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ISBN: 3-7913-1455-2
Текст
ОТТО PACHT
Buchmalerei des Mittelalters
PRESTEL
OttoPdcht Buchmalerei des Mittelalters
OTTO pAcht
Buchmalerei des Mittelalters
Eine EinRihrung
Prestel-Verlag Miinchen
Umschlagbild:
Initiate zum l.ukas-Evangelium
F.vangeliar Ottos III.:
Reichenau, Ende to. Jh.
(Farbtafel XV)
Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diesc Publikation in der
Deutschen Nationalbibliografie: deraillierte bibliografische
Daten sind im Internet uber http://dnb.ddh.de ahrufbar
ISBN 3-7913-1455-2.
Fiinfre A ullage 2004
Konzept und Produktion Michael Pacht
© Michael Pacht. Miinchen 2004
Reprodukrionen: Ernst Wartelsteiner,
Garching bei Miinchen (Farbe).
und Brend’Amour, Simhart 6c Co., Miinchen
Satz, Druck und Bindung: Passavia Druckservice GmbFI, Passau
Inhalt Vorwort der Hcrausgeber
7
EINLEITUNG 9
Forschungssituation 9 - Symbolwert des Buchcs im Mittclaltcr 10 - Von dcr
Schriftrolle zum Codex 13
VERANKERUNG DES BILDSCHMUCKS
IM BUCHORGANISMUS 32
Vorbcmerkungcn 32 - Sakramentar und Missalc 36
DIE INITIALE 45
Entstchung (Antike) 45 - Die zoomorphc Initialc (spatantik, merowingisch) $0
Die kaleidoskopischc Initiale (vorkarolingisch, romanisch) $3 - Die Figuren-
initiale (vorkarolingisch, romanisch, spatgotisch) 58 - Monogrammsciten
(insular, karolingisch, ottonisch) 63 - Die historisicrte und die bewohntc
Initiale (insular, karolingisch, Beatus-B) 77
ILLUSTRATION DER BIBEL 129
Romanische Riesenbibeln (Italien, Salzburg, England) 129 - Dcr EinfluG von
Byzanz (Gcwand-Korper-Dualismus, Goldfarbe) 136-Die gotische Bibcl
(Frankreich) 144 Exkurs: Aus der Monumcntalkunst entlehntc Formcn der
Buchscitcngliedcrung (gotischcs und antikes Formvokabular) 148
DIDAKTISCHE BILDSEITEN 155
Vorbemerkungen 155 - Kosmosdarstellungen (Salomon von Konstanz,
Honorius Augustodunensis, Hildegard von Bingen) 157
ILLUSTRATION DER APOKALYPSE 161
Vorstufen 161 - Bcatus von Liebana 161 - Ottonischc und englische Apoka-
lypse 165
ILLUSTRATION DES PSALTERS 167
Das Prinzip der Wortillustration (byzantinischc Randpsalterien, Utrecht-
Psalter) 168
KONFLIKT FLACHE - RAUM,
DURCHGEHENDE ENTWICKLUNGSTENDENZEN 173
Das Primat des flachig Dekorativen (insulare Kunst) 173 - Rcnaissanccphasen
und die mittclaltcrlichc Umgcstaltung antikcn Formcnguts: Expressionismus,
Flachcnbezug (angelsachsisch) 177 - Schichtenraum (ottonisch) 184 - Hinter-
grundstafclung (romanisch) 187 - Architektonischc Strukturcn (karolingisch,
normannisch, franzosischc Hochgotik) 190 - Aufbrcchen des Raumkonflikts,
Endphase der genuinen Buchmalerei 198
ANHANG 204
Anmcrkungcn 204 - Abbildungsverzeichnis 207 - Ausgewahlte Bibliogra¬
phic 213 - Bibliographic Otto Pacht zur Buchmalerei 214-Glossar 216
Vcrzcichnis dcr angeflihrtcn Handschriften 217 - Verzeichnis dcr angeflihrtcn
Objekte 219 - Objektrcgister 220 - Photonachwcis 221
Farbtafcln i-хххн Scitc 97-128
Vorwort der Herausgeber
Mit dem vorliegcndcn Band publiziert dcr Prestel-Vcrlag die von
Otto Pacht im Wintersemester 1967/68 an dcr Universitat Wien
gehaltcnc Vorlcsung >Einfuhrung in die mittelalterliche Buchmalcrei<.
Um den Inhalt dieses Kollcgs zu charaktcrisieren, mub man damit
beginnen zu sagen, was es nicht war und auch nicht sein wolltc: cine
Geschichte der Buchmalerei, Geschichte im iiblichen Sinn, dem cines
historischen Oberblicks iiber Fakten und Epochcn. Trotzdem ist es,
in cincm anderen, tieferen Sinn, auch eine Geschichte dcr Buchmalerei
geworden, erschliebt es dem Leser doch grundlegendc Einsichtcn in
Genesc, Entwicklung, inncrc Gcsctzmabigkcitcn dieser genuin mittcl-
alterlichcn Kunstform, die kein noch so umfangreicher und dctaillier-
ter historischer Uberblick zu vermitteln vermag. Dem Autor kommt
es in erster Linie darauf an, Vcrstandnis fur die lange nicht erkannte
Eigenart dieser Kunst, die aus der permanenten Wcchselwirkung von
Schrift, Bild und Ornament crwachst, zu weeken, und das >Funktio-
nierern dcr schopfcrischen kiinstlerischen Phantasie des mittelalterli-
chen Buchmalers an einer Fiille von Bcispiclcn vor Augcn zu fiihren.
Jcdcs Thema bictct ihm, iiber die konkrete Behandlung hinaus, immer
auch Gclegenhcit, zu grundlegenden Aussagen zu gclangen, iibergrei-
fende Problcmc zu beriihren oder allgemeine entwicklungsgeschicht-
liche Linien darzulegen. Kenntnisse und Erkenntnisse, die in jahrzchn-
tclanger Lehr- und Forschungstatigkeit gewonnen sind, werden mit
dicsem Buch in knapper und vcrstandlicher Form dargeboten.
All dies mag auch erklaren, dab es so lcicht moglich war, die
Vorlesung mehr als cincinhalb Jahrzehnte, nachdem sie gehaltcn
wurdc, im wesentliehen unverandert zu veroffentliehen. Die in ihr
vermittelten Einsichten diirfcn, unabhangig von neuen Detailerkennt-
nissen, bleibendc Giiltigkeit beanspruchcn.
