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Текст
DUDEN
Der Herausgeber
Trendbüro ist ein Beratungsunternehmen für gesellschaftlichen Wandel. Es
wurde 1992 von Prof. Peter Wippermann gegründet und hat sich
auf die Entwicklung von Marken- und Kommunikationsstrategien sowie Pro¬
duktinnovationen spezialisiert. Den ökonomischen Wandel zu beschreiben
und in Worte zu fassen, ist Teil der Arbeit. Unter der Leitung von And¬
reas Steinle, Partner im Trendbüro, und der Mitarbeit von Diane
Hülsmann widmete sich eine Redaktion aus Praktikern, Fachautoren und
Wissenschaftlern den Begriffsdefinitionen.
Das Wörterbuch
Die wichtigsten Begriffe der New Economy werden in sechs Kapiteln beschrie¬
ben. E-Conomy: Welche Rolle spielen Content und Community in einer
Auction-Economy? Work-Culture: Ob Desksharing oder Cappuccino-
Working - wir werden anders arbeiten. Stock-Exchange: Schwei߬
ausbruch beim Breakout? Was Bullen und Bären fürchten. New Marke¬
ti n g : Wo herkömmliche Werbung versagt, hilft Ambient Advertising und
1-to-l-Marketing weiter. Knowledge-Management: Brainstor¬
ming statt Braindrain. Die Changeability entscheidet in der Knowledge-Eco¬
nomy. Life-Sciences: Wo liegen die Zukunftsmärkte? Im Biofarming,
in der Gentherapie oder im Tissue-Engineering?
DUDEN
Wörterbuch de
New Economy
Herausgegebe
von Trendbüro
Herausgeber: Prof. Peter Wippermann/Trendbüro
Redaktion Trendbüro: Andreas Steinle, Diane Hülsmann
Redaktion Dudenverlag: Dr. Matthias Wermke, Evelyn Knörr
Autoren: Prof. Dr. Norbert Bolz, Holm Friebe, Detlef Gürtler, Thomas Huber,
Herbert Igelmann, Felix Kaufmann, Dr. Rainer Klingholz, Michael Mühlhaus,
Corinna Mühlhausen, Francis Müller, Mac Mueller, Dr. Christina Pfeifer,
Hartmut Scholl, Andreas Uthoff, Betty Zucker
Redaktionsassistenz: Ulrike Marks/Trendbüro
Bildredaktion: Trixi Rossi/Büro Hamburg
Dokumentar (Life-Sciences): Dr. Matthias Albaum
Konzeption und Artdirektion: Regine Thienhaus/Büro Hamburg
Gestaltung: Jeanette Renard/Büro Hamburg
Satz und Reinzeichnung: Andrea Junker
Umschlag- und Aufmacherfotografien: Kerstin zu Pan
Lektorat: Evelyn Knörr/Dudenverlag, Inge Ahrens, Dorothee von Diepenbroick
Herstellung: Monika Schoch/Dudenverlag
Litho: Peter Beyer
Druck und Einband: Progressdruck GmbH
gesetzt aus ITC Officina Sans, OCR Buero
Das Wörterbuch der New Economy findet sich im Internet unter
www.neweconomy-duden.de.
Herzlichen Dank an Dr. Matthias Wermke, Evelyn Knörr, Hans Gareis,
Monika Schoch, Anke Baumgarten, Klaus Holoch und Angelika Böhm
vom Dudenverlag für die gute Zusammenarbeit.
Die Deutsche Bibliothek - CIP Einheitsaufnahme. Ein Titelsatz für diese
Publikation ist bei der Deutschen Bibliothek erhältlich.
Das Wort DUDEN ist für den Verlag Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG
als Marke geschützt.
Alle Rechte vorbehalten.
Nachdruck, auch auszugsweise verboten.
Kein Teil dieses Werkes darf ohne schriftliche Einwilligung des Verlages in
irgendeiner Form (Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren), auch
nicht für Zwecke der Unterrichtsgestaltung, reproduziert oder unter Verwendung
elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.
© Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG, Mannheim 2001
Printed in Germany
ISBN 3-411-71171-X
DUDEN
Wörterbuch der
New Economy
Herausgegeben
von Trendbüro i
Mit einem Vorwort von Prof. Dr. Norbert Bolz
DUDENVERLAG
Mannheim • Leipzig • Wien • Zürich
Know le;
5
TER
2 7 6 B I
LDNAC H W E IS
2 8 6
Edi tor
ZU DIESEM BUCH
Es ist gefährlich geworden, den Begriff New Economy in den
Mund zu nehmen. Womöglich gehören Sie zu denjenigen, die
am Neuen Markt spekuliert haben und, durch Kursfantasien
beflügelt, in eine Bärenfalle geraten sind. Womöglich
haben Sie aber auch frühzeitig investiert und konnten durch
geschicktes Stock-Picking den Einsatz verdoppeln. Seien
wir ehrlich: Die Erwartung, ein jeder könne Millionär
werden, war maßlos übertrieben. Wenn die neue Internet¬
wirtschaft auch nicht jeden zu Reichtum führte, so brachte
sie doch eines mit sich: Ein ganzes Volk interessiert
sich plötzlich
man nicht mehr
für ökonomische Belange. Beim Friseur redet
über die neuesten Scheidungsgerüchte,
sondern über Firmenhochzeiten.
Das enorme Interesse an Wirtschaftsthemen und die Folgen
für unsere Sprache waren Auslöser für dieses Buch. Begriffe
aus der Geschäftswelt gehen in die A I 11agssprache über.
Nicht nur Flüge, sondern auch private Beziehungen werden
gecancelt. Zahllose neue Begriffe beschreiben bis dato
unbekannte Phänomene. Die Summe der neuen Wörter beschreibt
die New Economy womöglich am besten. Es geht um eine ver¬
änderte Arbeitsku 11ur , in deren Zentrum die technologische
Vernetzung steht. Der Begriff der New Economy tauchte in
der zweiten Hälfte der 90er-Jahre zunächst in den USA auf
und bezeichnete dort den Wirtschaftsaufschwung , der vor
allem durch die IT-Branche ausgelöst wurde. Heute steht der
Begriff für den Transformationsprozess einer späten
7
I ndustriegese l l schaft hin zur Wissensgesellschaft.
Hinter wirtschaftlichen Entwicklungen stehen jedoch immer
Menschen mit ihren Visionen. Aus diesem Grund sind die
100 Köpfe, die die New Economy in Deutschland am stärksten
geprägt haben, in diesem Buch abgebildet (Stand Druck¬
legung Januar 2001). Ermittelt wurden sie bei einer Um¬
frage unter fünf Chefredakteuren deutscher Wirtschafts¬
zeitschriften. Dazu gehörten Dr. Wolfgang Kaden vom
manager-magazin , Andrew Gowers von der Financial Times
Deutschland, Thomas Voigt von Impulse, Klaus Madzia
von Net-Business und Gabriele Fischer von brand eins.
Das Wörterbuch der New Economy will einen Einblick in
die neue Form des Wirtschaftens geben. In sechs Kapitel
gegliedert, die von Trendbüro in Zusammenarbeit mit
Experten und der Dudenredaktion zusammengeste I 11 wurden,
sind die wichtigsten Bereiche der New Economy darge¬
stellt. Das Innovationstempo in der Wirtschaft ist enorm.
Aus diesem Grund führen wir das Wörterbuch im Netz
unter www.neweconomy-duden.de weiter. Schreiben Sie
mit uns die Wirtschaft fort.
Andreas Steinle
Redaktionslei tung
T rendbüro
Prof. Peter Wippermann
He rausgebe r
Trendbü ro
Hamburg, im Januar 20Ö1
8
V o 1
r
w
o
r t
STAND
-BY-MODUS DER EXISTENZ
Es ist wohl unstrittig, wie die beiden großen Themen unserer
Zeit lauten: Globalisierung und Internet. Sieht man
genauer hin, so zeigt sich, dass beide Themen im Kern iden¬
tisch sind. Es geht um die weltweite Vernetzung von
Wirtschaft und Politik, M e d i e n t e c h n i k und Wissenschaft,
Datenströme und Finanzströme. Die New Economy ist eine
Wirtschaft des Unsichtbaren. Für sie ist Herbert Marshall
McLuhans Vision Wirklichkeit geworden: das dezentrale
elektronische Weltdorf, die geschrumpfte Welt der Satel¬
litenkommunikation, in der räumliche Distanzen unwichtig
sind, solange man ans Netzwerk angeschlossen ist.
Nichts ist heute wichtiger als die Pflege des Netzwerks,
das Angebot von Beziehungen und Verknüpfungsmög l ichkeiten.
Das erfolgreiche Produkt der New Economy definiert sich
nicht mehr „technisch" über seinen Gebrauchswert , sondern
„sozial„über seinen Verknüpfungswert . Mit anderen Worten:
Das Produkt ist die Schnittmenge von Kommunikation, in
die es den Kunden verstrickt. Der soziale Mehrwert der Ware
muss im Zentrum aller Strategien des Marketings stehen.
Einige überlegen daher schon, ob man nicht besser gleich
von „Societing" sprechen sollte.
Man kann die New Economy als eine Ellipse beschreiben, die
um zwei Brennpunkte konstruiert ist: die Produktivkraft
Kommunikation und die kommunikative Lust. Es geht also nicht
nur um Information als Datenprozess , sondern auch - und
das ist etwas ganz anderes! - um Kommunikation als Faszina¬
tion. Gerade das Internet stimuliert nicht nur die Pro¬
duktivkraft Kommunikation, sondern auch die kommunikative
Lust. Nicht zufällig lauten seine Schlüsselbegriffe
„surfen" und „chatten". Im Zeitalter der weltweiten Ver¬
netzung ist Kommunikation die Lust, die sich vergolden
lässt. Die Produktivkraft Kommunikation fördert die Glo¬
balisierung der Wirtschaft, virtualisiert Arbeitsver¬
hältnisse, wandelt das Unternehmen zum Konversationsnetz
und die Produkte zum Immateriellen. Daraus folgt, dass
die Medien das Geschäft der Zukunft sind, die Kommunikation
ins Zentrum der Produktivität rückt und sich das Wissen
als wichtigste Ressource unserer Gesellschaft erweist.
Mit dem Handy und Laptop hat sich die Kommu n i ka t i o n s t e c h-
nologie zum ersten Mal von festen Standorten emanzipiert.
Mit Beginn der Moderne spalteten sich Arbeit und Heim.
Büro hieß bisher: Trennung von Leben und Arbeit. Die Multi¬
media g e s e I I s c h a f t dagegen zielt auf das Homeoffice.
Früher ging man ins Büro - heute loggt man sich ins Netz
ein. Man arbeitet zu Hause und zwar Shome - und man ist
überall zu Hause: als Technomade. So emanzipiert sich die
Arbeit vom Arbeitsplatz - die soziale Umwelt der Face-
to-Face-Interaktion schrumpft. Dem entspricht die z i v i li¬
sa t i on s e t h i s c h e Norm der Availability, der Stand-by-
Modus der Existenz; man muss immer auf Abruf bereitstehen.
Die Technik normalisiert die gesellschaftliche Erwartung
Vorwort
ständiger Verfüg- und Erreichbarkeit . Diese Bürger der
digitalen Weltgesellschaft sind jung, gebildet, ehrgeizig;
sie arbeiten in den Universitäten, Telekommunikations¬
gesellschaften, Medienhäusern und Banken; sie sind tole¬
rant, vernünftig, medienkompetent und - nein, nicht
unpolitisch, sondern „postpolitisch". Die Netzbürger haben
nur eine Leidenschaft: den freien Fluss der Information.
Jeder soll sprechen und gehört werden können.
Der Computer auf dem Schreibtisch des Büros - das ist ein
zwar vertrautes, aber viel zu einfaches Bild vom Büroleben
in der New Economy. Hier wird das Modem zum Widersacher
des traditionellen Büros. Des Teleworkers Büro ist, wo sein
Modem ist. Ob es der Laptop im Flugzeug oder das Handy
im Intercity-Großraumwagen ist - ad hoc entsteht das
One-Pe r son-0 f f i c e und der Rest der Welt versinkt. Der Com¬
puterexperte Peter Glaser resümiert: „Man fährt nicht
mehr zur Arbeit und kommt erledigt nach Hause, sondern die
Arbeit kommt nach Hause und fährt erledigt in die Firma
zurück." Doch nicht nur der Beruf zerfällt, sondern auch
das Unternehmen. Jeder wird ein Unternehmer.
Wir arbeiten alle mehr, als wir wissen. Jeder, der heute
einen Job hat, hat auch einen Zweitjob, eine Nebentätig¬
keit. Dieser ist Kommunikation. Und im Zeitalter des
Internets wird diese Nebentätigkeit immer mehr zur Haupt¬
sache, zur eigentlichen Arbeit. Im Blick auf die Organisa-
1 1
tion von Unternehmen leuchtet das unmittelbar ein. Wenn
Hierarchien durch Netzwerke ersetzt werden, besteht die
Aufgabe des Managers darin, die Kommunikationsverhält-
nisse zu betreuen; er ist nicht mehr der General, sondern
der Dirigent - oder der Therapeut.
Die New Economy ist in ihren Kommunikationsstrukturen vom
Prinzip her „weiblich" . Es ist heute ja unstrittig, dass
Frauen besondere Soft Skills besitzen, also über große kom¬
munikative und soziale Kompetenzen verfügen. Beziehungen
knüpfen und pflegen - das ist die weibliche Domäne. Das
Internet bietet dafür die ideale I nfrastruktur. Denn solche
Soft Skills bewähren sich gerade nicht in Hierarchien
und linearen Befehlsstrukturen. Frauen haben eine „natür¬
liche" Affinität zu Netzwerk und Teamwork. Sie begreifen
Organisation als Konversation. Und deshalb begreifen
sie leichter als Männer, dass jede erfolgreiche und dauer¬
hafte Kooperation in Kommunikation begründet ist.
Die Stabilität und Flexibilität eines Unternehmens der
New Economy zeigt sich an seiner Kommunikationsfreudig-
keit. Sollte ein Manager hier versuchen, Führungsstärke
durch Befehl und Hierarchie zu beweisen, so wird er allen¬
falls erreichen, dass ihm seine klugen Mitarbeiter vor¬
spielen, die Geführten zu sein. Je mehr sich Wirtschafts¬
unternehmen in flache Netzwerke und nichthierarchische
Rückkopplungssysteme verwandeln, umso mehr verlagern
Vo r w o r
sich die entscheidenden Machtprozesse auf die Ebene der
Mitarbeiter selbst. Damit definiert sich aber die Aufgabe
des Managers völlig neu: Er muss sich als Trainer und zu¬
gleich als Schiedsrichter im Machtkampf der Untergebenen
verstehen. Eine souveräne Führungspersönlichkeit wird
in Zukunft nur noch einen Rahmen definieren, innerhalb
dessen sich Prozesse evolutionärer Se l bstorganisation
vollziehen können - Führung zur Selbstführung, könnte man
sagen. Hierarchie ist der Gegensatz von Kommunikation.
Der technische Standard der Netzwerke erzwingt also auch
tief greifende Veränderungen im Entscheidungsprozess .
Der Befehlsfluss verläuft nicht mehr von der Spitze zur
Basis, sondern in kleinen Schleifen. Und so wie Netzwerke
kleiner Rechner die Dinosaurier der Mainframes zum Aus¬
sterben bringen, so wird eine Modularisierung der Betriebe
in Zukunft einen neuen 0rganisationssti l fordern -
fraktales Management.
Dieses Zauberwort, das wir wohl Gerd Gerken verdanken,
ist rasch erklärt. Das Großunternehmen der Zukunft zer¬
fällt in flexible Unternehmensmodu l e, die quasi autonom
operieren. Die Außenbeziehungen nehmen den Charakter
der TeIekooperation an, seine Mitarbeiter werden zunehmend
Telecommuter. Schon heute gibt es virtuelle Unternehmen,
die überhaupt nur projektgebunden im Datennetz existieren.
Ist das Projekt abgeschlossen, löst sich das Unternehmen
in vollkommen voneinander unabhängige Module auf.
1 3
Wer von Globalisierung der Wirtschaft redet, muss also auch
von lokaler Selbstorganisation in den Betrieben reden.
Man gewinnt den Eindruck, dass hierarchische Autorität
zunehmend durch Kommunikation ersetzt wird. Früher war
ja Information in Autorität fundiert - der Chef hat es ge¬
sagt. Heute ist Autorität auf Information fundiert. Und
man begreift, dass sich die Effektivität einer Organisation
nur durch den Wettbewerb der Informationsquellen stei¬
gern lässt. Das nennt man auch Heterarchie, zu Deutsch:
Die Organisation ist ein Konversationsnetz. So entfaltet
sich heute gegen den Strich der sozialen Hierarchie des
traditionellen Bürolebens eine „flache" Netzwerkkultur.
Deshalb orientiert sich auch das Softwaredesign immer
entschiedener an Kommunikation. Heute zielt man auf einen
Interpersonal Computer, der das Büroleben nicht mehr mit
einer Information, sondern mit einer Beziehung beginnen
lässt. Der Computer als Hypermedium ist kein Werkzeug,
sondern der universale Arbeitsplatz. In diesem Sinne muss
man den Cyberspace als Workspace verstehen. Er ist das
elektronische Nervensystem der Weltwirtschaft. Die fort¬
schreitende Benutzerfreund l ichkeit macht den Computer
unsichtbar. Und genau das meint auch das Konzept des „ubi¬
quitous computing": Der Computer wird unsichtbar - und
allgegenwärtig. Das Verschwinden des Computers in seiner
Allgegenwart ist das wichtigste Kennzeichen zukünftiger
Kommuni kationsverhältnisse.
1 4
Vo r w o
Ein Unternehmen ist heute nichts anderes als der Inbegriff
seiner internen und äußeren Beziehungen, die im Wesent¬
lichen als I nformationsprozesse gestaltet sind. Tom Peters
nennt das,,the intangibilizing of everything": Weder die
Organisation noch die Arbeit oder das Produkt lassen sich
handgreiflich fassen.
Im Internet verkauft man sein
geistiges
Eigentum nicht.
sondern stellt es gegen Gebühr
zur Verfügung.
Und dabei
wird rasch eines deutlich: Bei allen Versuchen, aus Ideen
Geld zu machen, ist Zeit der kritische Faktor. Mit an¬
deren Worten, nicht Informationen sind wertvoll, sondern
Vorsprungsinformationen . Das passt sehr gut zur Öko¬
nomie des Schenkens,
Es ist der Zauber der
die man überall im Internet antrifft.
I nformationsangebote, dass man
mit dem Teil,
den man verschenkt,
Werbung macht für den
Teil, den man verkauft.
Je mehr Wahlmöglichkeiten der Kunde hat, desto wichtiger
werden für ihn die Marken. Marken sind Navigationsfi 11er
im Überangebot; sie funktionieren wie Scheuklappen.
Nur wer das versteht, wird in der New Economy erfolgreich
sein können. Wenn man Informationen mit einer Suchmaschine
sammelt, wird einem rasch das Grundproblem des Internet-
Zeitalters klar: 1000 „hits" als Antwort auf meine Frage
- so genau wollt' ich es gar nicht wissen! Weniger wäre mehr.
Wir leiden nicht an einem Mangel, sondern an einem Zuviel.
Man kann nicht alles wissen wollen, was man wissen könnte.
In dem wichtigsten Buch über die New Economy, „Blown to Bits
von Evans und Wurster, findet sich dazu der schöne Satz:
„ 11 is exhausting to be exhaustive, and people rarely do it.
Wer alle möglichen Informationen ausschöpfen wollte,
wäre am Ende viel zu erschöpft, um sie noch zu nutzen.
Deshalb richtet sich die Aufmerksamkeit heute auf das
Thema Aufmerksamkeit. Die Zeitknappheit zwingt dazu,
sich auf den ersten Eindruck zu verlassen. Und so lautet
die große Frage des Internets: Wo beginnt man die Suche?
Hier muss man sich für eine Marke entscheiden - nämlich
für einen Browser, für eine S u c h ma s c h i n e , für ein Portal.
Der Navigator ermöglicht dem Kunden die Wahl. Und des¬
halb werden die Navigatoren selbst die mächtigsten Marken
der Zukunft sein. Im Klartext heißt das, dass alle ent¬
scheidenden Prozesse und Sachverhalte der New Economy
zugleich immateriell und hochtechnisch vermittelt sein
werden. Und unsere Welt verliert immer mehr an hand¬
fester Greifbarkeit .
Prof. Dr. Norbert Bolz
Zum Gebrauch
Im Register am Ende dieses Buches finden Sie fast 1.000 Wörter, die in diesem Duden
beschrieben sind. iLw örter, die so gekennzeichnet sind, haben eine eigene Definition.
begriffe ohne Pfeilverweis sind in den jeweiligen Definitionen erklärend verarbeitet.
E-Conomy
Das Business im Internet. Neue Markt
Bummeln ein. Jede Community hat ihr
Geld zu verdienen, ist nicht einfach.
1 7
»Lätze entstehen. Webmalls laden zum
eigenes Portal. Doch mit E-Commerce
Ein Bad Link und der User ist mit nur
A
E - C o n o my
1 8
Account
[engl. für: Konto] Zugangsberechtigung
zu einem Rechner, einem Netzwerk, zum
Internet, einem Online-System odereiner
Mailbox. Man braucht praktisch überall
dort einen Account, wo eine Mitgliedschaft
notwendig ist. Um Zugriff auf den Account
zu erhalten, sind zumindest ein Benut¬
zername und ein Passwort erforderlich.
Der Internet-Account wird durch einen
^provide r eingerichtet, der dem
User die im Internet verbrachten Stunden
in Rechnung stellt.
Affiliate Program
[zu engl. to affiliate = angliedern
und engl. p ro g ra m = Programm] Affi¬
liate Programs regeln die Provisionszah¬
lung für Nutzer, die an bestimmte Web¬
sites weitergeleitet werden oder online
Käufe tätigen. Angenommenes Beispiel:
Auf der Website www.duden.de findet sich
ein Link zu einem Onlinebuchhändler.
Klickt ein Nutzer diesen Link an und be¬
stellt ein Buch, zahlt der entsprechende
Buchhändler eine Provision für die Ver¬
mittlung des Kunden. Eine andere Form
des Affiliate Programs ist die Bezahlung für
Clickthroughs, also für das Durchklicken
durch Seiten, und das Vermitteln von
iLr R a F F i c. Mit jedem Klick auf das
Banner werden ein paar Pfennige verdient.
Agent
Unter Agent versteht man in der H-j T
ein Programm, das einen Auftrag annimmt
und diesen selbstständig ausführt. Häufi¬
ger Einsatzbereich für diese intelligenten
Programme sind Onlineshops. Der Besu¬
cher formuliert seinen Wunsch, und der
Agent sucht für ihn das passende Produkt
heraus. Die Art des Agenten reicht von der
einfachen Formularmaske bis zu komple¬
xen 3-D-Animationen, die den Kunden wie
ein Verkäufer beraten sollen. Deren Kom¬
plexität und Datenbedarf ist allerdings
so erheblich, dass befriedigende Ergeb¬
nisse an der noch mangelnden T_b a n d -
breite scheitern.
Attachment
[zu engl. to attach = anhängen] Das
Attachment ist eine Datei, die der Versen¬
der an seine E-Mail „anhängt". So muss er
beispielsweise einen Text nicht jedes Mal
neu schreiben oder in die Mail hineinko¬
pieren. Er „attacht" ihn einfach. Daneben
können auch Bilder oder ganze Video¬
sequenzen attacht werden, wovon im Bü¬
roalltag zur Belustigung aller häufig Ge¬
brauch gemacht wird.
Auction-Economy
[zu engl. a u c t i o n = Auktion und engl.
economy = Wirtschaft] Der Begriff be-
B
1 9
In den neuen Medien mit traditioneller,
ökonomischen Prinzipien gegen eta¬
blierte Unternehmen anzutreten, macht
Spaß. Die sich permanent verändern¬
den Rahmenbedingungen sollten
uns nicht entmutigen, den richtigen
Weg mit "Speed" weiterzugehen.
DR. STEFAN GLÄNZER,
CO-FOUNDER, VORSTAND
RICARDO.DE AG
schreibt die Tendenz, dass in der New Eco¬
nomy Festpreise an Bedeutung verlieren
und stattdessen wie bei einer Auktion frei
verhandelt werden. Der Begriff stammt aus
dem T E - commerce. Wenn die Kon¬
kurrenz nur wenige Clicks entfernt ist,
können sich Festpreise schnell als Ge¬
schäftsverhinderer erweisen. Angebot und
Nachfrage bestimmen den Preis. Verstei¬
gerungen werden in immer mehr Geschäfts¬
bereichen eingesetzt. Viele E-Businesses
bieten ihren Kunden die Wahl, das Pro¬
dukt entweder sofort zum Festpreis zu er¬
werben oder aber in der Hoffnung auf ein
günstiges Schnäppchen zu ersteigern.
Avatar
Die Bezeichnung stammt aus dem Bud¬
dhismus und meint Götter, die zu den Men¬
schen herabsteigen und menschliche Ge¬
stalt annehmen. Im Internet sind Avatare
virtuelle Kunstwesen, Medienkörper, die
zuweilen die Popularität von Comicfiguren
und Schauspielern erreichen. Lara Croft,
Kyoko Date oder Ananova, die erste digi¬
tale, komplett animierte Nachrichtenspre¬
cherin, sind Berühmtheiten des Internets.
Neben den virtuellen Idolen ist Avatar
auch ein grafisches Pseudonym, das man
sich als Verkörperung im Cyberspace zulegt
wie etwa beim Chatten in der Netzcommu¬
nity www.cycosmos.com.
B 2 B
[Abkürzung von engt. Business-
to - B usi n ess = von Unternehmen zu
Unternehmen] Geschäftsbeziehung zwi¬
schen Unternehmen. Der Ausdruck wird
unter anderem in Zusammenhang mit
T F - commerce verwendet. Hierbei
wird im Gegensatz zum Verkauf von Pro¬
dukten an den Endverbraucher (1Lb 2 c)
2 0
E-Conomy
der Handel zwischen den Unternehmen als
sehr viel gewinnträchtiger eingeschätzt.
Nach Meinung vieler Analysten ist der B2B-
Bereich das stärkste Wachstumssegment
des E-Commerce.
B 2 C
[Abkürzung von engl. Business-to-
Consumer von Unternehmen zu End¬
konsument] Bezeichnet die Geschäfts¬
aktivität von Unternehmen, deren Kunde
der Endanwender, also „Otto Normalver¬
braucher" ist. Zumeist wird der Ausdruck
für die Ausrichtung eines Anbieters im
Internet gebraucht. In den Anfängen des
T E - commerce konzentrierten sich
die Aktivitäten auf den Handel mit dem
Endkonsumenten. Mittlerweile werden
jedoch die sich auf den Handel zwischen
Unternehmen konzentrierenden Geschäf¬
te (T B 2 B ) als erfolgreicher eingestuft.
Ein klassisches Beispiel für den B2C-Be-
reich ist das Angebot eines Versandhan¬
dels im Internet.
B 2 E
[Abkürzung von engl. Business-
to - E m p loy e e = von Unternehmen zu
Angestellten] Nutzung eines T I n t r a -
nets für den unternehmensinternen In¬
formationsfluss. Ziel einer B2E-Strategie
ist, die unternehmensinternen Geschäfts¬
prozesse zu unterstützen bzw. zu optimie¬
ren. Damit soll der Kontakt zu den Mitar¬
beitern verbessert und den Angestellten
die Arbeit mit aufgabenspezifischen In¬
formationen erleichtert werden. Dazu zäh¬
len Terminplanung, Organisation von Ge¬
schäftsreisen, Überweisungen etc.
Backbone
[engl. für: Rückgrat] Unter Backbone ver¬
steht man im Internet die Leitungen, die
die gigantischen Datenmengen zwischen
den Verteilungszentren transportieren.
Backbones sind in der Regel Glasfaserka¬
bel, wogegen Kabel der T le t z t e n
meile meistens aus Kupfer bestehen.
Die Kapazität des Backbones bestimmt
maßgeblich die verfügbare T B and-
breite und somit die Schnelligkeit der
Internetverbindung.
Bad Link
[zu engl. b a d = schlecht und engl. link
= Verbindung] Fehlgeleiteter Link. Ein Bad
Link führt auf eine falsche Website und
kann so viel Schaden und Ärger anrich¬
ten. Der User wundert sich, weil er etwas
ganz anderes erwartet hat. Für den Anbie¬
ter der Ausgangswebsite hat es neben dem
verärgerten Kunden den Nachteil, dass er
keine zt_p ageimpressions mehr
verbuchen kann. Neben Bad Links gibt es
B
auch dead links [engl. für: tote
Verbindungen], die aufSeiten führen, die
bereits vom Netz genommen wurden. Ge¬
gen diese Form der „Internetverschmut¬
zung" kämpft die Organisation bios, die
sich als Greenpeace des Netzes versteht.
Bandbrei te
Die Bandbreite definiert die Schnelligkeit
der Internetverbindung. Sie wird in Bit
pro Sekunde gemessen und hängt von der
Art der Leitung, der Versendungstechnik
und der Zahl der User ab, die gleichzeitig
die Leitung nutzen. Megabit-Leitungen
sind heute ein Muss für eine vernünftige
Firmenanbindung. Datenintensive Anwen¬
dungen wie ASP (Application-Service-
Providing) und iLs TR E am I ng funk¬
tionieren nur bei hoher Bandbreite.
Man muss Ideen haben, schnell sein
und offen kommunizieren.
DR. THOMAS MIDDELHOFF
VORSTANDSVORSITZENDER
BERTELSMANN AG
Betaversion
Unausgereifte Software, die aber bereits
- meist kostenlos - verteilt wird, um den
Praxistest dem Endnutzer zu überlassen.
Der Hersteller spart sich die Suche nach
Fehlern und Funktionsstörungen, indem
er wartet, bis die Betatester ihn darüber
informieren. Vor der Betaversion steht
eine noch stärker fehlerbehaftete Alpha¬
version, auf die Betaversion folgt meist
ein „Release-Candidate" und schließlich
die „Final Version". Betaversion bezeich¬
net im übertragenen Sinnaauch ein unaus¬
gereiftes Produkt, an dessen Weiterent¬
wicklung gar nicht gedacht ist.
Bloatware
[zu engl. b l o a t = aufgebläht und Soft¬
ware] Eine zynische Bezeichnung für
Software, die mit jeder Generation dras¬
tisch größer wird, sowohl in der Datenmen¬
ge als auch im Speicherbedarf. Aufgrund
sinkender Festplatten- und Arbeitsspei¬
cherpreise gibt es nach Meinung vieler Pro-
B
E-C o n o my
grammierer keinerlei Größenbeschränkung
mehr. Da diese aufgeblähten Produkte im¬
mer komplexer und unübersichtlicher wer¬
den, wächst die Zahl der Fehler enorm an.
Zum Ausgleich werden Leistungsmerkmale
hinzugefügt, die kaum ein Nutzer je be¬
nötigt, die aber gern als Rechtfertigung für
die neue Version und den erhöhten Preis
dienen. Windows 3.1 beruht z.B. auf ei¬
nem 1-Million-Zeilen-Code, Windows 2000
bringt es auf rund 29 Millionen Zeilen und
angeblich fast 63 000 bekannte Fehler.
Bluetooth
[zu engl. b l u e = blau und engl. tooth
= Zahn] Drahtlose Form der Datenüber¬
tragung. Der schwedische Konzern Erics¬
son begann 1994 mit der Entwicklung einer
kostengünstigen Technologie, die Daten
und Sprache per Radiowellen übermit¬
telt; 1998 bildete sich die Bluetooth SIG
(Special Interest Group). Das frei verfüg¬
bare Funknetz ISM (Industrial Scientific
Medical) wird für die Bluetooth-Techno¬
logie genutzt. Die Übertragungsleistung
liegt noch bei 10 Metern, soll aber auf bis
zu 100 Metern ausgeweitet werden. Das
funktioniert über einen integrierten Chip,
der die kurzen Radiowellen sendet und
empfängt. Mithilfe dieser Technik können
somit alle Geräte im Büro ohne den übli¬
chen Kabelsalat miteinander kommunizie¬
ren. Kommt man von einer Geschäftsreise
zurück, gleicht der Laptop die neuen Da¬
ten automatisch an. Der Name Bluetooth
stammt übrigens von dem Wikingerkönig
Harald Blauzahn, der im 10. Jahrhundert
Norwegen und Dänemark unter seiner Herr¬
schaft vereinigt hatte. Er ist Sinnbild für
das Streben, die technische Welt drahtlos
zu vereinigen.
Bookmark
[engl. für: Lesezeichen] Wer durch das
Internet surft, steht schnell einem Über¬
angebot an Informationen gegenüber. Um
hier nicht den Überblick zu verlieren, kann
der User Adressen bookmarken, d.h. als
Lesezeichen im virtuellen Adressbuch ab¬
legen. Wird die Adresse einer bestimmten
Website besonders häufig benötigt, kommt
man über die Bookmarks schneller ans Ziel,
da die Adresse nicht immer wieder neu
eingegeben werden muss. Bookmarken
wird auch im Zusammenhang mit der Suche
nach neuen Arbeitskräften verwendet. Hier
bookmarkt man die Person, die sich durch
eine besondere Leistung hervorgetan hat
und bei der man daher über eine mögliche
Rekrutierung nachdenkt.
Books-on-demand
[zu engl. b o o ks = Bücher und engl. o n
d e m a n d = auf Nachfrage] Bücher, die
2 3
erst auf Anfrage produziert werden. Books-
on-demand ist eine der fortschrittlichsten
Entwicklungen, die mit dem Internet ein¬
hergehen. Bücher, die sonst nie veröffent¬
licht worden wären, werden so ohne Risiko
publiziert. Aufwendige Produktions- und
Lagerhaltungskosten werden gespart, da
die Bücher erst auf Bestellung und nach
Bezahlung hergestellt werden. Jeder Autor
kann sein Manuskript beispielsweise über
die Website www.bod.com mit Textver-
arbeitungs- und Layoutprogrammen zur
Druckvorlage machen. Alle Titel der BoD-
Site sind mit einem Onlinebuchshop ver¬
linkt und können über diesen bestellt wer¬
den. Mit der Bestellung wird das Buch
einzeln hergestellt und T__j u s t in
time an den Kunden ausgeliefert.
Bot
[zu engl. robot = Roboter] Auch
spider [engl. für: Spinne]. Bots sind
spezialisierte Tools zum Sammeln von In¬
formationen, die sich auf ihre Nutzer ein¬
stellen und selbstständig das Internet
auf Inhalte durchkämmen. Als T Agen¬
ten fungieren z. B. die T s h o p b o t s
für kommerzielle Dienstleistungen oder
T K NOWBOTS als Wissenslieferanten.
Die Datenbanken der Bots dienen den
Suchprogrammen als Basis für die Ein¬
ordnung von Begriffen.
Bricks and Mortar
[zu engl. brick = Ziegel und engl.
mortar = Mörtel] Abwertende Be¬
zeichnung für Unternehmen, die nicht in
den neuen Medien, der Informations- oder
Kommunikationstechnologie Geschäfte
machen, sondern in traditionellen Bran¬
chen verankert sind. Gemeint sind also die
klassischen Old-Economy-Unternehmen.
Dazu gehören u.a. der Einzelhandel, Pro¬
duktionsbetriebe und Versorgungsunter-
|nehmen. Bricks-and-Mortar-Unternehmen
sind solche, die es im Gegensatz zum virtu¬
ellen Geschäft der T dotcoms mit
real assets [engl. für: „reale" Ver¬
mögenswerte, Immobiliarvermögen] zu
tun haben.
Browser
[zu engl. to browse = schmökern,
..
überfliegen] Synonym für Ubersichtspro-
gramm. EinWeb-Browserist ein Programm,
das den Zugriff und die Darstellung von
Seiten des World Wide Web ermöglicht. In
erster Linie sind Web-Browser dafür ge¬
dacht, Dokumente und Bilder aus dem In¬
ternet herunterzuladen und darzustellen.
C 2 B
[Abkürzung von engl. Consumer-to-
Business = von Endkonsument zu
Unternehmen] Bezeichnet den Kommuni-
£_
24 E-Co n omy
kationskanal, der vom Kunden zum Unter¬
nehmen führt. Mit zunehmender Verbrei¬
tung des Internets wächst die Macht des
Kunden. Er kann seinen Unmut lautstark
äußern, und Beschwerden über Unterneh¬
men finden schnell weite Verbreitung. Dies
bringt jene in Bedrängnis, die den Umgang
mit kritischen Kunden nicht gewöhnt sind.
ZT s UCK-Sites oder Veröffentlichun¬
gen in 1Ln ewsgroups haben schon
häufiger zu breiten Boykotten geführt und
den angegriffenen Firmen massiven Image¬
verlust beschert. Zahlreiche Websites spe¬
zialisieren sich auf diesen Kanal und bil¬
den zentrale Anlaufstellen, wo sich Kunden
über Firmen und Produkte informieren und
Kommentare abgeben können.
C 2 C
[Abkürzung von engl. Consumer-to-
Consumer = von Endkonsument zu
Endkonsument] Eine Art Flohmarkt im Netz.
C2C beschreibt den Handel zwischen Privat¬
leuten. Viele H_w ebauctions sind
zum Beispiel C2C-Angebote. Das Parade¬
beispiel für ein C2C-Angebot ist Napster,
das Musikportal, wo über eine zentrale
Datenbank kostenlos Musikdateien ge¬
tauscht werden. Im Gegensatz dazu wer¬
den beim peer-to-peer-netz-
w e r k [zu engl. p e e r = Gleichrangiger]
die Daten direkt zwischen den vernetzten
Computern ausgetauscht. Die Musikbörse
Gnutella (www.gnutella.com) etwa arbei¬
tet nach diesem Prinzip des Handels zwi¬
schen den Endkonsumenten.
C-Commerce
[Abkürzung von engl. collabora¬
tive commerce, zu engl. to col¬
laborate = Zusammenarbeiten und
engl. commerce = Handel] Zusam¬
menschluss verschiedener Unternehmen
über das Internet zu einer gemeinsamen
Arbeitsgruppe. Je nach Art des Projektes
können innerhalb dieser Gemeinschaft Al¬
lianzen geschlossen werden. Anders als
der 1L_e -commerce ist der C-Com¬
merce auf projektbezogene oder bleibende
Partnerschaften ausgerichtet. Diese Form
der Kooperation ist eine Besonderheit der
New Economy, die traditionelle Geschäfts¬
beziehungen überholt. Experten zufolge
werden C-Commerce-Löungen bisherige
Internet-Vertriebsanwendungen ablösen.
Certificate-
Authori ty
[zu engl. certi f i c a t e = Zertifikat und
engl. author ity = Autorität] Certifi¬
cate-Authorities sind lizenzierte Unterneh¬
men, die für digitale Verschlüsselungen
bei der Datenübertragung zuständig sind,
um vor Manipulationen zu schützen und ei¬
X
2 5
ne hohe Datensicherheit zu gewährleisten.
Außerdem vergeben sie "T d i g i t a l
certificates. Die bekanntesten
CAs sind VeriSign, Thawte und BelSign.
Channel
[engl. für: Kanal] Bezeichnung innerhalb
der T i T - B R a N c H E für alles, was mit
dem Handel ihrer Produkte zu tun hat. Im
Channel tätig sind z. B. der i n t e r -
NET-SERVICE-PROVIDER,
Großhändler, Systemhäuser und Einzel¬
händler. Sie alle bieten Internetprodukte
oder -dienstleistungen an. Im Marketing
wird der Ausdruck Channel mit dem Absatz¬
kanal gleichgesetzt. So sind sowohl das
Internet als auch der Einzelhandel Chan¬
nels. Vertreibt ein Unternehmen über bei¬
de Kanäle seine Produkte, nennt man das
ultichanneling.
Chatterbot
[zu engl. c h a t = Unterhaltung, Plau¬
derei und engl. robot = Roboter] Ein
Chatterbot ist ein intelligentes Compu¬
terprogramm, mit dem man chatten kann,
als wäre es eine wirkliche Person. Die Pro¬
gramme lernen durch die Konversationen
mit der Zeit immer mehr Dinge und wer¬
den so zu immer „realeren" Gesprächs¬
partnern. Im Internet sind bereits etliche
Chatterbots zu finden. Die intelligenten
Virtuelle und reale Netze ergänzen sich.
So wie das Internet heute ein großes
Netz der Kommunikation rund um den
Globus spannt, so haben wir - gemein¬
sam mit unseren Partnern - ein solches
der Mobilität als Ergänzung geschaffen.
DR. JÜRGEN WEBER,
VORSTANDSVORSITZENDER
LUFTHANSA AG
Programme werden zum Beispiel für Kun¬
denanfragen verwendet, die zumeist stan¬
dardisiert ablaufen. Chatterbots sind auch
solche Programme, die bei der Verwaltung
von Chaträumen helfen.
Clicks and Mortar
[zu engl. clicks = Klicks und engl.
mortar - Mörtel] Abwandlung des
Begriffes T b ricks and mortar,
des Synonyms für traditionelle Unterneh¬
men der Old Economy. Der Begriff Clicks
c
E-Conomy
and Mortar bezeichnet nun jene Unterneh¬
men, die versuchen, die neue Webpräsenz
(stellvertretend für Clicks) mit den altbe¬
währten Vertriebskanälen (stellvertretend
für Mortar) in Einklang zu bringen. Die Mei¬
nungen über diese Unternehmensform sind
geteilt: Manche Analysten geben diesen
Firmen kaum Überlebenschancen, da ihr
E - Business lediglich die Kunden
von ihren Filialen abzieht. Andererseits je¬
doch verfügen diese Unternehmen bereits
über hervorragend etablierte Vertriebs¬
strukturen und können so Waren schneller
und kostengünstiger an den Endverbrau¬
cher liefern. Verstärkt wird der Online-Ge¬
schäftsbereich auch als T s p i N - o F F
an die Börse gebracht, um den Kapitalbe¬
darf im freien Markt zu decken.
Collaborative
Fi Ltering
[zu engl. to collaborate = Zu¬
sammenarbeiten und engl. to filter
= filtern] Beruht auf der Hypothese, dass
Menschen mit gleichen Interessen, das
(Kauf)verhalten der anderen als Orien¬
tierung nutzen. Der Onlinebuchhändler
Amazon macht sich das Prinzip erfolgreich
zunutze, indem er dem User beim Buch¬
kauf mitteilt, was andere Käufer desselben
Buches außerdem noch bestellt haben.
Man bekommt dadurch Anregungen, wel¬
che Bücher oder CDs einem sonst noch ge¬
fallen könnten.
Co-Location
[zu engl. c o- = mit, zusammen und engl.
location = Standort] Verstärkt wer¬
den Webserver nicht im eigenen Büro auf¬
gestellt, sondern in speziell geschützten
Räumen beim T i nternet-ser-
vice-provider (ISP). Der Vorteil
ist, dass sich die Server permanent unter
Kontrolle befinden und gegen Feuer, Strom¬
ausfall, Vandalismus, Sabotage und andere
Zwischenfälle geschützt sind. Mehrfache
Leitungen ins Internet garantieren störungs¬
freie Erreichbarkeit. Co-Location-Stand-
orte entstehen zunehmend auf der ganzen
Welt. Die eingebauten Sicherheitsvorkeh¬
rungen wie z.B. die Zugangsberechtigung
zum Gebäude über T i r i s-cod es
werden immer ausgefeilter, um den hohen
Sicherheitsansprüchen von T e-busi-
nesses zu genügen. „Colo" ist die lie¬
bevolle Abkürzung des „Server-Safes".
Communi ty
[engl. für: Gemeinschaft] Bezeichnung für
eine Interessensgemeinschaft im Inter¬
net. Der Austausch findet über Chats,
E-Mails oder Diskussionsforen statt. Die
Mitglieder einer Community interessieren
sich alle für ein bestimmtes Thema, z.B.
c
2 7
Ich hatte natürlich gehofft, dass ich
mit meiner Idee etwas bewege (wenn¬
gleich sie so revolutionär nun auch
wieder nicht war und es insbesondere
in den USA bereits ähnliche Dienste
gab). Mit einer derart starken Resonanz
habe ich aber nicht gerechnet.
KARSTEN SCHRAMM,
GRÜNDUNGSMITGLIED
GMX AG
aus den Bereichen Sport, Politik o.a. Eine
klassische Internetcommunity sind Fans,
die eine eigene Fansite ins Netz stellen,
um dort Informationen auszutauschen.
Auch der soziale Background, wie die
Zugehörigkeit zu einer Szene, kann eine
Basis sein. Eine business-com¬
munity hingegen ist in der Regel ein
t_E X T R A N E T , das alle Geschäfts¬
partner eines Unternehmens vereint, oder
auch ein 11_d igitaler Markt¬
platz, wo alle Firmen einer Branche
Zusammentreffen.
Content
[engl. für: Inhalt] Text-, Bild- und Film¬
material jeglicher Art. Der Ausdruck wird
meist stellvertretend für den Inhalt von
Websites verwendet. Im Kampf um die
Gunst der Onlinekunden ist Content zu
einer entscheidenden Schlüsselgröße ge¬
worden („Content is ki ng!"). Beim con¬
tent-management geht es um die
richtige Zusammenstellung der inhaltli¬
chen Elemente. Immer stärker rückt dabei
auch die geschickte Vermarktung und
Mehrfachnutzung von Texten und Bildern
in den Mittelpunkt. Die Macht in der Wert¬
schöpfungskette verlagert sich demnach
zunehmend zu denjenigen, die die Nut¬
zungsrechte am Content halten. Die wach¬
sende Bedeutung lässt sich auch daran
ablesen, dass einige Unternehmen den
Titel des c c o vergeben, des Chief-Con-
tent-Officers.
Copyleft
[zu engl. copyright = Urheberrecht
und engl. I e f t = links] Urheberrecht in
T o pen-source - Systemen. 1984
formulierte der Professor des MIT (Massa¬
chusetts Institute of Technology) Richard
C
28 E-Conomy
Stallmann erstmals eine Verhaltensregel
für den Umgang mit freier Software. Da¬
nach ist es zwar jedem erlaubt, beliebig
an dieser Software herumzubasteln, doch
alle Ergebnisse müssen unentgeltlich der
Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt wer¬
den. Bekanntestes Beispiel für ein Copy¬
left ist das Linux-Betriebssystem.
Customer-
Interface
[zu engl. customer = Kunde und engl.
interface = Schnittstelle] Allgemei¬
ne Beschreibung für jenen Punkt inner¬
halb einer Struktur, wo der direkte Kon¬
takt mit dem Kunden stattfindet. Dies kann
sowohl der Kundendienst eines Unterneh¬
mens sein als auch die Website, auf der der
Kunde seine Bestellung aufgeben kann.
Die Gestaltung des Customer-Interfaces
ist von größter Bedeutung: Ist es zu kom¬
pliziert oder verlangt es zu viele Schritte,
wandern viele Kunden zur Konkurrenz mit
dem einfacheren Angebot ab.
Customizing
[zu engl. to customize = indivi¬
duell aufmachen] Personalisierung von
Angeboten. Customizing bezeichnet das
Zuschneiden von Produkten und Websites
auf die Bedürfnisse der Konsumenten. So
bieten z.B. Autohersteller wie Smart auf
ihrer Website an, sich das individuelle
Wunschmodell am Computer zusammen¬
zustellen. Der Kunde wählt aus verschiede¬
nen Farben und Elementen seine Innenaus¬
stattung. Erst nach diesen Vorgaben wird
das Auto gebaut. Eine andere Form des
Customizing erfolgt über 11_a g e n t e n ,
intelligente Programme, die Internetan¬
gebote auf die Informationsinteressen der
User abstimmen. Bestellt z.B. ein Online¬
kunde beim Internetshop www.leshop.ch
zum ersten Mal Windeln in einer bestimm¬
ten Größe, wird ihm nach einem bestimm¬
ten Zeitraum automatisch ein Angebot für
die nächstgrößere Windelgröße gemacht.
Cybermoney
[zu engl. Cybernet ic = kybernetisch
und engl. m o n e y = Geld] Cybermoney ist
das virtuelle Gegenstück zur harten, greif¬
baren Währung. Der Begriff wird vielsei¬
tig für neue Funktionen des Geldes im In¬
ternetzeitalter verwendet. A) Cybermoney
beschreibt neue Geldarten, mit denen man
nur im Internet bezahlen kann - Rabatt¬
systeme wie Webmiles sowie geldkarten¬
ähnliche Bezahlsysteme, die vor allem beim
ICROPAYMEN T eine Rolle spie¬
len. Im Gegensatz zum bunt bedruckten
Papier wird das elektronische Geld nicht
im Geldbeutel, sondern auf der Festplatte
aufbewahrt. B) Cybermoney bezeichnet
die 11_M a r kt k a p i t a l i s i e r ung
von New-Economy-Aktien. Entfernen sich
diese sehr weit vom eigentlichen Sub¬
stanzwert des Unternehmens, können bei
Übernahmen durch den Einsatz von Aktien
extrem hohe Kaufpreise bezahlt werden.
Cyberslang
[zu engl. cybernetic = kybernetisch
und engl. slang = Jargon, Umgangs¬
sprache] Im Universum des Internets ent¬
wickelt sich ein eigener Slang, dessen
linguistische Basis Englisch ist. Ludwig
Wittgenstein meinte, die Grenzen der Spra¬
che seien die Grenzen der Welt. In der
grenzenlosen Internetwelt entsteht die
Sprache ebenso rasant wie der Cyberspace
selbst. Der Cyberslang findet zunehmend
Eingang in die Alltagssprache. Beispiel:
„Ich muss mich noch updaten, hatte in
den letzten Tagen einfach nicht genug
Arbeitsspeicher frei, um mich auf das Pro¬
jekt vorzubereiten."
Cybersquatting
[zu engl. Cybernet ic = kybernetisch
und engl. to s q u a t = besetzen] Die
Hausbesetzung im Internet. Cybersquat¬
ting beschreibt das eher unseriöse Vor¬
gehen, sich beispielsweise Namen von
Unternehmen oder Produkten als Web¬
adressen registrieren zu lassen. Wenn die
Die New Economy steht für die Sym¬
biose von Zukunft und Gegenwart.
Für einen E-Business-Spezialisten heißt
dies, nicht nur visionär zu denken,
sondern praktikable Lösungen für das
"Jetzt und Heute" zu schaffen.
CHRISTIAN W. MEENTZ EN,
GRÜNDER,
GESCHÄFTSFÜHRER
CONXPERT GMBH & CO.
Unternehmen dann mit ihren Namen den
eigenen Netzauftritt planen, müssen sie die
Adresse für viel Geld freikaufen. Binden¬
de Richtlinien der T. i c a n n besagen,
dass Privatpersonen und Firmen miteinge¬
tragenem und geschütztem Namen einen
Anspruch auf die Nutzung ihres Namens
haben, dass 'T' d omaingrabbing
untersagt ist und Unternehmen, die z.T.
Millionenbeträge für ihren eigenen Namen
zahlen mussten, das Recht auf Schaden¬
ersatz haben.
c
E-Conomy
Cyberstalking
[zu engl. Cybernet i c = kybernetisch
und engl. to s t a I k = sich heranpir¬
schen, anschleichen] Datenausspähung,
Belästigung im Internet. Cyberstalking
meint das Ausspionieren und die Ver¬
folgung im Internet. Der Verfolger Lernt
dabei sein Opfer beispielsweise beim
Chatten kennen und belästigt es durch
E-Mails, reale Post oder Telefonterror. Be¬
sonders Internetneulinge, so genannte
newbies, Frauen und Kinder sind ge¬
fährdet. Um dem Cyberstalking vorzubeu¬
gen, rät die US-amerikaische Organisation
„Cyberangels" dazu, nicht online zu flir¬
ten bzw. dabei einen Namen zu verwen¬
den, der nicht sofort erkennen lässt, ob
man männlich oder weiblich ist. Des Wei¬
teren sollte man nie persönliche Daten
wie Telefonnummer oder Adresse ange¬
ben. Doch auch wenn man Vorsicht wal¬
ten lässt, ist es für Profis ein Leichtes, die
Spuren nachzuverfolgen, die jeder User im
Netz hinterlässt.
Cyberterrorismus
[zu engl. Cybernet ic = kybernetisch]
Terrorismus im Internet. Besonders üble
Form der 1^_c y b o t a g e. Cyberterroris¬
mus können Anleitungen zum Bombenbau
oder Mordaufrufe im Internet sein. Derlei
verbrecherische Aktivitäten werden nach
Meinung des FBI primär von politisch mo¬
tivierten Hackern aus dem Mittleren Osten
und der ehemaligen UdSSR verübt.
Cybotage
[zu engl. Cybernet ic = kybernetisch
und Sabotage] Bezeichung für Sabo¬
tageakte im Internet mit dem Ziel, Web¬
sites lahm zu legen, den Nachrichtenfluss
zu unterbinden oder ganz allgemein Scha¬
den anzurichten, wie etwa durch das Ver¬
senden von in E-Mails verpackten Viren.
Der Begriff stammt aus dem Sicherheits¬
berater-Jargon. Er wird auch als Synonym
für T l NFORMATION-WARFARE
verwendet.
Debuggi ng
[engl. für: Fehlersuche, Fehlerbeseitigung]
Ursprünglich rührt diese Bezeichnung
von dem englischen Wort b u g [= Käfer,
Wanze, Ungeziefer] her. Früher, als Com¬
puter noch riesige Apparate waren, haus¬
te oft Ungeziefer auf Kabeln, Röhren und
Platinen und verursachte nicht selten da¬
durch Systemfehler und Kurzschlüsse. Heu¬
te wird daher der Terminus „bug" auch für
Fehler in Systemen oder Software ange¬
wendet. Debuggen ist daher analog das
Beseitigen dieser Fehler aus Programmen
oder Webseiten. Zu diesem Zweck wird vor¬
her meist eine „Buglist" erstellt.
D._.
Deep Media
[engl. für: tief(gründig)e Medien] Deep
Media ist ein Theorieansatz, der sich aus
Enttäuschung über die Zweidimensionali-
tät und Kontextignoranz gängiger Internet¬
auftritte gebildet hat. Deep Media wendet
sich z.B. gegen die bloße Abbildfunktion,
die das Internet im Mainstream-Business
haben kann, und die den vorhandenen
Möglichkeiten nicht im geringsten gerecht
wird, wie etwa das interaktive Fernsehen
im Netz (iTV), das auf dem Bildschirm meis¬
tens mit stilisiertem TV-Gehäuse umrahmt
wird. Deep Media sucht dagegen nach wirk¬
lich sinnvollen Umsetzungen, die die An¬
wendungen mit den Möglichkeiten digita¬
ler Technologien wachsen lassen. Beispiel:
Eine Site, die über die Parkinsonkrankheit
informiert, ist für Parkinsonkranke auf
herkömmlichem Wege (Maus/Tastatur)
schlichtweg nichtaufrufbar. Deep Media
bezieht die Kontexte des jeweiligen Users
in die digitale Welt ein und würde in die¬
sem Fall als Lösungsansatz die Steuerung
z.B. über Voicecommand anbieten. Deep
Media kursiert auch unter dem Namen
1Lr ICH MEDIA.
Denial-of-Service-
Attack (DoS)
[engl. für: „Dienstverweigerungsangriff"]
Ein Angriff auf ein Netzwerk mit der Ab¬
sicht, es mit sinnlosem Traffic
zu überfluten und damit lahm zu legen.
Während Computer und Netzwerk mit der
Abarbeitung nutzloser Anfragen beschäf¬
tigt sind, bleiben legitime User außen
vor. Vergleichsweise „harmlose" Form der
T_C Y B O T A G E oder T I N F 0 R M A -
TiON-WARFARE, da keinerlei Daten
gestohlen oder gelöscht werden.
Digital
Certificate
[engl. für: digitales Zertifikat] Anhang
einer elektronischen Nachricht, um die
Sicherheit zu erhöhen. Genutzt wird das
Digital Certificate, um den Absender einer
Nachricht zweifelsfrei zu identifizieren
und dem Empfänger die Möglichkeit zu
geben, eine verschlüsselte Antwort zu
senden. Digital Certificates werden von
T C ERTIFICATE AUTHORITIES
ausgegeben und werden beispielsweise in
Ts ecure Servern genutzt.
digitale Signatur
Analog zur Unterschrift auf Papier kann
man im Internet mittels digitaler Sig¬
natur die Echtheit eines Dokuments be¬
glaubigen. Da digitale Objekte beliebig
reproduzierbar sind, entfällt der Unter¬
schied zwischen Original und Kopie. Durch
besondere Verschlüsselungsmethoden wird
D
E-Conomy
die Echtheit eines Dokuments mit einer
digitalen Signatur garantiert und kann
später von jedem überprüft werden. Möch¬
te der Absender einer E-Mail jegliches
"t s p o o F i N G ausschließen, nutzt er
sowohl seinen Privatcode als auch einen
öffentlichen Schlüssel, um eine persön¬
liche Unterschrift zu erzeugen. Mit dem
öffentlich zugänglichen Schlüssel und der
E-Mail-Nachricht kann der Empfänger mit¬
tels einer Software die digitale Unter¬
schrift kontrollieren. Ist die Signatur kor¬
rekt, so ist einerseits die Identität des
Senders belegt, anderseits ist sicherge¬
stellt, dass die Nachricht beim Übertra¬
gen nicht manipuliert wurde.
digitaler
Marktplatz
Auch VIRTUELLER MARKTPLATZ.
Handelsplattformen im Internet. Sie sol¬
len ganzen Branchen ermöglichen, den
Austausch von Gütern zu vereinfachen und
beim Ein- und Verkauf von Betriebsgütern
Geld zu sparen. Auf einer - meistens pass¬
wortgeschützten - Internetsite werden
Rohstoffe, Halbfertigprodukte, Gebraucht¬
maschinen oder Ähnliches zwischen Mit¬
gliedern einer bestimmten Branche gehan¬
delt (T B 2 B). Außer dem Zugang zum
Internet ist grundsätzlich keine weitere
Ausrüstung notwendig. Da sich die Ge¬
schäftspartner oft kennen, ist auch die Be¬
zahlung über Rechnung unproblematisch.
digitales
Wasserzei chen
Um gegen die im Internet weit verbrei¬
tete ll_c opy'N'paste - Mentalität
anzukämpfen, kann der Schöpfer eines
Werkes seine Urheberrechte mit einem
digitalen Wasserzeichen belegen. Bevor
er z.B. ein Bild ins Internet stellt und es
somit für alle zugänglich macht, bestückt
er es mit einem für den Betrachter unsicht¬
baren Erkennungsmerkmal. Selbst wenn
Datendiebe das ursprüngliche Bild verän¬
dern und bearbeiten, lässt sich das ver¬
steckte Wasserzeichen herauslesen und
somit die Herkunft des Originals bestim¬
men. Bei Videodaten sollen digitale Was¬
serzeichen beispielsweise das illegale Ko¬
pieren von DVDs unterbinden.
Domain
[engl. für: Domäne, Bereich] Die Domain
oder Domäne ist die Adresse einer Home¬
page im Internet. Sie besteht aus dem Ort
im Netz, wo sie sich befindet, etwa www
für World Wide Web, einem mehr oder we¬
niger frei wählbaren Namen, siehe auch
cann oder 1Ld o m a i n - name-
sy s t e m, und einem Zusatz für ein Land
oder die Art des Angebots: „de" steht für
D
Deutschland, „org" für Organisation, und
„com" für Commercial. Von Letzterem ist
der Ausdruck '? d o t c o m abgeleitet.
Domaingrabbing
[zu engl. d o m a i n = Bereich und engl.
to grab = schnappen] Das „Weg¬
schnappen" von T d OMAiNS bedeutet
das Aufkäufen ohne eigene Nutzungsab¬
sicht. Man hofft vielmehr, sie eines Tages
teuer Weiterverkäufen zu können. Dies hat
dazu geführt, dass es mittlerweile praktisch
nur noch Domains wie zsqfaiosrk.de güns¬
tig bis gratis gibt und Firmen zunehmend
auf Notlösungen wie „geschmaxsache.de"
ausweichen. Die Sensibilisierung der Ge¬
setzgeber und der Rechtsprechung auf die¬
sem Gebiet wächst, wobei Domaingrab¬
bing nach der jetzigen Rechtslage nur in
speziellen Fällen strafbar ist (11_c y b e r -
squatting).
Wir stehen noch am Anfang der
Entwicklungen und ahnen die Möglich¬
keiten, die uns die New Economy
eröffnet, heute bestenfalls. End-to-
End-Commerce-Solutions werden
die Old und die New Economy mit¬
einander verschmelzen.
RUDOLF GÜNTHER,
GRÜNDER, CEO
A I T AG
Domain-Name-
Sy s t e m (DNS)
I
[zu engl. domain = Bereich, name
= Name und system = System] Hie¬
rarchisches Datenbanksystem, welches
nummerische Internetadressen (Tip¬
adressen) mit leicht merkbaren Na¬
men wie www.duden.de verknüpft. Ohne
das DNS müssten Websites mit Nummern
wie 192.129.40.99 adressiert werden und
1Lc ybersquatting gäbe es nicht.
Die Übersetzungstabellen finden sich auf
unzähligen Name-Servern überall auf der
Welt und werden permanent aktualisiert.
Das DNS wird von 'Ll c a n n verwaltet.
Dotcom
[zu engl. d o t = Punkt und c o m = Ab¬
kürzung in Internetadressen für engl.
commercial« geschäftlich] Ausdruck
für eine neu gegründete Internetfirma,
34 E-Co n o my
deren geschäftliche Aktivitäten sich von
Anfang an primär oder ausschließlich im
Netz abspielen. Dotcoms gelten als Sinn¬
bild für die New Economy.
Dot-gone
[zu engl. d o t = Punkt und engl. t o g o
= gehen] Zum Niedergang verurteiltes
Internetunternehmen. Im Frühjahr 2000
entstandene Neubildung in Anlehnung an
die Dotcom-Euphorie, die Internetaktien
in schwindelnde Höhen geführt hatte. Der
Einbruch der Internetwerte brachte viele
dieser Firmen, vor allem jene mit hoher
Hburn-rate , an den Rand der Pleite
und darüber hinaus. Bisher teuerstes Dot-
gone war der britische T__e - t a i l e r
boo.com, der trotz massiver Anfangsin¬
vestitionen im Mai 2000 Pleite ging.
E - B r a n d
[Abkürzung von engl. electronic
brand = elektronische Marke] Das di¬
gitale Gegenstück zu bekannten Marken
und Unternehmen der physikalischen Welt.
Das Is B R A N D I N 6 von Produkten und
Dienstleistungen ist im Internet von be¬
sonderer Bedeutung, fällt es dem User bei
dem Überangebot an Angeboten und Infor¬
mationen doch wesentlich schwerer eine
Beziehung aufzubauen. Marken versuchen,
die Entwicklung einer (emotionalen) Bezie¬
hung zu fördern. Oftmals gelang es Unter¬
nehmen mit dem 1 f irst-mover-
advantage eine Marke zu entwickeln,
die fast als Synonym für eine ganze Katego¬
rie steht. So wurde beispielsweise Amazon
zum Synonym für Buchhandelim Internet.
E-Busi ness
[Abkürzung von engl. electronic
business = elektronisches Geschäft]
Die fälschlicherweise häufig als Synonym
für T - E - commerce verwandte Be¬
zeichnung meint alle Formen von elektro¬
nischen Geschäftsprozessen. Gemeint sind
damit also alle Unternehmen oder auch
Teile davon, deren Geschäft auf dem Inter¬
net basiert, sei es im Vertrieb digitaler
Daten oder in der Nutzung von Websites
für Verkauf und Vertrieb von Waren und
Dienstleistungen. Das kann den Umgang
mit Geschäftspartnern (ll-B 2b), End¬
konsumenten (dt_B2c), Mitarbeitern
(l'-B 2 E ) oder der Regierung (b 2 g )
betreffen.
Echtzei t
[zu engl. real time] Ausdruck für alle
Internetangebote, die ohne Zeitverzöge¬
rung beim User ankommen. Die Übertra¬
gungstechnik T. s TREAMiNG ermög¬
licht beispielsweise das Echtzeiterlebnis
eines Ereignisses, das vergleichbar mit
3 5
Die New Economy gilt für mich als
Chance für eine Neudefinition grund¬
legender ökonomischer Mechanismen.
Aus der Kombination mit Prinzipien
der Old Economy sehe ich heute eine
Entwicklung zur "One Economy"
und bin von ihrem Erfolg überzeugt.
DR. LORETTA WÜRTENBERGER,
GRÜNDUNGSMITGLIED
WEBMI LES AG
einer Livesendung ist. Von besonderem
Interesse ist die Echtzeit für T d a y -
trader, die über das Internet mit
Aktien handeln. Echtzeit-Services sind
allerdings relativ teuer, da sie sehr hohe
Rechenleistungen verlangen.
E-Commerce
[Abkürzung von engl. electronic
commerce = elektronischer Handel]
Teil des T. e - b u s i n e s s , der die elek¬
tronische Vermarktung und den Handel
von Waren und Dienstleistungen überdas
Internet meint. Im Allgemeinen wird damit
der Handel zwischen Unternehmen und
Endkonsumenten (ll_B2c) bezeichnet.
Vorteile des E-Commerce sind die Kosten¬
ersparnis für beide Parteien, die quasi ab¬
solute Markttransparenz und die perma¬
nente Verfügbarkeit von 24 Stunden am
Tag, 7 Tagen die Woche und 365 Tagen im
Jahr (2 4/ 7/ 365). Nachteilig wirkt sich
hingegen der Sicherheitsaspekt auf den
E-Commerce aus. Viele Kunden zögern
noch immer zu Recht, ihre Daten und vor
allem ihre Kreditkartennummer über das
Internet zu übermitteln.
E-Government
[Abkürzung von engl. electronic
g o ve r n m e n t = elektronische Regie¬
rung] Der Einsatz des Internets von Bund,
Ländern und Gemeinden zu Verwaltungs¬
zwecken. Die Abgabe von Formularen über
das Web könnte Milliarden in der Verwal¬
tung einsparen. Das E-Government kann
jedoch erst mit der endgültigen Rechts¬
verbindlichkeit der 11J) I G I T A L E N
Signatur voll zum Tragen kommen.
Bislang mussten Formulare nach dem Aus¬
füllen ausgedruckt und unterschrieben
zurückgeschickt werden.
E
E-Conomy
E - H u b
[Abkürzung von engl. electronic
h u b = elektronischer Netzknoten] Be¬
zeichnung für einen zentralen Marktplatz,
wo der Idee nach alle relevanten Einkäufer
und Verkäufer einer bestimmten Produkt¬
oder Dienstleistungskategorie miteinander
Geschäfte machen können. E-Hubs finden
besonders im Tb 2 b -Sektor Anklang,
da hier Großabnehmer ihre Zulieferer bes¬
tens gegeneinander ausspielen können,
während die Zulieferer Kapazitätsengpässe
oder Überkapazitäten problemlos ausglei-
chen können. E-Hubs können sich aber
auch beispielsweise Aquarienfische zum
Thema nehmen und so einen zentralen An¬
laufpunkt bilden, wo Züchter und Aquaria¬
ner Räritäten austauschen, Laien sich bil¬
den und alle Interessierten Frischfutter
etc. kaufen können.
E-Merchant
[Abkürzung von engl. electronic
m e r c h a n t = elektronischer Händ¬
ler] Allgemeine Bezeichnung für einen
Händler, der im Internet Geschäfte macht.
Er kann als Tb - tailer im virtuel¬
len Einzelhandel tätig sein, einen Markt¬
platz für den T b 2 b - Sektor führen oder
Teil eines Tb licks and mortar
sein. In jedem Fall ist er im T e - bu¬
siness tätig.
E-Procurement
[Abkürzung von engl. electronic
procurement = elektronische Be¬
schaffung] Einkauf und Beschaffung von
Gütern über das Internet. In der Regel
werden über E-Procurement vor allem so
genannte c - g ü t e r beschafft, also
Waren, die nicht zur Produktion des ei¬
gentlichen Produktes der Firma notwendig
sind: Büroartikel, Verbrauchsmaterial, Ar¬
beitsplatzgüter. Die Vermeidung teurer
„Ameisenbestellungen" ermöglicht große
Einsparungen. Bestellungen gehen auto¬
matisch an den Unterschriftsberechtigten
und anschließend direkt an den Lieferan¬
ten, die Rechnung direkt an die richtige
Abteilung. Die interne Verfolgung des Vor¬
gangs wird überflüssig.
E-Tai Ling
[Zusammenziehung aus der Abkürzung von
engl. electron ic = elektronisch und
engl. r e t a i l = Einzelhandel] Der Ein¬
zelhandel per Internet, e-tailer kön¬
nen sowohl reine Internetunternehmen
als auch T c licks and mortars
sein. Die georderten Waren werden per
Post oder Kurier direkt ins Haus geliefert.
E - W a L l e t
[Abkürzung von engl. electronic
wallet = elektronische Brieftasche]
E
Eine elektronische Geldbörse für den Ein¬
kauf im Internet. Digitales „Geld" wird auf
T secure Servern gespeichert
und kann dort abgebucht werden. Dieses
Verfahren soll den Einkaufsvorgang er¬
leichtern, 11_m ICROPAYMENTS er¬
möglichen und ein alternatives Zahlungs¬
system zu Kreditkarten darstellen.
Extranet
Bezeichnung für den Datentransfer über
ein eigenes Netzwerk, das eine hohe Über¬
tragungsgeschwindigkeit gewährleistet.
So sind etwa Filialen eines Unternehmens
oder Geschäftspartner über ein Extranet
miteinander verbunden. Während ein übli¬
ches T intranet normalerweise durch
eine ILfireual l gegen Zugriffe von
außen abgeschirmt ist, wird hier die Da¬
tensicherheit beispielsweise durch Ver¬
schlüsselung gewährleistet. Die Mitar¬
beiter oder Geschäftspartner können im
Extranet schnell und unbelästigt von Wer¬
bung oder sonstigen Unterhaltungsmög¬
lichkeiten auf unternehmensrelevante In¬
formationen zugreifen.
Fi Lesharing
[zu engl. f i l e = Daten, Datei und engl.
to s h a r e = teilen] Zugänglichmachen
von Daten für alle Nutzer eines Netz¬
werks. In vernetzten Strukturen können
neben Inhalten auch Musik-, Bild- oder
Videomaterial kollektiv genutzt werden.
Sehr populär ist kostenlose Software wie
Napster oder Gnutella, die als Filesharing-
Architektur den Austausch von Musik¬
titeln im H_m p 3 - Format über Internet
ermöglicht.
Fi Ltering
Software
[zu engl. to f i 11 e r = filtern] Wer ver¬
hindern will, dass halbwüchsige Kinder
ihre Nachmittage auf Pornosites im Inter¬
net verbringen, installiert Filtering Soft¬
ware, die den Zugang unterbindet. Wer
genug hat von T spams oder täglich
hunderte von E-Mails erhält, installiert
Filtering Software, die unerwünschte Nach¬
richten selbsttätig löscht und die übrigen
automatisch in die entsprechenden Ord¬
ner sortiert. Filtering Software ist eine
einfache Form der T j\gent en oder
T K N o w B o T s. Sie wird bevorzugt von
Eltern oder Arbeitgebern eingesetzt, die
den Zugang zu gewissen Websites ver¬
hindern wollen.
Firewall
[engl. für: Brandschutzmauer] Hard- und
Softwaresystem, das ein an das Internet
angeschlossenes Netzwerk (T i n trä¬
ne t ) vor unerwünschten Zugriffen schüt-
E
E-Conomy
3 8
zen soll. Das Sicherheitssystem ist jedoch
grundsätzlich kein vollständiger Schutz
gegen Hacker oder Viren; trotz Kombina¬
tionen aus Verschlüsselungen, Codes und
Zugriffsrechten besteht die Möglichkeit, in
ein Netzwerk einzudringen. Eine Firewall
kann umgekehrt auch den Zugriff aus
einem lokalen Netz ins Internet begren¬
zen und die Nutzung bestimmter Software
verhindern.
Flatrate
[zu engl. f l a t = flach und engl. r a t e =
Rate] Pauschale für den Zugang zum Inter¬
net. Fallen beim Internetzugang zusätz¬
liche Kosten wie Telefongebühren weg und
gibt es keine zeitliche Beschränkung für die
Nutzung, so spricht man von einer Flatrate.
In den USA schon lange üblich, hat es sich
inzwischen auch in Europa herumgespro¬
chen, dass eine Flatrate das Internetge¬
schäft mächtig ankurbelt, da es sich viel
entspannter surfen lässt, wenn nichtstän¬
dig der Gebührenzähler im Hinterkopf tickt.
Globalization-
S e r v i c e
[zu engl. global ization = Globali¬
sierung] Websites, die ausschließlich in
einer Sprache verfügbar sind, erreichen
nur einen relativ kleinen Teil der Internet¬
nutzer. Auch wenn fast jeder Englisch
versteht, wird die Kommunikation in der
Muttersprache meist bevorzugt. Globali¬
zation-Services adaptieren die Websites
für die unterschiedlichsten Sprach- und
Kulturräume, um so den Lokalen Gewohn¬
heiten gerecht zu werden und die Nutzer¬
zahl zu vergrößern. Dies wird im Internet
speziell von lob a l players
wie beispielsweise den großen Such¬
maschinen eingesetzt.
Global Village
[engl. für: globales Dorf] Der Begriff wur¬
de von dem Medientheoretiker Marshall
McLuhan in seinem Buch „The Global Vil¬
lage - Der Weg der Mediengesellschaft in
das 21. Jahrhundert" eingeführt. McLuhan
charakterisiert die Welt als Dorf, weil Me¬
dien es ermöglichen, mit jedem in Kontakt
zu treten. Hinter dem Begriff steht das ver¬
traute Bild vom traditionellen Dorf, in dem
sich (fast) alle kennen. Die modernen Kom¬
munikationsmittel, allen voran das Inter¬
net, machen es möglich, virtuelle Gemein¬
schaften zu bilden, deren Mitglieder zwar
weltweit verstreut zu Hause sind, aber ei¬
nander dennoch so gut kennen, als wür¬
den sie in einem kleinen Dorf leben.
Groupware
[zu engl. group = Gruppe und engl.
w a r e = Ware] Bezeichnung für Software,
JL
3 9
die den T w or k f low in Arbeitsgrup¬
pen vereinfachen und die Zusammenarbeit
fördern soll. Die Computer dieser Gruppe
sind per T l a n miteinander verbunden.
So können Termine koordiniert, Dokumen¬
te ausgetauscht, Nachrichten übermittelt
und Datenbestände allen zugänglich ge¬
macht werden. Eine der bekanntesten
Groupwares ist „Lotus Notes".
heißschalten
Mit HEISSSCHALTEN, HEISS¬
STELLEN, HOCHLADEN, UPLOADEN,
HOTSTELLEN oder HOTSCHALTEN
bezeichnet man den Vorgang, eine neue
Webseite oder einen neuen iLc o n t e n t
online zu stellen, also im Internet verfüg¬
bar zu machen. Was vorher nur von inter¬
nen Rechnern abrufbar war, kann nun welt¬
weit über das Internet eingesehen werden.
ICANN
[Abkürzung von engl. Internet Cor¬
poration for Assigned Names
and N u m be rs = Internetunternehmen
für zugeteilte Namen und Nummern] Die
„Internet-Weltregierung" ist eine n o n -
profit-organisation, die 1998
vom amerikanischen Handelsministerium
auf Druck vom Rest der Welt gegründet
wurde. Die internationale Organisation lös¬
te somit die amerikanische Vorherrschaft
Ich benutze Geld als Werkzeug.
Allerdings mag ich es nicht, an den
Schräubchen zu drehen. Um zu
bewegen, muss man mit den Großen
an einem Tisch sitzen.
BERND KOLB,
VORSTANDSVORSITZENDER
I-D MEDIA AG
über das Internet ab und hat sich u. a. die
Vergabe von T i p-adressen und
die Regelung des T d omain-name-
s y s t e m s zur Aufgabe gemacht. ICANN
ist hauptverantwortlich für die stabile
Funktion des Internets und maßgebliche
Instanz bei der Festlegung von techni¬
schen Standards und Richtlinien.
Infomediär
[zu engl. information = Informa¬
tion und engl. to m e d i a te = vermit-
I
40 E - C o n o my
teln] Bezeichnung für zwischengeschal¬
tete Informationsvermittler, vorzugswei¬
se im Internet. Infomediäre bündeln In¬
formationen verschiedenster Anbieter und
Quellen, um sie für den User zu filtern und
leicht verständlich zu vermitteln. Ein Info-
mediär stellt für das individuelle Profil des
Nutzers die besten Angebote des Inter¬
nets zusammen.
Information-
Archi tecture
[engl. für: Informationsarchitektur] Di¬
daktik, wie Informationen aufgebaut und
dargestellt sind. Information-Architecture
ist vielfach auch als information¬
design bekannt und wichtige Grund¬
lage für jeden guten Onlineauftritt. Info-
Architekten sind verantwortlich für die
Userführung und müssen dafür sorgen,
dass sich die Besucher auf einer Webseite
wohl fühlen und mit dem digitalen Ange¬
bot zurechtkommen. So werden für einen
Internetauftritt so genannte sitemaps
(blueprints) erstellt, die genau be¬
schreiben wie die unterschiedlichen Seiten
angeordnet und verlinkt werden müssen.
Instant Messenger
[zu engl. i n sta n t = sofort, unmittel¬
bar und engl. messenger = Bote] Eine
Software, bei der der Nutzer sofort erfährt,
wenn seine Freunde online sind, und über
die er kurze Nachrichten senden kann. Der
Vorteil ist, dass niemand zu einer bestimm¬
ten Website gehen muss und die Nachrich¬
ten sofort und privat übermittelt werden,
während man seiner üblichen Arbeit nach¬
geht. Der Nachteilist, dass man permanent
gestört wird, da auch Werbebotschaften
per Instant Messenger verschickt werden.
Ein ungewöhnlich erfolgreiches Kommuni¬
kations- und Chatsystem dieser Art ist die
icq -Software [Akronym für „I seek you",
engl. für: „Ich suche dich"], bei der man
nach dem kostenlosen Download sofort
mit dem Echtzeit-Chat starten kann.
Interface
[engl. für: Schnittstelle] Übergangs- bzw.
Verbindungsstelle, über die ein Datenaus¬
tausch zwischen zwei Ebenen stattfinden
soll. Das Interface kann sich auf die Hard¬
ware (Stecker, Leitungen, Rechner) und
die Software (Spiele, Programme) bezie¬
hen. Auch die Tastatur oder die Darstel¬
lung eines Programms auf dem Bildschirm
als Schnittstelle zwischen Mensch und
Computer kann gemeint sein.
I n t e r n e t 2
Das Internet der nächsten Generation, der¬
zeit im Testeinsatz bei zahlreichen Univer¬
sitäten. Internet2 erlaubt dank wesent-
lieh erhöhter Übertragungskapazitäten ei¬
ne flexiblere Nutzung des Netzwerks und
die Entwicklung neuer Angebote. Videos
sollen in Fernsehqualität zu empfangen
sein, Forscher haben schnelleren Zugriff auf
gigantische Datenmengen. Das Internet?
ist (noch) als Testplattform zu betrachten,
auf der neue Technologien erprobt und
die Standards der Zukunft entwickelt wer¬
den. Finanziert wird es von privaten Unter¬
nehmen, Universitäten und Regierungen.
Intranet
Auf Internettechnologie basierendes Fir¬
mennetzwerk, wahlweise mit oder ohne
Anbindung an das öffentliche Internet.
Das Intranet ist normalerweise durch eine
T F i R E w a LL nach außen abgeschirmt.
Große Firmen errichten Intranets, um ihren
Mitarbeitern ein Forum für den Informa¬
tionsaustausch zu bieten.
Intrusion-
Detecti on-System
[engl. für: Eindringling-Erkennungssys¬
tem] Damit man sich nicht nur blind
auf die 1L_f i r e w a l l verlassen muss,
arbeitet eine solche Software im Hin¬
tergrund, entdeckt unberechtigte oder
abnorme Zugriffe aus dem Internet und
verzeichnet diese. Mit den gesammelten
Daten einer solchen Software lassen sich
Schwachstellen im Sicherheitssystem
ermitteln und beseitigen. Dringt ein
Hacker tatsächlich in das Computersys¬
tem ein, werden seine Aktivitäten genau
protokolliert und das zuständige Perso¬
nal informiert. Die zunehmende Zahl an
T D ENIAL-OF-SERVICE-
ATTACKEN machtIntrusion-Detection-
Systemezum unverzichtbaren Bestandteil
populärer Onlineangebote.
IP-Adresse
IP steht für Internet Protocol (TCP/IP),
die „Sprache", in der Daten über das Netz
verschickt werden. Es bildet die techni¬
sche Grundlage des Internets. Die IP-
Adresse weist jedem Nutzer im Internet
eine sich aus vier Zahlen zwischen 0 und
255 zusammensetzende Nummer zu, bei
der die Zahlen mit Punkten getrennt
werden (z.B.: 207.201.176.71). In der Re¬
gel wird sie vom T provider verge¬
ben. Da diese langen Zahlenkombinatio¬
nen nur schlecht zu merken sind, sind
vielen Rechnern im Internet so genannte
t.DOMAi N-Namen zugeordnet.
I T
[Abkürzung von engl. information
te c h n o lo gy = Informationstechno¬
logie] Das magische Kürzel beschreibt die
Boombranche des ausgehenden 20. und
E-Conomy
beginnenden 21. Jahrhunderts. Zur i t -
Branche gehören Unternehmen, deren
Inhalt die Entwicklung und Vermarktung
der neuen Informations- und Kommunika¬
tionstechnologien ist. Das können dem¬
nach sowohl Computer-, Peripheriegeräte-
und Chiphersteller, Telefongesellschaften
und Softwareentwickler sein als auch
T I NTERNET-SERV I C E-PRO-
v i D E R und Multimediaagenturen.
Jobengi ne
[zu engl. j o b = Beruf, Tätigkeit und engl.
engine = Motor, Maschine] Weiter¬
entwicklung der s E a R c H E N G i N E, der
Suchmaschine im Internet. Jobengines
sind Suchmaschinen, die auf die Vermitt¬
lung von Arbeitsstellen spezialisiert sind.
Diese Form der Arbeitssuche ist aufgrund
ihrer Einfachheit und Zugänglichkeit po¬
pulär geworden. Der potenzielle Mitarbei¬
ter stellt sein Profil ins Netz und bekommt
im positiven Fall alle paar Tage Angebote
auf seine Annonce, umgekehrt läuft es
ähnlich. Mittlerweile existieren auch vir¬
tuelle Jobvermittlungen für 1L_f r e e -
und T E -lancer im Netz.
Killer-
Application
[engl. für Killeranwendung] Ein Produkt,
ein Projekt oder ein Ereignis, das einer
neuen Technologie zum Durchbruch ver¬
hilft. Die Killer-Applications für das Fern¬
sehen waren Fußballweltmeisterschaf¬
ten und Olympische Spiele, für den PC
waren es Kalkulations- und Textverarbei¬
tungsprogramme, für das Internet die
T B R o w s E r . Killer Applications feh¬
len z.B. noch für das T e -tailing
und den 11_m - commerce
Konvergenz
[zu lat. convergere = sich (an)
nähern] In der T i t bezeichnet Kon¬
vergenz das Zusammenwachsen von TV,
Computer und Telekommunikation. Durch
größere "Jlb andbreiten soll inter¬
aktives Fernsehen auf einem einzigen
technischen Endgerät stattfinden. Sonys
WebTV ist ein bekannter Vertreter dieser
Medienfusion: mit Hilfe einer Set-Top-Box
und der Telefonleitung holt man sich das
Web auf ein handelsübliches Fernsehgerät.
LAN
[Abkürzung von engl. Local Area
Network = lokales Netzwerk] Ein re¬
lativ kleines Computernetzwerk, dessen
Ausdehnung meist auf ein Büro oder
Gebäude begrenzt ist. Zu einer lan-
party bringt jeder einen Computer mit,
schließt sich an das LAN an und verbringt
die nächsten Stunden oder Tage verbunden
3
Am faszinierendsten für mich ist die
rasende Geschwindigkeit, mit der sich
Personen, Unternehmen und Tech¬
nologien entwickeln. Nirgendwo gibt
es so viele Firmengründer wie hier,
die mit neuen Ideen frischen Wind
in unsere Gesellschaft bringen.
THOMAS ZELLER,
GRÜNDER
OFFERTO.COM GMBH
mit anderen im Spiel, entweder mit- oder
gegeneinander. Bei manchen LAN-Partys
treffen sich einfach ein paar Freunde und
vernetzen ihre Computer miteinander, an¬
dere sind organisierte Veranstaltungen in
Hotels mit hunderten von Teilnehmern.
Letzte Meile
Distanz von der Telefonbuchse des Endkon¬
sumenten bis zum nächsten Netzknoten
eines Betreibers (T b a c k b o n e ). Die
letzte Meile entspricht den Ortsgesprächen
beim Telefonieren. Der Preis für die letz¬
te Meile bestimmt maßgeblich die Dauer
der Internetnutzung durch die Konsumen¬
ten. In Deutschland besitzt der Exmonopo¬
list Deutsche Telekom nach wie vor die
physisch verlegten Kabel und darf dafür
Durchleitungsgebühren verlangen. Darü¬
ber wird mit anderen rovidern
heftig gestritten. Die letze Meile soll dem¬
nächst drahtlos überbrückt werden, etwa
durch x_w ireless local loop
oder Satellitenkommunikation. Auch in
den neuen Mobilfunkstandard T u m t s
werden große Hoffnungen gesetzt.
L o g f i Le
[zu engl. to l o g = eintragen, aufzeich¬
nen und engl. f i le = Datei] In dieser
Datei werden sämtliche zur Überwachung
ausgewählten Aktivitäten automatisch
erfasst. Beim T_w ebhosting gibt
die Logfileauswertung Auskunft über
die T p erformance eines Online¬
angebotes: Quantitative Eckdaten wie
iLv I S I T S , 11_P AGEIMPRES¬
SIONS oder die Verweildauer werden aus
den Logfiles erhoben und im Reporting
ausgewiesen. Da beispielsweise auch die
Websites, von denen die User kommen, im
Logfile verzeichnet werden, kann so die Ef-
E-Conomy
JL
4 4
fizienz des T w ebannouncements
direkt nachgewiesen werden: Von welcher
Suchmaschine ein User kommt oder wo er
welchen 1Lb a n n e r geklickt hat bleibt
kein Geheimnis mehr.
Mai L b o m b
[engl. für: Briefbombe] So nennt man eine
in letzter Zeit im Internet mehrfach an¬
gewendete Form des Angriffs auf einen
Server. Dabei werden massenhaft Mails
oder sehr große Maildateien an einzelne
lt_s e r v e r oder o m ä n e n ver¬
schickt. Dadurch, dass die Bearbeitungs¬
zeit zu lange dauert oder die Speicherka¬
pazität erschöpft ist, wird das Zielsystem
gestört. Dies kann bis zum Komplettaus¬
fall eines Systems führen.
