(Frisch, Stiller 110); er hat h. gelogen.
Hanf [hanfl. der; -le]s [mhd. han(e)f. ahd. hanaf]: 1. krautige
Pflanze, deren Stengel Fasern enthalten, aus denen Seile,
Netze u. a. hergestellt werden, u. deren Samen ölhaltig sind:
H. anbauen, ernten; *[wie der Vogel] im H. sitzen
(veraltend; es gut haben; weil es im Hanffeld viel Futter für
den Vogel gibt). 2. aus den Stengeln der Hanfpflanze
gewonnene Faser: H. spinnen; ein Seil, Netz aus H. 3. ölhaltiger
Samen der Hanfpflanze: die Vögel mit H. futtern.
Hfnf-: -[an]bau, der <o. PL); -breche, die (Landw.): Gerät
zum Zerbrechen der Hanf Stengel; ^darre, die (Landw.):
Anlage zum Darren des Hanfs; -ernte, die; -faden, der:
aus Hanf (2) gesponnener Faden; -faser, die; -feld, das;
-gam, das: vgl. ^faden; -körn, das: svw. I ^samen; ^ku-
dien, der: als Viehfutter verwendeter, eiweißreicher
Rückstand beim Pressen von Hanfsamen zu Hanföl; M>l, das:
bei der Seifenherstellung verwendetes Öl aus Hanfsamen;
-pflanze, die; -roste, die: a) svw. f Röste (2 a); b) vgl.
^darre; -samen, der: ölhaltiger Samen der Hanfpflanze;
-schnür, die: vgl. -faden; -schwinge, die: Gerät zum
Schwingen des Hanfs; ^seil, das: aus Hanf (2) geflochtenes
Seil; -Stengel, der; -strick, der: vgl. ^seil.
hänfen [hanfn]. hänfen [henfn] <AdJ.; o. Steig.; nur attr.X
aus Hanf (2): ein -es Seil.
Hänfling [henflinl. der, -s. -e [mhd. henfelinc. zu tHanf.
weil der Vogel vorwiegend Hanfsamen frißt]: 1. (zu den
Finken (1) gehörender) kleiner bräunlicher od. grauer
Singvogel, der sich gern an Waldrämlern u. in der Nälxe von
Hecken u. Gärten aufhält. 2. (leicht abwertend): Mensch
von dünner, schwächlicher Statur: nicht Angst also vor
diesem H. in läppischer Wildlederjacke, dem Studenten
(Degener, Heimsuchung 11).
Hang [hanl. der; -[e]s. Hänge [hens; spätmhd. hanc =
Neigung, zu f hängen]: I. schräg abfallende od. ansteigende
Seite eines Berghangs; Abhang: ein steiler, bewaldeter,
abgeholzter H.; die grünen Hänge der Voralpen; den H.
hinaufklettern, hinunterrutschen; das Dorf liegt am H.;
ein Haus am H. bauen. 2. <o. Pl.> /starke/ Neigung,
Vorliebe zu einer meist negativ bewerteten Verhaltensweise
o.a.: ein krankhafter, gefährlicher, ausgeprägter H. [zu
etw.J; den H. haben, etw. zu tun; Anny hatte ... immer
deutlicher den H. gezeigt. Heinz gröblich zu beschimpfen
(Brod. Annerl 160); ein H. zum Nichtstun, zum
bedingungslosen Gehorsam, zum Monumentalen, zur
Bequemlichkeit, zur Übertreibung. 3. (Turnen) Haltung, bei der der
Turner an den Händen od. Beinen am Gerät hängt od.
mit einem anderen Körperteil so auf dem Gerät aufliegt,
daß er sich frei über dem Boden hält: in den H. gehen;
aus dem H. abspringen.
hfng-, H$ng-: -abfahrt, die (Skifahren): Abfahrt an einem
Hang (1); -abfwärts] [-'-(-)] <Adv.>: den Hang (1) hinab;
-aufwind, der: Aufwind an einem Hang (1); -fahrt, die
(Skifahren): svw. t ^-abfahrt; -kehre, die (Turnen): Übung,
bei der man im Hang (3) mit od. ohne Schwingen eine
halbe Drehung ausführt: ^kippe,die (Turnen): svw. T
Schwebekippe; -läge, die: (von einem Grundstück, Haus o.a.)
Lage, das Gelegensein an einem Hang (1): Haus in sonniger
H. zu verkaufen; -segeln, das (Sport): Segel/lug an Hängen
(1); -stand, der (Turnen): Haltung, bei der man mit Armen
od. Händen am Gerät hängt u. gleichzeitig mit den Füßen
auf dem Boden od. dem Gerät steht; -Start, der
(Segelfliegen): Start eines Segelflugzeugs am Hang (1) mit einem
Gummi seil; -täter, der [zu Hang 2] (jur.): jmd., der auf
Grund negativer Charaktereigenschaften zu Straftaten neigt
u. eine Gefahr Tür die Allgemeinheit darstellt: Der
Angeklagte, ein typischer H.. müsse beim nächsten Mal mit
Sicherheitsverwahrung rechnen (MM 22. 8. 69, 9); -waage, die
(Turnen): Übung, bei der man den Körper im Hang (3)
in der Waagrechten hält; -Wechsel, der (Turnen): Wechsel
von einem Hang (3) in den anderen; Mvind, der:
Luftströmung an einem Hang (1).
Hangar ['hanga:^, auch: -'-]. der; -s, -s [frz. hangar. eigtl.
= Schuppen, Schirmdach, wohl aus dem Germ.]: große
Halle zur Unterbringung. Wartung u. Reparatur von
Flugzeugen u. Luftschiffen.
Hfnge-: -arsch, der (vulg.): Gesäß, bei dem die Gesäßbacken
schlaff nach unten hängen; -backe, die <meist Pl.>: schlaffe,
nach unten hängende Backe; -bahn, die: Balxn. bei der
die Wagen an Tragbalken od. Schienen hängen; -balken,
der (Bauw.): waagrechter, von unten nicht unterstützter
Balken eines Hängewerks; -bank, die (Bergbau): Mündung
eines Förder Schachts an der Erdoberfläche, wo die Förderung
aus der vertikalen Richtung in die horizontale übergeht;
-bauch, der: a) dicker, stark nach unten hängender Bauch;
b) (von Haustieren) stark vergrößerter, durchhängender
Bauch, dazu: -bauchschwein, das; -bäum, der: Baum mit
hängenden Zweigen; -birke, die: Birke mit dünnen, langen,
herabhängenden Zweigen; -boden, der: a) an der Decke
eines Raumes aufgehängte Bretterkonstruktion als
Zwischendecke; b) Raum, der zwischen Zimmerdecke u.
Hängeboden (a) entsteht; -brücke, die: mit Ketten. Kabeln o. ä.
an Pfeilern aufgehängte Brücke; -brüst, die: schlaff nach
unten hängende weibliche Brust; -buche, die: vgl. ^birke;
-busen, der: vgl. -brüst; -dach, das: durchhängendes, in
der Mitte nicht abgestütztes Dach; -gerüst, das: hängendes
Baugerüst für Montage- u. Instandsetzungsarbeiten; -glei-
ter, der: Gleitflugzeug ohne Sitz, bei dem der Pilot mit
den Armen in einem Gestell hängt; -gurt, der: an einem
Balken od. an der Decke befestigter Bauchgurt zum Stützen
verletzter großer Haustiere; -kleid, das: gerade
geschnittenes, ohne Gürtel zu tragendes [Kinder Jkleid; Hänger (1 b);
-kotnmission, die: Kommission, die über Auswahl u.
Anordnung der Bilder einer Ausstellung entscheidet; -lampe, die:
von der Decke herabhängende Lampe; -leuchte, die: vgl.
^lampe; -lippe, die: große, nach unten hängende Unterlippe;
-matte, die [niederl. hangmat (älter: hangmak), volksetym.
umgedeutet aus: hangen = hängen u. mat = Matte <
frz. hamac < span. hamaca < karib. (h)amaca]:
ausgespanntes Netz od. Segeltuch, das zum Ausruhen im Liegen
od. den Matrosen zum Schlafen dient; -möbel, das: an
der Wand befestigtes, hängendes Möbelstück; -nelke, die:
Nelkensorte mit schwachen Stengeln u. dadurch
herabhängenden Blüten; M)hr, das: (von Tieren) großes, herabhän-
gendes Ohr; ein Hund mit -en; -partie, die (Schach):
Schachpartie, die unentschieden abgebrochen (u. später
fortgesetzt) wird; -pflanze, die: Zierpflanze mit
herabhängenden Blüten u. Blattwerk; -puher, das (Soldatenspr.
scherzh.): svw. T Hängolin; -reck, das (Sport): svw. T
Schaukelreck; -säule, die (Bauw.): senkrechter Balken, an dem
der Hängebalken eines Hängewerks aufgehängt ist; -schloB,
das: svw. I Vorhängeschloß; -schrank, der: vgl. MTiöbel:
eine moderne Kücheneinrichtung mit Hängeschränken;
-schulter, die <meist Pl.>: nach vorne gezogene Schulter
bei schlechter Körperhaltung; -Stellung, die (Schach): vgl.
^Partie; -strebe, die (Bauw.): schräger Balken, der die
Hängesäule des Hängewerks abstützt; *»flal, das (Geogr.):
Seitental, dessen Sohle an der Einmündung höher liegt als
die Sohle des Haupttals; -tltte, die <meist Pl.> (vulg.):
svw. t^brust; -ubne, die: vgl. ^birke; -weide, die: vgl.
^birke; ^werk, das (Bauw.): aus Holz, Stahl od. Beton
gefertigte Tragkonstruktion für Brücken od. Decken, bei
der die Last des waagrechten Hängebalkens mit Hilfe einer
Aufhängevorrichtung über Hängesäulen u. -streben auf die
Auflager übertragen wird; -zeug, das: 1. (Bergbau)
Meßgerät, das zur Bestimmung von räumlichen Koordinaten an
einer Meßkette aufgehängt wird. 2. svw. t^gurt.
hangeln [hanln] <sw. V.; ist/hat) [zu t hängen] (bes. Sport):
sich im Hang (3) fortbewegen, wobei die Hände abwechselnd
weitergreifen: am Tau. an einer waagrechten Leiter h.;
1145
hangen
<h. + sich:) Als der Phosphor abgebrannt war. hangelte
er sich an der Leiter abwärts (Ott. Haie 171); hangen
[hanan] <sw. V ; hat) [I 'hängen] (Schweiz., landsch.. sonst
veraltet): svw. t 'hängen: Der Mond hangt wie ein silberner
Gong über dem Meer (Frisch. Cruz 37); Sie hangen mit
ihrem ganzen Herzen an den „Herren** (Tucholsky. Werke
I. 422); "mit H. und Bangen (geh.; mit großer Angst, voller
Sorge; eigtl. Langen (= Sehnen) u. Bangen. Goethe, Eg-
mont III, 2; viell. von Beethoven verändert, als er 1810
die Musik zum Egmont drucken ließ): Jmds. Rückkehr
mit H. und Bangen erwarten: 'hängen [hendn] <st. V.;
hat) [Vermischung von mhd. hähen, ahd. hahan (st. V..
tr.) = aufhängen mit mhd., ahd. hengen (sw. V.. intr.)
= hängen machen u. mhd. hangen, ahd. hangen (sw.
V., intr.)= 'hängen]: l.a) [mit dem oberen Ende] an einer
bestimmten Stelle [beweglich] befestigt u. nach unten hin
frei beweglich sein: das Bild hängt ant der Wand, über
dem Sofa: an dem Baum hingen rote Äpfel; die Wäsche
hängt auf der Leine, auf dem Trockenboden; Fahnen
hingen aus den Fenstern; der Anzug hing über einem Bügel
im Schrank; in ihren Wimpern hingen Tränen; Vehlgast
hatte noch mitten in der Kurbelei am Fallschirm gehangen
(Gaiser. Jagd 198); die Gardinen hängen (sind angebracht);
der Mörder soll h. (soll durch Erhängen getötet werden);
das Bild hängt schief; die Lampe hängt zu tief; (mit
Vertauschung des Subjekts:) der Schrank hängt voller Kleider
(im Schrank hängen viele Kleider); der Baum hing voller
Früchte (war mit Früchten beladen); alles, was drum und
dran hängt (ugs.; alles, was dazu gehört): das hängt mir
zu hoch (ugs.; das verstehe ich nicht): Ü die Nachbarn
hingen aus den Fenstern (lehnten sich weit hinaus); Neben
der Brücke hing der Abendstern (Plievier, Stalingrad 340);
Das Flugzeug ... hing noch sicher in der Luft (Grzimek.
Serengeti 290); b) sich an etw. festhalten u. von unten keinen
Halt mehr haben, frei schweben: der Bergsteiger hing an
einem Felsen; aber was halfen sie (= die Kniffe und
Tricks) ihm jetzt, wo er außenbords an der Want ... hing?
(Hausmann. Abel 146); c) sich an jmdm. festhalten [u.
schwer nach unten ziehen]: jmdm. am Hals h.; Ohne Scham
hängt sie an der Schulter eines typischen Schieberjünglings
(Remarque, Obelisk 52); d) an einem Fahrzeug befestigt
sein [u. gezogen werden]: das Boot, der Wohnwagen hängt
am Auto. 2. a) vom Eigengewicht nach unten gezogen wer-
den. schwer u. schlaff nach unten fallen, oline festen Halt
herabhängen: die Zweige der Birke hängen [bis auf die
Erde]; Blumen mit hängenden Köpfen: Telefonkabel
hingen auf die Schienen; die Haare hingen ihm ins Gesicht
(fielen unordentlich ins Gesicht); der Anzug hing ihm am
Leib (war zu groß); der eine Ami hängt lose am Körper;
fürchterlich, wie sein Bauch hängt; mit hängenden
Schultern; das ... Schulterstück, das abgefetzt noch an einem
Faden des Mantels hing (Plievier. Stalingrad 193); im Sessel
h. (unordentlich u. nur zum Teil auf dem Sessel sitzen);
wir hingen vornüber in unseren Gurten (bei einer
Notlandung; Frisch. Homo 28); der Boxer hängt in den Seilen;
b) sich zur Seite neigen: die Wand hängt; der Wagen hängt
nach rechts. 3. (geh.) [unbeweglich] in der Luft schweben
bleiben: feuchte Nebel hingen über der Stadt;
abgestandener Rauch hängt im Zimmer, Ü im Raum hing eine
lähmende Spannung, die jeden Augenblick zu zerreißen drohte
(Apitz, Wölfe 122). 4.a) sich festgesetzt haben, haften:
an den Schuhen hängt Schmutz; Ü ihre Blicke. Augen
hingen an ihm; b) festhängen: mit dem Ärmel an einem
Rosenstrauch h.; c) (ugs.) nicht vorwärtskommen; stocken:
der Prozeß hängt; d) (ugs.) zurücksein, nicht nachkommen:
in Mathematik h.; Opris. der Rumäne (= ein Läufer),
wird langsamer, hängt ein wenig (Lenz. Brot 35); e) (ugs.)
lange irgendwo bleiben [u. nicht weggehen]: der Kerl hängt
jeden Abend in der Kneipe; wo hängt denn der Bursche
bloß?; er hängt den ganzen Tag am Telefon (telefoniert
lange od. viel); f) *bei jmdm. h. (ugs.: 1. bei jmdm. nichts
gelten, nicht [mehr] atigesehen sein. 2. bei jmdm. Schulden
haben). 5. abhängig sein von jmdm., etw.: der weitere Verlauf
der Verhandlungen hängt an ihm. an seiner
Geschicklichkeit; wolran] hängt (ugs.; fehlt) es denn? 6. jmdm.. einer
Sache gegenüber sehr positiv eingestellt sein, sehr zugetan
sein u. nicht darauf verzichten wollen, sich nicht trennen
wollen: am Geld, am Leben, an der Heimat h.; er hängt
sehr an seiner Mutter; Sie hing mit abgöttischer Liebe
an ihren Kindern. 7. (ugs.. landsch.) svw. t hängen: ...
und hingen die Stiefel außenbords ins Wasser (Ott. Haie
24); die Mutter hat die Wäsche auf die Leine gehangen;
klängen [-1 <sw. V.; hat) [f 'hängen]: l.a) jmdn.. etw. mit
dem oberen Ende an einer bestimmten Stelle frei beweglich
befestigen: das Bild an die Wand h.; die Wäsche an. auf
die Leine h.; den Anzug auf einen Bügel, in den Schrank
h.; die Fahne aus dem Fenster h.; ich hängte mir den
Fotoapparat über die Schulter: du hängst dir alles Geld
auf den Leib (ugs.; gibst alles Geld für Kleidung aus):
das Bild gerade h.; Ü die Leute hängten sich aus den
Fenstern (lehnten sich weit hinaus); Die Sowjets verstanden
es meisterhaft, diese ihre Konzessionen immer höher zu
h. (u. damit fast unerreichbar zu machen; Dönhoff, Ära
216); b) <h. + sich) mit den Händen etw. ergreifen u.
festhalten u. ohne Stütze von unten frei beweglich sein:
sich an einen Ast, an eine Sprosse h.; U sich ans Telefon,
an die Strippe h. (ugs.; zur Erreichung eines Ziels [lange
od. häufig I telefonieren): c)<h. + sich) jmdn., etw. ergreifen
u. festhalten u. mit seinem Gewicht nach unten ziehen: sich
jmdm. an den Hals, an den Arm h.; d) etw. an einem
Fahrzeug befestigen [um es zu ziehen]: das Boot, den
Wohnwagen ans Auto h. 2. hängen lassen, schwer u. schlaff
nach unten bewegen, fallen lassen: den Arm aus dem
Wagenfenster h.; ich ließ die Beine ins Wasser h.; er hängte
den Kopf (war betrübt); die Blumen hängten die Köpfe
(begannen zu welken). 3. <h. -I- sich) a) sich festsetzen,
festkleben: der Lehm hängte sich an die Schuhe; Ü sich
an jmdn. h. (sich jmdm. aufdringlich anschließen; jmdm.
löst ig fallen); b) dicht folgen, verfolgen: der Detektiv hängte
sich an den Dieb; er ... hängte sich in bravouröser Fahrt
als schnellster Engländer hinter die beiden Ferrari
(Frankenberg. Fahrer 97); c) (ugs.) sich unaufgefordert
einmischen: häng dich nicht in meine Angelegenheiten!; Hängt
sich da in diese Geschichte mit den Juden! (Bobrowski.
Mühle 126). 4. <h. + sich) sich jmdm., einer Sache
zuwenden, sich an jmdn., etw. gefühlsmäßig binden u. sich nicht
mehr davon trennen wollen: sich ans Leben, ans Geld h.;
Es taugt nichts, sich an Menschen zu h.. Anna (Fallada.
Jeder 256). S.a) mit einem um den Hals gelegten Strick
an etw. aufhängen u. dadurch töten: jmdn. [an den Galgen]
h.; <subst.:) jmdn. zum Tod durch Hängen verurteilen;
R ich will mich h. lassen, wenn ... (ugs.; Beteuerungsformel,
wenn man seiner Sache sehr sicher ist); "mit Hingen
und Würgen (mit großer Mühe: gerade noch): er bestand
die Prüfung mit H. und Würgen; b) <h. 4- sich) sich
erhängen: er hat sich aus Verzweiflung ans Fensterkreuz
gehängt; <Zus.:> hängenbleiben <sw. V.; ist) [zu t hangen]
(Schweiz., landsch.. sonst veraltet): svw. t hängenbleiben;
hängenbleiben <sw. V.; ist) [zu t 'hängen] (ugs.): l.a) durch
ein Hindernis, eine Behinderung festgehalten o.a., in einer
Bewegung gehemmt werden, nicht vorwärts kommen: [mit
dem Ärmel] an einem Nagel h.; Ü die Angriffe blieben
im Mittelfeld hängen (Sport; konnten die gegnerische
Abwehr nicht passieren): am Start h. (Sport; nicht vom Start
wegkommen): der Läufer blieb im Zwischenlauf h. (Sport;
schied aus): Sein Blick ging abschätzig im Zimmer umher
... und blieb an einer Wanduhr hängen (Thieß, Legende
47); b) sich f unnötig lange] au/halten, länger als beabsichtigt
verweilen: bei Jeder Einzelheit h.; wir sind gestern abend
in der Kneipe hängengeblieben; Zunächst blieben wir ...
ein paar Wochen lang im Blütenparadies von Honolulu
hängen (K. Mann. Wendepunkt 179); c) (ugs.) in der Schule
nicht versetzt werden; sitzenbleiben: er ist in der Quinta
hängengeblieben. 2. sich festsetzen, haften, klebenbleiben:
die Kletten bleiben in den Haaren hängen: Ü es bleibt
mal wieder alles an mir hängen (ich muß alles erledigen);
von dem eben gehörten Vortrag ist nicht viel
hängengeblieben (im Gedächtnis geblieben); bei diesem Geschäft ist
ganz schön viel hängengeblieben (wurde viel verdient);
der Verdacht ist an ihm hängengeblieben (konnte nicht
ganz ausgeräumt werden); Eine Behauptung kann noch
so unwahrscheinlich sein - wenn man nur fest darauf
besteht, bleibt immer etwas hängen (Remarque. Obelisk
149); Hangende Chanonda]. das; -n (Bergmannsspr.):
Gesteinsschicht über einer Lagerstätte (Ggs.: Liegende): den
Rest ... hängt er an Drähten unter dem -n auf (Spiegel
26. 1966. 28); hängenlassen <st. V.; hat): 1. ein
aufgehängtes Kleidungsstück o. ä. vergessen; er hat seinen Hut,
Mantel in der Garderobe hängenlassen, (selten:)
hängengelassen. 2. (ugs.) bei jmdm. eine versprochene [ Hilfe lleistung
1146
Hapaxlegomenon
nicht ausführen: im Stich lassen: die Lieferanten haben
ihn hängenlassen. 3. <h. + sich) sich keine Selbstdisziplin
auferlegen, keine Energie mehr zu etw. haben: laß dich
nicht [so] hängen!; Hanger ['hanel. der; -s. - (Seemannsspr.):
Tau, an dem der Ladebaum hängt: Hänger l'heoe). der;
-s. -: l.a) weit geschnittener, lose fallender Damenmantel:
b) svw. T Hängekleid. 2. (ugs.) Wagen, der an einen anderen
Wagen angehängt wird: Anhänger: ein Lastwagen mit H.;
Hangerl ['hanelj. das; -s. -[nl (österr.): 1. Kinderlätzchen.
2. Wischtuch [des Kellners}: hängig ['heni^l <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.) [spätmhd. hängig = (herab)hängend]: 1.
(Schweiz.) anhängig: ein -es (schwebendes) Verfahren; der
Prozeß ist h. (steht bei Gericht zur Entscheidung an). 2.
(Fachspr.) an einem Hang (1) gelegen: abschüssig:
Besonders an -en Lagen ... kann man erstaunliche Beispiele
von tiefgehender Bodentrockenheit entdecken (MM 27.
11. 65, 51). 3. (landsch.) (von Kindern) noch nicht ganz
wach, munter: unausgeschlafen, lustlos, unlustig (zu 'hängen
4d): die Kinder sind morgens nicht ausgeschlafen, sie
sind „hängig" und sehen käsig und blaß aus (MM 2.
9. 71. 3); Hingolin [heno'li:n], das; -s (Soldatenspr.
scherzh.) [nach dem Muster anderer Namen von
Präparaten zu T 'hängen gebildet, weil es bewirkt, daß der Penis
hängt, d. h. nicht erigiert]: Mittel, das man Soldaten,
männlichen Internatsschülern o.a. angeblich ins Essen mischt,
um die sexuelle Erregbarkeit zu dämpfen.
Hang-over [haen'oova], der; -s [engl, hangover. zu: to hang
over = überhängen, übrigbleiben! (ugs.): Katerstimmung
[nach dem Genuß von Alkohol].
Hangul ['hangul]. der; -s. -s [engl, hangul. aus dem Hindi]:
(in Kaschmir heimischer) Rothirsch mit relativ schlank&n
Körper u. breit ausladendem Geweih.
Hanke ['hankdl. die; -. -n (Reiten): Körperpartie des Pferdes,
die Hüft- u. Kniegelenk einschließt.
Hamemam [hanaman] in der Wendung H., geh du voran!
(Aufforderung an jmdn. [. bei einer unangenehmen Sache]
voranzugehen: aus dem Schwank von den Sieben
Schwaben; Koseform von Hans, Johannes).
Hinneschentheater [henasipn-]. das; -s [Vkl. von Hannes,
das Kurzf. von Johannes ist]: rheinische Sonderform des
Kasperletheaters mit an Stöcken gehaltenen Puppen.
Hannibal ad (fälschlich meist: ante) portas! [hanibal at
('ante) porta:s; lat. = Hannibal an (vor) den Toren;
Schreckensruf der Römer im 2. Punischen Krieg; nach
T. Livius, Ab urbe condita 23. 6] (bildungsspr. scherzh.):
Gefahr ist im Anzug. Gefahr droht.
hano: tha (1).
Hans [hans], der; -. Hanse l'henzs] <Vkl. tHänschen) [nach
dem Vornamen Hans. Kurzf. von: Johannes] (volkst.):
männliche Person, in Bezeichnungen wie: H. Guckindieluft
(svw. TGuckindieluft); H. Hasenfuß (svw. THasenfuß); H.
Huckebein (Rabe: nach einer Gestalt von Wilhelm Busch);
H. im Glück (jmd.. der bei allen Unternehmungen Glück
hat: Glückspilz: nach einer Märchengestalt); H. Langohr
(Esel): H. Liederlich (unzuverlässiger Mensch): R ich will
H. heißen, wenn ... (Beteuerungsformel, wenn man seiner
Sache sehr sicher ist); Spr Jeder H. findet seine Grete
(jeder Mann findet eine zu ihm passende Frau): was Häns-
chen nicht lernt, lernt H. nimmermehr (was man in der
Kindheit nicht lernt, lernt man als Erwachsener erst recht
nicht).
Hans-: Mlfinpf [auch: '--]. der; -[e]s. -e: jmd.. der sich
überall auskennt, über alles [oberflächlich] Bescheid weiß,
sich geschäftig um viele Dinge kümmert: Du H. wirst deinen
Kram ja doch nur verplempern (Th. Mann. Krull 165);
•H. in allen Gassen (svw. t Hansdampf); m^it [auch:'—].
der: dummer, einfältiger Mensch: Mvyrst [auch: '—]. der.
-[e]s. -e. scherzh. auch: -wurste [urspr. Hans Wurst. Bez.
für einen dicken, unbeholfenen Menschen, der einer Wurst
ähnelt]: 1. derb-komische Figur des deutschen Theaters im
18. Jh. 2. dumtner Mensch, den man nicht ernst nimmt,
der sich lächerlich macht: Du armseliger H. willst mir
gewachsen sein? (Winckler, Bomberg 177). dazu: ^wurste-
i*i. die: svw. ? -wurstiade (2): Alles amüsierte sich über
seine -en. war bezaubert von seinem Charme (K. Mann.
Wendepunkt 244). -wurstiade [-vurs'tia:d©]. die; -. -n [geb.
mit dem Sufllx -iade zur Bez. einer Handlung, eines
Wettbewerbs o.a.. vgl. Köpenickiade u.a.]: 1. Possenspiel des
18. Jh.s, in dem Hanswurst (1) die Hauptrolle spielte. 2.
Scherz, Spaßmacherei: ... wo Reimschlosser Kuba Rache
an ... DDR-Kollegen nahm, die ihn wegen seiner
literarischen -n oft verspottet hatten (Spiegel 50. 1965. 27).
Hansaplast <£> [hanza'plast], -das; -[e]s [2. Bestandteil zu
mlat. (em)plastrum, I Pflaster]: ein Verbandpflaster, Wund-
schnellverband.
Hänschen [hens^an]. das; -s. -: f Hans.
Hanse t'hanza]. die; - [mhd. hanse = Kaufmannsgilde.
Genossenschaft, ahd. hansa = Kriegerschar. Gefolge]:
mittelalterlicher Städtebund, der sich hauptsächlich
zusammengeschlossen hatte, um mit anderen Ländern Handel zu treiben.
h^nse-, Hfnse-: -bund, der: svw. I Hanse; -kogge, die:
großräumiges Schiff der hanseatischen Kaufleute: --Stadt, die
[mniederd. hansestat]: a) (hist.) der Hanse angehörende
Stadt: b) eine der drei norddeutschen Städte Bremen,
Lübeck, Hamburg, dazu: -städtisch <Adj.; o. Steig.).
Hanseat [hanze'a:t], der; -en, -en: 1. (hist.) der Hanse
angehörender Kaufmann. 2. Bewohner einer der drei
Hansestädte (b), bes. aus der vornehmen Bürger schiebt, dazu:
Hansegtengeist. der; hanseatisch <Adj.; o. Steig.): 1. die
Hanse betreffend, zur Hanse gehörend. 2. a) die Hanseaten
(2) betreffend: zur vornehmen Bürgerschicht der Hansestädte
(b) gehörend: die Avantgarde -er Fußballfreunde schob
sich durch die Portale (Welt 18. 5. 65. 6); b) kühle,
unaufdringliche Vornehmheit wie die der Hanseaten (2) zeigend:
die Werbung des Hauses hatte -en Kaufmannsstil:
vornehm-zurückhaltende Information (Spiegel 4. 1966. 50).
Hansel I'hanzj], der; -s. -[n] [Koseform von t Hans] (landsch.
abwertend): jmd., dem man nichts zutraut, den man für
unfähig hält: die paar -n können ja doch nichts erreichen.
ttynselbank: svw. I Heinzelbank.
Hänselei [henza'lai], die; -, -en: verspottende Äußerung: Hatte
er nicht selber genug -en erdulden müssen, als er noch
der Wundertäter... gewesen war (Strittmatter.
Wundertäter 101); hänseln fhenzfn] <sw. V.; hat) [mhd. hansen
= unter gewissen (scherzhaften) Zeremonien in eine
Kaufmannsgilde aufnehmen, zu T Hanse]: sich über jmdn.
ohne Rücksicht auf dessen Gefühle lustig machen, indem
man ihn immer wieder verspottet, ohne daß er sich wehren
kann: die Mitschüler hänselten ihn dauernd wegen seiner
abstehenden Ohren; gutmütig ließ er sich h.
Hansom ['haensam], der; -s. -s [nach dem engl. Architekten
J. A. Hansom (1803-1882)]: zweirädrige englische Kutsche
mit zwei Sitzplätzen u. Verdeck, bei der sich der Kutschbock
erhöht hinter den Sitzen befindet.
Hantel l'hantl], die; -. -n [niederd. hantel = Handhabe]:
1. (Turnen) Gerät zur Gymnastik od. zum
Konditionstraining, bestehend aus zwei durch einen Griff verbundenen
Kugeln od. Scheiben: mit der H. turnen. 2. (Gewichtheben)
Eisenstange, an deren Enden Gewichte in Form von Scheiben
angebracht sind: Scheibenhantel.
Hantel-: -gewicht, das (Gewichtheben): gesamtes Gewicht
der Hantel (2); -gymnastik. die: mit Hanteln (1)
durchgeführte Gymnastik: -training, das: Training, bei dem man
hauptsächlich mit Hanteln (1) arbeitet.
hanteln ['hantfn] <sw. V.; hat): mit der Hantel turnen,
trainieren.
hantieren [han'ti.ren] <sw. V.; hat) [spätmhd. hantieren,
mniederd. hanteren = Kaufhandel treiben; handeln,
verrichten, tun < mniederl. hanteren. hantieren = mit jmdm.
umgehen. Handel treiben < afrz. hanter = mit jmdm.
umgehen, jmdn. häufig besuchen; H. u.]: a) geschäftig
[mit den Händen] arbeiten, tätig sein, wirtschaften: die
Mutter hantierte am Herd, in der Küche; geschäftig, emsig
h.; b) etw. handhaben, mit etw. umgehen, etw. benutzen:
mit einem Messer h.; mit einem Schraubenschlüssel am
Auto h.; Ü Wenn man bloß mit dem zwar logischen,
aber blassen Schema dieser zwei Ordnungen hantiert
(Fraenkel. Staat 375); So knöpfte sie ihm ... das Hemd
auf und hantierte seine nackte achtzehnjährige Haut
(veraltend; Grass. Blechtrommel 730); <Abl.:> Hantkning, die;
-. -en: das Hantieren.
hantig [hantig] <Adj.) [mhd. handec = bitter, scharf;
schneidend; stechend] (österr.. bayr.): a) bitter, herb: ein -er
Kaffee; -es Bier; es schmeckt h.; b) unfreundlich, barsch:
eine -e Kellnerin.
Hapaxlegomenon [hapaksle'gomenan], das; -s. ...mena
[griech. häpax legömenon = einmal Gesagtes] (Litera-
turw.): nur einmal belegtes, in seiner Bedeutung oft nicht
genau zu bestimmendes Wort einer [nicht mehr
gesprochenen] Sprache.
1147
haperig
haperig [ha:pon<;] <AdJ> (nordd. veraltend): stockend: es
geht h.; hapern ['ha.pmi] <sw. V.; hat; unpers.) [niederd.
haperen < mniederd. haperen = stottern]: a) [vorüberge-
hendj nicht zur Verfügung stehen, fehlen: es hapert an
Nachwuchskräften; am Geld haperte es; b) nicht klappen,
um etw. schlecht bestellt sein: es hapert mit der Versorgung;
in Latein hapert es bei ihm (ist er schwach): denn Matern
meinte, das Tragische sei ihm ohnehin mitgegeben, und
nur im Komischen hapere es noch bei ihm (Grass.
Hundejahre 219).
Haphabesie [hafalge'zi:]. die; - [zu griech. haphe =
Berührung u. älgesis = Schmerz] (Med.): übermäßige
Schmerzempfindlichkeit der Haut bei jeder Berührung (z. B. bei
Hysterie auftretend).
haplodont [haplodont] <AdJ.; o. Steig.; nicht adv.) [zu griech.
häploos = einfach u. odoüs (Gen.: odöntos) = Zahn]
(Biol.): (von den Zähnen niederer Wirbeltiere) wurzellos
u. kegelförmig: Haplodont [-]. der, -en. -en (Biol.): einfacher,
kegelförmiger Zahn: Haplographk, die; -. -n [...i:an; T-gra-
phie] (Fachspr.): fehlerhafte Auslassung eines von zwei
gleichen od. ähnlichen Lauten od. Silben in geschriebenen od.
gedruckten Texten (Ggs.: Dittographie 1); haploid [ha-
plo'i:t] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [griech. haploeides
= einfach] (Biol.): (von Zellkernen) nur einen einfachen
Chromosomensatz enthaltend'(Ggs.: diploid); haplokaulisdi
[haplo'kaplij] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [zu griech. kaulös
= Stiel] (Bot.): (von Pflanzen) nur einen, mit einer Blüte
abschließenden Stengel aufweisend: einachsig: Haplologk,
die; -n [...i:an; T-logie] (Sprachw.): Verschmelzung zweier
gleicher od. ähnlicher Silben (z. B. „Zauberin" statt
.•Zaubererin", , .Adaption" statt .Adaptation"):Haplont[ha'pbnt],
der; -en. -en [zu griech. 6n (Gen.: öntos) = seiend,
lebend] (Biol.): Lebewesen, dessen Zellen einen
einfachen Chromosomensatz aufweisen: Haptophgse, die (Biol.):
die beim geschlechtlichen Fortpflanzungsprozeß regelmäßig
auftretende Phase mit nur einem einfachen
Chromosomensatz: haplostemop [haploste'mo.n] <Adj.; o. Steig.; nicht
adv.) [griech. stemön = Faden] (Bot.): (von Blüten) nur
einen Staubblattkreis aufweisend.
Hippchen ['hep^an], das; -s, -: 1.1 Happen. 2. Appetithappen:
beim Empfang gab es H. und Salate; happen [hapn] <sw.
V.; hat) [zu T Happen] (niederd. veraltend):
zubeißen!abbeißen, zuschnappen: Happen [-]. der; -s, - <Vkl. T Häppchen)
[aus dem Niederd.. wohl aus der Lallsprache der Kinder]
(ugs.): kleines Stück, kleine Menge eines [festen]
Nahrungsmittels: Bissen: ein guter, tüchtiger H.; sie war schon nach
ein paar H. satt: er hat noch keinen H. (nichts) gegessen;
Wir wollen nachher auch noch zu Schilp und einen H.
essen (eine kleine Mahlzeit zu uns nehmen: Nossack.
Begegnung 201); das ist ein fetter H. (ein großer Gewinn, ein
einträgliches Geschäft): diesen [fetten] H. (dieses
einträgliche Geschäft) will er sich nicht entgehen lassen.
Happening [hepaniol. das; -s. -s [engl, happening. eigtl.
= Ereignis!: [öffentliche/ Veranstaltung von Künstlern, die
- unter Einbeziehung des Publikums - ein künstlerisches
Erlebnis [mit überraschender od. schockierender Wirkung]
vermitteln will: <Abl.:> Happenist [hepd'nist]. der; -en. -en:
Künstler, der Happenings veranstaltet.
happig l'hapK;] <Adj.) [zu f happen]: 1. (nordd. veraltend)
gierig: h. nach etw. sein. 2. (ugs.) zu hoch, zu stark,
übertrieben, zu weitgehend: dieser Laden hat -e Preise; das ist
ein bißchen, ganz schön h.; Als besonders h. wurde ein
Newton-Photo für Bademoden empfunden (Spiegel 9,
1976. 160).
happy fhcpi) <Adj.; o. Steig.; nur präd.) [engl, happy =
glücklich] (ugs.): überglücklich: außer sich vor Freude: als
ich sagte, er dürfe mit ins Kino gehen, war er ganz h.;
Happy-End, (österr. auch:) Happyend fhepi' |ent]. das; -[s].
-s [engl, happy end = glückliches Ende]: /unerwarteter]
glücklicher Ausgang eines Konlfikts. einer Liebesgeschichte:
der Film endete mit einem H.; Aber im Gegensatz zur
Sophokleischen Tragödie ist auch die Auflösung noch des
grausamsten Detektivromansein H. für den Leser (Reinig.
Schifte 121); happyenden [hepi'lendn] <sw. V.; hat; meist
im Präs. od. Inf.) (ugs.): [doch noch] einen glücklichen
Ausgang nehmen: ein Happy-End finden: Das uralte
Traumfabrik-Märchen von der kleinen Sekretärin und dem
verliebten Chef, das mit einer Heirat happyendet (MM
28. 2. 76. 46).
haprig [ha:pn<;]: svw. thaperig.
Hapten [hap'tem], das; -s. -e (meist PI.) [zu griech. häptein
= heften, berühren, angreifen] (Med.): eiweißfreie
organische Verbindung, die die Bildung von Antikörpern im Körper
verhindert: Haptere [hap'te.rd]. die; -. -n (meist PI.) [zu
griech. häptein = (an)heften. berühren] (Bot.): Haftorgan
bei verschiedenen Algen. Flechten u. Moosen: Haptik
fhaptik]. die; - (Psych.): Lehre vom Tastsinn: haptfech
I'haptiJ] <Adj.'; o. Steig.; nicht adv.) (Psych.): den Tastsinn
betreffend: -e Werbemittel (Werbespr.; Werbemittel, deren
Wirkung auf dem Tastsinn beruht): Haptonastie [hapto-
nas'ti:]. die; -. -n |...i:an: TNastie] (Bot.): durch
Berührungsreiz ausgelöste Wachstumsbewegung pflanzlicher
Organe unabhängig von der Reizrichtung (z. B. das Einrollen
der Blattränder bei fleischfressenden Pflanzen); Haptotro-
pjonus. den -. ...men [zu griech. tröpos = WendungJ
(Bot.): durch Berührungsreize ausgelöste
Wachstumsbewegung pflanzlicher Organe in deutlicher Beziehung zur
Reizrichtung (z.B. das Festklammern bei Rankenpflanzen).
Harakiri [hara'ki:ri], das; -[s], -s [Jap. harakiri. zu: hara
= Bauchu. klri = schneiden]: (in Japan) /ritueller]
Selbstmord durch Bauchaufschlitzen: H. machen, begehen; Ü
gesellschaftliches, politisches, wirtschaftliches H. begehen
(gesellschaftlich, politisch, wirtschaftlich ein
existenzgefährdendes Risiko eingehen). Vgl. Seppuku.
Haram[ha.ram],der;-s.-s[arab. fyaram.eigtl. =
unverletzlich, heilig]: geweihter Bezirk im islamischen Orient (z. B.
die Gebiete von Mekka u. Medina).
harangieren [haran'gi:ran] <sw. V.; hat) [frz. haranguer.
zu: harangue = feierliche Ansprache < mlat. harenga.
H. u.]. (veraltet): l.a) eine langweilige, überflüssige Rede
halten: b) jmdn. mit einer Rede, mit einer Unterhaltung
langweilen. 2. anreden, ansprechen.
Haraß [haras]. der: Harasses. Harasse [frz. harasse, mfrz..
afrz. harasse. wohl aus dem Germ.] (Fachspr.): Lattenkiste.
Korb zum Verpacken zerbrechlicher Waren wie Glas.
Porzellan.
harb [harp] <Adj.) [mhd.. ahd. harw. f herb] (bayr.. österr.
mundartl.): 1. böse, verärgert, beleidigt: Jetzt ist er h.;
*jmdm. h. sein (ärgerlich, böse auf jmdn. sein). 2. schön,
ins Gemüt gehend: ein -es Wiener Lied.
Härchen l'he.'gcan]: f Haar.
Hardangerarbeit ['hardanc-l. die: -. -en [nach der norw.
Landschaft Hardanger]: bes. in Norwegen für Blusen u.
Schürzen verwendete Durchbruchstickerei in grobem Gewebe
mit geometrischer Musterung: Hfrdangerfiedel, die; -. -n:
volkstümliches norwegisches Streichinstrument in Form
einer kleinen Violine mit vier Griff- u. vier Resonanzsaiten:
HfittangerstofT, der; -[e]s. -e: grob gewebter Baumwollstoff
(bes. als Unterlage bei der Hardangerarbeit).
Haiti cover ['ha.d kAva], das; - -s, - -s [engl, hard cover,
zu: hard = hart, fest u. cover = Einbanddeckel. Titelblatt]
(Buchw.): Buch mit festem Einbanddeckel (Ggs.:
Paperback); <Zus.:> Hard-cover-Einband, der (Buchw.): fester
Einbanddeckel bei Büchern: Hard Drink, der; - -s. - -s
[engl.-amerik. harddrink. zu: hard = hart, stark,
hochprozentig u. t Drink]: hochprozentiges alkoholisches Getränk.
Harde ['harda], die; -, -n [aus dem Niederd. < mniederd.
harde, herde] (hist.): Verwaltungsbezirk, der mehrere Dörfer
od. Höfe in Schleswig-Holstein umfaßt.
Hard edge [ha:d 'edsl. die; - - [engl.-amerik. hard-edge.
eigtl. = harte Kante]: Richtung in der modernen Malerei,
die klare geometrische Formen u. kontrastreiche Farben
verwerulet.
H^rdesvogt, der; -[eis. ...vögte [zu T Harde] (hist.):
Amtsvorsteher einer Harde.
Hard selling [ha.d 'selin]. das; - - [engl.-amerik. hard selling.
eigtl. = hartes Verkaufen] (Wirtsch.): Anwendung
aggressiver Verkaufsmethoden: Hard stuft [ha:d stafl. der; -. -s
[engl.-amerik. hardstufT. eigtl. = harter Stoff] (Jargon):
starkes Rauschgift (z. B. Heroin. LSD); Hardtop ['ha:dtop],
das od. der; -s. -s [engl, hardtop. aus hard = hart, fest
u. top = Spitze. Verdeck]: 1. abnehmbares Verdeck von
Kraftwagen, bes. Sportwagen. 2. Sportwagen mit einem
abnehmbaren Verdeck: Hardware [haidwea], die; -. -s [engl.-
amerik. hardware. eigtl. = harte Ware]: alle
technisch-physikalischen Teile einer Datenverarbeitungsanlage unter dem
speziellen Gesichtspunkt der unveränderlichen,
konstruktionsbedingten Eigenschaften (Ggs.: Software).
Harem ['ha.rem]. der. -s. -s [türk. harem < arab. fyarim.
zu: baram = verboten, unverletzlich, heilig; vgl. Haram]:
1148
Harmonika
1. (in den Ländern des Islams) die abgetrennte Frauettubtei-
lung der Wohnhäuser, zu der kein fremder Mann Zutritt
hat. 2. a) große Anzahl von Ehefrauen eines reichen
orientalischen Mannes: ein verhätscheltes Herrensöhnchen mit
eigenem H. (Th. Mann. Joseph 155); b) alle im Harem (1)
wohnenden Frauen; c) (ugs. scherzh.): viele Frauen,
Freundinnen, die ständig um einen Mann herum sind: mußte
doch er ... annehmen, der Gefreite sei dabei, sich einen
H. anzulegen (Kirst. 08/15. 131).
Harems-: Mlame, die: in einem Harem lebende Frau; -frau*
die; Mvfiditer, der: kastrierter Mann, der einen Harem
bewacht.
hftren [herronj <AdJ.; o. Steig.; nur attr.) [mhd. haerin]
(geh.): aus [Ziegenjhaar, [Ziegen]feil: ein -es Gewand.
Häresiarch [herezi'artf. der; -en. -en [lat. haeresiarches <
griech, hairesiärches]: Begründer u. geistliches Oberhaupt
einer [altkirchlichen] Häresie (1), die meist nach ihm
benannt wird (z.B. Arius-Arianismus); Häresie [...zi:], die;
-. -n [...i.an; (kirchen)lat. haeresis < griech, hairesis. eigtl.
= das Nehmen, Wahl]: 1. (kath. Kirche) von der offiziellen
Kirchenmeinung abweichende Lehre. 2. (bildungsspr.)
Ketzerei (2). verdammenswerte Meinung; Häretiker [he're:tikB],
der; -s. - [(kirchen)lat. haereticus < griech. hairetikös
= auswählend, ketzerisch]: 1. (kath. Kirche) jmd., der
von der offiziellen Kirchenlehre abweicht. 2. (bildungsspr.)
Ketzer (2); häretisch [he're:tij] <AdJ.>: 1. <o. Steig.) (kath.
Kirche) von der offiziellen Kirchenlehre abweichend. 2.
(bildungsspr.) ketzerisch (2). verdammenswert.
Harfe [harfe], die; -. -n [1: mhd. hartp)fe. ahd. har(p)fa;
2: nach der harfenähnlichen Form]: 1. großes, etwa
dreieckiges Saiteninstrument mit senkrecht gespannten Saiten, die
mit beiden Händen gezupft werden: die H. spielen, zupfen;
auf der H. spielen. 2. (landsch.) großes Gestell zum
Trocknen von Heu od. Getreide; harten [harfn] <sw. V.; hat)
[mhd. harpfen] (geh.): Harfe spielen: viele aber harften
und flöteten, schlugen Lauten und Pauken (Th. Mann.
Joseph 142); Ü und nur über unseren Ebenen, an unseren
Klippen harft der Wind seine alten Heldenlieder (Geissler,
Nacht 104).
tfyrfen-: -klang, der; -spiel, das: Spiel auf der Harfe;
-Spieler, der; -Spielerin, die: w. Form zu -Spieler.
Harfenist [harfo'nist], der; -en, -en: jmd., der [berufsmäßig]
Harfe spielt; Harfenistin, die; -, -nen: w. Form zu T
Harfenist; Harfher [harfne], der; -s, - (veraltet): Harfenspieler;
H^rfnerin, die; -. -nen (veraltet): w. Form zu T Harfner.
Haridsehan [hatfd^an], Harijan [ha.rijan], der; -s. -s [engl,
harijan < Hindi = Person Gottes, gepr. von dem indischen
Freiheitskämpfer Gandhi (1869-1948)]: Inder, der keiner
Kaste angehört. Vgl. Paria.
Harke [harka], die; -, -n [aus dem Niederd. < mniederd.
harke, urspr. lautm.. nach dem kratzenden Geräusch, das
man mit dem Gerät hervorbringt] (regional, bes. nordd.):
1. Gerät zur Garten- u. Feldarbeit mit langem Stiel u. quer
angeordneten Zinken, das zum Glätten der Erde od. zum
Zusammenholen von Laub o.a. dient; Rechen: das Beet
mit der H. glätten; *Jmdm. zeigen, was eine H. ist (salopp;
jmdm. nachdrücklich u. unmißverständlich die Meinung
sagen; jmdn. deutlich belehren; viell. nach der Erzählung
vom Bauernsohn, der aus der Stadt zurückkehrt u. vorgibt,
nicht mehr zu wissen, was eine H. ist. u. es erst wieder
weiß, als er auf die Zinken tritt u. ihm der Stiel an den
Kopf schlägt). 2. (ugs. scherzh.) Kamm; <Abl.:> harken
fharkii] <sw. V.; hat) [mniederd. harken] (bes. nordd.):
l.a) (ein Beet o.a.) mit der Harke eben machen, glätten:
nach dem Umgraben muß man das Beet h.; b) mit der
Harke von Laub o.a. befreien [u. glätten]; mit der Harke
säubern u. glätten: den Rasen h.; die Gartenwege h.;
geharkte Kieswege ; c) mit der Harke von etw. entfernen: Laub,
geschnittenes Gras vom Rasen h.; Er winkte einem Gärtner
zu. der das faulende Laub aus den Büschen harkte
(Sebastian. Krankenhaus 95); d) mit der Harke zusammenholen
u. aufhäufen: Laub. Heu h. 2. (ugs. scherzh.) kämmen.
Harlekin [harleki:n], der, -s. -e [frz. arlequin < ital. arlec-
chino. zu afrz. maisnie Hellequin = Hexenjagd; wilde,
lustige Teufelsschar; H. u.]: 1. Narrengestalt der Com-
media delVarte: Ü er ist ein richtiger H. (alberner
Spaßmacher, Possenreißer). TL svw. TStachelbeerspanner;
Harlekinade [harlekl'na:d3], die; -. -n [frz. arlequinade]: svw.
tHanswurstiade; harlekinisch <AdJ.; o. Steig.): in der Art
des Harlekins: eine -e Begabung entwickeln.
Harm [härm], der; -[e]s [mhd. härm, ahd. haram =
Kränkung. Kummer, Qual] (geh., veraltend): zehrender, großer
innerlicher Schmerz, Kummer; Gram: bitterer, nagender
H.; Nur eine ständige streng ablenkende Arbeit oder
Beschäftigung hätten ... den H. hintanzuhalten vermocht
(A. Kolb. Daphne 124).
Harmattan [harma'ta:n], der: -s [aus einer nordwestafrik.
Eingeborenenspr. haramata]: trockener, von der Sahara
zur atlantischen Küste Afrikas wehender Nordostwind.
härmen [herman] <sw. V.; hat) [mhd. hermen = plagen.
Quälen, ahd. härmen, zu tHarm]: a) <h. + sich) (geh.)
sich grämen, sich sehr sorgen: sie härmt sich um ihr Kind;
sich zu Tode h.; b) (veraltend) bekümmern: tief bedrücken:
der Verlust härmte ihn; harmlos <Adj.; -er. -este) (urspr.
= leidlos, später Bedeutungsentlehnung aus engl, harmless
= unschädlich, ungefährlich]: I. keine {unsichtbaren,
versteckten] Gefahren in sich bergend; ungefährlich: eine -e
Verletzung; er hatte einen -en (nicht sehr ernst zu
nehmenden) Schnupfen; ein -er (nicht zu Gewalttaten o.a.
neigender) Irrer; dieses Schlafmittel ist ganz h. (unschädlich);
die Krankheit verläuft h. (ohne Komplikationen); es fing
alles ganz h. an (ohne daß man Schlimmes vermutet hätte).
2. a) ohne verborgene Falschheit; ohne böse Hintergedanken;
arglos: ein harmloser Mensch; eine -e Frage; ein -er Witz
(keine Zote); sie ist ein -es (mives, einfältiges) Geschöpf;
h. fragen, lachen; er tat ganz h.; b) ohne größeren Anspruch:
eine -e Freude; ein -es Vergnügen; <Abl.:> Harmlosigkeit,
die; -, -en: 1. <o. PI.) das Harmlossein; Ungefährlichkeit;
Unschädlichkeit: die H. dieser Krankheit, dieses
Medikaments ist noch nicht erwiesen. 2. <P1. selten) harmloses
(2) Wesen, Verhalten: er fragte ihn in aller H.; mit gespielter
H.; mit diesen -en war die Abwehr des Gegners nicht
zu überlisten.
Harmonie [harmo'ni:]. die; -. -n [...i:an; lat. harmonia <
griech. harmonia. eigtl. = Fügung] (Ggs.: Disharmonie):
l.a) (Musik) wohltönender Zusammenklang mehrerer Töne
od. Akkorde: die H. eines Dreiklangs; Daß viele der Älteren
die Musik ... wegen ihrer kühnen -n als „hypermodern"
verschrien (Zuckmayer, Fastnachtsbeichte 19); b) <P1.
selten) ausgewogenes, ausgeglichenes, gesetzmäßiges
Verhältnis von Teilen zueinander: die H. der Farben, Formen;
eine dreifache H. mit Rock, Bluse und Gürtel (Dariaux
[Übers], Eleganz 44). 2. <P1. selten) als wohltuend,
angenehm empfundene innere und äußere Übereinstimmung;
Einklang, Eintracht: die körperliche, seelische, geistige H.
zwischen zwei Menschen; Sie bemühten sich beide, die
eheliche H. wiederherzustellen (Jaeger. Freudenhaus 209);
die ewige, göttliche H. des Kosmos; alles ist in schönster
H.; die H. ist gestört; in völliger H. zusammenleben.
Harmonie-: -gesetz. das: eine den -en folgende
Komposition; ^ lehre, die: a) <o. PI.) Teilgebiet der
Musikwissenschaft, das sich mit den harmonischen Verbindungen von
Tönen u. Akkorden im musikalischen Satz befaßt; b) von
einem Musikwissenschaftler od. Komponisten aufgestellte
Theorie, die sich mit den harmonischen Verbindungen von
Tönen u. Akkorden befaßt; -musik. die: 1. von Blech- u.
Holzblasinstrumenten ausgeführte Musik. 2. svw. t
^Orchester: Pfarrer Gebhard Amman dankte in der Ansprache
der H. für ihre eifrige Teilnahme bei kirchlichen Anlässen
(Vorarlberger Nachr. 28. 11. 68, 5); --Orchester, das: aus
Holz- u. Blechbläsern bestehendes Orchester.
harmonieren [harmo'ni.ran] <sw. V.; hat) [zu t Harmonie]:
l.a) (von Tönen, Akkordeno.ä.) angenehm
zusammenklingen (Ggs.: disharmonieren 1 a); b) gut zusammenpassen,
ein als angenehm empfundenes Ganzes bilden: der Hut
harmoniert gut. schlecht mit der Handtasche; die Farben
harmonieren nicht miteinander; tödlich für den Autor,
da Höflichkeit selten mit der Wahrheit harmoniert
(Deschner. Talente 155). 2. gut miteinander auskommen,
in gutem Einvernehmen stehen (Ggs.: disharmonieren 2):
die Eheleute harmonieren gut miteinander; ... als er
rühmte, wie musterhaft SS und Industrie in Auschwitz
harmonieren (Hochhuth. Stellvertreter 208); Harmonie
[har'mo:nik]. die; - [lat. harmonice < griech. harmonike]
(Musik): Lehre von der Harmonie (1 a); Harmonika [har-
'mo.nika], die; -. -s u. ...ken [gepr. von B. Franklin (1706
bis 1790) für die alte tGlasharmonika, nach lat. harmoni-
cus (T harmonisch), wegen der Eigenart des Instruments,
nur harmonische Akkorde ertönen zu lassen]:
Musikinstrument, dessen Metallzungen durch Luftzufxihr (durch den
1149
Harmonika -
Mund bzw. einen Balg) in Schwingung versetzt werden (z. B.
Mund-, Zieh- od. Handharmonika).
Harmonika-: ^balg. der: Balg der Zieh- od. Handharmonika;
-bett. das: wie eine Harmonika zusammenfaltbares Bett:
-hose, die (ugs. scherzh.): zu lange Hose mit Querfalten:
-Instrument, das: -Spieler, der; -Spielerin, die; -tür, die:
Tür, die wie eine Harmonika zusammengeschoben werden
kann: Falttür.
harmonikal [harmoni'ka:l] <Adj.; o. Steig.) (Musik): den
(festen) Gesetzender Harmonie folgend, entsprechend: Har-
moniker [har'moiniks], der; -s. - [zu griech, harmonikös
= Musikkundiger): Musiktheoretiker im alten Griechen-
land. harmonisch<Adj.) [lat. harmonicus < griech.
harmonikös, zu: haimonfa, T Harmonie]: 1. a) (Musik) den
Harmoniegesetzen entsprechend; Wohlklänge enthaltend,
wohlklingend (Ggs.: disharmonisch 1 a): ein -er Akkord; eine
Melodie klingt h.; -e Teilung (Math.; Teilung einer Strecke
durch einen Punkt auf der Strecke u. einen außerhalb, so
daß gleiche Teilungsverhältnisse entstehen; b) in Farbe, Form
o. ä. gut zusammenpassend; ein ausgewogenes Ganzes
bildend (Ggs.: disharmonisch 1 b): ein -er Wein; h.
aufeinander abgestimmte Farben, Formen; Es ist sehr schwer, drei
verschiedene Farben zu einer eleganten und -en
Kombination zusammenzustellen (Dariaux [Übers.], Eleganz 87).
2. im Einklang mit sich, mit anderen; in Übereinstimmung,
im guten Einvernehmen [stehend/ (Ggs.: disharmonisch
2, unharmonisch): ein -es Zusammenwirken; eine -e Ehe
fuhren; die Sitzung verlief sehr h.; Harmonische, die; -n.
-n (Physik): Schwingung, deren Frequenz ein ganzzahliges
Vielfaches einer Grundschwingung ist; harmonisieren
[harmonieren] <sw. V.; hat) [frz. harmoniser]: 1. (Musik)
eine Melodie mit passenden Akkorden od. Figuren begleiten
od. versehen. 2. in Übereinstimmung, in Einklang bringen;
harmonisch gestalten: Man hätte das natürlich auch
aufeinander abstimmen und ein bißchen h. können (Thielicke,
Ich glaube212); harmonisierte Steuern (Wirtsch.; innerhalb
eines größeren Systems dem System angepaßte Steuern),
dazu: Harmonistening« die; -. -en: 1. das Harmonisieren
(1). 2. (Wirtsch.) Abstimmung konjunktur-, ftnanz-, sozial-
u. außenhandelspolitischer Maßnahmen verschiedener
Staaten aufeinander, die eine gemeinsame Wirtschaftspolitik
gewährleisten soll: die H. der Steuersysteme, der Getreideprei-
se in der EG; Harmonium [har'mo:nium], das; -s. ...ien
[...pn; 1840 gepr. von dem frz. Instrumentenmacher A.
F. Debain (1809-77), zu I Harmonie]: Tasteninstrument,
dessen Töne durch Zungen erzeugt werden, die durch den
Druck- u. Saugwind von Blasebälgen bewegt werden; Har-
monogramm [harmono'gram], das; -s, -e [zu fHarmonie
u. l-gramm] (Wirtsch.): graphische Darstellung von zwei
od. mehr voneinander abhängenden Arbeitsabläufen (als
Hilfe zur Koordination).
Harn [harn], der; -[e]s. -e [mhd. harn. ahd. har(a)n. eigtl.
= das Ausgeschiedene] (Physiol.. Med.): in den Nieren
gebildete, klare gelbliche Flüssigkeit, mit der ein Teil der
Stoffwechselschlacken aus dem Körper ausgeschieden wird;
Urin.
hqrn-, Hbyrn-: -abgang, der; -blase, die: im Becken gelegenes
Hohlorgan in Form einer Blase zur Aufnahme des Harns;
-blutung, die (Med.): svw. t Hämaturie; -drang, der:
starkes i Bedürfnis. Harn zu lassen; ^entleening. die; ^(lasche,
die: flaschenförmiges Gefäß für den Harn bettlägeriger
Männer; -griefl, der (Med.): svw. t^sand; -leiter. der (Med.):
Verbindungsteil zwischen Niere u. Harnblase in Form eines
dünnen Schlauches; -organ, das <meist PI.) (Med.): Organ,
das der Bildung u. Ausscheidung von Harn dient; -röhre,
die (Med.): Ausführungsgang aus der Harnblase; ^ruhr,
die (Med.): krankhaft vermehrte Ausscheidung von Harn;
-sand, der <o. PI.) (Med.): kleine u. kleinste feste
Bestandteile des Harns; -säure, die: im Harn gelöste, weiße,
geruchlose Kristalle bildende chemische Verbindung als ein
Endprodukt des Eiweißstoffwechsels; -sperre, die (Med.):
vollständige Blockierung des Harnabgangs; -Stauung, die (Med.);
-stein, der (Med.): steinartige Bildung aus Salzen in der
Niere, im Nierenbecken, in Harnleiter u. -blase; ^stofT,
der (Med., Chemie): Stickstoffverbindung im Harn von
Säugetieren, als wichtigstes Emiprodukt des
Eiweißstoffwechsels; -strahl, der; -treibend <AdJ.): die Ausscheidung von
Harn fördernd: -e Mittel; Kaffee wirkt h.; -Vergiftung,
die (Med.): svw. t Urämie; -verhaltung, die (Med.):
Unfähigkeit, Harn zu lassen; -wege <P1.) (Med.): Gesamtheit
von Nierenbecken, Harnleiter, -blase u. -röhre; -zucker,
der (Med.): mit dem Harn ausgeschiedener Blutzucker;
^zwang, der (Med.): schmerzhafter, häufiger Harndrang.
harnen [harran] <sw. V.; hat) [spätmhd. harnen, zu THarn]
(selten): die Harnblase entleeren, urinieren.
Harnisch [hamij], der; -s. -e [mhd. harnasch = Harnisch,
kriegerische Ausrüstung < afrz. hamais, H. u.J:
Ritterrüstung: den H. anlegen; *in H. sein (zornig sein; eigtl. =
die Rüstung anhaben u. daher zum Kampf bereit sein);
imdn. in H. bringen (jmdn. so reizen, daß er zornig, wütend
wird): Das bringt nun die konservative und katholische
Presse ihrerseits in H. (Werfel. Bemadette 270); in H.
geraten/(seltener.) kommen (im Verlauf eines Ereignisses
wütend, zornig werden): Aber über die Möglichkeit, die
atomare Bewaffnung der Bundeswehr könne eingefroren
... werden, gerieten Bonner Minister in H. (Augstein,
Spiegelungen 118).
Harpagon ['haipagan. frz.: arpa'gö], der; -s, -s [nach der
Hauptfigur des Lustspiels „Der Geizige" von Mollere]
(bildungsspr. veraltet): Geizhals.
Harpune [har'pu:n3], die; -. -n [niederl. harpoen < frz.
harpon. eigtl. = Eisenklammer, zu: harpe = Klaue. Kralle,
aus dem Germ.]: 1. zum (Waljfischfang benutzter
Wurfspeer od. pfeilartiges Geschoß aus Eisen mit Widerhaken
u. Leine. 2, (Textiltechnik) Hilfsmittel zum Einweben der
Querfaden an Webautomaten; <Zus. zu 1:)
Harpunengeschütz, das: Geschütz, mit dem Harpunen abgeschossen
werden, Harpunenkanone« die: vgl. -geschütz; Harpunier [har-
pu'ni:?], der; -s. -e [niederl. harpoenierj: jmd., der eine
Harpune (1) wirft od. abschießt; harpunieren [harpu'ni:ren]
<sw. V.; hat) [niederl. harpoeneren]: mit der Harpune (1)
treffen, arbeiten: einen Wal h.; Harpunierer, der; -s. -:
svw. t Harpunier.
Harpyie [har'pyda], die; -. -n [lat. Harpyia < griech. Här-
pyia, eigtl. = Räuberin]: 1. <meist PI.) (griech. Myth.)
Sturmdämon in Gestalt eines Mädchens mit Vogelflügeln.
2. in Süd- u. Mittelamerika heimischer, dem Adler ähnlicher,
großer Greifvogel.
harren fharan] <sw. V.; hat) [mhd. harren. H. u.] (geh.):
mit bestimmter innerer Erwartung über eine gewisse Zeit
hin auf ein Ereignis od. eine Person warten: wir harrten
seiner; man harrte auf Nachzügler; den ganzen Sabbat
harrte ich vergebens auf ein Wort von ihm (Buber. Gog
18); daß sie nun ohne Mann bleiben und unbestimmt
wie ein junges Mädchen harren werde (Musil, Mann 800);
R harren der Dinge, die da kommen sollen (nach Luk.
21. 26); Ü neue Aufgaben harren seiner; diese
Angelegenheit harrt der Erledigung (sollte, müßte noch erledigt
werden); Hier harren noch eine ganze Reihe hochinteressanter
Fragen der Beantwortung (sollten erforscht u. beantwortet
werden; Lorenz. Verhalten I. 147).
Harris-Tweed [haenstwi.d], der; -s [engl. Harris Tweed©;
nach Harris, einem Teil der Hebrideninsel Lewis with
Harris]: handgesponnener u. handgewebter Tweed: ein
Mantel aus H. :
harsch [harl] <AdJ.; -er, -leiste) [aus dem Niederd. < mnie-
derd. harsk = rauh, hart, rissig, eigtl. = kratzend, reibend]:
1. <o. Steig.) a) (selten) rauh, eisig: ein -er Wind; b) (von
Schnee) vereist, mit einer Eiskruste überzogen: Sie holte
mir das Fahrrad aus dem Graben und setzte es in den
-en Schnee (v. d. Grün, Irrlicht 6). 2. (geh.) unfreundlich,
barsch: -e Worte; sich h. über etw. äußern; Und er mußte
auch zugeben, daß das. was er so h. moniert, nichts anderes
... ist (Spiegel 1/2,1972,94); Harsch [-], der; -[e]s:
hartgefrorener, eisverkrusteter Schnee: im H. einbrechen; <Abl.:>
harschen [harjn] <sw. V.; hat): hart gefroren, krustig sein:
der Schnee harscht; h^rschig <AdJ.>: (vom Schnee) hart
gefroren, vereist, krustig; <Zus.:) hfyrsdi9chnee, der; -s.
Harst [harst], der; -[e]s, -e [spätmhd. harst, Nebenf. zu
mhd. harsch = Haufen. Schar, H. u.] (Schweiz.): Vorhut
des altschweizerischen Heeres; Kampfgruppe; Schar.
hart [hart; mhd. (md.) hart, hert(e), ahd. herti]: I. <Adj.;
härter, härteste): 1. (nicht adv.) a) einem Druck kautn
od. nicht nachgebend; so beschaffen, daß ein Eindringen
von außen gar nicht od. nur mit größerem Kraftaufwand
möglich ist (Ggs.: weich): ein -er Stein; -es Brot, Holz;
-e Knochen; eine -e (nur wenig federnde) Matratze; -e
(hartgekochte) Eier; ein -er Bleistift (mit harter Mine);
das Leder ist h.; die Kartoffeln sind noch h. (noch nicht
gar); h. wie Stahl; der Bauch ist geschwollen und h.;
1150
hart-, Hart-
b) (in bezug auf Geld) stabil, sicher: eine -e Währung;
-e Devisen; in -er D-Mark bezahlen; Heute ist es
selbstverständlich, daß die DM zu den drei härtesten Währungen
der Welt gehört (Dönhoff, Ära 104); c) (in bezug auf
Wasser) kalkhaltig (Ggs.: weich): -es Wasser; das Wasser
ist hier härter als im Gebirge; d) abgehärtet, robust u.
widerstandsfähig: Cowboys sind -e Burschen; R gelobt sei.
was h. macht; * h. im Nehmen sein (Schläge, negative
Erfahrungen o.a. ohne größere Nachteile ertragen können): der
Boxer ist h. im Nehmen; diese Enttäuschung macht ihr
nichts aus. sie ist h. im Nehmen. 2. mühevoll, schwer
(erträglich]: -e Arbeit; eine -e Jugend hinter sich haben;
es waren -e Jahre; der Tod seiner Frau war ein -er Schlag
für ihn; es ist h., im Exil leben zu müssen; er mußte
für seinen Reichtum h. arbeiten; das Leben ist härter
als ich dachte (A. Zweig. Claudia 135); es kommt mich
h. an (es fällt mir schwer), dir das zu sagen. 3. jedes
Mitgefühl unterdrückend, nicht durch Mitgefühl beeinflußt,
unbarmherzig, streng: ein -er Friedensvertrag; -e Gesetze;
ein -es Urteil; ein -es Gesicht; -e Augen; mit -en
(verkniffenen) Mundwinkeln; ein -es (nicht zu erweichendes) Herz
haben; ein -er politischer Kurs; das sind -e Worte; eine
-e Lehre. Schule; er war h. und jähzornig; die Leiden
hatten sie h. gemacht; sei nicht so h. mit ihm; Jmdn.
h. anfassen (sehr streng behandeln);Krämer, von Zichkow-
ski kommend, mußte h. durchgreifen (Apitz. Wölfe 209).
4.a) von großer [als unangenehm empfundener] Stärke,
Intensität: ein -er Winter; -e (grelle, kontrastreiche)
Farben; ein -es (scharf akzentuiertes, unmelodisches)
Französisch sprechen; ein -er (stimmloser) Konsonant; Dieser
-e Fanfarenton könnte einen Toten aufwecken (St. Zweig.
Fouchö 156); -e (hochprozentige) Drinks. Getränke; -e
Drogen (starkes, abhängig machendes Rauschgift, z. B.
Heroin, LSD): auf den dicken Brillengläsern brach sich h.
das Licht (Apitz. Wölfe 119); b) heftig, wuchtig: ein -er
Aufprall. Ruck; eine -e Auseinandersetzung; der Wind
wurde härter und begann heimtückisch auf unserer
Takelung zu flöten (Leip. Klabauterflagge 17); h.
aneinandergeraten (sich heftig streiten): Jmdn. h. am Arm packen;
der Frankfurter stieg sehr h. ein (Sport; spielte mit vollem
körperlichen Einsatz, aber nicht unfair); *es geht h. auf
h. (es geht um eine letzte, folgenschwere Entscheidung,
die ohne Schonung ausgetragen wird). II. <Adv.> nahe,
ganz dicht: das Haus liegt h. an der Straße; er fuhr h.
am Abgrund vorbei; h. an der Grenze des Erlaubten;
Immer h. am Ball blieb Fritz Walter (Quick 34. 1958.
17); h. am Wind segeln (Seemannsspr.; bei schräg von
vorn kommendem Wind segeln)', h. (Seemannsspr.;
geradewegs, direkt) auf etw. zuhalten; Oft genug knipste Vater
h. vor dem Einschlafen noch mal überraschend das Licht
an (selten; kurz vor: Schnurre, Bart 156).
h^rt-, H91I-: -bedrängt <Adj.; härter, am härtesten
bedrängt; nur attr.): der -e Gegner; -beton, der: aus
Zementmörtel mit besonderen Zuschlagstoffen hergestellter
Beton für Fußboden- u. Treppenbeläge: -blättrig <Adj.;
nicht adv.) (Bot.): mit harten Blättern: eine -e Pflanze;
-blei. das: Legierung aus Blei u. Antimon: -bofist, -bovist,
der: vgl. Bofist; -brand, der <o. PL>: kurz für tGerstenhart-
brand. t Haferhartbrand; -brandziegel, der: früher für
f Vormauerziegel; -faser. die: steife, harte Faser aus
verschiedenen Tropenpflanzen (z. B. Sisal-. Kokosfaser); ^fa-
serplatte. die: unter hohem Druck gepreßte Holzfaserplatte:
ein Schrank aus -n; ^fett. das: gehärtetes tierisches od.
pflanzliches Fett: ^futter, das (veraltend): Körnerfutter:
Hiebrannt (Adj.; härter, am härtesten gebrannt; nur attr.):
-e Ziegel; -gefroren <Adj.; härter, am härtesten gefroren;
nur attr.): -er Boden; -gekocht <Adj.; härter, am härtesten
gekocht): 1. <nur attr.) (von Eiern) durch Kochen fest
geworden (Ggs.: weichgekocht): -e Eier. 2, <nicht adv.)
svw. T hartgesotten (2): Was ein Mann zu Männern sagt,
das bedeutet nichts. Da will er groß und mächtig erscheinen
und besonders h. (Brecht. Mensch 82); -geld, das <o.
PL): Münzen im Unterschied zu Geldscheinen: -gesotten
<Adj.>: 1. (härter, am härtesten gesotten; nur attr.)
(landsch.): svw. thartgekocht (1). 2. <-er. -ste; nicht adv.)
a) (auf Grund seiner Erlebnisse ) nicht mehr zu beeindrucken,
für Gefühle nicht empfänglich u. mehr vom Verstand
bestimmt: ein -er Manager; Daß die Entscheidungen der
Woche normalerweise im Boxring oder auf dem Laufsteg
fielen, wird nicht einmal der -ste Illustriertenredakteur
behaupten (Enzensberger. Einzelheiten 1.108); b)
unbelehrbar, unzugänglich, verstockt: ein -er Sünder; auch der -ste
Pessimist könnte ... nicht mehr an unserem Sieg zweifeln
(Spiegel 48, 1965. 89); -gestein, das: besonders harter
Naturstein (z. B. Granit); -glas, das: besonders hartes Glas:
-gummi. der. auch: das: durch Vulkanisation gewonnenes
Produkt aus Natur- od. Kunstkautschuk, das bes. in der
Elektroindustrie als Isolierstoff verwendet wird: -guß, der:
besonders hartes Gußeisen: -herzig <Adj.): ohne Mitgefühl:
vom Leid anderer nicht berührt; unbarmherzig: ein -er
Mensch; seinen Mitmenschen gegenüber h. sein: auf eine
Bitte h. reagieren, dazu: -herztgkeit, die; -, -en <P1. selten):
hartherziges Wesen, Verhalten; -heu, das Imhd. harthöu-
wel: krautige Pflanze, Strauch mit holzigen Stengeln u.
meist gelben Blüten; Johanniskraut; -holz, das: sehr festes
u. schweres Holz (z. B. Buchsbaum, Ebenholz; Ggs.:
Weichholz); -hörig <AdJ.>: 1. <nicht adv.) (veraltet) svw.
T schwerhörig. 2. mit Absicht nicht hörend; auf eine
Aufforderung o.a. nicht reagierend, dazu: -hörigkeit, die; -: -käse,
der: Käse von fester, trockener Beschaffenheit (z. B.
Emmentaler; Ggs. .Weichkäse); ^kemgranate,die(Milit.): Geschoß
ohne Sprengladung, dessen Durchschlagskraft nur auf der
Energie des Aufpralls beruht; -köpfig <AdJ.) (landsch.):
a) starrsinnig, eigensinnig, dickköpfig: ein -es Kind; sich
h. weigern; b) von beschränkter Auffassungsgabe: ein -er
Schüler, dazu: -köpfigkeit, die; -; -laubgewächs. das:
immergrünes Gewächs mit meist kleinen, saftarmen, lederigen
Blättern (z.B. Lorbeer); -leibig [-kybi<;] <Adj.): 1. <nicht
adv.) (veraltend) an Verstopfung leidend; verstopft. 2.
geizig, knauserig; nicht bereit, etwas herzugeben: Er galt als
eine große Nummer im Verkaufen, aber er hatte noch
nie so -e Leute zu überreden gehabt wie diese drei Burschen
(Baum. Paris 51). dazu: -leibigkeit, die; -; -lot, das (Metall-
bearb.): Legierung aus Kupfer u. Zink zum Hartlöten; -löten
<sw. V.; hat; nur im Infinitiv u. 2. Part,
zusammengeschrieben): bei einem Schmelzpunkt von über 450° C löten (Ggs.:
Weichlöten); <subst.:) -löten, das; -s; -mann, der <P1. -män-
ner) (scherzh.): runder, steifer schwarzer Herrenhut; -mäu-
Itg [-m^ylic] <Adj.; nicht adv.): (von Pferden) am Maul
unempfindlich u. daher die Zügel nicht spürend u. schwer
zu lenkend: Ü Sie sind h. (eigensinnig, dickköpfig) wie
ein oller Maulesel (Fallada. Jeder 193). dazu: -mäuligkeit.
die; -; -melkig [-melki9) <Adj.; nicht adv.): sich schwer
melken lassend: eine -e Kuh. Ziege, dazu: -meütigkeit,
die; -: -metall, das: Metall mit besonderer Härte u.
Widerstandsfähigkeit; -monat, -mond, der Imhd. hertemanöt.
ahd. hertimänöd] (veraltet): Januar (auch: November,
Dezember)', -nackig [-nekic] <Adj.) [spätmhd. hartnäckig]:
a) eigensinnig an etw. festhaltend, auf seiner Meinung
beharrend, ummchgiebig: ein -er Bursche; h, schweigen; sich
h. weigern; b) beharrlich ausdauernd; nicht bereit, auf- od.
nachzugeben: -en Widerstand leisten; ein -er Lügner; Raka
seufzte ein wenig, denn Lambons -e Fragewut war
anstrengend (Baum. Bali 77); der Antragsteller war sehr h.; h.
fragen, suchen; c) schwer zu vertreiben; langwierig: ein
-er Schnupfen; eine -e Erkältung; Man kann, wenn der
Fleck besonders h. ist. ihn dazwischen immer wieder mit
etwas Zitronensaft einreiben (Hom, Gäste 157); etw. hält
sich h.. dazu: -näckigkeit, die; -: das Hartnäckigsein,
hartnäckiges Wesen; -Packung, die: Zigarettenschachtel aus
festem Karton; -papier. das (Technik): Schichtpreßstoff
aus Papier u. Harz (bes. als Isolierstoff in der Elektrotechnik
verwendet); -pappe, die: besonders steife u. feste Pappe
für Koffer u. ä.; -platz, der (Sport): Sportplatz, bes.
Tennisplatz, mit einer festen I wasserundurchlässigen] Oberfläche;
Allwetterplatz; -Porzellan, das: Porzellan, das bei hoher
Temperatur gebrannt wirdu. besonders fest u.
widerstandsfähig ist; -riegel, der [mhd. hartrügele. ahd. hart(t)rugil;
der Name bezieht sich auf das harte Hplz; der 2. Bestandteil
ist ein untergegangenes Wort mit der Bedeutung „Holz,
Baum"]: Strauch mit behaarten Blättern, doldenartigen
Blüten u. weißen, roten, blauen od. schwarzen Steinfrüchten
(u.a. Komelkirsche); -rindig <Adj.; Steig, ungebr.; nicht
adv.): eine harte Rinde besitzend: ein -er Baum; -säufer,
der (salopp): jmd., der viel Schnaps trinkt; -schädel, der
(ugs.): svw. T Dickschädel, dazu: -schäd[e]lig <AdJ.; nicht
adv.) (ugs.): svw. f dickschädelig; -schalig [-Ja.lif] <Adj.;
nicht adv. >: eine harte Schale (1) besitzend: eine -e Frucht;
-Spiritus, der: durch bestimmte Zusätze in feste Form
gebrachter Brennspiritus: H. für einen Spirituskocher; ^ware.
1151
Harte
die [engl, hardware = Metall-. Eisenwaren! (Fachspr.):
Haushaltsgegenstand od, -gerät: 30000 Artikel .... die sich
nach Umsätzen gegliedert in 50 Prozent -n. 25 Prozent
Textilien und 25 Prozent Lebensmittel aufteilen (MM 24.
8. 72. 6); ^weisen, der: kleberreicher Weizen, der für die
Herstellung von Teigwaren verwendet wird: Glasweizen,
dazu: -Weizengrieß, der. Nudeln aus H.; ^wurst, die: sehr
feste Dauerwurst: Salami: Mankämpft <Adj.; härter, am
härtesten umkämpft; nur attr.): ein -es Fort.
Harte Charta], der; -n. -n <Dekl. tAbgeordnete) [zu thart
(4a)] (ugs.): / ein Glas] Schnaps: Ich denke, wir alten
Burschen sollten noch schnell einen -n kippen (Fr. Wolf,
Menetekel 305); Härte Cherto]. die; -. -n [mhd. herte. ahd.
hart!]: La) das Hartsein: Widerstand* den ein Körper dem
Eindringen eines anderen entgegenbringt: Festigkeit: die
H. des Stahls, des Holzes; dieses Material gibt es In
verschiedenen -n; die H. der Strahlung (Physik; Grad der
Fähigkeit von Strahlen, durch etw. hindurchzudringen)', b)
(in bezug auf Geld) Stabilität: die H. der deutschen Mark;
c) Gehalt des Wassers an Kalk: d) das Abgehärtetsein,
Robustheit u. Widerstandsfähigkeit: den Spielern fehlt noch
die nötige H. 2. harte (2) Bedingung, schwere Belastung:
die H. des Schicksals ertragen; um unnötige -n bei den
deutschen politischen Emigranten zu lindern (Leonhard.
Revolution 130); soziale -n (Benachteiligungen,
Ungerechtigkeiten) vermeiden. 3. <PI. ungebr.) Strenge, Utwrbittlich-
keit, UnbarmJierzigkeit: die H. des Gesetzes zu spüren
bekommen; etw. mit rücksichtsloser, schonungsloser H.
durchsetzen; in seinem Gesicht lag ein selbstbewußter und
adliger Zug von unbeugsamer H. (Thieß, Legende 94).
4. <P1. ungebr.) a) harte (4a) Beschaffenheit: (als
unangenehm empfundene] Intensität, Stärke: die H. der Farben,
Töne; b) Heftigkeit, Wucht, Schärfe: die H. des Aufpralls;
der Gegner brachte eine unnötige H. ins Spiel; englische
H. (Sport; bis an die Grenze des Erlaubten gehender
körperlicher Einsatz)', eine Debatte in aller H. austragen.
Hfrte- (Härte, härten): ^ausgleicht der: finanzieller
Ausgleich beim Auftreten sozialer Härten: ^fall, der: a) (bei
strenger Einhaltung od. Anwendung von Vorschriften
eintretender) Fall von sozialer Belastung od. Ungerechtigkeit:
Wenn nach dem Gesetz grundsätzlich ein Fahrverbot
erlassen werden muß .... darf der Richter nur in ganz
außergewöhnlichen Härtefällen vom Fahrverbot absehen
(Hörzu 43, 1975, 112); b) (ugs.) jmd.. dessen Situation
einen Härtefall(a) darstellt: „Na und", sagte der Arztsohn,
„dann wäre ich eben ein H." (Spiegel 22,1975.60); -fonds,
der: Geldfonds, dessen Mittel für Menschen, die sich in
einer Notlage befinden, bestimmt sind: -grad, der: Grad
der Härte da); Mnittel, das: chemischer Stoff, der Metallen
zur Erreichung größerer Härte da) zugesetzt wird: M>fen,
der: Ofen zum Härten von Stahl: -Paragraph, der (Jur.):
Paragraph, der Härtefälle (a) vermeiden od. ausgleichen
soll, ^priifiing, die: Prüfung, der ein Werkstoff zum
Feststellen der Härte da) unterzogen wird: ^skala, die: in 10
Stufen eingeteilte Skala, nach der die Härte da) von
Edelsteinen u. Mineralien eingeteilt wird: ^stufe, die: Stufe auf
der Härteskala: -verfahren, das: Verfahren zum Härten
von Metall.
Hartebeest [hartobe:st], das; -s. -e u. -er [afrikaans hartbees.
zu niederl. hert = Hirsch u. beest = Tier]: Kuhantilope
der südafrikanischen Steppe.
härten Chertn] <sw. V.; hat) [mhd.. ahd. herten]: a) hart
(1 a) machen: Stahl h.; gehärtetes Fett; Ü wer seine Seele
härtet, kann ruhig jeden Speer erwarten (Wiechert, Jero-
min-Kinder 289); b) hart d a) werden: Ich will einen Stoff
machen, der erst formbar ist. dann aber selbst härtet
(Gehlen. Zeitalter 10); <auch h. + sich:) ... auch härteten sich
an der Luft die zerknitterten, fein geäderten Flügel (der
geschlüpften Libelle: Gaiser, Schlußball 210); c) <h. +
sich) (selten) sich hart, widerstandsfähig machen: sich durch
Sport h.; Härter [herte], der; -s. -: chemisches Mittel,
das Kunstharzen, Stahl o.a. zum Härten zugesetzt wird:
Härterei [hErto'raj], die; -. -en: Abteilung in Metallbetrieben,
in der die Metalle gehärtet werden: Härtung Chertlii)], der;
-s, -e [2: zu landsch. veraltet hart = von beißendem,
scharfem Geschmack]: 1. (Geol.) Geländeerhebung, die
infolge ihres widerstandsfähigeren Gesteins weniger
abgetragen wurde u. deshalb über ihre Umgebung hinausragt. 2.
(veraltet) spätgewachsene Weintraube, die die nötige Reife
nicht mehr erreicht. Vgl. Herling.
Hartschier [har'tji:^]. der; -s. -e (ital. arciere =
Bogenschütze, zu: arco = Bogen < Iat. arcus] (hist.): Angehöriger
der Leibgarde des bayrischen Königs.
Härtung Chartun; zu thart]. der; -s. -e (veraltet): Januar.
Härtung ['herton], die; -. -en: das Härten.
Haruspex [ha'ruspeks]. der; -, -e u. Haruspizes [ha'ruspi-
t$e:s; Iat. haruspex]: (bei den Etruskern u. Römern) jmd..
der aus den Eingeweiden von Opfertieren wahrsagt: Hanispi-
zhan [haru'spi:t$jum], das; -s, ...ien [...jpn; Iat. haruspi-
cium]: Wahrsagung aus den Eingeweiden von Opfertieren.
Harz [ha:?lß], das; -es. -e [mhd. harz. ahd. harz(uh); H.
u.]: bes. aus dem Holz von Nadelbäumen austretende,
zähflüssige Absonderung, die sich an der Luft zu klebrigen,
stark duftenden, weißlichen bis gelbbraunen, an der Rinde
haftenden Klümpchen verfestigt u. zur Herstellung von Lack.
Firnis u. Seife verwendet wird: H. durch Einritzen der
Rinde gewinnen; es riecht nach H.; die Tannenzweige
sind klebrig von H.
harz-. Harz-: -artig <Adj.; o. Steig.): eine -e Masse; -bil-
dung, die; -geruch, der; -öl, das: aus Harz durch
Destillation gewonnenes öl; -säure, die: in Harz enthaltene Säure;
-seife, die <meist PL): Salz der Harzsäure, das bei der
Herstellung von Seife verwendet wird.
harzen [ha:?t?n] <sw. V.; hat) [mhd. herzen = mit Pech
ausstreichen]: I. Harz absondern: der Baum, das Holz
harzt. 2. (Forstw.) einen Baum anritzen, um Harz zu
gewinnen: Kiefern h. 3. mit Harz bestreichen. 4. (landsch.. bes.
Schweiz.) schwer, schleppend vonstatten gehen: die
Verhandlungen harzen; es harzt mit dem Bau der Autobahn; Der
Verkauf harzte indessen, die Zeit drängte (MM 2. 6. 76,
17).
Harzer Charts*?], der; -s. -. Harzer Käse, der; - -s. - -
[nach dem deutschen Mittelgebirge Harz]: Magermilchkäse
aus Sauermilch: Harzer mit Kümmel, mit Weißschimmel;
Harzer Rpller. der; - -s, - - [1: nach dem rollenden Schlag
des Vogels]: 1. (als Stubenvogel gehaltener) einfarbig gelb
gefiederter, besonders schön singender Kanarienvogel. 2.
zu einer Rolle abgepackter Harzer Käse.
harzig Cha:^^] <Adj.) [spätmhd. harzig, zu THarz]: 1.
reich an Harz; Harz enthaltend: -es Holz; -e (vom Harz
klebrige) Hände; der Duft der -en Kienscheite im Ofen
vermischte sich mit dem Kafleegeruch (Schnurre. Bart
170). 2. (landsch.. bes. Schweiz.) a) schwierig, langwierig:
-e Verhandlungen; b) zähflüssig, schleppend: -er
Rückreiseverkehr.
Hasard [ha'zart], das; -s [frz. (Jeu de) hasard = Glück(sspiel)
< afrz. hasart = Würfelspiel, zu arab. yasara = würfeln]:
svw. I Hasardspiel; meist in der Wendung H. spielen
(leichtsinnig sein, leichtfertig sein, sein Glück aufs Spiel setzen);
Hasardeur [hazar'do:?], der; -s. -e [frz. hasardeur]
(abwertend): jmd.. der verantwortungslos handelt u. alles aufs Spiel
setzt: Vereitelt Handlungen von -en! (MM 29. 8. 68, 1);
Hasardeuse [...'d0:z3], die; -. -n: w. Form zu t Hasardeur;
hasardieren[hazar'di:ran] <sw. V.; hat) [frz. hasarder] (bil-
dungsspr. veraltend): alles aufs Spiel setzen, wagen: er
hat als Politiker in einem fort hasardiert; Hasardspiel,
das; -le]s, -e: a) Glücksspiel: verbotene -e; b) Unternehmung,
bei dem jmd. ohne Rücksicht auf andere u. auf sich selbst
alles aufs Spiel setzt: das H. der Generäle, dazu: Has^rd-
spieler, der.
Hasch [haß. das; -s (ugs.): kurz für I Haschisch: H. rauchen;
der süßliche Geruch von H.; in diesem Ritual spielte das
H. eine bedeutende Rolle (Hörzu 37, 1972, 95).
Haschee [ha1 Je:], das; -s. -s [frz. (viande) hachee = gehacktes
(Fleisch), zu: hacher = (zer)hacken, zu: hache = Axt.
Beil. aus dem Germ.] (Kochk.): Gericht aus Hackfleisch
od. in kleine Würfel geschnittenem, mit einer Sofie pikant
abgeschmecktem Fleisch: H. aus Fleischresten; von
Innereien läßt sich ein gutes H. bereiten.
Hasehemam l'hafc-]. der; -[e]s(md.): svw. I Fangen; 'haschen
[hajn] <sw. V.; hat) [mhd. (ostmd.) (er)haschen, eigtl. =
fassen, packen] (veraltend): 1. schnell [mit den Händen]
ergreifen, fangen: Schwalben haschen die Insekten im Flug;
Pinzon hascht ihn an den Nasenflügeln (Hacks, Stücke
13S); sich [gegenseitig]/(geh.:) einander h.: R hasch mich,
ich bin der Frühling! (iron. von einer älteren, stark
aufgeputzten u. gewollt jugendlich zurechtgemachten weiblichen
Person gesagt, so als riefe sie das selbst lockend aus).
2. / mit den Händen] schnell nach jmdm. od. etw. greifen:
nach jmds. Hand, nach einer Fliege h.; Dann hascht er
1152
hasen-, Hasen-
nach einem der Scheine, dreht ihn um und prüft, ob er
echt sei (Remaique. Obelisk 343); Ü nach Ruhm. Beifall h.
Waschen [-1 <sw. V.; hat) [zu I Hasch) (ugs.): Haschisch
rauchen od. in anderer Form zu sich nehmen: Ein
Gymnasiast war von der Schule gewiesen worden, weil er auf
der Klassenfahrt ... gehascht hatte (MM 7. 8. 70. 3);
<subst.:> Das ..Haschen" verbreitet sich rapide (Hörzu
12. 1971. 127).
Haschen [-]. das; -s [I'haschen] (landsch.): svw. I Fangen:
die Kinder spielten H.
Häschen ['he:s^n], das; -s. -: f Hase.
'Hascher [hals], der. -s. - [vgl. mhd. haechen, hechen =
schluchzen, jammern] (österr. ugs.): armer,
bedauernswerter Mensch: der amie H. hat aber auch immer Pech! Vgl.
Hascherl.
2Hascher [-1, der; -s. - [zu THasch] (ugs.): jmd., der Haschisch
raucht: jugendliche H.; ein von -n besuchter Treffpunkt
junger Menschen.
Häscher ['hef*!. der; -s. - (meist PI.) [frühnhd. = Büttel,
Gerichtsdiener; zu 'haschen] (geh.. veraltet): Person, die
in bestimmtem Auftrag jmdn. verfolgt, hetzt u. zu ergreifen
versucht: die H. sind hinter ihm her; Der wegen
Raubmordes ... gesuchte Landfahrer... ist während einer Fahndung
seinen -n in Frauenkleidung entkommen (MM 1. 2. 65,
10); Hascherl [halcl]. das; -s, -n (südd., österr. ugs.): armes,
bedauernswertes Wesen. Kind: ach, du armes H.! Vgl.
'Hascher.
haschieren [ha'Ji.ren] <sw. V.; hat) [frz. hacher, t Haschee]:
(Fleisch) fein hacken, zu Haschee verarbeiten.
Haschisch I'hajif], das. auch: der; -[s] [arab. JiaSß. eigtl.
= Gras. Heu]: aus dem Blütenharz einer indischen Hanfsorte
gewonnenes Rauschgift: H. rauchen, schmuggeln; Wegen
seiner Schädlichkeit ist der H. ... verboten (Römpp.
Chemielexikon 6. Aufl. 1966. 2629); <Zus.:> tyschischraudi.
der; HQsdiischraucher. der; H^schischzigarette. die. H^sch-
joint, der [zu T Hasch u. I Joint] (Jargon): selbstgedrehte
Zigarette, deren Tabak mit Haschisch vermischt ist.
Haschmich ['hajmif ]. der [vgl. 'haschen (1)] in der Wendung
einen H. haben (salopp; nicht recht bei Verstand sein).
Hase [ha:za], der; -n, -n <Vkl. T Häschen) [mhd. hase, ahd.
haso, eigtl. = der Graue]: l.a) im freien Gelände lebendes
Tier mit langen Ohren, einem dichten, weichen, bräunlichen
Fell u. langen Hinterbeinen, die ihm die Fähigkeit zu sehr
schnellem Lauf u. plötzlichen Richtungsänderungen geben:
er ist furchtsam wie ein H.; der H. macht Männchen,
hoppelt, schlägt Haken; einen -n hetzen, schießen,
abziehen, braten; *ein alter H. sein (ugs.; sehr viel Erfahrung
[in einer bestimmten Sache] haben, sich genau auskennen)'.
kein heuriger H. sein (ugs.; kein Neuling mehr sein: Erfa/i-
rung haben: sich auskennen: der ältere Hase hat Erfahrung
darin, dem Jäger zu entkommen, im Gegensatz zu einem
erst einjährigen Hasen); falscher H. (svw. t Hackbraten);
da liegt der H. im Pfeffer (ugs.; das ist der entscheidende
Punkt, die eigentliche Ursache: mit Bezug auf den fertig
zubereiteten Hasenbraten in einer scharf gewürzten Soße,
womit angedeutet wird, daß jmd. aus einer bestimmten
Lage nicht mehr herauskommt): da liegt der H. im Pfeffer:
Ich möchte, aber ich traue mich nicht (Hörzu 38. 1973.
135); sehen, wissen, wie der H. läuft (ugs.; erkennen,
vorhersagen können, wie eine Sache weitergeht: nach der
Vorstellung, daß ein erfahrener Jäger nach kurzer Zeit
beobachtenden Abwartens erkennen kann, in welche Richtung
ein Hase flieht, auch wenn er viele Haken schlägt); den
-n laufen lassen (ugs.; viel Geld ausgeben): einen -n machen
(Gaunerspr.; flüchten): b) männliches Tier zu Hase (la);
c) Hasenbraten, -gericht: es gibt heute -n. 2. (landsch.)
svw. I Kaninchen.
'Hasel [ha:zl], der; -s. - [mhd. hasel. ahd. hasala]: (zu
den Karpfenfischen gehörender) dem ]Döbel ähnlicher,
grätenreicher Fisch mit stark gegabelter Schwanzflosse.
2Hasel [-]. die; -. -n [mhd. hasel. ahd. hasal. H. u.J: Pflanze
aus der Gattung der Haselnußgewächse mit 15 Arten (z. B.
Haselnuß. Lambertsnuß).
hasel-. Hasel- -busdi, der: svw. t Mnußjstrauch; ^huhiu
das: kleines, im Unterholz von Mischwäldern lebendes
Waldhuhn mit rostbraunem bis grauem, dunkelu. weißlich
gezeichnetem Gefieder: -kiitzchen, das: lange, herabhängende
männliche Blute des Haselnußstrauches: -maus, die: braunes
Nagetier mit langem Schwanz, das sich von Haselnüssen,
Knospen u. Beeren ernährt: -nuß, die [mhd. haselnus. ahd.
hasalnu3J: 1. svw. t Miußstrauch. 2. Frucht des
Haselnußstrauches in Form einer kleinen, hart schaligen Nu/3 mit
rundem, ölhaltigem, wohlschmeckendem Kern: Haselnüsse
knacken, dazu: -nußbohrer. der: goldgelb behaarter
Rüsselkäfer, der mit seinem langen Rüssel unreife Haselnüsse
anbohrt u. Eier hineinlegt, -nußgewächs. das: Vertreter
einer in vier Gattungen (z. B. Hasel. Haitibuche)
gegliederten, den Birkengewächsen nahestehenden Pflanzetifamilie,
-nußgroß <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: von der Größe einer
Haselnuß: ein -es Loch; die Hagelkörner waren fast h..
-nußkern, der zu dem Backrezept braucht man 200 g
geriebene -e. -nußkranz. der: Kranzkuchen mit Haselnüssen,
-nußmakrone, die <meist Pl.>: Makrone, deren Teig
hauptsächlich aus Haselnüssen (statt Mandeln) besteht, -nuß-
strauch. der: Strauch (in Hecken u. lichten Wäldern) mit
gesägten Blättern, Kätzchenblüten u. Haselnüssen: -rote,
die: von einer xHasel geschnittene Rute: ^Strauch, der: svw.
I -nußstrauch; -würz, die: (zu den Osterluzeigewächsen
gehörende) kriechende Pflanze mit nierenförmigen.
dunkelgrünen Blättern u. glockenförmiger, außen bräunlicher u.
innen roter Blüte.
Hasehuit [hazalant], der; -en. -en [zu thaselieren] (veraltet):
Spaßmacher. Possenreißer: haselieren [...li.ren] <sw. V.;
hat) [mhd. haselieren = Unsinniges tun. wohl < afrz.
harceler = plagen, necken; im 17. Jh. wohl unter
Anlehnung an die in dieser Zeit gebrauchte Bez. Hase für einen
närrischen Menschen mit französierender Endung neu
belebt] (veraltet): Possen reißen: lärmen, toben.
hasen-, Hasen-: -artig <Adj.; o. Steig.>: ähnlich wie ein
Hase, in der Art von Hasen: -äuge, das [nach dem
Volksglauben, daß der Hase mit offenen Augen schlafe] (Med.):
krankhaftes Klaffen der Lidspalte, unvollständiger Lidschluß
als Folge einer Muskellähmung: -bälg, der: den H.
abziehen; -bofist. (auch:) -bovist, der [wohl wegen der
Ähnlichkeit mit der Blume eines Hasen, die der Pilz im frühen
Stadium seines Wachstums hat]: weißer, birnenförmiger,
jung eßbarer, später braun zerstäubender Pilz: ^braten, der;
-brot, das [weil man es Kindern mit der Erklärung gibt,
man habe es einem Hasen abgenommen, dem man zuvor
den Schwanz mit Salz bestreut habe] (ugs.): für die Reise
od. die Arbeit als Proviant mitgenommenes, aber nicht
verzehrtes u. trocken gewordenes Brot: -feil» das; -furcht,
die (ugs.): Furchtsamkeit, wie sie angeblich den Hasen
eigentümlich ist: ^fiiß, der [mhd. hasenvuos; die Fähigkeit des
Hasen, sehr schnell zu entfliehen, wird als Furchtsamkeit
gedeutet] (ugs., spöttisch abwertend): überängstlicher,
schnell zurückweichender, Entscheidungen lieber aus dem
Weg gehender Mensch: Die proletarischen Hasenfuße
geben sich den Anschein bemühtesten Fleißes (Zwerenz,
Kopf 24); Hans H. (scherzh. Name für einen furchtsamen
Menschen), dazu: -fußig <Adj.>: überängstlich, furchtsam:
-hacke, die [aus dem Niederd.; viell. nach der Ähnlichkeit
des geschwollenen Laufs mit dem Hinterlauf eines Hasen]
(Tieimed.): (bei Pferd od. Rind) geschwulstartige
Anschwellung am hinteren Sprunggelenk: -herz, das: svw. Nfuß,
dazu: -herzig <Adj.>: svw. t-füßig; -iagd, die; -junge,
das; -n (österr.): svw. I ^klein: -smit Semmelknödel
(Speisekarte Hotel Regina. Wien 20. 12. 1968); -kanwner. die
(Jägerspr.): Revierl teilI mit den meisten Hasen: ^khge,
die (Jagdw.): Instrument, das den Klagelaut eines Hasen
nachahmt: -klein, das; -s: Innereien (Herz, Leber, Lunge.
Magen) des Hasen mit Hals, unteren Rippen u. Läufen:
-maus, die: bes. in den Anden Südamerikas vorkommendes,
zu den Chinchillas gehörendes, geschickt kletterndes u.
springendes, goldbraunes bis graues Nagetier mit buschigem
Schwanz u. großen Ohren: .M)hr, das [1: volksetym. falsch
für Hasel-; 2: nach der Ähnlichkeit mit dem Ohr des
Hasen]: 1. zu den Doldengewächsen gehörende Staude mit
kleinen, gelben Blüten. 2. ohrförmiger, wohlschmeckender
Speisepilz: -panier, das [der Schwanz des Hasen, heute
weidm. „Blume" genannt, hieß früher ..Panier** (=
Banner)] in der Wendung das H. ergreifen (eilig weglaufen,
fliehen: weil der Schwanz des Hasen bei der Flucht in
die Höhe steht); -pest die (Med.): Seuche bei wildlebenden
Nagetieren, die auch auf Menschen übertragen werden kann;
-pfeffer, der (Kochk.): mit vielerlei Gewürzen u. Pfeffer
eingelegtes, geschmortes u. mit einer pikanten Soße aus
l Hasenblut u.J der Marinade abgeschmecktes Hasenklein
od. andere Hasenstückchen u. -reste: Eine Monarchie ohne
Monarch ist ein H. ohne Hasen (Ausspruch Bismarcks
73 GDW
1153
Häsin
nach Dönhoff. Ära 183); -quäke, die: svw. t ^klage; ^rein
<Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: (von einem Jagdfwnd) so
abgerichtet, daß er Hasen aufstöbert, aber ohne Befehl nicht
verfolgt; * nicht ganz h. (verdächtig; / moralisch od.
politisch! nicht ganz einwandfrei); sich von dieser Person
zurückzuziehen, besonders wo sie auch politisch nicht h.
ist (Rinser. Mitte 202); -scharte, die [nach den beweglichen
Nasenlöchern des Hasen, die seine Lippe gespalten
erscheinen lassen] (Med.): angeborene Spalte in der Oberlippe
als vererbbare Mißbildung; ein kleiner Mann mit H.; das
Kind hat eine H.. dazu: -schartig <Adj.; o. Steig.: nicht
adv.>: mit einer Hasenscharte , versehen j: ein -es Gesicht.
Häsin [he:zin], die; -. -nen: w. Form zu THase.
Häsitatkm[hezita'tßio:n], die; - [frz. hesitation < lat. haesi-
tätio] (veraltet): Zögern, Zaudern; häsitieren [...ti:ran] <sw.
V.; hat) [frz. hesiter < lat. haesitäre) (veraltet): zögern,
zaudern.
Haslinger l'ha:shoBl. der; -s. - [zu t^Hasel) (österr. ugs.):
Stock aus Haselholz. Prügelstock.
Haspe ['haspal. die: -. -n [mhd. haspe = Türhaken,
Garnwinde, ahd. haspa = Strang od. Knäuel Garn]: einfache
hakenähnliche Vorrichtung zum Einhängen von Türen u.
Fenstern; Mit tiefer Besorgnis sah ich die Tür in ihren
-n wanken (Fallada. Herr 134); Haspel [haspl], die: -.
-n, seltener: der; -s, - [mhd. haspel = Seil-, Garnwinde,
ahd. haspil = Garnwinde, zu T Haspel (Technik): a)
zylinderförmige Vorrichtung zum Auf- od. Abwickeln von
Fäden. Drähten. Bändern o.a.; b) (Textilind.)
Textilmaschine, mit der Garn von der Spule abgewickelt u. strangförmig
aufgewickelt wird; c) (bes. Bergbau) Seilwinde zum Heben
u. Senken von Lasten; Hauer ... schießen eine Ader an,
der Schrapper holt das Salz, die -n heulen, füllen die
Abzüge (Grass. Blechtrommel 649); d) (Gerberei) Bottich,
dessen Inhalt durch ein Schaufelrad in Bewegung gehalten
wird; e) zylituirisches. um die Längsachse rotierendes Teil
von landwirtschaftlichen Maschinen, durch das die Halme
unmittelbar beim Abschneiden gegriffen, hochgenommen u.
[zum Binden od. Dreschen] nach hinten gereicht werden.
Haspel-: -garn, das: auf eine Haspel gewickeltes Garn;
^kreuz, das: aus kreuz- od. sternförmig angebraditen Balken
bestehende, nur in einer Rieh tutig drehbare Sperre (als
Durchlaß für Fußgänger); ^rad, das; -spule, die
(Spinnerei): Spule, auf die das Garn gehaspelt wird.
Haspelei [haspo'lajl. die; -, -en (abwertend): schnelles,
überhastetes Reden od. Arbeiten; haspeln ['haspln] <sw. V.;
hat) [spätmhd. haspelen = Garn wickeln]: 1. auf eine
od. von einer Haspel winden; spulen, ab-, aufwickeln; Garn
h.; den Faden auf die Spule, von der Spule h.; die großen
Standuhren mit den schweren, an gehaspelten Tierdärmen
hängenden Gewichten aus Blei und Messing (Jahnn.
Geschichten 37). 2. (ugs.) a) hastig, überstürzt sprechen;
hasp[e]le doch nicht so. ich kann dich kaum verstehen!;
b) hastig, überstürzt arbeiten; hasplig ['hasplig] <Adj.>
(ugs.): hastig, überstürzt in der Sprechweise, in den
Bewegungen od. bei einer Tätigkeit; sie macht einen -en Eindruck;
das Kind ist, wirkt h.; h. sprechen, arbeiten.
Haß [has], der; Hasses [mhd., ahd. ha3. eigtl. = Leid,
Kummer, Groll]: heftige Abneigung; starkes Gefiihl der
Ablehnung u. Feindschaft gegenüber einer Person, Gruppe
od. Einrichtung; bitterer, wilder, blinder, tödlicher H.;
kalter H. schlug ihm entgegen; Der Tag war vergällt, und
der H. fraß an mir (Gaiser, Schlußball 73); H. bei jmdm.
schüren; H. auf/gegen jmdn. empfinden; sich den H. der
Kollegen zuziehen; er habe ..seinen H. gegen unseren Staat
nicht mehr zügeln können** (FAZ 26. 9. 61. 1): einen
H. auf jmdn. haben (ugs.; auf jmdn. sehr zornig sein)',
er tat es aus H.; jmdn. mit seinem H. verfolgen; von
H. erfüllt sein.
h«ß-, H$ß-: ^ausbrach, der; -erfüllt <Adj.; nicht adv.>:
voller Haß, ganz von Haßgefülilen durchdrungen, beherrscht;
jmdn. h. ansehen; -gefühjf das; -gelang, der (abwertend):
gefühlsbetonte, ständige Äußerung des Hasses (bes. gegen
eine Gruppe, ein Volk od. eine Einrichtung); -liebe, die:
starke Gefühlsbindung, die auf Grund von Disharmonie od.
Nichtübereinstimmung zwischen Haß u. Liebe wechselt: mit
einer Art H. an jmdm. hängen; -tirade,die <ofl PI.)
(abwertend): unsachlicher, nur von Haßgefühlen diktierter
Wortschwall; Hitlers -n gegen die Juden; ^verzerrt <Adj.; o.
Steig.; nicht adv.>: (in bezug auf den Blick o.a.) von Haß
verzerrt: mit -em Gesicht.
hassen [hasn] <sw. V.; hat) [mhd. hassen, ahd. hassen,
hassön, urspr. auch = verfolgen, zu tHaß]: l.a) Haß
gegen jmdn. empfinden; eine feindliche Einstellung jmdm.
gegenüber haben: seine Feinde h.; jmdn. glühend, heimlich,
im stillen, erbittert h.; Attila. von seiner Zeit als ein Teufel
gehaßt und als ein Gott verehrt (Thieß. Reich 181); die
beiden haben sich/(geh.:) einander zutiefst gehaßt;
zwischen zwei sich hassende Völker gestellt (Schneider.
Erdbeben 64); Man lehrt sie (= die Kinder) gründlich und
ganz von Herzen h. (Langgässer. Siegel 602); <subst.:)
jmdn. das Hassen lehren; b) (oft verblaßt) einen
Widerwillen, eine deutliche Abneigung gegen etw. empfinden; als
äußerst unangenehm empfinden: sie haßte es, laut zu
sprechen; das hasse ich auf den Tod. (ugs.:) wie die Pest;
Er haßte die Angewohnheit, die Zukunft wie eine Bettdecke
zu lüpfen, und noch mehr haßte er den nachträglichen
Stolz, schon vorher recht gehabt zu haben (Erich Kästner.
Fabian 155). 2. (Jägerspr.) (bes. von Greifvögeln) im Angriff
herabstoßen: daß Singvögel, ähnlich wie auf Eulen, auch
auf den Kuckuck, Jiassen4* und ihn oft vertreiben (Kosmos
12. 1965. 532); <Zus.:> hassenwert <Adj.; -er, -este; nicht
adv.): so beschaffen, daß man die betreffende Person od.
Sache nur hassen kann: als habe er einen überaus -en
Vorgesetzten vor sich (Kirst. 08/15, 732); sein Benehmen
war h.; <Abl.:> Hasser, der; -s, - [mhd. hasser, haswre]:
jmd.. der haßt, zu Haßausbrüchen neigt; hässig [hesi<;]
<Adj.) [mhd. hassec = voll Haß] (schweiz. mundartl.):
mürrisch, verdrießlich: -e Verkäuferinnen; häßlich [heslK;]
<Adj.) [mhd. he3[se]lich, haslich, ahd. hasllh, urspr. =
feindselig, voller Haß, gehässig, dann = hassenswert. ver-
abscheuungswürdig; frühnhd. als Gegenwort von ..schön":
zu T Haß]: I. von unschönem Aussehen, das ästhetische
Empfinden verletzend; abstoßend: ein -es Gesicht. Mädchen;
-e Farben, Vorstadtstraßen; Sarowskis Köter, h. wie
Teufel, schnüffelten an den Pelzstiefeln (Gaiser, Jagd 34);
er sah erschreckend h. aus; R Ärger macht h. 2.a) eine
menschlich unerfreuliche Haltung erketmen lassend; gemein:
-e Redensarten; das war sehr h. von dir; sei doch nicht
so h. [zu deiner Schwester]!; h. von jmdm. sprechen; Er
grinste noch -er (Böll. Adam 60); b) unangenehm,
unfreundlich: ein -er Vorfall; -es Wetter; ein -er Husten plagte
ihn; dieser Streit war unnötig und h.; es regnete tagelang
schwer und h. (Th. Mann, Zauberberg 199); <Abl.:)
Häßlichkeit, die: -. -en [spätmhd. heßligkeytl: I. <o. PI.) a)
häßliches Aussehen: ein Anblick von faszinierender H.;
b) häßliche Gesinnung, sich auf die Mitmenschen übel
auswirkende Eigenschaft: ... war ... weder von Habsucht noch
von Rache oder einer anderen inneren H. eine Spur zu
entdecken (Musil. Mann 797). 2. (selten) menschlich
unerfreuliche Handlung, gemeine Worte: das war eine H. von
ihm; man hat uns nur -en gesagt: obgleich ich seine -en
kenne (Genet [Übers.]. Miracle 23).
hast [hast]: t haben.
Hast [-]. die; - [aus dem Niederd. < mniederd. ha(e)st
= Hast, Übereilung < niederl. haast < afrz. haste =
Hast, Eile, aus dem Germ.]: überstürzte Eile; planloses,
aufgeregtes Handeln, verursacht von innerer Unruhe od.
der Angst, nicht rechtzeitig fertig zu werden: Die allgemeine
H. ergriff ihn (H. Mann, Unrat 18); Wieder tun wir in
atemloser H. einen Schritt, der das Knäuel in Mitteleuropa
noch unentwirrbarer machen muß (Augstein, Spiegelungen
83); mit rasender, fliegender H.; ohne H./voller H.
fortgehen; R nur keine jüdische H.! (nur nichts überstürzen, keine
übergroße Eile!; aus der Vorstellung, daß die Juden gern
zu schnellen Geschäftsabschlüssen kommen).
haste ['haste; zusgez. aus „hast du"] in den Wendungen
[was] h. was kannste (ugs.; äußerst schnell, um etw. zu
schaffen, einer Gefalir zu entgehen o.a.; vgl. obersächs.:
Was läufst du, was hastn?): sie sahen den Wärter kommen
und rannten h. was kannste davon: h. was, biste was (ugs.;
wenn man vermögend od. reich ist, ist man auch angesehen).
hasten [hastn] <sw. V.; ist) [aus dem Niederd. < mniederd.
hasten < mniederl. haesten; vgl. Hast] (geh.): sehr
eilig, von innerer Unruhe getrieben, gehen: er aber mußte
sich sputen und hastete durch die Nacht (Gaiser. Jagd
118); sie hasteten zum Bahnhof: Ü ..Fort, fort, hinweg
damit und damit auch", hasteten ihre Worte (Th. Mann,
Krull 203); hastig ['hastig <Adj.) [aus dem Niederd. <
mniederd. hastich < mniederl. haestich]: eilig, überstürzt,
voller Hast: -e Schritte. Atemzüge: seine Bewegungen wur-
1154
Hauch
den immer -er; h. sprechen: er stürzte h. ein Glas Wasser
hinunter; h. rauchen; <Abl.:> Hörigkeit, die; -: nervöse
Hast. Überstürzung.
hat [hat]: t haben.
Hätschelt: tHäfek.
Hitsdielei [he:tj3'laj]. die; -, -en (abwertend): [dauerndes]
Hätscheln; Hfttschelkind. das; -[e]s. -er (oft abwertend):
I. allzuJ zärtlich beltandeltes. verwöhntes Kind. 2. von
jmdnu verwöhnte, von andern bevorzugte Person: der neue
Autor war das H. des Verlages; hätscheln I'he.tjln] <sw.
V.: hat) [wahrsch. zu thatschenl: 1. / übertrieben] zärtlich
liebkosen: sie hätschelte ihr Kind, den kleinen Hund. 2.
(oft abwertend) jmdm.. von dem man sich etw. verspricht,
übertriebene Fürsorge zuteil werden lassen, ihn verwöhnen
u. vor andern bevorzugen: der junge Autor wurde anfangs
von der Presse gehätschelt; Euer Volk hat euch (= die
Flieger) gehätschelt, ihr seid seine Lieblinge, jetzt müßt
ihr das Eurige tun (Gaiser. Jagd 156). 3. (oft abwertend)
an etw. innerlich hängen u. sich ihm widmen: er hätschelte
seinen heimlichen Plan, in die Welt zu verschwinden (Mu-
sil. Mann 1489); weil es ihr fernliegt, ihr Leid zu h. (Chr.
Wolf. Himmel 11); Raub an seinem teueren, gehätschelten
Gefühl (Th. Mann. Joseph 327); hatschen ['ha.tjn] <sw.
V.; ist) [urspr. = gleiten, rutschen, streicheln, wohl lautm.l
(bayr., österr. ugs.): a) lässig* schleppend gehen; schlendern:
Sein Gang war langsam, wiegend, gemächlich. Er „hatsch-
tc". wie man zu Wien sagt (Doderer, Dämonen 1093);
b) hinken; c) einen mühseligen Fußmarsch / irgendwohin!
machen / müssen]: wegen dieser Sache bin ich durch die
halbe Stadt gehatscht; <Abl.:> Hatscher, der; -s, - (österr.
ugs.): 1. <meist PI.) alter, ausgetretener Schuh. TL langer,
mühseliger Marsch: bis ans Ende des Tals ist es ein H.
von etwa acht Stunden; hatschert <Adj.; o. Steig.) (österr.
ugs.): schwerjallig. hinkend: er hat einen -en Gang.
hatschi! [ha'tji:. auch: hatji] <Interj.) [lautm.] (ugs.): das
Niesen nachahmender Ausruf: h. machen.
hatte ['hatol. hätte fheta]: I haben.
Hat-Trick, Hattrick [haettnk]. der; -s, -s [engl, hat trick,
eigtl. = Huttrick; nach einem früher beim Kricket geübten
Brauch, den Vollbringer dieser Leistung mit einem Hut
zu beschenken]: a) (Fußball, Handball u. a.) drei in
unmittelbarer Folge (= ohne doli ein anderer Spieler in der
Zwischenzeit ein Tor erzielt) vom gleichen Spieler im
gleichen Spielabschnitt erzielte Tore: einen H. erzielen: b)
(Sport) dreimaliger Erfolg (in einer Meisterschaft o.a.):
Aus der Traum vom alpinen „hat-trick". vom dreifachen
Sieg, wie er Toni Sailer in Cortina geglückt war (Olymp.
Spiele 1964. 14).
Hatz[hatßl.die;-.-en [zuthetzenl: l.a)(Jägerspr.)Hetzjagd
mit Hunden (bes. auf Wildschweine): eine H. veranstalten;
b) Verfolgung. Einkreisung eines Flüchtenden: Man zählt
.. während der kurzen Zeitspanne, da die Verfolger
ausgemacht sind, die H. aber noch nicht begonnen hat. ...
die letzten Rettungsmöglichkeiten auf (Grass.
Blechtrommel 450). 2. (ugs., bes. bayr.) eiliges angestrengtes
Sichbemühen um etw.; das Hetzen: wozu die Eile, diese
wahnsinnige H.? (Döblin. Märchen 30); was ihn eine H. von Erfolg
/u Erfolg nicht hatte lehren können, das lehrte ihn nun
der letzte ... Mißerfolg (Maass, Gouflfe 340).
Hftz- (Hatz 1): -band, das <P1. -bänder): Halsband eines
Jagdhundes; -hund* der: für die Hatz (1 a) bes. abgerichteter
Hund; -laut, der: der helle H. des Hundes brach mit
einem Male ab und vertiefte sich zu dumpfem Standlaut
(Löns. Gesicht 146); -leine, die: am Hatzband befestigte
Leine, mit der der Hatzhund gehalten wird; -riemen, der:
svw. f kleine; -rüde, der: vgl. ^hund.
hatzi! [ha'tßi:, auch: hatßi]: svw. f hatschi.
Hau [h^i], der; -[eis. -e [mhd. hou = Hieb. Holzhieb.
Schlagstelle im Wald, zu t hauen]: 1. (Forstw. veraltet)
Stelle im Wald, an der Holz geschlagen wird. 2. (salopp)
Schlag. Hieb; * einen H. [mit der Wichsbürste] haben (geistig
beschränkt sein, nicht recht bei Verstand sein; aus der
Vorstellung, jmd. habe einen Schlag auf den Kopf bekommen).
Hau-: -bank (landsch.): 1. (Dachdeckerei) Werkbatik zum
Zurichten von Schieferplatten. 2. svw. t Hackklotz; -barg,
'-berg: t Haubarg; 2-berg, der (rhein.. bes. im Siegerland):
Berghang, auf dem Feld- u. Waldwirtschaft wechseln, wobei
schnellwachsende Jungstämme nach wenigen Jahren (für
Gerber lohe) entrindet u. wieder abgeholzt werden: im H.
arbeiten; vgl. aber. Haubarg; -degen, der [urspr.
zweischneidiger Degen, dann übertr. auf den Mann, der ihn
führt]: /älterer/ kampferfahrener, draufgängerischer
Soldat. Kämpfer; -hechel, die: I Hauhechel; -klotz, der: svw.
tHackklotz: Holz auf dem H. hacken; Ü er ist ein H.
(unempfindlicher, nicht feinbesaiteter Mensch); -meister,
der: Vorarbeiter der Waldarbeiter einer Revierförsterei (Be~
rufsbez.); -messer, das: svw. T Buschmesser; -stein, der:
behauener Naturstein [als schmückende Verblendung von
Mauerwerk/; ^werk, das: svw. t Haufwerk.
haubar ['hapba:?] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (Forstw.):
zum Fällen geeignet: die -en Bäume kennzeichnen.
Haubarg [hajjbark], (auch:) Hauberg, der; -[e]s. -e [eigtl.
= Ort, wo man das Heu birgt (= verwahrt), zu IHeu
u. I bergen]: großes [auf einer Warft errichtetes] Bauernhaus
in Nordfriesland mit hohem Reetdach. unter dem in der
Mitte das Heu gestapelt wird.
Haubarkeitsalter, das [zu Thaubar] (Forstw.): Alter, in dem
bestimmte Bäume eines Waldbestandes am günstigsten für
die wirtschaftliche Nutzung gefällt werden.
Häubchen ['h^yrnpn], das; -s. -: tHaube; Haube [hapM.
die; -. -en [mhd. hübe. ahd. hüba; eigtl. = die Gebogene]:
l.a) <Vkl. T Häubchen) aus weichem od. gestärktem
/gefälteltem] Stoff gefertigte, dem Kopf [locker] angepaßte /das
Haar verbergende, die Ohren bedeckende] Kopfbedeckung
für eine weibliche Person: eine H. mit Rüschen,
Spitzenbesatz, Schleifen, Bändern; die -n der Krankenschwestern,
der Diakonissen, einer Volkstracht; eine H. tragen; Ü die
Berge haben weiße -n aufgesetzt (auf den Berggipfeln ist
Schnee gefallen); * unter die H. kommen (ugs. scherzh.;
sich verheiraten; urspr. nur von weiblichen Personen gesagt,
weil früher die verheirateten Frauen als Zeichen ihrer
Würde eine Haube trugen; heute gelegentlich auch auf Männer
übertragen): die jüngste Tochter ist nun auch unter die
H. gekommen; unter der H. sein (ugs. scherzh.; inzwischen
verheiratet sein): jmdn. unter die Haube bringen (ugs.
scherzh.; jmdn. mit jmdm. verheiraten): Sie wollten ihn
schon lange unter die H. bringen (Quick 14. 1958. 22);
b) (südd.. österr.) [Woll/mutze: dem Kind eine H.
aufsetzen: c) (hist.) Kopfbedeckung eines Kriegers; Sturm-.
Pickelhaube. 2.a) (Kfz.-W.) schützender, den Motor bedeckender,
hochklappbarer Blechdeckel am Auto; Kühler-,
Motorhaube: die H. schließt nicht; viel Kraft unter der H. haben
(/von einem Auto] einen starken Motor haben); b) kurz
fürt Trockenhaube: sie mußte [beim Friseur] vierzig
Minuten unter der H. sitzen; c) (Zool.) Büschel von schmückenden
Kopffedern bei einigen Vögeln; d) schützende od.
schmückende Bedeckung über etw.: den Kaffee unter der H. (dem
Kaffeewärmer) warm halten; die Butter lag unter einer
H. aus Fliegendraht; Der Gipfel des Daches trug einen
kurzen, breiten Aufsatz mit einer geschwungenen H. (H.
Mann. Stadt 126).
Hauben-: -band, das <P1. ...bänder): [unter dem Kinn zu
bindendesJ xBand(\). mit dem eine Haube (la) befestigt
wird; -lerche, die: Lerche mit hoher, spitzer Haube (2 c)
u. gelbbraunen Schwanzseiten; -meise, die: kleiner
Singvogel aus der Familie der Meisen mit hoher, spitzer,
schwarzweiß gesprenkelter Haube (2c); -stock, der <P1. ...stocke)
(früher): Stock, auf dem eine Haube (la) aufbewa/irt u.
in Form gehalten werden kann: sah sie mich von unten
bis oben an. als sei ich nur ein H., kein junger Mann
(Fallada. Herr 7); -taucher, der: großer, graubrauner, von
Fischen lebender Wasservogel mit weißer Unterseite,
langem, vorn weißem Hals u. schwarzer Haube (2 c). die er
aufrichten kann.
Hauberg l'hajjberk]: I Haubarg.
Haubitze [hay'bitßa], die; -. -n [spätmhd. hauf(e)niz <
tschech. houfnice = Steinschleuder (während der
Hussitenkriege entlehnt)] (Milit.): Geschütz mittleren od.
schweren Kalibers mit kurzem Rohr: eine schwere H. in Stellung
bringen; *voll wie eine H. (derb; schwer betrunken).
Hauch [hapx], der; -[e]s. -e <P1. selten) [rückgeb. aus I
hauchen] (geh.. oft dichter.): l.a) sichtbarer od. fühlbarer Atem:
-e wehten von Mund zu Mund (Kaiser. Villa 13); der
letzte H. (Atemzug) eines Sterbenden; den H. eines andern
in seinem Gesicht spüren; man sah den H. vor dem Mund;
Ü der göttliche H.; unterm sengenden H. des Todes (Hesse,
Narziß 289); b) leichter Luftzug: der kühle H. des
Abendwindes; die Sonne brannte heiß, kein H. war zu spüren;
wo Schnee gelegen hatte und unter heißem H. die
Grasnarbe hervortaute (Plievier. Stalingrad 16); c) kaum wahrnehm-
13*
1155
hauche Hauch -
barer Geruch, leichter Duft: ein H. von Weihrauch; Ein
H. von Teer, von Salz, von Seewind kam herein
(Zuckmayer, Herr 152). 2. sehr dünne, schleierartige Schicht: Rauhreif
lag als zarter H. auf den Ästen; einen H. Rouge auftragen;
Flirt mit der Mode. Kokettieren mit einem H. von (einem
schleierartig dünnen) Strumpf (Werbetext Bild u. Funk
18, 1966, 10). 3.a) besondere Atmosphäre: entstehender,
sich ausbreitender Eindruck: Flair: diese Bilder, die ... einen
H. anheimelnder Wohnlichkeit in die Wohnräume tragen
(Wolfe [Übers.]. Radical 15); er hatte so einen merkwürdig
beständigen H. von Weite und Unabhängigkeit
zurückgelassen (Schnurre, Bart 155); b) zaghafte Regung von etw.,
Anflug, leise Spur: ein H. von Melancholie; der H. eines
Lächelns; Es hätte ihm Hoffnung machen müssen, einen
blassen H. Zuversicht (Schnabel. Marmor 107).
hauch-. Hauch-: -artig <AdJ.; o. Steig.): fein wie ein Hauch:
ob auch die Geschoßhülsen ... h. eingefettet waren (Kirst,
08/15, 373); Miym <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): ganz
besonders dünn: -er Stoff; die Creme h. auftragen; Ü ein -er
(Sport Jargon; äußerst knapper) Sieg; ^fein <Adj.; o. Steig.):
ganz besonders fein: eine -e Zeichnung; ^but. der (Phon.):
mit der Atemluft, aber ohne Klang hervorgebrachter Laut
(z. B. ein H); -zart <Adj.; o. Steig.): ganz besonders zart:
-e Stoffe.
hauchen [hajixn] <sw. V.; hat) [mhd. (ostmd.) hüchen (neben
küchen, vgl. keuchen), wahrsch. lautmj: l.a) aus
[weit] geöffnetem Mund warme Atemluft auf etw. ausstoßen:
auf seine Brille, gegen die Fensterscheiben, in die klammen
Finger h.; b) durch Hauchen da) irgendwo entstehen lassen:
Ich hauch mir vorher ein Loch ins Eis (Imog. Wurliblume
13); Ü die Hügel im Süden waren mit dem zartesten Blau
auf den Horizont gehaucht (Geissler, Nacht 91); indm.
einen Kuß auf die Stirn h. (geh.; einen leichten Kuji
gleichsam ohne Berüftrung geben). TL letw. Geheimes, Intimes]
fast ohne Ton aussprechen: das Jawort h.; jmdm. etw.
ins Ohr h.; und seine Worte schien er nur zu h. (Schaper.
Kirche 130); „Marian ...". hauchte er, denn Sprechen
war verboten. ..Tak?4\ hauchte es zurück (Apitz. Wölfe
139); gehauchte Bekenntnisse.
Haue Chqjja). die; -. -n [1: mhd. houwe. ahd. howa =
Hacke; 2: PI. von mhd. hou. IHau]: 1. (südd., österr.)
Hacke: den Boden mit der H. bearbeiten; wo sie (= die
Kohle) den Hieben der -n nicht nachgab (Marchwitza,
Kumiaks 62). 2. <o. PI.) (fam.) Schlage, [leichte] Prügel:
wenn du jetzt nicht endlich artig bist, kriegst du H.; gleich
gibt es H.!; hauen [ha^ian] <unr. V.; haute/hieb, gehauen/
(landsch.:) gehaut) [mhd. houwen, ahd. houwan = (ab-,
nieder-, zer)hauen. schlagen, stechen (st. V.) u. mhd.
houwen, ahd. houwön (sw. V.)): 1. <hat; haute/(selten auch:)
hieb) (ugs.) a) (bes. ein Kind) schlagen, prügeln: Schläge
austeilen: jmdn. windelweich, grün und blau, zum Krüppel
h.; er hat den Jungen immer wieder gehauen; wenn er
zornig wurde, haute er gleich; mit was für einem ...
Sadismus er um sich h. konnte, wahllos und ungerecht (Ott.
Haie 359); mußt du dich dauernd mit den anderen h.!;
b) mit der Hand versetzen, als Schlag geben: jmdm. eine
h.; Meister Kluntsch hieb Stanislaus zwölf Ohrfeigen
(Strittmatter. Wundertäter 139); c) [mit der Hand, einem
Stock o. ä. strafend, züchtigendJ auf einen Körperteil
schlagen: jmdm. freundschaftlich auf die Schulter h.; er hat
ihm/ihn auf den Mund gehauen; ich haute ihm ins Gesicht;
morgens früh haut Jumbo mich mit dem Bootshaken übern
Schädel (Hausmann. Abel 95); d) jmdm. etw. auf einen
Körperteil schlagen: einem Schüler das Heft um die Ohren
h.; Die derbe Schwarze hieb einem halb Betrunkenen,
der sie betastete, den Fächer um den Kopf (H. Mann.
Stadt 25). 2. (mit einer Waffe) kämpfend schlagen, angreifen
<hat; hieb/(ugs.:) haute): mit dem Schwert h.; er hieb
mit dem Degen auf den Angreifer; (Adlige Vettern)
umarmten sich, wenn sie einander vom Pferd gehauen (im Kampf
vom Pferd gestoßen) hatten (Gaiser. Jagd 136); *das ist
gehauen wie gestochen (ugs.; das ist ein u. dasselbe: es
ist gleichgültig, ob man es so od. so macht: nach der
Wendung der Fechtersprache „das ist weder gehauen noch
gestochen", die Waffe wird so ungeschickt geführt, daß
nicht erkennbar ist. ob es ein Hieb od. ein Stich ist);
<?ubst.:> da gibt es Hauen und Stechen (selten; da bricht
Streit aus, beginnt eine Prügelei). 3. (ugs.) durch Schlagen
in zerstörerischer Absicht in einen entsprechenden Zustand
bringen (hat; haute): etw. kurz und klein, (salopp:) zu
Mus h.; jmdn. zu Brei h. (salopp; zusammenschlagen)',
ich ... hau dem Henschke seinen ganzen Laden in Klump
(Döblin. Berlin 83); Ü das haut mich noch mal in
einundzwanzig Stücke (bringt mich an den Rand der
Verzweiflung, entnervt mich völlig: Kant. Impressum 166). 4. <hat;
haute)a) (ugs.) (miteinem Werkzeug) etw. in etw. [hinein/-
schlagen: einen Nagel in die Wand, einen Pflock in die
Erde h.; die Spritze schien zu wirken, die sie mir irgendwo
im Dunkeln in den Arm gehauen (ohne besondere Sorgfalt
injiziert) hatte (BöU. Mann 28); b) durch Schlagen auf
jmdn., etw. od. in etw. entstehen lassen, herstellen: Stufen
in den Fels, ein Loch ins Eis h.; er hatte ihm ein Loch
in den Kopf gehauen; eine aus. in Stein gehauene Figur.
5. (ugs.) a) auf, gegen etw. schlagen (hat; haute/(auch:)
hieb): ärgerlich haute sie [mit dem Stock] an die Wand;
mit der Faust auf den Tisch h.; auf die Tasten h. (laut
u. ohne Musikverständnis Klavier spielen): jmd. hat gegen
die Fensterläden gehauen; b) (selten) auf. gegen etw. stoßen
(ist; haute): sie ist mit dem Kopf an die Schrankecke,
[mit der großen Zehe] gegen einen Stein gehauen; Paß
auf. daß der Großbaum dir nachher nicht an den Schädel
haut (Hausmann, Abel 46); c) auf etw. fallen, auftreffen
(ist; haute): das Flugzeug haute in den Acker; Ein Splitter
ist gegen meinen Helm gehauen (Remarque. Westen 52).
6. (salopp) unachtsam, ungeduldig werfen, schleudern <hat;
haute): Da hab* ich sie (= die Katze) an eine Eisscholle
gehaut (Rinser. Lobel 70); er haut die Schuhe in die Ecke,
die Mappe auf den Tisch; <auch h. 4- sich.) Ich haute
mich auf das olle Sofa und fing an zu husten (Plenzdorf.
Leiden 110); Ü Einmal strich er einen Abschnitt ... an
und haute (setzte grob u. eilig) noch zwei
Ausrufungszeichen dahinter (Ott. Haie 189). 7. (landsch.) fällen <hat;
haute): diese Bäume können gehauen werden. 8. (landsch.)
mit einem Beil zerkleinern, hacken <hat; haute): Holz h.;
(veraltend:) Fleisch h. 9. (landsch.) mähen <hat; haute):
das Gras ist noch nicht gehauen. 10. (Bergbau) losschlagen
<hat; haute): Erz h.; Hauer, der; -s, -[1.2: mhd. houwer]:
1. (Bergmannsspr.) vor Ort arbeitender Bergmann mit
abgeschlossener Ausbildung (früher Berufsbez.). 2. (Jägerspr.)
der aus dem Unterkiefer seitlich der Schnauze
hervorstehende Eckzahn des Keilers: ein Keiler mit starken -n; Ü Der
Mund sauer verkniffen. Keine Spur von sichtbaren
Schneidezähnen, die als H. Effekt gemacht hätten (Grass. Katz
45). 3. (südd.. österr.) Weinbauer, Winzer: Petrus weiß,
was er den -n schuldig ist (Presse 16. 7. 69. S); Häuer
fhsyB], der; -s, - (bes. österr.): svw. tHauer (1); <Vkl.
zu Hauer (2):) Hauerchen, das; -s. - (meist PI.) (fam.):
Zahn eines Kleinkindes: putz dir schön deine H.!; Hauerei,
die; -. -en (ugs. abwertend): Prügelei. Schlägerei: in der
Kneipe gab es dauernd -en; <Zus. zu Hauer (3):) Hftiier-
wein. der (österr.): unmittelbar vom Winzer gelieferter Wein:
hier gibt es H.
Häufchen ['hgyftpn]. das; -s. -: f Haufen (1. 3 a): Bis dahin
kann ich zugrunde gerichtet sein.... ein H. Asche in einer
zerschossenen Stadt (Seghers. Transit 284); '[dastehen,
aussehen o. i.] wie ein H. Unglück (ugs.; sehr
niedergeschlagen, betrübt /dastehen, aussehen o.a./); nur noch ein H.
Unglück/Elend sein (ugs.; vor Alter, Krankheit völlig
zusammengefallen sein); Haufe [h^pfel. der; -ns. -n (geh..
veraltend): svw. tHaufen (bes. 3); <Abl.:)häufeln[hoyfln] <sw.
V.; hat) [spätmhd.. eigtl. = Häufchen machen]: 1.
(Gartenbau. Landw.) mit der Hacke od. dem Häufelpflug die lose
Erde um Hackfrüchte in Reihen wallartig aufhäufen:
Kartoffeln h. 2. zu Häufchen aufschichten: Erde, das Heu h.;
... legte Janö sie ( = die Igel) behutsam in die heiße Asche,
häufelte einen Glutberg über ihnen (Schnurre. Bart 151);
<Zus.:> Häufelpflug, der (Landw.): Pflug zum Häufeln (1);
Haufen fhapfn]. der; -s. - [mhd. hüfe. ahd. hüfo = Haufe.
Menge. Schar, verw. mit I hoch]: 1. <Vkl. t Häufchen)
Mengeübereinanderliegender Dinge, Anhäufung: hügelartig
Aufgehäuftes: ein großer H. Kartoffeln, Sand; ein H. trockenes
Stroh; ein H. faulender/(seltener:) faulende Orangen
lag/lagen auf dem Tisch; H. von Briketts aufschichten; sie kehrte,
legte, warf allesauf einen H.; Brennholz in/zu H. stapeln;
haben ihre Hunde so abgerichtet, daß sie nur auf meinem
Rasen ihre H. (ugs.; ihren Kot) ablegen (v. d. Grün. Glatteis
35); einen [großen, kleinen] H. machen (ugs. verhüll.; seinen
Darm entleeren); Ü Man sollte mit einer Schaufel einmal
diesen traurigen H. abgenutzter Worte hochheben können,
um zu sehen, was darunter ist (Dönhoff, Ära 89); *etw.
1156
haupt-, Haupt-
über den H. werfen (ugs.; etw.. bes. einen Plan, umstoßen,
zunichte machen,, vereiteln; mit Bezug auf das In einem
Haufen regellos Übereinandergeworfene): das Wetter hat
alle unsere Ausflugspläne über den H. geworfen; über
den H. rennen/fahren/reiten (ugs.; unvorsichtig od. mutwillig
umrennen, überfahren, umreiten; vgl. über den Haufen
werfen); über den H. schießen/knallen (ugs.; rücksichtslos
niederschießen; vgl. über den Haufen werfen). 2. (ugs.) eine
große Anzahl. Menge; sehr viel; das ist ein H. Arbeit;
all diese langsamen Tage sind plötzlich ein H. Zeit (Seghers.
Transit 170); einen H. Kleider besitzen; das kostet einen
H. Geld. 3.a) <Vkl. f Häufchen) Schar. Menge; f zufällige]
Ansammlung (von Menschen od, Tieren); ein H.
Neugierige^] stand/standen umher; dichte H. von Flüchtlingen;
Man hat nie so viele langweilige Leute auf einem H.
(beieinander, beisammen) gesehen wie in Saratoga Springs
(Maass. Gouffe 334); *in hellen H. (in großer Zahl; zu
sehr vielen; zu niederd. de hele hoop = der ganze Haufen
[niederd. he(e)l = ganz], urspr. von der Bed. des Haufens
als [Hauptltruppe herkommend); b) Gemeinschaft; durch
Zufall zusammengekommene, aber doch als Einheit
auftretende od. gedachte Gruppe: die Schulklasse war ein
verschworener H.; in einen üblen H. (eine Bande)
hineingeraten; zum großen H. (zur Masse, zum Durchschnitt)
gehören; c) (Soldatenspr.) kleinerer Verband von Soldaten.
Trupp: ein verlorener H. (ein / Vor/trupp. der allmählich
aufgerieben wird); Der Soldat in der Frontsituation wußte
sich geborgen und aufgehoben im Kreise seiner
Kameraden, seines „Haufens" (Natur 68); zu seinem H.
zurückkehren; zu welchem H. gehört ihr?; zum alten H. fahren
(veraltet verhüll.; sterben).
Kaufen-. Haufen-: Mlorf, das: aus verschiedenen Teilen
unregelmäßig zusammengewachsenes, nicht an einem Straßenzug
entlang aufgebautes Dorf: -weise <Adv.> (ugs.): in großer
Zahl, großen Mengen; sehr viel: da sitzen sie h. herum:
er hat h. Geld; -wölke, die: svw. f Kumulus.
hfiufen ['h^yfn] <sw. V.; hat) [mhd. hüfen. ahd. hufön.
auch: houfön; zu t Haufen]: 1. an einer Stelle
übereinanderlegen o. ä. u. zu einem Haufen anwachsen lassen; in größerer
Menge sammeln: Vorräte h.; Er häufte mir das ganze
Kleingeld in die Hand (Böll. Und sagte 32); das Essen
auf den Teller h. (reichlich auffüllen); ein gehäufter (in
der Mitte hoch gefüllter) Eßlöffel Zucker; Ü Ehre. Liebe
auf jmdn. h.; der Schicht über Schicht gehäufte Irrtum
(Plievier, Stalingrad 283). 2. <h. + sich) bedeutend
zunehmen; zahlreicher, mehr werden: die Abfälle, die Geschenke
häufen sich; die Beweise häufen sich; eine Stelle .... wo
sich schwierige Fachausdrücke häuften {in größerer Zahl
vorkamen; Sebastian. Krankenhaus 120); häufig ['h^yfi^l
<Adj.) [urspr. = in Haufen, massenweise vorhanden]: in
großer Zahl vorkommend, sich wiederholt ereignend: -e
Besuche; ein -er Fehler; menschliches Versagen ist die -ste
Ursache von Unfällen; das ist h. so; er kam h. zu spät;
<Abl> Häufigkeit, die; -. -en <P1. selten): häufiges
Vorkommen: die H. einer Pflanze, eines Phänomens; die H. seiner
Besuche fiel auf. dazu: Hftufigkeitszahl, Hftufigkeitszifler,
die: Zahl, die angibt, wie oft ein Ereignis innerhalb einer
Zeitspanne eintritt od. eine bestimmte Erscheinung sich
wiederholt; Häufung, die; -, -en: l.das Anhäufen. Aufschichten;
Lagerung in großen Mengen: H. von landwirtschaftlichen
Vorräten bei staatlichen Stellen (Fraenkel. Staat 23). 2.
das Sichhäufen; Ansammlung, häufiges Vorkommen (von
Erscheinungen. Ereignissen): eine H. von Konflikten, von
Korruptionsfällen; in solcher H. haben wir nie zuvor die
Schönheit des Eiskunstlaufs erlebt (Maegerlein. Triumph
28); Haufwerk, Hauwerk, das; -s (Bergmannsspr.): durch
Losschlagen gewonnene [aufgehäufte! Mineralmasse.
Hauhechel l'hajH. die: -. -n [1. Bestandteil zu ?Heu, H.
u.]: bes. an Wegrändern u. Feldrainen wachsende krautige
Pflanze mit behaarten Blättern u. rosa, gelben od. weißlichen
i traubig angeordneten] Blüten.
Häunel fh^yn)]. das; -s. -n (österr. mundartl.): kleine Haue
(1); hfiuneln fh^ynln] <sw. V.; hat) (österr. mundartl.):
mit einem Häunel bearbeiten (um den Boden zu lockern
u. Unkraut zu beseitigen): den Garten, die Kartoffeln h.
Haupt [happt], das; -[e]s. Häupter l'hgypte; mhd. houbet.
ahd. houbit; wahrsch. verw. mit lat. caput = Haupt. Kopf;
eigtl. = Gefäß. Schale]: 1. (geh.) Kopf als oberster Teil
des Körpers des Menschen od. größerer Tiere (häufig mit
Betonung des Bedeutenden. Ehrwürdigen): ein edles H.;
sein H. neigen, aufstützen; sein H. [vor Scham. Schmerz]
verhüllen; sie schlugen ihm das H. ab; er schüttelte sein
weises, graues, greises H. (ugs. oft scherzh.; gab seiner
Ablehnung od. Verwunderung Ausdruck): hob
Stabsfeldwebel Pont ... das schwere zerdachte H. (iron.; A. Zweig,
Grischa 186); bloßen, entblößten -es/mit bloßem,
entblößtem H. (ohne Kopfbedeckung); erhobenen -es/mit
erhobenem H. vor jmdm. stehen; Die Elefanten wackelten traurig
mit den hundertjährigen Häuptern (Bamm. Weltlaterne
186); R vor einem grauen -e (einem alten Menschen) sollst
du aufstehen; erzählt die Häupter seiner Lieben (scherzh.;
sieht nach, ob alle da sind; nach Schiller. Glocke); Ü die
schneebedeckten Häupter (Gipfel) der Berge; *eln
bemoostes H. (Studentenspr. veraltend; ein Student, der schon
viele Semester studiert hat): ein gekröntes H. (geh.; ein
regierender Fürst; Herrscher): an H. und Gliedern (völlig,
ganz u. gar; in jeder Hinsicht): den Staat an H. und G liedern
reformieren; Jmdn. aufs H. schlagen (geh.; völlig besiegen,
vernichten): zu Hfiupten (geh. [alter Dativ]; oben, in Höhe
des Kopfes, am Kopfende): Die Kapelle stellte sich zu
Häupten des Verstorbenen auf (Bieler, Bonifaz 129). 2. (geh.)
wichtigste Person; [Anjfiihrer: das H. einer Familie; er
war das H. der Verschwörung; die Häupter der drei
Regierungen bekräftigten ihre Auffassung (Dönhoff. Ära 154).
3. hinterer, rechteckiger Teil des Blattes (5) einer Axt.
eines Beiles.
haupt-, Haupt-: -abnehmen der: wichtigster Käufer [für
einen bestimmten Artikel]; -abschnitt, der: wichtigster
Abschnitt (z. B. eines Buches); -abteihing. die: wichtige
Abteilung einer Firma od. Behörde, dazu: -abteilungsleiter. der;
-adise, die: wichtigste Achse (1 a, 3 a a, 4); -akteur, der.
Miktion, die: t Haupt- und Staatsaktion; -aktionär, der;
-akzent. der (Phon.): stärkste Betonung: diese Silbe trägt
den H.; Ü auf etw. den H. legen (etw. als das Wichtigste
betrachten); -altar, der: im Chor der Kirche stehender
Altar; -amtlich <Adj.; o. Steig.): in einem als Beruf, gegen
Bezahlung ausgeübten Amt tätig od. durch eine solche
Tätigkeit gekennzeichnet: ein -er Bürgermeister; die Stellung
ist h.; h. tätige Parteisekretäre; -angeklagte, der u. die
(jur.); -anliegen, das; -anschhiß, der: Fernsprechanschluß,
der es ermöglicht, eine Fernsprechnummer direkt zu wählen
u. direkt gewählt zu werden; -anstrengung, die; -arbeit.
die: der hauptsächliche, größte Teil der Arbeit: die H. steht
uns noch bevor; -argument. das; -attraktion, die;
-aufgäbe, die: wichtigste Aufgabe (2); -augenmerk, das:
besonderes, hauptsächliches Augenmerk; wachsam kontrollierende
Beobachtung, mit der man dafür Sorge trägt, daß nichts
Fehlerhaftes. Unbeabsichtigtes. Unerwünschtes geschieht:
sein H. galt der Zeichensetzung; sein H. auf etw. richten;
-ausschuß, der: wichtigster Ausschuß (2); -bahn, die: stark
u. mit Zügen hoher Geschwindigkeit befahrene, voll
ausgebaute Eisenbahnstrecke; -bahrihof, der: [beim
Vorhandensein mehrerer Bahnhöfe wichtigster] Bafinhofeiner [Groß]-
stadt bes. für den Personenverkehr (Abk.: Hbf.); -bedeu-
tung, die (Sprachw.): wichtigste Bedeutung eines Wortes,
die sich bei Nennung des Wortes im allgemeinen bei den
Sprechern einstellt: die H. von „gehen" ist „sich in
aufrechter Haltung auf den Füßen schrittweise fortbewegen"; ^be-
dingung, die: unbedingt zu erfüllende Bedingung (1);
^begriff, der: wichtig/st]er Begriff; -belastungszeuge, der
(jur.); ^ beruf, der: hauptsächlich ausgeübter Beruf: im H.
ist er Arzt, aber er betätigt sich auch als Musiker, dazu:
-beruflich <Adj.; o. Steig.): den Hauptberuf betreffend,
darauf bezogen: eine -e Tätigkeit; ein Amt h. ausüben;
h. (im Hauptberuf) ist er Lehrer: -beschäfttgung, die:
hauptsächlich ausgeübte Tätigkeit /in einem bestimmten
Zeitabschnitt]; -bestandteil, der; -bootsmann, der <P1.
-leute) (Marine): vgl. ^feldwebel; -botlt], das (Schweiz.):
vgl. Bot; -'buch, das (Kaufmannsspr.): Buch, in dem alle
geschäftlichen Vorgänge verzeichnet u. sämtliche Konten
systematisch geführt werden; -buchhalter, der
(Kaufmannsspr.): leitender Angestellter in der Buchhaltung eines
Betriebes; -bühne, die (Theater); -darsteiler, der (Theater,
Film): Schauspieler, der für die Hauptrolle od. eine der
Hauptrollen in einem Stück od. Film eingesetzt ist;
-Darstellerin, die: w. Form zu f ^darstellen -deck, das: oberstes
durchlaufendes Deck eines Schiffes; -Dispatcher, der
(DDR): vgl. Dispatcher (b); -eigenschaft, die:
hervorstechende Eigenschaft, wichtigstes Merkmal; -«ingang, der:
eigentlicher / größerer], meist repräsentativer u. an der Vor-
1157
haupt-, Haupt-
derseite gelegener Eingang zu einem Gebäude, Saal, Park
o.a.; -einnahmequelle, die: wichtigste Einnahmequelle;
-einwand, der; -*rbe. der: 2Erbe, der den größten Teil
einer Hinterlassenschaft erhält; -ergebnis, das; -erzeugnis,
das: wichtigstes Erzeugnis (einer Firma, eines Gebietes
o. ä.); -Etappe, die: die Ausbildung soll in drei -n
durchgeführt werden; -fach, das: 1. Studienfach, in dem jmd. ein
Vollstudium absolviert: Germanistik und Anglistik als H./
Hauptfächer studieren; im H. Romanistik studieren; vgl.
Nebenfach. 2. wichtiges Schulfach; -faktor, der: wichtigster
Faktor (1); -färbe, die: Itervortretende, beherrschende
Farbe: für den normalen Farbdruck genügen vier -n; -fehler,
der: entscheidender Fehler; -feind, der: gefährlichster Feind:
der H. des Seeigels ist der Seestern; •-feld, das (Sport):
[mittlere] geschlossene Gruppe bei einem Lauf od. Rennen
(IFeld 8): die Ausreißer wurden vom H. rasch eingeholt;
Meld, der; -s, -s (Soldatenspr.): kurz für t^feldwebel:
der H. meldete ihm die Kompanie angetreten (H. Kolb.
Wilzenbach 152); Ich. Herr H.f sagte der Bildhauer und
deutete Haltung an (Kuby. Sieg 39); -feldwebel, der (Mi-
lit.): a) (bei der Bundeswehr) Dienstgrad in der Gruppe
der Unteroffiziere mit Portepee u. Träger dieses
Dienstgrades; b) (früher u. bei anderen Streitkräften) Dienststellung
des Kompaniefeldwebels u. ihr Inhaber; -figur. die:
wichtigist ]e Figur (5 c). zentrale Gestalt bei einem Geschehen,
in einer Dichtung od. ihrer künstlerischen Wiedergabe;
-film, der: der eigentliche, angekündigte Film einer
Filmvorführung, der meist nach einem Beiprogramm gezeigt wird;
-fordenwg.die: vgl. -anliegen; -form, die: wichtige,
hauptsächliche Form (1 c); -frage, die: wichtigste, das wichtigste
Anliegen enthaltende Frage; -fiinktton, die: wichtigste
Funktion (1); -gang, der: 1. zentraler Gang, Flur in einem großen
[öffentlichen] Gebäude, von dem Seitengänge abgehen. 2.
svw. t ^gericht; -ggsleitung, die: zentrale Gasleitung in
einem Haus, von der die Leitungen für die einzelnen
Wohnungen abgehen; -gebäude,das: a) größtes, wichtigstes Gebäude
von zusammengehörenden Baulichkeiten: H., Stallungen
und Scheune umschlossen einen quadratischen Hof; b)
zentrales Gebäude für eine in verschiedenen Häusern
verstreut untergebrachte Institution od. Behörde: die Aula
befindet sich im H. der Universität; -gedanke, der; -gefahr,
die; -gefahrenherd, der; -gefreite, der (Milit.): höchster
Dienstgrad in der Gruppe der Mannschaften u. Träger dieses
Dienstgrades; -gegenständ, der: wichtigster Gegenstand (2),
zentrales Thema, Objekt eines Gesprächs, einer
Untersuchung o. ä.; -gericht, das: am meisten sättigendes [ zwischen
Vorspeise bzw. Suppe u. Dessert serviertes] [ Fleisch]gericht
einer aus mehreren Gängen bestehenden Mahlzeit; ^ge-
schäft, das: zentrales Geschäft eines Unternehmens mit
mehreren Filialen; -gescWJftsstraße, die: zentral gelegene
[verkehrsreiche] Straße mit großen Läden u. Kaufhäusern in
einer Stadt; -geschfftszdt, die: Zeit, in der die meisten
Einkäufe getätigt werden; -gesprächsthema, das; -getrei-
deart, die (meist Pl.>: eine der wichtigsten Getreidearten
(z. B. Roggen u. Weizen); -gewicht, das: stärkster
Nachdruck, wichtigster Punkt, der zu berücksichtigen ist: Die
Möglichkeit der Knopfstellung reicht von 1 bis zu 4
Knöpfen, dabei dürfte das H. wieder bei 3 Knöpfen liegen
(Herrenjournal 3. 1966, 44); -gewinn, der: größter Gewinn
(bei Lotterien, Preisausschreiben o.a.): der H. entfiel auf
die Losnummer 131214; den H. ziehen, dazu: -gewinner,
der; -gläubiger, der; -gleis, das (Eisenb.): dem schnellen
[Durchgangs]verkehr, nicht dem Rangieren vorbehaltenes
Gleis; -gottesdienst, der: am frühen Vormittag
stattfindender [Sonntags] gottesdienst; -grund, der: eigentlicher Grund
für ein Verhalten. Geschehen o. ä.; -haar, das <o. PI.) (geh.):
gesamtes Haar auf dem Kopf; -hafen, der: wichtigster Hafen
eines Landes; -hahn, der: 1. zentraler Absperrhahn an einer
Rohrleitung, der die Versorgung mit Wasser, Gas. Öl o. ä.
für ein Haus od. ein ganzes Gebiet regelt. 2,a) (veraltend)
stärkster Hahn im Hühnerhof; b) (Studentenspr. veraltend)
starker Mann, Anführer; -harst. der (Schweiz.): größte
Schar, Gruppe; vgl. Harst; -haus, das: svw. t^gebäude;
-hindernis. das; -inhalt, der: wesentlicher, hauptsächlicher
Inhalt; -Interesse, das: sein H. gilt der Politik; -kämpf.
der (Boxen): wichtigster Kampf einer Boxveranstaltung,
dazu: -kämpfer. der: *)jmd., der zusammen mit einem andern
an einem Hauptkampf teilnimmt; b) wichtigster, den
Todesstoß führender Kämpfer im Stierkampf; ~kampflinie, die
(Milit.): svw. TFront (2a); -kapitel. das: vgl. -abschnitt;
-kasse. die: zentrale Zahlstelle; -katalog, der: zentraler
Katalog einer Bibliothek; -kennzeidien, das: vgl. Mnerk-
mal; -kennzHTer, die (DDR): wichtige Zahl in einem
Wirtschaftsplan: Dem Wettbewerb der Hauerkollektive liegt
als H. die Einhaltung bzw. Senkung der Kosten zugrunde
(Neues D. 9. 6. 64. 1); -k^rl, der (ugs. scherzh. veraltend):
jmd.. der sehr tüchtig ist od. es zu sein meint; -kontingent.
das; -last, die: die H. der Arbeit tragen; -lehrer, der
(veraltend): Leiter einer kleinen Volks- od. Sonderschule
od. erster Lehrer an einer Grundschule u. seine Amtsbez.:
-leitung, die: zentrale [Rohrjleitung (für Wasser, Gas,
Strom od. Telefon). von der Nebenleitungen abgehen; -leute:
PI. von T-mann; -macher, der (ugs): Chef, Leiter,
Anfuhrer: wer ist denn der H. hier?; -macht, die <o. Pl.>
(veraltend): die hauptsächlichen Streitkräfte, der größte Teil des
Heeres; -mahlzeit, die: am meisten sättigende [warme/
Mahlzeit am Tage; -mangel, der: 1. schwerwiegendster
Mangel. 2. (jur.) innerlxalb einer bestitnmten Frist bei einem
verkauften Stück Vieh ausbrechende Krankheit, für die der
Verkäufer haftet; -mann, der <P1. -leute) [mhd. houbet-
man. ahd. houpitman = Oberster. Anführer]: l.a)
Offiziersdienstgrad der dritten Stufe (zw. Oberleutnant u.
Major): jmdn. zum H. befördern; b) Träger des Dienstgrades
eines Hauptmanns da). Führer einer Kompanie od. Batterie:
der H. befahl Marscherleichterung; H. Schmidt hat
angerufen; Jawohl, Herr H.! 2. (hist.) Fülirer einer [ Söldnerjtrup-
pe, Bande; -masse, die: größte Menge: Die H. des
herabfallenden Schuttes fing Asam mit seinem Körper auf
(Augustin. Kopf 198); er kam mit der H. der Läufer ins Ziel;
-matador, der (ugs.): eigentlicher Anführer,
verantwortlicher Organisator; -merkmal, das: wichtiges,
hauptsächliches Kennzeichen; -mieter, der: jmd.. der eine Wohnung
direkt vom Hausbesitzer gemietet hat i von der er einzelne
Räume an Untermieter weitervermieten kann j; -motiv, das:
1. wichtigstes formales Element, wichtigster Gegenstand et*
nes Kunstwerks: der Mensch als H. der Fotografie. 2.
wichtigster. Iiauptsächlicher Beweggrutid: Eifersucht war
das H. seiner Tat; -nahning. die; -nenner, der (Math.):
kleinstes gemeinsames Vielfaches für die Nenner mehrerer
ungleichmäßiger Brüche, auf das jeder dieser Brüche
erweitert werden kann (um Addition u. Subtraktion zu
ermöglichen): Generalnenner; -person, die: wichtigste Person [in
einer Dichtung]: die -en des Dramas: in einem Stück die
H. spielen; er fühlte sich immer als H.; -portal, das: vgl.
-eingang; -post. die. -postamt, das: wichtigstes / größtes]
Postamt einer Stadt; -preis, der: größter Preis bei einem
Preisausschreiben; -probe, die: a) svw. t Generalprobe; b)
(bei besonderen Veranstaltungen) letzte wichtige Probe vor
der [öffentlichen] Generalprobe; -Problem, das:
hauptsächliches Problem; -Produkt, das: svw. t Erzeugnis; -punkt,
der: wichtigster Punkt einer gedanklichen Abfolge: einen
Vortrag in seinen -en wiedergeben; Miuartier, das (Milit.):
Sitz der Führung einer Armee, eines Heeres: große
Lagebesprechung im H.; Ü Das Cafe Central war das H. der
Wiener Boheme (Jacob, Kaffee 203); -quelle, die: Es gibt
in England drei -n der Meinungsbildung: Parlament. Presse
und City (Dönhoff. Ära 146); -redinungsart, die: svw.
t Grundrechenart; -redner, der H. des Abends war
Professor V.; -referat, das; -referent, der: vgl. -redner; -regel,
die: wichtigste [Grund[reget; -reichtum, der: Kohlen und
Eisenerze bilden den H./sind der H. des Landes; -retsezeit,
die: Zeit, in der die meisten Urlaubsreisenden unterwegs
sind; -rolle, die: wichtigste Rolle in einem Bühnenstück
od. Film: die H. übernehmen, spielen; in den -n sind zu
sehen: ...; Ü die H. [in/bei etw.J spielen ([in, bei etw./
die wichtigste Person sein); die/eine H. spielen (von größter
Wichtigkeit. Bedeutung sein); -runde, die (Fußball): in
einem Pokalwettbewerb auf die Vorrunde folgende
Spielrunde; -sache, die [frühnhd.; spätmhd. houbetsache =
Rechtsstreit, Prozeß]: das Wichtigste; das, was in erster
Linie berücksichtigt werden muß: Geld war für ihn die
H.; Fürs erste sind wir in Deckung, das ist die H. (Frisch.
Nun singen 13S): (ugs.:) H.. du bist gesund; ich werde
gleich auf die H. kommen; wer das Denken zur H. macht,
der kann es darin ... weit bringen (Hesse. Steppenwolf
23); *in der/(selten:) zur H. (als Wichtigstes, in erster
Linie, hauptsächlich): es wurden In der H. folgende Bücher
benutzt; Zur H. liegt mir an einer Entlastung wegen des
Geldes (Nossack. Begegnung 140). dazu: -sächlich [auch:
-'—1:1. <Adv.> in erster Linie, vor allem: das ist h. deine
1158
Haupteslänge
Schuld; h. deshalb, weil ...; ich suche h. frisches Obst;
h. im Norden herrschte Trockenheit; seine Tätigkeit
beschränkt sich h. auf das Parlament. II. <Adj.; o. Steig,
(ugs. im Sud.); nur attr.) die Hauptsache ausmachend:
das -e Anliegen; die -ste (ugs.; wichtigste) Frage; einer
der-sten Beweggründe (Nossack. Begegnung 311); -saison.
die: Zeit des stärksten Betriebes u. Andrangs in den
Erholungsorten; Hauptreisezeit: in der H. war kein Zimmer
mehr frei; -satz,der: l.(Sprachw.) (allein od. als
übergeordneter Satz in einem Satzgefüge stehender) selbständiger
Satz (Ggs.: Gliedsatz. Nebensatz). 2. grundlegender Satz
einer Wissenschaft. 3. (Musik) das Hauptthema in der
Grundtonart vorfü/irender erster Teil der Exposition (3 a);
-Schalter, der: Schalter an einer Hauptleitung, durch den
der Strom für ein Haus, eine Straße, einen Stadtteil ein-
od. ausgeschaltet werden kann: den H. umlegen;
^Scharführer, der (ns.): niederer Rang in der SA u. SS; -schiff.
das (Archit.): zentraler Raum in einer Kirche, Mittelschiff;
-schlag, der: entscheidender Schlag: den H. führen;
-Schlagader, die: aus der linken Herzkammer kommende
größte Arterie, von der sämtliche anderen Schlagadern
ausgehen; Aorta; -Schluß, der (Elektrot.): Art des Hintereinan-
derschahens mehrerer Elemente, so daß alle vom gleichen
Strom durchflössen werden; Reihenschaltung, dazu:
-sdihißmaschine, die; -Schlüssel, der: Schlüssel, der zu
mehreren od. allen Schlössern eines Hauses o. ä. paßt;
^Schriftleiter, der (veraltend): Chefredakteur; -sdiulabsdiluß, der:
an einer Haupt schule nach erfolgreichem Besuch der obersten
Klasse durch ein entsprechendes Zeugnis erworbener
Schulabschluß: Bewerber mit H. werden bevorzugt; -schuld,
die <o. Pl.>: größte Schuld, das meiste Verschulden: ihn
trifft die H.; der Angeklagte wollte die H. auf seinen
Komplizen abwälzen; -schuldige, der u. die: jmd.. der
die Hauptschuld an etw. hat; -Schuldner, der: a) derjenige,
der einem Gläubiger die größte Summe schuldet; b) (jur.)
bei einer Bürgschaft der eigentliche, ursprüngliche Schuldner
(für den der Bürge einstehen muß); -schule, die: auf der
Grundschule aufbauende, im allgemeinen das 5. bis 9. Schul-
jahr umfassende weiterführende Schule, dazu: -schüler. der,
-schullehrer, der; -schwein, das (Jägerspr.): starker,
mindestens siebenjähriger Keiler; -Schwierigkeit, die; -segel. das
(meist PI.) (Seemannsspr.): großes Segel, das zur normalen
Besegelung gehört (im Unterschied zum Beisegel);
^Seminar, das (Hochschulw.): Seminar in mittleren od. höheren
Studiensemestern, dessen Besuch an bestimmte
Voraussetzungen (vorausgegangenes Proseminar, Aufnahmeprüfung
o.a.) gebunden ist; -Sicherung, die (Elektrot.): Sicherung
für einen größeren Stromkreis, z. B. den eines Hauses od.
einer Wohnung; -Signal, das (Eisenb.): wichtigstes, durch
ein Vorsignal angekündigtes Signal, das einen
Streckenabschnitt freigibt od. sperrt; -sorge, die <P1. selten): größte
Sorge: ihre H. galt ihren Kindern; -spaß, der (ugs.): sehr
großer Spaß; -Stadt, die [mhd. houbetstat]: a) größte,
bedeutendste Stadt eines Landes / in der sich der Regierungssitz
befindet J: Amsterdam ist die H. der Niederlande; b) Stadt,
in der sich der Regierungssitz eines Landes befindet: Bonn
ist die H. der Bundesrepublik Deutschland, dazu: -Städter,
der: Bewohner einer Hauptstadt. -Städterin, die: w. Form
zu f -Städter, -städtisch <Adj.; o. Steig.): zu einer
Hauptstadt gehörend, von einer Hauptstadt geprägt: -e Repräsen-
tationsbauten; -stärke, die: jmds. persönliche größte
Fälligkeit; -Stoßrichtung, die: -strafe, die (jur.): für eine Tat
verhängte eigentliche Strafe, neben der noch Nebenstrafen
verhängt werden können; -sträng, der (Technik): wichtigster
Strang einer Leitung; -Straße, die: a) wichtigste
!Geschäfts I straße eines Ortes; b) verkehrsreiche / Durchgangs j-
straße: zum wuselig kurvenden Autoverkehr auf der
Kreuzung von -n (Johnson. Ansichten 157); -strecke, die:
wichtige Eisenba/instrecke; -stück, das [spätmhd. houbetstück
= Kopfstück, auch: schweres Geschütz]: a) svw. t
^abschnitt; b) (ev. Rel.) einer der fünj Abschnitte des
Lutherischen Katechismus; -sturmführer, der (ns.): mittlerer Rang
in der SA u. SS; -stütze, die: stärkste, wichtigste Stütze:
-sünde,die(kath. Rel.): eine der sieben Todsünden; -tatig-
keit, die; -teil, der: sehr großer, wesentlicher Teil: -tenor,
der: hauptsächlicher 2Tenor. Inhalt: der H. eines
Gespräches; -thema, das: wichtigstes Thema (eines Gespräches,
einer Abhandlung, Dichtung, eines Musikwerkes o. ä.); -ti-
tel, der: 1. eigentlicher Titel einer Abhandlung, eines Buches
o.a.(dem oft noch ein erläuternder Untertitel beigegeben
ist). 2. (Druckw.) eigentliche, alle wesentlichen Urheber-
u. Titelangaben enthaltende Titelseite eines Buches; -ton,
der: 1. <P1. -töne) (Musik) Ton, um den herum / im Druckbild
kleiner wiedergegebene 1 Verzierungen, Triller u. dgl.
gespielt od. gesungen werden. 2. <o. PI.) svw. T -akzent; -tor.
das: vgl. -eingang; -treffer. der: svw. t ^gewinn; -treppe,
die; -tilgend, die: wichtigste, vorherrschende Tugend; -ty-
p[us], der <meist PI.): wesentliche Art. Ausprägung; -übel.
das; - und Staatsaktion (mit Ergänzungsbindestrich), die
in der Wendung eine Haupt- und Staatsaktion aus etw.
machen (etw. Belangloses hochspielen, allzu wichtig nehmen;
nach den Stücken der deutschen Wanderbühnen des 17.
u. frühen 18. Jahrhunderts mit ernsten ..Hauptaktionen"
u. derb-komischen „Staatsaktionen"); -unterschied, der;
-Ursache, die; -verantwortliche, der u. die: vgl. -schuldige;
-Verantwortung, die <o. PL): die H. [für etw.J tragen;
-verbandlslplatz, der (Milit.): Sanitätsstelle hinter der Front
zur ersten Untersuchung u. chirurgischen Behandlung von
Verwundeten; -Verdiener, der: derjenige (Ehepartner od.
sonstiges Familienmitglied), der das meiste Geld für den
Unterhalt der Familie verdient; -verdienst, das: größtes
Verdienst: -verfahren, das (jur.): sich an das
Eröffnungsverfahren anschließendes eigentliches Gerichtsverfahren im
Strafprozeß; -Verhandlung, die (jur.): mündliche
Verhandlung vor Gericht im Beisein des Angeklagten mit
Zeugenvernehmung u. Erörterung aller Tatbestände als wichtigster
Teil des Haupt Verfahrens; -verkehr, der: der meiste
Verkehr: diese Brücke muß den H. in die Innenstadt
bewältigen; -verkehrsstraße, die: für den Verkehr bes. wichtige,
meist als Vorfahrtstraße gekennzeichnete Straße in einer
Ortschaft; -verkehrszeit, die: Zeit des starken
Berufsverkehrs; Rush-hour; -verlesen, das; -s, - [aus der urspr. Bed.
von verlesen = genau untersuchen, ausforschen] (Milit.
Schweiz.): abendlicher Appell: beim H. fehlen; Abends in
Samaden wäre ich beim H. in die hintere Reihe getreten
(Frisch. Gantenbein 84); -Versammlung, die (Wirtsch.):
a) mindestens einmal im Jalir stattfindende Zusammenkunft
der Aktionäre einer Aktiengesellschaft od.
Aktienkommanditgesellschaft; b) Gesamtheit der zur Hauptversammlung
(a) zusammengekommenen Aktionäre: die H. genehmigte
eine Erhöhung des Grundkapitals; -Verteidiger, der (jur);
-Verwaltung, die: zentrales Verwaltungsorgan eines über
viele Orte verstreuten Unternehmens, einer großen
Organisation, Versicherung o.a.; -vorstand, der: Vorstand, der eine
Vereinigung zentral, überregional leitet; -wache, die:
zentrale Polizeidienststelle eines Ortes; -Wachtmeister, der: a)
kurz für T Polizeihauptwachtmeister; b) (früher) bei der
Artillerie dem Hauptfeldwebel (b) entsprechende
Dienststellung u. ihr Inhaber; -weg, der: breiter, vielbegangener Weg
(z.B. in einem Park); -werk, das: 1. wichtigstes Werk
eines Künstlers. 2. (Musik) Orgelmanual mit den
klangkräftigsten Registern. 3. zentrales Werk einer großen Firma
mit mehreren Teilbetrieben; -wert, der: der H. der
Untersuchungen liegt in der Erkenntnis, daß ...; -widerstand, der;
-Wirkung, die; -wort, das <P1. -Wörter) (Sprachw.):
Substantiv, dazu: -wörterei, die (abwertend): übermäßiger
Gebrauch von Substantivierungen, übertriebener
Nominalstil, -wörtlich <Adj.; o. Steig.): die Funktion eines
Hauptworts habend, als Hauptwort / eingesetzt j; substantivisch:
ein h. gebrauchtes Adjektiv; -zeuge, der (jur.): wichtigster
Zeuge I der Anklage od. der VerteidigungJ; -ziel, das: Unser
H. ist, frei zu sein (Dönhoff, Ära 170); -Zollamt, das;
-zug, der: 1. eigentlicher, zu einem bestimmten Zeitpunkt
regulär fahrender Fernzug im Unterschied zu einem kurze
Zeit vorher od. nachherfahrenden Entlastungszug. 2. <meist
PI.) wichtigstes Charakteristikum: die Hauptzüge seines
Charakters; etwas in den Hauptzügen (in groben Umrissen)
darstellen; -zweck, der* eigentlicher, wichtigster Zweck;
-zweig, der: wichtige Abteilung, Gruppe.
Häuptel [hoyptl], das; -s. -[n] (südd.. österr.): Kopf einer
Gemüsepflanze;Zwiebelknolle: ein H. Salat. Kraut; <Zus.:>
Häuptelsalat, der (südd.. österr.): svw. f Kopfsalat;
Haupter, der; -s. - (Binnenschiffahrt veraltend): Lotse auf der
Elbe, der in einem kleinen Boot vorausfährt: Auch ein H.
kam hier an Bord, der um 1 400 Mark unser Schiff nach
Dresden. Koswig. Werben, Lauenburg führte (Kisch.
Reporter 32): Haupteslänge, die: meist in. der Fügung im
H. (geh.; um die Länge eines Kopfes): Jmdn. um H.
überragen; Ü strebte ... sich über die Menge zu erheben, nicht
um den Stiefelabsatz über ihr .... sondern um die H.
1159
Häuptling
(Reinig. Schifte 138); Häuptling ['h^yptlio]. der; -s. -e
[urspr. = (Familienoberhaupt. Anführer; erst seit Coo-
pers Indianererzählungen in der 1. Hälfte des 19. Jh.s
für das Oberhaupt eines (halb)wilden Volksstammes üblich
geworden]: I. Stammesführer. Vorsteher eines Dorfes bei
Naturvölkern: der weise H. beschwichtigte seine Krieger.
2. (iron. abwertend) Anführer /einer Bande], leitende
Persönlichkeit (deren Qualifikation man nicht anerkennt): ein
ziemlich prominenter H. der SS (K. Mann, Wendepunkt
427); wurde nicht mehr von der „finnischen Regierung",
sondern nur noch von finnischen ..Häuptlingen'4.
..Abenteurern" und ..Glücksspielern" gesprochen (Leonhard.
Revolution 60); Häuptlings <Adv.) (veraltet): a) kopfüber: mit
dem Kopf zuerst: h. die Treppe hinunterstürzen; b) zu
Häupten: am Kopfende: In der Kajüte, h. an seiner Koje
... war eine rote Locke befestigt (Jahnn. Geschichten 7).
hau ruck! [h^pruk] <Interj.>: [im Rhythmus sich
wiederholender! Ruf. der gleichzeitige Bewegungen beim Heben
od. Schieben einer schweren Last bewirken soll; <subst.:>
Hauruck [h^i'ruk], das; -s. -s: ein Rad war verklemmt,
und erst nach dreimaligem H. konnte sie den Wagen zur
Seite schieben; Ü Mit H. (schwungvoll u. gewaltsam) geht
hier nichts mehr (Spiegel 37.1974.46); <Zus.:>Hauivckfiiß-
ball, der <o. Pl.> (Sport Jargon): mit großem körperlichem
Einsatz, ohne Technik u. Eleganz gespielter Fußball (2).
Haus [haus], das; -es. Häuser l'h^yze; mhd.. ahd. hüs. eigtl.
= das Bedeckende, Umhüllende!: l.a) <Vkl. t Häuschen)
Gebäude, das Menschen zum Wohnen dient: ein großes,
kleines, mehrstöckiges, schmales, verwinkeltes H.;
armselige, einfache, verkommene, saubere Häuser; feste,
baufällige, moderne Häuser: sein väterliches H.; das H. seiner
Eltern; die Häuser sind hier sehr hellhörig; das H. ist
auf ihn. in andere Hände übergegangen; ein H. bauen,
einrichten, beziehen, bewohnen: ein H. [verlmieten, [verj-
kaufen; ein H. renovieren, verputzen, umbauen,
abbrechen; ein eigenes H. haben, besitzen; H. an H.
(nebeneinander) wohnen; jmdn. aus dem Haus[e] jagen; er führte
seine Gäste durch das ganze H; im elterlichen Hausle]
wohnen; Ü das irdische H. (geh.; der Leib, Körper des
Menschen): das letzte H. (geh.: der Sarg): ein enges, stilles
H. (dichter.; das Grab): *H. und Hof (der gesamte Besitz):
er hat H. und Hof verspielt, vertrunken; HJiuser auf Jmdn.
bauen (jmdm. im Überschwang unerschütterlich vertrauen):
Ümdm.] ins H. stehen (ugs.; jmdm. bevorstehen): eine Feier,
eine Neuerung steht [ihm] ins H.; Helen Vita (eine
Veranstaltung mit ihr) steht ins H.. und die Kenner der frivolen
Sängerin sind gespannt, ob sie ihre frechen Lieder singen
wird (MM 20. 1.69,4); b) Gebäude, das zu einem bestimmten
Zweck errichtet wurde: das große (bes. für
Opernaufführungen bestimmte), kleine (bes. für Schauspielaufführungen
bestimmte) H. des Theaters war bis auf den letzten Platz
ausverkauft; dieses Orchester hat auf seinen Tourneen
volle Häuser; H. (Hotel, Pension) Meeresblick; H. der
Jugend (Freizeitzentrum für junge Menschen): das H.
Gottes, des Herrn (geh.; die Kirche als gottesdienstlicher Raum):
das Weiße H. in Washington (der Amtssitz des Präsidenten
der USA); ein öffentliches H. (verhüll.; Bordelt): das beste,
erste H. (Hotel) am Platze; der Chef ist zur Zeit nicht
im,Hausle] (im Gebäude der Firma); c) Wohnung, Heim,
in dem man ständig lebt: jmdm. das/sein H. verbieten,
öffnen; die Lieferung erfolgt frei H. (Kaufmannsspr.; ohne
zusätzliche Transportkosten): das H. auf den Kopf stellen
(ugs.; so sehr nach etw. suchen, daß alles in Unordnung
gerät, das Unterste nach oben kommt): bei dieser Kälte
gehe ich nicht aus dem Haus[e]; außer Haus[e] (nicht
im Haus, auswärts) sein, essen; nach Hausle] gehen, fahren,
kommen; jmdn. nach Hausle] begleiten, bringen; Kommst
du mir mit einem Kind nach -e (bekommst du ein
nichteheliches Kind), fliegst du auf der Stelle hinaus (Ruthe.
Partnerwahl 81); Er bringt rund 1 000 Mark ... nach Hausle]
(hat einen Nettoverdienst von rund 1000 Mark); der Bettler
ging von H. zu H.; einige Zeit von -e fortbleiben; ... das
Väterchen Svetla. das sich regelmäßig ein ganzes Senf-
fäßchen gratis auf seine von -e mitgebrachte Wurststulle
streicht (Fr. Wolf, Zwei 262): an diesem Abend blieb,
war. saß er zu Haus[e]; er fühlt sich schon ganz [wie]
zu Hausle] (fühlt sich in einer neuen Umgebung nicht mehr
fremd); R mein H.. meine Welt; komm du nur nach
Hausfe]! (Drohung als Ankündigung von Strafe. Schelte
o. ä.); Ü Wir wüßten gar nicht, worüber wir uns unterhalten
sollten, nachdem die Kinder aus dem H. sind (Hörzu
11. 1976, 18); ein Paket, einen Brief nach Haus[e] (an
die Angehörigen) schicken; nach einer langen Reise kehrte
er gerne wieder nach Hausle] (in seinein] Heimat/ortJ)
zurück: der Reichstag wurde nach Hausle] geschickt (ugs.;
wurde aufgelöst): sie ist, wohnt noch zu Haus[e] (bei den
Eltern); Peter war übrigens in Vegesack ... zu Hause
(wohnte in Vegesack; Hausmann. Abel 7); Dabei ist ein Smoking
für Lisa, die unter den Schiebern in der Roten Mühle
zu Hause ist (sich dort aufhält u. auskennt), wahrhaftig
nichts Neues (Remarque, Obelisk 292); der Brauch des
Osterreitens ist in der Lausitz zu Hausle] (wird dort
gepflegt; ist dort üblich; kommt von dort); ich bin für
niemanden/für dich bin ich immer zu Hauste] (zu sprechen);
der Verein spielt, tritt am Samstag zu Hausle] (Sport
Jargon; auf dem eigenen Platz; vor einheimischem Publikum)
[zum Wettkampfl an; * das H. hüten (aus irgendeinem Grund
nicht mit andern nach draußen gehen [können], zu Hause
bleiben f müssen j); imdm. das H. einrennen/einlaufen (ugs.;
jmdn. ständig wegen einer Sache zu Hause aufsuchen u.
bedrängen): imdm. ins H. schneien/geschneit kommen (ugs.;
Überraschetui, unerwartet jmdn. besuchen, bei jmdm.
auftauchen): auf einem bestimmten Gebiet/in etw. zu -e sein (ugs.;
sich mit. in etw. genau auskennen; mit, in etw. gut Bescheid
wissen): mit etw. zu -e bleiben (ugs.; etw. für sich behalten:
jmdn. mit der Mitteilung einer Belanglosigkeit verschonen).
2.a) (ugs.) Gesamtheit der Hausbewolmer: das H. war
vollzählig versammelt; das ganze H. rannte auf die Straße:
man hörte so laute Schreie, daß das ganze H. zusammenlief;
b) Personen, die sich in einem bestimmten Haus (1 b)
befinden: das Hohe H. (Parlament); die beiden Häuser
(Kammern) des Parlaments; er hatte alle Geschäftsfreunde seines
-es (seiner Firma) geladen; der stürmische Beifall des
ausverkauften -es (des das Theater bis auf den letzten Platz
füllenden Publikums) galt allen (MM 14. 1. 74. 20); c)
(geh.) Familie: ein gastliches, vornehmes, bürgerliches,
angesehenes H.; der Herr des -es ({das Familienoberhaupt
als] Gastgeber); die Dame des -es ([Hausfrau als]
Gastgeberin) begrüßte ihre Gäste an der Tür; ich wünsche Ihnen
und Ihrem Hausie] alles Gute; sie kommt aus einem
anständigen H.. aus bestem -e; ihren Besuch, der den Nebenzweck
hatte, Ulrich wieder für ihr H. zu gewinnen (Musil, Mann
308); er ist nicht mehr Herr im eigenen H. (hat in der
Familie nichts mehr zu sagen); er verkehrt in den ersten
Häusern (angesehensten Familien) der Stadt; (in
Grußformeln am Briefschluß:) herzliche Grüße, mit den besten
Grüßen von H. zu H.; * von Hausle] aus (1. von der Familie
her: von H. aus ist er sehr begütert; Und Arlecq .... von
Haus aus gut katholisch [Fries. Weg 36]. 2. seit jeher,
von jeher: er war von Hause aus Arzt; Sie bringen von
Haus aus für viele Fragen den notwendigen Sachverstand
mit [Fraenkel. Staat 282]. 3. ursprünglich, eigentlich: von
Hause aus heißt er einfach Guha, hat sich aber den
asketischen Namen Kamadamana beigelegt [Th. Mann. Tod
u.a. Erzählungen 146]); d) Haushalt. Wirtschaft,
Hauswesen einer Familie: jmdm. das H. besorgen; ein großes H.
fuhren (häufig Gäste haben u. sie aufwendig bewirten);
Meine Eltern machten, wie man sagt, ein ziemliches H.
{gaben oft Gesellschaften; Katia Mann. Memoiren 11);
jmdn. ins H. nehmen; *H. und Herd (eigener Hausstand);
sein/das H. bestellen (geh.; vor einer längeren Abwesenheit,
vor dem Tode seinen Besitz, seine Angelegenheiten ordnen;
ein Testament machen; nach Jesaja 38, 1). 3. Dynastie.
I Herrscher]geschlecht: das H. Davids; ein Angehöriger
des -es Hannover, Habsburg. Bourbon; das H. Rothschild;
Ist er (= Kaspar Hauser) wirklich der Prinz aus
regierendem -e. den ruchlose Verwandte in der Wildnis ausgesetzt
haben? (K. Mann, Wendepunkt 134); sie stammt vom
königlichen, kaiserlichen -e ab. 4. (ugs. scherzh.) Person,
Mensch: er ist ein gelehrtes, fideles. gemütliches H.; er
ist ein tolles H. (ein überspannter Mensch); wie geht's,
altes H. (alter Freund)?5. (Astrol.) einer der zwölf
feststehenden Abschnitte, in die der Tierkreis eingeteilt ist: Im
H. des Aszendenten stieg die Waage auf... Neptun bezog
das zehnte, das H. der Lebensmitte ... Saturn war es.
der im dritten H. in Opposition zu Jupiter mein
Herkommen in Frage stellte (Grass. Blechtrommel 51).
haus-. Haus-: -altar. der: kleiner Altar an einer bestimmten
Stelle des Wohnzimmers od. im Andachtsraum eines Hauses;
MUldacht« die: Andacht im Familienkreis, im Kreis von
1160
haus-, Haus-
Bewohnern eines Heims, Insassen einer Anstalt o. ä.;
eingestellte, die: weibliche Person, die in einem Haushalt für
die Hausarbeit angestellt ist; -anschhiB, der: 1. Anschluß
einer Leitung im Haus für Gas, Wasser, Strom u. Heizung
an die entsprechende kommunale Versorgungsleitung. 2.
Fernsprechanschluß in einer Nebenstellenanlage; -antenne,
die: Antenne auf dem Dach eines Hauses, die von allen
Bewohnern benutzt werden kann; -anzug, der: bequemer,
aus Hose u. Jacke bestellender Anzug, den man zu Hause
trägt; -apotheke. die: in einem kleinen Schrank o. ä.
aufbewahrte Zusammenstellung von Arzneimitteln,
Verbandsmaterial u. sonstigen Dingen, die zur Ersten Hilfe u. zur
häuslichen Krankenpflege nötig sind; -arbeit, die: 1. im Haushalt
anfallende Arbeit (z. B. Putzen, Waschen, Kochen). 2.
[umfassende] schriftliche Arbeit, die von einem Schüler zu Hause
angefertigt wird (Ggs.: Klassenarbeit), zu 1: -arbeitstag,
der (früher): arbeitsfreier [bezahlter] Tag für berufstätige
Frauen mit eigenem Haushalt; -arrest, der: Strafe, bei
der dem Bestraften verboten ist, das Haus zu verlassen;
jmdn. unter H. stellen; er steht unter H.; -artikel, der:
Verkaufsgegenstatut eines Geschäfts, der in dessen eigener
Produktion hergestellt wurde; -arznei, die (veraltet): vgl.
-mittel; -arzt.der: a) Arzt, zu demjmd. besonderes
Vertrauenhat, weiler ihn schon lange konsultiert, den er bei auftre-
tenden Krankheiten als ersten in Anspruch nimmt u. der
bei ihm auch Hausbesuche nwcht; b) Arzt, der von einem
Hotel, Heim o. ä. angestellt ist, um dort auftretende
Krankheitsfälle zu betreuen; -aufgäbe, die: vom Lehrer
aufgegebene Arbeit, die der Schüler zu Hause erledigen muß, dazu:
^aufgabenübenvachung, die; -aufsatz, der: Aufsatz, den
der Schüler zu Hause anfertigt (Ggs.: Klassenaufsatz);
-backen <Adj.; nicht adv.) [backen = 2. Part, von ^cken.
das in Zus. ohne ge- steht, vgl. altbacken]: 1. <o. Steig.)
(veraltet) selbstgebacken; -e Brötchen. 2. bieder, langweilig
u. ohne Reiz; -ball, der: häusliche Tanzveranstaltung in
festlichem Rahmen; -bank. die <P1. -banken) Bank, mit
der ein Kunde seine regebnäßigen Geschäfte abwickelt; -bar,
die: a) spezielles Möbelstück od. Fach eines / Wohnzimmer/-
schrankes zum Aufbewahren von Spirituosen; b) kleinere
Ausführung einer lBar (2) zu Hause; c) I in einer Hausbar
(a u. b) aufbewahrte] Auswahl verschiedener Spirituosen
für Gäste od. den eigenen Bedarf zu Hause; Bibi Jenisch
... war ... hinausgegangen, kaum daß ... Drautzmann die
H. hatte anfahren lassen (Gaiser. Schlußball 192); -bedarf,
der: svw. I-gebrauch; -berg, der: a) (ugs.) in der Nähe
einer Stadt gelegener u. von deren Bewohnern zahlreich
u. ständig besuchter Berg; Der Feldberg ist der H. der
Freiburger; b) (Sport Jargon) in der Näfie des Wohnsitzes
eines Skifahrers liegender Berg, auf dessen Abfahrtsstrecken
er ständig trainiert, so daß er sie besonders gut kennt;
Mit vier Jahren hatten die Eltern die kleine Barbi zum
ersten Mal mitgenommen, und die Rotwand im Schlierseer
Tourengebiet wurde bald ihr Hausberg (Maegerlein, Piste
86); -besetzer, der (meist PI.): jmd., der eine Hausbesetzung
vornimmt; -besetzung. die: widerrechtlicher
gemeinschaftlicher Einzug in ein leerstehendes, zum Abbruch bestimmtes
Haus; -besitzer, der: jmd., der ein od. mehrere Häuser
besitzt; -besitzerin, die: w. Form zu t -besitzer; -besorger,
der (österr.): svw. f-meisten -besorgerin. die (österr.):
w. Form zu t^besorgen -besorgerposten, der (österr.);
-besorgerstelle, die (österr.); -besuch, der: Besuch, den
ein Arzt od. jmd. als Vertreter einer amtlichen Stelle jmdm.
ztd Hause abstattet; ^bewohner. der: jmd.. der in einem
Haus wohnt; -bibliothek, die: Bibliothek eines Heims, einer
Anstalt o.a.; -block, der <P1. -blocke u. -s) (selten): svw.
! Häuserblock: Sie ging mit dem Mädchen an der Hand
um den H. spazieren (Johnson. Ansichten 242); -bock,
der [2. Bestandteil als Bez. für Käfer mit großen, dem
Gehörn eines Bockes ähnlichen Fühlern] (Zool.): kleiner,
schwarzer Käfer mit länglicher Körperform, der in Häusern
im Holz der Balken, Dachsparren u. ä. Schäden anrichtet;
-boot, das: Boot, das als Wohnung dient u. entsprechend
eingerichtet ist; -brand. der <o. PL): Brennmaterial zum
Heizen von Wohnräumen, dazu: -brandkohle, die: zum
Heizen von Wohnräumen verwendete Kohle, -brandversorgung,
die: Versorgung mit Hausbrand[kohleJ; -brauch, der
(selten): Sitte, Brauch, der in einer Familie üblich ist u. gepflegt
wird; -briefkasten, der: svw. t Briefkasten (b); -brunnen,
der: Brunnen, der zum Haus gehört; -buch, das: 1. Buch
zum häufigen häuslichen Gebrauch; die Bibel sollte das
H. Jeder christlichen Familie sein. 2. (veraltet) Buch, in
dem die Einnahmen u. Ausgaben eines Haushalts verzeichnet
sind. 3. (DDR) Heft, in das die Personalien aller (auch
vorübergehenden) Hausbewohner eingetragen werden; -bur-
sche, der: jüngerer Angestellter eines Hotels, dessen
Aufgabenbereich sich auf Dienstleistungen (z. B. Koffer tragen,
Schuhe putzen) erstreckt; -dach, das: oberer Abschluß eines
Hauses; -dame, die: weibliche Person, die zur Leitung eines
Haushalts od. zur Betreuung eines [alleinstehenden älteren]
Menschen angestellt ist od. die in einem gesellschaftlich
angesehenen Haus dem Haushalt vorsteht u. eine besondere
Vertrauensstellung einnimmt; -detektiv. der: von einem
Kaufhaus o. ä. angestellter Detektiv, der Warendiebstähle
verhindern od. aufklären soll; -diener. der: Angestellter
eines Hotels od. größeren Hauses für einfache Arbeiten;
-drachen. der (ugs. abwertend): zänkische, herrschsüchtige
Ehefrau od. Hausangestellte; -durchsuchung, die (österr.):
svw. Nsuchung; -ecke, die: Ecke, die dadurch entsteht,
daß zwei Hausmauern senkrecht aufeinanderstoßen; ^ehre,
die (1: mhd. hüserel: 1. (veraltet) Familienehre. 2. (veraltet,
noch scherzh.) Ehefrau, Hausfrau; -eigen <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.): zu einem Haus, Hotel, einer Firma gehörend;
dem Besitzer eines Hauses, Hotels, einer Firma gehörend;
ein -er Kindergarten; Hotel mit -erti Skilift; -eigentümer,
der: vgl. -besitzer; -eigentümerin, die: w. Fomi zu T
-eigentümer; -einfahrt, die: a) zu einem Haus gehörende Einfahrt
(2a); b) (österr.) Hauseingang, Hausjlur; -eingang, der:
Eingang (1 a), durch den man ein Haus betritt; im H. stehen;
-fassade, die: vordere, gewöhnlich der Straße zugekehrte
Außenseite eines Hauses; -flagge, die (Seew.): im Topp
eines Schiffes geführte Flagge mit Farbe u. Zeichen der
Reederei; -flur. der: Treppenhaus u. Flur innerhalb eines
Hauses, an dessen Seiten sich die Türen zu den angrenzenden
Wohtmngen befinden; -freu, die [mhd. hüsvrou(we)!: a)
einen / Familien]haushält führende od. dessen Leitung
überwachende l Ehejfrau; b) (südd., österr.) Vermieterin feines
möblierten Zimmers]; Hausbesitzerin, dazu: -frauenart,
die: meist in der Wendung nach/auf H. ([von Speisen]
so zubereitet, wie es die Hausfrau a macht); marinierte
Heringe nach H.. -frauenbrigade, die (DDR): aus
nichtberufstätigen Hausfrauen zusammengesetzte freiwillige
Arbeitsgruppe, die in Betrieben aushilft, -frauemadtmittag,
der (bes. DDR): am Nachmittag stattfindende [kulturelle]
Veranstaltung für Hausfrauen, -frauenpflicht, die <meist
PI.): Pflicht, die sich aus den Aufgaben einer Hausfrau
ergibt; die tägliche Arbeit im Büro und ihre -en
überforderten sie. -frauentugend, die: (Parteistellen), die ihrerseits
das Einmachen als eine gute deutsche H. propagierten
(Böll. Haus 71). -fraulich <Adj.; o. Steig.): einer Hausfrau
entsprechend; von, in der Art, wie sie eine Hausfrau
kennzeichnet; -e Pflichten, Tugenden, Talente; Die Schwester
blickte Ravic h. an (Remarque. Triomphe 303), dazu:
-fraulichkeit, die: hausfrauliche Art; -freund, der: 1.
langjähriger, vertrauter Freund des Hauses, der Familie. 2.
(scherzh. verhüll.) Liebhaber der Ehefrau; -friedein], der:
gutes Einvernehmen der Hausbewohner, Familienmitglieder
untereinander, dazu: -friedensbnich, der (jur.): Verletzung
des Hausrechts durch widerrechtliches Eindringen od.
unbefugtes Verweilen in dem Besitztum, in Räumlichkeiten o. ä.
eines anderen; das ist H.; H. begehen; ^front. die: svw.
t-fassade; -ftindament. das; --gang, der (südd.. österr..
Schweiz.): svw. I -flur; -gans, die: aus der Graugans
hervorgegangene Zuchtform, die Imuptsächlich wegen ihres
Fleisches, Fettes u. der Federn gehalten wird; vgl. Gans; -garten.
der: Garten an einem Haus, um ein Haus; -gast, der
(Gastr.): zahlender Gast, der in einem Hotel, einer Pension
o.a. wohnt; ein Parkplatz, Strand für Hausgäste;
-gebrauch, der: Bedarf im privaten Haushalt, im Hauswesen;
eigener Bedarf; so viel Kartoffeln, Obst. Gemüse anbauen,
daß es für den H. reicht; Ü seine Kenntnisse reichen für
den H. (für die durchschnittlichen Ansprüche des Alltags);
-gehilfin, die: junges Mädchen od. Frau, die zur
Unterstützung der Hausfrau angestellt ist u. bei der Erledigung der
Arbeiten im Haushalt mithilft; -geist, der: I. nach
abergläubischer Vorstellung zu einem Haus gehörender u. dort
wirkender Geist, der das tägliche Leben beeinflußt. 2. (scherzh.)
Hausangestellte, die für Familie u. Haushalt unermüdlich
sorgt u. die man wegen ihres Fleißes u. ihrer Zuverlässigkeit
schätzt; -geld, das (früher): finanzielle Unterstützung, die
eine Krankenversicherung im Falle eines Krankenlwusaufent-
1161
haus-,
Haushaltes des Mitgliedes dessen Familie zahlte: Krankengeld:
-gemacht <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: nicht in einem
Geschäft gekauft, sondern im eigenen Haus hergestellt,
selbstgemacht: -e Wurst. Nudeln; -gemeinschaft, die: 1.
Gemeinschaft, in der man mit anderen in einem Haushalt lebt:
Manja ... hat dort die H. mit Vater und Schwester wieder
aufgenommen (Fussenegger, Zeit 181). 2. (DDR) alle
Bewohner eines Hauses unter dem Aspekt gemeinschaftlichen
gesellschaftlichen Handelns, zu 2: -gemeinschaftsleitung,
die (DDR): von der Hausgemeinschaft gewählte Leitung:
-genösse, der [mhd. hüsgenÖ3l: jmd., der mit anderen
zusammen in einem Haushalt lebt, dazu: -genossenschaft.
die [mhd. hüsgen03schaft] (veraltend): svw. T-gemein-
schaft (I); -gerät, das <P1. ungebr.) [mhd. hüsgeraete]
(veraltend): zu einem Haushalt gehörende Möbel, Gegenstände:
auf dem Boden steht nicht mehr gebrauchtes H.;
^geschneidert <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: svw. f selbstgeschneidert;
-gesetz, das (früher): Sonderregelung bes. Vermögens- u.
erbrechtlicher Fragen für die Familien des Hochadels: -ge-
sinde. das [mhd. hüsgesinde] (früher): zu einem Haushalt
gehörendes Personal: -gewerbetreibende, der (jur.): jmd.,
der in eigener Arbeitsstätte mit nicht mehr als zwei fremden
Hilfskräften im Auftrag von Firmen o. ä. Waren herstellt,
bearbeitet od. verpackt: -glocke, die: 1. Glocke am Eingang
eines Hauses, diejmd. betätigt, der eingelassen werden will.
2. (landsch.) Klingel an der Haustür, -gott, der <meist
PI.) (Rel.): heidnischer Gott, der Haus u. Familie beschützt
u. der durch Opfer im Haus verehrt wird: -grille, die:
svw. T Heimchen; -halle, die (selten): Eingangshalle eines
gro/Sen Hauses: -halt, der [zu t haushalten]: I.
Wirtschaftsführung mehrerer I in einer Familie! zusammenlebender
Personen od. einer einzelnen Person: ein H. mit fünf Personen;
der H. kostet viel Geld; einen mustergültigen H. führen;
jmdm. den H. besorgen; einen H. auflösen, gründen; im
H. helfen; Anschaffungen fürden H. machen; Ü der
hormonelle, seelische H. eines jungen Menschen; der H. des
Lebens, der Natur. 2. zu einem Haushalt (1) gehörettde
Personengruppe: Familie: die meisten -e beziehen eine
Tageszeitung; die Stadtwerke versorgen auch die privaten
-e mit Gas und Strom; in diesem H. möchte ich nicht
leben; etw. an alle -e verschicken. 3. (Wirtsch.) Einnahmen
u. Ausgaben einer Stadt, eines Staates, einer öffentlichen
Einrichtung o. ä.: Etat: der öffentliche H.; die -e der Länder
und Gemeinden sind ausgeglichen; den H. für das
kommende Jahr aufstellen; Im Bundesfinanzministerium
überlegt man sich, wie die Löcher im H. gestopft werden
können (DM 5, 1966.7), dazu: -halt-: thaushaltlsk
Haushalte)-, -halten <st. V.; hat) [frühnhd. haushalten < mhd.
hüs halten = das Haus bewahren]: 1. sparsam wirtschaften:
mit etw. haushälterisch umgehen: mit dem Wirtschaftsgeld,
den Vorräten h.; sie kann nicht h.; er hielt mit seinen
Kräften nicht haus (schonte sich nicht): sie hat mit der
Zeit, die ihr zur Verfügung stand, nicht hausgehalten (hat
sie nicht eingeteilt). 2, (veraltet) einen Haushalt (1) führen:
Spr mit vielem hält man haus (wirtschaftet tnan), mit
wenigem kommt man aus. dazu: -halter. -hälter [-helte], der:
-s. - (veraltet): 1. a) jmd.. der jmdm. den Haushalt (1) führt:
das Gleichnis vom ungetreuen Haushalter; b) Familienvor-
stand, Hausvater. 2. jmd.. der haushalten kann: er ist ein
guter Haushalter, -hälterin. die: weibl. Person, die
berufsmäßig [für alleinstehende Personenl den Haushalt (1)
besorgt, -hälterisch <Adj.>: besonders geschickt im Einteilen
u. besonders sparsam im Verbrauch von Geld u.
Verbrauchsgütern: eine entsprechende Art erkennen lassend: eine -e
Frau; mit etw. h. umgehen; das ist nicht sehr h. gedacht.
-halte-: thaushaltlsk Haushaitis]-. -Haltung, die: 1. svw.
T Haushalt (1, 2). 2. Haushaltsßtfirung: Wirtschaftsführung.
dazu: -haltungsartikel, der (meist Pl.>: svw. t
Haushaltsartikel, -haltungsbuch, das: kleines Buch, Heft, in das die
Ausgaben für den Haushalt eingetragen werden, -haltungs-
kosten <P1.>: Kosten, die durch einen Haushalt (1) entstehen.
-haltungsschule, die: hauswirtschaftliche Berufsfachschule,
-haltungsvorstand. der: derjenige, der in einem Hausfialt
Entscheidungen trifft: Familienoberhaupt: -haltwaren <P1.>:
svw. t Haushaltsartikel: ein Geschäft, die Abteilung für
H.; -Haus-Verkehr (mit Bindestrichen), der: Beförderung
von Gütern vom Haus des Versenders zum Haus des
Empfängers: -herr, der [mhd. hüsherre]: 1. Familienoberhaupt /als
Gastgeber!: Haushaltungsvorstand. 2. (jur.) jmd.. der
berechtigt ist. über ein Haus od. eine Wohnung als Eigentümer
od. als Mieter zu verfügen. 3. (selten) maßgebliche, fiihrende.
leitende Persönlichkeit:... Kritik des Aristoteles an Piatons
Gleichsetzung von -n und König im ..Staatsmann" (Fraen-
kel. Staat 110). 4. (südd.. österr.) Hausbesitzer. Vermieter.
5. (Sport Jargon) Mannschaft, die den Gegner auf ihrem
eigenen Platz, vor ihrem eigenen Publikum empfängt:
-Herrin, die: w. Form zu t -herr (1,4), svw. t -frau (b); -hilfe.
die (selten): svw. IHaushaltshilfe; -hoch <Adj.; o. Stäg.>
(emotional): sehr hoch: haushohe Flammen; Beim
Drehen wurden die Gondeln ... einseitig h.
geschleudert (Jahnn. Geschichten 78); Ü ein haushoher (eindeutiger,
überlegener) Sieg; ein haushoher (überragender) Favorit;
den Gegner h. schlagen (Sport; ihm eine schwere Niederlage
beibringen): jmdm. h. (beträchtlich) überlegen sein;
-Hofmeister, der [mhd. hüshovemeister] (früher): Verwalter
einesgroßen Haushalts [auf einem LandgutI, der die Absicht
über das Personal führte: -Huhn, das: svw. THuhn (la);
-Hund, der [mhd. hüshunt]: svw. IHund (1); -Industrie.
die: svw. t Heimindustrie; -Inschrift, die: über dem
Hauseingang angebrachte Inschrift: -intern <Adj.; o. Steig.):
(innerhalb eines Hauses, einer Firma, eines Hotels o.a.) nur
die jeweiligen eigenen Verhältnisse betreffend: Ursprünglich
waren sie ( = von einer Firma angefertigte Meßgeräte)
eigentlich „nur44 für -e Zwecke entwickelt worden
(Funkschau 19. 1971. 1878): -jacke. die: zu Hause getragene
bequeme Herrenjacke aus weichem iWoll Istoff: -Joppe,
die: vgl. -jacke; -Jurist, der: von einer Firma, Bank o. ä.
angestellter Jurist, der sich ausschließlich mit den rechtlichen
Belangen des betreffenden Hauses befaßt: -lullender, der:
für die ganze Familie geeigneter, volkstümlicher Kalender
in Buchform (mit Erzählungen u. Sprüchen. Abbildungen
o. ä.): -kanindien, das: aus dem Wildkaninchen gezüchtetes,
als Haustier gehaltenes Kaninchen: '-kapelle, die: in den
Gebäudekomplex eines Schlosses, Krankenhauses o. ä.
integrierte Kapelle: 2-kapelle, die: Musiker, die in einer Bar.
einem Cafeo. ä. ein ständiges Engagement haben: b) (früher)
kleine Musikgruppe, die im Dienst eines Fürsten stand:
-kaplan, der: Kaplan in den Diensten eines geistlichen od.
weltlichen Würdenträgers: -katze, die: svw. f Katze; -kittel,
der: Kittel, der meist bei der Hausarbeit getragen wird:
-kleid.das: vgl. -anzug; -knecht, der [spätmhd. hüskneht]
(veraltet): vgl. -bursche; -krochen, der (ugs. scherzh.):
svw. f-türschlüssel; -konzert. das: im häuslichen Kreise
verunstaltetes Konzert: -korrektor, der (Buchw.):
Korrektor, der in einer Druckerei arbeitet u. den Text unmittelbar
nach der Fertigstellwig des Satzes korrigiert: -korrekter,
die (Buchw.): Korrektur, die noch in der Druckerei,
unmittelbar nach der Fertigstellung des Satzes vorgenommen wird,
um möglichst alle Satzfehler verbessern zu können: -kreuz,
das (ugs.): zänkische Ehefrau: -lehrer, der: Lehrer, der
bei einer Familie fest angestellt ist, um die Kinder im Hause
der Eltern zu unterrichten: -lehrerin, die: w. Form zu T
-lehner; -leute <P1.> [2: mhd. hüsliute]: 1. (landsch.) Ehepaar,
das Hausbesitzer ist u. das ganze Haus od. Wohnungen
darin vermietet. 2. (Schweiz., sonst veraltend) Mieter eines
Hauses. 3. (selten) Mitbewohner eines Hauses. 4.
Hausmeister u. dessen Frau: -macherart, die meist in der Wendung
nach H. (wie hausgemacht): -macherkost, die: svw.
f-mannskost; -macherleinen, das (Textilind.): mit dem
Handwebstuhl od. auch industriell hergestelltes
Leinengewebe, das wegen des groben Garns u. der hohen Fadendichte
sehrlialtbar ist: -macherwurst, die: in Geschäften zu
kaufende Leberwurst, Blutwurst o. ä. in der Art, wie sie bei
Hausschlachtung auf dem Land hergestellt wird: -macht, die
<o. PL): 1. (hist.) Territorien, die sich im erblichen Besitz
des I regierenden I Fürstengeschlechts befanden. 2. innerhalb
einer Institution die auf Personen basierende Macht, über
diejmd. fest verfügt u. mit der er politische, wirtschaftliche
Ziele durchzusetzen vermag: Hua, der über keine H. im
Partei- oder Staatsapparat verfügt (Spiegel 3, 1977. 70);
-mädchen, das: svw. t -angestellte. I -gehilfin; -magd, die
(veraltet): Mädchen od. Frau, die im Haus die groben
Arbeiten verrichtet: -makler, der: svw. T Häusermakler; -mann,
der [1: mhd. hüsman = Hausherr; Hausbewohner;
Burgwart]: 1. (veraltend) Hausmeister (1). 2. Ehemann od.
alleinstehender Mann, der Hausarbeit verrichtet: Hans Apel.
als ..H." tätig (Bild: Apel mit Staubsauger: Spiegel 34.
1975, 8), zu 1: -mannskost, die: einfaches, kräftiges Essen:
trotz seiner Vorliebe für Delikatessen läßt er nichts auf
H. kommen; Ü H. (durchschnittliche Qualität) ist nicht
1162
haus-, Haus-
gefragt bei einem Länderspiel (Welt 13. 5. 65, 6); -mantel,
der: bequemes, mantelartiges Kleidungsstück, das im Haus
getragen wird; -märchen, das: Märchen, das im häuslichen
Kreis erzählt wird: die H. der Brüder Grimm; -marke.
die: 1. a) Zeichen einer Familie od. Institution zur
Kennzeichnung des Eigentums; b) besonderes Markenfabrikat einer
Einzelhandelsfirma. 2. (ugs.) a) von jmdm. bevorzugtes
Genulimittel: sie hat zur Feier des Tages ihre H.: mit Jam
gefüllte, apfelgroße Eiermehlküchelchen (Fr. Wolf.
Menetekel 108); b) in Weinkellereien u, Gaststätten angebotener,
meist unetikettierter, offener u. sehr preisgünstiger Wein;
-mauer. die: vgl. -wand; -maus, die: Maus, die sich in
menschlichen Behausungen ansiedelt; -meier, der [LÜ von
lat. major domus. I Majordomus] (hist.): Inhaber des
wichtigsten fränkischen Hofamtes u. Anführer der Gefolgsleute;
-meister, der [mhd. hüsmeister = Hausherr]: I. jmd.. der
vom Hausbesitzer angestellt ist, um in einem größeren Haus,
einem öffentlichen Gebäude für die Instandhaltung, die
Reinigung u. Einlialtung der Ordnung zu sorgen. 1, (Schweiz.)
svw. t-besitzen -meisterin, die: w. Form zu t-meister;
-metzg, die (Schweiz.): Schlachten im Hause; -metzaete.
die (Schweiz.): 1. Schlachtfest. 2. (in Gasthäusern mit eigener
Metzgerei) Schlachtplatte; -miete, die: für ein Haus
entrichtete Miete; -mitteilung, die: I. Mitteilung einer Person
od. Abteilung an eine andere Person od. Abteilung innerhalb
einer Firma o.a. 2. <meist Pl.> (Wirtsch.) in regelmäßigem
Abstand erscheinende Druckschrift eines Unternehmens, die
nur für Kunden bestimmt ist; -mittel, das: in einer Familie
lange erprobtes u. bewährtes Mittel gegen Krankheiten:
Sein besonderes H. bei Fieber sind kalte Umschläge um
die Waden; -musik, die: häusliche Musikpflege im Familien-
od. Freundeskreis; -mutter, die [3: vermutlich nach der
Fruchtbarkeit des Falters u. weil er sich, angelockt durch
das Licht, gern in Häusern aufhält]: 1. (veraltet) Hausfrau
u. Mutler einer Familie. 2. Vorsteherin einer [Jugend/her-
berge, eines Heims o. ä. 3. (Zool.) großer Falter mit braunen
Vorderflügeln u. gelben, schwarzgerandeten Hinterflügeln,
dessen Raupe nachts an Gemüsepflanzen u. Gräsern frißt;
-mütterchen. das (ugs. scherzh. auch abwertend):
[unauffällig gekleidetes/ junges Mädchen od. junge Frau, die sich
lieber mit besonderer Hingabe der Hausarbeit widmet u.
kaum andere Interessen hat: die jüngere Tochter ist in
unserer Familie das H.; sich nicht mit der Rolle des -s
zufriedengeben wollen; -name, der (früher): Name zur
Kennzeichnung eines privaten od. öffentlichen Gebäudes;
-nummer, die: 1. Nummer, mit der die einzelnen Häuser
einer Straße bezeichnet sind. 2. (Leichtathletik Jargon)
gültiger Versuch [bei dem man sich nicht voll eingesetzt od.
verausgabt hat]; -orden, der: Orden eines
Fürstengeschlechts, der an Außenstehende wegen besonderer
Verdienste verliehen wird; -Ordnung, die: vom Vermieter eines
Wohnjhauses, von der Leitung eines Heims o. ä. erlassene
Vorschriften für das Verhalten der Bewohner, Insassen o. ä.
u. hinsichtlich der Benutzung bestitrunter. zum Haus
gehörender Einrichtungen; -partei,die (österr.): Mietpartei; -perle,
die (scherzh.): treue, zuverlässige Hausangestellte; -pflege,
die: 1. (Amtsspr.) Hilfe zur Weiterfütirung eines Haushalts,
wenn keiner der Angehörigen fähig ist, den Haushalt zu
führen. 2. Pflege eines Kranken in seiner Wohnung durch
ausgebildetes Pflegepersonal, zu 1: -Pflegerin, die: weibl.
Person, die eine Hauspflege übernommen hat; -plage, die
(ugs.): svw. T-kreuz; -platz, der: 1. (landsch.) [kleiner!
Platz im Treppenixaus vor der Wohnungstür. 2. (Sport
Jargon) Platz, auf dem man immer trainiert u. den man genau
kennt: -postille, die (früher): Sammlung religiöser u.
erbaulicher Sprüche u. Erzä/dungen, die in der Familie gelesen
wurden: Ü (iron.:) Die ... Entscheidung des
Parteivorstandes ... suchte Gerhard Jahn ... im „Vorwärts", der
sozialdemokratischen H.. zu begründen (Spiegel 48. 1965.
42); -putz, der: gründliche Reinigung der zu einem Haushalt
gehörenden Räume; -rat, der [mhd. hüsrät = das für
einen Haushalt erforderliche Gerät, vgl. Rat]: alle zu einem
Haushalt gehörenden Sachen (z. B. Möbel. Küchengeräte),
dazu: -ratversicherung, die (Versicherungsw.):
Versicherung des Hausrates gegen Feuer, Wasser u. Einbruch;
^recht, das (jur.): Recht des Besitzers od. Benutzers einer
Wohnung od. eines Hauses, jmdm. zu verbieten, die Wohnung
od. das Haus zu betreten od. sich darin aufzuhalten: der
Firmenchef übt das H. aus; von seinem H. Gebrauch
machen (jmdn. hinauswerfen); -rind. das: vom Auerochsen
abstammendes, als Haustier gehaltenes Rind; -rock, der
(selten): svw. t-jacke; -ruine, die: Ruine eines einzelnen
Hauses; vgl. Häuserruinen; -Sammlung, die: Sammlung,
bei der die Helfer von Haus zu Haus gehen u. in Wohnungen
um Spenden bitten; -schaf, das: vom Wildschaf
abstammendes, als Haustier gehaltenes Schaf; -schanze, die (Sport
Jargon): in der Nähe des Wohnsitzes eines Skispringers
liegende Schanze, auf der er ständig trainiert u. die er deshalb
besonders gut kennt; -schild, das (früher): an Häusern
angebrachtes 2Schild als Hauszeichen; '-schlachten <sw. V.;
hat; nur im Inf. u. 2. Part, gebr.) (selten): auf dem eigenen
Hof, Anwesen selbst schlachten; 2-schbchten <Adj.; o.
Steig.; nur attr.) (selten): hausgemacht; selbst hergestellt:
-e Wurst; -Schlachtung, die: das Schlachten auf dem eigenen
Hof, Anwesen; -Schlüssel, der: Schlüssel für die Haustür;
-Schneiderin, die: Schneiderin, die in die Wohnung des
Kunden kommt, um dort zu arbeiten; -schuh, der: beciuemer,
weicher, meist aus leichtem Material hergestellter Schuh,
den man nur im Haus trägt; -schwamm, der: Pilz, der
das heim Bau eines Hauses verwendete Holz zerstört;
-schwein. das: aus dem europäischen Wildschwein
gezüchtetes, als Haustier gehaltenes Schwein; -segen. der (früher):
Segensspruch über der Tür eines Hauses, an der Wand
eines Zimmers; *bei imdm. hängt der H. schief (ugs.
scherzh.; in jmds. Familie, Ehe hat es Streit gegeben, u.
es herrscht noch eine gereizte Stimmung); -sprach, der:
vgl. -inschrift; -stand, der (geh.): a) Ehe u. Familie mit
dem dazugehörigen Haushalt (1): [mit jmdm.] einen
Hausstand gründen; b) Hauswirtschaft; Haushalt (1):
Tatsächlich blieb die Haltung der Gastgeberin so
majestätisch-nonchalant, daß die Gäste geneigt waren, den reduzierten
Stil des -es als elegante Laune hinzunehmen (K. Mann,
Wendepunkt 52); -strecke, die (Sport Jargon): in der Nähe
des Wohnsitzes eines Sportlers liegetule (Abfahrts Istrecke,
auf der er ständig trainiert u. die er deshalb besonders
gut kennt: Mit dem St recken rekord von 6:53,5 Stunden
... beherrschte John Surtees auf dem Vier-Liter-Ferrari
seine H. souverän (Welt 24. 5. 65. 16); Ü die Auswertung
demoskopischer Umfragen war sozusagen seine H.; -su-
diung, die [mhd. hüssuochunge = Hausfriedensbruch]:
polizeiliche Durchsuchung einer Wohnung, eines Hauses
nach tatverdächtigen Personen, zur Verfolgung von Spuren
einer strafbaren Handlung od. zwecks Beschlagnahme
bestimmter Gegenstände; -taube, die: svw. t Taube; -taufe.
die: in einer privaten Wohnung vorgenommene Taufe; -tech-
nik, die: alle fest in ein Gebäude einzubauetiden technischen
Ausrüstungen; -tee, der: aus Kräutern hergestellter Tee,
der als Hausmittel verwendet wird; -telefon, das: Telefon,
das nicht an das Fernsprechnetz angeschlossen ist, sondern
nur innerhalb eines großen Hauses zwischen einzelnen
Räumen Verbindung herstellt; ^temi* das (Schweiz.): Tenne eines
Hauses; -tier, das: nicht frei lebendes, an den Menschen
gewöhntes Tier, das [aus wirtschaftlichen Gründen] gehalten
wird: der Hund ist das häufigste H.; -e halten; einen Affen
als H. halten; -tochter, die: junges Mädchen, das für eine
bestimmte Zeit in einer fremden Familie lebt, um dort die
Führung eines Haushalts zu erlernen; -tor, das: Tor vor
der Einfahrt eines Hauses; -trauung, die: kirchliche
Trauung, die in einer Privatwohnung, häufig in der Wohnung
der Brauteltern, vollzogen wird; -treppe, die: Außentreppe
an der Eingangstür eines Hauses; -trank, der: (Fachspr.):
1. a.) Tresterwein. der lediglich zum Eigengebrauch bestimmt
ist; b) Branntwein, der aus dem Haustrunk (1 a) destilliert
wird. 2. Bier, das Brauereien an ihre Arbeitnehmer zu deren
eigenem Verbrauch abgeben; ^tür, die: Tür am Eingang
eines Hauses: vor der H. stehen; Ü den Odenwald [direkt]
vor der H. haben (ugs.; in unmittelbarer Nähe des Odenwal-
des leben, in den man Ausflüge machen kann), dazu: -tür-
schKissel, der: Schlüssel, mit dem die Haustür zu verschließen
od. aufzuschließen ist: ^tyraim, der (ugs.): Familienmitglied,
meist Familienvater, von dem die Familie tyrannisiert wird.;
-Übung, die: vgl. -aufgäbe; -Unterricht, der: Unterricht,
der einem od. mehreren Kindern im Haus der Eltern erteilt
wird; -urne, die: vorgeschichtliches Behältnis für
Feuerbestattung, das die Form eines kleinen Hauses hat; -vater,
der: 1. (veraltet) Familienvater; Familienoberliaupt. 2. Leiter
einer Anstalt, eines Heims o.a., zu 1: -väterlich <Adj.>:
einem Hausvater entsprechend; von. in der Art, wie sie
einen Hausvater kennzeichnet; -verbot, das: Anordnung,
die jmdm. das Betreten einer Räumlichkeit, eines Gebäudes
1163
Häuschen
verbietet: -Versammlung, die (DDR): Versammlung der
Vertreter aller Mietparteien eines Wohnhauses: -verstand,
der: auf alltägliche Dinge des Lebens gerichteter [u. nur
diese erfassender] praktischer Verstand: -Vertrauensmann,
der<Pl. ...leute. (selten:) ...männerXDDR): Vertreter einer
Hausgemeinschaft: -Verwalter, der: jmd.. der vom
Hausbesitzer mit der Verwaltung eines Hauses beauftragt ist:
^Verwaltung, die: a) Erledigung aller mit einem Haus
zusammenhängenden Angelegenheiten: b) Institution. Person[engrup-
pej. die für die Hausverwaltung (a) zuständig ist: mit diesem
Problem müssen Sie sich an die H. wenden; -wand, die:
Mauer, Außenwand eines Gebäudes: -wart, der (landsch.):
svw. t-meisten -wesen. das <o. PI.) (veraltend): alles,
was mit der Führung u. Organisation eines Haushalts, der
Hauswirtschaft (1 a) zusammenhängt: -wirt, der [mhd. hus-
wirtj: 1. Hausbesitzer, von dem man eine Wohnung gemietet
hat. 2. (veraltet) Familienoberhaupt: -wirtin, die: w. Form
zu t-wirt (1); -Wirtschaft, die: l.a) selbständige
Wirtschaftsführung. Bewirtschaftung eines privaten Haushalts:
b) (selten) svw. t-halt (1). 2. (Wirtsch.) Wirtschaftsform,
bei der man ausschließlich für den Eigenbedarf produziert
(als erste Stiife der wirtschaftlichen Entwicklufig). 3. (DDR)
persönliches Eigentum der Genossenschaftsbauern an
landwirtschaftlichen Nutzflächen. Viehbeständen. Wirtschafts-
u. Wohngebäuden u. an Wirtschaftsgeräten, dazu:
-Wirtschafterin, die: Hauswirtschaftsgehilfin in einem ländlichen
Haushalt (Berufsbez.). -wirtschaftlich <Adj.; o. Steig.; nicht
präd. >: die Hauswirtschaft (1) betreffend, -wirtschaftsgehil-
fin, die: in einem Haushalt (in der Stadt) tätige weibliche
Person (Berufsbez.). -wirtschaftslehrerin, die: Lehrerin, die
Hauswirtschaft (1 a) unterrichtet, -wirtschaftsleiterin, die:
Leiterin eines großen ländlichen Haushalts od. des Haushalts
einer Anstalt, eines Heims o.a. (Berufsbez.). -wirtschafte
meisterin, die: Hausfrau, die mehrere Jahre einen / eigenen;
Haushalt gefüixrt u. eine Prüfung abgelegt Imt. durch die
sie berechtigt ist. hauswirtschaftliche Lehrlinge auszubilden
(Berufsbez.), -wirtschaftssdiule, die: Schule, die eine
allgemeine hauswirtschaftliche Bildung od. eine
hauswirtschaftliche Berufsausbildung vermittelt: -Wurfsendung, die:
Mitteilung. Warenprobe o.a.. die (meist zu Werbezwecken)
in den Briefkasten eines jeden Haushalts geworfen wird:
-würz, die [mhd., ahd. hüswurz]: auf Dächern. Mauern
od. Felsen wachsende Pflanze mit fleischigen, rosettenartig
angeordneten Blättern, deren Blütenstände auf einem langen,
aus der Rosette herauswachsenden Stengel sitzen: -zeichen,
das: vgl. -name; -zeit, das: großes, geräumiges Zelt mit
steilen Wänden u. flachem od. spitzem Dach: -ziege, die:
als Haustier gehaltene Ziege: -Zierde, die (veraltet, noch
scherzh.): Ehefrau: -zins. der (südd.. Schweiz.): Miete.
Häuschen [h^ys^n], das; -s. - u. Häuserchen: 1. tHaus
da): * [ganz/rein] aus dem H. geraten/fahren (ugs.; [in
freudiger Erregung/ außer sich geraten): [ganz/rein] aus
dem H. sein (ugs.; i in freudiger Erregung/ außer sich sein:
ahmt wohl frz. petites maisons [= Name einer Irrenanstalt
in Paris] nach): sie ... sind ganz aus dem H. über so
viel Segen von oben (Ott, Haie 153); imdn. aus dem H.
bringen (ugs.; jmdn. in [freudige] Erregung versetzen, so
daß der Betreffende außer sich gerät). 2. (landsch. fam.)
primitiv gebaute Toilette außerhalb des Hauses: aufs H.
gehen; hausen [h^iznl <sw. V.; hat) [mhd. hüsen; ahd.
hüson = wohnen, sich aufhalten; beherbergen;
wirtschaften; später auch: übel wirtschaften; sich wüst aufführen]:
l.a) (ugs. abwertend) unter schlechten Wohnverhältnissen
leben: in einer Baracke, einer Hütte h.; Oder diese kleinen
Zimmer, in denen wir zu viert h. mußten (Hörzu 29,
1972, 32); b) (abwertend) abgesondert, einsam wohnen, so
daß niemand Einblick in die Lebensweise bekommt: auf
abgelegenen Burgen hausten Raubritter; Warum geht sie
nicht hin und mietet irgendwo eine Kammer, wo sie in
Ruhe h. kann (Werfel. Himmel 151); c) (ugs. scherzh.)
wohnen: wir hausen jetzt in einer gemütlichen, kleinen
Dachwohnung; Du weißt, es gefällt ihnen gar nicht, daß
ich hier bei dir hause (Baldwin [Übers.]. Welt 314). 2.
(ugs. abwertend) wüten: Verwüstungen anrichten: der
Sturm, das Unwetter hat in verschiedenen Gegenden
schlimm gehaust; Soldaten hatten in den Dörfern
schrecklich gehaust; wie die Wandalen h. (nichtachtend bei andern
alles in Unordnung bringen od. zerstören). 3. (Schweiz.)
gut haushalten: sparen: du haust nicht im geringsten.
Hausen I-]. der; -s. - (mhd. hüsen. ahd. hüso. H. u.. viell.
zu anord. hauss = Schädel, wegen des gepanzerten Kopfes,
vgl. norw. huse = Fischkopfl: großer Stör mit kurzer
Schnauze, großer, halbmondförmiger Mundöffnung u.
abgeplatteten Barteln, der vor allem wegen seines als Kaviar
zubereiteten Rogens wertvoll ist: ]Beluga (a) <Zus.:> Hguten-
bbse. die: aufbereitete Innenhaut der Schwimmblase des
Hausens u. anderer Störe, die wegen ihres hohen Anteils
an.Kollagen u.a. zum Klären von Wein, als Appreturmittel
u. als Klebstoff verwendet wird.
Hauser ['h^izc]. den -s. - [zu veraltet hausen = wirtschaften]
(bayr.. österr.): Haushälter. Wirtschaftsführer: Häuser: PI.
von T Haus.
Hiuser-: -block, der <P1. -blocke u. -s>: mehrere
aneinander gebaute Häuser [die von vier Straßen umrahmt sind].
Block (3) von Wolinhäusern: -flucht, die: vgl. -reihe;
-front, die: Front einer Häuserreihe: -groppe, die: vgl.
-block; -kämpf, der (Milit.): Kampf um Häuser eines
Ortes: -komplex, der: vgl. -block; -makler. der: Makler,
über den man ein Haus erwerben od. mieten kann
(Berufsbez.): -meer, das: aus einer gewissen Entfernung, bei einem
gewissen Überblick gesehene, dichtgedrängte Menge von
Häusern: -reihe, die: in einer Reihe nebeneinanderstehende
od. aneinandergebaute Häuser: -ruinen <P1.>: Ruinen von
Häusern: vgl. Hausruine; -viertel, das: /kleinerer I Teil
einer Stadt, der dicht mit Woluihäusern bebaut ist: -wand,
die: svw. f Hauswand; -zeile, die: vgl. -reihe.
Häuserchen: PI. von f Häuschen; Hauserin [hajizann]. Häu-
serin [h^yzann], die; -, -nen (bayr.. österr.): w. Form
zu t Hauser; Haushalt usw.: thaus-, Haus-.
haushalt[s]-, Haiphalt[s]-: -artikel, der (meist PI.):
Gegenstand, den man in einem Haushalt (1) benötigt: -auflösung,
die: das Auflösen eines Hauslialts (1); -ausgleich, der (Ver-
waltungsspr.): Deckung der öffentlichen Ausgaben durch
öffentliche Einnahmen: -ausschuß, der (Verwaltungsspr.):
Ausschuß, der für den Haushalt (3) verantwortlich ist: -buch,
das: svw. t Haushaltungsbuch; -budget, das: Budget für
einen Haushalt (1, 3); -Debatte, die (Verwaltungsspr.):
Debatte über den geplanten Haushalt (3); -Defizit, das
(Verwaltungsspr.): Defizit im Haushalt (3); -experte. der
(Verwaltungsspr.); ^Fehlbetrag, der: vgl. -defizit; -frage, die:
Frage, die die Führung eines Haushalts (1,3) betrifft: Frage
zum Haushalt: -fuhrung, die; -geM, das: bestimmte Summe,
die für die Führung eines Haushalts (1) zur Verfügung steht:
-gerät, das: Gerät, das im Haushalt (1) verwendet wird:
-gesetz, das (Verwaltungsspr.): gesetzliche Festlegung des
Haushaltsplanes: -hilfe, die: weibliche Person, die
stundenweise die Hausfrau bei der Hausarbeit unterstützt: -)ahr,
das: 1. (Verwaltungsspr.) Rechnungsjahr, für das ein
Haushaltsplan festgelegt wird. 2. Jahr, das ein Mädchen in einer
fremden Familie verbringt, um die Führung eines Haushalts
(1) zu erlernen: -kasse, die: a) <o. PI.) Geldvorrat, der
für den Haushalt (1) bestimmt ist: b) Behältnis, in dem
das Haushaltsgeld verwafirt wird: -maschine. die: vgl.
-gerät; -mäßig <Adj; o. Steig.; nicht präd.): svw. tetatmäßig;
-mittel <P1.) (Verwaltungsspr.): Geld, das für den Haushalt
(3) zur Verfügung steht: -Ordnung, die (Verwaltungsspr.):
Die zahlreichen Einzelheiten des Budgetwesens regelt die
H. (Fraenkel, Staat 91); -packung, die: größer als die
übliche Packung einer Ware, die dadurch preiswert an den
Verbraucher abgegeben werden kann: -Periode, die: vgl.
-jähr (1); -plan, der (Verwaltungsspr.): Plan, der der
Feststellung u. Deckung des Finanzbedarfs dient, der zur
Erfüllung der staatlichen Aufgaben im Bewilligungszeitraum
voraussichtlich notwendig ist: -Planung, die: Erstellung eines
Haushaltsplans: -politik. die (Verwaltungsspr.):
Gesamtheit der Maßnafunen eines Staates, durch Veränderung der
Einnahmen u. Ausgaben die Höhe des Volkseinkommens,
der Beschäftigung u. der Preise zu beeinflussen, dazu:
-politisch <Adj.; o. Steig.; nicht präd.): die Haushaltspolitik
betreffend: -portion. die: vgl. -packung: Man wählt ...
-en (= Eis) und hält sie im Tiefkühlfach kalt (Hörn.
Gäste 228); -posten. der: einzelner Posten des Haushalts
(1. 3); -recht, das (Verwaltungsspr.): Gesamtheit der
Rechtsnormen, die die Planung u. Aufstellung. Verwaltung
u. Kontrolle der Haushalte (3) regeln, dazu: -rechtlich <Adj.;
o. Steig.; nicht präd.) (Verwaltungsspr.): das
Haushaltsrecht betreffend: auf dem Haushaltsrecht basierend: -schule,
die: svw. I Haushaltungsschule; -Sicherungsgesetz, das
(Verwaltungsspr.): gesetzliche Sicherung des
Haushaltsplans: -summe, die: einzelner Betrag, der im Haushalt (1.
1164
Haut
3) verbraucht wird; -tag.der (DDR): svw, T Hausarbeitstag;
-volumen. das: Umfang eines Haushalts (3); -vorstand.
der: svw. T Haushaltungsvorstand; -waage. die: Gerät zum
Abwiegen kleinerer Mengen, wie sie in einem Haushalt (1)
benötigt werden; -wische, die: Wäsche, die in einem
Haushalt (1) verwendet wird (z.B. Handtücher u.a.); -wesen.
das <o. PI.) (Verwaltungsspr.): alles, was mit einem
Staatshaushalt zusammenhängt.
Haushaltung usw.: f haus-, Haus-.
hausieren [h^pzi.ron] <sw. V.; hat) [spätmhd. hausieren,
zu ..Haus" mit französierender Endung]: [mit etw.J
handeln, indem man von Haus zu Haus geht u. Waren zum
Kauf anbietet; mit bunten Tüchern h. [gehen]; ... daß ich
aussah wie einer von den Männern, die bei meiner Mutter
hausierten (Böll. Und sagte 6); Ü mit etw.. einer Geschichte,
einer Idee h. [gehen] (ugs. abwertend; überall aufdringlich
von etw. sprechen; etw. allen Leuten erzählen): wie ein
jüngerer Mann ... zwischen den Kafleehaus-Tischlein geht,
die flachen Hände erhoben, um die hellroten Flecken zu
zeigen, und sozusagen mit Stigma hausiert, was ihm
niemand abnimmt (Frisch. Stiller 73); <subst.:) Betteln und
Hausieren verboten!; <Abl.:> Hausierer, der; -s, -: jmd..
der hausiert; <Zus.:> Hauskrgewerbeschein, der: amtliche
Bescheinigung, die zum Hausieren berechtigt;
Hauskrhandel, der: das Hausieren; Häusler ['hgyste], der; -s. - (früher):
Dorfbewohner, der ein kleines Haus ohne Land besitzt;
hauslich [h^jjsli^] <Adj.) (Schweiz.): sparsam; unsere
Nachbarn sind sehr h.; häuslich ['h^ysh^] <Adj.) [mhd. hüsllche
= ein Hauswesen besitzend; ansässig]: 1. (nur attr.) a)
die Familie, das Zuhause betreffend, dazu gehörend, damit
zusammenhängend; -e Arbeiten. Pflichten. Sorgen.
Angelegenheiten; wie sind deine -en Verhältnisse?; -es Glück;
b) zu Hause befindlich, stattfindend; durch -e Pflege wurde
er rasch gesund; als Lehrling war er geschickt worden.
Konfirmandinnen am -en Klavier zu fotografieren
(Johnson, Ansichten 130); am -en Herd (geh.; im eigenen Haus-
•halt/). 2.a) das Zuhause u. das Familienleben liebend;
er. sie ist [nicht] sehr h.; Ü In Arras ... lebt dieser Lebon
h. (wie zu Hause; wie in seiner Familie) mit den Richtern,
den Geschworenen, ja mit den Henkersknechten
zusammen (Sieburg. Robespierre 190); * sich [bei imdm., irgendwo]
h. niederlassen/einrichten (ugs.; Anstalten machen, längere
Zeit [beiimdm. (gegen dessen Willen), irgendwo] zu
bleiben, wie wenn man dort zu Hause wäre): b) in Sachen,
die den Haushalt betreffen, tüchtig, erfahren; ein -es
Mädchen; unsere neue Hilfe ist sehr h.. zu 2: Häuslichkeit.
die; -: 1. das Leben im eigenen Heim in einer gewissen
Zurückgezogenheit; das Zuhausesein während des
Feierabends, während der Freizeit: die H. lieben. 2.
hauswirtschaftliche Tüchtigkeit: ihre H. war bewundernswert.
Hausmannit [h^ismani.t. auch: ...nit]. der; -s [nach dem
deutschen Mineralogen J. F. L. Hausmann (1782-1859)]
(Geol.): bräunlichschwarzes, metallisch glänzendes Mineral,
das in körnigen od. gröberen Formen mit anderen
Manganerzen vorkommt.
Hausse [ho:sfe]. o:s], die; -, -n [frz. hausse. eigtl. =
Erhöhung, zu: hausser = erhöhen < vlat. *altiäre, zu lat.
altus = hoch]: 1. (Wlrtsch.) allgemeiner Aufschwung:
Holland erlebte eine H. an Chop Suey und Haifischflossen
(Spiegel 22. 1966, 104). 2. (Börsenw.) Steigen der
Börsenkurse (Ggs.: Baisse): Seit Ende November haben die
Rentenpapiere wieder H. (Capital 1,1967,29); auf H.
spekulieren. 3. (Musik) svw. T Frosch (4); <Zus. zu 2:>
Haussespekulation, die (Börsenw.): Spekulation auf die Hausse von
Börsenkursen; Haussier [(h)o'sie:), der; -s. -s [frz. haussier]
(Börsenw.):>w/., der auf Hausse spekuliert (Ggs.: Baissier);
haussieren [(h)o'si:ren] <sw. V.; ist) [frz. hausser]
(Börsenw.): im Kurswert steigen: Wegen des Zulaufs haussierte
der Lufthansa-Kurs (Spiegel 52. 1965. 39); Kupfer
haussierte infolge des Streiks (Welt 24. 9. 66. 18).
Haustorium[haps'to:rium],das; -s. ...ien [...jpn; zu lat. hau-
stor = Schöpfer. Sauger, zu: haurire = schöpfen, saugen]
<meist PI.) (Bot.): 1. Saugwarze od. -wurzel pflanzlicher
Schmarotzer. 2. zu einem Saugorgan umgewandelte Zelle
im Embryosack der Samenpflanze, die Nährstoffe zum
wachsenden Embryo (2) leitet.
Hausung, die; -. -en <PI. ungebr.) (veraltet): Wohnung.
Haut [hayt], die; -. Häute [hgyto; mhd.. ahd. hat. eigtl.
= die Bedeckende. Umhüllende]: l.a) <P1. selten) aus
mehreren Schichten bestehendes, den gesamten Körper von
Menschen u. Tieren gleichmäßig umgebendes äußeres
Gewebe, das dem Schutz der darunter liegenden Gewebe u. Organe,
der Atmung, der Wärmeregulierung u.a. dient: eine feine,
zarte, rosige, weiche, trockene, lederne, runzlige, fleckige,
unreine, helle, blasse, dunkle Haut; die glatte, glitschige
H. eines Aals; die abgeworfene H. einer Schlange; seine
H. ist sehr empfindlich, war rauh, rissig geworden; Das
Wasser war kühl.... und die H. ihrer Füße wurde
schrumpelig (Strittmatter. Wundertäter 476); seine H. war von
der Sonne verbrannt, ist zu wenig durchblutet; dennoch
prickelte ihm die H. vor Erregung (Feuchtwanger, Erfolg
802); die H. schält sich, hat sich gerötet; die H. in der
Sonne bräunen, gegen Sonnenbrand einölen, einreiben;
ich habe mir die H. abgeschürft, verbrannt; viel Haut
zeigen (ugs. scherzh.; / von Frauen/ nur spärlich bekleidet
sein; tief dekolletiert sein): die knusprig gebratene H. der
Gans mag er besonders gern; die H. des Aals abziehen;
das Gefieder des Vogels war so zerzaust, daß man
stellenweise die H. sehen konnte; die Farbe. Pigmentierung der
H.; die Jacke auf der bloßen H. (unmittelbar auf dem
Körper) tragen; wir waren alle durchnäßt bis auf die H.
(völlig durchnäßt): das Mittel muß in die H. eingerieben,
einmassiert werden; Über die entblößte H. sah man rote
Schauer laufen (H. Mann, Stadt 181); Spr aus fremder
H.. aus anderer Leute H. ist gut, leicht Riemen schneiden
(mit dem Geld anderer läßt sich leicht wirtschaften; auf
Kosten anderer kann man gut leben); * nur/bloß noch H.
und Knochen sein; nur/bloß noch aus H. und Knochen
bestehen (ugs.; völlig abgemagert sein): die H. versaufen (I Fell);
imdm. die H. gerben (T Fell); seine H. zu Markte tragen
(1. ugs.; sich voll für jmdn.. etw. einsetzen u. sich dabei
selbst gefährden; sich in Gefahr begeben; die unangenehmen
Folgen einer Sache auf sich nehmen; nach der Vorstellung
von der Haut als dem allerletzten Eigentum, das man
einsetzt. 2. ugs. scherzh.; a) Prostitution treiben; b) als
Callgirl. Stripteasetänzerin o.a. arbeiten): imdm. die H.
abziehen/über die Ohren ziehen (t Fell); seine H. so teuer
wie mtiglich/[möglidist] teuer verkaufen (ugs.; sich mit allen
Kräften wehren, verteidigen; nicht ohne vorherigen
Widerstand aufgeben; es einem Gegner so schwer wie möglich
machen): sich seiner H. wehren (ugs.; sich energisch wehren,
verteidigen): Schließlich war die Madeleine kein heuriger
Hase und würde sich ihrer H. schon wehren (Fallada.
Herr 16); aus der H. fahren (ugs.; sehr ärgerlich, voller
Ungeduld sein; wütend, zornig werden; nach dem Bild einer
sich häutenden Schlange): er fährt leicht aus der H.; das
ist mal wieder, um aus der H. zu fahren, zum Aus-der-
Haut-Fahren; nicht aus seiner H. [herauslkönnen (ugs.; nicht
anders handeln, sich verhalten können, als es der eigenen
Veranlagung. Anschauung entspricht; sich nicht ändern
können): nicht alles von der bösen Seite sehen, ein bißchen
Liebe zu den Menschen ... niemand kann aus seiner H.
heraus (Frisch. Stiller 439); sich <Dativ> etw. nicht aus
der H. schneiden können (ugs.; das Geld für etw. nicht
haben, nicht die Mittel dafür aufbringen können): sich in
seiner H. [nicht] wohl fühlen (ugs.; [nicht] zufrieden sein
mit seiner Lage. Situation, mit den Gegebenheiten.
Lebensumständen): imdm. ist [nicht] wohl in seiner H. (ugs.; jmd.
ist I nicht I zufrieden mit seiner Lage, seinen
Lebensumständen; jmd. fühlt sich sehr / unJbehaglichY. nicht in imds.
H. stecken mögen (ugs.; nicht an jmds. Stelle, nicht in
jmds. übler Lage sein mögen): in keiner guten/gesunden
H. stecken (ugs.; oft krank werden, kränkeln): mit heiler
H. davonkommen (ugs.; aus einer unangenehmen Lage ohne
Schaden, ohne nachteilige Folgen herauskommen; etw.
ungestraft, unverletzt überstehen): mit H. und Haarten] (ugs.;
völlig, ganz u. gar. restlos): er hat den ganzen Rest mit
H. und Haarten] aufgegessen, verschlungen; er hat sich
dieser Aufgabe. Arbeit mit H. und Haarten] verschrieben;
sie ist ihm mit H. und Haarten] verfallen; imdm. unter
die H. gehen/dringen (ugs.; jmdn. sehr erregen, ihn uwnittel-
bar. im Innersten berühren; bei jtmlm. starke Empfindungen
auslösen): der Film geht unter die H.; Dem dringt nichts
unter die H.! (Sebastian, Krankenhaus 53); b) Fell. Haut
(1 a) bestimmter größerer Tiere als haltbar gemachtes, aber
noch nicht gegerbtes Rohmaterial für Leder; Tierhaut: rohe,
ungegerbte Häute; die H. wird abgezogen und gegerbt:
ein Bündel Häute zur Gerberei bringen; *auf der faulen
H. liegen (ugs.; faulenzen, nichts tun): sich auf die faule
H. legen (ugs.; /mit der Arbeit aufhören und! zu faulenzen
1165
haut-,
Hautanfangen, sich dem Nichtstun hingeben). 2.(VkI. t Häutchen)
a) hautiUmliche Schicht. Hülle. Schale: die Zwiebel hat
sieben Häute; der Pfirsich hat eine feste H.; von Pilzen,
Mandeln die H. abziehen; die Wurst mit der H. essen;
der Samen in der Hülse ist von einem feinen, zarten,
durchsichtigen Häutchen bedeckt; b) <PI. selten) dünne
Schicht, die auf der Oberfläche einer Flüssigkeit steht, sich
ilarauf gebildet hat: auf dem Wasser schwimmt eine H.
aus Ol; er verabscheut die H. auf der heißen Milch; er
entfernt auch noch das kleinste Häutchen vom Kakao.
3. <o. PI.) etw. wie eine Haut (1 a) umgebende, glatte äußere
Schicht als Abdeckung. Verkleidung. Bespannung o.a.: die
H. des Freiballons glänzte in der Sonne; die H. der
komplizierten Dachkonstruktion (die Dachhaut) besteht aus
Kunststoff; die Kuppel hat eine H. aus Kupfer; ein Schiff,
Flugzeug mit einer silbern glänzenden H. (Außenhaut).
4. (in Verbindung mit bestimmten, meist positiv
charakterisierenden attributiven AdJ.; fam.) Mensch. Person: eine
ehrliche H. sein; Nee, nee. Richardchen, bist ne gute H.,
aber das sind hier Männersachen (Döblin. Berlin 70).
haut-. Haut- (Haut 1 a): -abschürfung, die: oberflächliche
Verletzung der Haut: -artig <Adj.; o. Steig.); -arzt, der:
Facharzt für Hauti- und Geschlechts /krankheiten:
Dermatologe: -atmung, die (Med., Zool.): Atmung (Austausch
von Sauerstoff u. Kohlendioxid) durch die Haut: -atrophie,
die (Med.): Abbau von Bestandteilen der Haut, die dadurch
fahl, trocken, dünn u. runzelig wird: -ausdünstung, die;
^aussdibg, der: svw. t Ausschlag (1); -bakterie, die (Med.):
auf der (gesunden) Haut lebende Bakterie: -bank, Üie <PI.
-banken): Gewebebank zur Aufbewahrung von menschlicher
Haut für Transplantationszwecke: -blute, die: svw. TEfflo-
reszenz (1); -bräune, die: svw. t Bräune (1): Wollen Sie
... bei Sonnenlicht eine leichte H. verstärkt wiedergeben,
benutzen Sie ein Gelbfilter 2 (Fotomagazin 8, 1968. 29);
-creme, die: der Pflege der Haut dienende Creme, -drüse,
die: Drüse in der Haut, die ihr der jeweiligen Funktion
entsprechendes Produkt (wie Schweiß. Talg. Wachs. Duft-
stoff. Gift u. a.) direkt nach außen abgibt: -durchblutung,
die: die H. ist gestört; Bäder für eine bessere H.; -eng
<Adj.: o. Steig.): sehr eng. sich dem Körper anschmiegend*
enganliegend: ein -es Kleid; -e Jeans; Ein schwarzes
Seidenkostüm saß ihr h. am Körper (Simmel, Affäre 191);
Entzündung, die: entzündliche Reaktion der Haut, die mit
Rötung. Schwellung. Bläschen-, Schuppenbildung. Juckreiz
o. ä. einhergeht: Dermatitis: Erkrankung, die: vgl. ^krank-
heit; -falte, die; -färbe, die: Farbton der menschlichen
Haut (der bes. ein leicht erkennbares Merkmal der
Menschenrassen darstellt): eine dunkle, helle, blasse, gesunde
H.; sie wurden wegen ihrer [schwarzen] H. diskriminiert;
Ü In diesem Jahr haben 90 Länder Delegationen nach
Genf geschickt, alle -n ( Vertreter aller Rassen) und alle
politischen Schattierungen (Welt 22. 7. 65, 5); -farn. der
<meist PI.): bes. in den Tropen u. Subtropen heimischer
Farn mit sehr zarten, hautä/mlichen feinen Blättern: -fetzen,
der: sich ablösendes od. abgerissenes Stück Haut: -flechte,
die: svw. f Flechte (3); -flügler, der (Zool.): Vertreter einer
weltweit verbreiteten, sehr artenreichen Ordnung von
Insekten mit zwei häutigen, durchsichtigen Flügelpaaren (z. B.
Wespen. Bienen. Ameisen); -freundlich <Adj.; nicht adv.):
angenehm, schonend für die Haut, ihr nicht schadend, sie
nicht angreifend: ein -es Gewebe. Reinigungsmittel; die
Seife ist besonders h.; -gefäß, das: Blutgefäß der Haut:
^gelee,derod. das: nicht fettende, wasserlösliche Hautcreme
von geleeartiger BeschaJfen/ieit: ^gewebe. das: Gewebe, aus
dem die Haut besteht: -grieß, der; von Oberliaut bedeckte,
stecknadelkopfgroße weißliche Knötchen in der Haut: ^juk-
ken, das; -s: Juckreiz der Haut: -klammer, die (Med.):
dem Verschluß verletzter od. operativ geöffneter Haut
dienende Klammer anstelle einer Naht: -klinik. die:
Krankenhauslabteilung . Klinik zur Behamllung von
Hautkrankheiten: -krankheil, die: krankhafte Veränderung der Haut
mit bestimmten Symptomen: Dermatose: -kratzer, der: Ist
die Gewalteinwirkung halbscharf und nicht allzu stark,
so entsteht ein H. (Medizin II, 49); -krebs, der: bösartige
Wucherung der Haut: -läppen, der: die H. am Kopf
mancher Vögel; -leiden, das: vgl. ^krankheit; -leisten <P1.>:
an der Oberfläche der Haut ausgebildete, bes. an den
Handflächen u. den Fußsohlen als Muster von Linien erkennbare
Erhebungen, in denen der Tastsinn lokalisiert ist. -malerei,
die (Völkerk.): bei bestimmten Naturvölkern übliche
Bemalung der Haut: -milbe, die: in der Haut als Parasit lebende
Milbe, die bestinunte Hautkrankheiten verursacht: -nah
<Adj.; o. Steig.): 1. (nicht adv.) unmittelbar unter de*
Haut gelegen: -es Gewebe; -e Muskulatur. 2. (Sport Jargon)
in unmittelbarer Nähe [erfolgend]: keinen Spielraum las-
send; sehr nah. sehr eng: er konnte sich der -en Deckung,
Bewachung seines Gegenspielers nicht entziehen; der
Torjäger wurde h. gedeckt. 3. (ugs.) durch große
Anschaulichkeit. Wirklichkeitsnähe, drastische Darstellung o.a. sehr
unmittelbar wirkend: das Gefühl, die Sinne unmittelbar
ansprechend: eine -e Schilderung; die -en Szenen eines Films;
er versteht es, die Probleme h. darzustellen; -nährend
<Adj.; o. Steig.; nicht adv.): nährende, pflegende Stoffe
für die Haut enthaltend: eine -e Creme: mH. das: flüssiges,
fetthaltiges Hautpflegemittel (z. B. Bade-. Massage-,
Sonnenschutzöl): -panzer, der: svw. tChitinpanzer:
-pflege, die: Pflege der Haut, dazu: -Pflegemittel, das; -pilz,
der: in der Haut wachsender Pilz, der Entzündungen der
Haut u. bestimmte Hautkrankheiten verursacht, dazu:
-pitzerkrankung, die: durch Hautpilze hervorgerufene
Hautkrankheit: -plastik, die: svw. fDermatoplastik;
-reaktion, die: Veränderung der Haut (z. B. Rötung); -re-
flex, der (Med.): 1. unwillkürlich erfolgende
Zusammenziehung bestimmter Muskeln nach Reizung (Beklopfen.
Bestreichen) bestimmter Stellen der Haut. 2. reflektorische
Veränderung der Haut (z. B. Gänsehaut); ^reiz, der: Reiz,
der auf die Haut ausgeübt wird, dazu: -reizmittel, das
(Med.): zu erhöhter Durchblutung u. Rötung der Haut
firrendes Mittel (z. B. Senföl); -reizung, die: 1. das Reizen
der Haut: die H. durch dieses Mittel ist zu stark. 2. durch
Reizender Haut hervorgerufene Veränderung (Rötung.
Entzündung) der Haut: -rötung, die: vgl. -reizung (2); -sack,
der: ausgeprägte Hautfalte: Ausstülpung der Haut: Die
Hautsäcke unter den Augen waren an diesem Tag
besonders dunkel (Simmel, Affäre 164); -salbe, die: Salbe zur
Behandlung. Heilung von Hautkrankheiten. -Verletzungen:
^schere, die: speziell für das Abschneiden der Nagelhaut
verwendete Schere: -schiebt, die: Da Röntgenstrahlen ...
ein tiefes Eindringvermögen haben, bleibt ihre Wirkung
nicht ... auf die oberste H. beschränkt (Medizin II, 323);
-schonend <Adj.; nicht adv.): vgl. -freundlich; -schrift,
die: svw. TDemographie; -schuppe, die: /abgeschilferte]
.Schuppe der Haut: -schwund, der: svw. T ^atrophie; -sehen*
das; -s: Fähigkeit mancher Menschen, mit der Haut Farben
u.a. zu unterscheiden: -sinn, der <meist PI.): Fähigkeit
der Haut, einen Reiz durch ein entsprechendes
Hautsinnesorgan wahrzunehmen: -Sinnesorgan, das <meist PL): in der
Haut liegendes Sinnesorgan, das die Empfindung von außen
einwirkender Reize (wie Druck- u. Berührungsreize.
Temperatur-. Schmerzreize u.a.) ermöglicht: -Spezialist, der: vgl.
-ar/t; -stelle, die; -stück, das; -sympathisch <Adj.; nicht
adv.): vgl. ^freundlich; -talg, der: von den Drüsen der
Haarbälge abgesondertes Fett, -temperatur, die: von
verschiedenen Faktoren (wie Durchblutung. Temperatur der
Umgebung u. a.) abhängige Temperatur der Oberfläche der
Haut: -transplantation, die (Med.): Überpflanzung von
Haut zum Schließen großer Hautwunden od. bei starken
Verbrennungen: -tuberkulöse, die: durch Tuberkelbazillen
hervorgerufene, oft chronische Hautkrankheit: ^typ, der:
durch Ausprägung bestimmter Merkmale (Farbe.
Empfindlichkeit o. ä.) gekennzeichnete Beschaffenheit der Haut eines
Menschen: ein blasser, heller, dunkler, normaler,
empfindlicher H.; das Make-up muß nach dem H. ausgewählt
werden; -Überempfindlichkeit, die; -Überpflanzung, die:
svw. t Transplantation; -Übertragung* die: svw.
!-transplantation; -verjüngend <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): die
Haut pflegend, straffend, glättend o. ä. u. dadurch jünger,
frischer erscheinen lassend: eine -e Creme; -Verletzung,
die: vgl. -wunde; -Verpflanzung, die: svw. t
^transplantation; -verträglich <AdJ.; nicht adv.): vgl. ^freundlich; beim
Waschen des Gesichts nur [besonders, gut] -e Seife
verwenden; ^wolf, der: 1. bestimmte Art der Haut tuberkulöse,
bei der im Bereich des Gesichts bräunlichgelbe Flecken über
kleinen, weichen Knötchen entstehen. 2. Wundsein.
Entzündung in Bereichen der Haut, die sich flächenhaft berühren
u. sich bei Bewegung häufig aneinander reiben (z.B. an
den Oberschenkeln): -wunde, die: Wunde an der Oberfläche,
bei der vorwiegend die Haut verletzt ist.
Häutchen [hoyUpn], das; -s, -: a) THaut (2): b) kleines,
dünnes% feines häutiges od. hautartiges Gebilde.
1166
Hearing
Haute Coiffure KhtotkQa'fy:^]. die; - - [frz. haute coiflure,
gebildet nach haute couture, zu: haut = hoch (< lat.
altus) u. coiflure. fCoifTure]: für die Mode (bes. in Paris
u. Rani) tonangebemie Kunst des Frisierens: ein Meister
der H. C; Haute Couture [(hk>:tkuty:s], die; - - [frz.
haute couture, zu haut = hoch (< lat. altus) u. couture
= das Nähen, Schneidern, zu: coudre =
(zusammennähen]: für die Mode (bes. in Paris u. Rom) tonangebende
Schneiderkunst; tonangebendes schöpferisches Modeschaf-
fen: sie trägt vorwiegend Modelle der H. C; Man muß
zugeben, daß die traditionellen Herstellungsmethoden der
H. C. ein Anachronismus sind (Dariaux [Obers.], Eleganz
91); Haute Couturier [(hk>:tkuty'rie:], der; - -s. - -s
[französierend zu Haute Couture; frz. couturier =
(Damen )schneider]: Modeschöpfer (bes. in Parisu. Rom); Hau-
teflnance [(h)o:tfi'nä:sl, die; - [frz. haute flnance. zu haut
= hoch (< lat. altus) u. finance(s). t Finanzen]: svw.
IHochfinanz; Hautelisse [(h)o:t'lis], die; -. -n [frz. haute
lice = Schaft mit senkrecht aufgezogener Kette, zu: haut
= hoch (< lat. altus) u. lice = Weberaufzug < lat.
licium]: gewirkter Wand-. Bildteppich mit senkrecht
geführter Kette; <Zus.:> Hauteljssestuhl. der: Webstuhl mit
senkrechter Führung der Kette (bes. für Gobelins u. Teppiche);
Hochwebstuhl; Hauteljsseweberei, die: Weberei, die mit
Hautelissestühlen arbeitet.
häuten ['hQytn] <sw. V.; hat) [mhd. (ent-, U3)hiuten, zu
tHaut]: 1. einem Tier die Haut, das Fell abziehen: Rinder
h.: einen Hasen mit einem Messer h.; Ü „Mein zweiter",
sage ich und häute die Wurst (Frisch, Stiller 28). 2. <h.
-I- sich) die Haut von sich abstreifen, abwerfen; die äußeren
Schichten der den Körper umgebenden Decke abstoßen u.
erneuern: Schlangen. Krebse häuten sich; Im Leib der
Mutter schlüpft also das Junge aus einem Ei und häutet
sich dort nacheinander dreimal, wie andere Insektenlarven
das außerhalb der Mutter tun (Grzimek. Serengeti 295).
Hautevolee [(h)o:tvo'le:J. die; - [frz. (des gens) de haute
volee = (Leute) von hohem Rang, zu: haut = hoch (<
lat. altus) u. volee = Rang. Stand: (Aufiflug, zu: voler
= fliegen < lat. volare] (oft spött.. abwertend):
gesellschaftliche Oberschicht; vornehme Gesellschaftsschicht; die
bessere, feine Gesellschaft:... da Damen der H. für
wohltätige Zwecke so gut wie alles zu tun bereit sind (Hildesheimer.
Legenden Sl); Die Mitglieder gehörten im allgemeinen
zum gesättigten Bürgertum, zur H. der kleinen Städte
und Landbezirke (Niekisch. Leben 161); Hautgout [o'gu:].
der; -s [frz. haut-goüt. zu haut = hoch, stark (< lat.
altus) u. goüt = Geschmack < lat. güstus = das Kosten]:
eigentümlich scharfer, würziger Geschmack u. Geruch, den
das Fleisch von Wild nach dem Abhängen annimmt: der
leichte H. des Hirschbratens; Ü der H. (die zweifelliafte.
fragwürdige, unechte Wirkung) von Talmi war aus der
Hofhaltung der Stars nie recht wegzuprunken (Spiegel
13. 1974. 135).
hautig ['h^jitif] <Adj.; nicht adv.) [zu tHaut]: 1. (selten)
von einer faltigen Haut(\ a) /lose/ iwigeben: ein
Dinosaurier in voller Lebensgestalt ... Wir gingen ... vorbei an ...
den -en Hinterbeinen (Th. Mann. Krull 348). 2. (landsch.)
mit Haut. Sehnen o. ä. durchsetzt, durchwachsen: -es Fleisch;
der Gulasch war ihm zu h.; häutig I'hgyti?] <Adj.; nicht
adv.) [mhd. (wi3)hiutec = (weiß)häutig]: 1. wie Haut (1 a)
beschaffen; aus zarter Haut, feinem, hautartigem Gewebe:
die -en Flügel von Bienen, Wespen. Ameisen. 2. svw.
f hautig (2).
Haut mal [o'mal], das; - - [frz. haut mal. zu: haut *= hoch,
stark (< lat. altus) u. mal = das Schlechte, Übel; Schmerz.
Krankheit < lat. malum]: svw. tGrand mal; Hautrelief
['(hk>:-], das; -s, -s u. -e [frz. haut-relief, zu: haut = hoch
(< lat. altus) u. relief. TReliefl: t Hochrelief; Haut-Sauter-
nes (oso'tern). der;.- [nach der südwestfrz. Stadt Sautemes]:
weißer Bordeauxwein.
Häutung, die; -. -en [zu T häuten]: a) das Häuten. Abstreifen
der Haut; b) das Sichhäuten: die H. einer Schlange; eine
Insektenlarve bei der H. beobachten.
Havanna [ha'vana], die: -. - [s] [nach der kubanischen
Hauptstadt Havanna]: 1. <o. PI.) Zigarrentabak, der
hauptsächlich als Deckblatt (2) gebraucht wird. 2. Zigarre aus feinen
kubanischen Tabaken mit vollem, aromatischem
Geschmack; <Zus.:> Hav^matabak, der: svw. t Havanna (1);
Havannazigarre, die: svw. t Havanna (2).
Havarie [hava'ri:]. die; -. -n [...i:an; niederl. averij. frz. avari
< ital. avaria < arab. 'awär = Fehler. Schaden]: I.
(Seew., Flugw.) a) Unfall von Schiffen u. Flugzeugen: zu
einer H. kommen; Knapp einer Katastrophe entgingen
am Mittwoch fünf Rheinschifle nach einer H. (MM 6.
12. 68. 13); b) durch einen Unfall verursachter Schaden
an Schiffen od. ihrer Ladung u. an Flugzeugen: das SchifT
lag mit schwerer H. im Hafen. 2. Beschädigung. Schaden
an größeren Maschinen, technischen Anlagen: die Behebung
einer H. in einem Kraftwerk; beim Entstehen eines hohen
Überdrucks infolge einer H. im Anlagensystem (Neues
D. 13.6.64, Beilage 5). 3. (österr.) a) Unfall eines Kraftfafir-
zeugs: der Fahrer des Wagens hat sich bei der H. nicht
verletzt; b) durch einen Unfall entstandener Schaden an
einem Kraftfahrzeug: das Auto wurde mit schwerer H.
abgeschleppt; havarieren <sw. V.; hat): 1. (Seew.. Flugw.)
einen Unfall haben u. dabei beschädigt werden: Fünf Schiffe
havarierten auf dem Rhein (MM 6. 12. 68. 13); <meist
im [älteren] 2. Part.:) ein havariertes Boot, SchifT,
Flugzeug. 2. (österr.) einen Autounfall haben: ein Lastwagen
havarierte auf der Landstraße; <meist im 2. Part.:) mit
der Zustimmung der österreichischen Behörden sorgten
CS-Grenzorgane für den Abtransport des schwer
havarierten (durch einen Unfall schwer beschädigten)
Kraftfahrzeugs (Presse 28. 4. 1969, 7); Havarist [hava'nst], der;
-en, -en (Seew.): 1. havariertes Schiff: Eine Armada von
Schiffen ... hielt auf den -en zu .... um eine Katastrophe
zu verhindern (MM 8. 9. 66, 8). 2. Eigentümer eines
havarierten Schiffes.
Havelock [ha:vdbk], der: -s. -s [nach dem engl. General
Sir Henry Havelock (1795-1857)] (veraltet): langer
Herrenmantel mit pelerinenartigem Umhang, der die Arme!
ersetzt: Der Rittmeister nahm im Flur H.. Stock und Hut
(Fussenegger. Haus 268).
have, pia anima [ha:ve pi:a a:nima; lat.]: sei gegrüßt,
fromme Seele! (Inschrift auf Grabsteinen o.a.).
Haverei [hava'rai]. die; -. -en [niederl. averij] (veraltend):
svw. t Havarie (1).
Hawaiigitarre [ha'vaji-], die; -, -n [nach den Hawaii-Inseln]:
große Gitarre mit leicht gewölbter Decke u. 6 bis 8 Stafdsai-
ten. bei der durch eine besondere Griffart ein
charakteristischer vibrato- u. glissandoartiger Effekt erzielt wird.
Hawthorne-Eflekt [h:>:(h:n-]. der; -[e]s [nach einer industrie-
soziolog. Untersuchung, die zwischen 1927 u. 1932 in den
Hawthorne-Werken der Western Electric Co. in Chikago
durchgeführt wurde] (Soziol., Psych.): Einfluß, den die bloße
Teilnahme an einem Experiment auf die Versuchsperson
u. damit auf das Ver Suchsergebnis auszuüben vermag (z. B.
das Erzielen einer höheren Arbeitsleistung trotz
verschlechterter Arbeitsbedingungen).
Hipte. die; -. -n (südd.): svw. t Hachse: er bläfTt und kneift
es (= das Schaf) so lang in die -n. bis es wieder bei
der großen Schar ist (Grzimek. Serengeti 285).
Hazienda [hatsjenda], die; -. -s. auch: ...den [span. hacienda
< lat. facienda = Dinge, die getan werden müssen, zu:
facere = tun. machen]: Landgut. Farm in Süd- u.
Mittelamerika, bes. in Mexiko; vgl. Fazenda; Haziendero [ha-
t$ien'de:ro]. der; -s, -s [zu: Hazienda nach span. hacendero]:
Besitzer einer Hazienda.
H-Bombe [ha:-], die; -. -n [nach dem ehem. Zeichen H
für Wasserstoff: svw. t Wasserstoffbombe.
H-Dur ['ha:-, auch: '-'-], das; -: Tonart; Zeichen: H (th.
H 2); <Zus.:> H-Dur-Etüde, die.
he! [he:] (Interj.) [mhd. he] (ugs.): 1. Zuruf, mit dem jmds.
Aufmerksamkeit erregt werden soll: he [du], hörst du
nicht?; he, komm mal her!; he. was macht ihr denn da?
2. Ausruf, der Erstaunen. Empörung, Abwehr ausdrückt:
he. was soll denn das!; he. laß das gefälligst!; he. so geht
es ja nun auch nicht!; sie... hörten ... hinter den
Schiebetüren einen Schuß fallen. He?! rief Bernhard (Kuby, Sieg
279). 3. Ausruf, der einer Frage zur Verstärkung
nachgestellt wird: wo kommt ihr denn jetzt her. he?
Headline [hedlain]. die; -. -s [engl, headline. zu: head =
Kopf. Überschrift u. line = Linie. Zeile] (Zeitungsw..
Werbespr.): hervorgehobene /bes. auffallende/ Überschrift
in einer Zeitung. Anzeige o.a.; Schlagzeile: Die großen
Zeitungen bringen in der H. die politischen und
wirtschaftspolitischen Ereignisse (Fr. Wolf, Menetekel 448).
Hearing [hidnn]. das; -[s]. -s [engl.-amerik. hearing. zu:
to hear = hören] (bes. Politik): öffentliches Befragen u.
Anhören von Fachleuten. SachverstätuJigen, Zeugen zu einem
1167
Heautoskopie
bestimmten Fall, einem bestimmten Thema durch das
Parlament, durch Ausschüsse. Parteien o. ä.: Anhörung: Am
Donnerstag beginnt der Bundestag mit seinen -s über die
Notstandsgesetzgebung (Welt 4. 11. 67. 2).
Heautoskopie [heaytosko'pi:]. die; - [zu griech. heautös =
selbst u. skopein = betrachten, schauen, also eigtl. =
das Sich-selbst-Sehen] (Med.. Psych.): Doppelgängerwahn.
Heavisideschicht [hevisaid-]. die; - [nach dem engl. Physiker
O. Heaviside (1850-1925)] (Physik): elektrisch leitende
Schicht in der Atmosphäre, die mittellange u. kurze
elektrische Wellen reflektiert.
Hebamme [he:p|amd. auch: he:bamd]. die; -. -n [mhd. he-
b(e)amme. eigtl. = Hebe-Amme, volksetym. umgedeutet
< ahd. hev(i)anna. eigtl. = Großmutter, die das
Neugeborene (vom Boden) aufhebt, zu: hevan = heben u. ana
= Ahnin. Großmutter): an einer speziellen Lehranstalt
ausgebildete, staatlich geprüfte, an einer Klinik od. in freier
Praxis tätige Geburtshelferin (Berufsbez.): Hole so schnell
wie möglich ... die H. Kakeldütt (Fallada. Herr 170);
Ü So wurde der Krieg die H. des neuen Deutschen Reiches
(Niekisch. Leben 29); <Zus.:> Hebammentasche, die:
dickbäuchige, längliche I LederJlasche (wie sie bes. von
Hebammen benutzt wird).
Hebdomadar [hepdomada:^]. der; -s. -e. Hebdomadarius
[...'daiiiusl. der; -. ...ien [...pn; (m)lat. hebdomadarius,
zu: hebdomada = Anzahl von sieben (Tagen) zu griech.
hebdomäs (Gen.: hebdomädos) = Siebenzahl] (kath.
Kirche): katholischer Geistlicher, der in der ihm turnusmäßig
zugewiesenen Woche (7 Tage) bestimmte, insbes. liturgische
Aufgaben erfüllt.
Hebe [he:te], die; -, -n [nach der Göttin der blühenden
Jugend in der griech. Mythologie Hebe, die den Göttern
den Nektar einschenkt] (bildungsspr.. oft scherzh.):
Kellnerin, die Getränke serviert, ausschenkt.
Hebe-: -arm, der: svw. t ^baum; ^baflten,der: svw. T ^baum;
-»"bäum, der [mhd. hebeboum]: Stange aus Eisen od. hartem
Holz, mit der unter Ausnutzung der Hebelwirkung Lasten
angehoben werden; ^bock, der (Technik): Vorrichtung, mit
der etw. (z. B. Kraftfahrzeuge) Ihydraulisch] gehoben
werden kann; Heber (1); -bühne, die (Technik): Vorrichtung
mit einer [hydraulisch bewegten] Plattform. Schienen o.a..
mit der etw. (z.B. Kraftfahrzeuge. Lasten) od. Personen
zur Verrichtung von Arbeiten hochgehoben werden können;
-figur. die (Eiskunstlauf. Rollkunstlauf): Figur, bei der
der Partner beim Weitergleiten u. Sichdrehen die Partnerin
ein- od. beidarmig über den Kopf hebt; -griff, der (Ringen):
Griff, mit dem der Gegner emporgehoben wird; -kran, der:
bes. zum Heben von Lasten verwendeter Kran; -mittel.
das: svw. T -zeug; -satz, der (Steuerw.): von den Gemeinden
für ein Rechnungsjahr zu bestimmender Prozentsatz bei
Gewerbe- u. Grundsteuer, durch den in gewissem Umfang das
jeweilige Steueraufkommen beeinflußt wird; -schiff, das:
vgl. Bergungsdampfer; -schmaus, der [zu veraltet heben
= richten]: Bewirtung der Bauarbeiter durch den Bauherrn
beim Richtfest; Richtschmaus; -Stange, die: vgl. ^baum;
^werk, das: kurz für t Schiffshebewerk; -zeug* das
(Technik): Vorrichtung zum Heben / u. SenkenJ von Lasten u.
Personen.
Hebel [he:b|], der; -s. - [spätmhd. hebel. zu theben]: l.a)
(Physik) um eine Achse od. einen Punkt drehbarer, starrer
IstabförmigerJ Körper, mit dessen Hilfe Kräfte
übertragen werden: ein einarmiger, zweiarmiger H.; Last-
arm und Kraftarm eines -s; b) einfaches Werkzeug in Form
einer Stange o. ä., mit dem unter Ausnutzung der Hebel-
kraft schwere Lasten, Gegenstände gehoben u. von der Stelle
bewegt werden können: mit einem H. konnte
der Felsbrocken schließlich angehoben und fortbewegt
werden; Ü Hier also sitzt der einzig wirksame H.
(Ansatzpunkt, Wirkungsmöglichkeit) für die deutsche
Wiedervereinigung (Dönhoff, Ära 217); Diese Unterhaltung ...
wurde der eigentliche H. (in ihr lag der eigentliche Grund)
zum überraschenden Siege des Kaisers (Thieß. Reich SOS);
'ökonomischer H. (DDR; Maßnahme zur möglichst
planmäßigen Entwicklung, Förderung der Wirtschaft; LU aus
dem Russ.): Ideologische Arbeit, ökonomische H..
Wettbewerb und Bildungsarbeit wirken ... zusammen (Neues D.
21. 6. 64. 3); [irgendwo] den H. ansetzen (ugs.; eine Sache
in bestimmter Weise in Angriff nehmen, anpacken, mit ihr
beginnen)'. Man muß nur den H. an der richtigen Stelle
ansetzen (Ott. Haie 10); alle H. in Bewegung setzen (ugs.;
alle denkbaren, nur möglichen Maßnahmen ergreifen, alles
aufbieten): Meine Frau setzte alle H. in Bewegung, um
mir zu Hilfe zu kommen (Niekisch, Leben 348); am H.
sitzen (an der Macht sein, eine entscheidende Machtposition
innehaben): am längeren H. sitzen (mächtiger,
einflußreicher als der Gegner sein, die günstigere Position innehaben):
So einfach ist das nicht, jetzt sitzen wir mal am längeren
H. (v. d. Grün. Glatteis 169). 2. Griff an einer Maschine,
einem Apparat. Gerät zum Ein- u. Ausschalten. Einstellen,
Steuern o.a.: einen H. bedienen, betätigen, [herlumlegen;
wie er den H. der Weiche umwarf und pfiff (Schnabel.
Marnior 66); du mußt auf den richtigen H. drucken. 3.
svw. t Hebelgriff (2).
Hebel-: -arm, der (Physik): Teil eines Hebels (1) zwischen
dem Drehpunkt u. dem Punkt, an dem die Kraft wirkt:
der kurze und der lange H.. die beiden -e eines Hebels;
*am Unseren H. sitzen (mächtiger, einflußreicher als der
Gegner sein, die günstigere Position innehaben): Warum
sitzen die kalten Rechner und Realisten immer am längeren
H....? (Thielicke, Ich glaube 38); Mi ruck, der <P1. -drücke;
PI. selten): das Bedienen, Betätigen eines Hebels (2): er
setzte die Maschine mit einem H. in Gang; -gesetz. das
<o. PL) (Physik): Gesetz, nach dem bei einem Hebel (1)
Gleichgewicht herrscht, wenn das Produkt aus Last u.
Lastarm u. das Produkt aus Kraft u. Kraftarm gleich sind:
-griff, der: 1. (Ringen) Griff, bei dem der Angreifer seine
Arme od. seinen Oberkörper als Hebel (1) ansetzt. 2. (Judo)
Griff, bei dem es das Ziel ist, den Gegner durch Verdrehen
od. Überdehnen der Armgelenke zur Aufgabe zu zwingen;
-kraft die: durch einen Hebet (1) bewirkte Kraft.
hebeln [he:bln] <sw. V.; hat) [zu f Hebel] (selten): mit einem
Hebelgriff, wie mit einem Hebel (1) hochheben,
weiterbefördern, fortbewegen: der andere hebelte ihn schon vom Stuhl,
führte ihn durch den Korridor (Johnson, Ansichten 159);
heben [he.bn] <st. V.; hat) /vgl. gehoben/ [mhd. heben, ahd.
hevan, heffan; urspr. = fassen, packen, ergreifen, nehmen]:
l.a) nach oben, in die Höhe bewegen, bringen; hochheben,
emporheben: eine Last, ein Gewicht mühelos, mit
Leichtigkeit, mit einer Hand h.; der Bahnhofsvorsteher hebt die
Kelle; der Dirigent hob den Taktstock; die Fotografen
hoben wie auf Kommando ihre Kameras; er hob sein
Glas (erhob es. nahm es vom Tisch auf) und trank auf
ihr Wohl; und alle drei ... hoben ihre Röcke (nahmen
sie in die Höhe; Ott, Haie 194); die Dünung hob das
Schiff [in die Höhe]; er hob den Arm (erhob ihn, streckte
ihn h(Kh), um sich bemerkbar zu machen; er hob (reckte)
die Faust und drohte; gleichmütig die Schultern, Achseln
h. (hochziehen); sie solle nur nicht die Brauen h. (fragend,
zweifelnd hochziehen; Chr. Wolf. Nachdenken 141);
(Gewichtheben:) das Gewicht konnte auch dieser
Gewichtheber nicht mehr h. (zur Hochstrecke bringen); er hat einen
neuen Rekord gehoben (beim Gewichtheben aufgestellt);
er hat früher auch gehoben (war auch Gewichtheber);
Ü sie hob die Augen (geh.; blickte /k>cA); sie hob den
Blick zu ihm (geh.; sah zu ihm auf, blickte ihn an): er
hob seine Stimme (geh.; sprach lauter / u. höher J); * einen
h. (ugs.; ein alkoholisches Getränk zu sich nehmen, etw.
Alkoholisches trinken): komm, wir heben noch einen; wir
gehen noch einen h.; imdo. hebt es (ugs.; jmd. muß sich
/beinahe j übergeben, bekommt einen Brechreiz): nach dem
ausgiebigen Alkoholgenuß hat es ihn ganz schön gehoben;
wenn ich das nur rieche, hebt es mich; b) hochnehmen,
in die Höhe bewegen u. in eine bestimmte andere Lage,
an eine andere Stelle bringen: jmdn. auf eine Bahre h.;
sie hoben den Sieger auf die Schultern; ich mußte mir
den Sack allein auf die Schultern h.; sie hob das Kind
aus dem Wagen; eine Tür aus den Angeln h.; ich hob
den Geldschein in die Höhe; sie hob das Kind über das
Fensterbrett ins Freie; Er hob das Fernglas vor die Augen
(Hausmann, Abel 108); er hob den Ball in den Strafraum,
über den Torwart ins Tor (Fußball; schoß ihn mit steiler
Flugbahn, schlug ihn von unten hoch in einem Bogen)', c)
<h. + sich) sich durch Heben da. b) von schweren Lasten
zuziehen: du hast dir einen Bruch gehoben; er hat sich
im Lauf der Jahre geradezu einen Buckel gehoben. 2.
<h. + sich) a) (geh.) sich in eine andere, erhöhte Lage.
Stellung bringen, bewegen: Plötzlich hob sich Rosalie auf
ihre Zehenspitzen (Langgässer, Siegel 524); Witt hob sich
aus dem Sitz (Gaiser, Jagd 141); b) in die Höhe gehen,
nach oben bewegt werden; hochgehen: die Schranke hebt
1168
hechten
sich langsam; der Vorhang hob sich immer wieder unter
dem tosenden Beifall; der Dampfer hob und senkte sich
in der Dünung; c) (irgendwo) in die Höhe, nach oben
steigen; auf-, hochsteigen: das Flugzeug hob sich in die
Luft, in den grauen Himmel; der Nebel hebt sich
allmählich; Dann hob sich von der Stelle eine Rauchsäule (Gaiser,
Jagd 89); d) (geh.) (irgendwo) in die Höhe ragen, auf-,
emporragen: der Vordersteven hob sich aus dem Wasser;
die Türme der Kathedrale heben sich in den abendlichen
Himmel, in die Nacht. 3. aus der Tiefe heraufholen, bergen;
von unten zutage fördern: ein gesunkenes Schiff h.; der
Luxusdampfer konnte nur noch als Wrack gehoben
werden; er machte sich auf, um einen [verborgenen,
vergrabenen] Schatz zu h. (auszugraben). 4.a) in seiner Wirkung.
Entfaltung fördern, begünstigen; steigern, verbessern: das
Niveau, den Lebensstandard, den Wohlstand eines Landes
h.; diese Werbung hebt den Umsatz; seine Gegenwart
hob ihren Mut. ihre Laune, Stimmung; war ich ... stets
bestrebt .... meine politische Bildung zu h. (Leonhard.
Revolution 279); das hat sein Selbstbewußtsein gehoben;
der dunkle Hintergrund hebt die Farben (läßt sie besser
hervortreten, steigert ihre Wirkung); b) <h. 4- sich) in
seiner Wirkung. Entfaltung gefördert, begünstigt werden;
sich steigern, verbessern: der Handel, der Wohlstand hat
sich in letzter Zeit sehr gehoben; seine Stimmung, sein
Wohlbefinden hob sich zusehends. 5. (landsch.) a) IfestJ-
halten: kannst du mal einen Moment den Hammer, die
Tasche h.?; ich hebe dir das Kind, damit du die Hände
frei hast; er hat den abwärts rollenden Wagen nicht mehr
h. (außialten, fest/ialten, anhalten) können; b)<h. + sich)
sich festhalten, anklammern, auf etw. stützen: heb dich
am Geländer, damit du nicht hinfällst!; du kannst dich
an mir h. 6. (landsch.) fest, stark, haltbar, dauerhaft sein;
halten: das Seil muß dick sein, sonst hebt es nicht; der
Nagel hebt; was du da zusammengeklebt hast, hebt nicht.
7. (landsch.) svw. teinziehen (8a): Steuern, Gebühren h.;
morgen kommt der Vereinskassierer, um die Beiträge zu
h. 8. <h. + sich) (veraltend) sich (beim Kürzen von
Bruchzahlen) aufheben, ausgleichen: drei gegen drei [das] hebt
sich. 9. <h. + sich) (dichter.) beginnen, aufkommen; sich
erheben: von neuem hob sich der Gesang der Pilger;
draußen hob sich der Sturm.
Hebephrenie[hebefre'ni:J. die; -. -n [...i:an] [zu griech. hebe
= Jugend u. phren = Geist] (Psych., Med.): als Form
der Schizophrenie bes. im Jugendalter auftretende
Erkrankung, in deren Verlauf der Patient den Kontakt zur ihn
umgebenden Realität mehr u. mehr verliert; Jugendirresein.
Heber [he:bB], der; -s, - [zu Theben]: 1. svw. IHebebock:
ein mechanischer, hydraulischer H. 2. (Fachspr., bes.
Chemie) Vorrichtung. Gerät in Gestalt einer Röhre zur Entnahme
von Flüssigkeiten aus offenen Gefäßen mit Hilfe von
Luftdruck. 3. kurz fürt Gewichtheber; -hebig [-he:bic] in Zusb.,
z. B. sechshebig (mit sechs Hebungen): sechshebige Verse.
Hebraicum [he'bra:ikom], das; -s [mlat. Hebraicus =
hebräisch < griech. Hebraikös]: Prüfung über bestimmte
Kenntnisse in der hebräischen Sprache, die für das
Theologiestudium erforderlich u. nachzuweisen sind: das H. bereits
haben, noch machen müssen; Hebraika [...ka] <P1.)
(Buchw.): Werke über die hebräische Geschichte. Kultur,
Sprache; Hebraismus [hebra'ismos], der; -s, ...men:
charakteristische sprachliche Erscheinung des Hebräischen in einer
anderen Sprache, bes. im Griechischen des Neuen
Testaments; Hebraist [hebraist], der; -en, -en: Wissenschaftler
auf dem Gebiet der Hebraistik; Hebrajstik, die; -:
Wissenschaft von der hebräischen Sprache u. Kultur, bes. als
wissenschaftliche Beschäftigung christlicher Gelehrter mit der
hebräischen Sprache des Alten Testaments; hebrajstisch <Adj.;
o. Steig.; nur attr.): die Hebraistik betreffend, zum Gebiet
der Hebraistik gehörend.
Hebung, die; -, -en [zu t heben]: 1. <P1. selten) das Heben
(3). Heraußwlen aus der Tiefe, das Bergen. Zutagefördern:
es gab Probleme bei der H. des Schiffes; er wollte bei
der H. (beim Ausgraben) des Schatzes dabeisein. 2. <o.
PI.) das Heben (4), Steigern. Verbessern; Förderung: durch
H. von Produktivität. Einkommen und Lebensstandard
(Fraenkel. Staat 53); das trug nicht gerade zur H. seines
Wohlbefindens, der allgemeinen Stimmung bei. 3. (Geol.)
das Sichheben. Aufwärtsbewegung von Teilen der Erdkruste,
die bei vulkanischer Aktivität, bei Gebirgsbildung u. a.
auftritt (Ggs.: Senkung): in dem Gebiet konnten sogar mehrere
-en festgestellt werden. 4. (Verslehre) betonte Silbe eines
Wortes im Vers (Ggs.: Senkung).
Hechel l'hed], die; -. -n [mhd. hechel. ahd. hachele; urspr.
= Haken. Spitze. Pflock; zu t Haken] (Landw.):
kammartiges Gerät, an dessen spitzen Metallstiften Flachs- u.
Hanffasern gereinigt, geglättet u. voneinander getrennt
werdenden Flachs mehrmals durch die H. ziehen; jmdn., etw.
durch die Hechel ziehen (veraltend; svw. f durchhecheln
2); Hechelei [hapl^j], die; -. -en (ugs. abwertend):
spöttisches, boshaftes Gerede über andere; Klatsch: die -en der
Nachbarinnen sind unerträglich; Und dann sind die
Bauemjungen von Nipperow dazugekommen, und es hat
ein bißchen H. gegeben (Fallada. Herr 37); H^chebnaschi-
ne, die; -, -n: Maschine, mit der nach dem Prinzip einer
Hechel Flachs od. Hanf gereinigt, geglättet, ausgekämmt
u. immer feiner in seine Fasern aufgeteilt wird; 'hecheln
[he<;ln] <sw. V.; hat) [mhd. hecheln, hachein, zu T Hechel]:
1. mit der Hechel od. in der Hechelmaschine bearbeiten:
Flachs. Hanf. Jute h.; <subst.:> beim Hecheln den Werg,
die Kurzfasern auskämmen. 2. (ugs. abwertend) a)
spöttische, hoshafte Reden über andere führen; über jmdn.. etw.
herziehen, klatschen: man hechelte viel über ihn, über seine
Affären; schnitt ihm Puck eine Grimasse und hechelte
(sagte boshaft, spöttisch): ..Haben Sie das gesehen? ..."
(Sebastian, Krankenhaus 18); b) (veraltend) durchhecheln,
schlechtmachen: diese Gewohnheit der Leute, ihre eigene
Art zu h. und sich selbst dabei auszunehmen (Th. Mann,
Joseph 543).
fachein [-] <sw. V.; hat) [zu veraltet hechen = keuchen,
eigtl. lautm. = hach machen]: (bes. von Hunden) mit
offenem Maul u. heraushängender Zunge rasch u. hörbar atmen:
Senta wartete ab und hechelte kurz (Grass. Hundejahre
47); Ü Jumbo und Abel zogen hechelnd vor Hast die
Leine ein (Hausmann. Abel 56).
Hecht [he<;t], der; -[eis. -e [1: mhd. hech(e)t, ahd. hechit,
hachit; zu t Haken, entw. nach dem auffallend spitzen
Maul od. nach den scharfen Zähnen des Fisches; 4: wohl
nach der hechtgrauen Färbung]: 1. ein Raubfisch mit
langgestrecktem, auf dem Rücken dunkel olivgrün bis graugrün,
auf der Bauchseite weißlich gefärbtem Körper, schnabelartig
abgeflachter Schnauze u. starken Zähnen, der wegen seines
festen, wohlschmeckenden Fleisches als Speisefisch geschätzt
wird: einen H. fangen, angeln; der Baron sprang wie ein
schießender H. hoch vom Bock (Winckler, Bomberg 25);
der H. im Karpfenteich sein (ugs.; durch seine AnwesenJieit,
bes. in einer langweiligen, nicht sehr aktiven Umgebung.
Unruhe schaffen; in einem spießigen Milieu eine
avantgardistische Rolle spielen; gepr. von dem dt. Historiker H.
Leo (1799-1878), der den frz. Kaiser Napoleon III. in
einem Aufsatz so nannte). 2. (ugs.) männliche Person, von
der meist mit einer gewissen Bewunderung, Anerkennung
gesprochen wird; Bursche. Kerl: das ist vielleicht ein H.!;
Sag mal. was steckt nur in dir? Ein ganz toller H.. wie
es scheint (Becher. Prosa 125); er ist noch ein ganz junger
H. 3. (ugs.) kurz für t Hechtsprung. 4. (salopp) dichter
Tabaksquahn, sehr verbrauchte Luft in einem Raum: hier
drinnen ist wieder ein H.. daß man kaum atmen kann!
h^cht-, H$dit-: -grau <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): er ...
trug schmale, gutsitzende Beinkleider in -em Flanell
(Augustin. Kopf 150); ^rolle, die (Turnen): Rolle vorwärts mit
gehechtetem Ansprung; -salto, der (Turnen): Salto mit
gehechtetem Ansprung: ^sprang, der: 1. (bes. Turnen) Sprung
[über ein Gerät] mit gestrecktem Körper: ein H. mit ganzer
Drehung am Langpferd; er war mit einem H. durchs
Fenster entkommen. 2. (Schwimmen) flach angesetzter
Kopfsprung ins Wasser mit völlig gestrecktem Körper; ^suppe
nur in der Wendung es zieht wie H. (ugs.; es zieht sehr,
es herrscht starker Luftzug; bezieht sich viell. als Wortspiel
auf die Tatsache, daß Fischsuppe lange ziehen muß, damit
sie schmackhaft wird od. beruht auf jidd. hech supha
= wie ein Orkan, Sturm, wie eine Windsbraut).
hechten [he^tn] <sw. V.; hat) [zu I Hecht, nach der
Ähnlichkeit der Bewegung mit der eines schnellenden Hechtes]:
a) (Turnen, Schwimmen) einen Hechtsprung ausführen,
machen: er hechtet besonders elegant [ins Wasser, vom
Kasten]; eine Rolle mit gehechtetem (im Hechtsprung
ausgeführten) Ansprung; b) sich mit einem Hechtsprung
irgendwohin bewegen; der Torwart hechtete in die bedrohte Ecke,
nach dem Ball; Von der offenen Terrasse hechtete Walter
Matern in das nasse Gras (Grass. Hundejahre 224).
74 GDW
1169
Heck
'Heck IhekJ, das; -[eis. -e u. -s [aus dem Niederd. < mnie-
derd. heck = Umzäunung (vgl. ^Heck); der Platz des
Steuermanns auf dem hinteren Oberteil des Schiffes war
früher zum Schutz gegen überkommende Wellen mit einem
Gitter umgeben; THeckel: a) hinterster Teil eines Schiffes:
als das H. sich steil aus dem Ozean hebt, weiß Jeder,
daß es jetzt nur noch das nackte Leben zu retten gibt
(Menzel, Herren 67); am H. wehte eine Flagge; über das
H. absacken; b) hinterster Teil eines Flugzeugs: das
Flugzeug flog nicht sehr hoch, so daß man deutlich das rote
Blinklicht am H. aufleuchten sah; c) hinterster Teil eines
Autos: Auf Anhieb wurde er mit dem 295-PS-Sechzehnzy-
linder, dessen H. so gerne ausbrach, fertig (Frankenberg,
Fahrer 31); der Wagen hat einen großen Gepäckraum
im H.; der Motor sitzt im H.; *Heck [-1, das; -[eis, -e
[zu THeckel (nordd.): 1. eingezäuntes Stück Land: Weide.
Koppel. 2. Gattertür einer Koppel: daß Lena Tarn ... den
dreibeinigen Milchbock von festem Holz in der Hand
hatte, um ihn am H. der Weide niederzulegen (Frenssen.
Jörn Uhl 276).
h^ck-, H^ck- ('Heck): -anker, der (Seemannsspr.): Anker
am Heck eines Schiffes: ^antrieb, der: vgl. ^motor;
^fangen der (Seemannsspr.): Fangschiff bei dem das
Schleppnetz nicht seitwärts, sondern über das Heck ausgeworfen
u. eingeholt wird: ^fenster. das: rückwärtiges Fenster im
Heck eines Autos, das die Sicht nach hinten (auf die Straße)
freigibt: ^flagge.die (Seemannsspr.): Flaggeeun Heck eines
Schiffes. Bootes: -flösse, die (meist Pl.>: flossetiähnliche
Verzierung der Karosserie am Heck mancher Autos: ^lästig
[-lasti<;] <Adj.>: mit dem Heck zu tief nach unten sinkend:
ein -es Auto; das Boot ist. schwimmt h.; Beladen reagierte
er (= der Wagen) etwas h. (schwerfällig im Heck), war
aber ... mühelos in der Spur zu halten (ADAC-Motorwelt
6.197S. 108), dazu: -lastigkeit, die; -; -laterne, die: Laterne
am Heck eines Schiffes: ^motor, der: im Heck eingebauter
Motor: ein Auto, Boot mit H.. dazu: ^motonvagen, der;
-Pfennig: t Heckpfennig; -raddampfer, der: Raddampfer,
bei dem die Räder am Heck angebracht sind u. hinter dem
Schiff arbeiten: -Scheibe, die: Scheibe des Heckfensters:
eine beheizbare H.; -Starter, der (Flugw.): Flugzeug, dessen
Längsachse bei Start u. Landung senkrecht nach oben weist:
vgl. Senkrechtstarter; -trawler, der: svw. t-fangen
^welle. die (Seemannsspr.): am Heck eines Schiffes
entstellende, sich seitlich ausbreitende Welle.
'Hecke [hekd], die; -. -n [mhd. hecke, ahd. hegga. verw.
mit f Hag]: a) (häufig Pl.> Anzahl dicht beieinanderstehen-
der, meist wildwachsender Sträucher, Büsche mit vielen
Zweigen: Gesträuch. Gestrüpp: im hinteren Teil des
Grundstücks wuchert eine riesige H.; Er war in ein Domenfeld
geraten! Es war ein Gewirr niedriger -n mit sehr scharfen
Domen (Brecht. Geschichten 112); b) als Umzäunung.
Begrenzung angepflanzte, dichte, in sich geschlossene,
ineinander verwachsene u. meist in eine bestimmte Form
geschnittene Reihe von Büschen. Sträuchern: eine gestutzte, niedrig
gehaltene, beschnittene H.; Die -n und Obstbaumgärten
der Normandie flogen vorüber (Remarque. Triomphe 435);
eine H. um das Grundstück anlegen, anpflanzen; die H.
beschneiden.
*Hecke [-]. die; -. -n [rückgeb. aus thecken] (veraltet): l.a)
Zeit der Paarung u. des Brütens: Brutzeit: das Weibchen
verläßt das Nest nicht während der H.; b) Ort der Paarung
u. des Brütens: die Vögel haben ihre H. verlassen. 2.
Gesamtheit der von einem Vogel auf einmal ausgebrüteten
od. der von einem kleineren Säugetier in einem Wurf
geborenen Jungen: eine ganze H. von Mäusen; hecken [hekn]
<sw. V.; hat) [mhd. hecken = sich begatten (von Vögeln),
wahrsch. identisch mit mhd. hecken. Nebenf. von hacken
(T hacken)] (landsch.. sonst veraltet): (von Vögeln u.
kleineren, sich rasch vermehrenden Säugetieren) mehrere Junge
auf einmal ausbrüten, werfen: im Keller haben wieder
Mäuse geheckt; Ü das Geld soll bei der Sparkasse h. (scherzh.;
sich dort schnell vermehren, viele Zinsen tragen): Weshalb
die Angst vermehren? Sie heckt (vermehrt sich rasch) so
wie eine Ratte (Strittmatter. Wundertäter 253).
Hecken- ('Hecke): -landschaft, die: Kulturlandschaft, bei
der die einzelnen Parzellen. Felder u. Wiesen zur Einliegung
u. zum Schutz gegen Wind mit Hecken umgeben sind: ^rose,
die: in Hecken wachsende, in Europa heimische wilde Rose
mit kräftigen, gekrütnmten Dornen, schwach behaarten Bläh
lern, rosa bis weißen Blüten u. Hagebutten als Früchten:
-schere, die: Gartengerät in Gestalt einer großen Schere
zum Beschneiden von angelegten Hecken, bestimmten
Ziersträuchern o. ä.: ^schütze, der [urspr. Verdeutschungswort
für frz. franc-tireur, t Franktireur; nach ähnlichen
veralteten Zus. mit „Hecke1*, die heimliches, verbotenes Tun
bezeichnen] (abwertend): jmd.. der aus dem Hinterhalt auf
eine Person schießt: Jugendlicher H. verletzte Passanten
(MM 27. 8. 68. 6).
Heckicht [hekict], das; -s. -e (selten): aus l Hecken (1) beste-
hendes Dickicht: heckig ['heku;] <Adj.> (selten): a) <o.
Steig.) als 'Hecke (1). wie eine Hecke: ein -er Strauch;
die Pflanze wächst h.; b) (nicht adv.) viele 'Hecken (I)
aufweisend: mit Hecken bestanden: ein -es Grundstück.
Heckmeck [hekmek], der, -s [wohl affektive Doppelung
(mit Anschluß an meckern)] (ugs. abwertend): unnötige
Umstände: überflüssiges, unsinniges Zeug: überflüssiges,
dummes, nichtssagendes Gerede: mach nicht soviel H. und
komm jetzt; was der wieder einen H. redet, macht; Dabei
gab es in einer Tour H. wegen der Haare (Plenzdorf.
Leiden 61); Ich habe mir das langsam, ohne viel H.
(Aufwand) aufgebaut (Hörzu 12. 1973, 151).
H^ckpfennig, der; -s. -e [zu thecken] (scherzh.): Münze,
die man nicht ausgeben soll, weil sie nach dem Volksglauben
immer wieder neue Münzen erzeugt, immer für einen
Geldvorrat sorgt.
heda! fhe.da] <Interj.> (veraltend): Zuruf, mit dem jmds.
Aufmerksamkeit erregt werden soll; liallo: Heda! Wohin
mit der Gitarre? (Frisch. Cruz 15); „Heda!" ruft Lisa
den Polizisten an (Remanaue. Obelisk 346).
Hede [he.da], die; -. -n [aus dem Niederd. < mniederd.
hede. eigtl. = Gehecheltes. Gekämmtes] (niederd.): Abfall
von Hanf od. Flachs. Werg: <Abl.:> heden ['he:dn] <Adj.;
o. Steig.; nur attr.> (niederd.): aus Hede bestehend,
hergestellt.
Hederich [heriarn;]. der; -s. -e <P1. selten) [mhd. hederich.
ahd. hederih, wahrsch. zu lat. hederäceus = efeuähnlich]:
(zu den Kreuzblütlern gehörende) Pflanze mit weißen od.
gelben, hellviolett geäderten Blüten u. perlschnurartigen
Schoten, die als oft sehr schädliches Unkraut auf;
Getreideläckern wächst: Ackerrettich.
Hedgegeschift ['heds-l. das; -[eis, -e [zu engl, hedge =
zur Abdeckung eines Risikos abgeschlossenes Geschäft]
(Wirtsch.): besondere Art eines Warentermingeschäfts (z. B.
Rohstoffeinkauf), das zur Absicherung gegen
Preisschwankungen mit einem anderen, auf den gleichen Zeitpunkt
terminierten Geschäft (z.B. Produktverkauf) gekoppelt wird.
Hedonik [he'do:nik], die; - [zu griech, hedonikös = zum
Vergnügen gehörend, zu: hedone = Freude, Vergnügen,
Lust]: svw. THedonismus; HedonQcer [he'do:nikB). der; -s.
-: svw. fHedonist; Hedonismus [hedonismus], der; - (Phi-
los.): in der Antike begründete philosophische Lehre,
Anschauung, nach der das höchste ethische Prinzip das Streben
nach Sinnenlust u. -genuß ist. das private Glück in der
dauerhaften Erfüllung individueller physischer u. psychischer
Lust gesehen wird: Hedonist [hedonist], der; -en, -en: 1.
(Philos.) Afihänger. Vertreter der Lehre des Hedonismus.
2. (bildungsspr.) jmd.. dessen Verhalten vorwiegend von
der Suche nach Lustgewinn. Sinnengenuß bestimmt ist: Are-
tino, Boccaccio. Casanova ... schrieben die Geschichte
der Liebe. Die Werke dreier burlesker -en sind ein
lachendes Kompendium der Erotik (Börsenblatt 8. 1%8, 436);
hedonistisch <Adj.): 1. <o. Steig.) (Philos.) den Hedonismus
betreffend, auf ihm berulxend, zu ihm gehörend: -e Gedanken,
Werke; h. argumentieren. 2. (bildungsspr.) den Hedonisten
(2) betreffend: in der Art eines Hedonisten: nach Lustgewinn.
Sinnengenuß strebend: das Lustprinzip befolgend: -es
Glücks- und materielles Erfolgsstreben (Universitas 5,
1966. 501); ich wohne schön, jeder Ausblick und jeder
Anblick ein -es (lust-. freudebringendes) Fest (Wohmann,
Absicht 101).
Hedsdira [hecisra], die; - [arab. hifera = Auswanderung]:
Auswanderung Mohammeds im Jahre 622 von Mekka nach
Medina. Beginn der islamischen Zeitrechnung.
Heer [he:^], das; -[e]s. -e [mhd. herte). ahd. heri. urspr.
= das zum Krieg Gehörige]: l.a) Gesamtheit der
Streitkräfte, gesamte Streitmacht eines Staates. Landes: Armee:
das starke, siegreiche, geschlagene H. eines Landes; das
feindliche H. ist in Bereitschaft; das stehende H. (Milit.;
der auch im Frieden in ständiger Bereitschaft stehende Teil
eines Heeres); Mein Vater konnte nur freikommen, wenn
1170
Heftchen
ich ... mich zum H. meldete (Seghers. Transit 220); b)
für den Landkrieg bestimmter Teil der Streitkräfte eines
Staates, Landes: Erst als das H. ... zwei Stunden von
Caserta entfernt lagerte (Brecht, Geschichten 31); den
offiziellen Regierungsaufruf, dem H. und der Marine
beizutreten (Seghers, Transit 192). 2. sehr große Anzahl, große
Menge: ein H. von Angestellten. Arbeitern; Sie werden
ein H. an Ordnungskräften benötigen (Spiegel 48. 1965.
48); ich ... betrachtete die -e von Flaschen (Th. Mann.
Krull 11); als sie das H. der Krapfen auf dem Tisch
erblickten (Kuby, Sieg 348).
Hfifir- (vgl. auch: Heeres-): --bann, der [mhd. herban. ahd.
heriban = Aufgebot der waffenfähigen Freien zum
Kriegsdienst] (hist.): a) (im frühen dt. MA.) vom König od. Herzog
erlassener Aufruf, militärisches Aufgebot (5 a) zum
Kriegsdienst: dem H. folgen; b) durch den Heerbann (a)
aufgebotenes Kriegsheer: ein mächtiger, starker H.; c) zu zahlende
Strafe bei Nichtbefolgung des Heerbanns (a); ^fahrt, die
[mhd. hervart. ahd. herfart]: (im dt. MA.) Kriegszug ider
Lehnsleute]: ^fiihrer, der [spätmhd. herfuerer]: [oberster]
Befehlshaber eines Heeres, bes. eines Heeres (1 b) im Krieg:
-haufein], der (veraltet): Teil eines Feldheeres,
[ungeordnete] größere Anzahl Bewaffneter, Soldaten: feindliche
Heerhaufen marschierten auf die Stadt zu; ^bger. das: svw.
t Feldlager: Der gesamte ... Airport ... glich dem H. einer
schwerbewaffneten Truppe (Cotton. Silver-Jet 5); Die
Kaserne hatte sich zum H. erweitert (Kirst. 08/15.348); -säule,
die (geh.): Feldheer in Marschordnung, in langer Kolonne:
-schar, die <meist PI.) [mhd. herschar] (veraltet): Teil
eines Feldheeres: Truppe: germanische -en; Ü auf die
Anzeige hin meldeten sich ganze -en (ugs.; eine große Menge)
von Bewerbern; die himmlischen -en (blbl.; die Enget)',
-schau, die [mhd. herschouwe = Besichtigung eines
Heeres] (veraltend): Aufzug, Aufmarsch von Truppen vor
Befehlshabern: Als der Morgen ... anbrach .... konnte der
Befehlshaber H. halten (Ceram. Götter 361); -Straße, die
[mhd. hersträse. ahd. heristräsa] (veraltet): breite Straße,
die bes. für den Durchzug von Truppen geeignet ist: ^wesen,
das: alles, was mit dem Heer (1) zusammenhängt einschl.
Funktion, Organisation u. Verwaltung: ^zug. der: 1. in
einem langen Zug, in langer Kolonne sich bewegendes
Feldheer: der H. näherte sich langsam der befestigten Stadt.
2. svw. tFeldzug (1): Der H. über See war der Versuch,
England ... tödlich zu treffen (Ceram, Götter 91).
Hfifires- (vgl. auch: Heer-): -bericht. der (Milit.): Bericht,
Nachrichten der Heeresleitung über die neuesten Ereignisse
auf einem Kriegsschauplatz: -bestand, der (meist PL):
Bestand, vorhandener Vorrat an Dingen, die zur Ausrüstung,
Versorgung, Verwaltung o. ä. eines Heeres (1) benötigt
werden: Fahrzeuge. Nahrungsmittel. Wolldecken aus
Heeresbeständen; -dienst, der <o. PL): militärischer Dienst im
Heer(\ b). dazu: -dienstvorschrift, die (Milit.): den
Heeresdienstbetreffende Vorschrift des Verteidigungsministeriums:
Abk.: HDV; -gruppe. die (Milit.): mehrere Armeen
umfassender Teil des Heeres (1 b): die geschlagene H. Don (Plie-
vier. Stalingrad 146); ^gut das <o. Pl.>: für das Heer (1 b)
bestimmte Ausrüstungsgegenstände, Waren o.a.: ^leitung,
die (Milit.): oberste Kommandobehörde eines Heeres (1 b);
-lieferant, der: vorwiegend Heeresgut liefernder Fabrikant:
^reform, die: In der H. scheiterte die Durchführung
liberaler Grundsätze an der preußischen Reaktion (Fraenkel,
Staat 185); -säule, die: seltener fürt Heersäule; -Verwaltung,
die (Milit.): Gesamtheit aller mit Ausrüstung, Versorgung,
Unterbringungo. ä. eines Heeres (1 b) befaßten Dienststellen:
^zug. der: seltener für T Heerzug.
Hefe ['he:fa]. die; -, (Arten:) -n [mhd. heve, ahd. hevo,
zu f heben]: 1. aus (in Reinkulturen gezüchteten) Hefepilzen
bestehende Substanzen, die als Gärungs- u. Treibmittel bei
der Herstellung bestimmter alkoholischer Getränke u. zum
Treiben von Teig für bestimmte Backwaren verwendet
werden: in Brauerelen und Weinbrennereien werden
verschiedene -n verwendet; H. zum Backen kaufen, ansetzen;
Kuchen mit H. backen; Ü die kleine Partei ist die H.
(geh.; das beschleunigende, vorantreibende Element) bei der
Verwirklichung der Reformen. 2. (geh. abwertend) übler,
verkommener Teil einer Bevölkerungsschicht: Abschaum:
Hier verkehrte und schlief nur das letzte an H. und
Ausgestoßenen. Kroppzeug (Lynen. Kentaurenfährte 29); aus
der H. des Volks aufgelesen (Jacob. Kaffee 127).
Hefe-, (veraltet, aber noch landsch. auch:) Hefen-: ^brot.
das: aus Hefeteig hergestelltes Brot: ^gebick, das: vgl.
^kuchen; -klofl. der: aus Hefeteig hergestellter, in
Salzwasser gekochter od. in Dampf gegarter Kloß: die Hefeklöße
müssen noch aufgehen; * aufgehen wie ein H. (ugs. scherzh.;
I ziemlich schnell] sehr dick werden): sie ist in letzter Zeit
aufgegangen wie ein H.; -kränz, der: aus Hefeteig
hergestellter Kranzkuchen: -kuchen. der: aus Hefeteig
hergestellter Kuchen: -kur. die: naturheilkundliche Kur, durch die
mit Hilfe künstlich gezüchteter, Vitamin-B-haltiger
Hefepilze die Darmflora günstig beeinflußt wird: ^pilz. der:
zahlreiche Vitamine, bes. Vitamin B enthaltender, einzelliger
Schlauchpilz, der sich durch Sprossung vermehrt u. Gärung
bewirkt: -stück, das: 1. bei der Zubereitung von Hefeteig
im voraus aus Hefe, Wasser od. Milch u. etwas Mehl
angesetzte kleine Teigmenge, die, nachdem sie aufgegangen ist,
mit der eigentlichen Teigmasse vermischt wird. 2. kleines,
aus Hefeteig hergestelltes Gebäckstück [mit Füllung u.
Glasurl: -teig, der: Kuchen- od. auch Brotteig, bei dem Hefe
als Treibmittel verwendet wird: den H. gut durchkneten
und noch einmal gehen lassen; -zopf, der: vgl. -kränz.
hefig ['he:fi9l <AdJ.; Steig, ungebr.): Hefe enthaltend: mit
Hefe zubereitet, versetzt: den Geschmack, Geruch von Hefe
habend, erkennen lassend: ein -er Bodensatz; der Teig
schmeckt etwas h.
Hefnerkerze ['he:fms-]. die; -. -n [nach dem dt.
Elektrotechniker F. von Hefner-Alteneck (1845-1904)] (Physik veraltet):
Einheit der Lichtstärke: Zeichen: HK
'Heft [heft], das; -[eis. -e [mhd. hefte, ahd. hefti. eigtl.
= das Fassende, Packende] (geh.): Griff einer Stichwaffe,
seltener auch eines Werkzeugs: das H. des Messers, der
Sichel; er ... stieß dem Tiere blitzschnell den schmalen
und blanken Stahl bis halb zum H. in den Nacken (Th.
Mann. Krull 435); *das H. ergreifen/in die Hand nehmen
(geh.; die Leitung von etw., die Macht übernehmen): das
H. in der Hand haben/behalten (geh.; die Macht innehaben:
Herr der Lage sein, bleiben): weiße Söldner hatten das
H. in der Hand; die Mannschaft behielt während des
gesamten Spiels das H. in der Hand; das H. aus der Hand
geben (geh.; die Leitung von etw. abgeben, die Macht aus
der Hand geben); imdm. das H. aus der Hand nehmen/winden
(geh.; imdm. die Leitung von etw. wegnehmen, die Macht
entreißen): Vieles entfällt .... wenn man sich das H. nicht
aus der Hand winden läßt (Werfel. Bernadette 363).
^eft [-]. das; -[e]s. -e /vgl. Heftchen/ [rückgeb. aus T heften
(4 b)]: a) bestimmte Anzahl von Blättern, die durch einen
Einband zusammengehalten werden u. vor allem Schülern
zum Schreiben u. Rechnen dienen: ein dünnes,
vollgeschriebenes, leeres H.; der Lehrer läßt die -e einsammeln,
austeilen; etw. in ein H. eintragen; b) einzelne Nummer einer
Zeitschrift: von dieser Zeitschrift sind nur einige -e
erschienen; der Aufsatz erscheint in Heft 5; das Werk erscheint
in einzelnen -en (Lieferungen): c) kleineres, nicht
gebundenes Druckerzeugnis: dünnes, broschiertes Buch:
Druckschrift: ein H. Gedichte; ein H. mit Kurzgeschichten; ein
bebildertes H., betitelt ..Der Kakteenzüchter'4 (Hildeshei-
mer. Legenden 109).
H$ft- (heften): -faden, der: vgl. ^garn; -garn. das: lose
gedrehter Zwirn von geringer Festigkeit, der bes. zum Heften
in der Schneiderei verwendet wird: ^klammer, die: 1. kleine
Klammer aus Draht, mit der Papier- od. Druckbogen
maschinell zusammengeheftet werden. 2. svw. I Büroklammer;
Mitaschine. die: Maschine zum Zusammenheften von
Druckbogen, gefalzten Papierbogen (für Broschüren od. Bücher)
mittels Klammern aus Draht od. Fäden: ^pflaster, das:
mit einem Klebstoff [u. einer Auflage aus Mull] versehener
Gewebe- od. Plastikstreifen zum Bedecken von Wunden,
Befestigen von Verbänden o.a.: ein H. [auf die Wunde]
auflegen; das H. wieder abreißen; Als man einer
Brillenschlange den Mund mit H. zuklebte (Grzimek. Serengeti
186); -stich, der (Schneiderei): locker u. in weiten Abständen
durch ein Gewebe geführter Stich, mit dem zwei Stoffteile
vorläufig aneinandergeheftet werden: -zwecke, die: svw.
T Reißzwecke; -zwirn, der: vgl. ^garn.
Heftchen [hefapn], das; -s. -: 1. kleines, dünnes 2Heft (a.
c). 2. (oft abwertend) dünne, nicht gebundene Druckschrift,
die Comics, Kriminal- u. Groschenromane, Pornos o. ä. zum
Inhalt hat: Sie gehen ins Kino und im Sommer baden.
Sie lesen H. und zeigen sich Pornofotos (Ossowski.
Bewährung 15). 3. Block in Form eines Heftchens (1). der
Falxrscheine, Briefmarken o. ä. enthält.
74*
1171
Heftel
Heftel usw.: I Haftel usw.
heften fheftn] <sw. V.; hat) [mhd.. ahd. heften = haftend
machen, befestigen; festsetzen]: 1. mit einer Klammer;
Nadel. Reißzwecke o. ä. oft nur provisorisch, vorläufig an etw.
befestigen, anbringen: einen Zettel an die Tür, ans Schwarze
Brett h.; jmdm. einen Orden an die Brust h.; Goron ...
heftete das Zeitungsblatt... in die Mappe (Maass. Goufle
345); Ü den Sieg an seine Fahnen h. (geh.; siegen): man
wird den Üblichen Ruhm an die römischen Adler h. (geh.;
sie werden ruhmreich sein; Thieß. Reich 513). 2. (geh.)
a) (die Augen, den Blick) unverwandt, starr auf }mdn.%
etw. richten, gerichtet halten u. nicht davon abwenden: er
heftete seine Augen fest auf sie. auf ihr Gesicht, auf den
Boden; Er heftete den Blick starr auf die Ecke der
Zöllnerbude (Schaper. Kirche 131); b) <h. + sich) (von Augen.
Blicken) sich unverwandt, starr auf jmdn.. etw. richten u.
sich nicht davon abwenden: sein Blick heftete sich auf ihn.
aufsein Gesicht; daß ihre Augen sich mit stillem Forschen
auf seinen linken Arm. auf seine Hand hefteten (Th. Mann.
Hoheit 199). 3. <h. + sich) (geh.) sich in der Vorstellung
mit jmdm.. etw. verknüpfen; sich an etw. anschließen, mit
etw. verbunden sein: An ihn also heftete sich für Joseph
die Kunde vom Großen Turm (Th. Mann. Joseph 34);
Keine Legende wird sich an seinen Namen h. (Hochhuth.
Stellvertreter 65). 4.a) (Schneiderei) mit Nadeln od. mit
locker u. in weiten Abständen durch das Gewebe geführten
Stichen vorläufig zusammenhalten: die zugeschnittenen
StofTteile werden zuerst geheftet; den Saum, die Naht [mit
ein paar Stichen] h.; b) (Buchbinderei) mit Fäden od.
Klammern aus dünnem Draht zu einem Heft. Buchblock
zusammenfugen, verbinden: die gefalteten Bogen werden zuerst
geheftet; das Buch, die Broschüre ist nur geheftet; Hefter
['hefte], der; -s. -: Mappe, in der Schriftstücke mittels einer
Klammer, eines Bügels o. ä. abgeheftet werden;
Schnellhefter: Sie nahm einen roten H. zur Hand, in dem eine
Unzahl vollgekritzelter Blätter lagen (Dorpat.
Ellenbogenspiele 213).
heftig ['heftif] <Adj.) [mhd. heftec = haftend; beharrlich,
beständig; mit Beschlag belegt; die heutige Bed. wohl unter
Einfluß von nicht verw. mhd. heifte = ungestüm, heftig]:
1. von starkem Ausmaß, großer Intensität; sich mit großer
Stärke. Wucht, großem Schwung. Ungestüm auswirkend;
in hohem Maße, stark, gewaltig: ein -er Sturm. Regen;
ein -er Aufprall. Schlag; einen -en Schmerz verspüren;
eine -e Leidenschaft, Liebe; eine -e (leidenschaftlich geführ-
te) Auseinandersetzung.Kontroverse;-e (erbitterte)
Kämpfe; sie dreht sich mit einer -en (plötzlichen, abrupten)
Bewegung um; die Schmerzen waren h.. wurden immer
-er; seine Freude war nicht so h. (war nicht so ungestüm)
wie meine Freude (Lenz, Brot 23); es regnet, schneit h.;
er warf die Tür h. ins Schloß; Aus dem Wohnwagen
Qualmte es -er (BölK Adam 31); h. weinen, schimpfen; h. atmen,
zittern; sich h* (leidenschaftlich) verlieben; sie haben sich
h. (leidenschaftlich, erbittert, sehr) gestritten; auch
Washington hat h. (sehr nachdrücklich) dementiert (Dönhoff.
Ära 84). 2. leicht erregbar, aufbrausend, nicht gelassen;
ungezügelt, unbeherrscht: sie ist unberechenbar in ihrer
-en Art; er ist ein sehr -er Mensch; er antwortete in -em
(scliarfem) Ton; sie ist immer sehr h.; Jedesmal ... wurde
er abweisend und beinahe h. (Jens. Mann 111); er
antwortete, reagierte viel zu h.. noch -er als sie; <Abl.:> Heftigkeit,
die; -, -en [spätmhd. hefftigkeit]: 1. <o. PI.) das Heftigsein;
große Stärke. Intensität. Wucht; starkes Ausmaß: der
Sturm, die Kämpfe nahmen an H. zu; sie betrieb alles
mit dergleichen H.: schlafen, essen, freuen, weinen (Baum,
Paris 58). 2.a) <o. PI.) heftige (2) Art; das Aufbrausen.
Erregt sein; Ungezügeltheit. Unbeherrschtheit: seine H. war
ihr nicht neu; die H. (Schärfe) seiner Äußerungen, seines
Tones war verletzend; Mit H. vertrat er die Ansicht, daß
es unsinnig sei (Erh. Kästner. Zeltbuch 34); b) (selten)
heftige (2) Äußerung. Handlung: Meinem Vater...
begegnete ich mit -en (Jahnn, Geschichten 23).
Hege ['heigs], die; - [mhd. hege. ahd. heg! = Umzäunung.
Einhegung; zu T hegen] (Forstw.. Jagdw.): Gesamtheit der
Maßnahmen zur Pflege u. zum Schutz von Pflanzen u. Tieren
(bes. Wildu. Fischen): diese Baumart bedarf ganz
besonders der H.; in der H. und Pflege des Wildes (Mantel.
Wald 75); Ü Der Begriff der Autorität ... mit unendlicher
Mühe, H. und Pflege wenigstens in den Grundzügen
wiederhergestellt (Dönhoff, Ära 22).
He«e- (Forstw.. Jagdw.): Miiafinahme. die; -ring, der:
Zusammenschluß von Jägern, die Inhaber beieinanderliegender
Jagdreviere sind, in einem Jagdbezirk, in dem
Hegemaßnahmen u. ä. durchgeführt werden; ^wald. der: zu bestimmten
Zwecken geschonter, nicht der normalen
forstwirtschaftlichen Nutzung unterliegender Wald; ^zeit. die: svw. I
Schonzeit.
Hegelianer [he:gd'Ua:nE]. der; -s. - [nach dem dt. Philosophen
G. W. F. Hegel (1770-1831)]: Anhänger, Vertreter der
Philosophie Hegels, der philosophischen Richtungen, die sich
an Hegel anschließen; hegelianisch <Adj.; o. Steig.): die
Philosophie in der Nachfolge Hegels, den Hegelianismus
betreffend, darauf beruhend, dazu gehörend; dem
Hegelianismus entsprechend, gemäß; -e Gedanken. Schriften; h.
argumentieren; Hegelianismus [he:gdlja'nismos], der; -:
Philosophie, Gesamtheit der philosophischen Richtungen im
Anschluß an Hegel; hegebdi [he:glj] <Adj.; o. Steig.):
Hegel, die Philosophie Hegels betreffend, darauf beruhend,
dazu gehörend; Hegel, der Philosphie Hegels entsprechend,
gemäß; in der Art Hegels; nach Hegel benannt: einen -en
Standpunkt vertreten; -es Gedankengut.
hegemonial [hegemo'nia:l] <Adj.; o. Steig.): die Hegemonie
betreffend: die Vorherrschaft (bes. eines Staates), die
Vormachtstellung besitzend, erstrebend: -e Bestrebungen.
Hesemonigl-: ^ansprach, der: Anspruch eines Staates auf
Vorherrschaft, auf eine Vonnachtsteilung; Mnacht, die: vgl.
-Staat; -Staat, der: Staat, der die Vorherrschaft, eine
Vormachtstellung innehat, auszubauen trachtet.
Hegemonie[hegemo'ni:], die; -. -n [...i:an; griech, hegemonia.
eigtl. = das Anfuhren]: 1. Vorherrschaft (eines Staates).
Vormachtstellung (die nicht rechtlich begründet zu sein
braucht): im Osten unter dem Zwang der sowjetischen
H. (Fraenkel, Staat 216). 2. faktische Überlegenheit
politischer, wirtschaftlicher o. ä. Art: Es ist dies eine Art
Abmachung, mit der die USA ihre militärisch-politische H. in
Europa sichern wollen (Welt 23. I. 65. 4); hegemonisdi
[...'mo:iun <Adj.; o. Steig.): die Hegemonie betreffend, auf
ihr beruhend.
hegen [he:gn] <sw. V.; hat) [mhd. hegen = umzäunen,
umschließen; abgrenzen, schonen, pflegen, bewahren; ahd.
heg(g)an = mit einem Zaun, einer Hecke umgeben; zu
tHag]: l.a) (bes. Forstw., Jagdw.) (Tiere u. Pflanzen, bes.
bestimmte Wild- u. Fischbestände u. bestinvnte
Anpflanzungen) mit entsprechenden Maßnahmen pflegen u. schützen:
diese Tierarten, die jungen Pflanzen müssen gehegt werden;
der Förster hegt den Wald, das Wild; b) (geh.) umsorgen,
mit schützender Sorge umhegen; jmdm.. einer Sache
sorgfältige Pflege angedeihen lassen: Daphne und Franz hegten
ihn wie einen jungen Bruder (A. Kolb. Daphne 70); sie
verbringt ihre Tage fast nur noch damit, ihre Antiquitäten
zu h.; *h. und pflegen (mit besonderer Sorgfalt, oft mit
Betulichkeit pflegen; liebevoll, fürsorglich betreuen,
umsorgen): sie haben ihn gehegt und gepflegt wie ihren Sohn.
2. (geh.) als Empfindung, als Vorhaben o. ä. in sich tragen,
bewahren; nähren: eine Abneigung, [einen] tiefen Groll,
ein Mißtrauen gegen jmdn. h.; Achtung, freundschaftliche
Gefühle für jmdn. h.; Ich hege, wie es scheint, knabenhafte
Ideale (Rinser. Mitte 191); häufig verblaßt: keine Illusionen
h. (haben); So phantastische Pläne hegte (hatte) man
(Fallada, Blechnapf 229); Zweifel h. (zweifeln); einen
Wunsch, Wünsche h. (wünschen); bestimmte Erwartungen
h. (etw. Bestimmtes erwarten); 'Heger, der; -s, -: kurz
für t Wildheger.
^eger. t Hager.
Heguroenos [he'gu.menos], der; -. ...oi [...^y; griech, hegoü-
menos = Vorsteher. 1. Part, von: hegeisthai = vorangehen,
führen]: Vorsteher eines orthodoxen Klosters.
Hehl [he:l; mhd. haele = Verheimlichung, ahd. häla =
das Verbergen; zu t hehlen] nur in der Wendung
kein/(auch:) keinen H. aus etw. machen (etw. nicht
verheimlichen, nicht verbergen, offen zutage treten lassen): er
machte aus seiner Abneigung keinfen]. nie ein[en] H.; Er machte
kein H. daraus, wie sehr er es bedauerte (Ott, Haie 151):
(seltener nicht verneint:) ich sah keinerlei Anlaß, ein H.
daraus zu machen (es zu verheimlichen; Th. Mann, Krull
116); hehlen [he.bn] <sw. V.; hat) [mhd. heln. ahd. helan
= bedecken, verbergen, verstecken]: I. (veraltet) verbergen,
verheimlichen, verhehlen. 2. (selten) eine Straftat, bes. einen
Diebstahl od. einen Raub, verbergen helfen; <Abl.:> Hehler,
der; -s, - [mhd. hetere]: jmd.. der Hehlerei begeht: einen
1172
heidi
H. anklagen; Spr der H. ist schlimmer als der Stehler
(urspr. in bezug auf Gestohlenes, dann: jmd., der laus
Eigennutz] etw. Unrechtes, Übles unterstützt od.
verheimlicht, ist oft schlimmer als der eigentliche Täter): Hehlerei
[he:ta'r^j], die; -. -en (Jur): Straftat, die darin besteht, daß
jmd. seines Vorteils wegen die strafbare Handlung eines
andern, durch die sich dieser fremde Dinge angeeignet hat,
verheimlicht, sich von diesen Dingen selbst aneignet, sie
ankauft, weiterverkauft, an ihrem Absatz bei anderen
mitwirkt o.a.: gewohnheitsmäßige H.; sich der fortgesetzten
H. schuldig machen; Somit entfällt mangels Tatbestandes
der Vorwurf der H. (Noack. Prozesse 179); Hehlerin, die;
-, -nen: w. Form zu T Hehler.
hehr [he:^] <Adj.; nicht adv.> [mhd., ahd. her = erhaben,
vornehm; herrlich; heilig; hochmütig, urspr. = grau(haa-
rig). ehrwürdig] (geh.): durch seine Großartigkeit,
Erhabenheit beeindruckend: erhaben, Ehrfurcht gebietend: ein -er
Anblick. Augenblick; -e Ideale haben; ein Hochgebirgstal,
gebildet von heroisch aufsteigenden, schneebedeckten, -en
Bergriesen (L. Frank. Wagen 24); <Abl.:> Hehre, Hehrheit.
die; - (geh.. veraltet): das Hehrsein, Erhabenheit.
hei! [h$jl <Interj.> [mhd. hei]: Ausruf überraschter,
triumphierender Freude: h., war das eine Fahrt!; h., ist das
ein Vergnügen!; h., wie der Wind ins Gesicht bläst!
heia [hqja] in der Wendung h. machen (Kinderspr.; schlafen:
meist in Aufforderungen): wir wollen jetzt h. machen;
du mußt jetzt erst mal h. machen; <subst.:> Hein« die;
-. -[s] <P1. selten) (Kinderspr.): Bett (in das ein Kind zu
bestimmter Zeit gehen muß): jetzt aber ab in die H.!;
Vor der Haustür meint Jenny ...: „Geht endlich auch
in die H. Ihr alten Bummelanten. Morgen ist auch noch
ein Tag.** (Grass, Hundejahre 645); Und wenn man nun
noch nicht gleich in die H. will ...? (Film 12, 1966, 46);
<Zus.:> Heiabett, das; -[e]s, -en (Kinderspr.): svw. THeia;
heiapopeia <Interj.> (Kinderspr.): svw. Ieiapopeia; heida!
[haj'da:. haida] <Interj.>: svw. thei: Heida, eine glänzende
Versammlung, wie meinen Vater nicht bessere umringen
(Hacks. Stücke 64).
'Heide ['h^jcb], der; -n, -n [mhd. heiden. ahd. heidano
= Heide. H. u.. viell. über got. haibnö = Heidin <
griech. iä ethne = die Völker, die Heiden. PI. von: ethnos
= Volk]: jmd., der nicht der christlichen (jüdischen od.
mohammedanischen) Religion angehört, der nicht an den
christlichen Gott glaubt fu. noch bekehrt werden muß]:
Nichtchrist: Denn ein Halbchrist, ein „Laumann** ... ist
schlimmer dran als ein saftiger H. (Thielicke. Ich glaube
IM); die -n bekehren; den -n das Evangelium verkünden;
Ü „Es wird gebetet, deshalb ist die Tür offen**, erwidert
sie Tür zu!** schreien wir Heiden** (abwertend;
gottlose, pietätlose Gesellen), zwitschert sie, macht aber
doch die Tür zu (Remanque. Westen 177).
'Heide [-], die; -, -n <PI. selten) [mhd. heide. ahd. heida,
eigtl. = unbebautes, wildgrünendes Land. Waldgegend;
Heidekraut]: X.Gebiet einer überwiegend baumlosen, flachen
Landschaft [mit sandigem Boden], der hauptsächlich mit
Heidekraut u. Wacholder bewachsen ist: eine öde.
unfruchtbare, blühende H.; die grüne H.; durch die H. wandern;
In der Lüneburger H.. die früher großenteils mit Laubholz
bestockt war. aber bereits in frühgeschichtlicher Zeit durch
Waldplünderungen zu H. wurde (Mantel. Wald 30); *...
daß die H. wackelt (salopp; sehr heftig, oft als Drohung):
wenn du wieder nicht hörst, bekommst du Prügel, daß
die H. wackelt. 2. <o. PI.) svw. tHeidekraut: duftende,
blühende, vertrocknete H.; H. pflücken.
Heide- (2Heide 1): -boden. der: in Teilen
Nordwestdeutschlands aus braunem Waldboden auf nährstoffarmem
Sandstein u. Sand nach der Verdrängung von Wäldern als Folge
der Schafweidewirtschaft entstandener Boden mit grauer
Oberschicht: Kartoffeln von H.; -brand, der: Brand einer
Heidefläche: ^brot, das (landsch.): Bauernbrot, wie es in
den nordwestdeutschen Heidegebieten gebacken wird:
-fläche, die; -garten, der: Garten mit Heidekraut, Gräsern,
Wacholder o. ä.: HJebiet, das; -honig. der: aus einem
Heidegebiet, von Heideflächen stammender, aus den Blütet\ des
Heidekrauts gewonnener Honig: -körn, das <o. PI.): svw.
•Buchweizen; -kraut, das <o. PI.): a) niedriger Strauch
mit nadeiförmigen grünen Blättern u. rotlila, nach einer
Seite gekehrten Blütentrauben, der meist in großer Zahl
den sandigen Boden in Heidegebieten u. Nadelwäldern
bedeckt: das H. blüht meist im August; b) Zweigfe/ von
Heidekraut (a): H. pflücken, in die Vase stellen, dazu:
-krautgewächs, das (meist PI.); -land, das <o. PL): aus
Heide bestehende Nutzungsfläche: -landschaft.die; -lerche.
die: (vor allem in Heidegebieten) Lerche, die ihr Nest am
Boden baut u. ihr Lied mit charakteristischen Trillern
ertönen läßt, während sie in Spiralen emporsteigt: -moor.
das: Moor in der Heide: -nelke. die: vor allem in
Heidegebieten u. in Kieferwäldern wachsende Nelke mit purpurroten,
innen weiß punktierten u. dunkel gestreiften Blüten u.
graugrünen Blättern, die auch als Zierpflanze für Heidegärten
verwendet wird: -rösdien? Heiden röschen, das: (vor allem
im Mittelmeergebiet heimischer) filzig behaarter, niedriger
Strauch, dessen Blüten einzeln od. in traubenähnlicher, nach
links u. rechts abgehender Verzweigung angeordnet sind:
-rose, die: svw. t -röschen.
Heidelbeere [haidl-], die; -. -n [mhd. heidelber. zu älter
mhd. heitber. ahd. heitperi = zur 2Heide gehörige, auf
der ^Heide wachsende Beere]: 1. niedriger, grüner Strauch,
der meist in großer Zahl den Boden in Nadel- u. Laubwäldern
bedeckt, mit kleinen, blauschwarzen Beeren, die zu Saft.
Kompott, Marmelade o. ä. verarbeitet werden: Blaubeere:
in die -n gehen (ugs.; Heidelbeeren pflücken gehen). 2.
Frucht der Heidelbeere (1): -n pflücken; <Zus.:> Hfiidelbeer-
kraut, das <o. PI.): Sträucher der Heidelbeere.
Heiden [h^jdn]. der; -s (ostösterr. veraltet): Buchweizen:
vgl. Heidekorn.
'heiden-, 'Hoden-^Heide): -Christ, der: (im Urchristentum)
aus dem Heidentum kommender Christ im Unterschied zum
Judenchristen, dazu: ^Christentum, das: durch die Mission
des Apostels Paulus begründetes Christentum, das die
völkische u. rituelle Ablösung vom Judentum u. den Übergang
zur Weltreligion brachte, -christlich <Adj.; o. Steig.): den
Heidenchristen betreffend, auf das Heidenchristentum
bezüglich: Mnission. die: Missionierung der Heiden: -tempel,
der: heidnischer Tempel: Was ist Rom? Wo ist Rom? ...
die steinernen Götter .... die H., die Christenkirchen ...?
(Welt 12. 5. 62. Geistige Welt 2).
'hdden-, beiden- ('Heide) [in der Vorstellung der Christen
waren die Heiden etw. Schreckliches. Furchterregendes]:
^ngst, die <o. PI.) (ugs.): sehr große Angst vor jmdm.,
etw.: vor einer Prüfung, Entdeckung, Strafe eine H. haben;
die Kinder hatten eine H. vor ihm; -^rbeit, die <o. PI.)
(ugs.): viel Mühe machende Arbeit: das ist eine H.; Sicher
wurde eine H. allein zur Bewältigung des Problems
investiert (Deutsche Literaturzeitung 10, 1969, 898); -g$W,
das <o. PL): ungeheuer große Geldsumme: die neue
Stadtbahn hat ein H. gekostet; er hat bei diesem Geschäft
ein H. verdient; ^kr^di, der <o. PI.) (ugs.): 1. vgl. ^lärm.
2. sehr lauter, heftiger Streit: Weidel hat immer seinen
Kuli gefunden, bis sie mit H. auseinandergingen (Seghers.
Transit 75); ^tyrm, der (ugs.): sehr großer, als äußerst
störend empfundener Lärm: wir saßen zu nahe bei der
Musik, ein H. (Frisch, Homo 125); sie machten einen
H. im Treppenhaus; ^mäßig <AdJ.; o. Steig.) (ugs.): äußerst
groß, unmäßig, sehr viel: eine -e Anstrengung; sie haben
daran h. Geld verdient; -muhe, die <o. PI.) (ugs.): äußerst
große Mühe: ich weiß nicht, ob du diese H. auf dich
nehmen willst; ^resp^kt, der (ugs.): aus bestimmtem Grund
bestehender großer Respekt vor jmdm., etw. (so daß man
etw. gegen die betreffende Person od. Sache gar nicht erst
in Aktion treten lassen will): die Klasse hat vor diesem
Lehrereinen H.; -schreck, der <o. PI.) (ugs.): sehr großer
Schreck: einen H. bekommen; ^spaß, der <o. PI.) (ugs.):
großer Spaß (bei dem man eine triumphierende Freude
empfindet): das Spiel machte ihm einen H.; ^spektgkel, der
(ugs.): vgl. -lärm: Das Dorf tobt. Die Kinder bilden Spalier
und machen einen H. (Tucholsky. Werke I. 160); -stynk,
der (salopp): vgl. ^krach (2).
Heidenröschen: t Heideröschen.
Heidentum l'hajdntu:m]. das; -s [mhd. heidentuom. ahd.
heidantuom]: a) Zustand des Nicht-zum-Christentum-Be-
kehrtseins: Religionen u. religiöse Vorstellungen der' Heiden:
im antiken H.; b) die Heiden, heidnische Welt: das H.
bekehren.
heidi! [haj'dl:] <Interj.; oft als Adv. gebraucht) [Verstärkung
von thei]: Ausdruck des Jubels od. Staunens über einen
mühelosen, raschen Fortgang, meist eine schnelle
Fortbewegung: sie setzten sich auf den Schlitten, und [ab]
h. ging's den Berg hinunter; Und h.! rannte die Bestie
(= das Pferd; Winckler. Bomberg 176); Ich sollt' mal
1173
Heidin
zur Marine kommen, ich sag' euch. Bootsmann war' ich
schnell, und dann h! (Nachbar. Mond 6); *h. gehen (1.
ugs.; plötzlich verlorengehen: mein Portemonnaie ist h.
gegangen. 2. l'h^jdi] österr. Kinderspr.; schlafen gehen):
h. sein (ugs.: 1. unbemerkt abhanden gekommen sein, sich
entfernt haben: mein Regenschirm ist h.; die Einbrecher
sind längst h. 2. nicht mehr zu gebrauchen sein: das Messer
ist h.).
Heidin t'h^Jdin], die; -, -nen: w. Form zu I ^eide.
HekUer ['h^jdjB). der; -s. - [aus dem Niederd.l (volkst.):
Bewohner der / Lüneburger] Heide.
heidnisch Ch^dniJ] <AdJ.; o. Steig.; nicht adv.) [mhd. heide-
nlsch. ahd. heidanisc]: die ]Heiden u. ihren Kult betreffend,
dazu gehörend, von dorther stammend; für die ] Heiden
charakteristisch, ihrer Art entsprechend: eine -e Kultstätte;
ein -er Brauch; -e Mysterien; -e Kunst; wenn ihn (=
den König Sebastian) nicht vor sechzehn Jahren der -e
Hund erschlagen hätte (Schneider. Erdbeben 55); in -er
(vorchristlicher ) Zeit; Daphnes Blut hingegen hatte einen
recht -en Schuß (Daphne hatte keine strenge christliche
Moralauffassung). Das Gebot der Sittenstrenge trat für
ihr Gutdünken mit der Häßlichkeit in Kraft (A. Kolb.
Daphne 63); und der Zweck des Staates wird, wie es gut
h. ist, zum Gesetz des Sittlichen (Th. Mann. Zauberberg
553); h. leben, denken.
Hfijdschnucke, die; -. -n: kleines, sehr genügsames Hausschaf
der Lüneburger Heide mit langen Deck- u. Wollhaaren,
das als graues gehörntes od. weißes ungehörntes Landschaf
gezüchtet wird.
Heiduck [h^j'duk]. der; -en. -en [1: ung. hajdük. PI. von:
hajdü = Fußsoldat]: 1. (hist.) Angehöriger einer
ungarischen Söldnertruppe im 15. u. 16. Jh., Freischärler zur
Unterstützung Österreichs in den Türkenkriegen. 2. (seit
dem 18. Jh.) Diener eines Magnaten in Österreich-Ungarn.
3. <meist PI.) (landsch.; oft scherzh. in bezug auf Kinder)
jmd., der einen durch sein widerrechtliches, eigenmächtiges
Handeln, durch seine Unberechenbarkeit in Erstaunen setzt:
das sind vielleicht -en!; wer weiß, was die [beiden] -en
inzwischen schon wieder angestellt haben.
Heiermam [h^iB-1. der; -[e]s. ...männer [H. u.. viell. zu
t Heuer, da früher der Seemann 5 Mark Handgeld erhielt]
(salopp): Fünfmarkstück: Es gibt ... welche, die für nen
H. den Tag lang ... arbeiten (Degener. Heimsuchung 38).
heikel fh^jk}] <Adj.; heikler, -ste; nicht adv.) [H. u.. viell.
von mhd. hei[g]en (= hegen, pflegen) abgeleitetes Adj.,
das sich mit dem Adj. tekel gekreuzt hat]: 1. schwierig,
gefährlich (so daß man nicht recht weiß, wie man sich
verhalten soll, u. die Sache am besten läßt): eine heikle
Sache; ein heikles Thema. Problem; einen heiklen Punkt,
eine heikle Frage berühren; Nun zum Bergschuh, wohl
dem -sten Bekleidungsstück des Bergsteigers (Eidenschink.
Fels 13); Sicherheitsnadeln hielten -ste (delikate) Stellen
von Röcken und Hemden zusammen (Lynen. Kentauren-
fährte 191); die Lage war inzwischen immer heikler
geworden. 2. (landsch.) wählerisch [im Essenj, schwer
zufriedenzustellen: Vier gierige Kinder und einen heiklen ... Mann
unter so abnormen Umständen durchzufüttern war gewiß
keine Kleinigkeit (K. Mann, Wendepunkt 52); er ist in
diesen Dingen, in diesem Punkt sehr h.; Was ihr Alter
betrifft, war Teta h. (empfindlich) wie jede Frau (Werfel.
Himmel 85); heiklig [h4jkli<;l <Adj.; nicht adv.) (veraltet):
svw. t heikel.
heil [hi)l] <AdJ.; o. Steig.; nicht adv.) [mhd.. ahd. heil
= gesund; unversehrt, gerettet]: a) unversehrt, (bei etw.)
unverletzt: -e Glieder haben; die Haut war eingerissen,
aber alles andere war h. geblieben; endlich h. am Ziel
ankommen; er hat den Unfall h. überstanden; wenn wir
hier nur h. herauskommen; b) (nur präd.) wieder gesund;
geheilt: das Knie, die Wunde ist inzwischen h.; daß man
die Schmerzen mit der Aussicht ertragen kann, wieder
h. zu werden (Remarque, Westen 92); c) nicht entzwei
od. I teilweise] zerstört, sotulern ganz (so daß die betreffende
Sache benutzt, in Gebrauch genommen werden kann): nach
dem Bombenangriff gab es nur noch wenige -e Häuser;
eine -e (nicht zerrissene od. reparaturbedürftige) Hose;
Ich weiß, daß Sie aus dem Kriege kommen und kein
-es Hemd besitzen (jetzt äußerst arm sind; Kaiser. Villa
106); die Stadt war im Krieg h. geblieben; das Glas war
noch h. (unzerbrochen. hatte noch keinen Sprung); eine
Jacke, Aktentasche h. machen (Kinderspr.. fam.;
ausbessern, reparieren)', Ü die Filme taugen nichts, weil sie die
-eWelt (illusionäre Intaktheit der Welt od. eines bestimmten
Bereichs injmds. Vorstellung) zeigen und die Gesellschaft
nicht verändern (Hörzu 18, 1973, 36); doch nun verwirrte
mich das alles nicht mehr, die Welt war wieder h. (Füh-
mann, Judenauto 13); Hell [-], das; -s [mhd. heil = Glück;
(glücklicher) Zufall; Gesundheit; Heilung. Rettung.
Beistand, ahd. heil = Glück]: a) etw.. wasjmdm. das ersehnte
Gute bringt; jmds. Wohlergehen. Glück: sein H. in der
Entsagung. Zukunft, Vergangenheit suchen; sein H. nur
im Alkohol sehen; (scherzh.:) ein Amulett, das ihm bei
dem Kampf gegen Foreman ... H. und Sieg und fette
Beute bringen soll (Hörzu 37. 1974. 15); bei jmdm. [mit
etw.]. noch woanders sein H. versuchen (Erfolg zu haben
versuchen); Denken Sie nicht ans H. (Wohl) der Kirche-
Sie könnten keinem Menschen mehr helfen! (Hochhuth.
Stellvertreter 126); (als Gruß- od. Wunschfomiel:) wenn
sie das graue Auto des Führers erblickten, schrien sie
H. (Feuchtwanger. Erfolg 570); (ns.:) ..H. Hitler", sagte
Greck (Böll. Adam 54); Gut H.! (alter Turnergruß); *seln
H. in der Flucht suchen (fliehen, davonlaufen); b) (Rel.)
Erlösung von Sünden u. ewige Seligkeit: das ewige H.;
das H. seiner Seele; Gott .... der das H. der Welt will
(Glaube 1. 1967. 9); Für euch, denen das Wort vom H.
gesagt ist (Thielicke. Ich glaube 173); sie hofften, auf diese
Weise zum H. zu gelangen; Gott hat die einen zum H..
die anderen zum Verderben bestimmt (Fraenkel, Staat
153).
teil-« Hfiil-: -anästhesie, die (Med.): örtliche Betäubung
bestimmter Körperregionen zur Linderung rheumatischer u.
neuralgischer Schinerzen; -Anstalt, die: a) Anstalt für
Kranke od. Süchtige, die einer längeren, in Krankenhäusern nicht
durchfuhrbaren Behandlung bedürfen: eine H. für
Tuberkulosekranke, Alkoholiker; b) psychiatrische Krankenanstalt;
Irrenanstalt; Er hatte... als Leiter einer großen H. während
des Dritten Reiches die Euthanasie angewandt (Mostar.
Unschuldig 19); -anzeige, die (Med.): bei einer bestimmten
Krankheit angezeigte Anwendung bestimmter Heilmittel od.
Behandlungsmethoden, Indikation (Ggs.: Gegenanzeige.
Kontraindikation); ^bad, das: 1. Kurort mit Heilquellen.
2. medizinisches Bad zu therapeutischen Zwecken; -behand-
king, die: zu Heilzwecken angewandte Behandlung; -behelf,
der (österr.): Heihnittel; -bringend <Adj.; o. Steig.; nicht
adv.): 1. göttliches Heil (b) bringend: die -e Botschaft.
2. Heilung bringend: ein Rezept gegen Hämorrhoiden ....
das sich als h. erwies (Bieler. Bonifaz 162); -bringer. der
(Rel.): Gestalt, die das göttliche Heil (b) bringt; -brunnen.
der (veraltet): svw. TGesundbrunnen; -butt, der: (in
nördlichen Meeren lebender) großer Plattfisch mit schwarzer,
schmutzigbraun marmorierter Oberseite, der als Speisefisch
geschätzt wird; Miiener, der (veraltet): Gehilfe eines
Chirurgen [im Lazarett]; -eflekt, der: heilende Wirkung eines
Medikaments: -erde, die: pulverisierte Moorerde o. ä. mit
hohem Gehalt an Kieselsäure, Mineralstoffen u.
Spurenelementen, die äußerlich als Packung bei Hauterkrankungen
od. innerlich bei Krankheiten des Magen-Darm-Traktes
angewendet wird; ^erfolg, der: durch die Heilbehandlung
erzielter Erfolg; -erziehung, die: Erziehung von gestörten
od. behinderten Kindern u. Jugendlichen; Effektor, der:
Faktor, der die Heilung bewirkt; -fasten, das; -s: ärztlich
verordnetes Fasten; ^lieber, das (Med.): künstlich hervorgerufenes
Fieber zur Behandlung fieberloser chronischer Krankheiten,
bes. Nervenkrankheiten: In der Fieberhitze eines künstlich
gesetzten -s sterben die Krankheitserreger ab (Natur 101);
-fleisch, das: vgl. -haut: gutes H. haben; -froh <Adj.;
o. Steig.; nur präd.) (ugs.): erleichtert, daß etw. gerade
noch gelungen ist, sich in bestimmter Weise entwickelt hat
od. daß man einer unangenehmen Situation gerade noch
entgehen konnte: sie waren h., entkommen zu sein; er
war h.. daß man ihn verschonte; Wir sind alle h.. daß
wir eine Ruhe haben im Land wie noch nie (M. Walser.
Eiche 82); -fiirsorge, die: unentgeltliche Versorgung durch
den Truppenarzt für Angehörige der Bundeswehr; -gehilfe,
der (veraltend): jmd., der im medizinischen Bereich
techtusche Hilfe leistet (z. B. Krankenpfleger. Sanitäter): der H.
... pinselte die Risse mit Jod aus (Fühmann. Judenauto
66); -gymnast, der: svw. t Krankengymnast; -gymnastik,
die: svw. t Krankengymnastik; -gymnastiru die: svw.
TKrankengymnastin; -haut, die <o. PL): jmds. Haut im
Hinblick auf di^ Vernarbung von Wunden: Das ... bindege-
1174
heilig
webige Fasergerüst ... benötigt zur Festigung je nach ...
individueller ..Heilhaut" mehrere Wochen, bis die
Vernarbung abgeschlossen ist (Medizin II. 266); -klima, das:
therapeutisch wirksames Klima, dazu: -klimatisch <Adj.;
o. Steig.; nicht präd.): ein Heilklima betreffend, aufweisend:
ein -er Kurort; -kraft, die: Heilung bewirkende od.
fördernde Kraft in etw.: die Heilkräfte der Natur; die H. einer
Pflanze, einer Quelle nutzen; Ü Ich spürte H. in dieser
Bindung und empfand sie doch insgeheim auch als Fessel
(Hagelstange. Spielball 99), dazu: -kräftig <Adj.>:
Heilkraftbesitzend: -e Quellen; Mönche standen um eine Barke
am Ufer; sie sammelten den -en Schlamm (Carossa,
Aufzeichnungen 151); -kraut, das: vgl. -pflanze; -künde, die
<o. Pl.>: Wissenschaft u. praktische Ausübung der Medizin.
dazu: -kundig <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): Erfahrungen
auf dem Gebiet der Heilkunde besitzend: Ibn-Sina, der große
-e Araber, <subst.:> -kundige, der u. die; -n, -n <Dekl.
tAbgeordnete), -kundlieh <Adj.; o. Steig.; nicht präd.):
die Heilkufule betreffend, zu ihr gehörend: -kunst, die <P1.
selten): ärztliche Kunst: die Medizin unter dem
Gesichtspunkt der erfolgreichen Bekämpfung von Krankheiten; ^k»
<Adj.; -er, -este; präd. ungebr.) [frühnhd.= ohne gute
Gesundheit]: 1. (meist in bezug auf üble Dinge) in hohem
Grade; sehr schlimm, ungeheuer: ein -es Durcheinander;
eine -e Unordnung, Verwirrung, Mißwirtschaft; er bekam
einen -en Schreck; auch noch im -esten Elend (Schnabel.
Anne 8); Es war doch unter dem armen alten Schilde
oft h. munter zugegangen! (Hesse. Sonne 12); sie waren
h. zerstritten, verschuldet. 2. (veraltend) nichts Gutes
bringend: wie auch der Rabe ein -er Vogel war (Th. Mann,
Joseph 404); daß es nicht Aufgabe wahrer Wissenschaft
ist, -en Erkenntnissen nachzulaufen (Th. Mann.
Zauberberg 552); -magnetismus, der: (angeblich) heilende
Wirkung der dem Menschen innewohnenden magnetischen
Kräfte auf f Nerven J kranke; Mesmerismus; -massage, die:
Massage zu Heilzwecken; -methode, die: bei einer
Heilbehandlung angewandte. Methode; -mittel, das: zu Heilzwecken
angewandtes / ArzneiJmittel, durchgeführte Maßnahme:
chemische, natürliche H.; ... hatte sie ... das Rotweinglas
... als unfehlbares H. gegen Heiserkeit zur Hälfte geleert
(Hollander, Akazien 23); die Entwicklung neuer H.; Ü
das magische H., Liebe; -nahrung, die: zu Hedzwecken
verordnete Nahrung, bes. für Säuglinge: -Pädagoge, der:
in !Erziehungsjheimen o.a. tätiger, speziell für
schwererziehbare Kinder ausgebildeter Erzieher (Berufsbez.);
-Pädagogik, die: Teilgebiet der Pädagogik', das sich mit der
Heilerziehung befaßt; -pädagogin. die: w. Form zu t
-Pädagoge; -pädagogisch <Adj.; o. Steig.; nicht präd.): die
Heilpädagogik betreffend, zu ihr gehörend, ihr entsprechend,
nach ihren Gesichtspunkten: werden diese Drei- bis
Zwölfjährigen (= himgeschädigte Kinder) von Erziehern.
Sonderschullehrern und dem Facharzt... h. betreut
(Wochenpost 26. 6. 64. 22); -Pädagogium, das: Anstalt, in der
Hederziehung betrieben wird; -pflanze, die: Pflanze, die
wegen ihres Gehalts an Wirkstoffen zu Heilzwecken
verwendet wird; -praktiker, der: mit staatlicher Erlaubnis
praktizierender Heilkundiger ohne / abgeschlossene] ärztliche
Ausbildung (Berufsbez.); -prozefl, der: svw. f Heilungsprozeß;
Mjuelle, die: Quelle mit heilkräftigem Wasser; -ruf, der:
Ruf ,.Heit\ mit dem eine Menge imdtn. zujubelt; -salbe,
die: Salbe, die die Heilung fördert; -schlaf, der (Med.):
künstlich herbeigeführter, über längere Zeit andauernder
Schlaf, bei dem die Regenerationsvorgänge zur Selbstheilung
u. Wiedererlangung der Kräfte genutzt werden; Schlafkur;
-schlämm, der: zu Heilzwecken verwendeter Schlamm;
-senim, das (Med.): zur Immunisierung bei Infektionen
o. ä. verwendetes Blutserum, das große Mengen Antikörper
enthält; -statte, die: Spezialklinik zur Behandlung
chronischer Infektionskrankheiten (z. B. Tuberkulose, Lepra);
-verfahren, das: a) alle vom Arzt in einem Kraiikheitsfall
angeordneten Maßna/imen zur Wiederherstellung der Ge-
umdlieit; b) im Rahmen der gesetzlichen Rentenversicherung
medizinische Maßnahmen. Behandlung in Spezialanstalten.
Kur- u. Badeorten zur Erhaltung od. Wiederherstellung der
Erwerbsfähigkeit: der Arzt beantragte ein H.; -voll <Adj.;
o. Steig.; nicht adv.) (veraltet): heilsam: Was einem jungen
Menschen ... durch ausgewogene Strenge und zeitnahe
Führung vermittelt wird, wirkt sich h. auf das ganze Leben
... aus (Vaterland 282. 1968. 11); -wirksam <Adj.; nicht
adv.): svw. T -kräftig: -e Extrakte; -Wirkung, die: Wirkung
von etwasauf den Heilprozeß: kann die Übertragung vom
Tierversuch am Menschen auch zur Erprobung der H.
am Kranken führen (Medizin II. 188); -zweck in der
Fügung zu -en (zum Zwecke der Heilung): die
Tiefenbestrahlung des lebenden Gewebes zu -en (Gehlen, Zeitalter
29).
Heiland (hajlant). der; -[e]s. -e [mhd.. ahd. heilant =
Erlöser, Heiland, subst. 1. Part, von mhd.. ahd. heilen;
LÜ von kirchenlat. salvator. LÜ von griech. söter; vgl.
heilen]: 1. <o. PI.) Jesus Christus als Erlöser der Menschen:
der gekreuzigte H.; unser Herr und H. [Jesus Christus];
eine ... Reihe von Darstellungen des gemarterten -s
(Feuditwanger. Erfolg 37). 2. (geh.) Erlöser. Retter. Helfer:
Die... Gesellschaft Deutschlands war in das Stadium
eingetreten, in der sie nach -en suchte; die Jugend war der
erste ihrer -e (Niekisch. Leben 31); heilbar ['fcylbag] <Adj.;
o. Steig.; nicht adv.) [mhd. heilbare = Glück bringend]:
sich auf Grund bestimmter Voraussetzungen heilen lassend;
die Voraussetzung zu einer Heilung bietend: eine -e
Krankheit; dazu: Heilbarkeit, die; -.
heilen I'h^jbn] <sw. V.) [1: mhd. heilen, ahd. heilen; 2:
mhd. heilen, ahd. heilen]: 1. <hat)a) gesundmachen: jmdn.
von seiner Krankheit h.; Der Wunderdoktor Gröning,
derdie Kranken durch Handauflegen heilt (Schnabel,
Marmor 144); er ist als geheilt [aus dem Krankenhaus] entlassen
worden; b) durch entsprechende ärztliche, medikamentöse
0. ä. Behandlung beheben, beseitigen: den Krebs, ein Leiden,
eine Lähmung h.; vorbeugen ist besser als h.; eine
Entzündung durch/mit Penizillin h.; Daß die Tante mit ihm ( =
dem Tee) sogar Knochenbrüche heilt .... das weiß man
in der ganzen Gegend (Bobrowski. Mühle 136); Konnte
der heilige Franz den Aussatz h.? (Zuckmayer. Herr 143);
heilende Maßnahmen; Ü Die Zeit heilt Wunden [viell.
nach der Stelle im Werk des griech. Komödiendichters
Menander (342-293 v. Chr.) ..Der Arzt für alle
notwendigen Übel ist die Zeit"]; Sie lächelte den Chauffeur an
und heilte den Mißmut auf seinem Gesicht (Böll. Haus
163); der Schaden wird geheilt (ugs.; in Ordnung gebracht)'.
c) von einem Glauben, einem Laster o.a. befreien: jmdn.
vom Trinken h.; Aber Stalins Säuberung, sein Terror und
seine Greuel haben mich vom Kommunismus geheilt
(Spiegel 48, 1965. 170); davon bin ich für immer geheilt (ugs.;
durch schlechte Erfahrungen klug geworden, lasse ich mich
auf so etwas nicht mehr ein): da sie von ihren Erwartungen
geheilt war (auf Grund schlechter Erfahrungen keine
Erwartungen mehr hegte). zog sie sich auf ein genügsames
Schweigen zurück (Lenz, Brot 133). 2. gesund werden <ist): die
Wunde heilt [schnell, komplikationslos, ohne
Narbenbildung]; der Muskelriß ist geheilt; Ü Darüber schien die
Feindschaft der Spittelbrüder langsam h. (vergehen) zu
wollen, da sie nicht mehr den ganzen Tag beisammen
waren (Hesse, Sonne 33); (bes. Elektrot.:) MKT- und ML-
Kondensatoren heilen bei Durchschlägen selbst
(regenerieren sich; Elektronik 12, 1971, A 5); <Abl.:> Hfiiler, der;
-s. - (geh.): jmd.. der andere heilt; Ein Helfer,.ein H..
ein Wiederbeleber, an dem Schulterstück ... den
Äskulapstab mit Schlange, organisiert er den hemmungslosen
Verlauf des Sterbens (Plievier, Stalingrad 242); Ü Die Zeil
... sei nicht nur ein großer H.. sondern auch ein großer
Uhrer (FAZ 5. 10. 61. 4); heilig ['h^jliQ; mhd. heilec.
ahd. heilag; entw. Abi. von einem germ. Subst. mit der
Bed. ..Zauber, günstiges Vorzeichen. Glück" od. zu T heil]:
1. <AdJ.; nicht adv.) l.a) im Unterschied zu allem Irdischen
göttlich vollkommen u. daher verehrungswürdig: der -e Gott,
Gottessohn; die Heilige Dreifaltigkeit; die -e Kirche; der
-e (von der katholischen Kirche heiliggesprochene; Abk.:
hl.) Augustinus; der Heilige (t Apostolische) Stuhl; Gott
allein ist h.; b) von göttlichem Geist erfüllt; göttliches Heil
spendend: die -e Taufe. Messe; das -e Abendmahl. Pfingsl-
fest; die -en Sakramente; das Sakrament ist eine -e
Handlung; -e Gesänge; die Heilige Allianz (zwischen Rußland.
Österreich u. Preußen 1815 geschlossener Bund mit der
Absichtserklärung, die Prinzipien der christlichen Religion
zur Grundlage der Innen- u. Außenpolitik zu machen); c)
(veraltend) sehr fromm: sie führte ein -es Leben; er war
ein -er Mann; d) durch einen göttlichen Bezug eine besondere
Weihe besitzend: ein -er Hain; zwölf ist eine -e Zahl; die
-en Stätten (bedeutende Stätten des Lebens Jesu); die -e
Woche (Karwoche); wie denn Joseph von babylonischen
Frauen wußte, welche, der Ischtar oder Mylitta h. (ge-
1175
heilig-, Heil ig -
weiht). ... in Tempelzellen wohnten (Th. Mann, Joseph
50). 2. (geh.) durch seinen Ernst Ehrfurcht einflößend;
unantastbar: ein -er Schauer, Eifer. Zorn; eine -e Stille,
Begeisterung. Entschlossenheit. Pflicht; das -ste der Güter, jmds.
-ste Gefühle verletzen; im Namen des großen, -en
Vaterlandes (R. Walser, Gehülfe 42); war den beiden Quangels
das sonntägliche Schreiben ... zur Gewohnheit
geworden, zu einer -en Gewohnheit (Fallada, Jeder 122); er
schwor bei allem, was ihm h. war; ihnen ist nichts h.
(sie haben vor nichts Achtung); <subst.:> als versuchte
jemand, sein Heiligstes anzutasten (Hauptmann. Thiel
24); *etw. h.. (meist:) hoch und h. versprechen/ge-
k>ben/versichern/[be)schwören (etw. fest, feierlich
versprechen usw.): er hat es mir hoch und h. versprochen; ich
habe h. geschworen, es keinem Menschen zu verraten
(Fallada, Jeder 25). 3. <nur attr.) (ugs.) (von etw.
Unangenehmem) groß, entsetzlich: mit jmdm. seine -e Not haben;
davor habe ich einen -en Respekt (das tue ich äußerst
ungern). IL <Adv.)(landsch.) wahrhaftig: ich habe h. nichts
damit zu tun; Leih mir zehn Mark - am nächsten Freitag
bekommst du sie bestimmt wieder - h. wahr! (Fallada,
Jeder 17).
heilig-. Hfiilig-: Mibend l—'--]. der: svw. Heiliger I Abend:
^halten <st. V.; hat): als heilig achten, respektieren u. sich
entsprechend verhalten: dieGebote. den Sonntag h.; -mäßig
<AdJ.>: in der Art eines Menschen, der nach seinem Tode
heiliggesprochen werden kann: Franz Baeumker. Heilige
und -e Christen ... des Bistums Aachen (Buchtitel 1950);
h. leben; -sprechen <st. V.; hat) (kath. Kirche): einen
zuvor Seliggesprochenen durch eine feierliche päpstliche
Erklärung unter die Heiligen aufnehmen: Ü Du. Pfarrer auf
der Kanzel. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst ...
den Krieg h.. dann gibt es nur eins: sag NEIN! (Bordiert.
Draußen 126); -sprechung, die; -. -en (kath. Kirche).
Heilige l'h^jliga]. der u. die; -n, -n <Dekl. t Abgeordnete):
a) (kath. Kirche) jmd.. der sein Leben für den Glauben
hingegeben od. die christlichen Tugenden heroisch gelebt
hat u. deshalb von den Gläubigen verehrt u. um Fürbitte
bei Gott angerufen werden darf: Augustinus ist ein -r; die
-n anrufen; in dem ... Haus mit ... dem ... Papierladen,
über dessen Eingang ein -r (die plastische Darstellung eines
Heiligen) in einer ... Nische stand (Simmel, Stoff 16):
die Gemeinschaft der -n (der geheiligten Christenheit, der
getauften Christen, der Gläubigen); b) (ugs.) sehr frommer,
tugendhafter Mensch: der eine ist ein ganz großer Sünder;
der andere - scheußliches Ammenwort - der ganz große
H. (Langgässer. Siegel 195); Die Mitglieder des
Zentralkomitees sind, was die Moral betrifft, selbst nicht gerade
H. (Spiegel 52.1965,59); das ist ein sonderbarer, komischer
-r(ugs. iron.; seltsamer Mensch): Heiligedreikfriigstag, der;
-[eis. -e: tDreikönigstag: (Beispiele zur Dekl.:> ein kalter
Heiligelrjdreikönigstag; die Heilige[n]dreikönigstage 1975
und 1976; am Vorabend des Heilige[n]dreikönigstages; am
Heilige[nldreikönigstag; heiligen [hajlign] <sw. V.; hat)
[mhd. heiligen, ahd. heilagön]: 1. (geh.) a) durch völlige
Hingabe an Gott der Macht des Irdischen entziehen: daß
er (= Gott) dich heilige für ewig (Th. Mann. Joseph
120); daß ich ... versuchen sollte, mich zu reinigen und
mein Leben zu h. nach dem Vorbild des Herrn (Nigg.
Wiederkehr 103); b) weihen: Dann ging er weiter über
das Land mit den Seinen, die Gottes waren, und heiligte
neu nach seinem Geist die Anbetungsstätten der Leute
des Landes (Th. Mann, Joseph 116). 2. svw. t heilighalten:
den Feiertag. Sonntag h.; geheiligt werde dein Name
(Vaterunser); Selbst ..Knollengesicht" Luschke ... pflegte das
Wochenende zu h. (am Wochenende nicht zu arbeiten;
Kirst.08/15.8); das ist ein geheiligtes Recht, eine geheiligte
Tradition; (iron.:) er betrat die geheiligten Räume des
Direktors. 3. als gerechtfertigt u. moralisch unantastbar
erscheinen lassen, hinstellen: daß ihn der Wunsch beseelte,
durch seine Ziele die Verschlungenheit seiner Wege zu
h. (A. Kolb. Schaukel 117); mit dem Opfer ihres Lebens,
das alle Irrtümer heiligt (Kantorowicz, Tagebuch I, 41);
R der Zweck heiligt die Mittel (für einen guten Zweck
sind alle Mittel erlaubt ; den Jesuiten [fälschlicherweise]
als Quintessenz ihrer Moral zugeschrieben).
Heiligen- (Heilige a): -bild, das: bildliche Darstellung eines,
einer Heiligen; -figur, die: Plastik eines, einer Heiligen;
-en füllen das Gewände des Kirchenportals; ^kuK, den
svw. t ^Verehrung; kleben, das [LÜ von lat. vita sancto-
rum]: Lebensbeschreibung eines, einer Heiligen; ^legende,
die: Legende um das Leben od. legendarische
Lebensbeschreibung eines Heiligen; ^schein, der: in der bildlichen
Darstellung Lichtschein od. Strahlenkranz um das Haupt
einer der göttlichen Personen od. eines, einer Heiligen: so
stand ihm der bläßliche Glutball (= die Sonne) ein paarmal
wie eine Art H. um den Kopf (Schnurre. Bart 46); Ü
jmdn.. sich mit einem H. umgeben (als etwas Besseres
darstellen, als er\ man in Wirklichkeit ist); seinen H.
einbüßen (seinen Nimbus u. seine Anziehungskraft verlieren);
^sdirein, der: Schrein zur Aufbewahrung von Reliquien;
^Verehrung, die: Verehrung von Heiligen in der katholischen
Kirche.
Heiligkeit.die; - [mhd. heilecheit.ahd. heiligheit]: La)
heiliges (la) Wesen: die H. Gottes; daß sie (= die Kinder)
aber unschuldig im Sinne wirklicher Reinheit und
engelhafter H. seien, ist ... ein ... Aberglauben (Th. Mann. Krull
60); Seine H. (Titel des Papstes); Eure H. (Anrede des
Papstes); b) heilige (1 b, d) Eigenschaft: die H. der Ehe;
c) (veraltend) heiliges (1c). sehr frommes Wesen. Leben:
das böse Gewissen durch krasse H. zum Schweigen zu
bringen (Thieß. Reich 185). 2. (geh.) heiliger (2) Charakter.
Unantastbarkeit: die H. seines Zorns; die H. des privaten
Eigentums gehört zu den Merkmalen der Agrargesellschaf-
ten (Gehlen. Zeitalter 72); Heiligtum, das; -s....tümer [mhd.
heilectuom. ahd. heiligtuom]: 1. heilige (Id) Stätte zur
Verehrung / eines] Gottes: antike, römische, christliche
Heiligtümer; ein H. des Dionysos; ein H. schänden, entweihen;
Ü vordem italienischen H. (Ballspiele Jargon; Tor) spielten
sich turbulente Szenen ab. 2. heiliger (2). unantastbarer
Wert: Für seine Eltern ... war er (= der Säugling) ein
H. und ein Spekulationsobjekt (Remarque, Triomphe 266):
Heiligung, die; -. -en (PI. ungebr.) [mhd. heiligunge. ahd.
heiligunga] (geh.): das Heiligen (1-3).
Hfiib-: Mumee, die <o. PI.) [LÜ von engl. Salvation Army]:
internationale, militärisch organisierte christliche
Organisation, die (mit Auftritten auf Straßen u. Plätzen) gegen
das Laster kcunpft u. sich vor allem der Armen u.
Verwahrlosten annimmt: sie ist Offizier in der H.; schon morgen
müßte ich also die H. um eine warme Suppe angehen
(Habe. Namen 93). dazu: -armist [...|armtst], der; -en.
-en: Angehöriger der Heilsarmee: -botschaft, die <o. Pl.>:
Botschaft von der Erlösung der Welt durch Jesus Christus,
die die christliche Kirche zu verkünden hat; Evangelium
(1 a): ihre (= der Kirche) Anstrengung, im Bemühen um
die Menschen eine neue und immer zeitgemäße Form
der H. zu suchen (Zeit 10. 12. 65. 9); Ü die Phase ....
in der die kommunistische H. ihre angebliche
Unfehlbarkeit einbüßte (Dönhoff. Ära 198); -envartung, die:
Erwartung göttlichen Heils; -geschichte, die <o. Pl.> (Theol.):
Geschichte als fortgesetztes göttliches Handeln an. für u.
mit Menschen; -lehre, die <o. Pl.>: vgl. ^botschaft: Ü
eine militante Ideologie, die ... als H. mit politischem
Ausschließlichkeitsanspruch die Unterdrückung jeder
Opposition ... zu rechtfertigen sucht (Fraenkel. Staat 329);
-Ordnung, die <o. PL): die Ordnung der Welt in bezug
auf den göttlichen Heilsplan; -pbui. der <o. PI.): sich in
der Heilsgeschichte offenbarender Plan Gottes mit der Welt:
Wenn aber der auf Christus zielende H. Gottes von Anfang
der Welt an besteht (Glaube 1. 1967. 9); Soldat, der:
svw. T ^armist: Dem tapferen -en wurde der Wunsch erfüllt,
und heute besitzt sein Zelt im Dschungel Indiens eine
blau-gelb-rote Fahne (Der Kriegsruf 20, 1967); -Spiegel,
der: spätmittelalterliches Erbauungsbuch einer illustrierten
Heilsgeschichte vom Sündenfall bis zum Jüngsten Gericht
(nach dem Vorbild des anonymen Speculum humanae salva-
tionis); ^tat, die: heilbringende Tat: die Geburt Christi
als H. Gottes; -wille, der (Theol.): auf das Heil der
Menschen zielender Wille Gottes.
heilsam [hailza:m] <Adj.; nicht adv.) [mhd. heilsam, ahd.
heilesam = Heil bringend]: 1. / durch eine schlechte,
unangenehme, schmerzliche Erfahrung] nutzbringend, förderlich:
-e Worte: eine -e Ermahnung. Lehre. Strafe. Ernüchterung;
der Schock, diese Erfahrung war für ihn h.; er will ...
den Beweis führen, daß seine Idee richtig, durchführbar
und h. ist (Sieburg, Robespierre 204). 2. (veraltend)
heilkräftig: Der Epomeo war als erloschener Vulkan
bezeichnet, dem -e Wasser entsprängen (Carossa. Aufzeichnungen
120); <Abl.:> Hfiikamkeit. die; -: Hohn«, die; -. -en <PI.
selten) [mhd. heilunge]: 1. das Heilen (1 a, b): die H. der
1176
heim-, Heim-
Kranken; -en dieser Krankheit wurden ... bisher nicht
beobachtet (Medizin II, 175); bei verschiedenen Ärzten,
in einem Klima H. suchen; von einer wirklichen H. ist
keine Rede. 2. Jas Heilen (2), Gesundwerden: die H. der
Wunde gestaltet sich schwierig, zog sich hin; die H. des
Bruches durch bestimmte Maßnahmen unterstützen. 3.
das Heilen (1 c), seelische Befreiung von etw.: die
Lebensmüden .... für deren Schmerz es keine H. gab (Koeppen,
Rußland I8S).
Hfiihings-: -methode, die (selten): svw. t Heilmethode;
-möglichkeit, die: Möglichkeit der Heilung (1); -prozeß,
der: Prozeß der Heilung (2), Heilprozeß: -verlauf, der:
vgl. ^prozeß; -Vorgang, der: vgl. ^prozeß.
heim [h^jm] <Adv.; elliptisch od. verselbständigt aus
unfesten Zusammensetzungen wie heimkommen, heimholen
o. ä.) [mhd., ahd. heim = nach Hause]: wieder nach Hause,
in die Heimat zurück: Da sagte Jan: „Sie sind
heimgekommen.44 ... Olenski... ließ die Arme hängen. „Heim44,
murmelte er bitter (Rinser. Jan 55); Entledigt man sich der
Schuldfrage durch das passende Auftauchen Floras ...?
Eine Auslandsdeutsche h. ins Reich {das ehemalige
Deutsche Reich als Mutterland: Fries, Weg 83); Heim [-1, das;
-[eis, -e [mhd., ahd. heim = Haus, Wohnort, Heimat,
urspr. = Ort. wo man sich niederläßt, Lager]: 1. <P1.
ungebr.) jmds. Wohnung, Zuhause unter dem Aspekt von
Geborgenheit, angenehmer Häuslichkeit: ein eigenes,
behagliches, stilles, trautes H.; das H. schmücken; jmdm. ein
gemütliches H. einrichten; in ein neues H. einziehen; wenn
... alles nach Annehmlichkeiten strebt, nach Autos,
aufwendigen -en, Musiktruhen, Fernsehapparaten (Dönhoff,
Ära 40). 2. a) öffentliche Einrichtung, die der Unterbringung
eines bestimmten Personenkreises (z. B. Alte, Kranke,
schwererziehbare Jugendliche) dient: ein H. für
Obdachlose, ledige Mütter; das H. wurde aufgelöst; aus einem
H. entlassen werden; in ein H. kommen, eingewiesen
werden; im H. leben; er ist in drei -en gewesen; konnte auch
hier jeder Student, der darum bat, Unterkunft im H. der
Hochschule erhalten (Leonhard, Revolution 71); b)
öffentliche Einrichtung, die der Unterbringung von
Erholungsuchenden dient: die -e des Müttergenesungswerks; die Kinder
wurden in ein H. des DRK verschickt; c) a) Gebäude,
in dem ein Heim (2 a, b) untergebracht ist: das H. ist
abgebrannt;)?) Haus für Veranstaltungen, Zusammenkünfte
eines Klubs od. Vereins: ein neues H. errichten, bauen;
-e der offenen Tür (von Gemeinden, Wohlfahrtsverbänden
u. Kirchen eingerichtete Häuser, die vor allem Jugendlichen
für ihre Freizeit zur Verfügung stehen).
fh£im-. Keim- (heim): -begeben, sich <st. V.; hat): sich
nach Hause begeben: -begleiten <sw. V.; hat): nach Hause
begleiten: -bringen <unr. V.; hat): a) svw. f ^begleiten;
b) nach Hause schaffen, tragen, befördern: das Heu trocken
h.; Ü weil ihre Väter und Brüder nicht den Sieg
heimgebracht hatten (Wiechert. Jeromin-Kinder 500); -dürfen
<unr. V.; hat): sich heimbegeben dürfen: der Patient durfte
noch nicht heim; -fahren <st. V.; ist): nach Hause in seinen
Heimatort fahren: wir müssen bald h.; Ü Setzen Sie ihm
einen Grabstein in Form einer Flasche ... Trinken Sie
einen Gedächtnisschluck auf die heimgefahrene (verhüll.;
gestorbene) Schnapsdrossel (Remarque. Obelisk 295);
-fahrt, die: Falxrt nach Hause, in den Heimatort: die H.
antreten; allmählich an die H. denken; -fall, der <o. PI.):
(im Lehns-, Erbbau- od. alten Erbrecht) Rückfall eines
Eigentums an die ursprünglich Berechtigten od. den Staat
(z. B. beim Tod des letzten Eigentümers, wenn keine Erben
vorhanden sind), von: -fallen <st. V.; ist): (im Lehns-,
Erbbau- od. alten Erbrecht) als Eigentum an die ursprünglich
Berechtigten od. den Staat zurückfallen: -finden <st. V.;
hat): den Weg zurück, nach Hause, in die Heimat finden:
der Arzt sah sich aufmerksam um .... um später ohne
mich heimzufinden (Seghers, Transit 87); Ich habe
heimgefunden und bin doch noch in der Fremde (Jens. Mann
69); -fliegen <st. V.; ist): an seinen Heimatort, in die Heimat
fliegen: -führen <sw. V.; hat): l.a) (jmdn., der der
Betreuungbedarf) fiach Hause führen, geleiten: einen Blinden,
einen alten Menschen. Kinder aus dem Kindergarten h.;
b) (geh.. veraltet) (eine weibliche Person) heiraten: ein
Mädchen, eine Frau, eine Braut h.; er führte sie als seine
Frau. Gattin heim. 2, Anlaß sein, daßjmd. wieder hebnkehrt:
Diesem besseren Deutschland zu dienen .... das ist die
Aufgabe, die mich heimführt (Kantorowicz, Tagebuch I.
103),dazu: -fuhrung.die: das Heimführen (1 a): Mein Vater
war für die H. Hesiones (Hagelstange, Spielball 193);
-gang, der <P1. selten) (geh. verhüll.): (in bezug auf jmdn.,
zu dem tnan in enger Beziehung stand, u. als Ausdruck
christlicher Einstellung) Tod: der H. der Mutter; daß er
(= Christus) unsere Abschiede zu Heimgängen macht
(Thielicke. Ich glaube 317); -geben <st. V.; hat) (landsch.):
zurückgeben, heimzahlen: Sobald Heller ermattet beiseite
hockte, gab er ihm sein Schimpfen heim (Hesse. Sonne
30); -gegangene, der u. die; -n, -n <Dekl. t Abgeordnete)
(geh. verhüll.): (in bezug auf jmdn., zu dem man in enger
Beziehung stand, u. als Ausdruck christlicher Einstellung)
Verstorbene! rj: wir danken für die tröstenden Worte am
Grabe unseres -n; -gehen <unr. V.; ist): a) nach Hause
gehen: wir müssen Jetzt endlich h.; b) (geh. verhüll.) I im
Glauben an ein Jenseits als eigentliche Heimat des
Menschen! sterben: er ist gestern, im hohen Alter von 80 Jahren
[in Frieden] heimgegangen; c) <unpers.) sich nach Hause
begeben: jetzt geht's heim (wollen wir nach Hause gehen,
fahren o.a.): solange es heimging (man heimwärts flog)
und die Motoren verläßlich donnerten (Gaiser. Jagd 102);
-geigen <sw. V.; hat) [urspr. = ehrenvoll mit Musik nach
Hause begleiten] (salopp): svw. T -leuchten (2); -holen <sw.
V.; hat): nach Hause, in seinen Heimatort, in die Heimat
holen: jmdn. aus dem Krankenhaus [zu sich] h.; Ü ...
hatte es (= Österreich) der Führer und Befreier nicht
heimgeholt, um es als Heimat zu verwenden ...?
(Strittmatter. Wundertäter 462); (geh. verhüll.:) Ein unerwarteter
Tod hat den Jubilar heimgeholt (Forschungen u.
Fortschritte 10, 1966, 318); -kehr, die; -: das Heimkehren:
die H. der Urlauber, der Kriegsgefangenen, der
Emigranten, aus dem Krieg, von einer Reise; Ü Und wenn Tod
und Endlichkeit vorher nur als ... Abschiednehmen und
als Verlust ... erschienen, so werden sie jetzt Gewinn und
H. (Thielicke. Ich glaube 183); -kehren <sw. V.; ist): nach
Hause, an seinen Heimatort, in die Heimat zurückkehren:
mit leeren Händen, als Sieger, als Held, nach längerer
Abwesenheit h.; aus der Gefangenschaft, aus dem Krieg,
von einer Expedition, von der Arbeit, vom Feld h.; die
Schwalben waren zu ihren alten Nestern heimgekehrt
(Wiechert, Jeromin-Kinder 240), dazu: -kehrer. der; -s. -: jmd.,
der laus dem Krieg] heimkehrt: dazu: -kehrerschiff. das:
Schiff mit Heimkehrern, -kehrertransport. der: Transport
mit Heimkehrern: -kommen <st. V.; ist): nach Hause, an
seinen Heimatort, in die Heimat zurückkommen: müde,
niedergeschlagen h.; aus dem Ausland, aus dem Krieg,
aus dem Büro, von der Arbeit h.; er wird bald h.;
-können <unr. V.; hat): sich heimbegeben können: -kunft. die;
- (geh.): das Heimkommen: er kündigte uns seine baldige
H. an; -laufen <st. V.; ist): nach Hause gehen, laufen:
man sollte die Knarre an jeden Ast hängen und h. (A.
Zweig. Grischa 21); -leuchten <sw. V.; hat): 1. (veraltend)
jmdn. mit einer Lampe, Fackel nach Hause geleiten: Nie
war andererseits erlebt worden, daß er (= der Portier)
je einem Trunkenen heimgeleuchtet hätte (Winckler.
Bomberg 56). 2. (salopp) jmdn. tadelnd zurückweisen, eine
Abfuhr erteilen: dem hab' ich aber heimgeleuchtet!; -müssen
<unr. V.; hat): sich heimbegeben müssen: -nehmen <st.
V.; hat): nach Hause nehmen: die Urlauber haben Wein
mit heimgenommen; -reise, die: Rückreise an den
Heimatort, in die Heimat: seine H. war für den 20. August
vorgesehen; die H. antreten; ... unsere H. über Korea
... zu machen (K. Mann, Wendepunkt 180), dazu: ^reisen
<sw. V.; ist): in den Heimatort, in die Heimat [zurück]-
reisen: -schicken <sw. V.; hat): nach Hause schicken:
-suchen <sw. V.; hat) (spätmhd. heimsuochen. mhd. heime
suochen = in freundlicher od. feindlicher Absicht zu Hause
aufsuchen, überfallen]: 1. in übelwollender, feindlicher
Absicht aufsuchen: bei jmdm. eindringen: Einbrecher suchten
das Lager heim; daß man sie (= die Freunde) jetzt, kurz
nach M itternacht. heimsuchte wie ein Geist aus dem Grabe
(Frisch, Gantenbein 394). 2. als iunheilvolles/ Ereignis,
l unangenehme o. ä.J Empfindung über jmdn. kommen:
überfallen, befallen: Träume. Erinnerungen. Vorahnungen
suchen jmdn. heim; Unbehagen. Ekel, ein Weinkrampf
suchte sie heim; von Angstzuständen. Krankheiten heimgesucht
werden; die furchtbaren Ereignisse, die Ihr Land und uns
alle heimgesucht haben (Seghers. Transit 198); Gritzan
... wurde heimgesucht von der Liebe (Lenz. Suleyken 128).
dazu: -suchung, die; -. -en II, 3: mhd. heimsuochunge =
1177
heim-, Heim-
Hausfriedensbruch; 2: frühnhd. = BesuchJ: 1. Schicksals-
schlag, den man als Prüfung od. Strafe von Gott empfindet:
dieser Major... war eine ewige H. für ihn, eine pausenlose
Demütigung (Kirst, 08/15. 241); sie hatten viele -en zu
ertragen; sie suchte den Sinn dieser H. zu erfassen. 2.
(christl. Rel.) Begegnung der mit Jesus u. Johannes dem
Täufer schwangeren Frauen Maria u. Elisabeth im Hause
Elisabeths: das Fest der H. Maria (kath. Rel.; des Besuchs
von Maria bei Elisabeth: urspr. am 2. Juli, dann am 31.
Mai); auf dem Relief. Altarbild ist eine H. dargestellt.
3. (südd.) Haussuchung: -trauen, sich <sw. V.; hat): sich
trauen, nach Hause zu seinen Angehörigen zu gehen: -wärts
[-vertßl <Adv.) [mhd. heimwert, ahd. heimwartes; T-wärts):
nach Hause zu: in Richtung des Heimatortes, der Heimat:
h. segeln; Die Weiber waren bereits im Begriffe, h. zu
eilen (Broch, Versucher 64); -weg, der: Weg nach Hause,
andenHeitnatort: den H. antreten; sich auf den H. machen;
auf dem H. wurden sie von einem Gewitter überrascht;
-wollen <unr. V.; hat): sich heimbegeben wollen: -zahlen
<sw. V.; hat): a) etw. Böses, von dem man sich persönlich
betroffen fühlt, bei günstiger Gelegenheit mit etw. Bösem
erwidern: das wird der dir tüchtig, in/mit gleicher Münze,
doppelt h.; diese Gemeinheit habe ich ihm heimgezahlt;
b) (veraltend) . dankbar] vergelten: Das erste Werk, das
er hier machen und mit dem er die Gastfreundschaft des
Klosters h. wollte. ... sollte gleich den alten Werken ...
ganz zum Bau ... des Klosters gehören (Hesse. Narziß
379); -ziehen <unr. V.): a) nach Hause ziehen, sich
heimbegeben <ist>: Jetzt ziehen die anderen ab und ich heim
(Seghers, Transit 272); b) (unpers.) jmdn. die Sehnsucht,
den Wunsch empfimien lassen, sich heimzubegeben <hat):
es zog mich, ihn heim; -zu <Adv.) (ugs,): auf dem Weg
nach Hause: h. war das Wetter besser, ging die Fahrt
rascher; -zünden <sw. V.; hat) (Schweiz.): svw. T-leuchten
(2): Einer wie der andere schimpfte. Entweder war es
ein höherer Offizier, der irgend etwas Ungeheuerliches
begangen haben sollte, oder es wurde irgendeinem
Staatsoder Zivilbeamten heimgezündet (R. Walser. Gehülfe 128).
^hfiim-, Heim- (Heim): -abend, der: geselliger Abend einer
Gruppe in einem Heim (2); -arbeit, die: a) gewerbliche
Arbeit, die nicht in Betriebsräumen des Arbeitgebers, sondern
für diesen im eigenen Heim (1) geleistet wird: sie bekam
eine H.; etw. in H. herstellen, anfertigen; b) in Heimarbeit
(a) hergestelltes Erzeugnis, hervorgebrachte Arbeitsleistung:
Wenn sie gestern nach Böhmisch-Krumma gegangen wäre,
um H. auszutragen (Fühmann, Judenauto 8); -arbeiten
der: jtnd., der Heimarbeit (a) leistet: -arbeiterin, die: w.
Form zu t -arbeiten -base. das [engl.-amerik. home base]
(Baseball): Mal zwischen den beiden Schlägerboxen: -bi-
lanz, die (Ballspiele): Verhältnis der auf eigenem Platz
errungenen u. abgegebenen Punkte: -bürge« der [mhd.
heimbürge, ahd. heimburgo = Dorfschulze, eigtl. = Schützer
des Heims] (veraltet): Dorfrichter, Schöffe: -bürgin, die
(md.): Leichenfrau: -decke, die: Decke (2) mit buntem
Dekor: -eigen <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): einem Heim
(2) gehörend: -e Möbel; -e Wäsche; -einweisung, die: jmds.
Einweisung in ein Heim (2 a); -elf, die (Fußball): auf
eigenem Platz spielende Mannschaft: -erfolg, der (Ballspiele):
svw. f -sieg; -erzieher. der: Erzieher in einem Kinder- od.