Der Autor hat fur die Publikation das Originalmanuskript zur Verfii-
gung gestellt. Es war sein Wunsch, den Text in dcr Form, in der cr
fur die Vorlcsung abgefabt wurde, zu belassen. Eine Reihe freier,
auf Horermitschriftcn beruhender Intcrpolicrungen wurden in das
Manuskript cingcarbeitet. Diese Ad-hoc-Formulierungcn wurden auf
Wunsch dcs Autors im Druck gekennzeichnet, um sie von dem -
zwar ebenfalls fur den miindlichen Vortrag konzipierten, aber doch
schriftlich fcstgelegten - iibrigen Text zu untcrscheiden; sie sind durch
gebrochcnc Klammern < ) abgesetzt. Die Herausgeber sind fur die
Anmcrkungcn verantwortlich, soweit sic nicht als Ex-temporc-Stel-
len gekennzeichnet sind. In der ausgewahlten Bibliographic wurde
der Schwerpunkt aufjiingere und jiingstc Werke gclcgt; hicr fanden
auch cinigc nach 1967 erschienene, die Vorlesung in besonderem Mab
bctrcffcndc Spezialstudicn ihren Platz. Das Glossar bcriicksichtigt nur
im Text nicht unmittclbar erlauterte Fachworter. Das Register ist cin
reines Objektregister.
Dagmar Thoss Ulrike Jetwi
Einleitung
Wenn jemand zur Zcit, als ich studierte, also schon vor ctlichen
Jahrzehntcn, sich der Buchmalerei, Miniaturmalcrei, zuwandtc, hielt
man das im allgemeinen fur cin Zcichcn von Bescheidcnhcit, insofern
als der Bctrcffendc sich offenbar damit zufricdcn gab, seinen wissen-
schaftlichen Ehrgeiz auf eincm Ncbcngcbiet der Kunstgcschichtc zu
betatigen. Bcgann man sich auf diesem Gebiet ctwas auszukcnncn,
dann wurde einem gerne das Epithcton >Spczialist< zuerkannt, womit
weniger ein Experte gemeint war als cin Eigcnbrotlcr, bcstcnfalls cin
Fachmann fur Klcinkunst. Einc Ausnahmc gestand man denen zu, die
sich mit karolingischer oder ottonischer Buchmalerei bcschaftigten,
denn schlicblich war das praktisch die cinzigc Art Malerei, die aus
diesen Bliitczciten mittelalterlicher Kultur auf uns gckommcn ist.
Die Situation ist heute nicht mehr ganz so schlimm, die Buchmale-
rci und ihre Erforscher werden mit ctwas mehr Rcspckt behandelt,
man wertet Miniaturmalerei nicht mehr blob als Surrogat fur die
bedauerlicherweise verlorengegangene hohe Kunst. Und doch wird
auch heute die Kunst der Illuminatoren noch nicht fur ebenbiirtig der
Kunst ihrer im groBen Format arbeitenden Kollegen gehalten. Die
Eigengesetzlichkeit der Buchmalerei mag in der Theoric bcrcits anerkannt
sein, aber ihr Studium stand vicl zu langc im Schatten der altercn
Forschungsdisziplinen, als dab es die dieser besondcrcn Materie ad-
aquaten Wertungsmabstabe schon hattc erarbeiten konnen. Man sicht
die Wcrkc dcr Buchmaler auch heute noch viel zu schr mit Augen, die
an Wand- oder Tafelmalcrei gewohnt sind, und mub sie infolgcdcsscn
falsch sehen, falsch lesen.
Dies verrat sich vor allcm schon in dcr Art dcr Rcproduktion
von Buchmalcrcicn und dcr Auswahl von Beispiclcn in allgemeinen
Kunstgeschichtswcrkcn. In einem 1929 crschienencn Band eines reich
illustricrtcn Handbuchs der Kunstgeschichte1 ist die Buchmalerei dcs
friihen Mittclaltcrs mit 125 Abbildungcn vertreten, von denen ganze
drei Initialcn wiedergeben; d. h. eine der origincllstcn Manifestationcn
der kiinstlerischen Phantasic des Mittelalters ist so gut wie nicht
vertreten, die Auswahl wurde ganzlich auf das Bildmabigc innerhalb
dcs Buchschmucks abgestcllt. Zudcm liegt cs im Wcscn aller Buchbc-
bilderung, dab die Unterschiede zwischcn Buch- und Monumcntal-
malerei, die durchaus nicht nur solche des Formates sind, verwischt
werden, besonders auch, weil man vielfach der Versuchung nicht
widersteht, Miniaturcn und Details derselben stark zu vergrobern,
wodurch auch dcr Eindruck der Textur der Malobcrflache sich oft in
Richtung auf diejenige anderswo gciibter Maltechniken verandert.
Lctztcn Endes wird damit doch die Buchmalerei als vcrklcinerte
io Einleitung
GroBmalerci dcklaricrt, auch von dcnen, die wohl wissen, daB der
Name Miniaturmalcrei urspriinglich nichts mit >diminuerc<, verklci-
nern. zu tun hat, sondem von >minium<, cincm schr haufig gcbrauch-
ten roten Pigment, herstammt.
Dank der bctriibiichcn Tatsache, daB die GroBmalerei der Griechen
so gut wic vollkommen zugrundc gegangen ist, sind unserc Fachkolle-
gen auf dem Gcbiet der klassischcn Archaologic bei der Bchandlung
und Erforschung der entsprcchcndcn Kleinkunst, der Vascnmalerci,
nie den Gcfahrcn ausgesetzt gewesen, falsche, von auBen hcrangetra-
gene MaBstabe an die in Frage kommenden Dcnkmaler anzulcgcn.
Sie sind sich immer dessen bewuBt geblicben, daB cs sich um Vasen-
schmuck und nicht um Wandbildersatz handeite, daB die Vascnmalcr,
auch die, die mit einem Minimum von ornamcntalen Elementen
arbeiteten, einc tcktonischc Aufgabe zu losen sich bemiihtcn, die die
besondcre Formgelegcnheit, das zu zicrende GcfaB, ihnen stelltc. Eine
ganz ahnliche Aufgabe hat, neben andcren, die Buchmalcrei zu bewal-
tigen, auch fur sic ist dcr Ausgangspunkt der Gcstaltung nicht einfach
die jeweilige Malunterlage, sondern das Objekt als Ganzes, in diesem
Fall das Buch als Organismus mit dem nur ihm eigenen Gcstal-
tungsraum.