M a s s -
Customization
[zu engl. m ass = Masse und engl.
customization = Maßfertigung,
kundenspezifische Anpassung] Die Ma߬
anfertigung für Massen. Statt Jeans in fünf
verschiedenen Größen herzustellen, soll
jeder Kunde die speziell für seine Maße
angefertigte Hose erhalten. Bei Autos und
insbesondere Computern wird das Modell
bereits praktiziert. Möglich wird dieses
Verfahren durch die direkte Verknüpfung
von Website und Fertigungsstätten. Hat
der Kunde seine gewünschte Konfigura¬
tion auf dem Web eingegeben, wird in der
Fabrik exakt das maßgeschneiderte Modell
gefertigt und umgehend ins Haus geliefert.
M-Commerce
[Abkürzung von engl. mobile com¬
merce = mobiles Geschäft] Geschäfte
per Handy. M-Commerce ist ein in Anleh¬
nung an den T e - commerce gebil¬
deter Begriff, der nicht so sehr die heute
gebräuchlichen Handy-Geschäfte meint
(Auskunft und sonstige Mehrwertdienste),
sondern die Einsatz- und Verdienstmög¬
lichkeiten durch internetfähige Mobil¬
telefone, sog. WAP-Handys. Man wählt
über das Handy ein Produkt aus und zahlt
es auch darüber. Bei T w a p, der ersten
Runde des M-Commerce, hält sich das Ge¬
schäft allerdings noch sehr in Grenzen.
Metcalfes Gesetz
Das nach dem Netzwerkpionier Bob Met¬
calfe benannte Gesetz besagt, dass der
Wert eines Netzwerks im Quadrat zur Zahl
der User steigt. Je größer die Anzahl der
Anbieter, umso breiter ist auch das Ange¬
bot. Und je mehr Interessierte diese An¬
gebote nachfragen, desto gerechter wird
der Preis. Wächst der Handel im Internet,
würde das demnach für alle Beteiligten
eine Nutzensteigerung zur Folge haben,
New Economy ist für mich gleichzu¬
setzen mit unendlichen Herausforderun¬
gen und Speed, Speed, Speed. Das
Internet bietet zahllose Möglichkeiten
und entwickelt sich mit rasantem
Tempo - daran teilzuhaben macht den
Reiz dieser neuen Wirtschaft aus.
ULRICH DIETZ,
VORSTANDSVORSITZENDER
GFT TECHNOLOGIES AG
für die Anbieter einen höheren Absatz und
für die Nachfrager mehr Auswahl zu besse¬
ren Preisen. Eine klassische win-win-
SITUATION also.
Mi cropayment
[engl. für: Mikrozahlungen] Bei der Nut¬
zung von gebührenpflichtigen Websites
fallen im Internet kleine Geldbeträge an.
Meist geht es dabei um exklusive Infor¬
mationen wie Börsentipps oder um Unter¬
haltungsprodukte wie Musikstücke, die
direkt mit elektronischem Geld beglichen
werden. Während man bei Summen von
unter 10 DM von Micropayment spricht,
handelt es sich beim pi copayment
[zu it. piccolo = klein] bereits um
Pfennigbeträge. Um diese Verfahren pro¬
fitabel einzusetzen, dürfen die Abrech¬
nungsaufwendungen den geringen Umsatz
nicht komplett verschlingen.
Microsite
[engl. für: Mikrowebsite] Teil einer Web¬
site, der gesondert beworben wird und
dabei weitgehend unabhängig bleibt. Ei¬
ne Microsite ist unter ihrer eigenen URL
zu finden und verfolgt individuelle Be¬
stimmungen. Oft ist sie die digitale Be¬
gleiterscheinung einer Promotion und als
solche auch auf den Zeitraum der dazuge¬
hörigen Marketingaktivität begrenzt. Als
Satellit teilt sich die Microsite üblicher¬
weise den Webserver mit der grossen Web¬
site und hält sich auch an deren T c o r -
PORATE-IDENTIT Y-Vorgaben.
Moores Gesetz
Grundregel für die Produktivitätssteige¬
rung der Chip-Industrie: Alle 18 Monate
verdoppelt sich die Leistungsfähigkeit der
Chips - und im gleichen Zeitraum halbie¬
ren sich die Kosten für ihre Herstellung.
M
E-Conomy
4 6
Formuliert wurde dieses Gesetz 1965 von
Gordon Moore, einem Gründervater des
Chip-Konzerns Intel. Bis heute hat es sei¬
ne Gültigkeit behalten. 2010 wird ein nor¬
maler Computer zehn Millionen Mal leis¬
tungsfähiger sein als ein Computer von
1975, und dies zu vielfach geringeren rea¬
len Kosten. Das zeigt sich auch darin, dass
z.B. ein Ford Taurus eine höhere Compu¬
terleistungsfähigkeit hat als die Rechner
der Apollo-Raumfahrtprogramme.
MP3
MP3 ist ein technisches Verfahren, die
Menge an Information, die ein Musikstück
enthält, so zu komprimieren, dass es sich
über das Internet versenden lässt. Das
menschliche Ohr nimmt dabei nur geringe
Verluste wahr. Das von dem 19-jährigen
Studenten Shawn Fanning entwickelte
Napster -Programm wurde zur grö߬
ten Bedrohung der Musikindustrie, da es
Privatleuten die Möglichkeit gab, Musik¬
dateien im MP3-Format über das Internet
kostenlos auszutauschen.
Nanosi te
[Zusammensetzung aus griech. n a n o s
= Zwerg und Website] Eine komplette
Website, die nicht in einem extra Browser-
Fenster, sondern innerhalb eines anderen
Onlineangebotes angezeigt wird. Als Wer¬
beformate eingesetzt, erscheinen Nano¬
sites auf den ersten Blick wie übliche
T B a N N E R. Durch die Möglichkeit,
mehrere verbundene Einzelseiten auf die¬
ser kleinen Fläche darzustellen, können
aber auch komplexe Inhalte kommuniziert
werden. Ein Beispiel für diese sehr aufwen¬
dige Werbeform ist der Banner-Commerce:
der direkte Handel mit Produkten, die man
auf der Nanosite anklicken kann, ohne die
geöffnete Website verlassen zu müssen.
Navigation
Navigation steht für die Struktur einer
Internetsite, gleichzeitig aber auch für
die Tätigkeit eines Users, eine gewünsch¬
te Information im Netz zu finden. Weiß
er, wo die Information zu finden ist, gibt
er die URL in die Adresszeile ein. Weiß er
es hingegen nicht, kann er mit Hilfe von
Suchmaschinen zur richtigen Website ge¬
leitet werden. Ferner gelangt der Surfer
von Seite zu Seite, indem er Links anklickt,
die ihn besonders interessieren.
Netiquette
[Zusammenziehung aus engl. n e t = Netz
und Etikette] Unverbindlicher Ko¬
dex für richtiges bzw. unerwünschtes Ver¬
halten im Internet, beispielsweise bei
Newsgroup-Postings, in Foren oder Chats
(auch chatiquette). Der online-
0
4 7
knigge verbietet unhöfliches Verhalten
(Motto: Erst denken, dann schreiben) und
alles, was unnötig viel Speicherplatz und
Zeitaufwand kostet, wie etwa Werbemails,
die tausendfach versendet werden und die
Mailbox verstopfen.
Netzwerk¬
administrator
Auch Computernetzwerke funktionieren
nicht ohne Pflege. Die dafür verantwortli¬
che Person ist der Netzwerkadministrator.
Er kümmert sich um die Installation und
Wartung, plant und realisiert Verbesserun¬
gen und steht den Nutzern bei Problemen
tatkräftig zur Seite. Schwerpunkt seines
Aufgabenbereiches ist daneben auch die
Sicherung des firmeninternen Netzwerkes
gegen Hacker und T_c y b o t a g e .
Newsgroup
[engl. für: Nachrichtenforum] Ein the¬
menbezogenes Online-Diskussionsforum
im Usenet, einem speziellen Bereich des
Internets. Es gibt weltweit zigtausende
solcher Newsgroups zu allen nur denkba¬
ren Themen. Die meisten sind eine Art
elektronischer Fanclub, manche auch wie
das schwarze Brett eines Vereins. Um an
einer Newsgroup teilzunehmen, braucht
man ein spezielles Programm, das auch in
den Standard-Browsern integriert ist.
Das Internet ist Tag und Nacht
erreichbar, eine interaktive Nutzung
ist möglich, leistungsfähige Such¬
möglichkeiten sind gegeben, es bietet
Internationalität und ist etabliert.
MARCUS NIEDERMEIER,
GESCHÄFTSFÜHRER
INTERNATIONALE HOLZBÖRSE
GMBH ( I H B )
Open Source
[engl. für: „offene Quelle", Quellcode] Der
Quellcode, also die Basis, aus der Pro¬
gramme kompiliert werden, ist üblicher¬
weise das bestgeschützte Geheimnis in
der Software-Industrie. Open-Source-Soft¬
ware (OSS) hingegen macht den Quellcode
jedermann kostenlos zugänglich. Besser
noch: Jeder kann selbstständig und de¬
zentral den Code verändern oder neue Tei¬
le hinzufügen und die Software so seinen
individuellen Bedürfnissen anpassen. Die-
0
E-Conomy
se Veränderungen werden wiederum von
anderen gelesen und weiterentwickelt. Die
momentan wohl bekannteste Open-Source-
Software heißt Linux, ihr Pionier, der Held
der Szene, Linus Torvald. Eine weitere Be¬
zeichnung für die OSS ist ^public
domain.
Oxygen-Projekt
[zu engl. oxygen = Sauerstoff] Pro¬
jekt, das den Computer „unsichtbar wie
Luft" machen soll. Michael Dertouzos, Lei¬
ter des Laboratory for Computer Science
am Massachusetts Institute of Technolo¬
gy (MIT), hat 1999 das ehrgeizige Projekt
ins Leben gerufen. Die Computertechno¬
logie soll unsichtbar in den Lebensraum
des Menschen integriert werden. Statt des
behäbigen Klotzes auf dem Schreibtisch
verschwindet der Computer in der Wand,
der Bildschirm soll als Projektion auf der
Tapete zu sehen sein. Das System ruht auf
vier technologischen Komponenten: 1. ein
multifunktionales Handy, 2. mehrere in
den Raum integrierte Computer, 3. ein
Netzwerk, das die Verbindungen zwischen
allen Handys und Computern schafft und
4. eine hoch entwickelte Technologie der
Spracherkennung und -Verarbeitung. Da¬
durch, dass das Oxygen-Netzwerk mittels
Sprache funktioniert, fällt es leichter, mit
der neuen Technik umzugehen.
PDA
[Abkürzung von engl. personal di¬
gital assistant = persönlicher
digitaler Assistent] Kleine handliche
Computer, die üblicherweise Adressbuch,
Kalender, Notizblock und zahlreiche wei¬
tere Funktionen bieten. Perinfrarot-Ver¬
bindung können PDAs miteinander kom¬
munizieren und Daten austauschen oder
Termine abgleichen. Oftmals können sie
auch mit einem Modem ausgerüstet wer¬
den und so Faxe versenden oder online
gehen. Weitere Bezeichnungen für den
PDA sind handheld, palm-pc, palm¬
top oder pocket-pc.
P o p U p
[zu engl. to pop up = plötzlich auf¬
tauchen] Der Begriff stammt ursprünglich
aus der Welt der grafischen Betriebssys¬
teme, wo auf Mausklick kleine Fenster
mit Auswahlmöglichkeiten erscheinen. In¬
zwischen wird er auch im Internet immer
dann verwendet, wenn ungewollt oder be¬
absichtigt ein neues T b rows er-
Fenster aufspringt. Besonders bei unse¬
riösen Anbietern aus der Pornobranche
finden sich häufig derlei Werbeeinblen¬
dungen, die in zahlreich aufklappenden
PopUp-Fenstern immer wildere Verspre¬
chungen geben und den seriösen User beim
Surfen nerven.
__p_
4 9
Portal
Einstiegsseite und erster Anlaufpunkt,
über den der Zugang zu weiteren Websites
erfolgt. Informationen und Dienstleistun¬
gen werden einem offenen oder geschlos¬
senen Userkreis zugänglich gemacht.
Das vertikale p o R T a L ist ein
Internetangebot, das sich an eine klar
umrissene Zielgruppe wendet. Sie kon¬
zentriert sich auf ein Thema und geht eher
in die Tiefe als in die Breite, wie sich et¬
wa www.fahrschule.de an alle Fahrlehrer
und Fahrschüler wendet. Vertikale Porta¬
le sind vor allem im T b 2 b - Bereich
wichtig. Im Gegensatz dazu richtet sich
ein horizontales portal an
eine sehr breite Nutzerschicht mit allge¬
meinen Interessen, wie etwa der Online¬
dienst und die Suchmaschine www.web.de.
Ein B u s i N E s s - p 0 R T a L ist ein auf
eine Branche spezialisiertes vertikales Por¬
tal, welches ausschließlich geschäftlichen
Zwecken dient, wie etwa ein Internet¬
angebot für die Holz verarbeitende Indus¬
trie, über das man zu den einzelnen An¬
bietern oder zu einem T d igitalen
MARKTPLATZ kommt.
Powershoppi ng
[zu engl. power = Macht, Kraft und
engl. to shop = einkaufen] Beim
Powershopping nutzen Kunden eine Infra¬
struktur, die es ihnen ermöglicht, ihre In¬
teressen zu bündeln und gemeinsam güns¬
tiger einzukaufen. Das dahinter liegende
Prinzip, das auch teamshopping
oder c 0 - s H 0 p p i N G genannt wird, be¬
ruht darauf, dass mit der Zahl der Käufer
eines bestimmten Produktes der Kaufpreis
abnimmt. Im Idealfall entsteht aus diesem
Konzept eine so genannte win-win-
situation: größere und garantierte
Absatzmengen für den Händler und gerin¬
gere Preise für die Käufer.
Profi Le-Fi Ltering
[zu engl. profile = persönliches Pro¬
fil und engl. to f i 11 e r = filtern] Bei
diesem Verfahren werden Informationen
durchsiebt und nur solche ausgewählt, die
den persönlichen Bedürfnissen und Wün¬
schen des Users entsprechen. Das Informa¬
tionsvolumen wird mittels intelligenter
Software in Form eines x_a g e n t e n ge¬
filtert. Das Verfahren wird beispielsweise
beim dl_c ustomizing von Websites
eingesetzt.
Prosumi ng
[Zusammenziehung aus engl. produc-
t i 0 n = Produktion und engl. to c 0 n -
s u m e = konsumieren] Das Teilhaben
des Konsumenten am Produktionsprozess.
„Produzent und Konsument, seit der indus-
B
E-C o n omy
5 0
triellen Revolution getrennt, werden in ei¬
nem Wertschöpfungskreislauf wiederverei¬
nigt, wobei der Konsument nicht nur Geld,
sondern Markt- und Designinformationen
beisteuert, die zentral für den Produktions¬
prozess sind", schreibt Alvin Tofler in „Po¬
wer Shift". Als Prosuming würde man den
folgenden Fall bezeichnen: Der Kunde stellt
auf einer Website aus verschiedenen For¬
men und Farben seinen individuellen Sport¬
schuh zusammen. Erst danach wird der
Schuh produziert. Beide Parteien gewin¬
nen: Das Unternehmen produziert nicht
am Bedarf vorbei, der Konsument bekommt
sein Wunschprodukt. Das Internet unter¬
stützt diese Form von iw ass-cus-
TOMIZATION.
Provider
[engl. für: Lieferant] Der Provider stellt
den Zugang zum Internet her. Er liefert
die Leitung, stellt den Speicherplatz für
die Homepage zur Verfügung, vergibt die
1L_i p-adresse und sorgt für den
Übergang von seinem T server ins
Internet. Der Nutzer wählt sich dazu auf den
Server des Access-Providers ein und kann
von dort aus auf das Internet zugreifen.
Synonym zu Provider stehen access-
provider oder INTERNET-SER¬
VICE-PROVIDER ( i s p ), die ge¬
schäftlich korrekte Ausdrucksweise. Eine
typische Entschuldigung für nicht beant¬
wortete E-Mails: „Mein Provider spinnt.
Der muss die Mails gefressen haben."
Public Domain
[zu engl. public = öffentlich, jeder¬
mann zugänglich und engl. d o m a i n =
Domäne, Bereich] Bezeichnung für Soft¬
ware, die ohne Zugangsbeschränkung für
jedermann kostenlos nutzbar ist, frei wei¬
tergegeben und verändert werden darf.
Der Autor gibt dabei sein Copyright an
dem Programm ganz oder teilweise auf.
Paradebeispiel ist das Linux-Betriebs¬
system, das Linus Thorvald der Öffent¬
lichkeit zur Verfügung stellte und das von
den Nutzern weiterentwickelt und per¬
fektioniert wurde. Bei der häufig fälsch¬
licherweise als synonym bezeichneten
freeware darf das Programm eben¬
falls kostenlos genutzt und weitergege¬
ben, jedoch nicht verändert werden, da der
Hersteller in diesem Fall das Copyright be¬
hält. Die so genannte shareware ist
prinzipiell nicht gratis erhältlich, nach ei¬
ner bestimmten Testphase wird eine Re¬
gistrierungsgebühr fällig, die jedoch in
den meisten Fällen recht gering ausfällt.
Reverse Auction
[engl. für: umgekehrte Auktion] Ein immer
populärer werdendes Verfahren, bei dem
R
Das Internet bietet den Unternehmen
der New Economy revolutionäre Mög¬
lichkeiten der Produkt-, Preis-, Kom¬
munikations- und Wettbewerbsstrategie
an, die sämtliche wirtschaftliche
Prozesse nachhaltig verändern werden.
FRANK BOHMANN,
DIRECTOR BUSINESS
DEVELOPMENT
PRIMUS-ONLINE GMBH
nicht der Kaufwillige bietet, sondern der
Verkaufswillige. Der Preis geht so lange
nach unten, wie ein Anbieter bereit oder
in der Lage ist, die Konkurrenten zu un¬
terbieten. Wenn Peter W. beispielsweise
einen Mietwagen am Flughafen München
braucht, veröffentlicht er seinen Bedarf
auf einer entsprechenden Website und er¬
hält innerhalb weniger Tage Angebote von
verschiedenen Mietwagenfirmen vor Ort.
So erspart er sich nicht nur die lästige
Telefoniererei, sondern erhält auch au¬
tomatisch den günstigsten Preis. Der Vor¬
teil für den Anbieter ist, dass er Überka¬
pazitäten oft auch kurzfristig noch an den
Kunden bringen kann. (s.a. T d u t c h
auction)
Router
[zu engl. r o u t e = Route, Weg] Weg, den
die Datenpakete zwischen den Netzen zu¬
rücklegen. Da das Internet keine direkten
Verbindungen zwischen den einzelnen
Rechnern kennt, empfängt der Router die
gesendeten Daten und schickt sie über
den jeweils schnellsten verfügbaren Weg
an das angegebene Ziel weiter. Die hohe
Flexibilität und Ausfallsicherheit des Inter¬
nets lässt diese Art des Datenverkehrs zu.
Rückkana L
Eigentlich ein technischer Begriff für die
Möglichkeit, Daten in zwei Richtungen
über eine Verbindung (Kabel, Stromnetz,
ll_w I R E L E s s local loop, Sa¬
tellit) zu schicken. Der Rückkanal unter¬
scheidet das Internet als Medium von den
klassischen Medien wie Fernsehen und
Zeitschriften, denn es ermöglicht Inter¬
aktivität. Die beiden Richtungen müssen
aber nicht unbedingt gleich leistungsfähig
sein. Im Kundenkontakt ist ein leistungs-
s
E-Conomy
5 2
fähiger downstream, also der Daten¬
fluss vom Netz (Server) zum Nutzer (Client),
meist wichtiger als der upstream, also
der Datenstrom vom Nutzer ins Netz, über
den in der Regel nur die URL oder E-Mail
geschickt wird.
Secure Server
[zu engl. secure = sicher und
engl. to s e r v e = dienen, verwalten]
T s E R v E R , der ein Verschlüsselungs¬
protokoll unterstützt. Daten und Nachrich¬
ten werden für den Transport kodifiziert
und so weitgehend gegen unberechtigte
Nutzung durch Dritte geschützt. Gleich¬
zeitig wird mittels eines To i g i t a l
certificates verifiziert, dass die
heiklen Daten auch wirklich an den autori¬
sierten Empfänger gehen. Secure Server sind
das Rückgrat des l' e - commerce,
da sie sichere Übermittlung vertraulicher
Finanzdaten ermöglichen.
Server
[zu engl. to s e r v e = dienen, verwal¬
ten] Zentraler Computer innerhalb eines
Netzwerks, der den angeschlossenen Teil¬
nehmern (Clients) das Betriebssystem,
Speicher, Daten und Ressourcen zur Ver¬
fügung stellt. Über den Server wird das
Netzwerk verwaltet. Man spricht daher
auch von einer client-server-
architektur.Es existieren verschie¬
dene Serverklassen mit unterschiedlichem
Anforderungsprofil, wie z.B. der f i le¬
se r v E R, der vor allem Daten und Spei¬
cher bereitstellt, der application¬
serve r , der den Zugriff auf Programme
ermöglicht, oder der internet¬
server, der Internetdienste anbietet.
Werden viele Server an einem Ort zusam¬
mengeschlossen, um gigantische Daten¬
ströme zu verarbeiten, handelt es sich um
eine server-farm. Diese werden
meist von T i nternet-service-
providern betrieben und dienen vor
allem dem 1' w ebhosting.
Shi ll-Bidding
[zu engl. s h i 11 = Lockvogel und engl.
to b i d = bieten] Populäre Bezeichnung
für vorgetäuschtes Bieten bei Auktio¬
nen. Im Allgemeinen wird der Begriff bei
1Lw ebauctions verwendet. Die
Motivation für das Shill-Bidding ist entwe¬
der kurzfristiger Ruhm bei publicityträch¬
tigen Auktionen oder wie in den meisten
Fällen der Versuch, den Preis durch Eigen¬
gebote oder die von Freunden möglichst
weit nach oben zu treiben, um so den ma¬
ximalen Profit zu erzielen. Diese Schwin¬
delgeschäfte führen bei Entdeckung zu
sofortigem Ausschluss aller partizipie¬
renden Parteien.
Silent Commerce
[engl. für: stiller Handel] Die direkte
Transaktion von Rechner zu Rechner:
Bestellungen und Geschäfte werden selbst¬
ständig getätigt. Bisher ist der Silent
Commerce noch in der Testphase. Das
meistgenannte Beispiel aus dem Alltag ist
der Kühlschrank, der, sobald seine Vor¬
räte aufgebraucht sind, eigenständig für
Nachschub sorgen soll.
Smart Card
[zu engl. s m a r t = pfiffig, raffiniert und
engl. ca rd = Karte] Handliche Plastik¬
karte mit integriertem Chip, auf dem „Bar¬
geld" gespeichert werden kann. Telefon¬
karten sind als Smart Cards der alten
Schule anzusehen, die idealen Smart Cards
sind jedoch multifunktional. Auf ihnen ist
Geld gespeichert, welches in jeder be¬
liebigen Form ausgegeben werden kann,
sei es am Zigarettenautomaten, im Super¬
markt, für den Babysitter oder als Leihgabe
an die kleine Schwester. Gleichzeitig kön¬
nen sie mittels Onlinebanking aufgeladen
werden und sind durch den pin-code,
der Geheimnummer, gegen Diebstahloder
Verlust geschützt. Im Unterschied zur
Kreditkarte werden diese Transaktionen
jedoch nicht elektronisch gespeichert, die
Anonymität bleibt somit wie bei der Zah¬
lung mit Bargeld erhalten.
Die New Economy setzt enorme Ener¬
gie frei. Sie ist der beste Beweis, dass
der Kapitalismus noch funktioniert.
STEPHAN SCHAMBACH,
GRÜNDER, CEO
INTERSHOP COMMUNICATIONS AG
Spam
Eigentlich handelt es sich um ein einge¬
tragenes Warenzeichen für minderwerti¬
ges Dosenfleisch aus den USA und bedeu¬
tet „specially prepared assorted meat",
also speziell zubereitetes Mischfleisch. Ein
Spam steht im Internet jedoch für massen¬
haft unaufgefordert zugesandten Daten¬
müll, der die Mailbox verstopft und den
Empfänger nervt. Meist handelt es sich
dabei um Werbesendungen, die Reichtum,
Sex, Universitätsdiplome, Traumreisen etc.
s
E-Co n o my
versprechen. Spam bedeutet daher auch
„send phenomenal amounts of mail". Eine
Flut dieser junkmails [engl. für: Ab¬
fallpost, Datenmüll] kann ein System zum
Absturz bringen, wenn die Größe bzw. die
Menge der Sendungen die Kapazitäten des
Rechners sprengen, und wird daher zu
einem ernsthaften Problem.
Spamdexi ng
[zu engl. spa m = Datenmüll und engl.
to i n d e x = auflisten] Zwielichtige Me¬
thode, die beim HLw ebannounce-
m e n t eingesetzt wird. Um der Konkurrenz
in den Suchmaschinen eine Nasenlänge
voraus zu sein, werden die eigenen Inter¬
netseiten so präpariert, dass sie bei der
Suche nach bestimmten Schlüsselwörtern
zuerst gefunden werden. Indem besonders
häufig gesuchte Begriffe mehrfach in die
Website eingebaut werden, wird diese
von der Suchmaschine auf einer besseren
Position angezeigt, was wiederum den
T T R a F F i c der Site optimiert. Zur
Manipulation der Suchmaschinen werden
dazu für den User unsichtbare Elemente in
den Code der Seiten integriert, z.B. indem
die Textfarbe des Suchbegriffs der Hinter¬
grundfarbe entspricht oder die kleinste
Schriftgröße verwendet wird. Der Nutzer
wundert sich dann häufig, wie er nur auf
diese Site gelangen konnte.
Splicing
[zu engl. to splice = verbinden,
(zusammen)kleben] Bei diesem auch als
SESSION-STEALING oder H I -
jacking bekannten illegalen Verfah¬
ren übernimmt ein Eindringling eine be¬
reits authentifizierte Internetverbindung
und eignet sich somit die Rechte des recht¬
mäßigen Nutzers an. Wenn sich beispiels¬
weise ein Mitarbeiter bereits mit seinem
Passwort am Firmenserver angemeldet hat,
kann sich ein Angreifer durch Splicing in die
Verbindung einschalten und sich so Zugriff
zu sensiblen Firmendaten beschaffen.
Spoofing
[zu engl. to s po of = parodieren, ver¬
ballhornen] Ursprünglich war „spoof" ein
Schwindelspiel mit einer gehörigen Por¬
tion Nonsens. Wer nun im Internet spooft,
tritt unter einer fremden oder fiktiven
Identität auf und versendet E-Mails oder
publiziert unter falschem Namen. Spoofing
verstand sich ursprünglich als Satire, z.B.
indem man sich über die Regierung lustig
machte, die Grenze zu böswilligen Aktivi¬
täten, bei denen es um Bereicherung oder
Zugriff auf persönliche Daten geht, ist al¬
lerdings fließend. Zunehmend ist der Be¬
griff negativ geprägt, adress-spoo-
f i n g bezeichnet etwa die Verwendung
einer gefälschten Webadresse, während das
s
5 5
domain-spoofing die fälsch liehe
Nutzung eines Domain-Namens meint.
Streaming Media
[engl. für: strömende Medien] Audio- und
Videodaten, die als komprimierter und
kontinuierlicher Datenstrom über das
Internet gesendet und unmittelbar beim
Nutzer abgespielt werden. So kann zum
Beispiel herkömmliches VHS-Videomate¬
rial auf eine Computerfestplatte gestreamt
werden. Im Gegensatz zum Download muss
man bei Streaming Media nicht bis zum
Ende der Übertragung warten, sondern
sieht und hört nach relativ kurzer Warte¬
zeit, was man bekommt. Für die Nutzung
der meisten Streaming-Media-Formate
benötigt man eine spezielle Software, die
oft schon im r o w s e r integriert ist
oder bei Bedarf direkt aus dem Internet
installiert werden kann. Bekannte Ver¬
treter dieser Gattung sind RealSystems
G2 und Flash.
Suck-Si tes
[zu engl. to s u c k = saugen, (ugs.)
nerven und Website] Beschreibt Web¬
sites, die als Adresse den Namen eines Un¬
ternehmens mit dem Zusatz „sucks" haben,
was soviel bedeutet wie „Unternehmen XY
nervt". Üblicherweise werden diese Sites
von unzufriedenen Kunden ins Leben geru-
Für mich bietet die New Economy
die große Chance, meine Vision von
einem Europa ohne Barrieren heute
schon im Internet umzusetzen -
jeden Tag wird dieses Ziel greifbarer.
JEAN-MARC NOEL,
GESCHÄFTSFÜHRENDER
GESELLSCHAFTER
TRUSTED SHOPS GMBH
fen, die ihren Unmut über besagtes Unter¬
nehmen kundtun. Die betroffenen Firmen
reagieren unterschiedlich: Manche versu¬
chen, die Suck-Site per Gerichtsbeschluss
zu unterbinden, andere sehen sie als wert¬
volles Mitteides Kundendialogs, um direkt
aus erster Hand zu lernen, wie Produkte
und Services verbessert werden können. In¬
zwischen reservieren sich viele Unterneh¬
men vorbeugend gleich ihre eigenen Suck-
Sites, damit die T_d o m a i n nicht von
den Kritikern verwendet werden kann.
I
E-C o n o my
5 6
T-Commerce
[Abkürzung von engl. television
c o m m e r c e = Handel über Fernsehen]
Bezeichnet die Nutzung des Fernsehers, um
Waren und Dienstleistungen zu verkaufen.
Die Zukunftsvision ist, dass die Zuschau¬
er nicht nur 500 Kanäle zur Verfügung ha¬
ben, sondern auch E-Mails empfangen und
versenden, Nachrichten abrufen und na¬
türlich nach Herzenslustshoppen können.
Ein Klick mit der Fernbedienung, und
schon ist das gezeigte Produkt bestellt.
Laut einer Studie der Deutschen Bank soll
im Jahr 2004 der TV-basierte T-Commerce
größere Umsätze erzielen als der PC-ba-
sierte 1L_e - commerce.
T rustcenter
[zu engl. t r u s t = Vertrauen] Eine unab¬
hängige Instanz, die Sicherheit bei elek¬
tronischen Transaktionen gewährleisten
soll, indem sie Echtheitszertifikate an User
und Onlineanbieter vergibt. Nachdem man
mit einem amtlichen Dokument vom Trust¬
center registriert wurde, bekommt man ei¬
nen zertifizierten öffentlichen Schlüssel,
um eine Digitale Signatur
einzusetzen.
Trusted Shop
[zu engl. to t r u s t = vertrauen und
engl. s h o p = Laden] E-Commerce-An¬
gebote mit Kundenschutz. Angesichts der
Anonymität und Undurchsichtigkeit des
Internets schrecken viele Nutzer davor
zurück, sensible Daten wie Kreditkarten¬
oder Ausweisnummern durch die Leitung
zu schicken. Trusted Shops sollen quasi
ein Gütesiegel für Qualität und Kunden¬
schutz im Internet bieten. Das entspre¬
chende Zertifikat erhält ein Onlineanbie¬
ter bei einem 1Lt rustcenter. Zur
Zeit gibt es viele Versuche, Standards für
Kundenschutz zu formulieren, aber auf
Regierungsebene tut man sich schwer mit
einer einheitlichen Regelung. Möglicher¬
weise schält sich durch die Konkurrenz im
Netz das beste System schneller heraus, als
sich die Regierungen einigen können.
UMTS
[Abkürzung von engl. universal
mobile telecommunications
system = universales mobiles Tele¬
kommunikationssystem] Technik für Han¬
dys, die neben der Sprach- auch eine aus¬
gedehnte Datenübertragung erlaubt. UMTS
ermöglicht den Empfang von Bildern,
Musik und Videos auf dem Handy. Über
das Telefonnetz sind dann auch Filme
abrufbar, Bildtelefonie wird möglich und
technische Haushaltsgeräte könnten über
das Mobiltelefon ferngesteuert werden.
Dadurch, dass die Daten paketweise über-
w__
5 7
mittelt und mit sehr hoher Geschwin¬
digkeit von bis zu 2 Mbit/s übertragen
werden, wird der Zugriff auf große Daten¬
mengen ohne Schwierigkeiten durchführ¬
bar. UMTS wird gern als die 3. Generation
(3G) des Mobilfunks bezeichnet.
Unified Messaging
[zu engl. to u n i fy = vereinigen und
engl. message = Nachricht, Mittei¬
lung] Nachrichtenbündelung. Egal ob per
Fax, Mail, Telefon, SMS oder Pager ver¬
sandt, beim Unified Messaging Landen alle
an eine Person gerichteten Mitteilungen
im gleichen Briefkasten. Und jede Nach¬
richt, die verschickt wird, fertigt auch das
selbe „Postamt" ab - gleichgültig auf wel¬
chem Weg sie ans Ziel kommen soll.
WAP-Technologie
[Abkürzung von engl. wireless ap¬
plication protocol= Protokoll
für drahtlose Anwendungen] Technischer
Standard für Internet-Handys. Die WAP-
Technologie erlaubt, mit dem Handy ins
Internet zu gehen. Voraussetzung ist je¬
doch, dass die Website auch ein entspre¬
chendes WAP-Format anbietet, damit die
Informationen auf die Speicher- und Dar-
stellungsgröße eines Handys angepasst
werden. Die Daten werden dabei überein
spezielles WAP-Gateway in kleinere, binär
kodierte Datenpakete umgewandelt, damit
sie sich für den Funkverkehr eignen. Geht
man über das Handy ins Internet, nennt
man das auch wappen. Man kann z.B. Bör¬
senkurse abrufen, sich über Veranstal¬
tungen informieren lassen oder E-Mails
verschicken.
Webannouncement
[zu engl. w e b = Netz und engl. t o an¬
nounce = ankündigen] Das Bekannt¬
machen eines Onlineangebots durch
Eintragung in Verzeichnisse und Regis¬
trierung bei Suchmaschinen. Nach dem
launch steht auch die anspre¬
chendste Website zunächst einmal isoliert
im Internet; außer der direkten Eingabe
der URL führt kein Weg zu ihr. Man mel¬
det sein Angebot bei redaktionell betreu-
ten Katalogen an und entwickelt für die
Aufnahme in die Datenbanken der Such¬
maschinen themenspezifische Schlag¬
wörter, die vor der Eintragung als Meta¬
informationen in die Website integriert
werden. Um sich bei den Suchergebnis¬
sen häufig möglichst weit nach vorn zu
mogeln, machen sich viele Anbieter das
T s PAMDEXING zunutze. Die Bewer¬
bung innerhalb von i' n ewsgroups
oder durch aufwendige T_b a n n e r-
Kampagnen sind weitere Züge bei der Po¬
pularisierung des Angebotes.
E-Conomy
5 8
Webauction
[engl. für: Internetauktion] Ob es sich um
Antiquitäten, Raritäten oder altes Eisen
handelt, alles wird bei Webauctions ver¬
steigert. Diese Auktionshäuser haben sie¬
ben Tage die Woche rund um die Uhr ge¬
öffnet und ermöglichen durch die extrem
niedrigen Publikationskosten selbst die
Versteigerung billigster Artikeln. Jeder
kann Teilnehmer werden und mitbieten
oder selbst Objekte anbieten. Der weltgrö߬
te Internetversteigerer ist das amerikani¬
sche Unternehmen Ebay (Stand 2001). Die
größten Webauctions haben mehr als 1 Mil¬
lion aktive Mitglieder und sind Schritt¬
macher der Ta uct ion-economy.
Bezahlung und Versand regeln Käufer und
Verkäufer direkt miteinander, während das
Auktionshaus eine Provision erhält.
Webhosting
[zu engl. web = Netz und engl. to
host = bewirten] Internetdienstleis¬
tung, die Serverplatz für Websites vermie¬
tet. Steht einem Website-Betreiber keine
Standleitung zur Verfügung oder sprengt
der T T R a F F i c die verfügbare Lei¬
tungskapazität, kann erden notwendigen
Speicherplatz auf einem Server mieten.
Entscheidende Kriterien bei der Auswahl
eines Webhosting-Anbieters sind neben
bereitgestelltem Speicherplatz und Zuver¬
lässigkeit vor allem die Geschwindigkeit
des Internetzugangs und die zusätzlich
angebotenen Serviceleistungen.
W e b m a I l
[zu engl. w e b = Netz und engl. m a 11 =
Einkaufszentrum] Bezeichnung für ein vir¬
tuelles Einkaufszentrum, das auf seinen
Websites Verkaufsangebote mehrerer Un¬
ternehmen konzentriert. Ähnlich wie in
einer realen mall, also einem Einkaufs¬
zentrum überdimensionalen Ausmaßes,
bieten auch in der Webmall verschiedene
Firmen ihre Produkte zum Kauf an, und der
Kunde kann von einem Shop zum nächs¬
ten schlendern. Die einzelnen Angebote
werden entweder direkt über Hosting
eingebunden oder über Framing verlinkt.
Synomym verwandte Ausdrücke für eine
Webmall sind cybermall und on¬
linemall.
Webscori ng
[zu engl. to s c o r e = (Punkte) erzielen,
treffen und engl. w e b = Netz] Verfah¬
ren, das 1Te - commerce - Händler mit
Hilfe eines Punktesystems vor zahlungsun-
willigen bzw. -unfähigen Kunden schützen
soll. Über eine Datenbank erfährt der Händ¬
ler Wohnort, Stadtteil, Straße, Alter, Beruf
und Vorgeschichte der Kunden. Eine spe¬
zielle Software „bewertet" diese Angaben
5 9
Mich fasziniert an der New Economy
insbesondere, dass sie durch ihre
Offenheit ganz neue Möglichkeiten
schafft; so versteht sich eBay als
Enabler, der den Nutzern den globalen
Markt eröffnet, was für jeden un¬
geahnte Erfolgsmöglichkeiten birgt.
JÖRG RHEINBOLDT,
GESCHÄFTSFÜHRER
EBAY DEUTSCHLAND GMBH
nun nach Punkten auf einer „Scoring-Kar-
te". Je höher der Punktestand, desto bes¬
ser das Ergebnis (exquisite Wohnlage,
guter Job etc.). Bei einem hohen Punkte¬
stand kann sich der Händler relativ sicher
sein, dass es sich um einen zahlungsfä¬
higen Kunden handelt. Dementsprechend
günstiger fällt auch das Angebot der Zah¬
lungsarten aus. Wenn man nicht in Sco-
ring-Datenbänke aufgenommen werden
möchte, sollte man bei Umfragen, Gewinn¬
spielen, Mailings und beim Onlineshop¬
ping neben den notwendigen Daten nie
persönliche Angaben abgeben.
Wireless Local Loop
[zu engl. w i r e l e s s = drahtlos, local
= lokal und l o o p = Schleife] Eine Tech¬
nik, die ILl ETZTE MEILE, ohne Ein¬
satz von Kabeln zu überbrücken. Wireless
Local Loop (WLL) benutzt Richtfunk zur
Datenübertragung. Das limitiert den Ein¬
satz auf Städte oder Gebiete mit günstiger
Geographie. Das wireless world
wide web ( w w w w ) ist der Sammel¬
begriff für den drahtlosen Internetzugang.
Gelten lL_w ap-handys und Konsor¬
ten jetzt schon als Vorboten, wird spätes¬
tens nach der flächendeckenden Einfüh¬
rung der UMTS-Technologie der mobile
Internetzugang so üblich sein wie das
mobile Telefonieren.
6 0
Work-Cu Ltu re
Die Arbeitsku I tur der Lebensunterneh
Homeoffice. Der Angestellte genießt
Arbeit geht es in den A f t e r - W o r k - C l u b ,
Wer keinen Burn-out erleiden will.
6 1
ner. Der Freelancer arbeitet im
seinen Virtual Day. Nach der
wo man sich zum Socializing trifft.
Work-Cu Itu
r e
Pl
6 2
Affluenzia
[zu engl. affluent = wohlhabend,
reich und engl. influenza = Grippe]
Reichtum, der sich so schnell ausbreitet wie
ein Grippevirus. Die New Economy brachte
viele Menschen zu Wohlstand. In zahlrei¬
chen Internet-Unternehmen wurden die Mit¬
arbeiter durch ll_s tock-options
reich, wer clever an der Börse investierte,
ebenfalls. Das Phänomen plötzlichen Reich¬
tums wird auch als s u d d e n - w e a l t h -
syndrome [von engl. sudden =
plötzlich, wealth = Reichtum und
syndrome = Syndrom] bezeichnet.
Das Geld bringt allerdings auch Probleme
mit sich, vor allem für den Nachwuchs der
neuen Millionäre. So etablieren sich in
den USA immer mehr Erziehungsberater,
die die Kinder der Neureichen vor der
Luxusverwahrlosung bewahren sollen.
After-Work-
Clubbing
[zu engl. a f t e r = nach, w o r k = Arbeit
und c l u b = Club, Klub] Party nach Büro¬
schluss. Die Maxime in der New Economy
lautet: Work hard, party hard. Doch wie
schafft es die schwer schuftende Party-
Community, auch unter der Woche tanzen
zu gehen, ohne am nächsten Morgen über¬
nächtigt im Büro zu erscheinen? Die Ant¬
wort liegt auf der Hand: Früh damit an¬
fangen und früh wieder aufhören. Seit
Anfang 2000 treffen sich medienaffine
Mittzwanziger bis Mittdreißiger ein- bis
mehrmals wöchentlich ab fünf Uhr an aus¬
gewählten Locations. Spätestens um ein
Uhr ist dann alles vorbei und die Party-
Gemeinschaft steht am nächsten Morgen
pünktlich im Büro.
B a c k o f f i ce
[zu engl. b a c k = hinten und engl.
office = Büro] Sammelbezeichnung
für alle Prozesse, die bürointern ablaufen,
also nicht im direkten Kundenkontaktstatt¬
finden, wie etwa die Weiterbearbeitung
von Bestellungen, die Planung, Abrech¬
nung, Produktion etc. Technisch gesehen
versteht man unter dem Backoffice die
Netzwerkstruktur, die der Büroarbeit zu¬
grunde liegt: z.B. der gemeinsame Server
zur Datenablage, E-Mail-Verwaltung oder
Adressdatenbanken.
bi Lien
[zu engl. to b i 11 = berechnen, in Rech¬
nung stellen] Billen bedeutet, einem Kun¬
den eine geleistete Arbeit oder Auslage in
Rechnung zu stellen. Voraussetzung ist, dass
die (Vor)leistung tatsächlich „billable",
also in Rechnung zu stellen ist. So wird es
z.B. sehr individuell gehandhabt, ob die
Wettbewerbspräsentation (ll_p itch)
einem Kunden berechnet wird oder nicht.
Ein weiterer gebräuchlicher Ausdruck
für berechnen ist Chargen [zu engl.
to c h a rg e = berechnen, in Rechnung
stellen].
Bott Leneck
[engl. für: Flaschenhals] Kritische Phase
im Projektverlauf. Mit dem Ausdruck wird
jener Moment in einem Arbeitsprozess
bezeichnet, an dem das schwächste Glied
den ILjw o r k f l o w zum Erliegen bringt.
Wenn es irgendwo bottleneckt, dann
kommt es sozusagen zum Arbeitsstau. Die
Antwort auf die Frage, warum der Zeitplan
nicht eingehalten wird, könnte lauten: „Es
bottleneckt in der Produktion."
Briefing
[zu engl. to b r i e f = instruieren] Eine
Kurzfassung dessen, worum es bei einem
Job oder Projekt geht. Der Begriff ist vor
allem im Agenturjargon gängig. Der Auftrag¬
geber gibt der ausführenden Partei übli¬
cherweise ein Briefing, auf dessen Basis
dann ein Angebot erstellt werden kann.
Im optimalen Fall erhält der Auftragneh¬
mer ein schriftliches Briefing mit klaren
Anforderungen, sehr häufig jedoch erfolgt
das Briefing mündlich und bleibt äußerst
vage. Deshalb empfiehlt es sich, schrift¬
lich ein R E B R i E F i N G zu geben, in dem
Eine positive Offenheit als Humus
für grundlegende Veränderungen und
die Möglichkeit, wieder von den
Alten zu lernen - das bedeutet die
New Economy für mich.
PROF. CLAUDIUS LAZZ ERON I,
GRÜNDUNGSMITGLIED,
CREATIVE DIRECTOR
IM STALL GMBH
die Wünsche des Kunden konkret ausfor¬
muliert werden, um so Missverständnissen
vorzubeugen. Der Begriff wird auch als
Verb verwendet: „Bist Du für das Meeting
mit Hotzenplotz gebrieft?", was so viel
bedeutet wie: „Weißt du, worum es geht?"
Bullshit-Bingo
[zu engl. b u 11 s h i t = Unfug und engl.
bingo (ein englisches Glücksspiel)]
Ironische Abwandlung des Gesellschafts¬
spiels Bingo. Auf einem Blatt Papier sind in
6 4
Work-Cu Itu
einem 5x5-Raster die gängigsten Business-
Begriffe angeordnet (^.corporate
identity, Visionen, l o b a l
PLAYER, T T OTAL QUALITY Und
dL_s ynergieeffekte). Hört ein
Mitspieler während einer Besprechung,
eines Seminars oder einer Telefonkonfe¬
renz das entsprechende Wort, kreuzt er
das Feld auf seinem Block an. Wer horizon¬
tal, vertikal oder diagonal 5 Treffer in einer
Reihe hat, steht laut Regeln auf, ruft laut
„Bullshit!“ und hat gewonnen. Womöglich
hat er damit allerdings auch seinen Job
verloren. Die Vorlage zum Bullshit-Bingo
verbreitet sich seit etwa 1999 per Fax und
E-Mail in deutschen Firmen.
Burn-out
[engl. für: totale Erschöpfung] Erschöp¬
fungszustand durch Überarbeitung. Der
Psychoanalytiker Herbert J. Freudenberger
beobachtete bereits in den 70er-Jahren
die charakteristischen Symptome an über¬
arbeitetem Personal im Sozial- und Pflege¬
bereich und verwendete dafür den Begriff
Burn-out. Er steht für einen der Depression
verwandten Erschöpfungszustand. Dieser
wird nicht nur durch Überarbeitung ausge¬
löst, sondern auch durch ein zu einseitiges
Leben, das ausschließlich auf die Arbeit
ausgerichtet ist. Man fühlt sich leer und
ausgebrannt. Der moralische Unterton, der
r e
in dem Begriff Burn-out mitschwingt, erin¬
nert daran, dass der Mensch eine Balance
zwischen Arbeit und Freizeit braucht.
Buzzword
[engl. für: Schlagwort] Schlagwort, das
innerhalb der gegenwärtigen Diskussions¬
kultur häufig gebraucht wird. Im Arbeits¬
leben kommen die Buzzwords vornehm¬
lich aus der aktuellen Wirtschaftspresse
oder der Managementtheorie. Als die ers¬
ten an den Endkonsumenten gerichteten
Internetunternehmen Pleite gingen, wur¬
de der Ausdruck T b 2 b zum Buzzword.
Nicht mehr das Geschäft mit dem klassi¬
schen Kunden versprach Erfolg, sondern
der Handel unter Geschäftspartnern. Das
Buzzword B2B wurde nahezu zur Beschwö¬
rungsformel, um auf unentdeckte Gold¬
adern zu stoßen. Teilweise werden Buzz¬
words inflationär gebraucht, um beim
Gegenüber Eindruck zu schinden.
c a n c e l n
[zu engl. to cancel = streichen,
stornieren] Der englische Begriff ist mitt¬
lerweile eingedeutscht und hat sich fest
im ALltagsjargon etabliert. Heutzutage
cancelt man alles: einen Geschäftstermin,
ein privates Date und sogar seine Bezie¬
hung. Aufträge werden gecancelt und Flü¬
ge leider auch.
c
6 5
Cappucci no¬
Working
[zu it. c a p p u c c i n o = eine it. Kaffee¬
spezialität und engl. to wo r k = arbei¬
ten] Bei diesem Arbeitsmodell sichert man
sich das Grundeinkommen durch einen Ba¬
sis-Job, der vielleicht 20 Stunden in der Wo¬
che in Anspruch nimmt. Die verbleibende
Zeit wird für zusätzliche freie Tätigkeiten
genutzt. In Analogie zum Cappuccino wird
die Haupttätigkeit, der starke, bittere Kaf¬
fee, von einem Häubchen aus Sahne bzw.
Milchschaum und Schokostreuseln, den
verschiedenen lukrativen und interessan¬
ten Nebenjobs, gekrönt. Dadurch ist der
c a ppu c c i no -wo RK E R flexibler,
knüpft neue Kontakte und qualifiziert sich
ständig weiter.
Casual (Friday)
[zu engl. c a s u a l = zwanglos und engl.
f r i d a y = Freitag] Während unter der Wo¬
che - besonders bei Kundengesprächen - in
vielen Firmen ein strenger dresscode
[engl. für: Kleiderordnung] herrscht, geht
es am Freitag, dem so genannten Casual
Friday, etwas legerer zu. Die Krawatte darf
zu Hause bleiben, und sogar Jeans werden
geduldet. Jogginghosen bleiben weiterhin
tabu. Die lockere Kleiderordnung geht ein¬
her mit der neuen Arbeitskultur in vielen
T s tart-ups der New Economy. Die
Die New Economy ist für mich mehr
Spaß trotz mehr Arbeit.
DR. BERND ROTTENBACHER,
VORSTAND
AMPERE AG
Chefs sind jung, die Mitarbeiter ebenfalls,
und außerdem will man Jugendlichkeit
verkörpern.
CEO
[Abkürzung von engl. Chief Execu¬
tive Officer] Oberster Manager in
der Hierarchie eines Unternehmens. Der
CEO, ein Titel aus dem angelsächsischen
Raum, wird im Deutschen üblicherweise
mit „Vorstandsvorsitzender" übersetzt. In
den meisten Unternehmen ist der CEO der
6 6
Work-Cu Ltu re
wichtigste und mächtigste Manager. Da
viele tart-ups der New Economy
wegen des angestrebten oder bereits voll¬
zogenen Börsengangs die Rechtsform einer
Aktiengesellschaft haben, trifft man zu¬
weilen auch auf CEOs, die erst Anfang 20
sind. Wenn das Unternehmen nur aus we¬
nigen Mitarbeitern besteht, befindet sich
die Hälfte von ihnen ohnehin im Vorstand.
C F 0
[Abkürzung von engl. Chief Finan¬
cial Officer] Finanzvorstand. Der
Posten des CFO ist die Leitungsfunktion, die
T s tart-ups meist zuletzt beset¬
zen. Ohne Börsennotierung reicht es, einen
ordentlichen Buchhalter (11_n umber-
c r u n c h e r ) als CFO zu haben. Mit dem
Börsengang jedoch nehmen die Anforde¬
rungen an diese Funktion dramatisch zu:
Er ist wichtigster Ansprechpartner für Bör¬
sianer und Investoren (T investor¬
relations), muss wissen, welche Zah¬
len per 11 a d-hoc-mitteilung
veröffentlicht werden müssen, und sollte
wissen, welchen Einfluss die Veröffent¬
lichung auf die Aktie hat.
Charts
[zu engl. c h a r t = Tabelle, Schaubild]
Anders als die l_c harts der Börsianer
bezeichnet der Begriff im Arbeitsleben die
grafisch aufbereitete Form von Informatio¬
nen. Diese werden verchartet. Auf einer Sei-
te/Folie sind die wichtigsten Punkte kurz
und präzise dargestellt, meist zusätzlich
mit einer Grafik versehen. Charts werden
vor allem für Präsentationen genutzt. Sinn
der Charts ist es, die Gedanken in einfache
Worte zu fassen, oder um es mit Karl Pop¬
per zu sagen: „Wer's nicht einfach und klar
sagen kann, der soll schweigen und weiter¬
arbeiten, bis er's klar sagen kann."
Cheftaste
Die auch als boss-key bekannte Chef¬
taste rettet computerspielende Arbeitneh¬
mer vor herannahenden Vorgesetzten. Mit
Drücken der Cheftaste, meist „ESC", wird
das laufende Spiel unterbrochen und durch
eine schöne Windowsanwendung auf dem
Bildschirm ersetzt. Ist der Chef wieder
weg, kehrt man schnell in die virtuelle
Realität des Computerspiels zurück. Um¬
gekehrt kann natürlich auch ein Chef von
der Cheftaste Gebrauch machen, um vor
Mitarbeitern den Anschein völliger Über¬
arbeitung zu wahren.
Churn-Rate
[zu engl. to c h u r n = wirbeln, strudeln
und engl. r a t e = Rate] Abwanderungs¬
quote. Maßstab für die Personalfluktua¬
tion innerhalb eines Unternehmens. Bei
In fünf Jahren dürften 80 Prozent
unseres Geschäftes in den neuen
Medien laufen, auch wenn Computer
und TV noch lange unterschiedlich
genutzt werden. "Big Brother" baut
da erste Brücken.
JOHN DE MOL,
GRÜNDER, CEO
ENDEMOL ENTERTAINMENT
HOLDING
vielen T_d o t c o m s liegt die Churn-Rate
bei fast 40%, da der Mangel an hoch quali¬
fiziertem Personal einen intensiven Kon¬
kurrenzkampf um Arbeitskräfte ausgelöst
hat. Die Aussicht auf Gewinn bringende
T o p T i o N E N , speziell von TLpre-
i p o - c o m p a n y s , fördert das ob-
hopping. Doch auch die immer attrak¬
tiveren Angebote derT headhunter
fördern die Churn-Rate. Um der Abwande¬
rung vorzubeugen, wird auf die Pflege der
T c ORPORATE culture großen
Wert gelegt, schließlich sollen sich die
Mitarbeiter wohl fühlen. Manche Unter¬
nehmen versprechen sogar kostenlose
Sportwagen, wenn die Mitarbeiter mindes¬
tens 2 Jahre im Unternehmen bleiben.
C I 0
[Abkürzung von engl. Chief Infor¬
mation Officer] Oberster Informa¬
tionsmanager eines Unternehmens, der
gerne mit einem T c k o verwechselt
wird. Angesichts der Tatsache, dass die
Ti t die Rolle des aktiven Ideenliefe¬
ranten für Produkte, Dienstleistungen und
Prozesse als Schrittmacher im Wettbewerb
der New Economy übernommen hat, ist
die Aufgabe des CIO, die Möglichkeiten
der Informationstechnologie im Hinblick
auf die eigene Wettbewerbssituation her¬
auszuarbeiten und sicherzustellen. Der
Trend zum CIO erreichte in USA etwa 1998
seinen Höhepunkt - seitdem spricht sich
herum, dass über zu vielen Informationen
oft das Denken vergessen wird und dass
Wissen zwar in Datenbanken gespeichert
werden kann, der heiß ersehnte Wissens¬
transfer aber über Menschen erfolgt. Die
Abkürzung CIO steht daher auch scherzhaft
für „Career is over" [engl. für: „Die Kar¬
riere ist vorbei."].
6 8
Work-Cu Itu
CKO
[Abkürzung von engl. Chief Know¬
ledge Officer] Geschäftsführungs¬
mitglied für den Bereich Wissensmanage¬
ment. Der CKO ist verantwortlich für Ent-
wicklungs-, Speicherungs- und Nutzungs¬
prozesse von relevantem unternehmens¬
internem und externem Wissen. Hierzu
zählen die Etablierung von wissensorien¬
tierten Reporting-, Controlling- und An¬
reizstrukturen, von kontinuierlichen Beob-
achtungs- und Evaluierungsprozessen der
unternehmenseigenen Wissenspotenzia¬
le, sowie die Einführung methodisch¬
instrumenteller Hilfsmittel zur Wissens¬
entwicklung, -nutzung und -Speicherung.
Die Gefahr, dass die Verantwortung für das
Gelingen eines Wissensmanagements an
den CKO (ab)delegiert wird und damit die
Wahrscheinlichkeit des Misslingens steigt,
ist nicht gering.
Col laboration
[engl. für: Zusammenarbeit] Collabora¬
tion steht für die Zusammenarbeit eines
mitunter weltweit verstreuten Teams
über das Internet, etwa in Großkonzernen
c -commerce). Ein ausgefeiltes
T_M A N A G E M E N T - I N FORMA¬
TION-SYSTEM (MIS) steuert den
reibungslosen Verlauf der Collaboration
und verhindert Fehlfunktionen, die im
r e
'T N etz w E RK entstehen könnten, wie
etwa doppelt oder (schlimmer) gar nicht
erledigte Arbeit. Als Zentralorgan über¬
nimmt das MIS eine generalstabsmäßige
Vorplanung und legt fest, werin welchem
Fall exakt welche Dinge im Netzwerk tun
darf oder überwachen muss.
Commi tment
[engl. für: Verpflichtung, Engagement]
Das verbindliche Bekenntnis zu einer Sache
oder einem Unternehmen. Der Begriff wird
vor allem bei der Beurteilung von Mitarbei¬
tern verwendet: „Der Neue zeigt zu wenig
Commitment". Commitment kann auch die
Bereitschaft zur Zusammenarbeit bekräfti¬
gen. „Sie haben mein volles Commitment,
dass ich in Kürze meine Unterschrift unter
ihr Angebot setze." Dass es trotzdem rat¬
sam ist, auf die Unterschrift zu warten,
bedarf wohl keiner weiteren Erklärung.
Commodi ty
[engl. für: Ware, Handelsartikel] Gewöhn¬
liche Dinge. Unter Commodity werden Ge¬
brauchsgegenstände verstanden, die einst
progressiv oder technisch besonders avan¬
ciert waren und durch weite Verbreitung
und Ausgereiftheit zur Selbstverständlich¬
keit geworden sind. Zum Beispiel das Te¬
lefon oder der Personalcomputer. Prophe-
zeihend heißt es heute: „Das Internet wird
Q
6 9
zur Commodity, über die man nicht wei¬
ter nachdenkt."
Consulting
[zu engl. to consult = beraten,
konsultieren] Unternehmensberatung.
Seit einigen Jahren sind die externen Be¬
rater im Aufwind: Sie beleuchten ein Un¬
ternehmen oder ein Problem von allen
Seiten ( T_m onitoring) und unter¬
breiten nach ausführlichen Analysen Lö¬
sungsvorschläge. Die Probleme der Rat
suchenden Firmen reichen von mangeln¬
dem Absatz über Imageeinbußen bis zu
internen Problemen in der Personalstruk¬
tur. Consultants unterstützen aber auch
die 11_S TRATEGISCHE PLANUNG,
erstellen Analysen, weisen Wege auf zur
Rationalisierung etc. Zuweilen wird Con¬
sultants eine gewisse Arroganz vorgewor¬
fen. Sehr treffend machte sich ein durch
die Büros kursierendes T__a t t a c h -
ment über das Consulting lustig: Ein
Schäfer entlarvt hier einen Mann als Con¬
sultant, da dieser zu ihm gekommen sei,
obwohl ihn niemand gerufen hätte, und
ihm gegen Bezahlung etwas sagen wolle,
was er ohnehin schon wisse.
C 0 0
[Abkürzung von engl. Chief Opera¬
ting 0 f f i c e r, zu engl. c h i e f =
Im Moment ist in der IT-Branche so
viel Bewegung. Diese Entdeckungs¬
fahrt möchte ich nicht verpassen,
sondern an ihr teilnehmen und ihren
Weg ein wenig mitbestimmen.
DETLEF FISCHER,
VORSTANDSVORSITZENDER
SYSTEMATICS AG
Chef, to operate = organisieren,
operieren und officer = Vorstand]
Nicht ganz klare Position unterhalb des
T c E o. Der COO kümmert sich um das ge¬
samte operative Geschäft. Er verantwortet
also das Funktionieren aller Geschäftsab¬
läufe, während der CEO den Bereich der Stra¬
tegieentwicklung im Unternehmen leitet.
Coopetition
[Zusammenziehung aus engl. coope¬
ration = Zusammenarbeit und engl.
competition = Wettbewerb] Die
häufig nur temporäre Zusammenarbeit von
Firmen, die eigentlich Wettbewerber sind
(iLc - commerce). Eine im Internet¬
business extrem beliebte Form, das Geschäft
voranzutreiben. Gerade Ts tart-ups
können nicht alle Maßnahmen für ein er¬
folgreiches Geschäft zur gleichen Zeit for¬
cieren und arbeiten daher in manchen Be¬
reichen mit der Konkurrenz zusammen, um
Märkte schneller besetzen zu können und
sich gegen Dritte durchzusetzen. Aber auch
die großen Firmen betreiben Coopetition,
indem sie z.B. für aufwendige Forschungs¬
arbeiten kooperieren, die ein einzelnes Un¬
ternehmen finanziell überfordern würde.
c o p y'n'p a s t e
[engl. für: kopieren und einsetzen] Be¬
zeichnung für den Vorgang, Fragmente
oder gesamte Objekte per Tastenkombi¬
nation oder Menübefehl von einem Ort
an einen anderen zu kopieren. Gerade
im Internet hat sich eine Mentalität ge¬
formt, bei der vermeintlich neue Werke
einfach per copy'n'paste aus bestehen¬
den fremden Arbeiten zusammengestellt
werden. Viele 1Ln e t i z e n s verdrän¬
gen dabei, dass sie sich am geistigen Ei¬
gentum von Dritten bedienen und sich
durch die Missachtung von Urheberrechten
strafbar machen.
CTO
[Abkürzung von engl. Chief Tech¬
nical Officer, zu engl. chief
= Chef, technical technisch und
o f f i c e r = Vorstand] In Deutschland oft
als T i T - Manager oder IT-Vorstand be¬
zeichnet. Der CTO kümmert sich um die ge¬
samte Datenverarbeitung eines Unterneh¬
mens, also um jenen Bereich, der früher
unter dem Begriff EDV zusammengefasst
wurde. Zwischen T c e o, dem ranghöhe¬
ren Manager, und CTO herrscht in vielen
Unternehmen Verständnislosigkeit für das
Aufgabengebiet des jeweils anderen.
CTS
[engl. für: Corporate Techno¬
logy Service = unternehmensin¬
terner Technikdienst] Innerhalb von Un¬
ternehmen ist der CTS für die Technik
verantwortlich und betreut in der Regel
EDV-, Server- und Telefonsysteme. Ur¬
sprünglich auch als support [engl.
für: Unterstützung] bekannt, ist der CTS
Ansprechpartner für alle technischen Pro¬
bleme und dementsprechend wichtiger
Bestandteil jeden Unternehmens.
Cubicles
[zu engl. cubicle = Zelle, Kabine]
Legebatterieartige Aufteilung von Büro¬
räumen in kleinere Einheiten durch Stell-
D
7 1
Die Bedeutung und Attraktivität
der New Economy kommt daher, dass
mutiges unternehmerisches Handeln
viel schneller belohnt wird. Allerdings
gilt für Old und New Economy das
Erfolgsrezept, nämlich Flexi¬
bilität, Qualität und Geschwindigkeit.
MATHIAS ENTENMANN,
GRÜNDER, CEO
PAYBOX.NET AG
wände. Cubicles sollen den Anschein einer
gewissen Privatsphäre in Großraumbüros
erwecken und so die Zufriedenheit und
den Output der Mitarbeiter steigern. An
sich gilt diese Form der Büroaufteilung als
völlig veraltet, weil sie weder Privatheit
vermittelt noch den offenen Gesprächs¬
austausch fördert. Doch im Zuge so man¬
cher Rationalisierungsmaßnahme sind die
Cubicles wieder im Kommen.
Cutting Edge
[engl. für: Schneide] Cutting Edge zu sein,
bedeutet an vorderster Front der techno¬
logischen, gestalterischen und strategi¬
schen Entwicklung der digitalen Welt zu
stehen. Der Blick ist permanent in die Zu¬
kunft und auf die am meisten avancierten
T E - business -Lösungen gerichtet:
die Cutting-Edge-Solutions. Wer im digita¬
len Business heute z.B. noch T w a p als
DIE mobile Lösung verkaufen will, ist nicht
mehr Cutting Edge, sondern wandelt eher
auf Messers Schneide.
Deadline
[zu engl. d e a d = tot und engl. line
= Linie] Der letzte Termin, das Ende ei¬
ner Frist oder auch der Redaktionsschluss.
Die „Linie" kann „tödlich" sein, wenn ein
Nichteinhalten im schlimmsten Fall zu Ver¬
tragsbruch, Schadenersatzforderungen etc.
führt. Angesichts dieser fatalen Bedrohung
herrscht in den Büros kurz vor den Dead¬
lines auch immer besonders rege Hektik.
Desksharing
[zu engl. d e s k = Schreibtisch und engl.
to s h a re = teilen] Büroorganisation
ohne feste Arbeitsplätze. Vor allem in Fir¬
men mit einem hohen Anteil an Projekt¬
arbeit ist diese Organisationsform weit
72 Work-Cultu
verbreitet. Wer im Büro ist, sucht sich
einen freien Schreibtisch und beginnt mit
der Arbeit. Der Vorteil für die Firma: We¬
niger Platzbedarf, hohe Ersparnis. Der Vor¬
teil für die Beschäftigten: Die häufig wech¬
selnden Nachbarn bringen stets frischen
Gesprächsstoff mit.
Digital Dropout
[engl. für: digitaler Aussteiger] Bezeich¬
nung für jene Hightech-Arbeitskräfte, die
vor oder nach dem T b u r n - o u t die Kar¬
riere wechseln und lieber T w c j ob s
annehmen als weiterhin inT e-busi-
nesses zwölf Stunden täglich zu arbei¬
ten und Spitzengehälter zu verdienen.
Di L b e r t
Amerikanische Comicfigur. Dilbert ist der
Held aller Schreibtischtäter. Als untersetz¬
ter Angestellter mit weißem, kurzärmeli¬
gem Hemd und gestreifter Krawatte kämpft
er täglich gegen Kollegen, Vorgesetzte und
den eigenen inneren Schweinehund. Erist
der klassische Versager, dessen Hund Dog-
bert weit mehr Erfolg hat. Die Figur, die
der Amerikaner Scott Adams nach eigener
langjähriger Erfahrung im Großraumbüro
erschaffen hat, ist längst auch in Europa
zum Kult der Bürowelt geworden. Vom Time
Magazine wurde Dilbert mittlerweile zu
einem der 25 einflussreichsten Amerika¬
r e
ner gekürt. Das in Buchform erschienene
dilbert-prinzip besagt nun Fol¬
gendes: „Die unfähigsten Mitarbeiter wer¬
den systematisch in die Position versetzt,
in der sie am wenigsten Schaden anrich¬
ten können - ins Management!"
Downsizing
[zu engl. to downs ize = verschlan¬
ken, abspecken] Verringerung des Perso¬
nalbestands. Sei es Kapitalknappheit, die
Reorganisation des Unternehmens oder
das Schließen unrentabler Geschäftsfel¬
der: Gründe für das Downsizen finden sich
immer. Oftmals geht es einher mit dem
utsourcing von einzelnen Ab¬
teilungen. Die dabei erzielte Kostenreduk¬
tion wird an der Börse oft mit steigenden
Kursen honoriert. Mit der New Economy
sind jedoch viele neue Unternehmen ent¬
standen, die aufgrund ihres Erfolges den
Personalbestand innerhalb kürzester Zeit
aufstocken mussten. Dieser Vorgang wird
mitunter stolz upsizing genannt.
drag'n'drop
[engl. für: ziehen und loslassen] Textdo¬
kumente oder Textsymbole lassen sich auf
grafisch gestalteten Benutzeroberflächen
bequem bewegen und von einer Seite zur
anderen schieben. Das jeweilige Objekt
wird einfach angeklickt, bei gedrückter
E
7 3
Maustaste über die Bildschirmfläche „ge¬
zogen" und an gewünschter Position „fal¬
len gelassen".
Employability
[Zusammenziehung aus engl. employ-
m e n t = Beschäftigung, Arbeit und engl.
a b i li ty = Fähigkeit] Arbeitsfähigkeit.
Der Begriff wird in Abgrenzung zum Employ¬
ment, der Beschäftigung, genannt. Die Ga¬
rantie auf einen lebenslangen Arbeitsplatz
ist in der neuen Arbeitswelt mit ihren fle¬
xiblen Strukturen nicht mehr gewährleis¬
tet. Gefragt sind daher iLf lexisten,
die sich auf die ständig verändernden
Arbeitsverhältnisse einstellen, indem sie
ihre Qualifikationen weiterentwickeln und
so ihre Employability steigern. Entschei¬
dend sind hierbei die Bereitschaft zu le¬
benslangem Lernen und eine gehörige Por¬
tion Wissbegierde.
"The Future starts here." Das ist nicht
nur der Leitsatz für das Webradio.
Die Aussage steht für mich auch für
den Begriff New Economy. Wurden
früher Kontinente entdeckt, wagen
Visionäre heute das Abenteuer der
Unternehmensgründung.
STEPHAN SCHWENK,
VORSTANDSVORSITZENDER
WEBCAST MEDIA GROUP AG
Entrepreneur
[frz./engl. für: Unternehmer] Diese Be¬
zeichnung meint speziell Jungunterneh¬
mer, die mit viel Fantasie, guten Ideen und
unermüdlichem Arbeitseinsatz neue Unter¬
nehmen gründen. Als Entrepreneur gilt je¬
doch nur, wer in einem selbst gegründeten
Unternehmen tatsächlich auch aktiv betei¬
ligt ist. Der Begriff entrepreneur-
ship steht für eine wagemutige, eigen¬
verantwortliche und unternehmerische
Geisteshaltung. Die Abwandlung entre-
p r e n e r d [Zusammenziehung aus Entre¬
preneur und engl. n e r d = Schwachkopf]
ist eine sarkastische Bezeichnung für ge¬
schäftstüchtige Computerexperten. Bill
Gates gilt beispielsweise als klassischer
Entreprenerd: schlechter Haarschnitt, selt¬
same Kleidung, eigenartiges Benehmen.
Nichtsdestotrotz ist er ein sehr erfolgrei¬
cher Geschäftsmann.
74 Work-Cultu
F 2 F
[Abkürzung von engl. face-to-face
= von Angesicht zu Angesicht] In Zeiten,
da der normale Weg des Kommunizierens
über mediale Kanäle stattfindet, bedarf
die Begegnung in der realen Welt der aus¬
drücklichen Erwähnung: „Lass uns einmal
face-to-face darüber reden." Die Dauer der
physischen Anwesenheit in der Firma oder
bei einem Kunden wird dementsprechend
facetime [engl. für: „Gesichtspfle¬
ge"] genannt. Trotz oder gerade wegen
der immer besseren Möglichkeiten der
T_t e l e a r b e i t ist Gesichtspflege vor
allem wegen der sozialen Kontakte wich¬
tig. „Ich glaube, ich muss mal wieder et¬
was Facetime bei meiner Firma absolvie¬
ren, sonst vergessen sie, wie ich aussehe."
Fernanwesenhei t
In weiter Ferne und doch so nah. Die
Technologie ermöglicht, was drittklassige
Science-Fiction-Autoren prophezeit haben:
Wir müssen nicht mehr physisch präsent
sein, um anwesend zu sein. Das Handy und
der mit Modem versehene Laptop machen
die Menschen zu modernen Nomaden, die
überall und vor allem immer dann erreich¬
bar sind, wenn sie es wollen. Videositzun¬
gen, Webcams und auch das TV transpor¬
tieren die Fernrealität an jeden beliebigen
Ort dieser Welt. Allen technologischen Ent¬
r e
Wicklungen zum Trotz werden jedoch Vi¬
deositzungen längst nicht so häufig einge¬
setzt, wie es prophezeit wurde. Auch die
Virtualisierung der Welt ändert nicht den
Wunsch nach realer Begegnung. (T_f 2 f )
fixen
[zu engl. to fi x = reparieren] In der
New Economy meint „fixen" keineswegs
das Injizieren von Drogen, sondern in ers¬
ter Linie das Beheben von Mängeln, so z.B.
für den Vorgang des T d ebugging
oder das Reparieren von T.b ad links
Synonyme für fixen sind bugfixen und
glattmachen. Mit fixen kann auch
das Festhalten eines Termins gemeint sein.
„Lass uns das Strategiemeeting fixen. Was
hältst Du von nächstem Donnerstag?"
Flatsharing
[zu engl. flat = Etage und engl. to
share = teilen] Bürogemeinschaft.
Zwei oder mehrere Unternehmen teilen
sich eine Büroetage oder auch ein einzel¬
nes Büro. Ähnlich wie bei der Zweck-WG
gibt es auch hier das Zweck-Flatsharing.
Für den Einzelnen wird es billiger, wenn
die Kosten für Toiletten und das Putzteam
geteilt werden - oder mehrere Freiberuf¬
ler teilen sich ein Büro, weil sie gut mitei¬
nander auskommen und sich bei Projekten
gegenseitig unterstützen können.
7 5
F I e x i s t
[zu lat. flexibilis = biegsam, ge¬
schmeidig, unbeständig] Flexisten sind
Wissensmanager. Sie verknüpfen verschie¬
dene Wissensgebiete so, dass sie miteinan¬
der kompatibel und synergetisch nutzbar
werden. Während der generalist
wahllos eine unendlich breite Wissens¬
basis schafft und der s p e z i a l i s t auf
seinem Gebiet kein Detail auslässt, erstellt
der Flexist aus der Flut von Informationen
Lösungswege. Er hat einen Blick für das
Wesentliche und besitzt statt Fachwissen
Fachkönnen. Topmanager auf Zeit sind
ebenso Flexisten wie hoch qualifizierte
Hightech-Wanderburschen (lljr ech-
n o m a d e n ). Sie emanzipieren sich von
äußeren Raum- und Zeitvorgaben und
haben Zweit- und Drittjobs. Ihre Karriere
zeichnet sich durch Umwege, Brüche und
Neuanfänge aus.
Flexplace-Büro
[zu engl. flexible = beweglich und
engl. p l a c e = Platz] Büroorganisation
mit maximaler räumlicher Flexibilität.
Je nach Anforderung des einzelnen Pro¬
jekts, je nach wechselnden Sym- und An¬
tipathien, nach Zahl, Qualifikation und
Anspruch der Mitarbeiter lässt sich der Zu¬
schnitt der Räume im Flexplace-Büro ver¬
ändern. Sie eignen sich deshalb für Unter-
Für mich - als imaginären Teil der New
Economy - ist es das Schönste, alte und
gewachsene Strukturen in Unterneh¬
men aufbrechen zu dürfen, um einen
neuen, offeneren Umgang mit den
Kunden unserer Kunden zu ermöglichen.
JOHN EBERSTEIN,
GESCHÄFTSFÜHRER
NASA 2.0 GMBH
nehmen in der Anfangszeit oder in Zeiten
extremen Wachstums. Vorteilhaft ist die¬
se Form der Büroorganisation aber auch für
Unternehmen, deren Mitarbeiter flexibel
arbeiten und viel unterwegs sind, z.B. Un¬
ternehmensberatungen. Ebenso profitieren
Firmen mit extrem hoher Fluktuation vom
Flexplace-Büro.
Freelancer
[engl. für: freier Mitarbeiter] Freiberufler.
Immer mehr Menschen arbeiten projektbe¬
7 6
Work-Culture
zogen mit befristeten Verträgen. Sowohl für
das Unternehmen als auch für den Freelan¬
cer bedeutet das eine größere Flexibilität,
die natürlich auch mit einem höheren Risi¬
ko einher geht. Für Urlaub und Krankheit
müssen freiberuflich Tätige selbst aufkom¬
men. Die Weiterentwicklung dieser neuen
Selbstständigen sind die e - l a n c e r
[engl. für: „elektronischer" freier Mitar¬
beiter]. Der E-Lancer arbeitet zumeist im
Multimediabereich und wird häufig über
das Internet gesucht und gebucht. Für be¬
stimmte Projekte werden mehrere E-Lan¬
cer zu einem Team zusammengeschlossen,
die, teils über verschiedene Orte verstreut,
per Internet kommunizieren und so eine
weitgefasste Form der T c o l l a bo¬
ration praktizieren.
F r o n t o f f i ce
[zu engl. f r o n t = vorne und engl. of¬
fice = Büro] Alles, was der Kunde von
einem Unternehmen zu sehen bekommt,
zum Beispiel der Empfangsbereich. Zum
Frontoffice gehören weiterhin Schalterhal¬
len, Kundenbetreuer, Verkaufsräume, aber
auch briefliche Kommunikation oder der
jedem öffentlich zugängliche Internetauf¬
tritt. Hierauf konzentrieren sich vor allem
die Anstrengungen im corporate
d e s i g n. Im Gegensatz dazu muss das
^BACKOFFICE, wo Logistik, Pla¬
nung, Abrechnung, Produktion und ähn¬
liche Dinge ablaufen, nicht ganz so per¬
fekt gestaltet werden.
Glass Ceiling
[engl. für: unsichtbare Barriere] Die „glä¬
serne Barriere" ist ein unsichtbares Kar¬
rierehemmnis, das eher Frauen als Männer
trifft: ein unvorhersehbarer Stopper vor
den höchsten Stufen der Karriereleiter
(Senior Management, Executive Manage¬
ment). In der Old Economy waren diese
Stufen ohne die richtigen Kontakte nicht
zu erklimmen, und die hatten bekanntlich
die Männer. In der New Economy ist das
Glass Ceiling weniger verbreitet, da fla¬
che Hierarchien den Aufstieg erleichtern.
Der „Ceiling-Effekt" kommt ursprünglich
aus der sozialwissenschaftlichen Statis¬
tik. Er besagt, dass eine Größe kaum noch
größer werden kann, wenn sie sich schon
auf einem sehr hohen Niveau befindet,
beispielsweise kann der Umsatzzuwachs
eines Produktes bei und trotz steigender
Bekanntheit stagnieren.
Globoboss
[zu engl. g I o b a l = global und engl.
b o s s = Boss] Ein kosmopolitischer Ma¬
nager mit der Fähigkeit, sich überall auf
der Welt zu Hause zu fühlen und Spitzen¬
leistungen zu erbringen. Der Ausdruck wird
H
7 7
gelegentlich auch für Politiker verwendet.
Jose Ignacio Lopez ist abgesehen von sei¬
nem Ausflug in die Industriespionage ein
typischer Globoboss. Der Spanier war u.a.
als Manager bei General Motors/Opel in
den USA tätig, bevor er VW-Manager in
Wolfsburg wurde.
Golden Parachute
[engl. für: goldener Fallschirm] Auch wenn
er bei Flugzeugabstürzen nicht Leben ret¬
ten kann, ist der Golden Parachute sehr be¬
liebt, zumindest bei denen, die ihn erhal¬
ten. Ein Golden Parachute, auch „goldener
Handschlag" genannt, ist eine hohe Abfin¬
dung, die zum Beispiel bei Firmenübernah¬
men den Vorständen der übernommenen
Firmen als Kompensation gezahlt wird.
Klaus Esser zum Beispiel, ehemaliger Vor¬
standsvorsitzender der Mannesmann AG,
ist nach der Übernahme durch Vodafone
mit einem Golden Parachute von 60 Millio¬
nen DM verabschiedet worden - ein gro߬
zügiges Trostpflaster für seine Niederlage.
Handl ing/handeln
[zu engl. to h a n d le = handhaben,
(be)handeln, bearbeiten] Die deutsche
Vorliebe für Anglizismen ersetzt auch ein¬
fache und präzise Worte wie behandeln
oder bearbeiten. „Das Handling dieses
Jobs ist äußerst kompliziert." Auch als
New Economy bedeutet:
Spaß, viel Arbeit, unglaubliche
Entwicklungsmöglichkeiten
... und (bald) "Old Economy".
VOLKER T I ETGENS,
GRÜNDER, CEO
CONCEPT! AG
Verb kommt der Begriff zum Einsatz, eng¬
lisch ausgesprochen „händeln". So kann
z.B. ein Kunde einfach zu „handeln" sein.
Hardcopy
[zu engl. h a r d = hart und engl. copy
= Kopie] Hardcopy ist die „reale" Entspre¬
chung einer digitalen Softcopy (= Com¬
puterkopie), sprich ein Dokument in Pa¬
pierform. Das Erkennungsmerkmal der
Hardcopy ist, dass man sie in die Hand
nehmen kann. Computerdateien haben die
78 Work-Cultu
Tendenz, sich bei Abstürzen zu verflüch¬
tigen. Wer sicher gehen will, dass wich¬
tige Dokumente auch nach dem „Abrau¬
chen" nicht für immer verloren sind. Allen
Prophezeiungen eines papierlosen Büros
zum Trotz machen sich die meisten doch
Ausdrucke von allen (mehr oder weniger)
wichtigen Dokumenten.
Headhunter
[engl. für: Kopfjäger] Personalberater und
-sucher. Im Auftrag eines Unternehmens
suchen und kontaktieren Headhunter ge¬
eignete Kandidaten für gehobene Positio¬
nen. Der erste Anruf eines Headhunters
gilt oft als eine Art Ritterschlag: Man hat
es geschafft, in der Branche etwas zu gel¬
ten, wichtig und begehrt zu sein. Einige
Headhunteranrufe später stellt sich meist
Ernüchterung ein: Die wirklich guten Jobs
in den wirklich guten Unternehmen wer¬
den selten über Headhunter besetzt.
High Potential
[engl. für: hohes Potenzial] Nachwuchs-
führunskraft. High Potentials sind junge
Akademiker, die aufgrund ihrer Ausbildung
und Persönlichkeit beste Chancen haben,
die Karriereleiter zu erklimmen. Zu den stark
umworbenen High Potentials gehören Hoch¬
schulabsolventen, die neben überdurch¬
schnittlichen Studienergebnissen auch Aus-
r e
lands- und Praxiserfahrung haben, mehre¬
re Sprachen (fließend) sprechen und fit am
Computer sind. Zudem muss ihr Charakter
für spätere Führungsaufgaben geeignet
sein. Das heißt, sie müssen hoch motiviert
sein und über T s oft skills wie
Teamfähigkeit und Kommunikationsstärke
verfügen. Diese Arbeitskräfte sind rar. Nur
Schätzungsweise 4% der Hochschulabsol¬
venten gehören zu den wirklichen High Po¬
tentials. Um diese Überflieger zu ködern,
laden manche Unternehmen die potenziel¬
len Mitarbeiter zum Kennenlernen an die
Cote d'Azur oder auf einen Segeltörn ein.
hire and fire
[engl. für: einstellen und feuern] Metho¬
de, je nach Bedarf Arbeitskräfte oder Zu¬
lieferer anzustellen bzw. zu beauftragen
und sie von heute auf morgen wieder zu
entlassen. Sei es, weil das Unternehmen
T D ownsizing betreibt, sich die
betreffende Person als inkompetent er¬
weist oder nicht ins Team passt oder weil
schlicht und ergreifend ein besserer Kan¬
didat zur Verfügung steht. Der praktisch
nicht vorhandene Kündigungsschutz in
den USA macht dieses Vorgehen problem¬
los möglich. Die Praxis des hire and fire
trägt oft als wesentlicher Faktor zur
c HURN rate, der Personalfluk¬
tuation, bei.
I
7 9
Ungefähr 1978 lernte ich
Joseph Beuys kennen und änderte
seinen Künstlersatz für mich in:
Jeder Mensch ist ein Unternehmer.
WAU HOLLAND,
GRÜNDUNGSMITGLIED
CHAOS COMPUTER CLUB
Homeoffi ce
I c h - A G
[engl. für: Heimbüro] Das Büro zu Hause
integriert das Berufsleben in die eigenen
vier Wände. Viele Berufstätige haben
heute die Möglichkeit, an so genannten
IVIRTUAL DAYS von zu Hause aus
zu arbeiten. Ein Arbeitsplatz mit Inter¬
netanschluss wird eingerichtet, die Büro¬
telefonnummer auf das private Telefon
umgeleitet und schon ist es fertig, das
Homeoffice. Auf die Frage, wo man morgen
arbeite, hieße es dann: in s o h o (Small
Office - Homeoffice). Neben Mitarbeiter¬
motivation ist diese Form des Arbeitens
auch mit dem Platzmangel zu begründen,
der bei den schnell wachsenden New-
Economy-Unternehmen herrscht. Nur wol¬
len jedoch die wenigsten ganz von zu Hau¬
se aus arbeiten, weil dabei die so wich¬
tigen sozialen Kontakte wegfallen, (s.a.
iLr elearbeit)
[zu gleichbedeutend engl. M e -1 n c o r -
p o r a t e d ] Das Verständnis der eigenen
Person als Aktiengesellschaft. Der Begriff
bezeichnet den entscheidenden sozialen
I
Wandel zur Jahrtausend wende. Menschen
sehen sich verstärkt als Lebensunter¬
nehmer, die Eigenverantwortung statt
Fremdverantwortung wählen. Diese Ent¬
wicklung geht mit dem ökonomisch er¬
zwungenen Rückzug des Staates aus einem
flächendeckenen Sicherheitsnetz einher.
Weiterhin befördert die Transformation
der Arbeitskultur, in der mehr Eigenstän¬
digkeit und Unternehmertum gefragt ist,
das Selbstverständnis als Ich-AG. Dazu ge¬
hört vor allem, wie bei einer realen Aktien¬
gesellschaft permanent am Kurswert der
eigenen Person zu arbeiten: „Ich muss
meine Ich-Aktie unbedingt wieder nach
oben treiben."
8 0
W o r k - C u Ltu
r e
Incentive
[engl. für: Anreiz, Ansporn] Anreiz, eine
bestimmte Tätigkeit auszuführen. Da gu¬
te Fachkräfte rar sind und Th e a d-
hunter zunehmend zum fjOB-
hopping animieren, werden vermehrt
Incentives eingesetzt. Sie sollen die Mitar¬
beiter an das Unternehmen binden und sie
zusätzlich zu ihrem Gehalt für ihre Arbeit
belohnen. Incentives können Geldprämien,
aber auch Gratifikationen wie ein neuer
Sportwagen, ein Urlaub im firmeneige¬
nen Appartment oder Ähnliches sein. Auch
die Einladung zum Essen oder zu einer Par¬
ty gehören dazu. Die Einsatzbereitschaft
(iLx o M M i T M E N T ) für das Unterneh¬
men soll so gefördert und belohnt werden.
Inhouse-Strategie
[zu engl. in-house = im Hause,
intern] Im Gegensatz zum T out¬
sourcing versucht die Inhouse-Stra¬
tegie, möglichst viele Arbeitsprozesse
unternehmensintern verrichten zu lassen.
Die Auffassung, jede Auslagerung von Tä¬
tigkeiten sei zeit- und kostensparend,
weicht der Erkenntnis, dass oftmals das
Gegenteil der Fall ist, da Fremdfirmen häu¬
fig nicht ausreichend mit der Materie ver¬
traut sind und sich erst aufwendig ein¬
arbeiten müssen bzw. das erforderliche
Niveau nicht ohne weiteres erreichen.
Intrapreneur
[Zusammenziehung aus engl. intra-«
inner- und frz./engl. entrepreneur
= Unternehmer] Unternehmerähnlich agie¬
render Angestellter. Ähnlich dem Entrepre¬
neur, der durch Innovation und Vision die
Welt verändert, gestaltet der Intrapreneur
dem Engagement eines Selbstständigen
vergleichbar die Unternehmenswelt mit, in
der er arbeitet. Intrapreneure werden zwar
von vielen Topmanagern gefordert, aber nur
von wenigen Unternehmen auch verkraftet,
da sie Unruhe in die Abteilung bringen
und die fest gefügten Machtstrukturen be¬
drohen. Sind sie dabei erfolgreich, werden
sie häufig ausgebremst oder im schlimms¬
ten Fall entlassen, weil sich die Chefs
bedroht fühlen. Können die wahren Intra¬
preneure im Unternehmen nichts verän¬
dern, wechseln sie oft frustriert die Firma.