Jugend/teim (Berufsbez.); -erzieherin, die: w. Form zu T
^erziehen -erziehung, die: Erziehung von Waisen, körperlich
u. seetisch gefährdeten, schwererziehbaren, behinderten
Kindern od. Jugendlichen in einem besonderen Heim (2 a);
-geschädigt <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): (von Kindern,
Jugendlichen) durch den Aufenthalt in einem Heim (2 a) seelisch
beeinträchtigt: -Industrie, die: Industrie in Fortn von
Heimarbeit: die meisten sogenannten .Antiquitäten" sind in
moderner ägyptischer H. hergestellt (Ceram, Götter 167);
-kind, das: Kind, das in einem Heim (2 a) aufwächst: -kino,
das: a) (oft scherzh.) Filmvorführung zu Hause mit einem
Schmalfilmprojektor: b) (ugs. scherzh.) Fernsehen (1); -lei-
ter, der: Leiter eines Heims (2 a); -leiterin, die: w. Form
zu Heiter; -leitung.die: ein Heim (2 a) leitende Person/ en]:
-maimschaft, die (Ballspiele): auf eigenem Platz spieletvde
Mannschaft (Ggs.: Gastmannschaft): Von bisher 133
Spielen gewannen 77 die -en (Welt am Sonntag 5. 11. 65,
9); -mutter, die: Leiterin eines Heims (2a) mit familiärer
Struktur, familiärem Charakter: -niedertage, die
(Ballspiele): auf eigenem Platz erlittene Niederlage (Ggs.: -sieg);
-niere, die: künstliche t Niere, mit der ein Patient zu Hause
eine Entgiftung des Blutes durchfuhren kann: Über 2000
Bundesbürger leben mit ..Heimniere" (MM 13. 11. 72,
15): -nimbus, der (Ballspiele): Nimbus, den eine Mannschaft
dadurch gewonnen hat, daJJ sie seit längerer Zeit auf eigenem
Platz unbesiegt geblieben ist: MMdnung, die: in einem Heim
(2 a) geltende Hausordnung: -orgel, die: elektronische
Orgel für den Hausgebrauch: -personal, das: Personal eines
Heims (2a); -platz, der: Platz, Unterkunftsmöglichkeit in
einem Heim (2 a); -punkt, der (Ballspiele): auf eigenem
Platz errungener Punkt: -recht, das <o. PI.) (Ballspiele):
Recht, Berechtigung, ein Spiel auf eigenem Platz
auszutragen: Borussia hat in der ersten Begegnung H.; -rekord,
der (Ballspiele): auf eigenem Platz aufgestellter, die
Heimspiele betreffender Rekord: -schwach <Adj.; nicht adv.)
(Ballspiele): auf eigenem Platz sehr schwach spielend, wenig
erfolgreich (Ggs.: -stark): eine -e Elf; die Mannschaft
gilt als. ist erstaunlich h.; -schwäche, die <o. PI.)
(Ballspiele): Schwäche einer Mannschaft in Heimspielen (Ggs.:
-stärke); -serie, die (Ballspiele): längere Zeit dauernde Folge
von Siegen od. Niederlagen in Heimspielen: -sieg, der
(Ballspiele): auf eigenem Platz errungener Sieg (Ggs.: -niederla-
ge); -siphon, der: Gerät für den Hausgebrauch zur
Herstellung von Sodawasser: -sonne, die: Höhensonne für den
Hausgebrauch: -n, technisch gesehen: gesund und
gefährlich (Hörzu 12. 1973, 70); -spiel, das (Ballspiele): auf
eigenem Platz stattfindendes Spiel (Ggs.: Gastspiel 2 b):
... siedelten wir bei den „Heimspielen44 mit Sack und Pack
in das neue Stadion von Ludwigshafen über (Walter. Spiele
122). dazu: -spielstark <Adj.; nicht adv.) (Ballspiele): svw.
t -stark; -stark <Adj.; nicht adv.) (Ballspiele): auf eigenem
Platz sehr stark spielend, sehr erfolgreich (Ggs.: -schwach);
-starke, die <o. PI.) (Ballspiele): Stärke einer Mannschaft
in Heimspielen (Ggs.: -schwäche); -statt, die (geh.): wo
jmd., etw. heimisch werden kann, seinen festen
Aufenthaltsortfindet: ein Westchor, der ... zu dem ... Zweck errichtet
wurde, dem neuen Patron eine H. zu bieten (Curschmann,
Oswald 178); rund 20000 Kilometer fuhren sie (=
Fundstücke) durch zwei Ozeane um Afrika herum ... nach
London, um im Britischen Museum eine neue H. zu finden
(Ceram. Götter 276); -statte, die: 1. <PI. selten) svw.
T-statt: eine neue H. finden; jmdm. eine H. bieten; Ü
das Unmögliche verdient, sobald es das Absonderliche
überflügelt, wahrlich eine geruhsame H. (Kusenberg. Mal
60). 2. von Bund, Land, Gemeindei verband] od.
gemeinnütziger Siedlungsgesellschaft bevorzugt an Vertriebene,
Heimkehrer, Kriegssachgeschädigte ausgegebenes, unter
bestimmten Bedingungen vererbbares Grundstück mit
Einfamilienhaus, Nutzgarten od. landwirtschaftlichem bzw.
gärtnerischem Anwesen: -super, der (DDR): Rundfunkgerät: Bei
den kleinsten -n zeigt sich ..Minetta44 im neuen
Plastgehäuse (Jugend u. Technik 12. 1973. 1107); -textilien <P1.>:
Textilien der Innendekoration (z. B. Teppiche, Dekorations-
u. Gardinenstofte. Tisch- u. Wolldecken); -trainer, der:
svw. t Hometrainer; -Volkshochschule, die:
Volkshochschule in Internatsform, die sich in mehrmonatigen Lehrgängen,
Kurzseminaren od. Wochenendtagungen an [junge]
Menschen wendet: -vorteil, der <o. PI.) (Ballspiele): Vorteil,
der einer Mannschaft daraus erwächst, doli sie auf eigenem
Platz spielt: -weh, das (urspr. als medizinischer
Fachausdruck in der Schweiz]: große Sehnsucht nach der fernen
Heimat od. einem dort wohnenden geliebten Menschen, bei
dem man sich geborgen fühlte: heftiges, starkes, furchtbares
H. befiel ihn; (nach jmdm., einem Ort] H. haben,
empfinden, bekommen; an/unter H. leiden; aus H. ging sie wieder
nach Deutschland zurück; er ist krank vor H.; Ü Das
H. nach dem Vorgestern, das die meisten Menschen
hierzulande bestimmt, ist bedrückend (Frisch. Stiller 292); aus
einem gewissen H. nach der Tugend (Schnitzler. Reigen
103), dazu: -wehkrank <AdJ.; nicht adv.): an Heimweh
leidend: ein -es K ind; in seiner Jugend war er oft h. gewesen;
-wehr, die: aus den Grenz- u. Nationalitätskämpfen
entstandener militärähnlicher Selbstschutzverband des
österreichischen Bauern- u. Bürgertums (J918-36); -werken <sw.
V.; meist nur im Inf. u. 1. Part, gebr.): als Heimwerker
arbeiten: wir wollen h.; heimwerkende Bastelfreunde;
<subst.:> viel Geld sparen durch Heimwerken; -werker,
der: jmd., der zu Hause handwerkliche Arbeiten ausführt;
-wesen, das [mhd. heimwesen = Hauswesen] (Schweiz.):
Anwesen; ländlicher Besitz: ein stattliches H.; -zögling,
der: Zögling eines Heims (2 a).
1178
heimisch
Heimarmene lhajmar'me:na. bildungsspr: ...ne), die: -
[griech. heimarmene. zu: heimartai = durch das Schicksal
ist bestimmt, 3. Pers. Sg. Perf. von: meiresthai = als
Anteil erhalten] (griech. Philos.): das unausweichliche
Verhängnis, Schicksal.
Heimat [hajma:t], die; -. -en <P1. ungebr.) [mhd. hei-
m(u)ot(e), ahd. heimuoti, heimöti. zu t Heim mit dem Suffix
-ötij: a) Land, Landest eil od. Ort, in dem man [geboren
uj aufgewachsen ist od. sich durch ständigen Aufenthalt
zu Hause fühlt (oft als gefühlsbetonter Ausdruck enger
Verbundenheit gegenüber einer bestimmten Gegend):
München ist seine H.; Wien ist meine zweite H. (ich fühle
mich jetzt in Wien zu Hause, obwohl ich nicht dort geboren
bin): seine alte H. wiedersehen; die H. aufgeben müssen,
verlieren, verlassen; die H. lieben, verteidigen; er hat keine
H. mehr; er hat in Deutschland eine neue H. gefunden;
ein Schlepper mit einem warmen Licht, tröstlich, als berge
er tausend -en (Remarque, Triomphe 357); sie ... haben
mit ihren Kindern ein Recht auf H. angemeldet; sie folgte
ihm in seine Heimat (zog mit ihm nach der Heirat in
seine Heimat): Jmdm. zur H. werden; Ü Eines Tages lernte
sie den christgeimanischen Kreis ... kennen ... und fühlte
sich mit einemmal in ihrer wahren H. (Musil. Mann 312);
b) Ursprungs-, Herkunftsland eines Tiers, einer Pflanze,
eines Erzeugnisses, einer Technik o.a.: die H. dieser Fichte
ist Amerika; Deutschland gilt als die H. des Buchdrucks.
heifnat-, Heimat-: ^abend, der: Abendveranstaltung mit
musikalischen, tänzerischen o. ä. Darbietungen der betreffenden
Gegend: ^berechtigt <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: a) svw.
twohnberechtigt; b) (Schweiz.) an einem bestimmten Ort
Bürgerrecht besitzend: ^berechtigung. die: svw. T
Wohnberechtigung; -blatt, das: svw. I ^zeitung; -dichter, der:
Dichter, Schriftsteller, dessen Werk in der betreffenden
heimatlichen Landschaft mit ihrem Volkstum wurzelt: Miichtung,
die; ^erde, die: heimatliche Erde als Ausdruck der
Verbundenheit mit der Heimat: -fest, das: [aus Anlaß eines Jtd>i-
läums veramtaltetes] Fest, bei dem die betreffende engere
Heimat mit ihrer Geschichte u. ihrem Brauchtum im
Mittelpunkt steht: -film, der: im ländlichen Milieu spielender
Film, in dem die Verwurzelung der handelnden Personen
in ihrer engeren Heimat gezeigt wird: ^forscher, der jmd..
der sich mit der Erforschung von Natur u. Geschichte der
heimatlichen Landschaft beschäftigt: -forschung, die;
-freund, der: jmd., der sein Interesse an Natur u. Geschichte
seiner Heimat /durch eine Mitgliedschaft in einer
entsprechenden Vereinigung] bekundet: dem Verein der -e
angehören; -front, die (bes. ns.): Betrieb, Bereich o.a., in dem
mit allen Mitteln daran gearbeitet wird, den Krieg gewinnen
zu helfen: -gefiihl. das: Gefühl einer engen Beziehung zur
Heimat: -genössig [-gancesKj] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.)
(Schweiz.): svw. ^berechtigt (b): er ist in Frauenfeld h.;
-geschichte, die: Teil der Geschichtswissenschaft, der sich
mit der Geschichte eines [kleineren] Landesteils befalit:
-hafen, der: Hafen, in dem ein Schiff in das Schiffsregister
eingetragen ist: Dieses U-Boot war vor kurzem in den
H. zurückgekehrt (Menzel. Herren 96); -kalender, der:
Kalender mit Abbildungen u. kleinen Geschichten, der für
einen eng umgrenzten Landschaftsraum bestimmt ist:
-künde, die <o. PI.): Geschichte, Geographie u. Biologie einer
engeren Heimat (als Unterrichtsfach): -kundler, der:
svw. I ^forscher; -kundllch <Adj.; o. Steig.; nicht präd.>:
die Heimatkunde betreffend, zu ihr gehörig: -er
Unterricht; ein -es Thema; -kunst. die <o. Pl.>: sich in
Kunsthandwerk u. Heimatdichtung ausprägende, auf dem Boden
von Landschaft u. Tradition gewachsene Kunst: -hnd,
das <P1. -länder) [2: nach engl, homeland]: 1. Land,
aus dem jmd. stammt und in dem er seine Heimat hat.
2. svw. f Homeland; -liebe, die <o. Pl.>: Liebe zur
Heimat: -lied, das: die Heimat besingendes Lied: ^k»
<Adj.; Steig, ungebr.; nicht adv.): keine Heimat mehr
besitzend: -e Emigranten; Ü als Schicksal des geistig -en
Menschen (Nigg, Wiederkehr 19): <subst.:> -lose, der u. die;
-n, -n <Dekl. t Abgeordnete), dazu: -losigkeit. die; -: das
Heimatlossein: -museum,das: Museum mit naturkundlichen
u. kulturgeschichtlichen Sammlungen der engeren Heimat:
-ort, der: a) Ort, in dem jmd. /geboren u.J aufgewachsen
ist, seine Heimat hat: b) svw. f-hafen; -pflege, die:
Erhaltung des Charakters der Heimat durch Umweltschutz, Pflege
der Kulturdenkmäler, Bräuche o.a.: ^presse, die: vgl. -zei-
lung; -prinzip, das <o. PI.) (Schweiz.): Grundsatz des StraJ-
rechts, nach dem eigene Staatsangehörige, die im Ausland
straffällig geworden sind, nicht ausgeliefert, sondern im
eigenen Land abgeurteilt werden: -recht, das <P1. selten): Recht,
in einem Ort, Land weiterhin leben zu dürfen: Wir haben
beschlossen, ihr Gast- und Heimatrecht zu gewähren
(Hagelstange. Spielball 54/55); eine Art H. erwerben ; Ü wird
daher auch künftighin die deduktive ... Methode ... gerade
in der Forstwissenschaft besonderes H. beanspruchen
können (Mantel. Wald 90); -sehein, der (Schweiz., österr.
[früher]): Bescheinigung des Heimairechtes: -Schriftsteller, der:
vgl. -dichter; -schuß, der (Soldatenspr.): Schußvenletzung,
auf Grund deren man in die Heimat versetzt werden kann:
General Jänicke hatte zwar nicht den berühmten H.
erhalten (Plievier. Stalingrad 262): -schutztruppe, die <o. PL):
Truppe des Territorialheeres der Bundeswehr mit der
Aufgabe, die Operationsfreiheit der eigentlichen Kampftruppen
u. -verbände durch die Sicherung wichtiger Gebiete u.
Anlagen zu gewährleisten: -spräche, die: in einem Landesteil,
in jmds. engerer Heimat gesprochene Sprache: -Staat, der:
Staat, aus dem man stammt, dessen Staatsangehörigkeit
man besitzt: -Stadt, die: vgl. -ort (a); -tag, der: svw.
t-fest: Das Städtchen feierte wie jedes Jahr seinen H.
(Chr. Wolf. Himmel 99); -treffen, das: Treffen der
Heimatvertriebenen zum Gedenken an die verlorene Heimat:
-verbunden <Adj.; nicht adv.): seiner Heimat verbunden:
-Verteidigung die <o. PL): Verteidigung des Heimatstaates:
-vertrieben <Adj.: o. Steig.: nicht adv.): nach 1945 aus den
deutschen Ostgebieten vertrieben: Den christlichen Kräften
des -en Landvolks komme jetzt besondere Bedeutung zu
(Glaube. 51/52. 1960. 23). dazu: -vertriebene, der u. die;
-n. -n: Der Gesamtdeutsche Block BHE (Block der -n
und Entrechteten) ist eine Interessenpartei der aus dem
Osten stammenden Vertriebenen (Fraenkel, Staat 249);
-verwurzelt <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): in seiner Heimat
verwurzelt: -zeitung, die: Zeitung bes. mit Lokalberichten
u. -nachrichten, die nur für ein engeres Gebiet bestimmt
ist: der Konkurrenzkampf mit den großen Tageszeitungen
macht den kleineren -en das Leben schwer; für die H.
schreiben.
heimatlich <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): a) in der Heimat
befindlich, zu ihr gehörend: die -en Berge; die -e Sprache;
er ... strebt die Straße hinab, dem -en (in seinem Zuhause
befindlichen [u. daher vertrauten]) Schreibtisch zu
(Remarque. Obelisk 260); b) die Heimat in Erinnerung
bringend: ergrifTihn mit einer -en Wehmut die Glocke des
Wasserverkäufers (Schneider, Erdbeben 42); Was ihn hier
berührte, war h., aber warum nur? (Doderer, Wasserfälle 10);
alles mutet mich h. an; Heimchen ['h^jnrupn], das; -s,
- [wahrsch. Vkl. zu mhd. heime. ahd. heimo = Hausgrille]:
1. gelblichbraune Grille, die sich im Dunkeln in warmen
Räumen od. auch im Freien durch lautes Zirpen bemerkbar
macht: Hausgrille: Im Backhaus sangen die H.
(Strittmatter, Wundertäter 78). 2. (ugs. abwertend) unbedarftes
weibliches Wesen, das nichts aus sich hermacht: seine Frau
ist ein richtiges H.; *H. am Herdle] (bedürfnislose t
verheiratete] Frau, die nur die Erfüllung ihrer häuslichen Pflichten
kennt, ohne nach persönlicher Entfaltung zu trachten: nach
dem Titel der Erzählung von Ch. Dickens (1812-1870)
„Cricket on the hearth"): ein ängstliches, von seiner
Umwelt und seinem Mann eingeschüchtertes H. am Herd
(Hörzu 44. 1972. 181); heimelig ['hajirolK;] <Adj.; nicht
adv.): als Raum, Umgebung Behaglichkeit, Gemütlichkeit,
eine wohlige Atmosphäre verbreitend: ein -es [Wohn]zim-
mer. Haus; Der Wald wurde -er (Strittmatter. Wundertäter
120); wollte mir die Metrostation ... h., fast wohnlich
vorkommen (Grass, Blechtrommel 731); <Abl.:> Hfijpielig-
keit, die; -: heimelige Art: Heimen ['h^jman], das; -s, -
[mhd. heim, unter Einfluß des Adv. heimen < ahd. heimina
= vom Hause] (Schweiz.): Bauernhof: Heimet [hsjmat],
das; -s, -eod. die; -, -en [abgeschwächte Form von t Heimat]
(Schweiz.): /bäuerliches] Anwesen: heimisch <Adj.) [mhd.
heimisch, ahd. heimisc = zum Heim, zur Heimat gehörend,
einheimisch; zahm; nicht wildwachsend]: a) (o. Steig.; nicht
adv.) das eigene Land betreffend, dazu gehörend: in einer
bestimmten Heimat vorhanden, von dort stammend,
einheimisch: die -e Bevölkerung. Regierung, Wirtschaft.
Industrie; -e Pflanzen; diese Tiere sind in Asien h.; Andere
gingen ins Ausland, um dort das neue Verfahren h. zu
machen (Bild. Kunst 3, 58); b) <nur attr.) zum eigenen
Heim, zur vertrauten häuslichen, heimatlichen Umgebung
1179
heimlich
gehörend: ich denke ... an meine -e Studierstube in F.
(Jens. Mann 95); zwei bis drei Tage Abwesenheit vom
-en Herd (von zu Hause: Hörzu 6, 1973, 90 III); Durch
die Avenue de TOpera ... kehrte ich in die -e Rue Saint-Ho-
nore zurück (Th. Mann, Krull 193); c) meist in der
Verbindung irgendwo h. sein, werden, sieh fühlen (an einem Ort
zu Hause sein, sich zu Hause fühlen): in einer Stadt schnell
h. werden; er fühlte sich in Berlin h.; <auch attr.:) die
an ihrem neuen Ort bald heimischen Siedler; Ü in einem
Fach, einer Wissenschaft h. (selten; bewandert, beschlagen)
sein; heimlich <Adj.; Steig, ungebr.) [mhd. heim(e)lich =
vertraut; einheimisch; vertraulich, geheim; verborgen; ahd.
heimillh = zum Hause gehörend, vertraut; zu THeim]:
1. (aus Scheu vor Bloßstellung od. weil man ein Verbot
umgehen will) vor andern verborgen: so unauffällig, daß
andere nicht merken, was geschieht: -es Mißtrauen; -e
Tränen; ein -er Anhänger. Liebhaber; mit -em Erstaunen.
Behagen; er war von dem -en Ehrgeiz beseelt. Künstler
zu werden; Makarios ist indes mehr denn je der -e (der
eigentliche, wenn auch nicht proklamierte) Held von immer
mehr Hellenen (Spiegel 30, 1974. 57); <seltener präd.:>
die Verhandlungen. Zusammenkünfte sind h.; da die Tiere
anfänglich so außerordentlich h. sind, daß ich auch die
Henne kaum je auf der Nistplatzsuche beobachten konnte
(Lorenz, Verhalten I. 233); h. triumphieren, auf die Uhr
sehen; jmdm. h. zürnen, etw. zuflüstern, etw. gewähren;
sich h. Notizen machen; sich h. mit jmdm. treffen; <subst.:>
So ein Heimlicher ... nun kriecht er hier zur Nachtzeit
auf den Treppen herum! (Fallada. Jeder 49); *h.. still
und leise (ugs.; lautlos, ohne Geräusch, unbemerkt): Sie
erschrecken mich. Sie kommen immer so h.. still und
leise (Hochhuth. Stellvertreter 145). 2. (österr.) heimelig:
Diotima sah Amhcim am Fenster ihrer Küche stehn, ein
sonderbar -er Anblick (Musil, Mann 1036).
heimlich-: -feiß 1-fajs] <Adj.; -er. -este) [2. Bestandteil
alemann, feiß = fett, feist] (Schweiz.): seinen Besitz, ein Können
verheimlichend: heuchlerisch: -tuer [-tu:«], der; -s. -
(abwertend): jmd., der heimlichtut: -tuerei [-tua'rqj], die; -. -en
(abwertend): das Heimlichtun: Deine verdammte H.!
Illegalitätsfimmel! (Apitz, Wölfe 53); Sie haben ein so offenes
Verhältnis zu ihren Eltern, daß es gar keine -en gibt (Hörzu
20.1973.18); -tun <unr. V.; hat) (abwertend): etw.
geheimhalten, verbergen zu müssen glauben u. sich entsprechend
verhalten: sie tat immer heimlich mit ihren Verabredungen.
heimlicherweise <Adv.) (selten): heimlich (1); Heimlichkeit.
die; -. -en [mhd. heim(e)Uchkeit): 1. <meist PI.) etw., was
geheim, verborgen bleibt: verbotene -en; mit jmdm. -en
haben; bleibt Gottes H. für uns verhüllt (Thielicke. Ich
glaube 89). 2- Verborgenheit, in der nichts bemerkt werden
kann: sie ... betastete ihn in der H. der Nacht (Musil,
Mann 1356); *in aller H. (auf Grund größter Vorsicht
völlig unbemerkt): in aller H. ausziehen.
Heimtücke, die; - [Zus. aus haimliche (= heimliche) Duck
od. hemische (= hämische) Duck]: hinterlistige
Bösartigkeit, utmufrieht ige Bosheit: jmds. H. fürchten, nicht
erkennen; Der Staatsanwalt hatte Anklage erhoben wegen
Mordes und hatte bei der Ausführung der Tat H. (Jur.; Austmt-
zung der Wehr- od. Arglosigkeit des Opfers im Mordfall)
angenommen (Noack. Prozesse 152); Ü Furcht ... vor der
unberechenbaren H. des Fiebers (Thorwald. Chirurgen
155; <Abl.:) Heimtücker, der; -s, -: heimtückischer Mensch:
H. in der Maske des Biedermannes? (Böll. Haus 127);
heimtückisch <Adj.; nicht adv.): bei völliger Verborgetüxeit
nach außen hin in gefafir lieber Weise bösartig od. davon
zeugend: eine -e Art; ein -es Bubenstück; mit h. gelassenen
Parzenmienen (Schnurre. Bart 129); Diese Eingeborenen
sind h. und grausam (Hacks, Stücke 142); jmd. h.
ermorden; Ü eine -e Krankheit; Wir machen ihre Ohren scharf
auf das -e Surren der kleinen Dinger (Remarque, Westen
98).
Hein: t Freund (1).
heinesch: t heinisch.
Heini f huyni], der. -s. -s [nach der Kosef. Heini des
Vornamens Heinrich) (ugs. Schimpfwort): dummer, einfaltiger
Mensch, Dummkopf, jmd.. über den man sich geärgert hat
od. den man nicht leiden mag o.a.: so ein doofer H.!;
kehren Sie die KartofTelschalen zusammen, Sie H.!",
rief Jemand (Bieler, Bonifaz 107); Am Montag oder
Dienstag kommen die -s (Vertreter) von der Versicherung, das
sind unverschämte Kerle (v. d. Grün. Glatteis 313).
heinisch [h^jnül. heinesch [...naJI <Adj.; o. Steig.) [nach
dem deutschen Dichter H. Heine (1797-1856)]: der Art,
dem Geist Heines entsprechend: in der Art Heines: mit
-er Ironie.
Heinrich ['h^jnru;] in den Wendungen den flotten H. haben
(salopp; Durchfall haben): den müden H. spielen; auf müden
H. machen (ugs.: langsam sein beim Arbeiten, sich nicht
anstrengen): Jetzt mach aber nicht auf müden H. (Fr.
Wolf, Zwei 148).
heint [h^jnt] <Adv.) [gek. aus: heinacht = diese Nacht;
vgl. heute] (landsch): 1. heute nacht. 2. heute.
Heinz [hiin^]. der; -en, -en, 'Heinze [-3], der; -n, -n [nach
dem Vornamen Heinz (= Heinrich), da das Gestell einer
menschlichen Gestalt ähnlich sieht] (südd.): I. Holzgestell
zum Trocknen von Klee u. Heu. 2. Stiefelknecht: heinze
[-], die; -, -n (Schweiz.): svw. tHeinz (1); Heinzelbank
fhajn^)-), die; -, ...bänke (österr.): Werkbank mit
einer Klemmvorrichtung zur Bearbeitung von Holz: Hdnzel-
mfimchen. das; -s, - (meist PI.) [1. Bestandteil Heinzel =
Kosef. zu dem m. Taufnamen Heinz, nach dem
Volksglauben, durch derartige Namensgebungen die Hausgeister
günstig stimmen zu können]: (im Volksglauben) hilfreicher
Geist in Zwergengestalt, der in Abwesenheit der Menschen
deren Arbeit verrichtet: jetzt brauchten wir die H., die
alles wieder saubermachen; Ü Ich ... machte alle Arbeit
ohne die „Heinzelmännchen'4, die es heute gibt, wie ...
Waschmaschine usw. (Hörzu 51. 1974, 96).
heiopopek)! [h^jopo'pajo] (Interj.X svw. f eiapopeia.
Heirat ['h^jraU). die; -. -en [mhd.. ahd. hirät, urspr.
Hausbesorgung]: das Eingehen, Schließen einer Ehe: eheliche
Verbindung von zwei Partnern: eine späte, reiche,
[unistandesgemäße H.; ihre H. steht bevor; eine H. [mit jmdm.]
eingehen; eine H. stiften, zustande bringen, vermitteln,
hintertreiben; eine H. aus Liebe; seine H. mit einer vermögenden
Frau; eine H. zwischen Blutsverwandten; Die Karoline
braucht ... die Einwilligung in die H. von ihren Eltern
(Kühn. Zeit 75); mit. nach ihrer H. war sie aus dem
Berufsleben ausgeschieden; vor seiner H. hat er ein unstetes
Leben geführt; Ü die gerade bekanntgewordene H.
(Zusammenschluß) zwischen dem deutschen Pharmahersteller
Farbwerke Hoechst AG und der französischen
Gesellschaft Roussel-Uclaf (Presse 14. 10. 68. 3); heiraten [-n]
<sw. V.; hat) [mhd. hiraten]: a) eine, die Ehe eingehen,
schließen: jung. früh, spät h.; standesgemäß, mit 18 Jahren,
unter seinem Stand, zum zweiten Mal h.; er hat nicht
geheiratet (ist ledig geblieben): sie mußten h. (ugs. verhüll.;
sie heirateten, weil sie ein Kind erwarteten): <subst.:) mit
dem Heiraten warten; nichts vom Heiraten wissen wollen;
b) mit jtndm. eine Ehe eingehen, schließen: die Tochter
seines Nachbarn, einen Rechtsanwalt h.; sie hat ihn [aus
Dankbarkeit, gegen den Willen ihrer Eltern, des Geldes
wegen] geheiratet; jmdn. vom Fleck weg h.; die beiden
haben sich schließlich doch geheiratet; er hat Geld (ugs.;
ein reiches Mädchen) geheiratet; c) durch Heirat an einen
bestimmten Ort kommen u. dort leben: aufs Land h.; Von
Jahrzehnt zu Jahrzehnt reisen die Menschen mehr herum
und heiraten in immer entferntere Gegenden (Grzimek.
Serengeti 175); sie hat nach Amerika geheiratet.
heirate-, Hfiirats-: -absieht, die (meist PL): -en haben; jmds.
-en durchkreuzen; -alter, das: a) Alter, in dem üblicherweise
Ehen eingegangen werden: das durchschnittliche H. ist
gesunken; b) Alter, in dem jmd. [nach geltendem Recht]
heiraten kann: das H. erreicht haben; -annonce, die:
Annonce in einer Zeitung o. ä.. in der man einen geeigneten Partner
für die Ehe sucht: -antrag, der: von einem Mann einer
Frau unterbreiteter Vorschlag, miteinander die Ehe
einzugehen: er machte ihr einen H.; sie hat schon mehrere
Heiratsanträge bekommen, abgelehnt; -anzeige, die: 1. die
Namen u. das Hochzeitsdatum u. a. enthaltende Briefkarte,
mit der ein Hochzeitspaar seine Heirat Freunden u.
Bekannten mitteilt: Anzeige in einer Zeitung, durch die ein
Hochzeitspaar seine Heirat offiziell mitteilt: seine H. in
die Zeitung setzen; -n verschicken. 2. svw. t-annonce;
-buch, das: Personenstandsbuch, das zur Beurkundung der
Eheschließungen dient: -büro.das: svw. t -institut; -erlaub-
nis, die; -flhig <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): das Alter
Ierreicht] habend, in dem eine Heirat [nach dem geltenden
Recht] möglich ist: sie ist noch nicht h.; er. sie ist jetzt
im -en Alter (ist alt genug, um zu heiraten), dazu: -fittiig-
keit, die <o. PL): svw. TEhemündigkeit; -freudig <Adj.;
1180
heiß-, Heiß-
o. Steig.; nicht adv.): vgl. -lustig; -gedanke, der (meist
Pl.>: svw. Nabsicht: sich mit -n tragen; -gesuch, das;
^gut,das<o. PI.) [mhd. hlrätguot] (österr., sonst veraltet):
Mitgift, Aussteuer: Institut, das: gewerbliches
Unternehmen, durch das Ehepartner vermittelt werden:
Eheanbahnungsinstitut: -kandidat, der (scherzh.): a) jmd., der kurz
vorder Heirat steht, Ellekandidat (a); b) noch
unverheirateter, heiratswilliger [junger] Mann, Ehekandidat (b); -kon-
trakt, der; -lustig <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (scherzh.):
gewillt, gesonnen zu heiraten: damals war er ein -er junger
Mann; -markt, der (scherzh.): a) <o. PI.) Rubrik in einer
Zeitung, Zeitschrift, unter der Heiratsannoncen
abgedruckt sind: b) Veranstaltung o.a., bei der viele Leute im
heiratsfähigen Alter zusammentreffen, bei der sich die Gele-
genheit zum Kennenlernen eines möglichen Ehepartners
ergibt: ihre Feste sind die reinsten Heiratsmärkte; -plan,
der (meist PI.): svw. I ^absieht: jmds. Heiratspläne billigen;
-Schwindel, der: das Vorspiegeln von Heiratsabsichten zu
dem Zweck, von dem Partner Geld od. andere Werte zu
erschwindeln, dazu: -Schwindler, der: jmd., der
Heiratsschwindel betreibt: sie war einem H. zum Opfer gefallen;
-Urkunde, die: Urkunde, die bescheinigt, daß eine Ehe auf
dem Standesamt geschlossen wurde: -Urlaub, der: Urlaub,'
den ein Soldat zum Zweck der Eheschließung erhält:
-vermittler, der: jmd., der gewerbsmäßig Ehen vermittelt (Berufs-
bez.); -Vermittlung, die: gewerbsmäßige Eheanbahnung:
-versprechen, das; -wünsch, der.
heisa! l'fcyza, hajsa], heißa! [hajsa] (Interj.) [zu Ihei u.
sa = Ruf zum Heranlocken des Jagdhundes < mhd.
za < frz. 9a = hierher] (veraltet): Ausruf der Freude
od. der Ermunterung: h.. jetzt geht's los!
heischen ['haijn] <sw. V.; hat) [mhd. (hteischen. ahd. (h)eis-
cön = fordern, fragen]: a) (geh.) (in bezug auf eine
Handlung, einen Vorgang o.a.) gebieterisch, mit Nachdruck etw.
fordern, verlangen: etw. heischt Beifall, Anerkennung.
Zustimmung; Ulrichs Erstaunen ... heischte eine Erklärung
(Musil, Mann 273); der Befehl ... war bindend gewesen;
zwei Mann, so heischte er, waren ... freizustellen (Füh-
mann. Judenauto 111); ein Aufmerksamkeit. Respekt
heischender Blick; b) (geh. veraltend) um etw. bitten: Hilfe.
Mitleid h.; ein ... Vorsitzender, der ... um Nachsicht
heischend (bittend) einräumt, man habe sich ein wenig
außerhalb der Legalität bewegt (Welt 19. 5. 65. 6).
heiser l'h^jzB] <Adj.) [mhd. heis(er). ahd. heis(i), urspr.
= rauh]: (von der menschlichen Stitmne) durch Erkältung
od. durch vieles Reden, Singen, Schreien u. ä. rauh u. fast
tonlos I u. flüsternd]: eine -e Stimme haben; ein -es Lachen;
ich bin heute ganz h.; sie sprach h.; ihre Stimme war,
klang h.; du hast dich h. geschrien; er hat sich die Kehle
h. geredet (sich bemüht, jmdn. durch eindringliches Reden
von etwas zu überzeugen): Ü das -e Tuten aus dem Hafen
(Frisch, Stiller 71); Ein paarmal pfiff... h. und gellend
die Industriebahn herüber (Schnurre. Bart 102); <Abl.:>
Heiserkeit, die; -. -en <P1. selten) [mhd. heiserheit]: das
Heisersein: die H. seiner Stimme war störend; ein Mittel
gegen Husten und H.; er leidet an nervöser H.
heiß [hajs] <Adj.; -er, -este) [mhd.. ahd. heisJ: 1. sehr warm,
von [relativ] hoher Temperatur (Ggs.: kalt): -es Wasser:
-e Sommertage; eine -e Gegend; die -en Länder (Länder
mit hohen Durchschnittstemperaturen, tropische Länder):
-e Quellen; ein -es Bad nehmen; -e Hände, einen -en Kopf
haben; -er KafYee. Tee; -e Maroni, -e (in heißem Wasser
gebrühte) Würstchen; der Heizkörper, der Topf ist heiß;
der Tag war drückend, sommerlich h.; ihm ist, wird h.
(er fängt an zu schwitzen): das Kind ist ganz h. (fam.;
es fiebert)', <subst.:)ein Paar Heiße (ugs.; heiße Würstchen)',
R dich haben sie wohl [als Kind] zu h. gebadet! (salopp:
du hast wohl den Verstand verloren!)', *sich h. reden (so
lange reden, bis man sich in einem Zustand der Erregung
befindet): es überläuft jmdn. h. und kalt; es läuft jmdm.
h. und kalt den Rücken hinunter (jmdn. schaudert): nicht
h. und nicht kalt/weder h. noch kalt sein (unbefriedigend,
nichts Halbes u. nichts Ganzes sein): was er in der Sache
unternimmt, ist nicht h. und nicht kalt. 2. a) heftig, erbittert,
hitzig: ein -er Kampf, eine -e Debatte; mit -er Begierde;
bei der Auseinandersetzung ging es h. her; die Stadt war
h. (heftig, erbittert) umkämpft; b) auf innige, vom Herzen
kommende Weise, leidenschaftlich: -e Liebe; ihr -ester
Wunsch ist eine Puppe; Wir wünschen mit -em Herzen,
daß dieses Buch helfe (Grzimek, Serengeti 7); etw. h.
ersehnen; -en (ugs. verstärkend; besten) Dank: das Kind liebt
seinen Teddybär h. und Innig (sehr, von Herzen). 3.
erregend, aufreizend: -e Musik, -e Rhythmen; Sie mögen zwar
h. aussehen, die Damen .... aber musikalisch kommen sie
über das Geplärr ... nicht hinaus (Hörzu 50. 1976, 92).
4. <nicht adv.) a) (ugs.) gefälxrlich: mit Konflikten geladen:
die Radikalen kündigten einen -en Sommer (einen Sommer
mit vielen politischen Unruhen) an; die Zeitung hat ein
-es (besonders heikles) Thema aufgegriffen; ,,-e Gegend.
Mutter, wir ziehen besser ab ..." (Lynen. Kentaurenfährte
154); die Grenze gilt immer noch als h.; vgl. Draht, Ware.
Geld; b) (Kernphysik) (von Räumen, Teilen von Anlagen
od. Stoffen) stark radioaktiv: -e Substanzen. Teilchen; eine
-e Zelle (abgeschlossener Teil einer Kernkraftanlage, in
der, von außen gesteuert, extrem radioaktive Stoffe
bearbeitet werden): -e Chemie (Gebiet der Kernchemie, das sich
mit durch Bestrahlung hochradioaktiv gewordenen Stoffen
befaßt), 5. <nurattr.)(ugs.) (ineinem / sportlichen]
Wettbewerb) sehr gute Aussichten auf Erfolg habend: eine -e
Favoritin; In der deutschen Mannschaft ... fehlten zwei, die
zu den -esten Anwärtern auf eine Medaille zählten (Mae-
gerlein, Triumph 31). 6. <nur attr.) (ugs.) (von sportlichen
Fahrzeugen) sehr schnellu. spritzig: Den 5.3-Liter-V-8-Tur-
bofire-Motor der Corvette gibt es bei der Iso-Rivolta in
3 verschiedenen ..heißen" Varianten (Herrenjoumal 2,
1966,112); vgl. Ofen. 7. <nicht adv.) a) (ugs.) (von Hunden
u. Katzen) paarungsbereit, brünstig: die Hündin ist h.;
b) (salopp) (von Menschen) geschlechtlich erregt: den Trick
.... mit dem sie mich neulich h. gemacht hatte (Lynen,
Kentaurenfährte 38).
heiß-. Heiß-: -behandhing, die (Med.): Behandlung mit
Heißluft od, heißem Dampf: -blutig <Adj.; nicht adv.): von
leicht aufwallendem Temperament: impulsiv,
leidenschaftlich reagierend: sie hat einen -en Spanier geheiratet; die
Tänzerin ist h.. dazu: -bkitigkeit, die; -; -dampf, der:
sehr heißer Dampf für technische od. medizinische Zwecke,
dazu: -dampfmaschine, die: mit Heißdampf betriebene
Maschine: ^erfleht <Adj.; heißer, am heißesten erfleht; nur
attr.): mit Inbrunst, leidenschaftlich erfleht: -ersehnt <Adj.;
heißer, am heißesten ersehnt; nur attr.): mit Inbrunst,
leidenschaftlich ersehnt: die -en Ferien; -geliebt <Adj.; heißer,
am heißesten geliebt; nur attr.): mit Inbrunst,
leidenschaftlich geliebt: -getränk. das (Kochk.): heißes Getränk:
-billiger, der: besonders großes, auch krankhaftes, gieriges
Verlangen nach etw., was man gerne ißt: einen H. nach etw.
haben; mit wahrem H. fiel er über den Erbsenein topf
her; Ü Man spürte es ... an dem H., mit dem man sich
in Polen auf westliche Literatur, auf moderne Kunst und
Jazz stürzte (Dönhoff, Ära 152); -hungrig <AdJ.; nicht
adv.): mit Heißhunger: h. verschlang er sein Essen; -laufen
<st. V.; ist) (Technik): (von Maschinenteilen) durch Reibung
auf Grund von unzureichender Schmierung od. inangelnder
Kühlung heiß werden: der Motor läuft heiß, ist heißgelaufen;
<auch h. + sich:) die Achsen haben sich heißgelaufen;
Ü Lorenz... ließ die Kontrahenten (= einer
Gesprächsrunde) ... nicht h. (nicht zu sehr in Erregung kommen: Hörzu
38, 1975. 39); -leiter. der (Elektrot.): Stoff, dessen
Fähigkeit, den Strom zu leiten, bei zunehmender Temperatur
immer größer wird: -luft, die: erhitzte Luft, der der Körper
od. ein Körperteil / zu Heilzwecken] ausgesetzt wird: eine
Behandlung mit H.; die Hände mit H. trocknen, dazu:
-luftbad, das: Anwendung trockener Heißluft mit
anschließender Abkühlung u. Massage: irisch-römisches Bad:
türkisches Bad, -hiftbehandlung. die, -luftdampfbad, das:
Kombination von trockenem Heißluftbad mit feuchtem Danipfbad
u. anschließender Abkühlung u. Massage: russisch-römisches
Bad. -luftdusche, die: (als Haartrockner, in der Medizin
u. in der Technik verwendeter) elektrisch betriebener
Ventilator, dessen Luftstrom erwärmt werden kann, -luftgerät,
das: Gerät, mit dem Heißluft erzeugt wird, -luftheizung,
die: mit Heißluft betriebene Heizung, -hifttrockner, der:
vgl. -luftdusche; -mangel, die: beheizte Mangel zum
Glätten von Wäsche, die feucht hindurchläuft: -mist. der: svw.
t Edelmist (1); -sporn, der [LÜ nach engl, hotspurl: hitziger,
draufgängerischer Mensch: nur mit Mühe konnte man die
-e besänftigen; Theoderich war ja nicht nur der wilde
H. (Carossa. Aufzeichnungen 32), dazu: -spornig <Adj.;
nicht adv.) (selten): hitzig u. draufgängerisch: -umkämpft
<Adj.; heißer, am heißesten umkämpft; nuratu\): erbittert,
unter Aufbietung aller Kräfte umkämpft: der -e Stützpunkt;
1181
heißa
-umstritten <Adj.; heißer, am heißesten umstritten; nur
attr.>: heftig, leidenschaftlich umstritten: eine -e Frage;
-wasser, das (bes. Technik): heißes Wasser: das
vorbereitete H. auf dem Gasherd (Johnson, Ansichten 99); Erzeugung
und Speicherung von H.. dazu: -wasserapparat, der: svw.
f ^wasserbereiter, -wasserbereiter, der: elektrisch od. mit
Gas beheiztes Gerät zur Bereitung [u. SpeicherungJ von
heißem Wasser: Boiler, -wasserspeicher, der:
Wasserbehälter, in dem heißes Wasser erzeugt u. gespeichert wird: -welle,
die: (heute nicht mehr übliche) Dauerwelle, bei der das
Haar über geheizte Spulen gewickelt wird.
heißa: t heisa.
■heiße« fh^jsn) <st. V.; hat) [mhd. heijen. ahd. heisaan
= auffordern, befehlen; sagen; nennen; wohl eigtl. =
antreiben, zu etw. drängen]: 1. den Namen haben, sich
nennen, genannt werden: der Junge heißt Peter Müller:
wie heißt du [mit Vor-, Nachnamen]?; früher hat sie anders
geheißen; Matern ... versprach, den Schaden beheben zu
wollen ... mit einem Kitt, der „Alleskleber** hieß (Grass.
Hundejahre 289); wie heißt die Firma, die Straße?; er
heißt nach seinem Großvater (trägt den gleichen Namen
wie sein Großvater): Die Bucht ... heißt nach dem großen
Forscher Speke-Bucht (Grzimek. Serengeti 96); der
Krampen von Dörfern, die sich ... moselauf erstrecken: Köve-
rich, Dezem, Törnich - und wie sie heißen (und so weiter:
Andres. Die Vermummten 19); R so wahr ich ... heiße
(ugs. Ausdruck der Bekräftigung eines vorher genannten
Sachverhalts): er hätte ihm nach Strich und Faden das
faule Fell gegerbt, so wahr er Christoph Kumiak hieß
(Marchwitza. Kumiaks 10); wenn es sich so verhält, heiße
ich Hans. Emil o. ä., will ich Hans. Emil. Meier, ein Schuft
o.a. h. (ugs.; so verhält es sich ganz gewiß nicht). 2.a)
(veraltend) jtnilm.. einer Sache einen bestimmten Namen
geben, nennen: sie haben das Kind [nach seinem Vaterl
Wilhelm geheißen; die Hügelstätte Luz... die er dann Be-
thel. Haus Gottes, geheißen hatte (Th. Mann. Joseph 35);
b) (geh.) als jmdn., etw. bezeichnen: nennen: jmdm., einer
Sache eine bestimmte Eigenschaft zuschreiben: er hieß ihn
seinen Freund; er hat ihn einen Lügner. Angeber geheißen;
Brokat oder wie man das heißt (Gaiser. Jagd 125); er
heißt das ein unchristliches Reden (Trenker. Helden 138);
jmdn. dumm, launisch h.; das muß man eine großartige
Leistung h.; das heiße ich pünktlich [sein]. 3. (geh.) das
Verlangen äußern, daß etw. Bestimmtes geschehe: zu etw.
auffordern, veranlassen: er hieß mich stehenbleiben; wer
hat dich kommen heißen/(seltener:) geheißen?; Er hieß
den Kutscher das Tier antreiben (Jahnn. Geschichten 196);
Es hat Sie doch kein Mensch geheißen. Sie sollten Ärztin
werden, hm? (Sebastian. Krankenhaus 50). 4. einer
Äußerung o. ä. in einem anderen Zusammenhang, einem Wort
in einer anderen Sprache o. ä. entsprechen: das gleiche
bedeuten, aussagen, ausdrücken: Neutral hieß also damals für
die Neutralen selbst: antiwestlich (Dönhoff. Ära 166);
„guten Abend" heißt auf französisch ..bon soir"; er weiß,
was es heißt (bedeutet), Verantwortung zu tragen; das
will [nicht] viel, schon etwas h.; das soll nun etwas h.!
(ugs. abwertend; soll Eindruck machen)', „Romantisch!"
... Was heißt das schon! (Remarque, Obelisk 64); (in einer
Verärgerung ausdrückenden Antwort, die eine
vorangegangene Äußerung aufgreift:) was heißt hier: morgen?
Das wird sofort gemacht; Was heißt hier: ach so? Mir
ist überhaupt nicht nach Witzen (Bieler, Bonifaz 186);
Er wollte, du hättest nicht verkauft ... Was soll denn
das nun wieder h.? (Remarque. Obelisk 14); (als
Erläuterung od. Einschränkung von etw. vorher Gesagtem; Abk.:
d.h.:) ich komme morgen, das heißt, nur wenn es nicht
regnet; Die meisten von ihnen waren Angler; das heißt,
nicht von Beruf, sie hatten nur Hunger (Schnurre, Bart
53); und das Ende heißt (ist. bedeutet) immer Zerstörung.
Verfall (Koeppen. Rußland 176). 5. den Wortlaut haben,
lauten: der Titel des Romans heißt „Krieg und Frieden";
sein Motto hieß: arbeiten und nicht verzweifeln; Mein
Werbespruch heißt: Radau bleibt Radau (Bieler. Bonifaz
152). 6. (geh., veraltend) <unpers.> a) man sagt, es geht
die Rede: es heißt, er sei ins Ausland gegangen; Jetzt
hieß es (verlautete es, wurde gesagt) .... von Marseille
sollten Schiffe nach Mexiko abfahren (Seghers. Transit
104); Nun hieß es plötzlich (wurde als Parole ausgegeben),
dies alles sei „illegal" (Dönhoff, Ära 101); b) (an einer
bestimmten Stelle i ist zu lesen, steht geschrieben: bei Hegel
heißt es. ...; im Eingangsartikel hieß es: „Die Menschen
werden frei... geboren ... (Fraenkel. Staat 125); in seinem
Brief hatte es geheißen, er wolle zurückkommen. 7. <un-
pers.) (geh.) es ist nötig, man muß: noch heißt es abwarten;
Von zarten und schwebenden Dingen heißt es zart und
schwebend reden (Th. Mann. Krull 101); da heißt es
aufgepaßt/aufpassen (gilt es aufzupassen)!
2heifien [-1 <sw. V.; hat): svw. t hissen: er heißte die Fahne.
Heister fh^jstB], der; -s. - [mhd. heister = junger
Buchenstamm; vgl. mniederd. heister = junger Baum]: 1. (Garten-
bau) junger Laubbaum (aus einer Baumschule).!, (landsch.)
Buche.
heiter fh^jtel <Adj.> [mhd. heiter, ahd. heitar. eigtl. =
leuchtend]: 1. durch Unbeschwertheit, Fröhlichkeit u. eine
innere Gelassenheit gekennzeichnet: in einer nicht lauten
Weise fröhlich: ein -es Gesicht; -es Lachen; sie hat ein
-es Gemüt, Wesen, ist ein -er Mensch; sie nahm alles
mit -er Ruhe. Gelassenheit; er war immer h. und zufrieden;
die Gesellschaft war vom reichlichen Alkoholgenuß schon
sehr h. (ausgelassen, laut u. fröhlich) geworden; Ü die
Sache hat auch eine -e (erheiternde) Seite; den
vermaledeiten Satz ... vom ernsten Leben und der -en (schwerelosen,
von allem Irdischen unberührten) Kunst (Andres,
Liebesschaukel 64); -e Musik. Dichtung; ein -er Roman
(erheiternd, ohne belastende, bedrückende Problematik): -er
deutscher Spätbarock (nicht düster wirkend, nicht lastend in
seiner architektonischen Gliederung: Seidel. Sterne 38); ein
heller, -er Raum (freundlich, hell, ohne Düsterheit): R das
ist ja h.!. kann ja h. werden! (ugs. iron.; da steht uns
noch einiges bevor, das kann noch unangenehm werden);
Junge. Junge, jetzt wird's h. (ugs.; jetzt kann noch allerhand
passieren!: v. d. Grün. Glatteis 278). 2. <nicht adv.> (in
bezug auf die Witterung, die BeschaffenJieit der Atmosphäre
o. ä.) nicht trüb, wolkenlos u. hell, sonnig: -es Wetter, ein
-er Tag; gegen Mittag wurde es. wurde der Himmel h.;
h. bis wolkig; <Abl.:> Heitere, die; - (Schweiz, ugs.): svw.
T Heiterkeit; Heiterkeit, die; - [mhd. heiterkeit = Klarheit]:
l.a) heitere (1) Gemütsverfassung: eine leise, beglückende
innere H.; H. erfüllt jmdn.; nun ... kam eine ganz
wunderbare H. über Ihn (Geissler. Wunschhütlein 22); Ü die reinen
Maße Athens hat sie (= die Stadt Byzanz) nie besessen,
nie ... die schimmernde H. (die Anmut. Schönheit: Thieß.
Reich 445); b) durch Lachen o. ä. nach außen hin sichtbar
werdende fröhliche, aufgelockerte Stimmung: [lautes]
Gelächter: eine laute, lärmende H.; etw. erregt H., trägt zur
allgemeinen H. bei. 2. heiteres (2), sonniges Wetter mit
wolkenlosem Himmel: Dieser Herbst... war von einer
stetigen H.. die Tage folgten einander klar und hell (Feuditwan-
ger. Erfolg 509), dazu: Hfiiterkeitsausbruch, der.
Ausbrechen in fröhliches, lautes Gelächter: seine Bemerkung hatte
einen großen H. zur Folge: Fteiterkeitserfolg, der: große
Heiterkeit, die jmd., meist unbeabsichtigt, durch ein
ungeschicktes Verhalten, eine Äußerung von unfreiwilliger Komik
o.a. erntet: mit seiner Bemerkung hatte, erzielte, errang
er den größten H. des Abends.
Heiti [haiti], das; -[s], -s [anord. heiti = Name. Benennung,
verw. mit t'heißen] (Literaturw.): (in der altnordischen
Dichtung) bildliche Umschreibung eines Begriffes durch eine
ehifache eingliedrige Benennung (z.B. „Renner44 statt
„Roß"). Vgl. Kenning.
Hfiiz-: -anläge, die: Anlage zum Beheizen eines Gebäudes:
-apparat, der: vgl. ^gerät; -decke, die: elektrisch
erwärmbare Decke (2) zum Zudecken: -effekt, der: vgl. ^wert;
-element. das (Elektrot.): Teil einer elektrischen
Heizvorrichtung, in dem die elektrische Energie in Wärme
umgewandelt wird: -fläche, die: Wärme ausstellender Teil der
Oberfläche eines Heizkörpers: -gas, das: brennbares Gas zum
Heizen: -gerat, das: kleineres Gerät zum (zusätzlichen)
Heizen von Räumen: das H. ausstellen, einschalten; -keller,
der (ugs.): Kellerraum, in dem sich der Heizkessel befindet:
-kcssel, der: Kessel einer Heizungsanlage, in dem die Wärme
erzeugt wird: ^kissen. das: elektrisch erwärmbares, flaches
Kissen, dessen Temperatur stufenweise reguliert werden
kann: das H. ein-, ausschalten; er legte sich das H. auf
den Bauch; -körper, der: a) in den zu beheizenden Räumen
aufgestellter, aus zusammenhängenden Rohren, Platten,
Lamellen o. ä. bestehender Hohlkörper (als Wärme
abstrahlender Teil einer Heizungsanlage): in dem Neubau wurden
die H. montiert; den H. abdrehen (durch Drehen an einem
dazu bestimmten Griff die Wärmeabgabe drosseln od. unter-
1182
Hei
binden): b) svw. I^elenient; -kosten <P1.>: Kosten, die
durch das Heizen der Wohnung entstehen, dazu: -kostenbei-
hilfe, die: vom Sozialamt bestimmten sozial benachteiligten
Personen gewährter Zuschuß zu den Heizkosten, ^kosten-
pausdiale, die: Pauschalbetrag, den der Mieter für die Heiz-
kosten erlegt und der jährlich mit den tatsächlichen Kosten
verrechnet wird: -kraft, die; ^kraftwerk, das: Kraftwerk,
aus dessen Abdampf die Wärme zur Deckung des
industriellen u./od. privaten Wärmebedarfs gewonnen wird: -leiter.
der (Elektrot.): elektrischer Leiter / zur Wärmeerzeugung]
mit hohem elektrischem Widerstand: -lüfter. der: elektrisch
betriebenes Heizgerät, dessen Wärme durch einen Ventilator
in den Raum geblasen wird: Mnaterial, das: zum Heizen
verwendetes Material (z. B. Kohle, Koks, Holz, öl);
-matte, die: svw. T -decke; -ofen, der: transportabler, elektrisch,
mit Gas o. a. beheizter Ofen: —öl, das: bei der Aufbereitung
von Erdöl anfallender flüssiger Brennstoff, der als
Heizmaterial dient: -Periode, die: Zeitraum (während eines Jaftres).
in dem geheizt werden muß: dieses Jahr hatten wir eine
lange H.; -platte, die: 1. elektrisch beheizte Kochplatte.
2. elektrisch beheizte Platte zum Warmhalten von Speisen:
-rohr, das: Rohr einer Heizungsanlage, durch das das er-
wannte Wasser, der Dampf o. ä. geleitet wird: -schlänge,
die: Heizgerät mit schlangenförmig gebogenen Rohren:
-sonne, die: transportables elektrisches Heizgerät, in dem
die von glühenden Drä/iten erzeugte Wärme über einen
reflektierenden Schirm in eine bestimmte Richtung
ausgestrahlt wird: -splmle. die: durch elektrischen Strom zum
Glühen gebrachte Spirale in einem Heizgerät: -Stoff, der:
svw. f -material; -strahier, der: zum zeitweisen,
kurzzeitigen Beheizen eines Raumes verwendetes [an einer Wand
anzubringendes j elektrisches Gerät, bei dem die von
glühenden Dräfuen erzeugte Wärme in den Raum reflektiert wird:
-ström, der: ein Heizgerät o.a., speisender elektrischer
Strom: -Vorrichtung, die; -werk, das: svw. t Fernheizwerk;
-wert, der: Wärmemenge, die bei der Verbrennung eines
Brennstoffes frei wird: der H. von Braunkohle beträgt
2000 kcal.; -zeit, die: vgl. -Periode.
heizbar ['h<ytßba:^l <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): mit einer
Möglichkeit zum Heizen (1 b) versehen: zu heizen: -e
Räume; eine -e (beheizbare) Heckscheibe; das Zimmer war
nicht h.; <Abl.:> Heizbarkeit, die; -; heizen fhajtsn] <sw.
V.; hat) [mhd., ahd. heizen (heiaen), urpsr. = heiß
machen]: 1. a) einen Ofen anzünden, die Heizung o. ä. in Betrieb
nehmen (um einen Raum, ein Gebäude o.a. zu erwärmen):
ab Oktober wird geheizt; in diesem Jahr mußte auch im
Sommer öfter geheizt werden; in der Küche ist nicht
geheizt; Ü man friert bei diesem Hundewetter ... und sollte
wenigstens innerlich ein bißchen h. (scherzh.; sich mit einem
alkoholischen Getränk aufwärmen: Geissler, Nacht 80); b)
(einen Raum, ein Gebäude o.a.) erwärmen, warm machen:
ein Zimmer, das Haus h.; der Saal läßt sich nicht h.,
war schlecht geheizt; in den Becken sah man die Röhren
bloßliegen, welche die Böden heizten (Gaiser, Jagd 120);
c) (einen Ofen, bestimmte technische Anlagen) mit
Heizmaterial beschicken: anfieizen: Männer, die die Öfen heizten
(Plievier, Stalingrad 242); den Backofen, den Dampfkessel
[mit Holz] h. 2.a) als Brennstoff verwenden: Holz. Kohle
h.; b) (in bestimmter Weise, mit einem bestimmten
Brennstoff) Wärme erzeugen: elektrisch, mit öl. mit Kohle h.
3. <h. -I- sich) (von Räumen) sich in bestimmter Weise
erwärmen lassen: das Zimmer, das Haus heizt sich schlecht;
<Abl.:> Heizer, der; -s, - [mhd. heiser]: jmd.. der Heizungs-
u. Kesselanlagen bedient (Berufsbez.); Heizung, die; -, -en:
1. a) Einrichtung. Anlage zum Beheizen von Räumen.
Gebäuden o.a.: Zentralheizung: eine elektrische H.; die H. ist
an-, abgestellt; die H. bedienen, warten; b) (ugs.) svw.
t Heizkörper: Waschlappen zum Trocknen auf die H. legen.
2. <o. PI.) das Heizen: Miete mit H.
Hfiizungs-: -anläge, die: svw. f Heizanlage; -keller, der:
svw. tHeizkeller; -material, das (Schweiz.): svw.
tHeizmaterial; -monteur, der: jmd.. der Heizungsanlagen installiert
und wartet (Berufsbez.); -rohr, das: svw. THeizrohr: -e
verlegen; -tank, der: Tank für die Aufnalime von Heizöl:
-technik, die: Teilgebiet der Technik, das sich mit dem
Bau von Heizungsanlagen beschäftigt.
Hekatombe [heka'tarnte], die; -. -n [lat. hecatombe < griech.
hekatömbe, zu: hekatön = hundert u. boüs = Stier. Rind;
(im antiken Griechenland) kultisches Opfer von 100
Stieren] <meist PI.) (bildungsspr.): einem utiheilvollen Ereignis
o. ä. zum Opfer gefallene, erschütternd große Zahl von
Menschen: dem Erdbeben fielen -n von Menschen zum Opfer;
hekt-, Hekt-: t hekto-. Hekto-; Hektar [hekta:^. auch: -' 1,
das. auch. Schweiz, nur: der; -s, -e <aber: 10 -> [frz. heetare
= 100 Ar. aus t Hekt- u. T Ar]: Flächenmaß (bes.
landwirtschaftlich genutzter Bodetd lachen) von 100 Ar: 6 H.
Ackerboden; Das Anwesen umfaßt etwa dreihundert H. besten
Wald-, Acker- und Weidegeländes (Fr. Wolf. Menetekel
43); Zeichen: ha; Hektare [hekta:re]. die; -. -n (Schweiz.):
svw. tHektar; <Zus.:> Hektarertrag, der (meist PI.)
(Landw.): Ertrag pro Hektar.
Hektik fhektik], die; - [zu fhektisch]: übersteigerte
Betriebsamkeit, fieberhafte Eile. Hast, mit der jmd. etw. tut. mit
der etw. geschieht, abläuft: die H. des Großstadtverkehrs;
Fernab von jeder H. in der Beurteilung dieser Vorgänge
werden wir die neue und jeweilige Situation sehr sorgfältig
prüfen (Bundestag 188. 1968. 10178); hektisch [hcktiH
<Adj.) [2: mlat. hecticus = an chronischer Brustkrankheit
leidend, schwindsüchtig < griech. hektikös = den
Zustand, die Körperbeschaflenheit betreffend; chronisch (bes.
von Fieber)]: 1. von Unruhe. Nervosität u. Hast
gekennzeichnet: von einer übersteigerten, leeren Betriebsamkeit erfüllt:
fieberftaft. aufgeregt: eine -e Atmosphäre; ein -es Tempo;
-es Getriebe; Es besteht ... eine zu -e Jagd nach dem
Gelde (Aberle, Stehkneipen 69); der Beginn des
Winterschlußverkaufs war h.; h. hin- und herlaufen; Ü eine
Persönlichkeit, frappant durch die -e (eine unruhige
Wirkung verbreitende) Auffälligkeit ihrer Kleidung (Thieß,
Legende 161). 2. <o. Steig.; meist attr.) (Med. veraltend):
in Begleitung der Lungentuberkulose auftretend: -es Fieber;
eine -e Röte (fleckig-blaurote Gesichtsfarbe bei schwerer
Tuberkulose): Ü Bier oder Wein hatte diese Gesichter
h. gerötet (Thieß, Frühling 33).
hekto-, Hekto-, (vor Vokalen:) hekt-, Hekt- [hekt(o)-; frz.
hect(o)-. zu griech. hekatön = hundert] <Best. in Zus.
mit der Bed.): hundertfach, vielfach (z. B. Hektoliter.
Hektar); Hektognjmm, das; -[e]s, -e <aber: 5 H.) [frz. hecto-
gramme, zu: gramme. tGramm]: Maßeinheit von 100
Gramm: Zeichen: hg; Hektograph, der; -en. -en [t-graph.
eigtl. = Hundertschreiber] (veraltend): Apparat zum
Vervielfältigen von Schriftstücken u. Zeichnungen, bei dem das
mit Anilintinte beschriebene Original auf eine mit Gelatine
beschichtete Druckplatte übertragen wird, von der eine
größere Anzahl von Abzügen abgenommen werden kann:
Hektographk« die; -, -n [...i:an; t-graphie]: 1. <o. PI.)
(veraltend) Verfahren, mit Hilfe des Hektographen
Vervielfältigungen eines Schriftstücks od. einer Zeichnung
herzustellen. 2. mit Hilfe eines Hektographen hergestellte
Vervielfältigung: hektographieren [...gra'fi:ren] <sw. V.; hat): (von
kürzeren Texten o.a. zum Zwecke schneller Verbreitung
in großer Zahl) [mit Hilfe eines Hektographen]
vervielfältigen: Flugblätter, Texte, ein Rundschreiben, Dokumente
h.; hektographiertes ... Material, das Äußerungen von
Lenin ... sowie Auszüge aus den Schriften Stalins enthielt
(Leonhard, Revolution 166); Hektoliter [auch: ...litp,
' ], der (Schweiz, nur so) od. das; -s. - [frz. hectolitre.
zu: litre, t Liter]: Maßeinheit von 100 Litern: Zeichen: hl;
Hektometer [auch: ' ], der (Schweiz, nur so) od. das;
-s, - [frz. hectometre, zu: metre. f Meter]: Maßeinheit'von
100 Metern: Zeichen: hm
Hektor [hekto.g; nach dem häufig gebrauchten
Hundenamen Hektor] in der Wendung rangehen wie H. an die
Buletten (landsch. salopp: 1. ein Vorhaben tatkräftig anpak-
ken. 2. zielstrebig sein).
Hektostgr [auch: ' ]. der; -s, -e u. -s <aber: 3 H.)
[frz. hectostere, zu: hecto- (tHekto-) u. stere. tSter): (bes.
für Holz gebrauchtes) Hohhnaß. Raummaß von 1(X)
Kubikmetern: Zeichen: hs; Hektowatt [auch: ' ], das; -s. -
[IWattl: Maßeinheit von 100 Watt.
Hekuba [he:kuba; Gestalt der griech. Mythologie.
Gemahlin des Königs Priamos, Mutter von Hektor] in der
Wendung jmdm. H. sein/werden (bildungsspr. selten;
gleichgültig seinlwerden: jmdn. nicht /mehr] interessieren: nach
Shakespeares „Hamlet", in dem auf die Stelle bei Homer
angespielt wird, wo Hektor zu seiner Gattin Andromeda
sagt, ihn bekümmere das Leid seiner Mutter Hekuba
weniger als das ihre).
Hei [he:l], die; - <meist o. Art.) [wahrsch. „die Bergende",
verw. mit t hehlen]: (in der germanischen Mythologie) Welt
der Toten. Unterwelt.
1183
Helanca
Helanca© [he'lanka], das; - [Kunstwort]: hochelastisches
Kräuselgarn aus Nylon.
hebu! [he'l^jj] <lnterj.> (Mainzer KarnevalsruO: hoch!,
hurra!: h. rufen; <subst.:> die fröhlichen „Heiaus" und
.Alaafs" der Karnevalisten waren überall in den Straßen
zu hören.
HeW [heltj. der; -en, -en [I: mhd. helt. H. u.; vgl. asächs.
helith = Mann; 3: wohl nach engl, hero]: l.a) (antike
u. germ. Myth.) durch große u. kühne Taten bes. in Kampf
u. Krieg sich auszeichnender Mann edler Abkunft (um den
Mythen u. Sagen entstanden sind): die -en des klassischen
Altertums, der germanischen Sage; b)jmd.. der sich mit Un-
erschrockenheit u. Mut einer schweren Aufgabe stellt, eine
ungewöhnliche Tat vollbringt, die ihm Bewunderung einträgt:
die von den schweren Bergungsarbeiten
Heimkehrenden wurden als -en gefeiert; c) jmd.. der sich durch
außergewöhnliche Tapferkeit im Krieg auszeichnet u. durch sein
Verhalten zum Vorbild [ gemacht] wird: ein großer, tapferer
H.; namenlose -en des Weltkriegs; unsere gefallenen -en
(in pathetischer Redeweise; die gefallenen Soldaten): Ich
bin kein H., ich bin Geschäftsmann (Kirst. 08/15, 847);
aus den Gefallenen machten sie -en; (abwertend:) er spielt
sich gerne als H. (veraltet:) als -en auf; du bist mir [ja]
ein [rechter/netter/schönerl H.! (scherzh. od. iron.; was
du da gemacht\ was du dir da geleistet hast, ist nicht besonders
rühmlich): ihr seid mir zwei [traurige! -en!; (scherzh. od.
spött.:) na. ihr -en. was habt ihr denn da angestellt?; spiel
doch nicht immer den -en! (tu doch nicht so. als könnte
dich nichts verletzen!): R die -en sind müde [geworden!
(scherzhafte od. spöttische Feststellung in bezug auf eine
Gruppe od. einen einzelnen, der bei seiner Tätigkeit an
einem Punkt angelangt ist. an dem sein Elan nachläßt, er
zurücksteckt, an dem Resignation in ihm Platz greift o.a.,
nach dem ins Deutsche übertragenen Titel des
französischen Films „Les heros sont fatigues", 1955); *keln H.
in etw. sein (ugs. scherzh. od. spött.; [bes. in bezug auf
die Begabung eines Schülers für ein bestimmtes Fach] nicht
bes. gut sein): in Mathematik ist er kein H.. nicht gerade
ein H.; der H. des Tages, des Abends sein (auf Grund
einer besonderen Tat o.a. vorübergehend im Mittelpunkt
des Interesses stehen). 2. (DDR) jmd.. der auf seinem Gebiet
Hervorragendes, gesellschaftlich Bedeutendes leistet: den
-en von Bratsk.... den Erbauern des größten
Wasserkraftwerkes der Welt (Neues D. 7. 6. 64, 1); *H. der Arbeit
(DDR: 1. Ehrentitel, der demjenigen verliehen wird, der
hervorragende, der Gesamtheit dienende Leistungen von
vorbildlichem Charakter erbracht hat. 2. Träger/ in] des
Ehrentitels: die junge Laborantin Renate Haucke. H. der Arbeit
aus dem Rohrkombinat [Neues D. 20. 5. 76, 11). 3. <P1.
selten) männliche Hauptperson eines literarischen Werks:
der naive, tragische H.; das Stück hat einen negativen
-en (Literaturw.; eine Hauptperson, die keine heldischen
Eigenschaften besitzt, die dem Geschehen passiv
gegenübersteht): dieser Schauspieler spielt heute den jugendlichen
-en (veraltet; die jugendliche Hauptperson [Rollenfach im
TheaterJ).
HeMbock, der; -[eis. -bocke [1. Bestandteil nach dem
stattlichen Äußeren; 2. Bestandteil vgl. Hausbock]: großer,
in alten Eichen lebe tider Bockkäfer mit schwärzlichbraunen
Flügeldecken: Eichenbock.
beiden-, Helden- l'heldn-]: ^ bar i ton, der: vgl. -tenor; -brüst,
die (scherzh. od. iron): / von Stolz geschwellte] Brust eines
/tüchtigen, richtigenj Mannes: komm an meine H.; -dar-
steller, der (Theater): Darsteller von Heldenrollen: Miidv-
tung, die (Literaturw.): Dichtung, die alte Heldensagen zum
Gegenstand hat: ^epos. das (Literaturw.): epische Dichtung
des Mittelalters, die Stoffe u. Gestalten der Heldenlieder
aufgreift u. durch breite Schilderung. Einschiebung von
Episoden u. ä. erweitert: -friedhof, der: Soldatenfriedhof: ^ge-
denktag, der (ns.): Gedenktag für die Toten des 1. u. 2.
Weltkriegs: -gedieht, das: svw. t ^lied; -gesang, der: vgl.
^lied; -gestalt. die: Held in der Literatur: berühmte -en;
-grab, das (ns.): Soldatengrab: -greifer, der: svw. f ^klau;
-Haltung, die (Joga): Haltung, bei der man auf der einen
Gesäßhälfte sitzt u. das andere Bein über das am Boden
liegende Knie derart kreuzt, daß beide Knie fest übereinan-
derliegen. wobei die Hände gefaltet auf das obere Knie
gelegt werden: -keller, der(Soldatenspr.): Unterstand.
Bunker: Luftschutzkeller: -klau, der (Soldatenspr.): jmd.. der
damit beantragt ist. die mögliche Abkömmlichkeit von
Zivilisten u. nicht im Feld stehenden Soldaten für den
Waffendienst zu überprüfen. Soldaten für den Frontdienst
aufzuspüren: -lied, das (Literaturw.): strophische, im Stabreim
abgefaßte, episch-balladeskeDichtung (der germanischen Völker
des 5. bis 8. Jahrhunderts), deren Stoff der germanischen
Heldensage entnommen ist: ^mut, der: besonderer Mut.
besondere Tapferkeit. Unerschrockenheit. dazu: -mutig
<Adj.>: besonderen Mut. besondere Tapferkeit beweisend,
heldenhaft: eine -e Tat; h. kämpfen, untergehen; -pose,
die (abwertend): Pose eines Helden: -rolle, die (Theater):
Rolle eines Helden (3) im Schauspiel, in der Oper: -sage,
die (Literaturw.): die in den Bereich der Sage gehörende
mündliche od. schriftliche Überlieferung aus der heldischen
Frühzeit eines Volkes: -stück, das (meist iron.): svw. f ^tat:
das war wahrhaftig kein H.!; ^tat, die: heldenhafte, mutige
Tat. die großen Einsatz erfordert: bei der Bergung der
Opfer haben die Helfer eine H.. wahre -en vollbracht:
während die ganze Nation sich an den -en (dem tapferen
Kampf) unserer ... Armee begeisterte (K. Mann.
Wendepunkt 56); (spött.:) was du dir da geleistet hast, war keine
H. (war nicht sehr rühmlich): -tenor, der: 1. Stimme in
Tenorlage mit dunklem, männlichem, metallischem Klang,
die für Heldenrollen in der Oper geeignet ist: er hat einen
strahlenden H. 2. Sänger mit Tenorstimme, die für
Heldenrollen geeignet ist: ein gefeierter H.; ^tod. der (geh.): Tod
(eines Soldaten) auf dem Schlachtfeld: ihr Sohn ist in
Rußland den H. gestorben, hat den H. gefunden (ist im
Krieg gefallen): -Verehrung, die: -Zeitalter, das: svw. I
Heroenzeit.
heldenhaft <Adj.; -er, -este>: besonderen Mut. besondere
Tapferkeit. Unerschrockenheit. innere Kraft beweisend, zeigend:
ein -er Kampf; ein -er Entschluß; je mehr du von dieser
Tat erzählst, desto weniger läßt sich entscheiden, ob sie
... h. oder feig gewesen ist (Kafka. Schloß 198); Die -e
(mit Entschlossen/ieit Jur ihre Ziele kämpfende)
Arbeiterklasse ist dabei, die Planaufgaben ... zu überbieten (Neues
D. 8. II. 76, 5); Heldentum, das; -s [geb. von Chr. M.
Wieland (1733-1813) für Heroismus]: menschliche
Haltung, die Ausdruck von ungewöhnlichem Mut. von
Tapferkeit. Unerschrockenheit. Bereitschaft zu persönlichen
Opfern u. ä. ist: aufopferndes, stilles, wahres H.;
Unsagbares H. (pathetisch; große Tapferkeit) unserer Soldaten
(Plievier, Stalingrad 232); so zog es Ulrich ... zum täglichen
H. des Guttuns (Musil, Mann 28).
Helder ['heidi?], der od. das; -s. - [aus dem Niederd.. wohl
zu (m)niederd. helden = neigen, schräg abhängen, da
das Deichvorland sich vom Deichfuß bis zur offenen See
hin abflacht; verw. mit I Halde]: uneingedeichtes
Marschland.
Heldin [heldin]. die; -. -nen: 1. (geh.. selten) bes. tapfere,
opfermütige Frau, die sich für andere einsetzt, eingesetzt
hat: man mußte sie als H. bezeichnen. 2, weibliche
Hauptperson eines literarischen Werks: die H. des Romans;
heldisch [heldij] <Adj.> (geh.): 1. den od. die Helden da)
betreffeml: die -e Frühzeit eines Volkes. 2. svw. t heldenhaft:
seine hohen Türme sind ... erstarrte Mahnmale eines -en
Protestantismus (Koeppen. Rußland 68).
H?Mspeer, der; -[e]s, -e [nach dem amerik. Leichtathleten
F. Held (* 1927), der den Speer zusammen mit seinem
Bruder entwickelte] (Leichtathletik): Wurfspeer aus Holz
mit starkem Schaft u. leichter, kurzer Spitze: -e zeichnen
sich durch eine stabilere Fluglage aus: Heldzigarre, die
(Leichtathletik Jargon): svw. T Heldspeer.
Helfe r'helfa]. die: -. -n [zu thelfen] (Weberei): feines, in
der Mitte mit einer Öse versehenes Drähtchen aus Stahl
zum Durchziehen der Kettfäden am Webstuixl: helfen I'helfn]
<st. V.; hat) [mhd. helfen, ahd. helfan]: 1. jmdm. durch
tatkräftiges Eingreifen, durch Handreichungen od.
körperliche Hilfestellung, durch irgendwelche Mittel od. den
Einsatz seiner Persönlichkeit ermöglichen. / schneller u.
leichter/ ein bestimmtes Ziel zu erreichen: jmdm. bei etw.
behilflich sein. Hilfe leisten: [jmdm.] bereitwillig, tüchtig h.;
kann ich dir h.?; er dankte allen, die [ihm] geholfen hatten
(die ihm beigesprungen waren): er hatte ihm Finanziell
geholfen (ihn finanziell unterstützt): [jmdm.] auf dem Feld,
bei/(schweiz.:) an der Arbeit, im Haushalt h.; er hat uns
in einer schwierigen Situation mit seinem Rat geholfen
(beigestanden): sie hat ihm suchen helfen/geholfen; sie
hat ihm beim Suchen geholfen; er tat. als hülfe/(selten:)
hälfe er beim Tragen; jmdm. in den Mantel, über die
1184
hell
Straße h. (jnidm. helfen, den Mantel anzuziehen, über die
Straße zu gelangen); den Armen h. (sie unterstützen, ihre
Not lindern); dem Kranken war nicht mehr zu h. (jede
Hilfe kam zu spät, war vergeblich); dieser Arzt hat mir
vor ein paar Jahren schon einmal geholfen (ugs.; hat mir
zur Wiederherstellung meiner Gesundheit, zur nachhaltigen
Besserung meines Leidens verholfen); ich wußte mir nicht
mehr zu h. (sah, fand keinen Ausweg aus der für mich
schwierigen Situation); er weiß sich immer zu h. (ist sehr
faulig, findet immer einen Ausweg aus einer schwierigen
Lage); ich werde, will dir h./dir werde, will ich h.. Seiten
aus den Büchern herauszureißen! (ugs. Drohung, meist
an ein Kind gerichtet, das etwas tut. was unerwünscht
ist; hüte dich ja, noch einmal Seiten aus den Büchern
herauszureißen!)-, „Ich kann mir nicht h. (ich kann nicht umhin
zu sagen), Trudel, wenn ich mir das so vorstelle, wie
ich in der Fabrik herumschleiche ... es paßt nicht zu mir."
(Fallada. Jeder311). 2. bei etw. nützlich, förderlich, hilfreich
sein; nützen; das Medikament, die Kur hat ihm geholfen;
die Zeit wird dir h.. den Schmerz, den Verlust zu
überwinden; ein Mittel, das rasch bei/gegen Kopfschmerzen hilft
(eine Linderung, Beseitigung der Kopfschmerzen bewirkt);
seine Flinte würde ihm h.. sich zu nähren (Gaiser. Jagd
70); da hilft kein Jammern und kein Klagen; mit dieser
Feststellung ist uns nicht, wenig geholfen; <unpers.:> es
hat uns viel, kaum geholfen, daß ...; was hilft es dir.
wenn ...; es hilft nichts (es gibt keinen anderen Weg),
wir müssen jetzt anfangen; was hilft's, wir können ja doch
nichts dran ändern: Helfer ['helfe), der, -s, - [mhd. helfaere,
ahd. helfari]: jmd., der einem anderen bei etw. hilft, ihn
bei etw. unterstützt: ein freiwilliger, ehrenamtlicher,
tüchtiger H.; er war für uns ein H. in der Not; Gregor muß
H. (Mittäter) und Mitwisser gehabt haben (Fallada. Herr
207); er hat an ihm einen verläßlichen H. (Mitarbeiter,
Stütze bei der Arbeit); er ist H. in Steuersachen (veraltet;
Steuerbevollmächtigter); Ü die Waschmaschine ist ein
unentbehrlicher H. im Haushalt; <Zus.:> Helfergriff, der
(Turnen): beim Helfen u. Sichern angewendeter Handgriff:
die am häufigsten gebrauchten -e sind Stütz- und Drehgriff;
Helferin, die; -. -nen [mhd. helfserinnel: w. Form zu T Helfer;
Helfershelfer, der: -s. - [spätmhd. helffershelffer. urspr.
= Mithelfer im Streit. Kampfgenosse! (abwertend): jmd.,
der einem andern bei der Ausführung einer unrechten Tat
hilft; Mittäter, Komplize; Spießgeselle: er muß bei der
Tat H. gehabt haben; h^lfgott! <Interj.> (südd., österr.
veraltend): Ausruf, Wunsch, wenn jmd. geniest hat.
Hebe [helgdl. die; -. -n, 'Helgen [helgn]. der; -s. - [aus
dem Niederd. < mniederd. helgen]: svw. T Helling.
Helgen [-]. der; -s. - [zu t heilig, da diese Bilder urspr.
als Buchzeichen zu verwendende Heiligenbilder waren]
(Schweiz.): kleines Bild, Fotografie: <Zus.:> Helgenbuch,
das: Bilderbuch.
heiiakisch [he'Ua:kiJ1. heiisch ['he:lij] <Adj.; o. Steig.: nur
attr.) [zu griech. heliakös = die Sonne betreffend, zur
Sonne gehörig]: auf die Sonne bezüglich: -er Auf- und
Untergang (Erscheinen u. Verschwinden insbes. der
Sonnennähen Gestirne am Horizont bei Untergang bzw. Aufgang
der Sonne); Helianthus [he'Uantos], der; -. ...then [nlat.
helianthus. zu lat. helianthes < griech. helianthes = Name
einer Pflanze mit myrtenähnlichen Blättern, zu: helios =
Sonne u. änthos = Blume] (Bot.): Sonnenblume; Heliar
<£) [he'Ua.'B], das; -s, -e [Kunstwort] (Fot.): Objektiv mit
zusammengesetzter Vorder- u. Hinterlinse.
Helikes ['he:likes] <P1.) [lat. helices < griech. helikes, zu:
hölix. I Helikon] (Kunstwiss.): (am korinthischen Kapitell)
die aus dem Blattkorb aufsteigenden Volutenstengel;
Hellkon ['he-.likon], das; -s. -s [zu griech. helix (Gen.: helikos)
= Windung, Spirale]: runde Baßtuba, die bes. in der
Militärmusik verwendet wird; Helikopter [heli'koptß]. der; -s, -
[engl, helicopter < frz. helicoptdre. zu griech. hölix (T
Helikon) u. pterön = Flügel]: Hubschrauber.
hello-, Helio- [helio-; griech. helios = Sonne] <Best. von
Zus. mit der Bed.): Sonne (z. B. heliozentrisch.
Heliogravüre); Heliodor [...'do:g], der; -s, -e [zu griech. döron =
Geschenk, also eigtl. = Geschenk der Sonne]: aus
Südwestafrika stammender Goldberyll von gelber bis gelblichgrüner
Farbe: Heliograph, der [t-graph]: 1. (Astron.)
astronomisches Fernrohr mit fotografischem Gerät für Aufnahmen
vonder Sonne. 2. (Nachrichtent.) Gerät für die
Nachrichtenübermittlung durch Blinkzeichen mit Hilfe des Sonnenlichts;
Heliographk« die; - [t -graphie]: 1. (Druckw.) älteres
Druckverfahren, das sich zur Herstellung von Druckplatten für
den Tiefdruck der Fotografie bedient. 2. (Nachrichtent.)
das Zeichengeben mit dem Heliographen (2); heüogrgphisch
<Adj.; o. Steig.): 1. den Heliographen betreffend; mit Hilfe
des Heliographen erzeugt. 2. die Heliographie betreffend,
auf ihr beruhend; Heliogravüre, die; -. -n (Druckw.): I.
<o. PI.) älteres Verfahren zur Herstellung von Ätzungen
auf Kupfer platten für den Tiefdruck mit Hilfe der Fotografie.
2. mit dem Verfahren der Heliogravüre hergestellter Druck;
heliophil [...Ti:l] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [zu griech.
phileln = lieben] (Biol.): (van Tieren od. Pflanzen) sonnige
Standorte, Lebensräume liebend (Ggs.: heliophob); helio-
phob [...fo:p] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [zu griech. pho-
beTn = fürchten] (Biol.): (von Tieren od. Pflanzen) sonnige
Standorte, Lebensräume meidend (Ggs.: heliophil); Heliosis
[he'Uo:zis], die; - (Med.): 1. svw. TSonnenstich. 2, svw.
t Hitzschlag; Helioskop [...'sko:p], das: -s. -e [zu griech.
skopein = betrachten, beschauen] (Asy-on.): die Intensität
der Strahlen abschwächendes Gerät zur direkten
Beobachtung der Sonne; Heliostat [...sta.t], der; -[e]s u. -en. -en
[zu griech. statös = gestellt, stehend] (Astron.): Instrutnent
zur Sonnenbeobachtung, das dem Sonnenlicht stets die
gleiche Richtung gibt; Heliotherapie* die; - (Med.): Anwendung
des Sonnenlichts bzw. der Sonnenstrahlen bei der Behandlung
bestimmterKrankheiten;heHotrop[...lro:v) <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.) [zu t'Heliotrop): 1. von der Farbe der Blüten
des {Heliotrops (1). 2. svw. t heliotropisch; 'Heliotrop [-],
das: -s, -e [1: lat. heliotropium < griech. heliotröpion.
eigtl. = was sich zur Sonne hinwendet]: 1. (in zahlreichen
Arten vorkommende) Strauch- oder krautartige Pflanze mit
kleinen, bläulichvioletten, nach Vanille duftenden Blüten,
die auch als Topf- und Gartenpflanze gezüchtet wird;
Sonnenwende. 2. <o. PI.) blauviolette Farbe (nach den Blüten des
1Heliotrops 1). 3. (früher) Sonnenspiegel zum
Sichtbarmachen von Gelätuiepunkten bei der Erdvermessung; 2Heliotrop
[-], der; -s, -e [zu T 'Heliotrop, weil er nach alter Vorstellung
das Sonnenlicht blutrot zurückwirft]: dunkelgrüner
Edelstein mit blutroten Einsprengseln von Jaspis; Heliotropin
[...tro'pi:n], das; -s [der Duft ähnelt dem des 'Heliotrops
(1)]: farblose, süßlich vanilleartig riechende, kristalline
Substanz,die zur Duftstoff- u. Seifenherstellung verwendet wird;
heliotropisch <Adj.; o. Steig.) [zu THeliotropismus] (Bot.
veraltet): svw. T phototropisch: Heliotropjsmus, der; - (Bot.
veraltet): svw. I Phototropismus; heliozentrisch <Adj.; o.
Steig.; nicht adv.) (Astron.): die Sonne als Weltmittelpunkt
betrachtend (Ggs.: geozentrisch): -es Weltsystem (von Ko-
pemikus entdecktes, die Erde 5 einschließendes
Planetensystem mit der Sonne als Mittelpunkt); Heliozoon [...'t5o::>n],
das; -s. ...zoen <meist PI.) [...'^so:an; zu griech. zöon =
Tier, Lebewesen] (Zool.): Sonnentierchen.
Heliport [heliport], der; -s, -s [engl, heliport. Kurzxyort
aus I helicopter (I Helikopter) u. airport (t Airport)]:
Landeplatz für Hubschrauber.
heiisch: t heiiakisch.
Heli-Skiing['he:liski:in. ...Jim], das; -[s] (Kurzwort aus engl,
helicopter (I Helikopter) u. skiing = Skilaufen]: das
Skilaufen mit Hilfe eines Hubschraubers, der den Skifahrer
auf die höchsten Gipfel bringt: die Diskussion ums H.
... Diese lärmende Aufstiegshilfe hatte in den fünfziger
Jahren in der Schweiz begonnen (Spiegel 17, 1977, 239).
Helium [he:Uom], das; -s [zu griech. helios = Sonne]: bes.
zum Füllen von Ballons, Thermometern u. Lampen
verwendetes, farbloses Edelgas mit großer Wärmeleitfähigkeit
(chemischer Grundstoff); Zeichen: He
Helix ['he:liksl. die; -. Helices ['he:li($e:s; griech. helix =
Windung, Spirale] (Chemie): spiralige Molekülstruktur.
hefltogen [helko'ge:n] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [zu griech.
hdlkos = Geschwür u. t-gen] (Med.): a) aus einem
Geschwür entstanden; b) zu einem Geschwür führend.
hell [hei] <Adj.) [mhd. hei = glänzend; tönend; ahd. -hei
in Zus. = tönend]: l.a) <nicht adv.) von Tageslicht od.
künstlichem Licht erfüllt; mit viel Helligkeit (Ggs.: dunkel
1 a): ein -es Treppenhaus, Zimmer; die Räume. Flure sind
h. und freundlich; in dem Raum war es nicht sehr h.
(der Raum war nur schwach erleuchtet); die Lampen, die
hohen Fenster machen das Zimmer sehr h. (geben ihm
viel Licht); die Fenster waren h. erleuchtet; draußen wird
es schon h. (der Morgen dämmert); im Sommer ist. bleibt
es länger h. (die Nacht bricht später an); <subst.:) aus
75 GDW
1185
hell-, Hell-
dem Schatten ins Helle treten; b) (in bezug auf bestimmte
atmosphärische Verhältnisse) klar, nicht trüb: von
Helligkeit. Sonnenschein erfüllt: ein -er Tag; -e Mondnächte;
-es, klares Wetter: er hatte geschlafen bis in den -en Morgen
(sehr lange): nach dem Gewitter wurde der Himmel wieder
h. (klar, wolkenlos): die Tat geschah am -en Tag[e] (ugs.;
mitten am Tage: vor aller Augen): Ü eine -ere Zukunft;
c) viel Licht ausstrahlend, verbreitend, spendend o.a.: eine
-e Glühbirne; -es Licht: ein -er Schein; wir entdeckten
einen auffallend h. leuchtenden, h. strahlenden Stern; die
Lampe ist mir zu h.; der Mond ist, scheint h.; die Flammen
lodern h. 2. (von Farben) nicht sehr kräftig, von nicht
sehr intensiver Färbung, mit Weiß untermischt (Ggs.: dunkel
2): -e Farben, Tapeten; sie hat sehr -e Haut, -e Augen;
das -e Rot, Grün steht ihr gut; Sandfontänen zeichneten
sich ... auf dem -en Dunkel des östlichen Himmels ab
(Böll. Adam 14); -e (blonde) Haare; -es Bier (Bier von
gelblicher Farbe): der Stoff ist viel zu h.. ist beim Waschen
-er geworden; die Wand ist h. getönt. 3. (von einer Gehörs-
empfmdung) hoch klingend, klar, nicht dumpf (Ges.: dunkel
3): ein -er Ton, Vokal; ein -es Lachen; das -e Geläute
der Kirchenglocken; ihre Stimme ist h. und deutlich; das
Lachen klingt h. durch die Stille; es gab Frauenröcke,
die h. läuteten von den Münzen, mit denen sie benäht
waren (Rilke. Brigge 74). 4. a) klug, intelligent: von leichter,
rascher Auffassung: er ist ein -er Junge, ein -er Kopf;
er hat einen -en Kopf; sie ist -er als die anderen; H.
von Verstand und mit lebhaftem Interesse begabt (R.
Walser, Gehülfe 21); b) geistig klar, voll bewußt, klar denkend:
Geistesgestörte haben oft zwischendurch -e Augenblicke;
Fouche ... weiß ... aber auch, daß Napoleon sie (= seine
Zornausbrüche) manchmal schauspielerhaft, mit -em
Bewußtsein einschaltet (St. Zweig. Fouche 125); die kaum
merkliche Erschütterung ... genügte, um ihn h. und wach
zu machen (Th. Mann. Zauberberg 863). 5. (ugs.) a) <nur
attr.; drückt einen hohen Grad von etw. aus) absolut:
sehr groß: völlig, total: das ist ja der -e Wahnsinn, der
-e Unverstand!; er geriet in -e Wut, Aufregung. Empörung.
Begeisterung; die Interessenten kamen in -en Haufen.
Scharen (in großer Zahl: vgl. Haufen 3 a); sie hatten ihre -e
Freude an dem Kind; daran wirst du deine -e Freude
haben! (iron.; du wirst schon sehen, was du davon, daran
hast!); b) <nuradv.; intensivierend bei Verben u.
Adjektiven) sehr, hellauf: (von einer Sache] h. begeistert, entzückt
sein; über diesen Unsinn mußte er h. lachen.
h$lk H$ll-: ^flijf <Adv.>: in bezug auf die emotionell-
spontane Äußerung einer bestimmten, meist positiven
Einstellung zu etw., sehr, überaus: sie war von der Idee h.
begeistert; er lachte h., als er von der Geschichte hörte;
-äugtg <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: mit hellen Augen (Ggs.:
dunkeläugig); -blau <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): von hellem
Blau (Ggs.: dunkelblau); vgl. blau; -blond <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.) (Ggs.: dunkelblond): a) von hellem Blond: -e
Haare; b) mit hellblondem Haar: ein -es Mädchen; -braun
<Adj.; o. Steig.: nicht adv.): von hellem Braun (Ggs.:
dunkelbraun); vgl. blau: -dunkel <Adj.; o. Steig.; nicht adv.)
(Malerei, selten): mischen Licht u. Schatten spielend: hell
mit dunklen Farben wechselnd: <subst.:) -dunkel, das [LÜ
von frz. clair-obscur. LÜ von ital. chiaroscuro]: a)
(Malerei) kurz für THelldunkelmalerei; Clair-obscur: b) (bes.
in der Malerei) das Zusammenspiel von Licht u. Schatten,
von hellen u. dunklen Farben: -Dinkel-Adap[ta]tk>n, die
(Physiol.): Anpassung der Lichtempfindlichkeit des Auges
an die jeweiligen Lichtverhältnisse: -dynkeknalerei, die <o.
PL): Gestaltungsweise der Malerei (etwa seit dem 16. Jh.),
bei der eine Lichtquelle die Farben verschieden hell u. dunkel
erscheinen läßt: das 16. Jahrhundert entwickelte die H.;
-dynkelschnitt der (Graphik): durch Verwendung von zwei
Druckplatten hergestellter Holzschnitt: -erleuchtet <Adj.;
o. Steig.: nur attr.): (bes. von einem Gebäude o.a.) durch
Lampen, Lichter hell beleuchtet, von Licht durchflutet:
^färben, -farbig <Adj.; o. Steig.; nicht adv): von heller Farbe,
in heller Farbe gehalten (Ggs.: dunkelfarben): •£ Kleidung.
Schuhe; Kongonis. hellfarbige Kuhantilopen machen uns
Platz (Grzimek, Serengeti 57); -gekleidet <Adj.; o. Steig.;
nur attr. >: mit heller Kleidung: helle Kleidung tragend (Ggs.:
dunkelgekleidet); -gelb <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): von
hellem Gelb (Ggs.: dunkelgelb); vgl. blau; -gestreift <Adj.;
o. Steig.; nur attr): mit hellen Streifen versehen: -glänzend
<Adj.; o. Steig.; nur attr.): von hellem, strahlendem,
leuchtendem Glanz: -grau <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): von
hellem Grau (Ggs.: dunkelgrau); vgl. blau; -griin <Adj.;
o. Steig.; nicht adv.): von hellem Grün (Ggs.: dunkelgrün);
vgl. blau; -grundig <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): von. mit
heller Grundfarbe, hellem Grund: doch sind auch einige
wirkungsvolle -e Dessins zu erwähnen (Herrenjoumal 3,
1966. 58); -haarig <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): mit hellen
Haaren (Ggs.: dunkelhaarig); ^häutig <Adj.; o. Steig.; nicht
adv): von heller Hautfarbe (Ggs.: dunkelhäutig); -hörig
<Adj.; nicht adv.): 1. (veraltet) mit außerordentlich gutem
Gehör ausgestaltet: er ist sehr h.; Ü Bäcker Kofahl kriegte
nur selten Mehl. Da mußte man h. sein (mußte man
aufpassen, daß man es rechtzeitig erfuhr: Kempowski, Uns 107);
*h. werden (plötzlich, aus einem bestirnten Anlaß etw.
[bereits Bekanntes] aufmerksamer u. kritischer beobachten u.
verfolgen: durch einen bestimmten Umstand stutzig gemacht,
seine Aufmerksamkeit auf etw. / was man bis dahin nicht
beachtet hatte/ lenken, eine Entwicklung mit
Aufmerksamkeit verfolgen): Politiker begannen h. zu werden (Kirst,
08/15, 954): als die ersten Flüchtlinge das Land verließen,
begann man h. zu werden; jmdn. h. machen (jmds.
Aufmerksamkeit für erw. besonders schärfen): die Vorgänge hatten
ihn h. gemacht. 2. (bes. von Räumen. Gebäuden o.a.)
den Schall leicht durchlassend, schalldurchlässig: gegen
Geräusche nur unzureichend od. gar nicht isoliert: eine -e
Wohnung; die Wände sind sehr h., und überall ... gibt es
Schlüssellöcher zum Durchgucken (Imog, Wurliblume
145); dazu: -hörigkeit, die: hellhörige (2) Beschaffenheit:
-klingend <Adj.; heller, am hellsten klingend; nur attr.):
hohe, klingende Töne hervorbringend: -leuchtend (nicht
getrennt: helleuchtend) <Adj.; heller, am hellsten leuchtend;
nur attr.): von starker Leuchtkraft: blicht (nicht getrennt:
hellicht) <Adj.; o. Steig.; nur attr.): a) (selten) hell u. licht:
nicht düster: in Amsterdam-Zuid, einer der großen,
modernen, -en Vorstädte (Schnabel, Anne 28); b) nur in
bestimmten Fügungen es ist -er Tag (es ist mitten am Tag): als
er aufwachte, war -er Tag; am/(selten:) beim -en Tag (/in
bezug auf ein Geschehen, eine HandlungJ mitten am Tag,
wo man es eigentlich nicht erwartet): das Verbrechen
geschah am -en Tag; Ein Traumschreck bei -em Tag (Frisch,
Gantenbein 420); -lila (nicht getrennt: hellila) <Adj.; o.
Steig.: nicht adv.): von hellem Lila: vgl. blau; -lodernd
(nicht getrennt: hellodemd) <Adj.; o. Steig.; nur attr.):
(von Feuer od. Flammen) hell u. heftig lodernd brennend:
^rot <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): von hellem Rot (Ggs.:
dunkelrot): vgl. blau; -sehen <nur im Inf. gebr.):
(angeblich) entfernt stattfindende od. zukünftige Ereignisse
wahrnehmen, die außerhalb jeder normalen Sinneswahrnehmung
liegen: man sagt, er könne h.; wie soll ich das wissen,
ich kann doch nicht h.! (iron.; es ist doch unmöglich, das
zu wissen!): du# kannst wohl h.? (ugs.; Gedanken lesen)',
-seher. der [LÜ von frz. clairvoyant]: jmd., der angeblich
hellsehen kann (meist iron.): ich weiß es nicht, bin ich
vielleicht ein H.?, dazu: -seherei [-ze:3'rai], die; -
(abwertend): das Hellsehen. -Seherin, die: w. Forni zu I ^seher,
-seherisch <Adj.; o. Steig.): 1. <nur attr.) in der Art eines
Hellsehers: wie ein Hellseher: er hat eine -e Begabung.
2. svw. f ^sichtig; -sieht, die (geh.): svw. t ^sichtigkeit;
-sichtig <Adj.; o. Steig.): a) mit Scharfblick ausgestattet:
alles durchschauend: b) weitblickend: vorausschauend:
-sichtigkeit, die: -: Fähigkeit. Vorgänge od.
Zusammenhänge zu durchschauen: Schar/blick: -strahlend <Adj.; heller,
am hellsten strahlend: nur attr.): vgl. -leuchtend; -ström.
der (Elektrot.): Strom, der in der Photozelle u.a. bei
Beleuchtung fließt: -wgeh <Adj.; o. Steig.): a) ganz, völlig
wach, nicht im geringsten müde: voll aufnahmefähig für
das, was um einen herum vorgeht: Obwohl ich ... nicht
ausreichend geschlafen hatte, fühlte ich mich h. und
übermunter (Simmel, Stoff 601); ich liege ... im Halbschlaf,
werde aber plötzlich h. (Normann. Tagebuch 13); Ü vor
mir war Gregors Gesicht, das mich mit einem so starken
Ausdruck von Haß ansah, daß ich sofort h. wurde
(blitzschnell gespannt aufmerkte wegen der Gefahr, die hier zu
drohen schien: Fallada. Herr 230); b) (ugs.) [clever u.J
mit wachem Verstand begabt: die Studenten ... als -e
Vertreter neuen Denkens (Kant, Impressum 319); -werden, das;
-s: Anbrechen des Tages: Morgendämmerung (Ggs.:
Dunkelwerden): eine gute Stunde vor dem H. steht es ( =
das Gnu) auf (Grzimek. Serengeti 202).
HeUadflcim [hc'la:dikom]. das; -s [zu griech. Hellas (Gen.:
1186
Helotismus
Hellädos) = Griechenland]: bronzezeitliche Kultur auf dem
griechischen Festland: hellgdisch <Adj.; o. Steig.; nicht
adv.>: das Helladikum betreffend.
helle [heb] <Adv.; o. Steig.; nur präd.) (landsch., bes.
berlin.): aufgeweckt, schnell begreifend: intelligent u. von guter
Auffassungsgabe: Die Lehrerin ... lobte ihn, sagte, er sei
h.. doch etwas ernst (Grass, Blechtrommel 558); aber wir
waren h. (schlau, gewitzt), stellten uns dumm und
versicherten, wir wollten das Tier ja nicht zum Schlachten
(Küpper. Simplicius 96); R Mensch, sei h., bleib
Junggeselle!; 'Helle [-], die;-[mhd. helle] (geh.): (häufig auf
Atmosphärisches bezogen) Helligkeit, helles Licht: blendende,
flimmernde, gleißende H.; Eine ungewisse, rötliche H. steht
am Horizont (Remarque. Westen 47); ^elle [-]. das; -n,
-n [thell]: 1. lein Glas/ helles Bier: ein -s, zwei H. bitte!;
ein kleines -s trinken.
Hellebarde [hela'barda], die; -. -n [frühnhd. helle[n]barte
< mhd. helmbarte. aus: heim (= I^Helm I. Stiel.
Handhabe)u. barte = T 'Barte. Beil]: ma. Stoß- u.
Hiebwaffe, die aus einem tätigen Stiel mit axtförmiger Klinge u.
scharfer Spitze besteht: den Rücken gekrümmt und
durchstoßen von einer H. (Hildesheimer, Tynset 130). dazu:
Hellebardier [hebbar'di:^], der: -s. -e. Hellebardist
[hebbar'dist], der; -en. -en: mit einer Hellebarde bewaffneter
Landsknecht.
Hellegatt, Hfllegat, das; -s. -en u. -s [niederd. = Höllenloch,
zu mniederd. hell = IHölle u. gatt, TGatt]: (auf Schiffen)
kleiner, winkliger Raum zur Aufbewahrung von Vorräten.
Schiffszubehör u. ä.
hellen [helan], sich <sw. V.; hat) [mhd. hellen = aufleuchten]
(dichter., selten): a) hell werden, sich erhellen: b) sich
aufhellen, auflxeitern.
hellenisch [he'le.ntf] <Adj.; o. Steig.) [zu griech. Hellas =
Griechenland]: das antike Griechenland betreffend:
hellenisieren[heleni'zi:ren]<sw.V.; hat) [griech. hellenizeinl:
nach griechischem Vorbild gestalten: griechische Sprache
u. Kultur nachahmen: Hellenismus [...nismus]. der; - [1 b:
gepr. von dem dt. Historiker J. G. Droysen (1808-1884)]:
l.a) Griechentum, b) nachklassische Kulturepöche von
Alexander dem Großen bis zur römischen Kaiser zeit (
Verschmelzung des griechischen mit dem orientalischen
Kunstgut). 2. die nachklassische griechische Sprache dieser
Epoche: Hellenist [hele'nist], der; -en. -en: 1. jmd.. der sich
wissenschaftlich mit dem nachklassischen Griechentum
befaßt: Ein General Napoleons. H. aus Passion, begann
sofort die Übertragung (Ceram. Götter 107). 2. im Neuen
Testament griechisch sprechender, zur hellenistischen Kultur
neigender Jude der Spätantike: Hellenjstik. die; -:
Wissenschaft, die sich mit der altgriechischen Sprache u. Kultur
befaßt: hellenistisch <Adj.; o. Steig.): den Hellenismus
betreffend: auf dem Hellenismus beruhend: -e Kunst; in der
-en Zeit; Hellenophilie [helenofi'li:], die; - [zu griech. philia
= Liebe, Zuneigung]: Liebe zum Hellenismus: Vorliebe
für die hellenistische Kultur.
Heller [he 1p], der; -s. - [mhd. heller, haller. gek. aus Haller
pfenninc, nach der ersten Prägestätte der Münze, der alten
Reichsstadt Schwäbisch Hall in Baden-Württemberg]:
heute nicht mehr gültige kleine Münze aus Kupfer od. Silber:
Es steht darauf (= auf einer Münze) .,D. O. A. 1916.
Fünf H.kk (Grzimek. Serengeti 92); * keinen/nicht einen
[roten, lumpigen, blutigen] H. wert sein (ugs.; nicht das
geringste, gar nichts wert sein): keinen [roten, lumpigen]
H. [mehr] haben, besitzen (ugs.; kein Geld /mehr/ haben:
völlig mittellos dastehen): keinen [roten] H. für Jmdn., etw.
geben (ugs.; für jmdn.. eine Sache keine Chance sehen:
fürjmds.. einer Sache Zukunft das Schlimmste befürchten):
bis auf den letzen H./auf H. und Pfennig (ugs.; (von Geld)
vollständig, bis auf den letzten Rest): er hat das Geld bis
auf den letzten H. zurückgezahlt; Die Rechnung ... stimmt
auf H. und Pfennig (stimmt genau: Hörzu 18. 1973,, 22).
hellerlicht <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (berlin.): svw. f
helllicht: die ist imstande und baumelt sich am -en Tage
... auf (Fallada. Jeder 385).
Heltaatt. Hellgat: svw. T Hellegatt.
Helligen: PI. von t Helling.
Helligkeit fhehftay tl. die; -. -en [zu T hell]: 1. <o. PI.) Zustand
des Hellseins, der Lichtfülle (Ggs.: Dunkelheit a): die
blendende H. des Tages: die unnatürliche, künstliche H. eines
elektrisch beleuchteten Raumes; ihre Augen gewöhnten
sich langsam an die schmerzende H. 2, a) <o. PI.)
Lichtstärke: Beleuchtungsstärke: die H. einer Glühbirne; Dabei
verlor das neue Gestirn wieder an H. (Leuchtkraft:
Schnabel, Marmor 125); b) (Astron.) Leuchtkraft eines
Himmelskörpers: -en bestimmen; ein Stern mit der H. 2,1.
H^lligkeits-: -abnähme, die: Nachlassen der Helligkeit (1,
2 a); -grad, der: Grad, bestimmte Abstufung der Helligkeit:
-katalog, der (Astron.): Sternkatalog, der für jeden
aufgeführten Stern Angaben über die Helligkeit (2 b) macht:
^regier, der (Elektrot.): Vorrichtung zur stufenlosen Steuerung
der Helligkeit (2 a) von Glüh- u. Leuchtstofflampen.
Helling [heim], die; -, -en u. Helligen, auch: der; -s, -e
[aus dem Niederd. < mniederd. hellinge. heldinge =
Schräge. Abhang, verw. mit I Halde] (Schiffbau): Bauplatz
für den Bau von Schiffen mit einer od. mehreren zum Wasser
geneigten Ebenen für den Stapellauf.
'Helm [heim], der; -[e]s, -e [mhd., ahd. heim, eigtl. = der
Verhüllende, Verbergende, Schützende]: I. (MA.) zum
Schutz im Kampf u. zugleich als Schmuck getragene, den
ganzen Kopf bedeckende Haube aus getriebenem Metall
als Teil der Rüstung eines Kriegers: ein Ritter mit H.
und Harnisch. 2.a.) kurz für TStahlhelm: der
lehmbeschmierte H. des Verwundeten lag ... still (Wiechert, Jero-
min-Kinder 465); b) kurz für f Schutzhelm: der H. des
Grubenarbeiters. Bauarbeiters, des Polizisten, des
Feuerwehrmannes; den H. aufsetzen, festschnallen; einen H.
tragen; c) kurz für I Sturzhelm: der H. des Motorradfahrers,
des Rennfahrers. 3. (Archll.) das kegel-. zeit- od.
pyramidenförmige Dach eines Turmes: Turmhelm. 4. (Technik) als
Abzug dienender Aufsatz (z. B. bei einem Schornstein).
^ehn [-], der; -[e]s, -e [mhd. heim, halm[e] = Axtstiel,
verw. mit I 'Holm]: 1. Stiel von Werkzeugen zum Hämmern
u. Hacken (z. B. von Axt, Hammer). 2. (selten) Griff des
Steuerruders: Ruderpinne.
heim-. H^lm- ('Helm): -busch. der: Feder- od. Haarbusch,
der auf der Spitze des ' Helms (I) als Schmuck angebracht
ist: ^dach, das (Archit.): svw. T'Helm (3); -decke, die:
Stoff stück, das ursprünglich Kopf- u. Nackenteil des Helms
gegen die Sonne schützte u. später zum schmückenden
Wappenbestandteil wurde: -fenster, das: svw. t >gitter; -förmig
<Adj.; o. Steig.; nicht adv.): in der Form eines lHelms
(1); ^gitter, das: der das Gesicht schützende, gitterartige
Teil des ma.' Helmes (1); Visier: -glocke, die:
glockenförmiger KopJteil des ma. x Helmes (1); -kleinod, das: svw. T -zier;
-kröne, die (Her.): Laubkrone, die ursprünglich den lHelm
(1) des Königs schmückte u. später in die Wappen des Adels
aufgenommen wurde: -schau, die: bei einem ma. Turnier
vorgenommene Prüfung der Wappen u. Helmzierden, durch
die die Teilnahmeberechtigung der Träger festgestellt wurde:
-schmied, der: ma. Handwerker, der ausschließlich 'Helme
(\)u. Hauben herstellte: -schmuck, der: vgl. ^busch;
^spitze, die: oberster Teil des 'Helmes (1). an dem der
Helmschmuck befestigt ist: -stürz, der: t^gitter; -stutz, der:
vgl. --busch; -zeichen, das: svw. Nzier; ^zier, die:
Verzierung des ma. 'Helmes (1), bestehend aus Büffelhörnern.
Federn. Zweigen u.a.. die. in das jeweilige Wappen
aufgenommen, innerhalb einer Dynastie erblich war u. nicht
verändert wurde.
Hehninthagogum [helminta'go:gom]. das; -s. ...ga [zu f
Helminthe u. griech. agögös = führend, treibend] (Med.):
Mitteigegen Wurmkrankheiten: Helminthe [hel'minto], die;
-. -n (meist PI.) [griech. helmi(n)s (Gen.: helminthos) =
(Eingeweide)wuim] (Med.): Eingeweidewurm: Helmin-
thiasis [helmin'ti:azis]. die; -. ...thiasen [...'Ua:zn] (Med.):
Wurmkrankheit: Helminthologie Oielmintolo'gi:]. die; -
[t-logie] (Med.): Lehre von den Helminthen: Hebninthose
[helmin'to:zs], die; -, -n (Med.): svw. tHelminthiasis.
Helodea: svw. t Elodea; Helodes [he'lo:des], die; - [zu griech.
heiödes. I Elodea] (Med. selten): Malaria: Helophyt [helo-
fy:t], der; -en, -en [zu griech. helos = Sumpf u. phytön
= Pflanze] (Bot.): Sumpfpflanze.
Helot [he'lo.tj, der; -en, -en. (seltener:) Helote [he'lo.ta],
der; -n, -n [griech. heilötes]: Staatssklave im alten Sparta:
Ü Hat der spanische Helot der nordeuropäischen
Industriegesellschaft begriffen, wofür man ihn in der Ferne braucht?
(bildungsspr.; der als /ungelernter] Arbeiter in einem
reichen Industrieland Ausgebeutete: MM 8./9.4. 67, 3); <Abl.:>
Helotentum, das; -s: Staatssklaverei im alten Sparta:
Helotismus [helo'tismus], der; - (Biol.): Symbiose, aus der der
eine Partner (Tier od. Pflanze) größeren Nutzen zieht als
der andere.
75f
1187
Helvetika
Helvetika [hd've:üka] <PI.) [lat. Helveticas = helvetisch]
(Buchw): Werke über die Schweiz; Hehetismus
[helve'tismos].der; -. ...men [zu lat. Helvetius =
schweizerisch] (Sprachw.): schweizerische Spracheigentümlichkeit
(z. B. Blocher = Bohnerbesen).
hem! [tarn; hrp]: fhm!
He-man ['hi:men]f der; -[s]. He-men [...man; engl.-amerik.
he-man. zu: he = männlich; männliches Wesen u. man
= Mann, also eigtl. = ..männlicher Mann"]: besonders
männlich u. potent wirkender Mann: Er wuchs in die Rolle
eines routinierten H. hinein, und sie gefiel ihm (Kuby.
Rosemarie 25).
Hemd [hont], das: -[eis. -en [mhd. hem(e)de. ahd. hemidi.
eigtl. = das Verhüllende. Bedeckende]: 1. kurz für
tOberhemd: ein seidenes, gestreiftes, bügelfreies H.; sein H.
hing unordentlich aus der Hose: er trug sein H. über
der Brust geöffnet; ein frisches, sauberes, weißes H.
anziehen; ein H. ausbessern; das H. aufknöpfen; er stopfte
das H. flüchtig in die Hose; das H. wechseln; er wechselt
die Meinung. Gesinnung, seine Freunde wie das. wie sein
H. (ugs. abwertend; sehr häufig): tritt dir nicht aufs H.!
(ugs. scherzh.: sagt man. wenn jmd. ein H. anhat, das
zu kurz ist); er saß nur im H. (ohne das zur vollständigen
Kleidung gehörende Jackett) da; die blauen -en (DDR;
Bläuhemden 1) der FDJ; Ich bin aus Wien geflohen vor
der Brutalität brauner -en (der Braunhemden 2 der Nazis;
Remarque. Triomphe 300); R das H. ist/liegt mir näher
als der Rock (der eigene Vorteil ist mir wichtiger als der
eines anderen; nach dem Ausspruch ..tunica propior pallio
est" in der Komödie „Trinummus" [V. 2. 30] des röm.
Dichters Plautus, um 250-184 v. Chr.). 2. kurz flir T
Unterhemd: wir waren naß bis aufs H. (völlig durchnäßt); R
mach dir nicht/mach dir bloß keinen Bonbon ins H.!
(salopp; stell dich nicht so an!; hab dich nicht so!): das zieht
einem [ja] das H. aus (sagt man. wenn man etw. schrecklich,
unmöglich findet); ein Schlag, und du stehst im H.
(Drohung). 3. in den Verbindungen *ein halbes H. (salopp;
jugendlicher Gernegroß): kein [ganzes] H. [mehr] auf dem/am
Leib haben, tragen (ugs.; arm sein; völlig heruntergekommen
sein): das letzte/sein letztes H. hergeben; sich (Dativ) das
letzte/sein letztes H. vom Leib reißen; sich <Dativ> bis
aufs [letzte] H. ausziehen (ugs.; alles, was man besitzt,
opfern, hergeben): imdm. das H. über den Kopf ziehen (ugs.;
jmdm. alles, was er hat. wegnehmen; jmdn. arm machen):
sich (Dativ) das H. ausziehen lassen (ugs.; sich ausnutzen
lassen): jmdn. bis aufs H. ausziehen/ausplündern (ugs.; jmdm.
fast alles wegnehmen; jmdn. ausplündern; ursprünglich von
Räubern gesagt, die ihren Opfern nur das Hemd auf dem
Leib ließen); alles bis aufs H. verlieren (ugs.; nur das
Nötigste retten können): Jmdm. [eine Delle] ins H. treten (salopp,
als Drohung: \.jmdn. nachdrücklich zurechtweisen: sei bloß
still, sonst trete ich dir ins H. 2. an jmdm., auf den man
sehr wütend ist. seine Wut auslassen: wenn ich ihn erwische,
trete ich ihm ins H.).
hpnd-, H^md- (vgl. auch: Hemden-): -ärmel. der (österr.):
svw. t Hemdsärmel: Er warf den Rock ab, krempelte die
H. bis an die Achseln auf (Doderer, Wasserfälle 13), dazu:
^ärmelig <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (österr.): svw. t
hemdsärmelig: Der Pfarrer hätte sicherlich und mit Vergnügen
die Prozession h. geführt (Broch. Versucher 131); ^artig
<Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: in der Art eines I Ober Jhemdes:
eine -e Bluse; ^bkise, die: Damenbluse, die im Schnitt dem
Oberhetndähnlich ist. dazu: ^btoenkleid, das: Kleid, dessen
Oberteil wie eine Hemdbluse geschnitten ist; ^brust, die:
gestärkter Einsatz im Vorderteil eines Frackhemdes; -hose,
die (veraltend): Wäschestück für Frauen u. Kinder, bei dem
Hemdu. Hose durchgehendaneinandergearbeitet sind; ^iak-
ke. die: Jacke, die in der Art eines Oberhemdes geschnitten
ist; -kleid. das: hemdartig geschnittenes, lose
herabhängendes, kurzes Kleid; Hänger: -knöpf, der: einen H. annähen,
aufmachen; -kragen, der: Kragen eines Oberhemdes; -zip-
fei« der (ugs.): unterer Teil des [Ober jhemdes. der in der
Hose steckt.
Hemden- (vgl. auch: hemd-. Hemd-): -gesdiäft, das:
Fachgeschäft für Herrenoberhemden; -knöpf, der: svw. t
Hemdknopf; -kragen, der: svw. t Hemdkragen; -matz, der (fam.
scherzh.): kleines Kind, das nur ein Hemd anhat; -stofT,
der: Stoff (aus Baumwolle od. Chemiefaser) für
Herrenoberhemden; -zipfel, der: svw. f Hemdzipfel.
Hemdsärmel ['hem^-l. der; -s. - <meist Pl.>: Ärmel eines
Oberhemdes: die H. aufkrempeln, hochrollen; *in -n (ugs.;
ohne Jackett od. Pullover, nur mit Oberhemd bekleidet):
Jakob in -n rauchend lehnte an der offenen Tür (Johnson.
Mutmaßungen 62). dazu: hemdsärmelig ['hemtßlermalu;]
<Adj.; o. Steig.): 1. (nicht adv.> in Hemdsärmeln: an der
Theke standen -e Männer; die Herren, zu einem Teil bereits
h lustwandelten (A. Zweig. Grischa 238). 2. (ugs.)
betont salopp, leger, ungezwungen: sein -er Stil, seine -e
Art. Redeweise spricht die einfachen Leute an; Da dieser
Untergrundkampf... zumeist h. geführt wurde (nicht mit
der nötigen Straffheit; Spiegel 29. 1966. 21). zu 2: Hpnds-
iimeligkeit, die; -: saloppe, legere, ungezwungene Art.
Hemeralopie [hemeralo'pi:]. die; - [zu griech. hem6ra =
Tag. alaös = blind u. öps (Gen.: öpös) = Auge] (Med.):
Nachtblindheit.
Hemerophyt [...fy:t]. der; -en, -en [zu griech. hemeros =
zahm, veredelt u. phytön = Pflanze] (Bot.): Pflanze, die
nur im menschlichen Kulturbereich richtig gedeiht.
hemi-. Hemi- [hemi-; griech. hemi-] <Best. in Zus. mit der
Bed.): halb (z.B. hemizyklisch. Hemisphäre); Hemiabie
[...lal'gi:]. die; -, -n [...i:an; zu griech. älgos = Schmerz]
(Med.): Kopfschmerz auf einer Seite des Kopfes; Migräne;
Hemianopsie [...|an|o'pi:. ...|an|3'psi:]. die; -. -n [...i:an;
aus der verneinenden griech. Vorsilbe a(n)- u. griech. öps
(Gen.: öpös) = Auge] (Med.): Ausfall einer Hälfte des
Gesichtsfeldes; Halbseitenblindheit; Hemiedrie [...je'dri:].
die; - [zu griech. hedron = (Sitz)fläche; Grundlage]
(Mineral.): Auftreten einer Kristallform, bei der nur die Hälfte
der möglichen Flächen ausgebildet ist; Hemiepes [...|epe:s],
der; -, - [griech. hemiepös] (Verslehre): [unvollständiger]
halber Hexameter; Hemikranie [...krani:]. die; -. -n [...i:an;
griech. hemikrania = Schmerz an einer Kopfhälfte]: svw.
THonialgie; Hemimetabolen [...meta'bo:bn] <PI.) (Biol.):
Insekten mit Hemimetabolie; Hemimetabolk, die; -
[t Metabolie] (Biol.): Verwandlung der Insektenlarve zum
fertigen Insekt ohne die sonst übliche Einschaltung eines
Puppenstadiums; hemimorph [...'marfl <Adj.; o. Steig.) [zu
griech. morphe = Gestalt] (Mineral.): (von Kristallen)
an zwei entgegengesetzten Enden verschieden ausgebildet;
Hemiole[he'mio:ld].die; -. -n [zu griech. hemiolos =
anderthalb] (Musik): I. in der Mensuralnotation die Einführung
schwarzer Noten zu den seit dem 15. Jh. üblichen weißen
zum Ausdruck des Verhältnisses 2:3. 2. das Umschlagen
des zweimal dreiteiligen Taktes in den dreimal zweiteiligen
Takt; Hemiop[s]ie [...|o'pi:, ...la'psi:]. die; -. -n [...i:an; zu
griech. ops (Gen.: öpös) = Auge]: svw. t Hemianopsie;
Hcmjparese, die; -. -n (Med.): halbseitige, leichte Lähmung;
leichtere Form einer Hemiplegie; Hemiplegie [...ple'gi:]. die;
-, -n [...i:an; zu griech. plege = Schlag] (Med.): Lähmung
einer Körperseite; Halbsei tenlähmung; Hemiplegiker
[...ple:gikB], der; -s. -. Honiplegische [...ple:gifc]. der u.
die; -n. -n <Dekl. t Abgeordnete) (Med.): halbseitig
gelähmte Person; Hemiptere [...p'te:ra], die; -, -n <meist PI.) [zu
griech. pteryx (Gen.: pterygos = Feder; Flügel] (Zool.):
svw. t Schnabelkerf; vgl. Halbflügler; Hemisptsmus. der.
-, ...men (Med.): halbseitiger Krampf; Hemisphäre, die;
-. -n [lat. hemisphaerium < griech. hemisphairion =
Halbkugel]: 1. (bildungsspr.) eine der beiden bei einem gedachten
Schnitt durch den Erdmittelpunkt entstehenden Hälften der
Erde; Erdhälfte. Erdhalbkugel: die törichte Annahme, die
heutige Welt zerfiele in zwei -n (Thielicke, Ich glaube
252): die nördliche H. (selten; Nordhalbkugel): die südliche
H. (selten; Südhalbkugel): die östliche und die westliche
H. (die Alte u. die Neue Welt); Wir brauchten Reisegeld
.... auf daß wir nicht klebenblieben ... in der östlichen
H. Un Europa; Seghers. Transit 219); Ü dieses Land gehört
zur östlichen, westlichen H. (zum Osten bzw. Westen im
Sinne des kommunistischen od. kapitalistischen Systems).
2. Himmelshalbkugel. 3. (Med.) (rechte bzw. linke) Hälfte
des Groß- u. Kleinhirns; hemisphirisch <AdJ.; o. Steig.; nur
attr.): die Hemisphäre betreffend; Hemistichion [...'stujian;
griech. hemistichion. zu: stichion = kleiner Vers].
Hemistidiium [...'stujjum; lat. hemistichium < griech.
hemistichion. tHemistichion]. das; -s. ...ien [...pn]
(Verslehre): in der altgriechischen Metrik Halbzeile eines Verses;
Halb-. Kurzvers; Hemitonie [hemito'ni:], die; -, -n [...i:an;
f Tonus] (Med.): halbseitiger Krampf mit schnellem Wechsel
des Muskeltonus; Hemizelkilose, die; -. -n: gemeinsam mit
Zellulose als Zellwandbestandteil des Holzes auftretendes
Kohlenhydrat; hemizYklisdi [auch: ...'^vk...] <Adj.; o.
1188
Henker
Steig.;nichtadv.>: \.halbkreisförmig. 2. (Bot.) (von
Blütenblättern) teils Quirlig, teils spiralförmig angeordnet.
Hemtocktairofhembk-hdie; -, -n [engl, hemlock =
Schierling. H. u.J: Schierlingstanne.
Hgmm-: -kette, die: Kette, die in die Radspeichen gehängt
wird, um eine Bremswirkung zu erzielen; ^klotz. der: svw.
I Bremsklotz; -schuh, der: l.a) (Technik) Bremsschuh, der
beim Rangieren verwendet wird; b) Bremsklotz, der bes.
bei starkem Gefalle vor das Rad eines haltenden Fahrzeugs
gelegt wird, um die Wirkung der Bremse zu unterstützen;
c) kufenartige Metallplatte, die bei starkem Gefälle einer
Fahrstrecke auf der Lauffläche des Hinterrades eines
Fuhrwerks befestigt wird, um zu bremsen. 2. <meist Sg.> ein
Sachverhalt, ein Verhalten, eine Person (durch ihr Verhalten
od. ihre Einstellung zu etw.). die ein Hemmnis für eine
Entwicklung o. ä. wird: Sein fatalistisch gedeuteter
Determinismus wurde immer wieder zum H. schöpferischer
sozialistischer Aktion (Fraenkel. Staat 193); -stoflf, der (Chemie):
Substanz, die chemische od. elektrochemische Vorgänge
einschränkt od. verhindert; -werk, das (Technik): 1.
Sperrgetriebe, das die gegenseitige Beweglichkeit zweier miteinander
verbundener Glieder hemmt. 2. kurz für I Hemmung (3).
Hemme ['hema]. die; -. -n (veraltet): Bremse; hemmen
[heman] <sw. V.; hat) /vgl. gehemmt/ [mhd. hemmen,
harnen = aufhalten, hindern, eigtl. = (Vieh) einpferchen,
am Fortlaufen hindern; vgl. isl. hemill = Beinfessel der
Weidetiere]: l.a) den Lauf, die Bewegung von erw. [bis
zum Stillstand] verlangsamen, verzögern, bremsen: die
rasche Fahrt des Wagens h.; der Lauf des Flusses wird
durch eine Staumauer gehemmt; Gleichzeitig hemmte auf
Grund derselben Erwägung auch der Nachbar seinen
Schritt (Mehnert, Sowjetmensch 70); b) aufhalten. / verjhin-
dem; einer Sache erfolgreich Widerstand entgegensetzen:
sie konnten den feindlichen Siegeszug h.; den Lauf des
Schicksals zu h. suchen. 2. a) etw. im Ablauf, in der
Entwicklung weitgehend aufhalten, verzögern, beeinträchtigen: den
Fortschritt, die Entfaltung der Wirtschaft h.; diese
Einflüsse hemmen die Entwicklung, das Wachstum; einen
hemmenden Einfluß auf jmdn.. etw. ausüben; b) jmdn.
behindern, in bestimmter Hinsicht ein Hemmnis für jmdn. sein:
Ein eingespielter Apparat, welcher jeden ausscheidet, der
ihn hemmt (Chr. Wolf. Himmel 163); Bei ihrem Erlaß
wurde der Hauptnachdruck daraufgelegt, daß die Träger
der drei Gewalten sich gegenseitig hemmen (Fraenkel.
Staat 120); Hemmnis ['hemnis], das; -ses. -se: etw.t was
sich hemmend, erschwerend auf etw.. für jmdn. auswirkt;
Hindernis: ein großes H. für den Ablauf der
Verhandlungen; seinem Plan standen einige -se im Weg. die es zu
überwinden galt; Hemmung, die: -. -en: 1. das Hemmen
(2 a): eine H. des Wachstums, der Entwicklung; daß die
größten Hindernisse waldbaulichen Fortschrittes ... in
äußeren -en und Hindernissen zu erblicken sind (Mantel.
Wald 104). 2.a) etw.. was jmdn. in seinem Inneren (auf
Grund einer bestimmten sittlichen Norm] daran hindert,
etw. Bestimmtes zu tun: eine moralische H.; er kennt,
hat keine -en (keine Bedenken), so zu handeln; von Skoda
... bedrängt, entschließt sich Semmelweis endlich, seine
inneren -en zu überwinden und ... eine ... Überprüfung
seiner Arbeit zu fordern (Thorwald. Chirurgen 194); Ich
hatte eine H in sein Gesicht zu blicken (Frisch,
Gantenbein 81); Krause erteilte diese ... Auskünfte ohne jede
H. (ohne irgendwelche Skrupel), auch ohne sonderlich
zu zögern (Kirst, 08/15, 355); b) <PI.> (jmdn. in der
Entfaltung seiner Persönlichkeit sehr behindernde,
beeinträchtigende) innere Unsicherheit, die sich bes. in Verkrampftheit
u. Unsicherheit im Auftreten äußert; Gehemmtheit: schwere
seelische -en haben; unter -en leiden; er ist ein Mensch
voller -en; jmdm. seine -en nehmen; du leidest doch sonst
nicht unter -en! (iron. od. scherzh.; bist doch sonst nicht
so bescheiden). 3. (bei Uhren) Vorrichtung, die das Gehwerk
kurzzeitig unterbricht u. dadurch nur in bestimmten
Abständen weiterlaufen läßt.
hpnmungs-, Hpnmungs-: ^biMimg, die: svw. t -mißbildung;
^k» <Adj.; -er. -este>: leidenschaftlich, zügellos; -e
Leidenschaft; er ist ein -er Mensch (ein Mensch ohne innere
Disziplin); in seinen Genüssen völlig h. sein; er gibt sich
h. seiner Leidenschaft hin; h. schreien, fluchen, weinen,
dazu: ^teigkeit. die: hemmungsloses Benehmen. Verhalten;
hemmungslose Art u. Weise: Ihre Redeweise ist von einer
gewissen H. (Th. Mann. Krull 115); Mißbildung, die
(Med.): Mißbildung, bei der durch vorzeitige Hemmung
der Entwicklung ein bestimmter embryonaler Zustand
erhalten bleibt (z.B. Wolfsrachen); -nerven <P1.> (Med.):
Nerven, die die Funktion eines Organs hemmen od. mindern;
-reaktion. die (Med.): serologisches Verfahren zur
Hemmung einer Antigen-Antikörper-Reaktion durch eine andere
Reaktion.
Henade [he'na.da]. die; -. -n [zu griech, hen = eins] (Philos.):
Einheit (im Gegensatz zur Vielheit). Monade; Hendekagon
[hendeka'go:n]. das; -s. -e [zu griech. hdndeka = elf u.
gönia = Ecke. Winkel]: Elfeck; Hendekasyllabus [hende-
ka'zvlabos]. der; -. ...syHaben u. ...syllabi [griech. hendeka-
syllabos = elfsilbig] (Verslehre): elfsilbiger Vers; vgl. Ende-
casillabo.
Hendiadyoin [hendiady'oyn), (seltener:) Hendiadys
[hendia'dYs], das; -. - [mlat. hendiadyoin. hendiadys <
griech. h£n diä dyoTn = eins durch zwei] (Stilk.): 1. die
Ausdruckskraft stärkende Verbindung zweier synonymer
Substantive od. Verben (z. B. bitten und flehen). 2. das
besonders in der Antike beliebte Ersetzen einer Apposition
durch eine reihende Verbindung mit „und" (z. B. die Masse
und die hohen Berge, statt: die Masse der hohen Berge).
Hending [hendw]. die; -. -ar [isländ. hending < anord.
hending] (Verslehre): Silbenreim der nordischen
Skaldendichtung, der zunächst als Binnenreim neben dem Stabreim
u. später (bei den isländischen Skalden) als Endreim
erscheint.
Hendl fhcndl].das; -s. -n [Vkl. zu fHenne] (bayr., österr.):
a) /junges} Huhn; b) Brathuhn, -hähnchen (als Gericht);
<Zus. zu b):> H^ndlessen, das (österr.).
Hengst [heust], der; -[e]s, -e [mhd. heng[e]st = Wallach.
Pferd, ahd. hengist = Wallach]: a) männliches Pferd; b)
(von Eseln u. Kamelen) männliches Tier.
Hingst-: Mlepot, das (Landw.): staatlicher Betrieb
(Landgestüt), in dem die Deckhengste während der deckfreien Zeit
gehalten werden; ^fohlen, das: neugeborenes bzw. junges
männliches Pferd; ^füllen, das: svw. I ^fohlen.
Henkel [henkl], der; -s. - [spätmhd. henkel. zu thenken
in deralten Bed. „hängen machen"]: a) (meist schlaufenför-
migj gebogener, seitlich od. über der Öffnung angebrachter
Teil eines Behältnisses, der dazu dient, das Behältnis
aufzuhängen od. bequem anzufassen: der H. der Tasse ist
abgebrochen, abgeschlagen; den Krug, die Kanne am H. fassen;
ein Korb mit zwei -n; b) (landsch.) Aufhänger (1) an
Kleidungsstücken: der H. an meiner grünen Jacke ist abgerissen.
hpikel-. Henkel-: -becher. der: Becher mit seitlichem Henkel;
HSlast das: Glas mit einem Henkel; ^kanne. die: Kanne
mit einem Henkel an einer Seite od. über der Öffnung;
-korb, der: Korb mit Henkel/nj; -kreuz, das: lateinisches
Kreuz mit einem Henkel am oberen Ende; -krug. der: Krug
mit Henkelin]; ^los <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: ohne
Henkel; -mann, der (ugs.): Gefäß zum Transportieren einer
warmen Mahlzeit, das aus mehreren kleinen zylindrischen
Schüsseln besteht, die übereinandergesetzt in ein Traggestell
eingehängt werden: Fänä hatte immer Schlosser werden
wollen. ... Er sah sich, H. unterm Arm, vom Haus ins
Werk ... ziehen (Degenhardt. Zündschnüre 123); -tasse,
die: Tasse mit Henkeltn); *die große H. (ugs. scherzh.;
Nachttopf)', -topf, der: Topf mit zwei seitlichen Henkeln.
henkeln ['henkln] <sw. V.; hat) (selten): a) am Henkel fassen
u. tragen; b) svw. t einhenkeln.
henken ['heokn] <sw. V.; hat) /vgl. Gehenkte/ [mhd., ahd.
henken = hängen machen; [auflhängen; f 'hängen]
(veraltend): am Galgen aufhängen, durch den Strang hinrichten:
der Mörder wurde verurteilt und gehenkt; wo der
Scharfrichter der US-Armee wartete, der innerhalb von 15 Jahren
schon mehr als 300 Soldaten gehenkt hatte (Spiegel 31.
1970, 50); Henker [henke], der; -s, - [mhd. henker =
Scharfrichter]: jmd.. der die Todesstrafe vollstreckt;
Scharfrichter: jmdn. dem H. überantworten, überliefern,
ausliefern; Lumpen wie Gregor erledigen sich meist selbst, sie
sind ihre eigenen H. (Fallada. Herr 249); Ü o mein Gott,
eine Armee ... und Generale H. der eigenen Armee. H.
der eigenen Männer (Plievier. Stalingrad 200); [in den
folgenden Wendungen u. Flüchen steht ..Henker" für das
Wort ..Teufel4':] *sich den H. um etw. scheren/den H. nach
etw. fragen (derb; sich um etw. nicht kümmern, auf etw.
keine Rücksicht nehmen): zum H. gehen, sich zum H.
scheren (derb; verschwinden): (Flüche:) hol's der H.!. hol' midi
der H.!. weiß der H.. beim, zum H.!
1189
Henker-
Henker-: -beil, das: Beil des Henkers, mit dem er den zum
Tode Verurteilten enthauptet; -block, der: Block, auf dem
der Kopf des Verurteilten zur Enthauptung liegt; -hand,
die: svw. T Henkershand: weil der tiefste Sturz des Mörders
der Sturz in den Schandtod von Henkerhänden ist (Reinig.
Schiffe 125).
Henkers-: -beil. das: svw. tHenkerbeil; -block, der: svw.
I Henkerblock; -frist. die: Gnadenfrist: jmdm. eine H.
gewähren; -hand. die <P1. selten) meist in der Verbindung
durch/von H. (geh.; durch Hinrichtung): der Tod durch,
von H.; durch, von H. sterben (hingerichtet werden);
-knecht. der: Gehilfe des Henkers hei der Hinrichtung;
-mahl, das (geh.). -mahlzeit, die: 1. (früher) letztes Essen
vor der Hinrichtung, das der Verurteilte selbst wählen darf:
Zuerst hielt man noch an etlichen Förmlichkeiten fest:
eine Glocke läutete - das Amiesünderglöcklein - ... und
den Delinquenten war noch eine kleine Henkersmahlzeit
zugerichtet worden (Niekisch. Leben 347). 2. (scherzh.)
letztes [ gemeinsames ] Essen vor einem [längeren] Abschied,
einer / längeren] Trennung, vor einem Ereignis, dessen
Ausgang einem ungewiß erscheint, einer Entscheidung, die etw.
Unwiderrufliches hat o. ä.; Oberst Ludwig hatte ... gebeten,
erst noch sein Abendessen einnehmen zu dürfen, und bei
der Lage der Dinge hatte er sich gefragt, ob es nicht
die H. war. die er einnahm (Plievier. Stalingrad 324).
Henna [henal. die; - od. das; -Is] [arab. binnä1]: rotgelber
Farbstoff, der aus den zerriebenen Blättern u. Stengeln des
Hennastrauches gewonnen wird u. der u.a. zum Färben
von Haaren verwendet wird; Hennastrauch, der; -Ie]s.
-sträucher: dem Liguster ähnlicher Strauch mit gelben bis
ziegelroten, in Rippen angeordneten Blüten, der zur
Gewinnung von Henna kultiviert wird.
Henne [hena], die; -. -n [mhd. henne. ahd. henna. zu t Hahn]:
a) weibliches Haushuhn; b) weibliches Tier der Hühnervögel
(einschließlich Fasanen), der Straußen- u. Trappenvögel;
H^nneaatt, Hpmeaat, das; -[e]s, -en u. -s [nieder!, henne-
gatt. aus f Henne u. TGatt; der Durchlaß wird scherzh.
mit dem After einer Henne verglichen] (Seew.): runde
Öffnung für das Ruder in dem nach innen gewölbten Teil des
Hecks eines Schiffes.
Hennin [e'nE], der. auch: das; -s, -s [frz. hennin. H. u..
viell. aus dem Niederl.]: (bis ins 15. Jh. von Frauen
getragene) hohe, kegelförmige Haube, die das ganze Haar bedeckte
u. von deren Spitze ein Schleier [bis zur Erde] herabhing;
burgundische Haube.
Henotheismus [henote'ismos]. der; - [zu griech. h£n (Gen.:
henös) = eins, einer u. theös = Gott] (Rel.): religiöse
Haltung, die sich in der Verehrung eines Gottes ausdrückt,
ohne die Existenz anderer Götter zu leugnen od. ihre
Verehrung zu verbieten;henothejstisch <Adj.; o. Steig.): den
Henotheismus betreffend, ihm entsprechend, auf ihm beruhend.
Henri-deux-Stil [äri'do-]. der; -[e]s [frz. Henri = Heinrich
u. deux = der Zweite; zwei]: zweite Stilperiode der
französischen Renaissance während der Regierung Heinrichs 11.
u. seiner Nachfolger (1547-89); Henriquatre [äri'katr], der;
-[s] [...tri. -s [.--tri [frz. quatre = der Vierte; vier]: nach
Heinrich IV. von Frankreich benannter Spitzbart.
Henry [henri], das; -, - [nach dem amerik. Physiker J.
Henry (1797-1887)] (Physik): Maßeinheit für die
Selbstinduktion (1 Voltsekunde/1 Ampere); Zeichen: H
Heortologie [heortologi:]. die; - [zu griech. heorte =
Festlag) u. t-logie]: wissenschaftliche Darstellung der
kirchlichen Feste; Heortologium [...o'lo:gium], das; -s. ...ien
[...jan; griech. heortolögion = Festkalender]: kirchlicher
Festkalender.
Hepar [he:par]. das; -s. Hepata [lat. hepar < griech. hepar
(Gen.: hepatos)] (Med.):- Leber; Heparin [hepa*ri:n], das;
-s (Med.): aus der Leber gewonnene, die Blutgerinnung
hemmende Substanz; Heparprobe. die; -. -n [fachspr. Hepar
= I Schwefelleber] (Chemie): Verfahren zum Nachweis von
Schwefelverbindungen; hepat-, Hepat-: thepato-. Hepato-;
Hepatalgie [hepatalgi:]. die; -. -n [...i:an; zu griech. älgos
= Schmerz] (Med.): Leber schmerz, Leberkolik: hepatisch
[he'pa:tijl <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (Med.): zur Leber
gehörend, die Leber betreffend: Hepatitis [hepa'ti:tis]. die;
-. ...itiden (Med.): Leberentzündung; hepato-, H$pato-, (vor
Vokalen.) hepat-, Hepat- [hepat(o)-; griech. hepar (Gen.:
hepatos)] (Best, in Zus. mit der Bed.): Leber (z. B. hepato-
gen. Hepatopathie. Hepatalgie); hepatown <Adj.; o. Steig.)
[t -gen] (Med.): 1. in der Leber gebildet (z. B. von der
Gallenflüssigkeit) . 2, (von Krankheiten) von der Leber ausgehend;
Hepatographk, die; -. -n [...i:an; f-graphie] (Med.):
röntgenologische Darstellung der Leber mit Hilfe von
Kontrastmitteln; Hepatolith [...'li:t. auch: ...ht], der. -s u. -en. -e[n]
[l-lith]: svw. ILeberstein; Hepatolose [...'lo:ga]. der; -n. -n
[t-loge] (Med.): Arzt mit speziellen Kenntnissen auf dem
Gebiet der Hepatologie; Hepatologie [.. .lo'gi:]. die; - [T -logie]
(Med): Lehre von der Leber (einschließlich der
Gallenwege), ihren Funktionen u. Krankheiten; Hepatopathk
[...pa'ti:]. die; -. -n [...i.sn; l-pathie] (Med.): Leberleiden;
Hepatose [hepa'to:za]. die; -, -n (Med.): Erkrankung mit
degenerativer Veränderung der eigentlichen Leberzellen; He-
patotoxamjfi.die; -, -n [...i:an; T Toxämie] (Med.):
Blutvergiftung durch Zerfallsprodukte der erkrankten Leber.
Hephthemimeres fheftemime're.s], die; -, - [griech. hephthe-
mimeres]: (in der antiken Metrik) Einschnitt nach sieben
Halbfüßen bzw. nach der ersten Hälfte des vierten Fußes
im Hexameter. Vgl. Penthemimeres. Trithemimeres.
Heptadiord [hepta kort], der od. das; -[eis. -e [lat. heptachor-
dus = siebensaitig < griech. heptächordos] (Musik): Folge
von sieben diatonischen Tonstufen; große Septime; Heptagon
[heptago:n], das;-s,-e [griech. heptägönos = siebeneckig]:
Siebeneck; Heptameter [hep'ta:mete], der; -s, - [spätlat.
heptameter, aus griech. heptä = sieben u. griech. m&ron
= Maß; Silben- od. Versmaß] (Verslehre): siebenfüßiger
Vers; Heptan [hep'ta:n]. das; -s [griech. heptä = sieben]
(Chemie): Kohlenwasserstoff mit sieben Kohlenstoffatomen;
Heptateuch [hepta't^]. der; -s [spätlat. heptateuchus <
griech. heptäteuchos = siebenbändiges Buch]: die ersten
sieben Bücher des Alten Testaments (1.-5. Buch Mose.
Josua. Richter); vgl. Pentateuch; Heptatonik [hepta'tD:nik].
die; - [griech. heptätonos = sieben tön ig) (Musik):
diatonisches Tonsystem mit sieben Stufen; vgl. Pentatonik; Hept-
ode [he'pto:d3], die; -. -n [griech. heptä = sieben] (Physik):
Elektronenröhre mit sieben Elektroden; Heptosen [he-
pto:zn]<Pl.) [griech. heptä = sieben] (Biochemie): einfache
Zuckerarten mit sieben Sauerstoffatomen im Molekül.
her [he:^] <Adv.) [mhd. her; ahd. hera]: 1. zum Standort,
in die Richtung des Sprechers als Aufforderung, sich in
Richtung auf den Sprecher zu bewegen od. ihm etw. zuteil
werden zu lassen (Ggs.: hin IV. 1 b): h. zu mir!; Bier
h.!; h. mit dem Geld, Schmuck!; h. damit!; Früher ging's
uns gut. heute geht's uns schlecht - also wieder h. mit
der alten Regierung (RemarQue. Obelisk 265). 2, vom
gegenwärtigen Zeitpunkt aus eine bestimmte Zeit
zurückliegend, vergangen: Der Träumer hatte die letzten Tage h.
(während der letzten Tage bis zu diesem Zeitpunkt) die
Stunde ihrer Rast nicht geteilt (Th. Mann, Joseph 518).
3. <als Verstärkung der Präp. „von":) von - h. a) von
einem entfernten Punkt aus [in Richtung Sprecher]: er
grüßte vom Nachbartisch h.; die westliche Welt auf lange
Sicht sozusagen von den Flanken h. zu isolieren (Dönhoff,
Ära 198); b) von einem zurückliegenden Zeitpunkt aus [bis
zur Gegenwart des Sprechenden]: von früher h.; das bin
ich von meiner Kindheit, meiner frühesten Jugend h.
gewöhnt; Auf einer Bretterwand kleben noch bunte Plakate
von den Vorstellungen h. (Remarque. Westen 103); c)
von jmdm. od. etw. /als Voraussetzung] aus gesehen; von
etw. aus seine Wirkung entfaltend: ... aber man ist sich
klar darüber, daß dieser Wagen von Konzeption und Form
h. ausgezeichnete Verkaufschancen hat (Auto 6. 1965. 11);
... und da ich von Mama h. ziemlich viel von den
Lassenthins abbekommen habe (Fallada. Herr 8); für diesen Film,
der von der Problematik h. psychologisch erstklassig
durchdacht war (Hörzu 16. 1977. 151).
her-. Her-: -bekomme« <st. V.; hat): a) etw., was man
braucht, auf irgendeine Art u. Weise beschaffen, ausfindig
machen: wo soll ich das denn h.?; b) jmdn. an den Ort
des Sprechenden bringen: ich will mal sehen, ob ich ihn
h. kann; -bemühen <sw. V.; hat) (geh.): 1. jmdn. an den
Ort des Sprechenden bemühen: darf ich Sie einmal h.?
2. <h. + sich) sich an den Ort des Sprechenden bemühen:
ich danke Ihnen, daß Sie sich herbemüht haben; -beordern
<sw. V.; hat): jmdn., etw. an den Ort des Sprechenden
beordern; -bestellen <sw. V.; hat): jmdn. an den Ort des
Sprechenden bestellen; -beten <sw. V.; hat): svw. I
herunterbeten; -bitten <st. V.; hat): jmdn. an den Ort des
Sprechenden bitten; -blicken <sw. V.; hat): in Richtung auf den
Sprechenden blicken: -bringen <unr. V.; hat): jmdn., etw.
an den Ort des Sprechenden bringen: -dürfen <unr. V.;
1190
her-, Her-
hat): 1. zum Sprechenden kommen dürfen. 2. hergebracht
werden dürfen: -eilen <sw. V.: ist): an den Ort des
Sprechenden eilen: -fahren <st. V.): 1. an den Ort des Sprechenden
fahren <ist>. 2. ein Fahrzeug an den Ort des Sprechenden
fahren <hat); -fahrt die [(spät)mhd. hervart = Ereignis,
Hergang]; -fallen <st. V.; ist): 1. jmdn., ein Land o.a.
unerwartet hart angreifen: sich auf jmdn. stürzen:
unvermutet, brutal über jmdn. h.; sie fielen wie Tiere übereinander
her; Ü mit Vorwürfen über jmdn. h. (jmdm. unerwartet
heftige Vorwürfe machen): die Reporter fielen mit Fragen
über ihn her (bestürmten ihn mit Fragen): die Zeitungen
sind über den Politiker hergefallen (haben ihn heftig
kritisiert). 2. hastig, gierig u. in großen Mengen von etw. zu
essen, fressen beginnen: über das Frühstück h.; die Stare
sind in Scharen über die Trauben hergefallen; -finden
<st. V.; hat): den Weg zum Ort, den Ort des Sprechenden
finden: -fliesen <st. V.; ist): in die Richtung des
Sprechenden, an den Ort des Sprechenden fliegen (1, 8); -fuhren
<sw. V.; hat): 1. jmdn. an den Ort des Sprechenden führen
da). 2. jmdn. an den Ort des Sprechenden füliren (7c):
was führt dich hei"? 3. in Richtung auf den Sprechenden
verlaufen: der Weg führt direkt her, -gäbe, die (selten):
das Hergeben (1): Aufgabe des Gerichts Ist es, zu klären,
ob Regierungsrat Brombach ... durch H. eines
Volkswagens bestochen wurde (Dönhoff. Ära 38); -gang, der <PI.
ungebr.): Verlauf eines Geschehens im Hinblick auf seine
Wiedergabe, Schilderung, Rekonstruktion: er konnte sich
an den H. [der Ereignisse] nicht mehr genau erinnern;
so erzählen Sie dem mal den genannten H. (Winckler,
Bomberg 125); -geben <st. V.; hat): l.a) auf den weiteren
Besitz von etw., was einem selbst gehört, verzichten u. es
für einen bestimmten Zweck, für andere zur Verfügung
stellen: etw. ungem. freiwillig h.; sein Geld, seine Ersparnisse
für etw. h.; viele Mütter mußten im Krieg ihre Söhne
h. (verhüll.; haben ... ifire Söhne verloren): sie gibt alles,
ihr Letztes her (sie ist sehr altruistisch, opferfreudig): b)
dem Sprechenden reichen: gib mir bitte mal das Buch,
den Kuli, das Weinglas her! 2. seine Persönlichkeit od.
was zu einem gehört in den Dienst einer schlechten o.a.
Sache stellen: für diese fragwürdige Sache gibt er sich,
seinen Namen nicht her. 3. aus sich heraus Leistungen
vollbringen: eine Frau muß im Beruf einiges h.; es war
erstaunlich,... was für sonore Flötentöne die gleiche
Stimme hergab (K. Mann. Wendepunkt 87); er lief, was seine
Beine hergaben (so schnell er konnte). 4. von einer gewissen
Reichhaltigkeit sein, so daß man etw. davon hat: das Thema
gibt viel, nichts her; Weihnachten muß das Essen was
h. (v. d. Grün, Glatteis 94); -gebracht <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.): in früheren Zeiten in dieser Form eingeführt
u. beibehalten: dem Brauch entsprechend, dazu: -gebrach-
termgßen <Adv.>: wie man es [von alters her] gewöhnt
ist, wie es bei jmdm. Brauch ist: -gehen <unr. V.; ist):
1. mit jmdm. gehen, jmdn. begleiten, indem man hinter,
vor od. neben ihm geht: neben jmdm. h.; hintereinander
h. 2. (südd.. österr.) svw. t-kommen (1): geh her zu mir!
3. ohne lange zu fragen, etw. tun, was bei anderen Befremden
auslöst: Und dann ist die hergegangen und hat mir so
quasi das Messer auf die Brust gesetzt (Aberle. Stehkneipen
26);... wenn die Kirche nun hergeht und diese
mythologische Suppe mit einigen modernen existentialistischen
Gewürzen versetzt (Thielicke, Ich glaube 244). 4. <unpers.)
(ugs.) aus einem bestimmten Anlaß u., mit einer freudigen
od. heftigen Erregung verbunden, in bestimmter Art u. Weise
verlaufen, zugehen: es ging laut, lustig, toll her; auf der
Party ging es hoch her (war man ausgelassen, hat man
ausgiebig gefeiert): bei der Diskussion wird es heiß h.
(man wird heftig diskutieren): *es geht über jmdn. her
(ugs.; es wird schlecht über jmdn. geredet: jmd. wird heftig
kritisiert): es geht über etw. her (ugs.; es wird sehr viel
von etw. verbraucht): Ohne Begleitung durften sie nicht
mehr hirtaus. Wie das über Mutters Tabaksbestand
herging! ... Tür jeden Aufsichtsdienst einen Pfeifenkopf Tabak
(H. Grzimek, Tiere 76); -gehören <sw. V.; hat): zu dem
hier erwähnten Thema, Aufgabenbereich gehören: hier-
hergehören: Sie ... unterbrach den anderen mitten in
seiner Rede mit etwas, das nicht im mindesten hergehörte
(Gaiser. Schlußball 170); -gelaufen <AdJ.; o. Steig.; nur
attr.): von zweifelhafter Herkunft: aus ungeordneten,
undurchsichtigen Verhältnissen kommend u. nichts geltend:
ein -er Habenichts; <subst.:) -gelaufene, der u. die; -n.
-n <Dekl. t Abgeordnete): mit Bürgern, „welche schon
etwa fünf Jahre am Platze wohnen in einer patrizischcn
Stellung als .Altdahiesige'... angesichts der erst seit
Jahresfrist .Hergelaufenen' (abwertend; Zugezogenen)..." (FAZ
8.4.61.49); -haben <unr. V.; hat) [älter auch svw. T
herhalten 2] (ugs.): etw. von jmdm., irgendwoher haben: wer weiß,
wo er das Geld herhat; wo hast du diese Nachricht her?;
wenn ich nur wüßte, wo der Junge dieses Schimpfwort
herhat (von wem er es in seinen Sprachgebrauch
übernommen hat): wo hat das Kind die Begabung. Eigenschaft
her (von wem hat es sie geerbt)?: -halten <st. V.; hat):
1. etw. in Richtung auf den Sprechenden halten, so daß
er es erreichen kann: kannst du bitte deinen Teller h.?
2. an Stelle eines anderen, von etw. anderem zur Rechenschaft
od. Rechtfertigung herangezogen werden: er muß für die
anderen h.: etw. muß als Vorwand h.; er mußte wieder
h. (war die Zielscheibe allen Spotts): -holen <sw. V.; hat):
jmdn., etw. an den Ort des Sprechenden holen: den Arzt,
ein Taxi h.; Ü er war es. der dem Urteil erst das von
weit hergeholte geschichtliche Gepräge gegeben hat (Plie-
vier. Stalingrad 333); * weit hergeholt (allzu gesucht u. daher
nur bedingt als Argument zulässig): diese Argumente
scheinen weit hergeholt; -hören <sw. V.; hat): aufmerksam
auf die Worte des hier Sprechenden hören, um entsprechend
handeln zu können: alle mal h.!; -jagen <sw. V.): 1. <hat>
*)jmdn. in die Richtung des Sprechenden, zum Sprechenden
jagen: er hat den Hund, die Hühner hergejagt; b) jmdn.
vor sich hertreiben: jmdn. jagen u. dabei dicht hinter ihm
sein: ich habe ihn vor mir hergejagt; daß russische Panzer
die Haufen vor sich herjagten (Plievier, Stalingrad 154).
2. jmdm. schnell nachlaufen, um ihn einzuholen <ist>: er
ist hinter ihm hergejagt; Ü Hinter dem roten Mond jagen
sie her (Plievier. Stalingrad 56); -kommen <st. V.; ist):
1. an den Ort des Sprechenden, zum Sprechenden kommen:
komm bitte mal her!; Aber als ich neu herkam, mußte
ich mit dem Dolmetscher auf Suaheli Gericht abhalten
(Grzimek, Serengeti 260). 2. jmdn., etw. als Grundlage,
Ursprung haben: von jmdm., etw. stammen: Mit mir ist
es noch anders, weil ich von meiner Mutter und einer
alten Rasse herkomme (Wiechert, Jeromin-Kinder 662);
denn man wird ja doch immer wieder angepflaumt ...
wo kommst du her? (Schmidt, Strichjungengespräche 158);
Prävost kommt ... vom empfindsamen Roman des 17.
Jahrhunderts her (steht in dieser Tradition: Greiner,
Trivialroman 25). 3. irgendwo hergenommen werden können:
du fragst nicht, wo der Schnaps herkommt, irgendwoher
kommt er schon (Bobrowski, Mühle 51); <subst.:)
-kommen, das; -s: 1. aus früherer Zeit stammende, ununterbrochen
geübte u. deshalb zur Richtschnur gewordene Gepflogenheit
in einer bestimmten größeren od. kleineren Gemeinschaft:
Schlimmeres konnte nicht ausgesprochen werden in einem
Hause, welches so streng das H. einhielt (Kusenberg, Mal
149). 2. jmds. gesellschaftliche Herkunft als Glied in der
Reihe eines Geschlechtes: Leute von hohem, bürgerlichem
H.; -kömmlich (Adj.; o. Steig.; nicht adv.): nicht von
der überkonunenen Art abweichend: keine Neuerungen ein-
fülirend od. aufweisend: Er war ein hochchristlicher Herr
gewesen.... streng h. gesinnt (Th. Mann, Zauberberg 38);
-kömmlicherwfitee <Adv.): wie seit langem üblich, gewohnt:
Die Löhne der Waldarbeiter standen h. an der untersten
Stufe der Lohnhierarchie (Mantel, Wald 46); -kriegen
<sw. V.; hat): 1. svw. T -bekommen. 2. (nordd.) hervorholen,
um die betreffende Sache zu benutzen: krieg doch mal
die neue Tasche her!; -kunft [...konft], die; -, ...künfte:
1. <PI. ungebr.) soziale Abstammung: bestimmter sozialer,
nationaler, kultureller Bereich, aus dem jmd. herkommt:
er kann seine H. nicht verleugnen; Menschen einfacher,
bäuerlicher, niederer H.; er ist nach seiner H. Franzose.
2. <P1. selten) Ursprung einer Sache: die H. des Wortes
ist unklar; diese Waren sind englischer H.; Die Germanistik
sollte sich im Grimmschen Sinne als eine Wissenschaft
von den deutschen Herkünften und Eigenschaften entfalten
(Der Monat 197. 1965. 16). zu 2: -kunftaangatfe, die.
-kunftsbezeichnung, die: Bezeichnung des Herkunftslandes,
-kunftsbuid, das (PI.... länder): Land, aus dem ein
Importartikel o. ä. kommt, -kunftsort. der: vgl. -land, -kunftszei-
chen, das: Zeichen des Herkunftslandes: -langen <sw. V.;
hat): 1. (ugs.) herreichend): lang mir mal bitte die Zeitung
her! 2. (kndsch.) svw. t -reichen (2): die Leine langt grad
her; -bssen <st. V.; hat): an den Ort des Sprechenden
1191
her-, Her-
kommen lassen; -laufen <st. V.: ist) /vgl. -gelaufen/: 1.
in Richtung auf den Sprechenden, zum Sprechenden laufen.
2. mit jmdm. laufen; jmdn. begleiten, indem man hinter,
vor od. neben ihm läuft; neben jmdm. h.; Ü als ... die
kompliziertesten theologischen Systeme mit einer krausen
Philosophie neben dem Leben herlaufen, hat das
Christentum ... die neue Erde bereitet (Thieß. Reich 133); -lesen
<sw. V.; hat) (ugs.): in die Nähe des Sprechenden, zum
Sprechenden legen; ^leiern <sw. V.; hat) (selten): svw.
t herunterleiern: -leihen <st. V.; hat) (ugs.): aus seinem
Besitz leihweise fortgeben; sie wollte den
Plattenspieler nicht gern h.: -leiten <sw. V.: hat): l.a) eine
Berechtigung o. ä. aus etw. Erreichtem gewinnen zu können glauben;
Ansprüche aus seiner Stellung h.; ... vermeinten wir nicht,
das Recht einseitig aus dem Erfolg der Waffen h. zu
können? CPlievier, Stalingrad 166); b) aus etw. bereits
Bekanntem. Bestehendem entwickeln: eine Formel h.; Die
Quantentheorie wird ... erst dann eine ... konsistente Theorie sein,
wenn diese Voraussetzungen... sich selbst aus einer Theorie
... h. lassen (Natur 61). 2.a) in der Abstammung auf jmdn..
etw. zurückführen: ein Wort aus dem Griechischen h.;
er leitet sein Geschlecht, seinen Namen von den
Hugenotten h.; b) <h. + sich) aus etw. kommen, stammen: Daß
gerade von ihm (= dem Mondrhythmus) Ihr Zug zur
Süd-Ost-Linie sich herleitet (Chr. Wolf. Nachdenken 101);
-locken <sw. V.; hat): an den Ort des Sprechenden locken;
-machen <sw. V.; hat) (ugs.): 1. <h. + sich) a) etw. in
Angriff nehmen; sich intensiv mit etw. zu beschäftigen
beginnen; beginnen* von etw. Besitz zu ergreifen: sich über die
Arbeit h.; er machte sich sofort über das Buch her; die
Kinder machten sich über das Obst her (begannen, gierig
davon zu essen); b) svw. t^fallen (1): sie haben sich zu
mehreren über ihn hergemacht und ihn übel zugerichtet;
sich über den Redner h. (ihn mit Worten angreifen). 2.
* viel/wenig/nichts o.a. h. (auf Grund seiner rein äußeren
Beschaffenheit / nicht besondersI ansprechend sein u.
[kleinen großen Einilruck erzielen): das Geschenk macht viel,
wenig, nicht genug her; er macht zuwenig her mit seinem
bescheidenen Anzug; viel/wenig/nichts o. ä. von jmdm.. etw.
h. ([nicht] viel Wesens um jmdn., etw. machen; jmdn..
etw. [nicht besonders] wichtig nehmen u. [nicht] viel von
der betreffenden Person od. Sache sprechen: von einer
Errungenschaft, einem Erfolg viel h.; Sie machten nichts
miteinander her und grüßten sich nicht (Strittmatter.
Wundertäter 322); er macht gar nichts von sich her (er ist
sehr bescheiden); -müssen <unr. V.; hat): vgl. ^dürfen:
es muß ein neuer Kühlschrank her (muß ... angeschafft
werden); da muß eine neue Ordnung her (wir brauchen
eine neue Ordnung); auf jeden Fall muß das Geld her
(müssen wir das Geld haben); -nehmen <st. V.; hat): l.a)
etw.% was man braucht, beschaffen, von einem anderen Ort
nehmen: wo soll ich das h.?; R wo h. und nicht stehlen?;
b) (landsch.) nehmen. 2. (landsch.) ./Wh. so stark
beanspruchen, daß er anschließend nicht mehr fähig ist, eine / atvdere]
Tätigkeit [konzentriert] aufzunehmen: jmdn. bei einer
militärischen Übung h.; die Arbeit hat sie sehr hergenommen;
die Krankheit, die schlechte Nachricht hat ihn sehr h.
(mitgenommen). 3. (landsch.) a) jmdn. scharf tadeln u.
ihm ins Gewissen reden, um eine Besserung zu bewirken:
ich muß das Kind mal h.. es ist so ungezogen; b) jmdn.
verprügeln: da habe er den jungen Mann wirklich wüst
hergenommen. Den Stock ... habe er ihm auf Kopf und
Schultern entzweigeschlagen (R. Walser. Gehülfe 106);
-plappern <sw. V.; hat): gedankenlos, naiv plappern;
-reichen <sw. V.; hat): l.dem Sprechenden reichen. 2, (landsch.)
für etw. reichen, lang genug sein: wird die Schnur h.?;
^rebe. die: Reise an den Ort des Sprechetiden; -richten
<sw. V.; hat): l.a) etw. durch vorbereitende Maßnahmen
in einen solchen Zustand bringen, daß es benutzt werden
kann: ein Zimmer für den Gast h.; b) etw. durch Reparaturen
o.a. in einen gebrauchsfertigen Zustand bringen: er hat
das alte Haus wieder hergerichtet. 2. <h. + sich) (landsch.)
durch bestimmte Maßnafimen sein Äußeres zu einem
besonderen Zweck in einen bestinunten Zustand britigen: für den
Theaterbesuch muß ich mich erst noch h.; wie hast du
dich denn hergerichtet (in was für einem merkwürdigen
Aufzug erscheinst du denn)?, zu I: -richtung, die; -rucken
<sw. V.; ist): in die Nähe des Sprechetuten rücken; -rufen
<st. V.; hat): zum Sprechenden rufen; -rühren <sw. V.;
hat): in erw.. ^selten:) jmdm. seine Ursache, seinen Ursprung
haben: die Narben rühren von einer Kriegsverletzung her;
-sagen <sw. V.; hat): a) einen auswendig gelernten Text ohne
Ausdruck u. innere Beteiligung in eintöniger Weise
vortragen; b) etw. ohne innere Überzeugung, ohne daß es ernst
gemeint ist, sagen; -schaffen <sw. V.; hat): an den Ort
des Sprechenden schaffen; -schauen <sw. V.; hat)
(landsch.): in Richtung auf den Sprechenilen. zum
Sprechenden schauen: er schaute mißmutig zu uns her; * [da] schau
her! (ugs.; wer hätte das gedacht!; sieh an!); -schenken
<sw. V.; hat): (meist von kleineren Dingen) ohne große
Überlegung leichthin jmdm. schenken; -schicken <sw. V.;
hat): jmdn.. etw. zum Sprechenden schicken; -schieben <st.
V.; hat): a) zum Sprechenden schieben; b) sich hinter jmdm.
od. einem Gegenstand befinden u. ihn schieben: sie schob
das Kind im Gedränge, den Kinderwagen vor sich her;
Ü da aber die Zukunft immer vor uns hergeschoben wurde
(Chr. Wolf. Nachdenken 126); -schleichen <st. V.): a) zum
Sprechenden schleichen <ist): er ist vorsichtig
hergeschlichen; b) <h. + sich) sich zum Sprechenden schleichen
<hat): Auch Stacho hatte sich hergeschlichen (Degenhardt.
Zündschnüre 73); c) schleichend jmdm. folgen; furchtsam,
gedrückt hinter jmdm. hergehen <ist>: Etwas ... kam wieder
über ihn. als er hinter der Menge herschlich (Baldwin
[Übers.]. Welt 96); -schleppen <sw. V.; hat): jmdn., etw.
zum Sprechenden schleppen; -schreiben <st. V.; hat): 1.
etw. an diese Stelle hier hinschreiben. 2. <h. + sich) (geh.)
in etw. seinen Ursprung haben; von etw. kommen: Gags,
die sich meist von angelsächsischen Mustern herschreiben
(Enzensberger. Einzelheiten I. 82); -sehen <st. V.; hat):
in Richtung auf den Sprechenden sehen: mal genau h. alle
(H. Kolb. Wilzenbach 82); -sehnen <sw. V.; hat): a) <h.
+ sich) sich danach sehnen, atn Ort des Sprechenden zu
sein; b) jmdn. herbeisehnen; -sein <unr. V.; ist; nur im
Inf. u. Part, zusammengeschrieben): a) vom Zeitpunkt des
Sprechenden aus bereits geschehen sein, eine bestimmte Zeit
zurückliegen: das ist schon einen Monat, lange [Zelt], noch
gar nicht so lange her; lang, lang ist's her; das dürfte
schon Jahre h.; b) (in bezug auf den Geburts-, Wohnort)
woher stammen, herkotnmen; wo geboren sein: Obwohl
Christina darüber viel besser Bescheid weiß. ... denn dort
ist sie her (Bobrowski. Mühle 36); c) *es ist nicht weit
her mit Jmdm., etw. (ugs.; jmd., jmds. Leistung o.a. läßt
eine gewisse Unzulätiglichkeit erkennen); hinter Jmdm. h.
(ugs.: 1. nach jmdm. fahnden: die Polizei ist schon lange
hinter dieser Bande her. 2. sich um jmdn. in
erotisch-sexueller Hinsicht intensiv bemühen: Womöglich denkt er. ich
bin hinter ihm her und will ihn mir angeln [Hörzu 33.
1971, 37]); hinter etw. h. (etw. unbedingt haben wollen):
hinter diesem Buch ist er schon lange h.; -setzen <sw.
V.; hat): 1. etw. an den Ort. in die Nähe des Sprechenden
stellen:... ich werde Ihnen eine Flasche Wein h. (Fallada,
Herr 228). 2.a) jmdn. zum, in die Nähe des Sprechenden
setzen: du kannst das Kind gerne h.; b) <h. + sich) sich
setzend beim Sprechenden Platz nehmen: setz dich her!;
er setzte sich einfach her. 3. * hinter imdnu h. (jmdm.
mit großen Schritten nacheilen, nachsetzen): der Hund
setzte hinter dem Flüchtenden her, um ihn einzuholen;
-stammen <sw. V.; hat): 1. abstammen: er stammt von deutschen
Einwanderern her; wo stammen Sie her (in welchem Ort.
Land sind Sie geboren)? 2. svw. T-kommen (2): wo sein
Vermögen herstammt, weiß man nicht genau; -stellen <sw.
V.; hat): 1. gewerbsmäßig in laufender Produktion
anfertigen: etw. maschinell, von Hand, synthetisch, billig h.;
Autos serienmäßig h.; Einzelteile in Heimarbeit h.; im
Ausland hergestellte Produkte. 2.a) durch bestimmte
Anstrengungen [über alle Schwierigkeiten hinweg] zustande
bringen, schaffen: [telefonisch] eine Verbindung, einen
Kontakt h.; eine Verbindung zwischen der Insel und dem
Festland h.: die Schule wird immer bemüht sein, ein gutes
Verhältnis zum Elternhaus herzustellen; endlich waren
Ruhe und Ordnung hergestellt; b) <h. + sich) hergestellt
(2 a), erreicht werden; sich gewinnen lassen: Am Nachmittag
stellte sich ... langsam eine Übersicht her (Gaiser. Jagd
%). 3. in den ursprünglichen guten Zustand zurückversetzen;
wiederherstellen: Das Ziel wurde erreicht, der Friede
hergestellt (Thieß. Reich 265): mit all ihrer Einbildungskraft
stellen sie (= die Alten) sich selbst wieder her. jung, gesund
und liebeskräftig (Kaschnitz. Wohin 136): er war soweit
... hergestellt (genesen), daß er sein Einglas eingeklemmt
halten... konnte (PÜevier. Stalingrad 268). 4. zum Sprechen-
1192
herab-, Herab-
den stellen: wenn du willst, kannst du den Koffer h.;
komm, stell dich her!; -steller, der; -s. -: 1. jrnd., der
etw. industriemäßig herstellt (1): Produzent einer Ware.
2. (Buchw.) Angestellter eines Verlags, der in der
Herstellung (4) tätig ist (Berufsbez.), dazu: -Stellerbetrieb, der:
Betrieb, in dem ein Produkt hergestellt wird, -stellerflrma,
die: vgl. ^stellerbetrieb, -steilermarke, die: svw. t
Warenzeichen. -Steuerwerk, das: vgl. -stetlerbetrieb; -Stellung.
die: 1. das Herstellen (1):... beschäftigte sich der Schloßherr
von Stift Neuburg mit ... der H. von allerlei heilsamen
Pulvern (K. Mann, Wendepunkt 127). 2. das Herstellen
(2 a): die H. diplomatischer Beziehungen. 3. das Herstellen
(3): die Arbeiten zur H. des Altbaus. 4. Abteilung innerhalb
eines Verlags, die für die satztechnische Herstellung (1)
von Verlagswerken, die Kalkulation u. Überwachung der
Druck- u. Bindearbeiten zuständig ist, zu 1:
-Stellungsarbeiten <P1.>: die H. nehmen mehrere Tage in Anspruch, ^stel-
hingsart. die. -Stellungskosten <PI >. -Stellungsland, das:
<P1. ...länder): Land, in dem ein Produkt hergestellt (1)
wird: Herkunftsland, -stelhingspreis, der (selten): svw.
^stellungskosten: Entrichtet schon der Käufer einer
illustrierten Zeitung nur einen Bruchteil ihres -es (Enzensber-
ger. Einzelheiten I. 13). -Stellungsprozeß, der.
-stellungsverfahren, das; -stolpern <sw. V.; ist) (ugs.): stolpernd mit
jmdm. gehen: vor. hinter, neben ihm h.; -stürzen <sw.
V.; ist): 1. abrupt, hastig u. erregt jmdm. nachlaufen: hinter
jmdm. h. 2. in äußerster Eile aufgeregt zum Sprechenden
laufen: auf diese Nachricht hin ist sie sogleich hergestürzt;
-tragen <st. V.; hat): 1. etw. in die Richtung des
Sprechenden, zum Sprechenden tragen. 2. mit jmdm. gehen u. tragen:
das Paket neben, hinter ihm h.; Meine Freunde haben
mich vor den Deutschen hergetragen (Seghers, Transit
81); -treiben <st. V.; hat): 1. jmdn., etw. in Richtung auf
den Sprechenden, zum Sprechenden treiben. 2. sich dicht
hinter jmdm. vorwärts bewegen u. ihn antreiben: Ü ... wo
der Wind ihn (= den Zahlmeisteranwärter Schweidnitz)
erfaßt und ... vor sich hergetrieben hatte (Plievier,
Stalingrad 227); -wfirts <Adv.) [mhd. herwert. T-wärts]: (vom
Standpunkt des Sprechenden gesehen) in Richtung auf den
Sprechenden (Ggs.: hinwärts); -weg, der: Weg zum Ort
des Sprechenden: ^werfen <st. V.; hat): in Richtung auf
den Sprechenden, zum Sprechenden werfen: -winken <sw.
V.; hat): I. jmdn. zum Sprechenden winken: jmdm. durch
Winken bedeuten, daß er herkommen möge. 2. jmdm. winken,
zuwinken: ich habe gesehen, wie er hergewinkt hat; -wollen
<unr. V.; hat): vgl. ^dürfen; -zaubern <sw. V.; hat): etw.
durch Zauberei beschaffen: denkst du. ich kann das Geld
h.?; Ü was hast du nur alles hergezaubert ([trotz kärglicher
MittelI aus einem bestimmten Anlaß [rasch]
zusammengebracht, zubereitet)!: -zeigen <sw. V.; hat) (ugs.): 1. sehen
lassen: vorzeigen: zeig doch bitte mal deine Tasche her!
2. zum Sprechenden, in Richtung auf den Sprechenden
deuten, weisen: -ziehen <unr. V.): 1. <hat> a) (ugs.) durch
Ziehen an den Ort des Sprechenden bewegen: sich den
Stuhl, Tisch h.; jmdn. zu sich h.; b) durch Ziehen mit
sich führen: ein Kind, das nicht folgen will, einen
störrischen Hund an der Leine hinter sich h.; er zog einen
Handwagen, einen Karren, einen Schlitten hinter sich her;
Ü das Flugzeug zieht einen weißen Kondensstreifen hinter
sich her. 2. mit einem in Bewegung befindlichen Gegenstand,
mit einer sich bewegenden, marschierenden od. einen Umzug
veranstaltenden Menschenmenge gehen, laufen <ist>: vor
den Fackelträgem zog eine Musikkapelle her; hinter, neben
dem Zirkuswagen zogen Kinder her. 3. an den Ort des
Sprechenden umziehen <ist>: sie sind vor ein paar Jahren,
erst kürzlich hergezogen. 4. (ugs.) über einen Abwesenden
schlecht, meist in heftiger, gehässiger Weise reden, indem
man besonders dessen / angeblicheJ Fehler u. Schwächen
hervorhebt u. sie im einzelnen schonungslos beredet Ost,
hat): die Nachbarn zogen in übler Weise über das Mädchen
her.
herab [he'rapl <Adv.) [mhd. her abe, ther u. Tab]: a) von
einer höhergelegenen Stelle nach unten I zum Sprechenden!,
herunter (Ggs.: hinauf): h. mit euch!; <als Verstärkung
u. Differenzierung von Präpositionen:) von den Bergen
h. bis ins Tal war das Land mit Schnee bedeckt; Also
warte ich: ... auf den Augenblick, da sie erscheinen wird
von der Loggia her oder über die Treppe h. (Frisch.
Gantenbein 327); b) von einem Höherstehenden in einer
Rangfolge nach unten: Jaakob rief seine Söhne zu Rate bis h.
zu Sebulun. zehn an der Zahl (Th. Mann. Joseph 170);
*von oben h. ([grundlos] einen bestehenden
Rangunterschied durch [große Überheblichkeit u.J geringschätzige,
herablassende, überhebliche Behandlung deutlich fühlen
lassend): sie behandelte uns. zeigte sich sehr von oben h.;
Und sie wird kalt zu mir sein, von oben h. (R. Walser,
Gehülfe 153).
her?b-. Her^b- (vgl. auch: hinab-, hinunter-, herunter-):
-baumeln <sw. V.; hat) svw. t herunterbaumeln; -beugen
<sw. V.; hat) (geh.): nach unten zum Sprechetiden beugen:
den Kopf, sich h.; -blicken <sw. V.; hat) (geh.): 1. svw.
f herunterblicken. 2. jmdn., etw. abschätzig u. mit dem
Gefühl der Überlegenheit ansehen: mit Verachtung blickte
er auf diese Geschöpfe herab; -brennen <unr. V.) (geh.):
1. svw. t herunterbrennen (1) <hat): die Sonne brennt auf
die öde Steppe herab. 2. svw. t herunterbrennen (2) <ist>:
Das Feuer im Ofen ging aus. die Lampe brannte herab
(A. Kolb. Schaukel 25); -drücken <sw. V.; hat) (geh.):
svw. t ^herunterdrücken; -eilen <sw. V.; ist) (geh.): von
einer höhergelegenen Stelle nach unten an den Ort des
Sprechendeneilen: -fahren <st. V.; ist) (geh.): svw. T
herunterfahren (1); -fallen <st. V.; ist) (geh.): a) herunterfallen (a):
Tropfen fallen herab; vor Staunen fiel ihr Kinn herab
(klappte es nach unten): mit Einsetzen des Beifalls fiel
der Vorhang herab (senkte sich der Vorhang vor der Bühne
herab): er wurde durch herabfallende Trümmer.
Gesteinsbrocken verletzt; b) herunterfallen (b): ihr (= der
Glühbirne) Licht fiel herab auf die Platte (Gaiser. Jagd 106);
Ü Finsternis, Nacht fällt auf die Stadt herab (dichter.;
es wird plötzlich dunkel): -flehen <sw. V.; hat) (geh.):
vom Himmel für jmdn. erflehen: die Mutter flehte Gottes
Segen auf ihr Kind herab; -fließen <st. V.; ist) (geh.):
von einer / oberhalb des Sprechenden gelegenen I Stelle nach
unten fließen: -führen <sw. V.; hat) (geh.): svw. I
herunterführen; ^gekommen <Adj.; nicht adv.) (selten):
heruntergekommen: So sehen die -en Künstler aus, die mit Stift
und Zeichenmappe von Tisch zu Tisch gehen (Werfel,
Himmel 142); -gießen <st. V.; hat) (geh.): t heruntergießen;
-gleiten <st. V.; ist) (geh.): svw. T heruntergleiten; -hageln
<sw. V.; ist): wie ein Hagelschauer auf jmdn.
herunterprasseln: Beschimpfungen. Schläge hagelten auf ihn herab;
-hängen <st. V.; hat): 1. von einer [oberhalb des
Sprechenden gelegenenJ Stelle nach unten 'hängen (1 a): eine Lampe
hängt von der Decke herab; Zweige hängen herab; Ü die
Wolken hängen tief herab. 2. von einer Stelle schwer u.
schlaff nach unten ]hängen (2 a): seine Arme hingen wie
abgestorben herab; erstand mit herabhängenden Schultern
vor uns; -helfen <st. V.; hat) (geh.): svw. t herunterhelfen;
-holen <sw. V.; hat) (geh.): svw. t herunterholen (1);
^klettern <sw. V.; ist) (geh.): svw. therunterklettern; -kommen
<st. V.; ist) /vgl. herabgekommen/ (geh.): von einer
höhergelegenen Stelle nach unten zum Sprechenden kommen:
-lassen <st. V.; hat) /vgl. herablassend/: 1. von einer [oberhalb
des Sprechenden gelegenen/ Stelle nach unten [gleiten]
lassen: das Gitter, den Rolladen, den Vorhang h.; einen
Korb an einem Seil h.; der Gefangene hat sich mit einem
Strick an der Mauer herabgelassen. 2. <h. + sich) a)
(geh.. selten) in geistiger Hinsicht von einer höherenStufe
sich jmdm. zuwenden: Jesus ... tut das schlechthin
Unerwartete. Er läßt sich herab zu diesem armen Zweifler (Thielik-
ke. Ich glaube 234); b) (iron., veraltend) von einem sozial
höheren Rang sich jmdm. zuwenden u. ihm gegenüber
gönnerhaft, leutselig sein: der Fürst ließ sich gnädig zu seinen
Leuten herab; c) (selten) sich dazu erniedrigen, etw. zu
tun, was man eigentlich als unter seiner Würde betrachtet:
Ich fand, daß wir uns nicht so weit h. sollten (Brand.
Gangster 65); d) (iron.) sich schließlich gttädig dazu bereit
finden, etw. zu tun: wirst du dich noch h.. meine Frage
zu beantworten?; Victor Hugo ... hat sich ... einmal zu
einer angenehmen Bemerkung über de Lafite herabgelassen
(Werfel. Bernadette 28); -lassend <Adj.): jmdn. mit einer
hochmütigen u. gönnerhaften Freundlichkeit behandelnd u.
einen [ eingebildeten J Rangunterschied deutlich fühlen
lassend: ein -er Gruß; er war sehr h. zu uns; „Haben Sie
etwas Neues hereingekriegt?'\ fragte er h. (Remarque.
Obelisk 215); -lassung, die; -: herablassendes Benehmen:
-laufen <st. V.; ist): 1. von einer oberhalb des Sprechenden
gelegenen Stelle nach unten laufen: ich sah ihn die Straße
h. 2. svw. t ^fließen: seine Tränen liefen lautlos die Backen
herab (Böll. Adam 4); -mindern <sw. V.; hat): a) der
1193
Heraion
Intensität nach abschwächen u. damit reduzieren: die
Geschwindigkeit, die Länge h.; Ü jmds. Hoffnungen h.; b)
im Wert herabsetzen: ihre Fähigkeiten, Leistungen wurden
herabgemindert; die Gefahr h. (bagatellisieren), dazu:
-minderung, die; -regnen <sw. V.; ist): von einer oberhalb
des Sprechenden telegenen Stelle wie Regen auf ihn
niederfallen: auf jmdn. Konfetti herabregnen lassen; dicke
Tropfen regneten herab; Ü eine Flut von Schimpfwörtern regnet
auf sie herab; -reichen <sw. V.; hat) (geh.): svw. t
herunterreichen; -rieseln <sw. V.; ist) (geh.): von einer oberhalb
des Sprechenden gelegenen Stelle nach unten rieseln: -rinnen
<st. V.; ist) (geh.): vgl. -fließen; -rollen <sw. V.; ist) (geh.):
svw. t herunterrollen: Tränen rollten über ihre Wangen
h.; -rufen <st. V.; hat) (geh.): 1. svw. therunterrufen.
2. (selten) vgl. -flehen: und Vater Seraphim rief Gottes
Segen über den Arzt herab (Schaper. Kirche 38); -sausen
<sw. V.; ist): svw. theruntersausen; -schaffen <sw. V.;
hat)(geh.): svw. Therunterschaffen; -schauen <sw. V.; hat):
svw. t herunterblicken (1. 2); -schicken <sw. V.; hat): svw.
t herunterschicken; -schießen <st. V.) (geh.): svw. t
herunterschießen; -schlagen <st. V.): 1. (geh.) abschlagen u.
nach unten fallen lassen <hat): die Eiszapfen von der
Dachrinne h. 2. (geh.) vgl. -fallen (a) (ist): armselige Deckung
vor herabschlagenden Splittern (Remarque, Westen 53);
-schrauben<sw. V.; hat) (selten): svw. f herunterschrauben;
-schweben <sw. V.; ist) (geh.): von einer höher [oberhalb
des Sprechendem gelegenen Stelle nach unten schweben:
herabschwebende Verpflegungsbomben; -schwingen, sich
<st. V.; hat): sich von einer höher loberhalb des
Sprechenden! gelegenen Stelle nach unten schwingen: um ... wie
ein Lakai mich herabschwingend ( = vom Kutschersitz)
... den Schlag zu öffnen (Th. Mann. Krull 100); -sehen
<st. V.; hat): svw. f heruntersehen; -senken, sich <st. V.;
hat): 1. von einer höher [oberhalb des Sprechenden[
gelegenen Stelle langsam nach unten sinken: über dem ... Flugplatz
senkte sich aus dem grau verhangenen Himmel eine
viermotorige Maschine herab (Simmel, Affäre 236); Ü der Nebel,
der immerdichter sich herabsenkte (Broch, Versucher 339);
Dunkelheit, die Nacht senkt sich leise über die Stadt herab
(geh., dichter.; es beginnt dunkel. Nacht zu werden). 2.
(geh.) mit geringem Gefälle stetig in eine Richtung schräg
nach unten verlaufen: die Straße senkt sich in sanften
Windungen ins Tal herab; -setzen <sw. V.: 1. ein zahlenmäßig
ausgedrücktes Niveauauf eine niedrigere Zahl bringen <hat>:
den Preis, die Kosten h.; die Waren wurden [im Preisl
stark herabgesetzt (wurden zu stark herabgesetzten Preisen
verkauft): mit herabgesetzter Geschwindigkeit fahren. 2.
den Wert, die Bedeutung einer Person od. Sache
ungerechtfertigt schmälern, indem man abschätzig darüber redet <hat>:
jmds. Verdienste. Leistungen. Fähigkeiten h.; er versuchte,
seinen Gegner in den Augen der anderen herabzusetzen;
höhnisch herabsetzende Worte, dazu: -Setzung, die;
-sinken <st. V.; ist): 1. svw. I heruntersinken: der Ballon sinkt
herab; Ü die Nacht, die vollends herabgesunken war
(Hausmann. Abel 114). 2. an Ansehen, an moralischem Wert
verlieren u. auf ein bestimmtes, gesellschaftlich nicht mehr
akzeptiertes Niveau absinken: Du bist... zu einem
ekelhaften Materialisten herabgesunken (Remarque. Obelisk 69);
-spielen <sw. V.; hat): svw. t herunterspielen; -springen
<st. V.; ist): svw. t herunterspringen; -steigen <st. V.; ist)
(geh.): svw. Theruntersteigen; -stimmen <sw. V.; hat)
[urspr. = Musikinstrumente einen od. mehrere Töne tiefer
stimmen!: auf jmds. Stimmung drücken u. dadurch bei ihm
ein Gefiihl der Hoffnungslosigkeit u. der Mutlosigkeit
hervorrufen: die Überschwemmung mit Medaillen ... stimmte
sie nur noch mehr herab (Fussenegger, Zeit 441); -stoßen
<st. V.) (geh.): I. svw. Therunterstoßen <hat): der Mörder
hat sie vom KlifT herabgestoßen. 2. sich stoßartig nach
unten bewegen <ist): der Raubvogel stieß plötzlich auf
das Feld herab; -strömen <sw. V.; ist): in Strömen
herab}'ließen: ^stürzen <sw. V.): 1. von einer höher [oberhalb des
Sprechenden] gelegenen Stelle nach unten stürzen <ist>:
Felsbrocken stürzten herab. 2. <h. + sich) sich von einer
höher /oberhalb des Sprechenden/ gelegenen Stelle nach
unten fallen lassen <hat>: Farhad stürzt sich vom Felsen
herab (Jahnn. Geschichten 54); -tropfen <sw. V.; ist):
svw. t heruntertropfen; -würdigen <sw. V.; hat): jmdn. auf
verletzende Weise nicht mit dem nötigen Respekt behandeln,
nicht seiner Würde u. seinen Verdiensten entsprechend von
ihm reden, dazu: -Würdigung« die: -ziehen <unr. V.; hat)
(geh.): 1. nach unten ziehen: das Rollo h.; die Mundwinkel
h. (nach unten bewegen u. dadurch einen abweisenden,
geringschätzigen, schmollenden o. ä. Gesichtsausdruck
bekommen): 2. jmdn. durch einen bestimmten Einfluß auf eine
geistig, moralisch od. sozial niedrigere Ebene bringen.
Heraion [he'r^jonl, Heräon [herein], das: -s. -s [griech.
heraTonl: Tempel, Heiligtum der griechischen Göttin Hera,
bes. in Olympia u. auf Samos.
Herakliteer [herakli'te:Bl. der; -s, -: Schüler. Anhänger des
altgriechischen Philosophen Heraklit (etwa 550-480 v.
Chr.).
Heraklith © [hera'kli:t, auch: ...klit]. der, -s [Kunstwort]:
Material für Leichtbauplatten.
Heraldik [he'raldik], die; - [aus frz. (science) heraldique
eigtl. = Heroldskunst, zu heraut = T Herold; nach der
dem Herold zukommenden Aufgabe, bei Ritterturnieren,
die nur dem Adel offenstanden, die Wappen der einzelnen
Kämpfer zu prüfen!: (von den Herolden (1) entwickelte)
Wappenkunde; Heroldskunst; <Abl.:) Herqldiker, der; -s.
-: jmd., der sich mit Wappenkunde beschäftigt;
Wappenforscher; heraldisch [he'ralddl <Adj.; o. Steig.; meist nur attr.):
die Heraldik betreffend,
heran [he'ranl <Adv.) [zu ther u. Tan]: an den Ort. in die
Nähe des Sprechenden od. einer Sache: nur h.. ihr zwei!;
rechts h. (andie Seite); <als Verstärkung der Präp. „an":)
es standen nur ein paar Häuser bis an das Wasser h.
(Jahnn, Geschichten 7).
henjn-. Henp-: -arbeiten <sw. V.; hat): sich in die Nähe
des Sprechenden od. einer anderen Person, einer Sache
arbeiten (3 b): Gewehre knattern. Von drüben arbeiten sie sich
heran (Remarque. Westen 84); -bilden <sw. V.; hat): 1.
in einer besonderen Weise auf ein bestimmtes Ziel hin
ausbilden: die Firma bildet Fachkräfte selbst heran. L <h. +
sich) im Verlauf einer erfolgreichen Ausbildung entstehen,
sich entwickeln: ein Talent bildet sich heran; -blühen <sw.
V.; ist) (Schweiz.): svw. -wachsen (a): die Schar der
heranblühenden Enkelkinder, -branden <sw. V.; hat): brandend
herankommen; -brausen <sw. V.; ist): an den Ort des
Sprechenden brausen; sich dem Sprechenden brausend
nähern; -brechen <st. V.; ist): 1. svw. t branden. 2. (Schweiz.)
svw. Tanbrechen (3): ein Zeitalter der Schlagworte droht
heranzubrechen; -bringen <unr. V.; hat): 1. in die Nähe
des Sprechenden od. einer anderen Person, einer Sache
bringen: die anderen Fahrer des Feldes an den Spitzenreiter h.
2. mit einer Sache vertraut machen: man sollte die jungen
Menschen vorsichtig an diese Probleme h.; -drängen <sw.
V.; hat): in die Nähe des Sprechenden drängen; -eilen
<sw. V.: ist): in die Nähe des Sprechenden, von etw. eilen;
-entwickeln <sw. V.; hat): etw. zu einem bestimmten Zweck,
mit einem bestimmten Ziel allmählich entwickeln; -fahren
<st. V.; ist): in die Nähe, an den Ort des Sprechenden,
nahe an eine bestimmte Stelle fahren; -führen <sw. V.;
hat): l.a) jmdn. in die Nähe, an den Ort des Sprechenden
führen da); b) etw. in die Nähe einer bestimmten Stelle
führen (6): die Lupe an die Augen h.; c) in die Nähe
einer bestimmten Stelle führen (7 b): der Weg fuhrt nahe
an die Bucht heran. 2. jmdm. ein Wissensgebiet, eine
Erkenntnis näherbringen u. sein Interesse dafür wecken: Söhne
und Töchter .... die man später an die politische Arbeit
heranführte (Leonhard, Revoluüon 228); -gehen <unr. V.;
ist): 1. sich jmdm.. einer Sache nähern: Als Abel näher
heranging, hob sie (= das Mädchen) die entzündeten Lider
(Hausmann, Abel 61). 2. /mit etw.] beginnen; etw. in
Angriff nehmen, anpacken: mutig an eine Sache, an eine
schwierige Aufgabe h.; -gleiten <st. V.; ist): /// die Nähe
des Sprechenden, von etw. gleiten; -heulen <sw. V.; ist):
sich heulend in die Nähe des Sprechenden od. einer anderen
Person, einer Sache bewegen: Die ersten Luftminen heulten
heran (Degenhardt. Zündschnüre 231); ein heranheulender
Krankenwagen; -holen <sw. V.; hat): in die Nähe des
Sprechenden od. einer anderen Person, einer Sache holen;
-kflmpfen, sich <sw. V.; hat): sich zu einem bestimmten
Ort durchkämpfen; -kommen <st. V.; ist): l.a) in die Nähe,
an den Ort des Sprechenden kommen: ich beobachtete,
wie er langsam herankam; *etw. an sich h. lassen (ugs.;
nicht voreilig aktiv werden, sondern abwarten, wie sich etw.
gestaltet, wenn es akut wird): b) in die Nähe einer bestimmten
Stelle kommen: Sie kommen dicht an das Gitter heran
und legen ihre Gesichter dagegen (Remarque. Westen 137).
2. (in bezug auf ein erwartetes Ereignis) nicht mehr lange
1194
Heratimuster
dauern, in zeitliche Nähe rücken: endlich kamen die Ferien,
der Urlaub heran; nun wird Weihnachten bald h. 3.a)
etw., was schwer zu erreichen od. zu bekommen ist, doch
noch erreichen, bekommen: er kam mit der Hand nicht
an den Hebel heran; wie bist du an die verbotenen Bücher
herangekommen?; er kommt an sein Geld nicht heran
(es liegt auf einem Konto fest): Ü an die Verantwortlichen
kommt man schwer heran; an ihn ist nicht heranzukommen
(1. er ist auf Grund seiner Stellung nur schwer zu erreichen.
2. er ist unzugänglich, verschlossen): b) in den Grenzbereich
von etw. kommen: das kommt schon nahe heran an
unerlaubte Entfernung von der Truppe (H. Kolb. Wilzenbach
67); bis auf eine Sekunde war er an Berts Europarekord
herangekommen (Sport; hatte er den Vorsprung des Gegners
verkürzt: Lenz. Spiele 128); An diesen Menschen kommt
heute kein zweiter heran (er ist zur Zeit unerreicht: Musil.
Mann 1437;; -können <unr. V.; hat): herankommen,
herangehen (1) können: Man kann bis auf dreißig Meter an
sie (= die Löwen) heran (Grzimek. Serengeti 83);
^kriechen <st. V.; ist): in die Nähe des Sprechenden, von etw.
kriechen: -lassen <st. V.; hat): 1. in die Nähe, an den Ort
des Sprechenden kommen lassen: Dicht h. Erst feuern auf
Befehl (Plievier. Stalingrad 181); an diesen Fall läßt er
keinen heran; an seine Aktenmappe hat er mich nie
herangelassen (durfte ich nie auch mir aus der Nähe sehen:
Tucholsky, Werke II. 394). 2. (salopp selten) sich zum Ge-
schlechtsverkelir mit jmdm. bereit finden: vgl. ranlassen;
-locken <sw. V.; hat): in die Nähe, an den Ort des
Sprechenden locken: -machen, sich <sw. V.; hat) (ugs.): 1. mit
etw. /nach längerem Zögern, schließlich/ tatkräftig
beginnen: etw. in Angriff nehmen. 2. sich jmdm. in bestimmter
Absicht auf nicht besonders feine Art nähern: er hat sich
an den Chef herangemacht; die Gefahr bestand, daß ...
kriminelle Elemente ... dazusteigen und sich ... an den
Fahrgast heranmachen (MM 31.7. 74.9); -müssen <unr.
V.; hat) (ugs.): eine Arbeit, Aufgabe übernehmen müssen:
schon als Kind mußte ich im Haushalt heran (mithelfen):
-nahen <sw. V.; ist): 1. (veraltet, selten) sich dem [Ort
desj Sprechenden nähern: ich sah die Bewaffneten h. 2.
(geh.) svw. ^kommen (2): es besagt nur. daß ich den
Augenblick h. fühlte (Benrath. Konstanze 37); der herannahende
Abend; -nehmen <st. V.; hat): zu einer bestimmten Arbeit
heranziehen u. dabei stark beanspruchen: -pfeifen <st. V.):
1. sich mit pfeifendem Geräusch dem Ort des Sprechenden
nähern <ist>: Manchmal pfeift eine Granate heran (Re-
marque. Westen 200). 2. durch Pfiff zu verstehen geben
heranzukommen <hat): er pfiff den Hund heran; -pirschen.
sich <sw. V.; hat): sich in die Nähe des Sprechenden od.
einer anderen Person, einer Sache pirschen: -reichen <sw.
V.; hat): 1. etw. erreichen (1): das Kind kann noch nicht
an das Regal h. 2. die gleichen Qualitäten wie jmd., die
gleiche gute Qualität wie etw. haben: Sendungen .... die
an die alliierten Rundfunksendungen des Westens
heranreichten (Leonhard. Revolution 225). 3. (landsch.) für etw.
reichen, lang genug sein: diese Schnur reicht nicht heran;
-reifen <sw. V.; ist): a) allmählich den Zustand der Reife
erreichen: Getreide, Früchte reifen heran; b) langsam
■ durch Vervollkommnung] zu etw. werden: der Jugendliche
ist zum Erwachsenen herangereift; er reifte zum großen
Künstler heran; Ü einen Entschluß, die Ausführung eines
Plans h. lassen; -rollen <sw. V.; ist): in die Nähe, an
den Ort des Sprechetiden rollen: -rücken <sw. V.): a) etw.
in die Nähe des Sprechenden, an eine bestimmte Stelle rücken
(hat): ich rückte mir den Ohrensessel heran (Bieler. Bonifaz
158); b) in die Nähe des Sprechenden, an eine bestimmte
Stelle rücken <ist): dicht an jmdn. h.; Ü die Fronten rückten
immer näher an das Lager heran (Apitz, Wölfe 66); -rufen
(st. V.; hat): jmdn. zu sich, an eine bestimmte Stelle rufen:
-schaffen <sw. V.; hat): an den Ort des Sprechenden, zum
Sprechenden, an eine bestimmte Stelle schaffen: -schieben
<st. V.): 1. (hat) a) etw. in die Nähe von jmdm., etw.
schieben: b) (h. + sich) sich in die Nähe von jmdm., etw.
schieben: Langsam schiebt sich ein Demonstrationszug
vom Markt her heran (Remarque, Obelisk 218). 2. (salopp)
träge, schwer, langsam, schleppend herankommen (ist):
Fouriere ... teilten den Männern aus (= das Fleisch),
die in Schlangen heranschoben (Gaiser. Jagd 184);
-schleichen (sw. V.): a) in die Nähe von jmdm., etw., an den
Ort des Sprechenden schleichen (ist); b) (h. + sich) sich
in die Nähe von jmdm., etw., an den Ort des Sprechenden
schleichen (hat); -schlendern (sw. V.; ist): in die Nähe,
an den Ort des Sprechenden, an eine bestimmte Stelle
schlendern: -schleppen (sw. V.; hat): a) in die Nähe, an den
Ort des Sprechenden, an eine bestimmte Stelle schleppen:
b) (h. + sich) sich in die Nähe, an den Ort des Sprechenden,
an eine bestimmte Stelle schleppen: ^seln (unr. V.; ist;
nur im Inf. u. Part, zusammengeschrieben) (ugs.): in die
Nähe, an den Ort des Sprechenden gekommen sein: er ist
bis auf einen halben Meter heran; -sprengen (sw. V.;
ist): scharf reitend in die Nähe, an den Ort des Sprechetulen,
an eine bestimmte Stelle gelangen: -stehen (st. V.; ist)
(österr.): fällig sein: Ein solcher Fall steht jetzt wieder
in einem westlichen Land heran (steht... bevor:
Vorarlberger Nachr. 9. 11. 68;; -stürmen (sw. V.; ist): sich in
wilder Bewegung nä/iern: -tasten, sich (sw. V.; hat): 1.
sich indieNähe von jmdm., etw., an den Ort des Sprechenden
tasten: ich tastete mich in der Dunkelheit an die Leiter
heran. 2. vorsichtige Nachforschungen anstellen, um
Aufschluß über jmdn., etw. zu erhalten: sich an ein Geheimnis
h.: -tragen (st. V.; hat): 1. in die Nähe, an den Ort des
Sprechenden, an eine bestimmte Stelle fragen. 2. (ein
Anliegen o. ä.) jmdm. gegenüber vorbringen: an die Regierung
herangetragene Wünsche; -trauen, sich (sw. V.; hat) (ugs.):
sich in die Nähe von jmdm., etw. trauen: er traute sich
nicht an den bärenstarken Kerl heran; Ü sich nicht an
eine Sache h. (sich nicht trauen, sie in Angriff zu nehmen):
-treten (st. V.; ist): l.a) in die Nähe, an den Ort des
Sprechenden, an eine bestimmte Stelle treten: der Arzt trat
näher an das Bett des Kranken heran; b) entstehen u.
dadurch jmdn. zwingen, sich mit der betreffenden Sache
auseinanderzusetzen: Probleme. Fragen. Zweifel,
Versuchungen. Anfechtungen treten an jmdn. heran. 2. sich
mit etw. an jmdn. wenden: mit Bitten, Vorschlägen.
Eingaben. Resolutionen an das Komitee h.; -wachsen (st.
V.; ist): a) allmählich ein bestimmtes Stadium der Reife
erreichen: das Mädchen ist zur Frau herangewachsen; die
heranwachsende Generation; Ü Ringsumher wuchsen
Konkurrenten heran (bildeten sich allmählich
Konkurrenten heraus: Koeppen. New York 15); b) aufwachsen: eine
wenige Tage alte Graugans .... die bis dahin bei ihren
Eltern herangewachsen ist (Lorenz, Verhalten I, 140), zu
a): -wachsende, der u. die; -n. -n (Dekl. t Abgeordnete):
a) jmd., der heranwächst: b) (jur.) jmd. der zur Zeit einer
Straftat das achtzehnte, aber noch nicht das
einundzwanzigste Lebensjahr vollendet hat: -wagen, sich (st. V.; hat):
wagen, sich jmdm., etw., dem Sprechenden zu nähern: das
Kind wagte sich nicht an den knurrenden Hund heran;
Ü er hat sich an dieses heikle Problem nicht herangewagt
(nicht gewagt, sich damit auseinanderzusetzen): -winken
(sw. V.; hat): jmdn. zu sich winken: -ziehen (unr. V.):
l.a) in die Nähe von jmdm., etw., an den Ort des Sprechenden
ziehen (hat): den Sessel [näher an den Tisch! h.; b) sich
[langsam] stetig [dem Ort des Sprechenden] nähern (ist):
eine Gruppe junger Leute zog lärmend und lachend heran;
Ü das Gewitter ist von Westen herangezogen. 2. (hat)
a) großziehen u. zum Gedeihen bringen, indem man vom
frühesten Stadium an größte Mühe u. Sorgfalt aufwendet:
man hat diese tropischen Pflanzen, die jungen Vögel
sorgsam herangezogen; b) durch dauernde Vervollkommnung
auf ein bestimmtes Ziel hin, zu einem bestimmten Zweck
ausbilden: Mußte man wirklich mit solchen Methoden
Genossen zu Funktionären h.? (Leonhard. Revolution
186). 3. (hat) a) jmdn. beauftragen, eine bestimmte Sache
zu überprüfen u. seine Meinung, sein Urteil abzugeben:
zur Klärung dieser Frage wurden Sachverständige.
Fachleute herangezogen; b) [bei etw.) zu einem bestimmten
Zweck einsetzen: ausländische Arbeitskräfte h.; der
gemeinsame Vorteil,... für welchen die Ersparnisse beiderGruppen
herangezogen werden mußten (Hofstätter,
Gruppendynamik 97). 4. für etw. in Betracht ziehen, geltend machen:
im Sinne einer bestimmten Überlegung verwenden (hat):
ganz abgesehen davon, daß man Paragraph 221 h. könnte
(Bieler, Bonifaz 190); etw. zum Vergleich h. (als
Vergleichbares anführen), zu 2-4: -Ziehung, die.
Herion: T Heraion.
Herat [he'ra:t], der; -[s]. -s [nach der Stadt Herat in
Afghanistan]: dichter, kurzgeschorener, meist rotgrundiger Teppich
mit Heratimuster: Heratimuster [he'ra:ti-], das; -s, - [I
Herat]: aus Rosetten, Sternen, Blüten u. Blättern in
geometrischer Anordnung bestehendes Teppichmuster.
1195
herauf
herauf [her^ifl <Adv.) [mhd. her üf, ahd. hera üf, zu
ther u. laufl (Ggs. hinunter): 1. von etw. entfernt u. tiefer
Gelegenem nach [hier] oben: h. geht die Fahrt langsamer
als hinunter; (als Verstärkung der Präp. „von":) vom
Tal h. 2. (ugs.) von Süden nach Norden (vom Norden aus
betrachtet): sie hat von Bayern h. nach Norddeutschland
geheiratet.
herauf-. Herauf- (vgl. auch: hinauf-, rauf-, hoch-, empor-):
-arbeiten, sich <sw. V.; hat): 1. von einer [unterhalb des
Sprechenden gelegenen] Stelle nach oben arbeiten (3 b):
Würmer, die sich aus der feuchten Gartenerde
heraufarbeiten (Remarque. Obelisk 28). 2. svw. sich t hocharbeiten:
sich vom Lehrling zum Filialleiter h.; er hat sich in die
Spitze des Unternehmens heraufgearbeitet; -befördern
<sw. V.; hat): von einer /unterhalb des Sprechenden
gelegenen/ Stelle nach oben befördern: -bemühen <sw. V.; hat):
I. von einer I sich unterhalb des Sprechenden befindenden]
Stelle nach oben bemühen: darf ich Sie noch einmal auf
die Bühne h? 2. <h. + sich) sich von einer [unterhalb
des Sprechenden gelegenen J Stelle nach oben bemühen:
Wollen Sie sich h.. dort ist das Mikrophon (Hacks. Stücke
312); -beschwören <st. V.; hat): 1. durch bestimmte
[unüberlegte, unbedachte] Handlungen eine mißliche Situation o. ä.
verursachen: eine Gefahr, einen Streit, Unheil h. 2. an
etw. Vergangenes erinnern u. es [zur Mahnung/ eindringlich
darstellen: die Vergangenheit h.; die Freuden, die
Dummheiten der Jugend h.; er beschwor die Schrecken des
Krieges, das Erlebnis der Flucht herauf; -bitten <st. V.; hat):
jmdn. bitten heraufzukommen: -bringen <unr. V.; hat):
l.a) etw. von einer [unterhalb des Sprechenden gelegenen/
Stelle nach oben bringen da): sie hat mir das Päckchen
heraufgebracht; b) jmdn. nach oben bringen, begleiten. 2.
jmdn. mit herauf in die Wohnung bringen (1 a): sie durfte
ihre Freundin nicht mit h.; -dämmern <sw. V.; ist): (vom
Tagesbeginn) sich langsam u. stetig vom Horizont her über
den Himmel verbreiten: der Morgen dämmert herauf; Ü
eine neue Zeit dämmert herauf (bricht an): Mlrineen <st.
V.; ist): von einer [unterhalb des Sprechetiden gelegenen/
Stelle nach oben dringen: Töne, Lachen, ein betäubender
Duft drang zu mir herauf; -dürfen <unr. V.; hat) (ugs.):
1. heraufkommen (a) dürfen. 2, heraufgebracht (2) werden
dürfen: -eilen <sw. V.; ist): von einer ]unterhalb des
Sprechenden gelegenen] Stelle nach oben eilen: ^fahren <st.
V.; ist): 1. von einer [unterhalb des Sprechenden gelegenen]
Stelle nach oben fahren: den Berg, zur Burg h. 2. jmdn.,
etw. von einer [ unterhalb des Sprechenden gelegenen Stelle]
nach oben fahren: den Wagen den Berg h.; -führen <sw.
V.; hat): von einer [unterhalb des Sprechenden gelegenen]
Stelle nach oben führen: bitte führe die Gäste herauf. 2.
in die Wege leiten, vorbereiten u. verwirklichen, den Auftakt
zu etw. geben: hat... ihn auserwählt.... ein neues Zeitalter
... heraufzuftihren (Thieß, Reich 340); -heben <st. V.; hat):
von einer / unterhalb des Sprechenden gelegenen / Stelle nach
oben heben: -holen <sw. V.; hat): von einer [unterhalb
des Sprechenden gelegenen/ Stelle nach oben holen:
-klettern <sw. V.; ist): von einer [unterhalb des Sprechenden
gelegenen] Stelle nach oben klettern: -kommen <st. V.;
ist): l.a) von einer /unterhalb des Sprechenden gelegenen]
Stelle nach oben kommen: meine Mutter kam die Treppe
herauf; b) von einer / unterhalb des Sprechetiden gelegenen]
Stelle nach oben gelangen: wie willst du denn hier h.?
2. a) von unten nach oben getragen werden: vom Tal kommt
das Geläute der Glocken, grauer Nebel herauf; b) am
Horizont erscheinen u. am Himmel aufwärts steigen: der
Mond, die Sonne kommt herauf; eine dicke, schwarze
Wolke, ein Unwetter kam herauf (zog heran): c)
unmittelbar bevorstehen u. sich ankündigen: Böllerschüsse, die vor
einer heraufkommenden Hochwassergefahr warnten
(Lenz, Spiele 158); -können <unr. V.; hat) (ugs.): vgl.
^dürfen; -kriechen <st. V.; ist): von einer [unterhalb des
Sprechenden gelegenen] Stelle nach oben kriechen: -kunft,
die; - [zu I ^kommen (2)1 (geh.): allmähliches Sichereignen,
Wirklichkeitwerden von etw.: -lassen <st. V.; hat) (ugs.):
von einer [ unterhalb des Sprechenden gelegenen/ Stelle nach
oben kommen lassen: -laufen <st. V.; ist): von einer
[unterhalb des Sprechenden gelegenen/ Stelle nach oben laufen,
sich fortbewegen: -müssen <unr. V.; hat) (ugs.): vgl.
^dürfen; -reichen <sw. V.; hat): 1. von einer [unterhalb des
Sprechenden gelegenen/ Stelle nach oben reichen, geben:
er reichte den Eimer aus dem Graben herauf. 2. (ugs.)
von einer [unterhalb des Sprechenden gelegenen] Stelle nach
oben reichen: die Leiter reicht bis zum Balkon herauf;
-rennen <unr. V,; ist): vgl. ^laufen; -rufen <st. V.; hat):
1. von einer [unterhalb des Sprechenden gelegenen 1 Stelle
nach oben rufen. 2. etw. Vergangenes, Vergessenes wieder
bewußt werden lassen: Er nannte es das Licht der Toten,
weil es die Erinnerung heraufrief (Wiechert, Jeromin-Kin-
der 558); -schaffen <sw. V.; hat): von einer [unterhalb
des Sprechenden gelegenen/ Stelle nach oben schaffen:
-schallen <sw. V.; hat): von einer [unterhalb des
Sprechenden gelegenen/ Stelle nach oben schallen: -schauen <sw.
V.; hat): vgl. ^sehen; -schicken <sw. V.; hat): von einer
[unterhalb des Sprechenden gelegenenJ Stelle nach oben
schicken: -schießen <st. V.): 1. <hat)a) von feiner unterhalb
des Sprechenden gelegenen] Stelle nach oben schießen: b)
etw. durch Schießen von einer [unterhalb des Sprechenden
gelegenen/ Stelle nach oben befördern. 2.a) sich äußerst
heftig u. schnell nach oben bewegen <ist>: Da schießt das
Wasser durch das Schott herauf (Bobrowski. Mühle 92;.
b) (ugs.) mit großer Eile u. Heftigkeit herauflaufen: sie
kam zu mir heraufgeschossen. 3. (selten) schnell wachsen
u. eine beachtliche Höhe erreichen <ist>: es schössen schon
wieder Jungstämme herauf (Gaiser. Schlußball 209);
-sehen <st. V.; hat): von einer [unterhalb des Sprechenden
gelegenen] Stelle nach oben sehen: -setzen <sw. V.; hat):
erhöhen: teurer machen: die Preise. Mieten, Zinsen h..
dazu: -setzung. die <P1. selten); -springen <st. V.; ist)
a) von einer [unterhalb des Sprechers gelegenen] Stelle
nach oben springen: b) (ugs.) svw. T^eilen; -steigen <st.
V.; ist): l.a) von einer [unterhalb des Sprechenden
gelegenen] Stelle nach oben steigen, gehen od. klettern: den Berg,
die Treppe h.; Ü Klänge. Nebelwolken steigen vom Tal
herauf; b) sich injmds. Innerem regen, wach werden:
Erinnerungen stiegen in ihr herauf. 2. (geh.) (von einem
Zeitabschnitt) anfangen, beginnen: die Dämmerung steigt herauf;
die neu heraufsteigende Zeit eines bürgerlich
demokratischen Individualismus (Thieß. Reich 37); -stürzen <sw.
V.; ist): gehetzt nach oben eilen: -tönen <sw. V.; ist):
vgl. -schallen; -tragen <st. V.; hat): von einer [unterhalb
des Sprechenden gelegenen] Stelle nach oben tragen:
^wollen <unr. V.; hat): vgl. ^dürfen; -ziehen <unr. V.): l.a)
von einer [ unterhalb des Sprechenden gelegenen / Stelle nach
oben ziehen <hat>: Sie zog ... einen Eimer ... Wasser aus
ihrem Brunnen herauf (Faller, Frauen 21); b) vom Horizont
her sichtbar werden u. näher kotnmen <ist>: ein Unwetter,
ein Gewitter zieht herauf; Ü ein heraufziehendes Unheil.
Schicksal. 2. von einem niedriger gelegenen Wohnort nach
oben ziehen (ist). 3. (geh.) svw. t ^steigen (2) <ist>: langsam
zog die Nacht, der Tag. ein neues Zeitalter herauf.
heraus [her^psl <Adv.) [mhd. her Ü3. ahd. hera Ü3. zu Ther
u. taus): aus dem Inneren nach außen [zum Sprechenden/
(Ggs.: hinein): h. damit, mit dem Geld!; h. aus dem Bett,
aus den Federn (ugs.; aufstehen)^ (als Verstärkung der
Präp. ..aus":) aus dem Stand h. einen Überschlag machen.
heraus-« Heraus- (vgl. auch: hinaus-, raus-): -abstrahieren
(sw. V.; hat): durch Abstrahierend) hervorheben: -arbeiten
(sw. V.; hat): l.a) Teile innerhalb eines Ganzen so
bearbeiten, gestalten, daß sie sich plastisch abheben: b) das, worauf
es ankommt, deutlich machen, hervorheben: Unterschiede,
verschiedene Standpunkte h. 2. (h. + sich) sich unter
Anstrengung von etw. frei machen, aus etw. befreien: eine
pelzvermummte Gestalt arbeitete sich keuchend heraus
( = aus der Schneewehe; Schnurre. Bart 162). 3. (ugs.)
Arbeitszeit vor- od. nacharbeiten, zu 1: -arbeitung, die:
die H. einer politischen Linie; -beißen (st. V.; hat): 1.
durch Abbeißen ein Stück aus einem Ganzen lösen. 2. (h.
+ sich) (selten) svw. tausbeißen (1); -bekommen (st. V.;
hat): 1. aus etw. lösen, entfernen können: den Fleck [nicht]
h. 2.a) (ugs.) die Lösung von etw. finden, etw. lösen: die
Mathematikaufgabe h.; b) etw., was verborgen od. unklar
ist u. worüber man gern Bescheid wüßte, durch geschicktes
Vorgehen ermitteln: ein Geheimnis h.; es war nichts aus
ihm herauszubekommen; die Polizei konnte nicht h.. wo
der Unbekannte sich aufhält. 3. eine bestimmte Summe als
Wechselgeld zurückgezahlt bekommen: ^beugen, sich (sw.
V.; hat): sich aus dem Inneren nach außen zum Sprechenden
beugen: -bilden (sw. V.; hat): a) (h. + sich) allmählich
aus erw. entstehen, sich aus etw. entwickeln: aus der
Jahrelangen geschäftlichen Partnerschaft hat sich ein
Vertrauensverhältnis herausgebildet; b) hervorbringen: es sind
1196
heraus-, Heraus -
Verbindungen von Elementen, die etw. überraschend
Neues herausbilden (Thieß. Reich 417). dazu: -bildung,
die; -bitten <st. V.; hat): jmdn. bitten herauszukommen
(1 a); -blicken <sw. V.; hat): aus dem Inneren nach außen
[zum Sprechenden] blicken; -bohren <sw. V.; hat): durch
Bohren entfernen; -boxen <sw. V.; hat) (Fußball,
Handball): svw. t -fausten: Ü jmdn. h. (sich für jmdn. einsetzen
u. ihn aus einer schwierigen Situation befreien); -brechen
<st. V.): 1. brechend aus einem Ganzen lösen <hat): ein
paar Fliesen aus der Wand h. 2. (von Gefühlsäußerungen)
plötzlich u. unvermittelt zum Ausbruch kommen; jmdm.
unkontrolliert entfahren <ist): Zorn, Haß brach aus ihm
heraus. 3. (selten) svw. t-schlagen (2) <ist): Flammen brachen
aus den Fenstern heraus. 4. svw. I brechen (8 b) <hat>:
das ganze Essen wieder h.; -bringen <unr. V.; hat): 1.
aus dem Inneren nach außen zum Sprechenden bringen.
2. nach draußen begleiten. 3. (ugs.) entfernen können. 4.a)
ein Werk, einen Autor veröffentlichen: das Gesamtwerk
Goethes als Taschenbuchreihe h.; das Theater hat ein
neues Stück herausgebracht (aufgeführt); b) in den Handel,
auf den Markt bringen: eine neue Briefmarkenserie, ein
neues Automodell h.; c) durch gezielte Werbung populär
machen: Dösch ... wollte mich und meinen dollen
Trick'4 ganz groß h. (Grass, Blechtrommel 669). 5. (ugs.)
a) über jmdn.. etw. Gewißheit bekommen, indem man durch
geschicktes Vorgehen ermittelt u., bereits gegebene Hinweise
nutzend, nachforscht: man konnte nichts [über seinen
Aufenthalt] h.; b) von jmdm. etw. erfahren; jmdm. etw. entlocken
können: es war nichts aus ihm herauszubringen; c) die
Lösung von etw. fmden; etw. lösen können: das Rätsel,
die Mathematikaufgabe h. 6. (von Lauten. Tönen o.a.)
von sich geben; hervorbringen: vor Aufregung konnte sie
kein Wort h.; -brüllen <sw. V.; hat): spontan, unkontrolliert,
unbeherrscht brüllend äußern: seinen ganzen Ärger h.; Mle-
stillieren <sw. V.; hat): 1. (Chemie) einen bestimmten Anteil
durch Destillation aus einem Gemisch gewinnen. 2. aus einem
größeren Zusammenhang als etw. Wichtiges herausarbeiten
u. in knapper Form darstellen: Denn wie sollte ein
theologischer Lehrsatz aussehen, den man aus dieser Geschichte
h. wollte? (Thielicke, Ich glaube 244); -drehen <sw. V.;
hat): durch Drehen entfernen: die Birne [aus der Fassung]
h.; Ü <h. + sich:) er hatte das Gefühl, sich glänzend
herausgedreht zu haben (sich mit Gewandtheit aus einer
unangenehmen Situation befreit zu haben; Remarque.
Tnomphe 118); -dringen <st. V.; ist): aus dem Inneren
nach außen ] zum Sprechenden] dringen; -drücken <sw.
V.; hat): 1. aus dem Inneren nach außen [zum Sprechenden/
drücken. 2. einen Körperteil (bes. Brust. Bauch. Hüfte)
durch eine bestimmte Haltung vorwölben: er zog den Bauch
ein und drückte die Brust heraus; -dürfen <unr. V.; hat):
1. aus dem Inneren nach außen [zum Sprechenden] kommen
dürfen. 2. (ugs.) herausgebracht (1) werden dürfen: darf
der Kinderwagen jetzt heraus auf den Balkon?; -eitern
<sw. V.; ist): mit Eiter aus einer Wunde abgesondert werden;
-fahren <sw. V.): l.a) aus dem Inneren nach außen [zum
Sprechenden] fahren (1 a) <ist): der Zug fährt langsam
aus dem Bahnhof heraus; b) mit einem Fahrzeug aus dem
Inneren nach außen [zum Sprechenden] fahren (2a) <ist>:
er fuhr mit dem Fahrrad plötzlich von links aus der
Einfahrt heraus. 2.a) durch Fahren (3 b) aus dem Inneren ttach
außen [zum Sprechenden] bringen <hat): das Auto aus
der Garage h.; b) <ist) fahrend herauskommen (meist 2.
Part. + kommen): Eines Sonntags kam nämlich ein
Amerikaner zu Carr Hartley herausgefahren (Grzimek. Seren-
geti 141). 3. <ist> (ugs.) a) nach draußen fahren (8 a):
erschrocken aus dem Bett h.; b) svw. I entschlüpfen (2):
Gerade dieses Wort mußte ihr h.! 4. (Sport) durch schnelles,
geschicktes Fahren etw. erreichen <hat>: eine gute Zeit,
einen Vorteil, einen Sieg h. 5. (Jägerspr.) a) svw. I ausfahren
(14a) (ist); b) svw. lausfahren (14b) (hat); -fallen (st.
V.; ist): 1. von innen nach außen [zum Sprechenden] fallen
(1). 2. von innen nach außen [zum Sprechenden] fallen
(7 b): aus den Türen herausfallendes graues Licht (Plievier.
Stalingrad 306). 3. in auffallender Weise anders sein als
üblich u. sich deshalb außerhalb der Ordnung bewegen: aus
etw., aus dem Rahmen einer Sache h.; -fausten (sw. V.;
hat) (Handball. Fußball): (vom Torwart) den Ball mit
der Faust, den Fäusten wegstoßen u. so abwehren; -feuern
(sw. V.; hat): svw. f rausfeuern; -filtern (sw. V.; hat):
l.a) (meist etw. Unreines od. Nichtverwendungsfähiges)
durch ein Filter (1) von etw. trennen, absondern: TrübstofTe
[aus Fruchtsäften] h.; b) (bestimmte Frequenzen) durch
einen Filter (4) aussondern: Im 25-HZ-Filter werden alle
Frequenzanteile oberhalb und unterhalb der
Mittenfrequenz herausgefiltert (Elektronik 12, 1971. 427). 2. durch
mühsame, diffizile Kleinarbeit aus einer Fülle vorhandenen
Materials das. was brauchbar ist. absondern:
unbeschreibliche Geduld ist vonnöten. aus ... Gutachten und
Tatindizien bewertbares Material herauszufiltern (Noack. Prozesse
116); -finden (st. V.; hat): 1. den Weg aus etw. finden
(1); den Ausgang finden (1): er fand aus dem Labyrinth
des Parks nur schwer heraus; (auch h. + sich:) ich habe
mich aus dem Hochhaus kaum herausgefunden; Ü wir
werden uns aus dem Schlamassel schon h. 2. a) eine Person
od. Sache als die gesuchte in einer Menge finden da):
die gewünschten Gegenstände schnell aus einem großen
Haufen h.; b) durch Nachforschungen entdecken: sie haben
den Fehler, die Ursache des Unglücks herausgefunden.
3. (landsch.) soweit ausgeschlafen sein od. seine Müdigkeit
besiegen, daß man aufstehen kann: Kroch dann Anna Quan-
gel tief in der Nacht unter die Decke, fand sie am nächsten
Morgen nicht rechtzeitig heraus (Fallada. Jeder 384);
-fischen (sw. V.; hat) (ugs.): jmdn.. etw. aus etw. fischen
(2); -fliegen (st. V.): 1. (ist) a) aus dem Inneren von etw.
nach außen [zum Sprechenden/ fliegen (1): der Vogel ist
aus dem Bauer herausgeflogen; b) aus etw. nach außen
fliegen (2): das Flugzeug ist aus den Wolken
herausgeflogen; c) aus dem Inneren von etw. nach außen [zum
Sprechenden] fliegen (11); d) svw. f ^fallen (1): Zweimal war
Teichmann aus seiner Koje herausgeflogen (Ott. Haie 231);
Ü Verwegene Fahrten, in denen er alles riskierte ... und
dann doch irgendwie aus der Strecke herausflog (aus der
Bahn getragen wurde; Maegerlein. Piste 110.2. svw. T
rausfliegen (ist). 3. svw. f ausfliegen (2 c) (hat): man hat Frauen
und Kinder aus dem Kessel herausgeflogen; -fließen (st.
V.; ist): aus dem Inneren ttach außen [zum Sprechenden]
fließen; -forderer, der; -s, -: a) jmd.. der einen anderen
zum Kampf herausfordert; b) (Sport) jmd.. der einen
Titelinhaber zu einem Kampf um seinen Titel herausfordert;
-fordern (sw. V.; hat): l.a) jmdn. auffordern, sich zum
Kampf zu stellen: er forderte seinen Nebenbuhler [zum
Duell] heraus; b) (Sport) einen Titelinhaber zu einem Kampf
um seinen Titel auffordern. 2. etw. heraufbeschwören; jmdn.
bewußt reizen, um eine Reaktion zu erreichen: eine Gefahr,
das Schicksal leichtfertig, tollkühn h.; Protest. Kritik h.;
seine Äußerungen forderten alle zum Widerspruch heraus,
(1. Part.:) -fordernd: durch unverhohlen aufreizende,
anmaßende Art eine Reaktion verlangend: ein -es Benehmen;
er sah sie h. an. dazu: -forderung, die: 1. das Herausfordern
(1 a. 2). 2. (Sport) a) das Herausfordern (1 b): sein Recht
auf H. wurde bestätigt; b) Kampf, bei dem ein
Herausforderer (b) mit einem Sportler um einen Titel kämpft: er hat
sich auf die H. gut vorbereitet, dazu -forderungskampf.
der; -fressen (st. V.; hat): 1. (meist von Tieren) ein Teil
aus einem Ganzen fressen. 2. (h. + sich) (salopp) (von
jmdm.. der ursprünglich schlecht ernährt ist) so viel essen,
daß man wohlgenährt, dick wird: er hat sich bei euch ganz
schön herausgefressen; herausgefressene Parteibonzen;
-fühlen (sw. V.; hat): etw. durch starkes
Einfühlungsvermögen bemerken; -fuhren (sw. V.; hat): l.a)
jmdn.. etw. aus dem Inneren nach außen [ zum Sprechenden]
fuhren; b) aus etw. führen (3 b): jmdn. aus einer Krise
h. 2. aus dem Inneren nach au/Jen verlaufen: der Weg führt
aus dem Wald heraus. 3. nach draußen führen (7 c): sein
Weg führte ihn zu uns heraus; -futtern (sw. V.; hat)
(ugs.): 1. svw. tauflüttem (b): die Kinder h. 2. (h. +
sich) svw. t-fressen (2); -füttern (sw. V.; hat) (ugs.):
svw. Tauffüttern (b); -gäbe, die (o. PI.): das Herausgeben
(2.4); -geben (st. V.; hat): 1. aus dem Inneren nach außen
[zum Sprechenden] geben: er gab den Koffer durchs
Fenster heraus. 2. jmdn. od. erw.. in dessen Besitz man sich
gebracht hat od. dessen Besitz einem zustand, freigeben,
jmdm. auf Verlangen /wieder] aushändigen, dem
eigentlichen Besitzer [ wiederJ überlassen: etw. ungern, widelwil-
lig h.; die Beute, den Gefangenen h.; er wollte die Schlüssel
nicht h.; b) svw. f ausgeben (1): Der Fourier soll eine
Decke h. (Gaiser. Jagd 141). 3.a) beim Bezahlen
Wechselgeld zurückgeben: [Jmdm.) zuwenig, zuviel, falsch h.; er
gab [mir] auf 20 Mark heraus; können Sie h. (haben Sie
passendes Kleingeld)?; b) (landsch.) jmdm. auf eine Äuße-
1197
heraus-, Heraus-
rung eine gebührende Antwort erteilen: ich habe [ihm] ganz
schön herausgegeben. 4.a) für die Veröffentlichung eines
Druckwerks die Verantwortung tragen: eine Zeitschrift, ein
Buch h.; seine Aufsätze wurden in Buchform von einem
bekannten Verlag herausgegeben (veröffentlicht); b) [als
etw. NeuesI herausbringen (4); etw. neu entworfen haben
u. zum Verkauf bringen: die Post gibt wieder einen Satz
Wohlfahrtsmarken heraus; Gedenkmünzen h.; c) [als
Gesetz o.a.] erlassen, zur Kenntnis bringen: eine Anweisung,
einen Erlaß h.; Der Bundesvorstand kann einstimmige
Empfehlungen h. (Fraenkel, Staat 275). 5. (selten) zu sich
Genommenes wieder von sich geben: erbrechen: nimmt En-
derlin ein paar Löffel, muß aber alles wieder h. (Frisch.
Gantenbein 229); -geber, der: jmd., der ein Druckwerk
herausgibt (4a); -gehen <unr. V.; ist): I. aus dem Inneren
nach außen Izwn Sprechenden! gehen: die Kinder sollen
h.; * aus sich h. (allmählich seine Schüchternheit, seine
Hemmungen überwinden, lebhaft werden u. sich frei u. unbefangen
äußern): in Gesellschaft seiner Freunde geht er eher,
leichter aus sich heraus. 2. sich aus etw. entfernen lassen: der
Fleck, der Schmutz geht nicht [mehr aus der Tischdecke,
dem Kleid] heraus; der Korken geht leicht heraus; -gleiten
<st. V.; ist): aus dem Inneren nach außen [zum
Sprechenden) gleiten: -graulen <sw. V.; hat) (ugs.): svw. t rausgrau-
len; -greifen <st. V.; hat): jmdn., etw. aus einer größeren
Anzahl herausholen, auswählen, aussuchen: Reineboth ging
die Reihen ab und notierte sich im Kopf bereits jeden
Häftling, den er sich h. wollte (Apitz. Wölfe 204); Ü um
ein Beispiel herauszugreifen; Zuerst hatte er nur hier und
dort eine Stelle herausgegriffen (Sebastian, Krankenhaus
120); -gucken <sw. V.; hat) (ugs.): svw. t ^blicken; -haben
<unr. V.; hat) (ugs.): 1. aus etw. entfernt haben: den Schmutz
aus der Wäsche, den Nagel aus der Latte h.; er wollte
die Mieter aus der Wohnung h. 2. a) etw. begriffen,
verstanden haben, so da/J man die betreffende Sache beherrscht:
wissen, wie man etw. machen muß: jetzt habe ich endlich
heraus, wie ich die Büchse öffnen kann; b) die Lösung
von etw. gefunden haben: gelöst haben: das Rätsel h.; c)
etw. durch Ermittlungen festgestellt haben: die Polizei hatte
bald heraus, wer der Dieb war. 3. zurückgezahlt bekommen:
das Geld, den vollen Preis wieder h. wollen; -halten <st.
V.; hat): 1. etw. aus dem Inneren nach außen / zum
Sprechenden] halten. 2. (ugs.) a) dafür sorgen, daß jmd. außerlialb
von etw. bleibt: wollte man diese wandernden Hirten aus
dem Nationalpark h. (Grzimek, Serengeti 2S8); b) aus
einem bestimmten Interesse von etw. fernhalten, so daß der
Betreffende nicht in etw. verwickelt wird: bitte, halte du
dich aus dieser Sache heraus!; Er sucht sein Vaterland
mit allen Kniffen aus dem Konflikt herauszuhalten (Hoch-
huth. Stellvertreter 65); '-hängen <st. V.; hat): aus dem
Inneren von etw. nach außen [zum Sprechenden) ^hängen
(1 a): Fahnen hingen [aus den Fenstern] heraus; ihm hängt
das Hemd aus der Hose heraus; Ü die Zunge hängt ihm
schon heraus (ugs.; er ist schon total erschöpft) von der
dauernden Rennerei; 2-hängen <sw. V.; hat): etw. aus dem
Inneren von etw. nach außen [zum Sprechenden] ^hängen
da): als Zeichen der Kapitulation hängten sie weiße
Tücher heraus; Ü den Direktor h. (landsch.; herauskehren):
es macht ihm Spaß, den Flegel herauszuhängen (landsch.:
sich wie ein Flegel zu benehmen)', für meinen Geschmack
hängt er sein Geld zu sehr heraus (landsch.; protzt er
zu sehr mit seinem Geld): -hauen <unr. V.; hat): l.a)
durch Hauen (7) entfernen: unerwünschte Bestandsglieder
(= der Bundesforste) werden herausgehauen (Mantel.
Wald 75); b) durch Hauen (5 a) entstehen lassen: ein Relief
aus dem Marmor h. 2, durch persönlichen / körperlichen]
Einsatz aus einer prekären, schwierigen, gefährlichen
Situation [im Kampf, hei einer Schlägerei j befreien: er hat ihn
bei der Schlägerei herausgehauen; da er ungepanzert ...
seine bedrohten Mannschaften aus den persischen
Kriegern herausgehauen hat (Thieß. Reich 282). 3. (ugs.) durch
Hauen (10) für sich erlangen, erwerben: ihnen war es
gelungen, diesen Monat einen besseren Lohn herauszuhauen
(Marchwitza. Kumiaks 53); -heben <st. V.; hat): l.a) nach
außen [ zum Sprechenden] heben: Aus einem Schlitten
wurde eine Gestalt herausgehoben (Plievier. Stalingrad 90);
b) <h. + sich) aus etw. hervordringen u. sichtbar werden:
Der Ballon hob sich aus den Wolken heraus (Hausmann.
Abel 94). 2.a) hervorheben, von seiner Umgebung abheben:
das Pathos, mit dem sie Unbedeutendes heraushob (Jens,
Mann 32); b) <h. 4- sich) durch seine Art, Qualität [aus
seiner Umgebung] herausragen: So erklärt es sich, daß
... eine Liebe, wie sie Perikles und Aspasia verband, sich
wie ein Diamant heraushebt (Thieß. Reich 142); -helfen
<st. V.; hat): a) helfen* aus dem Inneren von etw. nach
außen [zum Sprechenden] zu kommen: jmdm. aus dem
Auto h.; b) helfen, Schwierigkeiten zu überwinden, eine
schwierige Situation zu meistern: er hat ihm schon öfter
aus seinen Schwierigkeiten herausgeholfen; -holen <sw.
V.; hat): l.a) aus dem Inneren nach außen [zum
Sprechenden] holen: er hat die Stühle auf die Veranda herausgeholt;
b) jmdn., der in einer Zwangslage, eingeschlossen, gefangen
o. ä. ist, befreien u. an einen anderen Ort bringen: die
eingeschlossenen Bergleute h. 2. (ugs.) a) jmdm., einer Sache
eine bestimmte Leistung abgewinnen: Er hat mehrfach das
Letzte aus ihnen herausgeholt beim Infanteriedienst (Kirst.
08/15.135); es werden also aus der kompressorlosen 1,5-Li-
ter-Maschine 200 bis 210 PS herausgeholt (Frankenberg.
Fahren 35); b) durch klug geführte Verhandlungen o.a.
erreichen, erwirken: der Unterhändler konnte mehr h..
als vorgesehen war. 3. (ugs.) durch geschicktes
Geschäftsgebaren an einer Sache Geld verdienen, jtndm. Geld abnehmen:
Sie legte sich Jeden Franc zurück, den sie aus ihren
unsicheren Gästen herausholte (Seghers, Transit 76). 4. (ugs.)
durch geschickte Fragen jmdn. veranlassen, über jmdn., etw.
zu sprechen, jmdm. etw. zu sagen: er hatte viel mehr Angst
vor der Großmutter, die diesen Namen immer wieder
in ihn hineinwarf, aus ihm herausholte (Böll, Haus 8).
5. (ugs.) herausarbeiten (1 b) u. deutlich sichtbar darstellen:
bei dieser Auflührung wurde die Tragik des Werkes nicht
genügend herausgeholt. 6. (bes. Sport) a) eine
Auseinandersetzung, einen Wettkampf zu seinen Gunsten entscheiden
u. sich dadurch etw. sichern: ein gutes Ergebnis, einen
Sieg h.; b) einen Leistungsrückstand ausgleichen u. darüber
hinaus eine bessere Leistung als die Konkurrenten zeigen:
H ier holte er... die Sekunde heraus, die seinen Sieg
bedeutete (Maegerlein. Piste 44); c) bei einer Unternehmung ein
bestimmtes positives Ergebnis erreichen: gleich beim ersten
Versuch holte er einen vollen Erfolg heraus; -hören <sw.
V.; hat): a)aus einem Gemisch von Tönen, Stimmen, Worten
0. ä. mit dem Gehör wahrnehmen: ihr Lachen konnte man
deutlich h.; b)anjmds. Worten etw. nicht direkt
Ausgesprochenes erkennen: konnte ich aus den ganzen Reden h..
wie sie noch an ihm hing (Aberle. Stehkneipen 24); -ixen
(...iksnj <sw. V.; hat) [wohl nach dem math. Zeichen x
für unbekannte Größen] (ugs.): etw. durch intemives
Nachdenken, Überlegen herausfinden: -katapultieren <sw. V.;
hat): aus etw. katapultieren: der Pilot konnte sich mit
Hilfe des Schleudersitzes aus der Maschine h.; -kehren
<sw. V.; hat): eine Stellung, eine Eigenschaft sehr betonen
u. durch sein Verhalten auf deren Wichtigkeit hinweisen:
den Untergebenen gegenüber den Vorgesetzten h.; für
jeden Fall Ernst und Strenge h. (Musil. Törleß 55); -kennen
<unr. V.; hat): in einer Menge o.a. eine bestimmte Person
od. Sache erkennen: -kitzeln <sw. V.; hat) (ugs.): a) dort,
wo man an bestimmte Grenzen stößt, durch geschickte
Manipulationen, die kaum bemerkt werden, noch etw. erreichen:
Aus Artikel 59 des Grundgesetzes kitzelte der
Staatssekretär Kompetenzen für seinen Chef heraus, die bislang noch
kein Verfassungsrechtler entdeckt hatte (Spiegel 21. 1975.
26); b) in jmdm. wachrufen: Die Story läuft ab mit allem,
was Spannung herauskitzelt (Hörzu 38.1974,10);
-klamüsern <sw. V.; hat) (ugs.): svw. fausklamüsern; -klauben
<sw. V.; hat) (landsch.): etw. einzeln aus einer Fülle klauben:
-klettern <sw. V.; ist): aus dem Inneren nach außen [zum
Sprechenden/klettern: -klingeln<sw. V.;hat): jmdn. durch
Betätigen der Türglocke od. des Telefons veranlassen, an
die Tür od. ans Telefon zu gehen: -klingen <st. V.; hat):
1. aus dem Inneren nach außen , zum Sprechenden] klingen:
Aus der Kajüte klang Harmonikaspiel heraus (Hausmann.
Abel 18). 2. in etw. andeutungsweise zum Ausdruck kommen:
aus der (= der Kulturkritik) ... der Traditionsprozeß ...
herausklingt (Gehlen. Zeitalter 93); aus seinen Worten
klang ein Lob heraus; -klopfen <sw. V.; hat): 1. durch
Klopfen aus etw. entfernen: den Staub aus der Kleidung
h. 2. jmdn. durch Klopfen veranlassen, an die Tür od. an
das Fenster zu gehen: wir mußten sie mitten in der Nacht
h.; -kommen <st. V.; ist): l.a) aus dem Inneren von etw.
nach außen [zum SprechendenI kommen: langsam,
plötzlich, unvermutet [aus der Tür (aus dem Zimmer. Raum)]
1198
heraus-, Heraus-
h.; Ü tagelang nicht aus den Kleidern h. (ugs.; aus
bestimmten Gründen [z. B. auf Reisen, auf Grund ständiger
Beanspruchung] verhindert sein, sich eigens schlafen zu legen): nach
zwei Jahren soll er wieder h. (ugs.; aus der Haft entlassen
werden): b) durch etw. hindurch ins Freie dringen: aus dem
Schornstein kommt schwarzer Qualm heraus; die ersten
Frühlingsblumen kommen heraus (beginnen zu blühen).
2. a) ein Gebiet, einen Bereich, einen Raum verlassen
[können]: sie ist nie aus ihrer Heimatstadt herausgekommen;
du kommst viel zu wenig heraus (1. gehst zu selten an
die frische Luft- 2. unternimmst zu selten etw.): Ü Rolf
kam aus dem Staunen nicht heraus (konnte nicht aufhören
zu staunen: Frisch. Stiller 373); b) (ugs.) einen Ausweg
aus etw. finden: wir müssen sehen, daß wir aus dieser
peinlichen Situation heil h. 3.a) (ugs.) auf den Markt
kommen, angeboten werden: ein neues Modell, der letzte
Börsenkurs ist heute morgen herausgekommen; b) etw. in den
Handel bringen: die Konkurrenz starb fast vor Neid, als
wir mit dieser Neuigkeit herauskamen (Remarque. Obelisk
16); c) (von einem Druckwerk o.a.) veröffentlicht werden,
öffentlich erscheinen: ein weiterer Satz Briefmarken, ein
neuer Fahrplan kommt heraus; Als deutsche
Erstaufführung wird 1965 Sergei Prokofjews Oper ..Der feurige
Engel" h. (Premiere haben; Neues D. 10. 6. 64. 4); d) (ugs.)
bei einer größeren Veranstaltung, vor einem größeren Forum
herausgestellt werden, sich erfolgreich produzieren u.
dadurch bekannt, populär werden: *ganz groß h. (in großer
Inszenierung auftreten): in Erlangen wird das Ensemble
noch einmal „ganz groß herauskommen" (Zeit 19. 6. 64.
19); e) gut u. deutlich wahrgenommen, erkannt werden
[können]: die Farben kommen gut heraus; leider kamen die
Zusammenhänge, die komischen Züge des Stückes [bei
dieser Aufführung] nur unklar heraus; die Bässe kommen
nicht genügend heraus. 4. (ugs.) a) in einer bestimmten
Weise zum Ausdruck kommen, formuliert werden: der
Vorwurfkam etwas zu scharf heraus; b) etw. erst nach einigem
Zögern äußern, zur Sprache bringen: mit einem Wunsch,
einem Anliegen h.; Droste kam nun mit der Geschichte
von der Gasrechnung heraus (Baum. Paris 160). 5.a) (ugs.)
sich als positives Ergebnis, Resultat, als Lösung zeigen:
sich ergeben: bei der Addition kommt eine hohe Summe
heraus; bei den Verhandlungen, bei der Arbeit ist nicht
viel herausgekommen; Die Bahn ist schwer .... und darum
wird (= bei dem Wettlauf) kein Rekord h. (Lenz. Brot
9); was ist eigentlich noch dabei herausgekommen (ist
man noch zu einem Ergebnis gekommen)?; b) (Schweiz.)
ausgehen, sich in einer bestimmten Weise gestalten: wie
wäre es wohl herausgekommen, wenn ich dich nicht
geweckt hätte?; in solchen Fällen kommt es nie gut heraus;
womit nicht gesagt sein soll, daß Vemunflehen
unglücklicher herauskommen als die romantischen; c) (ugs.)
[öffentlich] bekannt-, ruchbar werden: wenn der Schwindel
herauskommt, gibt es einen Skandal; es wird wohl nie
h., wer der Täter war. 6. (ugs.) a) aus dem Takt, aus
dem Rhythmus einer ablaufenden Folge kommen: ich kann
nicht gut tanzen, ich komme immer so leicht heraus; ich
muß noch einmal von vorn lesen, ich bin herausgekommen;
b) infolge einer längeren Pause bestimmte musische,
sportliche o.a. Fähigkeiten mit der Zeit verlieren: wenn man
nicht jeden Tag übt. kommt man allmählich ganz heraus.
7. (ugs.) beim Kartenspiel beginnen; als erster die erste
Karte ausspielen: wer kommt heraus? 8. (ugs.) bei einer
Lotterie o.a. gezogen werden, gewinnen: die Nummer
meines Loses ist wieder nicht herausgekommen; ich bin
im ersten Rang herausgekommen; -können <unr. V.; hat)
(ugs.): vgl. dürfen; -krabbeln <sw. V.; ist) (ugs.): aus
dem Inneren nach außen [zum Sprechenden] krabbeln:
-kratzen <sw. V.; hat): aus etw. durch Kratzen herausholen;
-kriechen <st. V.; ist): aus dem Inneren nach außen [zum
Sprechenden] kriechen; -kriesen <sw. V.; hat) (ugs.): 1.
aus etw. herausnehmen, entfernen können; herausbekommen
(1): erkriegt die Hand nicht mehr aus der Maschine heraus;
Ü Der Dienst geht immer vor.... das ist uns eingetrichtert
worden, das kriegen wir nie mehr heraus (das werden
wir nie vergessen; das wird für uns immer so bleiben; Kirst,
08/15.178). 2.a) svw. T ^bekommen (2a): die
Mathematikaufgabe nicht h.; b) svw. T^bekommen (2 b): er hat nie
herausgekriegt, wem er die Wohltaten zu verdanken hat.
3. svw. t ^bekommen (3): lauter Markstücke h. 4. (Laute,
Töne) artikulieren, hervorbringen, von sich geben können:
Man muß die Stimmen verstellen und ganz tief machen,
du kriegst das wahrscheinlich noch nicht heraus (bei einer
Verkleidungsszene; Bergengruen. Rittmeisterin 268);
-kristallisieren <sw. V.; hat): l.a) [bei chemischen Prozessen 1
in Form von Kristallen gewinnen: man hat aus dieser Lösung
Salze herauskristallisiert; b)<h. + sich) sich bei chemischen
Prozessen in Form von Kristallen absondern: diese Kristalle
haben sich bei der Destillation der Lösung
herauskristallisiert. 2. [aus etw.] kurz u. präzise zusammenfassen u.
darstellen: die wesentlichen Punkte aus einem Referat h. 3.
<h. + sich) sich nach längeren Diskussionen, Erörterungen
bilden; schließlich hatten sich zwei Meinungen
herauskristallisiert. 4. <h. + sich) sich in einem längeren Prozeß
entwickeln u. sich deutlich von etw. anderem unterscheiden:
aus verschiedenen Formen kristallisiert sich ein bestimmter
Typus heraus; -lachen <sw. V.; hat): plötzlich anfangen,
laut zu lachen, ohne sich Zurückhaltung aufzuerlegen;
-langen <sw. V.; hat) (ugs.): 1. aus dem Inneren von etw. nach
außen /zum Sprechenden] reichen. 2. svw. t ^nehmen;
-lassen <st. V.; hat) (ugs.): 1. aus dem Inneren von etw. nach
außen [zum Sprechenden! kommen lassen: das Kind, den
Hund [nicht] aus dem Haus h.; Rauch durch die Nase h.
(entweichen lassen); Wieder ließ Madame Guttier ein
empörtes Schnauben heraus (ließ ... vernehmen; Zuckmayer.
Fastnachtsbeichte 63); Ü kurz bevor er ging, ließ er
die große Neuigkeit heraus (teilte er die lange
zurückgehaltene Neuigkeit mit). 2. (ugs.) svw. tweglassen: Er mußte
einige Schwierigkeiten h.. er sprang am Schluß keine
doppelten Sprünge mehr (Maegerlein.Triumph 153). 3. (selten)
außerhalb von etw. lassen: Soll ich dir ein Paar frischer
Socken vielleicht gleich aus dem Schrank h.? (Becher.
Prosa 139); -laufen <st. V.; ist): 1. aus dem Inneren von
etw. nach außen [zum Sprechenden] laufen, sich
fortbewegen: man sah sie verstört aus dem Haus h. 2. svw. t-fließen.
3. (Leichtathletik) a) in einem Lautwettbewerb durch
schnelles Laufen einen Vorsprung erzielen: vor dem letzten
Wechsel hatte die Staffel einen Vorsprung von vier Metern
herausgelaufen; b) beim Wettlauf erzielen: einen guten,
beachtlichen Platz, einen glanzvollen Sieg h. 4. (Fußball)
(vom Tormann) aus dem Tor laufen; das Tor verlassen:
der Torwart lief heraus und fing die Flanke ab; <subst.:)
zweimal konnte er durch kühnes Herauslaufen retten;
^legen <sw. V.; hat): etw. aus dem Inneren nach außen I zum
Sprechenden} legen; -lesen <st. V.; hat): l.a) einem Text
0. ä. eine Mitteilung entnehmen, iiulem man ihn liest: Der
Konsul hat aus meinen Papieren herausgelesen, daß mir
das Visum erteilt wurde (Seghers, Transit 233); b) durch
Interpretation einem Text etw. entnehmen, was er nicht
aussagen soll: man hat Dinge aus dem Roman
herausgelesen, die der Autor gar nicht beabsichtigt hatte; c) durch
scharfes Beobachten, einer Äußerung, jmds. Miene o. ä. eine
Mitteilung entnehmen, die nur versteckt, in Andeutungen
vorhanden ist: ich konnte die Probleme zwischen den
Zeilen, aus seinem Gesicht h. 2. (ugs.) durch Auslesen aus
einer größeren Menge entfernen: Claudine war damit
beschäftigt, aus... Kaffee-Ersatz... die echten Kaffeebohnen
herauszulesen (Seghers, Transit 126); -locken <sw. V.; hat):
1. aus dem Inneren nach außen / zum Sprechenden] locken:
das Kaninchen aus dem Bau h.; die Sonne hat die Blüten
herausgelockt (dichter.; die Knospen zur Entfaltung
gebracht). 2. durch geschicktes Vorgehen etw. Gewünschtes
von jmdm. (aus dessen materiellem od. geistigem Besitz)
erhallen; er brachte es fertig, eine größere Summe, das
Geheimnis aus ihm herauszulocken; jmdn. aus seiner
Reserve h. (jmdn. auf geschickte Weise dazu bringen, seine
Zurückhaltung aufzugeben); -lösen <sw. V.; hat): 1. durch
Auflösen aus etw. entfernen: Durch die Alkoholbehandlung
... sind die meisten Fettsubstanzen... herausgelöst (Medizin
II. 60). 2. aus einem Ganzen, aus einem zusammengehörenden
Verband entfernen: Wörter aus dem Textzusammenhang
h. (ohne Textzusammen/tang betrachten); -lügen <st. V.;
hat): durch Lügen aus einer mißlichen Lage, von einem
Verdacht befreien: Stumpfsinn von der Frau, den Kerl
herauszulügen (Baum, Paris 73); <auch h. + sich:) wie
er sich wohl aus dieser Lage herauslügt?; -machen <sw.
V.; hat) (ugs.): 1. aus etw. entfernen: die Flecken aus
dem Kleid h.; du solltest doch besser die Kerne aus den
Kirschen h. 2. <h. + sich) a) sich [erholen u.J körperlich
gut entwickeln: das Kind hat sich [nach der Krankheit]
gut herausgemacht; b) sich in wirtschaftlicher, gesellschaft-
1199
heraus-. Heraus-
licher Hinsicht gut entwickeln: sie hat sich groß
herausgemacht und ist Besitzerin eines Kinos geworden (Ott. Haie
291); -modellieren <sw. V.; hat): durch besondere
Formgebung deutlich machen u. betonen: Die ..Rastignac'-Linie
ist bei diesen Anzügen ... noch konsequenter als bisher
herausmodelliert (Herrenjournal 3. 1966. 52); Ü Ich habe
dies in einigen diesbezüglichen Arbeiten bereits her-
auszumodellieren (herauszuarbeiten) versucht (Deutsche
Literaturzeitung I. 1973. Sp. 62); -müssen <unr. V.; hat)
(ugs.): 1. vgl. -dürfen. 2. aus dem Bett aufstehen müssen:
in der Woche muß ich jeden Morgen früh heraus. 3. gesagt
werden, ausgesprochen werden müssen: das mußte mal
heraus; -nähme, die; -. -n (Sport): das Herausnehmen (2 b)
eines Spielers aus einem Spiel, einer Mannschaft aus einem
Wettbewerb: die H. des verletzten Teilnehmers war
unumgänglich; -nehmbar <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): so
beschaffen, daß man es herausnehmen (1.2 a) kann: -nehmen <st.
V.; hat): 1. aus dem Inneren eines Behälters nehmen: Er
ging aber erst zu dem Schrank und öffnete ihn. um die
paar Sachen herauszunehmen (Gaiser. Jagd 118). 2. (ugs.)
a) aus etw. entfernen: jmdm. den Blinddarm h. (operativ
entfernen); Ü den 'Gang (6) h. (vom Getriebe des
Kraftfahrzeugs trennen): b) jmdn. nicht länger in seiner gewohnten
Umgebung lassen: er hat das Kind aus der Schule
herausgenommen; in der 70. Minute nahm der Trainer den
enttäuschenden Spieler heraus (bes. Ballspiele; ließ ihn nicht länger
spielen, sondern ersetzte ihn durch einen anderen). 3. (ugs.)
unverschämterweise fiir sich in Anspruch nehmen, sich
erlauben: du hast dir zuviel herausgenommen; er nahm sich
Freiheiten heraus, die ihm nicht zustanden: -operieren
<sw. V.; hat): aus etw. durch eine Operation entfernen,
-pauken <sw. V.; hat) [zu studentenspr. pauken = fechten!
(ugs.): jmdn. aus einer mißlichen, gefährlichen Situation
befreien: -picken <sw. V.; hat) (ugs.): aus einer größeren
Menge durch Picken herausholen: die Meisen pickten die
Nüsse aus dem Futter heraus; Ü die dicksten Brocken,
die Rosinen aus dem Kuchen h. (sich bei einer Sache
das Beste heraussuchen [ u. den Rest für die andern lassen]) :
-platzen <sw. V.; ist) (ugs.): 1. plötzlich in lautes, sich
nicht länger zurückhalten lassendes Lachen ausbrechen. 2.
etw. spontan u. unvermittelt äußern: Wie die Kleine so
plaudert und völlig ungeniert herausplatzt mit allem, was
ihr gerade einfällt (Hörzu 40. 1974. 39); -pressen <sw.
V.; hat): X.aus etw. pressen: die letzten Tropfen Flüssigkeit
h. 2. (abwertend) von jmdm. erlangen, indem man ihn unter
Druck setzt: aus jmdm. eine größere Summe, ein
Geständnis h.; -prügeln <sw. V.; hat) (ugs.): 1. jmdn. durch Prügel
dazu bringen, etw. mitzuteilen: die Wahrheit aus jmdm.
h. 2. durch Prügeln befreien: sie mußten ihren Freund
h. 3. durch Prügel herausbringen (3), entfernen: diese
Allüren werde ich ihm h.; -prusten <sw. V.; hat) (ugs.): prustend
herauslachen: -pumpen <sw. V.; hat): durch Pumpen aus
etw. entfernen: -putzen <sw. V.; hat): a) für einen
bestimmten Anlaß festlich kleiden: die Kinder [festlich] h.; sie putzt
sich immer sehr heraus (verwendet inuner übergroße
Sorgfalt auf ihre Kleidung u. fällt dadurch auf): hier ein
Professor, da eine sonntäglich herausgeputzte Bäckersfrau
(Dürrenmatt. Richter 126); Ü Die Stadt hatte sich prächtig
herausgeputzt (geschmückt: Olymp. Spiele 9); b) für einen
besonderen Anlaß festlich dekorieren: die Wagen für einen
Umzug festlich h.; -quellen <st. V.; ist): 1. quellend
herausdringen: aus der Vertiefung quoll Wasser heraus; Ü eine
Menschenmenge quoll aus dem Kino heraus. 2. unnatürlich
geschwollen heraustreten (2 b): durch die Anstrengung
quollen die Augen heraus; -quetschen <sw. V.; hat) (ugs.): svw.
t -pressen; -ragen <sw. V.; hat): 1. aus etw. [in die Höhe]
ragen: die beiden Steinplatten, die aus der Wand
herausragten, dort, wo der Kamin gewesen war (Böll. Tagebuch
42). 2. durch seine Bedeutung hervortreten, sich von seiner
Umgebung aHieben: an einem Punkt, der deutlich aus der
Mitte des 20. Jahrhunderts h. wird (Dönhoff. Ära 230);
ein herausragender (ausgezeichneter, bedeutender)
Schriftsteller, Forscher; Ereignisse von herausragender
(besonderer, überdurchschnittlicher) Bedeutung; -recken <sw. V.;
hat) (ugs.): einen Körperteil reckend vorstrecken: den Arm
h.; -reden <sw. V.; hat): 1. <h. + sich) (ugs.) a) Ausreden.
Ausflüchte aebrauchen: b) jmdn.. etw. anführen, um eine
Ausrede für eine Handlung o. ä. zu haben: haben wir nicht
... versucht, uns auf Fräulein von Trense herauszureden,
die uns plötzlich als Bundesfreundin und Mitangeklagte
erschien (Bergengruen. Rittmeisterin 278). 2. (selten) etw..
was geheim bleiben sollte, preisgeben, ohne es zu wollen:
ausplaudern: In lauten Delirien ... hatte er alles
herausgeredet (Plievier. Staüngrad 228); -reichen <sw. V.; hat): I.
aus dem Inneren von etw. mch außen [zum Sprechenden]
reichen: kannst du mir bitte den Koffer h.? 2, (ugs.) lang
genug sein u. deshalb aus dem Inneren von etw. bis zu
einer Stelle außerhalb reichen: das Antennenkabel reicht
nicht heraus aufs Dach; -reißen <st. V.; hat): 1. aus etw.
reißen: eine Seite aus dem Heft h.; den Fußboden, die
Türen h. lassen; ich mußte mir einen Zahn h. (ugs.; ziehen)
lassen; Ü es bleibt doch mein Ich. ich reiß* es doch nicht
aus mir heraus! (Chr. Wolf. Nachdenken 90). 2. jmds.
Zustand. Verfassung. Umgebung plötzlich u. unerwartet
verändern: jmdn. aus der Arbeit, aus einem Gespräch h.;
durch den Umzug wurde das Kind aus seiner vertrauten
Umgebung herausgerissen; er wollte ihn aus seiner
Traurigkeit. Lethargie h. 3. (ugs.) a) jmdm. aus einer bedrängten
Lage helfen: aus Schwierigkeiten befreien: seine Freunde
h.; ihre Aussage hat ihn herausgerissen; b) Fehler. Mängel
einer Sache wiedergutmachen, ausgleichen: das sind Punkte,
die den VW 1200 herausreißen (Auto 7. 1965. 30); ..Im
schlimmsten Fall habe ich ja noch den Schützenautomaten,
der reißt alles heraus44 (R. Walser. Gehülfe 39). 4. (ugs.)
übermäßig loben: der Kritiker hat den Schauspieler, die
Neuinszenierung herausgerissen; -reiten <st. V.; ist): aus
dem Inneren von etw. nach außen reiten: -rennen <unr.
V.; ist) (ugs.): aus dem Inneren von etw. nach außen [zum
Sprechenden! rennen: -rücken <sw. V.): I.a) aus dem
Inneren von etw., aus einer Reihe nadi außen rücken <hat>:
wir haben die Stühle auf die Veranda herausgerückt; b)
aus dem Inneren von etw.. aus einer Reihe nach außen
rücken <ist): kannst du noch ein Stück zu mir h.? 2. (ugs.)
a) sich nach anfänglichem Weigern von etw. [was man
besitzt] trennen: [ungernl hergeben <hat): ungern etw. h.;
endlich hat er das Geld herausgerückt; sie mußten ihre
Beute wieder h.; Ü ich mußte sie lange ansehen, bevor
sie das Wort herausrückte (Chr. Wolf, Nachdenken 60);
b) nach längerem Zögern aussprechen <ist>: mit einem
Anliegen, einer Absicht, einer Bemerkung, einem
Geheimnis h.; -rufen <st. V.; hat): 1. etw. aus dem Inneren nach
außen zum Sprechenden rufen: Die Wirtshaustür öffnete
sich, und Veith rief heraus: ..Kommt! ..." (Bieler, Bonifaz
183). 2. aus einer Emotion heraus etw. laut rufen: Sie ...
rief diese rohbehauenen Verse so wild und schön heraus,
wie sie waren (Musil, Mann 704). 3. jmdn. aus einem
Bereich heraus zu sich rufen: jmdn. aus einer Sitzung,
aus der Vorstellung h.; -rutschen <sw. V.; ist): 1. aus
dem Inneren von etw.. aus einem Bereich nach außen
rutschen: derGeldbeutel rutschte ihm [aus der Tasche] heraus;
das Hemd war ihm aus der Hose herausgerutscht.
2. (ugs.) von jmdm. unüberlegt, übereilt ausgesprochen
werden: jmdm. ungewollt entschlüpfen: die Bemerkung war
ihr einfach so herausgerutscht; -saugen <sw.. geh. auch:
st. V.; hat): etw. aus dem Inneren von etw. saugen: -schaffen
<sw. V.; hat) (ugs.): 1. aus dem Inneren nach außen / zum
Sprechenden] sc/wffen. 2. <h. + sich) (landsch.) durch
eigene Kraft, durch eigenen Antrieb aus bestimmten Schwie-.
rigkeiten herauskommen: er hat sich mühsam aus seiner
Misere herausgeschafft; -9diilen <sw. V.; hat): I.a) durch
Entfernen der Schale herauslösen: den eßbaren Teil der
Banane h.; Ü das Kind, sich aus den nassen Kleidern
h.; b) durch Schälen entfernen: Wenn man den Apfel retten
will, wird man gezwungen sein, die giftige oder faule Stelle
herauszuschälen (Leonhard. Revolution 36). 2. a) aus einem
größeren Zusammenhang lösen, um die betreffende Sache
gesondert zu betrachten: die religiösen Elemente dieses
Romans h.; b) <h. + sich) allmählich deutlich, erkennbar
werden: immer deutlicher schälte sich aus den
Veränderungen der Jahre das Wesen heraus, das geblieben war (A.
Zweig. Claudia 80); c) <h. -I- sich) sich im Verlauf von
etw. deutlich alsjmd., etw. erweisen: dieses Problem schälte
sich in der Diskussion als dringlichstes heraus; eine kleine
Jagd, aus der sich der deutsche Meister als bester Kletterer
herausschälte (FAZ 1. 7. 61, 10); -schauen <sw. V.: hat)
(landsch.): I.a) vgl. -blicken: zum Fenster h.; b) länger
sein als eine darüberliegende Bedeckung: dein Unterrock
schaut heraus. 2. (ugs.) als Gewinn zu erwarten sein: bei
diesem Geschäft schaut nicht viel heraus; -schicken <sw.
V.; hat): jmdn., etw. aus dem Inneren nach außen (zum
1200
heraus-, Heraus-
Sprechenden] schicken; -schieben <st. V.; hat): aus dem
Inneren nach außen [zum Sprechenden] schieben; -schießen
<st. V.): 1. <hat) a) aus dem Inneren nach aulien [zum
Sprechenden] schießen: die Entführer haben aus dem Auto
herausgeschossen; b) durch Schießen entfernen: Aus
geschlossenen Pulks war nicht ein einziges Flugzeug sicher
herausgeschossen worden (Gaiser. Jagd 122). 2. <ist) a)
sich äußerst heftig u. schnell nach außen bewegen: Er ...
bremste... scharf, weil aus einer Einfahrt ein Porsche
herausschoß (Zwerenz. Quadriga 193); Ein Blutstrahl schießt
(dringt äußerst heftig) heraus(= aus der Wunde; Grzimek.
Serengeti 266); b) (ugs.) mit großer Eile u. Heftigkeit
herauslaufen: er kam plötzlich aus dem Haus herausgeschossen.
3. (Fußball) durch das Schießen mehrerer Tore ein
bestimmtes Ergebnis erzielen <hat): die Italiener schössen eine 2:0-
Führung heraus; -schinden <st. V.; hat) (ugs.): svw.
^schlagen (3); ^schlagen<st.V.) 13: urspr. = durch
Prägeschlag viele Münzen aus einem Stück Metall anfertigen]:
1. <hat) a) durch Schlagen aus etw. entfernen: eine
Zwischenwand h.; b) durch Schlagen entstehen lassen: Funken
aus einem Stein h. 2. aus dem Inneren von erw. nach außen
schlagen, dringen <ist): Feuer schlug aus dem Dachstuhl
heraus; Die ... Schraube schlug halb aus dem Wasser
heraus (Hausmann, Abel 13). 3. (ugs.) mit großem Geschick
u. mit Schlauheit versuchen, bei einer Sache etw. /für sich/
zu gewinnen, zu erreichen <hat>: eine Menge Geld, einen
Vorteil h.; bei den Verhandlungen gelang es ihm. einen
hohen Gewinn herauszuschlagen; -schleichen <st. V.): a)
aus dem Inneren nach außen / zum Sprechenden j schleichen
<ist>: vorsichtig aus dem Zimmer h.; b) <h. -I- sich) sich
aus dem Inneren nach außen / zum Sprechenden] schleichen
<hat): er hat sich leise aus dem Haus herausgeschlichen;
-schleppen <sw. V.; hat): a) aus dem Inneren von etw.
nach außen [zum Sprechenden] schleppen:'die schweren
Sessel aus dem Raum h.; b) <h. + sich) sich aus dem
Inneren von etw. nach außen /zum Sprechenden] schleppen:
trotz der Schmerzen konnte er sich aus dem brennenden
Haus h.; -schleudern <sw. V.; hat): aus dem Inneren nach
außen schleudern: der Vulkan schleuderte Fontänen von
Asche und Steinen heraus; Ü Worte. Anklagen h.;
-schlüpfen <sw. V.; ist): aus dem Inneren nach außen schlüpfen:
Herr Beifontaine schlüpfte eilig unter der Decke heraus
(Langgässer. Siegel 12); Ü ihm ist ein unbedachtes Wort
herausgeschlüpft; -schmecken <sw. V.; hat): a) mit dem
Geschmackssinn aus einem Gemisch wahrnehmen: Gewürze
h.; b) durch sein besonders kräftiges, charakteristisches
Aroma geschmacklich hervortreten: Origano und Salbei schmek-
ken stark heraus; -schmeißen <st. V.; hat) (ugs.): svw.
f rausschmeißen; -schmuggeln <sw. V.; hat): *)jmdn.. etw.
aus einem Land, einem Gebäude o.a. schmuggeln; b) <h.
-I- sich) sich aus einem Land, einem Gebäude o. ä.
schmuggeln; -schneiden <unr. V.; hat): aus einem Ganzen ein
Teil durch Schneiden entfernen; -schöpfen <sw. V.; hat):
aus dem Inneren von etw. durch Schöpfen entnehmen;
-schrauben <sw. V.; hat): durch Schrauben aus etw.
entfernen: die Birne aus der Fassung h.; -schreiben <st. V.;
hat): einen Teileines vorhandenen Textes für einen
bestimmten Zweck abschreiben: ich habe mir die wichtigsten Stellen
der Rede herausgeschrieben; -schreien <st. V.; hat): aus
einer Emotion heraus etw. schreiend äußern, laut verkünden:
seinen Schmerz, seinen Haß h.; -schütteln <sw. V.; hat):
durch Schütteln aus etw. entfernen; durch Schütteln
zum Vorschein bringen; -schütten <sw. V.; hat): aus dem
Inneren eines Raumes, Behälters o. ä. nach außen schütten,
gießen; -schwemmen <sw. V.; hat): svw. t ausschwemmen;
-schwindeln <sw. V.; hat) (ugs.): svw. Klugen; -sein <unr.
V., nur im Inf. u. Part, zusammengeschrieben) (ugs.):
1. a) aus dem Inneren nach außen [ zum Sprechenden]
gekommen sein: die Warte waren schon heraus und bewegten
sich ... schattenhaft (Gaiser. Jagd 83); b) entfernt, nicht
mehr in etw. sein: der Blinddarm, der Zahn, der Splitter
ist heraus; c) hervorgekommen sein: die ersten Knospen
sind heraus. 2.a) etw. hinter sich gelassen haben u. davon
entfernt sein: endlich waren sie aus dem Trubel der Stadt
heraus; b) etw. überwunden, überstanden haben: aus allen
Zweifeln, aus dem Dilemma h.; Wenn ich nur erst aus
allem heraus bin (Lenz. Brot 130). 3.a) veröffentlicht,
herausgekommen sein: der neue Spielplan, der letzte Band
dieser Reihe ist noch nicht heraus; b) bekannt sein, sicher
sein: es ist noch nicht heraus, ob er den Posten übernimmt.
4. ausgesprochen sein: er war glücklich und erleichtert,
als die Worte heraus waren. 5. * fein h. (I fein 3 b); -spielen
<sw. V.; hat) (bes. Ballspiele): durch gutes,
vorschriftsmäßiges Spielen erreichen: das Tor war klar herausgespielt;
sicheine leichte Feldüberlegenheit h.; -sprengen <sw. V.): 1.
etw. aus einem Ganzen durch Sprengen entfernen <hat).
2. (veraltend) scharf herausreiten (1) <ist>: die Reiter
sprengten aus dem Wald heraus; -springen <st. V.; ist): l.a)
aus dem Inneren nach außen /zum Sprechenden] springen;
springend herauskommen: aus dem Fenster h.; die Kinder
sprangen fröhlich lachend aus dem Haus heraus; b) sich
durch einen Sprung (in Glas. Porzellan o. ä.) aus etw. lösen:
aus der Fensterscheibe ist ein Eckchen herausgesprungen.
2. (ugs.) nach draußen eilen; schnell, eilig herauslaufen.
3. sich von einer ebenen Fläche in einem bestimmten Winkel
scharf abheben; heraustreten (2 b): aus dem ovalen Ganzen
sprang die Nase ... wie der Schnabel eines Papageis scharf
heraus (A. Zweig. Grischa 202). 4. (ugs.) mit etw. zu
verdienen sein: bei der Sache springt nichts, eine Menge, viel
Geld [dir ihn] heraus; -spritzen <sw. V. >: 1. aus dem Inneren
von erw. nach außen spritzen <ist>: Es (= das Blut) spritzte
in einem puckernden ... Strahl ... heraus (Remarque.
Triomphe 221). 2. (ugs.) svw. Nlaufen (1); -sprudeln <sw.
V.): 1. aus dem Inneren von etw. nach außen sprudeln <ist).
2. hastig, überstürzt, ungestüm u. dadurch undeutlich
artikuliert vorbringen, sagen <hat>: Fragen h.; Er sprudelte sein
heftiges Verlangen nach einer D roschke heraus (K irs t, 08/15,
446); -staffieren <sw. V.; hat) (ugs. scherzh.): svw. Nput-
zen (a): sie hat das Kind herausstafTlert; Sie hatten sich
herausstaffiert wie die Märchenprinzen (Bieter. Bonifaz
94); -stechen <st. V.; hat): 1. spitz wie ein Instrument
zum Stechen aus etw. hervorkommen: Ihre seidenen Eskar-
pins stachen sonderbar unter den Mänteln heraus
(Remarque, Triomphe 354). 2.a) sich deutlich, klar, scharf von
seiner Umgebung abheben: die Fichten stachen in dunklem
Grün heraus; b) einer Sache deutliche, klare, scharfe
Umrissegeben: Neonröhren verstärkten die Transparenz, stachen
dunkle Blumen heraus (Böll. Haus 163). 3. (Eishockey)
svw. tausstechen (4); -stecken: 1. <sw. V.; hat) aus dem
Inneren nach außen I zum Sprechenden/ stecken: der Wirt
steckte einen Buschen heraus; Kaum einer steckte am
Tage seinen Kopf heraus (Plievier. Stalingrad 8). 2. <sw.
V.; hat) (ugs.) svw. t ^kehren. 3. <st. V.; hat) herausragen,
herausstehen: links und rechts des Fahrwassers staken Prik-
ken aus dem Boden des Watts heraus; -stehen <unr. V.;
hat): aus dem Inneren nach außen stehen, herausragen:
im Schuh stehen ein paar Nägel heraus; -steigen <st. V.;
ist): aus dem Inneren nach außen /zum Sprechenden]
steigen; -stellen <sw. V.; hat): 1. etw. aus dem Inneren nach
außen /zum Sprechenden] stellen: die Gartenmöbel auf
die Veranda h.; einen Spieler h. (nicht mehr mitspielen
lassen). 2. in den Mittelpunkt rücken; hervorheben, um
auf die betreffende Person od. Sache aufmerksam zu machen:
Ansprüche. Aufgaben. Grundsätze. Ergebnisse klar, scharf
h.; Merkmale, eine Persönlichkeit h.; in seiner Rede stellte
er die Bedeutung des Vorhabens heraus; die Kritik stellte
diesen jungen Künstler besonders heraus. 3. <h. + sich)
sich durch Prüfung od. praktische Erprobung offenbaren:
in den Verhandlungen hat sich seine Unschuld
herausgestellt; seine Angaben stellten sich als falsch heraus; es
wird sich h.. ob du recht hast; -stoßen <st. V.; hat): 1.
aus dem Inneren nach außen I zum Sprechenden] stoßen.
2. heftig u. gepreßt von sich geben, sagen: Obwohl er das
letzte Wort mit Verachtung herausstieß (Thieß, Legende
98). 3. (Jägerspr.) (von Hunden) Wild aufjagen, ohne es
durch Stehenbleiben vorher anzuzeigen; -strecken <sw. V.;
hat): a) aus dem Inneren eines Raumes o. ä. nach außen
strecken: die Maus streckte vorsichtig den Kopf zum Loch
heraus; jmdm. die Zunge h. (jmdm. die Zunge zeigen u.
damit Triumph od. Verachtung ausdrücken); b) <h. + sich)
herausgestreckt (a) werden: eine Hand streckte sich heraus
(Seghers. Transit 274); -streichen <st. V.; hat): 1. aus
einem Text streichen: einige Sätze aus dem Manuskript
h. 2. aufjmdn.. sich, etw. besonders aufmerksam machen,
indem man jmdn.. sich etw. übermäßig stark betont od.
lobend erwähnt: seine Verdienste h.; du weißt sehr gut.
wie du dich h. mußt; -strömen <sw. V.; ist): 1. aus dem
Inneren nach außen strömen: Unmengen von Wasser
strömten durch die Bruchstelle heraus. 2. in großer Anzahl aus
etw. herauskommen: die Besucher strömten durch die Tore
76 GDW
1201
heraußen
heraus; -stürzen <sw. V.; ist): 1. aus dem Inneren von
etw. fiach außen stürzen, fallen. 2. gehetzt nach draußen
eilen: er riß die Tür auf und stürzte aus dem Zimmer
heraus ; -suchen <sw. V.; hat): kritisch prüfend aus einer
Anzahl [gleichartiger] Dinge od. Personen auszählen u.
von den übrigen trennen: alle schlechten Äpfel aus den
Horden h.; er sucht sich seine Leute schon gut heraus;
-tragen <st. V.; hat): jmdn.. etw. aus dem Inneren nach
außen [zum Sprechenden] tragen: -treiben <st. V.; hat):
aus dem Inneren nach außen treiben: die Pferde aus der
Koppel h.; Ü er hatte genug gesagt von dem. was die
Angst aus ihm herausgetrieben hatte (Apitz, Wölfe 157);
-trennen <sw. V.; hat): von einem Stück abtrennen u.
herausnehmen: ^treten <st. V.): aus dem Inneren von etw., aus
einer Reihe nach außen / zum Sprechenden] treten <ist>:
er sah sie aus dem Haus h.; Ü Ihr gegenüber trat sie
aus ihrer sonstigen Zurückhaltung heraus {gab sie ihre
... Zurückhaltung auf: A. Kolb, Daphne 55). 2. <ist> a)
aus etw. heraus zum Vorschein kommen: vorragend
herauskommen: das Wasser ist schon so weit abgeflossen, daß
derUntergrund heraustritt; Gefäße, aus denen ein Schlauch
heraustrat (Wiechert. Jeromin-Kinder 139); b) unnatürlich
vergrößert (am Körper) hervortreten, sich abzeichnen: vor
Anstrengung. Wut trat seine Halsschlagader heraus. 3.
(Jägerspr.) a) svw. taustreten (3) <ist>; b) (Niederwild)
absichtlich heraustreiben <hat); -trommeln <sw. V.; hat)
(ugs.): so lange mit den Fäusten anjmds. Tür o. ä. trommeln,
bis er öffnet: jmdn. nachts h.; -tropfen <sw. V.; ist): aus
dem Inneren eines Behälters nach außen tropfen: -tun <unr.
V.; hat) (ugs.): aus dem Inneren] nach außen legen, setzen,
stellen o.a.: -wachsen <st. V.; ist): 1. aus dem Inneren
nach außen wachsen: die Pflanze wächst schon unten aus
dem Topf heraus; die gefärbten Haare h. lassen (die Haare
so lange wachsen lassen, bis der gefärbte Anteil ohne
Schwierigkeit durch Schneiden entfernt werden kann). 2. für ein
Kleidungsstück, einen Gebrauchsgegenstand o.a. zu groß
werden: der Junge ist aus dem Mantel, den Schuhen, dem
Kinderstühlchen herausgewachsen; -wagen« sich <sw. V.;
hat): wagen herauszukommen: -wählen <sw. V.; hat): 1.
aus einer Anzahl [gleichartiger] Dinge od. Personen
auswählen: Der Pförtner... wählt mich aus dem wartenden Haufen
heraus (Seghers. Transit 55). 2. svw. T hinauswählen: alle
..Stalinisten'4 wurden aus dem Führungsgremium der KP
herausgewählt (Dönhoff. Ära 49); -waschen <st. V.; hat):
a) durch Waschen mit der Hand aus etw. entfernen: die
Flecken aus der Tischdecke h.; b) (landsch.) ein
Wäschestück o. ä. kurz mit der Hand waschen, durchwaschen: ich
muß noch schnell die Unterwäsche, den Pulli h.; -werfen
<st. V.; hat): aus dem Inneren nach außen zum Sprechenden
werfen: bitte wirf mir das Portemonnaie aus dem Fenster
heraus; Ü Dafür wirft man das Schulgeld heraus (gibt
man es aus, ohne daß sich ein Nutzen zeigt: Langgässer.
Siegel 419). 2. svw. t rauswerfen: einen ungebetenen Gast
h.; er wurde wegen einer Unterschlagung herausgeworfen;
der neue Hausbesitzer hat die Mieter einfach
herausgeworfen; -winden, sich <st. V.; hat): sich durch besonderes
Geschick aus einer unangenehmen, heiklen Lage befreien od.
sich zu befreien versuchen: er wußte, daß er sich h. mußte,
um zu übersteheh (Kirst. 08/15. 876); -wirtschaften: durch
geschicktes Wirtschaften als Gewinn erzielen: aus dem
Betrieb war nicht mehr herauszuwirtschaften; -wollen <unr.
V.; hat) (ugs.): vgl. ^dürfen: die Kinder wollen bei dem
schönen Wetter heraus; Ü mit der Sprache, damit nicht
h. (etw. nicht sagen wollen: sich zu etw. nicht äußern wollen):
-würgen <sw. V.; hat): 1. durch Würgen [wieder!
hervorbringen: das Fleisch wieder h. 2. mühsam u. undeutlich
sprechen: „Limonade", würgt sie heraus (Remarque.
Obelisk 183); -zerren <sw. V.; hat): aus dem Inneren nach
außen [zum SprechendenJ zerren: -ziehen <unr. V.): 1.
<hat> a) aus dem Inneren von etw. nach außen [zum
Sprechenden] ziehen: einen Zettel h.; die Schublade bis zum
Anschlag h.; Jmdn. aus dem Teich h.; <auch h. + sich:)
ich zog mich ganz heraus (= aus dem Stollen; Bieler.
Bonifaz 78/79); Ü Sprechen Sie! Muß ich alles aus Ihnen
h.? (ugs.; können Sie nicht aus eigenem Antrieb Auskunft
geben?: Thieß. Legende 142); b) aus dem bisherigen Bereich
wegbringen: aus der Westfront sollen Truppen
herausgezogen werden, um sie nach Süden in Marsch zu setzen (Plie-
vier, Stalingrad 143). 2. durch Wegziehen einen Ort verlassen
<ist): Ziehen die Armeen der wilden Tiere ... aus Übermut
aus dem Nationalpark heraus (Grzimek, Senengeti 317).
3. als einen Auszug, ein Exzerpt aus etw. zu einem
bestimmten Zweck aufschreiben <hat): einige Antworten aus dem
Fragebogen h.; -züchten <sw. V.; hat): durch Züchten
aus bereits Bestehendem entstehen lassen: eine neue Sorte,
Rasse h.
herauBen [he'r^psri] <Adv.) (südd.; österr.): hier draußen:
wir sind im Garten, und er ist auch h.
herb [herp) <Adj.) [mhd. harte]; H. u.]: 1. im Geschmack
keine gefallige Süße besitzend, sondern ein wenig scharf,
leicht bitter od. sauer u. dadurch einem den Mund
zusammenziehend: -er Wein; der -e Duft des Herbstlaubs: dieses
Parfüm ist mir zu h.; h. riechen, schmecken. 2. Kummer
verursachend, schwer zu ertragen: eine -e Enttäuschung,
ein -er Verlust; sie wurde h. enttäuscht. 3.a) nicht lieblich,
sondern von strengem, verschlossen wirkendem Wesen: ein
-es Gesicht; ein -er Zug um den Mund; sie wird eher
eine -e Schönheit; diese Frau wirkt sehr h.; b) (in bezug
auf eine Äußerung, Handlungsweise) hart, unfreundlich:
besonders streng u. scharf: -e Worte; -e Kritik; Jenes kurze,
fast böse .Adieu4* haftete ihr wie ein -er Abschiedsgruß
im Ohr (A. Kolb. Daphne 149).
Herbaiist [herba'üst]. der, -en. -en [zu lat. herba = Pflanze.
Gras): Heilkundiger, der auf Kräuterheilkunde spezialisiert
ist: Herbar [her'ba:^]. Herbarium [her'baiijom], das; -s.
...ien [...isn; spätlat. herbarium = Kräuterbuch, zu lat.
herba = Pflanze. Gras): systematisch angelegte Sammlung
gepreßter u. getrockneter Pflanzen u. Pflanzenteile.
herbe [herbe] (veraltet): f herb; Herbe [-]. die; - (geh.): svw.
t Herbheit.
herbei [hqj'b^j] <Adv.> [zu ther u. tbei]: von einer entfernt
liegenden Stelle an den Ort des Sprechenden, auf den
Sprechenden zu: alles h.!; alle Mann h.!; h. zu mir!
herbei-: -bringen <unr. V.; hat): 1. von einer entfernt
liegenden Stelle zum Sprechenden bringen. 2.jmdm. etw.
verschaffen, an die Hand geben: Du selbst brachtest die Indizien
herbei, die ich brauchte (Dümenmatt. Richter 141);
-drängen <sw. V.; hat): sich von einer entfernt liegenden Stelle
an einen bestimmten Ort. zum Sprechenden drängen: sie
drängten herbei; <meist h. + sich:) sie drängten sich herbei;
-eilen <sw. V.; ist): von einer entfernt liegenden Stelle
an einen bestimmten Ort, zum Sprechenden eilen: ein Helfer
eilte herbei; -fliesen <st. V.; ist): von einer entfernt liegenden
Stelle zum Sprechenden fliegen: der gezähmte Falke ist
herbeigeflogen; -führen <sw. V.; hat): 1. (selten) der Grund
sein. Gelegenheit dafür bieten, daß jmd. von einer entfernt
liegenden Stelle an einen bestimmten Ort zum Sprechenden
kommt: da der Zufall mich nun einmal herbeigeführt hatte
(K. Mann, Wendepunkt 228). 2. bewirken, daß etw.
[Entscheidendes] geschieht, daß es zu etw. kommt: eine
Entscheidung, den Untergang, das Ende h.: eine Aussprache
zwischen zwei Partnern h.; der Schock führte den Tod herbei;
sein Eingreifen führte eine Wende herbei; -holen <sw.
V.; hat): von einer entfernt liegenden Stelle an einen
bestimmten Ort. zum Sprechenden holen: -kommen <st. V.:
ist): von einer entfernt liegenden Stelle, an einen bestimmten
Ort. zum Sprechenden kommen, -lassen, sich <st. V.; hat)
(häufig iron.): sich nach längerem Zögern endlich zu etw.
bequemen, bereit finden: sich zur Mithilfe h.; würdest du
dich nun endlich h.. mir den Fall zu erklären?; -laufen
<st. V.; ist): von einer entfernt liegenden Stelle an einen
bestimmten Ort. zum Sprechenden laufen: -locken <sw.
V.; hat): von einer entfernt liegenden Stelle an einen
bestimmten Ort. zum Sprechenden locken: der Köder lockt
die Tiere herbei; Ü er wollte den Tod h. (Jahnn. Geschichten
94); -rufen <st. V.; hat): von einer entfernt liegenden Stelle
an einen bestimmten Ort. zum Sprechenden rufen: Hilfe
h.; -schaffen <sw. V.; hat): von einer entfernt liegenden
Stelle an einen bestimmten Ort. zum Sprechenden schaffen:
er forderte ihn auf. das Zeug unter allen Umständen
herbeizuschaffen; Jmdn. tot oder lebendig h.; -schleppen <sw.
V.; hat): von einer entfernt liegenden Stelle zum Sprechenden
schleppen: -sehnen <sw. V.; hat): vonjmdm.. etw. sehnlichst
wünschen, daß er da sei. daß er komme, daß es eintreffe:
einen bestimmten Tag, Augenblick. Termin h.; einen
geliebten Menschen h.; -strömen <sw. V.; ist): in großer
Anzahl an einen bestimmten Ort kommen: Das Publikum
... strömte von allen Seiten herbei (Th. Mann. Krull 26);
-stürzen <sw. V.; Ist): vgl. ^laufen; -winken <sw. V.; hat):
jmdn. veranlassen heranzukommen, indem man ihm winkt:
1202
Herd-
-wünschen <sw. V.; hat): sehr wünschen, doli jmd.. etw.
da sei, daß er komme, doli es eintreffe: -zaubern <sw.
V.; hat): durch Zaubern herbeibringen: -ziehen <unr. V.;
hat): zu einem bestimmten Zweck von einer entfernt
liegenden Stelle zu sich heranziehen: er zog sich einen Stuhl
herbei; Ü Seine Anwesenheit zog andere Briten herbei
(bewirkte, doli sich auch andere Briten einfanden: K. Mann,
Wendepunkt 281); -zitieren <sw. V.; hat): jmdn. zu sich
zitieren: Anstatt einen Arzt herbeizuzitieren, versteckt er
... die Leiche (Hörzu 29.1973.53); der herbeizitierte Priester
ging auf den Amerikaner zu (Kirst. 08/15. 888).
Herberge ['herberga]. die; -. -n Imhd. herberge; ahd. heriber-
ga eigtl. = ein das Heer bergender Ort]: l.a) (veraltend)
meist dürftige, nicht komfortable, billige . gasthausähnliche
Unterkunftsmöglichkeit: Da sie... hofften, auf ein Gasthaus
oder eine H. zu stoßen (Jahnn. Nacht 93); b) kurz für
T Jugendherberge. 2. <P1. ungebr.) (veraltet) gastliche
Aufnahme: um H. bitten; Herbergen <sw. V.; hat) Imhd. herber-
gen, ahd. heribergön] (veraltet): 1. in einer Herberge
wohnen. IJmdm. Aufnahme gewähren, Unterkunft bieten:
beherbergen: niemand wollte sie im Hause h.; Ü Sie sah rund
aus ...; niemand aber wäre auf den Gedanken gekommen,
daß sie... ein lebendiges Kind in ihrem Körper... herbergte
(A. Zweig. Grischa 373); Herbergseltern <P1.):
Herbergsvater u. Herbergsmutter: Herbergsmutter, die; -. ...mütter:
vgl. Herbergsvater; Herbergsvater, der; -s. ...väter: Leiter,
Verwalter einer / Jugend J herberge.
Herbheit [herphajt] (veraltend:) Herbigkeit [herbi^kajt).
die; -: das Herbsein.
herbikol [h£rbi'ko:l] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [zu lat.
herba = Pflanze, Gras u. colere = (an einem bestimmten
Ort) wohnen]: (Zool.): (von Tieren) auf grünen Pflanzen
lebend, kräuterbewohnend: herbivor [...'vo:?l <Adj.; o.
Steig.; nicht adv.) [zu lat. herba = Pflanze. Gras u. voräre
= fressen, verschlingen): (von Tieren) nur von pflanzlicher
Nahrung lebend: kräuterfressend: Herbivore [...vo:ra]. der;
-n, -n: Tier, das sich überwiegend od. ausschließlich von
krautigenod. grasartigen Pflanzen ernährt: herbizid [...t£i:t]
<Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [zu lat. herba = Pflanze,
Gras u. caedere (in Zus. -cidere) = niederhauen, töten]:
pflanzentötend: Herbizid [-]. das; -s, -e: chemisches Mittel
zur Unkrautvertilgung.
Herbling [herphnl. der; -s. -e [therb]: unreife Frucht aus
später Blüte.
Herbst [hsrpst], der. -[e]s. -e <P1. selten) [mhd. herbest;
ahd. herbist, eigtl. = Pflückzeit. Ernte; Zeit der Früchte
od. am besten zum Pflücken geeignete Zeit]: 1. Jahreszeit
zwischen Sommer u. Winter als Zeit der Ernte u. der bunten
Laubfärbung vor dem Absterbender Natur: ein regnerischer,
trüber, früher, milder, schöner, klarer, sonniger, (dichter.:)
goldener H.; es wird H.; der Boden schmatzt, da fault
noch das Laub verlorener -e (Frisch, Nun singen 106);
im H. fällt das Laub; [im] vergangenen H. waren sie in
Meran; im/zum H. eingeschult werden; vor H. nächsten
Jahres, vor dem H. ist nicht an die Fertigstellung zu denken;
U der H. des Lebens (dichter.; die Zeit des Alterns). 2.
(landsch.) Weinlese: Obsternte: der H. hat begonnen, ist
eingebracht.
Herbst-: -abend, der: Abend eines Herbsttages: Abend im
Herbst: -anfang, der: am 23. September ist H.; -aster,
die: im Spätsommer u. Herbst blühende Staudenaster mit
rötlichen, blauen od. weißen Blüten: -bhime. die; -fäden
<P1.>: svw. t Altweibersommer (2); -färben <P1.): dem
Herbstlaub entsprechende gelbe, rote, braune Farbtöne:
-färbung. die: rote, gelbe, braune Färbung der Blätter von
Laubbäumen im Herbst: ^ferien <P1.>: Schulferien im
Herbst: während der H. helfen die Kinder bei der Weinlese,
der Kartoffelernte; -furche, die (Landw.): svw. t
Winterfurche; ^himmel, der: die transparenten Farben des -s; -kleid,
das: 1. vgl. ^kostüm. 2. (Jägerspr.) Gefieder, das Vögel
im Herbst u. Winter tragen: -kollektion, die: auf der
Modenschau wurde die neue H. gezeigt; -kostum. das: Kostüm,
ilas üblicherweise im Herbst getragen wird: -laub, das:
trockenes, rot, gelb, braun gefärbtes Laub: -manöver, das
(Milit.): im Herbst stattfindendes Manöver: das große H.
der Nato; -meister, der (Ballspiele): Mannschaft, die nach
der im Herbst beendeten ersten Hälfte der zur Meisterschaft
zählenden Spiele den ersten Platz einnimmt, dazu: -meister-
schaft, die: a) Wettkampf zur Ermittlung des
Herbstmeisters: b) Sieg in der Herbstmeister schajt (a): -messe, die
(Wirtsch.): im Herbst stattfindende Messe: -mode. die:
in der neuen H. geben die Farben des Herbstlaubs den
Ton an; -monat, der: a) <o. PI.) (veraltet) September:
b) einer der Monate September, Oktober, November: -mond
<o. PI.) (dichter, veraltet): svw. Nmonat (a); -nebel. der;
-punkt, der (Astron.): Punkt, in dem die Sonne bei
Herbstanfang steht: -regen, der; -rübe, die: svw. t
Wasserrübe; -sonne, die: milde, kraftlose H.; -stürm, der; -tag,
der: warme, kühle, regnerische, neblige -e;
-Tagundnachtgleiche, die (mit Bindestrich): Äquinoktium im Herbst:
-wind, der; -zeitlose, die [mhd. zJtelöse, ahd. zitelösa =
frühblühende Frühlingsblumen, also eigtl. = nicht zur
richtigen Zeit blühende Blumen; frühnhd. auf
spätblühende Herbstblumen übertragen]: giftige, in feuchten Wiesen
u. Wäldern verbreitete, zu den Liliengewächsen gehörende
Pflanze, deren lanzettförmige Blätter im Frühling u. blaßvio-
lette, krokusähnliche Blüten im Herbst erscheinen.
herbstein [herpstln] <sw. V.; hat; unpers.) [zu tHerbst]
(südd., österr.): allmählich Herbst werden: es fängt an zu
h.; herbsten [hsrbstn] <sw. V.; hat): 1. (landsch.) Trauben
ernten: Eine sehr schlechte Ernte ... Viele kleinere
Weinbauern werden gar nicht erst h. (DM 45, 1965, 14). 2.
<unpers.) (geh.) Herbst werden: es herbstelt schon;
herbstlich <AdJ.; -er. Sup. ungebr.; nicht adv.): zum Herbst
gehörend: dem Herbst entsprechend, wie im Herbst: ein
-er Duft; -e Stürme; das Wetter ist schon richtig h.; es
riecht h.; das Laub färbt sich h.; Ü So trägt die Festchronik
von St. Gallen ihre Kennzeichen - die -e Mischung von
Trauben und Heiterkeit... (Jünger. Capriccios 27);
herbstlichgelb <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): die Bäume wurden
bereits im August h.; Herbstling ['herpstlml. der; -s. -e
(landsch.): 1. im Herbst reifende Frucht. 2. im Herbst,
zu spät geborenes Kalb. 3. svw. t Reizker.
herbsüß <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): im Geschmack von
einer herben Süße,
Herd [he:?t], der; -[e]s. -e [mhd. hert. ahd. herd. eigtl.
= der Brennende. Glühende]: 1. in der Küche befindliche
Vorrichtung zum Kochen, Backen u. Braten, bei der die
Töpfe auf kleinen runden elektrisch beheizten Platten, auf
Gasbrennern od. auf einer über einem Holz- od. Kohlefeuer
angebrachten großen Eisenplatte (mit meist mehreren, durch
einen Satz Eisenringe verschließbaren Öffnungen zum
Einsetzen von Kochtöpfen) erwärmt werden u. in die meist
auch ein Backofen eingebaut ist: ein elektrischer, zweiflam-
miger H.; ein H. mit vier [Koch]platten, Brennstellen.
Flammen; den H. putzen, heizen, anzünden, (ugs.:)
anmachen; sie steht den ganzen Morgen am H. (ugs.; sie ist
den ganzen Morgen mit Kochen beschäftigt): ich habe gerade
das Essen auf dem H. (ugs.; ich bin gerade dabei, das
Essen zu kochen)', den Wasserkessel auf den H. stellen;
sie zündete, (ugs.:) machte Feuer im H. an; den Topf
vom H. nehmen (von der heißen Kochplatte wegrücken):
Spr eigener H. (Hausstand. Haushalt) ist Goldes wert;
* am heimischen/häuslichen H. (zu Hause, in der
Geborgenheit des eigenen Heims). 2.a) Stelle, von der aus sich etw.
Übles weiter verbreitet: ein H. der Unruhe; viele Verbrechen
deuten daraufhin, daß sie einen gemeinsamen H. haben
(Schneider. Taganrog 10); b) (Med.) im Körper genau
lokalisierter Ausgangspunkt für eine Krankheit: die Behandlung
flacher -e von fraglich bösartigem Charakter (Medizin
II, 337);c) (Geol.) Ausgangspunkt von Erdbeben od.
vulkanischen Schmelzen. 3. (Technik) Teil des Hochofens, der das
einzuschmelzende Gut aufnimmt.
Herd-: ^apfel. der (meist PI.) [volksetym. angelehnt an
Herd; eigtl. Erdapfel] (alemann.): Kartoffel: Miosis, die
(Med.): Gesamtdosis von Stra/ilen. z.B. Röntgenstrahlen,
die zur Behandlung eines Krankheitsherdes angewandt
werden: ^erkrankung, die (Med.): durch einen Herd (2b)
hervorgerufene Erkrankung: ^feuer, das: Feuer in einem mit
Holz od. Kohle geheizten Herd (1); -frischverfahren, das
(Technik): Verfahren der Stahlerzeugung, bei dem
unerwünschte Verunreinigungen des Metalls im Schmelzbad
verbrannt werden: -infektion, die (Med.): svw. t
Fokalinfektion; -mulde, die: svw. t Kochmulde: Eine moderne H.
vor dem Fenster, ein Geschirrspülautomat - hier wurde
wirklich an alles gedacht, was die Küchentechnik zur Zeit
bieten kann (Wohnfibel 66); -ofen, der (Technik):
Hochofen, bei dem sich das einzuschmelzende Gut in einem
wannenförmigen Herd (3) befindet: -platte, die: a)
Kochplatte eines Elektroherdes: b) Eisenplatte, die den Kohleherd
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Herdbuch
bedeckt; -reaktion, die (Med.): 1. einen Herd (2 b) im
Körper hervorrufende Reaktion auf einen den Organismus
schädigenden Stoff 2. verstärkte od. erneute entzündliche
Reaktion eines Herdes (2 b) auf\ einen Reiz; -ring, der:
Eisenring, der es ermöglicht, die Öffnung in der Platte eines
Kohleherdes zu vergrößern od. zu verkleinern; -stelle, die:
bestimmte, meist mit Herdringen versehene Stelle einer
Herdplatte (b), auf die Töpfe gestellt werden; -Steuer, die
(Schweiz.): Personalsteuer, die an die Führung eines eigenen
Haushaltes gebunden ist.
Herdbuch ['he:?t-l, das; -[eis.... buche r [zu I Herde] (Landw.):
Zucht Stammbuch mit den Aufzeichnungen aller nötigen
Angaben über anerkannte Zuchttiere.
Herdbuch- (Landw.): -bulle, der: vgl. -vieh: Der
Dorfnachtwächter durfte seine dürre Kuh gratis von Marschners
-n decken lassen (Strittmatter. Wundertäter 317); -vieh.
das: Vieh, das in das Herdbuch eingetragen ist; -nicht,
die: von einem Zuchtverband od. einer Behörde durch das
Herdbuch kontrollierte Zucht von Nutztieren.
Herde ['he.'gddl. die: -. -n Imhd. hert. ahd. herta; vidi.
urspr. = Haufen od. Reihe (Rudel) ziehenden Wildes):
1. größere Menge von zusammengehörenden zahmen od.
wilden Tieren der gleichen Art [unter der Führung eines
Hirten od. eines Leittiers]: eine große, stattliche H.; eine
H. Rinder. Elefanten; wie eine H. ängstlicher Schafe; die
H. ist versprengt; eine H. hüten; nächtelang tönt die Klage
der Hirten, wenn sie sich mit der ziehenden H. am Abend
begegnen (Schneider. Leiden 63). 2.a) unverständige,
unselbständige Menschenmenge, die sich stumpfsinnig treiben
läßt: die entsetzlich verstörte ... H.. die sich, sobald die
Sirene ertönt, in den Schutz der Flaktürme drängt (Lang-
gässer. Siegel 610); * mit der H. laufen; der H. folgen
(abwertend; sich in seinem Tun u. Denken der Masse anschließen)',
b) (geh.) Anzahl Schutzbefohlener; kirchliche Gemeinde:
Es war eine versprengte H., die Vater Seraphim um sich
sammelte (Schaper, Kirche 18).
herden-, Herden- (Herde): -Instinkt, der: svw. t-trieb (1.
2); -mensch, der (abwertend): svw. t^tier (2); -tier, das:
1. in einer Herde (I) lebendes, zu einer Herde gehörendes
Tier. 2. (abwertend) unselbständiger Mensch, der sich einer
größeren Gruppe anschließt, ohne sich in irgendeiner Form
abzuheben; -trieb, der: 1. bei zahlreichen Tieren auftretende
Neigung, in Herden (1) zusammenzuleben. 2. (abwertend)
Neigung des Menschen, sich sozialen Gruppen fu. deren
Führern] anzuschließen u. deren Verhalten ohne Reflexion
nachzuahmen: -vieh, das: vgl. -tier (1. 2); -weise <Adv.>:
in Herden (1); scharenweise.
hereditär [heredi'te:?) <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [frz. h£re-
ditaire < lat. heröditäriusj: 1. die Erbschaft, das Erbe,
die Erbfolge betreffend. 2. (Biol., Med.) erblich, die
Vererbung betreffend; Heredität [...'te:tl, die; -. -en [lat. hereditäs]
(veraltet): 1. Erbschaft- 2. Erbfolge; Heredodegeneration
[heredo-1. die; -. -en [zu lat. heres (Gen.: heredis) = Erbe
u. IDegeneration] (Med.): erbliche Degeneration (1) in
bestimmter Geschlechterfolge (z. B. als Folge von Inzucht);
Heredopathk, die; -, -n |...i:an; f -pathie] (Med.):
Erbkrankheit.
herein [herein] <Adv.) [mhd. her In. zu ther u. t^einj:
von außen nach innen (zum Sprechenden] (Ggs.: hinaus):
immer weiter h. in den Keller drang das Wasser; nur
h.!; ..herein" (kommlen Sie] bitte herein!; bitte eintreten!)
rufen; <subst.:> sie klopfte an der Küchentür und trat
ein. ohne auf ein Herein zu warten (Kuby. Sieg 93).
herein-. Herein- (vgl. auch: hinein-, rein-): -bekommen <st.
V.; hat) (ugs.): mit etw., was man wieder verkaufen will,
beliefert werden: wir haben gestern neue Ware
hereinbekommen; -bemühen <sw. V.; hat) (geh.): 1. von außen
zu sich nach innen bemühen: darf ich Sie h.? 2. <h. +
sich) sich von außen zu jmdm. nach innen bemühen: ich
danke Ihnen, daß Sie sich hereinbemüht haben; -bitten
<st. V.; hat): jmdn. bitten, von außen nach innen [zum
Sprechenden] zu kommen; -blicken <sw. V.; hat): von außen
nach innen [zum Sprechenden] blicken; -brechen <st. V.;
ist): l.a) [ab]brechen u. nach innen stürzen, fallen: Eine
brennende Seitenwand brach herein (Bieler. Bonifaz 237);
hereinbrechende Gesteinsbrocken; b) (von großen
Wassermassen) sich mit großer Gewalt über etw. ergießen: die
See. die fauchend über den Albatros hereinbrach (Ott.
Haie 121); Ü eine Flut von Beschimpfungen brach über
den Redner herein. 2. (geh.) a) jmdn. plötzlich, unerwartet
u. hart treffen: eine Katastrophe, ein Unheil, ein Unglück
brach [über das Land, über die Familiel herein; b) plötzlich
u. deutlich spürbar beginnen, einsetzen: der Abend, die
Nacht, der Winter bricht herein; jäh hereinbrechende
Gewitterböen; -bringen <unr. V.; hat): 1. von außen nach
innen]zum Sprechenden] bringen: er brachte die bestellten
Waren herein. 2. (ugs.) a) eine Investition o. ä. wettmachen:
Die Kriege sollten, falls man sie gewann, die dafür
verwendeten Gelder wieder h. (Thieß. Reich 454); b) Versäumtes
wettmachen, nachholen: Zeitverluste durch höhere
Geschwindigkeit h.; -dringen <sw. V.; hat): von außen nach
innen [zum Sprechenden] drängen: das Volk drängte herein;
<h. + sich:) Ü eine breite Rinne, die sich von der offenen
See hereindrängt (Hausmann. Abel 34); -dringen <sw. V.;
ist): von außen nach innen [zum Sprechenden] dringen;
-dürfen <unr. V.; hat) (ugs.): 1. von außen nach innen
[ zum Sprechenden] kommen dürfen. 2. hereingebracht
werden dürfen; -fahren <st. V.; ist): vgl. herausfahren (1.
2 a); -fallen <st. V.; ist): 1. (selten) nach innen, in etw.
fallen: der in den Bunker hereinfallende ... Unteroffizier
(Plievier. Stalingrad 327). 2. (von Licht o.a.) in einen
Raum fallen (7 b). geworfen werden: ein dreiteiliges
Schiebefenster .... durch das weißes Licht hereinfiel (Bieter. Bonifaz
158). 3. (ugs.) a) von jmdm. getäuscht, betrogen werden
u. dadurch Schaden, Nachteile haben: bei einem Kauf arg.
sehr, furchtbar h.; mit dem neuen Angestellten sind wir
ganz schön hereingefallen; b) aus Gutgläubigkeit od.
Dummheit auf jmdn., etw.. bes. auf Vorschläge od. Äußerungen,
die kei/ie solide Grundlage haben, eingehen u. dadurch einer
Täuschung zum Opfer fallen: auf diesen Trick, diesen
Hochstapler fallen sicher wieder viele herein; -fliegen <st. V.;
ist): 1. von außen nach innen [zum Sprechenden] fliegen:
ein Schmetterling ist hereingeflogen. 2. (salopp) svw. I
^fallen (3); -führen <sw. V.; hat): von außen nach innen [zum
Sprechenden] fuhren; -gäbe, die (Ballspiele): von außen
nach innen gespielter Ball, gespielte Vorlage: ein
Flankenlauf des Rechtsaußen mit einer präzisen H. brachte den
Ausgleich; -geben <st. V.; hat): 1. von außen nach innen
[zum Sprechenden] geben, reichen. 2, (Ballspiele) den Ball
nach innen vors Tor spielen: der Rechtsaußen gab den
Ball gefühlvoll in die Mitte herein; -geschmeckte, der
u. die; -n. -n <Dekl. T Abgeordnete) [zu f hereinschmeckenl
(bes. schwäb.): jmd.. der sich in einem Ort niederläßt, in
dem er nicht [geboren u.] aufgewachsen ist: Man war ein
..Hereingeschmeckter", wenn man sich von auswärts her
in Nördlingen niederließ (Niekisch. Leben 13); -gleiten
<st. V.; ist): sich rasch, geschmeidig u. geräuschlos von
außen nach innen [zum Sprechenden] bewegen; -holen <sw.
V.; hat): 1. von außen nach innen zu sich, zum Sprechenden
holen. 2. (ugs.) a) bestinvnte Werte auf eine bestimmte
Weise erarbeiten, verdienen: Bremer Reisefachleute, die
übrigens 40 Prozent ihres Umsatzes mit Geschäftsreisen
hereinholen (Welt 25. 2. 1976. 1); b) svw. T-bringen (2 b);
-klettern <sw. V.; ist): von außen nach innen [ zum
Sprechenden] klettern; -kommen <st. V.; ist): 1. von außen nach
innen [zwn Sprechenden] kommen. 2. (ugs.) a) (von
Verkaufsgütern) dem Geschäft, Händler o.a. geliefert werden:
die SommerJrollektion kommt bereits im März herein;
b) eingenonunen werden, so daß man Geld zur Verfügung
hat: ich ging damals auf den Bau arbeiten. ... damit Geld
hereinkam (Gaiser, Schlußball 163);c) sich [als Investition]
lohnen: Da ist keine Zeit vergeudet, die Zeit kommt immer
herein (Gaiser. Schlußball 163); -können <unr. V.; hat)
(ugs.): vgl. -dürfen; -kriechen <st. V.; ist): von außen
nach innen [zum Sprechenden] kriechen; -kriegen <sw.
V.; hat) (ugs.): svw. T-bekommen; -bissen <st. V.; hat)
(ugs.): von außen nach innen [zum Sprechenden] kommen
lassen; jmdn. eintreten lassen: wollen wir ihn h.?; Ü die
geschlossenen Vorhänge ließen das Licht nur dämmernd
herein (Th. Mann. Buddenbrooks 41); -taufen <sw. V.;
ist): 1. von außen nach innen [zum Sprechenden] laufen.
2, (von Wasser o. ä.) nach innen fließen: das Wasser lief
unter der Kellertür herein; -legen <sw. V.; hat): 1. etw.
von außen nach innen [zum Sprechenden] legen. 2. (ugs.)
jmdn. durch geschicktes Vorgehen zu etw. veranlassen,
wodurch die betreffende Person Schaden erleidet: der Vertreter
hatte ihn beim Kauf des Staubsaugers hereingelegt; -lok-
ken <sw. V.; hat): von außen nach innen [ zum Sprechenden]
h>cken; -nehmen <st. V.; hat): 1. etw. nehmen u. von außen
nach innen [zum Sprechenden] bringen: wir müssen noch
1204
Herkogamie
die Stühle vom Balkon h. 2Jmdn.% etw. [für wirtschaftliche
Zwecke] zu etw. dazunehmen, in etw. aufnehmen: ... da
die Interventionsstellen zusätzliche Buttermengen h.
mußten (Welt 2. 8. 65. 11); -nötigen <sw. V.; hat): jmdn.
nötigen hereinzukommen; -platzen <sw. V.; ist) (ugs.):
plötzlich, unerwartet u. ungebeten bei andern, in einem Kreis
von Personen erscheinen; -rasseln <sw. V.; ist) (salopp):
1. svw. T ^fallen (3 a). 2. durch eigenes Versagen od. eigene
Schuld in eine schwierige, aussichtslose Situation geraten;
-regnen <sw. V.; hat): in einen Raum regnen /in dem sich
der Sprechende aufhält/; -reichen <sw. V.; hat): 1. etw.
von außen nach innen [zum Sprechenden] reichen; den Stuhl
h. 2. (ugs.) lang genug sein u. deshalb von außen nach innen
[zum Sprechenden] reichen: einzelne Zweige des
Kirschbaums reichen in die Loggia herein; -reißen <st. V.;
hat): 1. von außen nach innen reißen, gewaltsam ziehen,
zerren. 2. (ugs.) svw. t reinreißen: „Das habe ich gefürchtet.
Du reißt Mutter auch herein." (Fallada. Jeder 223); -reiten
<st. V.): 1. von außen nach innen [zum Sprechenden] reiten
<ist>: durch das Tor h. 2. (ugs.) svw. Thineinreiten (2)
(hat); -rennen <unr. V.; ist): vgl. -laufen (1); -riechen
<st. V.; hat) (ugs.): svw. f reinriechen; -rufen <st. V.; hat):
1. von außen nach innen [zum Sprechenden] rufen. 2. jmdn.,
der daraufwartet, aufrufen u. zu sich kommen lassen;
^schaffen <sw. V.; hat): von außen nach innen [zum Sprechenden]
schaffen; -schauen<sw. V.; hat) (landsch.): 1. svw. t^sehen
(1). 2. [unangemeldet] einen kurzen Besuch machen: Er
... tat so. als sei er nur eben mal vorbeigekommen und
schaue herein in aller Freundschaft (Kuby. Sieg 345);
-scheinen <st. V.; hat): (von Licht) von außen nach innen
[zum Sprechenden] scheinen; -schicken <sw. V.; hat): von
außen nach innen [zum Sprechenden/ schicken: schicken
Sie bitte den Kunden herein; -schieben <st. V.; hat): a)
von außen nach innen [zum Sprechenden] schieben: den
Servierwagen ins Zimmer h.; b) <h. + sich) sich von außen
nach innen [zum Sprechenden] schieben: er schob sich
unbemerkt durch die schmale Öffnung herein; -schleichen <st.
V.): a) von außen nach innen [zum Sprechenden] schleichen
<ist); b) <h. + sich > sich von außen nach innen f zum Sprechen-
den] schleichen (hat): das Kätzchen hat sich
hereingeschlichen; -schleppen <sw. V.; hat): a) von außen nach innen
! zum Sprechenden] schleppen: keuchend schleppte er die
Kiste herein; b) <h. + sich) sich von außen nach innen
! zum Sprechenden/ schleppen: mit letzter Kraft konnte
er sich noch h.; -schlüpfen <sw. V.; ist): von außen nach
innen [zum Sprechenden] schlüpfen; -schmecken <sw. V.;
hat) [zu landsch. schmecken = riechen] (bes. schwäb.):
erst kurz irgendwo wohnen (d.h. hereinriechen);
-schmuggeln <sw. V.; hat): jmdn., sich, erw. in ein Land, in ein
Gebäude o.a. schmuggeln; -schneien <sw. V.): 1. vgl.
-regnen <hat). 2. (ugs.) unangemeldet, überraschend zu jmdm.
kommen <ist): Entschuldigen Sie. wenn ich noch so spät
hereinschneie (Sebastian. Krankenhaus 203); -sehen <st.
V.; hat): 1. von außen nach innen [zum Sprechenden/ sehen:
durch die dichten Gardinen kann man hier nicht h. 2.
svw. t-schauen (2); -spazieren <sw. V.; ist) (ugs.): nach
innen / zum Sprechenden] spazieren: Hereinspaziert!
(Aufforderung eines Ausrufers, die Vorstellung einer
Wanderbühne o. ä. zu besuchen): ^stecken <sw, V.; hat): von außen
nach innen [zum Sprechenden] stecken: den Kopf zur Tür
h.; -stehlen, sich <st. V.; hat): sich von außen nach innen
[zum Sprechenden] stehlen; -steigen <st. V.; ist): von außen
nach innen /zum Sprechenden] steigen; -stellen <sw. V.;
hat): von außen nach innen [zum Sprechenden] stellen;
-stoßen <sw. V.; hat): von außen nach innen / zum
Sprechenden] stoßen: die Polizisten stießen ihn durch die Tür herein;
-strömen <sw. V.; ist): 1. von außen nach innen [zum
Sprechenden] strömen: das Wasser strömte ungehindert herein;
U Mechanisch hatte Mathilde ... das volle Licht h. lassen
(Seidel. Sterne 109). 2. in großer Anzahl in etw.
hereinkommen; -stürmen <sw. V.; ist): von außen nach innen [zum
Sprechenden] stürmen; -stürzen <sw. V.; ist): 1. von außen
nach innen [ zum Sprechenden] stürzen, fallen. 2. von außen
nach innen [zum Sprechenden] stürzen, eilen, rennen: atemlos
stürzte er herein; -tragen <sw. V.; hat): von außen nach
innen [zum Sprechenden] tragen; -treten <st. V.; ist)
(selten): svw. t eintreten (1); -wagen, sich <sw. V.; hat): sich
von außen nach innen [zum Sprechenden] wagen; wagen
hereinzukommen; -wehen <sw. V.): 1. <hat) a) (vom Wind
o.a.) von außen nach innen [zum SprechendenJ wehen:
der Wind hat hereingeweht; b) etw. von außen nach innen
[zum Sprechenden] wehen: der Wind hat die Blätter
hereingeweht. 2. vom Wind o. ä. von außen nach innen geweht
werden <ist>: Blätter sind hereingeweht; -weifen <st. V.;
hat): von außen nach innen [zum Sprechenden] werfen:
er hat Steine hereingeworfen; -winken <sw. V.; hat): 1.
von außen nach innen [zum Sprechenden] winken: er hat
im Vorbeigehen hereingewinkt. 2. jmdn. durch Winken
veranlassen hereinzukommen; -wollen <unr. V.; hat) (ugs.):
vgl. ^dürfen; -zerren <sw. V.; hat) (ugs.): von außen nach
innen [zum Sprechenden] zerren; -ziehen <unr. V.): 1.
von außen nach innen [zum Sprechenden] ziehen <hat>:
den Karren in den Hof h.; schnell zog er sie ins Haus
herein. 2. (bei hoher Geschwindigkeit) das Lenkrad
allmählich einschlagend die Innenseite der Fahrbahn ansteuern:
da die Kurve sich verengt, bleiben sie (= die Fahrer)
sehr lange außen und ziehen die Wagen erst spät herein
(Frankenberg, Fahren 58). 3. svw. Teinziehen (5) <ist>:
sie zogen singend ins Stadion herein. 4. (selten) [in das
Haus, in dem auch der Sprechende wohnt] einziehen (7)
<ist>. 5, <unpsers.) (als Zugluft) von außen nach innen
[zum Sprechenden/ wehen <hat): es zieht durch die Ritzen
in der Tür herein.
Hereke ['hereke], der; -s. -s [nach dem türk. Ort Hereke]:
sehr fein geknüpfter türkischer Teppich.
herfiir [he?'fy:ß] <Adv.) [mhd. her für] (dichter, veraltet):
hervor.
Hering [he:nnl. der; -s. -e [mhd. hserinc. ahd. härinc. H.
u.; 3: wohl nach der schlanken Form des Fisches]: 1.
in großen Schwärmen im Meer auftretender Fisch mit
grünlichblauem Rücken u. silberglänzenden, leicht gewölbten
Körperseiten, der massenweise gefangen u. vielseitig als
Speisefisch verwendet wird: grüne, gesalzene, geräucherte,
marinierte -e; die -e laichen; -e fangen, wässern; er ist dünn
wie ein H.; sie saßen, standen in der Straßenbahn wie
die -e (ugs. scherzh.; dicht gedrängt). 2. (ugs.) langer, dünner,
schmaler, magerer [junger] Mann: Er ist und bleibt ein
magerer H. (Remarque. Westen 7). 3. schmaler Holz- od.
Metallpflock, der mit einer Nase od. Kerbe zum Einhängen
der Zeltschnüre versehen ist u. der beim Aufbau eines Zeltes
am Zeltrand in den Boden geschlagen wird.
Herings-: -bändiger. der (ugs. scherzh.): jmd., der ein kleines
Fisch- od. Lebensmittelgeschäft betreibt; -brühe, die
(südd.): svw. t-lake; -fang, der: auf H. gehen; -ftnger,
der: speziell für den Heringsfang ausgerüstetes Fangschiff;
^faß, das: Faß aus Holz, in dem / SalzJberinge gelagert
werden; -filet, das; -fischer, der: Fischer, der den
Heringsfang als Broterwerb betreibt (Berufsbez.); -fischerei. die;
^hal, der: Hai mit relativ gedrungenem, blauschwarzem
bis dunkelgrauem Körper, weißlicher Unterseite u.
nasenartig spitz nach vorn ausgezogener Stirn, der sich besonders
von Heringen, Makrelen u. Sardinen ernährt; -könig, der:
im Mittelmeer u. an den Ostküsten des Atlantiks lebender,
großer, als Speisefisch geschätzter Fisch mit hochrückigem
u. seitlich stark zuswnmengepreßtem Körper, mit gezackten
Rückenflossen, die bei seitlicher Betrachtung einer Krone
ähnlich sehen; -lake, die: Salzlösung, in der Heringe
eingelegt sind od. eingelegt gewesen sind; -logger. der: Logger
zum Heringsfang mit Treibnetzen; -milch, die: Milch (3)
des männlichen Herings; -möwe, die: an Meeresküsten,
breiten Flüssen, Seen u. in Mooren lebende Möwe mit meist
gelben Beinen u. weißem Körper, deren Rücken u. Oberseiten
der Flügel schiefergrau bis schwarz sind; -ragen, der: Rogen
des weiblichen Herings; -salat, der: Salat aus
kleingeschnittenen, gesalzenen od. sauren Heringsfilets mit Mayonnaise,
Gewürzen, Gewürzgurken, Zwiebeln u. anderen Zutaten;
-schwärm, der; -stipp, der: in Mayonnaise mit / zerriebener
Heringsmilch u.] weiteren Zutaten zubereitete
Heringsfiletstücke; -tonne, die: vgl. -faß.
herinnen [he'nnan] <Adv.) (südd.. österr.): hier innen: h.
war's dunkel, leer und frostig fast (Werfel. Himmel 157).
Heris ['he:nsl, der; -. - [nach dem iran. Ort Herisl: rot-
od. elfenbeingrundiger persischer Teppich, meist mit einem
rhombenartig gestalteten Medaillon mit Arabesken u.
geometrischen Ornamenten im Grund.
Herkogamie [herkoga'mi:]. die; - [zu griech. hörkos =
Trennwand. Zaun u. gämos = Ehe; Befruchtung] (Bot.):
starke räumliche Trennung von Narben u. Staubblättern
bei Zwitterblüten, durch die eine Selbstbestäubung verhindert
od. erschwert wird.
1205
Herkules
Herkules ['Herkules], der; -. -se [nach dem Halbgott der
griech. Sage lat. Hercules < griech. HeraklSs]: 1. Mensch
mit großer Körperkraft: von den Ohren abwärts sind diese
-se wie ein einziger massiver Klotz (Wolfe [Übers.]. Radical
77); produziere dich nie als geistiger H.. wenn eine neue
Hose dasselbe erreicht (Remarque. Obelisk 292). 2.
(Schweiz.) svw. f Lukas.
Herkules- [in Zus. meist zur Veranschaulichung der großen
Gestalt]: -arbeit, die [nach den zwölf Arbeiten od.
Kämpfen des Halbgottes der griech. Sage Herkules (Herakles),
die dieser auf Weisung des Delphischen Orakels zu
vollbringen hatte]: ungeheuer schwere, großen Kräfteaufwand
erfordernde Arbeit: -keule, die [vgl. Herkules-;
verschiedene Darstellungen zeigen den Sagenhelden mit einer Keule]:
I. Flaschenkürbis mit langen, keulenförmigen Früchten. 2.
vor allem in Laubwäldern vorkommender, nur im frühen
Stadium genießbarer Ständerpilz mit keulenförmigem,
hohem, weichem, schwammigem Fruchtkörper u. runzliger
Oberfläche: -kraut, das [nach der Übers, des botan. nlat.
Namens Heracleum]: svw. t Bärenklau (1).
herkulisch [her'ku.lij] <Adj.; nicht adv.) (bildungsspr.): rie-
senstark [wie Herkules/: über -e Kräfte verfügen.
Herlins [herlin], der; -s. -e [zu therb od. landsch. (veraltet)
hart = von beißendem Geschmack, vgl. Härtung 2]
(veraltet): a) harte, unreife, saure Weintraube: b) svw. f Härtling
(2).
Herlitze ['herlit^o), auch: her'Iitsa], die: -. -n [mhd. nicht
belegt, ahd. harlezboum, erlizboum. H. u.]: svw. tKomel-
kirsche.
Hermandad [herman'da:t, span.: ermandaö]. die; - [span.
(Santa) Hermandad = (Heilige) Bruderschaft, zu:
hermano = Bruder < lat. germänus): a) (im ausgehenden
Mittelalter) Bündnis kastilischer u. aragonesischer Städte
gegen Übergriffe des Adels u. zur Wahrung des Landfriedens:
b) (früher) Gendarmerie in Spanien: * die heilige H. (veraltet,
iron.; die Polizei).
Hermaphrodismus [hermlafrodismos], der; -
[fHermaphrodit] (Biol.. Med.): svw. T Hermaphroditismus;
Hermaphrodit [../dilti, der; -en. -en [lat. hermaphrodltus < griech.
hermaphröditos, nach Hermaphröditos. dem zum Zwitter
gewordenen Sohn der griechischen Gottheiten Hermes u.
Aphrodite] (Biol.. Med.): Zwitter: Individuum (Mensch.
Tier od. Pflanze) mit Geschlechtsmerhnalen von beiden
Geschlechtern: <Abl.:> hermaphroditisch <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.> (Biol.. Med): zweigeschlechtig, zwittrig: Herrn-
aphroditismus [...di'tismos]. der; - (Biol.. Med.): Zweige-
Schlechtigkeit: Zwittrigkeit.
Herme Thermal, der; -. -n [lat. Herma, Hermes < griech.
HerniSs. eigtl. = (Statue des) Hermes]: Pfeiler od. Säule,
die mit einer Büste gekrönt ist (ursprünglich des Gottes
Hermes).
'Hermelin [herma li:n], das; -s. -e [mhd. hermelfn, ahd. har-
mill(n) = Vkl. von: harnio = Wiesel]: 1. großes Wiesel
mit braunem Fell u. weißer bis gelblicher Bauchseite im
Sommer u. weißem Winterfell, das für wertvolle Pelze
verarbeitet wird. 2. svw. t Hermelinkaninchen; Hermelin [-].
der; -s. -e [mhd. hermilfn]: 1. Pelz aus dem weißen Winterfell
des 'Hermelins (1): ein Mantel aus H. 2. (Her.) heute
meist aufgemaltes stilisiertes weißes Fell mit regelmäßig
versetzten Schwanzspitzendes]Hermelins (1). mit dem
Wappen od. Schilde bespannt werden: HermeUnkanindien, das;
-s. -: zwecks Pelzgewinnung gezüchtetes kleines,
gedrungenes, vollständig weißes Hauskaninchen mit auffallend kurzen
Ohren u. kurzhaarigem Fell: Hermelinspinner, der; -s. -
[wegen der Ähnlichkeit der weißen Flügelbehaarung mit
dem 2Hermelin] (Zool.): im Mai u. Juni auftretender
Schmetterlifig mit weißen Flügeln u. auf der Oberseite
schwarzem Hinterleib.
Hermeneutik [herme'noytik], die; - [griech. hermeneutike
(techne)]: 1. wissenschaftliches Verfahren der Auslegung
u. Erklärung eines Textes (bes. der Bibel) od. eines Kunst-
od. Musikwerks. 2. in der Existenzphilosophie metaphysische
Methode des VerStehens menschlichen Daseins: <Abl.:> her-
meneutisch [herme'n^ytif] <Adj.; o. Steig.: nicht adv.>: einen
Text o. ä. erklärend, auslegend.
Hermetik [herme:tik], die; - [1: Thermetisch; 2: nach engl,
hermetic = luftdicht]: 1. (veraltend) Alchimie u. Magie:
Ü In der fieberhaften H. des Zauberberges aber erfährt
dieser schlichte Stoff eine Steigerung (Th. Mann.
Zauberberg XI). 2. lidtdichte Apparatur: Die Ursache für den
Defekt an der H. der Landekapsel wird noch geprüft
(MM 3. 7. 71. 1); Hermetiker, der; -s. - [Thermetisch]:
1. Anhänger des ägyptisch-spätantiken Gottes der Magie
u. Alchimie. 2. (bildungsspr.) Schriftsteller mit vieldeutiger,
dunkler Ausdrucksweise (bes. der alchimistischen,
astrologischen u. magischen Literatur): hermetisch <AdJ.; o. Steig.)
[1: nlat. hermetice. eigtl. = mit geheimnisvollem Siegel
versehen, nach dem sagenhaften altägypt. Weisen Hermes
Trismegistos. der die Kunst erfunden haben soll, eine
Glasröhre mit einem geheimnisvollen Siegel (sigillum Her-
meüs) luftdicht zu verschließen; 2: nach dem Schrifttum
einer spätantiken religiösen Offenbarungs- u. Geheimlehre,
als deren Verfasser Hermes Trismegistos angesehen wird]:
1. a) so dicht, verschlossen, daß nichts eindringen od.
austretenkann: h. verschlossene Ampullen; b) durch eine
Maßnahme oder ein Ereignis so beschaffen, daß niemand eindringen
od. hinausgelangen kann: ein Gebäude h. abriegeln. 2.
(bildungsspr.) vieldeutig.dunkel (inbezugaufdas Verständnis):
eine geheimnisvolle Ausdrucksweise bevorzugend: nach Art
der Hermetiker (2): -e Literatur
(philosophisch-okkultistische Literatur der Hermetiker 2): hermetisieren [hermeti-
zi:ren] <sw. V.; hat): dicht verschließen, luft- u. wasserdicht
ahöcA^, Hermetismus [hermetismos], der; - [1: ital. ermetis-
mo. gepr. von dem ital. Literaturhistoriker F. Floral
(1891-1962); 2: frz. hermetisme. zu T hermetisch 2]: 1. (Lite-
raturw.) Richtung der modernen italienischen Lyrik. 2.
(bildungsspr.) Dunkelheit. Vieldeutigkeit der Aussage als
Wesenszug der modernen Poesie.
Hermitaae [Ermi'ta:3], der; - [frz. (htermitagej: französischer
Wein (vorwiegend Rotwein) aus dem Anbaugebiet um die
Gemeinde Train-tErmitage im Rhonetal.
hernach [he^'na.x] <Adv.) [mhd. her nach. ahd. hera näh
= nach dieser Zeit, t her u. t nach] (landsch.): a) ufunittelbar
nach einem bestimmten Geschehen, das in der Vergangenheit
od. Zukunft liegt: danach: wenn ich es ... von der Kanzel
sage, daß sie Heiden sind. ... h. im Wirtshaus brüsten
sie sich ... noch damit (Broch. Versucher 55); b) in näherer,
nicht genau bestimmter Zukunft: tutchher: ich komme h.
noch bei dir vorbei.
Hernie [hernp]. die; -. -n [aus lat. hemia (Gen.: herniae)
= Bruch, urspr. = Eingeweide]: 1. (Med.)
Eingeweidebruch. 2. (Biol.) durch Pilze erzeugte, krankhafte Wucherung
an Kohlpflanzen.
hernieder [hes'nLdB] <Adv.) [mhd. her nider, ahd. hera
nider. fher u. f nieder] (geh.): von einer höhergelegenen
Stelle nach unten / zum Sprechenden!.
hernieder- (geh.): -brechen <st. V.; ist): svw. t herabstürzen
(1); -brennen <unr. V.; hat): svw. t herunterbrennen (1);
-fahren <st. V.; ist): von einer höhergelegenen Stelle nach
unten {zum Sprechenden) fahren: U rund um die Hütte
fuhren Blitze hernieder; -fallen <st. V.; ist): von einer
höhergelegenen Stelle nach unten [auf den Sprechenden!
fallen: warmer Regen fällt in schweren Tropfen auf uns
hernieder; ~gehen<unr. V.; ist): svw. t niedergehen: Regen
mit Schnee vermischt ging unablässig hernieder (Th. Mann.
Krull 134); -hängen <st. V.; ist): von einer höhergelegenen
Stelle nach unten [auf den Sprechenden] hängen (2): Ü
der Himmel hing schwer hernieder (Kirst. 08/15. 348);
-prasseln <sw. V.; ist): von einer höhergelegenen Stelle
prasselnd nach unten lauf den Sprechenden] fallen: Ü Die
lautlosen Gewitter des Chaos prasseln auf sie hernieder
(Remarque. Obelisk 255); -schweben <sw. V.; ist): svw.
T herabschweben; -senken, sich <sw. V.; hat): svw. T
herabsenken; -sinken (st. V.; ist): svw. T herabsinken; -steigen
<st. V.; ist): svw. t heruntersteigen.
Herniotomie [hernioto'mi:]. die; -. -n [...i:an; aus f Hernie
u. griech. tom& = das Schneiden, der Schnitt] (Med.):
Bruchoperation: operative Spaltung des einschnürenden
Bruchrings, um einen eingeklemmten Bruch in die
Bauchhöhle zurückzuschieben.
heroben [he'robn] <Adv.) [thier u. toben; vgl. hüben] (südd.,
österr.): hier oben: „wo wollen Sie frühstücken, h. oder
heruntenT (Zuckmayer. Magdalena 40).
Heroe [he'ro:a]. der; -n. -n [geb. nach dem lat. Akk. Sg.
• heroem. t Heros] (bildungsspr): 1. svw. f Heros (1). 2.
heldenhafter Mann. Held: daß man allzusehr den unter seiner
Leistung zusammenbrechenden Menschen als den -n der
Leistung gefeiert hat (Hollander. Mensch 150); Heroenkult
der; -[eis, -e <P1. selten) (bildungsspr.): kultische Verehrung
eines Heros (1). von Heroen: Ü (abwertend:) er lehnte
1206
Herr
den H.. der mit seiner Person seit langen getrieben
wurde, innerlich ab; Heroentim, das; -s (bildungsspr.):
Heldentum; Heroenzeit, die; -. -en <P1. selten) (bildungsspr.):
Zeit, in der Helden da) lebten; Heldenzeitalter;
Heroide [hero'i:d3], die; -, -n (meist PI.) [lat. heröides
< griech. heröfdes, eigtl. = die Halbgöttinnen. T Heros;
nach dem spätlat. Grammatiker Priscianus (um 500
n.Chr.)Titel einer von dem röm. Lyriker Ovid (43v.Chr. bis
etwa 18 n. Chr.) herausgegebenen Sammlung fiktiver Briefe
von Heroinen, z.B. von Penelope an Odysseus (Litera-
turw.]: Gedicht als fiktiver [ LiebesJbrief eines weltlichen
od. biblischen Helden bzw. einer Heldin; Heroik [he'ro:ikl.
die; - [T Heros] (bildungsspr.): Heldenhaftigkeit; 'Heroin
[hero'i:n], das; -s [gelehrte Bildung zu griech. h£rös =
Held; heroisch bedeutete im MA stark, kräftig]: aus einem
weißen, pulverförmigen Morphinderivat bestehendes, sehr
starkes, süchtig machendes Rauschgift, das früher auch als
Medikament verwendet wurde; Heroin [he'ro.in], die; -,
-nen [lat. herölne < griech. heröfne]: 1. (bildungsspr.)
Heldin. 2. (Theater) Heroine; Heroine [hero'i:nd], die; -.
-n [t2Heroin] (Theater): Darstellerin einer weiblichen Hei-
denrolle auf der Bühne; Heroinismus [heroi'nismos], der;
- [zu T!Heroin] (Med.): Heroinsucht; <Zus. zu !Heroin:>
Heroinsucht, die (Med.): durch Mißbrauch von {Heroin
entstandene Sucht; heroinsüchtig <Adj.; o. Steig.; nicht adv):
süchtig nach !Heroin; heroisch <Adj.; o. Steig.; nicht adv.)
[lat. heröicus < griech. heröikös] (bildungsspr.): 1. svw.
T heldenhaft. 2. <nur attr.) von erhabener Wirkung: -e
Landschaft (Kunstwiss.; 1. Darstellung einer idealen Landschaft
mit Gestalten der antiken Mythologie. 2. Darstellung einer
dramatisch bewegten, monumentalen idealen Lattdschaft):
-er Vers (Literaturw.; Vers des [englischen] Epos);
heroisieren [heroizi:ran] <sw. V.; hat) (bildungsspr): jmdn. als
Helden verherrlichen, zum Helden erheben; Heroismus [he-
ro'ismus], der; - [T heroisch] (bildungsspr.): Heldentum.
Heldenmut.
Herold [he:rolt], der; -[e]s, -e [spätmhd. heralt < afrz.
heralt, aus dem Germ., eigtl. Heerwalter]: 1. (hist.) wappen-
kundiger Hofbeamter. 2.a) (hist.) Ausrufer u. Bote eines
Fürsten; b) (gch.)jmd.. der eine wichtige Nachricht
verkündet.
Herolds- (1): -amt, das (früher): aus den Funktionen des
Herolds entstandene, für Rang-. Titel- u. Wappenfragen
zuständige Behörde; ^bild, das (früher): durch die Bemalung
von Schilden entstandene, ungegenständliche Figur; ^kunst,
die <o. PI.) (veraltet): Heraldik; -literatur, die:
mittelalterliche Literatur, in der die Beschreibung fürstlicher Wappen
nach einem festen Schema mit der Huldigung ihrer
gegenwärtigen od. früheren Träger verbunden wird; -meister, der
(früher): Leiter eines Heroldsamts.
Heronsball ['he:ronsbal], der; -[e]s. ...balle [nach dem alt-
griech. Mathematiker Heron (2. Hälfte des 1. Jh.s v. Chr.)]:
Gefäß mit fast bodenlanger Röhre, aus der mit Hilfe des
Druckes zusammengepreßter Luft hochgetragenes Wasser
ausgespritzt wird (als Prinzip z. B. beim Parfümzerstäuber).
Heroon [he'ro.on], das; -s. ...rQa [griech. heröon]: Grabmal
u. Tempel eines Heros (1); Heros [he.ros]; der, -. ...Qen
[lat. herös < griech. h£rös]: 1. (griech. Myth.) zwischen
Göttern u. Menschen stehender Held. Halbgott, der im Leben
große Taten vollbracht u. nach seinem Tod die Fähigkeit
erlangt hat. den Menschen aus eigener Macht Hilfe zu
leisten. 2. (bildungsspr.) heldenhafter Mann. Held.
Herostrat [hero'stra:t]. der; -en, -en [nach dem Griechen
Herostratos, der 356 v. Chr. den Artemistempel zu Ephesus
in Brand steckte, um berühmt zu werden] (bildungsspr.):
Verbrecher aus Ruhmsucht; <Abl.:) Herostratentum, das;
-s (bildungsspr.): durch Ruhmsucht motiviertes
Verbrechertum; herostmtisch <Adj.; o. Steig.; nicht adv.)
(bildungsspr.): aus Ruhmsucht Verbrechen begehend.
Herpangina [herpan'gi:na], die; -, ...nen [zu t Herpes u.
tAngina] (Med.): bes. bei Kindern auftretende, durch Viren
verursachte gutartige Infektionskrankheit mit Rachen- u.
Gaumenentzündung sowie Bläschenbildung in der
Mundhöhle; Herpes fherpes], der; -. ...etes [her'pe:tes] <P1. ungebr.)
[lat.herpes < griech. herpes(Gen.:herpetos) =
schleichender Schaden] (Med.): a) mit seröser Flüssigkeit gefülltes
Hautbläschen, das verkrustend eintrocknet; Ausschlag am
Mund. Griebe; b) (virusbedingte) entzündliche Haut- u.
Schleimhauterkrankung mit Ausbildung zahlreicher, sich
meist gruppenförmig zusammenschließettder seröser
Bläschen an den Übergängen zwischen Haut u. Schleimhaut
(im Bereich der Nase, der Lippen u. der äußeren
Geschlechtsteile); Herpes simplex; Herpes zoster l-'t£o:stB]. der; —
[griech. zoster = Gürtel] (Med.): Gürtelrose; herpetiform
[herpetifDrm] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [zu THerpes
u. lat. forma = Gestalt. Form] (Med.): einem
Bläschenausschlag, dem Herpes ähnlich; herpetisch <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.) [THerpes] (Med.): den Herpes betreffend, die
für einen Herpes charakteristischen Bläschen aufweisend.
Herpetologie, die; - [zu griech. herpetön = kriechendes
Tier u. Nlogie] (Zool.): Teilgebiet der Zoologie, auf dem
man sich mit der Erforschung der Lurche u. Kriechtiere
befaßt.
H^t [her], der; -n (selten: -en). -en [mhd. hertre); ahd.
herro. zu dem Komp. heriro = älter, ehrwürdiger,
erhabener, zu: her. Thehr; wahrsch. LÜ von mlat. senior =
Herr, eigtl. = Komp. von senex = alt]: I. Vkl. THerrchen
(Da) Mann (auch als übliche höfliche Bezeichnung für
eine männliche Person im gesellschaftlichen Verkehr): ein
junger, älterer, freundlicher, vornehmer, feiner H.; ein
H. im Smoking, mit Brille; die -en forderten zum Tanz
auf; ein H. möchte Sie sprechen; die Geschäftsleitung
besteht aus drei -en; hier gibt es alles für den -n!; ein besserer
(sozial höhergestellter) H.; ein feiner, sauberer H. (iron.:
ein Mensch mit fragwürdigen Charaktereigenschaften)', der
geistliche H. (landsch.; Pfarrer)', bei den -en (Sport; der
Mannschaft der Herren) siegte die deutsche Staffel; * Alter
H. (1. ugs. scherzh.; Vater; mein, sein Alter H. 2. Studen-
tenspr.; ehemaliges aktives Mitglied einer Verbindung; zum
Stiftungsfest kommen die Alten -en. 3. Sport; Altersklasse
der Spieler über 32 Jahre; Mannschaft dieser Altersklasse;
die Alten -en der Borussia sicherten sich den Tumiersieg);
die -en der Schöpfung (ugs. scherzh.; die Männer): b)
gebildeter, kultivierter, gepflegter Mann: „Merkwürdig .... es stört
noch nicht mal, daß er keinen Kragen umhat." „Ein H.
...; so komisch es klingt." (Schnurre, Bart 81); er spielt
gern den großen -n (benimmt sich, als ob er vornehm
u. reich wäre). 2.a) auch als Anrede verwendete
titelähnliche Bezeichnung für eine Person männlichen Geschlechts:
a)mit Namen od.Titel: H.Minister; H.Direktor, Doktor;
lieber H. Müller; H. Ober, bitte eine Tasse Kaftee; ich
habe -n Maier getroffen; die Geistesblitze des -en Verfassers
(Börsenblatt 55,1966.3994); ß)ohne Namen [mit
bestimmten Adjektiven]: was wünschen Sie. mein H.?; was wünscht
der H.?; aber meine -en, wozu diese Aufregung?; „Ist
gut, gnä' H. Dann werde ich jetzt servieren/4 (Simmel,
Affäre 21); „Sind Sie die Frau des Werkmeisters Otto
Quangel?" ..Ja, lieber H. Schön achtundzwanzig Jahre."
(Fallada. Jeder 289); * meine -en! (salopp; Ausruf des
Unverständnisses, einer leichten Entrüstung); b) (geh.) als
Zusatz bei Verwandtschaftsbezeichnungen (in der
Unterhaltung mit einem Angehörigen der betreffenden Person):
Ihr H. Vater. Bruder; grüßen Sie bitte Ihren -n Gemahl.
3. <Vkl. T Herrchen (1)> jmd.. der über andere od. über
etw. herrscht; Gebieter; Besitzer: ein gütiger, gnädiger,
gerechter, strenger H.; Jesus Christus, der H.; der H. Jesus;
der H. des Hauses; sind Sie der H. dieses Hundes?; Gott
der H.; Der H. der Stunde ist nicht mehr Napoleon
Bonaparte, sondern endlich ... Joseph Fouche (St. Zweig, Fou-
che 194); der H. der Welt (Gott); der H. über Leben
und Tod (Gott); der junge H. (veraltend; Sohn des
Besitzers, des Hausherrn): mein H. und Meister/Gebieter
(scherzh.; mein Mann): er ist H. über einen großen Besitz
(er hat einen großen Besitz); die gestrengen -en (landsch.;
die Eisheiligen): er kehrt gerne den -n heraus; er duldet
keinen -n über sich (ordnet sich niemandem unter); Maria,
die Mutter des -n (Jesu); der Eroberer machte sich zum
-n über das Land; R wie der H., so's Gescherr (die negativen
Eigenschaften eines Vorgesetzten, der Eltern o.a. lassen
sich auch an den Untergebenen, den Kindern o. ä. feststellen;
urspr. auf die Dienerschaft, das Gesinde bezogen; wohl
nach dem Zitat aus den „Satirae" des röm. Satirikers
C. Petronius Arbiter [gestorben 66 n.Chr.]: Qualis
dominus, talis et servus); niemand kann zwei -en dienen (nach
Matth. 6. 21; vgl. auch Luk. 16. 13); 'sein eigener H.
sein (von niemandem abhängig, an niemandes Weisungen
gebunden sein; sich nach niemandem richten müssen); H.
der Lage, der Situation sein/bleiben (in einer kritischen
Situation die Übersicht, die Kontrolle haben/behalten); einer
Sache H. werden (eine Schwierigkeit überwinden; etw. be-
1207
Herrchen
wältigen); nicht mehr H. seiner Sinne sein (nicht wissen,
was man tut: die Selbstbeherrschung verlieren): über hndn.,
etw. H. werden (etw. bewältigen: sich durchsetzen: die
Oberhand behalten): über imdn., sich, etw. H. sein (jmdn., sich,
etw. in der Gewalt haben): er ist nicht H. über sich selbst;
er war plötzlich nicht mehr H. über das Auto; aus aller
-en Länderln] (geh.; von überall her). 4. (christl. Rel.) Gott
(1) (mit bestimmtem Art. außer in der Anrede): den -n
anrufen; dem -n danken; liebe Brüder u. Schwestern im
-n (Anrede eines Geistlichen an die Gemeinde od.
Ordensbrüder u. -schwestem); H.. hilf uns!; er ist ein großer
Jäger vor dem -n < scherzh.; begeisterter, passionierter Jäger:
nach 1. Mose 10. 9). Vgl. Herrlein; Herrchen, das; -s.
-: 1.1Herr (I. 3). 2. Herr (3) des Hundes. 3. (ugs. scherzh.)
/ sehr] junger Mann.
harren-, Herren-: -abend, der: Gesellschaft nur für Herren
(1 a); -anzug, der (selten): svw. f Anzug (1); ^armbanduhr.
die; Partikel, der <meist Pl.>: speziell für den Bedarf des
Herrn (1) hergestellter Artikel: -ausstatten der:
Fachgeschäft ßir Herrenartikel: ^bad, das (veraltet): nur für den
Herrn (1) zugelassener Teil einer öffentlichen Badeanstalt:
^bank, die (hist.): Sitzplatz des Herrenstandes bei feierlichen
Gerichtsversammlungen: ^begleitung, die <o. PL): sie war
in H. (wurde mit einem Herrn (1) zusammen gesehen):
-bekanntschaft, die: Bekannter. Freund eines Mädchens,
einer Frau: woher wollen Sie alle ihre -en kennen?; *eine
H. machen (ugs.; einen i jungen] Mann. Herrn (1)
kennenlernen): -beklekhing, die; -besuch, der: Besuch eines Herrn
(1). eines Mannes bei einem Mädchen, bei einer Frau: die
Vermieterin duldet keine -e; -brot, das (veraltet): 1. im
Gegensatz zum Brot für das Gesinde feines, weißes Brot.
2. Beköstigung, die der Herr (3) seinem Gesinde zukommen
läßt: H. essen (hei einem Herrn dienen) müssen; ^coifleur.
der: svw. ^friseur; -dienst, der (veraltet): einem Herrn
(3) zu leistender Dienst: -doppel, das ([Tisch]tennis,
Badminton): Spiel von je zwei Herren (1 a) gegeneinander: ^ein-
zel, das ([Tischltennis. Badminton): Spiel von zwei Herren
(1 a) gegeneinander; -essen, das: 1. (veraltet) ausgesuchte,
schnmekhafte Speise. 2. Festessen, an dem nur Herren (1 a)
teilnehmen; -fahren der [1: geb. nach Herrenreiter; 2: vgl.
Herrenreiterl: 1. (Autorennen) Rennfahrer, der im eigenen
Wagen fährt, nicht Werksfahrer ist. 2. (Trabrennen) Falirer.
der das Fahren nicht berufsmäßig betreibt u. als Amateur
an einem Trabrennen teilnimmt. 3. (iron.) Fahrer eines
größeren Autos, der so fährt, als ob ihm allein die Straße
gehörte; -fahrrad, das; -fest, das (kath. Rel.): liturgischer
Gedenktag des heilsgeschichtlichen Handelns Christi;
-linken, der: Finken für den Herrn; -friseur, der; -gedeck,
das: Gedeck (2 b), das aus Bier u. Schnaps od. Bier u.
Pikkolosekt besteht: -gesellschaft, die: 1. Zusammensein.
Gesellschaft von Herren (1). 2. <o. PI.) Begleitung von
Herren (1): sie war in H.; -handschuh, der; -haus, das:
1. herrschaftliches Wohnhaus auf einem Gut od. großen
Besitztum. 2. (hist.) erste Kanuner des Landtags in Preußen
(in Österreich des Reichsrats); -hemd, das: svw.
tOberhemd; ^hof. der (hist.): svw. f Fronhof; -hose, die; ^hut.
der; -jähre <PI.>: Spr Lehrjahre sind keine H. (TLehr-
jahre); -klasse, die (selten): herrschetide Klasse: -kleid, das
(Schweiz.): Anzug (1); -kleidung, die; -kommode, die:
Kommode für die Wäsche des Herrn da); -konfektion, die;
-leben, das: bequemes, sorgloses Leben ohne Arbeit; -los
<Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: [anscheinend] niemandem
gehörend; keinen Herrn (3) habemi; -magazin, das: Magazin
speziell für den Herrn (1); -mangel, der: in der Tanzstunde
herrschte, war permanent H.; -mantel, der; -mäßig <AdJ.;
o. Steig.) (selten): einem Herrn (1.3) gemäß, entsprechend;
-mensch, der: jmd.. der machthungrig u. willensstark ist
u. versucht, seine Umgebung zu beherrschen; -mode, die;
-moral, die [nach dem dt. Philosophen F. Nietzsche
(1844-1900)) (Philos.): ethisches Verlutlten. das sich durch
Selbstbewußtheit aus Kraft u. Selbstzucht. Waltrhaftigkeit.
Großzügigkeit u. den Mut zur Distanz gegenüber den
Minderwertigen u. Schwachen auszeichnet (Ggs.:
Sklavenmoral); -Oberbekleidung, die (Kaufmannsspr.): 1.
Oberbekleidung für Herren (1 a). 2. svw. f ^oberbekleidungsindustrie.
dazu: -oberbekleidungsindustrie, die: Industriezweig des
Bekleidungsgewerbes, der Oberbekleidung für Herren da)
herstellt; -partie, die: 1. Ausflug, an dem nur Herren (1)
teilnehmen. 2. svw. t ^gesellschaft (1); ^pib, der [dieser Pilz wird
allgemein bevorzugt u. als Vornehmster unter den
Speisepilzen angesehen] (landsch.): svw. t Steinpilz; -pulli, der
(ugs.); -pullover, der, ^rad, das: kurz für ^fahrrad; -rasse,
die (abwertend): Rasse, deren Angehörige weiße Hautfarbe
haben; -recht, das: rechtliche Befugnisse eines Herrn (3);
^reiter. der [LÜ von engl, gentleman rider) (Reiten): Reiter,
der ein Pferd reitet, das ihm selbst gehört; -sakko, der,
auch: das; -salon, der: Friseur sahn für Herren; -sattel,
der: Reitsattel für Herren, der den Spreizsitz erfordert:
-schirm, der: Regenschirm für Herren; -Schneider, den
Schneider, der Herrenoberbekleidung anfertigt (Berufsbez.),
dazu: -schneideret, die; -schnitt, der: von Frauen getragene
Frisur, die den kurzen Haarschnitt der Männer nachahmt:
-schuh, der; -schwamm, der [vgl. -pilz] (landsch.): svw.
t Steinpilz; ^sitz, der: I. Reitsitz im Herrensattel. 2. vgl.
-haus; -socke, die. (landsch., bes. Schweiz.:) -socken, der;
-stand, der (hist.): über den Rittern stehende Angehörige
des Adels; -strumpf, der (landsch.): Herrensocke; -taschen-
tuch, das; ^tier. das <meist Pl.>: höchstentwickeltes, vor
allem auf Bäumen lebendes Säugetier (z. B. Affe); -toilette,
die: Toilette. WC für Herren; -torte, die: nicht sehr süße
Torte mit einem leichten Alkoholgeschmack; -trainer, der
(Schweiz.): Trainingsanzug für Herren; -uhr,die;
-unterwasche, die: Unterwäsche für Herren; ^vek>, das (Schweiz):
Herrenfahrrad; -wüsche, die: svw. t ^unterwasche; ^wein,
der: kerniger, kräftiger, fruchtiger, rassiger Wein mit
angenehmer Säure; ^welt. die <o. PI.) (scherzh.): Gesamtheit
der (irgendwo anwesenden) Herren; ^weste. die; -winker,
der (ugs. scherzh.): seitlich von den Schläfen bogenförmig
abstehende Haarlocke bei einer weiblichen Person; -witz,
der: derber, frivoler Witz, der üblicherweise erzählt wird,
wenn Männer unter sich sind; -zimmer, das: Zimmer, in
dem der Hausherr seine [männlichen] Gäste empfängt [u.
in dem geraucht wird].
hprenhaft <AdJ.; o. Steig.) (selten): in der Art eines Herrn
(1. 3); Herrentum, das, -s (geh.): das Herr sein.
Herrgott ['hergot]. der; -s [mhd. herregot; aus der Anrede
herre got zusammengerückt!: 1. (fam.) Gott: unser H.;
der liebe H. im Himmel; zu seinem H. beten; R unser
H. hat einen großen Tiergarten (ugs. scherzh.; es gibt
viele seltsame Mitmenschen): * Herrgott noch mal (derber
Ausruf ungeduldiger Entrüstung). 2. (südd.. österr.)
Kruzifix: herrgöttlich <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (Schweiz.):
wie ein Gott.
Herrgotts-: -frühe, die nur in der Wendung in aller H.
(schon bei Anbruch des Tages, in der Morgendämmerung,
im Morgengrauen; zum Ausdruck der Verstärkung; vgl.
gottserbärmlich, gottsjämmerlich); -käfer, der [nach altem
Volksglauben werden bestimmte Käfer, die weit verbreitet
u. beliebt sind, mit göttlichen, heiligen od. himmlischen
Wesen in Verbindung gebracht u. oft als Mittler zu
Gottheiten und himmlischen Mächten angesehen] (landsch.):
svw. t Marienkäfer; -Schnitzer, der (südd., österr.): Holz-
bild/tauer. der vorwiegend religiöse Figuren, bes. Kruzifixe
schnitzt; ^tag. der (Schweiz.): Fronleichnamstag; -winkel,
der (südd., österr.): (in katholischen Bauernstuben) Ecke,
die mit dem Kruzifix geschmückt ist [u. in der auch andere
Andachtsgegenstände verwahrt werden].
Herrin ['hennl. die; -. -nen [THerr]: 1. w. Form zu THerr
(3). 2. (früher) Anrede für die Herrin (1); herrisch <Adj.;
o. Steig.) [mhd. herUlsch = erhaben, herrlich; nach Art
eines Herrn sich benehmend, zu: her, Thehr]: immer
herrschen wollend; gebieterisch u. dazu rechthaberisch, barsch
u. schroff: ein -es Wesen. Auftreten; eine -e Person. Frau;
sie hat eine -e Art, ist sehr h.; er forderte h. sein Recht.
herrie [herje:]!, herriemine [herje:mine]! (Interj.)
[zusammengezogen aus Herr Jesu bzw. Herr Jesu Domine] (ugs.):
Ausruf des Erstaunens od. Entsetzens.
Herrlein [herl^jn], das; -s; - <P1. selten) [mhd. herrelm;
Vkl. zu THerr] (dichter, veraltet): junger Herr; herrlich
<AdJ.) [mhd.. ahd. herlich, zu her. Thehr]: in so hohem
Maße als gut. schön empfunden, daß man es sich nicht
besser, schöner vorstellen kann u. dadurch erfreuend: ein
-er Tag. Abend; eine -e Aussicht; -e Stoffe, Kleider; das
ist eine -e Inszenierung; er war ein -er Mann; das Wetter,
der Urlaub war h.; im Urlaub fand ich alles h.; der Wein,
der Kuchen schmeckt einfach h.; sie lebten h. und in
Freuden (es ging ihnen sehr gut); Herrlichkeit, die; -. -en
[spätmhd. herlicheit. T hehr]: 1. a) <o. PI.) in höchstem Maße
empfundene u. erfreuende Schönheit. Großartigkeit: die H.
der Natur, der Welt; Kurze H., versunkener Reichtum,
1208
herüber-
verlorener Krieg (Plievier. Stalingrad 259): (iron.:) die H.
wird nicht lange dauern: die H. (Erhabenheit.
Vollkommenheit. Größe) Gottes: ist das die ganze H. (ist das alles)?;
es ist schon vorbei mit der weißen H. (der Schnee schmilzt
schon); Mit seiner H. (iron.: herausragenden Stellung) als
Außenminister ist es bald zu Ende (Sieburg, Blick 77):
b) <meist PI.) herrliches Ding, herrliche Sache: die -en
der antiken Kunst: ... eine der großen -en, womit Gott
und die Natur unser Herzogtum begäbet (Mantel, Wald
12). 2. <o. Art.) (hist.) Anrede für eine hohe Persönlichkeit.
herrsch-. Herrsch-: -besierde, die (selten): Begierde, über
jmdn.. etw. zu herrschen, dazu: -begierig <Adj.: nicht adv.)
(selten): begierig, über jmdn.. etw. zu herrschen; -sucht,
die: übertriebenes Streben, jmdn.. etw. zu beherrschen, dazu:
-süchtig <Adj.): voller Herrschsucht: ein -er, alter Mann:
seine Frau ist sehr h.
Herrschaft, die: -, -en [mhd. herschaft; ahd. herscaftt) =
Hoheit. Herrlichkeit. Würde: Hochmut: Recht u.
Besitztum eines Herrn; Obrigkeit; oberherrliches Amt u. Gebiet;
Herrscherfamilie; Herr u. Herrin; geb. zu: her, Thehrl:
1. <o. PI.) Recht u. Macht, über jmdn. zu herrschen: eine
absolute, unumschränkte, autoritäre, demokratische H.;
die H. des Staates, der Parteien, des Systems; der Diktator
bemächtigte sich der H. über das Land; die H. [über
jmdn.. etw.] innehaben, ausüben, an sich reißen, sich
anmaßen, antreten; seine H. über die ganze Welt ausweiten
wollen; unter der H. (Regierungs-. Befehlsgewalt) des
Kaisers, des Proletariats; sie waren unter die H. (Regierung)
der Spanier gekommen; zur H. gelangen, kommen (die
Regierungsnachfolge antreten); Ü der Fahrer verlor die
H. über das Auto (konnte das Auto nicht mehr steuern).
2.a) <PI.) Damen u. Herren [in Gesellschaft]: ältere,
vornehme -en; es sind fremde -en angekommen; die -en werden
gebeten, ihre Plätze einzunehmen; meine sehr verehrten
-en!; (ugs.:) Alles, was ich da sage. -en. ist nicht ganz
ernst gemeint (Werfel. Himmel 91); *Alte -en (ugs.
scherzh.; Eltern)', b) (veraltend) Dienstherr von
Hausangestellten u. seine Angehörigen: die -en sind ausgegangen;
die allerhöchsten -en (der Kaiser u. die Kaiserin) haben
sich aufs Land begeben; seiner H. treu ergeben sein; bei
einer feinen, gütigen H. dienen. 3. (hist.) Besitztum.
Landgut eines Freiherrn od. Standesherrn: Die H. Konnern ...
besteht aus ungefähr dreizehntausend Morgen
(Hauptmann. Schuß 22). 4. *H. [noch mal] (ugs.; Ausruf des
Unwillens; verhüll, für t Herrgott 1): Also dienstags und
freitags. H! Heute ist ja Dienstag! (Bieter. Mädchenkrieg
246); herrschaftlich <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): a) zu einer
Herrschaft (2 b) gehörend, bei einer Herrschaft angestellt:
ein -er Diener; b) einer Herrschaft (2 b) gemäß u.
entsprechend vornehm u. großzügig in seiner Anlage. Ausstattung
o.a.: ein -es Haus.
herrschafts-, Herrschaft»- (Herrschaft 1): -anspruch, der:
Anspruch auf Herrschaft über ein Gebiet; -apparat, der:
die der Aufrechterhaltung der Herrschaft dienenden Mittel
u. Menschen; -bereidi, der: Bereich, auf den sich jmds.
Herrschaft erstreckt; -form, die; ^frei <AdJ.; o. Steig.): frei
von Herrschaft: eine -e. klassenlose Gesellschaft; -e
Kommunikation unter den Erwachsenen und zwischen
Erwachsenen und Heranwachsenden (Wohngruppe 9); -gebiet,
das: Gebiet, das unter jmds. Herrschaft steht; -gewalt,
die: Gewalt, über jmdn. zu herrschen: staatliche H.; Sie
geben ... den Eltern unbedingte H. über ihre Kinder
(Wohngruppe 9); -Instrument, das: Möglichkeit. Mittel,
etw.. jmdn. zu beherrschen; -los <Adj.; o. Steig.): ohne
Herrscher u. Herrschaft, dazu: -losigkeit, die; -struktur,
die (meist PL); -System, das: totalitäre, monopolistische,
feudale, politische -e; -Verhältnis, das: Momente .... die
... der Stabilisierung der jeweils gegebenen -se
zuwiderlaufen (Enzensberger. Einzelheiten I. 15).
herrschen [herfn] <st. V.; hat) [mhd. herschen. hersen; ahd.
herisön = Herr sein, [belherrschen. zu: her. thehr]: 1.
Herrschaft (1) ausüben; regieren u. über Land u. Leute
Befehlsgewalt haben: allein, unumschränkt, seit
Generationen h.; ein König herrscht in diesem Land, über das Volk;
der Diktator herrscht durch Terror, die herrschende Partei.
Klasse; das herrschende Haus; <subst. Part.:) Dagegen
gibt es nach wie vor Herrschende und Beherrschte (Enzens-
berger, Einzelheiten I, 71); Ü Auch hierzulande herrscht
das Geld (Frisch. Stiller 232). 2. in einer bestimmten,
auffallenden Weise allgemein verbreitet, fortdauernd vorhanden.
deutlich fühlbar, bemerkbar, gegenwärtig sein: überall
herrschte Freude, Trauer, große Aufregung; hier herrscht
reges Leben; seit Tagen herrscht in diesem Gebiet Nebel;
draußen herrschen/(ugs. auch:) herrscht 30° Wärme;
es herrscht Schweigen; es herrscht Einigkeit über die Ziele;
es herrscht die Meinung, keiner werde sein Ziel erreichen;
es herrschte eine furchtbare Kälte in diesem Winter; es
herrschte ..Zucht und Ordnung" (Kempowski. Immer 66);
die herrschenden Meinungen. Ansichten. Thesen.
Anschauungen. 3. (selten) svw. t anherrschen: ..Schert euch
auseinander, dalli! In die Blocks!" herrschten sie ( = die
Blockfiihrer; Apitz. Wölfe 283); <Abl.:) Herrscher, der;
-s. - [mhd. herscher; ahd. herisäri]: jmd.. der herrscht (1).
die Macht innehat; Machthaber. Monarch. Fürst. Regent:
ein grausamer, gerechter, gnädiger, absoluter H.; der H.
des Landes; H. über ein Land, ein Volk sein; als H. einem
Volk gebieten, über ein Land eingesetzt werden; er spielt
sich gerne als H. auf (ist herrschsüchtig); zum H. gekrönt
werden; er machte sich zum H. über ein Land.
Herrscher-: -blick, der: alles umfassender, stolzer u.
gebieterischer Blick; -geschlecht, das: Geschlecht einer Reihe von
Herrschern: einem bekannten H. angehören; -haus, das:
svw. t^geschlecht; -kult, der: sakrale Verehrung eines
Herrschers; -natur, die: a) Mensch von einer Wesensart,
die deutlich zeigt, daß er befähigt ist zu herrschen (I): er
ist eine typische H.; b) <o. PI.) Wesensart, die deutlich
zeigt, daß jmd. befähigt ist zu herrschen (1): seine H. geht
manchmal mit ihm durch; -paar, das: der Herrscher eines
Landes u. seine Gemahlin: das H. traf zu einem Staatsbesuch
in der Hauptstadt ein; -würde, die.
Herrscherin, die; -. -nen [mhd. herscherin]: w. Form zu
t Herrscher; herrscherlich <Adj.) (selten): einem Herrscher
gemäß, entsprechend; wie ein Herrscher; als Herrscher
auftretend: Diese Oberen streben gemäß ihrem -en Charakter
nach Repräsentation (Reinig. Schiffe 130); das Ebenbild
des -en Gottes (Glaube 1. 1967. 2); Herrschertum, das;
-s (geh.): das Herrschersein.
Hertz [hert^l. das; -. - [nach dem dt. Physiker H. Hertz
1857-1894] (Phys.): Maßeintieit der Wellenfrequenz;
Zeichen: Hz
herüben [he'ry:bn] <Adv.) [aus Ther u. T'toben; vgl. hüben]
(südd.; österr.): hier auf dieser Seite; diesseits: Am anderen
Ufer kam ich zu einer gelben Kirche, deren rötlicher
Campanile mir schon h. aufgefallen war (Carossa.
Aufzeichnungen 11); herüber [he'ry:bB] <Adv.) [mhd. her über,
(spättehd. hara(hera) ubere. zu Ther u. tüber]: von einem
auf der gegenüberliegenden Seite gelegenen [ über etw.
Trennendes hinweg] Ort hierher [zum Sprechenden!.
herüber-: -bemühen <sw. V.; hat) (geh.): 1. jmdn. von der
gegenüberliegenden Seite hierher / zum Sprechenden]
bemühen (3). 2. <h. -I- sich) sich von der gegenüberliegenden
Seite hierher I zum Sprechenden] bemühen (2); -bitten <st.
V.; hat): jmdn. bitten, von der gegenüberliegenden Seite
hierher [zum Sprechenden] zu kommen; -blicken <sw. V.;
hat): von der gegenüberliegenden Seite hierher [zum
Sprechenden] blicken (a); -bringen <unr. V.; hat): von der
gegenüberliegenden [ durch ein Hindernis getrennten / Seite hierher
[zum Sprechenden/ bringen; -dringen <st. V.; ist): von
der gegenüberliegenden [durch ein Hindernis getrennten/
Seite hierher [zum Sprechenden] dringen; -dürfen <unr.
V.; hat) (ugs.): 1. herüberkotntnen (1) dürfen. 2.
herübergebracht werden dürfen; ^fahren<st. V.): 1. von der gegenüber-
liegenden Seite hierher / zum Sprechenden J fa/iren (1 a X ist >.
2. ein Fa/irzeug von der gegenüberliegenden Seite hierher
[zum Sprechenden] fahren (1 b) <hat); -fliegen <st. V.):
1. von der gegenüberliegenden Seite I über etw. Trennendes
hinweg] hierher [zum Sprechenden/ fliegen (1. 4. 8. 11)
<ist>. 2. von der gegenüberliegenden Seite [über etw.
Trennendes hinweg/ hierher fliegen (7), mit einem Luftfahrzeug
befördern, transportieren <hat); -führen <sw. V.; hat): I.
jmdn. von der gegenüberliegenden Seite hierher / zum
Sprechenden! führen (I a). 2. von der gegenüberliegenden Seite
hierher/ zum Sprechenden/führen (7 b); -geben <st. V.; hat):
von der gegenüberliegenden [durch ein Hindernis
getrennten! Seite [über etw. hinweg] hierher [in die Hand des
Sprechenden] geben; -grüßen <sw. V.; hat): von der
gegenüberliegenden Seite [über etw. Trennendes hinwegJ hierher
[auf die Seite des Sprechetiden] grüßen: Ü Burgen grüßten
auf der Fahrt zu uns herüber; '-hängen <st. V.; hat):
von der gegenüberliegenden Seite [über etw. hinweg J hierher
1209
herum
I auf die Seite des Sprechenden] ^hängen (I a): viele Früchte
des Birnbaums hängen in unseren Garten herüber;
Mutagen <sw. V.; hat): etw. von der gegenüberliegenden Seite
hierher /auf die Seite des Sprechenden] 2hängen(\ a): kannst
du das Bild nicht an diese Wand h.?; -helfen <st. V.;
hat): jmdm. von der gegenüberliegenden Seite [über etw.
Trennendes hinweg] hierher /zum Sprechenden/ helfen:
-holen <sw. V.; hat): 1. von der gegenüberliegenden Seite
! über etw. Trennendes hinweg] hierher [zum Sprechenden]
holen. 2. aus einem anderen Land hierher [in das Land
des Sprechenden/ holen: Englisches Militär, das aus Indien
herübergeholt wurde (Grzimek. Serengeti 113); -klettern
<sw. V.; ist): von der gegenüberliegenden Seite über ein
Hindernis hinweg hierher [zum Sprechenden] klettern:
-kommen <st. V.; ist): 1. von der gegenüberliegenden Seite
[über etw. Trennendes hinweg / hierher [zum Sprechenden]
kommen. 2. a) zum Sprechenden kommen u. ihm einen
nachbarlichen Besuch abstatten: kommen Sie doch mal
herüber!; b) aus einem anderen Land hierher [in das Land
des Sprechenden] kommen: diese Familie ist in den
sechziger Jahren [aus der Türkei] herübergekommen; -können
<unr. V.; hat): vgl. dürfen; -langen <sw. V.; hat)
(landsch.): svw. T ^reichen; -lassen <st. V.; hat):
herüberkommend) lassen: -laufen <st. V.; ist): von der
gegenüberliegenden Seite über etw. Trennendes hinweg] hierher [zum
Sprechenden] laufen, sich fortbewegen: -locken <sw. V.;
hat): von der gegenüberliegenden Seite [über etw.
Trennendes hinweg] hierher ]zum Sprechenden] locken: -reichen
<sw. V.; hat): 1. etw. von der gegenüberliegenden Seite
[über etw. hinweg! hierher /zwn Sprechenden] reichen.
2. lang genug sein u. von der gegenüberliegenden Seite /über
etw. hinweg] hierher /zum Sprechenden] reichen: -retten
<sw. V.; hat): 1. vgl. hinüberretten (1). 2.a) aus einem
anderen zeitlichen od. sachlichen Bereich übernehmen: Die-
serGrabspruch ist das einzige, was ich aus meiner Schulzeit
herübergerettet habe (Dorpat. Ellenbogenspiele 205); b)
vgl. hinüberretten (2 b): viele alte Bräuche und
Sprichwörter haben sich in unser Jahrhundert herübergerettet; -riik-
ken <sw. V.): 1. von der gegenüberliegenden Seite hierher
[zum Sprechenden/ rücken <hat): den Stuhl h. 2. durch
Rücken seinen Platz von der gegenüberliegenden Seite
hierher /zumSprechenden] verlegen<ist): sie ist zu mir
herübergerückt; -rufen <st. V.; hat): von der gegenüberliegenden
Seite / über etw. Trennetides hinweg / hierher / zum
Sprechenden] rufen: -schaffen <sw. V.; hat): von der
gegenüberliegenden Seite [ über etw. Trennendes hinweg / hierher / zum
Sprechenden/ sclmffen; -schallen <sw. u. st. V.; ist/hat): von
der gegenüberliegenden Seite / über etw. Trennendes hinweg]
hierher [zum Sprechenden] schallen: ^schauen <sw. V.;
hat): 1. (landsch.) von der gegenüberliegenden Seite /über
etw. Trennendes hinweg / hierher [zum Sprechenden]
schauen. 2. (ugs.) herüberkommen (1) u. nachschauen: -schicken
<sw. V.; hat): von der gegenüberliegenden Seite hierher
/zum Sprechenden] schicken: -schleichen <st. V.): a) von
der gegenüberliegenden Seite / über etw. Trennendes hinweg]
hierher /zum Sprechenden/ schleichen <ist); b) <h. + sich)
sich von der gegenüberliegenden Seite / über etw. Trennendes
hinweg] hierher /zum Sprechenden] schleichen <hat);
-schwimmen <st. V.; ist): von der gegenüberliegenden Seite
hierher] zum Sprechenden] schwimmen: -schwingen, sich <st.
V.; hat): sich von der gegenüberliegenden Seite /über etw.
hinweg] hierher [zum Sprechenden] schwingen: -sehen <st.
V.; hat): vgl. -blicken; -springen <st. V.; ist): 1. von der
gegenüberliegenden Seite /über etw. hinweg] hierher /zum
Sprechenden] springen. 2. (ugs.) schnell, eilig herüberlaufen:
sie ist kurz zu mir herübergesprungen; -steigen <st. V.;
ist): vgl. -klettern; -stellen <sw. V.; hat): etw. von der
gegenüberliegenden Seite hierher [zum Sprechenden]
stellen: ^tönen <sw. V.; ist): vgl. ^schallen: -tragen <st. V.;
hat): jmdn.. etw. von der gegenüberliegenden Seite [über
etw. Trennendes hinweg I hierher / zum Sprechenden] tragen:
Ü der Wind hat die Klänge herübergetragen; -wachsen
<st. V.; ist): von der gegenüberliegenden Seite [über etw.
hinweg] hierher wachsen: die Äste wachsen immer weiter
in unseren Garten herüber; Ü laß mal eine Zigarette h.
(ugs. scherzh.; gib>nir mal bitte eine Zigarette): -wechseln
<sw. V.; ist. (auch:) hat): von der gegenüberliegenden auf
diese Seite wechseln: -wehen <sw. V.): 1. <hat> a) von
der gegenüberliegenden Seite / über etw. Trennendes hinweg]
hierher I zum Sprechenden] wehen: der Wind wehte herüber;
b) etw. von der gegenüberliegenden Seite hierher I zum
Sprechenden/ wehen: der Sturm hat die Blätter herübergeweht.
2. durch den Wind von der gegenüberliegenden Seite hierher
[zum Sprechenden] akustisch wahrnehmbar
herübergetragen werden (ist): mit dem Wind wehten Detonationen
zu uns herüber (Degenhardt. Zündschnüre 85); -werfen
<sw. V.; hat): von der gegenüberliegenden Seite /über etw.
Trennendes hinweg] hierher [zum Sprechetiden] werfen:
-wollen <unr. V.; hat): vgl. -dürfen; -ziehen <unr. V.)
1. <hat) a) jmdn.. etw. von der gegenüberliegenden Seite
hierher > zum Sprechenden] ziehen: den Stuhl h.; b) jmdn.
für sich gewinnen: Warum sollte ich ihn (= den kleinen
Sohn) zu mir h.. ihn wissen und glauben, freuen und
leiden machen! (Bachmann. Erzählungen 116). 2. <ist)
a) auf die gegenüberliegende Seite [ver] ziehen, umziehen:
b) auf die gegenüberliegende Seite ziehen, wandern.
heran Qie'rum] <Adv.) [mhd. her umb(e). ther u. Tum):
1. in kreis- od. bogenförmiger Richtung od. Bewegung: Wir
rennen weiter, einmal rechts, einmal links h. (Remarque,
Obelisk 315); Die Packer haben die Bücher verkehrt h.
(mit dem Rücken zur Wand) in die Regale geschoben
(Wohmann. Absicht 253). 2. <als Verstärkung der Präp.
..um") a) in /ungefährj kreisförmiger Anordnung um etw.:
um den Platz h. stehen hohe Bäume; b) in der Umgebung,
in der Nähe von etw.: er hat sich in der Gegend um München
h. niedergelassen; c) in jmds. Nähe, engerer Umgebung:
sie registriert nicht einmal mehr, was um sie h. geschieht;
Während alle um ihn h. wußten, wie es um ihn stand
(Maegerlein. Piste 41). 3. <in Verbindung mit der Präp.
..um") (ugs.) in der Nähe der genannten Summe. Zeitangabe
o.a.: annähernd: ungefähr: es kostet so um 100 Mark h.;
um Weihnachten h.; um das Jahr 1000 h.; er ist um [die]
60 h. (etwa 60 Jahre alt).
hergm-. Henjm-: -albern <sw. V.; hat) (ugs.): atihaltend
albern: die Kinder haben den ganzen Tag herumgealbert;
-ärgern, sich <sw. V.; hat) (ugs.): sich im Verlauf von
etw. itnmer wieder über jmdn.. etw. ärgern müssen [ohne
eine Änderung zu erzielen]: -balgen, sich <sw. V.; hat):
1. sich anhaltend balgen. 2. (selten) sich mit jmdm.. etw.
herumschlagen (2 b): ich balgte mich mit Realitäten herum
(Salomon. Boche 139); -bastekn <sw. V.; hat) (ugs.): über
längere Zeit hin [ohne sichtbaren Erfolg] an etw. basteln
(2); -bekommen <st. V.; hat) (ugs.): 1. svw. T -kriegen
(1). 2. svw. abringen (2); -bessern <sw. V.; hat) (ugs.):
über längere Zeit immer wieder [ohne Erfolg]
Verbesserungen an etw. anbringen: -biestern <sw. V.; ist) (landsch.
ugs.): herumirren: Da soll ein Regiment Schwandt
irgendwo h. (Plievier. Stalingrad 125); -binden <st. V.; hat):
etw. um etw. binden, durch Binden um etw. befestigen:
-buttern <sw. V.; hat): über längere Zeit flüchtig, wahllos in
etw. blättern (1): -blicken <sw. V.; hat): hierhin u. dorthin
blicken: -bohren <sw. V.; hat) (ugs.): 1. über eine längere
Zeit in etw. bohren (la. b. c. d): in der Nase h. 2. über
längere Zeit immer wieder bohren (4. 5); -bosseln (sw. V.;
hat) (ugs): über längere Zeit an etw. bosseln (1 a); -bringen
<unr. V.; hat) (ugs.): 1. svw. T -kriegen (1). 2. eine bestimmte
Zeit [möglichst/ schnell hinter sich bringen: Auf die Art
brachte er seine vierstündige Wache schnell herum (Ott.
Haie 231). 3. durch Erzählen überall bekanntmachen: Eine
Schurkerei! Ich werd's h.. was hier gespielt wird (Fr. Wolf.
Zwei 273); -brodeln <sw. V.; hat) (österr. ugs.): sehr
langsam sein: bei einer Tätigkeit nicht vorwärtskommen:
-brüllen <sw. V.; hat) (ugs.): über längere Zeit [unbeherrscht]
brüllen, jmdn. laut anfahren [ohne dadurch etw. zu ändern],
-bummeln <sw. V.) (ugs.): 1. über längere Zeit bummeln
(1) <ist). 2. (abwertend) bei einer Tätigkeit anhaltend
bummeln (2) <hat>; -deuteln <sw. V.; hat) (ugs.): an etw. deuteln:
-doktern <sw. V.; hat) [zu t Doktor 2] (ugs.): 1. jmdn..
etw. durch dilettantische Methoden zu heilen versuchen:
Er hatte einen Splitter im Arm. und ein Sanitäter dokterte
an ihm herum (Schnurre. Fall 28). 2. alles versuchen, um
etw. wieder in Gang, in Ordnung zu bringen: er hat lange
am Motor herumgedoktert; -dösen <sw. V.; hat): über
tätigere Zeit dösen: Mlrehen <sw. V.; hat): l.a) etw.
[einmal] um die eigene Achse drehen (1 a): den Schlüssel im
Schloß h.; b) <h. + sich) sich um die eigene Achse drehen
(1 b): sich im Kreis h. 2. (ugs.) auf die andere Seite drehen
(c); umdrehen, [umjwenden: sich schnell, langsam,
ängstlich h.; die Matratze, die Tischdecke h. 3. (ugs.) (bei
jmdm.) eine Änderung ins Gegenteil vornehmen (z.B. in
1210
herum-, Herum-
hezug auf bestimmte Ziele): Die Vereinigten Staaten
müssen herumgedreht werden (Spiegel 3. 1976. 103). 4. (ugs.)
über eine längere Zeit an erw. drehen (e) [ohne dadurch
etw. zu erreichen]: an den Schaltern, den Knöpfen des
Radios h.; er dreht dauernd am Radio herum (betätigt
... die Knöpfe des Radios): -drücken <sw. V.; hat): 1.
etw. von der einen Seite auf die andere drücken (1 d): den
Hebel h. 2. <h. + sich) (ugs.) sich vor etw. drücken (5):
man hatte sich um eine Entscheidung herumgedrückt. 3.
<h. -I- sich) (ugs.) sich längere Zeit irgendwo, in jmds.
Nähe aufhalten, ohne etn'as I Nützliches] zu tun: sich in
Lokalen, auf der Straße h.; sie ... drückte sich an seiner
Stuhllehne herum (Maass. GouffiSe 331). 4. (selten) svw.
I ^drucksen: wie denkt ... das Volk über mich?" Der
ehrliche Mann, überrumpelt, drückte unbehaglich herum,
das Volk liebe und ehre sie geziemend (Feuchtwanger.
Herzogin 44); -drucksen <sw. V.; hat) (ugs.): immer wieder
zögerndu. nicht direkt etw. aussprechen, sich zu erw. äußern:
-erzählen <sw. V.; hat): svw. t-tragen (3);
-experimentieren <sw. V.; hat) (ugs.): ohne festen Plan immer aufs neue
[erfolglos] an etw. experimentieren: -fahren <st. V.) (ugs.):
1. [in weitem Bogen) rund um etw. fahren <ist): Schiffe
fuhren vor dem Bau des Suezkanals um Afrika herum
(Grzimek. Serengeti 94). 2.a) ohne festes Ziel irgendwohin
fahren (2 a. 3 a) <ist>: im Auto h.; Hier ist Bengt Berg
mit einem Dampfer herumgefahren (Grzimek. Serengeti
43); b)jmdn. an verschiedene Orte einer bestimmten Gegend
fahren (6) <hat>: ich habe ihn in der Stadt herumgefahren.
3. a) erschrecken u. sich dabei mit einer heftigen, plötzlichen
Bewegung umwenden, herumdrehen (2) <ist>: Plötzlich fuhr
sie heftig herum, ohne selbst zu wissen, aus welchem
Grunde (Hauptmann. Thiel 31); b) mit einer ziellosen schnellen
Bewegung über etw. streichen, wischen <hat/ist): mit der
Hand im Gesicht h.; er fuhr sich dauernd mit dem
Zeigefinger im Kragen herum (Schnurre. Bart 93); c) etw. heftig
gestikulierend hin u. her bewegen <ist>: sie fuhr aufgeregt
mit den Armen in der Luft herum; -faulenzen <sw. V.;
hat) (ugs.): mit Faulenzen die Zeit verbringen: -fingern
<sw. V.; hat) (ugs.): 1. längere Zeit ständig fingern da).
etw. befingern: an einem Knoten h.. um das Paket zu
öffnen; in der Jacke. Tasche. Packung nach Zigaretten
h.; Papa fingerte verlegen mit seinem Einglas herum {hielt
es unruhig in den Fingern: Fallada. Herr 148). 2. (in
sexueller Absicht) längere Zeit eine Kör per st eile mit den Fingern
berühren, betasten: -flanieren <st. V.; ist): svw. T flanieren;
-flankieren <sw V.; ist) [zu südd., österr.. Schweiz,
flankieren, flanggieren = müßig herumgehen, herumlungern; vgl.
frz. (ugs.) flanquer = sich hinpflanzen) (österr. ugs.):
herumzigeunern; sich herumtreiben: -flattern <sw. V.; ist)
(ugs.): 1. ohne eine bestimmte Richtung irgendwohin flattern
(1 a. 2). 2. um jmdn.. etw. flattern (3 a); -flegein, sich <sw.
V.; hat) (ugs. abwertend): irgetutwo längere Zeit in betont
nachlässiger, unmanierlicher Haltung sitzen; -fliegen <st.
V.) (ugs.): a) ohne bestimmtes Ziel, festgesetzte Richtung
fliegend. 2. 4a) <ist); b) jmdn.. etw. an verschiedene Orte
eitler Gegend fliegen (7) <hat>: Denn hin und wieder müssen
wir Jemanden von der Regierung herumfliegen (Grzimek,
Serengeti 214); -fragen<sw. V.; hat) (ugs.): die
verschiedensten Leute nach ihrer Meitiung zu etw. fragen; -fuchteln
<sw. V.; hat) (ugs.): mit etw. hin u. her fuchteln; -führen
<sw. V.; hat): l.a) in eine beliebige Richtung [einer bestimm-
ten Gegend] führen (\).um etw. zu zeigen: Ein
Stabsfeldwebel ... führt mich herum ... wie ein stolzer kleiner Besitzer
in seinem Fabrikchen (Gaiser. Jagd 137); b) [in einem
weiten Bogen] rund um etw. führen (1); Er führte den
Kutscherauf Umwegen um mehrere Blocks herum (Kirst.
08/15. 447). 2.a) etw. um etw. führen (7a); b) um etw.
in bogenförmiger Umschließung führen (7 b): die neue
Bundesstraße fuhrt um die Stadt herum; -fUhnverken <sw.
V.; hat) (ugs.): längere Zeit mit etw. heftig, unkontrolliert
u. planlos hantieren; -fummeln <sw. V.; hat) (ugs.): l.a)
anhaltend an etw. fummeln (1 a); b) sich lange u. wiederholt
ohne rechten Erfolg mit etw. handwerklich beschäftigen.
2. wiederholt anjmdm. fummeln (1 d); -geben <st. V.; hat):
etw. von Hand zu Hand geben; -gehen <unr. V.; ist) (ugs.):
1. ohne bestimmtes Ziel an einem Ort. von einer Stelle
zur andern gehen (1): im Haus, im Garten, im Zimmer
h.; im dichten Nebel sind wir im Kreis herumgegangen
(sind wir wieder an den Ausgangspunkt zurückgekommen).
2,a) in einer Runde. Gesellsc/iaft von einem zum andern
gehen: Sie geht herum und gibt jedem von uns die Hand
(Remarque. Westen 186); b) in einer Runde. Gesellschaft
von einem zum anderen gereicht werden: das Foto, der
Pokal ging [im Kreis der Versammelten] herum; c) durch
Weitererzählen verbreitet werden: die Neuigkeit ging in
der ganzen Stadt herum, ging herum wie ein Lauffeuer.
3. a) im Kreis, im Bogen / um etw. ] gehen (1); etw. umrunden:
ich ging ums Haus, um den Tisch herum; b) ein Hindernis
o.a. [in einem Bogen/ umgehen: um eine Pfütze h.; c)
jmdm.. einer unangenehmen Sache ausweichen. 4. dem Ende
zugehen, zu Ende gehen; vergehen, verstreichen; vorbei sein:
etw. geht schnell, wie im Fluge herum; die schöne Zeit,
der Urlaub ist viel zu rasch herumgegangen; -geistern
<sw. V.; ist) (ugs.): [wider Erwarten] irgendwo allein
herumgehen, sich zu schaffen machen: was geisterst du denn
noch, schon wieder hier herum?; Ü diese revolutionären
Ideen geistern schon lange im Volk herum (tauchen schon
seit langem blitzartig aufu. stiften Unruhe, sind aber bisher
noch nicht in die Tat umgesetzt worden); -gondeln <sw.
V.; ist) (salopp): ohne festes Ziel in der Gegend herumfahren
(2 a); -greifen <st. V.; hat): von der einen Seite einer Sache
auf die andere greifen; etw. umgreifen, [mit einem Griff]
umschließen; -haben <unr. V.; hat) (ugs.): jmdn.
herumgekriegt haben; -hacken <sw. V.; hat) (ugs.): 1. über eine
längere Zeit etw. [ohne rechten Erfolg] mit einer Hacke
bearbeiten. 2. anjmdm. dauernd etw. auszusetzen, zu
kritisieren haben: dauernd auf jmdm. h.; -hämmern <sw. V.;
hat) (ugs.): über eine längere Zeit hämmern; -hängen <st.
V.; hat) (ugs.): 1. unordentlich irgendwo aufgehängt sein:
Kleidungsstücke von Erich ... hingen an Haken herum
(Baldwin [Übers.l. Welt 353). 2. svw. t rumhängen;
^hantieren <sw. V.; hat) (ugs.): eifrig [ohne rechtes Ergebnis]
irgendwo hantieren (a. b); -hetzen <sw. V.) (ugs.): 1. jmdn.
[ohne rechten Nutzen] von einem zum andern hetzen <hat).
2. vgl. -jagen (2) <ist>; -hocken <sw. V.; hat) (ugs.): müßig
irgendwo hocken; -horchen <sw. V.; hat) (ugs.): hörend
zu erfahren versuchen, was die verschiedensten Leute zu
einem Thema zu sagen haben: ..Bei dieser Gelegenheit
kannst du ein bißchen h/\ hatte Krämer gesagt und das
Abhören ausländischer Sender damit gemeint (Apitz.