Freilich war - im Unterschied zur klassischcn Vascnmalerei - bcim
Buch vom Anfang an cine doppelte Bcziehung zwischen dem Kernge-
bildc und seiner Ausformung und Ausschmiickung vorhanden und
wirksam: neben der formal-physischen einc aufs innigste mit ihr
verkniipfte spiritucllc, namlich die Bcziehung des in Schriftsymbolen,
konvcntioncllen Zeichcn, anschaulich Erlcbbarcn zu dem durch diesc
vcrmittclten gedankliehen Gehalt, dem Text. Und diesc Bezichung
ist nicht bloB als cine rationale zu verstehen, wic das Vcrhaltnis eines
Tcxtes zu seiner Illustration, sondern auch als cine irrational-magischc.
Denn in den Zeitcn, in denen das Buch in erster Linie das Buch der
Bucher, die Heiligc Schrift, war, fand der Glaubigc, selbst wenn cr
nicht schriftkundig war, unschwer Zugang zu diesem tieferen Sinn
des Vcrhaltnisses von Buch und kiinstlerischcr Ausstattung.
Damit haben wir aber den Punkt bcriihrt, von dem sich ein Weg
zum Vcrstandnis des asthctischen Ortes des Buchschmuckcs und dcr
Buchmalerei abzeichnet. In dcr christlichen Welt des Mittclalters war
das Objekt Buch nicht einfach ein Gebrauchsgcgenstand, es hatte als
solchcs Zeichenwert als Zeugnis dcs Heilsvcrsprechens, hatte Symbol-
wert kaum minder als das Krcuz. Das Buch schlechthin hatte einen
Hciligcnschein, wic sich das noch im Gcbrauch des Wortes Bibel,
abgclcitet von >biblion<, dokumentiert, was ja urspriinglich nur Buch-
rollc hieB, also in dcr Gleichsctzung von Buch und heiligem Buch. Im
fundamentalcn Gcgcnsatz zu den antiken Kulturcn war die christliche
Religion eine Buchreligion. Man kann sich die ganze Bedeutung dieses
Faktums nicht besscr vergegenwartigen, als indem man sich beispiels-
wcisc eine jener zahlrcichcn Kreuzigungsdarstcllungen ins Gedachtnis
ruft, in denen der Licblingsjiingcr unter dem Krcuz, in der Stunde
des Opfertodcs, im tiefsten Schmerz, mit dem Buch in dcr Hand zu
erblicken ist (Abb. i)2. Es ware doch ganz unmoglich, sich ein antikes
Symbolwcrt des Bitches im Mittelalter 11
l
Kanonbild.
Missalc des Andrcas-Altars,
St. Florian, um 1320
Bild einer Apolloszcnc vorzustcllcn, in der ncbcn dcm Gott noch
cine Schriftrolle mit dcm Homerischen Apollohymnus zu sehen scin
wiirdc. Zwischcn dcm Buch als Instrument der Vcrstiindigung und
dcr durch cs vcrmitteltcn Botschaft wurdc im Christentum nicht
untcrschicdcn. Das Buch war die sinnlichc Form der Glaubcnsquelle,
cs enthielt nicht nur den Text des Evangeliums, es war das Evangclium.
Die Heiligkeit des Buches, dcs Evangeliums, war nun dort einc
gesteigerte, wo ein besondcrcr Zeugniswert, namlich der dcr authenti-
schen Uberlieferung, hinzukam. Das Evangcliar, das ein Missionar,
dcm die Christianisierung eines barbarischen, hcidnischcn Volkes ge-
lungen war, mit sich gebracht und mit dcm cr gepredigt hatte, das
Evangeliar, das ein Patrick, dcr Apostel der Iren, cin Augustinus von
Canterbury, der Apostel der Angclsachscn, cin Bonifaz, dcr Apostel
dcr Dcutschcn, bescssen hatte odcr bcscsscn haben soli, wurdc zur
Rcliquic und als nationalcs Heiligtum verehrt.
12 Einleitung
<So wissen wir zum Bcispicl von eincm solchen Evangcliar, das
sich in England crhaltcn hat und als das dcs Augustinus von Canter¬
bury gilt (Abb. 36)3, dab cs bis ins spate Mittelalter nicht in dcr
Bibliothck dcr Christ Church in Canterbury aufbcwahrt wurdc, son-
dern immer auf deni Altartisch lag, also zur Kirchenausstattung ge-
horte wic cin Reliquiar oder das Krcuz. Andere Bucher, die glcichfalls
die Aura von Buchcrn von Missionarcn batten, vvurden iiberhaupt
wie Reliquien gehalten und in kostbaren Mctallschreinen aufbcwahrt
es sind dies die altesten Reliquiare dcs Nordens. Vom Book of
Durrow etwa (Farbtafel и, Abb. 83), das cincr Subskription zufolge
dem hi. Columban, Missionar der Piktcn, gehort hat4, ist iiberlicfert,
daB cs in einem solchen Rcliquienschrein vervvahrt wurdc5. Eines der
altesten irischcn Buchrcliquiare besitzen wir im Schrein des >Soiscel
Molaise< (Abb. 2), des Evangcliars dcs hl.Molaise, eines irischcn Mis-
sionars dcs 6.Jahrhunderts6.) In den nicht zur antiken Welt gehorigen
Landcrn, die nie cine literarische Kultur besessen hatten und erst im
friihcn Mittelalter christianisiert worden vvaren, Landcrn mit iiber-
wiegend analphabetischer Bcvolkerung, war das Buch von Anfang
an mit dem Stcmpcl einer hoheren Welt versehen und bot infolgcdes-
sen einen weit starkeren Anreiz zur kiinstlerischcn Ausgcstaltung und
Verzierung als in den Mittelmeerlandcrn. in denen die Buchmalerei
auch nie dieselbe hervorragende Rolle gespielt hat wie im Norden.