Involvement
[engl. für: Verwicklung, Engagement] Grad
des Engagements für eine Sache. Das gilt
sowohl im Sinne der Ideenurheberschaft
als auch in der operativen Abwicklung. Ein
Mitarbeiter, der sich sehr stark für ein Pro¬
jekt interessiert und engagiert, zeigt hohes
Involvement. Das reicht bis zur Identifika¬
tion mit dem Unternehmen. Ein hoher Iden-
tifikations- und Involvementgrad wirkt sich
positiv auf die Produktivität des Unterneh¬
mens aus. Viele Firmen versuchen genau
diesen Idealzustand zu erreichen. So wer¬
den die Mitarbeiter häufig auf sehr per¬
sönliche Weise, z.B. über Partys oder Aus¬
flüge, mit dem Unternehmen verbunden.
Jobhopping
[engl. für: „Jobhüpfen"] Schneller und
häufiger Wechsel des Arbeitsplatzes. Das
Jobhopping ist ein neues Phänomen, das
sich insbesondere bei jungen Fachkräften
der Ti t - und Medienbranche beobach¬
ten lässt. Die Fachkraft wird häufig von
einem T headhunter abgeworben
und in einem neuen Unternehmen einge¬
setzt. Während man sich einst durch eine
mindestens zweijährige Tätigkeit in einem
Unternehmen als zuverlässig und bestän¬
dig profilierte, symbolisiert heutzutage
ein Wechsel innerhalb weniger Monate
Flexibilität. Dieses Phänomen birgt Nach¬
teile für die Wirtschaft, da sich die Gehalts¬
spirale immer schneller dreht und ständig
neue Kräfte gesucht und eingearbeitet
werden müssen.
Jobless Growth
[zu engl. j o b l e s s = arbeitslos und engl.
growth = Wachstum] Wachstum ohne
Arbeitskräfte. Der Begriff bezeichnet die
gesteigerte Produktivität bei gleichzei¬
tigem Abbau (T_d ownsizing) oder
Wer einmal unternehmerisch tätig
war, kann nicht mehr angestellt
arbeiten. Die Selbstständigkeit ist
der interessantere Lebensweg.
WERNER MARC I NOWSKI,
VORSTANDSVORSITZENDER
POPNET INTERNET AG
einer bestenfalls gleich bleibenden Zahl
der Arbeitskräfte. Infolge der Auslagerung
von Tätigkeiten ins Ausland, des zuneh¬
menden Einsatzes von Robotern und der
Optimierung des unternehmensinternen
Daten- und Kommunikationsflusses ist Um¬
satzwachstum möglich, ohne neue Arbeits¬
kräfte anstellen zu müssen. Diese Entwick¬
lung beschreibt Viviane Forrester in ihrem
Bestseller „Terror der Ökonomie" und
bringt damit die Furcht vieler Menschen
auf den Punkt. In der Tat gehen Arbeits-
J
8 2
Work-Cu Ltu
r e
platze, die sich durch standardisierte oder
einfache Tätigkeiten auszeichnen in der
Arbeitskultur von Morgen verloren. Dem¬
gegenüber können zahlreiche Stellen nicht
besetzt werden, da es an qualifizierten
Bewerbern mangelt.
Jobsharing
[zu engl. j o b = Beruf und engl. t o
share = teilen] Aufteilung eines Ar¬
beitsplatzes unter (im Regelfall) zwei Be¬
schäftigten. Im üblichen Sprachgebrauch
wird unterJobsharing die Addition zwei¬
er Teilzeitkräfte zu einem Vollzeitarbeits¬
platz verstanden, also lediglich eine Um¬
verteilung von Arbeit. Von zunehmender
Bedeutung wird hingegen eine andere Va¬
riante sein: Ein und dieselbe Funktion, die
die Kapazitäten einer Einzelperson über¬
steigt, wird von mehreren Beschäftigten
ausgefüllt. So erfordert z. B. weltumspan¬
nender Aktienhandel theoretisch 24-Stun-
den-Arbeitstage für Spezialisten wie den
arketmaker. Zwei bis vier Be¬
schäftigte könnten sich im Jobsharing die¬
se Aufgabe teilen. Bei rein zeitlicher Ar¬
beitsaufteilung stellt dies ein praktikables
Modell der Flexibilisierung dar. Bei Teilung
von Macht ist es ein eher fragiles Prinzip.
Dennoch stellt Jobsharing in der moder¬
nen Arbeitswelt ein zukunftsgerichtetes
Arbeitsmodell dar.
just in time
[engl. für: gerade noch rechtzeitig] Pro¬
duktionssystem, bei dem alle zuzuliefern¬
den Teile genau dann angeliefert werden,
wenn sie gebraucht werden. Der Hauptvor¬
teil für die Unternehmen: Keine Lagerhal¬
tung, keine unnötige Kapitalbindung. Der
Nachteil: Hohe Anfälligkeit des Systems
bei Störung des Materialflusses, z.B. durch
Streik oder auch Stau. Wer die gesamte
europäische Autoindustrie lahm legen will,
muss nur einige der größeren Zulieferbe¬
triebe bestreiken.
Karoshi
[japan, für: Tod durch Überarbeiten] Eine
angeblich verbreitete Todesform unter
überdisziplinierten japanischen Arbeits¬
kräften. Mitte der Neunzigerjahre taucht
der Begriff in der amerikanischen und eu¬
ropäischen Managementliteratur auf, um
die damals postulierte Vorbildlichkeit des
japanischen Wirtschaftsmodells in Frage zu
stellen. Der erste Fall von Karoshi ist 1996
dokumentiert: unvermittelter Herzstill¬
stand eines ansonsten kerngesunden 29-
jährigen Arbeiters aus dem Vertrieb einer
nationalen Zeitung. Tatsache ist aber, dass
es in Japan nie eine Karoshi-Epidemie ge¬
geben hat und dass die Zahl der jährlichen
Fälle - zumindest offiziell - nie die Zwei-
stelligkeit überschritt.
8 3
Für mich gibt es keine New und Old
Economy. Es gibt nur eine Real
Economy, die sich durch das Internet
rasant weiterentwickelt. Anwen¬
dungen im E-Business sind heute
bereits bedeutend, stehen aber
noch vor ihrem großen Durchbruch.
PAULUS NEEF,
GRÜNDER, CEO
PIXELPARK AG
KodierkLitsche
Softwarefirma oder Programmierbude ohne
professionelle Ausrichtung und ohne jegli¬
chen Sexappeal. Alles wirkt ein wenig un¬
ordentlich und unprofessionell. Die Selbst¬
darstellung erinnert an die Speisekarte
vom China-Imbiss. Das Angebot ist gewal¬
tig, obwohl nur fünf feste Mitarbeiter im
Unternehmen arbeiten. Dafür ist von tau¬
senden von Spezialisten die Rede, die als
externe T e -lancer für Projekte jeg¬
licher Art herangezogen werden können.
Kontexter
[von lat. contextus = Zusam¬
menhang] Neue Berufsbezeichnung in
der Multimediabranche. An der Schnitt¬
stelle zwischen Technologie und Inhalt
(1_content) soll der Kontexter
T S YNERGIEEFFEKTE Schaffen.
Er stellt den Zusammenhang zwischen
Kreation, Technologie und Organisation
her. Dieser interdisziplinär arbeitende
T_f l e x i s t betreibt ulti-
tasking und tritt als intellektueller
Sparringpartner in mehreren Projekten
gleichzeitig auf.
Lounge-Food
[zu engl. lounge = Aufenthaltsraum
und engl. f o o d = Nahrung] Snacks, die
teils in Hotelhallen, überwiegend jedoch
in den Business-Class-Wartehallen von
Fluggesellschaften gereicht werden. Der
Begriff stammt aus dem Vielflieger-Jar¬
gon der Geschäftsreisenden. Lounge-Food
ist eine geschickte Erfindung von Cate¬
ring-Unternehmen, die gestresste Busi¬
nessreisende ein wenig bei Laune hält.
Kulinarisch erstreckt sich das Lounge-Food
von Erdnüssen und Gummibärchen bis zu
Bagels und Gebäck.
M
84 Wo r k-C u I t u
r e
Mausbeutung
[Zusammenziehung aus (Computer)m aus
und Ausbeutung] Der Begriff be¬
zeichnet das in der Internetbranche durch¬
aus übliche Prinzip, sich die Arbeitswut
noch nicht 35-jähriger Singles zunutze zu
machen. Diese arbeiten zuweilen sieben
Tage die Woche 16 Stunden lang bei nur
gelegentlicher Pizza- und Schokoriegel¬
zufuhr. Auf einen erfolgreichen Start-up-
Millionär kommen ein Heer von jungen,
motivierten Berufseinsteigern, die endlos
am Rechner sitzen und niemals das große
Geld verdienen werden. Inzwischen sam¬
melt sich der Unmut in losen Tn etz-
werken, wie z.B. bei den „Netslaves".
Mauspropaganda
(Word of Mouse)
Die Mund-zu-Mund-Propaganda im Inter¬
net. Benannt nach der Computermaus, die
als wesentliches Kommunikationsmittel ein¬
gesetzt wird. Oft ist die Mauspropaganda
effektiver als eine groß angelegte, millio¬
nenschwere Werbekampagne. Professionell
eingesetzt spricht man auch von iLv i -
RALEM marketing. So wurde zum Bei¬
spiel der Low-Budget-Film „Blair Witch Pro¬
ject" allein über die im Internet angeheizte
Mauspropaganda zum Kassenknüller, eben¬
so wie sich das 1Lm o o r h u h n innerhalb
kürzester Zeit größter Beliebtheit erfreute.
M c J o b
Schlecht bezahlter Job in Anspielung
auf die niedrigen Löhne bei McDonalds.
Der Begriff taucht in „Generation X" von
Douglas Coupland auf. Dort heißt es, bei
einem McJob handele es sich um einen
„niedrig dotierten Job mit wenig Prestige,
wenig Würde, wenig Nutzen und ohne Zu¬
kunft im Dienstleistungsbereich". Der ame¬
rikanische Wirtschaftsboom wird oft ge¬
hässig damit erklärt, dass eine Vielzahl
der neuen Arbeitsplätze McJobs seien.
Meeting
[engl. für: Treffen, Zusammenkunft] Tref¬
fen mit politischem, ökonomischem, wis¬
senschaftlichem oder sportlichem Hinter¬
grund. In der Arbeitswelt wird der Begriff
Meeting beinahe inflationär für jede Be¬
sprechung benutzt. Diese kann einen kur¬
zen Zeitraum von wenigen Minuten bis zu
mehreren Tagen umfassen. Das Meeting
dient dem Gedankenaustausch, bei dem
Ideen und Strategien gesammelt und dis¬
kutiert werden. Unternehmen mit einer
ausgeprägten Meeting-Kultur sind für die
Außenwelt oftmals kaum zu erreichen, weil
keiner mehr an seinem Arbeitsplatz sitzt.
Zyniker behaupten, dass sich bei der Flut
von Meetings mittlerweile nur noch die
Meinung der Langweiler und Langredner
gegen die der Schläfer durchsetzt.
8 5
Die New Economy zielt darauf,
mit dem Geist unkonventioneller
Arbeits- und Führungsmethoden
und mit einer gewissen Freiheit
für neue Ideen und Visionen Teile
der etablierten Wirtschaft in die
Informationsgesellschaft zu bringen.
SVEN PICKL,
GESCHÄFTSFÜHRER
AUXION GMBH
Messie
[zu engl. mess = Durcheinander, Un¬
ordnung, Schmutz] Mit Messie werden
scherzhaft chaotische Menschen bezeich¬
net, die nicht in der Lage sind, Ordnung
zu halten. Messies sind aber auch Per¬
sonen, die unter einer ernsthaften, psy¬
chischen Störung leiden. Letztere haben
einen zwanghaften Sammelwahn, schaf¬
fen es nicht, sich von Sachen zu trennen,
nicht einmal von ihrem Müll. Dementspre¬
chend sieht die Wohnung aus, in der nur
noch der nötigste Platz freigehalten wird.
Die psychischen Problemen der Messies
äußern sich in Depressionen, Angstzustän¬
den oder Manien wie die genannte Sam¬
melwut. Am Arbeitsplatz zeigt sich das
Messie-Syndrom nicht in dieser Form; eher
scherzhaft werden unordentliche Kolle¬
gen, auf deren Schreibtische sich die Akten
stapeln, als Messies bezeichnet.
Mi ssion-Statement
[zu engl. m i s s i o n = Auftrag, Berufung,
Mission und engl. state m e n t = Fest¬
stellung, Behauptung, These] Öffentliche
Feststellung eines Unternehmens, dass es
über die ökonomischen Unternehmens¬
ziele (Wachstum, Gewinn etc.) hinaus noch
eine Mission vertritt, z.B. „Zielist, die Le¬
bensqualität aller Menschen zu steigern.“
Ein Mission-Statement kann ein kurzer Slo¬
gan sein, ist oftmals aber ein langer Satz
oder ein ganzes Paket von Zielen, Werten
und Maßnahmen, was sich jedoch nicht
empfiehlt. Das Mission-Statement wirkt
sowohl nach innen als auch nach außen:
Intern soll es die Identifikation mit dem
Unternehmen, den Teamgeist und die Mo¬
tivation der Mitarbeiter fördern. Extern
soll es den Kunden begeistern, in der Ge¬
sellschaft die Akzeptanz fördern und das
T i mage positiv beeinflussen.
8 6
W o r k - C u Ltu
M o b b i ng
[zu engl. to m o b = aufwiegeln, anpö¬
beln, über jmdn. herfallen] Mobbing be¬
schreibt eine besonders intrigante Form,
unbeliebte Mitarbeiter zu drangsalieren. In
der Regel tun sich mehrere Mitarbeiter ge¬
gen einen Kollegen zusammen und versu¬
chen, diesen durch systematische Manipu¬
lation zur Anpassung oder zum Verlassen
der Firma zu bewegen. Mobbing existiert
auf allen Ebenen der betrieblichen Hier¬
archie und in allen Arbeitsbereichen. Die
Mobber lassen ihre Unzufriedenheit und
Aggression an ihren Opfern aus. Der psychi¬
sche Druck ist so groß, dass er beim Gequäl¬
ten zu Depressionen, Magen- und Darmer¬
krankungen, Schlaf- und Essstörungen und
im Extremfall zu Selbstmord führen kann.
Moorhuhnjagd
Das als Promotiongag geplantes Computer¬
spiel aus dem Hause Phenomedia hat sich
über freie Downloads in allen Büros der
New und Old Economy verbreitet. Die Ein¬
fachheit des Spiels ist gleichzeitig auch
das Geheimnis des Erfolgs. Die Moorhuhn¬
jagd kann problemlos aus dem Internet
heruntergeladen und sofort gespielt wer¬
den und kommt ohne ein kompliziertes Re¬
gelwerk aus. Das Spiel ist denkbar simpel:
Über schottischen Hochmooren schießt
der Spieler niedliche Moorhühner ab, wofür
r e
er Punkte bekommt. Bei einer (mental) an¬
strengenden Bürotätigkeit sei das „Ballern"
entspannend, sagen die Fans, auf das Brut¬
tosozialprodukt wirke es sich hingegen
negativ aus, behaupten die Gegner.
Multitasking
[zu engl. m u 11 i - = viel, mehr und engl.
t a s k = Aufgabe] Ursprünglich stammt
der Begriff aus dem Bereich der Computer¬
technologie und bezeichnet die Fähigkeit
eines Betriebssystems, mehrere Program¬
me gleichzeitig auszuführen. In modernen
Arbeitsumfeldern wird diese Leistung nicht
nur von Computern, sondern auch von Mit¬
arbeitern erwartet. Diese sollen sich nicht
ausschließlich mit einem Projekt befassen,
sondern in der Lage sein, ihre Aufmerksam¬
keit zwischen mehreren Aufgaben flexibel
und schnell aufzuteilen. Mit der steigenden
Anzahl der Paralleljobs sinkt jedoch die Kon¬
zentration und Effektivität der Mitarbeiter.
N e r d
[engl. für: Schwachkopf] Der Nerd ist ein
Soziotypus der Informationsgesellschaft.
Er verfügt über herausragende Videospiel-
und Computerkenntnisse und verbringt sei¬
ne Freizeit vor dem Bildschirm. Durch die
soziale Isolation, die der beste Freund Com¬
puter mit sich bringt, und das Spezialisten¬
wissen, über das der Nerd verfügt, bedient
N
8 7
dieser Typus das Klischee des einsamen, un¬
verstandenen Außenseiters. Der Vorgänger
dieses Charakters stammt aus den Siebzi¬
gerjahren - der bebrillte, unfrisierte Freak,
der skurrilen und einsamen Freizeitbe¬
schäftigungen wie Löten von Kleinteilen
oder CB-Funk nachging.
Nesting
[zu engl. to n e s t = nisten] Mit Nes¬
ting ist sowohl das häusliche Einnisten
als auch das „Nisten" am Arbeitsplatz ge¬
meint. Nesting im Job steht für die ein¬
geschränkte Haltung, immer nur mit den¬
selben Kollegen arbeiten zu wollen, seinen
Aufgabenbereich niemals auszuweiten und
sich neuen Projekten gegenüber zu verwei¬
gern. Gemeinhin drückt der Begriff fehlen¬
de geistige Flexibilität aus. Es heißt, dass
die Chiat/Day-Werbeagentur ihre Mitar¬
beiter schon des „Nestings" beschuldigt,
wenn sie länger als zwei Tage an einem
Tisch zusammensitzen.
Netaddi ction
[zu engl. n e t = Netz und engl. ad¬
diction = Abhängigkeit, Sucht] Um¬
schreibung für die - schon nicht mehr zu¬
trägliche - Faszination der virtuellen Welt
des Internets auf bestimmte Personen.
Netaddicts verbringen möglichst viel Zeit
vor dem Bildschirm und im Internet, was zu
Unser Moorhuhnspiel ist zwar
ein hoch attraktiver Unterhaltungs¬
content für das Internet, aber
letztlich doch eher eine der wichtigs¬
ten Nebensachen der Welt.
MARKUS SCHEER,
GRÜNDER, CEO
PHENOMEDIA AG
gigantischen Telefonkosten führt. Schlim¬
mer sind die sozialen Folgen: ungesunde
Ernährung in Form von Fast-Food, Schlaf¬
entzug und, wie allgemein vermutet wird,
Vereinsamung.
N e t i z e n
[Zusammenziehung aus engl. n e t =
Netz und engl. c i t i z e n = Staatsbür¬
ger] Ein Mensch, der sich im Internet hei¬
misch fühlt. Anders als der Surfer, der
im Netz nur seinem Vergnügen frönt, will
N
8 8
Work-Cu Ltu
derNetizen mehr: Regeln, Umgangsformen
(T_netiquette), Strukturen. Der Ne-
tizen sieht das Internet als Ort sozialen Ge¬
meinwesens, so schließt er sich denn auch
virtuellen Städten und Gemeinden an.
Networki ng
[zu engl. n e t w o r k = ILn e t z w e r k]
Networking ist die Kunst, ein Netz förder¬
licher sozialer Kontakte aufzubauen und
zu pflegen. Der Begriff entstammt der so-
zialwissenschaftlichen Netzwerkanalyse
und sickerte in leicht modifizierter Form
in die Alltagssprache durch. Das Netzwerk
unserer Beziehungen zu anderen ist ein
T_s oziALES kapital, das Zu¬
gang zu wichtigen Informationen und Res¬
sourcen verschafft. „Nach der Podiums¬
diskussion besteht am Büffet ausreichend
Gelegenheit zum Networking." Weil ge¬
schäftliche und persönliche Aspekte dabei
oft nicht zu trennen sind, wird manchmal
auch von Vetternwirtschaft geredet.
Netzwerk
Ausdruck für das Geflecht sowohl loser als
auch formeller Beziehungen zwischen min¬
destens zwei Interaktionspartnern, seien
es Unternehmen oder Menschen mit ähnli¬
chen Interessen. Ein Netzwerk soll die Ef¬
fizienz und Innovationskraft aller Beteilig¬
ten fördern. Das weltweite Werbeagentur¬
r e
Netzwerk BBDO basiert auf einem mehr als
informellen Fundament: Die einzelnen Un¬
ternehmen sind aneinander beteiligt. We¬
gen seiner Größe hat das Netzwerk einen
besseren Handlungsspielraum gegenüber
Kunden und Konkurrenten. Zudem können
sich die einzelnen Agenturen gegenseitig
Kunden „zuschustern" und Informationen
austauschen. Verbindungen, die allein auf
Absprachen basieren, heißen Klüngel oder
Kartell. Technisch gesehen ist ein Netzwerk
die Verbindung mehrerer Computer mitei¬
nander, z.B. das T LAN. Das größte
Netzwerk ist das World Wide Web.
N e w b i z
[Abkürzung von engl. new business
= (neuer, -s) Auftrag, Unternehmen] Mit
Newbiz oder New Business wird in erster Li¬
nie die Anfrage eines potenziellen Kunden
nach einer Dienstleistung bezeichnet. Da
IT-Dienstleister sich in der Regel nicht über
mangelnde Anfragen und leere Auftrags¬
bücher beklagen können und gleichzeitig
über sehr begrenzte Mitarbeiter-Ressour¬
cen verfügen, müssen Newbiz-Anfragen
nicht selten abgelehnt oder für spätere
Zeitpunkte zugesagt werden.
New Work
[engl. für: neue Arbeit] Oberbegriff für
diverse Arbeitsformen, die sich in Organi-
N
8 9
Die neuen Medien sind für kleine Fir¬
men wie uns eine Chance wie der Start
des Privatfernsehens vor 15 Jahren.
Wieso sollten wir in Zukunft im Inter¬
net kein eigenes Comedy-Programm
präsentieren oder einen Erotik-Kanal
rund um "Liebe Sünde"?
JÖRG GRABOSCH,
VORSTANDSVORSITZENDER
BRAINPOOL TV AG
sation und/oder Design von traditionellen
Fabrik- oder Bürojobs abheben. Bei Innen¬
architekten steht New Work für flexible
Büroeinrichtung, bei Telekom-Unterneh-
men für Videoconferencing-Systeme, und
beim US-Professor Frithjof Bergmann für
eine Arbeitswelt, in der jeder tun kann,
was er will. Mitunter werden unter dem
Begriff auch ungewöhnliche neue Berufs¬
felder wie z.B. die Cybergouvernante auf¬
geführt. Gerade weil es keine definitori-
schen Grenzen gibt, findet sich New Work
auf unzähligen Buchpublikationen. Gemein
ist ihnen, dass sie mit dem Begriff auf den
PARADiGMENWECHSELin unserer
Arbeitskultur hinweisen.
Ni ne-to-f i ve-Job
[engl. für: Neun-bis-fünf-Uhr-Job] Klassi¬
sche Form des Angestelltenverhältnisses:
Ein Job, der um neun Uhr morgens beginnt
und um fünf Uhr nachmittags endet. Die¬
se Jobs werden jedoch immer seltener in
den modernen flexiblen Arbeitsverhältnis-
sen. Mancher arbeitet 14 Stunden am Tag,
an anderen Tagen dafür entsprechend we¬
niger. Viele Firmen haben für ihre Mitar¬
beiter Zeitkonten eingerichtet, auf
denen die Stunden gehortet werden. Bei
hohem Auftragsvolumen werden Überstun¬
den angesammelt, die bei geringer Auf¬
tragslage wieder abgebaut werden. Die
Zeitkonten bieten sowohl dem Unterneh¬
men als auch dem Angestellten größere
Flexibilität. In anderen Unternehmen, ge¬
rade in der New Economy, gehört es auch
ohne Zeitkonten zum guten Ton, mindes¬
tens bis 20 Uhr im Büro zu sein.
Numbercruncher
[zu engl. n u m b e r = Zahl und engl. t o
crunch = beißen] Zahlenfresser oder
0
90 Work-Cultu
Rechenknecht. Der Begriff meint Mitar¬
beiter, deren Hauptaufgabe es ist, sich
mit den Finanzen des Unternehmens he¬
rumzuschlagen. In vielen ll_s t a r t -
ups ist diese Position in der Regel nur
unzureichend von Eltern oder Steuerbe¬
ratern besetzt. Spätestens im Vorfeld des
tipo wird ein Numbercruncher dann
als Finanzvorstand (T c f o ) eingesetzt.
Die Rechenknechte werden vor allem von
T V ENTURE-CAPITA L-Gesell-
schaften beschäftigt, um die Zahlen des
Businessplans auseinander
zu nehmen.
Onboarding
[zu engl. on board = an Bord] Beim
Onboarding werden neue Mitarbeiter einer
Firma in Arbeitsabläufe und in die Firmen¬
philosophie eingeführt. Die Neuen werden
quasi an Board geholt. Für Unternehmen
der New Economy stellt das Onboarding
aufgrund der überwiegend hohen Fluktua¬
tion einen großen Zeit- und Kostenaufwand
dar. Teilweise spricht man auch von On¬
boarding, wenn Mitarbeiter in ein neues
Projekt eingeführt werden.
Open-Col Lar-
W o r k e r
[zu engl. o p e n = offen, c o 11 a r = Kra¬
gen und worker = Arbeiter] Begriff
r e
für Beschäftigte in der New Economy. Der
US-Soziologe C. Wright Mills führte die
Begriffe blue-collar-worker
und WH I TE-C OL L A R-WORKE R ein
und schuf damit eine Abgrenzung zwi¬
schen den Fabrikarbeitern, die im Blau¬
mann steckten, und den Büroangestell¬
ten, die ein weißes Hemd trugen. Mit der
New Economy entsteht nun eine dritte
Spezies innerhalb der Arbeitnehmerschaft:
Beschäftigte, die mit offenen Kragen ar¬
beiten und auf die Krawatte verzichten.
Zum einen ist der Dresscode in den jun¬
gen, aufstrebenden Multimedia-Firmen eh
recht leger. Zum anderen arbeiten viele
freiberuflich als 11 t elearbeiter
von zu Hause aus und kultivieren dort
ihren persönlichen Dresscode.
Outsourcing
[engl. für: Auslagerung] Auslagerung von
betrieblichen Tätigkeiten an externe Fir¬
men. Outsourcing ist im Zuge der Rationa¬
lisierungsbemühungen von Unternehmen
und der Konzentration auf T k e r n -
Kompetenzen „Mode" geworden. Im
Gegensatz zur T i nhouse-stra-
t e g i e lagern Unternehmen beim Out¬
sourcing Bereiche, die nicht zum Haupt¬
geschäft gehören, aus. Outsourcing kann
vollständig oder teilweise geschehen. Ein
typischer Outsourcing-Bereich ist die ad-
p
9 1
ministrative Verwaltung, z.B. die Buchhal¬
tung. Die Anwendung neuer digitaler Me¬
dien erleichtert das Outsourcing, da die
Zusammenarbeit mit externen Partnern
über vernetzte Systeme einfacher wird.
P a i rents
[Zusammenziehung aus engl. parents
= Eltern und Aupairmädchen]
Ironische Bezeichnung für die Kindererzie¬
hung durch das Aupairmädchen. Pairents
sind meistens ehemalige dinks [Ab¬
kürzung von engl. double income,
no k i d s = doppeltes Einkommen, kei¬
ne Kinder], die auf diese Form des Eltern¬
daseins zurückgreifen. Da beide Eltern be¬
rufstätig sind, haben sie kaum Zeit für ihre
Sprösslinge und überlassen deren Erzie¬
hung einem Aupairmädchen.
New Economy, die Evolution der
Ökonomie durch globale Vernetzung,
hält endlich Einzug in die Welt
des Bauens und der Architektur.
HADI TEHERANI,
GESCHÄFTSFÜHRENDER
GESELLSCHAFTER,
ARCHITEKT
BRT ARCHITEKTEN
p a m p e r n
Intensive Kundenbetreuung. Der Begriff
stammt von der Windelmarke „Pampers".
Einen Kunden zu pampern bedeutet, ihn
in Watte zu packen, zu bauchpinseln und
mit kleinen Geschenken zu beglücken. Es
werden allerdings nicht nur Kunden ge-
pampert, sondern auch unverzichtbare Mit¬
arbeiter. Mit besonderen T _i ncen-
t i v e s werden sie bei Laune gehalten,
um im härter werdenden Wettbewerb nicht
die besten Köpfe zu verlieren.
Parkinsons Gesetz
Professor Sean Parkinson veröffentlichte
1955 ein von ihm entdecktes Prinzip: Für
eine Arbeit wird genau die Zeit in Anspruch
genommen, die zur Verfügung steht. Der
Zeitrahmen hängt vom Aufwand der Ar¬
beit ab. Sprich: Habe ich viel Zeit für einen
Job, brauche ich auch viel Zeit. Daher ist
es notwendig, einen engen zeitlichen Rah¬
men zu setzen, um effizient zu arbeiten.
Im Berufsalltag sorgen die T_d e a d -
lines der Kunden dafür. Bei der Dok-
9 2
Work-Cu Ltu
torarbeit kann ein fehlender Zeitdruck zu
unnötigen Verzögerungen führen. Parkin¬
son's Law wird auch in Zusammenhang mit
Daten verwendet. Dann meint es: Jede Da¬
tenmenge wächst, bis sie den vorhandenen
Speicher vollständig ausfüllt. Zum Glück
steigt jedoch auch die Menge an Speicher¬
platz, in einem ähnlichen Verhältnis an
(tMOORES GESETZ).
Partysurfing
Von Fest zu Fest ziehen, meist am selben
Abend. Was sich früher nur im privaten Um¬
feld abspielte, überträgt sich nun auf die
Geschäftswelt. Immer mehr jL_s t a rt-
u p s der New Economy veranstalten Par¬
tys, um auf neue Produkte aufmerksam zu
machen, den T_i p o zu feiern oder die
Kunden zu lt_p ampern. In Ballungs¬
zentren wie San Francisco werden täglich
mehrere Partys gegeben, die sich gegen¬
seitig an Einfallsreichtum und Exklusivität
übertreffen möchten. Mit Zugpferden wie
Elvis Costello oder einer Picasso-Ausstel¬
lung, die weit über das übliche Gratis¬
buffet und die kostenlosen Drinks hinaus¬
gehen. Hierzulande mag man sich (noch)
fragen, wem der Aufwand denn nun dienen
mag. Die US-amerikanischen Unternehmen
haben die Haltung, dass es um die beste
Form der Kontaktpflege geht, schließlich
könnte es sich bei den Gästen um mögliche
r e
Investoren handeln oder um neue Fach¬
kräfte, die sich in ungezwungener Atmo¬
sphäre leichter anwerben lassen.
Patchwork-
Biografie
[zu engl. p a t c h wo r k = Flickwerk] Das
Gegenteil vom geradlinigen Lebenslauf.
Wiederholte Orts- und Karrierewechsel, da¬
zwischen Mutter- oder Vaterschaftsurlaub
sowie Perioden der Arbeitslosigkeit oder
Auszeiten wie ein abbat i c a l
kennzeichnen eine Patchwork-Biografie.
Infolge flexibler Arbeitsverhältnisse, und
dem Verständnis des modernen Arbeitneh¬
mers als T i c H - a G, wächst die Anzahl
an Patchwork-Biografien. Der Lebenslauf
erstreckt sich schon mal über mehrere Sei¬
ten und wird immer erklärungsbedürftiger.
Ein Albtraum für jene Arbeitgeber, die ein¬
fache, klare Lebensläufe erwarten und da¬
hinter Zielstrebigkeit vermuten. Moderner
eingestellte Personalchefs sehen in der
Patchwork-Biografie jedoch Qualitäten:
Flexibilität und Mut zum Neuanfang.
Pipeline
[engl. für: Rohrleitung] Beliebte Meta¬
pher für die Arbeitsorganisation. Herein¬
kommende Jobs gelangen in die Pipeline
und werden sukzessive nach Auftragsein¬
gang abgearbeitet. Die Pipeline funktio¬
niert nach dem fifo-prinzip [von
engl. first in first o u t = zuerst
rein, zuerst raus]. Die Anfrage eines Kun¬
den könnte so beantwortet werden: „Wir
können mit ihrem Auftrag erst in zwei Wo¬
chen beginnen, da wir noch fünf andere
Jobs in der Pipeline haben."
Pitch
[engl. für: Spielfeld, Sportplatz] Bei einem
Pitch ist es wie beim Fußball: Es gibt ver¬
schiedene Teams, aber nur eines kann ge¬
winnen. Ein Pitch ist eine Wettbewerbs¬
situation, in der sich ein Unternehmen bei
der Auftragsvergabe durch einen poten¬
ziellen Kunden gegen seine Mitbewerber
durchzusetzen versucht. Vor allem in der
Werbebranche sind Pitches üblich. Die Vor¬
bereitung für solch eine Wettbewerbs¬
präsentation ist in der Regel aufwendig,
da individuell auf die Kundenanfrage ein¬
gegangen werden muss. Trotz des großen
Aufwands werden Pitchpräsentationen
meist nicht vergütet. Den erhofften Ge¬
winn im Auge, geht jeder der Bewerber
in Vorleistung.
Pixelschrubber,
Pixelschubser
Bezeichnung für Mitarbeiter, die als „Gra¬
fik-Designer" oder „Web-Designer" in die
Firma gelockt wurden, um sich dann haupt-
Die New Economy ist für mich die
Freiheit, schnelle Entscheidungen
zu treffen und nicht vertanen Chancen
nachzutrauern.
ANDREAS MÜLLER,
GRÜNDUNGSMITGLIED,
CHIEF STRATEGY OFFICER
1 2 S N A P AG
sächlich mit wenig unterhaltsamer Grafik-
und Bildbearbeitung zu befassen. Mitar¬
beiter, die eine ähnlich monotone Tätig¬
keit im Umgang mit Texten ausüben, z.B.
die freudlose Eingabe von Terminen in ei¬
nen Veranstaltungskalender, werden als
textschrubber bezeichnet.
Plug-and-play-
Mitarbeiter
[von engl. to p l u g = anschließen und
engl. to p l a y = spielen] Bezeichnung
Work-Cultu
r e
für neue Mitarbeiter, die sofort einsatzbe¬
reit sind. Abgeleitet von Plug-and-play-
Modulen für Computer, die einfach nur in
die dafür vorgesehene Buchse gesteckt
werden müssen, um mit dem Computer¬
spiel sofort beginnen zu können. Auf die
Arbeitswelt übertragen handelt es sich um
Angestellte, die keine große Einarbeitung
benötigen. „Die Müller ist absolut plug-
and-play, sie hat sich sofort in den Job
reingefuchst."
Powernapping
[zu engl. p o w e r = Kraft und engl. n a p
= Schläfchen, Nickerchen] Effektiver Kurz¬
zeitschlaf. Ein Schläfchen am Nachmittag
wirkt Wunder, da der biologische Rhyth¬
mus des Menschen zwischen 12 und 15
Uhr auf dem Tiefpunkt ist. In dieser Zeit
kommt es vermehrt zu Fehlern und Unfäl¬
len. Ein Nickerchen in der Mittagspause
fördert die Konzentration und Motivation
der Mitarbeiter, steigert deren Effizienz
und beugt Fehlern vor. Länger als 20 bis
30 Minuten sollte der Schlaf jedoch nicht
dauern, da sonst die Tiefschlafphase be¬
ginnt und der Kreislauf sinkt. In den USA
ist das Powernapping angeblich in vielen
Unternehmen gang und gäbe, in Deutsch¬
land scheint das Experiment firmenin¬
tern leider nicht über die Testphase hin¬
auszugehen.
Recruiting
[engl. für: Rekrutierung, Anwerbung] Aus¬
druck aus der Sphäre der Personalberater
und T H E a D H u N T E R. Der Begriff Re¬
cruiting wird für die Suche nach Mitarbei¬
tern verwendet, vorzugsweise X_H i g h
potentials oder leitenden Ange¬
stellten. Das Rekrutieren hat sich in den
vergangenen Jahren vor allem in der New
Economy zu einem der größten Probleme
entwickelt, weil zum einen qualifizierte
Arbeitskräfte in der boomenden Internet¬
branche rar sind, und es zum anderen
schwierig ist, bei den sich ständig verän¬
dernden Berufsprofilen genaue Anforde¬
rungen an neue Mitarbeiter zu definieren.
Sabbatical
[engl. für: Sabbat] Berufliche Auszeit. Der
Begriff Sabbatical, der in der ursprüng¬
lichen Bedeutung den jüdischen Ruhetag
Samstag meint, ist zur Metapher geworden
für ein längeres Aussteigen aus dem Job.
Während dem klassischen T work-
a h o l i c ein Sabbatical noch fremd ist,
gehörtes bei den modernen, nach Selbst¬
verwirklichung strebenden Arbeitnehmern
(Ty E T T i E s) bereits mehr oder we¬
niger zum Lebenskonzept. Ein Sabbatical
dient dazu, die lang aufgeschobenen Träu¬
me zu verwirklichen. Man tut, was man
immer tun wollte: Die Grafikerin betätigt
s
9 5
Erfolgreiche Businessmodelle der
New Economy werden durch das
Mitarbeiterpotenzial gebildet. Inno¬
vation und Kreativität sind not¬
wendige Erfolgsfaktoren - Geld wird
mit den Old-Economy-Erfahrungen
der Mitarbeiter verdient.
PATRICK SCHEEL,
GESCHÄFTSFÜHRER
FENNER INTERSELECT GMBH
sich als Kunstmalerin auf Sizilien und der
Texter als Schriftsteller. Die Tätigkeit im
Sabbatical hat meist einen Kontext zum
tatsächlichen Berufsalltag jedoch ohne
dessen Arbeitsdruck oder gesellschaftliche
Zwänge. In letzter Zeit erfährt der Begriff
eine breitere Interpretation. So meinen
z.B. manche Unternehmen mit einem Sab¬
batical die Möglichkeit, im Rahmen einer
Auszeit eine Doktorarbeit zu schreiben.
Damit knüpfen sie an die Verwendung des
Begriffs in der Wissenschaft an. „Sabba¬
tical Year" meint dort seit jeher das akade¬
mische Forschungsjahr.
Schein-
selbstständigkeit
Im Arbeitsrecht bezeichnet der Begriff ei¬
nen selbstständigen Unternehmer, der aus¬
schließlich für ein Unternehmen arbeitet
und von diesem wie ein Angestellter behan¬
delt wird. Oftmals sind Scheinselbststän¬
dige ehemalige Angestellte des Unterneh¬
mens. Im übertragenen Sinne beschreibt
der Begriff jenen Typus von Praktikanten
und neuen Mitarbeitern, die im Vorstel¬
lungsgespräch zwar einen tatkräftigen und
selbstbewussten Eindruck machen, jedoch
kurz nach der Unterzeichnung eines Ver¬
trags durch totale Unselbstständigkeit auf¬
fallen. Sie zeichnen sich z.B. dadurch aus,
dass sie fragen, mit welchem Ende voran
die Diskette ins Laufwerk gelegt werden
muss. Derlei Scheinselbstständige sind das
Gegenteil von 1Lp lug-and-play-
MITARBEITERN.
s c o r e n
[zu engl. to s c o r e = Punkte erzielen]
Normalerweise scort man bei Computer¬
spielen, wo jeder Treffer Punkte einbringt.
Wer am besten scort, hat gewonnen. Ana-
s
9 6
Work-Cu Ltu
r e
log dazu kann natürlich auch bei Kunden,
Vorgesetzten und nicht zuletzt bei Kolle¬
gen gescort werden, indem man durch be¬
sonders gute Aktionen oder kollegiales
Verhalten Pluspunkte sammelt.
simsen
[Ableitung von SMS = Short Mes¬
sage Service] Simsen meint das Ver¬
schicken von Kurznachrichten über das
Handy. Bei den Nutzern gelangte dieses
Angebot der Mobiltelefongesellschaften
zu unerwarteter Beliebtheit. Das Verschi¬
cken einer SMS funktioniert ähnlich wie
das Senden einer E-Mail, wobei die Länge
des Textes, der umständlich über die Han¬
dytasten eingegeben wird, begrenzt ist.
Die Gebühren für das Simsen sind im Ge¬
gensatz zum Mobiltelefonieren vergleichs¬
weise gering. Sparsame Telefonierer lieben
daher das Simsen.
Sleepcamel
[engl. für: Schlafkamel] In der New Eco¬
nomy wird lange und hart gearbeitet. Da¬
neben gilt es, die verschiedenen Partys
und sozialen Verpflichtungen wahrzuneh¬
men, was meistens auf Kosten des Schla¬
fes geht. Ähnlich wie ein Kamel, welches
in seinen Höckern Wasser für Dürrezeiten
speichert, speichert das Sleepcamel Schlaf
für die anstrengende Woche, indem das gan¬
ze Wochenende durchgeschlafen wird. Dass
diese Form des „Schlafspeicherns" der ha¬
nebüchene Irrglaube eines T _w ork-
a h o l i c s ist, braucht wohl kaum näher
erläutert zu werden.
Socializing
[zu engl. to socialize = soziali¬
sieren] Pflege von Beziehungen mit be¬
stehenden beziehungsweise zukünftigen
Kunden oder Mitarbeitern. Ein klassischer
Fall: Der Kunde einer Agentur gibt eine
Firmenparty, der Agenturchef ist einge¬
laden, hat aber eigentlich keine Lust auf
den üblichen Smalltalk. Er kann aber aus
geschäftlichem Interesse nicht absagen.
Also „ist heute Abend mal wieder Socia¬
lizing angesagt". Die Sozialisie¬
rung betrifft aber auch den Kollegen¬
klüngel. Über interne Partys, Sportclubs,
gemeinsames Essengehen etc. werden al¬
le Voraussetzungen für ein freundschaft¬
liches Klima unter den Mitarbeitern ge¬
schaffen. Wenn es funktioniert, wirkt sich
das positiv auf das Unternehmen aus, da
die Angestellten gern dort arbeiten, die
1L_chur n - r a t e geringer ist, die
Mitarbeiter motiviert und zu hoher Leis¬
tung bereit sind und das Ü_t eam-
work, das gegenseitigen Respekt vor¬
aussetzt, reibungsloser funktioniert und
Spaß macht.
_s_
9 7
New Economy steht für Aufbruch in
eine Zeit ungeahnter Möglichkeiten.
Für eine Zeit, in der Mut und Ver¬
antwortung genauso wichtig sind
wie das Hinterfragen herkömm¬
licher Marktmodelle und Strukturen.
PETER WÜRTENBERGER,
GESCHÄFTSFÜHRER
YAHOO! DEUTSCHLAND
Staffen
Swatch-Beat
[zu engl. staff = Personal, (Mitarbei-
ter)stab] Ein Begriff aus der Agenturszene,
der das Zusammenstellen eines Teams be¬
zeichnet. Hat eine Agentur zum Beispiel
einen großen Auftrag ergattert, stafft sie
dafür das nötige Personal. Das bedeutet,
dass aus freien, festen oder auch neuen
Mitarbeitern ein Team gebildet wird, wel¬
ches den Auftrag bearbeitet.
streamlinen
[zu engl. to streamline = Strom¬
linienform geben] Streamlinen meint das
Straffen von Prozessen zugunsten höhe¬
rer Effizienz. Das Streamlinen kann sowohl
eine Verbesserung der Arbeitsabläufe sein
als auch der Abbau von Arbeitsplätzen. Wer
von Streamlinen spricht, stößt häufig auf
Misstrauen, da es für die Mitarbeiter ver¬
dächtig nach Rationalisierung klingt.
[zu engl. b e a t = Schlag] Neue Form der
Zeitmessung, die 1998 vom Swatch-Konzern
erfunden wurde. Der Tag wird nicht mehr
iin 24 Stunden, sondern in 1000 Swatch-
Beats aufgeteilt. Jeder Swatch-Beat ent¬
spricht 86,4 Sekunden. Es gibt also keine
Zeitzonen mehr, für alle Orte auf der Welt
gilt der gleiche Swatch-Beat. User aus ver¬
schiedenen Ländern konnten sich bisher
nur schwer auf eine gemeinsame Zeit ei¬
nigen. Verabredungen zum Chat lassen
sich nun bequem treffen. „Lass uns Don¬
nerstag um 580 Swatch-Beat treffen."
Fragwürdig ist jedoch, ob sich die Swatch-
Beat durchsetzt, denn die natürliche Zeit¬
einteilung lässt sich so auch nicht über¬
listen. Frankfurt und New York mögen zwar
die gleiche Swatch-Beat-Zeit haben, trotz¬
dem geht in Manhattan erst die Sonne auf,
wenn in Mainhattan Mittagspause ist.
Technomade
[Zusammenziehung aus Technolo-
g i e und Nomade] Neue Spezies von
Wissensarbeitern. Technoma-
den kennen kein Zuhause. Sie leben in
flexiblen Arbeitsverhältnissen und ziehen
zu neuen Jobs, wie früher die Nomaden zu
Wasserquellen. Ihr Büro tragen sie in Form
von Laptop und Handy permanent bei sich.
Technomaden arbeiten vornehmlich in Be¬
reichen der Ti t als Berater, Program¬
mierer oder Web-Designer. Ihre Loyalität
zum Arbeitgeber ist zeitlich auf die Dauer
des Projektes begrenzt. Ganz im Sinne der
T i c H - a G versuchen sie, mit jedem
neuen Job ihren Wissenshorizont zu erwei¬
tern und ihren Marktwert zu steigern.
Telearbei t
[Zusammenziehung ausTelekommu-
n i k a t i o n und Arbeit] Dezentrale
Arbeitsform, die über Datenleitung den Mit¬
arbeiter mit dem Unternehmen verbindet.
Erdacht wurde die Telearbeit schon in den
frühen 70er-Jahren von Jack M. Nilles und
JALA, einer internationalen Consulting¬
gruppe aus Kalifornien. Sie prägten den
Begriff des telecommuting [zu
engl. telecommunication und
commutes Pendler]. Ihr Ansatz zielt
darauf, den Arbeiter „zu Stoßzeiten aus
dem Verkehr zu holen". Nicht der Mensch
pendelt, sondern die Daten. Nicht der
Mensch kommt zur Arbeit, sondern die Ar¬
beit kommt zu ihm. Die Telearbeit findet
also nicht mehr in den Firmenräumen statt,
sondern in der eigenen Wohnung oder an
jedem anderen Ort unter Nutzung der mo¬
dernen Kommunikationstechnologien. Der
Telearbeiter oder Teleworker überträgt sei¬
ne Arbeitsergebnisse dabei über eine Tele¬
kommunikationsverbindung zum Arbeit-
bzw. Auftraggeber. Er hat oftmals den
Status eines T f reelancers, kann
aber auch fest angestellt sein.
Third Place
[engl. für: dritter Ort] Früher waren die
wichtigsten Orte für die Sozialisation eines
Menschen das Zuhause und der Arbeits¬
platz. Infolge des Singledaseins und der
zunehmenden Mobilität verlagert sich das
Zuhause immer mehr in die Öffentlichkeit,
sozusagen an dritte Orte. Dies sind in der
Regel gastronomische Einrichtungen wie
Cafes oder Kneipen, die als ausgelagerte
Wohnzimmer fungieren. Zum Synonym für
den Third Place ist in den USA „Starbucks"
geworden, die Coffeeshop-Kette mit lege¬
rer Atmosphäre und gemütlichen Sofas.
Trainee
[zu engl. to t r a i n = lernen, üben]
Einstiegsposition für Nachwuchsführungs¬
\L
kräfte in Unternehmen. Da Universitäts¬
absolventen zwar über viel theoretisches
Wissen verfügen, aber nur wenig prakti¬
sche Erfahrungen haben, die sie auf eine
Laufbahn in Großkonzernen vorbereitet,
bieten nahezu alle Großunternehmen Trai¬
nee-Programme als Karriereeinstieg an. In
ein bis drei Jahren werden Trainees durch
verschiedene Unternehmensbereiche ge¬
schleust. Sie arbeiten in konkreten Projek¬
ten (training on the job), sam¬
meln Erfahrungen und knüpfen Kontakte.
Bis vor wenigen Jahren war der Wunsch¬
einstieg der meisten Betriebswirtschafts¬
studenten ein Traineeship bei einem nam¬
haften Konzern. Heute konkurriert dieser
Karierrestart mit dem direkten Sprung in
die Selbstständigkeit oder der Einstieg bei
T S TART-UPS.
T roubleshooti ng
[engl. für: Fehlersuche, Fehlerbehebung]
Troubleshooting ist das schnelle Suchen
und Beheben von Problemen und Fehlern.
Troubleshooter sind meist nicht in das
problembehaftete Projekt involvierte Mit¬
arbeiter oder Externe, die aus einer neu¬
tralen Perspektive heraus versuchen, die
bestehenden Schwierigkeiten zu lösen.
Troubleshooter für technische Kommuni¬
kationsprobleme kann zum Beispiel der
T c T s sein. Manchmal ist der Trouble-
9 9
New Economy bedeutet für mich lang¬
fristig das positive Zusammenwirken
von traditioneller Ökonomie und
neuen Internettechniken mit unend¬
lich vielen Chancen.
JULIAN RIEDLBAUER,
VORSTAND
ADDCOM AG
shooter aber auch Diplomat zwischen zwei
Parteien.
Virtual Day
[engl. für: virtueller Tag] An Virtual Days
erscheinen Arbeitnehmer nicht im Büro,
sondern arbeiten von zu Hause, vom Strand
oder anderen ihnen angenehmen Orten aus;
Laptops, Handhelds und Mobiltelefone ma¬
chen es möglich. Diese Form der sporadi¬
schen T ELEARBEIT wird von den
Unternehmen als ein T i ncentive
\L
100 W o r k - C u I t u
eingesetzt, um hart arbeitende Mitarbei¬
ter zu motivieren und ihnen die Möglich¬
keit zu geben, kreativ in einer selbst ge¬
wählten Umgebung zu arbeiten. Da durch
das rapide Wachstum mancher Branchen
die Büros in der Regel überquellen, helfen
Virtual Days auch, die begrenzten Räum¬
lichkeiten der Unternehmen zu entlasten.
Virtual Office
[engl. für: virtuelles Büro] Büro ohne Bü¬
roraum. Manche Computerhersteller wer¬
ben damit, dass sie Virtual Offices produ¬
zieren: Alles, was ein Beschäftigter für
Bürotätigkeiten braucht, findet er in sei¬
nem PC oder Notebook. Vor allem Freibe¬
rufler und Beschäftigte mit hohem Dienst¬
reiseanteil bemühen sich, ihre Arbeit so
zu organisieren, dass sie auch ohne Büro
funktioniert. Die letzte große technische
Barriere - die mobile Internetnutzung -
fällt spätestens mit der Einführung von
Tu MTS. Die psychologischen Barrieren
bleiben: Im Virtual Office fehlt der persön¬
liche Kontakt zu Kollegen, ohne regelmä¬
ßige Rückkehr in reale Bürowelten droht
die Vereinsamung.
virtuelles
Unternehmen
Virtuelle Unternehmen kommen in zwei For¬
men vor: Die einfache Variante ist eine Zu-
r e
sammenarbeit auf Zeit, etwa für die Dauer
eines Projekts über das Netz in der Regel
durch T_e -lancer. Die zweite, we¬
sentlich komplexere (und bisher sehr sel¬
tene) Variante: Verschiedene existieren¬
de Unternehmen liefern je einen Baustein
zu einem neuen, nirgendwo in der Reali¬
tät existierenden Unternehmen, das aus¬
schließlich im Internet besteht. Beispiels¬
weise liefert Firma A die Buchhaltung,
Firma B die Adressdatenbank, Firma C die
online vertriebenen Reiseangebote und
Firma D das Marketing. Alle Leistungen
treten im Netz als Firma E unter einem
einheitlichen Logo auf. In abgeschwäch¬
ter Form können auch Firmenverbünde,
die gemeinsame Services im Internet an¬
bieten oder über das Internet abwickeln,
als virtuelle Unternehmen gelten (T c -
commerce).
Voicemai l-Jai l
[zu engl. v o i c e m a i l = digitaler Anruf¬
beantworter und engl. j a i l = Gefängnis]
Das Gefühl, als Anrufer der Gefangene ei¬
ner automatisierten Telefonanlage zu sein.
Wer kennt sie nicht, die Anrufbeantworter-
Systeme großer Firmen? Bevor man zu ei¬
nem leibhaftigen Menschen durchgestellt
wird, um eine simple Frage zu stellen,
befiehlt eine Computerstimme: „Drücken
sie jetzt die Eins. (Pause) Ihre Eingabe war
nicht korrekt. Wiederholen Sie den Vor¬
gang. " und so weiter. Der Anrufer wird über
das System unfreiwillig durch unzählige
Verästelungen geschleust. Er verliert Zeit,
Nerven und fühlt sich wie ein Gefangener
der Technik. Der Ausweg aus dem Voice-
mail-Jail besteht meist im erbosten Auf¬
legen des Hörers.
Webmaster
[zu engl. web = Netz und engl. m a s -
te r = Meister] Eine nicht geklärte Be¬
rufsbezeichnung der New Economy. Der Web¬
master kümmert sich in manchen Firmen
darum, dass die Website funktioniert, in an¬
deren Unternehmen hält er das T Netz¬
werk am Laufen. Oder er sorgt dafür,
dass die ungeschriebenen Regeln eines
Chatrooms eingehalten werden.
Worcation
[Zusammenziehung aus engl. w o r k =
Arbeit und engl. vacation = Urlaub]
Durchmischung von Freizeit und Arbeit.
Viele 1Lf reelancer arbeiten von zu
Hause aus. Bei freier Zeiteinteilung kön¬
nen sich geschäftliche Tätigkeiten und pri¬
vate Unternehmungen locker ablösen. Die
Grenzen zwischen Freizeit und Arbeit ver¬
schwimmen. Ähnlich geht es den moder¬
nen T T e c H N o M a D e N, die ausgerüstet
mit Laptop und Handy immer unterwegs
Ich will Themen wie Internetsteuern
oder Aktienoptionen beeinflussen,
die uns als Start-up beeinträchtigen.
FELIX FROHN-BERNAU,
VORSTANDSVORSITZENDER
DOOYOO AG
sind. Sie arbeiten vom Cafe aus oder le¬
gen zwischen zwei Geschäftsterminen ei¬
nen Shoppingbummel ein. Manche rich¬
ten sich im Ferienhaus ihr iLv i R T u a l
office ein, um die wichtigsten Anfra¬
gen beantworten zu können oder an ihren
Projekten weiterzuarbeiten. Die Möglich¬
keit überall zu arbeiten, kann dazu führen,
dass die Arbeit in alle privaten Bereiche
vordringt. Im Silicon Valley macht der
geflügelte Ausdruck die Runde: „No busi¬
ness in bed." Das Bett wird als letzte
102 Work-Cultu
Schutzzone ausgerufen, in der nicht der
Arbeit nachgegangen wird.
W o r d i n g
[engl. für: Formulierung, Wortwahl] Der
Ausdrucksstil eines Textes. Das Wording
beschreibt den Drang, „das Kind beim Na¬
men zu nennen" (und zwar am liebsten
beim englischen). Ist ein Text nicht zufrie¬
den stellend, so heißt es: „Wir müssen noch
am Wording feilen." Sprich: Der Text muss
noch überarbeitet werden. Das richtige
Wording ist insofern wichtig, als es dem
Produkt, der Firma, der Dienstleistung oder
der Website das richtige Profil verpasst.
Workaholi c
[engl. für: Arbeitssüchtiger] Bezeichnung
für Menschen, die extrem viel arbeiten,
mindestens 12 Stunden am Tag, mindes¬
tens 6 Tage die Woche. Vielen Workaholics
drohen der /L_b u r n - o u t und der Zu¬
sammenbruch sozialer Beziehungen. Trotz
der negativen Folgen wird der Begriff oft¬
mals als Kompliment eingesetzt, kommen
damit doch Motivation und Leistungswil¬
le zum Ausdruck. Inzwischen bilden sich
zunehmend Selbsthilfegruppen im Stil der
Anonymen Alkoholiker. Ob Workaholics
tatsächlich krank sind und der Behand¬
lung bedürfen, ist Ansichtssache. Psycho¬
logen sagen vielen von ihnen jedoch Me-
r e
lancholie und Depressionen als Ursache
für ihre Arbeitswut nach. Ihr übertriebe¬
ner Aktionismus soll sie von ihrer inne¬
ren Leere und ihren Ängsten ablenken,
getreu dem Motto: Keine Zeit für trauri¬
ge Gedanken.
Workf Low
[engl. für: Arbeitsfluss] Im Arbeitsalltag
bedeutet Workflow nichts anderes als
Arbeitsablauf, Arbeitsfluss. Im Computer¬
programmbereich meint Workflow jene Ar¬
beitsschritte, die zum Erreichen eines Auf¬
gabenziels notwendig sind, z.B. bei der
Arbeitsablaufsteuerung per Software.
Working Poor
[zu engl. to w o r k = arbeiten und engl.
p o o r = arm, die Armen] Bezeichnet je¬
nen Teil der Bevölkerung, der hart arbeitet,
aber dennoch an der Armutsgrenze lebt. In
vielen Familien arbeiten beide Elternteile,
führen jeweils zwei c j o b s gleich¬
zeitig aus und können sich trotzdem auf¬
grund niedriger Mindestlöhne kaum über
Wasser halten. Mangelnde Ausbildung,
Alter oder ethnische Herkunft sind die
primären Gründe für diesen Zustand. Oft
verschlimmern offene Kredite mit extrem
hohen Zinsen die Situation, da ein Gro߬
teil des verdienten Geldes zur Begleichung
von Schulden aufgewendet werden muss.
Y
1 0 3
New Economy bedeutet: Fantasie, Risiko,
Mut und vor allem Chancen, Chancen,
Chancen. Für unkonventionelle Ideen,
neue Unternehmen, kreative Macher,
aber auch für alte Firmen - wenn
wichtige Grundregeln der Old Economy
nicht vergessen werden.
RAINER GRABOWSKI,
GESCHÄFTSFÜHRER
G+J COMPUTER CHANNEL
wuppen
Ein gebräuchlicher Ausdruck im (Arbeits)-
alltag, dessen Herkunft ungeklärt bleibt.
Wuppen meint nichts anderes als etwas be¬
wältigen, etwas schaffen. Man wuppt z.B.
ein Projekt oder einen Auftrag. Der „Dop¬
pel-Wupper" ist die zweifache Belastung
bzw. Bewältigung, etwa wenn Frauen Beruf
und Kinder managen. Technisch gesehen
ist wuppen der mühelose und schnelle
Datentransfer von einem Rechneraufeinen
anderen. „Ich wuppe dir etwas rüber."
Yettie
[Abkürzung von engl. young entre¬
preneurial t e c h - b a s e d = jung,
unternehmerisch, technisch orientiert]
Der Begriff stammt aus den USA und be¬
zeichnet die neue junge, wohlhabende
Elite der New Economy. Der Yettie ist der
Nachkomme der Yuppies aus der Old Eco¬
nomy. Sein Reichtum gründet sich auf die
eigene Firma oder aber den Besitz von An¬
teilen an dem T s t a r t - u p, in dem
er arbeitet. Er ist daher nicht zwangs¬
läufig reich hinsichtlich der privaten Li¬
quidität, denn oftmals ist der Yettie ein
1Lm o p, ein „millionaire on paper". Der
durchschnittliche Yettie kann beiderlei
Geschlechts sein, arbeitet auf keinen Fall
in einem Großkonzern, ist ein T_.w ork-
a h o l i c, in der Regel Single oder einem
anderen Yettie in einer „Living-apart-to-
gether"-Beziehung zugetan.
,o« Stock-Exchange
Die Welt des Börsenparketts. Früher
ein Volkssport - allerdings ein risk
zum Breakout führen. Auf einen Hype
Crash. Wann der Bottom erreicht ist.
eine Angelegenheit von Profis, heute
anter. Flüsterschätzungen können
folgt meist die Korrektur oder gar der
A
106 Stock-Exch
a n g e
Ad-hoc-Mittei lung
[zu Lat. ad h o c = sofort] Pflichtver¬
öffentlichung potenziell kursrelevanter
Nachrichten. Gemäß § 15 des Wertpapier¬
handelsgesetzes muss jedes börsennotier¬
te Unternehmen sofort alle Marktteilneh¬
mer informieren, wenn es ein Ereignis gibt,
das den Aktienkurs erheblich beeinflussen
könnte. Bis vor drei Jahren wurden Ad-
hoc-Mitteilungen nur selten und bei wich¬
tigen Ereignissen herausgegeben, wie bei
Fusionen, Zukäufen oder gefeuerten Vor¬
ständen. Dann entdeckten die ersten Un¬
ternehmen des 1Ln euen Marktes,
dass sie damit kostenlos hohe Aufmerk¬
samkeit erreichen konnten. Seither wer¬
den Ad-hoc-Mitteilungen in großer Zahl
mit belanglosem Inhalt verbreitet.
Analyst
[engl. für: Analytiker] Jemand, der pro¬
fessionell Unternehmen analysiert und auf
dieser Grundlage Kauf- und Verkaufsemp¬
fehlungen für die Aktien dieser Unterneh¬
men abgibt. Sein Urteil hat weit reichende
Konsequenzen. Eine veränderte Unterneh¬
mensbewertung durch die Analysten eines
der führenden Investmenthäuser kann zu
starken Kursbewegungen führen. Um eine
gute Bewertung zu erhalten, setzen die
Unternehmen alles daran, die Analysten
bei Laune zu halten. Dafür werden sie mit
exklusiven Zahlen in exklusivem Ambien¬
te versorgt.
Angel-Funding
[zu engl. a n g e l = Engel und engl. t o
f u n d = finanzieren] Finanzierung eines
jungen Unternehmens oder einer Unterneh¬
mensgründung durch einen wohlhabenden
Gönner, der dafür Unternehmensanteile
kassiert. Dem T. b usinessangel
geht es dabei nicht allein um die Aussicht
auf Gewinn, sondern er hält die Geschäfts¬
idee aus ideellen oder persönlichen Grün¬
den für förderungswürdig. Deshalb wird er
auch als Engel bezeichnet. Der Maximalbe¬
trag beim Angel-Funding Liegt größten¬
teils nicht über 500 000 Mark. Wenn hö¬
here Beträge benötigt werden, ist es meist
notwendig /L_v enture-capital
aufzutreiben.
Ask-Pri ce
[zu engl. to a s k = fragen und engl.
p r i c e = Preis] Der niedrigste Preis, zu
dem ein Marktteilnehmer gegenwärtig be¬
reit ist, eine Aktie zu verkaufen (Brief¬
kurs). Für den Investor, der eine Aktie kau¬
fen möchte, ist dies der Mindestpreis, den
er dafür bezahlen muss. Dem Ask-Price
steht der normalerweise etwas niedrigere
T_ B i D - p R i c E gegenüber. Über die
Differenz zwischen beiden, dem so ge¬
_ B
1 0 7
nannten iLs pread, freuen sich die
1Lm arketmaker.
Baisse
[frz. für: Verminderung, Abschwächung]
Eine mittel- bis langfristig andauernde
Schwächeperiode an der Börse. Im Gegen¬
satz zum 11 c R A s H , der oft von panik¬
artigen Reaktionen der Marktteilnehmer ge¬
prägt ist, handelt es sich bei der Baisse um
ein Phänomen unsicherer oder pessimisti¬
scher Zukunftserwartungen. Die pessimis¬
tischen T B Aren haben im Kampf mit
den optimistischen 1b u l l e n einen Sieg
errungen und regieren den Markt. Wie die
positiven Erwartungen in der 1Lh a u s s e
so können auch die negativen Erwartun¬
gen in der Baisse leicht zu einer sich selbst
erfüllenden Prophezeiung werden.
Bär
[Wahrscheinlich von engl. bear skin
j o b b e r = jemand, der das Fell eines
Bären verkauft, bevor er es besitzt] Auch
bear. Bezeichnung für die Aktienhänd¬
ler, die die Marktentwicklung pessimistisch
sehen. Der Begriff Bär wurde zunächst
als Bezeichnung für Spekulanten verwen¬
det, die nicht vorhandene Aktien verkau¬
fen (s H o R T sale). Heute steht der
Bär für einen Marktteilnehmer, der erwar¬
tet, dass einzelne Aktienkurse oder die
Händler mussten sich bislang in
acht Börsen einschalten, jetzt
gibt es einen elektronischen Stecker,
einen gemeinsamen virtuellen
Blue-Chip-Markt.
DR. WERNER SEIFERT,
VORSTANDSVORSITZENDER
DEUTSCHE BÖRSE AG
Börsenkurse generell fallen werden, also
eher bearish eingestellt ist. Die My¬
thologie der Börse sieht die Bären im
ewigen Kampf mit den T bullen um
die Vorherrschaft über den Markttrend.
Wenn die Bären in der Überzahl sind,
spricht man von einem Bärenmarkt oder
einer T Baisse. Spricht man von ei¬
ner B A R E N F a L L E, ist damit ein Ver¬
kaufssignal gemeint, das sich jedoch als
Fehlsignal erweist, da die Kurse nach dem
Aktienverkauf wieder steigen.
,08 Stock-Exchange
Beautycontest
[engl. für: Schönheitswettbewerb] Im wei¬
teren Sinne jede Wettbewerbspräsenta¬
tion; in der Börsensprache verwendet für
die Konkurrenz der Emissionsbanken um
T i p o-Kandidaten. Die Investmentab-
teilungen der Banken werden dabei vom
potenziellen Börsenaspiranten nach vier
Kriterien beurteilt: 1. Haben sie überhaupt
verstanden, was wir machen? 2. Welchen
Wert sprechen sie der Firma zu? 3. Wie stel¬
len sie sich den Börsengang vor? 4. Können
wir uns vorstellen, dass diese Leute unse¬
ren Börsengang durchführen? Der Beauty¬
contest ist gleichzeitig ein Prüfstein für
den IPO-Kanditaten, ob die Banken den
Börsengang als realistisch einstufen. Auch
in diesem Fall ist enthusiastische Schön¬
malerei und ein guter T b usiness-
p l a n angemessen.
Betafaktor
Maßzahl für die Kursschwankungen einer
Aktie im Verhältnis zum Gesamtmarkt oder
zu einem Index. Ein Betafaktor von 1 be¬
deutet, dass die Aktie sich genau im Gleich¬
klang mit dem Markt bewegt, bei einem Be¬
tafaktor von 2 sind die Kursschwankungen
der Aktie doppelt so groß. Bewegt sich ei¬
ne Aktie genau in die umgekehrte Rich¬
tung, steigt sie also, wenn der Index fällt,
wird der Betafaktor negativ.
B i d - P r i c e
[zu engl. to b i d = (an)bieten und engl.
price = Preis] Der höchste Preis, den
ein Marktteilnehmer gegenwärtig bereit
ist, für eine Aktie zu zahlen (Geldkurs). Für
den Investor, der eine Aktie zu verkaufen
hat, ist dies der Preis, den er dafür bekom¬
men kann. „Wenn der Bid-Price nicht gleich
steigt, komme ich heute nur mit Verlust
aus meiner Position raus", seufzt zum
Beispiel der T d aytrader. Der Ge¬
genbegriff ist der normalerweise höhere
TLa s k - p r i c e.
Blackout-Period
[zu engl. blackout = Stromausfall und
p e r i o d = Zeitabschnitt] Schweigezeit
für befangene Ta nalysten im Um¬
feld eines Börsengangs. Die Analysten
einer Konsortialbank dürfen beim Börsen¬
gang eines Unternehmens in den Wochen
vor und nach dem Börsengang keine Stu¬
dien überdas Unternehmen veröffentlichen
und sich auch sonst nicht öffentlich über
das Unternehmen äußern.
Blue Chips
[zu engl. b l u e = blau und engl. chip
= Chip, Jeton] Die wichtigsten Werte einer
Börse oder eines Börsensegments. Der Aus¬
druck stammt aus der US-Spielkasinobran-
che: Dort sind die Jetons mit dem höchsten
B
Wert blau. Zunächst wurde der Begriff für
die führenden US-Aktien im Dow-Jones-In¬
dex übernommen, mittlerweile kennzeich¬
net der Ausdruck die Ferraris unter den
Aktien weltweit. Blue-Chip-Aktien haben
eine hohe market-cap und ein hohes
Handelsvolumen an der Börse.
Bookbui Lding
[zu engl. b o o k = Buch und engl. t o
build = bauen] Verfahren zur Preis¬
feststellung bei 1Ln euemissionen.
Alle Aktienbestellungen, die in der Zeich¬
nungsphase vor dem Börsengang einge¬
hen, landen in einem Orderbuch (das meist
kein Buch ist, sondern eine Datei). Gemein¬
sam mit der konsortialbank,
also dem Institut, welches im Vorfeld der
T_e mission das beste Beratungs¬
und PLatzierungskonzept vorgelegt hat,
entscheidet das Unternehmen nach Ab¬
lauf der Zeichnungsfrist anhand
der Daten, zu welchem Preis die Aktien
ausgegeben werden und wer wie viel davon
bekommt. Im Regelfall wird zu Beginn der
Zeichnungsfrist eine Preisspanne festge¬
legt, innerhalb deren sich die Gebote der
Anleger bewegen sollten.
Bottom
[engl. für: Boden] Der Tiefststand des Kur¬
ses einer Aktie innerhalb eines bestimmten
1 0 9
Zeitrahmens. Eines der Grundprinzipien der
TECHNISCHEN AKTIENANA¬
LYSE ist die Annahme, dass Aktien sich
in Trends bewegen. Bei sinkendem Aktien¬
kurs wäre es vorteilhaft zu wissen, wann der
Tiefpunkt erreicht ist und sich der Trend
umkehrt. Der Bottom wäre der theoretisch
optimale Zeitpunkt des Kaufs. Weniger
riskant als das bottom-fishing,
also das „Aktien-vom-Boden-Auffischen",
ist allerdings, einige Zeit zu warten und
zu verfolgen, ob sich die Umkehrung des
Trends tatsächlich bestätigt.
Break-Even-Poi nt
[engl. für: Rentabilitätsschwelle] Der Punkt,
an dem Kosten und Erträge gleich groß sind.
Dies ist eine ökonomisch relevante Größe,
'weil der Break-Even-Point die Schwelle mar¬
kiert, ab der sich ein Geschäft oder eine
Transaktion rentiert. Viele Start-ups der
New Economy haben zum großen Bedau¬
ern der Investoren den Break-Even-Point
nie erreicht. Im Falle von Börsentrans¬
aktionen errechnet sich der Break-Even-
Point in der Regel aus der Provision für den
T B R o K E R plus dem T s p R E A o zwi¬
schen T B id- und Ta sk-preis
plus den anteiligen sonstigen Kosten für
Information und Transaktion. Erst dann,
wenn der Aktienkurs höher als diese Sum¬
me ist, wirft die Transaktion Gewinn ab.
B
1 i o
Stock-
a n g e
E x c h
Breakout
[engl. für: Ausbruch] Außergewöhnliche
Kursentwicklung einer Aktie. Ein Break¬
out erfolgt, wenn ein Aktienkurs sehr stark
von dem typischen Muster der Aktienent¬
wicklung abweicht. Die T t e c h n i -
SCHE AKTIENANALYSE postuliert
für diesen Fall, dass eine weitere, verstärk¬
te Bewegung in Richtung des Breakouts
zu erwarten ist.
Bridge-Financing
[zu engl. b r i d g e = Brücke und engl. t o
finance = finanzieren] Überbrückungs¬
finanzierung. Beim Bridge-Financing han¬
delt es sich um den Einsatz von Mitteln,
die einer Aktiengesellschaft zur Vorberei¬
tung ihres Börsengangs bereitgestellt wer¬
den. Üblicherweise wird dieses Geld nicht
als Kredit gewährt, sondern gegen Unter¬
nehmensanteile getauscht und dient der
Aufstockung des Eigenkapitals.
B r o k e r
[engl. für: Makler] Börsenmakler. Der
Broker schließt für Banken, Unterneh¬
men oder Privatpersonen Geschäfte über
Wertpapiere ab. War früher jeder auf die
Dienste des Brokers angewiesen, können
Privatpersonen heute direkt über das In¬
ternet bei T_d iscountbrokern
Aktien handeln.
Brokerboard
[zu engl. B r o k e r = Makler und engl.
b o a r d = Tafel, Brett] In Börsensälen
dienen Brokerboards als schwarzes Brett
für Börsenmakler. Auf ihnen werden markt¬
relevante Informationen ausgetauscht. Im
Internet sind sie für jedermann einsehbar
- und damit so demokratisch wie wertlos.
Hinter Fantasienamen versteckt, prahlen
die Teilnehmer mit ihrer 1Lp e r for¬
ma n c e und streuen heiße Tipps und
Gerüchte aus. Diese dienen oft der Kurs¬
manipulation.
Bubble
[engl. für: Blase] In der Börsensprache kenn¬
zeichnet die Bubble eine den 11_F a i r e n
wert extrem übersteigende Bewertung
von einzelnen Aktien, Branchen oder kom¬
pletten Börsen. Bubbles, in der Regelin
Verbindung mit dem Adjektiv „spekula¬
tive" benutzt, bilden sich häufig am Ende
einer langen 11_h a u s s e oder bei wich¬
tigen Technologiesprüngen. In dem Zu¬
sammenhang kommt es an der Börse oft
zu Übertreibungen. Ein Beispiel für eine
Branchen-Bubble war die Kursentwicklung
der Internetaktien von Ende 1998 bis An¬
fang 2000. BUBBLE-ECONOMY ist
ein geringschätziger Ausdruck für den ge¬
samten Markt der Internetcompanys, deren
Bewertung an den Aktienmärkten die der
1 1 1
Mit mehr als 40 000 Arbeitsplätzen
ist die New Economy die Jobmaschine
schlechthin in Deutschland. Endlich
wird unter Beweis gestellt, dass man
mit Mut und guten Ideen etwas
bewegen kann. Ich bin stolz darauf,
dass Consors mit dabei ist.
KARL MATTHÄUS SCHMIDT,
GRÜNDUNGSMITGLIED, CEO
CONSORS D I S C 0UNT-BR0KE R AG
traditionellen Firmen oft um ein Vielfa¬
ches übersteigt, obwohl sie noch keinen
Pfennig Gewinn gemacht haben.
Bulle
Ein Marktteilnehmer, der im Bezug auf die
weitere Marktentwicklung optimistisch ist
und steigende Kurse erwartet. Ein populä¬
res, wenn auch vermutlich unzutreffendes
Schema zur Erklärung der Genese des Be¬
griffspaars Bulle und T b ä r besagt, dass
der Bär es sei, der mit seiner Tatze die
Kurse nach unten drückt, während der Bul¬
le mit seinen Hörnern von unten den Kur¬
sen Auftrieb verschafft. Ein Bullenmarkt
ist ein Markt, in dem die Bullen über die
Bären die Vorherrschaft errungen haben
und der entsprechend geprägt ist von
Kauflust (H_h A u s s E ). Mit der b u l-
l e n f a l l e ist ein Kaufsignal gemeint,
das sich im Nachhinein als Fehlsignal er¬
weist, da die Kurse nach dem Aktienkauf
wieder fallen.
Burn-Rate
Auch cash-burn-rate [zu engl.
c a s h = (Bar)geld, to b u r n = (verbren¬
nen und r a t e = Rate] Geschwindigkeit,
mit der (Risiko)kapital in T s t a r t -
ups „verbrannt" wird. Der Begriff wur¬
de mit der New Economy populär, als vie¬
le Start-ups zunächst einmal in schnelles
Wachstum investierten und dabei hohe
Verluste in Kauf nahmen. Die Burn-Rate
meint die Höhe aller Ausgaben für Perso¬
nal, Investitionen, Marketing etc. Der Be¬
messungszeitraum beträgt ein Jahr oder
auch nur einen Monat. Wenn die Burn-Ra¬
te jedoch zu einem dauerhaften Bestand¬
teil der Unternehmenskultur zu werden
droht, kommen selbst hartgesottene In¬
vestoren ins Zweifeln. Die Steigerung der
B
uz Stock-Exch
Burn-Rate ist die f l u s h - r a t e , bei der
zwar auch Cash verbraucht, aber keiner
sinnvollen Verwendung mehr zugeführt
wird. Wenn alles Geld sich in Rauch auf¬
gelöst hat, spricht man auch ironisch vom
FUME-DAY.
Businessangel
[zu engl. business = Geschäft und engl.
a n g e l = Engel] Businessangels sind pri¬
vate Investoren in einem T start-up.
Oft sind es zu Reichtum gekommene Mana¬
ger in den besten Jahren, aber auch Inter¬
netmillionäre in den Twenties, die ihr Geld
gewinnbringend in aussichtsreiche Firmen
investieren wollen. Der finanzielle Einsatz
beim T angel-funding geht selten
über 500 000 Mark hinaus. Dafür bieten die
„Engel'' neben ihrem Kapital zumeist auch
Beratung oder T coaching an und er¬
halten im Gegenzug Anteile der Gesellschaft.
Im Unterschied zu entu re-c a pi¬
ta l i s T s sind Businessangels in der Re¬
gel enger mit dem Start-up verbunden und
weniger an einem möglichst schnellen und
erfolgreichen 1L_e x i t interessiert.
Businessplan
[zu engl. b u si n es s = Geschäft] Ge¬
schäftsplan, in dem Konzept, Ziele und
Wege eines Unternehmens aufgeführt sind.
Er beinhaltet Zahlen über die Umsatz- und
a n g e
Ertragsentwicklung in den nächsten fünf
Jahren. Die Erstellung des Businessplans
hilft dem Unternehmen, sich über die ei¬
genen Ziele klar zu werden. Außerdem ist
er Voraussetzung, um an T venture¬
capital heranzukommen. Der Umfang
von Businessplänen variiert von wenigen
Seiten bis hin zur Telefonbuchdicke. Als
Faustregel für die im Businessplan prog¬
nostizierte Geschäftsentwicklung gilt: In
den ersten zwei Jahren sind Verluste er¬
laubt, im dritten Jahr sollten die laufen¬
den Einnahmen etwa die Ausgaben decken
- und im fünften Jahr sollte schon ein
großer Teil der Anschub-Investitionen zu¬
rückgezahlt sein.
Buyback
[engl. für: Rückkauf] Ein Buyback erfolgt,
wenn ein Unternehmen einen Teil seiner
eigenen ausgegebenen Aktien zurückkauft.
Dies wird in der Regel als ein „bullishes"
Signal interpretiert (11_b u l l e), da das
Unternehmen offensichtlich an seine Ak¬
tie und einen Kursanstieg glaubt. Der Buy¬
back ist allerdings auch ein unmittelba¬
rer Akt der dL_K urspflege und der
Sicherung von T shareholder¬
value. Durch den Kauf selbst erhöht
sich die Nachfrage nach der Aktie und
wegen der Reduzierung der Anzahl erhöht
sich der Gewinn pro Aktie.
c
1 1 3
Call
[engl. für: Ruf] Ein Call bezeichnet die
±_OPT!ON , ein Finanzprodukt (Aktien,
Devisen, etc.) innerhalb eines festgeleg-
ten Zeitraums in der Zukunft zu kaufen, und
zwar zu einem Preis, der bereits in der Ge¬
genwart festgelegt wird (Basispreis). Der
Käufer eines Calls kann sich aussuchen, ob
er sein Kaufrecht ausüben will oder nicht.
Dagegen muss der Verkäufer des Calls auf
jeden Fall das unterliegende Objekt zum
festgesetzten Basispreis liefern, wenn der
Käufer seine Option ausüben möchte. Der
Käufer kann bei steigenden Kursen viel Geld
verdienen, mögliche Verluste halten sich
in Grenzen. Er bezahlt für den Erwerb des
Calls eine Prämie, deren Höhe den maxima¬
len Verlust bestimmt, den er erleiden kann.
Opportunity is knowing that the
internet is just the first chapter and
the big story is yet to come.
HERMANN-JOSEF LAMBERTI,
VORSTAND
DEUTSCHE BANK AG
Carried Interest
[zu engl. to carry interest = Zin¬
sen tragen, abwerfen] Ein Begriff, der vor
allem im Zusammenhang mit T v e n -
Ture-Capital verwendet wird. Car¬
ried Interest ist ein (oft signifikanter) An¬
teil am Gewinn eines Investmentfonds,
den die Manager des Fonds als eine Art
Erfolgsanreiz bekommen. Sie sind damit
direkt am Ertrag des Investmentfonds be¬
teiligt, was sich, so die Erwartung, förder¬
lich auf ihre Kreativität im Umgang mit
den Einlagen auswirken soll.
Chart
[engl. für: Diagramm, Schaubild] Die grafi¬
sche Darstellung des Kursverlaufs und der
Transaktionsvolumina einer Aktie oder eines
sonstigen finanziellen Objekts. Charts sind
wichtige Hilfsmittel der Hjr e c h n i -
schen aktienanalyse. Sie die¬
nen dem Aufspüren von Trends in der Kurs¬
entwicklung und technischer Formationen,
deren Studium eine Prognose der weiteren
Kursentwicklung ermöglichen soll. „Die
Charts zeigen einen eindeutigen Aufwärts-
C
114 Stock-Exch
a n g e
trend, der vermutlich dazu führt, dass die
WiderstandsLinie bei DM 42,50 in den nächs¬
ten Tagen noch einmal getestet wird."
Ci r c u i t-Breaker
[engl. für: Stromkreisunterbrecher] Me¬
chanismus zum Aussetzen des Handels im
Falle eines akuten Zusammenbruchs des
Aktienmarkts. Damit sollen Panikverkäufe
begrenzt und den Marktakteuren die Ge¬
legenheit gegeben werden, die Situation
außerhalb der Hektik des Handelsgesche¬
hens zu überdenken. Eingeführt wurden die
Circuit-Breaker, als es an der New Yorker
Stock-Exchange im Verlauf eines Tages im
Oktober 1987 zum Einbruch des Dow-Jones-
Index um 2.2.,lQlo kam. Nach der aktuellen
Regelung wird der Handel für einige Zeit
unterbrochen und gegebenenfalls für den
Tag beendet, wenn der Rückgang des Dow-
Jones-Index im Rahmen einer Handelssit¬
zung bestimmte festgelegte Schwellenwer¬
te übersteigt. Zum Einsatz kamen Circuit-
Breakers erstmals in dem relativ harmlo¬
sen LlRAS H vom Oktober 1997. Ob die
Verwendung sinnvoll ist, bleibt umstritten.
Consensus-Rating
[zu engl. co nse n sus = Übereinstim¬
mung und engl. rating = Bewertung]
Die durchschnittliche Bewertung einer Ak¬
tie durch die nalysten. Während
der Begriff Consensus glauben Lässt, dass
sich eine Art Jury zusammensetzt, um ein
einstimmiges Urteil über eine Aktie zu fäl¬
len, werden tatsächlich nur Durchschnitte
gebildet. Beispiel: Die Hotzenplotz AG wird
zur Zeit von 15 Analysten bewertet. Auf der
üblichen fünfstufigen Wertungsskala stu¬
fen fünf Analysten die AG als Strong Buy
(= Note 1) ein, drei als Buy (= Note 2), vier
als Hold (= Note 3), einer als Sell (= Note
4) und zwei als Strong Sell (= Note 5). Da¬
raus ergibt sich als Consensus Rating die
Bewertung 2,5 - und liegt damit genau
zwischen „Kaufen" und „Halten".
Crash
[engl. für: Zusammenbruch] Eine Situation,
in der der Markt sprichwörtlich zusammen¬
bricht, weil es kaum noch Käufer, aber mas¬
senhaft Verkäufer gibt. Die Kurse stürzen
scheinbar ins Bodenlose. Im Unterschied
zur T B A i s s E, die einen länger an¬
dauernden, nach unten gerichteten Trend
bezeichnet, ist der Crash meist eine kurz¬
fristige, nur einen oder wenige Tage an¬
dauernde, krisenhafte Zuspitzung der Si¬
tuation. Binnen weniger Stunden werden
Vermögen und Existenzen zerstört, Panik¬
verkäufe setzen ein, die Server der T o n -
linebroker brechen unter der Last
der Verkaufsaufträge zusammen, verzwei¬
felte Investoren springen aus Hochhäusern.
D
1 1 5
In erster Linie ist die New Economy die
Steigerung der Lebensqualität. Infor¬
mationen werden durch das Internet
an jedem Ort zu jeder Zeit verfügbar,
neue Möglichkeiten der Kommunikation
entstehen. Privat betrachtet, schafft
sie neue Freizeiterlebnisse.
VOLKER BORGHOF F,
RESEARCHLEITER, ANALYST
D G BANK
Wer die Nerven behält, kann mit short
sales reich werden. Das Auslösen von
lL_c IRCUIT-BREAKERS, die den
Handel im Falle eines Crash unterbrechen,
soll den Akteuren Bedenkzeit verschaffen.
Credi t-Rating
[engl. für: Krediteinstufung] Bewertung
des mit einer Kreditvergabe verbundenen
Bonitätsrisikos durch die T Analys¬
ten einer Rating-Agentur. Das Hauptpro¬
blem bei der Vergabe von Krediten besteht
darin, dass der Kreditgeber nicht wissen
kann, ob er das verliehene Geld je zurück¬
bekommt. Das von den Rating-Agenturen
vergebene Credit-Rating erleichtert es dem
Investor, das Risiko der Nichtrückzahlung
(Default-Risiko) einzuschätzen, und es sich
ggf. durch höhere Zinsen vergüten zu las¬
sen (unkbonds). Die Schuldner
werden meist auf einer Skala angeordnet,
die von AAA (sehr hohe Wahrscheinlich¬
keit der Rückzahlung) bis D („Betrachten
Sie's als Spende") reicht.
DAX®
[Abkürzung von: Deutscher Aktienindex]
Der DAX® repräsentiert die 30 bedeutends¬
ten, nach m arktkapitalisie-
r u n g gewichteten deutschen Aktien,
die so genannten T b l u e c h i p s des
deutschen Aktienmarktes.
Daytrading
[zu engl. day = Tag und engl. t o
t r a d e = Handel treiben] Der Handel mit
Aktien und 1L_d erivaten innerhalb
eines Tages zur Ausnutzung kurzfristiger
Kursschwankungen. Ein daytrader
kauft Aktien, um sie noch am selben Tag
wieder zu verkaufen. In den USA bewegen
Daytrader bereits ein Viertel des gesam-
D
1 1 6
Stock-
a n g e
E x c h
ten Börsenvolumens. Bislang war diese
Form des Handels Profis vorbehalten. Die
iscountbroker im Internet
bieten nun auch privaten Kleinanleger die
Möglichkeit, als Daytrader tätig zu sein. Die
Hobbybroker gehen dabei ein großes Risi¬
ko ein, vor allem wenn mit geliehenem Geld
spekuliert wird. Aus aktuellen Untersuchun¬
gen geht hervor, dass die meisten privaten
Daytrader aufgrund mangelnder Erfahrung
und Fehleinschätzungen Verluste machen.
Delisting
[zu engl. d e - = ent-, weg und engl.
listing« Auflistung] Streichung eines
Unternehmens vom Kurszettel einer Bör¬
se. Hierfür gibt es vier mögliche Gründe:
1. Nach einer Übernahme wird die Notie¬
rung des übernommenen Unternehmens
eingestellt (z.B. Mannesmann, JilSander).