Wölfe 114); -hüpfen <sw. V.; ist) (ugs.): 1. ziellos irgendwo
durch die Gegend hüpfen. 2. jmdn.. etw. hüpfend umkreisen;
-huren <sw. V.; hat) (salopp abwertend): wahllos mit
wechselnden Partnern geschlechtlich verkehren: so ein freches
kleines Biest, das herumhurt (Remarque. Triomphe 132);
-irren <sw. V.; ist): durch die Gegend irren; -jagen <sw.
V.) (ugs.): 1. vgl. -hetzen (1) <hat>. 2. [ziel- u. planlos]
wie gehetzt von einer Stelle zur andern eilen <ist>; -kauen
<sw. V.; hat) (abwertend): längere Zeit etw. [Zähes], was
sich nicht leicht zerkleinern lä/Jt, kauen; -klettern <sw.
V.; ist): ziellos irgendwo klettern; -klimpern <sw. V.; hat)
(ugs.): /laienhaft/ mal dies, mal jenes auf dem Klavier
spielen; -knobeln <sw. V.; hat) (ugs.): mit viel Mühe u.
Geduld versuchen, etw. herauszubringen, zu ergründen od.
zu bewerkstelligen; -knutschen <sw. V.; hat) (salopp
abwertend): anhaltend über längere Zeit knutschen;
-kommandieren <sw. V.; hat) (ugs.): jmdm., der auf irgendeine Art
unterlegen zu sein scheint. Befehle erteilen: Der
Nachbarsjunge kommandierte alle Kinder herum (Hörzu 42. 1972.
168); -kommen <st. V.; ist) (ugs.): l.a) in der Lage sein,
um etw. herum zu fahren od. zu gehen: Sie (= die Kurve)
ist so eng, daß ein Omnibus zurückstoßen mußte, um
herumzukommen (Frankenberg. Fahren 73); b) in dem
Augenblick, in dem man um eine Ecke o. ä. biegt, sichtbar
werden u. sich nähern: sie kam gerade um die Ecke herum;
c) etw. umschließen können: der Stamm des alten Baumes
ist so stark, daß ich mit den Armen nicht herumkomme.
2. in der Lage sein, einer unangenehmen Sache aus dem
Weg zu gehen, sie zu umgehen: um eine Erhöhung der
Steuern werden wir nicht h. 3. viel auf Reisen u. dadurch
in der Lage sein, Erfahrungen verschiedenster Art zu
sammeln: Gewiß, man kommt herum, sieht Land und Leute,
lernt mancherlei, oft ist es unterhaltend (K. Mann.
Wendepunkt 334). 4. in der Lage sein, seine täglichen Aufgaben
zu bewältigen: Man kommt nicht herum mit der Arbeit,
besonders an den paar Sachen für die Kinder (Normann.
Tagebuch 80). 5. durch Gerede von einem zum anderen
getragen werden: jetzt soll der Feller sogar Bescheid wissen,
dann kommt es herum in der Gemeinde (Bobrowski.
Mühle 99); -krabbeln <sw. V.; ist) (ugs.): vgl. -kriechen; -kra-
1211
herum-, Herum -
keelen <sw. V.; hat) (ugs.): anhaltend irgendwo krakeelen:
-kramen <sw. V.; hat) (ugs.): anhaltend in etw. kramen
lohne etw. Bestimmtes zu suchen]: ^krebsen <sw. V.; hat)
(ugs.): a) sich Itrotz schlechter Ausgangsposition]
verzweifelt bemühen vorwärtszukommen, obwohl nahezu jeder
Erfolg mit einem Rückschlag gekoppelt ist: b) sich nicht krank
u. nicht gesund fühlen u. deshalb nur langsam u. mit
Rückschlägen einer Genesung entgegengehen: -kriechen <st. V.;
ist) (ugs.): 1. ziellos durch die Gegend kriechen. 2. in einem
Bogen, in einem Kreis um etw. kriechen: -kriegen <sw.
V.; hat): 1. (salopp) durch beharrliches Reden u. besonders
durch schmeichlerisches i* geschicktes Verhalten bewirken,
dalijmd. seinen Standpunkt in einer bestimmten Sache
aufgibt w. doch tut. was man will: Sie legt es auf meine
Verführung an. Sie... bemüht sich unablässig, mich durch Parfüm.
Kleider, knappe Badeanzüge und anderes ..weibliches
Zubehör" herumzukriegen (Hörzu 45. 1970, 136). 2. (ugs.)
svw. t ^bringen (2); -kritisieren <sw. V.; hat) (ugs.): in
bezug auf verschiedene Dinge nörglerisch an jmdm. Kritik
üben: -kritteln <sw. V.; hat) (ugs. abwertend): in kleinlicher
Weise fortwährend Ian unwichtigen Dingen I Kritik üben:
-kritzeln <sw. V.; hat) (ugs.): wahllos u. ohne Überlegung
auf etw. Striche u. Schnörkel zeichnen: -kurieren <sw. V.;
hat) (ugs.): längere Zeit [ohne rechten Erfolg] versuchen,
jmdn.. etw. zu heilen: vorher kann man nur an gewissen
Symptomen h. (Welt 11. 11. 61. 9); -kurven <sw. V.;
ist) (ugs.): ziellos in der Gegend herumfahren (2a);
-kutschieren <sw. V.) (salopp): 1. vgl. ^kurven <ist). 2. jmdn.
in der Gegend herumfahren (2 c) (hat); -laborieren <sw.
V.; hat).(ugs.): an einer Krankheit o.a. leiden u. sie ohne
rechten Erfolg zu überwinden versuchen: -langen <sw. V.;
hat) (ugs.): svw. f ^reichen (1. 2); -laufen <st. V.; ist)
(ugs.): 1. svw. T^gehen (1): im Wald, auf der Straße h.;
ich bin stundenlang in der Stadt herumgelaufen. 2. svw.
T ^gehen (3 a. b). 3. um etw. herumführen (2 b) u. es
umschließen: um die Baracken läuft ein Zaun herum. 4. in einer
bestimmten Weise gekleidet sein u. so auf die Straße gehen:
wie ein Hippie h.; Mein Gott. Rufus, würde sie sagen,
du darfst so nicht h. (Baldwin [Übers.]. Welt 16); -lesen
<sw. V.; hat) (ugs.); 1. von der einen Seite auf die andere
legen. 2. etw. um etw. / im Kreis, im Bogen] legen: -liegen
<st. V.; hat): 1. im Kreis um etw. liegen. 2. (ugs.) a) lässig
u. untätig irgendwo liegen: So lag er herum mit seinen
Hemdsärmeln und Hosenträgem (Gaiser. Jagd 75); b)
unordentlich verstreut liegen: das Spielzeug lag in der Küche
herum; -lümmeln, sich <sw. V.; hat) (ugs.): vgl. -flegeln;
-lungern <sw. V.; hat) (salopp): nichts zu tun wissen u.
sich irgendwo untätig aufhalten: Ein Bursche ... lungerte
auf einem Stuhl herum (Remanjue. Triomphe 117);
-machen <sw. V.; hat) (salopp): sich mit jmdm.. etw. über
längere Zeit intensiv beschäftigen: jetzt macht es mir gar
keinen Spaß mehr, an so einem Weibsbild herumzumachen
(M. Walser. Eiche 36); -mäkeln <sw. V.; hat) (ugs.):
fortwährendmäkeln: -maulen <sw. V.; hat) (salopp):
fortwährend maulen: -meckern <sw. V.; hat) (ugs.): fortwährend
meckern: -motzen <sw. V.; hat) (salopp): fortwährend
motzen: -murksen <sw. V.; hat) (salopp): sich über längere
Zeit an etw. völlig unsachgemäß u. ohne Erfolg zu schaffen
machen: -nörgeln <sw. V.; hat) (ugs.; abwertend):
fortwährend nörgeln: -pfuschen <sw. V.; hat) (ugs. abwertend):
vgl. -murksen; -plagen, sich <sw. V.; hat) (ugs.): sich
mit etw. fortwährend [erfolglos] plagen: ^priemen <sw.
V.; hat) (landsch.): vgl. -bosseln; -probieren <sw. V.; hat)
(ugs.): nacheinander viele verschiedene Dinge probieren:
-pusseln <sw. V.; hat) (ugs.): mit Geduld u. übertriebener
Sorgfalt an etw. arbeiten: -quälen, sich <sw. V.; hat) (ugs.):
sich fortwährend [unnötigerweise ] mit etw. quälen: -rasen
<sw. V.; ist) (salopp): fortwährend ziellos durch die Gegend
rasen: -raten <st. V.; hat) (ugs.): fortwährend erfolglos
versuchen, etw. zu erraten: -rätseln <sw. V.; hat) (ugs.):
versuchen, einer rätselhaften Sache längere Zeit durch
Vermutungen u. Überlegungen von verschiedenen Seiten
beizukommen: -reden <sw. V.; hat) (ugs.): fortwährend über
belanglose Dinge reden, um nichts über das eigentliche
(unangenehmeJ Thema sprechen zu müssen: um die Sache
h.; -reichen <sw. V.; hat) (ugs.): 1. etw. [in einer Runde]
von einem zum anderen reichen: ein Tablett h.; Ü Ich wurde
nach Amerika eingeladen, überall herumgereicht (allen
nur möglichen hochgestellten u. einflußreichen Personen
nacheinander vorgestellt), gelobt und gelockt: Man wollte
mich an den Broadway verpflichten (Hörzu 19. 1973. 24).
L die Länge haben, daß die betreffende Sache um etw.
reicht: -reisen <sw. V.; ist) (ugs.): fortwährend auf Reisen
sein, ohne ein festes Ziel zu haben: -reißen <st. V.; hat):
1. a) mit einem heftigen Ruck in eine andere Richtung reißen:
das Steuer [des Autos], den Wagen h.; b) an jmdm.. etw.
fortwährend reißen: der Wind riß an den Haaren herum.
2. <h. + sich) (landsch.) sich herumschlagen (2 b); -reiten
<st. V.; ist): l.a) ziellos durch die Gegend reiten: b) im
Kreis, im Bogen um jmdn.. etw. reiten. 2. (salopp) a)
fortwährend über ein u. dasselbe [unerfreuliche] Thema sprechen,
ohne sich davon abbringen zu lassen: auf der dummen
Geschichte ist er jetzt lange genug herumgeritten; b) jmdn.
fortwährend wegen derselben Sache kritisieren, ihm mit
derselben unangenehmen Sache lästig fallen: nun reite doch
nicht dauernd auf mir, ihm herum; -rekeln, sich <sw.
V.; hat) (ugs.): sich rekelnd lässig irgendwo herumsitzen:
-rennen <unr. V.; ist) (ugs.): 1. fortwährend [ziellos] durch
die Gegend rennen. 2. im Bogen, im Kreis um etw. rennen:
-rühren <sw. V.; hat) (ugs.): fortwährend in etw. rühren:
Ü in alten Wunden h. (schmerzliche Erinnerungen durch
etw. wachrufen): -rutschen <sw. V.; ist) (ugs.): fortwährend
irgendwo hin u. her rutschen: -scharwenzeln <sw. V.; ist)
(ugs. abwertend): sich in jmds. Nähe zu schaffen tnachen
u. dabei immer bereit, übertrieben geschäftig u. eilfertig
seine Dienste anzubieten, um sich dadurch einzuschmeicheln:
-schauen <sw. V.; hat) (landsch.): herumblicken: -schicken
<sw. V.; tat) (ugs.): jmdn.. etw. von einem zum anderen
schicken: -schießen <st. V.) (ugs.): 1. ziellos durch die
Gegend schießen <hat>. 2. sich blitzschnell umwenden <ist):
.JCnobloch!" schnauze ich ... hinter ihm her. Er schießt
herum wie von einer Lanze in den Rücken getrofTen (Re-
marque. Obelisk 123); -schlagen <sw. V.; hat): 1. etw.
um jmdn.. etw. wickeln: Packpapier um den Korb h. 2.
<h. + sich) a) (ugs.) sich fortwährend mit jmdm. schlagen:
er schlägt sich oft mit den Nachbarsjungen herum; b)
(ugs.) sich gezwungenermaßen fortwährend mit jmdm.. etw.
auseinandersetzen: Von neuem beginnt der Zweifel, und
von neuem schlägt sie sich mit ihm herum (Fallada. Jeder
389); -schleichen <st. V.; ist) (ugs.): 1. ziellos durch die
Gegend schleichen. 2. im Kreis, im Bogen um jmdn.. etw.
schleichen: -schleifen <sw. V.; hat) (landsch.):
herumschleppen (1. 2); -schlendern <sw. V.; ist) (ugs.): ohne festes
Ziel u. ohne bestimmte Richtung hierhin u. dorthin
schlendern: -schleppen <sw. V.; hat) (ugs.): 1. etw. überallhin
mit sich schleppen: Ü sie hat mich in der ganzen Stadt
herumgeschleppt (von einer Sehenswürdigkeit zur anderen,
von einem Ort zum anderen geführt). 2.a) mit etw. nicht
fertig werden, etw. nicht bewältigen können u. darunter
leiden: wochenlang ein Problem mit sich h.; b) längere
Zeit infiziert sein, ohne daß die betreffende Krankheit zum
Ausbruch kommt: diesen Grippevirus habe ich sicher schon
ein paar Tage mit mir herumgeschleppt; c) mit einer
Krankheit leben müssen, da man nicht in der Lage ist. sie
auszukurieren: eine Erkältung wochenlang mit sich h.; -schließen
<st. V.; hat) (ugs.): den Schlüssel im Schloß herumdrehen:
-schlingen <st. V.; hat): etw. um etw. schlingen: -schnellen
<sw. V.; ist) (ugs.): aus einer Richtung in eine andere
schnellen: -schnüffeln <sw. V.; hat) (ugs. abwertend): überall
schnüffeln, alle Möglichkeiten zum Spionieren benutzen u.
sich neugierig alles ansehen, um sich über jmdn.. etw. zu
informieren: -schnuppern <sw. V.; hat) (ugs.): fortwährend
irgendwo schnuppern: -schreien <st. V.; hat) (ugs.): 1.
anhaltend u. unbeherrscht laut schimpfen, schelten: Sugga hatte
Fänä erzählt, daß der Richter immer wie verrückt
herumschrie, wenn Krach im Hause gemacht wurde (Degenhardt.
Zündschnüre 29). 2. fortwährend grundlos schreien:
-schubsen <sw. V.; hat) (ugs.): jmdn. hierhin u. dorthin schubsen:
-schwänzeln <sw. V.; ist) (ugs.; abwertend): sich ständig
in der Nähe einer [höhergestellten] Person, von der man
etw. haben möchte, aufhalten u. sich durch geschäftiges
Dienern bei ihr einzuschmeicheln versuchen, sie sich geneigt
zu machen suchen: -schwärmen <sw. V.; ist) (ugs.): ziellos
schwärmend, in Schwärmen umherfliegen: Ü die
herumschwärmenden (überallhin, in alle Richtungen ziehenden)
Horden nomadisierender Barbaren (Thieß. Dämonen S98);
-schwenken <sw. V.) (ugs.): 1. (hat) a) etw. hin u. her
schwenken: b) etw. in eine andere Richtung schwenken:
Er schwenkte den Rollstuhl herum (Erich Kästner. Schule
36). 2. in eine andere Richtung schwenken <ist): Feinhals
1212
herum-, Herum -
schwenkte rechts herum, trat durch eine Tür und war
auf dem Schulhof (Böll. Adam 65): -schwirren <sw. V.;
ist) (ugs.): hierhin u. dorthin schwirren: -sein <unr. V.;
ist; nur im Inf. u. Part, zusammengeschrieben) (ugs.):
1. herumgegangen (4) sein: Es sind schon viele Stunden
herum (Johnson. Geschichten 38). 2. durch Weitererzählen
überall bekannt geworden sein: Die Sache ist Jedenfalls
gleich herum in der ganzen Gegend (Bobrowski. Mühle
143). 3. sich fortwährend in jmds. nächster Umgebung
aufhalten, um den Betreffenden sich nicht selbst zu überlassen:
Die Mutter, die den ganzen Tag ... um das Kind herum
ist. muß gar nicht so viel spielen (Brigitte 5. 1974. 114);
-setzen <sw. V.; hat) (ugs.): 1. <h. + sich) zu mehreren
im Kreis um etw. Platz nehmen, sich setzen. 2. etw. im
Kreis um etw. setzen. Dingen einen Platz geben: -sitzen
<unr. V.; hat) (ugs.): 1. fortwährend irgendwo mü/Jig sitzen:
ich kann nicht tatenlos h. 2. im Kreis, im Bogen um etw.
sitzen: um den Tisch, um den Ofen h.; -spazieren <sw.
V.; ist) (ugs.): a) fortwährend müßig hierhin u. dorthin
spazieren: b) im Kreis, im Bogen um etw. spazieren: um
den Berg h.; -spielen <sw. V.; hat) (ugs.): 1. fortwährend
an etw. spielen: spiel nicht mit dem Besteck herum!; das
Ding interessierte mich, ich spielte daran herum und
drückte zufällig auf einen weißen Knopf (v. d. Grün. Glatteis
29). 2. auf einem Instrument dieses u. jenes spielen / um
etw. auszuprobieren/: Fänä ... nahm die Mundharmonika,
spielte bißchen herum und dann die ..Moorsoldaten" (De-
genhardt. Zündschnüre 20); -spionieren <sw. V.; hat)
(ugs.): überall, wo es möglich ist. spionieren: -sprechen,
sich <st. V.; hat): von einem dem anderen erzählt u. dadurch
allgemein bekannt werden: -springen <st. V.; ist) (ugs.):
von einer Stelle zur anderen sprbxgen: umherspringen:
... daß er ( = der Büffel) wild herumsprang und im Zorn
einen Busch angriff (Grzimek. Serengeti 119); die Kinder
springen im Garten herum (tollen spielend herum):
-spritzen <sw. V.; hat) (ugs.): überallhin spritzen: -spuken <sw.
V.; hat) (ugs.): vgl. -geistern; -stänkern <sw. V.; hat)
(ugs.): bei jeder Gelegenheit, überall stänkern: -stehen <unr.
V.; hat) (ugs.): l.a) untätig [u. lässig] irgendwo stehen:
Halbstarke standen im Hauseingang herum; b) nicht
ordentlich hingestellt sein fu. daher im Wege stehen]: der
Korb steht im Zimmer herum. 2. zu mehreren im Kreis,
im Bogen utn etw. stehen: -stellen <sw. V.; hat) (ugs.):
jmdn.. sich. etw. im Kreis, im Bogen umjmdn.. etw. stellen:
-stieren <sw. V.; hat) (österr. ugs.): herumstöbern: -stöbern
<sw. V.; hat) (ugs.): über längere Zeit in'etw. stöbern:
-stochern <sw. V.; hat) (ugs.): an verschiedenen Stellen
anhaltend in etw. stochern: mit einem Stock in der
Mülltonne h.; in den Zahnen h.; im Teller, im Essen h. (ohne
Appetit mit der Gabel im Essen stochern u. [so gut wie]
nichts zu sich nehmen): Ü in jmds. Vergangenheit.
Privatleben h.; -stolzieren <sw. V.; ist) (ugs.): irgendwo durch
die Gegend stolzieren: -stoßen <st. V.; hat) (ugs.): jmdn.
kein richtiges Zuhause finden lassen, indem er einmal bei
diesem, einmal bei jenem leben muß: Sicher hatte man
sie oft angeschrien und herumgestoßen (Simmel, Affäre
109); -streichen <st. V.; ist) (abwertend): 1. umherstreifen.
2. in bestimmter Absicht utn jmdn.. etw. schleichen, sich
in der Nähe einer Person od. Sache aufiialten u. sie
beobachten: Er... streicht um das Mädchen herum wie ein
Schießhund (Gaiser. Jagd 52); -streifen <sw. V.; ist) (ugs.): ohne
festes Ziel durch eine Gegend, von einem Ort zum anderen
gehen u. sich nirgends längere Zeit aufhalten: -streiten«
sich <st. V.; hat) (ugs.): sich eine längere Zeit mit jmdm.
streiten: er hat sich mit ihm, sie haben sich herumgestritten;
-streunen <sw. V.; ist) (abwertend): ohne bestimmte
Absicht, ohne bestimmtes Ziel herumstreichen: -strolchen <sw.
V.; ist) (ugs.): 1. (abwertend) wie ein Strolch durch die
Gegend ziehen, nichts Gutes im Sinn haben u. auf eine
günstige Gelegenheit zur Verwirklichung seiner Absichten
warten. 2. sich draußen aufhalten u. sich die Zeit damit
vertreiben, daß man etw. erkundet, etw. Neues kennenlernt:
Ulf war ein Frühaufsteher und strolchte schon irgendwo
herum (Faller. Frauen 130); -stromern <st. V.; ist) (salopp
abwertend): 1. wie ein Landstreicher von Ort zu Ort ziehen.
2. svw. T-strolchen (2); -suchen<sw. V.; hat) (ugs.): planlos
u. unkonzentriert hier u. dort suchen: -sumpfen <sw. V.;
hat) (salopp): fortwährend wahllos mit irgend jmdm.
sumpfen: das Gesocks. mit dem ihr herumsumpft (Baldwin
[Übers.]. Welt 41); -tänzeln <sw. V.; ist): 1. umhertänzeln.
2. im Bogen, im Kreis um jmdn.. etw. tänzeln: Eduard
tänzelt um Gerda herum wie ein Mittelschullehrer, der
Walzer übt (Remarque. Obelisk 198); -tanzen <sw. V.;
ist) (ugs.): 1. sich ausgelassen wie im Tanz bewegen: die
Mädchen tanzten fröhlich im Zimmer herum. 2. im Kreis,
im Bogen utn jmdn.. etw. tanzen: um den Baum h.; er
tanzte dauernd um sie herum (war dauernd in unruhiger
Bewegung, einmal von der. einmal von jener Seite sich ihr
nähernd): -tappen <sw. V.; ist) (ugs.): /im Dunkeln/
suchend umhergehen: -tatschen <sw. V.; hat) (salopp
abwertend): fortwährend jmdn.. etw. an verschiedenen Stellen
betatschen: an etw. h.; -tigern <sw. V.; ist) (salopp):
fortwährend in einem Raum umhergehen: -toben <sw. V.) (ugs.):
1. ausgelassen, laut lärmend u. schreiend umherlaufen <hat/
ist). 2. sich tobend gebärden <hat); -tollen <sw. V.; ist):
ausgelassen u. mit einer lauten Fröhlichkeit umherlaufen:
-tragen <st. V.; hat) (ugs.): l.a) etw. überallhin mit sich
tragen: b) hierhin u. dorthin tragen: ein Kind [auf dem
Arm] h. 2. sich in Gedanken ständig mit etw. beschäftigen,
was einem keine Ruhe läßt: diese Idee trage ich schon
lange mit mir herum. 3. (abwertend) etw.. was eigentlich
nicht weitererzählt werden sollte, weitererzählen: -trampeln
<sw. V.; ist) (salopp): fortwährend[ wie ein Trampel]
unachtsam auf. in etw. treten: im Blumenbeet h.; Der Dicke
trampelte auf den verstreuten Sachen herum (Müthel.
Baum 58); Ü auf jmdm.. auf jmds. Nerven h. (jmdm.
durch Äußerungen od. Angriffe, die er als böswillig od.
ungerechtfertigt auffaßt, eine Kränkung zufügen, die ihn
in seinem ganzen Gemüt erschüttert): -treiben <sw. V.;
hat): I. ohne bestimmtes Ziel durch die Gegend treiben:
wir konnten ... die Pferde auf den Waldwegen oder am
Strand h. (Bergengruen. Rittmeisterin 263). 2. <h. + sich)
(ugs. abwertend) kein geordnetes Leben fuhren, sich meist
ohne Beschäftigung bald hier, bald dort aufhalten / u.
allmählich herunterkommen /: er hat seinen Arbeitsplatz gekündigt
und treibt sich jetzt nur noch herum; sich in Bars h.;
Mit Kerlen sollte sie sich herumgetrieben haben? (Lederer.
Liebe 35). 3. <h. + sich) (ugs. abwertend) sich /
vorübergehend] irgendwo aufhalten /ohne daß andere den Ort wissen],
obwohl man erwartet wird: Wo treibst du dich eigentlich
immer herum? (Böll. Haus 9); treibt er sich wieder in
der Welt herum (reist er wieder längere Zeit herum, ohne
einen genauen Aufenthaltsort od. den Zeitpunkt seiner
Rückkehr anzugeben, u. vernachlässigt er seinen
Aufgabenbereich)? (Fallada. Herr 19); -treiben der (ugs. scherzh.):
jmd.t der sich herumtreibt (2. 3); -treiberei, die (ugs.
abwertend): das Sichherumtreiben (2. 3); -treten <st. V.; hat)
(selten): vgl. -trampeln; -trödeln <sw. V.; hat) (ugs.):
fortwährend trödeln: -trölen <sw. V.; hat) (schweiz. ugs.):
fortwährend /den Gerichtsablauf] leichtfertig verzögern:
-tummeln, sich <sw. V.; hat) (ugs.): sich längere Zeit an
verschiedenen Plätzen tummeln: -tun <unr. V.; hat) (südd.
ugs.): sich viel u. umstätidlich unnötige Mühe u. Arbeit
machen: -turnen <sw. V.) (ugs.): 1. spielerisch turnen (hat).
2. sich irgendwo [zwischen Hindernissen o. ä.] so bewegen,
als machte man Turnübungen <ist): auf dem Dach h.;
Nur kann ich natürlich nicht dulden, daß Unbefugte in
meinem LKW h. (Kirst. 08/15. 473); -vagabundieren <sw.
V.; ist) (abwertend): nicht seßhaft sein u. ohne feste Bleibe
im Land umherziehen: -vagieren <sw. V.; ist) (österr. ugs.):
herumstrolchen: -wälzen <sw. V.; hat) (ugs.): jmdn.. erw.,
sich von der einen Seite auf die andere wälzen: -wandern
<sw. V.; ist): 1. (ugs.) fortwährend [rufielos] umhergehen:
so wandert sie ruhelos im Garten herum (Katia Mann.
Memoiren 80). 2. im Bogen, im Kreis um etw. wandern:
um den Berg h.; Ü Langsam wandert der weiße Zeiger
des Höhenmessers um das Zifferblatt herum (Grzimek.
Serengeti 160); -wenden <unr. V.; hat): vgl. -drehen (2);
-werfen <st. V.; hat): 1. (ugs.) / unachtsam] dahin u. dorthin
werfen: die Kinder warfen ihr Spielzeug im Zimmer herum.
2. heftig u. mit Schwung in eine andere Richtung, auf die
andere Seite drehen: ruckartig den Kopf h.; einen Hebel,
das Steuer [des Bootes] h.; er warf sich schlaflos [im Bett]
herum (drehte sich heftig von einer Seite auf die andere):
-werweißen <sw. V.; hat) (schweiz. ugs.): herumrätseln:
-wickeln <sw. V.; hat): etw. um etw. wickeln: -wirbeln
<sw. V.): 1. jmdn.. etw. im Kreise, aus der einen in die
andere Richtung wirbeln <hat>. 2. sich wirbelnd [um die
eigene Achse] drehen, sich wild im Kreise drehen <ist): die
Tänzerinnen wirbelten herum; -wirtschaften <sw. V.; hat)
1213
herunter!
(ugs.): sich fortwährend irgendwo zu schaffen machen,
hantieren; -wühlen <sw. V.; hat) (ugs.): fortwährend in etw.
wühlen; -wurschteln, -wursteln <sw. V.; hat) (salopp):
fortwährend wurschteln; -wuseln <sw. V.; ist) (ugs.):
fortwährend unruhig u. mit /linken, geschickten Bewegungen hin
u. her laufen; -zanken, sich <sw. V.; hat) (ugs.): sich
fortwährend mit jmdm. zanken: -zeigen <sw. V.; hat) (ugs.):
etw. überall zeigen; vierten <sw. V.; hat) (ugs.): etw. hierhin
u. dorthin zerren; -ziehen <unr. V.): 1. (abwertend) von
einem Ort zum anderen ziehen Ost): mit dem Zirkus, im
Wohnwagen in der Welt h. la) (ugs.) jmdn.. etw. hierhin
u. dorthin ziehen; Überali wohin man geht, mit sich ziehen
<hat); b) im Bogen, im Kreis [um etw.] ziehen <lst>: die
Blaskapelle zog um das Rathaus herum. 3. <h. + sich)
sich in einem Bogen, in einem Kreis um etw. ziehen u.
es dadurch begrenzen <hat>: um das Grundstück zieht sich
eine Hecke herum. 4. (landsch.) svw. Thinhalten (2a):
sobald der ... Mann ... sich losgesagt hatte von dem
Frauenzimmer, das ihn ... herumzog (Maass. Gouffe 259);
^zigeunern <sw. V.; ist) (salopp abwertend): immer umherziehen,
ohne festen Wohnort [u. richtigen Beruf] sein u. ein
ungeordnetes, unstetes Leben führen.
herunten [heruntnl <Adv.) IT hier u. t unten) (südd., österr.):
a) hier unten: wir sind alle h. Im Keller: b) herunter: Eine
paßt auf die andere auf. ob die. gottbehüte, schon wieder
Glück gehabt hat mit dem Abnehmen und wieder ein
halbes Kilo h. ist (sie ... ein halbes Kilo abgenommen
hat; Doderer. Dämonen 73).
herunter [he'runte) <Adv.) [mhd. her under, zu ther u.
tunter]: 1. von einer höhergelegenen Stelle nach unten [zum
Sprechenden], herab (Ggs.: hinauO: h. mit euch!; wir
werden immer langsamer, bis h. auf SO Kilometer (bis wir
eine Geschwindigkeit von 50 Kilometer pro Stunde haben;
Gnrimek. Serengeti 131); <als Verstärkung der Präp.
„von":) von den Bergen h. wehte ein kalter Wind; Ü
vom Elefanten h. bis zu den ziegengroßen Gazellen (Grzi-
mek, Serengeti 48); Bereits auf der Fahrt von Hamburg
h. (von dem auf der Landkarte oben liegenden Hamburg
in Richtung Süden) hatte sie gesagt, daß sie... einverstanden
sei (Simmel. StofT 584). 2. von einer bestimmten Stelle.
Fläche fort: h. vom Tisch.
herunter-. Herunter- (vgl. auch: herab-, hinunter-, hinab-):
-bammeln <sw. V.; hat) (salopp): svw. t-baumeln;
-baumeln <sw.V.;hat>(ugs.):vo/itf/>i*/7 oberhalb des Sprechenden
gelegenen J Stelle nach unten baumeln (1); -bekommen <st.
V.; hat) (ugs.): vgl. -bringen (2); -bemühen <sw. V.: hat):
1. jmdn. zu sich nach unten bemühen. 2. <h. -I- sich) sich
zu jmdm. nach unten bemühen; -beten <sw. V.; hat) (salopp):
a) routinemäßig u. ohne innere Beteiligung beten: er begann
die Sequenz des Freitags vor Palmarum herunterzubeten
(Grass, Katz 73); b) svw. t -leiern (l): er betete alle
Mineralien herunter: Plutonite und Vulkanite. amorphe und
kristalline Gesteinskörper (Grass. Hundejahre 269); -beugen,
sich <sw. V.; hat): sich von oben nach unten [zum
Sprechenden] beugen; -bitten <st. V.; hat): jmdn. bitten
herunterzukommen; -blicken <sw. V.; hat): svw. t -sehen; -brechen
<st. V.; ist): abbrechen u. nach unten fallen: -bremsen <sw.
V.; hat): durch Bremsen die Geschwindigkeit eines Fahrzeugs
verringern; -brennen <unr. V.): 1. (von der Sonne) eine
starke, sengende Hitze tiach unten strahlen <hat): die Sonne
brennt auf die Steppe herunter. 2. vollkommen abbrennen;
sich durch Brennen verzehren Ost): das Haus ist bis auf
die Grundmauern heruntergebrannt; Teta wechselte gerade
eine heruntergebrannte Kerze aus (Werfel. Himmel 75);
-bringen <unr. V.; hat): l.a) etw. von einer /oberhalb
des Sprechenden gelegenem Stelle nach unten bringen; b)
nach unten [zum Sprechenden] bringen, begleiten. 2. (ugs.)
es fertigbringen, eto. herunterzuschlucken, zu essen oder
zu trinken: Seine letzte Angst war. daß er das geweihte
Brot nicht herunterbringe (Plievier. Stalingrad 201). 3.
jmdn.. etw. tiach u. nach immer mehr zugrunde richten;
-bröckeln <sw. V.; ist): svw. tabbröckeln (1 a); -drucken
<sw. V.; hat): 1. nach unten drücken: die Klinke h. 2.
(ugs.) a) durch Einflußnahme verringern, auf ein medrigeres
Niveau bringen: den Wert einer Arbeit h.: b) auf jmdn.
einen gewissen Druck ausüben u. dadurch erreichen, daß
die Kosten niedriger gehalten werden, als ursprünglich
geplant: zumindest können sie die monatliche Belastung (=
durch den Bausparvertrag) h. (DM 5. 1966. 12); -dürfen
<unr. V.; hat) (ugs.): 1. von einer [oberhalb des Sprechenden
gelegenen] Stelle nach unten kommen dürfen. 2.
heruntergebracht (1 a) werden dürfen; -fahren <st. V.): 1. von einer
höhergelegenen Stelle nach unten (zum Sprechenden] fahren
<ist>. 2. von einer höhergelegenen Stelle nach unten [zum
Sprechenden] fahren <hat). 3. (Technik Jargon) stetig
herabmindern (a) <hat): Schon jetzt hat das Unternehmen
die Kapazität einiger Anlagen für Massenprodukte
heruntergefahren (MM 24. 11. 73. 7); -fallen <st. V.; ist): a)
von einer [oberhalb des Sprechetiden gelegenen / Stelle nach
unten fallen: vom Tisch, vom Stuhl h.; er ist die Treppe
heruntergefallen; mir ist etw. heruntergefallen; Ihm fielen
die Kinnladen herunter (klappten... nach unten; v. d. Grün.
G latteis 31); b) von einer [ oberhalb des Sprechenden
gelegenen] Stelle nach unten geworfen werden, nach unten dringen:
zertretenes Gras, auf das der Schein der Leuchtröhren
herunterfiel (Gaiser. Schlußball 198); -fliegen <st. V.; ist)
(ugs.): vgl. -fallen (a); -führen <sw. V.; hat): von einer
[oberhalb des Sprechenden gelegenen] Stelle nach unten
führen (1 a. 7b); -geben <st. V.; hat) (ugs.): etw. von einer
[oberhalb des Sprechenden gelegenen] Stelle nach unten
geben; -gehen <unr. V.; ist): 1. von einer [oberhalb des
Sprechenden gelegenen] Stelle nach unten gehen: sie gingen
vorsichtig den Berg herunter. 2. (ugs.) a) sich (auf der
Straße) in eine bestimmte Richtung entfernen: er ging die
Straße herunter; b) eine bestimmte Stelle räumen: geh doch
endlich vom Hocker herunter!; sie bat ihn. mit seinen
Sachen vom Tisch herunterzugehen (seine Sachen
herunterzunehmen). 3. (ugs.) a) sich mit etw. der Erde nähern;
etw. nach unten neigen, senken: Er aber geht mit dem
Kopf herunter, als wolle er eine orientalische Verbeugung
machen (Remanque. Obelisk 330); b) die Höhe von etw.
um ein bestimmtes Maß senken: auf eine Flughöhe von
100 Metern h.; Vor der Elbe wurde der Nebel so dicht,
daß ich auf dreißig Kilometer h. mußte (Simmel. Affäre
61); mit den Preisen h. (billiger als vorher anbieten). 4. in
der Stärke, im Wert o. ä. abnehmen: mein Fieber ist
heruntergegangen; -gekommen: t-kommen (2); -gießen <st. V.;
hat): 1. von einer [oberhalb des Sprechenden gelegenen]
Stelle nach unten gießen: einen Eimer Wasser auf die
nächtlichen Ruhestörer h. 2. <unpers.) (ugs.) stark regnen: es
goß nur so vom Himmel herunter; -gleiten <st. V.; ist):
von einer [oberhalb des Sprechenden gelegenen] Stelle nach
unten gleiten; -handeln <sw. V.; hat) (ugs.): bei einem
Kauf durch beliarrliches Handeln bewirken, daß man etw.
billiger erhält; -hängen <st. V.; hat): 1. von einer oberhalb
des Sprechenden gelegenen Stelle nach unten hängen (1 a):
von der Decke h.; Fetzen hingen herunter; ein weißes
Kleid, eine dünne Sache, die in Falten herunterhing (Baum.
Paris 28). 2. von einer [vom Standpunkt des Sprechenden]
erhöhten Stelle schwer und schlaff nach unten hängen (2 a):
eine Hand hängt lasch herunter; -haspeln <sw. V.; hat)
(ugs.): svw. tabhaspeln (1. 2); -hauen <unr. V.; hat): 1.
svw. t runterhauen (1): Hat sie Angst, daß ich dem ersten
besten Herrn, der an unserer Tür klingelt, eine h. werde?
(Frisch. Gantenbein 267). 2, svw. f runterhauen (2): In
drei Tagen haut er ein 80 Seiten dünnes Drehbuch herunter
(Spiegel 14. 1977. 205); -heben <st. V.; hat): jmdn.. etw.
von oben nach unten [zum Sprechenden] heben; -helfen
<st. V.; hat) (ugs.): jmdm. nach unten [zum Sprechenden]
helfen; -holen <sw. V.; hat): 1. jmdn. von einer oberhalb
des Sprechenden gelegenen] Stelle nach unten holen. 2.
(ugs.) (ein Flugzeug o.a.) abschießen; vgl. runterholen;
-kanzeln <sw. V.; hat) (ugs.): svw. tabkanzeln; -klappen
<sw. V.): l.a) etw. von oben nach unten klappen <hat>:
einen Sitz, den Deckel des Klaviers h.; b) nach unten klappen,
sich ruckartig nach unten bewegen Ost): sein Unterkiefer
klappte herunter. 2. nach unten wenden, nach unten schlagen
<hat> (Ggs.: aufklappen 2): den Kragen h.; die
heruntergeklappte Pelzmütze (Plievier. Stalingrad 114); -klettern <sw.
V.; ist): von einer [oberhalb des Sprechenden gelegenen]
Stelle nach unten klettern; -kommen <st. V.; ist): 1. von
einer [oberhalb des Sprechenden gelegenen] Stelle nach
unten kommen: eine Gestalt, die den Weg herunterkam
{sich auf dem Weg näherte; Plievier. Stalingrad 99). 2.
(ugs.) a) durch bestimmte Einflüsse einen sozialen Abstieg
erfahren, moralisch verkotnmen: nach dem Tode ihres
Vaters ist sie arg heruntergekommen; b) von einem Besitzet
od. Verwalter schlecht geführt werden u. durch dauernde
wirtschaftliche Mißerfolge wenig od. keinen Gewinn britigen:
die Spinnerei kam unter seiner Leitung total herunter;
1214
herunter-, Herunter-
eine heruntergekommene Firma; c) infolge von Krankheit
o. ä. in einen Schwächezustand geraten, durch Kräfteverfall
gekennzeichnet sein: er ist durch den langen
Krankenhausaufenthalt sehr heruntergekommen. 3. (ugs.) von einem
schlechten Leistungsstand auf einen besseren kommen: von
einer schlechten Note h.; -können <unr. V.; hat) (ugs.):
vgl. -dürfen; -kratzen <sw. V.; hat): svw. tabkratzen (1 a);
-krempeln <sw. V.; hat): den aufgekrempelten Teil eines
Kleidungsstückes wieder in die ursprüngliche Lage bringen;
-kriechen <st. V.; ist): von einer / oberhalb des Sprechenden
gelegenen] Stelle nach unten kriechen; -kriegen <sw. V.;
hat) (ugs.): 1. etw. von einer loberhalb des Sprechenden
gelegenen] Stelle nach unten kriegen. 2. in der Lage sein,
etw. herunterzuschlucken; -kühlen <sw. V.; hat) (Jargon):
durch Kühlen die Temperatur einer Sache verringern;
-kurbeln <sw. V.; hat): durch Kurbeln auf eine niedrigere Höhe
bringen: das Seitenfenster h.; -langen <sw. V.; hat)
(landsch. ugs.): 1. svw. therunterreichen. 2. svw. t
runterhauen (1); -lassen <st. V.; hat): 1. jmdn.. sich. etw. von
einer Stelle nach unten /gleiten] lassen: die Fensterscheibe
im Auto, die Rolläden h. 2. etw. auf eine niedrigere Höhe
gleiten lassen: die Hose h. 3. (iron.) svw. t herablassen
(4); -leiern <sw. V.; hat) (salopp): 1. (abwertend) einen
[ auswendig gelernten j Text schlecht, eintönig u. ohne
Interesse vortragen. 2. svw. T -kurbeln: Ich ließ ihn
herankommen und leierte das Fenster herunter (Bieler. Bonifaz 8);
-lesen <st. V.; hat) (abwertend): einen Text ohne innere
Beteiligung mit gleichbleibendem, monotonem Tonfall laut
lesen; -machen <sw. V.; hat) (salopp): a) jmdn. wegen
eines Fehlers in einer für den Betroffenen erniedrigenden
Weise in einem peinlichen Auftritt od. im Beisein anderer
zurechtweisen: der Meister hat den Lehrling furchtbar
heruntergemacht; b) jmdn.. etw. in der Beurteilung seiner
Leistung auf demütigende Art u. Weise herabsetzen: Der
Fernsehfilm ... wies sicher einige Schwächen auf. aber
ihn dann gleich so herunterzumachen. ... erscheint mir
ungerechtfertigt (Hörzu 10. 1974. 138); -müssen <unr. V.;
hat) (ugs.): vgl. -dürfen; -nehmen <st. V.; hat): 1. etw.
von einer [oberhalb des Sprechenden gelegenen] Stelle nach
unten nehmen. 2. nehmen u. entfernen: kannst du bitte
deine Sachen vom Tisch h.?; ich nahm ... ihre Arme von
mir herunter (Th. Mann. Krull 254); -prasseln <sw. V.;
ist) (ugs.): prasselnd nach unten fallen; -purzeln <sw. V.;
ist) (ugs.): von einer [oberhalb des Sprechenden gelegenen]
Stelle nach unten purzeln; -putzen <sw. V.; hat) (salopp):
svw. t -machen (a); -rasseln <sw. V.; hat) (ugs.): 1. einen
auswendig gelernten Text fehler fr ei. aber ohne innere
Beteiligung hastig u. monoton aufsagen. 2. rasselnd nach unten
gleiten: er ließ die Rolläden h. (Jaeger. Freudenhaus 49);
-reichen <sw. V.: hat) (ugs.): 1. etw. von einer
höhergelegenen Stelle nach unten [ zum Sprechenden] reichen. 2. lang
genug sein u. von einer [oberhalb des Sprechenden
gelegenen] Stelle nach unten reichen: unverändert reich te der Nebel
bis in das Gras herunter (Gaiser. Jagd 119); -reißen <st.
V.; hat): 1. (ugs.) a) etw. von einer / oberhalb des
Sprechenden gelegenen] Stelle nach unten reißen: Das Großsegel
sank, von den Händen ... der beiden heruntergerissen,
in sich zusammen (Hausmann. Abel 54); b) etw. vonjmdm..
sich. etw. durch Reißen entfernen: ein Pflaster, einen
Verband h.; ein Plakat, die Tapete h.; Ü nun. da ihm das
falsche Gesicht heruntergerissen ist (da er entlarvt ist;
Reinig. Schiffe 126). 2. (landsch.) (ein Kleidungsstück)
durch vieles, langes Tragen stark abnutzen. 3.a) (salopp)
svw. Tabreißen (5): ..Hat es dir beim Militär gefallen?"
Ich habe meine zwei Jahre heruntergerissen. Wie das
so ist" (Kirst. 08/15. 215); b) (ugs.) allzu schnell vortragen:
ein Musikstück h. 4. (salopp) (bes. einen Künstler)
heruntermachen (b). 5. (südd.. österr.) in der Fügung wie
heruntergerissen (jw/n Verwechseln ähnlich; zu: reißen =
zeichnerisch entwerfen, also eigtl. = wie abgezeichnet, abgemalt):
Diese Frau ist wie heruntergerissen eine zweite Marlene
Dietrich (Quick 19.1958. 29); -reißer. der (Ringen): Griff
durch den der Gegner zu Boden gerissen wird; -rennen
<unr. V.; ist) (ugs.): von einer loberhalb des Sprechenden
gelegenen] Stelle nach unten rennen; -rinnen <st. V.; ist)
(ugs.): von einer [oberhalb des Sprechenden gelegenen]
Stelle nach unten rinnen: An den nackten Armen rann der
Schweiß in Streifen herunter (Plievier. Stalingrad 42);
-rollen <sw. V.): 1. <ist)a) von einer I oberhalb des Sprechenden
gelegenen] Stelle nach unten rollen; b) (ugs.) in einer
rollenden Bewegung nach unten fallen: von der Pritsche ... rollte
ein Körper herunter (Plievier. Stalingrad 229). 2. (ugs.)
etw. nach unten rollen <hat>: Sie ... rollte am Fenster die
Verdunkelungsjalousie herunter (Bieler. Bonifaz 84); die
Ärmel h. (herunterkrempeln); -rufen <st. V.: hat) (ugs.):
\Jmdn. zu sich nach unten rufen. 2. etw. von einer [oberhalb
des Sprechenden gelegenen] Stelle nach unten rufen;
-rutschen <sw. V.; ist) (ugs.): von oben nach unten [zum
Sprechenden] rutschen; -säbeln <sw. V.; hat) (salopp): svw.
t absäbeln; -sagen <sw. V.; hat) (ugs.): svw. T-leiem (1);
-schaffen <sw. V.; hat): von oben nach unten [ zum
Sprechenden] schaffen: er hat die Kiste vom Boden
heruntergeschafft; -schalten <sw. V.; hat) (Jargon): (bei
Motorfahrzeugen) in einen niedrigeren Gang schalten; -schauen <sw.
V.; hat) (landsch.): svw. t-blicken (1. 2); -schicken <sw.
V.; haO: jmdn., etw. von oben nach unten / zum Sprechenden]
schicken; -schießen <st. V.): l.a) von oben nach unten
I zum Sprechenden] schießen <ha t>: der Gangster schoß vom
Dach herunter; b) etw.. was sich auf etw. befindet, durch
Schießen entfernen (hat): die Spatzen vom Dach h. 2.a)
sich äußerst heftig u. schnell nach unten bewegen: Sie schoß
über den letzten Steilhang ... herunter (Maegerlein. Piste
79); b) (ugs.) mit großer Eile u. Heftigkeit nach unten
laufen; -schlagen <st. V.): 1. durch Schlagen gewaltsam
nach unten holen <hat>: Kastanien vom Baum h. 2. nach
unten wenden <hat>: die Hutkrempe h. 3. (landsch.) (von
Personen) herunterfallen (a) <ist); -schleichen <st. V.)
(ugs.): a) von oben nach unten [ zum Sprechenden] schleichen
<ist>; b) <h. + sich) sich von oben nach unten [zutn
Sprechenden] schleichen <hat>; -schlucken <sw. V.; hat): vgl.
hinunterschlucken; -schmeißen <st. V.; hat) (ugs.): svw. t -werfen
(1-3); -schneiden <unr. V.; hat) (ugs.): svw. tabschneiden
da); -schnurren <st. V.; hat) (salopp): einen [auswendig
gelernten] Text hastig u. ohne Betonung vortragen;
-schrauben <sw. V.; hat): 1. durch Schrauben die Höhe einer Sache
verringern: er schraubte das Licht der Lampe (= der
Petroleumlampe) ein wenig herunter (verkürzte den beweglichen
Docht u. verminderte dadurch die Leuchtkraft; Kirst, 08/15.
358); Ü seine Ansprüche h. (in seinen Ansprüchen
bescheidener] werden). 2, <h. + sich) (von einem Flugzeug o.a.)
in schraubender Bewegung herunterkommen: das Flugzeug
schraubt sich herunter; -schütten <sw. V.; hat): von oben
nach unten [zum Sprechenden] schütten; -schwingen <st.
V.): 1. <h. + sich) sich von oben nach unten [ zum
Sprechenden] schwingen <hat). 2. (Ski) in Schwüngen von oben nach
unten [zum Sprechenden] fahren <ist>: Er schwang so schön
und zugleich so traumhaft herunter, mit vorbildlich
schmaler Bretterführung (Maegerlein. Piste 100); -segeln <sw.
V.; ist) (ugs.): vgl. -fallen (a); -sehen <st. V.; hat): 1.
von einer höhergelegenen Stelle nach unten [zum
Sprechenden] selten: vom Turm h. 2. jmdn. von Kopf bis Fuß /
kritisch J mustern: an jmdm. h. 3. jmdn. mit Geringschätzung
betrachten: auf jmdn. h.; -sein <unr. V.; ist; nur im Inf.
u. Part, zusammengeschrieben) (ugs.): 1. heruntergelassen
sein; unten sein: In der Frühe, als die Jalousien noch
herunter sind (Fries. Weg 275). 2. am Ende seiner Kräfte
sein: völlig mit den Nerven h. 3. auf eine geringere Höhe
gesunken sein: am nächsten Tag war das Fieber wieder
herunter. 4. durch schlechtes Wirtschaften kaum od. keinen
Gewinn mehr bringen: die Firma, der Hof ist total herunter;
-setzen <sw. V.; hat) (ugs.): svw. therabsetzen; -sinken
<st. V.; ist) (ugs.): von oben nach unten [zum Sprechenden]
sinken; -sollen <unr. V.; hat) (ugs.): vgl. -dürfen; -spielen
<sw. V.; hat) (ugs.): 1. ein Musikstück ohne innere
Beteiligung u. völlig ausdruckslos spielen. 2. bewußt als
unbedeutende, geringfügige Angelegenheit darstellen: die ... Behörden
spielen die Affäre herunter (Spiegel 38.1974.49); -springen
<st. V.; ist): 1. von oben nach unten /zum Sprechenden]
springen: vom Podium h. 2. (ugs.) nach unten eilen; schnell,
eilig herunterlaufen; -steigen <st. V.; ist): von oben nach
unten [zum Sprechenden] steigen: vom Berg h.; -stoßen
<st. V.; hat): jmdn., etw. von oben nach unten stoßen;
-streifen <sw. V.; hat): etw. nach unten streifen: -stürzen <st.
V.): l.a) von oben nach unten [zum Sprechenden] stürzen
Ost); b)<h. + sich) sich von oben nach unten [zum
Sprechenden] stürzen <hat). 2. (ugs.) gehetzt nach unten eilen <ist).
3. etw. Flüssiges schnell, mit großen, hastigen Schlucken
zu sich nehmen: HerrGitzler stürzte den Inhalt des Glases,
ohne abzusetzen, herunter (Langgässer. Siegel 262);
-tragen <st. V.; hat): von oben nach unten I zum Sprechenden I
1215
hervor
tränen: -transformieren <sw. V.; hat) (Jargon):
(elektrischen Strom) durch Transformieren auf eine geringere
Spannung bringen: -tropfen <sw. V.; ist): in Tropfen nach unten
fallen: immer stärker tropfte das Wasser herunter; ^werfen
<sw. V.; hat): 1. etw. von oben nach unten I zum
Sprechenden] werfen. 2. (ugs.) (unabsichtlich) herunterfallen lassen.
3. (ugs.) vgl. hinunterwerfen; -wirtschafte« <sw. V.; hat)
(ugs.): svw. Tabwirtschaften (b); -wollen <unr. V.; hat)
(ugs.): vgl. ^dürfen; -würgen <sw. V.; hat) (ugs.): etw..
meist Festes, mit Mühe schlucken, essen: Ü manches im
Leben hat er h. müssen (obwohl es ihm schwerfiel, ohtie
Widerspruch hinnehmen müssen: Spoerl. Maulkorb 11);
-zerren <sw. V.; hat): 1. jtndn.. etw. von oben nach unten
izum Sprechenden! zerren. 2. jmdn.. etw. durch Zerren
von etw. entfernen: ich zerrte die Krawatte herunter (Sim-
mel. Stoff 155); -ziehen <unr. V.): 1. <hat> a) von oben
nach unten [zum SprechetidenJ ziehen: die Rollos waren
heruntergezogen; b) etw. auf eine niedrigere Höhe bringen,
ein Stück nach unten ziehen: die Hose h.; er zog spöttisch
die Mundwinkel herunter; c) etw. durch Wegziehen
entfernen: bitte, ziehen Sie den Stiefel mit einem Ruck herunter
(Plievier. Stalingrad 98). 2. <ist> a) von einem
höhergelegenen Wohnort nach unten ziehen: ins Tal h.; Ü sie sind
vor einem Jahr von Hamburg [nach München]
heruntergezogen (von dem auf der Landkarte oben liegenden Hamburg
in den Süden des Landes gezogen): b) von einer [oberhalb
des Sprechenden gelegenen] Stelle nach unten ziehen, sich
stetig fortbewegen: die Musikkapelle zog die Straße
herunter. 3. <h. + sich) von einer [oberhalb des Sprechenden
gelegenen) Stelle nach unten verlaufen (hat): der Weg zieht
sich bis zum See herunter. 4. jmdn. durch einen bestimmten
Einfluß auf eine geistig, moralisch od. sozial niedrigere Ebene
ziehen <hat).
hervor [he?'fo:?l <Adv.) [älter: her für. mhd. her vür. zu T her
u. T für] (geh.): 1. von einer entfernt im Hintergrund gelegenen
Stelle nach vorn /zum Sprechenden]. 2. aus dem Inneren,
zwischen, unter Bedeckendem heraus [zum Sprechenden]:
h. mit euch!; (als Verstärkung der Präp. ..aus":) vielleicht
beobachteten mich langst aus einem Trichter h. zwei andere
Augen (Remarque. Westen 149).
hervor-« Hervor-: -angeh (sw. V.; hat) (ugs.): svw. T^holen:
Krawattke tauchte bereitwillig unter die Pritsche und
angelte dort das Nachtgeschirr hervor (Kirst. 08/15. 815);
-blicken (sw. V.; hat): hinter, unter, zwischen etw. nach
draußen blicken: -brechen (st. V.; ist) (geh.): plötzlich /in
großer Menge, in großer Zahl] mit Vehemenz zum Vorschein
kommen: der Tiger brach plötzlich aus dem Gebüsch
hervor. 2. (von Gefühlsäußerungen) spontan u. heftig zum
Ausdruck kommen, sich äußern: ein ... klares
Gerechtigkeitsgefühl, das bei jeder Gelegenheit hervorbricht (Sieburg. Blick
12). 3. etw. Bedeckendes durchbrechen und sichtbar werden:
die ersten Schneeglöckchen brechen hervor; die Quelle,
die am Anfang der Wege hervorbrach (Langgässer. Siegel
144); ^bringen (unr. V.; hat): 1. unter, zwischen etw.
herausholen, zum Vorschein bringen. 2.a) aus sich heraus wachsen
u. sich entwickeln lassen: viele Blüten h.; der Baum bringt
unzählige Früchte hervor; Ü die Stadt hat große Musiker
hervorgebracht; b) aus eigener schöpferischer Leistung
entstehen lassen: der Dichter brachte bedeutende Werke
hervor; Der Regisseur. Roberto Rossellini. hat unter dem
Faschismus nur Mittelmäßiges hervorgebracht (K. Mann.
Wendepunkt 423). 3. (Laute. Töne) in bestimmter, oft
mühsamer, nicht flüssiger Art u. Weise von sich geben:
etw. schüchtern, leise, zögernd, stotternd, unter Weinen
h.; er brachte kein Wort hervor (konnte vor Aufregung
o.a. nichts sagen): -bringung. die; -. -en: das
Hervorgebrachte (2 b): Sein erster Roman... war mir lieb und
bedeutsam vor allen anderen -en neuer amerikanischer Literatur
(K. Mann. Wendepunkt 318); -drangen (sw. V.; hat):
aus dem Hintergrund, aus Verborgenem nach vorn [zum
Sprechenden drängen: -dringen (st. V.; ist) (geh.): etw.
Bedeckemies durchdringen: aus dem Inneren von etw. mch
außen dringen: -gehen (unr. V.; ist) (geh.): 1. in etw. seinen
Ursprung haben: aus der Ehe gingen drei Kinder hervor;
mehrere bedeutende Künstler und Politiker gingen aus
dieser Stadt hervor. 2. sich allmählich stufenweise unter
bestimmten Bedingungen, durch bestimmte Einwirkungen
entwickeln: Bei vernünftiger Handhabung geht eines aus
dem anderen hervor, nur muß eben die Rangfolge beachtet
bleiben (Mantel. Wald 102). 3. sich am Emie von etw.
in einer bestimmten, positiv zu wertenden Lage.
Beschaffenheit befinden: aus einem Wettkampf siegreich h.;
Frankreich, das aus den napoleonischen Eroberungskriegen
nahezu ungerupft hervorging (Augstein. Spiegelungen 101).
4. sich als Folgerung aus etw. ergeben: sich einer Sache
entnehmen lassen: aus dem Brief, aus der Antwort geht
hervor, daß ...; wie aus dem Zusammenhang hervorgeht,
geht es ihm sehr schlecht; -gucken (sw. V.; hat): 1. svw.
t ^blicken. 2. hinter, unter, zwischen etw. herausgucken (2):
Seine Haare guckten strähnig unter dem Hut hervor (Jens.
Mann 79); -heben (st. V.; hat): Gewicht. Nachdruck auf
etw. legen: etw. nachdrücklich betonen, unterstreichen, dazu:
-hebung, die: das Hervorheben: -holen (sw. V.; hat): unter,
zwischenetw.herausholend a); -kehren(sw. V.; hat)(geh.):
1. in auffallender, aufdringlicher Weise zeigen. 2. svw.
T herauskehren; -keimen (sw. V.; ist): als Keim durch die
Erdoberfläche dringen: -klauben (sw. V.; hat) (landsch.):
unter, zwischen etw. herausklauben: -kommen (st. V.; ist):
hinter, unter, zwischen etw. herauskommen da); -kramen
(st. V.; hat) (ugs.): durch Kramen finden u. herausholen
da); -kriechen (st. V.; ist): hinter, unter, zwischen etw.
herauskriechen: -leuchten (sw. V.; hat): hinter, unter,
zwischen etw. leuchtetid sichtbar sein: -locken (sw. V.: hat):
l.jmdn.. ein Tier aus seiner schützenden Umgebung, seinem
Versteck o.a. locken. 2. svw. Therauslocken (2); -kigen
(sw. V.; hat) (landsch.. sonst dichter.): svw. t ^gucken;
-quellen (st. V.; ist): 1. unter, zwischen etw. herausquellen
(1): Und dann quollen Tränen unter den geschlossenen
Lidern hervor (Hausmann. Abel 61); unter dem Hut quoll
ihr Haar hervor. 2. svw. f herausquellen (2); -ragen (st.
V.; hat) /vgl. ^ragend/: 1. unter, zwischen etw. herausragen
(1): Er bemerkte, daß ein Bein der Hose keinen Fuß hatte.
Ein schmutziger, splittriger Holzstumpf ragte statt dessen
darunter hervor (Remarque. Triomphe 424). 2. svw. t
herausragen (2): Unter ... den Leitern der Opposition ragt
Carl Friedrich Goerdeler als Persönlichkeit hervor
(Rothfels. Opposition 93); Alle Datierung im frühen Babylon
geschah nach einem hervorragenden Ereignis, das im
vergangenen Jahre stattgefunden hatte (Ceram. Götter
355); -ragend (Adj.): durch Begabung. Können od. Qualität
hervorstechend: jmdm.. etw. Vergleichbarem weit überlegen:
ein -er Redner; einer der -sten Wissenschaftler auf diesem
Gebiet; eine -e Qualität. Leistung; er ist ein -er
Schauspieler; der Wein ist h.; der Apparat arbeitet, funktioniert
h.; seine Leute sind h. geschulte, germanische Söldner
(Thieß. Reich 525); (subst.:) er hat Hervorragendes
geleistet; -rücken (sw. V.; hat) (selten): etw. aus dem
Hintergrund, etw.. was hinter etw. verborgen ist. nach vorn I zum
Sprechenden] rücken: ^nif. der: durch starken, anhaltenden
Beifall bewirktes Herauskommen auf die Bühne u.
Verbeugen eines Künstlers: auch nach der letzten Zugabe gab
es noch zahlreiche -e; -rufen (st. V.; hat): 1. aus dem
Hintergrund nach vorn rufen: der Pianist wurde nach jedem
Stück mehrmals hervorgerufen (durch Beifall veranlaßt,
auf das Podium zu kommen u. den Beifall
entgegenzunehmen). 2. absichtlich od. unabsichtlich bewirken, daß als
Folge von etw. ein bestimmter Sachverhalt zustande kommt,
ein bestimmtes Ereignis eintritt: Aufregung. Erstaunen.
Empörung. Verwunderung. Unbehagen. Unwillen h.; er
rief durch seine Äußerung großes Mißfallen hervor; seine
Worte riefen Heiterkeit bei den Zuhörern, allgemeines
Gelächter hervor, diese Krankheit wird durch einen Virus
hervorgerufen; -schauen (sw. V.; hat) (landsch.): 1. svw.
t ^blicken. 2. hinter, unter, zwischen etw. herausschauen
(lb); -scheinen (st. V.; hat): vgl. ^leuchten; -schießen
(st. V.): 1. hinter, unter, zwischen etw. heraus ]zum
Sprechenden] schießen: aus dem Hintergrund, von hinten nach
vorn schießen (hat): hinter der Hecke h. 2.a) pfeilschnell
aus dem Hintergrund, von hinten nach vorn / zum
Sprechenden] kommen: hinter, zwischen etw. pfeilschnell
herauskommen (ist): hinter der Planke der Badeanstalt schoß ein
Boot hervor (Fallada. Herr 100); b) plötzlich zum Vorschein
kommen, auftauchen, auf den Plan treten: Überall schießen
die 'Ideen* hervor, mit denen sich nichts ... anfangen läßt
(Gehlen. Zeitalter 58); ^schimmern (sw. V.; hat): hinter,
unter, zwischen etw. schimmernd sichtbar sein: -schnellen
(sw. V.; ist):hinter, unter, zwischen etw. heraus /zum
Sprechenden] schnellen: aus dem Hintergrund, von hinten nach
vorn [zum Sprechenden] schnellen: -sehen (st. V.; hat):
jein Stück] unter etw.. bes. einer Bekleidung, zu sehen
1216
Herz
sein: stets sahen unter seiner ... Soutane schwarzseidene
Strümpfe und Lackschuhe hervor (Th. Mann. Krull 76);
-sprießen <st. V.; ist): aus etw. sprießen; -springen <st.
V.; ist): 1. hinter, unter, zwischen etw. heraus /zum
Sprechenden] springen: hinter der Tür h. 2. von einer ebenen
Fläche abrupt in auffallender Weise stark hervortreten (2 c):
Aus seinem glatt rasierten Gesicht ... sprang die Nase
ungewöhnlich waagrecht hervor (Th. Mann. Hoheit 159);
-sprudeln <sw. V.): 1. svw. T heraussprudeln (1) <ist>. 2.
svw. theraussprudeln (2) <hat): Rumpier sprudelte
abermals seinen ... haarsträubenden Bericht hervor (Kirst.
08/15. 186); -stechen <st. V.; hat): 1. spitz aus etw.
herausstehen: die Schulterblätter stachen unter der Haut hervor
(Simmel. Affäre 109). 2- sich deutlich, scharf abgegrenzt
u. abrupt von etw. abheben: leuchtende Farben, die aus
dem Dunkel hervorstechen; hervorstechende Merkmale.
Eigenschaften; -stehen <unr. V.; hat): nach außen, nach
vorn stehen: -stoßen <st. V.): 1. svw. t ^treten (2c):
Archaische Formen (= des Gesichts), aus denen Mund u. Kinn
negerhaft weiblich hervorstießen (Jahnn, Geschichten 165).
2. svw. t herausstoßen (2): Die letzte Frage hatte er in
ganz anderem Ton hervorgestoßen, fast drohend (Fallada.
Herr 128); -strecken <sw. V.; hat): hinter, unter, zwischen
etw. herausstrecken: -strömen <sw. V.; ist): hinter, unter,
zwischen etw. herausströmen; -stürzen <sw. V.; ist): hinter,
unter, zwischen etw. heraus /zum Sprechenden] stürzen;
-suchen <sw. V.; hat): etw. unter anderen Dingen suchen
u. zum Vorschein bringen; -tauchen <sw. V.; ist) (selten):
svw. tauftauchen (1); -trauen, sich <sw. V.; hat): sich
trauen hervorzukommen; -treiben <sw. V.; hat): svw. T
heraustreiben (2): die Wahrnehmung der Leiden meines
Genossen trieb ungeahnte Ausbrüche blutrünstiger Wildheit
aus mir hervor (Zwerenz. Kopf 218); -treten <st. V.; ist):
1. hinter, aus. unter, zwischen etw. nach vorn treten: hinter
dem Vorhang h.; eine seltsame Gestalt trat aus dem Dunkel
hervor; Ü (geh.:) die Sonne trat aus den Wolken hervor.
2.a) deutlich sichtbar, erkennbar werden: etw. tritt deutlich,
stark hervor; Die Ähnlichkeit (= Constantins) mit Daphne
tritt... mit großer Deutlichkeit hervor (A. Kolb. Daphne
187); b) sich von etw. abheben de): Deutlich treten die
Umrisse der Berge hervor (Trenker. Helden 171); c) aus
etw. Ebenmäßigem als Erhebung o. ä. hervorkotnmen: seine
Backenknochen traten deutlicher hervor als sonst (Ott.
Haie 112); an den Schläfen hervortretende Adern. 3.a)
mit etw. an die Öffentlichkeit treten: der junge Autor ist
jetzt mit einem Roman hervorgetreten; b) in einer
bestimmten Eigenscfuift in der Öffentlichkeit auftreten (3 b) u. sich
hervortun: Erika Pluhar ist auch als Chansonsängerin
hervorgetreten; ^tun <unr. V.; hat): 1. (selten) heraustun: Da
sah Jaakob. wie sie hervortat aus ihrem Kasten ... Kleider.
Hemd und Kittel (Th. Mann. Joseph 206). 2. <h. + sich)
a) etw. Besonderes leisten, so daß es Vergleichbares
übertrifft: sich sehr, nicht sonderlich h.; er hat sich als
Mathematiker hervorgetan; b) bewußt auf die eigenen Fähigkeiten
aufmerksam tnachen. sie zeigen, damit wichtig tun: Anstatt
dich mit einer ernsten Arbeit zu befassen, heckst du einen
ganz und gar verrückten Schwindel aus. nur um dich
billig hervorzutun (Werfel. Bernadette 164); -wachsen <st.
V.; ist): svw. T herauswachsen (1): aus dem Gestein, dem
Sand h.; Ü das Hauptwerk einer organischen
Handschriftengruppe, deren Bildschmuck aus der spätantiken
Tradition hervorwächst (Bild. Kunst I. 65); -wagen, sich <sw.
V.; hat): wagen, aus dem Hintergrund, hinter Schützendem.
Verbergendem nach vorn, an die Öffentlichkeit zu kommen;
-würgen <sw. V.; hat): svw. t herauswürgen; -zaubern <sw.
V.; hat): wie durch Zauberei hervorbringen (1); ^zerren
<sw. V.; hat): hinter, unter, zwischen etw. herauszerren;
-ziehen <unr. V.; hat): hinter, unter, zwischen etw.
herausziehen da).
Herz [hert$l. das; -ens (med. gelegtl. stark gebeugt: des Her-
zes. dem Herz), -en [mhd. herz(e). ahd. herza]: 1. a) Organ,
das den Blutkreislauf durch regelmäßige Zusammenziehung
u. Dehnung antreibt u. in Gang hält: ein gesundes, kräftiges,
gutes, schwaches H.; das H. schlagt [regelmäßig], klopft,
pocht, hämmert, flattert; sein H. hat versagt, arbeitet nicht
mehr; ihr H. ist angegriffen, nicht ganz in Ordnung; Der
Wärter fühlte, wie sein H. in schweren, unregelmäßigen
Schlägen ging (Hauptmann. Thiel 17); das H. wäre ihm
fast zersprungen, wollte ihm zerspringen vor Freude (geh.;
er war freudig erregt); ihm stockte das H. vor Schreck
(geh.; er erschrak heftig); vor Angst schlug ihr das H.
bis zum Hals [hinauf); sein H. krampfte sich bei dem
Anblick zusammen; der Arzt hat das H. untersucht,
abgehorcht; ein H. verpflanzen; die Transplantation eines -ens;
sie hat es schon seit Jahren am Herzten], mit dem Herzten]
(ugs.; ist herzkrank); jmdn. ans. an sein H. drücken (geh.;
an sich, an die Brust drücken, umarmen); die Kugel traf
ihn [mitten] ins H.; Ü er hat schon viele Herzen gebrochen
(oft Erfolg bei Frauen gehabt); *jmdm. dreht sich das
H. im Leibje] herum (jmd. ist über etw. bekümmert, von
etw. schmerzlich berührt [u. darüber empört]); jmdm. blutet
dasH. (jmdm. tut etw. sehr leid. jmd. ist von etw. schmerzlich
berührt u. voller Mitleid): beim Anblick der hungernden
Kinder blutete ihm das H.; jmdm* lacht das H. im Leibte]
(jmd. ist über etw. sehr erfreut, von etw. freudig angetan);
jmdm. rutscht, fallt das H. in die Hose[n] (ugs.. oft scherzh.;
jmd. bekommt in einer bestimmten Situation plötzlich Angst,
verliert den Mut. wird mutlos); das, jmds. H. höher schlagen
lassen (jmdn. in freudige Erregung. Erwartung. Spannung
versetzen; bei jmdm. Freude. Begeisterung auslösen): der
Anblick ließ sein H.. ließ die -en höher schlagen; jmdm.
das H. brechen (geh.; jmdm. soviel Kummer bereiten, daß
er daran stirbt; jmdm. die Lebenskraft rauben): der tragische
Tod des einzigen Kindes brach ihr das H.: das H. auf
dem rechten Fleck haben (eine vernünftige, richtige
Einstellung haben; ein tüchtiger, hilfsbereiter, uneigennütziger
Mensch sein); das H. in die Hand/in beide Hände nehmen
(seinenganzen Mut zusammennehmen, sich überwinden / um
etw. Unangenehmes in Angriff zu nehmen, einer
unangenehmen Sache zu begegnen, sie durchzustehen]); jmdn. auf
H. und Nieren prüfen (ugs.; jmdn. gründlich, eingehend
prüfen; nach Psalm 7, 10); jmdn. (ein Kind) unter dem
-en tragen (dichter.; ein Kind erwarten, schwanger sein):
das Unglück geschah in der Zeit, als sie ein Kind, ihr
erstes Kind, ihren Sohn unter dem -en trug; b) als Speise
dienendes Herz (1 a) bestimmter Schlachttiere: ein Pfund
H. kaufen; es gab [gedünstetes] H. in Burgundersoße. 2,
(meist geh.) in der Vorstellung dem Herzen (1 a)
zugeordnetes, in ihm lokalisiert gedachtes Zentrum der Empfindungen,
des Gefüfds. auch des Mutes u. der Entschlossenheit; Gemüt;
Mut: ein gütiges, gutes, treues, fröhliches, mutiges,
tapferes, warmes (gütiges), goldenes (treues), edles
(großmütiges), weiches (mitleidiges), kaltes (gefühlloses), hartes
(mitleidloses) H.; ihr H. ist aus Stein (sie ist mitleidlos,
ohne Mitempfinden); Sein H. war angefüllt gewesen mit
gespannter Freude (er war freudig erregt, voll freudiger
Spannung; Feuchtwanger. Erfolg 536); sein Schicksal
rührte, bewegte, ergriff die -en der Menschen; er wollte nicht
sagen, was ihm das H. bedrückte; obwohl das Thema
sein H. bedrängt (Werfel. Bernadette 265); Halte dein
H. im Zaum (bezähme dich, dein Gefühl) ... und wirf
nicht dein Auge auf eines anderen Habe (Th. Mann. Tod
u.a. Erzählungen 224); diese Frau hat kein H. (ist herz-,
mitleid-. gefühllos); er hat das H. eines Löwen (er ist
sehr mutig, tapfer); er steht ihrem -en sehr nahe (sie
empfindet sehr viel für ihn); er nahm traurigen -ens (traurig)
Abschied; kannst du das reinen/(veraltend:) reines -ens
(mit gutem Gewissen) behaupten?; im Grunde seines -ens
(im Innersten) hatte er das schon immer verabscheut;
Das war eine Verheißung, die sich den Menschen ins H.
grub Uns Innerste drang; Feuchtwanger. Erfolg 542); Er
wollte ja diese verstockte junge Frau wohl nur ins H.
treffen (sie im Innersten anrühren, treffen; Musil. Mann
1354); seine Worte kamen von -en (waren aufrichtig, ehrlich
gemeint); R man kann einem Menschen nicht ins H. sehen
(es läßt sich nie genau ergründen, was ein anderer denkt,
fühlt); Spr wes das H. voll ist. des geht der Mund über
(wenn jmd. von etw. sehr angetan, berührt, begeistert ist.
dann muß er es auch zum Ausdruck bringen; nach der
Lutherschen Übers, von Matth. 12. 34); *ein H. und eine
Seele sein (unzertrennlich, sehr einig miteinander sein; nach
Apostelgeschichte 4. 32); jmds. H. hängt an etw. (jmd.
möchte etw. sehr gerne haben, behalten): laß ihm doch
das Spielzeug, wenn sein H. so sehr daran hängt; jmds.
H. gehört einer Sache (geh.; jmds. Interesse ist ganz auf
etw. gerichtet; jmd. betreibt etw. mit Leidenschaft, lebt
für etw.): sein H. gehört der Musik, dem Fußball; jmdm.
ist, wird das H. schwer (jmd. ist. wird sehr traurig, hat
großen Kummer); alles, was das H. begehrt (alles, was
man sich wünscht, was man nur haben möchte, wozu man
77 GDW
1217
-herz
Lust hat); nicht das H. haben, etw. zu tun (es nicht über
sich bringen, nicht den Mut haben, sich nicht trauen, etw.
zu tun): er hatte nicht das H.. ihr die Nachricht zu
überbringen; (auch ohne Verneinung:) komm nur her. wenn du
das H. [dazu] hast; sich (Dativ) ein H. fassen (all seinen
Mut zusammennehmen, sich überwinden / um etw.
Unangenehmes zu tun, in Angriff zu nehmen]); sein H. an imdn.,
etw. hängen (geh.; jmdm., einer Sache seine ganze Liebe
zuwenden; sich gefühlsmäßig stark an imdn. binden, sich
einer Sache ganz widmen, hingeben); sein H. an imdn. verlie-
ren (geh.; sich in imdn. verlieben): jmdm. sein H. schenken
(dichter.; imdn. sehr lieben, jmdm. seine ganze Liebe
zuwenden): Hier ... war ihm erlaubt.... sein H. einem
bewunderten, älteren, klügeren Freunde zu schenken (Hesse. Narziß
40); sein H. [für etw.) entdecken (geh.; eine Leidenschaft
Iftir etw. ] entwickeln* sich I plötzlich J /für etw. J begeistern;
nach dem Lustspiel ..Sie hat ihr Herz entdeckt" von
Wolfgang Müller von Königswinter. 186S): erst in späteren
Jahren entdeckte er sein H. für die Kunst; ein H. für
imdn- etw. haben (freundliches Interesse, Sympathie für
imdn., etw. haben; jmdm. freundlich gesinnt, imdm.
gegenüber mitfühleml, hilfsbereit sein): er hatte schon immer
ein H. für Kinder, für die Armen, für die Welt des Theaters;
jmdm. sein H. ausschütten (sich imdtn. anvertrauen, ihm
sein Leid klagen, seine Not. seine Sorgen schildern; nach
1. Sam. 1. IS); jmdm. das H. schwermachen (imdn. traurig
machen, ihm großen Kummer bereiten): das H. auf der
Zunge haben (immer alles mitteilen, frei über alles reden,
was einen bewegt, bedrückt); die/alle -en im Sturm erobern
(geh.; schnell die Sympathie der Menschen gewinnen, schnell
bei allen beliebt sein); seinem -en einen Stoß geben (sich
nach längerem Zögern. Zaudern, nach einiger
Zurückhaltung, Unentschlossenheit in einem raschen Entschluß zu etw.
überwinden); seinem -en Luft machen (ugs.; sich über etw.,
was einen ärgert, mit einiger Heftigkeit äußern): leichten
-ens (ohne sich überwinden zu müssen, ohne daß es einem
schwerfällt; leicht): da konnte er leichten -ens zustimmen;
schweren -ens (nur sehr ungern; mit Bekümmernis, großer
Sorge): sie ließ das Kind nur schweren -ens allein
weggehen; imdm. am -en liegen (für imdn. ganz persönlich von
großer Wichtigkeit sein): die Kinder und ihre Erziehung
liegen ihm besonders am -en; jmdm. ans H. legen (jmds.
besonderem Interesse anempfehlen; in jmds. persönliche
Obhut geben): vor der Abreise legte sie ihm noch einmal
die Blumen, die Pflege der Blumen ans H.; imdm. ans
H. gewachsen sein (jmdm. besonders lieb geworden sein,
ihm besonders nahestehen); etw. auf dem -en haben (ein
persönliches Anliegen haben, das auszusprechen,
vorzubringen nicht ganz leichtfällt): na. was hast du denn auf dem
-en?; imdm. aus dem -en gesprochen sein (jmds. Meinung.
Ansicht genau entsprechen; ganz in jmds. Sinne sein): was
du da sagst, ist mir [ganz] aus dem -en gesprochen; aus
seinem -en keine Mördergrube machen (ohne Scheu,
freiheraus, aufrichtig sagen, was man denkt; offen von etw.
sprechen; kein Hehl aus etw. machen; frei nach der Lutherschen
Übers, von Matth. 21. 13); aus tiefstem -en (geh.; sehr,
aufrichtig): etw. aus tiefstem -en bedauern, verabscheuen;
sieh in die -en [der Menschen] stehlen (geh.; die Sympathie.
Zuneigung vieler gewinnen); imdn. ins/in sein H. schließen
(imdn. liebgewinnen, eine starke Zuneigung zu jmdm.
fassen); imdn. ins H. treffen (ugs.; imdn. zutiefst verletzen,
ihn im Innersten treffen, tief kränken): dieser Vorwurf seines
besten Freundes traf ihn ins H.; mit H. und Hand (veraltet;
sowohl mit herzlicher Zuneigung wie mit entsprechenden
Handlungen; voll u. ganz; aus dem Gedicht „Mein
Vaterland" von HofTmann von Fallersleben, 1839); mit halbem
-en (geh.; ohne rechte innere Beteiligung, mit wenig Interesse;
nicht voll hinter eitler Sache stehend; halbherzig): Schon
seit Anfang des Jahres waren viele der Redakteure nur
noch mit halbem -en bei der gewohnten Arbeit (Leonhard.
Revolution 270); er gab seine Zustimmung nur mit halbem
-en; es nicht übers H. bringen, etw. mUmies nicht
fertigbringen, nicht imstande sein, sich nicht entschließen können,
etw. zu tun. was einen andern traurig tnachen. ihm schaden
könnte o.a.): er brachte es nicht übers H.. dem Kind
das Spielzeug wegzunehmen; sich (Dativ) etw. vom -en
reden (geh.; sich dadurch Erleichterung verscltaffen. daß
man das, was einen bedrückt, bewegt, einem anderen
mitteilt): er mußte sich einmal seinen Kummer vom -en reden;
von -en gern (sehr gern, recht gern): von ganzem -en (1.
sehr herzlich, aufrichtig: ich danke dir von ganzem -en
für deine Hilfe; sie wünschte ihm von ganzem -en alles
Gute. 2. aus voller Überzeugung: dazu kann ich von ganzem
-en ja sagen; nach Matth. 22. 37); sich <Dativ> etw. zu
-en nehmen (sich etw. gut merken u. entsprechend handeln;
einen Rat, eine Weisung o.a. ernst nehmen u. befolgen;
etw. beherzigen; etw. schwernehmen; nach 2. Sam. 13. 20):
Nehmen Sie sich diesen Unsinn nur nicht zu -en. Madame
(Langgässer, Siegel 461). 3. (Kosewort) geliebte Person,
Liebling (meist in der Anrede): ..Du verwöhnst mich viel
zu sehr, mein H.!" sagte er lächelnd (Wendtland. Eisprin-
zeßchen 41). 4. a) zentraler innerster Teil von höheren
Pflanzen: das H. des Salats hat die zartesten Blätter; b) innerster
Bereich von etw.; Zentrum, Mittelpunkt: die Hauptstadt
ist das H. des Landes; ... befinden sich doch die
sogenannten Ministerien von Pankow... im -en von Berlin (Dönhoff.
Ära 68). 5. <Vkl. f Herzchen) Figur, Gegenstand in
Herzform: schokoladene -en; ein H. aus Marzipan, aus
Lebkuchen; an einer Kette trug sie ein kleines H. aus Gold:
ein H. zeichnen, malen; den Teig ausrollen und -en
ausstechen; * Tränendes H. [strauchartige] Pflanze mit roten,
herzförmigen, in langen Trauben hängenden Blüten;
Herzblume). 6.a) <o. Art.; o. PI.) [dritthöchste] Farbe
im Kartenspiel, Cctur: H. sticht, ist Trumpf; nach diesem
Stich hätte er H. ziehen, spielen müssen; b) <P1. Herz)
Spiel mit Karten, bei dem Herz (6 a) Trumpf ist: er hat
[ein] H. ohne zwei gespielt; dieses H. wirst du verlieren;
c) <PI. Herz) Spielkarte mit Herz (6 a) als Farbe: er hat
sein einziges H. abgeworfen; er hat noch mindestens drei
H. auf der Hand.
-herz,das; -ens. -en: Grundwort in Zus. mit einem
substantivischen Best., das eine Person in bezug auf ihre
seelisch-geistigen Regungen meint: das liebende Mutterherz (die
liebende Mutter); da freut sich ein Anglerherz (da freut
sich ein Amier).
h?rz-, H$rz- (vgl. auch: herzens-. Herzens-): Miktion, die:
vgl. -tätigkeit. dazu: -aktionsstrom, der (meist PI.) (Med.):
das EKG zeichnet den Verlauf der Herzaktionsströme
auf; -allerliebst <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (veraltend):
sehr lieb, ganz allerliebst: ein -es Kind. Bübchen; <subst.:)
-allerliebst^ der u. die (veraltet): Liebste/rj, Geliebte! r/;
Minfall, der: mit Beklemmung, Angstgefühlen, Atemnot,
Schmerzen einhergehende, plötzlich einsetzende
Unregelmäßigkeit der Herztätigkeit: einen H. bekommen, erleiden;
einem H. erliegen; -angst.die <o. PI.) (volkst.): svw. t
Angina pectoris; -anomalie, die; -as, das: 2As (1) der Farbe
Herz (6 a); -asthma, das: bei Herzkranken auftretendes
Asthma; -attacke, die: svw. t-anfall; -automatismus, der
(Med.): Fähigkeit des Herzens, eigenständig in rhythmischer
Tätigkeit zu sein; -bad, das: speziell für Herzkranke
geeigneter Badeort (vor allem mit kohlendioxydhaltiger
Heilquelle): -beklemmend <Adj.; nicht adv.): in beängstigender
Weise beklemmend, bedrückend, beengend: es herrschte eine
-e Atmosphäre; -beklemmung, die: vom Herzen
ausgehende, sich am Herzen bemerkbar machende Beklemmung;
Angina pectoris; Stenokardie; -beschwerten <PL>: durch das
Herz (z. B. durch die Unregelmäßigkeit der Herztätigkeit)
verursachte Beschwerden; -beutel, der (Anat.): (bei
Mensch. Wirbeltieren u. verschiedenen anderen Tierarten)
mit einer Flüssigkeit gefüllte äußere Hülle des Herzens;
Perikard, dazu: -beutelentzündung, die (Med.): svw. t
Perikarditis; -bewegend <Adj.>: Rührung hervorrufend; ergrei-
fend: eine -e Geschichte; ein -er Brief; etwas h. erzählen,
vortragen; -binkerl [-bmkel], das; -s.'-[n] [2. Bestandteil
Vkl. zu TBinkel (1)] (bayr.. österr. ugs.): svw. f-blatt (3);
-blatt, das: 1. <Vkl. -blättchen) (Gartenbau) inneres,
junges, noch nicht voll entwickeltes Blatt einer Pflanze: die
Herzblätter sind hellgrün und noch ganz zart. 2. (Vkl.
-blättchen) (Kosewort) geliebte Person, bes. Kind, das man
ganz besonders gern hat; Liebling (meist in der Anrede):
jmds. H. sein: was willst du denn noch haben, mein H.?:
-blättchen, das: t-blatt (1.2); -blättrig <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.) (Bot.): mit herzförmigen Blättern: ein -es
Kleeblatt; -block, der <P1. -blocke; selten) (Med.): (auf einer
Unterbrechung der Erregungsleitung im Herzen beruhende
Störung der Herztätigkeit, wobei in bestimmten Fällen
Vorhöfe u. Kammern des Herzens völlig unabhängig
voneinander in einem eigenen Rhythmus schlagen; -Mume, die:
svw. tTränendes Herz (2); -Mut, das [mhd. herzebluotl
bes. in den Wendungen sein H. für imdn., etw. hingeben
1218
herz-, Herz-
(geh.; sich ganz für jmdn.. etw. einsetzen, aufopfern): etw.
mit seinem H. schreiben (geh.; etw. mit großem innerem
Engagement schreiben): sie hat das Buch, diesen Brief mit
ihrem H. geschrieben; -bräune, die (volkst.): svw. t Angina
pectoris; -brechend <Adj.> (geh.): vgl. ^bewegend: es
wurde eine -e Saxophonmelodie daraus (Baum. Paris 14);
sie weinte, seufzte h.; -bruder, der: svw. T Herzensbruder;
-bube, der: Bube (2) der Farbe Herz (6 a); -Chirurg, der:
Chirurg, der sich auf die Herzchirurgie spezialisiert hat;
-Chirurgie, die: spezielles Gebiet der Chirurgie, das sich
mit den operativen Eingriffen am Herzen befaßt; -dame,
die: Dame (2 b) der Farbe Herz (6 a); -drücken in der
Wendung nicht an H. sterben (ugs.; frei über alles, bes.
auch Unangenehmes reden; seine Meinung ohne Hemmungen
äußern): -enge, die <o. PI.) (volkst.): svw. T Angina pectoris;
-entzündung, die: svw. T Karditis; -erfreuend <Adj.; nicht
adv.): innerlich froh stimmend, sehr erfreuend; -erfrischend
<Adj.): sehr angenehm, natürlich u. dabei anregend wirkend;
erfreulich ungekünstelt u. belebend: sie hat eine -e Art.
Natürlichkeit; das war ein -er Spaß; das Gespräch mit
ihm war geradezu h.; sie lachte so h., daß er mitlachen
mußte; -ergreifend <Adj.>: sehr ergreifend, nahegehend;
im Innersten anrühretid: ein -e Szene, Geschichte; sie hat
[ganz] h. geweint; -erhebend <Adj.; nicht adv.) (geh.):
sehr erhebend, erbaulich; -erquickend <Adj.>: vgl.
^erfrischend; -erschütternd <Adj.) (geh.): vgl. ^ergreifend;
-erweichend <Adj>: vgl. -ergreifend: ein -er Anblick;
Erweiterung, die: Erweiterung* Vergrößerung des Herzens (vor
allem als Folge ungewöfinlicher körperlicher Belastung, z. B.
beim Hochleistungssport); -ffiule, die: Pflanzenkrankheit,
bei der die Herzblätter vergilben u. abfallen; -fehler, der:
Abweichung vom nonnalen Bau des Herzens, die zu
Störungen der Herztätigkeit führt: einen H. haben, operieren;
-flattern, das; -s: unregelmäßige Herztätigkeit; -flimmern,
das; -s: a) rasche u. unregelmäßige Herztätigkeit; b) (Med.)
vom Eigenrhythmus des Herzens abweichende Bewegungen
zahlreicher Fasern od. Fasergruppen des Herzmuskels mit
unregelmäßiger Herzschlagfolge u. Ausfall der Pumpleistung
des betroffenen Herzabschnitts od. des ganzen Herzens;
-form, die: Form (eines Gegenstands), die mit zwei
symmetrisch in einer Spitze auslaufenden Rundungen der Form
des Herzens (1 a) ähnlich ist: ein Lebkuchen in H.; -förmig
<AdJ.; o. Steig.; nicht adv.): Herzform aufweisend: ein
-es Blumenbeet. Blatt; -frequenz, die (Med.): Anzahl der
Herzschläge in der Minute; -funktion, die (Med.), eine
Prüfung der H.. dazu: -fiinktionsstörung, die; -gegend.
die <o. PL): Umgebung des Herzens: die H. abhorchen;
er hat Schmerzen in der H.; -geliebt <Adj.; o. Steig.;
nur attr): sehr, innig geliebt (geh.): -es Brüderchen;
-gerttusch, das <oft PI.) (Med.): neben den normalen Herztönen
auftretende Geräusche der Herztätigkeit, die auf eine
krankhafte Veränderung hindeuten; -gespann, das [mhd. herzge-
span. früher als Heilpflanze gegen das Herzgespann
gebraucht, eine Krankheit, die man sich als eine Spannung
der das Herz umgebenden Haut vorstellte!: auf
Schuttplatzen u. an Wegrändern wachsetides Unkraut mit kleinen
rötlichen od. blaßrosa Blüten; -gewinnend <Adj.) (geh.):
Sympathie, Zuneigung erweckend; sehr gewinnend,
liebenswert, sympathisch: ein -es Wesen; h. lachen; -grübe, die:
svw. t Magengrube; -hypertrophie. die (Med.): Zunahme
der Herzmuskulatur u. damit der Größe u. des Gewichts
des Herzens bei länger andauernder, vermehrter
Beanspruchung (z. B. beim Hochleistungssport); -infarkt, der:
Zerstörung von Gewebe des Herzmuskels durch Verstopfung
der Herzkranzgefäße u. dadurch unterbrochener Versorgung
mit Blut: er hatte schon zwei -e; er erlag einem H.; er
ist an einem H. gestorben; -innenhaut, die: svw.
tEndokard, dazu: - innenhau teotzündung, die: svw. f
Endokarditis; -jnnig <Adj.) (veraltend): sehr innig, sehr herzlich,
tiefempfunden: das war ihr -ster Wunsch; sich h. umarmen,
verabschieden; -jnniglich <Adj.) [mhd. herzeinneclich]
(veraltend): svw. f -innig; -Insuffizienz, die (Med.):
unzureichende Pumpleistung des Herzmuskels;
Herzmuskelinsuffizienz, Koronarinsuffizienz, Herzschwäche; -lagen, das;
-s: svw. tTachykardie; -Jesu-Bild, das: Andachtsbild, auf
dem Jesus mit dem Herzen auf der Brust dargestellt ist,
das von einer Gloriole umstrahlt od. von Dornen umwunden
ist fu. aus dem Flammen schlagen]; -kanuner, die: in je
einer der beiden voneinander getrennten Hälften des Herzens
gelegener, von starken Muskeln gebildeter Hohlraum;
Ventrikel: die rechte, linke H.; -katheter, der (Med.): der
Untersuchung des Herzens dienende, dünne, biegsame Sonde,
die durch ein entfernt vom Herzen gelegenes Blutgefäß (meist
eine Vene) eingeführt u. bis ins Herz vorgeschoben wird;
-katheterisierung.die, -katheterismus [-katetensmos], der;
- (Med.): Untersuchung des Herzens mit Hilfe eines
Herzkatheters; -kirsche, die [nach der herzförmigen Rundung]:
Süßkirsche mit meist dunkelrotem, saftigem Fruchtfleisch;
-klappe, die: klappenartige, wie ein Ventil den Blutstrom
steuernde Gewebsbildung im Herzen, dazu: -klappendefekt,
der (Med.), -klappenentzündung, die (Med.), -klappenfeh-
ler, der (Med.); -klaps, der [zu f Klaps od. volkst. gek.
aus tKollaps] (ugs.): Herzkollaps, -versagen, -schlag: er
bekam vor Schreck fast einen H.; -klopfen, das; -s:
verstärktes, beschleunigtes Schlagen des Herzens: starkes,
heftiges H. haben, bekommen; sie sah den entscheidenden
StundenmitH. (mit einiger Aufregung) entgegen: -knacks,
der (ugs.): Herzfehler; -kohl, der (landsch.): svw. t Wirsing;
-kollaps, der: svw. t-versagen; -könig, der: König (2 b)
der Farbe Herz (6 a): den H. ausspielen; Ü als sich
herausstellt, daß der von Mama auserwählte Favorit das krasse
Gegenteil von Jennifers eigenem H. (Geliebten) ist (Bild
u. Funk 16.1966,45); -krampf, der: krampfartige
Erscheinung am Herzen (bes. bei Angina pectoris); -krank <Adj.;
o. Steig.; nicht adv.): an einer Herzkrankheit leidend: -e
Patienten; er ist seit Jahren h.; -krankheit, die: Erkrankung
des Herzens; -kranzgeffiß, das (meist PL): Blutgefäß des
Herzens, das die Muskulatur des Herzens mit Blut versorgt;
Koronargefäß; -Kreislauf-Erkrankung, die (Med.):
krankhafte Veränderung des Herzens u. der Schlagader, bes. der
Herzkranzgejäße (z.B. Herzinfarkt, Angina pectoris.
Schlaganfall); -kurve, die: svw. tKardioide; -land, das
<o. PI.): als Mittelpunkt für etw. geltendes, zentral gelegenes
Land; -leiden, das: vgl. -krankheit; -leidend <Adj.;
o. Steig.; nicht adv.): vgl. -krank; -Ikbste, der u. die: vgl.
-allerliebste; -los <Adj.; -er. -este) [mhd. herze lös]: kein
Mitleid zeigend; ohne Mitgefühl; gefühllos, hart: ein -er
Mensch; eine -e Tat; das war sehr h. von ihm; h. handeln,
dazu: -losigkeit, die; -. -en: a) <o. PI.) das Herzlossein,
herzlose Haltung, herzloses Verhalten: seine
Handlungsweise zeugt von großer H.; b) herzlose Bemerkung, Handlung:
solche -en war er allmählich von ihr gewöhnt; -Lungen-
Maschine, die: medizinisches Gerät, das als künstlicher
Ersatz für den natürlichen Körperkreislauf des Blutes für
kürzere Zeit die Funktion des Herzens u. der Lunge übernehmen
kann; -massage, die: rhythmisches Zusammendrücken.
Pressen des Herzens, um die Herztätigkeit
aufrechtzuerhalten od. wieder in Gang zu bringen (bes. als Maßnahme
der Ersten Hilfe); -mittel, das (ugs.): Arzneimittel zur
Stärkung des Herzens, der Herztätigkeit, des Kreislaufs;
Kardiakum; -muschel. die: [eßbare] Muschel mit rundlich
herzförmigen, stark gerippten Schalen; -muskel, der:
zwischen der Innenhaut u. dem Herzbeutel gelegene Muskel-
Schicht. Muskelgewebe des Herzens; Myokard, dazu: ^mus-
kelentzündung, die (Med.): svw. TMyokarditis,
-muskelschwäche, die (Med.), -muskelstörung, die (Med.); -musku-
btur, die (Anat.): vgl. -muskel; -nah <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.): in unmittelbarer Nähe des Herzens gelegen:
-e Gefäße. Blutadern; -neurose, die (Med.): mit einer
panischen Angst [ vor einem Stillstehen des Herzens]
verbundenes, anfallweise auftretendes, heftiges Herzklopfen;
Phrenokardie; Kardiothymie; -Operation, die: operativer Eingriff
am Herzen; -patient, der: an einer Herzkrankheit leidender
od. am Herzen operierter Patient; -Periode, die (Med.):
(regelmäßig wiederkehrende) Phase der Herztätigkeit, die
Zusammenziehung u. Dehnung. Kontraktion u. Erschlaffung
umfaßt (Systole u. Diastole); -punkt, der (geh.):
wesentlicher, wichtigster Punkt; etw.. worauf es ankommt; Kern-
punkt: diese Lösung hängt sogar mit dem H. des
Evangeliums zusammen (Thielicke. Ich glaube 198); -rhythmus.
der (Med.): Schlagrhythmus des Herzens;
Zusammenziehung. Kontraktion u. Erweiterung. Erschlaffung des
Herzmuskels in ihrer exakten zeitlichen Abfolge (Systole u.
Diastole), dazu: -rhythmusstörung, die (Med.); -Schädigung,
die (Med.); -Scheidewand, die (Med.): Scheidewand
zwischen linker u. rechter Herzkammer; -schlag, der: La)
durch Zusammenziehung, Kontraktion der Herzmuskulatur
entstehender Schlag des Herzens: ihr Herz ging so heftig,
daß sie glaubte, alle Anwesenden müßten ihre Herzschläge
vernehmen; er hatte einen H. lang (geh.; für einen Augen-
77*
1219
Herzchen
blick) das Gefühl, dies alles schon einmal erlebt zu haben;
für eines -s Länge (geh.; für eine ganz kurze Zeit) war
sie wunschlos glücklich (Wendtland. Eisprinzeßchen 6);
b) <o. PI.) rhythmische Abfolge der Herzschläge (1 a);
Herzschlagfolge: einen langsamen, beschleunigten H. haben;
sein H. stockte, setzte für einen Augenblick aus; U
der H. (geh.; das pulsierende Leben) einer Großstadt;
Camöes hat Ihnen etwas von seinem starken H. (geh.;
seiner Lebenskraft) gegeben (Schneider. Leiden 110). 2.
zum Tod führender plötzlicher Ausfall der Herztätigkeit:
einen H. erleiden; einem H. erliegen; Die Eltern tot. vom
H. hingerafft (K. Mann. Wendepunkt434). zu 1 b:
-schlagfolge, die: Unregelmäßigkeiten der H. (Medizin II. 295);
-schmerz, der <meist PL): vom Herzen ausgehender
od. mit ihm zusammenhängender Schmerz; -Schrittmacher,
der: 1. (Anat.) Teil des Herzens, von dem die elektrische
Erregung für jeden Herzschlag (1 a) ausgeht. 2. (Med.) [in
den Körper implantiertes] durch Batterien betriebenes Gerät,
das bei schweren Störungen der Herztätigkeit die
elektrischen Impulse zur periodischen Reizung der Herzmuskulatur
liefert; -schwäche, die: svw. f -insufllzienz; -Senkung, die
(Med.): Senkung des Herzens ohne krankhaften organischen
Befund. Kardioptose; -Spender, der: Verstorbener, dessen
Herz bei einer Herztransplantation in den Körper eines
lebenden Herzkranken, dessen Herz vorher entfernt wurde,
eingepflanzt wird; -Spezialist, der: Facharzt mit
Spezialkenntnissen auf dem Teilgebiet der Medizin, das sich mit
der Funktion u. den Erkrankungen des Herzens befaßt;
Kardiologe; -stärkend <AdJ.; o. Steig.; nur attr.): die
Herztätigkeit unterstützend, stärkend: ein -es Mittel; -Stärkung,
die <o. PL): zur H. nahm sie eine Arznei, dazu:
-Stärkungsmittel, das: svw. Nmittel; -stich, der <meist PL): kurz
anhaltender, stechender Schmerz in der Herzgegend, der
bes. bei starker körperlicher Anstrengung auftritt;
-stillstand, der (Med.): Aufhören. Unterbrechung der
Herztätigkeit; -stolpern, das; -s: unregelmäßige Herztätigkeit, bei
der die Empfindung entsteht, der Herzschlag würde kurz
hängenbleiben u. dann rasch weitergehen: -stück, das (geh.):
wesentlicher, wichtigster Teil; etw.% Teilstück, auf das es
ankommt; Kernstück: dieser Thermic-Regler - das H. -
ist durch Patente gesichert (Kosmos 3. 1965, 79); -tampo-
nade, die (Med.): tamponartiger Verschluß des Herzbeutels
durch Blutgerinnsel: -tätigkeit, die: Arbeit. Tätigkeit des
Herzens, durch die das Blut in die Arterien gepumpt wird;
^tod, der: innerhalb kürzester Zeit durch den plötzlichen
Ausfall der Herztätigkeit herbeigeführter Tod; ^ton, der
<meist PL) (Med.): vom Herzen ausgehendes, durch die
Herztätigkeit verursachtes, regelmäßig sich wiederholendes
Geräusch : die Herztöne des Patienten wurden immer
schwächer; -transplantation, die: operative Übertragung.
Verpflanzung des Herzens eines Vertorbenen in den Körper
eines lebenden Menschen, dessen erkranktes Herz dabei
operativ entfernt wird; -tropfen <PL): Medizin gegen
Herzbeschwerden, die in Tropfenform eingenommen wird;
^Verfettung, die: vgl. Fettherz; -Vergrößerung, die: svw. t-hy-
pertrophie; -Verpflanzung, die: svw. t-transplantation;
-versagen, das; -s: Aufhören. Unterbrechung od. starke
Verminderung der Herztätigkeit; Die junge Frau starb an H.
(Hörzu2.1971.11); -weh, das [2: mhd. herzewe]: 1.
(veraltet) svw. t ^schmerzen. 2. (geh.) großer Kummer. Schmerz;
tiefes Leid; -wirksam <AdJ.; nicht adv.): bei bestimmten
Herzkrankheiten günstig auf das Herz, die Herztätigkeit
einwirkend: Die -en Glykoside aus der Digitalisdroge
(Medizin II. 199); das Mittel ist nicht speziell h.; -zerreißend
<Adj.>: tiefstes Mitgefühl. Mitleid erweckend; jammervoll,
erschütternd: eine -e Abschiedsszene; sie weinte [ganzl h.;
(iron.:) das ist h.. ein Mensch ohne Vernunft (Hacks,
Stücke 170).
Herzchen [her^pn]. das; -s. -: J. (abwertend) naive,
ahnungslose Person; allzu gutgläubiger Mensch: du bist mir
vielleicht ein H.. wie konntest du ihm nur das viele Geld
anvertrauen. 2. Kosewort, auch spött.: das Leben ist ein
ganz verzwicktes Geschäft, mein H. (Baldwin [Übers.].
Welt 369); Herze ['her&al. das; -ns, -n (dichter., veraltet):
svw. f Herz (2): ein stolzes, treues, gläubiges H.; Herzeleid,
das; -[eis (geh., veraltend): großer seelischer Schmerz.
Kummer: tiefes Leid: Kummer und H. hatten ihre Spuren
in seinem Gesicht hinterlassen; herzen ['her^n] <sw. V.;
hat) [mhd. herzen = mit einem Herz versehen] (veraltet):
liebevoll umarmen; liebkosend an sich, ans Herz drücken:
sie herzte ihre Kinder; Du ... bist Jaakob. mein
Schwestersohn, das ist nachgewiesen. Laß dich h. (Th. Mann, Joseph
242); sie herzten und küßten sich.
Herzens-, Herzens- (vgl. auch: herz-, Herz-): -angelegenheit,
die: etw,. was für jmdn. ganz persönlich von großer
Wichtigkeit ist. wasjmdm. besonders am Herzen liegt: meine große
Liebe und wahre H., meine Passion ... blieb Europa (K.
Mann, Wendepunkt 187); sie hat eine besondere Vorliebe
für die-en (Liebesdinge, -angelegenheiten) anderer Leute;
-angst, die (geh.): große Angst. Furcht: in all ihrer H.
wußte sie nicht, wohin sie sich wenden sollte; -bedürfnis,
das in der Verbindung imdm. [ein] H. sein (geh.; für jmdn.
ganz persönlich von großer Wichtigkeit sein; jmdm. ein
inneres Bedürfnis sein): die Reise zu ihrer Mutter war
ihr ein H.; -bildung, die <o. PL) (geh.): feines Gefühl. Be-
fahigtsein für den verständnisvollen, taktvollen Umgang mit
Menschen: Wichtig ist nicht die ... Oberschulbildung,
sondern die H. (Hörzu 51. 1974. 96); -brechen der:
Mann, der [beneidenswert] viel Erfolg bei Frauen hat:
charmanter H. und Liebling der Frauen (Quick 2. 1959,
23); -bruder, der (veraltet): 1. Bruder, an dem man besonders
hängt. 2. Freund, zu dem man eine besonders enge Beziehung
hat; -bund, der (geh.): auf herzlicher Zuneigung beruhender
lBund zwischen zwei Menschen: einen H. schließen; -dieb,
der (veraltend scherzh.): vgl. -brechen -ergießung, die.
-erguß, der (geh., veraltend): sehr persönliches, meist
wortreiches, überschwenglich formuliertes Bekenntnis; -freude,
die: große, tiefempfundene Freude; -freund, der (veraltend):
sehr vertrauter Freund; Freund, zu dem man eine besonders
enge Beziehung hat; -freundin, die: w. Form zu T -freund;
-grund, der in der Fügung aus H. (aus voller Überzeugung:
aus tiefstem Herzen): jmdn., etw. aus H. lieben, verachten,
hassen; sie seufzte aus H.; -gut [auch: '—'-] <Adj.; o.
Steig.; nicht adv.) [mhd. herzeguot]: von uneingeschränkt
herzlicher, gütiger Art; sehr gutmütig u. dabei oft etw*.
unkritisch: meine Gastgeber waren -e Leute; Dieser biedere
Mensch, von dem ich nur sagen kann, daß er ebenso
hartnäckig wie h. ist (Böll. Schweigen 94); -gute, die (geh.):
große, von Herzlichkeit geprägte Güte; -junge, der
(Kosewort): vgl. -kind; -kind, das (Kosewort): Kind, das man
ganz besonders gern hat; Liebling; -hist, die in der Fügung
nach H. (ganz nach Wunsch, nach Belieben; ganz wie man
will, wie man es sich wünscht): während der Ferien konnten
sie dort nach H. schlafen, spielen, schalten und walten;
Da saßen sie alle ... und tafelten nach H. (Kusenberg.
Mal 114); -netgung, die (geh.): von Gefühlswärme bestimmte
innere Neigung; -not, die (geh.): große innere Bedrängnis.
Notlage. Zwangslage: er habe Höfel in seiner H.
alleingelassen (Apitz, Wölfe 135); -quäl, die (geh.): vgl. ^not; -sache,
die: vgl. -angelegenheit; * jmdm, [eine] H. sein (für jmdn.
ganz persönlich von großer Wichtigkeit sein; jmdm. ein
besonderes Anliegen sein): deshalb war ihm die Betreuung
der antifaschistischen Literatur eine H. (K. Mann.
Wendepunkt 276); -trost, der (geh.): Trost für ein unglückliches
Herz; ^Verhärtung, die (geh.): Herzlosigkeit. Mitleidlosig-
keit; -wärme, die <o. PL) (geh.): Herzlichkeit, herzliche
Ausstrahlung; Warmherzigkeit; -wünsch, der: sehnlichster,
innigst gehegter Wunsch: eine solche Reise zu machen
war schon immer sein H., ein H. von ihm.
herzhaft <Adj.; -er, -este) [mhd. herzehaft = mutig;
besonnen, verständig]: l.a) (veraltend) beherzt, mutig,
unerschrocken, entschlossen: Sehen hat mit einem -en Entschluß
nicht viel zu tun (Chr. Wolf. Nachdenken 164); er sah
dem Gegner h. ins Auge; b) von beträchtlicher Heftigkeit.
Festigkeit. Größe. Stärke o.a.. von gehörigem Ausmaß;
ordentlich, tüchtig, kräftig, gehörig: ein -er Händedruck,
Kuß; ein -es Lachen; einen -en Schluck nehmen; ein -er
Spaß: sie packten alle h. zu; er gähnte laut und h.
(Sebastian, Krankenhaus 88). 2. nahrhaft, gehaltvoll; von
kräftigem, würzigem Geschmack: ein -es Frühstück. Essen; der
Eintopf war. schmeckte sehr h.; <subst.:) er ißt gern etwas
Herzhaftes; herzig ['her&if] <Adj.>: durch besonderen
Liebreiz. Anmut. Niedlichkeit o. ä. Gefallen erregend; reizend,
lieb, liebenswert: ein -es Kind. Kleidchen; Dabei rümpfte
sie ihr -es Stumpfnäschen (Kisch. Reporter 106); ist die
Kleine nicht h.?; sie lacht, plappert so h.; herzlich <AdJ.)
[mhd. herze(n)Iich]: l.a) Warrnherzigkeit. eine von innen
kommende Freundlichkeit besitzend, ausstrahlend, zeigend;
voller Gefühlswärme u. liebevoll entgegenkommend: -e
Worte; es war ein glücklicher Abend ... die Menschen waren
1220
Heterokarpie
-en Wesens (Koeppen. Rußland 113); -e Blicke; ein -es
Lächeln; -es Entgegenkommen zeigen; er war sehr h. zu
mir; sie waren, standen sehr h. miteinander; wir wurden
h. empfangen; b) dem innersten Gefühl entsprechend;
aufrichtig, ehrlich gemeint; von Herzen kommend: -en Anteil
an jmds. Schicksal nehmen; mit jener sonderbaren
Mischung von -em Mitfühlen und kalter Beobachtung (Hesse.
Narziß 266); nun habe ich noch eine -e (dringende, mir
am Herzen liegende) Bitte: sein Gruß war. klang nicht
gerade h.; Jmdn. h. beglückwünschen; sich h. bei jmdm.
bedanken; die Verleihung des Ordens .... zu welcher Papa
und ich Dir h. gratulieren (Th. Mann. Krull 400); häufig
in Gruß-. Dank-, Wunsch formein: -e Grüße; -en Dank.
Glückwunsch; -es Beileid; als Briefschluß: h. Dein ...;
herzlichst Euer ... 2. (intensivierend bei Adj. u. Verben) (oft
vorwurfsvoll-ablehnend) sehr; recht, ziemlich, überaus: der
Vortrag war h. langweilig, schlecht; das ist h. wenig; h.
gern!; das süße, durchsichtig schimmernde Honiggold der
Steine entzückte mich so h.. daß ... (Th. Mann. Krull
157); als er das hörte, mußte er h. lachen; <Abl. zu 1:>
Herzlichkeit, die; -: a) von innen kommende Freundlichkeit;
herzliches (1 a) Wesen. Entgegenkommen: Die ungewohnte
H.. die ihm hier entgegenschlug, machte ihn verlegen
(Kirst.08/15. 348); b) Aufrichtigkeit. Echtheit. Ehrlichkeit;
herzlichen b) Art.tr zweifelte an derH. ihrer Anteilnahme.
Herzog fhertßo:k]. der; -s. Herzöge ['hert£0:gd]f seltener:
-e [mhd. herzöge, ahd. herizogo; urspr. = Heerführer,
zusgez. aus ahd. heri = THeer u. -zogo. zu t ziehen]: 1.
(hist.) a) (in germanischer Zeit) für die Dauer eines
Kriegszugs gewählter od. durch Los bestimmter Heerführer; b)
(von der Merowingerzeit an) über mehrere Grafen gesetzter
königlicher Amtsträger mit zunächst vorwiegend
militärischen Aufgaben, später zum Teil stammesherrschaftlichen
Befugnissen fu. Unabhängigkeit vom König/. 2.a) <o. PI.)
Adelstitel eines Angehörigen des hohen Adels im Rang
zwischen König u. Fürst (als Bestandteil des Familiennamens
hinter dem Vornamen stehend): der Besitz H. Meiningens.
des -s [von] Meiningen; Anschrift: Herrn Friedrich H.
[von] Meiningen; Briefanrede: sehr geehrter Herr H. [vonl
Meiningen; b) Angehöriger des hohen Adels im Rang
zwischen König u. Fürst; Träger des Adelstitels Herzog (2 a):
der H. kommt; die deutschen Herzöge; sie traf mit
mehreren Herzögen Europas zusammen; Herzogin, die; -. -nen
[mhd. herzoginnel: 1. w. Form zu T Herzog. 2. Frau eines
Herzogs; <Zus :> H^rzoginmgtter.die <P1. -mütter);
herzoglich <Adj.; o. Steig.; nur attr.): einen Herzog, den Titel
od. Stand eines Herzogs betreffend, zu ihm gehörend, ihm
zustehend: die -e Familie; -er Besitz; das -e Wappen;
Herzogshut, der; -[eis. -hüte (hist.): ähnlich der Königskrone
bei bestimmten Zeremonien getragene Kopfbedeckung eines
Herzogs in Gestalt einer Purpurkappe; Herzogswürde, die;
-: mit dem Titel, den Ehren, den Befugnissen eines Herzogs
verbundener Rang: Herzogtum« das; -s. -tümer [-ty:mB;
mhd.. spätahd. herzog(en)tuom]: Territorium mit einem
Herzog als Oberhaupt; Besitz. Amts-. Herrschaftsbereich
eines Herzogs.
herzu [he?'tßu:] (Adv.) [mhd. her zuo. ahd. hera (hara)
zuo. ther u. tzu] (geh.): von einer entfernt liegenden Stelle
auf den Sprechenden zu; [hierjher.
herzu- (geh.): ^eilen <sw. V.; ist): von einer entfernt liegefiden
Stelle auf den Sprechenden zueilen: Matthieu eilte herzu,
nahm ihn in die Arme (Jahnn. Nacht 136); -kommen
<st. V.; ist): von einer entfernt liegenden Stelle auf den
Sprechenden zukommen; -treten <st. V.; ist): von einer
entfernt liegenden Stelle auf den Sprechenden zutreten: Die
Aufseherin trat herzu, und ich nahm den Hut und bezahlte
(Seghers. Transit 259).
herzynisch [her't£y:niH <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [nach
dem antiken Namen Hercynia Silva (= Herzynischer
Wald) für das deutsche Mittelgebirge! (Geol.): (vom Bau
der Erdkruste) parallel zum Harznordrand von Nordwesten
nach Südosten verlaufend.
Hesperiden [hespe'ri:dn] <P1.) [griech. Hesperides. eigtl. =
Töchter des Westens]: weibliche Sagengestalten in der
griechischen Mythologie. Hüterinnen der goldenen Äpfel im
Garten der Götter; Hesperidin [hesperi'di:n], das; -s [1828
von dem frz. Apotheker Lebreton entdeckt u. nach den
Äpfeln der Hesperiden benannt] (Chemie. Med.): in den
Fruchtschalen von Orangen vorkommendes, in Wasser
schwer lösliches Glykosid mit hemmender Wirkung auf die
Gewebsdurchlässigkeit; Hesperien [hEspe:ipn] <P1.) [lat.
Hesperia < griech. hesp&ia = Westen, zu: hespörios =
abendlich, westlich] (im Altertum dichter.): Land gegen
Westen (bes. Italienu. Spanien); Hesperos ['hesperos].
Hesperos [hesperus], der;-[lat. Hesperus. Hesperos < griech.
hesperos]: der Abendstern in der griechischen Mythologie.
Hessian fhesian]. das; -[s] [engl, hessian. eigtl. = hessisch.
Hesse; wohl nach der engl.-amerikan. Bez. hessian flir
einen groben, ungeschlachten Menschen]: grobes naturfar-
benes Jutegewebe in Leinwandbindung, das bes. für Säcke
verwendet wird.
Hesychasmus [hezy'^asmos], der; - [zu griech. hesyche =
ruhig, still, zu: hesychäzein = ruhen, (bei etwas)
verharren]: im orthodoxen Mönchtum der Ostkirche eine mystische
Bewegung, die durch stille Konzentration das göttliche Licht
zuschauen sucht; Hesydifst, der; -en. -en [griech. hesycha-
stes]: Anhänger des Hesychasmus.
Hetäre [he't€:ra], die; -. -n [griech. hetaira. eigtl. =
Gefährtin]: 1. in der Antike meist hochgebildete, oft politisch ein-
flu/Jreiche Freundin. Geliebte bedeutender Männer. 2. (bil-
dungsspr.) Prostituierte. Freudenmädchen; Hetftrie
[hete'ri:]. die; -. -n [...i:an; griech. hetairefa]: [altjgrie-
chische (meist geheime) politische Verbindung.
hetero['he:tero.auch:'he...]<Adj.;o. Steig.; nurpräd.Xugs.):
kurz für theterosexuell (Ggs.: homo): dieses Mädchen
ist h.; hetero-, Hetero-. (vor Vokalen auch.) heter-, Heter-
[heterto)-; griech. heteros] <Best. in Zus. mit der Bed.):
atxders. fremd, ungleich, verschieden (z. B. heterogen. Hete-
rosexualität. heterodont); heteroblastisdi [...'blastiJI <AdJ.;
o. Steig.) [t Blastom]: 1. (Bot.) (von Jugend- u. Folgeformen
pflanzlicher Organe) unterschiedlich ausgebildet. 2.
(Mineral.) (von der Korngröße bei metamorphen Gesteinen)
ungleich entwickelt; Heterochromie [...kro'mi:]. die; -. -n
l...i:dn; tChrom] (Med.. Biol.): unterschiedliche Färbung
normalerweise gleichfarbiger Gewebe- od. Organteile (z. B.
der Iris der Augen); Heterochromosom, das; -s. -en (Med..
Biol.): geschlechtsbestimmendes Chromosom; heterodont
[...'dont] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [zu griech. odoüs
(Gen.: odöntos) = Zahn] (Biol.): (vom Gebiß fast aller
Säugetiere) mit verschiedenartigen Zähnen (wie Schneide-.
Eck-. Backenzähnen) ausgestattet; Heterodontie [...dan'ti:].
die; - (Biol.): das Vorhandensein eines heterodonten
Gebisses; heterodox [...'cbks] <AdJ.; o. Steig.; nicht adv.)
[griech. heterödoxos. eigtl. = von anderer Meinung] (Rel.):
von der herrschenden Kirchenlehre abweichend;
andersgläubig; Heterodoxie [...ds'ksi:]. die; -. -n [...i:an; griech.
heterodoxfa = verschiedene, irrige Meinung] (Rel.): Lehre,
die von der offiziellen Kirchenlehre abweicht; Irrlehre; hete-
rofingl <Adj.; o. Steig.) (Philos.): durch einen anderen als
den ursprünglichen Zweck bestimmt; heterogametisdi [...ga-
'me:tij] <Adj.; o. Steig.) [tGamet] (Biol.):
verschiedengeschlechtliche Gameten bildend; Heterogamk. die; - [zu
griech. gämos = Ehe] (Soziol.): Ungleichheit der Partner
bei der Wahl des Gatten, bes. hinsichtlich sozialer Herkunft
u. kultureller Prägung, des Alters, der Konfession o. ä. (Ggs.:
Homqgamie 2); heterogen <Adj.; nicht adv.) [griech.
heterogenes] (bildungsspr.): nicht gleichartig im inneren Aufbau;
uneinheitlich, aus Ungleichartigem zusammengesetzt;
ungleichmäßigaufgebaut; ungleichartig (Ggs.: homogen): eine
-e Masse. Schicht. Gruppe; Österreich mit seinem -en
Länderbesitz (Fraenkel. Staat 18); Heterogenese, die; - (Med.):
anormale, gestörte Gewebsentwicklung; Heterogenität [...ge-
ni'teit]. die; -: Verschiedenartigkeit. Ungleichartigkeit.
Uneinheitlichkeit im Aufbau, in der Zusammensetzung
(Ggs.: Homogenität); Heterogonie [...go'ni:]. die; - [zu
griech. gone = das Entstehen. Erzeugung] (Biol.):
besondere Form des Generationswechsels bei Tieren (z.B. bei
Wasserflöhen), wobei auf eine sich geschlechtlich fortpflan-
zetide Generation eine atidere folgt, die sich aus
unbefruchteten Eiern entwickelt; heterograd [...'gra:t] <Adj.; o. Steig.)
[tGrad] (Statistik): auf Quantitative Unterschiede gerichtet
(Ggs.: homograd): -e Methoden anwenden; Heterognjmm,
das; -s. -e [T-gramm] (Sprachw.): in entlehnten
Schriftsystemen die übernommene Schreibung ganzer fremdsprachlicher
Wortformen, die jedoch in der eigenen Sprache zu lesen
sind; heterograph [...'gra:f) <Adj.; o. Steig.) [f-graph]
(Sprachw.): orthographisch verschieden geschrieben, bes. bei
gleichlautender Aussprächet. B. lock!- Lok); Heterohypno-
se. die; -. -n: Versenkung in Hypnose durch Fremde;
Heterokarpie [...taar'pi:].die;-[zugriech. karpös = Frucht](Bot.):
1221
Heteroklisie
das Auftreten verschiedengestaltiger Früchte bei einem
Pflanzenindividuum; Heteroklisie [...kli'zi:]. die; - Izu griech.
küsis = Deklination. Konjugation] (Sprachw.): Flexion
eines Nomens, bei der verschiedene StammSormen zu einem
Paradigma vereinigt sind (z.B. griech. hepar. Gen.: hepa-
tos); heteroklitisch <AdJ.; o. Steig.) (Sprachw.): (von
Nomen) in den Flexionsformen verschiedene Stämme
aufweisend; Heteroklifon [hete'ro:kliton], das; -s, ...ta [griech.
heteröklitos = von verschiedener Deklination] (Sprachw.):
Nomen, das eine, mehrere od. alle Kasusformen nach
mindestens zwei verschiedenen Deklinationstypen bildet od. bei
dem sich verschiedene Stammformen zu einem Paradigma
ergänzen; heterolog [...'lo:k] <Adj.; o. Steig.) [zu griech.
lögos = Rede. Wort, wissenschaftliche Untersuchung;
Suffix mit der Bed. ..entsprechend"] (bes. Med.): abweichend,
nicht übereinstinvnend. artfremd: 412 Frauen behandelte
er durch -e Insemination (künstliche Befruchtung mit nicht
vom Ehemann stammenden Samen) erfolgreich (Hörzu 45.
1972.173); heteromesiseh [...me:zij] <AdJ.; o. Steig.; nicht
adv.) [zu griech. mesos = mitten] (Geol.): (von Gestein)
in verschiedenen Medien gebildet (Ggs.: isomesisch); Hete-
rometabolk. die; - (Biol.): schrittweise Metamorphose bei
Insekten ohne Puppenstadium; heteromorph [...'morfl <Adj.;
0. Steig.) [griech. heterömorphos] (Chemie. Physik. Biol.):
anders-, verschiedenges faltig; auf andere, verschiedene
Weise gebildet, gestaltet: die h. ausgebildeten Tierformen beim
Generationswechsel; Heteromorphie [...mar'fl:]. die; -. He-
teromorphismus [...iror'fismus]. der. -: 1. (Chemie) bei
manchen Kristallarten auftretende Unstimmigkeit im Aufbau.
2. das Auftreten, Vorhandensein verschiedener Tier- od.
Pflanzenformen innerhalb einer Art; Heteromorphose
[...morfo:z9]. die; -. -n (Biol.): bei Pflanzen u. Tieren auf
tretende Form der Regeneration, bei der an Stelle eines verloren-
gegamenen Teils. Organs ein anders organisiertes,
gestaltetes gebildet wirdiz. B. ein Fühler an Stelle eines Augenstiels
bei bestimmten Krebsen); heteronom [...norm] <AdJ.; o.
Steig.) [zu griech. nömos = Gesetz]: 1. (bildungsspr.)
[verwaltungsmäßig] unselbständig, abhängig; von fremden
Gesetzen abhängend: ein -er Staat. 2. <nicht adv.) (Zool.)
(von bestimmten Tieren) ungleichwertig hinsichtlich der
einzelnen Körperabschnitte (Ggs.: homonom); Heteronomie
[...no'mi:]. die; - [zu griech. nömos = Gesetz]: 1.
(bildungsspr.) / verwaltungsmäßige] Abhängigkeit,
Unselbständigkeit; von außen her bezogene Gesetzgebung. 2. (Philos.)
Abhängigkeit von anderer als der eigenen sittlichen
Gesetzlichkeit. 3. (Zool.) heteronome Gliederung, Ungleichartig-
keit. Ungleichwertigkeit der Abschnitte eines Tierkörpers
(Ggs.: Homonomie); heteronym [.,.'ny:m] <Adj.; o. Steig.)
(Sprachw.): die Heteronymie betreffend; Heteronym, das;
-s. -e [zu griech. önyma = Name] (Sprachw.): 1. Wort,
das von einer anderen Wurzel (einem anderen Stamm)
gebildet ist als ein Wort, mit dem es sachlich eng zusammengehört
(z. B. Schwester - Bruder). 2. Wort, das in einer anderen
Sprache. Mundart od. einem anderen Sprachsystem dasselbe
bedeutet (z. B. dt. Bruder - frz. frere; südd. Samstag -
nordd. Sonnabend); Heteronymie [...ny'mi:]. die; -
(Sprachw.): 1. Bildung sachlich zusammengehörender
Wörter von verschiedenen Wurzeln (Stänvnen). 2. das
Vorhandensein mehrerer Wörter aus verschiedenen Sprachen.
Mundarten od. Sprachsystemen bei gleichbleibender
Bedeutung; heterophag [...'fa:k] <AdJ.; o. Steig.; nicht adv.) [zu
griech. phagetn = essen, fressen] (Biol.; Ggs.: homophag):
1. (von Tieren) sowohl pflanzliche als auch tierische Nahrung
fressend. 2. (von Parasiten) auf verschiedenen Wirtstieren
od. -pflanzen schmarotzend; heterophon [...'fo:n] <Adj.; o.
Steig.; nicht adv.) [griech. heteröphönos = verschieden-
stimmig]: 1. (Musik) im Charakter der Heterophonie. 1.
(Sprachw.) verschieden lautend, bes. bei gleicher Schreibung
(z. B. Schoß Lfo:s] = Mitte des Leibes gegenüber Schoß
Ubs] = junger Trieb); Heterophonie [...fo'ni:]. die; - [griech.
heterophönfa = Verschiedenheit des Tones, der Stimme]
(Musik): auf der Grundlage eines bestimmten Themas
improvisiertes Zusammenspiel von zwei od. mehreren Stimmen,
die tonlich u. rhythmisch völlig selbständig spontan durch
bestimmte Verzierungen vom Thema abweichen (Ggs.:
Unisono); Heterophorie [...fori:], die; - [zu griech. phorä =
das Tragen] (Med.): durch ein Ungleichgewicht in der Span-
nung der Augenmuskeln hervorgerufene vorübergehende
Abweichung eines Auges aus der Parallelstellung; HeterophylUe
[...fv'li:]. die; - [zu griech. phtfllon = Blatt] (Bot.):
verschiedenartige Ausprägung, unterschiedliche Gestaltung der
Laubblätter einer einzelnen Pflanze; heteropisdi [hete-
ro:piil <Adj.; o. Steig.) [zu griech. öpsis = das Sehen;
Aussehen, Erscheinung] (Geol.): (von Gestein) in
verschiedener Fazies (1) vorkommend (Ggs.: isopisch); Heteropbsie
[...pla'zi:]. die; -. -n [...i:an; zu griech. plasis = Bildung.
Form] (Med.): Neubildung von Gewebe von anderer
Beschaffenheit als der des Ursprungsgewebes; Heteroptystik, die;
-. -cn (Med.): svw. tHeterotransplantation; heteroploid
[...plo'i.t] <Adj.; o. Steig.) [geb. nach Tdiploid] (Biol.):
eine von dem normalen Chromosomensatz einer Zelle
abweichende Chromosomenzahl aufweisend; heteropolar <AdJ.;
o. Steig. > (Physik): entgegengesetzt elektrisch geladen (Ggs.:
homöopolar): -e Bindung (Zusammenhalt zweier
Molekülteile durch entgegengesetzte elektrische Ladung beider
Teile); Heterosemie [...ze'mi:]. die; -. -n [...i:an; zu griech.
semeTon = Zeichen] (Sprachw.): unterschiedliche
Bedeutung des gleichen Wortes in verschiedenen Sprachsystemen
(z.B. schnuddelig = obersächs. unsauber, beriin. lecker)'.
HeterosexualitSt, die; - (Sexualk.): sich auf das andere
Geschlecht richtendes sexuelles Empfinden u. Verhalten (Ggs.:
Homosexualität); heterosexuell <AdJ.; o. Steig.): die Hete-
rosexualität betreffend, auf ihr beruhend, fiir sie
charakteristisch: in seinem sexuellen Empfinden u. Verhalten zum
anderen Geschlecht hinneigend (Ggs.: homosexuell): -e
Männer. Frauen; Das Mädchen ... stößt in seiner -en
Beziehung zum Manne auf den großen Unbekannten
(Graber. Psychologie 37); <subst.:) der Heterosexuelle
verhält sich in solchen Fällen genauso wie der Homosexuelle;
Heterosis[hete'ro:zis]. die; - [griech. heterösis =
Veränderung] (Biol.): Auftreten einer im Vergleich zur
Elterngeneration [in bestimmten Merkmalen] leistungsstärkeren
Filialgeneration; Heterosmiejhetenw'mi:]. die; -. -n [...i:an; zu
Thetero- u. griech. osme = Geruch; Geruchssinn] (Med.):
Störung des Geruchssinns; Heterosom [...'zo:m], das; -s. -en
[zugriech, söma = Leib; Körper] (Biol.): svw. tGeschlechts-
chromosom; Heterospennie [...spermi:]. die; - [tSperma]
(Biol.): verschiedenartige Ausbildung der männlichen
Geschlechtszellen bei Individuen derselben Art (z. B. bei
manchen Schnecken u. Schmetterlingen); Heterosphire, die;
- (Met.): der obere Bereich der Atmosp/iäre (etwa ab 100km
Höhe) (Ggs.: Homosphäre); Heterosporen <P1.) (Biol.):
der Größe u. dem Geschlecht nach ungleich differenzierte
Sporen (z.B. bei Famen); Heterosporie [...spo'ri:]. die; -
(Biol.): Ausbildung von Heterosporen; Heterostereotyp, der
od. das; -s. -dn] (meist PI.) (Soziol.): (verhältnismäßig
festgefugtes) Bild, das eine Person od. Personengruppe von einer
anderen Person od. Personengruppe hat; heterothenn
[...'teim] <Adj.; o. Steig.) [zu griech. thermös = warm]
(Zool.): (von Kriechtieren) die eigene Körpertemperatur
der Temperatur der Umgebung angleichend, wechselwarm;
Heterotonie [...to'ni:]. die; -. -n [...i:an; tTonus] (Med.):
Schwankungen des mittleren arteriellen Blutdrucks zwischen
normalen u. erhöhten Werten; Heterotopie [...to'pi:]. die;
-. -n [...i:an; zu griech. topos = Ort. Stelle] (Med.): 1.
an unüblicher Stelle des Körpers od. von Organen
ablaufender Vorgang. 2. Bildung von Gewebe od. Körperteilen an
atypischer Stelle (z.B. von Knorpelgewebe im Hoden);
heterotopisch [ ..'to:piJ] <Adj.; o. Steig.) (Geol): (von
Gestein) in verschiedenen Räumen gebildet (Ggs.: isotopisch);
Heterotranspfauitation. die; -. -en (Med.): Transplantation
von Organen. Gewebeteilen auf ein Lebewesen einer anderen
Art (z.B. vom Tier auf den Menschen; Ggs.:
Homotransplantation); heterotroph [...'tro:fl <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.) [zu griech. trophö = Nahrung] (Biol.): in der
Ernährung auf Körper Substanz od. Stoffwechselprodukte
anderer Organismen angewiesen (Ggs.: autotroph): -e
Pflanzen; Heterotrophie [...troTi:]. die; - (Biol.): Ernährungsweise
heterotropher Organismen; Ernährung durch Aufnahme
organischer Nahrung (Ggs.: Autotrophie); Heterozetesis
[...'lße:tezis]. die; - [zu griech. zetesis = Erwägung]
(Philos.): unkorrekte Beweisführung mit beweisfremden
Argumenten; heterozygot [...t$y'go:t] <AdJ.; o. Steig.; nicht adv.)
[TZygote] (Biol.): mit ungleichartigen mütterlichen u.
väterlichen Erbanlagen versehen; durch Artkreuzung entstanden;
mischerbig (Ggs.: homozygot); Heterozygotie [...^ygoti:].
die; - (Biol.): Mischerbigkeit (Ggs.: Homozygotie).
Hethitokxze Dietito'lo:gd]. der; -n. -n [t-loge; nach dem idg.
Volk der Hethiter, das von etwa 1700-1200 v.Chr. in
Ostkleinasien ein Großreich errichtete]: Wissenschaftler
1222
Heuauf dem Gebiet der Hethitologie; Hethitologie [...lo'gi:].
die; - [T-Iogie]: Wissenschaft von den Hethitern u. den
Sprachen u. Kulturen des alten Kleinasiens.
Hetman ['hetman]. der; -s. -e. auch: -s [poln. hetman <
spätmhd. (ostmd.) häuptmann = Hauptmann] (hist.): 1.
vom König eingesetzter Oberbefehlshaber des Heeres in
Polen u. Litauen. 2. frei gewählter Führer der Kosaken mit
militärischer u. ziviler Befehlsgewalt; vgl. Ataman.
Hetz [hetsl. die; -. -en <P1. selten) [urspr. = Hetzjagd
auf Tiere] (österr. ugs.): Spaß. Vergnügen. Belustigung:
das war eine H.!; Und wenn das alte Schwein gar noch
selber dagewesen wäre .... das hätte erst eine H. gegeben!
(K. Mann, Mephisto 312).
H^tz- (hetzen): -artikel, der (abwertend): ZeitungsarükeL
in dem gegen jmdn.. etw. gehetzt (3). bes. politische Hetze
(2) betrieben wird: zur gleichen Zeit... bringt die katholische
Laienpresse H. (Mostar. Unschuldig 81); -blatt, das
(abwertend): Zeitung. Zeitschrift. Flugschrift o.a.. die
politische Hetze (2) betreibt; ^hund, der: für die Hetzjagd od.
zur Verfolgung von Menschen abgerichteter Hund; ^iagd,
die: 1. (Jagdw.) Jagd jeder Art, bei der Wild, bes.
Schwarzwild mit Hunden gehetzt (1 a) wird: eine H. veranstalten;
Ü Warum hat er dann aber nicht ... die H. auf die Juden
verurteilt? (Hochhuth. Stellvertreter 258. Nachwort);
durch alle Räume des Hauses ging die H. (das Rennen.
Sichjagen, -verfolgen) der Kinder. 2. große Eile. Hast.
Hetze (1): ich möchte diesen Tag einmal ohne H.
verbringen; -kampagne, die (abwertend): Kampagne. Aktion, mit
der massiv gegen jmdn.. etw. gehetzt (3). bes. politische
Hetze (2) betrieben wird; -meldung, die (abwertend): vgl.
Partikel; -organ, das (abwertend): vgl. ^blatt; -parole.
die (meist PI.) (abwertend): schlagwortartig formulierte
hetzende (3) Äußerung; ^peitsche, die: Peitsche, mit der
Tiere od. Menschen gehetzt (1 a) werden: Ü die H. des
Fließbandes; -plakat, das: Hetze (2) verbreitendes Plakat;
-presse, die (abwertend): vgl. -blatt; -Propaganda, die
(abwertend): vgl. ^kampagne: -rede, die (abwertend): zu
etw. aufhetzende (b) Rede; ^schritt (abwertend): vgl.
Partikel; -tirade, die <meist PI.) (abwertend): zu etw.
aufhetzendes (b) Gerede. Geschwätz.
Hetze ['hefes], die; -. -n <P1. selten) [rückgeb. aus t hetzen]:
1. übertriebene Eile, große Hast; das Getriebensein: das
war wieder eine große, schreckliche, furchtbare H. heute;
die H. des Alltags hat sie krank gemacht; in fürchterlicher
H. mußten wir die Kofler packen. 2. <o. PI.) (abwertend)
unsachliche, gehässige, verleumderische, verunglimpfende
Äußerungen u. Handlungen, die Haßgefühle, feindselige
Stimmungen u. Emotionen gegen jmdn., etw. erzeugen: eine
wilde, böse, infame, maßlose, massive H. gegen jmdn.,
ein Land entfesseln, entfachen, betreiben; er wurde durch
planvolle H. ruiniert. 3. (Jägerspr.) svw. t Hetzjagd; hetzen
['het$n] <sw. V.) [mhd., ahd. hetzen; eigtl. = hassen
machen, zum Verfolgen bringen]: 1. <hat) a) vor sich
hertreiben, -jagen; scharf verfolgen: Wild mit Hunden h.; der
Hund hetzt den Hasen; ein Tier zu Tode h.; die Polizei
hetzte den Verbrecher [durch die Straßen]; man hetzte
(jagte) sie mit Hunden vom Hof; Ü der freudlose
Fanatismus, mit dem er ... seine Leute unnachgiebig hetzte {zur
Eile, zu beschleunigter Arbeit o. ä. antrieb; Maass. GoufTe
10); er ist ein gehetzter (rastloser, gejagter) Mensch; b)
(ein Tier. bes. einen abgerichteten Hund) dazu veranlassen,
dazu bringen, auf jmdn. loszugehen, jmdn. zu verfolgen:
er ließ die Wachhunde los und hetzte sie auf den Fremden;
Ü (abwertend:) er hetzte die Polizei auf seinen Nachbarn.
2.a) in großer Eile sein; etw. mit Hast erledigen; hastig
arbeiten; sich bei etw. sehr beeilen, abhetzen <hat>: bei
dieser Arbeit braucht niemand zu h.. wir haben genügend
Zeit; sie hetzt den ganzen Tag ohne auszuruhen; (häufiger
h. + sich:) ..Du sollst dich nicht h.'\ sagt er. ..Es kommt
jetzt auf einen Tag nicht an ..." (Fallada. Mann 123);
b) sich in großer Eile, Hast fortbewegen, irgendwohin
begeben; rennen, hasten, jagen <ist): wir mußten sehr h.. sind
sehr gehetzt, um noch rechtzeitig am Bahnhof zu sein;
durch lange Gänge hetzten die Umsteiger (Fries, Weg
210); er hetzte zur Post; er hetzt von einem Termin zum
andern. 3. <hat> (abwertend) a) Hetze (2) gegen jmdn.,
etw. betreiben; Haß entfachen, schüren; Schmähreden
führen, lästern: 'Olle Ziege', denkt sie böse. 'Immer h. und
stänkern ...' (Fallada. Mann 106); gegen seine Kollegen,
gegen die Regierung h.; b) jmdn. durch Hetze (2) zu etw.
veranlassen, aufstacheln: zum Krieg h.; Revanchisten
hetzen zu Exzessen gegen Marlene Dietrich (Neues D. 20.
6. 64. 4); <Abl.:> Hetzer, der; -s, -: jmd.. der Hetze (2)
betreibt, andere aufwiegelt, zu etw. aufstachelt: Du hast
diese Tat verursacht - gerade du H.! (Bredel. Prüfung
144); Hetzerei [hetsa'r^j], die; -. -en: 1. <o. PI.)
fortwährendes Hetzen (2). übertriebene, als lästig empfundene Eile.
Hast: diese H. am Morgen, bei der Arbeit machte sie
nervös. 2. (ugs. abwertend) a) <o. PI.) fortwährendes,
wiederholtes Hetzen (3). Aufstacheln. Aufwiegeln. Lästern: ich
hatte ... mich gegen die täglich schärfer, törichter und
wilder werdende nationalistische H. gewehrt (Hesse. Step«
penwolf 126); b) hetzerische Äulierung. Handlung: mit
seinen -en [gegen die Regierung] versuchte er das Volk
aufzuwiegeln; hetzerisch <Adj.; meist attr.): Hetze (2)
betreibend, verbreitend; der Hetze (2), Hetzerei (2) dienend:
-e Reden. Schriften. Flugblätter.
Heu [h^y], das, -[e]s [mhd. höu[we], ahd. houwi; verw.
mit f hauen, also eigtl. = das zu Hauende od. das
Gehauene]: 1. getrocknetes Gras, das als Viehfutter verwendet wird:
nasses, duftendes H.; Noch liegt das zweite H. auf den
Hochwiesen (Fr. Wolf. Zwei 135); H. machen (Gras mähen
u. dann trocknen lassen; auch: Heu wenden, ernten, einjähren
o. ä.); sie sind dabei, das H. zu wenden, aufzuladen,
einzufahren; er [verfüttert fast nur H.; im H. schlafen,
übernachten; die Bauern gehen, fahren schon ins H. (ugs.; gehen
schon zum Heumachen): er ist mit ihr ins H. gegangen
(ugs.; in einen Heuschober, auf den Heuboden o.a. zum
Austausch von Zärtlichkeiten o.a.): *sein H. im trockenen
haben (TSchäfchen). 2. (ugs.) [viel] Geld: der hat vielleicht
H.! 3. (Jargon verhüll.) Marihuana.
Hfl]-: -asthma, das: vgl. -schnupfen; -bäum, der: Stange,
die der Länge nach über dem Heuwagen liegt u. der
Befestigung des Heufuders dient; -blume, die <meist PI.): (durch
Sieben) aus dem Heu gewonnenes Gemisch aus Blüten,
Samen u. Pflanzenteilen verschiedener Gräser sowie
Wiesenblumen, das in def Heilkunde verwendet wird, dazu:
-blumenbad, das: Bad mit Absud aus Heublumen zur
Behandlung von Gicht, Rheuma o.a.; -boden, der: 1. Boden-
Iraunt] über den Stallungen o.a. zum Speichern des Heus.
2. (salopp scherzh.) oberster Rang im Theater; -bühne,
die (Schweiz.): svw. t^boden (1); -diele, die (Schweiz.):
svw. Kboden (1);. -ernte, die; -feim, der. -feime, die.
-feimen, der (nordd., md.): vgl. ^schoben -fieber, das:
vgl. ^schnupfen; -forke, die (nordd.): svw. Kgabel; ^fu-
der, das: Ladung des Heuwagens; ^fuhre, die; -gabel, die:
landwirtschaftliches Gerät mit langem Stiel u. drei od. vier
Zinken zum Auflieben o.a. des Heus: mit der H. das Heu
aufladen, aufstecken; -harke, die (nordd.): svw. t -rechen;
-häufen, der; -holer [-ho:lB]. der (Boxen Jargon): seitlich
weit ausholender Schlag mit fast gestrecktem Arm. den
der Gegner frühzeitig erkennen kann; -hüpfer, der (ugs.):
svw. t ^schrecke; -hütte, die (landsch.): Gestell zum
Trocknen von Heu; -lademasdiine, die (Landw.): Maschine, die
an den Heuwagen angehängt wird u. im Fafiren das gemähte
Heu auflädt; -macher, der: \.jmd.. der Heu macht, erntet.
Gras mäht. 2. (Boxen Jargon) svw. Nholer; -mahd, die:
das Mähen des Grases von Wiesen, das zu Heu getrocknet
wird; -monat, Mnond, der <P1. selten) [mhd. höumänöt.
ahd. hewimänöth] (veraltet): Juli; -ochs[e], der [eigtl. =
Heu fressender Ochse] (Schimpfwort): nicht begreifender,
bornierter Mensch; -pferd, das: svw. T ^schrecke; ^presse,
die (Landw.): Vorrichtung zum Heupressen; -raufe, die;
-rechen, der: hölzerner Rechen zum Heuwenden; ^reiter
(österr.). -reuter, der (südd.): Gestell zum Trocknen von
Heu; ^schnupfen, der: Nasen- u. Bindehautkatarrh, der
durch Überempfindlichkeit gegenüber dem Blütenstaub von
Gräsern. Sträuchern u. Blumen hervorgerufen wird;
^Schober, der (südd.. österr.): aufgeschichteter /hoherJ
Heuhaufen, der im Freien steht; -schreck, der; -[e]s, -e (österr.):
svw. t ^schrecke; -schrecke, die [mhd. höuschrecke. ahd.
houscrecho. 2. Bestandteil zu: schrecken in der älteren
Bed. ..(auOspringen"]: vor allem auf Wiesen lebendes Insekt
mit harten Flügeldecken u. zwei langen, verdickten
Hinterbeinen, die sehr sprungkräftig sind, dazu:
-schreckenplage, die. -schreckenschwarm, der: die Kinder fielen wie
ein H. über die Geburtstagskuchen her; -schwade, die:
längere Reihe von liegendem Heu; -Springer, der (ugs.):
svw. t ^schrecke; -Stade!, der (südd., österr., Schweiz.):
Scheune zum Aufbewahren von Heu; ^stock, der <P1.
1223
Heuchelei
-stocke) (österr., Schweiz.): Vorrat an Heu [auf dem
Heuboden (1)); -wagen, der: mit Heu beladener Wagen; ^wender,
der (Landw.): fahrbare Vorrichtung zum Heuwenden;
-wurm, der [die Schäden fallen zeitlich mit der Heuernte
zusammen]: Larve der 1. Generation des Traubenwicklers.
Heuchelei [hay^l^j], die; -. -en (abwertend): a) <o. PI.)
[fortwährendes] Heucheln; Verstellung; Vortäuschung nicht
vorhandener Gefühle. Eigenschaften o.a.: Sein ganzes
Dasein war eine geschmacklose Pose und aufdringliche H.
(Friedell, Aufklärung 86); b) heuchlerische Äußerung.
Handlung: mit solchen -en kommt er bei mir nicht weit;
heucheln [h^y^ln] <sw. V.; hat) [frühnhd. = schmeicheln,
wohl verw. mit mhd. hüchen = sich ducken, kauern]:
1. nicht seine wirklichen Gedanken äußern; etw. anderes
sagen, als man denkt; sich anders geben, als man ist; sich
verstellen: du heuchelst doch, wenn du ihm immer recht
gibst; so ahnungslos kann er nicht sein, er heuchelt nur.
2. (nicht vorhandene Gefühle. Gemütszustände.
Eigenschaften) als vorhanden erscheinen lassen, vortäuschen, vorgeben:
Mitgefühl. Freude. Interesse. Liebe h.; sie heuchelte
Erstaunen. Verwunderung: wenn man in bedrängter Lage
sorglose Unbefangenheit h. möchte (Th. Mann. Hoheit
81); er antwortete mit geheuchelter Ruhe.
Liebenswürdigkeit. Anteilnahme; <Abl.:> Heuchler ['h^yftel. der. -s. -:
jmd.. der ffortwäßirendj heuchelt: Welch feiger H.! Er hat
sich also zu erkennen gegeben (H. Mann. Stadt 273);
Heuchlerin* die; -. -nen: w. Form zu f Heuchler; heuchlerisch
<Adj.): a) einem Heuchler entsprechend, in der Art eines
Heuchlers; von Heuchelei bestimmt; unaufrichtig, voller
Verstellung: ein -er Mensch. Freund; sie hat ein -es Wesen;
„Ich hätte es ohnehin getan'4, erklärt Riesenfeld h. (Re-
marque. Obelisk 243); b) <nicht adv.) von Heuchelei
zeugend. Heuchelei enthaltend; geheuchelt: -e Worte.
Gesten. Tränen; er begegnete ihr mit -er Teilnahme.
heuen [h^yan] <sw. V.; hat) [mhd. höuwen; zu THeu]
(landsch.): Heu machen. Heu ernten: Da wir im Regen
nicht h. konnten (Molo. Frieden 279).
heuer [h^yc] <Adv.) [mhd. hiure. ahd. hiuru; aus: hiu järu
= in diesem Jahr] (südd.. österr., Schweiz.): dieses Jahr,
in diesem Jahr!ei: Wie schon h. werden auch im
kommenden Jahr ... (Vorarlberger Nachr. 28. 11. 68. 12).
'Heuer [-]. der. -s. - [mhd. höuwer; zu Theuen] (landsch.):
svw. T Heumacher.
'Heuer [-]. die; -. -n [mniederd. hüre. zu T heuern] (See-
mannsspr.): 1. Lohn, den ein Seeman erhält: die H. zahlen,
ausbezahlen; keine H. bekommen; Seine erste H. hatte
er vertan, aber schon die zweite sparte er (Bredel. Väter
393). 2. Anstellung eines Seemanns auf einem Schijf: die
H. wird auf eine bestimmte Fahrt festgelegt; ... wenn ich
dann H. auf einem ihrer Frachter nehme (Andersch.
Sansibar 156).
Haier- (Seemannsspr.): ^haas. der: Vermittler von
Stellungen für Seeleute auf Schiffen; ^büro, das:
Stellenvermittlungsbüro für Seeleute; -vertrag, der: Arbeitsvertrag eines
Seemanns.
heuern ['h^y^n] <sw. V.; hat) [mhd. hüren = mieten; auf
einem Mietpferd reiten; in einem Mietwagen fahren; H.
u.] (Seemannsspr): 1. (seltener) svw. T anheuern: die
Besatzung für ein Schill h.; er ließ sich bei der Hochseefischerei
h. 2. (veraltend) (ein Schiff) mieten, pachten, chartern.
Heuert fhaym], 'Heuet ['h^yst], der; -s. -e <P1. selten) [zu
T Heu]: svw. t Heumonat; bleuet [-]. der. -s od. die; - (südd..
Schweiz.): svw. t Heuernte.
Heul- t'h^yl-]: -äffe, der (seltener): svw. t Brüllaffe (1); -boje,
die: 1. (Seew.) Boje mit eingebauter Sirene, die durch Wind
u. Seegatig zum Tönen gebracht wird. 2. (ugs. abwertend)
laut, schlecht singender [ Popjsänger: die „artistischen
Beigaben" der Londoner -n wirkten stärker" als die
„musikalischen Darbietungen" (Spiegel 5. 1966. 66);
bliese, die. -peter, der. -suse, die [2. Bestandteil die als
Gattungsnamen gebrauchten Vornamen Liese, Peter. Suse]
(ugs. abwertend): jmd. (meist ein Mädchen, seltener ein
Junge), der leicht zu weinen beginnt, häufig, viel weint:
Einige der Forsy te-Frauen sind Schmollerinnen und
hysterische Heulsusen (Hörzu 19. 1973. 147); ^ton. der:
durchdringender langgezogener od. aufheulender, meist hoher Ton:
Diese Ultrakurzwellen ... lösten in dem Apparat einen
an- und abschwellenden H. aus (Menzel. Herren 93);
^tonne, die: svw. t^boje; ^trine, die: svw. ? bliese.
heulen fh^ybn] <sw. V.; hat) [mhd. hiulen. hiuweln. zu
mhd. hiuwel. ahd. hüwila = Eule, also eigtl. = wie eine
Eule schreien]: l.a) (von bestimmen Tieren) klagende,
langgezogene, meist durchdringende, hohe Laute ausstoßen:
die Hunde. Schakale heulten; denn Wölfe heulten nachts
nach den Lämmern (Th. Mann. Joseph 276); Ü der Wind.
Sturm heulte [ums Haus]; b) (von bestimmten Apparaten.
Geräten) einen langgezogenen, durchdringenden, meist
hohen [an- u. abschwellenden] Ton von sich geben,
hervorbringen: die Sirenen. Bojen heulten; Die Motoren heulten
und würgten (Kirst. 08/15. 566); Stundenlang heulte das
Nebelhorn vor ihnen her (Klepper. Kahn 124). 2. (ugs.)
[laut klagend, mit langgezogenen, hohen TönenI heftig
weinen: laut, erbärmlich h.; sie heulte um ihre Puppe;
er heulte vor Wut, vor Freude, vor Rührung; <subst.:>
... daß der Witz ein sehr gutes Mittel sein konnte, wenn
einem zum Heulen zumute war (wenn man sehr traurig,
deprimiert war; Ott, Haie 293); * Heulen und Zähne-
khppern/Zahneknirschen (oft scherzh.; verzweiflungsvolle
Angst, große Furcht; nach Matth. 8. 12): ging dann und
wann eines davon (= von den Gläsern u.a.) zu Bruch,
so herrschte Heulen und Zähneklappern im Hause (Werfel.
Himmel 89); zun Heulen sein (ugs.; sehr traurig,
deprimierend sein): wie es dort zugeht, ist wirklich zum Heulen;
Heuler [h^yln], der; -s. - [4: niederd.. nach dem klagenden
Ruf. den die Jungtiere von sich geben]: 1. (ugs.) einzelner
Heulton: der Motor gab noch einen H. von sich, dann
war er still. 2. kleinerer Feuerwerkskörper, der einen Heul-
od. Pfeif ton von sich gibt: er kaufte sich H.. Kracher und
Knallfrösche. 3. (salopp) ausgezeichnete, tolle, erfolgreiche
Sache: dieser Witz ist wirklich ein H.!; *das ist Üa] der
letzte H.! (salopp; 1. Ausruf der Anerkennung, des Lobs.
2. Ausruf des Mißfallens, der Enttäuschung, der
Entrüstung: was er sich da wieder geleistet hat. das ist ja wirklich
der letzte H.!). 4. (ugs.) junger Seehund: Heulerei [hoyb'r^j],
die; -. -en <P1. selten) (abwertend): 1. fortwährendes,
wiederholtes Heulen (1). 2. (ugs.) langatihaltendes. häufiges,
heftiges Heulen (2). Weinen: hör endlich auf mit deiner H.!
heureka! [hayreka] (Interj.) [griech. heureka = ich habe
(es) gefunden, Perf. zu: heuriskein = Anden, entdecken;
angeblicher Ausruf des griech. Mathematikers Archimedes
(um 287-212 v.Chr.) bei der Entdeckung des
hydrostatischen Grundgesetzes] (bildungsspr.): freudiger Ausruf, bes.
bei der Lösung eines schwierigen Problems.
heurig [hayn$] <AdJ.; nur attr.) [mhd. hiurec. zu T heuer]
(südd.,österr.. Schweiz.):diesjährig: die -e Ernte; -e
Kartoffeln; -er Wein; beim -en Landesmusikfest; <subst.:>
Heurige fhoynga], der; -n. -n <Dekl. tAbgeordnete)
(bes. österr.): l.a) junger Wein im ersten Jahr. Wein der
letzten Lese: er trinkt am liebsten einen -n; sie saßen
beim -n; b) Lokal, in dem neuer Wein aus den eigenen
Weinbergen des Besitzers ausgeschenkt wird (bes. in der
Umgebung Wiens). 2. <meist PI.) erste Frühkartoffel.
Hairigen- (bes. österr.): ^abend, der: geselliger Abend in
einem Heurigenlokal; -kapeile, die: Kapelle, die mit
volkstümlicher Musik in Heurigenlokalen o.a. aufspielt; -lokal,
das: svw. f Heurige (1 b); -sänger, der: vgl. -kapelle: Die
deutschen Österreicher waren Walzertänzerund H. (Roth.
Radetzkymarsch 101).
Heuristik [h^y'nstik],die; -[zugriech, heuriskein = finden,
entdecken]: Lehre. Wissensc/wft von den Verfahren.
Probleme zu lösen; methodische Anleitung. Anweisung zur
Gewinnung neuer Erkenntnisse; <Abl.:)heurjstisch <Adj.; o. Steig.;
meist attr.): die Heuristik betreffend, auf ihr beruhend,
mit ihren Mitteln arbeitend, zu ihr gehörend: -e Methoden,
Grundsätze; das -e Prinzip (Arbeitshypothese als
Hilfsmittel der Forschung; vorläufige Annahme von etw. zum Zweck
des besseren Verständnisses eines zu untersuchenden
Sachverhalts).
heut [hoyt] (ugs.): svw. Theute; heute [hoyto] <Adv.) [mhd.
hiute. ahd. hlut(u). aus: hiu tagu = an diesem Tage,
viell. LÜ von lat. hodie]: 1. an diesem Tage, am
gegenwärtigen Tag; an dem Tag. der gerade abläuft: h. ist der 29.
Februar; h. gehen wir ins Theater; h. geschlossen; h. habe
ich deinen Brief bekommen; das geschieht nicht h. und
nicht morgen (das dauert noch eine Weile); h. früh; h.
morgen; h. mittag; h. abend; h. in acht Tagen; h. über
eine Woche; h. vor vierzehn Tagen; seit h.. ab h.. von
h. an (von diesem, vom gegenwärtigen Tag an); beschloß
ich, für h. (für diesen, für den gegenwärtigen Tag) meine
Aktivität ... zu beschränken (Th. Mann. Krull 326); *h.
1224
hexen-, Hexen -
oder morgen (ugs.; in allernächster Zeit): das kann sich
h. oder morgen schon ändern; lieber h. als morgen (ugs.;
/ aus dem Wunsch heraus, eine unangenehme Situation zu
ändern] am liebsten sofort, möglichst gleich): wenn er
könnte, würde er lieber h. als morgen von dort weggehen;
h. und hier (seltener Tür: hier und h.; thier la); von h.
auf morgen (sehr schnell, innerhalb kürzester Zeit; / in bezug
auf eine Veränderung/ sehr überraschend [eingetreten],
ohne doli man damit gerechnet hat. darauf vorbereitet war):
so etwas geht nicht von h. auf morgen; die Lage kann
sich von h. auf morgen ändern. 2. in der gegenwärtigen
Zeit; heutzutage: h. ist vieles anders als früher; Heute
hat uns die schamlose Jagd nach Besitz aufs neue zu
Räubern gemacht (Remarque. Obelisk 10); h.. in .der
zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts (Dönhoff. Ära 128);
<subst.:> für ihn ist das Heute (die gegenwärtige Zeit,
die Gegenwart) wichtiger als das Morgen; jmd., etw. von
h. (jmd.. der modern, aufgeschlossen, etw., was modern,
zeitgemäli ist; Person. Sache, die in die jetzige Zeit paßt,
den Normen der heutigen Zeit entspricht; vgl. f Jugend):
die Frau, der Mann, die Geschäftsleute von h.; der
Bauernhof von h. ist mit einem von früher nicht zu vergleichen;
heutig ['h^ytu;] <Adj.; nur attr.) [mhd. hiutec. ahd. hiutig]:
l.a) heute (1) stattfindend: die -e Veranstaltung; von den
-en Unterrichtsstunden fallen zwei aus; b) von heute (1).
von diesem Tag: die -e Zeitung; die -en Nachrichten; am
-en (an diesem, am gegenwärtigen) Abend; bis zum -en
Tag (bis zu diesem Tag. bis jetzt) hat sich nichts geändert.
2.a) in der jetzigen, der gegenwärtigen Zeit gültig,
vorhanden; derzeitig, augenblicklich, gegenwärtig: der -e Stand
der Technik; in der -en Situation; Nach -em deutschem
Recht bedarf die Verwaltung einer ... Ermächtigung
(Fraenkel. Staat 116); b) der jetzigen Zeit gemäß; den
Normen der gegenwärtigen Zeit entsprechend; modern,
aufgeschlossen: die -e Jugend. Generation; die -e Mode;
die -en Ansichten über eine Sache; der -e Mensch sieht
die Probleme ganz anders; (selten auch präd.:> Sie ist
jung und mehr so h. (Strittmatter, Wundertäter 280);
heutigentags ['h^ytign'ta.ks, auch: ' 1 (Adv.> (veraltend):
in der gegenwärtigen Zeit. Epoche; in der jetzigen Zeit,
in der man als Zeitgenosse lebt: nein, so was gibt's h.
noch (Becher. Prosa 111); das Haus, in dem die Tat
geschah, existiert noch h. (bis zum heutigen Tag. bis heute,
bis jetzt); heutzutage [hQyttsuta:g3] <Adv.>: in der
gegenwärtigen Zeit, wie sie dem Zeitgenossen / gegenüber einer
früheren] erscheint: so etwas ist h. keine Ausnahme mehr;
Mit guten Manieren kommt man h. nicht weit (Remarque.
Obelisk 47).
Hevea [he:vea], die; -. ...vcae [...vee] u. Heveen [he've:an;
aus einer südamerik. Indianerspr.KBot.): tropischer Baum,
aus dem Kautschuk gewonnen wird.
hexa-, Hexa- [heksa-1. (vor Selbstlauten oft auch:) hex-.
Hex- [griech. hex = sechs) (Best, in Zus. mit der Bed.>:
sechs (z. B. hexagonal. Hexagramm, hexangulär); Hexa-
chord [...kart], der od. das; -[ejs. -e [griech. hexächordos
= sechssaitig. -stimmig): (in der mittelalterlichen
Musiktheorie) Aufeinanderfolge von sechs Tönen in der
diatonischen Tonleiter; Hexadezimalsystem, das; -s (Math.. Da-
tenverarb.): Dezimalsystem mit der Grundzahl 16; hexadisch
[he'ksa.dij] <Adj.; o. Steig.) [zu griech. hexäs (Gen.: hexä-
dos) = die Zahl Sechs) (Math.): auf der Zahl Sechs als
Grundzahl aufbauend; Hexaeder [heksa'|e:dB], das; -s. -
[griech. hexäedronKMath.): Sechsflächner. Würfel; <Abl.:>
hexaedrisch [...' Ie:drü1 <AdJ.; o. Steig.; nicht adv.) (Math.):
sechsflächig; Hexaemeron [...'|e:men>n). das; -s [lat.
hexaemeron < griech. hexaemeron) (christl. Rel.): die (in 1.
Mos. Iff. geschilderte) innerhalb von sechs Tagen vollzogene
Erschaffung der Erde durch Gott; Hexagon [...go:n], das;
-s. -e [lat. hexagönum < spätgriech. hexagönon] (Math.):
Sechseck; <Abl.:> hexagonal <AdJ.; o. Steig.; nicht adv.>:
von der Form eines Hexagons; sechseckig; Hexagramm,
das; -s, -e [t -gramm): sechsstrafdiger Stern aus zwei
gleichseitigen ineinandergeschobenen Dreiecken; vgl. David[s)-
stern; hexamer [...'mcifl <AdJ.; o. Steig.) [griech. hexame-
res] (Bot.): sechsteilig.sechszählig(z. B. Blüten); Hexameter
[he'ksa:mete], der; -s, - [lat. hexameter. zu griech. hexame-
tros = aus sechs Versfüßen bestehend) (Verslehre): aus
sechs Versfüßen (meist Daktylen) bestehender epischer Vers
(dessen letzter Versfuß um eine Silbe gekürzt ist); <Abl.:)
hexametrisch <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): den Hexameter
betreffend; in Hexametern verfaßt: -e Verse; Hexan
[he'ksa.n], das; -s. -e [zu griech. hex = sechs, wegen des
Anteils von sechs Kohlenstoffatomen) (Chemie): sich leicht
verflüchtigender Kohlenwasserstoff, eine farblose, leicht
entzündliche Flüssigkeit, die wesentlicher Bestandteil des
Benzins u. des Petroleums ist; hexangulär [heksaogu'le^] <Adj.;
0. Steig.; nicht adv.) [zu lat. angularis = winklig, eckig]
(Math.): sechswinklig; hexaploid [...plo'i:t) <Adj.; o. Steig.)
[geb. nach Tdiploid) (Biol.): (von Zellen) einen sechsfachen
Chromosomensatz aufweisend; Hexapoden [...'po:dn) <P1.)
[zu griech. hexapodos = sechsfüßig] (Zoo!.): Insekten;
Hexastylos [hek'sastyfos], der; -. ...len [heksa'sty.bn; zu
griech. st$4os = Säule] (Archit.): griechischer od. römischer
Tempel mit sechs Säulen an beiden Schmalseiten od. nur
an der Front; Hexateuch l...'tQy<f). der; -s [zu spätgriech.
teflehos = Buch] (christl. Rel.): die das Buch Josua u.
die fünf Bücher Mose unifassenden ersten sechs Bücher
des A. T
Hexe fheksa], die; -. -n [mhd. heese. hesse. ahd. hagzissa.
hag(a)zus(sa); 1. Bestandteil wahrsch. verw. mit THag.
also wohl eigtl. = auf Zäunen od. Hecken sich aufhaltendes
dämonisches Wesen. 2. Bestandteil wohl verw. mit norw.
tysja = Elfe]: 1. im Volksglauben, bes. in Märchen u.
Sage auftretendes weibliches dämonisches Wesen, meist in
Gestalt einer häßlichen, buckligen alten Frau mit langer,
krummer Nase, die mit ihren Zauberkräften den Menschen
Schaden zufügt u. oft mit dem Teufel im Bunde steht: die
H. in ..Hansel und Gretel" wird am Ende verbrannt; die
Kinder wurden von einer bösen, alten H. verzaubert, in
Vögel verwandelt. 2. (hist.) von der katholischen Kirche
als mit dem Teufel im Bunde stehend betrachtete weibliche
Person, die mit ihren vermeintlichen Zauberkräften den
Menschen Schaden zufügt: noch im 18. Jh. wurden Frauen
als -n verbrannt. 3. (abwertend) /häßlichej bösartige,
zänkische, unangenehme weibliche Person (oft als Schimpfwort):
so etwas würde ich mir von der alten H. nicht gefallen
lassen; (mit dem Unterton widerstrebender Anerkennung
bestimmter Eigenschaften wie Durchtriebenheit,
Raffiniertheit od. Temperament. Lebhaftigkeit:) die kleine
H. hat doch wieder ihren Willen durchgesetzt; (mit dem
Unterton des Wohlgefallens an der verführerischen
Schönheit, der betörenden Lasterhaftigkeit:) Eine junge und
gefährliche H.! (Remarque. Obelisk 233); <Abl.:> hexen
[heksn] <sw. V.; hat): a) mit außergewöhnlicher
Schnelligkeit. Geschicklichkeit [angeblich mit Hilfe übernatürlicher
magischer Mittel] Dinge vollbringen, vorführen, die einem
andern, einem Zuschauer utwrklärlich erscheinen; zaubern:
er kann h.: das Volk glaubte, sie könne h.; ich kann
doch [auch] nicht h. (ugs.; so schnell geht es nicht, so
schnell kann ich das nicht schaffen, erledigen)', bei ihr geht
alles wie gehext (ugs.; sehr schnell): b) unter Anwendung
bestimmter Tricks. Kunstgriffe o. ä. etw. herbeiführen,
bewirken, daß etw. geschieht. Dinge vollbringen, die dem
Unkundigen unerklärlich od. übernatürlich erscheinen;
herbeizaubern: Regen, ein Gewitter h.; Kannst du nicht h., daß
ich drei Zwölfen hintereinander schieße? (Strittmatter,
Wundertäter 138).
h$xen-,H$xen-: -artig <Adj.; o. Steig.): im Aussehen. Wesen
einer Hexe (1) älinlich; wie eine Hexe wirkend: ein -es
Wesen; -besen, der (Bot.): durch bestimmte parasitische
Pilze hervorgerufene Mißbildung an Ästen vieler Laub- u.
Nadelbäume in Gestalt von zahlreichen fiach allen
Richtungen wachsenden, einem Besen ärmlichen Zweigen; ^-ei. das:
1. Hühnerei, bei dem der Dotter fehlt. 2. svw. T Teufelsei;
-einmaleins, das: Wort- u. Zahlenrätsel mit mehrfachem
Sinn; magisches Quadrat; ^fett. das: vgl. ^salbe; -haus,
das [nach dem Haus der Hexe in dem Märchen „Hansel
und Gretel"]: kleines, niedlich wirkendes, oft einsam
stehendes, wie verwunschen wirkendes Haus; -bauschen, das: 1.
Nhaus. 2. kleines, mit Süßigkeiten verziertes Haus aus
Lebkuchen, das in der Weihnachtszeit hergestellt wird;
Knusperhäuschen. Lebkuchen-. Pfefferkuchenhäuschen; -Jagd, die
[2: LÜ von engl.-amerik. witch-hunt): 1. vgl. ^Verfolgung.
2. (abwertend) ufibarmherzige. meist unrechtmäßige
Verfolgung u. Verurteilung von Menschen: Für ein paar Jahrzehnte
... wurde ... die H. auf Dichter. Romanciers und Maler
eingestellt (Monis. Skandale 176); -kessel, der [nach dem
Kessel, in dem eine Hexe (1) ihren Zaubertrank kocht]:
große Bedrängnis verursachendes. Gefahr bergendes,
unüberschaubares u. unentwirrbares, laut lärmendes Durcheinan-
1225
hexenhaft
der: Unsere Stadt ... ist ein H. geworden! (Kirst. 08/15,
760); in einem wahren H.; -kraut, das [wahrsch. Übers,
von griech. Kirkaia = Kraut der Zauberin Circe. einer
nicht näher identifizierten Pflanze]: (zu den
Nachtkerzengewächsen gehöretide) Staude mit kleinen. weißen,
traubenartig angeordneten Blüten: -küdie, die: vgl. -kessel; -kunst
die: vgl. Hexerei: -mehl, das: aus den reifen Sporen
verschiedener Bärlapparten hergestelltes Pulver (z. B. als Puder
gegen Wundsein); -meister, der: (nach dem Volksglauben)
männliche Person mit den dämonischen Fähigkeiten einer
Hexe: Zauberer er hantierte in seinem Labor herum wie
ein H.; -milch, die (wegen der angeblich geheimnisvollen
Kräfte des Saftesl: 1. (Med.) milchartige Absonderung aus
der Brustdrüse neugeborener Knaben u. Mädchen. 2. (ugs.)
milchartiger Saft der Wolfsmilchgewächse: -prozeß, der:
(früher) im Zuge der Hexenverfolgung gegen eine als Hexe
(2) verdächtigte weibliche Person geführter Prozeß: ^ring,
der: 1. in mehr od. weniger kreisförmiger Anordnung wach-
sende Pilze bestimmter Pilzarten. 1. (Jägerspr.) durch
Rehwildwährend der Brunft kreisförmig nieder getrampelte
Stelle in Getreidefeldern od. Wiesen: -sabbat, der: 1. (im
Volksglauben) ausschweifende Zusammenkunft der Hexen auf
Bergeshöhen, bes. während der Walpurgisnacht. 2. (bil-
dungsspr.) großer\ heilloser Wirrwarr: Durcheinander:
wüstes, lärmendes, hemtnungsloses Treiben: --salbe, die: (im
Volksglauben) aus bestimmten narkotischen Pflanzen
hergestelltes Mittel, mit dem sich die Hexen vor ihrer Ausfahrt
einreiben: -schuß, der <o. Pl.> [nach altem Volksglauben
beruht die Krankheit auf dem Schuß einer Hexe] (volkst.):
plötzlich auftretende, heftige, von der Wirbelsäule
ausstrahlende Kreuzschmerzen: Lumbago: -stich, der [nach dem
Volksglauben hebt die Hexe beim Schwur auf den Teufel
die linke Hand] (Handarb.): beim Sticken verwendeter,
von links nach rechts mit schrägen, gekreuzten Einzelstichen
verlaufender Zierstich: -tanz, der: vgl. ^sabbat (2): In
unserem Lager begann der H. Manche weinten, manche
beteten (Seghers, Transit 7); -Verbrennung, die (hist.): im
Zuge der Hexen verfolgung durchgeführte Verbrennung einer
als Hexe (2) verdächtigten weiblichen Person: -Verfolgung,
die (hist.): vonderkath. Kirche eingeleitete, durch
unmenschliches, grausames Vorgehen gekennzeichnete Verfolgung von
als Hexen (2) verdächtigten weiblichen Personen: -wahn,
der: [verhängnisvoller, zu unmenschlichen, grausamen
Handlungen verleitender] Irrglaube, nach dem bestimmte
weibliche Personen Hexen (2) seien: -zwirn, der: auf andere
Pflanzen kletternde, lange Sprosse bildende Pflanze (z. B.
Kleeseide).
hfxenhaft <Adj.: -er. -este): svw. t hexenartig; H^xer, der;
-s. - (seltener): svw. T Hexenmeister; Hexerei [heksany],
die; -. -en <P1. selten): das Hexen: Zauberei: das ist, klingt
ja wie H.; Aber sowie er nach rückwärts getreten ist.
schließt sich die Tür wieder. Er denkt an H. (Menzel,
Herren 34); Hexerich ['heksan?]. der; -s. -e (seltener): svw.
T Hexenmeister.
Hexis [heksis], die; - [griech. h&cis] (Philos.): Haben.
Beschaffenfieit. Zustand (z. B. bei Aristoteles die Tugend als
Hexis der Seele).
h$xisch <Adj.> (selten): von einer Hexe ausgehend: hexenhaft.
hexenartig: -e Künste.
Hexode [he'ksoida], die; -. -n [zu thexa... u. griech. hodös
= Weg] (Elektrot.): Elektronenröhre mit sechs Elektroden:
Hexogen [heksoge.n], das; -s [nach dem sechsgliedrigen
Ring seines Moleküls; vgl. hexa...]: hochexplosiver
Sprengstoff: Hexose [h£'kso:za], die; -. -n [zu Thexa...] (Chemie):
einfacher Zucker mit sechs Kohlenstoffatomen im Molekül.
Hiat [hia:t], der; -s. -e: T Hiatus; Hiatus fhja-'tus]. der; -,
- [lat. hiätus. eigtl. = Kluft]: 1. (Med.) Öffnung. Spalt
im Muskel od. im Knochen. 2. (Sprachw.) a) das
Aufeinanderstoßen zweier Vokale in der Fuge zwischen zwei Wörtern
(z. B. sagte er): b) das Aufeinanderstoßen zweier
verschiedenen Silben angehörender Vokale im Wortinnern (z. B.
Kooperation). 3. (Geol.) Zeitraum, in dem in einem bestimmten
Gebiet im Unterschied zu einem benachbarten keine
Ablagerungstattfindet. 4. (Prähist.) Zeitraum ohne Funde. Fundlük-
ke.
Hiawatha [hao'wDfc. auch: hia'va:ta], der; -[s], -s [nach
einem sagenhaften nordamerikanischen
Indianerhäuptling]: Gesellschaftstanz in den zwanziger Jöftren.
Hibernakel lhiberna:kl], das; -s, -n (meist PI.) [lat. hibernä-
culum = Winterquartier] (Bot.): auf dem Grund des
Gewässers überwinternde Knospe von Wasserpflanzen, die im Früfx-
jahr an der Wasseroberfläche zu neuen Pflanzen austreibt:
hibernal [hiber'na:l] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [lat. hiber-
nälis (veraltet): den Winter, die Wintermonate betreffend,
winterlich: Hibernation [hibema't£io:n), die; -. -en [lat.
hibernätio = das Überwintern] (Med.): künstlich
herbeigeführter langdauernder Schlafzustand nach Herabsetzung der
Körpertemperatur (als Ergänzung zur Narkose od. als
Heilschlaf).
Hibiskus [hibiskus]. der; -. ...ken [lat. (h)ibiscus): Eibisch:
die Wärme eines tropischen Frühlings ... mit dem Duft
von H. und Mimosen (Remarque. Triomphe 167); <Zus.:>
Hibjskustee, der.
hie et nunc [hi:k et nuok; tat. = hier u. jetzt]: 1. (bil-
dungsspr.) sofort, im Augenblick, auf der Stelle (in bezug
auf etwas, was getan werden bzw. geschehen soll od.
ausgeführt wird). 2. (Philos.) hier w. jetzt (in bezug auf die
räumliche u. zeitliche Bestimmtheit eines Gegenstandes od.
Vorgangs).
hick! [hik] <Interj.) (ugs.): lautm. für den Schluckauf: ein
paarmal kräftig h. machen; <subst.:> das Hick des
Betrunkenen war schon von weitem zu hören.
hickeln [hik|n] <sw. V.; hat> [mhd. hickeln] (landsch.): I.
hinken, humpeln. 2. (bei einem Kinderspiel) auf einem Bein
hüpfen u. dabei einen flachen Stein durch mehrere auf dem
Boden vorgezeichnete Felder stoßen.
Hicker ['hikc], der, -s. -. Hickerchen [...«jsn], das; -s, - [zu
thick] (fam.): Schluckauf: einen Hicker. ein Hickerchen
haben.
Hickhack [hikhak]. das, auch: der; -s. -s [engl.-amerik.
hick-hack = Hin und Her. mit deutscher Aussprache
in Anlehnung an Formen wie Zickzack u. a.] (ugs.): nutzlose
Streiterei: törichtes, zermürbendes Hinundhergerede: das
innerparteiliche H. um die Verteilung der Finanzen.
'Hickory ['hikori. auch: 'hikan], der; -s. -s, auch: die; -.
-s [engl.-amerik. hickory. kurz für pokahickory < indian.
(Algonkin)pawcohiccora = Brei aus zerstampften Nüssen
des Hickorybaums]: nordamerikanischer Walnußbaum mit
glatten, eßbaren Nüssen u. wertvollem Holz: Hickory [-],
das; -s: sehr zähes u. strapazierfähiges Holz des
Hickorybaums, das bes. für Sportartikel u. Geräte sowie zu
Wagnerarbeiten verwendet wird: Hjckorybaum, der: svw. t Hickory
(1); Hjckoryhob, das: svw. t Hickory (2).
hicksenfhiksn] <sw. V.; hat) [zu thick] (landsch.):
Schluckaufhaben: an bestimmten Orten hickste er eben (Zwerenz.
Quadriga 81); <subst.:> Er bemühte sich nicht, das
Schlukken - er nannte es Hicksen - zu unterdrücken (Zwerenz.
Quadriga 81).
hie Rhodus. hie salta! [hi:k ro:dos hi:k zalta; lat. = hier
(ist) Rhodus, hier spünge!; nach einer Stelle in einer Fabel
Asops. die in dieser Form ins Lateinische übersetzt wurde]
(bildungsspr.): hier gilt es: hier zeige, was du kannst!, hier
mußt du handeln, dich entscheiden.
Hidalgo [hidalgo], der; -s. -s [span. hidalgo. Zus. aus: hljo
= Sohn u. algo = etwas, also eigtl. = Sohn von etwas.
Sohn des Vermögens]: 1. (hist.) Angehöriger des niederen
spanischen Adels. 2. frühere mexikanische Goldmünze.
Hidroa [hidro.a] <PI.> [zu griech. hidros = Schweiß] (Med.):
Bläschen auf der Haut als Folge abnormer
Schweißabsonderung: Hidrose [hi'dro:z3]. Hidrosis [...zjs). die; - [1: griech.
hidrösis] (Med.): 1. Schweißbildung und -ausscheidung. 2.
Erkrankung der Haut infolge krankhafter
Schweißabsonderung: Hidrotikum [hi'dro.tikom]. das; -s. ...ka (Med.):
schweißtreibendes Mittel: hidrotisch [hidro:tif] <AdJ.; o.
Steig.; nicht adv.) (Med.): schweißtreibend: ein -es Mittel.
Hidschra fhidjra]: THedschra.
hie [hi:] <Adv.> [mhd. hie, ahd. hiar = hier] nur in den
Wendungen h. und da (1. an manchen Stellen, stellenweise:
Ein paar Disteln, etwas Sauerampfer, h. und da Löwenzahn
und eine Reihe Fußstapfen auf Ihrem Rasen (Martin.
Henker 84. 2. von Zeit zu Zeit, manchmal: Imma Spoel-
mann und Klaus Heinrich gaben ihr h. und da ein gutes
Wort (Th. Mann. Hoheit 228); h. ... h./h. ... da (auf der
einen Seite dieser, dieses, auf der andern jener, jenes als
Gegner bzw. gegnerische Positionen [zwischen denen man
sich entscheiden muß]): h. Theoretiker, h. Praktiker; h.
Tradition, da Fortschritt.
hie- [-] <vor Präpositionen, die mit Konsonant beginnen):
(südd., österr.. sonst veraltet): svw. thier-.
hieb [hi:p]: t hauen; Hieb [-], der; -[e]s. -e [zu dem unr.
1226
Hierarchie
V. hauen (hieb, gehauen)]: l.a) Schlau. Stoß: ein kräftiger
H. mit dem Stock, mit der Peitsche; der H. hat gesessen;
einen H. auffangen, abwehren; Mit dem Beil versetzte
er ihr zwei -e über den Kopf (Noack. Prozesse 235);
(Fechten.) auf H. fechten; R auf den ersten H. fällt kein Baum
(ein größeres Unternehmen nimmt längere Zeit in Anspruch
u. verlangt deshalb Geduld): Ü einen H. (eine bloßstellende
Bemerkung, einen Tadel) einstecken; * einen H. haben
(salopp; nicht recht bei Verstand sein): auf einen H. (ugs.;
mit einem Mal): Die Bäuerin Schulte trank ihr Glas wie
ein Mannsbild auf einen H. leer (Strittmatter. Wundertater
22); b) <P1.) (ugs.) Prügel -e bekommen, kriegen, beziehen;
gleich gibt es. setzt es -e; Ü für mich aber und alle anderen
..Verräter" setzte es rhetorische -e von der schärfsten Art
(K. Mann. Wendepunkt 259). 2. durch einen Hieb (1)
verursachte Wunde od. Narbe: er hat einen H. im Gesicht.
3. (landsch. veraltend) a) Schluck Alkohol: Stanislaus trank
einen mächtigen H. Bier auf seine Brüder im Geiste
(Strittmatter. Wundertäter 223); b) leichter Alkoholrausch: einen
H. haben. 4. <o. Pl.> (Forstw.) das Fällen von Bäumen
zum Zweck der Verjüngung: mit dem H. beginnen. 5.
(Technik) unter einem bestimmten Winkel eingeschlagene od.
eingefräste Vertiefung mit stehenbleibender Schneidkante
an Feilen.
hkb-, Hieb-: ^art, die: tHiebsart; ^fest <Adj.; o. Steig.)
nur in der Fügung hieb- und stichfest (durch mögliche
Einwände od. Angriffe in seiner Gültigkeit nicht zu erschüttern,
unwiderlegbar, fundiert: nach einer Zauberhandlung, die
jmdn. unverwundbar machen sollte): hieb- und stichfeste
Argumente; diese Indizien waren so hieb- und stichfest,
daß nichts dagegen zu machen ist (Cotton. Silver-Jet 66);
^reif: T hiebsreif; -wafle, die mit einer [doppelten] Schneide
versehene Waffe, mit der geschlagen wird (z. B. Schwert.
Säbel); -wunde, die: durch eine Hiebwaffe verursachte
Verletzung.
Hiebsart, die (Forstw.): Art u. Weise, wie ein Hieb (4)
angelegt wird (z. B. Kahlhieb); hkbsreif <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.) (Forstw.): reif zum Hieb (4).
Hiefe[hi:fe].die;-.-n [mhd. hiefe. H. u.) (südd.): Hagebutte:
<Zus.:> Hkfenmark, das: Hagebuttenmarmelade.
Hieferschwanz(e]II'hi:ftJvantßl].das; -s. - [aus österr. HieflTer
= Hüfte (mhd. hüfTe-, zu hilf = Hüfte) u. Schwanz =
Endstück] (österr.): besonders zwn Kochen geeignetes
Rinderlendenstück.
hielt [hi:lt]: f halten.
hiemal [hjema:!] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [lat. hiemälis.
zu: hiems = Winter] (veraltet): winterlich.
hienieden[hi:'ni:dn.auch: *-'—] <Adv.) [aus hie (bes. österr.
in Zus. bei konsonantischem Anlaut des 2. Bestandteils,
sonst veraltet) = hier u. veraltet nieden = in der Tiefe,
zu: nied = unten, mhd. nide. ahd. nida]: auf dieser Erde,
im Diesseits: ... als den Weg des Unglücks, welchen wir
h. in der Regel zu wandeln haben (Dürrenmatt. Grieche
74).
hier [hi:r] (Adv.) [mhd. hie(r). ahd. hiar]: l.a) (räumlich;
hinweisend) an dieser Stelle, an diesem Ort. an dem der
Sprecher sich befindet od. auf den er hindeutet (Ggs.: dort):
h. [im Rhein-Neckar-Gebiet, in Deutschland, in Europa];
der Zettel liegt h. auf dem Tisch; der Laden ist h. gegenüber:
h. oben, unten, vorn, hinten. drin[nen], draußen; h. sehen
Sie Reste der ursprünglichen Bemalung; h. entlang, bitte!:
h. ruht [in Gott] ... (Inschrift auf Grabsteinen); von h.
aus. von h. bis zum Waldrand sind es noch 5 Minuten;
h. (an dieser Stelle im Buch o. ä.. auf dieser Seite, in diesem
Absatz) steht geschrieben:...; Taschen müssen h. (an
diesem Schalter) abgegeben werden; h. (in diesem Hause)
lebte und starb der berühmte Physiker ...; wo ist h. (in
dieser Stadt, diesem Stadtteil) die Post?; h. auf Erden
(geh.; auf dieser Erde, im Diesseits): du h.? (ugs.; du bist
auch anwesend?): h. (an diesem Telefonanschluß) [spricht]
Franz Mayer; (als Antwort beim Namenaufrufen:)
Schulze! - H.! (zur Stelle, anwesend!): er ist nicht von h. (kein
Einheimischer): Ü er ist ein bißchen h. (salopp abwertend;
er ist geistig ein wenig beschränkt: mit entsprechender
Geste); du bist wohl h.. nicht von h. (salopp; du bist wohl
nicht recht bei Verstand): *h. und da/dort (1. an manchen
Stellen, an einigen Orten: Hier und dort fuhren Stufen
vom Piccadilly Circus in Kellerlokale hinunter [Koeppen.
Rußland 166]. 2. von Zeit zu Zeit, manchmal, bisweilen:
..Denkt vielleicht h. und da an meine Worte..." [Leonhard.
Revolution 195]); h. und jetzt/heute (geh.; jetzt, in diesem
Augenblick, ohne Verzug): du mußt dich h. und jetzt
entscheiden; (subst.:) Dessen ungeachtet, ging Springorum
davon aus. das Hier und Heute (das im Augenblick
Gegenwärtige) sei maßgebend (Kuby. Sieg 305); b) (nachgestellt)
bezieht sich auf jmdn.. etw. in unmittelbarer Nähe, auf
den bzw. worauf der Sprecher ausdrücklich hinweist: unser
Freund h. kann uns alles genau erzählen; wer hat das
h. angerichtet?; c) zur Verdeutlichung einer Geste, mit
der der Sprecherdem Angeredeten etwas überreicht, erteilt:
h.. nimm das Buch!; d) in dem vorliegenden Zusammenhang:
auf dieses Problem wollen wir h. nicht weiter eingehen;
H. muß nun zunächst einmal definiert werden, was
Disengagement ... eigentlich heißt (Don ho IT, Ära 142); e) in
dem soeben zur Sprache gebrachten Punkt: h. muß die
Kritik einsetzen; was gibt es h. zu lachen?; f) in dem
vorliegenden Fall: h. geht es um Leben und Tod; auch
h. wieder ist es das mangelnde Vertrauen in die Vorzüge
des eigenen Systems, das den Westen lähmt (Dönhoff,
Ära 152); g) (salopp) zur Verstärkung: unser Land haben
sie verwüstet und nun noch abhauen h.! (Kempowski.
Uns 82). 2. zu diesem [genannten] Zeitpunkt, in diesem
Augenblick: Und in der Tat ist vieles neu an der h.
beginnenden Epoche (Dönhoff. Ära 191); Hier erst erweisen
sich Paaschs Versuche. Arlecq unter seinen Schirm zu
bekommen, als Dunkelmännertum (Fries, Weg 100); * von
h, an (von diesem Zeitpunkt an): von h. an wird sich
einiges in meinem Leben ändern.
hier-: ^behalten <st. V.; hat): an diesem Ort (dem Standort
des Sprechers) behalten: kann ich das Buch ein paar Tage
h.?; er hat sein Gepäck bereits aufgegeben, nur einen
kleinen Koffer hat er hierbehalten; -bleiben <st. V.; ist): an
der Stelle, dem Ort bleiben, wo der Sprecher sich befindet:
willst du nicht noch ein paar Tage, etwas h.?; -lassen
<st. V.; hat): an der Stelle, an dem Ort lassen, wo der
Sprecher sich befindet: kann ich meinen Schirm h.. bis
ich wiederkomme?; ..Haben sie uns keinen Wagen
hiergelassen? Wie sollen wir denn weg?" (Böll. Adam 39); ^sein
<unr. V.; ist; nur im Inf. u. Part, zusammengeschrieben):
anwesend, vorhanden sein: er ist gestern noch hiergewesen;
wann soll der Zug h. (ankommen)?: <subst.:) am ersten
Tag. im Laufe meines Hierseins; der Zweck seines
Hierseins.
hier-. Hier-: Thiero-, Hiero-.
hieramts ['hi.^'lam^. auch: '--. --] <Adv.) (österr.
Amtsspr.): hier bei dieser Behörde, auf diesem Amt: der
Fall wurde h. behandelt; hieran [auch: '-'-] <Adv.>: 1. a)
an dieser Stelle, diesem Ort. diesem Gegenstattd o. ä. hier:
an der soeben erwähnten Stelle, dem soeben erwä/wten Ort.
Gegenstand o.a.: das ist das Rathaus, h. sind wir doch
eben schon mal vorbeigekommen; der Schiffbrüchige hatte
eine Planke entdeckt und sich h. festgehalten, bis er gerettet
wurde; b) an diese Stelle, diesen Ort. diesen Gegenstand
o. ä. hier: an die soeben erwähnte Stelle, den soeben
erwähnten Ort. Gegenstand o.a.: das ist der Schulneubau, und
h. schließen sich die Turn- und Schwimmhalle sowie der
Sportplatz an; er suchte sich im Kirschbaum einen starken
Ast. h. lehnte er dann die Leiter und stieg hinauf. 2.a)
an der soeben erwähnten Sache. Angelegenheit o.a.: sie
glaubt nicht an den Erfolg unserer Sache, aber h. kann
es nicht den geringsten Zweifel geben; h. wird deutlich,
kann man erkennen, daß ...; b) an die soeben erwähnte
Sache. Angelegenlieit o.a.: das war seine einzige Chance,
h. klammerte er sich bis zuletzt; im Anschluß h.
Hierarch [hie'rarc].der; -en. -en [griech. hierärches]: oberster
Priester im antiken Griechenland: Ü Doch auf die hohen,
mit der Bewegung paktierenden -en (= hohen Geistlichen
der kath. Kirche) fällt kein Schatten (Deschner. Talente
20); vgl. Hierarchie (2); Hierarchie [hierar'^i:], die; -. -n
[...ton; griech. hierarchia = Priesteramt. zu: hierös ( =
heilig; gottgeweiht) u. ärchein = der erste sein. Führer
sein]: l.a) [pyramidenförmige] Rangfolge. Rangordnung
mit fiach unten abnehmender Bedeutung: eine strenge,
staatliche, militärische H.; Eine komplizierte H. von
Geschäftsführern. Pförtnern und ... Hausburschen (Enzensberger.
Einzelheiten I. 201); Ü eine ausgeprägte H. der
künstlerischen Mittel (Bild. Kunst III. 64); b) Gesamtheit der in
einer Rangfolge Stehenden: Veränderungen in der
sowjetischen H. (Führungsspitze: Welt 17. 10. 64. 2). 2. <o. PI.)
(kath. Kirche) a) priesterliche Rangordnung: b) Gesamtheit
1227
hierarchisch
derer, die in der kirchlichen Rangordnung stehen:
hierarchisch <Adj.; o. Steig.): 1. der Hierarchie (1 a) entsprechend,
in der Art einer Hierarchie (la) streng gegliedert: eine
-e Ordnung; -e Strukturen abbauen: Im Weißen Haus,
wo bisher ein streng -er Apparat dafür sorgte, daß oben
beim Präsidenten nur das ankam, was sorgfältig durch
viele Filter gegangen war (Dönhoff. Ära 190); eine h.
strukturierte Partei. 2. (kath. Kirche) die Hierarchie (2).
den Priesterstafui u. seine Rangordnung betreffend; hierar-
diisieren [hjeran^'zr.ren] <sw. V.; hat) (bildungsspr.): in
einer Hierarchie (1 a) anordnen, abstufen; Hierarchiskrung.
die; -. -en: eine ..möglichst grundlegende Hierarchisierung41
der relevanten soziologischen Kategorien (Muttersprache
3. 1973. 227); hieratisch [hie'ra:ttf] <Adj.; o. Steig.) [lat.
hieräticus < griech. hieraükös. zu: hierös = heilig]: 1.
(bildungsspr.) priesterlich; heilige Gebräuche od.
Heiligtümer betreffend: -e Schrift (von Priestern vereinfachte
Hieroglyphenschrift, die beim Übergang vom Schreiben auf Stein
zum Schreiben auf Papyrus entstand; vgl. demotisch). 2.
(bild. Kunst) (bes. in der archaischen griechischen Kunst
des 6. Jh.s v. Chr. od. in der byzantinischen Kumt) streng,
starr: in -er Haltung; die Darstellung ist ausgesprochen
h.
hierauf [auch: -1 <Adv.>: l.a) auf dieser Stelle, dieser
Unterlage, diesem Gegenstand o. ä. hier; auf der soeben
erwähnten Stelle, Unterlage, dem soeben erwähnten
Gegenstand o.a.: h. (auf dem Kaminsims) standen früher immer
ein paar Blumen; b) auf diese Stelle, diese Unterlage, diesen
Gegenstand o. ä. hier; auf die soeben erwähnte Stelle,
Unterlage, den soeben erwähnten Gegenstando. ä.: h. (auf diesen
wackligen Stuhl) kann sich ja niemand mehr setzen. 2.a)
auf der soeben erwähnten Sache, Angelegenheit o.a.: das
war seine Idee, und h. faßten alle seine weiteren
Überlegungen; b) auf die soeben erwähnte Sache, Angelegenheit o. ä.:
h. werden wir noch zu sprechen kommen. 3.a) nach dem
soeben erwähnten Vorgang, Ereignis o. ä.; danach, [so]dann:
Herr Martini lächelte; h. rieb er sich mit Daumen und
Mittelfinger die Mundwinkel, um das Lächeln zu
vertreiben (Th. Mann. Hoheit 124); b) auf den soeben erwähnten
Umstand, das soeben erwähnte Ereignis hin; infolgedessen:
er gewann fast jedes Spiel, h. verdoppelte er den Einsatz;
hteraufhjn[mitbes. Nachdruck:' 1 <Adv.>: svw.! hierauf
(3 b): Hendrik ... bat leise: „Aber daß ihr nichts zu Leid
geschieht!" H. wurde der Staatsanwalt neckisch (K. Mann.
Mephisto 291); hieraus [auch: '-'-] <Adv.>: 1. aus diesem
Raum, Gefäß, Behältnis o. ä. hier; aus dem soeben erwähnten
Raum, Gefäß, Behältnis o.a.: h. (aus dieser Tasche) ist
das Geld gestohlen worden. 2.a) aus der soeben erwähnten
Sache. Angelegenheit, aus dem soeben erwähnten Vorgang
o.a.: im vergangenen Jahr hat unsere Firma schlecht
abgeschnitten; h. müssen wir Konsequenzen ziehen; h.
kann man folgendes ersehen ...; b) aus diesem Stoff, dieser
Materie o.a. hier; aus dem soeben erwähnten Stoff, der
soeben erwähnten Materie o. ä.: h. (aus diesem Stück Stoff)
will ich mir ein Kleid nähen: c) aus dieser Quelle, Unterlage,
aus diesem Werk hier; aus der soeben genannten Quelle,
Unterlage, dem soeben genannten Werk: h. (aus diesem
Buch) stammen die Zitate; hierbei [auch: '--1 <Adv.>:
1. nahebei dieser Stelle, diesem Ort, diesem Gegenstand
0. ä. hier; nahe bei der soeben erwähnten Stelle, dem soeben
erwähnten Ort, Gegenstand: h. (= bei diesem Buch) lag
der Brief, den ich jetzt suche. 2. im Verlauf des soeben
Erwähnten, bei dieser Gelegetiheit, währenddessen: h. (bei
dieser Übung) kann man sich verletzen. 3. bei der soeben
erwähnten Sache, Angelegenheit o. ä., hinsichtlich des soeben
Erwähnten: h. ist zu berücksichtigen, zu beachten, daß
...; h. handelt es sich [nicht) um .../darum, daß...; hierdurch
[auch: '-'-] <Adv.): 1. hier hindurch: wir müssen h. gehen.
2. auf Grund, infolge des soeben erwähnten Geschehens,
Verhaltens. Umstandes o.a.: ... falls dessen (= des
Haushaltsgesetzes) Verabschiedung am Widerstand einer
Kammer scheiterte und h. eine staatsrechtliche ..Lücke"
entstanden war (Fraenkel. Staat 60). 3. svw. t hiermit (3):
h. teilen wir Ihnen mit. daß ...: hierein [auch:'-'-] <Adv.):
1. in diesen Raum, dieses Behältnis, Gefäß o. ä. hier hinein;
in den soeben erwälmten Raum, das soeben erwähnte
Behältnis. Gefäß o. ä. hinein: h. habe ich den Zettel bestimmt
nicht gelegt! 2. in die soeben erwähnte Angelegenheit.
Situation o. ä.: h. (indiese Pläne) werde ich niemals einwilligen;
hierfür [auch: --] <Adv.): I. für den soeben genannten
Zweck, das soeben genannte Ziel: er ist auf dem besten
Wege, die einzigen, die eines Tages solche Maßnahmen
... garantleren könnten, aus der h. erforderlichen
Schlüsselposition zu vertreiben (Dönhoff. Ära 202). 2, hinsichtlich
der soeben genannten Sache, im Hinblick darauf: h. habe
ich kein Interesse, kein Verständnis. 3. als Gegenleistung.
Entschädigung für dieses hier, für das soeben Erwähnte:
was gibst du mir h.?; hiergegen [mit bes. Nachdruck: ' ]
<Adv.>: 1. gegen, an, auf. in Richtung auf diese Stelle,
diesen Gegenstand hier; gegen, an. auf. in Richtung auf
die soeben erwähnte Stelle, den soeben erwähnten
Gegenstand: h. (gegen diesen Pfeiler) ist er gefahren. 2. (als
Angriff, Abwehr, Ablehnung) gegen die soeben erwähnte
Sache, Angelegenheit o. ä.: das ist nichts als Diffamierung,
h. muß ich mich doch ausdrücklich verwahren; die h.
vorgebrachten Argumente. 3. im Vergleich, im Gegensatz
zu dem hier Gezeigten, Dargestellten: er spielt ganz gut
Geige, aber h. ist sein Spiel noch stümperhaft; hierher
[mit bes. Nachdruck: '—] <Adv.): an diese Stelle, diesen
Ort hier: auf dem Wege h.; .... daß ich mich h. in die
Pizzeria zurückzog (Seghers. Transit 289); wir sind in
unserer Lektüre letztes Mal bis h. (bis zu dieser Stelle hier
im Text) gekommen; R bis h. und nicht weiter (das ist
die äußerste Grenze, mehr ist nicht möglich od. zulässig;
nach Hiob38. 11).
hierher- [auch: '-'-]: -bemühen <sw. V.; hat): 1. höflich
bitten, an diesen Ort hier zu kommen: du brauchst ihn
nicht hierherzubemühen. 2. <h. + sich) freundlicherweise
an diesen Ort hier kommen: du hättest dich nicht extra
hierherzubemühen brauchen; -bitten <st. V.; hat): bitten,
an diesen Ort hier zu kommen: darf ich sie h.?; -blicken
<sw. V.; hat): in Richtung auf diese Stelle hier (wo sich
der Sprecher befindet) blicken: ich weiß nicht, warum er
dauernd hierherblickt; -bringen <unr. V.; hat): an diese
Stelle, diesen Ort hier bringen: kannst du das Auto h.?;
-eilen <sw. V.; ist): an diese Stelle, diesen Ort hier eilen:
ich habe die Nachricht erhalten und bin sofort
hierhergeeilt; -fahren <st. V.): 1. sich in einem Fahrzeug an diese
Stelle, diesen Ort hier begeben <ist>: ich bin auf Umwegen,
mit dem Auto, von der Stadt hierhergefahren. 2. mit einem
Fahrzeug an diese Stelle, diesen Ort hier bringen <hat):
man hat ihn sofort hierhergefahren; -fliegen <st. V.):
1. an diese Stelle, diesen Ort fliegen <ist>. 2. a) mit
dem Flugzeug an diese Stelle, diesen Ort hier kommen <ist>:
er ist von London direkt hierhergeflogen; b) mit dem
Flugzeug an diese Stelle, diesen Ort hier bringen <hat>: das
Serum wurde in einer Stunde hierhergeflogen; -führen
<sw. V.; hat): an diese Stelle, diesen Ort hier führen: er
hat uns direkt vom Bahnhof hierhergeführt; -gehören <sw.
V.; hat): 1. an diese Stelle, diesen Ort hier gehören: ich
glaube nicht, daß dieser Stuhl hierhergehört; man sieht
deutlich, daß der Junge nicht hierhergehört (1. daß er
aus einer anderen Umgebung kommt. 2. daß er von hier
fortmuß)', du weißt doch, daß du hierhergehörst (in unsere
Familie, unsere Gemeinschaft gehörst); Hierher (zu dieser
Gruppe) gehört die Mehrzahl aller Nesthocker (Lorenz,
Verhalten 1.198). 2. in den hier hergestellten Zusammenhang
gehören; hierfür wichtig, relevant sein: was du sagst, gehört
nicht hierher; hierhergehörende Bemerkungen; -gehörig
<Adj.; o. Steig.; nur attr.): 1. in den hier hergestellten
Zusammenhang gehörend; hierfür wichtig, relevant: nicht
-e Fragen werden zu einem späteren Zeitpunkt behandelt.
2. zu der soeben, zuletzt genannten Gruppe. Kategorie
gehörend: die -en Pflanzen. Tiere; -gelangen <sw. V.; ist):
an diese Stelle, diesen Ort hier gelangen: -holen <sw. V.;
hat): an diese Stelle, diesen Ort hier holen: er hat seine
Eltern hierhergeholt; -kommen <st. V.; ist): an diese Stelle,
diesen Ort hier kommen: wir sind auf Umwegen, mit dem
Auto, direkt vom Hotel hierhergekommen; -laufen <st.
V.; ist): an diese Stelle, diesen Ort hier laufen: ich bin.
so rasch ich konnte, hierhergelaufen; -legen <sw. V.; hat):
an diese Stelle, diesen Ort hier legen: wer hat denn den
Bleistift hierhergelegt?; -locken <sw. V.; hat): an diese
Stelle, diesen Ort hier locken; -nehmen <st. V.; hat): an
diese Stelle, diesen Ort hier mitnehmen: wir wollen das
Kind mit h.; -reisen <sw. V.; ist): an diesen Ort hier
reisen; -rufen <st. V.; hat): an diese Stelle, diesen Ort
hier rufen, beordern; -schaffen <sw. V.; hat): an diese Stelle,
diesen Ort hier schaffen: er hat sein ganzes Hab und Gut
hierhergeschaflt; -schauen <sw. V.; hat): svw. t -blicken;
1228
Hieronym
-schicken <sw. V.; hat): an diese Stelle, diesen Ort hier
schicken: ich wurde hierhergeschickt, um etwas
einzukaufen (Leonhard. Revolution 140); ^setzen <sw. V.; hat):
1. an diese Stelle hier setzen: Ich setze eine schöne Stelle
aus einem zeitgenössischen Lehrbuch hierher (an diese
Stelle in den Aufzeichnungen: Musil, Mann 1257). 2. <h.
+ sich) an dieser Stelle hier Platz nehmen: willst du dich
nicht h.?; >stdlen <sw. V.; hat): an diesen Platz hier stellen:
du kannst den Kotier ruhig h.. ich passe schon auf; -tragen
<st. V.; hat): an diese Stelle, diesen Ort hier tragen: -treiben
<st. V.): 1. an diese Stelle, diesen Ort hier treiben <hat>:
der Wind hat ein Stück Papier hierhergetrieben; Ü die
Angst hat mich hierhergetrieben. 2. an diese Stelle, diesen
Ort hier treiben, von einer Strömung bewegt werden Ost):
das Boot treibt kieloben hierher; -wagen, sich <sw. V.;
hat): wagen, an diese Stelle, diesen Ort hier zu kommen:
nach allem, was passiert ist. wagst du dich noch hierher?;
-ziehen <unr. V.): 1. durch Ziehen an diese Stelle, diesen
Ort hier bringen <hat): er soll das Boot h.; Ü was zieht
dich hierher? 2. an diesen Ort hier umziehen <ist>: wann
seid ihr hierhergezogen?
hkrhenuif [mit bes. Nachdruck: ' 1 <Adv.>: 1. an diese
Stelle, diesen Ort hier nach oben: die letzte Expedition
ist ebenfalls bis h. gekommen; er hatte ein Haus in dieser
Berggegend, h. kam er immer, wenn er allein sein wollte.
2. an dieser Stelle, auf diesem Weg, in dieser Richtung
hier nach oben: h. führt ein besserer Weg; hkrhenjm [mjt
bes. Nachdruck:' ]<Adv.>: 1. an dieser Stelle, au) diesem
Weg, in dieser Richtung hier herum: wir gehen besser h.
2. (ugs.) hier irgendwo: er muß h. sein Büro haben; hferhjn
[mit bes. Nachdruck:'—] <Adv.>: 1. an diese Stelle, diesen
Ort hin: an die soeben erwähnte Stelle, den soeben erwähnten
Ort hin: setzen wir uns doch h.. hier ist es schattig; die
Höhle ist nur bis h. begehbar; mein kleiner Bruder ist
in letzter Zeit sehr gewachsen, er geht mir jetzt schon
bis h. (ugs.; er ist so groß im Vergleich zu mir: mit
entsprechender Geste); in seiner Aufregung lief er h. und dorthin
(lief er ziellos umher): sie schaute bald h.. bald dorthin
(sie schaute unablässig in alle Richtungen). 2. <in
Verbindung mit ..bis") bis zu diesem Punkt, bis an diese Stelle:
bis h. bin ich dir in deinen Ausfuhrungen. Plänen zu
folgen bereit.
hierhin- [auch: --1: -lesen <sw. V.; hat): 1. an diese Stelle
hier legen: du kannst die Bücher h. 2. <h. + sich) sich
an dieser Stelle hier niederlegen: du kannst dich ruhig
h.. hier stört dich niemand; -setzen <sw. V.; hat): 1. an
diese Stelle hier setzen: wir können den Blumenstock h..
bis wir einen besseren Platz gefunden haben. 2. <h. +
sich) an dieser Stelle hier Platz nehmen: du kannst dich
nicht h.. hier ist es zu schmutzig; -stellen <sw. V.; hat):
1. an diesen Platz hier stellen: den Schirm kannst du h.
2. <h. + sich) sich an diesen Platz hier stellen: wenn
du dich hierhinstellst, kannst du alles gut sehen.
hkrhinQb [mit bes. Nachdruck: ' ] <Adv.>: an dieser
Stelle, auf dieser Seite, in dieser Richtung hier hinab: ins
Dorf geht es h.; hkrhiiuuif [mit bes. Nachdruck: ' 1
<Adv.): an dieser Stelle, auf dieser Seite, in dieser Richtung
hier hinauf: h. fuhrt ein schöner Spazierweg; hkrhinaus
[mit bes. Nachdruck:' 1 <Adv.): 1. an dieser Stelle, auf
diesem Weg, in dieser Richtung hier hinaus: zum
Schloßgarten geht es h. 2. aus diesem Raum, Behältnis, Gefäß o. ä.
hier hinaus: aus dem soeben erwähnten Raum, Behältnis,
Gefäß o.a. hinaus: h. hat noch kein Gefangener den Weg
in die Freiheit zurückgefunden; hterhintin [mit bes.
Nachdruck: ' ] <Adv.): 1. an dieser Stelle, auf diesem Weg,
in diese Richtung hier hinein: zum Schloßgarten geht es
h. 2. in diesen Raum, dieses Be/tältnis. Gefäß o.a. hier
hinein: in den soeben erwähnten Raum, das soeben erwähnte
Behältnis. Gefäß o.a. hinein: wir stellen die Blumen h..
das ist die richtige Vase; hkrhjnter [mit bes. Nachdruck:
' ] <Adv.>: 1. hinter diesem Gegenstand, Raum, Gebäude
o. ä. hier: hinter dem soeben erwähnten Gegenstand, Raum,
Gebäude o.a.: h. sehen Sie Reste der römischen Wand-
und Fußbodenheizung. 2. hinter diesen Gegenstand, Raum,
dieses Gebäude o. ä. hier: hinter den soeben genannten
Gegenstand, Raum, das soeben genannte Gebäude o.a.: er ging
zum Schuppen, um sein Fahrrad h. zu stellen; hkrhinüber
[mit bes. Nachdruck:' ] <Adv.): über diesen Ort,
Gegenstand o. ä. hier hinüber, über den soeben erwähnten Ort,
Gegenstand hinüber: solltest du es nicht schaffen, h. auf
die andere Seite zu springen?: hkrhinynter [mit bes.
Nachdruck: ' 1 <Adv.): 1. unter diesen Gegenstatid o. ä. hier
hinunter: unter den soeben erwähnten Gegenstand o. ä.
hinunter: hierhinunter (unter diesen Stein) ist die Eidechse
geschlüpft. 2. an dieser Stelle, auf dieser Seite, in dieser
Richtung hier hinunter: h. führt der Weg ins Tal; hkrin
[auch: '-'-] <Adv.>: 1. in diesem Raum. Gefäß. Gegenstand
o. ä. hier, in dem soeben genannten Raum. Gefäß, Gegenstand
o.a.: rate mal. was sich h. befindet; h. (in diesem Kleid)
sieht sie besonders elegant aus. 2. in dieser Beziehung:
hinsichtlich dieser / Tatjsache, Angelegenheit: Moskau ist
eine Stadt der Kongresse und erinnert h. fast an Wiesbaden
(Koeppen. Rußland 93); h. gebe ich dir recht; h. irrt er;
hkrjnnen [mit bes. Nachdruck: ' ] <Adv.) (veraltet):
hierin: hkrlands [...lantß, auch:'-'-] <Adv.) (veraltet): hier-
mlande;bfernAX{ä\ich:'-'-] <Adv.): l.a) mit diesem
Gegenstand hier, dessen man sich bedient: mit dem soeben
genannten Gegenstand: h. kann ich nicht schreiben; b) mit dem
soeben erwähnten Mittel: durch diese Art des Vorgehens
o.a.: das scheint mir ein guter Weg zu sein. h. wirst du
dein Ziel bestimmt erreichen. 2. mit der soeben erwähnten
Sache. Angelegenheit o.a.. mit der man sich beschäftigt:
h. kann ich nichts anfangen, befasse ich mich schon seit
Jahren. 3. gleichzeitig mit diesem Geschehen. Vorgang.
Zustand od. unmittelbar darauf: h. (mit diesen Worten) erkläre
ich die Ausstellung für eröffnet; h. (Amtsspr.; durch diese
Bescheinigung, dieses Schreiben o. ä.) wird bestätigt, erkläre
ich, daß ...; hiernach [auch: '-'-] <Adv.>: 1. der soeben
erwälmten Sache. Angelegenheit o. ä. entsprechend: h. kann
man sich richten. 2. der soeben erwähnten Sache.
Angelegenheit o. ä. zufolge: demnach: ich habe den
Untersuchungsbericht gelesen, h. wäre der Angeklagte schuldig. 3. nach
der soeben erwähnten Sache, dem soeben erwähnten Vorgang
o.a.: im Anschluß an das soeben Erwähnte: hierauf: Der
Brief wurde dem Hausdiener übergeben, der ihn ... zum
nächsten fahrplanmäßigen Zug beförderte. Hiemach schien
unserem Abenteurer vieles geordnet (Th. Mann.
Zauberberg 264); hkrneben [mit bes. Nachdruck: ' 1 <Adv.>:
l.a) neben diesem Gegenstand, neben dieser Sache o.a.
hier: neben dem soeben erwähnten Gegenstand, neben der
soeben erwähnten Sache: ein Bücherregal, h. ein bequemer
Sessel und eine Lampe; b) neben diesen Gegenstand, neben
diese Sache o. ä. hier: neben den soeben erwähnten
Gegenstand, neben die soeben erwähnte Sache: h.. in diese Ecke,
könnte man die Kommode stellen.
hiero-, Hiero-, (vor Vokalen:) hier-. Hier- [hierto)-;
griech. hierös] (Best, in Zus. mit der Bed.): heilig (z.B.
hieroglyphisch. Hierogramm. hierarchisch. Hierarchie);
,Hierodule[...'du:b]. der; -n. -n [lat. hierodülus < griech.
hierödoulosl: Tempelsklave des griechischen Altertums:
^ierodule [-]. die; -. -n [f 'Hierodulel: Tempelsklavin des
Altertums, die der Gottheit gehörte u. deren Dienst u.a.
in sakraler Prostitution bestand (bes. im Kult der Göttinnen
Astarte u. Aphrodite): Hieroglyphe [...'gly:fd], die; -. -n
[zu griech. hieroglyphikä (grämmata) = heilige
Schriftzeichen (der altägyptischen Bilderschrift): vgl. Glypte]: 1.
Zeichen bes. der altägyptischen, aber auch der altkretischen
u. hethitischen sowie anderer Bilderschriften: die
ägyptischen -n wurden erst 1822 entziffert. 2. <P1.) (scherzh.)
schwer od. nicht lesbare Schriftzeichen einer Handschrift:
deine -n kann ja niemand entziffern: Hieroglyphenschrift,
die; -. -en: Schrift in Hieroglyphen (1); Hieroglyphik, die;
-: Wissenschaft von den Hieroglyphen (1); hieroglyphisch
<Adj.): 1. <o. Steig. > die Hieroglyphen betreffend, den Hiero
glyphen zuzuordnen: -e Schriftjzeichen). 2. in der Art von
Hieroglyphen, rätselhaft verschlungen: -e Zeichen. Figuren;
... aus den -en Labyrinthen der verschlungenen Linien
und Pfade quer auf der Schneedecke (Fries. Weg 183);
Hierogramm [...'gram], das; -s. -e [t-gramml: Zeichen einer
geheimen altägyptischen Priesterschrift, die ungewöhnliche
Hieroglyphen aufweist: Hierokratie [...kra'ti:], die; -. -n
[...i:dn; zu griech. krateTn]: Priesterherrschaft, Regierung
eines Staates durch Priester: Hieromant [...'mantj. der; -en.
-en [griech. hieron\&nüs]:jmd.. der aus Opfern (bes.
geopferten Tieren) weissagt: vgl. Haruspex; Hieromantie [...man-
ti:J. die; -: Kunst der Weissagung aus [Tier/opfern: Hiero-
monadiofi [...'mo:naxos). der; -. ...choi [...x^y; ngriech.,
mgriech. hieromönachosl: zum Priester geweihter Mönch
in der orthodoxen Kirche: Hieronym [...'ny:m]. das; -s. -e
[zu griech. önyma = Name]: heiliger Name, der jmdm.
1229
Hieronymie
beim Eintritt in eine Kultgemeinschaft gegeben wird;
Hieronymie [...ny'mi:]. die: -: a) Namenswechsel beim Eintritt
in eine Kultgemeinschaft; b) Ersatz des Individualnamens
durch den Kulttitelinaltgriechischen Inschriften; Hierophant
[...fant]. der: -en. -en Hat. hierophantes < griech.
hierophantes]: Oberpriester u. Lehrer der heiligen Bräuche
im Griechenland der Antike, bes. in den Eleusischen
Mysterien; Hieroskopie [...sko'pi:], die; - [zu griech. skopein =
sehen, betrachten]: svw. THieromantie.
hkrprts [mit bes. Nachdruck: '--] <Adv.>: an diesem Ort,
in dieser Stadt. Gegend. Umgebung hier; Dann ging er
aufs Rathaus, wies seine Papiere vor und erklärte, sich
h. niederlassen zu wollen (Hesse. Sonne 7); higrs^lbst [auch:
' . mit bes. Nachdruck: ' --J <Adv.> (veraltet): an diesem
Ort. an dieser Stelle hier; hierüber [auch: '-'--] <Adv.>:
l.a) über dieser Stelle, diesem Gegenstand o.a. hier; über
der soeben erwälmten Stelle, dem soeben erwälinten
Gegenstand o.a.; h. sehen Sie das berühmte Triptychon von
Rogier van der Weyden; b) über diese Stelle, diesen
Gegenstand o. ä. hier; über die soeben erwähnte Stelle, den soeben
erwähnten Gegenstand; h. wollen wir einen Wandbehang
hängen; traust du dich h. zu springen? 2.a) (geh.)
währenddessen; er hatte sich ein Fernsehstück angesehen und war
h. eingeschlafen; b) über die soeben erwähnte Sache. Angele-
gen/ieit; was die soeben erwähnte Sache. Angelegenheit
betrifft; h. fehlt jede Angabe; hkrum [auch: '-'-] <Adv.>:
1. um diesen Ort. Gegenstand o.a. hier herum; utn den
soeben erwähnten Ort. Gegenstando. ä. herum: das ist unsere
Sitzecke, h. wollen wir eine Hecke pflanzen. 2. um die
soeben erwähnte Sache. Angelegenheit: h. geht es [mir]
nicht.
hierunter [mit bes. Nachdruck: ' ] <Adv>: l.a) unter
dieser Stelle, diesem Gegenstand hier; unter der soeben
erwähnten Stelle, dem soeben erwähnten Gegenstand: h. (unter
der Fußmatte) ist der Schlüssel; b) unter diese Stelle, diesen
Gegenstand o. ä. hier; unter die soeben erwähnte Stelle,
den soeben erwälinten Gegenstand o.a.: h. (unter den
Schrank) warder Ball gerollt. 2. unter der soeben erwähnten
Sache. Angelegenlieit o.a.: er ist früher einmal straffällig
geworden, h. hat er jetzt schwer zu leiden. 3.a) unter
der soeben erwähnten Gruppe. Kategorie o. ä.: 179 Personen
kamen bei dem Flugzeugabsturz ums Leben, h. befanden
sich auch einige Deutsche; b) unter die soeben erwähnte
Gruppe. Kategorie o. ä.: in der heutigen Zeit nehmen
Stoffwechselkrankheiten immer mehr zu; h. fallen z. B. Diabetes
und Gicht; hiervon [auch: '-'-] <Adv.>: I. von dieser Stelle,
diesem Gegenstatidhier / entfernt]; von der soeben genannten
Stelle, dem soeben genannten Gegenstand / entfernt]: nur
einige Meter h. entfernt geschah der Überfall. 2.a) von
diesem Gegenstand o. ä. hier; von dem soeben erwähnten
Gegenstand, der soeben erwähnten Sache o. ä. / als
Ausgangspunkt]: h. (von diesem Foto) lasse ich mir eine
Vergrößerung machen; b) von der soeben erwähnten Sache.
Angelegenheit; hinsichtlich der soeben erwähnten Sache.
Angelegenheit: er neigt ein bißchen zum Aufschneiden, aber h.
abgesehen ist er durchaus sympathisch; h. höre ich heute zum
ersten Mal. 3. als Folge des soeben erwähnten Vorgangs,
Zustandso. ä.; durch die soeben en\'ä/inte Sache.
Angelegenheit [verursachti: h. kommt es. daß ... 4. von der soeben
erwähnten Menge als iAn]teil: es waren sechzig Verun-
glückte.h. zwei Deutsche. 5. von dieser Sache hier als
Grundlage, aus diesem Material hier: h. (von diesem Stoff) werde
ich mir eine Bluse nähen; hjfirvor [auch: '-'-] <Adv.>: l.a)
vor dieser Stelle, vor diesem Gegenstand o. ä. hier; vor der
soeben erwähnten Stelle, dem soeben genannten Gegenstand
o. ä.; b) vor dieser Stelle, vor diesem Gegenstand o. ä. hier;
vor die soeben genannte Stelle, den soeben ermähnten
Gegenstand o.a.: h. möchte ich noch einen Vorhang hängen.
2. vor der soeben erwähnten Sache. Angelegenlieit, im
Hinblick darauf: h. hat er großen Respekt; hjenwler [mit
bes. Nachdruck: ' ] <Adv.> (veraltet): hiergegen (1. 2);
hierzu [auch: *-*--J <Adv.>: l.a) zu dieser Sache, diesem
Gegenstand hier hinzu], zu der soeben erwähnten Sache,
dem soeben erwähnten Gegenstand o.a. /hinzu]: h. (zu
diesem Essen) gehört ein kräftiges dunkles Bier; b) zu
der soeben erwähnten Gruppe, Kategorie o. ä.: die
Bürgerinitiative hat sich gestern konstituiert, h. gehören außer den
direkt Betroffenen Vertreter der Innenstadt und einiger
Außenbezirke. 2. zu dem soeben genannten Zweck. Ziel;
für den soeben genannten Zweck: h. kann ich dir nur raten;
h. wünsche Ich dir viel Glück. Erfolg. 3. hinsichtlich der
soeben erwähnten Sache. Angelegenheit o. ä.: was ist deine
Meinung h.?; vgl. h. Band 1. Seite S78; hierzulande [mit
bes. Nachdruck: ' ] <Adv.>: in diesem Lande, dieser
Gegend, dieser Gesellschaft, unter diesen Leuten hier: sein
Vermögen, berechnet im Münzfuß von h. (Th. Mann.
Hoheit 130); h. bäckt man ein ausgezeichnetes Brot; h.
herrschen rauhe Sitten; hkrzwjschen [mit bes. Nachdruck:
' ] <Adv.>: a) zwischen diesen Personen, Gegenständen.
Sachen o. ä. hier; zwischen den soeben erwähnten Personen.
Gegenständen. Sachen o.a.: h. ist noch Platz; b) zwischen
diese Personen. Gegenstände. Sachen o.a. hier; zn'ischen
die soeben erwähnten Personen. Gegenstände. Sachen o.a.:
stelle dich doch h.. von hier aus siehst du alles.
hiesig ['hi:zif] <Adj.; o. Steig.: nur attr.) [wahrsch. aus
hie (thier) u. mhd. -wesec (z. B. in: abewesec; vgl. Wesen),
also eigtl. = hierseiend]: hier befindlich; hier ehüieimisch.
ansässig; von hier stammend: -e Gebräuche, Zeitungen;
die -e Bevölkerung besteht überwiegend aus Bauern; Ich
fürchte, daß ihr mit dieser Geschichte beim -en Publikum
auf keine Gegenliebe stoßt (Bieler. Mädchenkrieg 163);
(veraltend:) -en Ort[e]s; <subst.:> er ist kein Hiesiger
(Einheimischer).
hieß [hi:s]: T heißen.
Hieve ['hfcva], die; -. -n [zu thieven] (Fachspr.): Last, die
beim Laden od. Löschen auf einmal an den Ladeliaken
gehängt wird: In einem Eisenhandelsuntemehmen wurden
ca. 8m lange Moniereisen zu einer H. zusammengestellt
(Unfallstop 5. 1972. 7); hieven ['hi:vn] <sw. V.; hat) [engl,
to heave = (hoch-, emportheben (vgl. heben)] (See-
mannsspr.. sonst ugs.): (eine Last) heraufziehen,
hochwinden: Die Männer ... hatten einen Torpedo durchs vordere
Oberdecksluk an Deck gehievt (Ott. Haie 240); wir hievten
(scherzh.; hoben) sie auf den Operationstisch (Spiegel 23.
1966. 72); Ü warum unsere Voksbildner ... unser
literarisches Niveau bisher nicht auf einen höheren Stand zu
h. (bringen) vermochten (Börsenblatt 4. 1968. 100).
Hiffe ['hifoj usw.: THiefe usw.
Hi-Fi [foyn. h^jfi:. auch: hai'fai]: High Fidelity.
Hi-Fi- (Rundfunkt.): -Anlage, die: Laut Sprecheranlage, die
eine originalgetreue Wiedergabe ermöglichen soll;
-Lautsprecher, der: Lautsprecher als Teil einer Hi-Fi-Anlage;
-Schallplatte, die: Schallplatte mit größtmöglicher
originalgetreuer Wiedergabe.
Hifthorn I'hiA-]. das;-[e]s, ...hömerlfrühnhd. hift = Jagdruf
mit dem Jagdhorn, wohl zu ahd. hiüfan = klagen]
(Jage rspr.): altes, sehr einfaches, aus einem ausgehöhlten Stier-
hörn angefertigtes Jagdhorn: das H. blasen.
high [hai] <Adj.; o. Steig.; nur präd.) [engl. high, eigtl.
= hoch] (Jargon verhüll.): in euphorieähnlichem Zustand
nach dem Genuß von Rauschgift: Rauschgiftsüchtige
schweben, wenn sie sich „high" fühlen, in einer anderen Welt
(MM 7. 8. 70. 3); Ü Es war eine Stimmung wie
Weihnachten, wenn gleich die Tür aufgeht und die Bescherung
anfängt ... Wir waren alle echt h. (in euphorischer Stimmung;
Plenzdorf. Leiden 105).
High- [-]: ~ball [-to:l], der; -s. -s [engl.-amerik. highball.
H. u.]: Longdrink auf der Basis von Whisky mit zerkleinerten
Eisstücken. Zitronenschale u. anderen Zusätzen; -board
[-bD:d]. das; -s. -s [zu engl, high (thigh) u. board = Brett,
Tisch]: halbhohes Möbelstück mit Schubfach- u. Vitrinenteil;
-brow [-brao] (mit Bindestrich), der; -[s]. -s [engl, high
brow. eigtl. = hohe Stirn] (bildungsspr.. oft scherzh. od.
abwertend): Intellektueller; jmd.. der sich übertrieben
intellektuell gibt; -Church [-'tjatj] (mit Bindestrich), die; -
[engl. High Church]: Richtung der englischen Staatskirche,
die eine Vertiefung der liturgischen Formen anstrebt; engli-
scfie Hochkirche; vgl. Low-Church; -Fidelity [-fi'dehti.
auch: -fai...] (mit Bindestrich), die; - [zu engl, high (thigh)
u. fidelity = Treue, genaue Wiedergabe] (Rundfunkt.):
1. originalgetreue Wiedergabe (z. B. bei
Qualitätsschallplatten). 2. Lautsprechersystem, das eine originalgetreue
Wiedergabe ermöglichen soll, dazu: -Fidelity-Klang, der; ^jak-
ker (mit Bindestrich): f Hijacker; -life ['hajl^ifl. das; -[s]
[engl, high life]: exklusives Leben der vornehmen
Gesellschaftsschicht: bei uns ist heute H. (ugs.; wir feiern heute
ausgelassen): -light [-lait]. das; -[s], -s [engl, high light.
aus: high (Thigh) u. light = Licht]: Höhepunkt, Glanzpunkt
eines [kulturellen] Ereignisses, eines Ablaufs: Neben diesen
-s erscheinen monatlich zwei Bände (Börsenblatt 21. 1971.
1230
hilfs-, Hilfs-
1655); -noon [-nu:n] (mit Bindestrich), der; -[sl. -s [zu
engl, high (thigh) u. noon = Mittag]: spannungsgeladene
Atmosphäre fwie im Wildwestfilm]: H. in Bonn. Die beiden
Männer maßen sich kühl (Spiegel 32. 1967. 28); H. ist
in der Anzeigenabteilung... rund um die Uhr (Börsenblatt
70. 1972. 2038); -riser [-raiza] (mit Bindestrich), der;
-[s]. - [amerik. high-riser. aus high (thigh) u. riser = (die
Höhe vergrößerndes) Zwischenstück]: Fahrrad od. Moped
mit hohem, geteiltem Lenker u. Sattel mit Rückenlehne:
-School [-sku.il (mit Bindestrich), die; -. -s [amerik. high
school]: amerik. Bez. für höhere Schule: -Snobiety
[-snabaidti] (mit Bindestrich), die; - [scherzh. aus engl, high
(thigh). snob (tSnob) u. society = Gesellschaft]: Gruppe
der Gesellschaft, die durch entsprechende snobistische
Lebensführung Anspruch auf Zugehörigkeit zur High-Society
erhebt: ^Society [-sa'saiati] (mit Bindestrich), die; - [engl.-
amerik. high society]: gesellschaftliche Oberschicht, die
vornehmsten Kreise der Gesellschaft: ^way [-wei], der; -[sl.
-s [engl, highway]: a) engl. Bez. für Haupt-. Landstraße:
b) amerik. Bez. für Autobahn.
hihi! [hihi:], hihihi [hihihi:] <Interj.>: Ausruf, der
Schadenfreude, hämisches kicherndes Lachen ausdrückt: „Hihi!"
lachte das Scheusal.
Hijacker ['hajciseke]. der; -s. - [engl.-amerik. hijacker. eigtl.
= Straßenräuber]: jmd., der ein Flugzeug währenddes
Fluges in seine Gewalt bringt, tun dadurch bestimmte
Forderungen durchzusetzen: Luftpirat.
Hila: PI. vontHilum.
Hilarität [hilarite:t]. die; - [lat. hilaritäs] (veraltet):
Heiterkeit. Fröhlichkeit: Daß das Epos viele und auch subtilere
Formen von H. aufweist (Deschner. Talente 253).
hilb [hilp] <Adj.; nicht adv.) [viell. verw. mit mhd. heln.
thehlen] (Schweiz.): windgeschützt: wir suchten uns eine
-e Stelle.
hjlf-, Hflf-: -los <Adj.; -er. -este) [mhd.. ahd. helf(e)lös]:
a) auf Hilfe angewiesen / ohne sie zu erhalten]: ein -er
Greis; h. und verlassen sein; h. dastehen, zugrunde gehen;
h. (ratlos, unschlüssig) mit den Achseln zucken; Ü Gegen
einen Felsen geworfen, sank das -e (den Wellen nicht
standhaltende) Schiff (Schneider. Erdbeben 49); b) unbeholfen,
ungeschickt: Man sah -e Bauerntölpel (Th. Mann. Krull
107); h. ein paar Worte stammeln, dazu: -losigkeit [...lo:-
zi?kajt].die; -: a)das Hilflossein: die H. eines neugeborenen
Kindes; siewarvon rührender H.; b) Unbeholfenheit.
Ungeschicklichkeit: die H.. mit der er das Problem anpackte;
-reich <Adj.> [mhd. helferichel (geh.): 1. andern mit seiner
Hilfe in einem entsprechenden Fall zur Verfügung stehend:
hilfsbereit, helfend: ein -er Mensch; jmdm. eine -e Hand
entgegenstrecken (jmdm. Hilfe anbieten): jmdm. h. zur
Seite stehen; er reichte ihr h. seine Hand. 2. in einer
bestimmten [schwierigen/ Situation nützlich: ein -es Wissen;
-e Hinweise; h. wäre es, wenn ...
Hilfe ['hilfe]. die; -. -n [mhd. hilfe. ahd. hilfa. zu t helfen]:
l.a) das Helfen: das Tätigwerden zu jmds. Unterstützung:
wirksame, nachbarliche, ärztliche, finanzielle H.; H. für/
(Schweiz.:) an behinderte Kinder; H. in Notfällen; das
Pausenzeichen kam für den Schüler als H. in der Not
(als Rettung aus seinen schulischen Nöten): die Töchter
sind mir eine große H. (ersparen mir viel eigene Arbeit)
im- Haushalt; diese Merksätze sind kleine -n (dienen als
Stütze) für das Gedächtnis; [jmdm.] H. leisten; jmdm.
seine H. anbieten, verweigern; telefonisch H. herbeirufen
(jmdn. zu Hilfe rufen): jmdim. beim Turnen -n
(Hilfestellungen) geben; (geh.:) jmds. H. bedürfen, würdig sein;
auf [jmds.] H. angewiesen sein; mit Gottes H.. mit fremder
H. hat er es geschafft; jmdn. um H. bitten, (geh.:) ersuchen;
um H. rufen; jmdn. zu H. rufen; niemand kam dem
Verunglückten zu H.; [zu] H.! (Ruf. mit dem jmd. zu verstehen
gibt, daß er od. jmd. anders sich in einer Notlage befindet,
aus der er bzw. dieser sich nicht allein befreien kann);
er nimmt beim Essen die Hände zu H.; jmds. Gedächtnis
zu H. kommen (1. jmdn. an etw. erinnern, indem man
ihm Anhaltspunkte gibt. 2. (iron.) jmdn. .der sich an
bestimmte Tatsachen nicht erinnern will, auf diese Tatsachen
hinweisen): * Erste H. (Malinahmen, die ein Laie sogleich an
der Unfallstelle noch vor der ärztlichen Behandlung an dem
Verunglückten durchführt): Erste H. leisten; einen Kurs
in Erster H. absolvieren; mit H. (1. mit Unterstützung:
mit H. meiner Familienangehörigen werde ich es schon
schaffen; 2. unter ZuhilfenaJime. VerwemlumY Politisches
Denken kann der Jugend nicht mit H. von Theorien
beigebracht werden (Dönhoff. Ära); b) finanzielle Unterstützung:
... daß die Sportorganisationen ihrerseits die ihnen aus
öffentlichen Mitteln bereitgestellten -n in zweckmäßiger
Weise einsetzen (Bundestag 1906. 1968. 10279); mit
staatlicher, amerikanischer H.; den Notleidenden wurde
unbürokratische H. (von der öffentlichen Hand gewährte fman-
zielte Unterstützung, die um der Dringlichkeit willen nicht
den üblichen Behördengang durchläuft) zuteil; c) <meist
Pl.> (Reiten) Übermittlung der Anweisungen des Reiters
an das Pferd durch Schenkeldruck. Gewichtsverlagerung.
Sporen. Zügel o.a.: Es (= das Pferd) befindet sich in
einem Zustande der Bereitschaft, nur deswegen kann es
Ihren -n auch schnell folgen (Dwinger. Erde 74). 2. svw.
tHilfsmittel: meine Ersparnisse sind mir eine gute H.;
als die Verrichtungen der Zugarbeit durch mechanische
-n ersetzt wurden (Kasack. Webstuhl 7). 3. Person, die
[im Haushalt] bei der Arbeit hilft: Hilfskraft: vielleicht
kann man auch eine H. nehmen, einen Mann, der die
letzten Griffe tut (Waggerl. Brot 228); Mittelbach konnte
eine H. ins Haus nehmen, die ihm die Wirtschaft in
Ordnung hielt (Bredel. Väter 131).
hjlfe-. Hjlfe- (Hilfe 1; vgl. auch: hilfs-. Hilfs-): -bedürftig
<Adj.>: svw. thilfsbedürftig; -bringend <Adj.; o. Steig.;
nur attr.>: -e Truppen; -ersuchen, das: Ersuchen um Hilfe.
Beistand: -flehend <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: Hilfe.
Beistand erflehend: h. hob sie ihre Hände; -leistung, die:
Hilfe (1). die man jmdm. in bestimmter Form leistet od.
unter gewissen Umständen zu leisten verpflichtet ist:
medizinische, materielle H.; ein Verfahren wegen unterlassener
H. (Welt 9. 11. 65. 11); -nif, der: Ruf. Signal, mit dem
jmd. um Beistand in einer hilflosen Lage bittet: ein
verzweifelter H.; ... als die -e der weggeschwemmten Soldaten
ertönten (Noack. Prozesse 191); wäre ein Schiff in Gefahr,
hätte ja ihr Funker einen H. aufgefangen (Menzel. Herren
67); ^rufend <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: h. standen sie
an den Fenstern des brennenden Hauses; -schrei, der [vgl.
mhd. helfegeschrei]: vgl. ^ruf; -Stellung, die (Turnen):
1. <o. PI.) sachgerechte, fachkundige Beobachtung u.
Unterstützung bei einer Turnübung: zwei Schüler übernehmen
die H.; Ü eine H. gegenüber dem Faschismus einnehmen
(Leonhard. Revolution 201). 2. jmd.. der Hilfestellung (1)
leistet: bei der Stützkippe sichern die -en an Achillessehne
und Gesäß; -suchend <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): ein
-er Blick; h. schaute sie sich um.
hjlfs-. Hjlfs- (vgl. auch: hilfe-, Hilfe-): Miktion, die: Aktion,
durch die Notleidenden geholfen werden soll: eine H. starten;
sich an einer H. für die. zugunsten der
Katastrophengeschädigten beteiligen; ^arbeitender: ungelernter, nicht
qualifizierter Arbeiter: jmdn. als H. einstellen; -arbeiterin,
die: w. Form zu T ^arbeiten -assistent, der: studentische
Hilfskraft an einer Hochschule, die bei der Durcliführung
von Lehrveranstaltungen behilflich ist: Missistentin. die: w.
Form zu T ^assistent; -bedürftig <Adj.; nicht adv.): a)
schwach u. auf Hilfe angewiesen: -e Kranke; die alte Frau
ist h.; b) auf materielle Hilfe angewiesen, notleidend: -e
Familien, zu b: -bedürftigkeit, die: jmds. H. feststellen;
-bereit <Adv.; -er. -este; nicht adv.): [immer/ bereit,
anderen zu helfen, behilflich zu sein: er ist der hilfsbereiteste
Mensch, den ich kenne, dazu: -bereitschaft, die: [ständige]
Bereitschaft, anderen zu helfen, behilflich zu sein: an jmds.
H. appellieren; -bischof, der (kath. Kirche): svw. T Weihbi;
schof; -bremser, der (ugs. scherzh.): jmd.. der
[vorübergehend] eine Hilfstätigkeit ausübt (z.B. Hilfsassistent);
-dienst, der: 1. Dienst für Hilfszwecke. 2.a) Organisation,
die eingerichtet wird, um in einer Notsituation od. einem
Katastroplienfall zu helfen: für die Bevölkerung des
Katastrophengebiets wurde ein H. eingerichtet; b) ständige
Einrichtung. Organisation für Hilfeleistungen in bestimmten
! Not]fällen: den H. für Autofahrer anrufen; an dieser
Schule gibt es einen von den Schülern selbst eingerichteten
H. für versetzungsgefährdete Schüler; -feuerwehr, die:
Gruppe, die die eigentliche Feuerwehr in Notfällen
unterstützt: ^fonds. der: Fonds zur finanziellen Unterstützum
Hilfsbedürftiger: einen H. für Waisenkinder anlegen;
-geistliche, der (ev. u. kath. Kirche): in der Seelsorge
tätiger, dem Pfarrer unterstellter Geistlicher: -geWer <P1.>:
als Beihilfe verwendete Geldbeträge: an jmdn. H. zahlen;
-komitee, das: Komitee, das mit der Leitung einer
Hilfsaktion betraut ist: -konstmktion, die (Geom.): vorübergehend
1231
Hili
benutzte Nebenkonstruktion, die zur Lösung einer Aufgabe
führt: eine H. zeichnen; -kraft, die: jmd.. der zur Mithilfe.
Unterstützung bei bestimmten Arbeiten angestellt ist:
fachliche, technische, wissenschaftliche Hilfskräfte; Danach
sind die Hilfskräfte nur verpflichtet, die Tische zu säubern,
die Teller zu reinigen (Kirst. 08/15. 18S); -kraizer. der:
vgl. ^schiff; sichrer, der: Lehrer ohne Planstelle, der
aushilfsweise unterrichtet: Aushilfslehrer: -Knie, die (Geom.):
hilfsweise benutzte Linie, die zur Lösung einer Aufgabe
beiträgt, -maßnähme, die <oft PL): Maßnahme, durch die
jmdm. geholfen, jmd. unterstützt wird: geeignete -n: erste
-n für die Bevölkerung des Erdbebengebiets wurden
getroffen; -mittel, das: a) Mittel zur Arbeitserleichterung od.
zur Erreichung eines bestimmten Zweckes: technische,
orthopädische H.: Es werden... auch zum Klettern H. (Haken
und Karabiner) verwendet (Eidenschink. Fels 49); b) <P1.>
finanzielle od. materielle Mittel, die jmdm. eine Notlage
überwinden helfen sollen: H. für die Opfer der Katastrophe,
für die Durchführung des Notprogramms werden
bereitgestellt; -motor, der: an einem Fahrrad, in einem Segelflugzeug
od. Boot bejindlicher I ftachträglich eingebauter! Motor für
den Bedarfsfall: -Organisation, die: Organisation, die in
Notsituationen. Katastrophenfällen, kriegerischen
Auseinandersetzungen Hilfe leistet: -pollzei. die: aus Hilfspolizisten
bestehender Verband: -Polizist, der: jmd., der, ohne als
Polizist ausgebildet zu sein, aushilfsweise bei der Polizei
beschäftigt ist: ^Prediger, der: svw. t ^geistlicher:
^Programm, das: Programm einer Hilfsaktion: ein H. für die
Armen; -quelle, die <meist Pl.>: a) Material (bes.
Literatur), das bei einer wissenschaftlichen Untersuchung benutzt
wird: b) Quelle, die ein Land ausbeutet u. für seine Wirtschaft
nutzbar macht: Ressource: das Land hat unerschöpfliche
-n; das Land ist reich an natürlichen -n; c) svw. t Mittel
(b): neue -n suchen, aufschließen; -riditer. der: von der
Justizverwaltung einem Gericht für eine vorübergehende
Tätigkeit zugeteilter (noch nicht zum Richter auf Lebenszeit
ernannter) Richter: -rüder, das (Flugw.): zusätzliches
Steuer, das bestimmten Aufgaben dient: vgl. Gegenruder;
-schiff, das (Milit.): als Kriegsschiff benutztes
Handelsschiff: -schule, die (früher): Sotiderschule für lernbehinderte
Kinder, dazu: -sduiler, der (früher oft abwertend):
Schüler, der eine Sonderschule für Lernbehinderte besucht: Nun
stehen Sie doch nicht da wie ein H.. der was ausgefressen
hat! (Molsner. Harakiri 102). -schullehrer, der: an einer
Sonderschule für Lernbehinderte unterrichtender Lehrer:
-Schwester, die: Krankenschwester ohne fachliche
Ausbildung: -sheriff, der: Hilfskraft eines Sheriffs (2); -spräche,
die: svw. T Welthilfssprache; -tättgkeit, die: Tätigkeit, mit
der jmd. bei einer beruflichen Arbeit aushilft: -tnipp, der:
Gruppe. Trupp von Helfern: -truppe,die <meist PI.) (Milit.):
Reservetruppe: -verb, das (Sprachw.): Verb, das zur Bildung
der zusammengesetzten Formen eines Verbs dient:
Hilfszeitwort (im Deutschen: haben, sein, werden); ^werlu das:
Institution zur Unterstützung bedürftiger Personen: das
Evangelische H.; -willig <Adj.; nicht adv.): bereit, jmdm.
in einer bestinvnten Angelegenheit o. ä. zu helfen: ein -er
Zeuge; sich h. zeigen; <subst.:> -willige, der: (im 2.
Weltkrieg) Angehöriger eines von Deutschen besetzten Landes,
der [freiwillig 1 in der Wehrmacht Dienst tat (Kurzwort:
Hiwi): Die Reserven kamen an ... Es waren Volksdeutsche
aus Bosnien. Man nannte sie H. Sie sahen mehr hilfsge-
zwungenaus(Strittmatter,Wundertäter473). dazu:
-Willigkeit, die; -Wissenschaft, die: Wissenschaft, die
[hauptsächlich] Methoden u. Kenntnisse für andere Wissenschaften
bereitstellt: die Numismatik ist eine H. der
Geschichtswissenschaft, gehört zu den historischen -en; -zeitwort, das:
svw. t ^verb; -zug, der: bei Unfällen eingesetzter Sonderzug
mit Sanitätseinrichtung u. anderen Hilfsmitteln.
Hili: PI. von T Hilus; Hilitis [hi litis], die; -. ...itiden (Med.):
Entzündung im Bereich eines Hilus.
Hilibilly [hilbilil.der; -s. ...billies[...biliz.auch: ...lis; amerik.
hilibilly. aus hili = Hügel u. Billy = Koseform von William
= Wilhelm] (abwertend): Hinterwäldler /aus den
Südstaaten der USA] <Zus.:> Hillbilly-music [-mju.zik], die; -:
1. ländliche Musik der nordamerikanischen Südstaaten. 2.
kommerzialisierte volkstümliche Musik der Cowboys.
Hillebille ['hibbibl. die; -. -n [vidi, zu Hilie = böses Weib.
Hexe u. Bell(e) = Gesäßbacke, also eigtl. = Hexengesäß]:
früher bes. im Harz gebräuchliche hölzerne Tafel, gegen
die mit zwei Klöppeln zu Signalzwecken geschlagen wurde.
Hilum [hi:lom]. das; -s. ...la Hat. hilum = kleines Ding]
(Bot.): ..Nabet* des Pflanzensamens: Stelle, an der der
Same angewachsen war: Hilus t'hhlus]. der; -. ...li [zu T
Hilum] (Anat.): kleine Einbuchtung od. Vertiefung an einem
Organ als Austrittsstelle für Gefäße u. Nerven.
Himation [hima:tpn]. das; -[s]. ...ien [...jpn; griech. himä-
tion]: aus einem rechteckigen Stück Tuch bestehender
mantelartiger Überwurf für Männer u. Frauen im antiken
Griechenland.
hjmbeer-, Hjmbeer- [Himbeere (b)]: -artig <Adj.; o. Steig.):
Himbeeren ähnelnd, in seiner Art an Himbeeren eritmernd:
-eis, das: Speiseeis mit Himbeergeschmack: -färben,
-farbig <Adj.;o. Steig.; nichtadv.): von der Farbe reifer
Himbeeren: ein himbeerfarbener Nagellack; -geist, der <o. Pl.>:
aus Himbeeren hergestellter Branntwein: -gelee. das od.
der; -geschmack.der: Bonbons mit H.; -käfer.der: kleiner,
bräunlicher bis schwärzlicher Käjer. dessen Larve häufig
als Made in Himbeeren vorkommt: -kracherl, das (österr.
veraltend): svw. -limonade; -limonade. die; -marmelade.
die; -pflanze, die: svw. t Himbeere (a); -pocken <PI.>:
tropische Infektionskrankheit mit himbeerartigem
Hautausschlag: Frambösie: -rot <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): rot
wie reife Himbeeren: ein -er Lippenstift; -saft. der;
-Strauch.der: svw. t Himbeere (a); -zunge, die:
himbeerfarben getönte Zunge} nspitze] als charakteristisches Zeichen
bes. bei Scharlach.
Himbeere ['tum-], die; -. -n [mhd. hintber. ahd. hintperi,
zu: hinta = Hinde. Hirschkuh u. T Beere; viell. =
Gesträuch, in dem sich die Hirschkuh mit ihren Jungen birgt,
od. Beere, die die Hirschkuh gern frißt]: a) an feuchten
Waldstellen od. in Gärten wachsender, stachliger Strauch
mit kleinen weißen Blütentrauben od. -rispen u. Himbeeren
(b) als Früchten: b) [dunkel]rosa bis bläulichrote,
wohlschmeckende, leicht säuerliche Beere mit vielen winzigen
Kernen als Frucht der Himbeere (a).
Himmel ['him}]. der; -s. - <P1. dichter.) [mhd. himel. ahd.
himil. viell. urspr. = Decke. Hülle]: 1. scheinbar über
dem Horizont liegendes, halbkugelähnliches Gewölbe (an
dem die Gestirne erscheinen): ein blauer, heller, strahlender,
wolkenloser, klarer, bewölkter, grauer, (geh.:) fahler H.;
der abendliche, winterliche H.; der H. ist bedeckt, trübe,
(geh..) verhangen, mit Sternen übersät; der H. klärt sich
auf. hellt sich auf. klart auf. bezieht sich, (geh.:) hängt
schwer über den Dächern; Seine (= Altbayerns) Himmel
waren bunt (Feuchtwanger. Erfolg 514); eher stürzt der
H. ein. als daß (ugs.; es ist vollkommen ausgeschlossen,
daß) der alte Geizkragen dir Geld leiht; soweit der H.
reicht (so weit man sehen kann, überall): am Anfang schuf
Gott H. und Erde (Anfangsworte der
Schöpfungsgeschichte); die Weite des -s; die Sonne steht hoch am H.; die
Silhouetten der Bäume heben sich deutlich gegen den H.
ab; den Blick gen H. (geh.; zum Himmel) richten; das
Gebäude ragt in den H.; unter [Gottes] freiem H. (im
Freien) übernachten; die Sonne scheint vom Himmel
herab; der Rauch steigt zum H. empor; [in einer Gondel]
zwischen H. und Erde (frei in der Luft) schweben; Ü
der H. grollt (dichter.; es donnert): der H. lacht (dichter.;
die Sonne scheint): der H. hat seine Schleusen geöffnet,
(auch:) die Schleusen des -s haben sich geöffnet (dichter.;
es regnet in Strömen): er glänzt als Stern am literarischen
H.; unter einem milden H. (dichter.; in mildem Klima):
unter dem H. Griechenlands (dichter.; in GriechenlatuD:
unter südlichem H. (in südlichen Breiten) leben; *H. und
Erde (Gericht aus gemischtem Kartoffel- u. Apfelpüree mit
gebratener Blut- u. Leberwurst: nach den Kartoffeln in
der „Erde" u. den Äpfeln im ..Himmer4); H. und Menschen
(landsch.; sehr viele Menschen): H. und Menschen waren
unterwegs; den H. für eine Baßgetge/etnen Dudetsack
ansehen (landsch. ugs.; völlig betrunken sein): aus heiterem H.
(ugs. I in bezug auf unerfreuliche, plötzliche, nicht
vorauszusehende Veränderungen] ganz wider Erwarten):... daß
friedliche englische Bürger aus heiterem H. überfallen wurden
(Brecht. Groschen 34); jmdn.. etw. in den H. heben (ugs.;
jmdn.. etw. übermäßig loben): etw. fallt nicht [einfach] vom
H. (etw. hat seine Vorbedingungen: für das
Zustandekommen von etw. midi etwas getan werden): Fortschritte fallen
nicht einfach vom H.. sie müssen mühsam errungen
werden. 2. a) der Hölle od. der Erde als dem Diesseits
gegenübergestellter Aufenthalt Gottes (der Engel u. der Seligen):
Vater unser im H. (Anrede Gottes im Vaterunser); Dein
1232
himmels-, Himmels-
Wille geschehe, wie im H.. so auf Erden (Bitte des
Vaterunsers); sie gelobte sich dem H. an (geh.; wurde Nonne);
in den H. kommen (bes. christl. Rel.; nach dem Tode
nicht verdammt werden, sondern die Seligkeit erlangen);
im H. sein (verhüll, bes. im Gespräch mit Kindern; nicht
mehr auf Erden weilen); nach katholischer Lehre ist Maria
in den H. aufgefahren/zum H. aufgefahren/(veraltet:) gen
H. gefahren; U Es ... steht sich dann unversöhnlich
gegenüber: derH. (die Unschuld) der Kindheit u. die Kenntnis
des Tötens (Remarque. Obelisk 43); Sohn des -s (frühere
Bez. der Chinesen für den Kaiser von China); H. und
Hölle (I. Kinderspiel, bei dem jeder Teilnehmer unter
bestimmten Bedingungen auf einem Bein durch eine am Boden
aufgezeichnete Figur aus Vierecken [ u. darübergezeichnetem
Halbkreis] hüpfen muß / von der zwei Felder oft als „Him-
meth u. als „Hölle" bezeichnet werdenj. 2. Faltspiel für
Kinder mit einem Stück Papier, das so gefaltet wird, doli
die gefaltete Figur nach zwei Seiten geöffnet werden kann
u. dem Ratenden je nach seiner Entscheidung Himmel od.
Hölle weist); imdm. hängt der H. voller Geigen (geh.; jmd.
ist schwärmerisch glücklich u. blickt froh in die Zukunft.
wahrsch. nach Gemälden der späten Gotik od. der
Frührenaissance, auf denen der Himmel mit musizierenden
Engeln belebt dargestellt war): seitdem sie sich gefunden
haben, hängt für sie der H. voller Geigen; H. und
Hölle/Erde in Bewegung setzen (alles versuchen [andere zu
aktivieren/, um etw. zu ermöglichen); den H. offen sehen (geh.;
sich am Ziel aller Wünsche glauben u. sehr glücklich sein;
nach Joh. 1. 51); den H. auf Erden haben (geh.; es sehr
gut haben u. es voller Freude genießen); imdm. den H.
[auf Erden] versprechen (emotional; jmdm. das denkbar
angenehmste Leben versprechen); aus allen -n fallen/stürzen/
gerissen werden (tief enttäuscht, ernüchtert, desillusioniert
werden; nach Jes. 14. 12): wenn er die Rechnung liest,
wird er aus allen -n fallen; im sieb[en]ten H. sein; sich
[wie] im sieWen]ten H. fühlen (ugs.; voll Überschwaftg, über
die Maßen glücklich sein; nach der aus jüdischer Tradition
stammenden Vorstellung, daß der siebte u. oberste Himmel
der Sitz Gottes sei); etw. schreit zum H. (etw. ist [durch
sein Ausmaß] ein empörefuies Unrecht; nach 1. Mos. 4.
10): Oberschlesien.... wo die größten Industrie- und
Ackerbarone leben und wo das Elend der Landarbeiter zum
H. schreit (Tucholsky. Werke II. 367); etw. stinkt zun
H. (salopp; etw. ist [durch sein Übermaß] abscheuerregend,
skandalös); b) (verhüll.) Gott, Schicksal, Vorsehung; der
H. bewahre, behüte uns vor einem solchen
Schicksalsschlag!; dem H. sei Dank [(dafür), daß es nicht soweit
kam]!; etw. als ein Zeichen, eine Fügung des -s betrachten;
•gerechter gütiger [ach] du lieber H.! (ugs.; Ausruf der
Verwunderung. Bestürzung, des Bedauerns o.a.); weiß der
H.! (ugs.; Ausruf der Bestätigung. Bekräftigung): weiß
der H, da hast du mal wieder recht!; das weiß der [liebe]
H.; mag der [liebe] H. wissen (ugs.; da bin ich ratlos, wer
soll das wissen?): Woher Essen. Heizung für die nächste
Woche zu nehmen ist. das weiß der liebe H. (Fallada.
Mann 222); weiß der H., wer .... wie .... wo .... wann
... (ugs.; es ist unbekannt, unklar, wer .... wie .... wo ....
wann ...): weiß der H.. wo er das aufgeschnappt hat; im
Ides] -s willen (1. Ausruf des Erschreckens, der Abwehr:
um -s willen, was ist denn da passiert! 2. Ausdruck einer
inständigen Bitte: laß doch um -s willen die Tür nicht
immer offenstehen); (Flüche:) H. noch ein!; H. noch [ein]-
mal!; H., Herrgott. Sakrament!; (derb.) H., Arsch und
Zwim/Wolkenbrudi!; (scherzh.:) H., Gesäß und Nähgarn!;
(salopp:) H., Sack [Zement]!; (salopp veraltend:) H.,
Bomben, Element!; (salopp:) H., Kreuz, Donnerwetter! [zur
Verstärkung der nachfolgenden Begriffe]. 3. [fest angebrachte]
zum Teil hinten u. an den Seiten heruntergezogene
Überdachung aus Stoff, Leder o.a.; Baldachin; ein Thron mit
einem kostbaren H.: ein Bett mit vier hohen Säulen, einem
kleinen H. aus Chintz (Baum. Paris 46); die Kutsche hatte
einen mit Samt beschlagenen H.
hjmmel-, Hjmmel- (vgl. auch: himmels-. Himmels-): -an
[--'-] <Adv.> (dichter.): zum Himmel empor: über dem
h. getürmten Trotzmal von Nimrods Königsvermessenheit
(Th. Mann. Joseph 34): -?ngst <Adj.> nur in der Fügung
imdm. ist/wird h. (emotional; ;>w/. hat/bekommt große Angst
angesichts einer [durch Leichtsinn herausgeforderten]
Gefahr <xt. kaum zu bewältigender Schwierigkeiten)', mir wird
h.. wenn ich daran denke, daß ...; -bett, das: Bett mit
einem Himmel (3); ^bbu <Adj.; o. Steig.; nicht adv.):
blau wie der wolkenlose Himmel; hell-, azur-, flachsblau:
-e Augen; Mfynnerwetter! (Interj.) meist in der Fügung
H. noch [einjmal! (salopp; Fluch); -fahrt, die [mhd. himel-
vart. ahd. himilfart]: 1. Auffahrt Christi, Mariens, von
Heiligen m. Propheten in den Himmel: Christi. Maria H. 2.
<o. Art. > kirchlicher Feiertag zum Gedenken an die
Himmelfahrt (1) Christi am 40. Tag nach Ostern: zu. (südd.:)
an H. 3. (Soldatenspr.) lebensgefährliche, riskante
Unternehmung, dazu: -fahrtskommando, das: 1. Unternehmen
(bes. im Krieg), das mit großer Lebensgefahr verbunden
ist: Wenn sie morgens in ihre ..fliegenden Kisten" steigen,
dann ist das nicht selten ein H. (Hörzu 23. 1973. 7).
2. Personen, die an einem Himmelfahrtskommando (1)
teilnehmen, -fahrtsnase, die (ugs. scherzh.): nach oben
gebogene Nase, -fahrtstag, der: svw. t Himmelfahrt (2); ^h^rraott
(Interj.) meist in der Fügung H. noch [einjmal! (salopp;
Fluch): H. noch mal. jetzt reicht's mir aber!; -herrgottsij-
kra! <Interj.) (österr.. auch südd. salopp; Fluch); -hoch
<Adj.; o. Steig.) (emotional): unendlich hoch, sehr hoch:
himmelhohe Felsen; die Berge türmen sich h. auf; Ü den
anderen h. überlegen sein; h. jauchzend. zu[m] Tode
betrübt (zwischen äußerster Hochgestimmtheit u. extremer
Niedergeschlagenheit kraß wechselnd; nach Goethe. Eg-
mont III. 2); -hund, der (derb): gewissenloser Mensch,
Schuft: dieser H. hat mein ganzes Geld geklaut; (oft mit
widerstrebender Anerkennung:) der H. (Teufelskerl) hat
es doch wieder einmal geschafft; zwei -e (Draufgänger,
Teufelskerle) auf dem Weg zurHölle (Filmtitel);
-kruzitürken! (salopp; Fluch); -laudon! [-l^idon] <Interj.) [nach
dem österr. Feldmarschall G.E. Freiherr von Laudon
(1717-1790)] (österr.; Fluch); -reich, das <o. PI.) [mhd.
himelriche. ahd. himilrihhl] (christl. Rel.): Ort der ewigen
Seligkeit; Paradies, Himmel (2 a): ins H. kommen; ein
H. für ein kühles Bier (alles gäbe ich jetzt für ein kühles
Bier her); -Schlüssel, -schlüsselchen: THimmelsschlüssel.
Himmelsschlüsselchen; -schreiend <AdJ.; nicht adv.):
durch sein Übermaß, seine schlechte Qualität empörend:
ein -es Unrecht; die hygienischen Verhältnisse waren h.;
-stürmend <Adj.; o. Steig.; nur attr.) (geh.): alle Grenzen
überschreitend, kein Maß kennend: seine -e Begeisterung.
Liebe; -e (hochfliegende) Pläne; -stürmender:
fHimmelsstürmer; -wärts <Adv.) [t-wärts] (geh.): zum Himmel
empor: mit h. gerichtetem Blick; der auferstandene Tote,
der von einem Engel h. geführt wird (Remarque. Obelisk
113); ^wfijt <Adj.; o. Steig.) (ugs.): einen großen Gegensatz
zu jmdm., etw. darstellend: ein -er Unterschied; die
Geschwister sind h. voneinander verschieden; er war h. davon
entfernt, seinen Vorsatz auch auszufuhren.
himmeln [him[n] <sw. V.; hat) [mhd. himelen = in den
Himmel aufnehmen; 2: nach der veralteten Bed. ..in den
Himmel kommen"]: 1. (ugs.) verzückt zum Himmel blicken,
schwärmerisch blicken: ich kann es nicht ausstehen, wenn
kleine Mädchen himmeln; er fing ihren himmelnden Blick
auf. 2. (landsch. derb) sterben: Zitate wie: der Alte
geht bald himmeln" (Spiegel 12. 1974. 52).
hjmmels-, Himmels- (vgl. auch: himmel-. Himmel-): -adise,
die <o. PI.) (Astron.): auf beiden Seiten ins Unendliche
verlängerte Erdachse; -äquator. der (Astron.): Kreis an
der Himmelskugel(1). der sefikrecht auf der Himmelsachse
steht u. der die Himmelskugel in eine nördliche w. eine
südliche Halbkugel teilt; -bahn, die (dichter.): von einem
Gestirn am Himmel beschriebene Bahn: Sie (= die Sonne)
rollt, eine glühende Kugel, über die wolkenlos glatte H.
(Kaiser. Villa 41); -blau, das [mhd. himelblä] (dichter.);
-bläue, die (dichter.): svw. -blau; -bogen, der <o. PI.)
(dichter.): Himmel/sgewölbe]; -böte, der [mhd. himelbote]
(dichter.): Engel, ^braut, die (dichter.): Nonne; -brot, das
<o. PI.) [mhd. himelbrot, ahd. himilbrot] (bibl.): Manna;
-dorn, der (dichter.): Himmel/ sgewölbe], Finnament; ^er-
scheinung.die: beobachtbare astronomische od.
meteorologische Erscheinung am Himmel (z. B. Sonnenfinsternis);
^feste, die [mhd. himelveste] (dichter.): Himmel/sgewölbe],
Finnament; -fürst, der [mhd. himelvürste] (christl. Rel.):
Gott (als Herrscher im Himmel); -gäbe, die (geh.): vom
Himmel verliehene köstliche Gabe; -gegend, die: svw.
t^richtung; -gewölbe, das (dichter.): Himmel (1).
Firmament; -globus, der (Astron.): Globus, auf dem der
Sternenhimmel als Kugel dargestellt ist; Sternglobus; -gucker, der:
1. in warmen Meeren vorkommender Fisch mit bulligem
78 GDW
1233
himmlisch
Kopfu. nach oben gestelltem Maul, der sich zum Beutefang
bis auf Augen u. Maul im Schlamm eingräbt. 2. (ugs.
scherzh.) a) Astrologe; b) Astronom; -karte, die (Astron.):
svw. tSternkarte; -komiker, der (salopp spött.):
Geistlicher; -königin* die <o. PI.) [mhd. himelküneginne] (kath.
Rel.): die Jungfrau Maria; -körper, der (Astron.):
außerhalb der Erde befindlicher, von der Astronomie untersuchter
Körper: Gestirn: -kugel, die: 1. Kugel, die der Himmel
scheinbar um die Erde herum bildet. 2. (Astron. veraltet)
svw. t ^globus; -künde, die <o. PI.): Astronomie.
Sternkunde; -kuppel, die (dichter.): svw. t^gewölbe; -kutscher,
der (salopp scherzh.): Flugzeugführer; -labor, das (Raumf..
bes. DDR); -leiter, die [1: mhd. himelleiter; 2: wegen
der leiterartig gefiederten Blätter]: 1. <o. PI.) nach biblischer
Überlieferung von Jakob im Traum gesehene Leiter zn'i sehen
Himmel u. Erde. 2. svw. t Sperrkraut; flieht, das [mhd.
himellieht. ahd. himillioht] (dichter.); -macht, die
(dichter.): himmlische, überirdische Macht: die Liebe ist eine
H. (Joh. Strauß Sohn, Zigeunerbaron II, 3. Libretto von
J. Schnitzer); -mechanik, die (Astron.): Teilgebiet der
Astronomie, das sich mit der Bewegung der Himmelskörper
im freien Raum befaßt; -pforte, die [mhd. himelporte]
(dichter.): Himmelstür; m»I. der (Astron.): an den beiden
Enden der Himmelsachse liegender Pol des Himmelsäqua-
tors; -polizist, der (ugs. scherzh.): bewaffneter
Flugbegleiter, der Flugzeugentführungen verhindern soll; -richtung,
die: (bes. in beziig auf die Hauptrichtungen Osten. Süden,
Westen. Norden) Gegend am Horizont: sie kamen aus allen
-en (überallher); wir wurden in alle -en (überallhin)
zerstreut; -rund, das (dichter.): svw. Kgewölbe: Perlmuttern
war das ganze weite H. (Schröder. Wanderer 86);
-Schlüssel, der. auch: das [mhd. himelslÜ33el. ahd. himilslu33ill.
-schlüsselchen, das; -s. -: svw. t Schlüsselblume; -Schreiber,
der (ugs.): Flugzeug, das mit Nebelpulver Werbesprüche
an den Himmel schreibt; -schritt, die (ugs.): durch einen
Himmelsschreiber an den Himmel geschriebene Reklame-
worte; -spion, der (ugs.): Flugkörper, der [bei militärischen
Operationen] Fernsehbilder übermitteln kann;
Nachrichtensatellit; -Strahlung, die (Astron.. Met.): durch Streuung
des Sonnen-. Mond- u. Sternenlichts in der Erdatmosphäre
verursachte Strahlung; -strich, der (geh.): Gegend. Zone:
in andere -e kommen; unter diesem H.; -Stürmer, der:
1. (geh.) jmd., der sich etwas zum Ziel gesetzt hat. was
sich allem Anschein nach nicht verwirklichen läßt, für den
aber entgegenstehende reale Gegebenheiten u.
Schwierigkeiten kein Hindernis bedeuten. 2. (scherzh.) Weltraumfahrer;
-tor, das. -tür, die [mhd. himeltür] (dichter.): Eingang
zum Himmel, Paradies; -vogel, der: svw. f Adonisbläuling;
-wagen, der (dichter.): Großer Wagen. Großer Bär (!Bär);
-zeichen, das [mhd. himelzeichen]: svw. tTierkreiszeichen;
-zeit, das (dichter.): svw. t^gewölbe: die Sterne blickten
spitz,... frostig kraus aus dem unerhellten. unendlich weit
entrückten H. (Musil. Mann 1519); -ziege, die [1: nach
einem dem Meckern einer Ziege ähnlichen Geräusch, das
beim Balzsturzflug durch Luftreibung an den Flügelspitzen
od. den Schwanzfedern entsteht]: 1. svw. T Bekassine. 2.
(ugs. spött.) frömmelnde, ältliche weibliche Person.
himmlisch ['himlifl <AdJ.) [mhd. himelisch, ahd. himilisc):
1. <nur attr.) (veraltet) den Himmel (1) betreffend, zu ihm
gehörend, von ihm herkommend: der Wind, der Wind, das
-e Kind (aus dem Märchen ..Hansel und Greter4); das
-e Licht (dichter.; die Sonne). 2. <nur attr.) a) den Himmel
(2 a) betreffend, zu ihm gehörend, dort befindlich: Er ( =
der Sterbende) wollte nichts wissen von einem -en
..Milieu", von Kulissen des Jenseits und von Zions Gassen
(Thielicke, Ich glaube 185); das -e Jerusalem (nach OfTenb.
21); unser -er Vater (bibl.; Gott): die -en Heerscharen
(bibl.; die Engel): er zeigt eine -e (sehr große, fast
unerschöpfliche) Geduld; <subst.:> die -en (1. die Götter.
2. die Engel): b) von Gott ausgehend, gewirkt; göttlich:
eine -e Fügung; das Abbild -er Gerechtigkeit (A. Zweig.
Grischa 331). 3. jmds. Entzücken, höchstes Wohlbehagen
hervorrufend: ein -es Wesen; Da stand dieses -e Mächen
Marien (Strittmatter. Wundertäter 163); ein -er Anblick;
(ugs.:) das Wetter war [einfach] h.; die Schuhe sind h.
(ugs.; überaus) bequem.
hin [hin! <Adv.) [mhd. hin(e). ahd. hina]: I. <in Korrelation
mit entsprechenden Präpositionen od. im Zusammenhang
mit präpositionalen Verbindungen) 1. (drückt die
Richtung auf einen Zielpunkt aus) a) (räumlich) in Richtung
auf; nach: zur anderen Seite h. verlaufen; die Fenster
[liegen] zur Straße h.; nach rechts h.; auf Frankfurt h.
(landsch.; zu): bis zu dieser Stelle h. sind es zwanzig Meter,
(emphatisch:) h. zu im dm. gehen (statt: zu jmdm.
hingehen); b) (zeitlich) auf... zu: gegen Mittag h.; gegen [das]
Jahresende h.; zum Herbst. Winter h. 2. (drückt die
Erstreckung aus) a) (räumlich): über die ganze Welt h.; am
Ufer, an der Mauer h. (entlang); durch die Wiesen h.;
zwischen den Furchen h.; vor sich h. (ohne die Umwelt
zu beachten, für sich) murmeln, reden, gehen; b) (zeitlich):
über, durch viele Jahre h. (viele Jahre hindurch); lange
Zeit h. (lange Zeit durch). 3. *nach außen hin (äußerlich):
nach außen h. wirkte er ganz ruhig; auf Wirkung nach
außen h. bedacht sein; auf... hin (1. mit der Ziel-, Zweck-
richtung auf: etw. auf die Zukunft h. planen; auf etw.
h. konstruiert, angelegt sein. 2. in Hinsicht, im Hinblick
auf: jmdn.. etw. auf etw. h. überprüfen, untersuchen. 3.
auf Grund einer Sache u. im Anschluß daran: wir taten
es auf seinen Rat. seine Nachricht h.; auf einen bloßen
Verdacht h.). II. <als abgetrennter Teil von Adverbien
wie „wohin, dahin" in trennbarer Zus. mit einem Verb)
(bes. ugs.): wo gehst du h.? (statt: wohin gehst du?); (ugs.:)
da will er nicht h. III. <meist elliptisch) (ugs.) dahin: [nichts
wie] h. [zu ihm]!; ist es weit bis h.? IV. <als Glied eines
Wortpaars) 1. a) (Ggs.: zurück): h. und zurück; h. sind
wir zu Fuß gegangen, zurück sind wir gefahren; drei
Kilometer h.. drei Kilometer zurück, das sind sechs Kilometer;
eine Fahrkarte h. und zurück lösen; bitte einmal Köln
h. und zurück (eine Fahrkarte für Hin- und Rückfahrt)!;
b) (Ggs.: her): h. und her; er ist h. und her (zurück)
mit dem Auto gefahren. 2. etw. langt/reicht nicht h. und
nicht her (ugs.; langt/reicht überhaupt nicht): das ist h.
wie her (ugs.; das bleibt sich gleich): h. oder her (ugs.;
mehr od. weniger): drei Stunden h. oder her. das macht
doch nichts aus; ... hin, ... her, ... (ugs.; es bleibt sich
gleich, ob .... ob nicht [trotzdem] ...): Regen h..
Regen her, die Arbeit muß [trotzdem] getan werden; Sohn
h.. Sohn her. er hätte nicht schweigen dürfen (wenn er
auch der Sohn war. er hätte [trotzdem] nicht schweigen
dürfen); h. und her (1. ohtie bestimmtes Ziel ständig die
Richtung wechselnd, kreuz u. auer. auf u. ab: h. und her
gehen, laufen, fliegen, schwanken; h. und her [ohne zu
einem Ende, zu einem Ergebnis, zu einer Einigung zu
kommen] reden, beraten; h. und her überlegen [alle
Möglichkeiten erwägen]. 2. (landsch., veraltet) hier u. da: h. und
her stand ein Baum); <subst.:> das Hin und Her (1.
Bewegung in wechselnden Richtungen: das H. u. H. [dauernde
Kommen u. Gehen] der Boten. 2. vielfaltiger Wechsel der
Meinung/ säußerungjen. Tendenzen. / Entwicklungs]rich-
tungen: es gab ein großes H. u. H.; nach langem H. u.
H. einigte man sich); h. und wieder (manchmal, zuweilen):
das kommt h. und wieder vor. V. vgl. hinsein.
hjn-,Hjn- (vgl. hin II): -arbeiten <sw. V.; hat):
Anstrengungen unternahmen, sich einsetzen, um etw. zu erreichen, zu
verwirklichen: aufsein Examen, auf einen Krieg h.; darauf
h., daß ...; -bauen <sw. V.; hat): 1. an eine bestimmte
Stelle bauen. 2. <h. -I- sich) (ugs.) sich in fester, gewichtiger
Haltung hinstellen; -befördern <sw. V.; hat): an einen
bestimmten Ort befördern, dazu: -befoniening, die; -begeben,
sich <st. V.; hat): sich an einen bestimmten Ort begeben:
sich [zu jmdm.] h. und das Weitere veranlassen; -begleiten
<sw. V.; hat): an einen bestimmten Ort begleiten: jmdn.
[zu jmdm.] h.; -bekommen <st. V.; hat) (ugs.): vgl.
^kriegen; -bemühen <sw. V.; hat) (geh.): 1. jmdm. die Mühe
machen, sich an einen bestimmten Ort zu begeben: wir
möchten Sie nicht eigens [nach Holzdorf, zu unserem Büro]
h. 2. <h. + sich) sich die Mühe machen, sich an einen
bestimmten Ort zu begeben: sich [zu jmdm.] h.; -beordern
<sw. V.; hat): zu einer bestimmten Person od. Stelle
beordern; -bestellen <sw. V.; hat): an einen bestimmten Ort
bestellen: wir wurden noch einmal [zu ihm] hinbestellt;
-bewegen <sw. V.; hat): l.a) zu einem bestimmten Ziel
bewegen; b) <h. + sich) sich zu einem bestimmten Ziel
bewegen, in eine bestimmte Richtung begeben: die Menge
begann sich zum Ausgang hinzubewegen; c) in einer
bestimmten Richtung bewegen: den Bogen sanft über die
Saiten h.; -Wegen <st. V.; hat): 1. (selten) in einer
bestimmten Form. Richtung biegen: den Draht geschickt h. 2. (ugs.)
a) mit Geschick [ wieder] in Ordnung bringen, bereinigen:
eine Sache wieder h.; er hat [alljes so [geschickt] htngebo-
1234
hin-,
Hinzen, daß der Verdacht auf einen anderen fiel; wie hat
er das bloß hingebogen (zustande gebracht)?; b) jmdn.
so erziehen, so in seiner Entwicklung beeinflussen, daß er
sich so verhält, so ist. wie man es von ihm erwartet: „den
biegen wir schon noch hin" (Kirst. 08/15. 328); Wir haben
schon ganz andere hingebogen (Plenzdorf, Leiden 98);
-bieten <st. V.; hat) (Schweiz.): hinhalten, reichen: er bot
ihm die Papiere hin; -blättern <sw. V.; hat), (ugs.): (eine
beträchtliche Summe [in Geldscheinen)) [bejzahlen: für
etw. drei Tausender, eine große Summe h. [müssen]; -blick.
der in der Fügung tai/(seltener.) in H. auf (1. mit Rücksicht
auf. in Anbetracht, angesichts, wegen: im H. auf seine
Verdienste hat man ihm das Amt des Vorsitzenden
übertragen. 2. hinsichtlich, in bezug auf: im H. auf einen kürzlich
erschienenen Bericht, im H. auf die kommende
Legislaturperiode äußerte der Redner die Vermutung, daß...); -Wik-
ken <sw. V.; hat): auf eine bestimmte Stelle blicken, seinen
Blick irgendwohin richten: zu/nach jmdm.. etw. h.; ... und
wenn sie so ein graues Bündel ... liegen sahen, blickten
sie kaum hin (Plievier. Stalingrad 94); -brauchen <sw.V.;
hat) (ugs.): hinzugehen, hinzukommen, hinzufahren usw.
brauchen: vorläufig brauchen wir nicht mehr hin; -breiten
<sw. V.; hat): 1. aus[einanderJbreitend [hin]legen: Tücher
über die Leichen h. 1 (geh.) a) ausbreiten (1 b): Paris,
das seine ganze Pracht mit gefallsüchtiger Generosität
hinbreitet (K. Mann. Wendepunkt 422); b) <h. -I- sich) sich
ausbreiten (3 c): er ließ den Blick über die sich hinbreitende
Steppe gehen; -bringen <unr. V.; hat): l.a) an einen
bestimmten Ort bringen: etw. [zu Jmdm.] h.; soll ich dich
h. ({.hinbefördern. 2.hinbegleiten)!', b) (ugs.) fertigbringen:
er bringt die Arbeit einfach nicht hin; ob er es einmal
h. wird, pünktlich zu sein? 2. (Zeit) zubringen, verbringen:
die Tage. Jahre mit Arbeit h.; er wußte nicht, wie er
seine Zeit h. sollte; -dämmern <sw. V.; ist): svw. tdahin-
dämmem; -deichseln <sw. V.; hat): svw. Thinbiegen (2a).
t deichseln; Mienken <unr. V.; hat) in der Redensart: wo
denkst du hin! (ugs.; da irrst du dich; das muß ich
zurückweisen): bleuten <sw. V.; hat): 1. auf jmdn.. etw.. in eine
bestimmte Richtung deuten: [mit der Hand] auf Jmdn. h.
2. svw. t^weisen (2): ... wenn ich noch einmal auf das
große Risiko des Krieges hindeute (Hacks. Stücke 244).
3. etw. anzeigen, auf etw. schließen lassen: alle Anzeichen
deuten auf eine akute Erkrankung hin; -donnern <sw.
V.): 1. sich mit donnerähnlichem Geräusch schnell [da/hin-
bewegen <ist): der Zug donnerte über die Schienen hin.
2. (ugs.) mit Wucht aufprallend hinstürzen, hinfallen <ist>:
der Eisläufer ist zweimal hingedonnert. 3. (ugs.) mit Wucht
hinwerfen <hat>: die Schultasche h.; Miosen <sw. V.; hat)
(ugs.): immerzu dösen, dösend die Zeit hinbringen; -drängen
<sw. V.; hat): 1. a) an einen bestimmten Ort. an eine
bestimmte Stelle drängen: alles drängte zu ihm hin. zum/nach
dem Eingang hin; b) einen Drang zu jmdm., zu einer Sache
zeigen: alles in ihm drängte zum Priesterberuf hin. 2. <h.
-I- sich) sich an einen bestimmten Ort, an eine bestimmte
Stelle drängen: er drängte sich zum Schanktisch hin; Mlre-
hen <sw. V.; hat) (ugs.): svw. thinbiegen (2a): ... aber
das Ding konnte er auch schon irgendwie h. (Fallada.
Jeder 135); -drücken <sw. V.; hat): 1. an. auf eine bestimmte
Stelle drücken: die Stelle ist angekreuzt. Sie brauchen nur
Ihren Stempel hinzudrücken. 2. (landsch.) jmdm. etw., was
ihm unangenehm ist, deutlich machen od. ins Gedächtnis
rufen: sie drückte ihm immer wieder seinen Seitensprung
hin; ^ducken <sw. V.; hat): 1. an, auf eine bestimmte Stelle
ducken: den Kopf h. 2. <h. + sich) sich an, auf eine
bestimmte Stelle ducken: sich [auf den Boden] h.; sich
flach h.; Ü hingeduckte Holzhäuser; -dürfen <unr. V.;
hat) (ugs.): 1. hingehen, hinkommen, hinfahren usw. dürfen:
keiner durfte zu den Kranken hin. 2. hingebracht (1 a).
-gesetzt, -gestellt usw. werden dürfen; --eilen <sw. V.; ist):
I. an einen bestimmten Ort eilen: zu jmdm., nach einem
Ort h. 2. sich eilend [da]hinbewegen: dahineilen (1): über
die Straße hineilende Passanten; der Zug eilte über die
Ebene hin. am Ufer hin. 3. (geh.) a) eilends weggehen;
forteilen: da eilt er hin; b) rasch vergehen, vorbeigehen;
dahineilen (2): die Zeit eilt hin; -ewigen t'hin|e:vign] <sw.
V.; hat; unpers.; üblich in den Vergangenheitsformen)
[zu veraltet ewigen = ewig machen, verewigen, mhd.
ewigen]: zu jmds. Tod führen, jmdn. dahinraffen: Was ist da
der Tod? ... als es Frau Sagebiehl hingeewigt hatte, kam
ein Professor aus Heidelberg (Kant. Impressum 65);
-fahren <st. V.): l.a) an einen bestimmten Ort fahren <ist>:
zu seinen Eltern h.; mit dem Auto. Zug h.; b) jmdm.,
etw. an einen bestimmten Ort fahren <hat>: sie fuhren ihn
[zum Revier] hin; wir können alles mit dem Wagen h.
2. sich fahrend [da]hinbewegen <ist>: Züge fuhren über die
Ebene hin. am See hin. 3. Ost) a) sich fahrend entfernen;
wegfahren: da fährt er hin!; b) (veraltet verhüll.) sterben.
4. <ist) a) über etw. fahren, streichen, wischen;
entlangfahren, -streichen, -wischen: mit der Hand glättend
über die Decke h.; b) in einer bestimmten Richtung, nach
einer bestimmten Stelle hin eine rasche Bewegung machen: er
fuhr mit der Hand nach der Tasche h.; -fahrt, die: Fahrt
hin zu einem bestimmten Ziel (Ggs.: Rückfahrt): auf/bei
der H. war genügend Platz im Zug; ^fall, der (Schweiz.):
Eintretender Hinfälligkeit (vgl. hinfällig 2); Wegfall.
Entfallen; -fallen <st. V.; ist): l.a) zw Boden fallen, stürzen;
hifistürzen: stolpern und h.; lang, der Länge nach h.; er
ließ sich h.; b) (geh.) sich jmdm. zu Füßen werfen;
niederfallen: vor Jmdm. h. und ihn anflehen. 2. auf den Boden
herunter fallen; herunterfallen: das Buch ist [ihm]
hingefallen; einen Teller h. lassen. 3. (selten) hinfällig (2) werden,
wegfallen, entfallen: Fällt mit diesem veralteten Weltbild
nicht auch der Gehalt hin. den es birgt? (Thielicke. Ich
glaube 244); -fällig <Adj.; nicht adv.) [spätmhd. hinfellig
= vergänglich; gehaltlos, mhd. hinvellic = hinfallend,
sterbend]: 1. durch die mannigfachen Beschwerden des A Iters
geschwächt; gebrechlich, [alters]schwach, schwächlich: ein
-erGreis; h. werden. 2. <o. Steig.) gegenstandslos, ungültig:
die Beschuldigungen, die Pläne sind nunmehr h.. dazu:
-ßlügkeit, die; -; -fetzen <sw. V.; hat) (salopp): in
gekonnter, bewundernswerter Weise ausführen, darbieten: Sänger
Dieter Hertrampf .... der eine brillante Soul-Version des
Beatles-Hits ... sowie eine urkomische Schlagerparodie ...
hinfetzt (Spiegel 10. 1977.190); -finden <st. V.; hat): 1. zu
jmdm.. zu einem bestimmten Ort hin den Weg finden: er
hat [zu uns. zu unserem Haus] hingefunden; Ü zu Gott
h. 2. <h. -I- sich) svw. t ^finden (1); -fläzen, sich <sw.
V.; hat): svw. T hinflegeln; -flegeln, sich <sw. V.; hat)
(ugs. abwertend): sich in [betont] nachlässiger Haltung
hinsetzen, halb hinsetzen, halb hinlegen; -fliegen <st. V.):
1. an einen bestimmten Ort fliegen (1. 2. 4) <ist>: Raketen,
die [zum Mond] hinfliegen; wir flogen mit einer
Linienmaschine hin. 2. sich fliegend über, an etw. hinbewegen <ist>:
der Ballon flog über das Meer hin. 3. mit einem Luft-,
Raumfahrzeug hinbefördern <hat>: Soldaten. Medikamente
[zur Unfallstelle] h. 4. (geschleudert, geworfen) sich rasch
dahinbewegen <ist>: der Ball flog über die Köpfe hin. 5.
sich rasch dahinbewegen <ist>: das Pferd flog über die Steppe
hin. 6. (ugs.) [mit Schwung] hinfallen: er rutschte aus
und flog hin; -fließen <st. V.; ist): 1. sich fließend nach
einem bestimmten Ort hinbewegen, auf etw. zubewegen:
der Lech fließt nach der/zur Donau hin. 2, sich fließend
dahinbewegen: der Fluß fließt über die Ebene hin, an der
Stadtgrenze hin; ^flug, der: Flug hin zu einem bestimmten
Ziel (Ggs.: Rückflug): auf dem/beim H.; -fracht, die
(Wirtsch.; Ggs.: Rückfracht): 1. bei der Hinfahrt, beim
Hinflug beförderte Fracht. 2. Frachtkosten für die Hinfracht
(1); -fristen <sw. V.; hat): kümmerlich u. einförmig fristen:
sein Leben h.; ^führen <sw. V.; hat): l.a) jmdn. an einen
bestimmten Ort führen: soll ich Sie [zu Ihrem Zimmer]
h.?; Ü jmdn. zu Gott h. (Rel.; jmdm. den Zugang zu Gott,
zum Gottesglauben vermitteln); b) (insbes. durch Erziehung,
Bildung, Anleitung o. ä.J zu etw. führen, bringen: die
Studenten durch gründliche Anleitung zu tieferem Verständnis
h. 2. bis zu einem bestimmten Ort führen, verlaufen: alle
Straßen, die zur Stadt hinführen, werden gesperrt; R wo
soll das h. (ugs.; wohin soll das fuhren, wo soll das enden,
was soll daraus werden)', vgl. hin (II). 3. über etw. hin,
an etw. entlang verlaufen: der Weg führt am Ufer hin.
über die Ebene hin, zwischen Felsblöcken hin; -gäbe,
die <o. PI.): l.a) rückhaltloses Sichhingeben für Ion jmdn.,
etw.: selbstlose, religiöse H.; bedingungslose H. an Gott,
an die Gemeinschaft, an die berufliche Arbeit; b) große
innere Beteiligung* hingebungsvoller Eifer; Leidenschaft: mit
H. Klavier spielen; einen Kranken mit H. pflegen; sich
einer Sache. Arbeit mit H. widmen; die Arbeit verlangt
äußerste H. 2. (geh. verhüll.) sexuelles Sichhingeben der
Frau. 3.a) (selten) das [Hinjgeben: H. oder Empfang von
Staatskrediten (Rittershausen. Wirtschaft 24); b) (geh.)
das Hingeben. Opfern: H. des Vermögens; H. des Lebens;
78-
1235
hin-, Hin-
-gabeflUiig <Adj.>: fähig zur Hingabe (1.2). dazu: -gabe»
flhigkeit, die <o.Pl.>; -gammeln <sw.V.; hat) (ugs.): ohne
Initiative, träge u. gedankenlos dahinleben: -gang, der
(geh.): Tod. Ableben: -geben <st. V.; hat) /vgl. hingebend,
hingegeben/: 1. (geh.) opfern: sein Vermögen, sein Leben,
seine Söhne h. 2. <h. + sich) a) sich eifrig widmen od.
völlig überlassen: sich einer Arbeit, dem Vergnügen, dem
Genuß, einem Wahn h.; darüber gebe ich mich keinen
Illusionen hin; sich an eine Aufgabe h.; ganz der
Aufgabe/an die Aufgabe hingegeben forschen; b) (verhüll.)
mit einem Mann intime Beziehungen aufnehmen, Imben:
sie gab sich ihm hin. 3. {hinreichen, hinüberreichen: jmdm.
einen Bleistift h.. zu 2: -gebend <Adj.): Hingabe (1) zeigend,
beweisend: ein zuverlässiger, -er Freund; -e (aufopfernde)
Pflege; -e (eifrige) Sammlertätigkeit; sich h. mit etw.
beschäftigen; -gebung. die; -: Hingabe (1). dazu: -gebungsvoll
<Adj.>: voll Hingebung. Hingabe (1): -e Arbeit; einen
Kranken h. pflegen; -geewigte ['hing3|e:vi<;t3]. der u. die; -n.
-n <Dekl. T Abgeordnete) [zu t hinewigen] (selten): Totefr/.
Gestorbene[rJ: Was ist da der Tod? ... hier werde ein
-r befördert (Kant, Impressum 65); -gegeben <AdJ.; Steig,
ungebr.): sich hingebend: mit Hingabe (1). hingebungsvoll:
jmdm. h. zuhören; -gegossen <Adj.; o. Steig.; nicht adv.)
[2. Part, zu t hingießen] (ugs. scherzh.): in zwangloser,
gelöster Haltung (liegend, sitzend): [malerisch] auf ein[em]
Sofa h. daliegen, dasitzen: -gehaucht: T -hauchen; -gehen
<unr. V.; ist): 1. zu jmdm.. etw. gehen, jmdn.. erw. aufsuchen,
besuchen: ungern zu Jmdm.. zu einem Vortrag h.: gehst
du hin?: vgl. hin (II): wo gehst du hin? 2.a) weggehen:
da geht er hin!; (scherzh.:) da geht er hin und singt nicht
mehr! (da geht er u. ist enttäuscht, niedergeschlagen: nach
einer Stelle in dem Liederspiel'..Die Kunst, geliebt zu
werden" des dt. Liederkomponisten F. Gumbert.
1818-1896); b) (geh.) sterben: unser bester Freund ist
hingegangen; c) vergehen, verstreichen: die Zeit, der Sommer
ging hin; über (bei) diesen Arbeiten ging eine ganze Woche
hin; über diese Ereignisse gingen Jahre hin. 3. sich gleitend,
schweifend [ daJhinbewegen, hingleiten: sein Blick ging über
die weite Landschaft hin: die Augen über etw. h. lassen.
4. (noch) unbeanstandet durchgehen: dieser Aufsatz, diese
Arbeit mag h.. geht gerade noch hin (geht noch an. ist
gerade noch tragbar): diesmal mag es h.; diese
Bemerkungen mögen noch [eben] h. (können [eben] noch
hingenommen werden): Jmdm. etw. h. lassen (durchgehen lassen):
ich will es noch einmal h. lassen (durchgehen lassen,
tolerieren): etw. als etw. h. lassen (gelten lassen): -gehören
<sw. V.; hat) (ugs.): 1. an einen bestimmten Ort gehören:
er hat keinen Ort. an den er so richtig hingehört. 2. vgl.
hin (II): wo gehört das hin?; -gelangen <sw. V.: ist): an
einen bestimmten Ort. zu einem bestimmten Ziel gelangen:
er. das Gerücht ist [nach Rom. zu ihm] hingelangt: -geraten
<st. V.; ist): an eine bestimmte Stelle, an einen bestimmten
Ort geraten: er erzählte, wie er dort hingeraten war;
-gerissen <AdJ.): f -reißen, dazu: -gerissenheit, die; -;
-geschiedene, der u. die: f -scheiden; -gießen <st. V.; hat) /vgl.
-gegossen/: auf eine bestimmte Stelle [ausjgießen; gießend
hinschütten; -gleiten <st. V.; ist): 1. sich gleitend hinbewegen:
über das Eis. durch das Wasser h.; die Hand über etw.
h. lassen; mit der Hand über etw. h.; Ü den Blick über
etw. h. lassen. 2. (geh.) vergehen: die Zeit gleitet hin.
3. (veraltend, geh.) ausgleitend hinfallen: auf der nassen
Straße h.; -haben <unr. V.; hat) (ugs.): vgl. hin (II): wo
willst du das Bild h.?; -halten <st. V.; hat): 1. entgegenstrek-
ken. reichen: das Glas, die Hand h.; jmdm. die Zigaretten
h. 2.a) durch irreführendes Vertrösten [immer weiter] auf
etw. warten lassen: jmdn. lange, immer wieder h.; die
Gläubiger mit leeren Versprechungen h.; b) (bes. Milit.)
aufhalten, um Zeit zu gewinnen: den Gegner h.. bis Verstärkung
eintrifft; hinhaltender Widerstand. 3. (selten) in seinem
Zustand aufrechterhalten, zu 2: -haltepolitik, die. -halte-
taktik, die. -Haltung, die; -; '-hängen <sw. V.; hat) (ugs.):
an eine bestimmte Stelle hängen: 2-hängen <st. V.; hat)
(ugs.): durch dauerndes Verschieben unerledigt bleiben: eine
Sache lange h. lassen; -hauchen <sw. V.; hat): 1. kaum
vernehmbar flüstern: ein paar Worte h. 2. [gleichsam]
hauchend an einer bestimmten Stelle hervorbringen, auf eine
bestimmte Stelle bringen: ein zartes Grün, [wie] auf die
Wiesen hingehaucht; ein [auf die Wange] hingehauchter
Kuß; -hauen <unr. V.; haute hin. hat/ist hingehauen):
1. (ugs.) auf eine bestimmte Stelle hauen, schlagen <hat>:
mit dem Hammer h. 2. <hat) (salopp) a) mit Wucht an
eine bestimmte Stelle werfen, stoßen, mit Wucht hinwerfen:
seine Tasche h.; b) voller Unlust plötzlich aufgeben: seine
Arbeit, den Kram h. 3. <h. + sich; hat) (salopp) a) sich
zum Ausruhen. Schlafen hinlegen: sich zeitig h.; b) sich
hinwerfen, sich zu Boden werfen. 4. <hat> (salopp) a)
niederwerfen, zu Boden werfen: den Gegner h.; <unpers.:> im
unteren Steilhang, im Zielschuß hat es mich hingehauen;
b) treffen, verblüffen u. erschüttern od. aus der Fassung
bringen: das hat mich hingehauen. 5. heftig hinfallen,
-stürzen u. hart aufprallen <ist): der Länge nach h. 6. <hat>
(salopp) a) (abwertend) flüchtig anfertigen, nachlässig u.
schnell machen: eine Zeichnung h.; einen Aufsatz in einer
halben Stunde h.; b) kurz einwerfen, bemerken: eine bissige
Bemerkung h. 7. (landsch. salopp) sich beeilen <hat>: er
hat ganz schön hingehauen. 8. <hat> (salopp) a) gutgehen,
gelingen: es. die Sache wird schon h.; b) gut. richtig, in
Ordnung sein u. den Zweck treffen: verbessere diesen Satz,
er haut so nicht hin!; S Liter hauen hin (sind genug);
c) einschlagen (IIb), wirken. Effekt machen: der neue
Roman scheint hinzuhauen; -hocken <sw. V.; hat): 1. sich
an eine bestimmte Stelle hocken. 2. (südd. fam.) sich
hinsetzen; -horchen <sw. V.; hat) (ugs.): horchend hinhören;
-hören <sw. V.; hat): genau auf etw. hören. [ genau J zuhören:
genau, scharf, nicht richtig h.; -huschen <sw. V.; ist):
sich huschend (zu etw.) hinbewegen: ich huschte zur Tür
hin; -kauern, sich <sw. V.; hat): sich an eine bestimmte
Stelle kauern: hingekauert das Gewitter abwarten; -klt-
9chen <sw. V.; hat) (Schülerspr.): svw. T hinhauen (6 a);
-klotzen<sw. V.; hat) (ugs.): (etw. Wuchtiges. Gewichtiges,
roh Gestaltetes) an einer bestimmten Stelle errichten,
hinstellen, erstellen: hingeklotzte Hochhäuser; -knallen <sw.
V.) (ugs.): 1. heftig, insbes. knallend, hinwerfen <hat>: das
Buch [auf den Tisch] h. 2. heftig hinfallen u. hart aufprallen
<ist>; -knien <sw. V.): 1. sich an eine bestifnmte Stelle
knien; niederknien Ost). 2. <h. -I- sich; hat) svw. t-knien
(1); -kommen <st. V.; ist): 1. an einen bestimmten Ort
kommen: nach Rom h.; kommst du auch [zu der
Versammlung] hin?; zu jmdm. h. 2. (ugs.) vgl. hin (II): wo kommen
die Bücher hin (wohin sollen sie gestellt, gebracht usw.
werden)?; wo ist meine Uhr bloß hingekommen
(hingeraten, wohin ist sie verschwunden)?; R wo kommen/kämen
wir hin. wenn ...? (was solltte] denn werden, wenn ...?):
wo kommen wir hin, wenn das so bleibt?; wo kämen
wir hin. wenn das so bliebe?; wo kämen wir ohne Gesetze
hin (was würde [aus uns] ohne Gesetze werden)? 3. (ugs.)
mit etw., was für eine bestimmte Zeit od. für die Herstellung
von etw. reichen soll, auch auskommen: mit den Vorräten
h.; der Stoff ist knapp, aber wir kommen hin. 4 (ugs.)
in Ordnung kotwnen: es wird schon alles irgendwie h.,
wieder h. 5. (ugs.) stimmen; richtig, ausreichend sein, das
Richtige, das richtige [Ausjmaß treffen, aufweisen: das
Gewicht kommt ungefähr hin; -können <unr. V.; hat)
(ugs.): vgl. -dürfen; -kriegen <sw. V.; hat) (ugs.): 1. [mit
Geschick] zustande bringen, fertigbringen: das hast du
prima hingekriegt; Daß der Professor es (= das Gesicht)
nicht mehr so hinkriegt, wie es mal war. ist klar (Hörzu
14, 1976. 32). 2. in Ordnung bringen: das kriegen wir wieder
hin; jmdn. wieder h. (ärztlich heilen; gesund pflegen):
-kritzeln <sw. V.; hat): irgendwohin kritzeln, kritzelnd
hinschreiben, -zeichnen: hingekritzelte Zeichen; -kümmern <sw. V.;
ist): svw. tdahinkümmern; -kunft, die in der Fügung in
H. (österr.; in Zukunft), dazu: -künftig <Adj.; o. Steig.;
nicht präd.) (österr.): [zukünftig; -langen <sw. V.; hat):
1. (ugs.) an eine bestimmte Stelle langen, nach einer
bestimmten Sache greifen, fassen: er langte blitzschnell hin. 2.
(salopp) zupacken, zuschlagen: derb h.; die gegnerische
Mannschaft langte ganz schön hin (Sport Jargon; spielte
hart, rücksichtslos [u. unfair]). 3. (salopp) sich bedienen;
sich von etw. nehmen: ausgiebig h.; Ungenierter denn je
langen sie ( = die Banken) bei den Gebühren für das
Massengeschäft hin. Die ... Bank ... verlangt für eine
Scheckkarte ... fünf Mark (Spiegel 12. 1976. 60). 5. (ugs.)
a) ausreichen, hinreichen: die Butter langt (nicht] hin; b)
auskommen, hinreichen: mit dem Geld [nicht] h.. zu 5 a:
-länglich <Adj.; o. Steig.; nicht präd.): genügend, aus-,
hinreichend: für -en Ersatz sorgen; diese Tatsache ist mir
h. (zurGenüge) bekannt.dazu: -länglichkeit,die; -; -bissen
<st. V.; hat) (ugs.): hingehen, -kommen, -fahren usw. lassen;
erlauben hinzugehen, -zukommen usw.: sie ließen ihn nicht
1236
hin-, Hin-
(zu seinen Eltern] hin; -laufen <st. V.; ist): l.a) an einen
bestimmten Ort laufen: zur Unfallstelle h.; wir sind [zu
ihm] hingelaufen: b) (landsch.. ugs.) zu Fuß an einen
bestimmten Ort gehen: wir sind hingelaufen, nicht
hingefahren; c) (ugs.) zu jmdm.. etw. gehen (in bestimmten
Verbindungen, die Ironie. Kritik an der Häufigkeit ausdrücken):
du mußt auch zu jeder Demonstration, Ausstellung h.!;
der läuft ständig zum Chef hin. um sich zu beschweren;
d) nach einer bestimmten Stelle hin, auf eine bestimmte
Stelle zu [ ver] laufen: die Fäden, die Straßen laufen nach/zu
einem Punkt hin. 2. a) dahinlaufen. -rennen: über den Rasen
h.; b) dahinfließen, -strömen: c) über. an. zwischen usw.
etw. hin verlaufen: über die Ebene hinlaufende Straßen;
-leben <sw. V.; hat): svw. T dahinleben; -lesen <sw. V.:
hat): l.a) etw. an eine bestimmte Stelle legen: jemand
hatte [ihm] einen anderen Schlüssel hingelegt; b) (ugs.)
(eine beträchtliche Swnme) bezahlen müssen: dafür mußte
er 1 000 Mark h.; c) aus der Hand legen, weglegen: leg
das Messer sofort hin!; den Hörer h. (auflegen): d) jmdn.
an eine bestimmte Stelle legen, betten: auf ein Lager legen,
zur Ruhe legen: sie trugen den Verletzten an den
Straßenrand und legten ihn hin; ein Kind h. (schlafen legen):
e) (ugs.) zu Fall bringen: R es hätte mich beinah hingelegt
(ich war völlig überrascht). 2. <h. + sich) a) sich an eine
bestimmte Stelle legen: sich auf den Erdboden h.; sich
flach h.; (militär. Befehl:) h.!; R da legst du dich [lang]
hin (ugs.; da bin ich bzw. ist man völlig überraschtV.: b)
sich schlafen legen: sich auf ein Lager, zur Ruhe legen:
sich zeitig h.; sich zum Sterben h. (geh.; krank werden
u. sterben): c) (ugs.) svw. Nfallen (la). -stürzen (1): sich
lang, der Länge nach h. 3. (salopp) mustergültig, gekonnt
ausführen, darbieten: einen Walzer h.; eine großartige Rede.
Leistung h.; -leiten <sw. V.; hat): 1. hinführen (1). 2.
hinlenkend); -lenken <sw. V.; hat): 1. etw. auf ein
bestimmtes Ziel hin. in einer bestimmten Richtung lenken, steuern:
hinsteuern: den Kahn zum anderen Ufer h. 2. etw. auf
ein bestimmtes Ziel hin. in einer bestimmten Richtung lenken,
leiten, bewegen: den Strom nach Nordosten h.; seine
Schritte zum Bahnhof h.; Ü jmds. Blick. Aufmerksamkeit auf
etw. h.; das Gespräch auf ein Thema h.; -locken <sw.
V.; hat): an einen bestimmten Platz locken: jmdn. [zu
jmdm.] h.; -Himmeln, sich <sw. V.; hat) (ugs. abwertend):
sich in betont nachlässiger od. unmanierlicher Weise halb
hinsetzen, halb -legen: -machen <sw. V.) (salopp): 1. an
einer bestimmten Stelle befestigen, anbringen (hat): man
hatte die Tür entfernt und einen Vorhang hingemacht.
2. an einer bestimmten Stelle seine Notdurft verrichten (hat):
da hat einer, ein Hund hingemacht. 3. (landsch.) sich
beeilen (bes. in Aufforderungen) (hat): mach hin. wir
müssen weg! 4. (hat) a) (derb) umbringen: er hat die Alte
hingemacht; b) zerstören (z.B. dem Erdboden
gleichmachen): alles h.; c) zugrunde richten, ruinieren: d) (h. +
sich) sich körperlich ruinieren. 5. sich (zu einem bestimmten
anderen Aufenthalts-. Wohnort) hinbegeben (ist): er lebt
in der Türkei. Da ist er schon vor drei Jahren hingemacht;
da (nach Capri) machen wir auch noch hin; -malen (sw.
V.; hat): an eine bestimmte Stelle malen: eine Figur h.;
-marsch, der: Marsch hin zu einem bestimmten Ziel (Ggs.:
Rückmarsch); -marschieren (sw. V.; ist): zu einem
bestimmten Ziel marschieren: -metzeln (sw. V.; hat): svw.
tniedermetzeln; -mögen (unr. V.; hat) (ugs.): hingehen,
-kommen, -fahren usw. mögen: -morden (sw. V.; hat):
(bes. sinnlos, wahllos in großer Zahl) ermorden: -murmeln
(sw. V.; hat): murmelnd äußern: ein paar hingemurmelte
Worte; -müssen (unr. V.; hat) (ugs.): vgl. -dürfen;
-nähme, die; -: das Hinnehmen, das duldende An-. Aufnehmen:
-nehmen (st. V.; hat): 1. ohne eine Gefühlsregung o.a.
auf-, annehmen, obgleich man eine entsprechende Reaktion
erwarten könnte: eine Beleidigung einfach h.; sein Schicksal
[gelassen] h.; eine Niederlage h. müssen (nichts dagegen
tun können): etw. als Tatsache, als unabänderlich h.; es
h.. daß ... 2. (selten) in Anspruch nehmen, fesseln: eine
Leidenschaft, die jmdn. ganz hinnimmt; von den
Ereignissen völlig hingenommen sein; hingenommen (gebatwt)
lauschen. 3. (ugs.) an einen bestimmten Ort mitnehmen:
den Hund [zu jmdm.] mit h.; -neigen (sw. V.; hat): l.a)
in eine bestimmte Richtung neigen: den Kopf zu jmdm..
zu etw. h.; b) (h. + sich) sich in eine bestimmte Richtung
neigen: sich zu jmdm.. zu etw. h. 2. einer Sache zuneigen,
zu etw. neigen, tendieren: zu der Auffassung h.. daß ....
zu 2: -neigung« die (PI. ungebr.): das Hinneigen: die H.
zu einem Vorbild. Interessenkreis; -opfern (sw. V.; hat):
opfernd hingeben, insbes. sinnlos opfern: -passen (sw. V.;
hat) (ugs.): a) seiner Form nach räumlich an eine bestimmte
Stelle passen: das Klötzchen paßt genau hin; b) seiner
Eigenart nach in eine bestimmte Umgebung passen: Ich
gehe ... nicht in das OfTlzierskasino ... Da passe ich nicht
hin (Kirst. 08/15. 413); -pfeffern (sw. V.; hat) (ugs.):
1. (bes. mit dem Ausdruck der Erregung bzw.
Geringschätzung) heftig hinwerfen, hinschleudern: die Schultasche h.
2. in scharfer, heftiger Form zu Papier bringen, äußern:
[jmdm.] eine Antwort h.; ein paar hingepfefferte Sätze;
-pflanzen (sw. V.; hat): 1. an eine bestimmte Stelle pflanzen.
2. (ugs.) a) nachdrücklich, unübersehbar an eine bestimmte
Stelle stellen: b) (h. + sich) sich unübersehbar od. provoka-
tiv an eine bestimmte Stelle stellen: sich vor jmdn. h.;
-pfuschen (sw. V.; hat) (ugs.): pfuschend ausfuhren,
herstellen: -plappern (sw. V.; hat): plappernd hinsagen, hinreden:
hingeplapperte Worte; -plumpsen (sw. V.; ist) (ugs.): auf
träge, schwerfallige Weise [mit dumpf klatschendem
Geräusch} hinfallen (la. 2): sich. etw. h. lassen; -purzeln
(sw. V.; ist) (ugs.): purzelnd hinfallen (1 a. 2); -raffen (sw.
V.; hat): svw. T dahinraffen; -reden (sw. V.; hat): svw.
t dahinreden; -reiben (st. V.; hat) (südd.): deutlich, hämisch
zu verstehen geben: jmdm. etw. h.; -reichen (sw. V.; hat)
/vgl. hinreichend/: 1. reichend anbieten, reichen,
hinüberreichen: jmdm. ein Trinkgeld h. 2. sich bis zu einer bestimmten
Stelle erstrecken: bis zu einem Punkt h. 3. a) ausreichen,
genügen: das Geld reicht nicht hin; seine Kenntnisse reichen
[dazu] nicht hin; b) (ugs.) svw. f ausreichen (2): mit dem
Geld h.. zu 3a: -reichend (Adj.; o. Steig.): [nicht zuviel
u. J nicht zuwenig für einen bestimmten Zweck, ein
bestimmtes Erfordernis: ausreichend, genügend: ein -es Einkommen;
sich h. informieren; -reise, die: Reise hin zu einem
bestimmten Ziel (Ggs.: Rückreise): bei/auf der H.; -reisen (sw.
V.; ist): an einen bestimmten Ort. zu einem bestimmten
Ziel reisen: -reißen (sw. V.; hat): 1. in eine bestimmte
Richtung, an eine bestimmte Stelle reißen: jmdn. zu sich
h. 2. begeistern, bezaubern [u. dadurch eine entsprechende
Emotion auslösen]: der Sänger, die Musik riß die Zuschauer
hin; jmdn. zur Bewunderung h.; das Publikum zu
Beifallsstürmen h.; <1. Part.:) ein hinreißender Redner; sie ist
hinreißend [schön]; (2. Part.:) von etw. ganz, völlig
hingerissen (überwältigt) sein; hingerissen lauschen. 3.
gefühlsmäßig überwältigen u. zu etw. verleiten: so riß ihn das
Schweigen seiner Schwester zu neuen Worten hin (Musil.
Mann 769); sich [im Zorn] zu einer unüberlegten Handlung
h. lassen; sich [von seiner Wut] h. lassen; -rennen (unr.
V.; ist): vgl. -laufen; -richten (sw. V.; hat) [urspr. auch:
zugrunde richten, verderben]: an jmdm. das Todesurteil
vollstrecken: jmdn. durch den Strang, auf dem/durch den
elektrischen Stuhl, in der Gaskammer h.; (im
Sprachgebrauch terroristischer Organisationen:) ein Sprecher der
Terroristen teilte mit. der Minister sei hingerichtet worden,
dazu: -richtung, die: eine H. vollziehen, dazu: -richtungs-
befehl, der. -kommando, das: vgl. Exekutionskommando.
-richtungsraum. der. -richtungsstfttte, die; -rofzen (sw. V.;
hat) (derb): 1. an eine bestimmte Stelle rotzen: wie hinge-
rotzt [liegen]; Ü ein schnoddrig hingerotztes Jargonwort.
2. a) nachlässig hinstellen, -legen usw.: sie rotzten die Kisten
hin und verschwanden; b) nachlässig anfertigen,
machenden Artikel hat er in fünf Minuten hingerotzt; -rücken,
(sw. V.): 1. an eine bestimmte Stelle rücken, schieben (hat):
den Stuhl [ans Fenster] h. 2. an eine bestimmte Stelle
rücken, sich [ruckweise! an eine bestimmte Stelle schieben
(ist): er rückte zu ihr hin; -«agen (sw. V.; hat): svw.
! dahin sagen: etw. nur beiläufig h.; das ist nur so hingesagt;
R das sagt man/sagt sich so [leicht] hin (ugs.; das sagt
man zwar leichtfertig/das sagt sich zwar leicht, aber in
Wirklichkeit ist es nicht so einfach): -sausen (sw. V.; ist):
1. (ugs.) a) sich schnell an einen bestimmten Ort bewegen:
b) sich schnell (da]hinbewegen. 2. (ugs.) heftig, mit
Schwung hinfallen (la. 2); -schaffen (sw. V.; hat): an
einen bestimmten Ort schaffen: den Koffer [zum Bahnhof]
h.; -schauen (sw. V.; hat) (landsch.): svw. t -sehen;
-schaukeln (sw. V.; hat) (salopp): geschickt zustande bringen,
fertigbringen, meistern: einer Sache geschickt zum Erfolg
verhelfen: das werden wir schon h.; -scheid [-.fajt], der.
-[e]s. -e (selten): svw. t -schied; -scheiden (st. V.; ist) (geh.
verhüll.): sterben: (subst.:) -scheiden« das; -s (geh. ver-
1237
hin-, Hin-
hüll.): Sterben. Ableben, Tod: <subst. 2. Part.:)
^geschiedene, der u. die <Dekl. t Abgeordnete) (geh. verhüll.): der.
die Tote. Verstorbene: -scheißen <st. V.; hat) (derb): 1.
an eine bestimmte Stelle scheißen: hier hat einer
hingeschissen. 2. vgl. hin (II): R wo man hinscheißt (überall [in
dieser Gegend. Umgebuttg]): Natur, wo man hinschiß
(Grass. Katz 136); -schicken <sw. V.; hat): an einen
bestimmten Ort schicken: jmdn. [zu jmdm.) h.; jmdm. etw.
h. (ugs.; zuschicken): -schieben <st. V.; hat): 1. an eine
bestimmte Stelle schieben: jmdm. den Teller h.
(zuschieben) . 2. <h. 4- sich) sich schiebend hinbewegen: sich zu
jmdm. h.; -schied [-Ji:t], der; -[eis. -e [zu t hinscheiden]
(Schweiz.): Ableben. Tod: ^schielen <sw. V.; hat): zu jmdm..
etw. schielen, auf eine bestimmte Stelle schielen: verstohlen
[zu/nach jmdm.. nach etw.] h.; -schießen <st. V.; ist):
sich sehr schnell [daJhinbewegen: das Boot schoß über
den See hin; -schlachten <sw. V.; hat): grausam hinmorden:
-schlagen <st. V.): 1. auf eine bestimmte Stelle schlagen
<hat). 2. (ugs.) der Länge nach hinfallen, hinstürzen
u. hart aufprallen <ist): lang/der Länge nach/längelang
h.; R da schlag einer lang hin [und steh kurz wieder auf!
(das ist überraschend, erstaunlich, unglaublich)!:
-schleichen <st. V.): an eine bestimmte Stelle schleichen (ist):
zu jmdm.. zu einem Ort h.; <h. + sich; hat:) er hatte
sich zu ihm hingeschlichen; -schleppen <sw. V.; hat): 1.
an einen bestimmten Ort schleppen. 2. a) <h. + sich) sich
mit großer Mühe [da]hinbewegen, an eine bestimmte Stelle
schleppen (z.B. vor Müdigkeit. Schwäche): er schleppte
sich zurTür hin; b)<h. + sich) unter ständigen
Verzögerungen verlaufen: sich hinziehen: der Prozeß schleppte sich
über/durch Jahre hin; c) immer weiter verzögernd
behandeln: verschleppen: eine Angelegenheit h.; -schleudern <sw.
V.; hat): vgl. -werfen; -schludern <sw. V.; hat) (ugs.):
oberflächlich, nachlässig zu Papier, auf die Leinwand o. ä.
bringen: ein hingeschluderter Aufsatz; -schmeißen <st. V.;
hat) (salopp): svw. t-werfen; -schmelzen <st. V.; ist):
1. svw. tdahinschmelzen. 2. (ugs. iron.) vor Rührung o.a.
vergehen: vor Glück. Rührung. Liebe fast h.; -schmettern
<sw. V.; hat) (ugs.): mit Wucht hinwerfen: -schmieren <sw.
V.): 1. (ugs.) schmierend (insbes. flüchtig, nachlässig) hin-
schreiben, hinmalen o.a. <hat). 2. (landsch. salopp) heftig
hinfallen, hinstürzen Ost); -schreiben <st. V.; hat): l.a)
an eine bestimmte Stelle schreiben: seinen Namen h.; b)
flüchtig, nachlässig, gedankenlos [ nieder]schreiben: das ist
nicht einfach [so] hingeschrieben. 2. (ugs.) an eine bestimmte
Stelle. Firma. Behörde usw. schreiben: er hat schon zweimal
hingeschrieben, aber keine Antwort bekommen;
^schustern <sw. V.; hat) (abwertend): schlecht u. recht anfertigen:
einen Aufsatz h.; -schütten <sw. V.; hat): auf eine bestimmte
Stelle [aus]schütten: -schweben <sw. V.; ist): sich
schwebend an. über usw. etw.. jmdn. hinbewegen: -schwimmen
<st. V.; ist): an eine bestimmte Stelle schwimmen: hin-
und zurückschwimmen; -schwinden <st. V.; ist): svw.
tdahinschwinden; -segeto <sw. V.; ist): 1. an einen bestimmten
Ort. zu einem bestimmten Ziel segeln, 2. über, an usn>.
etw. segeln, schwebend gleiten. 3. (ugs.) mit Schwung
hinfallen, hinstürzen / u. über den Boden rutschenJ: auf dem
Parkett segelte er hin; -sehen <st V.; hat): auf eine
bestimmte Stelle sehen, den Blick auf etw. Bestimmtes richten od.
gerichtet halten: sie kann nicht h.. wenn jemand blutet;
nach/zu jmdm. h.; scharf h.; <subst.:> bei genauerem
Hinsehen bemerkt man ...; ihr wird schon vom bloßen
Hinsehen übel; -sehnen, sich <sw.V.; hat): sehnlich wünschen,
an einem bestimmten Ort zu sein: sich zu jmdm. h.; ^sein
<unr. V.; ist; nur im Inf. u. Part, zusammengeschrieben)
(ugs.): l.a) verloren, weg sein: das Geld, mein Vertrauen,
der gute Ruf ist hin; R [was] hin [ist,] ist hin; futsch
ist futsch, und hin ist hin; b) durch starke Beschädigung
od. Abnutzung nicht mehr brauchbar sein: die Vase, die
Tasche ist hin; c) völlig erschöpft sein: ich verstehe nicht,
warum ich so hin bin; d) zugrunde gerichtet sein: die Firma
ist hin; e) (salopp) gestorben, tot sein: der Hund ist hin;
ein Schlag, und du bist hin! (als Drohung); f) hingerissen,
von Begeisterung, Leidenschaft ergriffen sein: von etw. ganz
h. 2. hingegangen, -gefahren usw. sein: sie ist gerade hin
[zu ihm]. 3. <in Verbindung mit der Prap. bis) dauern:
bis zu diesem Tag dürfte es noch lange h.; -setzen <sw.
V.; hat): 1. a) an. auf eine bestimmte Stelle, einen bestimmten
Platz setzen: b) absetzen: den Koffer h.; R es hätte mich
beinah hingesetzt (ugs.; ich war sehr überrascht). 2. <h.
+ sich) a) sich an. auf eine bestimmte Stelle, auf einen
bestimmten Platz, insbes. auf einen Sitzplatz setzen:
setz dich hin!; sich gerade, aufrecht h.; R sich h. und
... (eine geistige Arbeit in Angriff nehmen): sich h. und
[Spanisch] lernen; b) (ugs.) hinfallen u. dabei mit dem Gesäß
auf treffen, aufs Gesäß fallen: auf dem gebohnerten Parkett
hat sich schon mancher hingesetzt; R ich hätte mich bald
hingesetzt (ugs.; ich war sehr überrascht): als ich das hörte,
hätte ich mich bald hingesetzt; c) (salopp) sehr überrascht
sein: ich setz' mich hin!; der wird sich h.!; -sieht, die
<P1. selten) (selten): Blickwinkel. Gesichtspunkt: Damit
haben wir nicht nur ... eine erste inhaltliche Bestimmung
gewonnen, sondern zugleich eine H.. unter der alle
Tempora ebenfalls betrachtet werden müssen (Wirkendes Wort
4. 1966. 220); häufig in der Fügung in ... Hinsicht (in
... Beziehung): in dieser, jeder, mancher, gewisser,
verschiedener, doppelter H.; in vieler H. hatte er recht in
wirtschaftlicher, in finanzieller H.; in H. auf... (hinsichtlich).
dazu: -sichtlich <Präp. mit Gen.) (Papierdt.): in bezug
auf. bezüglich: h. des Preises, der Bedingungen wurde eine
Einigung erzielt; -siechen <sw. V.; ist) (geh.): svw. T
dahinsiechen; -sinken <st. V.; ist) (geh.): umsinken, zu Boden
sinken: -sitzen <unr. V.; ist) (Schweiz., österr.): sich
hinsetzen: -sollen <unr. V.; hat) (ugs.): vgl. ^dürfen; -spiel,
das (Sport): erstes von zwei festgesetzten, vereinbarten
Spielen zwischen zwei Mannschaften: vgl. Rückspiel; -spinnen
<st. V.; hat) (geh.): a) svw. t fortspinnen (a); b) <h. +
sich) svw. T fortspinnen (b); -sprechen <st. V.; hat): nur
so nebenbei, unverbindlich sprechen: ein nur so
hingesprochenes Wort; -springen <st. V.; ist) (ugs.): hinlaufen,
hineilen: ich springe mal schnell hin und werde die Sachen
abholen; -spucken <sw. V.; hat): 1. an eine bestimmte
Stelle spucken. 2. vgl. hin (II): R wo man hinspuckt (salopp;
überall in dieser Gegend. Umgebung): Wo du hinspuckst,
nur Helden (Klrst. 08/15. 610); da kann man h. (ugs.;
diese Stelle, dieser Ort liegt sehr nahe): -starren <sw. V.;
hat): 1. auf eine bestimmte Stelle starren: nach, zu jmdm.
h. 2. starrsinnig, hartnäckig auf, nach etw.. jmdm. hinsehen
(a); -stehlen, sich <st. V.; hat): sich an eine bestimmte
Stelle heimlich hinbegeben: sich zu jmdm. h.: -stellen <sw.
V.; hat): 1. a) an eine bestimmte Stelle od. in einen
bestimmten Zusammenhang stellen: * etwas h. können (ugs.; sich
etwas Beachtliches, insbes. finanziell, leisten können): b)
<h. 4- sich) sich an eine bestimmte Stelle stellen: sich
h. und warten; sich gerade, aufrecht h.; sich vor jmdn./
(seltener:) jmdm. h. 2. abstellen, absetzen: den Kofler h.
3. a) bezeichnen, charakterisieren: eine Aussage als falsch
h.; jmdn. als großen Dummkopf h.; jmdn. [jmdm.] als
Beispiel. Vorbild h.; eine Sache so h.. als sei/wäre sie
einwandfrei; b) <h. + sich) sich bezeichnen,
charakterisieren: sich als unschuldig h.; sich als guter Christ/(veraltend:)
als guten Christen h.; -sterben <st. V.; ist) (geh.): sterben,
aus dem Leben scheiden: -steuern <sw. V.): 1. jmdn.. etw.
zu einem bestmimten Ziel, in Richtung auf ein bestimmtes
Ziel steuern <hat): das SchifT [zum Ufer] h. 2. <ist) a)
auf ein bestimmtes Ziel zusteuern: das SchifT steuerte, wir
steuerten [mit unserem Schifll zum Ufer hin; Ü wir
steuerten zum Speisesaal hin; b) eine bestimmte Absicht
verfolgen, einer bestimmten Tendenz folgen: auf ein Ziel h.;
-streben <sw.V.; hat): nach etw. streben, em: erstreben:
auf/nach etw. h.; -strecken <sw. V.; hat): 1. entgegenstrek-
ken. hinhalten: jmdm. zur Begrüßung, zur Versöhnung
die Hand h. 2. (geh.. veraltet) im Kampf töten, tot zu
Boden strecken: einen Gegner h.; ein Geschoß hatte ihn
[auf den Schnee] hingestreckt. 3. <h.+ sich > sich
ausgestreckt hinlegen: sich auf dem/den Boden h.; sich zur Ruhe
h. 4. <h. -l- sich) sich räumlich erstrecken: sich am Fluß
h.; -streichen <st. V.): 1. svw. thinfahren (4a) <hat). 2.
sich ganz nah über, an usw. etw.. jmdm. hinbewegen <ist):
der Vogel streicht über den Wald hin. am Waldrand hin;
-streuen <sw. V.; hat): an eine bestimmte Stelle streuen:
den Vögeln Kömer h.; -strömen <sw. V.; ist): a) an eine
bestimmte Stelle, zu etw. strömen: der Fluß strömt zum
Meer hin; b) sich in großer Zahl hinbewegen: sie
strömten in Scharen hin; -stürzen <sw. V.: ist): 1. zu Boden
fallen, stürzen: hmfallen (1 a). 2. zu einer bestimmten Stelle
stürzen, eilen: zum Ausgang h.; -tischen <sw. V.; hat)
(Schweiz.): svw. T tischen; -tragen <st. V.; hat): an einen
bestimmten Ort, zu einem bestimmten Ziel tragen: etw.
zu jmdm. h.; -treiben <st. V.): 1. <hat) a) zu einer bestimm-
1238
hinan
ten Stelle treiben: die Strömung treibt das Wrack zum
Ufer hin; b) jmdn. bewegen, veranlassen, irgendwohin zu
gehen, sich mitjmdm. od. etw. Bestimmtem näher zu befassen
o.a.: die Sehnsucht trieb ihn zu ihr hin; <unpers.:> es
trieb ihn immer wieder hin. 2. treibend f da]hinbewegen
(Über, an usw.) <hat>: der Wind treibt die Blätter über
die Straße hin. 3. sich treibend hinbewegen <ist>: das Floß
ist langsam [zum Ufer) hingetrieben; -treten <st. V.): 1.
(in bestimmter Erwartung, mit bestimmter Absicht) an eine
Stelle bzw. vor jmdn./zu jmdm. treten <ist>: näher [zum
Ufer) h.; [mit einer Frage] vor jmdn. h.; vor Jmdn. h.,
um sich zu rechtfertigen. 2. gegen etw. Bestimmtes treten;
zutreten <hat>: fest h.; stritt, der [wohl nach der Vorstellung
bes. der christl. Rel.. daß der Tote vor Gott als Richter
hintreten muß] (veraltet): Tod. Sterben: ^tun <unr. V.;
hat) (ugs.): vgl. hin (II): wo soll ich das Buch h.?; wo
soll ich ihn bloß h. (woher kenne ich ihn bloß)?; -tupfen
<sw. V.; hat): tupfend an einer bestimmten Stelle erzeugen,
insbes. tupfend hinmalen: zart hingetupfte Wolken; eine
Frühlingslandschaft, wie hingetupft; -vegetieren <sw. V.;
ist): svw. tdahinvegetieren; -wagen, sich <sw. V.; hat):
es wagen hinzugehen, -zukommen, -zufahren usw.; -wandern
<sw. V.; ist): l.a) an einen bestimmten Ort. zu einem
bestimmten Ziel wandern: zu der Hütte h.; Ü die Lachse
wandern zu ihren Laichplätzen hin. 2. sich wandernd [da]-
hinbewegen; über die Felder, am Waldrand h.; Ü die
Wolken wandern (ziehen) am Himmel hin; ^wärts <Adv.)
[mhd. hin(e)wert. T-wärts]: von hier nach dort, insbes. auf
dem Hinweg (Ggs.: herwärts): h. konnten wir zügig fahren;
^weg. der: Weg hin zu einem Ziel (Ggs.: Rückweg): auf
dem H.; ^weis, der: l.a) hinweisende Angabe; Bemerkung
od. kurze Mitteilung, die in bestimmte Richtung zielt u.
jmdm. etw. (insbes. eine Kenntnisnahme od. ein Handeln)
nahelegt: ein wertvoller, brauchbarer, aufschlußreicher H.;
das war ein deutlicher, unmißverständlicher H.; einem
Buch bibliographische -e beigeben; gestatten Sie mir einen
H. auf die Gründe dieses Sachverhalts; jmdm. einen H.
zur/für die Benutzung geben; darf ich mir den H. erlauben,
daß ...?; er gab mir einen nützlichen H.. wie ich vorgehen
sollte; einen H. beachten; einem H. folgen; b) * unter H.
auf (indem man auf... hinweist/hinwies): sein Antrag wurde
unter H. auf die einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen
abgelehnt. 2. Andeutung, hinweisende I An]zeichen für etw.:
Und dann steckt in der Stellungnahme des Besuchers stets
ein wertvoller H. auf die eigene nationale Art (Sieburg,
Blick 123); es gibt nicht den geringsten H. dafür, daß
ein Verbrechen vorliegen könnte; -weisen <st. V.; hat):
1. in eine bestimmte Richtung, auf etw. zeigen: er wies
[mit der Hand] auf das Gelände hin; das Schild weist
auf den Parkplatz hin; (Sprachw.:) hinweisendes Fürwort.
2. jmds. Aufmerksamkeit auf etw. lenken, jmdn. (insbes.
durch eine Äußerung) auf etw. aufmerksam machen: er
wies uns höflich, nachdrücklich, beiläufig auf die
Schwierigkeiten hin; sein Vermerk wies darauf hin, daß einige
Punkte noch nicht erledigt seien. 3. etw. anzeigen, auf
etw. schließen lassen u. [jmdn. j darauf aufmerksam machen:
alle Umstände weisen daraufhin, daß ...; -weisschiW, das:
Schild als Hinweis bzw. mit Hinweis/ en\j'; -weistafel, die:
Tafel mit Hinweist enj; -Weisung, die; -weiszeichen, das:
Zeichen, das einen Hinweis gibt; -welken <sw. V.; ist)
(geh.): langsam verwelken: die Pflanzen welkten hin; Ü
vergrämt welkte sie hin; -wenden <unr. V.; hat): 1. in
eine bestimmte Richtung wenden: den Kopf, den Blick
[zu/nach jmdm.. einer Sache) h. 2. <h. + sich) a) sich in
eine bestimmte Richtung wenden: sich zu/nach jmdm. h.;
Ü wo soll ich mich h. (ugs.; an wen. an welche Stelle
soll ich mich wenden)?: b) sich wenden u. eine bestimmte
Richtung einschlagen: sich zum Ausgang h., zu 2a:
-Wendung, die; ^werfen <st. V.; hat): 1. an eine bestimmte Stelle
werfen: dem Hund einen Knochen h. (vorwerfen); Ü einen
Blick h. (auf eine bestimmte Stelle einen Blick werfen;
kurz hinblicken). 2. <h. + sich) sich zu Boden o.a. werfen,
fallen lassen: sich blitzschnell [in den Schneel h.; sich vor
jmdm. h. und ihn anflehen. 3.a) (achtlos, verächtlich usw.)
irgendwohin (insbes. auf den Boden, von sich) werfen: seine
Sachen achtlos, wütend h.; ärgerlich den Bleistift h.; die
Karten h. (die Spielkarten hinwerfen, weil man nicht
weiterspielen will); b) (ugs.) aus einem Gefühl starker Unlust.
Erregung o.a. heraus unvermittelt aufgeben: seine Arbeit,
den Kram, alles h.; sein Leben h. (geh. verhüll.; sich aus
Verzweiflung das Leben nehmen)', c) flüchtig entwerfen,
konzipieren, insbes. flüchtig zu Papier bringen: ein paar Zeilen
h.; etw. mit wenigen Strichen h.; d) beiläufig äußern, kurz
bemerken: [jmdm.) eine Bemerkung, ein Wort h.; eine
Frage [beiläufig] h. 4. (ugs.) (unabsichtlich) fallen lassen:
wirf die Tasse nicht hin; -wirken <sw. V.; hat):
Anstrengungen unterneftftten, sich einsetzen, um etw. zu veranlassen;
auf die Beseitigung von Mängeln h.; er wirkte beim
Ministeraufseine Entlassung hin; -wollen <unr. V.; hat) (ugs.):
vgl. ^dürfen; -zählen <sw. V.; hat): einzeln zählend
vorlegen, auf den Tisch zählen, vorzählen: jmdm. Geldstücke
h.; die [Spieljkarten h.; -zaubern <sw. V.; hat) (ugs.):
(etw. erstaunlich Gutes) mit wenig Mitteln bzw. in kurzer
Zeit machen, herstellen: Umdm.) ein Essen h.; -zeichnen
<sw. V.; hat): 1. an eine bestimmte Stelle zeichnen. 2.
flüchtig, [nach[lässig irgendwohin zeichnen; -zeigen <sw.
V.; hat): svw. t ^deuten (1): auf jmdn.. auf etw. h.; -ziehen
<unr. V.): 1. <hat)a) zu jmdm.. zu etw. Bestimmtem [heran]-
ziehen: die Gepäckstücke näher zu sich h.; b) durch
Anziehung. Interessantheit o. ä. hindrängen, hintreiben: das
Heimweh zieht ihn nach Süden, zu den Bergen hin; sich stark
zu jmdm.. zu etw. hingezogen fühlen; <unpers.:> es zog
ihn immer wieder zu ihr hin; es zieht ihn mehr zu den
Naturwissenschaften hin; c) auf eine bestimmte Stelle
lenken; veranlassen, sich auf eine bestimmte Stelle zu richten:
die Blicke zu sich h. 2. <ist> a) an einen bestimmten Ort
ziehen, seinen Wohnsitz verlegen: er kennt München nicht,
aber er wind bald h.; b) an einen bestimmten Ort. in eine
bestimmte Richtung ziehen, wandern, faliren usw.: die
Truppen ziehen zur Grenze hin; (dichter.:) die Vögel ziehen
nach Süden hin. 3. sich ziehend, wandernd, fahrend usw.
[da] hinbewegen über, an usw. <ist>: die Truppen zogen
über die Ebene hin; (dichter.:) Wolken zogen am Himmel
hin. 4. <hat> a) in die Länge ziehen: einen Prozeß h.;
b)<h. + sich)sich über /unerfreulich od. unerwartetJ lange
Zeit erstrecken bzw. den [unangenehmen] Eindruck langer
Dauer vermitteln: die Verhandlungen zogen sich [lange,
über Jahre] hin; der Abend zog sich endlos hin; c) <h.
+ sich) sich weit erstrecken: sich endlos [an. über etw.)
h.; sich bis zu einer Stelle h. %5. <hat> a) hinauszögern,
verzögern: die Abreise [bis zum Abend] hinzuziehen
versuchen; b) <h. -I- sich) sich verzögern: die Abreise zog sich
[bis zum Abend] hin; -zielen <sw. V.; hat): auf etw. (als
Ziel der Handlung od. [ Rede J absieht) zielen: ich weiß nicht,
worauf du [mit deiner Bemerkung] hinzielst, worauf deine
Bemerkung hinzielt; $r zielt [mit seiner Politik), seine
Politik zielt auf eine Änderung der bestehenden Verhältnisse
hin; -zitieren <sw. V.; hat) (abwertend): zu einer
bestimmten Person od. Stelle zitieren: er wurde zum Chef hinzitiert;
-zögern <sw. V.; hat): a) svw. t ^ziehen (4a. 6); b) <h.
+ sich) svw. t ^ziehen (4 b).
hinab [hinapl <Adv.) [mhd. hin abe]: svw. Thinunter.
hin^b- (vgl. auch: hinunter-, herunter-, herab-): -Wicken
<sw. V.; hat): 1. svw. t hinunterblicken (1): [auf] die Straße
h. 2. heruntersehen (3): auf jmdn. h.; -fallen <st. V.; ist):
svw. T hinunterfallen; -reißen <st. V.; hat): svw. t
hinunterreißen: der Strudel riß ihn [in die Tiefe] hinab; -sehen
<st. V.; hat): 1. nach [dort] unten sehen, hinuntersehen.
L heruntersehen (3); -senken <sw. V.; hat): 1. nach [dort]
unten senken, hinuntersenken (1): den Sarg ins Grab h.
2. <h. + sich) (geh.) sich nach /dort] unten senken, neigen:
der Weg senkt sich [zum Fluß] hinab; -sinken <st. V.;
ist): svw. T hinuntersinken: auf den Grund h.; -steigen
<st. V.; ist): a) nach /dort] unten steigen, hinuntersteigen:
in den Keller h.; die Treppe h.; Ü (geh.:) so war ich,
um den Ursprung meiner Vorzüge zu ergründen, genötigt,
in mein eigenes Innere hinabzusteigen (Th. Mann. Krull
80); b) (geh.) auf etw. (Schlechteres) verfallen, zu etw.
(Schlechterem) gelangen: zur Gossensprache, auf ein tiefes
Niveau h.; -ziehen <unr. V.): 1. jmdn.. etw. nach [dort]
unten ziehen, hinunterziehen <hat). 2. herabziehen (2) <hat>:
jmdn. auf ein niedriges Niveau h. 3. (geh.) nach /dort]
unten ziehen, wandern, fahren, sich begeben Ost): ins Tal.
in den Süden h.
Hinaiana, Hinayana [hina'ja:na], das; - [sanskr. hFnayäna
= kleines Fahrzeug (der Erlösung)] (Rel.. abwertend):
strenge, nur mönchische Richtung des Buddhismus.
hinan [hinan] <Adv.) (geh.): 1. svw. thinauf: den Hügel
h.; zur Sonne h. 2. <in trennbaren Zus. mit Verben) svw.
t hinauf-.
1239
hinauf
hinauf [hi'n^it] <Adv.) [mhd. hin üf. ahd. hina üfl: 1.
aufwärts (Ggs.: hinunter; bei einer Zielrichtung, die auch
vom Sprecher weg, und zwar nach unten führt; Ggs.:
herunter; bei einer Zielrichtung, die zu dem Sprecher hin
führt, und zwar von oben her); a) / von hier unten] nach
[dort] oben: los. Jungs, h.!; den Berg h. vordringen; den
Fluß [weiter] h. [bis zur Quelle] begegnete ihnen niemand;
h. und hinunter/hinab; h. an die Ostsee (ugs.; nach Norden:
orientiert an der aufgehängten Landkarte); (als
Verstärkung u. Differenzierung von Präpositionen:) am Hang h.;
zum Gipfel h.; jmdn. bis h. begleiten; b) (im Grad. Rang
auf einer Stufenleiter) [bis] tiach oben [steigend]: vom
einfachen Soldaten bis h. zum höchsten Offizier. 2. <als
abgetrennter Teil von Adverbien wie „wohinauf.
dahinauf* in trennbarer Zus. mit einem Verb) (bes. ugs.):
wo willst du h.7; wo mag er hinaufwollen?; da wollte
er nicht h.
hinauf- (vgl. auch: herauf-, rauf-, hoch-, empor-): -arbeiten,
sich <sw. V.; hat): l.a) sich unter Anspannung der Kräfte,
durch angestrengte Tätigkeit hinaufbewegen: sich die Wand,
sich an der Wand h.; Ü der Raupenschlepper arbeitete
sich den. am Hang hinauf. 2. svw. t hocharbeiten, sich:
sich zum Abteilungsleiter h.; Wenn wir arm sind, müssen
wir uns h. (Hacks. Stücke 247); -befördern <sw. V.; hat):
nach /dort] oben befördern: -begeben, sich <st. V.; hat)
(geh.): 1. svw. T-gehen: sich die Treppe h. 2. sich an einen
höher gelegenen Ort begeben: sich zur dritten Etage, zur
Direktion, auf die Dachterrasse h.; -begleiten <sw. V.;
hat): jmdn. nach [dort] oben begleiten: jmdn. die Treppe,
zur dritten Etage h.; -bemühen <sw. V.; hat): I. nach
[dort] oben bemühen. 2. <h. + sich) sich nach [dort]
oben bemühen: -bewegen <sw. V.; hat): nach [dort] oben
bewegen: sich die Treppe, am Hang h.; -bitten <st. V.;
hat): bitten hinaufzukommen, -zugehen: Jmdn. zu sich h.;
der Herr Direktor läßt Sie h.; -Wicken <sw. V.; hat):
nach [dort] oben blicken: an jmdm., zu jmdm. h.; zu
den Sternen h.; -bringen <unr. V.; hat): l.a) nach [dort]
oben bringen, schaffen: jmdm. den Koffer [zur dritten
Etage, in die Wohnung] h.; b) nach [ dort] oben bringen,
begleiten: jmdn. h. 2. <h. + sich) (österr.) sich in eine höhere
Stellung, in eine bessere, besser bewertete Stellung, soziale
Lage bringen: -dienen, sich <sw. V.; hat): svw. f
hochdienen, sich: sich [bis] zum Direktor h.; -dürfen <unr. V.;
hat) (ugs.): 1. hinaufgehen, -kommen, -fahren usw. dürfen.
2. hinaufgebracht (1). -gesetzt, -gestellt usw. werden dürfen:
darf der Koffer hinauf?; -eilen <sw. V.; ist): nach [dort]
oben eilen: die Treppe h.; zur Wohnung h.; -fahren <st.
V.): 1. nach [dort] oben fahren <ist>: mit dem Lift h.;
den Berg, zur Burg h.; den Fluß h.; Ü nach Hamburg
h. (ugs.; in Richtung Norden nach Hamburg fahren). 2.
nach [dort] oben fahren <hat>: jmdn.. den Wagen h.; -fallen
<st. V.: ist) in der Wendung die Treppe h. (tTreppe);
-finden [. sich] <st. V.; hat): /sich] nach [dort] oben finden:
[sich] zu jmdm. h.; -fliegen <st. V.; ist): nach [dort] oben
fliegen: -führen <sw. V.; hat): nach [dort] oben führen:
-geben <st. V.; hat): nach [dort] oben geben: jmdm. etw.
h.; Midien <unr. V.; ist): 1. nach [dort] oben gehen: die
Treppe h.; zur Wohnung, auf das Podium h. 2. steigen,
sich hinaufbewegen: auf 1 000 Meter Flughöhe h. 3. nach
[dort] oben fuhren, verlaufen, sich nach [dort] oben erstrek-
ken: die Straße geht den Berg hinauf, [bis] zum Gipfel
hinauf; <unpers.:) hinter der Biegung geht es (geht der
Weg. die Straße) steil hinauf. 4. (ugs.) a) steigen, sich
erhöhen: die Mieten gehen hinauf; das Fieber ist
hinaufgegangen; b) (die Forderung. Leistung, den Grad [der
Leistung]) steigern, erhöhen: mit etw. (auf einer Skala) nach
oben gehen: mit dem Preis h.; mit dem Tempo, mit der
Stimme [in eine höhere Lage] h.; in den dritten Gang
h.; -gelangen <sw. V.; ist): nach [dort] oben gelangen:
-geleiten <sw. V; hat): nach [dort] oben geleiten: -heben
<st. V.; hat): nach /dort] oben heben: jmdn.. etw. auf
etw. h.; -helfen <st. V.; hat): nach [dort] oben helfen:
jmdm. die Treppe h.; er half ihr auf das Pferd hinauf;
-jagen <sw. V.; ist): nach [dort] oben jagen: das Auto
jagte die Steigung hinauf; -klettern <sw. V.; ist): 1. nach
[dort] oben, in die Höhe klettern: lauf] den Baum h. 2.
(ugs.) steigen, sich erhöhen: die Preise klettern [in
schwindelnde Höhen] hinauf; -kommen <st. V.; ist): l.a) nach
[dort] oben kotnmen: soll ich zu euch [in eure Wohnung]
h.?; die Treppe h.; b) svw. t-gelangen: wie soll ich [auf
den Baum] h.! 2. in eine höhere Stellung, in eine bessere,
besser bewertete Stellung, soziale Lage kommen: -können
<unr. V.; hat) (ugs.): vgl. -dürfen; -kriechen <st. V.; ist):
1. nach [dort] oben kriechen: die Schnecke kroch an der
Mauer hinauf. 2. sich schleppetut hinaufbewegen: der Zug
kroch die Steigung hinauf; -kurbeln <sw. V.; hat): nach
oben kurbeln: das Seitenfenster h.; -langen <sw. V.; hat)
(ugs.): 1. nach [dort] oben reichen^ hinaufreichen: [jmdm.)
etw. h. 2. nach [dort] oben greifen, fassen: [bis] auf den
Schrank h. können; -lassen <st. V.; hat): hinaufgehen,
-kommen, -fahren usw. lassen: jmdn. [zu jmdm.] [in die
Wohnung] h.; jmdn. die Treppe h.; -laufen <st. V.; ist):
nach [dort] oben laufen, sich fortbewegen: -legen <sw.
V.; hat): nach [dort] oben legen: den Koffer [auf den
Schrank] h.; -lenken <sw. V.; hat): nach [dort] oben lenken:
-müssen <unr.V.; hat) (ugs.): vgl. -dürfen; -nehmen <st.
V.; hat): nach [dort] oben nehmen: jmdn. zu sich [in die
Wohnung] h.; -rasen <sw. V.; ist): nach [dort] oben rasen:
eine Steigung h.; -reichen <sw. V.; hat): 1. nach [dort]
oben reichen, geben: jmdm. etw. h. 2. [lang genug sein
u. deshalb] bis nach [dort] oben reichen: die Leiter reicht
bis zum Balkon hinauf; -reiten <st. V.; ist): nach [dort]
oben reiten: den Berg, zur Burg h.; -rennen <unr. V.;
ist): nach [dort] oben rennen: -rufen <st. V.; hat): nach
[dort] oben rufen: er rief zum Fenster hinauf, sie solle
kommen: -schaffen <sw. V.; hat): 1. nach [dort] oben
schaffen, bringen. 2. <h. + sich) (Schweiz.) svw. t
hinaufarbeiten, sich; -scharten <sw. V.; hat) (Jargon): (bei
Motorfahrzeugen) in einen höheren Gang schalten: -schauen <sw.
V.; hat) (landsch.): vgl. -sehen; -schicken <sw. V.; hat):
nach [dort] oben schicken: -schieben <st. V.): 1. nach
[dort] oben schieben <hat). 2. <h. + sich) sich nach [dortj
oben schieben <hat); -schießen <st. V.): 1. <hat> a) nach
[dort] oben schießen: b) (ugs.) durch Raketenantrieb
hinaufbefördern: eine Rakete, jmdn. mit einer Rakete zum
Mond h. 2. <ist> a) sich äußerst heftig u. schnell
hinaufbewegen: das U-Boot schoß [zur Oberfläche] hinauf; b) (ugs.)
mit großer Heftigkeit u. Eile hinauflaufen: [wie der Blitz]
die Treppe h.: zu jmdm. hinaufgeschossen kommen;
-schleichen <st. V.): 1. nach [dort] oben schleichen <ist).
2. (h. + sich) sich nach [dort] oben schleichen: -schleppen
<sw. V.; hat): 1. nach [dort] oben schleppen. 2. <h. +
sich) sich nach [dort] oben schleppen: -schnellen <sw. V.;
ist): sprunghaft steigen, sich sprunghaft erhöhen: die Preise
schnellten hinauf; -schrauben <sw. V.; hat): 1. [im Verlauf
einer stetigen Entwicklung] erhöhen, steigern: die Preise.
Steuern, die Produktion [um 10 Prozent] h. 2. <h. +
sich) sich nach [dort] oben schrauben, in Windungen
aufsteigen: das Flugzeug schraubt sich [in den Äther] hinauf;
-schwingen,sich <st. V.; hat): sich nach [dort] oben
schwingen: sich [aufs Pferd] h.; -sehen <st. V.; hat): nach [dort]
oben sehen: zu jmdm.. zu einem Fenster h.; die Treppe
h.; -sein <unr. V.; ist; nur im Inf. u. Part,
zusammengeschrieben) (ugs.): hinaufgegangen, -gefahren sein: weißt
du. ob er hinaufist?; -setzen <sw. V.; hat): 1. nach [dort]
oben setzen. 2. (bes. Preise o.a.) erhöhen, heraufsetzen:
die Preise. Mieten h.; eine Ware im Preis h. (ihren Preis
erhöhen): -sollen <unr. V.; hat) (ugs.): vgl. -dürfen;
-springen <st. V.; ist): 1. nach [dort] oben springen, in die Höhe
springen: auf etw. h. 2. (ugs.) svw. t-eilen: in die
Wohnung im dritten Stock h.; die Treppe h.; -starren <sw.V.;
hat): vgl. -schauen; -steigen <st. V.; ist): 1. nach [dort]
oben steigen, gehen od. klettern: zum. auf den Gipfel h.;
den Berg h. 2. sich [schwebend] nach [dort] oben bewegen,
aufsteigen: Leuchtkugeln steigen zum Himmel hinauf;
-steigern <sw. V.; hat) (geh.): energisch steigern, erhohen:
die Leistungen, das Selbstbewußtsein h.; -stilisieren <sw.
V.; hat): svw. thochstilisieren; -stolpern <sw. V.; ist): sich
stolpernd nach [dort] oben bewegen: -stürzen <sw. V.;
ist): nach [dort] oben stürzen, gehetzt hinaufeilen: die
Treppen h.; zur Wohnung h.; -tasten, sich <sw. V.; hat): sich
nach [dort] oben tastend bewegen: -tragen <st. V.; hat):
nach [dort] oben tragen: [jmdm.] das Gepäck in die
Wohnung h.; -transformieren <sw. V.; hat) (Elektrot.): durch
Transformieren auf eine höhere Spannung bringen: -treiben
<st. V.; hat): 1. nach [dort] oben treiben: treibend
hinaufbringen: Vieh [auf die Alm] h.. den steilen Pfad h. 2.
jmdn. bewegen, nach [dort] oben zu gehen, zu ziehen: das
Heimweh trieb ihn [in die Berge] hinauf; <unpers.:) es
trieb ihn nach Norden hinauf. 3. in die Höhe treiben.
1240
hinaus-, Hinaus -
erhöhen: die Preise. Kurse h.; -tun <unr. V.; hat) (ugs.):
svw. Telegen, ^setzen o.a.: den Aktenordner wieder
h.; -wachsen <st.V.; ist): nach /dort/ oben wachsen: der
Efeu ist schon bis zum ersten Stock hinaufgewachsen:
-wagen, sich <sw. V.; hat): sich nach [dort] oben wagen:
-weisen <st. V.; hat): nach [dortl oben weisen: ^werfen
<st. V.; hat): nach /dorij oben werfen: den Ball an der
Mauer, [bis] zum Balkon, auf den Balkon h.; Ü im Fahren
einen Blick [zu der Burg] h. (kurz hinaufblicken):
-winden <st. V.; hat): 1. (veraltet) mit einer Winde nach [dort]
oben ziehen, befördern: den Eimer [auf das Baugerüst]
h. 2. <h. + sich) a) sich in Drehungen. Windungen nach
oben bewegen: die Pflanze windet sich am Stamm hinauf;
b) in Windungen nach [dort] oben [ver]laufen: der Pfad
windet sich am Hang, den Hang hinauf, [bis] zum Gipfel
hinauf; der Fluß windet sich nach Norden hinauf; -wollen
<unr. V.; hat) (ugs.): vgl. ^dürfen; -wuchten <sw. V.;
hat): svw. thochwuchten; -zeigen <sw. V.; hat): nach
[dort] oben zeigen: der Pfeil zeigt [zum Gipfel] hinauf;
-ziehen <unr. V.): 1. (hat) a) nach [dort] oben ziehen,
ziehend hinaufbewegen, -bringen, -befördern: einen Wagen
den Berg h.; den Eimer mit der Winde h.; die Brauen
h. (selten; hochziehen)'. <h. + sich:) sich an einem Seil
h.; b) jmdn. bewegen, nach [dort] oben zu ziehen: das
Heimweh zog ihn in die Berge hinauf; <unpers.:> es zog
ihn nach Norden hinauf. 2. <ist> a) nach oben, in ein
höheres Stockwerk [umjziehen: in die zehnte Etage h.;
b) nach [dort] oben ziehen, wandern, fahren, sidi bewegen:
die Truppen zogen die Paßstraße hinauf, zum Gipfel
hinauf; die Vögel ziehen nach Norden hinauf. 3. <h. + sich;
hat) a) sich bis [dort] oben hinziehen, erstrecken, nach
[dort] oben verlaufen: die Wiese zieht sich am Hang hinauf;
das Gebirge zieht sich nach Norden hinauf; b) sich nach
/ dort] oben hinziehen, allmählich ausdehnen, verlagern: der
Schmerz zog sich in die rechte Schulter hinauf.
hinaus [hi'n^is] <Adv.) [mhd. hin Ü3. ahd. hina Ü3. zu
Thin u. taus]: 1. aus diesem [engeren/ Bereich in einen
anderen /weiteren] Bereich /hinein], insbes. [von drinnen]
nach draußen: h. mit dir an die frische Luft!; h. aus dem
(Ggs.: herein in den) Hafen; h. in die Ferne; h. aufs Meer;
den Weg h. [aus der Höhle] suchen; oben, unten, zur
Seite h.; Ü die Ausbildung aus der Theorie h. in die Praxis
verlagern; <als Verstärkung od. Differenzierung von
Präpositionen:) auf... h. (für die lange Dauer von ...): mit
einer Änderung ist auf Jahre h. nicht mehr zu rechnen;
auf Monate h. planen, versorgt sein; durch ... h. (durch
etw. hindurch nach draußen): durch die Tür h. entkommen,
verschwinden; nach ... h. (zu ... hin. auf der nach ...
gelegenen Seite): nach vom. hinten, nach der Straße, nach dem
Garten h. wohnen; über... h. (1. / räumlich] überschreitend,
weiter als: über diese Grenze h. war kein Vordringen mehr
möglich. 2. zeitlich, altersmäßig [bis/ später als: er wird
damit über Mittag h. beschäftigt sein; bis über die Achtzig
h. rüstig bleiben; vgl. hinaussein. 3. überschreitend, weiter
[gehend] als: über 80000 h. dürfte kaum noch eine
Steigerung der Auflagenziffer möglich sein; er gab ihm 20 Mark
über sein Gehalt h.; über das Notwendigste h. wurde
auch noch anderes geboten; er hat darüber hinaus [nicht]
viel Neues zu sagen); zu ... hinaus (aus. durch ... hinaus):
zur Tür. zum Fenster, zur Stadt h. 2. <als abgetrennter
Teil von Adverbien wie ..wohinaus, dahinaus" in
trennbarer Zus. mit einem Verb) (bes. ugs.): wo läuft das
hinaus?; wo soll das hinauslaufen?
hinan»-. Hinaus- (vgl. auch: heraus-, raus-): -befördern
<sw. V.; hat): nach draußen befordern: Vieh [aus einem
Gebiet] h.; Ü jmdn. [mit einem Fußtritt] [zur Tür] h.; jmdn.
unsanft h.; -begeben, sich <st. V.; hat): sich tuxch draußen
begeben: -begleiten <sw. V.; hat): nach draußen begleiten:
-beißen <st. V.; hat): durch Beißen aus etw. (Nest. Höhle
o.a.) verdrängen, vertreiben: den Eindringling [aus dem
Nest] h.; -bemühen <sw. V.; hat): 1. nach draußen bemühen.
2. <h. + sich) sich nach draußen bemühen, begeben:
-beugen, sich <sw. V.; hat): hinaus aus etw., nach draußen
beugen: sich, den Kopf [weit] [zum Fenster] h.; -bewegen
<sw. V.; hat): l.a) nach draußen bewegen: b) weiter bewegen
als: etw. über eine Grenze h. 2, <h. + sich) sich nach
draußen bewegen, begeben: -bitten <st. V.; hat): bitten
hinauszukommen: jmdn. h.; -blasen <st. V.;#hat): durch
Blasen aus etw. entfernen, hinausbewegen, -befördern: -blik-
ken <sw. V.; hat): nach draußen blicken: zum Fenster/aus
dem Fenster h.; auf den Hof h.; -bringen <unr. V.; hat):
1. nach draußen bringen, tragen, befördern. 2. nach draußen
begleiten. 3. es weiter bringen als: er hat es nie über den
niedersten Dienstgrad hinausgebracht; -bugsieren <sw. V.;
hat): nach draußen bugsieren: Mienken <unr. V.; hat): weiter
denken als: über die Gegenwart, über die persönlichen
Probleme h.; -drängen <sw. V.; hat): l.a) nach draußen
drängen: die Menge drängte [aus dem Saal] hinaus; b)
<h. + sich) sich nach draußen drängen. 2.a) jmdn. aus
etw. drängen: jmdn. [aus dem Zimmer] h.; b) aus einer
Gemeinschaft. Stellung usw. drängen: jmdn. aus seinem
Amt h.; -dringen <st. V.; ist): [hinaus] aus etw. dringen:
-drücken <sw. V.; hat): 1. aus etw. drücken: jmdn. aus
dem Eingang h. 2. svw. t-drangen (2 b). 3. <h. + sich)
(ugs.) sich möglichst unauffällig aus einem Raum. Bereich
entfernen, wegbegeben: sich aus dem Zimmer h.. sich zur
Tür h.; -dürfen <unr. V.; hat): 1. hinausgehen, -kommen,
-fahren usw. dürfen: die Kranken dürfen bei schlechtem
Wetter nicht hinaus; darf ich mal h.? (darf ich austreten?:
Frage eines Kindes an den Lehrer in der Klasse); Ü endlich
ins Leben h. 2. (ugs.) hinausgebracht, -gesetzt, -gestellt
usw. werden dürfen: dürfen die Balkonmöbel schon hinaus?
3. (ugs.) a) weiter gehen, kommen, fahren usw. dürfen als:
über eine Markierung nicht h.; b) (z. B. im Grad. Stadium)
weiter gehen, kommen, gelangen dürfen als: seilen <sw.
V.; ist): nach draußen eilen: -^kebi <sw. V.; hat) (ugs.):
durch unfreundliches Verhalten, schlechte Behandlung o. ä.
aus etw. vertreiben: jmdn. [aus dem Haus, aus dem Betrieb]
h.; -fahren <st. V.): 1. <ist) a) aus etw.. nach draußen
fahren (la. 2a): der Zug fährt aus dem Bahnhof hinaus;
aus der Garage h.; er fuhr rasant zum Tor hinaus; b)
aus einem Bereich fahren, um / in der Ferne] ein Ziel zu
erreichen: zum Flugplatz h.; das Schiff fährt aufs weite
Meer hinaus; im Urlaub aufs Land, zu den Großeltern
h. 2. <hat) a) (ein Fahrzeug) nach draußen fahren: den
Wagen [aus der Garage] h.; b) jmdn.. etw. nach draußen
fahren, durch Fahren nach draußen befördern: Sand h. 3.
nach draußen fahren (8 a) <ist>: der Hund fuhr aus der.
zur Hütte hinaus. 4. weiter fahren als <ist>: der Zug ist.
wir sind über das Signal hinausgefahren; [mit dem Wagen]
über die Markierung h.; -falkn <st. V.; ist): 1. nach draußen
fallen (1): aus dem Fenster h. 2. nach draußen fallen (7 b):
ein Fenster so verdunkeln, daß kein Lichtschein
hinausfällt; -fenstem <sw. V.; hat) (ugs.): svw. t^werfen (3):
jmdn. h.; -feuern <sw. V.; hat): 1. nach draußen feuern
(2): mit einer Pistole aus dem. zum Fenster h. 2. (ugs.)
svw. T ^werfen (3); -finden <st. V.; hat): den Weg aus
etw. finden (1). den Ausgang finden (1): aus einer Höhle,
aus einem Labyrinth h.; -fliesen <st. V.): 1. <ist> a) nach
draußen fliegen (1): der Vogel flog [zum Fenster, aus dem
Käfig, ins Freie] hinaus; b) nach draußen fliegen (2. 4):
das Flugzeug flog, der Pilot flog aus der Gewitterwolke
hinaus; c) nach draußen fliegen (11): der Ball flog zum
Fenster hinaus; d) (ugs.) svw. t-fallen (1). 2. (ugs.)
hinausgeworfen (2a. b) werden <ist>: in hohem Bogen h.; wenn
ihr nicht ruhig seid, fliegt ihr hinaus; auch aus der neuen
Stellung flog er hinaus. 3. ausfliegen (2 c) (hat). 4. weiter
fliegen (1. 2. 4. 11) als <ist>: über ein Ziel h.; -fließen
<st. V.; ist): aus etw.. nach draußen fließen: -führen <sw.
V.; hat): l.a) nach draußen führen (1 a): jmdn. [aus einem
Raum] [ins Freie] h.; b) aus etw. führen (3 b), herausführen:
ein Unternehmen aus der Krise h. 2. *etw. gut schlecht
h. (veraltet; zu einem guten, schlechten Ende führen). 3.a)
fiach draußen führen. / ver]laufen: der Weg führt aus dem
Park, aus dem Wald hinaus; b) (als Durchlaß) nach draußen
führen, gerichtet sein: diese Tür führt in den. nach dem
Garten hinaus. 4.a) weiter führen, [ver]laufen als: die
Bremsspur führt über die Markierung hinaus; b) weiter
führen (7 c) als: sein Weg. seine Reise führte ihn weit
über dieses Gebiet hinaus; c) in Verlauf. Ergebnis od. Folgen
überschreiten, weitergehen als: dieser Vorschlag führt weit
über unsere ursprünglichen Absichten hinaus: Das ist ein
ganz unwirkliches... Abenteuer, das weit über unsere Ver
hältnisse hinausführt (Zwerenz. Kopf 158); -geben <st.
V.; hat) nach draußen geben: er gab ihr das Buch zum
Fenster hinaus; -gehen <unr. V.; ist): l.a) nach draußen
gehen: aus dem Zimmer, in den Garten h.; b) gesendet,
gerichtet werden: Telegramme gingen in alle Welt hinaus;
c) <unpers.) der richtige, vorgeschriebene Weg nach draußen,
irgendwohin sein: hier, durch diese Tür geht es hinaus;
1241
hinaus-, Hinaus -
da drüben geht es zum Hafen hinaus. 2. nach draußen
verlaufen: diese Straße geht zum Hafen hinaus. 3. nach
etw. gelegen, gerichtet sein und Durchlaß od. Durchblick
haben, gewähren: das Zimmer, das Fenster geht auf den,
nach dem Garten, nach Westen hinaus; die Tür geht (führt)
in den Garten hinaus. 4. überschreiten, weiter gehen als:
diese Arbeit geht über meine Kräfte hinaus; sein Vorschlag
geht über den zumutbaren Betrag [weit] hinaus; er geht
mit dieser Forderung noch über seinen Vorredner hinaus;
über seine Befugnisse h.; -gelangen <sw. V.; ist): l.a)
aus etw., nach draußen gelangen: b) aus bestimmten
Verhältnissen. Umständen usw. gelangen. 2. weiter gelangen als:
über die bisherigen Erkenntnisse nicht h.; -geleiten <sw.
V.; hat) (geh.): aus etw.. nach draußen geleiten: -graulen
<sw. V.; hat) (ugs.): durch unfreundliches Benehmen
bewirken, daßjmd. einen Raum. Bereich, eine Gemeinschaft usw.
verläßt: -greifen <st. V.; hat): einen weiteren Bereich
erfassen u. beanspruchen als: hinausreichen: Doch greift eine
solche Erklärung nicht schon über das Kontrollierbare
hinaus? (Thieß. Reich 184); -gucken <sw. V.; hat) (ugs.):
svw. t -blicken; -halten <st. V.; hat): nach draußen halten:
die Hand zum Fenster h.; '-hingen <st. V.; hat): aus
etw. [nach draußen] ^hängen da): die Gardinen hingen
zum Fenster hinaus; 2-hängai <sw. V.; hat): nach draußen
2hängen da): Fahnen zum Fenster h.; -heben <st. V.;
hat): 1. nach draußen heben: das Kind wurde zum
Abteilfenster hinausgehoben. 2. (geh.) a) einen höheren Rang geben,
erheben: Lebendigkeit und stilistische Meisterschaft heben
das Buch über die meisten seiner Gattung hinaus; b) <h.
+ sich) sich in bestimmten Eigenschaften über jmdn.. etw.
erheben: es ist schwer, sich über seine Zeitgenossen und
ihre Vorurteile hinauszuheben; -jagen <sw. V.): 1. <hat>
a) nach draußen jagen: ein Tier h.; die Großmutter jagte
die Jungen hinaus; b) eilig hinausschicken: eine Botschaft
[in den Äther] h.; c) eilig hinausschießen, abfeuern: mehr
als 60 Schuß in der Minute h. 2. nach draußen jagen,
eilen (isO: die Kinderjagten laus der Schule] hinaus;
-katapultieren <sw. V.; hat): 1. nach draußen katapultieren. 2.
(Jargon) jmdn. zwingen, etw. (eine Gemeinschaft, einen
Bereich) schleunigst zu verlassen: der Landesvorsitzende hat
sich selbst hinauskatapultiert; -klettern <sw. V.; ist): /
hinaus! aus etw.. nach draußen klettern: -kommen <st. V.;
ist): 1. nach draußen kotnmen: auf die Straße h.; zur Tür,
aus dem Haus h. 2. vgl. herauskommen (2a. b). 3.a)
(räumlich) weiter kommen, gelangen als: er war der erste,
der über den 89. Breitengrad hinauskam; b) (z. B. im Grad.
Stadium) weiter kommen als: über einen Punkt. Grad nicht
h. 4. (ugs.) svw. T-laufen (3): alle Bestrebungen kommen
auf eine Veränderung der bestehenden Verhältnisse hinaus;
was er antwortete, kam auf eine Absage hinaus; etw.
kommt auf eins, auf dasselbe hinaus (bleibt sich gleich):
-komplimentieren <sw. V.; hat): 1. jmdn. bewegen, [sich
zu verabschieden u.l den Raum zu verlassen, zu gehen:
einen lästigen Besucher h.; Ü ... ist der Dichter gleichsam
spezialisiert und mit... Höflichkeit aus dem tätigen Leben
hinauskomplimentiert (sanft vertrieben, hinausgetrieben,
gedrängt) worden in die Welt des Scheins (Thieß. Reich
47). 2. mit höflichen Worten u. Gesten verabschieden u.
hinauslassen: der Apotheker komplimentierte seinen hohen
Besuch hinaus; -können <unr. V.; hat) (ugs.): vgl. --dürfen;
-kriechen <st. V.; ist): /hinaus] aus etw.. nach draußen
kriechen: -langen <sw. V.; hat) (ugs.): 1. nach draußen
reichen, hinausreichen: ümdm.] etw. h. 2. nach draußen
greifen, fassen: zum Fenster h.; -lassen <st. V.; hat): 1.
hinausgehen, -fahren usw. lassen: die Kinder zum Spielen
h. 2. jmdm. den Ausgang, die Tür. das Tor öffnen u. ihn
hinauslassen (1): er ließ seinen Besucher hinaus: -laufen
<st. V.; ist): 1. nach draußen laufen: zur Tür h.; in den
Garten, auf die Straße h. 2. der Zielpunkt von etw. sein,
(im Verlauf einer Entwicklung) als Endpunkt erreichen:
der Plan läuft auf eine Stillegung des Zweigwerkes hinaus;
das läuft allesauf eins, auf dasselbe hinaus. 3. (vgl. hinaus
2) (zu einem Zielpunkt) hinführen: wo soll das h.?: -legen
<sw. V.; hat): 1. nach draußen legen. 2. <h. + sich) sich
nach draußen legen: wir legten uns in die Sonne hinaus;
-lehnen, sich <sw. V.; hat): nach draußen lehnen: sich, den
Kopf [weit] zum Fenster h.; Nicht h.! (Aufschrift an
lAbteillfenstem); -lotsen <sw. V.; hat): 1. aus etw.. nach
draußen lotsen. 2. (ugs.) dazu bewegen, [mit] hinauszugehen,
-zufahren usw. 3. svw, t -manövrieren (2); -machen, sich
<sw. V.; hat) (ugs.): eilig bestrebt sein, einen Raum zu
verlassen: zusehen, daß man hinauskotnmt: mach dich
hinaus!; -manövrieren <sw. V.; hat): 1. nach draußen
manövrieren: das Schiff aus dem Verband h. 2. durch geschicktes
Vorgehen aus etw. bringen, herausführen: ein Unternehmen
aus Schwierigkeiten h.; <h. 4- sich:) sich aus allen
Schwierigkeiten h.; vgl. herausmanövrieren; -marschieren <sw.
V.; ist): aus etw. marschieren: -müssen <unr. V.; hat)
(ugs.): vgl. -dürfen; -nehmen <st. V.; hat): nach draußen
[mit]nehmen (meist in Verbindung mit ..mit"): er nahm
den Hund mit in den Garten hinaus; -pfeffern <sw. V.;
hat) (ugs.): svw. ?-werfen (3); -posaunen <sw. V.; hat)
(ugs.): svw. f ausposaunen: eine Neuigkeit (in alle Welt]
h.; -prügeln <sw. V.; hat): prügelnd hinaustreiben: -ragen
<sw. V.; hat): 1. nach draußen ragen, überstehen: ein weit
hinausragender Felsvorsprung. 2. sich über jmdn.. etw.
(in Wert. Bedeutung. Rang) erheben: jmd.. der über seine
Zeitgenossen hinausragt; seine Leistung ragt kaum über
das Mittelmaß hinaus; -reden, sich <sw. V.; hat): 1. (südd..
österr.. Schweiz.) Ausreden, Ausflüchte gebrauchen. 2.
jmdn.. etw. anfuhren, um eine Ausrede für etw. zu haben:
sich auf eine Krankheit h. [wollen]; -reichen <sw. V.;
hat): 1. nach draußen reichen, geben: Jmdm. den Koffer
h. 2. [lang genug sein u. deshalb] [bis] nach draußen reichen:
die Schnur reicht bis zum Gartenzaun hinaus. 3. weiter
reichen, sich weiter erstrecken als: eine Zone, die über
den Polarkreis hinausreicht; eine allgemeine Bevorratung,
die über die Zeitspanne von zwei Wochen hinausreicht
(Kirst. 08/15. 377); die ... Form eines über die Familie
hinausreichenden sozialen Verhaltens (Lorenz. Verhalten
I. 249); -reiten <st. V.; ist): aus etw.. nach draußen reiten:
-rennen <unr. V.; ist): aus erw.. nach draußen rennen:
-retten, sich <sw. V.; hat): sich nach draußen, ins Freie retten:
-rücken <sw. V.): 1. <hat> a) nach draußen rücken: b)
in zeitliche Ferne rücken, längere Zeit verschieben: die
Erfüllung seiner Wünsche wurde dadurch um zwei Jahre
hinausgerückt. 2. <ist> a) nach draußen rücken: er rückte mit
seinem Stuhl auf den Gang hinaus; b) nach draußen rücken,
hinausziehen: die Soldaten rückten zum Tor hinaus; c)
in zeitliche Ferne rücken, längere Zeit verschoben werden:
die Aussicht auf erste Erfolge ist dadurch um zwei Jahre
hinausgerückt; -rufen <st. V.; hat): nach draußen rufen:
etw. zum Fenster h.. auf die Straße h.; -schaffen <sw.
V.; hat): nach draußen schaffen, hinausbringen: -schauen
<sw. V.; hat): 1. (landsch.) svw. T-blicken (1. 2 a). 2.
(geh.) svw. Kblicken (2b); -scheren» sich <sw. V.; hat;
meist in Aufforderungssätzen o. ä.) (derb): sich nach
draußen scheren: scher dich hinaus!; -schicken <sw. V.; hat):
1. auffordern, einen Raum zu verlassen, nach draußen zu
gehen: die Kinder [aus dem Zimmer, auf die Straße] h.
2. [zu einem fernen Ziel] schicken, senden: Funksprüche
h.; -schieben <st. V.; hat): l.a) nach draußen schieben:
eine Stange*durch die Öffnung h.; b) <h. + sich) sich
nach draußen schieben, bewegen: er schob sich schnell zur
Tür hinaus. 2.a) auf später verschieben, aufschieben: eine
Entscheidung, eine Reise um einen Monat, bis in den
Herbst h.; b) <h. + sich) sich verschieben, sich hinauszögern:
der Moment schob sich hinaus, wie das so geht (A. Kolb.
Schaukel 46); -schießen <st. V.): 1. nach draußen schießen
<hat): zum Fenster h. 2. <lst> a) sich äußerst [heftig u.j
schnell hinausbewegen: das Motorboot schoß aufs Meer
hinaus; der Wasserstrahl schießt (dringt äußerst heftig)
aus der Öffnung hinaus; b) (ugs.) mit großer Eile u.
Heftigkeit hinauslaufen: [wie der Blitz] zur Tür h..
hinausgeschossen kommen. 3. sich über etw. hinausbewegen <ist): das
Auto ist weit über die Markierung hinausgeschossen;
-schleichen <st. V.): 1. nach draußen schleichen <ist>. 2.
<h. + sich) sich nach draußen schleichen <hat); -schleppen
<sw. V.; hat): 1. aus etw.. nach draußen schleppen. 2. <h.
+ sich) sich [hinausJ aus etw.. sich nach draußen schleppen,
ben'egen: -schlüpfen <sw. V.; ist): aus etw.. nach draußen
schlüpfen: -schmeißen <st. V.; hat) (ugs.): svw. t-werfen
(la, 2. 3); -schmettern <sw. V.; hat): aus voller Kehle,
mit hallender Stimme singen: -schmiß, der (ugs.): svw.
t-wurf; -schmuggeln <sw.V.; hat): 1. aus etw. (einem
Land, einem Gebäude o.a.) nach draußen schmuggeln. 2.
<h. + sich) sich aus erw. (einem Land, einem Gebäude
o.a.) schmuggeln, sich nach draußen schmuggeln, bewegen:
-schreien <st. V.; hat): 1. nach draußen schreien: zum
Fenster, auf die Straße h. 2. (geh.) svw. t herausschreien:
1242
Hindernis
seinen Haß, seinen Schmerz h.; -schütten <sw. V.; hat):
aus etw.. nach draußen schütten: -schwimmen <st. V.; ist):
sich schwimmend vom Ufer entfernen: schwimm nicht so
weit hinaus!; -sehen <st. V.; hat): svw. T-blicken; -sein
<unr. V.; ist; nur im Inf. u. Part, zusammengeschrieben):
1. im Alter, in der Reife, in der Denk-. Lebensweise o.a.
weiter [ fortgeschritten ] sein als: etw. überwunden haben:
über die Achtzig h.; über dieses Alter ist er längst hinaus;
über die Kinderkrankheiten h.; über bestimmte Vorurteile
h. 2. (ugs.) hinausgegangen, -gefahren sein: -setzen <sw.
V.; hat): l.a) nach draußen setzen: b) <h. + sich) sich
nach draußen setzen: sich in den Garten h. 2. (ugs.) svw.
t -werfen (3); -sollen <unr. V.; hat): vgl. -dürfen; -spähen
<sw. V.; hat): aus etw.. nach draußen spähen: durch eine
Ritze auf die Straße h.; -spielen <sw. V.; hat): 1. <h.
-I- sich) (selten; abwertend) erscheinen wollen als:
vorstellen, darstellen wollen: sich auf den starken Mann h. 2.
(Sport) den Ball aus einem bestimmten Teil des Spielfeldes
[zum Rand hin] spielen: der Verteidiger spielte den Ball
aus dem Strafraum, aus der Gefahrenzone, auf den Flügel
hinaus; -springen (st. V.; ist): 1. nach draußen springen:
zum Fenster h. 2. (ugs.) nach draußen eilen: schnell, eilig
hinauslaufen (1): in den Garten h.; -stehen <unr.V.; hat):
hervorstehen, hinausragen: über etw. h.; -stehlen, sich <st.
V.; hat): sich leise, heimlich aus einem Raum o. ä. entfernen:
sich aus dem Zimmer h.; -steigen <st. V.; ist): zum Fenster
h. (durch das Fenster einen Raum verlassen, sich entfernen) :
-stellen <sw.V.; hat): l.a) nach draußen stellen: die Blumen
auf den Balkon h.; er stellte die Schuhe hinaus (im Hotel
vor die Zimmertür): b) <h. + sich) sich nach draußen
stellen. 2. (Sport) (einen Spieler) [für eine bestimmte Zeit]
des Spielfelds verweisen, vom Platz stellen: der
Schiedsrichter stellte den Verteidiger hinaus, zu 2: -Stelling, die;
-. -en: ergab mehrere -en; -stolpern <sw. V.; ist): stolpernd
hinausgehen da); -stoßen <st.V.; hat): 1. nach draußen
stoßen. 2. hinausjagen [u. verstoßen]: -strecken <sw. V.;
hat): nach draußen strecken: den Kopf zum Fenster h.;
-strömen <sw. V.; ist): aus etw.. nach draußen strömen:
die Menge strömte aus dem Festzelt auf den Platz hinaus;
-stürmen (sw.V.; ist): svw. t-eilen. T-rennen; -stürzen
<sw. V.): 1. fiach draußen stürzen, fallen: hinausfallen <ist).
2. <h. + sich) sich nach draußen stürzen <hat>: er stürzte
sich zum Fenster hinaus. 3. nach draußen stürzen, gehetzt
hinauseilen, -rennen <ist>: die Einbrecher stürzten zur Tür
hinaus; -tappen <sw.V.; ist): aus etw. tappen: -tragen
<st. V.; hat): 1. nach draußen tragen. 2. in die Ferne. Weite
tragen, bringen, vermitteln [u. verbreiten]: die Nachricht,
sein Name wurde in alle Welt hinausgetragen. 3. weiter
tragen, treiben, befördern als: der Schwung trug ihn über
die Achtmetermarke hinaus; der Wagen wurde nach einer
Rechtskurve über die Straßenmitte hinausgetragen;
-treiben <st. V.): 1. <hat> a) nach draußen treiben: das Vieh
aus dem Stall, auf die Weide h.; b) zwingen, hinauszugehen,
etw. zu verlassen: jmdn. aus dem Haus h.; <unpers.:) es
trieb ihn in die Welt hinaus. 2. vom Ufer weg treiben,
getrieben werden <ist>: der Kahn trieb [auf den See) hinaus;
-treten (st. V.): 1. nach draußen treten <ist>: aus dem
Haus, auf die Straße h.; Ü ins Leben h. 2. nach draußen
treten, durch einen Tritt hinausbefördern <hat>: den Ball
aus dem Strafraum h.; -trompeten <sw. V.; hat): vgl.
-posaunen; -tun <unr. V.; hat) (ugs.): hinauslegen, -setzen,
-stellen o.a.: den Koffer aus dem Zimmer, auf den Gang
h.; -wachsen <st. V.; ist): 1. sich durch Wachsen über
etw. hinaus erstrecken, sich über etw. erheben: größer werden
als etw.: die Pappel ist über das Hausdach
hinausgewachsen; über die Durchschnittsgröße h. 2. durch Wachsen
u. Älter-. Reiferwerden überwinden, über erw.
hinauskommen: über das Alter der Spiele h.; über solche Bücher
ist er längst hinausgewachsen. 3. durch Reiferwerden, durch
Fortschritte, durch / unerwartete] Steigerung der bisherigen
eigenen Leistung übertreffen, über jmdn.. etw.
hinauskommen: über seinen Lehrer h.; wo das Bauen über die Utilität
hinauswächst (Bild. Kunst 3. IS); der Schauspieler ist in
dieser Rolle über sich hinausgewachsen; der Läufer ist
im Endspurt über sich [selbst] hinausgewachsen; -wagen,
sich <sw. V.; hat): 1. sich nach draußen wagen: der
Flüchtling wagte sich hinaus; Ü sich ins Leben h. 2. sich weiter
wagen als: sich über eine Abgrenzung h.; -wfihlen <sw.
V.; hat): jmdn. durch Abstimmen im Ratimen einer Wahl
aus etw. entfernen, ihm die Mitgliedschaft entziehen: 34
Abgeordnete wurden aus dem Parlament hinausgewählt;
-weisen <st. V.; hat): 1. aus etw. [ver]weisen, fortweisen:
jmdn. unnachgiebig h.; er wurde aus der Stadt
hinausgewiesen. 2. nach draußen, in die Ferne weisen, zeigen: er wies
mit der Hand aufs Meer hinaus, 3. auf etw. [ ver]weisen,
hinweisen, was jenseits von etw. liegt: das Symbol weist
über sich selbst hinaus, zu 1: -Weisung, die; -. -en; -werfen
<st. V.; hat): l.a) nach draußen werfen: Abfälle zum Fenster
h.; b) (Licht o.a.) nach draußen richten, fallen lassen:
einen Lichtschein h.; sie warf schnell einen Blick hinaus.
2. <h. + sich) sich nach draußen werfen: in der Kurve
warf er sich schnell hinaus. 3. (ugs.) a) (insbes. etw., was
man [an dieser Stelle] nicht gebrauchen kann) kurzerhand
aus etw. entfernen, weg-, hinausschaffen: die alten Möbel
h.; b) kurzerhand (insbes. mit Heftigkeit, energischer
Entschiedenheit) nach draußen weisen, hinausweisen: der Wirt
warf den Betrunkenen hinaus; c) durch Kündigung.
Entlassung. Ausschluß, Hinausweisung o. ä. kurzerhand aus etw.
entfernen, zwingen, aus etw. wegzugehen, zwingen, etw. zu
verlassen: eine Familie aus ihrer Wohnung h.; jmdn. aus
einem Betrieb, aus einem Verein h.; -wollen <unr. V.;
hat) (ugs.): 1. vgl. -dürfen: *hoch h. (Thoch 4); zu hoch
h. (Thoch 4). 2. letztlich beabsichtigen, letztlich zum Ziel
haben, erstreben: auf einen Kompromiß h.; ich weiß nicht,
worauf er mit seinen Reden hinauswill; worauf will das
hinaus?; -wuchten <sw. V.; hat) (ugs.): mit Kraft nach
draußen wuchten: -wurf. der (ugs.): das Hinauswerfen (3):
das war ein glatter H.; jmdm. mit dem H. drohen; -ziehen
<unr. V.): 1. (hat) a) nach draußen ziehen, schleppen: ein
Flugzeug aus der Halle h.; jmdn. am Arm h.. mit sich
h.; b) jmdn. bewegen, nach draußen bzw. in die Ferne zu
ziehen, hinaustreiben: das Fernweh zog ihn hinaus nach
Australien; <unpers.:> es zog ihn zu ihr in den Garten
hinaus. 2. <ist> a) nach draußen, nach auswärts [um]ziehen:
in die Vorstadt h.; b) nach draußen, in die Ferne ziehen,
wandern, fahren, sich bewegen: die Truppen zogen zur.
aus der Stadt hinaus. 3. nach draußen ziehen, dringen <ist>:
den Rauch h. lassen. 4. <h. + sich) sich bis nach draußen
hinziehen, erstrecken: nach draußen verlaufen (hat): die
Promenade zieht sich aus der Stadt bis nach Holzdorf
hinaus. 5. (hat) a) in die Länge ziehen, hinziehen (5 a):
die Verhandlungen h.; b) (h. + sich) sich in die Länge
ziehen, sich hinziehen (5 b): der Prozeß zieht sich hinaus.
6. (hat) a) hinauszögern, verzögern, hinziehen (6a): die
Abreise h.; b) (h. + sich) sich verzögern, sich hinziehen
(6 b): der Abflug zieht sich hinaus; -zögern (sw. V.; hat):
1. durch Verzögerung hinausschieben: seine Abreise h. 2.
(h. + sich) sich durch Verzögerung verschieben,
hinausschieben: der Abflug der Maschine zögerte sich hinaus,
zu 1: -zögerung, die; -. -en.
Hinayana: tHinajana.
Hinde ['hmddl. die; -. -n [mhd. hinde(n). ahd. hinta; eigtl.
= die Geweihlose] (veraltet, dichter.): Hirschkuh.
Hindenburglicht ['hindnbork-1. das; -[eis. -er [bereits im 1.
Weltkrieg an der Ostfront benutzt; benannt nach dem
Sieger der Schlacht von Tannenberg, dem späteren
Reichspräsidenten P. v. Beneckendorf u. v. Hindenburg (1847 bis
1934)] (früher): (bes. im Zweiten Weltkrieg) als
Notbeleuchtung dienendes Licht, bestehend aus einer Pappschale
mit fester Brenmnasse u. Docht.
hinderlich [hindnlu;] (Adj.) [spätmhd. hinderlich, zu
thindern]: 1. so beschaffen, daß es in der Bewegung hindert:
die Bewegungsfähigkeit beeinträchtigend: ein -er Verband.
2. sich als ein Hindernis (1) erweisend: das kann dir. für
dich h. werden; dieser Vorfall war seiner Karriere, für
seine Karriere sehr h.; sich h. auswirken; hindern Chinden]
(sw. V.; hat) [mhd. hindern, ahd. hintarön. eigtl. =
zurückdrängen, zurückhalten, zu thinter]: l.a) jmdn. in die Lage
bringen, daß er etw. Beabsichtigtes nicht tun kann. jmdm.
etw. unmöglich machen: von etw. abhalten: der Knebel
hinderte ihn am Sprechen; der Polizist hinderte ihn an
der Weiterfahrt; bestimmte Rücksichten hinderten ihn
[daran], so zu handeln: b) bei etw. stören, behindern: der
Verband hindert [mich] sehr; jmdn. beim Arbeiten h. 2.
(veraltet) svw. Tverhindern: den Krieg h.; Hindernis
['hindenisl. das; -ses. -se [mhd. hindernis(se). zu T hindern]:
1. hindernder Umstand. Sachverhalt: Hemmnis.
Schwierigkeit: ein großes, ernstes, unüberwindliches H.; dieser
Umstand ist kein H. für uns. für die Verwirklichung unseres
Plans; -se treten auf. stellen sich uns entgegen; ein H..
1243
Hindernis-
das der Realisierung eines Projekts entgegensteht,
beseitigen, aus dem Weg räumen, überwinden; auf wirtschaftliche
-se stoßen; sich über -se hinwegsetzen; eine Reise mit
-sen; *jmdm. -se in den Weg legen (Schwierigkeiten
machen). 2. etw.. was das direkte Erreichen eines Ziels, das
Weiterkommen be- od. verhindert: die hohe Mauer war
ein unüberwindliches H.; die seh roden Felsen sind, bilden
ein natürliches H.; ein H. errichten, beseitigen, wegräumen.
3.a) (Leichtathletik) auf einer Strecke aufgebaute
Vorrichtung (z. B. Querbalken auf zwei Pfosten in geringerer Höhe)
od. Anlage (z.B. Wassergraben), die bei speziellen
Laufwettbewerben (Hindernisläufen) übersprungen werden muß:
ein H. nehmen; über ein H. setzen; b) (Pferdesport) auf
dem Parcours aufgebaute Vorrichtung (z.B. Oxer) od.
Anlage (z. B. Graben, Wall) .die von Pferd u. Reiter
übersprungen werden muß: ein H. nehmen; bei Geländeritten werden
halbfeste (mit loser Auflage versehene) oder feste -se
gesprungen; c) (Golf) eine der auf dem Platz vorhandenen
künstlichen od. natürlichen Bodenunebenheiten (z. B. Bunker
3 od. Wasserhindernis): d) (Minigolf) eine der
Konstruktionen auf der Spielbahn, die das unmittelbare Hineinschlagen
des Balles in das Loch erschweren.
Hjndernis-: -bahn, die (Leichtathletik): Bahn für
Hindernisrennen; -balken, der (Leichtathletik); -fahren, das; -s
(Pferdesport): (zwei- od. mehr spänniges) Geschicklichkeitsfah-
ren auf einem Parcours, der mit speziellen Schwierigkeiten
(engen Gassen. Wetulungen usw.) versehen ist; -feuer, das:
rotes Dauerleuchtfeuer zur Markierung von Luftfahrt-
hitidernissen (z. B. Schornsteinen. Tünnen); -kombination,
die (Pferdesport): festgelegte Kombination von
Hindernissen, die bei Springprüfungen zu überqueren sind; -lauf, der
(Leichtathletik): Ijaufwettbewerb, bei dem in bestimmten
Abständen Hindernisse (3 a) zu überwinden sind; -laufen,
das; -s: vgl. -lauf; -laufer, der. vgl. -lauf; -rennen, das:
1. (Pferdesport) Galopprennen über Hürden od. über andere
Hindernisse; Hürdenrennen od. Jagdrennen. 2.
(Leichtathletik) Hindernislauf; -strecke, die (Leichtathletik); -technik,
die (Leichtathletik): Technik beim Überwinden der
Hindernisse im Hindernislauf; -turnen, das: / Übungs]turnen, bei
dem bestimmte Geräte (z.B. Kletterstange. Tau, Leiter.
Kasten) als Hindernisse dienen, die zu bewältigen sind.