Von der Schriftrolle znm Codex 13
Wenn hier vom Buch als Foringelcgcnhcit die Rede war, so sollte
unverziiglich hinzugcfiigt werden, daB, wic wir im Riickblick erken-
nen, nur der schon in dcr Spatantike vollzogene Ubergang zu einem
ganz bestimmten Buchtypus die Voraussetzungen zu jener cinzigarti-
gen kiinstlcrischcn Entwicklung des Buchwcscns bot. Ich mcinc den
Ubergang von der Schriftrolle zum Codex, also dem, was wir heute
einzig untcr Buch vcrstchcn, einem aus cinzclnen Textscitcn von
gleichem Format zusammengesetzten, nicht mchr kontinuicrlichcn
Schriftsubstrat, einem Buch, das man aufblatterte, nicht mchr ent-
rolltc. <Als auBerliches Bild dicscr Wende von der Rolle zum Codex
mag hier cine - auf eine Vorlage des 6.Jahrhundcrts zuriickgehcndc
- byzantinischc Miniatur des io.Jahrhunderts dienen (Abb. 3), in
welchcr ein Evangelist dargcstellt ist, dcr in einem auf scincn Knicn
ruhenden Codex schreibt, offenbar aus cincr Rolle abschreibt, die
iiber sein Pult gebreitet ist7. Dieselbe Handschrift zeigt im Bild des
Evangclisten Johannes (Abb. 16) auf dem Schreibpult einen Codex,
3
Evangelist Lukas.
Evangeliar,
Byzantinisch, Mitte 10.Jh.
14 Einleitung
wahrend in cincm am Boden befindlichen Behalter mehrere Rollcn
aufbewahrt sind8. Fiir die Art, wie solche Rollcn gchandhabt wurden,
gibt es cbcnfalls zahlrcichc bildliche Zeugnissc. Auf cincr attischen
Stele des 5.Jahrhunderts v. Chr. (Abb. 4) zum Beispiel konnen wir
schcn, wie die Rollc mit dcr einen Hand gchaltcn wurdc, wahrend
die anderc zog und glcichzcitig das Gelesenc wiedcr cinrolltc.)
In der antiken Welt war der normale Beschreibstoff Papier, das
Buch war cine Papyrusrollc. Papier ist aber eine wenig haltbare
Substanz, nicht fur Daucr geeignet, und so habcn sich bekanntlich
Papyri nur aus Agypten, dank seinem trockcncn Klima, crhaltcn. Als
im 3. vorchristlichen Jahrhundert Abschriftcn dcr hciligcn Bucher dcr
Judcn an die in cincm gricchischcn Milieu lebende judischc Gemeinde
von Alexandria zweeks Ubersetzung ins Gricchischc geschickt wur¬
den, waren die hebraischen Originaltcxtc auf Hauten geschricben, die
gricchischc Ubersetzung — die untcr dem Namen Septuaginta bekannt
wurde - erschicn in Papyrusrollen. Erst als Bcarbcitungsmcthoden
cntwickclt waren, die cine wesentlichc Vcrfcinerung der langst schon
als Beschreibstoff verwendeten Tierhaut zustande brachten - es ist
das, was wir Pergament nennen - erstand dem Papyrus cin ernster
Rivalc. In dcr Rollcnform hatte das Pergament das schmiegsamerc,
lcichtere Papier wohl schwcrlich so rasch verdrangen konnen, es
bedurfte noch einer zweiten Neuerung bzw. Reform im Buchwesen,
um dem Pergament zum Sieg zu vcrhelfen: der Einfuhrung des
Codex, des Blatterbuchcs. Urspriinglich waren es wohl Doppeltafcln
aus Holz - uns als Diptychcn vertraut -, deren Innenseiten mit Wachs
belegt waren, in das man bei Gericht oder ahnlichen Anlasscn mit
eincm Griffcl kurze Notizen oder Memos eingrub. <(Im sogenannten
Probianus-Diptychon zum Beispiel (Abb. 5) schreiben die kleincn
Gestalten zu scitcn dcs Thronenden in solchen Doppcltafelchen, alle
anderen dargcstclltcn Personen halten hingegen Rollcn.)
Vom ersten nachchristlichen Jahrhundert an haben wir in Rom
Kunde von der Existcnz von Blattcrbiichern (man nanntc sic >mem-
branac<) wahrscheinlich klcinen Formats (>libelli<). Wir wissen seit
kurzem auch, daB die christlichen Gcmeinden schon friih, schon im
2.Jahrhundert, Papiercodices bevorzugten, also zum Codex iiberzu-
gehen begannen, aber zu cinem Codex mit billigem Beschreibstoff.
Die christliche Literatur erschien in billigen Ausgaben, es waren die
unscheinbarcn Bucher einer Untergrundbcwcgung oder der klcinen
Leute, wahrend die heidnisch-klassische Literatur weiter traditionsge-
maB in Rollenform ediert wurde. Ja, es scheint, daB bis zu dem
Zeitpunkt, in dem das Christentum Staatsrcligion wurde, die Christen
als Protest sowohl gegen den heidnischcn wie den judischen Brauch,
also gegen die heidnischc wie die Thorarollc9, auf den Codex cinge-
schworen waren. Die Erhcbung des Christcntums zur Staatsrcligion
untcr Constantin aber leitet das Jahrhundert ein, in dem die Codex-
form die Norm fur jcgliche Art Literatur wurde. Im 4.Jahrhundert
hat sich der entscheidendc ProzeB dcr Transponicrung der klassischen
und christlichen Literatur von dcr Papyrusrolle zum Pergamcntcodex
auf breiter Front vollzogen. Ein ProzeB, dcr fur die Uberlieferung
der antiken Bildung und die Entwicklung des ganzen europaischen
4
Grabstele.
Attisch, 5.Jh. v. Chr.
I on der Schriftrolle zum Codex i 5
Gcistcslcbcns von ungeheurer Bcdcutung war. Erstcns waren die Fol-
gen konservicrcndcr Art. Die Lebensdauer einer Papyrusrollc war
eine stark begrenzte. Man hielt es schon tlir ein Wunder. wenn ein
Papyrusbuch ein Alter von zweihundert Jahren erreichtc. Ware man
nicht zum Pcrgainentcodex iibergegangen, so waren die matcriellen
Voraussetzungen fur das Weiterlebcn dcs antiken Schrifttums die
denkbar ungiinstigsten gewesen. Die Zeitbriicke, die die Vcrgangcn-
heit mit der Zukunft verband, ware auBcrst eng geworden, denn von
Generation zu Generation hattc sich nur das vererbt. was dem Wechsel
dcs Publikumsgescbmacks und dem Tagcsinteresse nicht unterworfen
war und kontinuierlich neu aufgelegt werden mulke, und das ware
in den nachantiken Jahrhundertcn praktisch nur die Heiligc Schrift,
die Bibcl, gewesen. Der Sieg des Codex liber die Rolle bedeutete die
Rcttung der antiken Bildung tlir die Nachwelt.