2. Nach einem Konkurs oder einer Liquida¬
tion wird die Aktie vom Markt genommen
(wie die Aktien der IG Farben zeigen, kann
eine Firma jedoch auch Jahrzehnte nach ih¬
rem Ende noch an der Börse notiert sein).
3. Ein Unternehmen zieht sich von ein¬
zelnen Börsen (z.B. Hamburg, Stuttgart)
zurück und wird dann dort gestrichen,
bleibt aber an anderen Börsen präsent.
4. Der Mehrheitseigentümer kauft die im
Streubesitz befindlichen Anteile zurück
(T G OING PRIVATE).
Derivat
[zu lat. d e r i v a r e = ableiten] Das De¬
rivat ist ein Sammelbegriff für verschie¬
dene Arten von finanziellen Terminge¬
schäften, wie z.B. T o p T i o N E N oder
11_F u T u R E s. Im Unterschied zu einem
K A s s a G E s c H A F T, bei dem Kauf und
Verkauf von Wertpapieren, Devisen, Finan¬
zinstrumenten oder Waren abgeschlossen
und unmittelbar ausgeführt werden, er¬
folgt bei einem Termingeschäft die Erfül¬
lung des Vertrages erst nach einer be¬
stimmten Laufzeit. Solche Verträge können
nun während ihrer Laufzeit selbst gehan¬
delt werden. Ihr aktueller Wert ist dann ge¬
genüber dem Wert des unterliegenden Ob¬
jekts „abgeleitet". Geschäfte mit Derivaten
werden vor allem aus Gründen der Absiche¬
rung gegen Preisschwankungen sowie aus
Spekulationsgründen durchgeführt.
Di scountbroker
[zu engl. discount = Preisnachlass
und engl. b r o k e r = Makler] Ein Börsen¬
händler, dessen Tarife deutlich unter dem
Durchschnitt liegen. Der Begriff wird ge¬
meinhin synonym mit dem Begriff iLo n -
linebroker verwendet. Im Zuge der
Popularisierung des Internets bieten ver¬
schiedene Brokerfirmen die Möglichkeit,
Finanztransaktionen online zu tätigen und
zwar zu drastisch reduzierten Preisen, weil
1 1 7
auf die Beratungsfunktion weitgehend ver¬
zichtet wird und nur noch die Orders am
Markt ausgeführt werden. Dies erleichtert
den Massen den Zugang zur Börse und hat
dazu beigetragen, dass eine Tätigkeit wie
das T D AYTRADiNG von einer eher
exotischen Angelegenheit für Spezialisten
zu einer Art Volkssport werden konnte.
Dividende
[zu lat. d i v i d e r e = teilen] Der Teil des
Gewinns eines Unternehmens, der an die
Aktionäre ausgeschüttet wird. Dividen¬
denzahlung scheint in letzter Zeit etwas
aus der Mode gekommen zu sein. Die New-
Economy-Unternehmen machen ohnehin
(bisher noch) selten Gewinne, und für die
meisten anderen Unternehmen warin den
letzten Jahren der Gewinn, den Aktionäre
durch Kurssteigerungen der Aktien machen
konnten, von wesentlich größerer Bedeu¬
tung als die Gewinnausschüttung.
Doppel Li sting/
DuaLListing
[zu engl. I i s t i n g = Auflistung] Notie¬
rung einer Aktiengesellschaft an Börsen in
zwei Ländern. Bei deutschen Unternehmen
mit Doppellisting ist vor allem die Notie¬
rung in New York verbreitet, zum Beispiel
DaimlerChrysler an der New York Stock Ex¬
change und Qiagen an der 1I_n asdaq.
downgraden
[zu engl. to downgrade = niedri¬
ger einstufen] Herabstufung. In der Bör¬
sensprache wird der Begriff für zwei unter¬
schiedliche Vorgänge verwendet: 1. für die
Herabstufung von Aktien durch Analysten,
d. h., wenn für die Zukunft eine schlech¬
tere T p erformance der Aktie er¬
wartet wird, 2. für die Herabstufung von
Unternehmen oder Ländern durch Rating-
Agenturen. Die Fähigkeit des Schuldners,
seine Kredite zurückzuzahlen, wird dabei
schlechter eingeschätzt.
Due Diligence
[engl. für: ordentliche Prüfung] Prüfung
eines Unternehmens auf Herz und Nie¬
ren. Bei geplanten Unternehmenskäufen
und Börsengängen ist die Due Diligence
der Moment, in dem der Kandidat die Ho¬
sen runterlässt. Hier muss nicht nur die
T E Qu i Ty-Story stimmen, sondern
auch die Zahlen dahinter. Hier schlägt die
große Stunde der 1Ln umbercrun-
c h e r. Eine negativ ausfallende Due Di¬
ligence kann den Imagetod eines Unter¬
nehmens bedeuten. Daher sollte sie nur bei
schwerwiegenden Zweifeln am Zahlenwerk
zur Absage einer Akquisition bzw. eines
Börsengangs führen. Due Diligences routi¬
nemäßig einzusetzen, um die Konkurrenz
auszuschalten, gilt als unfein.
D
ns Stock-Exch
a n g e
Dutch Auction
[engl. für: holländische Auktion] Die Dutch
Auction wurde vor allem als Verfahren zur
Versteigerung von Blumen in Holland be¬
kannt. Sie beginnt bei einem recht hohen
Anfangspreis, der stetig gesenkt wird. Den
Zuschlag erhält man durch die Unterbre¬
chung des Preissenkungsprozesses, indem
man die sog. „Preisuhr" stoppt. Der Preis ist
der, den die Uhr anzeigt. Dutch Auctions
werden zunehmend von T o nline-
Brokern zur Preisbestimmung beim
T IPO eingesetzt. Im Internet ist die
holländische Auktion eine Methode, um
mehrere identische Artikel zu verkaufen.
Die Bieter mit dem höchsten Gebot kau¬
fen dabei den Artikel zum niedrigsten,
„erfolgreichen" Preis, der von anderen ge¬
boten wurde.
Early-Stage-
Investment
[zu engl. early stage = Frühphase]
Investition von Risikokapital in Unterneh¬
men, die sich noch in der Startphase be¬
finden. Der oftmals anvisierte Börsengang
liegt dann noch in weiter Ferne.
Earnings per Share
[engl. für: Gewinn je Aktie] Die Earnings
per Share (EPS) sind eine der wichtigsten
Kenngrößen für die Bewertung eines bör¬
sennotierten Unternehmens. Die EPS erge¬
ben sich, indem der Gesamtgewinn (meist
eines Jahres) durch die Gesamtzahl der Ak¬
tien des Unternehmens geteilt wird. Bei¬
spiel: Die Hotzenplotz AG hat ihr Eigen¬
kapital in 10 Millionen Aktien aufgeteilt.
Sie bringt es im Jahr 2000 nach Steuern
auf einen Gewinn von 27 Millionen Euro.
Die EPS der Hotzenplotz AG Liegen also
bei 2,7 Euro/Aktie. Bei Firmen, die durch
Fusionen ständig ihre Größe verändern,
ermöglichen die EPS einen Vergleich der
Unternehmensleistung über mehrere Jah¬
re. Sie stellen zudem eine der beiden
Ausgangsgrößen dar, aus denen sich das
11_K URS-GEWINN-VERHÄLTNIS
errechnen lässt - die wichtigste Kennzahl
für die Unternehmensbewertung.
E a s d a q
[Abkürzung von engl. European As¬
sociation of Securities Dea¬
lers Automated Quotation]
Europäische Nachahmung der US-High-
Tech-Börse Tn a s d a q mit Standort
Brüssel. Im Jahr 1996 mit großen Hoffnun¬
gen gestartet, führt die Easdaq heute ein
Aschenputtel-Dasein. Die nationalen High-
Tech-Börsen sind Wachstums- und liquidi¬
tätsstark, in Brüssel kommen kaum Aktien
hinzu, und den bereits notierten Werten
mangelt es an 1T_f a n t a s i e . Auch
E
1 1 9
High-Tech-Unternehmen aus kleinen Län¬
dern Europas optieren heute meist für
ein 1 listing an einer der Wachs¬
tumsbörsen in London, Frankfurt, Mailand
oder Paris.
EBITDA
[Abkürzung von engl. earnings be¬
fore interest, taxes, depre¬
ciation and a 11 o w a n c e s = Ge¬
winn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen
und Rückstellungen] Eine von vielen mög¬
lichen Darstellungen des Betriebsergebnis¬
ses. In der New Economy wird diese Berech¬
nungsform besonders häufig angewandt,
da sie relativ gute Rückschlüsse auf die Pro¬
fitabilität des regulären Geschäfts zulässt.
Dass dieses jemals profitabel werden könn¬
te, ist längst nicht immer selbstverständlich.
Echtzei tkurse
Aktienkursinformation ohne Zeitverzö¬
gerung. Für T B R o K E R und 1Ld a y-
trader sind die Echtzeitkurse eine
Unverzichtbareinformation. Während Kurs¬
informationen mit 15 Minuten Verzögerung
kostenlos überall im Internet zu haben
sind, verlangen die Börsen für Echtzeit¬
kurse Geld. Einzelne Finanzwebsites geben
sie trotzdem kostenlos ab - in der Hoff¬
nung, über die Werbeeinnahmen Gewinne
zu erzielen.
Für mich bedeutet die New Economy
die Chance, das zu realisieren,
wovon viele träumen.
ULRICH IVEN,
VORSTAND
FINANZSCOUT 24
Elevator-Pi tch
[zu engl. e l e v a t o r = Fahrstuhl und
engl. p i t c h = Wettbewerbspräsentation]
Ultrakurze Präsentation des Geschäftsmo¬
dells eines T s tart-ups vor poten¬
ziellen Investoren. Meistens ist die Präsen¬
tationszeit auf 60 Sekunden begrenzt, so
lange, wie eine Fahrt im Lift dauert. Nach
dem Motto: „Du hast eine Minute Zeit, um
Millionär zu werden." Beliebt ist der Eleva¬
tor-Pitch vor allem bei den unter Zeitnot
leidenden Risikokapitalgebern.
E
120 Stock-Exchange
Emission
[zu Lat. e m i 11 e r e = hinausschicken]
Börsengang einer Aktiengesellschaft. Der
Begriff Emission meint dabei die Ausgabe
neuer Wertpapiere. Bis Mitte der 90er-Jah-
re gab es in Deutschland kaum mehr als ein
bis zwei Dutzend neuemissionen
pro Jahr. Mit der Einführung des 1Ln e u -
en Marktes hat sich ihre Zahl verviel¬
facht: Im Jahr 2000 dürfte erstmals die
Zahl von 200 Neuemissionen in einem Jahr
überschritten werden. Für ^L_a n a l y s -
ten wie Anleger wird es zunehmend
schwieriger, den Überblick zu behalten.
Viele konzentrieren sich daher bei ihren
Investments nur noch auf die größeren,
bekannten Unternehmen. Daher ist es
wichtig, die Aktie als Marke zu gestalten.
Equi ty-Ki cker
[zu engl. e q u i ty = Eigenkapital und
engl. k i c k = Tritt, Stoß] Sammelbegriff
für Anleihen, die zum Erwerb von Antei¬
len an der Kredit nehmenden Firma berech¬
tigen. Die gebräuchlichste Form ist die
Wandelanleihe, die dem Gläubiger
das Recht gewährt, zu einem bestimmten
Termin seine Darlehen in Aktien umzuwan¬
deln. Die Verzinsung von Wandelanleihen
ist meist deutlich niedriger als der Markt¬
zinssatz - statt üppiger Zinsen gibt es eben
den Aktienkick.
Equi ty-Story
[zu engl. equity = Eigenkapital und
engl. s t o r y = Geschichte] Die Erfolgsfor¬
mel eines Unternehmens. Die Equity-Story
liefert den Grund, warum man eine Aktie
kaufen soll. Insbesondere bei 1L_n e u -
Emissionen muss das Unternehmen
den potenziellen Investoren kurz und präg¬
nant erklären, was am Geschäftsmodell so
besonders ist. Das kann ein Alleinstellungs¬
merkmal sein („Antwerpes - die erste In-
ternet-Health-Care-Aktie am Neuen Markt"),
ein Vergleich (Openshop macht etwas Ähn¬
liches wie Intershop, nur besser) oder auch
der Unternehmenslenker (CE Consumer Elec¬
tronics = Erich Lejeune, Mobilcom = Gerhard
Schmid). Wer keine Equity-Story vorweisen
kann, hat an der Börse nichts verloren.
Execution
[engl. für: Ausführung] Execution einer
Order bedeutet, einen Kauf- oder Verkaufs¬
auftrag auszuführen.
Exit
[engl. für: Ausgang] Ausstieg eines Inves¬
tors aus einer Beteiligung. Grundsätzlich
gibt es vier Exit-Strategien. 1. T b uy-
b a c k : Die Altgesellschafter kaufen ihre
Anteile zurück. 2. Tradesale: Die Anteile
werden an einen industriellen Investor
verkauft. 3. Secondary Purchase: Die An¬
E
1 2 1
teile werden an einen anderen Finanzin¬
vestor verkauft. 4. 1Lg oing public:
die Anteile werden bei oder nach einem
Börsengang verkauft. Wenn alle Exit-Stra-
tegien scheitern, gibt es als fünfte Varian¬
te den erzwungenen Totalausstieg durch
Konkurs: Die Anteile des Investors wer¬
den wertlos.
fairer Wert
Der Preis, den eine Aktie haben müsste,
wenn die Börse rational wäre. Anhänger
des fairen Werts, die so genannten Funda¬
mentalanalysten, halten es für möglich,
aus den Geschäftszahlen eines Unterneh¬
mens zu berechnen, was dessen Aktie ei¬
gentlich kosten müsste. Liegt der tatsäch¬
liche Kurs höher als der faire Wert, ist die
Aktie überbewertet, liegt er darunter, ist sie
unterbewertet und mitunter ein Schnäpp¬
chen. Feste Regeln für die Ermittlung des
fairen Wertes gibt es nicht. Die Gegen¬
position vertreten die technischen Ana¬
lysten: Sie halten den aktuellen Kurs einer
Aktie für den wahren fairen Wert, da zu
diesem Preis offensichtlich Angebot und
Nachfrage im Gleichgewicht sind.
Fantasie
Die einzige Begründung für den Kursan¬
stieg einer Aktie, wenn es keinen erkenn¬
baren rationalen Grund gibt. Die Börse un¬
terliegt in starkem Maße psychologischen
Faktoren, nämlich der Fantasie der Anle¬
ger. Wenn viele an den Kursanstieg glau¬
ben, auch wenn es keinen rationalen Grund
dafür geben mag, steigt der Kurs infolge
des höheren Kaufinteresses. In der Börsen¬
sprache wird der Begriff Fantasie üblicher¬
weise in Zusammensetzungen verwendet.
Die häufigsten Kombinationen: über¬
nähme fantas i e (jemand könnte
das Unternehmen kaufen), internet-
fantasie (das Unternehmen könnte
mit seiner Website Geld verdienen) oder
ganz schlicht kursfantasie (die
Aktie könnte noch weiter steigen).
Fi rst-Mover-
Advantage
[zu engl. f i r s t = zuerst, m o v e r = trei¬
bende Kraft und a d va n ta g e = Vor¬
teil] Der Vorteil eines Unternehmens als
Erster einen Markt zu erobern, sei es durch
eine Produktinnovation oder durch die Ex¬
pansion in fremde Märkte. Der First Mover
wird auch als T e a r l y bird bezeich¬
net. Der First-Mover-Advantage gibt dem
Unternehmen ein Pionierimage und sorgt
üblicherweise - zumindest kurzfristig - für
steigende Aktienkurse. Leider ist er jedoch
kein Garant für den Erfolg. Häufig werden
die großen Gewinne von nachziehenden Fir¬
men gemacht, die aus den Fehlern der Vor-
reiter gelernt haben. Das Start-up, welches
als erstes Gewinne erwirtschaftet, gilt als
FIRST-PROVER-ADVANTAGE [ZU
engl. to p r o v e = beweisen].
First Tuesday
[engl. für: erster Dienstag] Kontaktbörse
für Kapitalgeber und Ideenhaber. An jedem
ersten Dienstag im Monat trafen sich Ende
1998 in London eine Hand voll ideenreicher
Köpfe auf der Suche nach Kapital und ein
paar vereinzelte potenzielle Geldgeber, die
die Ideen in einem Start-up-Unternehmen
umsetzen wollten. Diese Treffen etablier¬
ten sich, es kamen immer mehr Interes¬
sierte. Die Idee griff auf andere Länder
über. Mittlerweile ist der First Tuesday
selbst ein Unternehmen. Weltweit treffen
sich allerorten Venture-Capitalists, Busi¬
ness-Angels und Gründer auf der Suche nach
einer gemeinsamen Basis. Venture-Capi¬
talists und Business-Angels tragen einen
roten Punkt auf ihrem Jackett, die kreati¬
ven Köpfe einen grünen und Berater, Jour¬
nalisten und Anwälte einen gelben.
F Lüsterschätzung
Umsatz- und Ertragsschätzungen, die nicht
von den traditionellen T analysten
kommen, sondern vor allem im Internet von
Branchenkennern verbreitet werden. In den
Letzten Jahren lagen die Flüsterschätzun-
a n g e
gen bei New-Economy-Unternehmen in der
Regel näher an den tatsächlichen Resulta¬
ten als die Prognosen der Analysten.
Free FLoat
[engl. für: freier Fluss] Streubesitz. Free
Float bezeichnet den Anteil der Aktien
eines Unternehmens, der nicht in festem
Besitz ist, also tatsächlich auch gehandelt
werden kann. Bei der Deutschen Telekom
z.B. gehören die Aktien in Bundesbesitz
nicht zum Free Float. Etliche Börsenneu¬
linge der New Economy erleben vor allem
deswegen eine Explosion ihrer Kurse, weil
nur ein kleiner Teil der Gesamtaktien zum
Free Float gehört. Viele interessierte An¬
leger konkurrieren dann um wenige Ak¬
tien, sodass der Kurs automatisch in die
Höhe getrieben wird.
Friends and
F a m i L y
[engl. für: Freunde und Familie] Perso¬
nenkreis, der bei einem Börsengang bes¬
sere Konditionen erhält. Im Rahmen von
Friends-and-Familiy-Programmen werden
üblicherweise Mitarbeiter und Weggefähr¬
ten des Börsenkandidaten bedacht. Die
Auswahl der Personen und die Konditionen
können vom Unternehmen frei bestimmt
werden. Neben 1s s tock-options
liegt darin einer der wichtigsten finan-
E
1 2 3
zielten Anreize für die Beschäftigten von
S TART-UPS.
Frontrunning
[zu engl. frontrunner = Spitzen¬
reiter] T I NSIDERGESCHÄFTE VOn
Bankern zu Lasten ihrer Kunden. Frontrun¬
ning wäre z.B., wenn eine Bank den Auf¬
trag erhält, 1000 Telekom-Aktien zu kau¬
fen, der Banker diese daraufhin für 59
Euro/Stück kauft und für 60 Euro/Stück
an den Auftraggeber wieder verkauft. Da¬
mit hat er 1000 Euro verdient, und der
Kunde wird nie erfahren, dass er für sei¬
ne Aktien 1000 Euro zu viel bezahlt hat.
Frontrunning ist verboten, war aber bis vor
10 Jahren weit verbreitet und wurde von
den Banken augenzwinkernd toleriert.
Heute sind die Sitten strenger geworden:
Die meisten Banken praktizieren eine ef¬
fektive Selbstkontrolle.
fundamenta le
Aktienanalyse
Der Versuch, den Verlauf von Aktienkursen
zu bestimmen und zu prognostizieren, in¬
dem man auf „fundamentale", d.h. „har¬
te", realwirtschaftliche, Daten zurückgreift,
T f Undamentals. Im Zentrum des
Interesses stehen Größen wie Umsatz, Ge¬
winnerwartungen, Veränderung von Löhnen
und Zinsen sowie das Txur s-g e-
Die New Economy verändert die Welt
in einem atemberaubenden Tempo.
Traditionelle Geschäftsprozesse werden
obsolet, Stillstand bedeutet Untergang.
Mich dieser Herausforderung zu stellen,
macht Spaß und hält mich jung.
KLAUS HAGEDORN,
GESCHÄFTSFÜHRER
METZLER ASSET MANAGEMENT
w i N N - v E R H ä L T N i s. Die fundamen¬
tale Aktienanalyse geht davon aus, dass
solche Größen in letzter Instanz die Bör¬
sennotierungen bestimmen und gibt auf
dieser Grundlage Kauf- bzw. Verkaufs¬
empfehlungen.
Fundamenta Ls
[engl. für: Basis, Fundament] Die der Be¬
wertung eines Finanztitels an der Börse
zugrunde liegenden realwirtschaftlichen
Daten. Zu den Fundamentals gehört z.B.
E
Stock-
E x c h
a n g e
1 2 4
die Entwicklung von Gewinnen, Umsatz und
Kosten. Die Antwort auf die Frage, welche
Bedeutung diesen Daten für die Prognose
der Kursentwicklung beizumessen sei, un¬
terscheidet die 11_F UNDAMENTALE
von der 1L_t echnischen Schule der
11_a KTiENANALYSE. „Von den Fun¬
damentals her scheint einem mittelfris¬
tigen Zugewinn des Euro gegenüber dem
Dollar nichts im Wege zu stehen", sagte
der Wirtschaftsminister in einem durch¬
sichtigen Versuch, die Öffentlichkeit zu
beschwichtigen.
Fundraising
[engl. für: Geldbeschaffung] Üblicherwei¬
se bezeichnet Fundraising das professio¬
nelle Spendensammeln von 1L_n p o s wie
Greenpeace oder Terre des hommes. Bei Ri¬
sikokapitalgebern ist Fundraising ebenfalls
ein gängiger Begriff. Gemeint ist damit die
Suche nach Investoren, die in Fonds mit je¬
weils drei- bis fünfjähriger Laufzeit einzah¬
len, damit die Gesellschaft in T s t a r t -
ups investieren kann.
Fusionitis
Fiebrige Überaktivität bei Unternehmens¬
zusammenschlüssen. Fusionitis wird in der
Regel unterstellt, wenn zwei Großfusionen
kurz nacheinander auftreten und alle Me¬
dien, Banker und Börsianer darüber spe¬
kulieren, wer der Nächste sein dürfte. Die
geplatzte Fusion von Deutscher und Dresd¬
ner Bank im Frühjahr 2000 wurde als aku¬
ter Fall von Fusionitis interpretiert. Die
Börse hatte zwar die Fusionsankündigung
bejubelt, nach der ersten Konkretisierung
gerieten aber beide Aktien unter Druck.
Es kam den Aktionären eben nicht darauf
an, irgendwie zu fusionieren, sondern mit
dem richtigen Konzept.
Futures
[engl. für: Termingeschäfte] Wenn der Kauf
oder Verkauf von Aktien oder Waren zu ei¬
nem bestimmten Zeitpunkt zu besonderen
Konditionen vereinbart wird, die Überga¬
be und Durchführung aber zu einem spä¬
teren Zeitpunkt stattfindet, spricht man
von einem Termingeschäft. Das
Spekulieren mit Futures ist riskant, da der
Verlust das eingesetzte Kapital stark über¬
schreiten kann.
Gap
[engl. für: Lücke] Von einem Gap spricht
man, wenn die Preisnotierungen eines
Finanztitels zwischen zwei Zeitperioden
einen „Sprung" aufweisen. Das ist der Fall,
wenn zum Beispiel eine Aktie morgens zu
einem Preis eröffnet, der höher ist als der
Höchststand am Vortag. Ursache hierfür
können Nachrichten sein, die erst nach
H
1 2 5
Börsenschluss des Vortages bekannt wur¬
den. Wenn die Lücke dann im Handelsver¬
lauf geschlossen wird und der Kurs wieder
auf das Vortagsniveau sinkt, wird dies in
der Regel von der echnischen
aktienanalyse als ein Signal dafür
interpretiert, dass sich die Gegenbewe¬
gung fortsetzen wird.
Global Player
[zu engl. g I o b a l = global und engl.
player = Spieler] Ein global tätiges
Unternehmen. Entweder verfügt der „welt¬
weite Spieler" über eigene Tochtergesell¬
schaften vor Ort oder beteiligt sich an lo¬
kalen Unternehmen. Global Player suchen
sich oft andere Global Player als Partner
oder Zulieferer aus, um durch eine gemein¬
same Strategie von dem kulturspezifischen
Wissen und den Kontakten des anderen
zu profitieren und so T_s ynergie-
effekte zu erzielen.
Going private
[zu engl. to g o = gehen und engl.
p r i v a t e = privat] Rückkauf eines Un¬
ternehmens von der Börse. Nicht jeder
Blütentraum vom großen Geld beim Bör¬
sengang geht in Erfüllung. Manchmal
kommt die Aktie nicht so ins Laufen, wie
es sich der frühere Alleineigentümer vorge¬
stellt hatte, oder aber die Alteigentümer
stellen fest, dass die Erwartungen der üb¬
rigen Aktionäre sie in ihrer Entfaltung
hemmen. Das Going private als Gegenstück
zum T G oiNG public kann in sol¬
chen Fällen die Lösung sein: Mit einem
Rückkaufangebot an die freien Aktionäre
kann der Hauptaktionär die Aktien zurück¬
kaufen. Im Regelfall handelt er sich dabei
allerdings eine ganze Menge Ärger ein. Da
ein Going private meist bei Aktien vor¬
kommt, die keine gute T p e r for¬
ma n c E hatten, werden viele Aktionäre
argwöhnen, dass sie nach dem Flop beim
Börsengang jetzt zum zweiten Mal abge¬
zockt werden sollen.
Hausse
[frz. für: Prozess der Vergrößerung, Erhö¬
hung] Mittel- bis langfristiger Trend stei¬
gender Börsennotierungen. Der Markt ist
geprägt von einer zuversichtlichen Grund¬
stimmung, die durch Kursgewinne bestä¬
tigt wird. Die T B u l l e n regieren den
Trend und tragen den Aufschwung auch
über kleinere Schwächephasen hinweg. In
der Hausse scheint es kinderleicht, viel
Geld zu verdienen. Nur die Chefs der No¬
tenbanken warnen gelegentlich vor „irra¬
tionalem Überschwang" (11_h y p e ). Eine
orrektur in dieser Situation
könnte dazu beitragen, den langfristigen
Haussetrend zu stabilisieren.
126 Stock-Exch
Hype
[engl. für: Täuschung, übertriebene Wer¬
bung] Überbordende Begeisterung, die
das Kursniveau an der Börse hoch treibt.
Ein Hype lässt die Kurse so stark anstei¬
gen, dass sie in keinem sinnvollen Verhält¬
nis zu den zugrunde liegenden T _f u n -
Damentals mehr zu stehen scheinen
( T_ K URS-GEWINN-VERHÄLT-
N i s). Der Begriff Hype wird auch auf ein¬
zelne Aktientitel bezogen. Er bezeichnet
dann eine übertriebene Stimmungsmache
für eine bestimmte Aktie, in der Regel ge¬
schürt von Marktteilnehmern, die von der
ausgelösten Bewegung profitieren wollen.
I - B a n k
[Abkürzung von engl. Investment
B a n k ] Ein Unternehmen, das ausschlie߬
lich mit Wertpapieren und Anleihen han¬
delt. Die meisten I-Banks bieten auch
T b r o k e r - und Beratungsservices an.
Sparkonten, Kredite oder sonstige Bank¬
dienstleistungen gibt es bei diesen Geld¬
häusern jedoch nicht.
Indi kator
[zu lat. i n d i c a r e = anzeigen] Indika¬
toren sind Daten, die von 1Ta n a l y s -
ten oder sonstigen Marktbeobachtern
als Grundlage für die Vorhersage ökonomi¬
scher Entwicklungen herangezogen werden.
a n g e
Häufig werden dabei Indikatoren, die auf
realwirtschaftlichen T. _f undamen¬
tal s beruhen (z.B. Auftragseingänge),
von „technischen" Signalen, die sich aus
der Interpretation der T charts er¬
geben, unterschieden (11-T echni-
SCHE AKTIENANALYSE).
Inkubator
Auch incubator, [von lat. i n Cu¬
ba r e = sich niederlegen, bebrüten] Brut¬
kasten. Inkubatoren sollen T s t a r t -
ups in Rekordzeit marktfähig machen.
Die jungen Firmen mögen zwar eine viel¬
versprechende Geschäftsidee haben, oft
fehlt es ihnen aber an T K n o w - h o w
und adäquater Infrastruktur. Im übertra¬
genen Sinne sind mit dem Brutkasten die
von T .venture-capital - Ge¬
bern geschaffenen Rahmenbedingungen
gemeint. Dazu zählen Büroräume, Kommu¬
nikationstechnik, Beratung durch Consul¬
ting-Unternehmen Und T B USINESS-
angels und die Möglichkeit, schnell
auf wechselnde Expertenteams zuzugrei¬
fen. Die Gegenleistung besteht meist aus
einer zuvor vereinbarten Gewinnbeteili¬
gung oder aus Firmenanteilen. Eine wei¬
tere Bezeichnung für den Inkubator ist
accelerator [zu engl. to ac¬
celerate = beschleunigen], Sinnbild
für den „Beschleuniger".
1 2 7
Die Internetbranche wird weiter
boomen. Ich denke, das wird die
größte dynamische Entwicklung nach
der Erfindung des Autos werden.
KURT OCHNER,
FONDSMANAGER, VORSTAND
BÄR CAPITAL INVESTMENT
Insider
[engl. für: Eingeweihter] Personen mit Zu¬
gang zu kursrelevanten Informationen.
Gute Nachrichten überein Unternehmen
können den Kurs verdoppeln, schlechte
Nachrichten können ihn halbieren. Wer
früher als der Markt von solchen Nachrich¬
ten erfährt, könnte deshalb hohe Gewinne
ohne finanzielles Risiko machen - wenn
es da nicht das juristische Risiko gäbe:
Wer Zugang zu internen Unternehmens¬
daten hat, wird vom Wertpapierhandelsge¬
setz als Insider definiert und darf aus die¬
sem Informationsvorsprung kein Kapital
schlagen, also keine Insidergeschäfte ab¬
schließen. Anders als das mittlerweile ver¬
pönte 'T F RONTRUNNING sind Insi-
dergeschäfte trotz Verbots in Deutschland
weit verbreitet. Zu ihrer Bekämpfung gibt
es hierzulande (noch) nicht so scharfe Ge¬
setze wie beispielsweise in den USA.
Investmentbanki ng
[zu engl. i n ve s t m e n t = Investition
und engl. b a n k i n g = Bankwesen] Zum
Investmentbanking gehören die Bereiche
Asset-Management (Vermögensverwal¬
tung), Underwriting (Anleihen- und Ak¬
tienplatzierung) sowie H-M E R G E R S &
acquisitions. Mit dem Invest¬
mentbanking erzielen Banken den Gro߬
teil ihrer Profite. Große Banken wie die
Deutsche Bank reduzieren daher ihre Ak¬
tivitäten im Retail-Geschäft, also dem klas¬
sischen Filialgeschäft, das gemessen an
Aufwand und Personalkosten kaum Gewinn
beisteuert. Aufgrund der großen, ökono¬
mischen Bedeutung fühlen sich erfolg¬
reiche Investmentbanker als Stars der
Finanzwelt und werden auch als solche
behandelt. Ihre Gehälter und ihr Selbst¬
bewusstsein erreichen beizeiten astrono¬
mische Höhen.
I
1 2 8
Stock-
E x c h
a n g e
Investor-
Relations
[zu engl. i n v e s t o r = Kapitalanleger
und engl. r e I a t i o n s = Beziehungen]
Pflege der Beziehungen eines Unterneh¬
mens zu seinen Investoren. Der Kurs einer
Aktie wird maßgeblich von der positiven
Einschätzung des Unternehmens von Sei¬
ten der Investoren beeinflusst. Ein bör¬
sennotiertes Unternehmen tut daher gut
daran, seine Investoren exklusiv zu behan¬
deln, vor allem was den Informationsfluss
betrifft. Das heißt, dass sie sofort über un¬
ternehmensrelevante Entwicklungen in¬
formiert werden und im Unternehmen einen
Ansprechpartner für ihre Belange haben.
Im letzten Jahrzehnt ist der Begriff Inves¬
tor-Relations als Ergänzung zur traditio¬
nellen t-PR eingeführt worden.
I P 0
[Abkürzung von engl. Initial Pub¬
lic Offering = anfängliches öffent¬
liches Angebot] Börsengang eines Unter¬
nehmens. Das Initial Public Offering, auch
going public genannt, bezeichnet
die 1Ln euemission von Aktien zum
Kurs, der von den Banken festgesetzt wird.
Weil es noch keine Erfahrungswerte für
die Bewertung dieses Unternehmens durch
den Markt gibt, ist der Kauf der Aktien ei¬
nes IPOs ein risikoreiches Unterfangen,
bei dem man schnell viel Geld gewinnen,
aber auch verlieren kann. Das so genann¬
te IPO-Gehen ist Ziel und eigentliche Be¬
stimmung der meisten T s tart-ups.
Dafür sind jedoch bestimmte Vorausset¬
zungen an Rechnungslegung, Kapitalaus¬
stattung und Publizität (T r i s t i n g )
zu erfüllen. In allen Fällen kommt es da¬
bei zu besonders intensiven Prüfungen
(to UE Diligence) und manchmal
zum mehrmaligen Verschieben des IPO. Da
der Gang an die Börse manchem Jung¬
unternehmer innerhalb kürzester Zeit gro¬
ßen Reichtum bescherte, wird der Begriff
IPO auch scherzhaft mit „Instant Porsche
Owner" übersetzt.
Junkbonds
[engl. für: Ramschanleihen] Junkbonds -
oder freundlicher ausgedrückt high-
yield-bonds [zu engl. h i g h = hoch
und y i e l d = Ertrag] - sind Wertpapiere
mit hohem Risiko. Es handelt sich um An¬
leihen mit einem zweifelhaften T c re-
d i t - r a t i n g , die entsprechend hoch¬
verzinslich sind. Weil der Spekulant beim
Kauf der Anleihen ein großes Risiko ein¬
geht, muss der Schuldner ihm dieses durch
eine außergewöhnlich gute Verzinsung
vergüten. Oftmals werden db l ever-
aged buyouts mit der Ausgabe von
Junkbonds finanziert.
1 2 9
Korrektur
Euphemistischer Ausdruck für Kursrückgän¬
ge an den Börsen. Wenn Aktien besonders
stark gestiegen sind, ist die Wahrschein¬
lichkeit groß, dass sie auch besonders stark
fallen. Im Unterschied zum ll_c rash,
bei dem fast alle Marktteilnehmer verlie¬
ren, bleibt bei einer Korrektur all denen, die
schon länger in eine Aktie investiert haben,
noch ein Plus. Die Telekom-Aktie z.B., die
im März 2000 schon mehr als 100 Euro kos¬
tete (das war die „Übertreibung"), war im
Juli schon wieder für weniger als 60 Eu¬
ro zu haben. Wer schon zum Börsengang
1996 zu 14 Euro eingestiegen war, kann
sich noch immer über eine I' p e r for¬
ma n c e von gut 400 Prozent freuen. Die
Korrektur wird üblicherweise mit dem Ad¬
jektiv „gesund" versehen und ist, wenn sie
kommt, meist „überfällig". Erst wenn sie
partout nicht zu stoppen ist, wird sie um¬
benannt - in ILb a i s s e, Debakel oder
„Salami-Crash".
Kurs-Gewi n n -
Verhältnis (KGV)
Hilfszahl zur Ermittlung des 1Lf a i r e n
wertes bei Wachstumsunternehmen.
Faustregel: Wenn die Gewinne eines Unter¬
nehmens jedes Jahr um 50 Prozent steigen,
darf der Aktienkurs 50-mal höher sein als
der Gewinn pro Aktie, bei 100 Prozent Stei¬
gerung darf er 100-mal höher sein. Vorteil
des dynamischen KGV: Es gibt eine rationa¬
le Erklärung für die Kursgipfel der Aktien
am T_n euen markt. Nachteil: Die
Unternehmen müssen das hohe Gewinn¬
wachstum nicht nur einmal, sondern dau¬
erhaft erzielen - beim ersten Ausrutscher
nach unten implodiert der Aktienkurs.
Kurspf Lege/Kurs-
kosmeti k
Beeinflussung des Aktienkurses eines Un¬
ternehmens durch das Unternehmen selbst
oder durch nahe stehende Banken. Der Ak¬
tienkurs kommt durch Angebot und Nach¬
frage zustande. Wer mit seinem eigenen
Aktienkurs nicht zufrieden ist, kann in ge¬
wissen Grenzen nachhelfen oder nachhel¬
fen lassen. Wenn beispielsweise die Kon¬
sortialbanken der Hotzenplotz AG eine
Woche lang mit T limit-orders
alle Angebote aufkaufen, landen die Ak¬
tien der Anleger nicht im Minus. In engen
Grenzen kann Kurspflege sinnvoll sein -
einzelne Großaufträge können sonst zu
unrealistischen Preisen führen. Wird ein
Kurs aber über längere Zeit künstlich hoch
gehalten, fällt danach der Absturz umso
stärker aus: Als die Banken die Stützung
des Telekom-Kurses beendeten, sank der
Kurs innerhalb weniger Minuten um mehr
als drei Prozent.
K
Kurs-Umsatz-Ver-
hältnis ( KU V )
Auch umsatz-multiple genannt.
Kennzahl für die Bewertung von Wachs¬
tumsaktien. Beispiel: Die Hotzenplotz AG
macht 20 Millionen Euro Umsatz im Jahr.
Ihre H_M ARKTKAPITALISIERUNG
beträgt 120 Millionen Euro. Daraus errech¬
net sich ein KUV bei Hotzenplotz mit dem
Faktor sechs. Während für tan-
dardwerte das G v die gebräuch¬
lichste Bewertungskennziffer ist, ist es bei
Wachstumswerten oft nur mäßig aussage¬
kräftig. Das dynamische KGV erlaubt es, die
Wachstumsraten mit in die Bewertung zu in¬
tegrieren. Im Unterschied dazu erlaubt das
KUV, auch solche Unternehmen zu bewer¬
ten, die noch gar keine Gewinne machen.
Letter of Intent
( L 0 I )
[zu engl. I e 11 e r = Brief und engl. i n -
t e n t = Vorhaben] Vorvertrag zwischen
einem T st ar t-up und einem Finan¬
zier, meistens einem T venture-
capitalist, der die Vorstellungen
beider Seiten über die künftigen Geschäfts¬
beziehungen formuliert. Der LOI wird im
Allgemeinen als Startpunkt der Zusam¬
menarbeit gewertet und oft auch schon
als solcher kommuniziert. Im Hintergrund
arbeiten allerdings die jeweiligen Juris¬
ten noch an der endgültigen Formulierung
des Vertrags, was nicht selten zu Überra¬
schungen führt.
Leveraged Buyout
( L B 0 )
[zu engl. I e v e r a g e = Hebelwirkung und
engl. b u y o u t = Aufkauf] Die Tu b Er¬
na h M E eines Unternehmens, finanziert
durch Schuldenaufnahme. Ein LBO erfolgt
dann, wenn ein Unternehmen ein anderes
aufkaufen möchte, aber nicht genügend
Eigenkapital für die Finanzierung besitzt.
Die fehlende finanzielle „Hebelwirkung"
wird dann durch Kreditaufnahme bei Ban¬
ken oder durch die Ausgabe von Unterneh¬
mensanleihen hergestellt. Oftmals han¬
delt es sich dabei aufgrund der finanziell
angespannten Lage des Unternehmens um
hochverzinsliche T j unkbonds. Nach
erfolgreichem Abschluss des LBO werden
zur Tilgung der Schulden oft Teile des über-
nommenen Unternehmens verkauft.
Limi t-Order/
Limited Order
[zu engl. I i m i t = Grenze und engl. order
= Auftrag] Kauf- oderVerkaufsauftrag, bei
dem eine obere bzw. untere Preisgrenze an¬
gegeben wird. Während unlimitierte Orders
gerade bei kleineren, wenig liquiden Aktien
die Gefahr mit sich bringen, von anderen
L
1 3 1
Marktteilnehmern „abgezockt' zu werden,
bestimmt der Käufer bei Limited Orders,
bis zu welchem Betrag er maximal einstei¬
gen möchte. Wenn der Preis das Limit über¬
steigt, wird der Auftrag nicht ausgeführt.
Vor allem bei 1Ld aytradern ist das
Abstauberlimit gebräuchlich: Direkt nach
dem Kauf werden die Aktien sofort wieder
zum Verkauf gestellt - bei einem Kurs, der
weit genug über dem Einkaufspreis liegt.
Findet man jedoch keinen Käufer, muss man
eventuell am Ende mit Verlust verkaufen.
Listing
[zu engl. to l i s t = auflisten] Einfüh¬
rung, Notierung einer Aktie an einer Bör¬
se. Für die Einführung eines Wertpapiers
an einer Börse muss das Unternehmen die
börsenrelevanten Anforderungen erfüllen
(iLi po). Die Börsenzulassungsstelle ent¬
scheidet dann auf Antrag einer Bank und
auf der Grundlage eines Zulassungspros¬
pekts über das Listing.
Lock-up-Periode
[zu engl. to lock up = abschließen]
Zeitabschnitt nach einem Börsengang, in
dem die bisherigen Anteilseigner keine
Aktien verkaufen dürfen. Am T neuen
m a r kt in Deutschland beträgt die Lock-
up-Periode mindestens sechs Monate,
Altaktionäre können sich allerdings auch
Man muss Fantasie und viel
Know-how mitbringen, um zu wissen,
ob ein Wert Erfolg verspricht.
MARC SCH ADLER,
FONDSMANAGER
NORDINVEST GMBH
schon beim Börsengang auf eine längere
Lock-up-Periode festlegen. Für Kleinak¬
tionäre ist das Ende dieser Frist oft ris¬
kant. Wenn Altaktionäre plötzlich größe¬
re Stückzahlen ihrer Aktien auf den Markt
werfen, gerät die Aktie unter Druck und
der Kurs sinkt.
Long Position
[engl. für: lange Position] Termingeschäft
in Erwartung steigender Kurse. Eine Long
Position einzugehen ist die klassische
M
132 Stock-Exch
Handlungsweise des Investors: Er kauft
zunächst einen Vermögensgegenstand in
der Erwartung steigender Kurse (ll-B ä r ),
um ihn dann zu einem späteren Zeitpunkt
möglichst mit Gewinn wieder zu verkaufen.
Durch den Akt des Kaufs geht der Markt¬
teilnehmer eine Long Position ein. Durch
den abschließenden Akt des Verkaufs
schließt er die Position wieder. Der inspi¬
rierte Kurzaustausch zweier a y -
trader könnte etwa so verlaufen:
„Bist du long oder short Hotzenplotz?"
- "Ich glaube, wir haben das Schlimms¬
te hinter uns. Ich bin seit heute long".
Der Long Position steht die hort
position gegenüber, die man ein¬
geht, wenn man in Erwartung sinkender
Kurse zunächst verkauft.
Margin
[engl. für: Rand, Grenze, Spielraum] Der
Margin, die Marge, ist bei Aktien die Min¬
desteinlage, die ein Kunde auf seinem Kon¬
to halten muss, wenn er Aktien auf Kredit
beim T broker kauft. Der Margin soll
den Broker gegen Verluste des Kunden
schützen. Sinkt der Wert dieser Einlage
unter das Minimum, erhält der Kunde einen
margin-call, d.h. die dringende
Aufforderung, Geld nachzuschießen. Im
Weigerungsfall behält der Broker sich das
Recht vor, Titel aus dem Portfolio zu ver-
a n g e
kaufen. Aus Sicht des Kunden kommt der
Margin-Call meist ungelegen, nämlich in
einer Situation, in der seine finanzielle
Lage stark angespannt ist. „Liebling, du
bekommst dein Diamantarmband ja wie¬
der, aber ich habe gerade einen Margin-
Call bekommen und kann IBM unmöglich
zu diesem Kurs verkaufen."
Marketmaker
[zu engl. m a r k e t = Markt und engl. t o
m a k e = machen] Bank- oder Börsenmak¬
ler, der dafür sorgt, dass mit einer Aktie ord¬
nungsgemäßer Handel stattfindet. Gerade
bei kleinen Unternehmen mit nur wenig
Tfree float kommen Angebot und
Nachfrage nicht automatisch zusammen.
Der Marketmaker sorgt dafür, dass Kauf¬
oder Verkaufswünsche auch tatsächlich
erfüllt werden, indem er selbst Kurse stellt
oder für kurze Zeit ins eigene Risiko geht.
In den Tagen und Wochen nach einer
EUEMissiON hat der Market¬
maker, meist die konsortialführende Bank,
die Aufgabe, den Markt erst einmal zum
Funktionieren zu bringen sowie Tkurs-
pflege zu betreiben.
Marketorder
[zu engl. m a r k e t = Markt und engl.
o r d e r = Auftrag] Der Auftrag, einen
Finanztitel zu kaufen oder zu verkaufen,
M
und zwar zum Preis, der gerade auf dem
Markt gültig ist. Diese Auftragsart ver¬
spricht schnelle Ausführung f x e -
c u t i o n ), allerdings ist der Preis, zu dem
abgeschlossen wird, schwer vorhersehbar,
besonders wenn der Handelsverlauf gera¬
de hektisch ist. Im Zweifelsfall möchte
man daher lieber eine 'T i_ im ited
order verwenden, um eine Preisgrenze
setzen zu können.
Markt-
Kapitalisierung
[von engl. Market-Capitalization] Die Be¬
wertung einer Aktiengesellschaft durch
den Markt. Die Marktkapitalisierung, auch
market-cap genannt, ergibt sich aus
dem Börsenkurs der Aktie und der Anzahl
der ausgegebenen Aktien. Sie stellt einen
Indikator für die Größe eines Unterneh¬
mens dar und gibt darüber Aufschluss, wie
schnell der Kurs einer Aktie in Bewegung
kommt. Der Aktienkurs eines Unterneh¬
mens mit niedriger Marktkapitalisierung
('T s mall caps) kann sich schon bei
vergleichsweise geringem Transaktions¬
volumen signifikant verändern und gilt
daher als eher riskant.
MDAX®
[Abkürzung von engl. M i d c a p DA X®]
Segment der Frankfurter Börse mit 70
1 3 3
mittelgroßen Aktiengesellschaften, so ge¬
nannte M I D C A P S (jl_M ARKTKAPI-
T a L I s I E R u N G ). Der MDAX® repräsen¬
tiert sozusagen die 2. Liga der Deutschen
Börse. Zusammen mit den Werten des
H_D A x® 30, den wichtigsten deutschen
Standardwerten, bildet der MDAX® den
DAX® 100. Diese „Midcaps" sind jedoch
keineswegs klein und unbekannte Unter¬
nehmen. Zu ihnen gehören z. B. Pro7, Por¬
sche, Sixt und Wella.
M e r g e r
[engl. für: Fusion] Der Begriff Merger be¬
schreibt die Fusion zweier Unternehmen.
In der jüngsten Zeit haben beinahe täglich
Unternehmenshochzeiten Schlagzeilen
gemacht. Die Begriffe merger-ma¬
nia und 1L_f usionitis beschrei¬
ben das fast schon panische Vorgehen,
auf Teufel komm raus zu fusionieren. Ange¬
heizt werden die Zusammenschlüsse durch
den Druck einer globalisierten Wirtschaft,
die die Unternehmen zu weltweiter Präsenz
zwingt, wollen sie im Wettbewerb beste¬
hen. Außerdem erhofft man sich durch das
Fusionieren H_s ynergieeffekte,
da einzelne Abteilungen zusammengelegt
werden können. Dies bedeutet sowohl Kos¬
ten- als auch Personaleinsparungen. Aus
diesem Grund haben Fusionen meist einen
negativen Beigeschmack.
134 Stock-Exch
Merger of Equals
[zu engl. m e r g e r = Fusion und engl.
e q u a I s = Gleichgestellte] Fusion eben¬
bürtiger Unternehmen. Das Zusammenge¬
hen gleich starker Partner wirkt sich im
Gegensatz zur Übernahme nicht nur mo¬
tivierender auf die Mitarbeiter aus, son¬
dern wird auch günstiger besteuert. Um
die Steuerlast möglichst gering zu halten,
suchen sich daher übernahmefreudige Un¬
ternehmen bevorzugt ebenbürtige Partner
für die Fusion - sofern die Finanzbehör¬
den es akzeptieren. Nach außen wird solch
eine „Hochzeit" oft mit Doppelnamen wie
Daimler-Chrysler demonstriert. Bei allen
Gleichheitsbekundungen gibt es natürlich
trotzdem meist ein Unternehmen, das die
dominante Rolle einnimmt und bei der Ge¬
genseite Frustrationen auslöst. So fühlt
sich z.B. die amerikanische Seite bei Daim¬
ler-Chrysler von den Deutschen über den
Tisch gezogen.
Mergers and
Acquisitions (MSA)
[engl. für: Fusion und Akquisition] Ban¬
ken- und Investorjargon. M&A bezeichnet
in der Regel das Aufgabenfeld spezieller
Abteilungen von Banken, Unternehmen
oder unabhängiger Firmenmakler, die bei
Käufen und Verkäufen von Unternehmen
oder Unternehmensteilen vermitteln. Häu¬
a n g e
fig versuchen Firmen, ihre Marktposition
nicht aus eigener Kraft zu verstärken, son¬
dern durch den Kauf von oder den Zusam¬
menschluss mit anderen Unternehmen. Zu
diesem Zweck richten sie eigene Abteilun¬
gen ein oder beauftragen unabhängige
Unternehmen, die potenzielle Kandidaten
ermitteln, den Kontakt herstellen und das
Geschäft abwickeln.
Momentum
[lat. für: Augenblick] Ausdruck für die
Schwungphasen bei New-Economy-Ak-
tien. Während in der Welt der T s tan-
dardverte Auf- und Abwärtsbewe¬
gungen relativ ruhig ablaufen, machen
Hightechwerte große Teile ihres Kursan¬
stiegs in kurzen Boomphasen, um dann
wieder relativ lange in eine Seitwärtsbe¬
wegung überzugehen.
MOP
[Abkürzung von engl. millionaire
on p a p e r = Millionär auf dem Papier]
Reichtum, der nur in Aktien steckt, also
ausschließlich auf dem Papier vorhanden
ist. Dies bedeutet leider häufig nicht sehr
viel, da bei Kursverfall das Geld schnell
wieder verloren ist. Und das scheinbar
Naheliegende, der umgehende Verkauf der
Aktien, ist in manchen Situationen unmög¬
lich. Dem einen droht die Steuerlast: Wer
1 3 5
Die New Economy gibt mir persönlich
die Möglichkeit, Ideen noch schneller
umzusetzen und einer breiten Masse
kostengünstig zur Verfügung zu stellen.
Dies ermöglicht einen Sieg von
Kreativität und Geschwindigkeit
über Macht und Kapital.
MATTHIAS GÄRTNER,
GRÜNDER, CEO
E. MULTI. AG
Aktien länger als ein Jahr hält, spart bei¬
nahe 50% Steuern. Doch innerhalb eines
Jahres kann viel passieren. Der andere ist
einer von den „glücklichen" Optionsbesit¬
zern, dessen Firma gerade den '! i p o
hatte. In der T l ock-up-periode,
das sind meist die ersten 6 Monate, dür¬
fen diese Aktien nicht verkauft werden.
Und so schwinden sie dahin, die Millionen.
Nasdaq
[Abkürzung von engl. national
association of securities
dealers automated quota¬
tions] 1971 gegründete computerge¬
stützte Börse in den USA, an der vorrangig
Wachstums- und Hochtechnologieunterneh¬
men notiert sind. Die Nasdaq ist Vorbild
für den Frankfurter 11_n euen markt
und Inbegriff des Börsenbooms und der
New Economy. Über ein zentrales Compu¬
tersystem werden landesweit Geld- und
Briefkurse angezeigt und mehr als eine
Milliarde Aktien tagtäglich gehandelt. Die¬
ser Handel läuft voll elektronisch ab und
zeugt von hoher iLv olati lität.
N E M A X
[Abkürzung von Neuer-Markt-Index] Der
Index des 11_n euen Marktes der
Frankfurter Börse. Der Tjb lue-chip-
Index mit den 50 größten Werten des
Neuen Marktes heißt NEMAX 50, der Ge¬
samtindex NEMAX All Share.
Neuer Markt
Spezialsegment der Frankfurter Börse für
Wachstums- und Technologiewerte, einge¬
führt im April 1997. Mit gerade einmal zwei
Aktien (Bertrandt und Mobilcom) erlebte
der Neue Markt seinen Durchbruch Anfang
1998, als der etwas windige Börsenguru
N
136 Stock-Exchange
Egbert Prior in einer TV-Sendung mehrere
hundert Prozent Kursanstieg für die Mobil¬
com-Aktie prophezeite - und Recht behielt.
Die Deutsche Börse AG wollte kleineren
innovativen Wachstumsunternehmen den
Börsengang ermöglichen und eine Platt¬
form für risikobewusste Anleger schaffen.
Onlinebroker
[zu engl. b r o k e r = Makler] Börsenmak¬
ler im Internet. Die Onlinebroker machen
den Aktienhandel auch für Laien erschwing¬
lich. Einwahlen, anmelden und schon kann
man das Geschehen an der Börse mitbe-
stimmen. Kaufen, verkaufen, Aktien, Bonds,
Fonds und Optionen - der Onlinebroker bie¬
tet alles zu günstigeren Provisionen als
die klassischen Banken. Der Kaufvorgang
selbst wird so einfach wie möglich gehal¬
ten: Anzahl gewünschter Aktien angeben,
mit einem Klick ist die Order getätigt.
Üblicherweise finden sich auf den Web¬
sites des Onlinebrokers auch umfassende
Informationen zu Aktien und dem aktuel¬
len Tagesgeschehen an den Börsen.
Option
[zu Lat. o p t i o = freier Wille] Eine Option
ist ein Finanzgeschäft (T p e r i v a t ),
bei dem der Käufer das Recht (aber nicht
die Verpflichtung) erwirbt, einen Vermö¬
gensgegenstand zu einem späteren Zeit¬
punkt zu kaufen (T c all) oder zu ver¬
kaufen (T p u t), und zwar zu einem Preis,
der in der Gegenwart bereits festgesetzt
wird. Der Verkäufer der Option geht die Ver¬
pflichtung ein, die komplementäre Trans¬
aktion durchzuführen, falls der Käufer sei¬
ne Option ausübt. Für die Übernahme dieser
Verpflichtung erhält der Verkäufer unab¬
hängig von der Ausübung der Option durch
den Käufer eine Prämie. Der Handel mit Op¬
tionen erfolgt oft aus Gründen der Absi¬
cherung gegen Preisschwankungen, aber
auch aus Spekulationsgründen.
Outperformer
[zu engl. o u t - = über-, aus- und t o
p e r f o r m e = leisten] Aktie mit über¬
durchschnittlicher Kursentwicklung. Vie¬
le Aktienanalysten bezeichnen ihre Kauf¬
empfehlungen als „Market-Outperformer".
Der große Vorteil: Eine Aktie muss nicht
unbedingt steigen, um die Kaufempfeh¬
lung zu rechtfertigen - bei insgesamt fal¬
lenden Märkten reicht es aus, wenn sie
weniger stark fällt als der maßgebliche
Aktienindex. Auch als Verb gebräuchlich:
„Fondsmanager Müller hat den World-In¬
dex outperformt (= geschlagen)."
Parkett
Börsensaal. Parkett bezeichnet die Börse,
wie man sie aus dem Fernsehen kennt:
E
Massenhaft hektische, verschwitzte Män¬
ner in mehr oder weniger weißen Hemden,
die sich kryptische Kommunikationscodes
zubrüllen. Der Boden ist übersät mit Pa¬
pierschnitzeln. Man wird sich das Bild ein¬
prägen müssen, denn es wird vielleicht
nicht mehr lange zu beobachten sein. Mit
der Möglichkeit des Computerhandels wird
die physische Präsenz der Börse zuneh¬
mend ineffizient.
Performance
[engl. für: Vorstellung, Leistung, Abschnei¬
den] Wertentwicklung von Kapitalanla¬
gen, insbesondere von Investmentanla¬
gen, meist in Prozent ausgedrückt und auf
eine bestimmte Referenzperiode bezogen.
Bei einer Verdopplung des Aktienwertes
beträgt die Performance beispielsweise
100 Prozent. Die Performance spiegelt aber
auch den Anlageerfolg des Fond-Manage¬
ments wider.
Position
Eine Position (oft wird die englische Aus¬
sprache verwendet) nimmt man ein, wenn
man eine Transaktion tätigt, also kauft oder
verkauft, aber die gegenläufige Transaktion
(Verkauf oder Kauf) noch nicht durchge¬
führt hat. Man hat dann eine exponierte
Stellung inne. Indem man zu einem späte¬
ren Zeitpunkt die gegenläufige Transaktion
tätigt, schließt man die Position wieder.
Unterschieden werden T l ong posi¬
tion s, bei denen man zunächst kauft,
um später zu verkaufen, und T s hort
p o s i t i o n s, bei denen in Erwartung
sinkender Preise zunächst verkauft wird.
Pre-IPO-Company
[zu engl. p r e - = vor-, T i p o und
co m pa ny = Unternehmen] Ein Unter¬
nehmen, das vor dem Gang an die Börse
steht. Der Titel Pre-IPO wird mit Vorliebe
in Stellenanzeigen erwähnt, da die Aus¬
sicht auf 'T s tock-opt i ONS ein
hervorragendes Lockmittel für hoch qua¬
lifiziertes Personal ist. Der erste Tag an der
Börse, das T g oing public oder
auch IPO, kann einen Teil der Belegschaft
zu T M o p s machen.
Program-Tr a d i ng
[engl. für: Programmhandel] Computer¬
gestützter Aktienhandel. Alle großen Ak-
tien-Handelshäuser haben individuelle
Computerprogramme, die in bestimmten
Marktsituationen automatisch Käufe oder
Verkäufe durchführen. Beliebte Indika¬
toren hierfür sind das Unter- bzw. Über¬
schreiten einzelner Börsenindizes oder
technische Indikatoren wie das Kreuzen
der 200-Tage-Linie eines Aktiencharts. In
Krisensituationen kann Program-Trading
138 Stock-Exch
einen Abwärtstrend dramatisch verstär¬
ken. Da alle Computer ähnlich program¬
miert sind, verkaufen auch alle zur selben
Zeit, sodass aus einer Krise schnell ein
±_c rash wird. Der Wall-Street-Crash
vom Oktober 1987 gilt als der erste von
Computern verursachte Börsenkrach. An
der New Yorker Aktienbörse wird deshalb
den Computern der Stecker gezogen, wenn
die Kurse zu tief fallen: Bei einem Rück¬
gang des Dow Jones um mehr als 200 Punk¬
te an einem Tag wird das Program-Trading
ausgesetzt.
Put
[engl. für: Stoß] Verkaufsoption. Für Pri¬
vatanlegerist ein Put die einzige Möglich¬
keit, mit fallenden Aktienkursen Geld zu
verdienen. Der Put gibt dem Käufer das
Recht, zu einem festgelegten Termin eine
bestimmte Aktie zu einem vorher festge-
Legten Preis zu verkaufen. Sinkt die Aktie
unter diesen Basispreis, steigt der Preis
des Puts. Verkaufsoptionen werden als hei¬
ßes Spekulationsobjekt gehandelt, mit de¬
nen sich beim Crash verdienen lässt, oder
als Absicherung gegen Kurseinbrüche.
Return on Invest¬
ment (ROI)
[zu engl. r e t u r n = Rückfluss und engl.
i n ves t m e n t = Investition] Maß für
a n g e
die Rentabilität einer Investition. Dabei
wird das investierte Kapital in Beziehung
zum Nettogewinn gesetzt. Über den ROI
lassen sich unterschiedliche Anlagemög¬
lichkeiten miteinander vergleichen: die mit
dem höchsten ROI ist dabei vorzuziehen.
Roadshow
[engl. für: Straßentheater] Präsentations¬
tour eines Unternehmens zu Analysten und
potenziellen Investoren. Roadshows fin¬
den in den Wochen vor einem Börsengang
statt, um für die neue Aktie zu werben.
Präsentatoren sind der Vorstandsvorsitzen¬
de (ll_c e o) und/oder der Finanzvorstand
(ll-C F o). Übliche Roadshowstationen
eines Neuen-Markt-Kandidaten sind Frank¬
furt, München, London sowie je zwei bis
drei weitere Städte in Deutschland und
Europa - hin und wieder auch New York.
Für die wichtigsten Fondsmanager und
Analysten gibt es Einzelgespräche, für den
Rest größere Veranstaltungen.
Scalper
[zu engl. to s c a l p = skalpieren, kahl
scheren] Ein spekulativ orientierter Markt¬
teilnehmer, der sich mit extrem kleinen
Transaktionsgewinnen zufrieden gibt („nicht
dicker als eine Kopfhaut"). Meist ist das En¬
gagement in einer H_p o s i t i o n schon
nach wenigen Minuten wieder beendet.
s
1 3 9
Vom Scalper unterscheidet sich der typi¬
sche 11_d aytrader dadurch, dass er
sich immerhin an T_c harts orientiert
und damit im Vergleich fast wie ein lang¬
fristig orientierter Investor erscheint. Scal¬
per lösen bei Daytradern, aber auch bei
Tmarketmakern häufig allergi¬
sche Reaktionen aus. „Diese Scalper, die
in jede Kursbewegung hinein sofort ver¬
kaufen, können den schönsten Run zerstö¬
ren", schimpft der Daytrader.
Seed-Capi ta L
[engl. für: Anfangs-, Startfinanzierung]
Auch seed-funding. Finanzierung
einer Unternehmensgründung. Das Seed-
Capital unterstützt die Ausreifung und Um¬
setzung einer Geschäftsidee in verwert¬
bare Ergebnisse, auf deren Grundlage das
Geschäftskonzept für das Unternehmen
erstellt wird. Das Seed-Capital macht die
Idee also start-up-fähig. In den meisten
Fällen kommt in der allerersten Phase das
Kapital von den Gründern selbst oder den
„drei F": family, friends und
fools - Verwandte, Freunde und risiko¬
liebende Verrückte - werden angepumpt.
Shareholder-Vatue
[zu engl. shareholder Anteilseig¬
ner, Aktionär und engl. v a l u e = Wert]
Der Wert eines Unternehmens für die Ak-
Die New Economy bedeutet für
mich die strukturelle Veränderung
in der Wirtschaft und Gesellschaft,
weg von einer industriebasierten
hin zu einer informationsbasierten
Wirtschaft und Gesellschaft.
WASSILI PAPAS,
FONDSMANAGER
UNION-INVESTMENT GMBH
tionäre. Anders als etwa Gewinn, Umsatz
oder 1L_m arktkapitalisierung
ist der Shareholder-Value nicht objektiv
messbar, sondern eine subjektive Größe.
Zumeist wird darunter eine möglichst gute
Börsenbewertung der Aktie oder die Er¬
höhung der T D iviDENDE verstan¬
den. Im übertragenen Sinn ist der Share¬
holder-Value ein Managementansatz, bei
dem die Steigerung des Aktienkurses die
zentrale Aufgabe ist. Begründer des Share-
holder-Value-Ansatzes war 1986 der US-
s
140 Stock-Exch
Ökonom Alfred Rappaport. Die Orientie¬
rung am Aktienkurs steht im Gegensatz
zum iLs TAKEHOLDER-VALU E-An-
satz, der die Interessen der Beschäftig¬
ten höher gewichtet.
Short Position
[zu engl. s h o r t = kurz und engl. po¬
sition = Position] Termingeschäft in
Erwartung fallender Kurse. Ein Marktteil¬
nehmer geht eine Short Position ein, in¬
dem er ein Vermögensobjekt verkauft, das
er noch gar nicht besitzt. Der s h o r t e r
oder shortseller verpflichtet sich
damit, den Vermögensgegenstand zu ei¬
nem späteren Zeitpunkt zu kaufen, und
dadurch die Position wieder zu schließen.
Das Geschäft rentiert sich dann für ihn,
wenn die Kurse in der Zeit zwischen Ver¬
kauf und Kauf gefallen sind. Der short
sale [zu engl. s a l e = Verkauf] ist das
Gegenteil der klassischen Investition. Das
Verlustpotenzial ist theoretisch unbe¬
grenzt und damit eine besonders gewagte
Spekulationsvariante. Das Eingehen von
Short Positions in Erwartung sinkender
Kurse ist die typische Transaktionsform
des T ß ä R E N. In Deutschland ist Short-
Selling für Privatpersonen nicht gestat¬
tet, in den USA schon. Manche Investoren
sagen, das Eingehen von Short Positions
verderbe auf Dauer den Charakter.
a n g e
Small Caps
[zu engl. s m a 11 = gering und c a p =
Kurzform von capitalization] Small Caps
sind Aktiengesellschaften mit einer ge¬
ringen T MARKTKAPITALISIE-
R u N G, im Allgemeinen weniger als 500
Millionen DM (256 Millionen Euro). Der
Handel mit Small Caps bietet erhöhte
Gewinnchancen, aber auch erhöhte Risi¬
ken, da oft schon geringe Umsätze aus¬
reichen, um den Kurs signifikant zu be¬
einflussen. Der Gegenpol zu den Small Caps
sind die big caps, große Unterneh¬
men, deren Aktien einen beträchtlichen
Anteil am Geschäft ihrer Heimatbörse ha¬
ben (T B L u E chips). Ihre Market-
Cap ist sehr hoch.
Spin-off
[engl. für: Nebenprodukt] Ausgliederung
einer Abteilung. Spinn-off bezeichnet die
geschäftliche Abtrennung einzelner Ge¬
schäftsbereiche vom Mutterhaus. So haben
beispielsweise mehrere große US-Telefon-
gesellschaften ihre Mobilfunk-Bereiche
abgetrennt und als eigenständige Unter¬
nehmen in T i p o s an die Börse ge¬
bracht. Vorteile von Spinn-offs: Ihr Ka¬
pitalbedarf wird im freien Markt gedeckt,
gleichzeitig ermöglichen sie den Verkauf
von Produkten und Dienstleistungen auch
an direkte Konkurrenten der Muttergesell-
s
schäft. Außerdem kann man so das kreati¬
ve Potenzial von Neugründungen nutzen.
Diese Form der Unternehmensgründung
wird auch start-out genannt.
Spread
[engl. für: Ausstreuung, Spannweite] Bei
Aktien gibt der Spread die Differenz zwi¬
schen T B i D - und T_a s k - p r i c e
an. Um bei einer Transaktion Geld zu ver¬
dienen, muss die Kursbewegung größer
sein als der Spread und die Transaktionsge¬
bühren zusammen (T b re ak-even-
p o i n t). Im Fall von 11_f u t u r e s
handelt es sich beim Spread-Trading um
den gleichzeitigen Kaufund Verkauf von
Kontrakten derselben Art, die zu unter¬
schiedlichen Zeiten fällig werden, oder
von Kontrakten mit unterschiedlichen Ob¬
jekten. „Der Spread November/Sojaboh-
nen vs. Dezember/Weizen hat sich in den
letzten Jahren als außerordentlich lukra¬
tiv erwiesen."
Stakeholder-Value
[zu engl. s ta k e h o Id e r = jemand,
der mit einem Einsatz an einem Spiel be¬
teiligt ist, und engl. va lu e = Wert] Ma¬
nagementansätze mit dem Ziel, „Wert" für
alle die zu schaffen, die von den Auswir¬
kungen der Unternehmenspolitik betroffen
sind. Gemeint sind damit zumeist die Be¬
schäftigten. Mit dem Stakeholder-Ansatz
'wird Besorgnis darüber zum Ausdruck ge¬
bracht, dass eine einseitige Ausrichtung
des Unternehmenshandelns am Wertzu¬
wachs für die Aktionäre die realwirt¬
schaftlichen Erfolgsgrundlagen untergra¬
ben könnte. Es geht dabei etwa um die
Frage, ob nicht eine langfristig vertrauens¬
volle Zusammenarbeit mit den Beschäftig¬
ten durch die Imperative einer kurzfristi¬
gen Orientierung am Börsenkurs gefährdet
wird. Die Ziele von ’is harehol-
der-value und Stakeholder-Value
stehen dabei nicht unbedingt im Wider¬
spruch zueinander.
Standardwert
Die größten oder meistgehandelten Wer¬
te einer Börse. Während der ähnlich ver¬
wendete Begriff T b lu e chips so¬
wohl bei den traditionellen als auch bei
den Wachstumsbörsen eingesetzt wird,
sind mit Standardwerten üblicherweise
die gängigsten Werte der traditionellen
Börsen gemeint. In Deutschland gehören
dazu die 30 Aktien des "TLj) a x®, in den
USA die 30 Aktien des Dow-Jones-In-
dustrial-Index.
Start-up
[zu engl. t o start u p = anspringen,
starten] Ein neu gegründetes Unterneh-
s
142 Stock-Exch
men, dessen Zukunft hoffnungsvoll, aber
eher ungewiss ist. Finanziert werden die¬
se Unternehmen in der ersten Stufe mit
dem Eigenkapital der Gründer, darauf folgt
meist das ngel-funding von
Freunden und Verwandten, und schlie߬
lich das lt_V ENTURE-CAPITAL.In
der Venture-Capital-Sprache sind mit Start¬
ups Unternehmen gemeint, die bereits ein¬
satzfähige Produkte haben und mit deren
Vermarktung beginnen. Typisch für Start¬
ups sind exorbitant hohe Umsatz-Wachs¬
tumsraten, ein hoher Investitionsbedarf
und eine hohe ß urn-rate.AIs Ziel
steht für die meisten Start-ups der T_i p o,
der Börsengang, und irgendwann später
hoffentlich einmal eine positive Unter¬
nehmensbilanz.
Stock-Option
[zu engl. stock = Aktie und engl.
option = (Wahl)mögLichkeit] a k -
TiENOPTioN. Stock-Options sind
Wertpapiere, die es ermöglichen, zu ei¬
nem festgelegten Kurs Aktien eines Un¬
ternehmens zu erwerben. Stock-Options
sind in den USA ein gebräuchlicher Ge¬
haltsbestandteil, in Europa sind sie meist
nur in Unternehmen der New Economy
üblich. Beispiel: Ein Topmanager bekommt
statt einer Million nur eine halbe Million
Euro Gehalt, aber dafür die Möglichkeit, in
a n g e
einem Jahr 100.000 Aktien zum gerade ak¬
tuellen Preis von 50 Euro zu erwerben. Ge¬
lingt es ihm, den Aktienkurs bis dahin um
20 Prozent auf 60 Euro zu steigern, brin¬
gen ihm die Stock-Options eine Million
Euro Gewinn zusätzlich zum Festgehalt.
Für Mitarbeiter in tart-ups sind
Stock-Options ein erstklassiger Antrieb,
um bis zum Börsengang an Bord zu blei¬
ben, denn erst dann kann die Stock-Op¬
tion überhaupt einen Wert erhalten.
Stock-Picking
[zu engl. stock = Aktie und engl. t o
p i c k = herauspicken] Investment in die
vielversprechendsten Aktien. Während es
in guten Börsenzeiten ausreichen kann,
wahllos zu investieren (auch der Affe, der
mit dem Dartpfeil auf den Kurszettel wirft,
kann da eine gute 1Lp erformance
machen), muss in schwachen oder trägen
Börsenzeiten schon sehr genau ausgewählt
werden. Einen guten T return on
investment erhält dann nur der An¬
leger, der geschickt die besten Aktien her¬
ausgepickt hat.
Stock-Spli t
[engl. für Aktienteilung] Aktienaufteilung,
um zu stark gestiegene Kurse „Leichter" zu
machen. Auf dem US-amerikanischen Ak¬
tienmarkt besteht für das Unternehmens-
s
1 4 3
management die Möglichkeit, jede existie¬
rende Aktie zur Kapitalberichtigung in zwei
oder mehrere neue Aktien „aufzuspalten".
Das Unternehmen erklärt die alten Aktien
für ungültig und gibt an die bisherigen
Anteilseigner neue Aktien in einem be¬
stimmten Teilungsverhältnis aus (1:2, 1:3,
etc.). Somit bleibt der Anteil, den jeder
Aktionär an dem Unternehmen hält, kon¬
stant, aber der Wert der einzelnen Aktie
verringert sich dem Teilungsverhältnis ent¬
sprechend. Der nach dem Split gesunkene
Preis macht die Aktie für Kleinanleger er¬
schwinglicher. Das gegenläufige Verfahren
wird reverse-split genannt.
Stop-Loss-Order
[zu engl. I o s s = Verlust und engl. order
= Auftrag] Ein Verkaufsauftrag, der aus¬
gelöst wird, wenn ein bestimmter Aktien¬
kurs erreicht bzw. unterschritten wird. An¬
statt weiter zu warten, ob die Aktie nicht
vielleicht doch noch „zurückkommt", be¬
grenzt man die Verluste und schließt die
ll_p o s i T i o N. Bei welchem Kurs man
die Stop-Loss Order setzt, ist eine Frage der
Interpretation der harts und der
persönlichen Verlusttoleranz. „Natürlich
kam der Kurs zurück - zehn Minuten nach¬
dem meine Stop-Loss-Order abgeräumt
war", ärgert sich der Investor, der seine
Order anscheinend falsch platziert hatte.
Das wirklich Neue an der New Economy
ist vor allem die Geschwindigkeit.
Die Regeln sind die gleichen wie bisher
- das Tempo macht den Unterschied.
BERNT WEBER,
VORSTANDSSPRECHER
COMD I REKT BANK AG
strategische
A L L i a n z
Intensive und weit reichende Zusammen¬
arbeit zwischen zwei Unternehmen bei ge¬
ringer Kapitalbeteiligung. In der Wirt¬
schaft sind strategische Allianzen etwa
das, was Koalitionen in der Politik sind:
Jeder behält seine Identität, aber beide
einigen sich auf Vorhaben, die sie ge¬
meinsam durchsetzen wollen. In der New
Economy wird der Begriff inflationär ge¬
braucht. Wenn windelservice.com seinen
s_
144 Stock-Exch
Bedarf bei Pampers deckt, ist das bereits
eine Allianz. Strategisch wird sie erst,
wenn windelservice.com nur noch bei Pam¬
pers einkauft und dafür 0,7 Pfennig Rabatt
pro Windel bekommt. Das wäre dann eine
lt_A D-HOC-MITTEILUNG wert.
Sweet Equity
[zu engl. sweet = süß und engl.
e q u i ty = Eigen kapital] Spezielle Form
der Mitarbeiterbeteiligung. Für Sweet-
Equity-Programme muss eine AG eine zu¬
sätzliche Aktienklasse schaffen, die nur
den Mitarbeitern vorbehalten ist und erst
nach Ablauf einer Sperrfrist an der Börse
gehandelt werden kann. Der Vorteil für das
Unternehmen: Die Mitarbeiter müssen für
ihre Beteiligung echtes Geld zahlen und
sind bis zum Ablauf der Sperrfrist an die
Firma gebunden. Der Vorteil für die Mitar¬
beiter: Das Sweet-Equity-Programm wird,
zumindest in einigen Staaten, steuerlich
begünstigt. Der Nachteil: Das 2-Klassen-
System ist kompliziert und weckt den Arg¬
wohn der freien Aktionäre.
S y n e r g i e
[zu griech. s y n e r g i a = Mit-, Zusam¬
menarbeit] Das Prinzip 1+1=3 oder: Das
Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.
Das bedeutet, dass das aus einer Fusion
entstandene Unternehmen mehr wert ist
a n g e
als der addierte Wert der beiden einzel¬
nen Unternehmen vorher. Im Zuge der
tjUSIONITIS wurde der Begriff
Synergie zum magischen Wort. Die meisten
Unternehmenszusammenschlüsse werden
dadurch begründet, dass man Synergien
realisieren bzw. Synergieeffekte
nutzen wolle. Mit Synergien können sich
ergänzende Geschäftsfelder gemeint sein,
genauso aber auch Rationalisierungsmög¬
lichkeiten. Die Tatsache, dass über die
Hälfte der Fusionen fehlschlagen, spricht
dafür, dass Synergien in der Praxis doch
nicht so leicht zu realisieren sind. Meist
wirkt sich jedoch die Ankündigung einer
Fusion und der zu erwartende Synergie¬
effekt positiv auf den Aktienkurs eines
Unternehmens aus.
techni sehe
Aktienanalyse
Bestimmung und Vorhersage des Verlaufs
von Aktienkursen unter Verwendung „tech¬
nischer" Indikatoren. Damit sind Daten ge¬
meint, die sich rein auf die Bewegungen des
Aktienmarktes selbst, also auf Preise und
Transaktionsvolumina beziehen, ohne wei¬
teren Rückgriff auf realwirtschaftliche Grö¬
ßen. Auf der Grundlage einer grafischen
und statistischen Aufbereitung dieser Da¬
ten (T_c hart) versucht der technische
Ta n a l y s t, Trends der Kursentwicklung
u
1 4 5
zu identifizieren und entsprechende Kauf¬
und Verkaufsempfehlungen abzugeben.
zeigt demgegenüber einen weit gerin¬
geren Verlust.
TMT
[Abkürzung von: Technologie, Medien,
Telekommunikation] Anfang 2000 ge¬
prägte Zauberformel für die Branchen
mit der höchsten kursfantasie.
TMT löst als direkter Nachfolger die Zau¬
berformel Internet ab. Konkurrierend da¬
zu gibt es mittlerweile auch das Kürzel
time [Abkürzung von: Telekommunika¬
tion, 'Ti t, Medien und Elektronik]. TMT-
Aktien wurden als diejenigen identifiziert,
die neben den reinen T _o o t c o m - und
1Lb 2 B - Aktien am stärksten vom Inter¬
net profitieren würden. So wie TMT-Aktien
bis Februar 2000 am stärksten am Kurs¬
aufschwung teilhatten, waren sie auch be¬
sonders stark von der darauf folgenden
T_k orrektur betroffen.
Top
[engl. für: Spitze] Ausdruck für einen re¬
lativen Höchststand einer Aktie. Der Be¬
griff Top wird gern verwendet, um die ak¬
tuelle Situation besonders düster aussehen
zu lassen. Beispiel: „Hotzenplotz hatte im
Juli 2000 mehr als 40 Prozent gegenüber
ihrem Top im März verloren." Das klingt
zwar dramatisch, aber der übliche Ver¬
gleich mit dem Stand zum Jahresbeginn
T r a d e r
[engl. für: Händler] In der Börsensprache
Ausdruck für kurzfristig orientierte Inves¬
toren mit rein spekulativem Interesse. Der
Anlagehorizont der Trader ist auf Tage
oder Wochen begrenzt. Bei einem Anlage¬
horizont von Minuten oder Stunden spricht
man von tjAYTRAÖERN.
Übernahme
Aufkaufeines Unternehmens durch ein an¬
deres. Gebräuchlich ist auch der englische
Begriff take-over. Je nachdem, wie
begeistert das Management des Zielunter¬
nehmens ist, spricht man von einer freund¬
lichen oder einer feindlichen Übernahme.
Feindliche Übernahmen sollen den Aktio¬
nären des Zielunternehmens oft durch eine
sog. tender-offer versüßt werden:
das Angebot, ihnen ihre Anteile zu einem
Preis abzukaufen, der deutlich über dem
gegenwärtigen Marktpreis liegt. Parade¬
beispiel für eine feindliche Übernahme ist
die Vodafone-Mannesmann-Fusion. Nach-
dem Mannesmann das Fusionsangebot der
Briten mehrmals abgelehnt hatte, begann
Vodafone den Kampf mit dem systemati¬
schen Aufkauf von Mannesmann-Aktien,
bis diese sich schließlich geschLagen ge-
1J_
146 Stock-Exch
ben musste und es zu einer „gütlichen
Einigung" kam.
Underperformer
[zu engl. u nder = unter und engl.
performer = Darsteller] Aktie mit
unterdurchschnittlicher Kursentwicklung.
Viele Aktienanalysten bezeichnen ihre
Verkaufsempfehlungen als „Market-Under-
performer". Da es weit mehr Kauf- als Ver¬
kaufsempfehlungen gibt, müsste es also
weit mehr Aktien mit überdurchschnitt¬
licher Kursentwicklung geben als mit un¬
terdurchschnittlicher. Rein statistisch
kann dies jedoch nicht der Fall sein.
Unterstützung
Von Unterstützung für einen Finanztitel
spricht man, wenn z.B. beim Fall des
Kurses einer Aktie unter ein bestimmtes
Niveau verstärkt Käufe einsetzen, die
ein weiteres Absinken des Kurses verhin¬
dern. Das gegenläufige Phänomen ist der
widerstand: Immer wenn der Ak¬
tienkurs auf ein bestimmtes Niveau an¬
steigt, werden verstärkt Verkäufe getätigt,
die verhindern, dass der Kurs den Wider-
standslevel übersteigt.
upgraden
[zu engl. to upgrade = aufwerten]
Der Begriff bezeichnet zum einen die Hö-
a n g e
herbewertung von Aktien durch Analysten,
was bedeutet, dass für die Zukunft eine bes¬
sere p ERFORMANCE der Aktie er¬
wartet wird. Zum anderen bezeichnet er die
Hochstufung von Unternehmen oder Län¬
dern durch Rating-Agenturen. In diesem
Fall wird die Fähigkeit des Schuldners, sei¬
ne Kredite zurückzuzahlen, positiver bewer¬
tet. Im Computerbereich heißt upgraden,
dass man seinen Rechner mit der neues¬
ten Software aufrüstet oder die Speicher¬
kapazität erweitert.
Venture-Capi ta l
[engl. für: Risikokapital] Venture-Capital
(VC) ist eine gängige Art der Finanzierung
von iLs T a R T - u p s, die über nicht genü¬
gend Eigenkapital verfügen. Risikokapital¬
geber (venture-capitalists)
haben sich darauf spezialisiert, hochriskan¬
te Jungunternehmen, die oft nicht mehr
als eine Idee und einen T r u s i n e s s -
plan vorlegen, zu finanzieren. Die Tatsa¬
che, dass das Geld in neun von zehn Fäl¬
len unwiederbringlich verloren ist, wird
dadurch ausgeglichen, dass die Zuwachs¬
und Gewinnraten im Erfolgsfall immens
hoch sein können.
Volati lität
[zu lat. v o I a t i l i s = flüchtig] Schwan¬
kungsbreite. Je volatiler eine Aktie ist,
2
1 4 7
New Economy - das sind neue Köpfe,
neue Interaktion, neue Arbeitsweise,
neue Flexibilität, neue Ausbildung,
neue Offenheit, neue Lust am Risiko.
DR. FLORIAN LANGENSCHEIDT,
VENTURE CAPITALIST,
VORSTAND
BIBLIOGRAPHISCHES INSTITUT
& F. A. BROCKHAUS AG
desto höher und extremer schnellt der Kurs
rauf und runter. Die Faustregel ist dabei:
Je kleiner und jünger ein Unternehmen,
desto höher die Volatilität - jede einzel¬
ne Nachricht kann die Lage der Firma kom¬
plett verändern. Das zeigt sich gerade bei
den jungen Unternehmen am T n euen
markt. Für die 30 Unternehmen des
±_J)A x® wird die Volatilität in einem
eigenen Index gemessen, dem v d a x.
W e b - I P 0
Sonderform des T i po. Der Web-IPO
findet komplett im Internet statt. Börsen¬
aspiranten bieten im Internet über spe¬
zielle Dienstleister Aktien vorab an. Das
ist eine Vorstufe des tatsächlichen Börsen¬
gangs und dient dazu, den Markt zu tes¬
ten. Außerdem ermöglicht der IPO, schon
vor dem Börsengang frisches Geld zusam¬
menzubringen.
z e i c h n e n
Bei einer Tn euemission können
Anleger innerhalb eines bestimmten Zeit¬
raums, der ZEICHNUNGSFRIST,
durch das Zeichnen der Aktien ihren Wil¬
len bekunden, eine bestimmte Anzahl der
neu auszugebenden Aktien zu kaufen. Häu¬
fig wird dabei eine Preisspanne vorge¬
geben, innerhalb deren die Gebote zu lie¬
gen haben (T b ookbuilding). Der
tatsächliche Emissionspreis und die dem
einzelnen Anleger zugeteilte Menge an
Aktien entsprechen der Nachfrage. Wenn
von Anlegern mehr Aktien gezeichnet
werden, als verfügbar sind, spricht man
von Überzeichnung.
1 4 8
New Marketing
Neues Marketing für die neue Wirtsch
Wo einst Produkt war, ist jetzt Kommu
Kontakte „1 -t o-1" geknüpft. Below the
1 4 9
aft. Aus Verkaufen wird Beraten,
nikation. über das Internet werden
Line wird die Awareness der Stil-
A
Marketing
New
1 5 0
A d c I i c k
[zu engl. a d = Anzeige und engl. t o
c I i c k = klicken] Beschreibt die Quote
von Besuchern einer Website, die das dort
geschaltete T_ß a n n e r eines Werbe¬
treibenden anklicken. Eine Quote von 2%
gilt bereits als gut.
Adimpression
[zu engl. a d = Anzeige und engl. i m -
p r e s s i o n = Eindruck] Eine Adim¬
pression oder ein a D v i E w bezeichnet
das Auftauchen eines T banners in
voller Größe auf dem Bildschirm des Users.
Verfahren wie die zeitliche Rotation von
verschiedenen Bannern auf einer Inter¬
netseite oder das T_a dtargeting
machen es nötig, das Werbevolumen pro
Banner in Adimpressions anzugeben.
Adservi ng
[zu engl. ad = Anzeige und engl. to
serve = dienen] Das Einspielen der
Tb a n n e r auf verschiedenen Websites.
Mehrere Unternehmen haben sich auf die
Anzeigendistribution im Internet spezia¬
lisiert. Sie agieren als Bindeglied zwischen
Werbekunden, die Banner schalten wollen,
und Werbeträgern, die Banner publizieren
möchten. Diese Schaltstellen verfügen
über eigene Ts e r v e r, über die die
Banner verteilt werden. Der Anzeigen¬
kunde nennt seine Zielgruppe, der Werbe¬
träger definiert seine Nutzerschaft, der
ADSERVER schickt die Werbung zu den
entsprechenden Websites.
Adtargeting
i[zu engl. a d = Anzeige und engl.
t a r g e t = Ziel] Bei dieser Form der
Onlinewerbung bekommt der Website¬
besucher einen zu seinem Profil passen¬
den T B A N N E R zu Gesicht. Bei Zugriff
lassen sich generell der Tb r o w s e r,
das Betriebssystem und manchmal auch
das Herkunftsland des Users bestimmen.
Was der User beim Anklicken des Banners
dann sieht, ist auf diese Daten abge¬
stimmt. Benutzt ein Werbetreibender gar
Cookies, so kann jede Information, die der
Nutzer im Internet preisgibt, auch über
längere Zeit gespeichert und später zum
Adtargeting verwendet werden. Fahndet
man in einer Suchmaschine nach einem
Reiseführer für San Francisco, so könnte
ein Banner auf der Ergebnisliste den pas¬
senden Flug bewerben - selbstverständlich
vom nächstgelegenen Flughafen aus.