Hinderung ['hmdaruol. die; -. -en [spätmhd. hinderung. zu
T hindern): 1. das Hindern, Gehindertwerden: ohne H. 2.
(veraltend) das Verhinderttwerdejn, zu 1: Hjndenmgs-
grund. der: Grund, der an etw. hindert: das ist für mich
kein H.; keinen H. sehen, etw. zu tun.
Hindin fhindin). die; -. -nen [zu T Hinde] (veraltet, dichter.):
Hirschkuh.
Hindu ['hindul. der; -[s]. -[sl [pers. Hindu, zu: Hind =
Indien]: eingeborener Inder, der Anhänger des Hinduismus
ist, dazu: Hinduismus [hindu'ismos]. der; -: 1. aus dem
Brahmanismus hervorgegangene indische Volksreligion. 2.
(selten) Brahmanismus, dazu: hindujstisdi <Adj.; o. Steig.):
den Hinduismus betreffend, ihm zugehörend, eigentümlich.
hindurch <Adv.) [mhd. hin durch]: 1. durch (II. 1 a): den
Winter h.; das ganze Jahr h.; <als Verstärkung der Präp.
„durch") durch ... h. (1. durch I. 1: sich durch die Wand
h. verständigen; durch den Wald h. ist der Weg kürzer;
durch den Nebel h. 2. fortwä/irend. /be] ständig t in der
langen Zeitdauer, der Vielfalt von]: durch all die Jahre
h.. durch alle Schwierigkelten h. zusammenhalten. 3. sich
durch einen Bereich, ein [Sachjgebiet o.a. erstreckend,
bewegend usw.: durch die ganze Komposition h. läßt sich
dieses Thema verfolgen). 2. <als abgetrennter Teil von
Adverbien wie „wohindurch. dahindurch" in trennbarer
Zus. mit einem Verb) wo willst du h.?; wo mochte er
hindurchwollen?; da wollte er also h.
hindurch-: -arbeiten, sich <sw. V.; hat): svw. sich T
durcharbeiten (5); -drängen, sich <sw. V.; hat): svw. sich t
durchdrängen; -finden <st. V.; hat): svw. [sich] t durch finden
(2): durch ein Gewühl h.; <auch h. + sich:) wie willst
du dich hier h.?; -fühlen <sw. V.; hat): svw. t durchfühlen;
-gehen <unr. V.; ist): l.a) durch etw., zwischen etw. gehen,
durchgehen: durch den Park, zwischen den Bäumen h.;
durch die Tür. unter der Brücke h.; b) hinter sich bringen,
durchleben, durchstehen: durch viel Leid h. müssen; er
ist durch eine harte Schule hindurchgegangen. 2.a) durch
etw. dringen, sich hindurchbewegen: die Kugel ging durch
den Körper hindurch; sein Blick ging durch sie. durch
ihr Gesicht hindurch (er blickte sie, ihr Gesicht an, ohne
sie, es richtig wahrzunehmen, als würde er seinen Blick
auf etw. dahinter Liegendes richten); b) (auf Grund seiner
Fonn, Größe) durch eine enge Stelle o. ä. bewegt, gebracht
werden können: ob das Klavier [durch die schmale Tür]
hindurchgeht? 3.a) durch etw. verlaufen: die Straße geht
durch besetztes Gebiet hindurch; b) sich durch einen
Bereich, ein [ Sach[gebiet usw. hindurch erstrecken: dieser
Fragenkreis geht durch verschiedene Gebiete des
staatlichen Lebens hindurch; -kriechen <st. V.; ist): durch etw..
zwischen etw. kriechen; -müssen <unr. V.; hat):
hindurchgehen, -kommen, -fahren usw. müssen: die Soldaten mußten
durch das schwere Granatwerferfeuer hindurch; -schauen
<sw. V.; hat): vgl. -sehen; -schimmern <sw. V.; hat):
1. durch etw. schimmern; schimmernd sich durch etw.
hindurch zeigen: durch den Nebel schimmerten vereinzelte
Sterne hindurch. 2. sich durch etw. hindurch
andeutungsweise, schwach zeigen: durch die neue Formulierung
schimmern die alten Vorurteile hindurch; -sehen <st. V.; hat):
1. durch etw. sehen, blicken. 2. sich durch etw. hindurch
lkonkretI zeigen, sehen lassen: durch die dünne
Wolkendecke sahen vereinzelte Sterne hindurch; -ziehen <unr.
V.): 1. etw. durch etw. ziehen <hat): den Faden durch
das Nadelöhr h. 2. durch einen Ort, ein Gebiet ziehen
<ist): hindurchziehende Truppen. 3. <h. + sich) (als ein
u. dasselbe) bis zum Ende in etw. enthalten sein, sich
durchgängig zeigen, hindurchgehen (3 b) <hat): dieser Gedanke
zieht sich durch das ganze Buch hindurch; -zwängen <st.
V.; hat): durch etw. zwängen: den Kopf durch etw. h.;
<h. + sich:) er zwängte sich durch die Lücke hindurch.
hinein [hi'n^jn] <Adv.) [mhd. hin In. ahd. hina In]: 1. aus
einem [weiteren] Bereich in diesen anderen fengeren]
Bereich, insbes. [von draußen] nach (dort] drinnen (Ggs.:
heraus): h. [mit euch]!; h. ins Bett, ins Wassier!; den Weg
h. [in die Höhle] suchen; oben, unten, zur Seite h.; (als
Verstärkung od. Differenzierung von Präpositionen:) [bis]
in ... h.: [mitten] in die Stadt h.; [bis] in den Hafen h.;
man hörte die Musik bis ins Haus h.; Ü bis [tief) in die
Nacht h. arbeiten; etw. bis in die Einzelheiten h.
(ausführlich) schildern; sich bis ins Herz h. (sehr) schämen; bis
ins Innerste h. (sehr, zutiefst) erschrecken; zu ... h.: zur
Tür h. 2. <als abgetrennter Teil von Adverbien wie
..wohinein. dahinein" in trennbarer Zus. mit einem Verb)
(bes. ugs.):wo fährt er h.?; wo will er hineingehen?; da will
er hineinfahren.
hinein- (vgl. auch: herein-, rein-): -arbeiten <sw. V.; hat):
1. <h. + sich>sich in etw. einarbeiten: sich in eine
Fragestellung h. 2. <h. + sich) sich unter starkem Arbeits-,
Energieaufwand hineinbewegen: der Bohrer arbeitet sich in die
Wand hinein. 3. sinnvoll einarbeiten, einfügen: feine
Golddrähte in einen Untergrund h.; -bauen <sw. V.; hat): 1.
durch Einbau (1 b) einfügen; eiwnontieren: ein Teil in einen
Motor h. 2.a) in eine Umgebung bauen; durch Bauen in
eine Umgebung hineinstellen: Anlagen. Häuser in ein
Gelände h.; b) in etw. bauen: ein Haus in den Hang h.; -befördern
<sw. V.; hat): in etw. befördern; -begeben, sich <st. V.;
hat): sich in etw. begeben; -beißen <st. V.; hat): in etw.
beißen: in den Apfel h.; -bekommen <st. V.; hat) (ugs.):
hineinstecken, -schieben, -packen usw. können, weil die
äußeren Verhältnisse, insbes. der verfügbare Raum, od. die eigene
Fähigkeit es zulassen: das Buch bekomme ich noch [in
die Tasche] hinein; den Schlüssel nicht ins Schloß h.;
-bemühen <sw. V.; hat): 1. in etw.. nach drinnen bemühen.
2. <h. + sich) sich in etw., sich nach drinnen bemühen,
begeben: würden Sie sich bitte mit mir h.?; -bewegen <sw.
V.; hat): 1. in etw. bewegen. 2. <h. + sich) sich in etw.
bewegen, begeben; -bitten <st. V.; hat): bitten, [mit]
hineinzukommen: er bat die beiden Besucher nicht hinein; -blasen
<st. V.; hat): 1. nach [dort] drin, ins Innere blasen. 2.
in ein Blasinstrument blasen. 3. kräftig nach [dort] drinnen,
ins Innere wehen: der Wind blies durch die Ritzen in die
Scheune h.; -blicken <sw. V.; hat): in etw. blicken: -bohren
<sw. V.; hat): 1. in etw. bohren: das Messer in etw. h.
2. <h. -I- sich) sich in etw. bohren: bohrend eindringen:
das Flugzeug bohrte sich in den Schlamm hinein; -brennen
<unr. V.; hat): in etw. brennen, einbrennen; <auch: h. +
sich); -bringen <unr. V.; hat): 1. nach [dort/ drin bringen;
hineinschaffen: das Essen h. 2. durch entsprechende
Maßnahme o. ä. machen, daß etw. in einen bestimmten Zustand
gebracht wird, kommt: Ordnung. Sinn in etw. h.; wir wollen
mal Schwung h. 3. (ugs.) svw. f-bekommen; -brocken
1244
hinein-
<sw. V.; hat): 1. in etw. brocken: Brot [in die Suppe]
h. 2. (ugs.) (insbes. [ Hilfs] mittel) beisteuern, hinzugeben:
seinen Lohn in die Gemeinschaftskasse h.; -bugsieren <sw.
V,; hat): in etw. bugsieren: -buttern <sw. V.; hat) (ugs.):
svw. t buttern (3); Mienkai, sich <unr. V.: hat): sich [nach /-
denkend od. [ nach ]empfindend hineinversetzen, vertraut
machen: sich in jmdn.. in Jmds. Lage. Handlungsweise h.;
sich in die Probleme [wieder] h.; bleuten <sw. V.; hat):
etw. auf Grund eigener Deutung od. Vermutung in etw.
zu erkennen glauben, was in Wirklichkeit nicht darin
enthalten ist: etw. in ein Gedicht h.; menschliche Züge in die
Natur h.; -donnern <sw. V.; hat) (ugs.): in etw. donnern
(4a): den Ball [ins Tor] h.; -drängen <sw. V.; hat): 1.
sich nach [dort] drin, ins Innere drängen, bewegen: alles
drängte [in den Raum] hinein; (auch h. + sich:) er hat
sich als letzter in den Wagen hineingedrängt; Ü er hat
sich in unsere Freundschaft hineingedrängt. 2.a) nach dort
drin, ins Innere drängen: Jmdn. [in einen Raum] h.; b)
in einen Bereich. Zustand usw. drängen: jmdn. in eine Rolle
h.; -dringen <st. V.; ist): in etw. dringen: -drücken <sw.
V.; hat): 1. in etw. drücken: das Siegel in das Wachs
h. 2. drückend, pressend hineinstecken, -schieben, -packen
usw.: die Kleider in den Koffer h. 3. <h. + sich) sich
in etw. drücken, drängen, drückend hineinbewegen: sic/i
hineindrängen: sich in die überfüllte Straßenbahn h.;
^dürfen <unr. V.; hat): 1. hineingehen, -kommen, -fa/iren usw.
dürfen: Kinder dürfen hier nicht hinein. 2. hineingebracht,
-gesetzt, -gestellt usw. werden dürfen: dürfen die Sachen
wieder hinein?; -eilen <sw. V.; ist): nach [dort] drin, ins
Innere eilen: -fahren <st. V.): l.a) in etw.. nach drinnen
fahrend a. 2 a) (ist): der Zug fährt in den Bahnhof hinein;
b) in etw.. nach drinnen fahren (3 a. b) <hat>: das Auto in
die Garage h.; c) (ugs.) (ein Fahrzeug, jmds. Fahrzeug)
durch Heranfahren u. An-. Aufprallen beschädigen (ist):
jmdm. [hinten] h.; in Jmds. Auto h. 2. <h. + sich) (Sport)
durch gutes Fahren in etw. gelangen, die Zugehörigkeit
zu etw. erlangen: sich in die Weltklasse h. 3. mit einer
schnellen Bewegung in etw. fahren (8 a) <ist): mit der Hand
in etw. h.; in die Kleider h. (hineinschlüpfen, um sie
anzuziehen): -fallen <st. V.; ist): 1. in etw. fallen (1 a-c): in ein
Loch h.; sich ins Bett, in den Sessel h. lassen (sich schwer,
lässig od. kraftlos in etw. sinken lassen, setzen, legen).
2. (von Licht o.a.) in einen Raum fallen (7b). geworfen
werden. 3. (ugs.. selten) svw. fhereinfallen (3); -finden
<st. V.; hat): l.den Weg in etw. finden: sie fanden schließlich
doch noch in den Park hinein. 2. <h. + sich) a) in etw.
eindringen u. sich damit vertraut machen: sich in seine
neue Arbeit h.; b) sich in etw. [hinjeinleben u. damit
abfinden: sich in sein Schicksal h.; -fliegen <st.V.>: 1. <ist> a)
in etw. fliegen (1): der Vogel flog wieder in den Käfig
hinein; b) in et*>. fliegen (2. 4): das Flugzeug, der Pilot
flog in die Wolkenwand hinein; c) in etw. fliegen (11):
der Stein flog ins Zimmer hinein. 2. in etw. fliegen, einfliegen
(2 c) <hat). 3. (ugs.) svw. f hereinfliegen (2). T reinfliegen,
hereinfallen (3); -fließen <st. V.; ist): in etw. fließen:
-fressen <st. V.; hat): 1. <h. + sich) sich in etw. fressen (2d):
in das Holz hatten sich Würmer hineingefressen. 2. *in
sich h. (1. [von Tieren] gierig fressen, hineinschlingen: die
Tiere fraßen das Futter in sich hinein. 2. derb, meist
abwertend; [von Menschen] gierig essen, hineinschlingen: er fraß
drei Portionen in sich hinein. 3. in sich fressen [T fressen
1 bl: Arger. Kummer in sich h.); -führen <sw. V.; hat):
in etw. führen: -füllen <sw. V.; hat): in etw. füllen: -funken
<sw. V.; hat) (ugs.): vgl. dazwischenfunken: in Jmds.
Verhandlungen h.; Hieben <st. V.; hat): in etw. geben
(3 a): [in die Suppe] eine Prise Salz h.; -geboren <Adj.;
o. Steig.; nicht adv.) [2. Part, zu ungebr. hineingebären]:
durch Zeit u. Ort der Geburt in eine bestimmte
gesellschaftliche, geschichtliche Umgebung bzw. Situation hineingestellt:
in eine Zeit, in eine Umwelt h. sein, werden; -geheimnissen
<sw. V.; hat): fälschlich die Meinung haben od. äußern,
daß etw. auf geheimnisvolle, verborgene Weise in etw.
enthalten sei: in jmds. Äußerung bestimmte Absichten h.; man
hat in diesen Roman viel zuviel hineingeheimnißt; -gehen
<unr. V.; ist): I. nach [dort] drin, ins Innere gehen: wollen
wir ins Haus h.?; immer tiefer in den Wald h.; Ü ins
Leben h. 2.a) (Ballspiele) den Gegenspieler im Zweikampf
mit körperlichem Einsatz angreifen: der Verteidiger ist in
den Stürmer hart hineingegangen; b) (Boxen) gegen jmdn.
zum Nahkampf übergehen: in den Gegner h. 3. Platz. Raum
finden: hineinpassen: in die Kanne gehen zwei Liter hinein;
in den Koffer geht nichts mehr hinein; wieviel Menschen
gehen in diesen Saal hinein?; -gehören <sw. V.; hat): in etw.
gehören; -gelangen <sw. V.; ist): in etw. gelangen:
geraten <st. V.; ist): in etw. xgeraten (1 a. b): in einen Sumpf
h.; in ein Unwetter, in eine schwierige Lage h.; -gießen
<st. V.; hat): in etw., ins Innere gießen: Wasser in den
Trog h.; er goß den Wein nur so in sich hinein (trank
den Wein hastig in großen Zügen): -grätschen <sw. V.;
ist) (bes. Fußball): a) (in den ballführenden Gegner) mit
einer Grätsche hineingehen (2 a): er grätschte korrekt in
den Mittelstürmer hinein; b) mit einer Grätsche
hineinspringen [u. den Ball spielen]: der Verteidiger grätschte in die
Flanke hinein; -greifenKst. V.; hat): in etw. greifen: in
die Trommel mit Losen h.; -gucken <sw. V.; hat) (ugs.):
in etw. gucken; -halten <st. V.; hat): 1. in etw. halten:
die Hand [ins Wasser] h. 2. mit etw. (einem Wasserschlauch.
Maschinengewehr o. ä.) mitten in eine Menge zielen u.
treffen: mit der Maschinenpistole [in eine Menschenmenge]
h.; blindlings h.; '-hingen <sw. V.; hat): 1. in etw. hängen,
nach /dort] drin hängen: den Mantel in den Schrank h.
2. <h. + sich) (ugs. abwertend) sich in etw. eintauschen:
sich in fremde Angelegenheiten h.; 2-hängen <st. V.; hat):
in etw. hängen, hängend hineinragen, -reichen usw.: die
Zweige der Weide hingen [bis] ins Wasser hinein; -heben
<st. V.; hat): in etw.. ins Innere heben: einen Verletzten
in den Krankenwagen h.; -heiraten <sw. V.; hat): durch
Heirat (in eine Familie) kommen: in eine Familie h.; -helfen
<st. V.; hat): in etw. helfen: er half ihr in den Mantel
hinein; jmdm. in die Straßenbahn h.; -horchen <sw. V.;
hat): 1. in etw. horchen: ins Dunkel h. 2. (geh.) sich
einfühlsam bemühen, den tieferen Gehalt, den eigentlichen Infialt
in etw. zu erfassen: in den Text h.; in sich h.; -interpretieren
<sw. V.; hat) (bildungsspr.): vgl. -deuten; -jagen <sw.
V.): 1. nach drinnen jagen <hat>: sie jagte die Hühner
wieder [in den Stall] hinein. 2. nach drinnen jagen, eilen
(ist): die Kinder sind schreiend [in ihr Zimmer]
hineingejagt. 3. (ugs.) in etw. jagen (3) <hat>: den Ball [ins Tor]
h.; -kichern <sw. V.; hat): vgl. ^lachen; -klettern <sw.
V.; ist): in etw.% ins Innere klettern; -knien, sich <sw.
V.; hat) (ugs.): sich ausgiebig mit etw. beschäftigen,
befassen: sich in eine Arbeit. Aufgabe h.; -kommen <st. V.;
ist): 1. nach /dort/ drin, ins Innere kommen: kommen
Sie [mit] hinein? 2.a) nach [dort] drin, ins Innere gelangen
[können]: wir kamen nicht [in das Zimmer] hinein, weil
abgeschlossen war; b) in eine Position o. ä. hineingelangen
I können J: er versuchte, wieder in seinen alten Beruf
hineinzukommen; c) sich hineinfinden (2 a): in die neue Arbeit,
in die fremde Sprache h. 3. (ugs.) hineingebracht, -gelegt,
-gesetzt usw. werden [ sollenJ: kommen die Schuhe auch
[in den Schrank] hinein?; in den Teig kommen 200 Gramm
Butter hinein. 4. svw. T -geraten: unverschuldet in etwas
h.; in jmds. Gefühle kommt Haß hinein (mischt sich Haß
hinein); in Wut h. (wütend werden); -komplimentieren
<sw. V.; hat): mit höflichen Worten u. Gesten hineinbitten
[u. -geleiten]; -können <unr. V.; hat): vgl. -dürfen;
-krabbeln <sw. V.; ist): nach [dort] drin, ins Innere krabbeln;
-kriechen <st. V.; ist): nach [dort] drin, ins Innere kriechen:
in eine Höhle h.; *jmdm. hinten h. (derb verhüll.; sich
in würdeloser Form unterwürfig-schmeichlerisch einem
anderen gegenüber zeigen)', -kriesen <sw. V.; hat) (ugs.): svw.
T-bekommen; -lachen <sw. V.; hat): sein Lachen
hineindringen lassen: in die Stille h.; sie lachte in sich hinein
(lachte innerlich, nach außen hin kaum merklich); -langen
<sw. V.; hat) (ugs.): 1. nach [dort] drin reichen,
hineinreichen: er langte [ihm] die Post hinein. 2. svw. t -greifen:
in den Korb h.; -lassen <st. V.; hat): hineingehen, -fa/iren
usw. lassen: jmdn. nicht in eine Versammlung h.; niemand
wurde zu dem Kranken hineingelassen; einen Besucher
h. (ihm den Eingang, die Tür, das Tor öffnen u. ihn
einlassen); -laufen <sl. V.; ist): l.a) nach /dort] drin, ins Innere
laufen, sich bewegen: ins Haus h.; Ü in sein Verderben
h. (esdurch eigenes Handeln herbeiführen); b) [aus
Unachtsamkeit] in ein fahrendes Fahrzeug laufen u. von dem
Fahrzeug erfaßt werden: das Kind ist in ein Auto, in die
Straßenbahn hineingelaufen; c) <h. + sich) (Sport) durch gutes
Laufen in etw. gelangen, die Zugehörigkeit zu etw. erlangen:
sich in die Weltklasse h. 2. nach [dort] drin, ins Innere
fließen: das Wasser lief [in den Bottich] hinein; das Bier
in sich h. lassen; -leben, sich <sw. V.; hat): seltener für:
1245
hinein-
sich Teinleben; -lesen <sw. V.; hat): l.a) nach [dort] drin,
ins Innere legen: etw. in einen Koffer, in einen Schrank
h.; bitte legen Sie dem Chef die Akten hinein; b) <h.
+ sich) sich nach [dort] drin, ins Innere legen: ohne sich
auszukleiden. legte er sich ins Bett hinein. 2.a) sein Gefü/il
o.a. bei etw. beteiligt sein lassen: sein ganzes Gefühl in
das Spiel, in den Vortrag h.; b) svw. Ndeuten: in Jmds.
Worte etwas, einen bestimmten Sinn h. 3. (ugs.) svw.
I hereinlegen (2); -lesen <st. V.; hat): 1. <h. + sich) svw.
sich teinlesen. 2. svw. T-deuten; -leuchten <sw. V.; hat):
1. in etw. leuchten: die Sonne leuchtet ins Wohnzimmer
hinein. 2.a) in etw. Licht fallen lassen, werfen: mit der
Lampe in die hintersten Winkel h.: b) in etw. Licht. Klarheit
bringen: in eine dunkle Angelegenheit h. 3. (ostmd.) von
etw. einen beachtlichen Teil verzehren, aufzehren,
verbrauchen: tüchtig in den Kuchen h.; -locken <sw. V.; hat):
in etw. locken: jmdn. in etw. h.; -löffeln <sw. V.; hat)
(ugs.): löffelnd zu sich nehmen: die Suppe [in sich) h.;
-lotsen <sw. V.; hat): 1. tuich dort drin, ins Innere lotsen.
2. (ugs.) dazu bewegen, / mit] hineinzugehen, -zufahren usw.:
er ließ sich von den Mädchen h. 3. svw. t -manövrieren
(2); -machen, sich <sw. V.; hat) (ugs.): eilig bestrebt, nach
drinnen zu gelangen: zusehen, daß man hineinkommt: mach
dich hinein!; -manövrieren <sw. V.; hat): 1. in etw.. in
einen räumlichen Bereich manövrieren: das Schiff in die
Lücke h.; <auch h. + sich:) sich in die Lücke h. 2. durch
Manövrieren, mehr od. weniger geschicktes Vorgehen in
etw. [hinein]bringen: jmdn. in eine [ausweglose] Situation,
in eine bestimmte Haltung h.; einen Staat in einen Krieg
h.; (auch h. + sich:) sich in eine gute Ausgangsposition
h.; -marschieren <sw. V.; ist): in etw., ins Innere
marschieren: -mengen <sw. V.; hat): 1. svw. t-mischen (1. 2).
2. <h. + sich) (ugs.) svw. sich T-mischen (2); -mischen
<sw. V.; hat): l.a) in etw. mischen: Der Hauch einer
Wildrose mischte sich zaghaft hinein (Gaiser, Jagd 129); b) <h.
+ sich) sich einmischen (1): in seine Gedanken mischte
sich Trauer hinein. 2. <h. + sich) sich einmischen (2):
Warum wollen Sie sich h.? (Fallada. Herr 41); -müssen
<unr. V.: hat): vgl. -dürfen; -nehmen <st. V.; hat): 1.
nach [dort] drin, ins Innere nehmen, verlagern o.a.: den
Hund mit [ins Haus] h. 2. in etw. [mit] aufnehmen: jmdn.
[in eine Gruppe! [mit] h.; (geh.:) in Gottes Allmacht
hineingenommen sein; -packen <sw. V.; hat): in etw. pak-
ken: die Sachen wieder [in den Koffer] h.; Ü das deutsche
Paar hat in seine Kür zu viele Schwierigkeiten
hineingepackt; -passen <sw. V.; hat): l.a) in etw. Platz haben:
in den Koffer paßt nichts mehr hinein; b) die entsprechende
Größe haben, so daß es in etw. gefügt, gesteckt usw. werden
kann: der Schlüssel paßt nicht in das Schloß hinein; c)
in eine Gesamtheit, Umgebung usw. passen u. damit
zusammenstimmen: in eine Landschaft, in eine Gemeinschaft
h. 2. etw. in etw. [ein]passen: ein Brett in den Schrank
h.; -pferchen <sw. V.; hat): in etw., ins Innere pferchen:
-pfuschen <sw. V.; hat): in etw. pfuschen: sich von
niemandem in seine Arbeit h. lassen; -platzen <sw. V.; ist) (ugs.):
plötzlich, unversehens / u. zu unpassender Zeit I
hineinkommen, sich in etw. einstellen: er platzte in die Versammlung
hinein; die Nachricht platzte in die allgemeine
Aufbruchsstimmung hinein; -praktizieren <sw. V.; hat): etw. in etw.
praktizieren: -pressen <sw. V.; hat): l.a) in etw. pressen:
Wäsche in den Koffer h.; b) durch Pressen in etw. erzeugen:
ein Muster [in den Kunststoff) h. 2. gewaltsam in etw.
hineinbringen: hineinzwängen: etw. in ein Schema h.;
-projizieren <sw. V.; hat) (bildungsspr): (Gedanken.
Vorstellungen usw.) auf jmdn., etw. übertragen, in jmdn., eftw
hineinsehen: menschliche Züge in die Natur h.; Lottchen
hatte eigene Erlebnisse ebenso in andere hineinprojiziert
wie ihre eigene Situation in die der imaginären Freundin
(Mostar. Liebe 65); -prügeln <sw. V.; hat): 1. prügelnd
hineintreiben. 2. durch Prügel beibringen: Disziplin in jmdn.
h.; -pumpen <sw. V.; hat): 1. in etw. pumpen: Wasser.
Luft in einen Behälter h. 2. (ugs.. meist abwertend) in
Fülle, [allzu] großer Menge hineinbringen: Medikamente
in jmdn.. in jmds. Körper h.; Millionen in ein Unternehmen
h.; -quetschen <sw. V.; hat): 1. in etw., ins Innere quetschen:
Kleidungsstücke [in den Koffer] h. 2. <h. + sich) sich
in etw., ins Innere schiebend u. drängend hineinzwängen:
er quetschte sich in den überflilllten Anhänger hinein;
-ragen <sw. V.; hat): 1. in etw. ragen. 2. hinübergreifen,
sich in etw. erstrecken: ... daß also diese Erscheinung wie
ein... Rückstand aus grelleren Epochen in unser
wohlgesittetes Zeitalter hineinrage (Th. Mann. Krull 131); -rasseln
<sw. V.; ist) (ugs.): seltener für Thereinrasseln; -reden
<sw. V.; hat): 1. in etw. reden: ins Dunkel h.; ins Leere
h. (reden, ohne einen Zultörer zu erreichen). 2. sich redend
ins Gespräch einmischen, dazwischenreden: der
Diskussionspartner sollte nicht [in die Ausführungen des anderen]
h. 3. (abwertend) sich (redend u. Einfluß nehmend)
einmischen: jmdm. [in eine Angelegenheit] h. 4. (landsch.) auf
jmdn. einreden: in jmdn. h. 5. <h. + sich) durch Reden
in einen bestimmten Zustand kommen: sich in Wut. in
Begeisterung h.; -regnen <sw. V.; hat): in etw., ins Innere
regnen: es regnet ins Zimmer hinein; -reichen <sw. V.;
hat): 1. nach [dort] drinnen reichen, geben: jmdm. die
Tasche zum Fenster h. 2. [lang genug sein u. deshalb]
[bis] in etH'.. nach [dort] drbmen, ins Innere reichen: die
Schnur reicht [bis] in den Garten hinein. 3. in etw. reichen,
sich erstrecken: das Verbreitungsgebiet dieser Pflanze
reicht in die tropische Zone hinein; die Ferien reichen
in den September hinein; -reißen <st. V.; hat): in etw.
reißen, gewaltsam ziehen, zerren: er wurde in den Strudel
hineingerissen; Ü ein Volk in das Verderben, in den
Untergang h.; jmdn. h. (vgl. hereinreißen 2. reinreißen); -reiten
<st. V.): 1. in etw., nach [dort] drin, ins Innere reiten
<ist): in den Wald h.; zum Tor h. 2. (ugs.) durch ein
bestimmtes Handeln in eine schwierige, unangenehme Lage
bringen <hat): jmdn. [in eine schwierige Lage] h.; <auch
h. + sich:)erhatsich [selbst] hineingeritten; vgl. reinreiten;
-rennen <unr. V.; ist): vgl. -laufen (1); -retten <sw. V.;
hat): 1. <h. + sich) a) sich in etw., ins Innere retten:
sich in den schützenden Unterstand h.; b) (Sport) etw.,
was einen vor der Niederlage bewahrt, mühsam erreichen:
sich ins Ziel h.; der Herausforderer versuchte sich in den
Gong hineinzuretten. 2. vgl. hinüberretten (2); -riechen
<st. V.; hat) (ugs.): vgl. reinriechen: in eine Arbeit, eine
Firma h.; -rufen <st. V.; hat): nach drinnen, ins Innere
rufen: etw. zum Fenster h.; -rutschen <sw. V.; ist): 1.
in etw., ins Innere rutschen. 2. (ugs.) svw. t-schlittern
(2); -saugen <st.. seltener: sw. V.; hat): svw. teinsaugen:
die frische Luft gierig in sich h.; -schaffen <sw. V.; hat):
in etw. schaffen, bringen; -schauen <sw. V.; hat): 1.
(landsch.) vgl. -sehen. 2. vgl. hereinschauen (2); -scheinen
<st. V.; hat): in etw., ins Innere scheinen: die Sonne scheint
ins Zimmer hinein; -schicken <sw. V.; hat): in etw., ins
Innere schicken: -schieben <sw. V.; hat): 1. in etw., ins
Innere schieben. 2. <h. -I- sich)%$/cA in etw.. ins Innere
schieben; -schießen <st. V.;>: 1. <hat> a) nach [dort] drin,
ins Innere schießen: in einen Bunker h.; b) in etw. schießen:
in die Menge h. 2. <ist> a) sich äußerst [heftig u.] schnell
hineinbewegen: das Auto schoß in die Tiefgarage hinein;
das Wasser schießt (dringt äußerst heftig) durch ein Loch
in der Mauer in den Keller hinein; b) (ugs.) mit großer
Eile u. Heftigkeit hineinlaufen: sie schoß blindlings ins
Zimmer hinein; -schlagen <st. V.; hat): l.a) in etw.
schlagen, durch Schlagen hineintreiben: einen Nagel [in die
Wand] h.; der Raubvogel stürzt sich auf das Aas und
schlägt seine Krallen hinein; b) (Eier o.a.) aufschlagen
u. einlaufen lassen: er nahm die Pfanne und schlug drei
Eier hinein. 2. durch Schlagen in etw. erzeugen: ein Loch
[in die Wand] h.; -schleichen <st. V.): 1. in etw.. ins Innere
schleichen <ist). 2. <h. + sich) sich in etw., ins Innere
schleichen <hat); -schleppen <sw. V.; hat): 1. in etw., ins
Innere schleppen. 2. <h. + sich) sich in etw.. ins Innere
schleppen; -schlingen <st. V.; hat): gierig od. hastig essen,
verschlingen: das Essen [in sich] h.; -schlittern <sw. V.;
ist): 1. schlitternd hineingleiten, -rutschen. 2. (ugs.) ohne
sich von vorn/ierein darüber klar zu sein, [nach u. nach]
in eine Situation, Lage o. ä. hineingeraten: in eine Situation
h.; Und dann war ein Tag gekommen, an dem er so
richtig in Verlobung und Heirat hineingeschlittert war
(Bredel. Väter 36); -schlüpfen <sw. V.; ist): 1. nach [dort]
drin schlüpfen: zur Tür. ins Zimmer h. 2. in etw. schlüpfen:
in den Mantel h.; Ü er schlüpfte schnell in die neue Rolle
hinein; -sdimeiOen <st. V.; hat) (ugs.): svw. T-werfen (1.
2); -schmuggeln <sw. V.; hat): 1. in etw., ins Innere
schmuggeln: Waffen [in ein Flugzeug] h. 2. <h. + sich) sich
in etw., sich ins Innere schmuggeln: er schmuggelte sich
in den Festsaal hinein; -schneiden <unr. V.; hat): 1. einen
Schnitt in etw. machen: mit der Schere in den Stoff h.
2. etw. in etw. schneiden: ein Loch in etw. h. 3. in Stücke
1246
hinein-
schneiden u. in etw. hineingeben: Fleisch in die Suppe h.
4. (selten) a) in etw. schneiden, scharf trennend eindringen:
die Wagenräder schneiden in den Lehmboden hinein; b)
sich hineinragend, scharf abgrenzend [dazwischen] schieben:
der Fjord schneidet tief in das Festland hinein; -schneien
<sw. V.): 1. in etw.. ins Innere schneien <unpers.; hat):
es hat In die Vorhalle hineingeschneit. 2. (ugs.) svw. t
hereinschneien (2) <ist); -schreiben <st. V.; hat): in etw.
schreiben: eine Widmung in ein Buch h.; -schütten <sw.
V.; hat): in etw., ins Innere schütten: Wasser in den Trog
h.; -sehen <st. V.; hat): I. nach [dort] drin, ins Innere sehen,
in etw. sehen: ein Mann sah zum Fenster hinein; jmdn.
mit [in die Zeitung) h. lassen. 2. (ugs.) zu jmdm., in etw.
mit bestimmter Absicht kurz hineingehen, -kommen: [kurz]
in seine Stammkneipe h.; -setzen <sw. V.; hat): 1. in
etw. setzen: die Katze ins Körbchen h. 2. <h. + sich)
a) sich nach [dort] drin, ins Innere, setzen: sich in die
Wohnung h.; b) sich in etw. setzen; eindringen u. sich
ablagern: Falten und Rillen, in die sich der Staub
hineingesetzt hatte. 3. (ugs.) durch [amtliche] Anordnung jmdm.
in etw. einen Wohn-* Arbeitsplatz, eine Stellung zuweisen:
in eine Wohnung Flüchtlinge h.; wer hat uns den Spitzel
[in die Abteilung] hineingesetzt?; -sinken <st. V.; ist): in
etw.. ins Innere sinken; -sollen <unr. V.; hat): vgl. ^dürfen;
-spähen <sw. V.; hat): in etw.. ins Innere spähen; -spazieren
(sw.V.'.lsty.inetw.,ins Innere spazieren: in kleinen Gruppen
spazierten sie in den Pavillon hinein; hineinspaziert, meine
Herrschaften!; -spielen <sw. V.; hat): 1. in etw. durch
Bedeutsatnkeit u. Einfluß in gewissem Grade zur Geltung
kommen, sich bemerkbar machen; für etw. in gewissem
Grade bedeutsam sein u. in es hineinwirken: hier spielen
verschiedene Gesichtspunkte hinein; Nicht umsonst spielen
die Freimaurerei und ihre Mysterien so stark in den
..Zauberberg" hinein (Th. Mann. Zauberberg XV). 2. (Sport)
den Ball von außen nach innen spielen: der Außenläufer
spielte den Ball in die Mitte, in den Strafraum hinein.
3. <h. + sich) durch gutes Spielten] in etw. gelangen,
die Zugehörigkeit zu etw. erlangen: sich in die Endrunde,
in die Weltklasse h.; sich in die Herzen der Zuschauer
h.; -sprechen <st. V.; hat): in etw. sprechen: ins Mikrophon
h.; vgl. ^reden; -springen <st. V.; ist): 1. nach drinnen
springen: durch das Fenster h. 2. (ugs.) nach drinnen eilen;
schnell, eilig hineinlaufen: ich springe mal kurz [ins Haus]
hinein, um nach den Kindern zu sehen; -stechen <st. V.):
1. in etw. stechen <hat). 2. die Richtung scharf einhaltend
hineinfaliren <ist>: Ascari ... sticht gerade knapp vor Farina
... in diese Linksbiegung hinein (Frankenberg. Fahren 155);
-stecken <sw. V.; hat): 1. in etw. stecken: den Stecker
[in die Steckdose], den Schlüssel [ins Schloß] h.; den Kopf
zur Tür h. (ugs.; sich zur Tür hineinbeugen, um
hineinzusehen). 2. (ugs.) a) hineinlegen, -setzen, -stellen: alles mögliche
[in den Koffer, in die Bodenkammer] h.; b) in etw.
[zwangsweise] unterbringen, hineinbringen: sechs Personen [in ein
Zimmer] h. 3, (ugs.)/ür etw. aufwenden, auf etw. verwenden,
um es in seinem Bestand. Wert od. Erfolg. Gelingen zu
fördern: viel Geld, Arbeit. Mühe in ein Unternehmen,
Projekt, Geschäft, in eine Wohnung h.; -stehen <unr. V.;
hat) (Jägerspr.): (von Fährten) in etw. verlaufen: die Fährte
steht in die Dickung hinein; -stehlen, sich <st. V.; hat):
sich in etw. stehlen: sich in das Zimmer h.; Ü sich in
jmds. Gedanken. Vertrauen. Herz h.; -steigen <st. V.;
ist): 1. in etw. einsteigen: wieder [ins Auto] h. 2. in etw.
steigen: in den Schornstein, ins Geäst h. 3. (ugs.) stehend
die Füße in etw. hineinstecken, um es anzuziehen: in die
Hose h.; -steigern, sich <sw. V.; hat): 1. sich in einen
Gemüts- u. Bewußtseinszustand immer mehr steigern: sich
in große Erregung, in einen Wutausbruch h.; sich in die
Vorstellung. Illusion h., daß ... 2. sich so intensiv mit
etw. beschäftigen, daß man nicht mehr davon loskommt:
sich in eine Sache, ein Problem h.; -stellen <sw. V.; hat):
1. nach dort drin, in etw. stellen: die Flasche ins Medizin-
schränkchen h. 2. in etw. (eine Situation, einen
Zusammenhang o.a.) stellen, setzen, hineinbringen: eine Behauptung
in eine Diskussion h.; -stolpern <sw. V.; ist): stolpernd
u. [fast/ zu Fall kommend in etw. geraten: in eine Grube
h.; Ü in eine Affäre, in eine Falle h.; -stopfen <sw. V.;
hat): 1. in etw.. ins Innere stopfen. 2. (ugs.) svw. t ^stecken
(2). 3. (ugs.) in [über[großer Menge zu sich nehmen, essen:
In einem Wagen sah er einen Mann ... mit beiden Händen
Backobst in sich h. (Plievier. Stalingrad 160); -stoßen
<st. V.): 1. in etw. stoßen <hat>: die Spitze [ins Fleisch]
h. 2. durch einen Stoß od. durch wiederholte Stöße
hineinbefördern, hineinbringen <hat>: jmdn. in eine Grube,
ins Wasser h.; U er hat sie in Not und Elend hineingestoßen.
3. (veraltend) in eine Trompete, ein Hörn o. ä. stoßen <hat>:
das Hörn nehmen und h. 4. <ist) a) mit bestimmter
Zielrichtung in etw. vordringen, hineindringen: die Armee stieß
von Westen her in das Gebiet hinein; b) /mit einem Ruck]
hineinfahren, -steuern: in eine Lücke h.. um zu parken;
c) plötzlich hineinfahren, dazwischenfahren: der Habicht
stieß in den Taubenschwarm hinein; -strecken <sw. V.;
hat): in etw.. ins Innere strecken; -strömen <sw. V.; ist):
in etw.. ins Innere strömen; -stürmen <sw. V.; ist): nach
! dort] drin, ins Innere stürmen; -stürzen <sw. V.): 1. in
etw. stürzen <ist>: er war in eine Grube hineingestürzt.
2. <hat)a)>w/rt. in etw. stürzen, mit einem Stoß
hineinbefördern: sie stürzten ihn ins Wasser hinein; Ü jmdn. grundlos
in Not und Elend, in Verwicklungen h. 3. <h. + sich;
hat) a) sich in etw. stürzen: sich mutig [ins Wasser] h.;
Ü er stürzte sich wieder [in den Kampf, in die Arbeit]
hinein. 4. nach dort drin, ins Innere stürzen <ist): [ins Haus]
h.; -tappen <sw.V.; ist) (ugs.): a) nach [dort] drinnen,
ins Innere tappen: in ein dunkles Zimmer h.; b) tappend
od. unvorsichtig gehend hineingeraten: im Dunkeln in eine
Pfütze h.; Ü in eine Falle, in einen Hinterhalt h.; -tragen
<st. V.; hat): 1. nach [dort] drin, ins Innere tragen: Pakete
[ins Haus] h.; jmdn. auf einer Bahre [in die Unfallstation]
h.; Ü den Ball ins Tor h. wollen (Ballspiele Jargon; den
Ball durch eine den direkten Torschuß vermeidende
Spielweise, insbes. Kombinieren, Dribbeln, ins Tor bringen wollen).
2. hineinbringen u. sich auswirken lassen, verbreiten: eine
Botschaft in ein Land h.; Unruhe in die Betriebe h.;
sachfremde Gesichtspunkte in eine Diskussion. Untersuchung
h.; -treiben <st. V.): 1. <hat> a) nach [dort] drin, ins
Innere, in etw. treiben: das Vieh [in den Stall] h.; b) in
etw. treiben, treibend hineinbewegen: die Strömung treibt
das Boot in die Bucht hinein; c) jmdn. bewegen, nach
[dort] drinnen, ins Innere zu gehen: die Unruhe trieb ihn
wieder hinein; d) in etw. hineindrängen, verwickeln: jmdn.
in einen Konflikt h. 2. <hat> a) in etw. treiben, schlagen:
einen Nagel [in die Wand], einen Keil [in den Holzklotz]
h.; b) in etw. treiben [u. dadurch herstellen]: einen Stollen
[in den Berg] h. 3. in etw. getrieben, hineinbewegt werden
<ist>: das Boot treibt in die Bucht hinein: -treten <st.
V.): 1. hineingehen <ist>: zu jmdm. ins Zimmer h. 2. nach
dort drin, ins Innere, in etw. treten <ist/hat>: in eine Pfütze
h.; Ü ins Leben h.; ^tun <unr. V.; hat): 1. (ugs.) in etw.
tun. hineinbringen, -legen, -setzen, -stellen usw. 2. eine ent-
sprechetide Bewegung o. ä. vollführen: einen Blick [in etw.]
h.; Schritte in einen Raum h.; -versetzen <sw. V.; hat):
1. in etw. versetzen: sich ins Mittelalter hineinversetzt
fühlen. 2. <h. + sich) sich versetzen, hineindenken: sich in
jmdn.. in jmds. Lage h.; -wachsen <st. V.; ist): 1. in etw.
wachsen, sich durch Wachstum in etw. hinein ausdehnen:
der Nagel ist in das Fleisch hineingewachsen; Ü die Berge
wachsen in den Himmel hinein. 2. durch Älterwerden, im
Laufe der Zeit, der Entwicklung in etw. (in einen neuen
Zustand o. ä.)hineinkotnmen: insMannesalterh. 3. (ugs.)
wachsen, bis man hineinpaßt: in eine Hose h.; Ü in die Uniform
h. (die Lebensweise, das Verhalten, die Einstellung jmds..
der in Uniform Dienst tut. allmählich annehmen). 4. sich
in etw. hineinleben, hineinarbeiten u. damit völlig vertraut
werden: in eine Aufgabe. Arbeit, Rolle.
Gesellschaftsordnung h.; (geh.:) In diese Gewißheit wuchsen sie vielmehr
erst langsam hinein (Thielicke. Ich glaube 123); -wagen,
sich <sw. V.; hat): sich nach dort drin, ins Innere wagen;
-wählen <sw. V.; hat): in etw. wählen; jmdn. durch
Abstimmen im Rafimen einer Wahl in etw. hineinbrimen: jmdn.
in eine Kommission h.; ^werfen <st. V.; hat): 1. nach
[dort] drin, ins Innere werfen: den Ball durchs Fenster
h. 2. <h. + sich) sich in etw. werfen, hineinfallen lassen:
sich mutig [ins Wasser] h.; sich in einen Sessel h. 3.a)
(geh.) gewaltsam hineinbringen u. einsperren: das
Gefängnis, in das man ihn hineingeworfen hatte; b) eilig in
einen Bereich hineinbringen, -schicken: Truppen in das
Kampfgebiet h. 4. (Licht o. ä.) in etw. werfen, fallen lassen:
einen Blick [in etw.] h.; die Eiche warf ihren Schatten
[ins Zimmer] hinein; -wirken <sw. V.; hat): eine Wirkung
zeigen, die sich in etw. hinein erstreckt: Neue Bauelemente
formen sich zu Typen, die weit in die Architektur des
1247
hinfort
hohen und späten Mittelalters hineinwirken (Bild. Kunst
3.18); -wollen <unr. V.; hat): vgl. -^dürfen; -würgen <sw.V.;
hat): 1. mit Hast od. Mühe. Widerwillen zu sich nehmen:
das Essen, die Medizin [in sich] h. 2. *imdm. eine h. (f
reinwürgen); -zerren <sw. V.; hat): 1. nach [dort] drin, ins
Innere zerren: jmdn. in einen Hauseingang h. 2. in etw.
zerren: jmdn. in eine Angelegenheit, in einen Skandal h.;
-ziehen <unr. V.): 1. nach drinnen ziehen, schleppen <hat):
jmdn. am Arm mit sich ins Zimmer h. 2. <ist> a) in ein
Haus, eine Wohnung o. ä. ziehen: b) nach drinnen wandern,
fahren, sich bewegen: singend durch das Tor in die Stadt
h. 3. nach drinnen ziehen, dringen <ist>: laß bitte die Tür
zu. sonst zieht der Rauch ins Haus hinein! 4. (bei hoher
Geschwindigkeit) das Lenkrad allmä/ilich einschlagend in
etw. hineinsteuern <hat): den Wagen in die Kurve h. 5.
in etw. ziehen, verwickeln <hat): jmdn. in eine
Angelegenheit, einen Skandal, ein Gespräch, einen Streit [mit] h.;
-zwängen <sw. V.; hat): 1. in etw. zwängen: noch einige
Sachen in den Koffer h. 2. <h. + sich) sich in etw. zwängend
hineinbewegen: er zwängte sich in die volle Bahn h.; sich
in eine Hose h.; -zwingen <st. V.; hat): 1. nach dort drin,
ins Innere zwingen. 2. in etw. (einen Zustand usw.) zwingen:
in ein Schema h.; jmdn. in eine Lebensform h.
hinfort <Adv.) [mhd. hinnen vort] (Schweiz, gelegtl.. sonst
geh.): von nun an. künftig.
hinfür. hinftjrder <Adv.) [spätmhd. hinfur = ferner;
spätmhd. hynfurder; vgl. fürder] (veraltet): svw. t hinfort.
hing [hin]: t ^hängen.
hingegen <Konj) [thin u. Tgegen]: dagegen, im Gegensatz
dazu: seine Frau h./(seltener:) h. seine Frau stimmte dafür;
heute h. ist besseres Wetter; h. fiel ihr ein. daß ...
Hinkebein [hirjka-]. das; -s. -e (ugs.): 1. steifes od. verletztes
Bein, mit dem man hinkt. 2. jmd.. der hinkt: Hinkende/ 'rj;
Hjnkefuß, der; -es. ...fuße: vgl. Hinkebein.
Hinkel ['hink}], das; -s. - [mhd. (md.) hinkel. hünkel. zu:
huoniclin = Vkl. von: huon. T Huhn] (westmd.): 1. / jungesj
Hufin. 2. (Schimpfwort) Mensch, den man für ungeschickt,
bemitleidenswert eittfältig o.a. hält: dieses alte H.; du H.!;
Hinkelstein, der: -[eis. -e [viell. volksetym. Umdeutung
von Hünenstein zu Hühnerstein, vgl. Hinkel] (bes.
Rheinland-Pfalz. Hessen): unbehauener / vorgeschichtlich
kultischer] Stein im Gelände, der durch seine ungewöhnliche
[gedrungene] Gestalt auffällt: vgl. Menhir.
hinken ['hinkn] <sw. V.) [mhd. hinken, ahd. hinkan. eigtl.
= schief, schräg, krumm gehen]: 1. <hat> a) /infolge eines
Gebrechens od. einer Verletzum an Bein od. Hüfte in der
Fortbewegung behindert sein u. daher] in der Hüfte einknik-
kendod. ein Bein nachziehend gehen: seit dem Unfall hinkt
er; das Pferd, der Hund hinkte; leicht, stark h.; rechts,
links, mit dem. auf dem rechten, linken Bein h.; ein
hinkender Gang; b) (von Versen) rhythmisch schlecht, holperig
sein: hinkende Verse; c) (von Vergleichen o. ä.) nicht / ganz;
zutreffen, passen: der Vergleich, das Bild hinkt; hinkende
Schlüsse. Formulierungen. 2. hinkend (1) irgendwohin
gehen, laufen <ist>: er hinkte mit verstauchtem Fuß nach
Hause; über die Straße h.; vom Spielfeld h.; <subst. 1.
Part, zu 1 a:> Hjnkende.der u die; -n. -n <Dekl. t
Abgeordnete): jmd.. der hitikt; <Zus.:) Hinkjambus [hink-], der:
svw. tCholiambus: Hjnkvers,der (Dichtk.): hitikender Vers.
hinnen ['hinan; mhd. hinnen, ahd. hin(n)an(a)] in der
Verbindung vonh. (veraltet, geh.; von hier weg: Ggs.: von dannen):
von h. gehen, fahren.
Hinni ['hini]. der; -s. -s [viell. unter Einfluß von tHeini
zu engl, (ugs.) hinny = Schüler, der zw. dem Abschluß
der Oberschule u. dem Beginn des Studiums steht, eigtl.
= Maulesel] (Jugendspr.): gutmütiger, dümmlicher Junge.
hintan- [hint'lan-], (auch:) hinteren- [älter: hindan. mhd.
hindan. hindenän = hinten hin. aus !hinten und tan als
Bez. einer best. Lage od. eines best. Ortes in Zus. mit
anderen Adv.. z. B. anbei, nebenan] (geh.; zurück-, an
letzte] r]. unbedeutende/ r] Stelle]): -bleiben <st.V.; ist):
zurückbleiben: der weit hintenangebliebene Schüler; -halten
<st. V.; hat): aufhalten, verhindern: die Wirkung h.. dazu:
-haltung. die; -setzen <sw. V.; hat): zurücksetzen,
vernachlässigen: unbeachtet, unberücksichtigt lassen: die eigene
Person, das Vergnügen, seine Pflichten h.. dazu: Setzung,
die: unter H. der eigenen Interessen; -stehen <unr. V.;
hat): zurückstehen: private Interessen müssen h.; -stellen
<sw. V.; hat): zurückstellen: private Interessen h.. dazu:
-Stellung, die: unter H. aller Wünsche.
hinten fhintn] <Adv.) [mhd. hinden(e). ahd. hintana]: aul
der abgewandten od. zurückliegenden Seite. Rückseite: auf
der entfernteren Seite, im zurückliegenden, entfernteren Teil.
Abschnitt (Ggs.: vornle]): die Öffnung ist h.; das Pferd
schlug h. aus; jeder Wagen muß vom und h. ein
Kraftfahrzeugkennzeichen haben; unsere Wohnung liegt h.. nach
dem Garten zu; h. einsteigen!; sich [in der Schlange. Reihe]
h. anstellen; h. bleiben (zurückbleiben): h. im Garten,
im Haus, im Auto; der Schlüssel liegt im Schubfach ganz
[weit] h.; h. (verhüll.; am Gesäß) ein Geschwür haben;
h. ein paar draufkriegen (ein paar Schläge auf das Gesäß
kriegen: T hintendrauO: h. und vornle] nichts haben (salopp;
keine ausgeprägten Körperrundungen haben): die anderen
sind noch h. (ugs.; in ziemlich weitem Abstand [von hier])'.
ganz weit h.; da h.. dort h. kommt er; h. (weit weg)
im Wald, in der Mongolei; die da h. (hinter der Front)
haben es leicht. Befehle auszugeben; h. im Buch (in dem
Teil, der zuletzt kommt): das wird weiter h. (unten) erklärt;
ein Buch von vornle] bis h. (ganz, grwidlich) lesen; nach
h. umfallen; jmdn. nach h. ziehen, zerren; nach h. laufen,
gehen; nach h. (nach dem Hintergrund der Bühne hin)
abgehen; mit einem Blick nach h.; die Zimmer gehen nach
h. hinaus (nach der von der Straße abgewandten Seite):
(ugs.:) nach h. wohnen, gelegen sein; die Verletzten nach
h. (in das Gebiet hinter der Front) bringen; von h. kommen;
der Wind kommt von h. [herl; jmdn. von h. überfallen,
erschießen; von h. (wenn sein Rücken mir zugewandt ist)
kann ich ihn nicht erkennen; etw. von vorn und h. (von
allen Seiten) betrachten; das dritte Haus von h. (das
drittletzte Haus): von h. (vom Ende her) anfangen; das
Alphabet von h. (rückwärts) aufsagen; von h. (ugs.; [Coitus]
a tergo. den Rücken dem Mann zuwendend)', (zur spött.
Kennzeichnung übertriebener Aufmerksamkeit gegenüber
jmdm.:) wenn er da ist. heißt es gleich Herr Meier h..
Herr Meier vom; das ist vorne so h. wie hoch (ugs. scherzh.;
das bleibt sich völlig gleich): *h. und vornle] (ugs.; in jeder
Weise. Beziehutig. in allen Dingen: bei jeder Gelegenheit):
jmdn. h. und vornle] bedienen, betrügen; das stimmt ja
h. und vornle] nicht; weder h. noch vornle] (ugs.; in keiner
Weise. Beziehung, nirgends): das stimmt ja weder h. noch
vornle]; das Geld reicht weder h. noch vornle]; nicht [mehr]
wissen, wo h. und vornle] ist (ugs.; sich überhaupt nicht
mehr auskennen, zurechtfinden u. völlig verwirrt sein): es
jmdm. vorn[e] und h. reinstecken (salopp abwertend; jmdn.
übermäßig mit Geschenken. Zuwendungen bedenken): jmdm.
h. hineinkriechen (derb; sich in würdeloser Form
unterwürfigschmeichlerisch einem anderen gegenüber zeigen): h. nicht
mehr hochkönnen (ugs.; 1. in einer schwierigen Lage, in
Bedrängnis sein. 2. iah u.i körperlich am Ende sein): h.
Augen haben (ugs.; alles sehen, schnell bemerken, sehr
aufmerksam, wachsam sein): h. keine Augen haben (ugs.; nicht
sehen können, was hinter einem vor sich geht: meist als
ärgerliche Erwiderung auf einen Vorwurf); etw. h. haben
(ugs. landsch.; gespart, zurückgelegt, auf Vorrat haben):
h. bleiben (ugs.; zurückbleiben, in der Rang-. Reihenfolge
an unbedeutender Stelle bleiben): h. lassen (ugs.; hinter
sich lassen, übertreffen, überflügeln): h. sein (geistig, in
der Entwicklung usw. zurückgeblieben sein): von h. durch
die Brust [ins Auge] (salopp scherzh.: I. nicht direkt,
umständlich. 2. heimlich, durch die Hintertür: Wir machen keinen
Reichsrundfunk von h. durch die Brust ins Auge [Hörzu
4. 1975. 10]); jmdn. am liebsten von h. sehen (ugs.; jmdn.
sehr ungern bei sich sehen, jmds. Anwesettheit [durchweg]
als lästig, störend empfinden u. sich freuen, wenn er bald
wieder geht): jmdn. von h. ansehen (salopp; jmdm. den Rücken
zukehren, ihm Nichtachtung. Verachtung zeigen).
hinten-: -dnjn <Adv.) (ugs.): an die hintere Stelle, hinten
daran (an eine/rj Sache): Mlrauf <Adv.) (ugs.): hinten
auf (auf eine, rj Sache): das Werkzeug findest du h. [auf
dem Wagen]; * jmdm. eins, ein paar h. geben (ugs.; jmdm.
einen Schlag, ein paar Schläge aufs Gesäß geben): Mlneln
<Adv.) (selten): hinterher (1. 2); >heraus <Adv.>: (insbes.
von Gebäudeteilen. Räumen) nach hinten /zuj: h. gelegen
sein, liegen; h. (in Räumen, die nach hinten hinausgehen)
wohnen; >henm <Adv.) (ugs.): l.a) hinten um etw. herum,
um die hintere Seite herum: der Gast kam h. (durch den
Hintereingang): b) (verhüll.) um das Gesäß herum, in der
Gegend des Gesäßes: h. ein Kältegefühl verspüren. 2.
heimlich, auf versteckte Weise, auf Umwegen: etw. h. erfahren;
Waren h. (heimlich u. illegal, insbes. ohne Bezugsschein
1248
hinter-, Hinter-
o.a.) bekommen, besorgen, verkaufen; >hin <Adv.>: nach
hinten, zur Rückseite hin; -nach <Adv.> (landsch.. bes.
südd.. österr.): hinterher (1. 2); >raus <Adv.>: vgl. hinten-
heraus; >nm (Adv.): vgl. hintenherum; -über, (geh.:)
hintüber <Adv.>: nach hinten, rückwärts hinter sich: sich
h. ins Wasser stürzen; -vor <Adv.> in Wendungen wie
jmdm. ein paar h. geben (landsch.. bes. nordd.; svw. jmdm.
ein paar hintendrauf geben).
hinten?!*- [hintn'lan-]: vgl. hintan-.
hintennach-: vgl. hinterher-.
hintenüber- [hintn'iy:be-], (geh.:) hintüber-: -fallen <st. V.;
ist): nach hinten überkippend fallen: er bekam einen
Kinnhaken und fiel h.; -kippen <sw. V.; ist): nach hinten
überkippen; -schlagen <st. V.: ist): nach hinten überkippend
hinschlagen: er ist beim Handstand hintenübergeschlagen;
^sinken <st. V.; ist): nach hinten überkippend hinsinken;
-stürzen <sw. V.; ist): hinten üherkippetid /hin/stürzen;
-werfen <st. V.; hat): über sich nach hinten werfen: den
Ball h. (über den Kopf nach hinten werfen).
hinter I'hintE] [Präp.: mhd. hinder. ahd. hintar. urspr. =
Komparativform]: I. <Präp.) 1. (Ggs.: vor) a) <mit Dat.)
auf der Rückseite von. auf der abgewandten Seite von: h.
dem Haus ist ein großer Garten; h. dem Fluß sahen wir
Berge; im Kino h. jmdm. sitzen; h. dem/(ugs.:) hintenn
Ladentisch stehen; h. dem Schreibtisch, h. Büchern sitzen;
h. dem Lenkrad sitzen (am Steuer sitzen u. fahren); wir
lauerten h. der Mauer; die Sonne verbirgt sich h. den
Wolken; einer h. dem anderen (hintereinander) gehen;
Staub h. sich aufwirbeln; die Tür h. sich schließen; h.
jmdm. zurückbleiben; die anderen Läufer, einen Ort h.
sich lassen (hinter sich zurücklassen); h. jmdm. (ugs.;
überall, wo er sich aufgehalten hat) [herlfegen. saubermachen;
h. diesem Satz (am Emle dieses Satzes) steht ein
Fragezeichen; einen Bruch auf drei Stellen h. dem (rechts vom)
Komma ausrechnen; drei Kilometer h. der Grenze verläuft
eine Straße; die erste Station h. Köln (die nach Köln
kommt) ist Düsseldorf; drei Kilometer h. Köln (als Köln
drei Kilometer hinter uns lax) streikte der Motor; das
Ufer, die Wüste h. sich haben; eine große Strecke h. sich
(zurückwiest) haben: h. der Säule hervortreten; Ü
geschlossen h. jmdm.. h. einer Resolution stehen (ihn. sie
geschlossen unterstützen); er hat alle seine Kollegen h.
sich (hat Unterstützung durch sie); h. diesen Aktionen
steht eine durchdachte Methode (sie beruhen darauf); was
verbirgt sich h. diesem Vorschlag?; wer verbirgt sich
h. diesem Namen?; h. seinen großen Worten steckt nicht
viel (sie haben nicht viel zu bedeuten); *h. ... her (hinter
jnulm.. hinter etw. in derselben / Bewegungs jrichtung): h.
jmdm. her zum Ufer gehen; (meist in trennbarer Zus.
mit einem Verb:) h. jmdm. herlaufen, herfahren, herblik-
ken; h. jmdm. hersein (f hersein); b) <mit Akk.) auf die
Rückseite von. auf die abgewandte Seite von: h. das Haus
gehen; h. den Ladentisch treten; sich im Kino h. jmdn.
setzen; das Buch ist h. das/(ugs.:) hinters Regal gefallen;
h. den Nebensatz ein Komma setzen; eine große Strecke
h. sich bringen (zurücklegen); Ü sich geschlossen h. jmdn..
h. etw. stellen; Ausflüchte, h. die man sich verschanzt;
h. ein Geheimnis, h. die Wahrheil. h. einen Trick kommen.
2.a) (mit Dat.) in bezug auf Rang-. Reihenfolge an
späterer, unbedeutenderer Stelle: h. jmdm. zurückstehen; h.
jmdm. [an Begabung] zurückbleiben; h. der Entwicklung,
der Zeit, den Anforderungen. Erwartungen
zurückbleiben; jmdn., etw. [weit] h. sich lassen (übertreffen,
überflügeln); b) (mit Akk.) in bezug auf Rang-. Reihenfolge
an spätere, unbedeutendere Stelle: er ist in seinen
Leistungen h. seine Vorgänger zurückgefallen. 3. in bezug auf
eine erlebte, durchlebte, überstandene. durchlaufene Zeit:
a) (mit Dat.)(Ggs.: vor): etw. h. sich (etw. erlebt, durchlebt,
überstanden, durchlaufen) haben; ich möchte es [möglichst
bald] h. mir haben; jmdn. (ugs.; Erfahrungen mit.
Beziehungen usw. zu jmdm.) h. sich haben; etw. liegt [weit] h.
jmdm. (jmd. hat etw. /lange] hinter sich); b) (mit Akk.)
diese Zustande reichen h. den (in die Zeit vor dem) Ersten
Weltkrieg zurück. 4. (mit Dat.) folgend auf; nach: h. uns
kommt eine andere Generation; h. jmdm. an die Reihe
kommen; der Zug ist zehn Minuten h. der Zeit (landsch.;
hat zehn Minuten Verspätung). II. (als abgetrennter Teil
von Adverbien wie ..wohinter, dahinter") (ugs.): da sieht
keiner h. III. (Adv.) (ostmd., südd.. österr.) nach hinten:
h. in den Garten gehen; hinter... [-] (Adj.; o. Komp.;
nur attr.) [mhd. hinder. ahd. hintaro. zu T hinter): hinten
befindlich (Ggs.: vorder...): das -e Ende des Ganges; die
-e Seite, der -e Teil des Hauses; die -en Räder des Wagens;
die -e Tür. Treppe; in den -en Reihen, in der -sten (letzten)
Reihe sitzen; bei einem Wettlauf einen der -en (schlechten)
Plätze belegen; (subst.:) die Hinter[st]en konnten kaum
etwas sehen; *das -e Ausgelöste (österr.; Fleisch hinter
dem Kamm des Rindes; Fehlrippe)', das Hinterste zuvorderst
kehren (ugs.; svw. alles auf den f Kopf stellen).
hinter-. Hinter-: > absieht, die: unausgesprochene, versteckte
Absicht; >achsantrieb, der: vgl. Achsantrieb: >achse, die:
hintere Achse eines Fahrzeugs (Ggs.: Vorderachse); >
ansieht, die: hintere Ansicht (3) (Ggs.: Vorderansicht): die
H. des Schlosses; >ausgang, der: hinterer, an der Rückseite
gelegener Ausgang (Ggs.: Vorderausgang); > backe, die
(ugs.): 2Backe. Gesä/Jhälfte od. der entsprechende Körperteil
bei Vierfüßern; >bänkler [...henkte], der; -s. - [geb. nach
!Hinterwäldler unter Einfluß von engl, backwoodsman
= Hinterbänkler. auch: Hinterwäldler; nach der
unzutreffenden Vorstellung, daß die unbedeutenderen
Abgeordneten im Parlament weiter hinten sitzen] (Pari. Jargon
abwertend): Abgeordneter, der im Parlament nicht hervortritt;
>bein, das: eins der beiden hinteren Beine (bei Tieren)
(Ggs.: Vorderbein): lange, kurze -e; der Hund hebt an
jedem Baum das H.; sich auf den -en aufrichten; der
Hund stellte, setzte sich auf die -e; *sich auf die -e stellen/
setzen (ugs.; 1. sich wehren, sich widersetzen, sich sträuben.
Widerstand leisten: man wollte ihn versetzen, aber er hat
sich auf die -e gestellt. 2. sich Mühe geben, sich anstrengen:
wenn du die Prüfung bestehen willst, mußt du dich auf
die -e setzen; übertragen von der Verteidigungs- bzw. An-
griflsstellung vierbeiniger Tiere wie z. B. des Pferdes od.
des Bären); -bleiben (st. V.; ist) (selten): (insbes. als
nächster Atigehöriger eines Verstorbenen, als Leidtragender)
zurückbleiben; (subst. 2. Part.:) -blkbene, der u. die; -n.
-n (Dekl. T Abgeordnete): die -n benachrichtigen; (bes.
in Todesanzeigen:) die trauernden -n. dazu: -blkbenenbe-
züge (PI.): vgl. -bliebenenrente, -blkbenenfiirsorge, die:
(insbes. im Ralvnender Sozialversicherung gewährte)
staatliche Fürsorge für Hinterbliebene (insbes. Witwen u.
Waisen), -bltebenenpension, die (österr.). -Mkbenenrente, die:
staatliche Rente für Hinterbliebene (insbes. Witwen u.
Waisen), die im Ralimen der Sozialversicherung gewä/irt wird.
-blkbenenversicherung. die; -blid>enenVersorgung, die (o.
PI.): (staatliche) Versorgung für die Hinterbliebenen eines
Beamten od. Soldaten (insbes. für Witwen u. Waisen);
l-brjngen (unr. V.; hat): jmdn. heimlicli u. unauffällig über
etw.. was ihm eigentlich nicht bekanntwerden sollte, in
Kenntnis setzen; zutragen: jmdm. etw. h.; Man hat dem Pfarrer
die sonderbare Beziehung Bernadettens zu Madame Millet
schon hinterbracht (Werfet. Bemadette 180); 2> bringen
(unr. V.; hat): 1. (ostmd.. südd.. österr. ugs.) nach hinten
bringen: er hat die Sachen hintergebracht. 2. (ostmd.) es
fertigbringen, etw. hinunterzuschlucken, zu essen od. zu
trinken: keinen Bissen h.; ^brjnger. der: jmd.. der jmdm. etw.
1 hinterbringt: -br|ngung,die; -. -en (PI. selten): das
'Hinterbringen; > brüst, die (Zool.): dritter, letzter Abschnitt (Ring)
der Brust (bei Insekten) (Ggs.: Vorderbrust); > bücke, die
(Tumen): Hintersprung in Form einer Bücke (Ggs.:
Vorderbücke); >bühne, die (Theater): 1. hinterer Teil der Bühne
(Ggs.: Vorderbühne). 2. rückwärtiger Teil [hinter] der Bäh-
ne; >darm, der (Zool.): Etuidarm (2) (Ggs.: Vor[der]darm);
>deck, das (Seew.): hinteres Deck (Ggs.: Vorderdeck);
>drücken (sw. V.; hat) (ostmd.. südd.. österr. ugs.): nach
hinten drücken; >eck[kegel], der; -s. - (Kegeln): hinterster
Kegel der Kegelaufstellung (Ggs.: Vordereck[kegel]); >ein-
gang, der: hinterer, an der Rückseite gelegener Eingang
(Ggs.: Vordereingang): das Haus durch den H. betreten,
verlassen; messen (unr.V.; hat) (ostmd.): aufessen, restlos
hinunterschlucken; >feld, das (Tennis): hinteres Feld
(zwischen Aufschlaglinie u. Grundlinie); -feldler [...fehle], der;
-s. - (Football): Spieler mit Verteidigungsaufgaben im
Hintergrund des Spielgeschehens; >fessel, die: 2Fessel (I) des
Hinterbeins; yflügel. der (Insektenkunde) (Ggs.:
Vorderflügel); >fotzig [...fotßi^] (Adj.) [eigtl. = (von Frauen) mit
einem nahe dem After liegenden Geschlechtsteil; zu t Fotze]
(mundartl.. bes. bayr.; sonst derb): heimtückisch,
hinterhältig, hinterlistig, unaufrichtig, dazu: >fotzigkeit, die; -. -en:
1. (o. PI.) heimtückische, hinterhältige Art. 2.
heimtückische, hinterhältige Äu/Jerung. Handlung; -fragen (sw. V.;
79 GDW
1249
hinter-. Hinter-
hat): nach den Hintergründen. Voraussetzungen. Grundlagen
von erw. fragen: eine Meinung, den eigenen Standpunkt
h.; Methoden, Voraussetzungen h.; eine Gefahrdung
gesellschaftlicher Stabilität im Sinne bestehender und nicht hin-
terfragter Herrschaftsstrukturen (Schmidt.
Strichjungengespräche 34); -front, die: 1. hintere Seite eines Gebäudes,
hintere Front (Ggs.: Vorderfront). 2. (salopp) Rücken:
-fallen <sw. V.; hat) (Bauw.): den Hohlraum hinter, unter etw.
mit stabilisierendem Material ausfüllen: die Befestigung
des vorher mit Kies hinterfüllten Bürgersteiges (Bergstr.
Anzeiger 5.2. 71.9), dazu: ^fylhing, die: 1. das Hinterfüllen.
2. Material, mit dem erw. hinterftillt ist, -fuß, der: Fuß
des Hinterbeins (Ggs.: Vorderfuß); -gassenkegel, der
(Kegeln): einer der zwei Kegel vor dem Hintereckkegel (Ggs.:
Vordergassenkegel); -gaumen, der (Med.. Phon.): hinterer,
weicherer Gaumen (mildern Zäpfchen) (Ggs.:
Vordergaumen), dazu: -gaumenlaut, der (Ggs.: Vordergaumenlaut):
svw. TVelar; -gebäude, das (Ggs.: Vordergebäude): vgl.
-haus; -gedanke, der: unausgesprochene, versteckte
Absicht, die einer Äußerung. Handlung zugrunde liegt: sein H.
dabei war. sich der Kontrolle zu entziehen: er hatte dabei
den -n. den Leser zu belehren; er tat es mit dem -n. dadurch
einen Vorteil zu erlangen; etw. ohne -n tun. sagen; *-gehen
<unr. V.; hat) [mhd. hindergän. urspr. = einen Feind
umgehen u. von hinten anfallen]: 1. durch unaufrichtiges
Verhalten täuschen, betrügen: jmdn. h.; seinen Teilhaber
bei der Abrechnung h.; er hat seine Frau [mit einer
Kollegin] hintergangen (er hat [mit einer Kollegin] Ehebruch
begangen). 2. (selten) listig, schlau umgehen: jmds.
Anweisung h. 3. (selten) auf die Hintergründe. Voraussetzungen
von etw. zurückgehen: ein Prinzip h.. zu 3: -gehbar <Adj.;
o. Steig.; nicht adv.X zu 1-3: -gehung. die; -. -en (PI.
selten); 2-gehcn <unr. V.; ist) (ostmd.. südd.. österr. ugs.):
nach hinten gehen: -Bestell, das (ugs. scherzh.): Gesäß:
-getreide,das: vgl. -körn; '-gießen <st. V.; hat) (Druckw.):
(Galvanos. Matern o.a.) mit Hilfe des Bleigusses
unterlegen, dazu: -gkftnetall, das; 2> gießen <st. V.; hat) (ostmd.):
svw. t hinuntergießen (2); -glied, das (Math.): hinteres Glied
(z. B. eines Verhältnisses) (Ggs.: Vorderglied); -gliedmaße,
die (meist PI.) (Ggs.: Vordergliedmaße): -gnmd. der [aus
der Spr. der Malerei u. der Bühnenausstattung]: 1. (Ggs.:
Vordergrund) a) <P1. ungebr.) hinterer, abschließender Teil
des Blickfeldes bz*f. des im Blickfeld liegenden Raums.
Bereichs (von dem sich die Gegenstände abheben): der H.
der Bühne, des Gemäldes; der Hintergrund (auf der
Fotografie) ist unscharf; den H. bilden; eine Stimme aus dem
H.; die Sitzplätze im H. des Saales; im H. sitzen; im
H. sieht man die Alpen; sich vom H. der Berge, des
Himmels abheben; sich vor dem dunklen H. abzeichnen; *in
den H. drangen (in seiner Bedeutung stark zurückdrängen,
der Beachtung, des Einflusses berauben): einen Politiker
in den H. drängen; durch diese Katastrophe wurde alles
andere in den H. gedrängt: in den H. treten/rücken/geraten
(stark an Bedeutung. Beachtung verlieren): sich im H. halten
(sich zurückhalten, nicht [öffentlich] in Erscheinung treten
/wollen/): im H. bleiben (nicht /öffentlich/ in Erscheinung
treten, nicht die Aufmerksamkeit auf sich ziehen / wollen]):
im H. stehen (wenig beachtet werden): trotz seiner
Fähigkeiten steht tr Immer \mH.:b) begleitender Teilod.
Randbereich des Wahrgenommenen, des Erlebten: der akustische
H. eines Geschehens, einer Szene. 2.a) <P1. ungebr.) die
wenig hervortretenden /vorgegebenen] Umstände.
Bedingungen im Zusammenliang mit einer Situation od. einem
Geschehen: der politische, gesellschaftliche, soziale H.; den
H. eines Geschehens, für ein Geschehen bilden; die
Handlung des Theaterstücks hat einen geschichtlichen H. (beruht
auf geschichtlichen Fakten), spielt auf. vor dem H. der
Französischen Revolution; im H. steht der Gedanke, daß
...; ein Lustspiel mit ernstem H.; *im H. haben (ugs.;
/als Überraschung j in Reserve haben)', b) <P1.) verborgene
Zusammenhänge im Hintergrund (2a). die eine Erklärung
für etw. enthalten: der Mord hat politische Hintergründe;
die Hintergründe einer Tat aufdecken, dazu: -gnmd-
information, die: Information, die den Hintergrund (2 a)
von etw. erhellt: -gründig <Adj.): schwer durchschaubar.
aber eine tiefere Bedeutung enthaltend, rätselhaft u.
bedeutsam: ein -es Lächeln. Schweigen; -er Humor; h. fragen,
antworten, -gründigkeit.die; -. -en: 1. <o. PI.)
hintergründige Art. 2. hintergründige Äußerung, -gnmdmusik, die: als
akustischer Hintergrund (1 b) gedachte untermalende od.
einstimmende Musik (insbes. in Filmen od. in
Räumlichkeiten wie Kaufhäusern. Restaurants usw.). -hachse, die
(landsch.): Hachse des Hinterbeins: -haken <sw. V.; hat)
(ugs.): auf den Grund gehen, genauer mchforschen u.
gegebenenfalls eingreifen: da sollte man h.; -halt, der [mhd.
hinderhalt = Versteck. Auftauerung; Rückhalt. Stütze]: 1.
Ort. an dem man in feindlicher Absicht auf jmdn. lauert:
im H. lauern, liegen; in einen H. geraten, fallen; jmdn.
aus dem H. herauslocken; jmdn. aus dem H. beobachten,
überfallen, erschießen; Ü aus dem. im H. (Sport; aus.
in nur scheitibar ungefährlicher Position, aus der heraus
eine überraschende Aktion erfolgt): aus dem H. [aufs Tor]
schießen; im H. [auf eine Torchance] lauern; einen Politiker
aus dem H. angreifen (angreifen in der Art eines scheinbar
harmlosen Verhaltens. Vorgehens, das sich überraschend
als feindlich herausstellt): *im H. haben (ugs.; in Reserve
haben). 2. <o. PI.) (veraltet) a) Zurückhaltung: seinen H.
aufgeben; b) Rückhalt: an jmdm. keinen H. haben; -halten
<st. V.; hat) (veraltet): zurückhalten, vorenthalten: jmdm.
etw. h.; > hält ig [-heltu;] <Adj.): Harmlosigkeit
vortäuschend, aber Böses bezweckend: ein -er Mensch; ein -es
Lächeln. Verhalten; jmdn. h. angreifen, nach etw. fragen,
dazu: -hältigkeit, die: 1. <o. PI.) das Hinterhältigsein,
hinterhältiges Wesen. 2. hinterhältige Handlung, -band, die
(Ggs.: Vor[der]hand): I. (Kartenspiel) a) * in der H.
sein/sitzen (\. als letzter ausspielen. 2. in der Lage sein, als letzter
u. in Kenntnis des Vorausgegangenen zu handeln bzw. sich
zu äußern): in der H. haben (in Reserve haben): b) Spieler,
der in der Hinterhand sitzt. 2. (bei größeren Tieren) die
Hinterbeine mit den Hinterbacken: die H. des Pferdes.
Löwen. Hundes; sich auf die H. setzen; [sich] auf der
H. umdrehen; -haupt, das (bes. Anat.): Hinterkopf, dazu:
-haupt[s]bein, das: den hintersten Abschnitt des Schädels
bildender Knochen. -haupt[s]bge, die (Med.): Lage des
Kindes bei der Geburt, bei der das Hinterhaupt zuerst
austritt. -haupt[s]loch, das (Med.): Öffnung im
Hinterhauptsbein. -haupt[s]sdiädel, der (Anat.): Schädelabschnitt, der
das Hinterhaupt bildet, hinterer Abschnitt des Schädels;
-haus, das: hinterer Teileines größeren an der Straße
gelegenen Hauses (Ggs.: Vorderhaus): dunkle Hinterhäuser,
dazu: -hauswohnung, die; -hedit, der (Turnen): Hecht in
Form eines Hintersprungs: -hirn, das (Anat.): (hei
Wirbeltieren) hinterster Abschnitt des Gehirns: -hof, der: von
Hinterhäusern eingeschlossener engerer Hof /mit wenig Sonne
u. wenig Grün]: düstere Hinterhöfe; das Milieu der Berliner
Hinterhöfe; ... es erinnert ihn an seine Jugend in
Hinterhöfen (Zwerenz. Erde 33); -huf, der: Huf des
Hinterbeins (Ggs.: Vorderhuf); -hughapfing [hintehu:grhaofinl
(erfundener Ortsn.; o. Art.; Gen.: -s) (ugs.. bes. bayr.;
spött.): irgendein kleiner, abgelegener unbedeutender Ort:
-kante, die (Ggs.: Vorderkante); -kappe, die: hintere
Kappe (bes. am Schuh) (Ggs.; Vorderkappe); -kastell, das
(salopp): Gesäß: -kauen <sw. V.; hat) (ostmd.): kauen
u. hinunterschlucken: -kegel, der (Kegeln): einer der vier
hinter den drei Vorderkegeln stehenden Kegel: -keule, die
(Kochk.): Keule vom Hinterbein (Ggs.: Vorderkeule);
-kiemer [-ki:mc]. der (Zool.): Meerestier, das zu einer
Überordnung der Schnecken gehört, bei der die Kieme hinter dem
Herzen liegt (Ggs.: Vorderkiemer); -kippen <sw. V.; hat)
(ostmd.): svw. Thinunterkippen (1 b); -kipper, der (Kfz.-
W.): Kipper mit mch hinten kippbarem Wagenkasten: vgl.
Vorderkipper; -köpf, der: hinterer Teil des Kopfes: auf
den H. fallen; keinen (ugs.; einen flachen) H. haben; *etw.
im H. haben/behalten (ugs.; als Wissen, /wichtige]
Erinnerung, unausgesprochene Voraussetzung im Hintergrund des
Bewußtseins haben, behalten)', -körn, das (Landw.): bei
der mechanischen Getreidesortierung abfallendes
minderwertiges Korn der geringsten Körnergröße: -kuhdreckshausen
[hintB'ku:dreksh^pzn.auch: '—] (erfundener Ortsn.;
o. Art.; Gen.: -s) (salopp abwertend): irgendein kleiner,
abgelegener Ort: -lader, der [3: nach dem lautlichen
Anklang an t Hintern]: 1. (Wafient.) Feuerwaffe, die vom
hinteren Ende des Laufs od. Rohres her geladen wird (Ggs.:
Vorderlader). 2. (salopp scherzh.) Kinderhose mit
aufknöpfbarer hinterer Klappe. 3. (salopp scherzh.) Homosexueller;
-läge, die [zu t^hinterlegen 1] (Schweiz.): Faustpfand;
-fauid, das <o. PI.): um einen zentralen Ort heriun od.
hinter einer wichtigen Grenzlinie liegendes Land (insbes.
in seiner geographischen, verkehrsmäßigen, wirtschaftlichen,
kulturellen, politischen od. militärischen Abhängigkeitsbe-
1250
hinter-,
Hinterziehung zu diesem Ort, zu dieser Linie): das H. einer Stadt,
eines Hafens; das H. eines Deichs, einer Küste; Nachschub
aus dem H. an die Front bringen; '-hassen <st. V.; hat):
I. a) nach dem Tode zurücklassen: eine Frau und vier K inder
h.; viele Schulden h.; die hinterlassenen (nachgelassenen)
Schriften eines Wissenschaftlers; b) nach dem Tode als
Vermächtnis, Erbe überlassen: jmdm. ein Grundstück h.;
Ü [der Nachwelt] ein bedeutendes geistiges Erbe h. 2.a)
beim Verlassen eines Ortes zurücklassen: ein Zimmer in
großer Unordnung h.; b) beim Verlassen eines Ortes zur
Kenntnisnahme zurücklassen: einen Zettel mit einer
Nachricht h.; für jmdn. Grüße h.; jmdm. seine Adresse h.;
jmdm.. für jmdn. eine Nachricht h.; er hinterließ [auf
einem Zettel], daß er bald wiederkomme. 3. durch
vorausgehende Anwesenheit, Einwirkung verursachen, hervorrufen:
[nach seiner Anwesenheit] als Wirkung zurücklassen: im
Sand Spuren h.; [bei jmdm.] einen guten Eindruck h.;
blassen <st. V.; hat) (ostmd., südd.. österr. ugs.): nach
hinten gehen, kommen, fahren usw. lassen: laß mich mal
hinter! (z. B. hinter den Ladentisch); -tyssene. der u. die;
-n. -n <Dekl. t Abgeordnete) (Schweiz.): Hinterbliebene/rj;
-lassenschaft, die; -. -en: 1. von einem Verstorbenen (z. B.
als Vermächtnis, Erbe) Hinterlassenes: jmds. H. aufteilen,
ordnen; jmds. literarische H. (Gesamtheit seiner
nachgelassenen literarischen Werke): *jmds. H. antreten (1. jmds.
Erbschaft antreten. 2. ugs. scherzh.; die von jmdm. verlassene
Stelle, zurückgelassene unvollendete Arbeit o.a.
übernehmen). 2. (geh.) beim Verlassen eines Ortes Zurückgelassenes:
Hinterlassenes: -l^ssung, die; - (Papierdt.): das
hinterlassen: unter H. von Schulden; unter H. eines
Beschwerdebriefes abreisen; -lastig <Adj.>: (von Schiffen, Flugzeugen)
hinten stärker belastet als vorne (Ggs.: vorderlastig); >buf,
der (Jägerspr.): (beim Haarwild, bei Haushund u.
Hauskatze) Hinterbein: -laufen <st.V.; hat) (Ballspiele): hinter
die gegnerische Abwehr o. ä. laufen, um ungedeckt spielen
zu können: '-legen <sw. V.; hat): 1. in / amtlicheJ
Verwahrung geben, gesichert aufbewahren lassen: eine Kaution
h.; etw. als Pfand h.; Geld. Urkunden bei einer Bank
h.: den Schlüssel beim Hausmeister h. 2. (selten) unterlegen:
etw. mit etw. h.; Siegen <sw. V.; hat) (ostmd.. südd..
österr.. ugs.): nach hinten legen: -leger, der: jmd., der
etw. Hunterlegt (1); -legung, die; -. -en: das 'Hinterlegen
(1): jmdn. gegen H. einer Kaution freilassen, dazu: -le-
gungsffihig <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (Jur): zu den
Wertsachen gehöret die zwecks Befreiung von einer Schuld
hinterlegt werden können, -legungsgekter <pi.> (Finanzw.. jur.).
^legungsschein, der; -|e]s. -e: Schein, Quittung zur
Bestätigung einer Hinterlegung, -legungssteile, die: /gerichtliche,
amtliche] Stelle, bei der etw. hinterlegt werden kann, -le-
gungssumme, die (bes. Finanzw.. jur): hinterlegte Summe:
>leib, der: (bes. bei Insekten) hinterer Teil (dritter
Hauptabschnitt) des Leibes, dazu: -leibsring, der. -leibssegment,
das (Zool.): Abschnitt des Hinterleibs: -k?tzt... <Adj.; nur
attr.) (salopp): svw. tallerletzt... (2): >linse, die (Fot.):
hintere Linse im Objektiv (Ggs.: Vorderlinse); >list, die
<P1. ungebr.) [mhd. hinderlist = Nachstellung]: Wesen,
Verhalten, das von dem Streben bestimmt ist. jmdm.
heimlich, auf versteckte Weise, auf Umwegen zu schaden: etw.
ohne [alle] H. tun; etw. durch H. erreichen; voller H.
sein, sprechen; wir hielten das für eine H. (hinterlistige
Handlung. Äußerung), dazu: >listig <Adj.) [mhd. hinderli-
stec = nachstellend]: I. voller Hinterlist: ein -er Mensch;
jmdn. auf -e Weise betrügen; Ich habe ein Tonbandgerät
gekauft, um eure Gespräche aufzunehmen ... Das ist h..
ich weiß (Frisch, Gantenbein 413). 2. *zu -en Zwecken/
fiir -e Zwecke (ugs. scherzh. verhüll.; zum Auswischen
des Gesäßes: nach dem lautlichen Anklang an T Hintern),
zu 1: -listigkeit,die: 1. <o. PI.) das Hinterlistigsein,
hinterlistiges Wesen. 2. hinterlistige Handlum: >hike, die; -mann,
der <P1. -männer): 1. a) (in einer Reihe, /An!Ordnung)
jmd. (auch Schiff, Wagen usw.), der hinter jmdm. sitzt bzw.
steht, fährt usw. (vgl. Vordermann. Nebenmann): bei dem
Marsch trat ihm sein H. dauernd auf die Hacken; bei einem
Überholmanöver den H. behindern; Das hochgezogene
Heck versperrt die Sicht auf den H. (DM 5. 66. 18):
H.! (Ballspiele; Vorsicht, hinter dir, hinter diesem Spieler
steht ein gegnerischer Spieler/): b) <P1.) (bei einigen
Ballspielen) Abwehrspieler. 2. heimlicher Gewährsmann: der
Journalist wollte seinen H. nicht verraten. 3. (meist PI.) jmd..
der eine fragwürdige od. verwerfliche Aktion aus dem
Hintergrund lenkt: die Hintermänner des Putsches; das
Verbrechen wurde von mächtigen Hintermännern angestiftet. 4.
(Finanzw.) späterer Wechselinhaber; -mannsdiaft, die
(Ballspiele): der Teil der Mannschaft, der hauptsächlich
Abwehraufgaben zu erledigen hat: -mauern <sw. V.; hat)
(Bauw.): durch Mauerung (unter Verwendung gewöhnlicher
I Back] steine) auf der Rückseite befestigen, verstärken: eine
Wand h.. dazu: -mauening, die: I. das Hintermauern. 2.
durch Hintermauern hergestellte Befestigung, Verstärkung,
Rückwand: >partie, die (ugs.): hintere Körperpartie (Gesäß
lu. Rücken]): -pausdie.die (Turnen veraltet): rechte
Pausche des Pauschenpferdes (Ggs.: Vorderpausche); -perron,
der (veraltet): hintere Plattform (bei Straßenbahnwagen
usw.) (Ggs.: Vorderperron); -pforte.die; >pfote,die: Pfote
des Hinterbeins (Ggs.: Vorderpfote); -pommer, der; -n.
-n [nach dem lautlichen Anklang an T Hintern (Hinterpom-
mer = Einwohner von Hinterpommern, dem östl. Teil
der ehem. dt. Provinz Pommern)] (salopp): Homosexueller:
-pranke, die (Ggs.: Vorderpranke); -quartier, das (ugs.):
svw. tHinterviertel (1); >rad, das: hinteres Rad, Rad an
der Hinterachse eines Fahrzeugs (Ggs.: Vorderrad): das
H. des Fahrrades. Motorrades; das linke H.'des Wagens,
dazu: >radachse, die: Adise des Hinterrads, der
Hinterräder, Hinterachse, > radantrieb, der: Antrieb über
Hinterachse u. Hinterräder: Hinterachsantrieb (Ggs.:
Vorderradantrieb). >radaufhingung, die (Kfz.-W.). -radbremse, die.
-radfahrer, der (Radsport): Fahrer, der sich dicht am
Hinterrad eines vor ihm Fahrenden u. damit in dessen
Windschatten hält, >radgabel, die; -reifen, der: Reifen des Hinterrads
(Ggs.: Vorderreifen); >rücks [-rYks] <Adv.) [spätmhd.
hinterrücks (2. Bestandteil = alter Gen. von t Rücken)]
(abwertend): 1. überraschend, heimtückisch von hinten: jmdn.
h. angreifen, überfallen, erschießen; Ü einen Politiker h.
(auf versteckte Weise, auf Umwegen) zu Fall bringen.
2. (veraltend) ohne Wissen, hinter dem Rücken des
Betroffenen: jmdn. h. belächeln, verleumden; er hatte es verboten,
aber h. hat man den Wagen dann doch verkauft, dazu:
> rücksler [-nieste], der; -s. - (schweiz.): hinterlistiger,
heimtückischer Mensch: >saß, >sasse, der; -sassen. -sassen.
(Schweiz.:) >säß, der; -sassen. -sassen: I. (hist.) a) von
einem Grundherrn abhängiger u. rechtlich vertretener Bauer:
die Hintersassen eines Feudalherrn; b) Schutzbürger, der
auf dem Grund des Vollbürgers einer Stadt ein Haus besaß
u. kein od. nur ein geringes Anrecht an der Allmende hatte:
c) (schweiz.) [zugezogener] Einwohner olme Bürgerrecht.
2. (veraltet landsch.) jmd., der nur Haus, Garten u./od.
einzelne Felder, aber keinen Bauernhof besitzt, dazu: >
sassengut, das: Bauerngut eines Hintersassen (1 a); -satz, der:
1. (Grammatik) auf einen Bedingungssatz ( Vordersatz)
bezogener, nachfolgender Hauptsatz. 2. (Logik) von einem
vorausgehenden bedingenden Satz eingeschlossener Satz. 3.
(Logik) Schlußsatz im Syllogismus: -schiff, das: hinterer
Teil des Schiffs (Ggs.: Vorderschiff); > Schinken, der (Ggs.:
Vorderschinken); -schlingen <st. V.; hat) (ostmd.):
hinunterschlingen, -schlucken <sw. V.; hat) (ostmd.):
hinunterschlucken: >seite. die: I. hintere Seite, Rückseite (Ggs.:
Vorderseite): auf der H. 2. (ugs.) Gesäß: ysiim, der: I.
hintergründiger Sinn, tiefere Bedeutung. 2. geheimer bzw.
unausgesprochener Nebensinn, Doppelsinn: etw. ohne H.
sagen; -sjnnen.sich <st. V.; hat) (südd.. Schweiz, veraltend):
grübeln, schwermütig werden: -sinnig <Adj.) [I: zu
Hintersinn; 2: zu veraltet alemann, hintersinnen = wahnsinnig
werden, eigtl. = nachdenken, grübeln]: \.&) mit Hintersinn,
voller Hintersinn (1): -er Humor; eine -e Erzählung; b)
einen Hintersinn (2) enthaltend, ausdrückend: eine -e
Bemerkung. 2. (veraltend) schwermütig, walmsinnig. zu 1 a u.
b: > sinnigkeit, die; -. -en: I. <o. PI.) hintersinnige Art.
2. hintersinnige Äußerung: >sitz. der: Rücksitz (Ggs.:
Vordersitz); >Spieler, der: 1. (Ballspiele) hinter den eigenen
Angriffsspielern etwas zurückbleibender Spieler, der den
Angriff aufbaut u. Gegenangriffe stören soll. 2. (Faustball)
einer der im hinteren Teil der Spielhälfte stehenden Spieler
(Ggs.: Vorderspieler); -sprang, der (Turnen veraltet):
Pferdsprung in Längsrichtung, bei dem man die Hände auf
dem zugewandten (= hinteren) Ende des Gerätes aufsetzt:
-Steven, der: 1. (Seemannsspr.) hinterer Steven (Ggs.:
Vordersteven). 2. (ugs. scherzh.) Gesäß: >stübchen, das: T
-Stube; -Stube, die <Vkl. T^stübchen) (Ggs.: Vorderstube):
vgl. -zimmer; -stütz, der (Turnen): Stütz in Form eines
Hintersprungs: > teil« das: 1. (ugs.) GesäfJ: hinterer Körper-
79#
1251
hinterdrein
teil: das Pferd ... stand da. das H. zu ihm gewendet (H.
Kolb. Wilzenbach 35); aufs H.. aufsein H. fallen; jmdm.
ein paar [Schläge] aufs H. geben; Ü Mannheim zeigt seiner
Schwesterstadt Ludwigshafen nur sein H. (MM 8. 1. 75.
15). 2. (selten) (veraltet auch: der) hinterer Teil: Panzer
fuhren schwerfällig in die Kurve, schwenkten langsam
ihre Rohre, ihre -c ... (Böll. Adam 65); -treffen, das [eigtl.
der beim Kampf (Treffen) hinten stehende Teil des Heeres,
die Reservetruppe, ohne Anteil an den Vergünstigungen
im Falle eines Sieges] (ugs.) in den Wendungen ins H.
geraten/kommen (im Vergleich, im Wettbewerb o.ä. in eine
ungünstige Lage geraten, kommen): die Wirtschaft ist ins
H. geraten: gegenüber seinem Gegner ins H. geraten; mit
seiner Arbeit ins H. geraten; im H. sein/sich im H. befinden
(im Vergleich, im Wettbewerb o.a. in einer ungünstigen
Lage sein: im Nachteil sein): Jmdn., etw. ins H. bringen
(bewirken, daß jmd.. etw. im Vergleich, im Wettbewerb
in eine ungünstige Lage gerät): -treiben <st. V.; hat): es
heimlich u. mit zweifelhaften od. unlauteren Mitteln darauf
anlegen, daß etw. nicht zur Ausführung gelangt: einen Plan,
eine Heirat. Jmds. Maßnahmen h.; die Veröffentlichung
eines Buches h.; Die Welt wird sich wundem, wenn Sie
eine Verfügung Ihres Präsidenten hintertreiben! (Erich
Kästner. Schule 28), dazu: -treibung, die; -. <n <P1. un-
gebr.); -treppe, die: Treppe, die zum Hintereingang hinauf-,
hinabführt (Ggs.: Vordertreppe): die H. benutzen; heimlich
über die H. kommen; Ü (abwertend:) die Politik,
Weltgeschichte von der H. aus betrachten, beurteilen; Als reiner
Arier fühlte er sich seinem Gegenüber weit überlegen,
der solche -n (Umwege, Schleichwege) brauchte (Fallada.
Jeder stirbt 329), dazu: -treppengeflüster, das (abwertend):
/ heimliches! Gerede im Treppenhaus bzw. unter
Hausbewohnern, -treppenhandel, der (selten): Schleichliandel, -trep-
penliteratur, die: vgl. -treppenroman. -treppenpolitik. die
(abwertend): ränkevolle Politik ohne Weitblick. > treppenro-
man, der [viell. weil diese Art Literatur früher von den
Dienstboten eines Hauses heimlich auf der Hintertreppe
gekauft wurde] (abwertend): für ein anspruchsloses
Publikum bestimmter Unterhaltungsroman von literarisch
geringer Qualität: Schundroman: -trinken <st. V.; hat) (ostmd.):
trinkend hinunterschlucken: -tückisch <Adj.) (landsch.):
hinterlistigu. tückisch. -tücker,der(landsch.): hinterlistiger
u. tückischer Mensch: -tupfingen[hmtB'tüQ/ii)dn]
(erfundener Ortsn.; o. Art.; Gen.: -s> (ugs. spött.): irgendein kleiner,
abgelegener Ort: - tür. die: 1. hintere / Eingangs Itür (insbes.
eines Hauses. Gebäudes) (Ggs.: Vordertür): die H. war
verschlossen; Ü durch die H. wiederkommen, wieder
hereinkommen (nach einer Abweisung hartnäckig bleiben
u. auf unüblichen od. versteckten Wegen od. Umwegen
[immer wieder/ lauf etw. J zurückkommen). 2. <Vkl. t
Hintertürchen) versteckte Möglichkeit, etw. auf nicht [ganz/
einwandfreien Wegen u. Umwegen zu erreichen, sich einer
Sache zu entziehen: er kennt die -en der Buchführung;
Je wendiger unser Bewußtsein .... um so zahlreicher und
um so nobler unsere -en. um so geistvoller die Selbstbelü-
gung (Frisch. Stiller 380); "durch die durch eine H. (auf
versteckten, nicht, ganz] einwandfreiet} Wegen u. Umwegen:
auf Schleichwegen). etw. durch die H. zu erreichen suchen,
wieder einführen; durch eine H. in die feine Gesellschaft
gelangen; sich (Dat.) eine H. offenhalten, offenlassen (sich
eine versteckte od. nicht (ganz/ einwandfreie Möglichkeit
des Rückzugs, eine Ausflucht offenhalten): > türchen, das,
(südd.. österr. ugs.:) -türl [-ty:gl]. das; -s. -In]: T-tür (2);
-viertel, das: 1. (ugs.) Gesäß. 2. das Hinterteil u. die
Schenkel (insbes. beim Schlachtvieh): -wildler [-veltte]. der; -s.
- [LÜ von engl, backwoodsman. eigtl. Bezeichnung für
die Ansiedler jenseits des Alleghenygebirges im Westen
Nordamerikas] (spött.): weltfremder, rückständiger fu.
bäurischer] Mensch, dazu: -wäMlerisch <Adj.): in der Art
eines Hinterwäldlers: -e Ansichten. Manieren; -walzer, der
(Metallbearb.): Arbeiter, der hinter der Walze das
bearbeitete Material aufnimmt (Ggs.: Vorderwalzer); -wand, die
(Ggs.: Vorderwand); >wärts [-vertß] <Adv.) [spätmhd. hin-
derwarts. mhd. hinderwert. T-wärts] (veraltet): (nach!
hinten: -zehe, die (Zool.) (Ggs.: Vorderzehe); '-stehen <unr.
V.; hat): (insbes. amtliche Abgaben) nicht zahlen bzw. nicht
abliefern u. unterschlagen: Steuern. Zölle. Naturalabgaben
h.; 2>ziehen <unr. V.) (ostmd.. südd., österr. ugs.): I. nach
hinten ziehen <hat): Jmdn.. etw. h. 2. (von vorn) nach
hinten umziehen <ist>: er mußte h. (z. B. in ein hinteres
Zimmer); -zkher. der: jmd., der etw. hinterzieht: -Ziehung,
die: das hinterziehen: Sie haben sich zu verantworten
wegen Verrat von militärischen Geheimnissen. H. von
Wchrmachtsmaterial und ... (Kirst. 08/15. 798); -zimmer,
das: 1. nach hinten [hinaus] liegendes Zimmer (Ggs.:
Vorderzimmer). 2. separates [hinteres] Gastzimmer, in das
man durch ein anderes Gastzimmer gelangt. 3. privates
Nebenzimmer, hinteres Zimmer (insbes. hinter dem
Ladenraum, hinter der Gaststube o.a.): > zungenvokal, der
(Phon): mit der hinteren Zunge gebildeter Vokal (Ggs.:
Vorderzungenvokal); -zwiesel. der (Reiten): hinterer
Zwiesel (Ggs.: Vorderzwiesel).
hinterdrein <Adv.) [aus thinter u. Tdrein] (veraltend): svw.
f hinterher; hinterdrein-: vgl. hinterher-.
hintere ['hintere], 'Hintere [-], der u. die: f hinter...; Wintere
[-], der; -n. -n <Dekl. t Abgeordnete) [mhd. hinder. subst.
Adj., f hinter...] (ugs., selten): Gesäß: vgl. Hintern.
hintereinander <Adv.>: I. einer, eines hinter dem anderen:
sich h. aufstellen; h. hinaufklettern; h. hergehen. 2.
unmittelbar aufeinander folgend: nacheinander: an drei Tagen
h.; zweimal h. gewinnen; acht Stunden h. arbeiten: die
Vorträge finden h. statt.
hintereinander- (hintereinander 1): -bringen <unr. V.; hat;
(ugs.): I. (selten) in eine Stellung. Lage bringen, so daß
sich einer, eines hinter dem anderen befindet. 2. (landsch.)
gegenehumder aufbringen: zwei Freunde h.; -fahren <st.
V.; ist): einer, eines hinter dem anderen fahren: -gehen
<unr. V.; ist): einer, eines hinter dem anderen gehen:
-kommen <st. V.; ist) (ugs.): 1. (selten) in eine Stellung, Lage
kommen, so daß sich einer, eines hinter dem anderen befindet.
2. (landsch.) in eine Stimmung, zu einem Verhalten kommen,
so daß einer gegen den anderen aufgebracht ist: die beiden
sind hintereinandergekommen; -laufen <st. V.; ist): einer,
eines hinter dem anderen laufen: -legen <sw. V.; hat): einen
hinter den anderen, eines hinter das andere legen: -liegen
<st. V.; hat/(südd.:) ist): einer, eines hinter dem atuleren
liegen: -schalten <sw. V.; hat) (Elektrot.): in Reihensc/ial-
tung bringen: Glühbirnen. Widerstände h.. dazu:
-Schaltung, die (Elektrot.): Reihenschaltung: -schreiben <st. V.;
hat): einen hinter den anderen, eines hinter das andere
schreiben: Namen. Ziffern h.; -setzen <sw. V.; hat): einer hinter
den anderen, eines hinter das andere setzen: -stehen <sw.
V.; hat/(südd.:) ist): einer, eins hinter dem anderen stehen:
-stellen <sw. V.; hat): einen hinter den anderen, eines hinter
das andere stellen.
hintereinanderher <Adv.): einer, eines hinter dem anderen
her: h. hinaufklettern; hintereinanderw^g <Adv.) (ugs.):
ohne Pause, ohne abzusetzen, nacheitwnder: etw. h.
verzehren, erledigen.
Hinterglasmalerei, die; -. -en (Kunst): 1. <o. PI.) Kunst
der Herstellung von Hinterglasmalereien (2). 2. mit
deckenden Farben auf die Rückseite einer durchsichtigen Glasfläche
gemaltes Bild.
hinterher <Adv.) [aus t hinter u. ther]: 1. hinter jmdm., hinter
etw. her: hinter jmdm., etw. in derselben / Bewegungs/rich-
tung: sie kletterten blitzschnell hinauf, er voran, die andern
h.; <auch schon mit Dat.:) jmdm.. einer Sache h. 2. [auch:
'hinti?he:sl nachher, danach (Ggs.: vorher): h. einen zweiten
Wohnblock bauen; was seine Worte bedeuteten, stellte
sich erst h. (nachträglich, später) heraus.
hinterher- (hinterher 1): -blicken <sw. V.; hat): hinter jmdm..
hinter etw. herblicken: -fahren <st. V.; ist): hinter jmdm..
hinter etw. herfahren: er ist [ihm] hinterhergefahren; -gehen
<unr. V.; ist): hinter jmdm., hinter etw. hergehen: -hinken
<sw. V.; ist): 1. hinter jmdm., hinter etw. hinkend hergehen:
hitikend folgen. 1. (zeitlich, in einer Entwicklung. Tätigkeit
usw.) zurückbleiben: [hinter] der Entwicklung h.; mit, bei
seiner Arbeit, mit seinen Zahlungen h. (im Rückstand
sein, nicht nachkommen): -kleckern <sw. V.; ist) (ugs.):
1. zurückbleibend hinterherkommen: bei einem Ausflug h.
2. sich mit etw. verspäten, mit etw. zu spät kommen: mit
der Erledigung von Aufträgen h.; -kommen <st. V.; ist):
1. da/iinter gegangen, gefahren, geflogen usw. kommen: an
der Spitze fuhren drei Motorräder, die anderen Fahrzeuge
kamen hinterher. 2. danach kommen, erscheinen, sich
zeigen: wer weiß, was hinterherkommt!: -laufen <st. V.; ist):
1. hinter jmd., hinter etw. herlaufen. 2. hinterhergehen,
-wandern usw. 3. (ugs.) sich in unangemessener Abhängigkeit
von seinen Zwecken, Zielen überall eifrig bemühen, jmdn.,
etw. für sich zu gewinnen: einem Mädchen h.; er mußte
1252
hinüber-
seinen Kunden, Aufträgen h.; -rennen <unr. V.; ist):
hinterherlaufen (1, 3); -rufen <st. V.; hat): hinter jmdm.. hinter
etw. herrufen; -schicken <sw. V.; hat): hinter jmdm.. hinter
etw. herschicken: jmdm. einen Boten h.; er schickte ihm
einen Fluch hinterher; -schreien <st. V.; hat): hinter jmdm..
hinter etw. herschreien: --sehen <st. V.; hat): hinter jmdm..
hinter etw. hersehen: -sein <unr. V.; ist; nur im Inf. u.
Part, zusammengeschrieben) (ugs.): l.a) verfolgen: die
Polizei war ihm hinterher; b) es eifrig betreiben, sich eifrig
[darum] bemühen, sehr darauf! bedacht sein: scharf h.,
daß kein Fehler unterläuft. 2. hinter etw. Bestimmtem
zurückgeblieben sein: in/mit seinen Leistungen h.; -tragen
<st. V.; hat): hinter jmdm.. hinter etw. hertragen: ümdm.J
etw. h.; -werfen <st. V.; hat): nachwerfen: seiner Freundin
Geschenke h.
hinterm ['hintern] <Präp. hinter + Art. dem) (in festen
Verbindungen o.a.: sonst ugs.): hinter dem: hintern
['hintun] <Präp. hinter + Art. den) (ugs.): hinter den.
Hintern [-]. der; -s. - [mhd. hinderte), zu t2Hintere; das
-n stammt aus den gebeugten Fällen] (ugs.): Gesäß: ein
breiter, dicker H.; den H. zusammenkneifen; sich den
H. wischen; einem Kind den H. [ausnutzen; jmdm. den
H. verhauen, versohlen, vollhauen: den H. voll[gehauen]
bekommen; jmdm. ein paar (ein paar Schläge) auf den
H. geben; sich auf seinen H. setzen (salopp verstärkend;
sich hinsetzen) [und lernen]; auf den H. fallen; jmdm./jmdn.
in den H. treten; jmdn. in den H. kneifen; mit dem H.
wackeln; R ich könnte/möchte mir/mich [vor Ärger. Wut]
in den H. beißen (salopp; ich bin sehr ärgerlich, wütend
über mich selbst): *sich mit etw. den H. wischen können
(derb; etw.. insbes. Papiere o.a.. besitzen, was sich als
völlig wertlos herausgestellt hat): mit diesen Aktien kannst
du dir den H. wischen; den H. betrügen (salopp scherzh.;
sich erbrechen): alles an den H. hängen (salopp; sein Geld
für Kleidung ausgeben): Jmdm. an den H. wollen (salopp;
jmdm. etw. Schlimmes antun, zid'ügen wollen, jmdn. zu etw.
Unangenehmem. Schlimmem heranziehen wollen): sich auf
den H. setzen (salopp; 1. fleißig lernen, arbeiten o.a.: du
mußt dich eben auf den H. setzen, wenn du die Prüfung
schallen willst. 2. aids Gesäß fallen. 3. völlig überrascht
sein): jmdm. in den H. kriechen (seltener:) jmdm. den H.
lecken (derb; sich gegenüber jmdm. in würdeloser Form
unterwürfig-schmeichlerisch zeigen): jmdm./jmdn. in den H.
treten (salopp; jtndn. grob, rücksichtslos behandeln, z. B.
um ihn an etw. zu erinnern, in Schwung zu bringen bzw.
zu etw. zu veranlassen): jmdn. in den H. beißen (salopp;
von hinten überfallen, heimtückisch, hinterhältig angreifen):
jmdm. mit dem [nackten] H. ins Gesicht springen (derb
verstärkend für: jmdm. ins Gesicht springen): Der
Deutsche leckt dir entweder die Stiefel, oder er springt dir
mit dem nackten H. ins Gesicht (Kirst, 08/15, 895); <Zus.:)
Hjnternbetrüxer. der (salopp scherzh.): svw. t
Arschbetrüger.
hinterrücks: t *hinter-. Hinter-.
hinters I'hintBs] <Präp. hinter + Art. das) (in festen
Verbindungen o.a.; sonst ugs.): hinter das.
hinterst... ['hintust...]: thinter...; 'Hinterste ['hmtustdl. das;
-n: thinter...; hinterste [-]. der u. die; -n. -n <Dekl. tAb-
geordnete): f hinter...; 3Hinterste [-]. der; -n. -n <Dekl.t
Abgeordnete) (ugs.. seltener): Gesäß.
hjntenvärts: f -hinter-. Hinter-.
hintnadi [hint'na.x, auch: '--] <Adv.) (österr. ugs.): hinten-
nach, hinterher (2).
hintüber[hint'!y:bn] <Adv.>: t hintenüber: hintüber-: T
hintenüber-.
hinüber [hf ny:bs] <Adv.) [spätmhd. hinüber]: I. / von dieser
Seite. Stelle! [über jmdn.. etw.j nach [dort! drüben: h.
mit euch!; h. zur anderen, auf die andere Seite!; sich nach
rechts h. erstrecken; h. und herüber; der Lärm schallte
bis h. [ans andere, zum anderen Ufer]; Ü ein Problem,
das [bis] h. in die Philosophie reicht. 2. vgl. hinübersein.
hinüber- (vgl. herüber-, rüber-): -befördern <sw. V.; hat):
nach drüben befördern: -begeben, sich <st. V.; hat): sich
nach drüben begeben: sich [zu jmdm., in ein anderes
Zimmer] h.; -bemühen <sw. V.; hat): 1. nach drüben bemühen:
darf ich Sie [in den Saal] h.? 2. <h. + sich) sich nach
drüben bemühen; -beugen <sw. V.; hat): über jmdn.. etw.
nach drüben beugen: sich [zu, nach jmdm.] h.; sich, den
Oberkörper über die Brüstung h.; -bitten <st. V.; hat):
bitten, mit/ hinüberzukommen; -blicken <sw. V.; hat):
nach drüben blicken: zu, nach jmdm. h.; -bringen <unr.
V.; hat): [über etw. hinüber] nach drüben bringen: jmdn.
[über die Straße, zum anderen Ufer] h.; -dämmern <sw.
V.; ist): 1. im Dämmerzustand langsam einschlafen: er
dämmerte in einen Traum hinüber (Hausmann, Abel 74). 2.
(geh.) im Dämmerzustandlangsam sterben: still h.; -dringen
<st. V.; ist): tiach drüben dringen; -dürfen <unr. V.; hat)
(ugs.): I. hinübergehen, -kommen, -fahren usw. dürfen. 2.
hinübergebracht, -gesetzt, -gestellt usw. werden dürfen: darf
der Koffer hinüber [ins andere Zimmer]?: -eilen <sw. V.:
ist): nach drüben eilen; -fahren <st. V.): 1. nach drüben
fahren <ist>: [über die Grenze] nach Frankreich h. 2. /über
etw. hinüber! ttach drüben fahren <hat>: den Wagen [auf
die andere Seite] h.; -fliegen <st. V.>: I. nach drüben fliegen
(1. 2, 4. 11) <ist>. 2. nach drüben fliegen (7). mit einem
Luftfahrzeug befördern, transportieren <hat); -führen <sw.
V.; hat): 1. nach drüben führen (1 a): jmdn. über die Straße,
zur anderen Seite h.; jmdn. ins Nebenzimmer h. 2. nach
drüben führen, verlaufen: der Weg führt über den Berg,
die Brücke führt über den Fluß [zum/in den anderen
Stadtteil] hinüber. 3. nach drüben fiihren (7 c): unsere Reise
führte uns ins Bergische Land hinüber; -geben <st. V.;
hat): nach drüben geben; -gehen <unr. V.; ist): 1. nach
drüben gehen: über die Straße, auf die rechte Seite der
Straße h.; ins Nebenzimmer h.; sie ging zu ihm hinüber.
2. (geh. verhüll.) / ver/sterben; -gelangen <sw. V.; ist):
nach drüben gelangen; -geleiten <sw. V.; hat): nach drüben
geleiten; -gleiten <st. V.; ist): nach drüben gleiten: der
Wagen glitt nach rechts hinüber; Ü in den Schlaf h.;
-greifen <st.V.; hat): nach drüben greifen: über den Zaun h.;
Ü die Frage greift in die Philosophie hinüber; -«rußen
<sw. V.; hat): nach drüben grüßen: er grüßte zu ihr hinüber;
-gucken <sw.V.; hat) (ugs.): vgl. -blicken; ^hängen <st.
V.; hat): Ibis] ttach drüben lhängen: die Zweige der Weide
hängen über den Bach hinüber, in den Nachbargarten
hinüber; 2-hängen <sw. V.; hat): nach drüben hängen: das
Bild an die andere Wand h.; -heben <st. V.; hat): nach
drüben heben; -helfen <st. V.; hat): nach drüben helfen:
jmdm. [über ein Hindernis, auf die andere Seite] h.; Ü
jmdm. über Schwierigkeiten h. (hinweghelfen; helfen, sie
zu überwinden); jmdm. [ins Jenseits] h. (bes. iron.; 1. jmdm.
zu einem leichten Tod verhelfen. 2. jmdn. töten): -holen
<sw. V.; hat): nach drüben holen: -klettern <sw. V.; ist):
nach drüben klettern: [über den Zaun] in den
Nachbargarten h.; -kommen <st. V.; ist): I. nach drüben kommen.
2. (ugs.) jmdn.. der nicht weit entfernt wohnt, besuchen:
wir kommen morgen nachmittag zu euch hinüber; -können
<unr. V.; hat): vgl. -dürfen; -kriechen <st. V.; ist): nach
drüben kriechen; -langen <sw. V.; hat) (ugs.; landsch.):
vgl. -reichen; -lassen <st. V.; hat): hinübergehen, -fahren
usw. lassen; -laufen <st. V.; ist): nach drüben laufen;
-lehnen, sich <sw. V.; hat): sich über etw. lehnen: sich [über
das Geländer] h.; -lenken <sw. V.; hat): nach drüben lenken;
-locken <sw. V.; hat): nach drüben locken; -lotsen <sw.
V.; hat) (ugs.): tiach drüben lotsen; -müssen <unr. V.;
hat) (ugs.): vgl. -dürfen; -nehmen <st. V.; hat): nach drüben
/mit/nehmen; -reichen <sw. V.; hat): I. nach drüben
reichen: er reichte ihr die Zeitung, die Soße hinüber. 2.a)
sich I bis] nach drüben erstrecken, /bis I nach drüben reichen:
das Anbaugebiet reicht bis nach Franken hinüber; Ü der
Fragenkreis reicht in die Biologie hinüber; b) lang genug
sein u. deshalb bis nach drüben reichen: die Schnur reicht
bis auf die andere Seite hinüber; -reiten <st. V.; ist):
nach drüben reiten; -rennen <unr. V.; ist): nach drüben
rennen; -retten <sw. V.; hat): I. nach drüben retten, in
Sicherheit bringen: seine Habe [ins Ausland] h.; <oft h.
+ sich:) er konnte sich [über die Grenze] h. 2.a) vor
dem Untergang bewahren u. in eine Zeit, in einen Bereich
übernehmen: altes Kulturgut in die Gegenwart h.; b) <h.
+ sich) sich durch glückliche Umstände erhalten, bewahren
u. in einen Bereich übernommen werden, in einer amleren
Zeit weiterbestehen: ein alter Brauch, der sich in die
Gegenwart hinübergerettet hat; -rücken <sw. V.): I. nach drüben
rücken <hat): den Schrank weiter nach rechts h. 2. durch
Rücken seinen Platz nach drüben verlegen (ist): mit seinem
Stuhl h. 3. nach drüben rücken, ziehen Ost): die Truppen
sind [über die Grenze] hinübergerückt; -rufen <st. V.;
hat): nach drüben rufen; -schaffen <sw. V.; hat): nach
drüben schaffen; -schallen <sw. u. st. V.; ist/hat): nach
drüben schallen; -schauen <sw. V.; hat): 1. (landsch.) nach
1253
hin und her
drüben schauen: zum. nach dem anderen Ufer h.; nach
rechts h. 2. (ugs.) hinübergehen, -fahren u. sich um jmdn..
etw. kümmern: sie wollte rasch zu ihrer Nachbarin h.;
-schicken <sw. V.; hat): nach drüben schicken: -schieben
<st. V.; hat): nach drüben schieben: den Schrank h.; jmdm.
einen Zettel h. (zuschieben): -schielen <sw. V.; hat): mich
drüben schielen: Dauernd schielte sie zu Eckholt hinüber
(Kempowski. Tadelloser 145); -schießen <st. V.): I. nach
drüben schießen <hat). 2. sich äußerst heftig u. schnell nach
drüben bewegen <ist>: der Wagen schoß nach rechts
hinüber; -schlafen (st. V.; ist): svw. t ^schlummern; -schleichen
<st. V.; ist): 1. nach drüben schleichen: ins Nebenzimmer
h. 2. <h. + sich) sich nach drüben schleichen <hat): er
wollte sich nachts zu ihr h.; -schlendern <sw. V.; ist):
nach drüben schlendern; -schleppen <sw. V.; hat): 1. nach
drüben schleppen. 2. <h. + sich) sich schleppend nach drüben
bewegen; -schleudern <sw. V.): 1. nach drüben schleudern
<hat>. 2. mit heftigem Schwung aus der Spur rutschen u.
sich nach drüben bewegen <ist>: So schleuderte der
Zweisitzer beim Bremsen zur Mitte der Straße hinüber (Remarque.
Triomphe 14); -schlummern <sw. V.; ist) (geh. verhüll.):
sanft, ohne Schmerzen od. Todeskampf, gleichsam im
Schlafe sterben; -schwingen, sich <st. V.;: 1. sich [über etw.
hinüber] nach drüben schwingen (hat): sich elegant [über
das Geländer] h. 2. nach drüben schwingen <ist): die
Schaukel schwang (über den Zaun] hinüber; -sehen <st. V.;
hat): vgl. ^blicken; ^sein <unr. V.; ist; nur im Inf. u.
Part, zusammengeschrieben) (ugs.): l.a) gestorben, tot
sein: der Hund ist hinüber!; ein Schlag, und du bist
hinüber!; b) zugrunde gerichtet sein: die Firma, dieser Politiker
ist endgültig h.; c) durch starke Beschädigung od. Abnutzung
nicht mehr brauchbar sein: die Vase, die Tasche ist hinüber;
d) verdorben sein: die Wurst ist hinüber; e) eingeschlafen
sein od. das Bewußtsein verloren haben; f) schwer betrunken
sein: nach dem zehnten Glas war er völlig hinüber; g)
von Leidenschaft, Begeisterung ergriffen sein. 2.
hinübergegangen, -gefahren usw. sein: sie ist gerade hinüber [zu
ihm]; -setzen <sw. V.): 1. nach drüben setzen <hat): den
Kasten an die andere Wand, ins Nebenzimmer h.; <auch:
h. + sich) sie setzte sich zu ihm hinüber. 2. nach drüben
setzen; hinüberspringen (ist): über das Hindernis, den Zaun
h.; -sollen (unr. V.; hat): vgl. ^dürfen; -spielen (sw. V.;
hat): 1. (Sport) nach drüben spielen: den Ball [zu jmdm.].
nach rechts h. 2. in etw. übergehen: das Kleid, das Blau
spielt ins Grünliche hinüber; Im Schein- und Halbleben
der flüssigen Kristalle spiele augenfällig das eine
Naturreich ins andre hinüber (Th. Mann. Krull 316);
-springen (st. V.; ist): I. nach drüben springen: über den Graben
[auf die andere Seitel h. 2. (ugs.) schnell, eilig nach drüben
laufen: zum Bäcker h.; -starren (sw. V.; hat): nach drüben
starren; -steigen (st. V.; ist): I. nach drüben steigen. 2.
(derb) mit einer Frau Geschlechtsverkehr haben: ich möchte
nicht wissen, wie viele über die schon hinübergestiegen
sind: -stellen (sw. V.; hat): nach drüben stellen: --tönen
(sw. V.; hat): vgl. ^schallen; -tragen (st. V.; hat): nach
drüben tragen: einen Verletzten [auf die andere
Straßenseite] h.; Ü der Schwung trug ihn über den Bach hinüber;
-transportieren (sw. V.; hat): nach drüben transportieren;
-treiben (st. V.): I. nach drüben treiben (hat). 2.a) treibetid
nach drüben bewegen (hat): der Wind trieb die Gaswolke
über den Fluß [zum/ans andere Ufer] hinüber; b) nach
drüben treiben, getrieben werden (ist): der Kahn ist über
den See [zum/ans andere Ufer] hinübergetrieben; ^tun
(unr. V.; hat) (ugs.): nach drüben tun; -wagen, sich (sw.
V.; hat): sich nach drüben wagen; -wandern (sw. V.; ist):
nach drüben wamiern; -wechseln (sw. V.; ist, (auch:) hat):
a) / über etw. hinüber] nach drüben wechseln: auf die andere
Straßenseite h.; Ich zog den Schieber hoch, damit das
Tier in den Käfig h. könne (H. Grzimek, Tiere 54); Ü
in einen anderen Beruf h.; zu einer anderen Partei h.:
zu einem anderen Thema h.; b) (Jägerspr.) naeßt drüben
(in ein anderes Revier) wechseln: ^werfen (st. V.; hat):
nach drüben werfen: einen Stein h.; Ü er warfeinen Blick
zu ihr hinüber; -wollen (unr. V.; hat) (ugs.): vgl. ^dürfen;
-zeigen (sw. V.; hat): nach drüben zeigen; -ziehen (unr.
V.): 1. (hat) nach drüben ziehen, ziehend nach drüben
bewegen, bringen, befördern: er packte ihn am Ärmel und
zog ihn zu sich hinüber. 2. (ist) a) nach drüben [um]ziehen:
in die Nachbarwohnung h.; b) nach drüben ziehen, wandern,
fahren, sich bewegen: die Truppen zogen über den Fluß
hinüber; c) nach drüben ziehen, dringen: der Rauch zog
über den Fluß, zur Siedlung hinüber. 3. (h. + sich; hat)
a) sich bis drüben, mich drüben hinziehen, erstrecken; nach
drüben verlaufen: die Wiese zieht sich nach Westen, bis
zum Waldrand hinüber; b) sich nach drüben hinziehen,
sich albnählich nach drüben ausdehnen, verlagern: der
Schmerz zog sich in die rechte Schulter hinüber.
hjn und her: t hin (IV. 1).
h|n- und her-, Hjn- und Her- (hin- u. zurück-. Hin- u. [Zu]-
rück-; vgl. hin u. her. thin IV. 1 a): -bewegen (sw. V.;
hat): hin- u. zurückbewegen, dazu: -bewegung, die; -eilen
(sw. V.; ist): hin- u. zurückeilen; -fahren (st. V.): 1. hin-
und zurückfahren (ist): zwischen Wohnung und
Arbeitsplatz hin- und herfahren. 2. jmdn.. etw. hin- u. zurückfaliren
(hat); -fahrt, die; -fliegen (st. V.): I. hin- u. zurückfliegen
(ist). 2. jmdn.. etw. hin- u. zurückfliegen (hat); -gehen
(unr. V.; ist): hin- u. zurückgehen; -pendeln (sw. V.; ist):
hin- u. zurückpendeln: Busse, die zwischen den beiden
Stationen hin- und herpendeln; -retse, die; -reisen (sw. V.;
ist): hin- u. zurückreisen; ^weg, der.
Hinundher- (in planlos wechselnden Rieh tutigen u./od. mit
dauernd wechselnden Zielen; vgl. hin und her, thin IV.
1 b): -fahren, das; -s; -gerede. das (meist abwertend):
Gerede in Form planlos wechselnder Meinungs- bzw.
Gesprächsäußerungen; -gezerre. das; -schwanken, das; -s.
Hjn- und Rtyck-: -fahrt, die; -flug. der; -reise, die; -weg,
der.
hinunter Ihrnonte] (Adv.) [zu Thin u. t unter] (Ggs.: hinauf,
herauf): l.a) /von hier oben] nach dort] unten: h. ins
Tal; den Fluß h. [bis zur Mündung]; die Straße h. (die
Straße entlang) begegnete ihnen niemand; h. mit dem
Lebertran! (ugs.; schluck/1] ihn hinunter!)', h. nach Bayern,
an den Bodensee fahren (ugs.; nach Süden; orientiert an
der aufgehängten Landkarte); (als Verstärkung u.
Differenzierung von Präpositionen:) am Hang h.; zur Talstation
h. sind es drei Stunden; jmdn. bis h. begleiten; b) (im
Grad. Rang, auf einer Stufenleiter) / bis] nach unten
[absteigend/: vom General bis h. zum einfachen Soldaten; die
Bevölkerung bis zum kleinsten Sparer h. (Niekisch. Leben
73). 2. (als abgetrennter Teil von Adverbien wie „wohinun-
ter, dahinunter" (bes. ugs.): wo willst du h.?
hinunter- (vgl. auch: herunter-, runter-, hinab-, herab-):
-befördern (sw. V.; hat): nach [dort] unten befördern;
^begeben, sich (st. V.; hat): sich nach [dort] unten begeben:
sich die Treppe h.; sich zur ersten Etage, zur Direktion,
auf die Straße h.; -begleiten (sw. V.; hat): nach /dort]
unten begleiten: Jmdn. die Treppe, zur Haustür h.;
-bemühen (sw. V.; hat): 1. nach [dort] unten bemühen. 2. (h.
+ sich) sich nach [dort] unten bemühen, begeben; -beugen
(sw. V.; hat): nach [dort] unten beugen: sich zu jmdm.
h.; -bewegen (sw. V.; hat): 1. nach [ dort] unten bewegen.
2. (h. + sich) sich nach [dort] unten bewegen, begeben:
er bewegte sich ächzend die Treppe hinunter; -bitten (st.
V.; hat): bitten, hinunterzukommen, -zugehen: jmdn. zu
sich h. lassen; -blicken (sw. V.; hat): 1. nach [dort] unten
blicken: in die Schlucht h.; er blickte an sich hinunter.
2. heruntersehen (3): Die gebildeten Römer blickten
verachtungsvoll auf die Christen hinunter (Niekisch. Leben 149);
-bringen (unr. V.; hat): l.a) nach [dort] unten bringen,
schaffen: die Koffer in die Hotelhalle h.; b) mich [dort]
unten bringen, begleiten: den Besuch h. 2. (ugs.) es
fertigbringen, etw. hinunterzuschlucken, zu essen od. zu trinken:
Er brachte weder Brot noch Wein hinunter (Hesse. Narziß
310); -drücken (sw. V.; hat): nach [dort/ unten drücken:
jmdn., etw. h.; -dürfen (unr. V.; hat) (ugs.): 1.
hinuntergehen, -kommen, -fahren usw. dürfen. 2. hinuntergebracht,
•gesetzt, -gestellt usw. werden dürfen; ^eilen (sw. V.; ist):
nach [dort] unten stürzen, nach [dort] unten eilen: die
Treppe h.; zum Eingang h.; -fahren (st. V.): 1. nach [dort]
unten fahren, sich dorthin in Bewegung setzen (ist): den
Fluß h.; zur Talstation h.; Ü nach Bayern, nach Sizilien
h. (ugs.; in Richtung Süden nach Bayern, nach Sizilien
fahren). 2. nach [dort] unten fahren (hat): den Wagen
[in die Tiefgarage] h.; -fallen (st. V.; ist): nach [dort/
unten fallen: paß auf. daß du nicht hinunterfällst!; die
Treppe h.; -finden (st. V.; hat): den Weg nach unten finden;
-fliegen (st. V.; ist): 1. nach /dortj unten fliegen (1. 2a,
4). 2. nach [dort] unten geschleudert, geworfen werden:
Steine flogen aus den Fenstern hinunter. 3. (ugs.) vgl.
-fallen: er stolperte und fiel [die Treppe] hinunter; -fließen
1254
hinweg-
<st. V.; ist): nach [dortj unten flie/Jen; -fuhren <sw. V.;
hat): nach [dort] unten führen (1.6, 7); -gehen <unr.
V.; ist): 1. nach [dort] unten sehen: die Treppe h.; zum
Eingang, in den Keller h. 2. sich hinunterbewegen,
heruntergehen (3 b): auf 100 Meter Flughöhe h.; h. und landen.
3. nach dort! unten führen, verlaufen: sich nach /dort/
unten erstrecken: die Straße geht [bis] zum Ufer hinunter;
-gelangen (sw. V.; ist): tiach / dort] unten gelangen:
^geleiten <sw. V.; hat): nach [dort] unten geleiten: -gießen <st.
V.; hat): 1. nach [dort] unten gießen. 2. hastig, in wenigen
Zügen /aus/trinken: einen Schnaps h.; -gleiten <st. V.;
ist): nach [dortj unten gleiten: ihr Mantel glitt hinunter;
das Segelflugzeug gleitet hinunter; -helfen <st. V.; hat):
nach [dort] unten helfen: jmdm. [von einem Pferd] h.;
jmdm. die Treppe h.; -jagen <sw. V.): 1. <hat) a) nach
/dort/ unten jagen: den Hund h.; b) heftig nach [dort]
unten bewegen, treiben: der Anblick jagte ihm kalte Schauer
den Rücken hinunter; c) vgl. -werfen. 2. nach [dort] unten
jagen, eilen <ist>: der Reiter jagte die Straße hinunter;
-kippen <sw. V.): I. <hat> a) nach [dortj unten kippen:
Müll [in die Grube] h.; b) (ugs.) hastig, mit einem Zug
triftken: einen Schnaps h. 2. (ugs.) nach [dortj unten kippen
<ist>; -klettern <sw.V.; ist): nach [dort] unten klettern:
-kommen (st. V.; ist): nach [dortj unten kommen; -können
<unr. V.; hat): vgl. -dürfen; -kriechen <st. V.; ist): nach
[dortj unten kriechen; -kurbeln <sw. V.; hat): vgl.
herunterkurbeln: der Fahrer kurbelte das Fenster hinunter; -langen
<sw. V.; hat) (ugs.; landsch.): vgl. -reichen; -lassen <st.
V.; hat): hinuntergehen, -kommen, -fahren usw. lassen:
sie ließen ihn in einem Korb [in die Grube] h.; -laufen
<st. V.; ist): 1. nach [dortj unten laufen, sich fortbewegen.
2. nach dort] unten fließen, rinnen: der Schweiß lief ihm
am Körper hinunter. 3. nach unten laufen, sich rasch nach
unten ausbreiten: ein Schauder lief ihm den Rücken
hinunter; <unpers.:> es lief ihm eiskalt den Rücken hinunter;
-legen (sw. V.; hat): nach [dortj unten legen; -lenken
<sw. V.; hat): tiach [dortj unten letiken; -müssen <unr.
V.; hat) (ugs.): vgl. -dürfen; -nehmen <st. V.; hat): nach
[dort] unten nehmen; -purzeln <sw. V.; ist) (ugs.): tiach
[dortj unten purzeln; -rasen <sw. V.; ist): nach [dortj
unten rasen; -reichen <sw. V.; hat): I. tiach [dortj unten
reichen: die Kartons h. 2.a) sich bis hinunter erstrecken,
bis nach [ dort] unten reichen: bis zum. bis auf den Boden
h.; b) lang genug sein u. desfialb bis nach [dortj unten
reichen. 3. hinunter bis zu einer bestimmten Stufe reichen:
bis zum niedrigsten Dienstgrad h.; -reißen <st. V.; hat):
nach [dortj unten reißen: jmdn. mit [in den Abgrund]
h.; -reiten <st. V.; ist): nach dort/ unten reiten: -rennen
<unr. V.; ist): tiach [dortj unten rennen; -rieseln <sw.
V.; ist): 1. tiach [dortj unten rieseln. 2. vgl. -laufen (2);
-rinnen <st. V.; ist): 1. nach [dortj unten ritmen. 2. vgl.
-laufen (2); -rollen <sw. V.): 1. nach [dortj unten rollen
<ist): der Stein rollte den Hang hinunter. 2. jmdn.. etw.
tiach [dort] unten rollend bewegen <hat): Fässer h.; -rufen
<st. V.; hat): nach [dort] unten [zujrufen; -rutschen <sw.
V.; ist): nach [dort] unten rutschen; -sausen <sw. V.; ist):
tiach dort unten sausen, sich sausend hinunterbewegen: sein
Schlitten sauste den Berg hinunter; -schaffen <sw. V.;
hat): nach [dortj unten schaffen : das Gepäck zum Wagen
h.; -schalten <sw. V.; hat) (Jargon): (bei Motorfahrzeugen)
in einen niedrigeren Gang schalten; -schauen <sw. V,; hat):
1. (landsch.) vgl. -blicken (1). 2. (geh.) heruntersehen (3);
-schicken <sw. V.; hat): nach [dort 1 unten schicken;
-schieben <st. V.; hat): nach [dort] unten schieben; -schießen
<st. V.): 1. nach [dortj unten schießen <hat>: vom Dach
des Hauses in den Garten h. 2. <ist> a) sich äußerst heftig
u. schnell hinunterbewegen: der Wagen schoß die Böschung
hinunter; b) (ugs.) mit großer Heftigkeit u. Eile
hinunterlaufen: er schoß blindlings die Treppe hinunter; -schleichen
<st. V.): 1.9iach [dortj unten schleichen Ost): zum Eingang
h. 2. <h. -f sich) sich nach [dortj unten schleichen <hat):
die Einbrecher hatten sich in den Keller
hinuntergeschlichen; -schleppen <sw.V.; hat): 1. nach [dort] unten
schleppen. 2. <h. + sich) sich nach [dort] unten schleppend
bewegen; -schlingen <st. V.; hat): gierig od. hastig essen,
verschlingen: sein Essen h.; -schlucken <sw. V.; hat): 1.
etw. in den Mund Aufgenommenes [ver]schlucken: einen
Bissen kauen und h.; die Tabletten h. 2. (ugs.) a) (Kritik.
Vorwürfe o. ä) widerspruchslos hinnehmen u. eine
Gefühlsäußerung unterdrücken: Beleidigungen h.; b) eine heftige Ge-
fülilsäujierung unterdrücken: die Tränen, einen Fluch,
seinen Ärger h.; -schmeißen <st. V.) (salopp): vgl. -werfen;
-schütten <sw. V.; hat): 1. tiach [dort] unten schütten.
2. hastig, in wenigen Zügen trinken: zwei Gläser Bier h.;
-schwingen <st. V.): 1. <h. + sich) sich tiach [dort] unten
schwingen <hat>. 2. (Ski) in Schwüngen abwärts fahren <ist):
am Hang h.; -sehen <st. V.; hat): vgl. -blicken; -sein
<unr. V.; Zusschr. nur im Inf. u. 1. Part.) (ugs.): hinunter-
gegatigen. gefahren sein; -sollen <unr. V.; hat): vgl.
-dürfen; -springen <st. V.; ist): 1. nach [dort/ unten springen.
2. (ugs.) hinuntereilen; schnell, eilig hinunterlaufen: zum
Bäcker h.; die Treppe h.; -spülen <sw. V.): 1. nach [dortj
unten spülen, schwemmen <hat>: etw. den Ausguß h. 2.
<hat) (ugs.) vgl. -gießen (2). 3. (ugs.) mit Hilfe eines
Getränks hinunterschlucken <hat>: die Tablette mit Kaffee
h.; Ü seinen Ärger, seinen Kummer mit einem Schnaps
h.; -steigen <st. V.; ist): nach [dort] unten steigen; -stolpern
<sw. V.; ist): sich stolpernd hinunterbewegen: die Treppe
h.; -stoßen <st. V.): 1. nach [dortj unten stoßen <hat):
jmdn. die Treppe h. 2. (von Raubvögeln) sich plötzlich
in Richtung auf etw. unten Befindliches stürzen <ist>: der
Habicht sichtet das Rebhuhn und stößt blitzschnell
hinunter; -stürzen <sw. V.): l.a) tiach [dortj unten stürzen,
fallen; hinunter fallen (ist): stolpern und die Treppe h.;
in den Abgrund h.; b) <h. + sich) sich tiach [dort] unten
stürzen (hat): sich von der Aussichtsplattform h. 2. (ugs.)
nach [dort] unten stürzen, eilen, rennen (ist): die Treppe
h.; zum Eingang h. 3. (hat) a) nach [dort] unten stürzen,
stoßen, fallen machen: Jmdn. [in den Abgrund] h.; b) vgl.
-gießen (2), -schütten (2); -tauchen (sw. V.): I. nach
dort] unten tauchen (ist): auf den Grund, in die Tiefe
h. 2. tiach [dort] unten tauchen, tauchend hinuntersenken
(hat); -tragen (st. V.; hat): nach [dortj unten tragen:
[jmdm.] das Gepäck zum Eingang, zum Wagen, auf die
Straße h.; -transformieren (sw. V.; hat) (Elektrot.): durch
Transformieren auf eine niedrigere Spannung bringen;
—treiben (st. V.): 1. nach [dort] unten treiben; treibend
hinunterbringen (hat): die Herde [von der Alm ins Tal] h. 2. nach
[dort] unten treiben, getrieben werden (ist): den Fluß h.;
-trinken (st.V.; hat) (ugs.): vgl. -gießen (2); -wagen,
sich (sw. V.; hat): sich tiach [dortj unten wagen; -werfen
(st. V.; hat): nach [dort] unten werfen: er warf ihm den
Schlüssel hinunter; Ü einen Blick h. (einen Blick nach
[dortj unten [auf. in etw.] werfen, richten); -wollen (unr.
V.; hat) (ugs.): vgl. -dürfen; -würgen (sw. V.; hat): etw..
meist Festes, mit Mühe schlucken, essen: das trockene Brot,
eine Medizin h.; -zeigen (sw. V.; hat): nach [dort] unten
zeigen; -ziehen (unr. V.): 1. nach [dortj unten ziehen;
ziehend hinunterbewegen, -bringen, -befördern (hat): „es
ist wie ein Gewicht, das auf das Schiffdrückt und
hinunterzieht" (Schneider. Erdbeben 38). 2. (ist) a) tiach unten,
in ein niedrigeres Stockwerk [um]ziehen: ins Tal. in das
Parterre h.; b) nach [dort] unten ziehen, sich stetig
fortbewegen: die Bewohner zogen zum Fluß hinunter. 3. (h.
-f sich) sich bis [dort] unten hinziehen, erstrecken, nach
dort] unten verlaufen (hat): die Wiese zieht sich bis zum
See hinunter.
hinwärts: thin-; hinweg [hin'vek] (Adv.) [mhd.hinwec]: 1.
(geh.) weg. fort [von hier]: h. [mit dir]!; h. mit Unfreiheit
und Unterdrückung!; die Reihe der Vertriebenen, die ...
von ihrem häuslichen Herd h. in die Heimatlosigkeit
hinausgestoßen werden (Nigg. Wiederkehr 9); (als
Verstärkung der Präp. ..über":) über ... h. (1. über ... hinüber
[u. weiter j: jmdn.. etw. über die Zeitung h. beobachten;
Ü über alle Hindernisse h. zueinanderfinden. 2. über, für
eine bestimmte Zeit: Wenn man jemanden über lange Zeit
h. gekannt hat [Wohngruppe 68]; Planung über lange
Zeiträume h.).
hinweg-: -begeben, sich (sw. V.; hat) (geh.): sich wegbege-
ben; -blicken (sw. V.; hat): 1. vgl. -sehen (1). 2. (geh.) vgl.
-sehen (3); -brausen (sw. V.; ist): sich brausend,
geräuschvoll hinwegbewegen: der Wind braust über die Baumwipfel
hinweg; Ü über dieses Land ist der Krieg hinweggebraust;
-bewegen, sich (sw. V.; hat): sich über jmdn.. etw.
hinüberbewegen u. ihn. es hinter sich lassen; -bringen (unr. V.;
hat): bewirken, daß jmd. od. etw. über etw. hinwegkommt
(2a): jmdn. über Schwierigkeiten h.; -denken (unr. V.;
hat) (geh.): wegdenken; -eilen (sw. V.; ist) (geh.): wegeilen;
-fegen (sw. V.; ist): 1. sich fegend, geräuschvoll
hinwegbewegen: das Flugzeug ist über ihre Köpfe hinweggefegt.
1255
hinwieder
2. (geh.) mit Macht, Heftigkeit, Schwung entfernen: die
Revolution fegte die Regierung hinweg; -gehen <unr. V.;
ist): 1. (etw. in den Situation*- od. Gedankenzusauimetüiatig
Gehörendes) [ausdrücklich] unbeachtet, unbewertet lassen
u. weitergehen, in seinem Reden u. Tun fortfahren: über
einen Einwand [mit ein paar Worten) h.; sie ging über
seine Anspielung lächelnd, taktvoll h. 2. sich hinüber über
jmdn., über etw. bewegen u. ihn, es hinter sich lassen: die
Woge ging über das Boot hinweg; ein Sturm, ein Unwetter
ist über das Land hinweggegangen (darüber hingegangen);
Ü da sind zwei Weltkriege über Europa hinweggegangen
(Dönhoff. Ära 127); -heben, sich <st. V.; hat; üblich in
der Befehlsform) (veraltet): weggehen, sich entfernen: hebe
dich hinweg. Satan!; -helfen <st. V.; hat): helfen, hinweg,
hinüber über etw. zu gelangen: jmdm. über ein Hindernis
h.; Ü er half ihr über die schwierige Situation, über manche
Klippe hinweg; das Ersparte sollte ihm über Notzeiten
h.; -hören <sw. V.; hat): Geäußertes beim Hören utibeachtet
lassen u. in seinem Hören, Reden u. Tun fortfahren: über
einen Einwurf h.; -kommen <st. V.; ist): a) überstehen:
über Notzeiten h;... und nachdem sie über die Begrüßung
einigermaßen hinweggekommen waren ... (Ott. Haie 197);
b) überwinden, verwinden: er ist über den Verlust nicht
hinweggekommen; c) es fertigbringen, sich über etw.
hinwegzusetzen: Und hier sind wir beim Hauptargument.... über
das meines Erachtens kein wahrhaft rechtlich Denkender
hinwegkommt (Mostar. Unschuldig 18); -können <unr.
V.; hat) (ugs.): svw. T -kommen (1 a. 2 b); -lesen <st. V.;
hat): etw. aus dem Zusammenhang des Gelesenen beim
Lesen unbeachtet lassen u. weiterlesen: über etw. h.;
-mogeln, sich <sw. V.; hat) (ugs.): durch Mogeln hinwegkommen
(1 a. 2b); -raffen <sw. V.; hat) (geh.): svw. fdahinraffen;
-rausdien <sw. V.; ist): vgl. ^brausen, ^ fegen; -reden
<sw. V.; hat): 1. ( Wichtiges) beim Reden unbeachtet lassen,
beiseite lassen; vorbeireden: über die Tatsachen h. 2. (geh.)
durch Reden auslöschen, ungeschehen tnachen: die
Talsachen lassen sich nicht h.: -retten <sw. V.; hat): über eine
Gefäfirdung o. ä. hinweg erlmlten, bewahren: Während die
Bestände an Grafik ... durch rechtzeitige Auslagerung über
die Kriegswirren hinweggerettet werden konnten (Welt.
19. 7. 65. 10); -schauen <sw. V.; hat) (landsch.): vgl.
^sehen; -schreiten <st.V.; ist) (geh.): sich
schreitend hinwegbewegen: Ü Über Bitternis und Verzweiflung
ist das Leben längst hinweggeschritten (Fallada. Herr
256); -sehen <st. V.; hat): 1. über jmdn., etw. sehen, seinen
Blick gehen lassen: überdie Köpfe der Zuschauer h. können.
2. so tun, als sehe man jmdn., etw. nicht: beim Empfang
sah der Autor über den Kritiker hinweg. 3. etw. in den
Situations- od. Gedankenzusammenhang Gehörendes
[ausdrücklich/ unbeachtet u. unbewertet lassen: über kleinere
Mängel großzügig, lächelnd, taktvoll h.; Umsonst hatte
der höchste Richter über die Beleidigung des Anwalts
gnädig hinweggesehen (Fallada, Jeder 373); man kann
nicht darüber hinwegsehen, daß...; -sein<unr. V.; Zusschr.
nur im Inf. u. 1. Part.) (ugs.): hinweggekommen sein (1 a.
b; 2 a); -setzen <sw. V.): 1. über etw. setzen, springen
<hat/ist): das Pferd setzte über die Hürde hinweg. 2. <h.
+ sich) etw., was Beachtung, Berücksichtigung verlangt
od. nahelegt, hewuJJt unbeachtet lassen <hat): sich über
Bedenken. Vorurteile. Vorschriften. Konventionen.
Abmachungen h.; sich über das Gerede der Leute h.;
-täuschen <sw. V.; hat): jmdn. über einen Sachverhalt täuschen,
im unklaren lassen u. bewirken, da/J er ihn nicht zur Kenntnis
nimmt, daran vorbeigeht: jmdn. über die wirkliche Lage
h.; das konnte über sein sparsames Wissen nicht h. (Spoerl,
Maulkorb 58); sich [nichtl darüber h. lassen, daß ...;
-tragen <st. V.; hat) (geh.): wegtragen; -trösten <sw. V.; hat):
jmdn. über etw. trösten ; u. über die Zeit, die es dauert j,
hinwegbringen: Ich hatte wie ein Idiot gehandelt, darüber
tröstete auch die Tatsache nicht hinweg, daß ... (Martin.
Henker 112): Ich glaube, es gibt Mißstände, über die nur
die Lüge hinwegtröstet (Jahnn. Geschichten 177); sich über
etw. h.
hinwieder [hm'virdi?]. hinwiederum |hin'vi:cbrum; mhd. hin
wider(e). aus thin u. twider. wieder] <Adv.) (veraltend):
wiederum, hingegen: meine Frau h. hatte andere Gründe,
weswegen sie glaubte nicht schreiben zu können (Frisch.
Stiller 461).
Hinz [hint$] in den Verbindungen H. und Kunz (ugs.
abwertend; alle möglichen Leute, jedermann; schon mhd.. im
Hinblick auf die Häufigkeit der m. Vorn. Hinz [niederd.
Nebenf. von Heinz. Kurzf. von Heinrich] und Kunz [Kurzf.
von Konrad]): H. und Kunz war eingeladen; bald wußte
es H. und Kunz; mit H. und Kunz sprechen; von H.
zu Kunz (ugs. abwertend; zu allen möglichen Leuten,
überallhin): von H. zu Kunz laufen, um etw. zu bekommen.
hinzu [hm'tßu:] <Adv.; meist in trennbarer Zus. mit einem
Verb) [mhd. hin zu]: (noch) dazu: wir hofTen. daß es
noch ein paar Mark h. gibt; dazu noch das Doppelte
h. (als Zugabe), damit wäre er einverstanden.
hinzu-« Hinzu-: -addieren <sw. V.; hat): zu diesem addieren;
-bekommen <st. V.; hat): jzu diesem/ zusätzlich
bekommen, nochdazubekommen; Mienken <unr. V.; hat): in
Gedanken hifizufügen: den Garten mußt du dir [zu dem Haus]
h.; (scherzh.:) das Schnitzel muß man sich [zu dem Essen]
h.; -dichten <sw. V.; hat): I. dichtend hinzufügen: Verse
[zu einem Epos] h. 2. erdichtend hinzufügen: Umstände.
Einzelheiten [zu einem Sachverhalt] h.; -eilen <sw. V.;
ist) (geh.): hineilen, um dabeizusein, [mit] anwesend zu
sein; -erfinden <st. V.; hat): erfindend (2) hinzufügen: Im
Unterschied zu dir werde ich nichts aussparen. Nichts
h. (Wohmann, Absicht 369); -erwerben <st. V.; hat): [zu
diesem! noch zusätzlich erwerben (1. 2a); -finden, sich
<st. V.; hat) (selten): dazukommen; hinzukommend sich
einstellen; -fugen <sw. V.; hat): 1. als Zusatz, Ergänzung,
Erweiterung usw. zu etw. fügen, insbes. in etw. hineinbringen
od. -geben: der Suppe etwas Salz h. (/zusätzlich/
beimischen); dem Buch einen Anhang h. (zusätzlich beigeben);
dem Brief einen Zettel h. (beifügen): zu der Summe noch
drei Einheiten h. (addieren); der Dichter hat mit diesem
Werk dem Realismus eine weitere Nuance hinzugefugt.
2. zusätzlich, ergänzendäuliern: haben Sie [dem] noch etwas
hinzuzufügen?: der Äußerung meines Kollegen habe ich
nichts mehr hinzuzufügen; ich möchte [meinen, seinen
Äußerungen] noch h.. daß ...; ..Aber es gibt Ausnahmen",
fügte er hinzu, dazu: -fügung. die: 1. <PI. ungebr.) das
Hinzufügen (1.2): unter H. von. 2. a) (selten) Zusatz,
Beimischung (2); b) Zusatz, Ergänzung. Hinzugefügtes (insbes.
hinzugefügte Au/Jerung, hinzugefügte einzelne
Hervorbringung, Gestaltung): das ..r" in diesem Namen, die elfte
Strophe, der Anbau ist [einel spätere H.; -geben <st. V.;
hat): 1. dazugeben. 2. hineingeben, -mischen: Salz h.;
-gehören <sw. V.; hat): dazugehören; -gesellen, sich <sw. V.;
hat): sich dazugesellen; sich bald ümdm./zu jmdm.] h.;
ein Kreis, [zu] dem sich dann noch einige interessierte
Kollegen hinzugesellten; Zu den vielen erregenden
Momenten des Prozesses hat sich hinzugesellt, daß ... (Noack.
Prozesse 74); -gewinnen <st. V.: hat): / zu diesem/ zusätzlich
gewinnen, dazugewintwn: [zu etw.] weitere Vermögenswerte
h.; -kaufen <sw. V.; hat): zu diesem! zusätzlich kaufen:
etw. zu etw. h.; hinzugekaufte Teile; -kommen <st. V.;
ist): 1. / hin kommen u. dabeisein, anweseml sein, Zeuge
von etw. werden: er kam zufällig hinzu, als Diebe in den
Laden einbrachen. 2.a) [hin[kommen, um dabeizusein,
ebenfalls anwesend zu sein: dort warteten Hunderte, und
immer mehr Menschen kamen hinzu; b) sich anschließen,
hinzugesellen, auch noch beteiligen: eine Arbeitsgruppe,
zu der dann noch einige interessierte Kollegen hinzukamen.
3. als etw. Zusätzliches. Weiteres dazukommen; kommt
[zu Ihrer Bestellung] noch etwas hinzu?: zu der Grippe
kam noch eine Lungenentzündung hinzu; dieser Umstand
kommt [noch] erschwerend hinzu; zu diesen Umständen
kommt noch hinzu, daß ...; hinzu kommt [der Umstand],
daß...; -laufen <st. V.; ist) (geh.): hinlaufen, um dabeizusein,
[mitj anwesend zu sein; -legen <sw. V.; hat): zu jmdm.,
zu etw. [dazu/legen; -lernen <sw. V.; hat): dazulernen;
-nehmen <st. V.; hat): [zu diesem) zusätzlich nehmen u.
mit jmdm., en\\ Bestitwntem verbinden, vereinigen: zur
besseren Veranschaulichung sollte man noch Beispiele aus
anderen Bereichen h.; -rechnen <sw. V.; hat): dazurechnen,
dazu: -redinung, die <o. PI.): das Hinzurechnen: unter/mit
H. von etw. (etw. hinzugerechnet); -schreiben <st. V.;
hat): dazuschreiben; -setzen <sw. V.; hat): 1. dazusetzen:
sich [zu jmdm.] h. 2, hinzufügen (2); -stellen <sw. V.;
hat): vgl. -setzen (1); -stoßen <st. V.; ist): zu jmdm. stoßen,
[hin/gelangen u. sich anschließen: ein Neuer war [zu der
Gruppe] hinzugestoßen; -stürzen <sw. V.; ist): vgl. -eilen,
-springen; -treten <st. V.; ist): 1. hintreten, um dabeizusein,
[mit/ anwesend zu sein [ u. etw. zu tun/: zu den anderen
h. 2. svw. t hinzukommen: ... wenn keine Komplikationen
1256
him-, Hirn-
hinzutreten; -tun <unr. V.; hat) (ugs.): dazutun, hinzufügen
(I): etw. [zu etw.] h.; <subst.:> -tun, das: svw. f Dazutun;
-verdienen <sw. V.; hat): für sich dazuverdienen: ich habe
mir etwas hinzuverdient; Was ein Rentner h. darf, hängt
allein von der Art seiner Rente ab (Hörzu 40. 1974. 103);
-wählen <sw. V.; hat): zusätzlich wählen, durch Wahl
bestimmen: zu den fünf Ausschußmitgliedern wurden noch
zwei hinzugewählt; -wollen <unr. V.; hat) (ugs.):
hinzutreten, hinzukommen (2a) usw. wollen; -zahlen <sw. V.; hat):
/ zu diesem] zusätzlich zahlen: -zählen <sw. V.; hat): hinzu-,
dazurechnen: -ziehen <unr. V.; hat): zu Rate ziehen, in
einem anstehenden Fall um sachverständige Äußerung.
Behandlung od. klärende Bearbeitung bitten: in schwierigen
Fällen einen Sachverständigen, einen Facharzt h.; er wurde
zu der Besprechung nicht hinzugezogen, dazu: -ziehung.
die <o. PL): das Hinzuziehen.
Hiobs- [hi:DDs-; nach Hiob im A. T.. der Schweres zu
erdulden hatte, vgl. Hiob 1. 14-19]: -botschaft. die: Un-
glücksbotschidt* Schreckensnachricht; eine H. erhalten,
überbringen; Die Italien eingeräumten Kredite ... sind
nach den vielen -en (schlechten Nachrichten) der letzten
Zeit- die erste gute Nachricht (Zeit 27.3.64,7); -nachricht,
die (selten): svw. t-botschaft; -post, die (veraltend): svw.
T -botschaft: die H. verbreitete sich in Windeseile.
hipp-. Hipp-: thippo-. Hippo; Hipparch [hi'pan;]. der; -en.
-en [griech. hipparchosj: Befehlshaber der Reiterei im
antiken Griechenland; Hipparion [hi'pa:rpn]. das; -s. ...ien
[...ian; griech. hippärion = Pferdchen): ausgestorbene
Vorform des heutigen Pferdes: Urpferd.
'Hippe Chips], die; -. -n [mhd. (md.) heppe. ahd. heppa):
1. / Klapp jmesser mit geschwungener Klinge, das im Garten-
u. Weinbau verwendet wird. 2. (in allegorischen bildnerischen
Darstellungen) Sense als Attribut des Todes.
*Hippe [-1. die; -. -n [spätmhd. hipel (landsch.): rundes,
flaches od. in warmem Zustand über ein Nudelholz gerolltes
Plätzchen.
*Hippe [-], die; -. -n [md.. viel!. Kosef. zu: Haber =
Ziegenbock, vgl. Habergeiß]: 1. Ziege. 2. (abwertend) häßliche,
streitsüchtige Frau.
hipp, hipp, hurra! [hip'hipho'ra:] <Interj.) [zu engl. hip.
gebraucht zur Einleitung von Hochrufen u. Trinksprüchen.
(H. u.) u. t hurral ([Ruderlsport): Ruf. mit dem man jmdn..
etw. feiert, jmdn. hochleben läßt: sie riefen: ..Hipp. hipp,
hurra!"; Hipphipphurra [hiphiphora:]. das; -s. -s: Hochruf
beim [Ruderlsport: ein dreifaches, kräftiges H.
Hippiatrie[hipia'tri:].die; - [griech. hippiatr(e)ia]. Hippiatrik
[hi'pia.tnkj.die; - [zu griech. hipoiatrikös = die
Pferdeheilkunde betreffend]: Pferdeheilkunde.
Hippie [hipil. der; -s. -s [amerik. hippie, zu: hip = in
Ordnung, informiert, eingeweiht; unter dem Einfluß von
Drogen stehend]: junger Mensch, der seine Einstellung gegen
die bürgerliche, etablierte Gesellschaft, ihre Nonnen u.
Denkweise durch ein unbürgerliches Äußeres u. Auftreten
zum Ausdruck bringt u. für ein einfaches, naturnahes Leben
u. friedliches Zusammenleben eintritt; Blumenkind: ein
langhaariger, blumengeschmückter H.; Blumen und Frohsinn,
Frieden und Heiterkeit waren bislang die Kennzeichen
der-s (FAZ 5. 12. 69, 7); (Zus.:) Hjppie-Look, der:
unkonventionelle Form der Kleidung, die derjenigen der Hippies
ähnelt: er trägt H.
hippo-, Hippo-. (vor Vokalen:) hipp-. Hipp- [hip(o)-; griech.
hipposl (Best, in Zus. mit der Bed.): Pferd (z. B. hippolo-
gisch. Hippopotamus. Hippiatrik); Hippocampus
[...kampos]. der; -. ...pi [2: lat. hippocampus < griech.
hippökampos): 1. svw. tAmmonshom (1). 2. (Zool.) svw.
tSeepferdchen; Hippodrom [...'dro:ml. der od. das; -s. -e
[lat. hippodromos < griech. hippödromosl: 1. Pferde- u.
Wagenrennbalm im antiken Griechenland. 2. Reitbahn aid
Jahrmärkten o.a.; Hippogryph [...'gry:fl, der; -s u. -en,
-e[n) [frz. hippogrife < ital. ippogrifo. zu griech. hippos
= Pferd u. gryps. tGreif; erstmals gepr. von den ital.
Renaissancedichtern L. Ariosto (1474-1533) u. M. M.
Boiardo (um 1440-1494)]: geflügeltes Fabeltier mit
Pferdeleib u. Greifenkopf: (bei neueren Dichtern:) Pegasus; Hippo-
kamp[...kampl.der; -en. -en [t Hippocampus (2)1: Seepferd
der antiken Sage mit Fischschwanz; Hippokampus: T
Hippocampus (1).
Hippokratiker [hipo'kra.tikßl. der; -s. -: AnJiänger des
altgriechischen Arztes Hippokrates (um460-um 370) u. seiner
Schule: hippokratisch [hipo'kra:tiJl (Adj.; o. Steig.; nur
attr.): auf den altgriechischen Arzt Hippokrates bezüglich,
seiner Lehre gemäß: die -e Medizin; vgl. Eid. Gesicht (2).
Hippokrene[hipo'kre:n3].die; - [zu Thippo-. Hippo- u. krene
= Quelle] (griech. Myth.): (der Sage nach durch den
Hufschlag des Pegasus entstandene) Quelle, aus der der Dichter
im antiken Griechenland seine Inspiration schöpfte; Hippo-
l«e, der; -n. -n [T-logel: Wissenschaftler, auf dem Gebiet
der Hippologie; Hippologfe, die; - [T-Iogie]:
wissenschaftliche Pferdekunde; (Abi.:) hippolggisdi (Adj.; o. Steig.):
die Hippologie betreffend; Hippomanes [hi'po:manesl. das;
-. - [lat. hippomanes < griech. hippomanes]: gelbliche
Masse auf der Stirn neugeborener Pferde od. Schleim aus
der Scheide von Stuten (im Altertum als Aphrodisiakum
verwendet).
Hipponakteus [hiponak'te:os]. der; -. ...teen [...'te.an; lat.
Hippönakteus = nach Art des Hipponax; nach dem alt-
griech. Dichter Hipponax (6. Jh. v. Chr.)l (Verslehre):
Versmaß der äolischen Lyrik mit neun zum Teil variablen
Längen u. Kürzen.
Hippopotamus [hipo'po:tamos], der; -. - [lat. hippopotamus
< griech. hippopötamos (2. Bestandteil potamös = Fluß)J
(Zool.): Fluß-t Nilpferd; Hippurit [hipu'ri.t]. der; -en. -en
[griech. hippouris (Gen.: hippoüridos) = mit einem
Pferdeschwanz versehen, wohl wegen der länglichen Form der
Muschelschale]: ausgestorbene Muschel der Kreidezeit;
Hippursäure [hi'pu:g-]. die; - [zu griech. hippos = Pferd
u. oüron = Ham. da sie erstmals im Pferdeharn
nachgewiesen wurde]: eine organische Säure, die Stoffwechselprodukt
von Pflanzenfressern ist; Hippus l'hipos]. der; - [nlat.. zu
griech. hippos = Pferd, viell. wegen der springenden
Bewegung der Pupille] (Med.): plötzlich auftretende, starke
rhythmische Schwankungen der Pupillenweite (bei Erkrankungen
des Zentralnervensystems).
Hipster Chipste], der; -[s]. - [engl.-amerik. hipster. zu hip.
vgl. Hippie]: 1. (im Jargon der Jazzszene) Jazzmusiker;
Jazzfan: Er winkte zurück - parodistisch. in der Pose
eines -s (Baldwin [Übers.]. Welt 321). 2. (Jargon) jmd..
der über alles, was modern ist, Bescheid weiß, in alles
Moderne eingeweiht ist.
Hiragana [hira'ga:nal. das; -[s] od. die: - [jap. hira-gana.
zu:hira = glatt, eben u. kana = Silbenschrift): aus
chinesischen Schrift zeichen durch Vereinfachung hervorgegangene,
gerutulete japanische Silbenschrift.
Hirn [hirnl. das; -[e]s. -e [mhd. hirn(e). ahd. hirni. eigtl.
= Hörn; Kopf; Spitze]: l.a) (seltener) svw. tGehirn (1):
das menschliche H.; b) als Speise verwendetes, zubereitetes
Gehirneines Schlachttieres: frisches, gebratenes H.; morgen
gibt es H. 2. (ugs.) Verstand; Kopf (als Sitz der Denk Jäh ig-
keit, des Verstandes): ein geschultes H.; Sie hat doch keinen
Verstand! ...Nicht für einen Pfennig H. hat sie (Lederer,
Liebe 20); sein H. anstrengen; sich das H. zermartern
(angestrengt über etw. nachdenken, ohne zu einem Ergebnis
zu kommen, ohne eine Lösung zu finden o.a.); es gibt
heutzutage -e, die sind wie genormt (Kirst, 08/15, 508);
welchem H. ist denn das entsprungen (wer /tat sich denn
das ausgedacht)?
hjrn-. Hirn- (vgl. auch: Gehirn-): -akrobat, der (ugs.
scherzh.): svw. tGehirnakrobat; -akrobatik. die (ugs.
scherzh.): svw. f Gehirnakrobatik; -anhang.der, -anhangs-
driise. die: svw. fGchimanhang; -arbeit, die (ugs.):
Verstandesarbeit, Kopfarbeit; -auflauf, der (Kochk.):
Auflauf aus / Kalbs fhirn; -bhitung, die (Med.): svw.
tGehirnblutung; -Erschütterung, die (Schweiz.): svw.
tGehirnerschütterung; -geschädigt <Adj.; o. Steig.; nicht adv.)
(Med): ein -es Kind; <subst.:) -geschädigte, der u. die;
-gespinst, das (abwertend): Produkt einer fehlgeleiteten
od. überhitzten Einbildungskraft; phantastische, abwegige
od. absurde Idee: etw. für ein H. halten; daß diese Sorge
sich als ein H. von besserwissenden Schreibern entpuppen
wird (Augstein. Spiegelungen 20); sich in -e verrennen,
verbohren; -haut, die (Med.): die das Hirn (I a) umgebende
Bindegewebshülle, dazu: -Hautentzündung, die (Med.):
Entzündung der Hirn- und Rückenmarkshäute; Meningitis;
-holz, das: quer zur Faser geschnittenes Holz; -kammer.
die (Med.): TGehirnventrikel; -kästen, der (salopp
scherzh.): svw. TGehirnkasten: das will nicht in meinen H.;
-los <Adj.; -er. -este) (abwertend): in einer ärgerlichen
Weise dumm, töricht, ohne Verstatid: Da geschah es. daß
der -e Kerl Anker Oyje sich im Boot aufrichtete (Jahnn.
Geschichten 226); -er (vollkommener) Blödsinn, dazu:
1257
Hirsch
-losigkeit. die; -; -masse, die (Med.): svw. tGehimsub-
stanz; -mensch, der: Verstandesmensch: der H. verlangt
nach Erleuchtung und Offenbarung (K. Mann.
Wendepunkt 287); -nerv, der (Med.): direkt im Gehirn
entspringender Hauptnerv: die zwölf -en; -rinde, die (Med.): graue
Substanz an der Peripherie von Groß- u. Kiemhirn: -rissig
<Adj.> [viell. nach der Vorstellung, daß der Urheber einer
solchen Idee einen ..Riß" im Hirn (in der Hirnschale)
haben müsse od. daß jmdm. beim Zuhören das Hirn aus
dem Kopfe gerissen wirdl (landsch.. bes. österr.
abwertend): in einer ärgerlichen Weise töricht, unsinnig: ein -er
Vorschlag, eine -e Idee: (seltener:) eine -e Person (jmd..
den man für verrückt hält): es war h.. so etwas zu wagen,
dazu: -rissigkeit, die; -; -sausen in der Verbindung H.
haben (bayr. abwertend; leicht verrückt sein, närrische
Einfälle haben): du hast wohl H.; -schädel, der, -schale,
die (Med.): knochige Schale, die das Gehirn umschließt:
-Schenkel, der (Med.): Bündel aus Nervenfasern zwischen
Kleinhirn u. Brücke (8); -schlag, der: svw. tGehirnschlag;
-schmalz, das (salopp scherzh.): svw. tGehirnschmalz;
-stamm, der (Med.): svw. TGehimstamm; -strombild. das
(Med.): svw. t Elektroenzephalogramm; -tumor, der
(Med.): Tumor im Gehirn, -verbrannt <Adj.; -er, -este)
[LÜ von frz. cerveau brule] (abwertend): in einer ärgerlichen
Weise unsinnig, töricht: eine -e Idee; (seltener:) ein -er
Kerl; Wie konntest du nur so h. sein zu wähnen, dieser
Eine sei anders als wir alle (Thielicke. Ich glaube 213),
dazu: -verbranntheit, die; -. -en; -verletzt <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.>: Verletzungen am Gehirn aufweisend: ein -es
Kind; <subst.:> -verletzte, der u. die; -Verletzung, die;
-wasche, die: svw. TGehirnwäsche; -Windung, die (Med.):
gewutuiene. wulstige Erhebung der Hirnrinde: -zelle. die
(Med.): svw. tGehirnzelle; -Zentren<P1> (Med.):
umschriebene Bereiche im Hirn da), denen bestimmte Funktionen
zugeordnet sind.
Hirsch [hirfl, der; -[eis. -eil: mhd. hin, ahd. hir(u)3. eigtl.
= gehörntes od. geweihtragendes Tier: 4: nach der
Wendung ,.jmdm. Hörner aufsetzen" (vgl. Hörn 1)1: l.a)
Vertreter einer in vielen Arten vorkommenden Familie der
Paarhufer, die meist in Wäldern lebt //. deren männliche Tiere
ein großes Geweih tragen: das Ren und der Elch gehören
zu den -en; b) kurz für t Rothirsch: ein Rudel -e äst auf
der Wiese; c) männlicher Rothirsch: ein kapitaler H.; der
H. schreit, röhrt, orgelt. 2. (berlin. salopp) jmd.. der sehr
tüchtig ist: Könner. Experte: dein Freund ist wirklich ein
H. 3. Schimpfwort für eine männliche Person (gelegentlich
mit einem Unterton von Anerkennung): du hast mich
an der Nase herumgeführt, du H.; mach, daß du
wegkommst, du H. 4. (scherzh.) betrogener Ehemann. 5.
(scherzh.) Fahrrad. Motorrad. Moped.
hjrsdi-, Hjrsdi- (Hirsch 1): -antilope, die: in Afrika lebende
Antilope mit langen, geringelten Hörnern: -art.die; -brunft.
die (Jägerspr.): Brunft [zeit] des Hirsches: -brunst. die:
svw.t -brunft;-flnger.der [zu t Fang(3)] (Jägerspr.):/a/ig?.y.
schmales, an der Spitze zweischneidiges Jagdmesser mit
feststehender Klinge, mit dem angeschossenes Wild getötet
wird: -gerecht <Adj.; o. Steig.; nicht adv.> (Jägerspr.):
(auf den Jäger bezogen) mit der Hege u. der Jagd auf
Rotwild vertraut: ein -er Jäger; -geweih. das: die Tafel
... war in einem Saal aufgestellt, dessen vier Wände ...
mit -en behängt waren (Hauptmann, Schuß 49); -hörn«
das [mhd. hir:shorn = Geweih des Hirsches]: Geweih von
Hirschen als Werkstoff (für Knöpfe. Messergriffe o.a.).
dazu: -hornknopf, der: eine Trachtenjacke mit
Hirschhornknöpfen, -hornsalz. das: früher aus i Hirsch j-
horn gewonnenes beim Backen verwendetes Treibmittel:
-käfer. der: großer, schwarzer, in Eichenwäldern lebender
Käfer, dessen Männchen einen zu geweihartigen Zangen
vergrößerten Oberkiefer liat: -kalb, das: junger männlicher
Hirsch: -keule. die (Kochk.): gebratene H.; -kolbensu-
madi. der svw. I Essigbaum; -kuh, die: weiblicher Hirsch:
-leder, das: weiches Leder aus dem Fell von Hirschen:
eine Jacke, eine Hose aus H.. dazu: -ledern <Adj.;
o. Steig.; nur attr.): aus Hirschleder: -lederne, die; -n.
-n (österr. ugs.): Trachtenhose aus Hirschleder: -park, der:
Wildgehege für Hirsche: -rücken, der (Kochk.): Gericht
aus dem Rückenstück des Hirsches: gespickter H.; -rudel.
das; -steak. das (Kochk.): dicke Fleischscheibe aus dem
Rückenstück des Hirschs: -tritfTel. die [weil sie oft von
Hirschen aus der Erde gewühlt wird): Schlauchpilz mit
gelbbraunem, kugeligem Fruchtkörper: -zunge. die [nach
dem zungenförmigen Umriß der Wedel]: ein Farn mit
langen, ungeteilten Blättern.
Hirse [hin©], die; -. (Arten:) -n [mhd. hirs(e). ahd. hirsi.
viell. eigtl. = Gewachsenes; Nährendes]: a) Getreideart
mit ährenähnlicher Rispe u. kleinen, runden Körnern: H.
anpflanzen; b) Früchte der Hirsepflanze: H. kochen.
Hirse-: -bier. das: aus Hirse gebrautes Bier, -brei. der;
-brein, der (österr. mundartl. veraltet): svw. tBrein; -gelb
<Adj.; o. Steig.; nicht adv.>; -körn, das <P1. -kömer);
-mehl, das; -pflanze, die; -pilz. der [viell. nach der
hirsegelben Färbung]: svw. f Sandpilz.
Hirsutismus [hirzutismos], der; - [zu lat. hirsütus =
struppig, stachelig] (Med.): abnormer Haarwuchs, bes. bei
Frauen, infolge einer Überfunktion der Nebennierenrinde.
Hirt [hirt]. der; -en. -en [mhd. hirt(e). ahd. hirti. zu t Herde]:
1. (veraltend) jmd.. der eine Tierherde hütet: ein alter,
treuer H.; der H. weidet die Schafe. Ziegen; der Hund
des -en; U der H. der Gemeinde (geh.; der Geistliche als
Betreuer seiner Gemeinde). 2. (landsch. ugs.. abwertend)
männliche Person: dem konnte keiner, kein Gemüsebauer
und kein Zöllner und nicht einmal die -en um den Bahnhof
Zoo (Kant. Impressum 183).
Hirte [hirto], der; -n, -n (veraltend od. geh.): svw. THirt:
Selten verdingte sich einmal einer als H. bei einem Farmer
(Grzimek, Serengeti 268); * der Gute H. (bibl.; Benennung
Christi im Neuen Testament; nach Joh. 10. 11); <Abl.:>
hirtenlhirtnl <sw. V.: hat) [vgl. mhd. behirten = behüten,
bewachen] (Schweiz, mundartl.): Vieh hüten: er hirtet schon
seit 10 Jahren auf dieser Alp.
Hjrten-: -amt. das (kath. Rel): Amt des Priesters.
Seelsorgers: -brief. der (kath. Rel.): (von der Kanzel verlesener)
Rundbrief des Bischofs an die Gläubigen, der wichtige
religiöse Fragen betrifft: -diditung, die (Literaturw.): Dichtung,
die das beschauliche Dasein bedürfnisloser, friedlicher Hirten
u. SchäJ'er in einer idyllischen Landschaft darstellt: Bukolik:
-feuer. das; -flöte, die: einfache Flöte der Hirten: -gedieht.
das: vgl. -dichtung; -gott. der (antike Myth.): von den
Hirten verehrte Gottheit: der H. Pan; -hund. der: (bes.
als Wach-u. Schutzhund gefuiltener) großer, starkknochiger
Hund mit lebhaftem Temperament: -junge, der: Junge, der
Haustiere hütet: -knabe. der (dichter.): svw. t -junge; -kul-
tur, die (Anthrop.): Kulturform, deren Wirtschaft
ausschließlich auf der Zucht von wandernden Herdentieren
aufgebaut ist u. bei der die Lehensgewohnfleiten der Menschen
denen der Tiere angepaßt sind: -lled, das: von Hirten
gesungenes Lied: -mädchen, das: vgl. -junge; -pfeife, die: vgl.
-flöte: -spiel, das: Fonn des Weihnachtsspiels, bei dem
die Verkündigung bei den Hirten auf dem Felde im
Vordergrund der Hamilung steht: -Stab, der [3: LÜ von mlat.
virga pastoris]: 1. (geh.) Stab des Hirten. 2. (kath. Rel.)
Krummstab als Symbol der bischöflichen Würde. 3. häufig
am Straßenrand wachsende Karde (1) mit violetten Blüten:
Wilde Karde: -stamm, der: vgl. -volk; -tasche. die:
[gewebte! Umhängetasche [für den Hirten 1: -täschel l-tefl],
-täschelkraut, das [nach den dreieckigen, sich nach oben
herzförmig verbreiternden Früchten]: (zur Familie der
Kreuzblütler gehörendes) Unkraut mit kleinen weißen Blüten
u. herzförmigen Samen: -volk, das: Nomadenvolk, das
hauptsächlich von der Viefizucht lebt.
Hjrtin. die; -, -nen (veraltend, selten): w. Form zu THirt.
Hirudin [hiru'di:n], das; -[s] [zu lat. hirüdo (Gen.: hirüdinis)
= Blutegel] (Med.): in den Speicheldrüsen von Blutegeln
gebildeter, die Blutgerinnung hemmefider Stoff.
his. His [his], das; -. - (Musik): um einen halben Ton erhöhtes
h.H
Hispanidad [hispani'dat. span.: ispani'öaö], die; - [span.
hispanidad. zu: hispänico = spanisch < lat. Hispänicus]:
sw. t Hispanität; hispanisieren fhis'pani'zkran] <sw. V.; hat):
an die Sprache, die Sitten, die Lebensweise der Spanier
angleichen: Hispanismus [...'nismus]. der; -. ...men
(Sprachw.): Übertragung einer für die spanische Sprache
charakteristischen Eigentümlichkeit auf eine nichtspanische
Sprache: Hispanjst. der; -en. -en: Vertreter der Hispanistik:
Hispanjstik. die; -: Wissenschaft von der spanischen Sprache
u. Literatur (Teilgebiet der Romanistik): Hispanität
[hispani't£:t]. die; -: das Zusammengehörigkeitsgefühl aller
spanischsprechenden Völker im Hinblick auf ihre
gemeinsame Kultur: Spaniertum: Hispanomoreske [hispano-
mo'rcskd]. die; -. -n (Kunstwiss.): (vom 13. bis 16.Jh.
1258
hitz-, Hitz-
von maurischen Töpfern bes. in Valencia hergestellte)
spanische Majolika im islamischen Stil /mit Goldglanzüberzug I.
hissen fhisn] <sw. V.; hat) [aus dem Niederd.; lautm.]:
(von einer Fahne, einem Segel o. ä.) am Mast, an der
Fahnenstange hochziehen da): die Flagge h.; die Matrosen
hißten das Vorsegel; Ü (geh.:) die Steppe hat Staubfahnen
gehißt hinter unseren Rädern (H. Kolb. Wilzenbach 27).
Histamin [histami:n], das; -s [Kurzwort aus T///.v/idin u.
]Amin] (Med.): Gewebshormon, das im Körper aus Histidin
gebildet wirdu. gefäßerweiternd wirkt; Histidin [histi'di:n].
das; -s [zu griech. histion = Gewebe; Segel] (Med.): als
Baustein vieler Proteine vorkommende essentielle
Aminosäure; histioid [histio'i:t]f (auch:) histoid [histo'i:t) <Adj.; o.
Steig.; nicht adv.> [zu griech. -oeides = ähnlich] (Med.):
gewebeähnlich, gewebeartig.
histo-, Histo- [histo-; griech. histös = Gewebe] (Best, in
Zus. mit der Bed.>: gewebe.... Gewebe... (z. B. histologisch.
Histologe); Histochemjfi, die; -: Wissenschaft vom
chemischen Aufbau der Gewebe von Organismen; histochemisch
<Adj.; o. Steig.): die Histochemie betreffend, zu ihr
gehörend; histogen lt-gen] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (Med.):
vom Gewebe herstammend; Histogenese.die; - (Biol.. Med.):
Ausbildung der verschiedenen Arten von Organgewebe aus
undifferenziertem Embryonalgewebe; histogenetisch <Adj.;
o.Steig.) (Med): die Histogenese betreffend; Histogramm
[histogram]. das; -s. -e [f-gramm] (Statistik): graphische
Darstellung einer Häufigkeitsverteilung in Form von Säulen,
die den Häufigkeiten der Meßwerte entsprechen; histoid:
thistioid; Histologe, der; -n. -n [t-loge] (Med.): Forscher
u. Lehrer auf dem Gebiet der Histologie; Histologie, die; -
[t-logie] (Med.): Wissenschaft von den Gewehen des
menschlichen Körpers; histologisch <Adj.; o. Steig.) (Med.):
die Histologie betreffend, zu ihr gehörend; Histolyse, die; -
[t Lyse]: a) (Med.) Auflösung von Gewebe unter Einwirkung
von Enzymen od. Bakterien; b) (Biol.) Einschmelzung von
Geweben bzw. Organen im Verlauf der Metamorphose (z. B.
bei der Entwicklung der Insekten u. Amphibien); Histone
[his'to:n3] <P1.) (Biol.): zu den Proteinen gehörende
Eiweißkörper; Histopathologie. die; - (Biol., Med.): Lehre von den
krankhaften Veränderungen der Gewebe bei Mensch. Tier
u. Pflanzen; Historadiographk. die; -. -n [...i:an]: mit
ultraweichen Strahlen durchgeführte RöntgenaufnaJime sehr
dünner mikroskopischer Präparate (z. B. Gewebeschnitte).
Histörchen[his't0:^99n]. das; -s. - [Vkl. von T Historie]:
anekdotenhafte, kurze Geschichte; kleine /scherzhafteJ
Erzählung; Klatschgeschichte; Anekdote: H. erzählen; Auch war
es nicht der Augenblick für ansprechende H. (Th. Mann,
Joseph 97); Historie [his'to:ijd], die; -. -n [mhd. histörje
< lat. historia < griech. historia. eigtl. = Wissen]. 1.
<o. Pl.)(bildungsspr. veraltend): [Weltjgeschichte: die
Geschichtsstunde ... fesselte mich; der ... Seminarlehrer ...
begeisterte mich ... für die H. (Niekisch. Leben 21). 2.
<o. PI.) (veraltet) Geschichtswissenschaft. 3. (veraltet)
/abenteuerliche, erdichtete] Erzählung.
Historien-: -bibel, die: volkstümliche Darstellung der
erzählenden Teile der Bibel; -bild, das: Gemälde, auf dem ein
historisches Ereignis o. ä. dargestellt ist; -maier, der: Maler
von Historienbildern; -maierei, die: Gattung der Malerei,
die historische Ereignisse zum Bildgegenstand hat.
Historik [his'tornk], die; -: a) Geschichtswissenschaft; b)
Lehre von der historischen Methode der Geschichtswissen-
scliaft; Historiker [his'to:rike], der; -s. - [lat. historicus
< griech. historikös = geschichtlich]: Wissenschaftler.
Forscher. Kenner auf dem Gebiet der Geschichte (1): er
ist ein bekannter H.; H. aus vielen Ländern treffen sich
zu einer Tagung; Historiograph [historiogra:fl. der; -en.
-en [lat. historiographus < griech. historiographos] (bil-
dungsspr.): Geschichtsschreiber; Historiographie [historjp-
gra'fi:]. die: - (bildungsspr.): Geschichtsschreibung;
historisch [histOTiJ] <Adj.; o. Steig.): a) die Geschichte,
vergangenes Geschehen betreffend, geschichtlich (a): die -e
Sprachwissenschaft; b) svw. t geschichtlich (a); c) bedeutungsvoll,
wichtig für die Geschichte: das war ein -er Augenblick;
dieser Vorgang ist h. interessant; historisieren [histori-
zi:ran] <sw. V.; hat) (bildungsspr.): das Historische an
einem Stoff, einem Gegenstand der Betrachtung.
Untersuchung, in einer künstlerischen Darstellung o. ä. stark
hervorheben, betonen, überbetonen: so fächert er im Ablauf seines
Buches die Historie der 2,5 Milliarden Jahre Erdenlebens
auf, ohne je trocken zu ..historisieren" (MM 3. 4. 70.
47); (häufig im 1. Part.:) die historisierende Malerei des
19. Jahrhunderts; eine historisierende Darstellung;
Historismus [histo'nsmos]. der; -. ...men: 1. <o. PI.)
Geschichtsverständnis, das die Vergangenheit mit den eigenen
Maßstäben mißt. 2. <o. PI.) Geschichtsbetrachtung, die alle
Erscheinungen aus ihren geschichtlichen Bedingungen heraus zu
erklären u. zu verstehen sucht. 3. (bildungsspr.)
Überbewertung des Geschichtlichen. 4. svw. t Eklektizismus (2);
Historist [histo*nst], der; -en. -en: Vertreter des Historismus;
historjstisdi <Adj.>: den Historismus betreffeml. in der
Haltung des Historismus; Historizismus [histori'tßismos]. der;
-. ...men: svw. t Historismus (3); Historizität [historitßi't£:t].
die; - (bildungsspr.): Geschichtsbewußtsein; geschichtliche
Tiefe. Bedeutung; Geschichtliclikeit: Der Verzicht auf H.
ist freilich der schwerwiegendste, den die geistigen Väter
des Unternehmens auf sich genommen haben (Enzensber-
ger, Einzelheiten I. 156).
Histrione [histrf o:no]. der; -n. -n [lat. histrio. Gen.: histriö-
nis] (bildungsspr.): Schauspieler im Rom der Antike.
Hit [hit], der; -[s], -s lengl.-amerik. hit. eigtl. = Treffer.
Stoß]: I. (ugs.) (der Unterhaltungsmusik zuzurechnendes)
Musikstück, bes. Schlager, der einen hohen Grad von
Beliebtheit erreicht hat: Mit einem anspruchsvollen Lied landete
der .arme Jazzfer* unversehens einen H. (Hörzu 48. 1972.
73); der Schlager wurde zum H. 2. (ugs.) etw.. was (für
eine bestimmte Zeit) besonders erfolgreich, beliebt ist. von
vielen gekauft, begehrt wird, zu einem Verkaufsschlager
geworden ist: das Theaterstück, die Inszenierung wurde
ein H.; Mit eleganten Kapuzenkleidern. Golden oder
silbern sind sie der große H. der Saison (Petra 11. 1966.
36); Blue jeans wurden zum H. für junge Leute (Hörzu
3. 1973. 13). 3. (Jargon) (in bezug auf Rauschgift zum
Injizieren) Portion, für einen Trip bestimmte Menge: die
Polizei fand bei ihm mehrere -s.
hitdihiken ['hitjhajkn] <sw. V.; hat) [amerik. to hitchhike.
aus: hitch = das An-. Festhalten u. to hike = wandern,
reisen] (selten): svw. t trampen; Hitchhiker l'hitjh^jkt?]. der;
-s, - (selten): svw. f Tramper.
Hitler- ['hitlp-: nach dem ns. Politiker A. Hitler
(1889-1945)]: -ära, die: vgl. -zeit; -bartchen, das (ugs.):
Bärtchen zwischen Oberlippe u. Nase; -bild, das;
-Faschismus, der: ein spannender Roman für die Jugend, der einen
Eindruck über die Widerstandsbewegungen gegen den H.
vermittelt (Neues D. 6. 6. 64, Beilage Nr. 23. 3); -grüß.
der: nationalsozialistischer Gruß (1). bei dem der rechte
Arm mit flacher Hand schräg weh oben gestreckt wurde;
-Jugend, die (mit Bindestrich): nationalsozialistische
Jugendorganisation; -junge, der: Angehöriger der Hitlerju-
gend; -reich, das <o. PI): Meine Absicht war. Dir eine
ausführliche Epistel hinzulegen, voll ermutigender
Hinweise au f den Zusammenbruch des-es (K. Mann. Wendepunkt
425); -tolle, die [nach der Haartracht Hitlers]: schräg in
die Stirn fallende Haarsträhne; -zeit, die <o. PL): Zeit
der Herrschaft des Nationalsozialismus in Deutschland.
Hitlerei [hitta'raj], die; - (abwertend veraltend): alles, was
mit der Herrschaft Hitlers zusammen/längt: Hitlerzeit: Das
Resultat der H. ist in Massengräbern ... greifbar und im
geteilten Deutschland (FAZ 24. 6. 61. 55); Hitlerismus
[hitta'nsmos]. der; - (abwertend veraltend): das politische
System der von Hitler ausgeübten Herrschaft: daß der H.
nun wirklich auch die letzte Begeisterungsfahigkeit für
eine Pseudo-Idee verschlissen hat (DönholT. Ära 48).
Hjtliste. die; -. -n [zu THit (1)]: Liste der Hits (1): auf
Platz 1 der H. stehen; Hjtparade. die: -. -n [zu THit (1)]:
Radio-. Fernsehsendung o.a.. in der Hits (1) vorgestellt
werden.
Hitsche ['hiüd]. die; -. -n [Nebenf. von: Hütsche. T 2Hutschc]
(landsch.. bes. ostmd.): I. Fußbatik. 2. Kinderschlitten.
hjtz-, Hjtz-: -köpf, der: Mensch, der leicht in Erregung
gerät it. dann unbeherrscht, unbesonnen handelt: er ist ein
H.. man muß ihm einiges nachsehen; Es war zu befürchten,
daß irgendein H. auf Faber einschlagen würde (v. d. Grün,
Glatteis 89), dazu: -köpfig <Adj.): wie ein Hitzkopf
handelnd, reagierend: die Regierung ... kann es sich nicht
leisten, wegen ein paar -en Freischärlern den Kopf in
den Sand zu stecken (Cotton. Silver-Jet 17). dazu: -köpfig-
keit, die; -; -pocke, die (meist PL): svw. TFriesel; -schlag,
der: (mit Übelkeit. Schweißausbrüchen. Kreislaid'versagen
u. a. ebihergehender) Kollaps als Folge eines Wärmestaus
im Körper bei großer Hitze.
1259
Hitze
Hitze ['hitßdl. die: -. (fachspr.:) -n Imhd. hitze. ahd. hizz(e)a.
zu T heiß]: 1. sehr starke, vom Menschen als unangenehm
empfundene Wärme, hohe Lufttemperatur (Ggs.: Kälte 1):
eine große, sengende, brütende, unerträgliche, tropische
H.; es herrscht eine feuchte H.; die sommerliche H. macht
ihm zu schaffen: H. schlug mir entgegen: Starke H. ging
aus von dem großen Kachelofen (Feuchtwanger. Erfolg
717): bei der H. kann man nicht arbeiten: in dieser H.
ist es nicht auszuhalten: den Kuchen bei mäßiger, mittlerer
H. (Kochk.: mäßiger, mittlerer Backofentemperatur) bak-
ken: nach, während der großen H. (der Hitzeperiode.
Hitzewelle). 2. [durch Erregung, Fieber o.a. hervorgerufener,
mit Blutamirang verbundener] Zustand. Empfindung von
starker Wärme im Körper od. in einer Körperpartie; eine
aufsteigende H.; ich aber fröstele von einer kalten H.
(Remarque, Obelisk 234): Schwindel und Zittern ... kam
ihn an, und sein Kopf stand in H. (er hatte einen heißen
Kopf; Th. Mann. Zauberberg 379); * fließende H. (Med.;
plötzliche Hitzewallungen im Körper, bes. während des
Klimakteriums): sie leidet unter fliegender H. 3. heftige innere
Erregung. Zornesaufwallung; im Verlauf der Diskussion
gerieten sie immer mehr in H.; jmdn. in H. bringen; er
hatte sich in H. geredet: *in der H. des Gefechts (im
Eifer, in der Aufregung, in der Eile). 4. Zeit der Läufigkeit.
Paarungsbereitschaft bei weiblichen Hunden u. Katzen; eine
Rassekatze sollte während der ersten beiden -n
(Hitzeperioden 2) nicht gedeckt werden.
hjtze-. Hjtze-: -abweisend <AdJ.; nicht adv.>: In -en
Asbestanzügen kämpfte die Bordfeuerwehr gegen die
Flammen (Spiegel 33. 1967. 73); -ausschlage der (Med): vgl.
Friesel; -beständig <Adj.: nicht adv.X* unempfindlich
gegenüber der Einwirkung von /großer] Hitze: -es Glas, dazu:
- bestandigkeit, die; -bläsebea, das (Med.): svw. t Friesel;
-einwirkung, die; -empfindlich <Adj.; nicht adv.>: nicht
sehr widerstandsfähig gegen Hitze; ein -er Kunststoff; seine
Frau ist sehr h.; -entwicklung, die <o. Pl.>: -ferien <PI.>:
/ Schulferien wegen sehr großer Hitze; ^frei <Adj.; o.
Steig.; nur präd.>: schul-, arbeitsfrei wegen großer Hitze;
wir haben, kriegen heute h.; heute ist h.; <subst.:> ^frei,
das; - <meist o. Art.): kein H. bekommen: -gewohnt <Adj.;
o. Steig.; nicht adv.>: die -en Eingeborenen; -grad, der.
-kolbps, der (Med): vgl. THitzschlag; -Periode, die: 1.
längerer Zeitraum mit sehr heißem Wetter: während der
letzten H. gab es viele Gewitter. 2. Periode des Läufigseins
bei weiblichen Hunden u. Katzen; -Schild, der [LÜ von
engl.-amerik. heat shieldl: Schutzschild an
Raumfahrzeugen, durch den die hohen Temperaturen, die beim
Wiedereintritt in die Erdatmosphäre entstehen, abgemildert werden:
die Kapsel tauchte, den H. voraus, in die Erdatmosphäre
ein (MM 14. 3. 69. 1); -wallung, die: plötzliches, kurz
anhaltendes Gefühl von Hitze (2) im Körper: -welle, die:
vgl. ^Periode (I): eine neue H.; die H. ist vorbei.
hitzig ['hitßitf <Adj.> II 3: mhd. hitzec]: l.a) von leicht
erregbarem Temperament u. dabei heftig, jähzornig in seinen
Reaktionen: ein -er Mensch; ein -er Kopf (Hitzkopf);
er ist. wird leicht sehr h.; Die ... Füchse sind natürlich
viel besser als die ... Rappen Sind sie auch!" rief
ich h. (Fallada. Herr 37); b). in ungezügelter Weisel
leidenschaftlich: ein -es Temperament; -es Blut (ein
leidenschaftliches Temperament) haben; Die Ungarn sind ein -es Volk
(Hacks. Stücke 351); aber Elisabeth immer um ein paar
Grade -er. maßloser in ihren Forderungen an ihre
Umgebung (Kaschnitz. Wohin 180); c) erregt, mit Leidenschaft
/ gefüJtrt/: eine -e Debatte. Auseinandersetzung; sobald
sie nach -en Wahlkämpfen in die Hände der ... Polizei
geraten waren (Kirst. Aufruhr 187); Besser ist... ihr sprecht
weniger h. miteinander (Hacks. Stücke 343); h. seinen
Standpunkt verteidigen. 2. <nur attr.) (veraltet) heiß,
fiebrig: ein -es Rot färbte ihre Wangen; mit -em Kopf; Ü
der Mohn neben den blauen Raden glühte, ein sengendes
Gift, in -stem Rot (Fühmann. Judenauto 10). 3. <nicht
adv.> (von weiblichen Hunden u. Katzen) läufig, brünstig.
4. <nicht adv.) (Landw.) (vom Beulen) gut durchlüftet u.
dadurch Humus u. Nährstoffe rasch abbauend: -e Böden;
zu 1: Hitzigkeit, die: -.
Hiwi [hi:vil. der; -s. -s [kurz für: Hilfswilligerl (ugs.): 1.
svw. t Hilfswilligc: daß soeben zwei -s, ukrainische
Hilfswillige eingetroffen seien (Fühmann. Judenauto 94); Der
Einsatz der uniformierten -s als Schauerleute (Spiegel 36.
1974. 72). 2. (Jargon) wissenschaftliche Hilfskraft an einer
Universität: er hat einen Job als H. 3. (ugs. abwertend)
jmd.. der an untergeordneter Stelle Hilfsdienste leistet;
Faßbender kann mit seinen -s weder Gewerkschaftsvermögen
kassieren noch ... (Spiegel 49. 1966. 10).
hm! [hm] <Interj.>: I. Laut des Räusperns. Hüsteins. 2.
Laut, der (zögernde] Zustimmung ausdrückt: ..Kommst
du mit?" ..Hm"! 3. Laut, der Nachdenklichkeit od.
Bedenken, auch Verlegenheit ausdrückt: Hm. das ist eine
schwierige Frage. 4. Laut, der fragende Verwunderung ausdrückt:
..Ich habe im Lotto gewonnen." ..Hm?" 5. Laut, der einen
Vorwurf ausdrückt: Hm. hm. das ist ja sehr bedenklich.
H-Milch [ha:-], die; - [kurz für: haltbare Milch]: durch
Ultrahocherhitzen haltbar gemachte Milch.
h-Moll ['ha:mDl. auch: '-• -J. das; -: Tonart; Zeichen: h (th.
H 2); <Zus.:> h-Moll-Etüde, die.
HNO- [ha:len|o: -: Abk. für Hals-Nasen-Ohren-] (mit
Bindestrichen): ^Arzt. der; -ärztlich <Adj.; o. Steig.; nicht
präd.): ein -es Gutachten; -Station, die: Station in einem
Krankenhaus, auf der Patienten mit Erkrankungen im
Bereich von Hals. Nase u. Ohren behandelt werden.
ho! [ho:] <Interj>: Ausruf des Staunens od. der Abwehr:
ho, was machst du denn da!
HO [ha:|'o:]. die; - (DDR): Kurzwort für:
Handelsorganisation (2): in der HO einkaufen; vgl. HO-Geschäft.
hob [ho:p]: ! heben.
Hobbock ['tobokl. der: -s. -s [wohl nach der engl. Firma
Hubbuck: zuerst Bez. für die Farbprodukte dieser Firma,
dann übertragen auf die Gefäße, in denen die Farben
geliefert wurden] (Fachspr.): Behälter für den Transport
von Fetten. Farben o. ä.
Hobby [hDbi], das: -s. -s. selten: ...ies [engl, hobby; H. u.]:
als Ausgleich zur täglichen Arbeit gewählte Beschäftigung,
mit der jmd. seine Freizeit ausfüllt u. die er mit einem
gewissen Eifer betreibt; Liebhaberei: ein kostspieliges,
ungewöhnliches H.; seine -s sind Briefmarkensammeln und
Musizieren; ein H. haben: Hundezucht als H. betreiben;
<Abl.:> Hobbyjst, der; -en. -en: jmd.. der ein Hobby
betreibt; <Zus.:> HQbhykeller. der: Kellerraxan. in dem jmd.
seinem H. nachgeht: Hpbbyraum, der: vgl. Hobbykeller.
Hobel |'ho:bl|. der; -s. - [mhd. hobel. hovel. rückgeb. aus
t hobeln]: 1. Tischler!Werkzeug zum Ebnen u. Glätten von
Hohlflächen durch Abheben von Spänen mit Hilfe einer
Stahlklinge, die schräg aus einem mit einem Griff versehenen
Holzkörper herausragt; den H. ansetzen, fuhren; Bretter
mit dem H. bearbeiten. 2. Küchengerät zum Hobeln (2)
von bestimmtem Gemüse (z.B. Gurken, Kohl u.a.). 3.
(Bergbau) Gerät, das am Flöz entlanggezogen wird u. mit
Meißeln Kohle herausschneidet.
Hobel-: -bank, die <PI. -bänke>: großer Arbeitstisch, auf
dem hölzerne Werkstücke beim Bearbeiten (bes. beim
Hobeln) eingestxinnt werden; ^eisen.das: svw. t ^messen -ma-
schine, die: Maschine zum Hobeln (1 b) von Holz od. Metall;
-messer, das: geschliffene Stahlklinge im Hobel; -span,
der <meist PI.): beim Hobeln von Holz, seltener von Metall
entstehender Span: die Hobelspäne zusammenkehren.
hobeln [ho:bln] <sw. V.; hat) [mhd. hobeln, hoveln, (md.)
hübein. wohl zu veraltetem, noch mundartlichem ..Hübel"
= kleine Erhöhung, also eigtl. = Unebenheiten
beseitigen]: l.a) mit dem Hobel arbeiten, tätig sein: der Tischler
hobelt und sägt; er hobelte an einem Balken; b) mit dem
Hobel bearbeiten, glätten: Bretter h.; c) durch Hobeln (a)
hervorbringen, entstehen lassen; Riefen und Dellen h.;
Perücken aus Hobelspänen, die ein Geselle ihr extra von
langem Holz h. mußte (Grass, Hundejahre 167). 2. mit
einem Hobel (2) klein- <xl. in dünne Scheiben schneiden:
Gurken, Möhren. Kohl h. 3. (derb) a) koitieren; er ging
in den Puff, weil er mal wieder h. wollte; b) mit einer
Frau den Geschlechtsakt vollziehen: In einer Stunde kannst
du heimgehen und deine Freundin h. (Hochhuth.
Stellvertreter 136); <Abl. zu 1 :> Hobler ['ho:blß]. der; -s. -:
Facharbeiter, der eine Hobelmaschine bedient.
Hoboe [hobo:o] usw. (veraltet): TOboe usw,
hoc anno [ho:k ano; lat.] (Kaufmannsspr. veraltet): in
diesem Jalir; Abk.: h. a.
hoc est ['hak 'est; lat.] (bildungsspr. veraltet): das ist; Abk.:
h. e.
hoch [ho:x; mhd. hö(ch), ahd. höh. eigtl. = gewölbt; nach
oben gebogen]: I. <Adj.; höher, höchste) l.a) von
beträchtlicher Höhe. Ausdehnung in vertikaler Richtung (Ggs.:
niedrig): ein hoher Turm, Baum. Berg; h. sein, aufragen;
1260
hoch-, Hoch-
Ü Schwindel erregend, unwahrscheinlich h.. klar und blau
ist der Himmel über Madrid (Koeppen. Rußland 11);
b) in beträchtlicher Entfernung vom Erdboden / sich befith
dendo. ä. J; in Kroßer Höhe (Ggs.: niedrig. tieO: hohe
Wolken; h. oben [am Himmel]; das Flugzeug, die Schwalbe
fliegt h.; die Sonne steht h.; wir sind h. (fliegen in Kroßer
Höhe, großem Abstand) über weißen Haufenwolken (Grzi-
mek. Serengeti 163); *jmdni./fiir jmdn. zu h. sein (1. ugs.;
von jmdm. nicht verstanden, nicht richtig begriffen werden.
2. meist iron.; / in bezug auf die Äußerungen od. Handlungen
eines anderen 1 vonjmdm. als verstiegen angesehen werden:
was du da machst, ist mir zu h.); c) an Höhe. Ausdehnung
nach oben über den Durchschnitt od. einen Vergleichswert
hinausgehend: besonders od. ungewöhnlich weit nach oben
ausgedehnt (Ggs.: niedrig): ein hoher Raum. Tisch; hohes
Gras; Auf einem hohen Barstuhl saß ein hübscher Jüngling
(Hesse. Steppenwolf 193); sie trägt hohe Absätze (Schuhe
mit hohen Absätzen): hohe Schuhe (1. Schuhe, die bis
über die Knöchel reichen. 2. südd.; Schuhe mit hohen
Absätzen): ein Mann von hohem Wuchs, hoher Gestalt (geh.;
ein großer Mann): Seine Stirn war h. vor Kahlheit (Th.
Mann. Hoheit 17); d) (meist adv.> in relativ große/ r]
Höhe: [weit; nach oben: bis weit/ nach oben: sie hob
die Arme h. über den Kopf; die Papiere türmten sich
h. auf dem Schreibtisch; ein Bierwagen, h. voll Fässer,
versperrte schon die halbe Straße (H. Mann. Unrat 153);
Aber den Schwanz gleich richtig packen, möglichst h.
an der Wurzel (Grzimek. Serengeti 305); die Blasen steigen
immer höher; eine am Hals h. geschlossene Bluse; ein
h. aufgeschossener (schnell gewachsener großer u. dünner)
junger Mann; Ü nach Hamburg h. (ugs.; [vom
Ausgangspunkt des Sprechers aus betrachtet] nach Norden [orientiert
an der aufgehängten Landkarte]; Ggs.: hinunter); e) (in
Verbindung mit Maßangaben nachgestellt) eine bestimmte
Höhe aufweisend; sich in einer bestimmten Höhe befindend
(Ggs.: tief): ein 1 800 Meter hoher Berg; die Mauer ist
zwei Meter h.; der Turm ist zehn Meter höher als das
Haus; der Schnee liegt einen Meter h. 2.a) zattlen- od.
mengenmäßig groß, viel (Ggs.: niedrig): eine hohe Summe:
hohe Mieten. Löhne; ein zu hohes Gewicht; die Unkosten,
die Preise sind sehr h.; der Gewinn ist nicht höher als
im letzten Jahr; hoch versichert (auf eine hohe Summe
versichert) sein; h. spielen (mit hohem Einsatz spielen);
h. verlieren (mit großer Punktzahl verlieren); *zu h.
gegriffen sein (zafdenmäßig. mengenmäßig o.a. zu hoch
geschätzt): diese Zahl der Beteiligten ist sicher zu hoch
gegriffen: wenn es h. kommt (ugs.; wenn es viel ist): er stiftet,
wenn es h. kommt, den Zucker und das Gefäß für die
Bowle (Spoerl. Maulkorb 94); b) einen Wert im oberen
Bereich einer / gedachtenj Skala kennzeichnend; hohes
Fieber; hoher Blutdruck, hohe Temperaturen; er fuhr mit
zu hoher Geschwindigkeit; der Blutdruck ist zu h. 3.a)
(nicht adv.) zeitlich in der Mitte, auf dem Höhepunkt
stehend, auf dem Höhepunkt eines Zeitraums: im hohen
Mittelalter; es ist hoher Sommer; b) zeitlich weit vorgeschritten;
ein hohes Alter erreichen; den Jubilar zu seinem hohen
Geburtstag beglückwünschen; bis h. ins 18. Jahrhundert:
ein hoher Achtziger (ugs.; jmd.. der schon weit über 80
Jahre alt ist): dem kleinen, schwächlichen Mann, der sicher
schon h. in die Fünfzig war (Apitz, Wölfe 50); es ist
höchste Zeit aufzubrechen, wenn wir den Zug noch
erreichen wollen. 4. (nicht präd.) in einer Rangordnung, in
einer / gesellschaftlichen! Hierarchie oben stehend; ein
hoher Gast. Offizier; ein Angehöriger des hohen Adels; er
ist von hoher Geburt (geh.; von hohem Adel): ein hoher
Beamter (Beamter, der eine Stellung an der Spitze der
Beamtenhierarchie einnimmt); ein hoher Feiertag; eine
Sache auf höchster Ebene beraten; sich an höchster Stelle
(bei der obersten zuständigen Stelle) beschweren; sein
höchstes Gut ist die Wahrheit; Dieser Bau war ihr höchstes
Glück (Thieß. Reich 553);etw.h. und heilig
versprechen/versichern (etw. ganz fest, feierlich versprechen, versichern;
..hoch" bezieht sich hier auf das In-die-Höhe-Heben der
Schwurhand): H. und heilig versprach er mir. meine Frau
von meiner Ankunft zu verständigen (Niekisch. Leben
378); h. hinauswollen (ugs.; nach hohem / gesellschaftlichem j
Rang streben): er wollte schon immer h. hinaus; zu h.
hinauswollen (ugs.; allzu hochfliegende Pläne haben; sich
mit etw. übernehmen): Ich wollte beruflich zu h. hinaus
mit ihr. doch dem Geschäftsleben war sie nicht gewachsen
(Dürrenmatt. Meteor 67). 5.a) in qualitativer Hinsicht von
beträchtlicher Höhe, sehr groß: ein hoher Lebensstandard;
hohe Ansprüche stellen; ein hohes Maß an Verantwortung
erfordern; eine hohe Begabung; b) (intensivierend bei Adj.
u. Verben) sehr. jmdn. h. verehren; h. erfreut, willkommen;
Jmdm. etw. h. anrechnen; der junge Musiker ist h. begabt.
6. (in bezug auf Töne. Klänge) (durch eine große Zahl
von Schwingungen) hell klingend (Ggs.: tief): eine hohe
Stimme; Christina beginnt sofort und zu h.. aber für ihre
Stimme kann es nicht h. genug sein (Bobrowski. Mühle
236). 7. (Math.) Bez. der mathematischen Potenz: zwei
h. drei (2*): Ü Wenn die Bundesbank damals schon gelok-
kert hätte, dann würden wir heute die Schwierigkeiten
h. zwei und drei (vielfache Schwierigkeiten) haben (Spiegel
1/2. 1967. 25). II. (Adv.) (häufig imperativisch od.
elliptisch) nach oben, aufwärts, in die flöhe: Hoch. Albert,
wenn du dich erst hinlegst, kannst du nie mehr weiter
(Remarque. Westen 169); Zu fein für unsereinen. Immer
die Nase h. (Fries. Weg 146); Hoch [-]. das; -s. -s [zu
fhoch): I. Hochruf: auf den Jubilar wurde ein dreifaches
H. ausgebracht; Ein H. unserm Stanislaus. dem edlen
Spender! (Strittmatter. Wundertäter 171). 2. (Met.)
Hochdruckgebiet (Ggs.: TieO: ein H. liegt über Mitteleuropa;
während die beiden -s. die in Mittelamerika und zwischen
Grönland und Irland sitzen, festgehalten werden (Döblin.
Alexanderplatz 340); Ü Ihre äußere Kühle trägt nicht
gerade zu seelischen -s bei (Bild u. Funk 2. 1967. 47).
hoch«. Hoch- (vgl. auch: hinauf-, herauf-, rauf-, empor-):
-achtbar (Adj.; o. Steig.) (selten): hochzuschätzend: es
gibt viele -e Leute, die sogar ihren Sarg in der Wohnung
haben (Remarque. Obelisk 299); -achten (sw. V.; hat)
(geh.): jmdm.. einer Sache große Achtung entgegenbringen,
jmdn. sehr schätzen: ich habe den Gelehrten, seine Treue
immer hochgeachtet; eine hochgeachtete Persönlichkeit;
-achtend(Adv.)(veraltet): svw. T -achtungsvoll; -achtung,
die: besonders große Achtung. Wertschätzung, die man
jmdm. entgegenbringt: den Gerichtsbehörden gebührt in
diesem Falle unsere H. (Hildesheimer. Legenden 44);
größte H. vor jmdm. haben; ich gebe meiner H. Ausdruck;
in Grußformeln am Briefschluß: mit vorzüglicher H.; -ach-
timgsvoll (Adv.) (meist in Grußformeln am Briefschluß
in förmlichen, nicht persönlichen Schreiben): mit
Hochachtung: und verbleiben h. ...; -adel, der: die Gesamtheit
der Angehörigen der höchsten Rangstufen des Adels: er
entstammt dem europäischen H.. dazu: -adelig, -adlig
(Adj.; o. Steig.) (selten): dem Hochaclel angehörend: es
mußten hochadlige Damen sein, denn es war ein großes
Diner (Katia Mann. Memoiren 64); -aktuell (Adj.; o.
Steig.): sehr, besonders aktuell; ein modisch -es Modell;
Auch bei Bausparkassen ist dieses Thema h. (DM 5. 1966.
7); -alpin (Adj.; o. Steig.): 1. (nicht adv.) die obere Region
der Alpen, das Hochgebirge betreffetid: eine -e Landschaft.
2. in den oberen Regionen der Alpen, des Hochgebirges
vorkommend: die -e Fauna; h. verbreitet sein. 3. (nur attr.)
den Alpinismus in hohen Regionen betreffend: eine -e
Ausrüstung; -e [Skiltouren; -altar.der: Hauptaltar im Mittelschiff
einer katholischen Kirche; -amt, das (kath. Kirche):
feierliche kath. Messe, bei der bestimmte liturgische Texte
gesungen werden: das H. halten; -angesehen (Adj.; nur attr.)
(geh.): sehr angesehen, hohes Anseilen genießend: ein -er
Politiker; -anständig (Adj.; o. Steig.): (in bezug auf eine
Person u. ihr Verhalten in einem bestimmten
Zusammenhang) in besonders anzuerketmender. nicht als
selbstverständlich anzusehender Weise anständig (1): ein -es
Verhalten; das war h. von ihm; -antenne, die: auf dem Dach
eines Hauses angebrachte Antenne; -arbeiten, sich (sw.
V.; hat): durch Zielstrebigkeit, Fleiß u. Ausdauer eine höhere
i berufliche] Stellung erlangen: Er hatte sich. Dienstgrad
um Dienstgrad, hochgearbeitet (Kirst. 08/15. 81); -aristo-
kratie, die: svw. t-adel. dazu: -aristokratisch (Adj.; o.
Steig.): svw. t-adelig, -adlig; -ätzung, die (Druckw.):
Ätzung der im Hochdruck verfahren verwendeten
Druckplatten, wobei die druckenden Stellen erhaben stehenbleiben;
-auf (Adv.) (dichter.): weit nach oben, in die Höhe: H.
schlagen Wellen, sie geißeln Deck und Deckaufbau (Kisch.
Reporter 39); -auflösend (Adj.; o. Steig.; nicht adv.)
(Optik; Fot.): große Fähigkeit zum Auflösen (6) besitzend: -e
optische Systeme; -bahn, die: (innerhalb einer Stadt) auf
einer brückenähnlichen Konstruktion oberhalb des
Straßennetzes verkehrettde Bahn; -hall, der (Sport): svw. t Schieds-
1261
hoch-, Hoch-
richterball: -barock, das od. der: Blütezeit des Barocks:
-harren, der (Sport): Stufenbarren mit (auf internationale
Wettkampfhöhe) hochgestellten Holmen: -bau. der; -[e]s.
-ten: 1. <o. PI.) Teitoereich des Bauwesens, der das Planen
u. Errichten von Bauten umfaßt, die im wesentlichen über
dem Erdboden liegen (Ggs.: Tiefbau): er ist Ingenieur für
H.; im H. (in einem Unternehmen des Hochbaus) tätig
sein. 2. (Fachspr.) Bau. dessen Hauptteile über dem
Erdboden liegen: -ten aus Stahlbeton, zu 1: -bauingenieur, der;
-beansprucht <Adj.; höherbeansprucht,
höchstbeansprucht; nur attr.) (Fachspr): (bes. in bezug auf bestimmte
Materialien. Maschinenteile o.a.) sehr stark beansprucht,
sehr starkem Verschleiß ausgesetzt: -e Teile. Gleitstellen;
-bedeutend <Adj.; o. Steig.: nur attr.): sehr bedeutend:
ein -er Mann; -e Erfindungen; -bedeutsam <Adj.; o. Steig.;
nur attr.}: sehr bedeutsam, von größter Wichtigkeit:
-befriedigt <Adj.; o. Steig.: nur attr.): (von etw.. was man erreicht,
bekommen, vorgefunden hat o.a.) sehr befriedigt: -e
Zuschauer. Zuhörer. Kunden; -begabt <AdJ.; höherbegabt,
höchstbegabt; nur attr.): sehr, über das durchschnittliche
Maß. über die durchschnittliche Erwartung begabt: ein -er
junger Musiker; -beglückt <Adj.; o. Steig.; nur attr.): sehr
beglückt, sehr froh über etw.: -behälter, der (Fachspr.):
(zum System der / Trink j Wasserversorgung gehörendes)
höher als das zu versorgende Gebiet liegendes Wasserreservoir:
-beinig <Adj.; nicht adv.): a) (von Menschen u. bestimmten
Tieren) mit se/ir langen Beinen (die in der Proportion des
Körpers besonders ins Auge fallen, für sie charakteristisch
sind): ein -er Vogel, Hund; Pferde einer -en Rasse; Sie
waren sich alle gleich ... bis zu jenem -en ... Geschöpf,
das wir „Betty-Lilie" nannten (K. Mann. Wendepunkt
30); b) (vonbestimmten Möbelstücken, deren Beine im
Verhältnis zum Ganzen sehr hoch sind) mit hohen Beinen (2 a):
ein -es Tischchen; eine -e Kommode; c) (Jargon) (von
bestimmten Fahrzeugen) mit großer Bodenfreiheit: -e
Straßenreinigungsautos .... hinter denen wir ... hergelaufen
waren (Kempowski. Uns 92); Hochbeinige Amerikaner
mit frisierten Motoren (Frankenberg. Fahrer 49); -bejahrt
<Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (geh.): (meist von Menschen)
in hohem Lebensalter stehend, sehr alt: eine -e Frau; ^be*
kommen <st. V.; hat): svw. t-bringen (2, 3. 6); * einen
keinen [mehr] h. (salopp verhüll.; [kleine Erektion
bekommen): -beladen <Adj.; höher, am höchsten beladen;
nur attr.): mit einer sich hoch auftürmenden Last beladen:
ein -er Erntewagen; -bepackt <Adj.; höher, am höchsten
bepackt; nur attr.): vgl. -beladen; -berühmt <Adj.; o.
Steig.; nicht adv): sehr berüftmt: -besteuert <Adj.;
höherbesteuert, höchstbesteuert; nur attr.) (Fachspr.): mit hohen
Steuern belegt: -e Einkommen; -betagt <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.): (meist von Menschen) in hohem Lebensalter
stehend, sehr alt: ein -er Gelehrter; h. sterben; -betrieb,
der <o. PI.) (ugs.): mit viel Trubel. Gedränge. Geschäftigkeit
o. ä. verbundener Andrang. Ansturm an einem bestimmten
Ort: vor den Feiertagen herrscht in den Geschäften, auf
den Bahnhöfen H.; wir haben heut H. (haben viel zu
tun): ^bezahlt <Adj.; höherbezahlt, höchstbezahlt; nur
attr.): (in bezug auf jmdn.. jmds. berufliche Tätigkeit) mit
sehr guter Bezahlung: ein -er Mitarbeiter; eine -e Stellung;
-bild. das: svw. t Relief; -biegen <st. V.; hat): 1. nach
oben biegen: das Drahtende h. 2. <h. + sich) sich so
verformen, daß es nach oben ragt: Schuhe mit
hochgebogenen Spitzen; -binden <st. V.; hat): in die Höhe binden:
herabhängende Zweige, seine Haare h.; -blatt. das (Bot.):
um- od. zurückgebikletes Blatt bei einer krautigen Pflanze,
das die Blütenknospe verhüllt od. Teil einer Scheinblüte
ist: die roten Blatter des Weihnachtssterns sind
Hochblätter; -blicken <sw. V.; hat): in die Höhe blicken: aufblicken
(1); -blond <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): sehr hellblond:
eine -e Frau; -blute, die <o. PI.): Zeit größter
wirtschaftlicher, kultureller o.a. Entwicklung: eine wirtschaftliche
H. erleben; -bocken <sw. V.; hat) (Technik): svw. taufbok-
ken: das Auto h.; -bootsmam, der (veraltet): svw. t
Oberbootsmann; -brechen <st. V.; hat) (Bergmannsspr.): einen
Grubenbau von unten nach oben bauen: -bringen <unr. V.;
hat): l.a) nach oben bringen, schaffen: die Koffer h.; b)
(ugs.) mit in die Wohnung bringen: Zu ihrer Mutter durfte
sie keinen Jungen mit h. (Homschuh. Ich bin 38). 2.a)
aufziehen, großziehen: b) jmdn. gesund machen: den
Kranken [wieder! h,; keine Angst, wir bringen dich schon hoch;
Ü keiner ... weiß, wie das ist: den Verein hochzubringen
und nie etwas dafür fordern zu dürfen (Lenz. Brot 135);
das Geschäft wieder h. 3. (ugs.) in Wut versetzen: ärgern:
aufbringen: solche Äußerungen bringen ihn hoch. 4.
(salopp verhüll.) zur Erektion britigen: So was habe ich noch
nicht erlebt. Den (= Penis) hätte ja die Monroe nicht
hochgebracht (Simmel. Stoff 602); * einen/keinen [mehr]
h. (salopp verhüll.; t kleine Erektion bekommen): -brisant
<Adj.; o. Steig.; nicht adv.): sehr brisant (1, 2); -brüstig
<Adj.; nicht adv.) (seltener): svw. Nbusig; -bunker, der
bombensicherer Bunker über der Erde: -bürg, die [urspr.
= über einer Stadt gelegene Befestigung, die als Zuflucht
für die Stadtbewohner diente): Ort. der als Mittelpunkt.
Zentrum einer politischen, geistigen o.a. Bewegung gilt:
Münster ist eine katholische H.; die SPD mußte vor allem
in ihren -en Verluste hinnehmen; -busig <Adj.; nicht adv.):
mit hochangesetzter Brust: -deckender (Flugw.): Flugzeug,
dessen Tragflächen oberhalb des Rumpfes angeordnet sind:
-dekoriert <Adj.; höherdekoriert, höchstdekoriert; nur
attr.): mit zahlreichen [hohen] Orden ausgezeichnet: er
ist ein -er Mann; -deutsch <Adj.; o. Steig.): a) deutsch,
wie es nicht den Mundarten od. der Umgangssprache,
sondern der allgemein verbindlichen deutschen Sprache
entspricht (bes. in bezug auf die dialektfreie Aussprache):
die -e Aussprache: dieser Ausdruck ist nicht h.. sondern
umgangssprachlich; h. sprechen; auf h.; b) ober- u.
mitteldeutsch (Ggs.: niederdeutsch): die
hochdeutsch-niederdeutsche Grenze; -deutsch, das: vgl. Deutsch: -deutsche.
das; vgl. 2Deutsche; -dienen, sich <sw. V.; hat): sich
langsam, hart arbeitend von einer untergeordneten Position zu
einer gewichtigeren emporarbeiten, hocharbeiten: Oethinger
.... der sich von unten herauf hochgedient hatte und erst
nach dem Brand ... befördert worden war (Kühn. Zeit
70); -dotiert <Adj.; höher dotiert, höchstdotiert; nurattr.):
svw. t-bezahlt; -drehen <sw. V.; hat): a) mit Hilfe einer
Drehvorrichtung in die Höhe drehen: die Seitenfenster des
Autos, die Schranke h.; b) (Technik) einen Motor auf
hohe Drehzahlen bringen: '-druck, der <o. PI.): 1. (Physik)
hoher xDruck (\)in Flüssigkeiten od. Gasen: in dem Behälter
wurde ein H. hergestellt. 2. (Med.) kurz für
tBluthochdruck: an H. leiden; Hypertonie ist die lateinische
Bezeichnung für H. 3. (Met.) hoher Luftdruck: bei H. fühle ich
mich wohler. 4. intensive Geschäftigkeit. Betriebsamkeit:
Eile: zur Zeit herrscht H.; * mit/unter H. (ugs.; intensiv
u. mit großer Eile): die Angelegenheit wurde mit H.
betrieben; unter H. arbeiten; 2-druck, der: 1. <o. PI.)
Druckverfahren, bei dem die druckenden Teile der Druckform höher
liegen als die nichtdruckenden (z.B. Buchdruck). 2. <P1.
-e) im Hochdruck verfahren hergestelltes Erzeugnis: Miruck-
apparat, der: svw. t Druckapparat; -dnickdampfinaschine,
die: Dampfmaschine, die mit hohem Druck arbeitet: -driik-
ken <sw. V.; hat): nach oben drücken: -druckgebiet, das
(Met.): Gebiet mit hohem Luftdruck. Hoch (2);
-druckkrankheit, die (Med.): mit hohem Blutdruck
einhergehende od. durch ihn bedingte Krankheit: Hypertonie:
-druckverfahren. das: svw. t2^druck (1); -druckwetter.
das (Met.); -druckzone, die: vgl. -druckgebiet; -ebene,
die: in größerer Höhe über dem Meeresspiegel liegende
Ebene: -elegant <Adj.; o. Steig.): sehr, ungewöhnlich
elegant: ein -es Kostüm; -empfindlich <AdJ.;
höherempfindlich, höchstempfindlich; nicht adv.): (bes. in bezug auf
bestimmte technische Instrumente od. Materialien) sehr
empfindlich (1): -e Instrumente; dieses Filmmaterial ist
h.; -entwickelt <Adj.; höherentwickelt, höchstentwickelt;
nur attr.): in seiner wirtschaftlichen o.a. Entwicklung weit
fortgeschritten: ein -es Industrieland; -entzückt <Adj.; o.
Steig.; nurattr.): sehr entzückt: -erfreut <Adj.; o. Steig.;
nur attr.): sehr erfreut: -erhoben <Adj.; o. Steig.; nur
attr.): weit nach oben gestreckt: mit -en Armen; -en Hauptes
ging sie davon (stolz, überlegen, selbstsicher o. ä. geradeaus
schauend): -explosiv <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): sehr
explosiv (1); -fahren <st. V.; ist) /vgl. hochfahrend/: 1.
(ugs.) a) nach oben fahren, hinauffahren: mit dem Fahrstuhl
in den vierten Stock h.; b) mit einem Fahrzeug an einen
höhergelegenen Ort bringen: das Gepäck zur Skihütte h.
2. (ugs.) a) an einen (vom Sprecher aus gesehen) nördlich
gelegenen Ort fahren: ich fahre heute nach Hamburg hoch;
b) mit einem Fahrzeug an einen (vom Sprecher aus gesehen)
nördlich gelegenen Ort bringen: ich muß meine Mutter
nach Hamburg h. 3.a) sich plötzlich erheben, auffahren,
weil man durch etw. überrascht, erschreckt worden ist: er-
1262
hoch-, Hoch-
schreckt h.; er fuhr aus dem Schlaf hoch; b) plötzlich
wütend werden, aufbrausen: bei dieser Bemerkung fuhr
er wütend hoch; -fahrend <Adj.>: andere geringschätzig
behandelnd: arrogant; überheblich: ein -es Wesen.
Benehmen; -fein <Adj.; o. Steig.): (in bezug auf Qualität. Güte
o.a.) sehr fein, besonders fein, erstklassig: -fest <Adj.;
o. Steig.; nicht adv.> (Fachspr.): sehr fest (2a); -feudal
<Adj.; o. Steig.) (öfter iron.): sehr vornehm: ein -er Klub;
-finanz, die: Gesamtheit der einflujireichen Bankiers u.
Finanziers, die über erhebliche wirtschaftliche u. politische
Macht verfügt; -fläche, die: vgl. -ebene; -fliesen <st. V.;
ist) /vgl. hochfliegend/: a) in die Höhe, nach oben fliegen:
die Vögel fliegen hoch; b) in die Luft geschleudert werden:
Als ich plötzlich mit einem Ruck hochfliege, weiß ich
nicht, wo ich bin (Remarque. Westen 48); -fliesend <Adj.;
nicht adv.): nach hohen Zielen strebend, ehrgeizig: -e Pläne.
Ideen; -florig <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (Textiünd.):
mit hohem 2Flor (2): -er Samt; ein -er TeppichlbodenJ;
^flut, die: 1. höchster Stand der Flut. 2. [plötzliches]
Überangebot; zu große Menge: Gerade in der inflatorischen
H. von Gedrucktem wird das Buch wieder wichtig (Zwe-
renz. Kopf 178); -form die: (bes. in bezug auj Sportler)
besonders gute, hervorragende Form (2): er hat seine H.
erreicht; die Spieler waren in H.; -format, das: a) Format
(von Bildern. Schriftstücken. Fotos o. ä.). bei dem die Höhe
größer ist als die Breite: ein Bild im H.; b) Bild. Schriftstück.
Foto o.a. im Hochformat (a): alle diese Bilder, -e und
Querformatemalte der Maler Lankes (Grass.
Blechtrommel 684); -frequent <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (Physik):
mit sehr hoher Schwingungszahl; -frequenz. die (Physik):
elektromagnetische Schwingung mit relativ hoher Frequenz.
dazu: -frequenzgleichrichter, der (Elektrot.): für hocltfre-
quente Wechselströme verwendeter Gleichrichter; -fre-
quenzstrom, der (Elektrot.): Strom mit holier Frequenz;
-frequenztechnik (Elektrot.): Erzeugung u. Anwendwxg von
hochfrequenten Strömen u. Schwingungen als Bereich der
Elektrotechnik; -frisur, die: Frisur mit nach oben gesteckten
od. gebundenen / langen] Haaren: eine H. tragen; -garage,
die: über eine Rampe erreichbare, nicht zu ebener Erde
liegende Garage (Ggs.: Tiefgarage); -geachtet <Adj.; höher,
am höchsten geachtet; nur attr.): sehr geachtet: eine -e
Persönlichkeit; -gebet, das (kath. Kirche): svw. f Kanon
(5); -gebildet <AdJ.; o. Steig.; nur attr.): sehr, ungewöhnlich
gebildet; mit einer imifassenden Bildung (1 b): ein -er Mann;
-gebirge, das: steile, schroffe Formen aufweisendes, hohes
Gebirge: im H. Urlaub machen, dazu: -gebirgsflora, die.
-gebirgslandschaft. die. -gebirgspflanze, die. -gebirgsstra-
ße. die. -gebirgstour, die: Kletter-. Skitour im Hochgebirge;
-geboren <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (veraltend): von hoher
Abkunft, adelig: -e Herrschaften; <subst.:) so mancher,
der ... postalisch mit ..Hochgeboren" adressiert wird (Th.
Mann. Krull 270); (als Anrede:) Euer. Eure Hochgeboren;
-geehrt <Adj.; höher, am höchsten geehrt; nur attr.): mit
holten Ehren bedacht, sehr geehrt: zurückgekehrt, wurde
er nun ein ... -er Mann. Generaldirektor aller Museen
(Ceram. Götter 92); -gefitfil, das: überschwengliches stolzes
Gefühl der Freude über einen Erfolg o.a.: Das H., die
triumphierende Freude, die manche junge Menschen beim
Fliegen empfinden (Kaschnitz, Wohin 65); im H. des
Sieges; -gegürtet <Adj.; höher, am höchsten gegürtet; nur
attr.): mit hoch angesetztem Gürtel: ein -es Empirekleid;
-gehen <unr. V.; ist): l.a) sich nach oben, in die Höhe
bewegen: die Schranke, der Theatervorhang geht hoch;
Ü die Preise gehen hoch (steigen); b) (ugs.) nach oben
gehen; hinaufgehen (Ggs.: hinuntergehen): die Treppe h.;
er ging noch einmal hoch, um das Fenster zu schließen;
c) (ugs.) explodieren: die Mine ging h.; die Attentäter
ließen das Botschaftsgebäude h. (salopp; sprengten es in
die Luft). 2. (ugs.) in Wut. in Zorn geraten: als niemand
seine Anordnungen befolgte, ging er hoch. 3. (ugs.) (von
illegalen Vereinigungen. Unternehmungen o. ä.) von der
Polizei o. ä. aufgedeckt werden: die Bande ist hochgegangen;
einen Rauschgiftring h. lassen; er hat seinen Komplicen
h. lassen (verraten); -geistig <Adj.; o. Steig.): geistig auf
einer sehr hohen Stufe stehend: eine -e Unterhaltung;
^-gelahrt <Adj.; o. Steig.) (altertümelnd scherzh.): svw.
T-gelehrt; -gelegen <Adj.; höher gelegen, auch: höhergelegen,
am höchsten gelegen, auch: höchstgelegen; nur attr.): in
relativ großer Höhe / über dem Meeresspiegel] liegend: eine
-e Hütte; die -en Ortschaften waren eingeschneit; -gelehrt
<Adj.; o. Steig.): sehr gelehrt; sehr gebildet: das sind alles
-e Leute; -gemut [-gamu:t) <Adj.; o. Steig.) [mhd. höchge-
muot = edel gesinnt, hochmütig; frohgestimmt, zu: ge-
muot = gesinnt, gestimmt, zu: muot. TMutl (geh.): in
froher, zuversichtlicher Stimmung: ein -er Mensch; barfuß
ging er an den Start, stellte sich h. den Fotografen (Lenz.
Brot 60); -genuß in der Wendung ein H. sein (ein besonders
großer Genuß sein): im Sommer kann ein Glas Wasser
ein H. sein; dieser Wein ist ein H. (schmeckt sehr gut);
das Konzert war für sie/war ihr ein H.; -geridit, das
(MA.): 1. Gericht für sehr schwere Verbrechen. 2.
Hinrichtungsstätte; -geschätzt: t-schätzen; -geschlossen <Adj.;
o. Steig.; nicht adv.): (von bestimmten Kleidungsstücken)
bis zum Hals geschlossen, ohne Ausschnitt: eine -e Bluse;
sie kam h. (in einem hochgeschlossenen Kleid); -gesinnt
<Adj.; o. Steig.; nicht adv.): von edler, vornehmer
Gesinnung; -gespannt <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): 1. (Elektrot.)
Hochspannung aufweisend: -e Ströme. 2. (Technik) unter
hohem Druck stehend: -e Dämpfe. 3. sehr gespannt (1);
/ in einer unrealistischen Weise] sehr hoch: -e Erwartungen
haben, hegen; -gesteckt <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): svw.
t-fliegend: sich -e Ziele setzen; -gestellt <Adj.;
höhergestellt, höchstgestellt; nur attr.): von hohem
gesellschaftlichem Rang: -e Persönlichkeiten; -gestimmt <Adj.; o.
Steig.; nichtadv.) (geh.): von einer freudigen,
erwartungsvollen od. erhabenen Stimmung erfüllt, getragen: in der
Präambel jener -en Deklaration (Dönhoff. Ära 117); -gestochen
<Adj.) (ugs. abwertend): a) geistig sehr, allzu anspruchsvoll;
schwer verständlich; geschraubt: -e Reden; er schreibt
ziemlich h.; b) die eigene Überlegenheit zur Schau stellend;
eingebildet: Einige besonders -e Intellektuelle könnten sich
freilich fast zu gut sein (Thielicke. Ich glaube 295);
-gewachsen <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): von hohem Wuchs;
groß: ein -es junges Mädchen; er ist schlank und h.;
-gezüchtet: I-züchten; -giftig <Adj.; o. Steig.; nicht adv.):
sehr giftig: -e Substanzen; -glänz, der: starker, funkelnder
Glanz: die Stiefel auf H. polieren; *etw. auf H. bringen
(sehr gründlich saubermachen): die Wohnung auf H.
bringen, dazu: -glanzabzug, der (Fot.): Fotoabzug auf
Hochglanzpapier; -glänzend <Adj.; o. Steig.; nicht adv.):
stark glänzend: -e Seide; ein -es Foto; -glanzfolie, die;
-glanzpapier, das: hochglänzendes Fotopapier;
-glanzpolieren <sw. V.; hat; bes. im Inf. u. 2. Part, gebr.) (Fachspr.):
etw. auf Hochglanz polieren: Metalle h.; eine
hochglanzpolierte Tischplatte; -gotik, die: Blütezeit der Gotik; -gradig
<Adj.; o. Steig.; nicht präd.): in hohem Grade. Maße
(ausgeprägt]; sehr, äußerst: er litt an -er Nervosität; er war
h. erregt; -gucken <sw. V.; hat) (ugs.): svw. taufgucken;
-hackig <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): (von Schuhen) mit
hohen Absätzen versehen: -e Pumps; die Stiefel sind zu
h.; -halte, die (Turnen): Haltung, bei der ein Arm od.
beide Arme senkrecht nach oben gestreckt sind: -halten
st. V.; hat): 1. in die Höhe halten: die Arme h.; der
Vater hielt das Kind hoch, damit es im Gedränge etwas
sehen konnte; der Sieger hielt den Pokal hoch. 2. (geh.)
in Ehren halten, schätzen, aus Achtung weiterhin bewahren:
alte Traditionen h.; Wer die Wahrheit hochhält, marschiert
weiterhin am besten (Borchert. Draußen 23); -haus, das:
grolSes Gebäude mit vielen Stockwerken: im H. wohnen,
dazu: -hausapartment, das; -heben <st. V.; hat): nach
oben, in die Höhe heben; emporheben: die Hand, die Hände,
den Korb h.; das Schiff wurde von den Wellen
hochgehoben; -herrschaftlich <Adj.; o. Steig.): sehr vornehm: ein
-es Haus; bei diesen Leuten geht es h. zu; -herzig <Adj.)
(geh.): großmütig, edel: sein -es Handeln wurde dankbar
gewürdigt: h. verzichtete er auf Bezahlung, dazu: -herzig-
keit, die; -; -hieven <sw. V.; hat): nach oben, in die Höhe
hieven: ein Auto mit Hilfe eines Krans h.; -holen <sw.
V.; hat) (ugs.): svw. t heraufholen: ein paar Flaschen Wein
aus dem Keller h.; -hopsen <sw. V.; ist) (ugs.): svw. t
^hüpfen, -springen; -hupfen <sw. V.; ist): in die Höhe hupfen;
-industrialisiert <Adj.; höher, am höchsten industrialisiert;
nur attr.): in sehr hohem Maße industrialisiert: ein -es
Land; -intelligent <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): sehr,
überdurchschnittlich intelligentem -er Mensch; sie ist h.;
-interessant <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): sehr interessant: ein
-es Buch: das Gespräch war h.; -Jagd, die: svw. hohe
f Jagd (1 a) (Ggs.: Niederjagd); -jagen <sw. V.; hat): I. (ein
Tier) aufscheuchen, aufjagen: Rebhühner h.; Ü jmdn.
aus dem Schlaf h. 2. (Jargon) (einen Motor) plötzlich auf
1263
hoch-, Hoch-
sehr hohe Drehzahlen bringen: er hat den Motor in den
unteren Gängen hochgejagt: -jubeln <sw.V.; hat) (ugs.):
mit übertriebenem od. ungerechtfertigtem Lob bedenken u.
dadurch bekannt machen: Nicht richtig finde ich, daß solch
ein Reinfall hinterher in der Zeitung hochgejubelt wird
(MM 14. 8. 68. 6): -kämmen <sw. V.; hat): (langes!
Haar) nach oben kämmen / u. feststeckenJ: aufkämmen:
die Haare hochgekämmt tragen; -kant <Adv.>: 1. auf die.
auf der Schmalseite: die Bücher h. [ins Regal] stellen; Er
hat an der Wagenwand eine Schicht seiner Hölzer h.
emporgeführt CA. Zweig, Grischa 14). 2. *jmdn. h.
hinauswerfen hinausschmeißen hinausfeuern rausschmeißen (salopp;
jmdn. grob u. mchdrücklich hinauswerfen 2): Komm bloß
nicht hin. die schmeißt dich h. raus (v. d. Grün. Irrlicht
11); h. hinausfliegen/rausfliegen (salopp; grob u.
nachdrücklich hinausgeworfen (2) werden): -kantig <Adj.; nur adv.):
svw. t -kant (2); -kapitalismus, der: Zeit der höchsten
Entfaltung des Kapitalismus, dazu: -kapitalistisch <Adj.; o.
Steig.): die -e Zeit; -karatig [-kare:ti$] <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.): l.a) (von Edelsteinen) von hohem Karat: ein
-er Diamant: b) (von einer Goldlegierimg) einen hohen
Anteil an Edelmetall aufweisend. 2. (ugs.) (meist in bezug
auf Personen) von hofier Qualifikation, besonderer
Prominenz o.a.: Ein Team -er Experten (Spiegel 16. 1975. 5);
Auf dem ... Presseball ... wird -e politische Prominenz
... vertreten sein (Welt 13. I. 77. 17); -kirche, die: svw.
tHigh-Church; -klappen <sw. V.; hat): nach oben klappen,
hochschlagen: die Stuhlsitze h.; mit hochgeklapptem
Mantelkragen; -klettern <sw. V.; ist) (ugs.): in die Höhe, nach
oben klettern: hinaufklettern: -kommen <st. V.; ist) (ugs.):
l.a) heraufkommen: die Kinder sollen zum Essen h.; ein
Mann kam die Straße hoch (auf den Beobachter zu): b)
aufstehen, sich erheben: aus diesem Sessel komme ich nicht
hoch; Ü Die Italiener .... die seien einfach zu schlapp.
Kämen hinten und vorne nicht hoch {seien untüchtig: Kem-
powski. Tadelloser 66); c) nach oben gelangen: [aus einer
Flüssigkeit o.a.] auftauchen: er tauchte, kam aber sofort
wieder hoch. 2. gesund werden: nach der Erkältung kam
sie rasch wieder hoch. 3. beruflich, gesellschaftlich
vorwärtskommen: er war in seiner Firma hochgekommen; er war
so ehrgeizig, daß er niemanden neben sich h. ließ. 4.a)
(verursacht durch einen Brechreiz) aus dem Magen wieder
nach oben kommen: das Essen kam ihm hoch; Ü wenn
ich so etwas höre, kommt mir die Galle hoch (werde
ich sehr ärgerlich, empfinde ich großen Widerwillen, Ekel):
b) ins Bewußtsein aufsteigen: zum Bewußtsein kotnnien:
eine Erinnerung kam in ihm hoch; -konjunktur, die
(Wirtsch.): Phase im Ablauf der Konjutiktur mit einer hohen
Auslastung der wirtschaftlichen Kapazitäten, mit raschetn
Wachstum: in Zeiten der H. steigen die Investitionen; Ü
Habermas ... hat H. (Zwerenz. Kopf 251); -können <unr.
V.; hat) (ugs.): hochkommen können: aus diesem Sessel
kann ich nicht hoch; hinten nicht mehr h. (erschöpft,
alt u. ohne Kraft sein): -konzentriert <Adj.; Steig,
ungebr.; nicht adv.): sehr stark konzentriert: eine -e Säure;
-kraxeln <sw. V.; ist) (ugs.): svw. t-klettern; -krempeln
<sw. V.: hat): svw. Jtaufkrempeln: die Hosenbeine h.; mit
hochgekrempelten Ärmeln; -kriechen <st. V.; ist) (ugs.):
nach oben, in die Höhe kriechen: den Hang h.; Ü In mir
kroch diese erbärmliche Angst wieder hoch (v. d. Grün.
Glatteis 96); -kriegen <sw. V.; hat) (ugs.): svw. t -bringen
(2. 3. 6); -kultiviert <Adj.; o. Steig.; nur attr.): von sehr
feiner, vornehmer Art: mit Lebensart: eine -e ältere Dame;
-kultur, die: Stufe der Kultur mit hochentwickelten
Produktionsmethoden, sozialen Strukturen u. ausgebildetem
Herrschaftssystem: -kurbeln <sw. V.; hat) (ugs.): kurbelnd nach
oben drehen: das Autofenster h.; -bnd, das <Pl/-länder.
auch: -lande): in großer Höhe über dem Meeresspiegel
liegende, ausgedehnte Landfläche, dazu: -länder, der:
Bewohner des Hochlands, -landisch <Adj.; nicht adv.); -langen
<sw. V.; hat) (landsch.): nach oben greifen: -laufen <st.
V.; ist) (ugs.): nach oben laufen: hinauflaufen: -lautung.
die (Sprachw.): normierte Aussprache des Hochdeutschen:
-leben in Verbindungen wie jmd., etw. lebe hoch (Hochruf,
den tnan auf jmdn.. erw. ausbringt): der Sieger lebe hoch!
die Freiheit lebe hoch; jmdn.« etw. h. lassen (einen Hochruf
auf jmdn.. etw. ausbringen): sie ließen den Jubilar h.; -legen
<sw. V.; hat): a) (von Körperteilen) in erhöhter Position
lagern: die Beine, den Kopf h.; b) (ugs.) nach oben legen:
hhiauflegen: ein Buch h.; -lehnig <Adj.; o. Steig.; nicht
adv.): mit hofier Lehne: ein -er Sessel; -letstung, die: sehr
große Leistioig, dazu: -leistungonotor, der. -leistungssport.
der: Sport, der mit dem Ziel betrieben wird, bei Wettkämpfen
Hochleistungen zu erzielen, -leistungstraining, das (Sport):
systematisches Training, das zu Hochleistungen bejahigen
soll: -liegend <Adj.; höher liegend, am höchsten liegend;
nur attr.): ein blasses Gesicht mit -en Wangenknochen
(Remarque. Triomphe 5); -löblich <AdJ.; o. Steig.; nicht
adv.) (veraltet, noch spöttisch): sehr ehrenwert: Sie könnten
... aufhören, ihren -en Rat zu achten (Hacks. Stücke 26);
-mechanisiert <Adj.; höher, am höchsten mechanisiert;
nur attr.): sehr weitgehend mechanisiert: ein -er
landwirtschaftlicher Betrieb; -meister, der (hist.): Oberhaupt des
Deutschen Ordens: -mitteblter, das: Blütezeit des
Mittelalters, dazu: -mittelalterlich <Adj.; o. Steig.; nicht adv.):
-modern <Adj.; o. Steig.): sehr modern: eine -e
Kücheneinrichtung; sie ist h. gekleidet; -modisch <Adj.; o. Steig.):
sehr modisch: ein -er Mantel; -mögend <Adj.; nicht adv.)
(veraltet, noch spöttisch): einflußreich, angesehen:
-molekular <AdJ.; o. Steig.) (Chemie): aus Maknmiolekülen
bestehend: -moor.das (Geogr.): über dem Grundwasserspiegel
liegendes, durch Niederschlag entstandenes Moor; -müssen
<unr. V.; hat) (ugs.): aus dem Bett aufstehen müssen: ich
muß morgen zeitig hoch; -mut.derlmhd. höchmuot. urspr.
= gehobene Stimmung, edle Gesinnung] (abwertend): auf
Stolz. Einbildung beruliende herablassende Haltung: Dünkel
aus übertriebener Selbsteinschätzung: sein offen zur Schau
getragener H. wirkte beleidigend; er sollte seinen geistigen
H. ablegen; voll H. auf jmdn. herabsehen. Spr H. kommt
vor dem Fall {der Hochmütige wird über kurz od. lang
einmal getiemütigt werden: als warnender Hinweis; Buch
der Sprüche Salomonis 16. 18), dazu: -mutig <AdJ.): her-
ablassend, dünkelhaft, überheblich: ein -es Gesicht. Wesen;
er ist. wirkt h.; h. lächeln; -mütigkeit, die; -. -mutsteufel,
der: personifizierter Hochmut: in ihm steckt der H. (er
ist sehr hochmütig): -nasig [-nc:zi9l <Adj.) (abwertend):
in frecher, anmaßender Weise eingebildet, stolz: ein -er
junger Mann; jmdn. h. behandeln, dazu: -näsigkeit, die:
-; -nebel, der: in relativ großer Höhe auftretender Nebel:
-nehmen <s(. V.; hat): l.a) in die Höhe halten: die Schleppe
h.; den Kopf h.; b) vom Boden aufnehmen: den Korb
h.; sie nahm das Kind h. (auf den Ann): c) (landsch.)
mit nach oben nehmen: kannst du meinen Koffer h.? 2.
(ugs.) a) jmdn. auf gutmütige, lustige Weise verspotten:
mit dieser Geschichte wollten sie mich h.; b) jmdm. für
erw. zuviel Geld abnehmen: übervorteilen: in diesem Hotel
haben sie uns ganz schön hochgenommen. 3. (Jargon)
einen Verbrecher o. ä. fassen u. verhaften: In Notizbüchern
... fand die Polizei jedoch Hinweise genug, um die Bande
hochzunehmen (MM 26.8.66.11); -nobel <Adj.; o. Steig.):
svw. f-vornehm; -notpfiinlich [auch: •-•-•--] <Adj.; Steig,
ungebr.) [Beiname des tHalsgerichts; Verstärkung von:
(veraltet) hochpeinlich = unter Anwendung verschärfter
Foltermethoden] (altertümelnd scherzh.): sehr streng: eine
-e Untersuchung; -ofen, der (Technik): großer Schmelzofen
zur Gewinnung von Ro/ieisen. dazu: -ofengas, das (Hüt-
tent.): svw. TGichtgas, -ofenschlacke, die (Hüttent.):
Schlacke, die beim Schmelzen des Erzes im Hochofen
zurückbleibt: -offiziell <Adj.; o. Steig.: nicht präd.): in einem
sehr förmlichen, feierlichen, offiziellen RaJimen stattfindend
o.a.: ein -er Empfang; -öfner, der [zu !Hochofen]: am
Hochofen tätiger Arbeiter (Berufsbez.); -ohmig [-o:mi(;]
<Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [zu TOhm] (Elektrot.): von
hohem elektrischem Widerstand: -e Meßgeräte; -päppeln
<sw. V.; hat) (ugs.): jmdn. [unter großen Midien] durch
sorgfältige Pflege großziehen, wieder gesund machen: sie
hat das kränkliche Kind wieder hochgepäppelt; Ü Zu
Kaisers Zeiten wurde die Marine ... in ungesundem Tempo
hochgepäppelt (Ott. Haie 217); -parterre« das: eine halbe
Treppe hoch liegendes Geschoß in einem Wohnhaus;
-peitschen <sw. V.; hat) (selten): svw. taufpeitschen: -plateau.
das: vgl. -ebene; -politisch <Adj.; o. Steig.): von sehr
großer politischer Bedeutung: eine -e Frage; -preisen <st.
V.; hat) (geh. selten): lobpreisen: er hat Gott hochgepriesen;
-pressen <sw. V.; hat): nach oben pressen: -produktiv <Adj.;
o. Steig.; nur attr.): sehr produktiv: -prozentig <Adj.;
höherprozentig. höchstprozentig; nicht adv.): einen hohen
Prozentsatz von etw. enthaltend: -er Alkohol; eine -e
Lösung; <subst.:> etwas Hochprozentiges (Schnaps) trinken;
-pumpen <sw. V.; hat): nach oben pumpen; -putschen <sw.
1264
hoch-, Hoch-
V.; hat): svw. taufputschen; -qualifiziert <Adj.; höher
qualifiziert, auch: höherqualifiziert, am höchsten qualifiziert,
auch: höchstqualifiziert; nurattr.): sehr, überdurchschnitt-
lieh qualifiziert: ein -er Facharbeiter; -nid, das: ältere
Form des Fahrrads mit sehr großem Vorderrad u. kleinem
Hinterrad: -rädrig <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): mit großen
Rädern: ein -er Karren; -raffen <sw. V.; hat): in die Höhe
raffen: den Rock h.; -ragen <sw. V.; hat): nach oben,
in die Höhe ragen: -fangig <Adj.; höherrangig, höchstran-
gig; nicht adv.): von hofiem Rang: -ranken, sich <sw.
V.; hat): in die Höhe ranken: wilder Wein rankt sich
an der Mauer hoch; Ü er rankt sich an kleinen Erfolgen
hoch (sein Selbstbewußtsein wird durch sie gestärkt):
-rappeln, sich <sw. V.; hat): svw. Taufrappeln; -rechnen <sw.
V.; hat) (Statistik): eine Hochrechnung durchfüftren, dazu:
-redmung, die (Statistik): von einzelnen bekannten
Teilergebnissen ausgehende Berechnung des wa/irscheinlichen
Endergebnisses, -reck, das (Turnen): hohes Reck (bei dem
sich die Reckstange auf der vorgeschriebenen
Wettkampfhöhe befindet): -recken <sw. V.; hat): svw.
Taufrecken; -reichen <sw. V.; hat): nach oben reichen: kannst
du mir den Hammer h.?; -reißen <st. V.; hat): mit einer
ruckartigen Bewegung nach oben reißen: die Arme h.; Dete-
ring reißt das Gewehr hoch und zielt (Remarque. Westen
50); Ü Zwischendurch riß der Lebenswille ihn wieder hoch
(ließ ihn wieder zu Kräften kommen: L. Frank. Wagen
35); -relief, das (bild. Kunst): stark aus der Fläche
heraustretendes Relief: vgl. Hautrelief; -religion, die (Fachspr.):
Religion einer Hochkultur: -renaissance, die: Blütezeit der
Renaissance: -rennen <unr. V.; ist): svw. f -laufen; -reser-
voir, das: svw. T-behalten -richten, sich <sw. V.; hat):
svw. Taufrichten (1); -ring, der (Boxen): auf einer erhöhten
Plattform aufgebauter Ring: ^rippe. die (Kochk.):
Rückenstück vom Rind: -romanOt, die: Blütezeit der Romanik:
-rot <Adj.;o. Steig.; nicht adv.): (in bezug auf eine
bestimmte Körperregion) sehr stark gerötet: ein -er Kopf; mit -en
Ohren;-rückig t-rYki<;l<Adj.;o. Steig.; nicht adv.) (Zool.):
(von Fischen) mit ausgeprägter Rückenwölbung, die durch
starke Abplattung der Seiten hervorgerufen wird: -ruf, der:
Ruf, mit dem jmd. gefeiert wird: -rutschen <sw. V.; ist)
(ugs.): nach oben rutschen: der Unterrock rutscht hoch;
-raison, die: a) svw. T Hauptsaison; b) Zeit des stärksten
Betriebes. Andrangs, der stärksten Nachfrage o.a.: in der
Weihnachtszeit haben die Geschäfte H ; -schalten <sw.
V.; hat): (bei Motorfahrzeugen) in einen höheren Gang
schalten: in den vierten Gang h.; -schätzen <sw. V.; hat)
(geh.): große Hochachtung für jmcln. empfinden: sehr
schätzen: das ist ein Mensch, den ich hochschätze; Ü Sie schätze
die Wahrheit hoch, weil sie alle Ideale hochschätze (Musil.
Mann 114); (formelhaft; veraltend:) hochgeschätzte
Anwesende!, dazu: -Schätzung, die; -; -schauen <sw. V.; hat)
(ugs.): nach oben schauen: aufschauen (1); -schaukein <sw.
V.; hat) (ugs.): 1. einer Sache durch übertriebene od.
emotionale Beliandlung [unangemessene] Wichtigkeit verleihen:
ein Problem h. 2. <h. + sich) sich [gegenseitig] in itnmer
größere emotionale Erregung versetzen: die beiden
Kontrahenten schaukelten sich gegenseitig hoch; -schein, der
in der Wendung keinen H. haben (Schweiz.; keine Ahnung
haben)', -scheuchen <sw. V.; hat): svw. Taufscheuchen;
-schichten <sw. V.; hat) (selten): svw. Taufschichten;
-schicken <sw. V.; hat) (ugs.): nach oben schicken:
-schieben <sw. V.; hat): nach oben, in die Höhe schieben: -schießen
<st.V.; ist): 1. svw. Taufschießen (1). 2. svw. aufschießen
(2). 3. (ugs.) sich rasch nach oben bewegen: er schoß die
Treppe hoch; -schlagen <st. V.): I. nach oben schlagen,
klappen <hat): den Mantelkragen h. 2.a) svw. Taufbranden;
b) svw. Taufschlagen (11): die Flammen schlugen hoch;
-schleichen <st. V.; hat) (ugs.): nach oben schleichen: die
Treppe h.; (auch h. + sich:) ich schlich mich die Treppe
hoch; -schleudern <sw. V.; hat): svw. Taufschleudern;
-schnellen <sw. V.; hat): in die Höhe schnellen: aufschnellen
(a). aufspringen (1): sie schnellte von ihrem Stuhl hoch;
-schrank, der (Fachspr.): Schrank, der [fast] bis zur Decke
reicht: -schrauben <sw. V.; hat): 1. in die Höhe schrauben:
den Klavierschemel h. 2. a) [künstlich] in die Höhe treiben:
die Preise h.; b) immer größer werden lassen: die Ansprüche
h.; hochgeschraubte Erwartungen. 3. <h. -I- sich) in
schraubenförmiger Bewegung aufsteigen: das Flugzeug
schraubt sich hoch; Ü Schulz schraubte sich hinter seinem
Schreibtisch hoch (Kirst. 08/15. 863); '-schrecken <sw.
V.; hat): svw. T 'aufschrecken: das Wild h.; 2-schrecken
<schreckt/(veraltend:) schrickt hoch, schreckte/schrak
hoch, ist hochgeschreckt): svw. T aufschrecken: aus dem
Schlaf h.; -schule, die: wissensclmftliche Lehr [u. For-
schungsI anstatt (z. B. Universität. Fachhochschule.
Musikhochschule u.a.): an einer H. studieren, dazu: -schubb-
schhiß, der: an einer Hochschule erworbenes
Abschlußzeugnis, -schulabsolvent, der: Absolvent einer Hochschule,
-schulausbildung, die. -Schulbildung, die: an einer
Hochschule erworbene Bildung (1 a). -schuldidaktik, die:
Didaktik im Bereich der Hochschule. -Schulgesetz, das: Gesetz,
das Stellung. Rechte u. Aufgaben einer Hochschule regelt.
-schulgruppe, die: politische Gruppe an einer Hochschule.
-sdiullehrer, der: jmd., der an einer Hochschule unterrichtet.
-schullehrerin, die: w. Form zu T -schullehrer.
-Schulpolitik, die. -Schulreform, die: Reform der Organisation u.
Verwaltung der Hochschule, der Studiengänge u. ä.. -schulreife,
die: durch das Abitur erworbene Berechtigung, an einer
Hochschule zu studieren, -schulstudium, das: Bewerber mit
abgeschlossenem H. werden bevorzugt. -Schulwesen, das;
-schiiler, der: jmd.. der an einer Hochschule studiert:
-schulterig, -schultrig [-Jult(d)n9] <Adj.; nicht adv.): mit hohen
Schultern: -schürzen <sw. V.; hat): svw. T-nehmen (1 a):
den Rock h.; -schwanger <Adj.; o. Steig.; nicht adv.):
im letzten Stadium der Schwangerschaft: eine -e Frau; sie
ist h.; -schwingen <st. V.; hat): a) nach oben schwingen:
schwingetid, mit Schwung nach oben bewegen: die Arme
h.; b) <h. -I- sich) sich mit Schwung nach oben bringen:
ich schwang mich auf das Pferd hoch; -see, die <o. PI.):
das offene Meer außerhalb der Küstengewässer: die hohe
See. dazu: - seeangele i, die. -seefischer, der: jmd.. der als
Fischer u. Seemann auf einem Hochseeschiff arbeitet (Be-
rufsbez.), -Seefischerei, die: Fischerei auf der Hochsee.
-seeflotte, die: Flotte von Hochseeschiffen, -seejacht, die:
hochseetüchtige Jacht, -seekutter, der. -seeschifT, das:
Schiff, das zur Fahrt auf der Hochsee geeignet ist. -seeschifT-
fahrt, die. -seetüchtig <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): (von
Schiffen) geeignet, auf der Hochsee zufahren: ein -es
Segelboot; -segel, das (Seemannsspr.): dreieckiges, tiach oben
spitz zulaufendes Segel: -sehen <st. V.; hat) (ugs.): nach
oben sehen: aufsehen (1); -seil, das: in großer Höhe
gespanntes Seil des Seiltänzers, dazu: -seilakrobat, der. -seibkt,
der. -seilartist, der; -sein <unr. V.; ist; Zusschr. nur im
Inf. und Part.) (ugs.): aufgestanden sein: nicht mehr im
Bett liegen: als erster h.; -selig <Adj.; o. Steig.; nicht
adv.) (veraltet; bei der Nennung verstorbener,
hochstehender od. hochgeachteter Personen): der -e Herr Pfarrer;
<subst.:) der Hochselige (veraltet; der Verstorbene)', -sinn,
der (selten): Hochherzigkeit, Edelmut, -sinnig <Adj.)
(selten): ein -er Mensch; -sitz, der (Jagdw.): in gewisser Hö/ie
auf Pfählen gebauter od. auf einem Baum angebrachter
Beobachtungsstaful des Jägers: Kanzel (5); -sommer, der:
Mitte des Sommers, heißeste Zeit des Ja/ires: wir machen
im H. Urlaub, dazu: -sommerlich <AdJ.; o. Steig.; nicht
adv.): wie im Hochsommer: -e Temperaturen; -Spannung.
die: 1. (Elektrot.) hohe elektrische Spannung (von mehr
als 1000 Volt): ein technisches Gerät mit H. betreiben;
Vorsicht H.! (als Warnung an Hochspannungsleitungen).
2. <o. PI.) a) sehr gespannte Stimmung, Erwartung: das
Publikum war in H.; jmdn. in H. versetzen; b) sehr
gespannte, kritische Lage: zum Zerreißen gespannte Atmosphäre:
in der Hauptstadt herrschte politische H. zu I: -span-
nungsleitung, die: elektrische Leitung, die Hochspannung
führt, -spannungsfreist, der: Mast für
Hochspannungsleitungen, -spannungstechnik, die <o. PI.); -spezialisiert <Adj.;
höher spezialisiert, auch: höherspezialisiert, am höchsten
spezialisiert, auch: höchstspezialisiert; nurattr.): sehr
weitgehend spezialisiert: -spielen <sw. V.; hat): etw. stärker
als gerechtfertigt ins Licht der Öffentlichkeit rücken: einer
Sache eine ihr unangemessene Bedeutung verleihen: die
Affäre h.; der Film wurde von der Kritik hochgespielt;
-spräche, die (Sprachw.): svw. T Standardsprache, dazu:
-sprachlich <AdJ.; o. Steig.) (Sprachw.): die Hochsprache
betreffend, zur Hochsprache gehörend: -springen <st. V.; ist):
1. a) sich schnell, mit einem Sprung von seinem Platz erheben:
aufspringen (1): er sprang vor Freude. Entsetzen vom Stuhl
hoch; b) an jmdm., etw. in die Höhe springen: der Hund
sprang an mir hoch; c) springend auf eine höhergelegene
Stelle gelangen: die Katze springt auf den Tisch hoch.
2. (Sport) Hochsprung als sportliche Disziplin betreiben
80 GDW
1265
hoch-,
Hochmut im Inf. u. Part.): wir wollen heute h., dazu: -Springer,
der (Sport): jmd., der Hochsprung als sportliche Disziplin
betreibt, -Springerin, die: w. Form zu t -Springer; -sprang.
der (Sport): a) <o. PI.) zur Leichtathletik gehörende
sportliche Disziplin, bei der man möglichst hoch springen muß:
er ist sehr gut Im H.; b) einzelner Sprung im Hochsprung
(a): ein H. über zwei Meter, dazu: -Sprunganlage, die
(Sport): Anlage zum Ausführen des Hochsprungs (1).
-Sprungtechnik, die (Sport): Technik beim Hochsprung (a);
-spülen <sw. V.; hat): in die Höhe, an die Oberfläche spülen:
Sand und Steine wurden hochgespült; Ü Die Qual der
Entscheidung spülte ihm die Misere seines siebenundzwan-
zigjährigen Bewußtseins plötzlich hoch (brachte sie cm
die Oberfläche seines Bewußtseins; Fries, Weg 68); -stamm,
der (Gartenbau): Zuchtform von normalerweise als Strauch
od. mit nur kurzem Stamm wachsenden Gehölzen mit relativ
hohem Stamm: diese Rosensorte gibt es auch als H.;
-stämmig <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): mit hohem Stamm: -e
Rosen. Eichen; -stand, der (Jagdw.): vgl. -sitz; -stapelei
[-Jta:pdl^jl, die; -. -en [zu t 'hochstapeln (l)]: l. das
Hochstapeln (1): als mir das Geld ausging, beging ich eine
Reihe von -en (Mostar. Unschuldig 95). 2. das Hochstapeln
(2): literarische H.; seine H. geht mir auf die Nerven;
das grenzt schon an H.; -Stapeln <sw. V.; hat) [zu f
Hochstapler]: 1. in betrügerischer Absicht [u. mit falschem
Namen] eine hohe gesellschaftliche Stellung o. ä. vortäuschen
u. das Vertrauen der Getäuschten durch massive Betrügereien
mißbrauchen: aus Geldgier h. 2. nicht vorhandenes Wissen,
Leistungen o. ä. vortäuschen, damit aufschneiden, prahlen
(Ggs.: tiefstapeln): aus Geltungsdrang h.; mit dieser
Geschichte hat er ganz schön hochgestapelt; -Stapeln <sw.
V.; hat) (selten): svw. taufstapeln: Bücher h.; -Stapler
[-Jta:pte], der [aus der Gaunerspr.. zu: hoch = vornehm
u. stap(p)eln = betteln, tippeln]: 1. jmd., der
^hochstapelt (1): er war ein ganz bekannter, berüchtigter,
vielgesuchter H. 2. jmd., der ^hochstapelt (2); Aufschneider
(Ggs.: Tiefstapler), dazu: -staplerisch <AdJ.): in der Art
eines Hochstaplers; -Start, der (Leichtathletik): Start aus
aufrechter Körperhaltung; -stecken <sw. V.; hat) /vgl.
hochgesteckt/: [lange] Haare zu einer Hochfrisur aufstecken:
die Haare h.; (auch h. + sich:) Da muß man die Sybille
bitten, daß sie sich die Haare hochsteckt (Chr. Wolf.
Nachdenken 13); sie trug das Haar hochgesteckt; -stehen <unr.
V.; hat): nach oben, in die Höhe stehen: seine Haare standen
hoch; -stehend <AdJ.; höherstehend, höchststehend; nicht
adv.): 1. eine hohe [gesellschaftliche] Stellung innehabend,
einen hohen [geistigen] Rang besitzend: sittlich, kulturell
h.; ein geistig -er (sehr gebildeter) Mensch. 2. (Jargon)
(von [Industrie] er Zeugnissen u.a.) von hoher Qualität,
hohem technischem o. ä. Entwicklungsstand: zeitnahe,
qualitativ -e Erzeugnisse für den Wohnbereich (Wohnfibel 199);
-steigen <st. V.; ist): 1. nach oben steigen, hinaufsteigen:
die Treppe, die Stufen, die Leiter h. 2. sich / senkrecht]
nach oben bewegen: Leuchtraketen stiegen h.; Blasen
steigen im Glas hoch. 3. (von Emotionen) langsam in jmdm.
aufkommen, sich in jmdm. regen: Angst. Verzweiflung. Wut
steigt in jmdm. hoch; Tränen stiegen in ihm hoch; Ein
fürchterliches Gefühl der Freude steigt plötzlich in mir
hoch (Remarque. Westen 124); -stellen <sw. V.; hat) /vgl.
hochgestellt/: 1. an einen höhergelegenen Ort stellen: die
Stühle auf den Tisch h.; (Math.:) hochgestellte (als
Hochzahl verwendete) Zahlen. 2. senkrecht stellen; hochklappen:
den Mantelkragen h.; -stemmen <sw. V.; hat): 1. (in bezug
auf etw. von großem Gewicht) in die Höhe stemmen: eine
Kiste, einen schweren Deckel h.; der Eisläufer stemmte
seine Partnerin hoch. 2. sich aufstützen u. langsam erheben:
seinen Oberkörper h.; Hinrichsen stemmte seine
Zweizentnerfigur hoch (Kirst. 08/15. 660); <auch h. + sich:) ich
stemme mich mühsam hoch; -Stickerei, die: a) <o. PI.)
Technik der Weißstickerei, bei der sich das gestickte Muster
reliefartig von der Unterlage abhebt; b) etw. in der Technik
der Hochstickerei (a) Hergestelltes: eine sehr schöne H.;
-stielig <Adj.; o. Steig.; nicht adv. >: (in bezug auf bestimmte
Gefäße) mit langem Stiel: -e Sektgläser; -stift das (hist.):
[Erzfbistum; Zentralverwaltung eines [Erzjbistums;
-stilisieren <sw. V.; hat) (abwertend): einer Sache durch
übertriebenes Lob, unverdiente Hervorhebung o. ä. unangemessene
Wichtigkeit od. übermäßigen Wert verleihen od. zu etwas
Besserem machen, als sie in Wirklichkeit ist: ein
Durchschnittsbuch zu einem Kunstwerk h.; Wunschdenken, das
sich nicht zu einer Ersatzweltanschauung h. läßt (Spiegel.
39.1974. 15); -Stimmung, die: sehr frohe, festlich gehobene
Stimmung: im Ballsaal herrschte H.; in H. sein; Ich war
... von der Festlichkeit des ... Gesehenen und von der
allgemeinen H. erfüllt (Thorwald. Chirurgen 283); -stirnig
[-Jtimi<j] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (selten): mit hoher
Stirn; -Straße, die: über Pfeiler geführte Straße [oberhalb
von anderen Straßen]; -streben <sw. V.; ist; meist im 1.
Part.): 1. (geh.)svw. Taufstreben (1): hochstrebende Pfeiler.
Felswände; die jungen Bäume streben aus dem Unterholz
hoch; <subst.:) das kühne Hochstreben des Raumes (Bild.
Kunst 3. 21). 2. nach Hohem, Höherem streben,
aufstreben (2): ein Mensch mit hochstrebendem Sinn; ein
hochstrebender Geist; -strecke, die (Gewichtheben):
Haltung, bei der das Gewicht mit gestreckten Armen bei ruhiger
Körperhaltung über dem Kopf gehalten wird: ein Gewicht
zur H. bringen; -strecken <sw. V.; hat): nach oben, in
die Höhe strecken: die Arme h.; -streifen <sw. V.; hat):
nach oben streifen: die Ärmel h.; -stülpen <sw. V.; hat):
nach oben stülpen: der Maler .... der ... die
Hemdsärmel hochstülpte (Becher. Prosa 124); ^tal, das:
hochgelegenes Tal; -temperaturreÄktor, der (Kernphysik):
gasgekühlter Kernreaktor mit sehr hoher
Kühlmitteltemperatur; ^ton, der <P1. -töne) (Phon.): Ton mit hoher Tonhöhe
(Ggs.: Tiefton); -tönend <Adj.): vgl. ^trabend; -tonig
[-to:ni(jl <Adj.; o.Steig.; nicht adv.) (Phon.): [den]
Hochton tragend; -tour, die: 1. svw. t Hochgebirgstour. 2. *auf
-en laufen/arbeiten (1. mit der größten Leistungsfähigkeit
laufen/arbeiten: der Motor, die Anlage lief auf -en. 2.
unter großer Hektik u. unter Aufbringen aller Kraftreserven
vonstatten gehen: die Kampagne lief auf-en; zu
Weihnachten läuft der Betrieb auf -en); auf -en bringen (1. zur größten
Leistungsfähigkeit bringen: die Maschine auf -en bringen.
2. zu größter Arbeitsleistung anstacheln: jmdn. auf-en
bringen), dazu: -tourig [-tu:nf] <Adj.) (Technik): mit hoher
Drehzahl laufend: -e Maschinen; -tourist, der: Tourist,
der Hochgebirgstouren macht, dazu: -touristik, die;
-trabend <Adj.) [mhd. hochtrabende; airspr. vom Pferd,
das den Reiter beim Traben allzu hoch wirft u. deshalb
schwer zu reiten ist] (abwertend): (von schriftlichen od.
mündlichen Äußerungen o.a.) mit einem hohlen Pathos;
übertrieben u. gespreizt in Ausdruck u. Inhalt: -e Worte,
Reden; „warum macht er das bloß?4' ... Sie hätte ein
paar Antworten gewußt, aber die kamen ihr zu h. vor
(Chr. Wolf. Himmel 119); -tragen <st. V.; hat) (ugs.):
nach oben tragen; hinauftragen: die Koffer h.; -treiben
<st. V.; hat): 1. (ugs.) nach oben treiben, hinauftreiben:
die Kühe [auf die Alml h. 2. stark steigern: bewußt u.
forciert eine Erhöhung bei etw. bewirken: die Preise h.;
-türmen <sw. V.; hat): svw. Tauftürmen (a. b); Mifer,
das (Geogr.): (durch Erosion entstandenes) erhöhtes, steiles
Ufer; -verdient <Adj.; o. Steig.; nur attr.): mit vielen
Verdiensten; sehr verdient: ein -er Mann, Wissenschaftler;
^verehrt <AdJ.; o. Komp.. Sup. in der veralteten Anrede:
hochverehrtest; nur attr.): sehr verehrt: mein -er alter
Lehrer; -e Frau Schmidt; -verrat, der [LÜ von frz. haute
trahison] (jur.): Verbrechen gegen den inneren Bestand od.
die verfassungsmäßige Ordnung eines Staates: H. begehen;
Vom ersten Tag der Hitlerschen Herrschaft an habe er
H. getrieben (Niekisch, Leben 249); des -s. wegea-s
angeklagt sein, dazu: ^verriter, der: jmd., der Hochverrat
begeht, -verräterisch <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): -e
Handlungen, Äußerungen; -verschuldet <AdJ.; höher, am
höchsten verschuldet; nur attr.): mit hohen Schulden belastet:
ein -es Unternehmen; -verzinslich <Adj.; o. Steig.; nicht
adv.) (Bankw.): hohe Zinserträge abwerfend: -e
Wertpapiere; -vornehm <AdJ.; o. Steig.): sehr vornehm: ein -es Hotel;
eine -e Gesellschaft; -wald, der: 1. Wald mit sehr hohen
alten Bäumen u. wenig Unterholz. 2. (Forstw.)
forstwirtschaftlich gepflegter u. genutzter Wald, bei dem der
Baumbestand durch Saat od. Anpflanzen vermehrt wird u. bei dem
man die Bäume sehr alt werden läßt (Ggs.: Niederwald):
-wasser, das <P1. -wasser): 1. höchster Wasserstand der
Flut: um 14 Uhr ist H. 2. sehr hoher, bedrohlicher
Wasserstand eines Flusses, auch eines Sees od. des Meeres: das
H. (die Überschwemmung) hat großen Schaden verursacht;
der Fluß hat. fuhrt H.; *H haben (ugs. scherzh.; zu kurze
Hosen tragen), zu 2: -wassergefahr. die. -wasserhosetn],
die (scherzh.): zu kurze Hosen: er trägt Hochwasserhosen,
eine Hochwasserhose, -wasserkatastrophe, die. -wasser-
1266
Hochzeit
schaden, der; -Webstuhl, der: Webstuhl mit senkrecht
gespannten Kettfäden; -weide, die: svw. tAlm; -Weitsprung.
der (Pferdesport): Sprung über ein Hindernis, bei dem das
Pferd sowohl weit als auch hoch springen mu/J; -werfen
<st. V.; hat): in die Höhe, in die Luft werfen: den Ball
h.; -wertig <AdJ.; Steig, ungebr.; nicht adv.): von hoher
Qualität: -e Erzeugnisse, ein -er Mantelstoff; -es Eiweiß
(Eiweiß von hohem Nährwert); die Produkte sind h.. dazu:
-Wertigkeit, die; -wichtig <Adj.; o. Steig.; nur attr.): sehr
wichtig: ein -es Ereignis; -wild, das [vgl. hohe t Jagd] (Jä-
gerspr.): Wild, das zur hohen Jagd gehört (z. B. Elch. Rot-
u. Damhirsch); -willkommen <Adj.; o. Steig.; nur attr.):
sehr willkommen: -e Gäste; -winden <st. V.; hat): 1. mit
einer Winde nach oben ziehen: den Anker h. 2. <h. +
sich) sich mit einer Drehbewegung aufwärtsbewegen, in die
Höhe bewegen: die Kletterpflanze windet sich am Gestell
hoch; Der erhob sich langsam, fast schien es. als winde
er sich hoch (Kirst. 08/15. 712); -wirbeln <sw.V>: svw.
taufwirbeln; -wirksam <Adj.; o. Steig.; nur attr.): sehr
wirksam: eine -e Medizin; -wohlgeboren <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.) (veraltet): vgl. hochgeboren: -e Herren; als
Titel: Hochwohlgeboren; in der Anrede: Euer Hochwohl-
geboren; bei Anschriften: Seiner. Ihrer
Hochwohlgeboren ...; -wölben <sw. V.; hat): a) nach oben, nach außen
wölben: der Druck hat das Blech hochgewölbt; b) <h. + sich)
svw. sich taufwölben: der Deckel der Konservendose hat
sich hochgewölbt; -wollen <unr. V.; hat) (ugs.): a)
aufstehen, sich erheben wollen; als er wieder aus dem Sessel
hochwollte, stöhnte er vor Schmerz auf; b) nach oben, in die
Höhe gelangen wollen: wenn die Kapuzinerkresse
aufgegangen ist u. in Gelbtönen am Gitter hochwill (Wohmann.
Absicht 291); -wuchs, der (Med.): übermäßiges
Wachstum. Großnuchs.dazu: -wüchsig < Ad j.; o. Steig.; nicht adv.):
(von Pflanzen, bes. Bäumen) schlank u. in die Höhe
wachsend: -eTannen; -wuchten <sw. V.; hat) (ugs.): unter großer
Kraftanstrengung hochheben; eine schwere Kiste h.;
-würden <o. Art.); -[s] [vgl. mhd. der höwerdege herr = Erzbi-
schofl: veraltende Anrede u. Bezeichnung für katholische
u. höhere evangelische Geistliche: Euer. Eure H.!;
Hochwürden Rasmussen ... wußte es auch nicht (Jahnn.
Geschichten 88); vgl. Ehrwürden; -würdig <Adj.; o. Komp.;
nicht adv.) (veraltend): in ehrenden Anreden für
katholische u. höhere evangelische Geistliche: der -e Herr Pfarrer;
-wurf, der (Sport): l.a) svw. tSchiedsrichterball; b)
(Basketball) das Hochwerfen des Balles zwischen den beiden
Spielern beim Sprungball. 2. (Schlagball) das Hochwerfen
des Balles durch den Fänger, wetm der Läufer die Grenze
überschreitet; -zahl, die (Math.): svw. tExponent (2 a);
-zeit, die (geh.): glänzender Höhepunkt. Höchststand einer
Entwicklung, eines Zeitabschnitts; Blütezeit; vgl. aber:
HQchzeit; -ziehen <unr. V.): 1. <hat> a) /mit Hilfe einer
ZugvorrichtungJ nach oben, in die Höhe ziehen: den
Rollladen h.; die Fahne, das Segel h.; er zog die Hose hoch;
<auch h. + sich.) ich zog mich am Geländer hoch; Ü
Es gibt Schreiber .... die sich an Skandalen hochziehen
(daran ihr Vergnügen finden; Spiegel 12. 1977. 81); ich kann
mich ... dran h.. wenn da so zwei Männer im Bett liegen
(Schmidt. St rieh Jungengespräche 200); b) nach oben
bewegen, heben da): die Brauen, die Schultern h.; die
Nase h. (Nasenschleim geräuschvoll nach oben ziehen);
c) (Jargon) (von Flugzeugen) rasch an Höhe gewinnen
lassen: der Pilot zog das Flugzeug hoch (ließ es steil
aufsteigen); d) (Jargon) (in die Höhe) bauen, mauern: eine Wand
h.; er ließ in kurzer Zeit das Gebäude h.; e) aufkommen;
näher kommen; aufziehen <ist): ein Gewitter zieht hoch;
-ziel, das (selten): bedeutendes, wichtiges, von Idealen
getragenes Ziel; -zivilisiert <Adj.; höher, am höchsten zivilisiert;
nur attr.): in hohem Maße zivilisiert: -e Länder, Völker;
-zucht, die (Landw.): das Züchten von leistungsfähigen
Haustieren od. ertragreichen Nutzpflanzen; -züchten <sw.
V.; hat): 1. (Landw.) Hochzucht betreiben: eine mäßige
Weizensorte zu einer ertragreicheren h.; eine
hochgezüchtete Pferderasse; Ü ein hochgezüchteter Motor (häufig
abwertend; ein sehr leistungsfähiger, aber auch sehr empfindlicher
Motor). 2. in übertriebener / schädlicher] Weise entwickeln:
Ihr habt doch die Liebe zum Tod erst hochgezüchtet (Ott.
Haie 343); -zucken <sw. V.; hat): sich zuckend nach oben
bewegen: die Flammen zuckten hoch; -zwirbeln <sw. V.;
hat): (den Schnurrbart) in die Höhe zwirbeln: ein
hochgezwirbelter Schnurrbart.
Hochepot [dJ'po]. das; -. -s bJ'po; (m)frz. hochepot =
Fleischragout mit Rüben, zu: hocher = schütteln u. pot
= Topf) (Kochk.): Suppeneintopf, meist aus ! Hammeli-
fleisch. verschiedenen Gemüsen u. Kartoffeln.
Hochheimer [ho.xhaimE]. der; -s: Wein aus der Gegend
von Hochheim am unteren Main.
höchlich [h0:<;lic] <Adv.; o. Komp.; Sup.: -st) [mhd.
höchlich, ahd. höhlfh = erhaben] (veraltend, noch geh.): in
großem Maße, sehr: gefällt sie sich in einem Radebrechen,
das Mama h. amüsiert (Fallada. Herr 8): ich bin -st
erstaunt, daß ...; höchst [ho^st] <Adv.): sehr, überaus,
äußerst: es war h. leichtsinnig von ihm; das ist h.
unwahrscheinlich; höchst... I-]: <Adj.; Sup. von fhoch da. b;
2a. b; 3 b; 4; 5».
höchst-. Höchst-: -alter, das: in einem bestimmten
Zusammenhang höchstes /mögliches/ Alter; das H. zum Eintritt
in diese Firma ist 45; -arbeitszeit, die: höchste /mögliche
od. erlaubte! Arbeitszeit; -begabt thochbegabt; -beb-
stung, die: größte / mögliche/ Belastung; -besteuert: f
hochbesteuert; -betrag, der: größter /möglicher/ Betrag: der
steuerfreie H.; -bezahlt: Thochbezahlt; -bietende, der u.
die <Dekl. t Abgeordnete): derjenige, der bei einer
Versteigerung am meisten bietet; Miauer, die: längste /mögliche/
Dauer; -dekoriert: t hochdekoriert; -derselbe, -dieselbe
(Demonstrativpron.) (veraltet; in bezug auf hochgestellte
Personen): svw. t derselbe, dieselbe; Miosis, die: höchste
/mögliche/ Dosis; -dotiert: Thochdotiert; -druck, der
(Technik): sehr hoher Druck (von über 10(X) bar); -eigen
<Adj.; o. Steig.; nicht präd.) (veraltend, noch scherzh.):
selbst, in eigener Person: da kam die Frau Pfarrer h. in
den Laden (Strittmatter. Wundertäter 125); vgl. Person:
-entwickelt: t hochentwickelt; -ertrag, der: höchster
Ertrag; -fall, der in der Fügung im H. (im günstigsten Fall;
höchstens): dafür bekommst du im H. 100 DM; -form,
die (bes. Sport): beste / sportliche/ Verfassung: der Spieler
war in H.; -frequenz, die (Physik): elektromagnetische
Schwingung mit sehr hoher Frequenz, dazu: -frequenztech-
nik, die <o. PL); -gebot, das: höchstes Angebot bei einer
Versteigerung; -gelegen: t hochgelegen; -geschwindigkeit,
die: höchste /mögliche od. zulässige/ Geschwindigkeit: auf
Landstraßen beträgt die H. 100 km/h; -gestellt:
thochgestellt; -gewicht, das: höchstes /mögliches od. zulässiges/
Gewicht; -gewinn, der: höchster /möglicher) Gewinn;
-grenze, die: oberste Grenze; -kurs, der (Bankw.): höchster
Börsenkurs: die Aktie hat den H. erreicht; -leistung, die:
höchste [mögliche/ Leistung; -lohn, der: höchster zu erwar-
tender Lohn; -marke, die (Sport Jargon): svw. t Leistung;
-maß, das: sehr hoher Grad; Maximum: diese Arbeit
erfordert ein H. an Geschicklichkeit; -möglich <Adj.; o. Steig.;
nur attr.): so hoch, so groß wie möglich: der -e Gewinn;
-note, die (bes. Turnen): höchste Note als Bewertung für
eine Übung: die Turnerin bekam dreimal die H.;
-persönlich <Adj.; o. Steig.: nicht präd.): /unerwartetermaßenJ
selbst, in eigener Person, persönlich: der Minister h.
überreichte die Urkunde; er kam h.. um sich zu entschuldigen;
-preis, der: höchster zu erwartender Preis; -e zahlen;
-richterlich <Adj.; o. Steig.; nur attr.): vom jeweils höchsten
Gericht ausgesprochen: eine -e Entscheidung; -satz, der:
höchster Betrag. Tarif: bei der Versicherung den H. zahlen
müssen; -selbst <indekl. Pron.) (veraltend, noch scherzh.):
svw. t -persönlich: er kam h.; -Spannung, die (Elektrot.):
höchste elektrische Spannung (von über 1(X) Kilovolt);
-stand, der: höchster Stand; -stehend: T hochstehend;
^strafe, die: höchste / mögliche/ Strafe: der Staatsanwall forderte
die H.; -stufe, die (Sprachw.): Superlativ; -temperatur,
die: höchste /mögliche/ Temperatur; -verbrauch, der: der
H. an, von elektrischem Strom; -wahrscheinlich <Adv.):
sehr wahrscheinlich: h. hat er es getan; -wert, der: höchster
/möglicher/ Wert; -zahl, die: höchste Zahl; -zulässig
[auch:'-' ]<Adj.;o. Steig.; nur attr.): das -e
Gesamtgewicht (das höchste Gesamtgewicht, das zulässig ist).
höchstenfalls [ho^stn-l <Adv.>: im Höchstfall, höchstens;
höchstens <Adv.): a) im höchsten, äußersten, günstigsten
Fall; nicht mehr als; bestenfalls: ich warte h. zehn Minuten;
es waren h. 200 Personen anwesend; die Behauptung trifft
in h., h. in drei Fällen zu; b) außer; es sei denn; er geht
nicht aus, h. gelegentlich ins Kino.
Hochzeit [hsxtßajt], die; -. -en [mhd. höchgezit. verkürzt:
höchzft = hohes kirchliches od. weltliches Fest; höchste
Freude; Vermählungsfeier; vgl. ahd. diu höha gezit =
80#
1267
hochzeiten
das Fest]: 1. mit der Eheschließung verbundenes Fest. Feier:
eine große, aufwendige H.; die H. findet im Mai statt;
die H. ausrichten; H. feiern, halten, machen; jmdn. zur
H. einladen; * grüne H. (Tag der Heirat); papierene H.
(1. Jahrestag der Heirat); kupferne H. (7. Jahrestag der
Heirat); hölzerne H. (10. Jahrestag der Heirat): silberne
H. (25. Jahrestag der Heirat); goldene H. (50. Jahrestag
der Heirat); diamantene H. (60. Jahrestag der Heirat);
eiserne H. (65. Jahrestag der Heirat); steinerne H. (70.
Jahrestag der Heirat); nicht auf zwei -en tanzen können
(ugs.; nicht an zwei Veranstaltungen. Unternehmungen o.a.
gleichzeitig teilnehmen können): auf allen -en tanzen (ugs.;
überall dabeisein wollen]): auf der falschen H. tanzen (ugs.;
eitie falsche Entscheidung getroffen haben): auf einer fremden
H. tanzen (ugs.; sich in Dinge einmischen, die einen nichts
angehen). 2. (Druckerspr.) doppelt gesetztes Wort od. Zeile;
<Abl.:> hochzeiten [hDxLsajtn] <sw. V.; hat) Imhd. hoch-
aten] (selten): Hochzeit halten, feiern; heiraten: die beiden
jungen Leute wollen h.; HQchzeiter. der; -s, - (landsch.):
Bräutigam; HQchzeiterin, die; -, -nen (landsch.): Braut:
hochzeitlich <Adj.; o. Steig.) [mhd. höchzit(ec)lich =
festlich]: die Hochzeit betreffend; festlich, feierlich in bezug
auf eine Hochzeit.
HQchzeits- (Hochzeit 1): -anzeige, die: Anzeige in einer
Zeitung o.a.. durch die man seine Hochzeit bekanntgibt;
-bild, das: am Hochzeitstag aufgenommenes Bild.
Fotografie mit dem Brautpaar iu. der Hochzeitsgesellschaft ];
-bitter, der (veraltet): jmd.. der nach ländlichem Brauch die
Gäste zu einer Hochzeit bittet; -brauch, der; -essen, das;
-feier, die; ^fest, das (geh.); -flug, der (Zool.): Flug, bei
dem bei bestimmten staatetibildenden Insekten (Bienen.
Ameisen. Termiten) die Königin begattet wird; -foto, das:
vgl. -bild; -gäbe, die (geh.): svw. t -geschenk; -gast, der;
-gedieht, das: Gedicht, das anläßlich einer Hochzeit, zu
Eliren des Brautpaares verfa/Jt wird; -geschenk, das:
Geschenk, das das Brautpaar zur Hochzeit bekommt; -gesell-
schaft, die; -haus, das: Haus. Wohnung der Eltern, die
die Hochzeit des Brautpaars ausrichten; -kleid, das: 1.
/ weißes] Kleid, das die Braut zur Hochzeit trägt. 2. (Zool.)
farbiger Federschmuck, auffällige Färbung bestimmter
Hautpartien (bei manchen männlichen Tieren in der
Paarungszeit); -kuchen, der; -kutsche, die; -mahl, das (geh.):
svw. f -essen; -nacht, die: auf die Hochzeit folgende Nacht
l in der früher die Eheleute gewöhnlich zum ersten Mal
geschlechtlich miteinander verkehrten u. die Braut
entjungfert wurde]; -paar, das; -reise, die: Reise, die das
Hochzeitspaar nach der Hochzeit unternimmt; -schmaus,
der (veraltend): svw. t -essen; -Strauß, der: Blumengebinde,
das die Braut I vom Bräutigam bekommt u.] während der
Trauzeremonie in der Hand trägt; Brautbukett: -tafel, die:
festlich gedeckte Tafel bei der Hochzeit; -tag, der: a) Tag.
an dem die Hochzeit stattfindet: am H. war herrliches
Wetter; b) Jahrestag der Hochzeit: seinen H. vergessen;
er schenkte seiner Frau Blumen zum 4. H.; -zug, der:
Zug der Hochzeitsgesellschaft auf dem Weg zur Kirche.
Hock [hok]. Hock [heck], der; -s. Hocke [rückgeb. aus ? hok-
ken (2)] (Schweiz, mundartl.): geselliges Beisammensein:
kommst du auch morgen zum H.?
Hgck- (^ocke, hocken 4): -sitz, der (Turnen): Sitz in
geschlossener Kniebeuge, bei dem sich die Hände neben
den Füßen auf den Boden stützen u. die Knie vor der Brust
sind; -Sprung, der: I. (Leichtathletik) Sprung beim Weit-
od. Hochsprung, bei dem die Beine angewinkelt sind. 2.
(Turnen) Sprung, bei dem man die geschlossenen Beine
gegen die Brust beugt; -stand, der (Turnen): Stand in
geschlossener Kniebeuge, bei dem die Knie vor der Brust sind
u. die Füße /mit ganzer Sohle/ auf dem Boden aufsetzen;
-Stellung, die: svw. t^Hocke (1); -stütz, der (Gymnastik):
Übung, hei der man sich in geschlossener Kniebeuge mit
beiden Händen auf den Boden stützt; -wende, die (Turnen):
Wende, bei der die Beine gegen die Brust gebeugt sind.
'Hocke ['hakd). die; -. -n [verw. mit Thoch] (nordd.): 1.
zum Trocknen auf dem Feld im Kreis gegeneinander
aufgestellte Gruppe von Getreidegarben; Puppe. 2. svw. t Hucke
(2): sich eine H. Holz aufladen.
*Hocke [-]. die; -, -n [zu t hocken]: 1. Körperhaltung in tiefer
Kniebeuge mit aufrechtem Oberkörper, bei der das Gewicht
des Körpers auf den Fußspitzen ruht: in der H. sitzen,
in die H. gehen. 2. (Turnen) Übung, bei der man mit
angewinkelten Beinen über ein Gerät springen muß: eine
H. über den Kasten machen; hocken [hokn] <sw. V.> [aus
dem Niederd. < mniederd. hucken = kauern, vgl. mhd.
huchen]: l.a) in der 'Hocke (I) sitzen <hat/(südd.:) ist):
die Kinder hocken am/auf dem Boden und spielen; eine
Arbeit in hockender Stellung ausführen; b) <h. + sich)
sich in hockender Stellung an einen bestimmten Platz setzen
<hat): ich hockte mich auf die Treppe; sie hockten sich
ums Feuer; c) (ugs.) in zusammengekauerter Haltung,
zusammengeduckt sitzen; auf einer niederen Sitzgelegenheit,
mit*angezogenen Beinen sitzen <hat/(südd.:) ist): sie hockte
traurig in der Ecke; die Hühner hocken auf der Stange;
Auf den Bäumen am Fluß hocken Hunderte von Geiern
(Grzimek. Sercngeti 165). 2. (südd.) a) an einem bestimmten
Ort sitzen <ist): auf seinem Stuhl h. [bleiben]; Ü der
Kaufmann ist auf seiner Ware h. geblieben (hat keinen Käufer
für sie gefunden); b) <h. + sich) sich wohin setzen <hat>:
er hockte sich an den Tisch; komm, hock dich zu mir.
3. (ugs.) längere Zeit /untätig/ an einem Ort sitzen, sich
aufhalten <hat/(südd.:) ist): sie hockt den ganzen Tag hinter
dem Schreibtisch; den ganzen Abend in der Kneipe h.:
immer zu Hause h. (das Haus nicht verlassen). 4. (Turnen)
mit angewinkelten Beinen über ein Gerät spritigen od. von
einem Gerät herunterspringen <ist): über das Pferd h.; vom
Barren h.; <Zus.:) hQckenbleiben <st. V.; ist) (landsch.):
in der Schule sitzenbleiben; Hacker, der; -s, -: 1. Sitzmöbel
ohne Lehne für eine Person, meist in StuJilhöhe. 2. (landsch.)
jmd.. der sich allzu lange an einem bestimmten Ort aufhält,
herumsitzend verweilt: er sitzt jede Nacht im Wirtshaus,
er ist ein richtiger H. 3. (Archäol.) Mensch (Skelett) in
einem Grab mit angezogenen Beinen; <Zus. zu 3:>
Hockergrab, das (Archäol.): vorgeschichtliches Grab, in dem der
Tote mit angezogenen Beinen bestattet wurde.
Höcker ['hocke], der; -s, - [mhd. hocker. hoger. wahrsch.
verw. mit thoch]: 1. aus Fettpolstern bestehender großer
Wulst auf dem Rücken von Kamelen: das Kamel hat zwei
H. 2.a) (ugs.) durch eine Verwachsung der Wirbelsäule
entstandener Buckel (beim Menschen): er hat einen H.
zwischen den Schultern; b) erhöhte Stelle, kleine Wölbung
an einer bestimmten Stelle der Körperoberfläche: eine Nase
mit einem H.; c) kleine Erhebung im Gelände; Hügel: ein
Höhenzug mit zwei -n.
hQcker-, Höcker-: -artig <Adj.; o. Steig.): eine -e Erhebung;
-gans, die: bräunliche od. weiße Gans mit relativ langem
Hals u. mit einem Höcker au) dem Schnabel; -nase, die:
Nase mit einem Höcker; -schwan, der: Schwan mit einem
schwarzen Höcker auf dem orangegelben Schnabel.
höckerig, höckrig [haekteJn^] <Adj.; nicht adv.) [älter: hök-
kericht, vgl. mhd. hockereht]: (in bezug auf eine Fläche)
mit kleinen Erhebungen; bucklig, uneben: -es Gelände; der
Boden ist h.
Hockey ['hnki, auch: hake], das; -s [engl, hockey. H. u.]:
zwischen zwei Mannschaften ausgetragenes Ballspiel, bei
dem ein kleiner Ball nach bestimmten Regel/i mit
gekrümmten Schlägern in das gegtierische Tor zu spielen ist: H.
spielen.
Hockey-: -ball, der: kleiner, weißer, aus Leder od. Kunststoff
bestehender Ball für das Hockeyspiel; -feld, das; -Schläger,
der: am unteren Ende gekrümmter Stock aus Holz mit
breiter, flacher Schlagfläche; -spiel, das; -Spieler, der;
-stock, der: svw. T -Schläger.
höckrig: t höckerig.
hoc loco ['ho:k lo:ko; lat.] (bildungsspr. veraltet): an diesem
Ort. hier; Abk.: h. I.
Hode [ho:da]. der; -n. -n od. die; -. -n: svw. t Hoden.
Hodegetik [hode oe:tik], die; - [zu griech, hodegetikös =
anleitend, wegweisend]: 1. (Wissensch. veraltet) Anleitung
zum Studium eines Wissens- od. Arbeitsgebietes. 2. (Päd.
veraltet) Lehre von der Erziehung des Charakters (im
Unterschied zur Didaktik); Hodegetria [hodege:tria], die; -.
...trien [...trian; griech. hodegetria = Wegweiserin] (Kunst-
wiss.): (in der byzantisehen Kunst) Typ des Marienbildes,
auf dem die Gottesmutter (in Halbfigur) mit dem
segnenden Jesusknaben auf dem linken Arm. mit der rechten
Hand auf das Kind deutend, dargestellt ist.
Hoden [ho:dn]. der; -s. - [mhd. hode. ahd. hodo. urspr.:
das Bedeckende. Umhüllende]: eine der beiden meist
rundlichen Drüsen (im Hodensack), in denen der männliche
Samen gebildet wird; männliche Keimdrüse.
Hoden- (Med.): -bmch.der: Leistetibruch. bei dem der Inhalt
des Bruchs in den Hodensack absinkt; -entzündung, die;
1268
hoffärtig
-hochstand, der: svw. tKryptorchismus; -krebs, der;
-sack, der: sackartige Hauthülle, die die Hoden umgibt;
Skrotum.
Hodograph [hodo'gra:f|. der; -en. -en [1: zu griech, hodös =
Weg u. t-graph; 2: erstmals verwendet von dem ir.
Mathematiker u. Physiker W. F. Hamilton (1805-1865)] (Physik):
1. Gerät zum Aufzeichnen einer beliebigen krummlinigen
Bewegung u. der damit verbundenen Geschwindigkeiten u.
Beschleunigungen. 2. Kurve, die die Endpunkte der für jeden
Zeitpunkt von einem festen Punkt aus nach Größe u.
Richtung aufgezeichneten Geschwindigkeiten bilden; Hodomgter.
das; -s. - [griech. hodömetros]: Wegmesser. Schrittzähler.
Hodsdia ['hac&a]. der; -[s], -s [türk. hoca = Meister. Lehrer):
geistlicher Lehrer in der osmanischen Türkei.
Hof [ho:f|. der; -[e]s, Höfe [h0:fe; 1: mhd.. ahd. hof; H.
u.; entw. verw. mit t hoch u. dann urspr. ..Erhebung.
Anhöhe" (da sich der Hof in alter Zeit vielfach auf einer Anhöhe
befand) od. ..eingehegter Raum"; 3: unter dem Einfluß
von frz. courl: 1. <Vkl. T Höfchen) zu einem Gebäude!
komplex I gehörender, von Mauern. Zaun od. Gittern
umschlossener Platz; ein großer, gepflasterter H.; Hinterhäuser und
lichtlose Höfe; die Kinder spielen auf dem/im H.; die
Fenster gehen alle auf den H. (man sieht aus den Fenstern
auf den Hof); die Gefangenen auf. in den H. (des
Gefängnisses) führen; das Fahrrad im H. abstellen. 2. <Vkl. t
Höfchen) landwirtschaftlicher Betrieb (mit allen Gebäuden u.
dem zugehörigen Grundbesitz); Bauernhof, kleines Gut: ein
stattlicher, einsam gelegener H.; einen H. erben,
bewirtschaften, verpachten; in einen H. einheiraten; sie wurden
von ihren Höfen vertrieben. 3.a) Sitz eines regierenden
Fürsten. Herrschers: der kaiserliche H.; die europäischen
Höfe; der H. Ludwigs XIV.; am H. verkehren; bei -e
eingeführt werden; b) <o. PI.) die zur Umgebung, zum
Gefolge eines Fürsten gehörenden Personen; Hofstaat: der
ganze H. war versammelt; c) *imdm. (einem Mädchen,
einer Frau) den H. machen (veraltend, noch scherzh.; ein
Mädchen, eine Frau in galanter Weise umwerben, sich um
ihre Gunst bemühen; nach frz. faire la cour ä quelau'un,
urspr. auf das diensteifrige Gebaren der Höflinge
gegenüber ihrem Herrn bezogen, dann als werbende Huldigung
für die Dame). 4. svw. t Aureole (3): die Sonne hat einen
H ; in einen großen heiligenscheinartigen H. eingebettet,
blickte mit schiefgehaltenem Kopf der Mond auf uns nieder
(Schnurre. Bart 190).
hof-, Hof-: -adel. der (hist.): der am HofO'd) verkehrende,
zum Hof (3b) gehörende Adel; -amt, das (hist.): /erbliches]
Amt an Fürstenhöfen (z.B. Hofmarschall); -bäckerei,
die: vgl. -konditorei; -ball, der: Tanzfest an einem Hof Oa)'.
-besitzer, der: Besitzer eines Hofes (2); -Charge, die:
Würdenträger an einem Hof (3 a): -dame, die: adlige, einem
Hofdsi) angehörende Dame; Ehrendame /einer Fürstin/;
Mlichter, der (früher): für einen HofO a) schreibender
Dichter; MÜenst.der: Dienst an einem HofOa): ~erbe, der: Erbe
eines Hofes (2); -etikette, die: Etikette an einem Hof (3 a);
^ifihig <Adj.; Steig, ungebr.; nicht adv.): vornehm genug,
um bei Hofe (3 a) zu erscheinen; sahn-, gesellschaftsfähig:
Der eine ist h. bei Gott, derandere beim Kaiser (Remarque.
Obelisk 218); Ü die demoskopische Rechnung .... Adenauer
selbst müsse die SPD h. machen (Augstein, Spiegelungen
139), dazu: -fähigkeit, die <o. PI.): H. erlangen; -fenster,
das: Fenster, durch das man auf einen Hof(\) sieht; -gang,
der: in Haftanstalten u.a. angeordneter u. kontrollierter
Spaziergang der Gefangenen im Hof: erhält er die normale
Gefängniskost ... und hat eine halbe Stunde allein H.
(Ossowski. Bewährung 23); -ganger, der (veraltend): [Ge-
legen/ieitsjarbeiter. Tagelöhner auf einem Hof {2Y. -garten,
der (selten): Park, der zu einem HofO a) gehört;
Schloßgarten; -gebäude, das: Gebäude, das nicht von der Straße
her. sotidern nur über einen Hof(\) zu erreichen ist;
Hinterhaus; -gerfcht, das (hist.): einem Fürsten. Grundherrn über
seine Leute zustehende Gerichtsbarkeit; -geseltschaft, die:
svw. t Hof (3 b); ^halt, der (veraltet): Haushalt eines
Fürsten, dazu: -halten <st. V.; hat): (von regierenden Fürsten)
mit seinem ganzen Hofstaat leben, residieren: der König
hat im Sommer auf dem Lande hofgehalten; König
Ludwig, der verschwenderisch hofhielt; Ü Im hinteren Raum
halten drei Nutten hof (Zwerenz. Kopf 258). -haltung.
die: das Hofhalten; ^herr, der: Inhaber eines Hofes (2);
^hund, der [urspr. zu THof (2)1: Wachhund, der zur
Bewachung des Hauses im Freien (angekettet) gehalten wird;
-kamarilb. die: am Hofe (3 a) eines Fürsten herrschende
Kamarilla; -kammer, die (hist.): oberste Finanzbehörde
eines Landesherrn; ^kanzlei, die (hist.): /für ein bestimmtes
Gebiet zuständige] Zentralbehörde in Österreich; -kirche,
die (hist.): zu einem Hof (3 a) gehörende Kirche; -knicks,
der: tiefer, nach genauem Zeremoniell ausgeführter Knicks
vor Mitgliedern eines Hofes (3 a); -konditorei, die:
Konditorei, die früher einen Hof (3 a) belieferte; -kriegsrat, der
<o. PI.) (hist.): (in Österreich) Zentralbehörde für das Heer;
-bger. das (hist.): vorübergehender Aufenthalt/sort/ eines
Fürsten mit seinem Gefolge: auf diesem Gut pflegte der
König oft H. zu halten; -leben, das: das Leben an einetn
Hof (3a); -leute<Pl.) (veraltend): 1. alle auf einem Hof (2)
Beschäftigten mit ihren Famdien; Gesinde. 2. PI. von T
Hofmann; - lieferent, der (veraltet): / Titel für einen] Kaufmann,
der einen Hof Od) mit Waren belieferte; -löge, die
(veraltet): dem Fürsten u. seinem Gefolge vorbehaltene Loge in
einem Theater; Mitficher, der (veraltet): jmd.. der den
Mädchen den Hof macht. Charmeur; -mann, der <P1. -leute)
(veraltet): svw. T Höfling, dazu: -mämisdi <Adj.)
(veraltet): wie ein Hofmann; höfisch; -marschall, der: Inhaber
des für die gesamte fürstliche Hofhaltung zuständigen
Hofamtes; -meister, der [mhd. hovemeister = Aufseher über
die Hofhaltung eines Fürsten od. Klosters; Aufseher über
einen Bauernhof. Oberknecht) (veraltet): a) Erzieher u.
Zeremonienmeister an Höfen (3 a); b) Hauslelirer in adligen
u. großbürgerlichen Familien, dazu: -meisterlich <Adj.; o.
Steig.) (veraltet): den Hofmeister betreffend, vom
Hofmeister (kommend]: eine -e Rüge, -meistern <sw. V.; hat)
(selten, abwertend): bevormunden, kleinlich tadeln,
schulmeistern; Miarr, der (hist.): Spaßmacher u. Unterhalter
an einem Hof (3 a); -pause, die: Unterrichtspause, in der
von den Schülern der Schulhof aufgesucht wird; -poet, der
svw. t ^dichter; -Prediger, der: von einem Fürsten
angestellter protestantischer Geistlicher /an einer Hofkirche]; -rat,
der [mhd. hoverät = (Gremium der) Räte eines Fürsten,
frühnhd. auch für die Einzelperson]: 1. (veraltend, noch
österr.) an einen verdienten Beamten verliehener Ehrentitel
u. sein Träger. 2. (ugs. abwertend) langsamer,
umständlicher, bürokratischer Mensch, dazu: -ritlich <Adj.; o.
Steig.)(veraltend, abwertend): langsam, umständlich,
bürokratisch (wie ein Hofrat); <subst.:) Hofrätliches u.
Abgetretenes in Kanzleien (Bachmann. Erzählungen 100), -rats-
ecken <P1.): svw. T Geheimratsecken; -räum, der:
abgegrenzter/überdachter, wirtschaftlich genutzter] Hof(\) an
einem Haus: der H. wird als Wäscheplatz genutzt; ^reite
l-raitdl. die: -. -n [mhd. hovereite; 2. Bestandteil H. u.)
(südd.. Schweiz, veraltend): umfriedetes bäuerliches
Anwesen mit Haus. Hof u. Wirtschaftsgebäuden; -sänger, der:
1. (hist.) Sänger. Dichter an einem Hof (3a). 2. (ugs.
scherzh.) Bettler. Musikant auf Hinterhöfen; -Schauspieler,
der (veraltet): / Ehrentitel für einen/ Schauspieler an einetn
Hoftheater; -schranze,die. seltener: der <meist PI.) (hist.):
schmeichlerischer Höfling; -Staat, der <o. PI.) [spätmhd.]:
Gefolge. Umgebung eines Fürsten; -statt, die; -. -en. auch:
-statten (Schweiz.): Grund u. Boden eines Hofes (1). mit
od. oline Haus; -stelle, die: kleiner Hof (2): er
bewirtschaftete nebenbei eine H.; -theater, das: Theater an einem I
ehemaligen] Hof (3 a). das ein Fürst für sich u. die
Hofgesellschaft unterhielt; Theater einer Residenz, das von der
Hofgesellschaft besucht wurde; ^tor, das: Einfahrt zu einem Hof
(1, 2); -trauer, die: offiziell angeordnete Trauer/ zeit] für
den gesamten Hofstaat nach einem Todesfall im
Fürstenhaus: alle Festlichkeiten wurden wegen der H. abgesagt;
H. haben (ugs.. scherzh.; schmutzige Fingernägel haben):
du hast [Ja] H.!; ^tür, die: in einen Hof (1) führende Tür;
^zeremoniell, das: an einem HofO a) herrschendes
Zeremoniell; -zimmer, das: zum Hof (1) hin liegendes Zimmer
eines Hauses; -zwerg, der: zwergenhafter Hofnarr.
Höfchen [ho^c^n], das; -s. -: THof (1. 2); hofein [h0:fln]
<sw. V.; hat) (Schweiz.): schöntun, schmeicheln; den Hof
machen: ich höflelle dir so gerne.
HofTart ['hsfartl. die; - [mhd. (selten) hofTart. assimiliert
aus: höchvart = Art. vornehm zu leben, äußerer Glanz.
Pracht. Aufwand, edler Stolz. Übermut; zu thoch u. t
fahren in der Bed. „sich befinden, leben"] (geh.. veraltend
abwertend): Dünkel, verletzend überhebliches Betragen,
anmaßender Stolz: Esaus Weiber und Kinder kamen nicht
dazu. ... seiner Größe und H. Zeuge zu sein (Th. Mann.
Joseph 212); <Abl.:) hofürttg ['hofertu;] <Adj.) [spätmhd.
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Hoffärtigkeit
hoffertig. assimiliert aus mhd. höchvertec = hochgesinnt,
stolz, übermütig, prachtvoll] (geh., veraltend, abwertend):
eitel u. eingebildet, dünkelhaft, anmaßend stolz: ein -es
Wesen zur Schau tragen; sie antwortete h. und kalt, dazu:
HQflSrtigkeit, die; -, -en (geh.. veraltend, abwertend): a)
<o. Pl.> hoffartiges Benehmen; b) hoffärtige Handlung,
Ansicht: Solche -en trug Stanislaus' Brief zu Marien
(Strittmatter, Wundertäter 191).
hoffen rhafn) <sw. V.; hat) [mhd. hoffen, wahrsch. verw.
mit t hüpfen u. daher urspr. wohl = (vor Erwartung)
zappeln, aufgeregt umherhüpfen]: a) zuversichtlich
erwarten; wünschen u. damit rechnen, daß erw. eintreten od. der
Wirklichkeit entsprechen wird: ich horte sehr, daß du bald
kommst; sie hofften dort eine Nachricht zu finden; er
hofft, daß er bis Freitag fertig sein kann; ich hoffe, es
stimmt; ich hoffe nicht, daß das dein Ernst ist (das darf
nicht dein Ernst sein); wer hätte das zu h. gewagt!; es
steht zu h.. daß ... (man kann hoffen, erwarten, doli ...);
ich will nicht h.. daß du etwas davon wegnimmst (häufig
in leicht drohendem Ton; laß dir nicht einfallen, etwas
davon wegzunehmen)', wir wollen h. (wir wünschen sehr).
daß sich die Lage bald bessert; er ... hofft nicht mehr
viel für die Menschheit (Geissler, Nacht 92); da ist/da
gibt es nichts mehr zu h. (es ist hoffnungslos u.
unabänderlich): R hoffen wir das Beste [lieber Leser!]; b) aufjmdn..
etw. seine Hoffnung, sein Vertrauen setzen: auf Gott h.;
daraufhatten sie schon immer gehofft; er hoffte auf baldige
Genesung; das war die Gelegenheit, auf die sie seit Jahren
gehofft hatte; auf mehr kann man nicht h. (mehr kann
man nicht erwarten); sie hofften auf ein Wunder; c)
Zuversicht, positive Erwartungen. Vertrauen in die Zukunft, in
sein Geschick haben; von Hoffnung erfüllt sein; Hoffnung
haben: man kann immer h.; Wer hier ankam, der ... hoffte
noch (Plievier, Stalingrad 311); <subst.:> zwischen Hoffen
und Bangen schweben; Es war ein idiotisches Hoffen (Ott.
Haie 274); Spr der Mensch hofft, solange er lebt; Hoffen
und Harren macht manchen zum Narren; <Abl.:>
hoffentlich [hafntlisKAdv.) [mhd. Adj.hof(^ = erhoffend.
Hoffnung erweckend]: ich hoffe sehr, daß ...: h. hast du
recht; das hat er doch h. (was man nur hoffen kann) nicht
getan?; .JCannst du das?4 - ..Hoffentlich!" (als Antwort
auf eine Frage mit dem Ausdruck leichter Skepsis; ich
hoffe es!): -höfllg [-hoefi?] in Zusb.. z.B. erdölhöffig,
erzhöffig (Bergmannsspr.; reiches Vorkommen an Erdöl.
Erz versprechend): höfflidi fhceflic] <AdJ.; Steig, ungebr.;
nicht adv.> (Bergmannsspr.): reiche Ausbeute verheißend:
ein -er Schacht; dies Gebiet scheint durchaus h. zu sein.
Hoffinamstropfen [hofmans-] <P1.) [nach dem dt. Chemiker
u. Arzt F. Hoffmann (1660-1742)]: als Hausmittel
gebrauchtes, aus Alkohol u. Äther bestehendes
Anregungsmittel
HofTnung [hofnonl. die; -. -en [mhd. hoffenunge]: l.a) <o.
Pl.> das Hoffen; Vertrauen in die Zukunft; Zuversicht.
Optimismus in bezug auf das. was /jmdm.] die Zukunft bringen
wird: eine zaghafte, vage, trügerische H.; seine H.
schwindet; [ein Fünkchen] H. haben; die sichere H. haben, daß
...; die H. [nicht] aufgeben; seine H. aufjmdn.. etw. setzen;
mit wenig H. in die Zukunft blicken; ohne H., voller
H. sein; b) ixtsitive Erwartung, die jmd. in jmdn., etw.
setzt: begründete, übertriebene -en; seine H. hat sich erfüllt;
du bist, das ist meine einzige, letzte H. (der einzige, letzte,
das letzte, worein ich meine Hoffnung auf eine positive
Entwicklung, auf Hilfe o.a. setze); viele -en ruhen auf
ihm; -en wecken, nähren; -en an jmdn.. etw. knüpfen;
jmdm. -[en] machen (in jmdm. eine bestimmte Erwartung
wecken); sich [falsche, übertriebene, keine] -en machen;
seiner H. Ausdruck verleihen; sich der H. hingeben, daß
...; in seinen -en enttäuscht werden; er wiegt sich in der
H.. daß ...; er tat es. in der [stillen] H., daß er davon
profitieren könne; der junge Künstler berechtigt zu den
größten -en (ist so begabt, daß man für die Zukunft viel
von ihm erwarten kann); * guter H./in [der] H. sein (geh..
veraltend verhüll.; schwanger sein): Die Rupp ist wieder
in der H. (Baum, Paris 33); Sie ging schwer, denn sie
war guter H. (Th. Mann. Buddenbrooks 470); Den zischte
Tulla an. ober nicht sehe, daß sie in H. sei (Grass.
Hundejahre 383); in die H. kommen (veraltet verhüll.; schwanger
werden): ... daß ... ihre.Schwiegertochter Marie nicht so
bald in die H. kommen werde (Fussenegger. Haus 39).
2. jmd.. in den man große, ungewöhnliche Erwartungen setzt:
den Meister der Aschenbahn, unsere olympische H. (Lenz.
Brot 126); plötzlich bist du eine H. (Frisch. Stiller 32).
hQfTnungs-, Hpffhungs-: -freudig <Adj.> (geh.): von froher
Erwartung. Hoffnung erfüllt, bestimmt: eigentlich sah es
geradezu h. aus (Broch, Versucher 58); -froh <Adj.> (geh.):
in froher Erwartung, voller Hoffnung, Optimismus;
^funkeln], der <o. PI.) (geh.): schwache Hoffnung, an die man
sich klammern kann: noch glomm in mir ein H.; -lauf.
der (Leichtathletik. Radsport. Rudern u.a.): (bei
Wettkämpfen) zusätzlicher Lauf der bei den Zwischenläufen
knapp unterlegenen Teilnehmer, bei dem ein Sieger ermittelt
wird, der noch mit in den Endlauf kommt; ^k» <Adj.;
-er, -este): l.a) ohne Hoffnung (la): Riccardo. der sich
h. an die Wand gelehnt hat (Hochhuth. Stellvertreter 122);
wenn man so h. ins Leben geblickt hat (Geissler.
Wunschhütlein 104); <subst.:> Dem hoffnungslosen Schwemmgut
aus den... Sanitätsstellen gesellten sich die Hoffnungslosen
von der Front zu (Plievier. Stalingrad 241); b) ohne Aussicht
auf eine positive Entwicklung, auf Besserung o.a.; ohne
erkennbaren Ausweg: eine -e Lage; ein -er Fall; der Zustand
des Kranken scheint h. [zu sein]. 2. intensivierend bei
Adj. u. Verben) sehr, völlig: sie stellten sich ... vor ...
zu dieser Stunde h. überfüllten Eßwirtschaften auf (Koep-
pen. Rußland 159); dies Modell ist h. veraltet, dazu: ^losig-
keit, die; -; -reich <Adj.) (geh.): von Hoffnung (1 a)
beflügelt: Zeiten .... die vergnüglicher und -er waren als die
gegenwärtigen (Mantel. Wald 116); -runde, die
(Mannschaftssport): Spielrunde, die bisher noch nicht Qualifizierten
Mannschaften die letzte Möglichkeit zur Qualifikation
bietet; -Schimmer, der (geh.): schwache Hoffnung; -strahl,
der (geh.): vgl. ^Schimmer; ^voll <Adj.>: a) voller Hoffnung,
zuversichtlich: wir sind ganz h., können der Entwicklung
h. entgegensehen; b) aussichtsreich, erfolgversprechend: ein
-er Anfang; ein -er (zu großen Hoffnungen berechtigender)
junger Musiker.
hofieren [hofi:ran] <sw. V.; hat) [mhd. hovieren = gesellig
sein, sich vergnügen, aufwarten, dienen; den Hof machen;
zu Hof (3) mit roman. Endung] (veraltend): sich [mit
dem Ziel. etw. Bestimmtes zu erreichen] mit besonderer
/ unterwürfiger! Höflichkeit u. Dienstbarkeit um jmds. Gunst
bemühen: einen Gast. Künstler h.; der am meisten hofierte
Tourist Europas (Herrenjoumal 2. 1966. 115).
höfisch [h0:fij] <Adj.) [mhd. hövesch .= hofgemäß, fein,
gesittet u. gebildet, unterhaltend; LÜ von afrz. corteis.
zu T Hof (3 a); vgl. hübsch]: a) dem Leben, den Sitten an
einem Fürstenhof entsprechend, zu ihm gehörend; gesittet,
vornehm, gebildet: -e Manieren; Schauspiel und Oper sind
nicht mehr ausschließlich -es Vergnügen (Bild. Kunst 3.
42); sich h. benehmen; b) (Literaturw.) von Geist u. Kultur
der ritterlichen Gesellschaft des hohen Mittelalters geprägt,
hervorgebracht: -e Dichtung. Epik. Lyrik. Literatur; höflich
['h0:fli£] <Adj.> [mhd. hoflich, hovelich = hofgemaß, fein,
gesittet u. gebildet, zu THof (3a)]: (in seinem Verhalten
anderen Metischen gegenüber) aufmerksam u.
rücksichtsvoll, so. wie es die Umgangsformen gebieten (Ggs.:
unhöflich): ein -er junger Mann; in -em Ton mit jmdm.
reden; immer h. bleiben!; dann wird er h. bis zur
Ängstlichkeit (Frisch. Stiller 474); wir bitten h.. das Versehen zu
entschuldigen; <Abl.:> Höflichkeit, die; -. -en [spätmhd.
hoflichkeit]: 1. <o. PI.) höfliches, gesittetes Benehmen. Zu-
vorkomtnenheit (Ggs.: Unhöflichkeit): selbstverständliche,
vollendete, übertriebene, steife H.; er ließ es nicht an H.
fehlen; etw. [nur] aus H. tun; jmdn. mit ausgesuchter H.
behandeln; etwas von der umständlichen H. vergangener
Zeit (Musil. Mann 936); R da[rüber] schweigt des Sängers
H. (darüber schweigt man als höflicher Mensch; eigtl.:
das verschweigt des Sängers Höflichkeit. Kehrreim eines
um 1800 in Berlin erschienenen Liedes eines unbekannten
Verfassers). 2. (meist PI.) in höfliche, jmdm. schmeichelnde
Worte gekleidete, freundlich-unverbindliche
Liebenswürdigkeit, die jmd. einem anderen sagt, mit einem anderen
austauscht: -en austauschen; er murmelte irgendeine
nichtssagende H.; Die beiden schieden in großer Freundschaft
unter Austausch feiner -en (Brecht. Geschichten 30).
höflichkeits-, H$flichkeits-: ^besuch, der: offizieller, den
gesellschaftlichen od. diplomatischen Umgangsformen
genügender Besuch, den jmd. einem anderen abstattet: jmdm.
einen H. abstatten; der Minister traf zu einem H. ein:
^bezeigung, die: svw. t Höflichkeit (2); -floskel, die:
Floskel, die jmd. anbringt, um den Regeln des Anstands. den
1270
höhen-, Höhen-
geltenden Umgangsformen Genüge zu tun: Ein
versehentliches Anstoßen im Bus oder in der Bahn muß sofort
mit -n entschuldigt werden (Wohngruppe 32); - formeI,
die: svw. t-floskel; -gemüse, das (salopp scherzh.): von
einem Gast mitgebrachter Blumenstrauß; ^halber <Adv.>:
aus Höflichkeit, um der Höfliclikeit Genüge zu tun: h. bat
sie den Besucher zum Essen, obwohl sie wußte, daß er
ablehnen würde; -phrase, die: svw. t -floskel.
Höfling ['h0:flm]. der; -s. -e <meist PI.) [mhd. hovelinc]:
a) Mitglied eines Hofes (3 b), eines Hofstaates: Person,
die zu den persönlichen Beratern u. Vertrauten eines Fürsten
gehört: die -e versammelten sich zur Audienz; b)
(abwertend) Hofschranze, intriganter Schmeichler: die Herren in
schwarzen Anzügen .... die -e der Bank von England und
hundert anderer Banken (Koeppen. Rußland 159).
Höft [ho:ft]. das; -[eis. -e [mniederd. hövet. hovet. asächs.
höbid = Haupt. Kopf] (niederd.): a) natürlicher
Ufervorsprung; b) vorspringende Ecke von Kaimauern in einem
Hafen; c) kurze Buhne.
bögen f h0:gn] <sw. V.; hat) [mniederd. hogen = erfreuen,
asächs. huggian = denken] (niederd.) (meist h. + sich):
sich freuen, erfreuen: er möchte wetten, daß sie direkt
neben dem Apparat (= Telefon) säßen und sich högten
(Kempowski. Tadelloser 71); <subst.:) ein Bändchen zum
Schmunzeln und Högen (Börsenblatt 76. 1971. 5973).
HO-Geschäft [ha:|o:-] das; -[eis. -e (DDR): Ladengeschäft.
Verkaufsstelle der Handelsorganisation (2).
hohe... ['ho:d...]: Thoch.
Höhe ['h0:dl. die; -. -n [mhd. hcehe. ahd. höhl]: 1. a) [Maß
der] Ausdehnung in vertikaler Richtung: die H. des Tisches;
der Ttirm hat eine H. von 100 Metern; die H. der einzelnen
Gebäude sollte im Bauplan abgestimmt werden; die H.
eines Zimmers; die lichte H. einer Brücke (senkrechter
Freiraum vom Wasserspiegel od. der Straßendecke bis zur
Unterkante des Spannbogens); Länge. Breite und H.
bestimmen; der Fernsehturm soll alle vergleichbaren noch
an H. übertreffen; der Baum ist inzwischen bis zur H.
des Dachfensters emporgewachsen; der Lange erhob sich
zu seiner ganzen H. (richtete sich hoch auf); * das ist
ja die H.! (ugs.; das ist unglaublich, kaum zu überbieten,
unerhört, frech //urspr. = die rechte Höhe, d.h. das richtige
Maß. in das etw. eingepaßt werden soll; ironisch gesagt,
wenn diese ..rechte Höhe" verfehlt worden ist); b)
bestimmte Entfernung über der Erdoberfläche od. dem
Meeresspiegel: das Flugzeug erreichte eine H. von 4000 Metern;
rasch [an] H. gewinnen (schnell in die Luft steigen); aus
dieser H. sind keine Einzelheiten zu erkennen; die
Baumgrenze liegt etwa bei 2000m H.; in großen -n ist die
Luft dünner; Julika sollte doch den Sommer unbedingt
in der H. (im Gebirge, in Höhenluft) verbringen (Frisch.
Stiller 105); c) <in Verbindung mit der Präp. ..in") drückt
eine Richtung nach oben aus: etw. in die H. heben
(hochheben) ; sich in die H. recken (hochrecken); in die H. [auflstei-
gen; Ü die Preise gehen in die H. (steigen); er hat das
Geschäft [wieder] in die H. gebracht (es rentabel gemacht);
*in die H. gehen (ugs.; aufbrausen, wütend werden): du
solltest endlich lernen, dich zu beherrschen, statt beim
kleinsten Anlaß in die H. zu gehen! 2.a) kleinerer Berg.
Anhöhe. Hügel: die -n des Weserberglandes; eine H.
ersteigen; auf den umliegenden -n ist schon Schnee gefallen;
bei der Höhe 107 (Plievier. Stalingrad 212); Ü die -n und
Tiefen des Lebens; b) Höhe-, Gipfelpunkt: das empfand
ich als die H. der Infamie (Härtung. Piroschka 91); auf
der H. seines Erfolgs; er ist auf der H. seiner Jahre (im
besten Mannesalter); * [nicht] auf der H. sein (ugs.; [nicht
gesund, leistungsfähig sein; sich [nicht/ wohl fühlen), auf
der H. [der Zeit] sein/bleiben (überdie neuesten Erkenntnisse
u. Forschungen in einem bestimmten Fachgebiet Bescheid
wissen u. sich auf dem laufenden halten): ein Mann, der
immer bemüht ist. kriminalistisch auf der H. zu bleiben
(Dürrenmatt. Richter 18). 3.a) in Zahlen ausdrückbare
Größe, meßbare Stärke o. ä. von etw.: die H. der
Geschwindigkeit, der Temperatur, des Einkommens, der Kosten;
die H. des Preises festsetzen; ein Beitrag in H. von 20
DM; die Reihenfolge der Verbeugungsgrade ... ging nach
dem Geldbeutel, nach der H. der Zeche (Böll. Adam 19);
b) hoher Grad, betrachtliches Niveau: die H. dieser Leistung
ist beachtlich; die H. einer Kultur; der Nutzen entspricht
nicht der H. des Aufwands. 4.a) (Math.) von einem
Eckpunkt auf die gegenüberliegende Linie od. Fläche einer Figur
od. eines Körpers gefälltes Lot; die H. einzeichnen,
berechnen; ein gleichseitiges Dreieck hat auch drei gleiche -n;
b) (Astron.) in Winkelgraden ausgedrückter Abstand eines
Gestirns vom Horizont: der Mond stand zu diesem
Zeitpunkt in 18° 20' H.; c) (Fachspr.) <meist in Verbindung
mit der Präp. ,.aufk) Linie einer geographischen Breite
(2 a) od. gedachte, die Bewegungsrichtung rechtwinklig
schneidende Linie: das Boot hatte die H. des Leuchtturms
erreicht, war jetzt auf der H. des Leuchtturms; dies sei
die H.. auf der damals die Schlacht vor dem Skagerrak
sich abgespielt habe (Gaiser. Jagd 76); sie fuhren auf
gleicher H.
Hoheit ['ho:h%it]. die; -. -en [mhd. höch(h)eit]: 1. <o.PI.)
oberste Staatsgewalt. Souveränität (eines Staates): die
Staaten versuchen ihre H über die Küstengewässer hinaus
weiter ins Meer auszudehnen; unter der H. eines Staates
stehen, unter die H. stellen; Dort ( = in Kuba) ist man
immer noch unter französischer H. (Seghers. Transit 55).
2. a) fürstliche Persönlichkeit. Angehörige[r] einer
regierenden Familie: die -en weilen zu einem Besuch im
Nachbarland; Seine H. läßt bitten!; b) Anrede an eine fürstliche
Persönlichkeit: Eure [Königliche] H.; Würden Ew. H. dies
bitte unterschreiben! 3. <o. PI.) (geh.) Würde. Erhabenheit,
die von einer Persönlichkeit ausgeht, sie auszeichnet, ihr
Verhalten bestimmt u.a.: die H. seiner Erscheinung; die
Weltüberlegenheit und innere H.... der Gestalt Jesu (Thieß,
Reich 200); sie antwortete mit herablassender H.; <Abl.:)
hoheitlich <Adj.; o. Steig.): 1. von der Staatsgewalt
ausgehend; die Befugnisse der Verwaltung betreffend: ein -er
Akt. 2. (selten) dem Fürstenstand entsprechend, vornehm,
würdevoll: sein -es Auftreten.
hgheits-, Hoheits-: -abzeichen, das: svw. f -zeichen (b);
radier, der: stilisierter Adler im Wappen eines Staates (z. B.
der Bundesrepublik Deutschland); ^akt, der: hoheitliche
(1) Handlung auf höchster staatlicher Ebene; -bereich, der:
1. svw. T -gebiet. 2. Zuständigkeitsbereich, innerhalb dessen
ein Staat seine Hoheitsrechte ausüben darf; -gebiet, das:
Gebiet, das der Hoheit (1) eines Staates untersteht;
Staatsgebiet einschließlich der Hoheitsgewässer: in fremdes H.
eindringen; -gewalt, die: durch die Hoheitsrechte einer
Verfassung bestimmte Gewalt. Macht: staatliche H.; die H.
ausüben; -gew&sser, das <meist PL): der Hoheit (I) eines
Staates unterstehendes Binnengewässer od. Meeresgebiet
in einer festgesetzten Breite entlang der Küste des
betreffenden Landes: das Schiff befindet sich in fremden -n; -recht,
das <meist PI. >: jedes einem Staat nach der jeweiligen
Verfassung zur Ausübung der Staatsgewalt zustehende Retht (z. B.
Gerichtsbarkeit. Finanzgewalt. Wehrhoheit); -träger, der
(ns.): höherer Parteiführer, der bestimmte (eigentlich dem
Staat zustehende) Machtbefugnisse hatte; Amtsträger; -voll
<Adj.) (geh.): voll Hoheit (3). Würde. Erhabenheit: eine
-e Erscheinung; das h. Fremde, das alle anrührte (Thielicke.
Ich glaube 125); (auch iron.:) H. rauschte Frau Melanie
aus der Küche (Wendtland. Eisprinzeßchen 12); -zeichen.
das: a) die Hoheit (1) symbolisierendes Zeichen (z. B. Flagge,
Standarte. Siegel. Grenzzeichen); b) das eigentliche Symbol.
Wappenzeichen in einer Flagge, einem Abzeichen o. ä. (z. B.
der Hoheitsadler): das H. auf dem Flugzeug war noch
nicht zu erkennen; ein Stempel mit dem H. des Bundes.
Hohelied, das; Hohenlied[e]s [nach einem Buch des A. T.,
das eine der Überlieferung nach von Salomo stammende
Sammlung von Liebes- und Hochzeitsliedern enthält u.
im Deutschen ..das Hohelied" (lat. Canticum canticarum)
heißt] (geh.): eine Haltung od. Tat. die symbolisch ein
Lobliedaufetwas darstellt: ein Hoheslled/Hohelled der Treue;
Das H. der Arbeit schlug sich ... in den Spalten der
Volkszeitung nieder (Fries. Weg 189); sein Einsatz glich einem
Hohenlied der Freundschaft.
höhen ['hean] <sw. V.; hat) (Malerei): (bes. bei Zeichnungen
u. Holzschnitten auf getöntem Grund) mit Deck weiß
bestimmte Stellen hervorheben. Lichter aufsetzen: ein Porträt
in schwarzer Kreide, weiß gehöht.
höhen-, Höhen-: -angst« die <o. PI.) (Med.. Psych.): [auf
Bergen J in großen Höhen auftretende Angstzustände; -difle-
renz. die: svw. t -unterschied; -flösse, die (Flugw.):
feststehender Teil des Höhenleitwerks; -flug. der (Flugw.): Flug
/// großer Höhe: im H. über die Alpen; Ü ein künstlerischer
H.; der H. meiner versponnenen Gedanken wurde von
meinem knurrenden Magen gebremst (Martin. Henker
87); -gleich <Adj.; o. Steig.) (Verkehrsw.): auf gleicher
1271
Hohenastheimer
Höhe(\ b). gleichem Niveau liegend, sich treffend: -e
Kreuzungen; Stellen, an denen eine Straße h. die Schienen
überquert, müssen besonders abgesichert werden; -grenze,
die: Höhe (1 b). bis zu der od. von der ab eine bestimmte
Erscheinung auftritt (z. B. Baum-, Schneegrenze); -klima.
das: Klima in höheren Gebirgslagen: -krankheit, die (Med.):
durch eine geringere Sättigung des Blutes mit Sauerstoff
in der dünnen Luft großer Höhen (1 b) hervorgerufenes
Unwohlsein: -kurort, der: hochgelegener Kurort (mit bes.
reiner Luft); -läge, die: Höhe (1 b) über dem Meeresspiegel:
die mittlere H. der Seenplatte ist etwa vierzig Meter höher
gemessen als der Ostseespiegel (Johnson. Mutmaßungen
122); mit Radar die H. eines Flugzeugs ermitteln; ein
Ort in H. (in größerer Höhe über dem Meeresspiegel):
-leitwerk, das (Flugw.): Leitwerk zur Regulierung der
Flughö/ie eines Flugzeugs: -linie, die (Geogr.): (im
Kartenbild eingezeichnete) Verbindungslinie für alle Punkte, die
in gleicher Höhe über dem Meeresspiegel liegen: -hift. die
<o. PL>: sauerstoffarme Luft in größerer ixi. großer Höhe
über dem Meeresspiegel: der Körper muß sich allmählich
an die H. gewöhnen, anpassen; Ü die Kaiman atmete
mit zitternden Nasenflügeln schon die H. des Erfolgs
(Bieter. Mädchenkrieg 144); -luftkurort. der: svw. t-kurort;
-marke, die: in das Mauerwerk eines Gebäudes od. in einen
besonderen Pfeiler eingelassener Bolzen, der eine bestimmte
genau vermessene Höhe markiert u. als Orientierungspunkt
für weitere Vermessungen dient: -messer, der: Meßgerät
i in einem Luftfahrzeug], das die jeweilige Höhe (1 b) des
Statulorts anzeigt: -messung, die (Geodäsie): das Messen
des Höhenunterschiedes von zwei Punkten auf der Erde:
-rausch, der (Med.): rauschähnlicher Zustand als Symptom
der Höhenkrankheit: dort oben fühlte er sich vom H.
beflügelt; U Sie hatte ihn mit List vor H. und Tiefenrausch
bewahrt, indem sie ihn über Jahre in der Mitte hielt (Kant.
Impressum 252); -rekord, der: Rekord in bezug auf die
höchste I von einem bestimmten Flugzeugtyp / erreichte Höhe
(1 b); -rücken, der (Geogr.): langgestreckter Bergrücken.
Kamm einer Höhe (2a); -rüder, das (Flugw.): beweglicher
Teil des Höhenleitwerks: -Schreiber, der (Flugw.): Gerät,
das während des Fluges die Werte des Höhenmessers
aufzeichnet: -Schwindel, der: vgl. -krankheit; -sonne, die:
1. (Met.) intensive Sonneneinstrahlung in großen Höhen.
2. <S> (Med.) a) Quarzlampe, die ultraviolettes Licht
ausstrahlt: sich mit einer H. bestrahlen lassen; unter der H.
liegen; b) (zu HeiIzwecken angewendete) Bestrahlung mit
einer Höhensonne (a): H. bekommen; der Arzt verordnete
ihm zur Kräftigung H.; -Steuer, das (Flugw.): Steuer,
mit dem das Höhenruder bewegt wird: -strahhmg, die
(Physik): aus dem Weltraum kommende, von der Erdatmosphäre
größtenteils umgewatidelte od. absorbierte, sehr
energiereiche Strahlung: -trafning, das (Sport): im Höhenklima
durchgeführtes Training: -unterschied, der: Unterschied in der
Höhenlage zwischen zwei verschiedenen Punkten: -vieh, das
(Landw.): Vieh von einer für das Hochgebirge bes.
geeigneten Rasse: -Wanderung, die: Wanderung auf einem
Höhenweg: -weg. der: . markierter I Weg auf dem Gebirgskamm
od. an einem Höhenzug entlang: -wind, der: in größeren
Holten (1 b) im Gebirge auftretender, ziemlich heftiger Wind:
-winkel, der (Math.): von einer Horizontale und einem
! schräg] aufwärts laufenden Strahl gebildeter Winkel: -zug,
der (Geogr.): Gruppe von untereinander verbundenen u. in
einer Hauptrichtung verlaufenden Höhen (2a). Bergkette.
Hohenastheimer [ho:3n'|asth%jme]. der. -s [nach den (im
Gegensatz zu den Weinreben) hohen Ästen, an denen
die Äpfel hängen] (ugs. scherzh.): svw. t Apfelwein.
Hohepriester, der; Hohenpriesters, Hohenpriester (bibl):
oberster Priester in Jerusalem: Kaiphas war ein Hoherprie-
ster: einige H.; <Zus.:> Hoheprtesteramt, das; -[eis. (auch:)
Hohenpriesteramtes. Hohepriesterämter; <Abl.:> hoheprfe-
sterlidi <Adj.; o. Steig.; nur attr.>: einen Hohenpriester
betreffend o.a.: die Größe des -en Ansehens: das -e Amt.
Höhepunkt, der; -[eis, -e: wichtigster, bedeutendster /und
schönster/ Teil einer Entwicklung, eines Ablaufs: ein
musikalischer H.; die Stimmung erreichte ihren H.; dieser
Auftritt bildete den H. des Abends; er hat den H. des Lebens
überschritten; er hat schon viele -e erlebt; der H. des
Tages; die Krise treibt ihrem H. zu; der Künstler steht
Jetzt auf dem H. seiner Laufbahn.
höher ['h0:e]: Komp. von Thoch (la. b. d; 2a. b; 3b; 4;
5 a).
höher-. Höher-: -begabt: 1 hochbegabt; -besteuert: t
hochbesteuert; -bezahlt: t hochbezahlt; -dekoriert: f
hochdekoriert; -dotiert: T hochdotiert; -entwickelt: t hochentwickelt;
-entwidthing, die: Entwicklung zu etwas Hötierem.
Besserem: Fortschritt: an eine H. der Menschheit glauben;
-gelesen: t hochgelegen; -gestellt: f hochgestellt; -gruppieren
<sw. V.; hat): svw. t-stufen, dazu: -gruppierung, die;
-schrauben <sw. V.; hat): /allmählich] erhöhen: die Preise
h.; -stehend: thochstehend; -stufe, die (Sprachw.): svw.
t Komparativ: ..weiter" ist die H. von ..weit"; -stufen
<sw. V.; hat): auf eine höhere Stufe stellen: (in der
Dienststellung u. im Gehalt) höher einstufen, befördern, dazu:
-stufung, die; -Versicherung* die (Versicherungsw.):
Verbesserung der gesetzlichen Rentenversicherung durch
freiwillige Zusatzbeiträge.
höherersfiits<Adv.): von höherer Seite: von einer vorgesetzten
Behörde: das wurde h. so angeordnet.
hohl [ho:l] <Adj.; o. Steig.) [mhd.. ahd. hol): 1. <nicht adv.)
im Innern ausgehöhlt, leer, ohne Inhalt: ein -er Zahn; der
Baum ist innen h.; die Nuß ist h. (hat keinen Kern):
Ü zu Skeletten abgemagerte Weiber, aus deren -en
(tiefliegenden) Augen der Wahnsinn des Hungers blickte (Grzi-
mek. Serenseti 53); überall Hakenkreuze, mir war ganz
h. (ich fühlte mich wie ausgehöhlt, inwendig leer), ich fühlte
schon gar kein Gefühl mehr (Seghers. Transit 13). 2. (nicht
adv.) nach innen gebogen: eine konkave Öffnung. Mulde
bildend: ein -es Kreuz haben; Wasser mit der -en Hand
schöpfen; sein Rücken ist zu h.; -e (eingefallene) Wangen.
3. dumpf u. tief klingend, als käme der Ton aus einem
verborgenen Hohlraum: eine -e Stimme; -es Lachen.
Stöhnen; der Klang war h.; er hustete h.; durch die rastende
Stille ... drang ... h. drohend der Jagdruf erwachender
Eulen (A. Zweig. Grischa 77). 4. (abwertend) geistlos,
leer, ohne Inhalt, ohne geistige Substanz: -e Phrasen; ein
-er Schwätzer; er redet nur dumm und h. daher.
hohl-. Hohl-: -augig <Adj.; Steig, ungebr.; nicht adv.): mit
tiefliegenden Augen (durch Krankheit. Unterernährung
o.a.): -e Kinder; -ball, der (Ballspiele): mit Luft gefüllter
Ball (der im Fuß-. Hand-. Wasser-. Basketball u. a.
verwendet wird): ^Mockstein. der (Bauw.): Baustein aus
Leichtbeton mit mehreren Hohlräumen: -brüstig <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.): mit eingefallener Brust: er sah krank und
h. aus: -eisen, das (Handw.. bes. Tischlerei): einem Meißel
ähnliches Werkzeug mit in Längsrichtung leicht gebogener
Schneide zum Bearbeiten von Holz: -fläche, die: nach innen
gekrümmte Fläche: -form, die (Gießerei): Gußform, deren
Hohlräume von dem zugießenden Material ausgefüllt werden
sollen: -fuß, der (Med.): überstarke Wölbung des Fußes:
-glas, das (Fachspr.): nicht flächiges od. tafelförmiges
Erzeugnis aus Glas. z.B. Trinkgläser. Schalen o.a. (Ggs.:
Tafelglas), dazu: -glasfeinsdileifer, der:.//w/.. der
Weingläser. Vasen. Schalen u.a. durch Schliff verziert (Berufsbez.);
-hand, die (Med.. Anat.): svw. THandteller; -hippe, die:
dünne, gerollte Waffel: 2Hippe: -kehle, die: I. (Archit..
Tischlerei): leicht konkave, rinnenförmige Vertiefung, die
der Gliederung u. Verzierung einer Fläche (an Wänden.
Gesimsen. Fenstern. Möbelstücken) dient. 2. (Geol.) durch
Wasser. Wind o. ä. entstandene rinnenartige Auswaschung
im Fels: -klinge, die: Klinge mit Hohlschliff: -köpf, der
(abwertend): dummer Mensch, dazu: -köpfig <Adj.; Steig,
ungebr.; nicht adv,) (abwertend): geistlos, dumm: -es
Gerede; -körper, der: innen hohler, ausgehöhlter Gegenstand:
-kreuz, das (Med.): Wirbelsäule, die bes. im Bereich der
Lendenwirbel stark nach vorn gekrümmt ist: ein H. haben;
-kugel, die: inwendig hohle Kugel: -leiste, die: svw. t
-kehle; -leiter, der (Elektrot.): Leiter für hochfreauente elektro-
tnagnetische Wellen, der die Form eines Rohres hat: -maß,
das: a) Maßl einheitj zum Bestimmen der Größe eines
Raumes, des Rauminhalts od. Fassungsvermögens eines
[ Hohl]körpers: Liter und Kubikmeter sind -e; b) geeichtes
[mit einer Skala versehenes! Gefäß zum Abmessen von
Flüssigkeiten u.a.: -meiOel, der: Meißel mit gekrümmter
Schneide zum Aushauen von Vertiefungen: -münze, die:
svw. t Brakteat (3); -muskel, der (Med.): Muskel, der
inwendig einen Hohlraum hat. z. B. das Herz: -nadel, die (Med.):
hohle Nadel für Einspritzungen od. zur Entnahme von
Körperflüssigkeit: Kanüle: -nagel, der (Med.): krankhafte
Einbuchtung an Finger- od. Fußnagel: -naht, die (Handarb.):
Holdsauin. mit dem zugleich der Saum eines Gegenstandes
befestigt wird: -organ, das (Med.): inwendig hohles Körper-
1272
Hökerfrau
ornan; ^planne, die: Dachziegel mit S-förmigem Profil;
^raum, der: leerer od. mit erw. angefüllter* umschlossener
hohler Raum im Innern von etw.. innerhalb einer dichten
od. porösen Substanz: Hohlräume im Gestein; abgekapselte
Hohlräume, die mit Flüssigkeit gefüllt sind (Medizin II.
170); ^ räum versiege hing, die (Kfz.-T.): Versiegelung der
inneren Hohlräume einer Fahrzeugkarosserie mit einem
Korrosionsschutzmittel; ^rohrleiter, der: svw. t^leiter; ^rük-
ken. der: svw. T -kreuz; -säum, der (Handarb.): Verzierung
in einem Gewehe mit Leinenbindung durch Ausziehen
mehrerer gleichlaufender Fäden u. bündelweises Zusammenfassen
der stehengebliebenen Querfäden mit einem Zierstich;
-schleifen <st. V.; hat) (Technik): durch Schleifen in
bestimmter Weise einen Hohlschliff entstehen lassen; -schliff.
der: Schliff an bestimmten Schneidwerkzeugen, bei dem
zum Erzielen größtmöglicher Schärfe die Schneide
abgeschrägt geschliffen ist; -sonde. die (Med.): längeres, flaches,
nmldenförmig gearbeitetes chirurgisches Instrument; -spie*
gel, der (Optik): Spiegel mit konkaver, nach innen gewölbter
Oberfläche, der das Spiegelbild vergrößert wiedergibt;
-stein« der (Bauw.): mit Hohlräumen versehener Beton-,
Glas- od. Ziegelstein; vgl. -blockstein: -taube, die [wohl
zu veraltet das Hohl = Höhlung. Vertiefung; die Taube
brütet in Höhlen): in Wäldern od. Parkanlagen lebende,
graublaue Taube mit je einem grünen Fleck an den Seiten
des Halses; -tier, das (meist PI.) [nach dem der
Vorverdauung dienenden Hohlraum der Tiere]: im Wasser
lebender, sehr einfacher, symmetrisch gebauter Vielzeller; -vene,
die [weil die Vene beim Sezieren meist hohl. d. h. blutleer,
vorgefunden wird] (Anat.. Med.): Vene, die das verbrauchte
Blut unmittelbar zum rechten Vorhof des Herzens führt;
-wangig <Adj.; Steig, ungebr.; nicht adv.): (auf Grund
eines schlechten Gesundheit s- od. Ernährungszustandes)
eingefallene Wannen habend; -warze, die (Med.): nach innen
statt nach außen gewölbte Brustwarze bei Frauen; -weg,
der: zn'ischen steilen / Fels ]abhängen tief eingeschnittener
Weg; -welle, die (Technik): rohrähnliche, innen hohle Welle
zur Kraftübertragung; -zahn, der [nach den beiden zahnför-
migen. hohlen Ausstülpungen am ..Gaumen" der Blüte]:
der Taubnessel ähnliche Pflanze mit weißen, gelblichen od.
purpurroten Blüten; -ziegel, der (Bauw.): Ziegelstein mit
einer Anzahl l durchlaufender] die Wärmeisolierung
verstärkender Löcher.
Höhle l'h0:b], die; -. -n [mhd. hüle. ahd. huli. zu thohl]:
l.a) größerer hohler Raum. Hohlraum bes. im Gestein od.
in der Erde: eine finstere H.; der Berg hat unterirdische
-n; die Kinder bauten eine H.; b) Behausung von Säugetieren
in der Erde; Bau (5 a): der Dachs schläft in seiner H.;
*sidi in die H. des Löwen begeben/wagen; in die H. des
Löwen gehen (scherzh.; jmdn.. den man fürchtet, von dem
man nichts Gutes erwartet, beherzt mit einem Anliegen o. ä.
aufsuchen: nach der um 550 v. Chr. entstandenen Fabel
des Äsop: der Fuchs wagt sich nicht in die H. des kranken
Löwen, weil er nur Spuren sieht, die hineinführen, aber
keine, die herausführen). 2. a) (abwertend) düstere, feuchte,
ärmliche Wohnung: die Familie haust in einer muffigen
H. im Kellergeschoß; b) (ugs.) eigenes Zimmer, in dem
man sich geborgen fühlt, sich verkriechen kann wie ein
Tier in seinem Bau: Ich zog mich mit solchen Träumen
in meine H. zurück (Seghers. Transit 204).
höhlen [ho.bn] <sw. V.; hat) [mhd. holn. ahd. holön]: a)
(selten) aushöhlen: das Wasser hatte die Steine gehöhlt:
Spr steter Tropfen höhlt den Stein; <h. + sich:) daß die
wundervollen kleinen Gruben in ihren Wangen sich zu
Furchen höhlten {vertieften; Th. Mann. Hoheit 89): Ü
... habe ich Hunger, wirklich das Innere höhlenden, den
Menschen demoralisierenden Hunger (MM 12. 4. 75. 64).
höhlen-. Höhlen-: -artig <Adj.; o. Steig): in der Art einer
Höhle; -bär, der <P1. -en): ausgestorbener, bes. großer
Bär; -bewohnen der: a) in einer / Felsen i]höhle hausender
Mensch der Frühzeit; vgl. Troglodyt; b) in einer ; Erd/höhle
lebendes Tier; -briiter. der: Vogel, der in einer Erd- od.
Baumhöhle nistet u. dort seine Jungen aufzieht; -eingang,
der; -forscher, der: Geologe od. Vorgeschichtler. der das
Innere von Felsenhöhlen untersucht, dazu: -Forschung, die;
-gewisser, das: unterirdisches Gewässer, See am Grund
einer Höhle; -kirche, die: vgl. Felsenkirche; -künde, die:
Lehre von der Entstehung u. dem Aufbau natürlicher Höhlen;
Speläologie; -löwe, der: ausgestorbener, bes. großer Löwe;
-maierei, die: vgl. Felsbild; -mensch, der: svw. t -bewoh-
ner (a); -tempel, der: vgl. Felsentempel; -tier. das (Zool.):
Tier, das in Höhlen lebt u. sich dem Leben im Dunkeln
angepaßt hat; -zeidmung, die: svw. t Felsbild.
Hghheit, die; -: a) das Hohl-, Ausgehöhltsein: alte Stollen
waren die Ursache des Bergrutsches, denn der Boden in
seiner H. hatte nachgegeben; b) (abwertend) innere Leere,
Geistlosigkeit, Oberflächlichkeit: die H. seiner Reden war
erschütternd; Höhlung ['traloi)]. die; -. -en: I. <o. PI.)
das Höhlen. Aushöhlen: die H. des Steins macht
Schwierigkeiten. 2. ausgehöhlte Stelle. Vertiefung, Einbuchtung; gut
zugängliche, offene Höhle da): eine H. im Baum; sich
in eine H. ducken; ihr Licht ... ließ den übrigen Raum
braun dämmern, machte ihn zu einer warmen H. (An-
dersch. Rote 214).
Hohn [ho:n]. der; -[e]s [mhd. (md.) hon. ahd. höna = Hohn.
Schimpf. Schmach; zu einem germ. Adj. mit der Bed.
..niedrig, verachtet, arm. elend"]: mit verletzendem,
beißendem Spott verbundene, unverhohlene Äußerung der
Verachtung: kalter, bitterer, eisiger H.; er erntete nur Spott und
H ; Löwenfeld übergoß in seinem glänzenden Plädoyer
den Staatsanwalt mit H. (Niekisch. Leben 87); * etw. das/es
ist der reine/reinste/der blanke H. (etw./das/es ist völlig
widersinnig, absurd): diesen Wagen als neuwertig zu
bezeichnen ist der reinste H.
höhn-, Hohn-: -gelächter, das: höhnisches Gelächter: ein
frostiges H. würde erschallen (Tucholsky. Zwischen 74);
unter dem H. der Nachbarn; -geschrei, das; -lächeln <sw.
V.; hat): höhnisch lächeln <meist im 1. Part. u. subst.):
er hohnlächelte/lächelte höhn; hohnlächelnd wandte sie
sich ab; <subst.:) er begrüßte den Gegner mit einem
Hohnlächeln; -lachen <sw. V.; hat): I. höhnisch, überlegen,
schadenfroh lachen <meist im I. Part. u. subst.): er hohnlachte/
lachte höhn über dieses törichte Gerede; ich habe
hohngelacht, als ich das hörte; er antwortete hohnlachend. 2.
(geh.) zuwiderlaufen; einer Sache spotten, ins Gesicht
schlagen: falls das Prinzip nicht nur der Vernunft, sondern
dem natürlichsten Empfinden hohnlacht (Noack. Prozesse
103); -sprechen <st. V.; hat): widersprechen: in krassem
I verletzendemJ Widerspruch (zu einer Sache) stehen: er
fühlt sich stark genug, um allen Traditionen
hohnzusprechen; dieses Tun spricht jeder Vernunft höhn; Ü
Scheinwerfer, die diesem Namen hohnsprachen und eher wie
Karbidlampen wirkten (Habe. Namen 129); -triefend <Adj.; o.
Steig.): voller Hohn: Die Stimme, die ihm entgegenscholl,
war kalt und h. (Cotton. Silver-Jet 43); -voll <Adj.) (geh.):
höhnisch, voll Hohn: h. lächeln.
höhnen ['h0:nan] <sw. V.; hat) [mhd. hoenen. ahd. honen,
zu dem bei ..Hohn" genannten germ. Adj.]: 1. (geh.)
höhnisch, spottend reden; laut seinem Hohn, seiner Verachtung
Ausdruck geben: ..Feigling!" höhnte er; Frau Fleißig klagte
und höhnte abwechselnd (Werfel, Himmel 166); Rolling
klappte die Hacken zusammen und machte höhnend (zum
Hohn, mit höhnisch übertreibender Geste) eine Verbeugung
(Strittmatter. Wundertäter 347). 2. verspotten, verhöhnen;
mit Hohn u. Spott behandeln: seine Gegner h.; Der alte
Spötter... höhnte mit der gereizten Stimme eines U nteroflfi-
ziers die schlappe Weichlichkeit des heutigen Geschlechts
(K. Mann. Mephisto 103); höhnisch ['homij] <Adj.) [mhd.
hoenisch]: voll höhnender Verachtung, spöttisch; mit
beißendem Spott: ein -es Grinsen; -e Bemerkungen machen; Sein
Brief war brillant, geschliffen h.. scharf logisch
(Feuchtwanger. Erfolg 513).
hoho! [hoho:] <Interj.) [spätmhd. hoho]: ugs. Ausruf des
Staunens od. [überlegener) Ablehnung: h.. das wollen wir
doch mal sehen!
Höhung ['ho.uo). die; -, -en (Malerei): das Höhen: Bei
sämtlichen Köpfen sind ... Haare und Bart rot und durch
weiße -en ... kräftig modelliert (FAZ 25. 11. 61. 44).
hoi! [hgyl (Interj.) [mhd. hoi): Ausruf: a) des [freudigen]
Erstaunens: h., das schmeckt aber gut!; b) der ärgerlichen
Feststellung: h., kannst du nicht aufpassen!
höken l'hoikn] (selten): svw. thökern; Höker ['ho:ki?]. der;
-s. - [wahrscheinlich zu t Hucke (2) = auf dem Rücken
getragene Last; ältere Form Höke (ostmd.). zu mhd. hocke,
hucke = Kleinhändler] (veraltet): Kleinhändler. Inhaber
einer Verkaufsbude od. eines offenen Standes: sie hatte
das Kleid billig bei einem H. erworben; <Abl.:) Hökerei,
die; - (veraltet): das Feilbieten von Waren am Stand.
Straßenhandel; Hökerin, die; -. -nen: w. Form zu T Höker;
<Zus.:> Hökerfrau, die (veraltet): Marktfrau. Hökerin;
1273
hökern
hökern IhoikBnl <sw. V.; hat) [zu tHöker]: Kleinhandel*
Hökerei treiben: sehen wir Bürger aus ihren Winkeln
hervorschlüpfen, hökernde, schachernde (Hacks, Stücke 123);
Hökerweib, das (veraltet): svw. T Hökerfrau.
Hoketus: f Hoquetus.
Hokku: t Haikai.
Hokuspokus [ho:küs'po:küs], der; - [engl, hocuspocus. älter
hocas pocas. wahrsch. verstümmelt aus einer pseudolat.
Zauberformel „hax, pax. max. deus adimax"]: 1. <o. Art.)
Zauberwort. Beschwörungsformel (durch die ganz schnell
etwas zum Verschwinden od. Hervorkommen gebracht
wird): H.. weg ist der Dreck!; der Taschenspieler sagte
H.. und die Karte war wieder da; und H. (ganz schnell,
im Handumdrehen) war er fertig; *H. Fidibus (scherzhafte
Zauberformel); H. versdiwindibus! (scherzhafte
Zauberformel, die beim Verschwindenlassen eines Dinges gesprochen
wird, auch scherzh. Aufforderung an Anwesende, bes.
Kinder, das Zimmer zu verlassen). 2. Gaukelei, [fauler!
Zauber. Trick. Zauberkunststück: allerhand H. vorführen;
diesen H. habe ich schon lange durchschaut; Blitze sind
Spielzeug, mythischer H. (K. Mann. Wendepunkt 74).
3. a) (abwertend) unnützer Zierrat. überflüssiges Drum u.
Dran: Er schämte sich seiner verschnürten Husarenjacke,
seiner prallen Hosen und dieses ganzen H. (Th. Mann.
Hoheit 200); b) kindlicher] Unfug. Unsinn; harmlose
Spielerei: allerlei H. treiben.
Holarktis [hal'larktis]. die; - [zu griech, hölos = ganz u.
Arktis, f arktisch] (Geogr.): pflanzen- u. tiergeographisches
Gebiet, das die ganze nördliche gemäßigte u. kalte Zone
bis zum nördlichen Wettdekreis umfaßt: holfrktisch <Adj.;
o. Steig.; nicht adv.>: die Holarktis betreffend, zu ihr
gehörend.
hold [holt) <Adj.; -er. -este) [mhd. holt. ahd. hold = günstig,
gnädig, ergeben, dienstbar, treu]: 1. (dichter, veraltend)
anmutig, lieblich, von zarter Schönheit: ein -es Gesicht;
das -e Mädchen; -er Frühling!; die Abwesenheit des
Männlichen gibt diesen Zügen ihren zugleich -en und
schrecklichen Ausdruck, der manchmal an einen Engel und
manchmal an ein Tier denken läßt (Sieburg. Robespierre
75); h. lächeln; <subst.:> Natascha heißt die Holde (iron.;
das Mädchen; Kirst, 08/15. 357). 2. *iradm.. einer Sache
h. sein (geh.; geneigt, gewogen sein;jmdn.. etw. gern haben):
Aage. dreiundzwanzigjährig und dem wilden süßen und
furchtbaren Leben sehr h. (Seidel. Sterne 72); (veraltend:)
sie war ihm schon immer h. gewesen; das Glück war
ihm [nicht] h. (er hatte [kein] Glück).
Holder ['hakte], der; -s. - (süd[west]d.): svw. T Holunder.
Vgl. Holler.
HQlder-.HQller- (landsch.): -bäum,der; -busch.der; ^stock.
der: Holunderstrauch; -straube, die (meist PI.) [mhd. stru-
be = ein Gebäck] (südd.): ein Schnalzgebäck; -Strauch,
der.
Holding ['houldinl. die; -. -s: Kurzf. von T
Holdinggesellschaft: Bayer errichtet eine H. für die Auslandsinteressen
(FAZ 96. 1958. 16); Holdinggesellschaft, die; -. -en [engl,
holding Company; zu: holding = das Halten. Besitz u.
Company = Gesellschaft] (Wirtsch.): Gesellschaft, die nicht
selbst produziert, die aber Aktien anderer Gesellschaften
besitzt u. diese dadurch beeinflußt od. beherrscht.
holdrio! [holdrio.auch: holdrlo:] <Interj.>: veraltender
Ausruf der Freude [bes. in den Bergen]; <subst.:> 'Holdrio
[-], das; -s. -s: Freudenruf / in den Bergen]. Jodler: von
oben tönte sein glückliches H.; ^Holdrio [haldrio], der;
-[s], -[s]: leichtsinniger, leichtlebiger Mensch, der nur genießt
u. fröhlich in den Tag hinein lebt.
holdselig <AdJ.) Ispätmhd. holtselig] (dichter, veraltend):
ammtig. liebreizend, von engelhaft zarter Schönheit: ein
-es Lächeln; ..Auf Wiedersehen, Pummelchen!" sagte
Mama und nickte h. Entlassung (iron.; Fallada. Herr 148);
<Abl.:> Holdseligkeit, die;- (dichter.): besondere, engelhafte
Anmut. Liebreiz (eines Kindes od. einer weiblichen Person).
Hole [hoül], das; -s. -s [engl, hole] (GolO: Loch: zwischen
den -s gibt es raffinierte Hindemisse (Zeit 29. 5. 64. 25).
holen t'ho:lan] <sw. V.; hat) [mhd. hol(e)n. ahd. holön;
urspr. = (herbei)rufen. schreien; verw. mit THall]: l.a)
von einem Ort. einer Stelle, an der sich etw. befindet, her-
[bei/bringen, herbeischaffen: Kartoffeln [aus dem Keller]
h.; Brot [vom Backer) h. (einkaufen); ich hole mir etwas
zu essen aus der Küche; einen Bleistift aus der Hosentasche,
ein Kleid aus dem Schrank h. (herausholen,
herausnehmen); jmdm./für jmdn. einen Stuhl h.; ich will nur frische
Blumen ins Zimmer h.; Ü daß er alles neu machen und
aus sich selbst h. (aus eigenen Ideen schöpfen) mußte (A.
Zweig. Claudia 11); Während seine Hände die Effekte
eines ganzen Orchesters aus den Tasten holten (K. Mann,
Wendepunkt 84); * da bei jmdm. ist nicht viel/nichts [mehr]
zu h. (jmd. besitzt nicht [mehr/ viel an materiellen Gütern,
man kann ihm daher nicht viel wegnehmen [ wenn er Schulden
Atf/tf.£./;/ermach teüberall Schulden.... die Möbel wurden
ihnen aus der Wohnung geholt (weggeholt; Faller, Frauen
62); b) jmdn. [schnell] herbeirufen, an einen bestimmten
Ort bitten, wo er gebraucht wirdo. ä.: die Polizei, die
Feuerwehr, einen Handwerker h.; Der... König ... holte
Techniker ... aus Frankreich (Grzimek. Serengeti 169); den Arzt
zu dem Kranken h.; c) von einem bestimmten Ort abholen
[u. wegschaffen]: morgen wird Sperrmüll geholt; er wurde
[aus der Arbeit weg] zum Militär geholt; Er muß stündlich
damit rechnen, daß man ihn h. kommt (verhaftet; Simmel.
Stoff 336); Ü der Tod hat sie geholt (verhüll.; sie ist
gestorben): In Wirklichkeit kann er nicht viel vertragen,
und der Rausch holt ihn plötzlich (Remarque. Obelisk
44). 2. <h. + sich) sich etw. geben lassen, verschaffen,
vonjmdni. erbitten: ich holte mir eine Sondergenehmigung;
sich Hilfe. Beistand h.; sich Anregungen h.; du solltest
dir bei einem Fachmann Rat h. 3. (ugs.) gewinnen, erlangen,
erwerben: [in einem Wettbewerb, beim Sport] einen Preis,
eine Medaille h.; er hat viele Punkte für seine Mannschaft
geholt; (auch h. + sich:) morgen mußt du dir den
Meistertitel h.; du hast dir [nur] eine Niederlage geholt. 4. <h.
-f sich) (ugs.) sich etw. (Krankmachendes. Unangenehmes.
Schlimmes) zuziehen: sich einen Schnupfen, die Grippe
h.; dabei kannst du dir Ja den Tod holen (auf den Tod
krank werden)!; die Angst, daß ich mir was geholt (verhüll.;
mich mit einer Geschlechtskrankheit angesteckt) habe
(Remarque. Obelisk 259); ich habe mir ein Strafmandat wegen
zu schnellen Fahrens geholt (eingehandelt). 5. (See-
mannsspr.) herab-, heranziehen: die Leine dicht h.; die
Segel strafT h.; das Boot mit dem Haken längsseits h.
6. (landsch.) für jmdn.. für sich durch Kauf beschaffen:
ich muß mir, dem Kind einen neuen Mantel h.
Holismus [ho'lismus], der; - [zu griech, hölos = ganz]
(Philos.): Lehre, die alle Erscheinungen des Lebens aus
einem ganzheifliehen Prinzip ableitet.
HoDt:fHulk.
holla [hola] <lnterj.) [ursprZuruf an den Fährmann zum
Überholen]: Ausruf der Überraschung. Verwunderung:
„Holla - der scheint mir ja gut informiert zu sein", denkt
Konrad Bünning (Nachbar. Mond 302).
HolUnder ['holend^], der; -s. - [1-3: nach der ehem.
Grafschaft, deren Name oft als Bez. für die gesamten
Niederlande benutzt wird; 4: die Maschine wurde im 17. Jh.
in den Niederlanden erfunden; 5: nach einer in den
Niederlanden häufig anzutreffenden Windmühlenart mit
drehbarem Kopfl: 1. kurz für: Holländer Käse: alter H. ist
besonders schmackhaft. 2. ein vierrädriges Kinderfahrzeug, das
durch Hin- u. Herbewegen einer Deichsel angetrieben wird.
3. Hauskaninchen mit weißem, schwarz-, braun- od.
gelbgeschecktem Fell. 4. (Technik) Maschine zum Mahlen u.
Mischen von Fasern bei der Papierherstellung. 5.
(Geräteturnen) Absprung mit einer Vierteldrehung u. Überschlag
seitwärts: mit einem H. vom Barren. Langpferd abgehen.
6. *den H. machen (ugs.; weglaufen, fliehen; wahrsch. auf
holländische Söldner früherer Zeiten bezogen;
ehrenrührige Haltung, die der Deutsche seinem Nachbarn zuschob);
losgehen durchgehen wie ein H. (landsch.: 1. sich geschickt
[aber rücksichtslos] aus einer schwierigen Situation
herausarbeiten. 2. weglaufen): Holländerei [halendd ny], die;
-, -en [nach der für die Niederlande typischen
Milchwirtschaft] (landsch. veraltet): landwirtschaftlicher Betrieb,
vorwiegend mit Milchwirtschaft; Molkerei; HQlländermiihle,
die; -. -n: svw. tHolländer (4); hQlländern <sw. V.): 1.
(Buchbinderei) Blätter od. Bogen zu einzelnen Faszikeln
zusammenheften u. die Fadenenden durch den hinten
aufgeleimten Buchrücken festhalten <hat): eine Broschüre h. 2.
(veraltend) zu zweit mit verschränkten Armen Schlittschufi
laufen u. dabei Bogen fahren <hat/ist).
Holle ['hob], die; -. -n [aus dem Niederd. < mniederd.
hülle, hülle = Kopfbedeckung] (Jägerspr.): (bei einigen
Vögeln, z. B. Wiedehopf. Haubenlerche) Büschel von lunh-
stehenden. wie eine Haube auf dem Kopf sitzenden Federn:
1274
holokrin
Ein Goldammerhähnchen ... glättete seine gelbe H. und
begann zu singen (Löns. Gesicht 200).
Hölle l'tab]. die; -. -n <P1. selten) [1: mhd. helle, ahd.
hell[i]a; in der germ. Mythologie Benennung des
Totenreiches, personifiziert im Namen der Todesgöttin Hei;
wahrsch. urspr. = die Bergende; vgl. hehlen; 2: veraltete
Bez. für einen Raum, in dem man etw. „bergen" kann):
l.a) <o. PI.) (Rel.) Ort der ewigen Verdammnis für die
Sünder; Reich des Teufels: die Schrecken. Flammen der
H.; in die H. kommen, zur H. fahren (verdammt werden);
Spr der Weg zur H. ist mit guten Vorsätzen gepflastert
(es ist schwer, einer Versuchung zu widerstehen, auch dann,
wenn man sich vorgenommen hat. sich zu bessern); *imdn.
zur H. wünschen (geh.; jmdn. (über den man sich ärgert)
verwünschen); zur H. mit imdm., etw. (als heftige
Verwünschung in bezug auf jmdn.. etw. [Negatives], von dem
man wünscht, daß er. es nicht [mehr] da wäre, nicht mehr
existiert): zur H. mit den Verrätern!; zur H. mit seinem
Kognak! Und zur H. mit seinen gottähnlichen
Redensarten! (Rcmaraue. Obelisk 257); b) Ort. Zustand großer
Qualen; etwas Schreckliches. Furchteinflößendes.
Unerträgliches: es war die reine H. mit der Alten (Baum. Paris
131); wenn wir uns widersetzen, haben wir bald die H.
hier (Wohmann. Absicht 61); *die grüne H. (der Urwald);
die H. Ist los (ugs.: 1. es herrscht /irgendwo] große
Aufregung, wildes Durcheinander, unerträglicher Lärm: im
Kinderzimmer ist die H. los! 2. ein schweres Unwetter ist
losgebrochen. 3. schweres feindliches Artilleriefeuer o.a.
hat eingesetzt): die H. auf Erden haben (ein schweres Leben
haben, in Verhältnissen leben, die einem das Leben
unerträglich erscheinen lassen; nach dem Titel des Romans ..Die
Hölle auf Erden" von J. G. Gruber (1774-1851). der
sich viell. auf eine Stelle im Buch der Weisheit Salomos
1. 14 im A. T. zurückführen läßt): sie hatte in ihrer Ehe
mit einem Trinker die H. auf Erden; imdm. das Leben
zur H. machen (imdm. durch Schikanen, durch die Art.
ihn zu behandeln o.a. das Leben unerträglich machen);
imdm. die H. heiß machen (ugs.: 1. imdm. [durch
Drohungen] Angst machen, ihm heftig zusetzen. 2. jmdn. [mit
einer Bitte. Forderung o.a.] stark bedrängen; urspr. von
den grellen Schilderungen der Qualen in der Verdammnis
u. des höllischen Feuers ausgehend; vgl. das mhd. Adj.
helleheis = heiß wie die Hölle). 2. (landsch.) in alten
i Bauern Häusern (mit einer Sitzbank versehener) enger
Raum zwischen Kachelofen u. Wand.
'Hellen- (Hölle 1): -braten, der (veraltetes derbes
Schimpfwort): böser Mensch; Person, die man verachtet u. als
Ausgeburt der Hölle ansieht; ^brut, die <o. PI.) (derbes
Schimpfwort): übles Gesindel. Ausgeburt der Hölle; -fahrt, die
(antike Myth.; christl. Rel.): Vorstellung von dem
Hinabsteigen eines Menschen od. Gottes in die Unterwelt, ins Reich
des Totengottes, der Toten; Christi H. (das Hinabsteigen
Christi zur Hölle zur Erlösung der Gerechten des Alten
Bundes); Ü die H. der Selbsterkenntnis; -feuer, das: jmdn.
ins tiefste H. wünschen; -fürst, der <o. PL): Teufel. Luzifer;
-hund, der (Myth.): Wachhund am Eingang zur Unterwelt.
Zerberus; -maschine, die [LÜ von frz. machine infernal]
(veraltend): (für verbrecherische Anschläge benutzter)
Sprengkörper mit Zeitzünder: -stein, der [LÜ von lat.
lapis infernalis. wegen der schmerzhaft ätzenden Wirkung
des Steines]: a) aus Silbernitrat bestehendes Ätzmittel, das
zum Blutstillen u. zur Verätzung von wucherndem Gewebe
verwendet wird: Wundbehandlung mit H.; b) einzelnes
Stück aus diesem Material: die Warze mit einem H.
bestreichen, dazu: -steinstift, der: Höllenstein (b) in Form eines
Stiftes; -strafe, die (Rel.): Strafe der ewigen Verdammnis.
4iQllen- [mit Betonung auch des Grundwortes] (salopp,
emotional verstärkend): sehr groß, überaus stark, heftig:
-^nsst, die: eine H. haben; Höllenängste ausstehen;
-bnjnd, der: sehr großer Durst lauf Alkohol J; -dyrst, der.
-glut, die; -hjtze, die; -l^rm, der: Die schwere Artillerie
... vollführte einen wahren H. (K. Mann. Wendepunkt
420); -pein, die; -quäl, die; -schmerz, der; -spgß, der:
das gab einen H.; -spektakel, der: svw. Nlärm; -t^mpo,
das: mit einem H. sauste er vorbei.
Holler [hole], der; -s. - (süd[west]d.. österr.): svw. t
Holunder. Vgl. Holder.
Heller-: f Holder-.
Hollerith- [hDb'nt, auch: ' ; nach dem dt.-amerikani-
schen Erfinder H. Hollerith (1860-1929)]: -karte, die:
Karte, auf der Itiformationen durch bestimmte Lochungen
festgehalten sind. Lochkarte: liegt ... später das ganze Interview
als eine H. unter einem Stoß von Karten derselben Umfrage
(Noelle. Umfragen 187); -maschine, die: Lochkartemna-
schine. in der die verschiedensten Informationen (für
kaufmännische, statistische, wissenschaftliche Zwecke) sortiert
u. gespeichert werden können; -verfahren, das <o. Pl.>:
Verfahren der Datenverarbeitung durch Lochungen u. ihr
maschinelles Abtasten: die Buchhaltung dieser Firma
arbeitet nach dem H.; hollerithieren [hobriti.ron] <sw. V.; hat):
auf Hollerithkarten bringen: ein Staat, eine Gesellschaft
.... in denen jedermann hollerithiert wird (Menzel.
Herren 29).
Hpllerkoch,das; -s (bayr.. österr.) [zu ^och]: Holundermus;
HQlleirttster, der; -s (österr.): Kompott od. Mus aus
Holunderbeeren.
höllisch l'hcelij] <Adj.) [mhd. hellisch; zu tHölle]: l.a) <o.
Steig.; nur attr.): zur Hölle gehörend, aus der Hölle
stammend: das -e Feuer; -e Geister; -e Qualen (Qualen der
Hölle) leiden; Ü Ich hatte mich ... dem Teufel verschrieben,
dem von Teufeln beherrschten -en Regime (Habe. Namen
216); b) der Hölle u. ihren Qualen u. Schrecken vergleichbar;
quälend, schrecklich; teuflisch: ein -er Krieg; -er Zynismus;
haben die anderen Kaspars ... einen immer -eren Lärm
erzeugt (Handke. Kaspar 101); Höllisch, unbewohnbar
mußte ihm das Land erschienen sein (Seghers. Transit
202); <subst.:> das Schauerliche und Höllische unserer Lage
(Kaschnitz. Wohin 22). 2. <o. Steig.; nicht präd.) (ugs.
verstärkend): außerordentlich, groß, stark; in starkem
Maße, sehr: jmdm. [ein] -es Vergnügen bereiten; vor jmdm.
-en Respekt haben; man muß h. aufpassen; h. gespannt
sein; er hat h. viel Geld; der FBI-Mann scheint jedenfalls
h. informiert (Fr. Wolf. Menetekel 160).
Hollywoodschaukel Choliwud-], die; -. -n [nach der
amerikanischen Filmstadt]: Gartenmöbel in Form einer breiten,
gepolsterten [u. überdachten] Bank, die frei aufgehängt
ist u. wie eine Schaukel hin u. her schwingen kann.
'Hota [holm], der; -[e]s, -e [1 a: von F. L. Jahn (1778-1852)
in die Turnersprache eingeführt; eigtl. (vgl. 2 b) =
waagrechtes Holzstück, in das die Zapfen senkrechter Pfähle
eingreifen; zu mniederd. holm = Querbalken. Jochträger,
vgl. *Helm]: l.a) (Turnen) eine der beiden Stangen am
Barren: vom oberen H. des Stufenbarrens abschwingen;
b) eine der Längsleisten einer Leiter; c) Handlauf eines
[ TreppenJgeländers. 2.a) (Flugw.) tragende Leiste eines
Tragflügels; b) (Bauw.) mit den Pfosten verzapfter
Querbalken (z. B. an einem Joch beim Holzbrückenbau). 3. a)
(Rudern) Teil des Riemens. Ruders; b) svw. t^elm (1).
^obn [-]. der; -[eis, -e [mniederd. holm; eigtl. = Ragendes.
Erhebung] (nordd.): 1. kleine Insel: Es gab -e in dem
Fjord, lange Bänke und Kieszungen mit Schilfdickichten
(Gaiser. Jagd 160). 2. (selten) Schiffswerft. Schwimmdock.
Hobnengasse ['holman-]. Holmgasse, die; -. -n [zu t 'Holm
(1 a)] (Turnen): Raum zwischen den Holmen des Barrens.
Hphngang. der; -[e]s. -gange: auf einem 2Holm (1)
ausgetragener Zweikampf bei den Germanen (in der nordischen Saga).
Hohnhm ['holmium], das; -s [nach Holmia, dem latinisierten
(zu ^olm gehörenden) Namen der Stadt Stockholm: ein
seltenes Erdmetall (chemischer Grundstoff); Zeichen: Ho
hokK HokK (vor Vokalen auch:) hol-. Hol- [holo-. hol-;
zu griech, hölos] (Best, in Zus. mit der Bed>: ganz,
völlig (z.B. holographisch. Hologramm, holoedrisch,
holarktisch); Holoeder [holo'|e:de]. der; -s. - [zu griech.
hedra = (Sitz)fläche]: holoedrischer Kristall; holoedrisch
[holole:dnJ] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: (von Kristallen)
vollflächig; Hologramm, das; -s. -e [t-gramm; gepr. von
dem brit. Physiker ung. Herkunft D. Gabor (geb. 1900)]
(Physik): dreidimensionale Aufnahme eines Gegenstandes,
die bei der Holographie entsteht; Speicherbild; Holographie,
die; - [t-graphie] (Physik): Technik zur Speicherung u.
Wiedergabe von Bildern in dreidimensionaler Struktur, die (in
zwei zeitlich voneinander getrennten Schritten) durch das
kohärente Licht von Laserstrahlen erzeugt sind;
holographisch <Adj.;o. Steig.): 1. (Bibliotheksw., Rechtsspr.) [voll-
ständigI eigenliändig geschrieben: ein -es Testament. 2.
(Physik) die Holographie betreffend, mit der Technik der
Holograplüe hergestellt; mit Hilfe der H.: eine -e Aufnahme;
die Größenzusammensetzung ihrer Inhalationspräparate
h. prüfen lassen (MM 20. 3. 70. 13); holokrin [holo'kri:n]
<Adj.; o. Steig.; nicht adv.> [zu griech. krinein = scheiden.
1275
holokristallin
trennen] (Biol.. Med.): (von Drüsen) Sekrete absondernd,
in denen sich die Zellen der Drüse völlig aufgelöst haben
(Ggs.: merokrin); holokristallin <Adj.; o. Steig.): (von
Gesteinen) völlig kristallin; nur aus kristallinen Teilen
bestehend; Holometabolen <P1.) (Biol.): bisekten. die eine Holo-
metabolie durchmachen; Hokmetaboljfi» die; - (Biol.):
vollkommene Metamorphose (2) in der Entwicklung der Insekten
(unter Einschaltung eines Puppenstadiums); Holoparasit,
der; -en, -en (Bot.): Pflanze ohne Blattgrün, die sämtliche
Nährstoffe von der Wirtspflanze bezieht. Vollschmarotzer;
holophrastisch [holo'frastij] <Adj.; o. Steig.) [engl, holo-
phrastic. zu griech. phrastikös = zum Reden gehörend.
T Phrase] (Sprachw.): a) (von Sätzen) aus einem Wort
bestehend (z.B. Komm!; Feuer!); b) (von Sprachtypen) einen
Satz in einem Wort ausdrückend (z. B. im Eskimoischen);
Holosiderit. der: -es. -e: Meteorit, der ganz aus Nickeleisen
besteht; Holoty pus, der; -, ...pen (Zool.): Einzelstück (unter
Umständen auch das einzige überhaupt vorhandene Stück)
einer Tierart, nach dem diese erstmals wissenschaftlich
beschrieben wurde; holozän [holo't$E:n] <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.) [frz. holocfcne] (Geol.): das Holozän betreffend,
dazu gehörend; Holozän [-]. das; -s [frz. holocene,
gepr. von dem frz. Zoologen u. Paläontologen P. Gervais
(1816-1879).zu griech. kainös = neu. ungewöhnlich, eigtl.
= die ganz neue Abteilung gegenüber dem Pleistozän]
(Geol.): jüngere Abteilung des Quartärs, Vgl. Alluvium.
holperig usw.: fholprig usw.; holpern ['halpen] <sw. V.)
[H. u.]: I.a) auf unebenem, steinigem o.a. Untergrund mit
schütternden. rüttelnden Bewegungen fahren, sich
fortbewegen <ist>: der Karren ist durch die Straßen geholpert;
b) infolge ungleichmäßiger Bewegung auf unebenem.
steinigem o.a. Untergrund schüttern. wackeln <hat): die Räder
stießen und holperten auf dem unebenen Weg (Gaiser.
Schlußball 208); der Wagen hat sehr geholpert; Kulles
Kopf holpert, ist der tiefste Punkt seines Körpers, der
Hut fällt von Kulles holperndem Kopf (Zwerenz, Erde
36). 2. (selten) ungleichmäßig, stolpernd [u. strauchelnd]
gehen, sich fortbewegen <ist): Die meisten trugen die ...
Holzschuhe in der Hand und holperten barfuß über den
Schotter (Apitz, Wölfe 209). 3. (in bezug auf die Art des
Lesens. Sprechens) stockend, nicht .fließend lesen, sprechen
(hat): er holpert (beim Lesen) noch ein wenig; Ü seine
Verse holpern (sindunrhythmisch); holprig, (auch:)
holperig I'h3lpO)n$ <Adj.>: 1. (nicht adv.) höckerig, uneben u.
dadurch schlecht zu befaliren od. zu begehen: eine -e
Fahrbahn; das Pflaster ist sehr h. 2. stockend, nicht fließend,
nicht in gleichmäßigem Rhythmus: in -em Englisch; die
Worte kommen holprig und verquer (Hildesheimer, Tyn-
set 223); (Abi.:) Hplprigkeit, (auch:) HQlperigkeit. die; -.
HolschuM [ho:l-l. die; -. -en (jur): Geldforderung. Schuld,
die am Wohnort des Schuldners geholt, eingetrieben werden
muß (Ggs.: Bringschuld).
Holsteiner [hDlJuynB]. der; -s, - [diese Pferderasse wird
bes. in Schleswig-Holstein gezüchtet]: braunes, kräftiges,
langgestrecktes Warmblutpferd, das als hervorragendes
Reitpferd gilt.
Holster [holst«], das; -s. - [engl, holster < niederl. holster
< mnlederl. holfter, mniederd. hulfte = Köcher für Pfeil
u. Bogen. Nebenf. von mhd. hulft. T Halfter]: I. offene
(am Gürtel, um den Oberschenkel od. an der Schulter
befestigte) Ledertasche für eine griffbereit getragene
Handfeuerwaffe. 2. (Jägerspr.) Jagdtasche.
holterdiepolter [haltBdi palte] (Adv.) [lautm. für das
geräuschvolle, polternde Fallen von Gegenständen über eine
schiefe Ebene] (ugs.): überstürzt. Hals über Kopf: in der
Eile ging esh.; (subst.:)das Holterdiepolter (dasGeholper)
der anderthalbstündigen Fahrt war nachgerade mehr, als
selbst mein drahtiger kleiner Begleiter verkraften konnte
(Kantorowicz. Tagebuch I, 264).
hoKiber! [ho:l|y:bB] (Interj.): Zuruf an den Fährmann, mit
dem der Rufer vom jenseitigen Ufer aus darum bittet,
übergesetzt zu werden.
Holunder [ho'lundt?], den -s, • [mhd. holunder. ahd. holuntar
(beide anfangsbetont, vgl. die landsch. Formen Holder
u. Holler)]: 1. (als heilkräftig geltender) Strauch mit
gelblichweißen, in großen Dolden wachsenden Blüten und
glänzenden, erst roten, dann schwarzen Früchten: auf diesem
verwilderten Gartengelände wächst viel H. 2. (o. PI.) kurz
für f Holunderbeere: wir pflückten H.
Höhender-: -bäum, der; -beere, die; -beersuppe, die; -Wüte,
die; -busdi, der; -mark, das: weißes Mark im Holz des
Holunders (1); -saft, der; -Strauch, der; -suppe, die; -tee, der.
Hob [holtß], das; -es, Hölzer ['hoel&B] u. - [mhd., ahd.
holz, eigtl. = Abgehauenes]: 1. (o. PI.) feste, harte
Substanz des Stammes, der Aste u. Zweige von Bäumen u.
Sträuchern (die als Baustoff. Brennmaterial usw.
verwendet wird): hartes, frisches, kerniges, astfreies, grünes
(junges), dürres, faules, wurmstichiges H.; ein Stück. Stapel,
Festmeter H.; das H. lebt, arbeitet; das H. (Brennholz)
knistert im Kamin; dies H. brennt schlecht, läßt sich gut
bearbeiten, hat eine schöne Maserung; H. sammeln, hak-
ken. spalten, aufschichten, schnitzen, sägen, beizen,
polieren; H. (Brennholz) im Ofen nachlegen; [dreimal] an H.
klopfen (zum Ausdruck des abergläubischen Berufens. daß
etwas gut ausgehen soll; nach alter Vorstellung von der
magischen Kraft des Holzes); Möbel. Gegenstände aus
H.; das Haus ist ganz aus H.; die Wände mit H. verkleiden;
Einlegearbeiten in H.; es knackt im H.; der Baum steht
noch gut im H. (ist gesund), ist zu sehr ins H. geschossen
(hat immer neue Zweige hervorgebracht, aber keine Blüten) ;
R und das am grünen -e! (wenn hier schon der Fachmann
versagt, wie soll ein Laie sich helfen können; in freier
Übertragung nach Luk. 23, 31); * dastehen wie ein Stück H.
(steif u. stumm dastehen); H. auf sich hacken lassen (sich
alles gefallen lassen, zu gutmütig sein); H. in den Wald
tragen (etwas Sinnloses. Unnötiges tun; vgl. Eulen nach
Athen tragen): kein hartes H., bohren; das H. bohren« wo
es am dünnsten ist (es sich allzu leicht machen, sich nicht
besonders anstrengen); viel H. (ugs.; eine große Menge
von etw.. z.B. Geld): 50 Mark für das Buch ist viel H.;
[viel] H. vor der Hütte/vor dem Haus/vor der Tür/vor der
Herberge haben (ugs. scherzh.; einen üppigen Busen haben):
Sie zupft leicht an der weißen Spitzenbluse, die erstaunlich
viel ..H. vor der HUtfn" preisgibt (Hörzu 40. 1974. 39);
H. sägen/schneiden (ugs.; laut schnarchen)', nicht aus H.
sein (als Feststellung in einer Situation, in einem
Zusammenhang, wo man sich falsch eingeschätzt fühlt; 1. genau
wie andere Menschen auch für sinnliche Reize empfänglich
sein. 2. nicht so gefühllos, unverletzbar o. ä. sein, wie andere
denken). 2. Holzsorte: edle Hölzer und Steine; Diese
schönen alten Möbel! Welche Hölzer! (Zwerenz, Quadriga
181); fiir die Täfelung wurde ein ganz besonderes H.
ausgesucht; * aus dem H. sein, aus dem man... macht (die
Eigenschaften. Fähigkeiten. Voraussetzungen besitzen, die jmdn.
für ein bestimmtes Amt. eine bestimmte Aufgabe geeignet
erscheinen lassen): er ist [nicht] aus dem H.. aus dem
man Minister macht; aus dem gleichen/aus anderem H.