Hs lag in der Natur der Sache. daft die Ubcrtragung dcs antiken
Bildungsschatzes nur cine selektive war. Nur was dem 4. und
S.Jahrhundcrt lesenswert crschicn, damals von aktuellcm Intcresse
war, wanderte von der Rolle in den Codex und iiberdauerte so die
Zcitcn. Das damalige Auswahlprinzip hat im wesentliehen dariiber
cntschicdcn, wen von den antiken Autoren und welche ihrer Schriften
die Nachwelt im Originaltext lesen sollte und wo von sic hochstcns
durch Zitatc Namen oder Titcl erfahren sollte. Die Wcite odcr Engc
16 Iiinlcitunд»
des damaligen Gcschmacks hat auch iibcr unscrcn Bildungshorizont
cntschicdcn. Bckanntlich war dies nicht das cinzigc Sicb, das die
antike Uberlieferung passicrcn muBte. Пег Zahn der Zeit und der
Niedergang, besscr Zusammenbruch der antiken Kultur der Mittcl-
meerlandcr, ihre politische Entmachtung und das Vordringcn des
Islam haben das Rettungswerk der spatantiken Buchproduktion und
der Schrciber in Frage gestellt. Und so war es der ersten Renaissance-
bewegung dcs Abendlandes vorbchaltcn, der der karolingischcn Epo-
che. durch eine rege Abschreibctatigkcit antiker Texte nochmals vom
antiken Erbe zu rotten, was noch zu rotten war. ПаВ nunmehr das
Reserv oir, aus dem die Kcnntnis antiker Literatur geschopft werden
konntc, stark geschrumpft war, liegt auf der Hand. Das Kerngcbict
der karolingischcn Renaissanccbewcgung vvaren die Lander, die dem
antiken (Jallicn cntsprachen. Die Klosterskriptorien, denen die Tran-
skription der Texte oblag, konnten im wesentlichen nur dessen hab-
haft werden. was in den altcn gallischen Bibliothekcn aufgctricbcn
werden konntc - obwohl cs schon damals in vereinzeltcn Fallen cincn
Entlehnverkehr mit dem Ausland gab. Zu der situationsbedingten
Beschriinkung auf das im Kerngcbict des neuen Impcriums Vorhan-
dene koninit als aktiv beschrankender Faktor die Auslesc des der
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Incipitseite.
Petrus Archidiaconus,
Liber de diversis quaestiuneulis,
Aachen, Ende S.Jli.
Von der Schriftrolle zum Codex 17
- zu den Himmciskorpem.
Kipyrusrolle, 165 v.Chr.
Abschrift Wiirdigen, wic sic vom Intercssc und Gcschmack dcr neuen
monchischen Bildungsschicht diktiert war. Eine Kopiertatigkcit, wic
sie zur Befricdigung von geistigen Intcresscn mit weiterem Bildungs-
horizont am Hofc Karls des GroBcn, also zur Bercicherung einer
weltlichcn Bibliothek, ins Leben gerufen wurde, blicb die Ausnahmc.
<Ein denkwiirdiges Beispiel dieses profanen Bcitrags zum Rettungs-
prozcB antiken Bildungsgutes ist das >Liber de diversis quaestiunculis<
des Petrus Archidiaconus, auf dcssen Incipitseitc (Abb. 6) - in Kapita-
licn, die der Zeit als antik galten - zu lesen ist, daB Karl dcr GroBe
personlich das Werk transkribieren lieB: »Incipit liber de diversis quae-
stiunculis cum responsionibus suis quern iussit dom[i]nus rex Carolus
transcriber .. .«>
Wir sind unvcrschcns von Form und Ausstattung zum Buchinhalt
abgcschweift und mussen nun zu unserem cigentlichcn Thema zu-
ruckkchrcn. Fur das Vcrstandnis dcr Gencse der mittelaltcrlichen
Buchmalcrei ist der erste TranskriptionsprozeB, der dcr Spatantikc
aus dcr Rolle in den Codex, von kapitaler Bedeutung. Beim Kopieren
der Texte blieb der Inhalt erhaltcn, dies war ja der Zwcck der Obung,
Vcranderungcn ergaben sich nur aus Irrtumcrn des Abschrcibcns. Wie
aber stand cs mit dcr Form der Schrift und, wenn cs cine solche gab,
dcr Ausstattung, des Buchschmucks und dcr Illustration? Wolltc man,
konnte man diesc rcproduzicren, kopieren, war es uberhaupt moglich,
sie unverandert zu ubcmchmen? Man braucht diese Fragcn nur zu
stcllen, urn zu erkennen, welche Fiille von Problemen sich aus der
praktisch-technischcn Umstellung ergaben.
Papyrusrollen waren in schmalcn, hohen Kolumnen mit kurzen
Zeilen geschricben (Abb. 7), bcim Ubergang von cinem kontinuierli-
chcn Schriftband von ansehnlicher Lange zu einer Folgc von rclativ
klcinen separaten Blattern lieBcn sich bestenfalls zwei bis vicr solcher
18 Einleinnig
Schriftkolumncn auf einer Seitc vcrcincn (Abb. 8, 9). Man war friihcr
geneigt, das Ncbencinander mehrerer Kolumncn auf einer Codcxscitc
als Nachlebcn dcr in der Schriftrolle bebcimateten und ihr genehmen
Tcxtanordnung zu intcrprctieren, als Zcichen einer Unfrcihcit gegen-
iiber einer in eincm verschicdcnen Medium crwachsenen Tradition.
Scit wir von dem bcsondcrcn Attachcment dcr friihcn Christen zum
Codex wissen, drangt sich uns eine ganz andere Deutung dcr Fakten
auf. Dcr friihc christliche Papicrcodex, dcr von bcscheidencm Format
war, bcsaB hochstwahrschcinlich in der Regel nur eine cinzige Schrift-
kolumne, mit etwas breitercn Zeilen als cs bei den Textkolumnen der
Rollcn iiblich war. Prachtausgabcn der Bibcl auf Pergament aber, wic
ctwa der beriihmtc Codex Sinaiticus (Abb. 9), dcr in vicr Spalten
geschricben ist - cine dcr wenigen fast vollstandigcn spatantiken
Prachtausgaben der Bibel, die sich erhaltcn haben diirftcn als Pro-
dukte einer archaisierenden Richtung zu verstehen scin, flir das vor-
nehme Publikum, die herrschendc Klassc gedacht, an deren in die
heidnische Zeit zuriickreichendc Gcwohnhciten das christliche Buch
sich angepaBt hattc.