Advertorial
[zu engl. advertisement = Wer¬
bung, Anzeige und engl. e d i t o r i a l =
Leitartikel] Bezeichnung für redaktionelle
Artikel, die geschickt verpackte Werbebot-
A
1 5 1
schäften enthalten, bzw. eine Werbeform,
in der die Anzeige wie ein redaktioneller
Text aufgemacht ist. Advertorials können
die im deutschen Presserecht geforderte
Trennung zwischen redaktionellen Inhal¬
ten und Werbung verletzen, wenn sie nicht
klar als solche gekennzeichnet sind. Ein
typisches Beispiel ist der „Artikel", der
nur durch das kleine Wort „Anzeige" mar¬
kiert ist, und einem unseriösen Produkt,
wie etwa Tabletten, die eine Gewichts¬
abnahme von über 10 kg pro Woche ver¬
sprechen, einen seriösen Touch geben soll.
Speziell auf Websites finden Advertorials
zunehmend starke Verbreitung
A k q u i s e
[Kurzform von A k q u i s i t i o n = (Neu¬
kundenwerbung, zu frz. acquisition
= Kauf, Erwerb] Akquise meint alle Akti¬
vitäten eines Unternehmens, um neue Kun¬
den zu gewinnen oder neue Geschäfte ab¬
zuschließen. Zu den Mitteln der Akquise
zählen der Direktkontakt im Außendienst,
die Dienste des Internets ews-
LETTER), die Post (M A I L I N G S)
und natürlich das Telefon. Letzteres kann
professionell über allcenter
in Telefonwerbeaktionen genutzt wer¬
den. Etwas vornehmer ausgedrückt heißt
der Tätigkeitsbereich der Akquise auch
„New Business".
Ich assoziiere mit New Economy die neu¬
zeitliche Aufladung eines alten Natur¬
gesetzes: Survival of the fittest. Die
Mischung aus Angst, Ablehnung, Neugier,
Faszination und Inspiration ist wohl
die Dialektik, die Fortschritt ausmacht.
DR. OLIVER HERMES,
GESCHÄFTSFÜHRER
BAADER HERMES/Y&R
A m b i ent
Advertising
[engl. für: umgebende Werbung] Bezeich¬
nung für alle Werbebotschaften, die sich
außerhalb der typischen Werbeträger prä¬
sentieren. Die Anzeige auf dem Toiletten¬
deckel, der Werbeslogan auf dem Griff des
Einkaufswagens im Supermarkt oder auf der
Rückseite der Taxiquittung sind klassische
Beispiele für Ambient Advertising. Nicht
immer geschmackvoll, dafür aber aufmerk¬
samkeitsstark schleicht sich das Ambient
A
New Marketing
1 5 2
Advertising in den Alltag des Verbrauchers
ein, um der allgemeinen Werbemüdigkeit
etwas entgegenzusetzen.
Awareness
[engl. für: Bewusstsein] Bewusstsein,
Wahrnehmung einem Produkt gegenüber.
Durch Werbung und weitere Kommunika¬
tionsmaßnahmen T B E LOW-TH E-
L i N E soll das Bewusstsein des (poten¬
ziellen) Konsumenten für das Angebot
geschärft werden. Denn nur wer ein Pro¬
dukt überhaupt wahrnimmt, kann ein Kauf¬
interesse oder Markenbewusstsein ent¬
wickeln.
Banner
[engl. für: Fahne, Spruchband] Die recht¬
eckige Werbefläche findet sich inzwischen
auf fast jeder Website und ist noch immer
die populärste Form der Werbung im Netz.
Statische Banner aus der Frühzeit des In¬
ternets lockten mit einem unbewegten
Bild, während heute überwiegend animier¬
te Banner mit kleinen Filmen um die Gunst
der User buhlen (11_R ich media).
Noch immer soll der Besucher der Website
zum Ta d c l i c k animiert werden, der
ihn zum Angebot des Werbetreibenden
führt. Neue Formate wie z.B. T_n ano-
sites bieten ihm über den Adclick hi¬
nausgehende Interaktionsmöglichkeiten
oder verführen mit neuen Technologien wie
T s TREAMING media. Auch wenn
Banner als störend empfunden werden
und sich die Ladezeiten erhöhen, sind sie
für viele iLc o n t e n t - Anbieter, auch
content-provider genannt, die
einzige Einnahmequelle. Besteht eine
Website aber nur noch aus einer Ansamm¬
lung von Bannern, wird sie abfällig als
Bannerfriedhof bezeichnet.
Banner-Burnout
[zu engl. t o burn o u t = ausbrennen]
Auch ein Werbebanner hat nur eine be¬
grenzte Lebensdauer: Unterschreitet die
Zahl der i_A d v i e w s eine bestimmte
Schwelle, so verliert das Banner an At¬
traktivität. Wenn die User nicht mehr
auf die Werbebotschaft klicken, und die
ll_c lick-rate unter die übliche
0,5%-Marke sinkt, ist es an der Zeit, die
Werbegrafik auszutauschen.
below the Line
[engl. für: unterhalb der Linie] Kommuni¬
kationsmaßnahmen, die nicht zur klassi¬
schen Werbung gehören, sondern mit ge¬
zielter Promotion, durch spezielle Events
oder Sponsoring die gewünschte Ziel¬
gruppe anvisieren. Below-the-line-Akti-
vitäten haben den Vorteil, große Streu¬
verluste zu vermeiden, above the
1 5 3
line [engl. für: über der Linie] sind
die klassischen Kommunikationsaktivitä¬
ten eines Unternehmens. Diese umfassen
UBLIC relations, Verkaufs¬
förderung und Werbung in Form von Anzei¬
gen und Plakaten oder Werbespots in den
gängigen Medien. Da die traditionelle Wer¬
bung mit vielen anderen Medienangebo¬
ten konkurriert, misst man Below-the-line-
Aktivitäten künftig einen sehr viel höheren
Stellenwert bei.
B e n e f i t
[engl. für: Nutzen, Gewinn] Mit Benefit ist
der Nutzen eines Produkts oder einer Dienst¬
leistung für den Verbraucher gemeint. In
Werbe- oder Multimediaagenturen gilt es
meist, den Benefit eines bestimmten Pro¬
dukts herauszuarbeiten und in den Mittel¬
punkt der jeweiligen Kampagne zu rücken.
Benefitting bedeutet aber auch, ein
Werbeangebot mit einem direkten Nutzen
auszustatten, wie etwa durch Gutscheine,
spezielle Rabatte oder Verlosungen, um
höhere Aufmerksamkeit zu erzielen.
Best-Pri ce-
S h o p p i n g
Auch discounting oder bar¬
gaining [zu engl. b e s t = beste/r,
p r i c e = Preis, to s h o p = einkaufen,
d i s co u n t = Rabatt und bargain =
New Economy ist für mich die
Kombination von neuen Möglich¬
keiten durch das Internet
in Verbindung mit einer neuen
Denk- und Handlungsweise.
ALBERT GOLLER,
LEITER DER ZENTRAL¬
STELLE E-BUSINESS
SIEMENS AG
Sonderangebot] Die Liste der Begrifflich -
keiten ist lang, doch gemeint ist immer das
eine: die Schnäppchenjagd - ein Phäno¬
men, das sich trotz ausgeprägtem Marken¬
bewusstsein und steigender Bereitschaft,
Zugehörigkeit und soziale Anerkennung
durch den Kauf und Besitz bestimmter Pro¬
dukte zu symbolisieren, weiter durchsetzt.
Für den Best-Price-Shopper zählt in erster
Linie der emotionale Kick des Schnäpp¬
chens, das „Etwas-gespart-zu-Haben", ob¬
wohl er es wahrscheinlich ohne das rote
B
New Marketing
1 5 4
Preisschild nie gekauft hätte. Der Best-
Price-Shopper ist nicht oder nur in ge¬
ringem Ausmaß marken- oder produkt¬
treu. Dieser Trend zeigt sich gerade auch
im Internet bei 'T w ebaucti ons,
db_R everse auctions und dem
11_P OWE RSHOPPI NG.
Bottom-up
[engl. für:auf dem Kopf, verkehrt herum]
1. Kundenorientierter Marketingansatz.
Das Unternehmen regelt nicht aus der „fer¬
nen" Konzernzentrale die Beziehungen zu
den Kunden, sondern pflegt den direkten
Kontakt und orientiert sich an den Kun¬
denbedürfnissen. Diese Haltung soll der
Gefahr der Betriebsblindheit entgegen¬
wirken, da die Köpfe in den oberen Eta¬
gen häufig zu weit vom realen Leben ent¬
fernt sind. 2. Bezüglich der Börse meint
der Bottom-up-Ansatz den Versuch, über
die Analyse der wichtigsten Kennzahlen
eines Unternehmens die Entwicklung der
Aktie vorherzusagen.
Brand-Extension
[engl. für: Markenausweitung] Auch
brand-stretching. Markener-
weiterung, Markentransfer. Wenn Unter¬
nehmen ihre Marke auf neue Produkte aus¬
weiten, spricht man von Brand-Extension.
Dabei profitiert das neue Produkt von der
Bekanntheit und dem zl i m a g e der Mar¬
ke. Man möchte auf diese Art neue Ziel¬
gruppen erschließen. Das übergeordnete
Ziel ist dabei die Steigerung des Unterneh¬
mens- und Markenwertes. Entscheidend
ist, dass der Konsument den Tjmage-
tr ans f er als glaubwürdig empfindet.
Beispiel für eine Markenerweiterung ist
Beiersdorf mit Nivea. Nachdem alle mög¬
lichen Plegeprodukte unter dem blau¬
weißen Markendach vereint waren, wurde
auch die dekorative Kosmetik (Lippenstifte
etc.) einbezogen. Ganz ohne Risiko ist ei¬
ne Brand-Extension nicht. Es besteht die
Gefahr, dass die alten Produkte „kanniba-
lisiert" werden.
Brandi ng
[zu engl. b r a n d = Marke] Bezeichnung
für das professionelle Entwickeln einer
Marke, um das Produkt leichter wiederer¬
kennbar zu machen, es von Konkurrenz¬
produkten eindeutig abzuheben und den
Kunden daran zu binden. Dazu gehört vor
allem der Markenname, der einprägsam
sein muss und keine negativen Assoziatio¬
nen hervorrufen darf. Auch das visuelle
Erscheinungsbild wie Form, Farbe und Logo
sind von immanenter Wichtigkeit für das
Branding. Die Gestaltung der Werbung,
des T M ERCHANDISINGS und der
R gehört ebenfalls dazu. Je populä-
c
1 5 5
Die Marke wird künftig entscheidend
sein. Egal ob im Free-TV, Pay-TV oder
Internet. Nur Unternehmen, die eine
Marke kreieren, werden in Zukunft
die Gewinner sein.
THOMAS HA F FA,
VORSTANDSVORSITZENDER
EM.TV & MERCHANDISING AG
rer und erfolgreicher eine Marke ist, des¬
to höher ist ihr b r a n d - v a l u e [engl.
für: Markenwert], also ihr immaterieller
Wert. Der konkrete Wert, den die Marke hat
und der einen geschäftlichen Aktivposten
bildet, bezeichnet man mit brand¬
equity [zu engl. e q u i t y = Stamm¬
kapital]. Als wertvollste Marke der Welt
gilt derzeit Coca-Cola.
Brand-
Recogni tion-Code
[engl. für: Markenerkennungscode] Mar¬
ken werden aufgrund einzelner Elemente
wiedererkannt: Marlboro beispielsweise an
der Farbe Rot, Adidas an den drei Streifen.
Der Erkennungsgrad einer Marke ist dabei
nicht nur abhängig von visuellen Elemen¬
ten wie dem Logo und dessen Farbigkeit,
sondern auch von Sprache, Geruch oder
Musik. Ein Song oder Klang, der einen Wer¬
bespot immer begleitet, kann zum Wie¬
dererkennen einer Marke führen. Die Eta¬
blierung eines Brand-Recognition-Codes
benötigt Kontinuität. Zu viele Wechsel im
Auftritt der Marke erschweren ihre Wieder¬
erkennbarkeit.
Callcenter
[zu engl. c a 11 = Anruf] Ein Callcenter
ist der Ort, an dem eingehende Kunden¬
telefonate professionell bearbeitet wer¬
den (inbound) bzw. von dem aus neue
Kundensegmente akquiriert werden (out¬
bound). Steigende Verbreitung fand die¬
se Form des Kundendialogs seit Mitte der
Neunzigerjahre. Mithilfe von T re¬
lationship-marketing sollen
die Konsumenten enger an das Unterneh¬
men gebunden werden. Callcenter werden
meist im To utsourcing von einem
Dienstleister betrieben. Die dort Ange-
€
156 New Market!
stellten können mithilfe eines ausgeklü¬
gelten Computersystems alle den Kunden
betreffenden Daten innerhalb einer Se¬
kunde auf ihrem Bildschirm haben und
Routinefragen zu Abrechnungen, Auftrags¬
status oder Adressänderung bearbeiten,
ohne dass teure Fachkräfte der Firma damit
beschäftigt sind.
Claim
[engl. für: Anspruch, Behauptung] Jene
Zeile einer Anzeige oder eines Werbespots,
in der die Vorzüge des Produkts zentral
hervorgehoben werden. Der Claim ist kurz,
prägnant und stellt die Produktvorteile in
den Vordergrund wie etwa: „Ariel wäscht
nicht nur sauber, sondern rein". Der Begriff
wird häufig auch als Verb benutzt: „Sie
claimen, mehr Nutzer zu haben als wir."
Cli ck-Rate
Auch CLICKTHROUGH-RATE. [ZU
engl. to click = (an)klicken und engl.
t h r o u g h = durch] Gibt das Verhält¬
nis zwischen den Sichtkontakten und tat¬
sächlich angeklickten Bannern (H_ad-
c l i c k s) an. Auf einer durchschnitt¬
lichen Website befinden sich mehrere Dut¬
zend Links und Schaltflächen. Zur Optimie¬
rung der Website hilft es zu wissen, was wie
oft angeklickt wird. Wenn 100 Leute das
Banner sehen und 10 darauf klicken und
n g
zur Website des Werbenden gelangen, be¬
trägt die Clickthrough-Rate 10%. Ursprüng¬
lich war die Click- Rate als Erfolgskontrolle
der T B a N N E R -Werbung gedacht: Je
mehr User ein Werbebanner anklicken,
desto höher die Wirksamkeit der Werbung.
In den letzten zwei Jahren ergaben jedoch
mehrere Studien, dass diese Maßzahl kei¬
ne realistischen Werte liefert: Mehr als drei
Viertel aller Klicks auf Werbebanner wurden
von den Betreibern der Websites selbst pro¬
duziert, um den Werbekunden eine hohe
Wirksamkeit ihres Banners vorzugaukeln.
Click-Stream
[zu engl. to c l i c k = (an)klicken und
engl. s t r e a m = Strom] Wenn Nutzer sich
durch Websites klicken, wird dieser Weg in
den T l o G F i L E s des T s e r v e r s
gespeichert. Die Auswertung der Logfiles
gibt Auskunft über Nutzungsfreundlich¬
keit und Probleme der Website und ermög¬
licht die Erstellung von Nutzerprofilen.
Welche Verlinkung ist erfolgreich, wo be¬
reitet die 1Ln avigation Schwierig¬
keiten? Anhand des Click-Streams werden
Websites optimiert und ihre Nutzbarkeit
vereinfacht. Reißt der Datenstrom ab, hat
der Nutzer die Website verlassen. Ob dies
geschieht, weil er nichts Interessantes fin¬
det oder die Pizza geliefert wurde, darüber
geben die Daten leider keine Auskunft.
C
Cluetrain-
Man i fest
[zu engl. c I u e = Anhaltspunkt, Hinweis,
Schlüssel und engl. train = Zug] Von
den US-Marketingexperten Christopher
Locke, Rick Levine, Doc Searls und David
Weinberger 1999 verfasstes und veröffent¬
lichtes Manifest mit 95 Thesen, das als
eine Art idealistische Grundsatzerklärung
der New Economy gilt. Grob gesagt geht
es um den Umgang der Wirtschaft mit dem
Individuum. Das Manifest kritisiert dabei
die Sprache, die Haltung und die Bevor¬
mundung der Unternehmen, die den Men¬
schen nur als Konsumenten sehen, und for¬
dert eine radikale Änderung. Mit Thesen
wie „markets are conversations" (Märkte
sind Gespräche) oder „companies need to
realize their markets are often laughing at
them" (Unternehmen tun gut daran, auf
das Gelächter im Markt zu hören - oft gilt
es ihnen) wollen die Autoren auf Missstän¬
de in der Geschäftswelt aufmerksam ma¬
chen. Auch wenn es manch einem doch
etwas missionarisch erscheinen mag - das
Manifest findet weltweit hohe Beachtung
und wurde von zahlreichen Größen aus der
New Economy unterzeichnet.
Co-Brandi ng
[zu engl. b r a n d = Marke] Gemeinsamer
Marketingauftritt mehrerer Firmen für ein
Produkt, etwa Visa-Kreditkarten mit Mer¬
cedes-Logo oder McDonald's-Kindermenüs
mit Disney-Figuren. Erfolgreich kann Co-
Branding nur sein, wenn die Marken auch
zueinander passen. Typischer Flop: der
VW-Porsche aus den 70er-Jahren.
Communi t y -
Marketing
[zu engl. community = Gemein¬
schaft] Eine Community ist in diesem
Zusammenhang eine Gemeinschaft, die
nicht nur auf das Internet begrenzt ist,
sondern vielmehr eine Interessengruppe
innerhalb der Gesellschaft darstellt, die
einer Subkultur ähnelt. Das Community-
Marketing ist eine anspruchsvolle Form
des New Marketing, da die Unternehmen
hier versuchen, sich mit den Abnehmern
zu verbünden, indem sie ihnen z.B. einen
Ort im Netz zur Verfügung stellen, an dem
sie kommunizieren, sich informieren oder
auch einkaufen können. Insbesondere klei¬
neren Unternehmen mit Lifestyle-Produk-
ten gelingt diese Art von Erzeuger-Ver¬
braucher-Gemeinschaft, da sie durch ihre
^LAUBWÜRDIGKEI T eine höhere
Akzeptanz erwarten können. Großunterneh¬
men verdächtigt man hingegen immer des
Strebens nach Gewinn und Wachstum. Das
macht es für sie schwieriger, sich mit einer
Community auf dieselbe Ebene zu stellen.
c
iss New
Marketing
Communi ty
of Choice
[zu engl. c o m m u n i ty = Gemeinschaft
und engl. c h oice = Wahl] Der Begriff
geht auf den Schweden Torbern Bergmann
zurück, der ihn 1775 für chemische Prozes¬
se verwendete. Heute wird Communities
of Choice im soziologischen Kontext ver¬
wendet - und zwar für neue Wahlverwandt¬
schaften. Wo sich soziale Gefüge wie die
Familie auflösen, entsteht ein neues Be¬
dürfnis nach Zugehörigkeit. Man wählt
sich Gemeinschaften auf Zeit und wech¬
selt diese je nach Bedarf. Die Soziologie
nennt das t r i b a l i s i e r u n g [zu
lat. t r i b u s = Stamm] der Gesellschaft.
Mitglieder eines Zigarrenclubs oder Be¬
sucher einer schicken Bar gehören zu einer
Community of Choice. Auch das Tragen ei¬
ner Marke verrät Zugehörigkeit: Wer Nike
trägt, gehört zu einer Gemeinschaft, die
sich über die Markenwerte definiert. Das
Logo fungiert als Zugehörigkeitscode.
Corporate Culture
[engl. für: Unternehmenskutur] Bis in die
Achtzigerjahre hatten Unternehmen nur
ein Ziel: Wachstum und Gewinnmaximie¬
rung. Erst die Übersättigung der Märkte
ließen andere Aspekte ins Blickfeld gera¬
tenen, beispielsweise die Unternehmens¬
kultur, die sich aus komplexen Faktoren
zusammensetzt: Wie ist die Philosophie
eines Unternehmens, wie kommuniziertes
mit seinen Partnern und den Medien, wie
mit Angestellten? Wo will es sich positio¬
nieren, und wird es von außen auch dort
wahrgenommen? Wie groß ist die Dishar¬
monie zwischen der Selbst- und Fremd¬
wahrnehmung? Vielen T s tart-ups
fehlt die Corporate Culture, was als pri¬
märer Grund für eine hohe T c h u r n-
r a t e gilt. Die Corporate Culture ist aus¬
schlaggebend dafür, wie sich die Mitar¬
beiter an ihrem Arbeitsplatz fühlen. Da¬
bei ist meist nicht entscheidend, was das
Management sagt, sondern was es tut:
„action speaks louder than words" - Taten
sagen mehr als Worte.
Corporate
Identity (CI)
[engl. für: Unternehmensidentität] Die
Corporate Identity ist das Erscheinungsbild
und Erkennungszeichen eines Unterneh¬
mens, das nach innen und außen durch ein
einheitliches Design aller relevanten Kom¬
munikationsmittel vermittelt wird. Es geht
also um eine ganzheitliche Kommunika¬
tion, die das T image verbessern soll.
Die CI sorgt für Mitarbeitermotivation, da
sie im Idealfall eine Identifikation der
Mitarbeiter mit dem Unternehmen bewirkt.
Zum c i - M i x gehören corporate
1 5 9
Die New Economy bringt Pioniergeist,
Kreativität und Dynamik in die Wirt¬
schaft. Eine innovative Verknüpfung
dieses Ideenreichtums mit den Stärken
und der Erfahrung der Old Economy
bietet interessante und erfolgverspre¬
chende Zukunftschancen.
DR. MICHAEL OTTO,
VORSTANDSVORSITZENDER
OTTO VERSAND GMBH & CO.
Communications (Unternehmens-
kommunkation: Werbung, Verkaufsförde¬
rung, Public Relations), corporate
design (Unternehmensdarstellung
durch Logo etc.) und corporate
behavior (Unternehmensverhalten).
Cross-Channel-
Business
[zu engl. cross = übergreifend,
c h a n n e l = Kanal und business
= Geschäft] Absatz- und medienkanal¬
übergreifendes Geschäftsmodell. Cross-
Channel-Businesses sind Unternehmen,
die sowohl im Internet präsent sind und
dort E - commerce betreiben als
auch über reale Geschäftsstellen verfügen
(Blicks and m o r t a r ). Neuere
Studien und die Pleiten von so genannten
one-channel-businesses wie
der Online-Modehändler Boo.com haben
gezeigt, dass Unternehmen mit mehreren
Vertriebskanälen in der Regel erfolgrei¬
cher sind.
Cross-Channel-
Marketing
[zu engl. c r o s s = übergreifend und engl.
c h a n n e l = Kanal] Die heutige Vielzahl
der zur Verfügung stehenden Medien- und
Absatzkanäle bringt es mit sich, dass auch
Marketingmaßnahmen nicht auf einen Ka¬
nal beschränkt bleiben, sondern konzen¬
triert über diverse Kanäle gestreut werden.
Eine Kombination aus mehreren Medien
mit unterschiedlichem Aufmerksamkeits¬
profil kann so Menschen in verschiede¬
nen Verfassungen erreichen. Konkret könn¬
te das so aussehen, wie der Autokonzern
Ford es im Frühjahr 2000 in den USA vor¬
gemacht hat: Ganzseitige Zeitungsannon¬
cen (1Lt E A s E R) weisen auf TV-Spots
c
1 6 0
New Marketing
mit dem neuen Modell hin, in emotiona¬
len TV-Spots wird die URL der Website
promotet, auf der sachliche Hintergrund¬
informationen zu den Fahrzeugen zu finden
sind. Zusätzlich gibt es immer noch den
Ford-Händler als persönlichen Kontakt.
Crossmedi a-Format
[engl. cross = Kreuzung und engl.
media = Medien] Etablierte Medien
wie Print und TV werden zusammen mit
den neuen Medien genutzt, um eine ge¬
meinsame Botschaft zu übermitteln. Um
die Lücken zwischen den einzelnen Medien
zu überbrücken, wird eine integrierte Dra¬
maturgie für den T m e d i am i x ver¬
wendet. Mit der reinen Nennung der In¬
ternetadresse im TV-Spot ist es hierbei
allerdings nicht getan. So versuchte RTL
im Herbst 2000 durch Werbung für das For¬
mat der Sendung „Hautnah" auch auf die
Websites neugierig zu machen, indem der
Zuschauer das neue „Hautnah"-Model wäh¬
len kann und zusätzlich zu Informationen
über die Sendung auch noch eine Menge
nackter Haut geboten bekommt.
Cross-Selling
[zu engl. cross = Kreuz und engl. t o
s e 11 = verkaufen] Branchenübergreifen¬
de Kaufangebote. Wer das nötige Kleingeld
zum Hummerkauf hat, sollte auch gern und
viel für Schmuck ausgeben. Im Internet ist
es eine Sache von Sekunden, Angebote mit¬
einander zu verknüpfen: Bücherund Lebens¬
mittel, Reisen und Sprachkurse etc. Solan¬
ge der Surfer die zusätzlichen Angebote
eher als Service denn als Aufdringlichkeit
erlebt, gibt es ein Cross-Selling-Potenzial.
Doch auch in der realen Welt gibt es seit
Jahren erfolgreiche CS-Modelle: Tchibo-
Shops und Tankstellen-Supermärkte.
Customer-
Relationship-
Marketing (CRM)
[zu engl. customer = Kunde und
engl. relationship = Beziehung]
Elektronisch unterstützte Pflege der Kun¬
denbeziehung. CRM-Systeme schaffen die
Voraussetzungen für das Sammeln und
Analysieren kundenbezogener Daten, z.B.
Kaufverhalten, berufliche Stellung, Ein¬
kommensgruppe. Auf dieser Basis werden
Handlungsrichtlinien entworfen, um Kun¬
den persönlich anzusprechen, ihre Zufrie¬
denheit zu erhöhen und damit langfristig
die Kundenbindung zu stärken. Leiderist
in der Praxis noch unklar, was alles unter
diesen Begriff fällt. Die einen verstehen
darunter ewsletter für Kun¬
den, die anderen 1Lp r o f i l i n g , wie¬
der andere die Integration der gesamten
Versorgungskette.
n
1 6 1
Eine New Economy gibt es für mich
eigentlich nicht. Das Internet hat
aber neue Vertriebskanäle eröffnet,
die es Unternehmen erlauben, ohne
Begrenzung durch Öffnungszeiten
oder Zeitzonen weltweit zu agieren.
M A
6
N
A
X MANUEL LÜDERS,
ÜNDUNGSMITGLI ED, CEO
TBI D INDUSTRIE
KTIONEN AG
R
E
U
Database-
Marketing
[engl. für: datenbasiertes Marketing] In¬
formationsorientiertes Marketing. Alle nutz¬
baren Informationen aus dem Unternehmen
oder von außerhalb sollen in die Marketing¬
strategie für alte und neue Produkte ein¬
fließen. Man nutzt z. B. die Erfahrungen
der CUSTOMER-CARE-DIVISION
(neudeutsch für: Reklamationsabteilung),
um so das Produkt oder den Service zu
verbessern. Der umstrittene Nebeneffekt:
Durch Verknüpfung verschiedener Info-
Quellen lassen sich Persönlichkeitsprofile
erstellen, die den Konsumenten „gläsern"
machen - und die herrschenden Daten¬
schutzrichtlinien aushebeln.
Di rektmarketing
Alle Marketingaktivitäten, die ein Unterneh¬
men in direktem Kontakt und durch indi¬
viduelle Kommunikation mit der Zielgrup¬
pe verfolgt. Ein Anbieter spricht dabei den
potenziellen Kunden im Rahmen der Ver¬
kaufsförderung entweder auf schriftlichem
Wege (Kataloge, 1L_n ewsletter,
1Lm a i l i n g s ), in Telefongesprächen
(Telefonakquise), in persönlichem Gespräch
durch Außendienstmitarbeiter oder am
1Lp o s (Point of Sale) an. Datengestütz¬
te Computeranwendungen (11_crm,
T D a T a M i n i N G ) unterstützen das
Unternehmen bei der adäquaten Kunden¬
ansprache. Der Anbieter erhofft sich gerin¬
ge Streuverluste, da die Zielgruppe direkt
angesprochen wird. Oft ist dies jedoch nur
ein Wunschdenken, da Vertreter meist ab¬
gewimmelt werden und viele Mailings un¬
gelesen im Papierkorb landen. Besondere
Anreize können hier 1Le arly birds
und 1L_g ive-aways schaffen, denn
wo es was umsonst gibt, ist immer was los.
E
162 New Market
Early Bird
[engl. für: früher Vogel] Ganz im Sinne
des alten Sprichwortes „Early bird catches
the worm" (Früher Vogelfängt den Wurm)
bezeichnet der Early Bird eine Werbebot¬
schaft, die zu einer besonders schnellen
Reaktion veranlasst. Im T d i r ekt-
marketing wird meist ein besonderer
Anreiz, der „Wurm", zur raschen Antwort
bzw. Bestellung innerhalb einer bestimm¬
ten Frist geboten. Durch die Aussicht auf
einen besonders günstigen Preis, ein klei¬
nes Geschenk, die Teilnahme an einer Son¬
derverlosung o.Ä. soll der Kunde zu schnel¬
lem Handeln motiviert werden. Legt er das
Mailing oder den Katalog nämlich erst ein¬
mal wieder aus der Hand, gilt das andere
Sprichwort „Aus den Augen, aus dem Sinn".
Emotional Design
[engl. für: emotionales Design] Der Begriff
drückt den gestalterischen Ansatz aus, dass
Design vor allem die Gefühlswelt des Kon¬
sumenten ansprechen muss, damit sich Pro¬
dukte verkaufen. Das Überangebot an Wa¬
ren erschwert unsere Fähigkeit, rationale
Kaufentscheidungen zu treffen, sodass Emo¬
tionen eine Art Kompassfunktion im Pro¬
duktdschungel übernehmen. Darüber hin¬
aus verkörpert das Design das T image
einer Marke. Farben und Formen sind kom¬
munikative Botschaften, über die eine Be-
i n g
Ziehung zum Konsumenten aufgebaut wird.
Ein gutes Beispiel für Emotional Design
ist der iMac von Apple. Die bunten Farben
nehmen dem technischen Gerät die Kälte
und wecken die Assoziation der spielerisch
einfachen Bedienung.
Ethnomarketing
Auf bestimmte Bevölkerungsgruppen kon¬
zentriertes Marketing. Mittlerweile gibt es
auch in Deutschland die Differenzierung
von Zielgruppen nach ethnischen Gesichts¬
punkten, insbesondere in Hinsicht auf die
türkische Bevölkerungsgruppe. Die poten¬
ziellen Kunden werden dabei mit eigens für
sie konzipierten Spots und Anzeigen um¬
worben. Engagiert werden dafür türkische
oder türkisch-deutsche Marketingfachleu¬
te, die die Geschichte, Kultur, Mentalität
und Wünsche, aber auch das Konsumver¬
halten ihrer Landsleute gut kennen. Das
entsprechende kulturelle Wissen ist hier¬
bei entscheidend für den Erfolg einer Kam¬
pagne. Fauxpas wie etwa die Sondertele¬
fonkarte der niederländischen Telecom KPN
mit dem Konterfei Atatürks, dessen Politik
heute nicht unumstritten ist, können bis¬
weilen massive Ablehnung hervorrufen.
Euro-Styles
Der europäische Binnenmarkt macht mit
seinen 320 Millionen Menschen etwa 40%
E
1 6 3
des Welthandels aus. Über die verschiede¬
nen Euro-Styles wird versucht, die Konsu¬
menten dieses Marktes nach einheitlichem
Muster über die kulturellen Unterschiede
hinweg zu kategorisieren. Aus einer Stu¬
die des französischen Centre de Commu¬
nication Avance in Zusammenarbeit mit
Europanel, dem Zusammenschluß der euro¬
päischen Verbraucherpanelinstitute, sind
16 verschiedene Konsumententypen empi¬
risch abgeleitet worden. Dabei geht es in
erster Linie nicht um demographische Fak¬
toren wie Alter, Geschlecht, Einkommen
etc., sondern um Lifestyle-Gruppen mit
sehr unterschiedlichen Wertesystemen,
Verhaltensweisen und Motiven. So gibt
esz. B. den karriereorientierten Euro-Busi¬
ness, den vorsichtigen Euro-Prudent, den
korrekten Euro-Moralisten und den for¬
schen Euro-Pionier.
Eventmarketing
[zu engl. event = Veranstaltung] Das
Veranstalten von mehr oder weniger gro¬
ßen Ereignissen zu Werbezwecken. Von
Eventmarketing spricht man beispielswei¬
se, wenn für die Produkteinführung eines
neuen Wagens ein kostenloses Konzert in
der Innenstadt organisiert wird und dabei
nebenbei der Wagen beworben wird. Diese
Form der 11_b e low-the-li ne -Ak¬
tivitäten nimmt mittlerweile einen großen
Es ist an der Zeit, dass wir Europäer
endlich den Amerikanern die Profis
abwerben - und nicht umgekehrt
wie bisher.
BURCKH AR D T BONELLO,
GRÜNDUNGSMITGLIED
MEOME.DE
GRÜNDUNGSMITGLIED
NOVEDIA SYSTEMHAUS GMBH
Stellenwert im Marketingbudget ein, und
es haben sich zahlreiche Spezialagenturen
zur Durchführung von Events etabliert.
Expectation-
Management
[zu engl. expectation = Erwartung]
Expectation-Management heißt so viel
wie: die Erwartungen anderer, insbeson¬
dere die der Kunden,zu managen, in der
Regel herunterzuschrauben, damit zu ho¬
he Erwartungen nicht unerfüllt bleiben.
E
164 New Marketing
Es kann sowohl im privaten als auch im be¬
ruflichen Bereich betrieben werden und ist
besonders hilfreich, wenn die Ressourcen
(Zeit, Geld, Kräfte) knapp sind. Bei einem
Kunden, der sich eine komplette Website
innerhalb von zwei Wochen wünscht, wird
der Dienstleister zum Expectation-Mana¬
gement greifen müssen. In etwa so: In An¬
betracht des doch beträchtlichen Umfangs
an strategischer, kreativer und technologi¬
scher Leistung, die der Auftrag umfasst, so¬
wie der Knappheit der Arbeitsplätze in den
neuen Medien wäre das Produkt frühes¬
tens in zwei Monaten in der T b eta-
version zu haben.
Eyeballs
[engl. für: Augäpfel] Eyeballs sind das
Web-begriffliche Äquivalent zu Leser oder
Zuschauer. Obwohl man konsequenterwei¬
se von Pair of Eyeballs sprechen müsste,
handelt es sich bei fünf Eyeballs um fünf
Personen, die sich eine Site angeschaut
haben. Andere Zählweisen sind ll_p age-
impressions oder ll_v i s i t s .
Fencing
[zu engl. to fence = ein-, umzäunen]
Preispolitische Marketingstrategie. Um
möglichst alle Kundensegmente abzu¬
decken, wird ein Produkt häufig in ver¬
schiedenen Preisklassen angeboten, etwa
zu einem „Spottpreis" im Discounter oder
entsprechend teurer im Fachhandel. Durch
Fencing soll verhindert werden, dass die
Kundensegmente, die bereit sind, höhere
Preise zu zahlen, preisermäßigte Produkte
erhalten. Diese personelle Preisdifferenzie¬
rung kann durch „Zweitmarken" unterstützt
werden. m o-name-produkte
stammen häufig aus demselben Haus wie
das ungleich teurere Markenprodukt. Da
diese jedoch in unschönen Verpackungen
stecken, besteht für den Kunden, der das
obere Preisniveau bevorzugt, wenig An¬
reiz, das Produkt zu kaufen.
fire and forget
[engl. für: abfeuern und vergessen] Ten¬
denziell abschätziger Ausdruck für die Funk¬
tionsweise elektronischer Medien ohne
tjüCKKANAL wie z. B. das Fern¬
sehen. Daten oder Information werden auf
den Konsumenten „abgeschossen". Eine
Rückmeldung, ob diese Informationen zur
Kenntnis genommen oder empfangen wer¬
den, erfolgt jedoch nicht. Im Gegensatz
dazu ermöglichen Medien wie das Inter¬
net die Interaktion.
Franchising
[zu engl. to franchise = Lizenz er¬
teilen] Vertikale Absatzorganisation zwi¬
schen selbstständigen Unternehmen auf
_G_
1 6 5
vertraglich geregelter Basis. Der Franchise¬
nehmer übernimmt das Firmenkonzept und
den Namen des Franchisegebers und darf
dieses gegen Entgelt nutzen. Er tritt mit
eigenem Kapital und auf eigenes Risiko
ein. Ein Franchisepaket besteht aus einem
Absatz-, Beschaffungs- und Organisations¬
rechten, dem Nutzungsrecht an Schutzrech¬
ten, der Ausbildung des Franchisenehmers
u.v.m. Franchiseunternehmen treten am
Markt einheitlich auf. Das berühmteste
Beispiel dafür ist wohl McDonalds, was
auch erklärt, warum der Hamburger über¬
all gleich schmeckt.
Generations
Unter der Bezeichnung Generation® wer¬
den die Jugendlichen verstanden, die von
Kindesbeinen an den Umgang mit dem
Computer erlernt haben. Für sie ist er ein
alltägliches Werkzeug, das sie ohne großen
New Economy ist ein Modebegriff, der
eine durch das Internet getriebene
Gründerwelle beschreibt. Am Anfang
war Euphorie, jetzt ist Depression,
bald kommt Normalität. Dann
ist New Economy einfach Economy.
DR. MATHIAS DÖPFNER,
VORSTAND ZEITUNGEN,
MULTIMED I A/ELEKTRO-
NISCHE MEDIEN
AXEL SPRINGER VERLAG AG
Respekt aber mit Kompetenz bedienen,
während die ältere Generation dieses Ins¬
trument noch immer mit kritischer Distanz
beobachtet. Dies spiegelt auch das neue
Selbstbewusstsein und den Gründergeist
dieser Generation wider.
G i ve-away
[zu engl. to give a way = wegge¬
ben, verschenken] Werbegeschenk. Ein
Give-away wird sowohl auf Veranstaltun¬
gen mit hohem Öffentlichkeitswert, z.B.
auf Jahrmärkten oder bei Fußballspielen,
verteilt als auch an Kunden verschenkt, die
das Unternehmen besuchen. Die kleinen
Präsente können Produktproben wie Scho¬
koriegel oder CD-ROMs, aber auch Werbe¬
geschenke der niederen (Kugelschreiber
und Luftballons mit Firmenlogo) oder der
gehobenen Kategorie (Markenfüllfeder¬
halter mit Firmengravur) sein.
G
166 New Marketing
Glaubwürdigkeit
Auch credibility. Anfang der
Neunzigerjahre war Credibility vor allem in
der Jugend- und Musikszene ein gebräuch¬
licher Ausdruck dafür, wie souverän und
glaubwürdig eine Person war. Heute wird
der Begriff auch für Geschäftsbeziehungen
verwendet und steht hier stellvertretend
für Professionalität. „Der hat seine Credibi¬
lity total verspielt" könnte zum Beispiel
ein Kommentar nach einer verpatzten Prä¬
sentation sein. Insbesondere spielt die
Glaubwürdigkeit aber in der Kommunika¬
tionspolitik eines Unternehmens eine gro¬
ße Rolle, ist sie doch eines der wichtigsten
Elemente der Akzeptanz und Etablierung.
Je höher die Glaubwürdigkeit, desto größer
ist die Wahrscheinlichkeit für die Wirksam¬
keit der Kommunikation und die Akzep¬
tanz eines Produktes, desto besser ist das
T I mage und desto höher der Absatz.
Global Brand
[engl. für: weltumspannende Marke] Auch
megabrand, Weltmarke, Mega-Marke.
Ob eine Marke ein Global Brand ist, hängt
von ihrem Bekanntheitsgrad und ihrer
Strategie ab. Global Brands sind weltweit
vom Konsumenten identifizierbare Mar¬
ken, die auch bei geringen Unterschieden
im Marketing-Mix nach denselben strate¬
gischen Prinzipien arbeiten, die in jedem
Land dasselbe Erscheinungsbild, Logo und
denselben Namen haben und auf allen rele¬
vanten Märkten stark positioniert sind. Zu
den größten Global Brands gehören Coca-
Cola, Marlboro, McDonalds und Microsoft.
Probleme treten jedoch auf, wenn der Na¬
me in der anderen Sprache eine andere
(negative) Bedeutung hat, wie etwa „Uno"
(Fiat) auf Italienisch zwar „eins", auf Fin¬
nisch aber „Trottel" bedeutet. Schlechte
Erfahrungen machte auch Rolls Royce in
Deutschland mit seinem Modell „Silver
Mist" (Silberner Nebel).
Glokalismus
[Zusammensetzung aus g I o b a l und l o -
k a l] Je globaler die Strukturen werden,
in denen Menschen Leben, desto größer
wird das Bedürfnis nach Heimat, Ortsge¬
bundenheit und einer vertrauten kultu¬
rellen Identität. Für das Marketing der
T G LOBAL player bedeutet dies,
dass Werbekampagnen nicht mehr einheit¬
lich in allen Ländern eingesetzt werden,
sondern ganz gezielt den Lokalen Eigen¬
arten angepasst werden.
Goodwi l L
[engl. für: Wohlwollen] Mit Goodwill ist
das Wohlwollen und die positive Einstel¬
lung gemeint, die Konsumenten und Inves¬
toren einem Unternehmen, einem Produkt
G
1 6 7
oder einer Marke entgegenbringen. Gerade
bei l_s T art-ups der New Economy
ist der Goodwill häufig mehr wert, als das
Unternehmen an sich. Das bedeutet, dass
dem Unternehmen Vertrauen in seine Leis¬
tung und seinen (zukünftigen) Wert ent¬
gegengebracht wird. Von Goodwill-Effekt
spricht man dann, wenn durch den guten
Ruf und das gute Image eines Produkts
die Verkaufsbedingungen anderer Produkte
desselben Unternehmens positiv beein¬
flusst werden.
Green Washing
[zu engl. green = grün und engl. t o
w a s h = waschen] Bei dieser Strategie
wird selbst das geringste ökologische Merk¬
mal eines (unökologischen) Produktes wer¬
bewirksam genutzt. Diese Methode wird vor
allem auf dem Automarkt angewendet. In
der Werbung für einen neuen Wagen wird
dann gern auf den geringen C02-Ausstoß
hingewiesen, der vielleicht unter dem
Durchschnitt liegen mag, aber dennoch
umweltschädlich bleibt. Häufig taucht das
Green Washing auch im Zusammenhang
mit Hygiene- und Waschmitteln auf.
Gueri llamarketing
Was tun, wenn die Konkurrenz übermäch¬
tig ist oder das Geld nicht für einen groß
angelegten Werbefeldzug reicht? Die Al-
Wir waren das Wasser in der Wüste.
MICHAEL ZERR,
GESCHÄFTSFÜHRER
YELLO-STROM
ternative lautet: Den Kleinkrieg starten,
Guerillataktiken einsetzen. Statt Geld wird
vor allem Energie eingesetzt. Diese Form
des Marketings setzt das Auffinden eines
spezifischen Marktsegments voraus, da
man hier die besten Chancen hat, sich mit
den wenigen zur Verfügung stehenden Mit¬
teln zu behaupten. Das Unternehmen kann
sich dabei auf einzelne Produkt- und Ziel¬
gruppen konzentrieren, außergewöhnliche
Vertriebskanäle einsetzen oder eine geogra¬
phische Begrenzung vornehmen. Schritt für
H
1 6 8
New Marketing
Schritt versucht der Guerillamarketer, Markt¬
anteile zu gewinnen, ohne den Marktführer
auf sich aufmerksam zu machen und einen
großen Werbegegenfeldzug auszulösen.
Homeshoppi ng
[zu engl. h o m e = Heim, Zuhause
und engl. to s h o p = einkaufen] Auch
teleshopping. Die Nutzung von
Telekommunikation, um Einkäufe zu tä¬
tigen. Dies kann per Telefon, Fax, E-Mail
oder online geschehen. Der Kunde kann
sich das Produkt seiner Wahl im Fernse¬
hen, Katalog, Internet etc. ansehen und
dann bestellen. Der Begriff screen¬
shopping [zu engl. screen =
Bildschirm] ist noch etwas genauer und
schließt das Printmedium aus: Gemeint ist
ausschließlich das Einkäufen vom Bild¬
schirm aus. Der Kunde sitzt entweder vor
dem Computer und kauft in einem Online¬
kaufhaus ein oder relaxt im Fernsehsessel,
sieht sich Infomercials an und bestellt die
dort angepriesene Ware per Telefon. So
oder so, man braucht das Haus nicht mehr
zu verlassen.
Image
[engl. für: Bild, Bildnis, Vorstellung] Die
Vorstellung, die ein Einzelner oder eine
Gruppe von einer anderen Person, Gruppe
oder Sache hat. Das Image beruht sowohl
auf objektiven Tatsachen als auch auf sub¬
jektiven Gefühlen oder Erfahrungen. Es
spielt im Marketing eine große Rolle, da
sich Produkte in ihrer Qualität nicht mehr
stark genug voneinander unterscheiden.
Um sich von anderen Produkten abzugren¬
zen, muss ein positives Image aufgebaut
werden. Dieses bietet den emotionalen
Mehrwert (T_z usatznutzen). Auch
wenn es in einem Slogan heißt „Image ist
nichts, Durst ist alles", ist es doch gerade
das Image, was den Konsumenten speziell
zu diesem Produkt greifen lässt.
Imagetransfer
[zu engl. i m ag e = Bild, Bildnis, Vor¬
stellung] Übertragung eines bereits be¬
stehenden Images auf eine andere Person,
ein anderes Produkt oder Unternehmen.
Ein Imagetransfer findet in Bezug auf Pro¬
dukte meistens durch die Verwendung der¬
selben Marke statt. Das neue Produkt pro¬
fitiert dann von dem positiven Image und
der Bekanntheit einer bereits gut einge¬
führten Marke. Einen Imagetransfer ver¬
suchen Unternehmen aber auch in ihrer
T.publi c-relation s - Strategie
zu erreichen. Dies gelingt ihnen insbe¬
sondere durch den Einsatz so genannter
Tb e lo w-t h e - l i N E-Maßnah¬
men. Indem Adidas z.B. Streetball-Tur¬
niere organisierte, die über ein breites
1 6 9
Rahmenprogramm wie Hip-Hop-DJs und
Skateboardrampen verfügten, gelang dem
Sportartikelhersteller der Transfer vom
miefigen Turnhallenimage zur angesagten
Kultmarke.
intergeneratives
Marketing
Marketing für alle Altersklassen. Wer sein
Produkt nur an die Stammkunden vermark¬
tet (Ernte 23), altert mit diesen und stirbt
schließlich aus. Wer sich ausschließlich an
den Jungen orientiert (Camel) vergrätzt
die Alten unter seinen Kunden. Wer alle
erreichen will, muss auch alle ansprechen.
Intergeneratives Marketing wählt dabei
unterschiedliche Ansprachen für die Ge¬
nerationen oder eine gemeinsame, alters¬
übergreifende Ansprache.
Interpassivität
[zu lat. inter- = zwischen- und lat.
p a ssi vu s = duldend, untätig] Bei In¬
terpassivität handelt es sich nicht um das
Gegenstück zur Interaktivität, sondern um
eine passive Variante von dieser. Der Ge¬
nuss bzw. Konsum wird hier anderen über¬
lassen: Fernsehkomödien lachen für uns,
Kopiergeräte übernehmen das Lesen, Vi¬
deokameras betrachten die Sehenswür¬
digkeiten unserer Reisen, Videorecorder
sehen unsere Wunschsendungen und An¬
rufbeantworter hören sich unsere Anrufe
an. Interpassivität kommt überall dort vor,
wo Maschinen oder Personen für uns so¬
wohl die Erfahrung als auch den Genuss
übernehmen. Das gibt uns die Zeit für an¬
dere Tätigkeiten, andere Genüsse. Der Be¬
griff stammt ursprünglich aus der Kunst
und wurde Anfang der Neunzigerjahre von
dem slowenischen Philosophen Slavoj
Zizek geprägt.
Interstitial
[zu engl. i n t e r s t i c e = Zwischen¬
raum, Sprung] Auch intermerci al.
[aus interaktiv und engl. commercial
= Werbespot] Interaktiver Werbespot im
Internet. Kaum hat man gelernt, all die
blinkenden T R ich-medi A-Banner
zu ignorieren, kommen die Werber mit in¬
teraktiven Videosequenzen daher. Beim
Wechsel von einer Internetseite zur nächs¬
ten wird das Interstitial im gesamten
Browserfenster angezeigt. Die eigentliche
Zielseite wird nach kurzer Verzögerung
meist automatisch dargestellt. Intersti¬
tials werden als Werbeform nur selten
angewendet, da sie im Vergleich zu den
wesentlich dezenteren T b a n n e r n
extrem in das Surferlebnis eines Users
eingreifen. Des Weiteren benötigen Inter-
mercials viel 'T b andbreite, was
bedeutet, dass sie den Nutzer zum Warten
New Marketing
JC
1 7 0
vor dem leeren Monitor zwingen. Und da
die meisten Internetnutzer notorisch un¬
geduldig sind, wird sich diese Werbeform
eher geringer Beliebtheit erfreuen.
Keep-out-Price
[zu engl. to keep o u t = fern halten
und engl. p r i c e = Preis] Bezeichnet
den Einsatz von niedrigsten Preisen, um
der Konkurrenz den Zugang zu einem
Markt praktisch unmöglich zu machen.
Dieses Verfahren erfreute sich zuneh¬
mender Popularität bei finanzkräftigen
'T E - businesses, die manche
Produkte zum Einkaufspreis verkaufen, nur
um Marktanteile und Zugang zu neuen
Kunden zu gewinnen. Kaum ein anderes
Unternehmen wird versuchen, in solch
einen Markt zu drängen. Die Konkurrenz
ist damit effektiv fern gehalten.
Kultmarketing
Kultmarketing, so wie es in dem gleich¬
namigen Buch von David Bosshart und
Norbert Bolz beschrieben ist, bedeutet,
Marken mit Mythen und Geschichten auf¬
zuladen und diese für die Konsumenten
mit einem spirituellen Mehrwert zu verse¬
hen. Der Mangel an Kultischem und Rituel¬
lem in einer Gesellschaft, die vorwiegend
wissenschaftlich und rational-analytisch
orientiert ist, hat die Basis für diese Form
des Marketing geschaffen. Mythos wirkt ab¬
satzsteigernd. Coca-Cola und Nike sind z.B.
Kultmarken, die durch Historie und Legen¬
denbildung Kultstatus erlangten. Kultmar¬
keting setzt häufig auf Mund-zu-Mund-Pro-
paganda und eine Produktinszenierung, die
den Geschmack der s tilgruppe
trifft, ohne das Etikett „Kult" zu offen¬
sichtlich zu transportieren.
Labeling
[zu engl. label = Etikett] Der Begriff
definiert Zielgruppen oder Lifestyle-Typen
aufgrund eines exemplarischen Konsumver¬
haltens, das Rückschlüsse auf andere Kon¬
sumvorlieben offenbaren soll. Die durch
eine Vorliebe für eine Marke eruierte Ka¬
tegorie steht also symptomatisch für even¬
tuelle andere Präferenzen. Beispiel: Die
Käufer von Retro-Puma-Schuhen dürften
Mitte zwanzig sein, einem urbanen Umfeld
angehören und möglicherweise einen krea¬
tiven Beruf ausüben. Diese Gruppe dürfte
nun eine Affinität zu Produkten mit ver¬
wandter Stilsprache haben beispielsweise
zu Boot-Cut-Jeans oder Cordhosen.
Launch
[engl. für: Einführung, Premiere] Wird
ein Produkt nach seiner Entwicklungspha¬
se auf dem Markt eingeführt, spricht man
von seinem Launch. Im Falle einer Web-
1 7 1
Die New Economy ist die Verschmel¬
zung des Know-how der Old Economy
mit den Technologien einer digitalen
Welt. Bei mir persönlich hat sie
Kreativität freigesetzt und mir Wege
eröffnet, die noch vor wenigen
Jahren undenkbar gewesen wären.
PROF. PETER KABEL,
GRÜNDER, CEO
KABEL NEW MEDIA AG
site handelt es um den Augenblick, in
dem der T c o n t e n t online geht. Beim
Launch wird die Site der Netzöffentlich¬
keit oder den Businesspartnern zugäng¬
lich gemacht. Ein s o f t l a u n c h be¬
zeichnet die initiale Publikation einer
Website für den öffentlichen Zugang. Oft
handelt es sich dabei um eine T b e -
TAVERSION mit noch nicht vollstän¬
digem Inhalt oder Funktionsumfang. Der
Softlaunch dient dazu, etwaige Fehler
und Probleme auszumerzen und ersten
Nutzern den Zugang zu ermöglichen. Nach
dieser 'Generalprobe' wird der hard-
launch dann oft mit einer Werbekam¬
pagne oder Presseberichten angekündigt.
Das Bertelsmannportal www.wissen.de
ging beispielsweise zunächst mit einem
Softlaunch an den Start und wurde bis zum
Hardlaunch laufend aktualisiert und er¬
weitert. Eine Neuauflage, Neuausrichtung
oder Neupositionierung eines Produktes
oder einer Marke wird mit relaunch
bezeichnet.
Leapfrogging
[zu engl. leapfrog = Bockspringen]
Kaufentscheidungen werden in Erwartung
besserer Angebote auf die Zukunft ver¬
schoben. Das Leapfrogging trifft vor allem
auf technologieorientierte Märkte zu, wo
die Entwicklung zu besseren, schnelleren
Produkten zu günstigeren Preisen inner¬
halb kürzester Zeit vonstatten geht. Vor
alLem im Computerbereich gibt es stän¬
dig Preissenkungen und Produktinnova¬
tionen. Steht der Konsument nicht unter
Zeitdruck bei seinem Kaufvorhaben, kann
er ein günstigeres Angebot abwarten: „Ich
kaufe mir den Computer erst in 3 Mona¬
ten, dann ist er günstiger. Die Diplomar¬
beit muss so Lange warten."
1
New Marketing
1 7 2
Loyalty-Marketing
[engl. für: Loyalitätsmarketing] Der mo¬
derne Konsument legt sich ungern fest
(T o pt I on i s mu s), seine Existenz
als moderner Nomade tangiert nicht nur
die Arbeitswelt und das Sozialleben,
sondern auch die Markentreue. Mit Loyal¬
ty-Marketing soll der vagabundierende
Konsument an die Marke gebunden wer¬
den. Dabei gibt es verschiedene Strate¬
gien: durch Service nach dem Kauf (Drei¬
jahres-Service-Garantie beim Autokauf),
durch Treuekarten (Miles&More-System
der Lufthansa), durch Information (Kun¬
denzeitschriften) und durch Kundenklubs
und VIP-Events. Im Idealfall führt Loyal¬
ty-Marketing ZU T 0 NE-TO-ON E-
MARKETING.
Mai Ling
[engl. für: Postsendung, Aussendung]
Direktwerbebriefe. Meist ist Mailing nur
eine besser klingende Bezeichnung für
Werbepost, die vermehrt den Briefkasten
überschwemmt. Sie wird im Internet auch
für PAMMiNG, das massenhafte
Aussenden von E-Mails, verwendet. Mai¬
lings können den (potenziellen) Kunden
aber durchaus auch mit sinnvollen, inte¬
ressanten Informationen versorgen. Eine
weitere Ausprägung ist die m a i l i n g -
L i s T E, ein themenspezifischer E-Mail¬
Verteiler, der von einem Interessenten
abonniert werden kann. Der Anbieter ver¬
sorgt die Abonnenten regelmäßig mit News
zu bestimmten Themen. Das Besondere an
einer Mailingliste ist, dass der Abonnent
die Mail nicht nur lesen, sondern auch
beantworten kann und so die Möglichkeit
zum Dialog besteht. Bei vielen Mailing¬
listen entscheidet ein Moderator im Vor¬
feld, welche News veröffentlicht werden,
um T J Unkmails oder beleidigende
Beiträge, sog. f l a m e s , zu verhindern.
Mailinglisten werden neben T c o m mu¬
ni t i E s auch von privaten Unterneh¬
men genutzt, um einen besseren Kontakt
zu ihren Kunden zu halten.
Mediamix
Medienmischung. Eine Werbekampagne
kann sich vieler Medien bedienen: Radio,
Fernsehen, Zeitung und Zeitschriften, Pla¬
kate und natürlich auch das Internet sind
mögliche Werbeträger. Abhängig von Pro¬
dukt und Zielgruppe wird versucht, die
optimale Kombination von Medien, den
Medienmix, zusammenzustellen, um den
Kunden möglichst umfassend und ausdau¬
ernd zu umwerben. Ein schlecht geplan¬
ter Mediamix lässt eine Werbekampagne
wirkungslos verpuffen, da ein Großteil der
Medien die ausgewählte Zielgruppe unter
Umständen überhaupt nicht erreicht.
M
1 7 3
The global e-business will give us
access to the private dient base
globally, without having branches.
DR. JOSEF ACKERMANN,
VORSTAND
DEUTSCHE BANK AG
Mee too
[engl. für: ich auch] So wie erfolgreiche
Menschen Idole und Vorbilder sind, wer¬
den auch erfolgreiche Produkte kopiert.
Das Plagiat versucht, als Trittbrettfahrer an
den Erfolg des Originals anzuknüpfen. Da¬
bei kann das Produkt selbst, der Name, das
Design oder ein anderer Aspekt kopiert wer¬
den - natürlich immer nur in dem Rahmen,
wie dies das Marken-, Patent- und Urhe¬
berrecht zulässt. Nicht nur Produkte und
Produktdesign, auch die Werbung bzw.
einzelne Stilmittel der Kommunikation las¬
sen sich kopieren.
Merchandising
[zu engl. to m e r c h a n d i se = auf
den Markt bringen] Merchandising ist die
Weiterverwertung bekannter Charaktere
und Symbole durch den Verkauf von Han¬
delsware: T-Shirts mit dem Logo von Pop¬
gruppen, Spielzeugfiguren von Charakte¬
ren aus bekannten Filmen, Kaffeetassen
mit Aufdruck von Comicfiguren. Merchan¬
dising ist ein erfolgreicher Geschäftsbe¬
reich: Diverse Filme haben ihre Produk¬
tionskosten bereits vor Anlauf in den Kinos
mittels Merchandising eingespielt.
Multichanneling
[zu engl. m u 11 i - = mehr, viel und engl.
c h a n n e l = Kanal] Absatzinstrumen¬
tarium, das über mehrere (Kommunika-
tions)kanäle verfügt. Multichanneling im
Bankgewerbe beispielsweise meint die
Möglichkeit des Kunden, seine Geschäfte
am Schalter der Geschäftsstelle oder am
Geldautomaten zu regeln. Des Weiteren
besteht die Option, das Telefon (phone-
banking) oder das Internet (On¬
linebanking) zu nutzen oder In¬
formationen wie etwa Börsenkurse über
N
New Marketing
1 7 4
Videotext oder Fernsehen abzurufen. Der
Kunde wählt die Alternative, die ihm be¬
züglich Geschwindigkeit oder Erreichbar¬
keit am angenehmsten ist. Verfügt ein Un¬
ternehmen über ein derart ausgefeiltes
Netz an Dienstleistungen bzw. Services,
bedeutet das einen Wettbewerbsvorteil
gegenüber Konkurrenten.
Newsletter
[engl. für: Neuigkeitenbrief] Direktmar¬
ketingmaßnahme und Sonderform der
±_m ailingliste. Beim Newsletter
handelt es sich um einen Verteiler, der die
Abonnenten mit Informationen in Form
von E-Mails versorgt. Newsletter bieten den
Teilnehmern jedoch kein Diskussionsfo¬
rum. Sie werden häufig als Marketingins¬
trument für Werbung, Pressemitteilungen
und insbesondere für den Kundenkontakt
und die Kundenbindung eingesetzt. Der Vor¬
teil des Newsletters ist, dass er abonniert
wird und den Briefkasten des Users nicht
ungewollt verstopft. Für das Unternehmen
bedeutet es, dass sich der Abonnent für
das Produkt tatsächlich interessiert und
die Informationen nicht ungelesen ver¬
loren gehen.
Nischenmarketing
Als Nische oder marktnische
wird der Teil des Marktes bezeichnet, der
gar nicht oder nur unzureichend abge¬
deckt wird, obwohl Nachfrage besteht.
Beim Nischenmarketing zielen die unter¬
nehmerischen Aktivitäten auf die Felder,
auf denen andere, womöglich größere
Konkurrenten nur schwach oder gar nicht
vertreten sind. Nischenmarketing ist der
Motor, der viele kleine Unternehmen an-
und vorantreibt. Gerade in der New Eco¬
nomy wurden zahlreiche Nischen wie z.B.
der Onlinebuchhandel, das Onlinebanking
oder das 1Lf unctional food ent¬
deckt und erfolgreich vermarktet.
No-Name-Produkt
[zu engl. no n a m e = kein Name]
Ein Produkt, das durch keine besonderen
Markenqualitäten wie etwa einem coolen
T I mage auffällt. Typische Fälle sind
Handelsmarken wie „Ja!". Für No-Name-
Produkte wird in der Regel nicht gewor¬
ben und auch beim Design kein Aufwand
betrieben. Dadurch können sie billiger pro¬
duziert und angeboten werden. Die Preis¬
differenz zwischen Markenartikeln und
No-Name-Produkten gibt einen Anhalts¬
punkt für die Stärke der jeweiligen Mar¬
ke, da sie sich in ihrer Qualität meist
wenig voneinander unterscheiden. No-
Name-Produkte verzeichnen in wirtschaft¬
lich schlechten Zeiten besonders hohe
Marktanteile.
_0_
1 7 5
Non-Profi t -
Marketing
[zu engl. non-profit = nicht auf
Gewinn ausgerichtet] Marketingaktivitä¬
ten, die nicht auf Absatzsteigerung, Wachs¬
tum und Gewinn ausgerichtet sind, sondern
der Unterstützung und Erfüllung bestimm¬
ter (sozialer) Ziele dienen. Diese Art des
Marketings wird insbesondere von n o n -
PROFIT -ORGANISATIONEN
( N p o ) betrieben. NPOs sind gemein¬
nützige Gesellschaften oder Institutionen,
die nicht gewinnorientiert arbeiten und
eine soziale Aufgabe erfüllen wie z.B. ein
Kinderheim. Zunehmend müssen sie sich
durch private Spenden finanzieren. Um
diese zu erhalten, wird Non-Profit-Marke¬
ting betrieben. Etwa in der Form, dass
potenziellen Spendern ein Direktmailing
geschickt wird.
One-to-One-
Marketing/
1-to-1-Marketing
[engl. für: Eins-zu-eins-Marketing] Die
Interaktivität und Zielgenauigkeit des In¬
ternets ermöglicht die gezielte Ansprache
einzelner Menschen. Der Erfolg des One-
to-One-Marketings hängt von einer guten
Datenbank c rm), dem dL_p r o f i -
ling und einem geschickten T d ata-
mining ab. Die Marketingmaßnahmen
New Economy bedeutet für mich die
Möglichkeit, den Verbrauchern eine
[zielgerechte und serviceorientierte
Dienstleistung anzubieten.
PHILIPP HUMM,
GESCHÄFTSFÜHRER
AMAZON.DE GMBH
werden auf den Kunden zugeschnitten und
orientieren sich - im Idealfall - an sei¬
nen individuellen Bedürfnissen. Darüber
hinaus soll ein Dialog entstehen. One-
to-One-Marketing kann beispielsweise in
Callcenter n umgesetzt werden,
wo der Kunde mit einem Vertreter des
Händlers spricht. Dieser hat über die Da¬
tenbank ein Profil des Kunden und kann
so besser auf ihn, seine Probleme und Wün¬
sche eingehen. Letzlich bleibt der persön¬
liche Kontakt unverzichtbar.
0
176 New Market
Opinion-Leader
[engl. für: Meinungsführer] Opinion-Lea¬
der nehmen in ihrer sozialen Gruppe die
führende Stellung beim Meinungsbildungs¬
prozess ein. Sie fungieren als Vorbild für
die unentschlosseneren und unsichereren
Mitglieder ihres sozialen Umfeldes. Ihre
Meinung ist bei Kaufentscheidungen re¬
levant, schließlich definiert sich die per¬
sönliche Befriedigung eines Kaufes auch
über die Bestätigung, die die Mitmenschen
bieten. Es ist wichtig, die Opinion-Leader
in der Werbung zu erreichen, da von ihnen
ein Multiplikatoreffekt ausgeht. Hätten
z.B. nicht einige sportliche Freaks ange¬
fangen, mit Rollern und Kickboards durch
die Stadt und zur Arbeit zu fahren, wären
diese wohl kaum so populär geworden. Die
Werbung für diese Produkte setzte erst
wesentlich später ein.
Optionismus
Kunden tendieren dazu, sich im Überan¬
gebot der Märkte nicht mehr festzulegen.
Sie picken sich stets die Rosinen heraus:
Heute so, morgen anders, immer mit der
Option zu wechseln. Die Loyalität zu einer
Marke schwindet. Der Begriff steht auch
für den Trend, dass der Konsument ein
Produkt nicht mehr erwirbt, sondern für
die Zeit, in der er es benötigt, für das Nut¬
zungsrecht zahlt. Damit erhöht er für sich
i n g
die Handlungsfreiheit und entgeht dem
Zwang, sich festlegen zu müssen. Dieser
Trend erschwert natürlich die Marketing¬
maßnahmen der Unternehmen, die auf
Kundenbindung ausgerichtet sind. Daher
sollte dem Konsumenten das Gefühl ver¬
mittelt werden, dass er zwar aus zahlrei¬
chen Möglichkeiten wählen kann, aber die
eine doch die beste ist.
Pageimpression
[engl. für: Seiteneindruck] Um den quanti¬
tativen Erfolg einer Website zu bewerten,
werden neben den iLv i s i t s auch Page-
impressions gemessen. Jeder Sichtkontakt
einer Einzelseite wird in den T l og-
files mit einer Pageimpression ver¬
bucht. Gemessen wird am T s e r v e r ,
der die Daten ausliefert; ob sich eine Sei¬
te jedoch im T B R o w s E R komplett auf¬
gebaut hat, bleibt hierbei unbeantwortet.
Der Quotient aus Pageimpressions und Vi¬
sits ergibt die pi/v-rate, welche die
Nutzungsintensität eines Angebots cha¬
rakterisiert: eine relativ hohe PI/V-Rate
von 12 bedeutet, dass der Nutzer bei sei¬
nem Besuch im Durchschnitt 12 Einzel¬
seiten abgerufen hat.
Payback
[zu engl. to pay back = zurückzah¬
len] System, bei dem jeder Kauf mit einer
E
1 7 7
Die Macht und der Einfluss, den die
neuen Medien jedem Einzelnen von
uns geben, ist enorm. Das Verhältnis
zwischen Anbieter und dem Kunden
definiert sich völlig neu.
DR. PAUL ACHLEITNER,
CHIEF FINANCIAL OFFICER
ALLIANZ AG
bestimmten Anzahl von Punkten belohnt
wird, die der fleißige Sammler (und somit
auch Konsument) später in Form einer Aus¬
zahlung einlösen kann. Der interessierte
Kunde bekommt die Payback-Card bei je¬
dem der offiziellen Partner dieses Systems,
die vom Supermarkt über Reiseanbieter
bis zum Onlinedienst reichen. Ab einer be¬
stimmten Punktzahl wird ihm der Betrag
gutgeschrieben. Diese preispolitische Ma߬
nahme ist zwar keineswegs neu, man den¬
ke nur an die Rabattmarken, doch ist sie
umso effektiver, bindet sie den Kunden doch
an einen bestimmten Händlerring. Außer¬
dem wird der Käufer durch spezielle An¬
gebote mit sehr hoher Punktzahl zum Kauf
animiert, da ihm so das Gefühl vermittelt
wird, er hätte etwas gespart (!1_b e s t -
price-shopping). Auch die klas¬
sischen Rabattmarken erleben in manchen
Supermärkten ihr Comeback.
Permission-
Marketing
[engl. für: Erlaubnismarketing] Eine
Form des Marketings bei der der Ver¬
braucher dem Werber die Erlaubnis gibt,
ihn mit Informationsmaterial zu versor¬
gen. Aufgrund der zunehmenden Wir¬
kungslosigkeit der Massenwerbung hat
Seth Godin den Ansatz zum Permission-
Marketing in seinem gleichnamigen Buch
entwickelt. Klassisches Marketing, von
Godin INTERRUPTION-MARKE¬
TING [zu engl. interruption =
Unterbrechung] bezeichnet, stört den
Empfänger meist bei einer Tätigkeit, so
unterbricht beispielsweise ein Radiospot
den coolen Sound, ein TV-Spot den Film,
ein doppelseitiges Inserat den Artikel.
Das Permission-Marketing fragt zunächst
um Erlaubnis, bevor ein Dialog entsteht.
Es steht auf drei Säulen: Die Botschaft
E
New Marketing
1 7 8
muss erwartet werden, sie ist personi¬
fiziert und für den Empfänger von Be¬
deutung. Das Internet spielt dabei eine
entscheidende Rolle. Ein abonnierter
11_n E w s L E T T E R ist erwünscht, per¬
sönlich an den Adressaten gerichtet und
für diesen von Relevanz. Auch die Kun¬
denzeitschrift, die durch ein Kreuzchen
auf dem Anmeldeformular bestellt wird,
gehört dazu.
Personalisierung
Ein wesentliches Kennzeichen des New
Marketing ist die Personalisierung der Kun¬
denansprache. Diese umfasst neben der
persönlichen Ansprache mit Titel, Vorna¬
me, Nachname und Anrede auch weiter
gehende Parameter wie psychographische
oder soziodemographische Informationen,
Kaufhistorie und Konsumentenverhalten.
Die Personalisierung wird von Ansätzen
wie dem T Datamining oder dem
T c R M unterstützt.
Point of Fun
[zu engl. p o i n t = Punkt und engl. f u n
= Spaß] Neuinterpretation des point
of sale (Pos), des Verkaufsorts,
als Spaß- und Freizeitort. Innovative Shop¬
ping-Konzepte gestalten das Einkäufen als
Freizeiterlebnis. Die Shopping-Mall Blue¬
water bei London beispielsweise besteht
aus ornamental verzierten Hallen und me¬
diterran anmutenden Plätzen, die zum Fla¬
nieren einladen. Die Bewerbung der Waren
beschränkt sich auf den Raum der Shops.
Bluewater soll Eigendynamik entwickeln,
eine eigene Stadt sein - mit Kino, Fitness¬
center und einer eigenen Polizeistation.
Die Entwicklung zeigt sich überall, Ser¬
vice wird wichtiger: Kleidergeschäfte wer¬
den mit Bars aufgewertet und sollen Orte
sein, wo man sich amüsiert - immer mit
der Option zu kaufen. Der Point of Sale
entwickelt sich über den Point of Fun zum
Point of Life.
Pre-Launch-
Marketing
[zu engl. p re - = vor und engl. t o
l a u n c h = einführen] Das Produkt wird
schon vor der eigentlichen Markteinfüh¬
rung beworben. Das Zielist dabei, das In¬
teresse und die Neugier beim potenziellen
Konsumenten für das bald auf den Markt
kommende Produkt zu wecken und sein
Bewusstsein dafür zu schärfen. Wenn es
schließlich erhältlich ist, kennt es der Kon¬
sument bereits und tut sich bei seiner
Kaufentscheidung nicht so schwer.
Productplacement
[engl. für: Produktplatzierung] Diese
±_b elow-the-line - Maßnahme
B
1 7 9
bezeichnet die gezielte Platzierung von
Produkten in Filmen, Büchern und ande¬
ren Medien. Die beworbenen Produkte wie
Autos, Bier, Zigaretten, Designer-Labels
oder Fastfood-Restaurants werden nicht
zufällig präsentiert. Die Unternehmen zah¬
len dafür, meist mit einer Kombination aus
kostenlosen Leistungen und direkter oder
indirekter Bezahlung. Ein erfolgreiches
Beispiel für Productplacement war die Prä¬
sentation des BMW Z3 im James-Bond-
Film kurz bevor der Wagen auf den Markt
kam (j1_p re-launch-marke-
t i N g). Während diese Werbeform in
Kinofilmen eine legale Praxis darstellt,
fällt es im Fernsehen eigentlich unter die
verbotene Kategorie schleichwer-
bung, also eingemogelte Reklame. Wer¬
bung und Inhalt, so sieht es das deutsche
Gesetz vor, müssen deutlich getrennt wer¬
den. Da Productplacement im Fernsehen
jedoch so gut wie nicht geahndet wird,
hat es sich mittlerweile als gängige Werbe¬
maßnahme etabliert.
Profi Ling
[zu engl. to p r o f i le = ein Profil erstel¬
len] Das Profiling beschreibt die Sammlung
und Auswertung von Daten, um sich ein
möglichst akkurates Bild der anvisierten
Zielgruppe machen zu können. Primär geht
es beim Profiling darum, Verbraucher mög-
New Economy bedeutet, die eigenen
Kerngeschäfte sinnvoll zu erweitern,
neue Märkte zu besetzen sowie Marken
crossmedial zu pflegen und auszu¬
bauen. Was dabei zählt, ist Geschick
und vor allem Schnelligkeit.
DR. HUBERT BURDA,
VORSTANDSVORSITZENDER
HUBERT BURDA MEDIA HOLDING
liehst genau kennen zu lernen, um Mar¬
ketingaktivitäten optimieren zu können.
Bei Yahoo werden beispielsweise persön¬
liche Startseiten entworfen, die über eine
1Lp ERSONALisiERUNG genau je¬
ne Informationen enthalten, die die User
interessieren, z.B. persönliche Aktienkur¬
se oder den jeweils aktuellen Kontostand.
Auch der Onlinebuchhändler Amazon nutzt
das Profiling, indem er die Wege des Nut¬
zers im Netz auswertet und ihm persön¬
liche Buchvorschläge macht.
p ;
iso New Marketing
Public Marketing
[engl. für: Öffentlichkeitsmarketing] Ge¬
samtheit aller Marketingmaßnahmen, die
auf die allgemeine Öffentlichkeit ausge¬
richtet sind. Das Public Marketing soll die
Unterstützung der Öffentlichkeit für das
Unternehmen sichern. Dazu gehört, dass
gesellschaftliche Entwicklungen und Wer¬
tewandelprozesse berücksichtigt werden.
Über das Public Marketing versucht das Un¬
ternehmen, Bürger, politische Organe, Me¬
dien und andere Gesellschaftsmitglieder
für sich zu gewinnen. Neben dem klassi¬
schen T p R -Instrumentarium gehören
vor allem auch gesellschaftsorientierte
Maßnahmen wie etwa ein Sozioprogramm,
Spenden u.Ä. dazu. Public Marketing wird
aber nicht nur von privaten Unternehmen
eingesetzt, sondern meint auch das Marke¬
ting, das eine öffentliche Einrichtung oder
Verwaltung zur Verbesserung ihres Anse¬
hens betreibt.
Public-Private-
Partnership (PPP)
[engl. für: öffentlich-private Partnerschaft]
Zusammenarbeit von öffentlichen Stellen
und Privatwirtschaft. In der Regel verfol¬
gen PPPs einen guten Zweck. Die Wirt¬
schaft steuert die notwendigen Gelder bei,
die öffentlichen Stellen stehen mit ihrem
Namen für Seriosität und nichtkommer¬
zielle Beweggründe ein. Beispiel: Die Zu¬
sammenarbeit des Bundesgesundheitsamts
und der Pharmaindustrie bei der Aufklä¬
rung über die Nützlichkeit von Impfun¬
gen. Auch im kulturellen Bereich wächst
die Popularität wirtschaftlich-künstleri¬
scher Kooperationen.
Public Relations
(PR)
[engl. für: Öffentlichkeitsarbeit] Public
Relations ist die Abteilung einer Firma,
die dafür sorgt, dass die Wahrnehmung
der Firma in der Öffentlichkeit dem ent¬
spricht, was sich die Geschäftsleitung vor¬
stellt. PR ist die Kunst, nicht die Unwahr¬
heit zu sagen und dabei die Sachverhalte
doch positiver oder größer (bei Proble¬
men auch häufig kleiner oder unbedeuten¬
der) erscheinen zu lassen, als sie tatsäch¬
lich sind. Mottos der PR-Branche sind „Tue
Gutes und rede darüber" oder auch „Klap¬
pern gehört zum Handwerk".
Pull-Strategie
[zu engl. to p u 11 = ziehen] Bei der
Pull-Strategie sollen Konsumenten durch
den gezielten, massiven Einsatz von Wer¬
bemaßnahmen und gleichrangigen Kom¬
munikationsmitteln für das Produkt eines
Unternehmens interessiert werden. Im
Idealfall wird durch die massive Werbung
R
ein hoher Bekanntheitsgrad und ein po¬
sitives T I mage erzielt. Der potenziel¬
le Konsument wird neugierig und möchte
das Produkt erwerben. Auf diese Art wird
der Handel praktisch dazu gezwungen, das
Produkt in sein Sortiment aufzunehmen.
Somit wird es in die Absatzkanäle „ge¬
sogen". Im Internet spricht man von Pull-
Strategie, wenn Kunden beispielsweise
durch Anklicken von T b anne rn oder
Links auf die eigene Website „gezogen"
werden.
Push-Strategie
[zu engl. to p u s h = schieben, drücken]
Bei der Push-Methode richtet der Herstel¬
ler sein Augenmerk auf den Handel. Die¬
ser soll über Methoden wie persönliche
Verkaufsgespräche, direkte Präsentatio¬
nen, eine leistungsgerechte Rabattpoli¬
tik, einen guten Kundendienst etc. davon
überzeugt werden, das Produkt in sein Sor¬
timent aufzunehmen. Auf diese Art wird
das Produkt über den Handel in die Ab¬
satzkanäle „gedrückt". Werbemaßnahmen,
die sich an die Konsumenten richten, wer¬
den zunächst nur ergänzend eingesetzt.
1s N EWSLETTER oder so genannte
E-Mail-Ticker würden in der virtuellen Welt
dem Push-Gedanken entsprechen, da dem
Konsumenten hier die Informationen so¬
zusagen „reingedrückt" werden.
1 8 1
Relationship-
Marketing
[engl. für: Beziehungsmarketing] Eine Mar¬
ketingstrategie, die in den frühen 90er-
Jahren populär wurde. Das Unternehmen
stellt im Marketing nicht mehr das Produkt
oder den Preis in den Vordergrund, sondern
die Beziehung zu den Kunden. Bei diesem
Ansatz kommen Serviceleistungen eine
zentrale Bedeutung zu. Es geht nicht mehr
darum, was man dem Konsumenten ver¬
kauft, sondern was man für ihn tut. Die
Strategie zielt auf eine langfristige Kun¬
denbindung.
Rich Media
[zu engl. r i c h = reich und engl. media
= Medien, Werbeträger] Anknüpfend an
die Idee von T d e e p media bezeich¬
net Rich Media im Onlinemarketing in
erster Linie T banner, die nicht nur
statisch sind, sondern mit zusätzlichen
Effekten die Aufmerksamkeit auf sich zie¬
hen, um die Tc lick-rate zu ver¬
bessern. Dabei kann es sich um Klänge,
Animationen oder kleine Videosequenzen
handeln, eben alles, was den Nutzer fas¬
ziniert und zum Anklicken verführt. Auch
Werbeformen, die losgelöst von der eigent¬
lichen Website funktionieren und dabei
multimediale Reize bieten, fallen in die¬
sen Bereich. Auf den H_c o n t e n t von
182 New Marketing
Websites bezogen, bedeutet Rich Media
die fantasievolle Umsetzung der techni¬
schen Möglichkeiten.
Selbst-
kannibalisierung
Der Kannibale, der den Artgenossen frisst,
schadet damit seiner Art. In der Wirt¬
schaft meint Selbstkannibalisierung die
Gefahr, das eigene Unternehmen durch in¬
tern konkurrierende Vorhaben zu schädi¬
gen, z.B. indem Teile des Geschäfts auf
^-BUSINESS umgestellt werden
und dadurch Umsatzeinbußen in den Be¬
reichen entstehen, die weiterhin über klas¬
sische Vertriebskanäle laufen. Nach dem
Motto „Kannibalisiere dich selbst, bevor
es andere tun7' handeln beispielsweise Zei¬
tungen, die ihren Stellen- und Wohnungs¬
markt extensiv im Internet auf Kosten der
Printausgabe positionieren. Auch beim
brand-stretching muss darauf
geachtet werden, dass sich die Produkte
und Marken nicht selbst kannibalisieren.
Semioti sches
Benchmarks ng
Auch VISUAL BENCHMARKING
[zu engl. v i s u a L = visuell und engl.
ben ch m a rk = Maßstab, Richtlinie]
Methode, durch den Vergleich von Kom¬
munikationsauftritten innerhalb eines Me¬
diums oder einer Branche, visuelle Trends
zu erkennen. Die leitenden Fragestellun¬
gen bei der Analyse sind: Welche Bild¬
inhalte und Bildstile dominieren? Worin
unterscheiden sie sich von der Konkur¬
renz? Das semiotische Benchmarking wird
vor allem in der Planung werblicher Kom¬
munikation angewendet sowie in allen
Fragen des Corporate Design. Wenn Un¬
ternehmen eine spezifische Bildsprache
verbreiten wollen, bedarf es eines Ins¬
trumentariums, um diese zu definieren
und strategisch einzusetzen. Semiotisches
Benchmarking unterscheidet sich vom
klassischen enchmarking, dem
Messen von Produkt- oder Unternehmens¬
leistungen, in der Spezialisierung auf die
Unternehmenskommunikation.
Shadowanzeige
[zu engl. s h a d o w = Schatten] Mit den
so genannten Schattenanzeigen sind Son¬
derwerbeformate gemeint, die sich im re¬
daktionellen Teil eines Printmediums „ver¬
stecken". So kann z.B. der Fließtext durch
eine Anzeige abrupt unterbrochen werden
oder auch grafisch in diese integriert wer¬
den. Letzteres geschah in einer Stellen¬
anzeige von Saatchi & Saatchi, bei der der
redaktionelle Beitrag des Artikels in einen
dreistöckigen Hamburger eingearbeitet
war. Zwischen den Brötchenhälften steck-
s
1 8 3
Die Unterschiede zwischen Old und
New Economy sind nicht mehr relevant.
Eine mutige, junge Generation hat
die Welt verändert und dem unflexiblen
Establishment schlaflose Nächte
bereitet. Das freut mich.
DIRK HUEFNAGELS,
LEITER MARKENKOMMUNI¬
KATION KONZERN
HYPOVEREINSBANK AG
te nicht etwa die Hackfleischbulette, son¬
dern der Text. Eine Shadowanzeige soll un¬
auffällig in das Blickfeld des Lesers rücken,
der die Anzeige wie einen Artikel liest und
so auf das Produkt aufmerksam gemacht
wird. Weiterhin hat die Shadowanzeige
durch ihre z.T. ungewöhnliche Form gera¬
de den Aufmerksamkeitseffekt, den sich
viele ganzseitige Anzeigen wünschen.
Sharebranding
[zu engl. share = Aktie, (Geschäfts¬
anteil und engl. brand = Marke] Die
Aktie selbst wird zur Marke. Für ein Un¬
ternehmen, das den Börsengang plant,
ist es neben den formalen Bedingungen
fast ebenso wichtig, auch das Potenzial
des Unternehmens über ein prägnantes
T B RANDiNG am Markt zu positio¬
nieren, um sich gegenüber der Konkurrenz
zu profilieren. Diese Strategie gewinnt zu¬
nehmend an Bedeutung, insbesondere im
Hinblick auf den 1L_n euen markt,
der für viele T s tart-ups attraktiv
ist, dem viele Aktionäre aber aufgrund
der teilweise massiven Kurseinbrüche im¬
mer kritischer gegenüberstehen. Neben
einer smarten Idee und einem guten
Businessplan sollte sich das
Unternehmen durch eine Aktie mit star¬
kem Markencharakter von den Wettbewer¬
bern abheben. Wenn die Etablierung als
Marke gelingt, steigt auch das Vertrauen
in Unternehmen und Aktie und erhöht de¬
ren Wert. So konnte sich beispielsweise
die Siemenstochter Infineon schon lange
vor dem Börsengang als Marke etablieren
und ihren Wert dadurch enorm steigern.
Shopbots
[Zusammenziehung aus engl. to shop
= einkaufen und engl. r o b o t = Robo-
s
184 New Market
ter] Softwareprogramme, die unermüdlich
das Internet nach den günstigsten Ange¬
boten durchsuchen und ihren Besitzern
die jeweiligen Funde melden. Theoretisch
sollten sie intelligente Ta g e n t e n
sein, die ihrem Nutzer selbstständig das
jeweils beste Angebot herausfischen. In
der Praxis sieht es leider anders aus:
Die derzeit verfügbaren Shopbots werden
erst dann aktiv, wenn der Besitzer auf
einer Website das Produkt seiner Wahl
gefunden und ausgewählt hat. In diesem
Moment sucht der Shopbot auf anderen
T E -business -Websites nach einem
identischen Produkt und vergleicht die
Preise, manchmal sogar unter Berücksich¬
tigung der Versandkosten. Findet der Shop¬
bot ein günstigeres Angebot, wird der Nut¬
zer informiert. Das Problem ist nur, dass
nicht alle Websites durchsucht werden,
und nur in den seltensten Fällen wird tat¬
sächlich das günstigste Angebot gefunden.
S i Ivermarket
[engl. für: silberner Markt] Ausdruck für
den Seniorenmarkt. Silver steht für das
ergraute Haar dieser Zielgruppe. Lange
vernachlässigt und als Betagte, Kukidents,
Grauschläfen oder Alte bezeichnet, ge¬
winnt die Generation der über 50-Jährigen
mehr und mehr an (wirtschaftlicher) Be¬
deutung. Das Liegt zum einen daran, dass
sich diese Zielgruppe in den nächsten Jah¬
ren enorm vergrößern wird (im Jahr 2030
ist jeder Dritte über 60 Jahre alt). Zum an¬
deren ist die Kaufkraft der 50- bis 70-Jäh¬
rigen dreimal so hoch wie die der 19- bis
49-Jährigen. Mittlerweile bekommt die ver¬
schmähte Zielgruppe von Marketing- und
Werbeleuten so freundliche Bezeichnungen
wie Best-Agers („im besten Alter"), Mid-
Agers („im mittleren Alter"), 50+, Silver-
surfers u.a. Die „jungen Alten", so heißt
es, seien gegenüber Neuem aufgeschlos¬
sen, aktiv, konsumfreudig und ließen sich
nicht mehr auf einen Typus festlegen.