[geschnitzt] sein (die gleiche/eine andere Wesensart, den
gleichen/einen anderen Charakter haben): Franz Larbach.
vier Jahre jünger, ist aus anderem H. Er ist
wortkarg ... CNoack. Prozesse 111); aus hartem/härterem/
feinem/feinerem/gröberem/geringerem H. [geschnitzt]
sein (in bezug auf Charakter. Fähigkeiten,
körperlichgeistige Beschaffenheit u.a. mehr od. minder stark sein;
mehr od. weniger empfindlich sein): ..Sieh mich an*4 ...
..Ich bin aus härterem H. geschnitzt als du..." (Lederer.
Liebe 40). 3.a) <PI. Hölzer. Vkl. T Hölzchen) nicht näher
bezeichneter bestimmter Gegenstand aus Holz (1 a);
hölzerner Teil eines bestimmten Gegenstands: Hölzer in die Erde
rammen; den zweiten Koch, der... die Hölzer (Holzlöffel)
ergriffen hatte, um Teig zu schlagen (Seghers. Transit
133); sind lange Hölzer ... schwer zu fahren, während
kürzere Schi... leichter zu beherrschen sind (Eidenschink.
Eis 91); der Stürmer traf zweimal dasselbe Holz (Fußball
u.a.; den hölzernen Pfosten od. die Querleiste des Tores):
den Ball mit dem H. (Tennis. Badminton; dem Rahmen
des Schlägers) schlagen; mit einem H. (Holzschläger beim
Golf) lassen sich weite Schläge erzielen; b) <P1.) (Kegeln)
einzelner Kegel: zwei H. stehen noch; er hat viel H.
geschoben; mit 2 180 H. vom liegen; *gut H.! (Gruß der Kegler);
c) <o. Pl.> (Musik) Gesamtheit der Holzblasinstrumente:
das H. muß etwas mehr hervortreten. 4. <o. PI.) (veraltend,
noch landsch. u. Jägerspr.) Wald: das H. steht gut; ins
H. fahren; das Wild zieht zu -e.
hplz-, HqIz-: ^abfuhr, die: Transport des geschlagenen
Holzes, dazu: -abfuhrweg, der: vgl. ^weg; -absatz, der:
hölzerner Absatz(\)an einem Schuh; -apfel, der [mhd. holzapfel
= im Holz (4) wachsender, wilder Apfel]: a) kleiner, herb
schmeckender Apfel eines wilden, nicht veredelten
Apfelbaums; b) kurz Tür t-apfelbaum. dazu: Mipfelbaum, der.
1276
holz-, Holz-
-arbeiter, der: svw. T ^fallen ^arm <Adj.>: a) <nicht adv.)
wenig Holz besitzend: ein -es Land; b) unter sparsamer
Verwendung von Holz: eine -e Bauweise; -art, die: Sorte.
Art (4 a) von Holz: einheimische -en; eine H. mit besonders
schöner Maserung; -asche, die: Verbrennungsrückstand von
Holz: -äuge, das in der Wendung H. sei wachsam!
(scherzh.; paß auf. sieh dich vor!: meist von jmdm. an
sich selbst gerichtete Ermahnung zu erhöhter
Wachsamkeit, um nicht übervorteilt od. hintergangen zu werden;
viell. scherzh. für Glasauge, in Anlehnung an Holzbein,
also auf prothesetragende Soldaten anspielend); -bank,die
<PI. -bänke>: a) hölzerne [Sitzjbank: b) wie eine massive
Bank gestapeltes Holz: bis zu 100 Meter lange Holzbänke
sind zwei Monate nach den verheerenden Waldbränden
... bereits angelegt (MM 24. 10. 75. 16); -baracke, die;
-bau, der: 1. <o. PI.) das Bauen in Holz. 2. <P1. -ten>
Bauwerk aus Holz: -bearbeitung, die. dazu: -bearbeitungs-
maschine. die; -bedarf, der: Bedarf an Holz, -beige, die
[t2Beige] (südd.. Schweiz.): svw. f-stoß; -bein, das:
Beinprothese aus Holz: -beize, die: svw. T Beize (1 a); -beton,
der: Leichtbeton aus Zement u. Säge-, Hobelspänen od.
Holzwolle: -bett, das; -biene. die: nicht staatenbildende,
meist blauschwarze Biene mit violetten Flügeln, deren
Weibchen zur Eiablage lange Gänge in morsches Holz bohrt:
-bildhauer. der: in Holz arbeitender Bildhauer.
Bildschnitzer, dazu: -biWhauerei. die; -birne, die [mhd. holzbir]:
vgl. -apfel: -bläser. der (Musik): Spieler eines
Holzblasinstruments: -blasinstrument. das (Musik): hauptsächlich
aus Holz gefertigtes Blasinstrument (z. B. Blockflöte.
Oboe. Klarinette), dazu: -bbsinstrumentenmacher, der
(Berufsbez.); -block, der <P1. -blocke): Block (1). Klotz aus
Holz: -bock, der [3: zum 2. Bestandteil vgl. Hausbock):
1. hölzernes Gestell. Bock (3) aus Holz. 1. blutsaugende
Zecke, die bes. Hunde, aber auch Menschen befällt. 3.
großer, gelbbehaarter Bockkäfer, dessen Larven bes. an
jungen Pappeln u. Weiden schwere Schäden anrichten: -bo-
dcn, der: 1. Fußboden aus Holz. 2- (Forstw.) zur Erzeugung
von Holz bestimmte, vorgesehene Waldfläche: -bohle, die;
-bohrer, der: 1. zum Bearbeiten von Holz geeigneter Bohrer.
2. Nachtschmetterling, dessen Raupen sich im Inneren von
Baumstämmen entwickeln u. Bäume schwer schädigen
können. 3. svw. t Borkenkäfer; -bohrkäfer, der: Bohrkäfer,
dessen Larven im Gebälk, in Möbeln usw. schwere Schäden
anrichten: -bottich, der; -brandmalerei, die: svw. T
Brandmalerei; -brandtechnik, die: die Technik der Brandmalerei,
-brett, das: /als Bauliolz verwendetes] Brett aus Holz:
-brettchen, das: als Teil des Gedecks (1) bes. beim Frühstück
verwendetes kleines Brett aus Holz: -brücke, die; -brüter,
der: svw. t Borkenkäfer; -bude, die; -bündel. das; -dach,
das; -darre, die (Fachspr.): Anlage zum Trocknen von Holz:
-decke, die: Decke (3) aus Holz: -destillation. die
(Fachspr.): trockenes Erhitzen von Holz unter Luftabschluß
zur Gewinnung von Holzkohle. Holzteer u. Holzessig: -dieb,
der; -diebbtahl, der: Diebstahl von ] Brenn] holz aus dem
Wald: -diele, die: 1. langes Holzbrett, bes. Fußbodenbrett.
2, Holzfußboden: -draht, der (Fachspr.): dünnes Stäbchen
aus Holz (für Zündhölzer od. zur Herstellung von Flechh\>a-
ren aus Holz): -dübel, der: Dübel aus Holz: -eimer, der;
^einschlaft, der: vgl. Einschlag (3); -ersatzstofT, der:
Material, das ähnliche Eigenschaften wie Holz aufweist u. das
Holz [als Baustoff] ersetzen soll, -essig, der: bei der
Holzdestillation anfallendes Produkt mit hohem Gehalt an
Essigsäure: -fachschule, die: Fachschule für alle mit der
Holzverarbeitung zusammetüiängenden Berufe: ^faller, dör: für das
Fällen von Bäumen eingesetzter Waldarbeiter: -faser, die:
längliche, abgestorbene Pflanzenfaser mit verholzten
Wänden, dazu: -Faserplatte, die: aus feinzerfasertem Holz u.
Bindemitteln gepreßte, als.(gut isolierendes] Bauelement
dienende Platte: ^ffiule, die: Zersetzung des Holzes durch
Pilze: -feile, die: Feile zur Holzbearbeitung, -feige, die:
]Felge (I) aus Holz: -feuer, das; -über, die: IwrtKummiähn-
liche Masse aus mit Leim vermischten Sägespänen: -figur,
die: aus Holz gearbeitete Figur, -floß, das; -flößerei, die:
das Flößen von Holz: -frei <Adj.; o. Steig.; nicht adv.):
(von Papier) aus reinem Zellstoff, ohne Holzschliff
hergestellt (Ggs.: -haltig); -frevel, der (veraltend): vgl. -dieb-
stahl; -führe, die; -furnier, das: Furnier aus echtem Holz:
-fuflboden, der; -galerie, die: Galerie (1) aus Holz: -gas,
das: bei der Destillation von Holz entstehendes Gasgemisch,
das auch als Treibgas Verwendung fimJet. dazu: -gasgenera-
tor, der; -geist, der: bei der Holzdestillation anfallende,
alkoholhaltige, giftige Flüssigkeit, die u.a. zum Vergällen
von Spiritus u. als Lösungsmittel Verwendung findet: -gelän-
der, das; -gerecht <Adj.) (veraltet): svw. T forstgerecht;
-gereditigkeit, die (früher): das Recht zur Nutzung des
Holzes in einem bestinunten Waldgebiet: -gerüst, das;
-geschnitzt <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): aus Holz geschnitzt:
-gesteil, das: hölzernes Gestell. Holzbock (I): -getäfelt
<Adj.; o. Steig.; nicht adv.): mit Holztäfelung versehen:
-gewächs, das (Bot.): ausdauernde Pflanze, deren Stanun
u. Äste verholzen (z. B. Baum. Strauch. Halbstrauch); -ge-
wehr. das; -gewinde, das: in Holz eingeschnittenes Gewinde
(1); -hacker, der: 1. (bes. österr.) svw. T ^fäller. 2. (Fußball
Jargon) fiarter. unfairer Spieler: -haltig <Adj.; nicht adv.).
(vonPapier) Holzschliff enthaltend'(Ggs.: -frei); -harnmer,
der: hölzerner Hammer mit zylindrischem Kopf: Ü
gelegentlich müsse man der Opposition mit dem H. auf den Kopf
schlagen (ihr rücksichtslos u. mit groben Worten etw.
beibringen: Dönhoff. Ära 135); *eins mit dem H. abgekriegt
haben (salopp abwertend; beschränkt, nicht recht bei
Verstandsein), dazu: -hammermethode, die: sehr grobe, plumpe
Methode, jmdm. etw. beizubringen, jmdn. zu beeinflussen,
jmdn. etw. lehren zu wollen, -hammemarkose, die (salopp):
heftiger Schlag auf den Kopf, der Bewußtlosigkeit hervorruft.
-hammerpolitik, die (abwertend): gewaltsames,
diktatorisches Vorgehen zur Durchsetzung der eigenen Meinung o. ä.:
-handel, der; -hauer, der (landsch.): svw. T -fäller; -häufen,
der; -haus* das: [ganz] aus Holz gebautes Haus: -hütte,
die; -Industrie, die: Zweig der Industrie, in dem Holz be-
od. verarbeitet wird(z. B. Sägewerk. Möbelfabrik); -käfig,
der; -kästen, der; -keil, der; -kirche, die; -kiste, die;
-kitt. der: zum Ausfüllen von Ritzen im Holz verwendeter
Kitt: -klammer, die; -klasse, die: 1. (früher) billigste (3.
bzw. 4.) Klasse in der Eisenbahn mit ungepolsterten
Holzbänken: Ü Amerikas Fluglinien ... haben die H. entdeckt:
zu Billigpreisen ... soll ... künftig fliegen, wer auf Service
verzichtet (Spiegel 17, 1975, 166). 2. (Fachspr.) Güteklasse
für Holz: -kloben. der; -klotz, der; -knebel, der: hölzerner
Knebel: -knecht, der (früher): svw. t -fäller: Nur in
ausgesprochenen Waldgebieten... gab es hauptberufliche
Waldarbeiter, die ..Holzknechte4* (Mantel. Wald 110); -koffer,
der; -kohle, die: schwarze, poröse, sehr leichte Kohle, die
bei der Verkohlung von Holz (z.B. im Meiler) gewonnen
u. als Brennstoff. Zeichenkohle u.a. verwendet wird:
Bratwürste auf H. grillen, dazu: -kohlengrill, der; -konstruk-
tion, die; -köpf, der: 1. aus Holz gedrechselter od.
geschnitzter Kopf: einen H. schnitzen; eine Puppe mit einem H.
L (salopp abwertend) langsam, schwer begreifender
Mensch: -korb, der: für die Aufnahme von Brennholz
bestimmter Korb: -kreuz, das: ein schlichtes H. auf dem
Grab; -lack, der: für Holzflächen geeigneter Lack: -lager,
das; -latschten], der. -latsche, die (ugs.) (meist PI.):
Holzpantoffel. Holzsandale: -leim, der: stärkehaltiger
Klebstoff für Holz: -leiste, die; -lieferant, der; -löfTel, der;
-maierei, die: Malerei auf Holz: -markt, der: Markt zur
Regelung des Absatzes von Holz durch die Forstwirtschaft
u. der Beschaffung von Holz durch die Holzindustrie: -mase-
rung, die; -maske. die; -maß, das: Maßeinheit. Raummaß
für Holz: -mehl, das: (durch Holzschädlinge
hervorgerufener (xi. beim Sägen entstandener) pulverfeiner Abfall von
Holz: Sägemehl: -meßanweisung, die: bindende amtliche
Vorschrift über das Vermessen u. Sortieren von Rohholz:
-meßkunde.die: Lehre von der Altersbestimmung des Holzes
u. der Ermittlung der Holzmasse usw. bei Gehölzen u.
Wäldern: -nagel, der: hölzerner Nagel. Holzstift: -äl, das:
rasch trocknendes Öl aus dem Samen des ostasiatischen
Tungbaumes. das für harte u. wasserbeständige Lacke
verwendet wird: -opal, der: zusammen mit einer siliciumhalti-
gen Masse versteinertes Holz, in dem die Holzstruktur
erhalten geblieben ist: -paneel, das; -pantine, die (landsch.);
-Pantoffel, der; -papier, das: holzhaltiges Papier: -pappe,
die: aus Holzschliff hergestellte Pappe: -perle, die: Perle
aus Holz: -pfeife, die: Tabakspfeife aus Holz: -pflanze,
die: svw. T -gewächs; -pflaster, das: aus imprägnierten
Holzpflöcken bestehendes Straßenpflaster: -pflock, der;
-pilz, der: auf Holz wachsender. Holz zerstörender Pilz:
-Planke, die; -plastik, die: a) Schnitzwerk, geschnitzte
Figuraus Holz: eine 1.50m große H.; b) <o. PI.)
Holzschnitzkunst: -platte, die; -platz, der: Platz zum Lagern. Stapeln
von Holz: -preis, der: Preis für Holz als Rohstoff: -pritsche,
1277
Hölzchen
die; -puppe, die: Spielzeugpuppe aus Holz: -rahmen, der:
[Bilder]rahmen aus Holz: -raspel, die: Raspel zur
Holzbearbeitung, -rechen, der; -reichtum, der <o. PL); -reifen,
der; -riese, die (südd., österr.): svw. t ^rutsche; -rost,
der:' Rost aus Brettern: -rutsche, die: Rutsche zum
Herablassen von geschlagenem Holz. Baumstämmen im Gebirge:
-sandale, die: Sandale mit einer Holzsohle: -sarg, den
-Schädling, der: in Holz eindringender pflanzlicher od.
tierischer Schädling: -schaff, das (südd., österr.): großes
hölzernes Gefäß. Wanne: -schale, die: flaches hölzernes Gefäß:
-scheit, das: gespcdtenes Stück / Brenn]holz: -schemel, der;
-Schimmel, der: svw. t -faule; -schindel, die; -schlag, der:
1. das Schlagen von Holz: nächste Woche kann mit dem
H. begonnen werden. 2. zum Abholzen bestimmtes
Waldstück: drängt ... den Mann, in den H. zu fahren, damit
man's im Winter gemütlich hat (Fr. Wolf. Zwei 177);
-Schläger, der: Golfschläger aus Holz: -schliff, der
(Fachspr.): durch Abschleifen von Holz an rotierenden
Schleifsteinen unter Zusatz von Wasser gewonnene Masse,
die ein wichtiger Grwuistoff in der Papierindustrie ist. dazu:
-schliflTrei: svw. f -.frei; -schneidekunst, die <o. Pl.>: Kunst
des Holzschnitts: Xylographie: -Schneider, der: Künstler
des Holzschnitts. Xylograph: -schnitt, der: 1. <o. PI.)
graphische Technik, bei der die Darstellung [mit Feder
od. Stift vorgezeichnet u. ] mit scharfem Messer aus einer
später als Druckstock dienenden Holztafel herausgeschnitten
wird. 2. in der Technik des Holzschnitts (1) hergestellter
Abzug: ^Schnitzer, der: Künstler, der Gegenstände u.
Figuren aus Holz schnitzt, dazu: -Schnitzerei, die: 1. <o. PI.)
das Schnitzen. Technik des Schnitzern in Holz. 2. in Holz
geschnitzte Figur od. Verzierung: Chorgestühl mit -en;
-schöpf, der (Schweiz.): svw. f ^schuppen; -schraube, die:
spitze Schraube mit scharfkantigem Gewinde, die sich in
Holz festdrehen läßt: ^schuh, der (meist PI.): a) ganz aus
Holz hergestellter Schuh: b) Schuh mit dicker Holzsohle:
-schuppen, der: a) aus Holz errichteter Schuppen: b)
Schuppen zum Aufbewahren von Brennholz: -schütz, der:
Maßnahme! n] zur Sicherung des Holzes gegen Schädlinge.
Witterungseinflüsse. Feuer u. Wasser, dazu: -Schutzmittel, das;
-schwamm, der: svw. I Hausschwamm; -ski, der: Ski
aus mehrfach verleimten Holzschichten: -Skulptur, die;
-sohle, die: Schuhsohle aus Holz: -span, der: a) kleines,
dünnes Holzstäbchen: b) <meist PI.) beim Hobeln von Holz
entstehender Span, zu b: -Spanplatte, die (Bauw.):
aus Holzspänen mit härtetiden Bindemitteln unter
Wärmeeinwirkung u. Druck gepreßte Platte: ^Spielwaren <P1.>;
-Spielzeug, das: Kinderspielzeug aus Holz: -Spiritus, der
<PI. -se) (Chemie): aus Holz, bei der Gärung von Holzzucker
gewonnener Alkohol: -Splitter, der; -stab, der; -stadel,
der (bayr.. österr); -Stange, die; -Stapel, der; -Stempel,
der: hölzerner Stützpfosten: -stich, der: 1. <o. PI.) Technik
des Holzschnitts mit einem Stichel (auf bes. hartem, quer
zur Faser geschnittenem Holz). 2. in der Technik des
Holzstichs (1) hergestellter Abzug: -stiege, die: Stiege aus Holz:
-stiel, der; -stift, der: svw. Nnagel; -stock, der: 1. Stock
aus Holz. 2. (Graphik) Druckstock, in den ein Holzschnitt
od. Stich eingeschnitten ist: -Stoff, der: a) svw. T-schliff;
b) svw. tLignin; -stoß, der: [für ein FeuerI aufgeschichtetes
Holz: -stück, das; -stuhl, der; -tafel, die; -täfe-
hing, die: vgl. Paneel; -täfer, das (Schweiz): svw.
t Täfer; -tapete, die: aus dünnem Furnier bestehende
Tapete: -taxe, die: festgesetzter [ Höchst 1 preis für Holz:
-tedmiker, der; -teer, der: ölige Substanz, die bei der
Verkohlung von Holz (z.B. im Meiler) gewonnen wird u.
u. a. als Holzschutz- u. Imprägniermittel Verwendung findet:
-teller, der; -tisch, der; -treppe, die; -tribüne, die;
-trockenanlage. die: svw. t-darre; ^tür, die; -türm,
der; -verarbeitend <Adj.; o. Steig.; nur attr.): die -e
Industrie; -Verarbeitung, die; -verband, der. -Verbindung.
die (Bauw.): (bes. bei Dachkonstruktionen vorkommender)
Konstruktionsteil aus Holz: -verbrauch, der; -veredlelhing,
-Vergütung, die <o. PI.) (Fachspr.): (in der
holzverarbeitenden Industrie) Gesamtheit der Maßnahmen, die
den Gebrauchswert u. die Haltbarkeit von Holz erhöhen:
-verkleidet <Adj.; o. Steig.; nicht adv.); -Verkleidung,
die; -verkohking, die: svw. 1-destillation; -Verschalung,
die: Versclialung aus Holz: -verschlag, der; -Verzuckerung,
die (Chemie): chemische Aufbereitung von sonst nicht
verwertbarem Holz bes. zu Glucose: ^Vorrat, der; -wanne,
die; -waren <P1. >: aus Holz gefertigte f Verkaufs
'gegenstände: -weg. der Imhd. holzwec = (Wald)weg. auf dem Holz
abgefahren wird] in der Wendung auf dem H. sein/sich
auf dem H. befinden (mit einer Vorstellung. Meinung o. ä.
von etw. sehr irren: weil ein Holzweg ein reiner
Wirtschaftsweg ist. keine Landstraße, die zu einem bestimmten
Ziel führt); welle, die (Schweiz.): svw. t-bündel; -wespe,
die: (zu den Pflanzenwespen gehörendes) Insekt mit
gelbbrauner Färbung, dessen Weibchen seine Eier in
Nadelhölzern ablegt: -wirf, der: jmd.. der sich (nach entsprechendem
Hochschulstudium) mit der Technik u. Chemie der Holzbe-
u. Verarbeitung beschäftigt: -wirtin, die: w. Form zu
t -wirt; -Wirtschaft, die: Wirtschaftszweig, der
Forstwirtschaft u. Holzverarbeitung umfaßt, dazu: -wirtschaftlich
<Adj.; o. Steig.): die Holzwirtschaft betreffend: -wolle,
die <o. PL): schmale, gekräuselte Holzspäne, die als
Verpackungsmaterial. Füllung von Polstern u.a. verwendet
werden: mit H. ausgestopfte Plüschtiere; ... Spirituosen, in
dünnfädige H. verpackt (Kirst. 08/15. 307); -wurm, der:
1. (volkst.) im Holz bes. von Balkenwerk. Möbeln u.a.
lebende Larve verschiedener Käferarten, die Gänge ins Holz
frißt u. an der Oberfläche des Holzes eine große Zahl kleiner
Ukher hervorbringt, aus denen Holzmehl herausrinnt:
Holzwürmer ticken im Gebälk. 2. (ugs. scherzh.) Tischler.
Zimmermann: Ü (Schimpfwort:) du erbärmlicher H., du fehlst
mir gerade noch, zahl du lieber mal deine Schulden (v.
d. Grün. Glatteis 130); -zange, die; -zäun, der; -zuber.
der; -zucker, der: svw. f Xylose.
Hölzchen ['hoelis^nl. das; -s. -: I. THolz (2a. 3 a); *vom
H. aufs Stöckchen kommen (im Gespräch, in der
Unterhaltung) mit lauter unwichtigen Dingen vom eigentlichen Thema
abkommen: sehr umständlich, weitschweifig sein). 2.
einzelnes Streichholz: ratschte ... mit dem Rücken gegen den
Nachtwind ein H. und noch ein zweites an (Langgässer.
Siegel 204); hölzeln [hoeltßln] (südostösterr. ugs.): lispeln:
holzen ['halten] <sw. V.) [mhd. holzen, hülzen = Holz
fällen u. aus (lern Walde schaffen]: I. (veraltend) Bäume
fällen [u. zu Brennholz zerschlagen! <hat): er ist h.
gegangen. 2.a) (bes. Fußball Jargon) unfair, übertrieben hart
u. roh spielen (hat): es wurde gebolzt und geholzt; b)
(veraltend) sich] prügeln. 3. (Jägerspr.) svw. taufbaumen
<hat/ist>; <Abl.:) Holzer. der; -s. - II: mhd. holzer =
Holzhauer, zu t holzen (1); 2: zu tholzen (2a)]: I. (südd..
österr., Schweiz, veraltend) Holzhacker. Waldarbeiter. 2.
(bes. Fußball Jargon) hart, unfair spielender Spieler: dieser
Abwehrspieler ist als großer H. verschrien; Holzerei [hol-
t$d'r4J]. die; -. -en: a) (bes. Fußball Jargon) hartes, unfaires,
wenig sportliches Spiel: Schuld an dieser H. hatte
hauptsächlich der unsichere Schiedsrichter; b) Prügelei: vor der
Kneipe war eine handfeste H. im Gange; hölzern [hceltßgn]
<Adj.) [mhd. hulzerfn. holzin]: 1. <o. Steig.; nur attr.)
aus Holz: -e Kochlöffel; ein -er Rolladen; -es Spielzeug.
2. (meist in bezug auf jmds. Haltung. Bewegungen o.a.)
steif u. ungeschickt, linkisch: ein -er Bursche; seine
Bewegungen sind h.; sie saß ganz h. auf seinen Knien (Gaiser.
Jagd 171); holzig <AdJ.; nicht adv.): (in bezug auf
Pflanzenteile. Früchte u. ä.) verholzt: mit Holzbestandteilen.
Holzfaserndurchsetzt: -er Kohlrabi; beim Durchschneiden merkt
man. ob eine Ananas h. oder zart ist; Hplzung, die; -.
-en [mhd. holzunge]: 1. das Schlagen von Bäumen.
Holzeinschlag: eine H. vornehmen. 2. (veraltend) Baumbestand.
Gehölz: (Zus. zu 1:) Hplzungsrecht, das: svw. t
Holzgerechtigkeit.
hom-, Hom-: thomo-. Homo; Homatropin [homatropi:n].
das; -s [zu griech. hömos = gleich, gemeinsam u. T Atropin]
(Med.): dem Atropin chemisch sehr ähnliche, jedoch weniger
giftige Substanz, deren Salze in der Augenheilkunde zur
kurzfristigen Pupillenerweiterung verwendet werden.
Homburg ['hombork], der; -s. -s [nach dem vom späteren
brit. König Eduard VII. bei einem Besuch in Bad Homburg
getragenen Hut]: bei offiziellen Gelegenheiten getragener,
eleganter steifer Herrenhut aus Filz mit hohem Kopf u.
leicht aufwärts gerundeter Krempe: Herren im H. schreiten
Ehrenkompanien ab (Enzensberger. Einzelheiten I. 113).
Home- ['hoom-; engl, home = Heim]: ^base, das [engl.-ame-
rik. home base]: T Heimbase; -fighter, der; -s, - [engl.-ame-
rik. home fighter] (Boxen): a) im heimischen Boxring, vor
heimischem Publikum besonders starker u. erfolgreicher
Boxer, der in anderen Ringen schwächer boxt: b) im heimischen
Ring, vor heimischem Publikum kämpfender Boxer: -land
[-lamd]. das; -[s], -s (meist PI.) [engl, homeland]: in der
1278
homograd
Republik Südafrika bestimmten Teilen der schwarzen
Bevölkerung zugewiesenes Siedlungsgebiet; -plate [-pleit].
das; •[<*]. -s [engl.-amerik. home plate] (Baseball): svw.
t Heimbase; -role [-ru:l]. die; - [engl, home rule =
Selbstregierung]: politisches Schlagwort für das von der irischen
Nationalpartei angestrebte (1922 außer in Ulster
verwirklichte) Ziel, die Selbständigkeit Irlands auf
parlamentarischem Wege zu erreichen; ^run [-rAn]. der; -s. -s
[engl.-amerik. home run. eigtl. = Heim-. MallauO (Baseball): Treffer,
der es dem Schläger ermöglicht, nach Berüliren der ersten,
zweiten u. dritten Base das Schlagmal wieder zu erreichen;
einen H. erzielen; -spun [-spAn], der; -s. -s [engl, homespun.
eigtl. = hausgesponnen]: 1. dickes, grobes Streichgarn,
das wegen seiner unregelmäßigen Dichte wie
handgesponnenes Garn aussieht. 2. grob fädiges [mit Noppen durchsetztes I.
hatutwebeartiges Streichgarngewebe in Leinwand- od.
Köperbindung: der in einen grauen H. gekleidete Mann
(Fr. Wolf, Zwei 270); -trainer, der [zu engl, home =
Heim u. tTrainer]: Übungsgerät (z. B. stationäres Fahrrad.
Rudergerät) für den Hausgebrauch zum Konditions- u.
Ausgleichstraining od. zu heilgymnastischen Zwecken;
Heimtrainer: Allerdings war es nur ein ..Hometrainer" in seiner
Wohnung, aber, nachdem er 15 Minuten in die Pedale
getreten hatte ... (Wormser Allgemeine Zeitung 20. 1. 60).
Homeride [homeri:da], der; -n, -n [nach dem Namen des
altgriech. Dichters Homer (2. Hälfte des 8. Jh.s v. Chr.)]:
(in der griechischen Antike) jmd.. der in der Art der
Homerischen Gesänge dichtet od. die Homerischen Gesänge
vorträgt; homerisch [ho'me:riJ] <Adj.; o. Steig.): typisch für
den Dichter Homer, in seinen Werken / häufig j anzutreffen:
solche -en Redekämpfe durchzustehen (Tucholsky, Werke
II. 393); eines Tages die fernen Stätten -er Taten zu sehen
(Ceram. Götter 45); vgl. Gelächter; Homerismus [ho-
me'nsmus]. der; -, ...men: homerischer Ausdruck,
homerisches Stilelement im Werk eines anderen Dichters.
Homilet [homi'le.t]. der; -en. -en [mlat. homileta = Prediger
< griech. homiletes = Gesellschafter]: a) Fachmann auf
dem Gebiet der Homiletik; b) Prediger, Kanzelredner;
Homiletik [...tik], die; - [zu griech. homiletike (techne) = die
Rede(kunst) betreffend]: Geschichte u. Theorie der
christlichen Predigt; homiletisch <Adj.; o. Steig.; meist nur attr.)
[spätlat. homüeticus < griech. homiletikös = gesellig]:
die Gestaltung der Predigt betreffend: ein -es Proseminar;
Homiliar [...'lja:g]f das; -s. -e. (seltener, älter:) Homiliarium
[...'lia:rlum]. das; -s. ...ien [...ian; kirchenlat. homiliare
u. homiliarius): mittelalterliche Sammlung von Homilien.
die nach dem Kirchenjahr geordnet sind; Homilie [...li:],
die; -. -n [...i:an; kirchenlat. homflia = Predigt, eigtl. =
Rede zum Volk < griech. homilia = Gemeinschaft,
Umgang. Unterricht]: Predigt in der Form der Auslegung eines
Bibeltextes, die eine praktische Anwendung auf das Leben
des Christen enthält [u. deren integrieretider Bestandteil
die Verkündigung ist].
Homines: PI. von tHomo; Hominid [homi'ni:t]. der; -en.
-en, (häufiger:) Hominide [...i:da], der; -n. -n [zu lat. homo
(Gen.: hominis) = Mensch] (Biol.): Vertreter der Familie
der Menschenartigen, der heute lebenden wie der
ausgestorbenen Menschenrassen: bis zu Adam und Eva, von denen
wir wohl kaum abstammen, oder bis zu den Hominiden,
von denen wir vielleicht herkommen (Bachmann.
Erzählungen 113); Hominisation[...iza,tsio:n].die; - [zu lat. homo
(Gen.: hominis) = Mensch] (Biol.): körperlich-geistiger
Entwicklungsgang vom affisehen Vorfahren bis zum heutigen
Menschen. Menschwerdung: Das Ablegen einengender und
„repressiver44 Vorstellungen fördert die „Hominisation"
(Menschwerdung), an deren Anfang wir erst stehen
(Börsenblatt 97. 1970. 7393); hominisieren [...zi:ren] <sw. V.;
hat) (Biol.): zum Menschen entwickeln: einen Affen h.
Hommage [D'maij]. die; -. -n [frz. hommage. zu: homme
= Mann < lat. homo = Mann. Mensch] (bildungsspr.):
Veranstaltung. Werk. Darbietung als Huldigung für einen
Menschen, bes. einen Künstler: H. ä Mozart; eine
Rundfunksendung als H. für einen Dichter. Komponisten;
der Film, der heute als eine Art H. für Dieterle gezeigt
wird (Welt 15. 6. 63. 8); Ü eine späte bildhauerische H.
auf den Konstruktivismus der 20er Jahre (MM 24. 1.
69. 32); Homme de lettres bmda'letr]. der; - - -. -s - -
[-; frz. homme de lettres] (bildungsspr.): Literat.
homo [ho:mo] <Adj.; o. Steig.; nur präd.) (ugs.): kurz für
Thomosexuell (Ggs.: hetero): Und ..plötzlich44 ist er h.
und treibt es mit Männern (Bruder. Der Homosexuelle
24).
'Homo[ho:mo]. der; -. ...mines [...mine:s: lat. homo. verw.
mit: humus = Erde. Erdboden, also wohl eigtl. =
Irdischer] (Biol.): Vertreter der Gattung der eigentlichen
Menschen: der Neandertaler ist ein H.
^omo [-]. der; -s, -s (ugs.): kurz für T Homosexuelle: hier
wird man H. oder abartig (Ossowski. Bewährung 54);
ich meine die Jungen, nicht die Alten, die sich ängstlich
tarnen und Familien gründen, damit nur ja niemand den
H. wittert (Zwerenz. Kopf 186).
homo-, Homo-, (vor Vokalen gelegtl.:) hom-, Hom- [hom(o)-;
griech. homös] <Best. in Zus. mit der Bed.>: gleich,
gleichartig, entsprechend (z.B. homogen. Homoerotik.
Homonym); vgl. homoio-. Homoio- u. homöo-. Homöo-.
Homöarkton [homo'larktan]. das; -s. ...ta [zu griech. ho-
moiöarktos = gleich(artig) anfangend] (Rhet.): Redefigur,
bei der die Anfänge / zweier J aufeinanderfolgender Wörter
gleich od. ä/tnlich lauten (z. B. Mädchen, mähen ...).
Homodtronie [homokro'ni:]. die; -. -n [...i.*9n; zu griech.
homöchronos = gleichzeitig] (Geogr.. Met.. Meeresk.):
gleichzeitiges Auftreten od. Einsetzen einer Erscheinung an
verschiedenen Punkten der Erde (z. B. das gleichzeitige
Eintreten der Flut in räumlich getrennten Gebieten).
homodont [...'dont] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [zu Thomo-.
Homo- u. griech. odoüs (Gen.: odöntos) = Zahn] (Biol.):
(vom Gebiß der Amphibien. Reptilien u. a.
Wirbeltierklassen) mit gleichartigen Zähnen ausgestattet (Ggs.: hetero-
dont).
Homo erectus [-erektus], der; - - [zu t'Homou. lat. erectus
= aufgerichtet. 2. Part, zu: erigere. terigieren] (Anthrop.):
Vertreter einer ausgestorbenen Art der Gattung Homo.
Homoerotik, die; - [zu thomo-. Homo- u. T Erotik]
(bildungsspr.): erotische / u. sexuelle] Beziehungen zwischen
gleichgeschlechtlichen Partnern; Homoerotiker, der; -s. -
(bildungsspr.): jmd.. der erotische Beziehungen zu einem
gleichgeschlechtlichen Partner hat; homoerotisch <Adj.; o.
Steig.; nicht adv.) (bildungsspr.): ein erotisches Bnpfinden
für das eigene Geschlecht ausdrückend: -e Beziehungen;
Homoerotjsmus, der; - (bildungsspr.): svw. t
Homosexualität.
Homo Taber [- fa:btf]. der; - - [zu t'Homo u. lat. faber
= Verfertiger. Handwerker. Künstler] (bildungsspr.): der
Mensch mit seiner Fähigkeit, für sich Werkzeuge u.
technische Hilfsmittel zur Bewältigung u. Kultivierung der Natur
herzustellen.
Homogamk* die; - [zu griech. homögamos = zusammen
verheiratet]: 1. (Bot.) die Selbstbestäubung ermöglichendes
gleichzeitiges Reifen von männlichen u. weiblichen
Blütenorganen bei einer zwittrigen Blüte. 2. (Soziol.) Gleichheit
der Partner bei der Gattenwahl. bes. hinsichtlich sozialer
Herkutift u. kultureller Prägung (Ggs.: Heterogamie):
Fachleute sprechen von H.. von Heirat innerhalb gleicher
sozialer Schichten (Ruthe. Partnerwahl 84).
homogen <Adj.; nicht adv.) [griech. homogenes = von
gleichem Geschlecht] (bildungsspr.): gleichmäßig aufgebaut;
einheitlich, aus Gleichartigem zusammengesetzt (Ggs.:
heterogen): eine -e Gruppe. Schicht; Das konventionelle VOR-
Drehfunkfeuer ... liefert über flachem und -em Gelände
eine recht genaue Kursanzeige (Funkschau 20.1971,2079);
Die Folge ist eine ... -ere Ausleuchtung des Kristalls
(Elektronik 12. 1971. 421); <Abl.:) homogenisieren [...ni-
'zi:ren] <sw. V.; hat): 1. (Chemie) sich nicht mischende
Flüssigkeiten (z.B. Fett u. Wasser) durch Zerkleinerung
der Bestandteile mischen. 2. (Metallbearb.) Metall glühen,
um ein gleichmäßiges Gefüge zu erhalten. 3. (bildungsspr.)
homogen machen: Wie aber wird die derart aufbereitete
und homogenisierte Masse zur Story synthetisiert? (En-
zensberger. Einzelheiten I. 85); Homogenisierung, die; -.
-en: 1. (Chemie) das Homogenisieren (1). 2, (bildungsspr.)
das Homogenisieren (2). 3. <P1. ungebr.) das
Homogenisieren (3): Es (= ein solches Recht) wirkt... an der
Durchmischung und H. der Gesellschaft mit (Enzensberger.
Einzelheiten I. 194); Homogenität [...i't£:t]. die; - (bildungsspr.):
Gleichartigkeit. Einheitlichkeit im Aufbau, in der
Zusammensetzung (Ggs.: Heterogenität): soziale H.; die H. der
einzelnen Bände eines Werkes.
homograd [...'gra:t] <Adj.; o. Steig.) [zu thomo-. Homo-
u. tGrad] (Statistik): auf Qualitative Unterschiede gerichtet
(Ggs.: heterograd): die Verwendung -er und heterograder
1279
Homogramm
Methoden im Bereich der Phonometrie (Germanistik 2.
1971. 2I4D.
Homogramm. (häufiger:) Homograph. das: -s. -e [zu
thomo-. Homo-, t-gramm u. t-graph] (Sprachw.): Wort*
das sich in der Aussprache von einem anderen
gleichgeschriebenen unterscheidet (z. B. Tenor = Haltung neben Tenor
= hohe Männerstimme). Vgl. Homonym.
homo homini kipus l- ho:mini 'lurpus; lat. = der Mensch
(ist) dem Menschen ein Wolf: Grundvoraussetzung der
Staatstheorie des engl. Philosophen Th. Hobbes
(1588-1679) im ..Leviathan"): der Mensch ist der
gefährlichste Feind des Menschen.
homoio-, Homoio- [homoyo-; griech. homolos = ähnlich,
gleichartig] (veraltet): homöo-. Homöo-.
homolog [...lo:k] <Adj.; o. Steig.) [griech. homölogos =
übereinstimmend): 1. (Biol.) stammesgeschichtlich
übereinstimmend, von entwicklungsgeschichtlich gleicher Herkunft:
Flossen und Flügel der Wirbeltiere sind -e Organe; bei
den Blutenpflanzen sind Laubblatt und Blütenblatt h. 2.
(Math.) gleichliegend, entsprechend: -e Stücke (einander
entsprechende Punkte. Seiten od. Winkel in kongruenten
od. ähnlichen geometrischen Figuren). 3. (Chemie)
gesetzmäßig aufeinanderfolgend: -e (im Periodensystem der
chemischen Elemente untereinanderstehende u. oft große
Ähnlichkeit in ihren Eigenschaften zeigende) Elemente; eine -e
Reihe (Gruppe chemisch na/ie verwandter Verbindungen,
für die sich eine allgemeine Reihenformel aufstellen läßt):
<Abl.:> Homologie, die; -. -n [...i:an; griech. homologia
= Übereinstimmung): 1. (Biol.) a) stammesgeschichtliche
Übereinstimmung bei Organen; b) Übereinstimmung von
Instinkten u. Verhaltensformen zwischen verschiedenen
Tieren od. zwischen Tier u. Mensch. 2. (Math.) (von Punkten.
Seiten od. Winkeln) gleiche Lage. Entsprechung. 3. (Philos.)
Übereinstimmung des Handelns mit der Vernunft u. damit
mit der Natur in der stoischen Lehre: homologieren
[...*gi:ran] <sw. V.; hat): 1. (Motorsport) (von Serienwagen
od. deren Einzelteilen) in die internationale Zulassungsliste
zur Klasseneinteilung für Rennwettbewerbe aufnehmen. 2.
(Ski) (von Skirennstrecken) nach den Normen des
Internationalen Skiverbandes anlegen; <Abl.:> Homologkning, die;
-. -en.
Homo ludens [- lu:dcns). der; - - [zu t 'Homo u. lat. lüdens
= spielend. 1. Part, von: ludere = spielen] (bildungsspr.):
der spielende u. dadurch schöpferische Mensch.
homomorph [...'morf] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [zu
thomo-, Homo- u. griech. morphe = Gestalt) (Math.):
(von algebraischen Strukturen) Homomorphismus
aufweisend: eine -e Abbildung; <Abl.:> Homomorphismus
[...'fismusj.der; -. ...men (Math.): Abbildung einer
algebraischen Struktur auf eine andere mit eindeutig einander
zugeordneten, zweistelligen inneren Verknüpfungen.
homonom [...no:m] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [griech.
homönomos = gleichgesetzlich] (Zool.): (von Tieren)
gleichwertig hinsichtlich der einzelnen Körperabschnitte
(Ggs.: heteronom 2): die Körpersegmente des Regenwurms
sind h.; <Abl.:> Homonomie [...no'mi:]. die; - (Zool.): homo-
nome Gliederung eines Tierkörpers (Ggs.: Heteronomie 3).
Homo novus [- no.vus), der; - - [zu T 'Homo u. lat. novus
= neu) (bildungsspr. veraltend): Neuling; Emporkömmling.
homonym [...ny:m] <Adj.; o. Steig.: nicht adv.) [lat. homöny-
mus < griech. homonymos = gleichnamig] (Sprachw.):
gleichlautend, in der Lautung übereinstimmend, den gleichen
Wortkörper habend (aber in der Bedeutung verschieden):
kosten und kosten sind h.; <subst.:) Homonym, das; -s.
-e: 1. (Sprachw.) Wort, das mit einem andern gleich lautet,
den gleichen Wortkörper hat (aber in der Bedeutung / u.
HerkunftJ verschieden ist); vgl. Homograph. Homophon.
2. (Li tera tu rw.) Deckname, der aus einem k lassisehen Namen
besteht (z. B.Cassandra = William Neil Connor); Homony-
mie[...'mi:],die; -[griech. homönymia = Gleichnamigkeit]
(Sprachw.): lautliche Übereinstimmung von Wörtern mit
verschiedener Bedeutung [ u. Herkwiftj: homonymisch <Adj.;
o. Steig.; nicht adv.) (Sprachw.): älter für t homonym.
homöo-, Homöo-, (vor Vokalen auch:) homö-. Homö-
[homoio)-; latinisiert aus griech. homoTos, t homoio-,
Homoio-] (Best, in Zus. mit der Bed.): ähnlich, gleichartig
(z.B. homöopatisch. Homöonym); vgl. homo-. Homo-.
Hgmo oeconomicus [- 0ko'no:mikus). der: - - [zu t 'Homo
u. lat. oeconomicus, Tökonomisch] (bildungsspr.): der
ausschließlich von wirtschaftlichen
Zweckmäßigkeitserwägungen geleitete Mensch (urspr. Begriff der klassischen
Nationalökonomie, gelegentlich als Bezeichnung des
heutigen Menschen schlechthin).
Homöomerien [homoome iiian) <P1.) [griech. homoiome-
raia] (Philos.): bei dem altgriechischen Philosophen Anaxa-
goras die als gleichartige. Qualitativ fest bestimmte „ähnliche
Teilchen" definierten Urstoffe od. Elemente.
homöomorph [...'marf) <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [griech.
homoiömorphos] (Med.. Chemie): gleichgestaltig. von
gleicher Form u. Struktur: -e Organe; diese Kristalle sindh.
Homöonym [...'ny:m], das; -s. -e [zu thomöo-. Homöo-
u. griech. önyma = Name) (Sprachw.): I. ähnlich lautendes
Wort od. ähnlich lautender Name (z. B. Schmied-Schmidt).
2. partielles Synonymwort, das die gleiche Sache wie ein
anderes bezeichnet, im Gefühlswert aber verschieden ist (z. B.
Haupt-KopD.
Homöopath [...pa.t], der; -en. -en [zu thomöo-, Homöo-
u. t-path]: die Homöopathie anwendender Arzt;
Homöopathie, die; - [zu griech. homoiopathes = in ähnlichem
Zustand, ähnlich empfindend; nach dem Grundsatz, daß etw.
durch Gleiches geheilt wird]: Hedverfahren, bei dem die
Kranken mit solchen Mitteln in hoher Verdünnung behandelt
werden, die in größerer Menge bei Gesunden älmliche Er-
scheinungen hervorrufen wie die Krankheiten, gegen die sie
angewandt werden (Ggs.: Allopathie); homöopathisch <Adj.;
o. Steig.): die Homöopathie betreffend, anwendend; der
Homöopathie entsprechend: -e Mittel; ein -er Arzt; um
... sich ... h. kurieren ... zu lassen (Th. Mann. Hoheit
240); ein Medikament in -en (sehr geringen) Dosen
einnehmen: Ü eine -e Dosis von Neid ist in meinem Seelenragout
zu schmecken (Tucholsky. Werke II. 507).
Homöoptystik, Homoplastik, die; -. -en: svw. t
Homotransplantation.
homöopolar <Adj.; o. Steig.) (Physik): gleichartig elektrisch
geladen (Ggs.: heteropolar): eine -e Bindung (ein
Zusammenhalt von Atomen in Molekülen, der nicht auf der
Anziehung entgegengesetzter Ladung berulit).
Homöoprophoron [...'pro:forc>n], das: -s. ...ra [griech. ho-
moiopröphoron = gleich (An)lautendes](Rhet.):altgriech.
Bez. für t Alliteration.
Homöoptoton [homo'optoton]. das; -s. ...ta [griech. ho-
moiöptötos = ungleichen Kasus stehend] (Rhet.): Redefi-
gur. bei der ein Wort mit anderen aufeinanderfolgenden
in der Kasusendung übereinstimmt (z. B. orrvaibus viribus).
HomöosmSe [homoDsmi:]. die; - [zu thomöo-. Homöo- u.
griech. ösmös. t Osmose] (Biol.): Fähigkeit einer Zelle, eines
Organs od. eines Lebewesens, den osmotischen Innendruck
gegenüber dem (schwätzenden) osmotischen Druck in der
Umgebung konstant zu halten.
Homöostase [...'sta:z3). die; -. -n Homöostasie [...sta'zi:],
die; -. -n [...i:an]. Homöostasis [...'sta:zis). die; -. ...sen
[zu fhomöo-. Homöo- u. tStase] (Med.): Gleichgewicht
der physiologischen Körperfunktionen; (u.a. durch
Regulationshormone der Nebennierenrinde aufrechterhaltene)
Stabilität des Verhältnisses von Blutdruck.
Körpertemperatur. pH-Wert des Blutes u.a.; Homöostat [...*sta:t]. der;
-en. -en [zu griech. statös = feststehend] (Kybernetik):
[technisches] System, das sich der Umwelt gegenüber in
einem stabilen Zustand halten kann; homöostatisch <Adj.;
o. Steig.) (Med.): die Homöostase betreffend, dazu
gehörend: Vorgänge, bei denen solche Größen wie Blutzuk-
ker. Blutdruck. Temperatur usf. konstant gehalten werden,
nennen wir h. (Medizin II. 213).
Homöoteleuton[...'te:l3yton], das; -s. ...ta [griech. homoiote-
leuton] (Rhet.): Redefigur, bei der die Endungen
aufeinanderfolgender Wörter txt. Wortgruppen gleich klingen (z. B.
trau, schau [wem]).
homöotherm [...temi] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [zu
t homöo-, Homöo- u. griech. thermös = warm] (Zool.):
warmblütig; bei Schwanken der Umwelttemperatur
gleichbleibend warm: Vögel. Säugetiere sind h.; Homöothennie
[...ter'mi:]. die; - [zu griech. therme = Wärme] (Zool.):
homöothermer Zustand. Warmblütigkeit.
homophas [homoTa:k] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [zu
thomo-, Homo- u. griech. phageTn = essen, fressen] (Biol.;
Ggs.: heterophag): a) (von Tieren) nur gleiche (entweder
pflanzliche od. tierische) Nahrung zu sich nehmend; b) (von
Parasiten) auf nur einem Wirtsorganismus schmarotzend.
homophil [...fl:l] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [zu thomo-.
Homo- u. griech. phileTn = lieben] (bildungsspr.): eine
1280
honig-, Honig-
Liebesbeziehung, erotische Kontakte zwischen
aleichgeschlechtlichen Partnern ausdrückend, aufweisend: Studenten
einer -en Jugendorganisation verwickein Passanten in
Gespräche über Homosexualität (Hörzu 4. 1972. 63); Homo-
philie [...frli:l. die; - [zu griech. philia = Liebe. Zuneigung]
(bildungsspr.): Liebesbeziehung, erotische Kontakte
zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern: die H., die sich
liebend dem personalen Du des Partners zuwendet
(Wissenschaftlicher Literaturanzeiger 4, 1968, 150).
homophon <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [griech. homophones
= gleichklingend, übereinstimmend]: 1. (Musik) in der
Kompositionsart der Homophonie, wobei die Melodiestimme
durch Akkorde gestützt wird u. die Stimmen weitgehend
im gleichen Rhythmus verlaufen (Ggs.: polyphon): eine
Komposition in -em Satz, -er Schreibweise. 2. (Sprachw.)
(von Wörtern od. Wortsilben) gleichlautend: die vier -en
Wortsilben in zweieinhalb Zeilen verletzen ... das ...
Sprachgefühl (Deschner, Talente 334); <subst.:>
Homophon, das; -s, -e (Sprachw.): Wort, das mit einem anderen
gleich lautet, aber verschieden geschrieben wird(z. B. Lehre-
Leere); vgl. Homonym; <Abl.:> Homophonie [...fo'ni:]. die;
- [griech. homophönia = Gleichklang] (Musik):
Satztechnik, bei der die Melodiestimme hervortritt u. alle anderen
Stimmen begleitend zurücktreten (Ggs.: Polyphonie); vgl.
Harmonie. Monodie; homophonisch <Adj.; o. Steig.; nicht
adv.>: älter für T homophon (1.2).
Homoplastik, die; -. -en: svw. t Homotransplantation.
homorgan [hom:>r'ga:n] <Adj.; o. Steiß > [zu t homo-, Homo-
u. t organisch] (Sprachw.): (von Lauten) an genau od.
ungefähr derselben Artikulationsstelle gebildet (z. B. b. p); Ho-
morganität [...gani't£:t]. die; - (Sprachw.): Angleichung der
Artikulation eines Lautes an die eines folgenden (z. B. mhd.
inbia gegenüber nhd. Imbiß).
Homo sapiens [- za:piens]. der; - - [zu t'Homo u. lat.
sapiens = vernunftbegabt] (Anthrop.): Vertreter der
einzigen lebenden Art der Gattung Homo mit den
morphologischen Merkmalen des heutigen Menschen; Intelligenz gilt
als eine Art Markenzeichen des H. s. (MM 11.2. 74, 22).
Homoseiste [...'zaisto], die; -. -n <meist PI.) [zu thomo-.
Homo- u. griech. seistös = erschüttert]: (auf
kartographischen Darstellungen) eine Linie, die Orte gleichzeitiger
Erschütterung bei Erdbeben verbindet.
Homosexualität, die; • [zu thomo-. Homo- u. TSexualität]:
sich auf das eigene Geschlecht richtendes sexuelles
Empfinden u. Verhalten (Ggs.: Heterosexualität): eine echte,
latente H.; die H. des Mannes, der Frau; H. bei Männern.
Frauen; ... gilt ... die H. als Perversion und Ausdruck
der Übersättigung einer Oberschicht oder pikante Laune
leichtlebiger Künstler (Spiegel 50. 1966. 166); homosexuell
<Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: in seinem sexuellen Empfiiuien
u. Verhalten zum eigenen Geschlecht hinneigend od. von
einem solchen Empfinden u. Verhalten zeugend (Ggs.:
heterosexuell): -e Männer, Frauen. Beziehungen; er. sie ist
h. [veranlagt]; <subst.:> so wird sie im extremen Fall als
manifeste Homosexuelle enden (Freud. Abriß 69);
Homosexuelle, der; -n. -n: homosexuell veranlagte männliche
Person: H. mit einfach nachweisbarer femininer Identifizierung
bevorzugen meist reifere Partner (Studium 5, 1966, 290);
die Gruppe der -n; vgl. Lesbierin.
Homosphäre* die; - [zu thomo-. Homo- u. TSphäre] (Met.):
sich von den darüberliegenden Luftschichten abgrenzende
untere Erdatmosphäre, die durch eine nahezu gleiche
Zusammensetzung der Luft gekennzeichnet ist (Ggs.: Heterosphä-
re).
Homotransplantation, die; -.. -en [zu thomo-. Homo- u.
t Transplantation] (Med.): operativer Ersatz
verlorengegangenen Gewebes durch arteigenes (Ggs.: Heterotransplanta-
tion).
Homotropie [...tro'pi:], die; - [zu thomo-, Homo- u. griech.
tröpos = Wendung] (Fachspr.): Hinwendung zum eigenen
Geschlecht in der Form der Homosexualität. Homoerotik
u. Homophilie.
homozpitrisch <AdJ.; o. Steig.) [zu thomo-. Homo- u.
tzentrisch] (Math.): (von Strahlenbündeln) von einem Punkt
ausgehend od. in einem Punkt zusammenlaufend.
homozygot [...t$y'go:t] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [zu
thomo-. Homo- u. t Zygote] (Biol.): mit gleichen mütterlichen
u. väterlichen Erbanlagen versehen, reinerbig (Ggs.:
heterozygot); Homozygotie [...goti:], die; - (Biol.): Erbgleichheit
von Organismen, die aus einer Zygote von Keimzellen mit
gleichen Erbfaktoren hervorgegangen sind (Ggs.:
Heterozygote).
Homunkulus [homookulus], der; -. -se u. ...li [lat. homuneu-
lus = Menschlein. Vkl. von: homo. T 'Homo]: (nach
alchimistischer Vorstellung) künstlich erzeugter Mensch: die
Erzeugung des H. im zweiten Teil von Goethes ..Faust";
Seine Beschwörung umfaßt die Angst der Religiösen vor
dem H. und die Angst der Sozialökonomen vor dem
Roboter (Marek, Notizen 53).
Honan [ho.nan], der; -s. -s. Honanseide« die; -. -n [nach
der chinesischen Provinz Honan]: Rohseide. Seidengewebe
aus Tussahseide mit leichten Fadenverdickungen.
honen ['ho:nan] <sw. V.; hat) [engl, to hone]: (von
Metallflächen, z. B. Innenflächen von Motorzylindern) mit Hilfe von
Ziehschleifahlen mit eingesetzten Schleifkörpern od. auf
speziellen Maschinen fein bearbeiten u. glätten, um eine hohe
Maligenauigkeit bei Bohrungen zu erzielen; ziehschleifen.
honett [ho'net] <Adj.; -er. -este; nicht adv.) [frz. honnete
< afrz. honeste < lat. honestus] (geh.): auf eine biedere
Art rechtschaffen, ehrefihaft u. anständig, so daß der
Betreffende dem Begutachtenden wohlgefällige Achtung abnötigt:
nach Ansicht seines Vorgesetzten ist er ein -er Mann;
Ihr Kind würde sie schon um der Versuche willen, h.
und stark zu bleiben, beinahe anbeten (R. Walser. Gehülfe
126).
Honey ['h/uii]. der; -ls]. -s [engl, honey. eigtl. = Honig]
(Kosew.): Schätzchen. Liebling. Sülie[r]: H.. laß uns jetzt
nicht über deine AusstafTierung grübeln (Hörzu 20. 1976.
32); <Zus.:> Honeymoon [...mu:n]. der; -s. -s [engl, honey-
moon. eigtl. = Honigmond] (scherzh.): Flitterwochen: ...
sagte der junge Ehemann vor der Abreise zu seinem
„Honeymoon" mit der 23 Jahre alten Magda de Bisschop
(FAZ 15. 11.61.8).
Honig [ho:ni^]. der; -s, -e [mhd. honec. ahd. hona(n)g,
eigtl. = der Goldfarbene]: als Nahrungs- u. Heilmittel
verwendete dickflüssige bis feste, hellgelbe bis grünschwarze,
sehr süße Masse, die von Bienen aus Blüten- u. anderen
süßen Pflanzensaften gewonnen, verarbeitet u. in Waben
gespeichert wird: flüssiger, fester H.; H. schleudern (den
Honig aus den Waben schleudern): die Bienen sammeln
H.; gegen Husten heiße Milch mit H. trinken; die Finger
waren klebrig von H.; Ü das dürfte dem Papste freilich
H. aufs Brot bedeuten (A. Zweig. Grischa 290); daß man
feststellt und daraus politisch H. saugen will
(Bundestag 190,1968.10286); * türkischer H. (Süßigkeit aus Honig.
Zucker. Gelatine. Eischnee. Mandeln u. Nüssen); jmdm.
H. um den Mund/ums Maul/um den Bart saunieren (ugs.;
jmdm. schmeicheln, um ihn günstig für sich zu stimmen).
honig-« Honig-: -ameise, die: svw. t ^topfameise; -anzeiger,
der: (bes. in Wäldern u. Steppen Afrikas u. Südasiens
heimischer) spechtartiger, unscheinbar gefärbter. Bienenwachs
fressender Vogel, der größere Tiere zu den Nestern wilder
Bienen führt; -biene« die: Biene, die aus Blüten- u. anderen
süßen Pflanzensäften Honig gewinnt u. durch ihr für den
Wabenbau genutztes Ausscheidungsprodukt Bienenwachs
liefert; ^brot, das: mit Honig bestrichene Scheibe Brot;
-dachs. der: bes. in Steppen o. ä. Vorderasiens u. Indiens
vorkommender Marder, der neben Kleintieren. Vögeln u.
Fischen Honig frißt; -drüse.die <meist PI.) (Bot.): innerhalb
der Blüte, an Blattstielen od. Nebenblättern befindliches
Drüsenhaar, das Nektar ausscheidet; -färben <Adj.; o.
Steig.; nicht adv.): gelb wie Honig: -er Wein; ^fresser,
der: (bes. in Australien heimischer) großer Singvogel mit
langem Schnabelu. gebogener, an die Nektaraufnahme
angepaßter Zunge; ^gelb <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): gelb
wie Honig: h. erleuchtete Fenster; -glas, das: kleineres
Glas [mit Schraubverschluß) zur Aufbewahrung von Honig;
-gras, das: Gras mit wollig behaarten Blättern u. Rispen
mit vielen /rötlichen, violettenJ Blüten, die manchmal nach
Honig duften; -kochen, der: unter Verwendung von Honig
u. Gewürzen gebackener. an der Oberfläche braun glänzender
Kuchen; Pfefferkuchen: H. mit Mandeln, dazu: -kuchen-
pferd. das in der Wendung lachen/grinsen/strahlen wie ein
H. (ugs. scherzh.: sich sehr freuen u. über das ganze Gesicht
lachen; nach der glänzenden Oberfläche eines in
Pferdeform gebackenen Honigkuchens); -lecken, das in der
Wendung etw. ist kein H. (ugs.; etw. besteht nicht nur aus
Annehmlichkeiten)-, vgl. Zuckerlecken; -monat, (veraltet.)
-mond, der [LÜ von frz. lune de miel, seinerseits LÜ
von engl, honeymoon] (scherzh.): Flitterwochen; ^rede.
81 GDW
1281
honi so/t qui mal y pense
die (veraltet): schmeichelnde Worte: er hat's ihm abgelistet
mit -n (Th. Mann. Joseph 487); -schlecken, das: vgl. ^lek-
ken; -Schleuder, die: Zentrifuge zum Herausschleudern des
Honigs aus den Waben: ~§efcn. der (veraltet): ungeläuterter
Honig, wie er aus den Waben abfließt: seine Worte. Reden
waren süß wie H. (geh.; klangen sehr schmeichlerisch,
angenehm): ^süß <Adj.; o. Steig.): sehr, überaus süß: zuckersüß:
-e Weintrauben; Ü Gerald starrte seine Mutter
fassungslos an. aber sie fuhr h. (iron.; übertrieben, auf eine falsche
Art freundlich) fort: ... (Wendtland. Eisprinzeßchen 51);
^tau. der: durchscheinender, klebrig-süßer Saft auf
Pflanzen: -topf, der: bes. früher gebräuchlicher Steintopf zur
Aufbewahrung von Honig, dazu: ^topfameke. die: (bes.
in Mexiko u. Südafrika vorkommende) Ameise, die einige
ihrer Nestgefährten mit Nektar u. anderen süßen Säften
zu Vorratszwecken vollstopft u. dadurch sozusagen zu
Honigtöpfen aufbläht: -wabe, die: mit Honig gefüllte
Bienenwabe: ^wein. der: weinartiges Getränk aus vergorenem
Honig: Met.
honi (auch: honni. honny) soit qui mal y pense ['snisQa
kimali'pä:s; frz.-engl. = verachtet sei, wer Arges dabei
denkt; Wahlspruch des Hosenbandordens, des höchsten
britischen Ordens, der seine Stiftung durch Eduard III.
angeblich einem galanten Zwischenfall verdankt, bei dem
der König das einer Gräfin entfallene Strumpfband
aufhob): nur ein Mensch, der erw. Übles denkt, wird hierbei
etwas Anstößiges finden.
Honmaschine, die; -. -n [zu t honen]: zur Feinbearbeitung
größerer Bohrungen eingesetzte Maschine: vgl. honen.
Honneur Khto'no^J. der; -s. -s (frz. honneur = Ehre <
lat. honorl: I. a) (veraltet) Ehrenbezeigung. Ehre:
Offiziere ... erwiesen H. (Th. Mann. Hoheit 92); Der Butler
erwies dem Prinzen die -s (geleitete den Prinzen voll Eixrer-
bietung) bis hinunter in den Flur (Th. Mann. Hoheit 165);
Ich will mal kurz in der Nachbarschaft meine -s
(Höflichkeitsbesuche) machen (Kirst. 08/15. 780); b) *die -s
machen (bildungsspr. veraltend; bei einem Empfang o. ä. die
Gäste, einen Gast begrüßen u. vorstellen). 2. <nur PI.) (Kegeln)
das Umwerfen der mittleren Kegelreihe. 3. <nur PI. >
(Kartenspiel) die vier bzw. fünf höchsten Karten bei Whist u. Bridge:
honorabel [hono'ra.bl] <Adj.; ...bler. -ste) [frz. honorable
< lat. honöräbilis] (veraltet): ehrenvoll, ehrbar: ... was
honorable Persönlichkeiten der Justiz propagieren (MM
24.1. 70.21); Honorant [...'rantj. der; -en. -en [ital. onoran-
te, zu: onorare < lat. honöräre. t honorieren] (Bankw.):
jmd.. der einen Wechsel an Stelle des Bezogenen annimmt
od. zahlt: Honorar [...ra:?l. das; -s. -e [lat. honörärium
= Ehrensold]: Geldbetrag, den Angehörige der freien Berufe
(z. B. Ärzte. Rechtsanwälte. Schriftsteller) für einzelne
wissenschaftliche od. künstlerische Leistungen erhalten: für etw.
ein niedriges, angemessenes H. zahlen, fordern, erhalten;
ein bestimmtes H. vereinbaren; der freie Mitarbeiter
arbeitet gegen H.; ... mir vom Buchhändler als H. für die
letzte Woche Nachhilfeunterricht ein Buch über Yoga ...
geben zu lassen (Remarque. Obelisk 87); <Zus.:) Honor&r-
forderung. die: aus einzelnen freiberuflichen Leistungen
resultierender finanzieller Anspruch: der Arzt stellte hohe
-en; die Entwürfe wurden zunächst ohne H. angefertigt;
Honorarprofessor, der: nebenamtlicher Hochschulprofessor,
der sich vor der Berufung bereits in seinem eigentlichen
Beruf profdiert hat u. dessen Lefirtätigkeit mit einem
Honorar vergütet wird (Amtsbez.); Abk.: Hon.-Prof.; Honorat
l...ra:t], der; -en. -en [ital. onorato. zu: onorare < lat.
honöräre. t honorieren] (Bankw.): jmd...für den ein Wechsel
bezahlt wird: Honoratioren [...ra'tßio:ran] <P1.) [lat. honö-
rätior(Pl. honörätiöres). Komp. von: honörätus = geehrt]:
(bes. in kleineren Orten) auf Grund ihres sozialen Status
besonderes Ansehen genießende Bürger /die unentgeltlich
in gemeinnützigen Organisationen tätig sind]: in der holzge-
tafelten Gaststube, wo sich die H. des Städtchens zu
politischem Plausch versammelten (Habe. Namen 340).
Honoratioren-: -demokratie, die: Demokratie (bes. im
19. Jh.). in der die Politiker vorwiegend dem Besitz- bzw.
dem Bildungsbürgertutn entstammten: sparte!« die: (im
19. Jh. in Deutschland) politische Partei, deren Mitglieder
od. maßgebliche Führungsgruppen vorwiegend dem
Besitzbzw. Bildungsbürgertum entstammten: --schwäbisch, das;
-[s]: bes. in Stuttgart gesprochenes, weniger stark
mundartlich gefärbtes Schwäbisch.
honorieren [...*ri:ran] <sw. V.; hat) [Irz. honorer < lat.
honöräre = ehren, belohnen]: l.a) ein Honorar o.a. für
eine Leistung zahlen: eine Arbeitsleistung [mit einem
angemessenen Lohn] h.; der Makler läßt sich seine Tätigkeit
h.; b) jmdm. für eine Leistung ein Honorar o.a. za/tlen:
einen Anwalt h.; jmdn. für seine Dienste h. 2. a) anerkennen,
würdigen, belohnen, durch Gegenleistungen abgelten: ein
Verhalten in gebührendem Maße h.; eine [künstlerische]
Leistung mit einer Auszeichnung, mit dem ersten Preis
h.; Offenheit wird nicht honoriert; Außerdem wird ein
..Opfer für das Vaterland" zwar durch eine Rente, aber
kaum noch durch allgemeine Rücksicht honoriert (Som-
merauer. Sonntag 18); b)jmdm. Anerkennung zollen:
Europa hat gehandelt. Die Sowjets haben Europas jungen
Matador Mendfes-France honoriert (Augstein. Spiegelungen 32).
3. (Bankw.) (einen Wechsel) annehmen, bezahlen: Ü Ihr
täuscht euch alle, wenn ihr glaubt, alle Forderungen
könnten honoriert werden, denn wir kommen jetzt in eine sehr
viel langsamere Entwicklung (Spiegel 1/2. 1966. 14); dazu:
Honorienmg« die; -. -en; honorig [hono:n<;] <Adj.; nicht
adv.) [zu lat. honor = Ehre] (veraltend): 1. ehrenhaft
u. durch sein Wesen vertrauenswürdig. Respekt verdienend:
von einer solchen Art zeugend: ein -er Mann. Herr; -e
Leute; Der Leser hat ... einen respektablen, -en Text vor
sich, dessen Vokabular auf anständige, demokratische
Gesinnungen schließen läßt (Enzensberger. Einzelheiten I.
60); (iron.:) ha. so sieht er aus. SA-Mann Hahl.... Gefreiter
der -en deutschen Wehrmacht (Kuby. Sieg 159). 2.
freigebig, großzügig od. davon zeugend: das Conradinum
profitiere von einer -en Stiftung (Grass. Hundejahre 105); dazu:
Honorigkeit, die; -; honoris causa [...is 'kapza; lat.. zu:
honor (Gen.: honoris) = Ehre u. causa (Ablativ von:
causa = Grund. Ursache) = halber]: ehrenhalber: der
Doktortitel wurde ihm honoris causa verliehen; Abk.: h.
c: meist nachgestellt in Verbindung mit akademischen
Titeln: Doktor honoris causa (Abk.: Dr. h. c); Honorität
[...ri't£:t]. die; -. -en: 1. <o. PI.) Ehrenliaftigkeit: Die anderen
... vergessen ... die H. ihrer Ausgangsposition (Zwerenz,
Kopf 109). 2. Ehrenperson: Sie sind also gewissermaßen
die H. des Hauses (Bredel. Prüfung 161).
'Honved. Honved [honve:d]. der; -s. -s [ung. honved =
Vaterlandsverteidiger]: a) ungarischer Freiwilliger
(1848 67): b) ungarischer Lancfoehrsoldat (1867-1918):
honved, Honved [-], die; -: a) ungarische Freiwillige
(1848-67): b) ungarische Landwehr (1867-1918): c)
ungarische Armee (1919-45).
Hook Ihükl. der; -s. -s [engl, hook, eigtl. = Haken] (Golf):
Schlag, bei dem der Ball in einer der Schlaghand
entgegengesetzten Kurve fliegt: einen H. schlagen, zielen; hooked
[hukd] <AdJ.; o. Steig.; nur präd.) [engl.; eigtl. =
festgehakt] (Jargon): von einer harten Droge abhängig: hooken
['holen] <sw.V.; hat) [engl, to hook] (GolO: einen Hook
spielen: Hooker ['huto]. der; -s. - [engl, hooker]: 1. (Golf)
Spieler, dessen Spezialität der Hook ist. 2, (Rugby) der
zweite u. dritte Stürmer, der beim Gedränge (3) in der
vorderen Reihe steht: Hookshot [-JdU. der; -s. -s [engl.-ame-
rik. hook shot. eigtl. = Hakenwurf) (Basketball): meist
im Sprung ausgeführter Korbwurf, bei dem der Ball mit
seitlich ausgestrecktem Arm über dem Kopf aus dem
Handgelenk geworfen wird.
Hooligan ['hu:lign]. der; -s. -s [viell. nach einer
gleichnamigen irischen Familie, deren Mitglieder notorische
Raufbolde gewesen sein sollen]: 1. gewalttätiger, roher Mensch:
Rowdy. 2, Halbstarker in Amerika. England. Polen u. in
der UdSSR: <Abl.:> Hooliganismus [huliga'nismus]. der;
- [engl, hooliganism]: Rowdytwn.
Hootenaimy [hu:tdneni]. die; -. -s. auch: der od. das; -Is).
-s [engl.-amerik. hootenanny; H. u.. viell. zu: to hoot =
heulen, johlen, schreien]: / improvisiertes] gemeinsames
Volksliedersingen.
'Hop [hsp]. der; -s. -s [engl, hop] (Leichtathletik): erster
Sprung beim Dreisprung: vgl. Jump. Step.
*Hop [-]. das; -[s]. -s [engl.-amerik. hop. eigtl. = Hopfen]
(Jargon): Dosis Morphium od. Heroin.
hopfen ['hsijfn] <sw. V.; hat) (Fachspr.): (Bier) mit Hopfen
versetzen: stark gehopftes Bier; Hopfen [-]. der; -s. - [mhd.
hopfe. ahd. hopfo. wahrsch. verw. mit Schweiz. Hupplen]
= buschige Quaste. Huppi = knollen- od. kugelförmiger
Auswuchs, mit Bezug auf die Form der weiblichen Zapfen
des Hopfens]: rankende Pflanze mit gebuchteten Blättern
u. zapfenartigen Fruchtständen, deren Schuppen für die Bier-
MSI
hör-, Hör-
Herstellung verwendet werden: H. anbauen, pflücken; *bei/
(seltener:) an jmdm. ist H. und Malz verloren (ugs.; bei
jmdm. ist alle Mühe umsonst, jmd. ist nicht zu bessern;
wenn ein Bier nicht vorschriftsmäßig gebraut ist. sind
alle Zusätze von Hopfen u. Malz verloren).
Hopfen-: -bau, der <o. Pl.>: Anbau von Hopfen: -blatt,
das: Tee aus Hopfenblättern; -buche, die: der Hainbuche
ähnlicher Baum txl. Strauch, dessen Fruchtstände an die
Fruchtzapfen des Hopfens erinnern; --darre, die: Darre zum
Trocknen der Hopfendolden: -dolde, die: mit drüsigen
Schuppen besetzter Fruchtzapfen des Hopfens; -feW, das:
Feld, auf dem Hopfen angebaut wird; -garten, der: feldartige
Anlage, in der weibliche Pflanzen des Hopfens kultiviert
werden; -klee, der: als Futter- u. Gründüngungspflanze
verwendeter Klee mit kleinen, hellgelben Blüten in fast kugeligen
Trauben; Gelbklee; -mdiltau, der: 1. Pilzschädling, der
die Hopfenpflanze mit mehlartigem Überzug bedeckt. 2.
Pilzschädling, der auf der Blattunterseite des Hopfens
dunklen Belag hervorruft u. die Blätter vertrocknen läßt; -Stange,
die: im Boden steckende Stange, an der der Hopfen in
die Höhe ranken kann: Ü sie ist eine [richtige! H. (ugs.
scherzh.; sehr groß u. dünn).
Hoplit [ho'pli:t]. der; -en, -en [lat. hoplites < griech.
hoplites, eigtl. = Schildträger]: schwerbewaffneter Fußsoldat
im alten Griechenland; Hoplites [...tes]. der; -. ...ten [nach
der Ähnlichkeit mit einem 2Schild] (Geol.): versteinerter
Ammonit. der als eines der wichtigsten Leitfossilien der
Kreidezeit gilt.
hopp! [hsp] <Interj.> [zu thoppen]: Ausruf als Aufforderung
zu springen, rasch aufzustehen, schnell etw. zu tun: los,
h.!; h.. komm mit!; h., [h]. ein Glas Bier!; h. heidi, h.
heida!; Allez h! Zeige mir den Spagat (Jens. Mann 118):
<auch als Adv.:> bei ihr muß alles h. gehen (sie macht
alles zu schnell u. daher nicht sorgfältig); hoppeln ['hapln]
<sw. V.; ist) [Iterativbildung zu thoppen): (bes. vom Hasen)
sich in unregelmäßigen kleinen Sätzen springend
fortbewegen: der Hase hoppelt über das Feld; Ü der Wagen hoppelt
(holpert) über das Kopfsteinpflaster; Hoppelpoppel
['hspJ'pDpl), das; -s. - [zu t hoppeln u. landsch. bobbeln =
sprudeln. Bez. für etw. Vermischtes) (landsch.): 1. svw.
t Bauernfrühstück. 2. Getränk aus Rum. Eidotter u. Zucker
mit heißem Tee: hoppen ['hopn] <sw. V.; ist) (nordd. mund-
artl.): hüpfen; Hopphei [auch: 'hsph^jl. der, auch: das;
-s [zur Bez. eines mit Hektik u. Lärm verbundenen
Durcheinanders) (nordd.): Angelegenheit voller Hast u.
Aufregung: das war ein H. heute morgen; die Vorbereitung
der Tagung war wieder ein großer H.; hopphppp! <Interj.):
Ausruf als Intensivierung von „hopp!"; <auch als Adv.:>
so h. (ganz so schnell) ging es dann doch nicht; Aber
jetzt h. (sofort u. schnell) ins Krankenhaus, du (Baldwin
[Übers.J. Welt 44); hoppla! ['hspla) <lnterj.) [durch -a
verstärkter Imperativ von: hoppeln): Ausruf, mit dem man
innehaltend auf etw. aufmerksam machen möchte (z. B..
wenn man selbst od. ein anderer stolpert; wenn man sich
auf unhöfliche Art entschuldigt, nachdem man jmdn.
angestoßen hat): h.. da ist eine Stufe!; h.. beinah wäre ich
gefallen; h.. bleiben Sie nicht auf der Straße stehen!; h..
fang den Ball!; hQppnehmen <st. V.; hat) [zur Bez. der
Schnelligkeit der Handlung) (salopp): I. jmdn.. der mit
dem Gesetz in Konflikt geraten ist. auf frischer Tat ertappen
u. rasch festnehmen: die Diebe wurden von der Polizei
hoppgenommen und sofort in der Grünen Minna
abtransportiert. 2. ausbeuten: das ist der Wirt, der mich in meiner
Besoffenheit hoppgenommen hat (Fallada. Trinker 116);
hops! [hapsj <Interj.) [eigtl. = Imperativ von T hopsen):
Ausruf, mit dem man jmdn. zu springen auffordert; (auch
als Adv.:) die Brötchen waren h. (ugs.; sehr schnell, im
Nu) verkauft; *h. sein (salopp: 1. a) verlorengegangen sein:
b) entzweigegangen sein. 2. bei etw. umgekommen sein):
Hops [-). der; -es. -e: kleiner, hopsetuier Sprung: das Kind
kletterte auf den Baum und war mit einem H. wieder
unten; hopsa! ['hopsa], hopsala! [...ala]. hopsasa! [...asa;
verstärkte Imperativform von T hopsen] (Kinderspr.):
Ausruf, mit dem man jmdn. zu springen auffordert od. den
man gebraucht, wenn man ein Kind mit einem Schwung
hochnimmt; H^psdohle, die; -. -n (salopp abwertend):
Ballettänzerin; Hopse ['hopsa), die; -. -n (landsch.): a) <o.
PL) Himmel und Hölle (Kinderspiel); b) auf dem [Straßen]-
Pflaster <xi. Erdboden für die Hopse (a) markierte Felder:
ich sprang auf dem Pflaster herum, weil da eine H.
aufgemalt war (Schnurre. Vaters Bart 8); hopsen ['hapsn] <sw.
V.) [Iterativbildung zu thoppen): I. (ugs.) kleine
[unregelmäßige] Sprünge machen, hüpfen; sich hüpfend fortbewegen
<ist>: die Kinder hopsten vor Freude durch das Zimmer;
da hopste (hüpfte, sprang) Habemagel in den Sattel (Ott.
Haie 125); der Ball hopst bis an die Decke; das kleine
Auto hopste (bewegte sich in holpriger Fahrt, gleichsam
in kleinen Sprüngen) die Straße entlang; *das ist gehopst
wie gesprungen (ugs.; svw. das ist gehupft wie gesprungen;
vgl. hupfen). 2. (salopp) mit jmdm. Geschlechtsverkehr
haben <hat>; Hopser ['hapsT?), der; -s. -: l.a) (ugs.) kleiner
Sprung: [vor Freude) einen H. machen; Wie ein geknebeltes
Schaf bewegte er sich in lächerlichen -n über den Steg
vorwärts (Kuby. Sieg 40); Ü wenn nur die Zeit und ...
die außenpolitische Lage ... einmal günstig sein werden
für diesen kleinen H. (= die Überführung der
Produktionsmittel in gesellschaftliches Eigentum; L. Frank. Wagen
14); b) (Leichtathletik) kleiner, flacher Sprung, bei dem
das Schwungbein leicht angehoben wird u. aas Sprungbein
als erstes auf dem Boden aufsetzt. 2. (ugs.) schneller Tanz
im Zweivierteltakt; Hopserei [hDpso'ralJ. die; -. -en (ugs.
abwertend): das Herumhopsen: diese existentialistische H..
wo jeder für sich allein tanzt (Frisch. Homo 126); hopsgehen
<st. V.; ist) (salopp): l. bei etw. umkommen. 2.a)
verlorengehen; b) entzweigehen. 3. auf frischer Tat ertappt u. rasch
festgenommen werden; hopsnehmen <st. V.; hat) (salopp):
auf frischer Tat ertappen u. rasch festnehmen.
Hoquetus [ho'kve:tus). Hoketus [ho'ke:tos). der; - [mlat.
hoquetus. zu afrz. hoqueter = aufstoßen. Schluckauf
haben, nach der abgehackt klingenden Spielweise] (Musik):
im späten Mittelalter gepflegte Art der mehrstimmigen
Musik, bei der zwei Stimmen derart mit Pausen durchsetzt
werden, daß bei Pausen der einen die andere die Melodie
übernimmt.
hör-. Hör-: Mipparat, der: durch eine Batterie betriebenes
elektroakustisches Hörgerät mit Mikrophon. Verstärker u.
Hörer; -bereidi, der: Frequenzbereich der Schallwellen,
die als akustische Empfindung wahrgenommen werden; ^be-
ridit. der (veraltet): svw. t Funkreportage; -beteiligung,
die: das Hören einer Rundfunksendung in einer bestimmten
Höreranzahl; -bild, das: als Kombination aus Bericht u.
dramatischer Handlung gestaltete Wortsendung des
Rundfunks; -brille, die: Brille mit Hörapparat, der in einen
od. beide Bügel eingebaut ist; -bucherei, die: öffentliche
Bibliothek, inder Blinde sich auf akustischem Wege Lesestoff
aneignen; -Fähigkeit, die; -fehler, der: 1. das Sichverhören,
wodurch ein Mißverstätuinis. ein Fehler entsteht: das war
sicher ein H. 2. (ugs. verhüll.) Schwerhörigkeit: einen H.
haben (schwerhörig sein); -folge, die: Rundfunksendung
in Fortsetzungen: Die spannende H. nach dem Roman
... behandelt den ... Bau eines Tunnels zwischen USA
und Europa (Hörzu 39. 1975, 37); -frequenz. die (selten):
svw. TTonfrequenz; -funk, der: Rundfunk im Unterschied
zum Fernsehen, dazu: -fimkgenehmigung, die:
Genehmigung, gegen Entrichtung einer Gebühr ein od. mehrere
Radiogeräte zu benutzen; -gerät, das: Hilfsgerät für Schwerhörige
zur Verbesserung des Hörens, dazu: -geräteakustiker, der:
Akustiker. der Hörgeräte zusammenbaut, wartet u. repariert
(Berufsbez.); -geschädigt <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): durc/i
einen Gehörschaden in seinem Hörvermögen beeinträchtigt;
-grenze, die: obere od. untere Grenze des Hörbereichs;
-hilfe, die: svw. t ^gerät; -musdiel, die: oberer runder Teil
des Telefonfiörers. den man ans Ohr hält (Ggs.:
Sprechmuschel); Ü Höre den Wind in den Bäumen: diese Stimme
in der H. (Fries. Weg 111); ^nerv, der: svw. tGehörnerv;
-organ, das: svw. t Gehörorgan; ^rohr. das: 1.
schalleitendes Holzrohr bzw. Gummischlauch [mit MembranJ. mit
dem der Arzt Körpergeräusche [in Herz u. LungeJ abhört.
2. früher verwendetes Hörgerät in der Art eines
Schalltrichters; -saal.der: I. größerer Raum [mit ansteigenden
Sitzreihen) in einer Hochschule, in dem Vorlesungen gehalten
werden. 2. <o. PI.) Zuhörerschaft in einem Hörsaal: der
H. amüsierte sich; -schärfe, die: Fähigkeit, scharf zu hören;
-schwelle, die (Akustik): (in Abhängigkeit von der
Frequenz) Schalldruck, bei dem gerade noch eine
Hörempfindung hervorgerufen wird; -spiel, das: l.a) <o. PI.) an die
technischen Möglichkeiten des Rundfunks gebundene, rein
auf das Akustisclie ausgerichtete dramatische Gattung; b)
einzelnes Spiel dieser Gattung: ein zweiteiliges H.; ein H.
schreiben, senden. 2. kurz Tür t Hörspielabteilung, dazu:
8V
1283
Hora
^spiehbteihmg, die: Rundfunkabteilung, in der Hörspiele
produziert werden; --stürz, der (Med.): plötzlich auftretende
Schwerhörigkeit bis zur Ertaubung; ^szene, die: vgl. ^spiel
(Ib); -vermögen, das <o. Pl.>; -weite, die: Entfernung,
aus der bzw. Bereich, in dem jmd., etw. zu hören ist: außer
H. sein: in H. bleiben; Ü ... zu den Milliarden, die auch
heute außer H. seines ( = des göttlichen) Wortes leben
(Thielicke, Ich glaube 173).
'Hora [ho:ra], die; -. Hören <meist PI.) [(kirchen)lat. höra.
eigtl. = Zeit. Stunde < griech. hora]: a) Gebetsstunde,
bes. eine der acht Gebetszeiten des Stundengebets in der
katholischen Kirche; b) kirchliches Gebet zu verschiedenen
Tageszeiten.
*Hora [•], die; -. -s (rumän. hora): 1. rumänischer Reigentanz
in gemäßigtem Tempo. 2. ländliche Tanzveranstaltung mit
rumänischen Volkstänzen.
Horanum [ho'ra:rjom],das; -s, ...ien [...jan; kirchenlat. hora-
rium < spätlat. horärium = Uhr. zu lat. höra, T 'Hora]:
Gebetbuch für Laien. Stundenbuch.
hörbar ['ho^ba:?] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: mit dem
Gehör wahrzunehmen: nicht mehr -e Schwingungen; auf
dem Flur wurden Schritte h.; h. (geräuschvoll) durch die
Nase atmen; in ihrer Stimme wurde das Hinterhältige
h. (spürbar, deutlich): ein ... Viertel, in dem ... nur zwei
Mordfälle und ein Mordversuch h.. also bekannt geworden
waren (Grass, Hundejahre 218 f.); Ü Das Seltsame ( = des
Ortes) ... ist die -e Traurigkeit und das aufdringliche
Schweigen anderer Eindrücke (Jahnn. Geschichten 64);
<Abl.:> Hörbarkeit, die; -; horchen [hon^i] <sw. V.; hat)
[mhd. horchen, spätahd. hörechen; Weiterbildung von
thören]: l.a) mit großer Aufmerksamkeit versuchen, etw.
i heimlich / zu hören: angespannt, neugierig, an der Tür.
nach draußen h.: er klopfte an. horchte [ob sich Schritte
näherten]; Gleich morgen wird sie h. (zu erfahren
versuchen) . wie man es anfängt. aus der Partei herauszukommen
(Fallada, Jeder 35); horch, ein Geräusch!; Ü in sein Inneres
h.; Ein guter Leser, imstande, hinter die Sätze zu h. (A.
Zweig. Grischa 112); b) eine /plötzliche! akustische
Wahrnehmung aufmerksam verfolgen: auf die Schläge der
Turmuhr, auf jmds. Atemzüge, auf die Anweisungen aus dem
Lautsprecher h.; Diese horchen atemlos den täglichen
Berichten aus Lourdes (Werfel. Bernadette 219). 2. (landsch.)
auf jmdn. hören; jmds. Worte befolgen: auf ihn mußt du
nicht h.; <Abl.:> Hprcher, der; -s, -: jmd.. der einen andern
I in feindlicher Absicht] belauscht: Spr der H. an der Wand
hört seine eigne Schand!; Hprcherin, die; -, -nen: w. Form
zu T Horcher; <Zus.:> Horchgerät, das: elektroakustisches
Gerät, mit dem man Geräusche (z.B. von /feindlichen]
Flugzeugen. Panzern, feuernden Geschützen) verstärken u.
ihre Art. Richtung u. Geschwindigkeit ermitteln kann;
H?rchposten, der: 1. (Milit.) (bes. nachts od. bei schlechter
Sicht eingesetzter) Posten, der auf verdächtige Geräusche
des Gegners lauschen soll. 2. (scherzh.) Platz, von dem aus
man etw. belauscht: Es ( = das Fräulein) verließ seinen H.
und begab sich ... ins Kinderzimmer (Baum. Paris 65).
'Horde [honte], die; -. -n [zu T Hürde]: a) mit anderen über-
einander zustellende, flache, oben offene Kiste aus Latten
mit luftdurchlässigen Zwischenräumen. Lattenrost für die
Lagerung von Obst u. Gemüse; b) höheres Gestell aus Latten,
Verschlag für die Lagerung von Kartoffeln.
*Horde [-]. die; -, -n [wohl über russ. orda < türk. ordu
= Heer < tat. urdu = Lager; urspr. = umherziehender
Tatarenstamm]: 1. (häufig abwertend) [in bestimmter
Absicht umherziehende] ungeordnete [wilde] Menge. Schar,
deren man sich / in gewisser Weise] zu erwehren hat: wilde,
bewaffnete -n; eine H. von Kindern. Jugendlichen,
Fotoreportern. Ausflüglern; Ü die Fliegen saßen zu ganzen -n
(in großer Anzalil) da auf den Tellern (Böll. Adam 58).
2. (Völkerk.) ohne feste soziale Ordnung lebende Gruppe
verwandter Familien mit gemeinsamem Lagerplatz.
Honlein [harde'im], das; -s [zu lat. hordeum = Gerste]
(Biochemie): Eiweißkörper, der Bestandteil des Gersten-
korns bzw. -mehls ist; Honlenin [...ni:n], das; -s: im
Pflanzenreich weitverbreitetes Alkaloid. das in der Medizin als
Herzanregungsmittel verwendet wird.
Höre ['ho.re], die; -, -n: t 'Hora.
'Hören ['ho:ran]<PI;> [lat. Hörae < griech. Hörai.
personifizierter PI. von: hora = Jahreszeit. Stunde, rechte Zeit]:
grieclüsche Göttinnen der Jahreszeiten u. der sittlichen
Ordnung; ^oren: PI. von T 'Hora.
hören [h0:ran] <sw. V.; hat) [mhd. beeren, ahd. höran, hörtr)-
ren; eigtl. = auf etw. achten, (be)merken]: l.a) auf Grund
der Beschaffenheit seines Gehörs in bestimmter Weise
registrieren, akustisch walirnehmen: gut, schwer, nur auf einem
Ohr h.; nicht h. können; * jmdm. verseht Hören und Sehen
(ugs.; etw. trifft jmdn. so sehr, daß er nicht mehr weiß,
was mit ihm geschieht): er raste über die Autobahn, daß
uns Hören und Sehen verging; b) etw. mit dem Gehör
registrieren, akustisch wahrnehmen: einen Knall, den Kuk-
kuck h.; die Glocken läuten h.; jmdn. schon von weitem
h.; laß [mich] h. [was du erlebt hast]!; ich hörte, wie sie
weinte; er hört sich gerne reden (er redet viel, weil er
glaubt, klangvoll und gut zu reden); ich habe eben sprechen
gehört; ich habe ihn kommen h./gehört; im Saal war es
so still, daß man eine Stecknadel hätte zur Erde fallen
h. können; ich habe sagen h. (zufällig gehört), daß ...;
R man höre und staune (was ich jetzt sage, ist kaum
zu glauben); *hör mal: hören Sie mal (ugs.: 1. Formel,
mit der man sich an jmdn. wendet, um ihn energisch
um etw. zu bitten: hör mal. du mußt etwas sorgfältiger
mit dem Buch umgehen. 2. Formel, mit der man seinen
Protest ausdrückt: [na] hören Sie mal. wie können Sie
so etwas behaupten!); hört, hört! (Zwischenruf in
Versammlungen, mit dem man sein Mißfallen bekundet). 2.a) (eine
Darbietung o.a.) durch das Gehör in sich aufnehmen u.
geistig verarbeiten: ein Hörspiel, ein Konzert, einen
Vortrag h.; bei jmdm. [Vorlesungen] h.; der Priester hört die
Beichte (nimmt sie ab); wir haben den Solisten schon
[in einem Konzert] gehört (singen, spielen gehört); er ließ
sich vor einem größeren Publikum h. (sang, spielte vor
einem größeren Publikum); Rundfunk, Radio h. (eine
Sendung im Rundfunk eingeschaltet haben u. verfolgen);
ausländische Sender h. (einschalten u. ihr Programm verfolgen);
<subst.:> beim Hören der Musik tauchten alte
Erinnerungen in ihm auf; * etw. läßt sich h. (etw.. was man mitgeteilt
bekommt, ist von der Art. daß man es als positiv, erfreulich
empfindet); b) jmdn. sich zu etw. äußern lassen, um sich
ein Urteil zu bilden: man muß [zu diesem Problem] beide
Parteien h.; er wolle noch [vor der Abstimmung] gehört
werden. 3.a) eine [plötzliche] akustische Wahrnehmung
aufmerksam verfolgen: er hörte auf die Glockenschläge;
Es war schade um diese Artigkeit, denn er hörte gar nicht
darauf (Th. Mann. Krull 172); b) sich nach jmds. Worten
richten, sie befolgen: auf jmds. Rat h.; er hatte sie gewarnt,
aber sie hörten nicht auf ihn; alles hört auf mein
Kommando! (bes. Milit.; Ankündigung, daß jmd. an Stelle eines
anderen in eigener Verantwortung das Kommando
übernimmt); das Kind hört auf den Namen Monika (leistet
Folge, wenn es den Namen Monika hört; heißt Monika);
c) (ugs.) einer bestimmten Aufforderung von Erwachsenen
als Kind nachkommen (meist verneint): der Junge will
absolut nicht h.; wirst du mal h.!; Spr wer nicht h. will, muß
fühlen (wird hinterher bestraft, bekommt später die Folgen
zu spüren). 4. im Gespräch mit anderen [zufällig,
überraschend] von etw. Kenntnis erhalten: etwas Neues h.; nur
Gutes über jmdn. h.; von neuen Verhaftungen, lange nichts
von jmdm. gehört haben; ich habe schon davon gehört;
ich will nichts mehr davon h.; das habe ich von ihm
gehört; wie ich höre, ist er verreist; nach allem, was ich
[über ihn] gehört habe, soll er ein fähiger Kopf sein; (iron.:)
was man von dem alles [für Sachen] hört!; er wollte nichts
davon gehört haben (gab vor, nichts davon zu wissen);
"[etwas, nichts] von sich h. lassen (jmdm. /keine] Nachricht,
ikjein Lebenszeichen von sich geben): ich lasse mal wieder
von mir h.; [noch] von jmdm. h. (1. von jmdm. Nachricht
erhalten: Sie hören [in den nächsten Tagen] von uns. 2.
die Folgen seines Handelns noch von jmdm. zu spüren
bekommen: glauben Sie nicht, daß ich mir das gefallen lasse.
Sie werden noch von mir h.l); etwas von jmdm. zu h.
bekommen/kriegen (ugs.; von jmdm. ausgescholten werden):
als er sich noch beklagen wollte, hat er ganz schön was
von uns zu h. gekriegt. 5. mit dem Gehör an etw. feststellen,
erkennen: am Schritt hörte er. daß es sein Freund war.
an ihrer Stimme konnte man h.. daß sie etw. bedrückte;
<Zus.:> Hörensagen, das: -s [mhd. heersagen]: die
Erzählungen anderer als einzige Wissensquelle: auf bloßes H.
zu vertrauen (Thielicke. Ich glaube 87); meist in der
Verbindung vom H. (aus den Erzählungen anderer, nicht aus
eigener Erfahrung); etw. nur vom H. kennen, wissen; etw.
ist jmdm. vom H. bekannt; Butter kannten die Kinder
1284
Hörn
nach dem Krieg nur vom H. (mußten die Kinder ...
entbehren); sowas wie einen Mißerfolg kennt er noch nicht mal
vom H. (hat er noch nie hinnehmen müssen); <Zus.:>
hörenswert <Adj.; -er, -este; nicht adv.>: das Anhören lohnend:
eine-e Musik; <Abl.:> Hörer, der; -s.'- Imhd. haerer, hoerare
= Zuhörer]: l.a) Zuhörer (z.B. bei einem Gespräch):
er ist ein aufmerksamer H.; b) Zuhörer bei
Rundfunksendungen: verehrte H.!; aus vielen Stellungnahmen konnte der
Rundfunk die Meinung der H. erfahren; c) jmd.. der eine
od. mehrere Vorlesungen besucht: er ließ sich an der
Universität als H. einschreiben. 2. Teil des Telefons, der die Hör-
u. Sprechmuschel enthält: den H. abnehmen, auflegen,
einhängen, (ugs.:) hinknallen.
Hörer-: abrief, der: Zuschrift eines Hörers an den Rundfunk;
-kreis,der: [fester] Kreis von Zuhörern [bei
Rundfunksendungen]: vor einem aufmerksamen H. entwickelte er seine
Methode; diese Sendungen wenden sich an einen
bestimmten H.; -post,die: svw. T abriefe; -wünsch, der: Programm-
wünsch eines Rundfunkhörers; -Zuschrift« die: svw. T -brief.
Hörerin« die; -. -nen: w. Form zu t Hörer (1 a, b);
Hörerschaft, die; -. -en <P1. selten): Gesamtheit der Hörer (1);
hörig [h0:n<;] <Adj.; nicht adv.) Imhd. hoerec = hörend
auf jmdn.. folgsam; leibeigen]: 1. meist in der Verbindung
Jmdm.. einer Sache h. sein, (an jmdn. od. etw. [triebhaft,
sexuell] so stark gebunden sein, daß der Betreffende von
ihm völlig abhängig ist u. sich seinem Willen bedenkenlos
unterwirft: er ist ihr [sexuell] h.; Das Pferd ist ... dem
Menschen ... bedingt h. (Dwinger. Erde 183); (auch
attr.:> eine dem Mann -e Frau; eine -e Liebe; <subst.:>
daß die Parlamentsmitglieder... Gefahr laufen, zu Hörigen
der ... lokalen Interessengruppen zu werden (Fraenkel.
Staat 98 f.); Ü unser Geist ist ein Kind des Mondes ...
und ihm h. (Fallada, Herr 99). 2. <o. Steig.) (hist.) an
das von Grund- od. Gutsherren verliehene Land gebunden,
zu bestimmten Diensten u. Abgaben verpflichtet: -e Bauern;
Ü 1807 (hat er) Preußen zerschmettert, die deutschen und
italienischen Staaten sich h. gemacht (St. Zweig. Fouche
133); <subst.:> Hörige fhoTigd], der; -n, -n (hist.): jmd..
der einem Grund- od. Gutsherrn hörig ist: der Grundbesitz
wurde durch H. bewirtschaftet; <Abl.:> Hörigkeit« die;
-. -en <PI. selten): 1. das Hörigsein (1): eine blinde H.;
ideologische H. 2. <o. PI.) (hist.) das Hörigsein (2): die
H. der Bauern.
Horizont [hori'tsont], der; -[e]s, -e Ilat. horizön (Gen.: hori-
zontis) < griech. horfzön (kyklos) = begrenzender Kreis,
Gesichtskreis), zu: horizein = begrenzen, zu: höros =
Grenze, Grenzstein. Ziel]: I. / sichtbare/ Linie in der Ferne,
an der sich Himmel u. Erde (Meer) scheinbar berühren:
lichte, leere -e des Nordens; den H. mit dem Fernrohr
absuchen; am westlichen, südlichen H.; ein Schiff taucht
am H. auf; die Sonne verschwindet am H.. hinter dem
H.; Eine ... Stichflamme jagte über den H. (Kirst, 08/15,
568); Ü neue -e (Bereiche) taten sich vor ihr auf; seine
Untersuchungen eröffnen neue -e; Wolken am politischen
H. (eine Verschlechterung der politischen Lage). 2. geistiger
Bereich, den jmd. überblickt u. in dem er ein Urteilsvermögen
besitzt: einen engen, kleinen H. haben; durch Lektüre
seinen H. erweitern; das geht über seinen H. (übersteigt
seine intellektuelle Kraft, sein Verständnis). 3. svw. t
Rundhorizont. 4. (Geol.) kleinste Einheit innerhalb einer
Formation (4) (räundich die kleinste Schichteinheit, zeitlich die
kleinste Zeiteinheit); <Abl.:) horizontal l...'ta:l] <Adj.: o.
Steig.; nicht adv.) Inlat. horizontalis]: waagrecht (Ggs.:
vertikal): eine -e Lage. Achse, Gliederung; Castet
verarbeitete die meisten Felle h., oft zusammen mit Lederstreifen
(Welt 5.3.69,22); Ü die Betriebe sind h. nach verschiedenen
Wirtschaftszweigen oder vertikal nach verschiedenen
Produktionsstufen gegliedert; Daher fördert der Verband ...
-e (auf der gleichen Ebene unter gleichartigen Betrieben
stattfindende) und vertikale Zusammenschlüsse
(Herrenjournal 2, 1966. 40); die -e Lebensweise. Daseinsform
(scherzh.; dauerndes Liegen, zu dem man durch Krankheit
gezwungen ist); Überwinden Sie den Nihilismus, meine
Herren,... durch Tapferkeit in der -en (scherzh.; sexuellen)
Begegnung (Dorpat. Ellenbogenspiele 17); <subst.:>
Horizontale, die; -. -n <zwei -[n]>: 1. waagrechte Gerade. Ebene;
waagrechte Lage (Ggs.: Vertikale): ein Möbelstück beim
Transport in die H. bringen; sich in die H. begeben
(scherzh.; sichniederlegen).2.(salovvscherzh.) Prostituierte.
Horizontal-: ^frequenz, die (Fernsehtechnik): Anzahl der
in einer Sekunde übertragenen Zeilen; -Intensität, die
(Physik): Stärke des Erdmagnetfeldes in waagrechter Richtung;
-konzern, der (Wirtsch.): Konzern, der Unternehmen der
gleichen Produktionsstufe umfaßt (Ggs.: Vertikalkonzern);
^pendel, das: als Seismometer. zur Messung von
Lotschwankungen u. der Gezeiten des Erdkörpers verwendetes Pendel,
das um eine nahezu vertikale Drehachse in einer nahezu
horizontalen Ebene schwingt; -Verschiebung, die (Geol.):
(gegenüber der ursprünglichen Gesteinslagerung)
waagrechte Verschiebung zweier Schollen an einer Bewegungsflache
(Ggs.: Vertikalverschiebung).
horizontieren [horitßonti.ran] <sw. V.; hat): 1. (Geol.) a)
die Höhe eines Horizonts (4) einmessen; b) einen Horizont
(4) mittels Leitfossilien u. a. zeitlich einstufen. 2. (Geodäsie)
die Achsen von geodätischen Meßinstrumenten in waagrechte
u./od. senkrechte Lage bringen. 3. (Milit.) a) ein Geschütz
bzw. Meß- od. Zielgerät in die Waagrechte ausrichten; b)
ein Geschütz od. Zielgerät auf einem bewegten Waffenträger
andauernd waagrecht halten; Horizpitlinie, die; -. -n: svw.
t Horizont: die H. weit überragend, stieg ein mächtiger
Hügelrücken empor (Kuby, Sieg 399).
hormisch ['harmU"] <Adj.; o. Steig.) [THormon] (Psych.):
(vom menschlichen u. tierischen Verhalten) triebhaft,
zielgerichtet, zweckgeleitet: -e Psychologie (psychologische
Richtung, die den Antrieb auch als Basis des menschlichen
Verhaltens anerkennt); Hormon [hr>r'mo:n], das -s, -e (zu griech.
hormän = in Bewegung setzen, antreiben]: körpereigener,
von den Drüsen mit innerer Sekretion gebildeter u. ins Blut
abgegebener Wirkstoff, der biochemisch-physiologische
Abläufe steuert u. koordiniert: durch bestimmte Stoffe die
Produktion eines -s hemmen; das Adrenalin veranlaßt die
Ausschüttung des die Nebennieren rinde anregenden -s
(Medizin II. 270).
Hormon-: ^bchandlung, die: Behandlung mit
Hormonpräparaten; Mirüse, die: Drüse mit innerer Sekretion, die ein
bestimmtes Hormon bildet; ^Forschung, die: Forschung auf
dem Gebiet der Hormone; ^haushält, der: das
Zusammenwirken der gesamten Hormone im Körper; ^Implantation,
die: Einpflanzung kleiner Hormontabletten unter die Haut;
Mnangel, der: Mangelan einem bestimmten Hormon;
^Präparat, das: aus Drüsen <xi. Drüsenextrakten o. ä. gewonnenes
Arzneimittel, das z. B. bei fehlender od. unzureichender
Hormonproduktion als Ersatz verwendet wird; ^Produktion, die:
Produktion eines Hormons in einer Drüse mit innerer
Sekretion; ^Spiegel, der: Gehalt des Blutes an Hormonen;
^spritze, die: Injektion eines Hormonpräparats; ^therapie, die:
svw. t ^behandlung.
hormonal [...'na:l], (auch:) hormonell [...'ncl] <Adj.; o.
Steig.): die Hormone betreffend, auf ihnen beruhend: -e
Faktoren; das -e Gleichgewicht; eine -e Krebsbekämpfung;
h. gesteuerte Vorgänge.
Hörn [hom]. das; -[e]s. Hörner u. -e [mhd.. ahd. hörn,
eigtl. = Spitze. Oberstes]: 1. <P1. Hörner; Vkl. T Hörnchen)
[gebogener i spitzer, harter Auswuchs am Kopf bestimmter
Tiere: spitze, gebogene Homer; der Stier senkte die Hörner.
nahm den Torero auf die Hörner, verletzte ihn mit den
Hörnern; Ü das H. (ugs.; die geschwollene Stelle, die Beule)
an der Stirn, das von seinem Sturz herrührte, schwand
nur langsam; schon als Kind hatte er am Hinterkopf ein
H. (ugs.; eine harte Verdickung). * jmdm. Hörner aufsetzen
(ugs.; den Ehemann betrügen; dem verschnittenen Hahn
setzte man, um ihn aus der Hühnerschar herauszufinden,
die abgeschnittenen Sporen in den Kamm, wo sie
fortwuchsen u. eine Art von Hörnern bildeten; vgl. Hahnrei); sich
(Dativ) die Hörner ablaufen abstoßen (ugs.; durch
Erfahrungen besonnener werden, bes. sein Ungestüm in der Liebe
ablegen)', nach einer alten studentischen Aufnahmefeier,
bei der der als Bock verkleidete Neuling sich die Hörner
an einer Tür od. Säule abstoßen mußte, um dadurch
symbolisch seine tierische Vorstufe hinter sich zu lassen): Ich
habe mir in literarischer Beziehung schon vor Jahren die
Hörner abgelaufen (Seidel. Sterne 38); jmdm. die Hörner
zeigen (ugs.; jmdm. energisch entgegentreten. Widerpart
leisten; nach dem Verhalten des Stiers od. Hirschs. die
vor einem Kampf durch ein Senken des Kopfes ihre Waffe
zeigen). 2. <P1. Hörne) (selten) von Tieren bes. an den
Hörnern u. Hufen gebildete harte Substanz: ein Kamm
aus irischem H.; die Brille hat ein Gestell aus H. 3. <P1.
Hörner) a) kreisförmig gewundenes Blechblasinstrument mit
engem Schallrohr, weitem Schallbecher, trichterförmigem
1285
hörn-, Hörn-
Mundstück u. drei Ventilen: die Hörner im Orchester waren
etwas zu laut; H. blasen; * ins gleiche H. stoßen/tuten/blasen
(ugs.; jmdn. in seiner Meinung unterstützen); b) svw. t
Waldhorn; c) akustisches Signalgerät [an Kraftfahrzeugen]: ein
elektrisches H.; das H. ertönen lassen.
hprn-, Hqüi- (vgl. auch: Homer-): -anteme, die: in der
Höchstfrectuenztechnik verwendete trichterförmig
ausgebildete Antenne: Es (= das Gerüst) bietet zwei -n ein höheres
Fundament und wird die Sprechqualität nach Norden
wieder verbessern (MM 12.4. 73, 17); -artig <Adj.; o. Steig.):
wie Hom (2) / aussehend]: -blatt, das [nach den hornförmig
gegabelten Blättern]: Wasserpflanze mit vielgliedrigen
Blattquirlen u. unscheinbaren Blüten (auch für Aquarien
verwendet): -blende, die [wohl nach der Farbe des Horns
(2)]: gesteinsbildendes Mineral von einer dem Augit ähnlichen
chemischen Zusammensetzung mit nichtmetallischem Glanz
u. bräunlichgrünem Strich: -brille. die: Brille mit einem
Gestell aus Hörn (2); -dreehsler, der: Drechsler, der
Gegenstände aus Hörn (2) formt: -dymm <Adj.; o. Steig.) [dumm
wie Hornvieh! (salopp): äußerst dumm: er ist wirklich h.;
-feb, der [nach der Härte u. dem Aussehen des Horns
(2)1 (Geol.): aus magmatischen Schmelzen entstandenes
graues od. schwarzes, dichtes Gestein mit splitterigem Bruch:
-fessel.die(Jägerspr): Umhängeriemen am Jagdhorn;
-förmig <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): die Form eines Homes
(1) habend; -gesdiwukt, die: svw. tKeratom; -hai, der
[nach dem homförmigen Stachel am Vorderrand der
beiden Rückenflossen]: svw. t Stierkopfhai; -haut, die [2:
wohl deshalb, weil die Hornhaut kurz nach dem Tode
einem dünnten, hornartigen Plättchen gleicht]: 1. durch Druck
od. Reibung verhärtete äußerste Schicht der Haut, die aus
abgestorbenen Zellen besteht: sich die H. an den Füßen,
an den Schwielen abschneiden; Ü die H.. mit der sich die
Brust in all den Jahren gepanzert hatte (Apitz. Wölfe 23S).
2. uhrglasartig gewölbte, durchsichtige Vorderfläche des
Augapfels, dazu: -Hautentzündung, die: Entzündung der
Hornhaut (2), -hauttriibung, die: krankhafte Veränderung
der Hornhaut (2) mit Einschränkung des Sehvermögens.
-hautübertragung. die: operative Verpflanzung einer
Hornhaut (2) bzw. von Hornhaut teilen auf ein erkranktes
Auge, -hautverletzung, die; -hecht, der: Raubfisch mit
langgestrecktem Körper u. hornartig verlängerten, mit
spitzen Zähnen bestandenen Kiefern; -kämm, der: Kamm aus
Hörn (2); -klee, der [nach den hornförmig gekrümmten
Früchten (Hülsen)]: in den gemäßigten Zonen u. im
subtropischen Eurasien vorkommender, zu den Schmetterlingsblüt-
lern gehörender Klee mit meist doldenförmigen
Blutenständen u. mittelgroßen gelben od. roten Blüten; -kneifer, der:
vgl. -brille; ^kraut, das [nach den hornförmig gekrümmten
Fruchtkapseln einiger Arten]: zu den Nelkengewächsen
gehörende, bes. in Europa verbreitete einjährige
Staudenpflanze mit gegenständigen Blättern u. weißen, doldetiähnlichen
Blütenständen; -mehl. das: aus gemahlenem Hörn (2) (z. B.
Hörnern, Hufen, Klauen des Schlachtviehs) hergestelltes,
stickstoffhaltiges Düngemittel; -odis[e] der (derb, oft als
Schimpftvort): dutnmer Mensch, der durch seinen
Unverstand Anlaß zum Ärger gibt; -schiebt, die: svw. t -haut
(I); -signal, das: mit dem Hom (3 a. c) geblasenes Signal;
-sp&ne <P1.): stickstoffhaltiges Düngemittel aus einem bei
der Verarbeitung von Hörn (2) entstehenden Abfallprodukt;
-stoß, der: kurzes, rasches Blasen in ein Hom (3 a);
^strahier, der; -s. -: 1. Schallquelle, von der der Schall über einen
Trichter abgestrahlt wird. 2. svw. T ^antenne; -tier, das:
Tier, das zur Familie der Hörner tragenden, wiederkäuenden
Paarhufer gehört; -träger, der: svw. T^tier; -vieh, das:
1. <o. PI.) svw. t-tiere. 2. <P1. Hornviecher) (derb) vgl.
-ochs[e]; -viper, die: in den Wüsten Nordafrikas heimische
Viper mit deutlich abgesetztem kurzem Schwanz u. spitzem,
hornförmigem Fortsatz über jedem Auge; -zelle, die:
verhornende od. verhornte Zelle der Oberhaut, dazu: -zellenwuche-
rung.
Homback [ho:nbaek]. das od. der; -s. -s [engl, hörn back,
zu: hom = Hom u. back = Rücken]: verhornter Rücken
einer Krokodilhaut, der durch Abschleifen eine besonders
ausgeprägte Maserung zutage treten läßt u. hauptsächlich
für Luxusartikel der Lederwarenindustrie verwendet wird.
Hornberger [harnbErgg] in der Wendung etw. geht aus wie
das H. Schießen: t schießen.
Hörnchen ['hoenupn], das; -s. - [4: nach dem
mißverstandenen -hörnchen in Eichhörnchen, vgl. Eichhorn]: 1. tHom
(1). 2. Gebäck (z. B. aus Hefeteig. Blätterteig) von hornartig
gebogener Form: H. zum Frühstück. 3. <meist PI.) svw.
T Hömchennudel. 4. Vertreter einer weltweit verbreiteten
Familie maus- bis murmeltiergroßer, pflanzetifressender
Nagetiere; Hprnchennudel, die; -. -n (meist PI.): kleine Nudel
von der Form eines Hörnchens (1); Hörndlbauer ['hoerndl-],
der; -n (selten: -s). -n (österr.): Bauer, der vorwiegend
(Hörn)Viehzucht betreibt; vgl. Körndlbauer.
Horneburger ['harnaburgej. der; -s. - [nach dem Ort Horne-
burg. Kreis Stade (Niedersachsen)]: großer, grüner Koch-
u. Backapfel.
hörnen [harnan] <Adj.; o. Steig.; nur attr.) [mhd. homen.
ahd. humin] (veraltet): svw. t hörnern; hörnen ['hoernan]
<sw. V.; hat): 1. tgehörnt (1). 2. (ugs. scherzh.) (den
Ehemann) betrügen: sie hörnte ihn; er wurde gehörnt.
Hörner- ['hcermH (vgl. auch: hom-, Hom-): -ableiter. der:
aus zwei V-förmig zueinander gebogenen Drähten bestehende
Vorrichtung zum Schutz elektrischer Leitungen u. Anlagen
gegen Überspannungen; -blitzableiter, der: Hörnerableiter
gegen Blitzentladungen; -haube, die: Haube des IS.Jh.s
mit zwei hornartigen, kegelförmigen Gebilden (Abwandlung
des t Hennins); -klang, der: -sehall, der; -schütten, der:
Schlitten mit vorn hornartig hochgezogenen Kufen.
hörnern ['hoernm] <Adj.; o. Steig.; nur attr.) [mhd. hümln,
homen. ahd. humin]: aus Hörn bestehend: runde
Scheibchen .... an Größe. Dicke und Gestalt -en Knöpfen einer
Jägerjacke gleich (A. Zweig. Grischa 40); die Sage vom
-en (mit einer hornartigen Schicht aus erkaltetem
Drachenblut überzogenen u. daher unverletzlichen) Siegfried; hornig
['hornig] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): mit einer Hornhaut
überzogen, eine Hornhaut aufweisend: ein -er Huf.
Hornisse [hsr'nisa]. die: -. -n [mhd. horni3. hornu3. ahd.
homa3. hurnu3. eigtl. = gehörntes Tier, wegen der
gebogenen Fühlhörner]: größte heimische Wespe, deren Stich
schmerzhaft u. gefahrlich ist.
Hornissen-: -schwärm, der; -Schwärmer, der: kleiner
Schmetterling mit hornissenartig gelb u. schwarz geringeltem
Hinterleib u. glasklaren Flügeln; -stich, der.
Hornist [härmst], der: -en. -en: jmd.. der /berufsmäßig/
Hom (3) spielt.
Hornito [har'nr.to]. der; -s. -s [span. hornito, Vkl. von:
homo = Ofen; zu Anfang des 19. Jh.s von dem dt.
Naturforscher u. Geographen A. v. Humboldt (1769-1859)
eingeführt] (Geol.): kegelförmige Aufwölbung über
Austrittsstellen dünnflüssiger Lava.
Hörnling ['hoemlinl. der: -s. -e in der Fügung Klebriger
H. (auf Stümpfen von Nadelbäumen wachsender,
ungenießbarer, zu den Gallertpilzen zählender Pilz mit orangegelbem,
geweihartig verzweigtem u. gegabeltem Fruchtkörper).
Hornpipe ['h3:npaip], die; -. -s [engl, hompipe. eigtl. =
Hornpfeife]: 1. bes. aus Wales bekanntes Blasinstrument,
dessen beide Enden (Schallbecher u. Wbidbehälter) aus
Hörn (2) bestehen. 2. alter englischer (in die Kunstmusik
übernommener) Tanz im J/j- od. 4I4-Takt.
Hornsche ['homs^s], die; -. -n [aus dem Slaw.. vgl. tschech.
homice = Obergemach, zu: homi = obere] (ostmd.):
kleines, altes, baufälliges Haus.
Hornung ['hornunl. der; -s. -e [mhd.. ahd. hornunc. eigtl.
= der (in der Anzahl der Tage) zu kurz Gekommene;
afries. horning = Bastard, eigtl. = der aus der Ecke
Stammende, der im Winkel Gezeugte; eigtl. = Spitze.
Ecke, wahrsch. wegen der verkürzten Anzahl von Tagen
dieses Monats] (veraltet): Februar.
Hornuß [hDrnu:s], der; -es. -e [gleichlautend mit dem
Schweiz. Wort für Hornisse, wegen des summenden Tones,
den die Scheibe beim Flug erzeugt] (Schweiz.):
Schlagscheibe: * den H. [sicher] treffen (den Nagel auf den Kopf treffen);
<Abl.:> hornußen ['h3rnu:sn] <sw. V.; hat) (Schweiz.): eine
Art Schlagball spielen.
Hornzie ['harnt^a]: t Hornsche.
Horolog [horo'lo:k], das; -s. -e: svw. T Horologion (I);
Hörolögion (...o:gpn). das; -s. ...ien [...pn; griech. hörolögion]:
1. Stundenanzeiger (z.B. Wasser-, Sonnen-. Sanduhr). 2.
liturgisches Buch der orthodoxen Kirchen, das den
feststehenden Teil des Stundengebets u. weitere liturgische Texte u.
Angaben enthält; HorolQgium [...ium]. das; -s, ...ien [...pn;
lat. hörologiumj: svw. t Horologion (1.2).
Horopter [ho'ropte], der; -s, Horypterkreis, der; -es [zu
griech. höros = Grenze u. opter = Späher] (Med.):
kreisförmige horizontale Linie, auf der alle Punkte liegen.
1286
Hose
die hei gegebener Augenstellung mit beiden Augen nur
einfach gesehen werden.
Horoskop [horo'sko:p|. das; -s. -e [spätlat. höroscopium
= Instrument zur Ermittlung der Planetenkonstellation
bei der Geburt eines Menschen < griech. höroskopeTon.
eigtl. = Stundenseher] (Astrol.): a) schematische
Darstellung der Planetenkonstellation zu den Tierkreiszeichen zu
einem bestimmten Zeitpunkt, bes. beider Geburt eines
Menschen, als Grundlage zur Schicksalsdeutung: Dieser große
Mann habe... die drei -e aller drei... Beteiligten hergestellt
(Fr. Wolf, Menetekel 80); jmdm. das H. stellen (für eine
Schicksalsdeutung erstellen); sich das H. stellen lassen;
b) Voraussage über kommende Ereignisse auf Grund von
Sternkonstellationen: Funfundfünfzig Prozent aller
Europäer lesen ihr H.! (Simmel. Stoff 329); <Abl.:> horoskopie-
ren [...ko'pi:ran] <sw. V.; hat): ein Horoskop stellen:
<subst.:> der Hamburger Astrologe... veranstaltet...
Lehrgänge im Horoskopieren (Spiegel 53, 1974. 65);
horoskopisch <Adj.; o. Steig.): das Horoskop betreffend, darauf
beruiiend: dem Monde, dem er sich h. und durch allerlei
Ahnung und Spekulation verbunden fühlte (Th. Mann,
Joseph 79).
horrend [ha'rent] <Adj.; -er. -este) [lat. horrendus]: 1.
(emotional) jedes normale Mali überschreitend, so daß es
ablehnende Kritik hervorruft: eine -e Dummheit; -e Preise; die
Unordnung in seinem Zimmer war h.; zwanzig Mark?
Das ist ja h.! 2. (veraltet) durch seinen geistigen Gehalt
Entsetzen erregeml: -e politische Ansichten; horribel
[hDri:bl] <Adj.; ...bler. -ste) [wohl über frz. horrible <
lat. horribilisKbildungsspr. veraltet): l. als Erlebnis.
Mitteilung grauenerregend, grausig, furchtbar: horrible Dinge.
Szenen haben sich dort abgespielt. 2. svw. T horrend (1);
horribile dictu [...bile diktu; lat. = schrecklich zu sagen]
(bildungsspr.): es ist furchtbar, dies sagen zu müssen; Gott
sei's geklagt (kommentierender Einschub des Sprechers);
Horribilität [haribili't^t], die; -. -en <P1. selten)
(bildungsspr. veraltet): Schrecklichkeit. Furchtbarkeit.
horrido! [hDrido:] <Interj.) [nach dem anfeuernden Ruf des
Rüdenführers: ho. Rüd. ho]: a) (Jägerspr.) von Jägern
an Stelle des Hochs gebrauchter Ausruf; b) (scherzh.)
ermunternder Zuruf od. Ausruf triumphierender Freude;
<subst.:> Horrido [-]. das; -s. -s.
Horror [honr. auch: 'haro:^]. der; -s [lat. horror]: auf
Erfahrung beruhender, schreckenerfüllter Schauder. Abscheu.
Widerwille i sich mit erw. zu befassen]: einen H. vor etw..
vor bestimmten Leuten haben; wie leicht fällt die (= geringe
Reiselust) ins Gewicht gegen meinen H.. Paris zu verlassen!
(Th. Mann. Krull 281).
Hqitot-: -fihn. Film mit sehr grausamem od. gruseligem
Inhalt; ^Beschichte, die: vgl. ^literatur; -literatur. die:
literarische Werke aller Gattungen, die Unheimliches.
Greueltaten u.a. darstellen; -streifen, der (ugs.): svw. Nfilm;
^trip, der (Jargon): durch den Genuß von LSD. Heroin
o.a. hervorgerufener Drogenrausch mit Angst- u. Panik -
gefühlen; Bad Trip.
Horror vacui [- va:kui]. der; - - [nlat. = die Angst vor
dem Leeren; in Anlehnung an die Aristotelische Physik
vor allem auf den engl. Philosophen R. Bacon (um 1219
bis etwa 1292) zurückgehende Theorie zur Erklärung best,
physikal. Vorgänge]: von Aristoteles ausgehende Annahme,
die Natur sei überall um Auffüllung eines leeren Raumes
bemüht: Ü das Gemälde ist in einer Art H. v. überall
mit StafTagefiguren gefüllt; als ... der ... Parteichef... den
Ostblockführern ... klarmachte, daß sich Rußland ... auf
den Fernen Osten konzentrieren müsse, überkam die
DDR-Oberen im Nahen Osten der H. v. (Spiegel 1/2.
1967.44).
Hörsamkeit ['h0:Bza:mkait]. die; - [LÜ von engl, audibility]
(Akustik): von der Nachhallzeit abhängige Eignung eines
Raumes für Sprach- u. Musikübertragungen.
horsconcours brkö'ku.r; frz. hors concours] (bildungsspr.):
außer Wettbewerb: h. c. auftreten, spielen.
Horsd oeuvre [Drdoe:vr]. das; -s [-]. -s [-] [frs. horsd'oeuvre.
eigtl. = Beiwerk zu: hors < mfrz.. afrz. hors. dehors
= außer(halb). nebenbei < spätlat. deforis = von außen
u. oeuvre < lat. opera = Arbeit. Werk]: appetitanregendes
Vor- od. Beigericht.
Horse [hD:s]. das; - [engl.-amerik. horse. eigtl. = Pferd.
Tabuwort] (Jargon) Heroin; Horsepower ['h^spauaj. die:
-, - [engl, horsepower, eigtl. = Pferdekraft]: in
Großbritannien verwendete Einheit der Leistung (= 745.7 Watt); Abk.:
h.p., früher: HP; vgl. Pferdestärke.
Horst [hörst], der; -e[e]s. -e [mhd.. ahd. hurst = Gesträuch.
Hecke. Dickicht; verw. mit Hürde, eigtl. = Flechtwerk]:
1. meist auf Felsen, in schwer erreichbarer Höhe gebautes
großes Nest großer Vögel (bes. Greif- u. Stelzvögel): der
Adler fliegt auf seinen H. 2. svw. t Fliegerhorst. 3. (Forstw.)
Strauch- od. Gebüschgruppe /die sich durch Holzart. Alter
u. Wuchs von ihrer Umgebung unterscheidet/. 4. (Bot.)
Büschel dicht nebeneinanderstehender, gleich stark u.
unverzweigt von unten herauswachsender Triebe einer Pflanze (z. B.
bei Gräsern. Narzissen): die Osterglocken kommen in dik-
ken. reichblühenden -en aus dem Rasen. 5. (Geol.)
gehobener od. infolge Absinkens der Umgebung stehengebliebener
Teil der Erdkruste (z. B. der Harz); <Abl.:) horsten ['hsrstn]
<sw. V.; hat): (bes. von Greif- u. Stelzvögeln) nisten.
Hort [hart], der; -[e]s. -e [mhd.. ahd. hört = Schatz; das
Angehäufte, Fülle. Menge, eigtl. = Bedecktes.
Verborgenes]: 1. (dichter.) Goldschatz: der H. der Nibelungen 2.
(geh.) a) Ort, Institution, Person, die einem Bedürftigen,
Schwachen od. einem geistigen Gut o. ä. einen besonderen
Schutz gewäJirt; die Kirche sollte ein H. der Bedrängten
und Verfolgten sein; die Schweiz gilt als H. der Freiheit
und Humanität; mein Gott, mein H.. auf den ich traue
(Psalm 18. 3); b) Stätte, an der etw. in besonderem Maße
praktiziert wird: Metropolen, die in der Bibel so oft
verflucht wurden als -e des Lasters (Ceram. Götter 258).
3. svw. T Kinderhort.
Hortativ [hsrtati.f. auch: 'har...]. der: -s. -e [...i:va; spätlat.
(modus) hortätivus]: svw. TÄdhortativ.
horten ['hortn] <sw. V.; hat) [zu THort]: a) /wegen seiner
Kostbarkeit .Knappheit J als Vorrat sammeln: Geld. Devisen,
Waffen h.; in Notzeiten werden Rohstoffe. Lebensmittel
gehortet; er hatte die Tabletten für einen Selbstmordversuch
gehortet; Ü Angst war das Zahlungsmittel, das uns nie
ausging, und noch heute horte ich in einigen versteckten
Tresoren meines Herzens blitzblanke Angst, die auf Jabos
... gemünzt ist (Küpper. Simplicius 110); b) für einen
bestimmten Zweck sammeln: einzelne Bestellungen für eine
Sammelbestellung h.; Ü dort (= in der Kaserne) werden
Gefangene gehortet (Kirst. 08/15. 893).
Hortensie [hartenzja]. die; -. -n [viell. nach Hortense (zu
lat. hortus = Garten) Lepaute. der Reisegefährtin des
französischen Botanikers Ph. Commerson (1727-1773)]:
in Asien. Amerika u. Europa als Strauch- od. Topfpflanze
verbreitetes Steinbrechgewächs mit kleinen weißen,
grünlichen, roten od. blauen Blüten in Rispen od. /kugeligen]
doldenähnlichen Blütenständen.
Hortikultur [hnrti-]. die: [zu lat. hortus = Garten]
(Fachspr): Gartenbau.
H<?rtleitenn, die; -. -nen: Leiterin eines Kinderhorts;
Hortnerin [hartnann]. die; -. -nen: Erzieherin in einem Kinderhort
(Berufsbez.).
Hortung fhortuo]. die; -. -en: das Horten.
ho ruck! [ho: 'rok]: svw. Thau ruck!
hosama [ho'zana]: t hosianna.
Höschen rh0:s<^n]. das: -s, -n: 1. THose (1): * heiße H.
(ugs. scherzh.; tHot pants). 2. Slip für Damen: sie wusch
ihr H.. zog ihr H. aus. 3. (Zool.) (bei Bienen u.
Hummeln) die an den Hinterbeinen angesammelten Pol lenk lümp-
chen; Hose [>ho:za]. die; -. -n [mhd. hose. ahd. hosa. eigtl.
= Bedeckende]: 1. <Vkl. tHöschen) a) <häufig auch im PI.
mit singu larischer Bed. > Kleidungsstück. das den Körper von
der Taille an abwärts u. jedes der Beine ganz od.
teilweise bedeckt: eine lange, kurze, ausgebeulte, enge H.; ein
Paar neue -n; sie trägt -n; die H. hochziehen, anziehen;
die H. (die Hosenbeine) hochkrempeln; das Kind hat die.
seine H. vollgemacht, hat in die H.. -n gemacht; in die
-n schlüpfen, steigen; in kurzen -n herumlaufen; R machen
wir die H. wieder zu! (Ausdruck der Resignation; urspr.
anspielend auf die Abweisung durch einen
Geschlechtspartner); Ü -n runter! (Skat; beim Nullouvert an den Spieler
gerichtete Aufforderung, die Karten aufzudecken); das
kannst du einem erzählen, der die H. mit der Kneifzange
anzieht, zumacht! (ugs.; das ist doch alles Schwindel!; das
nehme ich dir nicht ab!)\ * jmdm. geht die H. mit Gnindeis
(t Arsch); jmds. -n sind voll (salopp; jmd. hat in einer
bestimmten Situation große Angst): Auf seinem Mondgesicht
lag panische Angst. Seine -n schienen voll zu sein (Kirst,
08/15. 544); [zu Hause, daheim] die -n anhaben (ugs.; als
1287
Hosen -
Frau im Haus bestimmend sein, herrschen): die -n
runterlassen (salopp; in einer für einen selbst unangenehmen Situation
Farbe bekennen); die H., -n [gestrichen] voll haben (salopp;
große Angst haben vor erw.; einer Sache mit Angst
entgegensehen): Die Zivilbevölkerung hat die -n gestrichen voll
(Kirst. 08/15. 709); die -n voll kriegen (fam.; Iin bezug
auf ein Kind] Schläge aufs Gesäß bekommen): jmdm. (einem
Kind) die -n strammziehen/spannen (fam.; jmdm. Schläge
aufs Gesäß geben): die -n auf halbmast tragen (ugs. scherzh.;
zu kurze od. über die Knöchel hochgezogene Hosen tragen);
die H. über der/die Tonne gebügelt/getrocknet haben (ugs.
scherzh.; O-Beine haben); sich auf die -n setzen (fam.; [meist
als Aufforderung an ein Schulkind] ernsthaft anfangen zu
lernen): wenn du nicht sitzenbleiben willst, mußt du dich
auf die -n setzen; nicht aus der H. kommen können (ugs.;
an Verstopfung leiden); in die -n gehen (salopp; /von einer
Unternehmung o.a.] sich nicht realisieren lassen, mißglük-
ken): Manche Revolution frißt ihre Kinder, manche geht
in die H. (Spiegel. 34. 1975. 77); [vor Angst] in die H./-n
machen (salopp; vor etw.. wozu man keinen Mut liat o.a..
große Angst haben; sich aus Angst nicht trauen, etw.
Bestimmtes zu tun): viele Staatsanwälte machen sich heute
ja schon in die H., wenn sie für einen ... Mord 3000
Mark aussetzen sollen (Spiegel II. 1975. 10); mit jmdm.
in die -n müssen (Schweiz.; sich mit jmdm. im Kampf messen
müssen; nach der besonderen Kleidung, die beim
Schwingen üblich ist); in die -n steigen (Schweiz.; sich zum Kampf
bereit machen; nach der besonderen Kleidung, die beim
Schwingen üblich ist); b) Teil der aus Trikot hergestellten
Unterwäsche bes. von Frauen u. Kindern, der den unteren
Teil des Rumpfes bedeckt; Schlüpfer; Slip: Hemd u. H.
aus Baumwolle; dem Kind warme -n anziehen. 2. <P1>
(Zool.) in verschiedener Weise ausgebildete Muskelpartie
am Schenkel der Hinterhand bes. beim Pferd: das Pferd
hat gute, schlechte -n. 3. (Zool.) starke Befiederung der
Beine bei bestimmten Greifvögeln (z.B. Adlern. Falken).
Hosen-: ^anzug, der: aus langer Hose u. dazugehörendem
Oberteil (Jacke. Pullover od. Bluse o. ä.) bestehendes
Kleidungsstück für Frauen u. Kinder; ^aufschlagt der: Aufschlag
(4) am unteren Ende des Hosenbeins; ^band, das <P1.: ...bän-
der>: unterer Abschluß an den Beinen der Kniehose, dazu:
^bandorden, der: vgl. honi soit qui mal y pense; ^bein,
das: der das Bein bedeckende Teil der Hose (1 a): die -e
hochkrempeln; -boden, der: Teil der Hose (1 a). der das
Gesäßbedeckt: Polizisten fauste verkrampfen sich in Kulles
... H. (Zwerenz, Erde 36); *den H. voll kriegen (vgl. Hose
1 a); jmdm. (einem Kind) den H. strammziehen/versohlen
(vgl. Hose 1 a); sich auf den H. setzen (vgl. Hose 1 a);
-boje, die (Seew.): Rettungsring, an dem ein einer Hose
älxnlicher Sack angebracht ist. in dem ein Schiffbrüchiger
von einem gestrandeten Schiff aus in Sicherheit gebracht
werden kann; -bugel, der: vgl. ^spannen -bund, der: lBund
(2) als oberer Abschluß einer Hose (1 a); -kacker, der (derb):
I. Feigling, ängstlicher Mensch. 2. (Schimpfwort) älterer
Mann; -kerl, der (salopp): männliches Glied. Penis: Hinter
der Wand versteckt wächst der H. in Länge und Breite
(Zwerenz. Kopf 30); -klammer, die: Klammer, mit der
ein Radfahrer die Beinlinge seiner Hose so
zusammenklammert, daß sie beim Fahren nicht behindern; -klappe, die:
aufknöpfbare Klappe an der Hinterseite einer Kinderhose;
-knie, das: Teil des Beinlings einer Hose, der das Knie
bedeckt u. vom Tragen so ausgebeult ist. daß er sichtbar
hervortritt: die H. waren herausgedrückt (L. Frank. Wagen
9); -knöpf, der: Knopf an einer Hose od. für eine Hose:
einen H. annähen; Ü du kriegst dafür keinen H. mehr
(ugs.; kernen Pfennig, absolut nichts); er kümmert sich
um jeden H. (ugs.; in überflüssiger Weise um jede
Kleinigkeit); -latz, der: 1. Latz an einer Kinder-. Trachten- od.
Matrosenhose. 2. (landsch.) svw. Kschlitz; -lupf, der
(Schweiz, mundartl.): eine bestimmte Art des Ringkampfs;
Schwingen; -matz, der (fam. scherzh.): 'mit einer Hose
bekleidetes] kleines Kind: Versuche mit Dreijährigen hätten
bewiesen, daß die Hosenmätze ... sehr wohl fähig seien.
... Werbewörter ... zu lesen (Spiegel 16. 1966. 68); -naht,
die: am äußeren Hosenbein verlaufende Naht: die Hände
an die H. legen (eine militärische Haltung annehmen, bei
der die Hände an die Hosennaht gefülirt werden); -rock,
der: Kleidungsstück für Frauen u. Mädchen von einer Form,
die aus Hose u. Rock kombiniert ist: -rolle, die (Theater):
a) Männerrolle, die von einer Frau gespielt wird; b) weibliche
Rolle in Männerkleidung; -sack, der (landsch.) svw. t ^ta-
sche; -scheißer, der (derb): vgl. ^kacker; -schlitz, der:
vordere schlitzförmige Öffnung der Männerhose; -schnalle,
die: Schnalle zum Regulieren der Weite am Bund bes. von
Männerhosen; -«panner, der: Bügel zum Spannen der
Hosenbeine u. Aufhängen von Hosen; --stall, der (ugs. scherzh.):
svw. Kschlitz; -tasche, die: Tasche an. in einer Hose
da): die Hände in den -n haben, in die -n stecken;
*etw. wie seine H. kennen (ugs.; einen Bereich sehr genau
kennen): er kennt die Stadt wie seine H.; etw. aus der
linken H. bezahlen (ugs.; eine größere Summe leicht, ohne
Schwierigkeiten bezahlen können); -topper [...tope], der:
-s. - [zu engl, to top = in beste (Paß)form bringen]
(Fachspr.:) svw. tDämpfpuppe; -träger, der <meist Pl.>:
über beide Schultern geführter Träger aus Gummiband od.
(bei Trachtenhosen) aus Leder, zum Halten der Hose (bei
Männern u. Kindern); ^tiir, die (ugs. scherzh.): svw.
t-schlitz; -Umschlag, der: svw. t-aufschlug.
hosianna! [ho'zjana] <Interj.) [spätlat. hosanna < griech.
hösannä < hebf. höSl^hnnä = hilf doch!! (christl. Rel.):
Ruf der Freude.des Jidtels. Gebetsruf [ als Teil der Liturgie]:
h. singen; R heute heißt es h.. morgen kreuzige ihn (zur
Kennzeichnung des raschen Meinungswechsels der
Menschen; nach Matth. 21. 9); <subst.:> Hosianna [-]. das;
-s, -s: ein H. rufen, singen; <Zus.:> Hostymaruf, der (häufig
iron.): lauter öffentlicher Beifall. Sympathiebekundung, die
einer prominenten Persönlichkeit zuteil wird: Trotz aller
-e ließ Lys sich nicht blenden (Hörzu 14. 1972. 112).
Hospital [hospi'ta.l], das; -s, -e u. ...täler [...'te:te; mhd.
hospitäl < mlat. hospitale < spätlat. hospitäle =
Gastzimmer, zu lat. hospilalis = gastlich, gastfreundlich]: I.
Ikleineres] Krankenhaus: Wir liegen in einem katholischen
H.. im gleichen Zimmer(Remarque. Westen 176). 2.
(veraltet) Pflegeheim. Altersheim; hospitalisieren [...tali'zr.ron]
<sw. V.; hat) [zu t Hospital] (Amtsspr.): (unter bestimmten
gegebenen Umständen zwangsweise] in ein Krankenixaus
od. Pflegeheim einweisen: Krankenhauseinweisungen, die
sich für die Patienten um so schwerwiegender auswirkten,
als sie ... weit von ihrem gewohnten Lebensraum entfernt
hospitalisiert würden (MM 14. 8. 71. 3); <Abl.:> Hospitali-
sknmg, die; -. -en; Hospitalismus [...lismus], der; -: 1.
(Psych., Med.) das Auftreten von physischen u.lod.
psychischen Schädigungen, die durch die Besonderheiten eines
Krankenhaus-, Anstalts- od. Heimaufenthaltes bedingt sind.
2. (Psych., Päd.) das Auftreten von Entwicklungsstörungen
u. Entwicklungsverzögerungen bei Kindern als Folge eines
Heimaufenthaltes im Säuglingsalter. 3. (Med.) Infektion
von Krankenhauspatienten od. -personal durch im
Krankenhaus resistent gewordene Keime; <Zus. zu 2:> Hospitaljsmus-
schaden, der (Psych., Med.): bei einem Kind auftretende
Schädigung, die durch Hospitalismus hervorgerufen worden
ist; Hospitalit, der; -en, -en (veraltet): in ein Hospital
Aufgenommener; Hospitalität [...li'te:t]. die; - [zu lat. hospitälitäs]
(veraltet): Gastfreundschaft; Hospitaliter [...'li:U?l. der; -s.
-: Mitglied einer Ordensgemeinschaft, die sich bes. der
Krankenpflege in Hospitälern widmet; HosphalsdiifT, das; -[e]s,
-e (veraltend): Lazarettschiff; Hospitant [...'tant], der; -en,
-en [t hospitieren]: I. (bildungsspr.) jmd.. der als Gast an
einer Unterrichtsstunde teilnimmt; Gasthörer an einer
Hochschule od. Universität. 2. (Pari.) fraktionsloser
Abgeordneter, der sich der Fraktion einer ihm nahestehenden Partei
als Gast anschließt; Hospitanz [...tantß], die; - (Pari.):
Gastmitgliedschaft in einer parlamentarischen Fraktion:
Hospitation [...ta't$io:n]. die; - (bildungsspr.): das Hospitieren: das
Kollegium der Schule saß zur H. mit ihm im Klassenraum
(Kant. Impressum 56); Hospitesse [...'tesol. die; -. -n
[Kunstwort aus T Hospital u. t Hosteß]: Frau mit einer
Ausbildung als Krankenschwester u. zugleich als
Sozialarbeiterin, die im Krankenhaus zur Betreuung bestimmter
Patientengruppen eingesetzt wird; hospitieren [...'ti:ran] <sw. V.;
hat) [lat. hospitäri = zu Gast sein, als Gast einkehren]:
I.Hospitant sein: bei einem Professor, in einer
Unterrichtsstunde h. 2. (selten) sich ohne eigentlich zugehörig zu sein,
als Gast. Teilnehmer in einem bestimmten Kreis aufhalten:
Stefan Zweig ... hospitierte an mancherlei Tischen im
..Odeon". im ..Terrasse" ... oder wie die Züricher Cafe's
sonst noch heißen mochten (K. Mann. Wendepunkt 283);
Hospiz [hos'pi:^]. -es. -e [eindeutschend für älteres Hospi-
tium < lat. hospitium = Herberge; Bewirtung;
Gastfreundschaft]: 1. bei einem Kloster befindliches Haus, in
1288
Hub-
dem bes. Pilger übernachten können. 2. Hotel od.
Fremdenpension, die in christlichem Geist geführt wird: ein
christliches H.
Hospodar [hospo'da.'g]. Gospodar. der; -s u. -en, -e(n] [ru-
män. hospodar < ukrain. gospodar] (hist.): Titel slawischer
Fürsten in Montenegro u. sein Träger.
Hostess« (eingedeutscht auch:) Hosteß [hos'tes, auch: '—],
die; -. ...tessen [engl, hostess. eigtl. = Gastgeberin]: 1.
junge weibliche Person, die auf Messen, bei Reisebüros,
in Hotels o. ä. zur Betreuung, Begleitung od. Beratung der
Gäste. Besucher. Reisegruppen o.a. angestellt ist: als H.
arbeiten. 2. Angestellte einer Fluggesellschaft, die im
Flugzeug od. auf detn Flughafen die Reisenden betreut. 3.
(verhüll.) Prostituierte, die ihre Dienste bes. über
Zeitungsannoncen anbietet: Claudia Hostess mit Zeit und Charme
(Abendpost 11. 10. 74. 12).
Hostie ['hostpl. die; -, -n [lat. hostia = Opfertier; Opfer.
Sühnopfer] (christl. Rel.): beim Abendmahl in der
lutherischen Kirche od. bei der Kommunion in der katholischen
Kirche dem Gläubigen gereichte Oblate, die den Leib Christi
symbolisiert: eine geweihte H.
Hpstien-: -behälter, der: Behälter. Gefäß, in dem die Hostie
aufbewahrt wird: -kelch, der: vgl. ^behalten -schrein, der:
a) vgl. ^behalten b) vgl. Tabernakel.
hostil [hDsti:l] <Adj.> [lat. hostllis] (bildungsspr. veraltet):
feindlich: Hostilität [hDstili't€:t]. die; -. -en [spätlat. hostili-
täs] (bildungsspr. veraltet): Feindseligkeit.
Hot [hat], der; -s, -s [engl.-amerik. hot = heiß, scharf,
heftig]: kurz für T Hot Jazz.
Hotdipotch ['hatjpotj]. das; -. -es [...iz]; svw. tHochepot.
Hot dog [hat 'dok). das. auch: der; -s. -s [amerik. hot
dog. eigtl. = heißer Hund, wohl als scherzh. Hinweis
auf die mögliche Herstellung aus Hundefleisch od. für
ein früheres dachshund sausage = Dackel Würstchen, da
dieses Würstchen im Vergleich zum normalen Frankfurter
(T Frankfurter) sehr klein ist]: in ein aufgeschnittenes
Brötchen gelegtes heißes Würstchen mit Ketchup od. Senf.
Hotel [ho'td], das; -s. -s [frz. hötel < afrz. ostel < spätlat.
hospitäle = Gast(schlaf)zimmer; vgl. Hospital]: (als
Gewerbebetrieb geführtes) Haus mit bestimmtem Komfort,
in dem Gäste übernachten bzw. fiir eine bestimmte Zeit
[des Urlaubsj wohnen können u. verpflegt werden: ein
erstklassiges, teures, billiges H; H. Adler; ein H. mit
fließendem, warmem u. kaltem Wasser; in einem H. übernachten,
absteigen; ein schwimmendes H. (Luxusschiff für größere
Reisen auf Flüssen u. bes. auf See): eine Woche H. (ugs..
Hotelaufenthalt) kostet 300 DM.
Hot^l-: -angestellte, der u. die: -bar. die; -bau. der <PI.
-bauten): Bau. Gebäude, in dem ein Hotel untergebracht
ist: -besitzen der; -betrieb, der: 1. svw. t Hotel: er steht
einem großen H. vor. 2. <o. PI.) das In-Betrieh-Sein eines
Hotels: der H. ruht im Winter; -bett, das: a) Bett in
einem Hotel: das H. war schlecht; b)
Übernachtungsmöglichkeit in einem Hotel: in diesem Ort gibt es wenig -en:
-boy, der; -defektiv, der: Detektiv, der in einem großen
Hotel arbeitet: -dieb. der; -diener. der (veraltend):
Hausdiener in einem Hotel: -direkter, der; -räch, das <o. PL):
svw. -gewerbe: gute Kenntnisse im H. haben; im H.
arbeiten; -fachsdiule, die: Fachschule für das Hotelgewerbe:
-fuhrer, der: vgl. -Verzeichnis: -gast, der; -geschirr. das:
-gewerbe. das; -halle, die: Foyer eines Hotels: -kaufmann,
der (Berufsbez.); -kette, die (Wirtsch.): Gruppe
gleichartiger Hotels an verschiedenen Orten, die zu dem gleichen
Unternehmen gehören: -koch, der; -kosten <P1.); -küche,
die: a) Küche eines Hotels: b) <o. PI.) Essen, wie es im
Hotel gekocht wird: Gasthausessen: er ist die H. leid; -lei-
tung, die: vgl. -direktor; -nachweis, der: vgl. -Verzeichnis;
-pabst, der: großes repräsentatives Hotel: -Pension, die:
einfacheres Hotel ohne großen Komfort: -personal, das;
-portier, der; -porzelbn, das: einfaches Porzellan, wie es
in Hotels üblich ist: -redinung, die; -restaurant, das:
Restaurant innerhalb eines Hotels: ^schiff, das: schwimmendes
Hotel (t Hotel); -Service, der: Gesamtheit der
Dienstleistungen, die für die Gäste eines Hotels erbracht werden: -Silber,
das: Legierung aus Kupfer u. Nickel für die Herstellung
von Tafelbestecken: -Stadt, die (abwertend): a)
Fremdenverkehrsort, an dem sich innerhalb kurzer Zeit viele große
Hotels angesiedelt luxben. die den gewachsenen Ort völlig
überwuchern: b) aus einer Ansammlung großer Hotels u.
ähnlicher Einrichtungen bestehendes touristisches Zentrum:
-Verzeichnis, das: Verzeichnis, das die Namen u. nähere
Angaben über die Hotels eines Ortes enthält: -zimmer,
das.
Hotel garni [-gar'ni:]. das: - -. -s -s [- -; frz. hötel garnl]:
Hotel, das nur Frühstück, aber keine warmen Mahlzeiten
verabreicht: Hotelier fhotc'Ue:], der; -s. -s [frz. hötelier]:
Eigentümer od. Pächter eines Hotels: Hotellerie [hoteta'ri:].
die; - [frz. hotellerie = Gasthaus] Gesamtheit der Hotels:
Hotelgewerbe: in dem verregneten Sommer war die H.
des Ortes mit ihrem Geschäft nicht zufrieden.
Hot Jazz, der; - - [engl.-amerik. hot jazz. eigtl. = „heißer44
Jazz] (Musik): scharf akzentuierter, oft synkopischer Stil
im Jazz: Hot money ['- m/\ni]. das; - - [engl.-amerik. hot
money]. (Wirtsch.): vgl. heißes Geld; Hot pants ['- pEnt£]
<P1.) [engl, hot pants. eigtl. = heiße Hosen; 1971 von
der englischen Modeschöpferin Mary Quant kreiert]: sehr
kurze, enganliegende Hose für junge Mädchen, die als
Straßenkleidung getragen wird.
hott! [hat] <Interj.) [mhd. hotte, zu: hotten: zum Laufen
antreiben]: Zuruf an ein Zugtier: vorwärts!: nach rechts!
(Ggs.: hüst); * einmal h. und einmal har sagen (ugs.; seine
Meinung. Ansichten ständig ändern). Vgl. hü!
Hotte ['hDtol. die; -. -n [spätmhd. hotte] (südwestd. Winzer-
spr.): Butte (2). Rückentragkorb.
HQttegaul, der; -s. ...gäule. Hottehü* das; -s. -s (Kinder-
spr.): Pferd.
hotten I'hDtn] <sw. V.; hat) [zu THot] (ugs.): zu Jazzmusik
mit stark rhythmisch akzentuierten Bewegungen tanzen.
Hpttepferdchen, das; -s. - (Kinderspr.): Pferd.
Hotter ['hste]. der; -s. - [H.u.] (österr. mundartl.) Feld-.
Besitzgrenze.
Hotto ['hatol. das; -s. -s (Kinderspr.): Pferd.
Houppelande [u'plä.d]. die; -. -s [...ä:d; (m)frz. houppelande.
H.u.] (Mode): Ende des 14. Jh.s in der burgundischen Mode
aufgekommenes langes, glockenförmig geschnittenes
Obergewand des Mannes.
Hourdi [ur'di]. der; -s. -s [frz. hourdi. zu: hourder = grob
ausmauern] (Bauw.): Hohlstein aus gebranntem Ton mit
ein- od. zweireihiger Lochung. der bes. zur Herstellung von
Decken verwendet wird.
Hovawart fho:favart], der. -s, -e [mhd. hovewart =
Hofwächter. Hofhund]: Wachhund von der Größe eines
Schäferhundes mit gedrungenem Körperbau u. langem schwarzem,
an den Beinen braunem Fell.
Hovercraft fho:vpkra:ft]. das; -s. -s [engl. Hovercraft. eigtl.
= Schwebefahrzeug]: Luftkissenfahrzeug: mit dem H.
fahren.
Howea [ho.vea]. die; -, ...een [...'ve:sn; nach der
australischen Lord-Howe-Insel]: als Zierpflanze beliebtes
Palmengewächs mit regelmäßig gefiederten Blättern u. stark
geringeltem Stamm.
hu! [hu:] <lnterj.) [mhd. hü]: 1. als Ausdruck des Sichfürch-
tens. Gruseins: hu, da ist es so dunkel! 2. als Ausdruck
des Abscheus, Ekels: hu, was für ein scheußliches Tier!
3. als Ausdruck einer plötzlichen Kälteempfindung: hu.
wie kalt ist es hier! 4. Ausruf, mit dem man jmdn. erschrek-
ken will: er machte hu. als wir den dunklen Raum betraten.
hü! [hy:] (Interj.): Zuruf an ein Zugtier: vorwärts!: halt!:
* einmal hü und einmal hott sagen! (ugs.; nicht wissen, was
tnan eigentlich will: seine Meinung ständig ändern).
Hub [hu:p]. der; -[e]s. Hübe ['hy:bd; zu theben] (Technik):
I. das Heben: der H. von Lasten; in einem H.
(Hebevorgang) faßt der Bagger 2 Kubikmeter Erdreich. 2. Weg.
den der Kolben im Zylinder von Kolbemnaschinen bei einem
Hin- u. Hergang zurücklegt.
Hub- (Technik): -brücke, die: Brücke, bei der der Überbau
angehoben werden kann, um die Durchfallt für Schiffe zu
ermöglichen: -höhe, die: meßbare Höhe, um die etw. mittels
Hub (I) angehoben wird: ^insel, die: im Flachwasser einer
Meeresküste eingesetzte Bohrinsel, deren Plattform so weit
über die Wasseroberfläche hinausgehoben ist. daß sie vom
Seegang nicht erreicht wird: -karren, der: svw. t -Stapler;
-räum, der: der Teil des Zylinders einer Kolbenmaschine,
in dem sich der Kolben beim Hub (2) hin u. herbewegt:
Meßgröße für die Leistung eines Kraftfahrzeugmotors: ein
Auto. Motor mit 1 600 cm3 H.. dazu: -raumsteuer, die:
von der Motorleistung abgeleitete Steuer für ein Kraftfalir-
zeug; ^roller, der: vgl. ^karren; -schrauber, der: senkrecht
startendes Drehflügelflugzeug (das auf kürzeren Strecken
bes. zur Beförderung von Personen eingesetzt wird):
1289
Hube
-Stapler, der: Hand- od. Elektrokarren, dessen Ladefläche
sich mechanisch heben u. senken läßt; Absetzwagen; ^vo-
hmen, das: vgl. -räum.
Hube [*hu:bd]. die; -. -n (landsch.): svw. tHufe.
Hubel [hu:bl], (auch:) Hübel [hy:bl], der; -s. - [mhd.hübel.
ahd. hubil] (veraltend, aber noch landsch.): a) Unebenheit
des Bodens 1: Beim kleinsten Hubel saust der Junge im
hohen Bogen in den Schnee (MM 4. 2. 72, 36); b) Hügel,
kleinere Bodenerhebung <Abl.:> hubelig <Adj.; nicht adv.)
(landsch.): a) uneben; b) hügelig.
hüben [hy:bn] <Adv.; nur in Opposition zu ..drüben"
gebraucht) [ziisgez. aus thie u. f\iben. eigtl. = hier auf
dieser Seite]: auf dieser Seite: der eine h. ( = neben einem
offenen Grab), der andere drüben, setzten sie das
Traggestell ab (Plievier. Stalingrad 8); Ü h. u./wie drüben (bei
beiden einander bekämpferden Parteien) gab es große
Verluste.
Huber [hu:bB], der; -s. - (landsch.): svw. tHufner.
Hubertusjagd [hu'bertos-L die; -. -en [nach dem
Schutzheiligen der Jäger, dem Lütticher Bischof Hubert (7./8. Jh.)]
(Jagdw.): traditionell am Hubertustag (3. Nov.)
stattfindende Jagd; Hubertusmantel, der; -s. ...mäntel (österr.): gerade
geschnittener, hochgeschlossener Mantel aus grünem Loden.
hübig[hy:bi<;] <Adj.; o. Steig.; nur attr.; nur in Opposition
zu „drübig" gebraucht) (ugs.): auf dieser Seite, hier an
diesem Ort (im Gegensatz zu drüben) bestehend o.a.: ...
wurde ... über -es und drübiges Wetter, Grummet und
Korn gesprochen (FAZ 7. 10. 61, 50).
Hübner ['hy:bnel. der; -s, - (landsch.): svw. tHüfner.
hübsch [hYpJ] <Adj.; -er, -este) [mhd. hüb[e]sch. mfränk.
hüvesch, hövesch (zu tHofl, für älter mhd. kurteis <
afrz. corteis (zu afrz. co[u]rt = Fürstenhof), also eigtl.
= sich so gesittet benehmend, wie es bei Hofe üblich
ist]: l.a) von angenehmem, gefälligem Äußeren; von einer
Erscheinung. Gestalt, mit Gesichtszügen, die Wohlgefallen
erregen: ein -es Mädchen, Kind; ein -er Junge. Mensch;
ein -es Gesicht; Es waren junge Männer .... zwei -e
Matrosen (Koeppen. Rußland 203); sie ist auffallend h.t gilt
als sehr h.; sich h. anziehen; h. aussehen; <subst.:) (ugs.:)
na, ihr zwei Hübschen, wie geht's euch denn?; <Abl.:)
b) so beschaffen, daß esjmdrn. gefallt, daß esjtnds.
Zustimmung findet, jnuis. Geschmack trifft: eine -e Wohnung;
die Gegend ist sehr h.; c) angenehm klingend: eine -e
Melodie; sie singt sehr h. 2. (ugs.) a) <nur attr.) ziemlich groß,
beträchtlich: ein -es Stück Arbeit; ein -es Sümmchen; b)
<intensivierend bei Adj. u. Verben) sehr, ziemlich: der
Koffer ist h. schwer; es war ganz h. kalt. 3. (nur adv.)
(ugs.) sehr angenehm, so wie man es sich wünscht; so. wie
es erwartet wird; mir ist es h. warm; sei h. brav; sie spielt
ganz h. (gut) Klavier. 4. (ugs. iron.) unangenehm, wenig
erfreulich: das ist ja eine -e Geschichte; das kann ja h.
werden (unangenehme, böse Folgen haben); <subst.:> da
hast du dir ja was Hübsches eingebrockt; Htybsdiheit. die;
- [mhd. hübescheit] (selten): das Hübschsein (1); Hübschling
ChYpJliol. der; -s. -e (ugs. abwertend): gutaussehender, eitel
wirkender Mann.
hudi! [hux] <Interj.> 1. Ausruf des [gespielten] Erschreckens.
Abscheus u. ä.: h., eine Schlange! 2. Ausruf, der eine
unangenehme Körperempfindung ausdrückt: h.. wie kalt ist
es hier!
Hudien [hu:xn], der; -s - [spätmhd. huchen. H.u.]: bes.
in der Donau vorkommender, dem Lachs äJmlicher großer
Raubfisch mit bräunlichem bis grauem Rücken, rötlichen
Seiten mit schwarzen Flecken u. weißlichem Bauch, der
als Speisefisch geschätzt wird.
Hucke fhuka]. die; -. -n [frühnhd. hucke = Bündel des
Hausierers, Hausierkram. T'Hocke] (landsch.): I. svw.
t 'Hocke (1). 2. auf dem Rücken getragene od. zu tragende
Last: Die Täler... auf und ab rennt mit ihrer H.
selbstgefertigter Holzlöffel... die... Händlerin Marie Fink (Fr. Wolf,
Zwei 10); (scherzh. verhüll, in den folgenden Wendungen
statt des Rückens selbst:) * jmdm. die H. voll hauen (ugs.;
jmdn. verprügeln): jmdm. die H. voll lügen (ugs.; jmdn.
dreist belügen, anlügen): sich <Dativ) die H. voll lachen
(ugs.; längere Zeit über etw. herzlich lachen): die H. voll
kriegen (ugs,; kräftig verhauen werden): sich <Dativ) die
H. voll saufen (salopp; sich betrinken).
Huckel [hokl] usw.: vgl. Hubel usw.
hucken ['hukn] <sw. V.; hat) [eigtl. = in gebückter Stellung
eine Last zum Tragen aufnehmen, zu t Hucke] (landsch.):
a) eine Traglast auf den Rücken nehmen; aufhucken: jmdm.,
sich etw. auf den Rücken h.; b) eine Trag last auf dem
Rücken tragen: einen schweren Sack h.; huckepack
[hokapak] <Adv.) [niederd. huckeback, aus: hucken =
eine Last auf den Rücken nehmen u. back = Rücken,
vgl. back] in den Wendungen jmdn., etw. h. tragen (ugs.:
auf dem Rücken tragen): das Kind, den Sack h. tragen;
jmdn.« etw. h. nehmen (ugs.; auf den Rücken nehmen u.
so tragen): [bei/mit jmdm.] h. machen (ugs.; von jmdm.
auf den Rücken genommen u. so getragen werden):
Huckepackverkehr, der; -s (Eisenb.): Beförderung von
Straßenfahrzeugen auf speziell hierfür eingerichteten Güterwagen der
Eisenbaßm; Huckepackwaggon, der; -s. -s: Waggon für den
Huckepack verkehr.
Hude ['huxb]. die; -. -n [mhd. (md.) hüte, höde, eigtl. =
Ort, wo man etw. bewacht, zu: huoten. mnd. höden.
thüten (landsch.): Viehweide.
Hudel [hu:d|]. der: -. -[n] [spätmhd. hudel] (veraltet, noch
landsch.): 1. Lappen. Lumpen. Stoffetzen. 2. liederlicher
Mensch; Hudelei [hu:ddl%i], die; -. -en (landsch.): 1. <o.
PI.) dauernde, tmchlässige. unsorgjältige Arbeitsweise. 2.
zu schnell u. nachlässig, ohne Sorgfalt ausgeführte Arbeit.
3. Schererei, Plage: mit etw. viel H. haben. 4. svw. t
Lobhudelei: ..Ich hab euch nicht vergrämen wollen, allerliebste
Leute..." Die H. verfing bei Vater Gustav nicht
(Strittmatter. Wundertäter 64); Hudeler, Hudler [hu:d(3)le]. der;
-s, - (landsch.): jmd., der ohne Sorgfalt, nachlässig arbeitet:
hudelig. hudlig ['hu:d(a)li^l <Adj.) (landsch.): nachlässig,
unsorgfältig; hudeln ['hu:d|n] <sw. V.; hat) [zu T Hudel;
eigtl. wohl = zerfetzen] (landsch.): I. bei einer best. Arbeit
zu schnell u. dadurch unsorgfältig sein: die Handwerker
haben gehudelt; du darfst bei den Schularbeiten nicht
h.; R nur nicht h. (nur langsam, nichts überstürzen!) 2.
jmdn. schlecht behandeln, zurechtweisen.
hudern l'hu'.den] <sw. V.; hat) (landsch.. fachspr.): a) (von
der Glucke) die Küken unter die Flügel nehmen, um sie
zu wärmen od. zu schützen: Die Mutter ... verliert den
Trieb zu h. zu einer bestimmten Zeit nach dem Schlüpfen
der Jungen (Lorenz, Verhalten I. 163); b) (von Vögeln)
im Sand baden: der Vogel hudert [sich].
Hudler: T Hudeler; hudlig: f hudelig.
Hudri-Wudri [hu:dri:vu:dri:]. der; -s, -s [Wortspielerei
zur Bez. des unruhigen Gehabens] (österr. ugs.):
unruhiger, nervöser, unkonzentrierter Mensch.
Huerta [yerta]. die; -. -s [span. huerta. zu: huerto = Garten
< lat. hortus]: künstlich bewässertes, intensiv genutztes
Gemüse- u. Obstland im Umkreis größerer Siedlungen in
Spanien.
huf! [hu:f) hüf! [hy:f) <lnterj.) (landsch.): Zuruf, mit dem
der Fuhrmann sein[e] Zugtierie] antreibt: zurück!
Huf [-], der; -[e]s, -e [mhd.. ahd. huof): 1. von einer dicken
Hornschicht umgebenes unterstes Zehenglied der mittleren
Zehe bei Unpaarhufern: Pferde und Esel haben -e. 2. kurz
für t Pferdehuf: dem Pferd die -e beschlagen; mit den -en
stampfen.
huf-. Huf-: -beschtog, der: 1. <o. PI.) das Beschlagen der
Pferdehufe mit Hufeisen: einen H. vornehmen lassen. 2.
<P1. selten) die Hufeisen, mit denen ein Pferd beschlagen
ist. dazu: ^besdilagsdimied, der (Berufsbez.); weisen, das:
flaches, in der Form dem äußeren Rand des Pferdehufs
angepaßtes geschmiedetes Eisenstück, das als Schutz auf
die Unterseite des Hides aufgenagelt wird: das Pferd hat
ein H. verloren; ein H. als Glücksbringer über die Tür
hängen; Ü das Schloß bildet mit seinen beiden Seitenflügeln
ein H. (hat eine Anlage, die in ihrem Grundriß an ein
Hufeisen erinnert), dazu: -eisenform, die <o PI.): die Tische
in H. aufstellen, ^eisenfbrmig <Adj.; o. Steig.): wie ein
Hufeisen geformt, angeordnet o.a.. ^eisenklee, der [nach
den hufeisenförmigen Gliedern der Hülsenfrucht]: krautige
Pflanze mit kleinen, duftenden gelben Blüten, die in Dolden
stehen, -eisenmagnet.der: Magnet in Hufeisenform, ^eisen-
niere. die (Med.): angeborene Mißbildung der Nieren, die
in einer Weise miteinander verwachsen sind, daß sie etwa
die Form eines Hufeisens bekommen haben; ^gekbpper.
das: das Klappern der Pferdehufe auf dem Straßenpflaster;
-getrappel, das: vgl. -geklapper; -tottich, der [nach den
hufeisenförmigen Blättern]: auf Äckern u. Schutthalden
wachsende, sehr früh im Frühjahr blühende Pflanze mit
rundlich-herzförmigen Blättern u. leuchtend gelben Blüten
auf schuppig beblätterten Stengeln, aus der ein Heilmittel
1290
Huhn
Ketten Husten u. Bronchialkatarrh gewonnen wird; -nagel,
der: Nagel, der bei der Befestigung des Hufeisens verwendet
wird; -schlag, der: I. das Aufschlagen der Hufe beim Gang
des Pferdes; Gedämpfter H. der Pferde im Sägemehl der
Reithalle (Strittmatter. Wundertäter 322); sie hörten von
ferne den H. der Pferde (Pferdegetrappel). 2. das
Ausschlagen eines Pferdes; Schlag mit dem Huf: er wurde durch
einen H. verletzt. 3. (Reiten) Weg. auf dem das Pferd
in der Reitbahn geht, zu 3: -sdihgfigur, die (Reiten): Figur,
die beim Dressurreiten auf der Bahn beschrieben werden
muß; -schmied, der: vgl. -beschlagschmied; -schmiede,
die; -der, das (Zool.): Säugetier, dessen unterste
Zehenglieder als Hufe od. Klauen ausgebildet sind.
Hufe, die; -. -n [in md.-niederd. Lautung hochspr. geworden
(vgl. mniederd. hove); mhd. huobe. ahd. huoba. wohl
urspr. = eingezäuntes Land]: (im MA.) an den
Bedürfnissen einer durchschnittlichen bäuerlichen Familie gemessene
Menge Land (altes. 7 bis 15 Hektar umfassendes Feldmaß).
hufen rhu:fn] (auch.) hüfen ['hy:fn] <sw. V.; hat) [zu thuf,
hüf!] (landsch.): (von einem Zugtier, auf das Kommando
des Fuhrmanns hin) rückwärts gehen: das Pferd huft.
Hufendorf, das [zu tHufe]: dörfliche Siedlungsform, bei der
die Höfe auf einer od. auf beiden Seiten einer durchgehenden
Straße aufgereiht sind u. das zugehörige Ackerland sich
unmittelbar an die Häuser anschließt.
HüfTe ['hYfo] usw.: THiefe usw.
Hufher ['hu.fm?]. Httfner [hy:fnB]. der; -s. - [mhd. huob(e)-
ner. zu THufe] (veraltet): Besitzer einer \Hufe.
hüft-, Hüft- fhYft-1: -bein, das (Anat.): aus Darm-. Sitz-
u. Schambein verschmolzener Knochen des Beckens (2 c);
-betont <Adj.; nicht adv.): (von bestimmten Kleidungsstük-
ken) durch Schnitt od. Form die Hüften bes. betonend;
-einsät/, der (Leichtathletik): für das Gehen
charakteristische Bewegungen mit der Hüfte; ^eng <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.>: (von bestimmten Kleidungsstücken) über der
Hüfte eng anliegend; -flacon, der (selten): kleine, flache
l Schnaps ]flasche, die man in der Tasche bei sich tragen
kann; -gelenk, das (Anat.): Kugelgelenk, durch das der
Oberschenkel mit dem Hüftbein verbunden ist. dazu: -ge-
lenkentzündung. die (Med.): entzündliche Erkrankung des
Hüftgelenks, -gelenkhixation, die (Med.): Mißbildung, die
auf einer mangelhaften Ausbildung der Hüftgelenkpfanne
od. einer Unterentwicklung des Oberschenkelkopfes
beruht, -gelenkpfanne, die (Anat.): Gelenkpfanne des
Hüftgelenks; -gürtel, der: von Frauen getragener schmaler
Hüfthalter, der bes. dem Zweck dient, die Strwnpfe zu befestigen;
-halter, der: von Frauen getragenes Wäschestück, das dazu
dient, die Strümpfe zu befestigen u. die Figur zu formen;
-hoch <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): (vom Boden) bis zur
Hüfte reichend: hüfthohes Gras; h. unter Wasser stehen;
-höhe, die <o. PI.); -hörn, das: svw. tHifthorn; -hose,
die: enge Hose da), deren oberer Abschluß nur bis zur
Hüfte reicht, die fest auf der Hüfte sitzt; -knochen, der:
svw. Nbein; -lahm <Adj.; nicht adv.): durch schmerzende
od. krankhaft veränderte Hüftgelenke beim Gehen
beeinträchtigt: ein -es Pferd; -lang <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>:
(in bezug auf Kleidungsstücke, die den Oberkörper bedek-
ken) bis zur Hüfte reichend: eine -e Jacke; -leiden, das:
Leiden, das durch eine krankhafte Veränderung am
Hüftgelenk hervorgerufen wird; ^nerv, der: svw. T Ischiasnerv;
-pfanne, die: svw. T -gelenkpfanne; -rock, der:
Damenrock, der auf der Hüfte aufsitzt; -schmerz, der (meist Pl.>;
-schwung. der: 1. <o. PI.) Rundung der weiblichen Hüfte:
Ein Kleid mit langer ... Weste versteckt zuviel H. (Petra
8, 1967, 25). 2. (Turnen) am Reck ausgeführtes Vor- u.
Rückschwingen der Beine aus dem Streckhang. 3. (Ringen)
Griff, bei dem der Angreifer einen Arm des Gegners blockiert,
seinen Nacken umfaßt u. ihn durch schnelles seitliches
Beugen des Oberkörpers mit einem Schwung über die Hüfte
zieht; -umfang, der: svw. ? -weite; -Umschwung, der: 1.
(Turnen) svw. t 'Felge (2). 2. (bes. Feldhandball) beidhändig
ausgeführter Wurf, bei dem der Ball auf der einen Kör per seife
gefangen u. nach schneller Körperdrehung auf der anderen
Seite geworfen wird; -Verrenkung, die: Verrenkung des
Hüftgelenks; -wackter, der (Leichtathletik Jargon): Geher,
der bes. stark mit der Hüfte hin u. her pendelt; -weh.
das (veraltend, selten): svw. t Ischias; -weite, die
(Schneiderei): um die Hüften gemessener Umfang einer Person: die
H. messen; -wurf, der (Ringen): Griff, bei dem der Gegner
über die Hüfte geschwungen u. zu Boden geworfen wird.
Hüfte l'hYfb], die; -, -n [urspr. PI. mit sekundärem t zu
mhd.. ahd. huf. eigtl. = Biegung am Körper, gebogener
Körperteil]: 1. seitliche Körperpartie unterhalb der Taille:
die Arme in die -n stemmen; sich beim Gehen in den
-n wiegen; er faßte sie um die H.; aus der H. schießen
(beim Schießen das Gewehr, die Pistole in Hüfthöhe halten);
♦aus der Hüfte geschossen/gefeuert (ugs.; ohne gründliche
Vorher ei tutig). 2. <o. PI.) (Kochk.) Fleischstück aus der
Hüfte eines Schlachttieres, bes. des RintJes: <Zus. zu 1:)
Hijftengürtel, der (Schweiz.): svw. tHüftgürtel.
Hüftenhalter, der (Schweiz.): svw. t Hüfthalter.
Hügel [hy:g|]. der; -s. - [ablautende Vkl. zu mhd. houc.
ahd. houg. verw. mit thoch]: 1. kleinere, sanft ansteigende
Bodenerhebung, kleiner Berg: bewaldete H.; einen H.
besteigen: Ü er schwärmte von den Hügeln (dichter, verhüll.;
Brüsten) seiner Geliebten. 2. (dichter.) kurz für tGrabhü-
gel. 3. aufgehäufte Menge von etw.: zwischen kleinen -n
von Kokosmehl ... würde er ihr zulächeln (Böll. Haus
38).
hüsel-, Hügel-: -ab [-'-] <Adv.) (geh.): den Hügel hinab
(Ggs.: hügelan. -auf); Min [-'-] <Adv.) (geh.): den Hügel
hinauf (Ggs.: hügelab); -auf [ '-] <Adv.) (geh.): den Hügel
hinauf (Ggs.: hügelab): die ... im Sommerwind wogenden,
h., hügelab schwingenden Weizenmeere (Kuby, Sieg 276);
-gelände, das; -grab, das (Archäol.): Grab aus vor- od.
frühgeschichtlicher Zeit unter einer Aufschüttung aus Erde.
Steinen o.a.. meist von ungefähr kreisförmigem Grundriß.
dazu: -gräberkultur, die (Archäol.): nach der
vorherrschenden Bestattungsform (in Hügelgräbern) benannter Abschnitt
der Bronzezeit in Mitteleuropa; -haus, das: auf ebenen
Baugrund übertragene Bauform des Terrassenhauses, bei
der jedes Stockwerk gegenüber dem darunterliegenden um
einige Meter zurückgesetzt ist. so daß eine in Terrassen
aufgegliederte Fassade entsteht; -kette, die: Aideinanderfol-
ge von Hügeln als zusammen/längende Landschaftsform;
-land, das <PI. -länder) hügeliges Land; -hndsdiaft. die;
-reich <Adj.; nicht adv.): (von einer Landschaft) reich
an hügeligen Regionen; -Stadt, die: auf einem Hügel erbaute
Stadt; -zug, der: vgl. -kette.
hügelig, hüglig ['hy:g(3)li$ <Adj.): (von einer Landschaft)
Hügel aufweisend.
Hugenotte [huga'nstd]. der: -n. -n [frz. Huguenot. entstellt
aus ? Eidgenosse]: 1. An/iänger des Kalvinismus in
Frankreich. 2. Nachkomme eines zur Zeit der Verfolgung aus
Frankreich geflohenen Kalvinisten.
Hughestelegraf [hju.z-]. der; -en. -en [nach dem engl. Physi-
kerD. E. Hughes(183M900)]: Telegrafier am Empfänger
direkt Buchstaben ausdruckt.
hüglig: t hügelig.
Hugo [hu:go]. der; -s. -s [H.u.. viell. aus der Soldatenspr.
unter Einfluß v. frz. haut-goüt = würziger Geschmack]
(ugs.): Kippe einer Zigarette: Aus der Westentasche zog
er zwei Ajnk.Kipfen" - dicke -s - mit jeder Hand einen
(Kempowski. Uns 139).
huh!: thu'
hüh!: thü!
Huhn [hu:n]. das; -[e]s, Hühner ['hy:nB; mhd., ahd. huon]:
l.a) <Vkl. t Hühnchen) größerer, kaum flugfähiger Vogel
mit gedrungenem Körper, verschiedetifarbigem Gefieder,
einem fleischigen roten Kamm auf dem Kopfu. zwei
Hautlappen auf der Unterseite des Halses unter dem Schnabel,
der. in vielen verschiedenen Rassen gezüchtet, wegen seiner
Eier und seines Fleischs in größerer Anzahl als Geflügel
gehalten wird; Haushuhn: die Hühner scharren, sitzen auf
der Stange; Hühner halten; sie saßen da wie die Hühner
auf der Stange (scherzh.; dicht nebeneittander aufgereiht):
sie lief umher wie ein aufgescheuchtes H.. wie ein kopfloses
H. (ugs.; aufgeregt, nervös): R da lachen [ja] die Hühner
(ugs.; [in bezug auf eine Behauptung. ÄußerungI das ist
ganz unsinnig, lächerlich): Spr ein blindes H. findet auch
einmal ein Korn (auch dem Utifähigsten gelingt einmal
etwas [häufig scherzh. von der eigenen Person gebraucht]):
*nadi jmdm., etw. kräht kein H. und kein Hahn (ugs.;
niemand interessiert sich für od. kwnmert sich um eine
best. Person od. Sache): aussehen, als hätten einem die
Hühner das Brot weggefressen (ugs.; verwundert, ratlos
dreinsehen): mit den Hühnern aufstehen, zu Bett gehen,
Schlafengehen (scherzh.; gewohnheitsmäßig sehr früh
aufstehen, zu Bett gehen): b) svw. t Henne: die Hühner gackern,
brüten, glucken, legen Eier; (Kochk.:) gekochtes, gebrate-
1291
Hühnchen
nes H.; H. (Hühnerfleisch) mit Reis; * das H.. das goldene
Eier lest, schlachten (törichter- od. unvorsichtigerweise sich
selbst die Grundlage seines Wohlstandes entziehen: nach
der Fabel von J. de La Fontaine. 1621-1695). 2. (Jägerspr.)
kurz für t Rebhuhn: Hühner stehen auf. fallen ein. 3. (ugs.)
Mensch. Person (in Verbindung mit bestimmten Attributen;
häufig als Schimpfwort): so ein verdrehtes, verrücktes,
dummes H.!; er ist ein leichtsinniges, fideles.
versoffenes H.
Hühnchen ['hy:n<pn], das; -s. -: tHuhn da): Ü was macht
denn unser krankes H. (fam.; unser kleiner Patient)!: *mit
jmdm. [noch] ein H, zu rupfen haben (ugs.; mit jmdm. noch
etw. zu bereinigen, einen schon länger zurückliegenden Streit
auszutragen haben).
hühner-. Hühner-, -artig <AdJ.; o. Steig.; nur attr.): den
Hühnern ähnlich, verwandt: -e Vögel; -äuge, das [wahrsch.
LÜ von mlat. oculus pullinus]: gewö/mlich durch Druck
von beengenden Schuhen hervorgerufene f schmerzende J
kegelförmige Verdickung der Hornhaut an den Füllen, bes.
auf der Oberseite der Zehen: ein H. entfernen lassen; es
war so voll, daß man sich gegenseitig auf die -n trat
(scherzh.; es war sehr voll); * Jmdm. auf die -n treten (ugs.:
1. jmdn. mit einer Äußerung, einem bestimmten Verhalten
an einer empfindlichen Stelle treffen. 2. jmdn. nachdrücklich
an etw. erinnern, was er noch nicht erledigt hat), dazu:
-augenpfbster. das: Salizylpflaster. durch das sich ein Hü/i-
nerauge auflösen soll, -befgel, das: -s. -[n] [wohl zu: Beigel
= mundartl. für: Beihel = südd. (veraltete)Nebenf. von
T Beil; wahrsch. wegen der einem kleinen Beil ähnlichen
Form des Schlegels] (österr.): Schlegel od. Flügel eines
geschlachteten Huhns: -bein, das; -blind <Adj.; o. Steig.)
(landsch. scherzh.): nachtblind: -brühe, die: heim Kochen
eines Suppenhuhns gewonnene Fleischbrühe: -brost, die:
1. (Med.) meist rachitisch bedingte Verformung des
Brustkorbs mit keilartigem Vorspringen des Brustbeins u.
seitlicher Eindellung im Bereich der Rippen. 2. (ugs.) (bes.
von männlichen Personen) schmaler, flacher Brustkorb eines
schmalwüchsigen Menschen, dazu: -brüstig [...brYsti^]
<Adj.; o. Steig.; nicht adv): flachbrüstig: ein schlanker
... Intellektueller, nicht gerade h.. aber zierlich (Frisch.
Gantenbein 364); -dieb, der: I. jmd.. der Hü/iner stiehlt.
2. (salopp, meist scherzh.) männliche Person, der man Übles
zutraut: na. du alter H.; -dreck, der (ugs. abwertend):
Kot von Hühnern: -düng, der: bei der Hühnerhaltung atxfal-
lender. als hochwertiger Dünger verwendeter Mist: -«i, das:
Ei des Huhns, dazu: -eigroß <Adj.; o. Steig.; nicht adv.):
etwa von der Größe eines Hüfmereis: -eiweiß. das; -farm.
die; -feder. die; -fleisch, das; -frikassee, das; -futter.
das: -gegacker. das; -habicht, der: zu den Habichten (I)
gehörender großer Greif vogel, dessen Oberseite eine dunkel
aschbraune Färbung mit weißem Streifen über den Augen
u. dessen Unterseite ein gesprenkeltes Gefieder anweist:
-halter, der. jmd.. der aus wirtschaftlichen Gründen Hühner
hält: -haltung. die; -haus, das: vgl. -stall; -haut, die
(österr.. Schweiz.): svw. TGänsehaut; -hof, der: größerer
Auslauf für Hühner, dazu: -hofpsydiologie. die (veraltend):
vgl. Hackordnung (b); -hund. der: svw. T Vorstehhund;
-iagd. die: Jagd auf Rebhühner: -junge, das; -n (österr.):
svw. t -klein; -klein, das; -s: vgl. Gänseklein; -laus, die:
im Gefieder von Hühnern lebender Federling: -leber, die:
Leber von geschlachteten Hüfmern. die zu bestimmten
Gerichten verarbeitet wird: -leiten die: 1. kleine Leiter an
der Außenseite des Hühnerstalls, über die die Hühner den
Einschlupf in bestimmter Höhe über dem Boden erreichen:
R das Leben ist eine H.. kurz und beschissen. 2. (scherzh.)
schmale, steile Treppe I in einem engen Treppenhaus]: -ma-
gen. der; -mist. der: svw. t -düng; -pastete. die: Pastete
aus Hühnerfleisch: -pest. die (Tiermed.): bei Hühnern
auftretende, meist zum Tod führende Viruskrankheit: -rasse.
die; -sabt. der: Geflügelsalat aus Hühnerfleisch: -scheiße,
die (derb): svw. t-dreck; -schenke!« der (selten): svw.
t -schlegel; -sdilegel, der: Bein eines geschlachteten Huhns:
-stall, der. -steige, die (südd.. österr.): 1. svw. t-leiter.
2. Käfig» in dem man Hühner transportieren kann: -stiege.
die: svw. t-leiter: -suppe. die: svw. t-brühe: -treppe.
die: svw. t-leiter; -vogel, der <meist PI.): Vertreter einer
weltweit verbreiteten Ordnung großer, auf dem Boden
lebender Vögel, mit kurzen Flügeln, stark entwickelten, zum
Scharren geeigneten Füßen u. kurzem, kräftigem Schnabel,
deren männliche u. weibliche Tiere meist unterschiedlich
gefärbt sitid: -volk. das: Gruppe von Hühnern auf dem
Hühnerhof: -zucht, die: 1. <o. PI.) das Aufziehen von
Haushühnern. 2. Betrieb, der sich mit der Aufzucht [u. Haltung j
von Haushühnern befaßt: -Züchter, der.
huhu! (Interj.): 1. [*hu:hu] (ugs.) Zuruf an jmdn.. der von
dem Rufenden abgewandt ist od. sich in einiger Entfernung
von ihm befindet u. den er auf sich aufmerksam machen
möchte; hallo: h.. komm doch bitte noch mal zurück!
2. [huhu:] a) zum Ausdruck einer plötzlichen
Kälteempfindung: h.. wie kalt!; b) Ausruf, durch den man jmdn. zu
erschrecken sucht od. durch den man scherzhaft eigene
Furcht zum Ausdruck bringt: h., hier spukt's!
hui! [hqj] <Interj.>: a) lautm. für ein Sausen. Brausen, für
eine schnelle Bewegung o.a.. die ein Sausen. Brausen
erzeugt: h., wie das stürmt!; und h.. war der Wagen vorbei;
Ü bei ihm muß immer alles h. (ugs.; schnell, ohne
Überlegung) gehen; R außen h. und innen pfui (t außen 1); oben
h. und unten pfui (loben); <subst.:) *im Hui/in einem
Hui (ugs.; sehr schnell /u. dadurch unsorgfältig/): im H.
war er fertig; das ging in einem H.; b) svw. Thoi: h.,
das hast du fein gemacht.
huius ami [hujos ani; lat.] (Amtsspr.. Kaufmannsspr.
veraltet): dieses Jahres (Abk.: h. a.): am 1. Januar h. a.;
huius mensis ['- 'menzis; lat.] (Amtsspr.. Kaufmannsspr.
veraltet): dieses Monats (Abk.: h. m.): am 1. h. m.
Huk [hok]. die; - [niederl. hoek. eigtl. = Haken] (See-
mannsspr.): Landzunge, die den geradlinigen Verlauf einer
Küste unterbricht.
Huka ['hu:ka]. die; -, -s [arab. buqqa]: indische Wasserpfeife.
Hukboot ['huk-]. das; -[e]s, -e [niederl. hoekboot]: Beiboot
eines Hukers. Leichter: Huker ['buk*], der; -s. - [niederl.
hoeker]: breites, flaches Segelschiff, das in der
Hochseefischerei eingesetzt wurde.
Hub [hu:la]. die; -. -s. auch: der; -s. -s [hawaiisch hula
(-hula)]: [kultischerI Tanz der Eingeborenen auf Hawai:
Hula-Hoop [- hup], (ugs.:) Hula-HQPP, der od. das; -s.
-s [amerik. Hula-Hoop, aus tHula u. hoop = Reifen;
2. Form unter Anlehnung an t hopp]: a) größerer Reifen
aus leichtem Material, den tnan über den Kopf hebt u.
durch kreisende Bewegungen des Körpers im Bereich der
Hüften kreisen läßt: b) <o. PI.) gymnastische Übung, die
mitdem Hula-Hoop (a) ausgeführt wird: Hula-Hoop-Reifen,
der: svw. T Hula-Hoop (a).
Huld [hult]. die; - [mhd. hulde. ahd. huldi = Gunst.
Wohlwollen. Freundlichkeit; Treue. Ergebenheit; Schutz, zu
thold] (geh. veraltend, noch iron.): Freundlichkeit.
Wohlwollen. Gunstbeweis, den jmd. einem ihm gesellschaftlich
o.a. Untergeordneten [mit einer gewissen Herablassung]
zuteil werden läßt: Sie kannte genau die Ehrbedürfnisse
der Gnädigen aller Gesellschaftsschichten.... bis zur
wegwerfenden H. wirklicher Aristokratinnen (Werfel, Himmel
204); Hulda ['hulda]. die; -. -s [nach dem w. Vorn. Hulda
(zu ahd. hold = gnädig, günstig; treu), der im 19. Jh.
Verbreitung fand u. später bes. durch den Schlager ..Ist
denn kein Stuhl da für meine Hulda" bekannt wurde]
(salopp abwertend): weibliche Personals Freundin.
Begleiterin eines Mannes, als Ehefrau: huldigen ['huldign] <sw.
V.; hat) [spätmhd. (niederd.) huldighen]: 1. (früher) sich
einem Herrscher durch ein Treuegeli)bnis unterwerfen: dem
König, dem Landesfürsten h. 2. (geh. veraltend) jmdm.
durch eine best. Handlung, durch sein Verhalten seine
Verehrung zu erkennen geben: das Publikum huldigte dem greisen
Künstler mit nicht endenwollendem Beifall; Ü die Stadt
ist schön, und ein ... Dichter stieg auf den Turm von
St. Stephan und huldigte ihr (Bachmann, Erzählungen
100). 3. (geh., öfter leicht iron.) einer Sache mit
Überzeugung anhängen, etw. mit [übertriebenem] Eifer vertreten:
einer Anschauung, einem Grundsatz, einer Mode h.; Pulver
huldigte der weitverbreiteten These, daß Glück ... nur
der Tüchtige habe CKirst. Aufruhr 164); er huldigt dem
Alkohol (trinkt gerne Alkohol): er huldigt dem Kartenspiel
(frönt der Leidenschaft des Kartenspielens): <Abl.:>
Huldigung, die; -. -en [spätmhd. huldigung]: 1. (früher)
Treuegelöbnis eines Untertanen gegenüber einem
Landesherrn: Die Witteisbacher ... erkannten ihn als ... König
an. leisteten ihm H. (Feuditwanger. Herzogin 94). 2. das
Huldigen (2); E/irung: Zeichen der Ehrerbietung: eine H..
-en entgegennehmen, darbringen; Die Blumen waren eine
H. an die Dame des Hauses; <Zus.:> HgkJigungsgedkht.
das (veraltet): Gedicht, in dem eine Huldigung (2) an jmdn.
1292
Humanismus
zum Ausdruck gebracht, der Adressat des Gedichts gefeiert
wird; Hyldin, die; -. -nen [im 17. Jh. gepr. für tGrazie
(2)] (veraltet, noch scherzh.): anmutige weibliche Person;
Mädchen: Es kommen auch Mädels mit ihren Kavalieren;
der Tip (= Trick beim Spielen an einem Automaten) dieser
-nen. schlanker und stämmiger in grellfarbigen Jumpers
(Fr. Wolf. Zwei 32); hgldreich <Adj.) (geh. veraltend, heute
meist iron.): jmdm. seine Huld zuteil werden lassend, in
einer bestimmten Handlung erkennen lassend; ein -er Blick
wurde ihm zuteil; den Grafen zieht der Papst h. zu sich
empor (Hochhuth. Stellvertreter 155); hyldvoll <Adj.> (geh.
veraltend, heute oft iron.): ein -es Lächeln; wenn sie (= das
Pnnzenpaar) ... sich h. nach vorne und nach den Seiten
neigten (Zuckmayer. Fastnachtsbeichte 118).
Hülfe rhvlfo]:! helfen; Hülfe [-1. die (veraltet): t Hilfe; <Zus.:>
hilfsbereit <Adj.> (veraltet): thilfsbereit.
Hulk [hulkl. Holk [holk]. die; -. -e[n] od. der; -[e]s. -e[nl
[mhd. holche, ahd. holcho < mlat. holcas < (m)griech.
holkäs = Lastkahn] (Seew.): abgetakeltes, ausrangiertes
Schiff das vor Anker liegend als Unterkunft für
Mannschaften od. als Magazin. Werkstatt o. ä. verwendet wird.
Hüll- ['hvl-J: -Watt, das <meist PI.) (Bot.): Blatt, das
zusammen mit anderen die Fortpflanzungsorgane bei Moosen
umschließt od. die Knospen schützt; -kekh. der (Bot.):
rosettenartig angeordnete Blätter, die die Knospe eines
Korbblütlers umschließen; -kurve, die (Math.): svw. t Enveloppe
(I); -wort, das <P1. ...Wörter) (Sprachw.): Euphemismus.
Hülle fhuta], die; -. -n [tHülle]: im MA. übliche, aus weißem
Leinen bestehende Haube für Frauen, unter der das Haar
völlig verborgen war; Hijlle ['hyb]. die; -. -n [mhd. hülle
= Umhüllung; Mantel; Kopfluch. ahd. hulla = Kopftuch,
zu thüllen]: l.a) etw.. worin etw. (zum Schutz o.a.)
verpackt, womit etw. bedeckt, verhüllt ist; Umhüllung: eine
durchsichtige, schützende H. über etw. breiten; die H.
von etw. entfernen, abstreifen; (Käsesorten ...) die in
leckerer Goldwelle aus ihrer silbernen H. quellen (Th. Mann.
Krull 55); Ü (dichter.:) die bergende H. der Nacht umfing
sie; b) etw.. was für die Aufbewahrung o.a. bestimmter
Gegenstände vorgesehen ist u. in der Form diesen angepaßt
ist. sie fest umschließt: eine H. aus Plastik, für einen
Ausweis; die H. einer Schallplatte; den Brief in die H. (seltener;
Umschlag) stecken; Ü Unter dieser abstoßenden H.
(dichter.; einem häßlichen, in Lumpen gekleideten Körper) ...
verberge sich ein Mensch von hoher Geburt (Nigg.
Wiederkehr 89); die fleischliche, leibliche, irdische H. (dichter.;
der Körper des Menschen [im Gegensatz zu der nicht
materiellen SeelelY. die H. ehelichen (ugs. scherzh.; eine Frau
allein ihrer Attraktivität od. ihres Geldes wegen heiraten)'. *die
sterbliche H. (geh. verhüll.; der Leichnam eines Menschen).
2.a) (ugs. scherzh.) Kleidungsstück [das jmd. an/iatj: eine
wärmende, neue H.; seine, die -n abstreifen, fallen lassen
(sich entkleiden); sich aus seinen -n schälen (sich
entkleiden); b) *in H. und Fülle, (geh..) die H. und Rille (in
großer Menge, im Überfluß; urspr.: Kleidung [ = Hülle]
u. Nahrung [= Füllung des Magens], bezogen auf das
Allernotwendlgste zum Lebensunterhalt; ..Fülle" später
umgedeutet zu ..Überfluß"). 3. (Bot.) svw. T Hüllkelch;
hüllen fhYldn] <sw. V.; hat) [mhd. hüllen, ahd. hullan
= [einjhüllen. bedecken, verbergen, verw. mit t hehlen]
(geh.): *)jmdn.. sich etw. zum Schutz gegen äußere Einflüsse,
gegen Kälte o.a. in etw. [ein]wickeln, mit einer Umhüllung
versehen, mit etw. ganz bedecken: das Kind in eine Decke
h.; Blumen in Cellophanpapier h.; ich ... hüllte mich in
meine rotwollene Bettdecke (Th. Mann. Krull 24); Ü die
letzten Sonnenstrahlen ... hüllten die Gipfel des
Riedersteins ... in flammenden Purpur (Ott. Haie 307); der
Hergang des Unglücks blieb für alle Zeit in Dunkel gehüllt
(blieb verborgen, klärte sich nicht auf); b) schützend,
wärmend o.a. um jmdn.. sich. etw. herumlegen: Umdm.. sich]
ein Tuch um die Schultern h.; eine Zeltplane war um
das Denkmal gehüllt: hüllenlos <Adj.: o. Steig.): I. (nicht
präd.) unverhüllt, unverdeckt; so. daß man etw. in seinem
ganzen Ausmaß erkennen kann: die Fehler u. Schwächen
traten in dieser Beleuchtung h. zutage. 2. (scherzh.) ohne
jegliche Bekleidung; nackt: h. stand sie vor ihm.
Hülsdien l'hvlscan], das; -s. -: THülse; Hülse [hvlzD], die;
-. -n <Vkl. THülschen) [mhd. hülse, ahd. hulsa]: I.
röhrenförmige längliche, feste Hülle, in die man etw.
hineinstecken kann, die etw. fest umschließt, die Teil von etw.
ist: eine H. für einen Bleistift, für das Fieberthermometer;
die Weinflaschen stecken in -n aus Stroh; Ü Soldaten
.... leere -n. was einmal gefüllte, lebende Formen waren
(Plievier. Stalingrad 334). 2. (Bot.) längliche Frucht der
Schmetterlingsblütler, in der mehrere runde od. längliche
Samen nebeneinander aufgereiht sind, die in reifem Zustand
leicht herausgelöst werden können: Erbsen. Bohnen.
Lupinen haben -n; hülsen <sw. V.; hat),(selten): svw. tenthülsen.
Hülsen-: ^frudit. die <meist PI.): 1. eiweißreicher Same
bestimmter Schmetterlingsblütler, bes. von Erbsen. Bohnen.
Linsen, als wichtiger Bestandteil der menschlichen Nahrung:
gerne Hülsenfrüchte essen. 2. Pflanze, die Hülsenfrüchte
(1) trägt; Hülsenfrucht!IJer; -früchter, (häufiger:) -früdit-
ler [... Indulte], der; -s. - (Bot.): eiweißlialtige Gemüse-
u. Futterpflanze, die mehrere Samen enthaltende Früchte
in Form von Hülsen ausbildet; Leguminose.
hum! [hip] (veraltet): svw. thm!
human [hu'ma:n] <Adj.) [lat. hümänus; eigtl. = irdisch,
zu: humus = Erde, Erdboden]: I. (bildungsspr.) a) die
Würde des Menschen achtend, menschenwürdig (Ggs.:
inhuman): ein -es Verhalten; die Gefangenen h. behandeln;
die Städte müssen -er (dem Menschen u. seinen
lebenswichtigen Bedürfnissen angemessener) werden; b) ohne Härte,
nachsichtig: ein -er Chef; die Behörden waren in dieser
Zeit wenig h.; er könnte ein wenig -er mit uns umgehen.
2. <o. Steig.) (bes. Med.) zum Menschen gehörend, dem
Menschen eigentümlich, beim Menschen vorkommend: im
-en Bereich vorkommende Krankheitserreger.
Human- (human 2): -biologe, der: Wissenschaftler andern
Gebiet der Humanbiologie; ^biologie. die: Teilgebiet der
naturwissenschaftlichen Anthropologie, das sich bes. mit der
Entste/wng der menschlichen Rassen beschäftigt, dazu:
^biologisch <Adj.; o. Steig.); -genetik, die: Teilgebiet der
Genetik, das sich bes. mit der Erblichkeit der körperlichen
Merkmale u. der geistig-seelischen Eigenschaften des Menschen
befaßt, dazu: ^genetiker, der: Wissenschaftler auf dem
Gebiet der Humangenetik, -genetisch <Adj.; o. Steig.); Mnedi-
zin, die <o. PI.): die medizinische Wissenschaft, sofern sie
sich mit dem Menschen befaßt (im Unterschied zur
Tiermedizin), dazu: -mediziner. der. -medizinisch <Adj.; o. Steig.);
-Ökologe, der: Wissenschaftler auf dem Gebiet der
Humanökologie; -Ökologie, die: Teilgebiet der Ökologie,
das auf die Untersuchung der Beziehungen zwischen Mensch
u. Umwelt ausgerichtet ist. dazu: -ökologisch <Adj.; o.
Steig.); -Psychologe, der: Wissenschaftler auf dem Gebiet
der Humanpsychologie; -Psychologie, die: Teilgebiet der
Psychologie, das auf die Erforschung der menschlichen
Psyche ausgerichtet ist (im Unterschied zur Tierpsychologie).
dazu: -psychologisch <Adj.; o. Steig.); -versuch, der
(Med.): Erprobung einer (noch nicht gesicherten)
Heilmethode o. ä. am Menschen.
Human counter [hju.man 'k^intR],der; --s,- -[s] [engl, human
counter, zu: human = menschlich u. counter =
Zählmaschine] (Fachspr.): der Strahlenschutzüberwachung
dienendes, in einem vor Strahlen abgeschirmten Raum aufgestelltes
Meßgerät zur Bestimmung der vom menschlichen Körper
aufgenommenen u. wieder ausgehenden Strahlung; Human
engineering [• endsi'nonnl. das; - - [engl, human enginee-
ring. zu: engineering = Bedienung von Maschinen]:
Teilgebiet der Wirtschafts- u. Industriepsychologie, das sich mit der
Anpassung der Arbeitsplatzbedingungen an die Fähigkeiten
u. Bedürfnisse des arbeitenden Menschen befaßt; Humaniora
[huma'nio:ra] <P1.) [nlat. (studia) humaniora. eigtl. = die
feineren (Studien), zu lat. hümäniöra. s. Komp. PI. von:
hümänus = fein gebildet (t human)] (bildungsspr. veraltet):
das griechisch-rötnische Altertum als Grundlage der Bildung
u. als Lehr- u. Prüfungsfächer; humanisieren [...ni'zi:ren]
<sw. V.; hat): (bes. in bezug auf die Lebens- u.
Arbeitsbedingungen der Menschen) humaner, menschenwürdiger,
menschlicher, sozialer gestalten: es geht darum, die Arbeit,
den Strafvollzug zu h.; <Abl.:> Humanisjenmg, die; -:
Entscheidend für den Siegeszug der Gleitzeit... war der soziale
Aspekt: die H. der Arbeitswelt (MM 21. 6. 74. 15);
Humanismus [...'nismus]. der; - [zu T Humanist]: 1.
(bildungsspr.) (auf das Bildungsideal der griechisch-römischen
Antike gegründetes) Denken u. Handeln im Bewußtsein
der Würde des Menschen; Streben nach einer echten
Menschlichkeit: ein echter, wahrer H. offenbart sich in den
Schriften des Dichters; sozialistischer H. (marx.; auf den
Erkenntnissen des Marxismus-Leninismus gegründeter
Humanismus, wie er in den sozialistischen Staaten verstanden wird
1293
Humanist
im Gegensatz zum antiken u. bürgerlichen Humanismus).
2. literarische u. philologische Neuentdeckung u.
Wiedererweckung der antiken Kultur, ihrer Sprachen, Kunst u. Gei-
steshaltung vom 13. bis 16. Jh.; Humanist [...'mstl. der:
-en. -en [ital. umanista, zu: umano = menschlich < lat.
hümänus, t human]: I. jmd., der die Ideale des Humanismus
(1) in seinem Denken u. Handeln zu verwirklichen sucht,
vertritt: man kann diesen Menschen als wahren -en
bezeichnen. 2. Vertreter des Humanismus (2): Reuchlin ist ein
bedeutender deutscher H. 3. (veraltend) jmd., der über
eine humanistische / Schulbildung verfügt; Kenner der alten
Sprachen: er ist H. mit guten Griechischkenntnissen;
Humanjstin. die; -, -nen: w. Form zu f Humanist;
humanistisch <Adj.; o. Steig.): 1. (bildungsspr.) im Sinne des
Humanismus (1) / denkend u. handelnd]: seine Bücher sind
von -em Geist erfüllt; h. denken, handeln. 2. (meist attr.)
dem Humanismus (2) zugehörend: die -en Gelehrten; -e
Schriften. Traktate. 3. die klassischen Sprachen betreffend:
eine -e Bildung; -e Studien; ein -es (altsprachliches)
Gymnasium; er ist h. gebildet (ist ein Kenner des klassischen
Altertums); humanitär [...ni'te.'g] <Adj.> [frz. humanitaire,
zu: humanite = Menschlichkeit. Menschheit < lat.
hümänitäs] (bildungsspr.): auf die Linderung menschlicher
Not bedacht, ausgerichtet: eine -e Organisation, -e Zwecke.
Aufgaben; die Ziele ihrer Arbeit sind rein h.; Humanitaris-
mus [...ta'nsmus], der; - [frz. humanitarisme. nach dem
Namen einer nach dem „Journal humanitaire" benannten,
in Frankreich seit 1839 bestehenden Gruppe, die soziale
Mißstände abschaffen wollte, um den Bestand der
bürgerlichen Gesellschaft zu sichern] (bildungsspr.):
menschenfreundliche Gesinnung, Denkhaltung: die vom H.
verblödeten europäischen Völker (Musil. Mann 1337); Humanitas
[hu'ma:nitas]. die; - [lat. hümänitäs] (bildungsspr.):
Menschlichkeit, Menschenliebe (als Grundlagedes Denkens
u. Handelns): der Geist echter H. prägt seine Handlungen;
Humanität [humani't£:t]. die; - [lat. hümänitäs]
(bildungsspr.): vom Geist der Humanitas durchdrungene
Haltung, Gesinnung; Menschlichkeit: wahre, echte H.; das ist
falsche H.; im Namen der H. handeln.
Humanität*-: ^apostel, der (iron.): jmd., der - nach der
Ansicht des Sprechers - in übertriebener, der Realität nicht
Rechnung trageniier Weise die Verwirklichung der
Humanität sideale fordert: Mienken, das; -s; Mluselei [...dwzaktfl.
die' -. -en [zu T duseln] (abwertend): mit der Wirklichkeit
nicht in Einklang zu bringende, in den Augen des Sprechers
übersteigerte Forderungen im Hinblick auf Humanität:
Französische Gefängnisse sind noch richtige Gefängnisse
... Nicht angefault von H. (Remarque. Triomphe 227);
^ideal, das: die Humanität betreffende Idealvorstellung:
einen edlen Menschen, der alle jene Vollkommenheiten in
sich zu vereinen schien, die dem H. der jeweiligen Zeit
entsprachen (Thielicke. Ich glaube 103).
Human Relations ['hjuiman n'leijdnz] <P1.) [engl, human
relations. zu: human = menschlich u. relations =
Beziehungen]: in den WlQer Jahren von den USA ausgegangene
Richtung der betrieblichen Personal- u. Sozialpolitik, die
die Bedeutung der zwischennumschlichen Beziehungen im
Betrieb betont.
Humbug ['humbok]. der; -s [engl, humbug; H. u.] (ugs.
abwertend): a) etw., was sich bedeutsam gibt, aber nur
Schwindel ist: Wahrsagerei. Prophezeiungen - ist das alles
H.? (Hörzu 4. 1975. 20); b) Äußerung. Handlung o.a..
die vom Sprecher als unsitmig od. töricht angesehen wird:
er redet lauter H.. nichts als H.
Humerale [hume'ra:ld]. das; -s. ...lien [...lpn] u. ...lia [(kir-
chen)lat. humerale = Schultertuch]: i reichverziertes j unter
der Albe getragenes Schultertuch des kath. Geistlichen.
humid [hu'mkt]. (präd. auch:) humide [...i:da] <Adj.;
humider, humideste; nicht adv.> [frz. humid < lat. (h)ümidus]
(Geogr.): niederschlagsreich, feucht: ein -es Klima: -e
Gebiete; <Abl.:> Humidität [humidi't£:t], die; - [frz. humidite]
(Geogr.): Feuchtigkeit (in bezug auf das Klima).
Mumifikation [humifika'tßio.n]. die; - [zu t Humus u. lat.
-ficätio = Suffix mit der Bed. ..das Machen. Herstellung",
zu: facere (in Zus. -ficäre) = machen] (Biol.): die meist
im Boden stattfindende Umwandlung organischer
(pflanzlicher u. tierischer) Stoffe in Humus; das Vermodern,
Humusbildung; humifizieren [...'t$i:ren) <sw. V.; hat) (Biol.):
(von organischen Stoffen) vermodern lassen, in Humus
umwandeln; <Abl.:> Humifizi&ung. die; -: svw. t Humiflkation.
humil [hu'mi:l] <Adj.> [lat. humilis] (veraltet): demütig,
ergeben; humiliant [humi'Uant] <Adj.; -er. -este) [frz. humiliant.
eigtl. 1. Part, von: humilier = erniedrigen, demütigen
< lat. humiliäre] (veraltet): demütigend; Hianiliat [...lfc:t],
der; -en, -en <meist PI.) [mlat. humiliatus. eigtl. = der
Gedemütigte]: Anhänger einer Armuts- bznf. Bußbewegung
des II. u. J2.Jh.s; Humiliation [...Ua'$io:n]. die; -. -en
[frz. humiliation < lat. humiliätio] (veraltet): Demütigung;
Humilität [...li'te:t]. die: - [frz. humilite < lat. humilitäs]
(veraltet): Demut.
Huminsäure[hu'mi:n-],die; -. -n [zu THumus]: in
Mutterboden, Torf u. Braunkohle vorkommende, aus abgestorbenem
pflanzlichem Material entstandene Säure, die als
Nährstoffträger des Bodens von großer Bedeutung ist.
'Himmel ['homl]. die; -. -n [mhd. hummel. h um bei, ahd.
humbal; viell. «eigtl. = die Summende]: größeres Insekt
mit rundlichem, plumpem u. dicht-, häufig buntbehaartem
Körper: eine dicke braune H. fliegt von Blüte zu Blüte;
*eine wilde H. (scherzh.; lebhaftes, temperamentvolles
• kleines} Mädchen): -n im Hintern haben (salopp: 1. nicht
still sitzen, sich nicht ruhig verhalten können. 2. ständig
von irgendetwas umgetrieben sein).
Fimmel [-] in dem Begrüßungsruf H., H.! (Erkennungsruf.
mit dem sich Hamburger untereinander kumpelhaft in
der Fremde begrüßen; als Erwiderung darauf gilt: Mors,
Mors! (= Arsch); nach einem Hamburger Original namens
Hummel u. dessen Antwort auf den hänselnden Anruf
mit seinem Namen).
Hammel-: -bkme, die (Bot.): Pflanze, die durch die
Beschaffenheit ihrer Blüte bevorzugt von Hummeln bestäubt wird;
-fliege, die: der Hummel ähnliche Fliege mit sehr langem
Rüssel, mit dem sie. vor Blüten schwirrend, Nektar saugt.
Hummer ['humt?]. der; -s. - [niederd. hummer. wohl eigtl.
= gewölbtes od. (mit einer Schale) bedecktes Tier]: im
Meer lebemier großer Krebs von brauner bis dunkelblauer
Färbung, dessen Fleisch als Delikatesse gilt: beim Kochen
bekommt der H. eine rote Färbung.
hymmer-, Hymmer- ^Cocktail, der (Kochk.); -fleisch, das;
-krabbe. die: große Garnele: -mayonnaise. die (Kochk.);
^rot <Adj.; o. Steig.): von der kräftig roten Farbe des
gekochten Hummers; -salat. der (Kochk.).
'Humor [hu'mo:?], der; -s, -e <PI. selten) [engl, humour
= literarische Stilgattung des Komischen, eigtl. =
Stimmung, Laune < afrz. humour < lat. (h)ümöres =
(Temperament u. Charakter bestimmende) Körpersäfte, zu: (h)ü-
mor = Feuchtigkeit]: 1. <o. PI.) Gabe eines Menschen,
der Unzulänglichkeit der Welt u. der Menschen, den
Schwierigkeiten u. Mißgeschicken des Alltags mit heiterer
Gelassenheit zu begegnen, der sich nicht unterkriegen läßt, sondern
über Widrigkeiten u. Unzulänglichkeiten zu lachen vermag:
er hat, besitzt einen unverwüstlichen, goldenen H.;
zwischen sehr tiefem Ernst, überwallender Verzagtheit und
bitterem H. (Geissler, Wunschhütlein 15); etw. mit H.
nehmen, tragen; ein Mensch ohne H.; er hat keinen H.
(reagiert sehr leicht verärgert, ist nicht in der Lage, etw.
gelassen auf-, hinzunehmen); für seine Scherze, seine
Unverschämtheiten habe ich keinen H. [mehr] (sie mißfallen
mir zu sehr, gehen mir wider die Natur); er hat keinen
Sinn für H. (ihm fehlt der Humor, er ist hwnorlos); R
du hast, er hat [ja vielleicht] H.! (was denkst du dir, er
sich eigentlich!); Spr H. ist, wenn man trotzdem lacht.
2. sprachliche, künstlerische o. ä. Äußerung einer von Humor
(1) bestimmten Geisteshaltung, Wesensart: der rheinische,
der Kölner H.; gezeichneter H. (Humor in der Kunstform
der Karikatur o. ä.): ein makabrer, schwarzer (das Grauen,
Grauenliafte einbeziehender) H.; Ein tolles Stück
(= Theaterstück). Angefüllt mit schwarzen -en und
brillanten Pointen (MM 27. 1. 68. 68). 3. <o. PI.) [gute} Laune,
t fröhliche] Stinunung: den H. [nicht] verlieren, behalten;
Typen wie dieser ... bringen mich um jeglichen H. (Frisch.
Stiller 295).
Hiuroor [hu:m3r]. der; -s. -es [hu'mo:re:s; lat. (h)ümor =
Flüssigkeit; Feuchtigkeit] (Med. selten): Körperflüssigkeit.
'humor-, 'Humgr-: ^los <Adj.; -er. -este): ohne Humor (1),
von verbissener, pedantischer Ernsthaftigkeit; ohne die
Fähigkeit [auch über sich selbst] zu lachen: ein -er Mensch;
eine -e Reaktion; er ist gänzlich h.. dazu: -losigkeit, die;
-: das Humorlossein; ^voll <Adj.): lHumor (I) erkennen
lassend; mit ' Humor (1) begabt; voll 'Humor (1): ein -er
Mann; er hat eine -e Art; etw. h. (witzig) vortragen.
1294
Hund
humoral [humo'ra:l] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [zu lat.
(h)ümor = Flüssigkeit] (Med.): a) die Körperflüssigkeiten
betreffend; b) auf dem Weg über die Körperflüssigkeiten
übertragen; Humoraldiagnostik. die; -: medizinische
Methode der Krankheitserkennung durch Untersuchung der Kör-
Perflüssigkeiten; Humoralpathologie. die; -: insbes. in der
Antike ausgebildete Lehre von den Körpersäften, deren rieh-
tige Mischung Gesundheit, deren Ungleichgewicht dagegen
Krankheit bedeute.
Humoreske [...reska], die; -. -n [aus 'Humor u. der romani-
sierenden Endung -eske analog zu Burleske u.a. geb.]:
I. (Literaturw.) kleine humoristische Erzäßilung. 2. (Musik)
Musikstück von heiterem, humorigem Charakter; humorig
[hu'mo:n^] <Adj.>: von jmds. ]Humor (1), seiner Freude
am Scherz u. Spaß zeugend; launig; eine -e Rede,
Bemerkung; seine Erzählungen, Geschichten sind h. (voll
Humor), dazu: Humorigkeit. die; -: Waber entledigte sich
dieser Aufgabe ( = eine Rede zu halten) mit gewohnter
H. (Kirst. 08/15, 169); Humorist [humo'nst]. der; -en, -en
[engl, humorist. t 'Humor]: 1. Künstler, dessen Werke sich
durch eine humoristische Behandlungsweise des Stoffes
auszeichnen; der Schriftsteller, Zeichner ist ein H.. gehört
zu den -en. 2. Vortragskimstier, der witzige Sketches o.a.
darbietet; Komiker. Spaßmacher; humoristisch <Adj.>: sich
durch 'Humorauszeichnend; eine -e Erzählung. Darbietung;
das Programm hatte verschiedene -e Einlagen (von einem
Komiker o.a. bestrittene weitere Programmpunkte); der
Schriftsteller schreibt sehr h.
humos [hu'mo:s] <Adj.; -er, -este; nicht adv.> [zu tHumus]
(Bodenk.): a) aus Humus bestehend; -e Stoffe; b) (von
Böden) reich an Humus: -e Böden.
Hümpel rhYmpl], der; -s. - [mniederd. hümpel] (nordd.):
Haufen. {über einander getiirmte. aufgeschüttete] Menge von
etw.; ein H. Steine. Erde; die Kleider lagen auf einem
H.; Ü die Bewußtseinslage eines ganzen -s von
Intellektuellen (Enzensberger, Einzelheiten I. 95).
Humpelei [humpa'l^j]. die; - [zu T humpeln] (ugs.):
anhaltendes, lästiges Humpeln; humpelig. humplig f'hompfejlu;]
<Adj.> (landsch.): I. humpelnd: h. gehen. 2. holprig, uneben:
ein -er Weg; humpeln [humpln] <sw. V.) [aus dem Niederd.;
viell. lautm]: a) (auf Grund einer f schmerzhaften]
Verletzung o.a.) mit einem Fuß nicht fest auftreten können u.
daher mühsam u. ungleichmäßig gehen <hat, ist): nach
seinem Unfall hat. ist er eine Weile gehumpelt; Soldaten
.... ausgebrannte Gesichter. an Stöcken humpelnd (Plievier.
Stalingrad 333); Ü das Geschäft humpelt (ugs.; geht
schlecht): b) sich humpelnd (a) fortbewegen, irgendwohin
bewegen <ist>: an die Tür. vom Spielfeld h.; der verletzte
Hund humpelte über die Straße; c) (landsch.) holpernd
faJiren der Wagen ... humpelte ... über den versteinerten
Kot des letzten Regens (Habe, Namen 129); <Zus.:>
Humpelrock, der (Mode): um 1910 für kurze Zeit in Mode
gekommener langer Frauenrock, der in Knöchelhöhe so eng
war. daß er nur einen gleichsam humpelnden Gang
ermöglichte.
Humpen ['hompn], der; -s, - [zu niederd. hump(e) =
Klumpen. Buckel; vermutlich aus der Leipziger Studentenspr.]:
größeres zylindrisches od. leicht bauchiges, häufig verziertes
u. mit aufklappbarem Deckel versehenes Trinkgefäß mit
Henkel: Bier aus H. trinken.
humplig: t humpelig.
Humus ['hu:mos]. der; - [lat. humus = Erde. Erdboden]:
Bestandteil des Bodens von dunkelbrauner Färbung, der
durch mikrobiologische u. biochemische Zersetzung
abgestorbener tierischer u. pflanzlicher Si&stanz in einem
ständigen Prozeß entsteht u. für die Fruchtbarkeit des Bodens
entscheidend ist: der Boden ist arm, reich an H.
humus-, Htmus-: -bikhing, die <o. PI.): Entstehung von
Humus; ^boden. der; ^erde, die; -reich <Adj.; nicht adv.>:
-er Boden.
Hund [hunt], der; -[e]s. -e [mhd.. ahd. hunt; 3: nach dem
dt. Naturforscher G. Agricola (1494-1555) wurden die
Wagen so benannt, weil das Geräusch ihrer knarrenden
Räder dem Hundegebell geglichen habe]: l.a) <Vkl.
tHundchen, tHündchen) (in vielen Rassen gezüchtetes)
kleines bis mittelgroßes Haustier, das einen gut ausgebildeten
Gehörs- u. Geruchssinn besitzt, beißen u. bellen kann u.
vom Menschen aus verschiedenerlei Gründen (als Begleiter,
zum Schutz usw.) gehalten wird: ein scharfer, rassereiner,
herrenloser, streunender H.; Vorsicht, bissiger H.!; der
H. bellt, knurrt, winselt, jault; die -e schlagen an; der
H. ist ein von Flöhen bewohnter Organismus, der bellt
(Leibniz); sich einen H. halten; den H. spazierenführen,
anleinen; -e züchten, dressieren; Die haben ihre -e so
abgerichtet, daß sie nur auf meinem Rasen ihre Haufen ablegen
(v. d. Grün, Glatteis 35); die -e sind los (sind nicht mehr
an der Kette, so daß tnan sich vor ihnen vorsehen muß);
„Ich warne Sie. der H. geht auf den Mann" (ist darauf
abgerichtet, auf Befehl Menschen anzugreifen; Gaiser,
Schlußball 71); Ü weiße -e (geh.; Schaumkronen auf den
Wellen des Meeres): R da liegt der H. begraben (ugs.;
das ist der Punkt, auf den es ankommt, die Ursache der
Schwierigkeiten; vielleicht nach der Volkssage, nach der
Hunde als Schatzhüter unter der Erde hausen); da wird
der H. in der Pfanne verrückt! (salopp; das ist ja nicht
zufassen!): von dem nimmt kein H. ein Stück/einen Bissen
Brot [mehr] (ugs.; er hat die Achtung aller verloren, wird
von allen verachtet): das kann/muß [sogar] einen H.
jammern (ugs.; das ist zutiefst mitleiderregend, jammervoll):
es ist, um junge -e zu kriegen (ugs.; es ist zum Verzweifeln):
das ist unter dem/allem H. (ugs.; das ist sehr schlecht,
minderwertig, unter jeder Kritik): Spr -e, die [viel] bellen,
beißen nicht (jmd.. der sich besonders lautstark
kämpferisch, gefährlich gibt, macht seine Drohungen o.a. doch
nicht wahr); viele -e sind des Hasen Tod (gegen eine
Übermacht kann der einzelne nichts ausrichten); den letzten
beißen die -e (der letzte ist auf Grund seines Platzes
besondersbenachteiligt); kommt man über den H.. kommt man
auch über den Schwanz (hat man erst einmal das
Schwierigste geschafft, ist der Rest auch noch zu bewältigen); *ein
dicker H.! (ugs.: 1. eine Ungeheuerlichkeit.
Unverschämtheit. Frechheit. 2. ein grober Fehler): kalter H. (ugs.; eine
Art Torte, die aus Schichten von Keks u. einer Kakaomasse
besteht): fliegender H. (veraltend svw. T Flughund.
Flugfuchs); der Große H.. der Kleine H. {Sternbilder in der
Zone des Himmelsäquators; nach lat. Canis Major u. Canis
Minor; der Große Hund ist der Hund des Orion, eines
riesigen Jägers der griech. Mythologie; vgl. Hundstage);
bekannt sein wie ein bunter/scheckiger H. (ugs.; überall
bekannt sein): wie ein H. leben (ugs.; sehr ärmlich, elend
leben): müde sein wie ein H. (ugs.; sehr müde, erschöpft
sein): frieren wie ein junger H. (ugs.; sehr frieren; nach
dem auffallenden Zittern neugeborener Hunde); wie H.
und Katze leben (ugs.; sich nicht vertragen u. in ständigem
Streit miteinander leben): einen dicken H. haben (Skat
Jargon; ein gutes Spiel in der Hand haben): mit etw. keinen
H. hinter dem Ofen hervorlocken [können] (ugs.; mit etw.
niemandes Interesse wecken /können], niemandem einen
Anreiz bieten [können]): mit diesen altmodischen Ideen
kannst du doch keinen H. mehr hinter dem Ofen hervorlok-
ken!; jmdn. wie einen H. behandeln (ugs.; jmdn. sehr schlecht,
gemein, menschenunwürdig behandeln): auf den H. kommen
(ugs.; in schlechte Verhältnisse geraten, sehr
herunterkommen; wahrsch. nach der untersten Stufe in der
Tierrangfolge bei Pferde-. Esel- u. Hundefuhrwerk): seitdem der alte
Besitzer gestorben ist. ist das Geschäft total auf den H.
gekommen; jmdn. auf den H. bringen (ugs.; jmdn. ruinieren,
vernichten, ins Verderben stürzen; vgl. auf den H. kommen);
[ganz] auf dem H. sein (ugs.; ruiniert, vernichtet, zugrunde
gerichtet sein; vgl. auf den H. kommen): Nicht, als ob
man schon in einer „verzweifelten Situation" völlig auf
dem H. gewesen wäre (K. Mann. Wendepunkt 238); mit
allen -en gehetzt sein (ugs.; auf Grund von Erfahrung schlau
u. gewitzt sein u. sich in einer heiklen Situation entsprechend
geschickt verhalten; aus der Jägerspr.): der Kerl ist mit
allen -en gehetzt, den wird die Polizei nicht so leicht
erwischen; vor die -e gehen (ugs.; zugrunde gehen; verkommen;
viell. nach dem kranken u. schwachen Wild, das den
Jagdhunden leicht zum Opfer fällt): wenn man bedenkt, wie
viele Frauen bei Abtreibungen vor die -e gehen (Hörzu
31. 1971, 28); etw. vor die -e werfen (ugs.; etw. nichtachtemi
verkommen lassen, vergeuden): b) (außerhalb der Fachspr.)
das männliche Tier (im Unterschied zur Hündin): ist das
ein H. oder eine Hündin? 2. (salopp) a) Mensch. Mann:
du bist vielleicht ein blöder, gerissener, sturer, verrückter
H.!; ich bin ein armer H. mit meinen Zweihundert
monatlich (WerfeL Himmel 197); Der taube H. von Bremser
(Marchwitza. Kumiaks 143); -e, wollt ihr ewig leben? (nach
den Worten Friedrichs des Großen ..Kerls, wollt ihr das
ewige Leben haben?", die er bei Kolin einer vor der Über-
1295
Hundchen
macht der Österreicher zurückweichenden Kompagnie
zurief; auch Filmtitel); Krenek und Busch gehen ... auf
Kursus ... -e. wollt ihr ewig lernen? (Kant. Impressum 374);
damals war ich noch ein junger H.; ein feiner H. (1.
gutgekleideter Mann. 2. jmd., auf den man sich verlassen
kann: ein feiner Kerl): jmdn. für einen krummen H.
(zwielichtigen, verdächtigen Burschen) ansehen; als ich in Not
war. kam mir kein H. (niemand) zu Hilfe; b) (abwertend)
gemeiner Mann. Lump. Schurke: du [verfluchter,
gottverdammter] Hl; In Ketten und Handschellen. Sie haben
sie mir angelegt, die -e (Genet [Übers.]. Miracle 101):
dieser H. von einem Verräter. 3. (Bergmannsspr.) kleiner
kastenförmiger Förderwagen: ein leerer H.; den H. mit
Erz beladen; Hündchen ['hunt<^>n). das; -s. - (landsch.):
rufnamenähnlich gebraucht für T Hündchen: ach. das kleine
H.!; ... daß sich die Einbrecher ... Gift besorgen und es
dem H. streuen (Tucholsky. Werke II. 27); Zwei Kleine
... wie tapsige junge H. (Plievier. Stalingrad 340); Hündchen
[hYnUpn], das; -s. -: tHund (1 a): sie hatte zwei niedliche
H. auf dem Schoß; das arme H.. es zittert ja vor Kälte
(v. d. Grün. Irrlicht 20).
■hvmde-, Hynde- (Hund 1 a, vgl. auch: hunds-, Hunds-):
-abteil. das: im Gepäckwagen des Reisezugs abgeteilter
Raum, in dem Hunde befördert werden können: -ahnlich
<Adj.; o. Steig.; nicht adv.): dem Hund ähnlich, in der
Art eines Hundes: ein -er Kopf; -art. die: svw. -rasse;
-artige <P1.) (Zool.): Familie der Raubtiere, zu der vor
allem die Hunde, Wölfe. Schakale u. Füchse gehören; -äuge,
das <meist Pl.>: bernsteinfarbene -n; U es war ihnen (= den
Bürgern) tiefstes Bedürfnis, emporzublicken, mit treuen
-n (Tucholsky. Werke II. 174); -ausstelhra. die; -band-
wunn. der: Bandwurm, der bes. im Darm von Hunden
vorkommt: -besitzer. der; -biß. der; -Mick, der: Blick.
Augenausdruck eines Hundes: ein treuer H.; Ü er schaute zu
ihr auf mit H. (ugs.; ergebenem Augetmusdruck): -bhane.
die [zum 1. Bestandteil vgl. Hundskamille]: volkst. für
Löwenzahn: -deckchen, das: 1. eine Art Decke, die einem
Hund als Schutz gegen Kälte um den Leib gebunden wird.
2. (scherzh.) bis zum Knöchel reichende Gamasche: Über
den Schuhen H., die hielten warm (Kempowski, Uns 194);
-dreck, der (derb): svw. -kot; -finger. der: jmd.. der
!herrenlose/ Hunde einfängt: -floh, der: Floh, der
hauptsächlich im Fell von Hunden vorkommt: -flöhen, das; -s
(salopp): sehr mühselige, lästige Arbeit: das war das reinste
H.; das kommt gleich nach/hinter dem H. (salopp; Ausruf
des Unwillens); es ist zum H. (salopp; es ist zum
Verzweifeln)', -futter. das; -gebeil. das; -gespam. das; -haarlbig.
der: Haarling. der im Fell von Hunden lebt: -Halsband,
das; -halter, der (Amtsspr.): jmd., der einen Hund hält:
-hiitte. die: kleine / Holzfhütte als Unterkunft für den
Hofhund: der Hund liegt vor der H.; Ü sie leben in einer
H. (abwertend; in einem baufälligen alten Haus): -kkrfsett],
das: spezielle Anlage in Städten. Stadtteilen o.a.. die die
Hunde dazu benutzen sollen, dort ihre Notdurft zu verrichten:
-koje. die (Seemannsspr.): (auf einer Segeljacht) neben
der unter Deck führenden Treppe liegende Koje, die so
klein ist. daß man vom Kopfende aus hineinkriechen mu/J:
-kontumaz. die (österr.): Verkehrssperre für Hunde zur
Verhütung einer Seuche: -koppel. die; -kot. der (geh.);
-kuchen. der: hartes Gebäck, das als Hundefutter dient:
-leine, die; -marke, die: 1. vom Hundcun Halsband
getragene, als Nachweis für die gezaldte Hundesteuer dienende
Blechmarke. 2. (salopp scherzh.) a) Erkennungsmarke des
Soldaten: b) Erkennungsftiarke, mit der sich ein
Polizeibeamter in Zivil ausweist: -mäßig <Adj.; o. Steig.) (ugs.): sehr
schlecht, miserabel: ein -es Leben führen; vgl. hundsmäßig;
-meute, die; -narr, der: jmd., der sich in besonderer Weise
für Hunde begeistert, eine heftige Vorliebe für Hunde hat
u. darauf viel Geld u. Zeit verwendet: -peitsche, die; -pflege.
die: (kommerziell betriebene) Pflege des Hundes durch
Baden, Scheren u.a.: -rasse. die; -rennen, das: Schnell.gkeits-
prüfung für Windlwnde. bes. in England, in Italien u. in
der Schweiz; -salon. der: Geschäft für Hundepflege; -schau.
die: vgl. -ausstellung; -scheide, die (vulgär): svw. -kot;
-schütten, der: von Hunden gezogener Schlitten; -schnauze.
die: eine feuchte H.; * kalt wie [eine] H. sein (ugs.; gefühllos,
hart sein), dazu: -schnäuzig <Adj.: nicht adv.) (ugs.):
gefühllos, rücksichtslos, taktlos, dazu: -schnäuzigkeit. die;
- (ugs.); -schwänz, der; -söhn, der (Schimpfwort):
niederträchtiger, gemeiner Mann: Ein Feldwebel ... fuchtelte.
„Wo ist dein Gewehr. H.?'k (Strittmatter. Wundertäter
403); -sperre, die: Verbot, bes. bei Tollwutgefahr, Hunde
frei u. ohne Maulkorb herumlaufen zu lassen; -stäupe, die:
svw. T Staupe; -Steuer, die: von den Gemeinden erhobene
Steuer, mit der das Halten von Hunden belegt ist; -streife.
die: Die Anlage auf dem Truppenübungsplatz ... sei ...
des Nachts durch -n bewacht worden (MM 13. 5. 75.
1); -vieh. das (ugs. abwertend): Hund (über den man sich
ärgert od. vor dem man Angst hat): dieses H. hat wieder
einen großen Haufen auf den Gehsteig gemacht; -wache.
die (nach der Vorstellung, daß zur entsprechenden Zeit
auf dem Land der Hund Haus u. Hof bewacht]
(Seemannsspr.): zweite Nachtwache (von Mitternacht bis 4 Uhr
morgens); -zucht. die; -zwinger, der: eingezäunter Platz.
Gehege für Hunde.
^hynde-, Hynde- (emotional verstärkend): -frbeit. die (ugs.):
sehr schwere, mühselige Arbeit, -elend <Adj.; o. Steig.;
nicht attr.): sehr elend, erbärmlich, hundselend: ich fühle
mich h.; mir ist h. [zumutel; -lü|lt <Adj.; o. Steig.; nicht
attr.) (ugs.): eisig, bitter kalt: es war h.; Sagen Sie. ist
Ihnen auch h.? (Gaiser. Jagd 97); -kflte. die (ugs.): eisige,
schneidende Kälte: draußen herrscht eine H.; -müde <Adj.;
o. Steig.: nur präd.) (ugs.): sehr müde, erschöpft, dringend
des Schlafes bedürftig, hundsmüde: nach dem langen
Marsch sanken wir am Abend h. ins Bett.
^ynde- (emotional abwertend Tür etw.. was einem
Menschen eigentlich nicht zuzumuten ist): -fraß, der (salopp):
sehr schlechtes Essen: das Essen war wieder mal ein H..
der reinste H.; -leben, das (ugs.): elendes, erbärmliches
Leben: ein H. fuhren; -loch, das (ugs.): sehr schlechte,
unzumutbare Behausung: in einem H. wohnen: -lohn, der
(ugs.): sehr niedriger, geringer Lohn: für einen H. arbeiten;
-wetter. das (ugs.): sehr schlechtes Wetter: draußen ist
ein H.
hundert ['hondm; frühmhd. hundert < asächs. hunderod
= Hundertzahl, zu: hund = hundert): a) <Kardinalz.)
(mit Ziffern: 100) von eins bis h. zählen; neunundneunzig
und eins ist/macht/gibt h.; h. Stühle. Personen; mehrere
h. Mark; sie wird h. (Jahre alt]; in h. Meter Entfernung;
ein Faß mit h. Litern Wein; mit einer Geschwindigkeit
von h. Kilometern in der Stunde, (ugs.:) mit h. Sachen
fahren; es waren [weit] über, knapp, ungefähr, an die
h. Zuhörer; vier von h. Befragten; ich wette mit dir h.
zu eins (ugs.; ich bin ganz sicher), daß er nicht kommen
wird; *auf h. kommen/sein (ugs.; sehr erbost werden/sein;
in Wut geraten/sein; nach der Fahrgeschwindigkeit eines
Kraftfahrzeugs): Achtung, der Chef ist heute auf h.; jmdn.
auf h. bringen (ugs.; jmdn. in Wut. Zorn versetzen): vgl.
acht; b) (ugs.) sehr, unübersehbar viele: er hat h. Ausreden;
sie wußte h. Neuigkeiten zu berichten; 'Hundert [-], das;
-s, -e u. (nach unbest. Zahlwörtern:) -: 1. <P1.> Einheit
von hundert Stück. Dingen, Lebewesen o.a.: ein halbes
H.; mehrere H. Büroklammem. Pioniere; das H.
vollmachen; [fünf] von H. (Prozent; Abk.: v. H.; Zeichen: %).
2. <P1.> eine unbestimmte, unübersehbare Anzahl in der
Größenordnung von etwa hundert: viele -e drängten sich
herbei; -e von toten Tsetsefliegen; das Brüllen -er von
verdurstenden Rindern/-er verdurstender Rinder/von -en
[von] verdurstenden Rindern; das kann von -en nur einer;
die Kosten gehen in die -e (ugs.; betragen mehrere hundert
Mark): hundert [-]. die; -. -en: die Zahl 100: eine H.
an die Tafel schreiben.
hundert-. Hundert: -eins <Kardinalz.) (mit Ziffern: 101);
vgl. -undeins; - fältig <Adj.; o. Steig.) (veraltet): svw.
t hundertfach; ^fiinfundskbziger. der [nach dem
ehemaligen §175 des Strafgesetzbuchs] (ugs. scherzh. verhüll.):
Homosexueller; -tynfzigprozentig <Adj.; o. Steig.)
[Verstärkung zu thundertprozentig] (ugs.): stark ausgeprägt,
übertrieben, fanatisch: ein -er Nationalist, Kommunist;
<subst.:) er ist ein -er (abwertend; jmd., der besonders
linientreu ist. etw. fanatisch betreibt): -Jahrfeier, die (mit
Ziffern: 100-Jahr-Feier): Feier zum hutulertjährigen
Bestehen; >jährig <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (mit Ziffern:
lOOJährig): a) hundert Jahre alt: ein -er Greis; eine -e
Eiche; <subst.:> in unserem Dorf gibt es zwei -e; b) hundert
Jahre dauernd: das -e Bestehen von etw. feiern; der
Hundertjährige Krieg (Krieg zw. England u. Frankreich von
1339-1453); >karfttig <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [nach
t hundertprozentig] (ugs.): charakterlich völlig einwandfrei,
absolut zuverlässig; -kikmetertempo, das (ugs.): Geschwin-
1296
hunds-, Hunds-
digkeit von 100 Kilometern pro Stunde: im H. fahren; Ü
er erledigt es im H. (ugs.; besonders schnell)'. >mal <Wieder-
holungsz.. Adv.>: a) (selten) zum hundertsten Male: seit
meinem Wohnungswechsel bin ich diese Strecke h.
gefahren; b) (ugs.) sehr viel: Ich weiß h. mehr aus dem Leben
der Idioten als aus deinem (Remaixjue. Triomphe 216);
c) (ugs.) noch so sehr: da kannst du h. im Recht sein,
die biegen das schon so (v. d. Grün. Glatteis 247); > mal ig
<Adj.; o. Steig.; nur attr.) (mit Ziffern: lOOmalig): hundert
Male stattfindend: die -e Wiederholung dieses
Theaterstücks; -nu^rkscheta, der (mit Ziffern: 100-Mark-Schein);
-meterh(jnienlauf, der (mit Ziffern: 100-m-HürdenlauD
(Leichtathletik): Hürdenlauf der Frauen über 100 Meter:
-meterbuf, der (mit Ziffern: 100-m-LauO (Leichtathletik):
Lauf über 100 Meter: >perzentig [-per&entif] <AdJ.; o.
Steig.) [zu ital. per cento = vom Hundert] (österr.
veraltend): svw. t^prozentig; -Prozentig <Adj.; o. Steig.): 1.
(mit Ziffern: lOOprozentig. 100%ig) <nicht adv.) hundert
Prozent umfassend, von hundert Prozent: ein -er Gewinn;
h. reine Wolle; -er (reiner) Alkohol. 2. (ugs.) a) völlig,
ganz u. gar: mit -er Sicherheit; du kannst dich h. darauf
verlassen; b) ganz sicher, zuverlässig: eine -e Voraussage;
das ist eine -e Sache; Jetzt wird der Michael seinen Weg
machen. H. (Hörzu 46, 1973. 131); er galt in der Partei
als h. (besonders linientreu): c) (nicht adv.) genauso, wie
man ihn. sie sich vorstellt: richtig, echt, unverwechselbar,
typisch: er ist ein -er Schwabe. Intellektueller; „warum
er noch keine Frau zum Heiraten gefunden habe? Keine
war h.!" (keine entsprach in jeder Hinsicht seinen
Vorstellungen, Ruthe. Partnerwahl 123); -satz, der: svw. t
Prozentsatz; --tausend: a) (Kardinalz.) (mit Ziffern: 100000): vgl.
tausend; b) von einer unbestimmten Anzahl in der
Größenordnung von etwa hunderttausend (a): viele h. Soldaten;
<subst.:> Hunderttausende (eine sehr große, unbestimmte
Anzatil in der Größenordnung von mehreren hunderttausend
a) Anhänger/von Anhängern dieses
Präsidentschaftskandidaten; ^tausendmfnnheer, das (Milit. hist.): die nach den
Beschlüssendes Versadler Vertrags (1919) aus freiwilligen
Berufssoldaten bestehende, auf 100000 Mann begrenzte
Reichswehr: -undfiins <Kardinalz.) (mit Ziffern: 101); vgl.
-eins; >zehn (Kardinalz.) (mit Ziffern: 110): *auf h. sein
(ugs.; sehr ärgerlich, wütend sein): vgl. achtzig, hundert;
^zehnroeterhyrdenlauf, der (mit Ziffern:
110-m-Hürdenlau 0 (Leichtathlethik): Hürdenlauf der Männer über 110 m.
Hundertel [*hundmj]. das; -s. - (österr. veraltet): svw. t
Hundertstel; Hunderter ['hundetv]. der; -s. -: 1. (ugs.)
Hundertmarkschein: das kostet mich einige H.; er wirft mit -n
nur so um sich (gibt sie verschwenderisch aus). 2. (Math.)
100 als Bestandteil einer analytisch betrachteten Zahl mit
mehr als zwei Stellen: die H. zusammenzählen; 453 besteht
aus4 -n. 5 Zehnern und 3 Einern; hunderterlei <Gattungsz.;
indekl.) [t-lei] (ugs.): a) von vielfach verschiedener Art:
auf h. Weise; Aus den h. lateinischen Namen von Pflanzen
und Gräsern (Grzimek. Serengeti 319); b) sehr viele
verschiedene Dinge: ich habe h. zu tun. zu besorgen; Hynder-
terstelle, die (Math.): Stelle der Hunderter (2 a) in einer
Zahl mit mehr als zwei Stellen: die H. ist die dritte Stelle
vor dem Komma; hundertfach (Vervielfältigungsz.) (mit
Ziffern: lOOfach) [t-fach]: Hundertmal genommen,
ausgeführt u.a.: die -e Menge; ein Professor hat behauptet.
LSD mache ... -en Orgasmus möglich (Jägersberg. Leute
140); Hundertsdiaft, die; -. -en: aus 100 Mann bestehende
! militärische, polizeilicheJ Einheit: eine H. Soldaten;
hunderte t... ['hundert...] <Ordinalz. zu thundert) [spätmhd.
hundertst] (mit Ziffern: 100.): der -e Besucher der
Ausstellung; diese Oper wird heute zum -en Mal aufgeführt; das
erzählst du nun schon zum -en Mal (ugs.; das wiederholst
du ständig): das weiß kaum, nicht der Hundertste (fast
keiner): +vom Hundertsten ins Tausendste kommen (vom
eigentlichen Thema immer mehr abschweifen): bei unserem
Gespräch kamen wir vom -n ins Tausendste; hundertste!
[hündBtßt|] <Bruchz.) (mit Ziffern: ffa): auf ein h.
Millimeter genau; Hundertstel [-]. das. Schweiz, meist: der; -s.
- [gek. aus: hundertste Teil): der hundertste Teil einer
Menge. Strecke o.a.: ein H. der Summe, des Gewinns; mit
einem H. (Fot.; einer Hundertstelsekunde) belichten;
<Zus.:) Hundertstelsekunde, die: der hundertste Teil einer
Sekunde: mit 4 -n hatte der Pepi die Spitze gehalten (Olymp.
Spiele 17); hundertstens <Adv.) (mit Ziffern: 100.): als
hundertster Punkt, an hundertster Stelle.
Hündin ['hvndin]. die; -. -nen [mhd. hundinne. zu tHund):
weiblicher Hund (1): eine läufige H.; du Sohn einer H.!
(derb abwertend; du nichtswürdiger Kerl): hündisch [hyndij]
<Adj.) [spätmhd. hündisch] (verächtl.): l.jmdm. aus
Ergebenheit kritiklos alle Wünsche erfüllend u. sich dadurch
würdelos erniedrigend: von einer solchen würdelosen Haltung
zeugend: mit -em Gehorsam; sie warf ihm einen -en Blick
zu; Jmdm. h. ergeben sein; aus Fouches Feder ... stammt
wahrscheinlich jene h. unterwürfige Petition des Senats
(St. Zweig, Fouche 121). 2. gemein, niederträchtig: eine
-e Gemeinheit.
Hundredwetght [h/\ndradweit], das; -s, -s [engl, hundred-
weight. eigtl. = Hundertgewicht]: englisches
Handelsgewicht von etwa 51 kg (Abk.: cwt [centweight]).
'hunds-, Hunds- (vgl. auch: hunde-. Hunde-): -flechte, die
[die Pflanze wurde früher nach altem Volksglauben als
Heilmittel gegen Tollwut bei Hunden verwendet] (Bot.):
auf schattigen, feuchten Rasenplätzen vorkommende,
blattartige, gelappte Flechte mit weißlicher bis bräunlichgrauer
Oberseite: ^fott [...fct], der; -[e]s, -e u. ...fötter [...foetu;
eigtl. Bez. für das Geschlechtsteil der Hündin (zu t Fotze);
die Zus. bezieht sich auf die läufige Hündin, deren
Verhalten aus menschlicher Sicht als schamlos u. würdelos
empfunden wird] (derb abwertend): niederträchtiger, gemeiner,
nichtswürdiger Kerl: Schurke. Schuft: dieser H.!; Ich bin
zu früh, was? Die Hundsfötter sind zu spät (Hacks. Stücke
289). dazu: -fötterei [...fceto'r^j], die; -. -en (derb
abwertend): gemeine, niederträchtige Tat: Schurkerei: die größte
und krasseste H. unter der Sonne (Th. Mann. Zauberberg
624). -föttisch [...fistif] <Adj.) (derb abwertend): sich
niederträchtig, gemein verhaltend: niederträchtigem, gemeinem
Verhalten entsprechend: „Sie niederträchtiger, -er,
dreckiger Verbrecher", keuchte er (Simmel. Stoff 646); eine -e
Lüge; -kamille.die [1. Bestandteil zur Bez. der
Minderwertigkeit dieser Pflanze gegenüber der echten Kamille]: der
Kamille ähnliche Pflanze: -bttich, der [zum 1. Bestandteil
vgl. ^kamille]: svw. T Löwenzahn; -petersilie, die [zum
1. Bestandteil vgl. ^kamille]: auf Äckern. Schutthaufen
u. an Zäunen wachsendes, weißblühendes, giftiges, einjäliri-
ges Doldengewächs mit knoblauchähnlichem Geruch:
Gartenschierling: Gleiße: ^rose. die [zum 1. Bestandteil vgl.
^kamille]: wild in Hecken wachsender Strauch aus der
Familie der Rosengewächse mit bogig überhängenden Zweigen,
dicken Stacheln u. rosa bis weißen Blüten: -«fem, der
(Astron.): der hellste Stern im Sternbild des Großen t
Hundes: Sirius: vgl. ~tage; -tage <P1.) [spätmhd. hundstag,
mhd. hundetac. huntlich tage. LÜ von lat. dies caniculäres.
so benannt, weil die Sonne in dieser Zeit beim t Hundsstern
im Sternbild des Großen T Hundes steht]: heißeste Zeit
im Hochsommer in Europa (24. Juli-23. August): eine
Hitze wie in den -n. dazu: -tagshitze, die: eine verfrühte
H.;-veilchen, das [zum 1. Bestandteil vgl. -kamille]: wildes
Veilchen mit duftloser Blüte u. [gelblich] weißem Sporn;
^wut, die (veraltet): svw. tTollwut, dazu: -wütig <Adj.;
0. Steig.; nicht adv.) (veraltet): svw. t tollwütig; -zahn,
der [la: nach der Gestalt der schlanken Zwiebeln; 1 b:
wohl LÜ des nlat. bot. Namens cynodon. zusgez. aus
griech. kyön = Hund u. odon = Zahn]: l.a) (zu den
Liliengewächsen gehörende) Steingartenpflanze mit dunkel
gefleckten Blättern w. Blüten, die in Form u. Farbe an
die der Alpenveilchen erinnern: b) svw. Nzahngras. 2. (ugs.
scherzh.) svw. tEckzahn, zu 1 b: -zahngras, das: in den
gemäßigten u. subtropischen Gebieten, auch in wärmeren
Teilen Mitteleuropas vorkommendes Süßgras: -zunge. die
[mhd. hundezunge. wohl nach den rauhen, einer
Hundezunge ähnlichen Blättern]: (zu den Rauhblattgewächsen
gehörende) krautige Pflanze mit braunvioletten Blüten,
stacheligen Früchten u. rübenförmiger Wurzel (Hausmittel bei
Neuralgien. Darmkrankheiten u. Husten).
*t\\jnds-, Hynds- (emotional verstärkend): -elend: svw.
thundeelend; -erbärmlich <Adj.; o. Steig.) (ugs.): 1. a)
mitleiderregend elend: äußerst erbärmlich (1 a): sich h. fühlen;
b) in seiner Qualität äußerst erbärmlich (1 b). unerträglich
schlecht: der Vortrag heute war h.; c) (abwertend) moralisch
verabscheuungswürdig: ein -er Feigling. 2.a) <nur attr.)
sehr groß, stark: eine -e Kälte; b) (intensivierend bei Adj.
u. Verben) sehr: h. frieren; -gemein <Adj.; o. Steig.) (ugs.):
1. (abwertend) überaus niederträchtig, gemein: ein -er
Lügner; das sind -e Tricks; er hat sich einfach h. verhalten;
wenn dieser Leopold Grün nicht so h. gekündigt hätte
82 GDW
1297
Hüne
(Jaeger, Freudenhaus 305). 2. (abwertend) in Benehmen
u. Ausdrucksweise sehr roh u. primitiv; eine sehr niedrige
Denkweise verratend, höchst unfein, vulgär: -e
Schimpfwörter. 3. sehr / groß/, unangenehm stark: eine -e Kälte; gestern
war es h. schwül, zu 1: ^gemeinheit, die <o. PL): ..Das
ist eine Gemeinheit von dir. eine H.!" (Frisch. Stiller 123);
-mäßig <Adj.; o. Steig.) (salopp): a) <nur attr.) sehr groß,
stark: eine -e Gemeinheit; b) <intensivierend bei Adj. u.
Verben) sehr: mir ist h. schlecht; vgl. hundemäßig; Mni-
9ergbel <Adj.; o. Steig. > (salopp abwertend): äußerst
miserabel, überaus schlecht [in Qualität od. Ausführung]: ein
hundsmiserables Wetter; Ich kann nichts dafür, daß die
Zeiten so h. sind (Werfel. Himmel 132); h. arbeiten; -müde
<Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (ugs.): svw. t hundemüde.
Hüne [hy.na]. der; -n. -n [aus dem Niederd. < mniederd.
hüne. eigtl. = Hunne; Ungar]: sehr großer, breitschultriger
Mann: er war ein H. [an Gestalt]; ein H. von Mann.
Hünen-: -bett. das: großes Hünengrab (a); -gestak, die:
hünenhafte Gestalt: mit seiner H. überragte er alle anderen;
-grab, das: a) svw. T Megalithgrab: eine Exkursion zu den
Hünengräbern Dänemarks; b) svw. t Hügelgrab; -kraft,
die: einem Hünen angemessene, sehr große Körperkraft;
-weib, das (ugs. scherzh.): große, kräftig gebaute Frau.
hünenhaft ['hy:nanhaft] <Adj.): groß u. von einer breiten,
kräftigen Statut; die den Eindruck von besonderer Stärke
erweckt: ein Mann von -er Gestalt, -em Wuchs; <Abl.:>
Hünenhaftigkeit, die; -.
Hungartka [hon'ga:rika] <PI.) [nlat. Hungarica. zu: Hunga-
ria = Ungarn] (Buchw.): Werke über Ungarn; Hungaristik
[...ga'nstik]. die: -: Wissenschaft von der ungarischen
Sprache u. Literatur: ein Standardwerk der modernen H.
Hunger ['hone), der; -s [mhd. hunger, ahd. hungar. eigtl.
= brennendes Gefühl (von Hunger. Durst)]: l.a)
[unangenehmes] Gefühl in der Magengegend, das durch das
Bedürfnis nach Nahrung hervorgerufen wird; starkes Verlangen,
etw. zu essen: großer, (ugs.:) tüchtiger, schrecklicher H.;
ihn plagt der H.; H. haben, leiden, verspüren; er hatte
H. wie ein Bär. Wolf; seinen H. [mit etw.] notdürftig
stillen; an/vor H.. (geh.:) -s sterben (verhungern); ihm
knurrt vor H. der Magen; vor H. [fast] umfallen,
umkommen (ugs.; sehr großen Hunger haben): R guten H.! (ugs.
scherzh.; guten Appetit f): der H. treibt's rein, hinein (ugs.
scherzh.; weil man Hunger hat, ißt man eben etwas, was
einem eigentlich gar nicht schmeckt)', Spr H. ist der beste
Koch (dem Hungrigen schmeckt auch weniger gutes Essen) ;
b) (ugs.) [große! Lust, etwas Bestimmtes zu essen; Appetit:
plötzlich verspürte er H. auf ein gebratenes Hühnchen.
2. Mangel an Nahrungsmitteln, Hungersnot: in den
Nachkriegsjahren herrschte großer H. 3. (geh.) heftiges,
leidenschaftliches Verlangen, Begierde: H. nach Gerechtigkeit,
nach Ruhm; dann stürzte er sich mit dumpfem H. auf
ein beliebiges Weib, leicht befriedigt (Feuchtwanger. Erfolg
386).
hynger-, Hynger- -blockade, die: Blockade der
Lebensmitteleinfuhr eines Landes; -büimchen, -blume, die [nach dem
alten Volksglauben, daß das zahlreiche Auftreten dieser
Blümchen im Frühjahrein schlechtes Jahr od. eine
Mißernte vorhersage; er erklärt sich daraus, daß die Pflanze mit
Vorliebe auf sandigen (nährstofiarmen) Äckern wächst]:
bes. im Gebirge, an Felsen u. Mauern od. auf sandigem
Boden vorkommende Pflanze mit grundständigen, in einer
Rosette angeordneten Blättern u. kleinen weißen od. gelben
Blüten; -brunnen, der: svw. t ^quelle; -dasein, das: Leben
mit viel Entbehrungen: ein H. fristen; -gefitfil, das: svw.
THunger da); -geschwächt <Adj.; o. Steig.; nicht adv.):
wir kamen h. und halb erfroren an; -grübe, die: Vertiefung
in der Flankengegend bei Haustieren, bes. bei
schlechtgenährtem Vieh; -harke, die [wohl nach dem Brauch, die
restlichen Ähren Bedürftigen zu überlassen] (Landw.
veraltet): große Harke, mit der man auf dem abgeernteten
Getreidefeld die liegengebliebenen Ähren zusammenharkt; -jähr.
das: Jatir, in dem man hungern mußte; -katastrophe, die:
große Hungersnot; -krankheit, die: Erkrankung durch
Unterernährung; -künstler. der: jmd., der (z. B. als
Schausteller) außergewöhnlich lange hungern kann: auf den
Bildern sah man den H. an seinem vierzigsten Hungertag
(Kafka. Erzählungen 181); (scherzh.:) er ißt so wenig,
er entwickelt sich noch zum H.; ich bin doch kein H.!
(so lange kann ich nicht aushalten, ohne zu essen); -kur,
die: svw. t Fastenkur: eine zweitägige H.; -leben, das: svw.
t ^dasein; -leider, der (ugs. abwertend): jmd., der nicht
viel zum Leben hat, in ärmlichen Verhältnissen lebt: die
Intellektuellen als H. betrachten; Ü natürlich nicht
irgendwelche H. wie Jordanien, sondern eines der großen ölpro-
duzierenden Länder (Dönhoff. Ära 169); -lohn, der
(abwertend): sehr geringer Lohn: für einen H. arbeiten müssen;
Sie braucht den H. auch nicht, den die Alte für einen
Lehrling bezahlt (Kinski. Erdbeermund 2S6); -marsch,
der: Demonstrationsmarsch gegen Lebensmittelknapplieit u.
Hungersnot; ködern, das (Med.): infolge von unzureichender
od. einseitiger Kost entstehendes ödem; -pfote, die in der
Wendung an den -n sausen (salopp; Hunger leiden; nach
einer dem Bären zugeschriebenen Gewohnheit, während
des Winterschlafs Fett aus den Tatzen zu saugen); -quelle.
die [die plötzliche Wasserführung einer solchen Quelle
wurde als Vorbote für eine verregnete Ernte angesehen]:
Quelle, die nur in Zeiten ausreichetuter Niederschläge fließt;
-ration, die (ugs.): zu geringe Ration an Nahrungsmitteln,
die den Hunger nicht od. nur ungenügend stillt; -rechen,
der: svw. t-harke; -streik, der: Verweigerung der
Nahrungsaufnahme, um bestimmte [politische o.a.]
Forderungen durchzusetzen: den H. abbrechen; in den H. treten;
^tod, der <o. PI.): Tod auf Grund von Unterernährung:
den H. sterben; die Gefangenen konnten befreit und so
vor dem sicheren H. bewahrt werden; -tuch, das <P1.
-tücher): mit Passionsszenen o.a. betnaltes od. besticktes
Tuch, das (vor allem im 15. u. 16. Jh.) in der Fastenzeit
vor dem Chor aufgehängt wurde od. den Altar verhüllte;
* am H. nagen (ugs. scherzh.; sich sehr einschränken müssen,
Not leiden; nach dem Hungertuch als Symbol des Fastens
u. der Buße, aus der Wendung ..am H. nähen"
hervorgegangen): Onkel Otto wird uns nicht helfen können, er
nagt ja selber am H.; -türm, der (früher): Gefatignisturm,
Verlies, in das manjmdn. warf, um ihn verhungern zu lassen:
jmdn. in den H. werfen, stecken; -zeit, die: Zeit des
Hungers; -zustand, der: Zustand des Unterernährtseins: ein
chronischer H.
hungern ['honen) <sw. V.; hat) [mhd. hungern, ahd. hungi-
ren. zu tHunger]: l.a) Hunger leiden, ertragen: viele Jahre
hindurch h. müssen; während des Kriegs hungerten sie
erbärmlich; zur Strafe haben sie das Kind h. lassen; sie
hungert, um schlank zu werden; eine Aktion für hungernde
Kinder; b) <h. -I- sich) durch [teilweisen/ Verzicht auf
Nahrung in einen bestimmten Zustand gelangen: sich
schlank, gesund h.; er hat sich zu Tode gehungert. 2,
<unpers.) (dichter.) nach Nahrung verlangen, Hunger haben:
mich hungert/es hungert mich seit langem; der Kranke
gab zu verstehen, daß ihn hungere. 3. (geh.) heftiges
Verlangen nach etw. haben: nach Macht. Ruhm, nach Liebe.
Wärme h.; Der religiös suchende Mensch hungert nach
der fühlbaren Gegenwart Gottes (Nigg. Wiederkehr 170);
<auch unpers.:) ihn hungerte/es hungerte ihn nach
Anerkennung; Hungersnot, die [mhd. hungemöt]: großer,
allgemeiner Mangelan den nötigsten Nahrungsmitteln: eine
drohende, weltweite H.; hungrig [hunn?] <Adj.; nicht adv.)
[mhd. hungerec. ahd. hung(a)rag]: l.a) ein Hungergefühl
verspürend, Hunger habend: -e Kinder; wir setzten uns
h. an den Tisch; sie waren h. wie die Wölfe (hatten starken
Hunger); b) Lust verspürend, etwas Bestimmtes zu essen:
sie war h. nach Schokolade. 2. (geh.) verlangend, [be]gierig:
-e Augen haben; nach Anerkennung. Abenteuern. Frieden
h. sein.
Hunne ['huna), der: -n. -n (meist PI.) [nach dem
ostasiatischen Nomadenvolk < spätlat. Hun(n)us < spätgriech.
Hoün(n)os (mhd. Hiune. md. Hüne)] (selten; abwertend):
roher, zerstörungswütiger Mensch, Barbar.
Hunt: t Hund (3).
Hunter ['hAnta], der; -s. - [engl, hunter. eigtl. = Jäger]:
I. (Reitsport) ursprünglich in England u. Irland gezüchtetes,
robustes, muskulöses Jagdpferd. 2. englischer Jagdhund.
hunzen fhunt$n] <sw. V.; hat) [zu t 'Hund] (veraltet, noch
mundartl.): wie einen Hund ausschimpfen od. behandeln.
Hup- [zu t hupen]: -konzert, das (ugs. scherzh.):
gleichzeitiges Hupen mehrerer Autofahrer (bes. als Ausdruck der
Ungeduld, wenn der Verkehr stockt): an der Kreuzung
ertönte ein H.; Westberliner Autofahrer übertönten die
..Internationale" mit einem wütenden H. (FAZ 11. 11.
69. 3); -signal, das: mit der Hupe gegebenes [ Warn] signal:
das H. kam zu spät, als daß es den Fußgänger noch
hätte rechtzeitig warnen können; -ton, der; -verbot, das:
1298
Hurrikan
Gebot der Straßenverkehrsordnung, das den Kraftfahrern
verbietet, auf bestimmten Strecken (z.B. in Kurorten od.
in der Nähe von Krankenhäusern) zu hupen.
Hupe ['huipo]. die; -n, -n [lautm.] (Kfz.-W.): Vorrichtung
an Fahrzeugen, mit der akustische Signale gegeben werden
können: die H. betätigen; er drückte ein paarmal kräftig
auf die H.; ... und schlug mit der flachen Hand auf die
H. (Reinig. Schifte 55); hupen ['hu:pn] <sw. V.; hat) [zu
f Hupe]: die Hupe ertönen lassen: mit der Hupe ein Signal
geben: dreimal, kurz, langgezogen h.; die Fahrer begannen
wütend zu h.; Menschen schrien. Autos hupten. Bremsen
quietschten (v. d. Grün. Irrlicht 14); Hupensignal, das:
t Hupsignal; Hupenton: t Hupton; Huperei [hu:po'r^j], die;
-: [andauerndes] als lästig empfundenes Hupen, Gehupe.
Hupf [huQfl. der; -[e]s. -e [zu t hupfen] (veraltet, noch
landsch.): kleiner Luftsprung.
Hüpf-: Minus, die: Springmaus mit wenig verlängerten
Hinterbeinen und sehr langem Greifschwanz: -spiel, das: vgl.
Himmel und Hölle; -spinne, die: svw. ! Springspinne.
Hypfdohle, die; -. -n (salopp): a) [RevueJtänzerin: Die
Entwicklung des Revuetanzes zeigt ganz deutlich, daß die
-n von 1847 schon mehr zeigten als verhüllten (MM 10.
10. 76. 10); b) Stripteasetänzerin: hupfen l'hußfp] <sw.
V.; ist) [mhd. hupfen] (südd.. österr.. sonst veraltet): svw.
T hüpfen; *das ist gehupft wie gesprungen (ugs.; das ist
völlig gleich, einerlei): hüpfen ['hYQfn] <sw. V.; ist) [mhd.
hüpfen]: kleine Sprünge machen: sich in kleinen Sprüngen
fortbewegen: der Vogel, der Grashüpfer hüpft; die Kinder
hüpfen [auf einem Bein] über die Steine, den Weg entlang;
Ein Kopfball von Preißler ... hüpfte nach hinten über
das Netz ins Aus (Walter. Spiele 126); mit hüpfendem
(sich auf u. ab bewegendem) Adamsapfel beginnt Otto
... seine Sätze (Hörzu 38. 1975, 12); <subst.:> die Kinder
spielen Hüpfen (Himmel u. Hölle): Ü die Lichtgerinnsel
.... die an der weißlichen, von Rissen geäderten Decke
der Schiftskammer hüpften (Gaiser, Jagd 183); das Herz
hüpft mit vor Freude [im Leibe]; * das ist gehüpft wie
gesprungen (T hupfen); Hupfer: ! Hüpfer; Htypfer, (bes.
südd., österr.:) Hypfer, der; -s. -: 1. kleiner Sprung in
die Höhe: große Schritte, die eine Neigung hatten, in recht
kuriose Sprünge und Hüpfer auszuarten (K. Mann.
Mephisto 65). 2. (ugs.)jmd., der springt, hüpft o.a.: Ü ein junger
Hüpfer (Soldatenspr. iron.; erst kurze Zeit dienender
Soldat). 3. svw. T Grashüpfer; Hüpferling ['hYQffelinl. der; -s.
-e: kleiner Krebs in Seen u. Flüssen: huppen ['hupn] <sw.
V.; ist) [mhd. (md.) huppen] (nordd., md.): svw. t hüpfen.
Hürdien ['hy^^n], das; -s. - [Vkl. zu tHure] (abwertend):
junge, noch unerfahrene Hure (a. b): Die niedliche Andrea
spielt hier ein H., das. aus deutschen Landen frisch in
römische Betten gelegt, bald ermordet wird (Hörzu 45.
1975. 20); Am Nebentisch ... saßen zwei superelegante
junge H. (Zwerenz. Quadriga 198).
Hürde [horda], die; -, -n [vgl. Hürde]: 1. geflochtene Wand
zum Bekleiden von Böschungen. 2. (südwestd.. Schweiz.)
svw. f 'Horde (a, b); Hürde ['hvrdd], die; -. -n [urspr. wohl
PI. zu mhd. hurt = Flechtwerk (als Zaun. Brücke. Falle
o.a.). ahd. hurd = Flechtwerk aus Reisern od. Weiden.
Hürde]: 1. (Leichtathletik. Reitsport) Hindernis in einer
bestimmten Höhe, das die Läufer bei einem Hürdenlauf,
die Pferde bei einem Hürdenrennen überqueren müssen: eine
H. überspringen, passieren, reißen, werfen; er siegte über
110 Meter -n (er gewann den Hürdenlauf über 110 Meter):
Ü Das Bürgerrechtsgesetz ... blieb letzte Woche an den
-n des Kapitols hängen (Spiegel 39. 1966. 131); *eine H.
nehmen (eine Schwierigkeit überwinden): mit dieser
Prüfung hat er die letzte H. genommen. 2. a) tragbare
/geflochtene] Einzäunung für Vieh, bes. für Schafe: die -n
aufstellen; b) von Hürden (2 a) eingeschlossener Platz auf
einem Feld: Schafe in die H. treiben. 3. svw. T'Horde (a).
Hyrden- (Hürde 1): -lauf, der (Leichtathletik): baufwettbe-
werb, bei dem in bestimmten Abständen aufgestellte Hürden
während des Laufes zu überspringen sind: er gewann den
H. der Herren über 200 Meter, dazu: -läufer. der: auf
den Hürdenlauf spezialisierter Läufer: ^rennen, das
(Reitsport): Hindernisrennen mit leicht beweglichen Hürden:
-sprint, der (Leichtathletik): Hürdenlauf (über 110 u. 200
Meter), dazu: -Sprinter, der: Hürdenläufer (über HO u.
200 Meter): -Staffel, die (Leichtathletik): Staffellauf über
eine Hürdenstrecke: -strecke, die (Leichtathletik): Strecke
bei einem Hürdenlauf.
Hürdler [hYrdte], der; -s. - [zu THürde I] (Schweiz.): svw.
T Hürdenläufer: den Auftakt machten die H. mit den Halb-
finals über die Bahnrunde (Vaterland 15. 10. 68, 17).
Hure ['hu:ra], die; -. -n [mhd. huore. ahd. huora. zu: huor
= außerehelicher Beischlaf; Ehebruch, vgl. t huren]: a)
(abwertend, oft Schimpfwort) Frau, die als moralisch
leichtfertig, verworfen angesehen wird, weil sie außerehelich od.
wahllos mit Männern geschlechtlich verkehrt: er scheint
alle Frauen für -n zu halten; Man schrie ihr nach: ..Hure"
(Jahnn. Geschichten 15); Ü ..Das Kriegsglück ist eine H."
(Kirst. 08/15. 937); b) (abwertend) Prostituierte. Dirne (2):
eine frühere H; ein paar -n lungerten an den Ecken herum
(Remaraue. Triomphe 165); Er lebte unter Bettlern,
Dieben. Strichjungen und -n (Genet [Übers.], Tagebuch 32);
vgl. Hürchen; huren ['hu:rn] <sw. V.; hat) [mhd. huoren.
ahd. huorön = außerehelichen Geschlechtsverkehr haben
od. Ehebruch treiben] (verächtl.): mitjmdm. außerehelichen
Geschlechtsverkehr haben: mit häufig wechselnden Partnern
[ausschweifenden] Geschlechtsverkehr haben: die Soldaten
soffen und hurten; Dabei hatte sie bereits vor einem Jahr
mit einem amerikanischen Besatzungsofflzier gehurt
(Kinski, Erdbeermund 247).
Huren-: -bock, der [zu tBock 2] (Schimpfwort): Mann,
der mit wechselnden Partnerinnen häufig fu. ausschweifend]
Geschlechtsverkehr hat: Bei den Weibern haste rumgehurt,
du H.! (Fallada. Jeder 85); -haus, das (verächtl.): Bordell:
-kind, das [nach den Regeln der Typographie dürfte die
Zeile nicht an dieser Stelle stehen u. hebt sich so von
der normalen Zeilenordnung ab. ähnlich wie ein
„Hurenkind" früher ausgestoßen, isoliert u. verachtet war u. sich
so deutlich von den ehelichen Kindern unterschied]
(Druckw): [einen Absatz beschließende] Einzelzeile am
Anfang einer neuen Seite od. Spalte, die drucktechnisch
vermieden werden soll; -lohn, der (verächtl.): Lohn, den
eine Hure (a. b) für ihre Dienste erhält: -söhn, der
(Schimpfwort): gemeiner, niederträchtiger Kerl: ^viertel, das
(verächtl.): Viertel, in dem die Prostituierten. Huren (b) ihrem
Gewerbe nachgehen: Mveibel. der (hist.): Aufseher über den
Troß (mit Frauen u. Kindern) im Landsknechtsheer: ^wirt,
der (verächtl.): Inhaber eines Bordells.
Hurer ['hu:re], der; -s. - [mhd. huorer. ahd. huoräri]
(verächtl. selten): Mann, der mit wechselnden Partnerinnen
häufig [u. ausschweifend] Geschlechtsverkehr hat: Meister und
Meisterin schrien auf ihn ein: ..Bauernlümmel! H.!
Verführer ..r (Strittmatter.Wundertäter 126); Hurerei [hu.ra'ny],
die; -. -en [spätmhd. huererci] (verächtl.): [wiederholter]
außerehelicher Geschlechtsverkehr: H. treiben; hurerisdi
<AdJ.; nicht adv.> (verächtl. selten): sexuell ausschweifend:
-es Treiben.
Huri ['hu.ri], die; -. -s [pers. hüriy < arab. l)ür =
Kollektivbildung zu: Ijüriya = (Paradies)Jungfrau; Nymphe]:
schönes Mädchen im Paradies des Islam.
Hurling [ho^lml. das; -s [engl, hurling. zu: to hurl =
schleudern, werfen] (Ballspiele): in Irland gespieltes, dem
Hockey ähnliches Ballspiel: <Zus.:> Hurlingschläger, der.
hürnen ['hYrnan] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.> [mhd. hürnln.
ahd. hurnln] (veraltet): aus Hörn, hörnern.
hurra! [hu'ra:. auch: hura] <Interj.) [mhd. hurrä. eigtl.
= Imperativ von: hurren = sich schnell bewegen]: Ausruf
der Begeisterung, des Beifalls: h.. morgen beginnen die
Ferien!; beim Empfang der Nationalelf auf dem Flugplatz
schrien die begeisterten Anhänger h.; die Soldaten riefen
h.; vgl. hipp. hipp, hurra!; <subst.:> Hurra [-]. das; -s.
-s: ein donnerndes, dreifaches H!; minutenlang schallten
-s über den Platz; jmdn. mit [einem] H. begrüßen,
empfangen; mit H. stürmten die Soldaten voran.
hurra-, Hurra- [-]: -gebrüll, das; -geschrei, das: die Sportler
wurden durch das H. der Zuschauer zu noch größeren
Leistungen angespornt; -patriot, der (ugs. abwertend):
übertrieben begeisterter, übereifriger Patriot: die Gestalt
des Diederich Heßling in Heinrich Manns Roman „Der
Untertan" ist ein typischer H.; ^patriotisch <Adj.; o. Steig.;
nicht präd.>: einen übertrieben begeisterten Patriotismus
zeigend: ihm entspringend: -e Schriften, Reden;
^Patriotismus, der: übertrieben begeisterter Patriotismus: Kein H.!
Kein Fahnenschwingen oder Säbelrasseln! (K. Mann.
Wendepunkt 383); ^ruf, der.
Hurrikan [hArikan. 'hurikan]. der; -s. -e u. (bei engl. Aus-
spr.:) -s [engl, hurrican < span. huracän = Wirbelsturm
< indian. (Taino) hurakän. zu: hura = Wind; wegblasen]:
82*
1299
hurtig
(im Gebiet des Nordatlantiks u. in Westindien auftretender)
verheerender tropischer Wirbelsturm.
hurtig [hurtig] <AdJ.; nicht präd.) [mhd. hurtec. zu: hurt[e]
= Stoß. Anprall, stoßendes Losrennen < afrz. hurt, zu:
hurter = stoßen] (veraltend, noch landsch.): schnell: flink
u. mit einer gewissen Lebhaftigkeit tätig, handelnd, sich
l auf ein Ziel zu] bewegend: ein -es Durcheinanderkrabbeln
(Nossack. Begegnung 391); h. arbeiten; Jedenfalls drängt
die Zeit; sie vergeht so h.. wenn man älter wird (K. Mann.
Wendepunkt 336); etwas h.!/h.. h.! (Aufforderung, sich
zu beeilen): <Abl.:> Hurtigkeit, die; -.
Husar [hu'za:g]. der; -en. -en [ung. huszär < serbokroat.
husar. gusar = (See)räuber < ital. corsaro. t Korsar]
(hist.): Angehöriger der leichten Reiterei in ungarischer
Nationaltracht.
Husaren-: -oberst. der; -regimefit, das; -ritt, der:
draufgängerisch unternommene, waghalsige Einzelaktion: ^streich,
der: svw. t-stück; -stücklchen]. das [nach der für die
Husaren typischen Kampfweise, die oft den Charakter
eines Handstreichs hatte]: tollkühner Handstreich, mit
größten Risiken verbundene, aber erfolgreich durchgeführte
Unternehmung: die Befreiung des Politikers war ein
beispielloses H.; ein H. vollbringen; -Verschluß, der [nach den
ähnlichen Verschlüssen des Waffenrocks der Husaren]
(Mode): dekorativer, sportlich wirkender Verschlußaus
Kordel u. Knebel an Mänteln u. Jacken.
husch! [hol; mhd. hutsch. lautm.]: zur Kennzeichnung einer
schnellen, mit einem kaum wahrnehmbaren Geräusch
verbundenen Bewegung: h.. war die Eidechse verschwunden;
er warf die Schulmappe auf einen Stuhl und h., war er
mit dem Rad auf und davon; (auch adv.:> das geht nicht
so h., h. (schnell): er macht seine Schularbeiten immer
reichlich h.. h. (schnell fu. oberflächlich]): häufig als
Aufforderung, schnell etw. zu tun. sich mit etw. zu beeilen:
h.. hinaus mit dir!, h.. h.! (fort, weg mit dir/euch): h.,
an die Arbeit, ins Bett!; h., h.. ins Körbchen (fam.; mach,
daß du ins Bett kommst/macht, daß ihr ins Bett kommt):
<subst.:> Husch [-]. der; -[e]s. -e <P1. ungebr.) (ugs.): das
Huschen (a): Ein leises öffnen der Tür. ein H. ins Haus
(Apitz. Wölfe 193); * im/in einem H. (ugs.; in großer Eile,
im Nu): sie hat alles im H. fertiggemacht; auf einen H.
(ugs.; für eine kurze Zeit): er kam gestern auf einen H.
zu uns; Husche [hujd], die; -. -n [spätmhd. husch, zu
t husch] (ostmd.): kurzer Regen- od. Schneeschauer: Huschel
['huj|]. die; -. -n [zu thuscheln] (landsch. abwertend):
unordentliche, liederliche weibliche Person: Huschelei [hoJVl^j],
die; -. -en (landsch.): huschelige Ausführung von etw.:
huschelig« huschlig ChuKsMit;] <AdJ.> (landsch.): etw. schnell
u. nur so obenhin ausführend: eine ganz -e Person; h.
sein, arbeiten, dazu: Hgsdieligkeit. Hyschligkeit. die; -.
-en: Hgsdielliese. die [zum 2. Bestandteil vgl. Heulliese]:
(landsch.): svw. f Huschel; huscheln I'hujln] <sw. V.; hat)
[Intensivbildung zu Thuschen] (landsch.): 1. svw. t huschen
(a): Es (=das Männlein) huschelte mäuseartig ins Freie
(Seghers, Transit 121). 2. (abwertend) oberflächlich-schnell
arbeiten: er huschelt, anstatt ordentlich zu arbeiten. 3.
<h. -I- sich) sich warm einhüllen, sich kuscheln: ich huschelte
mich in meinen Mantel; huschen ['hojn] <sw. V.; ist) [zu
t husch]: a) sich lautlos u. leichtfüßig schnell fortbewegen,
so daß man nur flüchtig gesehen wird: eine Eidechse huschte
über den Weg; die Maus huschte bei dem Geräusch in
ihr Versteck; Sophie huschte in ein Haustor (Bieler,
Mädchenkrieg 282); b) sich lautlos u. schnell [über etw. hin]
bewegen: er sah einen Schatten, den Schein einer
Taschenlampe über die Wand h.; der Widerschein eines
ironischen Lächelns ... huschte über ihr Gesicht (Remarque.
Triomphe 302); huschig ['hüll«;] <Adj> (landsch.): a) svw.
t huschelig; b) <o. Steig.; nicht adv.) sich beständig in
huschender Weise bewegend: Als Zugabe wäre noch eine
-e Tante zu nennen, die unter immer gleichem Hut einen
Freitisch wahrnimmt (Grass. Hundejahre 626); huschlig:
t huschelig; Husdiligkeit: t Huscheligkeit: setze ihnen nicht
die Köpfe verkehrt auf in deiner H.. daß sie mit dem
Gesicht im Nacken herumlaufen (Th. Mann, Tod u.a.
Erzählungen 175).
'Hüsing [hy.zm]. die; -, -en [mniederd. husinge, zu: hüs
= Haus] (niederd.): Behausung. Heim.
2Hüsing [-]. die; -en [mniederd. hüsinc. H. u.] (See-
mannsspr.): [aus drei Kardeelen gedrehte] geteerte Leine.
Husky [haski], der; -s. ...kies od. -s [engl, husky. viell.
entstellt aus: Esky = mundartl. Kurzf. von: Eskimo]:
Eskimolwnd.
Husle ['hoste], die; -. -n [aus dem Slaw.; vgl. serbokroat.
gusle. f Gusla]: altertümlich geformte, heute nicht mehr
gebräuchliche Geige der Lausitzer Wenden.
hussa! [husa], hussasa! [hosasa] <Interj.): Ruf zum
Antreiben. Hetzen. z.B. eines Pferdes od. eines Hundes, bes.
bei der Jagd: h. rufen; <subst.:) mit Hussa und Geschrei;
hussen ['hosn] <sw. V.; hat) [zu Thussa] (österr.):
[vernetzen: aufwiegeln.
Hussit [hu'si:t].der; -en. -en [nach dem tschechischen
Reformator J. Hus (1369-1415)] (hist): Anhänger der
religiös-sozialen Aufstandsbewegung im 15. u. 16. Jh. in Böhmen, die
durch die Verbrennung des Reformators Hus auf dem Konzil
zu Konstanz (1415) hervorgerufen wurde.
hüst! [Inst] (Interj.) (landsch.): Zuruf an ein Zugtier: nach
linksüGss.: hott).
hüsteta [hy:stln] <sw. V.; hat) [zu thusten]:
[mehrmalshintereinander] schwach husten: ärgerlich, verlegen, vornehm
h.; diskret h. (durch Hüsteln jmdm. ein Zeichen geben,
etwas zu tun. zu beachten o. ä.): <subst.:> mit einem Hüsteln
machte er seine Frau auf den Fauxpas aufmerksam; husten
fhu:stn] <sw. V.; hat) [mhd. huosten. ahd. huostön]: l.a)
Luft, gewöhnlich infolge einer Reizung der Atmungswege,
stoßweise, heftig u. mehr od. weniger laut aus der Lunge
durch den Mund herauspressen: laut, stark, keuchend, die
ganze Nacht h.; er hatte sich verschluckt und mußte
fürchterlich h.; das Kind war stark erkältet und hustete und
nieste in einem fort; hinter der vorgehaltenen Hand h.;
jmdm. ins Gesicht h.; diskret h. (durch absichtliches Husten
jmdm. ein Zeichen geben, etwas zu tun. zu beachten o.a.):
Ü der Motor hustet (ugs.; arbeitet stockend): <subst.:) das
gedämpfte Bellen und Husten der Geschütze (Apitz, Wölfe
307); * auf etw. h. (salopp; auf etw. % was einem nicht genügt,
verzichten, keinen Wert legen): auf so ein Angebot huste
ich; b) den Husten haben: er hustet schon seit einer Woche;
<subst.:> Dann, im letzten Winter, hatte er plötzlich das
trockene Husten gekriegt (Degenhardt. Zündschnüre 46).
2. beim Husten herausbefördern, auswerfen: Blut. Schleim
h.; *jmdm. [et)was/(seltener:) eins h. (salopp spött.;
keineswegs geneigt sein. jmds. Wunsch o.a. zu erfüllen, seiner
Aufforderung nachzukommen): er wollte von mir 100 Mark
leihen, dem hab' ich aber was gehustet; Husten [-]. der;
-s, - <P1. selten) [mhd. huoste. ahd. huosto; urspr. lautm.]:
[ Erkättungsjkrankheit. bei der man oft u. stark husten
muß: chronischer. Quälender, trockener H.; ein heftiger
H. überkam, schüttelte ihn; H. haben, bekommen; Ü
Plötzlich bellte ein Fuchs in den Bergen ... Andere Füchse
fielen ein; es war ein heiseres H. ringsum (Nossack.
Begegnungen 386).
Husten-: Minfall, der; ^bonbon, der od. das: den Husten
linderndes Bonbon mit schleimlösenden Substanzen:
^Itrampf, der; ^medizin. die: svw. t-mittel; --mittel, das:
gegen Husten wirksames Arzneimittel: -pastille, die: vgl.
^bonbon; -reflex, der: Reaktion auf einen Hustenreiz:
-reiz, der: der quälende H. löste sich; -«aft, der: Hustetimit-
tel in Form von Saft: ^airup. der: vgl. ^saft; ^tee. der:
gegen Husten wirksamer, schleimlösender Tee aus
Heilkräutern: Bronchialtee: -tropfen <P1.>: Hustenmittel in Form
von Tropfen.
Huster, der; -s, - [zu t husten]: 1. (selten) jmd.. der viel,
laut hustet: ein chronischer H. 2. (ugs.) einmaliges Husten:
ein kurzer H.
'Hut [hu.t], der; -[e]s. Hüte ['hy:to] <Vkl. T Hütchen) [mhd.,
ahd. huot. eigtl. = der Schützende. Bedeckende, zu T ^ut]:
I. Kopfbedeckung aus einem geformten Kopf teil meist mit
Krempe, die zum Schutz gegen Regen. Wind u. Sonne,
als Teilemer [Amts]tracht od. als modisches ZiSehör
getragen wird: ein steifer, weicher, breitkrempiger, randloser,
eleganter, altmodischer H.; ein H. mit breiter Krempe;
ein H. wie ein Wagenrad, mit so Pleureusen dran (Kem-
powski. Uns 179); den H. abnehmen, aufsetzen, (zum
Gruß) schwenken, aufbehalten, in den Nacken schieben,
ins Gesicht drücken; [tief] vor jmdm. den H. ziehen; an
den H. tippen (zum Gruß); sich eine Feder an den H.
stecken; [für jmdn., etw] den H. herumgehen lassen ([für
jmdn.. etw] in einer Versammlung o. ä. Geld sammeln, indem
man einen Hut herumgehen läßt, in den jeder das von ihm
gespendete Geld legt): in H. und Mantel (bereit zum
Ausgehen): R da geht einem der H. hoch (ugs.; das macht einen
1300
Hütten-
wütend, rasend): H. ab! (ugs.; alle Achtung, allen Respekt,
meine Anerkennung): Das hat er fertiggebracht? H. ab
vor diesem Mann, vor soviel Zivilcourage!; Spr mit dem
-e in der Hand kommt man durch das ganze Land (wer
höflich ist fu. stets den Hut zum Gruße zieht]'. erreicht
viel): *ein alter H. (ugs.; etwas Altbekanntes, längst nichts
Neues mehr): Nun ist die Tatsache .... daß es bei einigen
Luftverkehrsgesellschaften auf bestimmten Routen ganz
legale Spartricks gibt, für Kenner ... ein alter H. (Welt
25. 2. 76. 1); seinen Hut nehmen [müssen] (ugs.; aus dem
Amt scheiden, zurücktreten /müssen/): nach dieser Affäre
mußten ein Minister und zwei Staatssekretäre den H.
nehmen; vor imdm.« etw. den H. [ab]ziehen/[ab]nehmen (ugs.;
vor imdm., etw. alle Achtung haben, imdm.. einer Sache
einen Respekt nicht versagen): vor diesen Frauen muß man
wirklich den H. ziehen; das kann sich (Dat.) jmd. an den
H. stecken (ugs. abwertend; das kann jmd. behalten I weil
man selbst darauf überhaupt keinen Wert legt, weil man
es für wertlos, uninteressant hält]: viell. nach der zu Ende
des 19. Jh.s aufgekommenen Sitte der jungen Männer,
sich nach Ende der Militärdienstzeit eine Papierblume
an den Hut zu stecken): sein Geld kann er sich an den
H. stecken, das interessiert mich überhaupt nicht; mit
etw. etwas/nichts am H. haben (ugs.; mit etw. etwas/
nichts zu schaffen, zu tun haben: sich um etwas/nichts
kümmern): Und mit Politik und so hab ich nichts am
H. (Degener. Heimsuchung 28); imdm. eins auf den H.
geben (ugs.; imdm. einen Verweis, eine Rüge erteilen): eins
auf den H. kriegen, bekommen (ugs.; einen Verweis, eine
Rüge erhalten): etw. aus dem H. machen (ugs.; etw.
unvorbereitet machen, improvisieren: wahrsch. in Anspielung auf
Zauberkünstler, die aus ihrem Hut Tiere o. ä.
hervorzaubern): Gesagt habe ich das. Das stimmt. Aber aus dem
H. (Plenzdorf. Leiden 12); unter einen H. bringen (ugs.;
einigen: in Einklang. Übereinstimmung bringen): es ist
schwer, so viele Menschen. Interessen unter einen H. zu
bringen; unter einen H. kommen (ugs.; einig werden, überein-
kotnmen). 2. (Bot.) hut- od. schinnförmiger oberer Teil
der Hutpilze: *Hut [-]. die; - [mhd. huote. ahd. huota
= Bewachung. Behütung, Obhut] (geh.): Schutz,
schützende Aufsicht. Obhut: das Kind ist bei ihr in bester H.;
*auf der H. sein (vorsichtig sein, sich in acht nehmen:
Soldatenspr.. eigtl. = auf Wache im Felde außerhalb des
Heerlagers stehen): bei. vor ihm mußte man immer auf
der H. sein; Er war zu wenig gegen die Erschöpfung ...
auf der H. (Jahnn. Nacht 144).
hut-, Hut- ('Hut): -abläge, die: Ablage für Hüte: den Hut
auf die H. legen; -abteikmg. die: Abteilung eines
Kaufhauses, in der Hüte verkauft werden: -band, das: als
Schmuck dienendes Band, das die Stelle zwischen Kopf teil
u. Krempe eines Huts überdeckt: sich eine Feder ins H.
stecken; -fach, das: Fach in einem Schrank zum Aujbewafi-
ren von Hüten: -feder, die: eine wippende H.; -form,
die: 1. Form eines Hutes: eine klassische, sportliche H.
2. rundes /hölzernes] Modell zum Formen von Hüten:
^förmig <AdJ.; o. Steig.; nicht adv.>: die Form eines Hutes
habend: -futter, das: das H. festnähen; -geschäft, das;
-große, die: er trägt H. 55; -kofTer, der: runder Koffer
zum Transport von Hüten: -krempe, die: eine breite,
heruntergeschlagene H.; -laden, der; ^los <Adj.; o. Steig.; nicht
adv.>: keinen Hut tragend, ohne Hut: So hockte er auf
einer öffentlichen Bank h. im Regen (Frisch, Gantenbein
394); -macher, der: jmd.. der Hüte u. Mützen anfertigt,
ändert u. aufarbeitet (Berufsbez.); -macherin [-maxann].
die; -. -nen: w. Form zu t MTiacher; -mode, die: ein Wandel
in der H.; -modell, das; -nadel. die: Schmucknadel,
mit der man Damenhüte im Haar befestigt: -pilz, der:
Pilz mit hutförmigem Fruchtkörper: -rand, der: svw.
f -krempe; -Schachtel, die: große, runde Schachtel zum
Transport u. zum Aufbewahren von Hüten: ^schnür, die:
vgl. -band; *etw. geht Ümdm.] über die H. (ugs.; etw. geht
/imdm.] zu weit: urspr. Bez. für die zulässige Stärke des
Wasserstrahls, des aus einem Rohr fließenden Wassers
bei der Wasserentnahme; wer dieses Maß überschritt,
verstieß gegen die Nutzungsvorschrift): daß er mich jetzt
auch noch anpumpen wollte, das ging [mir] denn doch
über die H.!; -Ständer, der: den Hut an den H. hängen;
-Stumpen, der: grob vorgeformter Filz, der zu einem Hut
verarbeitet wird: zweite, die: svw. t ^größe; -zucker, der:
kegelförmig gepreßter Zucker.
Hütchen ['hy:t(pn]. das; -s. -: t 'Hut.
Hüte- ['hy:ta-; zu t hüten]: -hund, der: Er hatte eine
Schafherde und einen H.. der die Tiere seit Jahren ... auf die
... Wiese trieb (H. Grzimek. Tiere 75); -junge, der: als
Hirt tätiger Junge: -lohn, der: Lohn für das Hüten von
Tieren.
hüten [hy:tn] <sw. V.; hat) [mhd. hüeten. ahd. huotan]:
1. auf jmdn.. etw. aufpassen, daß ihm bzw. der Sache kein
Schaden zugefügt wird od. doli er bzw. es keinen Schaden
anrichtet: schützend bewachen: jmd. muß die Kinder h.;
eine alte Frau hütet den Laden und blickt mißtrauisch
... auf den Betrachter der Auslage (Koeppen. Rußland
66); einen Gegenstand sorgsam, eifersüchtig h.; die Vesta-
linnen hüteten das heilige Feuer; Ü ein Geheimnis
gewissenhaft, sorgfältig h.; es sind Klischees, die mit der Realität
nichts zu tun haben, die aber so lange liebevoll gehütet
werden, wie ... (Dönhoff, Ära 158). 2. auf die weidenden,
auf der Weide befindlichen Tiere achten, auf sie aufpassen:
die Schafe. Ziegen h. 3. <h. + sich) sich in acht nehmen,
sich vorsehen: sich vor seinen Feinden, vor falschen
Schritten h.; hüte dich vor ihm!; Hüten wir uns. ein gebranntes
Geschlecht! (Mostar. Unschuldig 20); hüte dich [ja]
(unterlasse es, um Unannehmlichkeiten zu vermeiden), ihm die
Wahrheit zu sagen!; ..Kommst du mit!44 - „Ich werde
mich h.!" (ugs.; keinesfalls, damit handle ich mir nur
Unannehmlichkeiten ein).
'Hüter ['hy:tel. der; -s. - [mhd. huetaere. ahd. huoteri]: 1.
jmd.. der jmdn.. etw. hütet (\). schützend bewacht: Wächter.
Schützer. Bewahrer: ein H. der Rechtsordnung, der
Demokratie; Sie waren gewohnt, daß man einander in den Opem
lustig betrog, daß die H. der Tugend an der Nase
herumgeführt ... wurden (Thieß. Legende 166); ein H. des Gesetzes
(scherzh.; Polizist). 2. (Sport) kurz für tTorhüter.
Bluter [-]. der; -s. - [zu t 'Hut] (landsch.): svw. t Hutmacher.
Hüterin, die; -. -nen [mhd. hüeterin]: w. Form zu t 'Hüter;
Hutgerechtigkeit, die; - (veraltet): Recht, sein Vieh an einer
bestimmten Stelle hüten zu lassen.
'Hutsche Chutja]. die; -. -n [zu t 'hutschenl (südd.. österr.
ugs.): Schaukel: die Kinder hatten im Garten eine H.
Putsche [-]. Hütsche ['hYjJal. die; -. -n Izu tPutschen]
(landsch.): Fußbank; niedriger Schemel.
'hutschen [hüjjn] <sw. V.; hat) [zu thusch] (südd.. österr.
ugs.): I. <auch: h. + sich) schaukeln: Das werden sie
erfahren, aber nur unter der Bedingung, daß Sie sich zuerst
hutschen mit uns (J. Nestroy. Das Mädl aus der Vorstadt
394). 2. <h. + sich) weggehen, sich entfernen; <Zus.:)
Hgtschpferd, das (südd.. österr. ugs): Schaukelpferd: das
Kind klettert auf das H.; * grinsen wie ein [frisch lackiertes)
H. (ugs. scherzh.; breit grinsen).
Putschen [-] <sw. V.; hat) [niederd., ostmd.; spätmhd. (md.)
hutschen = rutschen; schieben] (landsch.): a) am Boden
rutschen, kriechen; b) hin- u. herrücken.
Hüttchen ['hvt^nl. das; -s. -: T Hütte (1).
Hütte I'huta]. die; -. -n [vgl. Hotte] (Schweiz, mundartl.):
Rückentragkorb: Hotte: seine ganze Habe hatte in der
H. Platz; Ü eine H. voller Neuigkeiten; * seine H. tragen
(sein Schicksal auf sich nehmen).
Hütte ['hvtoj. die; -. -n [1: mhd. hütte. ahd. hutta; eigtl.
= Bedeckende. Umhüllende; urspr. Bez. für einen nur
zur vorübergehenden Unterkunft mit einfachen Mitteln
(Holz. Flechtwerk) errichteten Bau; 3: mhd. hütte. urspr.
der Schuppen, in dem Erze gelagert wurden]: 1. (Vkl.
T Hüttchen) a) einfach gebautes, ärmliches kleines Haus,
das meist nur aus einem einzigen Raum besteht: eine schiefe,
armselige H.; die -n der Eingeborenen; eine H. aus Holz,
Wellblech bauen; sie suchten in einer H. Schutz vor dem
Unwetter; die -n (armseligen Häuser) des Arbeiterviertels;
R hier laßt uns -n bauen (ugs.; hier wollen wir bleiben,
uns niederlassen, von hier wollen wir nicht wieder weggehen;
nach Matth. 17.4 ); Ü Hier mag die Hoffnung ihre H.
bauen (Thieß. Dämonen 644); b) kurz für Skihütte.
Wanderhütte. Berghütte u. ä.: Weihnachten auf einer H.
verbringen. 2. (Seemannsspr.): sich auf dem hinteren Deck quer
über das ganze Schiff erstreckender Aufbau, dessen Inneres
meist als Kajüte eingerichtet ist. 3. industrielle Anlage, in
der aus Erzen Metall gewonnen od. keramische Produkte
hergestellt werden; Hüttenwerk: mehrere -n müssen
stillgelegt werden.
'Hatten- (Hütte 1): -abend, der: geselliges abendliches
Beisammensein in einer Berghütte o. ä.; -fest, das: vgl. --abend;
1301
hütten-, Hütten-
-finken, der (Schweiz.): svw. t -schuh; -gaudi, das, auch,
österr. nur: die (ugs.): vgl. -abend; -jagd, die (Jagdw.):
Jagd von einer meist ins Erdreich versenkten, getarnten
Hütte aus mit Hilfe von Lockmitteln; -käse, der: sehr
trockener Quark; -schuh, der [urspr. in den Skihütten
getragener Schuh]: als Hausschuli dienender Schuh mit
weicher Sohle, dessen Obermaterial aus Filz od. gestrickter
Wolle besteht.
hytten-, -Vlgtten- (Hütte 3): -arbeiter, der; -betrieb, der;
-bims, der: bes. zur Wärme-u. Schallisolierung verwendetes,
durch Aufschäumen von flüssiger Hochofenschlacke
gewonnenes, leichtes, poröses Schlackenprodukt; -fähig <Adj.;
o. Steig.; nicht adv.>: zur Verhüttung geeignet: -e Erze;
-Industrie, die: - Ingenieur, der: Ingenieur, der mit der
technischen Leitung von Hüttenbetrieben u. Walzwerken betraut
ist (Berufsbez.); -koks, der: fester Koks in großen Stücken,
der in Hüttenbetrieben verwendet wird; -kombinat, das
(DDR): Kombinat, das verschiedene Betriebe der
Hüttenindustrie zusammenfaßt; -künde, die: Wissenschaft, die sich
mit der Metallgewinnung durch Verhüttung von Erzen
befaßt; Metallurgie; -mann, der <P1. ...leute. seltener: ...män-
ner>: Arbeiter od. Angestellter in einem Hüttenbetrieb;
-mimisch <Adj.; o. Steig.): den Hüttetimann u. sein Fach
betreffend: h. gewonnene Metalle; -rauch, der [spätmhd.
hüttrouchl: weißer Rauch, der beim Rösten von arsenikhalti-
gen Erzen entsteht; -werk, das: svw. t Hütte (3): Lieferung
eines -s für Nigeria; -werker, der: svw. -arbeiten -wesen,
das <P1.>: technischer u. wirtschaftlicher Bereich des Verhüt-
tens von Erzen.
Hüttner ChYtne], der; -s. - [zu t Hütte (I)] (veraltet): Inhaber
einer Hütte; kleiner Landwirt.
Hüttrech [hvtrax]. das; -s [spätmhd. hüttrouch. eigtl. =
t Hüttenrauch! (österr. ugs.): Arsen.
Hutimg [hu:tunl. die: -. -en [zu thüten] (Landw.): Weide
geringer Qualität [für Schafe od. Ziegen]; Htftung, die:
-. -en: das Hüten; Hutweide, die (Landw.): der Gemeinde
gehörende Weide, auf die das Vieh täglich getrieben wird.
Hutze ['hulßdj.die; -, -n [H. u.. viell. aus dem Md.] (Kfz.-T.):
bes. bei Sportwagen Abdeckung aus Blech, mit der aus
der Karosserie herausstehende Teile geschützt werden.
Hutzel rhut$|]. die; -.-nll: mhd. hutzel. hützel =
getrocknete Birne. Dörrobst; 3: H. u.] (landsch.): 1. gedörrte Frucht,
bes. Birne: 500 Gramm -n. 2, alte Frau mit runzliger,
faltiger Haut. 3. Tannenzapfen.
Hi/tzek -birne, die: gedörrte Birne; -brot. das: als
Festgebäck bes. in Süddeutschland beliebtes Brot mit getrockneten
Früchten. Gewürzen u.a.; Früchtebrot; -mämchen, das:
svw. t Heinzelmännchen; -weibdein], das: svw. T Hutzel
(2): ein altes H.
hutzelig, hutzlig ['hut$(a)lic] <Adj.; nicht adv.) (ugs.): [vor
Alter] viele Runzeln. Falten habend; dürr, welk: ein -es
altes Weib; -es Obst; das Neugeborene ist noch ganz h.;
hutzeln ['hu^ln] <sw. V.) [vgl. mhd. verhützeln =
zusammenschrumpfen] (landsch.): X.dürr. trocken machen, dörren
(1) <hat>: Obst h. 2. dürr, trocken werden, einschrumpfen,
dörren (2) <ist>: die Äpfel sind gehutzelt.
Hutzenstube [hu^n-]. die; -. -n (ostmd.): Stube, in der
gesponnen wird; Stid>emit Ofenbank zum gemütlichen Plaudern
in größerem Kreis.
hutzlig: f hutzelig.
HwG-Mädchen [ha:ve:'ge:-]. das; -s. - (Jargon): 1. Mädchen
mit häufig wechselndem Geschlechtsverkehr. 2.
Prostituierte: Nur 1000 HwG-Mädchen sind in den Beratungsstellen
der Gesundheitsämter registriert (Spiegel 14. 1976. 87);
HwG-Person, die; -. -en (verhüll.): vgl. -mädchen (2):
in der behördlich neu geschaffenen Formel der, JH wG-Per-
sonen" zeigt es sich, daß ... (Schelsky, Soziologie 47).
hyalin [hya'li:n] <Adj.;o. Steig.; nicht adv.) [spätlat. hyalinus
= gläsern < griech. hyälinos. zu: hyalos = Glas] (Med..
Geol.): glasig, glasartig: Ein besonders gearteter -er Eiweiß-
stoflf, der sich ... im Bindegewebe ablagert (Medizin II.
154);-eGesteine; Hyalit [hya'li:t. auch: ...'lit]: wasserheller,
wie Glas glänzender Opal, der oft als krustenartiger Überzug
auf vulkanischen Gesteinen vorkommt; Hyalitis, die; -. ...iti-
den (Med.): Entzündung des Glaskörpers im Innern des
Augapfels, hyabid [...o'i:t] <Adj.; o. Steig.): a) glasartig;
b) (Med.) den Glaskörper des Auges betreffend;
Hyaloplasma, das; -s (Med.): flüssige, klare, fein granulierte
Grundsubstanz des Zellplasmas.
Hyäne ['hyems], die; -. -n Imhd. hientier. hienna. ahd. üena
< lat. hyaena < griech. hyaina, zu: hys = Schwein,
wohl mit Bezug auf den borstigen Rücken der Hyäne,
der an den eines Schweines erinnert]: 1. in Afrika u. Asien
heimisches, hundeähnliches, sehr gefräßiges Raubtier mit
kräftigem Gebiß, vorne stark überhöhtem Körper, borstiger
Rückenmähne u. buschigem Schwanz, das sich vorwiegend
von Aas u. Kleintieren ernährt u. bes. nachts auf Beute
ausgeht. 2. (ugs. abwertend) rücksichtsloser, selbstsüchtiger,
profitgieriger, oft skrupellos handelnder Mensch: (eine
Leiche) die noch nicht von den -n der Konkurrenz
weggeschnappt worden ist (Remarque. Obelisk 26); <Zus.:>
Hyänenhund, der; -[e]s. -e: in den Steppen u. Savannen Afrikas
lebender Wildhund mit kräftigem Kopf, sehr großen Ohren
u. einem schwarz, gelb u. weiß gescheckten Fell.
Hyazinth [hya'&int]. der; -[eis. -e [lat. hyacinthus < griech.
hyäkinthos]: durchsichtiges, gelbrotes Mineral (Abart des
Zirkons). das häufig als Schmuckstein verwendet wird:
Hyazinthe, die; -. -n: 1. zu den Liliengewächsen gehörende
Zwiebelpflanze mit trichterförmigen bis glockigen, in Trauben
stehenden Blüten, die als stark duftende Garten- od.
Topfpflanze in vielen Farben kultiviert wird; <Zus.:>
Hyazinthenglas, das <P1. ...gläser): Glas, in dem die Zwiebel einer
Hyazinthe im Winter zum Austreiben u. Blühen gebracht
wird.
'hybrid [hy'brht] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [zu t Hybride]
(bes. Fachspr.): aus Verschiedenem zusammengesetzt, von
zweierlei Herkunft; gemischt; zwitterhaft: -e Bildungen.
Wörter (Sprachw.; zusammengesetzte od. abgeleitete
Wörter, deren Teile verschiedenen Sprachen angehören;
Mischbildungen. Zwitterbildungen. z.B. Auto-mobil [griech.;
lat.]); -e Züchtung (Biol.; Tier- od. Pflanzenzüchtung, bei
der durch Bastardierung besonders nuxrktger echte,
ertragreiche o. ä. Ergebnisse erzielt werden): Auf einem -en
Rechnersystem (Datenverarb.; elektronische Rechenanlage, die
Informationen sowohl in amloger (2). als auch in digitaler
Form verarbeiten kann) ... wird die Simulation ...
durchgeführt (Elektronik 10. 1971, A 27).
^hybrid [-] <Adj.; -er. -este> [zu THybris] (bildungsspr.):
hochmütig, überheblich, vermessen: die -e Blindheit
gegenüber Gefahren (Spiegel 44. 1967, 41); hat sich die
Grabkunst zu einem Gräberluxus entwickelt, dessen -e Formen
durch Gesetzeskraft eingeschränkt werden mußten (Bild.
Kunst I. 191).
Hybrid- ('hybrid): -bus, der: vgl. -fahrzeug; -fahrzeug,
das: Fahrzeug, das waldweise durch einen
Verbrennungsmotor od. einen Elektromotor angetrieben werden kann; -huhn,
das: vgl. -Züchtung (2); -mais. der: vgl. -Züchtung (2);
Mnotor. der: Motor, der sowohl den Kraftstoff des
Ottomotors als auch den des Dieselmotors verbrennen kann; -rakete«
die: Rakete, bei der ein fester Brennstoff, aber ein flüssiger
Oxydator verwendet wird; -rechnen der (Datenverarb.):
elektronische Rechenanlage, die Informationen sowohl in
analoger (2). als aucix in digitaler Form verarbeiten kann:
-sdwein, das: vgl. -Züchtung (2); -Züchtung, die (Biol.):
1. Tier- od. Pflanzenzüchtung, bei der durch Bastardierung
besonders marktgerechte, ertragreiche o. ä. Ergebnisse
erzielt werden. 2. Tier od. Pflanze als Ergebnis einer
Hybridzüchtung (I).
Hybride [hy'birda]. die; -. -n. auch: der; -n. -n [lat. hybrida]
(Biol.): aus Kreuzungen hervorgegangenes pflanzliches od.
tierisches Individuum, dessen Eltern sich in mehreren
erblichen Merkmalen unterscheiden; aus einer lhybriden
Züchtung hervorgegangener Nachkomme bei Pflanzen (xi. Tieren;
Bastard; hybridisieren [hybridi'zi:ren] <sw. V.; hat) (Biol.):
Pflanzen od. Tiere kreuzen, um Hybriden zu züchten; <Abl.:>
Hybridisfenmg* die; -. -en.
Hybris [hy.bns], die; - [griech. hybris] (bildungsspr.):
Hochmut. Selbstüberhebung. Überheblichkeit; Vermessenheit:
Dieser wenig beachtete Tatbestand sollte uns mehr als
bisher vor der H. bewahren, kritiklos jedes krankhafte
biologische Gleichgewicht ... zu stören (Medizin II. 148).
hyd-, Hyd- [hyd-], hydato-, Hydato-. (vor Vokalen auch:)
hydat-. Hydat- fhydat(o)-: zu griech. hydör (Gen.: hyda-
tos)] (Best, in Zus. mit der Bed.): Wasser (z. B. Hydarthro-
se; hydatogen); vgl. hydro-. Hydro-; Hydarthrose [hydar-
'tro:z3]. die; -. -n (Med.): Arthrose mit Ansammlung von
Flüssigkeit im Gelenk; hydato-, Hydato-: t hyd-. Hyd-;
hydatogen <Adj.; o. Steig.) [T-gen] (Geol.): 1. (von Mineralien)
aus einer wässerigen Lösung gebildet. 2. (von
Schichtgesteinen) durch Wasser zusammengeführt od. aus Wasser
1302
Hydrometrie
abgeschieden. 3. svw. Thydatopyrogen; hydr-, Hydr-: thy-
dro-. Hydro-; Hydra [hy:dra]. die; -. Hydren [lat. hydra
< griech. hydra = Wassertier, -schlänge, zu: hydör =
Wasser]: svw. t Süßwasserpolyp; Hydr&mie [hydre'mi:]. die;
-, -n [...i:an; zu griech. haTrna = Blut] (Med.): bes. bei
Herz- od. Nierenerkrankungen auftretender, erhöhter Was-
sergehalt des Blutes; Hydrant [hy'drant]. der; -en. -en [engl.-
amerik. hydrant. eigtl. = der Wassergebende, zu griech.
hydör = Wasser]: mit einem Rohr, an das ein Schlauch
o. ä. angeschlossen werden kann, aus dem Boden herausra-
gencle ixi. unter dem Boden eingebaute u. normalerweise
mit einem Deckel verschlossene Zapfstelle zur Entnahme
von Wasser, meist auf der Straße, bes. für Feuerwehr u.
Straßenreinigung; Hydrargillit [hydrargili:t]. der; -s. -e [zu
griech. ärgillos = weißer Ton. Töpfererde]: farbloses,
weißes od. grünliches, glasig glänzetules Mineral, das bes. bei
der Gewintwng von Aluminium u. zur Herstellung feuerfester
Steine verwetuiet wird; Hydrargyrose [hydrargy'ro:za]. die;
-. -n [zu THydrargyrum] (Med.): Quecksilbervergiftung;
Hydrargynm [hy'drargyrym]. das; -s [zu lat. hydrargyrus
< griech. hydrärgyros. eigtl. = Wassersilber]: Quecksilber;
Zeichen: Hg; Hydrasystem ['hy:dra-J. das; -s [nach der
Hydra, einer vielköpfigen Wasserschlange aus der griech.
Herkulessage, der anstelle eines abgeschlagenen Kopfes
zwei andere nachwuchsen]: svw. t Schneeballsystem;
Hydrat [hy'dra:t]. das; -[e]s. -e (Chemie): [an]organische
Verbindung, in der Wasser chemisch gebunden enthalten ist;
Hydratation, (auch:) Hydration [hydra(ta)'t$io:n]. die; -
(Chemie): Bildung von Hydraten durch Anlagerung. Bindung
von Wasser an bestimmte / an]organische Substanzen; hy-
dratisieren [hydrati'zi:ran] <sw. V.; hat) (Chemie): Hydrate
bilden; in Hydrate umwandeln; Hydraulik [hydnyjlikl, die:
- [zu t hydraulisch] (Technik): I. Theorie. Lehre von den
Strömungen der Flüssigkeiten (die bes. im Grund- u.
Wasserbau Anwendung findet). 2. Gesamtheit der Steuer-. Regel-.
Antriebs- u. Bremsvorrichtungen von Fahrzeugen.
Flugzeugen od. Geräten, deren Kräfte mit Hilfe des Drucks einer
Flüssigkeit erzeugt od. übertragen werden; hydraulisch
<Adj.; o. Steig.) [lat. hydraulicus < griech. hydraulikös.
zu: hydraulis = Wasserorgel] (Technik): mit dem Druck
von Wasser od. anderen Flüssigkeiten arbeitend; unter
Mitwirkung von Wasser od. anderen Flüssigkeiten betrieben,
erfolgend; der -e Antrieb, die -e Kipp-, Hebevorrichtung
einer Maschine; ein -es Getriebe: eine -e Presse. Bremse;
das Gerüst wird h. gehoben, gesenkt; die Türen öffnen
und schließen sich h.; Hydnuilit [hydraji'li:t, auch: ...bt].
der; -s. -e (Bauw.): kieselsäurereicher Zusatzstoff zur
Erhöhung der Bindefähigkeit von Baustoffen; Hydrazide
[hydra'Lsi:da] <P1.) (Chemie): Salze des Hydrazins; Hydra-
zin [...'lßi:n], das; -s [geb. aus THydrogen u. engl, azote <
frz. azote. von dem frz. Chemiker A. L. de Lavoisier
(1743-1794) gepr. Bez. für Stickstoff] (Chemie): farblose,
an feuchter Luft stark rauchende, giftige Flüssigkeit, die
beim Erhitzen explodieren kann, eine chemische Verbindung
von Stickstoff mit Wasserstoff, die bei der Entwicklung
von Raketentreibstoffen, bei der Herstellung von
Medikamenten. Klebstoffen u. a. verwendet wird; Diamid; Hydria
[hy:dria], die; -. ...ien [...ton: griech. hydria]: bauchiger
altgriechischer Wasserkrug mit zwei waagrecht angesetzten
Henkeln am bauchigen Teil u. einem senkrecht angesetzten
Henkel am Hals; Hydriatrie [hydria'tri:], die; - [zu griech.
iatreia = das Heilen, Heilung]: svw. t Hydropathie; Hydrid
[hy'dri:t], das; -[eis, -e (Chemie): Verbindung des
Wasserstoffs mit einem od. mehreren chemischen Elementen
metallischen od. nichtmetallischen Charakters; hydrieren [hy-
'dri:ren] <sw. V.; hat) (Chemie): mit Hilfe von Katalysatoren
Wasserstoff an (ungesättigte) chemische Verbindungen
anlagern; <Abl.:> Hydrierung« die: - (Chemie): <Zus.:) Hy-
drjerverfahren. das: Hydrierwerk, das; Hydro-, Hydro-, (vor
Vokalen auch:) hydr-. Hydr- [hydrto)-; zu griech. hydör]
<Best. in Zus. mit der Bed.): Wasser (z.B.
hydrodynamisch. Hydrometer. Hydrämie); vgl. hyd-, Hyd-; Hydrobio-
k»e. der; -n. -n: Wissenschaftler auf dem Gebiet der
Hydrobiologie; Hydrobiologk. die; -: als Teilgebiet der Biologie
die Wissenschaft von den im Wasser lebenden pflanzlichen
u. tierischen Organismen; Hydrochinon [...9i'no:n]. das; -s
[2. Bestandteil wegen seines Vorkommens bei der
Oxydation von t Chinasäure von dem schwed. Chemiker J. J.
Berzelius (1779-1848) so benannt] (Chemie): organische
Verbindung, die als starkes Redid<tionsmittel in der
Farbstoffindustrie eine Rolle spielt, bes. aber als fotografischer
Entwickler u. auch als Desinfektionsmittel verwendet wird;
Hydrocopter [...'kapte]. der; -s. - [analog zu t Helikopter]:
Fahrzeug, das mit Propeller angetrieben wird u. sowohl
im Wasser als auch auf dem Eis eingesetzt werden kann;
Hydrocortison: tHydrokortison; Hydrodynamik, die; -
(Physik): als Teilgebiet der Strömungslehre die
Wissenschaft. Lehre von den Strömungen, den Bewegungsgesetzen
der Flüssigkeiten; vgl. Hydrostatik; <Abl.:) hydrodynamisch
<Adj.; o. Steig.; meist attr.) (Physik): die Hydrodynamik
betreffend; auf den Gesetzen der Hydrodynamik beruhend,
sich nach ihnen verhaltend; hydroelektrisch <Adj.; o. Steig.;
meist attr.): I. (Physik. Technik) elektrische Energie mit
Wasserkraft erzeugend; mit Hilfe von Energie, die durch
Wasserkraft gewonnen wird; ein -es Kraftwerk. 2. (Med.)
unter Anwendung von Wasser u. bestimmten elektrischen
Strömen; -e Bäder. Behandlungen; hydroenergetisch <Adj.;
o. Steig.; meist attr.) (Physik. Technik): vom Wasser, von
der Wasserkraft [ an /getrieben.die Wasserkraft nutzend; Hy-
drogen, Hydrogeniun [...ge:nium]. das; -s [frz. hydrogöne.
eigtl. = Wasserbildner] (Chemie): Wasserstoff; Zeichen:
H; <Zus.:> Hydrogenkarbonat, das (Chemie): Karbonat,
das noch einen Säurewasserstoffrest enthält; Hydrogeologe,
der; -n, -n: Wissenschaftler auf dem Gebiet der
Hydrogeologie; Hydrogeologie, die; -: als Teilgebiet der Hydrologie
die Wissenschaft. Lehre von den im Zuscunmenhang mit
Grundwasser u. Quellen wichtigen geologischen
Verhältnissen; Grutulwasserkunde; <Abl.:> hydrogeolggisdi <Adj.; o.
Steig.): die Hydrogeologie betreffend, auf ihr beruhend, zu
ihr gehörend; mit Hilfe der Hydrogeologie; Hydrograph«
der; -en. -en [t-graph]: Wissenschaftler. Fachmann auf dem
Gebiet der Hydrographie; Hydrographie* die; - [1-graphie]:
svw. tGewässerkunde; <Abl.:> hydrographisch <Adj.; o.
Steig.): die Gewässerkunde betreffend, auf ihr berufiend.
zu ihr gehörend; mit Hilfe der Hydrographie; Hydrohonen,
das; -s [zu T honen]: Verfahren zur Feinbearbeitung
metallischer Werkstücke mittels einer Mischung von Wasser u.
winzigen Glasperlen; Hydrokortison, das; -s (Med.):
Hormon der Nebennierenrinde mit entzündungshemmender
Wirkung; Hydrokultur, die; -. -en (Gartenbau): Kultivierung
von Nutz- u. Zierpflanzen in Behältern mit Nährlösungen
anstelle des natürlichen Bodens als Träger der Nährstoffe;
..Belaja Datscha" stellte sieben Treibhäuser auf H. um
(Wochenpost 13. 6. 64. 13); Hydrologe, der: -n. -n [T-loge]:
Wissenschaftler. Forscher. Fachmann auf dem Gebiet der
Hydrologie; Hydrologie, die; - [t -logie]: Wissenschaft. Lehre
vom Wasser, seinen Arten. Eigenschaften u. seiner
praktischen Verwendung, von seinen Erscheinungsformen über,
auf u. unter der Erdoberflache u. ihren natürlichen
Zusammenhängen; <Abl.:> hydrologisch <Adj.; o. Steig.): die
Hydrologie betreffend, auf ihr beruhend, zu ihr gehörend; mit
Hilfe der Hydrologie; Hydrologium [...'lo:gium]. das; -s.
...ien [...jpn; griech. hydrolögion]: Wasseruhr der Antike;
Hydrolyse, die; -. -n [t Lyse] (Chemie): Spaltung chemischer
Verbindungen durch Wasser, meist unter Mitwirkung eines
Katalysators ixi. Enzyms; <Abl.:> hydrolytisch <Adj.; o.
Steig.) (Chem ie): die Hydrolyse betreffend, auf ihr berulxend.
zu ihr gehörend; mit Hilfe der Hydrolyse; Hydromanje»
die; - (Med.): 1. krankhaft erhöhtes Durstgefühl, das zu
gesteigerter Flüssigkeitsaufnahme führt. 2. krankhafter
Trieb, sich zu ertränken; Hydromantie [...man'ti:]. die; -
[griech. hydromanteia]: Zukunftsdeutung aus
Erscheinungen in u. auf/glänzendem/ Wasser, bes. im Vorderen Orient;
Hydromechanik, die; -: als Teilbereich der Mechanik die
Wissenschaft. Lehre von den Gesetzmäßigkeiten ruhender
Flüssigkeiten (dem Bereich der Hydrostatik) u. bewegter,
vor allem strömender Flüssigkeiten (dem Bereich der Hydro-
dynamik); <Abl.:> hydromedianisdi <Adj.; o. Steig.): die
Hydromechanik betreffend, auf ihr beruhend, zu ihr
gehörend; mit Hilfe der Hydromechanik; Hydrometallurgie,
die; -: / Technik der] Metallgewinnung aus wäßrigen
Metallsalzlösungen; Hydrometeore <P1.) (Met.):
Verdichtungen von Wasserdampf in der Atmosphäre in fester od.
flüssiger Form (z. B. Nebel. Wolken. Regen. Schnee. Tau.
Reif); Hydrometeorologie* die; -: Teilgebiet der
Meteorologie, das sich mit dem Verhalten des Wasserdampfs u. seiner
Kondensationsprodukte befaßt; Hydrometer, das; -s, - [t -me-
ter]: Gerät zur Messung der Geschwindigkeit fließenden
Wassers, der Menge des durch ein Rohr strömenden Wassers,
des spezifischen Gewichts von Wasser o.a.; Hydrometrie«
1303
hydromethsch
die; - [t -metrie]: Messung an Gewässern mit Hilfe des
Hydrometers: <Abl.:> hydrometrisch <Adj.; o. Steig.): die
Hydrometriebetreffend, zu ihr gehörend: mit Hilfe eines
Hydrometers: Hydromorphie [...mar'fi:]. die; - [zu griech. morphe
= Gestalt] (Bot.): Besonderheit im morphologischen Aufbau
der Organe von Wasserpflanzen (z. B. vergrößerte
Oberfläche der Blätter zur Erhöhung des unter Wasser erschwerten
Gasaustauschs); hydromlisieren [...nali'zi:ren] <sw. V.;
hat): mit Hydronalium überziehen: Hydromliun [...'na:-
Uum], das; -s [2. Bestandteil kurz fiir Aluminium]:
silberglänzende, gut polier- u. schweißbare Aluminiumlegierung,
die je nach den Legierungszusätzen verschieden verwendbar
ist u. sich durch hohe Beständigkeit gegen Korrosion u.
Seewasser auszeichnet: Hydronephrgse. die; -, -n [t
Nephrose] (Med.): krankhafte Erweiterung des Nierenbeckens bis
zu sackartiger Vergrößerung durch Stauung des Harns u.
Druckanstieg infolge Behinderung des Harnabflusses: Hy-
dronfarbstofT[hy'dro:n-],der; -[e]s, -e [1. Bestandteil: Name
einer Legierung aus Natrium u. Blei, die in Verbindung
mit Wasser reines Wasserstoffgas abscheidet] (Textilind.):
zum Färben von Baumwollgeweben verwendeter
Schwefelfarbstoff: Hydronymie [...ny'mi:]. die; - [zu griech. önyma
= Name]: [Bestand an] Gewässernamen: Hydropath, der;
-en, -en [I -path]: jmd.. der Patienten mit Mitteln der
Hydropathiebehandelt: Hydropathie, die; - [T-pathie] (Med.): als
Teilbereich der Medizin Lehre von der Heilbehandlung durch
Anwendung von Wasser: <AbI.:> hydropgthisch <Adj.; o.
Steig.) (Med.): die Hydropathie betreffend, auf ihr beruhend,
zu ihr gehörend: mit Hilfe der Hydropathie: Hydropetik^rd,
das; -[e]s. -e. Hydroperilujnllum, das; -s. ...ien [...jpn]
(Med.): Ansammlung größerer Flüssigkeitsmengen im
Herzbeutelraum; Hydrophan [...Ta:n]. der; -s. -e [zu griech.
phanös = leuchtend]: als Schmuckstein beliebter, milchiger,
durch Wasserverlust getrübter Opal, der durch
Wasseraufnahme vorübergehenddurchscheinendwird;hydrophil [...Ti:l]
<AdJ.; o. Steig.; nicht adv.) [zu griech. philelh = lieben]
(Ggs.: hydrophob): 1. (Biol.) (von Tieren u. Pflanzen)
im od. am Wasser lebend, das Wasser bevorzugend,
wasserliebend. 2. (Chemie, Technik): Wasser. Feuchtigkeit
anziehend, aufnehmend; Hydrophilie [...fi'li:]. die; - [zu griech.
philia = Liebe. Zuneigung] (Chemie. Technik): (von
bestimmten Stoffen) Eigenschaft. Wasser anzuziehen;
Bestreben. Wasser autzunehmen; hydrophob [...To:p] <Adj.; o.
Steig.; nicht adv.) [lat. hydrophobus < griech. hydrophö-
bos] (Ggs.: hydrophil): 1. (Biol.) (von Tieren u. Pflanzen)
das Wasser meidend; trockene Lebensräume bevorzugend.
2. (Chemie, Technik) Wasser. Feuchtigkeit abstoßend; nicht
in Wasser löslich; Hydrophobie, die; - [griech. hydrophobia]
(Chemie, Technik): 1. (Biol.) Bestreben bestimmter Tiere
u. Pflanzen, das Wasser zu meiden. 2. (Med.) krankhafte
Wasserscheu bei Menschen u. Tieren, bes. als
Begleiterscheinung bei Tollwut; hydrophobieren [...fo'bi:ran] <sw.
V.; hat) (Fachspr.): wasserabstoßend ausrüsten, machen:
Textilwaren h.; <AbI.:> Hydrophobierung, die; -. -en
(Fachspr.); <Zus.:) Hydrophobkrungsmittel.das (Fachspr.):
wasserabweisender Stoff, mit dem etw.
wasserabstoßend ausgerüstet, imprägniert wird; Hydrophor [...To:£],
der; -s, -e [griech. hydrophöros, eigtl. = Wasserträger]
(Technik): Druckkessel in kleineren
Wasserversorgungsanlagen u. bestimmten Feuerlöschgeräten; Hydrophoren
[...fo:ren] <P1.) (bild. Kunst): Wasserträger!innen! als
(häufig auftretendes) Motiv in der griechischen Kunst; Hy-
drophthaknus [hydrof talmus], der; -. ...mi [zu griech. oph-
thahnös = Auge] (Med.): (im frühen Kindesalter
auftretende) krankhafte Vergrößerung des Augapfels infolge
übermäßiger Ansammlung von Flüssigkeit im Auge; Hydrophyt
[...fy:t], der; -en, -en [zu griech. phytön = Pflanze] (Bot.):
Wasserpflanze: hydropisch [hy'dro.pij] <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.) (Med): die Hydropsie betreffend, auf ihr
beruhend, zu ihr gehörend; an Hydropsie leidend; wassersüchtig;
Hydroplgn, der; -s. -e [analog zu f Aeroplan] (fachspr.
selten): 1. Wasserflugzeug. Flugboot. 2. Gleitboot: hydro-
pneumgtisch <Adj.; o. Steig.) (Technik): mit einem Gas
bzw. Luft u. einer Flüssigkeit gleichzeitig betrieben: ein
-es Antriebssystem; eine -e Federung; Hydroponik
[...'po:nik]. die; - [zu griech. pönos = Arbeit] (Gartenbau):
svw. THydrokultur; <Abl.:) hydropgnisch <Adj.; o. Steig.)
(Gartenbau): die Hydroponik betreffend, auf ihr beruhend,
zu ihr gehörend; mit Hilfe der Hydroponik: -es
Anbauverfahren; -e Erzeugnisse; Hydrops [hy:dn>ps], der: -,
Hydropsie [hydrD'psi:]. die; - [griech. hydröps = Wassersucht]
(Med.): (durch verschiedene Krankheiten, z. B.
Herzinsuffizienz verursachte) Ansammlung seröser Flüssigkeit im
Gewebe, in Gelenken od. in Körperhöhlen; Wassersucht; Hydro»
pubgtor.der; -s, -en. Hydropubor [...'pulzor. auch: ...zo:g].
der; -s. -en [...zo:ran] (Technik): Pumpe, die die
Strömungsenergie einer großen Wassermenge zum Anheben einer
kleineren Wassermenge ausnutzt; Hydrosgl, das; -s. -e
[Kunstwort] (Chemie): kolloidale Lösung mit Wasser als
Lösungsmittel; Hydrosphäre, die; - (Geol.): aus den Meeren,
den Binnengewässern, dem Grundwasser, dem im Eis
gebundenen u. in der Atmosphäre vorhandenen Wasser bestehende
Wasserhülle der Erde; Hydrostatik, die; - (Physik): als
Grenzfall der Hydrodynamik die Wissenschaft. Lehre von
den ruhenden Flüssigkeiten, ihren Gleichgewichtszuständen
bei Einwirkung äußerer Kräfte; <Abl.:) hydrostatisch <Adj.;
o. Steig.; meist attr.) (Physik): die Hydrostatik betreffend,
auf den Gesetzen der Hydrostatik beruhend, sich nach ihnen
verhaltend: -er Druck (im Inneren einer ruhenden Flüssigkeit
herrschender Druck, der in jeder Richtung gleich groß ist);
-es Paradoxon (Erscheinung, daß der Druck, den eine
Flüssigkeit auf den Boden eines Gefäßes ausübt, nicht von der
Form des Gefäßes, von der Menge der Flüssigkeit, sondern
von der Höhe der über dem Boden des Gefäßes stehenden
Flüssigkeit abhängt); -e Waage (Waage zur Bestimmung
der Dichte fester Körper mit Hilfe des Auftriebs, den ein
fester Körper in einer Flüssigkeit erfährt); Hydrotechnik,
die; -: Wasserbau; Technik des Wasserbaus; <Abl.:>
hydrotechnisch <Adj.; o. Steig.): die Hydrotechnik betreffend,
zu ihr gehöretul; mit den Mitteln der Hydrotechnik;
hydrotherapeutisch <Adj.; o. Steig.; präd. ungebr.) (Med.): die
Hydrotherapie betreffend, auf ihr beruhend, zu ihr gehörend,
mit Hilfe der Hydrotherapie: -e Anwendungen; jmdn. h.
behandeln; Hydrotherapie, die; -. -n [...i:an] (Med.): 1.
<o. PI.) svw. tHydropathie. 2. Heilbehandlung durch
Anwendung von Wasser in Form von Bädern. Waschungen.
Güssen. Dämpfen o.a.; hydrothermal <Adj.; o. Steig.)
(Geol.): (von Erzlagerstätten u. anderen Mineralien) aus
verdünnten Lösungen ausgeschieden; Hydrothorax, der.
-[es], -e (Med.): bei Herzinsuffizienz u. bei
Brustfellentzündung auftretende Ansammlung seröser, wäßriger Flüssigkeit
in der Brusthöhle; Hydroxyd [...'ksy:t]f (ehem. fachspr.:)
Hydroxid, das; -[e]s. -e [zu THydrogen u. tOxyd] (Chemie):
anorganische Verbindung, die eine od. mehrere
Hydroxylgruppen enthält; <Abl.:> hydroxydtech, (ehem. fachspr.:)
hydroxidisch <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (Chemie): (von
chemischen Verbindungen) Hydroxyde enthaltend;
Hydroxylamin[...'ksy:l|ami:n].das: -s [zu Hydroxyl- (t
Hydroxylgruppe) u. t Amin] (Chemie): stark hygroskopische
u. explosible chemische Verbindung, deren stark giftige Salze
als fotografische Entwicklersubstanzen u. als
Reduktionsmittel verwendet werden; Hydroxylgruppe« die; -, -n [gek. aus
tHydrogen. tOxygen u. griech. hyle = Gehölz, Holz;
Stoff] (Chemie): in chemischen Verbindungen häufig
auftretende, aus einem Atom Wasserstoff u. einem Atom Sauerstoff
bestehende Gruppe; OH-Gruppe; Hydrazele [...'{pe.'bl. die;
-. -n [lat. hydrocele < griech. hydrokele] (Med.):
Ansammlung von Flüssigkeit in einer Zyste am Hoden od. am
Samenstrang; Wasserbruch; Hydrozephalie £...'t$e:falus], der; -.
...Ien [...t$e'fa:ldn; zu griech. kephale = Kopf) (Med.):
abnorme Vergrößerung des Schädels infolge übermäßiger
Ansammlung von Flüssigkeit; Wasserkopf; Hydrozoen
[...'l$o:an] <PI.) [zu griech. zöon = Lebewesen. Tier]: zu
den Nesseltieren gehörende, im Wasser lebende Tiere, die
meist in Kolonien entweder am Grund festsitzen od. im
Wasser umherschwimmen; Hydrozyklon, der; -s. -e
(Technik): Vorrichtung zur Abwasserreinigung; Hydrurie [hydru-
ri:]. die; - [zu griech. ouron = Ham] (Med.): (vermehrte)
Ausscheidung stark verdünnten Urins durch die Nieren.
Hyetograph [hyeto'gra:fl. der; -en. -en [zu griech. hyetös
= Regen u. Tgraph] (Met. veraltend): Gerät zur
fortlaufenden Registrierung von Niederschlagsmengen;
Regenschreiber; Hyetogniphk. die; - [T-graphie] (Met.): Messung der
Niederschlägeu. Beschreibung ihrer Verteilung; <Abl.:> hye-
togrgphisch <AdJ.; o. Steig.) (Met.): die Hyetographie
betreffend, zu ihr gehörend; mit den Mitteln der Hyetographie:
-e Messungen; etw. h. untersuchen; Hyetometer, das: -s,
- [t -meter] (Met. veraltend): Gerät zur Messung der
Niederschlagsmenge; Regenmesser. Niederschlagsmesser.
Hygiene [hy'gie:nd], die: - [griech. hygieine (techne) = der
1304
hypalgetisch
Gesundheit zuträglich(e Kunst. Wissenschaft), zu: hy-
gieinös = gesund, heilsam, der Gesundheit zuträglich):
1. (Med.) Bereich der Medizin, der sich mit der Erhaltung
u. Förderung der Gesundheit (der einzelnen Menschen od.
der gesamten Bevölkerung) u. ihren natürlichen u. sozialen
Vorbedingungen befaßt sowie mit der Vorbeugung, der
Entstehung u. Ausbreitung von Krankheiten; Gesundheitslehre:
Solche Mittel der H. und medizinischen Hilfeleistung bei
oft schweren Massenerkrankungen werden leider nicht so
hoch geschätzt, wie sie es verdienen (Medizin II. 209).
2. Gesamtheit der [privaten u.J öffentlichen Maßnahmen
in den verschiedensten Bereichen (wie dem der Ernährung,
der Arbeit, des Städtebaus, des Verkehrs, der Landschaft,
des Klimas u.a.) zur Erhaltung u. Hebung des
Gesundheitsstandes u. zur Verhütung u. Bekämpfung von
Krankheiten; Gesundheitspflege: die H. des Waldes, der Luft; die
H. der sozialen Lebensformen u. der öffentlichen
Versorgung. 3. Sauberkeit. Reinlichkeit; Maßnahmen zur
Sauberhaltung: die H. des Körpers; mit der H. ist es in diesem
Lokal nicht gut bestellt; <Abl.:> Hygieniker, der; -s. -:
1. Mediziner, der sich auf Hygiene (1) spezialisiert hat.
2. Fachmann für einen Bereich der Hygiene (2); hygienisch
<Adj.>: 1. die Hygiene (1.2) betreffend, ihr entsprechend,
auf ihr beruhend, zu ihr gehörend: die neuesten -en.
kosmetischen und sanitären Produkte für Mensch und
Landwirtschaft'; die Herstellung wird h. (im Hinblick auf die
Hygiene) überwacht. 2. hinsichtlich der Sauberkeit. Reinlichkeit
einwandfrei; den Vorschriften über Sauberkeit entsprechend;
sehr sauber, appetitlich: eine -e Verpackung; Der kleine
Operationsraum ... sah aus wie eine -e Metzgerei (Re-
marque. Triomphe 16); h. zubereitete, verpackte Speisen; in
der Großküche ging es nicht gerade h. zu; hygienisieren
[...ni'zi.ran]. sich <sw. V.; hat) [zu tHygiene 3] (ugs.
scherzh.): sich säubern, waschen: Dann sieht man aus wieYi
Schwein und muß sich h. (Gerlach, Demission 40).
hygro-, Hygro- [hygro-; zu griech. hygrös = naß. feucht]
(Best, in Zus. mit der Bed.): feucht. Feuchtigkeit (z.B.
hygroskopisch. Hygrometer); Hygrogr^mm, das; -s. -e
[t-gramm] (Met.): Aufzeichnung eines Hygrographen;
Hygrograph, der; -en. -en [t -graph] (Met.): Gerät zur
Aufzeichnung. Registrierung der Luftfeuchtigkeit; Hygrom [hy-
'gro:m]. das; -s. -e (Med.): chronische entzündliche
Schwellung von Schleimbeuteln u. Sehnenscheiden infolge
Flüssigkeitsansammlung (z.B. bei Rheumatismus); Hygrometer,
das; -s. - [t -meter] (Met.): Gerät zur Messung der
Luftfeuchtigkeit; Hygrometrfe.die; - [t-metriel (Met.): Messung der
Luftfeuchtigkeit; hygrometrisdi <Adj.; o. Steig.) (Met.):
die Hygrometrie betreffend, zu ihr gehörend; mit Hilfe eines
Hygrometers od. eines Hygrographen; Hygromorphose, die;
- [zu griech. mörphösis = das Gestalten, das Abbilden]
(Bot.): Anpassung von Baueigentümlichkeiten feucht
wachsender Pflanzen an die feuchte Umgebung; Hygronastfe.
die; - [tNastie] (Bot.): Krümmungsbewegung von Pflanzen
auf Grund einer Veränderung der Luftfeuchtigkeit (z. B. das
Einrollen von Grasblättern in trockener Luft); hygrophil
[...Ti:l] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.> [zu griech. phileTn =
lieben] (Bot.): (von bestimmten Pflanzen) Feuchtigkeit,
feuchte Standorte bevorzugend; Hygrophilie [...fi'li:]. die;
- [zu griech. philia = Liebe. Zuneigung] (Bot.): Vorliebe
bestimmter Pflanzen für feuchte Standorte; Hygrophyt
[...fy:t]. der; -en. -en [zu griech. phytön = Pflanze] (Bot.):
an Standorten mit gleichbleibend hoher Boden- u.
Luftfeuchtigkeit wachsende Pflanze mit großem Verbrauch an Wasser;
Hygroskop [...sko:p]. das; -s. -e [zu griech. skopein =
betrachten, beschauen] (Met.): = Gerät, das die
Luftfeuchtigkeit annäherungsweise anzeigt; hygroskopisch <Adj.;
nicht adv.> (Chemie): (von bestimmten Stoffen) die
Luftfeuchtigkeit. Wasser an sich ziehend, bindend: -e Stoffe;
Schwefelsäure. Kochsalz ist h.; Hygroskopizität [...sko-
pit$i't£:t]. die; - (Chemie): Eigenschaft. Fähigkeit
bestimmter Stoffe. Luftfeuchtigkeit aufzunehmen. Wasser an sich zu
ziehen u. zu binden; Hygrostat [...'sta.tj. der; -[e]s u. -en.
-e[n] [zu griech. statös = feststehend]: Gerät zur
Aufrechterhaltung der Luftfeuchtigkeit; Hygrotyxb, die; - [griech.
täxis = Stellung. (Anordnung] (Biol.): Fähigkeit mancher
Tiere (z. B. Schildkröten). [über weite EntfernungenJ
Wasser bzw. das ihnen zuträgliche feuchte Milieu zu finden.
Hylfla [hy'le:a], die; - [zu griech. hyle = Wald; gepr. von
dem dt. Naturforscher u. Geographen A. v. Humboldt
(1769-1859)]: tropisches Regenwaldgebiet lim Amazonas-
tieflandj; Hyle [hy:le],die; - [griech. hyle = StofT, Materie,
eigtl. = Gehölz. Wald] (Philos.): Stoff. Materie, (nach
Aristoteles) der formbare Urstoff; Hylemorphismus [hy-
lemarfismus], der; - [zu t Hyle u. griech. morphe = Gestalt,
Form] (Philos.): (von der Scholastik nach Aristoteles
entwickelte) Lehre, wonach die materiellen Dinge aus Form
u. Stoff bestehen, eine Einheit von Form u. Materie
darstellen; hylisdi ['hyrlifl <Adj.; o. Steig.; nicht adv.> (Philos.):
stofflich, materiell, körperlich; Hylismus [hy'hsmus], der.
- (Philos.): philosophische Lehre, nach der der Stoff die
einzige Substanz der Welt ist; hylotrop [hylo'tro.p] <Adj.;
0. Steig.) (Chemie): bei gleicher chemischer
Zusammensetzung in andere Formen jiberfuhrbar; Hylotropie [...tro'pi:].
die; - [zu griech. trope = (Hinwendung. Umkehrung]
(Chemie): Überführbarkeit eines Stoffes in einen anderen
ohne Änderung der chemischen Zusammensetzung; Hylo-
zoismus [hylotßo1 ismus]. der; - [zu griech. zöe = Leben]
(Philos.): Lehre der ionischen Naturphilosophen von einem
belebten Urstoff. der Hyle. als der Substanz aller Dinge.
Lehre von der Beseeltheit der Materie.
'Hympi [hy:mdn]. das. auch: der; -s. - [lat. hymen < griech.
hymen = Gewebe. Haut; Ehe. Eheschließung] (Med.):
dünnes Häutchen am Scheideneingang bei der Frau, das
im allgemeinen beim ersten Geschlechtsverkehr (unter
leichter Blutung) zerreißt; Jungfernhäutchen; 2Hymen [-]. der;
-s. - [t 'Hymen]. Hymenaeus (hyme'ne:os). der; -. ...aei
[...e:i; lat. hymenaeus < griech. hym&iaios]:
altgriechisches, der Braut von einem [Mädchenjchor gesungenes
Hochzeitslied;hymenal[hyme'na:l]<AdJ.;o. Steig.)(Med.):
zum ' Hymen gehörend, es betreffend; Hymenoptere [hy-
menDpte:re], die; -. -n <meist PI.) [zu griech. pterön =
Flügel] (Zool.): svw. t Hautflügler.
Hymnar [hYm'na.Bl. das; -s. -e u. -ien [...pn]. Hymnarium
[hYmna:riüm], das; -s. ...ien [-pn; mlat. hymnarium. zu
lat. hymnus. T Hymnus] (christl. Rel.): liturgisches Buch
mit den Hymnen; Hymnensammlung; Hymne ['hymna]. die;
-. -n. (geh.:) Hymnus [hymnus]. der; -. ...nen [lat. hymnus
< griech. hymnos. viell. eigtl. = Gefüge (von Tönen)]:
1. feierliches Preislied. bes. der Antike, zum Lob von Gott.
Gottheiten. Heroen. 2. geistliches, kirchliches, liturgisches
Gesangs-, auch Instrumentalwerk von betont feierlichem
Ausdruck; religiöser Lob- u. Preisgesang. 3. (als literarische
Gattung der Ode sehr ähnliches) feierliches Preisgedicht,
-lied, in dem Gott, die Götter. Helden, die Natur. Tugenden
u.a. verherrlicht werden: eine H. an die Nacht, an die
Musik; eine H. auf die Freundschaft; nun dröhnt der
letzte Vers ... durch das Gewölbe ... wie eine trotzige
H. (Fr. Wolf. Menetekel 493); Ü er. seine Tat wurde in
wahren Hymnen (mit übertriebenem Lob. in Lobeshymnen)
gepriesen. 4. kurz für T Nationalhymne: alle sangen stehend
die H. [ihres Landes] mit; Hymnik [hvmnik], die; - [zu
griech. hymnikös = zu einer Hymne gehörend]: [ Kunst ]-
form der Hymne; Art einer Hymne; hymnische Gestaltung.
Art: Es mag an der H. der Sprache gelegen haben (Welt
11.8. 62. Literatur); Hymniker, der; -s. - (selten): Dichter,
der vorwiegend Hymnen schreibt: Ich kann doch gar nicht
gegen etwas schreiben. Ich bin H. (Remarque, Obelisk
259); hymnisch <Adj.): in der Art einer Hymne fabgefaßt]:
-e Verse: in diesem Widerspruch zwischen offener -er
Predigt und geheimer Kritik (Goldschmit. Genius 243); Ü
es mag sein, daß die etwas -en (überschwenglichen)
Deklarationen über Europa ... sich manchmal vom Boden der
Tatsachen zu weit entfernt haben (Dönhoff. Ära 121);
Hymnode [hYmno:da]. der; -n. -n [zu griech. hymnödös
= Hymnen singend]: altgriechischer Verfasser u. Sänger
von Hymnen; Hymnodie [hymnodi:]. die; - [griech. hymnö-
dia]: Hymnendichtung; Hymnogr&ph, der; -en. -en [griech.
hymnographos]: altgriechischer Hymnenschreiber; Hymno-
\oae. der; -n. -n [t-loge]: Wissenschaftler auf dem Gebiet
der Hymnologie; Hymnologte,die; - [t-logie] (Rel.):
Wissenschaft von den Ichristlichen] Hymnen, (in der
protestantischen Liturgik) bes. vom Kirchenlied, dazu: hymnologisdi
<Adj.; o. Steig.; nicht präd.>: die Hymnologie betreffend,
zu ihr gehörend; Hymnus: T Hymne.
hyiK Hyp-: thypo-. Hypo-; Hypakusis [hypaku:zis]. die;
- [griech. äkousis = das Hören] (Med.): [nervös bedingte]
Schwerhörigkeit (Ggs.: Hyperakusie); Hypalgesie [hypalge-
'zi:J die; -. -n [...ton; zu griech. älgesis = Schmerz] (Med.):
verminderte Schmerzempfindlichkeit (Ggs.: Hyperalgesie);
(Abi :> hypatoetisdi [...'ge.tij] <AdJ.; o. Steig.; nicht adv.)
1305
Hypallage
(Med.): eine verminderte Schmerzempfindlichkeit
aufweisend; von Hypalgesie zeugend (Ggs.: hyperalgetisch);
Hypallage [hypala'ge:. auch: hy'palage). die: - [spätlat. hyp-
alage < griech. hypallage = Vertauschung) (Sprachw.): 1.
Vertauschung eines attributiven Genitivs mit einem
attributiven Adjektiv u. umgekehrt (z. B. jagdliche Ausdrücke statt
Ausdrücke der Jagd). 2, svw. tEnallage. 3. svw. t
Metonymie; Hypästhesie (hypeste'zi:), die; -. -n [...i:an; zu griech.
aisthesis = Sinneswahrnehmung) (Med.): herabgesetzte,
verminderte Empfindlichkeit, bes. gegen Berührung; <Abl.:>
hypästhetisdi [...'te.tij] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (Med.):
Hypästhesie aufweisend, von Hypästhesie zeugend.
Hypfitfiraltempel [hype'tra:!-]. der; -s. - [zu griech. hypaithros
= unter freiem Himmel): großer antiker Tempel mit nicht
od. nur teilweise überdachtem Innenraum.
hyper-, Hyper- [hypt?-; griech. hyperl <Best. in Zus. mit
der Bed.>: über, übermäßig, über-hinaus (z. B. hypermodern;
in Medizin u. Biologie bes. die übermäßige Größe.
Funktion eines Organs u.a. bezeichnend. z.B. Hypertrophie;
Ggs.: Thypo-, Hypo-); Hyperaddität [...at$idi'te:t]. die; -
[zu spätlat. aciditäs (Gen.: aciditätis) = Säure, zu lat.
acidus. vgl. Azid...) (Med.): übermäßig hoher Gehalt an
Säure im Magen; Hyperakusie [...laku'zi:], die; - [zu griech.
äkousis = das Hören) (Med.): krankhafte
Überempfindlichkeit des Gehörs (infolge nervöser Störungen) (Ggs.: Hyp-
akusis);Hyperalgesie[...|alge'zi:].die; -. -n [...i:an; zu griech.
älgesis = Schmerz] (Med.): gesteigerte
Schmerzempfindlichkeit (bei bestmimten Nervenkrankheiten) (Ggs.:
Hypalgesie); <Abl.:> hyperalgetisch [...ge:tij] <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.) (Med.): Hyperalgesie aufweisend, von Hyper-
algesie zeugend (Ggs.: hypalgetisch); Hyperämie [... c'mi:].
die; -. -n [...i:an; zu griech. halma = Blut] (Med.): vermehrte
Ansammlung von Blut. Blutfülle in bestimmten Organen
od. Körperabschnitten; <Abl.:> hyperämisch [...'|£:mij]
<Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (Med.): Hyperämie aufweisend;
vermehrt durchblutet; ein -es Organ; hyperämisieren [...|emi-
zi:ren] <sw. V.; hat) (Med.): erhöhte Durchblutung
bewirken; eine hyperämisierende Salbe; Hyperästhesie [...leste-
zi:]. die; -. -n [...i:an; zu griech. afsthesis = Sinneswahmeh-
mung] (Med.): Überempfindlichkeit, gesteigerte
Erregbarkeit der Gefühls- u. Sinnesnerven, bes. gesteigerte
Empfindlichkeit der Haut gegen Berührung; <Abl.:) hyperästhetisch
[...'te:ttf) <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (Med.):
überempfindlich; von Hyperästhesie zeugend; hyperbar [...'ba:g] <Adj.;
0. Steig.; nicht adv.) [zu griech. barys = schwer] (Physik):
(von Flüssigkeiten) ein größeres spezifisches Gewicht habend
als eine andere Flüssigkeit; Hyperbasis [hy'perbazis]. die;
...basen [hypB'ba:zn]. Hyperbaton [hy'perbaton]. das; -s.
...ta [griech. hyperbasis, eigtl. = Übertreten eines Gesetzes;
lat. hyperbaton < griech. hyperbaton] (Rhet.): Trennung
syntaktisch zusammengehörender Wörter durch
eingeschobene Satzteile (z. B.: Wenn er ins Getümmel mich von
Löwenkriegern reißt [Goethe]); Hyperbel [hy'perbl]. die;
-, -n [lat. hyperbole < griech. hyperbole. zu: hyperbällein
= über ein Ziel hinauswerfen, übertreffen, übersteigen]:
1. (Math.) (zu den Kegelschnitten gehörende) unendliche
ebene Kurve aus zwei getrennten Ästen, die der geometrische
Ort aller Punkte ist. die von zwei festen Punkten, den
Brennpunkten, gleichbleibende Differenz der Abstände haben; eine
H. konstruieren. 2. (Sprachw.. Rhet.) Übertreibung des
Ausdrucks; sprachlich, rhetorische, im wörtlichen Sinne oft
unglaubwürdige Übertreibung (z. B. himmelhoch; zahlreich
wie Sand am Meer); <Zus.:> Hyperbelfalte, die; -. -n
(Schneiderei): im Rücken zu beiden Seiten von der Schulter
ausgehende in Form einer Hyperbel zur Taille verlaufende
Falte, bes. an Herrenmänteln; Hyperbelfunktion, die
(Math.): aus Summe od. Differenz zweier
Exponentialfunktionen entwickelte Größe; Hyperboliker [hypt?'bo:like). der.
-s. - [zu spätlat. hyperbolicus = übertrieben < griech.
hyperbolikös] (bildungsspr): jmd.. der zu Übertreibungen
im Ausdruck neigt; hyperbolisch <Adj.): 1. <o. Steig.; nicht
adv.) (Math.) die Hyperbel (1) betreffend; in der Art, Form
einer Hyperbel; als Hyperbel darstellbar; mathematisch mit
der Hyperbel in einem Zusammenhang stehend. 2. (bes.
Rhet.) im Ausdruck Übertreibetui: eine -e Figur. Wendung;
etw. h. hervorheben; Hyperboloid [...bolo'i:t]. das; -[e]s.
-e [zu tHyperbel u. griech. -oeides = ähnlich] (Math.):
Körper, der durch Drehung einer Hyperbel (2) um ihre
Achse entsteht; Hypercharakteriskrims, die; -. -en
(Sprachw.): Setzung eines neuen Wortteils, der das gleiche
charakterisiert wie ein bereits vorhandener (z. B. Pfusch^rer
statt Pfuscher); Hyperdilorhydrie [...klo:ghydri:]. die; -
[geb. aus t hyper-. Hyper- u. Acidum hydrochloricum =
Salzsäure): svw. t Hyperaddität; Hypercholie [...90'li:]. die;
-. -n [...i:an; zu griech. chole = Galle) (Med.): krankhaft
gesteigerteGallensaftbildung; hyperdirom l...'kro:m] <Adj.;
o. Steig.; nicht adv.) [zu lat. chröma tChrom] (Med.):
zuviel Blutfarbstoff besitzend (Ggs.: hypochrom); Hyper-
diromie [...kro'mi:]. die; -. -n [...i:an] (Med.; Ggs.:
Hypochromie): 1. vermehrter Farbstoffgehalt der roten
Blutkörperchen. 2. vermehrter Pigmentgehalt der Haut; Hyperdaktylie
[...daktyli:). die; -. -n [...i:an; zu griech. däktylos = Finger]
(Med.): angeborene Mißbildung der Hand od. des Fußes
mit einer Überzahl an Fingern od. Zehen (Ggs.: Hypodakty-
lie); Hyperdulie [...du'li:]. die; - [griech. hyperdouleia =
besondere Verehrung] (kath. Rel.): Verehrung Marias als
Gottesmutter (im Unterschied zur Anbetung, die nur Gott
zukommt); Hyperemesk, die; - [T Emesis] (Med.): übermäßig
starkes Erbrechen, bes. während der Schwangerschaft;
Hyperergie [...ler'gi:], die; -, -n [...i:an; Kurzwort aus thyper-
u. T Allergie) (Med.): gesteigerte Reaktion der körpereigenen
Abwehrkräfte auf die Zufuhr eines Antigens; Hyperfrag-
ment, das; -[eis. -e (Kernphysik): Atomkern, bei dem eines
der normalerweise in ihm enthaltenen Neutronen durch ein
Hyperon ersetzt ist; Hyperfimktion, die; -. -en (Med.):
gesteigerte Tätigkeit. Überfunktion eines Organs od. Gewebes
(Ggs.: Hypofunktion); Hypergabktie [...galak'ti:]. die; -.
-n[...i:an; zu griech. gäla (Gen.: gälaktos) = Milch] (Med.):
übermäßige Absonderung von Milch bei stillenden Frauen
(Ggs.: Hypogalaktie); Hypergamie [...ga'mi:]. die; - [zu
griech. gämos = Hochzeit. Ehe] (Soziol.): Heirat einer
Frau aus einer niederen Schicht od. Kaste mit einem Mann
aus einer höheren (Ggs.: Hypogamie); hypergenau <Adj.;
o. Steig.): übertrieben genau; Hypenzenitalismts
[...genital ismos], der; - [TGenitale] (Med.): übermäßige, auch ver-
frü/ite Entwicklung der Geschlechtsorgane, auch der
sekundären Geschlechtsmerkmale (Ggs.: Hypogenitalismus); Hy-
perglykämk. die; -. -n [...i:an; tGlykämie] (Med.): stark
erhöhter, über den Normalwert gestiegener Zuckergehalt
des Blutes (Ggs.: Hypoglykämie); hypergolisch [...go:liJ]
<Adj.; o. Steig.; meist attr.) [Kunstwort aus thyper-.
Hyper-. griech. ergon = Werk. Arbeit u. lat. oleum = Ol]
(Chemie): (von zwei chemischen Substanzen) spontan u.
unter Flammenbildung miteinander reagierend; Wie beim
Hauptmotor des Apollo-Raumschiffs wird... -er Treibstoff
verwendet, der bei Kontakt mit einem Oxydator zündet
(MM 25. 2. 69. 3); Hyperiiedonie [...hedo'ni:]. die; - [zu
griech. hedone = Freude. Vergnügen) (Psych.): extreme
Steigerung der Wollustempfindungen; Hyperhidrose, die;
- [tHidrose) (Med.): übermäßige, krankhaft vermehrte
Schweißabsonderung (Ggs.: Hyphidrose); Hyperinvohition.
die; -. -en: svw. t Superinvolution; hyperkatal^ktisdi <Adj.;
o. Steig.; nicht adv.) [spätlat. hypercatalect(ic)us < griech.
hyperkatälektos. tkatalektisch] (Verslehre): (vom Vers)
Hyperkatalexeaufweisend; Hyperkatafexe, die; -. -n [f
Katalexe) (Verslehre): Verlängerung des Verses um eine od.
mehrere Silben; Hyperkinese [...ki'ne:za]. die; -. -n [zu griech.
kinesis = Bewegung] (Med.): übermäßige Aktivität, Unruhe
in den Bewegungen mit Muskelzuckungen u. unwillkürlichen
Bewegungen des Körpers u. der Gliedmaßen; <Abl.:)
hyperkinetisch <Adj.; o. Steig.) (Med.): die Hyperkinese
betreffend, auf ihr beruhend; mit Muskelzuckungen,
unwillkürlichen Bewegungen einhergehend; hyperkorrekt <AdJ.; o.
Steig.) (oft leicht abwertend): übertrieben korrekt; sein
-es Verhalten, seine -e Kleidung wirkt hier lächerlich; -e
Formen. Bildungen (Sprachw.; irrtümlich nach dem Muster
anderer hochsprachlich korrekter Formen gebildete
Ausdrücke, die ein Mundartsprecher gebraucht, wenn er
hochdeutsch sprechen muß): hyperkritisch <AdJ.; o. Steig.) (oft
leicht abwertend): übertrieben kritisch; nach allzu strengen
Maßstäben prüfend, beurteilend; tadelsüchtig; Hyperkultur,
die; -. -en <P1. selten) (oft leicht abwertend): übertriebene
Verfeinerung; überfeinerte Kultur. Kultiviertheit); Hyper-
meter, der; -s. - [zu griech. hypermetros = über das
Versmaß hinausgehend; übermäßig]: (Verslehre): Vers, dessen
letzte, überzählige Silbe auf einen Vokal ausgeht, der aber
ausgestoßen wird, da die Anfangssilbe des folgenden Verses
mit einem Vokal beginnt; hypermetrisch <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.) (Verslehre): einen Hypermeter aufweisend; in
Hypermetern verfaßt; Hypermetropie [...metro'pi:]. die; -
1306
Hypochondrie
[zu griech. hypermetros = übermäßig u. öps (Gen.: öpös)
= Gesicht. Auge] (Med.): Fehlsichtigkeit, bei der das Bild
hinter der Netzhaut erzeugt wird; Weitsichtigkeit (Ggs.:
Myopie); <Abl.:> hypermetropisdi [...me'tro:piJ] <Adj.; o.
Steig.; nicht adv.) (Med.): Hypermetropie aufweisend, auf
ihr beruhend; weitsichtig; hypermodern <Adj.; o. Steig.)
(oft leicht abwertend): übertrieben modern: eine -e
Einrichtung; die City selbst hatte ein -es Gepräge (Cotton. Silver-
Jet 120); sie ist immer h. gekleidet; hypernervös <Adj.;
0. Steig.): überaus nervös; Hyperodontie [...|odon'ti:], die;
- [zu griech. odoüs (Gen.: odöntos) = Zahn] (Med.): das
Vorhandensein von überzäfiligen Zähnen; Hyperon ['hy:-
peron]. das; -s. -n [hypero:nan; engl, hyperon. zu griech.
hypär. thyper-. Hyper-1 (Kernphysik): Elementarteilchen,
dessen Masse größer ist als die eines Nukleons; Hyperonym
[...|o'ny:m]. das; -s. -e [zu griech. önyma = Name]
(Sprachw.): übergeordneter Begriff. Oberbegriff (z. B. Tier
gegenüber Vogel. Hund. Ameise; Ggs.: Hyponym);
Hyperplasie [...pla'zi:]. die; -. -n [...i:dn; zu griech. pläsis =
Bildung. Form] (Med.): Vergrößerung eines Organs od.
Gewebes durch abnorme Vermehrung der Zellen (Ggs.:
Hypoplasie); <Abl.:> hyperpl^stisch <Adj.; o. Steig.; nicht adv.)
(Med.): die Hyperplasie betreffend, auf ihr beruhend (Ggs.:
hypoplastisch): -es Gewebe; Hyperschall, der; -[e]s
(Physik): elastische Schwingungen von Materie/ tedchen]\ deren
Frequenzen sehr hoch liegen (oberhalb einer Milliarde
Hertz); Hypersekretign, die; -. -en: svw. ISupersekretion;
hypersensibel <Adj.; o. Steig.): überaus sensibel,
empfindsam; Kontrastreich stehen Klees -e. hauchzarte Träume
neben Kirchners schreienden Farbenschocks (Gehlen,
Zeitalter 34); Er ist in dieser Zeit h.. ein Sanguiniker
mit vorherrschend elegischem Einschlag (Ceram. Götter
106); hypersensibilisifiren <sw. V.; hat): 1. die Sensibilität.
Empfindlichkeit stark erhöhen. 2. (Fot.) die Empfindlichkeit
von fotografischem Material durch bestimmte Maßnahmen
vor der Belichtung erhöhen; Hypersomie [...zo'mi:]. die;
- [zu griech. söma = Leib. Körper] (Med.): svw.
tGigantismus (1) (Ggs.. Hyposomie); Hypersomnie [...zDm'ni:]. die;
- [zu lat. somnus = Schlaf) (Med.): krankhaft gesteigertes
Bedürfnis nach Schlaf; hypertonisch [..'zo:niJ] <Adj.; o.
Steig.) [engl, hypersonic. zu lat. sonus = Ton. Schall]
(Physik): den Hyperschall betreffend; Hypertelie [...te'li:].
die; - [zu griech. t£los = Vollendung] (Biol.): natürliche
od. krankhafte Steigerung des Wachstums, der Entwicklung
eines Organs o. ä. bei Tieren u. Pflanzen (z. B. die
außerordentliche Geweihentwicklung beim Riesenhirsch); Hyper-
tensign.die; -. -en [zu lat. tensio = (An)spannung] (Med.):
svw. t Hypertonie (1.2) (Ggs.: Hypotension); Hyperthermie
[...ter'mi:]. die; - [zu griech. therme = Wärme] (Med.):
1. Erhöhung der Körpertemperatur infolge eines
Mißverhältnisses zwischen Wärmebildung u. Wärmeabgabe des
Körpers. Wärmestauung. 2. sehr hohes Fieber; Hyperthymie
[...ty'mi:]. die; - [zu griech. thymös = Gemüt] (Psych.):
ungewöhnlich gehobene seelische Stimmung mit gesteigerter
Betriebsamkeit u. Neigung zu unkritischem Verhalten;,
Hyperthyreose [...tyre'o:z3], die; - Izu griech. thyreoeides =
schildförmig, vgl. Schilddrüse] (Med.): Überfunktion der
Schilddrüse (Ggs.: Hypothyreoidismus, Hypothyreose);
Hypertonie[...to'ni:].die; -. -n [...i:an; tTonus] (Med.; Ggs.:
Hypotonie): 1. svw. t Bluthochdruck. 2. erhöhte Spannung
von Muskeln. 3. erhöhter Innendruck, erhöhte Spannung
im Augapfel; <Abl. zu 1:> Hypertoniker [...'to:nike]. der;
-s, - (Med.): jmd.. der an zu hohem Blutdruck leidet (Ggs.:
Hypotoniker); hypertonisch <Adj.; o. Steig.; nicht adv.)
(Med.): die Hypertonie (1) betreffend, zu ihr gehörend;
mit Hypertonie zusammenhängend (Ggs.: hypotonisch);
hypertroph [...'tro:fl <Adj.; o. Steig.) 1. (Med.) (von Gegeben
u. Organen) an Hypertrophie leidend; -e Muskeln. 2. (bil-
dungsspr.) ein Übermaß aufweisend; übersteigert,
überzogen, übermäßig: sein -es Selbstbewußtsein (Deschner.
Talente 132); Die Struktur verfeinert sich .... die Bildwelt
wuchert z. T. h. (Mitteilungen des Deutschen Germanisten-
Verbandes 1.J969. 56); Hypertrophie [...tro'fi:]. die; - [zu
griech. trophe = Nahrung. Ernährung]: 1. (Med.. Biol.)
übermäßige Vergrößerung von Geweben u. Organen durch
Vergrößerung (nicht Vermehrung) der Zellen, bes. infolge
erhöhter Beanspruchung (Ggs.: Hypotrophie 1)*: eine H.
des Herzmuskels. 2. (bildungsspr.) Übermaß.
Übersteigerung. Überzogenheit: eine H. des Selbstbewußtseins, der
Leidenschaften; hypertrophiert [...fegt] <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.) (bildungsspr.): svw. thypertroph (2): der ...
-emännliche Machtwille; (Graber. Psychologie 24);
hypertrophisch <Adj.; o. Steig.): svw. t hypertroph; Hyperurbanis-
mus [...lurba'nismos). der; -. ...men [engl, hyperurbanism.
zu lat. urbänus = vornehm, städtisch] (Sprachw.):
hyperkorrekte Bildung; Hypervitaminose [...vitami'no:zd], die;
- (Med.): Schädigung des Körpers durch länger dauernde
Zufuhr überhöhter Mengen an fett löslichen Vitaminen (Ggs.:
Hypovitaminose).
Hyphärese [hyfe're.za]. die; -. -n [zu griech. hyphairesis
= das Entwenden. Entziehen] (Sprachw.): Ausstoßung
eines kurzen Vokals vor einem anderen Vokal.
Hyphe ['hy:fe]. die; -. -n [griech. hyphe = das Weben,
das Gewebte] (Biol.): oft in Zellen gegliederter Pilzfaden.
Hyphen [hyfen]. das; -[s]. - [lat. hyphen < griech. hyphen.
eigtl. = in eins (zusammen), zu: hypö (thypo-) u. hen
= eins]: bei einem zusammengesetzten Wort verwendeter
Bindestrich.
Hyphidrose[hyffdro:z3].die; - [zu thypo-. Hypo- u. tHidro-
se] (Med.): verminderte Schweißabsonderung.
hypn-, Hypn-: Thypno-. Hypno-; hypno-, Hypno- (vor
Vokalen auch:) hypn-. Hypn-. [hypn(o)-; zu griech. hypnos]
<Best. in Zus. mit der Bed.): Schlaf iz. B. Hypnonarkose.
Hypnalgie, hypnoid); Hypnoanalyse, die; -. -n
(Psychoanalyse): durch Hypnose eingeleitete psychotherapeutische
Behandlung; hypnoid [hYpno'i:t] <Adj.; o. Steig.) [zu griech.
-oeides = ähnlich](Med.. Psych.): (vonBewußtseinszustän-
den) dem Schlaf bzw. der Hypnose ähnlich; Hypnonarkose,
die; -. -n [Med.): durch Hypnose eingeleitete od. geförderte
Narkose; Hypnopädie [zu griech. paideia = Lehre. (Aus)-
bildung]: svw. ?Schlaflernmethode; Hypnose [hYpno:za].
die; -, -n [zu t hypnotisch]: schlafähnlicher, eingeschränkter
Bewußtseinszustand, der vom Hypnotiseur durch Suggestion
herbeigeführt werden kann u. in dem die Willens- u. teilweise
auch die körperlichen Funktionen leicht zu beeinflussen sind:
Sein stechendes Auge ließ vermuten, daß er in den Künsten
der H. geschult sei (Niekisch. Leben 175); aus der H.
erwachen; jmdn. in H. versetzen; etw. in H. tun; Hypnosie
[hypno'zi:],die; -. -n [...i:an] (Med.): 1. svw.
tSchlafkrankheit. 2. krankhafte Schläfrigkeit; Hypnotherapeut. der; -en.
-en: jmd.. der Patienten mit Mitteln der Hypnotherapie
behandelt; Hypnotherapfe. die; -. -n: Psychotherapie mit
Hilfe von Hypnose; Hypnotik [hYp'no:tikj. die; -:
Wissenschaft von der Hypnose; Hypnotikuro, das; -s. ...ka [latinis.
aus griech. hypnötikön] (Med.): Schlafmittel; hypnotisch
<Adj.) [spätlat. hypnöticus < griech. hypnötikös =
einschläfernd]: I. <o. Steig.; nicht adv.) a) die Hypnose
betreffend, auf ihr beruhend, zu ihr gehörend; durch Hypnose,
mit ihrer Hilfe bewirkt: -er Schlaf; eine -e Heilung; die
wie in -er Erstarrung versteiften Körper (Welt 22. 6. 65.
7); b) eine Hypnose bewirkend, zur Hypnose führend,
einschläfernd: die -e Wirkung seines Blicks, einer Droge. 2.
wie durch Hypnose bewirkt, bannend; widerstandslos,
willenlos machend: sein sonores ... Organ mit seinem
suggestiven und -en Reiz (Benn. Leben 39); allein ihre
Gegenwart wirkte h. auf ihn; Hypnotiseur [hypnoti'zo:?].
der; -s. -e [frz. hypnotiseur]: jmd.. bes. ein Arzt, der andere
in Hypnose versetzen kann: hypnotisieren [...'zhran] <sw.
V.; hat) [frz. hypnotiser < engl, to hypnotize, zu spätlat.
hypnöticus. T hypnotisch; 1843 gepr. von dem engl. Arzt
J. Braid (1795-1860)]: 1. in Hypnose versetzen: der Arzt
hypnotisierte den Kranken; wie hypnotisiert beobachtet er
die Skala (Menzel. Herren 99). 2. ganz gefangennehmen,
in seinen Bann schlagen; willenlos, widerstandslos machen:
Nein, es ist ihr moralischer Schwachsinn, was den Pöbel
hypnotisiert (Maass. Gouffe 244); das silberne Kreuz
jedoch hypnotisiert ihn für Sekunden (A. Zweig. Grischa 485);
Hypnotismus [...'tismus]. der; - [engl, hypnotisme]: 1.
Wissenschaft von der Hypnose. 2. (selten) starke Beeinflussung.
hypo-, Hypo-, (vor Vokalen auch:) hyp-, Hyp- [hyp(o)-;
griech. hypö] <Best. in Zus. mit der Bed.): unter, darunter
(z. B. hypotaktisch, Hypostase; in Medizin u. Biologie bes.
die Unterentwicklung. Unterfunktion eines Organs o.a.
bezeichnend. z.B. Hypotrophie; Ggs.: thyper-. Hyper-);
Hypochlorit, das; -s. -e [...'ri.te; f'Chlorit] (Chemie): Salz
der unterchlorigen Säure; Hypochonder [...'xandt?]. der; -s.
- [frz. hypocondre. zu ? hypochondrisch]: jmd.. der an
Hypochondrie leidet, sich hypochondrisch gebärdet; eingebildeter
Kranker: er ist schon in jungen Jahren zum H. geworden;
Hypochondrie[...xan'dri:], die; -. -n [...i:an; nlat. hypochon-
1307
hypochondrisch
dria] <P1. selten) (Med.): durch eine gestörte psychische
Einstellung zum eigenen Körper bewirkter
Krankheitszustand ohne nachweisbare Ursache, derbes, durch die
übertriebene Neigung, seinen eigenen Gesundheitszustand zu
beobachten gekennzeichnet ist u. oft von der zwanghaften Angst
vor Erkrankungen, der Einbildung des Erkranktseins od.
von Trübsinn. Schwermut begleitet ist; hypochondrisch
[...xondrij] <Adj.> [griech. hypochondriakös = am
Unterleib u. den Eingeweiden leidend, zu: hypochöndrion (PI.
hypochöndria) = der weiche Teil des Leibes unter dem
Brustknorpel u. den Rippen, Unterleib u. Eingeweide,
in denen nach antiker Vorstellung die Gemütskrankheiten
lokalisiert sind]: an Hypochondrie leidend; die
Eigenschaften. Eigenheiten eines Hypochonilers habend; auf
Hypochondrie beruhend, von ihr zeugend, zu ihr gehörend: ein -er
Mensch; sein Verhalten hat -e Züge; Immer schien sie
gequält von abergläubischen Ahnungen und -en Sorgen
(K. Mann, Wendepunkt 35); er ist ausgesprochen h.. wirkt
geradezu h.. gebärdet sich h.; hypodirom [...'kro.m] <Adj.;
o. Steig.; nicht adv.) [zu lat. chröma. TChrom] (Med.):
zu wenig Blutfarbstoff besitzend (Ggs.: hyperchrom);
Hypochromie [...kro'mi:]. die; -. -n [...i:an] (Med.; Ggs.: Hy-
perchromie): 1. verminderter Farbstoffgehalt der roten
Blutkörperchen. 2. verminderter Pigmentgehalt der Haut; Hypo-
daktylie [...daktyli:]. die; -. -n [...i:an; zu griech. däktylos
= Finger] (Med.): angeborene Mißbildung der Hand od.
des Fußes mit Fehlen von Fingern od. Zehen (Ggs.: Hyper-
daktylie); Hypoderm [...derm], das; -s, -e [zu griech. derma
= Haut] (Biol.): 1. unter der Oberhaut gelegene Zellschicht
bei Sprossen, Wurzeln u. Blättern vieler Pflanzen. 2. äußere
einschichtige Haut bei Wirbellosen (z.B. Gliederfüßern),
die den Chitinpanzer ausscheidet. 3. (veraltet) Lederhaut
der Wirbeltiere; Hypodgdimius, der; -. ...ien [...ton]
(Verslehre): altgriechischer Versfuß, der als Variante des Doch-
miusgilt {-<j-*u-)\ Hypofunktion,die; -. -en (Med.):
verminderte Tätigkeit od. Leistung eines Organs (Ggs.: Hyperfunk-
tion); Hypogalaktie [...galak'ti:]. die; -. -n [...i:an; zu griech.
gäla (Gen.: gälaktos) = Milch] (Med.): zu geringe od.
völlig versagende Absonderung von Milch bei Frauen in
der Stillzeit (Ggs.: Hypergalaktie); Hypoxämie [...ga'mi:].
die; - [zu griech. gamös = Hochzeit. Ehe] (Soziol.): Heirat
einer Frau aus einer höheren Schicht od. Kaste mit einem
Mann aus einer niederen (Ggs.: Hypergamie);
Hypogastrium [...gastrium], das; -s. ...ien [...pn; zu griech. gaster
= Bauch. Magen] (Anat.): Unterleib. Region des
Unterbauchs; Hypogäim [...ge:om]. das; -s, ...gäen [...ge:an; lat.
hypogeum < griech. hypögeion. zu: hypögeios =
unterirdisch]: unterirdisches Gewölbe. Grabraum, oft innerhalb von
Katakomben; Hypogenital Ismus [...genita'lismos]. der; - [zu
tGenitale] (Med.): Unterentwicklung der
Geschlechtsorgane, auch der sekundären Geschlechtsmerkmale (Ggs.: Hy-
pergenitalismus); Hypoglykämie, die; -. -n [...han; tGlyk-
ämie] (Med.): stark verminderter, unter den Normalwert
herabgesunkener Zuckergehalt des Blutes (Ggs.: Hyperglyk-
ämie); Hypogonadismus [...gona'dismus], der; - [zu
tGonade] (Med.): Unterentwicklung, verminderte Funktion der
männlichen Geschlechtsdrüsen; Hypoidgetriebe [hypo'i:t-].
das; -s, - [LÜ von engl, hypoid gear. zu: hypoid. kurz
für: hyperboloidal (t Hyperboloid) u. gear = Getriebe]
(Technik): Kegelradgetriebe, dessen Wellen sich in geringem
Abstand kreuzen (z. B. beim Hinterradantrieb von
Kraftfahrzeugen); hypokaustisch <AdJ.; o. Steig.): das Hypokau-
stum betreffend, mit Hilfe des Hypokaustums [geheizt];
Hypokaustun [...kaustom]. das; -s, ...sten [lat. hypocau-
stum < griech. hypökauston; vgl. kaustisch] (hist.):
römische Zentralheizung der Antike, bei der von einer unten
gelegenen Feuerstelle aus die Wärme durch Kanäle in Stein-
(xJ. Ziegelfußböden geleitet wird; Hypokinese [...ki'ne:z3].
die; -. -n [zu griech. kinesis = Bewegung] (Med.):
verminderte Bewegungsfähigkeit bei bestimmten Krankheiten; Hy-
pokorismus[...konsmus].der;-. ...menlzuspätlat. hypoco-
risma < griech. hypokörisma] (Sprachw.): Veränderung
eines Namens in eine Kurz- od. Koseform; Hypokoristikum
[...nstikom], das; -s. ...ka [latinis. aus griech. hypokoristi-
kön = schmeichelnder Name. Kurz-. Koseform]
(Sprachw.): vertraute Kurzform eines Namens. Kosename
(z. B. Fritz statt Friedrich); hypokorjstisch <Adj.; o. Steig.)
(Sprachw.): den Hypokorismus betreffend; Hypokrisie
[...kri'zi:]. die; -. -n [...l:an; frz. hypocrisie < lat. hypocrisis
< griech. hypökrisis, eigtl. = (vom Schauspieler, der eine
Rolle spielt) Verstellung; zu THypokrit] (bildungsspr.):
Heuchelei. Scheinheiligkeit. Verstellung; ein Film, der in
bestechender Weise die H. der englischen Gesellschaft
bloßlegt (MM 21.4. 69. 24); hypokristallin <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.) (Geol.): (von Gesteinen) aus kristallinen u.
glasigen Bestandteilen zusammengesetzt; -e Ergußgesteine;
Hypokrit [...kri:t]. der; -en. -en [frz. hypocrite < lat. hypo-
crites < griech. hypokrites] (bildungsspr. veraltet):
Heuchler; <Adv.:> hypokritisch <Adj) (bildungsspr. veraltet):
heuchlerisch, scheinheilig, unaufrichtig; Hypolkimion
[...iimniDnl.das; -s. ...ien [...ton; griech. limnion = kleiner
Teich] (Biol.): untere, bis zum Grunde reichende, meist nähr-
stoff- u. sauerstoffarme Wasserschicht eines Süßwassersees;
vgl. Epilimnion. Metalimnion; hypologisch <Adj.; o. Steig.)
(Philos.. Psych.): unterhalb des Logischen liegend; -es
Denken (das vorsprachliche Denken des noch nicht
sprachfähigen Kleinkindes u. der höheren Tiere); Hypomank, die;
-. -n [...i:an] (Med.): leichte Art der Manie in Form von
gehobener, heiterer Stimmungslage. Lebhaftigkeit, unter
Umständen im Wechsel mit leicht depressiven Stimmungen;
Hypotnaniker [...ma:nikB]. der; -s, - (Med.): jmd.. der an
Hypomanie leidet; hypomanisch <AdJ.; o. Steig.) (Med.):
a) die Hypomanie betreffend; b) an Hypomanie leidend;
Hypomnesie [hypamne'zi:], die; -. -n [...i:an; zu griech.
hypömnesis = Erinnerung] (Med.): mangelhaftes
Erinnerungsvermögen. Gedächtnisschwäche; Hypomobilitit
[hypo-]. die; -: svw. t Hypokinese; Hyponastk. die; - ItNa-
stie] (Bot.): Krümmungsbewegung bei Pflanzen durch
verstärktes Wachstum der Blattunterseite gegenüber der
Blattoberseite; Hyponym [...'ny:m], das; -s. -e [zu griech. önyma
= Name] (Sprachw.): untergeordneter Begriff. Unterbegriff
(z. B. Vogel, Hund, Ameise gegenüber Tier; Ggs.: Hyper-
onym); <Abl.:> Hyponymie [...ny'mi:]. die; -, -n (Sprachw.):
Erscheinung der semantischen Inklusion
(Bedeutungseinschließung); Hypophyse [...'fyizal. die; -. -n [griech. hypö-
physis = Nachwuchs.Sprößling](Med.):beiden
Wirbeltieren im Bereich des Zwischenhirns gelegenes, beim Menschen
etwa kirschkerngroßes innersekretorisches Organ.
Hormondrüse, die bes. die Funktion der übrigen Hormondrüsen des
Körpers reguliert; Hirnanhangf sdrüsej; Hypoplasie [...pla-
zi:]. die; -. -n [...i:an; zu griech. pläsis = Bildung. Form]
(Med.): unvollkommene Ausbildung. Unterentwicklung von
Geweben od. Organen (Ggs.: Hyperplasie); <Abl.:)hypopl$-
stisch <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (Med.): die Hypoplasie
betreffend, auf ihr beruhend (Ggs.: hyperplastisch): -es Ge-
webe; Hyporchem [hyp3r'Qe:m]. das; -s. -en. Hyporchema
[hy'pDT9ema]. das; -s, -ta [...'9e:mata; griech. hyporchema]:
altgriechisches chorisches Tanzlied mit raschem Rhythmus;
hyposom [hypozo:m] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (Med.):
an Hyposomie leidend, von zu kleinem Wuchs; Hyposomie
[...zo'mi:]. die; - [zu griech. söma = Körper] (Med.):
krankhaftes Zurückbleiben des Körperwachstums hinter
dem Normalmaß; Kleinwuchs (Ggs.: Hypersomie);
Hypostase [...sta:zd], die; -. -n [lat. hypostasis < griech.
hypöstasis = Unterlage. Grundlage. Ablagerung]: 1. (bes.
Philos.) Vergegenständlichung. Verdinglichung einer
Eigenschaft, eines Begriffs, eines bloßen Gedankens. 2. (Myth..
Rel.) a) Personifizierung göttlicher Eigenschaften od.
religiöser Vorstellungen zu einem eigenständigen göttlichen Wesen
(z. B. in der christl. Theologie die drei Personen der Trini-
tät); b) Weseftsmerkmal einer personifizierten göttlichen
Gestalt. 3. (Sprachw.) Verselbständigung eines Wortes als
Folge einer Veränderung der syntaktischen Funktion (z. B. der
Übergang eines Substantivs im Genitiv zum Adverb wie
„des Mittags" zu..mittags"). 4. (Med.) vermehrte
Ansammlung von Blut in den tiefer liegenden Körperteilen (z. B.
bei Bettlägerigen in den hinteren unteren Lungenpartien).
5. (Genetik) Unterdrückung. Überdecktwerden der Wirkung
eines Gens durch die Wirkung eines anderen Gens, das nicht
zum gleichen Paar von Erbanlagen gehört; Hypostasie [...sta-
zi:]. die; -. -n [...i:dn]: svw. t Hypostase (4. 5); hypostasieren
[...sta'zi:ran] <sw. V.; hat) (bildungsspr.): vergegenständ-
. liehen, als gegenständlich betrachten, auffassen;
verdinglichen, verselbständigen; personifizieren; <Abl.:) Hyposta-
skrung, die; -. -en: svw. f Hypostase (1. 3); hypostatisch
<Adj.; o. Steig, nicht adv.) [1: griech. hypostatikös]: 1.
(bildungsspr.) die Hypostase (1) betreffend, auf ihr
beruhend, durch sie bewirkt; vergegenständlichend,
gegenständlich, verdinglicht, wesentlich. 2. (Med.) die Hypostase (4)
betreffend, durch sie hervorgerufen. 3. (Genetik) die Hypo-
1308
hysterisch
stase (5) betreffend: in seiner Wirkung überdeckt: die -en
Gene werden außer Funktion gesetzt (Medizin II. 90);
Hypostylon [hy'postybn]. das; -s. ...la. Hypostylos [...bs].
der; -. ...loi [...l^y; griech. hypöstylon, zu: hypostylos =
auf Säulen ruhend]: (im Griechenland der Antike) Saal,
Halle mit einer von Säulen getragenen Decke: gedeckter
Säulengang: Säulenhalle: Tempel mit Säulengang:
hypotaktisch [hypotaktiil <Adj.; o. Steig.) [griech. hypotaktikös
= unterordnend] (Sprachw.): auf Hypotaxe (1) beruhend,
der Hypotaxe unterliegend: unterodnend (Ggs.:
parataktisch): ein -er Säte; seine Sätze vorwiegend h. konstruieren;
Hypotaxe, die; -. -n [zu griech. täxis = Ordnung]: I.
(Sprachw.) Unterordnung von Sätzen od. Satzgliedern (Ggs.:
Parataxe). 2. (Med.) Zustand herabgesetzter Willens- u.
Handlungskontrolle, mittlerer Grad der Hypnose:
Hypertexte, die; -. ...xen: svw. tHypotaxe (1); Hypotension, die;
-, -en [zu lat. tensio = Spannung] (Med.): svw. t Hypotonie
(1. 2) (Ggs.: Hypotension); Hypotenuse [...te'nu:za]. die;
-. -n [zu spätlat. hypotenüsa < griech. hypoteinousa
(Pleura), eigtl. = (unter dem rechten Winkel) sich erstreckende
Seite)]: im rechtwinkligen Dreieck die dem rechten Winkel
gegenüberliegende längste Seite: Hypothalamus, der; -. ...mi
(Med.): unterhalb des Thalamus liegender Teil des
Zwischenhirns; Hypothek [...'te:k], die; -. -en [lat. hypotheca <
griech. hypo theke. eigtl. = Unterlage]: l.a)(jur.. Bankw.)
(zu den Grundpfandrechten gehörendes) Recht an einem
Grundstück, einem Wohnungseigentum o. ä. zur Sicherung
einer Geldforderung, das (im Gegensatz zur Grundschuld)
mit dieser Forderung rechtlich verknüpft ist: erste, zweite
(an erster, zweiter Stelle eingetragene) H.; der Kredit ist
durch eine H. gesichert; b) durch eine Hypothek (1 a)
entstandene finanzielle Belastung eines Grundstücks, eines
Wohnungseigentums o.a.: eine H. von 50000 DM; er hat
zwei -en auf seinem Haus; das Haus, das er allerdings
von -en frei zu halten verstanden hatte (Habe. Namen
34); c) durch eine Hypothek (la) gesicherte Geldmittel,
diejmdm. zur Verfügung gestellt werden: eine H.
aufnehmen, abtragen, tilgen; Hat er sich seine -en von einer
Sparkasse beschafft, so wird er ... (Welt 20. 8. 65, 11);
er hat sich mit dieser H. ein Haus gebaut. 2. belastender,
negativer Umstand; große, ständige Belastung, Bürde:
Mancher durch einen Staatsstreich etablierten
Herrschaftsgewalt ist es nie gelungen, die H. der Illegitimität vergessen
zu lassen (Fraenkel. Staat 325); Ihre Ehe war von Anfang
an mit einer H. belastet (Hörzu 9, 1973, 97); Hypothekar
[hypoteka:^]. der; -s, -e: svw. T Hypothekengläubiger;
hypothekarisch <Adj.; o. Steig.) [(spät)lat. hypotheeärius]: eine
Hypothek (1 a) betreffend, auf einer H. beruhend; durch
eine Hypothek f gesichert J: eine Forderung h. sichern;
Hypothekarkredit, der: -[e]s. -e (Bankw.): durch Eintragung einer
Hypothek (1 a) gesicherter Kredit.
Hypotheken- (Hypothek 1 a; Bankw.): ^bank, die: Bank,
deren gesc/iäftlieber Betrieb vor allem darauf gerichtet ist.
Hypotheken zu erwerben u. auf Grund dieser Hypotheken
Pfandbriefe auszugeben; abrief, der: vom Grundbuchamt
ausgestellte Urkunde über die Rechte aus einer Hypothek;
^gläubiger, der: Gläubiger, dessen Schuldforderung durch
eine Hypothek gesichert ist; Inhaber einer Hypothek;
^Pfandbrief, der: festverzinsliche, durch eine Hypothek
gesicherte Schuldverschreibung, die von einer Hypothekenbank
zur Beschaffung des Kapitals für die Vergabe anderer Kredite
ausgegeben wird; ^Schuldner, der: Schuldner, der auf Grund
einer Hypothek Zahlungen zu leisten hat; ^zins, der <meist
PI.): Zins, der für eine Hypothek zu zahlen ist.
Hypothermie [hypoter'mi:]. die; -. -n [...i:an; zu griech. ther-
me = Wärme] (Med.): 1. <o. PI.) abnorm niedrige
Körpertemperatur (z.B. bei großer körperlicher Erschöpfung).
2. künstliche Unterkühlung des Körpers zur Reduktion der
Stoffwechsel- u. Lebensvorgänge im Organismus; Hypothese
[...te:z3]. die; -. -n [spätlat. hypothesis < griech. hypöthe-
sis]: 1. (bildungsspr.) unbewiesene Voraussetzung, Annahme,
Vermutung, Unterstellung: eine kühne, reine,
abenteuerliche H.; Alles, was er gesagt hat. waren -n, Erwägungen.
Wünsche (Kirst. 08/15. 248); diese H. hält einer
Nachprüfung nicht stand; eine H. aufstellen, widerlegen. 2.
(Wissen seh.) von Widersprüchen freie, aber zunächst unbewiesene
Aussage, Annahme (von Gesetzlichkeiten od. Tatsachen)
als Hilfsmittel für wissenschaftliche Erkenntnisse: mit einer
H. arbeiten; hypothetisch <Adj.; o. Steig.) [spätlat. hypothe-
ticus < griech. hypothetikös]: 1. (bildungsspr.) auf einer
Hypothese (1). beruhend; fraglich, zweifelhaft: -e Aussagen
über etw. machen; in solchen Fällen kann man nur h.
vorgehen. 2. (Wissensch.) die Hypothese (2) betreffend,
auf ihr beruhend, mit ihrer Hilfe: eine schon seit längerem
diskutierte -e Eigenschaft der Elementarteilchen (Zeit 1.
8. 75. 39); den notwendig -en Charakter der Physik als
Wissenschaft (Natur 12); Hypothyreoidismus [...ty-
reoi'dismos], der;,-. Hypothyreose [...tyre'o:z3], die; - [zu
griech. thyreoeides = schildförmig, vgl. Schilddrüse]
(Med.): Unterfunktion der Schilddrüse(Ggs.: Hyperthyreoi-
dismus. Hyperthyreose); Hypotonie [...to'ni:]. die; -. -n
[...i:an; tTonus] (Med.; Ggs.: Hypertonie): 1. chronisch
zu niedriger Blutdruck. 2. herabgesetzte Spannung von
Muskeln. 3. krankhafte Verminderung des Innendrucks, der
Spannung im Augapfel; <Abl.:> Hypotoniker [...'to:nike],
der; -s. - (Med.): jmd., der an zu niedrigem Blutdruck leidet
(Ggs.: Hypertoniker); hypotonisch <Adj.; o. Steig.; nicht
adv.) (Med.): die Hypotonie (1) betreffend, zu ihr gehörend;
mit Hypotonie zusammenhängend (Ggs.: hypertonisch); Hy-
potractelion[...tra'xe:li3n].das; -s. ...ien [...pn; lat. hypotra-
chelium < griech. hypotrachelion]: Teil der dorischen Säule
unterhalb des Kapitells; Säulenhals; Hypotrophie [...tro'fi:].
die; - [zu griech. trophe = Nahrung, Ernährung]: 1. (Med..