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Stcrnbildcr.
Chronologischc und
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9 Wcnn man in karolingischer Zeit odcr spatcr noch mchrspaltig
SchluB dcs Johanncs-Evangeliums. schricb - man dcnke an den Utrccht-Psalter (Abb. 10) so tat man
Codex Sinaiticus, 4.JI1. ^ zvveifcllos auch, um dcr Handschrift cin bcsondercs Dekorum und
cin altchrwiirdigcs Ausschcn zu geben. 1st doch dcr Utrccht-Psalter
sogar statt in dcr damals modernen Minuskcl in archaisiercndcn Ka-
pitalicn, GroBbuchstabcn, gcschricbcn. <Schon die im friihen
11 .Jahrhundcrt angefertigte angelsachsischc Kopic - nicht mono-
chrom vvic dcr Utrecht-Psaltcr, sondern mit farbiger Feder gczcichnct
(Farbtafel xviii) — macht dieses Archaisicrcn nicht mchr mit.) In eincr
zweiten - im 12.Jahrhundcrt — in England entstandenen Kopic9 10 hat
man dann cine rationale Motivierung der Mehrspaltigkeit gefunden:
Es ist cin Psaltcrium triplex, d. h. eine Konkordanz dcr drei latcini-
schcn Ubersetzungen des Psalters (Abb. 11: es ist drcimal dicselbe
Tcxtstclle, dcr Beginn des 11. Psalms - »Salva me...« bzw. »Salvum
me fac ...« - zu lesen).
20 Einleitung
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Illustration zu Psalm 11.
Utrechi-Psalter.
Reims, um 830
Illustration zu Psalm 11.
Eadwine-Psalter.
Canterbury (Christ Church), um 1150
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22 Einleitung
Dem Pergamentcodex vcrdankcn wir also die Rettung dcs literari-
schen Vcrmachtnisscs der Antike; wic ist cs aber bei dcr Umstcllung
von der Rollc zum Codex dem Gewand ergangen, in das man in der
Antike den Inhalt klcidete, dem dekorativen Schmuck des Buches
und seiner bildkiinstlerischen Ausstattung? Was ist von dem reichen
Schatz des im antiken Buch in schaubarer Form Gesagten in die
Folgezeit hiniibergerettet worden? Um diesc Frage zu beantworten,
wird man sich drei Grundfakten vergegenwartigen miissen.
Erstcns, daB cs in dcr Antike nur einc sehr bcschrankte Anzahl von
Textcn gegeben hat, die lllustrationcn enthalten oder anderweitige
kunstlcrischc Ausstattung besessen haben, zumal im Zeitalter dcr
Buchrolle. Es hat reich illustricrte Bucher damals gegeben, sogar
wahre Bilderbiicher, aber sie waren die vcrschwindendc Ausnahmc.
In dem TransponierungsprozeB war es wiedcrum nur eine klcine
Auswahl, deren Bebildcrung oder Zierschmuck in den Codex mitko-
piert wurdc, bzw. dort ein Aquivalcnt erhiclt. Von den zahlreichcn
Papyri, Fragmenten von Buchrollen, die in Agyptcn wiedcr ans Licht
gckommen sind, ist nur ein sehr gcringer Teil illustriert (Abb. 12)
oder gcschmiickt; keine einzige Rollc antiken Ursprungs, die einc
Bildcrfolge enthicltc, nicht einmal ein nennenswertes Bruchstuck ei-
ner solchcn ist bis auf uns gckommen11. Von dcr Buchmalerei dcr
griechischen Welt, in dcr die Schriftrollc das Monopol hatte, konnen
wir uns nur in zum Teil sehr gewagten Rekonstruktionen einc Vorstcl-
lung machen.
Dicscr fast totale Verlust erschwcrt es ungemein, zu ermessen oder
abzuwagen, was in der Sphare des bildlichen Schmuckes der antike
Codex von der Schriftrollc iibemommen hat. DaB man von eincr
nachantiken Bildrolle, der mittelbyzantinischcn Josuarolle der Biblio-
teca Vaticana (Abb. 19) auf das Aussehen der antiken illustrierten Rollc
direkt Schliisse ziehen darf- wic man lange Zcit glaubte - wird heute
von eincm Teil der Forschung crnstlich bestritten. A Is crschwercnder
12
Papyrusrcste
mit dem Bruchstuck
eincs Romans, 2.Jh.
I on der Schriftrolk zum Codex 23
13. U
Sternbildcr.
Komputistisch-Astronomisches
Lchrbuch, Metz, zwischen 820 und 840
Umstand komnit hinzu, daG aucli vom antiken illustricrten Perga-
mcntcodcx, also dem direkten Nachfolgcr der illustricrten Rolle,
nur cine ganz gcringe Anzahl von Originalen erhaltcn geblieben
ist (Abb. 29); die Kenntnis einiger weitercr Beispiele verdanken wir
karolingischcn Kopisten (Abb. 31), zu deren Zcit noch eine groGcrc
Anzahl antiker Handschriften cxistiertc. So ist aucli unscrc Kenntnis
dcs Buchschmucks dcs antiken Pergamentcodcx eine rccht be-
schrankte.
Der zweite Faktor, den wir bei Beantwortung unscrcr Frage nach
dem schopferischen Antcil dcr Rollenillustration am Schmuck des
Blatterbuchcs zu beriicksichtigcn haben, ist der Anpassungskoeffizient
an das neuc Buchformat, das ncue Medium, die veranderte Aufgabc.
Hatte beispielswcisc eine Schriftkolumne kurze Zeilen wie bei der
Rolle, dann muGte auch cin Bild, das in diese schmale Kolumne
inseriert wurde, knapp gehaltcn werden - Kolumncnbilder neigen zu
lapidarcr Kiirze (Abb. 7). Andcrt sicli dcr Satzspiegel und langen
sich die Zeilen wie beim Codex, dann wird das fur die Illustration
frcigelassene Intcrvall innerhalb der Schriftkolumne viel zu breit fur
das Bild der Rollenvorlagc. Wird die Vorlage ohne Vcranderung
kopiert - wie das aus Rcspekt vor dem altchrwiirdigcn Fbrbild nicht
; I \«*lnv \rcfj/r*ur Я1ДЮГ lixb^Adhfmoptre VH 1*1
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Der Hirsch ail der Quelle,
Illustration zu Psalm 41,2.