Social Marketing
[engl. für: Soziomarketing] Marketing¬
maßnahmen, die nicht auf eine Umsatz¬
steigerung, sondern auf die Durchsetzung
und Verbesserung sozialer Grundsätze,
Ideen und Ziele setzen. Mithilfe des Marke¬
ting-Instrumentariums soll auf das öffent¬
liche Bewusstsein in gesellschaftlichen
Fragen wie Ausländerfeindlichkeit, Ge¬
sundheitswesen oder Familienplanung
Einfluss genommen werden. Es handelt
sich also in erster Linie um ein T_n o n -
profit-marketing, das versucht,
nicht nur die Einstellung, sondern auch
das Verhalten und die Werte des Einzelnen
zu ändern, beispielsweise mit Spendenauf¬
rufen und Plakaten gegen Ausländerfeind-
s
1 8 5
lichkeit. Zum Soziomarketing gehört auch
das ö K o M a R K E T i N G. Hier besteht das
Ziel darin, das ökologische Bewusstsein
der Menschen zu schärfen und ein umwelt¬
bewusstes Verhalten zu fördern.
S t i Lgruppe
Marketingansatz, der die klassischen Ziel¬
gruppen in Stilgruppen splittet. Konsu¬
menten lassen sich nicht mehr einfach
nach soziodemographischen Faktoren wie
Alter, Beruf, Einkommen etc. kategorisie¬
ren. Stattdessen formieren sich im Zuge
der zunehmenden Individualisierung der
Gesellschaft so genannte Stilgruppen, zu
denen Konsumenten aufgrund gemeinsam
geteilter Wertvorstellungen gehören. Die
Mitglieder einer Stilgruppe müssen nicht
notwendigerweise einer Altersgruppe oder
sozialen Schicht angehören; entscheidend
ist hierbei der gemeinsame Lebensstil, die
emotionalen Gemeinsamkeiten und damit
einhergehend das entsprechende Konsum¬
verhalten. (S.a. T L A B E L I N G )
strategi sehe
Planung
[von gleichbedeutend engl. strate¬
gic planning] Der Begriff der Stra¬
tegie ist seit den 60-Jahren eine zentrale
Konstante im Sprachschatz eines jeden zu¬
kunftsorientierten Managers. Im Kern geht
Die New Economy ist Triebfeder
für Fortschritt, Innovation, Kreativität
und gesellschaftliche Veränderung.
GERHARD SCHMID,
GRÜNDER, CEO
MOBILCOM AG
es immer um das „In-Beziehung-Setzen-
und-Halten" von zwei zentralen Größen:
den internen Kompetenzen und den Ent¬
wicklungen im Umfeld der Unternehmung.
In den vergangenen Jahren beherrschen zu¬
nehmend Modelle und Konzepte die Diskus¬
sion, die durch zwei unterschiedliche He¬
rangehensweisen charakterisiert sind: Beim
o u T s i D E - i N - M o D E L L ist die Be¬
trachtung des Umfeldes der Startpunkt für
strategische Überlegungen, wie z.B. Bran¬
chenanalyse-Konzepte und T s z E N a -
186 New Market
riomethoden. Die Perspektive der
INSIDE-OUT-METHODE fokussiert
hingegen die internen Ressourcen bzw. Be¬
findlichkeiten. Ein tiefer gehendes Strate¬
gieverständnis sollte die Aufmerksamkeit
auf die Schlüsselfrage eines jeden Mana¬
gers in turbulenten Umwelten lenken: Wie
kann eine Unternehmung möglichst opti¬
mal das dynamische Gleichgewicht zwi¬
schen Planen, Handeln, Umdenken und Neu¬
orientierung in Richtung Zukunft halten?
Targeting
[zu engl. to ta rg et = zielen auf]
Marketing, das speziell und trennscharf auf
eine Zielgruppe zugeschnitten ist. Auf die¬
se Weise ist es möglich, den Wirkungsgrad
der Werbung zu optimieren und Streuver¬
luste zu minimieren. Die gewünschte Ziel¬
gruppe kann über T p a t a m i n i n g
ermittelt werden. Ferner ist es möglich,
durch d s e r v i n g Werbung ziel-
gruppen- und nutzerorientiert zu steuern.
Tausender-
Kontakt-Prei s
( T K P )
Der TKP ist ein Maßstab für die kommunika¬
tive Leistung eines Werbernediums. Kosten
und Reichweite werden dabei in Bezie¬
hung zueinander gesetzt, der TKP bezeich¬
net also die Kosten für 1000 age¬
j n g
impressions oder 1La d v i e w s.
Bei einigen Internetportalen kann man
feste Pageimpression-Pakete buchen. Die
Kosten errechnen sich dann aus dem fest¬
gelegten Pageimpression-Volumen mul¬
tipliziert mit dem TKP der jeweiligen
Platzierung.
Teaser
[engl. für: Anreißer, Heißmacher] Ein Tea¬
ser ist ein kleiner Appetitmacher, bei dem
zunächst nicht ersichtlich ist, für welches
Produkt er wirbt. Die Verrätselung der Wer¬
bebotschaft soll Neugierde wecken. Die
spätere Auflösung spekuliert auf den Aha-
Effekt. Eine der ersten deutschen Teaser¬
kampagnen im großen Stil war die Markt¬
einführung von Daewoo Mitte der 90er-
Jahre. Erst lehrten Plakate, den Namen
richtig auszusprechen, bevor man erfuhr,
dass es sich dabei um eine neue Auto¬
marke handelt. Inzwischen werden auch
Lockvogelangebote als Teaser bezeichnet.
Top-down
[engl. für: von oben nach unten] 1. Klas¬
sisches Marketing, bei der die Unterneh¬
mensleitung eine Strategie beschließt,
diese an das mittlere Management weiter¬
leitet, welches dann über geeignete In¬
strumente und Maßnahmen zur Umsetzung
entscheidet. Nach Einschätzung der Mar-
1 8 7
New Economy - hinter diesem Schlag¬
wort verbirgt sich die faszinierende
Aufgabenstellung, die Dynamik des
Internetzeitalters mit den Stärken
etablierter Wirtschaftsbereiche zu
verbinden und so zukunftsorientierte
neue Wachstumsfelder zu entwickeln.
DR. RON SOMMER,
VORSTANDSVORSITZENDER
DEUTSCHE TELEKOM AG
ketingtheoretiker Al Ries und Jack Trout
sei gerade dieser Ansatz falsch, in um¬
kämpften Märkten von wünschbaren Stra¬
tegien und Zielen auszugehen, um danach
die geeigneten Maßnahmen abzuleiten,
und entwickelten das T b ottom-up-
Prinzip. 2. Auf die Börse bezogen bedeu¬
tet der Top-down-Ansatz, dass man von
der Gesamtentwicklung einer Volkswirt¬
schaft sowie der jeweiligen Branche aus¬
geht, um von dort auf die Entwicklung
eines einzelnen Unternehmens sowie auf
dessen Aktienkurs zu schließen.
Total-Quality-
Management (TQM)
[zu engl. t o t a l = komplett und engl.
quality = Qualität] Ganzheitlicher
Managementansatz, mit dessen Hilfe nicht
nur die Qualität von Produkten und Gütern
eines Unternehmens gesichert werden soll,
sondern auch alle anderen relevanten Ele¬
mente. Hierzu werden die „weichen Fak¬
toren" wie Freundlichkeit der Mitarbeiter
im Umgang mit Reklamationen, flinke Auf¬
tragsabwicklung oder Verlässlichkeit der
Absprachen mit den Kunden gezählt. TQM
füllt meist mehrere Ordner und führt zur
Einrichtung diverser Arbeitsgruppen, stößt
aber oft auf Unwillen bei den Mitarbei¬
tern, da es schnell als Bevormundung des
Einzelnen verstanden wird.
Traffic
[engl. für: Verkehr] 1. Ein Begriff aus der
Onlinewerbebranche, der die Zahl der Be¬
sucher einer Website angibt. Da dieser Be¬
griff wenig aussagekräftig hinsichtlich der
Leistung von Onlinewerbung ist, werden
dafür andere Messgrößen wie ll_p a g e -
impressions oder dL_c lick-
rates herangezogen. Der Traffic einer
u
188 New Marketing
Website oder eines sonstigen Internet¬
knotens wird in Mega-, Giga- oder Terra-
bytes gemessen. Der Datenverkehr wird
dabei in beide Richtungen ermittelt: Up¬
loads und Downloads addieren sich zum
Traffic, der im Internet üblicherweise ge¬
sondert abgerechnet wird. 2. Im Büroall¬
tag existiert noch eine weitere Bedeutung
der Bezeichnung Traffic. DerTrafficerist das
Mädchen für alles, das den termingerech¬
ten Arbeitsablauf der Jobs und den büro¬
internen Geschäftsverkehr verwaltet, also
der ehemalige Innenkontakt.
Unique-Selling-
Proposition (USP)
[engl. für: einzigartiges Verkaufsargu¬
ment] Das USP ist ein Alleinstellungs¬
merkmal, ein Nutzenversprechen, das ein
Produkt gegenüber anderen auszeichnet
und nicht ohne weiteres kopiert werden
kann. Der amerikanische Werbefachmann
Rosser Reeves hat mit diesem Ansatz die
Voraussetzung für eine erfolgreiche Pro¬
duktpositionierung geschaffen. Da sich
mittlerweile kaum mehr ein Produkt qua-
litativvom anderen unterscheidet, gilt es,
sich vor allem hinsichtlich des Marken¬
images abzuheben. Das geschieht über die
Formulierung eines T zusatznut¬
ze n s, der (meist) auf die Gefühlsebene
des Konsumenten abzielt.
Valuebundling
[engl. für: Wertbündelung] Die dahinter¬
stehende Idee ist simpel: Kombiniere eine
möglichst große Anzahl von Angeboten
und verkaufe sie zu einem vergleichsweise
günstigen Preis. So wird versucht, die Preis¬
transparenz im Markt zu unterlaufen und
höhere Profite zu erzielen. Ein Beispiel für
Valuebundling ist ein Bürosoftwarepaket,
dasTextverarbeitungs-, Datenbank-, E-Mail¬
und Präsentationsprogramme, Tabellenkal¬
kulation und weitere Funktionen enthält,
und das zu einem Preis, den man noch vor
wenigen Jahren für die Textverarbeitung
allein hätte bezahlen müssen. Ständige Ver¬
besserungen halten vorhandene Kunden bei
der Stange, auch wenn diese Programme
teilweise zur 1Lb loatware ausarten.
Vergleichende
Werbung
Nach jahrelangem Verbot entschied 1998
der Bundesgerichtshof, dass die EU-Richt¬
linie zur vergleichenden Werbung auch auf
das deutsche Werberecht anzuwenden sei.
Nun ist es erlaubt, ein Produkt direkt mit
dem Konkurrenzprodukt zu vergleichen,
ohne dieses dabei jedoch herabzusetzen
oder zu verunglimpfen. Der Vergleich darf
außerdem nicht irreführend sein und muss
objektiv bleiben. Eine der ersten Werbe¬
kampagnen mit vergleichender Werbung
V
1 8 9
war der Spot von Mobilcom, die sich im ty¬
pischen Magentarot der Telekom über eben
diesen Konkurrenten lustig machte und da¬
mit sogar eine Gegenwerbekampagne der
Telekom provozierte (Mogelcom).
Virales Marketing
Marketingansatz, bei dem Werbebotschaf¬
ten so lanciert werden, dass sie sich wie
ein Virus selbstständig verbreiten. Die un-
gewöhnliche Vermarktung des Films „Blair
Witch Project'7 ist ein gutes Beispiel dafür.
Über das Internet wurden Gerüchte ver¬
breitet, sodass sich schon vor dem Start
Mythen um den Film spönnen. Virales
Marketing lässt sich jedoch nur schwer
steuern, und oft ergibt es sich zufällig wie
der nicht vorhersehbare Massenerfolg der
11_m oorhuhnjagd. Virales Marke¬
ting hat durch neue Möglichkeiten der
virtuellen Mund-zu-Mund-Propaganda wie
E-Mail, Chat und SMS an Bedeutung ge¬
wonnen.
Visit
[engl. für: Besuch] Wer viel Besuch hat,
ist beliebt. Deshalb ist es im Internet
fast zum Sport geworden, die Visits einer
Adresse zu zählen und stolz als Beweis
für die Qualität anzuführen. Die Anzahl
der Visits bestimmt auch die Preise für
T B a N N E R auf einer Website. Unter-
Die New Economy bedeutet für mich
persönlich das stark durch Technik
getriebene neue wirtschaftliche
Zusammenspiel zwischen Anbietern
und Kunden von Waren, Wissen
oder Dienstleistungen.
STEFAN GRELLER T,
VORSTAND MARKETING
CONRAD.COM AG
nehmen nutzen die Anzahl der Zugriffe,
ähnlich wie die Quoten beim Fernsehen
oder die Auflage einer Zeitschrift, als of¬
fizielles Beliebtheitsbarometer.
Visual Boosting
[zu engl. v i s u a l = visuell und engl.
to b o o st = ankurbeln, verstärken]
Der Begriff steht für die gestalterische
Idee, dass sich ein Produkt über die Form
erklärt und erlebbar wird, wie bei den
Megaperls von Persil. Die kleinen Kugeln
w
190 New Market
drücken auf symbolischer Ebene konzen¬
trierte Energie aus. Diese Wirkung wird für
den Verbraucher erlebbar gemacht, indem
er über ein Sichtfenster in die Verpackung
hineinschauen kann. Transparenz in der
Verpackungsgestaltung spielt vor dem
Hintergrund des Visual Boosting eine be¬
sondere Rolle. Produkte senden über die
Verpackung visuelle Reize, kleine Ver¬
lockungen oder erklärende Signale aus,
um auf sich aufmerksam zu machen, vom
Verbraucher wahrgenommen und schlie߬
lich gekauft zu werden.
wal-martisieren
Der US-amerikanische Hypermarkt Wal-
Mart, der neben den herkömmlichen Le¬
bensmitteln alles von Gartenmöbeln über
Elektrogeräte bis hin zu Kinderspielzeug
vertreibt, ist seit 1998 auch in Deutsch¬
land vertreten. Seither wurden zahlreiche
Läden wal-martisiert, was soviel bedeutet
wie einen Supermarkt oder besser gleich
eine ganze Kette davon aufzukaufen und
diese neben der Firmenstrategie auch
sämtliche Wal-Mart-Sitten und -Gebräu¬
che übernehmen zu lassen. Das reicht vom
Servicegedanken bis hin zum „Morning-
Cheer", bei dem die Angestellten auf einen
fröhlichen Arbeitstag eingestimmt wer¬
den. Üblich ist auch der T c a s u a l
f r i d a y, an dem alle bis hin zum Mana-
i n g
ger statt des Anzuges in Jeans und Ober¬
hemd mehr „Menschlichkeit" zeigen. Ganz
einfach ist es natürlich nicht, die ame¬
rikanischen Gepflogenheiten in Deutsch¬
land zu etablieren. Viele Ansätze wie den
Morning-Cheer musste Wal-Mart aufgrund
der hiesigen Mentalität und Neigung zur
Muffeligkeit fallen lassen.
Webpromotion
[zu engl. w e b = Netz und promo¬
tion = Beförderung, Unterstützung]
Verkaufsfördernde Maßnahmen im Inter¬
net. Auch die schönsten Websites mit dem
interessantesten T_content helfen
wenig, wenn der Nutzer das Angebot nicht
kennt und auch nicht darauf aufmerksam
gemacht wird. Bei der Webpromotion un¬
terscheidet man zwischen internen und
externen Maßnahmen. Die internen Ma߬
nahmen beinhalten alle Aktivitäten, die
innerhalb des Internets umgesetzt wer¬
den, wie etwa Tb a n n e r, Anmeldung
bei Suchmaschinen oder Linktausch. Ex¬
terne Maßnahmen entsprechen der klas¬
sischen Promotion. Über Plakate, Stände
auf Jahrmärkten oder in der Innenstadt,
Gewinnspiele oder Sonderaktionen wie
Bungeejumping wird um Aufmerksamkeit
geworben. Je auffälliger die Promotion,
desto größer der Aufmerksamkeitseffekt
und desto höher der Zulauf.
z
1 9 1
Für mich bedeutet die New Economy,
die Firma Beate Uhse international
auszurichten und neben dem traditio¬
nellen Angebot das Internetsegment
mit dem bekannten Namen Beate Uhse
verstärkt zu nutzen.
BEATE ROTE RMUN D,
GRÜNDERIN,
AUFSICHTSRATSVORSITZENDE
BEATE UHSE AG
Zusatznutzen
Wenn ein Produkt neben dem funktiona¬
len Nutzen noch über einen emotionalen
und spirituellen Mehrwert verfügt,
wird dies mit Zusatznutzen oder added
value [zu engl. to a d d = addieren,
hinzufügen und v a l u e = Wert] bezeich¬
net. Aspekte wie T i m a g e , Garantie¬
leistungen oder Kundendienst erfüllen
diesen Zusatznutzen. Liegt dieser vor¬
nehmlich im Image eines Produktes oder
einer Marke, spricht man vom emotiona¬
len Mehrwert. Die weichen Faktoren wer¬
den immer wichtiger, da sich viele Produk¬
te wie z.B. Handys für den Konsumenten
kaum noch in ihrer Qualität unterscheiden.
Wer außer eingeweihten Technikfreaks
kennt schon die wahren Vorzüge der ein¬
zelnen Modelle? Rationale Entscheidun¬
gen sind im Produktwirrwarr nur schwer
zu treffen, daher wird der emotionale Nut¬
zen in der Werbung meistens in den Vor¬
dergrund gerückt (^T u s p). Der Begriff
Added Value oder Value Added hat sei¬
nen Ursprung in der Wertschöpfungskette
(value-chain) und meint die Wert¬
steigerung eines Produktes auf dem Weg
vom Rohstoff bis zum Konsumenten.
,,2 Knowledge-Mana
Die Wirtschaft der Ideen. Wissen, wo
kann. Mithilfe von Brainstorming oder
gesammelt. Beim Datamining werden die
gement
1 9 3
das Wissen ist und wie man
Brainwriting werden neue
Informationen organisiert.
es nutzen
Ideen
Das Wissen
A
194 Knowledge-
Ambiguitäts¬
toleranz
[zu lat. ambiguitas = Doppelsinn
und lat. t o l e r a r e = ertragen, erdul¬
den] Bei der Ambiguitätstoleranz geht es
um die Fähigkeit, widersprüchliche Infor¬
mationen (i_p aradoxie) wahrzuneh¬
men und zu verarbeiten. Wer komplexe
Sachverhalte positiv bewertet und sie als
Energiefeld für neue Ideen und Lösungs¬
wege erschließt, ist ambiguitätstolerant.
Darüber hinaus geht es um das Aushalten
von Unsicherheiten, was angesichts der
zunehmenden Komplexität von Märkten
erfolgsentscheidend sein kann.
Assessmentcenter
[zu engl. assessment = Einschät¬
zung, Beurteilung] Das Wort bezeichnet
ein bestimmtes Auswahlverfahren. Auf be¬
sonders attraktive Stellenausschreibun¬
gen kommen nicht selten dutzende, wenn
nicht gar hunderte von Bewerbern. Um
sich möglichst viele von ihnen gleichzei¬
tig anzuschauen, werden diese zunächst
zum Assessmentcenter eingeladen. Diese
dauern meist ein bis zwei Tage und helfen
die T s oft skills der zukünftigen
Mitarbeiter, insbesondere der künftigen
Führungskräfte einzuschätzen. In Rollen¬
spielen und Miniprojekten versucht man
herauszufinden, wer welche Qualitäten
Management
zeigt, wer sich wie in Diskussionen und
bei der Teamarbeit verhält und wer sich
durchsetzen kann.
Autopoi ese
[zu griech. a u t 6 s = selbst und griech.
p o i eTn = machen] Der Begriff Autopoi-
ese wurde 1972 von Humberto Maturana
geprägt und von diesem gemeinsam mit
Francisco Varela weiterentwickelt. Er er¬
klärte damit die Organisation lebender Sys¬
teme. Das pompös klingende Wort wurde
zu einem zentralen Begriff der 11 s y s-
T EMTH EOR i E. Der Grundgedanke liegt
darin, dass lebende Systeme nicht einfach
nach außen offen, sondern zunächst ge¬
schlossen sind. Sie besitzen die Fähigkeit,
sich selbst zu erhalten und zu erneuern.
Soziale Systeme wie eine Familie, ein Kul¬
turkreis oder ein Unternehmen existieren
durch fortlaufende Kommunikation. Für das
Management muss in diesem Zusammen¬
hang klar sein, dass jede Wahrnehmung
subjektiv ist und dass immer der Emp¬
fänger entscheidet, was verstanden, wie
gehandelt und welche Konsequenzen ge¬
zogen werden. Die Risiken, die sich mit
einem Wissensmanagement verbinden,
werden verständlich: Eine Organisation,
die sich auf sich selbst und auf die eige¬
ne Wissensbasis wie Dokumente, Erfahrun¬
gen, Kommunikationen etc. bezieht, läuft
Die New Economy kann man auch als
Ideenwirtschaft bezeichnen, in der
nicht immer der Schnellere und Klüge¬
re gewinnt, sondern vor allem der
Kreativere. Gut, dass ich mich für den
Beruf "Kreativer" entschieden habe -
und nicht Schlaumeier geworden bin.
ANDRE KEMPER,
GESCHÄFTSFÜHRER HOLDING
SPRINGER S JACOBY
Gefahr, wichtige externe Vorgänge zu ver¬
passen. Veränderungsnotwendigkeiten von
außen, etwa des Marktes, treffen auf kei¬
ne angemessene interne Resonanz.
Benchmarki ng
[zu engl. benchmark = Prüfstein,
Maßstab] Beschreibt die Methode und den
Vorsatz, sich an den Besten in einem je¬
weiligen Feld oder einer Branche zu orien¬
tieren und von ihrem Vorbild zu lernen.
Die Leistungsvorgabe (Benchmark) ist
T B EST practice. Populär wurde
Benchmarking insbesondere durch seine
Anwendung bei der Xerox-Corporation, die
sich in den 70er-Jahren dadurch neu im
Markt positionieren konnte. Der Blick von
außen auf interne Aktivitäten kann durch
Variablen wie Umsatz, Gewinn, Mitarbei¬
terzahl, verkaufte Stückzahl etc. greifbar
gemacht werden. Aus den Ergebnissen der
Vergleiche wird ein Stärken-/Schwächen-
Profil erstellt, das Anhaltspunkte liefert,
in welchen Bereichen sich das Unterneh¬
men verbessern muss und wo schon opti¬
male Leistungen gezeigt werden.
Best Practice
[engl. für: beste Praxis] Best Practice ist
der beste in der Praxis umgesetzte Weg,
eine Leistung zu erbringen. Viele Unterneh¬
men betreiben einen enormen Aufwand,
um die besten Methoden für einen Leis¬
tungsprozess zu suchen, sowohl innerhalb
als auch außerhalb des Unternehmens
(T B ENC HMARK i ng). Der Transfer
der Best Practices gilt als zentrale Aufga¬
be der Wissensverteilung in einem Unter¬
nehmen. In der Praxis allerdings wird bei
diesem Transfer das 11_t acit know¬
ledge meist zu wenig beachtet. Darum
ist er oft weniger erfolgreich als erhofft.
B
196 Knowledge-
blinder Fleck
Meint ursprünglich den Bereich der Netz¬
haut, an dem der Sehnerv austritt und in
dem keine Rezeptoren vorhanden sind. Auf
diesem Ausschnitt wird daher kein opti¬
sches Bild erzeugt. Der Mensch ist auf die¬
sem Fleck blind. Im übertragenen Sinne ist
der blinde Fleck ein wesentliches Kon¬
strukt der T s Y s T E M T H E o R i E. Es
gibt immer mehrere Möglichkeiten, etwas
zu sehen. Der blinde Fleck macht es dem
Beobachter unmöglich, seine eigene Dif¬
ferenzierung zu beobachten. Wenn jemand
seine Kollegen mit der Unterscheidung
Freund/Feind beobachtet, sieht er eben
Freunde und Feinde, aber nicht, dass er sie
selbst dazu macht. Eine hilfreiche Strate¬
gie, den blinden Fleck wahrzunehmen, ist,
verschiedene Perspektiven hinzuzuziehen,
denn vier Augen sehen mehr als zwei.
Boot leggi ng
[zu engl. to bootleg = schwarz her¬
stellen, schwarz handeln] Bootlegging-
Prozesse sind Innovationsaktivitäten, die
im Geheimen stattfinden - teilweise gegen
den Willen des Managements. Untersu¬
chungen zeigen, dass diese Innovations¬
prozesse oft überaus erfolgreich sind und
so manches Unternehmen gerade ihnen
seinen Erfolg verdankt. Aus Managersicht
gilt das Bootlegging als subversiv, eigen-
Management
mächtig und kompetenzüberschreitend.
Dabei sind diese „untersagten" Innova¬
tionen oft nicht nur erfolgreich, sondern
auch effizient, müssen doch alle Mittel
höchst ökonomisch am Rande der Legali¬
tät beschafft werden. Vom Geschäftsbe¬
reich Pharma der Bayer AG wird z.B. unde¬
mentiert behauptet, dass alle relevanten
Erfolge nach 1945 durch Medikamente er¬
reicht wurden, die hinter dem Rücken des
Managements entwickelt wurden.
Braindrain
[zu engl. brain = Gehirn und engl.
drain = (Abfluss)rohr] Der „Abfluss"
von Wissenskapital in Form von Experten.
Unternehmen und Länder leiden darunter,
dass ihre Fachkräfte abgeworben werden.
Vor allem Länder der Dritten Welt müssen
mit ansehen, wie die Computerexperten,
die sie hervorbringen, in die Industriena¬
tionen abwandern. Doch auch innerhalb der
Industriestaaten gibt es einen Kampf um
kompetente Arbeitskräfte (lt_w ar for
talents). Über besondere Tricks und
Kniffe wie spezielle T_ incentives
versuchen die Firmen, ihre besten Mitar¬
beiter zu halten.
Brainiac
[Zusammenziehung aus engl. b r a i n =
Gehirn und engl. m a n i a c = verrückt,
wahnsinnig] Die Zusammensetzung aus
Gehirn und Wahnsinn beschreibt eben die¬
sen Typus von verrückter, besessener In¬
telligenzbestie, der von vielen Unterneh¬
men gesucht wird. Das Anforderungsprofil
für den Brainiac schließt zusätzlich Kom¬
petenz und Durchhaltevermögen ein und
natürlich die Bereitschaft, alles zu geben,
die Nächte durchzuarbeiten, und das auf ei¬
nem hohen Niveau - ein Wahnsinniger eben.
Brainstorming
[zu engl. brain = Gehirn und engl.
storm = stürmen] Brainstorming ist
eine allgemeine Form des Nachdenkens
über eine Sache oder ein Problem und fin¬
det in allen Bereichen Anwendung. Diese
Kreativitätstechnik kann systematisch,
also unter Berücksichtigung von logischen
Zusammenhängen, oder unsystematisch
als eine Art Stoffsammlung betrieben wer¬
den. Meist am Anfang eines Prozesses oder
einer Problemlösung ist jeder Beitrag will¬
kommen. Dabei sollte keine Zensur statt¬
finden. Insbesondere im Agenturalltag ist
das Brainstorming populär, wo sich krea¬
tive Köpfe dieselben zerbrechen, um Kon¬
zepte für Kunden zu entwickeln.
Brainwriting
[zu engl. b r a i n = Gehirn und engl. t o
write = schreiben] Schriftliche Form
Die New Economy ist die Ideen¬
wirtschaft: Ideen und Kreativität
werden das wichtigste Kapital.
Das ist eine gute Nachricht für
alle, die mehr Ideen als Geld haben.
SEBASTIAN TURNER,
GRÜNDER, GESCHÄFTSFÜHRER
SCHOLZ & FRIENDS BERLIN
des T B rainstorming. Diese Krea¬
tivitätstechnik ist insbesondere dann sinn¬
voll, wenn allen Teilnehmern die gleichen
Chancen zur Meinungsäußerung einge¬
räumt werden sollen, ohne dass sich einer
zu sehr in den Vordergrund drängt. Die
Ideen und Lösungsvorschläge werden auf¬
geschrieben und in einer Art schriftlicher
Diskussion weiterentwickelt. Man geht da¬
von aus, dass die Kreativität einer Gruppe
steigt, wenn die Idee eines Teilnehmers
aufgegriffen und verarbeitet wird.
_C—
198 Knowledge-
Changemanagement
[engl. für: Management des Wandels]
Changemanagement bezeichnet grund¬
sätzlich jede Form bewusst durchgeführter
Veränderungen innerhalb einer Organisa¬
tion. Oft wird jedoch großer Widerstand
gegen Veränderungen geleistet, da ein Ver¬
lust der gewohnten Strukturen und der Si¬
cherheit befürchtet wird. Die change¬
ability [engl. für: Wandelbarkeit] des
Einzelnen, also die Fähigkeit, sich häufig,
schnell und nachhaltig neu auszurichten,
wird nicht nur durch strukturelle, perso¬
nelle und konzeptionelle Entscheidun¬
gen beeinflusst, sondern auch durch die
iLc ORPORATE culture und das
Betriebsklima. Im Zentrum des Change¬
managements steht daher eine offene, frei
fließende und glaubwürdige Kommunika¬
tion der Beteiligten. Eine solche Atmosphä¬
re zu schaffen und Änderungen zuzulassen
ist die Aufgabe des Managements, um auf
Veränderungen am Markt zu reagieren.
Chaosmanagement
[zu griech. chäos = der unendliche
leere Raum, gestaltlose Urmasse des Welt¬
alls] Die Chaostheorie geht davon aus,
dass sich hinter scheinbar willkürlich und
regellos ablaufenden Phänomenen wie
dem Wetter, dem Hirn oder auch der Bör¬
se eine Ordnung verbirgt. Das Chaos ist ein
Management
geregeltes Durcheinander - mit unbere¬
chenbarem Ausgang. Formuliert wurde die
als wissenschaftliche Revolution geltende
Theorie u.a. von Edward Lorenz, Benoit B.
Mandelbrot und Manfred Eigen. Dieser An¬
satz fand Einzug in die Managementtheo¬
rie, da sich auch Unternehmen in chaoti¬
schen Märkten behaupten müssen und sich
Entwicklungen häufig nur schwer prog¬
nostizieren lassen. Anhänger des Chaos¬
managements gehen davon aus, dass Un¬
ternehmen zur Selbstorganisation und
spontanen Kreativität fähig sind, wenn
man sie lässt. Das funktioniert, indem ein
grober Rahmen geschaffen wird, in dessen
Grenzen sich das Chaos entfalten darf.
Chinese Wall
[engl. für: Chinesische Mauer] Nach der
Chinesischen Mauer benannt symbolisiert
die Chinese Wall innerhalb eines Unter¬
nehmens die Informationsbarrieren, die
so dick sind, dass nichts durch sie hin¬
durch dringt. So wissen z.B. die einzel¬
nen Abteilungen nichts von der jeweiligen
Tätigkeit der anderen. Chinese Walls wer¬
den auch bewusst errichtet wie etwa in
Investment- und Universalbanken, um bei¬
spielsweise Interessenkonflikte zu vermei¬
den oder um sicherzustellen, dass wich¬
tige Informationen nicht in die falschen
Hände geraten.
c
1 9 9
Coaching
[zu engl. to coach = trainieren, be¬
treuen, vorbereiten] Beratung durch einen
(in der Regel) psychologisch ausgebildeten
Coach. Unternehmensintern unterstützt
und berät er sowohl in Kompetenzfragen,
als auch bei persönlichen Problemen. Als
außenstehender Experte leidet er weniger
unter Betriebsblindheit und ist im Gegen¬
satz zu Vorgesetzten, Kollegen oder Le¬
benspartnern weniger voreingenommen.
Dies ermöglicht ihm, die Situation neutra¬
ler zu analysieren, mehr oder weniger ty¬
pische konstruktive Verhaltensmuster zu
spiegeln und den Lösungsprozess zu opti¬
mieren. Das kürzlich in Mode gekommene
o N L i N E c o A c H i N G ist die Beratung
via Internet.
Die New Economy ist für mich ein ge¬
sellschaftlich ermutigendes Symbol
für Schumpetersche Unternehmen und
"schöpferische Zerstörung".
DR. MARKUS CONRAD,
GESCHÄFTSFÜHRER
LIBRI HOLDING GMBH
ColLective
Notebook
[engl. für: kollektives Notizbuch] Mecker¬
kasten des Unternehmens. Das Collective
Notebook ist eine kreative Arbeitstechnik,
bei der die Mitarbeiter in der Form eines
T B rainwritings die Möglichkeit
haben, in einem „Notebook" Ideen zur Pro¬
blemlösung aufzuschreiben. Vorteilhaft
ist, dass der Einzelne in der relativ anony¬
men Atmosphäre eines Notizbuchs dazu er¬
mutigt wird, auch unliebsame Kritik zu äu¬
ßern, die im günstigsten Fall konstruktiv
zur Verbesserung genutzt wird. Meist wird
das Collective Notebook jedoch entweder
gar nicht oder nur für Albernheiten unter
den Kollegen genutzt.
Communi ty
of Practice
[zu engl. communi ty = Gemeinschaft
und engl. p r a c t i c e = Praxis] Eine Ge¬
meinschaft von Praktikern, die sich durch
gemeinsame Arbeit und eine geteilte Sicht¬
weise auszeichnet. Formal hält diese Corn-
2oo Knowledge
munity nichts zusammen. Dabei ist nur,
wer mitarbeitet. Die Idee gründet auf den
Forschungen des Instituts of Research on
Learning (IRL) im Silicon Valley und nimmt
im Wissensmanagement eine zentrale
Stellung ein. Die Gemeinschaften unter¬
scheiden sich von etzwerken,
da sie zum einen intensiver Zusammenar¬
beiten, indem sie gemeinsam Projekte ent¬
werfen und umsetzen. Zum anderen sind sie
freier, da sie auf keine spezifische Aufga¬
be festgelegt sind und zeitlich unbegrenzt
Zusammenarbeiten. Communities of Prac¬
tice entstehen aus sich heraus und sind
durch ihre Identität, ihr Selbstverständ¬
nis und ihre Neugier verknüpft. Sie sind
äußerst lernfähig, da sie von dem Interesse
an der Aufgabe getragen werden und weit¬
gehend frei von Machtspielen sind.
Computer-based
Training (CBT)
Nutzung von PC-basierter Lernsoftware
zum Zweck der Wissensaneignung. Die
Grundidee des CBT ist, über ein individu¬
elles, durch den Computer präsentiertes
Lernprogramm den Stoff auf unterhalt¬
same Weise aufzunehmen und zu verar¬
beiten. Der Lernende kann dabei seinen
persönlichen Weg bezüglich Zeit, Tempo
und Inhalt festlegen. Das Lernen wird zum
T e d u t a i nm e n t mit Hilfe von Ani-
Management
mationen, Videos und Ton. Euphoriker pro¬
phezeiten gar das Ende des herkömmlichen
Unterrichts und des Lehrers. Mittlerweile
wurde für die Lehrer Entwarnung gegeben,
da sich herausstellte, dass CBT den klas¬
sischen Unterricht zwar unterstützt, den
Lehrer aber nicht ersetzen kann.
Computerliteracy
[zu engl. I i t e r a c y = Fähigkeit, lesen
und schreiben zu können] Die Fähigkeit,
mit einem Computer umzugehen. Seit den
90er-Jahren kann die Computerliteracy mit
der Fähigkeit, lesen und schreiben zu kön¬
nen, nahezu gleichgesetzt werden. Wer
heute nur über geringe oder gar keine Com¬
puterkenntnisse verfügt, gilt fast schon
als Legastheniker.
Core-Competence
[engl. für: kernkompetenz] Das Kern-
kompetenzenkonzept richtet den Fokus
auf das Bündel von Fähigkeiten, Aktivitä¬
ten und Aufgaben, die der Leistungsfähig¬
keit und Einzigartigkeit eines Unterneh¬
mens zugrunde liegen. Es versucht, bislang
weitgehend nicht benennbare Erfolgsvor¬
aussetzungen explizit und damit greifbar
zu machen. Als Baum dargestellt sind die
Kernkompetenzen wie die Wurzeln und der
Stamm. Die Geschäftsfelder stellen die
zentralen Äste, die Produkte die Blätter
D
2 0 1
Die Euphorie um die New Economy
hat uns den Börsengang erleichtert.
Der Hype ist nun tot. Aber Qualität
wird sich durchsetzen. Da bin
ich optimistisch. Und Optimismus
ist ja eines der wichtigsten
Merkmale der New Economy.
RALF DRECHSLER,
GRÜNDER, GESCHÄFTSFÜHRER
DAS WERK AG
dar. So wird deutlich, dass die Kernkom¬
petenzen die eigentliche Basis darstellen,
auf der das Geschäft ruht.
Corporate
University (CU)
[engl. für: Unternehmensuniversität] Auch
corporate campus. Begriff, mit
dem Unternehmen zunehmend ihre Wei¬
terbildungseinrichtungen bezeichnen. Das
Label soll eine gewisse Reichhaltigkeit des
Angebotes für die interne Fortbildung sug¬
gerieren. Von einem guten CU-Konzept
darf man neben einer starken Integration
von Fachwissen, Methodenkompetenz und
der Orientierung am praktischen Kontext
auch ein intensives Tc o a c h i n g im
Bereich der Persönlichkeitsentwicklung er¬
warten. Der konkrete CU-Alltag bleibt dann
jedoch meist hinter dem Anspruch zurück,
im universitären Sinne zu arbeiten. Oft geht
es stattdessen darum, eine Arena zur Ver¬
mittlung eines gemeinsamen Grundver¬
ständnisses für die strategischen Ziele des
Unternehmens und für die Netzwerkbil¬
dung unter den Beteiligten bereitzustellen.
Datamining
[zu engl. d a t a = Daten und engl.
mining = Bergbau] Der „Datenberg¬
bau" meint die Entwicklung und Anwen¬
dung bestimmter Techniken zum raschen
Auffinden von wichtigen und relevanten
Informationen und von Wissen in großen
Datenbanken. Viele Unternehmen verfü¬
gen über eine große Zahl von fähigen Mit¬
arbeitern, die gemeinsam über ein breites
Wissen verfügen. Dieses zu organisieren, zu
strukturieren und mithilfe der 1Li t über
Datenbanken allen zugänglich zu machen,
ist der Ausgangspunkt des Datamining. Im
Bereich des Marketings können z.B. Kun-
2 0 2 Knowledge-
dendaten profitabel über eine spezielle
lie R M -Software ausgenutzt werden.
Datawarehouse
[zu engl. d a t a = Daten und engl.
warehouse = Warenlager] Samm¬
lung von Daten, um Entscheidungen im
Management zu erleichtern. Dataware¬
houses sind üblicherweise die Kombination
vieler verschiedener Datenbanken inner¬
halb eines Unternehmens. Sie ermögli¬
chen flexiblen Zugriff auf Informationen
und vermitteln gern die Illusion, man kön¬
ne sich zu jedem beliebigen Zeitpunkt ein
umfassendes Bild vom Zustand des Ge¬
samtunternehmens machen.
Digital Divide
[engl. für: digitale Trennung] Die Spal¬
tung der Gesellschaft in diejenigen, die mit
Computern umgehen können und deren
Sprache beherrschen (T computer¬
literacy), und jene, bei denen das
nicht der Fall ist. Digital Divide bezieht
sich auf die dadurch entstehende wachsen¬
de Kluft zwischen den unterschiedlichen
Bildungsschichten, Einkommensklassen
und Bevölkerungsgruppen.
Edutai nment
[Zusammenziehung aus engl. educa¬
tion = Erziehung, (Aus)bildung und
Management
engl. e n te rtai n m e n t = Unterhal¬
tung] Das Edutainment zielt auf die unter¬
haltsame Vermittlung von Wissen. Durch
interaktive Präsentationsformen wie Inter¬
net oder CD-ROM werden dem Lernenden
spielerisch Inhalte vermittelt. Die Kom¬
bination aus Text, Bild, Ton und kleinen
Filmsequenzen macht das Lernen kurzwei¬
lig und amüsant. Und wer mit Spaß lernt,
lernt leichter.
Emergenz
[zu lat. e m e r g e r e = auftauchen] Als
wichtiger Baustein der y s ten¬
th e o R i E knüpft die Emergenz an die
Überlegung an, ob das Ganze mehr sein
kann als die Summe seiner Teile. Der Be¬
griff beschreibt dabei das Phänomen des
Entstehens neuer Ordnungsebenen. Das
überzeugendste Beispiel für das Prinzip
der Emergenz ist die Evolution lebender
Systeme. Von der Zelle über das Organ und
den Organismus bis zum psychischen und
sozialen System hat sich eine faszinieren¬
de Entwicklung ergeben, die zur Bildung
von neuen.Systemen mit jeweils ganz un¬
terschiedlichen Komplexitäten und einzig¬
artigen Gesamteigenschaften führte. Im
übertragenen Sinne gilt das auch für das
Entstehen der New Economy und des In¬
ternets, wo völlig neue Geschäftsfelder
emergiert sind.
__E_
2 0 3
emotionale
Intelligenz
Das Konzept das durch Daniel Golemans
gleichnamigen Bestseller populär wurde,
bezeichnet die Fähigkeit, sich der eigenen
Gefühle und der anderer bewusst zu sein
und damit intelligent und geschickt um¬
zugehen. EMPATHIE, also das Vermö¬
gen, sich in andere hineinzuversetzen und
mit ihnen zu fühlen, Intuition und die Fä¬
higkeit, die eigenen Gefühle und Leiden¬
schaften bestmöglich einzusetzen, gehö¬
ren zur emotionalen Intelligenz. Goleman
stellt u.a. die These auf, dass in Unterneh¬
men der EMOTIONALE QUOTIENT
( E Q ) weitaus wichtiger und erfolgsent¬
scheidender als der klassische Intelligenz¬
quotient (IQ) sei.
Empowerment
[zu engl. to empower = ermächtigen,
befähigen] Im Gegensatz zum T_b o o t -
legging wird den einfachen Beschäf¬
tigten offiziell mehr Macht und Einfluss
unter der Annahme eingeräumt, dass sie
ohne ständige Anleitung durch den Chef
selbstständig und eigenverantwortlich
agieren können, motivierter, engagierter
und effizienter arbeiten und unterneh¬
merischer denken. In vielen Betrieben der
New Economy funktioniert dieses Prinzip.
Großkonzerne traditioneller Natur arbei-
New Economy ist für uns Europäer vor
allem eine Lernphase. New Economy
ist die Bildung einer talentierten,
pragmatischen, wissensbegeisterten
und leistungsfähigen Gesellschaft
in Europa.
ALEXANDER STRAUB,
GRÜNDER, VORSTAND
MONDUS.COM
ten hingegen noch immer eher in einer
traditionellen „Kommando-Kontroll-Kul¬
tur" nach dem Motto: „Handle selbststän¬
dig, aber so, wie ich es für richtig halte".
Ent Lernen
Fähigkeit, Gelerntes wieder zu vergessen,
um Raum für neue Ideen und Handlungs¬
optionen zu schaffen. Während es beim
Wissensmanagement bislang darauf an¬
kam, Wissen aufzubauen und z.B. über die
T i T abrufbar zu machen (T m i s),
2 0 4
Knowledge-
M a
nagement
wird nun ganz bewusst das Element des
Vergessens in die Diskussion eingeführt.
Genauer gesagt, geht es um eine Dekon-
struktion und Neubewertung von Wissen
und Erfahrungen. Es gilt, eigene Stand¬
punkte zu hinterfragen und Abstand vom
„Das machen wir immer so" zu nehmen.
Feedback
[engl. für: Rückmeldung, Reaktion] Der
Begriff meint in der Arbeits- und Organisa¬
tionspsychologie eine Rückmeldung über
die Arbeitsleistung und das eigene Han¬
deln. Ziel ist es, durch das wiederholte
Rückspiel von Verhaltensbeobachtungen
eine Änderung und damit eine kontinuier¬
liche Verbesserung des Arbeitsverhaltens
zu erreichen. Die Grundidee des Feedbacks
geht auf B. F. Skinner zurück, der annahm,
dass die positive oder negative Rückmel¬
dung ein Verhalten und sein weiteres Auf¬
treten erhöht bzw. verringert: Belohnung
versus Bestrafung oder „Zuckerbrot und
Peitsche". Feedback wurde inzwischen z.B.
in Form von regelmäßigen Mitarbeiterge¬
sprächen institutionalisiert.
Fuzzy Logic
[zu engl. f u z z y = fusselig, schwammig
und engl. logic = Logik] Begriff aus
der Elektrotechnik, der eine Methode be¬
schreibt, mit ungenauen Daten umgehen
zu können. Die mathematische Theorie der
unscharfen Mengen wurde in den Sechzi¬
gerjahren von Lotfi A. Zadeh entwickelt.
Beim Prinzip der Fuzzy Logic werden neben
exakten Daten auch vage Angaben berück¬
sichtigt, um die Komplexität der Informa¬
tionen gerade so weit zu reduzieren, dass
man trotzdem noch ein brauchbares Modell
erhält. Die Fuzzy Logic entspricht eher der
menschlichen Denkweise in „mehr" oder
„weniger" als der klassischen Logik, die nur
die Begriffe „wahr" oder „falsch" kennt.
Global Brain
[engl. für: globales Gehirn] Unter Global
Brain wird die enge Verknüpfung der Men¬
schen durch weltweite Computernetze ver¬
standen. Marshall McLuhan hatte einst
den Begriff des „globalen Dorfes" geprägt.
Aufgrund der weltweiten Vernetzung wird
heute jedoch eher von einem Superorga¬
nismus gesprochen oder eben von einem
globalen Gehirn, in dem sich ein kollek¬
tives Wissen oder eine kollektive Intelli¬
genz entwickelt.
GLoba L-Knowledge-
Economy
[engl. für: globale Wissensökonomie]
Durch die zunehmende Globalisierung,
die Informations- und Wissensintensität
und das staatenübergreifende 'T n et-
_J±_
2 0 5
E-Business ermöglicht es unseren
Kunden, die klassischen Länder- und
Unternehmensgrenzen zu überschrei¬
ten. Für unser langfristiges Wachstum
ist es daher außerordentlich wichtig,
dass wir (...) international unsere
Aktivitäten kontinuierlich ausbauen.
STEFAN ROVER,
GRÜNDUNGSMITGLIED, CEO
BROKAT INFOSYSTEMS AG
working per Internet entwickelt sich
die Welt zu einer globalen Wissensgesell¬
schaft. Für die Wirtschaft bedeutet das
u.a., dass das Th umankapital in
der Wissensgesellschaft eine Schlüssel¬
rolle einnehmen wird. Dieses globale Den¬
ken gilt jedoch momentan noch als sehr
elitär und berücksichtigt nicht, dass 60%
der Weltbevölkerung noch nie telefoniert
haben und 40% nicht über Strom verfü¬
gen. Zu einer Gtobal-Knowledge-Economy
kann es de facto also erst kommen, wenn
die sozialen Gegensätze ausgeglichen wur¬
den (S.a. T_J) IGITAL DIVIDE).
Groupthink-
Phänomen
[zu engl. g r o u p = Gruppe und engl.
to t h i n k = denken] Gruppenspezifi¬
sche Vorgänge, die zu Fehlentscheidun¬
gen führen können. Zunehmend wird in
Teams gearbeitet, die durch ihre Dynamik
die Produktivität des Unternehmens stei¬
gern. Es kann aber auch zu negativen Aus¬
wirkungen kommen, dem so genannten
Groupthink-Phänomen, das von Irving L.
Janis erkannt und beschrieben wurde.
Gruppendynamik kann eine Art Gruppen¬
zwang bewirken, der von einem direktiven
Führungsstil, von situativen Faktoren wie
Zeitdruck oder Abschottung (z.B. bei ab¬
solutem Stillschweigen überein Projekt),
von einer ungleichen Informationsver¬
teilung innerhalb der Gruppe und von dem
Meinungsführer abhängt. Bei einer sol¬
chen Konstellation kann es zu Selbstüber¬
schätzung der Gruppe und Fehleinschät¬
zungen der Situation kommen.
Humankapi ta L
[aus gleichbed. engl. human capi¬
tal] Ausweitung des traditionellen Kapi-
H
2 0 6
Knowledge-
nagement
taIbegriffs der ökonomischen Theorie, auf
Eigenschaften der menschlichen Arbeits¬
kraft. Ausbildung und generell der Erwerb
von Fähigkeiten werden als eine Investition
verstanden, die in der Zukunft zu Erträgen
in der Form von Einkommen, besseren Jobs
etc. führt. Der Ausdruck wird sowohl auf
sozialer Ebene als Arbeitsvermögen einer
Organisation bzw. der Gesellschaft wie
auch auf individueller Ebene als Inves¬
tition in die eigene Zukunft verwendet.
Hypertext-
Organisation
hypertext bezeichnet im Internet¬
jargon ein über Links verbundenes Netz
aus Text-, Bild- und Dateneinheiten. Auf
diese Art entstehen mehrere Ebenen, zwi¬
schen denen je nach gewünschter Infor¬
mationstiefe gewechselt werden kann. Die
Hypertext-Organisation ist nun eine Or¬
ganisation mit drei sich überlagernden
Strukturebenen: dem Business-System,
dem Project-Team und der Knowledge-
Base. Das Business-System entspricht der
Ebene der operativen Geschäftsprozesse,
das Project-Team gleicht der Ebene wech¬
selnder Projektarbeit und die Knowledge-
Base entspricht der Gesamtheit des Wis¬
sens, das in der Organisation vorhanden
ist. Neues Wissen wird in einem Unterneh¬
men dann erzeugt, wenn im Rahmen der
Projektarbeit neue Erkenntnisse gewon¬
nen werden, die dann auf der Ebene der
Knowledge-Base von den Teammitgliedern
z.B. in Form von Berichten an andere Or¬
ganisationsmitglieder weitergegeben wer¬
den. Danach wenden sich die Projektbetei¬
ligten wieder dem operativen Geschäft auf
der Ebene des Business-Systems zu, bis
neue Projekte anstehen. Nach den beiden
führenden Wissensmanagement-Forschern
Nonaka und Takeuchi ist die Fähigkeit ei¬
nes Unternehmens, Wissen zu generieren
und zu integrieren, davon abhängig, wie
gut es gelingt, den Wissenszyklus zwi¬
schen den drei Ebenen zu organisieren.
Ignoranz
[zu lat. ignorant i a = Unkenntnis]
Ignoranz in Form von Unwissenheit oder
absichtlicher Unaufmerksamkeit ist im Ver¬
halten aller Systeme zu finden. Sie gewinnt
im Wissensmanagement besondere Bedeu¬
tung. Zum einen kann eine kollek¬
tive i g n o r a n z als das zentrale Pro¬
blem der mit Daten überfluteten Wissens¬
und Informationsgesellschaft betrachtet
werden. Zum anderen kann eine so genann¬
te positive Ignoranz als Strate¬
gie gegen die wachsende Informations¬
flut gesehen werden im Sinne von „Mut
zur Lücke". Eine gut dosierte „Ökonomie
der Unbelehrbarkeit" kann sich auszahlen,
I
2 0 7
wenn sie sich nicht darin erschöpft, den¬
selben Fehler fünfmal zu machen.
Imagineering
[Zusammenziehung aus engl. i m a g e =
Bild und engl. to engineer = kons¬
truieren] Der Begriff meint das künstliche
Herstellen von Vorstellungs- bzw. Fantasie¬
welten. Diese Welten verschieben die Gren-
zen zwischen Bild und Gegenstand. In den
zunehmend medial organisierten Arbeits¬
und Lebenskontexten wird Image, das Bild,
zum wahrnehmungsprägenden und damit
wissensgenerierenden Faktor und somit
zu einem Schlüssel für das Verstehen und
Gestalten von Innovations- und Change¬
prozessen. Mögliche neue Produkte, Pro¬
zesse und Arbeitsstrukturen können vir¬
tuell durchgespielt werden.
Infomappi ng
[zu engl. m a p = (Land)karte, Plan]
Wissen, wo das Wissen ist. Bei der derzei¬
tigen Informationsflut ist Orientierung
vonnöten. Es gilt, die relevanten Informa¬
tionen zu sichten und für sich nutzbar zu
machen. Gibt man beispielsweise einen
Begriff in eine Suchmaschine ein, werden
meist unzählige Links aufgeführt. Dieser
Informationüberfluss kann schnell zu ei¬
nem Informationsüberdruss führen, was
die Forderung nach Organisation nach sich
Für mich ist die New Economy die
Chance, den Blick nach vorne gerichtet,
Zweifel hinter sich lassend, neue Wege
beschreiten zu können. Der Beweis
des Produktivfaktors "Innovation".
MAX C ARTELLI ER I,
GRÜNDUNDSMITGLIED,
CO-CEO FINANCE
CIAO.COM
zieht. Infomapping bedeutet also, Infor¬
mationen und Wissen zu organisieren und
zu koordinieren.
Information-
Broking
[zu engl. broker = Makler] Auch
wissENSBROKERAGE. Das Ver¬
mitteln von und Handeln mit Informatio¬
nen. Der infobroker durchsucht Da¬
tenbanken, Onlinebibliotheken, CD-ROMs
oder das Internet. Die Kunst des Wissens-
208 Knowledge-
brokerage besteht darin, Informationen
in der Weise miteinander zu kombinieren,
dass sie einen einmaligen, perfekt auf die
individuellen Bedürfnisse zugeschnitte¬
nen und schnell verfügbaren Vorteil für
den Suchenden bieten.
Information-
Fatigue-Syndrom
[zu engl. information und engl.
fatigue = Ermüdung, Erschöpfung]
Ein von zu vielen Informationen ausgelös¬
tes Stresssyndrom. Menschen, die täglich
enorme Mengen an Informationen über die
verschiedenen Medien (Internet, Fax, Print¬
medien, Telefon etc.) bewältigen müssen,
können unter diesem Syndrom leiden. Es
äußert sich u.a. in Zweifeln an den eige¬
nen analytischen Fähigkeiten und chroni¬
scher Nervosität.. Helfen kann da nur das
Abstandnehmen vom eigenen Perfektions¬
drang und das Leben nach dem Motto: Wis¬
sen, dass man nicht alles wissen kann.
Information-
Overload
[zu engl. information und engl.
overload = Übergewicht, Überbelas¬
tung] Informationsüberlastung. Durch die
Zugänglichkeit der Informationen über das
Internet und die Printmedien ist ein An¬
gebot entstanden, das von niemandem
Management
mehr bewältigt werden kann. Die Infor¬
mationsaufnahme hat bei vielen Menschen
ihre Kapazitätsgrenze erreicht, wobei das
Gefühl der Überlastung von Mensch zu
Mensch verschieden ist. Im schlimmsten
Fall endet der Informationsüberdruss im
T I N F 0 R M A T I 0 N - F A T I G U E -
SYNDROM.
Information-
Superhighway
[zu engl. information und engl.
h i g h w a y = Autobahn] Die Superdaten¬
autobahn, ein bildhafter Vorläuferbegriff
für das heute gebräuchliche Wort Internet.
Der Begriff wurde 1992 im US-Präsiden-
tenwahlkampf von Al Gore geprägt, damals
Kandidat für die Vize-Präsidentschaft. Er
erkannte als erster bedeutender Politiker
das Potenzial leistungsfähiger Datennetze,
von denen es damals bereits ein noch weit¬
hin unbekanntes gab: das Internet.
Information-
Warfare
[zu engl. information und engl.
warfare = Kriegsführung] Kriegsfüh¬
rung mittels Informationstechnologie. Der
vom US-Autor und Datenexperten Winn
Schwartau geprägte Begriff beschreibt
die aggressiven Formen der Ausschaltung
der Konkurrenz via Internet. Beispiele:
2 0 9
Das Internet verändert unsere Gesell¬
schaft grundlegend. Es bringt Infor¬
mationen in bisher nicht gekanntem
Umfang, zu niedrigen Kosten und
sofort zu jedermann. Dies zu verbreiten
und neue Lösungen zu entwerfen,
ist eine wunderbare Herausforderung.
THOMAS HEILMANN,
GRÜNDUNGSMITGLIED
E C 0 N A AG
Computerviren, die per E-Mail geschickt
komplette Datensysteme lahm legen,
oder 1T1 j u N K M a i L s , die für Stunden
oder Tage auch die leistungsfähigsten
T s E R v E R blockieren können.
Infosmog
[Zusammenziehung aus Information
und Smog] Mit Infosmog bezeichnet
man den Überfluss an unwichtigen Infor¬
mationen, Datenmüll, den wir per E-Mail,
Handy, Fax, Internet, Fernsehen etc. emp¬
fangen, denn zuviel Information trübt die
Sicht. Die Datenflut kann das Urteilsver¬
mögen schädigen.
Infotainment
[Zusammenziehung aus I n f o r m a t i o n
und Entertainment] Der Begriff
beschreibt die Verbindung von Information
mit Unterhaltungswerten. Durch Fernseh¬
sendungen wie die „Sendung mit der Maus"
haben wir schon in Kindertagen die Ver¬
bindung beider Welten kennen gelernt.
Bereits hier wurde das Unterhaltsame mit
Wissenswertem gespickt. Je wichtiger In¬
formationen werden und je mehr ihre Men¬
ge zunimmt, umso größer wird auch die
Bedeutung, die dem Lustfaktor bei der In¬
formationsübermittlung beigemessen wird.
Innovations¬
management
Eine Innovation ist eine Erneuerung, die
mehr ist als eine bloße Verbesserung. In¬
novationen sind für jedes Unternehmen
wichtige Voraussetzungen zur Sicherung
ihrer Position im Markt. Das Management
kann das Klima und die organisatorischen
Rahmenbedingungen schaffen, um den
Nährboden für Kreativität und Innovation
zu fördern. So werden z.B. Kernphasen und
2 1 0
Knowledge-
M a
nagement
Systeme für Innovationsprozesse definiert.
Oft ist allerdings bei aller Managerartistik
ein programmierter Durchbruch trotzdem
nicht lenkbar.
Innovationsrate
Maß zur Messung der Innovationskraft
eines Unternehmens. Der Umsatz des in
einer bestimmten Periode eingeführten
neuen Produktes wird dabei ins Verhältnis
zum Gesamtumsatz der Periode gesetzt. Bei
der heutigen Innovationsrate der T^r t -
Branche ist dabei leicht nachzuvoll¬
ziehen, dass ein Produkt im Laufe seines
Lebenszyklus mehrmals veränderten Anfor¬
derungen oder anderen Technologien an¬
gepasst werden muss. Der innova-
tionsquotient misst den Anteil
der Bevölkerung, der die Innovation über¬
nommen hat.
Intellectual
Capital (IC)
[engl. für: intellektuelles, geistiges Ka¬
pital] Das IC ist der immaterielle Wert¬
schöpfungsfaktor, der an die intellektuel¬
len Fähigkeiten des Menschen und an das
strukturelle und juristisch geschützte
iLl NTELLEKTUELLE EIGENTUM
von Organisationen gebunden ist. Als
wichtigste Kategorien gelten Innovations¬
fähigkeit, Kundenzufriedenheit, Manage¬
mentfähigkeiten, Allianzen, brand¬
value, Mitarbeiterbeziehungen, Um¬
weltschutz und Öffentlichkeit bzw.
mage. Das IC kann als Differenz
zwischen Markt- und Buchwert gesehen
werden, da es sich in Prozessen, Produk¬
ten oder Dienstleistungen wertsteigernd
niederschlägt und am Markt entsprechend
belohnt wird.
intellektuelles
Eigentum
Juristischer Fachbegriff. Unter intellektu¬
ellem Eigentum wird das Wissen verstan¬
den, welches durch Patentierung, Marken¬
bezeichnung (Trademarks) und Copyright
anerkannt und international geschützt wer¬
den kann. Daran gebunden sind die Verein¬
barungen für Preisgebung und Lizenzen.
Knowbots
[zu engl. to k n o w = wissen und engl.
r o b o t = Roboter] Softwareprogramme,
die unermüdlich das Internet nach aktu¬
ellen Nachrichten oder Informationen zu
einem bestimmten Thema durchsuchen
und für ihren Besitzer Daten sammeln. Sie
sind vergleichbar mit ll_s h o p b o t s
und der Familie der lt_A g e n t e n zuzu¬
ordnen. Leider gibt es bislang keine wirk¬
lich überzeugenden Exemplare dieser Ka¬
tegorie, und Otto Normalverbraucher muss
K
2 1 1
H New Economy als Gegensatz zur Old
Economy umschreibt eine neue Form
unternehmerischer Möglichkeiten.
Zum einen der Einsatz neuartiger
Technologien, zum anderen ein
Freiräume schaffendes und Innova¬
tionen förderndes Arbeitsumfeld.
RALPH DOMMERMUTH,
VORSTANDSVORSITZENDER
UNITED INTERNET AG
sich mit den etablierten Suchmaschinen
zufrieden geben.
Know-how/Know-why
[engl. für: wissen, wie bzw. wissen, war¬
um] Zwei Formen der Wissensbeschrei¬
bung, in denen meist konkrete, anwen¬
dungsbezogene Informationen um ein
Thema gebündelt werden. Das Wissen be¬
ruht dabei auf den eigenen Erfahrungen
und ist praktisch umsetzbar. Man weiß
also, wie und warum etwas gemacht wird.
Mit Hilfe einer systematischen Aufberei¬
tung des Know-how und Know-why ver¬
suchen sich Unternehmen einen Überblick
über die eigene Wissensbasis zu verschaf¬
fen und sich diese unabhängig vom eigent¬
lichen Wissensträger zu bewahren. Gera¬
de auf das Know-how des Einzelnen haben
es die Unternehmen bei ihrem Kampf um
die begehrten Mitarbeiter abgesehen.
Knowledge-
Backbone
[zu engl. knowledge = Wissen und
engl. backbone = Rückgrat] Know¬
ledge-Backbone (KBB) ist ein Darstellungs¬
und Speicherformat von Wissen in seinem
kontextuellen Zusammenhang (beispiels¬
weise regional oder industriebezogen). Das
Internet ist eines der wichtigsten Know¬
ledge-Backbones unserer Zeit, aber auch
TV, Printprodukte, Handys oder der PC
bilden ein Rückgrat für Informationen. Ein
KBB ist interaktiv zugänglich, kann kon¬
tinuierlich an Veränderungen angepasst
werden und dient als Wissensbasis für kom¬
plexe Entscheidungsprozesse.
Knowledge-Booster
[zu engl. k n o w le d g e = Wissen und
engl. to b o o st = ankurbeln, verstär¬
ken] Ein Knowledge-Booster ist ein soft¬
212 Knowledge-
waregestützter i n t r a n e T)raum,
der Mitarbeiter eines Unternehmens oder
einer Organisation bei der Erzeugung von
Wissen unterstützt. Die Mitarbeiter sollen
sich ihre Ideen und Erfahrungen gegen¬
seitig zur Verfügung stellen, wobei sie die
Qualität ihrer Beiträge gegenseitig beur¬
teilen. Das kann am Ende einer Zeitspan¬
ne die Basis für ein Wissensranking und
Prämiensystem bilden.
Know Ledge-Economy
Auch KNOWLEDGE-BASED ECO¬
NOMY. [engl. für: Wissensökonomie] Eine
Wissensökonomie wie die New Economy
wird im Wesentlichen durch die zwei Pro¬
duktionsfaktoren Kapital und Wissen cha¬
rakterisiert. Hieraus ergibt sich, dass Ka¬
pitalrentabilität und Wissenseffizienz die
zwei wichtigsten Ziele in einer Wissens¬
ökonomie sind. Deren Optimierung unter¬
stützt die globale Vernetzung und setzt
sie bis zu einem gewissen Maß voraus. Sie
ermöglicht die ortsunabhängige Erzeu¬
gung von Wissen sowie den schnellstmög¬
lichen Zugang zu und die Verteilung von
Wissen und Kapital.
Knowledge-Flow-
Management (KFM)
[zu engl. knowledge = Wissen und
engl. to f l o w = fließen, strömen] Als
Management
Teilbereich des Wissensmanagements fo¬
kussiert das KFM die systematische Steue¬
rung und Organisation von Wissensflüssen
bei der Entwicklung und Nutzung von Wis¬
sen. Das sind „Flüsse" zwischen Personen,
Teams, Bereichen und auf den unterneh¬
mensübergreifenden Ebenen. Dabei geht
es nicht nur um die Vernetzung von PCs,
sondern auch um direkten persönlichen
Austausch. Im Zentrum steht die Kommu¬
nikation. Ziel ist, das relevante Wissen
am richtigen Ort zum richtigen Zeitpunkt
wirksam werden zu lassen.
Know ledge-Gap
[engl. für: Wissenslücke] Zunehmende
Kluft zwischen den unterschiedlichen Wis¬
sensständen verschiedener sozioökonomi¬
scher Schichten. Die bessere Nutzung des
Informationsangebots bei höheren Bil¬
dungsschichten führt zu einer weiteren
Verbesserung ihres Wissens und damit in¬
direkt zur Vergrößerung der Kluft zwischen
den verschiedenen Schichten. Im Zeital¬
ter der neuen Medien ist die Diskussion
dieser These aktueller als je zuvor: So sur¬
fen laut Statistiken der OECD aus dem Jahr
2000 ca. 20% der Abiturienten im Netz
(omputerliteracy),
während der Anteil bei Menschen mit
Hauptschulabschluss nur bei 8% liegt.
(11_D IGITAL DIVIDE)
K
2 1 3
Know Ledge-
Landscape
[engl. für: Wissenslandschaft] In einer
Wissenslandschaft werden die Wissens¬
dokumente räumlich angeordnet und in
Form von Landschaftsstrukturen veran¬
schaulicht (ISSENSLANDKAR-
T E). Das Ziel dabei ist, einen verständ¬
lichen Überblick über die Wissensbestände
einer Organisation zu verschaffen sowie
ein schnelles und zielorientiertes Aufsu¬
chen von Wissensdokumenten zu ermögli¬
chen und das 11_k n ow l e dg e - flow¬
man ag em ent zu unterstützen.
Knowledge-Network
[engl. für: Wissensnetzwerk] Wissensnetz¬
werke haben die Verteilung und Verknüp¬
fung von Wissen und Wissensträgern zum
Ziel. Sie können organisations- oder unter¬
nehmensspezifisch, aber auch themen-,
branchen- oder regionalspezifisch ausge¬
richtet sein. Ein Wissensnetzwerk ist die
formelle, durch eine Infrastruktur gestütz¬
te oder auch informelle Kontaktpflege von
Wissensträgern und stellt einen Schlüssel¬
faktor der New Economy dar.
Knowledge-Product
[engl. für: Wissensprodukt] Ein Know¬
ledge-Product besteht aus einer Anzahl
von meist softwaregestützten Werkzeugen
Die New Economy ist der Evolutions¬
sprung der Old Economy auf ihrem Weg
zur One Economy.
ANDREAS SCHMIDT
PRESIDENT, CEO
BERTELSMANN
E-COMMERCE GROUP
und einer methodischen Anleitung zum pro¬
blembezogenen Einsatz wie z.B. das Tabel¬
lenkalkulationsprogramm Excel, welches die
Finanzindustrie erheblich beeinflusste. Das
Knowledge-Product fokussiert, ermöglicht
und beschleunigt die individuelle Fähig¬
keit zur Problemlösung. Wissensprodukte
gewinnen im Rahmen einer Wissensöko¬
nomie zunehmend an Bedeutung, da sie
Problemlösungen unabhängig vom eigent¬
lichen Wissensträger ermöglichen und er¬
heblich zur Wissenseffizienz beitragen.
K
214 Knowledge-
Knowledge-Ranking
[engl. für: Wissensrangliste] Das Know¬
ledge-Ranking ist eine mögliche Form, wie
im Rahmen des Wissensmanagements die
Erzeugung von Wissen für eine Organisa¬
tion gesteuert und unterstützt werden
kann. Die Mitarbeiter oder ein dafür be¬
stimmtes Gremium bewerten systematisch
die der Organisation zur Verfügung gestell¬
ten Wissensbeiträge. Am Ende einer Perio¬
de werden die Beiträge ausgewertet und
einem Ranking unterzogen. Das Ranking
kann schließlich durch ein Prämiensystem
oder andere Belohnungssysteme unter¬
stützt werden. Auf diese Art und Weise
sollen die Mitarbeiter dazu motiviert wer¬
den, dem Unternehmen ihr Wissen zur Ver¬
fügung zu stellen.
Know ledge-
Stock-Market
[engl. für: Wissensaktienmarkt] Der
Wissensaktienmarkt ist ein iLv i r t u -
Eller Marktplatz, auf dem An¬
teilsscheine an einer Produktidee von Mit¬
arbeitern eines Unternehmens gehandelt
werden. Er ist damit ein Instrument zur
Bewertung von Wissenspotenzialen bzw.
ntellectual Capital und
unterstützt zugleich die Anreizstrukturen
eines wissensbasierten Unternehmens, da
gute Ideen honoriert werden.
Management
Knowledge-Worker
[engl. für: Wissensarbeiter] Der
vom Managementguru Peter F. Drucker ge¬
prägte Begriff meint alle Beschäftigten, bei
denen die eigenen Erfahrungen und Kennt¬
nisse notwendige Voraussetzungen für ihre
Arbeit sind. Dabei ist der Begriff wesent¬
lich weiter gefasst als Kopfarbeiter oder
gar Intellektueller - bereits heute können
um die Hälfte aller Beschäftigten der In¬
dustriestaaten als WISSENSWERKER
gelten. Drucker ist überzeugt, dass der
Übergang von der Industrie- zur Wissens¬
gesellschaft nicht nur kleine intellektu¬
elle Eliten betrifft, sondern den größten
Teil der Bevölkerung.
kollektives
W i s s e n
Kollektives Wissen teilen sich mehrere
Menschen eines Kulturkreises oder einer
Organisation, die mit den ungeschriebenen
Verhaltenskodizes, Spielregeln, geheimen
und/oder geteilten Werten, Normen, Ta¬
bus, Ritualen etc. vertraut sind. Kollekti¬
ves Wissen ist aber auch das Expertenwis¬
sen oder die geschützten Rechte einer
Organisation. Im Gegensatz dazu steht das
individuelle, private Wissen eines Einzel¬
nen. Von Kollektivierung wird dann ge¬
sprochen, wenn das individuelle Wissen
der Gruppe zugänglich gemacht wird. Es
M
2 1 5
sichert das Überleben und die Entwick¬
lung der Organisation.
künstliche
Intelligenz (KI)
Die Idee von lernfähigen, intelligenten
Computern, die eigenständig Entscheidun¬
gen fällen und nach menschlichem Ver¬
ständnis denken können, gibt es seit fast
50 Jahren. Der Ahnherr Marvin Minsky und
Hans Moravec, Direktor am Robotics Insti¬
tute der Carnegie Mellon Universität, sind
die wichtigsten Vertreter der Entwicklung
künstlicher Intelligenz. Sie versprechen z.B.
intelligente Haushaltsroboter und gegen
Ende dieses Jahrhunderts Wesen, die dem
Menschen geistig überlegen sein werden.
Das Vermarktungsfähigste sind derzeit
„intelligente" Babypuppen mit „Gefühlen"
und einem wachsenden Wortschatz.
lernende
Organisation
Die Lernfähigkeit der Organisation ist ei¬
nes der großen Themen in der Manage¬
mentdiskussion seit den 90er-Jahren. Da¬
bei geht es weniger um die betriebliche
Weiterbildung als um die Frage der Gestal¬
tung von Strukturen, Strategien und Kultu¬
ren mit dem Ziel einer verbesserten Ent¬
wicklungsfähigkeit der Unternehmung. Das
Individuum, die Gruppe oder das interor-
Die New Economy fordert permanentes
Lernen in immer kürzeren Zyklen,
mit immer höherem Entscheidungsrisiko,
das heißt, lots of opportunities.
ALEXANDER RUZICKA,
CEO CENTRAL EUROPE
HMS & CARAT GMBH & CO. KG
ganisationale 11_n e t z w e r k sollen mal
Impulsquelle, mal Wissensträger und mal
Adressat sein. Der Begriff des T e nt-
lernens macht deutlich, dass es beim
organisationalen Lernen nicht um das rei¬
ne Anhäufen von Informationen geht, son¬
dern darum, Erfahrungen zu vereinigen,
neu anzuorden und umzuwandeln. Die For¬
derung „lernen zu lernen" ist zukunftswei¬
send. In der Praxis endet das Konzept der
lernenden Organisation jedoch häufig als
Etikett ohne Konsequenzen.
M
216 Knowledge
local Knowledge
[engl. für: örtliches Wissen] Wissen, das
vor Ort in einer bestimmten Umgebung von
einer einzelnen Person oder einer Gruppe
entwickelt wird. Neben dem T_xnow-
h o w umfasst das lokale Wissen auch
11_K OLLEKTIVES WISSEN Und
Milieuwissen, ein Wissen aus Beobachtung,
aus Tabus sowie Tipps und Tricks. Ohne
das Wissen örtlich verankerter Personen
oder Gruppen sind z.B. Entwicklungspro¬
jekte kaum umzusetzen. Was in der Makro¬
politik schon längst erkannt wurde, fließt
nun auch in die Mikropolitik der Unterneh¬
men ein: Nicht unbedingt der Verkaufschef
kennt die Kunden im Warenhaus am bes¬
ten, es kann auch der Hausdetektiv sein,
der auf seinen Monitoren seit Jahren tag-
ein, tagaus das Treiben der Kundinnen und
Kunden beobachtet.
Management-
Information-System
M i s ist ein computergestütztes Informa¬
tionssystem, das eine Führungskraft in
ihren Planungs-, Koordinations-, Kontroll-
und Entscheidungsaufgaben unterstützt.
Eine in Theorie und Praxis eindeutige Be¬
griffsverwendung hat sich noch nicht ab¬
schließend herausgebildet. Während die
frühen Typen von MIS vornehmlich auf das
Generieren von statistischen Berichten
Management
abstellten, sind neuere Systeme wesent¬
lich reichhaltiger. Ein wichtiger Bestand¬
teil eines MIS ist das T__d ataware-
HOUSE.
M e m e t i k
[zu griech. mimeTsthai = nachah¬
men] Die Theorie der Memetik geht auf
den Evolutionsforscher Richard Dawkins
zurück. Sie untersucht, wie sich in de¬
zentralen Systemen Informationen ver¬
breiten. Ausgangspunkt der Theorie sind
so genannte kulturelle meme, eine Art
Ideen-DNS. Ähnlich wie anatomische und
verhaltensbedingte Eigenschaften über
±_£EN E von einer Generation auf die
nächste weitervererbt werden, breiten
sich kulturelle Errungenschaften über Me¬
me aus. Wie findet beispielsweise eine
gute Idee den Weg durchs g l o b a l
brain? Dawkins stellte fest, dass sich
manche Informationen gar nicht verbrei¬
ten, andere hingegen epidemisch. Jede
erfolgreiche Idee, Erfindung, Mode, Reli¬
gion oder Technik pflanzt sich memetisch
über die Gehirne der Menschen fort - ähn¬
lich einem Virus.
Mentaltraining
Das Mentaltraining soll reale Handlungen
oder Bewegungsabläufe verbessern, in¬
dem diese zuvor geistig eingeübt werden.
2 1 7
New Economy setze ich mit dem Inter¬
net gleich. Das globale Netzwerk
ist eine der größten Erfindungen des
letzten Jahrhunderts. Es erhöht den
Preis- und Wettbewerbsdruck, schafft
transparente Märkte und ändert das
Verhalten der Anbieter.
ANDRE KÖTTNER,
FONDSMANAGER, AUTOR
UNION-INVESTMENT GMBH
Mentaltraining ist im Spitzensport wie in
Managementetagen beliebt. Zahlreiche
Bücher, Videokassetten und CD-ROMs ver¬
sprechen Erfolg. Wer sich auf eine wich¬
tige Sitzung oder einen entscheidenden
Wettkampf vorbereitet, geht den optima¬
len Verlauf vorher im Kopf mehrfach de¬
tailgenau durch. Dieses geistige Einüben
soll sich dann positiv auf die reale Hand¬
lung auswirken.
Mentor i ng
Wie Mentorin der griechischen Mythologie
fürTelemach, den Sohn des Odysseus, ein
väterlicher Freund und ständiger Gefährte
und Helfer war, soll auch der mentor
in Form eines erfahrenen Mitarbeiters aus
der Führungsebene den m e n t e e, den
jungen, aufstrebenden Nachwuchs, be¬
gleiten und unterstützen. Er ist dafür ver¬
antwortlich, seinen Schützling in die not¬
wendigen Tricks des Berufsalltags einzu¬
weisen und ihm oder ihr die erforderli¬
chen Kontakte zu verschaffen. Mentor und
Mentee dürfen jedoch nicht gemeinsam
in einer Abteilung arbeiten, damit das per¬
sönliche Verhältnis und die Atmosphäre
unbelastet bleiben. Zusätzlich finden beim
Mentoring Seminare und Projekte zur ge¬
zielten Weiterbildung statt. Dem Nach¬
wuchs soll so der Weg in die Führungs¬
etage geebnet werden.
Mi dd le-up-down-
Strategie
[engl. für: Aus-der-Mitte-heraus-Strate-
gie] Unternehmensstrategie, bei der die
wesentlichen Impulse für den Wissensauf¬
bau und die Richtungsfindung der Orga¬
nisation aus der mittleren Führungsebene
kommen. Bei der Middle-up-down-Strate-
gie wird das mittlere Management als Quel¬
218 Knowledge-
le organisationaler Wissens- und Verände¬
rungsimpulse erkannt und aktiv befähigt
bzw. gefördert. Und das macht auch Sinn,
schließlich bildet diese Ebene die Schnitt¬
stelle zwischen Topmanagement und Ar¬
beitnehmern.
Mi ndmappi ng
[zu engl. mind = Gedanken und engl.
to m a p = abbilden] Mindmapping ist
eine Kreativtechnik, die hilft, unstruktu¬
rierte Gedanken geordnet darzustellen.
Sie wurde von dem britischen Lernforscher
Tony Buzan entwickelt. Im Prinzip funktio¬
niert Mindmapping so, dass von einem
zentralen Begriff oder Bild assoziativ wei¬
tere Begriffe abgeleitet werden, um diese
wiederum im nächsten Schritt spontan mit
weiteren Begriffen zu verknüpfen. Das Re¬
sultat ist ein Mindmap, welches ein breites
Spektrum an Ideen und Fakten beinhaltet.
Mnemotechnik
[zu gr. m n e m e = Gedächtnis] Ein Ver¬
fahren, welches das Erinnerungsvermögen
verbessern soll. Ziel der Mnemotechnik ist,
ein System zu schaffen, in dem Erinnerun¬
gen in Form von Gedächtnisbildern an ima¬
ginären Orten abgelegt werden. Einfacher
ausgedrückt: Die Mnemotechnik stellt Me¬
thoden bereit, um Eselsbrücken zu bauen
und so die Leistungsfähigkeit des Gedächt¬
Management
nisses zu vergrößern. Im Computerzeital-
ter hat die Mnemotechnik neue Aktualität
erhalten, weil die Erkenntnisse insbeson¬
dere für die Gestaltung grafischer Benut¬
zeroberflächen wertvoll sind. Eine der ers¬
ten verbreiteten Anwendungen dieser Art
auf einem Computer war die abstrahierte
Nachbildung eines Schreibtischs (Desk¬
top) auf dem Bildschirm.
Monitoring
[zu engl. to m o n i to r = überwachen,
kontrollieren] Systematisches Beobach¬
ten, Analysieren und Auswerten einer be¬
stimmten Situation. Innerhalb eines Un¬
ternehmens meint Monitoring häufig die
Überwachung und Analyse bestimmter Be¬
reiche, in denen etwas schief läuft, wie et¬
wa ein Produkt mit geringem Absatz oder
ein schlechter ll_w o r k f l o w . Der In¬
formationsmangel ist hier das größte De¬
fizit des Unternehmens, das nicht weiß,
wo der Fehler liegt. Hier setzt das Monito¬
ring an mit meist externen, z.T. aber auch
internen (Unternehmens)beratern, die he¬
rauszufinden versuchen, wo das Problem
liegt und wie es gelöst werden könnte.
Muddling-through
[engl. für: Durchwursteln] Das scheinbar
ungeordnete Durchwursteln durch Problem¬
stellungen. Der Kontext komplexer und dy-
d
2 1 9
namischer Umwelten lässt diese negativ an¬
mutende Strategie in einem anderen Licht
erscheinen. Die teilweise unbekannte neue
Welt der New Economy lässt viele Begeben¬
heiten wenig plausibel erscheinen. In un¬
bekannten Situationen steht man keinen
optimalen Lösungen und Strategien ge¬
genüber. Da hilft nur Ausprobieren. Kämpft
man sich durch, recycelt Vorgefundenes,
schließt Kompromisse, kann ein solches
Vorgehen durchaus in eine vielverspre¬
chende Richtung und gegebenenfalls zur
T B EST practice führen. Letztlich
gilt die Erkenntnis des Organisationsfor¬
schers Karl Weick: „Lieber ungeordnetes
Handeln, als geordnetes Nichthandeln".
Das Internet bringt mehr und geziel¬
tere Möglichkeiten, Kontakte zu
knüpfen, Informationen zu beschaffen
und selbst zu agieren.
SUSANNE WESTPHAL,
GRÜNDERIN,
GESCHÄFTSFÜHRERIN
PREISWÄRTER ONLINE GMBH
NeuroLinguis-
tisches Program¬
mieren (NLP)
Der von John Grinder und Richard Bandler
stammende Begriff beschreibt ein in den
Achtzigerjahren entwickeltes Modell. Das
Aufdecken der Prozesse zwischen Gehirn,
Sprache und gelernten Strukturen soll neue
Wege der Kommunikation und Gestaltung
von Interaktionen ermöglichen. Ziel ist
es, sich und andere besser zu verstehen
und verändern zu können. NLP führte zu
einem wahren Psychoboom und damit zu
einem blühenden Markt für Ausbildungen,
Publikationen und Beratungsleistungen.
Kaum ein Verkäufer, der nicht NLP-gestählt
ist. In der klassischen Psychologie ist NLP
jedoch umstritten. Kritiker sehen Unver¬
einbares zu einem Theoriencocktail auf¬
bereitet. Dem Nutzer von NLP wird sugge¬
riert, dass persönliche Veränderung und
die Beeinflussung anderer in kürzester Zeit
erlernbar und damit erstrebenswert seien
- eine undenkbare Vorstellung in der „klas¬
sischen" Therapie. Das NLP hingegen äu¬
ßert keine moralischen Bedenken hinsicht¬
lich der bewussten Manipulation anderer.
2 2 0
Knowledge-
Management
Null-Fehler-
Toleranz
Beschreibt den Anspruch, keine Fehler zu
machen. Trotz gegenteiliger Beteuerun¬
gen ist die Fehlertoleranz in vielen Unter¬
nehmen minimal. Eines der aktuellen Kon¬
zepte der Qualitätsförderung nennt sich
denn auch Null-Fehler-Konzept und hat
zum Ziel, Produkte hundertprozentig feh¬
lerfrei zu erzeugen. Dieses Bestreben steht
ganz im Gegensatz zur Wissensmanage¬
ment-Perspektive, die Fehlerfreundlich¬
keit in einem Unternehmen als innova¬
tionsfördernd erkennt: Eine Fehlerkultur
steigert die Lernwilligkeit, Risikofreudig¬
keit und Kreativität der Mitarbeiter und
kann so zu außerordentlichen Denkleis¬
tungen anspornen.
Open-Space-
Methode
[zu engl. o p e n = offen und engl.
s p a c e = Raum] Spezielle Methode des
Orkshops. Entwickelt und popu¬
larisiert von Harrison Owen bezeichnet die
Open-Space-Methode ein Verfahren, bei
dem alle an einem Themenfeld beteiligten
Personen selbst bei großen Gruppen zu ei¬
nem offenen Treffen eingeladen werden.
Es gibt keine vorher festgelegten Themen
oder feste Referenten. Nach dem Prinzip der
Selbstorganisation finden sich die Arbeits¬
gruppen selbst zusammen und erarbeiten
Lösungen. Es gibt nur wenige Spielregeln;
die beiden zentralen besagen: 1. Es gibt
keine Hierarchie unter den Teilnehmern.
Jeder kann eine Arbeitsgruppe eröffnen.
2. Das „Gesetz der zwei Füße" legt fest,
dass jeder Teilnehmer die Arbeitsgruppe
wechseln kann, wann immer er möchte.
Bei dieser Methode ist ein nicht geringes
Maß an Selbstdisziplin und Eigeninitiative
vonnöten, damit die einzelnen Arbeits¬
gruppen nicht im Kaffeeklatsch enden.
Opportuni tytaker
[zu engl. opportunity = Gelegen¬
heit und engl. taker = Interessent]
Personen mit einem ausgeprägten Sinn für
günstige Gelegenheiten und der Fähig¬
keit, diese auch zu nutzen. Zeiten des Wan¬
dels bieten flexiblen und lernfähigen Men¬
schen viele Möglichkeiten. Sie operieren
transparent und hierarchiefrei in Netz¬
werken und achten darauf, win-win-
s i tu at i on en zu schaffen, also Si¬
tuationen, die für beide Seiten von Vorteil
sind. Opportunitytaker sind sozusagen die
Schnäppchenjäger der New Economy.
Paradigma
[zu griech. parade igma = Beispiel,
Muster] Der Begriff wurde von T.S. Kuhn
in die Wissenschaftstheorie eingeführt.
2 2 1
New Economy heißt mehr als alles
andere Gründergeist, Innovationskraft
und eine ganz neue Art zu denken.
Die New Economy ist nicht weniger
als ein Paradigmenwechsel. Und
das pünktlich zum neuen Jahrtausend
- das kommt gut.
CHRISTIANE ZU SALM,
GESCHÄFTSFÜHRERIN
T M 3
Ein Paradigma ist ein Denkmuster, das das
Weltbild einer Epoche und seiner Wissen¬
schaften prägt. Ändert sich dieses Muster,
spricht man von einem paradigmen¬
wechsel. Historisches Beispiel ist der
Wechsel vom geozentrischen zum heliozen¬
trischen Weltsystem. Die so genannte ko-
pernikanische Wende hatte für das Selbst¬
verständnis des Menschen und für religiöse
und weltliche Belange Konsequenzen, die
weit über die Grenzen der wissenschaftli¬
chen Forschung hinausreichten. Der in der
New Economy zu beobachtende Paradig¬
menwechsel besteht unter anderem darin,
dass Wissen zum zentralen Produktivitäts¬
faktor der Wirtschaft wird.