Biol.) mangelhaftes, unterdurchschnittliches
Größenwachstum, Schwund von Geweben u. Organen (Ggs.:
Hypertrophie 1). 2. (Med.) Unterernährung; Hypovitaminose [...vita-
mi'no:z3]. die; - (Med.): Schädigung des Körpers durch
fehlende Vitaminzufuhr, Vitaminmangelkrankheit (Ggs.:
Hypervitaminose); Hypoxämie [hypakpe'mi:]. die; -, -n
[...i:an; gek. aus thypo-. Hypo-. tOxygen u. -ämie. zu
griech. halma = Blut] (Med.): Verminderung des
Sauerstoffs im Blut als Folge von Kreislaufstörungen od. einer
Beeinträchtigung der Atmung; Hypoxie [hypo'^i:]. die; -.
-n [...i:an; gek. aus thypo-. Hypo- u. tOxygen] (Med.):
Sauerstoffmangel in den Geweben als Folge von Hypoxämie;
Hypozpitnm[hypo-]das; -s. ...tren (Geol.): Stelleim Erdin-
nern, von der ein Erdbeben ausgeht; Erdbebenherd;
Hypozykloide [...tßykloi:dö], die; -, -n [t Zykloide] (Math.): Kurve,
die ein Peripheriepunkt eines Kreises beschreibt, wenn dieser
Kreis auf der inneren Seite eines anderen, festen Kreises
abrollt.
Hypsiphobie [hvpsifo'bi:]. die; -. -n [...i:an; zu griech. hypsi
(Adv.) = hoch u. TPhobie] (Med.): Auftreten von Angst-
u. Schwindelgefühlen beim Blick aus großen Höhen in die
Tiefe; Höhenangst; Hypsometer [hYpso'me:tt?]. das; -s. -
[zu griech. hypsos = Höhe u. t-meter] (Technik, Met.):
Gerät, das der Bestimmung des Luftdrucks bzw. der
Höhenmessung dient; Siedebarometer; Hypsothermometer, das;
-s, - (Technik. Met.): mit einem Hypsometer gekoppeltes
Thermometer.
Hysteralgie OiYsteral'gi:]. die; -. -n [...i:an; zu griech. hystera
= Gebärmutter u. älgos = Schmerz] (Med.): Schmerzen
im Bereich der Gebärmutter;Hystettktomi&,d\e -. -n [...i:an;
TEktomie] (Med.): operative Entfernung der Gebärmutter.
Hysterese [hYste're:z3], Hysteresis [hYs'te:rezis], die; -
[griech. hysteresis = das Nachstehen, Zukurzkommen]
(Physik): das Zurückbleiben einer Wirkung hinter der sie
verursachenden veränderlichen Kraft.
Hysterie [hYste'ri:]. die; -. -n [...i:an; zu Thysterisch]: I.
(Med.) auf einer Psychose beruhende od. aus starken
Gemütserregungen entstehende, abnorme Verhaltensweise mit
vielfachen physischen u. psychischen Symptomen ohne klar
umschriebenes Krankheitsbild: sie leiden beide an einer
schweren H. 2. /allgemeine] nervöse Aufgeregtheit,
Erregtheit; Beunruhigung, Erregung, Nervosität, Überspanntheit:
die Begeisterung der Primanerinnen näherte sich der H.
(Dorpat, Ellenbogenspiele 153); Gerade in der nachkriegs-
deutschen H. und Umkehrmanie ... wäre die nüchterne
marxistische Klärung ... notwendig gewesen (Zwerenz.
Kopf 124); Hysteriker DiYs'te:rikB]. der; -s, - (Med.): jmd.,
der im Charakter od. im Verhalten Symptome der Hysterie
(1) zeigt: Er gab es auf. Mit diesem traurigen H. war
nichts zu machen (Feuchtwanger. Erfolg 672); hysterisch
<Adj.) [spätlat. hystericus < griech. hysterikös. eigtl. =
die Gebärmutter betreffend, an der Gebärmutter leidend,
zu: hystera = Gebärmutter; nach antiker Vorstellung hatte
die Hysterie ihre Ursache in krankhaften Vorgängen in
der Gebärmutter]: 1. (Med.) die Hysterie (1) betreffetxd,
auf ihr beruhend, daran leidend; zum Erscheinungsbild der
Hysterie gehörend; Züge der Hysterie im Charakter od.
1309
hysterisieren
im Verhalten zeigend:eine-e Frau; -e Anfälle; Pearls -e Angst
vor Kindern untergrub seine Ehe (Baum. Paris 136). 2.
zu nervöser Aufgeregtheit neigend: übertrieben leicht
erregbar: übertrieben erregt, nervös: überspannt: ein -er
Ordnungshüter fing an zu schießen; ihr -es Gelächter. Geschrei
erschreckte ihn; sei nicht so h.!; ..Wir haben noch Zeit!*'
fuhr Schwahl h. auf (Apitz. Wölfe 338); hysterisieren ßmte-
ri'zr.ren] <sw. V.; hat): hysterisch machen: daß Baudelaire
hier mit verstellter Stimme spricht, der des hysterisierten
Bourgeois nämlich (Diskussion Deutsch 35. 1977. 264);
<Abl.:> Hysterisfcnmg, die; -. -en; hysterogen [hYStero'ge:n]
<AdJ.;o. Steig.; nichtadv.)[T -gen] (Med.): 1. auf hysterischen
Ursachen beruhend. 2. eine Hysterie auslösend: -e Zonen
(Körperstellen, deren Berührung hysterische Zustände
hervorrufen kann) /Hysterogrtmnitdas; -s, -e[t -gramm] (Med.):
Röntgenbild der Gebärmutter: Hysterographk* die; -. -n
[t-graphie] (Med.): röntgenologische Untersuchung u.
Darstellung der Gebärmutter: hysteroid [hYStero'i.'t] <Adj.; o.
Steig.)[zugriech.-oeides = ähnlich] (Med.): hysterieähnlich.
Hysterologie [hYsterolo'gi:]. die; -. -n [...i:an; griech. hystero-
logfa]: svw. t Hysteron-Proteron (2).
i, I [i:t fa. AJ. das; -. - [mhd., ahd. i]: neunter Buchstabe
des Alphabets, dritter Laut der Vokalreihe a. e. i. o. u:
das kleine i wird mit Punkt, das große I ohne Punkt
geschrieben; *das Tüpfelchen der Punkt auf dem i (die
Zutat, die einer Sache noch die letzte Abrundimg gibt).
i! [-] <Interj.) [mhd. I]: Ausruf der Ablehnung,
Zurückweisung voller Ekel, Abscheu: i. ist das glitschig,
schmierig!; i. schmeckt das komisch!; i bewahre, i wo! (ugs.;
daran ist doch gar nicht zu denken: nicht im geringsten!: als
verstärkte verneinende Antwort).
i.I: t'Jota.
iah! ['i:'a:, i'a:] (Interj.) lautm. für den Schrei des Esels;
<Abl.:> iahen [i.-'a.an. i'a:an] <sw. V.; hat): (vom Esel)
die Stimme ertönen lassen.
lambe l'iamte] usw.: T Jambe usw.
Iatrik['ia:tnk],die; -(Med.): svw. tlatrologie; iatrisdi [*ia:tnf]
<AdJ.; o. Steig.) [zu griech. iatrikös = den Arzt betreffend]
(Med.): die ärztliche Lehre. Heilkunst betreffend: latro-
chemk Üatro-], die; - [zu griech. iatrös = Arzt]: auf Paracet
sus zurückgehende Richtung der Medizin im 17.118. Jh..
die die Körperfunktionen als chemische Umwandlungen von
Stoffen verstand: iatrogen <Adj.; o. Steig.) [t-gen] (Med.):
durch den Arzt hervorgerufen, verursacht: durch ärztliche
Einwirkung (z.B. fehlerhafte Behandlung) ausgelöst: -e
Krankheiten: latrolosk. die: - [griech. iatrologia. f-logie]
(Med.): ärztliche Lehre. Lehre von der ärztlichen Heilkunst.
1-Ausweis, der; -es. -e: kurz für f Identitätsausweis.
Iberis [i:bens], die; -. - [lat. (h)iberis < griech. iberis =
Kresse, wohl nach der Herkunft aus Iberien ( = flir ein
Gebiet im Südosten der Sowjetunion)]: svw.
tSchleifenblume.
ibidem [i'bi:dem, i.bidem; ib...; lat. ibidem]: ebenda, eben-
dort (Hinweiswort in wissenschaftlichen Werken zur
Ersparung der wiederholten vollständigen Anführung eines
bereits zitierten Buches); Abk.: ib.. ibd.. ibid.
Ibis [i:bis]. der; -ses. -se [lat. Ibis < griech. Ibis < ägypt.
hib]: in den wärmeren [sumpfigen] Gebieten der Erde
verbreiteter, storchähnlicher Vogel mit langen Beinen, langem
Hals u. Schnabel, der sichelfönnig gebogen od. löffelartig
verbreitert ist: der 1. gilt als heiliger Vogel der Göttin Isis.
ich [ic] <Personalpron; 1. Pers. Sg. Nom.) [mhd. ich. ahd.
ih): Person, in der man von sich selbst spricht; Bezeichnung
für die eigene Person: ich an deiner Stelle hätte mich
anders entschieden; ich. der ich mich immer um Ausgleich
bemühe/der sich immer um Ausgleich bemüht, bin bei
beiden Parteien gleichermaßen unbeliebt; ich [bin doch
ein] Esel; es waren alles Menschen wie du und ich (wie
jedermann); immer ich! (immer soll ich der Schuldige
gewesen sein, invner soll ich es tun). <Gen.:> meiner, (veraltet:)
mein: erbarm dich meinler]; er kam statt meiner; <Dativ:)
mir: schreib mir bald!; er schlug mir auf die Schulter;
grüß mir (weglaßbarer Dativus ethicus. der die innere
Beteiligung des Sprechers ausdrückt, häufig ugs.) die El-
Hysteromanie [hysteroma'ni:]. die; -. -n [...i.an; zu griech.
hystera = Gebärmutter u. t Manie]: svw. t Nymphomanie.
Hysteron-Proteron ['hYsten>n'pro:ten>n]. das; -s, Hystera-
Protera [griech. hysteron pröteron = das Spätere (ist)
das Frühere]: 1. (Philos.. Logik) Beweis aus einem Satz,
der selbst erst zu beweisen ist. Scheinbeweis. 2. (Rhet.)
Redefigur, bei der das nach Logik od. Zeitfolge Spätere
zuerst steht (z.B. bei Vergil: moriamus et in media arma
ruamus = laßt uns sterben und uns mitten in die Feinde
stürzen).
Hysteroptose [hYsten>p'to:z3], die; -. -n [zu griech. hystera
= Gebärmutter u. ptösis = das Fallen. Sinken. TPtose]
(Med.): Verlagerung der Gebärmutter nach unten. Senkung
der Gebärmutter: Gebärmuttervorfall: Hysteroskop [...ro-
sko:p], das; -s. -e [zu griech. skopein = betrachten,
beschauen] (Med.): Endoskop zur Untersuchung der
Gebärmutterhöhle: Hysteroskopie [...sko'pi:] die; -. -n [...i:an]
(Med.): Untersuchung der Gebärmutter mit einem Hystero-
skop: Hysterotomie [...to'mi:], die; - [zu griech. tome =
das Schneiden. Schnitt] (Med.): operative Öffnung der
Gebärmutter von der Scheide od. von der Bauchhöhle aus.
lern!; von mir aus (meinetwegen) tu. was du willst; *mir
nichts, dir nichts (ugs.; von einem Augenblick auf den anderen
u. oline irgendwie zu zögern: einfach so: ohne weiteres:
entstanden als Ellipse aus zwei aneinandergereihten Sätzen:
[es schadet] mir nichts, [es schadet] dir nichts): du kannst
doch nicht einfach mir nichts, dir nichts die Arbeit
hinwerfen; <Akk.:) mich: laß mich in Ruhe!; er hat mich nicht
gesehen; sie sieht mich scharf an; sie mag mich nicht;
die Sendung war an mich adressiert; <subst.:) Idu das;
-[s], -s, selten: -: a) das Selbst, dessen man sich bewulit ist
u. mit dem man sich von der Außenwelt unterscheidet: das
in sich ruhende, eigene, liebe, innerste Ich; das dichterische
(in einer Dichtung aktualisierte) Ich; sein besseres (der
bessere Teil seines) Ich; sein Ich erforschen, zurückstellen,
in den Vordergrund schieben; aus diesem ... Erlebnis seines
zweiten freieren Ichs war dann eine innere Opposition
... erwachsen (Fr. Wolf, Menetekel 176); b) (Psych.)
zwischen dem triebhaften Es u. dem moralischen Über-Ich
agierende Substanz: Das Über-Ich peinigt das sündige Ich
mit den ... Angstempfindungen und lauert auf
Gelegenheiten ... (Freud. Unbehagen 165). Vgl. Es. Über-Ich.
fch-. Jch-: -bewußtsein, das: bewußtes Erleben des eigenen
Ich: ... ist für die Kulturstufe des Menschen
charakteristisch, daß wohl kaum ein I. entwickelt ist (Natur 69);
-bezogen <Adj) [eindeutschend für tegozentrisch]: sich
selbst in den Mittelpunkt stellend, alles Geschehen in bezug
auf die eigene Person wertend: eine -e Denkweise; sie ist
sehr i.; i. denken, dazu: -bezogenheit, die: seine I. ist
abstoßend; ein Mensch von krankhaAer I.; -Erzähler1.
der: in einem literarischen Erzeugnis als Erzähler
auftretendes Ich. das aber mit der Person des Autors nicht identisch
ist: -Erzählung1, die: Erzählung in der Ichform: -form,
die <o. PI.): literarische Darstellungsform mit einem als
Erzähler auftretenden Ich. das aber nicht mit der Person
des Autors identisch ist: -gefiihl. das: Gefühl, das jmd.
vom eigenen Ich hat: - Laut'. der: Laut ch, wie er im Deu tsehen
nach e und i gesprochen wird (z. B. Echo, ich); -mensch,
der: ichbezogener, egoistischer Mensch: -Roman1, der: vgl.
-erzählung; -sucht, die <o. PI.) (geh.): Haltung, bei der
man nur das eigene Ich im Auge hat: Selbstsucht: das ist
pure I.; aus I. handeln, dazu: -süchtig <Adj> (geh.): svw.
T selbstsüchtig: ein -er Mensch; daß die -en Kräfte letzten
Endes doch nur zerstörend wirken (Musil, Mann 1048).
Ichneumon [nj'n^ymDn], der od. das; -s. -e u. -s [lat.
Ichneumon < griech. Ichneumon, eigtl. = Spürer]: bes. in den
Steppen u. Flußniederungen Spaniens u. Afrikas verbreitete,
große, langhaarige, grünlichgraue Schleichkatze mit langem
Schwanz u. sehr kurzen Beinen: Ichnognunm [i^o'gram].
das; -s. -e [zu griech. ichnos = Fußstapfen, Fährte] (Med.):
I. Gipsabdruck des Fußes (z.B. zur Anfertigung von
Fußeinlagen). 2. Aufzeichnung der Gehspur (z. B. zur Fest-
steilung einer Gehstörung).
'Mit Bindestrich.
I
1310
idealistisch
Ichor [190:?]. der; -s [griech. ichör = Blut(wasser); Molken]
(Geol.): granitische Lösung, die infolge extremer
Temperatur- u. Druckverhältnisse das Gestein durchdringt u. durch
teilweises Umschmelzen eine Umwandlung bewirkt.
Ichthyo-, (vor Vokalen:) Ichthy- [i9ty(o)-; griech. ichthys.
Gen.: ichtyös] <Best. in Zus. mit der Bed.>: Fisch (z.B.
Ichthyosaurus:); Ichthyodont [...'dantl. der; -en. -en [zu
griech. odoüs (Gen.: odöntos) = Zahn]: früher als Amulett
verwendeter fossiler Fischzahn: Ichthyol® [19'tyo.l]. das;
-s [Kunstwort aus griech. ichthys = Fisch u. lat. oleum
= öl]: aus dem Öl des fossile Fischreste enthaltenden
Ölschiefers gewonnene schwarzbraune bis farblose, in Wasser
u. A Ikohol lösliche, sirupartige Flüssigkeit, die eine
antiseptische, entzündungshemmende u. schmerzstillende Wirkung
hat: Idithyolith [...'li:t, auch: ...'htl. der; -s u. -en. -e[n]
[T-lith]: versteinerter Fischt restj; Ichthyologe, der; -n. -n
[t -löge]: Wissenschaftler auf dem Gebiet der Ichthyologie.
Fischkundler: Ichthyologie, die; - [t-logie]: Wissenschaft
von den Fischen: Fischkunde: ichthyologisch <Adj.; o. Steig.;
nicht präd.>: die Ichthyologie betreffend, zu ihr gehörend:
-e Forschungen; Ichthyolsalbe« die; -: Ichthyol®
enthaltende Salbe, die bes. bei Furunkeln, rheumatischen Beschwerden
u. Frostschäden verwendet wird: Ichthyophage [...Targd].
der; -n. -n (meist PI.) [zu griech. phagein = essen] (Völ-
kerk.): Angehöriger von Küstenvölkern, die sich nur od.
überwiegend von Fischen ernähren: Ichthyosaurier, der; -s. -.
Ichthyosaurus [...rus]. der; -. ...rier: Vertreter einer
ausgestorbenen, weltweit verbreiteten Ordnung ßschförmiger. z. T.
bis 15 m langer, lebendgebärender Kriechtiere in den Meeren
der Trias u. Kreidezeit: Fischechse: Ichthyose [...'t?o:z3]v
die; -. -n, Ichthyosis [...zis]. die; -. ...sen (Med.): Hautleiden
mit übermäßiger Trockenlieit. Abschuppung u. abnormer
Verhornung der Haut (infolge verminderter Talg- u.
Schweißdrüsenabsonderung); Fischschuppenkrankheit.
Icing ['aisinl. das; -[s]. -s (PI. ungebr.) [engl.-amerik. icing.
zu: to ice. eigtl. = in Sicherheit bringen, mit Eis kühlen]
(Eishockey): Befreiungsschlag, unerlaubter t Weitschuß.
Ickerdien fikE^n], das; -s. - (landsch. fam.): svw. t
Beißerchen.
Id [i:t], das; -[sj. - [arab. id = Fest(tag)]: mit der Fastenzeit
Ramadan in zeitlichem Zusammenhang stehendes höchstes
mohammedanisches Fest.
ideal (ide'a:!) (Adj.> [1: gekürzt aus t idealisch; 2. 3: spätlat.
ideälis. zu lat. idea. TIdee]: I. den höchsten Vorstellungen
entsprechend: von der Art. wie man sich keine[ nj
Besserein/, nichts Besseres [für bestimmte Zwecke] vorstellen
kann: ein -er Partner. Dolmetscher; ein -er Urlaubsort;
er war der -e Darsteller für diese Rolle; -ere Bedingungen
für den Wintersport als bei euch kann ich mir nicht
vorstellen; die Bedingungen sind nahezu i.; i. ist die Luft trotz
Klimaanlage auch nicht; ein schwarzes Kleid ist i. für
alle festlichen Gelegenheiten; das Haus liegt geradezu i.
(hat eine äußerst günstige, schöne Lage). 2. n\ir in der
Vorstellung so vorhanden, der Idee entsprechend (Ggs.: real):
ein -es Prinzip; der -e Staat; die -e antike Aktfigur; die
-e Landschaft (Kunstwiss.; um 1600 in Rom entwickelter
Typ des Landschaftsbildes in klassisch harmonischer
Stilhaltung: auch als heroische Landschaft mit klassischer
Architektur u. mythologischer Staffage); eine -e (Physik; als
reibungslos strömend u. nicht zusammendrückbar
angenommene) Flüssigkeit; ein -er Sprecher (Sprachw.; vorgestellter
Sprachteilhaber, der in einer völlig homogenen
Sprachgemeinschaft lebt u. seine Sprache völlig beherrscht: nach
engl, ideal Speaker); (subst.:) daß das Ideale seiner Natur
nach unerreichbar sei (Musil. Mann 1331). 3. ideell, geistig:
vom Ideellen. Geistigen bestimmt (Ggs.: materiell): -e und
materielle Gesichtspunkte. Zwecke; indem sie ... ihre
kleinen -en Güter austauschten, welche ... aus
Wandererinnerungen und phantastischen Plänen zu Finanzspekulationen
großen Stils bestanden (Hesse. Sonne 31); (subst.:> Ideal
[-]. das; -s, -e [nach frz. ideal]: l.jmd.. etw. als Verkörperung
von etwas Vollkommenem: Idealbild: das I. der. einer Frau;
ein I. an Schönheit; in jmdm. sein I. sehen; in der Welt
des arischen -s (Freud, Unbehagen 159); jmdn.. etw. zu
seinem I. machen, erheben. 2. als eine Art höchster Wert
erkanntes Ziel: Idee, nach deren Verwirklichung man strebt:
ein künstlerisches, unerreichbares I.; das humanistische
I.; hohe, rückständige -e; das I. der Freiheit, der
Rechtsstaatlichkeit; ihr I. ist die Neutralität; -e hegen; sein I.
verwirklichen; seinen -en treu bleiben; sie waren ohne.
voller -e; daß sich der ... Menschen eine ... Abneigung
ftegen jede Form von I. oder Idee bemächtigt hat (Dönhoff.
Ära 48).
ideal-, Ideal-: ^beispiel, das: für etw. am besten geeignetes
Beispiel: ^besetzuns* die: denkbar beste Besetzung (2 b);
-bild, das: vollkommene Darstellung von jmdm.. etw.:
Brutus ist für viele das I. eines Tyrannenmörders; das I. der
Demokratie entwerfen; ^fall. der: Fall, bei dem die
günstigsten Voraussetzungen gegeben sind: der I. ist natürlich der.
daß man schon vorher informiert ist; Die ... Bildreportage
... schafft im I. aus Wort und Bild eine Einheit
(Fotomagazin 8. 1968. 17); -figur, die: 1. svw. T-gestalt: jmdn. zu
einer I. verklären. 2. als ideal (1) empfundene körperliche
Figur: eine Frau mit einer I.; -fordenmg, die: Forderung,
die sich nicht immer realisieren läßt: dieser Grundsatz geht
von einer I. aus; -gestalt, die: durch die Vorstellung
überhöhte, vollkommene [ vorbildhafte 1 Gestalt: ^konkur-
renz, die Uur.): svw. tTateinheit; -linie. die (Laufen. Ski.
Motorsport): bei einem Wettbewerb bester Wegverlauf
zwischen Start u. Ziel: ^lösung, die: voll befriedigende Lösung:
der neue Campingbus stellt auch noch keine I. dar; man
glaubte, damit die I. für dieses Problem gefunden zu haben;
-maß, das: ideales (I) Maß; ^typ, der: a) Individuum,
das ausschließlich alle die Merkmale aitfn'eist. auf Grund
deren es einer bestimmten Gruppe zuzuordnen ist; b) svw.
t ^typus (a), dazu: -typisch (Adj.; o. Steig.): einem Idealty-
p/usj entsprechend, -typus, der: a) (Soziol.) Idealbild, das
durch gedanklich einseitige Steigerung bestimmter Elemente
der Wirklichkeit gewonnen wird: der I. eines
parlamentarischen Regierungssystems; b) svw. t -typ (a); -Vorstellung,
die: ideale (1). über die Wirklichkeit hinausgehende
Vorstellung, die man sich von jmdm., etw. macht; ^zustand, der:
vgl. -fall: ... ist der I. eine Seilschaft, die sich aus zwei
guten Bergsteigern zusammensetzt (Eidenschink. Fels 50).
idealisch (Adj.) [urspr. = ideal (1). auch: ideal (2)]: einem
Ideal (1) angenähert: eine -e Person; sein Bild ist zu i.
ausgefallen; idealisieren [ideali'zkron] (sw. V.; hat) [unter
Einfluß von frz. idealiser. zu t Ideal]: einem Ideal (1)
annähern u. die betreffende Person (xJ. Sache vollkommener
selten, als sie ist; verklären: seine Eltern, seine Kindheit
i.; die Kunst idealisiert nicht, sondern sie realisiert (Musil.
Mann 1334); ein idealisierendes Bild der Antike;
Die Darstellung in Bild 1 ist idealisiert (Funkschau 21.
1971. 2190); (Abi.:) Idealisierung, die; -. -en: das
Idealisieren: eine falsche I. der Realität; Die Auffassung
reicht von reiner I. (Giorgione ...) bis zur anzüglichen
Illustration (Schule von Fontainebleau ...) (Bild. Kunst
3, 11 f.); Idealismus [...lismos], der; -: 1. [mit
Selbstaufopferung verbundenes] Streben nach Verwirklichung von
Idealen; durch Ideale bestimmte Weltanschauung. Lebens-
fülirung: jugendlicher, hilfsbereiter I.; das ist bei ihm reiner
I.; den nötigen I. für etw. [nicht mehr] aufbringen; aus
blindem, falschem I. handeln; voller I. sein; von I. erfüllt
sein. 2. philosophische Anschauung, die die Welt u. das
Sein als Idee. Geist. Vernunft. Bewußtsein bestimmt u. die
Materie als deren Erscheinungsform versteht (Ggs.:
Materialismus): der I. Schellings. Fichtes; der deutsche I. (von
Kant ausgehende, durch Fichte. Schelling u. Hegel
ausformulierte u. mit Schopenhauer endende philosophische Richtung
in Deutschland); der subjektive I. (extreme Form des
Idealismus, der das Bewußtsein als die objektiv wahre Welt
bestimmt u. dalxer die Außenwelt für ein Produkt des
erkennenden Ichs hält); der ethische I. (Idealismus, für den im
Unterschied zum ethischen Materialismus nicht die
Befriedigung materieller Bedürfnisse, sondern geistige Werte wie
Würde. Freiheit u. Einsicht des Menschen an oberster Stelle
stehen); Idealist [...'list], der; -en, -en: l.jmd.. der selbstlos,
dabei aber auch die Wirklichkeit etwas außer acht lassend,
nach der Verwirklichung bestimmter Ideale strebt (Ggs.:
Realist): ein leidenschaftlicher, glühender I.; du bist ein
I. (Optimist; glaubst an das Gute im Menschen). 2. Vertreter
des Idealismus (2) (Ggs.: Materialist); idealjstisdi (Adj.):
1. nach der Verwirklichung von Idealen strebend, dabei aber
die Wirklichkeit etwas außer acht lassend; von einer solchen
Auffassung zeugend (Ggs.: realistisch): ein -er Lehrer. Arzt.
Anwalt; -e Entwürfe. Visionen; i. gesinnt sein; das höchste
Menschsein der Zukunft - das die französischen Utopisten
i. erträumt hatten (Fracnkel. Staat 191); die Bilder ...
stellten Ausschnitte der russischen Gegenwart i.
(idealisierend) dar (Koeppen. Rußland 147). 2. den Idealismus be-
1311
Idealität
treffend, dazu gehörend (Ggs.: materialistisch): die -e
Philosophie; eine -e Denkweise; Idealität [idealit£:t]. die; -:
ideale (2) Seinsweise (Ggs.: Realität): die siegende I. der
Musik, der Kunst (Th. Mann. Zauberberg 896); Bildung
... mit dem Ziel, eine zeitlose I. der Person zu verwirklichen
(Natur 108); Sein verwittertes, wie gegerbtes Gesicht ist
von reichstem Haarwuchs umrahmt. Alle I. (idealisierte
Darstellung) scheint hier entschwunden (Bild. Kunst I.
88); Ideal Speaker [ai'di:dl spi:kdl. der; - - (engl, ideal
Speaker): T idealer (2) Sprecher; Ideation [idea't$io:n]. die:
-, -en [engl, ideation. zu nlat. ideatus = einer Idee (1)
entsprechend] (Fachspr.): terminologische Bestimmung von
Grundtermini der Geometrie, der Kinematik u. der Dynamik;
Idee [i'de:]. die; -. -n [i'de:an; z.T. unter Einfluß von frz.
idee < lat. idea < griech. idea. urspr. = Erscheinung.
Gestalt. Beschaffenheit. Form; bei Piaton = Urbild; zu
griech. idelh = sehen, erkennen; wissen]: l.a) Gedanke
(xl. Vorstellung, ttach der man handeln kann: eine neue,
revolutionäre I.; ihn überfiel plötzlich die I.. es könnte
etwas passiert sein; eine I. aufgreifen, entwickeln,
weiterfuhren, verwirklichen, in die Tat umsetzen, vertreten,
verfechten; er folgte ... keineswegs nur seinen eigenen, am
Schreibtisch gewonnenen -n (Rothfels. Opposition 109);
sich an eine I. klammem; auf jmds. -n nicht eingehen;
sich in eine I. verrennen; von einer I. nicht loskommen;
er zeigte sich von unserer I. begeistert; *eine fixe I. (eine
unrealistische Vorstellung od. Meinung, diejmdn. beherrscht
u. von der er nicht abzubringen ist: Zwangsvorstellung: Idee
fixe a): $r leidet an einer (Ixen I.; eine I. (ein bißchen,
ein wenig in bezug auf etw.): kannst du eine I. lauter
sprechen?; der Rock ist vom [um] eine I. zu kurz; keine
I. von etw. haben (ugs.; etw. nicht im geringsten wissen):
b) geistreicher, witziger Einfall als Ausdruck eines bewegten
u. phantasievollen Geistes u. ttach dem man etw. ausfuhren
kann: eine glänzende, brauchbare, nette I.; das ist eine
[gute] I.!; [das ist] keine schlechte I.. aber ob sie sich
ausführen läßt?; ich habe eine I. (weiß, was wir tun können);
(iron.:) du hast [vielleicht] -n!; er hat mich erst auf diese
I. gebracht; sie kam plötzlich auf die I. zu verreisen; uns
kam die I. zu einem Fest; der Autor hatte bereits die
1. (einen gedanklichen Entwurf) zu einem neuen Stück;
* das ist eine I. von Schiller (ugs.; das ist ein guter Vorschlag).
2. Gedanke, derjmdn. in seinem Denken, Handeln bestimmt;
Leitbild.'' philosophische, politische, marxistische -n; die
I. des Schönen; die I. der Freiheit bei Schiller; für eine
I. eintreten, kämpfen; sich für eine I. opfern; er bekannte
sich zur europäischen I. 3. (Philos.) a) Vorstellung,
Begriff von etw. auf einer hohen Stufe der Abstraktion;
b) (in der platonischen Philosophie) Urbild; Idee
fixe [ideftksj. die; - -, -s. -s [ide'fiks; b: frz. idee fixe]:
a) svw. fixe f Idee; b) Grundgedanke od. Kernthema, das
sich leitmotivisch durch ein mehrteiliges musikalisches Werk
zieht (z.B. Berlioz. Symphonie fantastique); ideell [ideell
<Adj.; o. Steig.) [französierende Bildung zu t ideal]: die
Idee betreffend, auf ihr beruhend, von ihr bestimmt; geistig
(Ggs.: materiell): -e Gesichtspunkte. Werte. Ziele.
Bedürfnisse; der Nutzen ist materiell und i.; jmdn.. etw. i.
unterstützen; Das menschliche Denken innerhalb ... einer ...
i. gebundenen Gruppe (Marek. Notizen 17).
ideen-, Ideen-: miito <Adj.; nicht adv.>: durch einen Mangel
an kimstierischer, intellektueller o.a. Erfindungsgabe
gekennzeichnet (Ggs.: ^reich): ein -es Buch; er ist wirklich
i., dazu: -armut. die (Ggs.: -reichtum); Dissoziation, die
[LÜ von engl, association of ideas]: sich bei etw. einstellende
gedankliche Verbindung; ^austauscht der: gedanklicher
Austausch; -drama. das: a) <o. PI.) Gattung des Dramas, dessen
Handlung u. Charaktere einer bestimmten Idee
untergeordnet sitid: die Stoffe des -s stammen meist aus der Mythologie
oder aus der Geschichte; b) einzelnes Beispiel dieser
Gattung: Lessings ..Nathan" ist ein 1.; -erbe, das: geistiges
Erbe; -flucht, die (Psych.): krankhaft beschleunigter,
abschweifender Gedankenablauf ohne logischen
Zusammenhang [als Symptom des manisch-depressiven Irreseins];
-fhi8. der: svw. tGedankenflug; -fülle, die; -gebäude,
das: svw. tGedankengebäude; -schalt,der: Gehaltan Ideen
(2): der I. eines Dramas; -geschichte, die <o. Pl.>:
Geschichte der im realen Geschichtsverlauf wirksamen ideellen Motive
u. Triebkräfte; Geistesgeschichte, dazu: -geschichtlich
<Adj.; o. Steig.): die Ideengeschichte betreffend, dazu
gehörend; -gut.das <o. PI.): svw. TGedankengut: kalvinisüsches
I.; das I. der Französischen Revolution; -kreis, der:
Gesamtheit zusammengehörender Ideen (2): die politischen
-e der Gegenwart; der I. des Liberalismus; -lehre, die
<o. PI.) (Philos.): I. Lehre von den Ideen, Urbildern. 2.
geschichtsphilosophisch es Konzept von den Ideen als
zentralen Wirkkräften der Geschichte; -los <Adj.; -er. -este):
keine Ideen hervorbringend, die von geistiger Aktivität
zeugen; ohne eigene Ideen, gestalterische o.a. Einfälle: eine
anonyme, -e Masse; Das Programm wirkt i.
zusammengestöpselt (Hörzu 5. 1973. 123); -reich <Adj.;
nicht adv.): reich an künstlerischer, intellektueller o. ä.
Erfindungsgabe (Ggs.: -arm): ein -er Designer; eine -e
Musterkollektion; dazu: -reiditum, der <o. PI.) (Ggs.: -armut);
-Verbindung, die: svw. T Gedankenverbindung; -weh, die:
svw. f Gedankenwelt: die I. der Antike.
'idem [i:d£m; lat. Idem]: derselbe (Hinweiswort zur
Ersparung der erneuten vollständigen Nennung des Verfassers
bei bibliographischen Angaben); Abk.: id.; 2idem f idem;
lat. idem]: dasselbe: Abk.: id.
Iden fi:dnl <P1.) [lat. Idüs]: 13. od. IS. Monatstag des
altrömischen Kalenders: die I. des März (15. März, Tag
der Ermordung Cäsars 44 v. Chr.).
Identifikation [identifika'tßio:n], die; -. -en [engl., frz. identi-
fication]: I. svw. t Identifizierung (1. 2a. b). 2. (Psych.)
emotionales Sichgleichsetzen mit einer anderen Person od.
Gruppe u. Übernahme ihrer Motive u. Ideale in das eigene
Ich: Auch Freud ... bezeichnet diesen Vorgang daher als
I. mit dem Aggressor (Heiliger. Angst 97); identifizierbar
[...i'tßi:Bba:Bl <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): sich identifizieren
(1) lassend: eine kaum -e Handschrift; von: identifizieren
[...i:ren] <sw. V.; hat): 1. genau wiedererkennen; die
Identität. Echtheit einer Person od. Sache feststellen: einen
Verhafteten, eine Leiche i.; jmdn. an Hand seiner
Fingerabdrücke i.; er wurde als der 38jährige Axel M. identifiziert;
im ganzen sind bereits rd. 300 Holzarten identifiziert
(Mantel. Wald 81); ein Gemengsei aus Wortfetzen und
Wortkaskaden, das ein normal arbeitendes Trommelfell zwar als
menschliche Sprache zu i. vermag, aber ... (Hörzu 38,
1975. 12). 2. a) mit einem anderen als dasselbe
betrachten, gleichsetzen: man kann nicht die öffentliche
Meinung mit der Meinung des Bürgertums i.; ... daß die
Welt die Deutschen und die Nazis weitgehend identifizierte
(Hochhuth. Stellvertreter 252. Nachwort);... daß der Geist
des Frühkapitalismus beide ( = Besitz und Leistung)
identifiziert (Adorno, Prismen 31); b) <i. + s\ch> jmds. Anliegen,
etw. zu seiner eigenen Sache machen; aus innerlicher
Überzeugung voll mit jmdm., etw. übereinstimmen: sich mit
seinem Staat, mit den geistigen Strömungen seiner Zeit i.;
der Schauspieler identifiziert sich mit seiner Rolle; der
Leser kann sich mit dieser Romangestalt nicht i.; mit
dem. was bei unseren Bemühungen herausgekommen ist.
kann ich mich nicht i.; Ich identifiziere mich also mit
nichts; aber ich finde an allem etwas Wahres (Musil. Mann
1270); c) (Psych.) sich mit einer anderen Person od. Gruppe
emotional gleichsetzen u. ihre Motive u. Ideale in das eigene
Ich übernehmen: Wenn man sich vollständig mit der
strafdrohenden Person identifiziert.... dann braucht man
weitere Angriffe nicht mehr zu fürchten (Heiliger. Angst 97);
<Abl.:) Identifizierung, die; -. -en: I. das Identifizieren (1):
die I. des Täters, des Verunglückten, einer
wiederaufgefundenen antiken Plastik. 2.a) das Identifizieren (2 a): die
I. von geistlicher und weltlicher Macht im Mittelalten
b) das Sichidentifizieren (2 b) mit jmcbn., etw.: die I. des
Lesers mit dem Ich-Erzähler; c) svw. T Identifikation (2);
identisch [i'dentijl <Adj.. o. Steig.; nicht adv.) [zu t
Identität): a) dieselbe Person od. Sache wie die in einem bestimmte?}
Bezug genannte: Sätze mit -en Strukturen; ein -er Reim
(Reim mit gleichem Reimwort, rührender Reim, z. B. freien/
freien); eine -e Gleichung (Math.; Gleichung, die nur
bekannte Größen enthält od. für alle Werte einer in ihr
enthaltenen Veränderlichen erfüllt ist): -e (Fachspr.;
eineiige) Zwillinge; ihre Interessen sind nicht i.; daß einer mit
sich selbst i. wird (Frisch. Stiller 76); er ist i. mit dem
Gesuchten. Vermißten (ist der Gesuchte, Vermißte); b)
dasselbe wie jmd., etw. bedeutend: Das Land ... ist in der
Öffentlichkeit i. mit Stahl und Kohle (Welt 21. 11. 64.
10);... daß Gott letztlich i. wäre mit der sittlichen
Weltordnung (Thielicke. Ich glaube 92); c) innerlich
übereinstimmend, wesensgleich:... daß sich die armen Deutschen noch
stärker als bisher i. mit ihrem unseligen Hitler fühlen
1312
Idiomatik
(Hochhuth, Stellvertreter 167); Identität [...Üte:t], die. -
[spätlat. identitäs]: l.a) Echtheit einer Person od. Sache,
völlige Übereinstimmung mit dem. was sie ist od. als was
sie bezeichnet wird: jmds. I. feststellen, klären, bestreiten,
bestätigen; seine I. hinter einem Pseudonym verbergen;
Elementarteilchen.... die ihre I. wechseln (Gehlen. Zeitalter
24); ein Gefühl ... hat keine Dauer und I. (Musil. Mann
1245); für Jmds. I. bürgen; b) (Psych.) als Selbst erlebte
innere Einheit der Person: ... daß ich die Verliebtheit in
sie in meine neue I. aufgenommen (Th. Mann, Krall 332).
2. völlige Übereinstimmung mit jmdm.. etw. in bezug auf
etw.; Gleichheit: die I. des Verhafteten mit dem Entführer;
die chemische I. des Teins und des Koffeins; Die psycho-
physische I. zwischen ihm (= Napoleon) und dem
Staatskörper ging bis zu nervlicher Verflechtung (Jacob.
Kaffee 164).
IdentitSts-: -angst, die (Psych.): Angst, so zu sein, zu leben,
wie es der inneren Veranlagung entspricht: Miusweis. der
(österr.): während der Besatzungszeit 1945-55 geltender
Personalausweis; Abk.: I-Ausweis; -beweis* der; -karte,
die (österr. veraltet. Schweiz.): Personalausweis; -krise,
die: Krise im Erlebnis der Identität (1 b): Arbeitslose sind
von einer I. bedroht; -nadiweb, der: a) Nachweis der
Identität (1 a); b) (Zollw.) Nachweis, doli eine nicht mehr
in den Händen der Zollbehörde befindliche, noch unverzollte
Ware unverändert wieder vorgeführt wird; -papiere <P1.>
(Jur.): Schriftstücke, die jmdn. als bestimmte Person od.
als einen in eitler bestimtnten Angelegenheit Berechtigten
ausweisen; ^Philosophie, die: Philosophie, in der die
Differenz von Denken u. Sein. Geist u. Natur. Subjekt u. Objekt
aufgehoben ist (bei Parmenides. Spinoza, im deutschen
Idealismus, bes. bei Schelling. der den Ausdruck geprägt hat);
-Verlust, der: Verlust der Identität (I b): die Probleme
unserer Gesellschaft ...: ... Fremdarbeitergettos. I. (Hörzu 52.
1973. 50).
kleo-, Ideo- [ideo-; zu griech, idea. tldee] (Best, in Zus.
mit der Bed.>: Begriff. Idee. Vorstellung (z.B.
ideographisch. Ideogramm); Ideogramm, das; -s. -e [t-gramm]:
Schriftzeichen, das nicht eine bestimmte Lautung, sondern
einen ganzen Begriff vertritt; Begriffszeichen (z. B. bei
Hieroglyphen); Ideographie, die; -, -n <P1. selten) [t-gra-
phie]: aus Ideogrammen gebildete Schrift. Begriffsschrij't;
<Abl.:> ideographisch <AdJ.; o. Steig.): die Ideographie
betreffend, auf ihr beruhend; kleokratisch [...'kra:tij] <Adj.;
nicht adv.): den Ideokratismus betreffend, vertretend: „Ich
werde nie recht wissen, was genial ist ..." ... Agathe ...
kannte ihres Bruders oft recht -e Gesinnung (Musil.
Mann 1104); Ideokratismus [...kratismus], der; - [zu griech.
krateTn = herrschen]: Herrschaft der Vernunftbegriffe,
vernünftiger [Rechts]Verhältnisse; Ideologe, der; -n. -n
[frz. ideologue. t-loge]: 1. [exponierter] Vertreter einer
[politischen] Ideologie: der I. der preußischen
Konservativen. Friedrich Julius Stahl (Fraenkel. Staat 201);... nämlich
... ein, zumindest verkappter, I. zu sein (Spiegel 13. 1966.
52). 2. weltfremder Theoretiker: Die Ungerechtigkeit des
Paradieses, die Adam zu Fall bringt, läßt sich nicht durch
verworrene -n beseitigen (Hasenclever, Die Rechtlosen
409); Ideologen! [...lo'ge:m], das; -s, -e: Gedankengebilde.
Vorstellungswert (bildungsspr.): die in einem Film
vermittelten -e; Sie ( = die Rolling Stones) sind -e von
Fans (Frankfurter Rundschau 5.9. 73. 8); Ideologie, die; -.
-n [...iian; frz. Ideologie, gepr. von dem frz. Philosophen
A. L. C. Destutt de Tracy (1754-1836)]: a) an eine soziale
Gruppe, eine Kultur o. ä. gebundenes System von
Weltanschauungen. Grundeinstellungen u. Wertungen: eine
bürgerliche, demokratische I.; die I. der herrschenden Schicht;
die -n einer Zeit; eine I. vertreten; Jmdm. seine I.
aufzuzwingen versuchen; Der Film ist eine Analyse des Krimis und
seiner I. (Hörzu 38. 1974. 68); Insofern hier die Störung
des Geistes durch Vorurteile als Wesen der I. erscheint
(Fraenkel. Staat 137); Daß die europäische Kultur ... zur
bloßen I. entartete (Adorno. Prismen 12); b) weltansdiau-
liche Konzeption, in der Ideen (2) der Erreichung politischer
u. wirtschaftlicher Ziele dienen (bes. in totalitären
Systemen): eine militante, imperialistische, faschistische,
kommunistische L; eine I. des Unternehmertums; eine
Gewerkschaftsbewegung, die ... unter Ablehnung Jeder
sozialistischen I. ihre Macht ... zur Wirkung brachte (Fraenkel.
Staat 28); Dieser Nationalismus ... übersteigerte sich in
der I. von dem rassebedingten, weltgeschichtlichen
deutschen Führungsanspruch (Fraenkel. Staat 203); c)
weltfremde Theorie: Wir haben von dieser
aufgeschwollenen I. (= in bezug auf die Liebe) heute genug, die fast
schon so lächerlich ist wie eine Gastrosophie (Musil, Mann
940).
Ideologie-, Ideologie-: ^begriff, der: der bürgerliche I.; der
I. der Aufklärung, Napoleons, bei Marx; ^frei <Adj.; -er.
-[eiste): frei von Ideologie: Aber es kann keine -e Stilistik
geben (Sprachpflege 9. 1975. 181); ^gebunden <Adj.; o.
Steig.; nicht adv.>: an eine Ideologie gebunden, dazu: -^ge-
bundenheit, die; ^kritik, die: a) (SozioI.) das Aufzeigen der
materiellen Bedingtheit einer Ideologie; b) (Sprachw.) Kritik
der gesellschaftlichen Prämissen bei der Textinterpretation.
ideologisch <Adj.; Steig, ungebr.): a) eine Ideologie
betreffend, ihr entsprechet^: -e Vorurteile. Schranken; -e Pro-
selyten; die -e Auseinandersetzung mit dem Nazismus;
wo die Parteiorganisationen -e Arbeit leisteten (Neues D.
1. 6, 64. 1); In dem ... Säkularisierungsprozeß, in dem
... manche Leute alle geistigen und ethischen Werte...
als „ideologischen Überbau" bezeichnen (Dönhoff. Ära
181); sich i. assimilieren; i. geschult, gefestigt sein: sich
ein bißchen um die Jugendfreundin zu kümmern, i. und
so (Kant. Impressum 195); b) schwärmerisch weltfremden
Theorien atihängend: Anzeichen einer Wirklichkeitsfremde
und Anmaßung, die die... irrationalen Elemente in
Gesellschaft und Politik verfehlt und eben deshalb i. wird
(Fraenkel. Staat 138); ideologisieren [...logi'zi:rcn] <sw. V.; hat):
mit einer Ideologie befrachten, durchdringen; ideologisch
ausrichten: genau das. was man dem SED-Propagandisten
vorwirft: man ideologisiert die Wörter (Zeitschr. f. dt.
Spr. 23, 1967. 148); ... verweigern fanatisierte Angeklagte
und ideologisierte Verteidiger das herkömmliche
Rollenspiel so gründlich (Spiegel 21,1975.44); <Abl.:> Ideologisk-
rung, die: -. -en; kteomotorisch <AdJ.; o. Steig.) (Psych.):
(in bezug auf Bewegungen od. Handlungen) ohne
Mitwirkung des Willens, unbewußt ausgefülirt; nur durch
Vorstellungen ausgelöst; Ideoreglgesetz, das; -es (Psych.): für die
Ausdruckskunde (Vorgänge der Nachahmung, Suggestion.
Hypnose u.a.) bedeutsame Erscheinung, daß subjektive
Erlebnisinlialte den Antrieb zu ihrer objektiven
Verwirklichung einschließen.
id est dt 'est; lat.]: das ist. das heißt; Abk.: i.e.
idio-, Idio- [idio-; zu griech. ldlos] (Best, in Zus. mit der
Bed.): eigen, selbst, eigentümlich, besonders (z. B. idiogra-
phisch, Idiolekt); Idiobbst [...blast], der; -en. -en (meist
PI.) [zu griech. bläste = Keim. Sproß] (Biol.): in einen
größeren andersartigen Zellverband eingelagerte Pflan-
zeneinzelzelle od. Zellgruppe von spezifischer Gestalt u. mit
besonderer Funktion; Idiogrgmm, das; -s, -e [T-gramm]
(Biol.): graphische Darstellung der einzelnen Chromosomen
eines Chromosomensatzes; idiogr&phisch <AdJ.; o. Steig.)
[zu griech. idiögraphos = eigenhändig geschrieben]
(Fachspr.): das Eigentümliche. Einmalige. Singulare
darstellend: Idiokrasie [...kra'zi:], die; -. -n [...i:an; griech. idiokra-
sla = eigentümliche Mischung]: svw. T Idiosynkrasie; Idio-
latrje, die; -: Selbstvergötterung, Selbstanbetung; Idiolekt
[...lekt], der; -[e]s, -e [engl.-amerik. idiolect. geb. nach:
dialect, t Dialekt] (Sprachw.): Sprachbesitz u.
Sprachverhalten. Wortschatz u. Ausdrucksweise eines Individuums; vgl.
Soziolekt; <Abl.:> Wiotektal [...'ta:l] <Adj.; o. Steig.)
(Sprachw.): den Idiolekt betreffend, kennzeichnend, ihm
entsprechend, zu ihm gehörend: Am Anfang steht das
vereinzelte Auftreten einer -en Abweichung vom allgemeinen
Sprachgebrauch (Germanistische Linguistik 6. 1970. 697);
Idiom [i'dlo:m], das: -s, -e [frz. idiome < lat. idiöma <
griech. idiöma = Eigentümlichkeit. Besonderheit]
(Sprachw.): 1. eigentümliche Sprache. Sprechweise einer
regional od. sozial abgegrenzten Gruppe: ein
unverständliches I.; exotische, orientalische -e: die avantgardistische
Literatur ist... mit Zeitschriften in ... zwölf -en vertreten
(Koeppen. Rußland 192); Er ... fügte in seinem I. ... etwas
von Tram. Seilbahn und Mulos hinzu (Th. Mann. Krull
328); Ü Aber wie schwer muß es sein, das I. der Liebe
zu lernen! (K. Mann. Wendepunkt 17); vgl. Mundart,
Jargon. 2. eigentümliche Wortprägung, Wortverbitidung od.
syntaktische Fügung, deren Gesamtbedeutung sich nicht aus
den lexikalischen Einzelbedeutungen ableiten läßt (z. B.
Angsthase = sehr ängstlicher Mensch; das ist [alles] kalter
Kaffee = das ist längst bekannt und mittlerweile
uninteressant); <Abl.:> Idiomatik [...'ma-.tikl. die; - (Sprachw.): I.
83 GOW
1313
idiomatisch
Teilgebiet der Lexikologie, das sich mit Idiomen befaßt. 2. a)
Darstellung od. Sammlung von Idiomen: b) Gesamtbestand
der Idiome einer Sprache: idiomatisch <Adj.; Steig, un-
gebr.) [wohl < engl, idiomatic, frz. idiomatique < griech.
idiömatikös = eigentümlich] (Sprachw.): 1. a) zu einem
Idiom (1) gehörend: wie weit wäre man selbst dann noch
entfernt von jener Vertrautheit mit der -en Nuance (K.
Mann. Wendepunkt 323); b) von, in der Art eines Idioms:
eine -e Wendung (Redewendung, deren Gesamtbedeutum
nicht aus der Bedeutung der Einzelwörter erschlossen werden
kann): ein -er Ausdruck. 2. die Idiomatik betreffend, in
ihren Bereich gehörend: küomatisieren [...mati'zi:ren]. sich
<sw. V.; hat) (Sprachw.): zu einem Idiom (2) werden u.
damit die semantisch-morphologische Durchsichtigkeit
verlieren: Die Wendung ..sich wie ein Geldschrank bewegen"
kann nicht als idiomatisiert betrachtet werden
(Sprachpflege 2. 1972. 46): <Abl.:> Idiomatisknmg. die; -. -en
(Sprachw.): [ teilweiser] Verlust der
semantisch-morphologischen Durchsichtigkeit eines Wortes od. einer
Wortverbindung: küomorph [...'marf) <Adj.; o. Steig.; nicht adv.)
[griech. idiömorphos = von besonderer Gestalt] (Geol.):
von eigenen echten Kristallflächen begrenzt, euhedral: -e
Minerale; idiopathisch [...'pa:ttf] <Adj.: o. Steig.) [zu griech.
Pathos = Leiden, Krankheit] (Med.): (von bestinvnten
Krankheitsbildern) spontan, ohne erkennbare Ursache,
selbständig u. nicht im Gefolge anderer Zustände od.
Krankheiten auftretend: Idiophon, das; -s. -e [t-phon]:
selbstklingendes Musikinstrument (Becken. Triangel. Gong. Glocken);
Idioptysma. das; -s (Biol.): Keimplasma, das Träger des
Erbgutes ist: Idiorrhythmie [idpnrt'mi:]. die; - [(n)griech.
idiorrhythmfa = Eigentümlichkeit]: freiere Form des
orthodoxen Mönchtums: vgl. idiorrhythmische Klöster; <Abl.:)
idiorrhythmisdi <Adj,; o. Steig.) [ngriech. idiörrhythmos
= (von Klöstern) ohne Gemeinschaftsleben < griech.
idiörrhythmos = von eigentümlicher Lebensweise]: nach
eigenem l Lebens]maß: -e Klöster (freiere Form des
orthodoxen Klosterwesens, die dem Mönch, vom gemeinsamen
Gottesdienst abgesehen, die private Gestaltung seines Lebens
gestattet): Idiosynkrasie [idjpzYnkra'zi:], die; -. -n [...Lan;
griech. idiosygkrasia = eigentümliche Mischung der Säfte
u. daraus hervorgehende Beschaffenheit des Leibes]: a)
(Med.) [angeborene] Überempfindlichkeit gegen bestimmte
Stoffe (z. B. Nahrungsmittel) u. Reize: b) (Psych.) besonders
starke Abneigung od. Überempfindlichkeit gegenüber
bestimmten Personen, Lebewesen, Gegenständen, Reizen,
Anschauungen u.a.: eine I. gegen Jedes Spießertum; Während
das wilde Tier durch die Ausnutzung seiner 1. gegen das
rote Tuch von dem regungslosen Körper abgelenkt wurde
(Th. Mann. Krull 433); <Abl.:> idiosynkratisch [...kra:tij]
<Adj.; o. Steig.): a) (Med.) überempfindlich gegen bestimmte
Stoffe u. Reize: b) (Psych.) von unüberwindlicher Abneigung
erfüllt u. entspreclxend auf jmdn., etw. reagierend.
Idio{ [ldio:t], der; -en. -en [lat. idiöta. idiötes < griech.
idiötes = Privatmann; gewöhnlicher, einfacher Mensch;
ungeübter, unkundiger Laie im Unterschied zum gelehrten
Fachmann; Stümper, zu griech. idios = eigen, privat;
eigentümlich]: I. an Idiotie leidender, hochgradig
schwachsinniger [pflegebedürftiger] Mensch ohne
Sprachentwicklung: das Lallen. Grinsen eines -en; Sie blickten ... in
ein Zimmer (= eines Irrenhauses) mit schweren -en (Musil.
Mann 984). 2, (ugs. abwertend)jmds. Ärger od.
Unverständnis hervorrufender törichter Mensch, Dummkopf: das sind
alles -en!; ich bin ein I.. daß ich nicht mitfahre; warum
habe ich I. noch mal damit angefangen?: Fünf Minuten
vor zwölf riskiert der I. wegen so einer Bagatelle noch
sein Leben (Apitz. Wölfe 232); Jmdn. einen -en nennen.
idioten-. Idioten-: -anstalt, die (abwertend): Irrenanstalt:
-hang, der (ugs. scherzh.): vgl. -hügel; -hügel, der (ugs.
scherzh.): flach abfallender Hügel für Anfänger im
Skifahren: -sicher <Adj.) (ugs. scherzh.): gegen eine falsche
Handhabung gesichert: so eingerichtet, daß man die
betreffende Sache richtig verstehen u. richtig mit ihr umgehen
muß: eine -e Methode; die Anlage ist i.; die Vorrichtung
funktioniert i.; -wiese, die (ugs. scherzh.): vgl. -hügel.
Idiotie [idjp'ti:], die; -. -n [...i-.an]: 1. angeborener od. im
frühen Kindesalter durch Gehirnkrankheit erworbener
Schwachsinn solchen Grades, daß jede Art von
Bildungsfähigkeit ausgeschlossen [u. Anstaltsunterbringung erforderlich]
ist: klinische I.; der Ausdruck einer flüchtigen, aber stets
gegenwärtigen I.. der hinter diesem Antlitz lauert (Hildes-
heimer. Legenden 164); an schwerer, angeborener I. leiden.
2. (ugs. abwertend) Dummheit, widersinnig-törichtes
Verhalten: menschliche I.; was Sie für Ihre Pflicht halten,
ist in dieser Situation pure L; Idiotikon [i'dio:ükan]. das;
-s. ...ken od. ...ka [gelehrte Neubildung des 18. Jh.s zu
griech. idiötikös; vgl. idiotisch]: Mundartwörterbuch, auf
eine Sprachlandschaft begrenztes Wörterbuch: Idiotin, die:
-. -nen: w. Form zu t Idiot; idiotisch <AdJ.) [lat. idiöticus
< griech. idiötikös = eigentümlich; gewöhnlich;
unwissend, ungebildet; volkssprachlich]: 1. hochgradig
schwachsinnig: ein -es Kind; ein -es Lachen. 2. (ugs. abwertend)
anscheinend gänzlich ohne Verstand od. davon zeugend:
völlig unsinnig, so daß das betreffende Verhalten, die betreffende
Äußerung o. ä. Ärger od. Unverständnis hervorruft: ein -er
Film; eine -e Arbeit; ein -es Kostüm; das ist doch i.!;
einfach i.. daß ich das vergessen habe; Sonst ist es absolut
i. (überflüssig), überhaupt zu heiraten (Hörzu 29. 1972.
91); etw.. sich i. finden; -er konnte man es wirklich nicht
anfangen; Idiotismus [idjp'tismus], der; -, ...men [2: lat.
idiötismos < griech. idiötismös = Sprechweise eines
gemeinen Mannes]: I. a) svw. t Idiotie (1); b) Äußerung des
Idiotismus (1 a). 2. (Sprachw.) kennzeichnender,
eigentümlicher Ausdruck eines Idioms: Spracheigenheit: idiotypisdi
<Adj.; o. Steig.) (Biol.): durch die Gesamtheit des Erbgutes
festgelegt: auf blutsverwandtschaftlichem rötlichem Haar,
eins der-en Merkmale dieser Tochter, für das er
mitverantwortlich ist (Wohmann. Absicht 382); Idiotypus, der; -.
...pen (Biol.): Gesamtheit des (bereits in der befruchteten
Eizelle bzw. in der Sporenzelle vorliegenden) Erbgutes eines
Individuimxs.
Idol [i'do.l], das; -s, -e [lat. Idölum. Idölon < griech. eidölon
= Gestalt. Bild: Trugbild. Götzenbild]: 1. jmd., etw. als
Gegenstand übermäßiger Verehrung, meist als Wunschbild
von Jugendlichen: ein I. der Leinwand; der Vater war für
ihn das nachahmenswerte I.; Das Glück. ... es war das
1. des Jahrhunderts, die vielbeschriene Gottheit (Fusseneg-
ger. Haus 88); Weinheber, der ... Wiener Dichter, war
seit jeher mein lyrisches I. (Vorbild, Fühmann. Judenauto
166); die Jugend sah. fand in ihm ihr I.; seinem I.
nacheifern; zum I. [einer Generation, der Nachwelt] werden.
2. (bild. Kunst) Gottes-, Götzenbild [in Menschengestalt]:
... finden sich ... in Heiligtümern und in Gräbern stark
manieristische -e. fast durchweg stehende Frauen mit ad-
orierend erhobenen Armen (Bild. Kunst I. 117); Idotatrk
[ido-]. die; -. -n [...i:3n; lat. Tdölatria. Idölolatria < griech.
eidölolatreia] (bildungsspr.): Bilderverehrung, -anbetung.
Götzendienst: idolisieren [...Ü'zKren] <sw. V.; hat): zum Idol
(1) machen: einen Politiker, die Technik i.; <Abl.:> Idolisk-
rune. die; -. -en; Idololatrje [...lol...]: t Idolatrie.
I-Dotz ['ixb&l. der; -es. I-Dötze. I-Dötzdien [i:doet^n].
das; -s. - [eigtl. = I-Pünktchen. wohl nach dem i der
deutschen Schreibschrift, das die Schulanfänger zuerst
schreiben lernten] (rhein.): Abc-Schütze, Schulanfänger:
Die Zahl der ..I-Dötze4\ die in die nordrhein-westfälischen
Grundschulen einrücken mußten (MM 9. 8. 72. 11).
Idsehma [i'&ma:]. die; - [arab. i&mä'] (islam. Rel.):
Übereinstimmung der islamischen Theologen in Fragen des Glaubens
u. des religiösen Gesetzes.
Idyll [i'dyl]. das; -s. -e [lat. Tdyllium < griech. eidülion
= Hirtengedicht. Vkl. von: eTdos = Bild. Gestalt, eigtl.
= Bildchen, dann = bildhaft ansprechende Darstellung
von Szenen aus dem ländlichen Leben (bes. in der
Hirtendichtung)]: Bild, Zustand friedlichen, einfachen Lebens,
meist in ländlicher Abgeschiedenheit: ein dörfliches,
häusliches, sanftes, zartes I.; ein I. nicht stören wollen; das
Gemälde zeigte ein ländliches I.; Idylle [...b]. die; -. -n: 1.
(Literaturw.) Schilderung eines Idylls, bes. von Hirten- u.
Schäferszenen, in lyrischer u. epischer Dichtung u. in der
Malerei: die -n Theokrits, des Rokokos; ein Stück als I.
inszenieren. 2. svw. t Idyll: eine bürgerliche I.; ...
realitätsflüchtige Aufforderung zur Rückkehr in die verlorene I.
(Hofstätter. Gruppendynamik 42); Idyllik [...lik], die; -
(bildungsspr.): idyllischer Charakter: idyllische Atmosphäre,
Art:... ferner ein wasserloses Brünnlein aus ebenfalls
vermoostem Sandstein, alles nicht ohne I. (Frisch. Stiller
421); ob da nicht ein bißchen I. (Hang zum Idyll) dabei
ist. in einem Land, das ein Land der Großstädte ist?
(Tagesspiegel 15. 12. 63. 33); Idylliker [...likB]. der; -s. -: jmd.,
der einen Hang zum Idyll hat: die ... Figur eines Witwers,
der alltäglich zum Grabe der Abgeschiedenen pilgerte ...
1314
ihr
Ein solcher I. (Th. Mann. Zauberberg 632); Wolfgang
Staudte als I.? Als Regisseur eines Films mit Kindern
und Tieren? (Welt 5. 12. 64. Film); idyllisch <Adj.>: a)
wie in einen} Idyll, den Eindruck eines Idylls erweckend:
eine -e Landschaft, Gegend; der Ort war i. [gelegen]; Es
waren vergleichsweise -e (einfacheu. beschauliche)
Verhältnisse gewesen (Kuby. Rosemarie 86); b) (Literaturw.) zur
Idylle (1) gehörend, für eine Idylle (1) charakteristisch:
sind der antiken Ideenwelt entnommene Vorstellungen
nachzuweisen (Picassos -e Landschaften und Faune) (Bild.
Kunst 3. 13).
Igel [i:gj]. der: -s. - [mhd. igel. ahd. igil, eigtl. = der
zur Schlange Gehörige; Schlangenfresser. Schlangentier,
da der Igel auch Schlangen frißt]: 1. braunes, mit Stacheln
besetztes, etwa rattengroßes, kurzbeiniges, spitzköpfiges,
Insekten u. a. fressendes Säugetier, das sich bei Gefahr
zusammenrollt: ein stachliger I.; der I. stellt die Stacheln auf.
rollt sich zusammen; die I. halten Winterschlaf; das
Märchen vom Hasen und dem I.; Ü er ist ein richtiger I.
(aus einer gewissen Schüchternheit heraus kratzbürstiger,
sich abkapselnder Mensch). 2. (Landw.) einseitiger
Hackpflug mit Messern u. Zinken zur Bodenlockerung bei
Reihenkulturen, bes. Kartoffeln. 3. mit Matuielstiften gespicktes
Gebäck in Igelform.
Igel-: -börste, die: svw. Nstachel; -fisdi. der: in tropischen
Meeren vorkommender Fisch mit schuppenloser Haut u.
Stacheln, die bei Gefahr auf dem ballonartig aufgetriebenen
Körper aufgerichtet werden; -ginster.der [nach den
stachelähnlichen Domen]: dornige, auch als Topfpflanze kultivierte
Ginsterart des westlichen Mittelmeergebietes mit
blauvioletten Blüten: ^kaktus, der: kugeliger, großer mexikanischer
Kaktus mit kräftigen Dornen an den Längsrippen u. gelben
Blütenander Spitze; ^kolben, der: Sumpf u. Wasserpflanze
mit schwertförmigen Blättern u. grünlichen Blüten in
sternartigen, kugeligen, igelähnlichen Köpfchen; -köpf, der (ugs.):
Kopf mit Igelschnitt; -nelke. die: als Zierpflanze
kultiviertes, niedrig wadxsendes Nelkengewächs aus dem Balkan
mit blaugrünen, stechenden Blättern u. weißen bis rosa
Blüten; -schnitt, der: svw. tMeckifrisur; -Stachel, der: 1.
Stachel des Igels: Bartstoppeln wie-n. 2. (ugs.) Partyspießchen:
die schmelzenden Bissen, die ich mir auf einem I. zwischen
die Lippen schob (Kaschnitz. Wohin 28): -Stellung, die
[nach dem Bild des bei Gefahr sich zusammenrollenden
Igels] (Milit.): (bes. von eingeschlossenen Truppen) Stellung
zur Verteidigung nach allen Seiten:... waren wir da zwischen
Wilmersdorf, Dahlem ... wie in einer von allen Seiten
eingekesselten I. (Kantorowicz, Tagebuch I. 31); Ü er
begibt sich leicht in eine I.
Igelit© [ige'li:t. auch: ...'lit], das; -s [Kunstwort]: vielseitig
verwendbarer Kunststoff: Die Aktentasche ... war aus I.
(Zwerenz, Quadriga 256).
igebi ['i:gln] <sw. V.; hat) (Landw.): den Boden mit dem
Igel (2) bearbeiten.
igitttigitt]! [i'git(i'git)] <Interj.> [wohl verhüll, für: o Gott,
o Gott] (landsch.): oft als Übertreibung empfundener
Ausruf der Ablehnung. Zurückweisung voller Ekel. Abscheu:
igitt, was der für einen Kopf hat (Kant, Impressum 66);
Igittigitt - die feuchtfröhliche Zuneigung (= einer den
Hosenboden leckenden Kuh) ist Städter Schwarzkopf nicht
geheuer (Hörzu 19, 1973. 36).
Iglu ['i.glul. der od. das; -s, -s [eskim. ig(dl)lu]: aus
Schneeblöcken errichtete, kuppeiförmige [ Winterjhütte der
Eskimos.
Ignipunktur [igni-], die; -, -en [zu lat. ignis = Glut, Feuer]
(Med.): Veröden. Aufstechen von Zysten o. ä. mit dem Ther-
mokauter: Ignitron ['ignitro:n], das; -s. -e [...'tro:na] u.
-s [engl, ignitron. zu lat. ignis = Glut. Feuer; geb. nach
t Elektron] (Physik): als Gleichrichter für hohe Stromstärken
verwendete Röhre mit Quecksilberkathode.
ignoramus et ignorabimus [igno'ra:mos et igno'ra:bimus;
lat. = wir wissen nicht und werden nicht wissen; nach
dem Ausspruch des dt. Physiologen E. Du Bois-Reymond
(1818-1896) in seinem 1872 gehaltenen Vortrag ..Über die
Grenzen des Naturerkennens44] (bildungsspr.): wir wissen
es nicht u. werden es auch nie wissen (Schlagwort für die
Unlösbarkeit der Welträtsel); Ignorant [...rant] <AdJ.; -er,
-este; nicht adv.) Dat. Ignöräns (Gen.: ignörantis), 1. Part,
von: Ignöräre = nicht wissen (wollen)] (bildungsspr.
abwertend): seine tadelnswerte Unwissenheit zu erkennen
gebend, von ebensolcher Kenntnislosigkeit zeugend: eine -e
Bemerkung; in einer -en Gesellschaft, die sich nur dem
Namen nach ..christlich44 nennt (Hörzu 43. 1973. 150);
eine -e Beeinflussung der künstlerischen Freiheit (MM
2. 8. 72. 28); <subst.:> Ignorant, der; -en. -en (bildungsspr.
abwertend): tadelnswert unwissender, kenntnisloser
Mensch; ein arroganter, literarischer I.; jmdn. als -en
einstufen; Ignonpitentum, das; -s (bildungsspr. abwertend):
Äußerung der Ignoranz (a) in einem entsprechenden
Verhalten; Ignoranz[...'rantßl, die; - [lat. ignörantia] (bildungsspr.
abwertend): a) tadelnswerte Unwissenheit, Kenntnislosigkeit
in bezug auf jmdn., etw.: politische I.; Sie wurde ein armes,
verzweifeltes Tier, das an der I. der Umwelt eingeht (Welt
14. 7. 65, 5); seine Antwort zeugt von ziemlicher I.; b)
(selten) das Ignorieren: eine Entschuldigung zu finden für
dieL.mitdersie... den ... Informationen über den
Massenmord begegnet sind (Hochhuth, Stellvertreter 248,
Nachwort); ignorieren [...'irren] <sw. V.; hat) [lat. ignöräre
= nicht wissen (wollen), im Ablaut zu: Ignärus =
unwissend]: absichtlich übersehen, übergehen, nicht beachten:
jmdn., Jmds. Anwesenheit, jmds. Antwort, einen Dichter,
ein Problem, seine Krankheit, einen Vorfall, Jmds. Befehle,
jmds. Interessen, einen Zusammenhang i.; ignorieren wir
(vergessen wir dabei) doch nicht, daß ...
Iguana [i'gya:na], die: -. ...nen [span.. port. iguana, aus
einer Indianerspr. des nordöstlichen Südamerika (Ara-
wak)]: in tropischen Gebieten Amerikas vorkommender Le-
guan mit sichelförmigem Kamm; Iguanodon [i'gya:nod:>n],
das; -s. -s od. -ten [ijgyano'd^ntn; engl, iguanodon, zu
t Iguana u. griech. odon = Zahn. geb. nach IMastodon):
pflanzenfressender Dinosaurier der Kreidezeit mit einem
Körper auf kräftigen Hinterbeinen, mit zum Greifen
ausgebildeten Vorderbeinen u. langem, kräftigem Schwanz.
Ihle n:b], der; -n. -n [wohl zu niederl. (landsch.) iel =
schwach, dünn]: Hering, der schon gelaicht hat. deshalb
mager u. minderwertig ist u. für Rollmöpse verwendet wird.
ihm [i:m; mhd. im(e). ahd. imu. imo] <Dativ Sg. der
Personalpron, t er, t 'es (1 a)>: wie geht es ihm (= dem Patienten,
dem Kind)?; ihn [i:n; mhd. in(en). ahd. inen, inan] <Akk.
Sg. des Personalpron. ter>: hast du ihn (= den Vater)
gesehen?; ihnen ['i:nan; mhd. in(en). ahd. in(en). im] (Dativ
PI. des Personaipron. tsie (2)>: das kommt ihnen (= den
Arbeitgebern) sicher sehr gelegen; Ihnen [-] <Dativ Sg.
u. PI. von tSie in der Anrede): darin stimme ich mit
Ihnen (= eine od. mehrere Personen) überein.
'ihr [1:5; mhd. ir. ahd. ira. iro. iru] <Dativ Sg. des
Personalpron, tsie (1)>: ich habe ihr (= der Tochter) ein Kleid
gekauft; %ir [-] <Personalpron.; 2. Pers. PI. Nom.) [mhd..
ahd. ir]: a) Anrede an verwandte od. vertraute Personen
[die man als einzelne duzt], an Kinder, göttliche
Wesenheiten. Untergebene, (in dichter. Sprache) personifizierend
an Dinge u. Abstrakta: ihr könnt euch glücklich schätzen;
ihr Freunde. Gewerkschaftler; ihr geliebten Berge!; Ihr
Lieben (Anrede im BrieO; <Gen.:> das ist sicher in euer
aller Sinne; <Dativ:> wir werden euch beistehen; <Akk.:>
wir besuchen euch bald wieder; freut euch!; b) (veraltet)
Anrede an eine einzelne Person: Ich bin ein Vornehmer
des Kaisers wie Ihr, Herzog (Hacks, Stücke 58); ^r [-]
<Possessivpron.> [mhd. ir (w. iriu. s. ir3). subst.: das irte)]:
1. bezeichnet die Zugehörigkeit od. Herkunft eines Wesens
od. Dinges, einer Handlung od. Eigenschaft in bezug auf
eine in der 3. Pers. Sg. genannte weibliche Person: a)
(vor einem Subst.) a) ihr Kleid; -e Enkelkinder; -e
Einstellung; (geh.:) im Auftrag Ihrer Majestät [der Kaiserin];
ihr Flugzeug (das Flugzeug, mit dem sie fliegen wollte);
ich lese in -em Buch (1. dem Buch, das ihr gehört. 2.
dem Buch, das ich von ihr geschenkt bekommen habe);
ß) als Ausdruck einer Gewohnheit, gewohnheitsmäßiger
Zugehörigkeit, Regel o.a.: sie hat -en Bus verpaßt; sie
mit -em [ewigen] Genörgel; b) <o. Subst.): das ist nicht
mein Buch, sondern -s. (geh.:) -es; c) (subst.): (geh..) das
ist nicht meine Angelegenheit, sondern die -e; der Ihre
(ihr Mann); die Ihren (ihre Angehörigen); das Ihre (1.
das ihr Zustehende. 2. das ihr Zukommende). 2. bezeichnet
die Zugehörigkeit od. Herkunft eines Wesens od. Dinges,
einer Handlung od. Eigenschaft in bezug auf mehrere
in der 3. Pers. PI. genannte Personen: a) <vor einem Subst.)
a) Eltern mit -en Kindern; die Kinder spielten mit -em
Hund; ß) als Ausdruck einer Gewohnheit,
gewohnheitsmäßigen Zugehörigkeit, Regel o.a.: die Kinder brauchen -e
geregelten Mahlzeiten; b) <o. Subst.): es waren nicht mehr
83-
1315
ihr
unsere Gebiete, sondern -e; c) <subst.>: (geh.:) wir brachten
unsereÄnderungswünsche vor. warum andere nicht die -en?;
sie waren Weihnachten zu den Ihren (ihren Angelwrigen)
gefahren; Hektik. Aufregungen und schlechte Ernährung
taten das Ihre (trugen dazu bei), seine Gesundheit zu
schwächen; sie haben das Ihre (ihnen Zustehende)
bekommen; sie haben alle das Ihre (ihnen Zukommende) getan.
3. bezeichnet die Zugehörigkeit od. Herkunft eines Wesens
od. Dinges, einer Handlung od. Eigenschaft in bezug auf
eine od. mehrere mit ..Sie" angeredete Personen: a) <vor
einem Subst.) a) vergessen Sie Ihren Schirm nicht!; wir
freuen uns über Ihr zahlreiches Erscheinen; mit
freundlichen Grüßen Ihre XY (Briefschluß); ß) als Ausdruck
einer Gewohnheit, gewohnheitsmäßigen Zugehörigkeit.
Regel o.a.: lassen Sie heute Ihren Spaziergang ausfallen?;
b) <o. Subst.): ich habe meinen Antrag eingereicht. Sie
Ihren auch?; c) <subst.>: (geh.:) das ist seine Angelegenheit
und nicht die Ihre; meine besten Empfehlungen an die
Ihren (Ihre Angelwrigen); kümmern Sie sich nur um das
Ihre (1. Ihnen Zustehende. 2. Ihnen Zukommende): %r
[-] <veralteter Gen. PI. des Personalpron. tsie (2)): ihr
aller Leben war in Gefahr; ihrer ['i:re] <Gen. des
Personalpron, sie (1,2)>: (geh.:)man gedachte ihrer (= der Mutter);
(geh.:) man gedachte ihrer (= der Vorfahren); ihrerseits
<Adv.) [T-seits]: 1. (gegenüber einem andern) von ihrer
(tsie 1) Seite aus / nun auch]: sie reagierte i. etwas
zurückhaltend auf unseren nicht präzise formulierten Vorschlag.
2. (gegenüber einem andern) von ihrer (Tsie 2) Seite aus
[nun auch]: wir werden uns auf ihre Bedingungen nur
einlassen, wenn sie i. zu gewissen Zugeständnissen bereit
sind. 3. (gegenüber einem andern) von Ihrer (tSie) Seite
aus [nun auch]: ich hoffe, daß Sie die Angelegenheit
Ihrerseits noch einmal überdenken; ihresgleichen (indekl. Pron.)
[t-gleichen]: 1. jmd. wie sie (1); jmdn.. der ihr gleich ist:
eine Frechheit, die i. sucht (wie es sie kaum noch einmal
gibt): sie pflegt nur Kontakte mit i. (Personen ihres
Standes, ihrer Kreise). 2. jmd. wie sie (2); jmd.. der ihnen gleich
ist: Leuten wie i. ist nicht zu trauen. 3. jmd. wie Sie;
jmd.. der Ihnen gleich ist: für Ihresgleichen dürfte das
eine Kleinigkeit sein; ihrethalben <Adv.) [mhd. von iret
halben, T -halben] (veraltend): svw. T ihretwegen; ihretwegen
<Adv.> [spätmhd. im wegen]: 1. aus Gründen, die sie (1)
betreffen; ihr zuliebe: i.. weil sie müde war. sind wir früher
nach Hause gegangen. 2. aus Gründen, die sie (2) betreffen;
ihnen zuliebe: wenn sie nicht ernsthaft interessiert sind,
werden wir uns i. nicht weiter bemühen. 3. aus Gründen,
die Sie betreffen: Ihretwegen habe ich mich für Ihren Sohn
eingesetzt; jhretwjllen <Adv.) nur in der Fügung um i.
(1. mit Rücksicht auf sie (1). 2. mit Rücksicht auf sie (2).
3. mit Rücksicht auf Sie: um Ihretwillen werde ich es
tun; tirige l'i:ngo]. der. die, das; -n. -n <Possessivpron.;
immer mit Art.) (geh.. veraltend): der. die. das yihre (I c.
2c. 3c); Diro [i:ro] <indekl. Pron.) [geb. nach tdero]:
Ihre (in veralteter Anrede od. bei Erwähnung hochgestellter
[adliger] Persönlichkeiten): I. Gnaden, Majestät; thrzen
['i:B&n] <sw. V.; hat) [mhd. irzen]: mit Ihr (2ihr b)
anreden.
Ikakopflaume [i'ka:ko-]. die; -. -n [span. (h)icaco. aus einer
Indianerspr. des nordöstl. Südamerika (Arawak)]:
wohlschmeckende Steinfrucht eines im tropischen Westafrika
u. Amerika beheimateten Rosengewächses.
Ikarier [i'ka:rie], der; -s. - [nach der griech. Sagengestalt
t Ikarus] (veraltet): Artist, der Luftsprünge zeigt; Ikarus
'i:karus], der; -. -se <P1. selten) [lat. Ikarus < griech.
karos; griech. Sagengestalt; flieht mit seinem Vater Däda-
lus mit Hilfe künstlicher Flügel aus dem kretischen
Labyrinth, kommt aber der Sonne zu nahe, so daß das Wachs
seiner Flügel schmilzt u. er ins Meer stürzt]: jmd.. der
mit Hilfe von künstlichen Flügeln o. ä. zu fliegen versucht.
Ikebana [ikeba.na], das; -[s] [jap. ikebana = lebendige
Blumen]: japanische Kunst des Blumensteckens, des
künstlerischen, symbolischen Blumenarrangements.
Ikone [i'ko:nd],£die; -. -n [russ. ikona < mg riech, eiköna.
zu griech. eikon = Bild]: thematisch u. formal streng an
die Überlieferung gebundenes Kultbild der orthodoxen
Kirche mit der Darstellung heiliger Personen od. ihrer
Geschichte: russische, byzantinische -n; eine I. aus dem 12. Jh.;
Ü indem es (= das Magazin) ihn (= den Prominenten)
als naturalistische I. auf seinem Umschlag präsentiert (En-
zensberger. Einzelheiten I, 86).
Ikonen-: Miusstellung, die; analer, der; Mnalerei, die.
ikonisch <Adj.; o. Steig.) [lat. iconicus < griech. eikonikös]:
I. in der Art der Ikonen. 2. (bildungsspr.) bildhaft,
anschaulich: -e Definitionen (Sprachw.; Definitionen mit Hilfe von
Bildern, bildlichen Vorstellungen)'. Dconodule [ikono'du:b],
der; -n. -n [zu griech. doülos = Knecht. Sklave]:
Bilderverehrer (bes. im Bilderstreit); Ikonodulie [...u'li:]. die; - [zu
griech. douleia = Knechtschaft. Sklaverei]:
Bilderverehrung; Ikonogrftph. der; -en. -en [(n)griech. eikonographos
= (Heiligenbild)maler]: 1. Wissenschaftler auf dem Gebiet
der Ikonographie. 2. dem Storchschnabel ähnliche
Vorrichtung zur Bildabzeichnung für Lithographen; Ikonographie,
die; - [lat. iconographia < griech. eikonographia =
Abbildung. Darstellung]: 1. a) Beschreibung. Form- u.
Inhaltsdeutung von [alten] Bildwerken: Ü tritt die Wochenschau ...
in das Magnetfeld der Geschichte ein ... Die politische
I. bestimmt das Bild (Enzensberger. Einzelheiten I, 113);
b) svw. t Ikonologie. 2. wissenschaftliche Bestimmung von
Bildnissen des griechischen u. römischen Altertums; ikono-
grgphisch <AdJ.; o. Steig.): die Ikonographie betreffend,
zu ihr gehörend; Ikonoklasmus [...o'klasmus]. der; -. ...men:
Bildersturm; Abschaffung u. Zerstörung von Heiligenbildern
(bes. im Bilderstreit der byzantinischen Kirche des 8. u.
9. Jh.s); Ikonokiast [...st], der; -en. -en [mgriech, eikonoklä-
stes, eigtl. = Bilderzerbrecher, zu: klän = (zer)brechen]:
Bilderstürmer. Anhänger des Ikonoklasmus; ikonokfystisch
<AdJ.; o. Steig.): den Ikonoklasmus betreffend,
bilderstürmerisch: Ü Der Satiriker Carl Sternheim entlarvte mit -er
Schnoddrigkeit die Lüge der nationalen Phrase (K. Mann.
Wendepunkt 57); Ikonobtrk, die: -: Bilderanbetung (als
Vorwurf der Ikonoklasten gegen die Ikonodulen); Dtonolo-
gfe, die; - [griech. eikonologia = das Sprechen in Bildern]:
(auf der Ikonographie aufbauende) Wissenschaft vom Sinn-
u. Sytnbolgehalt von [alten] Kunstwerken. Symbolkunde: Ü
es (= das technische System der Strebebogen und
Strebepfeiler) wird verwandelt in eine faszinierende ..Landschaft"
von Baldachinen, mit Fialen.... mit Bogen, Gesimsen und
Figuren, die wieder in die großartige I. (den großartigen
Sinn- und Symbolgehalt) der Kathedrale einbezogen
werden (Bild. Kunst 3. 21); Ikonometer, das; -s. - [t-meter]:
Rahmensucher an einem fotografischen Apparat; Ikonoskop
[...o'sko:p], das; -s. -e [zu griech. skopein = beschauen,
betrachten]: speichernde Fernsehaufnahmeröhre; Ikonostas
[...o'sta:s]. der; -. -e. Ikonostase [...a:z3]. die; -. -n [russ.
ikonostas < mgriech. eikonostäsi(on)]: drei für ige
Bilderwand zwischen Gemeinde- u. Altarraum in orthodoxen
Kirchen; Ikonostasis [...zis]. die; -. ...sen: t Ikonostas.
Ikosaeder[ikoza|e:dB].das;-s.-[lat.icosahedrum < griech.
eikosäedron] (Math.): von zwanzig [gleichseitigen] Dreiek-
ken begrenzter Vielflächner.
ikterisdi [ikte:nj] <AdJ.; o. Steig.) [lat. ictericus < griech.
ikterikös] (Med.): die Gelbsucht betreffend; mit Gelbsucht
behaftet, gelbsüchtig; Ikterus [ikterus]. der; - [lat. Icterus
< griech. ikteros] (Med.): Gelbsucht.
Iktus ['iktus], der; -. - [iktu:s] u. Ikten [lat. ictus = Stoß.
Schlag. Takt(schlag)]: 1. (Metrik) [nachdrückliche]
Betonung der Hebung im Vers. Versakzent. 2. (Med.) unerwartet
u. plötzlich auftretendes Krankheitszeichen. 3. (Med.) Stoß,
stoßförmige Erschütterung.
II-, IHil-]:Tin-, In-.
Ilchan [il'ka:n, il'xa.n], der; -s [pers. II bän, eigtl. = der
Khan. tKhan] (hist.): Titel der mongolischen Herrscher
in Persien im 13. w. 14. Jh.
Ilea: PI. von t Iieum: Ileen, Ilei: PI. von! Ileus; Ileitis (ilei:tis).
die; -, ...tiden [ileiti:dn] (Med.): Entzündung des Ileutns;
Ileum [i:leum], das; -s. Ilea (PI. selten) [lat. ileum =
Unterleib. Eingeweide] (Med.): Krummdarm. wUerer (in
den Dickdarm übergehender) Abschnitt des Dünndarms;
Ileus fi:leos]. der; -. Ileen ['i:lean] u. Ilei ['l:lei; lat. Ileus
< griech. eileös] (Med.): Verengung od. Verschluß eines
Darmabschnittes.
Ilex [i:leks], die. auch: der; -. - [lat. Ilex = Stecheiche,
aus einer voridg. Mittelmeerspr.]: svw. t Stechpalme.
illativ [ilati:f. auch: ...ti:f) <Adj.; o. Steig.) [lat. lllätivus.
zu: iilätum = 2. Part, von: inferre = folgern, schließen]
(Sprachw. veraltet): folgernd, konsekutiv; <subst.:> Illativ
[-]. der; -s. -e [...i:va] (Sprachw.): 1. Kasus in den baltischen
u. nichtidg. Sprachen zur Bezeichnung der Bewegung od.
Richtung in etw. hinein (z. B. finn. taloon = in das Haus,
lit. dangufl = in den Himmel). 2. (veraltet) konsekutive
1316
illusions-, Illusions-
Konjunktion (z. B. deshalb); Ilbtum [ilartom]. das; -s. ...ten
u. ...ta <meist PI.) [lat. illätum = hineingebracht, vgl.
illativ] (jur. veraltet): von der Frau in die Ehe eingebrachtes
Vermögen.
illegal ['iL.] <AdJ.; o. Steig.) [mlat. illegalis. aus lat. in-
= un-. nicht u. legälis. t legal): gesetzwidrig, ungesetzlich;
ohne behördliche Genehmigung (Ggs.: legal): eine -e
Handlung. Aktion; eine -e Organisation. Gruppe. Partei; eine
-e Wohnung; ein -er Grenzübertritt; das ist i.; i. arbeiten.
leben, auswandern; <Abl.:) Illegalität [auch: ' ], die;
-, -en: I. <o. Pl.)a) Ungesetzlichkeit. Gesetzwidrigkeit (Ggs.:
Legalität): die I. eines Vorgehens, einer Aktion, einer
politischen Arbeit; b) illegale Tätigkeit. Lebensweise; illegaler
Zustand: Die Partei hatte begonnen, sich auf die I.
einzurichten (Niekisch. Leben 215); in der I. leben; in die I.
gehen (illegal weiterarbeiten). 2. einzelne illegale Handlung
o.a.: streng gegen -en vorgehen; jUegitim <Adj.; o. Steig.)
[lat. illegittmus) (bildungsspr.): 1. a) unrechtmäßig, im
Widerspruch zur Rechtsordnung [stehend], nicht im Rahmen
bestimmter Vorschriften[erfolgend] (Ggs.: legitim 1 a): eine
-e Thronfolge; b) außerehelich; unehelich (Ggs.: legitim
1 b): ein -es Kind; Al-Andalus. das durch einen -en Beischlaf
an die Afrikaner gekommen war (Fries. Weg 12). 2. nicht
legitim (2). nicht vertretbar, nicht berechtigt, nicht richtig
(Ggs.: legitim 2): eine -e Forderung; auf -e Art; daß die
Transposition Eliotscher Motive und Gleichnisse i., ja.
verwerflich ist (Jens. Mann 127); etw. für i. halten; <Abl.:>
Illegitimität (auch:' ],die; - (bildungsspr.):
illegitime (\. 2) Art einer Person od. Sache (Ggs.: Legitimität).
illern fiten] <sw. V.; hat) (md.): lugen, spähen: um die Ecke i.
illiberal hl...] <Adj.) [lat. illiberälis. eigtl. = gemein,
unanständig]: 1. (bildungsspr.) engherzig, unduldsam (Ggs.:
liberal 1): ein -er Wesenszug; ein -es Verhalten. 2. nicht liberal
eingestellt, denkend (Ggs.: liberal 2): In dieser sonst -en
Zeit ahnte man schon die Vorteile, die dem Staat aus
der liberalen Wirtschaftsordnung erwachsen würden
(Jacob. Kaffee 154); <Abl.:> Illiberalst [auch: ' ].
die; -: illiberales Wesen. Denken (Ggs.: Liberalität).
illimitiert [ilimi'ti:?t. auch: ' ] <Adj.; o. Steig.) [zu lat.
illimitätus. vgl. Limit] (bildungsspr.): unbegrenzt,
unbeschränkt.
illiquid fil...] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [zu tin-. In- u.
T liquid] (Wirtsch.): vorübergehend zahlungsunfähig (Ggs.:
Iiquid2): eristzurZeit i; Abi :> Illiquidität [auch:1 ].
die; - (Wirtsch.): vorübergehende Zahlungsunfähigkeit durch
Mangel an flüssigen Geldmitteln (Ggs.: Liquidität 1).
illiterat [ilitora:t] <Adj.; -er. -este; nicht adv.) [lat. illiterätus]
(bildungsspr.): ungelehrt, nicht wissenschaftlich gebildet:
eine literarische Tradition politischer Werke, die auf das
größtenteils -e ..Volk44 wohl wenig Einfluß nehmen konnte
(Deutsche Literaturzeitung 1. 1971. Sp. 49); <subst.:)
Illiterat [-.auch: -]. der; -en. -en (bildungsspr.): Ungelehrter.
nicht wissenschaftlich Gebildeter.
Illokution [iloku't£io:n]. die: -. -en [mit der spätlat.
verstärkenden Vorsilbe in- geb. zu lat. locütio = das Sprechen.
Sprache] (Sprachw.): Sprechakt im Hinblick auf die
kommunikative Funktion; <Abl.:> iltokutionär [...o'nE:^] <Adj.)
in der Fügung -er Akt (svw. T Illokution): die sogenannten
-en Akte (wie z. B. Behauptung. Aufforderung.
Versprechen. Frage) (Wirkendes Wort 4. 1972. 278); illokutiv
[...'ti:fi <Adj.) in der Fügung -er Akt (svw. T Illokution).
illoyal ['iL.) <AdJ.) [zu tin-. In- u. tloyal] (bildungsspr.):
a) den Staat, eine Instanz nicht respektierend (Ggs.: loyal
a): eine -e Einstellung gegenüber der Regierung: b)
vertragsbrüchig, gegen Treu u. Glauben (Ggs.: loyal b): ein -er
Vertragspartner;c) (derGegenseite) übelgesinnt (Ggs.: loyal
c): er hat sich seinen politischen Gegnern gegenüber niemals
i. verhalten; <Abl.:> Illoyalität [auch: ' ]. die: -
(bildungsspr.): illoyale Gesinnung, Verhaltensweise.
Ilhminat [ilumi'na.t], der; -en. -en (meist PI.) [zu lat. illümi-
nätus = erleuchtet]: Angehöriger einer geheimen
Verbindung, bes. des Illuminatenordens; Illuminatenorden, der; -s:
aufklärerisch-freimaurerische geheime Gesellschaft des
18.Jh.s; Illumination [ilumina't$io:n]. die: -. -en [frz.
Illumination < lat. illüminätio = Erleuchtung. Beleuchtung]:
\.&)das Illuminieren (1). farbige festliche Beleuchtung (1 b)
vor allem im Freien: die I. von Gebäuden. Denkmälern;
b) farbiges festliches Licht, das etw. bes. im Freien
beleuchtet: eine weihnachtliche I. auf Straßen und Plätzen; c) svw.
t Leuchtschrift. 2. (Theol.) göttliche Erleuchtung des
menschlichen Geistes (nach der theologischen Lehre Augustins).
3. (Kunstwiss.) a) das Ausmalen von Kodizes.
Handschriften, Drucken; b) svw. t Buchmalerei (2); illuminitjstiseh
<Adj.>: die llluminaten betreffend, dem Illuminatenorden
entsprechend: daß die -e Maurerei den Regentengrad
kannte (Th. Mann. Zauberberg 712); Illuminator [...'na:tsr.
auch: ...to:g]. der; -s. -en [...na'to:r3n; mlat. Illuminator]:
Künstler (bes. des Mittelalters), der Handschriften u.
Bücher illuminiert (2); illuminieren [...ni:ran] <sw. V.; hat)
[frz. illuminer < lat. illüminäre = erleuchten, zu: lümen
(Gen.: luminis) = Licht. Leuchte]: 1. festlich erleuchten;
eine Stadt, ein Schloß L; die alte Frau ... würde nie ihre
Wohnung so i. (Fallada. Jeder 49); Ü Mit unzähligen
Knöpfen und Schaltern läßt sich fast jedes Instrument
einzeln i. (Auto 1, 1965, 39); der Park war illuminiert;
ein illuminierter Glaskasten. 2. (Kunstwiss.)
(mittelalterliche Handschriften) ausmalen, mit Buchmalerei versehen:
illuminierte Handschriften des 11. und 12. Jh.s waren in
dieser Ausstellung zu sehen. 3. (bildungsspr.) svw. f erhellen
(2a): Die Aufsätze enthalten manche illuminierende und
originelle Feststellung (Germanistik 4.1967.715); <2. Part.:)
ilhiminj&t (scherzh.. veraltend): alkoholisiert: der Sergeant,
der von den verschiedenen Schnäpsen ziemlich i. ist (Fr.
Wolf. Menetekel 304); Illuminiert ist er und will sich nicht
entgiften und solide werden (Th. Mann. Zauberberg 251);
<Abl.:> Ilkimintening. die; -. -en: das Illuminieren (1-3).
Illusion [ilu'zio:n]. die; -. -en [frz. illusion < lat. illüsio
= Täuschung, unzutreffende, irrige Vorstellung;
Verspottung, zu illüdere (< in-lüdere) = hinspielen. sein Spiel
treiben, verspotten; täuschen, zu: lüdus = Spiel.
Schauspiel; Schule; Kurzweil. Scherz. Spaß]: 1. beschönigende,
dem Wunschdenken entsprechende Selbsttäuschung über
einen in Wirklichkeit weniger positiven Sachverhalt: wertlose,
jugendliche, verlorene -en: es war eine I.. zu glauben,
daß ...; über das Schicksal der Vermißten gab es keinerlei
-en mehr; -en haben, zerstören; jmdm. seine -en lassen,
rauben; du brauchst dir keine -en zu machen; Der
Kerzenschimmer und die Weihrauchwolken riefen ... die I. (den
Eindruck) von Wärme hervor (Kuby. Sieg 126); einer I.
nachjagen; darüber darf man sich keinen -en hingeben;
sich in -en wiegen; ein Mensch ohne -en; wieder um eine
1. ärmer sein; von -en leben; jmdn. von seinen -en heilen.
2. (Psych.) falsche Deutung von tatsächlichen
Sinneswahrnehmungen (im Unterschied zur Halluzination). 3.
(Ästhetik) Täuschung durch die Wirkung des Kunstwerks, das
Darstellung als Wirklichkeit erleben läßt: Sie müssen
( = beim Zeichnen) die Schiefheit und Geschlitztheit
zuwege bringen, wie die Natur sie zuwege bringt. I. in
der I. treiben (Th. Mann. Zauberberg 360); <Abl.:)
illusionär [...o'ne:?] <AdJ.; o. Steig.): 1. auf Illusionen beruhend.
Illusionen enthaltend (bildungsspr.): -e Vorstellungen; der
-e Charakter einer politischen Unternehmung; Die Ani-
mus-Anima-Reaktion gaukelt dem Menschen ein -es Bild
vor (Ruthe. Partnerwahl 153); So i. solche Bemühungen
im Westen anmuten mußten (Spiegel 52. 1965. 27). 2.
(Kunstwiss.) svw. T illusionistisch (1): wie die Malerei
schaffte auch die Musik den Raum nicht einfach ab. sondern
ersetzte den -en ... durch einen gleichsam erweiterten, nur
der Musik selber zugehörigen (Adomo. Prismen 162); illu-
skmieren [...'ni:r3n] <sw. V.; hat) (bildungsspr.): in jmdm.
eine Illusion erwecken; jmdm. etw. vorgaukeln; täuschen:
sich nicht i. lassen; Illusionismus [...'nismusj. der; -: 1.
(Philos.) die Objektivität der realen Welt, der Waltrheit.
Schönheit. Sittlichkeit als Schein erklärende philosophische
Anschauung (u. a. bei Schopenhauer). 2. (Kunstwiss.)
illusionistische [BildJWirkung: die Wiederbegegnung mit ... dem
Plastiker... Heckmann (derauf der Fläche den plastischen
I. seiner bildhauerischen Arbeiten zu reproduzieren
imstande ist) (MM 2. 7. 69. 26); IHusionjst. der; -en. -en [frz.
illusioniste]: 1. (bildungsspr.) jmd., der Illusionen hegt, sich
Illusionen macht: er ist ein großer I. 2. Zauberkünstler
illusionistisch <Adj.>: I. (Kunstwiss.)durch diekütistlerisehe
Darstellum Scheinwirkungen (bes. Raumtiefeu.
Körperlichkeit) erzeugend: Die beiden (= Reliefs) im Durchgang
des Titusbogens zeigen dieselbe -e Darstellungsweise wie
die Malerei (Bild. Kunst 1,52). 2. (bildungsspr.) svw. T
illusionär (1): ein -er Wesenszug; sie betrachtet die Dinge allzu i.
illusions-, Illusions-: -bühne. die: neuzeitliche
Dekorationsbühne, die mit den Mitteln der Architektur, der Malerei
u. mit Requisiten in der Aufführung auf eine illusionistische
1317
illusorisch
Vergegenwärtigung abzielt; ^los <Adj.; -er, -este): sich
keinen Illusionen hingebend; ohne Illusionen; eine -e
Einschätzung der Lage; i- und nüchtern seine Entschlüsse fassen,
dazu: -lostgkeit. die; -; ^theater. das: vgl. -bühne.
illusorisch [ilu'zo:nX] <Adj.; nicht adv.) [unter Einfluß von
frz. illusoire < lat. illüsörius = täuschend, verspottend]:
a) nur in der Illusion bestehend, trügerisch: eine -e
Einschätzung der Sachlage; b) in Anbetracht von etw. zwecklos,
sich erübrigend; eine erneute Besprechung ist damit i.
geworden; die Vorentschiedenheit dessen, was gedacht und
getan wird, durch die gesellschaftliche Maschinerie macht
Sprechen i. (Adorno, Prismen 97).
illuster [Huste] <Adj.; nicht adv.) [frz. illustre < lat. illüstris
= im Licht stehend, strahlend; berühmt, zu: lüsträre =
hell machen, beleuchten] (bildungsspr.): [vom
gesellschaftlichen Standpunkt aus] respektheischend glanzvoll, er bucht:
ein illustrer Gast, Kreis; ein illustres Trauergefolge; In
dieser illustren Gesellschaft wächst die Bocksorchidee
heran (Welt 11.8. 62. Die geist. Welt 3); Illustration [...stra-
'tsjo.n]. die; -. -en [lat. illüsträtio = Erhellung,
anschauliche Darstellung]: 1. veranschaulichende Bildbeigabe zu
einem Text: farbige, schwarzweiße, interessant gezeichnete
-en; -en zu einer Novelle, zu einem Märchen. 2.
Veranschaulichung, Erläuterung: eine akustische I.; Es ( = das Buch)
ist die beste I. zu dem Alarmruf (= „Rette deine Seele!"),
der den Menschen vorwärtspeitscht (Nigg, Wiederkehr
83); seine Untersuchungen lieferten eine glänzende I. dieses
Tatbestandes; Beispiele zur I. eines Vorgangs anfuhren;
illustrativ [...a'ti.fl <Adj.>: 1. (nicht präd.) als
Illustration [ en] (1) dienefui; mittels Illustration: gewinnt die...
Aquarellmalerei als farbige Belebung von -en Zeichnungen ...
an Bedeutung (Bild. Kunst 3, 13). 2. veranschaulichend,
erläuternd: die Biographie enthält viele -e Notenbeispiele;
sein Referat zu diesem Thema war sehr i.; Illustrator
[...s'tra:tor. auch: ...to.asl. der; -s, -en [...a'to:ran; engl.
Illustrator, frz. illustrateur < spätlat. Illustrator =
Ausschmücker]: Künstler, der einen Text mit Illustrationen (1)
ausgestaltet: ein.bekannter I.; illustrieren [...stitran] <sw.
V.; hat) [frz. illustrer < lat. illustrere = erleuchten,
erläutern, verschönem]: 1. mit Illustrationen (1) ausgestalten;
bebildern: ein Buch, eine Novelle, Witze i.; eine Kunst
für den gebildeten Liebhaber, dem die illustrierende
Darstellung das ihm geläufige Bildungsgut vergegenwärtigt
(Bild. Kunst 3. 11); der Katalog war ausgezeichnet
illustriert; illustrierte Zeitschriften. Zeitungen; Ü Mythologien
werden als in sich geschlossene Darstellungen, als
illustrierte (bildlich dargestellte) antike Erzählungen aufgefaßt
(Bild. Kunst 3, 12). 2. veranschaulichen, verdeutlichen: eine
These i.; etw. mit einem Beispiel, durch statistisches
Material i.; Diese... Tatsache läßt sich ganz gut an der
Entwicklung der modernen Malerei i. (Gehlen, Zeitalter 29). 3.
(Kochk.) garnieren: Die Vorspeise ... wird mit
Zitronenspalten. Tomaten- und Eischeiben. mit Krauspetersilie und
dergleichen reich illustriert (Hörn, Gäste 70); <subst. 2.
Part.:) Illustrierte, die; -n, -n (zwei Illustrierte, auch: -n):
periodisch erscheinende Zeitschrift, die überwiegend
Bildberichte u. Reportagen aus dem Zeitgeschehen,
Fortsetzungsromane u.a. veröffentlicht: sie liest nur I.; die Geschichte,
der Fall ist sogar durch die -n gegangen; Ilhistriening,
die; -. -en: das Illustrieren (1-3).
illuvial [ilu'vjta:!] <Adj.; o. Steig.) [zu lat. illuvies =
Überschwemmung] (Geol.): den Illuvialhorizont betreffend; lllu-
viglhorizont, der; -[e]s (Geol.): Bodenschicht, in der
bestimmte Stoffe aus einer anderen Schicht ausgeschieden werden.
Iltyrbt [ily'nst], der; -en. -en [nach dem Namen der röm.
Provinz Illyrien an der heutigen jugoslaw. Küste]:
Wissenschaftler auf dem Gebiet der lllyristik; Myrjstik, die; -:
Wissenschaft, die sich mit den illyrischen Sprachresten im
europäischen Namensgut befaßt.
Itoenit [ilme'ni:t. auch: ...mt], der; -s. -e [nach den Ilmeni-
schen Bergen im südlichen Ural]: schwarzes bis
schwarzbraunes, metallisch glänzendes Titanerz.
Iltis ['litis], der; -ses. -se [mhd. iltis, eltes. ahd. illi(n)tiso,
dunkle Zus. vermutlich mit dem Grundwort germ. wis(j)o
= Wiesel u. dem Best. ahd. elo = gelbbraun od. ahd.
ellenti = fremd]: 1. (zur Familie der Marder gehörendes)
kleines Raubtier mit gedrungenem Körper u. langem
Schwanz. 2. zu Pelz verarbeitete Iltisfelle: eine Pelzjacke
aus I.; sie trägt einen I.
im [im] <Präp. in + Art. dem) [mhd. im(e), imme]: 1.
(auflösbar) in vielen Verbindungen; vgl. lin (1-3). 2. (nicht
auflösbar) a) (bei geogr. Namen): Freiburg im Breisgau;
Schönberg im Stubaital; im Spessart; b) (bei Zeitangaben):
im Oktober; im Frühling; im Jahre 1648; c) (in festen
Verbindungen u. Wendungen): im Grunde; im Gegenteil;
im Bau sein; im Original; im Laufschritt; im Takt singen;
im Nu; im Rahmen des/der...; im Stich lassen; im Vergleich
zu; im Vertrauen auf. 3. <im + subst. Inf.) zur Angabe
eines Verlaufs: im Vorübergehen; im Laufen rief er ...
im-. Im-[im-]: T in-. In-.
Image ['onitf, engl.: imidsh das; -[s], -s ['imikf(s), engl.:
imid3iz; engl. Image < frz. image = Bild < lat. imägo]:
Vorstellutig. Bild, das ein einzelner od. eine Gruppe von
einer anderen Einzelperson, Gruppe od. Sache hat;
[idealisiertes] Bild von jmdm., etw. in der öffentlichen Meinung:
das I. der berufstätigen Frau; sein I. ist angeschlagen;
ein gutes I. haben; sein I. pflegen; er möchte sein schlechtes
I. durch diese Tat etwas aufpolieren; Andere lassen von
namhaften Psychologen die „Images" ihrer Produkte
ermitteln (Muttersprache 12. 1966. 369); das dient seinem
I.; <Zus.:> Imageorthikon I'imitJ-]. das; -s. -e u. -s [engl,
image orthicon. zusgez. aus: image. griech. orthös =
aufrecht, gerade u. -ikon = kurz für t Ikonoskop]: speichernde
Fernsehaufnahmeröhre; Imagepflege, die <o. PI.): das
Bemühen um ein günstiges Bild von sich in der Öffentlichkeit:
I. treiben; imaginabel[imagi'na:bl] <Adj.; ...bler. -ste) [engl,
imaginable < frz. imaginable < lat. imäginäbilis = in
der Einbildung bestehend] (selten): vorstellbar, denkbar,
erdenklich: ...ble Veränderungen; imaginal I...'na:l] <Adj.;
o. Steig.) [zu TImago 2] (Biol.): das fertig ausgebildete
Insekt betreffend; Iraaginglstadiiim, das; -s (Biol.):
Emistadium der Metamorpliose von Insekten: imaginär [...'ne:?l
<AdJ.; o. Steig.; nicht adv.) [frz. imaginaire < lat. imäglnä-
rius = bildhaft, nur in der Einbildung bestehend]
(bildungsspr.): nur in der Vorstellung vorhanden, nicht wirklich,
nicht real: ein -er Himmel; kunstvoll ausgedachte Dialoge
mit -en Vorgesetzten führen (Böll, Adam 27); die
Schwierigkeiten sind nur L; -e Einheit (Math.; die durch eine
positive od. negative Zahl nicht darstellbare Wurzel aus
-I; Zeichen: i); -e Zahlen (Math.; Vielfache der Wurzel
aus - J): Imagination [imagina'{$io:n], die; -. -en [frz.
Imagination < lat. imäginätio] (bildungsspr.): Phantasie,
Einbildungskraft, bildhaftes Denken: das erfordert I.; Das
gesunde Hirn hat eine angeborene I. auch für die Tatsachen,
die es nicht beweisen kann (Maass. Gouffe 102); imaginativ
[...'ti:fl <Adj.; o. Steig.) [frz. imaginatifl (bildungsspr.):
auf Imagination beruhend; vorgestellt: das -e Element im
Jazz; imaginfcren <sw. V.; hat) [frz. imaginer < lat. imagi-
näri] (bildungsspr.): sich vorstellen, einbilden: den früheren
Zustand i.; dann imaginierdir. wie das ist. wenn...
(Tucholsky. Werke I. 315): Imagismus, der; - [engl.-amerik. ima-
gism]: amerik. literar. Bewegung des frühen 20.Jh.s, die
Knappheit des Ausdrucks (ohne rhetorisches Beiwerk) u.
Genauigkeit des dichterischen Bildes anstrebte; Imagjst, der;
-en. -en [engl.-amerik. imagist]: Vertreter des Imagismus;
imagistisch <Adj.) [engl.-amerik. imagistic]: den Imagismus
betreffend, zum Imagismus gehörend: -e Lyrik; i. dichten;
Imago [i'ma:go], die; -. ...gines [...gine:s; lat. imägo =
Bild]: 1. (Psych.) im Unterbewußtsein vorhandenes
[Idealbild einer anderen Person der sozialen Umwelt (z. B. Vater
od. Mutter). 2. (Biol.) fertig ausgebildetes, geschlechtsreifes
Insekt nach der letzten Häutung. 3. wächserne Totenmaske
von Vorfahren, die im Atrium altrömischer Häuser
aufgestellt wurde.
Imam [i'ma:m], der; -s. -s u. -e [arab. imäm, eigtl. =
Vorsteher]: l.a) Vorbeter in der Moschee; b) <o. PI.) Titel
für verdiente Gelehrte des Islams. 2. Prophet u. religiöses
Oberhaupt der Schiiten [als Nachkotnme Mohammeds}.
3. (hist.) [Titelder] Herrscher von Jemen; Imamiten [ima-
'mi:tn] <P1.) [zu T Imam 2]: am weitesten verbreitete Gruppe
der Schiiten.
Iman [i'ma.n], das; -s [arab. imän]: der religiöse Glaube
im Islam.
imbezil[rnibetßi:l],imbezill[imbe'ißil]<Adj.;o. Steig.; nicht
adv.) [frz. im beeile < lat. imbecillus = (geistig) schwach,
gebrechlich] (Med.): mittelgradig schwachsinnig; <Abl.:>
Imbezillität [...$ili'te:t], die; - [frz. imbecillite < lat. im-
becillitäs] (Med.): Schwachsinn mittleren Grades.
imbibieren [imbi'bi:ran] <sw. V.; hat) [zu lat. imbibere =
einsaugen] (Bot.): (von Pflanzenteilen) Quellen; Imbibition
1318
Immensurabilität
[...bi't$io:n]. die; -, -en: 1. (Bot.) Quellen von Pflanzenteilen
(z. B. Samen). 2. (Geol.) Durchtränken von Gesteinen mit
niagmatischen Gasen od. wäßrigen Lösungen.
Imbiß ['imbisj. der; ...isses. ...isse [mhd.. ahd. in-. imbi3;
zu mhd. enbwn, ahd. enblsan = essend od. trinkend
genießen]: l. kleine, meist kalte l Zwischen Jma/ilzeit.
nebenbei [im Stehen! gegessene Appetithappen u.a.: einen I.
[einlnehmen. reichen. 2. kurz für Imbißlokal: Wir trinken
eine Cola im I. (Hornschuh. Ich bin 47).
Imbiß-: -bar, die: kleineres Lokal, in dem ein kleiner Imbiß
eingenonvnen werden kann: -bude, die (ugs.); -halle, die;
-lokal, das; -räum, der; -stand, der; -stube, die: vgl.
-bar; -zeit, das: als einfache Gaststätte eingerichtetes Zelt
(auf einem Jahrmarkt. Ausstellungsgelände o.a.).
lmbroglio[im'broljo], das; -s. ...gli [...Iji] u. -s [ital. imbroglio
= Verwirrung] (Musik): rhythmische Verwirrung durch
gleichzeitiges Erklingen verschiedener Taktarten in
mehreren Stimmen.
Imid [i'mi:t], Imin [i'mi.n], das; -s. -e [Kunstwort] (Chemie):
Verbindung, die eine zweiwertige Stickstoff Wasserstoff-
Gruppe (NH-Gruppe) enthält.
...imitat, Imitat... [imi'ta.t...; zu T Imitation] (Grund- od.
Bestimmungswort von Zus. mit der Bed.>: Imitation (z. B.
Kamelhaarimitat. Leinenimitat. Imitatpelzmantel); Imita-
tio Christi [imi'ta:tßj[o knsti], die; - - [lat. = Nachahmung
Christi. Titel eines lat. Erbauungsbuches des 14.Jh.s]
(christl. Rel.): christliches Leben im Gehorsam gegen das
Evangelium. Nachfolge Christi (als Lebensideal bes. in
religiösen Gemeinschaften des 14. u. 15. Jh.s): Imitation [imita-
tßio:n], die; -. -en [lat. imitätio = Nachahmung]: l.a)
(bildungsspr.) das Nachahmen. Nachahmung: die I. von
Vogelstimmen; durch I. lernen; b) [minderwertige]
Nachahmung eines wertvolleren Materials od. Kunstgegenstandes:
diese Brillanten sind I.; diese I. läßt sich kaum von echtem
Nerz unterscheiden. 2. (Musik) Wiederholung eines Themas
durch eine andere Stimme in der gleichen od. einer anderen
Tonlage (bei Kanon. Fuge u.a.): <Abl.:> imitativ [...'ti:fl
<Adj.; o. Steig.) (bildungsspr.): auf Imitation beruhend,
nachahmend: -es Erlernen einer Fremdsprache; Imitativ
[-]. das; -s. -e [...i:va] (Sprachw.): Verb des Nachahmens
(z. B. büffeln = arbeiten wie ein Büffel); Imitator [imi-
'ta:tDr. auch: ...to:^]. der; -s. -en [...ta'to:ran; lat. Imitator]:
jmd.. der etw. (Vogelstimmen. Instrumente o. ä.) nachahmt:
Nachahmer: als I. im Kabarett auftreten; imitatorisch [...ta-
to:riJ] <Adj.; o. Steig.) (bildungsspr.): nachahmend: Das
nicht organisch Gewachsene, i. Erzwungene der Struktur
(Deschner. Talente 27); imitieren [imi'ti:ren] <sw. V.; hat)
[lat. imitäri]: 1. nachahmen, nachmachen: nachbilden:
Vogelstimmen, den Gang, die Bewegungen eines anderen i.;
er hat seinen Lehrer imitiert; imitiertes Leder; imitierter
(unechter) Schmuck; Ein Wohnzimmer ... dunkelfarbig
und ein wenig plump. Elche imitiert (Kirst. 08/15. 174).
2. (Musik) (ein Thema in einer anderen Stimme)
wiederholen.
Imker funke], der; -s, - [aus dem Niederd. < niederl.
imker; eigtl. = Zus. aus t Imme u. mniederd. kar = Korb.
Gefäß]: jmd., der Bienen (zur Gewinnung von Honig) hält,
sie fachmännisch züchtet u. betreut (Berufsbez.); <Abl.:>
Imkerei [...ka'raj], die; -. -en: 1. <o. PI.) Bienenhaltung.
Bienenzucht: er befaßt sich in seiner Freizeit mit I. 2.
Betrieb der Bienenhaltung u. Honigbereitung: eine I. in
der Heide; jmkern <sw. V.; hat): Imkerei (1) betreiben.
Immaculata [imaku'la:ta]. die; - [lat. Immaculata = die
Unbefleckte, d.h. die unbefleckt Empfangene, vgl.
Empfängnis] (kath. Kirche): Beiname Marias: Immaculata con-
ceptio [- kan'tßeptßio]. die; - - [lat. conceptio = Empfängnis]
(kath. Kirche): die unbefleckte Empfängnis Marias (d. h.
ihre Bewahrung vor der Erbsünde im Augenblick der
Empfängnis durch ihre Mutter Anna).
immanent [ima'nent] <Adj.; o. Steig.) [lat. immanens (Gen.:
immanentis). 1. Part, von: immanere. Timmanieren]: a)
(bildungsspr.) innewohnend, in etw. enthalten: die -e
Rechtfertigung; -e Gegensätzlichkeiten; Ein Tabu wurde
angerührt: politisch inaktuell, aber in Millionen von Köpfen
und Herzen i. (Welt 22. 2. 64. 14); ist die Geltung aller
Grundrechte i. begrenzt durch elementare Erfordernisse
des... Zusammenlebens (Fraenkel. Staat 127); * einer Sache
i. sein (innewohnen: zum Wesen einer Sache gehören): die
dem Kapitalismus -en Krisentendenzen (Stamokap 38);
b) (Philos.) die Grenzen möglicher Erfahrung nicht
übersteigend, innerhalb dieser Grenzen liegend, bleibend: den Bereich
des menschlichen Bewußtseins nicht überschreitend (Ggs.:
transzendent); Immanenz [...nentß], die; -: 1. (bildungsspr.)
das Innewohnen, Enthaltensein: der Pantheismus spricht
von einer I. Gottes in allen Dingen. 2. (Philos.) das
Verbleiben in einem vorgegebenen Bereich, ohne Überschreitung
der Grenzen: <Zus.:> Immanpizphilosophie, die; -: Richtung
der Philosophie, die auf der Grundthese beruht. Wirkliches
gebe es nur als Inhalt des Bewußtseins: immanieren
[...'ni:ren] <sw. V.; hat) [lat. immanere = bei etw. bleiben,
anhaften]: innewohnen, enthalten sein.
Immaterialgüterrecht [imateria:l-]. das; -[e]s. -e [t
immateriell] (Jur.): Recht, das jmdm. an seinen geistigen Gütern
zusteht. z.B. Urheberrecht, Patentrecht: Immaterialismus
[...rjp'lismus]. der; - (Philos.): Lehre, die die Materie als
selbständige Substanz leugnet u. dagegen ein
geistig-seelisches Bewußtsein setzt; Immaterialität [...li'te:t, auch: '
). die; - [frz. immaterialite] (bildungsspr.):
unkörperliche Beschaffenheit, stoffloses Dasein; immateriell [imate-
'i}e1]. auch: ' ] <Adj.; o. Steig.; [frz. immateriel <
spät lat. immaterialis] (bildungsspr.): unstofflich,
unkörperlich; geistig (Ggs.: materiell): -e Bedürfnisse; Materielle
Ausbeutung muß hinter der immateriellen Deckung suchen
(Enzensberger. Einzelheiten 1.14); dieses Kunstwerk wirkt
seltsam i.; ein -er Schaden (jur.; Schaden, der jmdm. an
seiner Gesundheit. Ehre, Freiheit o. ä. zugefügt wird).
Immatrikulation [imatrikula'tßio:n]. die; -. -en [nach frz.
immatriculation. zu T immatrikulieren]: I. Einschreibung
an einer Hochschule. Eintragung in die Matrikel (Ggs.:
Exmatrikulation): die I. vornehmen. 2. (Schweiz.) amtl.
Zulassung eines Kraftfahrzeugs; (Zus.:)
Immatrikulationsfrist, die: Frist für die Immatrikulation (1);
Immatrikulationsgebühr, die (früher): Verwaltungsgebühr für die
Immatrikulation (1) an einer Hochschule; Einschreibt e]gebühr;
immatrikulieren [...'li:ran] <sw. V.; hat) [mlat. immatricula-
re; zu lat. in- = hinein u. lat. mätricula. t Matrikel]: 1.
(Ggs.: exmatrikulieren) a) in die Matrikel einer Hochschule
aufnehmen: die hiesige Universität immatrikuliert in diesem
Wintersemester dreihundert neue Studenten; er hat sich
für Volkswirtschaft i. lassen; b) <i. + sich) seine endgültige
Anmeldung im Sekretariat einer Universität [nach einer
vorher erhaltenen Zulassung] abgeben: ich habe mich
gestern endgültig immatrikuliert; (selten ohne sich:) ... stand
er vor der Entscheidung, an welcher Fakultät er i. sollte
(Ziegler. Labyrinth 188). 2. (schweiz.) (ein Motorfahrzeug)
anmelden: dies Fahrzeug ist im Kanton Uri immatrikuliert;
<Abl.:> Immatrikulfcrung, die; -. -en: a) das
Immatrikulieren; b) das Immatrikuliertwerden.
immatur [ima'tu.'g] <Adj.; o. Steig.) [lat. immätürus] (Med.):
(von Frühgeborenen) unreif, nicht voll entwickelt.
Imme firna], die; -. -n [mhd. imme. imbe. impe =
Bienenschwarm. Bienenstand, ahd. imbi = (Bienen)schwarm;
die Bed. ..Biene" hat sich erst in spätmhd. Zeit aus dem
kollektiven Sinn entwickelt] (landsch. veraltend, dichter.):
Biene: -n summen in der Heide.
immediatlime'dia.'t] <Adj.; o. Steig.) [(spät)lat. immediätus]:
unmittelbar (ohne Zwischenschaltung einer anderen Instanz)
[dem Staatsoberhaupt unterstellend] (veraltend): eine -e
Behörde; etwas i. beim Präsidenten vortragen.
Immedigt- (Jur.. Amtsspr.): -beridit, der: direkte
Berichterstattung an das Staatsoberhaupt; --eingäbe, die, -gesuch,
das: an das Staatsoberhaupt gerichtetes Schriftstück,
Gesuch; -vortragsrecht, das: das Recht eines Ministers, dem
Staatsoberhaupt direkt Vortrag zu halten.
hnmediatisieren [imediati'zi:ren] <sw. V.; hat) [zu t immediat
mit französierender Endung geb.] (hist.): reichsunmittelbar
machen: eine immediatisierte Herrschaft.
immens [i'mens] <Adj.; -er. -este) [wohl nach frz. immense
< lat. immensus; zu tin-. In- u. lat. metlri = messen]:
in Staunen. Bewunderung erregender Weise groß o. ä.;
unermeßlich, unendlich [groß]: eine -e Kraft. Leistung; -e
Kosten; (oft ugs. übertreibend:) er hat -es Glück gehabt;
sein Wissen ist i.; da muß ich aber i. (sehr) aufpassen!;
<Abl.:> Immensität [imenzi'tEit]. die; - (veraltet):
Unermeßlichkeit, Unendlichkeit.
Immenschauer, der; -s. - (nordd.), fmmenstock, der; -[e]s,
...stocke: svw. tBienenstock.
inimensurabel dmenzu'ra:b)] <AdJ.; o. Steig.) [spätlat. im-
mensüräbilis] (bildungsspr.): unmeßbar; <Abl.:> Immen-
surabilität[...rabilit€:t].die; -(bildungsspr.): Unmeßbarkeit.
1319
immer
immer [mre] <Adv.> Imhd. immer, iemer. ahd. iomer; urspr.
= Zus. von ? 'je u. f mehr]: l.a) sich häufig wiederholend,
sehr oft; gleichbleibend, andauernd, ständig, stets: das
Wetter war i. schön; sie blieb i. freundlich; i. neue
Zugeständnisse machen; es ist i. dasselbe; Immer der Nebel! Immer
der Dreck! Immer der kalte Regen oder der feuchte Schnee!
(K. Mann. Wendepunkt 419); i. und überall; i. und i.;
ich habe es i. wieder versucht, aber es nützte nichts: mach
es wie U; so war es schon i.; ich habe es schon i. gewußt
(mir war das nicht neu. unbekannt); das ist für i. (in
alle Zukunft) vorbei; sie ist nicht i. (tnanchmal nicht)/
i. nicht ([fast] nie) anzutreffen; lebe wohl auf i. (für alle
Zeit); i. der Deine! (veraltete Grußformel in Briefen);
b) jedesmal; i. wenn wir ausgehen wollen, regnet es; wenn
man ihn mahnt, findet er i. eine Ausrede; er mußte 1.
wieder von vom anfangen; nicht i. ist der kürzeste Weg
auch der schnellste; er ist i. der Dumme (ugs.; hat jedesmal
den Schaden); i. ich! (ugs.; jedesmal soll ich schuld sein,
muß ich die Arbeit machen o.a.). 2. <i. + Komp.) nach
m. nach, in ständiger Steigerung: es wird i. dunkler draußen;
i. mehr Besucher kamen; die Reichen werden i. reicher
und die Armen i. ärmer; herrliche Stücke sind hier
ausgestellt, eins ist i. schöner als das andere! 3. (ugs.) jeweils:
sie lagen i. zu dritt in einem Zimmer; i. zwei und zwei
nebeneinander aufstellen!; er nahm i. zwei Treppenstufen
auf einmal. 4. <Interrogativpron. + i. [-1- auch])
(verallgemeinernd) auch: wir werden helfen, wo i. es nötig ist:
was i. er (was er auch) gesagt haben mag. es war gewiß
nicht böse gemeint; Herr, wer du auch i. seist (Thielicke.
Ich glaube 32); die Anarchie, zu welchem Zweck L. stieß
durch und zeigte ihr scheußliches ... Haupt (A. Zweig.
Grischa 247). 5. (als Gradverstärkung bei Modalsätzen)
nur: er lief, so schnell er i. konnte; du kannst essen, so
viel du i. magst. 6. als Verstärkung von „noch": das Kleid
ist noch i./i. noch modern; hast du i. noch/noch i. nicht
genug?; nimm dich zusammen, es ist doch i. noch
(schließlich, immerhin) dein Vater, der dich darum bittet! 7. (ugs.)
als emotional verstärkende Partikel in Aufforderungs- u.
Fragesätzen: laß ihn nur i. kommen!; geh schon i. voraus,
ich komme nach!; i. langsam voran! (nur nicht so schnell);
i. der Nase nach!; es fehlen noch einige, aber wir sollten
[schon] i. anfangen; laßt uns i. (inzwischen) aufbrechen,
er wird uns schon einholen!; was treibst du denn i.
(eigentlich, überhaupt)?
Immer-, |mmer-: Mlar [-'da:ß] <Adv.> (geh.): immer, künftig,
jederzeit: jetzt und i.; daß der Schritt in die Freiheit ...
i. ein ungeheurer Schritt ist (Frisch. Stiller 234); -fyrt
<Adv.>: ständig, fortdauernd: immer wieder: Jmdn. i.
anstarren; eine offene, i. ihre eigenen Traditionen zerbrechende,
nach vorwärts stürmende Gesellschaft (Gehlen, Zeitalter
115); -grün <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: (von Pflanzen)
das ganze Jahr über grün: -er Regenwald; <subst.:> -grün,
das: ein in sechs Arten vorkommendes Kraut od. Halbstrauch
mit gegenständigen, lederartigen Blättern u. einzelnen
blauen, roten od. weißen Blüten; ~*hjn <Adv.>: a) (einschränkend,
aber doch mit einer gewissen Anerkennung) wenigstens,
zumindest jedenfalls: er hat sich i. Mühe gegeben; das
ist i. beachtlich; Wahrlich, eine üble Zeit, betrachtet man
sie aus einer i. besseren (Fries, Weg 84); b) (einräumend)
freilich, ungeachtet dessen, allerdings, trotz allem: die
Aussichten sind schlecht - versuchen wir es i.!; er hat Bedenken
gehabt, aber i. zugestimmt; i.. es geht auch so!; c) (auf
einen zu beachtenden [Nebenlumstand hinweisend)
schließlich, jedenfalls: in diesem Ton kannst du nicht zu ihm
sprechen, er ist i. dein Vater; I. habe ich dir das Leben
gerettet (Remaraue. Obelisk 320); der Marsch ging i. über
dreißig Kilometer; d) <i. + mögen) (geh.) [wenn] auch:
mag es i. spät werden, ich komme auf alle Fälle; Magst
du i. rennen! Die Straße ist lang, du erreichst ihr Ende
nicht (K. Mann, Wendepunkt 270); -während <Adj.; o.
Steig.; nicht präd.): dauernd, anlialtend. fortwährend: -e
Dunkelheit; eine -e Abwehrstellung gegen eine Welt von
Feinden (Koeppen, Rußland 79); der -e (ständig gültige,
für alle Jahre ablesbare) Kalender; i. reden; das ist ihr
i. im Gedächtnis geblieben; ^zu <Adv.> (ugs.): immerfort,
dauernd, ständig [sich wiederholend]: die Leitung ist i.
besetzt; wenn er bloß nicht i. an Lila denken würde (Frisch.
Gantenbein 368).
Immersion [tmerzio:n], die: -. -cn [spätlat. immersio =
Eintauchung]: 1. (Physik) Einbetten eines Objekts in eine
bestimmte Flüssigkeit mit besonderen lichtbrechenden
Eigenschaften (zur Untersuchung von Kristallformen u. in der
Mikroskopie). 2. (Astron.) Eintritt eines Himmelskörpers
(Mondes) in den Schatten eines andern. 3. (Geol.)
Überflutung eines Landgebietes durch das Meer. 4. svw. t Dauerbad;
<Zus.:> Immersionstaufe, die; -. -n: ältere, von den Baptisten
noch geübte Form der christlichen Taufe, bei der der Täufling
untergetaucht wird.
Immigrant [imi'grant]. der: -en. -en [lat. immigräns (Gen.:
immigrantis). I. Part, von: immigräre. t immigrieren]: jmd.,
der [aus wirtschaftlichen, politischen od. religiösen Gründen]
in ein anderes Land od. eine andere Stadt zieht; Einwanderer
(Ggs.: Emigrant): er kam als I. nach Australien; Fünfzig
Prozent der Bevölkerung in der Achtmillionenstadt sind
-en, und die Zuwanderung ... hält an (Hörzu 35. 1974.
48); Immigration [...a't$io:n], die; -. -en: Einwanderung
(Ggs.: Emigration); immigrieren <sw. V.; ist) [lat.
immigräre = hineingehen, einziehen]: einwandern (Ggs.:
emigrieren).
imminent [imi'nent] <Adj.; -er. -este) [frz. imminent < lat.
imminens (Gen.: imminentis), 1. Part, von: imminere =
nahe bevorstehen, drohen] (veraltend): (von etw.
Schlimmem) drohend, nahe bevorstehend: eine -e Gefahr.
Immission [imi'sio:n], die; -. -en [lat. immissio = das
Hineinlassen]: 1. (Fachspr.) das Einwirken von
Luftverunreinigungen, Schadstoffen, Lärm, Strahlen u. ä. auf Menschen, Tiere
u. Pflanzen: die Bevölkerung muß vor -en geschützt
werden. 2. (veraltet) Einsetzung, Einweisung in ein Amt; <Zus.
zu 1:> Immissionsschutz, der: [gesetzlich festgelegter]
Schutz vor Immissionen, Umweltschutz.
immobil ['imobi:l. auch: --'-] <AdJ.> [lat. immöbilis]: 1.
(bildungsspr.) unbeweglich: bei dieser Entfernung ist man
ohne Auto zu L; Ü Bestandteil der -en, wahre
gesellschaftliche Verhältnisse verschleiernden Gesellschaft (MM 8.
2. 69. 45). 2. (von Truppen) nicht für den Krieg bestimmt
od. ausgerüstet, nicht kriegsbereit.
Immobiliar- [imobi'Ua:^-; geb. zu t Mobiliar]: ^kredit, der:
durch Grundbesitz abgesicherter Kredit; -vermögen, das:
Grundbesitz; ^Versicherung, die: Gebäudeversicherung.
Immobilie [imo'bi.ij?]. die; -. -n (meist PI.) [nach lat.
immobilia (bona) = unbewegliches (Gut)]: Grundstück,
Gebäude, Liegenschaft; unbeweglicher Besitz: -n besitzen;
...eine 16000 Quadratmeter große I. bei Lugano (Spiegel
6. 1976, 76); er hat sein Geld in -n angelegt; vgl. Mobi-
lien (2); <Zus.:> Immobilienhandel, der: Handel mit
Immobilien: durch I. reich werden; Immobilienhfindler, der;
Immobilisation [...biliza'tßlo.n], die; -. -en [zu timmobil]
(Med.): a) Ruhigstellen von Gliedern od. Gelenken; b)
Verlust der Beweglichkeit [in bezug auf einen Körperteil]: nach
dem Schlaganfall ist eine I. der rechten Körperhälfte
eingetreten; immobilisieren [...zi:ren] <sw. V.; hat) (Med.): (ein
Glied od. Gelenk) ruhigstellen: das Bein mit einer Schiene
i.; Ü die Eisenhower-Administration wie auch die Kennedy-
Regierung haben sich ... von Bonn führen und manchmal
sehr gegen ihren Willen „i." lassen (Dönhoff, Ära 64);
<AbI.:> Immobilisierung, die; -. -en: vgl. Immobilisation;
Immobilismus [mnobilismos]. der; - (bildungsspr.): Unbe-
weglichkeit [als geistige Haltung]; aufhören, sich
gegenseitig des Dogmatismus, des I. oder etwa geistlicher und
intellektueller Arroganz zu bezichtigen (MM 8. 2. 69, 45);
Immobilität [...ili'te:t], die;- [frz. immobilite < lat. immöbi-
litäs]: Zustand der Unbeweglichkeit, bes. bei Truppen.
immoralisch ['imora:Uf, auch: —'—] <Adj.) [nlat. immora-
lis. zu tin-. In- u. t moralisch] (bildungsspr.): umnoralisch,
unsittlich: i. handeln; <Abl.:) ImmoraHsmus [imora'lismus],
der; - (bildungsspr.): Haltung der bewußten Ablehnung
überlieferter moralischer Grundsätze; Immoraljst, der; -en. -en
(bildungsspr.): Vertreter des Immoralismus; Immoralität
[...li'te.t]. die; - (bildungsspr.): a) Unmoral, Unsittlichkeit:
er lehnte das Theaterstück wegen seiner I. ab; b)
Gleichgültigkeit gegenüber moralischen Grundsätzen.
Immortalität [rniDrtalit£:t], die; - [lat. immortälitäs]
(bildungsspr.): Unsterblichkeit; Immortelle l...'teh], die; -, -n
[frz. immortelle, eigtl. = Unsterbliche]: eine Sommerblume,
Korbblütler mit buntem, strohartig trockenem u. fast
unbegrenzt haltbarem Blütenkopf
immun h'mu:n] <AdJ.; nicht adv.) [lat. immünis = frei;
unberührt, rein; eigtl. = frei von Leistungen]: l.a) <o.
Steig.) (Med.) für [bestimmte] Krankheiten unempfänglich,
gegen Ansteckung gefeit: wer einmal Masern gehabt hat.
1320
Imperial
ist zeitlebens dagegen i.; b) nicht zu beeinflussen, innerlich
gefeit, unempfindlich: Er ist i. gegen Hysterie und Hektik
(Deschner. Talente 183); in dem Bemühen, diese Länder
i. gegen den Kommunismus zu machen (Dönhoff, Ära
165). 2. <o. Steig.) (jur.) vor Strafverfolgung geschützt (als
Angehöriger des diplomatischen Korps od. als
Parlamentarier): der Abgeordnete ist i.; Ü der Staat, dieser -e Betrüger,
der selbst Billionen unterschlägt, ... würde schon einen
Kniff finden, sie ( = die Tausendmarkscheine) nicht
auszuzahlen (Remarque. Obelisk 88).
immun-. Immun-: ^biologie, die: Zweig der Biologie, der
sicli mit den Fragen ererbter od. erworbener Immunität,
mit Abwehrreaktionen bei Organtransplantationen u.a.
beschäftigt, dazu: ^biologisch <Adj.; o. Steig.): die
Immunbiologie betreffend, darauf beruhend: eine -e Abwehrreaktion;
-chemie, die: Zweig der physiologischen Chemie, der sich
mit Fragen der Immunität beschäftigt: -genetisch <Adj.;
o. Steig.) (Med.): die Entstehung einer Immunität (1)
betreffend: -körper, der: svw. T Antikörper; -serum, das (Med.):
Immunkörper enthaltender Impfstoff.
immunisieren [mmini'zi:ren] <sw. V.; hat): (gegen Bakterien
u. ä.) unempfindlich machen: der Körper... wird mit Misch-
impfstoflen aktiv (indem er selbst zur Bildung von
Antikörpern angeregt wird) immunisiert (Medizin II. 312); <Abl.:>
Immunisierung, die; -. -en: das Immunisieren: bei der
passiven I. werden fertige Antikörper eingeimpft; Immunität
[...i'te:t]. die; -. -en <P1. selten): 1. (angeborene od. durch
Impfung erworbene) Unempfanglichkeit für
Krankheitserreger od. deren Gifte: Widerstandskraft: eine einmal überstan-
dene Krankheit verleiht oft langjährige I. gegen neue
Ansteckung mit dem gleichen Keim. 2. a) verfassungsrechtlich
garantierter Schutz vor Strafverfolgung (für Bundes- u.
Landtagsabgeordnete): den Schutz der I. genießen; mit
bestimmten Vorrechten und -en ausgestattet (Fraenkel.
Staat 273); b) völkerrechtlich garantierter Schutz von
Diplomaten vor den Behörden des Gastlandes: Exterritorialität:
<Zus.:> Immunitätsforschung, die: auf die Immunität (1)
gerichtetes Forschungsgebiet der Biologie u. Medizin:
Immunkörper, der; -s. -: svw. f Antikörper; immunogene-
tisch: T immungenetisch; Immunologe, der; -n, -n [t-loge]:
Wissenschaftler auf dem Gebiet der Immunologie:
Immunologie, die; - [t -logie]: svw. t Immunitätsforschung;
immunologisch <AdJ.; o. Steig.): a) die Immunologie betreffend:
b) die Immunität (1) betreffend: Immunosuppression: f
Immunsuppression; immunosuppressiv: t immunsuppressiv;
Immunsuppression, die; -. -en (Med.): Unterdrückung einer
immunologischen (b) Reaktion (z. B. bei
Transplantationen); immunsuppressiv <Adj.; o. Steig.) (Med.): eine
immunologische (b) Reaktion unterdrückend (z. B. in bezug auf
Arzneimittel).
Imp [mrip]. der; -s, - [mhd. imp. t Immel (bayr., östcrr.
mundartl.): Biene.
Impact [impEktl. der; -s. -s [engl, impact = Wirkung,
Einfluß, t Impakt]: 1. (Werbespr.) Stärke der von einer
Werbemaßnahme ausgehenden Wirkung. 2. (Golf) Moment, in
dem der Schläger den Ball trifft.
impair [S'pe:?] <Adj.; o. Steig.; meist präd.) [frz. impair
< mfrz. impar < lat. impär]: (von den Zahlen beim
Roulett) ungerade (Ggs.: pair).
Impakt [impakt], der;-s,-e [engl, impact = Auf-, Einschlag,
zu: to Impact = zusammendrücken, -pressen < lat. impac-
tus = 2. Part, von: impingere = (gegen etw.) schlagen,
stoßen, werfen] (Fachspr.): Meteoriteneinschlag: impaktiert
[...ti:?t] <Adj.; o. Steig.) [zu lat. impactus. t Impakt] (Med.):
eingeklemmt, eingekeilt (z. B. von Zähnen od. von
festsitzenden Steinen in den Gallenwegen); Impaktit [impak'ti.t.
auch: ...tit], der; -s. -e (Fachspr.): Glasbildimg. die mit
einem Meteoriteneinschlag in Beziehung steht.
Impab [im'pa:la]. die; -. -s [aus einer südafrik. Eingebore-
nenspr.]: in den Steppen Afrikas heimische, ziemlich kleine,
sehr schnellfüßige Antilope mit braunem Rücken, weißer
Unterseite u. schwarzer Zeichnung auf den Fersen:
Schwarzfersenantilope.
Imparität [impari'te:t]. die; - [frz. imparitä. zu: impair. t
impair] (veraltend): Ungleichheit.
Impasse K'pas], die; -, -s [2'pas; frz. impasse, zu: passer,
t passieren] (bildungsspr. veraltet): Ausweglosigkeit. Sack-
gasse: einen Ausweg aus der I. suchen.
impastieren [impas'tirran] <sw. V.; hat) [ital. impastare,
urspr. = eine Farbe in bestimmter Zusammensetzung
herstellen] (Malerei): Farbe [mit dem SpachtelJ dick auftragen:
Impasto [rni'pasto], das; -s, -s u. ...sti [ital. impasto, eigtl.
= das Kneten] (Malerei): dicker Farbauftrag.
Impatiens[inVpa:&i€ns],die; - [lat. impatiens = ungeduldig,
empfindlich; wegen der bei der geringsten Berührung auf-
od. wegspringenden Früchte]: Garten- u. Topfblume, deren
Samen bei Berührung der Fruchtkapsel weit fortgeschleudert
werden: Springkraut. Balsamine.
Impeachment [im'pi.tfmant], das; -[s], -s [engl.-amerik. im-
peachment. zu: to impeach = anklagen < frz. empecher
= (ver)hindem < spätlat. impedicäre = verstricken,
fangen]: (in England, in den USA) gegen einen hohen
Staatsbeamten (vom Parlament bzw. vom Repräsentantenhaus)
erhobene Anklage wegen Amtsmißbrauchs.
Impedanz [impe'dantß], die; -, -en [zu lat. impedlre =
verstricken, hemmen] (Elektrot.): Scheinwiderstand beim
Wechselstrom: <Zus.:> Impedfnzrelais, das; -, -: svw.
t Distanzrelais; Impediment [...di'ment], das; -[eis. -e [lat.
impedlmentum] (jur. veraltet): rechtliches Hindernis (z. B.
Ehehindemis).
impenetnibei [impenetra.bl] <Adj.; ...bler. -ste) [frz. impe-
nötrable < lat. impeneträbilis] (veraltet): undurchdringlich.
imperativ [impera'ti:fl <Adj.; o. Steig.) [lat. imperätivus]:
befehlend, zwingend, bindend: etw. i. fordern; Imperativ
[' . auch: '-]. der; -s, -e [...i:va; lat. (modus)
imperätivus = Befehl(sform)]: 1. svw. t Befehlsform. 2. sittliches
Gebot, moralische Forderung:... war ... es der gebieterische
I. der auf Eroberung ausgezogenen und zum zweitenmal
... scheiternden Kaste (Plievier. Stalingrad 321); *
kategorischer I. (Philos.; unbedingt gültiges sittliches Gebot: nach
dem dt. Philosophen Kant [1724-1804]; Ggs.:
hypothetischer Imperativ: eine Pflicht beinhaltende Forderung, die
nur unter gewissen Bedingungen gilt); Imperativisch [...'ti:vij,
auch: ' ] <Adj.): 1. <o. Steig.) in der Befehlsform:
ein i. gebrauchtes Verb. 2. befehlend, fordernd: -e
Anordnungen; Man müßte mit Gott einfach sprechen. L. aber
mit einem kleinen Tonumfang, wie zu einem Kind (Fries.
Weg 62); <Zus:> Imperativsatz, der: svw. t Befehlssatz;
Imperator [rmpera:tor, auch: ...to:?]. der; -s. -en [...ra-
'to.ren; lat. imperätor] (hist.): 1. bei den Römern Titel
für den Oberfeldherrn. 2. von Kaisern gebrauchter Titel
zur Bez. ihrer Würde: * I. Rex (Kaiser u. König:
Herrschertitel z. B. für Wilhelm II.); imperatorisch [...rato:nJ] <Adj):
a) <o. Steig.) den Imperator betreffend, vom Imperator
ausgehend: verspricht ihm in -er Laune, die beiden Werke
... drucken zu lassen (Ceram, Götter 116); b) gebieterisch,
keinen Widerspruch duldend: etw. i. befehlen; Imperatrix
[impe'ra.tnksl.die;-. ...trices[...ra'tri:tße:s; lat. imperatrix]:
w. Form zu t Imperator.
Imperfekt [imperfekt]. das; -s. -e [lat. imperfectus =
unvollendet] (Sprachw.): Verbform, die die unabgeschlossene.
..unvollendete'1' Vergangenheit bezeichnet: ..kam44 ist I. von
..kommen"; das I. gebrauchen; eine Erzählung im I.; imper-
fektibel [...ti:bj] <Adj.; o. Steig.) (bildungsspr. veraltet):
unfähig zur Vervollkommnung, unbildsam: Imperfektibilität
[...tibili't£:t],die; - (bildungsspr. veraltet): Unfähigkeit zur
Vervollkommnung. Unbildsamkeit: jmperfektisch [auch:
--'—] <Adj.; o. Steig.) (Sprachw.): das Imperfekt
betreffend, im Imperfekt / gebrauchtJ: eine -e Erzählung;
imperfektiv [imperfekti:f. auch: '-] <Adj.; o. Steig.)
(Sprachw.): 1. svw. t imperfektisch. 2. unvollendet: -e
Aktionsart (Sprachw.; vgl. durative Aktionsart); ..schlafen44
und ..wachen" sind -e Verben; Imperfektum
[Imperfektum], das; -s. ...ta: svw. fImperfekt.
imperforabel [rmperfora:bj] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.)
[spätlat. imperforäbilis = unverwundbar, zu tin-. In- u.
lat. perforäre. t perforieren] (veraltet): undurchbohrbar:
Iniperforation [...ra't9io:n], die; -, -en (Med.): angeborene
Verwachsung einer Körperöffnung: eine I. des Afters.
imperial [impe'ria.l] <AdJ.; o. Steig.) [spätlat. imperiälis]
(bildungsspr.): das Imperium betreffend: herrschaftlich,
kaiserlich: -e Architektur, im frühen Mittelalter verschmelzen
wieder die sakralen und -en Ideen zu einer großartigen
Synthese (Bild. Kunst 3, 28)'; die Gefahr sozialistischer
Rückfälle in -e Kriegspolitik (Zwerenz, Kopf 236);
'Imperial [-], das; -[s]: ein vor Einführung der DIN-Größen übliches
Papierformat: imperial [-], der; -s, -e [russ. imperial, wohl
< poln. imperial < lat. (denärius) imperiälis =
kaiserlichter Denar)]: frühere russische Goldmünze: ^perial [-].
die; - (Druckw. veraltet): Schriftgrad von 9 Cicero: Imperia-
1321
Imperialist
lismus [Imperialismus], der; -. ...men <P1. selten) [frz. im-
perialisme. zu spätlat. imperiälis. t imperial]: 1. a) <o. PI.)
Bestreben einer Großmacht, ihren politischen, militärischen
u. wirtschaftlichen Macht- u. Einflußbereich immer weiter
auszudehnen: der koloniale I.; mit dem
wirtschaftspolitischen Nationalismus entwickelte sich der politische
I. (Fraenkel. Staat 136); b) imperialistische Aktivität,
einzelnes imperialistisches Unternehmen: das Interesse an
Absatzgebieten, die Rivalität zu den anderen ... Imperialismen
(Deutsche Literaturzeitung 1. 1975. 50). 2. <o. PI.) (marx.
Wirtschaftstheorie) zwangsläufig eintretende Endstufe des
Kapitalismus mit konzentrierten Industrie- u.
Bankmonopolen: inzwischen weiß ich über den Monopolkapitalismus
als I. viel besser Bescheid (Johnson. Mutmaßungen 127);
Imperialist, der; -en. -en (verächtl.): Vertreter, Anhänger
des Imperialismus: das Machtstreben der -en;
imperialistisch <Adj.; Steig, ungebr.): dem Imperialismus zugehörig,
vom Machtstreben des Imperialismus geprägt: unter dem
Eindruck der -en Überspitzung des nationalstaatlichen
Egoismus in zwei Weltkriegen (Fraenkel. Staat 212); diese
Politik ist rein i.; i. vorgehen; Imperium [im'pe:riom], das;
-s. ...ien [..-ian; lat. imperium = Oberbefehl. Herrschaft;
(Kaiser)reich]: 1. (hist.) jröm.] Kaiserreich. 2. (bil-
dungsspr.) riesiger Macht-, Herrschaftsbereich: die
kolonialen Imperien der Neuzeit; das sowjetische I. (Dönhoff.
Ära 107); Ü Dieses I. (=des Zeitungsverlegers) ist
geschrumpft (Spiegel 9. 1976. 105); 15 Jahre später ...
beherrschter bereitsein I. von 17 Hotels (Welt 22. 2. 64. 14).
impermeabel [imperme'a:bj. auch:' ] <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.) [spätlat. impermeabilis. zu tin-. In- u. lat.
permeäre = (hin durchgehen] (Med.): undurchlässig,
undurchdringlich: eine impermeable Membran; <Abl.:> Imper-
meabilität [...eabili tc:t]. die; -: Undurchlässigen.
Impersonale [imperzona.b]. das; -s. ...lia u. ...lien l...lpn;
spätlat. (verbum) Impersonale] (Sprachw.): unpersönliches
Verb, das nur in der 3. Pers. Sg. gebraucht wird (z. B.
..es schneit"): fast alle Verben, die Vorgänge der Witterung
beschreiben, sind Impersonalia.
impertinent [rniperti'nent] <AdJ.; -er. -este) [spätlat. imperti-
nens (Gen.: impertinentis) = nicht dazu, nicht zur Sache
gehörig; zu t in-, In- u. lat. pertlnere = sich erstrecken,
sich beziehen auf etw.]: in herausfordernder Weise frech,
ungehörig, unverschämt: eine -e Person; er ist einfach i.;
i. lachen; ein so i. (überaus, sehr) zähes und saftloses
Flügelvieh wie dieses (Fussenegger, Haus 49); Impertinenz
[...ntß], die; -, -en [mlat. impertinentia = das Nicht-zur-
Sache-Gehören]: 1. <o. PDdreiste Ungehörigkeit, Frechheit:
sie hatte die I.. mich auch noch anzulügen. 2. impertinente
Äußerung od. Handlung: seine -en gehen mirauf die Nerven.
imperzeptibel (imper&ep'thb)] (Adj.; o. Steig.; nicht adv.)
[mlat. imperceptibilis. aus Tin-, In- u. spätlat. perceptibilis
= wahrnehmbar] (Psych., selten): nicht bemerkbar, nicht
wahrnehmbar (Ggs.: perzeptibel).
impetiginös Umpetigi'n0:s] <Adj.; o. Steig.) [lat. impetiginö-
sus = mit Ausschlag behaftet] (Med.): von Impetigo
befallen, borkig, grindig: Impetigo [...'ti:go], die; - [lat. Impetigo]
(Med.): entzündliche [ansteckende] Hautkrankheit, bei der
sich eitrige Pusteln u. Borken bilden: Eiterflechte.
impetuoso[impe'tyo:zo]<Adv.>[ital. impetuoso < lat. impe-
tuösus] (Musik): stürmisch, ungestüm, heftig
(Tempobezeichnung); Impetus [nmpetus]. der; - [lat. impetus = das
Vorwärtsdrängen] (bildungsspr.): a) [innerer] Antrieb,
Anstoß, Impuls: mir fehlt jeder I.; von dieser Richtung ging
ein neuer I. aus; die lockende Erfolgsaussicht gab ihm
den I. zu immer neuen Versuchen; b) Schwung]kraft],
Ungestüm: Sein Rollenverständnis als Parteipromoter ist
ebenso unterentwickelt wie sein forensischer I. (Spiegel
15, 1976,26).
impf-. Impf- ['mriQf-] (impfen): -aktion, die: Maßna/ime zur
Impfung eines größeren Persouenkreises; ^anstatt, die: a)
staatl. Einriciuung zur Durchführung von
[Pocken]Schutzimpfungen: b) Anstalt, in der die Lymphe zum Impfen
gewonnen wird: ^arzt, der: Arzt, der Impfungen durchführt:
^Ausweis, der: Bescheinigung über eine durchgeführte Impfung:
^enzephalitis. die: Enzephalitis nach einer
[Pocken]Schutzimpfung: ^kalender, der: Aufstellung über die altersmäßig
günstigsten Termine für die verschiedenen empfehlenswerten
Impfungen: -lanzette, die: svw. t ^messen allste, die: vom
Impfarzt, Gesundheitsamt o. ä. geführte Liste der zu
impfenden Personen u. der durchgeführten Impfungen: --maßnähme.
die: svw. t ^aktion; Mnesser, das (Med.): bei Impfungen,
die mit einem kleinen Schnitt verbunden sind (z.B. bei
der Pockenimpfung), verwendetes Messer in Form einer
gestielten Lanzette: ^nadel, die: für Impfungen verwendete
Hohlnadel: ^narbe, die: von der Pockenimpfung nach
Abheilen der Impfpustel zurückgebliebene Narbe: ^pafl, der:
[international einheitlich gestalteter u. anerkannter] Ausweis,
indemdem Inhaber Impfungen, die er erhaltenhat, bescheinigt
werden: ^pflicht. die: Verpflichtung, sich impfen zu lassen,
dazu: -pflichtig <Adj.; o. Steig.; nicht adv.); -pistole, die:
Gerät für Massenimpfungen, mit dem der Impfstoff unter
hohem Druck eingeschossen werden kann: ^pustel, die: an
der Impfstelle sich entwickelnde Pustel als Reaktion auf
die [ Pocken]impfung: ~reb. das (Gärtnerei): eingesetztes
Edelreis: Pfropfreis: -schaden, der: durch eine Impfung
hervorgerufener Gesundheitsschaden, dazu: -schadenrege-
lung, die; -schein, der: svw. t -ausweis; -schütz, der (Med.):
durch Impfung erreichter Schutz vor einer [bestimmten]
Krankheit: den I. auffrischen; -stelle, die: Körperstelle,
an der geimpft wurde: ^stoff, der: zum Impfen bestimmte
Flüssigkeit, Lymphe: ^Zeugnis, das: svw. Nausweis;
-zwang, der <o. PI.): svw. T-pflicht.
impfen ['im^fn] <sw. V.; hat) [mhd. impfen, ahd. impfön.
impitön < spätlat. imputare. wohl < griech. emphyteuein;
urspr. = ein Pfropfreis einsetzen, veredeln; die
medizinische, dann in die Allgemeinsprache übergegangene Bed.
erst seit dem 18. Jh.]: l.jmdm. einen Impfstoff einspritzen
od. in die Haut einritzen: Kinder gegen Pocken. Masern.
Diphtherie i.; er muß sich vor der Reise noch i. lassen;
Ü Die Feueitjualle impft ihre Opfer (verletzt sie durch
ihre bei der Berührung wirksam werdende scharfe
Ausscheidung) ... Der unheimliche Meeresbewohner ..impft"
förmlich seinen Opfern den Tod (MM 28. 3. 69. 3); den muß
ich noch i. (ugs.; ihm einschärfen, was er zu tun od. zu
sagen hat)', er ist geimpft (indoktriniert) worden. 2.
(Landw.) dem Boden Bakterien od. bakterienhaltige
Substanzen zuführen: den Boden i. 3. (Biol.)
Mikroorganismen in einen festen od. flüssigen Nährstoff einbringen, um
sie zu züchten. 4. Silberjodid od. kristallisierte Kohlensäure
in Wolken einbringen, um sie zum vorzeitigen Abregnen
zu bringen: Wolken i.; <Abl.:> Impfling ['rnip/lio]. der,
-s, -e [frühnhd. = Pfropfreis]: zu impfende od. gerade
geimpfte Person: die -e eines Geburtsjahrgangs einbestellen;
Impfung ['tmofuQ], die; -. -en [spätmhd. impfung =
Pfropfung]: das Impfen: -en vornehmen; die I. ist ihm schlecht
bekommen.
Impietät [impie'te:t], die; - [lat. impietäs] (bildungsspr.
selten): Mangel an Pietät.
Implantat [implan'ta:t], das; -[e]s, -e [zu lat. in- = hinein
u. plantare = pflanzen] (Med.): dem Körper eingepflanztes
Gewebestück od. sonstiges gewebefreundliches Material;
Implantation [...a'&io'.n], die; -. -en (Med.): Einpflanzung
von Gewebe (z.B. Haut), Organteilen (z.B. Zähne) od.
sonstigen Substanzen in den Körper: eine I. durchfuhren;
vgl. Explantation. Transplantation; implantieren [...'ti:ranj
<sw. V.; hat) (Med.): svw. t einpflanzen (2): einen
Herzschrittmacher i.; daß Pillen dieser Verbindung, in die
Harnblase der Ratte implantiert, dort Tumoren hervorrufen
(Medizin II. 110); Ü Die ..Fremde der Welt", die Staiger
Schiller implantiert hat (Sprache im techn. Zeitalter 26,
1968. 108); vgl. explantieren. transplantieren; Impbmtolo-
gk» die; - [t -logie] (Med.): Lehre von den [Möglichkeiten
der] Implantationen.
Implement [imple'ment]. das; -[eis. -e [spätlat. implementum,
eigtl. = das Angefülltsein] (bildungsspr. veraltet): z)
Ergänzung; b) Erfüllung (z. B. eines Vertrages).
ImplOtat [impli'ka:t]. das; -[e]s. -e [zu lat. implicätus, 2.
Part, von: implicäre. t implizieren] (bildungsspr.): etwas,
was in etwas anderes einbezogen ist: Aus der Gestalt sich
ergebende -e präformieren ... das Ergebnis (Germanistik
3. 1966. 358); Implikation [...ka'&p:n], die; -. -en [lat.
implicätlo = Verflechtung]: 1. (bildungsspr.) das
Einbegreifen: Einbeziehung einer Sache in eine andere: diese Deutung
des Jazz, von dessen sexuellen -en die schockierten Feinde
eine bessere Vorstellung haben als die Apologeten
(Adorno. Prismen 129). 2. (Philos.. Sprachw.) die logische
Beziehung „wenn .... dann ..." (deren Teile jeweils nur beide
wahr od. beide unwahr sein können); implizieren [...i'tßkran]
<sw. V.; hat) [lat. implicäre = hineinfalten, umfassen]
(bildungsspr.): einbeziehen, einschließen, mit enthalten:
1322
Imprägnierung
„Hund" impliziert „Tier". ..Tier44 impliziert ..Lebewesen44
(Heupel. Taschenwörterbuch der Linguistik 1973. 96);
implizit <Adj.; ö. Steig.) [lat. implicitus. 2. Part, von: implicä-
re, T implizieren] (bildungsspr.. fachspr.; Ggs.: explizit):
a) mit enthalten, mit gemeint, aber nicht ausdrücklich gesagt:
Implizit verlangen sie. das Reisen solle exklusiv sein (En-
zensberger. Einzelheiten 1.184); -e Ableitungen (Sprachw.;
Ableitungen ohne Suffix, z. B. „Trunk44 zu ..trinken44); b)
nicht aus sich selbst zu verstehen, sondern logisch zu
erschließen: Partizipialkonstruktionen sind i., Konjunktionalsätze
explizit (Heupel, Taschenwörterbuch der Linguistik 1973.
97); implizite [mVpli:t$ite] <Adv.) [lat. implicite, Adv. von:
implicitus. t implizit] (bildungsspr.): [unausgesprochen] mit
inbegriffen, eingeschlossen (Ggs.: explizite):
wissenschaftliche Forschung läßt sich nicht lenken ... Ihr Fortschreiten
ist jedoch i. verbunden mit dem Auftauchen immer neuer
... Möglichkeiten (Natur 32); i. hat er zugestimmt.
implodieren [implo'dliran] <sw. V.; ist) [zu lat. in- = hinein
u. plödere = klatschen, schlagen] (Fachspr.): durch äußeren
Überdruck schlagartig in heftiger Reaktion ineinanderstür-
zen. einbrechen: die Bildröhre des Fernsehapparates ist
implodiert; vgl. explodieren; Implosion [...o'zio:n]. die; -.
-en (Fachspr.): schlagartige Zertrümmerung eines
[luftleeren] Gefäßes durch äußeren Überdruck: das Feuer war
durch eine I. im Femseher entstanden; vgl. Explosion.
Imphivhan [rni'plu.vjium]. das; -s. ...ien [...jpn; lat. implu-
vium. zu: impluere = hineinregnen]: (im altröm. Haus)
rediteckiges Sammelbecken für Regenwasser im Fußboden
des Atriums.
imponderabel [imp3nde'ra:b|] <Adj.; ...bler. -ste) [gelehrte
Gegenbildung mit f in-. In- zu lat. ponderäbilis = wägbar]
(bildungsspr. veraltet): unwägbar, unberechenbar:
Imponderabilien [...ra'bi.'Uan] <P1.> (bildungsspr.):
Unwägbarkeiten: Gefühls-, Stimmungswerte u. sonstige Faktoren, die
nicht vorherzusehen sind, so daß durch sie eine Ungewißheit
in den Verlauf von Handlungen u. geplanten Vorhaben o. ä.
kotrvnt (Ggs.: Ponderabilien): viele I. spielen hier mit;
die I. der Politik: Imponderabilität [...bili'tot]. die: -
(bildungsspr.): Unwägbarkeit, Unberechenbarkeit.
imponieren [mnpo'ni:ren] <sw. V.; hat) [unter Einfluß der
Bed. von frz. imposer zu lat. impönere = hineinlegen,
auf etw. stellen; auferlegen; vgl. imposant]: a) großen
Eindruck [aufjmdn.] machen: Bewunderung [bei jmdm.J
hervorrufen: jmdm. durch sein Wissen, durch seine Kenntnisse
i.; dieser Mann, diese Leistung hat mir imponiert; am
meisten imponiert an Ihm sein hervorragendes Gedächtnis;
Dann imponierte Bungert mit vorbildlichen Schlägen
(beim Tennis; Welt 11.6.66, 7); der Drang des Menschen
zu i.; b) (veraltend) sich geltend machen, sich zeigen: Die
... Veränderungen ... imponieren als ... morphologische
Zeichen, die bei Rachitis weniger ausgeprägt sind (Reform-
Rundschau 11. 1968. 3); <1. Part.:) imponierend durch
seine Art beeindruckend, allgemeine Achtung u.
Bewunderung hervorrufend: eine -e Leistung; die Kulisse war i.;
Eine Millionenstadt und doch tot. Ein Ort des -sten
Lebenswillens und doch traurig (Koeppen. Rußland 131);
<Zus.:) ünponiergehabeln]. das (Verhaltensf): von
[männlichen] Tieren vor der Paarung od. einem Rivalen gegenüber
gezeigtes kraftvolles Auftreten (mit gesträubten Federn,
hochgestelltem Schwanz o.a.), das der Werbung od.
Drohung dient: ein radschlagender Pfau zeigt 1.; Ü Das I.
sturzhelmbekleideter Motorradjünglinge dient
menschlicher Balzauslese (Spiegel 29.12. 65. 75); Imponkrstelhmg.
die (Verhaltensf.): Stellung [vor dem Gegner od. Partner],
die Imponiergehabe ausdrückt: in I. gehen.
Import [im'part], der; -[eis. -e [engl. Import, zu: to import.
t Importieren] (Ggs.: Export): I. <o. PI.) Beschaffung von
Waren aus dem Ausland, Einfuhr (a): I. von Arbeitskräften;
den I. [von Rohstoffen] steigern, einschränken; eine Firma
für I. u. Export; Ü Wir haben uns mit aller Kraft gegen
den I. von Inflation gestemmt (Bundestag 189. 1968.
10235). 2. das Eingeführte, Einfuhr (b): zollpflichtige -e;
die -e sollen versteuert werden; Ü Vivi Bach. I. aus
Dänemark und längst beliebter Gast deutscher Femsehshows
(Bild u.Funk 21. 1966.4).
impQrt-, ImpQrt-: ^Abhängigkeit, die: wirtschaftliche
Abhängigkeit eines Landes von Importen: ^absehhiO, der:
Vertragsabschluß über einen Import: MUlteil, der: vgl.
Exportanteil; MUtflcel, der; -bedarf, der: Bedarf an zu
importierenden Waren: steigender I.; -beschrfinkung. die; ^bewil-
ligung, ^erlaubnis, die: [Dokument, das] die amtliche
Genehmigung Jiir einen bestimmten Import [enthält]: ~*er-
sdmerung, die: -fähig <AdJ.; o. Steig.; nicht adv.): für
den Import geeignet: -e Waren; -firma. die; Mtesdiäft,
das: 1. svw. ^flrma. 2. geschäftlicher Abschluß über einen
Import: -gut. das; -handel. der; -händler. der; -kaufmann.
der; -lizenz, die; ^öl. das: importiertes Öl: -quote, die;
^sperre, die: staatliche Sperre für [bestimmte] Einfuhren:
-stopp, der: Aufhören, Beendigung bestimmter Einfuhren:
Die ... Gemüseimporteure haben ... einen I. für grünen
Salat vereinbart (Berl. Morgenpost 19. 3. 74. 6);
-Überschuß, der: Überschuß des Imports im Vergleich zum Export
(Ggs.: Exportüberschuß); ^verbot, das; -vertrag, der;
^wäre, die: importierte Ware: ^zigarre. die; -zoll, der: Zoll
auf eingeführte Waren: -Zuwachs, der: die Statistik weist
einen starken I. aus.
important [impor'tant] <AdJ.; -er. -este) [(m)frz. important,
wohl zu ital. importante < mlat. importans (Gen.: im-
portantis) = wichtig. 1. Part, von: importare. eigtl. =
verursachen] (bildungsspr. veraltet): wichtig, bedeutsam:
Importanz [...'tantßl. die; - [frz. importance] (bildunsspr.
veraltet): Wichtigkeit, Bedeutsamkeit.
Importe, die; -. -n [rückentwickelt aus dem veralteten PI.
Importen, t Import]: 1. <PI.) Einfuhrwaren (Ggs.:
Exporten). 2. (veraltend) im Ausland hergestellte Zigarre,
Importzigarre: eine schwere I.; Importeur [impar'to:?]. der; -s.
-e[französierende Ableitung von Timportieren]: Kaufmann,
der Waren importiert: Importhändler, Importfirma, Einfüh-
rer: importieren [...'ti:ran] <sw. V.; hat) [lat. importare.
eigtl. = hineintragen]: (Waren) aus dem Ausland kaufen,
einführen (Ggs.: exportieren): Rohstoffe, öl i.; aus
Hongkong oder Japan importierte Waren; Ü die importierte
(vom Ausland übergreifende) Inflation.
importun [imp3r'tu:n] <AdJ.; o. Steig.) [lat. importünus]
(bildungsspr.): ungeeignet, ungelegen.
imposant [impo'zant] <Adj.; -er. -este) [frz. imposant, zu:
imposer = eine Bürde auferlegen. Respekt einflößen; vgl.
imponieren]: durch Größe, Bedeutsamkeit od. Ungewöhn-
lichkeit ins Auge fallend, einen bedeutenden Eindruck
hinterlassend: ein -es Bauwerk; eine -e Erscheinung; -es Aussehen;
die Wolkenkratzer wirkten i.. aber auch beklemmend;Ihr
Partner vom Nachmittag, ein Jüngling mit Schnäuzchen,
spielte natürlich viel -er (Frisch. Homo 103).
impossibel [impD'si:b!] <Adj.; o. Steig.) [frz. impossible <
spätlat. impossibilisj (bildungsspr. veraltet): unmöglich: ein
impossibles Benehmen; <Abl.:> Impossibilität [...sibili-
te:t]. die; - (bildungsspr. veraltet): Unmöglichkeit.
Impost [im'pDSt]. der; -[eis [mlat. imposta. impostus]
(Steuerw. veraltet): Warensteuer.
impotent ['impotent] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [lat. impo-
tens (Gen.: impotentis) = schwach, nicht mächtig]: 1.
(vom Mann) zum Geschlechtsverkehr od. zur Zeugung nicht
fähig: seit seinem Unfall ist er i. 2. unfähig, untüchtig,
nicht schöpferisch: ein -er Künstler; Impotenz [...n$], die;
-[lat. impotentia = Unvermögen]: 1.Zeugungsunfähigkeit,
Unfähigkeit (eines Mannes) zum Geschlechtsverkehr: eine
psychisch bedingte I. 2. Unvermögen, [künstlerische]
Unfähigkeit: Ein einziger Beweis dichterischer I. (Deschner.
Talente 289); daß der Verzieh tauf das Große... schließlich
zur I. sogar der Phantasie führt (Frisch. Stiller 290);
Impotenzler [impo'tentßlB]. der; -s, - (österr. abwertend):
impotenter Mann.
Imprägnation [impregna'tßio.n]. die; -. -en [vlat. impraegna-
tio = Schwängerung]: 1. (Geol.) feine Verteilung von Erz
od. Erdöl in Spalten od. Poren eines Gesteins. 2. (Biol.)
Eindringen von Samenfäden in das reife Ei, Befruchtung.
3. das Imprägnieren: Imprägnieren [...'gni:ren] <sw. V.; hat)
[spätlat. impraegnäre = schwängern, zu lat. praegnäns
= schwanger, trächtig; vgl. prägnant]: (einen festen, aber
porösen Stoff) mit einer bestimmten Flüssigkeit
durchtränken (die ihn vor Wasser, Zerfall u.a. schützen soll): einen
Anorak i. (wasserdicht machen); daß sie (= die organischen
Ablagerungen) am Seegrund mit Eisen imprägniert werden
(Thlenemann. Umwelt 66); feuerfest Imprägnierte Wände;
Perlwein ist mit Kohlendioxyd imprägniert (gesättigt):
Ü Das Fett brauchen wir. um unsere Mägen gegen den
Alkohol zu i. (Remarque. Obelisk 44); in dem
altehrwürdigen, von Kafleegeruch angenehm imprägnierten Lokal
(Habe. Namen 61); <AbI.:> Imprägnierung, die; -. -en: a)
das Imprägnieren, Imprägnation: ein Mittel zur I. von Män-
1323
impraktikabel
teln; Ü die I. des Unterrichts mit standardisierten
Lehrverfahren (Meyer. Unterrichtsvorbereitung 7); b) der durch
Imprägnieren erreichte Zustand: die I. hält einige Jahre vor.
impraktikabel [imprakti'ka:bl. auch: ' ] <AdJ.; o.
Steig.) [frz. impraticable] (bildungsspr.): undurchführbar,
nicht anwendbar: eine impraktikable Anordnung.
Impresario [rmpreza:rio). der: -s. -s u. ...ri. auch: ...rien
[...rion;ital. Impresario,zu: impresa = Unternehmen]
(veraltend): Theater-, Konzertagent, der für einen Künstler die
Verträge abschließt u. die Geschäfte führt.
Impressen: PI. von t Impressum; Impression [impre'sio:n].
die; -. -en [frz. Impression < lat. impressio (Gen.: impres-
sionis) = Eindruck, zu: imprimere. t imprimieren]: Sinnes-.
Gefühlseindruck. Empfindung, Wahrnehmung: die -en einer
Reise; Eine wolkenhaft flüchtige I. zog zart ... an seinem
inneren Auge vorüber (Langgässer. Siegel 543); -en
wiedergeben, schildern; hnpressionabel [...io'na:bl] <Adj.; ...bler,
-ste> [frz. impressionable] (bildungsspr.): für
Impressionen empfänglich: erregbar, reizbar: Impressionismus
[...'nismusl. der; - [frz. impressionisme. zu lat. impressio.
t Impression; nach einem „Impression, soleil levant" ge-
nannten Bild von Monet]: Stilrichtung der bildenden Kunst,
der Literatur u. der Musik um 1900, deren Vertreter, votn
subjektiv empfundenen, flüchtigen Reiz der Farben u. des
Lichts beeindruckt, persönliche Umwelteindrücke u.
Stimmungen besonders in künstlerischen Kleinformen (Skizzen.
Einaktern, Tonmalereien) wiedergeben: Impressionist, der;
-en, -en [frz. impressionistel: Vertreter des Impressionismus:
impressionistisch <Adj.>: den Impressionismus betreffend,
vertretend: vom Impressionismus bestimmt, geprägt:
Impressum [im1 presumj.das; -s. ...ssen [lat. impressum = das
Eingedrückte. Aufgedrückte. 2. Part, von: imprimere. T
imprimieren] (Buchw.): Vermerk (bei Büchern, meist auf der
Rückseite des Titelblattes) über Verleger, Drucker.
Buchbinder, Erscheinungsjahr u.a^bei Zeitungen u. Zeitschriften
auch über die Redaktion: sein Name steht im I.; Imprimatur
[impri'ma:tur; lat. Imprimatur = es werde hineingedruckt]
(Buchw.): (Vermerk des Autors od. Verlegers auf dem
letzten Korrekturabzug) es kann gedruckt werden, zum Druck
freigegeben: Abk.: impr., imp.; <subst.:> Imprimatur [-]. das;
-s. (österr. auch:) Imprimatur, die; -: 1. (Buchw.) nach
Abschluß aller Korrekturen vom Verleger (seltener: Autor)
erteilte Druckerlaubnis. 2. (kath. Kirchenrecht) bischöfliche
Druckerlaubnis (für Bibelausgaben u. religiöse Schriften):
Imprime [gpri'me:]. der; -[s]. -s [frz. imprimi. eigtl. =
2. Part, von: imprimer = aufdrücken, drucken < lat.
imprimere. t imprimieren]: I. bedrucktes Seidengewebe mit
ausdrucksvollem Muster. 2. (Postw.. international)
Drucksache: imprimieren [impri'mhran] <sw. V.; hat) [lat.
imprimere = hineindrücken, aufdrücken] (Buchw.): das
Imprimatur erteilen: daß die umbrochenen, korrigierten Seiten
aus der Druckerei in die Redaktion heraufkommen, wo
sie sofort imprimiert werden müssen (Simmel. Stoff 156).
Impromptu [Sprö'ty:]. das: -s. -s [frz. impromptu < lat.
in prömptü = zur Verfügung]: Klavierstück der Romantik,
meist in 2-iteiliger Liedform, in der Art einer
Improvisation.
Improperien [impro pe:rpn] <P1.) [(kirchen)lat. improperia.
eigtl. = Beschimpfungen. Vorwürfe] (kath. Kirche):
während der Karfreitagsliturgie gesungene vorwurfsvolle
Klagelieder, in denen Jesus die Wohltaten Gottes dett Übeltaten
seines Volkes gegenüberstellt.
Improvisateur [improviza'to.'g]. der: -s. -e [frz. improvisa-
tcur]: jmd., der am Klavier [ zur Unterhaltung] improvisiert:
Improvisation [...£io:n]. die; -. -en [zu t improvisieren]: 1.
das Improvisieren, Kunst des Improvisierens: I. ist seine
Stärke; ..Kein Krieg ist ohne Organisation denkbar."
..Ohne I. auch nicht..." (Kirst. 08/15. 565). 2. ohne
Vorbereitung, aus dem Stegreif Dargebotenes: Stegreifschöpfung,
[musikalische] Stegreif erfittdutig u. -darbietung: das war
eine geniale I.; seine Rede war eine geschickte I.; -cn
auf dem Klavier spielen; <Zus.:> Improvisationsgabe, die.
^talent, das: Gabe, Talent, improvisieren (1) zu können:
Improvisator [...za.tor. auch: ...to:ß], der; -s. -en [...za-
to:ren; ital. improwisatore]: a) jmd.. der zu improvisieren
versteht: als geschickter I. weiß er sich immer zu helfen;
b) jmd., der etwas aus dem Stegreif darbietet,
Stegreifkünstler: als I. auftreten: improvisatorisch [...za'to:nX] <Adj.; o.
Steig.): die Improvisation betreffend, improvisierend:
Stegreif...: die -en Züge der Darbietung (beim Jazz; Adorno,
Prismen 120); improvisieren [...'zi:ren] <sw. V.; hat) [ital.
improwisare.zu:improwiso = unvorhergesehen,
unerwartet < lat. imprövlsus. zu lat. in- = hinein u. prövidere =
vorhersehen]: 1. etwas ohne Vorbereitung, aus dem Stegreif
tun: eine Mahlzeit für unerwartete Gäste i.; Machtkämpfe,
bei denen man i.t immer wieder neue Wege suchen ...
muß (Dönhoff. Ära 205). 2. a) Improvisationen (2)
spielen: Sixta improvisierte über zwei böhmische
Weihnachtslieder (Bieler. Mädchenkrieg 276); b) (Theater)
frei Erfundenes von der Bühne sprechen, seinem Rollentext
hinzufügen: Büttenredner, die ... witzige Suaden und
manchmal sogar Stegreifverse improvisierten (Zuckmayer.
Fastnachtsbeichte 47); <Abl.:> Improvtsknjng. die; -. -en
(selten): svw. t Improvisation.
Impuls [impuls]. der; -es. -e [lat. impulsus, zu. impellere
= anstoßen, stoßend in Bewegung setzen]: l.a) Anstoß.
Anregung: kräftige, entscheidende, künstlerische -e gehen
davon aus; seine Worte geben dem Gespräch einen neuen
I.; Auch ein nationales Geistesleben bedarf immer wieder
frischer. Ja. fremder -e, will es nicht erstarren (Thieß.
Reich 182); b) Antrieb, innere Regung: einen I. [zu etw.]
haben; er tat es in einem plötzlichen I.; reichte ihm. einem
I. folgend, die Hand über den Tisch (Thieß. Frühling
79). 2-a) (Elektrot.) Strom- od. Spannungsstoß von relativ
kurzer Dauer: Anregung mit Impulsketten aus jeweils vier
-en (Funkschau 19, 1971, 1974); b) (Med.) Anstoß.
Erregung, die von den Nerven auf entsprechende Zellen. Muskeln
o.a. übertragen wird: nervöse -e; im Sehnerv leiten eine
Million Nervenfasern die -e zu den Zellen des Sehzentrums
(Simmel. Stoff 197). 3. (Physik) a) Produkt aus Kraft u.
Dauer eines Stoßes: b) Produkt aus Masse u.
Geschwindigkeit eines Körpers.
impvb-, Impgb- (Physik. Elektrot): -breite, die: -dauer.
die: Mit drei verschiedenen Kondensatoreinstellungen
lassen sich -n von 0.8. 1.0 und 1.8 Mikrosekunden
verwirklichen (Elektronik 12. 1971.426); Miiagramm, das: -dichte,
die; -energie, die; -frequenz, die; ^generator, der: Gerät
zur Erzeugung elektrischer Impulse in gleichmäßiger Folge:
Mnodubtion. die; -satz, der: grundlegender physikalischer
Satz von der Erhaltung des Impulses: ^technik, die:
Teilgebiet der Elektrotechnik, in dem man sich mit der Erzeugung.
Verbreitung u. Anwendung elektrischer Impulse befaßt:
^weise <Adv.>: in Impulsen [fortschreitend].
impulsiv [OTipol'zi.fl <Adj.) [wohl nach engl, impulsive, zu
T Impuls]: aus einem plötzlichen, augenblicklichen Impuls
heraus handelnd, einer Eingebung sogleich folgend: ein -er.
i. handelnder Mensch; seine Reaktionen sind immer i.;
daß er sich hier i. und daher unbedacht ... einen nicht
ungefährlichen Fehler geleistet hatte (Kirst. 08/15. 26);
<Abl.:> Impulsivität [...zivl'te.t]. die; -: impulsives Wesen.
Verhalten.
Imputabilität [rmputablli'teit). die; - [nlat. imputabilitas. zu
lat. imputäre = zurechnen] (Med.): Zurechnungsfähigkeit,
geistige Gesundheit: Imputation [...'t$k>:n]. die; -. -en [lat.
imputätio = Anrechnung. Berechnung, zu: imputäre. t
imputieren]: 1. (christl. Rel.) die dem gläubigen Sünder durch
Gottes Urteil zugesprochene Rechtfertigung. Zurechnung
der Gerechtigkeit Christi (bes. bei Luther betont). 2.
(bildungsspr. veraltet) [ungerechtfertigte] Beschuldigung:
imputativ [...a'ti:fl <Adj.; o. Steig.): 1. *-e Rechtfertigung
(christl. Rel.; svw. t Imputation I). 2. (bildungsspr. veraltet)
eine [ungerechtfertigte] Beschuldigung enthaltend:
imputieren <sw. V.; hat) [lat. imputäre = (als Verdienst od. Schuld)
anrechnen, in Rechnung bringen] (bildungsspr. veraltet):
[ungerecht] beschuldigen, (jmdm. etw.) unterstellen.
imstande, (seltener, landsch.) imstynd <in Verbindung mit
bestimmten Verben >. fähig, in der Lage: die Kraft besitzend,
etwas zu tun, zu leisten: sie ist durchaus i.. mit der Aufgabe
fertig zu werden; fühlst du dich i. zu helfen?; zu nichts
mehr i. sein: Im übrigen war man zu einer klaren
Auffassung ... kaum imstande (Maass. Goufft 251); Ein guter
Leser, imstande, hinter die Sätze zu horchen (A. Zweig.
Grischa 112); (verblaßt:) Eine wahrhaft
niederschmetternde Bilanz und imstande, auch einen ruhigen Mann aus
der Fassung zu bringen (Plievier. Stalingrad 217); *Jmd.
ist i. und ... (es ist zu befürchten, daß jmd. etwas Dummes.
Falsches tut: jmdm. ist zuzutrauen, daß er ...): er ist i.
und plaudert alles aus.
'in [m; mhd.. ahd. in] <Präp. mit Dativ u. Akk.): 1.
(räumlich) a) <mit Dativ) a) zur Angabc des Sichbeflndens.
1324
inaugurieren
des Vorhandenseins innerhalb eines Raumes, eines in sich
geschlossenen Bereichs o.a. (Ggs.: außerhalb I): er ist
in Berlin; ß) zur Angabe der Stelle, des Platzes (innerhalb
eines räumlichen Gebildes o. ä.), wo sich jmd., etw.
befindet: der Schlüssel ist in der Tasche; y) zur Angabe des
Zusammenhangs o.a.. in dem Jmd.. etw. zu finden ist.
vorkommt o.a.: er ist Mitglied in einer Partei; er lebt in
einer Wohngemeinschaft; b) <mit Akk.) (Ggs.: aus I la)
ü) zur Angabe eines Ziels, auf das hin eine Bewegung
stattfindet: in die Stadt fahren; ß) zur Angabe der Stelle,
des Platzes (innerhalb eines räumlichen Gebildes o.a.).
wohin sich jmd. begibt, wohin etw. gebracht wird o.a.:
das Kleid in den Schrank hängen; ein Bonbon in den
Mund stecken; y) zur Angabe eines größeren
Zusammenhangs o.a.. in den sich Jmd. begibt, in den etw.
hineingebracht wird: in eine Partei eintreten; einen Prosatext in
einen Sammelband aufnehmen. 2. (zeitlich) a) <mit Dativ)
zur Angabe eines Zeitpunktes od. Zeitraumes: a) in dem
etw. Bestimmtes vor sich geht o.a.; innerhalb: er war in
2 Tagen mit seiner Arbeit fertig; ß) in dessen Verlauf
etw. Bestimmtes vor sich geht o. ä.; während: [irgendwann]
im Verlauf von: in diesem Sommer hat es viel geregnet;
er will uns in den Ferien einmal besuchen; (ugs.. nach
engl. Vorbild:) in 1976; in dem Moment, als ich die Küche
verlassen hatte, war die Suppe übergekocht; y) nach dessen
in der Zukunft liegendem Ende etw. vor sich geht o. ä.;
nach Ablauf von: in einem Jahr hofft er sein Examen
zu machen; b) <mit Akk.; häufigmit vorangehendem ..bis")
zur Angabe einer zeitlichen Erstreckung: die Arbeiten
werden sich bis in den Herbst hinziehen; seine Erinnerungen
reichen [bis] in die früheste Kindheit zurück. 3. (modal)
<mit Dativ) zur Angabe der Art u. Weise, in der etw.
geschieht o.a.: er geht in Stiefeln; die Decke ist in vielen
Farben ausgemalt;* der Brief war in deutsch verfaßt; in
Wirklichkeit verhielt sich die Sache ganz anders; er war
in Schwierigkeiten. 4. (unabhängig von räumlichen,
zeitlichen od. modalen Vorstellungen) a) (mit Dativ od. Akk.)
stellt eine Beziehung zu einem Objekt her: er ist tüchtig
in seinem Beruf; sie hat sich in ihn verliebt; du hast dich
in ihm getäuscht; b) (Kaufmannsspr.) <mit Dativ) mit:
er handelt in Gebrauchtwagen. Vgl. im. ins.
Hn [-; lat. in = in] in formelhaft gebrauchten lat. Fügungen,
z. B. in absentia; in nuce.
^ [-; engl, in = mit dabei, in Mode] in der Verbindung
in sein (Ggs.: out sein; ugs.: 1. [bes. von Personen im
Showgeschäft o.a.] im Brennpunkt des Interesses stehen,
gefragt sein: dieser Schlagersänger ist zur Zeit in. 2. [von
Dingen u. Tätigkeiten, die als schick gelten, als Zeichen
des Dazugehören] sehr in Mode sein, von vielen begehrt
sein, betrieben werden: Jeans sind nach wie vor in;
Windsurfing ist heute in).
in-. In- [-]. (vor 1:) il-. II-, (vor m u. p.) im-. Im-, (vor r.)
ir-, Ir- [lat. in- = nicht] produktive feste Vorsilbe mit
der Bed.): un.... nicht (z. B. intolerant, illoyal, irreparabel).
in absentia [- ap'zen&Ja; lat.; ]2\n u. absentia, tAbsenz]
(bes. Jur.): in jmds. Abwesenheit: in Abwesenheit des
Angeklagten: Jmdn. in a. verurteilen.
in abstracto [- apstrakto; lat; f2in u. tabstrakt] (bil-
dungsspr.): rein begrifflich, nur gedacht, nur in der
Vorstellung: von der konkreten Situation abgesehen (Ggs.: in
concreto): etw. existiert nur in a.
inadäquat [auch: '-] <Adj.; -er, -este) [aus tin-. In-
u. t adäquat] (bildungsspr.): (in einem bestimmten
vorliegenden Zusammenhang) nicht angemessen, nicht im richtigen
Verhältnis zu etw. anderem stehend (Ggs.: adäquat): eine
-e Darstellung; die Strafe war in Anbetracht der
Geringfügigkeit des Vergehens i. (unangemessen hoch): <Abl.:>
Inadäquatheit, die; -. -en (bildungsspr.): a) <o. PI.) das
Unangemessensein (Ggs.: Adäquatheit): die I. der Form;
b) etw. Inadäquates. Unangemessenes: es gibt immer wieder
-en in der Darstellung.
inakkurat [auch: '-] <AdJ.; -er, -este) [aus Tin-. In-
u. t akkurat] (bildungsspr. selten): nicht akkurat,
unsorgfältig, ungenau (Ggs.: akkurat): eine -e Arbeit.
inaktiv [auch: —'-] <Adj.) [aus tin-. In- u. taküv]: 1. sich
untätig, passiv verhaltend, ohne [innere] Aktivität: ein -er
Mensch; er war, verhielt sich in der Angelegenheit
vollkommen i.; politisch i. (ohne Interesse od. Teilnahme am
politischen Leben) sein. 2. <o. Steig.; nicht adv.) ab Mitglied
einer Vereinigung, bes. einer studentischen Verbindung, von
der Teilnahme an den offiziellen Veranstaltungen u.
Verpflichtungen weitgehend befreit (Ggs.: aktiv 3 a): ein -es
Mitglied; er ist jetzt i. 3. <nicht adv.) (Chemie. Med.)
(in bezug aufchemische Substanzen. Toxine o.a.) chemisch
od. therapeutisch durch bes. Einflüsse unwirksam geworden
(Ggs.: aktiv 4): eine -e Substanz. 4. (Med.) (in bezug
auf bestimmte Krankheitsprozesse) ruhend: vorübergehend
keine Symptome zeigend, hervorbringend: eine -e
Tuberkulose; <subst.:> (naktive, der (Studentenspi'.): von den
offiziellen Veranstaltungen weitgehend befreites Mitglied (meist
älteren Semesters) einer studentischen Verbindung:
inaktivieren <sw. V.; hat) [aus tin-. In- u. taktivieren]: 1. (selten)
in den Ruhestand versetzen: von seinen [Amts[pflichten
entbinden. 2. (Chemie. Med.) einem Mikroorganismus,
einem Serum u. ä. durch bestimmte chemische od.
physikalische Verfahren seine Wirksamkeit nehmen:
Krankheitserreger i.; inaktivierter Impfstoff; <Abl.:) Inaktrvknmg, die;
-. -en: das Inaktivieren: (naktivität [auch: '-; zu t
inaktiv], die; -: 1. (bildungsspr.) Untätigkeit. Passivität: das
Fehlen von Unternehmungsgeist (Ggs.: Aktivität 1): in
völlige I. verfallen. 2. (Chemie, Med.) (in bezug auf chemische
Substanzen. Toxine o. ä.) durch bestimmte Einflüsse
hervorgerufene chemische od. therapeutische Unwirksamkeit
(Ggs.: Aktivität 3). 3. (Med.) das Ruhen eines krankhaften
Prozesses: die zeitweilige Inaktivität einer Tuberkulose.
inaktuell [auch: '-] <Adj.; o. Steig.) [aus tin-. In- u.
taktuellj (bildungsspr.): nicht für die unmittelbare
Gegenwart bedeutsam, nicht zeitnah, nicht zeitgemäß.
inakzeptabel [auch: '--] <AdJ.; o. Steig.) [aus tin-, In-
u. takzeptabel] (bildungsspr.): unannehmbar (Ggs.:
akzeptabel): eine inakzeptable Forderung: die Bedingungen
sind i.; <Abl.:> {nakzeptabilität [auch: '-]. die;
- (bildungsspr.): Unannehmbarkeit: die I. eines Vorschlags.
Angebots.
in albis [- albi:s; lat.; eigtl. = auf weißen (mit Gips
übertünchten) Tafeln] (Buchw. veraltet): (vonBüchern) in
Rohbogen, nicht gebunden.
inan [i'na:n] <AdJ.; o. Steig.) [lat. inänis] (atomistische Phi-
los.): nichtig, leer. hohl, eitel.
Inangriffnahme [...na:ma]. die: -. -n [Zusb. aus in + Angriff
+ nehmen] (Papierdt.): das [energische] Beginnen mit einer
bestimmten Arbeit, einer größeren Aufgabe: die I. eines
Projekts.
Inanität [inani'te:t], die; - [lat. inänitäs] (atomistische Phi-
los.): Nichtigkeit. Leere: Inanition [...i'tßio:n]. die; - [lat.
inänitio, eigtl. = Ausleerung] (Med.): Abmagerung mit
völliger Entkräftung u. Erschöpfung als Folge
unzureichender Ernährung od. auszehrender Krankheiten.
Inanspruchnahme [-na.md]. die; -. -n [Zusb. aus in +
Anspruch + nehmen]: 1. (Papierdt.) das Gebrauchmachen.
[Aus]nutzen von etw.. was einem als Recht zusteht, als
Möglichkeit [an]geboten wird o.a.: die I. eines Kredits,
seiner Rechte, aller Vorteile. 2.a) (in bezug auf Personen)
starke Beanspruchung. Belastung mit Arbeit, hohe
Anforderungen an jmds. Zeit o.a.: die starke I. der Arbeitskräfte
während der Hauptsaison führte zu Ausfällen; b) (von
Maschinen. Material o. ä.) hohe, die Abnutzung
beschleunigende Beanspruchung: durch starke I. unterliegt das
Material hohem Verschleiß.
Inappetenz [auch: '-], die; - [aus tin-. In- u. TAppetenz]
(Med.): fehlendes Verlangen (z. B. nach Nahrung).
inartikuliert [auch: '-] <Adj.; -er. -este) [aus tin-. In-
u. dem 2. Part, von tartikulieren] (bildungsspr.): 1. (in
bezug auf die Sprechweise) schlecht artikuliert, nicht klar
u. deutlich gesprochen: er spricht allzu i. 2. (in bezug auf
Gedanken, geistige Zusammenhänge u. ä.) nicht klar
gegliedert, unklar ausgedrückt: das, was er eigentlich sagen
wollte, blieb in seinem Vortrag i.; <Abl.:) |nartikuliertheit [auch:
'—], die; - (bildungsspr.): das Inartikuliertsein.
Inaugenscheinnahme [-na.md], die; -, -n [Zusb. aus in +
Augenschein + nehmen] (Papierdt.): das Inaugenschein-
nehmen: genaues, kritisches Prüfen. Begutachten einer
Person od. Sache durch Anschauen. Betrachten: nach I.
mehrerer Wohnungen entschieden sie sich für die erste.
Inauguraldissertation [m|%ygu'ra:l-]. die; -. -en
[tinaugurieren]: nur im Untertitel einer Doktorarbeit verwendete Bez.
für t Dissertation; Inauguration [m|apgura'tßio:n], die; -.
-en [lat. inaugurätio = Anfang] (bildungsspr.): feierliche
Einsetzung in ein hohes [politisches, akademisches] Amt,
eine Würde: die I. des neuen Präsidenten; inaugurieren
1325
Inaugurierung
[...'ri.ran] <sw. V.; hat) [lat. inauguräre = den Vogelflug
befragen (vgl. Augur); einführen, einweihen] (bil-
dungsspr.): 1. in ein holies [politisches, akademisches] Amt,
eine Würde einsetzen: den neuen Präsidenten i. 2. etw.
Neues [feierlich] einführen, etw. ins Leben rufen, schaffen:
eine neue Methode, einen Stil, einen Ritus i.; Einen Tag
des Mäusetötens haben die Artischockenbauem ...
inauguriert ... mit einer Giftoffensive (Wohmann, Absicht 164).
3. (österr.) einweihen: ein Gebäude i.; <Abl.:> Inaugurie-
rung. die; -. -en.
JnbegrifT, der; -[eis. -e: I. vollkommene, reinste, absolute
Verkörperung von etw. / Begrifflichem]: die in einer Person
verkörperte, vollkommene Ausprägung eines Typs o. ä.;
Musterbeispiel: er ist der I. des Gelehrten, der I. von einem
Spießer; die Schauspielerin war für ihre Zeit der I. der
Schönheit; die Atombombe wurde zum I. des Schreckens;
ein Glas Wein am Abend ist für ihn der I. (der höchste
Grad) der Gemütlichkeit; es gilt als I. der Überflüssigkeit
(ist im höchsten Grad überflüssig). Eulen nach Athen zu
tragen (Hildesheimer. Legenden 95). 2. (bes. Philos.)
höchster, reinster Begriff von etw., Wesen: das, was von den
-en Person und Ich ... umfaßt wird (Musil. Mann 1284).
inbegriffen fmbagnfn] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.> [erstarrte
Nebenform zum 2. Part, von t einbegreifen]: [im Preis]
einbegriffen, mit enthalten: die Miete beträgt 500 DM,
die Nebenkosten i.; die im Preis -e Benutzung des
Schwimmbads; Ü Daß ich meine Galle wieder fühle, das
ist wohl i. (iron.; gehört als Nebeneffekt wohl dazu: Re-
marque. Triomphe 36).
Inbesitznahme [...na:ma]. die; -, -n [Zusb. aus in + Besitz
+ nehmen! (Papierdt.): das Besitzergreifen von etw. [was
einem rechtlich zusteht, gehört]: das In-seinen-Besitz-Neh-
men [ was bisher keinem anderen gehört, worauf kein anderer
Anspruch erhebt]: die 1. des Landes durch die Einwanderer;
die I. der Fundgegenstände geschah widerrechtlich. Vgl.
Besitz (b).
Inbetriebnahme [...na:iro], die: -. -n [Zusb. aus in 4- Betrieb
-I- nehmenl (Papierdt.): a) erstmalige Nutzung, das
Aufnehmen des Betriebs (2 b), das erstmalige Betreiben einer
größeren Anlage: die I. des neuen Schwimmbads, der
fertiggestellten Autobahnstrecke; b) erstmaliges In-Funktion-Set-
zen einer Maschine o.a.: bei. vor I. der Maschine sind
bestimmte Sicherheitsvorschriften zu beachten;
Inbetriebsetzung, die; -. -en [Zusb. aus in + Betrieb + setzen]
(Papierdt.): a) das In-Funktion-Setzen, ln-Gang-Setzen
einer Maschineo. ä.: die I. der Druckmaschinen setzt voraus,
daß genügend Auftrage vorliegen; b) (selten) svw. t
Inbetriebnahme (a). Vgl. Betrieb (2 b).
|nbi)d, das; -[eis. -er (geh.): vollkommene Verkörperung von
etw.: Ideal: Odysseus .... mythisches I. aller späteren
Reisenden (Enzensberger, Einzelheiten I. 186).
in blanko [aus Inn u. t blanko] (Kaufmannsspr. selten):
(von Schecks o.a.) unausgefüllt\ leer.
in bond [- 'bont; engl.] (Wirtsch.): unter ZollverschlulS.
in brevi [- 'bre:vi; lat.; T 2in u. tBreve] (veraltet): bald, in
Kürze.
Inbrunst, die: - [spätmhd. Inbrunst = innere Glut (in der
Sprache der Mystik); t Brunst) (geh.): starkes,
leidenschaftliches, hingebendes Gefühl, mit dem jmd. etw. tut, sich zu
jmdm.. einer Sache hinwendet: die I. seiner Liebe, seines
Glaubais; mit welch einer wahnsinnigen I. diese Christen
an ihrem Gott hingen (Thieß, Reich 252); Ü (häufig
scherzh. od. iron.) das Lied von dem Mädchen ..., das
für Geld alles machte. Sie grölten es mit I. (Kirst. 08/15.
539); <Abl.:> inbrünstig <Adj.> [spätmhd. inbrünstec =
heiß verlangend] (geh.): mit. von einem glühenden,
leidenschaftlichen Gefühl. Verlangen: ein -es Gebet; i. auf etw.
hoffen; i. nach Jmdm.. etw. verlangen.
Indi IintJl. der; -. -es [...tjis] <aber: 4 Inch[es]> [engl. inch.
aengl. ynce < lat. üncia = Zwölftel, der zwölfte Teil
eines Fußes. Zoll]: Längeneinheit in Großbritannien u. den
USA (= 2.54 cm); Abk.: in; Zeichen: ".
InbussdiKissel ['inbos], der; -s. - [Inbus = © für bestimmte
Stiftschlüssel u. Schrauben; H. u.) (Technik): meist
sechskantiger Stiftschlüssel für Inbusschrauben; |nbus-
schraube, die; -, -n (Technik): Schraube mit meist
sechskantiger Aussparung im Kopf, die mit einem Inbusschlüssel
angezogen od. gelockert wird.
inchoativ [inkoa'ti:fl <AdJ.; o. Steig.; nicht adv.) [lat. in-
choätlvus] (Sprachw.): (von Verben) einen Beginn ausdrük-
kend (z. B. aufstehen, erblühen, erwachen): ein -es Verb:
<subst.:> Inchoativ [-, auch: ' ], das; -s, -e [...i:va],
Inchoativum [...'ti:vum], das; -s. ...va (Sprachw.): Verb mit
inchoativer Aktionsart.
inchromieren [inkro'mi:ren] <sw. V.; hat) [zu lat. in- =
hinein u. t Chrom] (Technik): Stahl durch Behandeln mit
Chromverbindungen mit einer Schutzschicht versehen.
incidit [m'tßi:dit; lat., zu: incldere = einschneiden,
eingraben] (Kunstwiss.): dies hat geschnitten (auf Kupferstichen
vor dem Namen des Künstlers stehend); Abk.: ine.
ineipit ['mtßipit; lat., zu: ineipere = beginnen] (Literaturw.):
es beginnt (gewöhnlich am Beginn von Handschriften u.
Frühdrucken in lat. Sprache;Ggs.: explicit); <subst.:> Ineipit
[-], das; -s. -s: 1. (Literaturw.) Anfangsformel.
Anfangsworte einer mittelalterlichen Handschrift, eines Frühdrucks,
die den noch nicht üblichen Titel vertreten. 2. (Musik)
a) Bezeichnung eines Liedes, einer Arie mit den
Anfangsworten ihres Textes: b) der in Verzeichnissen in Noten od.
Tonbuchstaben angegebene Anfang eines Musikstücks.
in concreto [- kon'kre:to; auch: - kon...; lat.; Hin u. t konkret]
(bildungsspr.): auf den vorliegenden Fall bezogen, im
Einzelfall: tatsächlich, in Wirklichkeit (Ggs.: in abstracto).
Incontro: t Inkontro.
in contumaciam [- k:>ntu'ma:t$iam; lat. = wegen
Unbotmäßigkeit] (Jur.): in Abwesenheit des Angeklagten [der trotz
ergangener Aufforderung nicht vor Gericht erschienen ist]:
jmdn. in c. verurteilen.
incorporated [in'koipareitid; engl.-amerik. incorporated. zu:
to incorporate = als Körperschaft (amtlich) eintragen]:
engl.-amerik. Bez. für eingetragen (z. B. von Vereinen o. ä.).
in corpore [- karpore; lat.: T^n u. tCorpus]: gemeinsam,
alle zusammen.
Incroyable [£krQa'Ja:bl], der; -[s], -s [...b|; frz. incroyable
= Modenarr, eigtl. = Unglaubliches, unglaublich]
(Mode): a) um 1800 in Frankreich von Stutzern getragener
überdimensionierter Zweispitz: b) Träger des Incroyable (a).
Indanthren [indan'tre:n] <Adj.; o. Steig.; nur präd.) [zu
t Indanthren]: (in bezug auf gefärbte Textilien) licht- u.
farbecht: der Stoffist i.; Indanthren®!-], das; -s. -e [Kurzw.
aus t Indigo u. t Anthrazen; 1901 gepr. von dem dt. Chemi-
kerR. Bohn (1862-1922)] (Textilind.): licht- u. waschechter
synthetischer Farbstoff für Textilien: <Zus.:>
Indanthrenfarbe, die. Indanthrenfarbstoff, den svw. t Indanthren.
indebite [m'de:bite] <Adv.) [lat. indebite] (Kaufmannsspr.
veraltet): (von Zahlungen) irrtwnlich u. ohne rechtlichen
Grund geleistet: Indebitum [...tum], das; -s. ...ta [lat. indebi-
tum = Nichtschuld] (Kaufmannsspr. veraltet): Zahlung,
die irrtümlich u. ohne rechtlichen Grund geleistet wurde.
indeciso[mde'tJi:zo]<Adv.>[ital. indeciso < spätlat. indeci-
sus] (Musik): unbestimmt.
indefinibel [mdefi'ni:b|] <Adj.; o. Steig.) [lat. indefinlbilis
= unausgeführt] (bildungsspr. selten): begrifflich nicht zu
bestimmen, nicht definierbar: indefinit [auch: ' ] <Adj.;
o. Steig.; nicht adv.) [lat. indeflnitus] (bes. Sprachw.):
unbestimmt: ein -es Pronomen (Indefinitpronomen): <Zus. :>
Indefinitpronomen, das; -s. - u. ...mina (Sprachw.):
unbestimmtes Fürwort (z. B. jemand, kein); Indefinitun [indefi-
'ni:tum], das; -s. ...ta (veraltet): svw. t Indefinitpronomen.
indeklinabel [auch: '—] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.)
[lat. indecllnäbilis] (Sprachw.): (von Wörtern bestimmter
Wortarten) nicht beugbar (Ggs.: deklinabel): ein
indeklinables Wort; Indeklinabile [mdekli'na:bib], das: -. ...IIa
[...na'bi:lia; lat. (nömen) indeclinäbile] (Sprachw.):
indeklinables Wort.
|ndelikat [auch: '-] <Adj.; -er. -este) [aus T in-. In-
u. t delikat] (bildungsspr. selten): nicht behutsam, nicht
feinfühlig, ohne Takt (Ggs.: delikat 2): eine Sache i. behandeln.
indem [älter: in dem): I. <Konj.) 1. (zeitlich) leitet einen
Gliedsatz ein. der eineGleichzeitigkeit ausdrückt; während:
i. er sprach, öffnete sich die Tür. 2. (instrumental) leitet
einen Gliedsatz ein, der das Mittel, den Begleitumstand
von etw. angibt; dadurch, daß: damit, daß: er hat viel
Geld sparen können, i. er einen Teil der Arbeit selbst
gemacht hat. 3. (landsch.) (kausal) in Verbindung mit
„daß", leitet einen Gliedsatz ein. der einen Grund für
etw. angibt; weil: i. daß er verreist war, konnte er nicht
an der Feier teilnehmen. IL <Adv.) (veraltend) indessen,
unterdessen: zieht euch an, ich werde i. das Frühstück
vorbereiten.
indemnisieren [mdemni'zi:ran] <sw. V.; hat) [mit französie-
1326
indifferent
render Endung zu t Indemnität] (Rechtsspr. veraltet):
entschädigen, vergüten; Indemnität erteilen; Indemnität
[...'t£:t], die; - [wohl nach engl, indemnity < frz. indemnitä
< spätlat. indemnitäs = Schadloshaltung]: 1.
nachträgliche Billigung einer Maßnahme der Regierung, die das
Parlament zuvor [als verfassungswidrig] abgelehnt hatte. 2.
Straffreiheit des Abgeordneten in bezug auf alle im
Parlament, den Ausschüssen od. Fraktionen gemachten
Äußerungen mit Ausnahme verleumderischer Tatbestände.
indemonstrabel l'indemonstra.b), auch: '--] <Adj.; o.
Steig.) [wohl nach engl, indemonstrable] (bes. Philos..
Math.): nicht demonstrierbar. nicht beweisbar: eine
indemonstrable Hypothese.
Indentgeschäft [m'dent-]. das; -[e]s. -e [zu engl, in den t =
Auslandsgeschäft (Kaufrnannsspr.):
Außenhandelsgeschäft, bei dem der Käufer seinen Auftrag an den Exporteur
über einen Mittelsmann erteilt, welcher erst dann das
Geschäft fest abschließt, wenn er sichergestellt hat, daß er
die gewünschten Bedingungen erfüllen kann.
Independence Day [mdi'pendans dei], der; - - [engl.-amerik.
Independence Day]: nordamerikanischer
Unabhängigkeitstag (4. Juli); Independent [mdepen'dent], der; -en. -en (meist
PI.) [engl, independant, eigtl. = Unabhängiger]: Anhänger
eines radikalen Puritanismus in England im 17. Jh.; Indepen-
denz [mdependent^]. die; - [wohl nach engl, independence]
(bildungsspr.): Unabhängigkeit.
indes [m'des] (seltener): svw. T indessen; indessen [in'desn):
I. <KonJ.) (geh.) 1. (temporal) drückt eine Gleichzeitigkeit
aus; während: i. er seine Arbeit fertig machte, gingen die
anderen spazieren. 2. (modal) drückt einen Gegensatz aus;
wohingegen: die einen gingen spazieren, i. die anderen
es vorzogen zu lesen. IL <Adv.) 1. drückt die
Gleichzeitigkeit aus; unterdessen, inzwischen: du kannst i. anfangen
zu packen; es hatte i. angefangen zu regnen. 2. drückt
einen Gegensatz aus; jedoch, aber: man machte ihm ein
verlockendes Angebot, er lehnte i. alles ab.
indeterminabel [mdet£rmi'na:bl; auch: ' ] <Adj.; o.
Steig.; nicht adv.) [spätlat. indeterminäbilis] (bes. Philos.):
unbestimmbar: ein indeterminabler Begriff; Indetermination
[indeterminat^j[o:n; auch: ' ]. die; - [spätlat. inde-
terminatio]: 1. (bes. Philos.) Unbestimmtheit. 2.
(bildungsspr. selten) Unentschlossenen; indeterminiert [auch:
' ] <Adj.; -er. -este; nicht adv.): 1. (bes. Philos.)
unbestimmt. 2. (bildungsspr. selten) unentschlossen;
Indeterminismus, der; - (Philos.): Lehrmeinung, nach der ein
Geschehen nicht od. nur bedingt durch Kausalität od.
Naturgeschehen bestimmt ist. womit ein bestimmtes Maß an
Willensfreiheit angenommen wird (Ggs.: Determinismus 2).
Index [mdeks], der; - u. -es. -e u. ...dizes [...dit$e:s; lat.
index = Anzeiger; Register. Verzeichnis; 2: Index librorum
prohibitorum = Liste verbotener Bücher]: 1. <P1. Indexe
u. Indizes) alphabetisches Namen-. Stichwort-,
Sachverzeichnis; Register: das Buch hat einen I. 2. <P1. Indexe)
(kath. Kirche früher) Liste von Büchern, die nach
päpstlichem Entscheid von den Gläubigen nicht gelesen werden
durften: dieses Buch steht auf dem I.; seine Werke wurden
auf den I. gesetzt; Ü die Bücher des Regimekritikers stehen
in diesem Staat auf dem I. (abwertend; dürfen nicht
erscheinen, nicht gelesen werden). 3. <P1. Indizes) (Wirtsch.)
statistischer Meßwert, durch den eine Veränderung bestimmter
wirtschaftlicher Tatbestände (z.B. Preis- od.
Mengenentwicklung in einem bestimmten Bereich) ausgedrückt wird:
der I. der Lebenshaltungskosten, der Preise ist gestiegen.
4. <P1. Indizes) a) (Math.. Physik) Buchstabe od. Zahl,
die zur Kennzeichnung od. Unterscheidung gleichartiger,
in Buchstaben od. Zahlen ausgedrückter Größen an diese
(meist tiefer stehend) angehängt werden (z.B. Xj. X2); b)
(Lexikographie) hochgestellte Zahl (die Homograp/ien o. ä.
zum Zwecke der Unterscheidung vorangestellt wird. z. B.
'Bauer, der; ^auer. das).
Index-: -klausel, die (Wirtsch.): Wertsicherungsklausel, nach
der die Höhe eines in Form einer wiederkehrenden Zahlung
geschuldeten Betrages vom Preisindex der Lebenshaltung
abhängig gemacht wird; -lohn, der (Wirtsch.): Lohn, dessen
Höhe beim Ansteigen des Preisindex für die Lebenshaltung
erhöht wird; -rente, die: dynamische Rente, die sich durch
die Verwendung von Indexziffern sich ändernden
Bezugsgrößen anpaßt; -Währung, die (Wirtsch.): Währung, die
durch die Beeinflussung der Geld- u. Kreditmenge durch
die Notenbank - in Anlehnung an einen den Geldwert
bestimmenden Preisindex - manipuliert wird; -zahl, -ziffer, die:
svw. f Index (3.4).
indexieren[mde'ksi:ran]<sw. V.;hat)[zut Index 1]: l.(Fach-
spr.) einen Index (1), eine Liste von Gegenständen od.
Hinweisen anlegen. 2. (Wirtsch.) an eine Indexklausel knüpfen;
<Abl.:> Indexkrung. die; -. -en: das Indexieren.
jndezent [auch: —'-] <AdJ.; -er. -este) [zu frz. indöcent
< lat.indecens = unanständig,unschicklich](bildungsspr.):
nicht taktvoll, nicht feinfühlig (Ggs.: dezent a): eine
-e Frage; die Bemerkung war sehr i.; Indezenz [auch:
—'-]. die; - [frz. indecence < spätlat. indecentia]
(bildungsspr.): Mangel an Takt, Feinfühligkeit (im Hinblick
auf die Gefühle eines anderen) (Ggs.: Dezenz I): sein
Verhalten, seine Worte waren Ausdruck großer I.
IIndiaca©[in'di:aka]. die; -. -s: birnenförmiges, zur
Steuerung an der spitz zulaufenden Seite mit drei kräftigen,
buntgefärbten Federn bestecktes, an der entgegengesetzten Seite
abgeflachtes Sportgerät für das 2Indiaca; 2Indiaca [-]. das; -:
dem Volleyball verwandtes Mannschaftsspiel, bei dem
anstatt des Balles eine xIndiaca verwendet wird, die mit der
Innenfläche der Hand zu schlagen ist; Handtennis.
Indian ['mdia:n], der; -s. -e [kurz flir: indianischer Hahn,
engl. Indian cock] (bes. österr.): Truthahn.
Indianapolis-Start [Indianapolis-, auch: lndia'na.polis-],
der; -[e]s, -s. selten: -e [nach der Rennstrecke in der
amerikanischen Stadt Indianapolis] (Motorsport): Form des
Starts bei Autorennen, bei der die Fahrzeuge zuerst eine
Runde fahren, bevor sie im fliegenden Start über die
Startlinie fahren.
Indianer [in'dia:ni3]. der; -s, - [nach lat. Indiänus, eigtl.
= indisch; 1: Ureinwohner Amerikas; so benannt nach
dem Mißverständnis von Kolumbus, der glaubte, in Indien
gelandet zu sein]: 1. Angehöriger der in zahlreiche Stämme
verzweigten, zur mongoliden Rasse gefwrenden Ureinwohner
Amerikas mit glänzend schwarzem Haar u. rötlichbrauner
bis gelblicher Hautfarbe: die nordamerikanischen I. leben
vornehmlich in Reservaten. 2. (österr.) kurz für t
Indianerkrapfen. 3. (Jargon) Späher, Kundschafter in
geheimdienstlichem Auftrag: Unter einem I. ... verstehen wir einen
Kundschafter im Feindeinsatz (Zwerenz. Quadriga 289).
Indianer- (Indianer I): -buch, das: Reisebericht. Erzählung.
Roman u.a.. worin Leben u. Gebräuche der Indianer (1)
- meist in belehrend-unterhaltender Form - dargestellt sind;
-Mittel, der: nordamerikanischer Bison; -falte, die: svw.
t Mongolenfalte; -Trau, die: svw. tSquaw; -geheul, das
[nach dem Kriegsgeschrei der Indianer] (scherzh.): lautes,
lärmendes Schreien von Kindern beim Spielen, bei jmds.
Begrüßung o. ä.: mit I. stürmten die Schüler aus der Klasse;
-geschichte, die: vgl. -buch; -häuptling. der: Anführer,
Häuptling eines Indianerstammes; -kostüm, das:
Karnevalskostüm, das der Kleidung eines Indianerhäuptlings od. einer
Squaw nachempfunden ist; -krapfen, der [wohl wegen des
rötlichbraunen Überzuges] (österr.): svw. t Mohrenkopf;
-reservat, das: svw. t -reservation; -reservation, die: (in
Nordamerika) den Indianern vorbehaltenes, von ihnen selbst
verwaltetes Siedlungsgebiet; -roman, der: vgl. ^buch; -rot
<Adj.; o. Steig.): hellbraun mit rötlichem Unter ton: eine
alte Frau mit -em Gesicht (Kaschnitz. Wohin 18); -«om-
mer, der [amerlk. Indian summer]: in Nordamerika mit
großer Regelmäßigkeit Ende September u. Attfang Oktober
auftretende langanhaltende Periode schönen Wetters; vgl.
Altweibersommer; -spiel, das: Spiel, bei dem Kinder [als
Indianer verkleidet] Kampf u. Gebräuche der Indianer
nachahmen; -spräche, die: eine der Sprachen der indianischen
Bevölkerung Amerikas: -stamm, der: indianischer
Volksstamm; -tanz, der (scherzh.): Freudentanz: -zeit, das:
kleines Stangenzelt, das Kinder beim Indianerspiel
aufbauen.
Indianerin, die; -. -nen: w. Form zu t Indianer (1); indianisch
<Adj.; o. Steig.): die Indianer (1) betreffend, zu ihnen
gehörend: die -e Kultur; -e Sprachen; Indianist [mdianist].
der; -en. -en: Kenner\ Erforscher der indianischen Sprachen
u. Kulturen; IndianjstOc, die; -: Wissenschaft, die sich mit
der Erforschung der indianischen Sprachen u. Kulturen
beschäftigt.
Indienststellung, die; -. -en (Papierdt.): (von Schiffen) das
Indienststellen, in Betriebnehmen: die I. des Tankers.
indifferent [auch: '-] <Adj.; -er, -este) [lat. indiflerens.
eigtl. = keinen Unterschied habend]: 1. (bildungsspr.)
gleichgültig, ohne Teilnahme, ohne Interesse: er legte in
1327
Indifferentismus
dieser Frage ein völlig -es Verhalten an den Tag; er war.
verhielt sich politisch i. (war ohne politisches Interesse,
hatte in bezug auf politische Ereignisse keine Meinung);
jmd. ist moralisch i. (es fehlt ihm das Moralgefühl); -es
Gleichgewicht (Physik; Gleichgewicht, das bei Veränderung
der Lage erhalten bleibt). 2. (Chemie. Med.) (von
chemischen Stoffen [in Arzneimitteln)) neutral, ohne spezifische
Wirkung; eine -e Substanz; Indifferentismus
[indiferen'tismus], der; -s (bildungsspr.): indifferente
Haltung* Einstellung; das Uninteressiertsein. Gleichgültigsein;
Indifferenz [auch: '-], die; -. -en [lat. indiflerentia =
Gleichheit]: 1. <o. Pl.> Gleichgültigkeit. Uninteressiertheit;
politische, moralische I.; ein Zustand von I. 2. (Chemie.
Med.) (von chemischen Stoffen [in Arzneimitteln])
Neutralität: eine chemische I. zeigen; (Zus.:) Indiflerpizpunkt.
der: etw.. was eine neutrale Mitte zwischen Gegensätzlichem
darstellt, was die Gegensätze in sich aufhebt: Er (= Gott)
ist der I. aller Gegensätze (Thielicke. Ich glaube 1S2).
indigen [mdige:n] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [zu lat. indige-
nus] (Rechtsspr. veraltet): eingeboren, einheimisch; Indige-
nat[...ge'na:t].das; -[e]s. -e[mlat. indigenatio = Geburts-.
Heimatrecht] (Rechtsspr. veraltet): a) Zugehörigkeit zu/n
Rechtsverband eines bestinunten Gebietes; b)
Staatsangehörigkeit.
Indigestion [mdig£s'üo:n. auch: ' ]. die; -. -en [spätlat.
indigestio = Mangel an Verdauung] (Med.):
Verdauungsstörung; fehlende od. mangelhafte Verdauungstätigkeit.
Indignation [mdigna't$io:n]. die; - [lat. indignätio]
(bildungsspr. selten): Unwillen, Entrüstung. Abscheu: Sein ...
Gesicht ... zeigte Würde und I. (Remarque. Triomphe
185); indignieren [indi'gnl:ren] <sw. V.; hat) [lat indignäri
= etw. für unwürdig halten, entrüstet sein od. werden]
(veraltet): Unwillen. Entrüstung hervorrufen; indigniert
[indi'gni:^t] <Adj.; -er. -este) (bildungsspr.): von etw. unan-
genehm. peinlich berührt; über etw. erzürnt, entrüstet: ein
-er Blick; über die Bemerkung war er sehr i.; sich i.
abwenden; Indignität [indigni't£:t], die; - [lat. indignitäs]: 1. (Jur.)
Erbunwürdigkeit. 2. (veraltet) Unwürdigkeit.
Indigo ['indigo], der od. das; -s. (Arten:) -s [span. Indigo
< lat. Indicum < griech. Indlkön. eigtl. = das Indische,
nach seiner ostindischen Heimat]: ältester pflanzlicher,
heute synthetisch hergestellter tief dunkelblauer Farbstoff
indigo-, |ndigo-: -blau <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): von
der Farbe des Indigo s; tiefblau: Glas von -er Färbung;
-blau, das: das I. des sich verdüsternden Himmels; -färben
<AdJ.; o. Steig.; nicht adv.): von der Farbe des Indigos:
-e Stoffe; ^farbstofT, der: dem Indigo ähnlicher synthetischer
F^/?5/öj(y;-lith[...,D:t.auch:...lit].der;-su.-en.-e[n][t-liüi]^
seltener, indigoblauer Turmalin; ^pflanze, die: in den Tropen
u. Subtropen vorkommende Pfkuxze, die den als Indigo
bezeichneten Farbstoff enthält; ^weiB. das: zum Blaufärben
von Baumwoll- u. Wollgewebe verwendete, farblose bis
gelbliche Lösung des Farbstoffs Indigo.
indigoid [mdigo'i:t] <Adj.; o. Steig.) (Chemie): dem Indigo
ähnlich.
Indikation [indika't$jo:n], die; -. -en [lat. indicätio = Anzeige
(des Preises)]: 1. (Med.) [aus der ärztlichen Diagnose sich
ergebende] Heilanzeige (Ggs.: Kontraindikation): die I.
für dieses Medikament ist gegeben bei Hepatitis. 2. (Jur.)
das Angezeigtsein eines Schwangerschaftsabbruchs:
medizinische I. (zur Rettung von Leben od. Gesundheit der
Mutter); eugenische od. kindliche I. (zur Vermeidung von
erbkrankem bzw. vermutlich geistig od. körperlich
behindertem Nachwuchs); ethische I. (bei einer
Schwangerschaft, die auf eine Vergewaltigung zurückgeht); soziale
I. (zur Verhütung einer wirtschaftlichen Notsituation der
Mutter durch Schwangerschaft u. Geburt);
Indikationenmodell, das; -s. -e (Jur): Modell zur Freigabe des
Schwangerschaftsabbruchs unter bestimmten Voraussetzungen; vgl.
Indikation (2).
Indikativ ['indikati:fl. der; -s. -e [...i:va; 1: spätlat. (modus)
indicätivus. eigtl. = zur Aussage, zur Anzeige geeigneter
Modus)]: 1. (Sprachw.) Modus des Verbs, mit dem etw.
als tatsächlich u. wirklich, als gegeben dargestellt od.
angenommen wird; Wirklichkeitsform (z.B. ich gehe); Abk.:
Ind. (Ggs.: Konjunktiv). 2. bestimmtes\ immer
wiederkehrende Radio- od. Fernsehsendungen einleitendes Musikstück.
zu 1: indikativisch I...i:vif. auch: '--] <Adj.; o. Steig.;
nicht präd.) (Sprachw.): im Indikativ [stehend): eine -e
Verbform.
Indikator [indi'ka.tDr. auch: ...to:g]. der; -s. -en [...ka'to.ron;
zu lat. indicäre = anzeigen]: 1. (Fachspr.) Umstand.
Merkmal, das als (statistisch verwertbares) Anzeichen für eine
bestimmte Entwicklung, einen eingetretenen Zustand o. ä.
dient: die Umsatzzahlen können als I. gelten für den
Aufschwung der Konjunktur; für die Demoskopie sind
bestimmte Phänomene -en für Entwicklungen, die erfaßt
werden sollen. 2. (Chemie. Technik) chanische Substanz
od. auch Apparatur, die es ermöglicht, eine chemische
Reaktion od. einen physikalisch-technischen Prozeß in ihrem
Ablauf zu verfolgen od. in einem bestinunten Stadium zu
erkennen: chemische -en reagieren im allgemeinen durch eine
Farbänderung. 3. (Technik) Instrument zum Messen
veränderlichen Drucks von Dampf u.a. in Zylindern: <Zus.:)
Indikatorpapier, das: mit ein&n bestimmten Indikator (2)
getränkter Papierstreifen, der beim Eintauchen in die zu
untersuchende Flüssigkeit eine Farbveränderung erfahrt, die
den Säure- bzw. den Basengehalt der Flüssigkeit anzeigt;
Indikatorpflanze, die (Biol.): Pflanze, aus deren Auftreten
auf eine bestimmte Bodenart geschlossen werden kann (z. B.
Heidelbeeren auf stickstoffhaltigem Boden); Indlkatrix
[...ka:tnks]. die; - [nlat. w. Form zu t Indikator] (Fachspr.,
bes. Math.. Geogr.): tnathematisches Hilfsmittel zur
Feststellung der Krümmung einer Fläche in einem ihrer Punkte.
Indiktion [indik'{ßio:n], die; -, -en [lat. indictio, eigtl. =
Ansage. Ankündigung] (bist.): mittelalterliche
Jahreszählung mit ISjähriger Periode (von 312 n. Chr. an gerechnet).
Indio I'indjty]. der; -s. -s [span. indio. eigtl. = Inder]: span.
Bez. für Indianer.
indirekt [auch: --'-] <Adj.; -er. -este) [mlat. indirectus]:
1. (nicht präd.) (bildungsspr.) nicht durch eine unmittelbare
Äußerung. Einflußnalime o. ä.; nicht persönlich; über einen
Umweg (Ggs.: direkt 5): ein -er Vonvurf; jmdm. etw. i.
zu verstehen geben, vorwerfen. 2. (in bezug auf räumliche
Beziehungen) nicht unmittelbar, nicht auf einem direkten
Weg: der Raum hat -e Beleuchtung (Beleuchtung durch
Lichtquellen, die unsichtbar angebracht sind); I. ist jedes
Licht, dessen Lichtquelle dem Auge verborgen bleibt
(Wohnftbel 157); einen Raum i. beheizen.
jndiskret [auch: —'-] <Adj.; -er. -este) [aus Tin-, In- u.
f diskret] (bildungsspr.): ohne den gebotenen Takt od. die
gebotene Zurückhaltung in bezug auf die Privatsphäre eines
anderen (Ggs.: diskret 1 b): eine -e Frage; ein -es Benehmen;
über seine Familie zu sprechen war sehr i. von dir; <AbI.:>
Indiskretheit [auch: —'—]. die; -. -en: 1. <o. PI.) das
Indiskretsein; indiskretes Verhalten: seine I. war für alle
Beteiligten sehr peinlich. 2. indiskrete Handlung;
Indiskretion [auch: ' ]. die; -. -en [frz. indiscr&ion < spätlat.
indiscretio, eigtl. = Rücksichtslosigkeit] (Ggs.:
Diskretion): 1. Mangel an Verschwiegenheit; das Weitergeben
einer geheimen od. vertraulichen Nachricht: eine bewußte,
gezielte I.; -en in der Presse hatten die Sache ins Rollen
gebracht; eine I. (Vertrauensbruch) begehen. 2. (selten)
Taktlosigkeit.
indiskutabel [auch: '—] <Adj.; ...bler. -este; nicht adv.)
[aus tin-. In- u. tdiskutabel] (bildungsspr. abwertend):
so beschaffen, daß es sich nicht lohnt, darüber zu diskutieren;
nicht erwägenswert (Ggs.: diskutabel): eine indiskutable
Forderung; der Plan. Vorschlag ist absolut i.
indispensabel [auch: '—] <AdJ.; o. Steig.; nicht adv.)
[aus tin-. In- u. tdispensabel; vgl. frz. indispensable <
mlat. indispensabilis] (bildungsspr. veraltet): unerläßlich.
indisponibel [auch: '—] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.)
[aus Tin-, In- u. f disponibel; vgl. frz. indisponible]
(bildungsspr.; Ggs.: disponibel a): 1. nicht verfügbar, festgelegt:
indisponibles Kapital. 2. (selten) unveräußerlich;
indisponiert [auch: '-] <AdJ.; -er. -este; nicht adv.) [unter
Einfluß von franz. indispose zu disponiert] (bildungsspr.):
(für eine bestimmte Tätigkeit, die eine bes.
körperlich-seelische Einsatzfähigkeit. Gestimmtheit o. ä. verlangt, bes. für
einen künstlerischen Vortrag) in schlechter Verfassung;
nicht disponiert (a): der Künstler. Sänger war L; die Sportler
gingen völlig i. an den Start; <Abl.:) Indisponiertheit [auch:
'—], die; - (bildungsspr.): Zustand des
Indisponiertseins: Indisposition [auch: '-], die; -, -en [frz.
Indisposition] (bildungsspr.): Unpäßlichkeit; schlechte körperlich-
seelische Verfassung: der Sänger litt an einer leichten I.
indisputabel [auch: '—] <AdJ.; ...bler. -ste; nicht adv.)
[spätlat. indisputäbilis] (bildungsspr. selten): nicht strittig,
unanfechtbar (Ggs.: disputabel).
1328
Indizierung
Indisziplin [auch: '-]. die; - [aus Tin-, In- u. t Disziplin]
(selten): Mangel an Disziplin (1); indiszipliniert [auch:
'-] <Adj.; -er. -este) (selten): nicht diszipliniert.
Indium [tndiuml. das: -s [zu lat. indicum = Indigo, so
benannt wegen der indigoblauen Linien im Spektrum]:
ein silberweißes, stark glänzendes Metall (chemischer
Grundstoff); Zeichen: In
individual-, Individual- [individua:l...; mlat. individualis =
das Einzelwesen betreffend. Einzel.... zu lat. indlviduum,
t Individuum]: -begriff, der (Philos.): Begriff unter
den ein einzelner Gegenstand fällt (Ggs.: Allgemeinbegriff);
-bereich, der (Fachspr.): persönlicher, privater Bereich;
Privatsphäre einer Person; -diagnose, die (Psych.): Methode
zur Erfassung der Persönlichkeit u. a. mit Hilfe von Tests;
-distanz, die (Zool.): spezifischer Abstand, auf den sich
Tiere bestimmter Arten (außer bei der Brutpflege) unter-
einander annähern; -ethik, die: 1. Teilgebiet der Ethik,
das insbesondere die Pflichten des einzelnen gegen sich selbst
berücksichtigt. 2. Ethik, in der der Wille od. die Bedürfnisse
des einzelnen als oberster Maßstab zur Bewertung von
Handlungen angesehen werden; -potenz, die: I. (Biol.) [sexuelle]
Leistungsfähigkeit männlicher Individuen. 2. (Tierzucht)
Ausmaß der Erbtüchtigkeit eines Zuchttieres; -Prävention,
die: svw. t Spezialprävention; -Psychologie, die:
psychologische Forschungsrichtung, die sich mit dem Einzelwesen
befaßt im Gegensatz zur Sozialpsychologie, dazu:
^psychologisch <Adj.; o. Steig.); -Sphäre, die: vgl. ^bereich;
^verkehr, der (Am tsspr.): (bes. innerhalb der Städte, in
Ballungsräumen) durch Privatfahrzeuge aufkommender Autoverkehr
im Gegensatz zum öffentlichen Verkehr.
Individualisation [individualiza't$io:n], die; -. -en [frz. indivi-
dualisation] (Wissensch.. bes. Kunstwiss.): individualisierte
Darstellung; individualisieren [...ali'zi.ren] <sw. V.; hat) [frz.
individualiser] (Wissensch.. bes. Kunstwiss.): bei der
Darstellung, Charakterisierung eines Gegenstandes, einer Person
die Individualität, das Besondere, Individuelle hervorheben,
herausarbeiten; die Kunst dieser Zeit zeigt noch keine
individualisierten Gesichter. Figuren; <AbI.:> Individualfek-
rung, die; -. -en: a) das Individualisieren; die I. eines
Typs: b) individualisierte Darstellung; Individualismus
[...a'lismus], der; - [frz. individualisme]: 1. (Philos.)
Anschauung, die dem Individuum, dem Einzelmenschen u. seinen
Bedürfnissen den Vorrang einräumt vor der Gemeinschaft
od. Gesellschaft; ein Anhänger. Vertreter des I. 2.
(bildungsspr., häufiger abwertend) individualistische, die
persönliche Eigenart betonende, allein auf die Verwirklichung
eigener Vorstellungen, aujdie Entfaltung der eigenen
Persönlichkeit ausgerichtete Haltung, die dem Gefühl der
Zugehörigkeit zu einer Gemeinscliaft od. einer Verpflichtung
gegenüber der Gemeinscliaft wenig Raum läßt: er treibt seinen
I. etwas zu weit; Individualist [...a'list]. der; -en. -en [frz.
individualiste]: 1. Vertreter des Individualismus (1). 2.
(bildungsspr.. gelegtl. abwertend) jmd.. der einen ganz
persönlichen, eigenwilligen Lebensstil entwickelt hat u. sich dadurch
von anderen, ihren Verhaltens-, Denkweisen abhebt, der
von einer Gruppe od. Gemeinschaft unabhängig ist /u. sein
möchte]; er war schon immer ein I.. der von der Meinung
der anderen unabhängig war; die Mannschaft besteht aus
lauter -en (Mitgliedern von ausgeprägter Eigenart, die ihre
Fähigkeiten nur schwer zugunsten der Gemeinschaft
entfalten können); individualistisch <AdJ.): 1. dem Individualismus
(I) entsprechend. 2. (bildungsspr.) der Haltung, Eigenart
eines Individualisten (2) entsprechend; ein -er Arbeitsstil;
Demütigungen am laufenden Band, um jeder -en Regung
die Knochen zu zerbrechen (Kirst. 08/15.217); sein
Lebensstil ist sehr L; bei einem Vorhaben sehr i. vorgehen:
Individualität [...ali'te:tl. die; -. -en [frz. individualite]
(bildungsspr.): 1. <o. PI.) Summe der Eigenschaften, Merkmale,
die die Besonderheit eines Menschen ausmachen: seine I.
entfalten, aufgeben, verlieren. 2. /ausgeprägte]
Persönlichkeit in ihrer Unverwechselbarkeit: er ist eine ausgeprägte
I.; zu verschiedene -en erzeugen häufig Konfliktstoff;
lndividuation [...a'tßjo.n], die: -. -en [gepr. von dem Schweiz.
Psychoanalytiker C. G. Jung (1875-1%1)] (Psych.):
Prozeß der Selbstwerdung des Menschen, in dessen
Verlauf sich das Bewußtsein der eigenen Individualität bzw.
der Unterschiedenheit von anderen zunehmend verfestigt:
der Prozeß der I.; individuell [...dyel] <Adj.) [frz.
individuell: l.a) auf das Individuum, den einzelnen Menschen,
seine Bedürfnisse, speziellen Verhältnisse u.a. zugeschnitten.
ihnen angemessen, ihnen entsprechend: eine -e Behandlung,
Lösung des Falles; in diesem Haus werden die Gäste i.
betreut; die Kinder werden i. unterrichtet, erzogen; b)
durch die Eigenart, Besonderheit u. ä. der
Einzelpersönlichkeit geprägt; je nach persönlicher Eigenart [verschieden]:
-e Probleme. Bedürfnisse; ein -er Geschmack, Stil; der
Raum hat eine -e Note; etw. trägt -e Züge; Die
Unterschiede sind immer i. (Zwerenz, Kopf 201); die Reaktion auf
das Medikament ist i. verschieden; etw. i. gestalten; die
... Duftkomposition ... entfaltet sich auf Ihrer Haut völlig
i. (Petra 10. 1966. 105). 2, <nur attr.) [als persönliches
Eigentum] einem einzelnen gehörend, nicht
gemeinschaftlich, öffentlich genutzt o. ä.: -es Eigentum: Die Umstände
des Straßenverkehrs, also die Benutzung -er
Kraftfahrzeuge ... gehen auf das Konto aller (Auto 8, 1965. 27); in
Schulenberg sollen nur noch wenige
Genossenschaftsbauern eine -e Kuh haben (Neues D. 20. 6. 64, 6). 3.
<nur attr.) als Individuum, als Persönlichkeit zu
respektieren; als Einzelpersönlichkeit hervortretend o.a.: nicht ...
manipulierbare Asoziale .... sondern ... -e Bürger, die ...
durch unsere Gesellschaft krank u. straffällig geworden
waren (Ossowski. Bewährung 10); Eine Stadt mit -en
Künstlern.... die auch den Architekten aus der Anonymität
... zur Künstlerpersönlichkeit führten (Bild. Kunst 3. 23);
Individuen: PI. von f Individuum; individuieren [...'i:renj
<sw. V.; ist) [frz. individuer. zu: individu = Einzelwesen,
vgl. Individuum] (Wissensch.): eine individuelle, akzentuier-
te / Persönlichkeits]struktur gewinnen: das Bewußtsein
derer, die sich etwas darauf zugute tun. individuiert zu sein
(Adorno. Prismen 97); <Abl.:) Indivkiukning, die: -, -en;
Individuum [indi'vi:duum], das; -s. ...duen [...dipn; lat.
indlviduum = das Unteilbare, zu tin-. In- u. dividere
= trennen, zerteilen]: 1. (bildungsspr.) der Mensch ab
Einzelwesen [in seiner jeweiligen Besonderheit]: das I. und
die Gesellschaft; Ich gehöre zu den Nachrichtenmedien,
aber ich bin hier als I. (Wolfe [Übers.]. Radical 53). 2.
(abwertend) Mensch von zweifelhaftem Charakter; in
irgendeiner Hinsicht negativ eingeschätzte Person: ein
fragwürdiges, verdächtiges I.; das Werk verantwortungsloser,
unreifer und sensationssüchtiger Individuen (Musil. Mann
89). 3. (Biol.) Pflanze, Tier als Einzelexemplar: Die
Entstehung neuer Individuen durch ungeschlechtliche
Vermehrung spielt besonders auf niederen Formstufen eine große
Rolle (Medizin II, 37). 4. (Chemie) kleinstes chemisches
Teilchen jeglicher Art: Atome und Moleküle sind
chemische Individuen.
Indiz [m'di:t$], das; -es, -ien [...Jan; lat. indicium = Anzeige.
Anzeichen]: 1. <häufig PI.) (Jur.) (im Zusammenhang mit
einer Straftat) Umstand, der mit Wahrscheinlichkeit auf
einen bestimnuen Sachverhalt, vor allem auf die Täterschaft
einer bestimmten Person schließen läßt; be- oder auch
entlastender Tatumstand: ein belastendes, ausreichendes I.; die
-ien reichen für eine Anklage nicht aus; das Urteil stützt
sich auf-ien. 2. (bildungsspr.) Anzeichen für etw.;
symptomatisches Merkmal, an dem sich ein Zustand, eine
Entwicklung ablesen, erkennen läßt: die Art der Wolkenbildung
ist ein sicheres I. für einen Wetterumschwung; der Zustand,
in dem sich ihre Presse befindet, ein zuverlässiges I. für
das Maß an innerer Freiheit, das sich eine Gesellschaft
bewahrt hat (Enzensberger. Einzelheiten I. 20); Indizes:
PI. von t Index; Indizien: PI. von t Indiz.
Indizien- (Indiz 1): -beweis, der: auf zwingende mittelbare
Anzeichen od. Umstände gegründeter Beweis; Beweis, der
sich nur auf zwingende Verdachtsmomente stützt; -kette,
die: Beweiskette, die sich aus einzelnen Indizien
zusammensetzt; -prozeß, der: Prozeß, der sich in seiner Beweisführung
auf Indizien stützt.
indizieren [indi'Jßi.ron] <sw. V.; hat) [lat. indicäre =
anzeigen]: 1. (bildungsspr.) etw. erkennen lassen, auf etw.
hinweisen; Anzeichen, Indiz (2) für etw. sein: der Erfolg indiziert
die Richtigkeit seines Vorgehens. 2. (bes. Med.) etw., bes.
eine bestimmte Behandlung, Heilmethode o. ä„ als angezeigt
erscheinen lassen <meist im 2. Part.) (-I- sein)): eine
Operation, eine medikamentöse Behandlung der Krankheit ist
[nicht] indiziert. 3.a) (kath. Kirche) (von Druckwerken)
auf den Index (2) setzen: die Bücher dieses Autors wurden
von der Kirche indiziert; b) (von Druckwerken) durch
behördlichen Beschluß die Verbreitung, den Verkauf an
Jugendliche untersagen: ein Buch als jugendgefährdend i.
4. svw. tindexieren; <Abl.:> Indizkrung, die; -, -en: das
84 GDW
1329
Indizium
Indizieren. Indiziertwerden (1, 3. 4); Indizium [mdi.tßlum],
das; -s, ...ien (selten): svw. t Indiz.
indo-v Indo- [mdo; zu griech. Indös = indisch]: -vier
<P1.): zu den Ariern gehörende Völker Vorderindiens, dazu:
-drisch <Adj.; o. Steig.): -e Sprachen: -europöer <P1.)
[engl. Indo-European): außerhalb Deutschlands, bes. in
England u. Frankreich übliche Bez. für t -germanen, dazu:
-europäisch <AdJ.; o. Steig.): svw. t-germanisch, -euro-
päist [-gyrope'ist], der; -en, -en: svw. T^gennanist, -euro-
päfstik, die; -: svw. t-germanistik; -germgnen <PI.>: bes.
in Deutschland übliche Bez. für die Völker, die das Indo-
germanische als Grundsprache haben, dazu: -germanisch
<AdJ.; o. Steig.) [1823 gepr. von dem dt. Orientalisten
H. J. Klapproth (1783-1835)1: die Indogermanen. das
Indogermanische betreffend: Abk.: idg., -germanische, das
[benannt nach den räumlich am weitesten voneinander
entfernten Vertretern, den Indern im Südosten u. den
Germanen im Nordwesten!: erschlossene Grundsprache der
Indogermanen. -germanjst, der: Wissenschaftler auf dem
Gebiet der Indogermanistik, -gennanjstik. die: Wissen-
schaft. die die einzelnen Sprachzweige des Indogermanischen
u. die Kultur der Indogermanen erforscht, -germanjstin,
die: w. Form zu t^germanist; -k«e, der; -n. -n [t-logel:
Wissenschaftler auf dem Gebiet der Indologie: -logk, die; -
[t-logie]: Wissenschaft von der indischen Sprache u. Kultur,
-pazifisch <Adj.; o. Steig.): den Indischen u. Pazifischen
Ozean betreffend: um den Indischen u. Pazifischen Ozean
gelegen u. ä.
Indoktrination [tndaktrina'&om]. die; -. -en [zu lat. in- =
hinein u. doctrlna = Belehrung] (bes. Politik abwertend):
[massive] psychologische Mittel nutzende Beeinflussung von
einzelnen od. ganzen Gruppen der Gesellschaft im Hinblick
auf die Bildung einer bestimmten Meinung od. Einstellung
[bes. zu einer politischen Doktrin o.a.]: politische,
ideologische I.; I. betreiben; Die Vermittlung der ... Normen ....
insbesondere der sexuellen, geschieht... überl. und
Repression (Schmidt. Strichjungengespräche 36); indoktrinieren
[...'nl:renl <sw. V.; hat) (bes. Politik abwertend): [in bezug
auf eine politische Lehre] durch Indoktrination beeinflussen,
in eine bestimmte Richtung drängen: Jmdn. ideologisch,
politisch 1.; in keiner Weise fühlt sich der Besucher indok-
triniert - weder vom Marxismus noch von aufdringlicher
Konsumwerbung (MM 17. 8. 71, 3); indoktrinierte
Funktionäre; <Abl.:> Indoktrinkrung, die; -, -en: a) das
Indoktrinieren: Agitatoren, die durch geschickte I.... zu
beeinflussen ... wissen (FAZ 18. 11. 61, 2); b) das Indoktriniertwer-
den: Kinder vor einer I. im Klassenzimmer schützen.
Indol [m'dorl], das; -s, -e [Kurzwort aus t Indigo u. t Benzol]:
chemische Verbindung, die bei der Fäulnis von Eiweißkörpern
entsteht: auch als Wuchs- od. Duftstoff in Pflanzen.
indolent ['indolent, auch: —'-) <AdJ.; -er, -este) [lat. indolens
(Gen.: indolentis) = unempfindlich gegen den Schmerz]:
1. (bildungsspr.) geistig träge u. gleichgültig: keine
Gemütsbewegung erkennen lassend: ein völlig -er Mensch; er ist.
verhielt sich i. 2. (Med.) a) schmerzunempfindlich:
gleichgültig gegenüber Schmerzen: der Kranke scheint völlig i.
gegenüber seinen Schmerzen; b) (vom Organismus od.
einzelnen Körperteilen) schmerzfrei: c) (von krankhaften
Prozessen) keine Schmerzen verursachend: Indolenz [mdolentß,
auch: —'-]. die; - [lat. indolential: das Indolentsein.
indossabel [mdo'sa:b|] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [nach
ital. indosso (t Indosso) zu frz. endossable] (Bankw.): durch
Indossament übertragbar: Indossament [...sa'ment], das;
-[eis. -e [frz. endossement, zu t indossieren] (Bankw.): svw.
TGiro (2); Indossant [...sant], der; -en, -en (Bankw.): svw.
tGirant; Indossat [...'sa:t], der; -en. -en. Indossatar [...sa-
'ta:g], der; -s, -e (Bankw.): svw. TGirat. Giratar: Indossant
[...sent], der; -en. -en (Bankw.): svw. T Indossant;
indossierbar [...'si.flba:?] (AdJ.; o. Steig.; nicht adv.) (Bankw.):
svw. !girierbar; indossieren [...'sl:ren] <sw. V.; hat) [ital.
indossare, eigtl. = auf dem Rücken tragen, zu: dosso
= Rücken; geb. nach frz. endosser (nach diesem die
zeitweilig gebrauchte dt. Formendossieren) < mlat. indorsare.
zu lat. dorsum (vlat. dossum) = Rücken, da urspr. der
Übertragungsvermerk nur auf die Rückseite des
Indossaments geschrieben wurde] (Bankw.): svw. t girieren; <Abl.:>
Indossifiruns» die; -. -en; Indosso [...doso], das; -s. -s u.
...ssi [ital. in dosso = auf dem Rücken, vgl. indossieren]
(Bankw.): svw. t Indossament.
in dubio [in du:bio; lat.; ihn u. dubium = Zweifel]
(bildungsspr.): im Zweifellsfalle]: in dubio pro reo (- - pro:
re:o; lat. = im Zweifel für den Angeklagten] (jur.): lassen
sich Zweifel an der Schuld des Angeklagten nicht beheben.
so ist er freizusprechen (Grundsatz des Strafverfahrens).
Induktanz [induk'tan$], die; - [zu t induzieren (2)] (Elek-
trot.): induktiver (2) Widerstand: Induktion [mdukt$io:n],
die; -, -en [lat. inductio = das Hineinführen,
Beweisführung durch Anführung ähnlicher Beispiele u. Fälle]: 1.
(Philos.) wissenschaftliche Methode, vom besonderen
Einzelfall auf das Allgemeine. Gesetzmäßige zu schließen (Ggs.:
Deduktion 1): vollständige I. (Math.; Beweisverfahren zum
Nachweis der Allgemeingültigkeit eines Satzes, der nach
seiner Form schon bekannt u. an eine unbestimmte Zahl
n gebunden ist). 2. (Elektrot.) Erzeugung elektrischer
Ströme u. Spannungen in elektrischen Leitern durch bewegte
Magnetfelder: Gegenspannung. 3. (Biol.) von einem
bestimmten Keimteil ausgehende Wirkung, die einen anderen
Teil des Keims zu bestimmten Entwicklungsvorgängen
zwingt.
Induktions-: Apparat, der (Elektrot.): svw. t
Funkeninduktor; -beweis, der (Philos.): Beweis mit Hilfe der Induktion
(1): -krankheit, die (Med.): Krankheitssymptome, die durch
ständigen persönlichen Kontakt des Betroffenen mit einem
Kranken auf psychischem, suggestivem Weg übertragen
werden: Miiaschine, die (Elektrot.): elektrische Maschine zur
Erzeugung von Wechselstrom, bei der die Leistung vom
Ständer auf den Läufer (od. umgekehrt) durch Induktion
übertragen wird: Mnotor, der (Elektrot.): Drehstrommotor,
in dem Induktionsstrom entsteht: -ofen, der (Technik):
elektrischer Schmelzofen für hohe Temperaturen, bei dem das
Metall induktiv (2) geschmolzen wird: -schleife, die
(Elektrot.): Leiterschleife, mit deren Hilfe die Erscheinung der
Induktion (2) für technische Zwecke nutzbar gemacht wird
(z. B. bei der automatischen Steuerung von
Verkehrsampeln); -ström, der (Elektrot.): durch Induktion (2) erzeugter
Strom: -zeit die (Biol.): Zeit der Einwirkung eines Reizes
auf einen Organismus.
induktW [mduk'ti:f. auch:' ] <Adj.; o.Steig.) [lat. induc-
tlvus = zur Annahme, als Voraussetzung geeignet]: 1.
(Philos.) in der Art der Induktion (1) vom Einzelnen zum
Allgemeinen hinführend (Ggs.: deduktiv): die -e Methode; eine
Wissenschaft, die i. vorgeht. 2. (Elektrot.) durch Induktion
(2) wirkend od. entstehend: -er Widerstand (durch die
Wirkung der Selbstinduktion bedingter Widerstand im
Wechselstromkreis); Induktivitit [mduktivi'te.t], die; -, -en
(Elektrot.): Verhältnis zwischen induzierter Spannung u.
Änderung der Stromstärke pro Zeiteinheit; Induktor [Induktor,
auch: ...to:g], der; -s, -en [...'to:ren; lat. inductor =
Anführer. Einführer] (Elektrot.): svw. t Induktionsapparat,
Funkeninduktor.
in dulci iubilo [m 'dulfci Ju:biio; lat. = in süßem Jubel.
Anfang eines ma. Weihnachtsliedes mit gemischtem lat.
u. dt. Text] (ugs.): herrlich u. in Freuden: in d. j. leben.
indulgcnt [mdul'gent] <AdJ.; -er, -este) [lat. indulgens (Gen.:
indulgentis)] (bildungsspr.): Schonung gewährend,
nachsichtig, mild; Indulgenz [mdul'gentß], die; -, -en [lat. indulgentia]
(bildungsspr.): Schonung. Nachsicht. Milde; Straferlaß.
Indulin [indu'li:n]. das: -s. -e (meist PI.) [Kunstwort zu
t Indigo; nach der Färbung] (Chemie): grauer bis
blauschwarzer od. violetter Farbstoff.
Indult [m'dult], der od. das; -le]s. -e [lat. indultum]: 1.
(Völkerr.) Frist bei Kriegsausbruch, innerhalb deren die
feindlichen Handelsschiffe sich in Sicherheit bringen können.
2. (kath. Kirche) vorübergehende Befreiung von einer
kirchengesetzlichen Verpflichtung. 3. (Wirtsch.) Einräumung
einer Frist, wenn der Schuldner in Verzug ist.
in duplo [in du:plo; lat.; aus t^n u. duplus = doppelt]
(veraltet): doppelt, zweifach; in doppelter Ausfertigung.
Induration [mdura'tßiom], die; -. -en [spätlat. induratio =
Verhärtung] (Med.): Verhärtung eines Gewebes od. eines
Organs; indurieren [...'rl:ran] <sw. V.; ist) [zu lat. Indüräre
= hart machen, (sich) verhärten] (Med.): (von Geweben.
Organen. Haut od. Muskeln) sich verhärten.
Indusi [m'du:zi], die; - [Kurzw. aus induktive Zugsicherung]
(Eisenb.): durch Induktion (2) gesteuerte
Sicherheitsvorrichtung zur automatischen Steuerung von Zügen.
Indusium [m'du:zium). das; -s. ...ien [...Jan; lat. indüsium
= oberer Teil der Tunika] (Bot.): häutiger Auswuchs der
Blattunterseite von Farnen, der die Sporenbehälter
überdeckt.
1330
ineffizient
Industrial engineer [m'dAstrol oubi'nia], der; - -s. - -s [engl.-
amerik. industrial engineer]: svw. tWirtschaftsingenieur;
Industrialengineering [- endsi'niann]. das; - -s
[engl.-amerik. industrial engineering]: Wissenschaft u. Technik der
Rationalisierung von Arbeitsprozessen in der Industrie nach
technischen u. wirtschaftswissenschaftlichen Prinzipien (bes.
in den USA): industrialisieren [mdustriali'zi:ran] <sw. V.;
hat) [frz. industrialiser. zu t Industrie]: a) mit Industrie
versehen, in einem Gebiet Industrie ansiedeln: ein Gebiet,
die Entwicklungsländer i.; die industrialisierten Länder
Mittel- und Westeuropas; b) industrielle Her
Stellungsmethoden in einem Produktionsbereich, einem Betrieb o.a.
einführen: die Wirtschaft eines Landes i.; Ü von einer
Zeit .... in der man den Mord industrialisierte (Kant,
Impressum 67); <Abl.:> Industrialisierung, die; -: die
wachsende, zunehmende I. Mitteleuropas: Industrialismus
[mdostria'lismus]. der; -: das Vorherrschen der Industrie
in einer Volkswirtschaft mit seinen Auswirkungen; Industrie
[mdus'tri:]. die; -. -n [...i.an; frz. Industrie < lat. industria
= Fleiß. Betriebsamkeit]: a) <P1. selten) Wirtschaftszweig,
der die Gesamtheit aller mit der Massenherstellung von
Konsum- u. Produktionsgütern beschäftigten
Fabrikationsbetriebe eines Gebietes umfaßt: die deutsche, japanische
I.; die I. blüht, stagniert; eine moderne I. aufbauen; die
Verstaatlichung der I.; er hat einen hohen Posten in der
I.; er wird später einmal in die I. gehen (ugs.; in der
Industrie tätig sein): b) Gesamtheit der Fabrikationsbetriebe
einer bestimmten Branche in einem Gebiet: die chemische,
pharmazeutische, eisenverarbeitende I.; die verschiedenen
-n eines Landes; Ü Es gab einflußreiche -n. wie die des
Fußballspiels oder des Tennis (Musil, Mann 399).
industrk-, Industrie-: ^abgas, das (meist PI.): durch die
industrielle Produktion entstehendes Abgas: ^abwasser, das
<meist PI.): vgl. ^abgas; MÜctie. die <meist PI.): Aktie
aus einem Industrieunternehmen; -anläge, die: Gesamtheit
von Gebäuden u. Einrichtungen samt dem Gelände eines
Industriebetriebs; ^arbeiter, der; ^arbdterschaft, die; ^aus-
stellung» die: Ausstellung, auf der Maschinen u. Erzeugnisse
der Industrie gezeigt werden; -bahn, die: von einem
Industriebetrieb unterhaltene Bahn mit Anschluß an das
Eisenbahnnetz; -baron, der (ugs. spött.): svw. t -magnat; -bau,
der: a) <P1. -bauten) zu einem Industriebetrieb gehörendes
Bauwerk: -ten aus dem vergangenen Jahrhundert; b) <o.
PI.) das Bauen von Industriebauten (a): Entwicklungen im
I.; -berater, der. jmd.. der beratende Aufgaben in einem
industriellen Unternehmen wahrnimmt (Berufsbez.);
-betrieb, der: industrieller Betrieb, in dem in großer Menge
Waren produziert od. Stoffe gewonnen werden: ein I. mit
1000 Beschäftigten; -blond <AdJ.; o. Steig.; nicht adv.)
(ugs. scherzh.): nicht natürlich blond, sondern gebleicht od.
blond gefärbt: die chromblitzende Bar .... hinter der ...
zwei -e Damen bedienten (Volk 9. 7. 64. 5); -boß, der
(ugs.): mit Macht ausgestatteter Mann an der Spitze eines
großen Industrieunternehmens: ein Leben, wie es sich selbst
in den USA nur Industriebosse leisten können (Bild 6.
4. 64. 3); -erzeugnis, das; -gebiet, das: Gebiet mit vielen
Industrieanlagen [der Schwerindustrie]: das I. an der Ruhr;
in einem I. leben; -geselkehaft, die (Soziol.): Gesellschaft,
die durch die Industriewirtschaft geprägt ist: die moderne
I.; in einer I. leben; -gewerksdiaft, die:
Gewerkschaftsverband eines Industriezweiges: Lohnforderungen der I. Druck
und Papier; Abk.: IG; -gigant, der (ugs.): Industriebetrieb
von sehr großen Ausmaßen: der I. Fiat (Auto 6. 1965.
40); -gleis, das: Gleis einer Industriebahn; -hafen, der;
-Institut, das: Institut, das sich mit Fragen der Wirtschafts-
u. Sozialpolitik bes. im Hinblick auf ihre Verwertbarkeit
in der Industrie beschäftigt; -kapitän, der (ugs.): Leiter
eines großen Industriebetriebs; -kaufinann, der: jmd.. der
über eine kaufmännische Ausbildung verfugt u. in einem
Industrieunternehmen als Buchhalter. Korrespondent, im
Ein- u. Verkauf, in der Kalkulation od. in der
Personalabteilung tätig ist (Berufsbez.); -kombinat, das (DDR):
Kombinat von Industriebetrieben; -konzern, der: Konzern, in dem
mehrere Industriebetriebe zusammengeschlossen sind;
-laden, der (DDR): Verkaufsstelle, in der ein volkseigener
Industriebetrieb seine Erzeugnisse verkauft; -hnd, das: svw.
t -Staat; -bndschaft,die: Gebiet, das durch Industrieanlagen
der Schwerindustrie geprägt ist: wir fuhren durch eine I.;
-macht, die: einflußreicher Industriestaat: die I. Japan;
Miiagnat, der: Eigentümer großer, in Industriebetrieben
investierter Kapitalien; -messe, die: vgl. -ausstellung; -müll,
der: bei der industriellen Produktion anfallender Müll: eine
Firma für unschädliche Verbrennung und Beseitigung von
I.; -nation, die: svw. f-Staat: die reichen -en; -Obligation,
die (meist PI.): Anleihe eines [Industrie]Unternehmens;
-papier, das (meist PI): svw. t -aktie; -pflanze, die (meist
PL): Pflanze, die vorwiegend als Rohstofflieferant für die
Industrie angebaut wird (z. B. Flachs. Tabak); -politik,
die; -Produkt, das: auf dieser Messe werden die neuesten
-e ausgestellt, dazu: -Produktion, die; -Proletariat, das:
In Westeuropa ... wird der Kommunismus von einem
Teil des -s ... getragen (Fraenkel. Staat 166); -revier,
das; -ritter, der [frz. Chevalier d'industrie] (veraltet
scherzh.): Großindustrieller; -schau, die: vgl. -ausstellung;
-Soziologie, die: Teilgebiet der Soziologie, das sich mit
den Institutionen. Organisationen. Verhaltensmustern u.
Einstellungen in Industriegesellschaften befaßt, dazu:
-soziologisch (Adj.; o. Steig.; nicht adv.): die Industriesoziologie
betreffend; -Staat, der: Staat im Unterschied zum Agrar-
u. Handelsstaat; Staat, dessen Wirtschaftskraft
hauptsächlich auf der industriellen Produktion beruht; die westlichen
-en; das Land hat sich innerhalb weniger Jahrzehnte zu
einem modernen I. entwickelt; -Stadt, die: Stadt mit viel
Industrie: eine aufstrebende I.; -unternehmen, das: vgl.
-betrieb: an der Spitze eines großen -s stehen; -verband,
der: 1. Unternehmerverband der Industrie. 2. (selten) svw.
t -gewerkschaft; -viertel, das: Stadtteil, in dem sich viele
Industriebetriebe befinden: in einem I. wohnen; -werk,
das: vgl. -betrieb: ein gigantisches I.; -Wirtschaft, die:
auf industrieller Produktion basierende Wirtschaft;
-Zeitalter, das: um die Wende des 18. Jh.s zum 19. Jh. beginnende
Periode der neuesten Geschichte: die bürgerliche
Gesellschaft des aufkommenden -s; im I. leben; -zentnm, das;
-zweig, der: Gesamtheit der Unternehmen, die mit
bestimmten Stoffen arbeiten u. daraus bestimmte Produkte herstellen
(z. B. die metallverarbeitende Industrie).
industriell [industriell (Adj.; o. Steig.; nicht präd.) [frz.
industriell: a) die Industrie betreffend, zu ihr gehörend:
-e Anlagen, Produktionsverfahren; das -e Proletariat; -es
Wachstum; die Schwäche des Stalinismus in seinem Kampf
mit dem technisch, zivilisatorisch und i. überlegenen
Westen (Fraenkel, Staat 169); -e Psychologie (Teilgebiet der
angewandten Psychologie, in dem psychologische
Zusammenhänge in Industrie u. Wirtschaft untersucht werden);
die -e Revolution (hist.; die vor allem im Gefolge der
Erfindung der Dampfmaschine gegen Ende des 18. Jh.s zuerst
in England einsetzende wirtschaftlich-technische u. soziale
Umwälzung): b) in der Industrie [erfolgend, hergestellt/:
die -e Produktion; -e Erzeugnisse; Rohstoffe i. verarbeiten;
(subst.:) Industrielle, der u. die; -n. -n (Dekl. t
Abgeordnete): Eigentümer [in] eines Industriebetriebs;
Unternehmerin]: ein reicher -r; prominente I, aus Düsseldorf.
Frankfurt und Stuttgart; Industrie- und Handelskammer,
die; -. -n: öffentlich-rechtliche Vertretung der Industrie u.
des Handels auf regionaler Basis: die I. Berlin; Abk.: IHK
induzieren [indu'tßi:ren] (sw. V.; hat) [lat. indücere =
hineinführen]: 1. (bes. Philos.) vom besonderen Einzelfall
auf das Allgemeine. Gesetzmäßige schließen (Ggs.:
deduzieren): aus diesen Einzelfällen läßt sich folgendes i.: ... 2.
(Elektrot.) elektrische Ströme u. Spannungen in elektrischen
Leitern durch bewegte Magnetfelder erzeugen. 3. (Fachspr.)
bewirken: konnte durch Verabreichen von Testosteronpro-
pionat bei weiblichen Tieren männliches Verhalten
induziert werden (Studium 5, 1966. 280)- induziertes Irresein
(Med.; psychotischer Zustand durch Übernahme von
Wahnvorstellungen. Hysterie eines Geisteskranken).
Ineditum [in'|e:ditom], das; -s. ...ta [lat. ineditus = noch
nicht herausgegeben] (Fachspr.): noch nicht herausgegebene
Schrift.
in effectu [m e'fektu; lat.; tHn u. t Effekt] (bildungsspr.
veraltet): in der Tat. wirklich: ineffektiv [auch: '-]
(Adj.) [zu T in-. In- u. teffektiv]: unwirksam, fruchtlos: ein
-es Vorgehen.
inefflgie [in e'fi:gia; lat. = im Bild] (bildungsspr.): bildlich:
Jmdn. in e. hinrichten (hist.; eine Hinrichtung symbolisch
an einer bildlichen Darstellung des entflohenen Verbrechers
vollziehen).
ineffizient [auch: '-] (Adj.; o. Steig.) [zu tin-, In- u.
teffizient] (Fachspr.. bildungsspr.): unwirksam, nicht
leistungsfähig; unwirtschaftlich (Ggs.: effizient), dazu: Jn-
84*
1331
inegal
eflizienz [auch: '-]. die; -. -en (Fachspr.. bildungsspr.):
Unwirksamkeit, Wirkungslosigkeit; UnWirtschaftlichkeit
(Ggs.: Effizienz): die zunehmende 1. bürokratischer
Hierarchien (Stamokap 29).
jnegal [auch: —'-] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [frz. inegal]
(bildungsspr.): ungleich.
ineinander [ml^j'nande] <Adv.): 1. einer in den andern: i.
verliebt sein; die beiden Wollknäuel waren 1. verwickelt.
2. einer im andern: sie gingen ganz i. auf.
ineinander-: -fließen <st. V.; ist): sich fließend vereinigen:
ineinanderfließende Linien; die Farben sind
ineinandergeflossen; -fugen <sw. V.; hat): 1. eins in das andere fügen:
die Teile i. 2. <i. + sich) sich miteinander verbinden lassen,
sich zusammenfugen: die Teile fügen sich ineinander und
runden das Bild ab; -geschachtelt <AdJ.; o. Steig.: nicht
adv.): ineinander verschachtelt: -e Sätze; -e lichtlose Höfe
(Chr. Wolf. Himmel 40); -greifen <st. V.; hat): eins ins
andere greifen, sich beim Bewegungsablauf ineinanderfügen:
die Zahnräder greifen ineinander; ineinandergreifende
Räder; Ü die Aktionen greifen ineinander; -hmfen <st. V.;
ist): sich im Verkamen untereinander vennischen: die Farben
sind ineinandergelaufen: -lesen <sw. V.; hat): eins ins
andere legen: sie legten ihre Hände ineinander; -montieren
<sw. V.; hat) (bes. Film): eins ins andere montieren: Er
montiert blitzartig Szenen ineinander (Gregor. Film 272);
-passen <sw. V.; hat): sich passend ineinanderfügen: diese
beiden Steckbausteine passen genau ineinander; -schieben
<st. V.; hat): 1. eins ins andere schieben: die Einkaufswagen
stehen ineinandergeschoben dort in der Ecke; diese Teile
der Tischplatte lassen sich leicht i. 2. <i. + sich) sich
durch Geschobenwerden ineinanderfügen: bei der
Karambolage haben sich mehrere Autos ineinandergeschoben (sind
aufeinander aufgefahren): -schlingen <st. V.; hat):
ineinander verschlingen: die Hände i.; -setzen <sw. V.; hat): eins
ins andere setzen: um Platz zu gewinnen, könnte man
die Töpfe i.; -stecken <sw. V.; hat): eins ins andere stecken:
die Einzelteile müssen ineinandergesteckt werden.
Ineinssetzuns [in i^jns-J. die; -. -en (geh.): Gleichsetzung:
1. von gesprochener und geschriebener Sprache.
inert [i'nert] <Adj.; -er. -este; nicht adv.) [lat. iners (Gen.:
inertis)] (bildungsspr.): träge: unbeteiligt: in der Ecke des
Hörsaals saßen ein paar -e Typen; -e Stoffe (Chemie;
reaktionsträge Stoffe, die sich an gewissen chemischen
Vorgängen nicht beteiligen. z.B. Edelgase); Inertiahystcm
[iner't3ja:l-]. das; -s. -e [zu lat. inertia = Trägheit] (Physik):
physikalisches Bezugssystem, in dem jede Bewegung gemäß
dem Trägheitsgesetz erfolgt; Inertie [mer'ti:]. die; - (Med.):
verzögerte od. ungenügende Arbeitsleistung (z. B. eines
Organs).
jnessentiell [auch: -] <AdJ.) [zu tin-. In- u. tessentiell]
(bildungsspr.): unwesentlich; Inessiv ['in|esi:f). der; -s. -e
[...i:va; zu lat. inesse = in etw. sein] (Sprach w.): 1. <o.
PI.) Kasus im Fi nnisch-Ugri sehen, der die Lage in etwas
angibt. 2. Wort, das im Inessiv (I) steht.
Inexakt [auch: —'-] <Adj.; -er. -este) [zu t in-. In- u. texakt]
(bildungsspr.): ungenau: -e Angaben.
Inexistent [auch: '-] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [spätlat.
inex(s)istens (Gen. inex(s)istentis)] (bildungsspr.): nicht
vorhanden, nicht bestehend, dazu: Jnexistenz [auch: '-].
die; - (bildungsspr.): das Nichtvorhandensein.
inexplosibel [auch: '—] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.)
[zu Tin-. In- u. texplosibel] (Fachspr.. bildungsspr.): nicht
explodierend.
in extenso [in eks'tenzo; lat.] (bildungsspr.): in aller Ausfuhr-
lichkeit. vollständig: etwas in e. beschreiben, behandeln.
in extremis [in eks'tre:mi:s; lat. = am Ende] (Med.): im
Sterben / liegend!.
in facto [in fakto; lat.; tin u. t'Faktum] (bildungsspr.):
in der Tat. in Wirklichkeit, wirklich.
infallibel[infa'li:b)]<Adj.;o. Steig.; nicht adv.) [mlai. infalli-
bilis] (kath. Kirche): (vom Papst) in Dingen der
Glaubenslehre unfehlbar, dazu: Infallibilist [...libiiist], der; -en. -en
(kath. Kirche): Anhänger des Dogmas von der Unfehlbarkeit
des Papstes; InfallibilitSt [...li'te:t]. die: - (kath. Kirche):
Utxfehlbarkeit des Papstes in Dingen der Glaubenslehre.
infam [in'fa.m] <Adj.) [lat. infamis = berüchtigt, verrufen;
in üblen Ruf bringend] (abwertend): 1. bösartig u. jmdm.
auf durchtriebene, schändliche Weise schadend: eine -e
Verleumdung. Lüge; ein -er Mensch; Das ist wohl das infamste
Buch, das je geschrieben wurde (Sebastian. Krankenhaus
180); jmdn. i. belügen. 2. (ugs.)a) <nur attr.) in
beeinträchtigender, schädigender Weise stark: -e Schmerzen; das ist
ein -er Unsinn; b) (intensivierend bei AdJ. u. Verben)
in beeinträchtigend, schädigend hohem Maß: sehr: es ist
i. heiß draußen: er hat i. übertrieben; <Abl.:> Infamie
[infa'mi:]. die; -. -n [...i:an; frz. infamie < lat. infamia]
(abwertend): l.a) <o. PI.) infame Art; Niedertracht: die
1. seines Vorschlags, seiner Worte; der Plan war von einer
unglaublichen I.; b) infame Äußerung. Handlung o.a.;
Unverschämtheit: Tatsächlich war Beaujeaus Report eine
scheinheilige I. ersten Ranges (Maass, Goufle 230); Jmds.
-n ausgesetzt sein. 2. (kath. Kirchenrecht) Verlust der
kirchlichen Ehrenhaftigkeit /als Folge richterlicher
Ehrloserklärung]; infamkren <sw. V.; hat) (veraltet):
verleumden, für ehrlos erklären: ein Mädchen i.
Infant [m'fant], der; -en. -en [span. infante. eigtl. = Kind.
Knabe; Edelknabe < lat. Infäns (Gen.: Infantis) = kleines
Kind] (bist.): Titel spanischer u. portugiesischer Prinzen
u. sein Inhaber: Infanterie [infant(a)ri:. auch: ...to'ri:.
...tri:], die; -. -n [...i:an; unter Einfluß von frz. infanterie
zu ital. infanteria. zu: infante = Fußsoldat; (Edel)knabe
< lat. Infans. t Infant] (Milit.): a) auf den Nahkampf
spezialisierte Waffengattung der Kampftruppen, die die meist zu
Fuß mit der Waffe in der Hand kämpfenden Soldaten umfaßt:
mein Sohn ist bei der I.; zur I. gehen (sich als Infanterist
ausbilden lassen); b) <o. PI.) Soldaten der Infanterie (1):
feindliche I. liegt im Nachbardorf; I. in nicht unerheblicher
Anzahl war in den Wirkungsbereich der Artilleristen
eingesickert (Kirst. 08/15. 46).
Infanterie-: Abteilung, die: ^bataillon. das; MÜvision. die;
-Offizier, der; -regiment. das: -schule, die: Schule der
deutschen Bundeswehr, an der Führer. Unterführer u.
Sonderpersonal der Infanterie ausgebildet werden; ^Stellung,
die: die -en des Gegners beschießen; -waffe, die.
Infanterist ['mfant(d)nst. auch: ...tönst. ...'trist], der.
-en. -en (Milit.): Soldat der Infanterie; Fußsoldat: zum -en
ausgebildet werden; <Abl.:> infanteristisch [in.... auch:
--(-)'--] <Adj.; o.Steig.): die Infanterie betreffend, zur
Infanterie gehörend, von ihr ausgehend: Zuletzt in Brick
an der Arr sei er eingesetzt worden, i.. und da habe es
große Verluste gegeben (Kempowski. Uns 189); infantil
[infanti:l] <Adj.) [zu (spät)lat. infantflis = kindlich]: a)
(abwertend) auf kituilicher Entwicklungsstufe
stehengeblieben, geistig od. körperlich unterentwickelt: kindisch: ein
völlig -es Geschöpf; er. sein Benehmen ist L; i.
lächeln; b) (Fachspr.) der kindlichen Entwicklungsstufe
entsprechend, einem Kind angemessen, kindlich: -e
Anpassungsdefekte; das eigentlich Verspielte ist gerade nicht
i.. ist keine Qualität des begeisterten und ernsten Spiels
der Kinder (Gehlen. Zeitalter 67); infantilisieren I—tili-
ziirsn] <sw. V.; hat) (Fachspr.. bildungsspr.): geistig
unselbständig, zum Kind machen; bevormunden; <Abl.:> lnfan-
tiliskrung. die; - (Fachspr.. bildungsspr.): a) das
Infantilisieren: die Bevormundung und I. des Bürgers im Bereich
der Sexualität (Börsenblatt 74. 1972. 2124); b) das
Infantilwerden: daß unsere Gesellschaft in den letzten
Jahrhunderten einen Prozeß der I. durchgemacht habe (Ruthe.
Partnerwahl 166); Infantihsmus [...lismos]. der; -. ...men
(Psych., Med.): 1. <o. PI.) das Stehenbleiben auf kindlicher
Entwicklungsstufe in körperlicher od. geistiger Hinsicht.
2. Äußerung des Infantilismus (I); Infantilist [...'listl. den
-en, -en (Psych.. Med.): jmd.t der auf einer kindlichen
Entwicklungsstufe stehengeblieben ist; Infantilität [mfanti-
lit£:t],die; - [miat. infantilitas] (bildungsspr.): a) kindisches
Wesen. Unreife; b) kindliches Wesen. Kindlichkeit; Inffntin,
die; -. -nen: w. Form zu f Infant.
Infarkt [in'farkt]. der: -[e]s. -e [nlat. infaretus (für lat. Infar-
tus). 2. Part, von: infarclre = hineinstopfen] (Med.): das
Absterben eines Gewebestücks od. Organteils nach
plötzlicher u. atidauernder Unterbrechung der Blutzufuhr: ein
I. in der Lunge, in den Nieren, in der Vorderwand des
Herzens; einen [tödlichen] I. erleiden; <Zus.:>
Infyrktpersönlichkeit.die; -. -en (Med.): jmd.. der auf Grund
seiner körperlich-psychischen Voraussetzungen zum Infarkt
disponiert ist; infarzieren [mfar t^i:ran] <sw. V.; hat) (Med.):
ein Gewebestück od. einen Organteil infarktähnlich
verändern, einen Infarkt hervorrufen.
infaust [m'faust] <Adj.; o. Steig.) [lat. infaustus] (Med.):
(vom angenommenen Verlauf einer Krankheit) ungünstig,
unglücklich.
1332
inflammabel
Infekt [in'fekt], der; -[e]s. -e [zu lat. inficere (2. Part.: Infec-
tum) = anstecken; vergiften; vgl. infizieren] (Med.): 1.
Infektionskrankheit: ein grippaler I.; -e im Bereich der
oberen Luftwege. 2. kurz für t Infektion (1); Infektion
[infek'tsio.-n],die; -. -en [spätlat. infectio] (Med.): I. Anstek-
kung durch eingedrungene Krankheitserreger, die eine lokale
od. allgemeine Störung des Organismus zur Folge hat: eine
gefährliche, latente I.; eine I. des Darms, der Haut; diese
I. wurde von Fliegen übertragen; Gegengifte .... die oft
einen jahrelang andauernden Schutz (Immunität) gegen
eine nochmalige I. mit dem gleichen Keim verleihen
(Medizin II. 146). 2. (ugs.) Entzündung: eine I. am Finger, am
Zahnfleisch haben. 3. (Med. Jargon) svw.
Infektionsabteilung: einen Patienten in die I. bringen.
Infektions-: -abteihmg, die: das Krankenhaus hat eine neue
I.; -erreger, der: die Übertragung und Verbreitung von
-n; ^gefahr, die: für Menschen mit schlechtem
Allgemeinzustand besteht erhöhte I.; ^herd, der: Ausgangsstelle einer
Infektion/skrankheitj: den I. beseitigen; ^kette, die: Weg.
den eine Infektion bei ihrer Verbreitung nimmt: die I.
verfolgen; -krankheit, die: durch Infektion hervorgerufene Krank-
heit: lebensgefährliche, tropische -en; an einer I. sterben;
^Psychose, die (Med.): im Zusammenhang mit einer akuten
Infektion auftretende Psychose: Mjuelle, die: Ausgangspunkt
einer Infektionskrankheit: nach der I. der
Typhuserkrankungen wird noch gesucht; -träger, der: Träger einer
Infektionskrankheit: den I. isolieren.
infektiös [mfek'tejp.'s] <AdJ.; o. Steig.; nicht adv.) [frz. infec-
tieux. zu lat. Inficere, vgl. infizieren] (Med.): (von
Krankheiten) auf Ansteckung beruhend: ansteckend: eine -e
Entzündung. Gelbsucht; Man wisse nicht, ob es ( = das Leiden)
i. oder degenerativ sei (Niekisch. Leben 339); <Abl.:>
Infektiosität [infEk&ozi'te.'t]. die; -.
Infel [inf|]: Mnftil.
inferiorImfe'rio:?] <Adj.; nicht adv.> [lat. inferior =
niedriger, geringer] (bildungsspr.): 1. untergeordnet: eine -e
Stellung. 2.a) jmdm. unterlegen: sich i. fühlen; b) (österr.)
lim Vergleich mit einem andern] äußerst mittelmäßig: Als
in jeder Beziehung stärkere Elf machten sie mit der -en
Donawitzer Abwehr periodenweise, was sie wollten
(Vorarlberger Nachr. 25. 11. 68. 11). 3. minderwertig, gering:
ein -er Geist; Bis ins 20. Jahrhundert wurden in Indien
Witwen verbrannt - grimmigste Konsequenz des
Glaubens, daß Frauen i. ... seien (Spiegel 5. 24. 1. 66. 72);
<Abl.:> Inferiorität [Inferiorität], die; - [wohl zu frz.
inferior! \€\ (bildungsspr.): I. untergeordnete Stellung. 2.
Unterlegenheit. 3. Minderwertigkeit: als der Vorsitzende dem
Angeklagten mit harten Worten die moralische I.. ihr
selbst Jedoch ihre moralische Anständigkeit bestätigt (Mo-
star. Liebe 23).
infernal [mfer'na:!] <Adj.>: seltener für t infernalisch;
infernalisch [mfer'na:lij] <Adj.> [lat. Infernälis = unterirdisch]
(bildungsspr.): I. höllisch, teuflisch: Vorstellungen von der
Hölle weckend: -e Praktiken; die -e Lust, den
Nebenmenschen ungestraft zu treten (Tucholsky. Werke II. 175);
das Gelächter war. klang i. 2.a) <nur attr.) von großer
Scheußlichkeit, unerträglich: ein -es Fanfarengeheul; b)
(intensivierend bei Adj. u. Verben) von unerträglich hohem
Maß: sehr: i. stinken; <Abl.:> Infemalitit [...nali'teit]. die;
- (veraltet): teuflische Verruchtheit: die I. seines Vorgehens;
Inferno [m'femo]. das; -s [ital. Inferno < lat. in fern um]
(bildungsspr.): 1. Hölle. Unterwelt: das Dantesche. Sartre-
sche. Genetsche I. 2. a) Ort eines unheilvollen, entsetzlichen
Geschehens, von dem meist eine größere Menschenmenge
gleichzeitig u. unmittelbar betroffen wird: während des
Bombenangriffs war die Stadt ein einziges, blutiges,
schreckliches I.; durch ein I. müssen; b) unheilvolles,
entsetzliches Geschehen, von dem meist eine größere
Menschenmenge gleichzeitig u. unmittelbar betroffen wird: er hat
das I. der Erdbebenkatastrophe, des Kaufhausbrandes
überlebt; in einem I. von Blut und Vernichtung den Tod
finden; c) Zustand entsetzlicher Qualen von unvorstellbarem
Ausmaß: ein I. der Gefühle; Doch das Entsetzliche, die
Exekutionen und schließlich das I. bei der Sprengung mit
dem Feuer, stand den Geiseln noch bevor (MM 28. 4.
75. 25); ein I. durchmachen, erleben.
infertil [mfer'ti:l] <AdJ.; o. Steig:; nicht adv.) [lat. infertilis
= unfruchtbar; vgl. fertil] (Med.): unfähig, eine
Schwangerschaft auszutragen: <Abl.:> Infertilität [...tili't&t], die; -
[lat. infertilitäs] (Med.): Unfruchtbarkeit.
Infight [mfajt]. der; -[s]. -s. Infighting ['mf^tinl. das; -[s].
-s [engl, infighting] (Boxen): Nahkampf: er hatte im Infight
deutliche Vorteile.
Infiltrant [mfil'trant]. der; -en. -en [zu tinfiltrieren]
(bildungsspr.): jmd.. der sich zum Zweck der Infiltration (2)
in einem Land aufhält: südkoreanische Milizen griffen elf
nordkoreanische -en auf; Infiltrat [...tra.t]. das; -[e]s. -e
[zu t infiltrieren] (Med.): Gesamtheit der in normales Gewebe
eingelagerten fremdartigen, bes. krankheitserregenden
Zellen. Gewebe u. Flüssigkeiten: Infiltration [...tra'&iom], die;
-. -en: 1. (Fachspr.) das Eindringen. Einsickern. Einströmen
(z.B. von Flüssigkeiten). 2. [ideologische]
Unterwanderung: kommunistische, rechtsradikale I.; er erzählte ... von
der I. unregenerierter Nazis in die Polizeiformationen
(Kantorowicz. Tagebuch I. 241); Ü der Osten begann sich
vor der I. der Freiheit zu fürchten (Dönhoff. Ära 12).
3. (Med.) das Eindringen fremdartiger, insbesondere
krankheitserregender Substanzen in Zellen u. Gewebe: <Zus.:>
Infiltrationsanästhesie. die; -. -n [...i:sn] (Med.): örtliche
Betäubung durch Einspritzungen: infiltrativ [...ti:fl <Adj.;
o. Steig.): 1. (bildungsspr.) auf eine Infiltration (2)
abzielend, in der Art einer Infiltration wirkend. 2. (Med.) sich
in der Art einer Infiltration (3) ausbreitend: Infiltrator
[...'tra:tor. auch: ...to:f], der; -s. -en [...tra'to:ren]
(bildungsspr.): svw. t Infiltrant; infiltrieren [...'tri:ran] <sw.V.;
hat) [frz. infiltrer]: 1. (Fachspr.) a) in etw. eindringen,
einsickern: In nur zwei Jahrzehnten... könnten die
Treibgase das schützende Ozongewölbe infiltriert und
..signifikant44 verdünnt haben (Spiegel 16. 1975.164); b) einflößen:
einem Kranken flüssige Nahrung i. 2. in fremdes [Staats]-
gebiet eindringen, um es ideologisch zu unterwandern: ...
daß Agitatoren der Revolutionsstreitkräfte in ihre Reihen
infiltrierten (J. Carmichael. Die Russische Revolution.
1967.215); die längst von den Roten infiltrierten
Streitkräfte (Spiegel 1.1966. 58). 3. (Med.) als fremdartige,
insbesonderekrankheitserregende Substanz in normales Gewebe
eindringen: <Abl.:> Inflltrtenmg. die; -. -en.
infinit [infl'ni.t. auch: ' ] <Adj.; o. Steig.) [lat. Infinltus)
(Sprachw.): unbestimmt (Ggs.: finit): -e Form {Form des
Verbs, die keine Person od. Zahl bezeichnet, z. B.
..erwachen44 = Infinitiv. ..erwachend44 = 1. Partizip, ..erwacht44
= 2. Partizip); infinitesimal [mfinitezi'ma:!] <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.) [zu lat. Infinltus. vgl. infinit] (Math.): zum
Grenzwert hin unendlich klein werdend:
Infinitesimalrechnung, die; -. -en (Math.): Differential- u. Integralrechnung:
Infinitiv ['infiniti:f. auch: '-]. der; -s, -e [...i:va; spätlat.
(modus) Infinitlvus = nicht näher bestimmte
Zeitwortform), zu tin-. In- u. lat. flnlre = begrenzen] (Sprachw.):
Grundform des Verbs, die nicht durch Person. Numerus.
Zeit u. Modus näher bestimmt ist: Nennform (z. B.
..erwachen44 gegenüber ..du erwachst44): erweiterter I. (Infinitiv,
zu dem noch weitere Satzteile hinzutreten, z. B. um den
Schüler zu loben); (Zus.:> lnfinitivkoniunktion. die
(Sprachw.): Konjunktion, mit der der Infinitiv an Satzglieder
angeschlossen werden kann (z. B. er arbeitet, ohne zu
ermüden; die Fähigkeit zu überleben); ^satz, der (Sprachw.):
satzwertiger Infinitiv.
Infirmität[infirmi't£:t].die; - [zu lat. Inflrmitäs = Schwäche]
(Med.): geistige od. körperliche Schwäche: Gebrechlichkeit.
Infix [m'fiks. auch: '—]. das; -es. -e [zu lat. Infixum (2.
Part, von: infigere) = (hinein)geheftet] (Sprachw.): in den
Wortstamm eingefugtes Bildungselement (z. B. das n in lat.
fundo [Präsens] gegenüber fudi [Perfekt]).
infizieren [mfi'tßi:ren] <sw. V.; hat) [lat. Inficere. eigtl. =
hineintun] (Med.): a) eine Krankheit. Krankheitserreger
übertragen: anstecken: er hat mich mit seinem
Schnupfenbazillus infiziert; von Typhuserregern infiziertes (durch
Typhuserreger verseuchtes) Wasser; Der sei... im Umgang
mit mir mit gefährlichen Gedankengängen infiziert worden
(Niekisch. Leben 297); b) <i. + sich) Krankheitskeime
aufnehmen, sich anstecken: ich habe mich im Schwimmbad
[mit einem Hautpilz] infiziert; die Wunde hat sich infiziert
(entzündet): <Abl.:> Inflzkrung. die; -. -en.
in flagranti [m flagranti; eigtl.: - - crimine; lat.]
(bildungsspr.): auf frischer Tat: der Polizei gelang es. den
Dieb in f. zu erwischen; er hat seine Frau mit ihrem
Liebhaber in f. ertappt. Vgl. flagrant.
inflammabel [mfla'ma:b|] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [frz.
infiammable. zu lat. Infiammäre = anzünden] (Fachspr..
bildungsspr.): entzündbar: infiammable Stoffe; Inflammabi-
1333
Inflammation
lität [...mabili'tKt], die; - [frz. inflammabilite] (Fachspr.,
bildungsspr.): Entzündbarkeit. Brennbarkeit; Inflammation
[...ma'tß|o:n]. die; -. -en [lat. inflammätio = das
Inbrandsetzen]: 1. (Med.) Entzündung. 2. (veraltet) Feuer, Brand;
inflammieren [...'mi:ren] <sw. V.; hat) [lat. Inflammäre =
anzünden] (bildungsspr.): in Begeisterung versetzen,
entflammen.
inflatieren [mflati:ren] <sw. V.; hat) [mit romanislerender
Endung zu lat. Inflätus = aufgeblasen]: selten für finflatio
nieren; Inflation [...'tßiorn], die; -. -en [lat. inflätio = das
Sichaufblasen; das Aufschwellen]: l.a) (Wirtsch.) mit
Geldentwertung u. Preissteigerungen verbundene, beträchtliche
Erhöhung des Geldumlaufs im Verhältnis zur Produktion
(Ggs.: Deflation): eine steigende, galoppierende,
schleichende I.; die I. des französischen Franc; die I. stoppen,
in die Höhe treiben; b) Zeit, in der eine Inflation (1 a)
stattfindet: sie hatten in/während der I. Ihr Geld. Vermögen
verloren. 2. das Auftreten in sehr, allzu großer Menge;
übermäßige Ausweitung; eine immer rascher fortschreitende
I.. sowohl im Gebrauch und in der Verbreitung als auch
in der Vielseitigkeit der Anwendung des Schlagworts (Zeit
20. 11. 64. 13); Der I. der Metapher ... kann nur
durch extreme Sparsamkeit im Gebrauch ... begegnet
werden (Marek. Notizen 125); inflationär [...&o'ne:?] <AdJ.;
0. Steig.; nicht adv.): a) die Geldentwertung vorantreibend:
eine -e Preisentwicklung; b) auf eine Inflation hindeutend:
-e Tendenzen; inflationieren [...ni:ren] <sw. V.; hat): 1.
die Geldentwertung vorantreiben: inflationierende Länder.
2. durch eine Inflation (1 a) entwerten: die stark inflatlonier-
ten westlichen Währungen; <Abl.:> Inflationknra, die;
-. -en; Inflationismus [...'nismusj. der; - (Fachspr.): Form
der Wirtschaftspolitik, bei der die Wirtschaft durch
Vermehrung des umlaufenden Geldes bei Vollbeschäftigung
beeinflußt wird; inflationistisch <AdJ.; o. Steig.; nicht adv.):
1. den Inflationismus betreffend. 2. svw. T Inflationär (Ggs.:
deflationistisch).
inflations-, Inflation»» (Inflation 1 a): -bekimpfung, die:
Maßnahmen zur I.; -gefahr, die; -geW, das: in einer
Inflation gedrucktes, wenig Wert besitzendes Geld; ^geschädigt
<Adj.; o. Steig.; nicht adv.): die -en Länder; -gewinn.
der; ^hemmend <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): -e
Maßnahmen; -iahr.das: das I. 1923; -Politik, die:
Wirtschaftspolitik, die eine Inflation bewirkt; -rate, die: Prozentsatz, der
die Entwertung einer Währung durch Inflation angibt: eine
steigende, sinkende I.; denn Argentinien hat mit SO Prozent
die höchste I. der Welt (Zeit 7. 2. 75.62); -treibend <AdJ.;
o. Steig.; nicht adv.): diese Maßnahmen wirken i.; -zeit,
die: während, in der I.
inflatorisdi [mfla'toTifl <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): 1. svw.
T inflationär (a. b). 2. eine Inflation (2) darstellend: in der
-en Hochflut von Gedrucktem ... wird das Buch wieder
wichtig (Zwerenz. Kopf 178).
Inflexibel [auch: —'—] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [lat.
Inflexibilis = unbeugsam]: 1. (selten) nicht biegsam, nicht
elastisch: inflexible Materialien. 2. (bildungsspr. selten)
nicht anpassungsfähig, starr in bezug auf zu treffende
Entscheidungen: seine inflexible Haltung. 3. (Sprachw.) sich
nicht beugen lassend, unflektierbar: ein inflexibles
Adjektiv; Inflexibile (infle'ksiibib). das; -s. ...bilia [...ksi'bi:lia]
(Sprachw.): inflexibles (3) Wort; Inflexibilität [...bili'te.t].
die; - (bildungsspr.): 1. inflexible (1) Beschaffenheit. 2.
Unfähigkeit zu einem flexiblen, anpassungsfähigen
Verhalten; starre Geisteshaltung.
Infloreszenz [mflores'lß6n&]. die; -. -en [zu lat. inflörescere
= zu bllihen beginnen] (Bot.): svw. T Blütenstand; in flori-
bus [m 'flo:ribus: lat. = in Blüten] (bildungsspr.): in der
besten Zeit, Blüte der betreffenden Person od. Sache; im
Wohlstand.
Influenz [influ'entß]. die; -. -en [mlat. influentia = Einfluß,
zu lat. Influere = hineinfließen] (ElektroO: Beeinflussung
eines elektrisch ungeladenen Körpers durch die Annäherung
eines geladenen (z. B. die Erzeugung von Magnetpolen in
unmagnetisiertem Eisen durch die Annäherung eines
Magnetpols): Ü psychische I. (Benn. Stimme 19); Influenza
[mflu'entßa]. die: - [ital. influenza. eigtl. = Einfluß (der
Sterne); vgl. Influenz] (veraltend): Grippe: die I. überzieht
alle zwei bis drei Jahre wellenfömriig die Erde (Hörzu
44. 1971. 167); Influpizelektrizitit. die; - [zu T Influenz];
influenzierai[influen't£i:ren] <sw. V.; hat) (Elektrot.): einen
elektrisch ungeladenen Körper durch die Annäherung eines
geladenen beeinflussen: influenzierte Ladungen, Leiter;
Influenzmaschine, die (Elektrot.): Maschine zur Erzeugung
hoher elektrischer Spannung durch Influenz.
Info [info], das; -s, -s (ugs.): Kurzf. von t Informationsblatt.
infolge [m'folg^]: ab Folge eines Geschehens: a) <Präp. mit
Gen.): Unfälle i. dichten Nebels; eine leichte Lähmung
der Augenlider i. ungehorsamen Verhaltens während der
Masern (Frisch, Gantenbein 475); b) <Adv.>: i. von
Massenerkrankungen Ist der Betrieb nicht voll arbeitsfähig;
infolgedessen <Adv.): als Folge dieses Umständes: er ist noch
nicht lange hier; i. hat er wenig Erfahrung; eine verborgene
und i. übersehene Geschichte (Nigg, Wiederkehr 11).
in folio [m fo:lio; lat.; zu T2in u. lat. folium. vgl. 'Folie]
(Buchw.): in Folioformat.
Infomobil [mfomo'bi.i], das; -s, -e [zusgez. aus t Information
u. t Automobil] (ugs.): Fahrzeug, meist Omnibus, als
fahrbarer Informationsstand: das I. ist im Auftrag des
Verkehrsamtes unterwegs.
Informalisraus [mferma'hsmus]. der; - [aus t in-. In- u. f
Formalismus]: svw. tlnformel.
Informand [Informant], der; -en. -en [lat. Informandus =
der zu Unterrichtende. Gerundivum von: Införmäre. t
Informieren]: k)Jmd.. der [im Rahmen einer praktischen
Ausbildung] mit den Grundfragen eines bestimmten
Tätigkeitsbereichs vertraut gemacht werden soll; b) Ingenieur, der
sich in den verschiedenen Abteilungen [über deren Aufgabe
u. Arbeitsweise] informieren soll; Informant [-]. der; -en.
-en: X.jmd., der [geheime] Informationen liefert;
Gewährsmann, Hintermann: ein sicherer, zuverlässiger, geheimer
I.; -en der Regierung; Mit Hilfe seines Netzes von -en
und seines großen Archivs hat das Magazin die Technik
des Dossiers bis zur Perfektion ausgebildet (Enzensberger.
Einzelheiten I, 91). 2. (Sprachw.) jmd.. der [als Linguist]
eine Sprache als Muttersprache spricht u. entscheiden kann,
ob eine Ausdruckweise in der betreffenden Sprache möglich
ist od. ob zwei Äußerungen identisch od. verschieden sind;
Informatik [...'ma:tik]. die; -: Wissenschaft von den
elektronischen Datenverarbeitungsanlagen u. den Grundlagen ihrer
Anwerbung; <.Abl.:> Informatiker,der; -s. -: Wissenschaftler
auf dem Gebiet der Informatik; Information [...ma'&ott].
die; -. -en [lat. införmätio = Bildung. Belehrung, zu:
Införmäre. t informieren]: 1. <P1. ungebr.) das Informieren;
Unterrichtung über eine bestimmte Sache: eine ungenügende,
umfassende I. der Öffentlichkeit; Femsehen auf elf
Kanälen. Wem nützt die totale I.? (MM 25. 10. 75. 56); zu
Ihrer I. (damit Sie Bescheid wissen) teilen wir Ihnen mit.
daß ... 2.a) [auf Anfrage erteilte] über alles Wissenswerte
in Kenntnis setzende, offizielle, detaillierte Mitteilung über
jtndn.. etw.: -en einholen, liefern; nähere -en erhalten Sie
bei ...; das Ziel, dem Leser eine sachliche, objektive I.
über die Verwirklichung der polytechnischen Bildung ...
in der DDR zu geben (Klein. Bildung 11); b) <meist PI.)
Äußerung od. Hinweis, mit dem jmd. von einer [wichtigen,
politischen] Sache in Kenntnis gesetzt wird: vertrauliche,
zuverlässige, spärliche -en; -en sickern durch; -en
austauschen, zurückhalten; Wir haben absolut zuverlässige -en
darüber, daß in Chalieux eine Femrakete bereits auf dem
Prüfstand steht (Kuby, Rosemarie 11); nach neuesten -en.
3. (Kybernetik) Gehalt einer Nachricht, die aus Zeichen
eines Kodes zusammengesetzt ist: -en übertragen, speichern,
verarbeiten; die sehr stabilen Erbträger (Gene) der Zelle,
welche die -en oder Programme für den Ablauf der
Mechanismen der Lebensfunktionen enthalten (Medizin
II. 140). 4. svw. T Auskunft (2): erkundigen Sie sich bei
der I.; informationell [...tßio'nel] <AdJ.; o. Steig.; nicht
adv.): die Information betreffend.
Information*-. Information»: -austausdi, der: der Politiker
flog zu einem kurzen I. mit seinem Amtskollegen in die
Hauptstadt des Nachbarlandes; -bank, die: svw. t
Datenbank; -bedürfnis, das: Bedürfnis, informiert zu werden;
-besuch, der: zu einem zweitägigen I. werden ...
Parlamentarier ... erwartet (Welt 13. 1. 62. 2); -büro, das: [zu
einer Organisation, einem Betrieb o. ä. gehörendes] Büro,
in dem bestimmte Auskünfte erteilt werden; Miefizit, das:
zu geringes Maß an Infonnation; Mlienst, der: einen 1.
aufbauen; -fluß, der <o. PI.): der I. von einer Abteilung
zurandern; ein ungehinderter, unterbrochener I.; -flut.die:
kaum od. nicht zu verarbeitende Fülle von Informationen;
-freihett, die <o. PL): Freiheit, sich aus allgemein
zugänglichen Quellen ungehindert zu informieren: Informations- u.
1334
ingenieur-, Ingenieur -
Meinungsfreiheit; -gehalt, der: der I. der Mitteilung war
gering; -gespräch, das: die Politiker rührten ein I.; -hungrig
<Adj.>: begierig nach Informationen]: die -e Presse; ^hwi-
ne, die: vgl. ^flut; -Kicke, die: ungenügendes Unterrichtet-
sein in einem bestimmten Punkt: -n haben, schließen; -mate-
rial, das: I. zugeschickt bekommen; -mittel, das; Miuelle,
die: eine gute I. haben; -reise, die: die Parlamentarier
traten eine fünftägige I. durch Indien an; -stand, der:
1. Stand, an dem man bestimmte Auskünfte einholen kann
od. an dem man über etw. informiert wird: die Verbraucher-
gemeinschaA hat einen I. auf dem Marktplatz errichtet;
am I. nach der zuständigen Stelle fragen. 2. Zustand.
Ausmaß des Informiertseins: der I. der Abgeordneten war
niedrig; -stelle, die: [amtliche] Stelle, die bestimmte
Informationen gibt: -tagung, die: vgl. -Sitzung; -theoretisch <AdJ.;
o. Steig.): die Informationstheorie betreffend: -e Begriffe;
-theorie,die: 1. mathematische Theorie, welche die
Übertragung u. Verarbeitung von Information 0) beschreibt: Theorie
der elektronischen Nachrichtenübertragung. 2.
Forschungszweig der Psychologie, der die Abhängigkeit menschlicher
Entscheidungen vom Umfang der für eine sichere
Entscheidung erforderlichen Informationen zu ermitteln versucht;
-träger, der: svw. t Datenträger; -Verarbeitung, die (bes.
Datenverarb.): Auswertung von Informationen mit dem Ziel,
neue Informationen zu gewinnen: ^wert. der: vgl. -gehalt:
der I. einer ÜberschriA; -Wissenschaft, die: Wissenschaft,
die sich mit der Theorie der Information beschäftigt:
-Zentrum, das: zentrale Einrichtung einer großflächigen od.
großräumigen Anlage, z. B. eines Messegeländes, zur Erteilung
bestimmter Auskünfte.
informativ [informativ <Adj.) (bildungsspr.): Einblicke od.
Belehrung bietend: Aufschlüsse gebend: ein -es Gespräch;
der Vortrag war wirklich i.; er wußte sehr i. über den
Fall zu berichten; Informator [...ma.tor, auch: ...to:g], der;
-s. ...oren [...ma'to:ranJ: jmd.. der andere informiert, von
dem man Informationen bezieht: informatorisch [...ma'to:nfl
<AdJ.; o. Steig.) (bildungsspr.): dem Zweck der [ersten]
Information dienend, einen allgemeinen Überblick
verschaffen sollend: ein -er Überblick; das Gespräch hatte rein
-en Charakter; sein Bericht war rein i.
Informel [SfDr'mel], das; - [frz. (art) informel. eigtl. =
formloste Kunst)]: Richtung der Malerei in den fünfziger Jahren
des 20. Jh.s. die frei von allen Regeln unter Verwendung
von Stoffetzen. Holz. Abfallo. ä. zu kühnen u. phantastischen
Bildern gelangte.
'informell [informell <Adj.; o. Steig.) (bildungsspr. selten):
svw. t informatorisch: -e Gespräche; ich komme i. (um
mich zu informieren) zu Ihnen.
formell [-1 CAdj.; o. Steig.) [frz. informel = formlos,
aus t in-. In- u. t formell] (bildungsspr.): a) ohne [formalen]
Auftrag: etw. i. ausüben; -e Gruppe (sich spontan bildende
Gruppe innerhalb einer Orgamsation. z. B. in einem Betrieb):
b) ohne Formalitäten, nicht offiziell: ein kurzer, -er Empfang;
die -e Kunst (svw. t Informel).
informieren [mfDr'mi.ran] <sw. V.; hat) [lat. Informäre =
bilden, unterrichten]: a) von etw. in Kenntnis setzen, über
etw. unterrichten: jmdm. eine Nachricht od. Auskunft über
etw. geben: jmdn. über etw. rechtzeitig, eingehend,
ausreichend, in groben Zügen i.; informieren Sie mich doch
bitte kurz über den Stand der Dinge; aus gut informierten
Kreisen war zu hören, daß ...; er ist immer bestens
informiert; b) <i. + sich) sich über einen Sachverhalt Kenntnis
verschaffen: sich in der Zeitung, aus der Presse, an Hand
von Berichten über etwas i.; ich habe mich eingehend über
die Lage informiert; hast du dich darüber informiert, wie
die Veranstaltung abläuft?; <Abl.:> Inforrakrtheit, die; -:
der Grad seiner I.; Informierung, die; -. -en <P1. selten):
das Informieren (a); Infothek [info'te:k], die; -. -en [zusgez.
aus TInformation u. TBibliothek]: [in Autobahnraststätten
aufgestellte] Speicheranlage für Verkehrsinformationen.
infra-, Infra- [infra-; lat. Infrä] (produktive feste Vorsilbe
mit der Bed.): unterhalb (z. B. infrarot, Infraschall); |nfra-
grill <S), der; -s. -s: Grill, der durch bxfrarot erhitzt wird:
infrakrustal [...krus'ta:l] <Adj.; o. Steig.) [zu TKruste]
(Geol.): unterhalb der Erdkruste befindlich: infrarot <Adj.;
o. Steig.) (Physik): zum Bereich des Infrarots gehörend:
-e Strahlen; etw. i. bestrahlen; <subst.:> Infrarot, das; -s
(Physik): unsichtbare Wärmestrahlen, die im Lichtspektrum
unterhalb des Bereichs der noch sichtbaren roten Strahlen
liegen: Ultrarot: Infrarotbestrahlung [auch: --' ]. die:
-. -en (Med.); Infrarotfilm [auch: —'—]. der; -[e]s, -e:
für infrarote Strahlen empfindlicher Film: (nfrarotgrill
[auch: —'—], der; -s. -s: vgl. Infragrill, (nfrarotheizung
[auch: —' ], die; -. -en; Infrarotlampe [auch: —' ].
die; -. -n; Infrarotstrahl [auch: —'—]. der; -s, -en <meist
PI.); Infrarotstrahler [auch: —' ]. der; -s. -: als Heizgerät
od. für medizinische Zwecke verwendetes Elektrogerät, das
infrarote Wärmestrahlen aussendet: Infraschall, der; -[e]s
(Physik): Schall, dessen Frequenz unterhalb der mensch-
liehen Hörgrenze von 16 Hertz liegt (Ggs.: Ultraschall);
Infrastruktur, die; -, -en: 1. notwendiger wirtschaftlicher
u. organisatorischer Unterbau einer hochentwickelten
Wirtschaft (z. B. Verkehrsnetz, Arbeitskräfte): ein Programm
für die Ansiedlung neuer Industrien und die Verbesserung
der I. in den Kohlebergbaubetrieben (Welt 24. 10. 67.
3). 2. Gesamtheit militärischer Anlagen, dazu:
Infrastrukturen [auch: '-] <Adj.; o. Steig.; nicht präd.): die Infra-
struktur betreffend, zu ihr gehörend, auf ihr beruhend: -e
Maßnahmen, Anordnungen.
Infraktion [infrak't$jo:n]. die; -, -en [zu lat. Infräctio =
das Gebrochensein] (Med.): unvollständiger Knochenbruch,
bei dem der Knochen nur angebrochen ist.
Infiii ['inful], die; -, -n [mhd. infel(e) < lat. infula]: 1.
im antiken Rom von Priestern u. kaiserlichen Statthaltern
getragene weiße Stirnbinde. 2. (kath. Kirche) svw. tMitra;
infuliert [mfu'li^t] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [zu mlat.
infulare = mit dem Bischofshut schmücken]: 1. (kath.
Kirche) zum Tragen der Inful (2) berechtigt, mit einer Inful
(Dausgezeichnet: ein -er Abt. 2. (Heraldik) (von geistlichen
Wappen) mit einer Inful (2) gekrönt.
infundieren [infun'di:ren] <sw. V.; hat) [zu lat. Infundere,
f Infus] (Med.): auf dem Wege der Infusion in den
Organismus einführen: Infus [m'fu:s], das; -es -e, (bes. Fachspr.:)
Infusum [m'fii.'zum], das; -s, ...sa [zu lat. Infüsum, 2. Part,
von: infundere = auf-, eingießen] (Med.): Aufguß, wäßriger
Drogenauszug aus zerkleinerten, mit kochendem Wasser
übergossenen u. anschließend aufgekochten Pflanzenteilen:
Infusion [mfu'zio:n], die; -. -en [lat. Infusio = das
Hineingießen] (Med.): Einführung größerer Flüssigkeitsmengen in
den Organismus, bes. in eine Blutader, unter die Haut od.
durch den After: der Patient bekam -en; <Zus.:>
Infusionstierchen, das: svw. tlnfusorium; Infusorienerde, die [zu
lat. Infüsum (t Infus), da diese Erde als Ablagerung
entweder auf noch wasserbedecktem Meeresboden od. als
Ablagerungsschicht früherer Meere vorkommt]: svw. t
Kieselgur. Diatomeenerde; Infusoriun [infu'zo:r|um], das; -s.
...ien [...pn] (meist PI.) [zu lat. Infüsus = hinein-,
aufgegossen, da dieser Einzeller sich entwickelt, wenn Wasser auf
tierische od. pflanzliche Reste gegossen wird u. dort längere
Zeit verbleibt] (Biol.): Aufgußtierchen. Wimpertierchen: In-
fustm: t Infus.
Inganghaltung, die; - (Papierdt.): das Inganghalten: vgl.
'Gang; Ingangsetzung, die; - (Papierdt.): das Ingangsetzen:
vgl. 'Gang.
Ingebrauchnahme [...narma], die; - (Papierdt.): das
Ingebrauchnehmen; vgl. Gebrauch.
in genere [in ge:nere. auch: - 'gen...; lat.] (bildungsspr.):
im allgemeinen, überhaupt: ingeneriert [ingene'ri:tft] <Adj.;
o. Steig.; nicht adv.) [zu lat. ingeneräre = einpflanzen,
einflößen] (Med.): angeboren; eingepflanzt.
Ingenieur [mse'nj^g], der; -s. -e [frz. ingenieur. zu lat. inge-
nium. t Ingenium]: auf einer Hoch- od. Fachschule
ausgebildeter Techniker (Berufsbez.): graduierter, leitender I.; er
ist I. der [Fachrichtung] Elektrotechnik. I. für Tiefbau;
den Grad eines -s erwerben; Abk.: Ing.
ingenieur-, Ingenieur-: -akademie, die: svw. t ^schule; --bau,
der: 1. <o. PI.) Fachrichtung im Bauwesen, die sich mit
der Planung u. Erstellung von Ingenieurbauten (2) befaßt.
2. <P1. -ten) (Technik) von Ingenieuren entworfenes
Bauwerk, zu dessen Errichtung besondere technisch-konstruktive
u. statische Berechnungen erforderlich sind (z. B. Brücke.
Hochhaus. Halle): der Kraftwerkbau .... eine Mischung
aus I. und Industriebau (Bild. Kunst 3. 47); -beruf, der;
-büro, das: Unternehmen, in dem Ingenieure als Planer
u. Berater tätig sind: der Gutachter ist ein Vertreter des
-s XY; -geologe, der: jmd.. der in Ingenieurgeologie
ausgebildet ist (Berufsbez.); ^geologie, die: Teilgebiet der
angewandten Geologie, das die geologische Vorarbeit u.
Beratung bei Bauingenieuraufgaben umfaßt; -korps, das: bis
zum 1. Weltkrieg Gesamtheit der Offiziere, deren Aufgabe
1335
Ingenieurin
es war. den Bau von Festungsanlagen u. die mit ihrer
Verteidigung u. dem Angriff auf sie zusammenhängenden Arbeiten
zu leiten; -Ökonom, der (DDR): Ökonom mit
Hochschulausbildung, der auch die Grundlagen der Technologie eines
Industriezweigs beherrscht; Ökonomie, die (vgl.
--Ökonom); ^schule, die: technische Lehranstalt im Rang einer
Fachhochschule zur Ausbildung von Ingenieuren: -technisch
<AdJ.; o. Steig.; nicht präd.X* die Arbeit des Ingenieurs
betreffend, damit befaßt: das -e Personal; -e Aufgaben;
-Wissenschaft, die (meist PI.).
Ingenieurin, die; -. -nen: w. Form zu t Ingenieur: ingeniös
[mge'nj0:s) <AdJ.; -er. -este) [frz. ingenieux < lat. inge-
niösus] (geh.): a) erfinderisch, schöpferisch: er ist ein -er
Kopf; eine -e Begabung; die Maschine, die von Herrn
Tobler ... so i. (scharfsinnig) erdacht und ausgeführt
worden ist (R. Walser. Gehülfe 88); b) kunstvoll erdacht
fu. ausgeführtJ; von Ingenium zeugend: eine -e Aufführung;
eine Fülle -er Abwehrmaßnahmen (Natur 99); Ingeniosität
[...njiozi'teit]. die; - [lat. ingeniösitäs] (geh.): a) jmds.
ingeniöse Art; Erfindungsgabe: seine I. ist bekannt; b) von
Ingenium zeugende Beschaffenheit: die I. dieser
Inszenierung; Ingenium [m'gejiiumj. das; -s. ...ien [...pn; lat. inge-
nium] (geh.): sich als schöpferische Geistesanlage ausdrük-
kende. mit Erfindungskraft verbundene natürliche Begabung;
Genie: das I. dieses Gelehrten; sein schauspielerisches I.;
Ingenuität[ingenyi't£:t],die; - [lat. ingenuitäs]: 1. (veraltet)
Freimut. Offenheit; Natürlichkeit im Benehmen. 2. (in der
röm. Antike u. im MA.) Stand eines Freigeborenen. Freiheit.
Ingerenz [mge'rent?]. die; -. -en [zu lat. ingerere =
hineintragen, herbeifuhren] (jur.): strafbares Herbeiführen einer
Gefahrenlage durch jmdn.. der es dann unterläßt, die möglicher-
weise eintretende Schädigung abzuwenden (z. B.
Unterlassung der Sicherung einer Straßenbaustelle).
Ingesinde, das; -s [mhd. Ingesinde] (veraltet): svw. t Gesinde.
Ingesta [in'gesta] <P1.> [lat. ingesta = Hineingetanes, zu:
ingestum (2. Part, von: ingerere). vgl. Ingerenz] (Med.):
aufgenommene Nahrung; Ingestion [mges'tio:n], die; -. -en
[lat. ingestio = das Einfuhren (Med.)]: Nahrungsaufnahme.
ingedichtet [ingo^v^t] <AdJ.; o. Steig; nicht adv.) [zu
t Inzucht]: durch Inzucht entstanden: Andere Rassen, wie
Braunvieh und Jersey, sind sehr viel schwächer i. worden
(Forschungen u. Fortschritte 4. 1966. 99).
ingleichen <Adv.) [zu tgleich] (veraltet): ebenso, desgleichen.
in globo [in 'glo.bo; lat.] (bildungsspr.): im ganzen;
insgesamt: die Gruppe ist viel zu differenziert, um sie in g.
zu verdammen (Deschner. Talente 336).
Ingotl'rngDt]. der; -s. -s [engl, ingot] (Metallurgie): 1. Form,
in die Metall gegossen wird. 2. Barren (Gold. Silber).
fStahlJblock.
Ingrainpapier [in'grem-]. das; -s. -e [engl, ingrain = in der
Wolle gefärbt]: Zeichenpapier von rauher Oberfläche mit
farbigen od. schwarzen Wollfasern.
Ingrediens (mgre:diens]f das; -. ...nzien [...gre'diEnt$pn]
(meist PI.) [lat. Ingrediens (Gen.: ingredientis). 1. Part, von:
ingredi = hineingehen]. Ingredienz [ingre'dientp], die; -,
-en (meist PI.) [lat. ingredientia = das Hineinkommende,
zu: ingredi. vgl. Ingrediens]: a) (bes. Pharm.. Kochk.)
Zutat: Ingredienzien sind alle Zutaten, die Weingeist zu
Parfüm machen (Petra 10. 1966. 123); Ü das Ingrediens, das
das Stück tragisch machen würde, fehlt; b) Bestandteil
einer Arznei o. ä.: die Ingredienzien genau angeben.
Ingraniation [mgremia'&jo.n], die; -. -en [zu mlat. ingremia-
re = in eine Körperschaft entsenden, vgl. Gremium]
(veraltet): Aufnahme in eine geistliche Körperschaft.
Ingrapapier[C:gr-].das;-s[nachdem frz. Maleru. Zeichner
J. A. D. Ingres (1780-1867)]: farbiges Papier für Kohle-
u. Kreidezeichnungen.
Ingreß [m'grcs], der; ...esses. ...esse [lat. ingressum =
Eingang, zu: ingredi = hineingehen] (veraltet): Eingang.
Zutritt; Ingression [mgrEsio:n], die; -, -en [zu lat. ingressio
= das Hineingehen] (Geol): langsames, ruhig verlaufendes
Eindringen des Meeres in vorgebildete Senken; Ingressiv
[mgresl:f. auch: --'-] <AdJ.; o. Steig.) (Sprachw.): 1. (von
Verben) einen Beginn ausdrückend(z. B. entzünden,
erblassen; Ggs.: egressiv 1). 2. den Luftstrom bei der Artikulation
eines [Schnalz]lautes von außen nach innen richtend (Ggs.:
egressiv 2); Ingreasivum (mgre'sirvum). das; -s. ...va
(Sprachw.): Verb mit ingressiver (1) Aktionsart.
Ingrimm fmgnm], der; -[e]s [zu tGrimm] (geh.): verbissene
Wut; verhaltener, oft den Verhältnissen gegenüber
ohnmächtiger, erbitterter Zorn: verhaltener, aufgespeicherter I.; Bert
Brecht... hat diesem I.. der uns angesichts solcher
..Freiheitskämpfer" aufstieß, in knorrigen Knüttelverschen
Ausdruck gegeben (Kantorowicz. Tagebuch I. 564); <Abl.:>
jngrimmig <Adj.) (geh.): von Ingrimm erfüllt; grimmig: eine
-e Miene; i. blicken.
in grosso [m 'greso; ital.] (veraltend): svw. ten gros.
Ingroup['ingru:p].die; -. -s [engl, ingroup] (Soziol.):
/soziale] Gruppe, zu der man gehört u. der man sich innerlich
stark verbunden fühlt (Ggs.: Outgroup).
inguinal [ingyi'na:l] <Adj.; o. Steig.) [zu lat. inguen (Gen.:
inguinis) = Leistengegend] (Med.): zur Leistengegend gehö-
rettd. sie betreffend; in der Leistengegend gelegen.
Ingwionisnus [w(g)veo'nismos]. der; -. ...men [zu lat. Ingae-
vones = Bez. für bestimmte Stämme der
Nordseegermanen, wohl nach dem german. Gott Ing] (Sprachw.):
auf eine andere Mundart (z. B. das Altsächsische)
übergreifende ingwäonische Spracheigentümlichkeit.
Ingwer [H)vb]( der; -s. - [mhd. ingwer, ingeber < lat. gingi-
ber. zingiber < griech, ziggiberis < sanskr. $fngavera.
eigtl. = der HornfÖmnige; nach der Form der Wurzel]:
1. <o. PI.) Ingwergewächs, dessen Wurzelstock ein häufig
verwendbares Gewürz liefert. 2.a) eßbarer, aromatischer,
brennend scharf schmeckender Teil des Wurzelstocks des
Ingwers (1): eingelegter, kandierter I.; b) <o. PI.) aus dem
Wurzelstock des Ingwers (1) gewonnenes, aromatisches,
brennend scharf es Gewürz. 3. mit Ingweröl gewürzter Likör.
Ingwer-: ^bier, das: bes. in England u. den USA beliebtes,
leicht alkoholisches, moussierendes Getränk aus einem
Extrakt der Ingwerwurzel u. Sirup; Ginger-beer; ^gebäck,
das; ^gewichs, das (Bot.): in den Tropen u. Subtropen
als Kraut od. Staude vorkommende [ Nutz Jpflanze; ^marme-
lade, die; ^ÖU das: aus dem Wurzelstock des Ingwers (1)
gewonnenes, dickflüssiges, ätherisches Öl von dunkelbrauner
Farbe; -Stäbchen, das: kleines Stück [mit Schokolade
überzogener] kandierter Ingwer in Stäbchenform.
Inhaber [inha:bB], der. -s. - [mhd. inhaber): a) (bes. jur.)
jmd.. der etw. innehat; jmd.. der über ein bestimmtes Recht,
eine bestimmte Macht o. ä. verfügt: der I. der Staatsgewalt,
dieses Amtes, des Weltrekords: der I. dieses Passes; I.
der Währungshoheit und demgemäß geborener Träger der
Währungspolitik ist der Staat (Fraenkel. Staat 364); b)
Besitzer einer Firma, eines Geschäfts: er ist I. eines
Tabakwarenladens, eines Kleinbetriebs; Buchhandlung C. F.
Müller. Inh. Hans Mayer. Abk.: Inh.; Inhaberaktie, die;
-. -n (Wirtsch.): vgl. Inhaberpapier (Ggs.: Namensaktie);
Inhaberin« die; -. -nen: w. Form zu t Inhaber; (nhaberpapter,
das; -s. -e (Wirtsch.): Wertpapier, das nicht auf den Namen
dessen, dem es gehört, eingetragen ist (Ggs.: Namenspapier,
Rektapapier).
inhaftieren [inhaf thron] <sw. V.; hat) [mit französierender
Endung zu: in Haft (bringen, nehmen)]: auf Grund eines
richterlichen Erlasses festnehmen u. bis zur endgültigen
Klärung von Schuld od. Unschuld durch ein Gericht in Haft
halten: jmdn. versehentlich, widerrechtlich, zwei Tage i.;
wird er. nach Auflösung der Zentrumspartei, ein halbes
Jahr lang Inhaftiert (Grass. Hundejahre 133); ... daß ...
die vorgeschriebenen Fristen für Ermittlungsverfahren
gegen inhaftierte Personen ..nicht immer eingehalten
wurden" (Dönhoff. Ära 91); <subst. 2. Part.:) Inhaftierte, der
u. die; -n, -n <Dekl. t Abgeordnete): ein lebenslänglich
-r koste den Staat etwa siebzigtausend Mark, eine
Hinrichtung aber höchstens tausend (Mostar, Unschuldig 16);
<Abl.:> Inhaftierung* die; -. -en: Flucht in ... Briefe an
politische Gruppen, deren Existenz und Ziele ihm vor
der I. unbekannt waren (Ossowski. Bewährung 19);
Inhaftnahme [...na:ms], die; -. -n (Papierdt.): das Inhaftnehmen.
Inhalation [inhala'tßio.n], die; -. -en [lat. inhälätio = das
Anhauchen, zu t inhalieren] (Med.): Einatmung von
Heilmitteln in Form von Dämpfen u. fein zerstäubten
Flüssigkeiten, bes. bei Erkrankungen der Atemwege;
Inhalationsapparat, der. -[e]s, -e (Med.): Gerät zum Inhalieren, in dem
durch Druckluft od. Ultraschall eine feine Zerstäubung von
Heilmitteln erreicht wird; Inhalationsgerät, das; -fe]s, -e,
Inhalator [...'la:tor. auch: ...to:g], den -s. -en [...la'to.ran]:
svw. f Inhalationsapparat; Inhalatorium [...la'to:rium], das;
-s, ...ien [...jpn] (Med.): in einem Kurzentrum o. ä. mit
Inhalationsapparaten ausgestatteter Raum, in dem eine Gruppe
von Kranken inhalieren kann; inhalieren [...'li.renj <sw. V.;
hat) [lat. inhäläre = anhauchen]: 1. a) (Med.) dampfför-
1336
Initiation
mige od. fein zerstäubte Arzneimittel einatmen:
Kamillendämpfe i.; Ü Tief inhalierte er die Morgenluft (Kirst. 08/15.
219); b) (ugs.) Tabak o.a. über die Lunge rauchen; einen
Lungenzug machen: [den Zigarettenrauch] tief i.; das ganze
seit Jahrhunderten inhalierte Haschisch und Opium (Strik-
ker. Trip 28). 2. (scherzh.) a) f AlkoholJ trinken; b) Nahrung
zu sich nehmen: Am Samstagnachmittag inhalierten wir
wieder einmal Suppe mit Spatz (Nationalzeitung 7. 10.
1968).
Inhalt ['mhaltl. der; -[eis. -e <P1. selten) [spätmhd. innehält,
zu: innehalten = enthalten]: l.a) das in einem Gefäß.
Behältnis o.a. Enthaltene: der I. einer Schachtel, eines
Glases; er legte den I. seiner Hosentasche auf den Tisch;
sie warf die Flasche samt I. weg; b) (bes. Math.) Größe
eines zwei- od. dreidimensionalen geometrischen Gebildes:
dieses Glas hat einen Inhalt von 0.51; den I. eines Dreiecks,
eines Körpers berechnen. 2. a) das. was in etw. ausgedrückt,
dargestellt wird: der I. eines Gesprächs. Buches. Traums;
Form und I. eines Gesetzes; jmdm. den I. eines Films
erzählen; eine Abhandlung gelehrten -s; (geh.:) wir
erhielten eine Nachricht des -s. daß ...; das Drama hat die
Geschichte einer Familie zum I. (in dem Drama wird die
Geschichte einer Familie dargestellt); der I. eines Wortes,
eines sprachlichen Zeichens (Sprachw.; die Bedeutung, die
begriffliche Seite im Ggs. zur Lautgestalt): sprachliche -e
(Sprachw.; Ausschnitte aus der Zwischenwelt, die zwischen
einer Sprachgemeinschaft u. der Wirklichkeit steht)', b) das.
was etw. geistig ausfüllt; sinngebender geistiger Gehalt: der
I. einer Maßnahme; seinem Leben mit etwas einen I.
geben, verleihen; eine Sache ihres -s berauben; dieser Name
hatte seither für sie an I. nur noch gewonnen (Musil,
Mann 1163).
jnhalt-: ^arm: t inhaltsarm; ^bezogen, (seltener:)
inhaltsbezogen <Adj.; o. Steig.) (Sprachw.): auf der Erkenntnis
beruhend, daß die hinter den grammatischen Formen u. Wörtern
stehenden Inhalte das Wesentliche jeder Sprache sind: -c
Sprachbetrachtung. Grammatik; -glekh: t inhaltsgleich;
^leer: t inhaltsleer; ^los: t inhaltslos; -reich: t inhaltsreich;
^schwer: t inhaltsschwer; ^voll: t inhaltsvoll.
inhaltlich <Adj.; o. Steig.): den hthalt (2a) betreffend, dem
Inhalt nach: die -e Struktur des Dramas; i. ist der Aufsatz
sehr gut. aber in der Form läßt er sehr zu wünschen
übrig; die Aussagen der Zeugen stimmen i. völlig überein.
jnhalts», Inhalts-: Mingabe, die: gedrängte Darstellung. Zu-
sammenfassung des Inhalts (2 a): das Programmheft enthält
eine kurze I. der Komödie; --arm, (seltener:) inhaltarm
<Adj.; nicht adv.) (geh.): arm an Inhalt (2a); handlungsarm:
ein -es Theaterstück; ^bezogen: t inhaltbezogen;
Verklärung, die: laufeinem Formular abgegebene] Erklärung über
den Inhalt einer Warensendung; ^gleich, (seltener:)
inhaltgleich <AdJ.; o. Steig.; nicht adv.): den gleichen Inhalt
(2 a) habend, im Inhalt übereinstimmend: zwei -e
Abhandlungen; -leer, (seltener:) inhaltleer <Adj.; nicht adv.): svw.
Nlos: -es Gerede; ^tas, (seltener:) inhaltlos <Adj.; -er,
-este; nicht adv.): ohne eigentlichen Inhalt (2b): ein -es
Leben führen; seine Rede war i. und langweilig, dazu:
^losigkeit, die; -; -reich, (seltener:) inhaltreich <Adj.; nicht
adv.): von einem sinngebenden Inhalt (2b) erfüllt,
gehaltreich: ein kurzes, aber -es Leben; -schwer, (seltener:)
inhaltschwer <AdJ.; nicht adv.): von großer Aussagekraft
u. Wichtigkeit: -e Worte; ^selte, die (Sprachw.): inhaltliche
Substanz eines sprachlichen Zeichens. Inhalt im Gegensatz
zum Lautkörper (Ggs.: Ausdrucksseite); -übersieht, die:
svw. t -Verzeichnis (a); -Verzeichnis, das: a) meist am Anfang
od. Ende eines Buches od. eines mehrseitigen Schriftstücks
stehende tabellarische Gliederung des Inhalts mit Angabe
der Seitenzahlen: eine gesuchte Stelle im I. nachschlagen;
b) Verzeichnis der in etw. enthaltenen Gegenstände: dem
Paket legte sie ein I. bei; ^voll. (seltener.) inhaltvoll <Adj.;
nicht adv.): vgl. ^reich.
inhärent [inhe'rent] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [lat. inhae-
rcns (Gen.: inhaerentis). 1. Part, von: inhaerere = an
etw. kleben] (Philos.. bildungsspr.): einer Sache anhaftend,
ihr innewohnend: die der Lüge -e Absicht, anderen zu
schaden (Wohmann. Absicht 281); die
Unwissenschaftlichkeit ist dieser Methode i.; InhArenz [...'ren^J, die; - (Philos.):
notwendiges Verbundensein der Eigenschaften
(Akzidenzien) eines Gegenstandes (Substanz) mit diesem, ohne den
sie nicht für sich allein bestehen können; inhalieren [...'ri:ren]
<sw. V.; hat) (Philos.. bildungsspr.): anhaften (2): Daher
inhaliert seiner Kulturkritik ein Moment der Clownerie
(Adorno. Prismen 80).
inhibieren [mhi'bi:ren] <sw. V.; hat) [zu lat. inhibere]
(veraltet): einer Sache Einhalt tun. etw. verhindern; <Abl.:) Inhi-
bkrung, die; -. -en (veraltet): svw. t Inhibition; Inhibin
[...'bi:n]. das; -s. -e (Med.): Stoff im Speichel, der auf
die Entwicklung von Bakterien hemmend wirkt; Inhibition
[...bi't&om], die; -. -en [lat. inhibitio] (veraltet):
Verhinderung; gerichtliches Verbot, einstweilige Verfügung; Inhibitor
[in'hi:bitor. auch: ...to:g], der; -s. -en [...hibi'to:ran]
(Chemie): Substanz, die chemische Vorgänge einschränkt od.
verhindert; inhibitorisch <AdJ.; o. Steig.) (Rechtsspr.
veraltet): verhindernd; durch Gerichtsbeschluß verbietend.
in hoc salus [in ho:k 'za.ius; lat. = in diesem ist Heil]:
Deutung der latinisierten (IHS) frühchristlichen
Abkürzung des Namens Jesus in griechischer Foim (IHfLO Y]I).
in hoc signo [in 'ho:k 'zigno; lat.; eigtl.: in hoc signo vinces
= in diesem Zeichen wirst du siegen]: Inschrift eines
Kreuzes, das nach der Legende dem römischen Kaiser
Konstantin im Jahre 312 n.Chr. vor einer Schlacht am Himmel
erschien; Abk. I.H.S. od. IHS
inhomogen [auch: '-] <Adj.) [zu tin-. In- u. t homogen]:
(bildungsspr.): nicht gleichmäßig aufgebaut; in sich
verschieden: das Theaterstück ist 1.; vgl. heterogen; <Abl.:) Inhomo-
genitit [auch: ' ]. die; - (bildungsspr.): ... daß die
sprachlichen Gegensätze Stadt - Umland hauptsächlich
durch die soziale I. Stadt - Umland bedingt sind
(Muttersprache 6. 1967. 161).
in honorem [m ho'no.rem; lat.] (bildungsspr.): zu Ehren.
inhuman [auch: —'-] <Adj.) [lat. inhümänus] (bildungsspr.):
die Würde des Menschen nicht achtend, menschenunwürdig,
nicht menschenfreundlich; unmenschlich (Ggs.: human 1 a):
eine -e Denkweise; allen Menschen unserer -en
Leistungsgesellschaft (Wohngruppe 37); die Gefangenen wurden
i. behandelt; <Abl.:> Inhumanität [auch: ' ]. die; -.
-en [lat. inhümanitäs]: 1. <o. PI.) inhumanes Wesen,
inhumaner Charakter. 2. inhumane Handlung.
in infinitum [in infi'nhtum; lat.] (bildungsspr.): svw. tad
inftnitum; in integrum [in 'integrum; lat.; T in u. t integer]
in der Wendung in i. restituieren (Rechtsspr. veraltet; in
den vorigen [Rechts/stand wiedereinsetzen, den früheren
Rechtszustand wiederherstellen).
Iniquität [inikvi* te:t], die; - [lat. imquitäs] (bildungsspr.
veraltet): Unbilligkeit. Härte.
initial [ini't$ia:l] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [lat. initiälis.
zu:initium = tofaiw](b'\\d\m&ssvr.):anfänglich.beginnend.
Anfangs...: die -e Phase; Initial: t Initiale.
Initial-: ^buehstabe, der: svw. t Initiale; -Sprengstoff, der
<meist PL): leichtentzündlicher Sprengstoff der einen
schwerentzündlichen Sprengstoff zur Explosion bringt; ^wort. das
(Sprachw.): svw. TAkronym; ^zelten <PI.) (Bot.):
unbegrenzt teilungs- u. wachstumsfähige Zellgruppe an der Spitze
von Pflanzensprossen, aus der sämtliche Zellen der Pflanze
hervorgehen; -zünder. der: svw. t ^Sprengstoff, dazu:
-Zündung, die: I. Zündung eines schwerentzündlichen
Sprengstoffs durch einen leichtentzündlichen: Ü beim
Marshallplan genügte es. Europa gur I. Anleihen und Zuschüsse
zu gewähren (Dönhoff. Ära 173). 2. Idee, die etw. ins
Rollen bringt, die einer Sache weiterhilft; zündende Idee:
die I. zu diesem Unternehmen kam von seinem Freund.
Initiale, die; -. -n. (seltener.) Initial, das; -s. -e [vgl. initial]:
großer, meist durch Verzierung u. Farbe ausgezeichneter
Anfangsbuchstabe: die relativ schlichten, aus Fisch- und
Vogelformen zusammengesetzten Initialen der fränkischen
Handschriften (Bild. Kunst 3. 66); sie ließen ihre Initialen
(die Initialen ihrer Namen) und das Datum des
Hochzeitstages in die Ringe eingravieren; Initiand [ini'&iant]. der;
-en, -en [lat. initiandus. Gerundiv von: initiäre =
einweihen] (Fachspr.. bildungsspr.): jmd.. der in etw. eingeweiht
werden soll; Anwärter für eine Initiation; Initiant [-], der;
-en. -en [zu t initiieren]: 1. (bildungsspr.) jmd.. der die
Initiative ergreift: er betrachtet sich als I. dieser neuen
Europapolitik. 2. (Schweiz.) a) jmd.. der das Initiativrecht
hat; b) jmd.. der das Initiativrecht ausübt; Initi^ntin, die;
-. -nen: w. Form zu T Initiant; Initiation [initßia'tßio.n].
die; -. -en [nach lat. initiätio. zu t initiieren] (Soz.. Völkerk.):
[durch bestimmte Bräuche geregelte] Aufnahme eines
Neulings in eine Standes- od. Altersgemeinschaft, einen
Geheimbundo. ä.. bes. die Einführung der Jugendlichen in den Kreis
der Männer od. Frauen bei den Naturvölkern; Ü gerade
1337
Initiationsritus
dies wäre das A und O aller psychoanalytischen I. (Freud.
Abriß 195); <Zus.:> Initiationsritus. der (meist Pl.> (Soziol..
Völkerk.): Brauch bei der Initiation (z. B. Beschneidung.
Taufe. Ritterschlag); initiativ [ini&a'ti.fl <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.) [zu f Initiative]: 1. (bildungsspr.)
Unternehmungsgeist erkennen lassend, einsatzfreudig: junger, -er
Lektor sucht neuen Wirkungskreis; dank seiner -en
Mitarbeit; in einer Sache i. werden (die Initiative ergreifen).
2. (Schweiz.) eine Initiative (4) einleitend.
Initiativ-: -antrag, der (Pari.): Antrag, der die
parlamentarische Diskussion eines bestimmten Problems, z. B. einer
Gesetzesvorlage, einleitet: -begehren, das (Pari.. Schweiz.):
Antrag, der einen Entscheid über die Ingangsetzung einer
Initiative (4) herausfordert: -gruppe, die: Gruppe von
Personen, die sich zusammengeschlossen haben, um sich aktiv
u. kämpferisch für ein gemeinsames Ziel einzusetzen: -recht*
das (Pari.): Recht. Gesetzesentwürfe einzubringen.
Initiative [initjja'tiiva], die; -. -n [frz. initiative, zu: initier
< lat. initiare = den Anfang machen, einführen;
einweihen, zu: initium = Anfang]: l.a) erster tätiger Anstoß
zu einer Handlung, erster Schritt bei einem bestimmten
Handeln: die politische, wirtschaftliche, französische I.;
die entscheidende I. in dieser Angelegenheit ging von ihrem
Mann aus; [in einer Sache] die I. ergreifen (den ersten
Schritt tun): er hat mir die I. überlassen; das geht auf
private I. zurück; etwas aus eigener I. tun; diese Regelung
an der Schule ist durch die I. der Eltern zustande
gekommen; b) <o. PI.) Entschlußkraft. Unternehmungsgeist: I.
entfalten; es ist seiner I. zu verdanken, daß ...; es fehlt
ihr an der notwendigen I.: er ist ein Mann mit I. 2. kurz
für t Bürgerinitiative: gegen den geplanten Bau eines
Atomkraftwerks haben sich mehrere -n gebildet. 3. (Pari.) [Recht
auf] das Einbringen von Gesetzesvorlagen. 4. (Schweiz.)
Volksbegehren: Initiator lini't$ja:tor. auch: ...to:g], der. -s.
-en [...ia'to:ran; lat. initiätor = Beginner] (bildungsspr.):
jmd.. der etw. veranlaßt u. dafür verantwortlich ist: Urheber,
Anreger: er ist der [eigentliche] I. des Unternehmens; Ich
glaubte, erraten zu können, auf welchen I. der Angriff
gegen mich zurückzufuhren sei (Niekisch. Leben 252);
Ü Die antike Sinnenfreude hatte er vom Vater, dem
ehrenwerten Oberstudienrat und I. vieler Söhne und Töchter
(Dorpat. Ellenbogenspiele 31); Initiatorin, die; -, -nen: w.
Form zu t Initiator; initiatorisch <AdJ.; o. Steig.; nicht
adv.) (bildungsspr.): einleitend: veranlassend: anstiftend:
Initien [i'ni:t^pn] <P1.) [lat. initia. PI. von: initium =
Anfang] (bildungsspr.): Anfänge. Anfangsgründe: initiieren
[ini^i'iiren] <sw. V.; hat) [lat. initiare = anfangen,
einführen, einweihen, zu: initium = Anfang] (bildungsspr.): 1.
den Anstoß zu etw. geben: anregen, in die Wege leiten:
ein Projekt i.; Statt dessen hatten sie „Rote-Punkte-Aktio-
nen" mit der Hauptforderung ..Fahrpreisstop" maßgeblich
mit initiiert (Stamokap 133). 2. [in ein Amt] einführen,
in eine Gemeinschaft aufnehmen: einweihen: Ü Neun
Novellen ... initiieren in das Schäften H. Manns (Mitteilungen
2. 1971. 48); (Abi. zu 1:) Inititerung. die; -. -en.
Injektion [mjek't^iorn], die; -. -en [lat. iniectio. eigtl. =
das Hineinwerfen, zu: inicere. Tinjizieren]: 1. (Med.)
Einspritzung von Flüssigkeiten, bes. von flüssigen Heilmitteln,
in den Körper zu therapeutischen od. diagnostischen Zwek-
ken: Spritze: eine intravenöse, intramuskuläre I.; eine I.
in die Armbeuge; eine I. von Kalzium; jmdm. eine I.
geben, verabreichen; eine I. machen, vornehmen. 2. (Med.)
starke Füllung u. damit Sichtbarwerden kleinster Blutgefäße
im Auge bei Entzündungen. 3. (Bauw.) Einspritzung von
Verfestigungsmitteln. z.B. Zement, in unfesten
Bauuntergrund. 4. (Geol.) das Eindringen magmatischer Schmelze
in Fugen u. Spalten eines Gesteins. 5. (Physik) das Einbringen
von [Elementar Jteilchen in einen Halbleiterbereich von
bestimmter elektrischer Leitfähigkeit bzw. in der Hochenergie-
u. Kernphysik in einen Teilchenbeschleuniger.
Iniektions-: -mittel, das: flüssiges Heilmittel für Injektionen
(1); MiadeL die: die I. in die Vene einstechen; -spritze,
die: mit einer feinen Kanüle versehene, kleine, handliche
Spritze für Injektionen (I): die -n auskochen.
injektiv [injekti.f. auch; —'-] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.)
[zu lat. iniectio. t Injektion] (Math.): bei der Abbildung
einer Menge (2) verschiedenen Urbildern verschiedene
Bildpunkte zuordnend: Injektomane [mjektoma:n3], der; -n,
-n [rückgeb. aus Injektomanie] (Psych.): jmd.. der sich
in krankhafter Sucht Infektionen (1) zu verschaffen sucht:
Iniektomank* die; - (Psych.): Sucht nach Injektionen (1).
wobei der Akt des Einspritzens als Koitus verstanden wird:
Injektor [m'jEktor, auch: ...to.ß], der, -s. -en [...'to:ren]
(Technik): I. Dampfstrahlpumpe zur Speisung von
Dampfkesseln. 2. Gerät zum Einblasen von Druckluft in ein beim
Bohren im Bergbau verwendetes Sauggerät: injizieren [njji-
'lßi:ran]<sw. V.; hat) [lat. inicere = hineinwerfen, einflößen]
(Med.): eine Flüssigkeit, bes. ein flüssiges Heilmittel, in
den Körper einspritzen: einem Patienten ein Heilmittel in
den Arm i.; der Zuckerkranke injiziert sich das Insulin
selbst.
iniungieren [mjuo'gi:ren] (svv.V.; hat) [lat. iniungere]
(bildungsspr. veraltet): jmdm. etw. anbefehlen, zur Pflicht
machen, einschärfen: Während alle katholischen
Hauptgestalten des Romans den Krieg verdammen, injungiert die
katholische Kirche den Kriegsdienst prinzipiell (Deschner,
Talente 21); Infunktion [...ok'tßio:n], die; -. -en [spätlat.
iniünctio] (bildungsspr. veraltet): Einschärfung. Vorschrift,
pflichtmäßige Auferlegung: Befehl.
Injuriant [Injuriant], der: -en. -en [lat. iniüriäns (Gen.: iniu-
riantis), 1. Part, von: iniüriäre. tinjurieren] (bildungsspr.
veraltet): jmd.. der einen anderen beleidigt: Ehrabschneider:
Iniuriat [...'rja:t]( der. -en. -en [zu lat. iniüriatus. 2. Part,
von: iniüriäre, tinjurieren] (bildungsspr. veraltet): jmd..
der beleidigt worden ist: Injurie [inju:rld]. die; -. -n [lat.
iniüria](jur.. bildungsspr.): Beleidigung durch Worte.
Schläge o. ä.: IniurienkJaae, die: -. -n (jur.): inhirieren [inju'ri.ren]
<sw. V.; hat) [lat. iniüriäre = gewalttätig behandeln]
(bildungsspr. veraltet): jmdn. durch Wort od. Tat beleidigen,
jmdm. die Ehre abschneiden: injuriös [...rl0:s] <Adj.; -er.
-este) [lat. iniüriösus = ungerecht, frevelhaft] (bildungsspr.
veraltet): beleidigend, ehrenrührig.
Inkabein ["igka-J. das; -[e]s. -e. |nkaknochen, den -s. - [nach
den Inkas (ehemalige indianische Herrscher- u.
Adelsschicht in Peru), bei denen diese Erscheinung zuerst
beobachtet wurde] (Anat.): besondere, durch eine Schädelnaht
abgegrenzte Ausprägung des Hinterhauptbeins.
Inkantation [mkanta't>io:n], die; -, -en [lat. incantätio =
Zauberei, Zauberformel] (Volksk.): in Hochkulturen u. bei
Naturvölkern geübte magische Kunst, die durch Rezitation
von Zauberformeln o. ä. einen Zauber bewirken will.
Inkardination [inkardina't$io:n], die; -. -en [mlat. incardina-
tio. zu: incardinare = in einen kirchlichen Stand erheben]
(kath. Kirche): Eingliederung eines katholischen Geistlichen
in eine bestimmte Diözese od. einen Orden [nach
voraufgegangener Exkardination] (Ggs.: Exkardination).
inkarnat [mkar'na.t] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [frz. incar-
nat] (Kunstwiss.. veraltet): fleischfarben: <subst.:) Inkarnat
[-], das; -[eis (Kunstwiss.): fleischfarbener Ton [auf
Gemälden]: Inkarnation [mkama1 &io:n], die; -. -en [spätlat. incar-
nätio]: 1. (Rel.) (bes. in bezug auf Christus nach Joh. 1.
14) Fleischwerdung. Menschwerdung eines göttlichen
Wesens. 2. (bildungsspr.) Verkörperung: die Regierung als
I. des Volkswillens (Fraenkel. Staat 353); ich sah in ihm
(= dem Dritten Reich) schlechthin die I. des Bösen
(Niekisch. Leben 279); Inkarngtrot, das; -s, -: svw. t Inkarnat;
inkarnieren [..,'ni:ran], sich <sw. V.; hat) [lat. incarnäre
= zu Fleisch machen] (bildungsspr.): sich verkörpern: (2.
Part.:) inkarnkrt: 1. (bes. Rel.) fleischgeworden. 2.
(bildungsspr.) verkörpert.
Inkarzeration [inkartßera £io:n], die; -. -en [spätlat. incarce-
rätio = Einkerkerung] (Med.): Einklemmung (z.B. eines
Eingeweidebruchs); inkarzeriert I...'ri:?t] <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.) [spätlat. incarcerätus = eingekerkert] (Med.):
eingeklemmt: ein -er Bruch.
Inkassant [inka'sant], der; -en. -en [zu tInkasso] (österr.):
jmd.. der Geld kassiert: Kassierer: er war als I. bei einer
Haushaltsgerätefirma beschäftigt; Inkass^ntin, die; -, -nen:
w. Form zu t Inkassant; Inkasso [m'kaso], das; -s. -s u.
...si [ital. incasso. zu: incassare = Geld einziehen < mlat.
incassare. incapsare = in einen Heiligenschrein
aufnehmen, zu lat. capsa = Behältnis, t Kassa] (Bankw.):
Beitreibung. Einziehung fälliger Forderungen.
ink$sso-. Ink«sso-: -bevollmächtigt <Adj.; o. Steig.; nicht
adv.): bevollmächtigt. Geldforderungen einzuziehen: -büro,
das: Unternehmen, das sich mit der Einziehung falliger
Forderungen befaßt: -verfahren, das: Verfahren.
Geldforderungen einzuziehen: -vollmacht, die: vgl. ^verfahren.
Inkaufnahme [...na :m3], die; - (Papierdt.): das Inkaufnehmen.
Inklination [mklinatßio.n], die: -. -en [lat. inclinätio = Nei-
1338
inkonvenient
gung. Biegung. Zuneigung]: 1. (bildungsspr.) Neigung: So
zeigt sich etwa bei Gryphius ... eine deutliche I. zum
..affekthaft-pathetischen4' Stil (Mitteilungen des
Deutschen Germanisten-Verbandes 1. 1968. 42). 2. (Geogr.)
Neigung einer frei aufgehängten Magnetnadel zur
Waagrechten. 3. (Math.) Neigung zweier Ebenen od, einer Linie
u. einer Ebene gegeneinander. 4. (Astron.) Winkel, den
eine Planeten- od. Kometenbahn mit der durch die Erdbahn
u. den Sonnenmittelpunkt festgelegten Ebene, der Ekliptik,
bildet: inklinieren [...'ni:ren] <sw. V.; hat) [tat. incllnäre.
eigtl. = hinneigen! (bildungsspr. veraltet): eine Neigung.
Vorliebe für jmdn.. etw. haben: Wie Hemingway inkliniert
auch Böll zu den Außenseitern und Erfolglosen (Deschner.
Talente 15).
inkludieren [mkludi:ren] <sw. V.; hat) [lat. inclüdere]
(bildungsspr. veraltet. Fachspr.): einschließen, mit beinhalten
(Ggs.: exkludieren); Inklusen [in'khi.zn] <P1.) [mlat. inclusi
< lat. inclüsi = die Eingeschlossenen, PI. von: inclüsus,
2. Part, von: inclüdere = einschließen]: Männer od. Frauen,
die sich zu Askese u. Gebet einschließen od. einmauern ließen
(im frühen Christentum des Orients, im Abendland bes.
zwischen dem 6. u. 15. Jh.); Inklusion [mklu'zio:n], die;
-. -en [lat. inclüsio] (Fachspr.): Einschließung, Einschluß;
Enthaltensein: inklusive [mklu'zl:va; mlat. inclusive. Adv.
von: inclusives, zu lat. inclüdere = einschließen]: I. <Präp.;
zur Beugung vgl. einschließlich) (bes. Kaufmannsspr.)
einschließlich (I), mit einberechnet, inbegriffen (Ggs.:
exklusive): der Preis i. der Transportkosten, aller Gebühren; für
das Zimmer bezahlten wir i. Frühstück 40 DM; ein Menü
i. Getränken für 20 DM; Abk.: inkl. IL <Adv.)
einschließlich OD: die Messe ist bis zum 20. März i. geöffnet; (ugs.:)
Und nuri wollen Sie unser Heldenlied schreiben ...? ...
Vergewaltigte Bäckertochter i.? (Kuby, Sieg 293).
inkognito [inkognito] (Adv.) [ital. incognito < lat. incögni-
tus = unerkannt] (bildungsspr.): unter fremdem Namen
(auftretend, lebend): i. reisen, bleiben; Inkognito [-]. das;
-s. -s <P1. selten) (bildungsspr.): das Auftreten. Leben unter
fremdem Namen: sein I. wahren, preisgeben; er legt Wert
auf strenges (streng gewahrtes) I.
jnkoh&rent [auch: -1 <Adj.; -er, -este) [spätlat. incohae-
rens(Gen.: incohaerentis)] (bildungsspr.):
unzusammenhängend; auf mangelnden Zusammenhang hindeutend (Ggs.:
kohärent): sein Werk hat-e Züge; Inkohärenz [auch: '-].
die; -, -en (bildungsspr.): mangelnder Zusammenhang (Ggs.:
Kohärenz).
inkohativ [inkoha'ti:fl: t inchoativ.
inkohlt [tnko :1t] <Adj.; o. Steig; nicht adv.) [zu t Inkohlung]:
unter Luftabschluß in Kohle umgewandelt: In den Lausitzer
Braunkohlen sind -e Holzstämme von Koniferen nicht
selten, meist Taxodiaceen und Pinusarten (Kosmos 2.1965.
55); Inkohlung [m'ko:luQ]. die; - [gepr. 1883 von dem dt.
Geologen C. W. von Gümbel (1823-1898)] (Geol.):
Umwandlung von Pflanzen in Kohle unter Luftabschluß.
Inkoht [mko'la.t], das; -s. -e [zu (spät)lat. incolätus =
das Wohnen an einem Ort]: svw. t Indigenat.
inkommensurabel <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [spätlat. in-
commensüräbilis] (bildungsspr.): nicht meßbar, nicht
vergleichbar; unwägbar (Ggs.: kommensurabel):
inkommensurable Verhältnisse; ihre Leistungen sind i.;
inkommensurable Größen (Math.; Größen, deren Verhältnis irrational
ist): <Abl.:> Inkomraensurabilität, die; - (Math.. Physik,
bildungsspr.): Unmeßbarkeit. Unvergleichbarkeit;
Unwägbarkeit (Ggs.: Kommensurabilität).
inkommodieren[inJomodi:ren]<sw. V.;hat)[frz. incommo-
der < lat. incommodäre] (bildungsspr): a) jmdm.
Unbequemlichkeiten bereiten, indem man den Betreffenden mit
etw. bemüht; belästigen: jmdn. mit einem Anliegen i.; b)
<i. + sich) sich Mühe machen: ..Es geht mir gut. Herr
Baron,... bitte, sich nicht zu L!" (Roth, Radetzkymarsch
110); Inkommodität [...di'te.t], die; -, -en [lat. incommodi-
täs] (bildungsspr. veraltet): Unbequemlichkeit. Lästigkeit
einer Sache.
[nkomparabel [auch: '—] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.)
[lat. incomparäbilis]: a) (bildungsspr. veraltet)
unvergleichbar; unvergleichlich (Ggs.: komparabel): Dabei ist selbst
hier die Sprache keinesfalls i. oder auch nur kühn
(Deschner. Talente 65); b) (Sprachw. veraltet) (von Adjektiven)
nicht steigerungsfähig (z. B. tot; nicht: toter, am totesten);
Inkomparabile, das; -s. ...bilia [...'bhlja] u. ...bilien [...'bi:-
Uan] (Sprachw. veraltet): inkomparables (b) Adjektiv.
inkompatibel [auch: '—] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.)
[zu tin-. In- u. tkompatibel] (Ggs.: kompatibel): 1. (Med.)
(von Medikamenten odt. Blutgruppen) unverträglich. 2. (bes.
jur.) (von mehreren Ämtern in einer Person) unvereinbar.
3. (Sprachw.) (von einzelnen Lexemen)
syntaktisch-semantisch nicht anschließbar (z. B. der blonde Himmel); <Abl.:)
Inkompatibilität, die; -. -en (Ggs.: Kompatibilität): 1.
(Med.) Unverträglichkeit verschiedener Medikamente od.
Blutgruppen. 2. (bes. jur.) Unvereinbarkeit. 3. (Sprachw.)
nicht mögliche syntaktisch-semantische Verknüpfung
einzelner Lexeme.
inkompetent [auch: '-] <AdJ.; o. Steig.; nicht adv.)
[spätlat. incompetens (Gen.: incompetentis) = unpassend]: 1.
(Ggs.: kompetent 1) a) unsachverständig, unfähig: eines
Juristen, der ... dem Bürokratismus -er Richter und
Gutachter ausgeliefert ist (Spiegel 11, 1975. 160); b) (bes. jur.)
nicht zuständig; nicht befugt, eine Angelegenheit zu
behandeln. 2. (Geol.) (von Gesteinen) tektonisch verformbar
(Ggs.: kompetent 2), dazu: Inkompetenz [auch: '-].
die; -, -en (Ggs.: Kompetenz 1): a) mangelnder
Sachverstand; Unfähigkeit: die außenpolitische I. des Ministers;
b) (bes. jur.) Unzuständigkeit [einer Behörde).
inkomplett [auch: —'-] <AdJ.; o. Steig.; nicht adv.) [frz.
incomplet < spätlat. incompletus] (bildungsspr.):
unvollständig; unvollendet (Ggs.: komplett 1 a).
[nkompressibel [auch: '—] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.)
[zu tin-, In- u. t kompressibel] (Physik): (von Körpern)
nicht zusammenpreßbar (Ggs.: kompressibel); <Abl.:> In-
kompressibilitit, die; - (Physik): die Eigenschaft bestimmter
Körper, sich nicht zusammenpressen zu lassen (Ggs.:
Kompressibilität).
inkongruent [auch: '-] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [lat.
incongruens (Gen.: incongruentis)]: 1. (bildungsspr.) nicht
übereinstimmend, nicht passend. 2. (Math.) a) nicht
übereinstimmend, nicht deckungsgleich (Ggs.: kongruent 2a): -e
Dreiecke; b) (von zwei Zahlen, die. durch eine dritte geteilt,
ungleiche Reste liefern) nicht übereinstimmend (Ggs.:
kongruent 2 b); Inkongruenz [auch: '-], die; -, -en [spätlat.
incongruentia]: 1. (bildungsspr.) mangelnde
Übereinstimmung. 2. (Math.) a) mangelnde Deckungsgleichheit (Ggs.:
Kongruenz 2 a): b) mangelnde Übereinstimmung von zwei
Zahlen, die. durch eine dritte geteilt, ungleiche Reste liefern
(Ggs.: Kongruenz 2 b).
Inkonsequent [auch: '-] <Adj.; nicht adv.) [lat. incönse-
Quens (Gen.: incönsequentis)] (bildungsspr.): (in bezug auf
jmds. Vorgehen o.a.) nicht folgerichtig; widersprüchlich
(Ggs.: konsequent): ein -es Verhalten; er ist i. in seiner
Argumentation; i. handeln, leben, dazu: Inkonsequenz
[auch: '-], die; -, -en [lat. incönsequentia]
(bildungsspr.): mangelnde Folgerichtigkeit;
Widersprüchlichkeit (Ggs.: Konsequenz): die I. seines Handelns.
Verhaltens; ... ein Erbübel, dem weitere -en fast naturnotwendig
entspringen mußten (Augstein, Spiegelungen 117).
inkonsistent [auch: '-] <AdJ.; o. Steig.; nicht adv.) [zu
tin-. In- u. tkonsistent] (bildungsspr.): a) keinen Bestand
habend, ohne Dauer (Ggs.: konsistent 1 b): ein -es Verhalten;
b) (bes. Logik) widersprüchlich; unzusammenhängend in der
Gedankenführung (Ggs.: konsistent 2): eine [mit ihren
Voraussetzungen] -e Theorie; |nkonsistenz [auch: '-]. die;
-: a) (bildungsspr.) Unbeständigkeit. Mangel an Festigkeit
(Ggs.: Konsistenz 1 b); b) (bes. Logik) Widersprüchlichkeit
(Ggs.: Konsistenz 2).
Inkonstant [auch: —'-] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [lat.
incönstäns (Gen.: incönstantis)] (Physik, bildungsspr.):
nicht feststehend; unbeständig (Ggs.: konstant): -e
Temperaturverhältnisse; Inkonstanz [auch: —'-]. die; - [lat. in-
cönstantia] (Physik, bildungsspr.): Unbeständigkeit (Ggs.:
Konstanz).
Inkontinenz [auch: '-]. die; -, -en [zu lat. incontinens
= nicht bei sich behaltend] (Med.): Unvermögen. Harn
od. Stuhl zurückzuhalten (Ggs.: Kontinenz 2).
Inkontro [m'kantro], das; -s. -s u. ...ri [ital, incontro =
gegenüber] (Fechten): Doppeltreffer, bei dem ein Fechter
gegen die Regeln verstößt, so daß dem Gegner ein Treffer
gutgeschrieben wird.
jnkonvenabel [auch: '—] <Adj.; ...bler. -ste) [frz. incon-
venable] (Ggs.: konvenabel) (bildungsspr. veraltet): 1.
unpassend, ungelegen. 2. unschicklich; inkonvenient
['inkonvenient. auch: '-] <Adj.; -er. -este) [frz. inconvönient
< (spät)lat. inconveniens (Gen.: inconvenientis)] (bil-
1339
Inkonvenienz
dungsspr. veraltet): 1. nicht herkömmlich; unschicklich,
unpassend. 2. unbequem, dazu: Inkonvenienz [auch: '-].
die; -. -en [(spät)lat. inconvenientiaj (Ggs.: Konvenienz)
(bildungsspr. veraltet): 1. Ungehörigkeit. Unschicklichkeit.
2. Unbequemlichkeit. Ungelegenheit.
inkonvertibel [auch: '—] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>
[spätlat. inconvertibilis = unveränderlich; unbekehrbar]:
1. (Wirtsch.) (von Währungen) nicht konvertibel. nicht
austauschbar (Ggs.: konvertibel). 2. (bildungsspr. veraltet)
unbekehrbar; unwandelbar.
inkonziliant [auch: -] <Adj.; -er. -este) [zu tin-, In-
u. t konziliant] (bildungsspr.): nicht umgänglich;
unverbindlich (Ggs.: konziliant): sein -es Wesen.
jnkonzinn [auch: —'-1 <Adj.; o. Steig.) [lat. inconcinnusl:
1. (Rhet.. Stilk.) unebenmäßig, unharmonisch im Satzbau
(Ggs.: konzinn 1). 2. (bildungsspr. veraltet) nicht
ansprechend, nicht gefällig (Ggs.: konzinn 2); <Abl.: > Inkonzinnitdt,
die; - [lat. inconcinnitäs]: 1. (Rhet.. Stilk.) Unebentnäßigkeit
im Satzbau (Ggs.: Konzinnität 1). 2. (bildungsspr. veraltet)
das Nicht-ansprechend-Sein (Ggs.: Konzinnität 2).
|nkoordination [auch: '-]. die; -. -en [aus tin-. In-
u. T Koordination] (Med.): gestörtes od. fehlendes
Zusammenwirken der einzelnen Muskeln einer Muskelgruppe; jn-
koordiniert [auch: '-] <AdJ.; o. Steig.; nicht adv.)
[aus Tin-. In- u. koordiniert] (Fachspr.. bes. Med.): nicht
aufeinander abgestimmt.
inkorponil [ink3rpo'ra:l] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [zu
lat. in = innerhalb u. corpus = Körper] (Med.): im
Körper {befindlich}; Inkorporation [inkorpora'tßio:n]. die;
-, -en [spätlat. incorporätio]: 1. (bes. Med.)
Einverleibung. Einfuhrung eines Stoffes, bes. eines Heilmittels, in
den Körper (z. B. Einführung von Radium in den Körper
zur Krebsbehandlung). 2. (Rechtsspr.) a) Eingemeindung;
b) rechtliche Einverleibung eines Staates durch einen anderen
Staat. 3. Aufnahme in eine Körperschaft od. studentische
Verbindung. 4. (bes. im Mittelalter) Angliederung (z.B.
einer Pfarrei an ein geistliches Stift, um dieses wirtschaftlich
besser zu stellen); inkorporieren [ink3rpo'ri:ren] <sw. V.;
hat) [spätlat. incorporäre = verkörpern, einverleiben]: 1.
(bes. Med.) einverleiben, in den Körper einführen: ein
Heilmittel, radioaktive Strahlen i.; Ü inkorporierende Sprachen
(Sprachw.; wie z. B. die Indianersprachen, die das Objekt
in das Verb aufnehmen). 2. (Rechtsspr.) a) eingemeinden;
b) in einen anderen Staat eingliedern: Als die Insel während
des Balkankrieges der österreichisch-ungarischen
Monarchie inkorporiert wurde (Kisch. Reporter 103). 3. in eine
Körperschaft od. studentische Verbindung aufnehmen: ein
inkorporierter Geistlicher. 4. angliedern, eine Inkorporation
(4) durchführen; <Abl.:> Inkorporknmg, die; -. -en.
inkorrekt [auch: '-] <Adj.; -er. -este) [lat. incorrectus
= unverbessert]: a) durch Ungenauigkeit unrichtig:
fehlerhaft (Ggs.: korrekt a): eine -e Wiedergabe des Vorfalls;
seine Aussprache ist i.; b) einer bestimmten Vorschrift o.a.
nicht genügend; unangemessen (Ggs.: korrekt b): ihr
Benehmen ist i.; mit seinem offenstehenden Kragen war er i.
gekleidet; <Abl.:) Inkorrektheit [auch: —'—], die; -, -en:
1. <o. PI.) (Ggs.: Korrektheit) a) inkorrekte Art;
Fehlerhaftigkeit; b) inkorrekte Art; Unangemessenheit. 2. a) Fehler,
einzelne Unrichtigkeit in einer Äußerung o.a.; b) Beispiel,
einzelner Fall inkorrekten Verhaltens.
Inkraftsetzen, das; -s. Inkraftsetzung, die; -. -en (Papierdt.):
das Gültig-. Verbindlichmachen (Ggs.: Außerkraftsetzung):
das Inkraftsetzen eines Gesetzes: Inkrafttreten, das; -s:
das Gültig-. Verbindlichwerden: das I. einer neuen
Regelung, eines Vertrags. Vgl. Kraft.
Inkreis, der; -es. -e (Geom.): Kreis, der die Seiten eines
Vielecks von innen berührt.
Inkrement [mkre'ment]. das; -[e)s, -e [lat. incrementum =
Zuwachs] (Physik. Math.): Betrag, um den eine
veränderliche Größe schrittweise zunimmt.
Inkret [inkre:t]. das; -[eis. -e [zu lat. incretum (2. Part,
von: incernere) = hineingesiebt] (Med.): vom körpereigenen
Stoffwechsel gebildeter u. ins Blut abgegebener Stoff (bes.
Hormon); Inkretion [mkre't$io:n], die; - [zu lat. in- =
hinein u. t Sekretion] (Med.): innere Sekretion; inkretoriseh
[inkne'to-.nj] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (Med.): die innere
Sekretion betreffend, ihr zugehörig, dienend.
inkriminieren [mkrimi'nl.ren] <sw. V.; hat) [spätlat. incrimi-
nare. zu lat. crimen = Beschuldigung. Vergehen] (bes.
jur.): [eines Verbrechens. Vergehens. Verstoßes]
beschuldigen, anschuldigen; inkriminiert <Adj.; o. Steig.; nur attr.):
[als Verstoß. Vergehen o.a.] zur Last gelegt, zum Gegen-
stand einer Strafanzeige, einer öffentlichen Kampagne o. ä.
gemacht: der -e Zeitungsartikel; Auch diese Gestorbenen
waren dem -en Vinylchlorid nicht direkt ausgesetzt (Spiegel
27. 1974. 100).
Inkrustation [inkrosta'l$io:n]. die; -. -en [spätlat. incrüstätio
= das Überziehen mit Marmor]: 1. (Kunstwiss.) farbige
Verzierung von Flächen durch Einlagen, meist Stein in Stein.
2. (Geol.) Krustenbildung durch chemische Ausscheidung.
3. (Schneiderei) zur Verzierung eingesetzter Teil; Blende.
4. svw. t Inkrustierung (2); inkrustieren [...'ti:ran] <sw. V.;
hat) [lat. incrüstäre]: 1. (Kunstwiss.) mit einer Inkrustation
(1) verzieren: an einem großen, schönen Tische .... der
mit Achat inkrustiert war (B. Frank. Tage 39). 2. (Geol.)
durch chemische Ausscheidung Krusten bilden. 3.
(Schneiderei) mit einer Inkrustation (3) versehen: Verführerisch
ausgestattete Seidennachthemden mit inkrustierter Spitze (mit
Inkrustationen aus Spitze; Dariaux [Übers.]. Eleganz 41);
<Abl.:) Inkrustkrung, die; -. -en: 1. svw.'f Inkrustation
(1). 2. (Bot.) nachträgliche Einlagerung von Stoffen in das
Zellulosegerüst pflanzlicher Zellwände.
Inkubant [inku'bant], der; -en. -en [zu lat. incubäns (Gen.:
incubantis). 1. Part, von: incubäre = sich zu rituellem
Schlaf niederlegen]: in der Antike jmd.. der sich einer
Inkubation (3) unterzog; Inkubation [...ba't$jp:n], die; -, -en
[lat. incubätio = das Brüten, zu: incubäre = in od. auf
etw. liegen; (brütend) auf etw. sitzen; sich zu rituellem
Schlaf niederlegen]: 1. (Med.) das Sichfestsetzen von
Krankheitserregern im Körper. 2. (Biol.) das Bebrüten von
Vogeleiern. 3. in der Antike ritueller Schlaf im Tempel, um
Heilung od. Belehrung durch den Gott zu erfahren;
Inkubationszeit« die; -. -en (Med.): Zeit zwischen der Ansteckung
u. dem Ausbrechen einer Infektionskrankheit; Inkubator
[...'ba.tor.auch: ...to:^],der; -s. -en [...ba'to:ran]: 1. (Med.)
Brutkasten für Frühgeburten. 2. (Biol.. Med.) Behälter mit
Bakterienkulturen; Inkubus fmkubos], der; -. ...kuben
[...'ku:bn; lat. incubus]: l.a) im römischen Volksglauben
nächtlicher Dämon. Alp; b) im Volksglauben des Mittelalters
Teufel, der mit einer Hexe geschlechtlich verkehrt. 2. <o.
PI.) (Med.) svw. T Alpdrücken.
jnkuiant [auch: — '-] <Adj.; -er. -este) [zu t in-. In- u. t kulant]
(Kaufmannsspr.): kein Entgegenkommen im
Geschäftsverkehr zeigend; die Gewährung von Zahlungs- od.
Lieferungserleichterungen ablehnend (Ggs.: kulant), dazu: (nkuianz
[auch: --'-]. die: -. -en <P1. ungebr.) (Kaufmannsspr.):
fehlendes Entgegenkommen im Geschäftsverkehr (Ggs.:
Kulanz).
Inkulpant [inkul'pant]. der; -en. -en [zu spätlat. inculpäns
(Gen.: inculpantis), 1. Part, von: inculpäre. t inkulpieren]
(Rechtsspr. veraltet): Ankläger. Beschuldiger; Inkulpat
[...'pa:tl. der; -en. -en [zu spätlat. inculpätus (2. Part, von:
inculpäre. t inkulpieren) = Beschuldigter] (Rechtsspr.
veraltet): Angeklagter. Beschuldigter; inkulpieren [...pi:ren]
<sw. V.; hat) [spätlat. inculpäre] (Rechtsspr. veraltet):
beschuldigen.
Inkunabel [mkuna.bl]. die; -. -n (meist PI.) [lat. incünäbula
= Windeln. Wiege, weil der Buchdruck zu jener Zeit
sozusagen noch in den Windeln lag] (Buchw.. Literaturw.):
Druck-Erzeugnis aus der Frühzeit des Buchdrucks (vor
15(X)); Wiegendruck. Frühdruck; Inkunabelkunde, die; -:
Wissenschaft, die sich mit den Inkunabeln beschäftigt; In-
kunabljst [...na'bhst]. der; -en, -en: Wissenschaftler auf dem
Gebiet der Inkunabelkunde.
jnkurabel [auch: —'—] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [lat.
incüräbilis] (Med.): unheilbar (Ggs.: kurabel).
Inkursionlinkor'zicKnl.die; -. -en [lat. incursio = feindlicher
Überfall] (bildungsspr. veraltet): Übergriff. Eingriff.
Inklination [mkurvatßio:n]. die; -. -en [lat. incurvätio]
(bildungsspr. veraltet): / Ein/biegung. Krümmung.
Inbid ['mkyt], der; -s. -e [engl, inlaid. eigtl. = 2. Part,
von to inlay = einlegen]: in verschiedenen Farben
gemustertes Linoleum; Inlay fmlei]. das; -s. -s [engl, inlay =
Einlegestück]: Zahnfüllung, die aus Metall od. Porzellan gegossen
u. dann in den Zahn eingepaßt wird.
Inland, das; -(eis [rückgeb. aus t Inländer, inländisch; mhd.
iniende = Heimat. Vaterland; Herberge]: l.a) das eigene
Land, das Land, dessen Staatsangehörigkeit man besitzt;
Gebiet innerhalb der Grenzen eines Staates, zum
Hoheitsbereich eines Staates gehörendes Territorium (Ggs.: Ausland
1340
innen-, Innen -
1): die Waren sind nur ftir das I. bestimmt; b) das eigene
Land im Hinblick auf seine Regierung, seine Bewohner
(Ggs.: Ausland 2): die Reaktionen des In- u. Auslandes
waren gleichermaßen deprimierend für ihn; er genießt im
I. einen weniger guten Ruf. 2. das Innere eines Landes
im Gegensatz zum Küstengebiet, zur Küste; Binnenland:
das Klima ist im I. meist milder; (Zus. zu 2:> Inlandeis,
das; -es: in sich geschlossene, weite Gebiete bedeckende
Eismasse in den Polarländern; Inländer ['inlende], der; -s. -
[spätmhd. inlender = Einheimischer, zu mhd. iniende, t
Inland]: Angehöriger. Bewohner des Inlands (1 a);
einheimischer Staatsangehöriger: diese Einrichtung ist für In- u.
Ausländer gedacht; Inländerin, die; -. -nen: w. Form zu
t Inländer; inländisch [mlendij] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.)
[spätmhd. inlendisch = einheimisch, zu mhd. iniende, f
Inland]: das Inland (1) betreffend, ihm angehörend; aus dem
Inland kommend, stammend; einheimisch: -e Produkte.
Waren. Erzeugnisse, Zeitungen. Sender; die in- und
ausländische Presse; der -e Geldmarkt; -e Zwischenhändler.
Großhändler.
Inlands- (Inland 1): -absatz, der (Wirtsch.): Absatz von
Waren im Inland; -abteihmg. die: Abteilung eines
Unternehmens, die den Handelsverkehr im Inland abwickelt; abrief,
der: Brief an einen Adressaten im Inland; -geschält, das:
Geschäft, das im Inland abgewickelt wird; geschäftliche
Beziehungen im Inland; ^gespridi, das: Telefongespräch mit
einem Teilnehmer im Inland; -markt, der (Wirtsch.): Markt
für wirtschaftliche Erzeugnisse im Inland; -paß. der: nur
im Inland geltender Paß: -porto, das: Porto für
Postsendungen an einen Adressaten im Inland; ^preis. der: Preis für
Waren, die im Inland verkauft werden (bes. im Gegensatz
zum Exportpreis); -presse, die.
Inlaut, der; -[e]s. -e (Sprachw.): Laut im Inneren eines Wortes,
einer Silbe; inlautend <Adj.; o. Steig.; nur attr.) (Sprachw.):
im Inneren eines Wortes, einer Silbe als Inlaut stehend:
-es „e" in Welt.
Inlett [inlet]. das: -[e]s. -e. auch: -s [niederd. Inlät. zu:
Inläten = einlassen, also eigtl. = Einlaß]: Stoff[ hülle J
aus festem Baumwollgewebe für die Federn von Federbett
u. -kissen.
Inliegend <Adj.;o. Steig.: nicht adv.) (Papierdt.. bes. österr.):
svw. T einliegend.
inmedias res [m me:dia:s re:s; lat. = mitten in die Dinge
hinein] in den Wendungen in m. r. gehen, kommen (bil-
dungsspr.; unmittelbar u. ohne Umschweife zur Sache
kommen; nach Horaz' .Ars poetica").
in memoriam [in me'mo:riam; lat.] (bildungsspr.): zum
Gedächtnis. Andenken an .... zur Erinnerung, im Gedenken
an ...
inmjtten [mhd. enmitten. früher: in mitten, in mittin. ahd.
in mittamen = in der Mitte]: I. <Präp. mit Gen.) (geh.)
mitten in. mitten unter; in der Mitte von: sie saßen i. der
Kinder, i. der Kisten und Kästen; Ripp sah sich i. einer
Gesellschaft von durchwegs alten Herren (Frisch. Stiller
85); Ich sah nur einen kleinen Jungen i. des einen Hofes
stehen (Koeppen. Rußland 38); Ü Seine unaussprechliche
Heiterkeit i. gänzlicher Entblößung war der Reiz (Nigg,
Wiederkehr 119). II. <Adv.) mitten in. mitten unter,
umgeben: das Haus lag i. von Parkanlagen: Ü das letzte Grab
der Menschheit i. von Nacht und Verlassenheit (Remaraue.
Triomphe 11).
in natura [in na'tu:ra; lat.; T^n u. tNatur]: 1. wirklich,
in Wirklichkeit; in seiner wirklichen, natürlichen Gestalt;
leibhaftig, persönlich: er, das Haus wirkt in n. ganz anders
als auf dem Foto: Oft enttäuschen sogenannte Weltwunder,
wenn man sie in n. sieht (Welt 20. II. 64. 49). 2. (ugs.)
in Form von Naturalien, in Waren: Vergütung in n.
ime- [ma-; mhd. inne. ahd. inna. inne. inni. zu f 'in]: -haben
<unr. V.; hat): I. (eine bestimmte Position. Stellung o.a..
die einem durch Amecht od. Berufung zugefallen ist)
einnehmen, besitzen; bekleiden, verwalten: einen Posten, einen
Rang, ein Amt, eine wichtige Position i.; die Leitung,
die Führung L; Von 1956 bis 1960 hatte er den Lehrstuhl
für Psychologie... inne (Hofstätter. Gruppendynamik 181.
Anhang). 2. (geh.) zur Verfügung haben, besitzen; über
etw. verfügen: vor dem Hause, in welchem Kummerfelds
eine hochherrschaftliche Wohnung innehatten (A. Kolb.
Daphne 104); -halten <st. V.; hat): 1. mit einer Tätigkeit
für kurze Zeit aufhören, in seinem Tun nicht fortfahren:
etw. unterbrechen; einhalten: in/(seltener auch:) mit seiner
Arbeit i.; im Lesen, im Laufen, mitten in einer Bewegung
i.; Ich schiebe mich heran, halte inne (verharre), stütze
mich auf die Hände (Remarque, Westen 154). 2. (geh.)
(etw.. was als verbindlich gilt, eine Verpflichtung) erfüllen,
sich daran halten, danach richten; einhalten: die Formen,
die nötige Distanz i.; die Wartezeit i.; Es gab
Zahlungsfälligkeiten, die ich nicht i. konnte (Jahnn. Geschichten 25);
^sein <unr. V.; ist; nur im Inf. u. Part,
zusammengeschrieben) (geh.): etw. im Bewußtsein haben, erkennen; sich einer
Sache bewußt sein, darüber im klaren sein: er wird des
Verlustes bald i.; er war nur noch der Freude inne. mit
ihr zu sein (A. Kolb. Daphne 155); -werden <unr. V.;
ist; nur im Inf. u. Part, zusammengeschrieben): sich einer
Sache bewußt werden, sie in ihrer Bedeutung erkennen, sie
gewahr werden, begreifen: da sein Vetter der Sachlage
innegeworden, zog er nur schweigend die Brauen zusammen
(Th. Mann, Zauberberg 328); Mehr und mehr wurde ich
inne. daß nicht Wochen oder Jahre zählen, sondern das
in ihnen Erlebte (Hagelstange. Spielball 237); -wohnen
<sw. V.; hat) (geh.): als Eigentümlichkeit. Besonderheit,
als etw. Charakteristisches in etw. mit enthalten sein, zu
etw. gehören: Allem Ablauf wohnt die Richtung zum
Niederen inne (Jahnn, Geschichten 76); auch Wahnsinn hat
eine ihm innewohnende Logik (Plievier. Stalingrad 266).
innen finsnl <Adv.) [mhd. innen, ahd. innan(a). zu t'inl
(Ggs.: außen): 1. an der. auf der Innenseite; im Inneren:
der Becher ist nur i. vergoldet; der Apfel, die Nuß war
i. faul; das Haus wurde nur i. neu hergerichtet; er hat
den Vorteil, daß er i. (Sport; auf der Innenbahn, inneren
Bahn) läuft; die Tür geht nach i. (zum Inneren hin) auf;
er setzt die Füße beim Gehen nach i. (setzt sie einwärts);
sie haben den Dom auch von i. besichtigt; man kann
die Tür nur von i. (vom Inneren her. von der Innenseite
aus) schließen; Ü Wir wissen, was ständig nagend nach
i. (ins Innere 2 a) geht: Verzweiflung (Wohmann. Absicht
376); eine Adelsherrschaft, von i. (von der inneren Struktur
her) gesehen, kann den Anschein der Demokratie erwecken
(Fraenkel.Staat 32). 2. (österr.) a) (hier) drinnen; b)
(veraltend) (von draußen gesehen:) drinnen; (subst. zu 1:) Innen
[-1. das; - (Ggs.: 2Außen).
fnnen-. Innen-: -angriff, der: Angriffsart bes. bei Fußball
u. Handball, bei der der Angriff nicht über die Flügel (3 a).
sondern über das Mittelfeld zum gegnerischen Tor läuft;
-anstrich, der; Mintenne, die: in einem Gebäude montierte
Antenne; -arbeiten <P1.>: Arbeiten an einem Bau. die innen
ausgeführt werden; -ardiitekt, der: Architekt, der sich mit
der Gestaltung von Innenräumen befaßt; -aufnähme, die
(Film. Fol.): Aufnahme, die in einem Raum, im Atelier
aufgenommen, gedreht wird; -ausstattung. die: a)
Ausstattung. Gestaltung eines Innenraums: eine Reihe modemer
Pavillonschulen mit zweckdienlicher I. (Fraenkel. Staat
177); b) (Schneiderei) Verarbeitung. Gestaltung der
Innenseite eines Kleidungsstückes: Popelinmantel... mit
Sliponrevers, abgesteppten Kanten und interessanter I.
(Herrenjournal 3. 1966. ISO); -bahn, die (Ggs.: Außenbahn): a)
(Leichtathletik) an der inneren Krümmung des Stadions,
des Platzes o. ä. gelegene Bahn für die Läufer; b)
(Schwimmen) eine der inneren, in der Mitte des Schwimmbeckens
gelegene Bahn für die Schwimmer; -beleuditung, die: die
I. eines Autos; -bezirk, der: Bezirk im Inneren einer Stadt,
im Stadtkern; -binder, der [zu t Binder (4)1; -dienst, der:
Dienst. Arbeit in den Räumen der Dienststelle, innerhalb
der eigentlichen Dienststelle im Gegensatz zum Außendienst:
er hat heute I.. arbeitet lieber im I., dazu: -dienstlich
<Adj.; o. Steig.): den Innendienst betreffend, zu ihm
gehörend; in. vom Innendienst; -druck, der: von innen her
wirkender, im Inneren eines geschlossenen Raumes, eines Körpers,
eines Organs o.a. vorhandener Druck; -durchmesser. der;
-einrichtung, die: vgl. Einrichtung (2 a): die Bühnenbildner,
die liebevoll an der I. der Fernsehfamilienwohnung
gebastelt hatten (Hörzu 23. 1973.8); -fläche, die: vgl. -seite;
-hand, die (Boxen): Innenseite der Faust, dazu: -hand-
sdilag, der (Boxen): der I. ist nicht erlaubt; -hof, der:
von einem Gebäude umschlossener, innerhalb eines
Gebäudekomplexes liegender Hof: die Innenhöfe eines Palastes,
einer Burg; ein Bungalow mit I.; -kante, die (Ggs.:
Außenkante): die I. des Skis; -khiver. der (Seemannsspr.):
das mittlere mehrerer Vorsegel eines klassischen Kutters
od. eines alten Segelschiffs; ^kurve, die: Kurve der inneren
/ Fahrlbalin (Ggs.: Außenkurve); -leben, das <o. PL): 1.
1341
mner-
Gesamtheit der Gedanken, Gefühle, der seelischen Regungen
eines Menschen: Grotesk muten mitunter die Versuche
an. das I. der Wehrdienstverweigerer zu erforschen (Spiegel
6. 1966, 28). 2. (oft scherzh.) svw. t-ausstattung: Einige
Detailfotos zeigen, wie sinnvoll das I. der Schränke
gestaltet ist (Wohnfibel 34); ein Mantel mit reichem I.; -leitung,
die (Elektrot.): elektrische Leitung im umbauten Raum,
die gegen unmittelbare Witterungseinflüsse geschützt ist:
-liegend <Adj.; o. Steig.; nur attr.) (Ggs.: außen liegend):
die -en Räume werden durch eine besondere Anlage mit
Luft versorgt; -minister, der: Minister für innere Angelegen-
heiten: Mninisterhm, das: Ministerium für innere
Angelegenheiten: -pfosten, der (Ballspiele): innerer, auf der Höhe
der Torlinie liegender Teil des Torpfostens: der Ball sprang
vom I. ins Tor; -Politik, die: Teil der Politik eines Staates,
der sich mit der Regelung der inneren Angelegenheiten u.
Verhältnisse befaßt (Ggs.: Außenpolitik), dazu: -politisch
<Adj.; o. Steig.; nicht präd.>: die Innenpolitik betreffend, zu
ihr gehörend.auf ihr beruhend (Ggs.: außenpolitisch): -e
Fragen. Probleme. Ereignisse; Statt dessen geriet Mussolini
... in steigendem Maße auch i. unter Hitlers dominierenden
Einfluß (Fraenkel. Staat 86); -räum, der: ringsum [von
Wänden] umschlossener, im Inneren von etw. liegender,
das Innere von etw. bildender Raum: die Innenräume des
Schlosses waren verwahrlost; der I. (von den Laufbahnen
umgebener, mittlerer Raum) einer Wettkampfstätte; Die
Autos werden nützlicher. Mehr I. (Platz, Geräumigkeit
im Innern) bei äußerlich gleichen Abmessungen (Welt 14.
9. 65, 10); -rfct. der (bes. Fußball): innere Seite des
Fußrückens (Ggs.: Außenrist): Bälle spielt er mit I.,
Außenrist, Vollspann. Hacke (Hörzu 36. 1975. 20); -rolle, die:
bes. von Frauen getragene Frisur, bei der die Haarenden
leicht eingerollt sind: Die (= die Köster) war sechzehn
und hatte I. (Kempowski. Tadelloser 201); -seite, die:
innere Seite: der Mitte, der Achse eines Körpers, Ge/aßes,
Raumes zugewandte Seite (Ggs.: Außenseite): die I. eines
Gefäßes, eines Bucheinbandes, eines Kleidungsstücks; die
-n des Kästchens waren mit Seide ausgeschlagen; -Senator,
der: Senator eines Stadtstaates mit dem Aufgabenbereich,
der dem eines Innenministers entspricht: -ski, der: der beim
Fahren von Bogen u. Schwüngen jeweils auf der Innenseite
des Bogens befindliche Ski (Ggs.: Außenski); -spann, der:
svw. t -rist; -Spiegel, der: Rückspiegel, der im Inneren eines
Kraftfahrzeugs in der Mitte über der Windschutzscheibe
angebracht ist (Ggs.: Außenspiegel); -Stadt, die: innerer
Teil des Stadtgebietes größerer Städte, durch den meist
die Hauptgeschäftsstraßen führen: City, Zentrum: -stürm,
der <o. PI.) (Ballspiele): vorwiegend in der Mitte
operierender Teil des Sturms einer Mannschaft ohne die beiden
Außenstürmer: Wir drei vom I. ... schickten unsere schnellen
Flügelstürmer ... immer wieder nach vorn (Walter, Spiele
99); -Stürmer, der (Ballspiele): zum Innensturm gehörender
Spieler (Ggs.: Außenstürmer); -tasehe, die: an der
Innenseite eines Kleidungsstücks od. im Inneren einer größeren
Tascheangebrachte Tasche (Ggs.: Außentasche): die I. einer
Jacke, einer Aktenmappe; -tempenitur, die: in einem Raum,
einem Körper o.a. herrschende Temperatur (Ggs.:
Außentemperatur); -toilette, die: Toilette innerhalb der Wohnung
(Ggs.: Außentoilette); -trio, das (Fußball Jargon): die drei
Innenstürmer einer Fußballmannschaft: -tür, die: Tür in
einem Gebäude, die nicht ins Freie führt (Ggs.: Außen tür);
-wand, die: Wand in einem Gebäude, die nicht eine
Außenseite begrenzt (Ggs.: Außenwand): die Innenwände sind meist
weniger dick als die Außenwände; -weit, die: Gesamtheit
der Gedanken u. Gefühle, nur dem eigenen Ich zugehörender
geistiger u. seelischer Bereich eines Menschen (Ggs.:
Außenwelt 1): die Möglichkeit einer ... Bereinigung und
Befriedung dieser außengestörten -en (Spiegel 43, 1974, 197);
-winkel, der (Math.): durch zwei benachbarte Seiten
gebildeter Winkel im Inneren einer geometrischen Figur.
inner... ['in*...] <AdJ.; Sup. t innerst...; nur attr.) [mhd. inner,
ahd. innaro = inwendig, zu tinne-]: l.a) sich an. auf
der Innenseite, im Innenraum, im Inneren von etw. befindend,
innen befindlich, liegend (Ggs.: äußer... a): die -e Seite
eines Bucheinbands; die -e Jackentasche; der -e Rand;
die -e Bahn; der -e von zwei Kreisen; die -en Stadtbezirke;
die -en Räume; die -en Organe (Med.; die im Körper
liegenden Organe wie Eingeweide, Atmungs-, Kreislauf-,
Verdauungsorgane. Drüsen u. a): b) (Med.) die inneren Organe
betreffend, durch sie bewirkt: die Behandlung der inneren
Organe betreffend, ihr dienend: -e Krankheiten.
Verletzungen; die -e Sekretion (Sekretion von Drüsen unmittelbar
in die Blutbahn): eine -e Blutung (Blutung im Inneren
des Körpers, eines inneren Organs): die -e Medizin
(Fachgebiet der Medizin für den Bereich fast sämtlicher Organe
u. Organsysteme des menschlichen Körpers): die -e
Abteilung. Station eines Krankenhauses; <subst.:> der Patient
kommt in die Innere (Med. Jargon; innere Abteilung,
Station). 2. (Ggs.: äußer... b, c) a) im geistig-seelischen Bereich
vorhanden, wirksam, begründet: im Inneren eines Menschen
angesiedelt, von dort ausgehend: -e Ruhe, Erregung.
Ungeduld; -e Spannungen; -e Anteilnahme; das -e Bedürfnis,
den -en Drang verspüren, etw. zu tun; b) einer Sache
innewohnend, in ihr als Eigentümlichkeit, Besonderheit, als
etw. Charakteristisches enthalten: der -e Aufbau, die -e
Gliederung. Stabilität einer Organisation; die -e
Gesetzmäßigkeit eines Ablaufs; die -e Ordnung. Geschlossenheit
der Partei muß gewährleistet sein. 3. das Inland (\ b)
betreffend: inländisch (Ggs.: äußer... d): die -en Probleme. Fragen
dieses Landes; der Minister für -e Angelegenheiten;
<subst.:> der Minister, das Ministerium des Innerlejn; Der
Staatsnotstand kann ausgelöst werden durch
Einwirkungen von außen .... aber auch durch Umsturzversuche im
Inneren (Fraenkel, Staat 319).
Inner-: -betrieblich <AdJ.; o. Steig.): nur den Betrieb, die
Angehörigen eines Betriebes betreffend: innerhalb eines
Betriebes: -e Fragen, Angelegenheiten, Mitteilungen.