Stuttgartcr Psalter,
Saint-Germain-des-Prcs (?),
1. Hiiltte y.Jh.
scltcn verlangt worden sein mochtc —, dann kann die wortlich getreue
Wicderholung dcs LYbildes unmoglich den breiten Strcifen flillcn, es
entstehen Locher auf der Buchscitc. Das mag dann den Anreiz bilden,
Fiillmotive zu erfmden, um die Locher zu stopfen, also die Vorlagc
zu verandern. {In cincr karolingischcn — iiber ein Zwischcnglied von
cincr antiken Handschrift kopierten - Arataca-Handschrift ist im
wesentliehen noch das antike Bild ubernommen, aber in das lntcrvall
dcr schr breit gewordenen Schriftkolumnc gesetzt (Abb. 13), frei
schwebcnd, ohne irgendwie fest verankert zu sein. Ein andcrcs Blatt
dcrselben Handschrift (Abb. 14) zeigt zwei Illustrationen in eine Ko-
lumne nebeneinandcrgcschobcn. DaB die Verlockung bestand, die
Schriftkolumne wenn das Motiv selbst nicht dazu ausrcichtc -
erganzend auszufiillen, daB sich hier AnlaB zu Bercicherungcn bot,
mag - mit Vorbehalt, denn das Urbild ist nicht lcicht zu bestimmen -
an einem Bcispiel aus dem Stuttgarter Psalter vcranschaulicht werden
(Abb. 15): Es ist die Illustration zu Psalm 41,2 »Qucmadmodum dcsi-
derat cervus ad fontes aquarum, ita dcsidcrat anima mea ad te Dcus«
- »\vie dcr Hirsch nach der Quelle diirstet, so diirstct mcinc Seele
nach dir mein Gott«. Das Zcntrum dcr Darstcllung ist der Hirsch, der
an der Quelle trinkt, hwzugesellt hat sich dcr Psalmist, dcr auf die
Hand Gottcs und den Hirschcn vveist. So ungefahr muB man sich
vorstellcn, daB cine Rcihc von urspriinglich sehr knappen Illustratio¬
nen erweitert vviirdc.)
Wir sehen: beim Bild flihrt das Postulat der Buchstabcntreuc ge-
gcniibcr dem Urtcxt sofort zu Konfliktcn, kann nicht mehr, wie beim
sprachlichen Text, ein absoluter Wert sein. Veranderungcn des Textes
schleichen sich unabsichtlich ein, sind die Folge von Verlesen und
Unachtsamkcit; wir sprcchcn von Tcxtkorruption. Natiirlich gibt es
auch bci der Tradierung von Bildvorlagen Korruption, Sinnverstiim-
26 Hinlcinmg
Wichtigcr als historischcs Phanomen ist jcdoch cine zweite Folgc-
crscheinung dcs Umstellungs- und Anpassungsprozcsscs. Jeder Buch-
typus schcint von sich aus nicht nur ihm allein cntsprcchendc
Bildformatc zu vcrlangen, sondern auch ihm allein kongeniale
Schmucksystcnic und - was das Wichtigstc ist - ihm kongeniale
bildliche Erzahlwciscn. Jeder Buchtypus ist cin anderes Medium, in
dem anderc Gcstaltungsmoglichkcitcn schlummcrn. Das kontinuierli-
che Band der Schriftrolle legt cs nahe. die Motorik der Buchform,
das Abrollen - das noch in dem heute ganz anderes bezeichncnden
Terminus Volumen nachklingt- in die Bildform und bildliche Erzahl-
wcisc hincinzutragen, seitlich offene Bildkompositioncn zu schaffen.
Der Codex mit seiner Folge relativ kleincr, separater Blatter wieder-
um drangt auf seitlichen Abschlub, auf Untcrteilung, Insichgcschlos-
senscin des Bildes wie der Buchscitc (Abb. 18). Wic inimer man
sich die Entstchung dcr Bilderfolge des vatikanischcn Josuarotulus
(Abb. iy) zu denken hat — woriiberjetzt die Mcinungen dcr Forschung
auseinandergehen - ob sic als archaisicrcnde Ncuschopfung der maze-
donischen Renaissancebcwegung zu vcrstchcn ist, wie Wcitzmann
vorschliigt14, und das hiebe als Bilderstreifcn, der durch Aneinandcr-
flickcn und Auffadeln einer groben Anzahl urspriinglich getrennter
Einzelepisoden entstanden ist, - aus in sich geschlosscncn, gcrahmten
Bildern, wie sie die ikonographisch aufs engstc verwandten Josuazy-
klen der wenig spiitcren mittelbyzantinischen Oktateuchillustrationcn
(Abb. 20, 21) besitzen — oder aber ob die Josuaillustrationcn schon
urspriinglich als szcnischer Film, als fortlaufendcs Gcschehcnsband
erfunden worden sind, wie man langc, Wickhoffs15 Interpretation
folgend, glaubte, auf jeden Fall ist es cine aus dem Gcist des Mediums
entwickelte Erzahlwcisc - die kontinuierlichc Erzahlung -, flir die cs
monumentalc Gcgcnbeispiclc in der Spatantikc gibt, wie das um
cine Saule spiralig gewundene Reliefband dcr Marc-Aurel- oder dcr
Trajan-Saulc (Abb. 22). Bcsteht Weitzmanns These zu Rccht, derzu-
folge wir im Bildcrzyklus der Josuarolle cine kiinstliche Rekonstruk-
tion einer antiken Bildcrrolle zu erblieken haben, die genuine antike
Rollcnillustration jedoch den kontinuierlichen Erzahlstil nicht kannte,
dann stiinden wir vor dem hochst seltsamen historischen Phanomen,
dab die der Buchrolle kongeniale Erzahltechnik erst post mortem des
Rollenbuchcs von einem gclehrten Kopfcrdacht worden sei. Einc flir
mich nur schwer vollziehbarc Vorstellung.