Paradoxie
[zu griech. paradox! a = „Verwun¬
derung über einen sinnwidrigen Sach¬
verhalt"] Der Widerspruch in sich. Als
zentraler Baustein der T s ystem-
Theorie hat der Begriff der Paradoxie
unlängst wieder eine herausragende Be¬
deutung erlangt. Eine Paradoxie scheint
auf den ersten Blick unsinnig oder wider¬
sprüchlich, wie die Behauptung des Sokra¬
tes: „Ich weiß, dass ich nichts weiß." Die
Struktur von Paradoxien ist einfach: eine
selbstbezügliche Aussage wird negiert. Die
Fähigkeit zum Umgang mit Paradoxien ist
eine wesentliche Voraussetzung, in kom¬
plexen Entscheidungswelten erfolgreich
zu sein. Um Widersprüche und die sich
daraus ergebenden Spannungsfelder wie
etwa globale Vernetzung versus lokale Ver¬
antwortung, unternehmerischer Wettbe¬
werb versus Kooperationen zu meistern,
ist mbiguitätstoleranz
vonnöten. Ein Sowohl-als-auch-Denken
und -Handeln scheint erfolgversprechen¬
der als ein Entweder-oder zu sein.
p
2 2 2
Knowledge-
nagement
Perception-
Management
[zu engl. perception = Wahrneh¬
mung] Die Wahrnehmung ist ein durch
Sinnesreize beeinflusster Prozess der Infor¬
mationsgewinnung: Menschen entwickeln
aufgrund ihrer Wahrnehmung ein Bild von
ihrer Umwelt. Das Perception-Management
will das Bild der Menschen von der Umwelt
im Sinne der angestrebten Ziele beein¬
flussen. Als Klassiker gilt der folgende Fall:
In einem Kaufhaus mussten Kunden oft
lange vor den Aufzügen warten und waren
deswegen häufig verärgert. Als ein Inge¬
nieurteam die Möglichkeiten für eine bes¬
sere Aufzugssteuerung untersuchte, stell¬
te es fest, dass den Kunden gar nicht die
Lange Wartezeit missfiel, sondern die Lan¬
geweile beim Warten. Das Aufstellen von
Spiegeln und das Spielen von Musik stei¬
gerten die Kundenzufriedenheit drastisch.
Es gilt also, die Wahrnehmung von Kun¬
den, Geschäftspartnern oder Mitarbeitern
in eine positive Richtung zu lenken.
Querdenken
Querdenken meint verschiedene Methoden
des kreativen und interdisziplinären Den¬
kens: Mittels 1Lb rainstorming,
der Verfremdung von Problemen oder Ana¬
logiebildungen wird versucht, innovative
Ideen zu entwickeln. Das Querdenken soll
ergiebig, sprunghaft und unbegrenzt sein.
Nicht der eine richtige Gedanke wird ge¬
sucht, sondern möglichst viele. Dies birgt
Chancen und Gefahren. Querdenken ent¬
wickelt Neues, stellt damit aber Bestehen¬
des in Frage. Was passiert, wenn die ver-
queren Gedanken zu unbequem sind? Nur
in wenigen Unternehmen sind explizite
Performanceziele für besonders „schräge
Ideen" definiert.
Rational
Overchoi ce
[zu engl. rational = vernünftig,
o v e r = über und engl. choice =
Auswahl] Informationsüberflutung. Die
rasante Zunahme der verfügbaren Infor¬
mationen übersteigt die menschliche Auf¬
nahmefähigkeit. Selbst bei größter An¬
strengung können nicht alle für die Lösung
eines Problems relevanten Informationen
verarbeitet werden. Viele Menschen leiden
aufgrund der dauernden Informations¬
berieselung unter Orientierungsproble¬
men und Stress. (T i nformation-
F AT IGUE-S YNDROME)
Reframi ng
[zu engl. r e - = zurück, wieder und engl.
f r a m e = Rahmen] Etwas in einen an¬
deren Rahmen stellen bzw. umdeuten, so¬
dass es in dem neuen Rahmen eine ande-
s__
2 2 3
Die New Economy bedeutet für mich,
Erfahrungen ohne Altlastennutzen
zu machen, verkrustete Strukturen
aufzubrechen, Neues zu gestalten
und in der Gesellschaft Verantwortung
zu übernehmen.
TORSTEN WEBER,
GRÜNDUNGSMITGLIED,
VORSTAND
IHRPREIS.DE AG
re Bedeutung erhält. Man sieht Vertrautes
auf eine neue Art und Weise, sieht etwa De¬
fizite als Vorteile und kann dann die Res¬
sourcen neu einsetzen. Die Eigenschaft,
leicht aufbrausend zu sein, kann z.B. po¬
sitiv in die Fähigkeit umgedeutet werden,
sich nicht einfach unterkriegen zu lassen.
Auf diese Weise können vermeintliche
Defizite von Personen oder Organisationen
als Ressourcen erkannt und in der Folge
genutzt werden.
Seek-Simpli ci ty
[zu engl. to s e e k = suchen und engl.
s i m p l i c i t y = Einfachheit] Dadurch,
dass die Welt virtueller, vielschichtiger
und unübersichtlicher wird, erwächst um¬
so mehr das Bedürfnis nach Einfachheit
und Kontrolle. Das beginnt bei der Infor¬
mation, von der man einen nicht geringen
Teil als überflüssig disqualifizieren muss,
und geht hin zum Leben, das einfacher
und authentischer werden soll. Das Prin¬
zip der Einfachheit spiegelt sich wider
in der Managementregel kiss, „Keep it
simple and stupid" („Halt es einfach und
simpel."). Einfachheit suchen angeblich
auch manche New-Economy-Millionäre im
Silicon Valley, die auf Bauernhöfen ohne
Strom und Telefon leben. Das Ursprüng¬
liche wird in einer immer komplexer wer¬
denden Welt wieder erstrebenswert.
Selbstreferenz
Der Begriff ist von zentraler Bedeutung
in der s ystemth eori E.Er meint
die Selbstbezüglichkeit geschlossener Sys¬
teme und bezieht sich auf den 11_a u -
TOPOiESE -Gedanken. Systeme neh¬
men immer - und vor allem - auf sich selbst
Bezug. Organisationen etwa produzieren
Entscheidungen, die auf die vorherigen Ent¬
2 2 4 Knowledge-
Scheidungen Bezug nehmen und zukünf¬
tige oft schon mit einbeziehen. Dieser
Selbstbezug hat Vorrang gegenüber der
Fremdreferenz. In Unternehmen kann des
Öfteren die interne Abstimmung wichtiger
sein als die Informationen des Marktes.
Ski ll-ki LI
[zu engl. s k i 11 = Geschick, Fähigkeit und
engl. to k i 11 = töten] Ein Job, der den
Fähigkeiten des Arbeitnehmers nicht ge¬
recht wird, da das Aufgabengebiet weit
unter dessen Niveau liegt. Dies kommt vor
allem in sehr straff organisierten Unter¬
nehmen mit genau spezifizierten Stellen¬
beschreibungen vor. Vom Arbeitnehmer
wird hier nicht mehr (und nicht weniger)
erwartet als beschrieben. Häufig sind Skill¬
kills mit T m c j o b s gleichzusetzen.
Ski l L-Maps
[zu engl. s k i 11 = Fähigkeiten und engl.
m a p = (Land)karte, Profil] Mitarbei-
terprofil. Skill-Maps bilden die Fach- und
sozialen Kompetenzen, Kenntnisse, Erfah¬
rungen und besonderen Fertigkeiten der
Mitarbeiter ab. Sie dienen als Informa¬
tionsinstrument für Rekrutierungen und
Projektarbeit. Ferner geben sie Aufschluss
darüber, welches Wissen und welche Fähig¬
keiten im Unternehmen vorhanden sind.
Ferner geben sie Aufschluss darüber, wo
Management
welche Mitarbeiter qualifikationsgerecht
eingesetzt werden können.
Soft Skills
[zu engl. s o f t = weich und engl. skill
= Fähigkeiten] Kompetenzen im zwischen¬
menschlichen Bereich. Dazu zählen etwa
Kommunikations-, Team- und Konfliktfä¬
higkeit (soziale Kompetenzen) und eine
gehörige Portion empathie. Im Ge¬
gensatz dazu spricht man von hard
skills, wenn es um die rein fachli¬
chen Qualifikationen geht. Soft Skills wer¬
den insbesondere bei Fach- und Führungs¬
kräften immer wichtiger, da zum einen
das e a m w o r k an Bedeutung ge¬
winnt und sich zum anderen eine auto¬
ritäre Führung wenig motivierend und
kreativitätsfördernd auf die Mitarbeiter
auswirkt.
soziales Kapital
Das Kapital, welches sich in Beziehungen
durch wechselseitige Kompetenzzuschrei¬
bungen, Wertschätzungen und direktes
Vertrauen herausgebildet hat. Weitge¬
hende Einigkeit herrscht darüber, dass ge¬
rade das soziale Kapital des Einzelnen
(^t-i c H - A G ) in der New Economy eine
wesentliche Entwicklungsvoraussetzung
darstellt. Das Entwickeln und Pflegen von
persönlichen 1L_n etzwerken wird
s
2 2 5
sowohl für das jeweilige Individuum als
auch für die Organisation immer wichti¬
ger. Die Gradwanderung zwischen positiv
zu bewertenden Netzwerken und wenig zu¬
träglicher „Klüngelwirtschaft" ist schwie¬
rig. Die Probleme sind ebenso alt wie das
Phänomen selbst, gewandelt haben sich
nur die Arenen, in denen Netzwerke ge¬
pflegt werden: vom Führungskräftekegeln
zur Golfplatzbegegnung. Einige Erfolgs¬
regeln im Umgang mit Netzwerken blei¬
ben jedoch konstant: Authentizität, Ver¬
lässlichkeit und Vertrauen auf der Ebene
des einzelnen Akteurs, Offenheit, Transpa¬
renz, und klare Regeln auf der Ebene des
Gesamtnetzwerkes.
Storytelling
[engl. für: Geschichtenerzählen] Eine nar¬
rative Methode aus der Psychologie, die
für den Wissenstransfer in Unternehmen
eingesetzt wird. Das Storytelling hat zum
Ziel, in Form zusammenhängender Lernge¬
schichten Erfahrungskontexte zu schildern
und so reale Erfahrungen zu simulieren.
Denn das lt_K n o w-h o w kann nicht nur
durch den Charme von Statistiken vermit¬
telt werden, sondern auch durch schein¬
bar nebensächliche Begleitumstände. So
erstaunt nicht, dass die Methode „Brüder
Grimm" in Zeiten des Wissensmanage¬
ments wirtschaftstauglich wird.
New Economy bedeutet für mich
das Aufbrechen alter Strukturen,
effizientere Märkte und vor allem
eine neue Unternehmenskultur.
VOLKER KUHNW A LDT,
LEITER FONDSMANAGEMENT
NORDINVEST GMBH
Strategizing
[zu engl. strategy = Strategie] Kon¬
tinuierlicher Strategieanpassungsprozess.
Die Notwendigkeit des Strategizing ist mit
der beschleunigten Entwicklung des tech¬
nologischen Wandels und der Veränderung
allgemeiner wirtschaftlicher Rahmenbe¬
dingungen verbunden. Der Strategiebil¬
dungsprozess muss kontinuierlich den ver¬
änderten Verhältnissen angepasst und ggf.
neu strukturiert werden, was in etwa einem
Radwechsel am fahrenden Auto gleicht.
s
2 2 6
Knowledge-
M a
nagement
strukturel Les
W i s s e n
Das Wissen einer Organisation, das sys¬
tematisiert und kodifiziert in Datenban¬
ken, Expertensystemen und Technologien
lagert. Es handelt sich aber auch um die
Kultur, die in den Abläufen und Struktu¬
ren eingebettet ist. Strukturelles Wissen
verbleibt im Unternehmen, wenn die Mit¬
arbeiter abends nach Hause gehen. Wenn
in manchen Unternehmen ganze Führungs¬
crews ausgewechselt werden und sich
trotzdem nichts ändert, lässt das struktu¬
relle Wissen grüßen.
Systemtheorie
Die Systemtheorie stellt heute den Rahmen
für ein heterogenes, weit verzweigtes Feld
von Forschungsaktivitäten dar, wobei es
keine einheitliche Theorie gibt. Im Kern
geht es mehr um die Auseinandersetzung
mit den Beziehungen und Wechselwirkun¬
gen zwischen den unterschiedlichen Ele¬
menten eines Systems, als um die Natur
der einzelnen Elemente (Atomismus). Die
Dynamik des Ganzen ist gemeint. Die Sys¬
temtheorie als eigenständige Wissen¬
schaftsperspektive ist seit den 30er-Jah-
ren bekannt. In den vergangenen Jahren
haben sich insbesondere die auf soziale
Systeme abstellenden Arbeiten des Sozio¬
logen Niklas Luhmann zu einer Art Grund¬
perspektive für zahlreiche Kulturwissen¬
schaften herausgebildet. Die von Luhmann
zu einem Gedankengebäude zusammenge¬
fügten Begriffe wie Beobachtung, Ta u -
TOPOIESE, T B LINDER FLECK
und Tp ara D o x i E weisen eine gro¬
ße heuristische Kraft für das Verstehen
von komplexen Sozialsystemen auf.
Szenariomethode
[zu lat. s c a e n a = Bühne, Szene, Spiel]
Der aus den Theaterwissenschaften stam¬
mende Begriff Szenario meint ein in sich
geschlossenes Bild der Zukunft. Hermann
Kahn, der Ahnherr der Zukunftsforschung,
prägte diesen Begriff im Zusammenhang
mit strategischen Militärplanspielen. Über
Pierre Wack und Ute von Reibnitz fand die
Szenariotechnik Einzug ins Management.
Basisphilosophie ist das Denken in Alter¬
nativen. Um in der komplexeren Umwelt
mögliche Entwicklungen zu betrachten,
werden verschiedene Zukunftsbilder und
Konsequenzen erarbeitet. Darüber hinaus
werden im Sinne eines „Was wäre, wenn..."
unvorhergesehene Ereignisse mit ihren Wir¬
kungen simuliert. Es geht weniger darum,
die Zukunft vorherzusehen, als um die Vor¬
stellung in den Köpfen der Entscheidungs¬
träger anzureichern, sie mögliche Situatio¬
nen mental vorzubereiten und damit die
eigene Zukunft besser gestalten zu können.
227
Tacit Knowledge
[zu engl. tacit = stillschweigend und
engl. knowledge = Wissen] i m -
Plizites wissen. Der Begriff be¬
schreibt das „stille" Wissen, das an den
einzelnen Menschen und an Beziehungen
gebunden ist, nur schwer übertrag- und
teilbar sowie nicht oder nur schwer kodi¬
fizierbar ist. Es besteht aus spezifischen
Informationen, Erfahrungen, Intuition und
Überzeugungen. Das implizite Wissen ent¬
hält auch die in Beziehungen zu Kolle¬
gen, Kunden, Lieferanten u.a. eingebet¬
teten wichtigen Erfahrungen und Faktoren
wie Charaktereigenschaften und macht
den Wissenstransfer äußerst schwierig.
Vernetzte PCs allein sorgen nicht für ver¬
netzte Köpfe.
Tangible
Knowledge
[zu engl. tangible = greifbar und
engl. k n o wled g e = Wissen] Als einer
der wichtigsten Begriffe im Wissensma¬
nagement beschreibt das Tangible Know¬
ledge das EXPLIZITE WISSEN,
welches aus dem menschlichen „Denkap¬
parat" herausgehoben werden kann, da es
beschreibbar ist. Es ist dokumentierbar,
lässt sich darstellen und speichern (z.B.
in Form von Texten) und ist unabhängig
vom eigentlichen Wissensträger transfe¬
rierbar. INTANGIBLE KNOWLEDGE
[zu engl. intangible = ungreifbar]
hingegen ist das schwer fassbare Wissen,
welches nicht vom eigentlichen Wissens¬
träger extrahiert werden kann, wie z.B.
das berühmte Fingerspitzengefühl.
Teamwork
[engl. für: Gruppenarbeit] Beim Teamwork
arbeiten mehrere Personen in einer Grup¬
pe zusammen. Die Personen interagieren
(im Idealfall) partnerschaftlich und mit
Respekt vor der fachlichen Kompetenz und
persönlichen Integrität des anderen. Team¬
fähigkeit ist mittlerweile zu einer der wich¬
tigsten T .so ft skills geworden,
da die heutigen komplexen Aufgaben sel¬
ten im Alleingang bewältigt werden kön¬
nen. Das Team wurde geradezu zum Non¬
plusultra der Managementtheorie und ist
auch in der Praxis sehr beliebt. Wird im
Einzelfall die Form des Teamworks jedoch
nicht konkretisiert, werden häufig Tritt¬
brettfahrer treue Begleiter. Derzeit wird
der Mythos vom Team jedoch ernsthaft
hinterfragt. Anlass sind Erfahrungen, dass
vor allem kreative Leistungen doch wohl
besser und zum Teil schneller von Einzel¬
nen erbracht werden. In der Praxis skan¬
dieren zuweilen diejenigen „Sei teamfä¬
hig", die ihre Karriere gerade nicht ihrer
Teamfähigkeit verdanken.
T
228 Knowledge
TeleLearning
[Zusammenziehung aus engl. tele¬
com m u n i ca ti o n = Telekommunika¬
tion und engl. to le a r n = lernen] Die
Möglichkeit, über die neuen Medien orts-
und zeitungebunden zu lernen. Synonym
werden auch e-learning oder o n -
linelearning verwendet. Beim Te-
lelearning werden die Lerninhalte aus dem
Internet oder dem T intranet eines
Unternehmens abgerufen, sodass der Schü¬
ler den Ort und die Zeit des Lernens selbst
bestimmen kann. Durch die multimedialen
Möglichkeiten (Interaktivität, Integration
von Videos u.a.) und gleichzeitig höhere
Reichweite des Trainings eröffnen sich neue
Formen des Lernens, teletutoren
versuchen den nicht vorhandenen Lehrer
zu ersetzen. Diese stehen in der Regel zu
festen Zeiten per Telefon oder per Chat für
Fragen zur Verfügung. Oft werden verschie¬
dene ll_w B T s zu einer Virtu¬
ellen Universität zusammen¬
gefügt, aus deren Angebot der Telelerner
sich seine persönlichen Lehr- und Studien¬
gänge zusammenstellen kann.
Think-Tank
[zu engl. to t h i n k = denken und engl.
ta n k = Tank, Panzer] Denkschmiede.
Think-Tanks sind Vereinigungen und Ins¬
titutionen von Forschern und Praktikern
Management
aus unterschiedlichen Fachgebieten, die
in gemeinsamen Projekten neue Entwick¬
lungen in Kultur, Wirtschaft und Gesell¬
schaft aufdecken und dazu innovative
Lösungsansätze entwickeln wollen. Die
heute bekanntesten Think-Tanks gruppie¬
ren sich oft um traditionelle, große Uni¬
versitäten wie Cambridge oder Harvard.
Das Massachusetts Institut of Technology
(MIT) ist ein weiteres Beispiel.
Think-Tools
[engl. für: Denkwerkzeuge] Methodische
Instrumente, die softwaregestützt komple¬
xe Denkprozesse sichtbar machen und den
Prozess der Erzeugung von Wissen unter¬
stützten sollen. Dabei werden interaktiv zu¬
gängliche Wissensdokumente erstellt, die
Wissen speichern und logisch funktionale
Verknüpfungen erhalten sollen. Die Denk¬
werkzeuge sollen die zentralen kognitiven
Grundfunktionen menschlichen Denkens
im Umgang mit Komplexität unterstützen.
Trial and Error
[engl. für: Versuch und Irrtum] Der darwi-
nistischen Evolutionslehre nachgebildete
Innovationsstrategie: Etwas Neues wird
probiert und wieder verworfen, wenn es
sich nicht bewährt. Daraufhin wird so lan¬
ge nach einer neuen Lösung gesucht, bis
ein zufrieden stellendes Ergebnis erzielt
w
2 2 9
ist. Der Trial-and-Error-Ansatz zeichnet sich
durch ein beherztes, pragmatisches Vorge¬
hen aus. Die eher spielerische Herangehens¬
weise hat aber auch Nachteile. In vielen
Fällen versteckt sich hinter einer geschei¬
terten Innovation eine revolutionäre Idee,
für die die Zeit noch nicht reif ist.
Virtuelle Univer¬
sität (VU)
Die VU ist eine ortsungebundene Univer¬
sität, die ihr gesamtes Lehrprogramm über
das Internet anbietet und den Prüfungsab¬
lauf virtuell organisiert. Ein kooperieren¬
des 11_N E T z w E R K von Organisationen,
Professoren und (Forschungs)instituten
stellt Lehrveranstaltungen, Prüfungen und
Zertifikate zu einem Studienprogramm zu¬
sammen. Dieses wird den Studenten über
das Internet unter der Voraussetzung einer
vertraglichen Bindung weltweit zugäng¬
lich gemacht. In der Fernuniversität Hagen
wird dieses Konzept der virtuellen Univer¬
sität derzeit umgesetzt und erprobt.
Visualisierung
[zu lat. v i s u a l i s = „zum Sehen gehö¬
rend'7] Die Visualisierung ist ein unver¬
zichtbarer Bestandteil bei der Erzeugung,
Speicherung und Nutzung von Wissen. Die
optische und interaktiv zugängliche Dar¬
stellung von Prozessabläufen wird einge-
Die New Economy ist ein Sprint aus
Platons Höhle: Blendendes Lichtfeuer
ohne Wärme. Luftwurzeln ohne
Humus. Aber fortschrittsnot-wendend.
PROF. DR. CLEMENS RENKER,
GESCHÄFTSFÜHRER
C. KREUL GMBH & CO. KG
setzt, um die wesentlichen Bestandteile
eines Prozesses sowie die Parameter der
einzelnen Prozesseinheiten festzuhalten
und sie transparent für Interpretation,
Analyse und Generierung von Entschei¬
dungen zu machen. Beliebt sind daher im
Arbeitsalltag bildlastige und computerge¬
stützte Präsentationen ä La Powerpoint.
War for Talents
[engl. für: Krieg um Talente] Der Sieg im
Kampf um kompetente Fachkräfte ist ein
w
2 3 0 Knowledge-
zentraler Erfolgsfaktor in der New Eco¬
nomy. Wurden früher Kriege um Boden¬
schätze geführt, kämpft man heute um die
Schätze der New Economy, die kompeten¬
ten Fachkräften. Allerdings wählen nicht
mehr die Unternehmen die Besten aus,
sondern die Besten wählen sich ein Unter¬
nehmen. Diese Besten gilt es für sich zu
gewinnen, was neben guten Arbeitsbedin¬
gungen häufig durch zusätzliche Anreize
wie Aktienoptionen, Gratifikationen etc.
erreicht werden kann.
Web-based
Training (WBT)
[engl. für: netzbasierter Lehrgang] Be¬
schreibt einen Lehrgang, der im Gegen¬
satz zum ll_c B T, das als Software auf
dem lokalen Rechner gespeichert oder von
einer CD-ROM geladen wird, aus dem Inter¬
net oder aus dem T i n t r a n e t eines
Unternehmens abgerufen wird. Änderun¬
gen im Lernprogramm müssen so nur ein¬
malig auf dem T s e r v e r vorgenom¬
men werden, da bei modernen WBTs der
einfache T b r o w s e r als Zugriffs¬
instrument genügt. Darüber hinaus ent¬
fallen schwierige Installationen, und letzt¬
lich wird durch das WBT-Konzept der
Vernetztheit die Grundlage für wertvolle
Interaktion von Lehrenden und Lernen¬
den bereitet. Nicht nur diese Gründe haben
Management
entscheidend dazu beigetragen, dass sich
WBTs einer immer größeren Beliebtheit
erfreuen (^Lj elelearning). Zahl¬
reiche Unternehmen bieten ihren Mitar¬
beitern mittlerweile passwortgeschütze
WBTs im Rahmen von T c orporate
UNIVERSITIES.
Webucation
[Zusammenziehung aus engl. w e b = Netz
und engl. education = Erziehung]
(Weiter)bildungsangebote im Netz. Das
Internet wird zunehmend für die Wissens¬
vermittlung genutzt. Über das b t
oder T v irtuelle Universi¬
täten wird den Interessierten Wissen
vermittelt. Die Schnelligkeit des Netzes
und die Interaktivität fördern den Lern¬
prozess und vereinfachen ferner durch In¬
tegration von Bildern, Filmen, Grafiken
etc. die Komplexität der Lerninhalte. Mitt¬
lerweile werden auch vom Arbeitsamt Se¬
minare über das Internet angeboten, bei
denen die Teilnehmer praktisch online un¬
terrichtet werden.
W i L d c a r d
[zu engl. w i l d = wild und engl. card
= Karte] Der aus der T s zenario-
methode stammende Begriff meint ein
sehr unwahrscheinliches Ereignis, das im
Falle seines Eintretens aber einen sehr
W
2 3 1
nachhaltigen Effekt auf die Zukunft hat.
Zum Beispiel hielt man die Mikrowelle lan¬
ge Zeit für eine Wildcard, weil niemand
glaubte, dass sie sich durchsetzen würde.
Als sie es schließlich doch tat, hat sie die
Ernährungsweise der westlichen Welt stark
beeinflusst. Im Computerbereich ist eine
Wildcard ein Platzhalter, der für verschie¬
dene, beliebige Zeichen oder ganze Zei¬
chenfolgen stehen kann. Am bekanntes¬
ten sind die Wildcards ? und *.
W i ssensgesel L -
schäft
Das Bild einer Gesellschaft, in der Wissen
gegenüber anderen Faktoren wie Kapital
und Boden zum entscheidenden Wettbe¬
werbsfaktor wird. Im Gegensatz zum Schlag¬
wort Informationsgesellschaft betont der
Begriff der Wissensgesellschaft die fach¬
lichen und sozialen Fähigkeiten des Men¬
schen, die es erst ermöglichen, aus Infor¬
mationen Wissen entstehen zu lassen.
Aufgrund der zunehmenden Bedeutung
des Themas „Wissen" ist man auf gesamt¬
gesellschaftlicher wie auf unternehmeri¬
scher und individueller Ebene am Aufbau
von wissensfördernden Infrastrukturen
(Internet, ntranets, 1Li n f o -
broker etc.), Kulturen (lebenslanges
Lernen) und Strategien (z.B. Kernkompe-
tenz-orientierte Perspektiven) interessiert.
Daten, Informationen und letztlich auch
Wissen sind der zentrale Rohstoff der New
Economy.
Wissensingenieur
I
Der Wissensingenieur unterstützt den Pro¬
zess und die Organisation der Erzeugung
von Wissen. Er übt dabei oftmals eine Ver¬
mittlerrolle aus, indem er die Wissensträ¬
ger bei der Dokumentation ihres Wissens
methodisch und kommunikativ unterstützt.
Das dabei gewonnene T ex p liz i t e
wissen wird abschließend vom Wis¬
sensingenieur kodifiziert, in Programm¬
systeme übersetzt und in Form von z.B.
Anweisungen zugänglich gemacht. Dieser
Begriff suggeriert allerdings fälschlicher¬
weise, dass Wissen ein Objekt ist und Orga¬
nisationen wie Maschinen funktionieren.
Wi ssenslandkarte
Auf einer Wissenslandkarte werden die
Wissensdokumente geographisch angeord¬
net und in Form von Entfernungsabstän¬
den visualisiert. Diese kann je nach Frage¬
stellung bestimmt werden. Der Begriff
Wissenslandkarte wird darüber hinaus häu¬
fig so verstanden, dass auf ihr die sehr un¬
terschiedlichen Formen subsumiert werden,
in denen Wissen lokalisiert werden kann,
z.B. in Form von T y ellow pages
oder in einer nach Schlagwörtern geordne-
2 3 2 Knowledge-
ten Datenbank. Ziel der Erstellung einer
Wissenslandkarte ist neben dem Sichtbar¬
machen vorhandener Wissensquellen auch
das Aufdecken von Überschneidungen im
organisatorischen Wissen und insbeson¬
dere von Wissenslücken.
W i ssensmanagement
[zu gleichbed. Knowledge Management]
Die Gesamtheit der Strategien und Prozes¬
se zur Wissensnutzung und -entwicklung
auf verschiedenen Ebenen des Unterneh¬
mens. Wissensmanagement bezieht sich
nicht so sehr auf die Inhalte des Wissens,
sondern mehr auf die Gestaltung von Rah¬
menbedingungen, Strukturen, Prozessen
und Methoden. In der Praxis gibt es zwei
unterschiedliche Richtungen des Wissens¬
managements: das „Management von Wis¬
sen" und das „Management für Wissen".
Ersteres konzentriert sich darauf, Wissen
zu bewirtschaften. Wissen wird als Objekt
behandelt, mit der Gefahr, große infor¬
mationstechnologische Seifenblasen und
entsprechende Desillusionierungen im Ma¬
nagement zu produzieren. Das Manage¬
ment für Wissen orientiert sich an der
dynamischen, impliziten und mehrdeuti¬
gen Qualität von Wissen und fokussiert
auf die relevanten Rahmenbedingungen
und Spielregeln für Wissensnutzung und
-entwicklung.
Management
Workshop
[engl. für: Werkstatt; Arbeitskreis] Ar¬
beitstreffen, in dem zu einem vorgege¬
benen Thema in einer moderierten Diskus¬
sion etwas erarbeitet werden soll. Ähnlich
dem inflationären Gebrauch des Begriffs
E E T I N G wird mittlerweile fast je¬
des Treffen, das länger als 2 Stunden dau¬
ert, als Workshop deklariert.
Yellow Pages
[engl. für: gelbe Seiten] In Anlehnung an
das Branchentelefonbuch bezeichnen die
„gelben Seiten des Wissens" ein Verzeich¬
nis aller Mitarbeiter im T i ntr an et
eines Unternehmens. Neben allgemeinen
Kontaktdaten sind auch Aufgabengebiete,
Projekterfahrung und Kompetenzen ver¬
zeichnet. Die Yellow Pages stellen eine
einfache Form der T_w issensland-
karte dar und sind in der Regel nach
unterschiedlichen Kriterien durchsuchbar.
Vor allem in Großorganisationen bzw. in
speziellen Situationen wie Fusionen von
Unternehmen oder bei Neueintritt eines
Mitarbeiters können Yellow Pages dazu
beitragen, schnell den richtigen Ansprech¬
partner für eine Frage zu finden. Die Ein¬
führung dieser Seiten erweist sich oft als
hochpolitisches Vorhaben, da die Transpa¬
renz von relevanten Expertisen nicht im¬
mer gewünscht wird, vor allem wenn Mana-
z
2 3 3
Es ist wie im richtigen Leben. Dieje¬
nigen, deren Werkzeuge Begeisterung
und Kreativität sind, werden bearg¬
wöhnt, weil ihre Leistung nicht messbar
scheint. Die Zeiten, in denen es hieß
"Sagen Sie meiner Mutter nicht, dass
ich Werber bin, sie denkt, ich bin
Pianist im Puff", sind aber wohl vorbei.
OLIVER SINNER
GRÜNDUNGSMITGLIED, CEO
SINNERSCHRADER AG
ger hoch oben in den Organigrammen nicht
als relevante Experten erwähnt werden.
Dies mag wohl einer der Gründe für die bis¬
lang geringe Erfolgsquote dieses Tools sein.
Zukunftswerkstatt
Eine Methode aus den Sechzigerjahren,
die heute als Tool auch im Wissensmanage¬
ment eingesetzt wird. Ihr Erfinder war Zu¬
kunftsforscher und Schriftsteller Robert
Jungk, der die damals von Politik, Wirt¬
schaft und Militär beherrschte Zukunftsfor¬
schung demokratisieren wollte. Ziel war es,
die Menschen anzuregen, selbst über ihr
Leben zu bestimmen, sich mit der Zukunft
zu beschäftigen und ihre Zukunftswünsche
offensiv zu vertreten. Was die Methode
ausmacht, ist die Einbeziehung der Betrof¬
fenen und ein Drei-Phasen-Schema für den
Zukunftsworkshop: Auf die Kritik an der
Gegenwart folgt ein utopischer Gegenent¬
wurf, aus dem in der Realisierungsphase
Zielvorstellungen und Handlungsalterna¬
tiven abgeleitet werden. Nach diesem Ab¬
lauf kreieren Teams, Abteilungen und gan¬
ze Organisationen im sog. „Future Search"
in intensiven Dialogen eine für sie wün¬
schenswerte Zukunft. (Ts z E N A R i o -
METHODE)
Life-Sciences
Die „Wissenschaften vom Leben". Auf die
Revolution des Körpers und der Natur.
Das Genetic Engineering schreibt den
2 3 5
Revolution der Technik folgt die
Ein neuer Zukunftsmarkt entsteht.
Bauplan Gottes neu. Transgene Orga-
M p d i 7 i n von moraen.
A
2 3 6
Li f e-S c i e n
ces
Acquisition and
Deve lopment
[zu engl. a c q u i s i t i o n = Erwerb, An¬
schaffung und engl. d e ve lo p m e n t =
Entwicklung] Im Gegensatz zum klassischen
RESEARCH AND DEVELOPMENT
(R&D), also der Forschung- und Entwick¬
lungsabteilung (F&E) eines Unternehmens,
lässt sich eine neue Tendenz von For¬
schungsstrategien vor allem bei Pharma-,
Biotechnologie- und IT-Konzernen beob¬
achten. Die eher behäbigen Großunterneh¬
men übernehmen oder engagieren immer
häufiger kleine Forschungsteams mit Pio¬
niergeist, um von deren Fachwissen, Enga¬
gement und natürlich ihren Ergebnissen zu
profitieren.
Aquapharmazi e
Medizin, die aus Meereslebewesen gewon¬
nen wird. Dabei handelt es sich um natür¬
liche Stoffe, die dank hochtechnologischer
neuer Verfahren für Gesundheit und Wohl¬
befinden des Menschen nutzbar gemacht
werden können. So wird aus Moostierchen,
millimetergroßen Meeresorganismen, eine
Substanz gebildet, die das Wachstum von
Tumoren hemmen soll. Ferner arbeiten For¬
scher an der Gewinnung von Pilzen, die in
Meeresschwämmen leben und von denen
man sich antibiotikaähnliehe Wirkstoffe
verspricht.
Aromascanner
Ein Gerät zur Ermittlung der biologischen
Identität (T b i o - i d ), mit dem bei¬
spielsweise Computer-Sicherheitssysteme
Personen anhand ihres Geruchs identifizie¬
ren sollen. Die künstlichen Nasen müssen
den Duft zunächst in einzelne Komponen¬
ten auftrennen, die dann von Sensoren re¬
gistriert und in entsprechende elektrische
Signale umgewandelt werden.
Bioanalytik
Die Bioanalytik ist ein interdisziplinäres
Gebiet der Biowissenschaften. Sie befasst
sich mit der Entwicklung und Anwendung
analytischer Techniken und Methoden. Der
fortschreitende Erkenntniszuwachs in der
modernen olekularbiolo-
g i e ist nicht zuletzt auf die gewaltige
Weiterentwicklung bioanalytischer Metho¬
den wie etwa der T_m assenspek-
t r o n o m i e zurückzuführen.
B i o b o t
[Zusammenziehung aus engl. biology
= Biologie und engl. r o b o t = Roboter]
Biologische Wesen reagieren auf ihre Um¬
welt, indem sie Eindrücke aufnehmen, sie
verarbeiten und dann mehr oder weniger
überlegt handeln. Biobots sollen nach die¬
sem natürlichen Vorbild agieren. Ausge¬
rüstet mit künstlichen neuronalen Netzen,
B
2 3 7
New Economy ist eine Frage der per¬
sönlichen Einstellung. Es ist nicht der
Unterschied zwischen Stahl und Internet.
Es geht um Pragmatismus, Leadership,
offenen Umgang miteinander, Mensch
im Mittelpunkt. Das entscheidende Wort
ist New, nicht Economy.
DR. FRIEDRICH VON BOHLEN,
VORSTANDSVORSITZENDER
LION BIOSCIENCE AG
Gehirnen aus Metall und Silizium, sind sie
lernfähig und bewältigen Aufgaben, die
zu lösen ihnen kein Programmierer beige¬
bracht hat. So weichen sie beispielsweise
Hindernissen aus, inspizieren und repa¬
rieren unzugängliche Rohrsysteme. In Zu¬
kunft könnten Biobots selbstständig Ge¬
nerationen von noch besseren Nachfolgern
entwickeln und bauen, sich also regelrecht
vermehren.
B i o c h i p
Nicht ganz einig ist sich die Fachwelt bei
der Definition des Biochips. Für die Gen¬
techniker ist er ein Synonym für den
'T D N s - c H I p, der das Erkennen be¬
stimmter DNA-Sequenzen ermöglicht. In
der Nanotechnologie handelt es sich beim
Biochip um einen Computerchip, der aus
organischen Verbindungen mit Halbleiter¬
eigenschaften besteht. Biomoleküle wer¬
den mit elektronischen Bauteilen ver¬
knüpft. Eine weitere Verwendung für den
Biochip gibt es in der Medizin (Txhip-
chirurgie). Mikrochips werden in
Menschen implantiert, um z.B. beschä¬
digte Nervenzellen mittels elektronischer
Sensoren zu stimulieren.
Biocomputer
Computer, dessen Rechenwerk aus orga¬
nischen Verbindungen besteht. So sollen
elektronische Bauelemente wie Dioden,
Schalter, Transistoren etc. durch organische
Materialien wie T Proteine oder Nu¬
kleinsäuren ersetzt werden. Die T b i o -
Elektronik verfolgt bei ihren For¬
schungen grundsätzlich zwei Richtungen:
Zum einen die schon genannte Nutzung or¬
ganischer Verbindungen für elektronische
Bauelemente und zum anderen die Ausnut¬
zung der Fähigkeiten informationsverar-
238 Life-Scien
beitender biologischer Systeme wie etwa
die Reproduktion, das Lernen, die Selbst¬
organisation und Evolution. Der Biocom¬
puter wäre wesentlich leistungsstärker und
doch viel kleiner als der normale Rechner.
Die zu erwartende Größe der organischen
Bauelemente läge im Nanometerbereich.
Die Entwicklung eines Biocomputers wird
jedoch wohl noch einige Jahrzehnte in
Anspruch nehmen.
Bioelektronik
Bioelektronik ist ein interdisziplinäres For¬
schungsgebiet, auf dem biologische, bio¬
chemische und chemische Methoden mit
den Methoden der herkömmlichen Elek¬
trotechnik, der Physik und der Halbleiter¬
technologie verbunden werden. Durch
Mischtechnologien aus Biochemie und
Halbleitertechnik sollen neue Bauelemente
entwickelt, die konventionelle Mikroelek¬
tronik durch auf molekularer Ebene funk¬
tionierende Schaltkreise ergänzt und die
herkömmliche Mikroelektronik durch mole¬
kularelektronische Technologien nach und
nach ersetzt werden, (s.a. "T b i o com¬
puter, lbw E T W A R E )
Bioethik
Die moderne T Biotechnologie
wirft neue ethische Fragen auf: Darf man
beispielsweise Zellen Mäuse mit Genen
ces
eines Menschen züchten, Embryonen für
Forschungszwecke im Reagenzglas heran¬
wachsen Lassen, Tiere oder gar Menschen
klonen? Weil die meisten dieser Experi¬
mente angestellt werden, um medizini¬
sche Möglichkeiten zu verbessern, muss
die Gesellschaft zwischen Chancen und Ri¬
siken abwägen und verbindliche Normen
definieren. Dazu haben sich in den meis¬
ten Ländern offizielle Bioethik-Kommis¬
sionen aus Ärzten, Biologen, Ethik- und
Rechtswissenschaftlern gebildet.
Biofarming
[zu engl. b i o l o g y = Biologie und engl.
farming = Landwirtschaft] Biofar¬
ming basiert auf dem Umstand, dass
1L_g entechniker fremde Gene in
Nutzpflanzen oder -tiere einbauen kön¬
nen, wodurch t t ransgene Or¬
ganismen mit neuen Eigenschaften
entstehen. So machen zusätzliche Gene
für Wachstumshormone Schweine zu Tur¬
boschweinen, die in kürzerer Zeit ihr
Schlachtgewicht erreichen als herkömm¬
liche Borstenviecher. Maispflanzen mit
eingebauten Insektengiften, pilzresis¬
tente Kartoffeln oder Tomaten, die auch
nach Tagen der Lagerung nicht vermat-
schen, sind andere Beispiele für neue
gentechnisch erzeugte Produkte aus der
Landwirtschaft.
2 3 9
Bi o-I D
Mithilfe unserer „biologischen Identität'
können uns Computer als Individuen wahr¬
nehmen und eindeutig identifizieren. Ne¬
ben den klassischen biometrischen Ver¬
fahren (1Lb i o m e t r i e) kommt bei der
Feststellung der Bio-ID eine so genannte
Kontextanalyse zum Einsatz, die auch die
Geometrie der Gesichtszüge, die Frisur,
Größe und Haltung einer Person zu ihrer
Identifikation heranzieht.
Bioimplantat
Bioresorbierbare Implantate, die auf Milch¬
säurebasis hergestellt sind. Bei komplizier¬
ten Knochenbrüchen musste man bisher
zu Metall greifen. Der stählerne Fremdkör¬
per kann nun durch ein Bioimplantat er¬
setzt werden, das das Knochenwachstum
und damit den Heilungsprozess nicht be¬
hindert und sich nach einer Weile im Kör¬
per zu Kohlendioxid und Wasser zersetzt.
Analysten sehen hinter dieser Idee großes
Potenzial, schließlich bricht sich jeder
einmal die Knochen.
Bioinformatik
Interdisziplinäres Forschungsgebiet an
der Schnittstelle zwischen Biologie und
Informatik. Die moderne T Moleku¬
larbiologie produziert eine Flut
von Daten, deren Organisation und Analy-
Mein Leitsatz im Allgemeinen und
für die New Economy im Besonderen
lautet: "Geht nicht" gibt's nicht.
ULRICH BI RSNER,
GRÜNDER, CEO
GENESCAN EUROPE AG
se Probleme aufwirft. Die Beziehungen zwi¬
schen den Daten werden so komplex, dass
neue Verfahren zur Ergebnisaufbereitung
und Visualisierung immer wichtiger wer¬
den. So investiert IBM mittlerweile mas¬
siv in eine Life-Science-Abteilung, in der
der zunehmenden Biodatenflut Rechnung
getragen werden soll. Ein Projekt ist da¬
bei die Entwicklung des Supercomputers
namens blue gene, welcher 1000 Bil¬
lionen Rechenschritte pro Sekunde aus¬
führen soll.
B
2 4 0 Life-Sciences
Biokyberneti k
[zu griech. kybernetike = Steuer¬
mannskunst] Wissenschaft zur Beschrei¬
bung dynamischer und komplexer leben¬
der Systeme und Prozesse. Sie besagt dass
alles, vom Klima über das Wachstum der
Wälder bis zu den Lebensvorgängen im
Ozean, miteinander verbunden ist und sich
gegenseitig beeinflusst. Kybernetische
Prozesse lassen sich mit komplizierten ma¬
thematischen Modellen berechnen, solan¬
ge die Einzelteile des Systems genau be¬
schrieben werden können. Ist das nicht
der Fall, driftet die Biokybernetik rasch in
die Esoterik ab.
Biometrie
Ursprünglich die Lehre von der Anwendung
mathematischer Methoden bei Lebewesen.
Im engeren Sinne Sammelbegriff für Ver¬
fahren zur elektronischen Identifikation von
Individuen anhand unveränderbarer per¬
sönlicher Merkmale. Identifizierungsmög¬
lichkeiten sind Handgeometrie-Scanner,
Stimmerkennungssysteme oder Irisscan-
ner. Die biometrischen Sicherheitssysteme
würden Schlüssel, Codewörter und Geheim¬
zahlen überflüssig machen.
Bionik
[Zusammenziehung aus Biologie und
Technik] Wissenschaftsgebiet, das
technische Probleme nach dem Vorbild der
Natur zu lösen versucht. Durch viele Millio¬
nen Jahre evolutionärer Anpassung an die
Umwelt besitzen lebende Organismen ei¬
nen unerschöpflichen Fundus an Antwor¬
ten auf alle möglichen technischen Fragen.
Das zeigt sich anhand so offensichtlicher
Beispiele wie der Vielgliedrigkeit der Ex¬
tremitäten als Vorbild für Arbeitsroboter,
dem Gehirn mit seinen komplexen Schalt¬
kreisen als bislang unerreichtes Vorbild
für Rechner und Wolkenkratzer als Nach¬
ahmung des Grashalms.
Bionomics
[Zusammenziehung aus engl. biology
= Biologie und engl. economics =
Ökonomie] Bionomie. Die Zusammenset¬
zung aus Biologie und Ökonomie bedeu¬
tet nicht, wie häufig fälschlicherweise
angenommen wird, die wirtschaftliche
Nutzung von biologischen oder biotech¬
nologischen Forschungsergebnissen. Bio¬
nomics ist eine Theorie, die davon aus¬
geht, dass Wirtschaftssysteme nicht wie
konstruierte Maschinen funktionieren,
sondern sich wie in der Biologie evolutio¬
när entwickeln und wachsen. Mit der The¬
matik beschäftigt sich insbesondere das
im Silicon Valley beheimatete Bionomics
Institutes unter dem Präsidenten Michael
Rothschild.
JEL
2 4 1
E-Business wird immer wichtiger
werden, egal, ob es sich darum handelt,
Informationen über das Internet
abzurufen oder in der Lage zu sein,
Kundenbestellungen gleich am nächsten
Tag ausliefern zu können. Man
muss da einfach mit der Zeit gehen.
DR. METIN COLPAN,
GRÜNDER, CEO
QIAGEN GMBH
Biopharming
[Zusammenziehung aus engl. biology
= Biologie, farming = Landwirtschft
und p h a r m a cy = Pharmazie] Wenn
Gentechniker Pflanzen oder Tieren Erbgut¬
fragmente für die Produktion von pharma¬
kologischen Wirkstoffen einbauen, spricht
man von Biopharming. So lassen sich et¬
wa mit Kartoffelpflanzen oder Ziegen Arz¬
neimittel oder deren Vorstufen, die von
diesen Lebewesen normalerweise gar nicht
produziert werden, in großen Mengen und
billiger als auf herkömmlichem Weg her¬
stellen. Eine amerikanische Firma hat
beispielsweise eine T t ransgene
Ziege erzeugt, aus deren Milch sich ein
bestimmter Antikörper isolieren lässt.
Werden an diese Antikörper Medikamente
gegen Krebs angekoppelt, kann der Wirk¬
stoff im Organismus direkt zu den Tumo¬
ren geschleust werden.
Bioreaktor
Behältnis, in dem unter kontrollierten
Bedingungen Zellkulturen wachsen. Im
weiteren Sinne auch Hjt ransgene
Tiere, Pflanzen und Bakterien, die für die
Produktion vorwiegend medizinisch rele¬
vanter Tp r o t e i n e eingesetzt wer¬
den. ( jL_b iopharming)
Biorefinery
[engl. für: Bioraffinerie] Die Chance, ein
Stoffgemisch aus nachwachsenden Rohstof¬
fen und Bioabfällen nahezu vollständig zu
neuen Wirkstoffen zu verarbeiten, spielt ei¬
ne immer größere Rolle. Bioraffinerien stel¬
len u.a. alternative Treibstoffe wie Ethanol
und Biogas her, erzeugen den chemischen
Rohstoff Milchsäure zur Kunststoffherstel¬
lung (T B ioimplantat) und produ¬
zieren Papier, Gewebe und Dämmstoffe.
Das Konzept der Bioraffinerie beinhaltet
2 4 2
Li fe-Sci
e n c e s
neben der Rentabilität vor allem auch öko¬
logische und soziale Aspekte wie Nachhal¬
tigkeit und Umweltverträglichkeit.
Bioscout-
Technologie
[zu engl. b i o l o g y = Biologie und engl.
s c o u t = Kundschafter] Die Organisa¬
tion und Analyse der Datenmenge ganzer
T G ENOM E können nicht einfach nur
durch immer leistungsfähigere Rechner ge¬
löst werden. Neue Lösungsansätze für die
effiziente Analyse der Daten sind erforder¬
lich. Wird die DNS-Sequenz eines bis dahin
unbekannten T gens entschlüsselt, so
stellt sich die Frage, welche Aufgabe dieses
Gen im Organismus übernimmt. Die ermit¬
telte DNS-Sequenz wird mit den Sequenzen
bereits bekannter Gene verglichen, um durch
eventuelle Ähnlichkeiten der Funktion des
unbekannten Gens auf die Spur zu kommen.
Über eine spezielle Software wird die neue
Gensequenz mit den bereits dokumentier¬
ten Sequenzen verglichen. So lassen sich
Hinweise auf die mögliche Funktion des
Gens bzw. des aus der Gensequenz abge¬
leiteten T proteins finden.
(Bio-)Solar-
forschung
Solarforscher beschäftigen sich mit der Nut¬
zung der Sonnenenergie und versuchen,
die natürlichen, biologischen Regelkreis¬
läufe im Labor nachzubilden. Das ehrgei¬
zigste Ziel dabei ist der Nachbau der Pho¬
tosynthese. Die Vorstellung geht dahin,
mit Hilfe künstlicher Photosynthese-Sys¬
teme alles, was in der Natur durch Son¬
nenenergie hergestellt wird, auch im Rea¬
genzglas fertigen zu können. Daneben
hoffen die Forscher darauf, ein Verfahren
entwickeln zu können, das den Bau bio¬
organischer Solarzellen ermöglicht, die
einen wesentlich höheren Wirkungsgrad
als bisherige Solarsysteme versprechen.
Biotech-Aktie
Immer mehr Life-Sciences-Unternehmen
operieren als Aktiengesellschaften, um
über staatliche Fördermittel hinaus mit
dem Kapitalfluss ihrer Investoren die kos¬
tenintensiven Forschungstätigkeiten fi¬
nanzieren zu können. Die Entschlüsselung
des menschlichen T g enoms hat einen
wahren Biotechboom ausgelöst. Für An¬
leger bringt diese Entwicklung giganti¬
sche Kurschancen aber auch hohe Risiken
mit sich, schließlich stehen vor der Ent¬
wicklung eines bahnbrechenden biotech¬
nologischen neuen Verfahrens oder einer
Iblo ckbuster-arznei gigan¬
tische finanzielle Investitionen. Weniger
riskant als ehrgeizige Biotech-Start-ups
sind Investitionen in Aktien etablierter
__c_
Pharmariesen oder in Biotechnologie-
Fonds bzw. Beteiligungsgesellschaften.
Biotechnologie/
B i o t e c h
Zusammengesetzt aus Biologie und
Technologie (bzw. engl. biology
und engl. technology), Mutterbe¬
griff aller Bereiche, die sich an den Schnitt¬
stellen zwischen dem Natürlichen (Bio¬
logie) und dem künstlich Geschaffenen
(Technologie) ansiedeln.
Blockbuster-
Arznei
[zu engl. blockbuster = Knüller]
Megaseller-Medikament, Arzneimittel mit
hohem Bekanntheitsgrad und guten Ver¬
kaufszahlen, das auch als Synonym für die
Herstellerfirma als Ganzes gelten kann.
Populärstes Beispiel: Aspirin von Bayer
(T L i festyle-medikamente).
Block-Bank-
Baby-Making
[zu engl. to b l o c k = blockieren,
bank = Bank und to m a k e = machen]
Das BBB-MODELL zur Empfängnis-
kontrolle basiert auf zwei Säulen: 1. Das
Blockieren derZeugungs- bzw. Empfäng¬
nisfähigkeit von Mann und Frau und 2. das
Deponieren von Samenzellen und Eiern auf
einer Bank. Wer sich fortpflanzen will,
kann auf seine in Kyrotechnik (bei Tiefst¬
temperaturen) bei einer Bank konservier¬
ten Samen- bzw. Eizellen zurückgreifen.
Das Wort Block wird dabei für jede mög¬
liche Art des Blockierens der Empfängnis
benutzt, gleichgültig, ob Samen- bzw. Ei¬
leiter dauerhaft durchtrennt oder ledig¬
lich abgebunden werden. Ins Gespräch ge¬
brachtwurde dieses Modell erstmalig unter
dem Namen BB-System (Block-Bank-Sys¬
tem) vom britischen Wissenschaftler und
Autor Robin Baker.
Chimäre
Ein Gewebe, das zwei oder mehr genetisch
verschiedene Zelltypen enthält, oder ein
Individuum aus derartigen Geweben. Im
weiteren Sinne gehören dazu auch Indi¬
viduen aus artverschiedenen Geweben,
wie die „Schiege" aus Schaf und Ziege.
Streng genommen entsteht nach Defini¬
tion auch bei einer Organtransplantation
eine Chimäre.
Chipchirurgie
Chirurgische Eingriffe, bei denen T b i o-
chips in den Körper von Menschen ge¬
pflanzt werden. Die biologischen Mikrochips
werden beispielsweise in die Netzhaut im¬
plantiert, wo sie elektronische Signale ei¬
ner kleinen Videokamera empfangen und
c
2 4 4
Li fe-Sci
e n c e s
so dafür sorgen, dass Blinde (zumindest
schemenhaft) wieder sehen können. Ein an¬
derer Einsatzort dieser modernen Biochip¬
technologie befindet sich hinter dem Ohr
des Menschen. Mit Hilfe eines Mikrofons
und eines Sprachcomputers werden Stim¬
men und Töne aufgezeichnet und zu die¬
sem Chip gespielt; Taube erhalten damit
einen Teil ihres Hörsinns zurück. Auch
gelähmte Menschen profitieren von der
Chipchirurgie. So gibt es heute schon ei¬
nen Gehstimulator, ein Gerät, dessen Elek¬
troden ausgefallene Nerven ersetzen und
die Beinmuskeln stimulieren. Mithilfe ei¬
nes so genannten Gangrobotors sollen in
Zukunft sogar Querschnittsgelähmte wie¬
der gehen können.
Chromosom
[von griech. chroma = Farbe und
griech. s o m a = Körper] Wörtlich: stark
färbbare Zellkörperchen. Abgegrenzter
Teil des dL_G e n o m s mit einer linearen
Abfolge von hintereinander angeordneten
T G E N E N und anderer T d n s. Als
morphologische Einheit ist das Chromo¬
som lediglich während der Zellteilung
als x-förmige Struktur im Zellkern sicht¬
bar. Menschliche Körperzellen besitzen
46, Ei- und Samenzellen (Keimzellen) je
23 Chromosomen, die sich bei der Befruch¬
tung addieren.
Computer-aided-
Drug-Design (CADD)
[engl. für: Arzneimittel-Entwurf mithilfe
von Computern] '11_p r o t e i n e sind
Wirk- und Regelstoffe der Zelle. Sie beste¬
hen aus einer Kette von Aminosäuren, win¬
den und falten sich zu komplexen dreidi¬
mensionalen Strukturen. Sie greifen in den
Stoffwechsel ein, indem sie sich an ande¬
re Moleküle, die etwa an der Oberfläche
von Zellen sitzen, anlagern. Zu diesen pas¬
sen sie, wie der Schlüssel in ein Schloss.
Auf dieselbe Weise findet auch der Aids¬
erreger HIV seine Andockstelle an jenen
Immunzellen, die er befällt. Am Computer
lassen sich solche Strukturen simulieren
und geeignete Wirkstoffe entwerfen, die
in derartige Bindungsvorgänge eingrei¬
fen. Wenn nach dem CADD die Strukturen
solcher Designermoleküle einen therapeu¬
tischen Erfolg versprechen, machen sich
Chemiker an die Synthese, um eine Sub¬
stanz aufzubauen, die womöglich einmal
zu einem Medikament wird.
Cyborg
[Zusammenziehung aus engl. cyberne-
t i c s = Systemwissenschaft und Orga¬
nismus] Menschmaschine. Der etwas
unscharf gefasste Begriff Cyborg hat zu
weit reichenden Diskussionen in den So¬
zial- und Kommunikationswissenschaften,
D
aber auch in der Medizin und T r i o -
Technologie geführt. Gemeint ist
ein Organismus, der menschliche Organe
und technische Geräte in sich vereinigt.
Aus kultureller Sicht lässt sich der Cyborg
in die lange Reihe der künstlich erschaf¬
fenen Lebewesen einreihen, von Golem
über Frankensteins Monstrum bis hin zu
den Borg von Star Trek. Medizinisch ge¬
sehen ist ein Cyborg ein Mensch, der auf
technische Hilfsmittel angewiesen ist,
um weiter überleben beziehungsweise um
besser leben zu können. So ließe sich et¬
wa der Komapatient, der an Lebenserhal¬
tungssysteme angeschlossen ist, oder ein
Mensch mit Herzschrittmacher als Cyborgs
bezeichnen.
2 4 5
In den nächsten fünf Jahren wird es
so viele interessante Entwicklungen
geben, dass es für Ärzte und Patienten
ein Problem wird, aus dem Korb
der vielen Möglichkeiten auszuwählen.
DR. PETRA STRÜMPER,
VORSTANDSVORSITZENDE
C Y B I 0 AG
Desi gnerbaby
Kinder, die nach den Vorstellungen ihrer
Eltern designt, also regelrecht genetisch
geplant werden. Mit Hilfe des T g en-
passes haben es Paare, die sich Nach¬
wuchs wünschen, in Zukunft in der Hand,
nicht nur das Geschlecht, sondern auch
das Aussehen ihres Babys bzw. dessen
Präsdisposition für bestimmte Krankheiten
von vornherein zu bestimmen oder auszu¬
schließen. Die Vorstellung von unzähligen
blonden, blauäugigen und makellosen
Designerbabys gehört zum Worst-Case-
Szenario der Genforschungsgegner.
Differenzierung
[von lat. d i f f e r r e = sich unterschei¬
den] Es gibt Dinge im Leben, die kann
man nicht früh genug entscheiden: Wo vor¬
ne und hinten ist zum Beispiel, wo einmal
Kopf oder Schwanz wachsen sollen. Sämt¬
liche Informationen zur späteren Muster¬
bildung in einem Organismus stecken be¬
reits in einer gerade befruchteten Eizelle.
In ihr spult sich das fest definierte Pro¬
gramm der Differenzierung ab, das genau
bestimmt, ob aus einer Zelle einmal ein
Li f
e-S c i e n
c e s
D
2 4 6
Auge oder ein Zeh werden soll, wo rechts
und Links ist und wann welcher Entwick¬
lungsschritt eingeleitet wird, damit nicht
vor dem Arm eine Hand wächst.
D N A / D N S
Desoxyribonucleic acid bzw.
Desoxyribonukleinsäure. Ein
großes Molekül, das in Form eines Doppel¬
stranges (Doppelhelix) angeordnet ist. Die
DNA ist eine Art biologische Schriftform
auf einem konstanten Rückgrat. Vier un¬
terschiedliche Moleküle, die so genann¬
ten Basen, sind mit den Buchstaben A,T,
G und C symbolisiert und in variierender
Reihenfolge angeordnet. Die Basen funk¬
tionieren wie ein Schriftsatz, der abgele¬
sen wird. Dabei kodieren drei Basen eine
Aminosäure, die Bausteine der Proteine.
In der DNA ist die gesamte Erbinformatio¬
nen eines Organismus verschlüsselt, sie
dient als Matrize für die Produktion von
Proteinen. Beim Menschen ist sie in 50 000
bis 150 000 verschiedene Abschnitte un¬
terteilt, die T_ ß E N E .
D N S - C h i p
Briefmarkengroßes Glas- oder Silizium¬
plättchen, auf dem mehrere tausend „Erb¬
gutschnipser eines Individuums als kur¬
ze DNS-Stückchen in Reihen angeordnet
sind. Diese enorme Dichte erlaubt es, tau¬
sende von Genen gleichzeitig innerhalb
kurzer Zeit zu analysieren. Mit DNS-Chips
lassen sich spezifische Genaktivitäten ei¬
nes Individuums feststellen. Sie dienen zur
Diagnose menschlicher Genmerkmale und
sagen individuelle Krankheitsrisiken vo¬
raus. Möglicherweise gehört der DNS-Chip
schon bald neben Pflaster und Thermome¬
ter zur Ausstattung eines gut sortierten
Medizinschrankes.
DNS-Computer
Biologen wissen schon lange, dass die
Natur bessere Datenspeicher baut als NEC
oder IBM. Immerhin birgt jeder mensch¬
liche Zellkern auf der T_d n s über zwei
mal drei Milliarden Informationseinhei¬
ten, mit denen sich der menschliche Orga¬
nismus ein Leben lang relativ fehlerfrei
betreiben lässt. 1994 hat der kalifornische
Informatiker Leonard Adlemann gezeigt,
dass sich mit der DNS sogar richtige Com¬
puter bauen lassen. Dafür werden für alle
Lösungsmöglichkeiten eines mathema¬
tischen Problems DNS-Stränge mit unter¬
schiedlichen Sequenzen im Reagenzglas
gemischt und dann Schritt für Schritt
sämtliche falschen Lösungen durch ein
DNS-abbauendes Enzym eliminiert. Auf
DNS-Basis wurden bereits einfache Schach¬
computer gebaut. Theoretisch lassen sich
mit DNS-Computern in einem Tropfen Flüs-
E
2 4 7
Die New Economy in den Life-Sciences
bietet Unternehmen eine mit ausrei¬
chend Kapital ausgestattete Plattform
und die erfolgreiche Umsetzung
bisher ungeahnter Möglichkeiten
der Diagnose und Therapie von
lebensbedrohlichen Krankheiten.
DR. DIETER MERZ,
VORSTANDSVORSITZENDER
BIOTEST AG
sigkeit mehr Daten schneller verarbeiten
als in den größten Parallelrechnern der
Welt. (T B iocomputer)
D o L L y
Bereits 1997 gelang es dem schottischen
Roslin Institute und der Firma PPL Thera¬
peutics das weltweit erste Säugetier zu er¬
schaffen, das aus einer ausgereiften Körper¬
zelle geklont wurde: das Schaf Dolly. Damit
wurde - zumindest theoretisch - die Mög¬
lichkeit geschaffen, auch andere Säuge¬
tiere oder Menschen zu T klonen, also
genetisch identische Abbilder zu erzeugen.
Embryogenese
Prozess, bei dem nach der Verschmelzung
von mütterlicher und väterlicher Ei- und
Samenzelle durch die fortwährende Zelltei¬
lung ein Embryo heranwächst. Im Laufe der
Embryogenese entstehen im Rahmen der
zeitlich genau abgestimmten T Dif¬
ferenzierung die Organe eines
komplexen Lebewesens, in dem die Arbeits¬
teilung zwischen den verschiedenen Zell¬
typen genau geregelt ist.
Embryosplitting
[zu engl. to s p l i t = teilen] Zu dem
Zeitpunkt, an dem ein Embryo erst aus vier
oder acht Zellen besteht, ist es möglich,
ihn unter dem Mikroskop mikrochirurgisch
zu teilen. Aus den Fragmenten entstehen
künstliche Mehrlinge, die genetisch iden¬
tisch sind, wie natürliche eineiige auch. Sie
können einzeln in die Gebärmutter einer
Frau verpflanzt werden. Die Technik wird
seit den 70er-Jahren in der Tierzucht ein¬
gesetzt, etwa um besonders ertragreiche
Milchkühe in Massen zu produzieren. Seit
1993 ist bewiesen, dass sich auch mensch¬
liche Keimlinge zerpflücken lassen und zu
243 Life-Scien
lebensfähigen Embryonen heranwachsen.
Dieses Verfahren der T_r e Produk¬
tionsmedizin ist in Deutschland
jedoch verboten.
Embryotransfer
Nach einer T i n-v i t ro - ferti¬
lisation (IVF) kann ein Embryo zwi¬
schen dem zweiten und vierten Tag seiner
Entwicklung aus dem Reagenzglas trans¬
feriert werden. Er wird dann in die Gebär¬
mutter einer Frau gespült, die künstlich
mit Hormonen auf dieses Ereignis vorbe¬
reitet werden muss. Mit einer gewissen
Wahrscheinlichkeit nistet sich der Keim¬
ling ein und entwickelt sich zu einem nor¬
malen Organismus.
Erbgutclaim
[zu engl. C l a i m = Anspruch] Anspruch,
den Biotech-Unternehmen auf bestimmte
DNS-Sequenzen erheben. Private Biotech-
Firmen investieren enorme Summen in For¬
schung und Entwicklung. Über dl_p a -
Tente versuchen sie, sich die exklusiven
Nutzungsrechte an ihren Entdeckungen zu
sichern. Da Biotech-Firmen als privatwirt¬
schaftliche Unternehmen nach dem üb¬
lichen Kosten-Nutzen-Prinzip arbeiten,
würde sich ihrer Meinung nach ihr For¬
schungsaufwand nicht lohnen, wenn an¬
dere von ihren Ergebnissen profitierten.
ces
Erbkrankhei t
Manche Krankheiten haben ihre Ursache
in falsch hergestellten körpereigenen Pro¬
teinen, basierend auf einem Fehler im
1Lg enetischen code der ULd n s .
Das Leiden ist also erblich. Schon eine
einzige Abweichung in der Abfolge der
Nukleotide kann tödlich sein, wie z.B.
bei der Blutkrankheit Beta-Thalassämie.
Mit 1L_d NS-CHiPS lassen sich an Zell¬
proben fehlerhafte Erbgutvarianten im
Labor aufspüren.
ES-Zelle
[zu engl. embryo stem cells =
embryonale Stammzellen] Die Zellen eines
vier bis sieben Tage alten Embryos sind
noch 1_T OTIPOTENT, sie sind also
„unsterblich" und noch nicht differenziert
bzw. auf eine Funktion spezialisiert. ES-
Zellen können sich in jede denkbare Zel¬
le des Organismus entwickeln. Durch die
T I N vitro - Vermehrung solcher Zel¬
len können ES-Zelllinien hergestellt wer¬
den, die als zellulärer „Rohstoff" für die
künstliche Züchtung von Ersatzzellen oder
ganzen Organen genutzt werden können.
Extropianologie
Bezeichnung einer neuen Wissenschaft,
die sich mit dem Transhumanismus be¬
schäftigt, also der Überwindung des zeit-
E
2 4 9
lieh begrenzten Menschseins. Die Extro-
pianologen suchen nach neuen Wegen der
Lebensverlängerung. Dabei arbeiten sie
zum einen an der weiteren Erforschung der
künstlichen Intelligenz - durch Symbiosen
von Mensch und Maschine soll beispiels¬
weise ein Zustand digitaler Unsterblichkeit
erreicht werden; zum anderen beschäfti¬
gen sie sich mit der Erforschung der b i o -
s T A s I s: der Zustand des Kälteschlafs.
Dabei werden Menschen nach ihrem Able¬
ben bei minus 196 Grad in flüssigem Stick¬
stoff eingefroren. Die Extropianologen
hoffen, Verfahren entwickeln zu können,
mit denen diese Körper wieder ins Leben
zurückgeholt werden.
Forschungs¬
aufwand-Umsatz-
Verhältnis (FUV)
Das Verhältnis von Forschungsaufwand zu
Umsatz ist bei einem Biotech-Unterneh-
men ein möglicher Ansatz zur qualitativen
und quantitativen Unternehmensanalyse.
Hohe Forschungsaufwendungen können
dabei eine konsequente Ausrichtung auf
die Zukunft symbolisieren. Sie machen
Sinn, solange sie nicht zu stark die Cash¬
reserven angreifen. Gerade bei jungen Fir¬
men ist hier Vorsicht geboten. Aber auch
bei etablierten Großkonzernen würde ein
zu hoher Forschungsaufwand den Gewinn
Das ist beim Goldrausch eben so:
Nur wenige werden Edelmetall
finden - und auch noch die Claims
abstecken können. Darin liegt
wahrscheinlich die große Spannung
und Spekulationskraft.
PROF. DR. BURGHARDT WITTIG,
VORSTANDSVORSITZENDER
MOLOGEN HOLDING AG
schmälern. Es ist also auf ein ausgegliche¬
nes Verhältnis beider Größen zu achten,
bevor man investiert.
Frei Landversuch
Nicht alles, was für olekular-
BIOLOGEN und 1L_G ENTECHNI-
K E R theoretisch machbar wäre, ist auch
erlaubt. Und nicht alles, was in abgeschirm¬
ten Sicherheitslabors hergestellt wird, darf
diese auch ohne weiteres verlassen. So
braucht es insbesondere für gentechnisch
2 5 0 Life-Scien
veränderte Organismen eine spezielle Ge¬
nehmigung, bevor diese im Freilandversuch
auf einer begrenzten, überwachten Fläche
unter praxisnahen Bedingungen kultiviert
werden können. Die Premiere für solche ge¬
nehmigten Versuche fand unter massivem
Protest von Umweltschützern im April 1987
auf einem kalifornischen Erdbeerfeld statt.
Dort wurden gentechnisch veränderte Bak¬
terien freigesetzt, die verhindern, dass die
Pflanzen bei geringen Nachtfrösten er¬
frieren. Seither hat es auch in Deutschland
eine große Anzahl genehmigter Freiland¬
versuche mit Pflanzen, Tieren und Mikro¬
organismen gegeben.
Functional Food
[zu engl. functional funktionell
und engl. food = Lebensmittel, Nah¬
rung] Lebensmittel, das nicht nur satt
macht und der Ernährung dient, sondern
weitere Funktionen erfüllen soll: Joghurt,
der die Abwehrkräfte stärkt, ein Softdrink,
der vorbeugend gegen Krebs wirkt, und Kau¬
gummi, das die Hirnaktivität steigert. Neu¬
entwicklungen in diesem Bereich sollen
häufig allgemein das seelische Wohlbefin¬
den heben - sie werden beispielsweise mit
Johanniskraut angereichert. Die tatsäch¬
liche Wirkweise der meisten Functional-
Food-Produkte ist allerdings umstritten.
Häufig wirkt nur der Placebo-Effekt.
ces
Gefühlschip
Mikrochip, mit dessen Hilfe sich Gefühle
über den Computer austauschen lassen sol¬
len. Diese doch recht abenteuerliche Idee
war bisher nur aus der Science-Fiction
bekannt. Derbritische Kybernetiker Kevin
Warwick hingegen hat sich zu Selbsttest¬
zwecken bereits neun Tage lang einen Chip
implantieren lassen, der mit seinem Com¬
puter kommunizierte, ihn begrüßte, wenn
er das Institut betrat, und ihn jederzeit in¬
nerhalb des Gebäudes orten konnte. Das
zweite Experiment besteht daraus, seine
Nervenfasern mit einem Chip zu verbin¬
den, sodass nervliche Impulse ausgelöst
und registriert werden können. Auf diese
Art sollen zunächst Gefühle wie Schmerz
oder Wohlbefinden gemessen und dann
vom Computer an den Empfänger zurückge¬
sandt und noch einmal erlebt werden.
Gen
[zu griech. g e n o s = Geschlecht, Gat¬
tung] Ein Gen ist ein funktionaler T d n s -
Abschnitt, der die kodierenden Sequenzen
für ein T protein enthält und diese
Information von einer Generation an die
nächste weitergibt. Gene sind für die un¬
terschiedlichsten Funktionen im Körper
verantwortlich. Sie können sowohl ein un¬
scheinbares kleines Rad im großen Stoff¬
wechselprozess sein als auch äußere Merk¬
G
2 5 1
male wie Augenfarbe, Haarfarbe und kör¬
perliche Gestalt bestimmen. Andere Gene
wiederum können durch Funktionsverlust
oder Überfunktion der Grund für schicksal¬
hafte und oft unheilbare Krankheiten sein.
Genertai nment
[Zusammenziehung aus G e n for¬
sch u n g und Entertainment]
Veränderung des Erbguts aus ästhetischen
Gründen bzw. Nutzung genetischer Er¬
kenntnisse zu reinen Unterhaltungszwe¬
cken. Genetische Bauanleitungen, die ent¬
schlüsselt und in einen fremden Körper
oder Stoff verpflanzt werden, können scho¬
ckieren - oder unterhalten. So ließ der
Künstler Eduardo Kac ein Tjrans-
genes Kaninchen züchten, welches bei
Schwarzlichtdeutlich grün leuchtet. Hier¬
zu nutzte er ein aus der Qualle Aequorea
victoria stammendes Gen, dessen Gen¬
produkt ein grün fluoreszierendes Protein
ist. Die Biotechfirma Prolume aus Pitts¬
burgh produziert ferner Flüssigkeiten, die
beim Auftreffen auf einen Gegenstand
einige Sekunden lang hell leuchten, und
vertreibt sie in den USA als erheiternde
Munition für Wasserpistolen.
Gene-Targeting
[zu engl. g e n e = Gen und engl. to t a r -
g e t = zielen auf] Jede Zielgerichte Verän-
Neue Geschäftsmodelle haben
ungeahntes Potenzial für die Zukunft,
das bedeutet New Economy.
MICHAEL RAUM,
GESCHÄFTSFÜHRER
SELLBYTEL
derung des Genbestandes einer Zelle fasst
man unter dem Begriff Gene-Targeting zu¬
sammen. Dies reicht von der gezielten In¬
aktivierung von Genen (T.jcnock-out)
bis hin zum Austausch und Einführung von
Genabschnitten (knock-i n).
G e n e t i c
Engineering
[zu engl. genetic = genetisch und
engl. to engineer = bauen, konstru¬
ieren] Gen-Ingenieure können Erbgutfrag¬
252 Li f e - S c i e n
mente von einem Organismus in einen zwei¬
ten schleusen. Notwendig dazu sind ein
isoliertes Gen, ein i_v e k t o r als Gen¬
fähre und eine Zielzelle. So gelang es 1973
erstmals, ein Gen von einem Bakterium
auf ein anderes zu übertragen. Seither ist
Genetic Engineering eine gängige Metho¬
de, um genetische Informationen auch
über Artschranken hinweg auszutauschen.
Der Amerikaner Herbert Boyer, Miterfinder
dieser Methode, gründete 1976 gemeinsam
mit dem Anlageberater Robert Swanson
mit 500 Dollar Startkapital die erste Bio-
tech-Firma. Als „Genentech" 1980 an die
Börse ging und sich der Kurs binnen Mi¬
nuten verzweieinhalbfachte, erlebte die
Wall Street ihren ersten Anfall von einem
Biotech-Boom.
Geneti c-Rights-
Kampagne
[engl. für: genetische Rechte] Die im Ju¬
ni 2000 vom Technologiekritiker Jeremy
Rifkin ausgerufene Kampagne richtet sich
gegen die Gefahren der „Gen-Revolution"
und die Patentierung des menschlichen
Erbguts. Die finanzkräftigen Life-Science-
Unternehmen dürften nicht die Kontrolle
über den menschlichen 1s g e n p o o l
übernehmen. Die Kampagne richtet sich
außerdem gegen eine T g enetische
DISKRIMINIERUNG.
ces
geneti sehe
Diskriminierung
Diskriminierung, die auf dem Vorhanden¬
sein bestimmter Gene eines Individuums
beruht. Es wäre schlimmstenfalls denkbar,
dass Arbeitgeber ihre Angestellten in Zu¬
kunft anhand genetischer Merkmale ein¬
stellen und dass Versicherungen ihr Klien¬
tel nach der Wahrscheinlichkeit für das
Auftreten bestimmter Krankheiten einstu¬
fen oder womöglich bei einer besonderen
Disposition für eine Krankheit eine Ver¬
sicherung ablehnen.
genetischer Code
Das Alphabet des Lebens umfasst nur vier
Buchstaben: A, C, G und T. Eine endlose
Abfolge der vier Basen Adenin, Cytosin,
Guanin und Thymin bilden den eigentli¬
chen genetischen Code, in dem die Bauan¬
leitungen für sämtliche ll_p r o t e i n e
verschlüsselt sind. In der DNS-Doppelhelix
stehen sich immer die zwei Basen A und T,
sowie G und C als Paare gegenüber. Jeweils
drei dieser Basenpaare codieren die Infor¬
mation für eine Aminosäure. Die Aneinan¬
derkettung mehrerer Aminosäuren ergibt
ein Protein. Der genetische Code für ein
Protein kann tausend bis eine halbe Mil¬
lion Basenpaare lang sein. Der Gesamtcode
eines Menschen umfasst 3,12 Milliarden
Basenpaare (einfacher Chromosomensatz)
2 5 3
und würde ausgedruckt 750 000 DIN-A4-
Seiten nach dem Muster ACTGTGATCGAGA-
GATACCTAATGA... ergeben. Der genetische
Code von zwei x-beliebigen Menschen ist
im Durchschnitt zu 99,9 Prozent identisch.
geneti scher
Fingerabdruck
Ähnlich wie der gewöhnliche Fingerab¬
druck ist auch der genetische Fingerab¬
druck bei jedem Menschen einzigartig. Er
beruht auf der Identifizierung hoch vari¬
abler T d N s-Sequenzen, die ein für je¬
den Menschen individuelles Muster besit¬
zen. Genetische Fingerabdrücke sind bei
der Identifizierung von Individuen hilf¬
reich, beispielsweise bei Vaterschafts- oder
Täternachweisen.
G e n f o o d
[zu engl. f o o d = Essen, Nahrungsmittel]
Genetisch veränderte Lebensmittel. Indem
neue Informationen in die Gensequenz
von Pflanzen und Tieren eingelagert wer¬
den, verändern sich deren biologische Ei¬
genschaften: Sie wachsen beispielsweise
schneller, werden größer, gedeihen auch
unter widrigen Bedingungen, sind resistent
gegen Schädlinge, Pilze und Bakterien oder
haben verbesserte Lager- und Transport¬
eigenschaften. Wie sich diese genmani¬
pulierten Pflanzen und Tiere in der natür¬
lichen Umgebung verhalten und ob sie tat¬
sächlich „unschädlich" für den Menschen
[sind, wie von der Agrarindustrie gern be¬
hauptet wird, wird jedoch erst in einigen
Jahren sicher zu beurteilen sein. Bisher
stößt Genfood noch auf massive Ableh¬
nung in der Bevölkerung. Die ^L_n o v e l-
food-verordnung sorgt daher
u. a. für dessen Kennzeichnung.
Genkartierung
Unter Genkartierung versteht man die Po¬
sitionsbestimmung einzelner Gene im Erb¬
gut. Das Erstellen von „genetischen Land¬
karten" ist ein wichtiges Forschungsgebiet
in den Biowissenschaften, um die Genetik
von Organismen besser zu verstehen. Gen¬
kartierungen ermöglichen die Diagnose
von Erbkrankheiten bereits vor der Geburt
und sind eine wichtige Voraussetzung für
gentherapeutische Versuche.
Genoceuti ca L
[Zusammenziehung aus engl. g e n e =
Gen und engl. pharmaceutical
Arneimittel] Als Arzneimittel genutztes
Gen, das per lL_v e k t o r direkt in den
Organismus eines Individuums eingefügt
wird. Pharmazeutisch wirksam sind in der
Regel die vom Gen kodierten Genprodukte,
also die abgeschriebene T R n s oder das
entsprechend der Gensequenz gebildete
2 5 4
Li
f e - S c i e n
c e s
T p r o t e I n , die den Heilungsprozess
vorantreiben sollen. Trotz aller Fortschrit¬
te befinden sich die Versuche mit Geno-
ceuticals noch in einem von vielen Rück¬
schlägen gezeichneten Anfangsstadium.
Abgesehen von ethisch-moralischen Ein¬
wänden ist die Wahl geeigneter Vektoren
und die Reduzierung möglicher Nebenwir¬
kungen auf ein Minimum besonders pro¬
blematisch.
Genom
Das gesamte genetische Material eines
Chromosomensatzes, der Gesamtgenbe¬
stand einer Zelle, also die vollständige
Erbinformation eines Individuums. Das
menschliche Genom besitzt schätzungs¬
weise 50 000 bis 150 000 Gene, von de¬
nen ca. 10 000 bekannt sind.
Genomi cs
[engl. für: T g enomik; Zusammen¬
ziehung aus engl. g e n e = Gen und engl.
e co n o m i cs = Ökonomie] Neben der
herkömmlichen Bedeutung ist mit dem
Ausdruck ferner das Geschäftemachen mit
Genen gemeint, das zu einer Boombranche
und einem der heißesten Börsenthemen
des 21. Jahrhunderts geworden ist. Über
die Geheimtipps mit exorbitanten Gewinn¬
chancen wurden schon so einige morali¬
sche Bedenken verworfen.
G e n o m i k
Die Genomik beschäftigt sich mit der Cha¬
rakterisierung von T G E N o M E N. Neben
den DNS-Sequenzdaten werden weitere In¬
formationen benötigt, um ein Genom voll¬
ständig zu bestimmen. Dazu gehört insbe¬
sondere die genaue Lokalisierung der Gene
und ihrer Kontrollelemente.
G e n p a s s
Auch Genzeugnis. Ein Ausweis, auf
dem in Zukunft der Gencode bestimmter
ausgewählter Gene eines Individuums als
so genanntes genotyping vermerkt
werden soll. Damit soll es jedem Einzelnen
möglich werden, mit Hilfe von geeigneter
Vorsorge schon früh gegen die Krankhei¬
ten vorzugehen, die aufgrund einer vorhan¬
denen Prädisposition ausbrechen könnten.
Zudem eröffnet die Einführung eines Gen¬
passes den T __P HARMAKOGENETI-
K E R N neue Möglichkeiten: So könnten
Art und Dosierung eines verordneten Medi¬
kaments genau auf den Genotype jedes
einzelnen Menschen abgestimmt werden.
Ungeklärt ist allerdings, wie sich der Pa¬
tient der Zukunft gegen den Missbrauch
dieser Daten, beispielsweise durch Versi¬
cherungen oder Arbeitgeber wird schützen
können, denn durch einen Genpass be¬
steht die Gefahr T g enetischer
DISKRIMINIERUNG.
G_
2 5 5
Dank des Glaubens der Kapitalmärkte
an die New Economy haben wir in den
letzten zwei Jahren Dinge verwirklicht,
für die wir vor zehn Jahren noch
zwanzig Jahre gebraucht hätten.
DR. ALEXANDER OLEK,
GRÜNDER, CEO
EPI GENOM I CS AG
G e n p o o L
[zu engl. poo l = Teich, (Schwimmbe¬
cken] Die Gesamtheit des Erbgutes einer
Spezies. Der Genpool verändert sich im
Laufe der Evolution, wenn durch T mu¬
tation neue Gene entstehen, die ih¬
rem Träger und dessen Nachkommen einen
Überlebensvorteil verschaffen, oder aber
wenn vorhandene Gene „verschwinden".
G e n t e s t
Moderne T_m olekularbiologie
und die Ergebnisse des Th um an ge¬
nome project machen es möglich,
an winzigen Blut-, Speichel- oder Haar¬
proben ausgiebige Gentests durchzufüh¬
ren. Dabei wird die DNS einer Person auf
bestimmte Gene und damit auf mögliche
Erkrankungen, Eigenschaften und Veran¬
lagungen hin untersucht. Mit T d n s -
chips lassen sich zahlreiche Gene in
einem Arbeitsgang analysieren. Dies ist
nicht nur für Mediziner und Betroffenen
von großem Interesse, sondern Leider auch
für Versicherungen oder Arbeitgeber, die
wissen wollen, ob bestimmte Personen
irgendwann an einem erblichen Leiden
erkranken oder eine Veranlagung zu Dia¬
betes, Darmkrebs oder Herzinfarkt haben
( T_G ENETISCHE DISKRIMI¬
NIERUNG). Allerdings sagt ein Gentest
nur selten etwas darüber aus, ob und wann
bei diesen Betroffenen tatsächlich solche
Krankheiten ausbrechen.
Gentherapi e
Grundsätzlich die Korrektur eines gene¬
tisch bedingten Fehlers in einer Zelle, ei¬
nem Organ oder im Organismus. Die ein¬
fachste denkbare Form der Gentherapie ist,
mithilfe eines T_v e k t o r s die intakte
Kopie einer fehlerhaften DNS-Sequenz in
2 5 6
Li f e - S c i e n
c e s
die Zelle einzuschleusen, um dadurch die
Funktion wiederherzustellen. Die Genthe¬
rapie ist der Hoffnungsträger im Kampf ge¬
gen viele genetisch bedingte Krankheiten
wie Mukoviszidose, Alzheimer oder Krebs.
Trotz erfolgsversprechender Ansätze sind
die Möglichkeiten der Gentherapie jedoch
noch längst nicht voll entfaltet.
grüne Gentechnik
Bezeichnung für die Anwendung von Me¬
thoden der Gentechnik in der Landwirt¬
schaft und der Nahrungsmittelindustrie.
Das Adjektiv „grün" meint dabei jedoch
nicht eine sanfte, ökologisch sinnvolle Me¬
thode, sondern bezieht sich auf die Farbe
der Pflanzen. Ziele sind u.a. die Einführung
von Resistenzen gegen Insekten-, Viren-
und Pilzbefall, die Optimierung der Produkt¬
qualität hinsichtlich des Nährstoffgehalts
(Aminosäuren, Mineralien, Fett, Vitamine,
Kohlenhydrate), verbessertes Wachstums¬
verhalten und vieles mehr. Und dies alles
mithilfe der Gentechnik. Der Konsument
leistet bis jetzt noch heftigen Widerstand
gegen die grüne Gentechnik und weigert
Sich, IT. G E N F 0 0 D zu konsumieren.
horizontaler
Gentransfer
Während man bei der geschlechtlichen
Weitergabe von Erbinformation über die
Keimbahn von vertikalem gen-
transfer spricht, versteht man un¬
ter horizontalem Gentransfer die Über¬
tragung von DNS über Artgrenzen hinweg.
Der horizontale Gentransfer wird als ei¬
ne mögliche Gefahr bei der Kultivierung
genmanipulierter Pflanzen diskutiert. Ei¬
genschaften genetisch veränderter Nutz¬
pflanzen könnten in natürliche Biotope
transferiert werden und dort das biologi¬
sche Gleichgewicht stören.
Human Genome
Project (HGP)
Das 1990 ins Leben gerufene internatio¬
nale Forschungsprojekt hatte die Dechif¬
frierung des menschlichen T g e n o m s,
der Summe aller Erbinformationen des Men¬
schen, zum Ziel. Im Frühjahr 2000 melde¬
te jedoch Craig Venter und seine Firma
Celera, das „Alphabet des Lebens" ent¬
schlüsselt zu haben. Dadurch, dass Venter
die über das Internet frei zugänglichen
Daten des hugo-projektes nut¬
zen konnte und mit der shot-gun-
methode sequenzierte, ist ihm der
„Wettlauf" gelungen. Doch mit der Ent¬
schlüsselung fing die Arbeit erst an, müs¬
sen doch nun die einzelnen Bruchstücke
wieder zusammengesetzt und den Genen
ihre Funktionen zugewiesen werden. Mit
dem Wissen des HGP hoffen die Forscher,
2 5 7
auch das p R o T E o M - p R o j E kt erfolg¬
reich zu Ende bringen zu können, welches
die Identifizierung und Charakterisierung
aller im Körper des Menschen vorkommen¬
den t P R o T E I N E zum Inhalt hat. Bei¬
de Projekte sind die Voraussetzung dafür,
"IL E RBKRANKHEiTEN heilen oder
lindern zu können.
Hybrid
Pflanzlicher oder tierischer Bastard. Er
ist der Nachkomme von artverschiedenen
Eltern. Anders als bei der iLc h i m ä r e
sind alle Körperzellen eines hybriden In¬
dividuums genetisch identisch. Ein Bei¬
spiel aus dem Tierreich ist die Kreuzung
zwischen Pferd und Esel, der Maulesel.
ICSI
Abkürzung für Intracytoplasma¬
tische Spermieninjektion.
Mit der Methode befruchten T r e Pro¬
dukt i on sm e o i z i n er eine weib¬
liche Eizelle mit einem einzigen Spermium,
das sie über eine haarfeine Kanüle inji-
ziieren. Der in der Natur vorgesehene mil¬
lionenfache Wettlauf der Spermien zum Ei
wird dadurch zugunsten einer zuvor aus¬
gelesenen Samenzelle künstlich entschie¬
den. Auf diese Art können Männer Kinder
zeugen, deren Ejakulat nur sehr wenige
aktive Spermien enthält.
Die Lernkurve ist enorm steil, und
selbst die Leute, die scheitern,
haben soviel Erfahrung gewonnen,
dass sie zu den begehrtesten
Talenten auf dem Markt zählen.