Konflikte; der Unternehmer müsse... sein -es Klima verbessern
(MM 11.4. 74. 15); etw. i. diskutieren, regeln; -deutsch
<Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: a) Deutschland, die inneren
Fragen, Angelegenheiten Deutschlands betreffend: sich
innerhalb Deutschlands befindend, abspielend: -es
Territorium; -e Probleme; so würde er als zehnjähriger Beobachter
der -en Verhältnisse kaum so schnell Hitler auf den Leim
gegangen sein (Hochhuth. Stellvertreter 236); b) die beiden
deutschen Staaten, die Beziehungen zwischen ihnen
betreffend: -e Verhandlungen. Regelungen, Beziehungen; der
-e Handel; MÜenstikh <AdJ.; o. Steig.): nur den dienstlichen
Bereich betreffend, für ihn geltend, für ihn u. nicht für
die Öffentlichkeit, Allgemeinheit bestimmt: -e
Angelegenheiten; ein -es Gespräch. Schreiben; etw. i. regeln;
^genossenschaftlich <Adj.; o. Steig.): vgl. -betrieblich;
-gewerkschaftlich <Adj.; o. Steig.): vgl. -betrieblich; -kirchlich
<AdJ.; o. Steig.): vgl. -betrieblich; -Ertlich <AdJ.; o. Steig.):
innerhalb eines Ortes, einer Ortschaft herrschend, geltend:
die Heraufsetzung der -en Geschwindigkeitsbegrenzung
(Auto 7,1965.17); Muts <Adv.) (schweiz.. österr.
[Vorarlberg]): innerhalb des Ortes, der Ortschaft: die vernünftige
60-km/h-Beschränkung i. (Auto 7. 1965, 21); <in
Verbindung mit einem ungebeugten Ortsnamen:) auf der
Marktstraße i. Dornbirn (Vorarlberger Nachr. 27. 11. 68. 5);
-parteilich <Adj.; o. Steig.): vgl. -betrieblich (Ggs.:
außerparteilich): eine -e Auseinandersetzung; die Regeln des -en
Umgangstons (Kant. Impressum 325); -politisch <Adj.;
o. Steig.; nicht präd.): seltener für f innenpolitisch: Im
-en Teil seiner Rede kündigte Breschnjew an, daß ... (Welt
7.11. 64. 5); -schulisch <Adj.; o. Steig.): vgl. -betrieblich;
-sekretorisch <Adj.; o. Steig.) (Med.): die innere Sekretion
betreffend, sie bewirkend, auf ihr beruhend: -e Drüsen; das
-e System; die durch -e Vorgänge bedingte
Fortpflanzungsbereitschaft des Vogels (Lorenz, Verhalten 1.40);
-sprachlich <AdJ.; o. Steig.): a) die Sprache, innere sprachliche
Zusammenhänge betreffend: innerhalb des sprachlichen
Bereichs liegend, sich vollziehend (Ggs.: außersprachlich):
inner- und außersprachliche Einflüsse; b) die eigene Sprache
betreffend: in der eigenen Sprache liegend, begründet, sich
vollziehend: -e Veränderungen; -staatlich <Adj.; o. Steig.):
vgl. betrieblich: -e Probleme. Angelegenheiten. Vorgänge;
-städtisch <AdJ.; o. Steig.): vgl. -örtlich: angesichts der
-en Geschwindigkeitsbegrenzung (Auto 8. 1965. 35).
Innere [inarel. das; ...rieln [zu tinner...]: 1. etw., was von
etw. umgeben, gegen außen abgegrenzt ist, sich innerhalb
von etw. Umschließendem, innen, in der Mitte befindet:
das I. eines Hauses, eines Schiffes; aus dem Innerlejn
der Höhle drangen seltsame Laute; Corinna konnte vom
Korb aus ... in das dämmerhelle I. des Ballons sehen
(Hausmann, Abel 93); sie drangen ins I. des Landes, der
Insel vor. 2*a) geistig-seelischer Bereich eines Menschen,
Gesamtheit seiner Gedanken, Gefühle, seiner seelischen
Regungen: sein ganzes -s; mit völlig aufgewühltem -m, (selte-
1342
inoffiziell
ner:) -n; die Vorstellungen beschäftigten ihr -s; Er stand
da. als warte er ... auf einen Ruf oder eine Stimme aus
seinem Innern (Fallada. Herr 166); sie war im -n. in ihrem
tiefsten -n von seiner Unschuld überzeugt; b) eigentliches,
tiefstes Wesen, Kern einer Sache: das I. seiner
Gedankenwelt hatte sie nie kennengelernt; ins I. einer Wissenschaft,
der Kunst eindringen; Innereien [ma'rajan] <P1.>:
verwertbare innere Teile wie Leber, Magen, Herz, Nieren, Gedärme
von Schlachttieren: Statt Filet. Roastbeef oder Steak
werden mehr preiswerte Fleischstücke oder I. verlangt (MM
31.8. 74,44); Ü (scherzh.:) Motor. Getriebe und
Differential sind noch kalt. Schonen Sie diese wertvollen
..Innereien" (DM 49.1963.63); innerhalb [mhd. innerhalp. innerhal-
be(n)]: I. <Präp. mit Gen.) (Ggs.: außerhalb I) a) in einem
bestimmten umgrenzten Raum: im Inneren, im Bereich: i.
des Hauses, der Stadt, der Landesgrenzen: i. Berlins; (mit
Dativ, wenn einem stark deklinierten Substantiv im
Singular, das von ..innerhalb" abhängt, ein anderes stark
dekliniertes Substantiv im Genitiv Singular vorangeht:) i.
Karls neuem Hause; Ü i. der Familie, der Gemeinschaft;
i. eines funktionierenden Sprachsystems (Henne. Semantik
124); b) in einem bestimmten Zeitraum, im Verlauf von,
wä/irend, binnen: i. der Arbeitszeit; i. einer Woche, dreier
Monate einen Wechsel einlösen; <mit Dativ, wenn der
Genitiv formal nicht zu erkennen ist.) i. fünf Monaten.
II. <Adv.) a) im Inneren, im Bereich: i. (Ggs.: außerhalb)
von Berlin. Bayern; b) im Verlauf von, während, binnen:
i. von drei Jahren.
innerlich <Adj.; o. Steig.) [mhd. innerlich]: 1. (seltener) im
Inneren (1), innen (1). inner... da) (Ggs.: äußerlich 1 a):
ein Medikament zur -en Anwendung; die Arznei muß
i. wirken; der Baum war i. ganz und gar morsch. 2.a)
den geistig-seelischen Bereich [eines Menschen] betreffend,
aus ihm erwachsend, in ihm vorhanden, verwurzelt, zu ihm
gehörend: im Inneren (2a) (Ggs.: äußerlich 1 b): -e
Hemmungen haben, etw. zu tun; die -e Verbundenheit mit
einem anderen Menschen; er war i. ganz ruhig, völlig
unbeteiligt; Ich sage nur, daß ich ja i. und äußerlich schon
längst dem Judentum entfremdet bin (Hochhuth,
Stellvertreter 140); er mußte i. (insgeheim, für sich) lachen; Ich
brüllte i. vor Vergnügen (Remanque. Westen 126); b) (geh.)
nach innen gewandt: ein tiefes Innenleben besitzend: nicht
oberflächlich veranlagt, nicht äußerlich (3); besinnlich, verin-
nerlicht, nachdenklich: Sehr -e Menschen verbrauchen sich
hierzulande stark bei solchem Tun (Sieburg. Paris 47);
sehr still und i. war es zugegangen bei den Konflikten
(Th. Mann. Joseph 419); <Abl. zu 2b:> Innerlichkeit, die;
-: das Nach-innen-Gewandtsein: Ver inner Uchung: Tiefe des
Gemüts, des Innenlebens: Der Sohn besaß eine
mimosenhafte, schwer zu erfassende I. (Hauptmann. Schuß 69); da
doch das Glück des Menschen nur in seiner I. beruht
(Bodamer. Mann 174); jnnerst... <Sup. zu tinner...; nur
attr.): 1. sich am weitesten innen, in der Mitte von etw.
befindend: der -e Stadtbezirk; der -e Teil des Landes, der
Insel; der -e von mehreren Kreisen; bis aus dem -en
Innenraum des Konsulats nie gesehene ... Beamte
heraussprangen (Seghers, Transit 252). 2. ganz im Inneren, im
eigentlichen, tiefsten Wesen eines Menschen vorhanden, begründet,
angesiedelt, von dort ausgehend: er war stets darauf bedacht,
sein -es Wesen, die -en Regungen seiner Seele, seines
Herzens zu verbergen; sie handelte ihrer -en Überzeugung
entsprechend; <subst. zu 2:) Innerste, das; -n: das tiefste
Innere, das eigentliche Wesen eines Menschen: nur dem
eigenen Ich zugehörender geistiger u. seelischer Bereich:
sein -s war ihr stets verborgen geblieben; der Glaube an
mein Glück ... ist in meinem -n stets lebendig gewesen
(Th. Mann. Krull 15); innert ['inet] <Präp. mit Gen. od.
Dativ) (Schweiz., österr. [Vorarlberg]): binnen, innerhalb
(b), im Verlauf von: i. eines Jahres/einem Jahr.
Innervation [merva'tßlo.n]. die; -. -en [zu lat. in = hinein,
ein- u. t Nerv] (Med.): a) Leitung der von den Nerven
aufgenommenen Reize an Gewebe u. Organe des Organismus:
b) Versorgung von Geweben u. Organen mit Nerven:
innervieren [...'vi.ren] <sw. V.; hat): 1. (Med.) mit Nerven, mit
den von den Nerven aufgenommenen Reizen versorgen,
versehen: dadurch werden die Muskeln innerviert. 2. (bil-
dungsspr.) anregen. Auftrieb geben, zu etw. veranlassen.
innig [11119] <AdJ.) [mhd. innec = andächtig, inbrünstig;
urspr. = inner... 1 a. innerlich l;zu t 'in]: 1. tiefempfunden,
von Herzen kommend: von herzlicher Verbundenheit
getragen: von tiefer Empfindung zeugend, herzlich: eine -e Liebe;
-e Beziehungen; -e Zuneigung; Jmdm. -en Dank sagen;
sie fragte mit -er Anteilnahme; ein -es (großes) Vergnügen
bei etw. empfinden; ihr Verhältnis war sehr L; Erst wenn
einem Menschen, den man liebt. Gefahr droht, merkt
man so recht, wie i. verbunden man mit ihm ist (H. Grzi-
mek. Tiere 30). 2. sehr eng: unauflöslich verbunden,
verknüpft: eine -e Verflechtung verschiedener
Verhaltensweisen; (oft fachspr.:) diese chemischen Stoffe gehen eine
-e Verbindung ein; Man mag daraus erkennen, wie i. die
größten Entdeckungen miteinander zusammenhängen
(Menzel, Herren 89); <Abl.:> Innigkeit, die; - [mhd. innec-
heit]: tiefe Empfindung: herzliche Verbundenheit:
Herzlichkeit: die I. ihrer teilnehmenden Worte; Die erhabene
Feierlichkeit fremder Kathedralen gab ihren Gebeten eine
schöne I. (Bamm. Weltlaterne 33); eine anmutige Frau,
die mit unbeschreiblicher I. seinen ergrauten Kopf in beide
Hände nimmt (Carossa. Aufzeichnungen 19); inniglich
Cmiklif] <Adj.) [mhd. inneclich, ahd. inniglih] (geh.): svw.
T innig.
innocentelmo'tJentd] <Adv.) [ital. innocente = unschuldig
< lat. innocens (Gen.: innocentis)] (Musik): anspruchslos,
ursprünglich.
in nomine Dei [m 'nomine 'de:i; lat. = im Namen Gottes]:
unter Berufung auf Gott: Abk.: I.N.D.; in nomine Domini
[- - 'do:mini; lat. = im Namen des Herrn]: Eingangsformel
alter Urkunden; Abk. I.N.D.
Innovation [mova'tßio:n], die; -. -en [lat. innovätio =
Erneuerung. Veränderung]: 1. (Soziol.) geplante u.
kontrollierte Veränderung, Neuerung in einem sozialen System durch
Hervorbringen, Durchsetzung, Übernahme, Anwendung
neuer Ideen u. Techniken. 2. (Wirtsch.) Realisierung einer
neuartigen, fortschrittlichen Lösung für ein bestimmtes Problem,
bes. die Einführung eines neuen Produkts od. die Anwendung
eines neuen Verfahrens: <Abl.:> innovativ [...'ti:fl <AdJ.;
o. Steig.) (bes. Fachspr.): Innovationen betreffend,
beinhaltend, schaffend: die Autobosse bedrängen die Regierung,
..endlich mit den -en Maßnahmen herauszukommen"
(Spiegel 53,1974,24); seine Fähigkeit, sich besonders unter
starkem Druck kreativ und i. zu verhalten, werde
unterschätzt (MM 31. 12. 71. 3); innovatorisch [...'to:nJ] <AdJ.;
o. Steig.) (bes. Fachspr.): Innovationen zum Ziel habend,
anstrebend: iimovieren [...'vi.ren] <sw. V.; hat) (bes.
Fachspr.): eine Innovation vornehmen.
in nuce [m 'nu:tßö, lat.; T2in u. nux = Nuß, eigtl. = in
der Nuß] (bildungsspr.): im Kern: in Kürze, in knapper
Form: kurz u. bündig: eine Metaphysik der Kunst in n.
(FAZ 1.7. 61.53).
Innuendo [mu'endo], das; -s, -s [engl, innuendo < lat. in-
nuendö = durch Zuwinken, Andeuten, Ablativ des
Gerundiums von: innuere] (bildungsspr.): versteckte Andeutung,
Anspielung: Keine Publikation hat es in der Technik der
Suggestion, ... des I. weiter gebracht als der Spiegel (En-
zensberger, Einzelheiten I. 89).
Innung [inunl, die; -, -en [mhd. innunge. zu mhd. innen,
ahd. innön = in einen Verband aufnehmen, zu 11in]: durch
freiwilligen Zusammenschluß von Berufsgenossen, bes. von
Handwerkern des gleichen Handwerks in einem bestimmten
Bezirk, entstandener Verband: die I. der Bäcker; Zum
damaligen Bürgertum gehörten in erster Linie die in Zünften,
-en und Gilden organisierten Handwerker und Kaufleute
(Fraenkel, Staat 66); *die ganze 1. blamieren (ugs. scherzh.;
durch sein Verhalten den Kreis von Menschen, dem man
angehört, die Familie, Gruppe o. ä. blamieren, bloßstellen,
in Verlegenheit bringen): Nee. nee. Vater ... du bleibst
hier. Du blamierst draußen ja doch nur die ganze I.
(Fallada. Jeder 327).
{nnungs-: ^krankenkasse, die: von einer od. mehreren
Innungen gemeinsam errichtete gesetzliche Krankenkasse: Mnel-
ster.der: Vorsteher einer Innung. Mnitglied, das;
-Versammlung, die; -wesen, das <o. PI.): alles, was mit den Innungen
zusammenhängt, einschl. Funktion, Organisation u.
Verwaltung.
}noffensiv [auch: '-] <Adj.; o. Steig.) [aus tin-. In- u.
t offensiv]: nicht offensiv, nicht angreifend, nicht
angriffslustig (Ggs.: offensiv).
Inoffiziell [auch: '-] <Adj.; o. Steig.) [aus tin-, In- u.
toffiziell] (Ggs.: offiziell): l.a) nicht in amtlichem,
offiziellem Auftrag: nicht amtlich, außerdienstlich: die -e Reise
eines Ministers; die Verhandlungen wurden i. geführt; b)
1343
inoffiziös
einer amtlichen, offiziellen Stelle nicht bekannt, niclu von
ihr bestätigt, anerkannt, nicht von ihr ausgehend: was er
dir gesagt hat. war eine ganz -e Mitteilung; Offiziell
befindest du dich im Hungerstreik ... Inoffiziell aber verpflege
ich dich (Kirst. 08/15. 256); ich kann dir sagen, aber ganz
i. (vertraulich). daß dein Antrag genehmigt wurde. 2. nicht
förmlich, nicht feierlich; nicht in offiziellem Rahmen: es
war eine kleine -e Feien Es war gemütlich, freundlich und
i. (Leonhard. Revolution 273); (nofflziös [auch: '-J
<Adj.; o. Steig.) [aus T in-. In- u. f offiziös] (bildungsspr.):
von einer [halb jamtlichen Stelle veranlaßt, beeinflußt,
bestätigt; nicht offiziös: -e Pressemeldungen.
Inokulation, die; -. -en [engl, inoculation < lat. inoculätio
= das Okulieren, zu: inoculäre. Tinokulieren] (Med.): I.
Impfung als vorbeugende u. therapeutische Maßnahme. 2.
unbeabsichtigte Übertragung von Krankheitserregern bei
Blutentnahmen. Infektionen. Impfungen. 3. das Einbringen
von Krankheitserregern. Gewebe. Zellmaterial in einen
Organismus od. in Nährböden; inokulieren <sw. V.; hat) [lat.
inoculäre = einpflanzen, zu: oculus = Auge. Knospe.
Reis, eigtl. = mit einem Reis versehen; vgl. okulieren]
(Med.): l.eineInokulation (1) vornehmen, impfen. 2.
Krankheitserreger Um Sinne einer Inokulation 2) übertragen; In-
okuhm [ln'lo.kulum]. das; -s. ...la (Biol., Pharm.): Menge
einer Reinkultur von Mikroorganismen, die zur Anzucht
u. Weiterzucht verwendet werden.
inoperabel [auch: '—] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [aus
t in-. In- u. toperabel] (Med.): nicht operierbar; durch
Operation nicht mehr heilbar: die Begegnung mit inoperablen
Kranken hat mich nicht mehr losgelassen (Noack. Prozesse
208); das Wachstum von inoperablen Geschwülsten
(Medizin II. 285).
inopportun [auch: -] <Adj.) [lat. inopportünus]
(bildungsspr.): nicht angebracht, nicht zweckmäßig, unpassend
(Ggs.: opportun); <Abl.:) Inopportunst [auch: ' ].
die; -. -en [spätlat. inopportünitäs] (bildungsspr.): das
Unangebracht sein. Unzweckmäßigkeit. Ungünstigkeit (Ggs.:
Opportunität).
in optima forma [m optima forma; lat.] (selten): in bester
Form, einwandfrei.
Inosin[ino'zi:n].das; -s. -e [vgl. Inosit] (Chemie): in farblosen
Nadeln kristallisierende Nukleinsäure, die in Fleisch, in Hefe
u.a. enthalten ist; Inosit [ino'zi:t. auch: ...zit]. der; -s. -e
<P1. selten) [zu griech. is (Gen.: inös) = Muskel. Sehne.
Gewebefaser] (Chemie. Med.): in der Natur
weitverbreiteter, kristalliner, leicht süßlich schmeckender, in Wasser
löslicher Stoff, der in vielen tierischen Organen u. in der
Muskulatur vorkommt u. dessen wich tigster Vertreter zur Gruppe der
B-Vitamine gehört; Inositurie, (auch:) Inosurie [inozUOu-
'ri:]. die; -. -n [...i:an; zu T Inosit u. griech. oüron = Harn]
(Med.): Auftreten, vermehrte Ausscheidung von Inosit im
Harn.
inoxydieren <sw. V.; hat) [zu lat. in = hinein..., darauf...
u. Toxydieren] (Metallbearb.): durch Erhitzen auf Rotglut
eine haltbare Rostschutzschicht auf der Oberfläche von
Eisenwerkstücken aufbringen.
in partibus infidelium [in partibos mfi'de:lium; lat.; eigtl.
= in Gebieten von Ungläubigen] (bist.): Zusatz zum Titel
von katholischen Bischöfen in wieder heidnisch
gewordenen Gebieten; Abk.: i. p. i.
in pectore [in pektore; lat.; eigtl. = im Herzen]: unter
Geheimhaltung (z. B. bei der Ernennung eines Kardinals,
dessen Namen der Papst aus bestimmten [politischen]
Gründen zunächst nicht bekanntgibt).
in Perpetuum [in perpe.tuom; lat.] (bildungsspr.): für ewige
Zeiten, auf immer, immerzu.
in persona [in per'zo:na; lat.: 12in u. t Person] (bildungsspr.).
in [eigener] Person, selbst, persönlich.
in petto [m peto; ital. (avere) in petto = im Herzen, im
Sinn (haben)] in der Wendung etw. in p. haben (ugs.;
etw. [Überraschendes] in Bereitschaft haben; etw. vorhaben,
was man vor anderen zunächst verbirgt, noch zurückhält;
etw. im Sinn haben, im Schilde fu/iren): man müßte zuerst
in Erfahrung bringen, was er in p. hat.
in pleno [in ple:no; lat.; ]2\n u. plenus. tPlenum]
(bildungsspr.): in. vor voller Versammlung; vollzäfilig.
in pontificalibus [in pantifikaMibos; mlat.; eigtl. = im
Bischofsornat] (bildungsspr. scherzh.): in feierlicher Kleidung,
im Festgewand; höchst feierlich.
in praxi [in praksi; lat.; t:in u. praxis. t Praxis]
(bildungsspr.): in der Praxis, im wirklichen Leben, in
Wirklichkeit; tatsächlich: das muß sich erst in p. bewähren; in
p. sieht so etwas ganz anders aus.
in puncto [m 'ponkto; lat.; t^n u. punctum, f Punkt]: in
bezug auf; hinsichtlich; was ... betrifft: in p. Sauberkeit.
Sicherheit. Ordnung verstehen sie keinen Spaß; Die
Jungvögel... verhielten sich auch in p. ... Türefinden und
Aktionsradius etwas intelligenter (Lorenz. Verhalten I.
47); (mit Gen., wenn der Fall durch ein Begleitwort des
abhängigen Substantivs erkennbar wird:) in p. seines
Betragens wäre noch einiges zu sagen; *in p. puneti (scherzh.
veraltend; hinsichtlich der Keuschheit).
Input ['mput], der. auch: das; -s, -s [engl, input. eigtl. =
Zugefiihrtes]: 1. (Wirtsch.) in einem Produktionsbetrieb
eingesetzte, aus anderen Teilbereichen der Wirtschaft bezogene
Produktionsmittel. Rohstoffe. Produkte (Ggs.: Output I).
2. (Datenverarb.) a) Eingabe (3 a); b) Eingabe (3 b; Ggs.:
Output 2): Input-Output-Anatyse [- ^ltput-], die; -. -n: 1.
(Wirtsch.) Analyse. Methode zur Untersuchung der
produktionsmäßigen Beziehungen, der Verflechtung zwischen den
Teilbereichen der Wirtschaft, der Industrie. 2.
(Datenverarb.) Untersuchung der wechselseitigen Zusammenhänge
zwischen Inputs (2 b) u. Outputs (2).
Inquilin[inkvi'li:n],der; -en. -en (meist PI.) [zu lat. inquilinus
= Bewohner eines fremden Besitzes] (Zool.): Tier, bes.
Insekt, das in Behausungen od. Körperhohlräumen anderer
Lebewesen lebt, oline diese zu schädigen od. von ihnen
verfolgt zu werden (z. B. Insekt in den Wohnhöhlen von
Säugetieren od. den Nestern von Vögeln).
Inquirent [mkvirent], der; -en. -en [zu tinquirieren]
(bildungsspr. veraltet): jmd.. der inquiriert, eine Untersuchung
leitet: Der Vorsitzende, der zugleich I.. Leiter der
Hauptverhandlung und am Ende objektiver Richter sein soll
(Noack, Prozesse 254); inquirieren [...'ri:ran] (sw. V.; hat)
[lat. inquirere = untersuchen] (bildungsspr.): nachforschen;
gerichtlich untersuchen; verhören, vernehmen, ausforschen:
Ihre weiteren Recherchen galten jetzt der Krone. Man
verhaftete, verhörte, inquirierte (Kisch, Reporter 270); In-
quisit [...zi:t]. der; -en. -en [lat. inquisltus. 2. Part, von:
inquirere, T inquirieren] (veraltet): Angeklagter: daß der
I. Friedrich Berger wegen Mordes mit dem Rade von
oben herab vom Leben zu Tode zu bringen sei (Mostar.
Unschuldig 38); Inquisition [...zTtßJp:n]. die; -. -en [lat.
inquisltio = (gerichtliche) Untersuchung] (hist.): 1. (o.Pl.)
(vom 12. bis 18. Jh. bestehendes, bes. während der
Gegenreformation) als Einrieb tum der katholischen Kirche
wirkendes, mit großer Härte u. grausamen
Untersuchungsmethoden gegen Abtrünnige. Ketzer vorgehendes Gericht:
Jahrhundertelang hat die I. Ketzer verfolgt, verurteilt,
verbrannt (Dönhoff, Ära 181); freudig hört Ihr die Häscher
an Euer Tor pochen, willkommen sind Euch die Späher
der I. (Hacks. Stücke 92). 2. Untersuchung der Inquisition
(1): die grausamen -en in Spanien; Ü wenn ich sage, daß
die I. (das strenge Verhör), der mich der Herr mit den
beiden Monokeln unterwarf, ihre beabsichtigt-einschüch-
ternde Wirkung verfehlte (Habe, Namen 52); (Zus. zu
1:> Inquisitionsgericht, das (hist.); Inquisitionsprozeß, der
(hist.); inquisitiv [inkvizi'ti:fl (Adj.) (bildungsspr.): fnachj-
forschend. neugierig, wißbegierig: Wohl möglich, daß
Aschenbach es bei seiner ... -en Musterung des Fremden
an Rücksicht hatte fehlen lassen (Th. Mann. Tod 9);
Inquisitor [inkvizi:tor. auch: ...to:?]. der; -s, -en [...zTto:ran;
lat. inquisitor = Untersucher] (hist.): Richter der Inquisition
(1): Ü die beiden -en McCarthys (Dönhoff. Ära 180);
(Abl.:> inquisitorisch [...zi'to:nJ] (Adj.) (bildungsspr.): in
der Art eines Inquisitors, eines strengen
Untersuchungsrichters; Strenge, Unerbittlichkeit verratend, demonstrierend:
-e Fragen. Blicke.
Inro I'inro], das; -s. -s [jap. in-ro, zu: in = verbergen u.
ro = Korb; Käfig; Behältnis]: reich verziertes od.
geschnitztes, mehrteiliges japanisches Döschen aus Elfenbein od.
gelacktem Holz, das, an einer Schnur im Gürtel hängend,
von Männern getragen wurde.
ins [ms] (Präp. in + Art. das): ins Haus, ins Bett gehen;
das reicht bis ins vorige Jahrhundert; häufig nicht auflösbar
in festen Fügungen u. Wendungen: bis ins einzelne; eine
Fahrt ins Blaue; ins Gerede kommen; etw. ins Leben rufen.
in saldo [m zaldo; ital.; T Saldo] (Kaufmannsspr. veraltet):
im Rückstand, als Rest: in s. bleiben (schuldig bleiben).
lnsalivation [mzaliva't$io:n]. die; -. -en [lat. in- = in. hinein
1344
Inseparables
u. spätlat. salivätio = Speichelfluß] (Med.): Vermischung
der aufgenommenen Speisen mit Speichel, speziell beim
Kauen; Einspeichelung.
in salvo [in zalvo; lat.) (veraltet): in Sicherheit.
insan [in'za:n] <Adj.; o. Steig.) [lat. insärrus] (Med. veraltet):
geistig krank; unzurechnungsfähig; <Abl.:> Insania [in'za:-
nia]. die: - [lat. Insänial (Med. veraltet): Wahnsinn;
Unzurechnungsfähigkeit.
Insasse [mzasa], der; -n. -n [mhd. insäbe = Einwohner.
Mietwohner. zu T sitzen]: a) jmd., der sich in einem Fahrzeug
befindet, bes. jmd.. der sich als Fahrgast in einem
Verkehrsmittel aufhält; die -n der Straßenbahn, des Autos kamen
bei dem Unfall nicht zu Schaden; alle vier -n des Flugzeuges
... hatten gemeinsam beschlossen, auf einem sowjetischen
Flugplatz zu landen (Leonhard. Revolution 98); b) jmd..
der in einem Heim, einer Anstalt o. ä. wohnt\ der in einem
Gefängnis, einem Lager o. ä. festgehalten wird; die -n eines
Altersheims, einer Heilanstalt, des Gefängnisses: Hinter
den Fenstern der Baracken, die sich in der Nähe der
jüdischen Blocks befanden, drängten sich die -n (Apitz.
Wölfe 316); <Zus. zu 1:> Insassenversicherung, die:
Unfallversicherung für die Insassen eines Fahrzeugs; Insassin
[inzasm], die; -. -nen: w. Form zu t Insasse.
insatiabel [mza't$ia:bl] <Adj.; o. Steig.) [lat. Insatiäbilis]
(bildungsspr. veraltet): unersättlich.
insbesondere [mstezandtato] <Adv.) [zusgez. aus: in das
besondere, geb. nach frz. en particulier]: besonders (2a).
vor allem, im besonderen; sie mag Blumen sehr gern. i.
Rosen; Zu einer zentralen Aufgabe gehört i. die staatliche
Wirtschaftsverwaltung (Fraenkel. Staat 354).
insdiallah [ln'Jala; arab. in Sä'a 'lläh]: (Redensart der
Muslims, bezogen auf ein zukünftiges Ereignis) wenn Allah
will.
Inschrift l'mjnft]. die; -. -en [mhd. (md.) inscrift, LU von
lat. inscriptio; nach Erlöschen des Wortes älter nhd. als
Innschrift wiederbelebt]: auf Stein, Metpll. Holzo. ä.
Materialien durch Bemalung. durch erhabene Herausarbeitung,
durch Einritzen. Eingraben od. Ziselieren angebrachte
Schrift (die gelegentlich mit einer bildlichen Darstellung
verbunden ist); alte, lateinische, altindische -en; die
verwitterte, goldene I. auf einem Grabstein, einem Denkmal;
ein gemaltes Holzschild, drauf schnörkelige I. (Grass.
Hundejahre 21); die I. in einer Höhle, über dem Eingang
entziffern; <Zus.:> Inschriftenkunde,die <o. Pl.>: wissenschaftliche
Disziplin der Altertumskunde, die sich mit der Erforschung
alter (durch Zufallsfunde od. Ausgrabungen entdeckter)
Inschriften befaßt; Epigraphik; <Abl.:> jnsdiriftlich <Adj.;
o. Steig.): eine alte Inschrift betreffend, auf ihr beruhend;
durch eine Inschrift, mit ihrer Hilfe [überliefert]; er hat
bei seinen Forschungen auch -es Material herangezogen;
dieser Tatbestand ist i. belegt, überliefert.
Insekt [m'zekt], das; -s. -en [lat. Insectum. eigtl. =
eingeschnittenes Tier) zu: insecäre = einschneiden]: zu den
Gliederfüßern gehörendes Tier mit einem den Körper
umschließenden, starren Skelett, das in drei meist deutlich
voneinander abgesetzte Körperabschnitte (Kopf. Brust u.
Hinterleib) geteilt ist. an deren mittlerem drei Beinpaare u.
meist zwei Flügelpaare sitzen; Kerbtier, Kerf; häßliche,
widerliche, giftige, stinkende, blutsaugende, aasfressende,
harmlose, nützliche -en; Bienen und Ameisen gehören zu
den staatenbildenden -en; ein Mittel zur Bekämpfung
schädlicher -en; Insektarium [msekta:rium], das; -s. ...ien
[.. .Jon]: meist größere, der Aufzucht u. dem Studium
bestimmter Insekten dienende Anlage; Insektenhaus.
Insekten-* Insekten-: -art, die; -bekfimpfimg, die <o. PL):
meist mit Hilfe chemischer Mittel durchgeführte
Bekämpfung schädlicher, lästiger Insekten, dazu: -bekämpfiingsmit-
tel, das: chemisches Mittel zur Insektenbekämpfung; ^blüte,
die (Bot.): Blüte einer Pflanze, die vorwiegend od.
ausschließlich durch Insekten bestäubt wird; -forscher, den svw. T
Entomologe; -fressend <Adj.; o. Steig.; nurattr.): sich
vorwiegend von Insekten ernährend; -e Tiere; -e Pflanzen
(Pflanzen, die kleine Insekten auf verschiedene Weise anlocken,
fangen u. verdauen); -fresser, der insektenfressende
Pflanze, insektenfressendes Tier, bes. kleineres, primitives
Säugetier verschiedener Art mit zahlreichen spitzen Zähnen u.
meist sehr gut ausgebildetem Geruchs- u. Gehörsinn; Meisen
und Fledermäuse sind I.; der Igel, der Maulwurf gehört
zu den -n; MPft, das: vgl. -bekämpfungsmittel; -haus,
das: svw. t Insektarium; -künde, die: svw. f Entomologie;
-larve, die; -plage, die; -pulver, das: vgl. -bekämpfungs-
mittel; -Sammlung, die: Sammlung, Zusammenstellung von
präparierten Insekten (zu Studien-, Forschungszwecken);
-Staat, der: bei bestimmten Insekten übliches
gemeinschaftliches Zusammenleben in einem selbstgefertigten Nest, Bau
o.a., bei dem Einzeltiere in sinnvollem Zusammenwirken
u. in Arbeitsteilung die Aufgaben der Nahrungsbeschaffung,
der Aufzucht der Larven, der Verteidigung des Nestes u. a.
durchführen; -stich, der: Stich durch ein (meist weibliches)
Insekt (wie Biene, Wespe, Stechmücke), bei dem ein
Giftstoff in den Organismus eindringt; -Vertilgungsmittel, das:
vgl. -bekämpfungsmittel.
insekttvor [mz£kti'vo:g] <Adj.; o. Steig.; nurattr.) [zu t Insekt
u. lat. voräre = verschlingen] (Biol.): svw. t
insektenfressend; (subst.) Insektivore* der (in bezug auf Tiere) u.
die (in bezug auf Pflanzen); -n. -n. Insektenfresser;
Insektizid [...tßi:t] <Adj.; o. Steig.; nur attr.) [zu lat. caedere
(in Zus.: -eidere) = töten] (Fachspr.): (von chemischen
Mitteln) Insekten vernichtend; Insektizid [-]. das; -s. -e
(Fachspr.): Insektenbekämpfungsmittel, Insektengift,
-pulver; Insektologe, der [t-loge] (selten): svw. f Entomologe.
Insel [mz|], die; -. -n [mhd. insel(e) < lat. Insula; aber
schon ahd. -isila, frühmhd. isele, wohl < afrz. isle <
mlat. isula < lat. insula]: ringsum vom Wasser eines
Meeres, Sees, Flusses umgebenes Stück Land: eine einsame,
bewaldete, felsige I.; es gibt kontinentale und ozeanische
-n; die I. Helgoland; die nahe beieinander liegenden -n
sind der Küste vorgelagert; die Schiffbrüchigen konnten
sich auf eine I. retten; sie schwammen durch den Fluß,
durch den Weiher zu einer kleinen I.; sie leben dort hinter
den Wäldern wie auf einer I. (ganz für sich, ganz
abgeschieden); Ü eingebettet in die ... Drüsenläppchen finden sich
-n anders strukturierter Zellen (Medizin II, 20); unsere
Stadt ist eine I. des Friedens (Kirst. Aufruhr 28); jetzt
schließen Sie Ihren Laden, diese kleine I. der Zuflucht
für so viele (Brecht, Mensch 97).
jnsel-, )nsel-: Mutig <Adj.; o. Steig.): daß eine
nachdrückliche Jagd zwischen -en Beständen ... zu einer mühelosen
Ausrottung des Luchses fuhren kann (Tier 12. 1971. 23);
-bahn, die: Kleinbahn auf einer Insel; -bahnhof, der: 1.
Bahnhof einer Inselbahn. 2. Bahnhof, bei dem das
Bahnhofsgebäude inselartig von den Hauptgeleisen umschlossen ist;
-berg, der: Berg, der sich meist steil u. übergangslos, oft
mit deutlich abgesetztem Fuß aus einer Ebene erhebt; -bevöl-
kerung, die; -bewohner, der; -fauna, die; -Oora, die;
-förmig <Adj.; o. Steig.): in der Form, Beschaffenheit wie eine
Insel wirkend: das ... wegen seiner Bereitung in den -en
Zellgruppen so benannte .Insulin' (Medizin II. 20);
-«nippe, die: mehrere in einer Gruppe beieinanderliegende Inseln;
-kette, die: mehrere in einer Reihe relativ nahe
beieinanderliegende Inseln; -klima, das: auf einer Insel herrschendes,
für eine Insel charakteristisches Klima; -land, das: vgl.
-Staat; -organ, das: Gesamtheit der in der
Bauchspeicheldrüse eingelagerten. Insulin produzierenden Gruppen von
Zellen; -reich, das: vgl. -Staat; -Staat, der: aus einer Insel,
auc/i aus mehreren Inseln bestehender Staat; -volk, das:
auf einer Insellebendes Volk, -weit* die: Vielzahl von
geographisch zusammengehörigen Inseln od. Inselgruppen.
Insemination [mzemina'$io:n], die; -. -en [zu t inseminieren]
(Med.. Zool.): 1. das Eindringen der Samenfäden in das
reife Ei bei der Befruchtung. 2. künstliche Besamung,
Befruchtung: homologe (mit dem vom Ehemann stammenden
Samen durchgeführte) I.; heterologe (mit nicht vom
Ehemann stammendem Samen durchgeführte) I.; Inseminator
[...na:tor.auch: ...to:?]. der; -s. -en [...na'to:ran] (Landw.):
jmd., der (als Fachmann auf einer Besamungsstation)
Methoden für die künstliche Befruchtung von Tieren entwickelt,
künstliche Besamungen bei Tieren vornimmt; inseminieren
[...niiran] <sw. V.; hat) [lat. inseminäre = einsäen,
befruchten] (Med.. Zool.. Landw.): eine Insemination (2)
durchführen.
insensibel [auch: —'—] <AdJ.; o. Steig.; nicht adv.) [aus
Tin-. In- u. T sensibel] (Med.): unempfindlich gegenüber
Schmerzen u Reizen von außen; schmerzunempfindlich,
gefühllos (Ggs.: sensibel 2): insensible Körperpartien; <Abl.:>
Insensibilltit [auch: ' ]. die; - (Med.): Reiz-,
Schmerzunempfmdlichkeit.
Inseparables [2sepa'rabl]<Pl.> [frz. Inseparables. zu: ins6para-
ble = unzertrennlich] :A:/e/>i^,ö/5 Käfigvögelgehaltene
Papageien, die meist aneinander geschmiegt sitzen.
85 GDW
1345
insequent
insequent ['mzekvait, auch: —'-] <Adj.; o. Steig.) [zu tin-.
In- u. lat. sequens (Gen.: sequentis), 1. Part, von: sequi
= folgen] (Geol.): (von Flußläufen) keine erkennbare
Beziehung zum Schichtenbau des Untergrundes aufweisend.
Inserat [mze'ra:t], das; -[e]s. -e [aus lat. Inserat = er soll
einfugen od. inserätur = es soll (noch) eingefugt werden,
zu: Inserere. t inserieren]: Anzeige (2 b). Annonce: ein I.
aufgeben; die -e lesen; auf ein I. hatte sie sich gemeldet
und war zur Vorstellung aufgefordert worden (Gaiser,
Schlußball 45); <Zus.:> Inseratenblatt, das: svw. I
Annoncenblatt; Inseratenteil, der: svw. t Annoncenteil; Inserent
[mze'rent], der; -en, -en: }md.% der ein Inserat aufgibt, in
eine Zeitung, Zeitschrift setzen läßt: Insergntin, die; -, -nen:
w. Form zu t Inserent; inserieren [...ze'ri:ren] <sw. V.; hat)
[lat. Inserere = einfügen]: a) ein Inserat aufgeben, in eine
Zeitung, Zeitschrift setzen lassen: er inserierte in mehreren
Tageszeitungen wegen seiner Wohnung; b) durch ein Inserat
in einer Zeitung. Zeitschrift anbieten, suchen, vermitteln:
er hat sein Grundstück [zum Verkauf! inseriert; während
er einen zum Tausch inserierten Kinderwagen besichtigen
wollte (Fallada. Jeder 222); Insert [mzert], das; -s. -s [engl,
insert. eigtl. = Einfügung, t inserieren]: 1. Inserat, bes.
in einer Zeitschrift in Verbindung mit einer beigehefteten
Karte zum Anfordern weiterer Informationen od. zum
Bestellen der angebotenen Ware. 2. (Ferns.) graphische
Darstellung, Schautafel mit informierendem Charakter für den
Zuschauer, die als Einschub [zwischen zwei
Programmbestandteile] eingeblendet wird: das I. mit der Aufschrift „kurze
Unterbrechung*4 blieb drei Minuten auf dem Bildschirm.
3. in einen Kunststoff zur Verstärkung eingelassenes
Material: Insertion [inzcr'tßio:n], die; -. -en [engl. Insertion <
lat. Insertio = Einfügung]: 1. das Aufgeben eines Inserates,
Veröffentlichung eines Inserates in einer Zeitung.
Zeitschrift. 2. (Med.) a) Ansatzstelle eines Muskels, einer Sehne
am Knochen: b) Ansatzstelleder Nabelschnur am
Mutterkuchen. 3. (Bot.) Ansatzstelle eines Pflanzenteils am andern,
bes. eines Blattes am Sproß: <Zus. zu I:) Insertionskosten
<P1.); Insertionspreis. der.
insgeheim <Adv.): im geheimen (2), im stillen: im Innersten:
i. bewunderte er sie. machte er sich über ihn lustig; Als
Poolmans ... abfahren, stellt Hermann ihnen i. (heimlich)
oben auf den Jeep ... eine Schüssel mit Wasser (Grzimek.
Serengeti 125).
insgemein <Adv./ (veraltet): alles zusammen!genommenJ.
im ganzen: insgesamt.
insgesamt <Adv.>: im ganzen, alles in allem, alles zusammen-
l genommen], zusammen: es waren i. fünfzig; ein i. positiver
Eindruck; Insgesamt ging es mit ihr aufwärts (Grass.
Hundejahre 400).
Inside [msaid], der; -[s], -s [engl, inside (forward)] (Schweiz.
Fußball): Innenstürmer, Halbstürmer: Insider l'msaida],
der; -s. - [engl, insider]: 1. jmd., der bestimmte Dinge,
Verhältnisseals Eingeweihter genau kennt: Nach dem Urteil
von -n müssen sie vermutlich ihre Einlagen endgültig
abschreiben (Spiegel 29. 1974, 33). 2. Mitglied einer [Wirt-
schaftsjgemeinschaft: Insiderin, die; -. -nen: w. Form von
T Insider; Inside-Story, die; -, -s: aus interner Sicht, von
einem Beteiligten selbst verfaßter Bericht.
Insidien [m'zi:dpn] <P1.) [zu lat. insidiae = Hinterhalt]
(veraltet): Nachstellungen: insidtös [inzi'diois] <Adj.; Steig,
ungebr.) [frz. insidieux < lat. insidiösus = hinterhältig]
(Med.): (von Krankheiten) heimtückisch, schleichend.
(nsiegel, das; -s. - [mhd. insigil(e). ahd. insigili]: 1. (veraltet)
Siegel, Zeichen eines Siegels. 2. (Jägerspr.) Abdruck einer
Fährte in einem Klumpen Erde od. Schnee, der an den
Schalen von Rotwild haftengeblieben u. dann abgefallen ist.
Insigne [in'zigna). das; -s. ...nien [...nbn] (meist PI.) [lat.
inslgne. eigtl. = Abzeichen. Kennzeichen]: Kennzeichen
staatlicher od. ständischer Macht u. Würde (z. B. Krone.
Zepter, Rittersporen): ein Päckchen, enthaltend die Insi-
gnien des portugiesischen Ordens vom Roten Löwen
zweiter Klasse (Th. Mann. Krull 391); Ü (geh.:)
Novemberanfang, leicht kühl. Insignien des Herbstes auf der Straße
(Benn. Leben 35); jnsignifikant [auch: '-] <AdJ.; o.
Steig.) [aus Tin-. In- u. Tsignifikant] (bildungsspr. selten):
bedeutungslos, nicht signifikant.
Insimubtion, die; -. -en [lat. üisimulatio] (veraltet):
Verdächtigung, [grundlose] Anschuldigung: insbnulkren <sw. V.;
hat) [lat. Tnsimuläre] (veraltet): Verdächtigungen gegen
jmdn. aussprechen: [grundlos] beschuldigen, anschuldigen.
Insinuant [mzinyant],der; -en. -en [zu Iinsinuieren]
(veraltet): a) jmd.. der Unterstellungen. Verdächtigungen äußert;
b) jmd., der andern erw. zuträgt, einflüstert: Zuträger: c)
jmd.. der sich bei andern einschmeichelt: Insinuation [mzi-
nua'tß|o:n]. die; -. -en [lat. Tnsinuätio = Eingang; Ein-
schmeichelung] (veraltet): l.a) Unterstellung.
Verdächtigung: b) Einflüsterung. Zuträgerei: c) Einschmeichelung.
2. Eingabe eines Schriftstückes an ein Gericht: insinuieren
[mzinu'i.Tdn] <sw. V.: hat) [lat. Insinuäre = einflüstern;
eindringen lassen]: l.a) (bildungsspr.) als Unterstellung.
Verdächtigung äußern; unterstellen, durchblicken lassen:
Insinuieren wir ihm keine bösen Absichten (Thieß,
Frühling 118); b) (veraltet) zutragen, einflüstern, auf feine Art
beibringen; c) <i. -I- sich) sich einschmeicheln, beliebt
machen. 2. (veraltet) fein Schriftstück) bei einem Gericht
einreichen.
insipid [mzi'pi:t]. hsipide [...pi.dd] <Adj.) [lat. insipidus
= unschmackhaft] (bildungsspr.): töricht, albern, geistlos,
abgeschmackt, fade: dessen Herabsetzung und Schmähung
zu den insipidesten Gewohnheiten eines modernen Litera-
tentums ... gehöre (Benn, Leben 67); Immer wieder geht
es ein wenig weinerlich, ein wenig süßlich und insipid
zu (Deschner, Talente 40); <Abl.:) Insipiditit [...pidi'te:t],
die; -. -en (bildungsspr. selten).
insistent [mzis'toü] <AdJ.; -er. -este) [zu t insistieren]
(bildungsspr.): aufetw. bestehend, beharrlich, hartnäckig:
Sinclair ist entschlossen, sich von dem -en Unbekannten nicht
die Nerven kaputtmachen zu lassen (MM 3. 10. 74. 35);
Insistenz [...'ten&l, die; - (bildungsspr.): Beharrlichkeit.
Hartnäckigkeit: ein Ziel mit [großer] I. verfolgen; Marion
beantwortete viele... Manche waren von bemerkenswerter
I. (K. Mann. Vulkan 179); insistieren [...ti:ran] <sw. V.;
hat) [lat. Insistere, eigtl. = sich auf etw. stellen]
(bildungsspr.): aufetw. bestehen, beharren, dringen (Ggs.: desi-
stieren): Sofern eine Person kritisierbar ist. so kritisiere
man. so insistiere man. man beharre darauf, man lasse
nicht locker (Wohmann, Absicht 275); Er hat immer wieder
darauf insistiert, der Preis müsse an Hermann Hesse
vergeben werden (K. Mann, Memoiren 45).
in situ [m *zi:tu; lat.]: 1. (Med.) (von Organen, Körperteilen,
Geweben im Organismus) in natürlicher Lage, an Ort u.
Stelle. 2. (Archäol.) (von ausgegrabenen Gegenständen.
Fundstücken) in originaler Lage.
inskribieren [mskri'bi:ren] <sw. V.; hat) [lat. Inscribere =
in od. auf etw. schreiben] (österr.): a) sich als Hörer an
einer Hochschule für das laufende Semester anmelden; sich
immatrikulieren, sich einschreiben lassen: an welcher
Universität hat er inskribiert?; b) sich für ein bestimmtes
Studienfach einschreiben; (ein Studienfach, eine Vorlesung,
Übung o.a.) belegen: Der Form halber ... hatte ich Jus
inskribiert (Roth, Kapuzinergruft 12); bei diesem Professor
hat er alle Vorlesungen und Seminare inskribiert;
Inskription [insknp'tßio:n], die; -, -en [lat. inscriptio =
Beschriftung, Inschrift] (österr.): a) Immatrikulation (1),
Einschreibung an einer Hochschule; b) Anmeldung zur Teilnahme
an einer Vorlesung, Übung o. ä.
inskünftig <Adv.) [vgl. mhd. (md.) in da3 kumftige]
(Schweiz., sonst veraltet): künftig, in Zukunft, fortan: Sie
zieht daraus aber nicht die Lehre, auf solche
Vertuschungsversuche i. zu verzichten (Enzensberger. Einzelheiten I,
45).
insofern: I. <Adv.) [m'zo.fern] in dieser Hinsicht, was dies
betrifft; insoweit (1): i. hat er sicher recht; Alles vollzog
sich bei ihm in einem unsäglichen Elend und i. (gerade
deshalb) in einer viel größeren Wirklichkeit (Nigg,
Wiederkehr 121); <als Korrelat zu ..als" in Vergleichssätzen:)
diese Fragen sollen nur i. berührt werden, als (in dem
Maße berühr: werden, wie) sie in Zusammenhang mit dem
Thema stehen; De Gaulle ... hat i. eine Schlüsselstellung,
als (hat aus dem Grund eine Schlüsselstellung, weil) der
gesamte amerikanische Nachschub nach Europa durch
Frankreich geht (Dönhoff. Ära 131). II. <Konj. > [mzo' fern]
für den Fall, vorausgesetzt, daß; falls, wenn, sofern: i. sie
in der Lage ist, will sie dir helfen; und nachher sah man.
i. man oben auf dem Hügel zurückblieb, zwei unsicher
gehende ... Personen (R. Walser. Gehülfe 28); <auch als
konjunktionale Einheit in Verbindung mit ..als'*:) der
Vorschlag ist gut. i. als er niemandem schadet.
Insolation [mzola't$jp:n], die; -. -en [zu lat. Tnsoläre = der
Sonne aussetzen]: 1. (Met.) (Dauer der] Stralilum
1346
installieren
der Sonne auf die Erde; Sonneneinstrahlung. 2. (Med.)
/ übermäßige] Bestrahlung des Körpers, bes. des unbedeckten
Kopfes durch die Sonne u. die durch die Sonnenbestrahlung
erzeugten Schäden (z. B. beim Sonnenstich).
insolent ['inzolent, auch: —'-] <Adj.; -er, -este> [lat. Insolens
(Gen.: insolentis)] (bildungsspr.): anmaßend, unverschämt,
frech: sein -es Benehmen schockierte sie; Insolenz ['m-
zolentß.auch:—'-]. die; -,-en [lat. In solentia] (bildungsspr.):
Anmaßung. Unverschämtheit. Frechheit.
jnsohibel [auch: —'—] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.> [lat.
Insolübills = unauflösbar; unbezahlbar] (Chemie):
unlöslich, unlösbar (Ggs.: solubel): insoluble Verbindungen;
insolvent [auch: —'-] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [aus Tin-,
In- u. t solvent] (bes. Wirtsch.): zahlungsunfälüg (Ggs.:
solvent): die Liste der zahlungsunfähig gewordenen Banken,
der -en Gesellschaften (Fussenegger, Haus 108); Insolvenz
[auch: —'-]. die; -. -en (bes. Wirtsch.): Zahlungsunfähigkeit
(Ggs.: Solvenz): infolge I. war sein eigenes Telefon wieder
gesperrt (Frisch. Stiller 466).
Insomnie [inzam'ni:]. die; - Ilat. Tnsomnia] (Med.):
Schlaflosigkeit.
insonderheit [m'zondBh^jt] <Adv.> (geh.): besonders (2a).
vor allem: die Bedeutung, welche die Spoelmanns und
i. Fräulein Immas Person ... gewonnen hatten (Th. Mann.
Hoheit 217); Das Studium an der Leiche bleibt i. für
die Anatomie nach wie vor entscheidend (Medizin II, 17).
insoweit: I. <Adv.> [m'zo:v4Jt] in dieser Hinsicht, was dies
betrifft; insofern (1): i. muß man ihm sicher zustimmen;
<als Korrelat zu ..als" in Vergleichssätzen.) Das Urteil
wird immer nur i. richtig sein, als (in dem Maße richtig
sein, wie) das Individuum sich der Gruppe zur Verfügung
gestellt hat (Tucholsky. Werke I. 255). IL <Konj.) [mzo-
vajt] indem Maße, wie; wenn, sofern: man wird ihm helfen,
i. es möglich ist; i. das zutrifft, werden wir intervenieren;
<auch als konjunktionale Einheit in Verbindung mit ..als":)
er kann unabhängig entscheiden, i. als er im Rahmen
der allgemeinen Bestimmungen bleibt.
in spe [in 'spe:; lat.; in Wendungen wie: habere in spe
= darauf hoffen; eigtl. = in der Hoffnung haben]:
zukünftig, künftig (immer nachgestellt): sein Schwiegersohn in
spe; Sechzig Minuten quälten sich die Quizmaster in spe
durch die Prüfung (Hörzu 30, 1971. 14).
Inspekteur [mspek'to.g], der; -s, -e [frz. inspecteur < lat.
inspector. t Inspektor]: 1. Leiter einer Inspektion. 2.
ranghöchster auisichtführender Offizier einer Teilstreitkraft
der Bundeswehr: der I. der Marine, des Heeres; Inspektion
[...'tßio:n], die; -. -en [lat. Inspectio = das Hineinsehen.
Besichtigung. Untersuchung, zu: Tnspicere. t inspizieren]:
I.a)prüfende Berichtigung; Kontrolle. Überprüfuttg; genaue
Inaugenscheinnahme: eine gründliche, größere I.
vornehmen; bei der I. des Gebäudes ergaben sich verschiedene
Mängel; b) regelmäßige Untersuchung u. Wartung eines
Kraftfahrzeugs in gewissen Abständen, wobei je nach Bedarf
Reparaturen ausgeführt werden: sein Auto von der I.
abholen; Zur I. braucht der 1600 TL nur noch alle 10000
Kilometer (DM 5. 1966, 17); c) (Milit.) prüfende Besichti-
gung durch einen Inspekteur (2) der Bundeswehr. 2. Behörde.
Dienststelle, der die Prüfung. Aufsicht über etw. obliegt.
Inspektions- (Inspektion 1 a): -besuch, der: vgl. -gang;
-fahrt, die: vgl. ^reise; -gang, der: Rundgang durch ein
Gebäude, eine Anlage o. ä.. mit dem eine Inspektion
verbunden ist; -reise, die: zum Zwecke einer Inspektion
unternommene Reise; -visite, die: vgl. -gang.
Inspektor [Inspektor, auch: ...to:g], der; -s, -en [...'to:ren;
lat. Inspector = Besichtiger, Untersucher, zu: inspicere,
t inspizieren]: 1. Verwaltungsbeamter des gehobenen
mittleren Dienstes (bei Bund. Ländern u. Gemeinden): er ist
I. beim Zoll; das Gutachten des -s Müller; I. Müllers
Gutachten. 2. jmd.. der etw. inspiziert, dessen Amt es ist.
Inspektionen da) durchzufuhren (z.B. in der
Landwirtschaft, im Versicherungswesen); lnspektorat [...tora:t], das;
-[e]s, -e (österr.. Schweiz): svw. f Inspektion (2); Inspektorin
[inspek'to:nn], die; -, -nen: w. Form zu t Inspektor.
Inspiration [mspira't$io:n], die; -. -en [lat. Insplrätio. eigtl.
= Einhauchung]: 1. (bildungsspr.) schöpferischer Einfall.
Gedanke; plötzliche Erkenntnis, erhellende Idee, diejmdn..
bes. bei einer geistigen Tätigkeit, weiterführt; Erleuchtung.
Eingebung: künstlerische, musikalische -en; die I. eines
Erfinders, eines Dichters; in einem Augenblicke beinahe
dichterischer I. (Musil. Törleß 146); weil die größere
Mitgliederzahl ein größeres Reservoir an Ideen und I. bedeutet
(Wohngruppe 116); Die Vereinigten Staaten sind wie ein
großes Unternehmen verwaltet worden, kommerziell und
effizient, aber ohne I. (ohne schöpferischen Schwung, ohne
Genialität; Dönhoff. Ära 189). 2. <o. Pl.> (Med.)
Einatmung, das Einsaugen der Atemluft (Ggs.: Exspiration); in-
spirativ [...'ti:fl <Adj.; o. Steig.: nicht adv.> (bildungsspr.):
die Inspiration (1) betreffend, auf ihr beruhend, durch
Inspiration wirkend: Miniaturlandschaften von -er Wirkung
(MM 30. 1. 65, 45); Inspirator [...'ra:tor, auch: ...to:£).
der; -s, -en [...ra'to:ren; spätlat. Inspirator = Einhaucher.
Einfiößer] (bildungsspr.): jmd.. der andere inspiriert, zu
etw. anregt: Wolfgang Staudteals... I. eines rein poetischen
Films? (Welt 5. 12. 64. Film); die russischen Theoretiker
... sind sicherlich mehr Werkzeug als -en (Tucholsky, Werke
II. 79); inspiratorisch I...'to:nJ] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.):
1. (bildungsspr. selten) svw. tinspirativ. 2. (Med.) die
Einatmung. Inspiration (2) betreffend, zu ihr gehörend, mit
ihr zusammenhängend (Ggs.: exspiratorisch): inspirieren
[mspi'ri:ren] <sw. V.; hat) [lat. Insplräre, eigtl. = (hin)ein-
hauchen] (bildungsspr.): zu etw. anregen, animieren; jmdm..
einer Sache Impulse verleihen: jmdn. künstlerisch,
musikalisch i.; jmdn. zu einem Werk, einem Buch, einem Gemälde
i.; ihre Erzählung hat ihn zu dieser Komposition inspiriert;
ein Mann, derein Volk zu begeistern und dessen Regierung
zu i. vermag (Dönhoff, Ära 178); der Modeschöpfer hat
sich bei diesem Modell offensichtlich von seinem Kollegen
i. lassen; Diese Version der Geschichte ... ist zweifellos
von Chruschtschow... inspiriert (beeinflußt) worden
(Dönhoff, Ära 223); Später war sie in dem gleichen Stück
die Hauptperson, als Partnerin ihres unheimlich
inspirierten (beflügelten) Gemahls (K. Mann, Wendepunkt 121);
<Abl. zum 2. Part.:) Inspirjertheit, die; - (bildungsspr.):
das Inspiriertsein. Beflügeltsein. Animiertsein.
Inspizient [inspi'tßient], der; -en, -en [lat. Inspiciens (Gen.:
Inspicientis), 1. Part, von: Inspicere, t inspizieren]: 1.
(Theater, Ferns.. Rundf): jmd.. der verantwortlich ist für den
reibungslosen Ablauf von Proben, von Theaterauffülirungen
od. Fernseh- u. Rundfunksendungen (Berufsbez.). 2. (selten)
aufsichtführende Person; inspizieren [...tsi:ren] <sw. V.;
hat) [lat. Inspicere. eigtl. = hineinsehen]: genau, in allen
Einzelheiten betrachten, mustern; prüfend, kontrollierend
besichtigen: Pelle inspizierte eine Woche vor dem Fest
meine Platten und meinen Lautsprecher (Ossowski.
Bewährung 40); In Stolp wurde der Zug von den polnischen
Offizieren inspiziert (Grass. Blechtrommel 528).
Instabil [auch: --'-] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [lat. Instabi-
lis] (Ggs.: stabil): 1. (bes. Physik, Technik) nicht im
Gleichgewicht bleibend; in sich nicht fest, nicht gleicht mäßig],
nicht konstant bleibend: ein -es Gerüst; eine -e
Konstruktion; ein -es Atom (Atom, dessen Kern durch radioaktiven
Prozeß von selbst zerfallt); Der Fahrzustand des „four
wheel drift" ist notwendigerweise ein -er (Frankenberg.
Fahren 79). 2. veränderlich, schwankend, nicht beständig,
nicht dauerhaft: der -e politische Zustand eines Landes;
(Met.:) eine -e Temperaturschichtung der Atmosphäre;
bei psychisch von vornherein -en (labilen) Frauen (Spiegel
39,1974.16); Gefühle sind i.. heute so. morgen so (Ruthe.
Partnerwahl 175); <Abl.:> Instabilität [auch: ' ]. die;
-. -en <P1. selten) [lat. Instabilitäs].
Installateur [instala'to:^], der; -s. -e [französierende Bildung
zu t installieren]: 1. Handwerker, der die technischen
Anlagen eines Hauses, wie Rohre. Gas-. Elektroleitungen o. ä..
verlegt, anschließt, repariert (Berufsbez.). 2. (selten) jmd..
der die Verwirklichung eines bestimmten Projekts
durchsetzt, eine Einrichtung schafft: daß sie (= Roosevelt u.
Churchill) nicht so einsichtig gewesen sind, das christliche
Abendland mit dem I. von Auschwitz zu verteidigen
(Hochhuth. Stellvertreter 261. Nachwort); Installation
I...'|ßio:n]. die; -, -en [zu tinstallieren]: I. a) das Einrichten.
Einbauen, Anschließen einer technischen Anlage: die I. der
Röhre, der elektrischen Leitung war langwierig; b)
technische Anlage. Einrichtung, die irgendwo errichtet, in etw.
eingebaut, an etw. angeschlossen ist: ein allmählicher Abbau
der zahlreichen militärischen -en der USA
(Nationalzeitung 557,1968,12). 2. (Schweiz., sonst veraltet)
Amtseinführung, bes. Einsetzung in ein geistliches Amt: Die I. von
Pfarrerin Doris Vögelin ... findet am 20. Oktober statt
(Nationalzeitung 459.1968.25); <Zus. zu 1 a:>
Installationsbetrieb, der; installieren [insta'li:ren] <sw. V.; hat) [mlat.
85*
1347
Installierung
installare = in eine Stelle, in ein (kirchliches) Amt
einsetzen]: 1. (eine technische Vorrichtung, Anlage o. ä.)
anschließen, einbauen, einrichten: eine elektrische Leitung, eine
Heizung i.; Vor vierzig Jahren waren die drei Waschbecken
für den Saal installiert worden (Sebastian. Krankenhaus
134); einen Sprung von 2137 MW installierter Leistung
(vorhandener Gesamtleistung) ... auf 5470 MW (Neues
D. 14.6. 64.4). 2. (geh.) in ein Amt. eine Stellung einfuhren,
einsetzen: wollten sie einen nahezu handlungsunfähigen
Regierungschef i. (Augstein, Spiegelungen 139); hatte man
Kutscher-Meyer Jetzt in der Rundschau installiert (Kant.
Impressum 218). 3. a) irgendwo einrichten, in etw.
unterbringen: er hat seinen kleinen Laden in einem Keller installiert;
b) <i. + sich) sich irgendwo [häuslich] niederlassen: sich
irgendwo, in einem Raum, in einer Stellung o. ä., einrichten:
es dauerte eine Weile, bis sie sich in den neuen Räumen
installiert hatten; ich rollte ihr entgegen, dieser Weite,
wohl installiert in einem spiegelgeschmückten, grau-plü-
schenen Halbcoup6 erster Klasse (Th. Mann. Krull 297);
<Abl.:> Installierung, die; -. -en: das Installieren (1 a. 3).
instand <in Verbindung mit bestimmten Verben): in gutem,
ordnungsgemäßem, gebrauchsfähigem Zustand: in Ordnung:
daß alles neu war und glänzend i. bei Spoelmanns (Th.
Mann. Hoheit 157); Das Haus verfiel immer mehr, obwohl
genügend Geld da war. es i. zu halten (Böll. Haus 87);
er hat die Maschine wieder i. gesetzt. (Schweiz, auch:)
gestellt (repariert u. dadurch gebrauchsfähig gemacht): so
recht prachtvoll i. (gesund) habe ich mich eigentlich
niemals gefühlt (Th. Mann. Zauberberg 260); *Jmdn. i. setzen,
etw. Bestimmtes zu tun (jmdm. die Möglichkeit geben, jmdn.
in die Lage versetzen, etw. Bestimmtes zu tun): Sie gehörten
zur guten Gesellschaft und wurden erst durch diese i.
gesetzt, ihre Ideen in Umlauf zu bringen (Sieburg,
Robespierre 91); Instandhaltung, die; -, -en (Papierdt.): das
Instandhalten: die I. des Anwesens war sehr kostspielig;
(Zus.:) Inst^ndhalürngskosten <P1.) (bes. Wirtsch.): Kosten,
die bei der Instandhaltung von Gebäuden, größeren
technischen Anlagen, Maschinen o. ä. entstehen.
Inständig <AdJ.) [LÜ von lat. instäns = bestürmend,
dringend; gegenwärtig]: mit großer Eindringlichkeit, sehr
eindringlich: nachdrücklich vorgetragen, vorgebracht: eine -e
Bitte; sein Lernen war nichts anderes gewesen als ein -es
Werben um Narziß (Hesse. Narziß 214); i. um etw. bitten;
i. (sehr stark) auf etw. hoffen; wohl nahm ich i. (sehr
genau) prüfend jede Einzelheit in mich (Th. Mann. Krull
228); <Abl.:) |iBtfindigkeit, die; -.
Insüindsetzen, das; -s. Instandsetzung, die; -. -en (Papierdt.):
Wiederherstellung, Ausbesserung: die I. der
Altbauwohnung, des Wagens war sehr kostspielig; Instyndstelhmg,
die; -. -en (Schweiz.): svw. t Instandsetzung.
instant [instant, auch: 'instant] <indekl. Adj.; o. Steig.:
nur attr.; immer nachgestellt) [engl, instant < lat. Instäns
(Gen.: instantis) = gegenwärtig; dringend]: (von
bestimmten, in verschiedenen Verfahren meist zu einem
pulverförmigen Extrakt verarbeiteten Lebensmitteln) sofort löslich,
ohne Vorbereitung, nur durch Hinzufügen einer Flüssigkeit
in kürzester Zeit zur Verfügung stehend, zum Genuß bereit:
Kaffee i.; Tee i.; eine Kartoffelsuppe i.; Instant- [-] <Best.
in Zus. mit der Bed.): sofort löslich, durch Hinzufügen
einer [heißen J Flüssigkeit in kürzester Zeit zum Genuß
bereit (z. B. Ins tan tge tränk. Instanthaferflocken.
Instantkaffee. Instantkakao. Instantmehl, Instantmilch. Instant-
suppe); instantan [mstan'ta:n] <AdJ.; o. Steig.; nicht adv.)
[zu lat. Instäns (Gen.: instantis) = heftig; geb. nach
tmomentan] (bes. Geol.): ruckartig einsetzend, sich sofort
auswirkend (z. B. bei Bodensenkungen); instantisieren [mstan-
ti'zi:ren] <sw. V.; hat) [zu t instant] (Fachspr.): von
bestimmten geeigneten Lebensmitteln in bestimmten
Trocknungsverfahren einen meist pulverförmigen Extrakt herstellen, der
sofort löslich ist (u. aus dem durch Hinzufügen einer
Flüssigkeit in kürzester Zeit eine zum Genuß bereite Speise, ein
Getränk hergestellt werden kann).
Instanz [in'stan&l, die; -, -en [mlat. instantia < (spät)lat.
instantia = inständiges Drängen; unmittelbare
Gegenwart]: 1. für einen Fall, eine Entscheidung zuständige Stelle
einer Behörde, eines Gerichts: staatliche, politische -en;
eine übergeordnete I.; sich an eine höhere I. wenden; der
Antrag muß erst durch alle -en gehen; Ü Eine andere
psychische I. ... das sogenannte Ich (Freud, Abriß 76).
2. (jur.) Stufe, Abschnitt eines gerichtlichen Verfahrens,
den ein Prozeß durchläuft: die unteren -en; in der dritten
I. wurde wie in der ersten entschieden; er hat den Prozeß
in der zweiten I. gewonnen; <Zus.:> Instanzenweg, der
<P1. selten): für die Abwicklung behördlicher, gerichtlicher,
parlamentarischer o.a. Angelegenheiten vorgeschriebene
Reihenfolge von zuständigen Stellen. Behörden, Instanzen:
Behördenweg: den I. nehmen; wenn der Entwurf als
Regierungsvorlage den zeitraubenden I. bis zum Bundestag
durchlaufen müßte (Welt 27. 10. 65. 2); Instynzenzug, der
<o. PI.) (Jur.): Übergang einer Rechtssache an das
nächsthöhere, zuständige Gericht.
in statu nascendi [in 'sta.tu nas'&endi; lat. = im Zustand
des Geborenwerdens, des Entstehens] (bildungsspr.): in
der Entwicklung, im Werden begriffen: in der Phase, im
Stadiuni des Entstehens: Ich hatte hier die seltene
Gelegenheit, eine Zwangsneurose in s. n. zu beobachten (Graber.
Psychologie 79); in statu quo [- - kvo:; lat. = in dem
Zustand, in dem (eine Sache sich befindet)]: im
gegenwärtigen Zustand: vgl. Status quo; in statu quo ante [— 'ante;
lat. = in dem Zustand, in dem vorher (eine Sache sich
befunden hat)] (bildungsspr.): im früheren Zustand: vgl.
Status quo ante.
Instauratkm [inst^ira'tßio:n], die; -. -en [lat. instaurätio]
(veraltet): Wiederherstellung. Erneuerung: installieren
[...'ri:renj <sw. V.; hat) [lat. instauräre] (veraltet):
wiederherstellen, erneuern, instand setzen.
Inste I'msto]. der. -n, -n: svw. t Instmann.
Inster ['mstel. das; -s. - [mniederd. inster] (niederd.):
Innereien. Gekröse.
instigieren [insti'gi.ren] <sw. V.; hat) [lat. Instlgäre]
(bildungsspr.): anregen, beeinflussen, anstacheln: den Ausklang
der von Deutschland her instigierten nordischen Romantik
(Germanistik 4. 1963, 559).
Instillation [instila'tßio:n], die; -, -en [lat. InsUllätio = Ein-
träufelung] (Med.): tropfenweise Verabreichung einer
Flüssigkeit, bes. flüssiger Arzneimittel in Körperhöhlen (wie
Nase. Ohr), unter die Haut, in die Blutbahn: instillieren
[msti'li:ran] <sw. V.; hat) [lat. InstTlläre = einträufeln]
(Med.): (eine Flüssigkeit, bes. flüssige Arzneimittel)
tropfenweise verabreichen, in Körperhöhlen, unter die Haut,
in die Blutbahn einträufeln.
Instinkt [m'sünkt], der; -[e]s. -e [LÜ von mlat. instinetus
(naturae) = Anreizung der Natur, Naturtrieb, zu lat.
Instinguere = anstacheln, antreiben]: 1. unbewußt
gesteuerter, keiner Übung bedürfender natürlicher Antrieb zu
bestimmten Verhaltensweisen: ererbte Befähigung der
Menschen u. bes. auch der Tiere, in bestimmten Situationen
in bestimmter, nicht bewußt gelenkter Weise zu reagieren,
ein bestimmtes (bes. lebens- u. arterhaltendes) Verhalten
zu zeigen: ein dunkler, tierischer, höherer,
wiedererwachter, triebhafter I.; der tierische, mütterliche I.; der I. ist
ja bei den Tieren weitaus mehr ausgeprägt als bei uns
Menschen (H. Grzimek, Tiere 87); das Tier läßt sich von
seinem I. leiten. 2. <meist PI.) schlechter, zum Schlechten
neigender Trieb im Menschen: niedere, üble, schmutzige
-e; diese Hetzrede rief die schlechtesten -e wach, appellierte
an die übelsten, grausamsten -e der Masse. 3. sicheres
Gefühl eines Menschen für etw.. intuitives Wissen von etw.:
Ahnungsvermögen: sein feiner, untrüglicher, innerer I. hat
ihn nicht getrogen; der schöpferische, politische I. eines
Menschen; er hat den richtigen I. dafür; seinem I. folgend,
beschloß Bruster, Hartog das Auftreten dieses Mädchens
im Club zu ersparen (Kuby. Rosemarie 37).
Instinkt-, Instinkt-: -gesteuert <Adj.; o. Steig.; nicht adv.):
vom Instinkt (1) geleitet, getrieben: Tierisches Verhalten
ist i. (Ruthe. Partnerwahl 32); -handhmg, die: durch einen
Instinkt (1) ausgelöste Handlung, Verhaltensweise: vom
Instinkt gesteuertes Verhalten: ^los <Adj.; -er. -este): keinen
Instinkt (3) besitzend: ohne Feingefühl: ohne Gefühl für
das richtige Verhalten in bestimmten Situationen: politisch
i. handeln, dazu: -losigkeit, die; •; -sicher <AdJ.): einen
ausgeprägten Instinkt (3) besitzend: mit sicherem Gefühl
für das richtige Verhalten in bestimmten Situationen, dazu:
-Sicherheit, die <o. PL); -verhalten, das: vgl. -handlung.
instinktiv [mstmkUfl <AdJ.; o. Steig.) [frz. instinctlf): 1.
vom Instinkt (1) gesteuert, durch ihn geleitet, auf ihm
beruhend: Kein Tier kann sich aus diesem ihm angeborenen
Netz -er Beziehungen zu seiner biologischen Umwelt
befreien (Natur 30); das Tier verhält sich in solchen
Situationen i. ruhig. 2. von einem Gefühl geleitet: gefühlsmäßig:
1348
Instrumentalunwillkürlich: eine rein -e Abneigung gegen Jmdn.. etw.
haben; Er kommt schnell zum Vorschein, fährt i. zurück,
faßt sich und tritt ins Zimmer (Hochhuth, Stellvertreter
70); instinktuell [...' tyd] <AdJ.; o. Steig.; nicht adv.) (selten):
svw. t instinktiv (1): Staunend ... standen die Forscher
vor solcher Vielfalt -en Tuns, das gleichwohl strengen
Gesetzlichkeiten folgt (Spiegel 53. 1965. 72).
instruieren [mstitu'i:ran] <sw. V.; hat) [lat. instituere. eigtl.
= hinstellen, hineinstellen! (bildungsspr.): als Institution
(1). Einrichtung gründen, einsetzen, etablieren: einrichten,
errichten: einen Ausschuß i.; Institut [...tu:t], das; -[eis.
-e [lat. institütum = Einrichtung]: l.a) Einrichtung,
Anstalt, die, oft als Teil einer Hochschule, wissenschaftlichen
Arbeiten, der Forschung, der Erziehung o. ä. dient: ein
pädagogisches, pathologisches, kunsthistorisches I.; die Parasi-
tologie des Menschen ... wird an den Hygiene-Instituten
und zoologischen -en der Universitäten gelehrt (Medizin
II. 136); b) Institutsgebäude: er betrat das I. jeden Tag
um 8 Uhr. 2. (jur.) durch gesetzlich verankertes Recht
geschaffene Einrichtung: das I. des Eigentums; Es war
unnütz .... das I. der Opposition herabzusetzen (Spiegel
52,1965.8); Institution [...tu*tsip:n],die; -. -en [lat. Institütio
= Einrichtung]: 1. aus einem bestimmten Bereich
erwachsene, für einen Bereich geschaffene, für ihn zuständige Stelle,
die als gesellschaftliche, staatliche, kirchliche Einrichtung
Geltung besitzt, maßgebend ist. dem Wohl od, Nutzen des
einzelnen od. der Allgemeinheit dient: eine
wissenschaftliche, gesellschaftliche, soziale, kirchliche I.; das Parlament
ist eine I. des Staates; Ü sein langjähriges, unermüdliches
Wirken hat diesen Lehrer in seinem Dorf zu einer I. (zu
einer Persönlichkeit mit maßgeblichem Einfluß [zum Wohl
und Nutzen der Allgemeinheit]) gemacht; Richter, sein
Bach-Chor und sein Bach-Orchester ... sind zur I. (zu
einer festen, gewisse Maßstäbe setzenden Einrichtung mit
großer Geltung) geworden (Spiegel 48. 1965, 148). 2. (bes.
Soziol., Anthrop.) in der menschlichen Gesellschaft, inner-
halb einer Gruppe entstandene, die menschlichen
Beziehungen strukturierende gesellschaftlich anerkannte Form: die
Struktur des menschlichen Zusammenlebens bestimmende,
prägende Einrichtung* die das Denken u. Handeln der
Menschen in bestimmte feste Bahnen lenkt: die I. der Ehe.
der Familie; die Existenz der Kommune als I.
(Wohngruppe 33); institutionalisieren [institutsionali'zi:ren] <sw. V.;
hat) (bildungsspr.): a) in eine [gesellschaftlich anerkannte]
feste, starre Form bringen: zu einer Institution (2) machen:
Die Institutionalisierung der Gewerkschaften ... hat aber
auch den Klassengegensatz institutionalisiert (Fraenkel.
Staat 275); b) <i. + sich) eine [gesellschaftlich anerkannte]
feste, starre Form annehmen: zu einer Institution (2) werden:
In kurzer Zeit hatte sich eine Szene institutionalisiert,
die einer regen öffentlichen Anteilnahme und Kritik
ausgesetzt war (Wohngruppe 23); <AbI.:> Institutionalfckrung,
die; -. -en (bildungsspr.): Der Sexus wird gleichgültig durch
die I. der Promiskuität (Adorno. Prismen 99); Institutiona-
lismus [...'lismusl. der; - [engl.-amerik. institutionalism]
um 1900 von Th. Veblen in den USA begründete Richtung
der Nationalökonomie, die auf den sog. Institutionen als
der Gesamtheit der in einer Gesellschaft gegebenen
Organisationsformen menschlichen Handelns aufbaut: institutionell
[...nel] <Adj.; o. Steig.) (bildungsspr.): l.a) eine Institution
(1) betreffend, zu ihr gehörend: durch eine Institution (1)
gesichert: mit Hilfe einer Institution (1): Da Gesetzgebung
und -e Einrichtung stets hinter der gesellschaftlichen
Entwicklung herhinken (MM 3. 11. 59, 7); die
Verfassungsgerichtsbarkeit ist mithin i. verselbständigt (Fraenkel. Staat
337); b) eine Institution (2) betreffend, zu ihr gehörend:
als Institution (2) geltend, wirksam: Ehe und Familie sind
-e Formen menschlichen Zusammenlebens. 2. (selten) ein
Institut (1) betreffend, zu ihm gehörend: die -en Räume.
Instituts- (Institut 1 a): -bibltothek. die; - Kichere i, die; -di-
rektor. der; -ieiter, der.
Instleute: PI. von tInstmann; Instmann [inst-], der; -[eis.
...leutefausdem Niederd. < mniederd. instman. zu: inste.
gek. aus: in säte, insete = Häusler, eigtl. = Eingesessener]
(früher): auf Gutshöfen ständig beschäftigte
landwirtschaftliche Arbeitskraft ohne eigenen Grundbesitz. Inste.
instradieren [instra'di:ren] <sw. V.; hat) [ital. instradare =
leiten, zu: strada = Straße. Weg]: 1. (veraltend) a)
(Soldaten) mit einem bestimmten Ziel in Marsch setzen: Ich ...
bekam einen ..offenen Befehl". der mich ... zu den
Fünfunddreißigern instradierte (Roth. Kapuzinergruft 68); b)
den Weg. auf dem eine Sendung befördert werden soll,
festlegen: mit einer Anweisung den Beförderungsweg bestimmen,
angeben. 2. (Schweiz.) über eine bestimmte Straße befördern,
leiten: <Abl.:> Instradkning, die: -. -en.
instruieren [instru'i.ran] <sw. V.; hat) [lat. Instruere. eigtl.
= herrichten, ausrüsten]: a) von etw. in Kenntnis setzen,
über etw. unterrichten: jmdm. von etw. Mitteilung machen:
wir sind über seine weiteren Schritte instruiert worden;
man instruierte ihn sehr spät darüber, daß sie bereits das
Land verlassen hatte; b) jmdm. Verhaltensmaßregeln.
Anweisungen geben, ihn anweisen, etw. Bestimmtes zu tun:
unterweisen, anleiten, lehren: Schon vor der Einladung
instruiert man das Mädchen, bei welchem Gast es mit dem
Servieren anzufangen hat (Hörn. Gäste 74); Instrukteur
[instruk't0:£], der; -s, -e [frz. instructeur]: jmd.. der andere
anleitet, unterweist, ihnen Instruktionen erteilt bes. zum
richtigen Gebrauch von etw.. zur Auslegung von Richtlinien.
Vorschriften o. ä.: ein I. zeigt ihnen, wie die neuen
Maschinen zu bedienen sind; Instruktion [...'t$io:n], die; -. -en
[lat. Instrüctio]: a) erläuternde, unterweisende Anleitung für
den Gebrauch, die Auslegung, die Ausführung von etw.:
Unterweisung. Unterrichtung. Belehrung: Als ich meinem
strebsamen Forstgehilfen einige -en für gewisse
Vorarbeiten gegeben hatte (Hauptmann, Schuß 43); b) von
übergeordneter Stelle gegebene Weisung. Verhaltensmaßregel:
Direktive. [ Dienst Janweisung: -en erteilen, geben, erhalten,
entgegennehmen; an bestimmte -en gebunden sein;
instruktiv [...*ti:fl <Adj.) [frz. instruetifl: aufschlußreiche,
wissenswerte Informationen vermittelnd: lehrreich: die Beigabe -er
Bilder. Färb tafeln; -e Erläuterungen. Beispiele; Besonders
i. ist die Tatsache, daß der Apparat so etwas wie
„Wundheilung" kennt (Wieser, Organismen 57); etw. i. darstellen.
vortragen, erläutern; Instruktiv [auch: ' ], der; -s. -e
[...i.'va] (Sprachw.): finnisch-ugrischer Kasus zur
Bezeichnung der Art und Weise: Instniktor [in'struktor, auch:
...to:?], der; -s. -en [...'to:ren; lat. Instrüctor = Einrichter,
Zubereiter; Erbauer]: 1. (veraltet) Lehrer. Erzieher, bes.
von [hochstehenden] Einzelpersonen. 2. (österr.) svw. t
Instrukteur.
Instrument [mstru'ment], das; -[eis. -e [lat. Instrümentum.
eigtl. = Ausrüstung, Gerätschaft]: 1. meist fein
gearbeitetes, oft kompliziert gebautes Gerät. Werkzeug für
wissenschaftliche, technische Arbeiten: medizinische, optische,
nautische -e; ein I. zur Messung der Luftfeuchtigkeit, der
Temperatur; die -e arbeiten genau, zeigen die Werte an.
2. (geh.) jmd., etw. als Mittel, dessen man sich (wie eines
Werkzeugs) zur Ausführung von etw. bedient: die Kirche,
die Armee als ein I. des Staates; Robespierre... ist schwach,
wenn er ... aus einem ratlosen und lärmenden Haufen
ein politisches I. machen soll (Sieburg. Robespierre 262);
er hat den König zum [willenlosen] I. seiner ehrgeizigen
Pläne gemacht. 3. kurz fürt Musikinstrument: ein beliebtes,
schwieriges I.; ein wertvolles, altes I.; er spielt, beherrscht
mehrere -e; die -e stimmen, einspielen, zum Spielen
ansetzen; Ü Ihm gehört die auflagenstärkste Zeitung des Landes,
und er spielt virtuos auf diesem I.; instrumental [...men'ta:l]
<Adj.;o. Steig.) [frz. instrumental < mlat. instrumentalis.
urspr. = nach Art eines Instruments 1]: 1. (Musik)
ausschließlich mit Musikinstrumenten, nicht unter Mitwirkung
von Singstimmen ausgeführt: von Musikinstrumenten
hervorgebracht (Ggs.: vokal): -e Musik; eine -e Begleitung;
Damit erreiche ich eine fast -e (wie durch Musikinstrumente
hervorgebrachte) Wirkung des Chorgesangs (Jaeger,
Freudenhaus 97); i. musizieren; einen Sänger i. begleiten. 2.
(bildungsspr.) ein Mittel zur Ausführung von etw. betreffend,
kennzeichnend, darstellend, als Mittel od. Werkzeug
dienend: Schütz Ist und bleibt ein -er Typ: der eigentliche
..Macher4' (Spiegel 9, 1975, 26); im Unterschied zu den
zivilistischen Staaten, die, ohne auf Militär und Kriegsfüh-
rung zu verzichten, beiden doch eine ausschließlich -e
Funktion zuweisen (Fraenkel. Staat 193); eine -e
(Sprachw.; das Mittel, durch das ein Sachverhalt eintritt,
angebende) Konjunktion; Instrumental [-]. der; -s. -e [kurz
furnlat. casus instrumentalis] (Sprachw.): Kasus im
Slawischen, der das Mittel od. Werkzeug bezeichnet: im
Deutschen ist der I. durch den Präpositionalkasus ersetzt.
Instrumental-: -begleitung, die: ausschließlich instrumental
(1). nicht unter Mitwirkung von Singstimmen ausgeführte
Begleitung einer od. mehrerer Solisten: ^konzert, das: vgl.
1349
Instrumentalis
-^musik; Miiusik, die: ausschließlich mit Musikinstrumenten
ausgeführte Musik (Ggs.: Vokalmusik); -musiker, der: svw.
T Instrumentalist (1); -satz, der: 1. (Sprachw.) Gliedsatz,
der das Mittel nennt, durch das der im Hauptsatz genannte
Sachverhalt eintritt. 2. (Musik) Satz einer instrumentalen
(1) Komposition; ^stück. das: ausschließlich mit
Musikinstrumenten ausgeführtes Stück.
Instrumentalis [instrumenta:lis]. der; -, ...les [...le:s]
(Sprachw.): svw. t Instrumental; instrumentalisieren [...tali-
'zi.ranl <sw. V.; hat) (Musik): [in der Unterhaltungsmusik]
ein Gesangsstück zu einem Instrumentalstück umschreiben;
<Abl.:> Instrumentaliskrung. die; -. -en: 1. <o. PI.)
(Sprachw.) Neigung der deutschen Gegenwartssprache, bei
der sprachlichen Einordnung Sachen, über die der Mensch
verfügt, in Form des ..Instrumentalis" zu bringen (z. B. „den
Kunden mit Waren beliefern44 statt ..dem Kunden Waren
liefern"; nach L. Weisgerber). 2. (Musik) das Instrumentali-
sieren; Instrumentalismus [...ta'lismos], der; - [engl.-amerik.
instrumentalism; gepr. von dem amerik. Pädagogen u.
Philosophen J. Dewey (1859-1952)] (Philos.): Theorie.
Lehre, die (als amerikanische Richtung. Ausprägung des
Pragmatismus) davon ausgeht, daß die menschliche Vernunft
nur ein Instrument darstellt, das der Bewältigung des Lebens
dient, wobei logisches Schließen. Denken. Begriffsbildung
Werkzeuge zur Beherrschung von Natur und Mensch sind;
Instrumentalst [...'list], der; -en. -en [2: engl.-amerik.
Instrumentalist]: 1. (Musik) Musiker, der Musik nicht mit
der Singstimme, sondern auf einem Instrument, besonders
in einem Ensemble, ausübt (Ggs.: Vokalist). 2. (Philos.)
Anhänger. Vertreter des Instrumentalismus;
instrumentalisieren [...tari'zi.ran] <sw. V.; hat) (bildungsspr.): zu einem
Instrumentarium machen; <Abl.:> Instrumentalisierung, die;
-. -en (bildungsspr.): das Instrumentarisieren;
Instrumentarium [...'ta:riom]. das; -s. ...idn; miat.
Instrumentarium = Gesamtheit benutzter Werkzeuge; Urkundenbuch;
Lehrbuch]: 1. (Fachspr.) Gesamtheit der als Ausrüstung
für etw., bes. für eine wissenschaftliche Tätigkeit,
vorgesehenen, vorhandenen, jmdm. zur Verfügung stehenden
Instrumenteil): das I. eines Arztes, eines Observatoriums; Jedes
dieser Einzelzimmer ist mit einem kompletten I. für alle
geburtshilflichen Eingriffe ausgestattet (Welt 1. 12. 62,
7). 2. (Musik) Gesamtheit der in den Kompositionen einer
Epoche, eines Komponisten verwendeten od. der für eine
musikalische Aufführung vorgesehenen Musikinstrumente;
das I. Orffs; die romantische Oper verlangt ein aufwendiges
I. 3. (bildungsspr.) Gesamtheit der für eine bestimmte
Aufgabe. Tätigkeit, für die Erreichung eines bestimmten Ziels
zur Verfugung stehenden Mittel. Möglichkeiten.
Einrichtungen; ein wirtschaftspolitisches I.; das I. des Gesetzgebers;
den Regierungen steht heute ein umfangreiches I. zur
Steuerung des wirtschaftlichen Ablaufs zur Verfugung
(Stamokap 19); Instrumentation [...ta't$jo:n], die; -. -en
[frz. Instrumentation] (Musik): a) Besetzung der einzelnen
Stimmen einer mehrstimmigen Komposition mit bestimmten
Instrumenten eines Orchesters. Art u. Weise der Verteilung
der Instrumente auf die Einzelstimmen u. die dadurch
bewirkte Realisierung der Klangvorstellungen; die brillant
geflochtene I. der Orchesterstimmen (Thieß, Legende 74);
gleitende impressionistische Harmonik, üppige I. (Adorno.
Prismen 122); b) Einrichtung einer (ursprünglich nicht für [
verschiedene] Instrumente, für ein Orchester geschriebenen)
Komposition für mehrere Instrumente, für Orchester; die
I. einer Klaviersonate, eines Chorwerks; Instrumentattv
[...ta'ti:fl. das; -s. -e [...i.-vo] (Sprachw.): Verb des Benutzens
(z. B. hämmern = mit dem Hammer arbeiten);
Instrumentator [...'ta:U>r. auch: ...to:^]. der; -s. -en [...ta'to:ren; mit
latinisierender Endung zu: instrumentieren] (Musik): jmd.,
der eine Instrumentation (b) durchführt; instrumentatorisch
[...ta'to:nJ] <AdJ.; o. Steig.) (Musik): die Instrumentation
betreffend; Instrumenten [...'tel] <Adj.; o. Steig.) [mit
französierender Endung geb. nach frz. instrumental]
(bildungsspr.): 1. ein Instrument (1), Instrumente betreffend;
mit Instrumenten ausgeführt, unter Zuhilfenahme von
Instrumenten; die -e Ausrüstung eines Krankenhauses; etw.
i. untersuchen. 2. svw. t instrumental (2).
Instrumenten-: ^bau, der <o. PI.): 1. das Bauen. Herstellen
von Musikinstrumenten; beim I. werden nur bestimmte
Hölzer verwendet. 2. Handwerkszweig, industrieller Wirt-
schaftszweig, der die Herstellung von Musikinstrumenten
betreibt; der Ort ist ein Zentrum des -s; -bauer, der; -s, -
svw. tMnacher; ^brett, das: Armaturenbrett; -flug, der
(Flugw.): Flug, der ohne Bodensicht, nur unter Verwendung
der notwendigen Instrumente des Flugzeugs durchgeführt
wird; -kästen, der: Kasten, in dem Instrumente (1)
aufbewahrt, transportiert werden; der I. eines Arztes; ^kunde.
die: als Zweig der Musikwissenschaft Lehre von den
Musikinstrumenten; Mnadier. der: jmd.. der Musikinstrumente
baut, im Instrumentenbau tätig ist (Berufsbez.); ^schrank,
der: vgl. ^kästen; ^tafel. die: [großes] Instrumentenbrett;
-tasche, die: vgl. -kästen.
instrumentieren [mstrumen'ti:ren] <sw. V.; hat) [fn*
instrumenter]: 1. (Musik) a) (eine mehrstimmige Komposition)
für die einzelnen Instrumente eines Orchesters ausarbeiten,
mit den einzelnen Orchesterinstrumenten besetzen u. dabei
bestimmte Klangvorstellungen realisieren; die Skizzen einer
Symphonie i.; b) (eine ursprünglich nicht für [verschiedene]
Instrumente, für Orchester vorgesehene Komposition) für
mehrere Instrumente, für Orchester umschreiben; eine
Orchesterfassung herstellen; eine Solosonate i. 2. (Fachspr.)
mit Instrumenten (1), mit einem Instrumentarium (1)
ausstatten; das Armaturenbrett ist mit Tachometer,
Drehzahlmesser ... für einen Wettbewerbswagen relativ bescheiden
instrumentiert (Auto 7,1965, 39). 3. (Med.) einem
operierenden Arzt die chirurgischen Instrumente zureichen; Da ich
... 2. Op-Schwester bin. instrumentiere ich auch viel beim
Professor (Wohmann, Absicht 181); <Abl.:)
Instrumentierung, die; -, -en: 1. (Musik) das Instrumentieren (1):
Instrumentation. 2. (Fachspr.) das Instrumentieren (2);
Ausstattung mit Instrumenten, einem Instrumentarium; Mit
liebevoller Aufmerksamkeit hat man sich bei Coupe wie Spider
der Sitzposition. I.. dem Gepäckraum ... zugewendet (Auto
7, 1965. 23).
Insubordination [auch: ' ], die; -. -en [aus t in-. In-
u. t Subordination] (bildungsspr.): Ungehorsam,
Verweigerung des Gehorsams gegenüber [militärischen]
Vorgesetzten; mangelnde Unterordnung; da nahm in der Armee
infolge des Ausbleibens der Besoldung die I. einen bedrohlichen
Umfang an (Brecht, Geschichten 129).
jnsuffizient [auch: '-] <AdJ.; nicht adv.) [lat. Insufllciens
(Gen.: Insufllcientis)] (Ggs.: suffizient): I. (bildungsspr.)
unzulänglich, unzureichend, mangelhaft; Ein Zwischenspiel
trügerischen Wohlstandes, wohlgemeinter, aber -er
Bemühungen (K. Mann. Wendepunkt 222). 2. (Med.) (von der
Funktion. Leistungsfähigkeit eines Organs) ungenügend,
unzureichend, geschwächt; eine -e Herztätigkeit; Auch bei
krampfartiger Verengung der Bronchien ... wird die
Atmung i. (Medizin II, 294); Insuffizienz [auch: '-]. die;
-. -en [(spät)lat. InsufTlcientia]: 1. (bildungsspr.)
Unzulänglichkeit. Unvermögen. Schwäche, Unfähigkeit (Ggs.: Suffl-
zienz 1): Unterordnung und das Gefühl der I. rufen im
Kind schon Kampfstellungen ... Aggression und Ehrgeiz
hervor (Ruthe. Partnerwahl 122). 2. (Med.)
Funktionsschwäche, ungenügende Arbeitsleistung, Leistungsfähigkeit
eines Organs (Ggs.: SufTlzienz 2): die plötzlich auftretende
motorische I. des nichtoperierten oder operierten Magens
(Medizin II, 275). 3. (Jur.) Vermögenslage eines Schuldners,
die dazu führt, daß er den Forderungen von Gläubigern
nicht [ausreichend] nachkommen kann.
Insulaner [mzu'la.ne]. der; -s. - [lat. Tnsulänus] (veraltet,
sonst meist leicht abwertend od. scherzh.): Bewohner einer
Insel; insular [...'la:g] <AdJ.; o. Steig.; nicht adv.) [spätlat.
Insuläris]: eine Insel, Inseln betreffend; zu einer Insel
gehörend, für eine Insel charakteristisch, typisch; -es Klima;
-e Vegetation; noch der heißeste Monat ... war von -er
Milde (Jacob. KafTee 241); Insubritfit [...lari'tert]. die: -
[wohl nach frz. insularitö] (Geogr.): Insellage,
geographische Abgeschlossenheit; Insulin, das; -s [zu lat. Insula. mit
Bezug auf die sogenannten Langerhansschen Inseln, die
inselfbrmigen Zellgruppen der Bauchspeicheldrüse, in
denen das Hormon bereitet wird]: 1. Hormon der
Bauchspeicheldrüse, das den Blutzuckerspiegel reguliert. 2. <S>
Arzneimittel für Zuckerkranke; <Zus.:) Insulinmangel, der <o.
PI.) (Med.): (den Blutzuckerspiegel erhöhender) Mangel
an Insulin; Insulinschock, der (Med.): 1. (bei Diabetikern
infolge von Diätfehlern auftretender) durch vermehrtes
Insulin ausgelöster Schock. 2. durch Einspritzung von Insulin
künstlich erzeugter Schock zur Behandlung von
Schizophrenie.
Insult [in'zult], der; -[e]s, -e [miat. insultus = AngrifT. zu
lat. Insillre = in od. auf etw. springen]: 1. (bildungsspr.)
1350
Integrität
[ schwere] Beleidigung, Beschimpfung: Hier ... hatte er sich
keines lausbübischen -s, keines respektlosen Angriffs zu
versehen (Fussenegger, Haus 132). 2. (Med.) Anfall (z. B.
Schlaganfall): So vermag der Organismus auch körperliche
-e zu regulieren (Medizin II. 349); Insultation [inzulta-
'tSJo:n]. die; -, -en [lat. insultätio = Spott, Verhöhnung]
(selten): das Insultieren: Insult (1); insultieren [mzol'thren]
<sw. V.; hat) [lat. Fnsultäre. eigtl. = anspringen] (österr..
sonst selten): [schwer] beleidigen, beschimpfen, verhöhnen:
<Abl.:> Insultkning, die; -. -en (österr.. sonst selten):
Beleidigung, Beschimpfung, Verhöhnung: die I. eines Gegners.
in summa [in zuma; lat.; tHn u. summa, tSumme]:
(bildungsspr. veraltend): im ganzen, insgesamt, alles zusammen
genommen: In s.: Eine witzige Parodie eines
archäologischen Abenteuers mit allem Zubehör (Tagesspiegel 29.
3. 64. 47).
Insurgent [inzor'gait], der; -en. -en [lat. Insurgens (Gen.:
Insurgentis). 1. Part, von: Insurgere. Tinsurgieren]
(bildungsspr. veraltend): Aufständischer, Aufrührer,
Aufwiegler; insurgieren [...*gi:ren] <sw. V.; hat) [lat. Insurgere =
sich aufrichten, sich (gegen Jmdn. od. etw.) erheben]
(bildungsspr. veraltend): 1. zum Aufstand anstacheln,
aufwiegeln, aufhetzen: die Massen i. 2. einen Aufstand
herbeifuhren, Aufwiegelei betreiben: er wurde damals verhaftet, weil
er wiederholt insurgiert hatte; Insurrektion [...rek'tßio:n],
die; -. -en [spätlat. Insurrectio. zu Insurgere. f Insurgieren]
(bildungsspr. veraltend): Aufstand, Volkserhebung.
in suspenso [in zospenzo; lat.] (bildungsspr. veraltet): in
der Schwebe, unentschieden.
Inszenator [ms^ena.tor. auch: ...to:g]. der; -s. -en [...na-
to:ran; mit latinisierender Endung zu t inszenieren]
(seltener): jmd., der ein Stück beim Theater, beim Fernsehen,
in einem Film inszeniert: jmd., der eine Inszenierung leitet;
Regisseur: War Orson Welles ein Autor im vollen
Wortsinn, so blieb Wyler ein I. (Gregor. Film 93); inszenatorisdi
[...na'to:nJ] <Adj.; o. Steig.; nicht präd.): eine Inszenierung,
das Inszenieren betreffend, zur Inszenierung gehörend: -e
Brillanz; -es Können; ein i. begabter Künstler; inszenieren
[,..'ni:ran] <sw. V.; hat) [zu lat. in = hinein, ein... u.
TSzene]: 1. (ein Stück beim Theater, beim Fernsehen, einen
Film) vorbereiten, bearbeiten, einstudieren, künstlerisch
gestalten: bei einem Bütinenstück, Fernsehspiel, Film o. ä.
Regie füftren: eine Oper, ein Drama, einen Spielfilm i. 2.
(oft abwertend) geschickt ins Werk setzen, organisieren,
vorbereiten, einfädeln: einen Skandal i.; es war eine
programmatische Pressekampagne, die Goron inszenierte und
durchführte (Maass. GouftS 108); <Abl.:> Inszenierung.
die; -. -en: l.a) das Inszenieren (1): die I. der Komödie
besorgte ein Gastregisseur; bei der I. des neuen
Theaterstücks gab es einige Schwierigkeiten; b) in bestimmter
Weise, von einem bestimmten Regisseur inszenierte Aufführung
eines Theaterstücks, eines Fernsehspiels: das Fernsehspiel
ist die I. eines jungen Regisseurs. 2. (oft abwertend) das
Inszenieren (2): die I. eines Skandals, einer Kampagne.
Intabutation[intabula'tMo:n],die; -, -en [zu mlat. intabulare.
t intabulieren) (veraltet): Eintragung [in eine Tabelle];
intabulieren [intabu'li:ren] <sw. V.; hat) [mlat. intabulare]
(veraltet): / in eine Tabelle] eintragen.
Intaglio [m'taljo], das; -s. ...ien [..Jan; ital. intaglio < mlat.
intaglOaOus, eigtl. = gespalten]: Schmuckedelstein mit
vertieft eingeschnittener Figur; Gemme.
intakt [m'takt] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [lat. intäctus.
eigtl. = unberührt]: a) unversehrt, unbeschädigt: eine -e
Maschine; die Telefonverbindungen sind trotz des Sturms
i. geblieben; b) [voll] funktionsfähig; ohne Störungen
funktionierend: ein -er Organismus; seine Augen sind noch
i.; unsere Wirtschaft ist völlig i.; <Abl.:) Intaktheit, die; -.
Intarseur [mtar'z0:£]. der; -s, -e [französierende Bildung
zu tintarsieren]: svw. ? Intarsiator; Intarsia [m'tarzja], In-
tarsie [...jp], die; -, ...ien [...pn] (meist PI.) [ital. intarsio
< arab. tar$P = das Auslegen. Besetzen (mit Edelsteinen.
Gold o. ä.)]: Einlegearbeit in Holz aus andersfarbigem Holz.
Elfenbein, Metall o.a.: ein mit Intarsien verzierter Tisch;
Intarsiator [intar'zia:tor, auch: ...to:g], der; -s, -en [...zia-
to:ren; ital. intarsiatore]: Kunsthandwerker, der Intarsien
herstellt; Intarsiatur [...zia'tu:?], die; -. -en [ital. intarsiatu-
ra]: selten für t Intarsia; Intarsie: t Intarsia; intarsieren
[intar'zi:ren] <sw. V.; hat): Intarsien herstellen.
integer [m'te:gB] <AdJ.; ...grer. -ste) [lat. integer, eigtl. =
unberührt, ganz]: I. unbescholten, moralisch einwandfrei;
unbestechlich: ein integrer Politiker; er ist absolut i. 1
(veraltet) neu; sauber, unversehrt; integral [mte'gra.l] <Adj.;
o. Steig.; nicht adv.) [mlat. integralis. zu lat. integrare
= wiederherstellen, ergänzen, zu: integer, t integer]: ein
Ganzes ausmachend; für sich bestehend: -e Macht; ein -er
Bestandteil (ein für sich bestehender Bestandteil, der für
das Ganze unabdingbar, wesentlich ist); das Pariser
Nachtleben ist ein natürlicher und -er Bestandteil des Pariser
Lebens (K. Mann. Wendepunkt 141); Integral [-]. das;
-s. -e (Math.): 1. Rechensymbol der Integralrechnung;
Zeichen: J 2. mathematischer Summenausdruck über die
Differentiale eines endlichen od. unendlichen Bereichs.
Integrgl- (Math.): ^gleidiung, die: mathematische Gleichung,
bei der die Unbekannte in irgendeiner Form unter dem
Integralzeichen auftritt; ^rechnung, die: 1. <o. PI.) das Rechnen
mit Integralen. 2. Rechnung aus dem Gebiet der
Integralrechnung (1); ^zeichen, das: svw. t Integral (1).
Integralisnais [mtegra'lismos], der; - (kath. Kirche):
zeitweilige totalitaristische Bewegung im Katholizismus mit dem
Ziel, alle Lebensbereiche nach kirchlichen Maßstäben zu
gestalten; Integraljst, der; -en. -en (kath. Kirche): Anhänger
des Integralismus; Integrand [inte'grant]. der; -en. -en [lat.
integrandus (Gerundivum von: integrare). t integrieren]
(Math.): das zu Integrierende, was unter dem Integralzeichen
steht; Integration [mtegra'tßio:n], die; -. -en [lat. integrätio
= Wiederherstellung eines Ganzen]: 1. [Wieder] her
Stellung einer Einheit [aus Differenziertem]; Vervollständigung:
die politische I. Europas. 2. Einbeziehung, Eingliederung
in ein größeres Ganzes: die fortschreitende I. von
Fremdwörtern in die Umgangssprache; ... um die I. der
Arbeitnehmer als .Partner4 in das bestehende
Wirtschaftssystem zu ermöglichen (Fraenkel. Staat 275). 3. (Soziol.;
Ggs.: Desintegration 1) a) Verbindung einer Vielheit von
einzelnen Personen od. Gruppen zu einer gesellschaftlichen
u. kulturellen Einheit; b) Zustand, in dem sich etwas befindet,
nachdem es integriert (2) worden ist. 4. (Math.) Berechnung
eines Integrals. 5. (Sprachw.) Vereinigung einer VieUteit
von sprachlichen Zeichen zu einer auch äußeren Ganzheit
(z.B. heute aus hiu tagu = an diesem Tage. Welt aus
wer-alt = Menschenalter; Zeitalter). 6. (Psych.) Einheit
im Aufbau der Persönlichkeit u. ihrer Beziehung zur Umwelt;
Integrationist [lntegratsio'nist], der; -en, -en [engl.-amerik.
integrationist]: Anhänger der Aufhebung der
Rassentrennung in den USA (Ggs.: Separatist); integrationjstisch <Adj.;
o. Steig.): I. die Integration (1-3) zum Ziele habend; im
Sinne der Integration: In seiner neuen Form zeigt der
Imperialismus eindeutig -e Formen (Börsenblatt 64, 1971,
4965). 2. im Sinne der Integrationisten (Ggs.: separatistisch):
-e Bewegungen in den USA; Integrationspsychologie.
Integrationstypologie, die (Psych.): (von E. R. Jaensch
begründete) Richtung der Charakterkunde, die versucht, nach dem
Grad der Einheitlichkeit der Persönlichkeit u. des
Zusammenwirkens der einzelnen Funktionen die Menschen in
verschiedene Typen einzuteilen; integrativ [integra'ti:f] <Adj.;
o. Steig.): eine Integration (1-3) darstellend; eine
Integration herbeifülirend: Die -en Tendenzen des Individuums
seien unvergleichlich viel gefährlicher als seine
selbstbehauptenden (Hacker. Aggression 108); Integrator
[Integrator, auch: ...to:sJ, der; -s, -en [...gra'to.ren; spätlat.
integrätor = der Wiederhersteller, Erneuerer]:
Rechenmaschine zur zahlenmäßigen Darstellung von
Infinitesimalrechnungen; Integrieranlage, die: auf dem Dualsystem
aufgebauter Integrator [größeren Ausmaßes]; integrieren
[integreren] <sw. V.; hat) /vgl. integrierend/ [lat. integrare
= wiederherstellen, vereinigen]: 1. zu einem übergeordneten
Ganzen zusammenschließen; in ein übergeordnetes Ganzes
aufnehmen; vereinheitlichen: Forschungsvorhaben auf
europäischer Basis i. 2. in ein größeres Ganzes eingliedern,
einbeziehen, einfügen: die Bundesrepublik in den Westen
i.; jmdn. in eine Gruppe i.; <auch i. + sich:) sich in
eine Gemeinschaft i. 3. (Math.) ein Integral berechnen;
integrierend <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [frz. integrant]:
zu einem Ganzen notwetidig gehörend; wesentlich,
unerläßlich (Ggs.: desintegrierend): etwas ist ein -er Bestandteil;
Integrieren der: svw. t Analogrechner; Integrtergerat. das:
Integrator [für spezielle Zwecke]; Integrkning, die; -, -en:
das Integrieren; Integrimeter [mtegri-]. das; -s, - [t-meter]:
spezielle Vorrichtung zur Lösung von Integralen; Integrität
[...'te:t].die; - [lat. integritäs]: a) Makellosigkeit,
Unbescholtenheit, Unbestechlichkeit: die I. dieses Mannes ist unbe-
1351
Integument
streitbar; b) (Jur.) Unverletzlichkeit [eines Staatsgebietes/:
die I. von rechtlich sanktionierten Institutionen (Gehlen.
Zeitalter 73).
Integuroent [mtegu'ment], das; -s. -e [zu lat. integumentum
= Decke. UberdeckungJ: 1. (Biol.) Gesamtheit aller Hauf-
schichten bei Tier u. Mensch, einschließlich der Haare,
Federn, Stacheln, Schuppen, Kalkpanzer usw. 2. (Bot.) Hülle
um die Samenanlage bei Pflanzen.
Intellekt [inte'lekt], der; -[eis [lat. intellectus. zu: intellegere.
T intelligent]: Fähigkeit, Vermögen, unter Einsatz des
Denkens Erkenntnisse, Einsichten zu erlangen; Denk-,
Erkenntnisvermögen; Verstand: einen feinen, geschulten,
scharfen I. haben; seinen I. einsetzen, anwenden; intellek-
tual [int£lek'tya:l] <Adj.: o. Steig.) [spätlat. intellectuälis]
(selten): vom Intellekt ausgehend; zum Intellekt gehörend;
intellektualisieren [...tuali'zi:ran] <sw. V.; hat) [frz. intellec-
tualiser] (bildungsspr.): einer intellektuellen Betrachtung
unterziehen; Intellektualismus[...'lismus], der: -: I. (Philos.)
philosophische Lehre, die dem Verstand vor dem Willeti
u. der sinnlichen Wahrnehmung den Vorrang gibt. 2.
Übermäßige Betonung des Intellekts, einseitig verstatidesbestimmte
Haltung; <Abl.:> intellektualjstisdi <Adj.): die Bedeutung
des Intellekts einseitig betonend; Intellektualität [...li't&tj.
die; - [spätlat. intellectuälitäs = Fähigkeit, etw. zu
begreifen]: Verstandesmäßigkeit; intellektuell [...'tuel] <Adj.) [frz.
intellectuel < spätlat. intellectuälis]: *) den Intellekt
betreffend; verstandesmäßig, geistig: die -e Entwicklung eines
Kindes; er nutzt seine -en Fähigkeiten; b) einseitig, betont
verstandesmäßig, auf den Intellekt ausgerichtet: eine -e
Konversation; ein -er Mensch; c) die Intellektuellen betreffend,
zu ihnen gehörend: die -en Kreise; Es war ein kultivierter,
-er Salon, den Elsa Bernstein führte (K. Mann, Memoiren
23); Intellektuelle, der u. die; -n. -n <Dekl. f Abgeordnete):
a) jmd., der wissenschaftlich /od. künstlerisch/ gebildet ist
u. geistig arbeitet: ein Pfeife rauchender -r; in dem Cafe
verkehrten Studenten und I.; ... daß ich mich vor langer
Zeit einmal mit dem Gedanken trug - wie schließlich
jeder sensible I. ein Buch über Kafka zu schreiben (Hil-
desheimer. Legenden 18); b) Intellektueller (a). der
Sozialkritik übt u. herrschende Institutionen angreift: die -n
kritisierten die Regierungspolitik; ... denn der I. kann, wenn
er sich selbst ernst nimmt, keine starren Valuten gelten
lassen - und keine Klischees. Er muß zersetzen ... (Zeit
5. 6. 64, II); c) übermäßig verstandesbetonter Mensch: ein
typischer -r; Ein von Natur aus frostiger Mensch, ein
-r (Lynen. Kentaurenfährte 319); intelligent [inteli'gsnt]
<Adj.; -er. -este) [lat. intelligent intellegens (Gen.: intelle-
gentis). 1. Part, von: intellegere = erkennen, verstehen,
eigtl. = zwischen etw. wählen]: Intelligenz (1) besitzend,
zeigend; klug, gescheit, begabt: ein -er Mensch; sie ist
sehr i.; eine -e Frage stellen; die ausländische Mannschaft
spielte i. und schnell; Intelligentsia: I IntelligenzUa;
Intelligenz [inteligen^]. die; -. -en [lat. intelligentia. Intellegentia]:
1. <o. PI.) Fähigkeit [des MenschenJ, abstrakt u. vernünftig
zu denken u. daraus zweckvolles Handeln abzuleiten: ein
Mensch von großer, überragender I.; er hat technische,
politische I.; jmds. I. testen; dazu braucht man keine I.:
seine I. bei der Losung eines Problems einsetzen. 2. <o.
PL) Gesamtheit der Intellektuellen. Schicht der
wissenschaftlich Gebildeten: er gehört der I. an; die deutsche I. 3.
(meist PI.) (veraltend) vernunftbegabtes Wesen;
intelligentes Lebewesen: -en von anderen Planeten; von irgendeiner
höchsten 1. müsse dieses Universum ... doch gesteuert
sein (Thielicke. Ich glaube 53).
Intelligenz-: Filter, das (Psych.): durch Intelligenztest
ermittelter Grad der Intelligenz, bezogen auf die durchschnittliche
Intelligenz bestimmter Altersstufen: -bestie, die: a) (ugs.)
ungewöhnlich intelligenter Mensch; b) (abwertend) jmd.,
der seine Intelligenz [in unangenehmer Weise/ zur Schau
stellt: -blatt, das [zu engl, intelligence = Nachricht,
Auskunft]: Nachrichten- u. Anzeigettblatt im 18. u. 19. Jh.;
-defekt, der; -grad, der: der durch den Intelligenztest
meßbare Grad der Intelligenz; -leistung, die: mit Hilfe von
Intelligenz erbrachte Leistung: geistige Leistung:
Instinkthandlungen sind keine -en; -Prüfung, die: vgl. Mest;
-quotient, der [1912 von dem dt. Psychologen u.
Philosophen W. Stern (1871 -1938) in die wissenschaftliche
Terminologie eingeführt]: Maß für die allgemeine intellektuelle
Leistungsfähigkeit, das sich aus dem Verhältnis von
Intelligenzalter zum Lebensalter ergibt; Abk.: IQ; -rente, die
(DDR ugs.): Rente, die ein Atigehöriger der Intelligenz
(2) erhält u. die höher ist als die anderer Rentner: Ein
Journalist ... bekommt keine I.. muß aber trotzdem so
tun, als habe er sie verdient (Neues D. 6. 6. 64, Beilage
Nr. 23. 6); -schiebt, die: svw. t Intelligenz (2): -stufe.
die: vgl. -grad; -test, der: psychologischer Test zur Messung
der Intelligenz, bei dem verschiedene Aufgaben zu lösen
sind. f
Intellisenzija [mteli'gen^ija], die; - [russ. intelligenzUa]: svw.
T Intelligenz (2); Intelligenzler, der; -s. - (häufig abwertend):
Angehöriger der Intelligenz (2); Intellektueller: intelligibel
[int£li'gi:b}] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [spätlat. intelligibi-
lis, intellegibilis] (Philos.): nur durch den Intellekt u. nicht
durch die sinnliche Wahrnehmung erkennbar.
Intendant [intcn'dant]. der; -en. -en [frz. intendant =
Aufseher, Verwalter < lat. intendens (Gen.: intendenlis). 1.
Part, von: intendere. t intendieren]: kimstierischer //.
geschäftlicher Leiter eines Theaters, einer Rundfunk- od.
Fernsehanstalt; Intendantur (Intendantur?], die; -. -en (veraltet):
1. Amt eines Intendanten. 2. Verwaltungsbehörde eines
Heeres; Intendanz [mten'dan^], die; -. -en: a) Amt eines
Intendanten; b) Büro eines Intendanten; intendieren
[int€n'di:ran] <sw. V.; hat) [lat. intendere = sein Streben
auf etw. richten, eigtl. = hinstrecken, anspannen]: auf
etw. hinzielen, hinarbeiten, beabsichtigen, anstreben, planen;
diese Politik intendiert ein falsches Bewußtsein von der
gesellschaftlichen Wirklichkeit; die intendierte Wirkung
erreichen; Intensimeter [intenzi-1. das; -s. - [zusgez. aus
I Intensität u. t-meter] (Med.): Gerät zur Messung lu. ge-
nauen Dosierung] der Strahlungsenergie von
Röntgenstrahlen; Intension [mt£nzio:n], die; -. -en [lat. intensio =
Spannung]: 1. Anspannung; Eifer. Kraft. 2. (Logik) Sinn. Inlialt
eines Begriffs, einer Aussage (Ggs.: Extension 2); intensiongl
<Adj.; o. Steig.) (Logik): auf die Intension (2) bezogen
(Ggs.: extensional): eine -e Definition; Intensität
[intcnzi't£:t]. die; -. -en <P1. selten) [zu lat. intensus =
gespannt, aufmerksam, heftig. 2. Part, von: intendere. t
intendieren]: 1. <o. PI.) Stärke. Kraft, Wirksatnkeit (von
Handlungen. Abläufen o.a.): gleichbleibende, wechselnde
I.; die I. der Bemühungen der Interessenverbände... richtet
sich nicht nur auf die öffentliche Meinung (Fraenkel. Staat
134). 2. intensiver Sinneseindruck; intensive Äußerung.
Reaktion: Eine andere ... Eigentümlichkeit der
Traumarbeit ist die Leichtigkeit der Verschiebung psychischer -en
(Freud. Abriß 34). 3. <o. PI.) (Landw.) Maß für die
Steigerung der Ertragskraft (eines Bodens] durch den Einsatz
von Kapital. Arbeit. 4. <o. PI.) (Physik) Maß für die Stärke
einer Strahlung o.a.; intensiv [mten'zi.fl <Adj.) [viell. <
frz. intensifl: 1. gründlich u. auf die betreffende Sache
konzentriert (Ggs.: extensiv 1 a): -e Forschungen betreiben;
i. arbeiten, nachdenken; sich i. mit etw. beschäftigen. 2.
(von Sinnesebulrücken. physischen od. psychischen
Reaktionen) stark, kräftig, durchdringend: -e Farben; ein -er
Schmerz; dieses Rot ist sehr i. 3. eingehend, sehr genau
zu erfassen, zu durchdringen suchend: ein -es Gespräch
führen; etw. i. betrachten. 4. (Landw.) mit großem Einsatz
von Kapital u. Arbeit betrieben (Ggs.: extensiv 1 b): -e
Landwirtschaft; -e Viehhaltung; -intensiv |-intenzi:f) <Suf-
ftxoid): (das im ersten Bestandteil Genannte) in besonders
hohem Maße besitzend, bewirkend od. erfordernd:
lohnintensive Wirtschaftszweige; ein farbintensiver Stoff.
Intensiv-: ^anbau. der (Landw.): intensiver (4) Anbau;
-betrieb, der (Landw.); -biktung.die(Sprachw): svw. f Intensi-
vum; -haltung, die (Landw.): intensive (4) Viehhaltung;
-kultur, die (Landw.): vgl. -anbau; -kur, die: eine I.
gegen Schuppen machen; -kurs. der: Kurs, bei dem in
relativ kurzer Zeit Kenntnisse durch intensiven u.
konzentrierten Unterricht erworben werden: einen I. in Englisch
machen; -lehrgang, der: vgl. -kurs; -pflegestation, die:
svw. t ^Station; -stall, der (Landw.): für Intensivhaltung
ausgerüsteter Stall; -Station, die: Krankenhausstation zur
Betreuung akut lebensgefährlich erkrankter Personen (z. B.
bei Herzinfarkt, Verbrennungen) unter Anwendung
bestimmter lebenserhaltetider Sofortmaßnalimen (z. B.
Sauerstoffzelt, ständige ärztliche Überwachung); -Studium, das:
vgl. -kurs; -Wirtschaft, die (Landw.).
intensivieren [mtenzi'vi:ren] <sw. V.; hat): intensiver
gestalten, machen: verstärken, steigern: die Bemühungen i.; den
Export i.; <Abl.:> Intensivierung, die; -, -en <P1. selten);
Intensivum [inten'zi:vom], das; -s, ...va (Sprachw.): Verb.
1352
Interessent
das den größeren od. geringeren Grad, die Intensität eines
Geschehens kennzeichnet (z.B. ..schnitzen'4 = kräftig
schneiden); Intention [mt£n'&o:n]. die; -. -en [lat. intentio.
zu: intendere. t intendieren]: 1. (meist PI.) Absicht;
Vorhaben: Anspannung /geistiger Kräfte ] auf ein bestimmtes Ziel
hin: meine I. geht dahin, daß ...: das entspricht seinen
-en. 2. (Med.) Wundheilung: <Abl.:> intentional [...t$|o'na:l]
<Adj.>: mit einer Intention verknüpft; zweckbestimmt;
zielgerichtet: -es Verhalten; Intentionaltsmus [...na'lismus], der;
- (Philos.): philosophische Lehre, nach der jede Handlung
nur nach ihrer Absicht, nicht nach ihrer Wirkung zu
beurteilen ist; Intentkmalität [...nali'te.t]. die; - (Psych.): [Lehre
von der] Ausrichtung aller psychischen Akte auf ein reales
od. ideales Ziel: intentioneil [...tsio'nel] <Adj.) [frz. intentio-
nel]: svw. t intentional.
Intention»-: -bewegung, die (Verhaltcnsf): Andeutung der
ersten Teile einer Bewegungskette, die jedoch nicht vollendet
wird; -psychose, die (Med.. Psych.): Verhaltensstörung,
bei der beabsichtigte Handlungen auf Grund hemmender
Gegentriebe nicht ausgeführt werden; ^tremor, der (Med..
Psych.): krankhaftes Zittern bei Beginn u. im Verlauf
willkürlicher, gezielter Bewegungen.
inter-, Inter- [inte-; lat. inter] (produktive feste Vorsilbe
mit der Bed.): zwischen i Gleichartigem bestehend, sich
vollziehend] (lokal, temporal u. übertr.; z. B. interalliiert.
Intermezzo).
interagteren <sw. V.; hat) (Psych., Soziol.): (von
Handlungspartnern) Interaktion betreiben: Leute, die sich nicht
verstehen, können nicht miteinander i. und kommunizieren
(Linguistik u. Didaktik 16. 1973. 281); Interaktion, die
(Psych.. Soziol.): aufeinander bezogenes Handeln zweier
od. mehrerer Personen. Wechselbeziehung zwischen
Handlungspartnern: Die I. zwischen Stiefkindern und
Stiefmüttern verläuft meist anders als in Durchschnittsfamilien
(Ruthe. Partnerwahl 109); sprachliche Kommunikation
ist die wichtigste Form menschlicher I.
interalliiert <Adj.; o. Steig.): mehrere Verbündete gemeinsam
betreffend; aus Verbündeten bestehend: -e Streitkräfte.
Interbrigadist[...brigadist],der; -en. -en (kommunist.):
Angehöriger der Interbrigaden, d.h. der internationalen
Brigaden, die im span. Bürgerkrieg (1936-39) auf
republikanischer Seite kämpften.
Intercarrierverfahren [inte'kerje-]. das; -s [engl.-amerik. in-
tercarrier system, zu: intercarrier = Trägerwelle mit
geänderter Frequenz]: Verfahren zur Gewinnung des zum
Fernsehbild gehörenden Tones im Fernsehempfänger.
Interceptor [into'septo]: t Interzeptor.
Intercjty, der; -s. -s: t Intercity-Zug; Intercjty-Verkehr, der;
-s [zu engl.-amerik. intercity = zwischen (Groß)städten
verkehrend]; Verkehr von, mit Intercity-Zügen; Intercjty-
Zug.der; -Ie]s. -züge: mit besonderem Komfort ausgestatteter
Zug, der nur an wichtigen Bahnhöfen hält, günstige Anschluß-
züge hat u. daher kürzere Fahrzeiten ermöglicht.
interdental <AdJ.; o. Steig.) (Med.): zwischen den Zähnen
gebildet od. liegend; den Zahnzwischenraum betreffend;
Interdental* der; -s. -e (Sprachw.): stimmloser od. stimmhafter
dentaler Reibelaut; Zwischenzahnlaut (z. B. th im
Englischen).
interdependent [...depen'dent] <Adj.; o. Steig.) [aus Tinter-.
Inter- u. lat. dependens (Gen.: dependentis). 1. Part, von:
dependere = abhängen, abhängig sein]: voneinander
abhängend: ein Netz -er Zusammenhänge; Interdepend^nz. die:
gegenseitige Abhängigkeit: die I. von Wortbedeutung und
Kontext; daß sich eine gewisse Konzentration auf einige
wenige, diese -en aufhellende Artikel ... anbot
(Rittershausen. Wirtschaft 7).
Interdikt [...dikt]. das; -[e]s. -e [lat. interdictum = Verbot]
(kath. Kirche): Verbot von kirchlichen Amtshandlungen als
Strafe für eine bestimmte Person od. einen Bezirk; Interdik-
tion, die; -. -en [lat. interdictio] (veraltet): Untersagung.
interdisziplinir <Adj.; o. Steig.): mehrere Disziplinen (2)
umfassend: die Zusammenarbeit mehrerer Disziplinen
betreffend: -e Forschungen; Interdisziplinaritfit [...distßiplina-
ri'teitl. die; -.
interdiurn [...'diurn] <Adj.; o. Steig.) [nlat.; zusgez. aus lat.
interdiü = den Tag über u. diurnus = einen Tag dauernd]
(veraltet): sich über einen Tag erstreckend, einen Tag lang
dauernd: -e Veränderlichkeit (Met.; mittlere Differenz
zweier um 24 Stunden auseinanderliegender Beobachtungen od.
zweier aufeinanderfolgender Tagesmittel).
interdizieren[...di'|$i:rdn] <sw. V.; hat) [lat. interdicere]
(veraltet): untersagen, verbieten.
interessant [intore'sant, nitre'sant] <Adj.; -er, -este) [frz.
interessant, 1. Part, von: Intlresser. t interessieren]: 1.
geistige Teilnahme, Aufmerksamkeit erweckend, erregend; geistig
anziehend, fesselnd: ein -es Buch, Theaterstück; das ist
eine -e Aufgabe, Frage; ein -er Mensch; der Vortrag, die
Reise war sehr i.; das ist Ja i. (aufschlußreich); er kann
i. erzählen; er will sich i. machen (leicht abwertend;
Aufmerksamkeit auf sich lenken); die Gründe für sein Verhalten
sind hier nicht i. (nicht wissenswert, tun nichts zur Sache).
2. <nicht adv.) (meist Kaufmannsspr.) Erfolg, Vorfeil
versprechend: ein -es Angebot; dieses Geschäft ist für uns
nicht i.; <Zus.:> interesspiterwgfce <Adv.): was recht
aufschlußreich ist, I unerwartete] Rückschlüsse zuläßt: sie hat
es mir i. erst heute erzählt; <Abl.:) Interess^ntheit, die;
-; Interesse [...'esd. in'tresa], das; -s. -n [unter Einfluß von
frz. int^ret = Anteil(nahme); Nutzen. Vorteil (< lat. inter-
est = es bringt Nutzen) zum mlat. Subst. interesse =
aus einer Ersatzpflicht resultierender Schaden (aus der
Sicht des Gläubigers = Nutzen. Vorteil. Gewinn), zu lat.
interesse = von Wichtigkeit sein]: 1. <o. PI.) geistige
Anteilnahme, Aufmerksamkeit; Wißbegierde {Ggs.. Desinteresse):
großes, lebhaftes, geringes I. an etw. haben, für/an etw.
zeigen, bekunden; jmds. I. wecken; diese Sache ist nicht
von I. (erregt niemandes Interesse): im Brennpunkt des
öffentlichen -s stehen. 2.a) <meist PI.) Neigung, Vorliebe:
keine geistigen -n haben; nur seinen -n leben;
gemeinsame -n haben; b) Neigung zum Erwerb, Kauf: an diesem
Artikel besteht kein I.; haben Sie I.. den Wagen zu kaufen?
3.a) das, woran jmdm. sehr gelegen ist, was für jmdn. od.
etw. wichtig od. nützlich ist; Nutzen, Vorteile; Belange: im
eigenen I. handeln; im I. des Friedens, der Allgemeinheit;
ein Rechtsanwalt vertritt ihre -n; jmds. -n wahrnehmen; er
hat gegen die -n der Firma verstoßen: es liegt in unser
aller 1.. daß ...; b) <meist PI.) Bestrebung, Absicht,
Einflußbereich: die wirtschaftlichen -n eines Staates; dies läuft
unseren -n zuwider; seine -n durchsetzen. 4. <nur PI.)
(veraltet) Zinsen; Zinsgewinn.
interesse-, Interesse-: -halber <Adv.>: aus Interesse: ich habe
mir den Film i. angesehen; ^k» <Adj.; o. Steig.): ohne
Interesse (1): ..Fuchs", sage ich i. ..Oder Leopard
meinetwegen." (Remarque. Obelisk 204); vgl.
interessenlos, dazu: -losfgkeit.die; -: die I. gegenüber seiner Umwelt.
Interessen-. Interessen-: -ausgleich. der: Ausgleich zwischen
unterschiedlichen Interessen: eine Politik des -s; -bereich.
der. selten: das: vgl. ^gebiet; -gebiet, das: l Fach]gebiet,
für das sichjmd. besonders interessiert: sein I. ist die
moderne Literatur; -gegensatz. der: Gegensatz von Interessen
(3 b): der I. zwischen Arbeit und Kapital; -gemeinsdiaft.
die: 1. Zusammenschluß mehrerer Personen, Gruppen o.a.
zur Wahrung od. Förderung gemeinsamer Interessen: mit
Jmdm. eine I. eingehen; sie leben als I. zusammen; Europa
schickte sich gerade an. zu einer I. zusammenzuwachsen
(Dönhoff. Ära 126). 2. Zusammenschluß mehrerer
selbständig bleibender Unternehmen o. ä. zur Wahrung
wirtschaftlicher Interessen; Abk.: IG; -gruppe. die: Zusammenschluß
von Personen zur Durchsetzung politischer od.
gesellschaftlicher Ziele: die Gewerkschaften üben als I. Druck auf
die Regierung aus; vgl. Pressure-group; -kollision. die:
Auch bei den großen Dachverbänden der dauerhaften
Interessengruppen können -en vorkommen (Fraenkel. Staat
277); -konflikt. der: vgl. ^kollision; -läge, die: Gesamtheit
der verschiedenen Interessen, die zur Beurteilung einer
Situation in Betracht gezogen werden müssen; ^los <Adj.; o.
Steig.): an nichts interessiert, gleichgültig u. abgestumpft:
er ist völlig i.; -Organisation, die: vgl. -gruppe; -partei.
die: vgl. ^gruppe; -politik, die: von Interessengruppen
betriebene Politik; -Sphäre, die I. Einflußgebiet eines Staates.
2. (selten) vgl. ^gebiet; -verband, der: vgl. ^-gruppe;
-Vertreter, der: Person od. Organisation, die die Interessen eines
einzelnen od. einer Gruppe vertritt: die Gewerkschaft ist
der I. der Arbeitnehmer, dazu: -Vertretung, die: a) das
Vertreten von Interessen: der Anwalt übernimmt die I.
seines Mandanten; b) svw. t ^Vertreter.
Interessent [intarE'sent, mtre'sent], der; -en. -en [älter nhd.
= Beteiligter]: 1. jmd., der an einer Sache interessiert ist,
sein Interesse bekundet, an etw. teilnehmen, teilhaben
möchte: -en [an diesem Vortrag] sollen sich bis morgen
anmelden; Prospektmaterial an alle -en schicken. 2. jmd., der
1353
Interessentengruppe
etw. kaufen möchte: ich habe noch keinen -en für mein
Haus gefunden; <Zus.:) Interesspitengruppe, die:
Interessentenkreis, der: neue -e auftun; interessieren [intore'si:ran,
intr£'si:ren] <sw. V.. hat) /vgl. interessiert/ [frz. (s')interes-
ser < lat. interesse = dazwischensein. teilnehmen, von
Wichtigkeit sein]: 1. <i. + sich) a) geistige Teilnahme
bekunden; Interesse zeigen: ich interessiere mich für
moderne Malerei: er interessiert sich nicht sehr für Fußball:
niemand interessiert sich für ihn (nimmt Anteil an ihm.
kümmert sich um ihn): b) etw. erfahren wollen: sich für
die Teilnahmebedingungen 1.: ich interessiere mich für
den Preis des Hauses: er interessierte sich für die näheren
Umstände: c) etw. haben, kaufen wollen: ich interessiere
mich für diesen neuen Wagen: der Junge Mann interessiert
sich für meine Schwester (will sie kennenlernen): das
Fernsehen interessiert sich für die Junge Schauspielerin (will
sie engagieren). l.ü)jmds. Interesse, Neugier wecken: der
Fall begann ihn zu L: ich konnte ihn für meine Pläne
I.: b)jmds. Interesse finden, für jmdn. interessant sein: das
Buch interessiert mich: eine Reise nach China würde ihn
sehr i.; dieser Mann interessiert mich nicht mehr: die ganze
Angelegenheit interessiert mich nicht. 3. *an kndm., etw.
interessiert sein (sich für jmdn., etw. interessieren: Interesse
an jmdm., etw. haben, für jmdn., etw. zeigen): an einem
Problem interessiert sein; die Firma ist daran interessiert,
daß möglichst viel verkauft wird; ich bin nicht am Verkauf
des Grundstücks interessiert; interessiert <AdJ.>: [starken]
Anteil nehmend; Interesse habend, zeigend, geistig
aufgeschlossen, aufmerksam (Ggs.: desinteressiert): ein -er junger
Mann; ein -es Gesicht machen; sie ist politisch i.; i. zuhören;
<Abl.:) Interessiertheit, die; -: 1. das Interessiertsein an
etw.: bekundetes Interesse. 2. * materielle I. (DDR; Interesse
an der Verbesserung des eigenen Lebensstandards, die durch
größere Leistungen erzielt werden kann): das Prinzip der
materiellen I. durchsetzen.
Interferenz [mtefe'renl$], die; -. -en [zu tinterferieren]: 1.
(Physik) Überlagerung beim Zusammentreffen zweier od.
mehrerer Wellenzüge. 2. (Biol.. Med.. Psych.) Hemmung
od. Beeinflussung eines [biologischen] Vorgangs durch einen
gleichzeitigen u. gleichartigen anderen (z. B. die Hemmung
einer Virusinfektion durch ein anderes Virus). 3.
(Sprachw.) a) Einwirkung eines sprachlichen Systems auf
ein anderes, die durch die Ähnlichkeit von Strukturen
verschiedener Sprachen od. durch die Vertrautheit mit
verschiedenen Sprachen entsteht; b) (beim Erlernen einer Sprache)
falsches Schließen von einem Element der Fremdsprache
auf ein anderes (z. B. die Verwechslung ähnlich klingender
Wörter); c) Verwechslung von ähnlich klingenden fu.
semantisch verwandten j Wörtern innerhalb der eigenen Sprache.
4. (bildungsspr.) Überlagerung, Überschneidung: Und wie
bei allen vergleichbaren Schauspielerportrats irritieren
auch hier die kaum mehr auszumachenden -en zwischen
gespielter Aufrichtigkeit und aufrichtigem Spiel (Spiegel
11.1976. 162); <Zus.:> Interferenzerscheinung, die (Physik;
Sprachw.): auf Interferenz beruhende Erscheinung; Interfe-
renzferbe, die (Physik): bei Interferenz (1) insbes. von
weißem Licht auftretende Mischfarbe (z. B. beim
Lichtdurchgang durch eine Kristallplatte); interferieren [...feri.ran]
<sw. V.; hat) [aus tinter-. Inter- u. lat. ferirc = schlagen,
treffen]: 1. (Physik) (von kohärenten Wellen) sich
überlagern u. gegenseitig verstärken od. abschwächen. 2.
(bildungsspr.) sich überlagern, überschneiden; Interferometer
[...fero-], das; -s. - (zu T interferieren u. t-meterl (Physik):
Gerät, mit dem man unter Ausnutzung der Interferenz (1)
Messungen durcltführt (z. B. von Wellenlängen, von
Konzentration bei Gasen. Flüssigkeiten o.a.); Interferometrk«
die; - [t -metrie] (Physik): Meßverfahren mit Hilfe des Inter-
ferometers; interferometrisdi <Adj.; o. Steig.) (Physik):
unter Ausnutzung der Interferenz (1) messend; Interferon [...fe-
'ro:n], das; -s. -e (Biol., Med.): von Körperzellen gebildeter
Eiweißkörper, der als Abwehr Substanz bei der Interferenz
(2) von bifektionen wirksam ist.
mterfolijeren <sw. V.; hat): svw. tdurchschießen (2).
interfraktionell <Adj.; o. Steig.): zwischen Fraktionen
bestehend; [allen] Fraktionen gemeinsam: -e Vereinbarungen,
Abmachungen; etw. i. verhandeln.
intergalaktisch <Adj;o. Steig; nicht adv.) (Astron.): zwischen
den Milchstraßensystemen gelegen.
interglazial <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (Geol.):
zwischeneiszeitlich: -e Ablagerungen; Interglazial, das; -s, -e (Geol.):
Zwischeneiszeit; <Zus.:) lntergbzialzeit, die: svw. Unter-
glazial.
intergnippall...gru,pa:l] <Adj.; o. Steig.) (Sozio 1.): die
Beziehungen zwischen zwei od. mehreren [sozialen! Gruppen
betreffend.
Interhotel, das; -s. -s [zu tinternational u. tHotel] (DDR):
gut ausgestattetes Hotel (für ein internationales Publikum),
Interieur [gte'rlo.-ßj. das; -s, -s u. -e [frz. interfeur < lat.
interior = das Innere]: 1. (bildungsspr.) a) das Innere
[eines Raumes]; b) Innenausstattung eines Raumes: ein
neues I.; das I. ist großes neunzehntes Jahrhundert (Koep-
pen. Rußland 63). 2. (bild. Kunst) einen Innenraum
darstellendes Bild, besonders in der niederländischen Malerei des
17. Jh.s: er sammelte alte -s.
Interim [' Interim], das; -s, -s [zu lat. Interim = inzwischen,
einstweilen] (bildungsspr.): 1. Zwischenzeit. 2- vorläufige
Regelung; Übergangsregelung: diese Verordnung ist nur
als I. gedacht; interimistisch <Adj.; o. Steig.) (bildungsspr.):
vorläufig, einstweilig: eine -e Regelung. Regierung.
Interims-: -bescheid, der: vorläufiger Bescheid.
Zwischenbescheid; -kabinett, das: vgl. -regierung; -konto, das:
vorläufig eingerichtetes Konto, Zwischenkonto; ^lösung« die: svw.
t Interim (2), Zwischenlösung; -regehing, die: svw. I Interim
(2); ^regienmg, die: wäfirend einer Übergangszeit
amtierende Regierung; Übergangsregierung; ^schein, der (Wirtsch.):
Bescheinigung über die Mitgliedschaft in einer
Aktiengesellschaft vor Ausgabe der Aktien; Zwischenschein; ^tramer,
der (Sport): nur für eine Übergangszeit eingestellter Trainer;
-Vereinbarung, die: vgl. Interim (2); -zeugnis, das:
vorläufiges Zeugnis; -zustand, der.
interindividuell <Adj.; o. Steig.) (Psych.): zwischen zwei od.
mehreren Individuen ablaufend, mehrere Individuen
betreffend: -e Konflikte.
Interjektion [mtejek't$io:n], die; -. -en [lat. interiectio. eigtl.
= das Dazwischenwerfen] (Sprachw.): syntaktisch oft
isolierte, wortähnliche Lautäußerung, mit der Empfindungen
od. Aufforderungen ausgedrückt od. Laute nachgeahmt
werden; Ausrufewort, Empfindungswort (z.B. oh. pfui. pst.
muh); interjektion^H <Adj.; o. Steig.) (Sprachw.): die
Interjektion betreffend; in der Art einer Interjektion; eine
Interjektion darstellend.
interkabr [inteka'la:^] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [lat.
intercaläris = zum Einschalten gehörig, das Einschalten
betreffend; Schalt...]: (von Schaltjahren) eingeschaltet; In-
terkalgrfrUdite <P1.) [LÜ von mlat. fructus intercalares]
(kath. Kirche): Einkünfte aus einer unbesetzten
Kirchenpfründe: Interkabuien [...la:rpn] <P1.): svw. flnterkalar-
früchte.
interkantonal <Adj.; o. Steig.) (Schweiz.): zwischen den
Kantonen bestehend; allgemein: -e Abmachungen.
interkategorial <Adj.; o. Steig.) (bildungsspr.): zwischen
Kategorien bestehend: -e Unterschiede.
Interkolumnie [mtekolumnid]. die; -. -n. Interkohimnium
[...ko'lumniom], das; -s. ...ien [...ian; lat. intercolumnium]
(Kunstwiss.): Abstand zwischen zwei Säulen eines antiken
Tempels.
interkomnungl <Adj.: o. Steig.) (bildungsspr.): zwischen
Städten, Kommunen bestehend: -e Vereinbarungen; Inter-
kommunion.die; -. -en (Rel.): Abendmahlsgemeinschaft
zwischen Angehörigen verschiedener christlicher Konfessionen.
Interkonfessionaljsmus, der; - (bildungsspr.): das Streben
nach Überwbulung der [Glaubens]gegensätze zwischen den
Konfessionen; Bemühung um (bes. politische u. soziale)
Zuswnmenarbeit; interkonfessionell <Adj.; o. Steig.)
(bildungsspr.): das Verhältnis verschiedener Konfessionen
zueinander betreffend; über den Bereich einer Kotifession
hinausgehend: der -e Dialog.
interkontinental <Adj.; o. Steig.) (bildungsspr.): a) sich
zwischen Erdteilen befindend: -e Meere; b) von einem Erdteil
aus den anderen erreichend: -e Raketen; <Zus.:) Interkonti-
nentglflug. der: Flug zwischen Erdteilen;
Interkontinentalrakete, die (Milit.): Rakete, die auf einen anderen Erdteil
geschossen werden kann.
interkostal <AdJ.; o. Steig.; nicht adv.) [aus tinter-. Inter-
u. tkostal] (Med.): zwischen den Rippen liegend.
interkrustal [intBkrus'ta:l] <Adj.; o Steig.) [zu tinter-, Inter-
u.t Kruste] (Geol.): (von Gesteinen) in der Erdkruste gebildet
od. liegend.
interkulüirell <Adj.; o. Steig.) (bildungsspr.): die
Beziehungen zwischen den verschiedenen Kulturen betreffend.
1354
internieren
interkurrent [inteku'rent] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [zu
lat. intercurrens(Gen.: intercurrentis), 1. Part, von: inter-
currere = dazwischenlaufen, -treten] (Med.): (von einer
Krankheit, die zusätzlich zu einer bereits bestehenden
auftritt) hinzukommend.
interlinear <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [mlat. interiinearis]
(Sprachw.. Liternturw.): (von Übersetzungen, besonders
mittelalterlichen Handschriften) zwischen die Zeilen des
fremdsprachigen Urtextes geschrieben.
Interlinear-: -glosse, die (Sprachw.; Literaturw.): zwischen
die Zeilen geschriebene Glosse (2). besonders in frühen
mittelalterlichen Handschriften; -Übersetzung, die (Sprachw.;
Literaturw.): zwischen die Zeilen geschriebene wörtliche
Übersetzung, besonders in frühen mittelalterlichen
Handschriften; -Version, die: svw. t ^Übersetzung.
Interlingua [mte'lujgua]. die; - [ital. interlingua. gek. aus:
intemazionale = international u. lingua = Sprache]
(Sprachw.): 1. Welthilfssprache, die auf dem Latein u. den
romanischen Sprachen fußt. 2. von der International Auxilia-
ry Language Association vorgeschlagene Welthilfssprache:
interlingual <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [engl, interlingual,
zu tinter-, Inter- u. lat. lingua = Sprache; Zunge]
(Sprachw.): zwei od. mehrere Sprachen betreffend; zwei
od. mehreren Sprachen gemeinsam: Interlingujst, der, -en.
-en (Sprachw.): l.jmd.. der Interlingua (2) spricht. 2.
Wissenschaftler auf dem Gebiet der Interlinguistik (1);
Interlinguistik, die; - (Sprachw.): 1. Wissenschaft von den
künstlichen Welthilfssprachen. 2. Richtung der
Sprachwissenschaft, die Sprachen auf synchron!scher Ebene vergleicht
u. sich mit Fragen der Übersetzbarkeit. Fehlerkunde u.
Mehrsprachigkeit beschäftigt; <Abl.:) interlinguistisch
<Adj.; o. Steig.) (Sprachw.): die Interlinguistik betreffend.
Interlock- [intebk-; zu engl, interlock = mit verketteten
Maschen gestrickt]: -maschine, die: Rundstrickmaschine
für Inter lock wäre; vware, die: feinmaschige Wirk wäre für
Trikotagen; -wasche, die: Damen- od. Herrenunterwäsche
aus Interlockware.
Interludium [inte'lu:dium], das; -s. ...ien [..Jpn; mlat. inter-
ludium = Zwischenspiel] (Musik): Zwischenspiel in Fuge.
Sonate u. Rondo; Orgelzwischenspiel.
Interhinium [mtelu:nium], das; -s. ...ien [...pn; lat. inter-
lünium] (Fachspr.): Zeit des Neumonds.
Intermaxiliarknofiben, der [aus tinter-, Inter- u. Imaxillar]
(Med.): Zwischenkieferknochen.
Intermediaire [Sterme'die:?], das; -. -s [frz. interm&iiaire
(t intermediär), da diese Dressurprüfung zwischen zwei
anderen mit niedrigerem bzw. höherem Schwierigkeitsgrad
liegt] (Reiten): Dressuraufgabe im internationalen Reitsport;
intermediär [intBmedie:^] <Adj.; o.Steig.) [frz.
intermediaire = Zwischen..., Mittel... < lat. intermedius =
dazwischen, in der Mitte befindlich] (Fachspr.): in der Mitte
liegend, dazwischen befindlich; ein Zwischenglied bildend:
-er Stofl\vechsel (Med.; Gesamtheit der Abbau- u.
Umbauvorgänge der Stoffe im Körper nach ihrer Aufnahme;
Zwischenstoffwechsel)'. Interroedin [...me'di:n], das; -s (Biol.):
Hormon, das bei Fischen u. Amphibien den Farbwechsel
beeinflußt u. bei Säugetieren die Hautpigmentierung mit
reguliert; Intermedio [...'me.dio], das; -s, -s. Intermedium
[...'medium], das; -s. ...ien [...pn; ital. intermedio < mlat.
intermedium = Einschub. Zwischenraum] (Musik): im
15. Jh. in Italien aufgekommenes, kleines musikalisches
Zwischenspiel, das zunächst die für den Szenenwechsel bei
Schauspielaufführungen notwendigen Pausen zu überbrücken hatte.
intermenstmaL intermenstru^ll <Adj.; o. Steig.) (Med.): das
Intermenstruum betreffetui; Intermenstruum, das; -s, ...ua
[lat. intermenstruum = (Zeit) zwischen zwei Monaten;
Zeit des Mondwechsels] (Med.): Zeitraum zwischen zwei
Menstruationen.
Intermezzo [intB'metßO], das; -s, -s u. ...zzi [ital. Intermezzo,
zu lat. intermedius = dazwischen, in der Mitte befindlich]:
1. a) Zwischenspiel im Drama, in der ernsten Oper; b) kurzes
Klavier- od. Orchester stück. 2. kleine / unbedeutende]
Begebenheit am Rande eines Geschehens; [lustiger] Zwischenfall.
interministeriell <AdJ.; o. Steig.) (bildungsspr.): die
Zusammenarbeit zwischen einzelnen Ministerien betreffend; von
mehreren Ministerien gebildet; mehreren Ministerien
gemeinsam: ein -er Ausschuß; -e Zusammenarbeit.
Intermission» die; -. -en (Med.): zeitweiliges Zurücktreten
von Krankheitssymptomen, beschwerdefreies Intervall;
intermittierend [intBmi'ti.rant] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [zu
lat. intermittere = aussetzen, unterbrechen] (bildungsspr.):
zeitweilig aussetzend; wechselnd; ab u. zu auftretend: -es
Fieber; Es dürfte also Mitte der kommenden Woche einen
-en Streik geben, der gewisse Stadtteile ... ausspart (Welt
23. 1.65,4).
intermolekular <Adj.; o. Steig.) (Chemie, Physik): zwischen
den Molekülen bestehend, stattfindend.
Intennundien [intß'mundpn] <P1.) [lat. intermundia] (Phl-
los.): die von Epikur zwischen den unendlich vielen Welten
angenommenen Zwischenräume.
intern [intern] <Adj.; o. Steig.) [lat. internus = inwendig]:
1. (bildungsspr.) [nur! den inneren, engsten Kreis einer
Gruppe betreffend; im vertrauten Kreis erfolgend, nicht
öffentlich: eine -e Angelegenheit; die -en Vorgänge innerhalb
der Partei dringen nicht nach außen; diese Regelung ist
i.; eine Sache i. regeln, klären. 2. innerlich, inwendig (Ggs.:
extern 1). 3. (Med.) die inneren Organe betreffend. 4.
(veraltend) in einem Internat wohnend (Ggs.: extern 2b): ein
-er Schüler; <subst.:> die Internen fahren nur in den Ferien
nach Hause; -intern [-] <Sufllxoid>: (vom im
Bestimmungswort Genannten) im Innern stattfindend, erfolgend: eine
betriebsinterne Regelung; eine parteiinterne
Auseinandersetzung; Interna: PI. von t Internum; Internalisation [mtena-
liza'tßio.n], die. -. -en [engl, internalization, vgl. intern]
(Sozio 1.): svw. t Internalisierung; internalisieren [...nali-
zi:ran] <sw. V.; hat): I. (Sozio 1.) Werte. Normen von
formalen Autoritäten als für die eigene Person gültig übernehmen;
verinnerlichen: Verhaltensnormen i.; die Kinder haben die
Rollenschablonen der Eltern internalisiert. 2. (Psych.) in
das Innere des Subjekts verlagern (Ggs.: externalisieren):
Konflikte i. 3. (Sprachw.) beim Aufbau eines sprachlichen
Regelsystems die Regeln aus der gehörten Sprache
übernehmen; <Abl.:> Internaliskrung, die -. -en: das Internalisieren;
Internat [...'na.tj. das; -[e]s. -e: 1. an eine [höhere/
Lehranstalt angeschlossenes Heim, in dem die Schüler wohnen
u. verpflegt werden: er wohnt im I.; sie mußte über die
Ferien im I. bleiben. 2. svw. t Internatsschule (Ggs.: Exter-
nat): ein I. besuchen; seine Eltern haben ihn ins I. gesteckt.
international [auch:' ] <Adj.; o. Steig.) [engl,
international, aus t inter-, Inter- u. t national]: I. zwischen mehreren
Staaten bestehend: -e Abmachungen, Verträge; i.
zusammenarbeiten. 2. über den Rahmen eines Staates
hinausgehend, nicht national begrenzt; mehrere Staaten betreffend:
überstaatlich, weltweit: die -e Küche; ein -er Wettkampf,
Kongreß (mit Teilnehmern aus mehreren Staaten); ein -es
Publikum; dieser Prozeß hat -es Aufsehen erregt; das ist
der zehnte -e Einsatz des Fußballspielers; die Krise ist
L; er ist i. bekannt, anerkannt; er hat sich als Künstler
i. durchgesetzt; 'Internationale, die; -. -n [1: Kurzform
von: Internationale Arbeiterassoziation]: 1. internationaler
Zusammenschluß sozialistischer Arbeiterorganisationen: die
I.. II., III. I. 2. <o. PI.) Kampflied der internationalen
Arbeiterbewegung („Wacht auf. Verdammte dieser Erde"):
die I. anstimmen, singen; 2Internationöle, der u. die; -n,
-n <Dekl. t Abgeordnete) (Sport): jmd.. der als Mitglied
einer Nationalmannschaft internationale Wettkämpfe
bestreitet; internationalisifiren <sw. V.; hat): 1. (Völkerr.)
die Gebietshoheit eines Staates über ein bestimmtes
Staatsgebiet zugunsten mehrerer Staaten od. der ganzen
Völkerrechtsgemeinschaft beschränken: einen Fluß i. 2.
(bildungsspr.) international machen: damit wird der Konzen-
trationsprozeß internationalisiert; <Abl.:) Internationali-
skrung, die; -. -en: das Internationalisieren;
Internationalismus, der; -, ...men: 1. <o. PI.) (bildungsspr.) das Streben
nach zwischenstaatlichem Zusammenschluß: Die beiden
Weltkriege legten sowohl die Schwäche des I. als auch
die Stärke des Nationalismus ... bloß (Fraenkel, Staat
307); proletarischer I. (internationale Solidarität der
Arbeiterbewegungen); sozialistischer I. (DDR; Zusammenarbeit
der sozialistischen Länder untereinander). 2. (Sprachw.)
Wort, das in gleicher Bedeutung u. gleicher od. ähnlicher
Form in verschiedenen Kultursprachen vorkommt (z. B.
„Demokratie"); Internationalist, der; -en. -en (kommunist):
Anhänger des proletarischen, sozialistischen
Internationalismus (1); <Abl.:> internationalistisch <Adj.; o. Steig.);
Internationalist die; -: das Internationalsein. Über Staatlichkeit.
Internats-: -schule, die: [höhere] Lehranstalt mit
angeschlossenem Internat (1); -schüler, der; -Schülerin, die.
internieren [inte'ni:ren] <sw. V.; hat) [frz. interner, tintern]:
1. (Milit.) Angehörige eines gegnerischen Staates während
1355
Internierte
des Krieges in staatlichen Gewahrsam nehmen, in Lagern
unterbringen: wir waren in einem Lager bei Hamburg
interniert. 2. (Fachspr.) jmdn.. der an einer [ansteckenden]
Krankheit leidet, isolieren, in eine geschlossene Anstalt
einweisen: auch die Kontaktpersonen müssen interniert
werden; Er ist als Erotomane in der Anstalt interniert (Weiss.
Marat 8); <subsi.:> Internierte, der u. die; -n. -n <Dekl.
t Abgeordnete): jmd..der interniert ist: <Abl.:> Internknmg,
die; -. -en: a) das Interniertsein (1. 2); b) das Internieren
(1.2); <Zus.:> Internieningslager, das: Lager, in dem
Zivilpersonen interniert (1) werden: Internist [...nist], den -en,
-en [zu I intern]: 1. (Med.) Facharzt für innere Krankheiten
(Ggs.: Externist ! a). 2, (veraltet) interner (4) Schüler:
internistisch <Adj.; o. Steig.): die innere Medizin betreffend.
lntemodium[intt?'no:dium].das; -s. ...ien [...ian; tat. internö-
dium = Raum zwischen zwei Gelenken od. Knoten] (Bot):
zwischen zwei Blattansatzstellen od. Blattknoten liegender
Sproliabschnitt einer Pflanze.
lntemum[in't£mom],das: -s. ...na [zu lat. internus, tintern]
(bildungsspr.): I. Gebiet, das einer bestimmten Person.
Gruppe od. Institution vorbehalten u. Dritten gegenüber
abgeschlossen ist. 2- (meist PI.) nur die inneren Verhältnisse
einer Gruppe o.a. betreffende Angelegenheit: interne (!)
Angelegenheit: wir wollen hier keine Interna besprechen.
Internuntius, der. -. ...ien [...pn; lat. Internuntius =
Unterhändler] (kath. Kirche): diplomatischer Vertreter des
Papstes in kleineren Staaten.
interorbital <Adj.; o. Steig.) (Fachspr.): zwischen den Orbits
befindlich: für den Raum zwischen den Orbits bestimmt:
die Rakete auf eine -e Umlaufbahn bringen.
interozeanisch <Adj.; o. Steig.) (Fachspr.): mehrere Ozeane
betreffend: Ozeane verbindend.
interparlamentarisch <Adj.; o. Steig.) (Pari.): die Parlamente
mehrerer Staaten betreffend, sie umfassend, zwischen ihnen
bestehend: einen -en Ausschuß bilden.
Interpellant [intepe'lant]. der; -en. -en [lat. interpelläns
(Gen.: interpellantis). 1. Part, von: interpellare. f
interpellieren] (Politik): Parlamentarier, der eine Interpellation (1)
einbringt: Interpellation [...pela't&o:nh die; -. -en [lat. inter-
pellätio = Unterbrechung]: 1. (Politik) von einem od.
mehreren Parlamentariern an die Regierung gerichtetes
Verlangen um Auskunft in einer bestimmten Sache. 2. (Rechtsspr.
veraltet) Einspruchsrecht gegen Versäumnisurteile.
Vollstreckungsbefehle o.a.: <Zus.:) Interpellationsrecht, das
(Politik): das Recht des Parlaments, eine Interpellation (I)
einzubringen: interpellieren [,..pe'li:ren] <sw. V.; hat) [lat.
interpellare = unterbrechen, mit Fragen angehen]: 1.
(Politik) eine Interpellation (1) einbringen. 2. (veraltet)
unterbrechen, dazwischenreden, ins Wort fallen: ... hatte er sich
... unter die Studenten gemischt, die den Professor
interpellierend umstanden (Th. Mann. Hoheit 80).
interpersonal,interpersonell <Adj.; o. Steig.) (Fachspr.):
zwischen zwei od. mehreren Personen lablaufend], zwei od.
mehrere Personen betreffend: im interpersonellen Bereich.
interplanetar, interplanetarisch <Adj.; o. Steig.) (Astron.):
zwischen den Planeten befimllich.
Interpkivial [intBplu'via:U. das; -s. -e (Geol.): regenärmere
Zeit in den heutigen Tropen u. Subtropen während der
Interglaziale: <Zus.:> Interphivialzeit, die: svw. t Interpluvial.
Interpol [intepo:l], die; - [Kurzwort aus Internationale
Kriminalpolizeiliche Organisation]: zentrale Stelle (mit Sitz
in Paris) zur internationalen Koordination der
Ermittlungsarbeit in der Verbrechensbekämpfung.
Interpolation [intepola't>io:n]. die: -. -en [lat. interpolätio
= Veränderung, Umgestaltung]: 1. (Math.) das
Interpolierend) (Ggs.: Extrapolation). 2. (Wissensch.) spätere, von
fremder Hand vorgenommene Einfügung od. Änderung in
einem Text, die nicht als solche kenntlich gemacht ist. Inter-
pobtor [...po'la:tor. auch: ...to:g]. der. -s. -en [...la'to:ran]:
hnd., der eine Interpolation (2) vornimmt: interpolieren <sw.
V.; hat) [2: lat. interpoläre = (Schriften) entstellen,
verfälschen]: 1. (Math.) Werte zwischen bekannten Werten einer
Funktion errechnen (Ggs.: extrapolieren). 2. (Sprachw.)
eine Interpolation (2) vornehmen.
Interpret [intB'pre.t], der; -en. -en [lat. interpres (Gen.: inter-
pretis) = Vermittler; Ausleger, Erklärer] (bildungsspr.):
l.jmd.. der etw. interpretiert (I a): verschiedene -en deuten
diesen Text unterschiedlich; er ist ein guter I. von
Gesetzestexten. 2. reproduzierender Künstler, bes. Musiker. Sänger.
Dirigent. Regisseur: ein hervorragender, virtuoser I.; die
großen -en klassischer Musik; Interpretament [...pre-
ta'ment].das;-[e]s.-e[Iat. interpretämentum = Auslegung,
Deutung; Übersetzung]: 1. (Literaturw.) erläuternde
Zwischenbemerkung im Text. 2. (Fachspr.. bes. Jheol.) Deu-
tungs-. Verständigungsmittel: Interpretant [...pre'tant], der,
-en, -en (selten): jmd.. der sich um die Interpretation (1)
von etw. bemüht: Interpretation [...preta't^o.n], die; -. -en
[lat. interpretatio] (bildungsspr.): l.a) Erklärung. Deutung
von Texten. Aussagen o.a.: die I. eines Gesetzes; b)
Auslegung. Auffassung. Darstellung: Soudrais' dumme und
verantwortungslose I. der Affäre (Maass. Gouflte 41). 2.
/ auf einer subjektiven Auffassung beruhende] künstlerische
Wiedergabe von Musik: eine meisterhafte I. des
Klavierkonzerts; diese I. des Liedes entspricht dem Geist der
Romantik; Interpretatio rotnana [...pre'ta:t$io ro'maina],
die; - - [lat. interpretatio römäna, eigü. = römische
Auslegung; nach dem röm. Historiker Tacitus (etw. 55-120);
Germania 43,3]: Bezeichnung fremder Gottheiten mit
Namen römischer Götter (z. B. Donar mit Jupiter); interpreta-
tiv [...preta'ti:f) <Adj.; o. Steig.): auf Interpretation
beruhend: erklärend, deutend, erhellend: Interpretator [...pre-
ta:tor.auch: ...to:?]. der; -s. -en [...ta'to:ran; spätlat.
interpretator] (selten): svw. t Interpret (1); interpretatorisch
[...preta'to:nJ] <Adj.; o. Steig.): den Interpreten, die
Interpretation betreffend: interpretieren [...pre'ti:ran] <sw. V.;
hat) [lat. interpretäri] (bildungsspr.): l.a) einen Text, eine
Aussage o. ä. inhaltlich erklären, erläutern, deuten: ein
Gedicht i.; einen Gesetzestext i.; b) in einem bestimmten Sinn
auslegen: etw. als etw. darstellen, auffassen: jmds. Verhalten.
Äußerungen o.a. in bestimmter Weise deuten, auslegen:
man kann seinen Rücktritt als Feigheit i.: jmdn.. etw.
falsch, böswillig i. 2. ein Musikstück [auf der Basis einer
subjektiven Auffassung. Auslegung] künstlerisch
wiedergeben: eine Sonate einfühlsam i.; Interpretin, die; -. -nen:
w. Form zu t Interpret.
InterpsycholoBk, die; - (Psych.): Psychologie der
zwischenmenschlichen Beziehungen.
tnterpui«ieren[mtBpoo'gi:ren]<sw. V.; hat) [lat. interpunge-
re = (Wörter) durch Punkte abteilen] (Sprachw. selten):
svw. f interpunktieren; interpunktteren <sw. V.; hat) [zu
lat. interpunctum (2. Part, von interpungere), t interpungie-
ren] (Sprachw.): (in einem Text) Satzzeichen setzen: er
kann nicht i.; sie interpunktiert richtig; einen Text i.; Ü
Nach viertägigem hektischen Warten, interpunktiert
(unterbrochen, in einzelne Zeitabschnitte zerlegt) durch ein
Dutzend voreiliger Alarme (Kantorowicz. Tagebuch 1.96);
Interpunktion, die; - [lat. interpunctio = Scheidung (der
Wörter) durch Punkte] (Sprachw.): Zeichensetzung: die
Regeln der I. beherrschen; <Zus.:> Interpunktionsregel, die:
Regel über das richtige Setzen von Satzzeichen:
Interpunktionszeichen, das: Satzzeichen: Punkt und Komma sind I.
InterraiDcarte t'intoreil-], die; -. -n [Kurzwort aus t
international und engl, rail = Eisenbahn] (Eisenbahnw.): verbilligte
Jugendfahrkarte für Fahrten in Europa.
Interregnum [inte'regnum]. das,-s, ...nenu. ...na [lat.
Interregnum] (Politik): 1. Zwischenregierung, vorläufige
Regierung. 2. Zeitraum, in dem eine vorläufig eingesetzte
Regierung die Regierungsgeschäfte wahrnimmt.
Interrenalismus [interena'lismus], der. - [zu tinter-. Inter-
u. lat. ren = Niere] (Biol., Med.): Beeinflussung von
Körperbau u. Geschlechtsmerkmalen durch Überproduktion von
Nebetmierenhormonen.
interrogativ [interoga'tiifl <Adj.; o. Steig.) [lat. interrogä-
tivus] (Sprachw.): fragend: ein -es Pronomen; Interrogativ
[-], das; -s, -e [...i:va] (Sprachw.): svw. t
Interrogativpronomen.
Interrogativ- (Sprachw.): -adverb, das: Adverb, das einen
Interrogativsatz einleitet (z. B. „wo?*\ ..wann?4*); ^prono-
men, das: Pronomen, das einen Interrogativsatz einleitet:
Frage!für]wort (z. B. „wert", „weichet4); -«atz. der: Satz,
der eine Frage ausdrückt. Fragesatz (z. B. Hast du
gefrühstückt?).
Interrogativum [mteroga'ti.vum], das; -s. ...va (Sprachw.):
svw. t Interrogativpronomen.
Interruption [mterup't$io:n]. die; -. -en [lat. Interruptio =
Abbrechen mitten in der Rede, Unterbrechung]: 1. (Med.)
a) ]künstlicher] Schwangerschaftsabbruch: b) svw. Coitus
interruptusd Koitus). 2. (bildungsspr. veraltend)
Unterbrechung. Störung: Interrupt!» [...'ruptos], den - (ugs.): svw.
Coitus interruptus (T Koitus).
1356
Intestinum
Interserie['mtiH, die; -, -n (Motorsport): europäische
Wettbewerbsserie mit Rundstreckenrennen für Sportwagen, zwei-
sitzige Rennwagen o. ä.
Intersex [mte'zeks, auch: ' J, das; -es, -e [aus finter-,
Inter- u. tSexl (Biol.): Individuum (3), das die typischen
Merkmale der Intersexualität zeigt; Intersexualität, die;
- (Biol.): abnorme Mischung von männlichen u. weiblichen
Geschlechtsmerkmalen in einem Individuum (3); intersexuell
<Adj.; o. Steig.) (Biol.): Intersexualität aufweisend.
Intershop 1'mte-]. der; -[s], -s u. -laden [aus t international
u. tShop] (DDR): Geschäft, in dem ausländische Waren
u. Spitzenerzeugnisse aus der Produktion der DDR nur
gegen frei konvertierbare Währung verkauft werden.
interstadial [mtesta'dia:!] <Adj.; o. Steig.) [zu t inter-, Inter-
u. spätlat. Stadialis, t Stadium] (Geol.): ein Interstadial
betreffend, aus einem Interstadial stammend: -e Ablagerungen;
Interstadial [-]. das; -s, -e (Geol.): kurzfristige Erwärmung
zwischen zwei Kaltzeitstadien einer Eiszeit.
interstitiell [mtesti'&el] <Adj.; o. Steig.) [zu t Interstitium]
(Biol., Med.): (von Gewebe, Gewebeflüssigkeit o.a.) in den
Zwischenräumen liegend; Interstitium [...'sti.'feium], das;
-s. ...ien [...jan; spätlat. interstitium]: 1. (Biol.)
Zwischenraum, z.B. zwischen Organen. 2. (nur PI.) (kath. Kirche)
vorgeschriebene Zwischenzeit zwischen dem Empfang zweier
geistlicher Weihen.
intersubjektiv <Adj.; o. Steig.) (Psych.): dem Bewußtsein
mehrerer Personen gemeinsam' von mehreren Personen
nachvollziehbar: -es Erleben; -e Überprüfung einer Theorie;
<Abl.:) Intersubjektivitit, die: -.
interterritorial <Adj.; o. Steig.) (bildungsspr.): zwischen
mehreren Staaten bestehend: -e Abmachungen.
Intertrigo [inte'tri.go]. die; -. ...trigines L.tri:gine:s; lat.
Intertrigo = wundgeriebene Stelle] (Med.): svw. t Hautwolf
(2).
Intertype<S>['mtet4Jp]. die; -, -s [aus tinter-, Inter- u. engl,
type = Druckbuchstabe]: kurz für t Intertype-Fotosetter.
Inter type-Setzmaschine; Intertype-Fotosetter [-fotozetB],
der; -s. - [aus tlntertype u. engl.-amerik. photosetter =
Gerät für den Fotosatz] (Druckw.): eine Lichtsetzmaschine;
Intertype-Setzmasdtine, die; -. -n (Druckw.): eine
Zeilenguß-Setzmaschine.
interurban <Adj.; o. Steig.) [aus tinter-, Inter- u. turban]
(österr. sonst veraltet): zwischen mehreren Städten
[bestehend]: -e Telefonverbindungen.
Interusurium [mte|u'zu:iium]v das; -s. ...ien [...jpn; spätlat.
interüsürium] (jur. [BGB]): Zwischenzinsen.
Intervall [mteval]. das; -s. -e [lat. intervallum, eigtl. =
Raum zwischen zwei Schanzpfählen]: 1. (bildungsspr.)
zeitlicher Zwischenraum; zwischen zwei Zeitpunkten liegender
Zeitraum; Pause. Zeitspanne: die -e zwischen mehreren
Herzschlägen, Wehen; Immer haben die Künstler das Exil
nur angeklagt ... als nutzloses I. (St. Zweig. Fouche 81);
in kurzen, regelmäßigen -en. 2. (Musik) Abstand zweier
zusammen od. nacheinander erklingender Töne: ein großes
1.3. (Math.) Bereich zwischen zwei Punkten auf einer Strek-
ke od. Skala; <Zus.:> Irttenqlltraining, das; -s. -s (Sport):
Trainingsmethode, bei der ein Trainingsprogramm
stufenweise so durchgeführt wird, daß die einzelnen Übungen in
einem bestimmten Rhythmus von kürzeren
Entspannungspausen unterbrochen werden.
Intervenient [mtevenient], der; -en, -en [lat. interveniens
(Gen.: intervenientis), 1. Part, von: intervenire, t
intervenieren] (bildungsspr.): jmd., der sich in [Rechts] Streitigkeiten
[als Mittler] einmischt: intervenieren [...ve'ni:ren] <sw. V.;
hat) [frz. intervenir < lat. intervenire]: 1. (bildungsspr.)
vermittelnd [ in einen Streit o. ä.J eingreifen, sich [als
Mittler] einschalten: in einem Streit i.; bei jmdm.. für jmdn..
gegen etw. i. 2. (Politik) sich protestierend in bestimme
Vorgänge einschalten; Protest gegen etw. anmelden: der
Botschafter intervenierte bei der Regierung, im Kreml.
3. (Politik) (von einer Regierung, einem Land) sich aktiv
in die Angelegenheiten eines anderen Staates einmischen:
die Amerikaner intervenierten mit Waffengewalt in
Vietnam; Intervent [...'vent], der; -en, -en [russ. interwent]: russ.
Bez. für kriegerischer Intervenient; Intervention [...ven-
't£io:n],dJe; -. -en [frz. Intervention < spätlat. interventio]:
1. (bildungsspr.) das Intervenieren (1): durch eine
persönliche I. von selten der Parteiführung kam er wieder frei;
Auf Grund von -en der staatlichen Notenbank ... (Welt
14, 8. 65. 8). 2. (Politik) das Intervenieren (2). 3. (Politik)
das Intervenieren (3): die belgische I. im Kongo; eine I.
der USA im Nahostkonflikt zugunsten Israels;
Interventionismus [...ventsio'nismus], den - (Politik):
[unsystematisches, punktuelles] Eingreifen des Staates in die [private]
Wirtschaft; <Abl.:> Interventionist« der, -en, -en: Anhänger
des Interventionismus; interventionistisch <Adj.; o. Steig.).
Interventions-: ^klage, die (jur.): Widerspruchs-,
Anfechtungsklage gegen Zahlungsbefehl, einstweilige Verfügung
od. Arrestbefehl; -krieg, der: aus einer Intervention (3)
folgender Krieg; -recht, das: Recht zu intervenieren (3);
^verbot, das: Verbot zu intervenieren (3).
interventiv [inteven'ti:f] <Adj.; o. Steig.) [zu t intervenieren]
(veraltet): dazwischentretend, vermittelnd.
Interversion, die; -, -en: svw. t Interlinearversion.
intervertebral <Adj.; o. Steig.) [aus tinter-, Inter- u. tverte-
bral (Anat., Med.): zwischen den Wirbeln liegend.
Interview [inre'vju:; auch: ' ], das; -s, -s [engl.-amerik.
interview < frz. entrevue = verabredete Zusammenkunft]:
I. für die Öffentlichkeit bestimmte Unterredung von / Zei-
tungs]berichterstattern mit [führenden] Persönlichkeiten
über aktuelle [politische] Tagesfragen od. zur Darstellung
der Persönlichkeit des Befragten: ein I. geben, gewähren;
ein I. mit jmdm. machen; der Politiker erklärte in einem
I. mit der New York Times, daß ... 2. (Soziol.) gezielte
Befragung (von ausgewählten Personen) zu statistischen
Zwecken; interviewen [...'vju:an. auch: ' ] <sw. V.;
hat): X.jmdn. in einem Interview (1) befragen: jmdn. fürs
Fernsehen i.; einen Politiker zu einem bestimmten Thema
i. 2. (ugs. scherzh.)ymt/n. in einer bestimmten Angelegenheit
befragen, ausfragen: ich werde mal meinen Freund i..
ob er mit mir Tennis spielt; Interviewer [...'vju:b, auch:
' ]. der; -s. -: jmd.. der jmdn. interviewt, ein Interview
(1, 2) macht.
Intervision,die; - [zusgez. aus t international u. tTelevision]:
Zusammenschluß osteuropäischer Fernsehanstalten zum
Zwecke des Austauschs von Fernsehprogrammen.
interzedieren [mtet$e'di:ran] <sw. V.; hat) [lat. intercedere
= sich verbürgen, eigtl. = dazwischentreten] (veraltend):
sich verbürgen; für jmdn. eintreten.
interzellular, interzellulär <Adj.; o. Steig.) (Biol.. Med.):
zwischen den Zellen gelegen; sich zwischen den Zellen
abspielend; Interzellulare, die; -. -n (meist PI.) (Biol.. Med.):
svw. t Zwischenzellraum; Interzelhilarraum, der; -[e]s.
...räume (Biol., Med.): svw. tZwischenzellraum.
Interzeption [intetßep'tßio:n], die; -. -en [lat. intereeplio =
die Wegnahme] (Met.): Verdunstungsverlust bei
Niederschlägen durch Abgabe von Feuchtigkeit an die Außenluft,
bes. im Wald; Interzeptor [...'tßeptor. auch: ...to:^]. der;
-s. -en [...'to:ren; engl, intereeptor. zu: interoept = ab-.
aufTangen] (Milit.): svw. t Abfangjäger.
Interzession [intBtߣ'sio:n]. die; -. -en [lat. intercessio =
Bürgschaft; Einspruch]: 1. (jur.) das Eintreten für die Schuld
eines anderen (z. B. Übernahme einer Bürgschaft). 2.
(veraltet) svw. t Intervention (1).
interzonal <Adj.; o. Steig.) (bildungsspr.): zwischen mehreren
Zonen bestehend; mehrere Zonen betreffend: -e Abkommen,
Vereinbarungen.
Interzonen- (ehemals zwischen der vereinigten amerik.. engl,
u. franz. Besatzungszone u. der sowjetischen
Besatzungszone; zwischen der Bundesrepublik Deutschland u. der
DDR): -»abkommen, das: Abkommen zwischen der DDR
u. der Bundesrepublik Deutschland; -autobahn, die: über
den Ausbau der I. verhandeln; -handel. der: Handel
zwischen der DDR u. der Bundesrepublik Deutschland;
innerdeutscher Handel, dazu: ^Handelsabkommen, das; -verkehr
der; ^zug, der: mit dem I. nach Berlin fahren.
Interzonenturnier, das; -s. -e (Schach): internationales
Schachturnier der Bestplazierten aus den Zonenturnieren
zur Ermittlung der Teilnehmer am Kandidatenturnier.
intestabel [int€s'ta:b|] <Adj.; o. Steig.) [lat. intestäbilis] (jur.
veraltet): unfähig, ein Testament zu machen od. als Zeuge
aufzutreten; Intestaterbe [...*ta:t-]. der; -n. -n [zu lat.
intestatus = der vor seinem Tode kein Testament gemacht hat]
(jur.): gesetzlicher Erbe eines Erblassers, der kein Testament
hinterlassen hat; Intestaterbfolge, die; - (jur.): gesetzliche
Erbfolge.
intestinal [mtesti'na:!] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [zu t
Intestinum] (Med.): zum Darmkanal gehörend; Intestinum
[mtes'ti:nom].das; -. ...nen u. ...na [lat. intestinum] (Med.):
der Darmkanal in seiner Gesamtheit.
1357
Inthronisation
Inthronisation [mtronlzaißio:n], die; -. -en [miat. inthroniza-
tio] (bildungsspr): a) Thronerhebung eines Monarchen: b)
feierliche Einsetzung eines neuen Abtes. Bischofs od.
Papstes; inthronisieren [introni'zi:r3n] <sw. V.; hat) [miat. in-
thronizare < g riech, enthronfzein = auf den Thron setzen]
(bildungsspr.): a) einen Monarchen auf den Thron
erhebender junge König wurde feierlich inthronisiert; Ü der neue
Bundeskanzler wurde inthronisiert (scherzh.; in sein Amt
eingeführt); b) einen neuen Abt. Bischof od. Papst feierlich
einsetzen; <Abl.:> Inthrontsknmg. die; -. -en: svw. f
Inthronisation.
intim [m'ti:m] <AdJ.) [lat. intimus = innerst, vertrautest]:
1. sehr nahe u. vertraut (in bezug auf das persönliche
Verhältnis zwischen Menschen): ein -er Freund; uns verband eine
-e Freundschaft; das Verhältnis zwischen den beiden ist
sehr i.; eine -e (in vertrautem Kreis stattfindende) Feier;
sie hatten -e (sehr persönliche) Dinge zu besprechen. 2.
(verhüll.) sexuell: -e Beziehungen mit jmdm. haben; mit
jmdm. i. sein, werden (sexuell verkeliren); i. miteinander
verkehren. 3. den Bereich der Geschlechtsorgane betreffend:
-e Körperpflege. Hygiene. 4. (bildungsspr.) im Innern eines
Menschen verborgen; tiefinnerlich: die -sten Wünsche.
Sehnsüchte eines Menschen; Jmds. -e, -ste Gefühle
verletzen. 5. bis ins Innerste, bis in die verborgenen Einzelheiten
vordringend: aus einer -en Kenntnis der Verhältnisse heraus
urteilen; ein -er Kenner der Barockkunst. 6. (bildungsspr.)
anheimelnd, gemütlich: ein -es Restaurant; -e Beleuchtung.
Intim-: ^bereidi, der: 1. vgl. ^Sphäre. 2. Bereich der
Geschlechtsorgane: die Pflege des -s; -Einstellung, die
(Rundfunkt.): Einstellung von Stereoanlagen u.a.. bei der auch
bei leiser Musik niedrige Tonfrequenzen hervorgehoben
werden: -feind, der: jmd.. den man [persönlich] gut kennt
u. zu dem man auf Grund einer unüberbrückbaren geistigen
Gegnerschaft. Konkurrenz auf einem bestinunten Gebiet o. ä.
in einem besonders feindseligen, ablehnenden Verhältnis
steht, dazu: ^feindschaft, die: diese beiden verbindet eine
langjährige I.; -gruppe. die (Soziol.): Kleingruppe, deren
Mitglieder einander sehr vertraut sind; -hygiene. die:
Körperpflege im Intimbereich (2); -kenner, der: jmd.. der einen
Sachbereich sehr eingehend, bis in alle Einzelheiten kennt;
-leben, das (verhüll.): Sexualleben: -massage. die
(verhüll.): stimulierende Massage unter Einbeziehung der
Geschlechtsteile; ^pflege, die: svw. t^hygiene; Sphäre, die
(bildungsspr.): der ganz persönliche Lebensbereich eines
Menschen, der für die Außenwelt tabuisiert. unverletzlich
ist: in jmds. I. eindringen; -spray, der od. das:
Deodorantspray für den Intimbereich (2); -verkehr, der (verhüll.):
Geschlechtsverkehr: I. mit jmdm. haben; -wasche, die
(verhüll.): das Waschen des Intimbereichs (2): eine milde Seife
für die I.; -zone, die: svw. f ^bereich (2).
Intima ['mtimaj. die; -. -s [zu lat. intima = w. Form
von: intimus. Tintim]: 1. <o. Pl.> (Med.) innerste Haut der
Gefäße. 2. (geh.. veraltend, noch scherzh.): Vertraute, enge
Freundin eines Mädchens; Intimi: PI. von t Intimus;
Intimität [intimi'te:tl. die; -. -en [frz. intimite] (bildungsspr.):
1. <o. PI.) a) vertrautes, intimes Verhältnis; Vertrautheit:
zwischen ihnen bestand eine große I; b) Vertraulichkeit:
vertrauliche Angelegenheit: wir besprachen -en. 2. <meist
PI.) sexuelle, erotische Handlung. Berührung. Äußerung:
er flüsterte ihr im Vorübergehen -en zu; sie ließ sich nicht
auf -en ein. 3. <o. PI.) getnütliche. intime Atmosphäre:
das gedämpfte Licht erhöhte die I. des Raumes. 4. <o.
PI.) svw. t Intimsphäre: Ein Bürger, der repräsentiert,
behält einen Rest von I. (Reinig. Schiffe 130); Intimus
[intimus]. der; -. ...mi [lat. intimus] (häufig scherzh.): eng-
ster Freund. Vertrauter: er besprach alles mit seinem I.
Intitubition [intitulatio^]. die; -. -en [miat. intitulatio]
(veraltet): Betitelung. Überschrift.
jntolerabel [auch: '-] <Adj.; ...bler. -ste) [lat. intoleräbi-
lis] (bildungsspr.): a) unerträglich; b) unleidlich,
unausstehlich; Intolerant [auch: '-] <Adj.; -er. -este) [frz.
intolerant < lat. intoleräns(Gen.: intolerantis)]: 1. eine andere
Meinung. Einstellung o. ä. nicht gelten lassend; unduldsam
(Ggs.: tolerant): eine -e Haltung; ein -er Chef; er ist ihr
gegenüber sehr L; sich l. zeigen. 2. (Med.) nicht
widerstandsfähig gegen bestimmte [schädliche] Stoffe: er ist
i. gegen Alkohol; Intoleranz [auch: '-]. die; -, -en [frz.
intolerance < lat. intolerantia]: 1. das Intolerantsein;
Unduldsamkeit (Ggs.: Toleranz): mit fanatischer I. bekämpfte
er seine Gegner; I. gegenüber politisch Andersdenkenden.
2. (Med.) mangelnde Widerstandskraft gegen bestimmte
[schädliche] Stoffe.
Intonation [mtona'&o.-n]. die; -. -en [zu t intonieren]: 1.
(Musik) (in der Gregorianik) die vom Ptiester. Vorsänger
od. Kantor gesungenen Anfangsworte eines liturgischen
Gesangs, der dann vom Chor od. von der Gemeinde
weitergeführt wird. 2. (Musik) präludierende Einleitung in größeren
Tonsätzen; kurzes Orgelvorspiel. 3. (Musik) Art der Tonge-
bung bei Sängern u. Instrumentallsten: eine weiche,
unsaubere I. 4. (Musik) (im Instrumentenbau. besonders bei der
Orgel) der Ausgleich der Töne u. ihrer Klangfarben. 5.
(Sprachw.) Veränderung des Tones nach Höhe u. Stärke
beim Sprechen; Tongebung; intonieren [into'ni:ran] <sw.
V.; hat) [miat. intonare = anstimmen, laut ausrufen <
lat. intonare = donnern, sich mit donnernder Stimme
vernehmen lassen]: 1. (Musik) a) etw. zu singen od. zu
spielen beginnen; anstimmen: ein Weihnachtslied i.; b) den
Ton angeben: der Kapellmeister intonierte ein a. 2. (Musik)
Töne auf einem Instrument od. mit der Stimme in einer
bestimmten Tongebung hervorbringen: sauber, weich i. 3.
(Sprachw.) die Sprechstimme auf eine bestimmte Tonhöhe
einstellen.
in toto [in 'to:to; lat.] (bildungsspr.]: im ganzen; im großen
und ganzen: etw. in toto ablehnen, annehmen.
Intoxikation [mt3ksika't$jo:n], die; -. -en [miat. intoxicatio.
t toxisch] (Med.): Vergiftung.
ultra-. Intra- [mtra-; lat. inträ] (produktive feste Vorsilbe
mit der Bed.): innerhalb (z. B. intramuskulär);
intraabdominal <Adj.; o. Steig.) [vgl. abdominal] (Med.): a) innerhalb
des Bauchraums [gelegen/: b) in den Bauchraum hinein
erfolgend.
Intrabilität[...bili't£:t].die; - [zu lat. inträbilis = zugänglich,
zu: inträre. flntrada] (Biol.): Eigenschaft von
Zellmembranen. Stoffe aus der Umgebung ins Innere der Zelle
eintreten zu lassen; Intrada [mtra.da]. die; -. ...den. Intrade
[mtra'dd]. die; -. -n [span. entrada. eigtl. = das Eintreten,
unter Einfluß von lat. inträre = hineingehen, eintreten;
vgl. ital. entrata] (Musik): festliches, feierliches Eröffnungs-
od. Einleitungsstück: die Suite beginnt mit einer I.
intraghitaal [...glutea:l] <Adj.: o. Steig.) [zu tintra-. Intra-
u. griech. gloutös = Gesäß] (Med.): a) innerhalb des großen
Gesäßmuskels i gelegen]; b) in den großen Gesäßmuskel
hinein erfolgend: -e Injektionen; intragruppal [...gru'pa:l]
<Adj.; o. Steig.) (Soziol.): die Beziehungen innerhalb einer
[sozialen] Gruppe betreffend; intraindividu?ll <Adj.; o.
Steig.) (Psych.): innerhalb eines Individuums ablaufend, sich
abspielend: -e Konflikte; intrakardial <Adj.; o. Steig.) [vgl.
kardial] (Med.): a) innerhalb des Herzens gelegen: b)
unmittelbar ins Herz hinein erfolgend; intrakraniell [...kra'niel]
<Adj.; o. Steig.) [zu griech. kranfon = Schädel; vgl. kranial]
(Med.): innerhalb des Schädels lokalisiert; intrakrustal
[...krus'ta:l] <Adj.; o. Steig.): svw. t interkrustal; intrakutan
[...ku'ta:n] <Adj.; o. Steig.) [zu lat. cutis = Haut] (Med.):
a) in der Haut [gelegenl; b) in die Haut hinein erfolgend:
-e Injektionen.
intra legem [- le:gem; lat. intra (tintra-. Intra-) u. lex.
t Lex] (Rechtsspr.): innerhalb, im Rahmendes Gesetzes (Ggs. :
contra legem).
intralingual <Adj.: o. Steig.) [zu tintra-. Intra- u. lat. lingua
= Sprache; Zunge; vgl. lingual] (Sprachw.): innerhalb
einer Sprache auftretend; innersprachlich (Ggs.:
extralingual); mtralumbal <Adj.; o. Steig.) [vgl. lumbal] (Med.):
a) im Lendenwirbelkanal gelegen; b) in den
Lendenwirbelkanal hinein erfolgend: -e Injektionen; intramolekular
<Adj.; o. Steig.) (Chemie): sich innerhalb der Moleküle
vollziehend; intramontan <Adj.; o. Steig.) [vgl. montan]
(Geol.): (von Becken) im Gebirge eingesenkt; intramundan
<Adj.; o. Steig.) [vgl. mundan] (Philos.): innerhalb der
Welt, innerweltlich; mtramural [...mu'ra:l] <Adj.; o. Steig.)
[zu lat. mürälis = zur Mauer gehörig] (Med.): innerhalb
der Wand eines Hohlraums gelegen.
intra muros [- mu:ro:s; lat. = innerhalb der Mauern]
(bildungsspr.): nicht öffentlich; geheim: eine Sache i. m.
verhandeln.
intramuskulär <Adj.; o. Steig.) [aus t intra-, Intra- u. t
muskulär] (Med.): a) innerhalb des Muskels gelegen; b) (von
Injektionen) in den Muskel hinein erfolgend: Abk.: i. m.:
ein Mittel i. spritzen.
intransigent [mtranzi'gsnt] <Adj.; -er. -este) [engl, intransi-
gent < frz. intransigeant. zu span. intransigente = Bez.
1358
intuitiv
für einen extremen Republikaner in Spanien (1873/74)]
(bildungsspr.): nicht zu einem Kompromiß od. zu
Konzessionen bereit, unnachgiebig, unversöhnlich: eine -e Haltung
einnehmen; Intransigent [-], der; -en. -en (bildungsspr.
selten): 1. starr an seinen Prinzipien festhaltender Partei mann.
2. <nur PI.) extreme politische Parteien; Intransigenz
[...'genfe]. die; - [engl, intransigence < frz. intransigeance]
(bildungsspr.): mangelnde Bereit schaff zu Konzessionen od.
Kompromissen; Unversöhnlichkeit. Unnachgiebigkeit.
intransitiv <Adj.; o. Steig.) [spätlat. intränsitfvus. aus tin-.
In- u. t transitiv] (Sprachw.): (von bestitnmten Verben) kein
Akkusativobjekt nach sich ziehend u. kein persönliches
Passiv bildend; nichtzielend (z.B. ..blühen**; Ggs.:
transitiv): ein -es Verb; Intransitiv [-]. das; -s. -e [...i:va]
(Sprachw.): intransitives Verb; Intransitivum [...'ti:vumj.
das; -s. ...va (Sprachw.): svw. t Intransitiv.
intraokular <Adj.; o. Steig.) [aus tintra-. Intra- u. tokular]
(Med.): innerhalb des Auges [gelegen]; intraoral <Adj.;
o. Steig.) (Med.): a) innerhalb der Mundhöhle lokalisiert
(z. B. von krankhaften Prozessen); b) in die Mundhöhle
hinein erfolgend.
intra partum [- partum; lat.] (Med.): wä/irend des
Geburtsvorgangs, bei der Geburt.
intrapersonal <Adj.; o. Steig.) [aus tintra-. Intra- u.
tpersonal] (Soziol.): a) innerhalb einer Person, eines Individuums
ablaufend, stattfindend: -e Konflikte; b) nur eine Person
betreffend; intrasubjektiv <Adj.; o. Steig.) (Psych.):
innerhalb des einzelnen Subjekts, des Ich bleibend, erfolgend;
intratelhirisdi <Adj.; o. Steig.) [vgl. tellurisch] (Geol.): im
Innern der Erde liegend od. entstanden; intrauterin [...|ute-
ri:n] <Adj.; o. Steig.) [vgl. uterin] (Med.): innerhalb der
Gebärmutter fliegend, erfolgend) (Ggs.: extrauterin);
<Zus.:) Intrauterinpessar, das (Med.): in die Gebärmutter
eingelegtes Pessar, das der Empfängnisverhütung dient;
intravaginal <Adj.; o. Steig.) (Med.): innerhalb der Scheide
lgelegen}; intravenös <Adj.; o. Steig.) (Med.): a) innerhalb
einer Vene [gelegen, vorkommend/; b) (von Infektionen)
in eine Vene hinein erfolgend: eine Infusion i. verabreichen;
Abk.: i. v.; intravital <Adj.; o. Steig.) (Med.): während
des Lebens vorkommend.auftretend; intrazellular,
intrazellular <Adj.; o. Steig.) (Biol.. Med.): innerhalb der Zelle[n]
[gelegen].
intrigant [intri'gant] <Adj.; -er. -este) [frz. intrigant, t
intrigieren] (bildungsspr.): dazu geneigt. Intrigen zu spinnen;
ständig auf Intrigen sinnend; ränkeschmiedend, hinterhältig: ein
-er Kerl; Intrigant [-]. der; -en, -en [frz. intrigant]
(bildungsspr. ): jmd.. der dazu neigt zu intrigieren: ein
hinterlistiger, widerlicher I.; Intrigantin, die; -. -nen: w. Form zu
t Intrigant; Intriganz [...'gant?]. die; - (selten): intrigantes
Verhalten; Intrige [in'trr.ga], die; -, -n [frz. intrigue. t
intrigieren]: hinterhältige, heimtückische Machenschaften im
Verborgenen, mit denen jmd. gegen einen anderen arbeitet,
seine Pläne o.a. zu durchkreuzen, ihm zu schaden sucht:
eine boshafte, politische I.; -n spinnen, aufdecken,
einfädeln; das Opfer einer I. werden; <Zus.:> Intrigenspiel das:
svw. t Intrige; Intrigenwirtschaft die <o. PI.) (abwertend):
ständiges Intrigieren; intrigieren [intri'gi:ren] <sw. V.; hat)
[frz. intriguer < ital. intrigare = verwickeln, verwirren
< lat. intricäre]: auf hinterhältige, hinterlistige Weise gegen
jmdn. arbeiten, andere gegen jmdn. aufhetzen u. ihm so
schaden; Intrigen gegen jmdn. inszenieren, anzetteln: ständig
i.; gegen jmdn. i.; er intrigierte beim Chef gegen sie; gegen
einen Plan i.; intrikat [...ka:t] <Adj.; -er, -este) [zu lat.
intricätum. 2. Part, von: intricäre. t intrigieren] (veraltet):
verwickelt, verworren; heikel, verfänglich.
intrinsisch [m'trinzij] <Adj.; o. Steig.) [engl, intrinsic <
frz. intrinseque = innerlich < lat. intrinsecus] (Psych..
Päd.): von innen her, aus eigenem Antrieb, durch Interesse
an der Sache erfolgetid: durch in der Sache liegende Anreize
bedingt (Ggs.: extrinsisch): eine -e Motivation (durch die
von der Sache ausgehenden Anreize bedingte Motivation).
in triplo [in tri:plo; lat.] (selten): /inj dreifach/er
Ausfertigung/.
intro-, Intro- [nitro-; lat. intrö] (produktive feste Vorsilbe
mit der Bed.): hinein, nach innen (z. B. introvertiert.
Introduktion); Introduktion [...duk't$io:n]. die; -. -en [lat. intro-
ductio = das Einführen]: I. Einführung. Einleitung. 2.
(Musik) a) freier Einleitungssatz vor dem Hauptsatz einer
Sonate. Sinfonie od. eines Konzerts; b) erste Gesangsnummer
einer Oper. 3. (Med.) Einführen des Penis in die Vagina
beim Geschlechtsverkehr; introduzieren [...du'tßiwn] <sw.
V.; hat) [lat. intrödücere] (selten): 1. einleiten, einführen
(5 a): jmdn. in einer Gesellschaft i. 2. einführen (1); Introdu-
zione [...'t§io:n3], die; -. ...ni [ital. introduzione < lat.
introductio (Gen.: introductionis). t Introduktion]: svw.
t Introduktion (2); Introitis [mtro'i:tis]. die; -. ...tiden [...oi-
ti.dn] (Med.): Entzündung des Scheideneingangs; Introitus
[m'tro:itus], der; -. - [(m)lat. introitus = Eingang, Einzug;
Vorspiel, zu: introire = hineingehen]: l.a) Eingangsgesang
[im Wechsel mit Psalmversen] in der Messe; b) [im Wechsel
gesungene] Eingangsworte od. Eingangslied im
evangelischen Gottesdienst. 2. (Med.) Eingang in ein Hohlorgan
des Körpers (z.B. Scheideneingang); Introiektion [...jek-
tßio:n]. die; -, -en [gepr. von dem ung. Nervenarzt S.
Ferenczi (1873-1933) aus tintro-. Intro- u. lat. -iectio.
zu: iacere = werfen] (Psych.): das Introjizieren; introjizieren
[...Ji'lßi:ran] <sw. V.; hat) [aus tintro-. Intro- u. lat. iacere
= werfen; vgl. injizieren] (Psych.): fremde Anschauungen.
Einstellungen o. ä. in das eigene Ich hineinprojizieren; Intro-
mission, die; -. -en [mlat. intromissio = (gewaltsames)
Eindringen]: das Intromittieren; intromittieren [...mi'ti:ren]
<sw. V.; hat) [lat. intrömittere]: a) (Fachspr.) hineinstecken,
hineinschieben; b) (Med.) (vom Penis) in die Vagina
eindringen: intrvrs [in'tn>rs]<Adj.;o. Steig.) [lat. intrörsum. intrör-
sus (Adv.)] (Bot.): nach innen gewendet: -e Staubbeutel;
Introspektion [...spek'tßjo:n], die; -. -en [zu lat. intröspectus
= das Hineinsehen] (Psych.): die nach innen, auf das eigene
Bewußtsein, die innerseelischen Vorgänge gerichtete
Beobachtung; Selbstbeobachtung; introspektiv [...sp8k'ti:f] <AdJ.;
o. Steig.) (Psych.): in sich hineinschauend, hineinhörend;
nach innen, der eigenen Innenwelt zugewendet; Introversion,
die; -, -en [geb. von dem schweizer. Psychoanalytiker C.
G. Jung (1875-1961) zu lat. intröversus, aus: intrö (t intro-.
Intro-) u. versus (2. Part, von: vertere). t introvertiert]
(Psych.): psychische Grundhaltung, bei der die seelischen
Kräfte auf die eigene Innenwelt gerichtet sind (Ggs.:
Extraversion); introvertiert [...ver'ti^t] <Adj.; -er. -este) [zu
tintro-, Intro- u. lat. vertere = drehen, wenden] (Psych.):
auf das eigene Seelenleben gerichtet, nach innen gekehrt;
verschlossen (Ggs.; extra vertiert): ein -er Mensch; <Abl.:>
Introvertkrtheit. die; -.
Intruder [in'tru:dB], der; -s. -[s] [engl, in truder. zu: to intru-
de= (gewaltsam) eindringen] (Milit.): militärisches Schutz-
u. Aufklärungsflugzeug, speziell im Schnellwarndienst zur
Unterstützung von Flugzeugträgern; intrudieren [intru-
'di:ran] <sw. V.; hat) [spätlat. intrudere = hineindrängen]
(Geol.): (von Schmelzen) in Gestein eindringen; Intmsion
[mtru'4o:n], die; -. -en [mlat. intrusio = Einschließung]
(Geol.): Vorgang, bei dem Magma zwischen die Gesteine
der Erdkruste eindringt u. erstarrt; intrusiv [mtru'zi.fl <Adj.;
o. Steig.) (Geol.): durch Intmsion entstanden; <Zus.:> Intru-
sivgestein, das (Geol.): in der Erdkruste erstarrtes Magma;
Tiefengestein.
Intubation [intuba'tßio.n]. die; -. -en [aus lat. in- = hinein-
u. tubus = Röhre] (Med.): das Einführen eines Rohrs
vom Mund aus in den Kehlkopf bei drohender
Erstickungsgefahr, zum Einbringen von Medikamenten in die Luftwege
od. zu Narkosezwecken; intubieren [...'bi:ran] <sw. V.; hat)
(Med.): eine Intubation vornehmen.
Intuition [intyi't$io:n], die; -. -en [mlat. intuitio =
unmittelbare Anschauung, zu lat. in tuen = ansehen, betrachten]:
a) das unmittelbare, nicht diskursive, nicht auf Reflexion
beruhende Erketmen. Erfassen eines Sachverhalts od. eines
komplizierten Vorgangs: sich auf seine I. verlassen; er
besitzt eine geniale I.; b) Eingebung; [plötzliches] ahnendes
Erfassen: die dichterische I.; auf eine I. warten; Intuitionjs-
mus [...Lßio'nismos], der; - [engl, intuitionism; gepr. von
dem schott. Philosophen Th. Reid (1710-1796)]: 1. (Phi-
los.) Lehre von der Intuition als wichtigster u. sicherster
Erkenntnisquelle. 2. (Math.) innerhalb der mathematischen
Grundlagenforschung vertretene Lehre, daß die Gesamtheit
der natürlichen Zahlen intuitiv u. unableitbar gegeben sei
u. daß sich die Gesamtheit der reellen Zahlen arithmetisch
nicht bilden lasse; lntuitioQist [...'nistl. der. -en. -en [engl.
Intuitionist]: Vertreter des Intuitionismus; intuitionjstisdi
<Adj.; o. Steig.) [engl, intuitionistic]: den Intuitionismus
betreffend, auf ihm beruixend; intuitiv [intyi'ti:fl <Adj.; o.
Steig.): a) auf Intuition (a) beruhend (Ggs.: diskursiv): -es
Erfassen; einen Zusammenhang i. erkennen; b) mit Intuition
(b): ein -er Künstler; er hat eine -e Art zu fotografieren.
1359
Intumeszenz
Infumeszenz [lntumes'tßEn^]. die; -. -en [zu lat. intumescere
= anschwellen) (Med.): Anschwellung-
intus ['intus; lat. intus = innen, inwendig] nur in den
Verbindungen etw. i. haben (ugs.: I. etw. begriffen, verstanden
haben: sich fest eingeprägt haben: hast du die Regel jetzt
endlich i.? 2. etw. gegessen od. getrunken haben: ich habe
eine ganze Schüssel Salat i.; er hatte schon mehrere
Schnäpse i.); einen i. haben (ugs.; angetrunken, beschwipst sein):
ich hatte an diesem Abend einen i.; Intuskrustation
[...krusta'lßioin]. die; -. -en [2. Bestandteil zu lat. crustätus.
2. Part, von: crustäre = mit einer Kruste überziehen]
(Geol.): Fossilisation toter Organismen durch Ausfüllen mit
mineralischen Stoffen: Intussuszeption, die: -. -en: 1. (Biol.)
besondere Form des Pflanzenwachstums durch Einlagerung
neuer Substanzen zwischen schon vorhandene Strukturen.
2. svw. t Invagination (I).
Inub ['i:nula], die; -. ...lae [...le:; lat. inula]: svw. fAlant;
<Abl.:> Inulin [inu'll:n], das; -s (Med.): aus bestimmten
Pflanzenknollen (z.B. den Wurzeln von Alant. Löwenzahn
u. Dahlie) gewonnenes Kohlehydrat, das als Diätzucker
für Zuckerkranke verwendet wird.
Inundation [in|unda'tßio:n]. die; -. -en [lat. inundätio =
Überschwemmung] (Geogr.): völlige Überflutung großer
Festlandmassen durch das Meer od. einen Fluß: <Zus.:>
Inundationsgebiet,das (Geogr.): häufiger Überschwemmung
ausgesetzte Landfläche an einem Flußlauf: inundieren
[...'di:ran] <sw. V.; hat) [lat. inundäre, zu: unda = Welle]
(veraltet): überschwenunen.
Inunktion [in|unk'tßio:n], die; -. -en [lat. inünctio] (Med.):
( von Arzneimitteln in flüssiger od. Salbenform) Einreibung-
in usum Delphini: tad usum Delphini: Basiles oft ruchlose
Spaße sind nicht in u. D. geschrieben (Lüthi. Es 18).
invadieren [inva'di.ren] <sw. V.; hat) [lat. invadere] (selten):
in fremdes Gebiet, in ein Land o. ä. einfallen: Die Wikinger,
die ab 795 die Insel invadierten, wurden friedliche Siedler
und assimilierten sich vollkommen (MM 14. 1. 69, 3).
Invagination [mvagina'&io'.n]. die; -, -en [zu lat. in- = hinein-
u. t Vagina] (Med.): 1. Einstülpung eines Darmabschnitts
in einen anderen (als Ursache von Darm verschluß im
Kindesalter). 2. (in der Keimesentwicklung) Einstülpungsvorgang
mit Ausbildung der dorsalen u. der ventralen Urmund-
lippe.
invalid [mva'lkt], (präd. häufig:) invalide [...i:dd] <Adj.; o.
Steig.; nichtadv.)[frz. invalide < lat. invalidus = schwach,
krank]: (infolge einer Verwundung, eines Unfalls, einer
Krankheit o. ä.) [dauernd] arbeits-. dienst-, erwerbsunfähig,
nicht zu etw. tüchtig: ein invalider Soldat; wie wenn Sie
damit Ihren invaliden Ehemann ernährten (Musll. Mann
1474); er ist seit langen Jahren invalide; jmdn. invalide
schlagen (ugs.; bei einer Schlägerei schwer verletzen): Die
wachsende Anzahl der... Hühneraugen machte sie invalide
(scherzh.; gehunfähig: Fussenegger, Haus 286); Invalida-
tion [...lida'tsio:nl. die; -. -en [frz. invalidation] (veraltet):
Ungültigmachung: invalide: t invalid; Invalide, der; -n. -n:
(infolge von Unfall. Verwundung. Krankheit o.a.)
[dauernd] Arbeits-. Dienst-. Erwerbsunfähiger: [im Krieg]
I. werden; er ist schon mit vierzig Jahren I.; in dem Heim
waren hauptsächlich -n untergebracht.
Invaliden-: ^heim, das: Heim (2 a) für bedürftige Invaliden:
-marke, die (früher): Marke für Beiträge zur
Invalidenversicherung: -refite, die (früher, noch in der Schweiz): Rente
aus der Invalidenversicherung: ^Versicherung, die (früher,
noch in der Schweiz): staatliche Sozialversicherung gegen
die Folgen der Invalidität.
invalidieren [invali'di:ren] <sw. V.; hat) (veraltet): ungültig
machen: Invalidin, die; -. -nen: w. Form zu t Invalide: Sie
sei... durch die Bisse zur I. für ihr ganzes Leben geworden
(Leonhard. Revolution 25); invalidisieren [...di'zi:ren] <sw.
V.; hat) (selten): für invalide erklären: Invalidität [...dit£:t],
die; -: (dauernde] erhebliche Beeinträchtigung der Arbeits-.
Dienst-. Erwerbsfahigkeit.
Invar© ['invar], das; -s [engl, invar, gek. aus: invariable
= unveränderbar] (Chemie, Metallurgie): Eisen-Nickel-
Legierung mit sehr geringer Wärmeausdehnung u. hohem
elektrischem Widerstand, die bes. zur Herstellung
unempfindlicher Meßgeräte verwendet wird.
invariabel [auch: —'—] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [aus
t in-. In- u. t variabel]: sich nicht verändern lassend:
Einwirkungen. Einflüssen o.a. gegenüber unveränderlich (Ggs.:
variabel): eine invariable mathematische Größe; eine
invariable Erdschicht (Geol.; Erdschicht, in der sich die
Temperaturschwankungen der Erdoberfläche nicht m$hr
auswirken): {nvariant [auch: --'-] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.)
[aus tin-. In- u. tvariant] (bildungsspr.): bei veränderten
Bedingungen unverändert bleibend (Ggs.: variant): ein -er
Begriff; -e Merkmale; <subst.:> Invariante, die; -. -en:
(mathematische, physikalische] Größe, die sich bei gewissen
Umfornmngen od. veränderten Bedingungen nicht verändert
(Ggs.: Variante): die I. ändert sich nicht bei der
Koordinatentransformation; <Zus.:) Invartyntentheorie, die <o. PI.):
mathematische Theorie, die die [geometrischen] Größen
untersucht, die bei einzelnen Transformationen unverändert
bleiben: Invarianz [auch: - -'-]. die; -: Unveränderlichkeit
(z. B. von Größen in der Mathematik).
fnvarstahl <g)[invar-]. der; -[e]s: fInvar.
Invasion [inva'4o:n], die: -. -en [frz. invasion < spätlat.
inväsio = das Eindringen, Angriff, zu lat. invadere. t
invadieren]: I. feindliches Einrücken von militärischen Einheiten
in fremdes Gebiet: Einfall: die 1. der Verbündeten; eine
I. planen, durchfuhren; eine I. der Insel durch die Türkei
(Welt 18. 3. 64. 1); Ü (scherzh.:) eine I. von Touristen,
von Marienkäfern: vgl. Evasion. 2. (Med.) das Eindringen
von Krankheitserregern in die Blutbahn: <Zus. zu 1:>
Invasionskrieg« der: Krieg durch eine Invasion: invasiv [...'zi:fl
<Adj.; o.Steig.) (Med.): (von Krebszellen) in das umgebende
Bindegewebe hineinwachsend, eindringend: Die Kenntnis
der Mechanismen des -en Wachstums und der
Metastasierung bösartiger Geschwülste (Deutsche Literaturzeitung
3. 1972, Sp. 269); Invasor [inva:zor, auch: ...zo:g], der;
-s, -en [...va'zo.ran] <meist PI.) [spätlat. Invasor]: Eroberer,
eindringender Feind: ... daß die Berliner Mauer ... kein
Schutzwall gegen -en ist (Welt 31. 7. 75. 1).
Invektive [mvek'ti.va], die; -. -n [mlat. invectiva, subst. Fem.
von spätlat. invectlvus ff schmähend] (bildungsspr.):
mündliche od. schriftliche Äußerung von absichtlich
beleidigendem Charakter: eine 1. gegen jmdn. loslassen; sich in
-n gegen jmdn., gegen Presse und Kritik ergehen; sich
gegen jmds. -n zur Wehr setzen.
invenit [in've:mt; lat. = hat (es) erfunden; 3. Pers. Sg.
Perf. von: invenire = (er)flnden]: (auf graphischen Blättern
vor dem Namen des Künstlers, der die Originalzeichnung
schuf) original gezeichnet von .... Abk.: inv.; Inventar
[mven'ta:?]. das; -s, -e [lat. inventärium, zu: invenire =
auf etw. kommen; vorfinden; erwerben]: a) Gesamtheit
der zu einem Betrieb. Unternehmen. Haus. Hofo. ä.
gehörenden Einrichtungsgegenstände u. Vermögenswerte
(einschließlich der Schulden): das I. eines Geschäfts, eines
Hauses, eines Bahnhofs; totes I. (Gegenstände. Mobiliar
o.a.): lebendes I. ( Vieh): Ü (scherzh.:) dieser Mitarbeiter
gehört schon zum lebenden I. der Firma; b) Verzeichnis
des Besitzstandes eines Unternehmens. Betriebes. Hauses
I das neben der Bilanz jährlich zu erstellen ist]: ein I.
aufstellen, erstellen; c) Verzeichnis der Vermögensgegenstände u.
Verbhidlichkeiten aus einem Nachlaß.
Inventar-: ^aufnähme» die: Bestandsaufnahme des Inventars
(a>; ^frist, die: Frist für das Einreichen eines Inventars
(c) beim Nachlaßgericht, wodurch der Erbe nicht
unbeschränkt für die Nachlaßverbindlichkeiten zu haften braucht:
M>bjekt, das: in einem Inventar (b, c) registrierter
Gegenstand od. Wert: -stück, das: in einem Inventar (b. c)
registrierter Gegenstand: ^Versicherung, die: Versicherung des
Inventars (a) eines Betriebes: ^Verzeichnis, das.
Inventarisation [inventariza'tßio:n], die; -. -en:
Bestandsaufnahme des Inventars: Inventarisator [...'za:tor, auch: ...to:g].
der; -s. -en [...za'to:ran]: jmd.. der mit einer Inventarisation
betraut /sr* inventarisierten [...'zi:r3n]<sw. V.;hat):
einInventar (a), den Bestand von etw. aufnehmen: einen Betrieb,
eine Sammlung, jmds. Nachlaß i.; <Abl.:) Inventarisierung.
die; -. -en: das Inventarisieren: Inventärium [...'ta:iiuml.
das; -s. ...ien l...pn] (veraltet): svw. t Inventar; inventieren
[...'ti:r»n] <sw. V.; hat) [frz. inventer. zu: invention <
lat. inventio, t Invention] (veraltet): I. erfinden. 2. von erw.
Bestandsaufnahme machen: Invention [...'tsio:n], die; -• -en
[lat. inventio = das Auffinden. Erfindung]: 1. (veraltet)
Erfindung: Denn viele Techniken und -en anderer wurden
von ihm (= Frisch) domestizierter ... benutzt (Deschner,
Talente 142). 2. (Musik) durch eine besondere Art der
musikalischen Erfindung gekennzeichnetes kleines / Klavier]-
stück in kontrapunktisch imitierendem Satzbau mit nur
einem Thema (z. B. J. S. Bachs zwei- u. dreistimmige Inven-
1360
Investment-
tionen); Inventar [m'venDr, auch: ...to:?J, der; -s, -en
[...'to.ran; lat. inventor]: Erfinder. Urheber; Inventur
[mvEn'tu:?!, die; -. -en [mlat. inventura]: Bestandsaufnahme
der Vermögensteile u. Schulden eines Unternehmens durch
Zählen. Messen. Wiegen o. ä. anläßlich der Erstellung einer
Bilanz: I. machen; unser Geschäft ist am 2. I. wegen
1. geschlossen; Ü Also los. Sie alter Versteckspieler -
machen wir doch mal I. (sehen wir uns alles einmal im einzelnen
an; Kirst. 08/15. 765).
Inventur-: ^ausverkauft der: Räumungsverkauf zu
herabgesetzten Preisen nach der Inventur; allste, die: svw. t Inventar
(b); -verkauf, der: svw. ? ^ausverkauf.
in verba magistri [in verba magistri; lat. in verba magistri
iüräre = aufdie Worte des Meisters schwören; nach Horaz,
Briefe I. 1.11 (bildungsspr.): in des Meisters. Lehrers
Worten; eines anderen Meinung nachsprechend.
invers [invers! <Adj.; o. Steig.; nicht adv.> [lat inversus.
2. Part, von: invertere, linvertieren] (bildungsspr.):
umgekehrt: Indessen ist der Orient kein lebloses Objekt. Deshalb
soll hiereinmal die -e Operation versucht werden
(Wirkendes Wort 3. 1968. 185); die -e Funktion (Math.; durch
Vertauschung der unabhängigen u. der abhängigen Variablen
gewonnene Umkehrfunktion der ursprünglichen Funktion);
Inversion [inv£r'zio:n], die; -. -en [lat. inversio =
Umkehrung, Umsetzung (der Wörter)]: 1. (Sprachw.) Umkehrung
der üblichen Wortstellung Subjekt- Prädikat in die Stellung
Prädikat-Subjekt (z. B. das Kind lachte; sofort lachte das
Kind). 2. (Chemie) a) Darstellung von Kaliumnitrat aus
einem Lösungsgemisch von Natriumnitrat u. Kaliumchlorid;
b) Umwandlung von Rohrzucker in ein Gemisch aus
Traubenzucker u. Fruchtzucker, wobei die Ebene polarisierten Lichts
gedreht wird. 3. (Math.) Berechnung der inversen Funktion.
4. (Med.)a) Umkehrung des Geschlechtstriebs:
Homosexualität, die seinerzeit von Freud als I. bezeichnet wurde
(Studium 5, 1966. 315); b) Umlagerung od. Umstülpung
eines Organs (z. B. der Eingeweide od. der Gebärmutter).
5. (Biol.) Form der Chromosomenmutation, bei der sich
ein herausgebrochenes Teilstück unter Drehung um 180°
wieder an der bisherigen Stelle einfügt. 6. (Geol.) durch
unterschiedliche Widerstandsfähigkeit der Gesteine hervor-
gerufene Nichtübereinstimmung von tektonischem Bau u.
Landschaftsbild(z. B. erscheint eine geologische
Grabenzone landschaftlich als Erhebung); Reliefumkehr. 7. (Met.)
Temperaturumkehr an einer Sperrschicht, an der die
normalerweise mit der Höhe abnehmende Temperatur sprunghaft
zunimmt: die als ..Inversion" bekannte Wetterlage, bei
der wärmere Luftschichten in der Höhe den Abzug der
Abgase verhindern (MM 8.8.70.1). 8. (Musik) Umkehrung
der Notenfolge der Intervalle; Invertase [...'ta.zal, die; -
[zu T Inversion (2 b); bei der ehem. Reaktion findet eine
Umkehrung der Drehungsrichtung der Polarisationsebene
des Lichtes von rechts nach links statt]: svw. f Saccharase.
Invertebrat [...te'bra:t). der; -en. -en (meist Pl.> [aus tin-.
In- u. f Vertebratl: svw. lEvertebrat.
Inverter [in'vertB], der; -s, - [engl, inverter]: Sprachumwand-
lungsgerät zur Wahrung des Fernsprechgeheimnisses auf
Funkverbindungen; invertieren [mver'ti:ran] <sw. V.; hat)
llat. invertere = umwenden, umkehren]: umkehren,
umstellen, eine Inversion vornehmen; <2. Part.:) invertiert <Adj.;
o. Steig.; nicht adv.>: a) (Fachspr.) umgekehrt; b) (Med.)
zum eigenen Geschlecht hin empfindend: eine hormonale
Verursachung homosexuellen und -en Verhaltens (Studium
5. 1966. 281); <subst.:> Invertkrte, der; -n. -n <Dekl. t Ab-
geordneie): jmd.. der zur Inversion (4 a) neigt: das
Verzweiflungsvolle jener Gebärde, mit der der I. auf der Straße
einen jungen Mann anspricht (Genet [Übers.]. Tagebuch
47); Invertin [...ti:n). das; -s [vgl. Invertase]: svw. t
Saccharase; Invertzucker, der; -s: das bei der Inversion (2 b)
entstehende Gemisch aus Traubenzucker u. Fruchtzucker (z. B.
im Bienenhonig).
investieren [inves'ti:ran] <sw. V.; hat) [lat. investlre =
einkleiden]: l.a) Kapital langfristig in Sachgütern anlegen:
Geld falsch, sinnvoll, nutzbringend i.; sein Kapital in ein/
einem Unternehmen, in ein Projekt L; die privaten
Unternehmer investieren zu zaghaft; die investierten Beträge
müssen sich rentieren; b) aufjmdn.. etw. (in reichem Maße]
verwenden: in etw. seine ganze Kraft, viel Zeit i.; einige
tausend Mark in seine Wohnung i.; in jmdn. sein Gefühl,
seine Liebe i.; Sie können nicht einen Mann umbringen,
in den wir soviel investiert haben (M. Walser. Eiche 57).
2. (bildungsspr.) mit den Zeichen der Amtswürde bekleiden,
feierlich in ein [geistliches] Amt einsetzen, einfuhren;
Pfarrer ... Spinner, der ... am 21. Juni in Bad Langenbrücken
investiert wurde (MM 4. 11. 70. 10); <Abl.:> Investierung,
die; -. -en: das Investieren (1).
Investition [investiga't$jp:n]. die; -. -en [lat. investigätio]
(selten): Untersuchung. Nachforschung; Investigator
[...'ga.tDr, auch: ...to:g]. der; -s. -en [...ga'to.ren; lat. inve-
stfgätor] (selten): jmd.. der Nachforschungen anstellt: ein
tüchtiger Mann, gewiß.... ein raffinierter I. (Kirst, 08/15,
672); investieren [...'gi:ren] <sw. V.; hat) [lat. investlgäre]
(selten): bei jmdm. Nachforschungen über etw. anstellen;
ausforschen, ausfragen, befragen:... daß wir... noch einmal
... von ClC-Ofllzieren investigiert wurden (Kantorowicz,
Tagebuch I. 307).
Investition [investi't$io:n], die; -. -en [zu t investieren]: 1.
langfristige Anlage von Kapital in Sachgütern (z. B. zum
Ersatz od. zur Erweiterung von Produktionsmitteln):
private, staatliche -en; steigende, geringere -en gegenüber
denen im Vorjahr; -en in Höhe von 1 Milliarde DM;
-en vornehmen. 2. Aufwendung. Geldausgabe: Da die ...
Küche direkt mit dem Wohnbereich ... verbunden ist,
war die Anschaffung des Wrasenabzuges eine gute I.
(Wohnfibel 24).
Investition»- (Wirtsch.): -bank, die: Bank, die
Investitionskredite gewährt; -bereitsdiaft.die: eine steigende, sinkende
I.; -«Wer <P1.>: Gelder für Investitionen; -guter <PI.>:
Güter, die der Produktion dienen (z. B. Maschinen,
Fahrzeuge. Werkhallen), dazu: -güterindustrie, die; -haushält, der:
staatliche Geldmittel für Investitionen: dem I. im Parlament
zustimmen; -hilfe, die: Hilfsmaßnahme. Beitrag zur Dek-
kung von Investitionen in bestimmten Bereichen der
Wirtschaft; -kapital, das; -kosten <P1.>: Kosten für eine
bestimmte Investition (2): hohe, niedrige I.; -kraft, die <P1.
selten): die I. der Gemeinden, der Länder; -kredit, der;
-lenkung, die; -mittel <P1.>: Die Vertriebsform der Miete
von... -n ... beginnt jetzt auch in Deutschland Nachahmer
zu finden (Welt 11. 11. 61. 9); -Planung, die: Planung
von Investitionen u. ihrer Durchführung; -prämie, die: Zur
Förderung der Industrieansiedlung wird ... eine I....
eingerührt (Bundestag 188. 1968. 10179); -Programm, das: in
einem Programm zusammengefaßte Investitionsvorhaben:
ein mehrjähriges, staatliches I.; -rate, die; -spritze, die
(ugs.): Investition! enj zur Stützung der Wirtschaft;
^summe, die; -tätigkeit, die <o. Pl.>: wirtschaftliche Aktivität
durch Investitionen: eine starke, minimale [privatel I.;
-träger, der: Unternehmen od. staatliche Institution, die
Investitionen durchfuhrt; -volumen, das.
Investitur [mvEstitu:?]. die; -. -en [mlat. investitura =
Einsetzung in ein Amt. eigtl. = Einkleidung, zu lat. investlre.
f investieren!: 1. Einweisung. Einsetzung in ein /geistliches/
Amt: die I. des Pfarrers in der katholischen Kirche; die
I. eines Universitätsrektors; Ü Mao Tse-Tung. der ... die
Kontrolle der KP Chinas ohne Stalins I. erlangte (Fraen-
kel, Staat 52). 2. (im Mittelalter) feierliche Belehnung mit
dem Bischofsamt durch den König. 3. (im älteren deutschen
Recht) abschließender Akt der Eigentumsübertragung. 4.
(in Frankreich) Bestätigung des Ministerpräsidenten durch
die Nationalversammlung; investiv [inves'ti:fl <Adj.; o.
Steig.) [zu t investieren! (Wirtsch.): für Investitionen, zur
produktiven Verwendung bestimmt: -e Ausgaben, Anlagen;
<Zus.:> Investjvlohn, der: Lohnanteil. der nicht dem Konsum
zufließt, sondern zunächst zwangsweise investiv verwendet
wird; Investment [investmdnt], das; -s. -s [engl, investment.
zu: to invest = (Kapital) anlegen; vgl. investieren]: a)
(Bankw.) Kapitalanlage in Investmentzertifikaten; b) svw.
t Investition (1): das sind die Bücher, die dem Verleger
ein enormes I. abnötigen (Spiegel 16. 1967. 152).
Investment-(Bankw.): -bank.die: vgl. -gesellschaft; -fonds,
der: Sondervermögen einer Kapitalanlagegesellschaft, das
in Wertpapieren od. Grundstücken angelegt wird; -geschäft,
das: Beschaffung u. Anlage des Fondskapitals durch eine
Investmentgesellschaft; -gesellschaft, die:
Kapitalanlagegesellschaft, die durch den Verkauf kleingestückelter
Zertifikate Mittel sammelt, die sie für gemeinschaftliche Rechnung
der Anteilseigner nach dem Grundsatz der Risikoverteilung
in Wertpapieren (aus Aktien verschiedener Unternehmen)
anlegt u. als Sondervermögen verwaltet; -papier, das: svw.
t ^Zertifikat; -schein, der: svw. t ^Zertifikat; -sparen, das;
-s: Geldanlage in Investmentzertifikaten, dazu: -Sparer, der;
86 GDW
1361
Investor
-trust, der: svw. f ^gesellschaft; -Zertifikat, das: Schein
über einen Anteil am Vermögen eines Investmentfonds.
Investor [in'vEstor, auch: ...to:?]. der; -s. -en [...to:ren]
(Wirtsch.): jmd.. der investiert. Kapital anlegt: die -en halten
sich zur Zeit zurück.
Investträger, der. -s. - (DDR): Träger einer Investition (1):
der Rat der Stadt als I. (Volk 2. 7. 64. 7); Inv^stvorhaben,
das; -s, - (DDR): Vorhaben, Investitionen vorzunehmen:
die Fertigstellung eines -s (Neues D. 19. 6. 64, 7).
Inveteration [invetera't$io:n], die; -, -en [zu t inveterieren)
(Jur. veraltet): Verjährung; inveterieren [...'ri:ren] <sw. V.;
ist) [lat. inveteräre = veralten (lassen)] (jur. veraltet):
verjähren: Ü Wenn auch Setzungen der Phantasietätigkeit,
wie Tabus und Symbole aller Art. i. können (A. Mitscher-
lich. Krankheit als Konflikt, 1969. 148).
in vino veritas [in vi:no 've:ritas; lat.] (bildungsspr.): im
Wein (ist. liegt) Wahrheit.
jnvisibel [auch: --'--] <Adj.; o. Steig.) [lat. invfsibilis]
(bildungsspr. selten): unsichtbar (Ggs.: visibel): ein fast invisi-
bler Punkt; diese Erscheinung ist für das bloße Auge i.
Imitation[mvita'&o.n],die; -. -en [lat. invitatio, zu: invftäre.
tinvitierenl (bildungsspr. selten): Einladung: meine Freude
über die unverhoffte I. (Habe. Namen 46); Invitatorium
[...to:rium], das; -s. ...len I...jpn; kirchenlat. invitatorium.
zu lat. invitätorlus = die Einladung betreffend. Einla-
dungs-] (kath. Liturgie): Einleitungsgesang der Matutin mit
der Aufforderung zum Gebet (95. Psalm); imitieren
[...'ti:ran] <sw. V.; hat) [lat. invltäre] (bildungsspr. selten):
1. einladen, zu Gast bitten. 2. ersuchen.
in vitro [m vi.tro; lat. = im GlasJ (Fachspr.): (von
wissenschaftlichen Versuchen) im Reagenzglas [durchgeführt]:
Befruchtung von Mäuseeiern in v. (Börsenblatt 58. 1969.
4333); <Zus.:) In-vitro-Versuch, der.
in vivo [in vi:vo; lat. = im Leben] (Fachspr.): (von
biologischen Vorgängen od. wissenschaftlichen Versuchen) am
lebenden Objekt /beobachtetod. durchgeführt]; <Zus.:> In-vi-
vo-Versuch, der.
Invokation [invoka'tßio:n]. die; -. -en [lat. invocätio]
(bildungsspr.): Anrufung Gottes, der Götter, einer Gottheit,
der Heiligen od. der Musen (bes. als Eingangsformel bei
Urkunden u. im Eingang od. an herausgehobenen Stellen
eines dichterischen Werkes): Ü tritt George in so
bestimmten Gegensatz zu Klages. wie er diesem durch die
neuheidnische I. der Erde ähnlich bleibt (Adomo. Prismen 210);
Invokavit [invo'ka.vit] <o. Art.; indekl.) [lat. invocävit =
er rief (mich) an (nach dem ersten Wort des Eingangsverses
der Liturgie des Sonntags. Ps. 91. 15)] (ev. Kirche): der
erste Sonntag in der Passionszeit: das Evangelium, die
Epistel für den Sonntag I.
Involution [mvolu't$io:n], die; -. -en [lat. involütio = die
Windung; Gewinde; zu: involvere, t involvieren]: I. (Math.)
Darstellung des Verhältnisses zwischen Punkten. Geraden
od. Ebenen in der projektiven Geometrie. 2. (Med.) normale
Rückbildung eines Organs (z. B. der Gebärmutter nach der
Entbindung) od. des ganzen Organismus (als
Alterungsvorgang). 3. (Soziol.) a) Verfall eines sozialen Organismus;
b) Rückentwicklung demokratischer Systeme u. Formen in
vor- od. antidemokratische; involvieren [mvDl'vi.ran] <sw.
V.; hat) [lat. involvere = hineinwälzen; einwickeln]
(bildungsspr): mit in sich begreifen, einschließen: Diese
Einsicht involviert Verantwortungen ungeheurer Art (K.
Mann, Wendepunkt 382); Unter den dreiundflinfzig
Versen der .Ausfahrt" involvieren (enthalten, beinhalten)
diese drei als einzige wenigstens ein Quentlein Poesie
(Deschner. Talente 81); dieses Vorgehen involviert
(schließt ein. bringt mit sich), daß ...; vgl. evolvieren.
jnwärts <Adv.) [mhd. inwertes, t-wärts] (veraltet): [nach]
innen, inwendig. Vgl. einwärts.
inwendig <AdJ.; o. Steig.) [mhd. in(ne)wendic]: sich auf der
Innenseite, im Innern befindend; innen: eine -e Tasche; die
Frucht war i. faul; Bücher.... die i. so zauberhaft aussahen
wie Imma Spoelmanns Kollegheft (Th. Mann. Hoheit 197);
Ü der -e Mensch; -e Erlebnisse; die Bemühung ... forderte
seine ganze -e Aufmerksamkeit und Kraft (Jahnn.
Geschichten 98); Sieht kräftig aus. aber i. ist sie zart (Chr.
Wolf, Nachdenken 39); *etw., jmdn. in- und auswendig
kennen (ugs.; etw.. jmdn. gründlich, zur Genüge kennen).
inwiefern <Adv.): aufweiche Weise (zustandegekommen),
in welcher Hinsicht, wieso [überhaupt]: a) als Einleitung
eines Fragesatzes: i. hat sich die Lage geändert?; b) als
1362
*
Einleitung eines indirekten Fragesatzes: es sollte ermittelt
werden, i. sie verantwortlich zu machen seien; Inwiefern
das Frau Tobler tut. wird es sich zeigen? (R. Walser.
Gehülfe 71).
inwieweit <Adv.>: bis zu welchem Grad, in welchem Maß:
a) als Einleitung eines Fragesatzes: i. läßt sich ihre Situation
verbessern?: b) als Einleitung eines indirekten Fragesatzes:
es steht in ihrem Belieben, i. sie sich durch diese
Empfehlungen leiten lassen; Während ich mich schnell entscheiden
muß. i. oder ob überhaupt der Nouveau roman mich
beeinflußt hat (Wohmann. Absicht 245).
Inwohner ['invo:n*]. der; -s. - [mhd. in(ne)woner]: a)
(veraltet) Bewohner: auf den Korridoren wies Joachim auf diese
und jene Tür und nannte die Namen der I. (Th. Mann,
Zauberberg 62); b) (österr.) Mieter; Inwohnerin, die; -.
-nen [mhd. inwonerinne]: w. Form zu t Inwohner.
Inzghkmgnahme [...na:md]. die; -. -en <P1. selten) (Kauf-
mannsspr.): das Inzahlungnehmen: ein neues Auto bei I.
des alten kaufen.
Inzens [in'tßens], der; -es. -e od. die; -. -ationen [...nza*
t$io:n3n]. Inzensatlon, die; -. -en [zu spätlat. incensum
= Räucherwerk. Weihrauch] ([kath.] Rel.): kultische Be-
räucherung von Personen u. Sachen mit Weihrauch bes.
in der katholischen Liturgie; inzensieren [,..'zi:ran] <sw. V.;
hat) [mlat. incensare] ([kath.] Rel.): mit Weihrauch
beräuchern; Inzensorium [...'zo.iium]. das; -s. ...ien [...pn; mlat.
incensorium] (veraltet): Räucherfaß. -gefäß.
Inzentiv [m£en'ti:fl, das: -s. -e [...i:va; spätlat. incentlvum
= Reizmittel] (veraltend): Anreiz. Ansporn:... als ob
Gesinnungen, wie die des Verfassers, ein I. zu irgendeiner
Assimilation (= der Juden) sein können (FAZ 18. 10. 61, 30).
Inzest [in'tßest]. der; -[eis. -e [lat. incestum] (bildungsspr.):
a) svw. t Blutschande (a): ein I. zwischen Vater und Tochter,
Mutter und Sohn. Bruder und Schwester; [einen] I.
begehen; das Verbot des -s; das Motiv des -s in der antiken
Tragödie; b) Inzucht in strengster Form bei Tieren: die
( = die Inzucht bei der Züchtung des Leicesterschafes) hier
... als I. ... generationenlang angewandt werden konnte,
ohne daß nachteilige Inzuchtwirkungen auftraten
(Forschungen und Fortschritt 4, 1966, 99); <Zus.:> Inzcsthem-
mung, die: innere Hemmung vor einem Inzest, einer
inzestuösen Handlung; Inz$sttabu, das: Verbot sexueller
Beziehungen zwischen engen Blutsverwandten; <Abl.:>
inzestuös [...tu0:s] <Adj.; o. Steig.) [frz. incestueux <
spätlat. incestuösus]: einen Inzest bedeutend od.
daraufhindeutend, in der Art eines Inzests; blutschätuterisch: zwischen
Mutter und Sohn bestand eine -e Bindung; daß alle
anfänglichen Formen menschlicher Sexualbeziehungen -er Natur
gewesen seien (Schelsky. Soziologie 89).
Inzident [m&i'dent] <Adj.; o. Steig.) [frz. ineident, zu lat.
ineidens (Gen.: ineidentis). 1. Part, von: incidere=
begegnen, befallen, eigtl. = auf Jmdn.. etw. fallen] (veraltet):
im Verlauf einer Angelegenheit nebenbei auffallend; zufällig;
<Abl.:) inzklentell [...'teil <Adj.; o. Steig.) [frz. incidentel
= nebensächlich]: überwiegend auf die Details einer Sache
gerichtet: ein -es Interesse; Inzidenz [...'dentsl. die; -. -en
[frz. ineidence] (veraltet): Eintritt (eines Ereignisses).
Vorfall; <Zus.:> Inzidenzfall, der (veraltet): svw. t Zwischenfall;
Inzidpizwinkel, der (Optik): svw. I Einfallswinkel.
inzidieren [mtßi'di:ren] <sw. V.; hat) [lat. incidere =
einschneiden, einen Einschnitt machen] (Med.): einen
operativen Einschnitt in etw. machen, durch einen operativen
Einschnitt öffnen: einen Abszeß i.
inzipient [m&i'pient] <Adj.; o. Steig.) [lat. ineipiens (Gen.:
ineipientis), 1. Part, von: ineipere = beginnen] (Med.):
(von Krankheiten) im Anfangsstadium befindlich.
Inzision [mt$izio:n]. die: -. -en [lat. incisio = Einschnitt:
(Rede)abschnitt, zu: incidere, t inzidieren] (Med.):
operativer Einschnitt, operative Spaltung. Öffnung (z. B. eines
Abszesses): eine I. machen; Inzisiv [...'zi:fl, der; -s, -en [...i:vn],
Inzisivus [...'i:vos], der; -, ...vi [lat. (dens) incislvus] (Zahn-
med.): Schneidezahn; Inzisur[...'zu:B],die; -, -en [lat. inclsü-
ra] (Anat.): Einschnitt. Einbuchtung. Einsenkung an
Knochen u. Organen des menschlichen u. tierischen Körpers.
Inzucht, die; -. -en <PL selten): Fortpflanzung unter nahe
verwandten Lebewesen: in der Tier- und Pflanzenzucht
beschleunigt I. die Bildung erbmäßig reiner Stämme; die
Einwohner des abgelegenen Dorfes waren durch I.
degeneriert; Ü in diesem Kreis herrscht die reinste I. (ugs.; durch
allzu starke Isolierung eine völlig sterile Atmosphäre).
irden
Inzucht- (Fachspr.): Mkgeneration, die: durch Inzucht
verursachte Minderung der Leistung u. Vitalität; Mtepression,
die: svw. T ^degeneration; -grad, der: in der Tierzucht
angewandte Form der Inzucht je nach dem Grad der
Verwandtschaft: Diesen höchsten I. stellt bei Tieren selbst der Inzest
nicht dar (Forschungen und Fortschritte 4, 1966, 101);
Mninimun, das: durch fortlaufende Inzuchtdegeneration
erreichter unterer Grenzwert, über den hinaus keine Leistungs-
u. Vitalitätsminderung mehr auftritt; -schaden, der:
unerwünschte Erbanlage, die durch Inzucht in Erscheinung tritt.
inzwischen <Adv.> [mhd. enzwischen, ahd. in zwisken =
in der Mitte von zweien]: a) gibt an, daß etw. in der
abgelaufenen Zeit geschehen od. ein bestimmter, noch
anhaltender Zustand erreicht ist; unterdessen: i. ist das
Haus fertig geworden; vor einigen Jahren war er ein
überzeugter Pazifist, i. hat er seine Haltung geändert; es geht
ihm i. besser; Paasch» i., hatte nicht aufgehört zu spielen
(Fries, Weg 44); ich kenne euch i. (ugs.; mittlerweile; weiß,
was ich von euch zu halten habe); b) gibt an. daß etw.
gleichzeitig mit etw. anderem geschieht; währenddessen:
ich muß noch arbeiten, du kannst i. einkaufen gehen;
c) gibt an. daß etw. bis zu einem zukünftigen Zeitpunkt
geschieht; bis dahin: die Expedition findet erst in zwei
Jahren statt, i. bereiten sie sich aber schon darauf vor.
Ion Qo:n. auch: 'i:an]. das; -s. -en ['io:nan; engl, ion <
griech, iön = Gehendes. Wanderndes. I. Part. Neutr.
von: idnai = gehen; also eigtl. = wanderndes Teilchen,
wie es sich z. B. bei der elektrochemischen Spaltung
chemischer Verbindungen zu den Elektroden hinbewegt: gepr.
von dem engl. Physiker u. Chemiker M. Faraday (1791 bis
1867)] (Physik. Chemie): elektrisch geladenes Teilchen, das
aus neutralen Atomen od. Molekülen durch Anlagerung od.
Abgabe (Entzug) von Elektronen entsteht: positive,
negative -en; Da sich nun beide -en entlang eines
elektrochemischen Gradienten bewegen (Wieser. Organismen 93).
Ionen-: -austausch, der [engl, ion exchange] (Physik.
Chemie): Austausch positiver od. negativer Ionen einer
Elektrolytlösung gegen entsprechende Menge gleichartiger
Ionen, dazu: -austauschchromatographte, die (Chemie);
-austauscher, der [engl, ion exchanger] (Physik. Chemie):
anorganischer od. organischer Stoff, der aus einer
Elektrolytlösung positive od. negative Ionen aufnehmen u.
dafür eine entsprechende Menge gleichartiger Ionen abgeben
kann (z. B. bei der Wasserenthärtung); ^beschleuniger, der
(Elektronik): Anlage zur Beschleunigung von Ionen mit Hilfe
elektromagnetischer Felder (7), bes. in
Raumflugtriebwerken; -bindung, die (Physik, Chemie): bes. bei Salzen
auftretende, durch elektrische Aufladung bewirkte chemische Bin-
dum. die auf der Elektronenabgabe metallischer Elemente
u. der Elektronenaufnahme nichtmetallischer Elemente
beruht: Durch Abgabe des Elektrons entsteht durch die
sogenannte ..Ionenbindung4* ein Lithium-Fluohd-Molekül
(Haber. Welten 55); -falle, die [engl, ion trap] (Elektronik):
Vorrichtung in der Bildröhre eines Fernsehgeräts, die durch
Auffangen von Ionen vor dem Bildschirm die Zerstörung
der Leuchtsubstanz verhindert; -gitter, das (Chemie): vgl.
Gitter (2); -lawine, die (Physik): sprungartige Vermehrung
der Ionen [bei Eintritt einer selbständigen Gasentladung];
-quelle, die (Physik. Chemie): Vorrichtung, in der durch
Gasentladung Ionenstrahlen erzeugt werden; -reaktion, die
(Chemie): chemische Reaktion, deren Triebkraft durch die
Anwesenheit von Ionen maßgeblich beeinflußt wird;
-Spektrum, das (Elektrot.): svw. T Funkenspektrum; -strahl, der
<meist PI.) (Physik, Chemie): aus [rasch] bewegten Ionen
bestehender Teilchenstrahl; -therapie, die (Med.):
Heilmethode zur Beeinflussung des lonenhaushalts des menschlichen
Körpers, bei der Ionenaustauscher verwendet werden; -trleb-
werk, das (Elektronik): Raumflugtriebwerk, dessen
Antriebskraft durch Ionen erzeugt wird, die durch
Elektronenstoß in einer Gasentladung entstehen; -Wanderung, die
(Physik. Chemie): bei der Elektrolyse Bewegung von Ionen an
eine entgegengesetzt geladene Stelle.
lonicus fio:nikus], der; -. ...ci [...$i]. Ioniker ['io.niku], der;
-s. - [spätlat. iönicus < griech. Iönikös = ionisch]: antiker
Versfuß: lonicus a maiore (lonicus mit meist zwei Längen
u. zwei Kürzen l—UJ); lonicus a minore (Ionikus mit
meist zwei Kürzen u. zwei Längen [^ ^—]).
Ionisation Uoniza't^oin], die; -. -en [engl, lonization, zu:
ionize, I ionisieren] (Physik, Chemie): Versetzung von
Atomen od. Molekülen in elektrisch geladenen Zustand u. damit
Bildung von Ionen durch Anlagerung od. Abspaltung von
Elektronen: Diese ( = doppelt positiv geladene
Heliumatome) haben... in der silbersalzhaltigen Fotoemulsion
mehrere -en bewirkt (Medizin II. 68); <Zus.:> Ionisationskammer,
die: mit Gas gefülltes Gefäß, das die Intensität einer
Strahlung durch die im Gas erzeugten lonenpaare mißt; Ionisator
[...'za:tor. auch: ...to.'g]. der; -s, -en [...za'to:ren] (Physik.
Chemie): Gerät, das Ionisation (z.B. der Luft) bewirkt.
ionisch ['io:ntf] <Adj.; o. Steig.) [lat. Iönicus < griech.
Iönikös. nach dem altgriech. Volksstamm der Ionier]: den
altgriechischen Dialekt u. die Kunst der Ionier betreffend:
-e Säule (altgriechische Säule mit unterteilter Basis,
schlankem, kanneliertem Schaft u. Volutenkapitell unter flacher
Deckplatte); -er Kirchen ton (auf dem Grundton c stehende
Kirchentonart); -er Dimeter (aus zwei Ionici bestehendes
antikes Versmaß).
ionisieren Qoni'zi:ren] <sw. V.; hat) [nach engl, ionize]
(Physik, Chemie): eine Ionisation an etw. bewirken: Aber indem
sie (=Röntgenstrahlen in der hohen Atmosphäre)
absorbiert werden, ionisieren sie die Erdatmosphäre (Kosmos
3.1965.116); mit Neutronen, die zwar nicht direkt
ionisieren, aber im Verlauf ihrer Absorption Ionen erzeugen
(Medizin II. 322); <Abl.:) Ionisierung, die; -. -en; Ionium
['io:nlom], das; -s [zu t Ion]: radioaktives Zerfallsprodukt
des Urans; Zeichen: Io; Ionometer Uono-], das; -s. -
[zu tlon u. f-meter] (Physik. Chemie): Meßgerät zur
Bestimmung der Ionisation eines Gases (meist der Luft), um
Rückschlüsse auf vorhandene Strahlung zu ziehen.
lonon Uono:n]: tJonon.
Ionophorese Uonofore:zd]: t Iontophorese; Ionosphäre, die;
- [zu t Ion u. t Sphäre]: äußerste Hülle der Erdatmosphäre;
Iontophorese Qantofo're:zs], die; -. -n [zu griech. iön (Gen.:
iöntos.T Ion)u. phöresis = das Tragen] (Med.): Einführung
von Ionen mit Hilfe des galvanischen Stroms durch die
Haut in den Körper zu therapeutischen Zwecken (bes. bei
Erkrankungen des Bewegungsapparates, ferner bei Haut-
u. Schleimhautkrankheiten).
I-Position, die; -, -en (Leichtathletik): Körperhaltung beim
Stabhochsprung, bei der bei der Stabstreckung ein Winkel
zwischen Rumpf u. Beinen entsteht u. das Becken so weit
gehoben wird, daß der Körper ganz gestreckt ist.
Ipsation [ipsa'tßio:n], die; -. -en [zu lat. ipse = selbst]:
Selbstbefriedigung. Onanie: Das häufigere Vorkommen der
klitoralen I. (Deutsche Literaturzeitung 8. 1966, Sp. 733);
ipse fecit ['ipsd -; lat. = hat (es) selbst gemacht; vgl.
fecit]: eigenhändig geschaffen von ... (auf Kunstwerken vor
od. hinter der Signatur des Künstlers); Abk.: i. f.; Ipsismus
[i'psismus], der; -. ...men [zu lat. ipse = selbst]: svw.
f Ipsation; ipsissima verba [i'psisima 'verba; lat.]: völlig die
eigenen Worte (einer Person, die sie gesprochen hat); Ipsist
[i'psist]. der; -en. -en: jmd., der sich selbst befriedigt;
Onanist.
ipso facto ['ipso fakto; lat. = durch die Tat selbst] (jur.):
Rechtsformel, die besagt, daß die Folgen einer Tat von
selbst eintreten; ipso jure [- 'ju.re; lat. = durch das Recht
selbst] (Jur.): RechtsformeU die besagt, daß eine bestimmte
rechtliche Wirkung durch das Recht selbst eintritt (ohne
daß dazu eine [zusätzliche] Handlung erforderlich wäre).
I-Punkt Ci:-]. der; -[eis, -e: Punkt auf dem i; bis auf den
I-Punkt (bis ins letzte): bei ihm muß immer alles bis
auf den I-Punkt in Ordnung sein.
IQ [i:'ku:.auch: ai 'kju:]. der; -[s], -[s]: t Intelligenzquotient.
ir-. Ir-[ir-]:tin-, In-.
Irade [i'ra:dd], der od. das; -s. -n [türk. irade < arab.
iräda = Wille, Begehren; Erlaß] (hist.): (der Kabinettsorder
des absoluten Herrschers entsprechender) Erlaß des Sultans.
Iranist [ira'mst], der; -en. -en [nach dem seit 1934 amtlichen
Namen Iran (pers. Iran) für Persien < mpers. Erän =
(Land) der Arier]: Wissenschaftler auf dem Gebiet der
Iranistik; Iranistik, die; -: Wissenschaft, die sich mit der Sprache
u. Kultur des Irans befaßt; Irankunde; Irankunde [i'ra.n-].
die; -: svw. t Iranistik.
Irbis l'irbis], der; -ses. -se [russ. irbis < mong. irbis]: in
den Hochgebirgen Zentralasiens heimischer Schneeleopard.
irden firdn] <AdJ.; o. Steig.; nicht adv.) [mhd.. ahd. irdln.
erdin = aus Erde bestehend; aus gebrannter Erde, aus
Ton gefertigt; zu tErde]: aus gebranntem Ton [gefertigt,
hergestellt]: eine -e Schüssel; ein -es Gefäß; -e Töpfe.
Krüge; Ü Hat der Herr mich silbern gemacht, so kann
er mich i. und arm (weniger wertvoll) machen (Th. Mann,
86*
1363
Irdengeschirr
Joseph 81); <2us.:> Irdengeschirr, das: irdenes Geschirr,
Irdenware, die: svw. t Ton wäre; irdisch ['irdiJl <Adj.; o.
Steig.) Imhd. irdesch, ahd. irdisc, zunächst = irden, unter
Einfluß von kirchenlat. terrestris = von der Erde
stammend, zur Erde gehörend, im Unterschied zu himmlisch]:
1. zum Dasein auf der Welt gehörend: das -e Leben.
Jammertal; -es Glück; die -en Güter; -e (Ggs.: himmlische)
Freuden; Der opernhafte Prunk unterstrich die Hinfälligkeit
dessen, was i. (sterblich, vergänglich) an ihr war (Dorpat,
Ellenbogenspiele 41); i. gesinnt (in seinem Denken auf
die Welt bezogen) sein. 2. <nur attr.) auf der Erde (ab
Planet) befindlich; zur Erde als Planet gehörend: Die
vulkanische Entstehung ... dieser -en Landschaften
(Kosmos 1. 1965, 16); ... konnte der Satellitentreibsatz ...
Sprengköpfe über Distanzen von 7000 Kilometern in -e
Ziele tragen (Spiegel 33. 1966. 71).
Irenik [i're:nikj. die; - [zu griech. eircnikös = den Frieden
betreffend, friedlich]: das Bemühen um eine friedliche
interkonfessionelle Auseinandersetzung mit dem Ziel der
Aussöhnung; iranisch <Adj.) (bildungsspr.): friedliebend,
friedfertig: ein -es Temperament; mit Unklarheiten, sie mögen
-en oder taktischen Motiven entspringen (Börsenblatt 93.
1960).
irgend t'irgnt] <Adv.) [mhd. Ke)rgen(t) = irgend(wo). ahd.
io wergin = Je irgend(wo). zu: (h)wär = wo u. einer
Indefinitpartikel *-gin. mit sekundärem auslautendem d]:
1. zur Verstärkung der Unbestimmtheit vor Jemand,
etwas, so ein. so etwas": i. jemand hatte im Abteil seinen
Schirm vergessen; i. etwas war nicht in Ordnung; (ugs.:)
es ist wieder i. so ein Vertreter vor der Tür; Beihilfe zur
Flucht? Verdunkelungsgefahr? Irgend so etwas (Bobrow-
ski. Mühle 181); Es kam nämlich in diesem Augenblick
Jemand herein, - nicht i. jemand (ein beliebiger
unbekannter, unbedeutender Mensch), es war Lord Kilmarnock von
Nectanhall (Th. Mann, Kmll 254). 2. zur Verstärkung,
häufig in bedingenden Gliedsätzen, die durch ..wenn. wo.
wie. was. wer'* eingeleitet werden; unter irgendwelchen
Umständen, irgendwie: bitte komm, wenn es dir i. möglich
ist; er unterstützte sie. solange er i. konnte; es kann
niemandem. ... der i. bei Verstände ist. entgangen sein (Maass,
GouflfiS 302); er ... hatte ... weder etwas getrunken, noch
i. ausgiebig gegessen (Th. Mann. Krull 248).
jrgend-:-dn <Indefinitpron.): a) ein nicht näher bekannter,
aber doch vorhandener od. notwendiger; ein nicht näher
bestimmbarer: i. sonderbares Gefühl haben; aus -em
Grund; auf -e Weise; wenn Sie i. Anliegen haben; zu
-em [gegebenen] Zeitpunkt; gewiß wird hierfür -e
Einrichtung geschaffen werden müssen; -er wird immer etwas
daran auszusetzen haben; er müßte es besser wissen als
i. anderer (jeder andere); und wie nur i. (wie jeder) Bürger
der europäischen Jahrhundertwende neigte er dazu (Koep-
pen. Rußland 108); b) ein beliebiger: man könnte
genausogut -en anderen [Mitarbeiter] damit beauftragen; sie geben
sich keineswegs mit -em Angebot zufrieden; Er möchte
nicht leben wie -er (wie einer aus der Masse) und nicht
wie ein Besonderer (Bachmann. Erzählungen 103); -einmal
<Adv.>: zu irgendeinem Zeitpunkt einmal: i. könnte es zu
spät sein; wenn ich Ihnen i. helfen kann ...; -wi^iwi <Adv.):
zu irgendeinem Zeitpunkt: i. habe ich es aufgegeben; i.
war er versetzt worden; er hofft, i. [einmal] doch noch
die Genehmigung zu erhalten; Irgendwann um zwei oder
drei... Uhr morgens ... wachte er ... auf (Wolfe [Übers.],
Radical 7); ^w$s <Indefinitpron.) (ugs.): irgend etwas: bei
der Sache ist i. faul; den Kindern i. zum Anziehen schenken;
wenn mal i. war (wenn man Probleme halte), konnte man
zu ihm gehen; ^w^lch <Indefinitpron.): a) irgendwie geartet,
aber nicht näher bezeichnet: gibt es -e Fragen. Vorschläge?;
es besteht kein Anlaß zu -en Befürchtungen; den
Deutschnationalen ohne -es Entgelt Hilfsdienste zu leisten (Nie-
kisch. Leben 213); (selten:) i. furchtbares Unglück soll
passiert sein; b) beliebig, nicht von besonderer Art: er gab
sich nicht mit -en Zigaretten zufrieden, sondern rauchte
eine ganz bestimmte Marke; natürlich nicht -e
Hungerleider wie Jordanien, sondern eines der großen ölproduzieren-
den Länder (Dönhoff. Ära 169); ^wer (Indefinitpron.)
(ugs.): a) irgendeiner, irgendjemand: i. gab heute ein
Orgelkonzert in der Universitätskirche; an irgendwem mußte
er seine Wut auslassen; b) eine beliebige unbekannte Person:
sie war schließlich nicht L; <subst.:> Hier war er nicht
mehr ein armseliger Irgendwer (Fussenegger. Haus 132);
Mvjc <Adv.): a) auf irgendeine Art. Weise (in der etw.
vorhanden ist od. sich realisieren läßt): man muß ihm i.
zu helfen versuchen; i. wird's schon werden; er unterließ
es. i. darauf zu reagieren; Die Sehnsucht nach einem i.
gearteten ewigen Leben (Sommerauer. Sonntag 34); b)
in irgendeiner Hinsicht, im Rahmen irgendwelcher
Überlegungen: Jmdm. i. bekannt vorkommen, leid tun; i. möchte
er doch, daß ich bleibe; ich fühlte mich i. schuldig; ihr
Lächeln war i. kalt; ^wo <Adv.>: an irgendeinem Ort,
Platz; an irgendeiner Stelle: etw. i. [unter seinen Sachen]
versteckt haben; sie wollten i. in Italien Urlaub machen;
gibt es [hier] i. ein Restaurant?; i. ist er beim
Gedichtaufsagen steckengeblieben: der Hund läuft nie i. anders hin;
(ugs.:) Von i. ist ihr eine Stärke zugeweht (Remarque.
Obelisk 234); <subst.:> er ( = der dritte ..Troßrusse" an
der Seite) war nur noch ein grauer Fleck im Irgendwo
(Plievier. Stalingrad 95); -woher <Adv.>: a) von irgendeinem
Ort, irgendeiner Stelle: i. ertönte Musik, gebot eine Stimme
Ruhe; (ugs. verdeutlichend:) von i. Verstärkung, einen
Auftrag bekommen; b) durch irgendwelche Umstände: i.
sprach er ein wenig Deutsch; i. kommt ihm das Recht
zu. sich über uns lustig zu machen (Th. Mann. Zauberberg
808); ^wohjn <Adv.>: an irgendeinen Ort, irgendeine Stelle:
er nickte mehrmals i. nach der Seite; er war bereits i.
verschwunden, abkommandiert; wolltest du noch i. (auch
verhüll.; wolltest du noch zur Toilette?).
Iridektomie [iridekto'mi:], die; -. -n [...i:an; zu t Iris u. t Ekto-
mie] (Med.): Ausschneidung [eines Teils] der
Regenbogenhaut des Auges (z.B. bei Staroperationen): Iridium [i'ri:-
diom], das; -s [engl. Iridium, zu griech. Tris (Gen.: fridos)
= Regenbogen; 1803 gepr. von dem engl. Chemiker S.
Tennant (1761-1815) nach den bunten Farben, die einige
seiner Salze zeigen]: silberglänzendes, sehr hartes
Platinmetall, das in Legierungen für Platinschmuck, Injektionsnadeln,
elektrische Kontakte u.a. verwendet wird (chemischer
Grundstoff); Zeichen Ir; Iridologe [irido-], der; -n. -n [zu
Iris (2) u. T-loge] (Fachspr.): Augendiagnostiker; Irktologk.
die; - [t-logie] (Fachspr.): Augendiagnope; Iridotomie [...to-
mi:], die; -. -n [...i:an; zu griech. tome = das Schneiden.
Schnitt] (Med.): operatives Durchschneiden der
Regenbogenhaut des Auges; Iris ['i:nsl, die; - [griech. Tris (Gen.:
iridos) = Regenbogen; Regenbogenhaut; Schwertlilie]: 1.
<P1. Iris) svw. t Schwertlilie. 2. <P1. selten: Iris, auch: Iriden
fl*ri:dn], Irides [i:ride:s]> (Med.) Regenbogenhaut des
Auges: eine dunkle I.; beide Männer haben überdies rötliches
Kopfhaar und graue Iriden (Ruthe, Partnerwahl 47). 3.
<P1. selten: Iris) (Met.) Regenbogen.
Iris-: -blende, die: verstellbare Blende (bes. bei fotografischen
Apparaten), deren Öffnung in der Größe kontinuierlich
verändert werden kann; MÜagnose, die (Med.): Augendiagnose:
-*öl. das: aus den Wurzelstöcken bestimmter Schwertlilien
gewonnenes ätherisches öl mit Vedchetiduft. das in der
Parfumerie verwendet wird.
irisch-römisch ['i:nj-]: tHeißluftbad; Irish coffee [aidrij
kofi], der; - -. - -s [engl., eigtl. = irischer Kaffee]: Kaffee
mit einem Schuß Whisky u. Schlagsahne; Irisb-Stew l-'stju:].
das; -[s], -s [engl. Irish stew. eigtl. = irisches
Schmorgericht]: Eintopfgericht aus Hammelfleisch. Weißkohl (auch
anderem Gemüse) u. Kartoffeln.
irisieren [iri*zi:ron] <sw. V.: hat) [frz. iriser; vgl. Iris]: in
Regenbogenfarben schillern: die Glaskugel irisiert in
verschiedensten Farben; die Wasserstrahlen irisieren in der
Sonne; muß er ( = flüssiger Stahl) zu Blöcken erstarren,
die irisierend blau und matt sind (Kisch. Reporter 22S);
irisierende Wolken (Met.; Wolken, deren Ränder perlmut-
terfarbene Lichterscheinungen zeigen); Iritis [i'ri:tis],
die: -. ...tiden Hri' ti:dn] (Med.): Regenbogenhautentzündung.
Ironie [iro'ni:], die; -. -n [...i:an] <P1. selten) [lat. Irönia
< griech. eiröneia = erheuchelte Unwissenheit.
Verstellung; Ironie]: a) feiner, verdeckter Spott, mit dem man
etw. dadurch zu treffen sucht, daß man es unter dem
augenfälligen Schein der eigenen Billigung lächerlich macht: eine
leise, verletzende I.; die I. aus jmds. Worten heraushören,
in Jmds. Blick lesen; etw. mit I. sagen; mit unverhüllter,
kaum verhaltener I. lächeln; seine Rede war mit I. gewürzt;
diese Nummernoper mit ihren Parodien und -n (MM 20.
4.72.48); ich meine das ohne jede I.; b) paradoxe
Konstellation, die einem als frivoles Spiel einer höheren Macht
erscheint: die I. einer Situation; I. des Lebens, der
Geschichte!; es war eine I. des Schicksals, daß ...; Aber tragische
1364
irre
I.! Dieses einzige ... Mal. da Fouche ... nur Ruhe will
und kein Amt, drangt ... Napoleon es ihm ... auf (St.
Zweig. Fouche 164); <Abl.:> Ironiker [i'ro:nilre], der; -s,
-: Mensch mit ironischer Geisteshaltung: das Getränk der
I.. der feine, skeptische Kaffee (Jacob. Kaffee 99); ironisch
<Adj.>[lat.Irönicus < griech. eirönikös]: Ironie enthaltend;
voller Ironie; mit feinem, verstecktem Spott [der sich hinter
auffalliger Billigung verbirgt]: eine -e Anspielung; mit -em
Unterton. Bedauern; sie ist immer leicht i.; diese
Bemerkung sollte i. sein; jmdn. i. finden; i. fragen, lächeln, den
Mund verziehen; ironisieren [ironi'zi:ren] <sw. V.; hat)
[frz. ironiser, zu: Ironie, t Ironie]: einer ironischen
Betrachtung unterziehen: ein Problem, eine Schwäche, eine
Institution i.; Nichts ... nahm ich gläubig hin. ... immer drängte
es mich zu i. (Niekisch. Leben 24); <Abl.:> Ironiskmng.
die; -. -en: Auch die Musik enthält sich jeder I. (Welt
9. 12. 61, 7); Ironym [iro'nyrml, das; -s, -e [zusgez. aus
t Ironie u. griech. önyma = Name): ironische Wendung
als Deckname (z. B. „Von einem sehr Klugen").
irr: time.
jrr-f |rr- (vgl. auch: irre-. Irre-): -fahrt, die: Fahrt, bei
der eine Person od. Sache mehrmals in verkehrter Richtung
fahrt bzw. transportiert wird [ehe sie ans Ziel gelangt]:
die -en des Odysseus; So begann die völlige Zersprengung
und die I. ohne Ende (Plievier. Stalingrad 249); Ü I. eines
Weihnachtsbaumes (Hörzu 51. 197. 41); -Oug, der: Flug,
bei dem man noch ohne endgültiges Ziel an verschiedene
Orte fliegt: der I. der Geiselgangster; -gang, der: von hohen
Hecken o. ä. gesäumter, verschlungener Weg in einem
Irrgarten: die Irrgänge eines Parks; sein Büro liegt förmlich
am Ende eines -s; -garten, der: Park [teil], in dem Irrgänge
angelegt sind: Labyrinth: Miast, der (Zool.): Tier aus völlig
anders geartetem Lebensraum, das zufällig in ein ihm
fremdes Gebiet gerät od. dieses zufällig durchquert: In Europa
ist die Schneegans nur I. (Tier 11. 1971. 58); -glaube,
(seltener:) -ftbuten. der: 1. falsche Auffassung, der man
anhängt; falsche Annahme, von der man ausgeht: der
Irrglaube, das Teuerste sei das Beste; man darf sich nicht dem
Irrglauben an die Möglichkeit einer absoluten Objektivität
hingeben. 2. (veraltend) falscher religiöser Glaube, zu 2:
-glAubig <Adj.; o. Steig.): einer falschen u. der offiziellen
Lehrmeinung der Kirche widersprechenden
Glaubensauffassung anhängend, nicht rechtgläubig. <subst.:> -gläubige^
deru. die; -kreis, der: svw. tCirculus vitiosus (2); -lÄufer,
der: etw., was [im Zuge der Beförderung] an eine falsche
Stelle gelangt ist; daß die Post ... längst nicht alle I. an
den Absender zurückschickt (Spiegel 44. 1967, 65); Ü Auf
... die Brotsuppe verzichteten alle Eingeweihten großzügig.
So waren denn die Anwesenden zumeist I. (Kirst, 08/15,
402); -khre, die: für falsch gehaltene Lehre; -licht, das
[wohl wegen der unruhigen Bewegung]: in sumpfigem
Gelände (wahrscheinlich durch Selbstentzündung von Sumpfgas
od. Phosphorwasserstoff entstehende) sich über dem Boden
hin u. her bewegende kleine Flamme (die im Volksglauben
mit der Vorstellung von Totengeistern verbunden wird, die
in die Irre fuhren od. Unglück bringen können): -er flackern
im Moor; -er locken den Wanderer fort vom sicheren
Damm ins Unergründliche, hinunter, hinunter (Simmel.
Stoff 59). dazu: -lichtelieren dritte'li:i?n] <sw. V.; hat)
[Goethesche Prägung aus dem Urfaust]: svw. !-lichtem;
-Ikhtern [...li9tenj <sw. V.; hat): wie ein Irrlicht funkeln,
sich hin u. her bewegen: Echnatons Brillengläser irrlichter-
ten erregt zwischen Paul und Franz hin und her (Schnurre.
Bart 63); Die mit ihren irrlichternden Augen (Johnson.
Mutmaßungen 97); Ü Wiedervereinigung (das Wort irrUch-
tert zweimal in der Verlautbarung) (Welt 23. 1. 65, 3);
Es begann in ihm zu i. (er wurde ganz erregt; Apitz. Wölfe
34); -sinn, der <o. PI.): 1. stark beeinträchtigter
Geisteszustand: Zeichen eines beginnenden -s; Semelweis'
Erschütterung ist so gewaltig, daß er sich dem I. nahe glaubt (daß
er vor Verzweiflum nicht aus noch ein weiß; Thorwald,
Chirurgen 191). 2. (oft emotional) Unvernunft, die sich
im Handeln od. Verhalten darstellt: so ein I.!; wann hat
dieser I. einmal ein Ende?; es wäre I.. dieses Projekt nicht
endlich aufzugeben; Es war der I. (die unvernünftige
Anlage) der Schöpfung bewiesen worden (Jahnn. Geschichten
144), dazu: -sinnig <Adj.): 1. <o. Steig.; nicht adv.) a)
geistig gestört, so daß die Gedanken keinen Zusammenhang
untereinander u. keine Übereinstimmung mit der
Wirklichkeit haben: ein -er Alter; er machte einen -en Eindruck;
b) einer Belastung innerlich nicht standhalten könnend, so
daß man wie von Sinnen ist: vor Schmerz i. werden; die
Anstrengung machte ihn i.; sie gebärdete sich völlig i.
vor Angst; er raste wie i. ins Krankenhaus; c) (oft
emotional) [in seinem Handeln od. Verhalten] keine Vernunft
erkennen lassend; unvernünftig, ohne jeden Verstand;
absurd: Erlöstwerden von den Menschen und ihrem -en Tun
(Molo, Frieden 91); wie diese -e Schallröhre scheinbar
das Dümmste ... von der Welt tut (Hesse. Steppenwolf
257); du bist üaj i.! 2. (ugs.) a) <nicht adv.) unvorstellbar,
außerordentlich [groß]; stark: -e Schmerzen; -es Geschrei;
ein -er Preis; sie fand es (=das Relief) toll, geradezu
i., maximal, genial, terrific (Frisch. Homo 157); b) <intensi-
vierend bei AdJ. u. Verben) sehr, in höchstem Maße: es
war i. komisch, kalt; sie freute sich i.. <subst. zu 1:)
-sinnige, der u. die; -n. -n <Dekl. t Abgeordnete), ^sinrahftze,
die (ugs.): sehr, unerträglich große Hitze: Wieder eine I.!
In der Kabine war's noch heißer (Frisch. Homo 37); -wahn,
der: svw. t^glaube (1): ... an dem I. festzuhalten, daß
der in Sowjetrußland praktizierte Kommunismus
sozialistisch und ..links" sei (FAZ 23. 8. 61. 2); -weg. der:
falsches, verkehrtes, nicht zum Ziel führendes Verfahren.
Methode: einen I. einschlagen; das Vermeiden von
Irrtümern und -en ... ist vielfach von dem methodisch klaren
Vorgehen abhängig (Mantel, Wald 86); -wisch, der: 1.
svw. t -licht: der Zug zog vorüber durch Ablehnung und
Schweigen, gespenstisch wie ein greller I. (Koeppen.
Rußland 24). 2.a) äußerst lebhaftes, unruhiges Kind: sie ist
... stolze Mutter eines viereinhalbjährigen ..Irrwisches"
namens Tim (Hörzu 4, 1974. 15); b) unsteter Mensch,
Charakter (2); -witzf den svw. t Wahnwitz: Deine Mutter
ist tot - damit beginnt der I.. doch viel fehlt, daß er
damit endete (Th. Mann. Joseph 520). dazu: -witzig
<Adj.): svw. t wahnwitzig: Die Vorsicht... führte den
Referenten zu dem ... -en Schluß, daß es darauf ankäme
(Börsenblatt 36. 1971.763).
Irradiation [iradia'&io:n]. die; -. -en [spätlat. irradiatio =
Bestrahlung]: 1. (Med.) Ausbreitung von Erregungen od.
von Schmerzen im Bereich peripherer Nerven. 2. (Psych.)
das Übergreifen von Gefühlen od. Effekten auf neutrale
Bewußtseinsinhalte od. Assoziationen. 3. (Fot.) Uberbelich-
tung von fotografischen Platten. 4. (Psych.) optische
Täuschung, durch die ein heller Fleck auf dunklem Grund dem
Auge größer erscheint als ein dunkler Fleck auf hellem
Grund; inradüeren [...di'i:ran] <sw. V.; hat) [zu lat. irradiäre
= (bestrahlen): a) (bildungsspr.) ausstrahlen: Macht hat
eine Lebensfülle, die nach allen Seiten irradiiert (FAZ
9. 9. 61,48); b) (Fachspr.) als eine Irradiation (1.2) wirken.
irrational [auch: -J <AdJ.) [lat. irratiönälis =
unvernünftig] (Ggs.: rational) (bildungsspr.): a) mit der Ratio,
dem Verstand nicht faßbar; dem logischen Denken nicht
zugänglich: ein -er Glaube; eine -e Mythologie; -e Zahlen
(Math.; Zahlen, die sich nicht durch Brüche ganzer Zahlen
ausdrücken lassen, sondern nur als unendliche
Dezimalbrüche dargestellt werden können): Der biologische und der
seelische (= Bereich) sind unvergleichlich -er (Gehlen.
Zeitalter 11); eine i. (im Irrationalen) begründete
Auffassung; <subst.:> eine Überbewertung des Irrationalen; b)
vernunftwidrig: -e Argumente; er hat sich völlig i. verhalten;
<subst.:) Das Irrationale nimmt seinen Lauf (Hasenclever.
Die Rechtlosen 403); <Abl.:> Irrationalismus [auch:'
—]. der; -. ...men (bildungsspr.): 1, <o. PI.) Vorrang des
Gefühlsmäßigen vor der Verstandeserkenntnis: Aufklärung
als solche, nicht als Instrument realer Herrschaft soll schuld
sein: daher der I. der Kulturkritik (Adorno. Prismen 13).
2. <o. PI.) metaphysische Lehre, nach der Wesen u. Ursprung
der Welt dem Verstand (der Ratio) unzugänglich sind (z. B.
bei Schopenhauer, Schelling, Bergson): Wenn es der Sinn
der Lebensphilosophie war. den I. rational als unaufhebbar
zu begründen (Welt 25. 1. 66, 7). 3. irrationales Element,
Verhalten, Geschehen: Der Geist ist damit ... dem blinden
Sichauswirken politischer Irrationalismen überantwortet
(Fra$nkel. Staat 138); Irrationalität, die; - (bildungsspr.):
das Irrationale (a). irrationale Art: die I. der Theologie;
die besondere krankhafte I.. die dem Judenhaß ... stets
innewohnte (Zeit 10. 12. 65, 30); jrrationell [auch: '-]
<Adj.) [frz. irrationel (bildungsspr.): dem Verstand nicht
zugänglich, außerhalb des Rationalen.
Irre, (seltener:) irr firte)] <Adj.) [mhd. irre = verirrt;
ketzerisch; wankelmütig, erzürnt; uneinig; ahd. irri = verirrt;
1365
Irre
verwirrt; erzürnt, urspr. = sich schnell, heftig od. ziellos
bewegend]: 1. <o. Steig.; nicht adv.) a) geistesgestört wir-
kend. verstört: ein irrer Blick; ein irres Lächeln; ... schrie
er ... mit einer fast irren Stimme (Zuckmayer, Magdalena
170); diese Verse klingen irr; er redet irrte]; Leicht irr
stehst du im Zimmer... und stierst vor dich hin (Tucholsky.
Zwischen 39); *[an Jrodm., etwj irre werden (in seiner
Auffassung unsicher werden fu. das Vertrauen zu jmdm.,
in etw. verlieren]): durch das Gespräch mit ihm war ich
allmählich irre geworden; b) geistig gestört, so doli die
Gedanken keinen Zusammenhang mit der Wirklichkeit
haben: ein irrer Patient; man sagte uns. sie sei halb irr
und müsse in eine Anstalt gebracht werden; c) in seiner
Erregung völlig durcheinandergebracht, wie von Sinnen: eine
Gottperson .... die schreit nach Feindesleichen wie ein
irrer Baalspriester (Reinig, Schiffe 77); er war irre vor
Angst, Schmerz; bei dieser Nachricht gebärdete sie sich
wie Irr; <subst.:> wie ein Irrer (ugs.; sehr schnell, sehr
viel) arbeiten. 2. (salopp) a) <nicht adv.) vom Üblichen
abweichend u. so ausgefallen, merkwürdig, wie man es nie
erwarten konnte: Las Vegas war für sie eine irre Stadt;
es gab dort ganz irre Spezialitäten; daß man sagt: ... Du
bist ein ganz irrer Typ (Hornschuh, Ich bin 20); die
Forderung war irre und um mindestens 1000 Mark zu hoch;
das ist Ja irre!; b) <nur attr.) sehr groß, stark: eine irre
Angst, Hitze; ein irres Geschrei; c) (intensivierend bei
Adj. u. Verben) sehr, in höchstem Maße, außerordentlich:
es war irre heiß in der Telefonzelle; der Film war irre
spannend, komisch; <subst.:) 'Irre, der u. die; -n. -n <Dekl.
t Abgeordnete): jmd., der irr (1 b), geistesgestört ist: ein
ungefährlicher, gutmütiger -r; wie ein -r lachen; aus der
Anstalt sind mehrere I. entlaufen: wir gelten als arme
I. (salopp; Leute, deren Handeln unsinnig erscheint, die
ein sinnloses Ziel verfolgen u. die man im Grunde bedauern
muß); ^ire, die. - [mhd. irre = Verirrung; Irrfahrt] in
der Wendung in die I. (auf einen falschen Weg, in eine
falsche Richtung): in einem Gelände in die I. gehen; Isabels
Augen ... locken die Fahrer der andern Wagen in die
I. (Fries. Weg 37); Ü es fuhrt auch oft in die L. wenn
man nur eine Ansicht gelten läßt; solche Redner fuhren/
(seltener:) lenken/treiben das Volk nur in die I. (täuschen
das Volk nur): du darfst dich nicht durch ihre Reden
in die I. fuhren (verwirren, beirren) lassen; mit dieser
Ansicht gehen sie völlig in die I. (irren sie sich erheblich).
|rre-, |rre- (vgl. auch: irr-. Irr-): ^fahren <st. V.; ist): in
verkehrter Richtung fahren: wir fuhren einige Zeit irre,
ehe wir die Straße fanden; -führen <sw. V.; hat) /vgl.
irreführend/: 1. (selten) absichtlich nicht auf den richtigen
Weg bringen: lieber hätte ich ... sie die ganze Nacht im
Wagen irregeführt, ehe ich sie zu solchem Schaupsiel nach
Ückelitz brachte (Fallada. Herr 163); Ü Daß junge Leute
irregeführt (pädagogisch nicht richtig geleitet), daß sie oft
... nur ... auf falsche Weise abenteuerlich sind, wissen
wir (Welt 26.7. 65. 5). 2. absichtlich einen falschen Eindruck
in jmdm. entstehen lassen: zu einer falschen Annahme
verleiten, täuschen: Jmdn. durch falsche Angaben L; der Gegner
sollte durch diese Maßnahme irregeführt werden; eine
irregeführte Öffentlichkeit, dazu: -führend <1. Part.): zu einer
falschen Deutung Anlaß gebend: eine -e Beschriftung,
Überschrift; diese Darstellung ist, erscheint i.; sich i. ausdrücken,
-führenderweise <Adv.>: fälschlich, auf einer Irreführung
beruhend, -fbhrung, die: das Irrefuhren (2): die I. von
Vorgesetzten, der Bevölkerung; seine unsachliche Formulierung
läuft auf eine I. hinaus; -gehen <unr. V.; ist) (geh.): 1.
in eine falsche Richtung gehen: Sie können nicht i., wenn
Sie sich an die Skizze halten; Ü kenne ich ja kaum die
Direktoren .... der Kurzsichtige geht in diesem Dschungel
irre (verirrt sich darin: Dürrenmatt. Grieche 55). 2. sich
irren, zu einer falschen Annahme kommen: du gehst nicht
irre in der Vermutung, daß ...; er ist mit seinem Verdacht
irregegangen; -leiten <sw. V.; hat) (geh.): 1. auf einen
falschen Weg füfiren, falsch leiten: der Dieb wollte die
Polizei i.; irregeleitete Post. 2. zu einer falschen Annahme,
Auffassung, Verhaltensweise verleiten: die ähnlich
klingende Bezeichnung hat ihn irregeleitet; man sollte sich nicht
durch andere i. lassen; ein irregeleitetes (erzieherisch falsch
geleitetes) Kind; ein irregeleitetes Nationalbewußtsein;
-machen <sw. V.; hat): in seiner Auffassung, Überzeugung
unsicher machen: an etw. zweifeln lassen: er wird mich
nicht [in meiner Ansicht] i.; laß dich nicht i.; es darf
uns nicht L. daß ...; seine Erfahrungen konnten ihn nicht
an der göttlichen Weltordnung, in seinem Glauben i.;
-reden <sw. V.; hat): irre (1 a) Worte reden: -sein, das:
eine Neigung ... bei den Pyknikem zu
manisch-depressivem I. festgestellt zu haben (Medizin II, 147). f
irreal <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [aus tin-. In- u. treal]
(bildungsspr): unwirklich, nicht wirklich, nicht der
Wirklichkeit angehörend od. mit ihr in Zusammenhang stehend
(Ggs.: real 2): eine -e Traumwelt; -e Vorstellungen; wann
es sich um reale Angst und wann um -e, um neurotische
Angst handelt (Heiliger, Angst 88); All das ist so
schauerlich und i.. daß er einfach nicht mehr daran denken will
(Fr. Wolf, Menetekel 266); Irreal, der; -s. -e: t Irrealis;
Irrealis [irea:Iis], der; -, ...les [...Ie:s] (Sprachw.): Modus
des irrealen Wunsches, einer als unwirklich hingestellten
Annahme (z.B. Beinahe hätte es einen Uniall gegeben;
Wenn ich ein Vöglein war' ...); Irrealität [ireali't£:t], die:
- (bildungsspr.): Nicht-, Unwirklichkeit (Ggs.: Realität).
Irredenta [ire'denta], die; -. ...ten [...tri; ital. (Italia) irredenta
= nicht befreit(es), unter fremder Herrschaft stehend(es
Italien), zu f in-. In- u. ital. redimere = befreien; erlösen]:
politische Unabhängigkeitsbewegung, die den Anschluß
abgetrennter Gebiete an das Mutterland anstrebt: <Abl.:> Inre-
dentfcmus [...'tismusl, der; - [ital. irredentismo]:
Geisteshaltung der Irredenta: Irredentist [...'tist], der; -en. -en [ital.
irredentista]: Angehöriger der Irredenta: irredentjstisch
<Adj.; o. Steig.): den Irredentismus betreffend, auf ihm
basierend: -e Ideen.
jrreduzibel [auch: '—1 <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [aus
tin-. In- u. treduzibel] (Philos.. Math.): nicht zurückfuhr-
bar, nicht ableitbar (Ggs.: reduzibel): eine irreduzible
Gleichung; <Abl.:) Irreduzibilitit die; - (Philos.. Math.):
Nichtableitbarkeit.
IrreauUr [auch: '-] <Adj.; o. Steig.) [spätlat. irregularis
= nicht den kirchlichen Regeln gemäß]: 1. (Ggs.: regulär)
a) nicht regelmäßig, nicht der Regel entsprechend: -e
Erscheinungen feststellen; b) nicht dem Gesetz entsprechend,
ungesetzlich: sich etw. auf -e Weise beschaffen; -e Truppen
(außerhalb des regulären Heeres aufgebotene Verbände wie
Freikorps, Partisanen o.a.). 2. (nicht adv.) (kath. Kirche)
vom Empfang der katholischen geistlichen Weihen
ausgeschlossen (wegen geistiger od. körperlicher Mängel od. einer
kirchlichen Straftat): der Kandidat war i.; Ü so war sein
Beschluß. Pädagoge zu werden,... auch der (= der Beginn)
einer Erziehung des bösen Geistes oder -en (den kirchlichen
Regeln nicht entsprechenden) Gottes, der möglicherweise
noch in der Hölle seiner Brust hauste (Musil, Mann 1300);
<subst.:) Irreguläre, der; -n. -n <Dekl. t Abgeordnete):
Angehöriger irregulärer Truppen: Irregularität, die; -, -en
[spätlat. irregularitas = Ungehorsam. Verstoß gegen die
kirchlichen Regeln]: l.a) (bildungsspr.) Regellosigkeit:
mangelnde Gesetzmäßigkeit (Ggs.: Regularität a); b) (Sprachw.)
vom üblichen Sprachgebrauch abweichende Erscheinung
(Ggs.: Regularität b). 2. (kath. Kirche) kirchenrechtliches
Hindernis, das vom Empfang der katholischen geistlichen
Weihen ausschließt.
irrelevant [auch: '-] <Adj.. o. Steig.) [aus tin-. In u.
T relevant]: in einem bestimmten Zusammenhang
unerheblich, oltne Bedeutung (Ggs.: relevant) (bildungsspr.): -e
Feststellungen. Beobachtungen. Merkmale; diese Unterschiede
sind für unser Thema i.; die Einleitung der ... Schrift,
die Sartre so spitzfindig wie i. abkanzelt (Zwerenz. Kopf
130); <Abl.:> Irrelevanz [auch: '-]. die; -. -en
(bildungsspr.): 1. <o. PI.) Unwichtigkeit. Bedeutungslosigkeit
in einem bestimmten Zusammenhang. 2. unwichtige
Äußerung o. ä.
irreligiös [auch: -] <Adj.; nicht adv.) [frz. irr&igieux
< lat. irreligiösus] (bildungsspr.): nicht religiös (2) (Ggs.:
religiös 2): die Leute sind dort weitgehend i. [eingestellt];
<Abl.:> Irreligiosität, die; - [kirchenlat. irreligiösitäs]
(bildungsspr.): irreligiöse Haltung.
Irren ['iranl <sw. V.) [mhd. irren, ahd. irrön, daneben tr.
irran. zu f irre]: 1.0. + sich: hat) a) etw. fälschlich für
wahr od. richtig halten, eine falsche Meinung von jmdm.,
etw. haben: ich habe mich gründlich geirrt; du irrst dich
[gewaltig], wenn du das denkst; in diesem Punkt irrt er
sich; (auch ohne ..sich":) hier irrt der Verfasser; in einem
Punkte allerdings irrt der Bericht, der Vergleich (stimmt
er nicht): er ist der neue Chef, wenn ich nicht irre; jeder
kann mal i.; es irrt der Mensch, solang er strebt (Goethe.
1366
Irrung
Faust. Vers 317); <subst.:> R Irren ist menschlich; b) eine
Person od. Sache fälschlicherweise für die gesuchte, gemeinte
halten, sie mit einer andern verwechseln: sich im Datum,
in der Hausnummer i.; sich in der Person, in jmds. Motiven
i.; ich habe mich anscheinend in dir geirrt (getäuscht):
c) sich um etw. verrechnen: die Verkäuferin hat sich um
SO Pfennig geirrt; er hat sich in seinen Angaben um einen
Tag geirrt. 2. <ist> a) rastlos umherziehen: [ziellos] durch
die Lande, die Gegend, die Straßen i.; von Ort zu Ort
L; daß der Herzog allein irrt und verlassen von seinen
Getreuen? (Hacks, Stücke 23); Ü Soll ich als Witwe durchs
Leben i. ...? (Th. Mann, Tod u.a. Erzählungen 133); b)
(bes. von den Augen) sich suchend, tastend, ziellos hin
u. her bewegen: seine Augen irrten unruhig [flackernd]
durch den Saal, nach oben, über den Boden; Manche
(= Schüsse) irrten als wilde Querschläger durch den Hof
(Simmel. StofT617); seine Hand irrte nach der
Patronentasche (Hauptmann, Thiel 28); ziellos irrende Blicke. 3.
(veraltet) unsicher machen; verwirren <hat>: Gott irre unseren
armen Verstand in Künsten, die dem Gang der Natur
widersprechen (Buber, Gog 87).
jrren-, Jrren- ('Irre): MÜrteihmg, die: von wo (= Berliner
Untersuchungsgefängnis) aus er... nach der I. der Charite
überführt wurde (Hauptmann. Thiel 49); ^anstatt, die;
^*rztf der (veraltet, sonst emotional): Psychiater; -haus,
das (oft emotional): svw. -anstalt: ich bin bald reif fürs
I. (ugs.; kann diese Situation kaum noch länger durchstehen):
ihre Tochter lebt im I.; sie gehören ... eingesperrt,
mindestens ins I. (Seghers. Transit 209); ein Krach wie im I.
(ugs.; ein wilder Lärm), dazu: -hausier, der: Insasse einer
Irrenanstalt, -hausreif <AdJ.; o. Steig.; nicht adv.) (ugs.):
Aber einmal werde ich zusammenbrechen - i. (Kirst. 08/15.
541); -pfleger, der: svw. Nwärter; ^wirter. der: Pfleger.
Krankenwärter in einer Irrenanstalt.
Irreparabel [auch: '—] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [lat.
irreparäbilis] (Ggs.: reparabel): a) (bildungsspr.) sich nicht
durch eine Reparatur instand setzen lassend: die
Heizungsanlagen waren i.; b) (bildungsspr.) sich nicht ersetzen,
beheben lassend: ein irreparabler Verlust; wenn sein Leben
ausgelöscht wird, dann ist das L; c) (Med.) nicht heilbar,
in der Funktion nicht wiederherzustellen: die durchtrennten
Nervenstränge sind i.; <Abl.:> Irreparabilität [...rabili'tE.t],
die; - (bildungsspr.): Unmöglichkeit, einen Schaden. Fehler
o. ä. wieder auszugleichen.
jrreponibel [auch: '—1 <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [aus
t in-. In- u. t reponibel] (Med.): nicht wieder in die normale
Lage zurückzubringen (Ggs.: reponibel): irreponible
Gelenkköpfe.
jrresohit [auch: '-] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [frz.
irr&olut < lat. irresolütus. eigtl. = unauflösbar) (veraltet):
unschlüssig (Ggs.: resolut): ein -er Charakter.
{rrespirabel [auch: '—J <Adj.; o. Steig.; nicht adv.)
[frz. irrespirable < spätlat. irrespiräbilisl (Med.): nicht
atembar: diese Gase sind i.. da ihre Einatmung sofortigen
Stimmritzenverschluß bewirkt.
(rresponsabel [auch: '—1 (Adj.; o. Steig.) [frz. ir-
responsable < ital. irresponsabile] (veraltet):
unverantwortlich (Ggs.: responsabel).
irreversibel [auch: '—] <Adj.; o. Steig.) [aus Tin-. In-
u. ? reversibel] (Fachspr.): nicht umkehrbar, nicht
rückgängig zu machen (Ggs.: reversibel): irreversible technische,
chemische, biologische Prozesse; Wirkungen (= beim
Alkoholrausch) können reversibel od. i. sein (Medizin II.
188); <Abl.:> Irreversibilität, die; - (Fachspr.): Unum-
kehrbarkeit (Ggs.: Reversibilität).
irrig [in^J <Adj.; nicht adv.) [mhd. irrec = zweifelhaft;
hinderlich, zu firrel: einen Irrtum darstellend; auf einem
Irrtum beruhend u. daher falsch: eine -e Ansicht.
Auflassung. Annahme. Voraussetzung. Entscheidung; seine
Auslegung war i.. wurde ihm als i. nachgewiesen; Nichts wäre
-er. als in diesen Anfechtungen eine bloße Selbstquälerei
... zu sehen (Nigg. Wiederkehr 40).
Irrigation [lriga'tsio.n]. die; -. -en [lat. irrigätio. eigtl. =
Bewässerung]: 1. (Med.) Ausspülung (bes. des Darms bei
Verstopfung). Einlauf. 2. (Fachspr. selten) Bewässerung:
Überbewässerung kann sogar großen Schaden anrichten.
In Israel vergeuden wir 30 bis 40 Prozent des Wassers
durch falsche I. (MM 29. 6. 71. 3); Irrigator [...ga.tor.
auch: ...to:?]. der; -s. -en [...ga'to:ran; lat. irrigätor. eigtl.
= Bewässerer] (Med.): Spülapparat (der z. B. zur
Darmspülung verwendet wird): irrigieren [...'gi:ran] <sw. V.; hat)
[wohl unter Einfluß von frz. irriguer < lat. irrlgäre] (selten):
bewässern.
irrigerweise <Adv.>: auf einem Irrtum beruhend, auf Grund
eines Irrtums: etw. i. annehmen, mit etw. gleichsetzen;
Irrigkeit, die; -: das Irrigsein, irrige Art: die I. einer
Anschauung.
irritabel [iii'ta:b|J<Adj.; ...bler.-ste; nicht adv.) [lat. irritäbi-
lis] (bes. Med.): reizbar, erregbar, empfindlich: irritable
Nerven, Pupillen; Der Kirchenftirst, ganz rund ... und
doch nervös, ja i. bei Arbeit und Gespräch (Hochhuth,
Stellvertreter 86); Irritabilität [...tabili't£:t], die; - [lat.
irritäbilitäs] (bes. Med.): Reizbarkeit. Empfindlichkeit: die
I. eines Gewebes, von Nerven; statt einem klar
durchdachten Plane überließ er sich der stürmischen I. seines Wesens
(Maass, GoufK 279); Irritation [...'feioml. die; -, -en [lat.
irritätio] (bildungsspr.): a) auf jmdn.. etw. ausgeübter Reiz:
... verschwand die I. ... - das Gefühl, einen Fremden
... ermorden zu wollen (Remanque. Triomphe 397); b)
Reizung: Optische I. angenehmster Art bewirken auch
die meisten anderen Objekte (MM 4. 11. 69. 26); der
Künstler ist unaufhörlichen -en unterworfen; c) das
Erregtsein, Verärgerung: da Washington seine I. über diese Politik
in zweierlei Maß nicht mehr verbergen kann (Welt 1.
10.68. S); es besteht kein Grund zur I.; irritieren [...'ti:ran]
<sw. V.; hat) [lat. irritäre = (auOreizen. erregen; bes.
a: unter Einfluß von T irren]: a) in seinem Verhalten. Handeln
unsicher machen, verwirren, beirren: das Kichern hinter
seinem Rücken, der Spiegel irritierte ihn; jmdn. durch
seine Anweisungen i.; eine irritierende Freundlichkeit,
Ausdrucksweise. Bemerkung. Beschilderung; irritiert von dem
Geräusch, ging er in den Keller; sie blickte irritiert auf.
starrte ihn irritiert an; b) in seinem Tun stören: der Hund,
das Gekreische irritierte mich bei der Arbeit; c) ärgern,
ärgerlich machen: Irritiert durch die Unauffindbarkeit
des Schlüssels .... erhob sie beide Fäuste und murmelte
eine Verwünschung (K. Mann. Wendepunkt 66); sage ich.
zu meinem Erstaunen irritiert über den selbstzufriedenen
Mann von Welt (Remarque. Obelisk 291); d) reizen, in
Erregung versetzen: Goethe hat diese Sammlungen ( =
des Vatikans) bei Fackelschein gesehen.... Goethe irritierte
das Unheimliche, das Flamme und Rauch zum Leben
brachten (Koeppen. Rußland 193); <Abl.:> Irritkning, die;
-. -en: svw. t Irritation.
Irrsal [irza:l], das. -[e]s. -e [mhd.. ahd. irresal. zu tirre]
(dichter.): Zustand menschlichen Irrens, moralischer
Abirrung, unter dem man leidet: Oh. was für ein trübes I.
war aus meinem Leben geworden! (Hesse. Steppenwolf
152); |rrtumf der; -s. ...tümer [...ty:nre; mhd. irretuom
= Irrglaube, auch schon: Zwistigkeit, Streit. Hindernis.
Schaden; Versehen, ahd. irrituom = Irrglaube, zu tirre]:
aus Mangel an Urteilskraft. Konzentration o. ä. fälschlich
für richtig gehaltener Gedanke; falsche Vorstellung.
Handlungsweise: ein großer, kleiner, schwerer, folgenschwerer,
verhängnisvoller, gefährlicher, bedauerlicher, trauriger I.;
gesellschaftliche Irrtümer; ein I. über Jmds. Person; diese
Annahme war ein I.; das hat sich als [ein] I. herausgestellt,
erwiesen: es ist ein I. zu glauben, daß ...; hier dürfte
ein I. vorliegen; purer I.!; [hierbei ist ein] I. ausgeschlossen;
ihm ist ein I. (ein Fehler, ein Versehen) unterlaufen: Du
bist doch versetzt? I. vom Amt (scherzh.; da irrst du dich;
Kuby. Sieg 361); einen I. begehen; seinen I. erkennen,
einsehen: Irrtümer (Fehler. Versehen) beseitigen,
berichtigen; einem I. erliegen, unterliegen, verfallen, aufgesessen
sein, (geh.:) huldigen: um einem I. vorzubeugen: seine
Behauptung beruht auf einem I.; in einem I. befangen
sein; Jmdn. über seinen I. aufklären; hier handelt es sich
um einen I.; jmdn. von seinen Irrtümern überzeugen; sich
zu seinem I. bekennen; *im I. sein; sich im I. befinden
(sich in bezug auf etw. irren): über eine Situation im I.
sein; hinsichtlich dieser Tatsachen befindet er sich im I.;
<Abl.:) irrtümlich firty:mh<;] <Adj.; o. Steig.; nicht präd.):
einen Irrtum darstellend, darauf bendiend: eine -e
Behauptung, Entscheidung; erging den i. (fälschlicherweise)
eingeschlagenen Weg wieder zurück; er hat die Rechnung i.
(versehentlich) zweimal bezahlt; irrtümlicherweise <Adv.):
auf Grund eines Irrtums, fälschlicherweise: darum geht es
gar nicht, wie man oft i. meint; (rrung, die; -. -en [mhd.
irrunge. zu t irren] (dichter.): a) Fall, in dem man irrt;
Irrtum: -en Wirrungen (Titel eines Buches von Fontane);
1367
Irvingianer
... und auch die Schwierigkeiten, die -en und Wirrungen
nicht auszulassen, die den Weg dieser großen Meister des
Eiskunstlaufs begleiteten (Maegerlein. Triumph 5); b)
durch ein Mißverständnis entstandene vorübergehende
Uneinigkeit. Disharmonie: mit redlichem Wort... wird die
1. geklärt, und dann herrscht wieder Eintracht (Th. Mann.
Joseph 517).
Irvingianer [irvw gia:ne]. der; -s, - [nach dem schott.
Theologen E. Irving (1792—1834)]: Angehöriger einer
schwärmerischen katholisch-apostolischen Sekte des 19. Jh.s [in
England], die die baldige Wiederkunft Christi erwartete: Irvin-
gianismus [...ia'nismos]. der; -: Lehre der Irvingianer.
isabell-. Isabell- [iza'bel-; t Isabelle]: -antilope.die: vgl.
Riedbock; ^bar, der: Braunbär im Himalajagebiet mit ziemlich
kleinem Körper u. bräunlichgelber, blasser Färbung:
-färben, -farbig <Adj.: o. Steig.; nicht adv.>: graugelb: -würger.
der: in den Trockensteppen Chinas lebender Vogel einer
Unterart des Neuntöters mit isabellfarbener Oberseite,
hellerer Unterseite u. braunrotem Scheitel.
Isabelle [iza'beto]. die; -. -n [frz. (cheval) isabelle: angeblich
nach der Farbe des Hemdes, das die spanische Erzherzogin
Isabelle (1566-1633) nach einem Gelübde bis zum Ende
der Belagerung von Ostende von 1601 bis 1604 getragen
haben soll]: Pferd mit isabellfarbenem Fellu. gleichfarbenem
od. hellerem bis weißem Mähnen- u. Schweifhaar.
Isagoge [iza'go:ga], die; -. -n [lat. isagöge < griech. eisagöge]:
(in der Antike) Einführung in eine Wissenschaft: <Abl.:>
Isagogik [...gik]. die; - [lat. Tsagögicus < griech. eisagögikös
= zur Einleitung gehörig]: Kunst der Einführung in eine
Wissenschaft, bes. die Lehre von der Entstehung der
biblischen Bücher.
Isatin [iza'ti:n]. das; -s [zu tlsatis]: bei der Oxydation von
Indigo mit Salpetersäure entstehendes Zwischen- u.
Ausgangsprodukt in der pharmazeutischen u. Farbstoffindustrie;
Isatis ['i:zatisl. die; - [lat. Isatis < griech. isätis] (Bot.):
svw. IWaid.
Isba [ls'ba]. die; -. Isbi l'isbi; russ. isba. wohl aus dem
Germ., verw. mit ahd. stuba = Stube. Kammer]: russ.
Bez. für Holzhaus, Blockhütte (bes. der Bauern): Die ...
Mehrheit ist ... dabei, den Fuß aus der Bauernhütte, der
..Isba". heraus in die Stadt zu setzen (FAZ 26. 8. 61.
45).
Ischämie [is^'mi:]. die; -. -n [...i:an; zu griech. (schein =
hemmen u. haTma = Blut] (Med.): örtliche Blutleere, man-
gelnde Versorgung einzelner Organe mit Blut: <Abl.:>
ischämisch [is'98:mij] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (Med.):
blutleer.
Ische ['ijal. die; -. -n Uidd. ische < hebr. 'iSSqii = Frau.
Gattin] (Jugendspr.): Mädchen (aus der Sicht eines Jungen,
jungen Mannes): die 1. hatte ihn voll angeturnt (Petra
10. 1974. 142); Da gehen Fänä und seine I. (Freundin:
Degenhardt, Zündschnüre 214).
Isdiiadikus [is'<;ia:dikus]. der; -. ...izi <PI. selten) [kurz für:
Nervus ischiadicus. lat. ischiadicus < griech. ischiadikös
= zum Hüftschmerz gehörig] (Med.): Ischias-, Hüftnerv;
ischigdisch <AdJ.; o. Steig.) (Med.): den Ischias betreffend;
Ischtalgie [is#al'gi:], die; -. -n [...i:an; zu t Ischias u. griech.
algös = Schmerz] (Med.): svw. ? Ischias; Ischias Ciftas.
auch: is^as], der od. das. med. Fachspr.: die; - [lat. ischias
< griech. ischiäs (Gen.: ischiädos) = Hüftschmerz, zu:
ischion = Hüftgelenk. Hüfte]: in Anfällen auftretende od.
längere Zeit bestehende Hüftschmerzen im Bereich des
Ischiasnervs: I. haben; an I. leiden.
Ischias-: ^-beschwerten <P1.>: durch Ischias verursachte
Beschwerden; -leiden, das <o. PI.): dauernde Krankheit im
Bereich des Ischiasnervs: ^nerv. der: vom Bereich des
Kreuzbeins an der Hinterseite des Oberschenkels bis in die
Kniegegend ziehender Nerv, der die Muskeln des Ober- u.
Unterschenkels sowie einen Großteil der Haut des Unterschenkels
versorgt; Hüftnerv.
Isdiurie [is^j'ri:], die; -. -n [...i:an; zu griech. ischein =
hemmen u. oüron = Harn] (Med.): Unmöglichkeit, die
Harnblase zu entleeren; Harnverhaltung.
Isegrim ['i.zagnm], der. -s, -e [ahd. Männername Isangrim.
eigtl. = Eisenhelm]: 1. <o. Pl> der Wolf (in der Tierfabel).
2. (emotional, abwertend) mürrischer Mensch.
isentrop. isentropisch [iz£n'tro:pOJ)] <AdJ.; o. Steig.) [zu
tiso-, Iso- u. t Entropie] (Physik): (von thermodynamischen
Prozessen) bei gleichbleibender Entropie (1) verlaufend.
Isfahan [isfa'ha:n], Ispahan [ispaha:n], der. -ls], -s [nach
der iran. Stadt Isfahan (früher: Ispahan)]: feiner,
handgeknüpfter Teppich mit Blüten-, Ranken- od.
Arabeskenmusterung auf meist beigefarbenem Grund. r
Islam [is'la:m. auch: islam], der; -[s] [arab. isläm, eigtl.
= völlige Hingabe (an Allah)]: auf die im Koran
niedergelegte Verkündigung des arabischen Propheten Mohammed
zurückgehende Religion (mit bestimmten politischen,
sozialen u. kulturellen Auswirkungen): die Welt des -s; der
spanische Hochbarock ist noch vom I. beeinflußt; er ist zum
I. übergetreten; <Abl.:> Iskamisation [islamiza'l$io:n], die;
-. -en: Bekehrung zum Islam: ... daß trotz Arabisation
und I. das traditionelle libysche Gewand ... verschwindet
(MM 21. 2. 73. 3); islamisch <Adj.; o. Steig.): zum Islam
gehörend, mohammedanisch: der i. beeinflußte Bereich der
mozarabischen Kunst; isiamisieren [...'zi.ren] <sw. V.; hat):
a) zum Islam bekehren; b) dem Herrschaftsbereich des Islams
einverleiben; Isfaunisi&rung, die; -. -en: Islamismus
[...'mismus], der; -: svw. t Islam; lsfaunit [...'mi:t], der; -en.
-en: svw. t Mohammedaner; islamitisch <Adj>: svw. t
islamisch.
Ismaelit [ismaeii:t]. der; -en. -en [nach Ismael (im AT.),
dem Sohn Abrahams, der nach Isaaks Geburt mit seiner
Mutter Hagar verstoßen wurde; vgl. 1. Mos. 16, 15flf.]:
Angehöriger alttestamentlicher nordarabischer Stämme, die
sich auf Ismael als Stammvater zurückfuhren: Ismailit
[...ai...]. der; -en. -en [nach Ismail (gest. 760). einem
Nachkommen Mohammeds]: Angehöriger einer Sekte der
Schiiten, die nur sieben Imame (2). als letzten Ismail, anerkennt.
Ismus l'ismos], der; -. ...men [nach lat. ...ismus = Endung
männlicher Substantive, insbes. mit der Bed.:
Lehrmeinung. Richtung; vgl. engl, ism] (abwertend): bloße
Theorie, eine von vielen auf ...ismus etuienden
Lehrmeinungen u. Systemen: in der Malerei ist wieder ein neuer I.
aufgekommen; in diesem Buch sind alle .möglichen Ismen
versammelt.
is(Kls(K(vor Vokalenauch:) is-. Is- [iz(o)-; griech. isos] <Best.
in Zus. mit der Bed.): gleich (z. B. isobar. Isobutan, isosmo-
tisch); isobar [izo'ba:?] <Adj.; o. Steig.) [griech. bäros =
Schwere.Gewicht; Druck] (Physik): 1. (von Atomkernen)
eine gleiche Anzahl Neutronen u. eine verschiedene Anzahl
Protonen aufweisend. 2. gleichen Druck habend: ein -er
(ohne Druckänderung verlaufender) Vorgang; <subst.:>
Isobar [-]. das; -s. -e (Physik): Atomkern mit isobar en
Eigenschaften; Isobare, die; -. -n (Met.): Verbindungslinie
zwischen Orten gleichen Luftdrucks; Isobutan, das; -s [T Butan]:
bei der Erdölverarbeitung entstehendes, farbloses,
brennbares Gas (gesättigter Kohlenwasserstoff), das für die
Herstellung von Flugbenzin verwendet wird: isochor [...'ko:tf] <Adj.;
o. Steig.) [zu t Isochore] (Physik): konstantes Volumen
habend: -er Prozeß (bei konstantem Volumen erfolgende
thermodynamische Zusjandsänderung); Isochore [...'ko:ra].
die; -. -n [zu griech. chöra = Raum. Platz, Stelle] (Physik):
Linie in Diagrammen, die Punkte konstanten Volumens
verbindet; isochrom [...'kro:m] <Adj.>: svw. t isochromatisch;
Isochromasie [...kroma'zi:], die; - (Fot.): gleiche
Farbempfindlichkeit, Farbtonrichtigkeit, bes. bei fotografischen
Emulsionen; isochromatisch <Adj.; o. Steig.) [zu griech.
chrömatikös = zur Farbe gehörend] (Fot.): verschiedene
Farben gleich behandelnd, für alle Farben des Spektrums
gleichermaßen empfindlich; isochron [...kro.n] <Adj.; o.
Steig.) [griech. isöchronos] (Physik): gleich lang dauernd;
<subst.:> Isochrone, die; -. -n: Verbindungslinie zwischen
Orten gleichzeitigen Auftretens bestimmter Erscheinungen
(z. B. einer Erdbebenwelle); isocyclisch: ? isozyklisch; fc-
odont [...'dont] <Adj.; o. Steig.) [zu griech. odoüs (Gen.:
odöntos) = Zahn]: svw. fhomodont; Isodyname [...dy-
na:md]. die; -. -n [zu griech. dynamis = Kraft. Stärke]:
Verbindungslinie zwischen Orten gleicher magnetischer
Stärke: Isodyne [...'dy:ro]. die; -, -n [TDyn] (Physik): Linie,
die Punkte gleicher Kraft verbindet; Isoerge [...'lerga], die;
-. -n [zu griech. ergon = das Hervorgebrachte; Arbeit,
Tat, Werk] (Volksk.): auf volkskundlichen Karten Linie,
die Gebiete gleicher Erscheinungen begrenzt; lsogameten
[...ga'me:tn] <P1.) [zu tGamclJ (Biol.): männliche u.
weibliche Geschlechtszellen, die keine morphologischen
Unterschiede aufweisen: Isogamie [...ga'mi:]. die; -. -n [.'..ton;
zu griech. gamös = Hochzeit. Ehe] (Biol,): Vereinigung
gleichgestalteter Geschlechtszellen; (sogen [...'ge:n] <AdJ.;
o. Steig.) [T-gen] (Biol.): (von pflanzlichen od. tierischen
Organismen) genetisch identisch: Isoglosse [fachspr. auch:
1368
Isomerisierung
...glo.sa], die; -, -n [tGlosse] (Sprachw.): auf Sprachkarten
Linie, die Gebiete gleichen Wortgebrauchs begrenzt; Isogon
[...'go:n], das; -s. -e [griech. isogonios = gleichwinklig]:
regelmäßiges Vieleck: <Abl.:> isogonal [...go'na.l] <Adj.;
o. Steig.): winkelgetreu (bes. bei geometrischen Figuren
u. bei Landkarten), gleichwinklig; <Abl.:> Isogonalität
[...nali'te.t], die; -: Winkeltreue (bes. bei Landkarten); 'Iso-
helie[...'he:Ud].die; -. -n [zu griech. helios = Sonne] (Met.):
Verbindungslinie zwischen Orten mit gleich langer
Sonnenbestrahlung; 2Isohelie [ ..he'li:], die; -. -n [...i:an; zu griech.
helios = Sonne; Licht] (Fot.): fotografisches Verfahren,
mit dem bei Schwarzweißbildern der gleichmäßige Übergang
von Schwarz nach Weiß durch einen stufenförmigen ersetzt
wird: das gehärtete, das solarisierte Bild oder die I.
(Fotomagazin 8, 1967, 52); Isohyete [...'hfctol. die; -. -n [zu
griech. hyetös = Regen] (Met.): Verbindungslinie zwischen
Orten mit gleicher Niederschlagsmenge; Isohypse [...'hypsa].
die; -. -n [zu griech. isohypses = gleich hoch] (Geogr.):
Verbindungslinie zn'ischen Orten gleicher Meereshöhe: Iso-
kephalie [...kefa'li:]. die; - [zu griech. kephale = Kopf]
(blld. Kunst): gleiche Kopfhöhe aller Gestalten eines
Gemäldes od, Reliefs, meist mit dem Prinzip der Reihung
verbunden; Isokline [...'kli:nd]. die; -. -n [zu griech. isoklines =
von gleicher Neigung] (Geogr.): Verbindungslinie zwischen
Orten gleicher erdmagnetischer Inklination (2); Isokolon,
das; -s. ...la [zu griech. isökölos = von gleich langen
Satzgliedern] (antike Rhet.): Satzteil, der innerhalb einer
Periode mit anderen koordinierten Satzteilen in der
Silbenzahl gleich ist.
Isobuii fizo'la:ni]. der; -[s]. -[s] [in Anlehnung an den Grafen
Isolani aus Schillers Wallenstein zu dem Verb t isolieren
gebildet] (Schach scherzh.): alleinstehender ]Bauer (2 a).
Isotat [izo'la:t]. das; -s. -e [zu tisolieren] (Bio!.): (für die
Herausbildung von Rassen wichtige) isolierte Gruppe von
Lebewesen mit einem Gengehalt, der von dem anderer
vergleichbarer Gruppen abweicht: Da eine Akzeleration ...
auch in noch heute vorkommenden -en. etwa der Schweiz.
Norwegens und Sardiniens, beobachtet werden konnte
(Meyers Enzyklopädisches Lexikon 1.1971.582); Isolation
[...la't$io:n], die; -, -en [frz. isolation. zu tisolieren]: 1.
Absonderung. Getrennthaltung [von Infekt Ums- od.
Geisteskraftken. Häftlingen j: die I. von Typhuskranken; daß
Asozialität wohl kaum durch Strafe und I. erfolgreich
bekämpft werden kann (Ossowski, Bewährung 9). 2.a)
Vereinzelung eines Individuums innerhalb einer Gruppe;
Abkapselung einer Gruppe innerhalb eines sozialen Gefüges:
die großstädtische I.; die I. der Kleinfamilie; Das Ghetto
ist mit anderen Worten eine unfreiwillige I während
die Elite eine freiwillige und beneidete I. ist (Hofstätter.
Gruppendynamik 155); jmdn. aus der I.. in die er geraten
ist, herausholen; in der I. bleiben; b) Abgeschnittenheit
eines Gebietes (vom Verkehr, von der Kultur o.a.): der
totalitäre Staat gerät mehr und mehr in eine kulturelle
I.; Die ... Massenkommunikationsmittel helfen dem
Deutschwallis vermehrt aus der I. (Bund 13. 8. 68. 4).
3.a) Abdichtung zur Verhinderung des Durcligangs von
Strömen (Gas. Wärme. Elektrizität. Wasser u.a.) mittels
nichtleitender Stoffe: die I. elektrischer Leitungen, von
Wasserrohren; b) Isoliermaterial: die I. war defekt und
mußte erneuert werden; Isolationismus [...io'nismus], der;
- [engl.-amerik. isolationism]: politische Tendenz, sich vom
Ausland abzuschließen u. staatliches Eigeninteresse zu
betonen; Isolationist [...nist], der; -en. -en [engl.-amerik.
Isolationist]: Verfechter des Isolationismus; isolationistisch
<Adj.; o. Steig.): den Isolationismus betreffetui. dem
Isolationismus entsprechend; Isolationsfolter, die; -. -n (emotional
übertreibend): svw. Khaft:... wiewohl er den
Justizbehörden ausdrücklich bescheinigte, daß sie weder I. noch
Vernichtungshaft44 betrieben (Spiegel 53, 1974. 38);
Isolationshaft, die; -: Haft, bei der die Kontakte des Häftlings
zur Außenwelt eingeschränkt od. unterbunden werden: Ich
weiß nur zu gut von politischen Freunden aus der DDR,
die I.. und zwar totale, durchmachen mußten (Spiegel
42, 1977. 9); isobtiv [...atl:fl <Adj.; o. Steig.): eine Isolation
(1-3) darstellend, beinhaltend; Isolator [...'la.tor. auch:
...to:Bl.der;-s.-en[...la'to:ran; frz. isolateur < ital. isolato-
re]: 1. Stoff der Elektrizität schlecht od. gar nicht leitet:
Glas. Porzellan, Hartpapier und bestimmte Kunststoffe
sind -en. 2.a) Material zum Abdichten. Isolieren: die
Hellhörigkeit der Räume wurde durch -en gedämpft; b)
zur Verhinderung von Kurzschlüssen o. ä. verwendetes
Material als Umhüllung u. Stütze für unter Spannung stehetide
elektrische Leitungen: die -en von
Hochspannungsleitungen.
Isolexe [izo'leksa]. die; -. -n [zu tiso-, Iso- u. griech. lexis
= Ausdruck. Wort]: svw. t Isoglosse.
Isolier- [izo'li:?]: ^band, das <PI. ...bänder): selbstklebendes
Band zum Isolieren elektrischer Leitungen; ^baracke, die:
vgl. ^Station; ^haft, die: svw. t Isolationshaft; -kaime,
die: / verchromte] Kanne mit einer Isolierschicht, durch die
das eingefüllte Getränk seine Temperatur über mehrere
Stunden hält; -lack, der: vgl. ^band; Mnaterial: Material zum
Abdichten. Isolieren: --matte, die: beim Schlafen im Freien
verwendete dünne Unterlage aus Schaumgummi; ^schiebt,
die: undurchlässige Schicht aus Isoliermaterial; ^Station.
die: Abteilung eines Krankenhauses, in der Patienten mit
Infektionskrafikheiten. seltener auch psychisch Kranke
untergebracht werden: jmdn. auf die I. bringen; auf der I.
liegen; --Stoff, der: 1. Material, das Wärme schlecht leitet
u. gegen Kälte od. Wärme schützt: Glaswolle dient als
1. gegen Kälte und Wärme. 2. svw. t Isolator (1); -zelle,
die: Gefängniszelle, in der ein Häftling von anderen isoliert
ist.
isolieren [izo'li:ran] <sw. V.; hat) [frz. isoler < ital. isolare,
eigtl. = zur Insel machen, von allem anderen abtrennen,
wie es eine Insel vom Festland ist. zu: isola = Insel <
lat. insula]: 1. a) aus bestimmten Gründen streng von anderen,
von seiner Gruppe trennen, um jede Berührung, jeden Verkehr
auszuschließen: Häftlinge, an einer Seuche Erkrankte i.;
den Gegner zu i. verstehen; ein Tier für Versuche i.; ihre
Stellung isolierte sie von ihrer Umgebung: ein Ziel, eine
Forderung i. (aus einem Programm herausnehmen); sie
isolierte sich mehr und mehr [von ihrer Umgebung]
(sonderte sich ... von ihr ab. wich Kontakten aus); isolierende
Sprachen (Sprachw.; Sprachen, die im Unterschied zu den
t agglutinierenden u. t flektierenden Sprachen die
Beziehungen der Wörter im Satz nur durch die Wortstellung ausdrük-
ken. wiez. B. das Chinesische): isolierte Gruppen; ein
kulturell isoliertes (von der Umwelt abgeschnittenes) Land: ein
isolierter Bauer (Schach; Bauer ohne Nachbarfigur der
gleichen Farbe; vgl. Isolani); isolierte (einzelne) Fälle; eine
isolierte Bildung (Sprachw.; von einer Gruppe od. einer
bestimmten Funktion losgelöste, erstarrte sprachliche Form.
z. B. ..verschollen" lebt nicht mehr als 2. Part, zu
..verschallen", sondern ist zum Adj. geworden); Die Kinder sind
hier ziemlich isoliert (fast ohne Kontakte), weil es nicht
so viele Gleichaltrige gibt (Wohngruppe 78); etw. isoliert
(ohne Zusammenhang mit anderem) betrachten; b) etw..
was üblicherweise nur in Verbindung mit anderem vorkommt,
für einen bestimmten Zweck von dem anderen trennen u.
in reiner Form darstellen: ein Bakteriengift i.; Das
Experiment besteht ... in dem Verfahren. Naturvorgänge so zu
i.. daß sie beobachtbar und meßbar werden (Gehlen,
Zeitalter 12). 2. gegen Störungen an elektrischen Leitungen, gegen
Temperatur-. Schall- od. Feuchtigkeitseinwirkungen durch
entsprechendes Material schützen: Leitungen. Rohre i.;
Zimmerwände i.; <Abl.:> Isolierer, der; -s. -: Facharbeiter
der Bauindustrie od. Handwerker, der Rohrleitungen.
Geräte. Räume o.a. gegen Temperatur-. Schall- od.
Feuchtigkeitseinwirkungen schützt (Berufsbez.); Isoliertheit, die; -:
svw. f Isolation (2); Isolierung, die; -. -en: svw. t Isolation
(1-3).
Isolinie [i:zo-J. die;-.-n [tiso-. Iso-](Fachspr.):
Verbindungslinie zwischen Punkten gleicher Wertung od. gleicher
Erscheinungen auf geographischen, meteorologischen u.
sonstigen Karten; isomer [...'me:s] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>
[griech. isomeres = aus gleichen Teilen bestehend, zu
tiso-. Iso- u. griech. märos = (An)teil]: I. (Chemie) die
Eigenschaft der Isomeren aufweisend. 2. (Bot.) gleich
gegliedert in bezug auf die Blattkreise einer Blüte, die alle gleich
viele Glieder aufweisen; <subst. zu 1:> Isomer [-]. das; -s.
-e. Isomere[...e:ra],das; -n. -n <meist PI.): chemische
Verbindung, die trotz der gleichen Anzahl gleichartiger Atome
im Molekül durch deren Anordnung von einer entsprechenden
anderen Verbindung hinsichtlich ihrer chemischen u.
physikalischen Eigenschaften unterschieden ist; <Abl.:> Isomerie
[...me'ri:], die; -: I. (Chemie) Verhaltensweise der Isomeren.
2. (Bot.) gleiche Gliederung in bezug auf die Blattkreise
einer Blüte, die alle gleich viele Glieder aufweisen: Isomerisa-
tion [...riza'tMo:n], Isomerisjening, die; - (Chemie): Um-
1369
isomesisch
Wandlung einer chemischen Verbindung in eine andere von
gleicher Summenformel u. gleicher Molekülgröße;
isomesisch [...'mc:afl <Adj.; o. Steig.) [zu griech. rn&os =
mitten] (Geol.): (von Gesteinen) im gleichen Medium gebildet
(Ggs.: heteromesisch); Isometrfe, die; - [griech. isometria
= gleiches Maß): 1. Lätigengleichheit. Längentreue, bes.
bei Landkarten. 2. (Biol.) mit dem Gesamtwachstum
übereinstimmendes, gleichmäßig verlaufendes Wachstum von
Organen od. Organsystemen; <Abl.:) Isometrik, die:
isometrisches Muskeltraining; isometrisch <Adj.; o. Steig.): die
gleiche Längenausdehnung beibehaltend; -es Muskeltraining
(rationelle Methode des Krafttrainings, bei der die
Muskulatur ohne Änderung der Längenausdehnung angespannt wird);
-e Übungen; -es Wachstum Usometrie 2); isometrop [...me-
tro:pJ <Adj.j o. Steig.; nicht adv.) [zu griech. mötron
(T Meter) u. ops (Gen.: öpös) = Auge] (Med.): auf beiden
Augen mit der gleichen Sehkraft ausgestattet; Isometropie
[...metro'pi:]. die; - (Med.): gleiche Sehkraft auf beiden
Augen; isomorph J...'mDrfl <AdJ.; o. Steig.; nicht adv.)
[zu griech. morphe = Gestalt]: 1. (Chemie) (bes. von
Kristallen) von gleicher Gestalt. 2. (Math.) in der algebraischen
Struktur einen Isomorphismus (2) enthaltend. 3. (Sprachw.)
die gleiche sprachliche Struktur (die gleiche Anzahl von
Konstituenten mit den gleichen Beziehungen zueinander, z. B.
unbezähmbar, unverlierbar) aufweisend; <Abl.:) Isomor-
phie[...'fi:].die; -: isomorpher (1 -3) Zustand; Isomorphismus
[...'fismusj, der; -: 1. (Chemie) Eigenschaft gewisser
chemischer Stoffe, gemeinsam dieselben Kristalle (Mischkristalle)
zu bilden. 2. (Math.) spezielle, umkehrbar eindeutige
Abbildung einer algebraischen Struktur auf eine andere; Isonomie
[...no'mi:], die; - [griech. isonomia] (veraltet): a) Gleichheit
vor dem Gesetz; b) [politische] Gleichberechtigung; Isopa-
thie [...pa'ti:], die; - [t-pathie] (Med.): Behandlung einer
Krankheit mit Stoffen, die durch die Krankheit im
Organismusgebildet werden (z. B. Antikörper, Vakzine);
isoperimetrisch [...peri'me:tnj] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [griech.
isoperfmetros] (Math.): (von Flächen u. Körpern) von
gleichem Ausmaß; Isophone [...'fo:na], die; -. -n [zu griech.
isöphonos = gleich klingend] (Sprachw.): Linie auf
Sprachkarten, die Gebiete gleicher Laute begrenzt; isopisdi
li'zo.pij] <Adj.; o. Steig.) [zu griech. öpsis = Aussehen.
Erscheinung] (Geol.): (von Gesteinen) in der gleichen Fazies
(1) vorkommend (Ggs.: heteropisch); Isopode [izo'po:dal.
der; -n, -n <meist PI.) [zu griech. poüs (Gen.: podös)
= Fuß]: svw. t Assel; Isopren l...'pre:n], das; -s [Kunstwort;
engl, isoprene, vidi, aus iso (tiso-, Iso-) u. propylene,
f Propylen]: flüssiger, ungesättigter Kohlenwasserstoff;
isorhythmisch <Adj.; o. Steig.) (Musik): a) (von
Kompositionen des ausgehenden Mittelalters) unabhängig von
Tonhöhe u. Text rhythmische Wiederholungen aufweisend;
-e Motetten von Dufay; b) (von kontrapunktischen Sätzen)
in allen Stimmen eines Satzes rhythmisch gleichbleibend;
Isoseiste [...z^jsto], die; -, -n [zu griech. seistös =
erschüttert] (Geophysik): Verbindungslinie zwischen Orten gleicher
Erdbebenstärke; Isoskop [...sko:p], das; -s, -e [zu griech.
skopein = betrachten, beschauen] (Technik):
Bildaufnahmevorrichtung beim Fernsehen; isosmotisch [izas'mo.üj]
<Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [aus tiso-. Iso- u. t osmotisch]:
svw. t isotonisch; Isospin [i:zospin], der; -s. -s [engl.-amerik.
isospin.zu: spin = schnelle Drehung] (Kernphysik):
Quantenzahl zur Klassifizierung von Elementarteilchen; isotherm
[izo'term] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [frz. isotherme, zu
griech. thermös = warm, heiß] (Met.): gleiche Temperatur
habend; ein -er (ohne Temperaturveränderutig verlaufender)
Vorgang; Isotherme [...ms], die; -. -n (Met.):
Verbindungslinie zwischen Orten mit gleicher Temperatur; Isothermie
[...ter'mi:], die; -. -n [...i:an; zu griech. thörme = Wärme]:
1. (Met.) gleichbleibende Lufttemperatur in einer Schicht
der Atmosphäre bei zunehmender Höhe. 2. (Biol.) Konstanz
der normalen Körpertemperatur bei Warmblütlern; Isoton
[...'to.n], das; -s, -e <meist PI.) [zu griech. tönos = das
Spannen, Anspannung] (Kernphysik): Atomkern, der die
gleiche Anzahl Neutronen wie ein anderer, aber eine von
diesem verschiedene Protonenzahl enthält; isotonisch <Adj.;
o. Steig.; nicht adv.) (Chemie): (von Lösungen) gleichen
osmotischen Druck habend; isotop [...'to:p] <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.) [t Isotop] (Kernphysik): gleiche
Kernladungszahl, gleiche chemische Eigenschaften, aber verschiedene
Masse besitzend; <subst.:) Isotop [-], das; -s. -e <meist
PI.) [engl, isotop. zu griech. topos = Platz, Stelle, Ort;
1913 gepr. von dem engl. Chemiker F. Soddy (1877-1956)]:
Atom od. Atomkern, der sich von einem andern des gleichen
chemischen Elements nur in seiner Anzahl von Neutronen
unterscheidet; Erst die künstlich radioaktiven -e
ermöglichten Indikatoruntersuchungen (Medizin II. 341).
Isotopen-: -diagnostik. die: Verwendung von radioaktiven
Isotopen zu medizinisch-diagnostischen Zwecken; -therapie.
die: Verwendung von radioaktiven Isotopen zu
therapeutischen Zwecken; -tremung* die: Verfahren zur Abtrennung
od, Anreicherung einzelner Isotope aus einem
Isotopengemisch.
Isotopie [izoto'pi:], die; - [zu tiso-. Iso- u. griech. topos
= Ort. Platz. Stelle]: das Vorkommen von Isotopen;
isotopisch [...'to:piJ] <Adj.; o. Steig.) (Geol.): (von Gesteinen)
im gleichen Raum gebildet (Ggs.: heterotopisch); Isotron
fi:zotro:n], das; -s, ...trone [engl.-amerik. isotron, wohl
zusgez. aus t Isotop u. griech. -tron = Suffix zur Bez.
eines Gerätes. Werkzeugs; vgl. griech. ärotron = Pflug]
(Kernphysik): Gerät zur Isotopentrennung, das die
unterschiedliche Geschwindigkeit verschiedener Isotope gleicher
Bewegungsenergie ausnutzt; isotrop [izo'tro:p] #<AdJ.; o.
Steig.; nicht adv.) [zu tiso-, Iso- u. griech. trope =
Wendung. Drehung] (Physik. Chemie): nach allen Richtungen
hin gleiche physikalische u. chemische Eigenschaften
aufweisend; -e Kristalle; Isotropie [...tro'pi:], die; - (Physik,
Chemie): (bes. von Kristallen) Richtungsunabhängigkeit der
physikalischen u. chemischen Eigenschaften; Isotypie [...ty-
'pi:J. die; - [TType] (Chemie): Übereinstimmung von Stoffen
in Zusammensetzung u. Kristallgitter, ohne daß sie
Mischkristalle miteinander bilden können; isozyklisch [auch:
...jjYk...], (ehem. fachspr.:) isoeyclisch <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.) [aus tiso-, Iso- u. t zyklisch] (Chemie): als
organisch-chemische Verbindung ringförmig angeordnete
Moleküle aufweisend, wobei im Ring nur Kohlenstoffatome
auftreten; eine -e Verbindung.
Ispahan: t Isfahan.
Israel ['israe:l. auch: ...ael] <o. Art.) [lat. Israel < griech.
Israel < hebr. YiSi^'el; Beiname des Erzvaters Jakob im
AT., vgl. 1. Mos. 32, 23ff. u. 1. Mos. 35, 9ff.]: Volk
der Juden im Alten Testament; das Volk I.; die Kinder
Israelis] (die Israeliten als Nachkommen des Erzvaters
Jakob); Gott, erlöse I. (auch Ü; die Gläubigen) aus aller
seiner Not (Psalm 25, 22); der Auszug der Kinder I, (auch
Ü scherzh.; der auffallende [demonstrative] Weggang einer
[größeren] Gruppe): <Abl.:> israelisieren [...aeli'zi:ran] <sw.
V.; hat): an Sprache. Sitten. Wesensart der Israelis
angleichen; nur mit Hilfe der Zeit ... kann es (= Israel) das
arabische Jerusalem mit Zementwohnblöcken zu i.
versuchen (Die Unabhängigen 5. 1. 74, 3); Israelit [...li:t]. der;
-en, -en [lat. IsräelTtes < griech. Israelites]: Angehöriger
des Volkes Israel; Israelitin, die; -, -nen: w. Form zu t
Israelit; israelitisch <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): die Israeliten
betreffend, zu ihnen gehörend, ihnen entsprechend.
iß [is]. ißt [ist]: t essen.
ist [ist]: t 'sein.
|st- (mit Bindestrich): -Aufkommen, das: tatsächlicher
[Steuer]ertrag; -Bestand, der: tatsächlicher Warenvorrat,
in der Kasse vorhandener Geldvorrat; -Stärke, die (Milit.):
tatsächlich vorhandene Anzahl von Soldaten in einer Einheit
od. einem Truppenverband; ^Wert, der: unter vorgegebenen
Bedingungen tatsächlich auftretender Wert einer I
physikalischen] Größe im Unterschied zum Soll-Wert.
Iste [iste], der; - [lat. iste = jener dort, bes. zur bloßen
Andeutung gebr.] (bei Goethe): Penis,
Isthmien [istmpn] <P1.) [lat. Isthmia < griech. fsthmia.
t Isthmus]: in der Antike auf dem Isthmus von Korinth zu
Ehren des Poseidon alle zwei Jafire veranstaltete
panhellenische Spiele mit sportlichen Wettkämpfen u. Wettbewerben
in Musik. Vortrag u. Malerei; jsthmisdi <Adj.; o. Steig.):
zu einem Isthmus gehöretul; in der Art eines Isthmus; die
Isthmischen Spiele (Isthmien); Isthmus [istmos], der; -.
...men [lat. isthmus < griech. isthmös]: Landenge (z.B.
die von Korinth od. Sues).
Itaker ['i:takej. der; -s. - [zu Italien] (ugs.. meist abwertend):
Italiener; der hält zu den -n (v. d. Grün, Glatteis 6).
Itakohmit [itakolu'mi.t, auch: ...mit], der; -s. -e [nach dem
brasilianischen Berg Pico Itacolomi]: glimmerhaltiger
Sandstein mit gelenkartig ineinander verzahnten
Quarzkristallen.
Itata [i:tala]. die; - [lat. Itala. zu: Italus = aus Italien.
1370
ja
spätlat., auch: lateinisch]: a) wichtige Gruppe unter den
ältesten, der Vulgata vorausgehenden lateinischen
Bibelübersetzungen; b) falsch für tVetus Latina; italiantsieren [ita-
liani'zi:ron] <sw. V.; hat) [zu lat. Italia = Italien]: italienisch
machen, gestalten; Italianismus [...nismus], der; -. ...men
(Sprachw.): a) Übertragung einer für das Italienische
charakteristischen sprachlichen Erscheinung auf eine nicht
italienische Sprache; b) Entlehnung aus dem Italienischen (z. B.
in der deutschen Schriftsprache in Südtirol); Italianist
[...'nist], der; -en, -en: Romanist, der sich auf die italienische
Sprache u. Literatur spezialisiert hat; italianjstisdi <Adj.;
0. Steig.): das Gebiet der italienischen Sprache u. Literatur
betreffend; Italianitfit [...ni'te:t], die; -: italienische
Wesensart, italienischer Volkscharakter; ... die (= die
Überflutung gewisser Gemeinden des Tessins ... durch
Deutschschweizer und Bundesdeutsche) ... bisweilen ...
die I. gewisser Gegenden gefährdet (Sprachspiegel 6.1965.
172); Italiener [...'Ue:ne] <P1.) [nach dem Herkunftsland
der ersten Zuchtexemplare]: sehr gut Eier legende Rasse
von schlanken, kräftigen Hühnern mit häufig graubrauner
od. goldfarbiger Färbung, gelbem Schnabel, gelben Läufen
u. rotem, gezacktem Kamm; Italienerhuhn, das; -[e]s. -hüh-
ner: zur Rasse der Italiener gehörendes Haushuhn; italieni-
sieren [...ljeni'zi:ren]: titalianisieren; Italienne [...'Uen], die;
- [frz. italienne. eigtl. = die Italienische. Italienerin; nach
der häufigen Verwendung in romanischen Ländern]:
Antiqua mit fetten Querstrichen; Italique [ita'hk], die; - [frz.
italique < (m)lat. Italicus. eigtl. = italisch; benannt nach
dem Heimatland des venezian. Druckers A. Manuzio
(1449-1515). der diese Schriftart entwickelte]: frz. Bez.
für Kursive; ItaloAYcstern [i:talo-]. der; -[s], -: italienischer
Film im Stil des Western.
Itazismus [ita'&ismus]. der; - [nach der Aussprache des
griech. Eta wie Ita]: heute aufgegebene Aussprache der
altgriechischen e-Laute wie lange i (Ggs.: Etazismus).
item ['1:1011] <Adv.; meist einleitend) [lat. item] (veraltend):
ferner; also, kurzum; Item: Dann fragte er ein Kind ...
Item: Es begann zu regnen (Kant. Impressum 332); Was
nützt es. wenn ein Haus ... steht, wenn die Menschen
... es nicht zu stützen ... vermögen? ... Item, das Haus
Tobier besteht noch (R. Walser. Gehülfe 65); Abk.: it.;
<subst.:> Item [-]. das; -s, -s: 1. (veraltend) das Fernere.
Weitere; ein weiterer f Frage]punkt; Aber jetzt kommt das
1. Der Angeklagte ... darf sich nicht noch einmal eine
Straftat leisten (MM 28. 12. 72, 7). 2. [auch 'aitarn; engl,
item, vgl. item] (Fachspr.) a) etw. einzeln Aufgeführtes;
Einzelangabe. Bestandteile Element; bis ... Johanna ... sich
aus dem Verschiedenen (=der Rede) ein I.
herausgefischt hatte, das sie zu interessieren schien (Kant.
Impressum 255); b) einzelne Aufgabe innerhalb eines Tests.
ite. missa est [i:ta misa est; kirchenlat. ite. missa est (con-
cio) = geht, (die gottesdienstliche Versammlung) ist
aufgehoben, entlassen]: Schlußworte der katholischen Meßfeier
(ursprünglich zur Entlassung der Katechumenen vor dem
Abendmahl).
Iteration [itera't$io:n], die; -. -en [lat. iterätio =
Wiederholung]: l.a) (Sprachw.) Verdoppelung einer Silbe od, eines
Wortes (z. B. soso); b) (Rhet.. Stilk.) Wiederholung eines
Wortes od. einer Wortgruppe im Satz; Die Wiederholung
dieser und anderer Sätze soll die Monotonie... suggerieren.
Die I. wirkt aber selbst fatigant (Deschner. Talente 27).
2. (Math.) schrittweises Rechenverfahren zur Annäherung
an die exakte Lösung. 3. (Psych.) zwanghafte u. gleichförmi-
i. J LlDt. österr.: je:, fa, AI. das; -, - [nach griech. t'Jota;
erst spätmhd.. bes. beim Wortanlaut, vom vokalischen
I differenziert für den stimmhaften palatalen Reibelaut]:
zehnter Buchstabe des Alphabets, ein [Halbjkonsonant; ein
kleines j. ein großes J schreiben.
ja [ja:] <Adv.) [mhd.. ahd. ja; H. u.]: l.a) drückt eine
zustimmende Antwort auf eine Entscheidungsfrage aus
(Ggs.: nein): ..Kommst du?" - ..Ja"; ..Habt ihr schon
gegessen?" - .Ja"; *ia zu etwas sagen ([einer Sache]
zustimmen); zu allen Plänen sagt er ja. aber ob er sie
nachher durchführen kann, ist noch sehr die Frage; b)
ge ständige Wiederholung von Wörtern. Sätzen u. einfachen
Bewegungen (bes. bei bestimmten Geistes- u.
Nervenkrankheiten); iterativ [...'ti:fl <Adj.; o. Steig.) [lat. iterätfvus]:
1. wiederholend; -e Aktionsart (Sprachw.; Aktionsart, die
eine häufige Wiederholung von Vorgängen ausdrückt, z. B.
sticheln = immer wieder stechen). 2. (bes. Math.) sich
schrittweise in wiederholten Rechengängen der exakten
Lösung annähernd; Die ... „iterative Methode", ein
Annäherungsverfahren, wird ... bei der Festlegung
wirtschaftspolitischer Zielprojektionen angewendet (MM 23. 6. 73, 2);
Iterativ [-]. das; -s. -e [...i:vd]. Iterativbikking, die; -. -en.
Iterativum[...'ti:vüm], das; -s, ...va [lat. verbum iterätivum]
(Sprachw.): Verb mit iterativer Aktionsart. Frequentativ;
iterieren [...'ri:ren] <sw. V.; hat) [lat. iteräre]: I. (Rhet.,
Stilk.) (ein Wort, eine Wortgruppe) im Satz wiederholen:
Farblose Hilfszeitwörter werden hiermit wahrer
Besessenheit iteriert (Deschner, Talente 119). 2. (bes. Math.) eine
Iteration (2) vornehmen; wiederholen, um sich einer
schrittweisen Lösung zu nähern: Er (= dieser Tischrechner)
arbeitet ... sowohl in repetierender ... als auch in iterierender
Betriebsart (Elektronik 12. 1971. A 35); Die Schritte 4
und 5 (= in dieser Grammatik) werden solange iteriert,
bis die erforderliche Mischung an Flexibilität und
Wirksamkeit erreicht worden ist (Sprache 23. 1967, 235).
Ithyphallkus [ity'falikus], der; -. ...ci [...$i; lat. Ithyphallicus
< griech. ithyphallikös. zu: ithyphallos = das erigierte
Glied des Priapos. das bei einigen kultischen Festen an
der Spitze des Festzuges vorangetragen wurde, wobei
Lieder in diesem Versmaß gesungen wurden]: dem
Dionysoskult entstammender, dreifüßiger trochäischer Kurzvers der
Antike; ithyphalliseh [...TaiiJl <Adj.; o. Steig.) (bild. Kunst):
(von antiken Götterbildern) mit aufgerecktem männlichem
Glied (als Sinnbild der Fruchtbarkeit).
Itinerar [itine'ra:?]. das; -s. -e, Itinerarium [itine'ra:rium],
das; -s. ...ien [...pn; lat. itinerarium = Wegbeschreibung]:
a) Straßen- u. Stationenverzeichnis der römischen Kaiserzeit
mit Angaben über Wegstrecken u. einzelne Orte; b)
(Fachspr.) Verzeichnis der Wegeaufnahmen bei Forschungsreisen.
Itohkippe fi.to-], die; -, -n [H. u.] (Turnen): Kippe am Boden
aus dem Liegestütz rücklings.
I-Tüpfelchen, das; -s, -: Zutat, die einer Sache noch die
letzte Abrutidung gibt: ... wären Scheibenbremsen das I.
an einem Wagen (Bild 10. 6. 64, 3); er hatte alles bis
aufs I. (bis ins kleinste Detail, sehr genau) vorbereitet;
I-Tüpferl [...tYpfel],das; -s. -n (österr.): svw. t I-Tüpfelchen;
I-Tüpfel-Reiter der; (österr. ugs.): Pedant.
Itzig ['itßi^]. der; -s. -e [nach dem männlichen Vom. Isaak.
hebr. Yiüj^q] (ugs. abwertend): Jude: Der ... Groth war
ein Mitesser in der großen krummen Nase eines gewissen
Blumenthal gewesen, der Lakai von diesem I. (Kant,
Impressum 50).
itzo [itßo], tot [it$t] <Adv.) (veraltet): svw. f jetzt.
Iwan [i:va(:)n], der; -s. -s [nach dem russ. männlichen Vorn.
Iwan = Johannes] (scherzh.): Russe: sagt ... in diesem
Frontabschnitt kein I. mehr piep (Kirst. 08/15. 600); er
kenne den I. (den Russen als gegnerische Macht; die
Russen) . der nur durch Waffen zu belehren sei (Frisch, Homo
12).
ixothym [ikso'ty:m] <Adj.) [zu griech. ixös = das
Festhaltende, zu: ischein = (an)halten u. thymös = (Lebens)kraft]
(Psych.): von schwerfälligem Temperament, zäh u.
beharrlich; <Abl.:> Ixothymie [...ty'mi:]. die; - (Psych.):
schwerfälliges, zähes, beharrliches Temperament.
drückt in Verbindung mit einem Modaladverb [freudige]
Bekräftigung aus: ja gewiß, ja natürlich, ja sicher, ja gern;
o ja!; aber ja doch! 2. (betont) nachgestellt bei
[rhetorischen] Fragen, auf die eine zustimmende Antwort erwartet
wird, als Bitte. Ausdruck leisen Zweifels od. Bestätigung;
nicht wahr?: du bleibst doch noch ein bißchen, ja?; die
Aufführung war doch recht wirkungsvoll, ja?; es wird
doch alles in Ordnung sein, ja? 3. (unbetont als Partikel)
a) drückt im Aussagesatz eine resümierende Feststellung
aus. weist auf etwas Bekanntes hin od. dient der
Begründung für ein nicht explizites Geschehen od. für etw. All-
1371
Ja
gemeingültiges: doch: bekanntlich: immerhin: ich komme
ja schon; das habe ich ja gewußt; er kommt ja immer
zu spät: du kennst ihn ja; das sei ja nun einmal das Vorrecht
der Jugend (Jens. Mann 77); der hat's ja (salopp; hat
genug Geld): aber sie zahlt ja (Frisch. Gantenbein 139);
b) drückt im Aussagesatz od. in einer Art Ausrufesatz
Erstaunen. Überraschung über eine Tatsache od. Ironie
aus; wirklich: tatsächlich: er hat das Spiel ja verloren (das
hätte man nicht gedacht); es schneit ja: er hat sich ja
mächtig angestrengt; das ist ja toll!; Sie werfen ja mit
Gott herum wie mit Kieselsteinen (Remarque. Obelisk
211); da seid ihr ja [endlich]!; das kann ja heiter werden
(ugs. iron.; man wird mit mancherlei Schwierigkeifen o.a.
rechnen müssen): das ist (mir] ja eine schöne Bescherung
(ugs. iron.; eine höchst unangenehme SacheV.: c)
einschränkend, meist in Korrelation mit „aber**; zwar: ich möchte
ja. aber ich kann nicht; der Wagen ist ja schön, aber
teuer: er mag ja ( vielleicht) recht haben. 4. (betont als
Partikel) in Aufforderungssätzen als Ausdruck dringender
Mahnung: verstärkt die Aufforderung; unbedingt, ganz
bestimmt: auf jedenIkeinen Fall: laßt das ja sein!; sage ja
(nur) nichts meinem Vater!; zieh dich ja warm an!; ob
das Schiff ja abfahre, ob ja nichts mehr dazwischenkomme,
ob unsere Plätze ja gebucht seien (Seghers, Transit 265);
damit meiner Tante nur ja kein einziges Wort entginge
(Jens. Mann 136). 5. (unbetont) zur steigernden Anreihung
von Sätzen od. Satzteilen; mehr noch, sogar: um nicht
zu sagen: ich schätze [ihn], ja verehre ihn; ein Mädchen
mit einem Stenogrammblock ... sah mich ungeniert, ja
herausfordernd an (Koeppen. Rußland 103). 6. (betont
od. unbetont) a) reiht einen Satz an. in dem Bezug auf
vorangegangene Aussagen od. Gedanken genommen wird;
allerdings, immerhin: ja. das waren noch Zeiten!; ja. wenn
ich das gewußt hätte; ja (leider), das wird kaum möglich
sein; b) bestätigt die Berechtigung einer vorangegangenen
Frage: Wozu lebe ich? Ja, wozu lebe ich (Remarque. Obelisk
29). 7. (alleinstehend) (ugs.) a) bestätigt [statt
Namensnennung] am Telefon Gesprächsbereitschaft u. Verständnis:
ja? (wer ist dort?: was wünschen Sie?: hallo!): ja (habe
verstanden, nur weiter!); b) drückt einen Zweifel, eine Frage
aus. wenn man etwas nicht verstanden hat od. nicht
glauben will: ja? (wie bitte?: was sagten Sie?: tatsächlich?):
(subst.:) Ja [-]. das; -[s], -[s]: zustimmende Antwort auf
eine Entscheidungsfrage. Zustimmung: ein einfaches, klares,
zögerndes Ja; mit Ja oder [mit] Nein stimmen; sein Ja
dazu geben; der Ton seines Ja[s] klang nicht sehr
überzeugend; die andern ... nicken in Bonn ihr Ja (Augstein.
Spiegelungen 143).
ja-. Ja-: -entscheid, der: Entscheidung mit .Ja": ^jg (Adv.)
(ugs.): a) leitet als Seufzer meist nichtssagende Aussprüche
bedauernden Inhalts ein: ..Jaja". sagte ich. ..es ist eben
alles nicht mehr das" (Bieler. Bonifaz 208); b) antwortet
auf eine als lästig empfundene Frage od. Aufforderung:
ja ja. ich bin ja schon fertig; ja ja. ich mache das; -sager,
der (abwertend): jmd.. der den Plänen. Ansichten o. ä. (eines
Vorgesetzten. Stärkeren) immer sofort zustimmt: ein Volk
von -n; Die Fraktion ist ... zu zwar zornigen, aber doch
zu -n abgestempelt worden (Dönhoff. Ära 22); -stimme.
die: (bei einer Wahl o.a.) abgegebene Stimme, die für
das zur Entscheidung Stehende votiert hat: es gab 99.9%
-n; ^wghl (Adv.) [mhd. ja wol = ja freilich; vgl. wohl]
(verstärkend): ja: ».Verstanden?" - ..J.. Herr Leutnant":
das gilt für alle. j. für alle; -woll [jaVol] (ugs.. auch scherzh.
den militär. Tonfall nachahmend): svw. t^wohl: Ob er
wüßte, daß Lenin, j. Lenin, so eine Musik gern gehört
hätte (Degenhardt. Zündschnüre 31); ^wort, das (PI.
-Worte ungebr.): zustimmende Äußerung bes. der Braut, zur
E/ieschließung: sie gaben sich [vor dem Standesbeamten]
ihrJ.
Jab [djaeb]. der; -s. -s [engl, jab] (Boxen): hakenartiger
Schlag aus kurzer Distanz: seine größten Kämpfe hat Clay
mit dem linken J. gewonnen (MM 23. 1. 74. 8).
Jabot [sa'bo:]. das; -s. -s [frz. Jabot, eigtl. = Kropf der
Vögel]: am Kragen befestigte f seideneJ Spitzenrüsche zum
Verdecken des vorderen Verschlusses an Damenblusen, (bes.
im 18. Jh.) auch an Männerhemden.
lach üax] (Adj.) [mhd. gäch. vgl. jäh] (geh., veraltend):
svw. t jäh: ein -er Wind: wenn der Zorn, dieser -e. wilde,
unbeherrschbare Zorn über dich kommt (Nachbar. Mond
233).
Jacht, (seem. auch:) Yacht Uaxt]. die; -. -en [frühnhd. Kurzf.
von Jachtschiff (zu t jagen); die seem. Schreibung mit y
beruht auf Anlehnung an engl, yacht]: elegantes, schnelle
[Segel] schiff für Sport. Erholung, [der Repräsentation
dienende] Kreuzfahrten u.a.: eine schnittige J.; jachtern
[jaxtBn] (sw. V.; ist) [aus dem Niederd. < mniederd.
jachtern, verw. mit t jagen]: ausgelassen, atemlos umher
jagen, tollen: Ein überraschender Wind jaulte auf ... und
jachterte wie hundert hungrige Hunde durch die gelähmte
Stadt (Bordiert, Geranien 50); Jachtklub, der; -s, -s:
Sportklub für Fahrten u. Wettkämpfe mit Segeljachten.
Jäckchen [jekoan], das; -s. -: fJacke; Jacke t'jaka]. die;
-, -n (Vkl. t Jäckchen) [spätmhd. jacke < afrz. jacque
= Waffenrock, Panzerhemd, H. u.J: den Oberkörper bedek-
kender. bis an od. über die Hüfte reichender, meist langärme-
liger Teil der f Ober Jbekleidung: eine leichte, bunte,
pelzgefütterte J.; die J. anbehalten, ausziehen; * eine alte J. (t 'Hut
1); eine warme J. (ugs., bes. berlin.; Kognak: als Wortspiel
wegen der gleichen Aussprache l'kowak) zugleich mit
Bezug auf die wärmende Wirkung des Alkohols); das bt
J. wie Hose (ugs.; das ist einerlei: macht keinen Unterschied):
die J. voll kriegen (tHucke 1): imdm. die J. voll hauen
(t Hucke 1); imdm. die J. voll lügen (T Hucke 1); sich (Dativ)
die J. voll saufen/die J. begießen (salopp; sich betrinken):
aus der J. gehen (ugs.; aufbrausen: sich heftig erregen).
JSckel ['jekj], der; -s, - (Koseform zum männlichen Vorn.
Jakob] (ugs. abwertend od. gutmütig spöttisch):
Dummkopf, einfältiger Mensch.
Jacken-: ^ftnnel, der. -fett, das in der Wendung J. kriegen
(ugs.; Prügel bekommen): ^klekl, das: /kostümartiges]
zweiteiliges Kleid mit Rock u. Jacke aus gleichem Stoff:
-kragen« der: mit hochgestelltem J.: -schoß, der: unter
der [betont verengten/ Taille sitzender Teil einer langen
Jacke: -tasche, die: Tasche an% in einer Jacke.
Jacketkrone [ctsekit-], die: -. -n [engl, jacket crown. zu:
jacket = Jacke. Mantel, Umhüllung u. crown = [Zahn]-
krone; erstmals 1903 von dem amerik. Zahnarzt C. H.
Land (1847-1919) in die wissenschaftliche Literatur
eingeführt] (Med.): Mantelkrone aus Porzellan od. Kunststoff
ohne Unterbau aus Metall: Jackett fca'kEt]. das; -s. -s.
seltener: -e [frz. jaquette. zu: jaQue = kurzer, enger
Männerrock]: zum Herrenanzug gehörende Jacke: ein kariertes
J.; * einen unter das J. brausen (salopp; ein Glas Bier o. ä.
trinken): (Zus.:) Jackettasche, die: vgl. Jackentasche.
Jackpot ['dsaekpot], der; -s. -s [engl. Jackpot, zu: jack =
Bube (im Kartenspiel) u. pot = Einsatz; Topfl: 1. (Poker)
Einsatz (der in eine gemeinsame Kasse kommt). 2. (Toto,
Lotto) bes. hohe Gewinnquote, die dadurch entsteht, doli
es in dem vorausgegangenen Spiel od. Spielen keinen
Gewinner im ersten Rang gegeben hat.
Jackstag ['(bek-Jta:k], das; -[e]s. -e[n] [engl, jackstay. zu:
jack = (Hebe)vonichtung u. stay = tStag] (See-
mannsspr.): Metallschiene am Mast, an der das Segel
entlanggleiten kann.
Jacon[n]et, Jakonett ['saksnet. auch: — *-]. der; -[s]. -s [engl,
jaconet. nach dem Namen der ind. Stadt Jagannath, in
der dieser Stoff erstmals hergestellt wurde]: leichter,
weicher, meist grauer Futterstoff aus Baumwolle, Zellwolle
od. Reyon mit glänzender Oberseite.
Jacquard [3a'ka:r], der; -[s]. -s [nach dem franz. Seidenweber
J.-M. Jacquard (1752-1834)]: auf einer Jacquardmaschine
hergestelltes Gewebe mit großem Muster: ein Kleid aus
einem blau-grün-braunen J.
Jacquard-: -gewebe. das; --karte, die: entsprechend der zu
webenden Musterreihe gelochte Pappkarte, durch die die
Kettfäden beim Weben mustergerecht gehoben od. gesenkt
werden: -maschine, die: Maschine zum Herstellen von
Stoffen mit großflächigen Mustern, die mit Hilfe von
entsprechend gelochten Pappkarten arbeitet: ^pullover. der.
iade fja.da] (indekl. Adj.; o. Steig.: nicht adv.) [zu t Jade]:
blaßgrün: ein j. Schimmer: ihr Kleid war j.: Jade [-]. der:
-[s]. auch: die; - [frz. jade < span. (Piedra de la) ijada
= (Stein für die) Weiche; Jadestücke wurden als
Heilmittel gegen Nierenkoliken angesehen]: blaßgrüner,
durchscheinender, aber undurchsichtiger Schmuckstein:
(Zus.:) jadegrün (Adj.; o. Steig.; nicht adv.): svw. T jade;
Jadeit Uade'i:t. auch: ...e'it]. der; -s. -e: weißlichgrünes,
dichtes, körniges bis faseriges Mineral: laden [ja:dn] (Adj.;
o. Steig.; nicht adv.): aus Jade /bestehend, hergestellt]:
eine jad[e]ne Schale.
1372
jagd-, Jagd-
j,adoube[3a'dub: frz. = ich stelle zurecht]: Schachausdnick.
der besagt, daß man eine berührte Schachfigur nicht ziehen,
sondern nur an den richtigen Platz stellen will; vgl. aber:
piöce touchde. piece Jouee.
Jaflaapfehine [jafa-]. die; -. -n [nach Jaffa. Teil der Stadt
Tel Aviv-Jafla in Israel]: eine im Vorderen Orient angebaute
helle Orange] nsorte].
Jagd Ua:kt]. die; -. -en [mhd. Jaget. Jagät. zu tjagen]: l.a)
das Aufspüren. Verfolgen. Erlegen od. Fangen von Wild;
das Jagen: die J. auf Hasen; auf ein Wild J. machen;
auf der J. sein (zum Jagen unterwegs sein); auf die J.
(jagefi) gehen; Ü die Wölfe gehen meist nachts auf [die]
J.; die hohe Jagd (Jägerspr.: 1. die Jagd auf Roh. Dam-.
Stein-. Muffel-. Garns-. Schwarz- u. Auerwild sowie auf
Bär. Wolfu. Luchs. 2. Hochwild; urspr. Bez. für das
Jagdbare Wild, das den Fürsten u. adligen Herren vorbehalten
war. im Gegensatz zum Wild der niederen Jagd, das nach
herrschaftlicher Genehmigung den niederen Schichten zur
Jagd freigegeben war; nach Aufhebung der alten
Jagdrechte wurden Damwild u. Fasan dem Hochwild hinzugezählt);
die niedere Jagd (Jägerspr.; dieJ. auf Rehwild. Hase.
Kaninchen. Murmeltiere. Füchse. Dachse, kleineres Haarraubwild.
Flugwild [außer Auerwild] u. Robben); b) / gesellige]
Veranstaltung, bei der eine Gruppe von Jägern auf bestimmtes
Wild jagt: die J. beginnt; eine J. eröffnen; (Jägerspr.:)
die J. an-, abblasen; J. frei! (Jägerspr.; das Jagen kann
beginnen)', jmdn. zur J. einladen. 2. / Personen jgruppe. die
beim Jagen ist; Jagdgesellschaft: die J. bricht auf. reitet
vorüber; Ü Die fremde J. (Jagdflugzeuge des Gegners)
hing am Himmel und lauerte, wo sich Leben zeigte (Gaiser.
Jagd 166); *die Wilde J. (Myth.; beim Sturm durch die
Lüfte reitendes Heer mit Wotan an der Spitze). 3. / Wald]re-
vier mit dem zugehörigen Wildbestand: eine J. pachten;
er befindet sich auf seiner J.; zu dieser J. gehören auch
einige fischreiche Gewässer. 4. Verfolgung, das
Hinterherhetzen, um jmdn. zu ergreifen od. etw. zu erlangen: die
J. auf einen Verbrecher, der Spitzenläufer wußte, daß nun
alle J. auf ihn machten (ihn einholen wollten); die J. (Sport;
Wettkampf) um die drei Europapokale für Tourenwagen
(Auto 7, 1965, 59); Ü die J. nach Glück. Geld. Besitz;
keiner wagt, hinter dem anderen in dieser J. um die
Volksgunst zurückzubleiben (St. Zweig. Fouchö 40).
iggd-. Jagd-: -anzug. der: dunkelgrüne Kleidung des Jägers;
-aufseher. der: Beauftragter für den Jagdschutz in einem
Revier; -berechtigt <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: berechtigt,
in einem bestimmten Gebiet zu jagen; -bereditigung. die:
Berechtigung zur Jagd; -beute, die: das bei der Jagd
erbeutete Wild; -bezirk, der (Amtsspr.): vgl. -revier:
gemeinschaftliche -e; -bomber, der (Milit.): Flugzeug, das sowohl
zur Unterstützung des Feldheeres (hier mit Bomben u.a.)
als auch als Jäger gegen feindl. Kampfflugzeuge eingesetzt
werden kann; Abk.: Jabo; -eifer, der; -erlaubnis, die:
Erlaubnis [an einem bestimmten Ort. zu einer bestimmten
Zeit] zu jagen; -falke. der: zur lBeize bes. abgerichteter
Falke; -fieber. das: fieberhafte Jagdlust: das J. hat ihn
gepackt; -flieger. der: Pilot eines Jagdflugzeugs: ein
bekannter J. des 2. Weltkrieges; -flinte. die; -flugzeug,
das (Milit.): ein- od. zweisitziges sehr schnelles u. wendiges
Flugzeug, das Kampfflugzeuge des Gegners angreifen u.
drohende Luftangriffe od. Truppenlandungen verhindern soll;
-folge, die: svw. t Wildfolge; -frevel, der: Vergehen gegen
die Jagdgesetze (z. B. Wilddieberei): -frevler, der; -gast.
der: jmd.. der auf Einladung des Eigentümers od. Pächters
einer Jagd (3) an einer Jagd (1 b) teilnimmt; -gebiet, das:
größeres (mehrere Reviere unifassendes j Gebiet mit
durchgehendem Wildbestand: die -e der Karpaten; -gehege.
das: svw. t Wildgehege; -genossenschaft. die: Gesamtheit
der Eigentümer der Grundflächen, die zu einem gemeift-
schaftlichen Jagdbezirk gehören: die -en sorgen für die
weidgerechte Hege und Pflege der Reviere; -gerecht <Adj.;
o. Steig.): der Jagd u. dem jagdlichen Brauchtum gemäß:
weidgerecht; -gerechtigkeit. -gerechtsame, die: das Recht,
in einem bestimmten Gebiet die Jagd auszuüben;
Jagdberechtigung; -gesdroader. das (Milit.): laus mehreren Staffeln
bestehender/ Verband von Jagdflugzeugen; -gesellsdiaft,
die: Gesamtheit der Teilnehmer an einer Jagd; -gesetz.
das: Gesetz, das die mit dem Jagdwesen zusammenhängenden
Rechtsfragen regelt; -gewehr. das; -glück, das: Glück.
Erfolg bei der Jagd (Ggs.: -pech); -grenze, die: Grenze eines
Jagdreviers; -gnind, der <meist Pl.>: vgl. -gebiet: ein
reicher J.; daß dies einst berühmte Jagdgründe waren (Grzi-
mek. Serengeti 248); *in die ewigen Jagdgründe eingehen
(ugs. scherzh.; sterben; nach der mythologischen
Vorstellung der nordamerik. Indianer von einem als Happy Hun-
ting Grounds = glückliche Jagdgründe bezeichneten
Jenseits); hndn. in die ewigen Jagdgründe schicken, befördern
(ugs.; meist als [scherzh.] Drohung gebraucht; ,/mrf/j. töten)'.
-haus, das: kleines Haus im Wald als Unterkunft.
Übernachtungsgelegenheit [bei Jagden]; -herr, der: Eigentümer od.
Pächter eines Jagdreviers; -hörn, das <P1. -hörner): Hörn
(3 a), mit dem Jagdsignale geblasen werden; -hund. der:
für die Jagd abgerichteter Hund: der J. spürt das Wild
auf: Ü die -e (Polizisten. Kriminalbeamte) waren hinter
ihm her; ein scharfer J. (strenger Vorgesetzter);
-Mitte, die: kleines Jagdhaus; -karte, die: svw. t -schein;
-kleidung. die: vgl. -anzug; -kollektiv, das (DDR):
Zusammenschluß von Jägern, die gemeinsam in einem
bestimmten Gebiet jagdberechtigt sind; -künde, die: Lehre von
der Jagd; -kundig <Adj.>: mit der Jagd u. ihren Gesetzen
vertraut; -kundlich <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): die
Jagdkunde betreffend: -er Unterricht; -leidenschaft. die: große,
leidenschaftliche Lust zu jagen, zur Jagd: die J. hatte ihn
gepackt; -leopard. der: svw. tGepard; -lied. das; -tust,
die: vgl. -leidenschaft; -messer, das: kurzes, feststehendes
Messer zum Ausweiden des Wildes; -musik. die; -netz.
das: ausgespanntes Netz, das bei einer Treibjagd das
Ausbrechen des Wildes verhindern soll; -Pächter, der; -panzer.
der (Milit.): Panzerfahrzeug, das mit Geschützen od.
Raketen bewaffnet u. hauptsächlich zum Einsatz gegen feindliche
Panzer vorgesehen ist; -pech. das: / wiederholter] Mißerfolg
bei der Jagd (Ggs.: -glück); -Prüfung, die: svw. t
Jägerprüfung; -recht, das: 1. Gesamtheit der mit der Jagd
zusammenhängenden rechtlichen Bestimmungen. 2. Berechtigung. / ///
einem bestimmten Gebiet] die Jagd auszuüben; -rechtlich
<Adj.; o. Steig.): das Jagdrecht (1) betreffetui: -e
Vorschriften; -rennen, das: Pferderennen über eine Strecke mit
Hindernissen; -revier, das: [aus Wald- u. Feldstücken
bestehender] Bezirk, der eine jagdliche Ein/teit bildet; Jagd (3):
der Hirsch war in das benachbarte J. hinübergewechselt;
Ü in der Halle des Berliner Wannseebahnhofs. Dort ist
sein J. (sucht er nach Kunden, geht er auf Kundenfang
aus; Quick 51. 1958. 45); -schaden, der (jur.): bei der
Ausübung der Jagd entstatidener Schaden; -schein, der:
Ausweis, indem die Berechtigung des Inhabers zur Ausübung
der Jagd bescheinigt wird; * einen/den J. haben (ugs.; vom
Gericht für unzurechnungsfähig erklärt worden sein; bezieht
sich darauf, daß der Inhaber eines Jagdscheines in seinem
Revier tun und lassen kann, was er will): der kann sich
das erlauben, er hat ja den J.!; Gewiß, ich hab meinen
Lungenschuß, meinen J., ich brauche nicht mehr mit (Fr.
Wolf. Menetekel 38); -schloß, das: zu Jagdzeiten bewohntes
Schloß in einem herrschaftlichen Jagdrevier; -schütz, der:
I. Gesamtheit der Maßnahmen zum Schutz u. zur Hege
des Wildes. 2. (Milit.) Schutz eines Flugverbandes durch
begleitende Jagdflugzeuge; -signal. das: / auf Jagdhörnern /
geblasenes Signal, das in genau festgelegten u. bekannten
Tonfolgen u. Rhythmen Anfang u. Ende einer Jagd od.
bestimmte Ereignisse während der Jagd verkündet;
-springen, das (Reiten): als Leistungsprüfung od. Wettbewerb
verunstaltetes Springen über bestimmte in Art u. Hölie nach
Klassen festgelegte Hindernisse; Springreiten: ein J. der
Klasse S; -Staffel, die (Milit.): kleinerer Verband von
Jagdflugzeugen; -stock, der: Stock mit einer Platte, die sich
als behelfsmäßiger Sitz herunterklappen läßt; -stück, das:
a) (Malerei) Jagdszene od. Stilleben mit erlegtem Wild.
Waffen u.a.; b) Musikstück mit Jagdsignalen; -stuhl, der:
svw. t -stock; -szene. die (Malerei): bildliche Darstellung
eines Geschehens bei der Jagd; -trophäe. die: Geweih. FelL
Gamsbart o. ä. als Zeichen erfolgreicher Jagd; -verband.
der: I. (Milit.) Verband von Jagdflugzeugen. 2.
Zusammenschluß von Jägervereinen; -verbot, das: l zu bestimmten
Zeiten, für bestimmte Tierarten od. Gegenden geltendes]
Verbot, die Jagd auszuüben; -vergehen, das: Vergehen gegen
eine Bestimmung des Jagdgesetzes; -vergnügen, das; -
Waffe, die; -wagen, der: leichtgebauter, offener Wagen für
die Jagd; -wesen. das: Gesamtheit dessen, was mit der
Jagd, ihren Gesetzen. Gebräuchen u.a. zusammenhängt;
-wilderei, die: Jagen ohne Jagderlaubnis od. mit unerlaubten
Mitteln; -wurst. die: mit Senf u. Knoblauch abgeschmeckte,
heiß geräucherte u. gebrühte Wurst; -zauber. der (Myth.):
1373
jagdbar
Zauberformel, Ritus, durch den Jagdglück heraufbeschworen
od. die Kraft des erlegten Tieres auf den Jäger übertragen
werden soll; ^zeit, die: Zeitspanne im Jahr, in der eine
Wildart gejagt werden darf (Ggs.: Schonzeit); -zank das:
Gesamtheit der bei der Jagd benötigten Geräte, bes. die
bei der Treibjagd zum Einkesseln des Wildes dienenden
Netze, Tücher u. Lappen; ^zimmer, das: mit Jagdtrophäen
geschmückter, die Jagdwaffen u. ä. beherbergender Raum;
^zug, der (veraltend): jagdliches Unternehmen; Jagd (1 b).
jagdbar ['ja:ktba:g] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [mhd. jage-
baere]: (von einem Tier) so beschaffen, daß es nach den
jagdrechtlichen Bestimmungen auf Grund seiner Größe,
seines Alters u.a. gejagt werden kann; <Abl.:> Jagdbarkeit,
die; -; jagdlich <Adj.; o. Steig.; nicht präd.): die Jagd
betreffend; in bezug auf die Jagd; aus -en Motiven; ein
j. geschütztes Tier; jagen ['ja:gn] <sw. V.) [mhd. jagen,
ahd. jagön, H.u.]: 1. <hat> a) Wild verfolgen, um es zu
töten od. zu fangen; einen Hirsch j.; er hat in Afrika Löwen
gejagt; Wildenten dürfen vom August an gejagt werden;
(Jägerspr.:) auf Rebhühner j.; Ü daß ... unter dem Dach
jede Nacht eine große Mamba herumkroch, die dort nach
Fledermäusen und Ratten jagte (Grzimek. Serengeti 182);
Mädchen, die berufsmäßig auf die Fremden in Paris jagen
(Baum, Paris 46); b) auf Jagd gehen, die Jagd ausüben:
es ist eine Freude zu j.; [in den Bergen] j. gehen; man
jagt nicht mehr mit Pfeil und Bogen. 2« jmdn. [sehr schnell
laufend, fahrend o. ä.J verfolgen u. versuchen, ihn zu
ergreifen <hat>: einen Flüchtling, einen Verbrecher j.; man jagt
die Sprungkünstler (= Heuschrecken) müde (jagt sie,
verfolgt sie, bis sie müde sind), geht ihnen fortwährend nach,
bis sie vierzig-, fünfzig-, sechzigmal weggehüpft sind
(Grzimek, Serengeti 126); Die Katzen schreien ... und
jagen sich hinter den Grabeinfassungen (Remarque.
Obelisk 90); Ü von Todesfurcht gejagt; ein gejagter (gehetzter,
umhergetriebener) Mensch; sich immer gejagt fühlen; ein
Gedanke jagt den anderen; die Ereignisse. Katastrophen
jagten sich; ein Kaleidoskop .... in welchem die Bilder
einander jagen (Langgasser, Siegel 608); *jmdn« mit etw.
jagen körnen (ugs.; etw. ganz u. gar nicht mögen,
Widerwillen dagegen haben): sie mag nur saure Sachen, mit Kuchen
kann man sie j.; damit kannst du mich j.! 3. <hat) a) in eine
bestimmte Richtung treiben; Tiere in den Stall j.; Ü
(Fußball Jargon:) den Ball ins Netz, in die linke Ecke j.;
Windstöße jagten eine dunkle RifTelung nach der anderen
übers Wasser (Hausmann. Abel 152); b) von einem Platz
weg-, vertreiben, zu einem Platz hintreiben; die Feinde aus
dem Land j.; Ü mit einem Gesang dazu, daß es einen von
den Sitzen jagt (Bobrowski. Mühle 117). 4. (ugs.) (einen
[ spitzen] Gegenstand) in etw. hineinstoßen, hineintreiben
<hat): der Arzt hat ihm eine Spritze in den Arm gejagt;
es blieb nichts übrig, als dem wütenden Tier eine Kugel
in. durch den Kopf zu j.; Ü war es ihm. als würden
Stromstöße durch seinen Körper gejagt (Ott. Haie 184).
5. sich sehr schnell u. mit Heftigkeit bewegen; eilen, hasten
<ist): sie sind im Laufschritt zum Bahnhof gejagt; Mit
abgeblendeten Scheinwerfern jagte Kluttig durchs Gelände
zur Siedlung (Apitz. Wölfe 368); Ü Wolken jagen am
Himmel; mit jagendem Atem. 6. gierig streben <hat): nach
Abenteuern, nach Glück. Ruhm. Geld j.; Jagen [-]. das;
-s. - (Forstw.): durch Schneisen begrenzte, kleinste
Wirtschaft seinlteit eines Forstes: in J. 13 muß Holz
eingeschlagen werden; Jäger ['j£:ge], der; -s. - [mhd. jeger(e). ahd.
jagarti)]: 1. jmd., der auf die Jagd geht: ein passionierter
J.; der J. muß zugleich Heger sein. 2. (Milit.) a) <P1.)
[als Scharfschützen ausgebildete] zur Waffemattung
Infanterie gehörende Truppenteile des Heeres: er dient bei den
-n; b) Angehöriger eines solchen Truppenteils: er ist J. im
3. Infanteriebataillon; c) (Soldatenspr.) Jagdflugzeug:
feindliche J. über der Stadt.
Jäger-, Jiger-: -art.die: nach J.; -ball, der <o. PI.)
(Ballspiele): Mannschaftsspiel, bei dem die Spieler der einen Partei
versuchen, die Spieler der andern mit dem Ball zu treffen;
^bataillon, das: zur Waffengattung Infanterie gehörende
Kampfeinheit von Scharfschützen; -grün <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.): grün wie die Kleidung eines Jägers: vgl. blau;
-haus, das: svw. ! Jagdhaus; ^hut. der: dunkelgrüner [mit
Feder, Gamsbart o.a. geschmückter] Hut, wie ihn Jäger
tragen; -kultur. die: [prähistorische] Kultur von
Jägervölkern; -latein. das [urspr. die Sondersprache der Jäger,
die für Laien so unverständlich schien, als wäre es Latein;
aus dem Unverständlichen wurde das Unglaubwürdige]:
übertreibende od. erfundene Darstellung eines i Jagd]erlet*
nisses; ^lied, das: / Volks] Hed, in dem das Jägerdasein a.
die Jagd besungen werden; -meister. der (veraltet): 1. Titel
für einen höheren Jagdbeamten. 2. Inhaber dieses Titels;
-Prüfung, die: amtl. Prüfung als Voraussetzung für die
Erteilung des ersten Jagdscheines; ^redit, das: der dem Jäger
nach Recht u. Brauch zustehende Anteil an der Beute, bes.
die Jagdtrophäe; -rock, der: grünes [Loden]Jackett des
Jägers; -Satellit, der: svw. t Killersatellit; -schnitze!, das
(Kochk.): unpaniertes Kalbs- od. Schweineschnitzel mit
einer würzigen Sauce u. Pilzen; -spräche, die: überlieferte
Fach- u. Sondersprache für alles mit der Jagd u. dem
jagdbaren Wild Zusammenhängende mit eigenen Ausdrücken u.
Sonderbedeutungen (z. B. ..Schweiß" für „Blut"); -stamm,
der: Stammesgruppe von [nomadisierenden] Jägern.
Jagerei üa:gs'r^jl. die; -. -en <P1. selten) [zu t Jagen (5)]
(abwertend): [wiederholtes od. andauerndes] Hetzen,
Gehetztwerden; Jägerei Ue:gd'r^j]. die; - [mhd. jegereie. jagerie;
wohl nach afrz. chacerle. zu: chacier = jagen]: 1. das
Jagen, Ausüben der Jagd: er liebt die J. 2. svw. t Jagdwesen.
3. svw. T Jägerschaft; Jägerhaft [je:gshaft] <Adj.; o. Steig.):
wie ein Jäger; nach der Art eines Jägers: -es Verhalten;
Jägerin [je:gonn], die; -. -nen [mhd. jegerinne]: w. Form
von t Jäger; jigerbch <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): die Jäger
betreffend: -e Belange; ügerlich <Adj.; o. Steig.): nach
Art der Jäger: ein -es Mahl; Jägerschaft, die; -: Gesamtheit
der Jäger; Jägersmann, der <P1. ...leute) (ugs. veraltend):
Jäger: der wilde J.; Jaghund [ja:k-], der (Schweiz.): svw.
tJagdhund.
Jaguar [ja:gua:?]. der; -s. -e [port. Jaguar < indian. (Tupi)
Jagwärta) = fleischfressendes Tier]: in Südamerika
heimisches, dem Leoparden sehr ähnliches Raubtier mit meist
rötlichgelbem Fell mit schwarzen Ringelflecken [u. dunklen
Tupfen darin] u. langem Schwanz.
Jäh [je:] <AdJ.; -er. -[eiste) [mhd. gaehe. ahd. gähi. H.u.;
die j-Form geht auf mundartl. Ausspr. des anlautenden
g- zurück] (geh.): I. plötzlich u. heftig [eintretend,
einsetzend, ohne daß man darauf vorbereitet war]: ein -er
Entschluß; ein -er Windstoß; er fand einen -en Tod; Das
Erwachen war j. und häßlich (Maegerlein. Triumph 43);
j. sprang er auf; das wurde uns alles j. bewußt. 2. steil
[nach unten abfallend]: ein -er Abgrund; dort ging es
j. in die Tiefe; Ü die -en Untiefen der Liebe (Fries, Weg
73); <Abl.:> Jähe ['Je»], die; - [mhd. gaehe = Eile.
Ungestüm; steiler Abhang, ahd. gähi = Eile, Ungestüm]
(veraltet): 1. Plötzlichkeit. 2. Steilheit; Jäheit [jeih^Jt]. die; -:
svw. tJähe; Jählings t'je:lins] <Adv.) [älter: gählings]: 1.
plötzlich, in jäher Art: er sprang j. auf; ließ ein gewaltiges
... Krachen j. den... Seelenhirten zusammenzucken (Broch.
Versucher 117). 2. steil: Nach dem 2. Betonsockel senkt
sich die Seilbahn j. in einen Waldgraben hinab (Broch.
Versucher 158).
Jahr [ja:?], das; -[e]s, -e <scherzh. Vkl. tJährchen) [mhd..
ahd. jär; vidi, urspr. = Gang; Lauf. Verlauf!: 1. Zeitraum
von zwölf Monaten (in dem während 365 Tagen die Erde
die Sonne einmal umläuft): ein halbes, ganzes, volles J.;
mehrere, viele -e: das alte und das neue J.; dies J.; das
vorige, nächste J.; die kommenden -e; das J. 1977; das
J. der Frau; ein schönes, schweres, ereignisreiches J.;
soziales J. (freiwillige pflegerische, erzieherische od.
hauswirtschaftliche ganztägige Hilfstätigkeit von Personen im Alter
zwischen 17 u. 25 Jahren für die Dauer von 6 bis 12 Monaten
bei einem Wohlfahrtsverband, der Kirche usw.); -e des
Schreckens; ein J. voller Aufregung, Anstrengungen,
Überraschungen; die -e gingen dahin, vergingen wie im Flug;
[viele] -e sind seitdem vergangen; einige -e im Ausland
verbringen; jmdm. ein gutes, gesundes neues J. wünschen;
durch den Umzug hatte sie ein J. (in der schulischen
od. beruflichen Ausbildung) verloren; -e zuvor; nächstes
J. (im nächsten Jahr) soll es anders werden; sie fahren
jedes [zweite] J. in den Süden; alle halbe[n]/(landsch.. bes.
md. auch:) aller halben -e sollte man zum Zahnarzt gehen:
lange -e [hindurch] war er krank; das ging ein J. lang
gut; das ganze J. hindurch; es ist viele -e her. seit ...;
J. für/um J. (jedes Jahr, alljährlich); Ende des -es; im
April vorigen -es; im Laufe der -e; das ist die Arbeit
vieler -e; das Buch, der Sportler des -es (als Buch, Sportler
in dem betreffenden Jahr an der Spitze liegend in bezug
auf Erfolg, Beliebtheit, Leistung); das ist auf -e hinaus
1374
Jahres-, Jahres-
festgelegt; binnen weniger -e: im nächsten J.; in hundert
-en; einmal im J.; im -e 1000 [nach Christi GeburtJ; in
den 20er -en (den Jahren zwischen 1920 u. 1930); er betrat
diese Gegend sonst in -en (jahrelang) nicht (H. Mann.
Unrat 31); mit den -en (mit der Zeit); nach einem J./(ugs.:)
übers J.; seit -en; vor [einigen] -en; von J. zu J. (mit
jedem Jahr mehr, weniger, in ständiger Steigerung. Abschwä-
chung); während des ganzen -es; zwischen den -en
(landsch.; zwischen Weihnachten u. Neujahr od. dem
Dreikönigstag): ohne J. (Buchw.; ohne Angabe des
Erscheinungsjahres; Abk.: o. J.); *die sieben fetten -e/dle sieben
mageren -e (gute Zeiten!schlechte Zeiten; nach 1. Mos. 41,
wo der Traum Pharaos entsprechend gedeutet wird);
auf J. ind Tau (in allen Einzelheiten u. mit genauem
Datum); nach/vor J. und Tau (nach!vor langer Zeit; eigtl.
alte Rechtsformel; für Verjährungsfristen mußten immer
noch einige Tage zugegeben werden, weil die Klage nur
zu bestimmten Gerichtsterminen eingereicht werden
konnte); seit J. und Tag (seit undenklich langer Zeit; schon
immer). 2. Lebensjahr. Jahr (1) in bezug auf den einzelnen
u. sein Alter: ein verlorenes J.; die sorglosen -e der Jugend;
alle meine -e; unsere -e schwinden dahin; er ist neunzig
-e [alt]; das Kind ist kaum älter als drei -e; sie sieht
erwachsener aus als ihre -e (landsch.; als es ihrem Alter entspricht);
seine -e (sein Alter) spüren; der Beamte hat seine -e
(Dienstjahre) voll; jung an -en; bei seinen fortgeschrittenen
-en (seinem Alter) kann er das nicht mehr; ein Spielplatz
für Kinder bis/über acht -e; Kindern bis zu vierzehn -en
ist der Zutritt-verboten; für seine achtzig -e (im Verhalmis
zu seinem Alter) ist er noch erstaunlich rüstig; etw. schon
in jungen -en (sehr früh) gelernt haben; in reiferen -en;
mit den -en (mit zunehmendem Alter) ist sie vernünftiger
geworden; er ist um -e gealtert (ist in letzter Zeit durch
ein Ereignis o. ä. in bezug auf das Aussehen sichtlich alt
geworden); *bei -en sein (geh.; nicht mehr ganz jung sein);
in die -e kommen (verhüll.; älter, alt werden); in den besten
-en (in der Blüte des Lebens).
jähr-. Jahr- (vgl. auch: Jahres-, Jahres-): ^aus <Adv.) nur
in dem Wortpaar jahraus, iahrein (jedes Jahr in der gleichen
Weise ohne Abwechslung, immer wieder): man haust so
j.. j. in der Steppe (Grzimek, Serengeti 142); -buch, das
[urspr. PI. als Lehnübertragung von lat. annäles]: jährlich
erscheinender, von einem wissenschaftlichen Institut, einer
Gesellschaft, einem Verein o. ä. herausgegebener Band mit
Aufsätzen. Buchbesprechungen. Nachrichten über das
entsprechende Fachgebiet: ein statistisches J.; J. des Vereins
für ...; ^fiin: vgl. ^aus; -fijnft, das: Zeitraum von fünf
Jahren; -gang, der [mhd. järganc = Jahreslauf; Ereignisse
im Jahre]: a) in einer Reihe mit andern in einem bestimmten
Jahr geborene Person! en]: der J. 1900; die
geburtenschwachen Jahrgänge (in geburtenschwachen Jahren Geborenen)
werden in den nächsten Jahren schulpflichtig; die reiferen
Jahrgänge (verhüll.; älteren Menschen); die weißen
Jahrgänge (nicht zum Wehrdienst herangezogene Altersgruppe) ;
er ist mein J. (im selben Jahr wie ich geboren); einen
J. zur Musterung bestellen; b) Wein aus einem bestimmten
Jahr: der 76er Wein soll ein guter J. (ein Wein aus einem
guten Weinjahr) werden; ein billiger Wein ohne J. (olxne
Angabe des Jahres, aus dem er stammt; Remarque. Obelisk
57); c) in einem bestimmten Jahr erschienene Folge von
Ausgaben einer Zeitung od. Zeitschrift, herausgebrachter
Typ. herausgekommene Serie eines bestimmten
Erzeugnisses: von dieser Zeitschrift sind noch einige Jahrgänge
lieferbar; ein Modell J. 1950; -ganger, der (südd., Schweiz.,
westösterr.): Person desselben Geburtsjahrgangs.
Altersgenosse: die J. 1930 machen einen Ausflug; Jahrgang 1908.
Dornbirn, trifft sich zur Beerdigung des -s Anton Wolf
(Vorarlberger Nachr. 26. 11. 68. 9), dazu: -gängerausflug.
der (südd.. Schweiz., westösterr.). -gängerin. die (südd..
Schweiz., westösterr.): w. Form zu t ^ganger: die Teilnahme
von immerhin 8 sehr rüstigen -nen und Jahrgängern
(Vorarlberger Nachr. 27. 11. 68. 4). -gängerverein, der (südd..
Schweiz., westösterr.); -gangsmappe. die: Sconmehnappe
für einen Zeitschriftenjahrgang; -gedächtnis, das (kath.
Kirche): jährlich wiederkehrende Gedächtnisfeier für einen
Toten; Anniversar; -hindert, das: Zeitraum von hundert
Jahren [jeweils etwa vom Jahre 0 bis zum Jahre 99 der
betreffenden Hunderterzahl; Abk.: Jh.: das 19., 20. Jh.; ein
J. der Schrecken; das J. der Aufklärung; In einem -e
währenden Prozeß wurde das Silber als Münzmetall allmählich
durch das Gold ersetzt (Fraenkel, Staat 361); durch die
-e; in unserem J.; im ersten J. vor. nach Christi Geburt,
dazu: -hyndertealt <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: mehrere,
viele hundert Jahre alt: eine -e Tradition, -h^ndertelang
<Adj.; o. Steig.): durch mehrere, viele Hunderte von Jahren
dauernd, anhaltend: -es Bemühen; j. hat die InQuisition
Ketzer verfolgt (Dönhoff. Ära 181). -h^ndertfeier. die:
festliche Veranstaltung zum 100jährigen (od. 200-. 300jähri-
gen usw.) Bestehen von etwas, ^hynderthälfte, die: erste,
zweite Hälfte eines Jahrhunderts: in der ersten J.. -hyndert-
mitte, die: Mitte eines Jahrhunderts, -hvndertweln, der:
aus den Jahrgängen eines Jahrhunderts durch seine Qualität
besonders herausragender Wein: die Jahrgänge 1911. 1959
und 1971 wurden als -e bezeichnet, -hi,indertwende, die:
Wetvde von einem zum nächsten (meist vom vorigen zum
gegenwärtigen) Jahrhundert: um die J.; -markt, der [mhd.
järmarket, ahd. iärmarchat]: ein- od. mehrmals im Jahr
stattfindender Markt mit Verkaufs- u. Schaubuden.
Karussells o. ä.: heute ist J.; auf dem Platz war ein J. aufgebaut;
auf den J. gehen; Ü ein J. (eine Zurschaustellung) der
Eitelkeiten]; das ist ja ein fürchterlicher J. (Trubel), dazu:
-marktsbude. die, -marktsbühne, die: provisorische
Bretterbühne [im Freien] für Vorführungen wä/irend des
Jahrmarkts, -marktsschreier, der: Ausrufer, seine Ware
anpreisender Händler auf dem Jahrmarkt, -marktstreiben, das;
-millionen <P1.>: Millionen von Jahren: in J.; -ring, der:
svw. t Jahresring, dazu: -ringbildung, die: svw. t
Jahresringbildung, -ringchronologie, die: svw. t
Jahresringchronologie, -ringforschung, die: svw. t Jahresringforschung;
-schießet, das (Schweiz.): alljährlich wiederkehrendes
Schützenfest; -tag, der: svw. t Jahrestag; -tausend, das: Zeitraum
von tausend Jahren; vgl. ^hundert: der Schauplatz
griechischer Geschichte durch zwei -e hin (Bild. Kunst I. 68),
dazu: -tausendealt: vgl. -hundertealt. -tausendelang: vgl.
^hundertelang. -tausendfeier. die: vgl. -hundertfeier.
-tausendwende, die: vgl. -hundertwende: die ottonische
Kunst... um die J. (Bild. Kunst 3,67); -weisen der (geh.):
Kalender; -zahl, die (Schweiz.): svw. t Jahreszahl; -zehnt,
das: Zeitraum von zehn Jahren: es dauerte -e. bis ...; in
den ersten -en dieses Jahrhunderts; seit wenigen -en; von
J. zu J.; während langer -e, dazu: -zehntelang <Adj.; o.
Steig.): mehrere, viele Jahrzehnte dauernd, anhaltend: -e
Übung; so war es j.; Sie hatten der Partei j. treu gedient
... und wurden nun in entlegene Gebiete Mittelasiens
verfrachtet (Leonhard, Revolution 111); -zeit, die (Schweiz,
veraltend): Messe zum Andenken an einen Verstorbenen.
dazu: -zei tarnt, das (Schweiz.): svw. T -zeit, -zeitbuch, das
(Schweiz.): Kalender der für Verstorbene zu lesenden
Messen, -zeitmesse, die (Schweiz.): svw. t^zeit.
Jährchen [je:?C3n], das; -s, -: scherzh. Vkl. von tJahr: auf
den nächsten Krieg wirst du noch einige J. warten müssen
(Kirst. 08/15. 811); Jahrelang <Adj.; o. Steig.; nicht präd.):
viele Jahre dauernd, anhaltend: -e Unterdrückung; Im -en
unmittelbaren Umgang mit Tieren (Lorenz, Verhalten I.
175); er hat sich j. bemüht; ..Keine Experimente", lautete
j. die Devise (Dönhoff. Ära 30); jähren ['je:ren]. sich <sw.
V.; hat) [mhd. jaeren. jären = mündig, alt werden; alt
machen; auf-, hinhalten]: (vom Tag eines bestimmten
Ereignisses) seine jährliche Wiederkehr haben: heute jährt sich
der Tag unserer ersten Begegnung; der Tag seines Todes
jährt sich zum fünften Male; es jährt sich heute zum
achtenmal (es geschah heute vor acht Jahren), daß ...
Jahres-, Jahres- (vgl. auch: jähr-, Jahr-): -ablauf. der: im
J.; -abonnement. das: Abonnement für ein Jahr; -abrech-
nung. die; -abschhiß, der (Wirtseh.. Kaufmannsspr.):
Bilanz mit Gewinn- u. Verlustrechnung am Ende eines
[Geschäfts] Jahres; -anfang.der; -arbeit, die: schriftliche Arbeit
größeren Umfangs. die von einem Schüler od. Studenten
im Laufe eines Jahres angefertigt wird; ^aufläge, die
(DDR): jährliches Plansoll in der Wirtschaft; -ausgleich,
der (Steuerw.): vom Finanzamt vorgenommene Berechnung
der für das ganze Jahr zu zahlenden Lohnsteuer u. Erstattung
von [infolge wechselnden Monatslohns] zuviel gezahlten
Beträgen od. Nachforderung von zuwenig bezahlter Lohnsteuer
(z. B. bei Einkommensteuerpflichtigen): den J. beantragen;
-ausklang, der (geh.): [festlich begangenes] Jahresende:
der Sender bringt eine Betrachtung, ein Konzert zum J.;
-ausstelhing, die: jährlich veranstaltete [Kunst Jausstellung;
-ausstoö, der (Wirtsch.): Ausstoß innerhalb eines Jahres;
-beginn, der; -beitrag. der: Mitgliedsbeitrag pro Jahr; ^be-
1375
jährig
rieht, der: svw. t Geschäftsbericht; ^besammhing, die
(Schweiz.): vgl. Besammlung; ^bestleistung, die: beste
Leistung in einer Sportart od. eines Sportlers im Laufe eines
Jahres: -bestzeit, die: vgl. -bestleistung; ^bezüge <P1.>:
a) Summe der Beträge, die jmd. für freiberufliche Tätigkeit,
Beratungen o.a. erhält: b) svw. t^einkommen; ^bibnz,
die (Wirtsch., Kaufmannsspr.); ^botftl.das (Schweiz.): vgl.