DR. HENDRIK BRANDIS,
GRÜNDUNGSMITGLIED,
PARTNER
EARLYBIRD VENTURE CAPITAL
Identi ty-Hacker
Zukunftsvision eines Technikspezialisten,
der sich illegal Zugang zu den Aufzeich¬
nungen über unsere biologische Identität
verschafft. Je mehr Sicherheitssysteme
auf biometrischen Verfahren beruhen, des¬
to größer ist die Gefahr des Identitäts¬
diebstahls - schließlich ist es unmöglich,
sich eine neue Iris oder Hand zuzulegen,
wenn deren Code in die falschen Hände
geraten ist. Der zukünftig vorstellbare
öffentliche Verkauf von Identifikations-
daten zu Marketingzwecken (ähnlich den
Adressdaten) dürfte von massiven Protes¬
ten begleitet sein.
impfstoffhaltige
Lebensmittel
Nahrungsmittel, deren Erbgut dahinge¬
hend verändert wurde, dass sie Impfstof¬
fe bilden und damit vorbeugend gegen be¬
stimmte Krankheiten immun machen. Mit
der schmerzlosen Aufnahme des Impfstoffs
über die Nahrung soll nicht nur der Nadel¬
stich vermieden, sondern auch die Gefahr
von unerwünschten Impfnebenwirkungen
gesenkt werden.
in vitro/in vivo
[Lat. für: im Glas bzw. im Leben] Versuche
am vollständigen, unversehrten, lebenden
Organismus werden als In-vivo-Experi¬
mente bezeichnet. Beispiele sind die Her¬
stellung einer iLr ransgenen Ziege,
aus deren Milch man Antikörper gewinnen
möchte, oder aber auch die Arzneimittel¬
prüfung am lebenden Mensch oder Tier. In-
vitro-Experimente sind dagegen Versuche
an einzelnen Zellen, Geweben oder ganzen
Organen, die zum Zweck des Experiments
vorher einem vollständigen, lebenden Or¬
ganismus entnommen wurden. Die Versu¬
che werden isoliert vom Mutterorganismus
durchgeführt. Eine in-vitro-fer-
t i l i s a t i o n ist demnach eine außer¬
halb des Körpers der Mutter (extracorpo-
ral) auf künstliche Art und Weise durch¬
geführte Befruchtung.
IP-Produkt
[Abk. von engl. identity preser¬
ved = unveränderte Identität] Kenn¬
zeichnet Produkte, die nicht künstlich ge¬
netisch verändert wurden. Diese Idee geht
von der Vision aus, dass in Zukunft dieje¬
nigen nach dem IP-Label Ausschau halten
müssen, die keine genetisch modifizierten
Lebensmittel zu sich nehmen mögen. Da
11_g E N F o o D jedoch auf große Ableh¬
nung in der Bevölkerung stößt, wird es eher
bei der Tn o v e l - f o o d - Kenn¬
zeichnung bleiben als bei einer Eti¬
kettierung von „natürlichen" Lebensmitteln.
Iris-Code
[zu engl. i r i s = Iris und engl. c o d e =
Kode] Die Iris eines jeden Auges hat ein
absolut einzigartiges Muster und ist ein
besseres Identifikationsmerkmal als Fin¬
gerabdrücke. Die Suche nach Sicherheits¬
mechanismen und Methoden der unzwei¬
felhaften Identifizierbarkeit hat vielen
Unternehmen die Augen geöffnet. Das per
iris-scan gelesene Muster kann in
einen Code umgewandelt und gespeichert
werden. Einmal registriert braucht der Nut-
2 5 9
Die New Economy ist die Möglichkeit
und Chance mithilfe des technischen
Fortschritts und kreativen Ideen
Veränderungen der bis dato gültigen
Gesetze, Regeln und Verhaltens¬
weisen zugunsten der Verbraucher
herbeizuführen.
UWE GÜNTHER,
GRÜNDER
A C E N T R 0
zer fortan nur noch in das Auge einer Ka¬
mera zu blicken, und seine Identität wird
zweifelsfrei festgestellt, wenn ihm nicht
der iL_i D E N T i T Y - H A c K E R in die
Quere kommt.
Jungbrunnen-
cocktai l
Fantasietrunk, der die Hoffnung symbo¬
lisiert, die moderne Genforschung könne
in Zukunft Krankheiten und fortschreiten¬
des Altern aufhalten. Zurzeit werden Anti-
Aging-Therapien mit Hormomsubstitution
angeboten. Verabreicht werden „Hormon¬
cocktails", die auf den jeweiligen altersbe¬
dingten Verlust von körpereigenen Steuer¬
substanzen abgestimmt sind. Tatsache ist
und bleibt jedoch, dass jeder Mensch altern
und sterben wird. Auch mithilfe der Gen¬
technologie wird das Leben in Zukunft
wohl nicht ewig dauern.
Junk-DNS
[zu engl. j u n k = Trödel, Müll] Der grö߬
te Teil unseres Erbguts enthält Fragmen¬
te, die von den Zellen offenbar gar nicht
genutzt werden. So birgt ein menschlicher
Zellkern von einem hundertstel Millimeter
Durchmesser vermutlich 80 000 bis 100 000
Gene. Auf seiner zwei Meter langen DNS-
Doppelhelix wäre allerdings theoretisch
Platz für zwei Millionen Gene. Weil die Wis¬
senschaftler nicht wissen, warum ein Orga¬
nismus mit jeder Zellteilung 95 Prozent
Ballast weitervererbt, haben sie diesem
Anteil den Namen Junk-DNS gegeben. Ver¬
mutlich ist der „Trödel" eine Art Spielmas¬
se der Evolution, aus der hin und wieder
per Zufall Kombinationen entstehen, die
sich für das entsprechende Lebewesen als
hilfreich erweisen können. Ferner sagt man
ihr nach, dass sie als Baustoff für den Zell¬
kern diene und ihm Stabilität gebe.
K
2 6 0
Li fe-Sci
e n c e s
Keimbahnchi rurgie
Gentherapeutische Manipulation der
menschlichen Keimbahn, also der Ei- und
Samenzellen. Ein gelungener Eingriff in
die Keimbahn eines Menschen mit einer
E RBKRANKHEiT hätte zur Folge,
dass dieser nach dem Eingriff intaktes Erb¬
gut an seine Kinder und Kindeskinder wei¬
tergeben würde. Mit der Keimbahnchirugie
hofft man, die Menschheit von der Geißel
genetischer Erbkrankheiten zu befreien.
Kerntransfer
Befruchtete Eizellen enthalten einen Kern,
der die gesamte Erbinformation des Lebe¬
wesens enthält. Wird dieser Kern mit einer
Mikrokanüle herausgesaugt, bleibt eine
kernlose Zelle zurück, die bald absterben
würde. Sie lässt sich allerdings mit einem
völlig fremden Zellkern neu füllen und ent¬
wickelt sich dann ganz normal. Mit Hilfe
dieser Methode gelang es dem Briten Ian
Wilmut 1997, ein Schaf zu l o nie-
re n . Er verschmolz eine Euterzelle eines
sechsjährigen, drei Jahre zuvor geschlach¬
teten Schafes mit der entkernten Eizelle
eines zweiten Schafes und verpflanzte das
Fusionsprodukt in die Gebärmutter eines
dritten Schafes. Dort wuchs, als Tochter von
drei Müttern, eine eineiige, aber neun Jah¬
re jüngere Zwillingsschwester des ersten
Schafes heran: Das Klonlamm o l l y.
Klon
[zu griech. k l ö n = Schößling, Zweig]
Die Dublette eines Individuums. Gemeint
ist eine Gruppe genetisch identischer Zel¬
len oder Individuen, die durch asexuelle,
also nichtgeschlechtliche Vermehrung aus
einem gemeinsamen Vorläufer entstan¬
den sind. Umgangssprachlich ist ein Klon
ein Individuum, das genetisch identisch
mit seinem „Elter" ist (H_o o l l y ). Die
Klonierung speziell von Säugetieren hat
seit Mitte der 90er-Jahre für großes öf¬
fentliches Interesse gesorgt. Während das
Klonen von Nutztieren, z.B. einer ertrag¬
reichen Milchkuh, eine ethisch noch zu
verantwortende Anwendung darzustellen
scheint, ist das Klonen eines Menschen
zur Zeit weder technisch praktikabel noch
gesetzlich gestattet.
Knock-out-Maus
[zu engl. to knock o u t = außer Funk¬
tion setzen] Maus, bei der durch mole¬
kularbiologische Techniken die Funktion
eines T g e n s gezielt ausgeschaltet wur¬
de. Das äußere Erscheinungsbild der Maus,
z.B. frühzeitiges Altern oder Krankheits¬
erscheinungen, und eine detaillierte mo¬
lekular-biologische Untersuchung können
Aufschluss darüber geben, welche Funktion
das „ausgeknockte" Gen hat - bei der Maus
und aufgrund der relativ großen geneti-
sehen Verwandtschaft womöglich auch
beim Menschen. Die Erzeugung von Maus¬
mutanten ist ein wachsender Wirtschafts¬
zweig. Zahlreiche Firmen bieten mittler¬
weile gezielt genmanipulierte Mäuse oder
entsprechende embryonale Zellkulturen
kommerziell an.
Leaching
[zu engl. to l e a c h = bleichen] Auch
Bioextraktion. Manche Bakte¬
rien sind durch ihren Stoffwechsel dazu
fähig, aus schwach metallhaltigen Erzen
Metalle wie Kupfer, Zink, Nickel und Uran,
aber auch Gold und Silber zu lösen. Die
Bergbauindustrie nutzt dieses auch unter
dem Begriff erzlaugung bekannte
Verfahren dort, wo der Einsatz konventio¬
neller Bergbaumethoden wirtschaftlich
nicht vertretbar ist. In der Umwelttechnik
hat sich diese Form der Bioextraktion auch
bei der Sanierung metallkontaminierter
Böden bewährt. In Zukunft dürften auch
gentechnisch veränderte Mikroorganismen
verwendet werden, die eine höhere Gift¬
festigkeit gegenüber Metallen haben.
Li festyle-
Medi kament
Medikamente, die nicht der Bekämpfung
von Krankheiten, sondern der Verbesserung
des allgemeinen Wohlbefindens dienen.
M
2 6 1
Dazu zählen sowohl Kräuter, Naturextrakte
und Vitamine als auch Viagra, Prozac oder
Melantonin. Passend zu den Lifestyle-Me-
dikamenten etablieren sich immer mehr
Lifestyle-Medizindienstleister: Kliniken,
die nicht nur nach Funktionalität, son¬
dern auch nach ästhetischen Gesichts¬
punkten eingerichtet werden, Arztpraxen,
die sich in „Wohlfühllounges" verwandeln,
sowie Apotheken, die einem gestylten
Wellnesscenter ähneln.
Massen-
Spektrometrie
Analyseverfahren, mit dem sich die Häufig¬
keit und Größe von Molekülen bestimmen
lässt. Kombiniert mit Computern und Gas¬
chromatographen analysieren Massenspek¬
trometer routinemäßig und weitgehend
automatisch Gemische selbst kleinster
Mengen von Substanzen und werden in
der Prozesskontrolle, Kriminalistik, Um¬
weltanalytik und DNS-Analytik eingesetzt.
Mi lestone-
Payments
[zu engl. milestone = Meilenstein und
engl. payment = Zahlung] Zahlungen
für den Abschluss bestimmter vertraglich
festgelegter Forschungs- und Entwicklungs¬
abschnitte, die auch den weiteren Fortgang
unterstützen sollen. Kleinere Biotech-Un-
M
2 6 2
Life-Sci en
c e s
ternehmen erhalten immer wieder Meilen-
steinzahlungen von großen Pharmakonzer¬
nen, mit denen sie durch eine vertragliche
Kooperation verbunden sind. Die Pharma¬
riesen gliedern aufwendige Forschungs¬
projekte gern aus und fördern kleinere Bio¬
tech-Firmen, deren Forschungsergebnisse
sie wiederum nutzen dürfen. Beispielhaft
dafür ist die Kooperation zwischen dem
Biotech-Neuling Morphosys und dem Phar¬
mariesen Bayer, der die von Morphosys
entwickelten Technologien zur Herstel¬
lung von therapeutischen und diagnosti¬
schen Antikörpern in seinen Entwicklungs¬
programmen nutzen will.
Molekularbiologie
Unter den Naturwissenschaften ist die Bio¬
logie die Lehre vom Lebendigen. Als Zweig
davon beschäftigt sich die Molekularbio¬
logie mit den kleinsten biologisch aktiven
Einheiten von Lebewesen - den Molekülen.
Sie erforscht dabei, wie Stoffwechselprozes¬
se auf molekularer Ebene ablaufen, und un¬
tersucht insbesondere auch Struktur und
biologische Eigenschaften der T p ro¬
te i N E , der T D N s und der 11_r n s
sowie die Wechselwirkungen dieser Mo¬
leküle untereinander. Die moleku¬
lar g e n e t i k untersucht speziell die
molekularen Mechanismen, die der Ver¬
erbung zugrunde liegen.
Mutation
Jede Veränderung in der Basenabfolge,
der Sequenz, einer DNS bezeichnet man
als Mutation. Der Organismus oder die Zel¬
le, die diese Mutation trägt, heißt mu-
tante. Eine Mutation kann sich spon¬
tan ereignen oder durch die Einwirkung
eines so genannten mutagens, einer
chemischen Substanz oder eines physika¬
lischen Einflusses (radioaktive Strahlung),
induziert werden. Mutagene erhöhen die
natürlich vorhandene Mutationsrate um ein
Vielfaches und sind nicht selten der Grund
für Mutationen, durch die die Wachstums¬
kontrollmechanismen einer Zelle außer
Kraft gesetzt werden können, was unge¬
hindertes Zellwachstum bzw. Tumorentste¬
hung zur Folge haben kann. Für Forschungs¬
zwecke werden häufig künstlich erzeugte
Mutanten eingesetzt.
Nanobi o -
technologie
[zu griech. n ä n o s = Zwerg] Interdiszi¬
plinäre Zusammenarbeit von T b i o -
Technologie und Nanotechnologie.
An der Schnittstelle zwischen den beiden
Forschungsgebieten liegt ein enormes Ent¬
wicklungspotenzial, da sich T s y n e r -
gieeffekte durch die Verbindung
von physikalischen Verfahren mit biolo¬
gischen Objekten und biochemischen Sub-
2 6 3
stanzen auftun. Die molekulare Maschinen¬
technologie, die bei der Entwicklung von
T_b i o c h i p s eingesetzt wird, ist cha¬
rakteristisch dafür. Die enge Zusammenar¬
beit von Molekularbiologen, Pharmazeu¬
ten, Physikern, Biochemikern, Medizinern,
Ingenieuren und weiteren Wissenschaft¬
lern eröffnet für die Nanobiotechnologie
insbesondere in der T.b ioelektro-
n i k , der Medizin und der Gentechnik neue
Wege und Möglichkeiten.
Neurobionik
Zusammengesetzt aus Neurologie,
Biologie und Technik. Bezeich¬
nung für eine Wissenschaft, die sich um
Erforschung und Bereitstellung techno¬
logischer Ersatzlösungen bei neurologi¬
schen Störungen kümmert und mithilfe
der T c H i p-CH I RURG i E zum Ein¬
satz bringt. Über einen implantierten Chip
wird beispielsweise versucht, einem quer¬
schnittsgelähmten Menschen das Gehen
zu ermöglichen.
Neurochip
Weil Nervenzellen über elektrische Im¬
pulse miteinander kommunizieren, können
Implantate aus Siliziumchips in diese Ver¬
ständigung eingreifen und damit zerstör¬
te Nervenleitungen überbrücken. Wenn Ner¬
venzellen auf der Oberfläche dieser Chips
Mit Dienstleistungen kann man
kein dauerhaftes Geschäft aufbauen
und keine Forschung finanzieren.
Also muss man möglichst schnell
eigene Produkte auf den Markt bringen.
DR. PETER HEINRICH,
GRÜNDUNGSMITGLIED, CEO
MEDIGENE AG
anwachsen, können sie als Signalgeber oder
-empfänger funktionieren. Neurochips wer¬
den in der H_n europrothetik
genutzt. Zukunftsforscher denken schon an
Neurochips, die die Leistung von Gedächt¬
nis und Bewusstsein erweitern oder sogar
zwei Gehirne zum Zwecke der Datenüber¬
tragung miteinander verbinden sollen.
Neuroinformatik
Wissenschaftsrichtung, die mathemati¬
sche Rechenverfahren (Informatik) mit der
N
2 6 4
Life-Scien
ces
Wirkungsweise von neuronalen Netzen, wie
dem menschlichen Nervensystem verknüpft.
Mit neuroinformatischen Methoden lassen
sich etwa die Bewegungskoordination, die
Orientierung im Raum und die Hindernis¬
vermeidung von Robotern steuern. Mit Un¬
terstützung der Neuroinformatik ließen
sich aber auch Fahrpläne der Deutschen
Bahn erstellen, bei denen vom ICE bis zum
Busverkehr auf dem Land alle Verkehrsmit¬
tel sorgfältiger, als es heute möglich ist,
aufeinander abgestimmt wären.
Neuroprothetik
Klassische Prothesen, wie das Holzbein des
Piratenkapitäns, sind künstliche, tote Er¬
satzteile für einen geschädigten Körper.
Inzwischen aber lassen sich mit Hilfe der
Neuroprothetik amputierte Gliedmaßen,
Augen oder Muskeln regelrecht ersetzen.
In diesen Prothesen sitzen 1s n e u ro¬
ch i p s, Mikroprozessoren und Elektromo¬
toren, die mit dem zentralen Nervensystem
vernetzt sind und so verloren gegangene
Funktionen ersetzen. Mittlerweile können
selbst vollständig gelähmte Patienten mit
der Kraft ihrer Hirnströme einen Compu¬
ter dirigieren und so mit ihrer Umwelt
kommunizieren. In sonst bewegungslosen
Muskeln von Schlaganfallpatienten oder
Querschnittsgelähmten wollen Neuropro-
thetiker zukünftig reiskorngroße Elektro¬
den einpflanzen, die von den Patienten
selbst gesteuert werden.
Novel-Food-
Verordnung
[zu engl. n o v e l = neuartig und engl.
f o o d = Essen] EU-verordnete Kennzeich¬
nungspflicht für gentechnisch veränderte
Lebensmittel. Die „neuartigen Lebensmit¬
tel" müssen ein Genehmigungsverfahren
durchlaufen, bevor sie auf den Markt kom¬
men. Praktisch wird sich durch die Novel-
Food-Verordnung jedoch so schnell nichts
ändern, da sie eine Vielzahl von Schlupf¬
löchern bietet. Von Kritikern wird sie daher
auch gern als „Mogelpackung" bezeichnet.
So besteht für genmanipulierte Zusatz¬
stoffe, Enzyme und Aromen z.B. keine
Kennzeichnungspflicht. Ferner fehlt eine
einheitliche Sprachregelung bei der Kenn¬
zeichnung. Die Industrie selbst darf in die¬
sem Punkt mitmischen und lässt der Krea¬
tivität freien Lauf. Ihre Vorschläge für die
Etiketten von T g en food sind eher
kaufanregend denn abschreckend, z.B.
„mit moderner Biotechnologie erzeugt",
„ernährungsphysiologisch optimiert" oder
„nachhaltig umweltfreundlich produziert".
Nutriceuticals
[Zusammenziehung aus engl. nutri-
t i o n = Ernährung und engl. pharma-
p
2 6 5
ceuticals = Arzneimittel] Weil vor al¬
lem die US-amerikanische Gesellschaft nach
immer mehr Fitness, Wohlbefinden, Leis¬
tungsfähigkeit und guter Ernährung giert,
haben clevere Food-Designer Mischungen
aus Vitaminen, Spurenelementen, Antioxi¬
dantien und anderen Wirkstoffen kompo¬
niert, die sich positiv auf die Konzentra-
tions- und Erinnerungsfähigkeit auswirken
und Alterungsprozessen entgegenwirken
sollen. Was die Nutriceuticals genannten
Elixiere wirklich taugen, ist allerdings mehr
als fraglich. Wirkungsvollere, aber auch kei¬
ne universell nutzbaren Wundermittel sind
nach Meinung von Ernährungsspezialisten
Naturprodukte mit erwiesener Wirksam¬
keit wie Brokkoli, Algen, Knoblauch oder
Sojasprossen.
Die New Economy ist für mich
die Wiedergeburt des Pionier-
Unternehmertums.
FRANK A . ROTHAUGE,
LEITER TECHNOLOGIE
RESEARCH
SAL. OPPENHEIM J R. & CIE.
Patent
Firmen wie Incyte oder Celera Genomics,
die Erbgut Ts equenzieren, melden
den T G ENETiscHEN code tausen-
der Gene vorsorglich zum Patent an. Sie
verlangen Lizenzgebühren für den Fall, dass
Dritte mit dieser Information kommerzielle
Produkte wie Diagnostika oder Medikamen¬
te entwickeln. Ob diese Patente genehmigt
werden, etwa vom Europäischen Patentamt
oder dem US-Patentamt, ist noch offen. Kri¬
tiker verweisen darauf, dass Gene Produk¬
te der Natur sind, die seit Jahrmillionen
existieren und, wie beispielsweise eine neu
entdeckte Pflanze, prinzipiell nicht paten¬
tierbar sind. Die Unternehmen wollen aber
aufgrund ihrer hohen Forschungsaufwen¬
dungen die Sicherheit, dass sie und nicht
irgendwelche Trittbrettfahrer von ihren
Erkenntissen profitieren.
PCR
[Abkürzung von engl. Polymerase
Chain React ion = Polymeraseket¬
tenreaktion] Labortechnik, die es ermög-
2 6 6 Life-Scien
Licht, in kürzester Zeit winzige Mengen
einzelner DNS-Sequenzen millionenfach zu
vermehren und so nachweisbar zu machen.
Mit ihr lassen sich Gendefekte finden, aus
Speichelproben die Vaterschaft klären
Oder 11_G ENETISCHE FINGERAB¬
DRÜCKE für die Kriminalistik erstellen.
Erfunden hat die Methode 1983 der ex¬
zentrische US-amerikanische Biochemiker
Kary Mullis. Die Biotech-Firma Cetus, für
die er damals arbeitete, verkaufte das PCR-
Patent später für 300 Millionen Dollar an
den Schweizer Pharmariesen Hoffmann-La
Roche. Mullis sah davon keinen Cent, er¬
hielt aber für seine Entdeckung 1993 den
Nobelpreis. Seither hat er der Wissenschaft
den Rücken gekehrt.
personalisierte
Medizin
Maßgeschneiderte Arzneimittel, die entspre¬
chend der genetischen Prädispositionen
für jeden Patienten individuell zusammen¬
gestellt werden. Mithilfe des geno¬
typings bestimmen 1L_p harmako-
genetiker, welches Medikament in
welcher Dosierung für den einzelnen Men¬
schen am besten geeignet ist. Herkömm¬
liche Arzneimittel sind nämlich auf den
Durchschnittspatienten abgestimmt, so¬
dass die erhoffte Wirkung nicht immer op¬
timal ist.
ces
Pharmacoeconomi cs
[Zusammenziehung aus engl. pharma¬
cology = Pharmazie und engl. eco¬
nomics = Wirtschaft] Pharmakoöko¬
nomie. Diese Disziplin stellt sich ebenso
wie die „normale" Wirtschaft vor die Kos¬
ten-Nutzen-Frage. Ist ein bestimmtes Me¬
dikament den Entwicklungsaufwand wert,
das heißt, nützt es etwas, können die
Kosten gedeckt werden, oder gibt es ver¬
träglichere und günstigere Alternativen?
Dabei muss berücksichtigt werden, dass
es sich nur bei wenigen Arzneimitteln
um T-B lockbuster-medika-
mente handelt. Viele Arzneien decken
den hohen Forschungsaufwand nicht, wenn
die Nachfrage zu gering ist oder sie wie
im Fall der Abtreibungspille Mifegyne zu
selten verschrieben werden. Die Blockbus¬
ter-Arzneien tragen also auch den Auf¬
wand für andere Medikamente. Forschun¬
gen für eine sehr seltene Krankheit fallen
entsprechend geringer aus.
P h a r m e r
[Zusammenziehung aus Pharmazie
und Farmer] Mit diesem Begriff wer¬
den die Landwirte bezeichnet, die sich auf
T nutriceuticals spezialisiert
haben. Der Pharmer ist es, der in Zukunft
hormon-, vitamin- oder enzymangereicher¬
tes Gemüse, Obst oder Getreide anbaut.
p
2 6 7
New Economy bedeutet für mich die
Steigerung wirtschaftlicher Produk¬
tivität und Effizienz durch den Einbau
neuer Technologien, das Aufbrechen
traditioneller Strukturen zugunsten
flexiblerer Organisationseinheiten mit
höherer Eigenverantwortung.
PROF. DR. BERND R. SEIZINGER,
GRÜNDER, CEO
GPC BIOTECH AG
Pharmakogenetik
Wissenschaftlicher Zweig der Pharmakolo¬
gie, der sich mit der Entwicklung, Herstel¬
lung und Verabreichung von Medikamen¬
ten beschäftigt, die auf das persönliche
Genprofil eines Patienten zugeschnitten
sind. Während sich in der Vergangenheit
die Medikamentierung lediglich an Alter,
Geschlecht, Größe und Gewicht des Patien¬
ten orientierte, ist es das Ziel der Pharma¬
kogenetik, Medizin zu entwickeln, die sich
an der individuellen genetischen Ausstat¬
tung eines jeden Menschen orientiert, um
maximale Wirkung mit minimalen Neben¬
wirkungen zu erzielen. Man kann in diesem
Zusammenhang von einer Feinjustierung der
medikamentösen Behandlung sprechen.
Pipelinescore
[zu engl. pipeline = (Rohr)leitung,
Pipeline und engl. s c o r e = Stand] Grö¬
ße zur Analyse von Pharma- und Biotech-
Unternehmen. Für die Pipelinescore wer¬
den alle Produkte des Unternehmens den
Stadien Forschung/Entwicklung, Zulas¬
sung (mit vorlinischer/klinischer Prüfung),
Markteinführung und Marktetablierung zu¬
geordnet und entsprechend mit Punkten
bewertet. Der erreichte „Score" zeigt, wie
stark das Unternehmen in welchem Bereich
engagiert ist, und ist damit eine wichtige
Entscheidungshilfe für Investitionen.
Post-Genom -Ära
Wenngleich die ll_s equenzierung
ganzer Genome ihre Bedeutung be¬
halten wird, wird sich doch der Schwer¬
punkt des Interesses in der nun folgenden
Post-Genom-Ära hin zu der Analyse von In¬
teraktionen und Funktionen von T g e -
N E N und 1Lp r o t e i n e n verlagern.
Dies geschieht mit dem Ziel, neue Targets
2 6 8
Li f
e - S c i e n
c e s
für neue Medikamente zu entwickeln.
Kind der Post-Genom-Ära ist die T p ro¬
te o M I K.
Präimplantations-
diagnostik (PID)
Genetische Untersuchung einer oder meh¬
rerer T in vitro befruchteter Em¬
bryozellen vor der Implantation. Krank¬
heiten mit genetischer Ursache oder das
Geschlecht des Kindes können so festge¬
stellt werden. Wird dabei entdeckt, dass
der Embryo von der untersuchten gene¬
tischen Störung betroffen ist, wird kein
Transfer in die Gebärmutter durchgeführt.
Die PID an t t otipotenten em¬
bryonalen Zellen ist nach dem Embryo-
nenschutzgesetz in Deutschland jedoch
(noch) verboten. Gefahr der PID ist eine
ENETISCHE DISKRIMINIE¬
RUNG schon vor der Geburt und langfris¬
tig die Schaffung einer genetisch „ein¬
wandfreien" Gesellschaft.
Prion
1982 meldete sich der US-amerikanische
Wissenschaftler Stanley Prusiner mit ei¬
ner ziemlich verrückten Idee zu Wort:
Hinter ein paar geheimnisvollen Krank¬
heiten, die das Gehirn befallen, vermute¬
te er „infektiöse Proteine", Eiweißstoffe,
die sich eigenständig vermehren. Die Vor¬
stellung von sich selbst replizierenden
Proteine n war ein krasser Ver¬
stoß gegen das Dogma der dL_M o l e -
KULARBiOLOG i E, nach der Proteine
einzig auf Basis der T p n s entstehen
können. Heute ist in groben Zügen klar,
wie Prionen Krankheiten auslösen: Be¬
stimmte Proteine, die in ihrer dreidimen¬
sionalen Struktur falsch gefaltet sind, füh¬
ren zu schweren Funktionsstörungen im
Gehirn. Obendrein sorgen die gestörten
Proteine dafür, dass abnormale Schwes¬
terproteine sich ebenfalls zu Prionen um¬
strukturieren. So breiten sich die gefähr¬
lichen Substanzen wie eine Infektion in
einem befallenen Organ aus - und sie kön¬
nen auch auf andere Organismen über¬
springen. Bekanntestes Beispiel für eine
Prionenseuche ist der Rinderwahnsinn
BSE (Bovine Spongiforme Enzephalitis),
der befallene Tiere an Gehirnzersetzung
verenden lässt. 1997 hat Stanley Prusiner
den Nobelpreis für seine mittlerweile ge¬
sicherte Theorie erhalten.
Protein
[zu griech. p r ö t o s = erster] Eiweiße.
Proteine sind als organische Hauptbe¬
standteile die elementaren Funktions- und
Bauelemente der Zelle und entstehen durch
die reihige Verknüpfung von zwanzig ver¬
schiedenen Aminosäuren. Proteine unter¬
2 6 9
scheiden sich insbesondere durch die An¬
zahl und Kombination der Aminosäuren,
deren Anordnung wiederum durch die Ba¬
senabfolge der DNS vorgegeben ist.
P r o t e o m
Der Begriff Proteom wurde 1995 von dem
Australier Marc Wilkins geprägt. Er um¬
schreibt das vollständige individuelle Pro¬
teinspektrum einer Zelle oder eines Or¬
ganismus. Jede der ca. 210 verschiedenen
Zelltypen im menschlichen Körper benutzt
verschiedene Proteine mit unterschied¬
lichen Funktionen im Stoffwechsel. Das
Proteinexpressionsmuster jeder einzelnen
Zelle heißt Proteom.
Proteomi k
Die Proteomik befasst sich mit der Analy¬
se von T p roteomen, also mit der
Identifizierung und Charakterisierung von
Lproteine n sowie deren Funktion
und Wechselwirkung untereinander. Die
Proteomanalyse ist die logische wissen¬
schaftliche Konsequenz aus der Entschlüs¬
selung des 11_G enoMS. Sie ist der
Schritt hin zu der Frage, welches T g e n
beziehungsweise Protein für welche Krank¬
heit in welcher Weise verantwortlich ist
und welche pharmakologischen Targets
sich anbieten, (s. a. T_h umane ge¬
nome project)
Reproduktions¬
medizin
Neben der gängigen Methode, Nachwuchs
durch Sex zu produzieren, haben Medizi¬
ner und Biologen reproduktionsmedizini¬
sche Verfahren entwickelt, bei denen die
Fortpflanzung vom Schlafzimmer ins Labor
verlagert wird. Dazu gehören T i n - v i -
T R o- Befruchtung, Leihmutterschwanger¬
schaften, T.. I C S I Und /F E MBRYO-
splitting. Manche Wissenschaftler
glauben, dass die Fortpflanzung zukünf¬
tig sogar völlig vom Sex getrennt sein
wird: Nach diesem Szenario lassen sich
Frauen in jungen Jahren Eizellen entneh¬
men; Männer lagern Spermien ein und las¬
sen sich danach sterilisieren. Wann im¬
mer der Wunsch nach Kindern aufkeimt,
besorgen Reproduktionsmediziner eine
N-VITRO-FERTI LISATION,
wobei Ei- und Samenzellen von beliebigen
Spendern kombiniert werden können, und
Frauen tragen ihr Wunschkind aus. Brave
New World lässt grüßen.
R N S
Ribonukleinsäure. Das langket-
tige, informationstragende Erbmolekül
T d n s ist zwar das wichtigste aller Bio¬
moleküle, ohne RNS bleibt die „Bibliothek
des Lebens" jedoch ungelesen und unüber¬
setzt. Die RNS unterscheidet sich von der
2 7 0
Life-Sci
e n c e s
DNS durch das Vorhandensein eines an¬
deren Zuckers und die Verwendung der Ba¬
se Uracil statt Thymin. In ihrer Funktion
als Boten-RNS fungiert sie als Nachrich¬
tenüberträgerin, indem sie Gene der DNS
transkribiert, also abschreibt und an den
Ribosomen in ein Protein translatieren,
also übersetzen lässt.
Roboti k
Die Robotik ist eine sich rasant entwi¬
ckelnde wissenschaftliche Disziplin, die
11_K ÜNSTLICHE INTELLIGENZ,
Computerwissenschaften, Mechanik, Nano¬
technologie, Psychologie, Anatomie, De¬
sign, Biologie, Neurophysiologie, Lingu¬
istik und viele weitere wissenschaftliche
Felder involviert. Ihre interdisziplinäre
Forschung will Maschinen konstruieren,
die intelligente, lernfähige, mechanische
Einheiten mit lebensnahem Verhalten ver¬
einen. Die Roboter sollen den Menschen
sowohl in der alltäglichen Umgebung als
Haushaltshilfe oder am Arbeitsplatz un¬
terstützen als auch als nanotechnologisch
konstruierter Kleinstroboter körperliche
Disfunktionen (l\c hipchirurgie)
ausgleichen.
rote Gentechnik
Bezeichnung für die Anwendung von Me¬
thoden der Gentechnik in der Medizin, vor
allem der Human- aber auch der Veteri¬
närmedizin. Wie die T .grüne Gen¬
technik stößt auch die rote Gentech¬
nik in der Gesellschaft auf unterschiedliche
Meinungen. Die einen befürchten eine
't G ENETISCHE DISKRIMINIE¬
RUNG, die anderen hoffen auf Heilungs¬
mittel gegen Krankheiten wie Krebs, Aids
und Alzheimer. Die rote Gentechnik stößt
gemeinhin auf geringere Ablehnung als
die grüne.
Screening
[zu engl. to screen = sieben, sich¬
ten, überprüfen] Systematische Reihen¬
untersuchung von Molekülen in Bezug auf
spezielle Eigenschaften. Beim Erbgut-
screening wird die DNS auf ein be¬
stimmtes genetisches Merkmal hin unter¬
sucht mit dem Ziel, genetische Faktoren
zu ermitteln, die beispielsweise bei Men¬
schen mit einer Erkrankung häufiger auf¬
treten als bei gesunden. Einsetzbar ist das
Screening auch in der Kriminalistik, wo
ein Täter durch Massen-DNS-Tests über¬
führt werden kann.
Sequenzdatenbank
In Sequenzdatenbanken werden Sequen¬
zen gesammelt und dokumentiert. Eine Vor¬
aussetzung für eine vergleichende Analy¬
se von Sequenzen (Sequenzdatenanalyse)
s
2 7 1
ist der freie Zugriff auf Sequenzdatenban¬
ken, etwa über das Internet. Seit Veröf¬
fentlichung der ersten Sequenzen biologi¬
scher Makromoleküle wie p r o t e i n e
und DNS wächst die Menge der analysierten
Sequenzen exponentiell. Die Sequenzdaten¬
bank des Europäischen Molekularbiologie-
Labors (EMBL) in Heidelberg verdoppelte
in den 90er-Jahren ihren Datenbestand et¬
wa alle zwölf Monate, was die weltweiten
wissenschaftspolitisch bedingten Anstren¬
gungen zur Sequenzierung ganzer Geno¬
me widerspiegelt.
Sequenzi erung
Unter Sequenzierung versteht man grund¬
sätzlich die Bestimmung der Basenabfolge
eines T d n s-Moleküls bzw. der Abfolge
der Aminosäuren in einem ll_p r o t e i n.
Im Jahre 1975 legte der englische Chemie-
Nobelpreisträger Fred Sanger mit der Ent¬
wicklung seiner Sequenzierungsmethode
(Sanger- Methode) den Grundstein für das
mächtigste Werkzeug zur Analyse der Pri¬
märstruktur der DNS. Sanger freute sich
damals über die Sequenzierung von fünf
Bausteinen in einer Woche. Heute ist die
Sequenzierung tausender Bausteine in
einer Minute möglich. Es werden verschie¬
denste Methoden zur Sequenzierung gan¬
zer T g E non E mit Milliarden von Bau¬
steinen eingesetzt. Die von Craig Venter zur
New Economy bedeutet: Einsatz
neuer Technologien von der Forschung
bis zur Produktvermarktung mit
frischem Unternehmergeist, um die
traditionslastige Pharmaindustrie
zu revolutionieren.
DR. SIMON MORONEY,
VORSTANDSVORSITZENDER
MORPHOSYS AG
Sequenzierung des menschlichen T g e -
Noms angewandte Methode ist die so
genannte SHOT-GUN-METHODE.Sie
basiert auf der möglichst statistischen
Zerkleinerung des Genoms in kleine Frag¬
mente sowie deren Sequenzierung und
Zusammensetzung wie bei einem Puzzle.
SNP (Snips)
Abkürzung für den englischen Ausdruck
„single nucleotide polymorphism". SNPs
sind die minimalen Unterschiede im Erb¬
2 7 2
Life-Sei ences
gut verschiedener Menschen, die die In¬
dividuen so unverwechselbar machen. Man
schätzt, dass etwa jeder tausendste der
mehr als drei Milliarden Bausteine der
menschlichen DNA ein SNP ist. Demnach
machen nur 0,1% unseres Erbguts die
Individualität eines Menschen aus. Die
Wissenschaft zielt darauf, diese SNPs im
menschlichen T g e nom zu lokalisieren.
Tissue-
Engineering
[zu engl. t i s s u e = Gewebe und engl.
engineering = Technik] Heute kön¬
nen ganze Gewebeverbände und Organe
im Labor gezüchtet und vermehrt werden.
Ursprung dieser Gewebe sind Körperzellen
eines Patienten, dem so nach der Vermeh¬
rung „eigenes" Gewebe transplantiert wer¬
den kann. Die größten Erfolge werden bei
der Produktion von Haut, z.B. für Verbren¬
nungsopfer, und von Knorpel für Patien¬
ten mit Gelenkerkrankungen erzielt. Eine
Reihe junger Biotechnologiefirmen ver¬
sucht, die Züchtung von Gewebematerial
als Dienstleistung auf dem Markt zu eta¬
blieren. Hinter dieser Technik verbirgt sich
ein großes Marktpotenzial.
Totipotenz
[zu lat. t o t u s = ganz und lat. p o t e n s
= fähig] Direkt nach der Verschmelzung ei¬
ner Ei- und Samenzelle besteht ein Embryo
noch aus totipotenten, also alles können¬
den Zellen. Nur in diesem Zustand können
- natürlicherweise oder im Reagenzglas
mithilfe des 11_e mbryosplitting
- durch Teilung des Embryos Mehrlinge
entstehen. Im Laufe der 11_e mbryo-
genese verlieren totipotente Zellen ih¬
re Alleskönner-Eigenschaft und 1L_d i f -
FERENZiEREN zu spezialisierten
Körperzellen, etwa zu Leberzellen und
Knorpel. In ihnen sind jeweils nur die dort
notwendigen Gene an- und alle anderen
abgeschaltet. Beim i_K lonieren aus
Körperzellen müssen die bereits diffe¬
renzierten Zellen in den undifferenzierten
Alleskönner-Zustand zurückversetzt wer¬
den. Dies gelang entgegen allen Erwartun¬
gen dem britischen Wissenschaftler Ian
Wilmut 1997 erstmals beim Klonieren des
Schafes mit der offiziellen Laborbezeich¬
nung 6LL3/3, besser bekannt unter dem
Namen T d o l l y.
transgene
Organi smen
Grundsätzlich handelt es sich hierbei um
Organismen, deren Erbgut künstlich hinzu¬
gefügte Erbinformationen enthält. Entwe¬
der werden die fremden DNS-Sequenzen,
die Transgene, in die Keimbahn eines Or¬
ganismus eingeführt (vertikaler
V
2 7 3
gentransfer ), beispielsweise per
Mikroinjektion in die befruchtete Eizelle
eines Tieres, oder aber außerhalb der Keim¬
bahn (T_H ORIZONTALER GEN-
TR A N S F E R) mittels eines geeigneten
Transportvehikels (i—v e k t o r ) über¬
tragen, beispielsweise in die Lunge eines
an Muskoviszidose erkrankten Menschen
(±_JG E N T H E r A p i E). Bei Pflanzen gibt
es die Möglichkeit, über Bakterien oder
über eine Genkanone die fremde DNA zu
übertragen. dt_K nock-out-mäuse
sind transgene Tiere, die „Gentomate" oder
die „Impfmöhre" transgene Pflanzen.
Vektor
Die wissenschaftliche Bezeichnung für
eine g e n f ä h r e ist Vektor. Gemeint
sind Vehikel, in die T dns eingebaut
werden kann, welche dann in dieser Form
zum Zweck der Vermehrung oder der Pro¬
duktion eines t p r o t e i n s in Zellen
eingeschleust wird. Genfähren, dns-
shuttle oder Vektoren sind die Werk¬
zeuge der T G entherapie. Belieb¬
te Vehikel sind Plasmide oder Viren, deren
DNS mit einer bestimmten zusätzlichen
Gensequenz ausgestattet wird, um bei¬
spielsweise das Fehlen eines Proteins in
einer Zelle mithilfe der eingeschleusten
DNS zu komplementieren und so ein gene¬
tisch bedingtes Leiden zu heilen.
Die New Economy bedeutet für mich,
als Ärztin Unternehmerin zu werden
und meinen Traum von den Mög¬
lichkeiten des Tissue-Engineering
zu verwirklichen.
DR.ESZTER tänczos,
VORSTAND
BIOTISSUE TECHNOLOGIES AG
virtuelle Haus¬
apotheke
Ein personalisierter Medizinschrank mit
Internetanbindung. Die virtuelle Hausapo¬
theke erkennt ihre Patienten am Finger¬
abdruck, ist in der Lage, Kontrolluntersu¬
chungen (wie die Messung von Blutdruck,
Cholesterin und Temperatur) selbstständig
durchzuführen und die Ergebnisse an¬
schließend automatisch via E-Mail an den
Hausarzt zu verschicken. Darüber hinaus
kommuniziert die virtuelle Hausapotheke
w
2 7 4
Li f e - S c i
e n c e s
mit ihren Nutzern: Sie erinnert sie an die
Untersuchungen und die Einnahme von
Medikamenten, hält personalisierte Infor¬
mationen, aktuelle Warnhinweise oder das
Biowetter bereit, und bestellt automatisch
Medikamente bei einer nahe gelegenen,
vernetzten Apotheke nach, wenn sie zur
Neige gehen.
W e t w a r e
[Zusammenziehung aus engl. wet =
feucht und Software] Software, die
organische Materie mit konventioneller
Hardware verbindet. Bill Ditto und andere
Wissenschaftler des Georgia Institute of
Technology arbeiten an der Entwicklung ei¬
nes hybriden Biocomputers, der Neuronen
(Nervenzellen) zum Verarbeiten von Infor¬
mation verwendet. Die Software, die die
Neuronen mit dem Rechner verbinden, wird
Wetware genannt. Das Ziel des Projektes
sind Chips, die dem menschlichen Gehirn
ähneln, also Computer, die denken und ler¬
nen können und kreative Fähigkeiten ha¬
ben. Der Leiter des Projekts Bill Ditto rech¬
net jedoch selbst nicht mit einer Marktreife
des T B i o COMPUTERS vor 2010.
X e n o -
transplantation
[zu griech. x e n o s = fremd und lat.
tra n s p la n ta re = verpflanzen] Un¬
ter Xenotransplantation versteht man die
Verpflanzung von tierischen Zellen und Or¬
ganen auf den Menschen. Ständig wächst
der Bedarf an menschlichen Ersatzorga¬
nen für die Transplantation. Um dem nach¬
zukommen, wird die Übertragbarkeit von
tierischen Organen geprüft. Es besteht je¬
doch die Gefahr, dass diese Organe vom
menschlichen Körper abgestoßen werden
bzw. Viren enthalten, die beim Menschen
Krankheiten hervorrufen - Gefahren, die
man auch mithilfe der Gentechnik in den
Griff zu bekommen hofft. Die gruselig an¬
mutende Vision, ein Schweineherz in einen
Menschen zu implantieren, ist gleichzeitig
eine große Chance für Menschen mit de¬
fekten Organen, die ohne eine Transplan¬
tation sterben würden.
Zel Itransplan-
tationstherapie
Gewöhnlich haben alle Körperzellen eines
Erwachsenen ihre Tjtotipotenz ver¬
loren und sind für bestimmte Aufgaben
spezialisiert. Eine Ausnahme bilden die
Stammzellen, die vor allem im Knochen¬
mark vorkommen. Aus ihnen können sich
noch die verschiedensten Zelltypen bil¬
den. Deshalb entnehmen Ärzte beispiels¬
weise Krebspatienten, die mit einer extrem
hohen Dosis an Strahlen oder Medikamen¬
ten behandelt werden, zuvor Blutstamm-
2
2 7 5
Für mich als Gründer eines biopharma¬
zeutischen Unternehmens bedeutet
die New Economy die Möglichkeit,
neuartige Therapeutika für lebensbe¬
drohende Krankheiten schneller und
billiger als bisher finden, entwickeln
und vermarkten zu können.
DR. WOLFGANG RICHTER,
GRÜNDER, VORSTAND
MORPHOCHEM AG
zellen, die sie nach der Therapie zurück in
das Knochenmark transplantieren. Aus dem
Transplantat kann dann im Erfolgsfall ein
neues intaktes Blutsystem entstehen. In
Zukunft wollen Wissenschaftler aus Stamm¬
zellen ganze Organe züchten, die sich spä¬
ter verpflanzen lassen. Ein ganz entschei¬
dender Vorteil dabei wäre, dass dann mit
körpereigenem Zellmaterial gearbeitet
werden würde.
Zulassungsrisiko
Eines der Risiken bei der Investition in
die Biotechnologie-Unternehmen ist das
Zulassungsrisiko eines neu entwickelten
Medikaments. Erst mit dem Erhalt der Zu¬
lassung durch die zuständige Behörde
(BfArM in Deutschland, EMEA in Europa,
FDA in den USA) kann die Vermarktung des
Mittels erfolgen. Vorher wissen weder Un¬
ternehmen noch Anleger, ob sich der For-
schungs- und Herstellungsaufwand ren¬
tiert. Das Unternehmen selbst hat keinen
Einfluss auf die Behörde. Von objektiver
Seite wird geprüft, ob das Medikament den
Zulassungskriterien (Sicherheit, Wirksam¬
keit, keine bis geringe Nebenwirkungen)
entspricht. Wird ein Produkt abgelehnt,
kommt es oft zu einem Kurssturz. Für klei¬
nere Unternehmen kann dies sogar das
Aus bedeuten.
2 7 6
r
'M u~.
IfL T_W ÖRTER
nsen die roten
iftion sind mit ei>
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Die folgenden rund 1.000 Wörter finden Sie in qiesem Buch in sechs Katyite
mit einer eigenen Defini
Seitenzahlen darauf. B E
haben lediglich schwarze Seitenzahlen.
sehen. Im Register vqrwe'
n Definitionen verarbeitet oder erklärt sind,
A
1-to-l-Marketing 1 75
24/7/365 35
above the line 152
Accelerator 1 2 6
Access-Provider 5 0
Account 18
Acquisition and Deve¬
lopment 236
Adclick 1 50,1 52,1 56
Added Value 1 91
Ad-hoc-Mitteilung
66.106.144
Adimpression 1 5 0
Adress-Spoofing 5 4
Adserver 1 50
Adserving 150,186
Adtargeting 1 5 0
Advertorial 1 5 0
Adview 150,152,186
Affiliate Program 1 8
Affluenzia 62
After-Work-Clubbing
62
Agent 1 8,23,28,
37,49,184
Akquise 1 51
Aktienanalyse, funda¬
mentale 123,124
Aktienanalyse, techni¬
sche 109,110,113,
124.125.126.144
Aktienoption 142
Ambient Advertising
151
Ambiguitätstoleranz
194,221
Analyst 106,108,
114,115,120,122,
126.144
Angel-Funding 1 06,
112,142
Application-Server 5 2
Aquapharmazie 236
Aromascanner 236
Ask-Price 106,108,
109,141
Assessmentcenter 1 94
Attachment 18,69
Auction-Economy
18,58
Autopoiese
194,223,226
Avatar 1 9
Awareness 1 5 2
B
B2B19,20,32,34,
36,49,64,145
B2C19,20,34,35
B2E 20,34
B2G 34
Backbone 20,43
BackOffice 62,76
Bad Link 20,74
Baisse 107,114,129
Bandbreite 18,20,
21,42,169
Banner 44,46,57,
150,152,156,169,
181,189,190
Banner-Burnout 1 52
Bannerfriedhof 1 5 2
Bär 107,111,
132,140
Bärenfalle 1 07
Bargaining 1 5 3
BBB-Modell 243
Bear 107
bearish 107
Beautycontest 108
below the line
152,163,168,178
Benchmarking
182,195
Benefit 1 5 3
Benefitting 1 5 3
Best Practice 19 5,219
Best-Price-Shopping
153,177
Betafaktor 1 08
Betaversion 21 ,
1 64,170.
Bid-Price 106,108,
109,141
Big Caps 1 40
bitten 62
Bioanalytik 236
Biobot 2 36
Biochip 237,243,263
Biocomputer 2 37,
238,247,274
Bioelektronik 2 37,
238,263
Bioethik 2 38
Bioextraktion 261
Biofarming 2 38
Bio-ID 236,239
Bioimplantat 239,241
Bioinformatik 239
Biokybernetik 2 40
Biometrie 2 3 9,240
Bionik 2 40
Bionomics 2 40
Biopharming 241,241
Bioreaktor 241
Biorefinery 241
Bioscout-Technologie
242
(Bio-) Solarforschung
242
Biotech 2 43
Biotech-Aktie 2 42
Biotechnologie 238,
243,245,262
Blackout-Period 1 08
blinder Fleck 1 96,226
Bloatware 21,188
Block-Bank-Baby-
Making 243
Blockbuster-Arznei
242,243,266
Blue Chips
108,115,135,
140,141
Blue Gene 239
Blue-Collar-Worker 90
Blueprint 40
Bluetooth 2 2
Bookbuilding 109,147
Bookmark 2 2
Books-on-demand 22
Bootlegging 1 96,203
Boss-Key 66
Bot 2 3
Bottleneck 63
Bottom 1 09
Bottom-Fishing 1 09
Bottom-up 15 4,187
Braindrain 1 96
Brainiac 1 96
Brainstorming
197,222
Brainwriting 197,199
Brand-Equity 1 5 5
Brand-Extension 1 5 4
Branding 34,154,183
Brand-Recognition-
Code 155
27 7
Brand-Stretching
CADD 244
CI 158
Consensus-Rating 11 4
154,182
Call 113,136
CI-Mix 1 58
Consulting 69
Brand-Value 15 5,210
Callcenter 151,
CIO 67
Content 27,39,83,
Break-Even-Point
155,174
Circuit-Breaker
152,170,181,190
109,141
canceln 64
114,115
Content-Management
Breakout 11 0
Cappuccino-Worker 6 5
CKO 67,68
27
Bricks and Mortar
Cappuccino-Working
Claim 1 56
Content-Provider 152
23,25
65
Click-Rate 1 52, 1 56,
COO 69
Bridge-Financing 110
Carried Interest 11 3
181,187
Coopetition 6 9
Briefing 63
Cash-Burn-Rate 111
Clicks and Mortar
Copyleft 27
Broker 109,110,
Casual (Friday)
25,36,159
copy'n'paste 32,70
119,126,132
65,190
Click-Stream 156
Core-Competence 200
Brokerboard 110
CBT 200,230
Clickthrough-Rate 156
Corporate Behavior
Browser 23,42,48,
CCO 2 7
Client-Server-Archi¬
1 59
55,150,176,230
C-Commerce 24,68,
tektur 5 2
Corporate Campus 201
BSE 268
70,100
Cluetrain-Manifest 157
Corporate Commu¬
Bubble 11 0
CEO 65,69,70,138
Coaching 112,
nications 1 5 8
Bubble-Economy 11 0
Certificate-Authority
199,201
Corporate Culture
bug 30
24,31
Co-Branding 157
67,158,198
bugfixen 7 4
CFO 66,90,138
Collaboration 68,76
Corporate Design
Bulle 107,111,
C-Güter 36
Collaborative Filtering
76,159
112,125
Changeability 1 98
26
Corporate Identity
Bullenfalle 111
Changemanagement
Collective Notebook
45,64,158
Bullshit-Bingo 63
198
199
Corporate University
Burn-out 64,72,1 02
Channel 25
Co-Location 2 6
201,230
Burn-Rate
Chaosmanagement 198
Commitment 68,80
Co-Shopping 49
34,111,142
chargen 63
Commodity 68
Crash 1 07, 114,
Businessangel
Chart 66,1 13,126,
Community 26,1 72
129,138
106,112,126
139,143,144
Community of Choice
Credibility 1 66
Business-Community 27
Charts 66
1 58
Credit-Rating 115,128
Businessplan 90,1 08,
Chatiquette 46
Community of Practice
CRM 160,161,
112,146,183
Chatterbot 2 5
199
174,178,202
Business-Portal 49
Cheftaste 66
Community-Marketing
Cross-Channel-
Buyback 112,120
Chimäre 243,257
157
Business 1 5 9
Buzzword 64
Chinese Wall 1 98
Chipchirurgie 2 37,
243,263,270
Computer-aided-Drug-
Design 2 44
Computer-based
Cross-Channel-
Marketing 1 5 9
Crossmedia-Format
c
Chromosom 244
Training 2 00
160
C2B 23
Churn-Rate 66,78,
Computerliteracy 200,
Cross-Selling 160
C2C 24
96,158
202,212
CTO 70
—
2 7 8
CTS 70,99
CU 201
Cubicles 70
Customer-Care-
Division 161
Customer-Interface 2 8
Customer-Relation¬
ship-Marketing 1 60
Customizing 2 8,49
Cutting Edge 71
Cybermall 5 8
Cybermoney 2 8
Cyberslang 2 9
Cybersquatting 2 9,33
Cyberstalking 3 0
Cyberterrorismus 3 0
Cyborg 2 44
Cybotage 3 0,31,47
D
Database-Marketing 161
Datamining 161,174,
178,186,201
Datawarehouse
202,216
DAX® 115,133,
141,147
Daytrader 3 5,1 08,
115,119,131,132,
139,145
Daytrading 115,117
Deadline 71,91
Dead Link 21
Debugging 30,74
Deep Media 31,181
Delisting 11 6
Denial-of-Service-
Attack 31,41
Derivat 115,116,136
Designerbaby 245
Desksharing 71
Differenzierung
245.247.272
Digital Certificate
25,31,52
Digital Divide
202,205,212
Digital Dropout 7 2
digitale Signatur
31,35,56
digitaler Marktplatz
27,32,49
digitales Wasser¬
zeichen 32
Dilbert 72
Dilbert-Prinzip 7 2
Dinks 91
Direktmarketing
161,162
Discountbroker
110,116
Discounting 1 5 3
Dividende 117,139
DNA 246
DNS 244,246,248,
250,253,262,268,
269.271.273
DNS-Chip 237,246,
248,255
DNS-Computer 246
DNS-Shuttle 273
Dolly 247,260,272
Domain 32,33,41,55
Domaingrabbing
29,33
Domain-Name-System
(DNS) 33,39
Domain-Spoofing 5 5
Domäne 32,44
Doppellisting 11 7
DoS 31
Dotcom 23,33,
67,145
Dot-gone 3 4
downgraden 11 7
Downsizing 72,78,81
Downstream 5 2
drag'n'drop 72
Dresscode 6 5
Duallisting 11 7
Due Diligence
117,128
Dutch Auction 51,118
E
Early Bird
121,161,162
Early-Stage-Investment
1 1 8
Earnings per Share 11 8
Easdaq 118
EBITDA 119
E-Brand 3 4
E-Business 2 6,34,
35,36,71,72,
170,182,184
Echtzeit 34
Echtzeitkurse 11 9
E-Commerce 19,20,
24,34,35,44,
52,56,58,159
Edutainment 200,202
E-Government 3 5
E-Hub 36
E-Lancer 42,76,
83,100
E-Learning 2 28
Elevator-Pitch 11 9
Embryogenese
247.272
Embryosplitting
247.269.272
Embryotransfer 2 48
E-Merchant 36
Emergenz 202
Emission 109,120
Emotional Design 1 6 2
emotionale Intelligenz
203
emotionaler Quotient
203
Empathie 203,2 24
Employability 7 3
Empowerment 2 03
Entlernen 203,21 5
Entreprenerd 73
Entrepreneur 73
Entrepreneurship 73
E-Procurement 36
EQ 203
Equity-Kicker 1 2 0
Equity-Story 117,120
Erbgutclaim 2 48
Erbgutscreening 2 70
Erbkrankheit
248,257,260
Erzlaugung 261
ES-Zelle 2 48
E-Tailer 3 4,36
E-Tailing 36,42
Ethnomarketing 1 62
Euro-Styles 1 6 2
Eventmarketing 1 63
E-Wallet 3 6
Execution 12 0,133
Exit 112,120
Expectation-
Management 1 63
2 7 9
Extranet 2 7,37
Extropianologie 248
Eyeballs 164
F
F2F 74
Facetime 74
fairer Wert 110,
121,129
Family, Friends
and Fools 1 39
Fantasie 118,121
Feedback 204
Fencing 1 6 4
Fernanwesenheit 74
FIFO-Prinzip 93
File-Server 5 2
Filesharing 3 7
Filtering Software 3 7
fire and forget 16 4
Firewall 3 7,41
First Tuesday 1 2 2
First-Mover-Advantage
34,121
First-Prover-
Advantage 122
fixen 7 4
Flame 1 72
Flatrate 38
Flatsharing 7 4
Flexist 73,75,83
Flexplace-Büro 7 5
Flush-Rate 112
Flösterschätzung 122
Forschungs¬
aufwand-Umsatz-
Verhältnis 2 49
Franchising 1 64
Free Float 122,132
Freelancer 42,75,
98,101
Freeware 5 0
Freilandversuch 2 49
Friends and Family 122
Frontoffice 7 6
Frontrunning 123,127
Fume-Day 11 2
Functional Food
174,250
Fundamentals
123,126
Fundraising 1 2 4
Fusionitis 12 4,
133, 144
Futures 116,124,141
FUV 249
Fuzzy Logic 2 04
G
Gap 1 24
Gefühlschip 2 50
Gen 216,242,244,
250,260,267,269
Generalist 7 5
Generation@ 1 6 5
Genertainment 251
Gene-Targeting 251
Genetic Engineering
251
Genetic-Rights-
Kampagne 252
genetische Diskri¬
minierung 252,254,
255,268,270
genetischer Code
248,252,265
genetischer Finger¬
abdruck 253,266
Genfähre 273
Genfood 253,256,
258,264
Genkartierung 253
Genoceutical 2 53
Genom 242,244,
254,256,267,
269.271.272
Genomics 254
Genomik 2 54
Genotyping 254,266
Genpass 245,254
Genpool 252,255
Gentechnik, grüne
256,270
Gentechnik, rote 2 70
Gentest 255
Gentherapie 255,273
Gentransfer, horizon¬
taler 256,273
Gentransfer, vertikaler
256.272
Genzeugnis 2 54
Give-away 161,165
Glass Ceiling 7 6
glattmachen 74
Glaubwürdigkeit
157.166
Global Brain 204,21 6
Global Brand 1 66
Global Player 38,64,
125.166
Global Village 38
Globalization-Service 38
Global-Knowledge-
Economy 204
Globoboss 76
Glokalismus 1 66
Going private
116,125
Going public 1LI p o
121,125,128,137
Golden Parachute 77
Goodwill 1 6 6
Green Washing 1 6 7
Groupthink-Phänomen
205
Groupware 38
Guerillamarketing 167
H
handeln 77
Handheld 48
Handling 77
Hard Skills 224
Hardcopy 77
Hardlaunch 170
Hausse 107,110,
111,125
Headhunter 67,78,
80,81,94
heißschalten 39
heißstellen 39
HGP 256
High Potential 7 8,94
High-Yield-Bond 128
Hijacking 5 4
hire and fire 7 8
hochladen 39
Homeoffice 79
Homeshopping 1 68
hotschalten 3 9
hotstellen 3 9
HUGO-Projekt 256
Human Genome Project
255,256,269
Humankapital 205
Hybrid 2 57
Hype 125,126
Regis
ter
2 8 0
Hypertext 206
Information-Fatigue-
Interstitial 169
Hypertext-Organisa-
Syndrom 208,222
Intranet 20,37,
tion 206
Information-Overload
208
Information-Super-
41,212,228,230,
231,232
Intrapreneur 80
I
highway 208
Intrusion-Detection-
I-Bank 1 26
Information-Warfare
System 41
IC 210
30,31,208
Investmentbanking
ICANN 29,32,33,39
Infosmog 209
127
Ich-AG 79,92,
Infotainment 209
Investor-Relations
98,224
Inhouse-Strategie
66,128
ICQ 40
80,90
In-vitro-Fertilisation
ICSI 257,269
Inkubator 126
248,258,269
Identity-Hacker
Innovations-
Involvement 80
257,259
management 209
IP-Adresse 33,39,
Ignoranz, kollektive 206
Innovationsquotient
41,50
Ignoranz, positive 2 06
210
IPO 90,92,108,
Image 85,1 54,1 58,
Innovationsrate 210
118,128,131,135,
162,166,168,174,
Inside-out-Methode 186
137,140,142,147
181,191,210
Insider 122,127
IP-Produkt 258
Imagetransfer
Instant Messenger 40
Iris-Code 26,2 58
154,168
intangible Knowledge
Iris-Scan 2 58
Imagineering 207
227
IT 18,41,42,67,70,
impfstoffhaltige
Intellectual Capital
81,98,145,201,203
Lebensmittel 2 58
210,214
IT-Branche
in vitro 2 4 8,258,
268,269
in vivo 2 58
intellektuelles
Eigentum 21 0
Interface 4 0
25,42,210
Incentive 80,91,
intergeneratives
J
99,196
Marketing 1 69
Jobengine 42
Incubator 1 26
Intermercial 169
Jobhopping 67,80,81
Indikator 1 2 6
Internet2 4 0
Jobless Growth 81
Infobroker 207,231
Internetfantasie 1 21
Jobsharing 82
Infomapping 207
Internet-Server 5 2
Jungbrunnencocktail
Infomediär 39
Internet-Service-
259
Information-
Provider 2 5,26,
Junkbonds 115,128,
Architecture 40
42,50,52
130
Information-Broking
Interpassivität 169
Junk-DNS 259
207
Interruption-
Junkmail 54,1 72,209
Information-Design 40
Marketing 1 77
just in time 2 3,82
K
Karoshi 82
Kassageschäft 116
Keep-out-Price 170
Keimbahnchirurgie 260
Kernkompetenz
90,200
Kerntransfer 2 60
KFM 212
KGV 129,130
KI 215
Killer-Application 4 2
KISS 2 23
Klon 247,260,272
Knock-in 251
Knock-out-Maus 251,
260,273
Knowbots 23,37,210
Know-how 126,211,
216,225
Knowledge-Backbone
211
Knowledge-based
Economy 21 2
Knowledge-Booster
211
Knowledge-Economy
212
Knowledge-Flow-Mana-
gement 212,213
Knowledge-Gap 21 2
Knowledge-Landscape
213
Knowledge-Network 213
Knowledge-Product 213
Knowledge-Ranking 214
Knowledge-Stock-
Market 214
Knowledge-Worker 214
Know-why 211
Kodierklitsche 8 3
local Knowledge 21 6
Konsortialbank 1 09
Lock-up-Periode
Kontexter 83
131,135
Konvergenz 42
Logfile 43, 1 56,1 76
Korrektur 125,
LOI 130
129,145
Long Position 131,137
Kultmarketing 170
Lounge-Food 83
künstliche Intelligenz
215,270
Kursfantasie 121,145
Loyalty-Marketing 172
Kurs-Gewinn-Ver¬
M
hältnis 118,123,
Mailbomb 44
126,129
Mailing 151,161,172
Kurskosmetik 129
Mailingliste 172,174
Kurspflege 112,129,
Mall 58
132
Management-Informa¬
Kurs-Umsatz-Ver¬
tion-System 68,216
hältnis 1 30
Margin 1 32
KUV 130
Margin-Call 1 32
Market-Cap 109,133
Marketmaker 82,107,
L
132,139
Labeling 1 70,1 85
Marketorder 1 32
LAN 39,42,88
Marktkapitalisierung
LAN-Party 42
29,115,130,133,
Launch 57,170
139,140
LBO 130
Marktnische 1 74
Leaching 261
Mass-Customization
Leapfrogging 1 70
44,50
lernende Organisation
Massenspektrometrie
215
236,261
Letter of Intent 1 30
Mausbeutung 84
letzte Meile 2 0, 43,59
Mauspropaganda 84
Leveraged Buyout
McJob 72,84,102,224
128,130
M-Commerce 42,44
Lifestyle-Medikament
MDAX® 133
243,261
Mediamix 160,172
Limited Order 130,133
Mee too 1 73
Limit-Order 12 9,130
Meeting 84,232
Listing 119,128,131
Megabrand 1 66
2 8 1
Mehrwert 1 91
Multichanneling
Meme 21 6
25,173
Memetik 216
Multitasking 83,86
Mentaltraining 21 6
Mutagen 262
Mentee 21 7
Mutante 262
Mentor 21 7
Mutation 255,262
Mentoring 217
Merchandising 15 4,173
Merger 1 33
N
Merger of Equals 1 34
Nanobiotechnologie
Merger-Mania 133
262
Mergers and Acqui¬
Nanosite 46,1 52
sitions 127,134
Napster 46
Messie 8 5
Nasdaq 117,118,135
Metcalfes Gesetz 4 4
Navigation 46,1 56
Micropayment
NEMAX 135
28,37,45
Nerd 86
Microsite 4 5
Nesting 87
Midcap 1 3 3
Netaddiction 8 7
Middle-up-down-
Netiquette 46,88
Strategie 217
Netizen 87
Milestone-Payments
Networking 88,204
261
Netzwerk 68,84,
Mindmapping 21 8
88,101,200,215,
MIS 203, 216
224,229
Mission-Statement 8 5
Netzwerkadministrator
Mnemotechnik 21 8
47
Mobbing 86
Neuemission 1 09,
Molekularbiologie
120,128,132,147
236,239,249,255,
Neuer Markt 106,
262,268
120,129,131,135,
Molekulargenetik 262
147,183
Momentum 1 34
Neurobionik 263
Monitoring 69,218
Neurochip 263,264
Moores Gesetz 45,92
Neuroinformatik 263
Moorhuhnjagd 84,
Neurolinguistisches
86,189
Programmieren 219
MOP 103,134
Neuroprothetik
MP3 37, 46
263,264
Muddling-through 218
New Work 88
Newbie 30
Newbiz 88
Newsgroup 24,47,57
Newsletter 151,160,
161,174,178,181
Nine-to-five-Job 89
Nische 1 74
Nischenmarketing 174
NLP 219
No-Name-Produkt
164.174
Non-Profit-Marketing
175,184
Non-Profit-Organisa¬
tion 39,175
Novel-Food-Verordnung
253,258,264
NPO 124,175
Null-Fehler-Toleranz
220
Numbercruncher
66,89,117
Nutriceuticals 2 64,266
0
Ökomarketing 1 8 5
Onboarding 90
One-Channel-Business
1 59
One-to-One-Marketing
172.175
Onlinebanking 1 73
Onlinebroker 114,
116,118,136
Onlinecoaching 1 99
Onlineknigge 46
Onlinelearning 2 28
Onlinemall 5 8
Open-Collar-Worker 90
Open Source 2 7,47
Open-Space-Methode
220
Opinion-Leader 1 76
Opportunitytaker 220
Option 67,113,
116,136
Optionismus 172,176
Order a r k e t-
ORDER
Outperformer 1 36
Outside-in-Modell 185
Outsourcing 72,80,
90,155
Oxygen-Projekt 48
P
Pageimpression
20,43,164,176,
186,187
Pairents 91
Palm-PC 48
Palmtop 48
pampern 91,92
Paradigma 2 20
Paradigmenwechsel
89,221
Paradoxie 194,
221,226
Parkett 136
Parkinsons Gesetz 91
Partysurfing 9 2
Patchwork-Biografie 9 2
Patent 248,265
Payback 1 7 6
PCR 265
PDA 48
Peer-to-Peer-Netzwerk
24
Perception-Manage¬
ment 222
Performance 43,110,
117,125,129,137,
142,146
Permission-Marketing
1 77
personalisierte Medizin
266
Personalisierung
178,179
Pharmacoeconomics 2 66
Pharmakogenetik 2 54,
266,267
Pharmer 266
Phonebanking 1 73
Picopayment 4 5
PID 268
PIN-Code 53
Pipeline 9 2
Pipelinescore 2 67
Pitch 62,93
PI/V-Rate 176
Pixelschrubber 93
Pixelschubser 93
Plug-and-play-Mit-
arbeiter 9 3,95
Pocket-PC 4 8
Point of Fun 1 78
Point of Sale 1 78
PopUp 48
Portal 49
Portal, horizontales 49
Portal, vertikales 49
POS 161,178
Position 1 37,138,143
Post-Genom-Ära 267
Powernapping 9 4
Powershopping 49,154
PPP 1 80
PR 1 28,1 54,1 80
Präimplantations¬
diagnostik 2 68
Pre-IPO-Company
67,137
Pre-Launch-Marketing
178.179
Prion 268
Productplacement 1 78
Profile-Filtering 4 9
Profiling 160,174,179
Program-Trading 137
Prosuming 4 9
Protein 237,241 ,
242,244,250,252,
254,257,262,267,
268,269,271,273
Proteom 2 69
Proteomik 2 68,2 69
Proteom-Projekt 2 57
Provider 18,41,
43,50
Public Domain 4 8,50
Public Marketing 1 80
Public Relations 153,
168.180
Public-Private-Partner¬
ship 1 80
Pull-Strategie 180
Push-Strategie 181
Put 136,138
Q
Querdenken 222
R
Rational Overchoice 222
Real Asset 2 3
2 8 3
Rebriefing 63
Recruiting 9 4
Refraining 2 22
Relationship-Marketing
155.181
Relaunch 1 70
Reproduktionsmedizin
248,257,269
Research and Develop¬
ment 236
Return on Investment
138,142
Reverse Auction
50,154
Reverse-Split 1 43
Rich Media 31,152,
169.181
RNS 253,262,269
Roadshow 1 38
Robotik 270
ROI138
Router 51
Rückkanal 51,164
s
Sabbatical 92,94
Scalper 1 3 8
Scheinselbstständig¬
keit 9 5
Schleichwerbung 179
scoren 9 5
Screening 2 70
Screenshopping 1 68
Searchengine 4 2
Secure Server 31,
37,52
Seed-Capital 1 3 9
Seed-Funding 1 39
Seek-Simplicity 2 23
Selbstkannibalisierung
182
Selbstreferenz 22 3
Semiotisches Bench¬
marking 1 8 2
Sequenzdatenbank 270
Sequenzierung 265,
267.271
Server 44,50,52,
150,156,176,
209,230
Server-Farm 52
Session-Stealing 5 4
Shadowanzeige 182
Sharebranding 1 83
Shareholder-Value
112,139,141
Shareware 5 0
Shill-Bidding 5 2
Shopbot 23,183
Short Position 132,
137,140
Short Sale 107,115,
140
Shorter 1 40
Shortseller 1 40
Shot-Gun-Methode
256.271
Silent Commerce 5 3
Silvermarket 1 8 4
simsen 96
Sitemap 4 0
Skill-kill 224
Skill-Maps 22 4
Sleepcamel 96
Small Caps 133,140
Smart Card 5 3
SNP (Snips) 271
Social Marketing 1 8 4
Socializing 9 6
Soft Skills 78,194,
224,227
Softlaunch 1 70
Soho 79
soziales Kapital 88,224
Sozialisierung 96
Spam 37,53,172
Spamdexing 5 4,57
Spezialist 7 5
Spider 2 3
Spin-off 2 6,140
Splicing 5 4
Spoofing 32,54
Spread 1 07,1 09,141
staffen 97
Stakeholder-Value
140.141
Standardwert 1 30,
134.141
Start-out 1 41
Start-up 65,66,
70,90,92,99,103,
111,112,119,123,
124,126,128,130,
141,142,146,158,
167,183
Stilgruppe 18 5
Stock-Option 6 2,1 22,
137.142
Stock-Picking 1 4 2
Stock-Split 1 4 2
Stop-Loss-Order 1 43
Storytelling 22 5
strategic Planning 185
strategische Allianz 1 43
strategische Planung
69,185
Strategizing 22 5
Streaming Media 21,
34,55,152
streamlinen 9 7
Suck-Site 2 4,55
Sudden-Wealth-
Syndrome 62
Support 70
Swatch-Beat 97
Sweet Equity 1 44
Synergie 1 4 4
Synergieeffekt 64,83,
125,133,144,262
Systemtheorie 1 94,
196,202,223,226
Szenariomethode 185,
226,230,233
T
Tacit Knowledge
195,227
Take-Over 145
Tangible Knowledge
227
Targeting 1 86
Tausender-Kontakt-
Preis 186
T-Commerce 5 6
Teamshopping 4 9
Teamwork 96,224,227
Teaser 159,186
Technomade 75,98,
101
Telearbeit 74,79,90,
98,99
Telecommuting 98
Telelearning 2 2 8,230
Teleshopping 168
Teletutor 2 28
Tender-Offer 145
Termingeschäft 1 2 4
Textschrubber 93
ter
? 8 4
Reais
Think-Tank 228
Think-Tools 228
Third Place 98
TIME 145
Tissue-Engineering
272
TKP 186
TMT145
Top 1 45
Top-down 1 86
Total-Quality-Manage¬
ment 64,187
Totipotenz 248,268,
272,274
TQM 187
Trader 1 45
Traffic 18,31,54,
58,187
Trainee 98
Training on the Job 99
transgene Organismen
238,241,251,
258,272
Trial and Error 228
Tribalisierung 1 5 8
Troubleshooting 99
Trustcenter 56
Trusted Shop 56
u
Übernahme 130,145
Übernahmefantasie 1 21
Umsatz-Multiple 1 30
UMTS 43, 56,100
Underperformer 146
Unified Messaging 5 7
Unique-Selling-Pro¬
position 1 88
Unterstützung 146
upgraden 1 46
uploaden 39
Upsizing 7 2
Upstream 5 2
USP 188,191
V
Valuebundling 188
Value-Chain 1 91
VDAX 147
Vektor 252,253,
255,273
Venture-Capital
90,106,112,113,
126.142.146
Venture-Capitalist
130.146
vergleichende Werbung
1 88
virales Marketing
84,189
Virtual Day 79,99
Virtual Office 100,101
virtuelle Hausapotheke
273
Virtuelle Universität
228,229,230
virtueller Marktplatz
32,214
virtuelles Unterneh¬
men 1 00
Visit 43,164,176, 1 89
Visual Benchmarking
1 82
Visual Boosting 1 88
Visualisierung 2 29
Voicemail-Jail 100
Volatilität 13 5,146
VU 229
w
wal-martisieren 190
Wandelanleihe 1 20
WAP-Technologie 44,
57,59,71
Warfor Talents 196, 229
WBT 228,230
Webannouncement
44,54,57
Webauction 24,52,
58,154
Web-based Training 2 30
Webhosting 43,52,58
Web-IPO 1 47
Webmall 58
Webmaster 1 01
Webpromotion 190
Webscoring 5 8
Webucation 230
Wetware 238,274
White-Collar-Worker 90
Widerstand 1 46
Wildcard 2 30
Win-Win-Situation
45,49,220
Wireless Local Loop
43,51,59
Wireless World Wide
Web 59
Wissen, explizites
227,231
Wissen, implizites 2 27
Wissen, kollektives
214,216
Wissen, strukturelles
226
Wissensarbeiter
98,214
Wissensbrokerage 207
Wissensgesellschaft 231
Wissensingenieur 231
Wissenslandkarte
213,231,232
Wissensmanagement
232
Wissenswerker 21 4
Worcation 101
Wording 1 02
Word of Mouse 84
Workaholic 94,96,
102,103
Workflow 39,63,
102,218
Working Poor 102 •
Workshop 220,232
wuppen 103
wwww 5 9
X
Xenotransplantation
274
Y
Yellow Pages 231,232
Yettie 94,103
z
zeichnen 147
Zeichnungsfrist
109,147
Zeitkonto 89
Zelltransplantations¬
therapie 274
Zukunftswerkstatt 2 33
Zulassungsrisiko 275
Zusatznutzen
168,188,191
2 8 5
Porträts
Achleitner, Dr. Paul
177
Ackermann, Dr. Josef
173
Birsner, Ulrich 239
Bohlen, Dr. Friedrich
von 2 37
Bohmann, Frank 51
Bonello, Burckhardt
163
Borghoff, Volker 11 5
Brandis, Dr. Hendrik
257
Burda, Dr. Hubert 179
Cartellieri, Maximilian
207
Colpan, Dr. Metin 241
Conrad, Dr. Markus 199
Dietz, Ulrich 4 5
Dommermuth, Ralph
211
Döpfner, Dr. Mathias
165
Drechsler, Ralf 201
Eberstein, John 7 5
Entenmann, Mathias
71
Fischer, Detlef 69
Frohn-Bernau, Felix
101
Gärtner, Matthias 135
Glänzer, Dr. Stefan 1 9
Goller, Albert 153
Grabosch, Jörg 89
Grabowski, Rainer 103
Grellert, Stefan 1 89
Günther, Rudolf 33
Günther, Uwe 2 59
Haffa, Thomas 1 5 5
Hagedorn, Klaus 1 23
Heilmann, Thomas 209
Heinrich, Dr. Peter 263
Hermes, Dr. Oliver 1 51
Holland, Wau 79
Huefnagels, Dirk 1 83
Humm, Philipp 1 75
Iven, Ulrich 11 9
Kabel, Prof. Peter 1 71
Kemper, Andre 1 95
Kolb, Bernd 39
Köttner, Andre 21 7
Kuhnwaldt, Volker 225
Lamberti, Hermann-
Josef 113
Langenscheidt,
Dr. Florian 1 4 7
Lazzeroni, Prof.
Claudius 63
Lüders, Max Manuel
161
Marcinowski, Werner
81
Meentzen, Christian W.
29
Merz, Dr. Dieter 247
Middelhoff, Dr. Thomas
21
Mol, John de 67
Moroney, Dr. Simon E.
271
Müller, Andreas 93
Neef, Paulus 83
Niedermeier, Marcus
47
Noel, Jean Marc 5 5
Ochner, Kurt 127
Olek, Alexander 25 5
Otto, Dr. Michael 1 5 9
Papas, Wassili 139
Pickl, Sven 8 5
Raum, Michael 251
Renker, Prof. Dr.
Clemens 229
Rheinboldt, Jörg 5 9
Richter, Dr. Wolfgang
275
Riedlbauer, Julian 99
Rotermund, Beate 191
Rothauge, Frank 265
Rottenbacher, Dr.
Bernd 6 5
Rover, Stefan 2 05
Ruzicka, Alexander
215
Salm, Christiane zu
221
Schädler, Marc 1 31
Schambach, Stephan
53
Scheel, Patrick 9 5
Scheer, Markus 87
Schmid, Gerhard 18 5
Schmidt, Andreas 213
Schmidt, Karl Matthäus
111
Schramm, Karsten 2 7
Schwenk, Stephan 73
Seifert, Dr. Werner 10 7
Seizinger, Dr. Bernd
267
Sinner, Oliver 233
Sommer, Dr. Ron 1 87
Straub, Alexander 203
Strümper, Dr. Petra
245
Tänczos, Dr. Eszter 2 73
Teherani, Hadi 91
Tietgens, Volker 7 7
Turner, Sebastian 197
Weber, Bernt 1 43
Weber, Dr. Jürgen 2 5
Weber, Torsten 223
Westphal, Susanne 21 9
Wittig, Burghardt 2 49
Würtenberger, Dr.
Loretta 3 5
Würtenberger, Peter
97
Zeller, Thomas 4 3
Zerr, Michael 1 6 7
2 8 6 Bildnachweis
Herzlichen Dank für das uns zur Verfügung gestellte Bildmaterial.
S. 21/Thomas Middelhoff ©dpa; S. 25/Jürgen Weber ©dpa; S.35/Loretta
Würtenberger ©dpa; S. 53/Stephan Schambach ©dpa; S.67/John de Mol ©dpa;
S. 107/Werner Seifert ©dpa; S. 111/Karl Matthäus Schmidt ©dpa; S. 127/
Kurt Ochner ©Norbert Michalke/images.de; S.155/Thomas Haffa ©Michael
Dalder/Reuters; S. 165/Mathias Döpfner ©dpa; S. 167/Michael Zerr ©dpa;
S. 171/Peter Kabel ©dpa; S. 173/Josef Ackermann ©dpa; S. 177/Paul Achleitner
©dpa; S. 201/Ralf Drechsler ©argum; S. 219/Susanne Westphal ©F. Heller/
argum; S. 237/Friedrich von Bohlen ©Anja Hassinger und Nichael Ackermann;
S. 249/Burghardt Wittig ©dpa; S. 263/Peter Heinrich ©Bilderberg
Titel und Aufmacher wurden von der Fotografin Kerstin zu Pan erstellt.
Sie studiert Kommunikationsdesigm an der Universität Essen und hat in London,
St. Petersburg und Los Angeles gelebt und gearbeitet. Zu Pan gewann 2000
den Kodak Nachwuchsförderpreis mit dem Projekt „Watching the clouds".
Teile ihrer Arbeit sind unter www.zu-pan.de zu finden.
Herzlichen Dank für die Genehmigung, an folgenden Orten fotografieren
zu können: Der Titel und Aufmacheir zum Kapitel Stock-Exchange (S. 105/106)
wurde in der Hanseatischen Wertpapierbörse in Hamburg fotografiert. Die Auf¬
macherfotografie für das Kapitel New Marketing (S. 148/149) entstand vor
dem RWE-Gebäude in Essen. Der Inhalt des Bauchladens stellte die RTM Kommu¬
nikationstechnik freundlicherweise zur Verfügung, ebenso wie den Nokia
Organizer für den Aufmacher des Kapitels Knowledge-Management (S. 192/193).
DUDEN
Wörterbuch der
Szenesprachen
„Die deutsche Sprache macht was mit." Und was sie alles mitmacht und mit
sich machen lässt, führt das Buch dann auf 200 (winzig-witzig bebilderten)
Seiten pointiert vor: eben nicht nur mit Vokabeln wie grinden, cruisen, switchen,
burnen, also mit Anglizismen aus den diversen Klein- und Großnischen des
Trends, sondern auch mit solchen Kostbarkeiten wie zuföhnen (für zuquatschen),
eintüten (Ladendiebstahl) oder dem barocken Dreierpack fürs Cannabisrauchen:
quarzen, knülzen, harzen, die zeit, dieter Hildebrandt
Das Wörterbuch der Szenesprachen und die Website www.szenesprachen.de haben folgende
Preise gewonnen: Stiftung Buchkunst, „Die schönsten deutschen Bücher 2000", 2. Preis;
Deutscher Designer Club (DDC), Wettbewerb für „vernetzte Kommunikation", Goldmedaille;
Deutscher Preis für Kommunikationsdesign, Designzentrum Nordrheinwestfalen, Auszeichnung.
DUDEN - Wörterbuch der Szenesprachen Herausgegeben und bearbeitet von Trendbüro. Mit farbigen
Abbildungen. 224 Seiten. ISBN 3-411-70951-0 Ladenpreis 24,90 DM oder 182,- öS oder 23,- sFr.
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Trend
BÜRO
Das Ende eines Buches ist nicht das Ende von Sprache. Deshalb möchten wir dieses Buch
im Internet - unter www.neweconomy-duden.de - weiterentwickeln und fortschreiben.
Mit Wörtern, die Sie hier vielleicht vermisst haben, Begriffen, bei denen Sie eine andere
Definition kennen, oder Ausdrücken, die Sie kennen gelernt haben.
Unter www.neweconomy-duden.de gibt es Raum für Resonanz, Kritik und Anregungen.
Oder Sie schreiben an Trendbüro, Stichwort "New Economy", Hohe Brücke 1,
20459 Hamburg, info@trendbuero.de
Die Autoren
Prof. Dr. Norbert Bolz lehrt am Institut für Kunst- und Design¬
wissenschaften der Universität Essen Kommunikationstheorie. Detlef
Gürtler schreibt als freier Wirtschaftsjournalist für die Financial Times
Deutschland. Thomas H u b e r ist Chefredakteur des Internet-Wirt¬
schaftsmagazins Net Investor. Herbert Igelmann ist Diplombiologe
und führt seine Studien an der medizinischen Fakultät der Universität Hamburg
fort. Felix Kaufmann arbeitet in den Bereichen Strategy und Global
Communications bei der Multimediaagentur Razorfish AG. D r. Rainer
K l i n g h o l z ist Chefredakteur von Geo Wissen. Michael Mühlhaus
ist am Institut für Soziologie der FU Berlin in den Arbeitsgebieten Wirtschafts¬
soziologie und soziologische Theorie tätig. Corinna Mühlhausen
betreut Unternehmen und Marken als selbstständige Trendforscherin und freie
Journalistin. Francis M ü 11 e r ist Chefredakteur im Trendbüro, wo auch
Holm F r i e b e im Bereich Consulting und strategische Planung arbeitet.
Mac M u e 11 e r ist Medieninformatiker und arbeitet als Kontexter in
der Multimediaagentur im stall. D r. Christina Pfeifer ist Ge¬
schäftsführerin im Software- und Beratungsunternehmen Think Tools GmbH.
Hartmut Scholl ist Gründer und Vorstand der reflact AG, ein auf
New-Media-Consulting spezialisiertes Unternehmen. Als freier IT-Berater
lebt und arbeitet Andreas Uthoff in Boston, USA. Die Expertin im
Change- und Knowledge-Management Betty Z u c k e r ist als selbst¬
ständige Unternehmensberaterin in der Schweiz tätig.
Die New Economy polarisiert: Die
einen üben sich in Nachrufenz,reden
von BubbIe-Economy und Dotgones.
Die anderen glauben an die ungeahnten
Möglichkeiten, die eine vernetzte
Arbeitswelt bietet. Eins steht fest:
Die Wirtschaft ist im Wandel und
mit ihr die Sprache. Neue Arbeits¬
modelle entwickeln sich heraus
wie das Cappuccino-Working . Das
Internet lässt technische Begriffe
in die A I Ltagssprache einfließen.
Begriffe wie IPO, Ange l-Funding
und Venture-Capital sind in aller
Munde. Doch was steckt dahinter?
Duden und Trendbüro blicken auf den
sich neu entwickelnden Economy-
Slang. Ein Nachschlagewerk für alle,
die sich im Zuge des Börsenbooms
und der Entwicklung der New Economy
stärker für Wirtschaftsfragen