Bot; -^durchschnitt, der: für ein Jahr errechneter
Durchschnitt (1 a) an Einnahmen, Ausgaben, in bezug auf
Leistungsnoten, sportliche Bewertungen o.a.: ^einkommen,
das: gesamtes jährliches Einkommen: -einkünfte,
^einnahmen <P1.>: vgl. hinkommen; -ende, das; ^ernte, die;
-ertrag, der: a) svw. t ^ernte; b) aus der Jaltresernte erzielter
Geldgewinn: -etat, der: Etat (1) für ein Jalir: - feier, die:
Feier eines jährlich wiederkehrenden Gedenktages: -
Freikarte, die: ein Jahr lang geltende Freikarte (für den Eintritt
in ein Ausstellungsgebäude, Bad, Theater o.q. od. für die
Benutzung eines öffentlichen Verkehrsmittels): ^frist <o.
Art. u. o. PL. nur in Verbindung mit bestimmten
Präpositionen): Zeitraum eines Jahres: in/innerhalb/binnen J.
(innerhalb eines Jahres), vor J. (vor einem Jahr), nach J.
(nach Ahlauf eines Jahres, ein Jahr später): ^gebühr, die:
vgl. -beitrag; -gedächtnis, das: T Jahrgedächtnis; -gehalt,
das: gesamtes Gehalt, das jmd. in einem Jahr bezieht:
-hälfte, die: die erste, zweite J.; -hauptversammlung, die
(Wirtsch.): vgl. Hauptversammlung; -kapazität, die
(Wirtsch.): Kapazität (2a) innerhalb eines Jahres: Die J.
der Montagefabrik ... soll auf etwa 250000 ... Wagen
ausgelegt werden (Welt 17. 8. 65. 9); -karte, die: Eintritts-
od. Fahrkarte von einjähriger Gültigkeitsdauer: -klasse,
die: Altersgruppe, Jahrgang (a); -kongrefl, der: svw. t ^ta-
gung; ^buf in der Fügung im J. (im Verlaufe des Jahres):
-lohn, der: vgl. -gehalt; -miete, die: für ein volles Jahr
berechnete Miete (für ein Haus, eine Wohnung o. äj:
^mittel, das: vgl. ^durchschnitt; -pensum, das: jährliches Lern-
od. Arbeitspensum: ^pbn, der: für ein Jahr aufgestellter
Plan (für die Produktion von etw., für das Theater, für
Veranstaltungen o.a.): -Produktion, die; -Prüfung, die:
einmal im Ja/ir stattfindende Prüfung: -rate, die: jährlich
zu zafdende Rate (für die Tilgung einer Schuld): -rente,
die: für jeweils ein Jahr berechnete Rente: -ring, der (meist
PI.) (Bot.): im Querschnitt des Stammes sichtbare, sich
jährlich bildende ringförmige Schicht aus leichterem Früh-
u. festem Spätholz bei Bäumen (in gemäßigten Zonen):
daß sich ... in der Bildung der -e an den Bäumen ...
die gleichen Perioden nachweisen lassen wie im Rhythmus
der Sonnenflecken (Thienemann. Umwelt 108). dazu:
-ringbiklung, die (Bot.), -ringehronologie, die (Bot.):
Bestimmung des Lebensalters von Bäumen od. Baumstämmen
aus der Anzahl der Jahresringe, -ringforschung, die (Bot.):
svw. t Dendrochronologie; -rückblick, der: Rückblick auf
das hinter jmdm. liegende Jahr in seinem Ablauf: -Schluß,
der. dazu: -schhiflandacht, die (bes. kath. Kirche): Andacht
(2) zum Jahresschluß, -sdihißbibnz, die (Wirtsch..
Kaufmannsspr.): vgl. ^abschluß; ^schritt, die: jährlich
erscheinende Zeitschrift: ^soll, das (DDR Wirtsch.): für
ein Jahr eingeplante geforderte Produktionsleistung: das
J. erreichen; -spitze, die: (an irgettdeinem Tag im Jahr
erreichte) höchste Leistung od. Stückzahl: ^tag, der:
feierlich begangener Tag. an dem sich vor einem od. mehreren
Jahren etw. / historisch i Bedeutsames ereignet hat, - tagung,
die: einmal im Jahr stattfindende Konferenz der Mitglieder
eines Fachverbandes, einer Institution. Partei o.a. mit
Vorträgen u. Diskussionen: die J. der Weltbank in Washington;
-temperatur. die <nur in Verb, mit bestimmten Adj.>:
die höchste, tiefste J. (die höchste, tiefste in dem
betreffenden Jahr gemessene Temperatur): die mittlere J. (die durch
langjährige Messungen ermitteltei auf ein ganzes Ja/ir
bezogene mittlere Temtyeratur): -training. das (Sport, bes.
Leichtathletik): gesamter Ablauf des Trainings über ein
Jahr hin: -Umsatz, der: Umsatz einer Finna od. Branche
wäiirend eines Jahres: ^Urlaub, der: gesamter Urlaub, der
jmdm. während eines Ja/ires zusteht: seinen J. nehmen;
-verbrauch, der: Waren- od. Energieverbrauch innerhalb
eines Jahres: -Versammlung, die: jälirlich stattfindende
! MitgliederJVersammlung: vgl. General-.
Hauptversammlung; -vertrag, der: / Arbeits]vertrag, der / vorerst j für ein
Jahr gilt: einen J. Inicht) erneuern; -Verzeichnis, das:
Schrifttumsverzeichnis. Bibliographie für den Zeitraum eines
Jahres: -Wechsel, der: Übergang des alten in ein neues
Kalenderjahr (vom 31. Dezember auf den L Januar): zum
J. die besten Wünsche!; ^weiser, der (geh.. selten): ^w.
t Jahrweiser; -wende, die: Übergang von einem bestimmten
Jahr zum nächsten: um die J. 1976/77; -wirtschaftsbericht.
der: dem Bundestag u. Bundesrat von der Bundesregierung
jährlich vorgelegter Bericht über die allgemeine
wirtschaftliche Entwicklung des letzten Jahres: -zahl, die: Zahl, mit
der ein Jahr der Zeitrechnung entsprechend bezeichnet yvird:
-en [für den Geschichtsunterricht! lernen; Der erste zeitlich
fixierte Holzschnitt ... trägt die J. 1418 (Bild. Kunst 3.
78); -zeit, die: einer der vier Zeitabschnitte Frühling.
Sommer. Herbst u. Winter, in die das Jahr (dem Sonnenstand
u. Klimawechsel entsprechend) eingeteilt ist: die warme,
kalte J.; das Wetter ist für die J. zu kalt; Sie trug trotz
der J. einen weißlichen Pelz umgehängt (Gaiser. Jagd 68);
die lebhaftere Wintergeselligkeit war trotz der
vorgerückten J. noch nicht zu Ende (Musil. Mann 930), dazu:
-zeitlich <Adj.; o. Steig.; nicht präd.>: der Jalireszeit
entsprechend, durch die Jahreszeit bedingt: -e
Temperaturschwankungen; ein -er Rhythmus; Diese Vorgänge sind j., höhen-
und temperaturmäßig gebunden (Eidenschink. Eis 132);
-zyklus, der: periodischer Ablauf. Kreislauf im Rhythmus
eines Jahres.
jährig [je:ri9] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.> [mhd. jaerec.
ahd. järig] (veraltet): ein Jahr alt. dauernd: ein -es Fohlen;
-jährig in Zusb.. z. B. achtjährig (mit Ziffer: 8jährig; acht
Jahre alt. dauernd): jährlich [je^li^] <Adj.; o. Steig.; nicht
präd.) [mhd. jaerlich, ahd. JärDh]: in jedem Jahr geschehend,
erfolgend, fällig: -e Rentenanpassung; die Zahl der -en
Unfälle; bei -en Einkünften über 24000 DM muß eine
Einkommensteuererklärung abgegeben werden; die Mittel
müssen j. neu bewilligt werden; eine Wachstumsrate von
j. 5%; -jährlich in Zus., z.B. halbjährlich (jedes halbe
Jahr wiederkehrend, stattfindend): Jährling ['J6:?linl. der;
-s. -e [mhd. jserlinc = einjähriges FohlenJ (Zool., Landw.):
einjähriges Tier:... bekam einen Geheimtip und ersteigerte
den J. „Nijinsky" Tür 8400 Dollar (Hörzu 9, 1973, 42);
die Alttiere drängen sich schützend um die -e; <Zus.:>
Jährlingsauktion, die: Versteigerung von Jungtieren [von
Pferden:: Jfthrlingswolle, die: Wolle von einjährigen Sclia-
fen.
Jahwist, (auch:) Jahvist üa'vist], der; -en [nach Jahwe (hebr.
Yahw£), dem Namen Gottes im A.T.J (christl. Rel.):
Quellenschrift des Pentateuchs. die den Gottesnamen Jahwe
gebraucht.
Jähzorn, der; -[e]s [spätmhd. gechzorn, zu f jäh): plötzlich
ausbrechender Zorn, der auf einer charakterlichen Neigung
zur Heftigkeit beruiu u. durch einen bestimmten Vorfall
ausgelöst wird: den kriminellen Gefangenen gegenüber
konnteer fürchterlich sein, besonders, wenn sein J.
erwachte (Niekisch. Leben 344); seinen J. nicht zügeln können;
in wildem J. zuschlagen; von seinem J. übermannt werden;
<Abl.:> Jähzornig <Adj.> [spätmhd. gachzornig): zu Jähzorn
neigend: sich in einer Anwandlung von Jähzorn befindend:
ein -er Charakter; Durch sie bin ich j. geworden, sie hat
mich wieder sanftmütig gestimmt (Jahnn, Geschichten 25);
j. fuhr er auf.
Jaina usw.: tDschaina usw.
Jak, (Zool. auch:) Yak Liak). der; -s. -e [engl, yak < tib.
gyak]: sehr großes, massiges Rind des zentralasiatischen
Hochlattds mit schwarzbraunem, an den Seiten zottig
herabhängendem Fell: Grunzochse.
'Jakaranda üaka'randa]. die; -. -s <P1. ungebr.) [port. ja-
carandä < indian. (Tupi)yacarandäl: in den Tropen
heimisches, als Zimmerpflanze kultiviertes Gewächs mit blauen
od. violetten Blüten u. Blättern, die Farnwedeln ähnlich
sind: 2Jakaranda [-]. das; -s. -s. Jakatqndaholz, das; -es.
-hölzer: wertvolles Palisanderholz des brasilianischen Ja-
karandabaumes: Veilchenltolz.
Jako [Jakol, der; -s. -s [frz. jaco(t), eigtl. = Jaköbchen):
svw. tGraupapagei; Jakob [Ja:k:>pl in den Wendungen
das ist [auch nicht] der wahre J. (ugs.; das ist jetzt [auch
nicht gerade] das Richtige: wahrsch. zurückgehend auf
den Apostel Jakobusd. Ä.. der der Legende nach in
Santiago de Compostela in Spanien begraben liegt, aber von
Pilgern oft anderswo an falschen Gräbern gesucht wurde;
nach anderer Deutung auf den biblischen Erzvater Jakob,
der sich nach 1. Mose 27. 6 ff. für seinen Bruder Esau
ausgab, bezogen); der billige J. (ugs.; ein/der Markt-, Stra-
/Jenhändler): den billigen J. abgeben (ugs.; als einfache.
1376
Jammer-, Jammer-
oberflächliche Begründung od. Entschuldigung dienen): Ja-
kobi üa'ko:bi], das; - [lat. Jacöbi. Gen. von: Jacöbus]:
svw. T Jakobstag: [an/zu] J. beginnt die Ernte: Jakobiner
üako'bi:nH]. der: -s. - [frz. jacobin, eigtl. =
Jakobinermönch, Dominikaner, nach dem Versammlungsort
des Klubs, dem ehem. Dominikanerkloster Saint Jacques
in Paris): 1. (bist.) Mitglied des radikalsten u. wichtigsten
politischen Klubs während der Französischen Revolution.
2. (selten) französischer A ngehöriger des Dominikanerordens.
Jakobiner- (Jakobiner 1): -Jacke, die: svw. TCarmagnole
(2): -kkib, der; -mutze, die: (ursprünglich phrygische) rote
Mütze mit hinten auf die Schulter herabhängender
beutelartiger Verlängerung, die von den Jakobinern (1) als
Freiheitssymbol getragen wurde.
Jakobinertim, das: -s: geistige Haltung der Jakobiner (1);
jakobinisch <Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: zu den Jakobinern
gehörend, die Jakobiner betreffend: in der -en Diktatur
(Fraenkel. Staat 255); Jakgbitag. der: svw. t Jakobstag.
Jakobs-: -[greislkraut, -kreuzkraut, das [nach dem Apostel
Jakobus benannt, da es um dessen Gedenktag (25. 7.)
blüht]: häufig an Wegrändern vorkommende Pflanze mit
vielen goldgelben, sternartigen Blüten; ^leiten die: 1. svw.
tHimmelsleiter (1). 2. (Seemannsspr.) [mit Holzsprossen
versehene] Strickleiter, die frei außen am Schiff
herunterhängen kann. 3. svw. t Himmelsleiter (2); ^lilie. die [nach
der Ähnlichkeit von Blütenform u. -färbe mit dem Kreuz
des Ritterordens des heiligen Jakob vom Schwert (= Jakob
von Compostela. I Jakob)]: aus Mittelamerika stammende,
zu den Amaryllisgewächsen gehörende Zierpflanze mit
hohem Stiel u. einer großen, zwedippigen. samtig dunkelroten
Blüte; -muschel. die [nach der in Darstellungen Jakobs
von Compostela (t Jakob) abgebildeten Muschel, dann
nach den von span. Pilgern im MA.. die zu seinem Grabe
zogen, als Trinkgefäße benutzten Muschelschalen]: im
Mittelmeer u. ander europäischen Atlantikküste vorkommende,
eßbare Kammuschel: -stab. der [wegen der Ähnlichkeit
mit einem Pilgerstab]: früher benutztes Gerät für die
astronomische Winkelmessung: ^tag. der: Namenstag des Apostels
Jakobus d. A. am 25. Juli, an dem nach altem Brauch
die Ernte beginnt.
Jakonett: TJacon[n]et.
Jaktation Uakta&io:n]. die: -. -en [zu lat. iactätio = das
Hinundherbewegen] (Med.): krankhafte Ruhelosigkeit, das
Sichherutnwälzen; das Gliederzucken.
Jalape üala:pa]. die; -. -n [span. jalapa; nach der mex.
Stadt Jalapa]: im tropischen Amerika heimische, zu den
Windengewächsen gehörende Pflanze mit herzförmigen od.
eirunden Blättern u. roten Blüten, aus deren Wurzelknolle
ein stark abführend wirkendes Harz gewonnen wird: <Zus.:>
Jalgpenwurzel. die.
Jaleo [xa'le:o], der; -[s]. -s [span. jaleo, eigtl. = Wirrwarr.
Radau; Hetzjagd]: lebhafter spanischer Einzeltanz mit Ka-
stagnettenbegleitutig im V od. 3lrTakt.
Jalon foa'lÖ:]. der; -s. -s [frz. jalon, zu afrz. giele =
Absteckpfahl. H.u.J: Meßlatte. Stange mit bunten Fähnchen für
geodätische Vermessungen.
Jalousette balu'zEta], die; -. -n [französierende Vkl. von
t Jalousie]: Jalousie aus Leichtmetall- od.
Kunststofflamellen; Jalousie [...zi:], die; -. -n [...i:an; frz. Jalousie =
Eifersucht; Bedeutungsübertragung wegen der Eigenart dieser
Vorrichtung, den Durchblick von innen nach außen, aber
nicht von außen nach innen zuzulassen; wohl nach dem
Vorbild der typischen Fenstergitter in orientalischen
Harems]: Vorrichtung am Fenster zum Schutz gegen [ zu starke]
Sonne u. zur Verdunkelung, die meist aus I verstellbaren]
Querleisten (aus Holz. Kunststoff. Leichtmetall o. ä.)
zusammengesetzt u. teilweise od. als Ganzes herunterzulassen
ist: die -n an diesem Bürohaus gehen bei
Sonneneinstrahlung von selbst herunter; die J. herunter-, herablassen,
hochziehen; durch die Ritzen der -n nach draußen spähen;
Ü der Angeklagte hatte die -n heruntergelassen (ugs.; war
zu keiner Antwort mehr zu bewegen).
Jalousk-: -kühhing. die: Kühlung, bei der die Luft durch
ein System von / verstellbaren] Rippen geht; -schrank, der:
svw. t Rollschrank; -sdiweller, der: Vorrichtung an der
Orgel, bei der durch Öffnen u. Schließen von Klappen mit
beweglichen Rippen Lautstärke u. Klangcharakter verändert
werden können.
Jam [dsaem], das; -s, -s. auch: die; -. -s [engl. jam. viel],
zu: to jam = kräftig pressen]: engl. Bez. für Marmelade.
Jamaikapfefler [ja'majka-]. der; -s [nach der Antilleninsel
Jamaika]: von Jamaika stammendes, dem Pfeffer ähnliches
Gewürz; Piment; Jamaikarum, der; -s: auf Jamaika oil.
einer der anderen Antilleninseln aus vergorenem Zuckerrohr-
soft durch mehrmaliges Destillieren hergestellter
hochprozentiger Rum.
Jambe ['Jamba], die; -. -n: svw. t Jambus; Jambelegus Liamp-
|e:legos], der; -, ...gi [spätlat. iambelegus < griech. iambö-
legos]: aus einem Jambus u. einem Hemiepes bestehendes
antikes Versmaß, J^mbendiditung.die: vorwiegend Schmäh-
u. Spottgedichte utnfassende antike Dichtung in meist
jambischen Versmaßen; Jambiker[jambikB], der; -s. - [lat. iambi-
cus = Jambendichter; jambisch < griech. iambikös =
jambisch]: Dichter, der vorwiegend Verse in Jamben
schreibt: Trochäen sind selten bei Heym, dem strengen
J. (Welt 13. 1. 62. Geist. Welt 1); jambisch <Adj.; o. Steig.):
nach der Art des Jambus, in Jamben; Jambograph [jambo-
gra:fl. der; -en. -en [spätgriech. iambogräphos =
Jambendichter] (Literaturw.): Verfasser altgriechischer Jatnben-
dichtung.
Jamboree [djaemba'ri:]. das: -ls], -s [engl, jamboree. eigtl.
= ziemlich laute (Fest)versammlung, Trinkgelage; seit
1920 Bez. für ein internationales Pfadfindertreflen; H.u.l:
1. internationales Pfadfindertreffen. 2. Zusammenkunft zu
einer Tanz- od. Unterhaltungsveranstaltung.
Jambus [Jambus], der; -. Jamben [lat. iambus < griech.
iambos]: Versfuß aus einer kurzen (unbetonten) u. einer
folgenden langen (betonten) Silbe: ein Drama in Jamben.
Jambuse Liam'bu:z3]. die; -. -n [engl, jambosa. jamboo <
Hindi jambul: apfel- od. aprikosenartige Frucht tropischer
Obstbäume.
James Grieve [d3eimz gri:v], der; - -. - - [nach dem Namen
des engl. Züchters James Grieve]: mittelgroßer, hellgrüner,
hellgelb u. rot geflammter, saftiger Tafelapfel.
Jammer I'jame], der; -s [mhd. jämer. ahd. jämar =
Traurigkeit. Herzeleid, schmerzliches Verlangen, subst. aus dem
ahd. Adj. jämar = traurig, betrübt, urspr. wahrsch. lautm.
Schmerzensrufl: a)mit Weinen vermischtes Klagen. / lautes]
Wehklagen: J. und Geschrei wurden laut; ihr J. [um das
Verlorene] war groß; spurlos versunken im Abgrund
lautlosen -s (Thieß. Reich 475); in wilden J. ausbrechen; b)
Elend, zu beklagender Zustatid; leidvolles Dasein: großer,
schwerer, auswegloser J.; der J. der Kreatur; seinen J.
herausschreien; das Ausmaß des -s zeigte sich erst
allmählich; sie war untröstlich in ihrem J.. wußte vor J. nicht
aus noch ein; *ein J. sein (ugs.; äußerst bedauerlich sein,
weil etw. jmdm.. einer Sache zum Schaden gereicht): daß
ich nicht eher daran gedacht habe, ist ein J.; es wäre
ein J.. wenn du nicht mitkämst.
Jammer-. Jammer-: -biki. das: a) jammervoller Anblick. Bild
des Jammers: die Stadt bot nach dem Erdbeben ein J.;
b) svw. t ^gestalt; -blick, der (ugs.): von Schmerz u. Trauer
zeugender Blick: jmdn. mit -en ansehen; -gesdirei, das:
Geschrei aus Jammerlauten: von vielen Vögeln und sogar
Fröschen kennt man ein solches J.. wenn sie von einem
Feind ergriffen werden (Natur 77); -gestalt, die: a) jmd..
der auf Grund seiner äußeren Erscheinung den Eindruck
eines bedauernswerten, elenden, armen Menschen macht:
ausgemergelte -en hockten am Straßenrand; b) (ugs.
abwertend) jmd.. der bei etw. keine gute Figur macht, dem man
keine Leistung zutraut; Schwächling: die -en, die sich heute
Schauspieler nennen (K. Mann. Mephisto 103); -gesteil,
das (salopp abwertend): svw. t ^gestalt (b); -kästen, der
(salopp abwertend): Musikinstrument (z.B. Drehorgel.
Klavier). Rundfunkgerät (das unreine, klägliche Töne von
sich gibt]; -läppen, der [urspr. = Tuch zum Abwischen
der Tränen, dann auf seinen Benutzer übertragen] (ugs.
abwertend): allzu ängstlicher, feiger Mensch, der sich alles
gefallen läßt u. nicht aufzubegehren wagt: dieser J. ... sagt
alles, was du haben willst (Bredel. Prüfung ISO); -laut.
der: Laut. Schrei des Schmerzes: Der J.. der in den
Konzentrationslagern erstickte, die geflüsterte Kritik (K. Mann.
Wendepunkt 265); -miene, die (ugs.): bekümmerter
Gesichtsausdruck [der Mitleid erregen sollj: mit einer J.
daherkommen; -schade <Adj.> in den Verbindungen j. sein (ugs.;
für jmdn.. etw. sehr bedauerlich sein: hervorgegangen aus
der Wendung: Jammer u. Schade sein): es ist j., daß du
das nicht gesehen hast; Jammerschade, daß er die junge
Frau nicht ausstehen kann (Fallada. Herr 252); um jmdn.
ist es j. (ugs.; jmd. hätte seinen Anlagen nach wesentlich
87 GDW
1377
jämmerlich
mehr erreichen müssen [ wenn er mehr Willenskraft gehabt
hätte od. wenn ihn nicht widrige Umstände daran gehindert
hätten]): ^tal. das <o. PI.) [mhd. Jämertal = Erde.
Unglück; Lehnübertragung von lat. vallis lacrimärum in Ps.
84, 7) (geh.): das Leben auf dieser Welt als Stätte des
Unglücks: das irdische J.; ^voll <Adj.>: a) jämmerlich (a):
-es Geschrei; b) jämmerlich (b): sich in einem -en Zustand
befinden; Die blassen Steckrübengesichter, die... -e
Tapferkeit dieser armen Hunde (= Soldaten; Remarque. Westen
96); j. dahinvegetieren.
jämmerlich ['jemslif] <Adj.) [mhd. jaemer-, jämarlich. ahd.
jämarlih): a) Jammer, großen Schmerz ausdrückend: -es
Weinen; Gerät ein Hase in eine Falle, so hören wir ihn
in der -sten Weise klagen (Natur. 77); b) [durch fremde
Schuld od. eigenes Unvermögen I elend u. beklagenswert:
ein -er Zustand; sein Dasein war j.; er sieht j. aus; sie
sind j. umgekommen; Wer will uns als moralische Instanz
noch jemals respektieren, wenn wir heute so j. versagen?
(Hochhuth. Stellvertreter 80); c) mitleiderregend ärmlich,
dürftig: in einer -en Dachkammer hausen; j. angezogene
Kinder; d) (abwertend) minderwertig [so daß man von der
betreffenden Person od. Sache keinen Nutzen. Gewinn o. ä.
hat]: ein -er Feigling; Ich hatte damals einen -en Lohn
Air eine -e Beschäftigung (Jahnn. Geschichten 164); er
hat heute j. gespielt; e) <nur attr.) [in seiner unangenehmen
Wirkung] sehr groß, stark: -e Angst haben; (intensivierend
bei Adj. u. Verben) sehr, übermäßig: es tat j. weh; j.
frieren; ich habe mich j. gelangweilt; <Abl.:>
Jämmerlichkeit, die; -. -en: a) <o. Pl.> jämmerliche Art u. Weise,
Beschaffenheit: b) (selten) jämmerliche Tat, jämmerlicher
Umstand: ein Leben voller Schwachheiten und -en;
Jämmerling [' jemBlmJ. der; -s, -e (ugs. abwertend): Schwächling,
jämmerlicher Kerl: so wimmelt's ... von ... verräterischen
-en und intriganten Heuchlern (MM 23. 5. 67,16); iammern
['jamunl <sw. V.; hat) [mhd. (j)ämern, ahd. ämarön]: l.a)
laut klagen, unter Seufzen u. Stöhnen jmdm. seine
Schmerzen, seinen Kummer zeigen: das Kind jammerte viel;
jammere jetzt nicht. Verzichte oder handle (Remarque, Obelisk
174); sie rieb sich das Knie und jammerte vor sich hin;
eine jener immer wiederkehrenden jammernden
Bemerkungen (Maass. GoufTe 9); <subst.:> es gab ein allgemeines
Jammern und Klagen; b) überjmdn.. etw. [lautu. wortreich]
klagen: sie jammerten über ihr Schicksal, über die Kälte;
Über Jambuna muß man abwechselnd j. und lachen (Grzi-
mek. Serengeti 129); über den Verlust eines Angehörigen/
um einen toten Angehörigen j.; sie jammert um die
zerrissenen Strümpfe; c) in klagendem Ton nach jmdm.,
etw. verlangen: die Kinder jammern nach der Mutter.
<subst.:> Der hatte alles gehört .... das Jammern nach
einem Stück Brot, nach einem Trunk Wasser (Plievier.
Stalingrad 190). 2. (geh.) jmds. Mitleid erregen: jmdm.
leid tun: er. sein Elend jammert mich; ihm kam vor. als
wäre die Trennung bereits vollzogen, und es jammerte
ihn nicht einmal (Gaiser. Jagd 161).
Jam Session [dsaem 'sefrn]. die; - -. - -s [engl, jam Session,
aus: to jam = frei improvisieren u. session. t2Session]:
zwanglose Zusammenkunft von Jazzmusikern, bei der aus
dem Stegreif, improvisierend (od. auch öffentlich mit
bestimmtem Programm) gespielt wird.
Jamswurzel fjams-]. die; -. -n [engl, yam < port. inhame.
eigtl. = eßbar, urspr. westafrik. Wort): a) in tropischen
Gebieten angebaute kletternde Pflanze mit eßbaren
Wurzelknollen: b) der Kartoffel ähnliche, sehr große Knolle der
Jamswurzel (a). die in tropischen Gebieten ein wichtiges
Nahrungsmittel ist.
Jans: TYang.
Jangada Lsan ßa:da], die; -. -s [port. jangada. aus einer
Eingeborenenspr. des südwestl. Indiens (Tamil)]: aus
mehreren zusammengebundenen Baumstämmen bestehendes
Floßboot, das bes. von den Fischern Nordostbrasiliens
benutzt wird: Jangadeiro tonßa de:ro]. der; -[s]. -s [port.
jangadeiroj: zur Besatzung einer Jangada gehörender
Fischer.
Janhagel Uan'ha:g|J. auch:' ]. der.-s [niederd. < nieder).
janhagel; zusgez. aus dem niederl. Vornamen Jan =
Johann, auch: Kerl. Type u. aus dem Fluch der unteren
Schichten (bes. auch der Matrosen): de hagel sla hem
= daß ihn der Hagel(schlag) treffe!; später dann übertr.
auf diese Leute selbst; auch als: Hans Hagel] (veraltend):
hergelaufenes Volk, Pöbel: daß dieses ... Schauspiel zwar
den J. anziehe, aber das gute Publikum abschrecke
(Sieburg. Robespierre 172). /
Janitschar [jani'tja:^], der; -en. -en [türk. yeniceri. eigtl.
= neue Streitmacht; urspr. = Bez. der bevorrechtigten
Kriegerklasse im Osman. Reich] (hist.): Soldat einer
Kerntruppe desosmanischen Sultans (J 4.-18. Jh.): <Zus.:> Jani-
tschgrenmusik, die: 1. / türkischeJ Militärmusik mit
Trommeln, Becken, Triangel. Schellenbaum o. ä.: vom Rhythmus
der J. inspirierte Passagen in Mozarts ..Entführung aus
dem Serail . 2. charakteristisches Instrumentarium,
Schlagzeug der Janitscharenmusik (1).
tanken I'jankn] <sw. V.; hat) [mniederd. janken] (niederd.):
1. einen winselnden, jaulenden. Quietschetiden Ton von sich
geben: der Hund jankt; jankende Sättel; <subst.:> das
Knarren und Janken des Lederzeuges (Frenssen. Jörn Uhl 217).
2.a) jammern, klagen: der Kranke jankte dauernd: b) in
klagendem Ton nach jmdm., etw. verlangen: das Kind jankt
nach der Mutter.
Janker ['jankt?]. der; -s. - [viell nasaliert aus f Jacke. H.u.]
(südd.. österr.): Trachtenjacke (mit farbigem Besatz u.
Hörn- od. Metallknöpfen): mit Lederhose und J.
Jan Maat ['jan 'ma:tl. der; - -[eis. - -e u. - -en. Janmaat
[auch: '--], der; -[eis, -eu. -en [niederl. janmaat, aus:
Jan = Johannes u. maat. IMaat] (scherzh.): Matrose.
Jänner ['jene], der; -s, - <P1. selten) [mhd. jen(n)er, wohl
aus vlat. *jenuarius, TJanuar] (österr., seltener südd..
Schweiz.): Januar: die Einfuhr ... im Monatsdurchschnitt
J. bis Mai 1969 (Presse 16. 7. 69. 7).
Jansenismus [janze'nismus], der; - [nach dem niederl.
Theologen Cornelius Jansen (1585-1638)]: eine auf Augustinus
zurückgreifende katholisch-theologische Richtung, die (in
starker Auseinandersetzung mit Rom) bes. in Frankreich
im 17.118. Jh. großen Einfluß hatte; <Abl.:> Jansenjst, der;
-en. -en: Anhänger des Jansenismus; iansenjstisdi <Adj.>:
den Jansenismus betreffend.
Januar ['janua:gl. der; -[s], -e [lat. (mensis) Iänuärius. nach
Janus (lat. Iänus). dem altitalischen Gott der Türen
u. Tore u. des Anfangs]: erster Monat des Jahres; Abk.:
Jan.; vgl. April.
Janus- [ja:nos-; nach der Darstellung des römischen Gottes
Janus (t Januar) mit zwei (in entgegengesetzte Richtungen
blickenden) Gesichtern als Symbol für Zwiespältiges.
Widersprüchliches]: -gesidit, das: svw. t-kopf; -köpf, der:
Kopf mit zwei Gesichtern als bildliche Darstellung des Janus:
Ü Unsere Zeit hat einen J. Das eine Gesicht heißt Vernunft,
das andere Rausch (Simmel. StoiT 329), dazu: -köpflg
<Adj.; o. Steig.): sich von zwei entgegengesetzten Seiten
zeigend; doppelgesichtig (b), dazu: -köpfigkeit, die; -: die
J. des wissenschaftlich-technischen Fortschritts (Natur 33).
Japan- [* Japan-; Name des ostasiatischen Landes als Best.]:
-lack, der: aus dem Naturharz des japanischen Lackbaumes
gewonnener, sehr beständiger Emaillack; -matte, die:
teppichartige Matte aus ostasiatischem Bast; -papier, das:
weiches, sehr feines, aber zähes und biegsames,
handgeschöpftes Papier, das aus Bastfasern japanischer
Pflanzen hergestellt wird; -perle, die: / Zuchtjperle aus
Japan; -seide, die: a) feines, sehr dichtes u. gleichmäßiges
Seidengewebe in Taftbindung (für Blusen. Kleider,
Lampenschirme); b) feiner Seidetifaden. aus dem die Japanseide
(a) geweht wird; -wachs* das: aus den Früchten einiger
Arten des Sumachs gewonnenes Wachs (für Kerzen. Firnis
u.a.).
Japanok)geUapano>lo:g9].der; -n, -n [t-loge]:
Wissenschaftler auf dem Gebiet der Japanologie; Japanoftoek* die; -
[T-Iogie]: Wissenschaft von der japanischen Sprache u.
Kultur; iapanologisdi <Adj.; o. Steig.; nicht präd.): die
Japanologie betreffend.
Japhetitolooe Uafetito'lo:g3]. der; -n. -n [nach Japhet. dem
dritten Sohn Noahs im A. T.. dem Stammvater bes. der
kleinasiatischen Völker; T-loge]: Wissenschaftler auf dem
Gebiet der Japhetitologie; Japhetitoloak. die; - [T-logie]:
wissenschaftliche Anschauung des russischen
Sprachwissenschaftlers N. Marr von einer vorindogermanischen
(japhetitischen) Sprachfamilie.
Japon ba'pö:], der; -[s], -s [frz. Japon = Japan]: svw. t
Japanseide (a); Japs [japs], der; -en. -e[n] (ugs.. oft abwertend):
Japaner: die -ein] haben es geschafft.
iappen ['japn] <sw. V.; hat) (niederd.): svw. f japsen; japsen
[japsn] <sw. V.; hat) [aus dem Niederd. < (m)niederd.
gapen = den Mund aufsperren; verw. mit t gaffen; das
1378
Jazz
j beruht auf mundartl. (md.) Aussprache des g im Anlaut]
(ugs.): a) schwer, stoßweise atmen: mit offenem Mund
mühsam Luft zu bekommen versuchen: nach Luft j.; er japste
vor Anstrengung; kaum noch j. können (am Ende seiner
Kraft sein): der Star... ließ die Flügel baumeln und hatte
japsend den Schnabel geöffnet (Schnurre. Bart 104); b)
japsend (a) sagen, fragen: „Kennenlernen?" japste sie
empört (BemstorfT, Leute 16); <Abl.:> Japser, der; -s, -
(ugs.): japsender Atemzug: mit einem J. blieb er stehen.
Jardiniere [3ardi'nje:ra. ...nie:raj. die; -, -n [frz. jardintöre.
zu: jardin = Garten): Schale für [ Blüten]pflanzen.
Jargon [jar'gö:], der; -s, -s [frz. Jargon, eigtl. =
unverständliches Gemurmel, auch: Vogelgezwitscher; urspr. wohl
lautm.]: a) umgangssprachliche Ausdrucksweise (für
Eingeweihte) innerhalb einer bestimmten, durch Fach, Beruf,
Wohnort od. soziale Stellung verbundenen Gruppe: J. der
Schüler. Journalisten. Mediziner; der Berliner. Wiener J.;
redet sich dieser ... nüchterne Schreibstubenmensch ... in
den blutrünstigen J. der Terroristen hinein (St. Zweig.
Fouchö 22); vgl. Fachjargon, Idiom; b) (abwertend)
saloppe, ungepflegte Ausdrucksweise: er redet im ordinärsten
J.. den man sich denken kann.
Jarl üarlj, der; -s. -s [dän.. norw., schwed. jarl < altnord.
jarl; verw. mit engl. earl. tEarlJ (hist.): a) skandinavischer
Krieger: b) skandinavischer Adliger u. Heerführer:
königlicher Statthalter einer skandinavischen Landschaft im MA.
Jarowisation üaroviza'fc>io:n). die; -. -en [russ. jarowisazija.
zu: jarowyje = Sommergetreide!: das Jarowisieren:
jarowisieren [...zi:ran] <sw. V.; hat) [russ. jarowisirowat]
(Landw.): die Entwicklung u. Reifung beschleunigen, indem
man Saatgut im ersten Entwicklungsstadium einer
bestimmten, mit künstlicher Kühlung beginnenden
Temperaturbehandlung aussetzt.
Jasdntak Uafmak]. der; -[s], -s [türk. ya§mak]: (nur noch
selten getragener) Schleier der wohlltabenden Türkinnen.
Jasmin Uas'mi:n], der; -s. -e [span. jazmin < arab. yäsamln
< pers. yäsämlnj: 1. zu den Ölbaumgewächsen gehörender
Zierstrauch mit weißen, rosa od. gelben, meist stark
duftenden Blüten: vgl. Winterjasmin. 2. zu den
Steinbrechgewächsen gehörender Zierstrauch mit weißen, stark duftenden,
traubigen Blüten: Falscher Jasmin, Pfeifenstrauch.
Jaspegarn Uaspe:-]. das; -[e]s, -e [zu frz. jaspe = 2. Part,
von: Jasper = sprenkeln, zu: jaspe = Farben, mit denen
ein Buchschnitt mehrfarbig gefärbt wird, eigtl. = Jaspis]:
aus zwei od. drei verschiedenfarbigen, ungedrehten
Vorgarnen gesponnenes Garn: Jasperware ['<£sespb-]. die; -. -en
(engl. Jasperware, aus: Jasper = Jaspis u. wäre =
(Töpferware; wegen der jaspisähnlichen Färbung]: farbiges [mit
weißen Reliefs verziertes] englisches Steingut aus Töpferton
u. pulverisiertem Feuerstein: iaspieren üas'pi.ran] <sw. V.;
hat): etw. wie Jaspis mustern, sprenkeln: Jaspis ['Jaspis],
der; - u. -ses, -se Imhd. Jaspis < lat. iaspis < griech.
iaspis, wahrsch. aus dem Semit.]: undurchsichtiges,
intensiv grau, bläulich, gelb, rot od. braun gefärbtes, zum Teil
gebundenes Mineral, das als Schmuckstein verwendet wird.
Jaß üas). der; Jasses [wahrsch. von Schweiz. Söldnern aus
den Niederlanden in die Schweiz gebracht; vgl. niederl.
gleichbed. jassen]: bes. in der Schweiz beliebtes Kartenspiel
mit 36 Karten für 2-4 Personen: vgl. Binokel (2).
\$&-, J9B-: -abend, der; -bruder. der; -khib. der; -könig.
der: Gewinner in einem Preisjassen: ^Spieler, der.
iassen [jasn] <sw. V.; hat): Jaß spielen: Jfsser, der; -s.
-: Jaßspieler: die Organisation eines Preisjassens mit 476
-n (Vorarlberger Nachr. 25. II. 68. 12); J^sset, der. auch:
das; -s, -s (Schweiz.): das Jassen.
Jastilt, Yastik üas'tik. auch: '--]. der; -[s], -s [türk. yastik]:
kleiner orientalischer Gebrauchsteppich, der meist als
Vorleger od. Sitzbelag verwettdet wird.
Jatagan Uata'ga:n], der; -s, -e [türk. yatagan]: früher im
Orient verbreiteter, als Hauptwaffe der Jani(scharen
dienender Säbel mit S-formiger Klinge.
jäten ['je.tn] <sw. V.; hat) [mhd. jeten. geten. ahd. je tan.
getan; H. u.]: a) (Unkraut) aus dem Boden ziehend
entfernen: im Garten Unkraut j.; Disteln aus dem Rasen j.;
sie hat zu pflanzen und zu j.; b) von Unkraut befreien:
die Radieschen j.; ich habe schon vier Beete gejätet; <Abl.:>
Jltung, die; -. -en: das Jäten: Düngung und Jätung werden
sorgfältig betrieben (Jacob. Kaffee 228).
Jatrodiemk üatro-]: t Iatrochemie.
Jauche [' jqiixa], die; -, -n [spätmhd. jüche. aus dem West-
slaw., vgl. sorb. jucha = Brühe. Suppe; Dungwasser.
Jauche]: 1. übelriechender, flüssiger Dünger aus tierischen
Fäkalien, die aus den Ställen in eine dafür vorgesehene
Sammelgrube ablaufen: J. aufs Feld fahren; es war. als ob man
durch zähe J. wate (Plievier. Stalingrad 164); Ü Kutzner
erklärte ... die ... Einheitsfront des ganzen Volkes als
stinkende J. und groben Schwindel (Feuchtwanger, Erfolg
618). 2.a) (Med. Jargon) eitrige, faulige Geschwür- od.
Wundabsonderung: b) (ugs. abwertend) bestimmte
Flüssigkeit von äußerst schlechter Qualität: das Bier, der Kaffee
ist eine gräßliche J.; <Abl.:> jauchen ['j^iutn] <sw. V.; hat):
I. (Landw.) mit Jauche (1) düngen. 2. (Med. Jargon) eine
faulige, übelriechende Flüssigkeit ausscheiden: das
Geschwür, die Wunde jaucht.
Jauche-, (selten:) Jauchen- (Jauche 1): -faß. das: Faß,
in dem die Jauche aufs Feld gefahren wird: ^grube. die:
Grube, in der sich die aus den Ställen ablaufende Jauche
sammelt: -kübel. der; -wagen, der.
Jauchert [j^ixet]: t Juchart.
jauchig [j*uixi<;] <Adj.) [zu t Jauche]: a) nach Jauche, faulig,
ekelerregend riechend: b) (Med. Jargon) faulig absondernd:
ein -es Geschwür. Ekzem.
jauchzen [j^uix&n] <sw. V.; hat) [mhd. jüchezen. eigtl. =
den Freudenruf Juch!" ausstoßen]: a) seiner Freude,
Begeisterung durch laute Rufe, Schreie Ausdruck geben: laut
jubeln: vor Wonne J.; er jauchzte über diese Nachricht;
..Hopp", jauchzt Lax voller Vaterstolz (Broch. Versucher
78); das Publikum jauchzt (ist begeistert): Ü Man hörte
die S-Bahn vom Hochbahnhof rüber und die Seehunde
(= im Zoo) j. (Schnurre, Bart 22); <subst.:> das Jauchzen
der Kinder; b) (veraltend) jmdm. jubelnd seine Freude,
seinen Dank sagen: Jauchzet dem Herrn, alle Welt (Psalm
98. 4; 100, 1); <Abl.:> Jauchzer, der; -s, -: Freudenschrei:
einen J. ausstoßen.
Jauk Lfeik], der; -s [slowen. jug = Tauwind, eigtl. =
Süd(en); also eigtl. = Wind, der aus Süden weht] (österr..
bes. in Kärnten): Fallwind, Föhn.
Jaukerl ['j^ikizl], das; -s, -n [viell. zu bayr. jaucken =
jagen, also = das. was hineingejagt wird] (österr. ugs.):
Infektion.
jaulen fj^ibn] <sw. V.; hat) [aus dem Niederd.. lautm.]:
(von Hunden) laut u. mißtönend winseln, heulen, klagen:
der Hund jaulte vor Schmerz; es knallt, und die Dogge
spritzt jaulend zur Seite (Remarque. Westen 71); Ü Die
Transportarbeiter jaulten (Böll, Haus 207); Die Geschosse
jaulten, wimmerten in hohen Tönen und heulten wild
(Kirst. 08/15. 568); <subst.:) das Jaulen der Motoren.
Jause ['J4U29]. die; -. -n [mhd. jus < slowen. ju£ina =
Mittagessen, Vesper] (österr.): a) Zwischenmahlzeit,
Vesper, Nachmittagskaffee: eine J. machen; war der
Rittmeister bei seiner Schwester ... zur J. geladen (Fussenegger.
Haus 86); b) svw. tJausenbrot: Er ... nahm sich nicht
die Mühe, wenn er sich eine J. mitgebracht hatte, die
Reste in den Eimer zu tragen, sondern warf sie ... samt
den fettigen Papieren in einen Winkel (Fussenegger, Zeit
412); <Ab|.:) lausen [mhd. jüsen]: seltener für tjausnen.
Jausen- (österr.): ^brot. das: /belegtes] Brot für eine
Zwischenmahlzeit: -kaflTee, der; -schale, die: bes. für die Jause
verwendete Kaffeetasse: mit Vornamen ausstaffierte J.
(Weinheber. Gedichte 40. Kalvarienberg); -Station, die:
kleine Gaststätte (z.B. auf einer Alm), in der ein Imbiß
eingenommen werden kann: Das Konzessionsansuchen für
die Errichtung einer J. (Rieder Volkszeitung 1. 5. 69);
-tisch, der: für eine Jause gedeckter Tisch: ^wurst, die:
Mühlviertler J.. Stange 800 gr (Vorarlberger Nachr. 28.
II. 68. II. Anzeige); ^zeit, die: Zeit für eine Jause: Pause
für einen Imbiß: um 9 Uhr ist J.
jausnen fj^isnan] <sw. V.; hat) [zu tJause] (österr.): a)
einen Imbiß, eine Zwischenmahlzeit einnehmen: um 9 Uhr
wird gejausnet; wollen wir im Garten j.?; b) (etw.
Bestimmtes) zur Jause essen, trinken: Na. Tschoklat tut s' j. (Herz-
manovsky-Orlando. Gaulschreck 167).
Jazz [d3£z. auch: (bes. jatß], der; - [viell. entstanden aus
der bei der kreolischen Bevölkerung der Stadt New Orleans
üblichen Aussprache von engl, to chase = (ugs.) Dampf
hinter etw. machen od. von gleichbed. frz. chasser; also
eigtl. Bez. für die dem Jazz innewohnende Dynamik, die
die Musik zu immer höherer Spannung steigert]: a) aus
der Volksmusik der nordamerikanischen Neger
entstandener, vielfach abgewandelter Musikstil mit charakteristi-
BT
1379
Jazz-
sehen, den Beat gebenden Rhythmusinstrumenten u. mit
Bläsergruppen, die [frei improvisierend] Hegengerichtete meto-
disch-rhythmische Akzente geben: der wilde, heiße J. der
Neger; Elemente des J. in einer Komposition; b) svw.
t Jazzmusik: der Lautsprecher spielte einen bürgerlich
gezähmten J. (Koeppen. Rußland 112).
Jazz-: ^band, die: aus zwei Instrumentalgruppen (mit
rhythmischer u. melodischer Funktion) bestehende yBand. die
Jazz spielt: -besen, der: svw. tStahlbesen; -bomber, der
(ugs.): guter Jazzmusiker: ^fan. der: begeisterter Anhänger
des Jazz: -festival, das: Festival (1). hei dem Ineue]
Schöpfungen aus dem Bereich des Jazz dargeboten werden:
^formation, die: Formation (3 a), in der Jazz gespielt wird:
-kapelle.die svw. T ^band; -keller,der: Kellerraum, -lokal,
in dem Jazz gespielt wird: -konzert, das; ^-musik, die:
Musik im Stil des Jazz (a); -muslker, der; -rhythmus,
der; ^trompete, die: für den besonderen Klangcharakter
des Jazz entwickelte Trompete, die häufigen Einsatz eines
Dämpfers und Vibratoblasen ermöglicht: ^trompeter, der.
jazzen ['(JjEsn. jat^nl <sw.V.; hat): Jazz (b), im Stil des
Jazz (a) spielen: abends jazzt eine Band; das außerhalb
harmonischer und metrischer Bindungen jazzende Basler
Quartett (MM 31. 10. 68. 59); Jazzer [d3<ez3, auch: (fcjesi?.
jatsB].der; -s. -: Jazzmusiker: iazzig [jatßic] <Adj.; o. Steig.)
(ugs. abwertend): wie Jazz wirketui. den Jazz nachahmend:
Ein bißchen Rhythmus unterzukleben, ein paar Jazzige"
Solopassagen hineinzuwurschteln (MM 29. 9. 72, 51); Jaz-
zoid üa|ßo'i:t] <Adj.>: dem Jazz ähnlich, von der Art des
Jazz: -e Klänge.
Eje [je:; mhd. ie. ahd. io. eo; geht zurück auf eine erstarrte
Kasusform eines germ. Substantivs mit der Bed. ..Zeit.
Lebenszeit. Zeitalter"): I. <Adv.) 1. gibt eine unbestimmte
Zeit an; irgemlwann. überhaupt / einmal j; jemals: wer hätte
das je gedacht!; wer weiß, ob ihm das je gelingen wird;
das ist das Schlimmste, was ich je erlebt habe; er wird
kaum je damit einverstanden sein; häufig in Verbindung
mit ..denn" od. ..als" nach Komp.: es ging besser denn/als
je [zuvor]; mehr denn je war er überzeugt, daß ... 2. in
Verbindung mit einer Zahl od. Maßangabe: a) jeweils:
immer Jedesmal < zusammen]: je 10 Personen; die
Hitzeperiode dauert je 3 Monate des Jahres; die Kinder stellen
sich je zwei und zwei auf; je ein Exemplar der verschiedenen
Bücher wurde ihm zugesandt; b) (jede einzelne Person
od. Sache) für sich genommen: jeweils: die Schränke sind
je einen Meter breit; die Flaschen wurden je zur Hälfte
geleert. 3. in Verbindung mit ..nach"; drückt aus. daß
etwas von einer bestimmten Bedingung abhängt: je nach
Größe und Gewicht; je nach Lust und Laune; je nach
Geschmack. 4. *je und ie (geh.. veraltend; dann u. wann:
von Zeit zu Zeit, gelegentlich): das Ausruhen auf einer
der Bänke ... führte je und je einmal zu einem Gespräch
(Th. Mann. Krull 406); seit [eh und] ie. (seltener:) von
je (schon immer: von jeher: so lange man denken, sich
erinnern kann): Da ich von je eine Schwäche für den
angelsächsischen Typ gehegt habe (Th. Mann. Krull 241).
II. <Präp. mit Akk.) für jede einzelne Person od. Sache:
pro: die Kosten betragen 5 DM je angebrochene Stunde,
je erwachsenen Teilnehmer; <auch wie ein Adv. gebraucht
u. keine Rektion ausübend:) je erwachsener Teilnehmer;
je Student. III. <Konj.) 1. <mehrgliedrig) setzt zwei
Komparative zueinander in Beziehung: je früher du kommst,
desto mehr Zeit haben wir; je länger er unterwegs war.
um so besser gefiel ihm das Land; je länger, je lieber;
je näher, je besser, und je unauflöslicher die Bindung,
um so dankenswerter (Dönhoff. Ära 114). 2. in Verbindung
mit ..nachdem": drückt aus. daß etwas von einem
bestimmten Umstand abhängt: wir entscheiden uns je nachdem,
ob es uns gefällt oder nicht; je nachdem ob er Zeit hat.
kommt er vorbei oder nicht: je nachdem du Lust hast,
kannst du kommen; willst du mitgehen? Je nachdem (ugs.;
vielleicht: ich weiß es noch nicht genau: das hängt noch
von Verschiedenem ab).
*le! [-; I: verhüll.; gek. aus dem Namen Jesu; II: Nebenf
von TJal: I. <Interj.) in Verbindung mit einer anderen
Interj.; drückt Bedauern od. Erschrecken aus: o je!; ach
je. wie schade! II. <Adv.) (veraltend) leitet in Verbindung
mit ..nun" einen Satz ein. der eine einschränkende
Äußerung enthält; ////// ja: freilich, gewiß: ..Je nun. nun ja.
sehr hübsch, sehr artig", sagte Dom Carlos (Th. Mann.
Krull 383).
Jean Potage [3äpo'ta:3; frz. = Hans Suppe, diese bereits
seit frühester Zeit in Komödien auftretenden Publiküms-
lieblinge hießen oftmals nach dem im Volk verbreiteten,
meistgegessenen Gericht, vgl. Hanswurst] (Literaturw.):
komische Person. Hanswurst der französischen Bühne.
'Jeans [dsknz] <P1.) [amerik. jeans, PI. von: jean =
geköperter Baumwollstoff; viell. nach der Stadt Genua, die früher
ein wichtiger Ausfuhrhafen für Baumwolle war]: a) saloppe
Hose [aus Baumwollstoff] im Stil der Blue jeans: J. aus
Kord, in verschiedenen Variationen; b) kurz für TBlue
jeans: ein Paar echte J.; 2Jeans [-1, das; - (ugs.): verwaschen
blauer Farbton, der der Farbe der Blue jeans entspricht:
er trägt Unterwäsche in J.
jeans-, Jeans-: ^anzug, der: Anzug aus farbigem
Baumwollstoff im Stil der Blue jeans: ^färben <Adj.; o. Steig.; nicht
adv.): von der verwaschen blauen Farbe der Blue jeans:
-e Wäsche; -hose, die: svw. t 'Jeans (1); -Jacke, die: Jacke
aus Jeansstoff; -kleid. das: sportliches Kleid aus Jeansstoff:
Mrock, der: sportlicher Damenrock aus Jeansstoff: -stofF,
der: derber, strapazierfähiger Baumwollstoff in
verschiedenen Farben, aus dem Kleidungsstücke im Stil der Blue jeans
hergestellt werden.
jeck Uek] <Adj.; nicht adv.) [mhd. (mittelfränk.) jeck <
mnlederd. geck, zu tGeck] (rhein.. meist abwertend):
überspannt, unvernünftig: so. daß man eine Person, eine Hattd-
lungfür leicht verrückt hält: so ein -er Kerl!; du bist wohl
j.!; für umsonst zu arbeiten, war er nicht j. genug (Keun.
Mädchen 15); wenn ich an Dich denke, es ist zum Heulen,
da kann man j. (wahnsinnig, verrückt) werden (Plievier.
Stalingrad 184); Jeck [-1. der; -en. -en (rhein.): 1.
(abwertend) überspannter Mensch: jmd.. der sich so verhält, daß
man ihn für leicht verrückt hält: so ein J.!; der benimmt
sich so. als war er ein J. (als wäre er wahnsinnig,
geistesgestört, verrückt): mit diesem -en ist nichts anzufangen.
2. Fastnachter: die -en ziehen durch die Straßen.
jede: t jeder; jedenfalls <Adv.; knüpft an etw. zuvor Gesagtes
an): a) auf jeden Fall: bestimmt: gewiß: er ist j. ein/ein
j. fähiger Mitarbeiter; J. kannst du deinen Namen morgen
abend in der Zeitung lesen (Lenz. Brot 33); b) wenigstens,
zumindest: Der Gefreite Herbert Asch war durch nichts
mehr zu erschüttern; j. glaubte er das (Kirst, 08/15. 13);
ich j. (was mich betrifft) habe keine Lust mehr; c) soviel
steht fest, ist sicher: Tatsache war j.. daß man nicht
aufgepaßt hatte; Jedenfalls: als die Einwohner sich der einzigen
Frucht beraubt sahen .... retteten sie sich durch den
Kaffeeanbau (Jacob. Kaffee 139).
jed$nnoch <Konj.) (landsch.. sonst veraltet): [je/doch: Je-
dennoch die offenen Gruben mit den Hühnern. ...
(Johnson. Mutmaßungen 126).
Jeder [je:dfcl. jede ['je:dd]. jedes [je.das] <Indefinitpron. u.
unbest. Zahlw.) [mhd. ieweder. ahd. ioweder. eohwedar.
aus ahd. io. eo = immer u. [hlwedar = wer von beiden,
irgendeiner von beiden]: I. bezeichnet alle einzelnen von
einer Gesamtheit ohne Ausnahme: a) <attr.>: jeder Mann;
jede Frau; jedes gesunde Kind; jeder Angestellte; die Rinde
jedes alten Baumes: jeder Junge und jedes Mädchen
bekommt (seltener: bekommen) einen Luftballon; jeder
einzelne; jeder Platz war besetzt; der Zug fährt jeden Tag
(täglich): im Moment brauchen wir jede Mark; er ist
jedes Mal (jedesmal) zu spät gekommen; am Anfang
jeden/eines jeden/jedes Satzes; b) (alleinstehend): jeder/
(geh.:) ein jeder darf mitmachen: das kann jeden jede
der Frauen; jedes der Kinder; jeder, der Lust hat. ist
willkommen; hier kennt jeder jeden (alle kennen einander):
jeder für sich hat recht; jeder von uns kann helfen; c)
(landsch.) <Neutr. Sg.; alleinstehend) jeder (einzelne von
den Genannten): jedes von der Familie hat ein Haus; die
Schwestern haben jedes drei Kinder. 2. <bei Abstrakta
im Sg.) bezeichnet alle möglichen, denkbaren Arten.
Formen o. ä. von etw.. je einzeln gesehen; jeglicher, jedweder:
jede Hilfe kam zu spät; jedes Maß wurde hier überschritten;
(geh.:) ein jedes Bewußtsein, das die ... Wirklichkeit ...
nach rationalen Entwürfen zu gestalten trachtet (Fraenkel.
Staat 138); ohne jeden (irgendeinen denkbaren) Grund;
Menschen jeden/jedes Alters und jeder Hautfarbe; er
nimmt jede Art Arbeit (beliebige Arbeit) an; die Sache
ist bar jeden/jedes Sinnes (ohne jeglichen Sinn). 3. <mit
Zeit- od. Maßangabe im Sg.. seltener im PI.) im Abstand
von...; alle (3): jede Stunde fliegt ein Flugzeug nach Berlin;
jede 10 Minuten kommt eine Bahn; jede 10 Meter steht
1380
jen-, Jen-
ein Baum; fcderart <unbest. Gattungsz.; indekl.; nur attr.):
jede Art (von etw.): er ist bereit, J. Arbeit anzunehmen;
jederlei <unbest. Gattungsz.; indekl.; nurattr.) [t-lei] (geh.):
jede Art von. alle denkbaren Sorten o.a. von: dort, wo
lotusbekränzte Weinkrüge ... und j. Feldfrucht den
Alabastertisch ... bedeckten (Th. Mann. Joseph 732); sie
vergnügten sich auf j. (jegliche) Weise; ledermann <Indefinitpron.
u. unbest. Zahlw.; nur alleinstehend) [spätmhd. ieder
man] (nachdrücklich): svw. f jeder (1 b): hier kann j.
mitmachen; j. weiß, wie schwierig das ist; Widerstand ist -s
(jedes einzelnen) Recht (Fraenkel. Staat 371); Muscheln
sind nicht -s (eines jeden) Geschmack; das ist für j. (für
alle ohne Unterschied) einsichtig; er ist feindelig gegen j.
(alle); <Zus.:> Jedermannfiink. der: svw. tCB-Funk; Je-
dermamsfraind, der <P1. selten) (veraltend, abwertend):
jmd.. der es mit allen halten, mit niemandem verderben
will: jederzeit <Adv.): a) drückt aus. daß etw. für einen
nicht eingeschränkten Zeitraum in gleicher Weise besteht;
zu jeder Zeit; wann immer jmd. möchte; immer: er ist
ein j. gern gesehener Gast; er sagte, ich könnte j. kommen,
er wäre bis spät abends im Büro (Brand [Übers.). Gangster
21); b) drückt aus. daß ständig mit etw. Bestimmtem,
neu Eintretendem o. ä. gerechnet werden muß; in jeden}
Augenblick; schon im nächsten Moment: Rinder .... man
kann sie ihm j. wegnehmen (Grzimek. Serengeti 262); sie
war j. daraufgefaßt, daß die Gedanken ihres Vaters kühne
Sprünge machten (Kirst. 08/15. 113): ^derzeitig <Adj.;
o. Steig.; nur attr): zu jedem Zeitpunkt möglich, stattfinden,
eintreffen könnend o.a.: er muß mit einer -en Änderung
der Verhältnisse rechnen; jedes: t jeder; jedesmal <Adv.):
in bezug auf etw.. was mit Regelmäßigkeit immer wieder
in der gleichen Weise vor sich geht, abläuft o. ä.; in jedem
einzelnen Fall wieder; immer: er kommt j. zu spät; J..
wenn man diese Stadt wiedersieht, verschlägt es einem
von neuem den Atem (Dönhoff. Ära 73): jedesmalig <Adj.;
o.Steig.; nurattr.) (seilen): jedesmal stattfindend, ablaufend
o.a.; jeweilig: allmählich nahm die -e Dauer des Hin-
und Herlaufens ab (Lorenz. Verhalten I. 71).
jtfbnQglich <Adj.; o. Steig.; nur attr.) (selten): jeder, jede,
jedes mögliche: jmdm. -e Hilfen gewähren.
jedoch üe'cbx] <Konj. od. Adv.) [mhd. iedoch. ahd. ie üoh]:
drückt eine Einschränkung, einen Vorbehalt, eine
Berichtigung. Ergänzung u.a. aus; doch (I); aber (II. 1. 2);
indessen; hingegen: er fand den Ausgang der Sache bedauerlich,
entmutigen j. ließ er sich nicht/j. er ließ sich nicht
entmutigen/.), ließ er sich nicht entmutigen.
jedweder fje:t've:dn]. jedwede [je:t've:d3], jedwedes [je:t-
've:das] <Indefinitpron. u. unbest. Zahlw.) [mhd. ietweder.
iegeweder = jeder von beiden. Jeder von vielen]
(nachdrücklich, veraltend): svw. t jeder (1 a. b; 2): Die Königin
öffnet ihr Ohr jedwedem Untertanen (Hacks. Stücke 86);
die Stadt biete jedwede Unterhaltung (Th. Mann. Krull
248); jedweder Angestellte; jedwedes neue Verfahren; der
Wert jedweden Buches; der Ausgang jedweden/jedwedes
weiteren Versuchs; jedwedem ist die Teilnahme erlaubt.
Jeep® [43i:pJ. der; -s. -s [amerik.; wohl nach den engl,
ausgesprochenen Anfangsbuchstaben von: general purpose
= Mehrzweck]: (bes. als Militärfahrzeug, aber auch in
Land- u. Forstwirtschaft u.a. gebrauchtes) kleineres, meist
offenes, geländegängiges Fahrzeug mit starkem Motor u.
Vierradantrieb: eine Expedition mit einem J. unternehmen.
jeglicher ['je:kli9B]. jegliche ['je:klnp]. jegliches ['jeikh^sj
<Indefinitpron. u. unbest. Zahlw.) [mhd. ieclich. iegelich.
ahd. iogilih. zusger. aus: io. eo = immer (tje) u. gilih
= gleich(welcher). jeder] (nachdrücklich, veraltend): svw.
tjeder da. b; 2).
jeher <Adv.) [je:he:?. auch: *-'-: aus fje (I. 1) u. ther
(3 b)] nur in den Verbindungen seit/von j. (solange man
denken, sich erinnern kann; schon immer): es wurde seit
j./von j. so gehandhabt, daß ...
jein Uajn] (Adv.) [zusgez. aus ja u. nein] (scherzh. od.
abwertend): drückt eine Unentschiedenheit des Sprechers
aus. der sich nicht zu einem Ja entschließen kann: er
sagt immer j.; <subst.:) Jein [-]. das; -s. -s: auf die Frage,
ob er bereit sei, antwortete er mit [einem] J.
Jejunitis üeju'ni.tisj. die; -. ...itiden [...ni'ti.dn; Uejunum]
(Med.): Entzündung des Leerdarms; Jejunum Ue'ju:num],
das; -s, ...na [zu lat. ieiünus = nüchtern, mit leerem
Magen]: svw. I Leerdarm.
Jelängerielfeber Ue'leneje'liibe], das; -s. - [die Pflanze duftet
immer lieblicher, je länger man daran riecht]: (zu den
Geißblattgewächsen gehörende) kletternde Pflanze mit
gelblichweißen, in dichten Büscheln wachsenden, stark duftenden
Blüten.
jemals [je:ma:ls] <Adv.) [zu T 'je (I. 2a) u. T 'Mal]: zu
irgendeinem (in der Vergangenheit od. Zukunft liegenden)
Zeitpunkt; irgendwann: besser als j. zuvor; er glaubte nicht,
daß er j. wieder gesund würde; Haben Sie schon j. früher
bei einer Zeitung gearbeitet? (Leonhard. Revolution 235);
das wird sich kaum j. (sicher niemals) erfüllen.
jemand [je:mant)<Indefinitpron.) [mhd. ieman.ahd. ioman.
eoman. zu: io. eo = immer u. man = Mann. Mensch]:
a) bezeichnet eine bestimmte, dem Sprecher bekannte,
aber von ihm nicht näher beschriebene Person; eine Person,
ein Mensch: ich kenne j./-en. der schon dort gewesen ist;
ich treffe micht heute mit j./-em. der ...; b) bezeichnet
eine bestimmte, dem Sprecher nicht bekannte Person:
Etwas entfernt von mir liegt j. (Remarque. Westen 53); ..Ist
da j.?%% rief ich (Bieler. Bonifaz 33); an der Tür stand
j. anders; j. Fremdes; das habe ich von j. Unbekanntem
gehört; <subst.:)zwei (= Polizisten) warfen j. aus der
Hoteltür ... ich konnte ... erkennen, daß dieser Jemand durch
Handschellen mit den beiden verbunden war (Seghers.
Transit 64); das hat ein gewisser Jemand (scherzh.; ein
nicht Unbekannter) gemacht, u. der warst du; c) bezeichnet
eine unbestimmte einzelne Person, die in einem bestimmten
Zusammenhang gesehen wird; irgendein Mensch; einer:
j. wird schon dafür Interesse haben; Sie sehen aus wie
j.. dem man die Wahrheit sagen kann (Andersch. Rote
253); ein Untermieter... j. ohne Familie (Fischer.
Wohnungen 34); das wird kaum j. (niemand) wollen; er will nicht
-[e]s Diener sein; er wollte nicht j./-em gehorchen müssen;
das kann man nicht [irgend] j./(seltener:) -en machen lassen,
der keine Ahnung hat.
jemine! [je:minel <Interj.) [entstellt aus lat. Jesu domine
= o Herr Jesus!] (veraltend): Ausruf des Erstaunens od.
Erschreckens: ach j.; t herrjemine; tojemine.
Jen: tYen.
jen-. Jen- ['je:n-. auch: 'jen-J: -seitig <Adj.) [zu t jenseits]:
a) <o. Steig.; nur attr.) auf der gegenüberliegenden Seite
gelegen (Ggs.: diesseitig a): am -en Seeufer; b) <nicht adv.)
(geh.) nich t dem Diesseits zugehörig; dem Jenseits zugewandt
o.a.: unirdisch (Ggs.: diesseitig b): die -e Welt; c) (selten)
abwesend, entrückt; gedankenverloren: ..Der Mensch muß
sich erwärmen", erwiderte er und tat sehr j. (Strittmatter.
Wundertäter 226); <subst. zu b:> -seitige, das; -n (geh.):
schäbige Andenken. Bilder von schönen gefallenen Söhnen
...schonabgewandelt ins J..Geisterhafte (Kaschnitz,Wohin
82); <Abl.:> -seitigkeit, die; - (selten): das Auf-das-Jenseits-
Gerichtetsein: die J. seines Denkens; -seits [älter: jenseil,
mhd. jenslt. jene Site]: 1. auf der gegenüberliegenden,
anderen Seite von etw. (Ggs.: diesseits) a) <Präp. mit Gen.):
j. des Flusses, des Ozeans; j. des Eisernen Vorhangs; J.
dieser Eichen (hinter den Eichen) fällt der Berg ... steil
ab (M. Walser. Eiche 22); daß es noch eine Welt j.
(außerhalb) des Lagers gibt (Hochhuth. Stellvertreter 214); Ü
er ist schon j. der Vierzig (hat das vierzigste Lebensjafir
überschritten); b) <Adv.>: J. vom Rhein; Auf
schwankendem Steg überquerten sie die Maas ... J. gerieten sie in
das Getümmel des Vormarsches (Kuby. Sieg 230): Ü so
wird ... das menschliche Sein in die Natur zurückgeführt,
j. von Tod und Leben (Broch. Versucher 9); weil die
Zeit, da ... er einen Schal getragen hatte, völlig j. (lange
vorbei) war (Augustin. Kopf 284); j. von Gut und Böse
(vgl. gut 4b). 2. <Adv.) (selten) auf das Jenseits, zum
Jenseits hin: Der eine ist J. gerichtet, während der andere
in einer innerweltlichen Denkweise gefangen bleibt (Nigg.
Wiederkehr 20); -seits, das; -: in der religiösen Vorstellung
existierender transzendenter Bereich jenseits der sichtbaren
diesseitigen Welt, als Ort. in den die Verstorbenen eingehen
(Ggs.: Diesseits): Der Glaube, den Sie ... verdächtigen,
daß er nur mit einem ungewissen J. zu tun habe (Sommer-
auer. Sonntag 77); *ins J. abgerufen/abberufen werden
(geh. verhüll.; sterben): betrauert man den Tod des
Gruberbauern .... der im 56. Lebensjahre ins J. abgerufen wurde
(Sonntagspost 3. 12. 67, 2); jmdn. ins J. befördern (salopp;
jmdn.. weil er einem in irgendeiner Hinsicht im Wege ist
o.a., kaltblütig, ohne Skrupel umbringen), dazu: ^seits-
gbuibe, (seltener auch:) -glauben, der: der Glaube an ein
Jenseits als Bestandteil einer Religion.
1381
jener
X
jener ['je:ne]. Jene ['je:ns]. jenes [*je:n3s] (Demonstrativ-
pron.) [mhd. (j)ener. ahd. (j)ener] (im alte, nur schriftspr.
od. in gehobener Sprechweise): 1. <attr. u. alleinstehend)
bezeichnet eine vom Sprecher räumlich entferntere Person
od. Sache; dieser [dort, da o.a.]: jener Bau [dort] ist sein
Elternhaus; beachten Sie die Form dieses und auch jenes
Tisches; mit jenem größeren Schrank; wegen jenes teuren
Bildes; dieses [Buch] kostet 10 Mark, jenes (dieses dort)
ist wesentlich teurer. 2. <attr. u. alleinstehend) bezeichnet
einen zurückliegenden Zeitpunkt, auf den Bezug
genommen wird od. eine vorher erwähnte od. als bekannt
vorausgesetzte Person od. Sache; der. die. das bekannte, bewußte:
jene berühmte Rede, die ...; jener Maler, der ...; in jenem
Sommer; seit jenen Tagen; zu jenem Zeitpunkt; in einem
Roman Bölls. in dem jener schilderte, wie ...
ienisdi ['je.nij] <Adj.; o. Steig.) [wahrsch. geb. zu einer
Wurzel der Zigeunerspr. mit der Bed. „wissen", also eigtl.
= wissend, klug. H. u.] (Rotwelsch): a) in der
Gaunersprache: j. sprechen; die -e Sprache (Gaunersprache.
Rotwelsch): b) in der Weise der Jenischen: Ich hole ein ...
Liebes-Drama auf j. nach (Lynen, Kentaurenfährte 193);
c) klug, gewitzt: -e Leute; <subst.:> Jenische <P1.)
(Rotwelsch): herwnziehende Landfahrer mit einer eigenen
Sprache, in der sie sich untereinander verständigen.
Jeraniade Uere'mia:dd]. die; -. -n [nach dem biblischen
Propheten Jeremia. viell. unter Einfluß von frz. jeraniade
geb. nach Iliade u. ä.] (geh.. veraltend): wortreiche, bewegte
Klage, die jmd. [in wehleidigem Ton] über etw. führt: der
Obcrpfleger war nicht gesonnen, die -n eines alten Mannes
anzuhören (Fallada, Trinker 168).
Jerez f'^eTes], der; - [nach der südspan. Stadt Jerez de
la Frontera]: seltener für tSherry: die Stadt ... ist eine
Enttäuschung .... das Essen trostlos,... erfreulich nur der
J. (Frisch, Gantenbein 372); <Zus.:> Jerezwein, der.
Jerichobeule [*je:r«^H, die; -, -n: svw. T Orientbeule;
Jerichorose« die; -. -en [wohl geb. von Pilgern, die diese Pflanze
aus dem damaligen Palästina mitbrachten, viell. nach der
Stelle im Buch Sirach (24. 18) des A.T.. wo die göttliche
Weisheit mit den vor Jericho gepflanzten Rosen verglichen
wird]: Bez. für verschiedene Pflanzen des Mittelmeerraums,
die bei Trockenheit ihre Äste in der Weise nach innen rollen,
doli ein kugeliges Gebilde entsteht, das sich erst unter Einfluß
von Feuchtigkeit wieder entrollt.
Jerk [d33:k], der; -[s], -s [engl. jerk. eigtl. = plötzlicher
Schlag. Stoß] (Golf): scharf vollführter Schlag, bei dem
der Schläger in dem Moment, in dem er den Ball trifft,
plötzlich abgebremst wird.
'Jersey [ctj0:?zi]. der; -[s]. -s [engl, jersey. nach der
gleichnamigen englischen Kanalinsel]: feinmaschig gewirkter od.
gestrickter Kleiderstoff in verschiedenster Ausführung aus
Wolle. Baumwolle od. Chemiefasern: Kleider. Blusen aus
J.; 2Jereey [-]. das; -s. -s (Sport): enganliegendes Hemd
aus Trikot, das bei verschiedenen Sportarten üblich ist.
Jersey- ('Jersey): -bkise, die; -hose, die; -kJeki. das; -Jco-
stüm, das; -stoff, der: svw. T 'Jersey.
ierum! ['je:rom] <Interj.) [entstellt aus lat. Jesu domine.
t jemine] (veraltend): Ausruf des Erschreckens, der Klage
o.a.; tojerum.
Jessas [na]! [jesas (na:)] <Interj.) [verhüll, für TJesus]
(österr.): Ausruf des Erschreckens o.a.: j. na, das ist ja
entsetzlich!; Jesses [Maria] [jesös (mar'i.a)] <lnterj.)
(verhüll, für I Jesus. Maria u. Josefl (ugs.): Ausruf des Erschrck-
kens. Erstaunens o.a.: J.. wir sind schon viel zu spät
dran!; J. M. verstehen Sie mich recht (Frisch, Cruz 10);
Jesuit Ue'zyi:t). der; -en. -en Im lat. Jesuita. zu lat. Jesus
= Jesus]: 1. Angehöriger des Jesuitenordens. 2.
(Schimpfwort) Mensch, der trickreich u. oft wortverdrehend / in
geschliffener Rede/ zu argumentieren versteht u. den man
für unaufrichtig hält: er ist ein richtiger J.
Jesuiten-: -dichtung, die <P1. selten) (Literaturw.): (vom
16. bis 18. Jh.) hauptsächlich in lateinischer Sprache verfaßte
Dichtungen (bes. Dramen u. geistliche Lieder) von
Angehörigen des Jesuitenordens: Mirama. das: a) <o. PI.)
von Angehörigen des Jesuitenordens geschaffene
Dramendichtung aus der Zeit der Gegenreformation: b) zur
Jesuitendichtung gehörendes Drama: Mieneral, der: oberster
Ordensgeistlicher der Jesuiten: -orden, der: vom hl. Ignatius von
Loyola 1534 gegründeter Orden, der bes. durch die Einrieb'
tung von Schulen einen bedeutenden Einfluß gewann: Abk.:
SJ (= Societas Jesu); -schule, die: ursprünglich von Jesuiten
eingerichtetes u. geleitetes (heute meist staatliches)
humanistisches Gymtmsium mit einer bestimmten katholischen
Bildungstradition: <%€til, der (veraltend): Baustil, der fiir die
von Jesuiten erbauten prunkvollen Kirchen der Barockzeit
in Europa u. Lateinamerika charakteristisch ist: ^theater.
das: t^drama.
Jesuitentum, das; -s: Geist u. Wesen des Jesuitenordens:
jesuitisch <Adj.; o. Steig.): 1. die Jesuiten (1) betreffend:
zu den Jesuiten (1) gehörend: in der Art der Jesuiten (1):
die -e Lehre, Moral. 2. (abwertend) in seiner
Argumentationsweise o.a. sehr verschlagen u. durchtrieben: geneigt,
andere durch Wort Verdrehungen u. Spitzfmdigkeiten zu
übervorteilen: seine Redeweise ist allzu j.; Jesuitismus Ue-
zyi'tismos]. der; -s: 1. svw. t Jesuiten tum. 2. (abwertend)
Gesamtheit der den Jesuiten zugeschriebenen negativen,
jesuitischen (2) Eigenschaften.
Jesus [, Maria und Josef]! [je:zus (ma'ri:a unt jo:zeO] <In-
terj.) (veraltend): Ausruf des Erschreckens, Erstaunens
o.a.: J.. das ist ja ein ganz baufälliges Haus!; J . wenn
der Hund nur nicht beißt!
Jesus-: -bewegung, die <o. PI.): svw. tJesus-People-Bewe-
gung; ^gebet. das <o. PI.): in den Ostkirchen, bes. im
Mönch tum. übliches Gebet, bei dem durch die Art der
Rezitation der Gebetsformel eine mystische Vereinigung mit Gott
erstrebt wird: ^kind, das <o. PL): 1. die Darstellung Jesu
als Kind in der bildenden Kunst: Maria mit dem J. auf
dem Arm. 2. das Kind Jesus in der Dichtung: -kindlein,
das: svw. t-klnd; ^knabe, der: svw. T-kind; ^knäblein,
das; svw. t-kind; -latsche, die, -latschen, der (meist PI.)
[wohl nach dem einfachen Schuhwerk der
Bettelordenmönche] (scherzh. od. abwertend): flache, schmucklose Sandale:
Der eine Lehrer war ein Naturmensch, Jesuslatschen und
Spitzbart, ganz dürr (Kempowski, Immer 53).
Jesus People ['d3i:zss apl:pl] <PI.) [amerik. Jesus People,
eigtl. = Jesusleute]: Angehörige der Jesus-People
Bewegung: <Zus:> Jesus-People-Bewegung, die <o. PL): um 1967
in Amerika unter Jugendlichen entstandene
ekstatisch-religiöse Bewegung, die einen neuen Zugang zum Glauben fand
u.a. durch eine spontane Form gemeinschaftlichen Betens
u. bes. durch die Überzeugung von einem unmittelbaren
Wirken des göttlichen Geistes in den Menschen.
'Jet [djet], der; -[s]. -s [engl.-amerik. jet. gek. aus jet (air)liner.
jet plane, zu: jet = Düse. Strahl]: Düsenflugzeug: heute
haben sich selbst die schnellsten -s noch nicht völlig vom
Abbild des Vogels gelöst (Marek, Notizen 20); einen J.
fliegen; mit einem J. fliegen, reisen.
2Jet:tJett.
Jetflug« den -[e]s, -flüge: Flug mit einem xJet: einen J. nach
New York buchen; Jetliner ['-lamc], der; -s, - [engl.-ame-
rik. jetliner. aus t 'Jet u. liner = Linienflugzeug]:
Düsenverkehrsflugzeug.
Jeton ba'tö:]. der; -s, -s [frz. jeton, zu: jeter = werfen;
(durch Auswerfen der Rechensteine) berechnen] (selten):
a) Spielmünze. Spielmarke: b) einer Münze ähnliche Marke,
mit deren Hilfe ein Automat, ein Telefon, die Schranke
eines Parkhauses o. ä. betätigt werden kann: c) svw. t
Rechenpfennig.
J$t-set, der; -s, -s <P1. selten) [amerik. jet-set. zu jet (t !Jet)
u. set = Gesellschaftsschicht; erstmals nach 1956 zur Bez.
von Jugendlichen in der Sowjetunion, die einen
..westlichen" Lebensstil nachahmten, dann auf Kreise des
westlichen Gesellschaftslebens übertr.]: Schicht der
internationalen Gesellschaft, die über genügend Geld verfügt, um sich
- unter Benutzung des [ Privat Jjets - mehr od. weniger
häufig an den verschiedensten exklusiven Urlaubsorten od.
anderen Treffpunkten, die ..in" sind, zu vergnügen: $in
schöner Playboy, der sich an den Schauplätzen des
internationalen J. tummelt (MM 17. 1. 70, 79); dem J. angehören;
zum J. gehören; Jetstream ['43£tstri:mJ, der; -[s]. -s [engl,
jet stream, eigtl. = Strahlstrom] (Met.): starker Luftstrom
in der Tropo- od. Stratosphäre.
Jett. (Fachspr.:) 2Jet [(J36t, auch: jet]. der od. das; -[e]s
[engl, jet]: svw. TGagat.
Jettatore[cl3£ta'to:r3], der; -. ...ri [ital. iettatore. zu: iettare
(ugs. für: gettare) = werfen]: ital. Bez. für Mensch mit
dem bösen Blick.
Jetten I'cfaetn] <sw. V.) [t !Jet] (ugs.): a) mit einem 1Jet fliegen,
reisen: einen Jet benutzen, um möglichst schnell ein entfern*
tes Reiseziel zu erreichen <ist>: an die Riviera. über den
Atlantik j.; rund um den Erdball j.; So jettet Ellen nach
1382
jobben
jedem Auftritt in Richtung Rom (Hörzu 25, 1975. 13);
b) per xJet an einen bestimmten Ort bringen [lassen] <hat>:
von Deutschland jettete er 14 Journalisten nach Honolulu
(Spiegel 51. 1966, 154); c) (von einem {Jet) einen Flug
machen, unternehmen: fliegen <ist>: die Düsenclipper von
heute Jetten in wenigen Stunden über den großen Teich.
Jetzig ['j£t$i<;] <Adj.; o. Steig.; nur attr.) [mhd. iezec): (vom
Sprecher aus gesehen in der Gegenwart) zum
augenblicklichen, gegenwärtigen Zeitpunkt existierend, bestehend o. ä..
derzeitig (1): der -e Stand der Forschung; der -e Leiter
der Bank; die -e Mode; Der Brunnen ist alt. ... Seine
-e Gestalt ... gab ihm erst Bernini im 18. Jahrhundert
(Koeppen. Rußland 188); ietzo [j€t$o; mhd. iezuo. ieze.
iezö. zusgez. aus ie = immer u. zuo = zu] (veraltet):
svw. t Jetzt (1-4); jetzt Uetstl <Adv.> [älter: i(e)tzt, mhd.
iz(i)t. iez(e). t Jetzo]: 1. bezeichnet einen mehr od. weniger
eng begrenzten Zeitraum in der Gegenwart, in dem etw.
eintritt, stattfindet o.a.; in diesem Moment, in diesem
Augenblick (Ggs.: einst a): ich habe j. keine Zeit;
ausgerechnet j. willst du das wissen; ich habe bis j. (bis zu diesem
Augenblick) gearbeitet; j. endlich ist er fertig geworden;
gerade j. ist er zur Tür hereingekommen; ich gehe gleich
J. mit; er ist j. erst/schon/noch hier; Aber j.. Ende
November. ... spricht man ... von einer Verteidigung des Status
quo (Dönhoff, Ära 45); j. oder nie! (in bezug auf etw..
für das der Augenblick zutn Handeln zwingend gekommen
ist): von j. auf nachher (ugs.; ohne jmdm. die nötige Zeit
für die Ausführung von etw. zu lassen: sofort): er meint,
die Sachen ließen sich von j. auf nachher beschaffen. 2.
bezeichnet eine in der Gegenwart liegende Zeit, sofern
sie sich von einer vorhergehenden, früheren in bestimmter
Hinsicht unterscheidet; heute (2); heutigentags: inzn'ischen
(Ggs.: einst a): man macht das, denkt darüber j. ganz
anders; es gibt j. viel mehr Möglichkeiten als noch vor ein
paar Jahren; griechische Schiffe. ... ihre Namen ... waren
übertüncht. Sie hießen j. ..Adolf und „Hermann"
(Strittmatter. Wundertäter 474). 3. bezeichnet einen in der
Gegenwart liegenden Zeitpunkt, zu dem ein bestimmter
Zustand o. ä. als eingetreten konstatiert wird; in der
Zwischenzeit, inzwischen: die Kinder gehen j. beide in die Schule;
die Häuser sind j. Stundenhotels geworden (Koeppen.
Rußland 167). 4. nimmt häufig Bezug auf etw. vorher
Gesagtes o. ä . bezeichnet nur ganz allg. den in der
Gegenwart liegenden Zeitpunkt; nun: man wird j. einwenden,
daß ...; Die Parteien müssen j. gemeinsam nachdenken
(Dönhoff. Ära 79); j. ist aber Schluß mit dem Geschwätz;
bist du j. fertig mit der Arbeit? 5. (landsch.) in Fragesätzen
als Intensivierung der häufig vom Sprecher an sich selbst
gerichteten Frage; wohl: von wem wird j. der Brief sein?;
wer hat denn das j. gemacht?; <subst.:> Jetzt [-]. das;
- (geh.): Zeit, die nur als Gegenwart erlebt od. die im
Gegensatz zu einer lange vergangenen Zeit gesehen wird (Ggs.:
Einst): er lebt ganz im J.; das Einst und das J.: <Zus.:>
J^tztmensch, der (Anthrop.): der heute lebende Mensch:
Jetztzeit, die <o. PI.) (selten): die gegenwärtige Zeit: die
Zeit, in der der Sprecher lebt, die für ihn noch nicht zur
Geschichte gehört.
Jeu [30:1. das; -s, -s [frz. jeu] (veraltet): Glücksspiel:
Kartenspiel: <Abl.:> jeuen Vw.m] <sw. V.; hat) (selten): das
Glücksspiel betreiben: Spielbank .... in der ... Dostojewski
gejeut hat (MM 1. 2. 72, 24).
Jeunesse dorie boenesdo're], die; - - [frz. jeunesse doree.
eigtl. = vergoldete Jugend, d.h. reiche junge Leute; nach
dem Sturz Robespierres (1758-1794) als Propagandawort
der Jakobiner Bez. für die männliche Jugend von Paris,
die unter Führung des Politikers u. Publizisten L. Frtron
(1754-1802) zur Gegenrevolution aufrief! (bildungsspr.
veraltend): die zur begüterten Oberschicht gehörenden
Jugendlichen (die eine sorglose Jugend in Luxus, mit
Amüsement verbringen).
jeweilen ['jeiv^jbn] <Adv.) [aus T'je (I. 2a) u. Weilen =
Dat. PI. von: Weile] (Schweiz., sonst veraltet): jeweils:
dann u. wann: ich besuche j. die Volksvorstellungen und
finde Ihre Stücke hochbegabt (Dürrenmatt. Meteor 63);
... wurde in den Kirchen Roms j. eine eigentümliche
Bettlergestalt gesehen CNigg. Wiederkehr 89); jeweilig ['je:vqjli^]
<Adj.; o. Steig.; attr., selten adv.) [zu tjeweilen]: a) zu
einer bestimmten Zeit, einem bestimmten Zeitpunkt gerade
bestehend, herrschend, vorhanden o.a.: der -en Mode
entsprechend; welch bestimmende Antriebe von den -en
Gesellschaftsformen ... ausgehen können (Fraenkel, Staat 35);
b) in einem bestimmten Einzelfall. Zusammenhang gerade
bestehend, herrschend, vorhanden, vorliegend o. ä.: speziell:
sich den -en Bedürfhissen anpassen; den -en Umständen
entsprechend; Der ... Betrieb erlaubte nur die
Zusammenfassung der j. (jeweils) zustehenden Freizeit (Johnson,
Mutmaßungen 19); jeweils fje:v^jls] <Adv.>: a) jedesmal:
(in einem bestimmten Zusammenhang) immer: die
Zeitschrift erscheint j. am 1. des Monats; für jedes dieser
unzähligen Merkmale gilt j. das Gesetz der großen Zahl
(Noelle, Umfragen 104); b) zu der Zeit, dem Zeitpunkt,
von dem gerade die Rede ist: das Spiegelbild des ...
gesellschaftlichen Zustandes und der j. gültigen Maximen
(Dönhoff, Ära 40).
jiddebi [jidln] <sw. V.; hat) [zu tjiddisch]: svw. Tjüdeln:
Jiddisch [jidiJl <Adj.; o. Steig.) [gek. aus jidd. jidisch daitsch.
also eigtl. = jüdisches Deutsch, Bez. für das Deutsch
der Juden Osteuropas]: das Jiddische betreffend: zum
Jiddischen gehörend u. ä.: die -e Sprache. Literatur; vgl. deutsch;
Jjddisch, das; -[s]: die jiddische Sprache: vgl. Deutsch, das;
Jiddische [jidijs], das; -n: von den Juden in Osteuropa
gesprocheneu. (mithebräischen Schriftzeichen)
geschriebene Sprache, deren Wortschatz sich hauptsächlich aus
mittelhochdeutschen, hebräisch-aramäischen u. slawischen
Elementen zusammensetzt: Jiddfet Ui'dist]. der; -en, -en:
Wissenschaftler auf dem Gebiet der Jiddistik: Jiddistik üi'distik],
die; -: jiddische Sprach- u. Literaturwissenschaft.
Jieper [aji:pe] usw.: TGieper usw.
Jiez Ui:tß], der; -es. -e [H. u.] (ugs.. landsch.): braune,
übelriechende Flüssigkeit (aus Kondensat / u. Speichel/). die sich
in der Tabakspfeife ansammelt.
Jigger [(&igB], der; -s -[s] [engl, jigger]: 1. (Golf) Schläger
mit schmalem, ein wenig geneigtem Blatt, der für bestimmte
Schläge benutzt wird. 2. (Seemannsspr.) Segel am hintersten
Mast eines Viermasters.
Ji-Jitsu ktsi'&i&u]: f Jiu-Jitsu.
Jimenes [^i'memes], der; - [span. pedrojimenez, nach dem
Namen Pedro Jim&iez]: likörähnlicher spanischer Sü/iwein.
Jin: tYin.
Jina ['(bi-na] usw.: tDschaina usw.
Jingle ['cbrogl], der; -[s]. -[s] [engl, jingle. eigtl. = Geklingel]
(Werbespr.): kurze, einprägsame Melodie. Tonfolge als
Bestandteil eines [gesungenen/ Werbespots (in Rundfunk u.
Fernsehen).
Jingo ['c&TOgo]. der; -s, -s [engl, jingo. nach der Wendung:
by Jingo = beim Zeus, bei Gott; wahrsch. entstellt aus:
Jainko. dem Namen einer baskischen Gottheit]: engl. Bez.
Tür tChauvinist, Nationalist; Jingoismus [c&mgo'ismus].
der; - [engl, jlngoism]: engl. Bez. für f Chauvinismus.
Nationalismus.
Jitterfoug ['dsitabAg]. der; - [amerik. jitterbug. aus: to jitter
= zappelig sein u.bug= Insekt. Käfer]: nordamerikanischer
Gesellschaftstanz nach Jazzmusik mit akrobatischen
Tanzfiguren.
Jiu-Jitsu Cd^i.u'c&Hßu]. das; -[s] [jap. jujutsu; eigtl. = sanfte
Kunst]: in Japan entwickelte Technik der Selbstverteidigung
ohne Waffen, bei der bestimmte Hebelgriffe angewendet
u. Schläge gegen empfindliche Körperstellen des Angreifers
geführt werden, durch die man sich aus dessen Gewalt befreit.
Jive [dj&iv], der; - [amerik. jivel: 1. eine Art Swingmusik.
2. dem Boogie- Woogie ähnlicher nordamerikanischer
Gesellschaftstanz.
Job [cbap], der; -s, -s [engl.-amerik. Job]: 1. (ugs.) a)
vorübergehende [einträgliche] Beschäftigung.
Verdienstmöglichkeit. Gelegenheitsarbeit, diejmd. kurzfristig übernimmt, um
[für einen bestimmten Zweck] Geld zu verdienen: einen
einträglichen J. finden; jeder dritte Schüler ... sucht sich
in den großen Ferien einen J. (MM 20. 6. 73. 5); er hat
einen J. als Aushilfskellner; b) Arbeitsplatz. Arbeitsstelle.
Stellung: ein hochbezahlter, begehrter J; in dieser Gegend
gibt es wenig attraktive -s; die Leute finden ja keinen
neuen J. hier, müssen also abwandern (Molsner, Harakiri
143); er ... telefonierte die angebotenen -s ab (Ossowski.
Bewährung 70); c) berufliche Tätigkeit. Arbeit: Beruf: dieser
J. ist sehr anstrengend; In meinem J. kannte man viele
Leute (Simmel. Stoff 176). 2. (Datenverarb.) bestimmte
Aufgabenstellung für den Computer: <Abl. zu 1:> jobben
['(J33bn] <sw. V.; hat) (ugs.): zum Zweck des Geldverdienens
vorübergehend eine mehr od. weniger beliebige Arbeit
verrichten: sich mit einem Job (1 a) Geld verdienen: für kurze
1383
Jobber
Zeit, in den Ferien j.; er hat als TaxichautTeur gejobbt;
Jahrelang hat sie als Sekretärin gejobbt (gearbeitet). damit
ihr Mann studieren konnte (Hörzu 11. 1976. 20); Jobber
['c^obc]. der, -s. -: 1. a) Händler an der Londoner Börse,
der nur in eigenem Namen Geschäfte abschließen darf: b)
Börsenspekulant. 2. (ugs. abwertend) skrupelloser
Geschäftemacher. 3. (ugs.) jmd.. der sich durch Jobben Geld verdient:
Die jungen J. arbeiten für die Befriedigung ihrer höheren
Lebensansprüche (MM 16. 11. 68. 45); zu 2; Jobbern
['(fcobcnl <sw. V.; hat) (ugs. abwertend): sich als Jobber
betätigen.
Jobeliahr Uo'be:l-l, das; -[eis, -e [zu hebr. yövel = Widder-
horn (das zu Beginn eines solchen Jahres geblasen wurde)]
(jüd. Rel.): (nach 3. Mose 25. 8ff.) alle 50 Jahre von
den Juden des A.T.zu feierndes heiliges Jahr mit
Schuldenerlaß. Freilassung der israelitischen Sklaven u. Rückgabe von
verkauftem Boden.
Jobhopping [-hopinl. das; -s, -s [engl.-amerik. jobhopping.
zu: job (tJob) u. to hop = hüpfen, springen] (Jargon):
häufig vorgenommener Wechsel der Stellung mit dem Ziel
des Karrieremachens: Jobrotation [-roteijanl. die: -s. -s
[engl.-amerik. job-rotation. aus job (t Job) u. rotation. T
Rotation] (Jargon): (von einem Mitarbeiter zum Zwecke der
Vorbereitung auf eine Füfirungsaufgabe) das Durchlaufen
der verschiedensten Arbeitsbereiche eines Unternehmens.
Joch Lbx]. das; -[e]s. -e u. (als Maß- u. Mengenangabe:)
- [mhd. joch. ahd. joh, eigtl. = Zusammenbindendes]:
1. auf der Stirn bzw. dem Nacken aufliegender Teil des
Geschirrs (2) (bei als Zugtieren eingespannten Ochsen od.
Kühen): einem Ochsen das J. auflegen, abnehmen; die
Kühe ins. unters J. spannen; Am Nachmittag geht Segen
( = eine Kuh) schon ganz leidlich im J. (hat sich an das
Geschirr gewöhnt: Waggerl. Brot 41); * kaudinisdies J. (bil-
dungsspr.; schimpfliche Demütigung: nach dem aus Speeren
gebildeten Joch, durch das die 321 v.Chr. bei Caudium
[heute Montevardio. Italien (Kampanien)] geschlagenen
Römer schreiten mußten). 2. <P1. selten) (geh.) das
Eingespanntsein. Unterworfensein: schwere Bürde. Last, die
jmdm. auferlegt ist: das J. der Ehe. der Tyrannei; ein
schweres, drückendes J. zu tragen haben; jmdm. ein
schweres J. auferlegen; das J. der Fremdherrschaft abschütteln;
sich einem J. beugen; jmdn. ins J. spannen: jmdn. unter
ein J. zwingen; Befreiungskriege, mit dem Ziel .... die
Kolonien vom J. der Imperialisten zu befreien (Leonhard.
Revolution 65). 3. <P1. Joch) Gespann (von 2 Ochsen od.
Kühen): 2 J. Ochsen. 4. <P1. Joch) altes (in österr. noch
übliches) Feldmaß (eine Fläche umfassend, die mit einem
Gespann Ochsen an einem Tag gepflügt werden kann: 30-55
Ar): einen Großgrundbesitzer über viele J. Land (Fallada.
Herr 254). 5. kurz für tTragjoch: die Eimer an einem
J. tragen. 6. (Geogr.) Einsattelung im Kamm eines Gebirges:
Pali: im Winter sind die hochgelegenen -e nicht passierbar.
7. (Archit.) a) (in mehrschiffigen durch Pfeiler od. Säulen
gegliederten Räumen) die jeweils durch vier Stützen
gebildete räumliche Einheit: Travee: b) durch settkrechte Gliederung
einer Watid zustande gekommene, sich mehrfach
wiederholende Fläche. 8. (Bauw.) a) kurz für t Brückenjoch; b)
Zwischenpfeiler bei Holzbrücken: c) hölzerner Rahmen zum
Abstützen beim Ausbau von Schächten u. Stollen bes. im
Tunnel- u. Bergbau. 9. (selten) svw. T Jochbein: die Nase
lag eingebettet zwischen hohen, fleischigen -en (Bieler,
Mädchenkrieg 271).
jQdi-: -alge. die (meist PL) [nach der einem Joch (8a)
ähnlichen Verbindung, die bei der geschlechtlichen
Vereinigung der Zellen entsteht]: im Plankton des Süßwassers
vorkommende Grünalge; -bein, das [zu tJoch 8] (Anat.):
der Teil des Gesichtsschädels, der den Oberkiefer mit dem
Schläfenbein verbitidet; Backenknochen; otogen, der: 1.
(Anat.) Teil des Jochbeins. 2. (Archit.) Gewölbebogen über
einem Joch (7 a); -brücke, die: Holzbrücke, die von Jochen
(8 b) getragen wird; -pfeiler. der: svw. t Joch (8 b);
-Spannung, die: svw. t zweite; zweite, die (Bauw.): Abstand,
lichte Weite zwischen zwei Jochen (8) einer Brücke.
Jochen l'JDxn] <sw. V.; hat) [zu t Joch] (mundartl.): (Ochsen.
Külie) ins Joch spannen.
Jockei, Jockey ['<&)ke. 'cfcpki. auch: 'djjDk^j. 'jokai], der;
-s. -s [engl, jockey, zu schott. Jock = Jakob, ältere Bez.
für einen Stalljungen]: berufsmäßiger Rennreiter.
Jockei [' jakll. der; -s, - [eigtl. = Kurzf. von Jakob] (landsch.):
dummer, eitifaltiger Mensch; so ein dummer J.! *jmdm.
i
den J. machen (landsch.; sich von jmdm. ausnutzen lassen):
aus jmdm. den J. machen (landsch.; jmds. Gutmütigkeit.
Einfaltigkeit ausnutzen tu. sich dabei über ihn lustig
machen]).
Jockette [cfcjoketo]. die; -. -n [amerik. jockette. geb. Ende
der 60er Jahre mit französierender Endung zu t Jockey]:
weiblicher Jockey; in IfTezheim mußte die Rennleitung
... die Frankfurter J. ... disqualifizieren (Welt 4. 9. 76);
Jockey: f Jockei; <Zus.:> Jockeymütze, die: a) vom Jockey
beim Rennen getragene, festanliegende Kappe mit breitem
Schirm: b) sportliche, der Kappe des Jockeys ä/mliche
Kopfbedeckung für Männer: einen drahtigen Engländer mit
Shagpfeife und J. (Cotton, Silver-Jet 6). #
Jod Uo:t], das; -[e]s [frz. iode. aus griech. iodes =
veilchenfarbig, nach dem bei Erhitzen von Jod auftretenden
veilchenblauen Dampf; gepr. von dem frz. Chemiker u.
Physiker L. J. Gay-Lussac (1778-1850)]: schwarzbraune,
glänzende kristalline Substanz, die in bestimmten Lösungen bes.
in der Medizin u. a. zur Desinfektion von Wunden verwendet
wird (chemischer Grundstoff); Zeichen: J
Jod-. Jod-: -bad.das: a) Badeort, der über Jodquellen verfügt;
b) Bad in jodhaltigem Wasser; -haltig <Adj.; nicht adv.):
ein -es Medikament; -Präparat, das: Jod enthaltendes
medizinisches Präparat; quelle, die: Heilquelle, deren Wasser
einen bestimmten Gehalt an Jodid aufweist; -saueretofTsäu-
re. die: Verbindung von Jod mit Sauerstoff u. Wasserstoff;
-säure, die: svw. t ^sauerstoflfsäure; -silber, das: svw. T Sil-
berjodid; -tinktur, die: Jod in bestinmuer Form u. Menge
enthaltende alkoholische Lösung, die in der Medizin u.a.
zur Wunddesinfektion verwettdet wird; -Vergiftung, die:
durch Jod od. eine Verbindung von Jod hervorgerufene
Vergiftung; ^Wasserstoff, der: Verbindung aus Jod u.
Wasserstoff in Form eines farblosen, stechend riechenden Gases:
-wasserstoffsäure, die: stark sauer reagierende Lösung von
Jodwasserstoff in Wasser; -zahl, die (Chemie): Kennzahl,
die Aufschluß über den Grad der Ungesättigtheit eines Fettes
gibt.
Jodat [jo'da:t], das; -Ie]s. -e (Chemie): Salz der
Jodsauerstoffsäure.
Jodel ['jo:dl], der; -s, - u. Jödel [zu t jodeln] (mundartl.):
Jodellied; <Zus.:) Jodellied, das: Lied mit gejodeltem
Kehrreim; jodeln [*jo:dln] <sw. V.; hat) [in den dt.
Alpenmundarten von dem Joaelruf .jot% abgel.; vgl. johlen]: auf bloße
Lautsilben in schnellem [kunstvollem] Wechsel von der
Brust- zur Kopfstimme bzw. in die höchsten Töne des Falsetts
singen: die Einheimischen hier können j.
Jodhpur [c&xlpüd], die; -. -s. Jodhpurhose, die; -. -n [engl,
jodhpur. jodhpur breeches; nach der ind. Stadt Jodhpur.
die wegen ihres Kunsthandwerks u. verschiedener Zweige
ihres verarbeitenden Gewerbes bekannt ist]: oben weite,
von den Knien an enge Reithose mit Umschlag, zu der
an Stelle von Stiefeln knöchelhohe Schuhe getragen werden:
Sie können ... Jodhpurs ebenso wie Stiefelhosen tragen
(Dwinger, Erde SS); Jodhpursdiuh, der; -[e]s. -e. Jodhpur-
stiefel. der; -s, - <meist PI.) [engl, jodhpur shoe, jodhpur
boot].
Jodid Uodi:t]. das; -[e]s. -e [zu tJod] (Chemie): Salz der
Jodwasserstoffsäure; jodieren üo'di:ran] <sw. V.; hat): a)
(Chemie): mit Jod versetzen: jodiertes Speisesalz; b) (Med.)
zum Zwecke der Desinfektion mit Jod bestreichen: während
er erzählte, riß er den Verband ab und jodierte die Wunden
(Ott. Haie 171); Jodismus üo'dismos]. der; -: svw. t
Jodvergiftung.
Jodler l'jo.dte], der; -s. - [zu t jodeln]: 1. jmd.. der jodelt.
2.a) Jodellied: Hans hat den J. mitgesungen (Fr. Wolf.
Zwei 42); b) kurzes Jodeln; einen J. hören lassen: Jodlerin,
die; -, -nen: w. Form zu f Jodler (1).
Jodo: t Dschodo.
Jodoform [jodo'form]. das; -s [zusgez. aus t Jod u. t
Chloroform]: in der Medizin verwendetes stark antiseptisches
Mittel; Jodometrie [jodome'tri:]. die; - [zu tJod u. T-metrie]
(Chemie): Bestimmung von Stoffen mit Hilfe von Jod.
Joga, Yoga ['jo:ga], der od. das; -[s] [zu sanskr. yuga-
= Joch (in welches der Körper gleichsam eingespannt
wird)]: a) indische philosophische Lehre, deren Ziel es ist.
durch Meditation. Askese u. bestimmte körperliche Übungen
den Menschen von dem Gebundensein an die Last der
Körperlichkeit zu befreien: ein Anhänger des J. sein; b) Gesamtheit
der Übungen, die aus dem Joga (a) herausgelöst wurden
u. die zum Zwecke einer gesteigerten Beherrschung des
1384
Jonny
Körpers, der Konzentration u. Entspannung ausgeführt
werden: J. erlernen, betreiben; <Zus. zu b:> Jogaübung, die:
einzelne Übung des Joga.
Jogging[d^gml.das;-s[engl.jogging,zu: tojog = (dahin)-
trotten] (Leichtathletik): Trainingsform, bei der man völlig
gelöst u. bewußt locker in mäßigem Tempo läuft.
Joghurt [jo:gort], der od. (österr. nur:) das; -ls]. (Sorten,
abgefüllte Becher:) -[s], ugs. auch: die; -. -[s] [türk. yogurt]:
durch Zusetzen bestimmter Milchsäurebakterien gewonnene
Art Dickmilch: er ißt gerne J.; es gibt verschiedene Sorten
J.; -s (Joghurtsorten) schmecken je nach Zusatz ganz
verschieden; drei J. (Becher Joghurt) einkaufen; An die
Kühltruhe im Supermarkt treten, eine J. (einen Becher Joghurt)
nehmen. ... in den Einkaufswagen stellen (Weinberg.
Deutsch 88); <Zus.:> Joghurtbecher, der: mit Joghurt
gefüllter kleiner Plastikbecher: Joghurtsorte. die.
Jogi, Yogi [ jo.gi]. Jogin, Yogin [jo:ginj. der; -s, -s (sanskr.
yogi(n)]: Attitänger des Joga (a).
Johannes Lio'hanas]. der; -. - <PI. ungebr.) (salopp): Penis:
die frivolen Witzeleien ... beschäftigten sich besonders gern
mit der Formel: Wie die Nase des Mannes, so ein J.
(Jaeger. Freudenhaus 6). Vgl. Jonny.
Johann! üo'hani]: svw. T Johannistag.
Johamb- üo'hanis-]: -beere, die [die Frucht reift um den
Festtag des hl. Johannes (24. 6.)]: a) (bes. in Gärten
gezogener) niedriger Strauch mit kleinen, in Trauben wachsenden,
roten, auch gelblichen od. schwarzen, angenehm säuerlich
od. herb schmeckenden Beeren: die J. haben in diesem
J. gut angesetzt; sie haben auch weiße und schwarze J.
im Garten; b) <meist PI.) Beere der Johannisbeere (a):
-n pflücken; Saft, Gelee aus -n. dazu: -beergelee. das.
auch: der. -beermarmetade. die. -beerlikör. der. -beersaft,
der, -beerstrauch, der: Strauch der Johannisbeere (a).
-beerwein, der; -brot. das [nach der Legende soll sich
der Bußprediger Johannes der Täufer in der Wüste von
dem süßen Mark der Früchte ernährt haben):
dunkelbraune, leicht gebogene, längliche Frucht des Johannisbrotbaums,
von der das zuckerhaltige Mark der Hülse u. die Kerne
gegessen werden, dazu: -brotbaum, der: im Mittelmeerraum
wachsender Bawn mit gefiederten Blättern, dessen
getrocknete zuckerhaltige Frucht gegessen wird: ^fest, das: 1. Fest
der Freinmurer. das am 24. Juni zu Ehren ihres
Schutzpatrons. Johannes des Täufers, gefeiert wird. 2. vgl. Miacht;
-feuer, das: in der Johannisnacht im Freien entzündetes
Feuer (als Teil eines mit bestimmten Bräuchen verbundenen
Festes): -fünkchen, das. -käfer, der (landsch.): svw.
t Leuchtkäfer; -kraut, das: auf Waldlichtungen, an
Feldwegen u.a. wachsende, als Heilkraut verwendete Staude mit
kleinen Blättern u. in Dolden wachsenden gelben Blüten:
Hartheu: ^nacht. die: dem Johannistag vorangehende Nacht,
die mit bestimmten Bräuchen, bes. mit dem Entzünden des
Johannisfeuers. begangen wird: ^tag, der: der Johannes
dem Täufer geheiligte Tag (24. Juni); -traube. die
(landsch.): svw. Kbeere; ^trieb, der: 1. (Bot.) a) unter
bestimmten Bedingungen vorkommetuies zweites Austreiben
von Bäumen im Juni/Juli, bei dem die eigentlich erst für
das folgende Frühjahr angelegten Knospen schon vorzeitig
austreiben: b) Trieb eines Baumes, der im Sommer
gewachsen ist. 2. <o. PI.) (scherzh.) gesteigertes Bedürfnis nach
sexuellen Beziehungen bei Mätmern in vorgerücktem Alter:
-vögelchen, -würmchen,das (landsch.): svw. t Leuchtkäfer.
Johanniter Uohani:te. auch: ...nitel.der; -s. - [mlat.
Johannita]: Angehöriger des Johanniterordens: <Zus.:> Johaimiter-
kreuz, das: svw. ? Malteserkreuz; Joharmiterorden, der: ton
1100 in Jerusalem urspr. zur Pflege kranker Pilger
gegründeter geistlicher Ritterorden.
Johlen [jo.bn] <sw. V.; hat) [mhd. Jölen = vor Freude
laut singen, grölen, aus dem lautmalenden Ruf ..jo"
abgeleitet, also eigtl. = jo schreien] (abwertend): a) (meist
von einer größeren zusatnmengerotteten Menge von
Menschen) anhaltendes wildes, mißtönendes [Freuden-.
Triumph jgeschrei ausstoßen: die Zuschauer johlten im
Stadion; eine johlende Horde zog durch die Straßen; <subst.:)
fünf junge Soldaten, die ... in Johlen ausbrachen wild
von Bier (Johnson. Mutmaßungen 49); b) johlend (a)
hervorbringen, rufen o.a.: Beifall. Pfuirufe j.
Joint [d3Dint]. der; -s. -s [amerik. jointj: a) selbstgedrehte
Zigarette, deren Tabak Haschisch od. Marihuana
beigemengt ist: einen J. nehmen, kreisen lassen; b) (salopp,
bes. Jugendspr.) Zigarette: hast du mal 'nen J. für mich?
Joint-venture [dsDintventJa]. das; -[s]. -[s] [engl.-amerik.
joint-venture, zu: Joint = Zusammenschluß. Verbindung
u. venture = Unternehmen] (Wirtsch.): vorübergehender
od. dauernder Zusammenschluß von Unternehmen zum
Zweck der gemeinsamen Ausfülirutig von Projekten (die
von einem Unternehmen alleine nicht realisiert werden
könnten).
Jo-JoUo(:)'jo:J, das; -s. -s [amerik. yo-yo):
Geschicklichkeitsspiel, bestehend aus zwei miteinander verbundenen kleinen
runden Scheiben, die mittels ruckartiger Armbewegungen
an einer zwischen beiden Scheiben befestigten Schnur auf
u. ab laufen.
Jökel [J0:kl]. der; -s. - [aus dem Niederd. < mniederd.
jökel(e) = (Eis)zapfen. zapfenartige Gesteinsbildung]
(landsch.): 1. Pflock: ich muß sie ( = die Ziege) oft suchen
gehen, wenn sie den J. aus der Erde gezogen hat (Augustin.
Kopf 207). 2. (Geol.) zapfenartige Gesteinsbildung, in der
Kupfervitriol eingelagert ist.
lökebi [J0:kln] <sw. V.; hat) [aus dem Niederd. < mniederd.
gögekelen = Gaukelei treiben; verw. mit t gaukeln]
(landsch.): spaßen, scherzen: Ricki hörte nicht auf zu j.
und zu albern (K. Mann. Wendepunkt 244).
Joker [jo:kß. auch: <J3o:kB]. der; -s. - [engl, joker =
Spaßmacher, zu: joke = Spaß < lat.iocus] (Kartenspiel):
zusätzliche, für jede andere Karte einsetzbare Spielkarte mit der
Abbildung eines Narren: einen J. haben; Ü der geborene
Tischherr... immer einsetzbarer J., wenn die „hohe Kunst
der Sitzordnung" einen Herrn plazieren muß (Spiegel 30,
1974, 42); jokos üo'ko:s] <Adj.; -er, -este) [lat. iocösus]
(bildungsspr. veraltet): scherzhaft, spaßig: eine -e
Bemerkung; Jokubtor üoku'la:tor, auch: ...to:?]. der; -s. -en [...la-
'to:ran; lat. ioculätor]: Spielmann u. Possenreißer im MA.;
Jokus l'jo:kos], der; -, -se <PI. selten) [lat. iocus]
(bildungsspr. veraltend): Ulk. Jux. Spaß /den sich jmd. mit
einem anderen erlaubt]: der große J., wie Esau ... geprellt
ward um seines Vaters Segen (Th. Mann, Joseph 214);
J. machen; seinen J. haben mit etw.
Jolle ['jald], die; -, -n [aus dem Niederd. < mniederd. jolle;
H. u.]: 1. (Seemannsspr.) breites, flaches / Ruder]boot. das
auf Schiffen als Beiboot mitgeführt wird. 2. kleines, flaches,
offenes Segelboot, das ein Schwert an Stelle eines Kiels
hat [u. vorwiegfind auf Binnengewässern gesegelt wird}:
<Zus.:) jQllenkreuzer. der: größere Jolle mit Kajüte, die
Pur das Segeln auf Bitmengewässern eingerichtet ist.
Jörn Kippur [jo:m kipu:?]. der; - - [hebr. yöm kippür
= Tag der Versöhnung]: höchster jüdischer Feiertag:
Versöhnungsfest.
Jonathan [jo:natan], der; -s. - [erstmals in den USA um
1840 gezüchtete Apfelart. wahrsch. von dem Züchter Ph.
Rick nach dem amerik. Juristen Jonathan Hasbrouck
benannt]: Winterapfel mit mattglänzender, gelb bis purpurrot
gefleckter Schale.
Jongleur tong'lo:?. auch: 3Ö'gl0:g], der; -s. -e [frz. Jongleur
< afrz. joglere < lat. ioculätor = Spaßmacher]: 1. Artist,
der Kunststücke mit Reifen. Bällen u. a. Gegenständen zeigt,
die er in die Luft wirft u. mit großer Geschicklichkeit wieder
auffängt: als J. in einem Zirkus auftreten. 2.
(Kunstkraftsport) jmd.. der die Sportart des Jonglierens (2) ausübt.
3. Spiebnann u. Possenreißer des MA.: <Zus.:> Jongleurakt,
der: 1. einzelne Vorführung eines Jongleurs (1). 2.
(Kunstkraftsport) Übung, bei der jongliert (2) wird, jongleurhaft
<Adj.; -er. -este; nicht präd.): in der Art u. Weise eines
Jongleurs (1); den Aktionen eines Jongleurs (1) ä/mlich.
vergleichbar: mit -er Geschicklichkeit; jonglieren
[330g'H:ran. auch: 3Ö'gli:ren] <sw. V.; hat): I. sich als
Jongleur (1) betätigen: Teller j.; mit Ringen. Bällen j.; Ü Vögele
hatte sein Tablett ... bis in die Höhe der Brücke jongliert
(balancierend getragen; Ott. Haie 122). 2. (Kunstkraftsport)
mit Gewichten o.a. bestimmte Geschicklichkeitsübungen
ausführen. 3. I in verblüffender Weise] überaus geschickt
mit jmdm.. etw. umgehen: mit Begriffen, Zahlen. Fakten,
Worten j.; der Mann, der täglich mit Menschen und
Millionen jonglierte (Simmel. Stoff 503); <Zus. zu 2:)
Jongliergewicht, das (Kunstkraftsport): zwn Jonglieren (2) benutztes
Gewicht.
Jonikus: 1 lonicus.
Jonny ['eboni], der; -s, -s <PI. ungebr.) [anglisierend nach
engl. Jo(h)nny. Kosef. von: John = Johannes] (salopp):
Penis: das Titelbild von Max mit der Banderole über
seinem J. (Simmel. Stoff 663). Vgl. Johannes.
1385
Jonon
Jononüo'no:n]. das; -s [zu griech. ion = Veilchen] (Chemie):
farblose, ölige Flüssigkeit mit veilchenähnlichem Duft, die
bei der Herstellung von Parfüms. Seifen u. ä. verwendet wird.
Jöppdien [jcepcan]: TJoppe; Joppe [jopa]. die: -. -n <Vkl.
Jöppchen) [mnd. iop(p)e < ital. giuppa < span. aljuba
< arab. (al-)ftubba = langes, vorn offenes Obergewand
mit weiten Ärmeln]: a) (an Stelle eines Mantels getragene)
einfache Jacke [aus Loden] für Männer: b) Hausjacke
für Männer.
Jordan ['Jordan] in der Wendung über den J. gehen (verhüll.;
sterben: sein Leben bei etw. verlieren: in der religiösen
Literatur bes. des Pietismus wurde der Übergang der
Israeliten über den Fluß Jordan oft als Eintritt ins Himmelreich
aufgefaßt u. damit zum Symbol des Sterbens; das den
Israeliten versprochene Gelobte Land wird mit dem
Himmelreich verglichen): Daß ich dabei ( = beim Arbeiten mit
elektrischem Strom) über den J. ging, ist echter Mist (Plenz-
dorf. Leiden 16).
Jöre I'j0:ra] (berlin.): svw. tGöre.
Joruri ['(&o:ruri]. das; -[s]: japanisches Puppenspiel.
Josefls]ehe ['jo:z£ftsH. die: -, -n: eheliche Verbindung, in
der die Partner aus religiösen Gründen auf den
geschlechtlichen Vollzug der Ehe verzichten: Ich habe von der
sogenannten Josefsehe gehört, in der die Partner ... nichts
Sexuelles voneinander wollen (Hörzu 36. 1973, 95);
Josephinismus Uozefl'msmus]. der: - [nach Kaiser Joseph II.
(1765-1790)] (hist.): aufgeklärte katholische
Staatskirchenpolitik im Österreich des 18. u. IV.Jh.s. die auch noch
die Staatsauffassung der österreichischen Beamten u.
Offiziere des 19. Jh.s bestimmte.
Jot Lbt; fa. AI. das; -. - [lat. iöta. griech. iöta. aus dem
Semit., vgl. hebr. yödl: zehnter Buchstabe des deutschen
Alphabets (Tj, J); !Jota [jo:ta], das; -[s]. -s Igot. jöta <
griech. iöta (tJot). nach der got. Bibelübersetzung von
Matth. 5.18]: neunter Buchstabe des griechischen Alphabets
(I. i): ein J. schreiben; * kein/nicht ein/um kein J. (geh.;
/ in bezug auf eine Abweichung von etw. / nicht im allerminde-
sten. .nicht im geringsten): er wollte kein, nicht ein. um
kein J. von seinen Forderungen abgehen; [auch] nur ein
J. (geh.; auch nur im allermindesten. allergeringsten): als
ob sich die ... Bundestagsfraktion in dieser Frage ... auch
nur ein J. von dem entfernt hätte, was sie zugesagt hat
(Bundestag 189. 1968. 10228).
2Jota fxDta]. die; -. -s [span. jota. H. u.]: schneller spanischer
Tanz im %-od. Sl4-Takt mit Kastagnettenbegleitung.
Jotazismus Uota'tßismos]: tltazismus.
Joule [von DIN u. anderen Organisationen festgelegte
Ausspr. nur: (&u:l. sonst auch: (J^ajil], das; -[s], - [nach
dem englischen Physiker J. P. Joule (1818-1889)] (Physik):
Maßeinheit für die Energie (z. B. des Energieumsatzes des
menschlichen Körpers; 1 cal = 4.186 Joule); Zeichen: J
Jour [3u:?]. der; -s, -s [frz. jour. eigtl. = Tag < spätlat.
diurnum < lat. diumum = der tägliche Bedarf an
Nahrungsmitteln, zu: diurnus = täglich]: 1. (veraltend) Tag.
Abend, an dem jmd. regelmäßig u. ohne jeweilige besondere
Einladung Gäste bei sich empfängt, an dem ein regelmäßiges
Treffen stattfindet: sie haben alle vierzehn Tage J.; die
Laute, zu der die ... Hausfrau Schubertlieder singt, wenn
die Damen zum J. kommen am Freitagabend (Fischer.
Wohnungen 7); * J. fixe (veraltend; für ein regelmäßiges
Treffen (zu einem bestimmten gemeinsamen Tun von den
Teilnehmenden) fest vereinbarter Tag: frz. jour fixe, aus
jour (t Jour) u. fixe = festgesetzt, ! fix I. 1): einen J. fixe
vereinbaren, haben. 2. (veraltet) Tag. an dem jmd. Dienst
hat. mit Dienst an der Reihe ist: am Montag hat er J.;
vgl. ä jour; du jour.
Journaille [30 r'na 1 ja. auch: jorn^j). die; - [wohl unter
Einfluß von frz. canaille (t Kanaille) geb. zu t Journal]
(veraltend, abwertend): a) verantwortungslose, verleumderische
Tagespresse: er wurde von der J. in den Schmutz gezogen;
Ein gefundenes Fressen für die liebe J. (K. Mann.
Wendepunkt 155); b) Gesamtheit der Journalisten, die Hetze
betreibt, nur auf die Verbreitung von verleumderischen u. ä.
Meldungen aus ist: die J. stürzte sich auf diesen Fall:
Journal bor'na:!]. das; -s, -e [1. 2: frz. Journal, eigtl. =
jeden einzelnen Tag betreffend; t Jour; 3. 4: ital. giomale
< lat. (acta) diurna = Tagesbericht, zu: diurnus. t Jour]:
1. (veraltet) / TagesJzeitung. 2. (geh.. veraltend) bebilderte
Zeitschrift unterhaltenden od. informierenden Inhalts: ein
J. für Mode. Kunst; sie saß im Cafe und blätterte in
1386
l—
den ausliegenden -en. 3. (veraltend) Tagebuch für
dienstliche od. private Eintragungen: sie führte ihr Leben lang
ein J. 4. Schiffstagebuch. 5. (Kaufmannsspr.) in der
Buchführung neben dem Hauptbuch zu führendes Tagebuch: ein.
das J. führen; etw. in das J. eintragen; <Zus. zu S:>
Journalauszug, der (Kaufmannsspr.): Auszug (4a) aus einem
Journal.
Journal- (österr.): -beamte, der: diensthabender Beamter;
MUenst, der: Bereitschaftsdienst: -fräulein, das:
Buchhalterin (bes. in Handelsbetrieben. Hotels o.a.); ^flihrerin, die:
svw. T ^fräulein.
Journalismus borna'lismus], der; -: 1. Zeitungs-,
Pressewesen: im J. tätig sein, arbeiten; er ist im J. groß geworden
(hat eine journalistische Ausbildung durchlaufen); er kommt
vom J. her (ist von Hause aus Journalist, hat vorher als
Journalist gearbeitet). 2.a) Tätigkeit. Arbeit der
Journalisten: dieses Land kennt keinen freien, unabhängigen J.;
b) (salopp, häufig abwertend) charakteristische Art der
Zeitungsberichterstattung; typischer journalistischer
Schreibstil: ein Beispiel von gutem, schlechtem, billigem
J.; Wir legen ihr Verhalten ... aus. das ist legitimer J.
(Molsner, Harakiri 29); Journalist foorna'list]. der; -en.
-en [frz. journaliste]: jmd.. der als freier Mitarbeiter, als
Korrespondent vom Ausland aus od. als Mitglied einer
Redaktion Artikel. Berichte. Kommentare u. ä. ftir Zeitungen.
Zeitschriften, für Rundfunk od. Fernsehen verfaßt bzw.
redigiert od. der als Fotograf Bildberichte liefert: er ist freier
J.. arbeitet als J. bei einer großen Zeitung, beim Funk;
der Star war von einem Schwärm [von] -en umlagert;
(Zus.:; Journalistendeutsch, das (oft abwertend): salopper,
mit Modewörtern durchsetzter od. ab oberflächlich
beurteilter Schreibstil von Journalisten; Journaljstik, die; -: 1. neben
Zeitungswissenschaft u. Publizistik eingerichtetes
Studienfach für das Pressewesen: J. studieren. 2. (geh.. selten)
Bericht. Arbeit aus der Feder eines Journalisten: aufrufartige
J.; Journalistin,die; -. -nen: w. Form zu t Journalist;
journalistisch <Adj.; o. Steig.; selten präd.): 1. den Bereich des
Journalismus (1) betreffend, zu ihm gehörend: eine -e
Tätigkeit, Ausbildung; j. arbeiten. 2. in der Weise des
Journalismus (2): ein -er Stil; er hat eine -e Begabung (Begabung
zum Schreiben in journalistischer Manier); Ich könnte das
(= einen Aufsatz)... mehr j. aufziehen (Kempowski, Immer
105).
jovial Uovia:l] <Adj.> [mlat. jovialis = im Sternbild des
Jupiter geboren < lat. Jovialis = zu Jupiter gehörend;
nach der mittelalterlichen Astronomie galt der unter dem
Planeten Jupiter Geborene als fröhlich u. heiter]: (nur
in bezug auf Männer) im Umgang mit Niedrigerstehenden
betont wohlwollend, aufgeräumt u. unzeremoniell.
Standesunterschiede mit Absicht beiseite schiebend: sein
Vorgesetzter ist ein sehr -er Mensch; J. sein; jmdm. j. auf die Schulter
klopfen: sich j. geben; j. grüßen; Jovialität [jovmli'te:t],
die; - [viell. nach frz. jovialite]: joviales Verhalten: Seine
geräuschvolle J. nimmt sofort für den Kardinal ein. denn
sie ist völlig echt (Hochhuth. Stellvertreter 87); jovianisdi
Uo'via:niJ] <Adj.; o. Steig.; nur attr.) [zu lat. Jovis =
Jupiter] (Astron.): den Planeten Jupiter betreffend, zu ihm
gehörend, von ihm ausgehend: das -e Schwerefeld.
Jubel [ju:bl]. der; -s [kirchenlat. iubilus = langgezogener,
jubelnderÄusklang eines Kirchenliedes < spätlat. iubilum
= Jauchzen, Frohlocken, zu lat. iübilare. t jubilieren]: a)
laut, mit Rufen. Jauchzen. Schreien geäußerte Freude:
großer, ungeheurer, gedämpfter J.; J. brach los; Wenn er
(= der König) auch genau weiß, daß der J. (die Freuden-.
Sympathiebekundungen) bestellt ist (Menzel. Herren 45);
die Menge brach in J. aus; er wurde mit großem J.
empfangen; Endlich gewann unter ungeheurem J. Mayer-Pütz
(Gaiser, Jagd 111); zum J. (zur größten Freude) der Kinder
gab es Eis zu essen; *J.» Trubel, Heiterkeit (1. angeregte
Stimmung, laute Fröhlichkeit. 2. abwertend; hektisches,
lautes Treiben: diese Cowboys ... bei denen war immer J.,
Trubel. Heiterkeit [Rechy (Übers.), Nacht 171]); b) (geh.)
große innere Freude. Glücksempfindung: sie ... hörte dem
Klang ihrer Stimme, diesem fremden, ungeduldigen J.
(dem Jubilieren) einer neugeborenen Seele ... zu (Langgäs-
ser. Siegel 411).
Jubel-: -braut, die [t Jubeljahr] (scherzh.): Frau am Tag
ihrer Jubelhochzeit; -brSutigam.der [T Jubeljahr] (scherzh.);
-brautpaar, das [f Jubeljahr] (scherzh.); Mlatum, das
(scherzh.): Datum, an dem ein bestimmtes Jubiläum stattfin-
Judaika
det; ^feier. die. -fest, das [t Jubeljahr] (scherzh.): Feier.
Fest anläßlich eines bestimmten Jubiläums: -gesang, der
[zu t Jubel]; ^geschrei, das [zu t Jubel]; -«reis, der (ugs.
scherzh.): lebenslustiger alter Mann: -hochzeit, die [t
Jubeljahr] (scherzh.); -jähr, das [mhd. jubeljär, volksetym. aus
hebr. yövel = Widderhorn. T Jobeliahr]: 1. svw. T Jobeljahr.
2. (kath. Kirche) heiliges Jahr der katholischen Kirche,
das alle 25 Jahre begangen wird u. in dem besondere Ablässe
gewährt werden: Erlalijahr: *alle < [(ein)mal] (ugs.
scherzh.): /bedauerlicherweise] sehr selten: er besucht uns
nur alle -e mal. 3. Jahr, in dem ein besonderes Jubiläum
stattfindet: das Land begeht 1977 das J. seines 25Jährigen
Bestehens; -paar, das: vgl. Bräutpaar; -perser.der <meist
PI.) [wohl nach den bei öffentlichen Auftritten des pers.
Herrschers anwesenden (bestellten) Zujublem. zu t Jubel]
(ugs. abwertend): jmd.. der dazu bestellt, beauftragt, gekauft
ist. bei einer Versammlung o. ä. Beifall. Zustimmung kundzu-
tun: ^rohr. das [zu t Jubel] (scherzh.): Klarinette: ^ruf.
der [zu t Jubel]: jubelnder Ruf: ^schrei, der: vgl. ^ruf.
jubeln [ju:bln] <sw. V.; hat) [spätmhd. jubeln, zu tJubel]:
seiner Freude über etw. laut, stürmisch Ausdruck gehen:
in Jubel (a) ausbrechen: die Kinder jubelten über die
Geschenke; das Publikum jubelte beim Erscheinen des
Solisten; kein Mensch jubelt (ist froh darüber), wenn er sieht,
daß seine Familie ihn ... abgeschrieben hat (Remarque,
Obelisk 2%); die Sieger jubelten (zeigten ihre unverhohlene
Freude): ihr solltet nicht zu früh j. (euch nicht zu früh
freuen)!: eine jubelnde Menschenmenge; (selten auch mit
Akk.:) die begeisterte Menge jubelte Beifall (bekundete
unter Jubeln ihren Beifall): U Das Motiv der Sehnsucht
... umspielt von jubelnden Instrumenten (Thieß. Legende
62); Jubilar Uubi'la.g]. der; -s. -e [mlat. iubilarius = wer
50 Jahre im gleichen Stand ist. zu spätlat. iubilaeum. T
Jubiläum]: jmd.. der ein Jubiläum begeht: den J.
beglückwünschen, feiern; Jubilarin, die; -. -nen: w. Form zu t Jubilar;
Jubibte Uubi'la:td] <o. Art.; indekl.) [lat. iübiläte =
frohlocket!; nach dem ersten Wort des Eingangsverses der
Liturgie des Sonntags. Ps. 66, 1; t jubilieren] (ev. Kirche):
der dritte Sonntag nach Ostern: am Sonntag J.; zwei Tage
vor J.; Jubibtio üubi'la:&jo]. die; -. Jubibtion [...la'tßio.n],
die; - [kirchenlat. iubilatio < spätlat. iübilätio = Jubelruf.
zu lat. iübiläre, t jubilieren] (Kirchenmusik): im
Gregorianischen Choral eine jubelnde, auf einem Vokal (z. B. auf
der letzten Silbe des Hallelujas) gesungene Tonfolge:
Jubiläum üubi'le:om], das; -s. ...läen [...Ican; spätlat. iubilaeum
= Jubelzeit, zu lat. iübiläre. t jubilieren]: festlich
begangener Jahrestag eines bestimmten Ereignisses: das 150jährige
J. der Firma; das J. der 25jährigen Zugehörigkeit zur
Firma; ein J. feiern, begehen, haben.
Jubiläums*: ^ausgäbe, die: zu einem bestimmten Jubiläum
(eines Buchs od. Autors) herausgebrachte Ausgabe eines
Werkes: ^ausstelhing. die: vgl. ^ausgäbe; -feier. die;
-gäbe, die; -heft. das: J. der .Akzente4', anläßlich des
10. Jahrgangs der Zeitschrift (Welt 29. 12. 62. 8); -spiel,
das (Sport): Spiel, das aus Anlaß eines Jubiläums stattfindet.
Jubilee [d3u:bili:]. das; -[s], -s [engl.-amerik. jubilee. eigtl.
= Jubel(jahr)]: religiöser, hymnischer Gesang der nordame-
rikartischen Neger.
jubilieren Liubi'li:ran] <sw. V.; hat) [mhd. jubilieren (md.
jubeleren) < lat. iübiläre = jauchzen]: 1. (geh., veraltend)
seiner Freude laut, jubelnd Ausdruck verleihen: die Kinder
jubilierten vor Glück; die Zigarrenkisten lassen unsere
Herzen j. (scherzh.; wir sind höchst erfreut darüber:
Remarque. Westen 168); seine Feinde jubilierten über ihn,
seine Niederlage (zeigten ihre unverhohlene Freude über sein
Mißgeschick): Aus den Augenwinkeln beobachtete sie, wie
seine Wangenmuskeln zuckten ... Innerlich jubilierte sie
(empfand sie eine hämische Freude: Bemstortt, Leute 47);
Ü (dichter.:) die Vögel jubilierten an dem schönen
Sommermorgen. 2. (scherzh.) ein Jubiläum begehen: einer unserer
Freunde jubiliert heute; Der „Literarische Verein der
Pfalz" jubiliert (MM 19. 8. 68. 18): Jubilus [Ju:bilus],
der; - [kirchenlat. iubilus, t Jubel]: svw. f Jubilatio.
Juchart ['joxartl. Judiert ['joxtrt], der; -s. -e (südwestd.).
Jvchart, Jvcharte, die; -. ...ten (Schweiz.) [mhd. juchart,
juchert, ahd. juchart; vgl. lat. iügerum = ein Morgen
Land]: svw. tJoch (4).
juch! Uox] (Interj.) [mhd. juch] (veraltet): svw. tjuchhe;
Jüchen [juxn] <sw. V.; hat) [md., (m)niederd. Jüchen]
(mundartl.): svw. Tjauchzen; Juchhe! [jox'he:] <Interj.) [wohl
aus fjuch u. t hei]: Ausruf ausgelassener Freude: j.. jetzt
fahren wir!; <subst.:> sie ließen ein lautes Juchhe hören;
'Juchhe, das; -s, -s [1: zu tjuchhe, wohl nach den oft
lautstarken Beifalls- od. Mißfallensäußerungen des meist
anspruchsloseren Publikums, das früher auf der Galerie
saß; 2: vgl. 2Juchhe]: I. (landsch. scherzh.) Galerie im
Theater: sie saßen auf dem J. 2. (österr.) entfernter Platz
in einem Haus o. ä. (der von einem Beobachter nicht
eingesehen werden kann/: 2Jvchhe. die; -. -s [mundartl. oft zur
Bez. von etw. Höhergelegenem, wohl zu tjuchhe. nach
der Vorstellung, daß Menschen nach dem Ersteigen einer
Höhe gern in Jubel ausbrechen] (landsch.): oberster Bereich
eines Hauses: Dachgeschoß, -kammer: sie wohnen in der
J.; juchhei! Uox'haj], juchheirassabssa]! Uox'hajrasa(sa)].
juchheisa! [Jox'hajza. ...hqjsa], juchheißa! üux'hajsa]
(Interj.) ([dichter.] veraltend): Ausrufe ausgelassener Freude.
Juchten l'joxtn] <Adj.; o. Steig.; nur attr.) (selten): aus Juch-
tenleder: -e Stiefel; Juchten [-]. der od. das; -s [aus dem
Nlederd.. neben älterem Juften < mniederd. juften <
russ. juft. über das Turkotatar. < pers. feuft = Paar,
weil die Häute paarweise gegerbt werden]: 1. Juchtenleder.
2. Duftstoff, der dem Geruch von Juchtenleder ähnlich ist:
<Zus.:) Jvchtenleder. das: als Oberleder für Schuhe
verwendetes, in bestimmter Weise gegerbtes, wasserdichtes Leder.
juchzen [joxtjn] <sw. V.; hat) [tjauchzen] (ugs.): einen Juch-
zer ausstoßen: die Kinder juchzten vor Freude; <Abl.:>
Judizer [jux&B], der; -s. - (ugs.): Freudenschrei: Jauchzer:
einen J. ausstoßen.
juckeln l'jok|n] <sw. V.; hat) [md. Abi. von t jucken
in der (bes. alemann.) älteren Bed. ..hüpfen, springen"]
(ugs.): 1. (bes. von Kindern) unruhig auf dem Stu/il o.a.
hin u. her rutschen: mußt du immer j.. statt ruhig am
Tisch zu sitzen? 2.a) (in bezug auf ein Fahrzeug) langsam,
ohne Eile, holpernd, tuckernd o. ä. faßiren: ein altes Auto
juckelte durch die Straßen; b) mit einem Fahrzeug
gemächlich, ohne Eile fahren, reisen: Sie juckeln seit Wochen
mit einem Wohnwagen durch die USA (Hörzu 29. 1975.
16).
jucken l'jokn] <sw. V.; hat) [mhd. jucken, ahd. jucchen]:
l.a) von einem Juckreiz befallen sein: meine Hand, meine
Nase juckt; mir. mich juckt die Haut; <auch unpers.:)
es juckt mir. mich auf dem Rücken; eine Bewegung des
Kopfes, als jucke es ihn (Frisch, Gantenbein 9); Spr wen's
juckt, der kratze sich (wem etwas nicht paßt, der soll sich
wehren): b) einen Juckreiz auf der Haut verursachen: die
Wolle, das rauhe Gewebe, der Verband juckt ihn. juckt
ihm/ihn auf der Haut; Der Schweiß juckte auf meiner
Haut (Bieler. Bonifaz 238); ein juckendes Ekzem. 2. <j.
+ sich) (ugs.) a) sich an einer juckenden Körperstelle
kratzen, reiben o.a.. um dem Juckreiz entgegenzuwirken: der
Hund juckt sich, weil er Flöhe hat; mußt du dich dauernd
j.?; b) durch Jucken (2 a) seine Haut in einen bestimmten
Zustand versetzen: der Kranke hat sich immer wieder blutig
gejuckt. 3. (ugs.) a) <unpers.>yW/?. reizen, etw. Bestimmtes
zu tun: es juckte ihn. zu fragen, was vorgefallen war.
Und wie es Brauxel auch j. mag. von dem ... Taufessen
zu berichten (Grass, Hundejahre 29); b)jmdn. reizen, jmds.
Interesse wecken, jmdm. erstrebenswert erscheinen: ihn
juckt das Geld, das es bei der Sache zu verdienen gibt;
was da vor sich geht, das juckt mich nicht (kümmert
mich nicht): *laß |.! (landsch. salopp; mach schon!, komm
schon! [Aufforderung, etw. Bestimmtes zu tun. z. B. etw.
zu erzählen]); <subst. zu 1 b:) Jvcken, das; -s: der Ausschlag
verursachtem Jucken; jucken [JYkn] <sw. V.; hat) [spätmhd.
jucken] (landsch., sonst veraltet): svw. tjucken: Es hatte
ihn unwiderstehlich gejuckt, so zu tun ... (Th. Mann,
Joseph 575).
Jucker [jokB], der; -s. - [zu alemann, jucken = springen,
vgl. juckeln]: leichtes Wagenpferd: <Zus.:) Jyckergespann,
das; Jvckerpeitsche, die (Pferdesport): Peitsche mit geradem
Stil u. kurzer Schnur: Jvckenvagen, der: leichter
vierrädriger Pferdewagen [mit Verdeck über dem Fahrersitz], der
ohne Kutscher gefahren wird.
Jvckpulver, das; -s. - (ugs.): (als Scherzartikel verwendetes)
Pulver, das bei demjenigen, der damit in Berührung kommt,
einen heftigen Juckreiz hervorruft: Jvckreiz, der; -es, -e
<P1. selten): prickelnder od. stechender Hautreiz, der Jucken
verursacht.
Judaika Uuda.ika] <PI.) [nlat. Iudaica. zu lat. Iüdaicus
< griech. Ioudaikös = jüdisch] (Buchw): a) jüdische
1387
judaisieren
1
Schriften; b) Bücher über das Judentum; judaisieren üudai-
zi:ran] <sw. V.; hat) (bildungsspr.): jüdisch machen, unter
jüdischen Einfluß bringen; <Abl.:) Judais&rung, die; -
(bildungsspr.): das Judaisieren, Judaisiertwerden: .J. der
Heiligen Stadt" lautet der Vorwurf des sich am meisten
betroffen fühlenden Jordanien (MM l. 10. 73, 3); Judaismus
[Judaismus], der: - [spätlat. Iüdaismus < g riech. Ioudais-
mös]: 1. jüdische Religion /Kultur. Geschichte/; Geist u.
Wesen der jüdischen Religion; Judentum (2). 2. (hist.)
judenchristliche gesetzestreue Richtung im Urchristentum; Ju-
dajstik, die; -: Wissenscfiajt von der jüdischen Religion.
Kultur. Geschichte; iudajstisch <Adj.; o. Steig.; nicht adv.)
(bildungsspr.): die Judaistik, die jüdische Religion. Kultur.
Geschichte betreffend, auf ihr beruhend, zu ihr gehörend.
Judas [ju.das], der; -. -se [nach Judas Ischariot im N. T.]
(abwertend): jmd.. der treulos an jmdm. handelt, sich in
schändlicher, niederträchtiger Weise von ihm abwendet, ihn
im Stich läßt, verrät; 1heimtückischer ] Verräter: Er könnte
ja hingehen und diesen J. McKelley ... zu Puppendreck
hauen (Fr. Wolf. Menetekel 11).
Judas-: -bäum* der [nach der Legende soll sich an einem
solchen Baum Judas Ischariot nach seinem Verrat an Jesus
Christus erhängt haben]: Zierbaum od. -Strauch mit
nierefiförmigen Blättern u. in Büscheln stehenden, oft
unmittelbar aus dem Statnm od. den Ästen hervorkommenden
rosa bis purpurroten Blüten; -geld, das. ^grosdien, der:
vgl. -lohn: -kuß. der [nach dem Kuß. den Judas Ischariot
Jesus in verräterischer Absicht bei der Gefangennahme
gab: vgl. Markus 14.43-45]: nicht ehrlich gemeinte
freundliche Geste; hinterhältige, heuchlerische Freundlichkeit;
-lohn, der [nach der von den Hohenpriestern an Judas
Ischariot gezahlten Geldsumme für den Verrat Jesu; vgl.
Markus 14, 10, 11]: Bezahlung. Lohn für einen Verrat,
für eine üble, hinterhältige, verräterische Tat; M)hr, das
[nach einer Legende soll sich Judas Ischariot an einem
Holunderbaum erhängt haben]: bes. an alten Holunder-
Stämmen wachsetider. muschel- bis ohrförmiger. dunkel- bis
rotbrauner Pilz mit leicht gewelltem Rand.
Jude [ju:dd]. der; -n. -n [mhd. Jude, jüde, ahd. jud(ek>
< lat. Iüdaeus < griech. IoudaTos < hebr. yehüdi; 2:
H. u.]: 1. Angehöriger eines semitischen Volkes, einer reli-
gions- u. volksmäliig zusammengehörenden, über die ganze
Erde verstreuten Gemeinschaft: europäische, russische -n;
die -n Amerikas; Im Rahmen einer schweigenden
Opposition ... bedarf die Haltung des deutschen Volkes gegenüber
den verfolgten -n besonderer Aufmerksamkeit (Rothfels.
Opposition 35); weißer J. (ugs.; geldgieriger Nicht Jude):
Alles weiße -n. 11%! (Kempowski. Tadelloser 106). 2.
(salopp) Klitoris: Ich lege mir den Finger auf den -n und
dann kreise ich solange, bis ich fast verrückt werde (Sobo-
ta. Minus-Mann 55); jüdebi [jy:d|n] <sw. V.; hat): in einer
mit jiddischen Wörtern durchsetzten Sprache, mit jiddischem
Akzent. Einschlag sprechen: hie und da, wenn er in Eifer
kommt .... jüdelt er halt (Musil, Mann 845).
luden-, Juden-: -hart, der: (zu den Steinbrechgewächsen
gehörende) Zierpflanze mit nierenförmigen Blättern,
fadenförmigen, wie lange Barthaare herunterhängenden Ausläufern u.
weißen Blüten in nach oben stehenden Rispen; -Christ, der:
1. (im Urchristentu/n) Christ jüdischer Herkunft im
Unterschied zum Heidenchristen. 2. zum Christentum bekehrter
Jude, bes. Jude, der zwangsweise zum Christentum übergetreten
ist. ohne seinen jüdischen Glauben innerlich aufzugeben;
-Christentum, das: 1. (im Urchristentum) Gesamtheit der
Judenchristen (1). aus denen zunächst die gesamte Urgemein-
de bestand, im Unterschied zum später sich entwickelnden
Heidenchristen tum. 2. Gesamtheit der Jiuienchristen (2):
-christlich <Adj.; o.Steig.): die Judenchristen, das
Judenchristentum betreffend; auf dem Judenchristentum beruhend,
zu ihm gehörend; -deutsch, das (veraltend, meist
abwertend): svw. t Jiddisch; vgl. Deutsch, das; -dorn, der: svw.
t Jujube; -kirsche. die [wegen der einer alten Kopfbedek-
kung der Judenfrauen ähnlichen Blüte]: als Staude
wachsende Lampionblume tfjit ovalen Blättern, kleinen
weißlichen bis gelblichen Blüten u. roten (nicht giftigen) Beeren;
-knöchelchen. das. -knochen, der (landsch.): svw. f
Musikantenknochen. Mäuschen (2); M)hr. das: svw. f Judasohr.
-pogrom, der od. das: vgl. -Verfolgung: -schule, die in der
Wendung irgendwo geht es zu/herrscht ein Lärm/sind
Zustände o. ä. wie in einer J. (ugs.; irgendwo geht es sehr laut
zu. herrscht ein großes, lautes Durcheinander: mhd. juden-
schuole = Synagoge; nach dem Gewirr der Stimmen beim
Gebet, das wegen der hebr. Sprache dem Christen
unverständlich war u. von leisem Gemurmel oft zu lautem Anruf
anschwoll); -Stern, der (ns.): aus meist gelbem Stoff
gefertigter Davidsstern, den die Juden während der Zeit
nationalsozialistischer Herrschaft als Kennzeichen auf der Kleidung
tragen mußten; -Verfolgung, die: (seit dem 5.Jh. v.Chr.
bezeugte, bis in die Gegenwart, bes. unter der Herrschaft
der Nationalsozialisten praktizierte) religiös, sozial,
wirtschaftlich motivierte antisemitische Maßnahmen, oft
grausame Verfolgung von Juden; -viertel, das: svw.
tGetto (a).
Judenheit. die; -: die Juden; Gescuntheit der Juden: die J.
des deutschen Sprachkreises (MM 4. 3. 72. 68); Leben
und Leiden der J. in Speyer und Frankfurt (Börsenblatt
32,1972.2517); Judentum, das; -s: 1. Gescuntheit der Juden
in ihrer religions- u. volksmäßigen Zusammengehörigkeit;
das jüdische Volk: Ihr unterschätzt den Einfluß des
internationalen -s (Marchwitza. Kumiaks 74). 2. Religion / Kultur.
Geschichte! der Juden: Geist u. Wesen der jüdischen
Religion; Judaismus (1): Christentum und J. 3.a) Gesamtheit
der für den Juden typischen Lebensäußerungen, der durch
Religion. Kultur. Geschichte geprägten jüdischen
Eigenschaften, Eigenheiten; jüdisches Wesen: Ich sage nur. daß
ich Ja innerlich und äußerlich schon längst dem J.
entfremdet bin (Hochhuth, Stellvertreter 140); b) Zugehörigkeit,
Gefühl der Zugehörigkeit zum jüdischen Volk, zur jüdischen
Religion; das Judesein: er hat sein J. nie verleugnet.
Judika [ju:dika] (o. Art.; indekl.) [lat. iüdicä = richte
(t judizieren), nach dem ersten Wort des Eingangsverses der
Liturgie des Sonntags, Ps. 43. 1] (ev. Kirche): der fünfte
Sonntag in der Passionszeit (vorletzter Sonntag vor Ostern):
am Sonntag J.; zwei Tage nach J.; Judikat Uudi'ka:t].
das; -Ie]s, -e [lat. iüdicätum] (jur. veraltet): Rechtsspruch.
Urteil, richterlicher Entscheid; Judikation [...ka'tßio:n], die;
-. -en [lat. iüdicätio] (jur. veraltet): richterliche
Untersuchung. Beurteilung. Aburteilung; Judikative [...'ti:va], die;'
-, -n (jur.. Politik): richterliche Gewalt im Staat; vgl.
Exekutive. Legislative; iudikatorisch [...to:riX] <Adj.; o. Steig.)
[spätlat. iüdicätörius] (jur. veraltend): richterlich; Judikatur
[...katu:?], die; -. -en [zu T Judikat] (jur.): Rechtsprechung,
richterliche Praxis: Unter Umständen hält der Begriff der
abgestimmten Verhaltensweise durch die J. Einzug ins
deutsche Wettbewerbsrecht (MM 20. 9. 1969. 22).
Jüdin [jy:dm]. die; -. -nen [mhd. Jüdin, jüdinne]: w. Form
zu f Jude; jüdisch <Adj.: o. Steig.) [mhd. jüdisch, ahd.
judeis < lat. Iüda(e)icus < griech. loudatkös]: a) (nicht
adv.) die Juden, das Judentum (1,2) betreffend; von den
Juden stammend, zu ihnen, zum Judentum gehörend: das
-e Volk; die -e Religion; ein -es Geschäft. Unternehmen;
eine -e Familie; er ist -er Abstammung; b) für die Juden
charakteristisch; das Judentum (3) betreffend, auf ihm
beruhend; den Lebensäußerungen. Eigenschaften der Juden
entsprechend: die -e Kultur; -er Witz; eine typisch -e Frau;
Leider sah er so j. aus, daß es sogar den rassereinen
Italienern auffiel (Hasenclever. Die Rechtlosen 432).
JudizUu'di:^], das; -es. -ien [...jan]: svw. TJudizium; judiziell
üudi'tsiEll <Adj.; o. Steig.) [frz. judiciel < lat. iüdiciälis]
(jur., Politik): die Rechtsprechung betreffend; richterlich:
Alle Rechtsfunktionen, die legislativen, exekutiven und
-en sind global in der Autorität vereinigt (Hacker.
Aggression 244); judizieren [...'tsi:ron] <sw. V.; hat) [lat. iüdicäre
= Recht sprechen, richten! (jur.): Recht sprechen; gerichtlich
urteilen, entscheiden; richten: Die Idee, ein
Verfassungsgericht einzusetzen, das ... sogar über Auseinandersetzungen
vonStaaten judiziert (Fraenkel. Staat 341); Judizfium [ju'di:-
tßiom], das; -s. ...ien [...pn: lat. iüdicium = Urteil;
gerichtliche Untersuchung; richterliches Amt; Gerichtsbarkeit]
(jur.): auf langjälirige Erfalirung, Gerichtspraxis. Tradition
u. Vernunft gegründetes, über die bloße Kenntnis des Rechts
hinausgehendes Urteilsvermögen (eines Richters).
'Judo [ju:do], das; -[s] [jap. jüdö. eigtl. = geschmeidiger
Weg zur Geistesbildung]: aus dem Jiu-Jitsu entwickelter,
als sportliche Disziplin nach festen Regeln betriebener
Wettkampf ohne Waffen zwischen zwei Gegnern, bei dem es.
unter Ausschaltung aller gefahrlichen Schläge, gilt, den
Gegner mit bestimmten Techniken des Schlags. Wurfs, des
Hebel- u. Haltegriffs o. ä.% bes. durch überraschende, geschickt
angewandte Griffe zu überwinden, auf den Rücken zu werfen:
J. ist olympische Disziplin bei den Männern.
1388
Jugend-, JugendL
2Judo H. der; -s. -s: Kurzwort für t Jungdemokrat.
Judo- ('Judo-): -griff, der: beim Judo angewandter Griff;
-sport. der: -Sportler, der: svw. t Judoka.
Judoka Uu'do:ka|. der; -[s], -[s] [jap. judö-ka. zu TJudo
u. jap. ka = können]: jmd.. der Judo betreibt; Judosportler.
Jug [d3Ag], der: -ls|. -s [engl.-amerik. jug = Krug] (Musik):
primitives Musikinstrument der Negerfolklore, das aus einem
Krug mit engem Hals besteht, in den rhythmisch hinein-
gesungen wird.
Juga [ju:ga]. das; -[s] [sanskr. yuga]: in der indischen Lehre
von den Welt Zeitaltern einer der vier Abschnitte des Kalpa.
Jugend ['ju:gnt|. die; - [mhd. jugent. ahd. Jugend; Subst.
zu t jung]: l.a) Zeit des Jungseins, des Erwachsenwerdens.
Lebensabschnitt eines jungen Menschen; Altersstufe
zwischen Kindheit u. Erwachsensein; eine sorglose, schwere
J.; seine J. genießen; er verlebte seine J. auf dem Lande;
er hat in seiner J. viel Sport getrieben; Lächelnd und
traurig erinnerte Narziß sich all der Szenen seit früher
J. (Hesse. Narziß 401); sie ist [schon] über ihre erste J.
hinaus (ist nicht mehr ganz so jung, hat ihre Jugend bereits
hinter sich); er ist von J. an (seit seinen Jugendjahren)
daran gewöhnt; b) (Biol.. Med.) Entwicklungszeit, erste
Wachstumsphase eines Lebewesens von der Entstehung* von
der Geburt an bis zur vollen Entwicklung; Jugendstadium;
die Blätter sind beim Farn in der J. stark eingerollt; Der
Haarstern von heute. Nachkomme der frühen Seelilie,
sitzt nur noch in seiner J. an einem Stiele im Grunde
fest (Th. Mann. Krull 304). 2. Zustand des Jungseins;
jugendliche Frische. Kraft; junges, jugendliches Wesen.
Aussehen; Jugendlichkeit; ihn entschuldigt seine J.; Sie hatten
nicht Kraft und J. genug, um auszubrechen (Werfel.
Himmel 65); Die Brunst hat Sie also hergetrieben! Gratuliere
zu soviel J. (Remarque. Obelisk 208). 3. Gesamtheit junger
Menschen; junge Leute (Ggs.: Alter 4a): die studentische,
akademische, politisch organisierte, bürgerliche J ; die J.
der Stadt, eines Landes; die J. will von diesen Dingen
nichts mehr hören (Dönhoff. Ära 159); In Olympia zeigt
die J. dieser Welt, daß sie weder schwächlich noch entartet
... ist (Thieß. Reich 52); von einer großen Menge
männlicher J. (Jugendlicher) bevölkert (Th. Mann, Krull 106);
er spielt bei diesem Verein in der J. (Sport Jargon; in
der Jugendmannschaft)\ die Freie Deutsche J. (tFDJ); R
J. kennt keine Tugend (veraltend; junge Leute sind sehr
schnell bereit, sich über sittliche Maßstäbe, über moralische
Bedenken hinwegzusetzen); schnell fertig ist die J. mit dem
Wort (junge Leute beurteilen etw. impulsiv, vorschnell,
unbedacht; Schiller. Wallensteins Tod II. 2); *die reifere J.
(oft scherzh. od. iron.; die nicht mehr ganz jungen Leute;
Menschen der mittleren, älteren Generation): ein Sport,
an dem sich auch die reifere J. erfolgreich beteiligen kann;
die J. von heute (die Jugendlichen, die jungen Leute der
heutigen Zeit. bes. im Hinblick auf ihre Verhaltensweisen,
ihr Auftreten; wohl nach dem 1899 unter diesem Titel
erschienenen Lustspiel von O. Ernst [Pseudonym für O.
E. Schmidt]. 1862-1926).
Jugend-, Jugend-: -alkoholismus, der: Alkoholismus (a) unter
Jugendlichen; -alter, das <o. PL): Altersstufe zwischen
Kindheit u. Erwachsensein, jugendliches Alter; -amt, das:
für alle Belange, die Angelegenheiten der öffentlichen
Jugendhilfe zuständige Behörde; -arbeit, die: 1. <o. PI.) Arbeit.
Erwerbstätigkeit Jugendlicher. 2. <o. PI.) Gesamtheit aller
von Staat. Kirchen, Gewerkschaften. Parteien durchgefü/ir-
ten Tätigkeiten, die sich mit Bildung u. Freizeitgestaltung
von Jugeiullichen befassen. 3. frühes, in der Jugendzeit eines
Künstlers. Wissenschaftlers o. ä. entstandenes Werk; in der
Ausstellung sind auch unbekannte -en des Malers zu sehen;
-arbeitslostgkeit, die: Arbeitslosigkeit, von der Jugendliche
in großer Zahl betroffen sind; -arbeitsschutz, der: die
Jugendlichen betreffender Arbeitsschutz, dazu: -arbeitsschutz-
gesetz, das; -arrest, der: (im Rahmen des Jugendstraf rechts
erfolgender) kurzer Freiheitsentzug bei leichteren u.
mittleren Straftaten Jugetuilicher; -bewegt <Adj.; o. Steig.; nicht
adv.) (meist scherzh.): von der Jugendbewegung beeinflußt,
geprägt; sich den Zielen, Vorstellungen. Forderungen der
Jugendbewegung entsprechend verhaltend; Die Tochter des
Wohnungsnachbam. j.. Sandalen tragend, jetzt auch
Gymnasiastin (Fischer, Wohnungen 54); -bewegung, die <o.
PI.) [nach dem Untertitel des Buches „Wandervogel. Die
Geschichte einer Jugendbewegung*' von H. Blüher (1888
bis 1955)1: um die Jahrhundertwende im deutschsprachigen
Raum entstandene Bewegung, deren Anhänger, in vielen
neugegründeten Jugendgruppen zusammengeschlossen, nach
einer neuen individuellen Lebensgestaltung in Einfachheit
u. Naturverbundenheit strebten, wobei bes. Wanderungen
durchgeführt u. altes Volksgut in Laienspiel, Volksmusik
u. Volkstanz gepflegt wurde; -bild, das: Bild, das jmdn.
als Jugendlichen zeigt; ein J. seines Vaters; -bildnis, das
(geh.): svw. t-bild; -blute, die <meist in Verbindung mit
der Präp. „in") (dichter.): jugendliche Frische. Anmut,
Kraft; er starb in voller J.; in ihrer J. war Zaza ... das
reizendste Ding von der Welt (Th. Mann. Krull 262); -bri-
gade, die: vgl. Brigade (3): -brtgadier, der: vgl. Brigadier
(2): -buch, das: vgl. -literatur; -bücherei, die; -diditung,
die: vgl. -arbeit (3); -dorf,das: vgl. Kinderdorf; -eindruck,
der: in der Jugendzeit gewonnener Eindruck von jmdm..
etw.; -erinnerung, die: Erinnerung an Personen, Ereignisse,
Geschehnisse, die mit der eigenen Jugendzeit verbunden sind;
-en austauschen; er schreibt seine -en nieder; -frei <Adj.;
0. Steig.; nicht adv.>: für Jugendliche geeignet, zugelassen;
-e Bücher. Schriften; der Film ist nicht j.; -freund, der:
1. jmd., mit dem man in seiner Jugendzeit befreundet war;
Freund, den jnul. in seiner Jugend hatte: Oh. das liegt
schon weit zurück. Gerald und Julitta sind -e (Wendtland.
Eisprinzeßchen 47); er hat einen alten J. getroffen. 2.
(selten) vgl. Kinderfreund. 3. (DDR) Angehöriger der FDJ;
-Freundin, die: w. Form zu T -freund; -frisch <Adj.: o.
Steig.; nicht adv.) (geh.): jugendlich frisch, gesund u.
blühend; Das Gesicht des Ekstatikers aber war j. (Werfel.
Himmel 21); -funk, der: vgl. Kinderfunk; -Fürsorge, die
(veraltend): vgl. -hilfe; -fürsorger, der: vgl. Fürsorger;
-fürsorgerin, die: w. Form zu t-fürsorger; -gefährdend
<Adj.; o. Steig.; nicht adv.): dazu geeignet, Kinder u.
Jugendliche sittlich zu gefährden, einen ungünstigen Einfluß auf
ihre sittliche Entwicklung zu nehmen: -e Schriften. Bücher.
Literatur; -geführte, der (geh.): vgl. -freund (1); -gericht,
das: für die Straftaten Jugendlicher zuständiges Gericht:
-gerichtsbarkeit, die; -gespiele, der (geh.): vgl. -freund
(1); -gnippe, die: Zusammenschluß von Jugendlichen zu
einer Gruppe, meist innerhalb einer größeren Institution:
eine kirchliche J.; -n politischer Parteien, dazu: -gruppen-
leiter, der: in entsprechenden Lehrgängen ausgebildeter,
meist ehrenamtlich tätiger Leiter einer Jugendgruppe;
-heim, das: Heim, das der Erziehung, der Freizeitgestaltung,
der Erholung Jugetuilicher dient; -herberge. die: meist sehr
einfach ausgestattete Unterkunftsstätte, die bes.
Jugendlichenauf Wanderungen u. Reisen die Möglichkeit zur
Übernachtung u. für eine begrenzte Dauer zum Aufenthalt bietet:
wo ist hier die J.?; in einer J. übernachten, schlafen; -hilfe,
die: Gesamtheit aller behördlichen Einrichtungen u.
Leistungen, die der Förderung junger Menschen, ihrer Erziehung
u. Bildung dienen. Jugendliche u. Kinder bei Gefälirdung
u. Störung ihrer Entwicklung (z. B. in Pflegestellen. Heimen
o.a.) schützen, in Fragen der Vormundschaft,
Jugendgerichtsbarkeit o. ä. zur Verfügung stehen; -hof.der: 1.
Ausbildungsstätte für Jugendliche, bes. für Jugendgruppenleiter
u. für Personen, die in der JugendhiUe tätig sind. 2. (DDR)
svw. t -werkhof; -Irresein, das: svw. tHebephrenie; -jähre
<P1.>: Folge von Jahren, die während jmds. Jugend vergehen;
Jafire, in deren Verlauf jmd. seine Jugend verbringt:
glückliche, harte J.; an seine J. zurückdenken; -kleid, das (Jä-
gerspr.): Gefieder eines jungen, noch nicht ganz
ausgewachsenen Vogels: daßer(= der Hauserpel) Geschlechtsgenossen,
die noch das weibchenähnliche J. trugen, in derselben
Weise verfolgte (Lorenz, Verhalten I. 220); -khib, der:
vgl. -heim; -kollektiv, das (DDR): vgl. Kollektiv (2):
Jetzt kämpfen wir um den Titel ..Hervorragendes J. der
DDR" (Neues D. 17. 6. 64. 3); -kriminalität, die:
Gesamtheit der von Jugendlichen ausgeführten strafbaren
Handlungen; Anteil der Kr imitiali tat (in einem bestimmten Gebiet.
Land),derauf Jugendliche entfällt; -künde, die: Gesamtheit
aller Wissenschaftszweige, wissenschaftlicher
Einzelforschungen, die sich mit dem Kind u. dem Jugendlichen in
biologischer, psychologischer u. soziologischer Hinsicht
befassen: -biger, das: vgl. Ferienlager; -leiter, der: svw.
t-gruppenleiter; -leiterin, die: weibliche Person, die (nach
ihrer Ausbildung zur Kindergärtnerin in einer
abgeschlossenen Ausbildung auf einer Fachschule) in großen
Kindergärten. Heimen, in der Erziehungsberatung od. auch als
Lehrkraft für die Ausbildung von Kindergärtnerinnen tätig ist
(Berufsbez.): -liebe, die: 1. <o. PI.) (selten) Liebe, die
1389
jugendlich
1
jmd. in seiner Jugendzeit zu jmdm. empfunden hat, die zwei
Personen in ihrer Jugend miteinander verbunden hat. 2.
(ugs.)jnui.. den man in seiner Jugendzeit geliebt hat: Person,
in die jmd. in seiner Jugendzeit verliebt war: er hat nach
vielen Jahren wieder eine seiner [alten] -n getroffen; -litera-
tur, die: für Jugendliche geeignete, für den jugendlichen
Leser geschaffene Literatur: Mnamschaft. die (Sport): nur
aus Jugendlichen (zwischen 14 u. 18 Jahren) bestehende
Mannschaft: Mneister. der (Sport): Gewinner einer Meister-
sclmft für Jugendliche (zwischen 14 u. 18 Jahren) in einer
Sportart: -meisterschaft, die (Sport); -musik. die: von
Kindern. Jugendlichen betriebene, für sie komponierte,
geeignete Musik: -musikbewegung, die: Richtung innerhalb der
Jugendbewegung, bei der das Ziel im Vordergrund stand,
die musische Bildung bes. der Jugendlichen durch Singen
u. Musizieren zu fördern: Mnusikschule, die: Musikschule,
schulähnliche Ausbildungsstätte, in der Kinder u. Jugendliche
das Spielen von Instrumenten, das Singen. Harmonielehre
u. ä. lernen: ^objekt, das (DDR): etw.. fiir dessen Herstel-
lung. Aufbau. Pflege o.a. Jugendliche die Verantwortung
tragen: ein landwirtschaftliches J.; der Ausstoß der
Hinterdrehmaschine .... deren Bau man uns Jugendlichen als
J. übergab (Neues D. 4. 6. 64. 3); ^Organisation, die:
vgl. ^gruppe; ^pfarrer, der: Pfarrer, der vorwiegend für
die Belange Jugendlicher zuständig ist: ^pflege, die
(veraltend): vgl. ^hilfe; ^vf\e8er*der:jmd..der in der Jugendarbeit
(2) od. in der Jugendhilfe als Lehrer. Sozialarbeiter.
Sozialpädagoge o.a. tätig ist (Berufsbez.); ^pflegerin, die: w.
Form zu t ^pflegen -Psychologie, die: Teilgebiet der
Psychologie, das sich speziell mit dem Verhalten Jugendlicher,
bes. mit den Auswirkungen des Reifungsprozesses während
der Pubertät, befaßt: credit, das: Gesamtheit aller recht-
liehen Regelungen, die der Förderung u. dem Schutz aller
jungen Menschen, bes. der benachteiligten, gefährdeten, in
ihrer Entwicklung gestörten Jugendlichen, dienen: dichter,
der: Richter, der in der Jugendgerichtsbarkeit. bei einem
Jugendgericht tätig ist: ^ring. der: Zusammenschluß von
Jugendverbänden, -Organisationen: -schofle, der: Schöffe
an einem Jugendgericht: -schrift. die <meist Pl.>: vgl. ^lite-
ratur; -Schriftsteller: Schriftsteller, der vorwiegend für
Jugendliche schreibt: -schütz, der: Gesamtheit aller
Maßnahmen, gesetzlichen Vorschriften zum Schutz von Kindern u.
Jugendlichen vor seelischen od. körperlichen Gefahren, bes.
vor schädlichen Einflüssen in der Öffentlichkeit, dazu:
-Schutzgesetz, das; -Sendung, die: für Jugendliche
geeignete, für den jugendlichen Zuschauer, Hörer geschaffene /
belehrende] Fernseh-. Rundfunksendung: -stadiim, das: svw.
t Jugend (1 b); ^«til. der [nach der von 18% an in München
erschienenen illustrierten Kulturzeitschrift ..Jugend"]: um
die Jahrhundertwende entstandene künstlerische
Stilrichtung, die sich bes. im Kunsthandwerk, in Gestaltung u.
Ausstattung des Innenraums, in der Architektur sowie in Malerei
u. Graphik ausprägte u. durch dekorativ geschwungene
Linien, durch flächenhaft stilisierte pflanzliche od. abstrakte
Ornamente gekennzeichnet ist, dazu: -Stilfassade, die, -stil-
faunpe, die. -stilvase, die; -Strafanstalt, die: Anstalt, in
der jugendliche Straftäter ihre Strafe verbüßen: -strafe.
die: gegen jugendliche Straftäter verhängte, erzieherisch
ausgestaltete Freiheitsentziehung: -strafrecht, das: für
jugendliche Straftäter, in bestimmten Fällen auch für
Heranwachsende (b) geltendes Straf recht: -stunde, die: I. regelmäßige
Zusammenkunft einer Jugendgruppe. 2. (DDR) regelmäßig
abgehaltene Stutide zur Vorbereitung der Jugendlichen auf
die Jugendweihe: -sünde, die [wohl nach Ps. 25, 7]: a)
unüberlegte, leichtsinnige Handlung. Tat. die jmd. in seiner
Jugend begangen hat u. an die er sich später meist nur
ungern erinnert: das war eine kleine J. die man ihm längst
verziehen hatte; b) etw.. was jmd. in jungen Jahren, in
seiner Jugend geschaffen, hergestellt, woran er mitgewirkt
Itat u. womit er sich später nicht mehr identifizieren kann:
seine alten Filme bezeichnete der Schauspieler als -n; -thea-
ter, das: vgl. Kindertheater; -torheit. die: vgl. -sünde
(a); -träum, der: sehnlicher Wunsch, den jmd. in seiner
Jugend für die Zukunft hatte: etw.. nach dessen Erreichung.
Verwirklichung jmd. in seiner Jugend mit Sehnsucht, mit
großem Verlangen strebt: seine Jugendträume sind
zerronnen; -verband, der: überregionaler Zusammenschluß von
Jugendlichen, bes. von Jugendgruppen: -verbot, das: Verbot,
mit dem Jugendliche bis zu einer bestimmten Altersgrenze
vom Besuch bestimmter für Jugendliche nicht geeigneter
Veranstaltungen ausgeschlossen werden: das J. fiir diesen
Film wurde aufgehoben; -Vorstellung, die: für Jugendliche
geeignete, für den jugendlichen Zuschauer veranstaltete
Theater-. Filmvorstellung: -weiie, die: 1. von freireligiösen
Vereinigungen veranstaltete Feier für aus der Schule
entlassene Kinder (an Stelle einer Konfirmation od. Kommunion).
2. (DDR) Festakt, bei dem die vierzehnjährigen Jungen
und Mädchen feierlich in die Reihen der Erwachsenen
aufgenommen werden und bei dem sie sich in einem
Gelöbnis zu ihrem Staat, zu einem Leben für die sozialistische
Gesellschaft bekennen müssen: ^werk, das: svw. t -arbeit
(3); -werkhof. der (DDR): staatliches Erziehungsheim für
straffällige u. schwererziehbare Jugendliche (die dort eine
berufliche Ausbildung erfahren): -Wohlfahrt, die
(veraltend): vgl. ^hilfe; -Wohnheim, das: Wohnheim für
berufstätige od. in Ausbildung stehende Jugendliche, die aus
verschiedenen Gründen nicht zu Hause wohnen können, kein Zuhause
haben: -zeit, die: svw. t Jugend (1 a); -Zeitschrift, die: vgl.
-literatur; -Zentrum, das: vgl. -heim.
jugendlich <Adj.) [mhd. jugentlich, ahd. jugendlih, zu f
Jugend]: 1. <nicht präd.) der Altersstufe zwischen Kindheit
u. Erwachsensein angehörend: zur Jugend (3) gehörend, im
Alter der Jugend: jung: die -en Zuschauer, Käufer; die
beiden -en Täter wurden festgenommen; ihr Sohn war
in -em Alter (als junger Mensch) gestorben. 2.a) die
Frische. Kraft eines jungen Menschen besitzend: die typischen
Eigenschaften, das Wesen eines jungen Menschen erkennen
lassend, verratend: für Jugendliche charakteristisch: -er
Schwung. Elan. Unternehmungsgeist. Übermut; -e
Gewandtheit. Frische; -e Begeisterung. Entdeckerfreude; hin
und wieder verraten ihre spielenden Hände ... -e
Unsicherheit (Hörzu 19.1973,12); hinweg von dem Wege
unverantwortlicher Kinderei, den Sie j. genug waren einzuschlagen
(Th. Mann. Krull 441); ein j. entflammter.Geist; b) das
Aussehen. Auftreten, die Wirkung. Ausstrahlung eines
jungen Menschen besitzend, anstrebend: jung wirkend: eine
-e Erscheinung; sie ist, wirkt noch sehr j., sieht noch sehr
j. aus; er kam j. elastisch dahergeschritten; c) (bes. Wer-
bespr.) fiir einen jungen Menschen passend, geschaffen:
junges Aussehen, die Wirkung des Jungseins vermittelnd,
verstärkend: ein sehr -es Kleid. Modell; eine -e Frisur; die
-e Duftnote eines Parfüms; Strickwaren?... wenn sie weich,
geschmeidig und j. sind,... dann tragen sie bestimmt dieses
Etikett (Petra 10, 1966, 55); sie kleidet sich oft ein wenig
zu j.; <subst.:> Jugendliche, der u. die; -n, -n <Dekl. t
Abgeordnete): a) junger Mensch: jmd.. der sich im
Lebensabschnitt zwischen Kindheit u. Erwachsensein befindet: ein
Ort. wo sich die -n treffen, vergnügen können; sein
Publikum besteht besonders aus -n; die Veranstaltung wurde
vorwiegend von -n (von jungen Leuten) besucht; b) (jur.)
junger Mensch zwischen dem 14. u. 18. Lebensjahr: jmd..
der das 14.. aber noch nicht das 18. Lebensjahr vollendet
hat: -e nehmen im Strafrecht eine Sonderstellung ein; der
Film ist für -e bis zu 16 Jahren nicht zugelassen; <Abl.:>
Jugendlichkeit, die; -: 1. Zustand des Jungseins: jugendliches
(1) Alter: die J. des Täters muß bei der Beurteilung des
Falles berücksichtigt werden. 2. a) jugendliche (2 a)
Frische. Spannkraft: jugendlicher Schwung. Elan: der
Politiker trat stets mit forscher J. in der Öffentlichkeit auf;
Ulrich war gerührt von den kindlichen Einfällen, die der
General... ausführte, und der unverwüstlichen J. (Musil.
Mann 375); b) jugendliches (2a) Aussehen, jugendliche
Wirkung im Äußeren: die J. ihrer Erscheinung; auch wenn
sie sich noch so sehr anstrengt, künstlich eine J. zu erhalten,
die längst dahin ist (Dariaux [Übers.]. Eleganz 55).
iugular Uugu'la.g] <Adj.; o. Steig.; nur attr.) [zu t Jugulum]
(Med.): die Vorderseite des Halses, das Jugulum betreffend:
zum Jugulum gehörend: Jugulum ['Ju:gulum]. das; -s. ...la
[lat. iugulum = Schlüsselbein. Kehle] (Med.): natürliche
Einsenkung. Höhlung an der Vorderseite des Halses über
dem Schlüsselbein.
iuhe! Uu'he:] (bes. Schweiz.): svw. t juchhe!; iuhu! <Interj.>:
I. üu'hu:] Ausruf der Freude, des Jubels: j.. wir haben
gewonnen! 2. I'ju'hu:] Zuruf, mit dem die Aufmerksamkeit
von jmdm., der sich in einiger Entfernung befindet, erregt
werden soll: j., hier sind wir!
Juice [<J5u:s], der od. das; -. (bes. Sorten:) -s [...sis. auch:
...siz; engl. Juice < frz. jus = Saft, Brühe < lat. iüs;
vgl. 2Jus] (bes. österr.): Obst-. Gemüsesaft: bringen Sie
uns bitte zwei J. (zwei Gläser mit Juice).
1390
jung-, Jung-
JuJube üuju:to]. die; -. -n [frz. jujube < lai. ziziphus =
Jujube (1). ziziphum = Jujube (2) < griech, zizyphon]:
1. zu den Kreuzdorngewächsen gehörender Strauch od.
kleiner Baum mit dornigen Zweigen, gelben Blüten u.
schwärzlichen Früchten, der von Ostasien bis zum Mittelmeergebiet
kultiviert wird; Judendorn. 2. dattelähnliche e/Jbare Frucht
der Jujube (1) mit weißlichem, süßem Fruchtfleisch.
Jukebox[cbuikboks],die;-.-es[...sis.auch: ...siz;engl.-ame-
rik. juke box. zu amerik. (Jargon) juke = geräuschvoll,
verworren u. box = Kiste, Schachtel; also eigtl. =
Musikkiste, Rappelkiste]: Musikautomat, der nach Einwurf
entsprechender Geldmünzen (u. Betätigung von Tasten o.a.
zur Wahl) Schallplatten mit Unterhaltungsmusik abspielt.
Jul Uu:l], das; -[s] [1: anord. jol; 2: dän.. norw.. schwed.
jul < anord. jol): l.(hist.) germanisches Fest der Winter son-
nenwende. 2. (in Skandinavien) Weihnachtsfest.
Weihnachten.
Jyl-: -bock, der [schwed. julbock]: 1. in Skandinavien bei
weihnachtlichen Umzügen auftretende, mit Fellen u. einem
gehörnten Ziegenkopf maskierte Gestalt. 2. aus Stroh
geflochtene bocksähnliche Figur, die in Skandinavien um die
Weihnachtszeit im Haus aufgestellt wird. 3. Gebäck.
Gebildbrot, das die Form einer bocksä/inlichen Figur hat; ^feier.
die, ^fest, das: svw. tJul (2); -klapp, der; -s [schwed.
julklapp, aus: jul (TJul) u. klappa = klopfen, pochen;
der Überbringer von Weihnachtsgeschenken klopfte nach
altem Brauch an die Tür, wenn er kam]: kleines, zum
Scherz oft mehrfach verpacktes Weihnachtsgeschenk, das
jmd. .im Rahmen einer Feier J von einem unbekannten Geber
erhält od. das. nach skandinavischer Sitte, von einem
unbekannten Geber nach vorherigem lautem Klopfen od. Rufen
für jmdn. ins Zimmer geworfen wird; Mnonat« Mnond, der
(veraltet): Dezember; -nacht, die.
Julei üu'hii. auch: ju:lqj]. der; -[s], -s <P1. selten): aus
Gründen der Deutlichkeit gesprochene Form von T Juli.
Julep ['<bu:lep]. das od. der; -[s]. -s [engl, julep. frz. julep
< span. julepe < arab. guläb < pers. guläb. eigtl. =
Rosenwasser]: in England u. Amerika beliebtes
alkoholisches / Erfrischungsgetränk mit Pfefferminzgeschmack.
Juli [ju.li], der; -[s]. -s <PI. selten) (lat. (mensis) Iülius.
zu Ehren von Julius Caesar (etwa 100-44 v.Chr.);
Eindeutschung ausgehend vom Gen. Iülii]: siebter Monat des
Jahres; vgl. April.
julianisch üu'lia:nij]: t Kalender.
Julienne tay'Uen]. die; - [frz. julienne] (Kochk.): in feine
Streifen geschnittenes, als Suppeneinlage u. in Soßen
verwendetes Gemüse; <Zus.:> Julipinesuppe. die [nach frz.
potage ä la julienne; wohl nach dem frz. w. Vornamen
Julienne] (Kochk).
Juliusturm, der; -[e]s [nach einem Turm der früheren
Zitadelle in Spandau, in dem sich bis 1914 ein Teil der von
Frankreich an das Deutsche Reich gezahlten
Kriegsentschädigung befand, H. u.]: vom Staat angesparte, als
Reserve zurückgelegte Gelder; Hettläge wies darauf hin, daß
sich bei der öffentlichen Hand bereits wieder ein J.
angesammelt habe (FAZ 27. 5. 61. 1).
Jumbo [jumbo]. der; -s, -s: kurz für t Jumbo-Jet; Jymbo-Jet
[-43et]. der; -s. -s [engl.-amerik. jumbo jet. eigtl. =
Düsenriese, aus: jumbo = großes Ding; riesengroß (eigtl.
Elefantenname) u. jet. t Jet]: Großraumflugzeug für den Transport
von sehr viel Passagieren u. Frachtgut.
Jumehge [3ym'la:3l. die; -. -n [frz. jumelage. eigtl. =
Zusammenfügung, zu lat. gemellus = zugleich geboren,
doppelt]: Partnerschaft zwischen Verwaltungsbezirken od.
Gemeinden, meist Städten, verschiedener Länder; die J.
zwischen Mannheim u. der französischen Hafenstadt Toulon.
Jump [dsamp]. der; -s. -s [1: engl, jump = Sprung: 2:
nach dem betont sprunghaften Rhythmus]: 1.
(Leichtathletik) dritter Sprung beim Dreisprung; vgl. 'Hop. Step. 2. <o.
PI.) Jazz einer in Hartem entwickelten Stilform; jumpen
[dsampn. auch: jompn] <sw. V.; ist) [zu engl, to jump
=~springen] (ugs.): mit einem Sprung irgendwohin gelangen;
irgendwohin springen, hüpfen; Da sah ich auch die Kerle
über die Rampe j. (Leip. Klabauterflagge 25); Wir jumpten
sofort von der Leiter (Plenzdorf. Leiden 124).
Jumper [jumpB. auch: (bampn u. südd.. österr.: d3empB].
der; -s. - [engl, jumper. zu mundartl. jump, wohl zu: jupe
= Jacke; vgl. Jupe]: gestricktes, gewirktes, blusen-. pullover-
ä/inliches Kleidungsstück /für Damen]; Eine dreiteilige
Kombination aus Rock. Pullover und J. (Hörzu 38, 1975.
88); er ... zog dem Jungen seinen wollenen J. und die
graue Gamaschenhose aus (Fallada. Mann 225).
jung üunl <Adj.; jünger, jüngste) /vgl. Junge, das; jünger.
Jüngere; Jüngste/ [mhd. junc. ahd. jung]: 1. (Steig, selten;
nicht adv.) (von Menschen. Tieren. Pflanzen) [noch] nicht
alt; ein niedriges, noch nicht sehr hohes Lebensalter habend;
sich noch in der Entwicklung oder gerade am Ende der
Entwicklung befindend (Ggs.: alt 1 a): ein -er Mann: -e
Hunde; ein -es Bäumchen; die -en Leute von heute; ein
-er Abgeordneter; Aber die unbezahlbare Ausstrahlung
... hatte sie diesen -en Dingem voraus (Dorpat.
Ellenbogenspiele 171); ein Gedicht des -en Goethe; er ist schon in
-en Jahren (als junger Mensch, sehr früh) selbständig
geworden; dieser war deshalb einer der schönsten Momente
meines -en (noch nicht sehr viele Jahre zählenden) Lebens
(Remarque. Obelisk 24); für diese Tätigkeit ist er nicht
mehr zu j.; er ist sehr j. (als er noch sehr j. war) gestorben;
er war sehr j.. als er Präsident wurde, aber sein Nachfolger
war noch jünger; (subst.;) unsere neue Lehrerin ist eine
ganz Junge; Können die Älteren uns Junge nicht
anerkennen? (Hörzu 15, 1973. 142); Der Mann ist auch nicht
der Jüngste (ist schon älter, schon in fortgeschrittenem
Alter, schon ziemlich alt) und... muß sich schuften (Döblin,
Berlin 99); R so j. kommen wir nicht mehr
zusammen (ermunternde Aufforderung, bei einem geselligen
Beisammensein noch zu verweilen, noch etwas zu trinken);
Spr j. gefreit hat nie gereut; j. gewohnt, alt getan (was
jmdm. in der Kindlieit. Jugend angewöhnt wurde, das behält
er auch später bei; Gewohnheiten aus der Jugend werden
bis ins Alter beibehalten); *|. und alt (svw. talt und jung);
von j. an (von jmds. Kindheit. Jugendjahren an); die
Männer waren von j. an mit solchen Dingen vertraut.
2.a) (meist in den Steig.; nicht adv.) (im Vergleich zu
einem anderen, zu anderen) die geringere, die geringste
Anzahl von Lebensjahren habend; der jüngere Bruder (von
zweien); die jüngste Tochter (von mehreren); die alte und
die jüngere, die -e Generation; der -e [Herr] Meier (ugs.;
der Sohn des alten Herrn Meier): der Mann ist zwei Jahre
jünger als seine Frau; wer ist der jüngere von den beiden?;
das jüngste der Geschwister ist ein Mädchen; <subst.:)
Auch zu den Jüngsten kann man sich nicht mehr rechnen
(Chr. Wolf, Himmel 177); b) <o. Steig.; nicht adv.) (ugs.
scherzh.) ein bestimmtes / vergleichsweise] geringes, noch
nicht hohes Alter habend; die siebzehn Jahre -e
Schauspielerin; der Monarch des kleinen Landes ist gerade dreißig
Jahre j. 3. (nicht adv.) das Aussehen. Auftreten, die
Wirkung. Ausstrahlung, die innere Haltung eines noch nicht
im mittleren od. höheren Lebensalter stehetulen Menschen
besitzend; jung (1) wirkend, jugendlich frisch; sie hatte auch
im Alter noch ein [ganz] -es Gesicht; er ist j. geblieben,
fühlt sich noch sehr j.; Hanna, die zart und j. aussah
wie nie zuvor (Bachmann. Erzählungen 116); er sieht jünger
aus als seine Frau; Sport erhält j.; sie ist mit den Kindern.
Enkeln wieder j. geworden (hat wieder jugendlichen Elan
bekommen); R man ist so j.. wie man sich fühlt (man
kann auch in mittlerem, vorgerücktem Alter noch
jugendlichen Schwung, Elan haben). 4. (nur attr.) a) noch nicht
lange vorhanden, bestehend; erst vor kurzer Zeit entstanden,
begründet, erzeugt, hergestellt; ein -er Staat; ein -es
Unternehmen; eine -e Ehe; zum Nutzen der -en Freundschaft
(Grass. Hundejahre 43); das Spiel gehört zu einer der
jüngsten (einer der neuesten) Sportarten; das -e (frische)
Laub. Grün; der -e Tag (geh.; der Morgen); b) (nur in
den Steig., bes. im Sup.) noch nicht lange zurückliegend;
eben erst vergangen; letzt ...: ein Ereignis der jüngeren,
der jüngsten Vergangenheit. Geschichte; die Entdeckung
ist jüngeren Datums (liegt noch nicht weit zurück); in
jüngster Zeit; bis in die jüngste Vergangenheit; wie die
jüngste Entwicklung zeigt; die jüngsten Landtagswahlen.
JMng-, J^ng-: -akadoniker, der: Akademiker, der seine
Hochschul- od. Universitätsausbildung gerade, erst vor kurzer
Zeit abgeschlossen, beendet hat; -aktie, die: junge Aktie;
vgl. Aktie; -aktivist. der (DDR): vgl. Aktivist: Weitere
drei junge Kumpel werden als -en geehrt (Volk 1.7.64.7);
Mirbeiter, der: junger Arbeiter / nach gerade abgeschlossener
Lehre]; qualifizierte J.; -bauer, der: junger Bauer (Ggs.:
Altbauer); -brunnen, der: 1. (in der Sage. Mythologie)
Brunnen, dessen Wasser eine Verjüngung bewirkt. / ewige]
Jugend verleiht; sie tranken vom Wasser des -s. badeten
im J. 2. etw.. wasjmdm. neuen Schwung, neue Kräfte verleiht.
1391
Jungchen
1
wodurch etw. eine Belebung, Erneuerung erfährt: die Natur,
der Aufenthalt am Meer ist ein [wahrer] J. für ihn;
^bürgen der (bes. österr.): jmd., der das Wahlalter erreicht
hat, der erstmals wählen darf, dazu: ^biirgerfeier. die
(österr.): (oft am österreichischen Nationalfeiertag
abgehaltene) Feier, für junge Menschen, die das Wahlalter erreicht
haben: -bürgerin, die: w. Form zu t ^bürger; -dachs, der:
vgl. Mier; -demokrat, der <meist Pl.>: Mitglied der Jugend-
Organisation der Freien Demokratischen Partei; Kurzwort:
Judo; -deutsche, der (meist Pl.>: Anhänger. Vertreter einer
(gegen Klassik u. Romantik gerichteten) deutschen
literarischen Bewegung mit politisch-zeitkritischer Tendenz (etwa
von 1830-1850), dem Jimgen Deutschland; -fisch, der: vgl.
^tier; -fhig, der: Wettfliegen von noch nicht einjährigen
Brieftauben (Ggs.: Altflug); -frau, die [mhd. juncfrou(we).
ahd. juncfrouwa = junge Herrin, Edelfräulein): 1. a)
weibliche Person, die noch keinen Geschlechtsverkehr hatte: sie
ist noch J.. keine J. mehr; sie wird wohl J. bleiben; er
wollte nur eine J. heiraten; die Heilige J.. die J. Maria
(kath. Rel.; die Mutter Jesu): eiserne J. (mittelalterliches
Folterwerkzeug in Form einer Art Panzer, der innen mit
Eisenspitzen versehen ist); *m etw. kommen wie die J.
zum Kind (ugs.; überrascheml. ohne eigenes Zutun, durch
Zufall zu etw. kotnmen): er ist zu diesem Auftrag, zu der
Erbschaft, zu seiner Wohnung gekommen wie die J. zum
Kind; b) (veraltet) junges Mädchen Junge noch nicht
verheiratete Frau: eine liebliche, stolze, unberührte, schöne J.
2.a) (Astrol.) Tierkreiszeichen für die Zeit vom 24. 8. bis
23. 9.: Im Zeichen J. bin ich geboren (Grass, Blechtrommel
722); b) jmd., der im Zeichen Jungfrau geboren ist: er ist
J. 3. (Druckerspr.) Fahne (3) mit dem Abzug eines
fehlerfreien Textes; -frauengeburt. die <o. Pl.>: svw. t
Parthenogenese (1); -frauenschaft, die <o. PI.) (geh.): svw. t
Jungfräulichkeit: die Trauer der J. anlegen (Jahnn, Geschichten
110); -fräulein, das (veraltet): svw. t Jungfrau (2): wie das
J. dem Knäblein zuwinkt (Fussenegger. Haus 72); -fraulich
[-fr^ylw;! <Adj.: o. Steig.; nicht adv.) (geh.): 1. eine Jungfrau
(1 a) kennzeichnend; die Jungfräulichkeit (1) betreffend;
sexuell unberührt: ein [noch] -es Mädchen; (dichter.:) ihr
-er Leib; die -e Ehre; Sie hielten sich für tugendhaft, weil
sie j. durchs Leben gekommen waren (Kuby. Sieg 80).
2. völlig unberührt: noch von niemandem angetastet,
bearbeitet, erschlossen: -er Schnee; eine -e Landschaft; -e Erde:
Jungfräuliche (reine) Luft umgab mich (Hagelstange.
Spielball 39); sechs kleine Sandsteinplatten. Sie sind noch
j.. kein Name ist auf sie eingehauen (Remarque. Obelisk
289); (oft scherzh.:) das Papier, auf das er den Artikel
schreiben wollte, war am Abend immer noch j., dazu:
-fräulichkeit. die <o. Pl.> (geh.): 1. Zustand einer Frau
vor dem ersten Geschlechtsverkehr: sexuelle Unberührtheit:
mit ihrer Forderung nach J. der Frau bei der
Eheschließung (Schelsky. Sex 41). 2. völlige Unberührtheit, völliges
Unangetastetsein: die J. der Urwalderde; -frauschaft, die
<o. PI.) (selten): svw. t ^fräulichkeit (1); -geselle, der
[urspr. = junger Handwerksbursche, zu tGeselle !]:
lediger, (noch] nicht verheirateter Mann: ein echter,
eingefleischter, alter, begehrter J.; er wollte nicht, lieber J.
bleiben, dazu: -gesellenbude, die (ugs.): [möbliertes! Zimmer,
kleinere Wohnung eines Junggesellen, -gesellendasein, das:
mit seinem schönen, flotten J. hat es nun auch bald ein
Ende, -geselkfileben, das: Abschied vom J. nehmen, ^ge-
sellenwirtschaft.die <o. PI.) (ugs., oft scherzh.):
ungeordnete, ungeregelte Haushalts-, Lebensführung: er war diese
J. allmählich leid, -gesellenwohnung. die: für einen
Alleinstehenden, einen Junggesellen vorgesehene, geeignete, den
Bedürfnissen eines Alleinstehenden entsprechende,
angepaßte Wohnung: sie gab das möblierte Zimmer auf und nahm
sich, zog in eine hübsche J.. -gesellenzeit.die: Zeit, während
der jmd. noch Junggeselle ist: mit Wehmut dachte er an
seine J. zurück; -gesellin. die: w. Form zu t-geselle;
-gramraatiker. der <meist PI.) (Sprachw.): Vertreter einer
Gruppe von Sprachwissenschaftlern (um 1900), die sich
mit historisch-vergleichender Sprachwissenschaft u.
historischer Grammatik, bes. Laut- u. Formenlehre, befaßten und
die Entwicklung der Sprache unter dem Aspekt mechanischer
Gesetzmäßigkeit u. der Ausnahmslosigkeit der Lautgesetze
betrachteten; ^herr. der (veraltet): junger Herr, junger
Gebieter, Vorgesetzter, bes. vor der Gründung eines eigenen
Hausstandes: seit den Tagen, da er für seinen -n Rebekka
gefreit hatte (Th. Mann. Joseph 129); -hob. das <o. PI.)
(Forstw.): junger, meist noch niedriger [ gebüschartiger J
Baumbestand: aus dem steinigen Untergrund war J.
nachgewachsen (Kuby. Sieg 24); Er fand seinen Weg ...
weiterhin durch dichtverschlungenes J. (Hauptmann, Thiel IS);
-knecht, der (veraltet): junger, dem Altknecht unterstellter
Knecht; -lehrer. der: Lehrer während seiner Lehrtätigkeit
vor dem zweiten Staatsexamen; -madel, das (ns.): einer
zur Hitlerjugetid gehörenden Organisation für Mädchen im
Alter von 10 bis zu 14 Jahren angehörendes Mädchen;
-mann, der <P1.: -männer): junger Mann, bes. als Mitglied
einer sportlichen, militärischen, kirchlichen o. ä.
Organisation: Ohne Waffen und ohne Uniformen sitzen die
Jungmänner in den Kasernen für den berühmten ..Ernstfall"
(Kronen-Zeitung 6. 10. 1968. 1); Zweitens war er als J.
selbst Faustkämpfer (Hörzu 14. 1973. 100); -mannschaft.
die: Mannschaft aus jungen, jugendlichen Sportlern; -paläo-
lithikum, das; -s (Geol.): letzte Periode der Altsteinzeit,
des Paläolithikums; -pflanze, die: junge, meist in
Gewächshäusern, Frühbeeten o.a. bestimmter Betriebe gezogene
Pflanze, die für eine weitere Kultivierung / in anderen
Betrieben! vorgesehen ist; -sein, das: das J. und Lieben ... das
Altsein und nicht mehr Lieben, lauter Tragödien (Kasch-
nitz. Wohin 159); -Sozialist, der Mitglied der
Jugendorganisation der Sozialdemokratischen Partei; Kurzwort: Juso;
-Steinzeit, die: svw. tNeolithikum, dazu: -steinzeitlich
<Adj.; o. Steig.; nicht adv.): -e Funde; --stier, der: vgl.
^tier; ^tier, das: junges Tier vor der, bis zur
Geschlechtsreife; -trieb, der: junger, neuer Trieb einer Pflanze; -türke.
der [nach der 1860 im damaligen Osmanischen Reich
entstandenen Reformbewegungl (scherzh.): junger / der Ju-
gemlorganisation einer Partei amehörender] Politiker, der
sich in seiner Partei mit Elan u. persönlichem Engagement
für bestimmte, bes. reformerische Ziele einsetzt, große
Aktivitäten entfaltet: Der Stoßtrupp der -n wyrde unterstützt
von Verteidigungsminister Kai-Uwe von Hassel, der ...
um seinen Posten bangte (Spiegel 21.3. 66, 43);
^verheiratete, der u. die; -n, -n <Dekl. t Abgeordnete): jmd., der
gerade erst geheiratet hat, noch nicht lange verheiratet ist;
-vermählte, der u. die (geh.): svw. ? ^verheiratete; ^vieh.
das: vgl. ^tier; -vogel, der: vgl. ^tier; -volk. das <o. PI.):
1. (veraltend) junge Leute: Ganz gut. wenn mit der
Einberufung zur Armee etwas Ordnung unter das J. kommt
(Wolf. Menetekel 92). 2. (ns.) zur Hitlerjugend gehörende
Organisation für Jungen im Alter von 10 bis zu 14 Jahren;
-Wähler, der: jmd., der das für die Teilnahme an einer
Wahl vorausgesetzte Alter erreicht hat u. auf Grund dessen
zum ersten Mal an einer Wahl teilnehmen darf: Es gilt
... die J. zu mobilisieren (Spiegel 39. 1974. 67); -waW.
der (Forstw.): vgl. ^holz; -wild, das: vgl. ^tier; -wuchs.
der (Forstw): vgl. ^holz.
Jungchen [jon^n], das; -s. - [zu t'Junge) (landsch. fam.):
meist als Anrede kleiner Junge; junger Mann: was will
denn das J. hier?; komm her. [meinj J.. ich helfe dir; Olala.
mein J.. du bist weder ein Gourmand noch ein Savant,
sonst wüßtest du ... (Fr. Wolf. Menetekel 167); 'Junge
[jondl. der; -n, -n u. ugs., bes. nordd. u. mitteld.: Jungs, -ns
[mhd. junge, ahd. jungo. zu tjung]: 1. (bes. nordd.) a)
Kind männlichen Geschlechts; Knabe, Bub (Ggs.: Mädchen):
ein kleiner, lieber, guter, verwöhnter, wilder, kräftiger J.;
du dummer J.; du bist doch schon ein großer J.; in der
Klasse sind zwanzig -n und zehn Mädchen; wenn die
Mädchen oder Jungs eine Vier schreiben (Hornschuh,
Ich bin 8); er treibt mit seinen drei -n (Söhnen) viel Sport;
* jmdn. wie einen dummen -n behandeln (jmdn. nicht ernst,
nicht für voll nehmen u. ihm gegenüber in entsprechend
unangemessener Weise auftreten; jmdn. überheblich, von
oben herab behandeln): du brauchst dich von deinem Chef
nicht wie ein dummer J. behandeln zu lassen; b) (ugs.)
[junger] Mann: ihr Mann ist ein netter, großartiger,
gutmütiger, schlauer J.; 's waren aber auch schwächliche -n
in deiner Kompanie (Ott. Haie 310); er ist eben doch
noch ein grüner J.; häufig als vertrauliche Anrede: na,
[mein lieber] J.. wie geht es dir?; Alter J. - wie kommst
du überhaupt auf solch einen Gedanken? (BernstorfT.
Leute 5); kommt her. Jungs, wir wollen mit dem Training
beginnen; * schwerer J. (ugs.; Mann, der schwere
Verbrechen, Gewalttaten begangen hat; Gewaltverbrecher): Hier
verkehrte... das letzte an Hefe und Ausgestoßenen,
Kroppzeug, viele Stromer ... schwere -ns der niedersten Stufe
(Lynen. Kentauren fährte 29); die blauen Jungs (ugs.; die
1392
junior
Matrosen, Seeleute; nach der meist blauen Kleidung od.
Uniform); J.t J.! (ugs.; Ausruf des Staunens, der
Verwunderung. Überraschung, Anerkennung o.a.): J., J., da habt
ihr aber Glück gehabt; das Berliner Nachtleben. J., J.,
so was hat die Welt noch nicht gesehen (K. Mann.
Wendepunkt 113); c) (veraltend) Jugendlicher, der bei jmdm. in
die Lehre geht, als Hilfskraft tätig ist; Lehrling, Lehrjunge:
der Bäcker hat dem, seinem -n aufgetragen, die Brötchen
auszufahren. 2. (ugs.) svw. tBube (2): er hat gleich mit
dem höchsten -n eingestochen; 2Junge [-], das; -n, -n [mhd.
junge, ahd. jungi]: 1. neugeborenes, noch nicht
ausgewachsenes, junges Tier; Tierkind: die Katze leckt ihre -n; die
Gans verteidigt ihre -n; die Löwin hat J. bekommen; ich
... fand ein geschlüpftes -s (Lorenz. Verhalten I, 57). 2.
<o. PL) (landsch., bes. südd., österr.) svw. tKlein (1); vgl.
Entenjunge; Jüngekhen fjYnjcan]. das; -s. - [zu t 'Junge]
(ugs. abwertend): unreifer, nicht ernst zu nehmender junger
Mann: die Tatsache, daß dieses J. bald sein Chef sein
würde, machte ihm schwer zu schaffen; J.. komm mir
nicht noch einmal in die Quere!; jungen i'juosn] <sw. V.;
hat) [spätmhd. jungen; mhd. jungen = jung werden]: (bes.
von Haustieren) Junge zur Welt bringen, gebären; werfen:
die Katze wird bald j.
Jungen- 0Junge 1 a): Miesicht. das: Gesicht eines Jungen,
wie es ein Junge hat: Dann lachte er sie wieder mit seinem
helläugigen, weißzähnigen frischen J. an (Werfel. Himmel
166); -klasse. die: vgl. -schule; -schule, die: Schule, in
der Jungen unterrichtet werden, die nur von Jungen besucht
wird; -stimme, die: seine helle J. übertönte das Geschrei
der anderen; -streich, der: von einem od. mehreren Jungen
verübter Streich: übermütige, schlimme -e aushecken.
jungenhaft <Adj.; -er, -este) [zu t 'Junge]: in der Art eines
Jungen; jugendlich frisch, unbekümmert, ungezwungen, Über-
mutig: -er Charme; sein -es Lachen; er ist, wirkt, benimmt
sich sehr, geradezu j.; <Abl.:> Jgngenhaftigkeit, die; -; jünger
l'JYi)Bl <Adj.>: 1. (absoluter Komp.; nicht adv.>: das
mittlere Lebensalter noch nicht od. gerade erreicht habend; noch
nicht sehr alt, aber auch nicht mehr sehr jung: der
Abgeordnete ist noch ein -er Mann; Mahle, der damals für die
-en Funktionäre verantwortlich war (Leonhard,
Revolution 231); die Direktorin war gutaussehend und noch j.
2. Komp. zu tjung (1, 2a. 3, 4); <subst. zu jung 2a:>
Jüngere, der u. die; -n. -n <Dekl. t Abgeordnete): die
-n unter euch werden sich daran wohl kaum noch erinnern
können; als Ergänzung bei Eigennamen (Abk.: d. J): Lukas
Cranach d. J.; Jtynger, der; -s. - [mhd. junger, ahd. jungiro
= Untergebener. Lehrling. Schüler, subst. Komp. zu
Tjung]: 1. einer aus dem zunächst aus zwölf Männern
bestehenden Kreis von Schülern* Anhängern Jesu, die von diesem
berufen wurden u. in seinem Auftrag als Apostel das
Evangelium verkündeten: die zwölf J.; die J. Petrus und Johannes.
2. (geh.) treuer Anhänger. Schüler. Gefolgsmann von jmdm.;
überzeugter Anhänger von jmdm., etw.: Beide sind sie ...
rücksichtslose J. Machiavellis (St. Zweig. Fouche 130);
Sekretär Courreges aber, ein echter J. seines Meisters
(Werfel, Bernadette 420); ein J. der Wissenschaft, der Kunst;
(oft spött.:) der Professor betrat den Hörsaal, gefolgt von
seinen [treuen] -n; Jüngere: t jünger; Jtyngerin. die; -. -nen
(selten): w. Form zu t Jünger (2); Jüngerschaft, die; -
(selten): 1. (oft spött.) Gesamtheit von Jüngern (2): die ganze
J. spendete dem Meister Beifall. 2. das Jünger-,
Anhängersein; Art, Wesen eines treuen, überzeugten Anhängers: ein
Christ .... dem man die J. sozusagen ansieht (Thielicke.
Ich glaube 237); Jungfer ['juofel. die; -, -n [spätmhd. junf-
fer. jonfler, unter Abschwächung des 2. Bestandteils aus
mhd. juncfrou(we), t Jungfrau]: a) (veraltet) junges
Mädchen; [junge] noch nicht verheiratete Frau; Fräulein: eine
schlanke J. öffnete die Tür; J.. es ist Herbst, ist das nicht
wahr? (Hacks. Fünf Stücke 168); in Verbindung mit dem
Namen: J. Martha; J. Kruse; *J. im Grünen ([zu den
Hahnenfußgewächsen gehörende] Zierpflanze mit blauen od.
weißen, von einem Kranz fein zerteilter Blätter umgebenen
Blüten; die von den Blättern umgebene Blüte wird mit
einem Mädchen, das in einem Busch (Hecke. Staude usw.)
sitzt, verglichen); b) (abwertend) ältere, prüde, zimperliche,
unverheiratet gebliebene Frau: sie ist eine richtige [alte]
J.; Sie hat jetzt etwas von einer dünnen, puritanischen,
bösen J. (Remarque. Obelisk 254); <Abl. zu b:> jüngferlich
['JYnfcbf] <Adj.; o. Steig.): vgl. altjüngferlich.
Jyngfern-: -braten, der (Kochk.): Schweinelende, -filet;
Lendenbraten vom Schwein od. von Rotwild; -fahrt, die: erste
planmäßige Fahrt eines Verkehrsmittels, bes. eines Schiffes:
zur J. auslaufen; -flug. der: vgl. -fahrt: Größtes Flugzeug
der Welt startete zum J. (MM 1. 7. 68. 3); -Wichtigkeit.
die (Bot.): (bei Pflanzen, bes. bei Kulturpflanzen wie
Bananen, Weintrauben u.a.) ohne Befruchtung ausgelöste
Entwicklung von Früchten, die keine Samen bilden; Parthe-
nokarpie; -häutchen, das: svw. t'Hymen; -hering, der:
junger Hering vor der Geschlechtsreife; Matjeshering;
-kranich, der: in Sumpf- od. Steppenlandschaften Rußlands
heimischer grauer Kranich mit längeren weißen Federn an
den Seiten des Kopfes u. schwarzer Unterseite des Halses;
-kränz, der (veraltet): svw. t Brautkranz; -rebe, die [viell.
nach dem Herkunftsland Virginia (USA), zu engl, virgin
< lat. virgo (Gen.: virginis) = Jungfrau]: (zu den
Weinrebengewächsen gehörende) Pflanze mit gelappten od.
gefingerten Blättern, dunkelblauen bis schwarzen Beeren, die
in mehreren Arten wegen ihrer auffallend roten Verfärbung
im Herbst als Zierpflanze kultiviert wird; -rede, die: erste
Rede eines Abgeordneten, Parlamentariers vorm Parlament;
-reise, die: vgl. ^fahrt; -wachs, das: gereinigtes gebleichtes
Wachs, bes. von jungen Bienen; -zeugung, die (Bot.):
Fortpflanzung, bei der aus unbefruchteten tierischen od.
pflanzlichen Keimzellen Nachkommen hervorgehen (z. B. bei der
Honigbiene, bei der Nachtkerze); Parthenogenese;
^Zwinger, der (ugs. scherzh.): 1. Wohnheim für Mädchen. 2.
Nonnenkloster.
Jungfernschaft, die; - (seltener): svw. t Jungfräulichkeit (1);
«lyngfernstand, der; -[e]s (veraltet): Status einer noch nicht
verheirateten Frau; das Ledigsein einer Frau.
jungieren UuQ'gi:ran] <sw. V.; hat) [zu lat. iungere =
verbinden] (veraltet): verbinden, verknüpfen.
Jungle-Stil l'dwigl-]. der; -s [engl.-amerik. jungle style, eigtl.
= Dschungelstil] (Musik): (im Jazz) Art zu spielen, bei
der auf den Blechblasinstrumenten mit Hilfe von Dämpfern
u. ä. bestimmte klangliche Effekte (bes. Nachahmung von
Raubtier lauten) erzielt werden.
Jüngling ['JYnlinl. der; -s. -e [mhd. jungelinc. ahd. jungaling.
zu tjung]: a) (geh.. bes. schriftspr.) noch nicht ganz
erwachsener junger Mann: ein intelligenter, edler, schöner J.; Es
ist lange her. ich war noch ein J.. da ... (Kantorowicz.
Tagebuch I. 11); Lila war damals ... kein unerfahrenes
Mädchen. Gantenbein auch kein J. mehr (auch nicht mehr
ganz jung u. unerfahren; Frisch, Gantenbein 468); b) (meist
abwertend, iron.) unreifer, unfertiger junger Mann,
Heranwachsender: Und jetzt ist da ein J. aufgetaucht. Siebzehn.
Ein frecher, schnoddriger Bengel (Hörzu 50. 1972. 109);
miniberockte Teenager - poposchwenkend. kichernd und
von schlaksigen -en verfolgt (Martin. Henker 10);
jünglinghaft: t jünglingshaft.
Jünglings- (Jüngling a; geh.. bes. schriftspr.): -alter, das
<o. Pl.>: vgl. Jugendafter; -jähre <P1.): vgl. Jugendjahre:
hoffnungsvolle J.; -zeit, die: vgl. Jugend (1 a).
Jünglingshaft <Adj.; -er. -este; Sup. ungebr.) (geh.): im
Aussehen, Wesen, in der Art einem Jüngling (a) entsprechend,
für ihn charakteristisch: eine -e Gestalt; -e Träume; seine
nackten Schenkel... sind noch j. (Grzimek, Serengeti 334).
jüngst LiYnst] <Adv.) [mhd. (ze) jungest, ahd. zi jingist;
Sup. zu tjung (4)] (veraltend, bes. noch schriftspr.): vor
noch nicht langer Zeit; vor kurzem, kürzlich, neulich,
unlängst: der j. abgeschlossene Vertrag der Firma Rieckmann
(Herrenjournal 3. 1966, 8); Spuren von j. verschüttetem
Rotwein (Jens. Mann 22); so prophezeite j. der Ausschuß
Tür Wasserentsalzung (Spiegel 48.1965. 161); Jüngste, der
u. die; -n, -n <Dekl. T Abgeordnete): jüngster Sohn jüngste
Tochter: geht eure J. auch schon zur Schule?; unser -r
heiratet nächste Woche; jüngstens [jYnstns] <Adv.)
(veraltet): svw. t jüngst; jtyngsthjn <Adv.> (veraltend): jüngst,
gerade neulich, kürzlich: das hat er j. noch behauptet;
jüngstvergangen <Adj.; o. Steig.; nur attr.) (veraltend): eben erst
vergangen, noch nicht lange zurückliegend: während der
-en Jahre. Monate, Wochen; in -er Zeit.
Juni ['ju:ni]. der; -[sl. -s <P1. selten) [lat. (mensis) Iünius.
zu Ehren der Göttin Juno; Eindeutschung ausgehend vom
Gen. IüniH: sechster Monat des Jahres; vgl. April; <Zus.:>
Junikäfer, der: bes. im Juni u. Juli [auf Brachfeldern u.
Wiesen] schwärmender, dem Maikäfer ähnlicher, aber
kleinerer Käfer.
junior [*ju:niDr, auch: ...jo:^] <indekl. Adj.; nur nachgestellt
hinter Personennamen) [lat. iünior = jünger; der Jüngere):
88 GDW
1393
Junior
dient der Bezeichnung des Sohnes zur Unterscheidung
vom Vater, bes. bei Gleichheit von Vor- u. Zunamen:
der jüngere(Ggs.: senior); Abk.: jr. und jun.: [HansJ Krause
j.; Junior 1-1. der; -s. -en üu'nio:ren]: 1. (Ggs.: Senior 1)
a) <P1. selten) (oft scherzh.) Sohn (im Verhältnis zum
Vater) der Vater spielt mit dem J. Fußball; b) <o. PI.)
(Kaufmannsspr.) jüngerer Teilhaber, Geschäftspartner, bes.
Sohn eines Geschäfts-, Firmeninhabers: das kann der J.
nicht allein entscheiden. 2. (Sport) junger Sportler im Alter
von 18 (u. je nach Sportart) bis 20. 21 oder 23 Jahren:
er startet dieses Jahr noch bei den -en. 3. (meist PI.)
(bes. Werbespr.) Jugendlicher t Heranwachsender (als
Konsument in^der Modebranche) (Ggs.: Senior 3): ein sehr
sportliches Modell für unsere -en; <Abl.:) Juniorst Uunio-
'ra:t], das; -[eis, -e: svw. tMinorat; <Zus.:> Juniorchef,
der (Kaufmannsspr.): (in der Firma mitarbeitender) Sohn
eines Geschäfts-, Firmeninhabers.
Junioren- (Junior 2): Mmumschaft. die: die -en beider Klubs
bestreiten das Vorspiel; Mnetster, der: Gewinner elfter
Juniorenmeisterschaft: -metsterschaft, die: unter den Junioren
einer Sportart ausgetragene Meisterschaft.
Juniorin. die: -. -nen: w. Form zu t Junior (1 b, 2);
Juniorpartner, der; -s, - (Kaufmannsspr.): mit weniger Rechten
ausgestatteter [jüngerer] Geschäftspartner: Jumorreise, die; -.
-n (bes. Werbespr.): organisierte Reise für Jugendliche.
Juniperus Uu'ni.peros], der, -. - [lat. iüniperus] (Bot.): svw.
t Wacholder.
Jungk-art [(&uok|a:£t], die; - [aus engl, junk = Abfall u.
art = Kunst]: moderne Kunstrichtung, bei der vor allem
Abfalle des Konsums in der modernen Zivilisation als
Materialien für Bilder u. Plastiken verwendet werden.
Junker i'junke], der; -s, - [mhd. juncherre = Edelknabe,
Knappe; eigtl. = junger Herr]: 1. (hist.) junger Adliger,
Edelmann: Sohn eines Adligen. 2. (früher, oft abwertend)
adliger Besitzer eines Gutes, Großgrundbesitzer:
Angehöriger des Landadels: ein baltischer, ostelbischer.
konservativer J.; <AbL bes. zu 2:) lynkerhaft, junkerlich <Adj.: o.
Steig.) (veraltend): einem Junker entsprechend, für ihn
charakteristisch, zu ihm gehörend: sein junkerhaftes,
junkerliches Auftreten. Benehmen; Jynkertum. das; -s (veraltend):
1. Art des Daseins, Wesen eines Junkers. 2, Gesamtheit
von Junkern (2). adligen Grundbesitzern: Landadel.
Junkie[d3Aoki].der; -s. -s [engl.-amerik. junkie, zu amerik.
junk = Droge] (Jargon): jrnd., der regelmäßig Rauschgift
nimmt, von Rauschgift, Drogen abliängig ist [u. dadurch
bereits aus seinem sozialen Gefüge herausgefallen ist]:
Drogenabhängiger, Rauschgiftsüchtiger.
Junktim [Junktim], das; -s. -s [subst. aus lat. jünctim =
vereinigt, zu: iungere = verbinden, verknüpfen] (Dipl..
Politik): / wegen innerer Zusammengehörigkeit notwendige!
Verknüpfung zweier od. mehrerer vertraglicher
Abmachungen, Gesetzesvorlagen o. ä.. die nur alle zusammen
beschlossen werden od. Gültigkeit haben können: Sie halten das
J. zwischen Wiedervereinigung und Freiheit für eine
schlechte Politik (Zeit, 19. 6. 64, 24); Damit griff er an
... das J. des Interzonenhandels mit dem ungestörten
Personen- und Güterverkehr nach West-Berlin (Welt II. 1. 64,
1); zwei Verträge in ein J. binden, in einem J. verknüpfen;
<Abl.:> iunktimieren Lionkti'mi:ran] <sw. V.; hat) (bes.
österr.): in einem Junktim verknüpfen, festlegen: das
Problem der Verlängerung der Marktordnungsgesetze, die von
der SPÖ mit der Wiedereinführung des totalen Proporzes
... junktimiert wind (Vorarlberger Nachr. 30. 11. 68, 2);
Kreisky junktimiert, die ÖVP müsse der SPÖ in
schriftlicher Form bestätigen, daß ... (Vorarlberger Nachr. 27.
11. 68. 1); <Zus.:) Jvnktimsvortage, die (Politik): in einem
Junktim festgelegter Gesetzesentwurf: Junktor ['junktor.
auch: ...to:^], der; -s, -en [...to:ran] (Logistik): (durch
bestimmte Zeichen wiedergegebene) logische Partikel, durch
die bestimmte Aussagen zu einer neuen Aussage verbunden,
logisch zusatrunetigesetzt werden (z.B. und. oder, wenn
... dann); Junktur Uook'tu:?], die; -, -en [lat. iünctüra
= Verbindung. Gelenk]: 1. (veraltet) Fuge, Verbindung.
2. (Med.) Verbindung zwischen benachbarten Knochen des
Skeletts (z.B. Gelenk. Verbindung aus Bindegewebe.
Knorpel).
Juno üu'no:. auch: 'ju:no]. der; -[s], -s <P1. selten): aus
Gründen der Deutlichkeit gesprochene Form von Juni.
iunonisdi üuno:niJ1 <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [nach der
altröm. Göttin Juno] (geh.): von stattlicher, üppiger, erhabe-
i
ner Schönheit: der Göttin Juno ähnlich: hehr, erhaben: eine
-e Gestalu -e Schönheit.
Junta ['xonta. auch: 'Junta], die; -. ...ten [span. Junta =
Vereinigung. Versammlung. Rat. Kommission, subst.
Fem. von: junto = vereinigt, verbunden < lat. iünetus,
zu iungere, t Junktim]: 1. (bes. in Lateinamerika)
Verwaltungsbehörde, Regierungsausschuß, Staatsorgan (mit
zeitlich begrenzter Macht, Gewalt]. 2. kurz für t Militärjunta.
Jüpchen [jy:P93n], das; -s. - [zu t Joppe u. t Jupe] (landsch.):
(gestricktes, gehäkeltes] Jäckchen für Säuglinge,
Kleinkinder: Jupe Uy:pl. die; -. -s, auch: der; -s. -s [frz. jupe <
aital. giuppa = Jacke. Wams < arab. feubba =
baumwollenes Unterkleid]: 1. (Schweiz.) Damenrock. 2. (früher)
bis zu den Knöcheln reichender Unterrock mit Korsage.
Jupiterlampe © [ju:pite-]. die; -. -en [nach der Berliner
Firma ..Jupiterlichl"]: sehr starke elektrische Bogenlampe,
die bes. bei Film- u. Fernsehaufnahmen, bei der Beleuchtung
auf der Bühne u. bei Operationen verwendet wird.
Jupon [sy'pö:]. der; -ls], -s (frz. jupon, zu: jupe. tJupe]:
1. (früher) eleganter, aus Taft, Seide gearbeiteter, bis zu
den Knöcheln reichender Unterrock. 2. (Schweiz.) Unterrock.
Muni [ju:ra] <o. Art.) [lat. iura, PI. von: iüs, t 'Jus]:
Rechtswissenschaft als Studienfach: er will J. studieren, hat sich
für J. entschieden.
2Juni [-]. der; -s [nach dem frz.-schweiz.-südd. Gebirge <
lat. (möns) Iura] (Geol.): erdgeschichtliche Formation des
Mesozoikums (dieLias, 'Dogger u. Malm umfaßt): <Zus.:)
Juraformation, die: svw. f 2Jura; Jurament Uura'ment], der,
-s. -e (Kurzwort aus ]2Jura u. tZement]: Kunststein aus
Kalkzement u. Schlackenrückständen von Ölschiefer.
iura novit curia [ju:ra no:vit 'ku:ria; lat. = das Gericht
kennt das (anzuwendende) Recht] (Rechtsspr.): alte, im
deutschen Zivilprozeß gültige Rechtsformel, die besagt, daß
das geltende Recht dem Gericht von den streitenden Parteien
nicht vorgetragen werden muß, es sei dehn, daß es sich
um dem Gericht unbekanntes fremdes Recht handelt.
iurare in verba magistri Uu'ra:ro in verba ma'gistri; lat.
= auf des Meisters Worte schwören; nach der Stelle in
den ,.Episteln" (I. 1. 14) des röm. Dichters Horaz (65-8
v. Chr.)] (bildungsspr.): die Meinung eines anderen
nachbeten.
jurassisch [jurasil] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (Geol.):
den 2Jura betreffend, zu ihm gehörend.
iuridiseb üu'ri:dij] <Adj.; o. Steig.) Izu lat. iüridicus] (österr..
sonst veraltend): svw. t juristisch: in der Fülle -er Ausdrük-
ke (Seidler. Stilistik 307); der Lehrbetrieb einer Fakultät,
nämlich der -en (Presse 16. 1. 69, 8); jurieren Uu'rtran)
<sw. V.; hat) [zu t Jury]: a) in einer Jury (1 a) mitwirken:
als deren Mitglied etw. beurteilen, eine Entscheidung fallen,
ein Urteil abgeben: bei dem Wettbewerb jurieren
Preisrichter aus sechs verschiedenen Ländern; b) als Mitglied einer
Jury (1 b) Werke für eine Ausstellung, für Filmfestspiele
o.a. auswählen, zusammenstellen: <Abl.:) Jurkrung, die;
-, -en: das Jurieren: Jurisdiktion [...dtk't$io:n], die; -, -en
(PI. selten) [lat. iürisdictio = Zivilgerichtsbarkeit]: 1.
(bildungsspr.) Rechtsprechung, Gerichtsbarkeit:
Gerichtshoheit: jede J. aber sollte angewandter Moral entsprechen
(Noack. Prozesse 102); ... daß ein deutscher Kanzler
Deutschen jenseits seiner J. Befreiung versprach (Augstein.
Spiegelungen 20). 2. (kath. Kirche) Vollmacht, Recht des
Klerus zur Leitung der Mitglieder der Kirche (mit den
Funktionen Gesetzgebung. Rechtsprechum. Verwaltung):
die protestantischen Staaten entzogen sich der päpstlichen
J. (Fraenkel. Staat 156); Jurisprudenz [...pru'dentßl. die;
- [lat. iuris prüdentia, zu: iüs (t'Jus) u. prüdentia -
Einsicht. Klugheit. Wissenschaft] (bildungsspr.): svw.
t Rechtswissenschaft: J. studieren;... wird in der deutschen
J. ... Gesellschaft als Zusammenfassung aller
Erscheinungen des menschlichen Zusammenlebens außerhalb des
Staates verstanden (Fraenkel. Staat 108); Jurist üunst].
der; -en, -en [mlat. iurista, zu lat. iüs. t 'Jus]: jrnd., der
Rechtswissenschaft studiert, das Studium der
Rechtswissenschaft mit dem Staatsexamen abgeschlossen hat: die Hörsäle
der -en: die beiden -en sind als Rechtsanwälte in der
Wirtschaft tätig; du mußt dich von einem guten -en beraten
lassen; <Zus.:> Juristendeutsch, das (oft abwertend): durch
komplizierte, pedantisch genaue u. oft weitschweifige
Formulierungen gekennzeichnete, schwerverständliche
Ausdrucksweise der Juristen.
Juristerei Lfunstor^j], die; - [dt. Bildung zu t Jurist]: Rechts-
1394
Justiz-
wissenschaft. Rechtsprechung; Studium der
Rechtswissenschaft; Tätigkeit, berufliche Beschäftigung der Juristen; er
will das Studienfach wechseln, die J. macht ihm keinen
Spaß mehr; das Grundlagenwerk aller J. (Börsenblatt 97.
1967, 7028); Jurjstisdi <Adj.; o. Steig.): a) <nur attr.) die
Rechtswissenschaft, die Rechtsprechung, die Juristerei
betreffend, auf ihr beruhend, zu ihr gehörend;
rechtswissenschaftlich: ein -esGutachten; eine -e Abhandlung,
Untersuchung; eine -e Ausbildung, Laufbahn; die -e Fakultät einer
Universität; eine -e Staatsprüfung; -e Instanzen; b) den
Vorschriften. Gesetzen der Rechtswissenschaft, der
Rechtsprechung genau entsprechend, sie einhaltend; mit den Mit-
teln. Möglichkeiten der Rechtswissenschaft, ihre Mittel
anwendend, einsetzend: -e Argumente; mit -er Exaktheit; -e
Spitzfindigkeiten, Finessen; j. argumentieren, denken;
Juror ['ju:ror, auch: ju:ro:g]. der; -s. -en Uu'ro:ran] <meist
PI.) [engl. Juror, t Jury]: Mitglied einer Jury (1): die -en
vergaben den ersten Preis an einen Franzosen; die -en
haben noch nicht entschieden, ob das Werk in die
Ausstellung aufgenommen wird oder nicht; <Zus.:>
Jurorenkomitee, das; -s. -s (österr.): svw. tJury (1); Jurorin, die; -.
-nen: w. Form zu t Juror.
Jurte [jorto]. die; -. -n [russ. jurta]: zerlegbares, rundes
mit Filzdecken belegtes Zelt der Nomaden in West- u.
Zentralasien.
Junik, Yürik Uy'ry:k). der; -[sl. -s [türk. yürük. eigtl. =
Nomade]: langfloriger kleinerer türkischer Teppich aus
feiner, glänzender Wolle.
Jury [sy'ri:. auch: 3y:ri:. 'ctsuiri. ju.ri]. die; -. -s [unter
Einfluß von frz. jury < engl, jury < altfrz. juree =
Versammlung der Geschworenen, zu lat. iüräre =
schwören]: 1. a) Ausschuß. Kollegium von Fachleuten.
Sachverständigen als Preisrichter bei sportlichen, künstlerischen
Wettbewerben, bei Quizveranstaltungen o. ä.: beim
Dressurreiten hat die J. sehr streng gewertet; der Deutsche
Jugendbuchpreis - vom Staat dotiert und von einer unabhängigen
Jury verliehen (Welt 14. 11.64,17); b) Ausschuß. Kollegium
von Fachleuten. Sachverständigen, die Werke für eine
Ausstellung, für Filmfestspiele o. ä. auswählen,
zusammenstellen: Die J. bestand aus einem Gremium von 12
hervorragenden Museumsdirektoren und Kuratoren (Fotomagazin
8. 1967, 26). 2. (in angelsächsischen Ländern)
Versammlung. Kollegium der Geschworenen bei Prozessen des
Schwurgerichts; <Zus.:)huyfrei <Adj.; o. Steig.; nichtadv.):
nicht von Fachleuten zusammengestellt: eine -e Ausstellung;
!Jus Uu:s], das; - (meist o. Art.) [lat. iüs = Recht, vgl.
'Jura] (österr., Schweiz., sonst veraltend): svw. t !Jura: Ich
habe schließlich einmal zwei Semester J. studiert
(Dürrenmatt. Meteor 35); J. divinum [- di'vi:nom] (Rel.; göttliches
Recht, der auf menschliches Verhalten bezogene göttliche
Wille): J. gentium [- gentium] (bildungsspr.; Völkerrecht);
J. naturale [- natu' rab] (bildungsspr.; Naturrecht); J.primae
noctis [- pri.me noktis] (bildungsspr.; lim MA.
gelegentlich bezeugtesj Recht eines Grundherrn auf die erste Nacht
mit der neuvennählten Frau eines Hörigen. Leibeigenen).
2Jus foy:], die; -. bes. südd. u. Schweiz, auch: das; -. bes.
Schweiz.: der; - [frz. jus = Saft, Brühe < lat. iüs; vgl.
Juice]: 1. durch Kochen von Fleisch gewonnener
Ikonzentrierter, eingedickter] Fleischsaft; Bratensaft. 2. (Schweiz.)
Frucht-. Gemüsesaft.
Juso [ju:zo], der; -s. -s: Kurzwort für: t Jungsozialist.
Jussiv ['josi:fl. der; -s. -e [...i:va; zu lat. iussus = Befehl.
Geheiß] (Sprachw.): Imperativisch gebrauchter Konjunktiv
(z. B. er lebe hoch!).
just üost] <Adv.) [lat. iüste = mit Recht, gehörig; gerade.
Adv. von: iüstus = gerecht; richtig, zu: iüs. t 'Jus]
(veraltend, öfter noch scherzh.): gerade, genau, eben: j. in diesem
Augenblick; j. an jenem Tag; das wäre j. das Richtige
gewesen (Frisch. Stiller 309); Und j. (ausgerechnet) dieser
Mann gefiel meiner lieben alten Mutter (Roth.
Kapuzinergruft 111); justament Uustament] <Adv.) [frz. justement]
(veraltet): gerade, genau; nun gerade, erst recht: j. in
diesem Augenblick; seine Fähigkeit, zu lächeln, hatte sich
j. im rechten Mundwinkel festgesetzt (Roth. Radetzky-
marsch 241); Ich lasse mir aber nun einmal nicht abraten.
Justament nicht (Kisch. Reporter 18); <Zus.:> Justa-
ment[s]standpunkt, der (österr.): Standpunkt, den jmd. aus
Gründen des Prestiges, aus Prinzip, aus Trotz nicht aufgibt,
obwohl keine sachlichen Gründe [mehr] dafür sprechen:
Es sieht deutlich nach Prestigefrage und J. aus. nicht nach
echtem Willen, die objektiv und technisch-finanziell
optimalste Lösung zu suchen (Vorarlberger Nachr. 18. 11.
68); Juste-milieu teystmi'lte], das; - [frz. juste-milieu =
Mittelweg, aus juste = recht, richtig (< lat. iüstus, t just)
u. milieu = Mitte; nach 1830 Schlagwort für die den
Ausgleich suchende, kompromißbereite Politik von König
Louis Philippe von Frankreich (1773-1850)] (bildungsspr.
selten): laue Gesinnung; Justieren Uos'ti:ren] <sw. V.; hat)
[mlat. iustare = berichtigen, zu lat. iüstus. t just]: 1.
(Technik. Physik) (von technischen Geräten. Einrichtungen.
Maschinen o.a.. für deren einwandfreies, präzises Funktionieren
exakte Einstellung Voraussetzung ist) [vor Gebrauch] genau
einstellen, einrichten: ein Meßgerät, eine Waage j.; Das
dritte Geschütz sollte neu justiert werden (Kirst. 08/15.
330). 2. (Druckw.) a) Druckstöcke auf Schrifthöhe bringen;
b) beim Umbruch allen Kolumnen eines Werkes die gleiche
Höhe geben; den in Spalten gesetzten Satz auf gleiche
Seitenhöhe bringen. 3. (Münzk.) das gesetzlich
vorgeschriebene Gewicht einer Münze kontrollieren; <Abl.:) Justier.
der; -s. -: jmd.. der justiert; Fachmann, der beruflich mit
dem Justieren von etw. beschäftigt ist. Justierung, die; -.
-en; <Zus.:) Justkrwaage. die: svw. t Münzkontrollwaage;
Justifikation Uostifika't$io:n]. die; -. -en [lat. iüstificätio
= Rechtfertigung]: 1. (bildungsspr.) das Justifizieren (1).
Rechtfertigung. 2. (selten) das Justifizieren (2). Justifikatur;
Justifikatur [...ka'tu:?]. die; -. -en [zu spätlat. iüstificätus
= gerechtfertigt] (selten): das Justifizieren (2);
Genehmigung einer Rechnung nach erfolgter Prüfung; Justifizieren
[...'tsi:ran] <sw. V.; hat) [lat. iüstificäre = rechtfertigen]:
1. (bildungsspr.) rechtfertigen: Wie schon gesagt, läßt sich
Gaisers ..demotisches" Deutsch auch nicht als Applikatur
verschiedener ..Stimmen" j. (Deschner, Talente 58). 2.
(selten) die Richtigkeit einer Rechnung nach erfolgter
Prüfung anerkennen; nach Prüfung genehmigen.
Justitia Uus'ti:y>ia], die; - [lat. Jüstitla. Name der röm.
Göttin des Rechts, der Gerechtigkeit, zu: iüstitia, t Justiz]
(geh.): Verkörperung. Personifizierung. Sinnbild der
Gerechtigkeit, des Rechts; als Person gedachte Gerechtigkeit: bei
diesem Handel war J. nicht zugegen; vor dem
Gerichtsgebäude stand eine J. (eine figürliche Darstellung, eine Plastik
der Justitia) mit verbundenen Augen und einer Waage
in der Hand; justitiabel Liusti't$ia:bl] <Adj.; o. Steig.; nicht
adv.) [frz. justiciable < mlat. justitiabilis] (bildungsspr.):
gerichtlich belangbar; von einem Gericht aburteilbar;
richterlicher Entscheidung, einer Gerichtsbarkeit zu unterwerfen:
nicht mehr justitiable Straftaten; nicht alles ist j.
Justitiar [...'tßia:g]. der; -s, -e [mlat. justitiarius = Richter.
Amtmann; t Justiz]: 1. für alle Rechtsangelegenheiten
zuständiger Mitarbeiter eines Unternehmens, einer Behörde,
eines Verbandes o.a.: Hier war er J. im Preußischen
Innenministerium (Welt 17. 10. 64. 2). 2. (bist.) Gerichtsherr
in der Patrimonialgerichtsbarkeit; Justitiariat [...|£ia'iia:t],
das; -[e]s, -e: Amt eines Justitiars (1); justitiell [...'tßjel]
<Adj.; o. Steig.) [zu mlat. justitialis]: die Justiz betreffend,
zu ihr gehörend, mit ihrer Hilfe [ erfolgetul]: Hektik herrscht
nun plötzlich auch bei der -en Behandlung von
Verteidigern, die ... verdächtigt werden (Spiegel 25. 1975. 59);
Justitium Uos'ti:tßium], das; -s. ...ien [...jdn; lat. iüstitium.
zu: iüs = Recht u. statum (in Zus.: -stit-), 2. Part, von:
sistere = stillstehen, stehenbleiben] (jur.): Unterbrechung
der Rechtspflege infolge außerordentlicher Ereignisse (z. B.
Krieg); Justiz Uus'ti:^]. die; - [zu lat. iüstitia =
Gerechtigkeit, Recht]: 1. Rechtswesen, -pflege; Rechtsprechung;
rechtsprechende Gewalt in einem Staat: J. - das ist immer noch
ein wenig Inquisition, ein wenig Hexenverbrennung
(Noack. Prozesse 5); Möglich, daß in Bayern die J.
besonders bösartig und verbohrt gehandhabt wurde (Feuchtwan-
ger. Erfolg 800). 2. Behörde. Gesamtheit der Behörden,
die für die Ausübung der Justiz (1). für Einhaltung der
Rechtsordnung verantwortlich ist. sie gewährleistet: ein
Vertreter der J.; nachdem ich dich der Fürsorge der J.
empfohlen habe (Fallada. Herr 203); jmdn. der J. ausliefern.
Justiz-: ^angestellte der u. die: jmd.. der bei einer
Justizbehörde für die Ausführung von Büro- u. Verwaltungsarbeiten,
sachbearbeitenden Tätigkeiten o. ä. angestellt ist; -beamte.
der: bei einer Justizbehörde tätiger Beamter des mittleren
u. gehobenen Dienstes; -behörde. die: vgl. Justiz (2);
^Hoheit, die (seltener): svw. t Gerichtshoheit; -irrtim. der:
Fehlentscheidung eines Gerichts, gerichtliches Fehlurteil: ein
folgenschwerer, furchtbarer J.; Opfer eines -s werden; Mni-
88*
1395
Jute
)
nister, der: Jiir die Justiz (1) zuständiger Minister; -ministe-
rium, das; Miiord, der: Verurteilung eines Unschuldigen
zum Tode auf Grund eines gerichtlichen Fehlurteils,
fehlerhaften Gerichtsurteils: Vollstreckung des Todesurteils an
einem unschuldig Verurteilten: Mrat. der (früher): a) an
Richter, Rechtsanwälte u. Notare verliehener Titel: b)
Träger dieses Titels: ^Verwaltung, die: Verwaltung der Gerichte.
Staatsanwaltschaften u. bestimmter anderer Justizbehörden;
^volhugsanstalt, die (Amtsspr.): Gefängnis. Strafanstalt.
Jute [ju:td]. die; - [engl, jute < bengal. ju(o]: in tropischen
Gebieten wachsende, oft mehrere Meter hohe Pflanze, deren
Stengel Bast enthält u. die zur Gewinnung von Bastfasern
angebaut wird. 2. aus dem Stengel der Jutepflanze gewonnene
Bastfaser, die bes. zur Herstellung von Garnen. Säcken,
Seilwaren. Rupfen o. ä. verwendet wird.
Jute-: -faser, die: svw. T Jute (2): -garn, das: aus Jute (2)
hergestelltes Garn; -pflanze, die: svw. f Jute (1); -sack,
der: Sack aus Jute (2).
hivenalbch Uuvena:liJ] <Adj.) [nach dem röm. Satiriker
Juvenal (etwa 58 bis 127 n.Chr.)! (bildungsspr.): satirisch,
spöttisch; von beißendem Spott.
juvenalisieren LJuvenali'zi:i?n] <sw. V.; hat) [mit
französierender Endung zu lat. iuvenälis = für Junge Leute, zu:
iuvenis. T Juvenat] (bildungsspr. selten): am Stil. Geschmack
der Jugend orientieren; <Abl.:> Juvenaüsjerung, die; -. -en;
Juvenat Uuvena:t]. das; -[e]s. -e [zu lat. iuvenis = jung;
Jüngling] (früher): katholisches Schülerheim.
Internatsschule bes. für jmdn.. der in einen Orden eintreten will; iuvenil
[...'nirll <Adj.; o. Steig.) [frz. juvenil < lat. Juvenilis]: 1.
(meist attr.) (bildungsspr.) jugendlich (2 a), für junge
Menschen, für das Jugendalter charakteristisch: eine einheitliche
Lebensform, die deutlich -e Züge trägt (Börsenblatt 24,
1971,1880); Was dem düpierten Rezensenten als -er Avant-
gardismus erschien (Deschner. Talente 215). 2. (nicht adv.)
(Geol.) direkt aus dem Erdinnern stammend, aufgestiegen:
-es Wasser; -e Quellen, Thermen, Gase; -es Magma; Juveni-
Itamus [...ni'lismos], der; - (Psychol.): 1. jugendliche
Entwicklungsstufe. 2. das Stehenbleiben der seelischen
Entwicklung auf einer jugendlichen Stufe; abgeschwächte Form des
Infantilismus; Juvenilität [...nili't£:t], die; - [frz. juv6nilit£
< lat. iuvenflitäs] (bildungsspr.): Jugendlichkeit:
jugendliches Wesen. Verhalten; Juvenihvasser, das; -s (Geol.):
juveniles Wasser.
juvivallera Uuvi'valara. auch: ...fa...] (Interj.): (in
Volksliedern vorkommender) Ausruf der Freude, des Jubels.
'Juwel üu've:l], das, auch: der; -s, -en (meist PI.) [unter
Einfluß von mniederl. juweel < altfrz. joel. zu lat. iocus
= Spaß. Scherz; also eigtl. = Kurzweiliges. Scherziges]:
wertvoller Edelstein, Schmuckstein: kostbares
Schmuckstück: funkelnde, blitzende -en; ein seltenes J.; sie trägt
viele -en; das Gewand des Priesters war mit -en besetzt.
2Juwel [-], das: -s, -e: Person od. Sache, die für jmd. bes.
wertvoll ist. von jmdm. bes. geschätzt, bes. hoch geachtet
wird: ihre Großmutter ist ein wahres J.; sie ist ein J.
von einer Köchin (ist eine sehr tüchtige Köchin); diese
Kirche ist ein J. gotischer Baukunst; (Abi.:) Juwelier Uuve-
'11:?], den -s. -e: jmd.. der [als ausgebildeter Goldschmied.
Uhrmacher o.a.] mit Schmuckwaren u.a. handelt.
Juwelier-: -arbeit, die: Goldschmiedearbeit; -geschäft, das:
Geschäft. Laden eines Juweliers; Schmuckwarengeschäft;
-laden,der: vgl. ^geschäft; -waren (PL): Schmuck.
Gegenstände aus Edelmetall u. ä.. mit denen in Juweliergeschäften
gehandelt wird.
Jux Uüksl. der; -es. -e (PI. selten) [durch Entstellung <
lat. iocus = Scherz] (ugs.): Spaß. Scherz. Ulk: das war
doch alles nur [ein] J.; er macht gem einen J.; Vielleicht
hat sich jemand einen J. mit uns gemacht (Musil, Mann
1223); man darf das nicht nur als J. betrachten; er hat
es nur aus J. (zum Spaß) gesagt; *aus [lauter] J. und
Tollerei (ugs.; nur so zum Spaß, aus lauter Übermut): er
hat es aus lauter J. und Tollerei kaputtgemacht; ich sage
das nicht nur aus J. und Tollerei; (Abi.:) luxen t'juksn]
(sw. V.; hat) (ugs.): Spaß. Spaße machen, ulken: eine Art
von Lustigkeit ergriff die Brüder bei dieser Fahrt .... so
daß sie lachten und juxten (Th. Mann. Joseph S65); Juxig
fjuksi^] (AdJ.) (ugs.): spaßig, lustig; voller Ulk: die -en
Lieder der beliebten Gonsbachlerchen (Hörzu 8,1973,85).
Juxta [juksta], die; -. ...ten, österr.: Juxte [joksto], die;
-. -n [zu lat. iüxtä = dicht, daneben]: meist an der linken
Seite von kleinen Wertpapieren, Lottozetteln, Losen o.a.
befindlicher Streifen, der zur Kontrolle abgetrennt u.
zurückbehalten werden kann; JuxtakompQsitun, das; -s, ...ta: svw.
tJuxtapositum: Juxtaposition, die; -. -en: 1. (Sprachw.)
a) Zusammenrückung der Glieder einer syntaktischen
Fügung (als besondere Form der Wortbildung; z. B. ein achtel
Liter zu: ein Achtelliter, viele Jahre lang zu: jahrelang);
b) bloße Nebeneinanderstellung im Unterschied zur
Komposition, zur Zusammensetzung (z. B. engl, football game =
Fußballspiel). 2. (Mineral.) Ausbildung von zwei
miteinander verwachsenen Kristallen, die eine Fläche gemeinsam
haben. Juxtapositum[...'po:zitom], das; -s. ...ta (Sprachw.):
durch Juxtaposition (1 a) entstandene Zusammensetzung
(z.B. Dreikäsehoch, jahrelang); Juxte: tJuxta.
jwd Lbtve:'de:] (Adv.) [aus berlin. ianz weit draußen] (ugs.
scherzh.): sehr weit entfernt gelegen, weit draußen, ganz
außerhalb [undnicht einfach, nicht ohne großen Zeitaufwand
zu erreichen]: er ist in einen Vorort gezogen, das ist jwd;
sie wohnen jwd.
k, K [ka:, ta. AI. das; -. - [mhd., ahd. k. c]: elfter Buchstabe
des Alphabets, ein Konsonant: ein kleines k. ein großes
K schreiben.
k. K: fKappa.
kaaken [*ka:kn] (sw. V.; hat) [aus dem Niederd. < mnie-
derd. käken = (Speisen) zubereiten. (Fisch) ausnehmen]
(landsch.): (von Heringen) ausnehmen.
Kabache [ka'baxa]. Kabacke [ka'bakd]. die: -. -n [niederd..
ostmd.; viell. zu russ. kabak = Schenke. Kneipe od. zusgez.
aus Kabine bzw. Kabuse u. Baracke; H.u.]: a) primitive
Hütte; b) anrüchige Kneipe.
Kabale [ka'ba:b], die; -. -n [frz. cabale. eigtl. = jüdische
Geheimlehre; vgl. Kabbala] (veraltend): Intrige;
hinterhältiger Anschlag: Eine Verschwörung, eine heimliche K.
begann (Goldschmit. Genius 82); das Opfer gemeiner
K. und eigener Hybris (K. Mann. Wendepunkt 33); Itaba-
lieren [kaba'li.ran]. kabalisieren [...li'zi:ran] (sw. V.; hat)
[frz. cabaliser = Kabbalistik treiben] (veraltet): intrigieren:
man kann nicht Übersetzungen erwirken und verhindern,
Artikel unterschlagen, man kann nicht k.. intrigieren
(Deschner. Talente 348): Kabalist [...list], der; -en. -en
(veraltet): heimtückischer Gegner, Intrigant.
Kabanossi, (auch:) Cabanossi [kaba'nosi], die; -. - (H. u.]:
i fingerdicke ] stark gewürzte italienische Wurst.
Kabarett [kaba'rct. auch: 'ka.... österr.: ...re:]. das; -s. -s
u. (bei eingedeutschter Ausspr. auch:) -e. Cabaret [...'re:.
auch: ka...]. das; -s. -s [frz. cabaret. eigtl. = Schenke.
Trinkstube; auch: Tee-. Trinkgeschirr. H. u.]: l.a) Form
künstlerischer Darbietung auf der Bühne, bei der mit Sketchs
u. Chansons in parodistischer, witziger Weise politische
Zustände od. aktuelle Ereignisse kritisiert werden: das
politische, literarische K.: in den zwanziger Jahren erlebte das
K. eine Blütezeit; b) kabarettistische Darbietung;
Aufführung eines Kabarettensembles: K. machen: ins K. gehen;
c) Ensemble, das Kabaretts da) aufführt: heute abend
gastiert ein tschechisches K. 2. [drehbare] mit kleinen
Fächern od. Schüsselchen versehene Salat- od. Speiseplatte;
Kabarettier [...re'Ue:]. der. -s. -s [frz. cabaretier. eigtl. =
Kneipenwirt]: Besitzer od. Leiter eines Kabaretts (1);
Kabarettist [...re'tist]. der; -en. -en: Künstler, der Stücke für
1396
Kabinetts-
ein Kabarett schreibt u./od. bei der Aufführung mitwirkt:
ein bekannter K.; kabarettistisch <Adj.>: in der Art eines
Kabaretts (1 a): eine -e Parodie; ein Stück mit -en Szenen.
Kabfiuschen [ka'bqys<pn]. das; -s. - [zu t Kabuse] (landsch.):
recht kleines Zimmer od. Häuschen: der Parkwächter sitzt
den ganzen Tag in seinem K.
Kabbala [kabala. auch: —'-]. die; - [hebr. qabb^h =
Überlieferung]: a) stark mit Buchstaben- u. Zahlendeutum
arbeitende jüdische Geheimlehre u. Mystik, vor allem im
MA.: b) auf der Kabbala (a) aufbauende esoterische u.
theosophische Bewegung im Judentum: Kabbaiist [...'hst],
der; -en. -en: Anhänger der Kabbala: Kabbalfstik, die; -:
Lehre von der Kabbala, besonders Magie mit Buchstaben
u. Zahlen: kabbalistisch <AdJ.>: 1. die Kabbala betreffend:
die -e Lehre, Mystik. 2. geheimnisvoll: [für Uneingeweihte]
unverständlich: Diese Muster zeigen so bestimmte geradezu
-e Linien (Zuckmayer. Magdalena 16).
kabbel [kabl; zu tkabbeln] in der Verbindung k. gehen
(Seemannsspr.; kabbelig sein): Kabbelei [kaba'l^j], die; -.
-en: kleiner, harmloser Streit: Wortgefecht: harmlose,
ständige -en zwischen den Kindern; IG-Metall in Hannover
K. an der Basis (Spiegel 39. 1974. 42); kabbelig [kaboli^]
<Adj.> (Seemannsspr.): (von der See) ungleichmäßig
bewegt, auf Grund von gegeneinander laufenden Wellen: Hoch
steigt die schäumende Bugwelle, -e See (MM 24. 6. 69,
10); kabbeln ['kabjn] <sw. V.; hat) [1: mniederd. kabbelen:
2: (niederd.) Wellen schlagen, gegeneinander laufen (von
Wellen)]: 1. <k. + sich) (nordd.) sich - wenn auch nicht
sehr heftig - streiten: ich kabbele mich oft mit ihr; Immer
häufiger kabbelten sich Vertrauensleute mit den
Betriebsräten und den Arbeitnehmervertretern in den
Aufsichtsräten (Spiegel 39. 1974. 42). 2, (Seemannsspr.) kabbelig sein:
die See kabbelt; <Zus.:> K«bbelsee. die: kabbelige See:
Kqbbelung. die; -. -en (Seemannsspr.): a) Stelle mit
kabbeliger Bewegung der See: b) kabbelige Bewegung der See.
Itabel fkarbfl. das; -s. - [mhd. kabel = Ankertau. Schiffsseil
< frz. cäble. H. u.]: 1. biegsame, isolierte elektrische Leitung
(meist aus mehreren gegeneinander isolierten Drähten
bestehend): ein dreiadriges Kabel; ein K. verlegen, an ein Gerät
anschließen. 2. starkes Drahtseil, Stahltrosse: das K. der
Seilbahn ist gerissen; die Brücke hängt an -n. 3. (veraltet)
Telegratnm [nach Übersee]: ein K. schicken; So blieb uns
denn nichts anderes übrig, als ein zweites K. loszulassen,
noch munterer als das erste (K. Mann. Wendepunkt 161).
Itabel [-], die; -, -n [mniederd. kavele = Los. eigtl. =
bearbeitetes Stück Holz zum Losen] (nordd. veraltet):
Gewinnanteil, Losgewinn.
Kgbel- ('Kabel): -ader, die: svw. tAder (3e); -bäum, der
(Elektrot.): Bündel von isolierten Drähten, das alle
Anschlüsse, die zu einem Gerät gehören, enthält: -bericht, der
(veraltend): telegrafisch übermittelter Bericht: aus einem K.
unseres Korrespondenten: -brand, der: Brand, der in defekten
od. überlasteten Kabeln (1) durch Überhitzung entsteht:
-broch, der: Bruch (stelle] in einem Kabel (1); -dienst,
der (veraltend): Telegrammdienst / nach Übersee]: -draht,
der: Draht für elektrische Kabel: -fernsehen, das:
Übertragung von Fernsehprogrammen mit Hilfe von Kabeln: -garn,
das (Seemannsspr.) [mniederd. käbelgärn]: starker Faden
aus Hanf* aus dem Tauwerk gemacht wird: MPitlt], das
(Seemannsspr.): (auf Schiffen) Raum zur Aufbewahrung
von Tauwerk: -klemme, die (Elektrot.): Verbindungsstück
für elektrische Kabel: -kord, der: Kordstoff mit breiten
Rippen: -kran, der: Kran, bei dem Güter mit Hilfe eines
Seils befördert werden, das zwischen zwei Türme gespannt
ist: -länge, die (Seew.): nautisches Längenmaß von '/m
Seemeile: -leger, der: Spezialschiff mit dem Kabel im Meer
verlegt werden: -leiüaig, die: elektrische Leitung aus
Kabeln: -mantel. der: isolierende Hülle um ein Kabel: -moiv
teur. der: Handwerker, der Starkstromleitungen,
Fernmeldekabel o.a. verlegt (Berufsbez.); -muffe, die (Elektrot.):
svw. t Muffe; -nadiricht, die (veraltet): telegrafisch
übermittelte Nachricht: -rolle, die: / große] Rolle mit
aufgerolltem Kabel (1); -schiff, das: svw. t-leger; -schlag, der
(Seemannsspr.): bestimmte Art, in der ein Kabel (2) aus
mehreren Kardeelen zusammengedreht wird: -seht*, der
(Elektrot.): Metallteil, mit dem ein Kabel (\)an ein
elektrisches Gerät angeschlossen wird: ^tau. das (Seemannsspr.):
svw. t Kabel (3); -telegramm, das (veraltet): vgl. -nach-
richt; -trommel, die: trommelartige Vorrichtung zum
Aufrollen von l Verlängerungs]kabeln: -trosse, die: svw. t Kabel
(2); -vision, die; -: svw. t ^fernsehen; ^wort, das (veraltet):
vgl. -nachricht; -zug, der: rundes Kabel an Skibindungen,
mit dem der Skischuh am Ski befestigt wird.
Kabeljau ['ka:bjjw], der; -s, -e u. -s [mniederd. kabelow,
kabbelouw < mniederl. cabbeliau, H.u.]: bes. im
Nordatlantik heimischer, großer, olivgrün gefleckter Raubfisch,
der als Speisefisch meist in Form von Filets verwendet wird:
<Zus.:> KgbeUaufilet, das.
'kabeln l'ka.bjn] <sw. V.; hat) [zu 'Kabel] (veraltend): [eine
offizielle Nachricht] nach Übersee telegrafieren: die
Börsenkurse nach New York k.
fabeln [-] <sw. V.; hat) [zu ^abel] (nordd. veraltet):
verlosen, auslosen.
Kabine [ka'bi:ns], die; -, -n [frz. cabine < engl, cabin <
afrz. cabane. aprovenz. cabana < spätlat. capanna =
Hütte (der Weinbergshüter)]: l.a) Wohn- u. Schlafraum
für Passagiere auf größeren [ Fahrgast ] schiff en: eine
luxuriöse K.; b) Fahrgastraum eines Passagierflugzeugs:
der Pilot ... schaute durch eine kleine Glasscheibe in die
K. (Baum. Paris 155). 2.a) kleiner, abgeteilter Raum zum
Umkleiden in Badeanstalten, Sportstätten o. ä.: Bade-,
Umkleidekabine: eine K. nehmen; keine K. mehr bekommen;
die Kleider in der K. lassen; In der K. versuchte Trainer
Brocker. dem Sieg der Dortmunder den Glanz zu nehmen
(Welt am Sonntag 5. 12. 65. 9); b) kleiner, abgeteilter
Raum, kleines Häuschen für verschiedene Zwecke: alle -n
(beim Friseur) sind besetzt; In der Nähe der Ausgänge
zum Vorfeld waren transportable-n aufgebaut worden
(Cotton, Silver-Jet 5); von einer öffentlichen K. aus
telefonieren. 3. Gondel einer Seilbahn o. ä.
Kabinen-: -bahn, die: Seilbahn, bei der die Fahrgäste in
am Seil hängenden Kabinen befördert werden: ^koffer, der:
großer, in Fächer unterteilter Koffer: Schrankkoffer:
^kreuzen der: größeres Boot mit Schlafkabinen: ^roller. der:
kleines drei- od. vierrädriges Fahrzeug für ein bis zwei
Personen, in das tnan durch Wegklappen des Daches einsteigt:
-taxi. das: kabinenförmiges, auf Schienen fahrendes
Beförderungsmittel mit vollautomatischer Antriebs- u.
Abstandsregelung, das im innerstädtischen Verkehr den Fahrgästen
zur Benutzung zur Verfügung steht.
Kabinett [kabi'net], das; -s. -e [frz. cabinet. eigtl. = kleines
Gemach. Nebenzimmer, wohl zu afrz. cabine = Spielhaus.
H. u.]: l.a)(veraltet)abgeschlossener Beratungs- u.
Arbeitsraum, bes. an Fürstetihöfen: b) kleinerer Museumsraum,
in dem meist bes. wertvolle Objekte ausgestellt werden:
c) (österr.) kleines, einfenstriges Zimmer: Wohnung mit
zwei Zimmern. K. und Küche zu vermieten. 2. a)
Gesamtheit der die Regierungsgeschäfte eines Staates fuhrenden
Minister: ein K. bilden; stürzen; der Kanzler stellt sein
neues K. vor; dieser Minister wird dem neuen K. nicht
mehr angehören; der Vorschlag wurde vom K. gebilligt;
b) (veraltet) engster Beraterkreis eines Fürsten. 3. (DDR)
Lehr-u. Beratungszentrum: ein polytechnisches K. 4. (nach
dem deutschen Weingesetz) Wein der ersten Kategorie der
Qualitätsweine mit Prädikat.
Kabinett- (vgl. auch: Kabinetts-) [in Zus. oft zur Bez. von
Auserlesenem. Wertvollem od. in sehr kleinem Format
gefertigten Kunstwerken, z. B. fotografischen
Abbildungen, zu tKabinett üb)]: -auslese, die: besonders guter
Kabinettwein: -format, das: (früher) sehr kleines Format
von fotografischen Platten u. Bildern: -kaferder [zu t
Kabinett 1 b. da die Larven des Käfers bes.
Insektensammlungen, ausgestopfte Vögel u. ä. zerstören]: winzig kleiner,
ovaler Käfer, der auf schwarzem Grund helle Flecken hat:
-maierei, die <o. Pl.>: Verfahren der Glasmalerei, bei dem
mit Schmelzfarbe gearbeitet wird: -Scheibe, die: in der
Kabinettmalerei runde od. viereckige Glasscheibe mit der
Darstellung eines Wappens od. einer Szene: ^schrank, der: reich
verzierter Schrank zur Aufbewahrung von Schmuck u.
anderen Kostbarkeiten: -schreiben, das [zu T Kabinett 2 b]
(veraltet): inoffizielles Schreiben eines Herrschers an einen
anderen: ^stück. das: 1. (veraltet) besonders wertvoller, in seiner
Art einmaliger Gegenstand, Prwikstück. 2. besonders
geschicktes, erfolgreiches Vorgehen, Handeln: ein K. der
Verhandlungskunst; er hat sich gestern abend ein K.
geleistet (iron.; sich ungeschickt benommen); ^wein, der: svw.
t Kabinett (4).
Kabinetts- (vgl. auch: Kabinett-): -befehl. der: svw. tvorder;
-beschluß, der: vom Kabinett (2 a) gefaßter Beschluß: ^bil-
dung. die: der Führer der Mehrheitsfraktion wurde mit
1397
Kabis
f
der K. beauftragt; -chef. der; -Entscheidung, die: vgl. -be-
schluß; -frage, die: svw. tVertrauensfrage; -Justiz, die:
1. (hist.) Rechtsprechung od. Einflußnahme auf die Justiz
durch einen Herrscher. 2. /unzulässige] Einwirkung der
Regierung auf die Rechtsprechung: -krieg, der: von einem
Staatsoberhaupt ohne Einwilligung der Volksvertreter
begonnener Krieg, -krtse, die: Krise innerhalb eines Kabinetts
(2a): der Rücktritt des Ministers würde eine K. auslösen;
-liste die: Liste der in einem Kabinett (2 a) vertretenen
Minister: -minister, der: -mitglied. das; -neubildung. die;
-order, die (veraltet): / unmittelbarer] Befehl eines
[absolutistischen] Fürsten: -Politik, die (hist.): mit diplomatischen
Mitteln, ohne Mitwirkung einer Volksvertretung betriebene
Außenpolitik: -posten. der (ugs.); -Sitzung, die;
-Umbildung, die; -vorläge, die: zur Beratung im Kabinett (2 a)
eingebrachte Vorlage.
Kabis I'ka:bis], der; - [mhd. kabes. ahd. capuz < mlat.
caputium = Weißkohl, zu lat. caput = Kopf) (südd..
Schweiz.): Kohl.
Kabotage [kabota:^]. die; - [frz. cabotage. viell. zu span.
capo = Vorgebirge. Kap] (Rechtsw.): die meist den
Bewohnern eines Landes vorbehaltene Beförderung von
Gütern u. Personen innerhalb des Landes od. Hoheitsgebiets
(z.B. Küstenschiffahrt. Binnenflugverkehr); kabotieren
[...ti:ren] <sw. V.; hat) [frz. caboter]: im Rahmen
bestimmter Abkommen Güter od. Personen innerhalb eines Landes
od. Hoheitsgebiets befördern.
Kabrio, (auch:) Cabrio ['ka:brto], das; -s. -s: kurz für
tKabriolett: Kabriolett [kabriolet. österr.: ...le:]. (auch:)
Cabriolet [...le:]. das; -s. -s [frz. cabriolet = leichter,
einspänniger Wagen, zu: cabrioler = Luftsprünge machen, vgl.
Kapriole]: I. Auto mit aufklappbarem od. versenkbarem
Verdeck: diesen Wagen gibt es auch als K. 2. (veraltet)
leichter, zweirädriger Einspänner [mit Verdeck]:
Kabriolimousine, die; -. -n: a) Auto mit aufrollbarem Stoffdach:
b) Limousine mit abnehmbarem Verdeck.
Kabuff [ka'bofl. das; -s. -s [wohl aus dem Niederd.; viell.
geb. zu t Kabuse unter Einfluß von niederl. kombof =
Notküche: Abstellraum] (landsch.. oft abwertend): kleiner,
dunkler, meist fensterloser [Neben]raunt. Abstellraum: die
Karteikästen standen in einem K. neben dem Eingang.
Kabuki [ka'bu:ki]. das; -. -s [jap. kabuki]: japanisches
Volkstheater in übersteigert realistischem Stil.
Kabuse [ka'bu:z3]. Kabuse [...'by:za], die; -. -n [mniederd.
kabuse. H.u.; vgl. Kombüse] (nordd.): a) kleiner, enger
[dunkler] Raum. Kammer: Der Bahnhofsvorsteher geht
in seine Kabuse (in seinen kleinen, engen Dienstraum:
Jägersberg. Leute 21); b) svw. t Kombüse.
Kadiektiker [ka'xcktike]. der; -s. - [zu tKachexie] (Med.):
an Kachexie leidender, hinfälliger Mensch: kachektisdi
[...'xektiJl <Adj.; nicht adv.) (Med.): an Kachexie leidend,
hinfällig.
Kachel f'kaxj], die; -. -n [mhd. kachel(e). ahd. chachala
= irdener Topf; irdenes Gefäß; zu einer vlat. Nebenf.
von lat. caccabus = Tiegel. Pfanne < griech, käkkabos
= (dreibeiniger) Kessel]: 1. meist viereckige, glasierte Platte
aus gebranntem Ton: Delfter -n; eine K. ist von der Wand
gefallen; ein Ofen aus braunen -n; der Flur ist mit -n
(landsch.; Fliesen) ausgelegt. 2. (südd.) Schüssel. Topf aus
Steingut: kacheln fkaxln] <sw. V.; hat): 1. mit Kacheln
verkleiden, auslegen: wir lassen das Bad k.; die Küche
ist gekachelt; eine grün gekachelte Wand. 2. (salopp, selten)
koitieren: der Alte, der sie selten genug kachelt, robotet
fleißig in der Fabrik (Zwerenz. Kopf 36); Kfcheiofen, der,
-s, -Öfen: aus Schamottsteinen gemauerter, mit Kacheln
belegter Ofen, der sehr lange die Wärme hält: am K. sitzen;
Kfdiehmnd, die; -. -wände: mit Kacheln belegte Wand.
Kachexie [kaxe'ksi:]. die; -. ...ien [...i.an; griech. kachexia
= schlechter Zustand, bes. des Körpers] (Med.): mit
allgemeiner Schwäche u. Blutarmut verbundener starker
Kräfteverfall [als Begleiterscheinung schwerer Krankheiten].
Iu|ck-, Kack- [zu f kacken] (derb): -braun <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.>: von subjektiv als häßlich empfundener brauner
Farbe: -fidel <Adj.; o. Steig.): sehr fidel: -«elb <Adj.;
o. Steig.; nicht adv.): vgl. -braun; -naiv <Adj.>: sehr naiv:
-stelze, die (meist PI.) (derb): Bein.
Kacke [kakd], die; - [zu t kacken] (derb): 1. Kot. 2. schlechte,
minderwertige Sache: unangenehme* Unwillen hervorrufende
Angelegenheit: so eine K.!; was er gemacht hat, ist alles
K.; * die K. ist am Dampfen (derb; es gibt
Unannehmlichkeiten. Schwierigkeiten)', kacken ['kakn] <sw. V.; hat)
[spätmhd. kacken. Lallwort aus der Kindersprache; vgl.
lat. caccare] (derb): Kot ausscheiden, seine große Notdurft
verrichten: k. müssen; nicht k. können; sie ... hatten aber
nichts Richtiges gefunden und deshalb in einen der schon
verrosteten Bottiche gekackt (Degenhardt. Zündschnüre
9); Kacker ['kato]. der; -s. - (derbes Schimpfwort): Mann,
mit dem man nichts zu tun haben will, unangenehmer Kerl:
alter K.!; Dieser gottverfluchte Hund. Dieser elende K.
(Ott. Haie 281).
Kadaver [ka'da:vB], der; -s,- [lat. cadäver, eigtl. = gefallener
(totdaliegender) Körper, zu: cadere = (hin)fallen]: 1. toter,
in Verwesung übergehender Tierkörper: ein aufgetriebener
K.; Fliegen umschwärmten den K. eines Hundes: Ü die
K. (toten menschlichen Körper. Leichen) in den
Massengräbern. 2. (abwertend) [verbrauchter, kraftloser]
menschlicher Körper; Mensch: man muß seinem [alten] K. täglich
neue Strapazen zumuten; Das schönste Weib als Kissen
für den K. eines elenden Burschen (Jahnn. Geschichten
217).
Kadaver-: -gehorsam, der (abwertend): blinder Gehorsam:
-mehl. das: gemahlene Knochen- od. Fleischrückstände
verendeter Tiere, die als Futter od. Dünger verwendet werden:
-Verwertung, die.
Kadaverin [kadave'ri:n]. das; -s [zu t Kadaver] (Biochemie):
zu den Leichengiften zählendes biogenes Amin, das von
Bakterien im Darm u. bei der Eiweißzersetzung in Leichen
gebildet wird.
Kaddig [kadik]. der; -s [mniederd. kadik < böhm. kadik.
zu:kaditi = räuchern] (landsch.): Wacholder: (Zus.:> Kfd-
digbeere. die (landsch.): Wacholderbeere.
Kaddbch [kadi:J], das; -s [hebr. qaddlS = geheiligt; nach
dem Anfangswort eines Gebetes] (jüd. Rel.): jüdisches
Gebet, das bes. um das Seelenheil Verstorbener während des
Trauerjahres gesprochen wird.
Kade t'ka.da]. die; -. -n [niederd.. vgl. Kate] (Wasserbau):
Konstruktion aus Brettern. Pfählen o.a.. mit der ein Deich
vorübergehend erhöht, aufgekadet wird.
Kadenz [ka'dents], die; -. -en [ital. cadenza. über das Vlat.
zu lat. cadere ^= fallen]: I. (Musik) Akkordfolge als
Abschluß u. Gliederung eines Musikstückes (das auf Dur-Moll-
Tonali tat beruhende Grundgerüst der Harmoniefolge). 2.
(Musik) improvisierte od. vom Komponisten angegebene
solistische Paraphrasierung eines Themas vor dem Schluß eines
Musikstückes, bes. eines Aktes od. einer Arie, die dem
Künstler die Möglichkeit bietet, sein virtuoses Können zu
zeigen. 3. (Phon.) das Abfallen der Stimme. 4. (Verslehre)
metrische Form des Versschlusses. 5. (Waflent.) svw.
t Feuergeschwindigkeit; kadenzieren [kadai*tßi:ren] <sw.
V.; hat) (Mus.): 1. durch eine Kadenz (1) zu einem
harmonischen Abschluß leiten. 2. eine Kadenz (3) ausführen.
Kader [ka:de], der (Schweiz.:) das; -s. - [1: frz. cadre <
ital. quadro, eigtl. = viereckig < lat. quadrus; 2. 3: russ.
kadr < frz. cadre. t Kader 1]: l.a) Kerntruppe eines Heeres,
bestehend aus Offizieren u. Unteroffizieren: K. ausbilden,
aufstellen; b) (Sport) Stamm von Sportlern, die für ein
Spiel, einen Wettkampf in Frage kommen: in den K. (für
die Olympiade) berufen werden; er gehört zum K. der
Nationalmannschaft. 2. Gruppe von [besonders
ausgebildeten od. geschulten] Personen, die wichtige Funktionen in
Partei, Wirtschaft. Staat o.a. haben: der K. einer Partei;
K. aufbauen, heranziehen. 3. Angehöriger. Mitglied eines
Kaders (2): die jungen K.; sie sehen einen jungen Mann,
der ein langes Leben hinter sich und ein langes Leben
vor sich hat. Sie sehen ein Bild von einem K. (Kant,
Impressum 9).
kader-.Kgder-: -abteihmg,die(DDR): Abteilungeines
Betriebes, einer Verwaltung o. ä.. die für Einstellung u. Betreuung
des Personals zuständig ist: -akte. die (DDR):
Personalakte: -arbeit, die (DDR): das Bilden. Schulen u. Einsetzen
von Kadern (2); -armee. die: Armee, die in Friedenszeiten
nur aus Kadern (I a) besteht u. im Kriegsfalle mit
Wehrpflichtigen aufgefüllt wird; -leiter. der (DDR): Leiter einer
Kaderabteilung: -partei die (marx.): politische Partei, die aus
Kadern (2) gebildet ist: -partie. die [1. Bestandteil zu frz.
cadre = Feld auf dem Billardtisch (bei bestimmten
Billardspielen)]: bestimmte Partie im Billard: -politik. die: Politik,
die auf die Bildung von Kadern hinzielt, dazu: -politisch
<Adj.; o. Steig.); -reserve. die (DDR); -sehmiede, die
(ugs.): Ort. an dem Kader (2) ausgebildet werden: die Uni-
1398
kaffee-, Kaffee-
versität wird von vielen als rote K. angesehen; Sie ( =
die Parteileitung) forderte, die Arbeitsgemeinschaften als
K. zu nutzen (Neues D. 17. 6. 64, 3); -System, das: System,
nach dem eine Kaderarmee aufgebaut ist.
lKadett[ka'd£t],der; -en, -en [frz. cadet = Offiziersanwärter
< gaskogn. capdet (aprovenz. capdel) = kleiner
Hauptmann < lat. capitellum = Köpfchen]: 1. (früher) Zögling
einer Kadettenanstalt. 2, (Schweiz.) Mitglied einer / Schul]-
Organisation für vormilitärischen Unterricht. 3. (ugs.)
Bursche. Kerl: du bist mir ja ein K.; wartet nur, ihr -en,
euch werde ich es zeigen; tadett [-], der; -s, -s [zu t 'Kadett,
nach der häufigen Verwendung dieses Stoffes in
Militärschulen fürdie (Unter)kleidung der t 'Kadetten 1]: blauweiß
od. schwarzweiß gestreifter Baumwollstoff für
Berufskleidung.
Kadetten- ('Kadett): -anstatt, die (veraltet): internatsähnliche
Anstalt, in der die Zöglinge speziell im Hinblick auf ihren
späteren Dienst als Berufsoffizier unterrichtet u. erzogen
werden: -korps, das (veraltet): Gesamtheit der Zöglinge
einer Kadettenanstalt: er trat ins K. ein; -schule, die: vgl.
-anstatt.
Kadi [ka:di], der; -s. -s [arab. q5(JI]: 1. Richter in den Ländern
des Islams. 2. (ugs.) richterliche Instanz. Gericht: zum K.
laufen (prozessieren): sie schleppten, brachten ihn vor
den K. (strengten einen Prozeß gegen ihn an): er wurde
vor den K. zitiert.
kadmieren [kat'mi:ren] <sw. V.; hat) [zu t Kadmium]:
Metalle zum Schutz gegen Korrosion auf galvanischem Weg mit
einer Kadmiumschicht überziehen, verkadmen: <Abl.:> Kad-
mjenmg, die; -. -en; Kadmium, (ehem. fachspr.:) Cadmium
l'katmium],das; -s[zu lat. cadmia = Zink(erz) < griech.
kadmia]: silberweiß glänzendes, leicht schneidbares Metall
(chemischer Grundstoff): Zeichen: Cd; <Zus.:> K^dmium-
legierung, die; K^dmiumschicht, die: i dünne] Schicht aus
Kadmium.
kaduk [ka'du:k] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [lat. cadücus,
zu: cadere = (hin)fallen] (veraltet): hinfällig, gebrechlich:
kaduzieren [kadu'tßi:ran] <sw. V.; hat) (Rechtsw.):
geleistete Einlagen in eine Aktiengesellschaft o.a. als verfallen
erklären: <Abl.:) Kaduzierung* die; -. -en.
Käfer ['ke.'fe], der; -s. - [mhd. kever. ahd. chevar. eigtl.
= Nager]: 1. in vielen Arten vorkommendes Insekt mit
harten Flügeldecken: ein bunter, schillernder K.; nützliche,
schädliche K.; ein K. läuft, krabbelt über den Weg; K.
surren, brummen, schwirren durch die Luft. 2. (ugs.)
junges, nettes Mädchen: ein süßer, reizender flotter K.; Sie
ist wirklich ein verdammt hübscher K. (Wendtland. Eis-
prinzeßchen 11); 'einen K. haben (ugs. selten; eine fixe
Idee haben).
Käfer-: -larve, die; -Sammler, der: jmd.. der aus [wissen-
schaftlichem] Interesse Käfer sammelt: -Sammlung, die.
'KafTtkaH. das; -s. -s u. -e [Gaunerspr.. wohl zu zigeunerisch
gaw = Dorf) (ugs., abwertend): labgelegene] kleine,
langweilige Ortschaft: Nest: ein elendes, ödes, trostloses K.;
in diesem K. könnte ich nicht leben; in dem gottverlassenen
K. ist ja nichts los; er wurde in einem kleinen K. bei
Leipzig als Lehrer eingestellt (Kirsch. Pantherfrau 28).
^fT [-]. das; -[eis [mhd.. mniederd. kaf, eigtl. = Spreu.
H. u.] (nordd.): 1. Spreu: K. streuen. 2. wertloses Zeug.
Plunder.
'Kaffee ['kafe, auch, österr. nur: ka'fe:]. der; -s, (Sorten:)
-s [frz. cafö, ital. caffe < türk. kahve < arab. qahwa.
auch: Wein]: 1. Kaffeepflanze. -Strauch: K. anbauen, [an]-
pflanzen. 2.a) bohnenförmiger Samen des Kaffeestrauches:
brasilianischer K.; K. exportieren, rösten, brennen; b)
geröstete /gemahlene] Kaffeebohnen: ein halbes Pfund K.
kaufen; pro Tasse einen Teelöffel K. nehmen. 3.
anregendes, leicht bitter schmeckendes, meist heiß getrunkenes
Getränk von dunkelbrauner bis schwarzer Farbe aus
gemahlenem, mit kochendem Wasser übergossenem Kaffee (2 b):
heißer, schwarzer, dünner, koffeinfreier K.; K. mit Milch
und Zucker; der K. ist stark; der K. setzt sich noch, muß
noch ziehen; K. verkehrt (landsch.; Milchkaffee mit mehr
Milch als Kaffee)'. K. kochen, bereiten, aufbrühen, filtern,
eingießen, ausschenken; ich mache uns schnell einen K.;
K. trinken; ich habe noch nicht K. getrunken
(gefrühstückt) : eine Tasse, Kanne K.; Herr Ober, zwei K. (Tassen
Kaffee) bitte; wenn ich das höre, kommt mir der K. hoch
(ugs.; wird mir schlecht)'. R dir hat wohl Jmd. was/dir
haben sie wohl was in den K. getan? (ugs.; du bist wohl
nicht recht bei Verstand?)'. * kalter K. (ugs.;
Erfrischungsgetränk aus Cola u. Limonade): etw. ist kalter K. (ugs.; ist
längst bekannt u. daher uninteressant). 4. Zwischenmahlzeit
am Nachmittag, zu der man Kaffee (3) trinkt [u. Kuchen
o.a. ißt]: um 3 Uhr trinken wir K.; bis zum K. bin ich
wieder da; jmdn. zum K. einladen; foflee [-]. das; -s,
-s (selten): tCafö.
kaffee-, Kaffee-: -anbau.der; -automat.der: svw. t-maschi-
ne; -bar, die: einfaches Cafe Imit Selbstbedienung]: -base,
die: vgl. -tante; -bau, der; -bäum, der: vgl. -pflanze;
-beere, die: Frucht der Kaffeepflanze, deren Samen die
Kaffeebohne ist: ^bereitung. die; -bohne, die [2. Bestandteil
volksetym. zu Bohne umgedeutet aus arab. bunn = Kaflee-
(bohnen)]: 1. bohnenförmiger od. rundlicher Samen der
Kaffeepflanze, der nach dem Rösten dunkelbraun wird. 2. (fam.
scherzh.) / KinderJpopo. -börse, die: Börse, an der Kaffee
gehandelt wird: ^braun <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): von
warmer, dunkelbrauner Farbe: ein -er Neger; sie hat -e
Haut; -büchse, die: Büchse, in der Kaffee (2 b) aufbewahrt
wird: -decke, die: Tischdecke für den Kaffeetisch: -dose,
die: svw. t -büchse; -duft, der; -durst, der: Verlangen.
Kaffee zu trinken: -Ernte, die (mit Bindestrich); -Ersatz,
der (mit Bindestrich): aus gerösteten u. gemahlenen
Pflanzenteilen gewonnenes Pulver, das in Geruch u. Geschmack
dem Kaffee ähnelt: K. aus Gerste und Zichorien; -Export
der (mit Bindestrich); -Extrakt, der (mit Bindestrich):
durch Instantisieren von Kaffee (3) gewonnenes Pulver, das
mit heißem Wasser übergössen wieder Kaffee (3) ergibt:
-fahrt, die: a) Ausflug zum. mit Nachmittagskaffee: eine K.
in den Odenwald machen; b) von Werbefirmen [ gratis ]
veranstaltete Fahrt [mit Nachmittagskaffee]. bei der versucht
wird, den Teilnehmern bestimmte Waren zu verkaufen:
-Alter, der: a) [Haushalts]gerät zum Filtern von Kaffee: b)
Filterpapier, -tüte für einen Kaffeefilter (a); -fleck, der:
ein K. auf der Tischdecke; -garten, der (veraltet): Cafe
mit Garten: -gedeck,das: 1. Gedeck (1) für den
Nachmittagskaffee: Bringe bitte noch ein K. 2. Gedeck (2). bestehend
aus Kaffee u. Kuchen: -geschirr, das: das K. abspülen;
-geschmack, der: Pudding mit K.; -geselbchaft, die: die
ganze K. ging in den Garten; -gewiirz, das: vgl. -zusatz;
-grund, der: svw. t-satz; -häferl, das (österr. ugs.): svw.
t-tasse; -handel, der: Handel mit Kaffee: -haube, die:
svw. t-wärmer; -haus [-'--]. das [älter: CofTeehaus; LÜ
von engl. cofTeehouse] (bes. österr.): gemütlich
eingerichtetes Cafe', in dem sich die Gäste länger aufhalten, sich mit
Spielen. Zeitunglesen o.a. unterhalten: den ganzen Tag
im K. sitzen, dazu: -hausatmosphäre, die. -hausbesitzer,
der. -hausbesucher, der. -hausliterat, der (abwertend):.
Schriftsteller, der vorwiegend in Kaffeehäusern schreibt.
-hausliteratur, die (abwertend). -Hausmusik, die
(oft abwertend): in einem Kaffeehaus dezent gespielte
Musik: -Import, der; -käme, die: Kanne mit Henkel u.
Deckel, in der Kaffee zubereitet u. serviert wird: eine
bauchige, bemalte K.; der Deckel der K. ist kaputt; -kirsche,
die: dunkelrote Frucht der Kaffeepflanze: -klatsch, der (ugs.
scherzh.): gemütliches Zusammensein mit Plauderei bei
Kaffee u. Kuchen: zum K. gehen; jmd. zum K. einladen;
-ködiin, die (österr.): Frau, die in Kaffeehäusern u.
Restaurants den Kaffee kocht: -konsun, der: der K. steigt ständig;
-krinzdien, das (veraltend): a) [regelmäßiges] gemütliches
Zusammentreffen einer Gruppe von Frauen, die bei Kaffee
u. Kuchen sich unterhalten. Handarbeiten machen o. ä.: zum
K. gehen; heute ist bei mir K.; b) Gruppe von Frauen,
die sich zum Kaffeekränzchen (a) trifft: das ganze K. lachte;
das K. machte einen Ausflug; -hnd, das: Land, in dem
Kaffee angebaut wird: -likör, der: Likör aus Kaffee, mit
Kaffeegeschmack: -töfTel, der: I. (Fachspr.) kleiner Löffel,
der größer als ein Teelöffel u. kleiner als ein Dessertlöffel
ist. 2. (landsch.) svw. tTeelöflel: auf dem Tisch fehlt noch
ein K ; ich nehme einen K. Zucker pro Tasse; -markt,
der; -maschine, die: elektrisches Haushaltsgerät, mit dem
man [auf verschiedene Weise] Kaffee zubereiten kann:
-mehl, das: sehr fein gemahlener Kaffee: -monopol, das;
-mühle, die: [elektrisches] Haushaltsgerät, in dem
Kaffeebohnen gemahlen werden: -mutze, die: vgl. -wärmer;
-pause, die: kürzere Pause, in der man Kaffee trinken kann:
K. machen; in der K. rasch eine Besorgung machen;
-pflanze, die: tropischer Strauch od. Baum mit lederartigen
Blättern, kleinen weißen Blüten u. dunkelroten Früchten, die
als Samen die Kaffeebohne enthalten: -plantage, die; -preis.
1399
Kaffein
der; -pulver, das: gemahlene Kaffeebohnen; -republik, die:
-sahne, die: halbfette Sahne für den Kaffee; -säure, die:
in Kaffee enthaltene organische Säure; -«atz, der: nach
dem Aufbrühen als Bodensatz zurückbleibender gemahlener
Kaffee; den K. wegschütten; aus dem K. wahrsagen;
-schale, die (österr.): svw. f-tasse: -Schwester, die: vgl. -tante:
-Service, das: Service, das man zum Kaffee (4) benutzt:
ein geblümtes K.; ein sechsteiliges K.; -sieb, das: kleines
Sieb, durch das man aufgebrühten Kaffee gießt, um den
Kaffeesatz zurückzuhalten; -sieder, der (österr., oft
abwertend): Kaffeehausbesitzer; -sorte, die: eine dunkle, starke
K.; -steoer, die: Steuer, die auf Kaffee erhoben wird;
-Strauch, der: svw. t-pflanze; -stube, die: kleines Cafe;
-Stückchen, das: kleines Gebäck, das man zum Kaffee ißt;
-Stündchen, das (ugs.): gemütliches Beisammensein am
Nachmittag bei einer Tasse Kaffee; das können wir bei
einem K. besprechen; -tafel, die: festlich gedeckter
Kaffeetisch; -tante, die (ugs.; scherzh.): jmd., der gern u. viej
Kaffee trinkt; du bist eine richtige K.; -fasse, die: Tasse,
aus der man Kaffee trinkt; -tisch, der: zum Kaffee gedeckter
Tisch; den K. decken; am K. sitzen; -topf, der (landsch.):
große Kaffeetasse; -trinker, der: jtnd.. der
[gewohnheitsmäßig] Kaffee trinkt: ich bin kein K.; -wärmer, der:
wattierte Haube, die man über die Kaffeekanne stülpt, um den
Kaffee warm zu füllten; -wasser, das: Wasser, mit dem
man Kaffee aufbrüht; das K. kocht; K. aufsetzen; -zusatz,
der: Zusatzaus Zichorie, den man als Würze zum gemahlenen
Kaffee gibt.
Raffeln: t Koffein.
Kaffer [kafe], der; -s. - [aus dem Rotwelschen < jidd.
kapher = Bauer, zu hebr. k^fijr = Dorf; volksetym. auf
Kaflern. den Namen eines afrik. Volksstammes, bezogen]
(Schimpfwort): dummer, blöder Kerl; diese blöden K.;
Hättest du K. Ren6e den Ring nicht später geben können
(Remaraue. Obelisk 99); Kaffernbüffel, der; -s, -: großer,
schwarzer od. brauner, in Afrika lebender Büffel mit nach
der Seite geschwungenen Hörnern; K^flernkonu das: svw.
t Sorgho.
Käfig ['ke:fi9]. der: -s. -e Imhd. kevje. ahd. chevia < lat.
cavea = Käfig. Behältnis]: a) Raum für gefangengehaltene
größere Tiere, an dessen offenen Seiten Gitterstäbe,
Drahtgitter o.a. angebracht sind; der Löwe läuft im K. auf
und ab; drei Afien sitzen im K.; Ü Noch haben wir es
in unserer Hand, die Entwicklung zu lenken und aus den
-en (aus der Unfreiheit, dem Gefangensein) der stumpfen
Betriebsamkeit in die Freiheit sinnvollen Tuns
auszubrechen (Mantel, Herren 12); b) aus Gitterstäben, Drahtgitter
o. ä. u. einem festen Boden bestehender Gegenstand, in dem
kleine Tiere, bes. Vögel im Haus gehalten werden: der
Kanarienvogel flattert im K. umher; den K. über Nacht
mit einem Tuch zudecken; *der goldene K. (Ufifreiheit,
Gebundensein trotz großen Wohlstands, Reichtums): im
goldenen K. sitzen; Faradayscher K.: svw. f Faradaykäfig.
Käfig-: Mlraht, der; -täufer, der (Elektrot.): in sich
kurzgeschlossenerrotierender Teileines Elektromotors; -Stange,
die; -tür, die: die K. stand offen; -vogel, der.
kifigen [ke:fign] <sw. V.; hat) [zu tKäfig] (Fachspr.): in
einem Käfig halten: gekäfigte Vogel.
Kafiller [kafilp], der; -s. - [gaunerspr. kafiller. kaviller, H. u..
viell. zu gaunerspr. cavall = Pferd, da früher hauptsächlich
tote Pferde abgedeckt wurden; vgl. aber auch mhd. (ge)vil-
len = häuten, zu: vel. T Fell] (Gaunerspr.): Abdecker; Kafil-
lerei Otafib'raj], die: - (Gaunerspr.): Abdeckerei.
Kafir fka:ftr]. der; -s, -n [arab. käfir] (abwertend): (im
Islam) jmd., der nicht dem islamischen Glauben angehört.
kafkaesk [kafkaesk] <Adj.) [nach dem österr. Schriftsteller
F. Kafka (1883-1924)] (bildungsspr): in der Art der
Schilderungen Kafkas; auf rätselvolle Weise unheimlich,
bedrohlich: Die Geschichte hat -e Züge (Zeit 8. 5. 64. 16); das
Geschehen war geradezu k.
Kaftan [kaftan], der; -s. -e. österr. auch: -s [türk. kaftan
< arab. quf(än. urspr. = militär. Obergewand]: l.a)
tätiges, weites orientalisches Obergewand: ein seidener K.; b)
langes, enges, vorne geknöpftes Obergewand der orthodoxen
Juden. 2. (ugs.. abwertend) langes, weites Kleidungsstück;
<Zus. zu 1 b:> Kgftanjude. der (abwertend): eine
Abgrenzung ... zwischen sich und seinen aus dem Osten
zuwandernden Glaubensgenossen, diesen -n (Kühn. Zeit 29S).
Käfterchen [keftapn]. das; -s, - [mhd. nicht belegt, viell.
zu ahd. chaftere = Bienenkorb od. zu alemann. Kaf,
1400
L_
älter: Kaft = Verschlag. Studentenzimmer, H. u.] (md.):
kleiner, enger Raum; Abstellkammer:
Kagu ['ka:gu], der; -s. -s Ipolynes.]: Kranichvogel mit hell
schiefergrauem Gefieder, der in den Gebirgswäldern Neuka-
ledoniens lebt.
kahl [ka:l] <Adj.; nicht adv.) [mhd. kal. ahd. chaloj: la)
ohne sonst, normalerweise vorhandene Haare, Federn: ein
-er Schädel; der Geier hat einen -en Hals; der Pelzmantel
hat viele -e Stellen; k. sein, werden (eine Glatze haben,
bekommen); b) ohne Laub, unbelaubt: -e Zweige. Äste.
Bäume; der Garten, die Allee war winterlich k.; c) ohne
[sonst vorhandene] Bäume, Sträucher o.a.: eine -e
Bergkuppe; -e Felsen. 2. ohne normalerweise vorhandene od.
erwartete Ausstattung, Möblierung o. ä.; schmucklos: ein -es
Zimmer; eine -e Häuserfront; -e Wände.
kghl-, Kghl- -fläche, die: vgl. -schlag; -fraß, der: das
völlige Abgefressensein der Blätter einer Pflanze durch
Insekten, Raupen o.a.; -fressen <st. V.; hat): die Blätter
völlig abfressen: Heuschrecken haben die Sträucher
kahlgefressen; kahlgefressene Waldstücke; -frost, der (Landw):
Frost auf schneefreien Flächen: K. verursachte große
Schäden; -hieb, der: svw. t-schlag (1); -hirsdi, der: Rothirsch,
der kein Geweih bekommt; -köpf, der: 1. kahler Kopf;
Kopf ohne Haare: er hat einen K. 2, (ugs.): Mann mit
einer Glatze: ein alter K.. dazu: -köpfig <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.): ohne Kopfhaare, glatzköpfig, -köpfigkeit, die:
völliges Fehlen od. teilweiser Verlust der Kopfhaare;
-Pfändung, die (jur.): Pfändung aller, auch der lebensnotwendigen
Habe eines Schuldners; -scheren <st. V.; hat): durch
Abschneiden, Abscheren aller Haare kahl machen: Schafe k.;
der Häftling hatte einen kahlgeschorenen Kopf; -schlag,
der: 1. das Schlagen, Fällen sämtlicher Bäume auf einer
bestürmten Fläche. 2. Waldfläche, auf der alle Bäume gefällt
wurden: den K. wieder aufforsten; Ü Daß... in den Städten
noch immer die Kahlschläge des Bombenkrieges sichtbar
sind (Spiegel 1/2,1967,41). 3, (ugs. scherzh.)
kahlgeschorener Kopf; -schlagen <st. V.; hat): (in bezug auf ein
Waldstück o.a.) alle vorhattdenen Bäume fällen: einen Wald
k.; -wild, das (Jägerpsr.): weibliches Wild ohne Geweih
u. geweifdose Kälber.
Kahheit, die; - [spätmhd. kalheit]: l.a) Kahlköpfigkeit; b)
das Kahlsein (1 b): die winterliche K. der Bäume. 2. das
Kahlsein (2); Schmucklosigkeit: die bedrückende K. der
Wände.
Kahm [ka:m], der; -[e]s [mhd. kam. auch: kän(e); viell.
zu lat. cänus = (weiß)grau] (BioL Fachspr.): Bakterien,
Pilze, die die Kalimhaut bilden; kahmen ['ka:man] <sw. V.;
hat): eine Kahmhaut bilden, bekommen; Kahmhaut, die;
-, ...häute (Fachspr.): grauweiße Schimmelschicht
aufgärenden od. faulenden Flüssigkeiten: auf dem Wein bildet sich
eine K.; Kghmhefe, die; -. -n (Fachspr.): Hefepilz, der
eine Kahmhaut bildet; kahmig <Adj.; o. Steig.) [mhd. kämic]
eine Kahmhaut bildend; schimmelig.
Kahn [ka:n]. der; -[e]s. Kähne <Vkl. tKähnchen) [aus dem
Niederd. < mnlederd. kane = Boot, kleines
Wasserfahrzeug, urspr. = (trogartiges) Gefäß]: 1. kleines, offenes,
flaches Boot zum Rudern od. Staken: ein kleiner, hölzerner
K.; der K. schaukelt; K. fahren; mit dem K. über den
Fluß rudern. 2. breites, flaches Schiff ohne eigenen Antrieb
zur Beförderung von Lasten; Schleppkahn: ein
schwerfälliger K.; die Kähne mit Kohle beladen; der Schlepper zog
einen schwerbeladenen K. flußaufwärts. 3. (ugs., häufig
abwertend) Schiff: mit diesem erbärmlichen K. sollen wir
nach Amerika fahren. 4. (ugs.) <nur PI.) breite, ausgetretene
Schuhe: In diesen Kähnen laufe ich mir Blasen über Blasen
(RemarQue, Westen 18). 5. <o. PI.) (Soldatenspr.) Arrest.
Gefängnis: er hat fünf Tage K. bekommen; Sie glaubten,
ich käme gerade aus dem K. zurück (Lynen. Kentauren-
fährte 186). 6. (landsch. scherzh.) Bett: in den K. gehen,
steigen; Kähnchen ['ke^^nl. das; -s. -: tKahn; Kahnfahrt,
die; -, -en: Fahrt mit einem Kahn (1): eine K. machen.
Kai [lay. österr.: keil, der, -s. -s [niederl. kaai < frz. quai.
aus dem Kelt.. eigtl. = Umwallung. Zaun): durch Mauern
befestigtes Ufer im Bereich eines Hafens, an dem die Schiffe
anlegen, beladen u. gelöscht werden: das Schiff macht am
K. fest, liegt am K.
Kai-: -anläge, die; -arbeiter, der; -mauer, die.
Kaiman ['k^jman], der; -s, -e [span. cäimän < karib.
Cayman]: im tropischen Südamerika lebendes Krokodil.
Kainit [k%j'ni:t, auch: ...nit], der; -s. -e [zu griech. kainös
kakao-, Kakao-
= neu. Jüngeren Datums, nach der erdgeschichtlich späten
Entstehungsphase]: weißliches, gelbliches od. rötliches, leicht
wasserlösliches Mineral, das gemahlen als Kalidünger
verwendet wird.
Kainsmal ['kiyns-, auch: ka:ms-], das; -[e]s. -e [nach 1.
Mose 4, 15 Zeichen, das Kain nach dem Brudermord
erhalten haben soll u. das ihn als nur von Gott zu
Richtenden kennzeichnen sollte; später erst als Zeichen der Schuld
verstanden]: Mai Zeichen der Schuld, das jmd. [sichtbarJ
trägt, mit dem jmd. gezeichnet ist: er ist gezeichnet, dieser
Mensch, er trägt das K. (Hochhuth, Stellvertreter 128);
Kainszeichen, das; -s, -: svw. t Kainsmal.
kairophob [k%jrofo:p] <Adj.; o. Steig.) [TKairophobie]
(Psych., Med., selten): Situationsangst empfindend: Kairo-
phobie [...fo'bi:], die; -, -n [...ton; zu tKairos u. tPhobie]
(Psych., Med., selten): Situationsangst: Kairos [k^j'ros].
der; -, ...roi [...r^y; griech. kairös]: 1. (Philos.) günstiger
Zeitpunkt, der für etw. entscheidende, günstige Augenblick.
2. (Rel.) Zeitpunkt der Entscheidung (z. B. zwischen Glauben
u. Unglauben).
Kaiser ['Iouzb], der; -s. - [mhd. keiser, ahd. keisar < got.
kaisar, nach dem von den Germanen als Gattungsnamen
übernommenen Familiennamen des röm. Staatsmannes
C.Julius Caesar (etwa 100-44 v.Chr.)]: 1. Titel des höchsten
weltlichen Herrschers in bestimmten Monarchien: K. Karl
der Große; Hirohito, Kaiser von Japan. 2. Inhaber. Träger
des Kaisertitels: die deutschen K.; der römische K. hat
abgedankt; er wurde zum K. gekrönt; R wo nichts ist.
hat selbst der K. sein Recht verloren (von jmdm.. der
nichts hat. kann man auch nichts fordern): *des -s Rock
tragen (veraltet; lim Kaiserreich] Soldat sein)', sich um
des -s Bart streiten {sich um Nichtigkeiten streiten: wohl
wegen der Lautähnlichkeit volksetym. Umdeutung von:
um den Geißenbart streiten, nach der scherzh. Streitfrage
in den Episteln [I. 18, IS] des röm. Dichters Horaz [65-8
v. Chr.], ob man Ziegenhaare, wie beim Schaf, auch als
Wolle bezeichnen dürfe); dem K. geben, was des -s ist
(seine Pflicht gegenüber der Obrigkeit erfüllen: nach Matth.
22. 21); da sein, hingehen, wo auch der K. zu Fuß hingeht
(ugs. scherzh. verhüll.; auf der Toilette sein, auf die Toilette
gehen)'. Ü ich bin K. (ugs. scherzh.; ich bin als erster mit
dem Essen fertig [unter Kindern gesagt]).
kaiser-, Kaiser- [in Zus. oft zur Bez. von
Außergewöhnlichem. Besonderem, des Besten. Größten seiner Art, z. B.
Kaiseradler, Kaiserfleisch]: -adler, der: großer,
schwarzbrauner Adler, der im Mittelmeerraum u. in Osteuropa lebt:
^brotdien, das: svw. t^semmel; -fleisch, das [wohl weil
man sich nach dem Genuß dieser sehr sättigenden Mahlzeit
mit dem Kaiser als dem Glücklichsten, Zufriedensten
verglichen hat, od. weil es sich um ein bes. gutes Stück Fleisch
handelt; vgl. Kaiser-] (südd., österr.): geräuchertes
Bauchfleisch. Schweinebauch: -granat, der: svw. t^hummer;
-haus, das: Familie, deren Oberhaupt die Kaiserwürde hat:
das japanische, deutsche K.; -himmer, der: mittelgroßer,
rosaroter Hummer mit langen, schmalen Scheren: ^krone.
die: 1. Krone des Kaisers. 2. (zu den Liliengewächsen
gehörende) Zierpflanze mit großen roten od.
orangefarbenen, einer Krone ähnlichen, herabhängenden Blüten: Frittila-
ria: -krönung, die: Krönung zum Kaiser: ^k» <Adj.; o.
Steig.): (bezogen auf eine Zeitspanne) ohne Kaiser: die
-e. schreckliche Zeit; Mnantel, der [wegen seiner prächtigen
Farben; vgl. Kaiser-]: orangegelber Schmetterling mit
schwarzen Flecken: ^Palast, der; ^pinguin, der: größter,
in der Antarktis lebender Pinguin: -reich, das: 1.
Territorium, das von einem Kaiser regiert wird: die Grenzen des
K. sichern. 2. Staatsform. Monarchie mit einem Kaiser
ander Spitze: das deutsche, wilhelminische K.; -Schmarren.
der [urspr. nach Kaiserin Elisabeth von Österreich (1837-
1898). der Gemahlin Franz Josephs I.] (österr.. auch südd.):
Mehlspeise aus mit Zucker bestreuten zerpflückten
Eierkuchen [mit Rosinen]: -schnitt, der [LÜ von mlat. sectio
caesarea, nach der von dem röm. Schriftsteller Plinius
(23-79) versuchten Deutung des Namens Caesar als ..der
aus dem Mutterleib Geschnittene", zu lat. caedere (2.
Part.: caesum) = herausschneiden]: Schnitt, durch den die
Gebärmutter vom Bauch aus geöffnet wird, um eine
Entbindung zu ermöglichen: das Kind wurde mit K. entbunden;
-schwamm, der: svw. f Kaiserling; -semmel, die [wohl
wegen der besonderen Form; vgl. Kaiser-] (österr.. auch
südd.): rundes Brötchen mit vier od. fünf bogenförmigen
Einschnitten auf der Oberseite: -thron, der; -titel, der;
-treu <Adj.; o. Steig.) dem Kaiser treu: -e Soldaten; ^wet-
ter, das [vgl. Kaiser-; scherzh.: entsprechend der Bedeutung
u. der Feierlichkeit des Tages zeigt sich auch das Wetter
von seiner besten Seite] (scherzh.): strahlendes
Sonnenwetter bei feierlichen Anlässen: Prompt zur Eröffnung der
Bundesgartenschau stellte sich „Kaiserwetter" ein (MM
19. 4. 75, 3); -würde, die; ^zeit, die: Zeit. Ära. in der
ein Kaiser regiert.
Kaiserin, die; -, -nen [mhd. keiserinne]: 1. w. Form zu
t Kaiser. 2. Gemahlin. Ehefrau eines Kaisers: <Zus.:> Kaise-
rümytter.die: Mutter eines Kaisers: kaiserlich <Adj.) [mhd.
keiserlich. ahd. cheiserllh = herrlich, erhaben]: a) (nur
attr.) zu einem Kaiser gehörend: der -e Hof; die -en
Truppen; b) einem Kaiser entsprechend: sehr vornehm: Ebenso
k. ist St. Karl Borromäus in Wien .... ein Bau mit ovaler
Kuppel (Bild. Kunst 3, 27); c) unter der Herrschaft eines
Kaisers: im -en Deutschland; d) monarchisch: kaisertreu:
k. gesinnt sein; kaiserlich-königlich <Adj.; o. Steig.; nur
attr.>: ein Land, eine Institution o.a. betreffend, wo der
Herrscher Kaiser u. König zugleich ist: die -e Monarchie
(österreichisch-ungarische Monarchie): ein -er Offizier;
Abk.: k.k.; Kaiserling, der; -s. -e [vgl. Kaiser-; wegen der
allg. Bevorzugung des Pilzes als Speisepilz; vgl. auch
Herrenpilz]: eßbarer, orangeroter Blätterpilz, der dem
Fliegenpilz ähnelt: Kaisertum, das; -s, ...tümer [...ty:mp; mhd.
keisertuom, ahd. cheisertuom]: 1. <o. PI.) monarchische
Staats-. Regierungsform mit einem Kaiser an der Spitze.
2. (selten) svw. t Kaiserreich (1).
Kajak ['ka:Jak], der, selten: das; -s. -s [eskim. qajaq]: 1.
schmales, einsitziges, geschlossenes, nur von Männern
benutztes Boot der Eskimo. 2. ein- od. mehrsitziges, geschlossenes
Sportpaddelboot, das im Sitzen mit Doppelpaddel
vorwärtsbewegt wird: K. fahren; <Zus.:> Kajakeiner, der; -s, -: svw.
t Einerkajak; Kajakzweier, der: -s, -: svw. tZweierkajak.
Kaie ['ka:ja], die; -, -n [mniederd. kaje] (nordd.): svw. tKai;
<Zus.:> Kaiedeich, der; -[eis, -e: Schutzdeich bei Bauwerken
am Wasser.
Kajeputbaum [kajo'put-]. der; -[eis. ...bäume [indones. kaju
putih. aus: kaju = Baum u. putih = weiß, also eigtl.
= Weißbaum]: (inIndonesienu. Australien vorkommendes)
Myrtengewächs mit weißen od. roten Blüten: Myrtenheide:
Kajepgtöl, das; -[eis: aus den Blättern des Kaieputbaumes
gewonnenes öl. das in der Medizin u. Parfümerie verwendet
wird.
Kajütboot [ka' jy:t-], das; -[eis. -e: Boot mit Kajüte: KaJütdeck.
das; -s, -s: Deck auf größeren Schiffen, auf dem sich die
Kajüten befinden: Kajüte [ka'jy:to], die; -. -n [aus dem
Niederd. (Seemannsspr.) < mniederd. kajüte; H.u.]:
Wohn- u. Schlafraum auf Booten u. Schiffen: eine enge,
niedrige K.; der Kapitän ist in seiner K.; <Zus.:> Kaititen-
pbtz, der: Schlafplatz in einer Kajüte auf Passagierschiffen:
Kajütsaufbau, der; -s. -ten: Aufbau auf einem Boot, in dem
die Kajüten sind; Kajütspassagier, der: Schiffspassagier, der
einen Kajütenplatz gebucht hat.
kak-,Kak-:tkako-.Kako-.
Kak [ka:k], der; -[eis, -e [mniederd. kak. H.u.] (nordd.;
hist.): Pranger.
Kakadu [kakadu. österr.: ...du:], der; -s. -s [niederl. kaketoe
< malai. kaka(k)tua, lautm.]: weißer, schwarzer od.
rosaroter Papagei mit einem Schopf aus Federn auf dem Kopf
Kakao [ka'k^p, auch: ka'ka:o], der; -s (Sorten:) -s [span.
cacao < aztek. cacauatl = Kakaokern]: 1. Kakaobaum,
-pflanze: K. anbauen. 2. Samen des Kakaobaumes: Kakao
rösten, mahlen. 3. aus gemahlenen Kakaobohnen
hergestelltes Pulver: schwach, stark entölter K.; ein Päckchen K.
4. aus Kakaopulver. Milch u. Zucker bereitetes, hellbraunes
Getränk: süßer, heißer, kalter K.; K. kochen, trinken;
die Kinder bekamen [eine Tasse] K.; *jmdn., etw. durch
den K. ziehen (ugs.; jmdn.. etw. lauf gutmütige, lustige
Weise] verspotten, lächerlich machen; wahrsch. verhüll,
für t Kacke): seine Klassenkameraden zogen ihn wegen
der Knickerbocker durch den K.
kakao-« Kakao-: -beum, der: in den Tropen wachsender
Baum, dessen gurkettförmige Früchte die Kakaobohnen
enthalten; -bestandteile <P1.>: Bestandteile von Kakaomasse
u. Kakaobutter in Schokolade: Schokolade mit 32 % -n;
^bohne, die: brauner Samen des Kakaobaumes; ^braun
<Adj.; o. Steig.; nicht adv.>: von hellbrauner Farbe: eine
-e Bluse; ^butter, die: aus Kakaobohnen gewonnenes Pflan-
1401
kakeln
zenfett, das zur Herstellung von Schokolade u. in der
Kosmetik verwendet wird; Erzeugnis, das: aus Kakaobohnen
gewonnenes Erzeugnis; ^fett, das: svw. t ^butter; ^fleck, der.
-likör. der: Likör mit Bestandteilen von Kakao (3); -masse,
die: aus Kakaobohnen durch Mahlen gewonnene Masse,
die Ausgangsprodukt für die Herstellung von Schokolade
u. Kakaopulver ist; -pflanze, die: svw. T -bäum; -pfaintage*
die; -pulver. das: aus Kakaomasse gewonnenes, braunes
Pulver.
kakeln ['ka:kln] <sw. V.; hat) [mniederd. käkelen, lautm.]
(nordd.): \. gackern: die Magd, die dumm ist wie ein
Huhn und wie eine kakelnde Henne (Th. Mann. Joseph
243). 2. über etw. Unwichtiges, Belangloses, Dummes reden,
schwatzen; sie standen vor der Haustür und kakelten; Dann
kakeln sie hin und her. sie drehen das schon einmal Gesagte
in der Telefonmuschel herum, daß es einem graust
(Tucholsky. Werke I. 62).
Kakemono [kake'mo:no]f das; -s, -s [jap. kake-mono =
Hängebild]: japanisches Gemälde im Hochformat auf einer
Rolle aus Seide od. Papier.
Kakerlak ['ka:kelak]. der. -s u. -en, -en [niederl. kakerlak.
H. u.l: 1. Küchenschabe: im Keller gab es Ratten und -en.
2. (lichtempfindlicher) Albino (a).
Kaki: T Khaki.
Kakibaum [ka:ki-]. der; -[eis. ...bäume [jap. kaki]: (zu den
Ebenholzgewächsen gehörender) in China u. Japan
wachsender Baum mit gelben od. orangefarbenen, süßen,
tomatenähnlichen Früchten.
Kakidrose [kakidro:zd], Kakidrosis [.,.*dro:zis], die; - [zu
griech, kakös = schlecht. Ubelu. hfdrösis = das Schwitzen]
(Med.): Absonderung übelriechenden Schweißes, bes. an den
Füßen.
Kgkipflaume, die; -. -n: Frucht des Kakibaumes.
Kakirit [kaki'ri.t. auch: ...nt]. der; -s. -e [nach dem See
Kakir in Nordschweden] (Geol.): durch Erdbewegungen
stark zerklüftetes Gestein.
kako-, Kako-, (vor Vokalen:) kak-. Kak- [kak(oK griech.
kakös] (Best, in Zus. mit der Bed.): schlecht, übel, miß...
(z. B. Kakophonie. Kakidrose); Kakody (Verbindung [kako-
dy:l-], die; -. -en (meist PI.) [zu griech. kaködes =
übelriechend u. hyle = Materie] (Chemie): organische,
übelriechende Verbindung des Arsens; Kakogeusie [...gQy'zi:], die;
-, -n [...i:an; zu griech. geusis = Geschmack] (Med.): übler
Geschmack im Mund (bes. bei Störungen im Magen-Darm-
Kanal); Kakophonk, die; -. -n [...i:an; griech. kakophönia]
(Musik; Sprachw.): schlecht, unschön klingende Folge von
Tönen od. Lauten; Dissonanz, Mißklang (Ggs.: Euphonie):
eine Komposition mit -n; Ü da Geburtswehen neuer
sozialer Fügungen mit den Todeszuckungen der absterbenden
Epoche sich zu schauerlicher K. vermischen (Kantorowicz.
Tagebuch 1.622): Kakophoniker [...To.-nik*]. der; -s, -
(Musik): Komponist, der häufig Kakophonien anwendet; kako-
phonisch (Adj.) (Musik, Sprachw.): schlecht, unschön
klingend (Ggs.: euphonisch 1): ein -er Akkord; Kakosmk
[kakos'mi:], die; - [zu griech. osme = Geruch] (Med.):
subjektive Empfindung eines tatsächlich [ nicht] vorhandenen
üblen Geruchs; Kakostomie [...sto'mi:]. die; - [zu griech.
Stoma = Mund] (Med.): übler Mundgeruch.
Kaktazeen [kakta^sn] (PI.) [zu t Kaktus] (Bot.):
Kaktusgewächse; Kaktee [kaklet], die; -. -n: svw. tKaktus (I);
Kaktus ['kaktusl. der; -. ugs. u. österr. auch: -ses. ...teen
[...'te:dnl. ugs. auch: -se [1: lat. cactus < griech. käktos;
2: in Anlehnung an T kacken]: 1. in vielen Arten in
Trockengebieten vorkommende u. als Zimmerpflanze gezüchtete, meist
säulen- od. kugelförmige Pflanze, die in ihrem verdickten
Stamm Wasser speichert u. meist Dornen trägt; ein
stacheliger, blühender K.; Kakteen züchten. 2. (ugs. scherzh.)
Kothaufen; einen K. pflanzen; tritt nicht in den K.!; (Zus.
zu 1:) Kgktusgewftdis, das.
kakuminal [kakumi'na:l] (Adj.; o. Steig.) [zu lat. cacümen
(Gen.: cacüminis) = oberes Ende, Spitze] (Sprachw..
veraltet): svw. fretroflex; (subst.:) Kakuminal [-]. der; -s, -e
(Sprachw.. veraltet): svw. fRetroflex.
Kala-Azar ['kalalalßar], die; - [Hindi kala-azar = schwarze
Krankheit, wegen der schwärzlich pigmentierten Haut des
Erkrankten] (Med.): schwere tropische Infektionskrankheit,
die mit Fieber, der Schwellung von Leber u. Milz u.
allgemeinem Kräfteverfall einhergeht.
Kalabasse [kalabasaj: t Kalebasse.
Kalabreser [kala'bre:z?]. der; -s. - [nach der ital. Landschaft
L_
Kalabrien, ital. calabrese = aus Kalabrien]: Filzhut mit
breiter Krempe u. nach oben spitz zulaufendem Kopfteil.
Kabunaika [kala'm^jka], die; -. ...ken [russ. kolomyka, nach
der sowjet. Stadt Kolomyja (Ukraine)]:
slawisch-ungarischer Nationaltanz.
Kabunarien [kala'ma:rpn] (PI.) [zu lat. calamärius =
Federkasten, auch: Schreibgerät, zu: calamus < griech. kälamos
= dünner Halm (des Rohres)] (Paläont.): mit den Kalami-
ten verwandte fossile Schachtelhalme.
Kalamität [kalami'te.t], die; -. -en [lat. calamitäs = Schaden.
Unglück]: 1. / schlimme] Verlegenheit, mißliche Lage,
übelstand, Notlage; wir befinden uns in einer schlimmen,
peinlichen, wirtschaftlichen K.; Die Entwertung der
französischen Währung hatte noch nicht den Charakter einer
nationalen K. (K. Mann. Wendepunkt 149); wir müssen aus
den derzeitigen -en herausfinden. 2. (Biol.) durch
Schädlinge, Hagel, Sturm o. ä. hervorgerufener schwerer Schaden
in Pflanzenkulturen.
Kabuniten [kala'mi:tn] (PI.) [zu griech. käiamos = Rohr.
Halm] (Paläont.): ausgestorbene baumhohe Schachtelhalme
des Karbons.
Kalander [ka1 lande], der; -s. - [frz. calandre. viell. zu
mnjeder I. calander. H.u.J: Maschine mit verschiedenen Walzen
zum Glätten od. Prägen von Stoff, Papier, Folie o.a.;
kalandern [ka'landsn] (sw. V.; hat) (Fachspr.): mit dem
Kalander bearbeiten; kabuidrieren [...'dri:ran] (sw. V.; hat)
(Fachspr.): svw. t kalandern.
Kalasiris [kala zi:ns], die; -. - [griech. kalasiris. aus dem
Ägypt.]: (im alten Ägypten u. in Griechenland getragenes)
langes Gewand für Männer u. Frauen.
Kalathos fka.latos]. der; -, ...thoi [...tqy; griech. kälathos;
2, 3: wegen der korbähnlichen Form]: 1. (im antiken
Griechenland) aus Weiden geflochtener, an einen Lilienkelch
erinnernder Korb. 2. Kopfschmuck bes. der weiblichen
griechischen Gottheiten. 3. (Kunstwiss.) Kernstück des
korinthischen Kapitells.
Kalauer t'ka:!^]. der; -s. - [unter Anlehnung an frz. calem-
bourtg) = Wortspiel geb. nach dem Namen der Stadt
Calau bei Cottbus]: nicht sehr geistreicher, meist auf einem
Wortspiel beruhender Witz; einen K. erzählen; Gelang dem
einen immerhin noch hin und wieder ein Scherzchen, so
wollten dem anderen nicht einmal die K. glücken (Zeit
19. 9. 75. 42); kalauern [ka:l^ien] (sw. V.; hat): Kalauer
erzählen: der Conferencier kalauerte.
Kalb [kalp]. das; -[e]s. Kälber [mhd. kalp. ahd. chalp. wohl
eigtl. = Leibesfrucht, Junges]: 1. (Vkl. T Kälbchen) a)
junges Rind: ein kleines, neugeborenes K.; die Kälber tollen
auf der Wiese umher; R nur die allerdummsten Kälber
wählen ihren Metzger selber (nur ein sehr dummer Mensch
ergreift die Initiative zu etwas, was ihm schadet); * Augen
machen/glotzen wie ein [abgestochenes K. (ugs.; dümmlich,
verwundert dreinblicken): das Goldene K. anbeten; um das
Goldene K. tanzen (geh.; geldgierig sein; den Wert, die
Macht des Geldes sehr hoch schätzen; nach 2. Mos. 32);
b) Junges von verschiedenen größeren Säugetieren, bes. von
Hirsch, Giraffe, Elefant. 2. (o. PI.) kurz für
?Kalbfleisch. 3a) dummer Mensch (oft Schimpfwort): stell dich
nicht so dumm an, du K.; *K. Moses (ugs.; dummer,
einfältiger Mensch)', Herrgott, ist das ein K. Moses!; b)
noch nicht voll erwachsener, kindischer, herumalbernder
Mensch (meist von jungen Mädchen): mit diesen Kälbern
ist kein ernsthaftes Wort zu reden. 4. (Seew.) weiche Auflage
aus Holz für Tauwerk.
K«lb- (vgl. auch Kalbs-. Kälber-): -feil, das: svw. t Kalbsfell:
-fisch, der [das gekochte Fleisch des Fisches hat einen
ähnlichen Geschmack wie Kalbfleisch]: svw. t Heringshai;
-fleisch, das: Fleisch vom Kalb (1 a): ein Pfund K. kaufen;
er ißt am liebsten K.; eingemachtes K. (südd.. österr.;
Gericht aus kleinen Stücken von Kalbfleisch in einer hellen
Soße)\ -leder, das: svw. t Kalbsleder.
Kftlbdien ['kelp^n], das; -s. -: TKalb (1); Kalbe ['kalte),
die; -. -n [mhd. kalbe, ahd. kalba]: Färse; kalben [kalbn]
(sw. V.; hat) [1: mhd. kalben]: 1. ein Kalb (1 a. b) gebären:
die Kuh wird bald k.; die Elefantenkuh kalbt im Alter
von zwanzig Jahren. 2. (Geogr.) (in bezug auf einen
Gletscher od. eine Inlandeismasse) große Eisschollen abbrechen
u. ins Meer od. in ein Binnengewässer stürzen lassen.
K|lber- (vgl. auch Kalb-. Kalbs-): -aufzucht, die; -magen,
den tfftalk den -zahne (PI.) (ugs.): große Graupen.
Kalberei [kalto'r^j]. die; -. -en (ugs.): albernes Benehmen;
1402
kalender-, Kalender-
Alberei; Kilberei [kelba'i^i], die; -. -en (ugs.): svw. t
Kalberei; kalbern [kalben] <sw. V.; hat) [1: eigtl. m= wie ein
junges Kalb 1 a umhertollen; 3: wohl nach der Ähnlichkeit
des hierbei hervorgerufenen Geräuschs mit dem Blöken
junger Kläberl: 1. (ugs.) sich albern benehmen; ausgelassen,
albern herumtollen: Zwei Stufen über mir kalberte ein
ungeniertes Liebespaar (Grass, Blechtrommel 727). 2. (Schweiz.)
svw. t kalben (1). 3. (landsch. veraltend) sich übergeben,
erbrechen; 'kälbern ['kelbnn] <sw. V.; hat): 1. svw. t kalbern
(1). 2. (südd.. österr.) svw. tkalbern (2): »die Ochsen
kälbern (etw. sehr Unwahrscheinliches, Unmögliches
geschieht): Wenn wir uns um ihn nicht scheren .... dann
kälbern bei uns die Ochsen (Hacks. Stücke 373). 3. (ugs.)
svw. tkalbern (3); Hcälbern [-] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.)
[mhd. kelberin] (südd.. österr): aus Kalbfleisch; Kflberne.
das; -n (südd.. österr.): svw. TKalbfleisch; Kalbin ['kalbin],
die; -, -nen (südd.. österr.): svw. tKalbe.
K^lbs- (zu Kalb 1 a; vgl. auch Kalb-. Kälber-): ^beusdiel.
das (österr.; Kochk.): vgl. Beuschel (1); -braten, der
(Kochk.): Braten aus Kalbfleisch; -bregen. der (nordd.):
svw. t^hirn; ^bries, das (Kochk.): vgl. Bries; -brieschen,
-bröschen, das (Kochk.): svw. tBrieschen; -brühe, die
(Kochk.): Brühe (1 a) aus Kalbfleisch; -brüst, die (Kochk.):
Brustfleisch vom Kalb: gefüllte K. (Gericht aus mit
Hackfleisch gefüllter Kalbsbrust); * gefüllte K. (Schreibspiel,
bei dem aus gegebenen Anfangs- u. Endbuchstaben Wörter
gebildet werden müssen); ^fell. das: 1. Fell des Kalbes:
ein Mantel aus K. 2. (veraltet) Trommel; * zun K. schwören
(veraltet; Soldat sein, werden; nach der mit Kalbfell
bespannten Trommel, mit der Soldaten geworben wurden):
Na. wer will denn auch zum K. schwören? (Th. Mann,
Zauberberg 68); -fllet, das (Kochk.); -frikandeau, das
(Kochk.): svw. t Frikandeau; ^frikassee, das (Kochk): vgl.
Frikassee; ^ftiß. der (meist PI.) (Kochk.): als Gericht
zubereiteter Fuß vom Kalb; MJekröse. das (Kochk.): vgl.
Gekröse (2); ^gulasch, das (Kochk); ^hachse, die
(Kochk.): vgl. Hachse (a); -haxe, die (südd.. Kochk.):
svw. T ^hachse; -herz, das (Kochk.): vgl. Herz (1 b); -hirn,
das (Kochk.): vgl. Hirnd b); -karree.das (österr., Kochk.):
vgl. Karree; -keule, die (Kochk.); -köpf, der; I. (als Speise
zubereiteter) Kopf des geschlachteten Kalbes. 2. (ugs.)
dummer, einfältiger Metisch; -kotelett, das (Kochk.); lieber.
die (Kochk.). dazu: -lebermirst, die (Kochk.): feine
Wurstsorte aus Kalbs- u. Schweineleber; nieder, das; blende,
die (Kochk.): Lendenstück vom Kalb; -medaillon, das
(Kochk.): Scheibe vom Kalhsfilet: -milch, die (Kochk.):
svw. t-bries; -niere, die. dazu: -nierenbraten, der
(Kochk.): Braten aus dem Rückenstück des Kalbes, das
mit den Nieren zusammengerollt wird; -nuß, die (Kochk.):
rundes Fleischstück aus der Kalbskeule: -rollbraten, der
(Kochk.): gerollter Braten aus Kalbfleisch; -schlegel, der
(Kochk.): vgl. -keule; -Schnitzel, das (Kochk.): K. in
Rahmsauce bestellen; -steak, das (Kochk.); -stelze, die
(österr.. Kochk.): svw. t^hachse; -sülze, die (Kochk.);
-vogerl [-f0:gel]. das; -s. -[n] [eigtl. = Kalbsvögelchen,
weil das Fleischstück die Größe eines kleinen Vogels hat]
(österr., Kochk.): von der Kalbshachse abgelöstes Fleisch
(als Gericht); -zunge, die (Kochk.).
KaMaritin[karda:rium]. das; -s. ...ien [...pn; lat. caldärium.
zu cal(i)dus = warm]: 1. altrömisches Warmwasserbad.
2. (veraltet) warmes Gewächshaus.
Kaidaune [kal'dqynd]. die; -. -n [mhd.. mniederd. kaldüne
< mlat. calduna. caldumen. wohl zu lat. cal(i)dus =
warm, eigtl. = die noch dampfenden Eingeweide
geschlachteter Tiere]: a) <P1.) Innereien, eßbare
Eingeweideteile bes. vom Rind; Kutteln, Fleck, Kuttelfleck: das schöne
Ochsenfleisch ist futsch, wir müssen die-n schlucken (Benn.
Leben 16); b) (salopp) Eingeweide des Menschen: Man
schlepptemich vor einen Schlagbaum, zwecks
Leibesvisitation und Durchleuchtung meiner -n (Lynen.
Kentaurenfährte 289).
Kalebasse [kale'basa]. Kalabasse, die; -. -n [frz. calebasse
< span. calabaza, über das Maurische vidi, zu arab.
Qar'a]: aus den Früchten des Flaschenkürbisses od. des
Kalebassenbaumes hergestelltes, bauchiges Gefäß mit
langem Hals; <Zus.:> Kaleb^ssenbaunu der; [eis. ...bäume:
tropischer Baum mit sehr großen, hartschaligen Früchten.
Kaleidoskop [kal^jdo'skoip], das; -s. -e [engl, kaleidoscope.
eigtl. = Schönbildschauer, zu griech, kalös = schön, eldos
= Gestalt. Bild u. skopein = betrachten, schauen]: 1.
optisches, in seiner Form an ein Fernrohr erinnerndes
Spielzeug, bei dem durch mehrfache Spiegelung von sich im Innern
befindenden, durch Drehen sich jeweils verschieden
zusammenfügenden bunten Glassteinchen wechselnde geometrische
Bilder u. Muster erscheinen. 2. (bildungsspr.) lebendig-bunte
I BilderJfolge; buntes Allerlei, bunter Wechsel bei etw.: ein
buntes K. von Stimmen. Farben. Eindrücken; ein K. von
schrecklichen Bildern drehte sich vor Drostes
geschlossenen Augen (Baum. Paris 163); kaleidoskopisch <Adj.; o.
Steig.): 1. das Kaleidoskop betreffend: 2. in bunter Folge;
ständig wechselnd: -e Bilder.
Kaleika [ka'l^jka]. das; -s [poln. kolejka = Reihenfolge]
(landsch.): [unnötige] Umstände, Aufheben: ... daß der
Alte Reden schwang, so mit Urteilssprüchen, die in Sphären
donnernd fielen und wer weiß was für K. (A. Zweig.
Grischa 336); K. machen.
kalekutisch [kale'kutij] <Adj.) in der Fügung -er Hahn
(veraltet; Truthahn; wohl lautm. od. nach der fälschlich
angenommenen Herkunft aus Kalikut = alter Name der ind.
Stadt Kozhikode).
kalendarisch [kalenda:nj] <Adj.; o. Steig.) [zu TKalenda-
rium]: einem im Kalender angegebenen Datum entsprechend;
nach dem Kalender; kalendermäßig; der -e Beginn des
Frühlings; Kalendarium [...rj[om]. das; -s. -. ...ien [ ..pn; mlat.
kalendarium < spätlat. calendärium = Schuldregister der
Geldverleiher, zu: Calendae, tKalender]: I. [offizielles,
von den Bistümern herausgegebenes] Verzeichnis der
kirchlichen Gedenk- u. Festtage. 2. Verzeichnis der Tage des
Jahres, das (je nach Art des Kalenders, in dem es enthalten
ist) nach Wochen, Monaten o. ä. gegliedert od. den einzelnen
Tagen nach eingeteilt ist u. oft einen gesonderten Teil eines
Blattes, Buches o. ä. darstellt: ein Kunstkalender mit
dreisprachigem K.. mit einem K. in Deutsch und Englisch.
3. (hist.) Verzeichnis der am Ersten des Monats fälligen
Zinsen, Schulden (im alten Rom); Kaienden [ka'lendn] u.
Calendae [...del <P1.) [lat. Calendae. tKalender] (hist.):
der erste Tag des altröm. Monats; Kalender [...de], der;
-s. - [spätmhd. kalender < mlat. kalendarium < spätlat.
calendärium. zu lat. calendae = der erste Tag des Monats
(Zahlungstermin bei den Römern)]: I. in unterschiedlicher
Weise (z. B. als einzelnes Blatt, als Block, Heft, Buch o. ä.)
gestaltetes Verzeichnis der Tage, Wochen, Monate des
Jahres in zeitlicher Aufeinanderfolge, das oft mit zusätzlichen
Angaben über Feiertage, Sonnenaufgänge u. -Untergänge
o. ä. versehen ist: ein literarischer, künstlerisch gestalteter
K.; ein neuer K.; ein K. aus dem Jahre 1950. von 1950;
ein K. für [das Jahr] 1977; ein K. für den Blumenfreund;
ein K. mit Wetterregeln; den K. (vom Abreißkalender ein
Blatt) abreißen; etw. im K. nachsehen; die Termine im
K. notieren, vormerken; * Hundertjähriger K. (einen
Zeitraum von hundert Jahren umfassendes /erstmals für die
Zeit von 1701-1801 zusammengestelltes/ kalendarisches
Verzeichnis mit astrologisch begründeten u. alte
Bauernregeln verwendenden Wettervorhersagen); K. machen (ugs.;
grübeln, nachdenklich sein, seinen Gedanken nachhängen;
in sich versunken über etw. nachsinnen; sich grübelnd mit
unnötigen Dingen beschäftigen; wohl nach der Vorstellung,
daß früher neben Bibel u. Gebetbuch Kalender das einzig
Gedruckte waren u. auch viele Ratschläge u. Hinweise
allgemeiner Art enthielten u. deswegen ein
Kalendermacher viel u. tief nachdenken mußte); sieh (Dativ) etw./einen
Tag im Kalender [rot] anstreichen (oft iron; sich etw. als
Besonderheit einprägen, sich einen Tag aus bestimmten
Gründen besonders gut merken): wenn ihr einmal zu Besuch
kommt, müssen wir uns das. müssen wir uns den Tag
im K. [rot] anstreichen. 2. Einteilung großer zeitlicher
Abschnitte, Zeitrechnung nach astronomischen
Gesichtspunkten, mit Hilfe astronomischer Zeiteinheiten wie Tag, Monat,
Jahr: der altrömische, chinesische, jüdische, islamische K.;
*der Gregorianische K. {die auf dem Julianischen Kalender
fußende, /seit 1582] bis heute gültige Zeitrechnuttg; nach
Papst Gregor XIII. [1502-1582]); der Julianische K. (die
146 v. Chr. eingeführte/ von der Gründung der Stadt Rom
an zählende Zeitrechnung, auf der [mit ihrer Einteilung
des Jahres in 365 Tage, der Länge der Monate u. einem
Schalttag alle vier Jahre] die heutige Zeitrechnung beruht;
nach dem röm. Staatsmann C. Julius Caesar [etwa 100-44
v.Chr.]).
kalender-, Kalander-: ^bbtt, das: einzelnes Blatt eines
Kalenders, das leicht abgetrennt werden kann (z. B. bei einem
1403
kalendern
J
Abreißkalender. Kunstkalender); -block, der <P1. -blocks):
am oberen Rand zu einem Block zusammengeheftete
Kalenderblätter eines Abreißkalenders; -Beschichte, die: (früher
in Kalendern, heute auch selbständig veröffentlichte u. als
eigenständige Kunstform auftretende) kurze, volkstümliche,
oft auch anekdotische, schwankhafte od, auch an der
Legende. Sage, dem Tatsachenbericht orientierte Erzählung mit
belehrendem Inhalt; -idiot, der [engl.-amerik. calendar
idiot, nach dem bei einigen Betroffenen auftretenden
Phänomen, daß sie auf Anhieb für jedes beliebige Datum
der Zukunft od. der Vergangenheit den entsprechenden
Wochentag nennen können] (Psych. Jargon): Mensch, der
auf einem bestimmten Gebiet ein ungewöhnliches Wissen
von Zahlen u. Fakten hat, ohne in der Lage zu sein.
Zusammenhänge zu erkennen od. selbst darzulegen: Fast genial
begabt auf ihrem schmalen Spezialgebiet, sind sie im
übrigen schwachsinnig - sie gehören, so der saloppe
Psychologen-Terminus, zur Spezies der .»Kalender-Idioten" (Spiegel
19.1977.195). dazu: -Idiotie, die; -Mir, das: das im Kaien-
der festgelegte Jahr vom 1. Januar bis zum 31. Dezember
(im Unterschied zu Geschäftsjahr, Schuljahr. Kirchenjahr
o.a.); -magen. der [wegen der (kalender)blattartigen
Längsfalten in der Schleimhaut] (volkst.): svw. t
Blättermagen; -mäßig <Adj.; o. Steig.): svw. f kalendarisch; ^sprach,
der: Spruch. Sprichwort o. ä. auf einem Kalenderblatt; ^uhr.
die: Uhr, die außer der Tageszeit das Datum anzeigt.
kalendern [ka'Ienden] <sw. V.; hat) (landsch.): Kalender
machen. Vgl. Kalender.
Kalesche [ka'lcfo], die; -. -n [tschech. kolesa. poln. kolaska
= Räderfahrzeug, zu: kolo = Rad] (früher): leicht gebaute
Kutsche mit zusammenklappbarem Verdeck.
Kalfakter [kal'fakte]. der: -s. -. Kalfaktor [...ton auch:
...to:s],der; -s. -en [...to.ron; mlat. cal(e)factor = Einheizen
mit dem Einheizen der Öfen betrauter Schüler.
Hausmeister o.a.. zu lat. cal(e)facere = warm machen, einheizen]:
l.a) (veraltend, oft leicht abwertend) jmd.. der für jmdn.
die verschiedensten geraile anfallenden Arbeiten.
Besorgungen, untergeordnete Hilfsdienste verrichtet; b) (oft
abwertend) Gefangener, der in der Strafanstalt den
Gefängniswärtern Hilfsdienste leistet:... um den Suppentopf in Empfang
zu nehmen, den ihm der K. reicht (Genet [Übers.]. Notre
Dame 149). 2. (landsch. abwertend) ymrf.. der andere
aushorcht, verleumdet, denunziert, anderen schmeichelt u. hinter
ihrem Rücken Schlechtes über sie verbreitet; Zuträger:
diesem K. darfst du nicht trauen.
kalfatern [kal'fairen) <sw. V.; hat) [niederl. kalfateren < frz.
calfater (od. it. calfatare, span. calfatear) < mgriech. kal-
phateln. zu arab. qafr = Asphalt] (Seemannsspr.): (die
hölzernen Wätide, das Deck eines Schiffes) in den Fugen
mit Werg u. Teer od. einem dafür vorgesehenen Kitt
abdichten; Das Segelboot hab' ich übrigens Jetzt k. lassen (Dode-
rer. Wasserfälle 122); <Abl.:)Kalf«tening,dle; -. -en; Kalfet-
hammer [kalfa.t-]. der; -s. ...hämmer: einem Holzhammer
ähnliches Werkzeug zum Kalfatern.
Kali ['ka:lü. das; -s. -s [rückgeb. aus T Alkali]: 1. bes. als
Dünge- u. Atzmittel verwendetes natürlich vorkommendes
Kalisalz. 2. kurz für Kalium, Kaliumverbindung [ en].
Kali-: ^bergbau. der: zur Gewinnung von Kalisalzen
betriebener Bergbau; -dtingemittel, das; -düngen der: Düngemittel,
das bes. Kalium in verschiedenen Verbindungen enthält;
-düngung, die <PI. selten): 1. das Düngen mit
Kalidüngemittel. 2. (seltener) svw. T -düngemittel, -dünger; -feftdspat.
der: svw. t Orthoklas; -Industrie, die: der Gewinnung,
Bearbeitung, Weiterverarbeitung von Kalisalzen dienender
Industriezweig; -lager, das <P1. -lager): Salzlager. Lagerstätte
mit überwiegendem Vorkommen von Kalisalzen; -lauge,
die: durch Lösung von Kaliumhydroxyd in Wasser
entstehende farblose, ätzende Flüssigkeit, die vor allem in der
Waschmittel- u. Farbenindustrie verwendet wird; -Salpeter, der:
vor allem als Düngemittel sowie bei der Herstellung von
Feuerwerkskörpern u. von Glas u. Porzellan verwendetes
Salz der Salpetersäure; Kaliumnitrat; -salz^ das <meist
PL): Doppelsalz od. Gemisch von Verbindutigen des Kaliums,
Natriufns, Kalziums u. Magnesiums, das vor allem als
Düngemittel u. als Rohstoff in der chemischen Industrie
verwendet wird; ^werk, das: chemisches Werk der Kaliindustrie.
Kalian [ka'Ua:n] u. Kaliun [ka'Uu.n], der od. das: -s. -e
[pers. galyän]: persische Wasserpfeife.
Kaliban ['kalibanl. der; -s. -e [nach Caliban, einer Gestalt
in dem Drama ..Tempest" (..der Sturm'*) des engl. Dichters
W. Shakespeare (1564-1616)] (bildungsspr.. selten): roher,
grobschlächtiger, primitiver Mensch.
Kaliber [ka'li:be], das; -s. - [frz. calibre < arab. qälib =
Schusterleisten; Form. Modell < griech. kalopödion =
Schusterleisten, eigtl. = Holzfüßchen]: l.a) (Technik.
Waffent.) innerer Durchmesser von Rohren, Bohrungen o. ä.,
bes. des Laufs, Rohres von Feuerwaffen; das Rohr hat
ein K. von 12.5 mm; Beide ( = Geschütze) hatten größeres
K. als das Geschütz des U-Bootes (Ott. Haie 249); Waffen
aller, verschiedener K.; Es schoß bei Tag und Nacht ...
aus großen -n (Geschützen mit großem Kaliber; Kuby.
Sieg 236); b) (Waffent.) äußerer Durchmesser eines
Geschosses: Geschosse großen, kleinen, schweren (großen),
leichteren (kleineren) -s; sie schössen mit schweren -n (Geschossen
großen Kalibers): Ü die Vorwürfe... waren Ja auch schweres
K. (ugs.; waren sehr hart, schwer, massiv; Hörzu 36. 1975.
8). 2, (Metallbearb. veraltend) Meßgerät zum genauen
Bestimmen des inneren od. äußeren Durchmessers an
Werkstücken. 3. (Uhrmacherei) a) Form eines Uhrwerks (z. B.
rund, quadratisch o. ä.); b) Durchmesser eines Uhrgehäuses.
4. (Technik) Aussparung, Abstand zwischen zwei Walzen
bei einem Walzwerk. 5. (ugs.. häufig abwertend) Art, Sorte:
Die Clique, die klatscht, ist das gleiche K. (ist vom gleichen
Schlag) wie die Clique, die pfeift (Benn. Leben 47);
Künstler älteren -s (Künstler, die schon älter sind) sind nicht
gefragt (Sonntagspost 3.12.67,19); ein Verbrechen tollsten
-s (Spiegel 18. 1966. 65); einem Politiker von solchem
K. (von solchem Format) war das nicht zuzutrauen; <Zus.:>
Kalibennaß, das: svw. T Kaliber (2); Kalibration [kalibra-
$io:n]. die; -. -en (Fachspr.): das Kalibrieren; kalibrieren
[...'bri.ran] <sw. V.; hat) (Fachspr.): 1. das Kaliber (1 a)
eines Rohres, einer Bohrung o. ä. bestimmen, messen. 2. a)
(bes. von Werkstücken) auf ein genaues Maß bringen,
ausrichten; b) auf eine einheitliche, genormte Größe bringen:
Saatgut k.; Mit dem ..kalibrierten" Käse, der genau auf
die Form eines deutschen Kastenbrotes gestimmt ist (MM
3. 8. 69, 14). 3. (von Meßgeräten, deren Funktionen o.a.)
durch Vergleichen bestimmter Meßdaten mit geeichten
Richtgrößen kontrollieren, prüfen u. mit der Norm in
Übereinstimmung bringen; eichen: ein Registriergerät k.; Das
Strom-Spannungs-Standard ... liefert genau kalibrierte
Wechselströme und -Spannungen (Elektronik 10. 1971.
A 52); <Abl.:> KaJibrkrung, die; -. -en: das Kalibrieren,
Kalibration.
Kalif [ka'li:fl. der; -en. -en [mhd. kallf < arab. balifa =
Nachfolger. Stellvertreter] (hist.): a) <o. PI.) Titel
mohammedanischer Herrscher als Nachfolger Mohammeds; b)
Träger dieses Titels; Kalifat [kali'fa:t], das; -le]s. -e (hist.):
a) Amt, Herrschaft eines Kalifen; b) Reich,
Herrschaftsgebiet eines Kalifen.
Kaliko[kaliko], der; -s. -s [engl, calico (-cloth) = Kaliko-
(stofD; nach der ostindischen Stadt Kalikut]: feines, dichtes
Gewebe aus Baumwolle od. Zellwolle, das, durch Appretur
versteift, bes. für Bucheinbände verwendet wird: zwei
schwarze Bücher, in schwarzem K., gut erhalten (Bobrow-
ski. Mühle 8).
Kalium ['ka:lium], das; -s [gepr. 17% von dem dt. Chemiker
M. H. Klaproth (174&-1817) für T Potassium; zu T Alkali]:
sehr weiches, (an frischen Schnittstellen) silbrig glänzendes,
mit Wasser w. an der Luft schnell reagierendes Alkalimetall,
das in der Natur nur in Verbindungen vorkommt (chemischer
Grundstoff); Zeichen: K
Kglhm- (Chemie): -bromkl, das: farblose, würfelförmige
Kristalle od. weißes Kristallpulver bildende chemische
Verbindung von Kalium mit Brom, die in der Pharmazie für
Nervenberuhigungsmittel u. in der Fototechnik als Zusatz
zu Entwicklern (der die Entwicklung verzögert) verwendet
wird; ^dilorat, das: weißes, würfelförmige Kristalle
bildendes, aus Kalium u. Chlorsäure entstehendes Salz, das bes.
bei der Herstellung von Zündholzköpfen. Feuerwerkskörpern
o. ä. verwendet wird; MJilorid, das: farblose, würfelförmige
Kristalle bildende chemische Verbindung von Kalium mit
Chlor, die bes. zur Herstellung von Kalidüngemitteln
verwendet wird; -hydroxyd, (ehem. fachspr.:) ^hydroxid. das:
durch Elektrolyse der Lösung von Kaliumchlorid
entstehendes Hydroxyd, das eine harte weiße Masse bildet, die stark
Wasser anzieht u. sich in Wasser zu Kalilauge löst; ^karbo-
nat, das: aus Kalium u. Kohlensäure entstehendes Salz,
das ein weißes, leicht in Wasser lösliches Pulver bildet u.
u.a. zur Herstellung von Seifen w. Glas verwendet wird;
1404
kalkulieren
Pottasche; -nitrat, das: svw. t Kalisalpeter; -permanganat,
das: dunkelviolette, metallisch glänzende Kristalle bildende
chemische Verbindung, die bes. als Desinfektionsmittel.
Bleichmittel, zum Beizen von Holz u.a. verwendet wird;
-sulfat. das: farbloses, rhombische Kristalle bildendes, aus
Kalium u. Schwefelsäure entstehendes Salz (Düngemittel);
-Verbindung, die: mit Kalium gebildete chemische
Verbindung; -zyanid, das: svw. f Zyankali.
Kalhm: t Kalian.
Kalixtiner [kaliks'ti:ni?]. der; -s. - (meist PI.) [zu lat. calix
= Kelch, da diese Gruppe auf der Darreichung des
Abendmahls mit Hostie u. Kelch bestand] (hist.): Anhänger einer
gemäßigten Gruppe der Hussiten; Utraquist.
KaDc [kalk], der; -[eis, (Sorten:) -e [mhd. kalc. ahd. kalk
= Kalk. Tünche < lat. calx (calcem) = Spielstein;
Kalkstein, Kalk, wohl versv. mit griech. chälix = kleiner Stein,
Kies; Kalkstein, ungebrannter Kalk): l.a) (in der Natur
als Kalkstein, Kreide u. Marmor vorkommendes) Kalzium-
karbonat: im Wasserkessel hat sich K. abgesetzt; das
Wasser enthält [viel] Kalk; b) aus Kalkstein gewonnener weißer
[pulveriger] Baustoff; Branntkalk. Löschkalk; gebrannter.
[un]gelöschter K.; K. brennen, löschen; aus K.. Zement.
Sand und Wasser stellt man Mörtel her; den Boden mit
K. (Kalkdünger) bestreuen; die Wände mit K.
(Kalkmörtel) bewerfen, mit K. (Kalkmilch) streichen; er. sein
Gesicht wurde weiß, blaß wie K. (sehr, auffallend bleich);
* bei imdm. rieselt [schon] der K. (salopp; jmd. kommt einem
auf Grund seiner Einstellung, seines Verhaltens o. ä. verkalkt
vor. wird anscheinend alt. senil). 2. (Geol.) kurz für ?
Kalkgebirge. 3. als Knochensubstanz vorkommendes, im Blut
enthaltendes Kalzium; die schlechten Zähne sind auf einen
Mangel an K. zurückzufuhren.
kfDc-, K?lk-: -abbgening, die: 1. (Med.) Ablagerung von
Kalksalzen im Körpergewebe. 2, Ablagerung von porösem
Kalkstein; den Teekessel von den -en befreien; -ähnlich
<Adj.; o. Steig.; nicht adv.): eine -e Substanz; -arm <Adj.;
nichtadv.): wenig Kalk enthaltend (Ggs.: -reich): -e Böden;
-behandhmg, die (Med.): therapeutische Behandlung mit
Kalzium; -beine <P1.): durch Milben verursachte
Hautentzündung bei Geflügel, an dessen Beinen sich eine mörtelartig
aussehende Borke bildet; -boden, der: kalkhaltiger Boden;
-brach, der: svw. -Steinbruch; -dünger, der: Düngemittel,
das vornehmlich Kalzium enthält, dazu: —düngung, die; -ei,
das: in Kalklösung konserviertes Ei; —erde, die: 1. gebrannter
Kalk. Ätzkalk. 2. kalkhaltige Erde; -farbe, die:
Anstrichfarbe aus Kalkmilch u. Farbstoffen; -felsen, der; -gebirge,
das: vorwiegend aus Kalkstein bestehendes Gebirge; -gehalt.
der: 1. Gehalt an Kalk; der K. des Bodens, des Wassers.
2. Gehalt an Kalzium; der K. des Blutes; -gestern, das;
-grübe, die: Grube zum Löschen u. Aufbewahren von Kalk;
-haltig <Adj.; nicht adv.) (bes. Geol.. Mineral.): Kalk
enthaltend; -er Boden; -es Gestein. Wasser; -hinge, die:
durch Kalkablagerungen bei ständigem Einatmen von
Kalkstaub hervorgerufene krankhafte Veränderung der Lunge;
-mangel. der <o. PL): 1. Mangel an Kalzium im
menschlichen u. tierischen Körper: den K. medikamentös
behandeln. 2. Mangel an Kalk: der K. des Bodens muß durch
entsprechende Düngung ausgeglichen werden; -milch, die:
zum Anstreichen und Desinfizieren verwendete Mischutig
aus gelöschtem Kalk u. Wasser; -mörtel, der: zum Bauen
u. Verputzen verwendeter, aus gebranntem Kalk. Sand u.
Wasser angerührter Mörtel; -ofen, der (Technik): Ofen,
indem Kalk gebrannt wird; -oolith, der: Gestein aus
fischrogenartigem, körnigem Kalk u. kalkigem Bindemittel;
-pflanze, die: Pflanze, die vorwiegend od. ausschließlich auf
kalkreichem Boden wächst; -priparat, das (Med.): kalziumhal-
tiges Arzneimittel gegen Schäden, die durch Kalktnangel
verursacht werden; -reich <Adj.; nicht adv.): viel Kalk
enthaltend (Ggs.: -arm); -Salpeter, der: durch Auflösen
von Kalkstein in Salpetersäure gewonnenes
Stickstoffdüngemittel; -Sandstein, der: im Baugewerbe verwendeter, aus
Quarzsandu. gebranntem Kalk gepreßter, unter Dampfdruck
gehärteter Mauerstein; -schiefer, der: in Platten
geschichteter Kalkstein; -schwamm, der: in flachen Meeresgebieten
vorkommender Schwamm, dessen Skelett vorwiegend aus
fmdelförmigem Kalk besteht; -sinter.der: poröser Kalkstein,
der durch Ablagerung aus kalkhaltigen Quellen od. schnell
fließenden Gewässern entstanden ist; -spat, der: sehr
formenreiches, weitverbreitetes, farbloses bis gelblich gefärbtes,
wasserklares bis undurchsichtiges Mineral; Kalzit; -staub.
der; -stein, der: meist aus [Meerjwasser abgesetztes,
vorwiegend aus Kalkspat bestehendes Sedimentgestein, das als
Rohstoff bes. in der chemischen u. der Bauhtdustrie
Verwendungfindet, dazu: -Steinbruch, der; -Stickstoff, der:
synthetischer Stickstoffdünger, der aus Kalziumkarbid u. Stickstoff
gewonnen wird; -tablette, die: vgl. -Präparat; -tufff. der:
svw. t -Sinter; -wasser, das: in der Chemie für den Nachweis
von Kohlendioxyd, daneben als Mittel bei Vergiftungen (mit
Schwefel- od. Oxalsäure), bei Brandwunden, Sodbrennen
u.a. verwendete Lauge aus gefilterter Kalkmilch; -wfiiO
<Adj.; o. Steig.; nicht adv.) (emotional): a) weiß wie Kalk,
sehr weiß: Ihre Lippen sind ohne Farbe, graublau im Mond,
ihre Zähne sind k.. und selbst ihre Stimme hat ihre Farbe
verloren (Remarque, Obelisk 233); b) vor Erregung od.
Angst I plötzlich, als Ausdruck ohnmächtiger Furcht od.
Wut} sehr bleich: k. sein, werden; sein Gesicht ist vor
Schrecken k. geworden; sie lehnte k. an der Wand;
-Zementmörtel, der (Bauw.): Kalkmörtel mit einer
Beimischung von Zement für stärker beanspruchtes Mauerwerk.
Kaikant [kal'kant], der; -en. -en [zu lat. calcäns (Gen.:
calcantis). 1. Part, von: calcäre = (mit den Füßen) treten]
(veraltet): jmd., der an der Orgel den Blasebalg tritt.
Kalkariurie [kalkarjuri:]. die; -. -n [...i:an; zu lat. calcärius
= zum Kalk gehörig u. griech. oüron = Harn] (Med.):
vermehrte Ausscheidung von Kalksalzen im Harn.
kalken [kalkn] <sw. V.; hat) [1: mhd. kelken; ahd. (2.
Part.)gichalct]: 1. mit Kalkt färbe] streichen, tünchen:
Wände, Bäume, den Stall k.; gekalkte Fachwerkhäuser. 2. mit
Kalkdünger anreichern: der Boden ist letztes Jahr gekalkt
worden; kalken I'kelkn] <sw. V.; hat) [1: zu IKalk. wegen
der weißen Farbe des Kots]: I. (Jägerspr.) (von
Greifvögeln) Exkremente ausscheiden. 2. (landsch.) svw. t kalken.
Kalkierung [kalki:run], die; -. -en [zu russ. kalka =
Lehnübersetzung] (Sprachw.. bes. DDR): Lehnübersetzung
(bes. im Chinesischen u. Japanischen).
kalkig [kalkKj] <Adj.; nicht adv.): I. im Farbton dem Kalk
ähnlich, sehr bleich: -es Licht; Sie war unter der Bräune
weiß. k. (Dorpat. Ellenbogenspiele 57). 2. kalkhaltig: -es
Wasser; -e Ablagerungen. 3. weiß von Kalk(staubJ: dein
Ärmel ist vom Streichen ganz k.
'Kalkül [kal'ky:l]. das. auch: der; -s. -e [frz. calcul. zu:
calculer < lat. calculäre = mit Rechensteinen rechnen,
berechnen, zu: calculus = Steinchen, Rechenstein;
Rechnung. Berechnung. Vkl. von: calx. tKalk] (bildungsspr.):
etw. im voraus abschätzende, einschätzende Berechnung,
Überlegung: eiskalte politische -e. nach denen man
wirtschaftliche und soziale Folgerungen berechnet (Thielicke.
Ich glaube 249); jmdn., etw. einem politischen K. opfern;
etw. insK. [einbeziehen (von vornherein mit
berücksichtigen); man darf an eine solche Sache nicht mit logischem
K. herangehen; 2Kalkill [-]. der; -s. -e (Math.): durch ein
System von Regeln festgelegte Methode, mit deren Hilfe
bestinvnte mathematische Probleme systematisch behandelt
u. automatisch gelöst werden können (z. B. die Verfahren
zur Auflösung linearer u. quadratischer Gleichungen);
Kalkulation [kalkula't$io:n]. die; -. -en [spätlat. calculätio =
Berechnung]: 1. (Wirtsch.) Kostenberechnung.
Kostenermittlung. [Kosten IVoranschlag: eine genaue, vorsichtige K.
der Kosten. Preise; die K. stimmt nicht, geht nicht auf;
in seiner K. für die Herstellungskosten dieses Buches liegt
ein Fehler. 2. in bezug auf etw. angestellte Überlegung;
Schätzung: etwas in seine K. mit einbeziehen; nach meiner
K. haben wir noch etwa 25 km zu fahren; Kalkulator
[kalku'la:t:>r,auch: ...10:5], der; -s. -en [...la'to:ran; spätlat.
calculätor]: 1. Angestellter mit kaufmännischer Ausbildung
im betrieblichen Rechnungswesen (Berufsbez.). 2. jmd..
dessen Handlungsweise vom lKalkül bestimmt wird: er war
ein scharfer K.; kalkulierbar [...li:£ba:g] <Adj.; o. Steig.;
nicht adv.): in seinen Ausmaßen voraussehbar, berechenbar:
das Risiko ist nicht k.; kalkulieren [kalku'li:ren] <sw. V.;
hat) [lat. calculäre. vgl. 'Kalkül]: 1. (Kaufmannsspr.)
entstehende Kosten für etw. im voraus berechnen;
veranschlagen: knapp, großzügig k.; Kosten. Preise k.; wir haben
die Herstellungskosten des Buches niedrig, vorsichtig,
falsch kalkuliert; So eine Arbeit wie das Bildermachen
läßt sich nicht k. (mit kau/männischem Kalkül bewältigen;
Gaiser, Schlußball 104). 2a) eine Situation in bestimmter
Weise abschätzen: [blitzschnell, scharf, richtig k.; Ich
kalkulierte: entweder schleppt sie mich zum Brunshöferweg
... oder sie will konvertieren, will in die Herz-Jesu-Kirche
1405
Kalte
(Grass. BJechtrommel 438); b) (ugs.. Seiten) aus einer
bestimmten Situation heraus auf Grund bestimmter
Beobachtungen vermuten: ich kalkuliere, er hat jetzt ausgespielt;
[ich] kalkuliere, daß es bald regnen wird.
Kalla: f Calla.
Kalle ['kahl, die; -. -n Uidd. kalle < hebr. kaltyh = Braut]
(Gaunerspr.): l.a) Braut: b) Geliebte. 2. Prostituierte: Die
K. becherte vome an der Bar (Lynen. Kentaurenfährte
320).
Kalligraph [kali'gra:fl, der; -en, -en [griech, kalligräphos]:
Schönschreiber, Schreibkünstler: Ü der Autor ist ein
romantischer K.; Kalligraphie [kaligra'fi:]. die; - [griech, kalligra-
phia]: Kunst des Schönschreibens: Ü Es gibt hier nichts
Gekünsteltes, keine K.. keine Literatur aus der Retorte
(Deschner. Talente 178); kalligraphisch <Adj.; o. Steig.):
a) die Kalligraphie betreffend: b) in /kunstvoller/
Schönschrift I abgefaßt/: Unter die getrocknete Pflanze ins
Herbarium schrieb er k. den lateinischen Namen (Th. Mann.
Zauberberg 513).
kailos [ka'to.s] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [lat. callösus.
zu: callus. TKallus]: 1. (Med.. Bot.) von Kallus (1. 2b)
überzogen. 2. (Med.) schwielig: KaUose [ka'lo:za], die; -
[zu t Kallus] (Bot.): zelluloseähnlicher pflanzlicher Stoff,
der den Stoffaustausch zwischen benachbarten Zellen od.
zwischen Pflanze u. Außenwelt verhindert: Kallus ['kalusl.
der; -, -se [lat. callus = verhärtete Haut, Schwiele;
Verhärtung; Knochengeschwulst]: 1. (Bot.) an Wundrändern von
Pflanzen durch vermehrte Teilung entstehendes Gewebe. 2.
(Med.) a) Schwiele: b) nach Knochenbrüchen neu gebildetes
Gewebe.
Kalmar ['kalmarl. der; -s. -e [...'ma.ro. frz. calmar < mlat.
calamare = Tintenfisch, zu: calamaris = zum Schreibzeug
gehörig < lat. calamärius = zum (Schreib)rohr gehörig,
wohl wegen der röhrenartigen Arme; vgl. Kalamarien]:
zehnarmiger Tintenfisch.
Kahnäuser [kalm^yze. auch: -'--]. der; -s. - [H.u.; vlell.
studentenspr. (zu lat. calamus = Schreibrohr, nach
Duckmäuser)] (veraltend): jmd.t der sehr zurückgezogen lebt
u. seinen Gedanken nachhängt: Stubenhocker.
Kahne l'kalma]. die; -. -n [frz. calme < ital. calma =
Windstille < spätlat. cauma < griech. kauma =
(Sommerhitze] (Met.): völlige Windstille: <Zus.:> K^lmengürtel.
der (Met.): Gebiet häufiger Windstillen /über den Meeren/:
K^lmenzone, die (Met.): Zone völliger Windstille in der
Nähe des Äquators: kalmieren [kal'mi.ran] <sw. V.; hat)
[frz. calmer < ital. calmare. zu spätlat. cauma. t Kalme]
(bildungsspr. veraltend): beruhigen, besänftigen.
Kahnuck [kal'mok]. der; -[e]s. -e [nach dem
westmongolischen Volk der Kalmücken]: beidseitig gerauhtes,
tuchartiges l Baum /wollgewebe.
Kalmus [kalmus]. der; -.-selspätmhd. kalmus < lat. calmus
< griech. kälamos = Rohr]: an Ufern wachsende
schilfartige Pflanze mit schwertförmigen Blättern u. grünem
Blütenkolben, aus dessen Wurzelstock das Kalmusöl gewonnen
wird: <Zus.:> Kflmusöl, das <o. PI.): aromatisches Öl aus
dem Wurzelstock des Kalmus, das bes. zur Herstellung von
Arzneimitteln, als Gewürz für Liköre u. in der Parfwnerie
verwendet wird.
Kalo [ka.lo]. der; -s. -s [ital. calo. zu lat. c(h)aläre =
herablassen, fallenlassen < griech. chalän = losbinden,
loslassen] (veraltet): Schwund, Gewichtsverlust von Waren
od. Material durch Auslaufen, Eintrocknen o. ä.
Kalobiotik [kalo'bio:tik]. die; - [zu griech. kalöbios = schön
lebend]: im antiken Griechenland geübte Kunst, ein der
sinnlichen u. geistigen Natur des Menschen entsprechendes
harmonischesLeben zu/uAms/Kaloikagathoi [kal^y kaga' tQy ]
<P1.) [griech. kalokagathof. zusgez. aus: kalös kai aga-
thös = schön und gut]: Angehörige der Oberschicht im
antiken Griechenland: Kalokagathie [kalokaga'ti:], die; -
[griech. kalokagathiaj: im antiken Griechenland durch eine
entsprechend umfassende Erziehung angestrebtes
Bildungsideal von körperlicher u. geistig-seelischer Vollkommenheit.
Kalorie [kalori:], die; -. -n [...i:an; frz. calorie. zu lat. calor
(Gen.: calöris) = Wärme, Hitze, Glut, zu: calere = warm,
heiß sein; glühen]: 1. (früher) <meist PI.) Maßeinheit für
den Energiewert von Lebensmitteln: der normal arbeitende
Mensch hat einen Tagesbedarf von etwa 2500-3000 -n;
Gemüse enthält wenig -n. ist arm an -n; Zeichen: cal
2. (Physik früher) physikalische Maßeinheit für die
Wärmemenge, die l Gramm Wasser von 14 Jc auf ISS Celsius
erwärmt: große K. (veraltet; Kilokalorie)', kleine K.
(veraltet; Kalorie)', Zeichen: cal
kalorien-. Kalorien-: -arm<AdJ.>: wenig Kalorien enthaltend,
zuführend (Ggs.: ^reich): eine -e Kost; unser Essen ist
kalorienärmer geworden; sich k. ernähren; -bedarf, der
(Physiol.); -bewußt <Adj.>: sich k. ernähren; -gehalt, der.
-reich <Adj.): viele Kalorien enthaltend, zuführend (Ggs.:
^arm): k. kochen, essen.
Kalorifer [kalori'fe:g]. der; -s. -s u. -en [zu lat. calor (t
Kalorie) u. ferre = tragen, bei sich haben]: 1. (veraltet) Heißluft'
ofen. 2. svw. tThermophor (2); Kalorik [ka'lo:nk], die;
- (Physik): svw. t Wärmelehre; Kalorimeter [kalori-]. das;
-s. - [?-meter] (Physik): Gerät zur Bestimmung von
Wärmemengen, die durch ehem. od. physikal. Veränderungen
erzeugt od. verbraucht werden: KalorimetrJe. die: - ft -metrie]
(Physik): /Lehre von derj Messung von Wärmemengen,
die durch chemische od. physikalische Veränderungen
erzeugt od. verbraucht werden: kalorimetrisch <Adj.; o. Steig.;
nicht präd.): die Wärmemessung betreffend: -e
Meßmethoden; ein -esGerät (Kalorimeter): kalorisch [ka'lo:riJ] <Adj.;
o. Steig.) [1: frz. calorique]: 1. (Physik) die Wärme
betreffend: -eKraftwerke; -e Maschine (Generator mit Wärmean-
trieb). 2. die Kalorien (!) betreffend: Wenn Sie beides
... reichlich auf Ihren Speiseplan setzen. Vollkornbrot.
Hülsenfrüchte und Kartoffeln k. sinnvoll mit einbeziehen
(Hörzu 47. 1975. 106); kalorisieren [kalori'zi:ren] <sw. V.;
hat) [mit französierender Endung wohl zu engl.-amerik.
calorize] (Metallbearb.): auf Metallen eine Schutzschicht
durch Glühen in Aluminiumpulver herstellen.
Kalotte [ka'bts]. die; -. -n [frz. calotte. eigtl. = Mütze.
Käppchen < provenz. calota < ital. calotta. wohl zu
(spät)lat. calautica = Kopfbedeckung (vornehmer
Frauen)]: 1. (Geom.) gekrümmte Fläche eines
Kugelabschnitts. 2. (Archit.) flache Kuppel. 3. (Anthrop.. Med.)
knöchernes Schädeldach (ohne Schädelbasis). 4.a) (kath.
Kirche) Käppchen katholischer Geistlicher: b) wattierte (xt.
netzartig geflochtene Kappe unter Helmen od. Baretten im
15.116. Jh.; c) anliegende Kopfbedeckung der Frauen im
16. Jh.
Kalpa ['kalpa]. der; -[s] [sanskr. kalpa]: größter Zeitabschnitt
in der indischen Lehre von den Weltzeitaltern.
Kaipak [kal'pak. auch: '—]. Kolpak [kal'pak. auch: '--].
der; -s. -s [türk. kalpak]: l.a) Lammfellmütze der Tataren:
b) Filzmütze der Armenier. 2. a) Tuchzipfel an der
Husarenmütze; b) Husarenmütze.
kalt [kalt] <Adj.; kälter, kälteste) [mhd.. ahd. kalt, eigtl.
= das Abgekühlte. Gefrorene): 1. [nur noch] wenig od.
keine Wärme [mehr] enthaltend, ausstrahlend; von niedriger
Temperatur (Ggs.: heiß 1. warm 1): -es Wasser; -er Wind;
-e Wintertage; -e Füße haben; -e Umschläge machen; in
der -en Jahreszeit (im Winter); -en (nach der Zubereitung
erkalteten) Braten essen; -e Miete (Grundmiete ohne
Nebenabgaben, bes. ohne Heizungskosten); -es Licht (Physik;
Leuchterscheinung, die nicht durch hohe Temperaturen
ausgelöst wird, z. B. Fluoreszenz); eine -e Fährte (Jägerspr.;
Fälirte, die mehr als zwei Stunden alt ist): der -e Schweiß
{Angstschweiß; wohl nach der alten Vorstellung, daß Angst
u. Schrecken den Körper mit einem plötzlichen Kältegefühl
reagieren lassen) stand ihm auf der Stirn; der Ofen.
Fußboden ist k.; der Marmor fühlt sich k. an; die Suppe wird
langsam k.; draußen ist es finster und [bitterjk.; mir ist.
wird k. (ich friere, beginne zu frieren); ich habe k. (landsch.;
ich friere); die Wohnung, das Zimmer ist k. (nicht od.
schlecht geheizt); der Motor ist noch k. (hat noch nicht
seine Betriebstemperatur); der Sekt muß k. gestellt
(gekühlt) werden; k. (im ungeheizten Zimmer) schlafen; k.
(mit kaltem Wasser) duschen; abends essen wir meistens
k. (kochen wir nicht, sondern essen kalte Speisen}; er raucht
die Pfeife k. (unangezündet); etw. k. (ohne
Wärmeeinwirkung) biegen, schmieden, löten; Ü der Mond warf ein
-es (weißliches, fahles u. dadurch einen Eindruck von Kälte
entstehen lassendes) Licht über die Landschaft; ein Zimmer
in -en (bläulichen od. weißlichen, einen Eindruck von Kälte
entstehen lassenden) Farben; eine -e (unbehaglich
wirkende) Pracht; <subst.:> im Kalten sitzen; * jmdn. k. erwischen
(Sport Jargon; jmdn., der sich noch nicht richtig auf seinen
Gegner eingestellt hat, noch nicht richtig ins Spiel gekommen
ist, überrumpeln od. schlagen). 2. a) vom Gefühl unbeeinflußt;
nüchtern: mit -er Berechnung, Überlegung; Niemals sieht
man so klar und k. wie in einer Stunde, in der man
1406
Kalte
vor sich den schwarzen Abgrund fohlt (Roth. Beichte
88); b) kein Mitgefühl aufkommen lassend od. zeigend; ab-
weisend, unfreundlich: ein -er Empfang; Jmdn. mit -em
Lächeln, -en Blicken, -er Miene messen; seine Stimme
war hart und k ; jmdn. k. anblicken; k. lächelnd schaute
er bei dem Kampf zu; er fragte mich k.. was ich wünsche.
3. ein eisiges Gefühl. Schauder erregend: -es Grausen, -e
Wut packte ihn; es überlief mich k.
kQlt-.Kqlt-: -asptah.der(Bauw.): im Straßenbau verwendete
Emulsion von Bitumen in Wasser; -aushflrtung, die
(Metallbearb.): (in bezug auf Metallegierungen) Erzielung höherer
Härte u. Festigkeit durch Lagerung bei Raumtemperatur;
-bleiben <st. V.; ist) (ugs.): sich nicht erregen, keine Gefühls-
regung zeigen: er hat sich von ihren Tränen nicht bewegen
lassen, sondern ist bis zum Schluß kaltgeblieben; -bhit
das [wohl wegen des ruhigen Temperaments der Tiere]:
bes. als Zug- u. Lastpferd geeignetes, schweres, starkes
Pferd mit ruhigem Temperament; -bKiter [-bly:te]. der;
-s, - (Zool.): wechselwarmes Tier, dessen Körpertemperatur
entsprechend der Temperatur der Umgebung wechselt:
Fische sind K.; -blutig <Adj.>: l.a) in einer kritischen Lage
fähig, sich von Verwirrung u. Unsachlichkeit freizuhalten
u. das Richtige zu tun; von dieser Fähigkeit zeugend: blickt
Bonaparte auf den eisernen Redner, der ... mit seinen
-en Kalkulationen recht behalten hat (St. Zweig. Fouchä
113); in einer schwierigen Situation k. sein, bleiben; der
Gefahr k. ins Auge sehen; b) (abwertend) sich bei seinem
üblen Tun nicht durch irgendwelche Skrupel od. etwaiges
Mitgefühl beirren od. zurückhalten lassend; von diesem
Verhalten zeugend: ein -er Verbrecher; jmdn. k. ermorden,
zugrunde richten. 2. (Zool.) seine Körpertemperatur
entsprechend der Temperatur der Umgebung wechselnd;
wechselwarm: -e Tiere; Eidechsen sind k.. zu 1: -blütigkeit.
die. -: a) kaltblütige (1 a) Art: in dieser schwierigen
Situation zeigte er eine bewunderungswürdige K.; b)
(abwertend) kaltblütige (I b) Art: die K., mit der dieser Anschlag
durchgeführt wurde, ist erschreckend; -firnis, der: Firnis,
der ohne Erwärmung durch Auflösung öllöslicher Salze
bestimmter Säuren gewonnen wird; -formung, die
(Metallbearb.): ohne Wärmeeinwirkung meist bei Raumtemperatur
durchgeführtes Verfahren. Metall zu formen; -front, die
(Met.): Linie, die die gegen Warmluft vordringende Kaltluft
begrenzt (Ggs.: Warmfront): eine K. zieht herauf; m»s,
das (Technik): gereinigtes, meist abgekühltes Generatorgas;
-gepreßt <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): (von Ölen) durch
kalte Pressung gewonnen (u. dadurch besonders wertvoll);
-geschlagen <Adj.; o. Steig.; nicht adv.): (von Ölen) ohne
Wärmeeinwirkung durch Schlagen gewonnen (u. dadurch
besonders wertvoll); -härtung, die (Technik): das Härten
von Kunststoffen unter Zusatz von Säuren bei
Raumtemperatur; -haus, das (Gartenbau): bes. zum Überwintern
südländischer Pflanzen dienendes Gewächshaus, in dem in der
kalten Jahreszeit eine mäliig warme Temperatur (bis I2°C)
herrscht; vgl. Warmhaus; -her/ig <Adj.; nicht adv.):
anderen gegenüber kein Gefühl empfindend, ohne Herzenswärme,
unfähig zur Liebe od. Freundschaft; von dieser Wesensart
zeugend: sie ist eine -e und egoistische Frau; k. sein; Tür
k. gehalten werden, dazu: -herzigkeit, die; -: kaltherziges
Wesen. Gefühlskälte; -kaustik, die (Med.): svw. TEIektro-
kaustik; -kreissäge, die: in der Metallverarbeitung
gebrauchte besondere Kreissäge, deren Sägeblätter meist mit
Kühlmitteln vor Überhitzung geschützt werden; -lächelnd
<Adj.; o. Steig.; nur adv.) (ugs. abwertend): ohne daß
dem Betreffenden das. was er einem anderen antut, im
geringsten etw. ausmacht, er vielmehr dabei noch Freude u.
Genugtuung empfindet: Die (= eine Araberin) hätte k. einen
kompletten Jet in die Luft gejagt (Cotton. Silver-Jet 8); -lassen
<st. V.; hat) (ugs.): keinen zu erwartenden Eindruck auf
jmdn. machen; innerlich unberührt, unbeeindruckt lassen:
sein Pathos läßt mich kalt; ihre Tränen haben ihn völlig
kaltgelassen; Äußere Ehrungen ließen Jean Jacques Balmat
kalt (Trenker. Helden 19); -leim, der: bei der
Holzverarbeitung verwendeter Leim, der bei normaler Temperatur
abbindet (II); -leiter, der (Physik): elektrischer Leiter od.
Widerstand mit einem negativen Temperaturkoeffizienten;
^hift, die <o. PI.) (Met.): kalte Luft: polare K. zieht heran,
überquert ganz Deutschland, dazu: ^hifteinbruch, der
(Met.), -luftgas, das (Technik): gasförmiger Brennstoff aus
einem Gemisch von Luft u. leicht siedenden
Kohlenwasserstoffen, der für industrielle Heizzwecke verwendet wird.
-Juftsee, der (Met.): Ansammlung von Kaltluft in einer
Geländevertiefung; Frostloch, -luftzufuhr, die (Met.);
-machen <sw. V.; hat) (salopp): skrupellos [aus Ärger. Wut.
Rache od. um den Betreffenden an etw. zu hindern 1 töten,
umbringen: er soll seinen Komplizen kaltgemacht haben,
um die Beute nicht teilen zu müssen; er macht dich kalt,
wenn du ihm über den Weg läufst; -mamsell, die:
Angestellte, die in einem Gaststättenbetrieb für die Zubereitung u.
die Ausgabe der kalten Speisen verantwortlich ist; kalte
Mamsell (Berufsbez.); -meißel, der (Technik): Meißel zur
Bearbeitung von Stahl (in kaltein Zustand) mit dem Vor-
schlaghammer auf dem Amboß; -miete* die: kalte Miete:
Die Wohnung kostet 300 Mark K ; -nadel, die (bild.
Kunst): Nadel aus Diamant od. Stahl zur Herstellung von
Kaltnadelradierungen, dazu: -nadelradienmg, die (bild.
Kunst): Verfahren des Kupferdrucks, bei dem die Zeichnung
nicht eingeätzt, sondern mit einer Kaltnadel eingeritzt wird;
-nieten <sw. V.; hat; Zusschr. nur im Inf. u. im 2. Part.)
(Metallbearb.), dazu: -nietung, die (Metallbearb.):
Verfahren beim Nieten, bei dem die Nieten (im Unterschied zur
Warmnietung) in kaltem Zustand geschlagen werden;
-schale, die: an Stelle von Suppe od. als Nachtisch kalt
servierte süße Suppe; -schnäuzig [-Jn^yt^icJ <Adj.) (ugs.):
Mangel an innerer Teihiahme. Gleichgültigkeit den
Problemen anderer gegenüber zum Ausdruck bringend: eine -e
Antwort; „Das haben wirvom Tisch", wiees der -e
Verwaltungsjargon unübertrefflich formuliert (Rheinischer
Merkur 8.1976.29); jmdn. k. abfertigen, dazu: -schnäuzigkeit,
die; - (ugs.): kaltschnäuziges Wesen. Verhalten: dazu gehört
eine ganze Portion K.; und er besaß noch K. genug, die
Situation als saukomisch zu empfinden (Kirst, 08/15, 876);
-schweißen <sw. V.; hat; Zusschr. nur im Inf. u. 2. Part.)
(Metallbearb.): metallische Werkstoffe bei Rautntemperatur
ohne weitere Wärmezufuhr durch sehr hohen Druck
miteinander verschweißen. <subst.:) -schweißen, das; -s
(Metallbearb.); --sinn, der (geh.): Mangelan teilnehmender
Wärme, dazu: -sinnig <Adj.) (geh.): nicht mit dem anderen
empfindend: Sie sollten nicht so k. und abweisend neben
mir hergehen, wo ich so glücklich bin (Th. Mann, Hoheit
192); -Start, der (Kfz.-W.): Start mit kaltem Motor bei
niedrigen Temperaturen; -stellen <sw. V.; hat) (ugs.): durch
bestimmte Maßnahmen seines Einflusses. seiner
Entfaltungsmöglichkeiten berauben: den Minister [auf
einem anderen Posten), einen unliebsamen Konkurrenten k.;
durch die harte Manndeckung wurde der wurfgewaltige
Stürmer kaltgestellt, dazu: -Stellung, die (ugs.): das
Kaltstellen: die K. seines Gegners bewirken; er betrachtet seine
Versetzung als eine K.; -teer, der: gefluxter Straßenteer,
dessen Zähflüssigkeit so verringert ist. daß er in kaltem
Zustand verarbeitet werden kann; -Verfestigung, die
(Technik): beider Kaltformung metallischer Werkstoffe
eintretende Verfestigung; -Verformung, die (Metallbearb.): svw.
T -formung; -Verpflegung, die: im Unterschied zum warmen
Essen Verpflegung mit Brot. Aufschnitt o. ä.: statt des
Kantinenessens K. wählen; -walzen <sw. V.; hat; Zusschr.
nur im Inf. u. 2. Part.) (Metallbearb.): zur Feinbearbeitung
Bleche u. Bänder bei Raumtemperatur auf Kaltwalzwerken
auswalzen. <subst.:) -walzen«das; -s (Metallbearb.):
-Walzwerk, das (Metallbearb.): Walzwerk zum Kaltwalzen;
-Wasserbehandlung [-' 1. die (Med.): Behandlung mit
kaltem Wasser zu therapeutischen Zwecken; -wasserhdbuistalt
[„' 1 die (Med.): -Wasserkur I- 1. die (Med.):
vgl. -Wasserbehandlung; -welle« die: Dauerwelle mit Hilfe
von chemischen Substanzen; -zeit, die (Geol.):
Zeitabschnitt, dessen durchschnittliche Jahrestemperaturen
deutlich unter denen des vorausgegangenen u. des nachfolgenden
Zeitabschnitts liegen (Ggs.: Warmzeit), dazu: -zeitlich
<Adj.; o. Steig.; nicht prad.v: die Kaltzeit betreffend, ihr
entstammend: Relikte einer -en Alpenflora (Kosmos 3.
1965. MO).
Kälte ['keltel. die; - [mhd. keltc. ahd. chalü]: 1. ab niedrige
IAußen)temperatur meßbares Kalt sein der Luft, wobei man
einen starken Mangelan Wärme empfindet (Ggs. Wärme,
Hitze 1): eine strenge, eisige, grimmige, beißende,
schneidende K ; es herrscht sibirische, arktische K ; die K. dringt
durch die schlecht isolierten Fenster, die Fliesen strömen
K. aus; heute nacht hatten wir 10 Grad K. unter dem
Gefrierpunkt); er schützte sich gegen die vor der K. mit
einer dicken Fellmütze; vor Kälte zittern. (ugs.:> bibbern,
Ü Ich habe Gelegenheit gehabt. Sie im Verkehr mit anderen
1407
kälte-, Kälte-
1
Leuten zu beobachten .... und immer habe ich K. und
Angst dabei empfunden (Th. Mann, Hoheit 213). 2.a)
Unverbindlichkeit. Unfreundlichkeit aus Mangel an innerer
Teilnahme; Gefühlskälte: in seinen Worten lag eine
schneidende K.; Jmdn. mit spürbarer, eisiger K. empfangen;
b) Unbehaglichkeit einer Räumlichkeit o.a.: die K. eines
Raums, einer Einrichtung empfinden.
k#lte-, K$lte-: -anästhesie, die (Med.): örtliche Betäubung
durch Anwendung von Kälte (Eispackungen o. ä.); -behand-
hmg, die (Med.): Behandlung mit Kälte zu therapeutischen
Zwecken; -bestandig <Adj.; nicht adv.>: 1. unempfindlich
gegen die Einwirkung von f großer] Kälte. 2. nicht gefrierend;
<Abl. zu 1 u. 2:> -bestandigkeit, die; -brücke, die
(Bautechnik): Bauteil, das meist in Außenwänden verwendet wird
u. in das aus bautechnischen Gründen Baustoffe mit geringer
Wärmedämmung eingearbeitet sind; -Chirurgie, die <o. Pl.>
(Med.): gezielte örtliche Zerstörung od. Entfernung von
Gewebe durch Einfrieren unter Verwendung stark gekühlter
Instrumente; Gefrierchirurgie; -einbrach, der (Met.):
plötzliches Absinken der Lufttemperatur: ein unerwarteter K.;
-einwirkung, die; ^empfindlich <Adj.; nicht adv.): gegen
Kälte nicht sehr widerstandsfähig: -e Pflanzen. Tiere; ^ferien
<P1.>: [Schul]Serien wegen ungewöhnlich großer Kälte (bes.
bei einem Engpaß in der Versorgung mit Heizmaterial);
-gefuhl, das: ein K. empfinden; -grad, der: 1. Grad der
Kälte: eine Kühlanlage auf einen bestimmten K. einstellen.
2. (ugs.) Grad unter dem Gefrierpunkt: heute nacht hatten
wir einige -e; -hoch, das (Met.): Hoch aus kalten
Luftmassen; —mantel, der: 1. isolierende Ummantelung um eine
Flasche, durch die der Inhalt kühl gehalten wird. 2. (Bergbau)
einen Hohlraum (Stollen o. ä.) in einem Bergwerk
umschließende Gesteinsschicht, deren Temperatur infolge ständiger
Wärmeabgabe an den Wetterstrom tiefer liegt als die der
weiter dahinter liegenden Schichten; -masdiine, die
(Technik): Maschine zur Erzeugung tiefer Temperaturen.
Gefriermaschine; -niischung, die (Chemie): Gemisch [aus Salz
mit Eis], dessen Energieverlust bei der Auflösung zu einer
Senkung der Temperatur führt; -Periode, die: längerer
Zeitraum mit sehr kaltem Wetter; ^pol, der: kältester Ort
auf der Erdoberfläche; -punkt, der (Physiol.): bestimmter,
eng begrenzter Hautbezirk, der besonders kälteempfindlich
ist; -sdiauer, der: Schauer, das Erbeben vor Kälte: Dem
Matrosen schlugen die Zähne in -n wieder aufeinander
(Jahnn, Geschichten 156); -schütz, der: Schutz gegen
Schädigungen u. Beeinträchtigungen durch Kälteeinwirkung:
Brennspiritus ist ein billiger und wirksamer K. für
Scheibenwaschanlagen, dazu: -Schutzmittel, das; -starre, die:
a) (Zool.) durch tiefe Temperaturen verursachte
Herabsetzung des Stoffwechsels bes. bei Kaltblütern, die zu einer
Muskelstarre führt; b) (Bot.) Hemmung des Stoffwechsels
u. dadurch bewirkte Versteifung bestimmter Pflanzen bei
niedrigen Temperaturen; -steppe, die: svw. t Tundra;
-stürz, der (Met.): plötzliches starkes Absinken der
Lufttemperatur; -technik, die: technische Disziplin, die sich mit
der Erzeugung u. Anwendung künstlicher Kälte u. mit der
Konstruktion u. Instandhaltung aller dafür benötigten
Maschinen befaßt, dazu: -techniker, der: jmd.. der auf dem
Gebiet der Kältetechnik tätig ist; ^tod, der: Tod durch
Erfrieren: dem K. entgehen; -versuch, der (Technik):
Prüfungsverfahren zur Feststellung des Verhaltens von
Werkstoffen bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt; ^welle.
die: kinger andauernde, heftige Kälte, die spürbar in das
Alltagsleben eingreift: die K. hat bereits einige Todesopfer
gefordert, hat der Wirtschaft des Landes einen
empfindlichen Schaden zugefügt.
kalten t'kaltn] <sw. V ; ist) [mhd. kalten, ahd. ehalten]
(veraltet): kalt werden, erkalten; kälten ['keltn] <sw. V.;
hat) [mhd. keltenj (veraltet): kalt machen.
Kalter ['kalte], der; -s, - [spätmhd. kalter, aus älterem
gehalter, eigtl. = Behälter, zu: gehalten = aufbewahren] (österr..
auch südd.. Schweiz.): kastenförmiger, tragbarer Behälter
[für Fische}.
Kahmbin [kalumbi:n], das; -s [zu engl, calumba = Kolom-
bowurzel]: Bitterstoff der Kolombowurzel.
Kahmet [kalu'met, kaly'me], das; -s, -s [frz. calumet =
norm. Form von frz. chalumeau, zu spätlat. calamellus
= Röhrchen; Bez. der frz. Siedler in Nordamerika für
die indian. Pfeife] (Völkerk.): Friedenspfeife der
nordamerikanischen Indianer.
Kalumniant [kalomni'ant], der; -en. -en [lat. calumniäns
(Gen.: calumniantis), 1. Part, von: calumniäri =
verleumden] (bildungsspr. veraltet): Verleumder.
Kahippe [ka'lupo], die; -. -n [aus dem Slaw.; poln. chatupa.
tschech. chalupa] (landsch.): baufälliges altes Haus; Hütte.
Kalvarienberg [kal'va:rpn-]. der; -[eis, -e [spätlat. calvariae
(locus) = Schädelstätte, zu lat. calväria = Hirnschale,
Schädel]: a) (bes. an katholischen Wallfahrtsorten als
Nachbildung Golgathas) hügelartige Erhöhung mit plastischer
Darstellung einer Kreuzigungsgruppe, zu der
Kreuzwegstationen hinaufführen: Die Oberin und vier Profeßschwestem
wallfahrteten nach Neutra zum K. (Bieter. Mädchenkrieg
378); b) (in der Bretagne) große Kreuzigungsgruppe mit
volkreicher Szenerie.
Kalvill [kal'vil], der; -s. -[en], Kalville [kal'vild], die: -. -n
[frz. calville, nach dem frz. Ort Calleville (Department
Calvados)]: feiner, säuerlicher u. sehr aromatischer
Tafelapfel.
kalvinisch, (auch:) calvinisch [kal'vi:nif] <Adj.; o. Steig.)
[nach dem Genfer Reformator J. Calvin (1509-1564)]: nach
der Art Calvins: Kalvinismus, (auch:) Calvinismus [kal-
vi'nismus]. der; -: evangelisch-reformierte Glaubenslehre des
Genfer Reformators J. Calvin, die die nur geistige Präsenz
Christi beim Abendmahl u. die [ sich auch im irdischen Glück
offenbarende] Prädestination der Auserwählten vertritt;
Katvinjst, (auch:) Calvinjst, der; -en. -en: Anhänger des
Kalvinismus: Kalvinjstin, (auch:) Calvinjstin, die; -, -nen:
w. Form zu tKalvinist; kalvinjstisdi, (auch:) calvinjstisch
<Adj.; o. Steig.): den Kalvinismus betreffend, zu ihm
gehörend: die -e Glaubenslehre.
Kalym [ka:lYm], der; -s. -s [aus dem Turkotat] (Völkerk.):
bei türkisch-mongolischen Völkern an den Brautvater zu
zahlender Preis für eine Braut.
Kalyptra [ka'lYptra], die;-,...ren[griech. kalyptra = Deckel.
Haube] (Bot.): 1. bei Farn- u. Samenpflanzen Wurzelhaube
als Schutz u. Gleithilfe für die wachsende Wurzelspitze.
2. Hülle der Sporenkapsel bei Laubmoosen; Kalyptrogen
[kalYptroge:n], das; -s [t-gen] (Bot.): Gewebeschicht, aus
der sich die Kalyptra (1) entwickelt.
Kalzeolarie [kal^eola:rp], die; -. -n [zu lat. calceolus =
kleiner Schuh]: svw. t Pantoffelblume.
Ratifikation [kaltßifika'tßio:n], die; - (Physiol.): das
Kodifizieren; kalzifizieren [...i'&i:ran] <sw. V.; ist) [zu lat. calx
(Gen.: calcis), TKalk] (Physiol.): Kalke bilden; verkalken:
eine Stoffwechselstörung des Skeletts, das unzureichend
kalzifiziert (Reform-Rundschau 11. 1968. 3); kalzifug
[...fu:k] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.) [zu lat. fügere =
fliehen] (Bot.): (von Pflanzen) kalkhaltigen Boden meidend
(Ggs.: kalziphil);Kalzination,(ehem. fachspr.:) Calcination
[...ina't$jp:n]. die; - (Chemie): a) Zersetzung einer
chemischen Verbindung durch Erhitzen; b) das Austreiben von
Wasser aus Kristallen; c) Umwandlung in kalkähnliche
Substanz; kalzinieren, (ehem. fachspr.:) calcinieren [...'ni:ren]
<sw. V.; hat) (Chemie): aus einer chemischen Verbindung
durch Erhitzen Wasser od. Kohlendioxyd austreiben; <Abl.:>
Katzmknmg, (ehem. fachspr.:) Calcinierung. die; -
(Chemie): das Kalzinieren; Kalzinose [...'no:zd]. die; -. -n (Med.):
Verkalkung von Gewebe infolge vermehrter Ablagerung von
Kalksalzen; kalziphil [...i'fi:l] <Adj.; o. Steig.; nicht adv.)
[zu griech. phileln = lieben] (Bot.): (von Pflanzen)
kalkhaltigen Boden bevorzugend (Ggs.: kalzifug); Kalzit, (ehem.
fachspr.:)Caicit [kal'tßi:t.auch: ...t$it], der; -s. -e: Kalkspat;
Kalzium, (ehem. fachspr.:) Calcium ['kaltßium], das; -s
[1808 gepr. von dem engl. Chemiker H. Davy (1778-1829)]:
(nur in Verbindungen vorkommendes) silberglänzendes, sehr
weiches Leichtmetall (chemischer Grundstoff); Zeichen: Ca
Kalzium-, (ehem. fachspr.:) Calcium-: -chlorid, das <o PI.):
unter anderem als Trockenmittel. Frostschutzmittel, zum
Binden von Staub u. in der Medizin verwendete Verbindung
des Chlors mit Kalzium; -hydroxyd, (ehem. fachspr.:)
^hydroxid. das <o. PI.): gelöschter Kalk; -karbid, das
<o. PI.): svw. tKarbid (2); -karbonat, das: kohlensaures
Kalzium (z.B. Kalkstein. Kreide); -mangel, der <o. PI.):
svw. tKalkmangel (1); M>xyd, (ehem. fachspr.:) -oxid. das
<o. PI.): gebrannter Kalk. Branntkalk. Ätzkalk; -phosphat,
das: als Düngemittel, bei der Herstellung von Backpulver
u. in der Medizin verwendetes Kalziumsalz der Phosphorsäu-
re; -salz, das <meist PL): Salz des Kalziums; -Spiegel,
der <o. PI.) (Physiol.): Stärke der Konzentration von
Kalzium in Körperflüssigkeiten; -sulfat, das: wasserfreier Gips;
Anhydrit: -Verbindung, die (Chemie).
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