Schlieblich der dritte Grundfaktor. den wir bei einer Bcurtcilung
der epochalen Umstellung des Buchwcscns von Anfang an in Rcch-
nung stellcn miissen: Die Wendc von der Schriftrolle zum Codex fiel
zusammen mit einem Umschwung in der Bcwertung der sinnlichcn
Erfahrung und Anschauung, einer Hntwertung des anschaulich Erleb-
baren, was natiirlich die Haltung zum Bild und Abbild zutiefst beriih-
ren mubtc und im ostliehen Mittclmeerbcckcn bekanntlich zur extre-
men Form der Bildcrfeindlichkcit gcfiihrt hat16. Wo man noch bildcr-
freundlich war oder blieb, begann man in dcr als verganglieher Schein
gcstempclten auBcrcn Wirklichkeit ein Simile zu erblieken, das flir
ein primar nicht Sichtbares, die iibersinnlichc Welt, das wahre Scin,
stcht. Man begann, zwischen dem leiblichcn und dem geistigen Auge
is
Illustration dcr
Eigcnschaftcn dcs Lowcn.
Bcstiar. Peterborough (?),
Anfang 13. Jh.
Szenen aus den Daker-Kricgcn
Trajan-Saule (Ausschnitt).
Rom. Anfang 2.Jh
Von der Schriftrolle ztim Codex 25
16
Evangelist Johannes.
Evangeliar,
Byzantinisch, Mittc 10.Jh.
j.’.isr Matthaus.
. millenarius,
_.rg. um 800
melung infolge mangclnder Fahigkcit und Gcschicklichkcit des Kopi-
sten, MiBvcrstchcn des Vorbildcs, denn auch das passivste Kopicrcn
beinhaltet schon cine unwillkiirliche Interpretation. <Es ist aber auch
ein Mi fiver steheu-Miissen, ini Sinn von >in der neuen Sprache ausdriik-
ken miisseiK, welches die neue Form mitbestimmt. Ein Umdeutcn,
Ubcrsctzen in cigcnc, fur die Zeitgcnosscn bestimmte, vcrstandlichcrc
Formcn. Zur Veranschaulichung des Gcsagten stellc ich eine jener
zahlreichcn byzantinischcn Evangclistendarstellungcn, die wir noch
als Vertreter des spatantiken Autorenportrats ansehen konnen
(Abb. 16) und eine nordische, friihmittelalterliche Kopie dieses Typus
(Abb. 17) gegenuber. Die Philosophenhaltung - das in die Hand Stiit-
zen des Kinns - ist dieselbc. Zu bcachten ist die Transponicrung des
Schaftes des Lesepults. Der Kopist kannte natiirlich das Naturvorbild,
den Delphin, nicht; er hat ihn in ein Drachenwcscn mit scharfen
Zahnen und besondcrcr, dekorativer Ausbildung des Auges iibersctzt,
d.h. cr dachtc sicherlich auch, cs in scincm Sinn zu verbessern, aus-
drucksvoller zu gcstalten, indem cr ihm dicse Form gab.) Es sind
intendierte Vcranderungcn, sic entspringen eincm anders Miisscn,
cinem anders Wollcn12, nicht einem Unvermogcn, sind nicht blob
AuBcrungcn dcr Inferioritat und Primitivitat des Kopisten13.
Von der Schriftrolle zum Codex 27
. C iibeoniter vorjosua.
-irollc.
: iruinisch, 10.Jh.
20, 21
Die Gibeonitcr vorjosua.
Oktatcuch,
Byzantinisch, 11. Jh.
zu untcrschciden, und was man mit dem lciblichen Augc sah, hattc
nur Wert als Abglanz, Andcutung, Wegweiser auf cin Anderes, hintcr
dcr Obcrflachc dcr matcricllcn Erscheinung Verborgencs - kurz als
Zcichcn, als Symbol. Wenn allcs Schaubarc nur stellvertretendc 13c-
dcutung hattc, dann muBtc allc bildlichc Darstcllung symbolhaft
werden, eine mchr odcr minder abstrakte Zeichcnsprache. Als Bildcr-
schrift war sic aber plotzlich in cine innere verwandtschaftlichc Bczic-
hung zur Zeichcnschrift dcs Buches getreten, die Schrankcn zwischcn
zwei bishcr heterogenen und in dcr Antikc grundsatzlich unvermisch-
baren Spharen fielen. Wcitc Pcrspcktivcn fur ein fruchtbarcs, schopfe-
risches Zusammcnlcbcn von Wort und Bild, von Buchstabe und
Figur, von Schriftspiegcl und Bildraum taten sich auf. Dicscr Sym-
biosc verdanken vide dcr origincllstcn Erfindungcn der bildkiinstlcri-
schcn Phantasic dcs Mittclaltcrs ihre Entstchung und Entfaltung, ctwa,
um nur cinige der spczifischcn Moglichkcitcn anzudeuten, die
Figureninitiale, bci dcr dcr Buchstabenkorpcr durch Figuren odcr
28 Einlcitimg
ganzc Szcnen gebildet wird (Farbtafcl xxx), die liistorisiertc Initiate,
bei der Figuren odcr Szencn die Fiillung dcs Buchstabens bilden
(Abb. 138), die Monogrammseite, die Schrift und Ornament in rcich
orchcstricrtcn Kompositioncn zusammcnfligt (Farbtafcl hi), die Drole-
rie, die glcichsam cinen Freiraum fur groteske, naturalistische Drastik,
Genreszcnen u.a. bictct (Abb. 23, 151), didaktische Bilder mit ihrer
Durchdringung von bildliehen und Schriftclemcnten, vvie sic auGcr-
halb des Buches nie moglich ware (Abb. 166), Bilderkotikordatizcn wie
etwa die Arnicnbibel, die mit ihren Gcgeniiberstellungcn von Bildern
dcs Alten und dcs Neuen Testaments spirituellc Zusamnienhangc -
Prophczeiung und Erfiillung - vor Augcn fiihrcn will (Abb. 24)17,
und noch viclcs anderc, Dinge, dienur im Lcbensraum dcr Buchmale-
rci groG werden konnten und im Reich dcr Monumcntalmalcrci, sei
es Frcsko, Mosaik oder Tafelbild, nicht ihresgleichcn haben.
Die Gewinne, die, wenn auch nicht dank der Umstellung von dcr
Buchrollc zum Codex, so doch in ihrem Gcfolge nacli und nach
erziclt worden sind, sind, wie ich eben anzudeuten vcrsuchtc, bei
einigem guten Willcn eher abzuschatzen als die Vcrlustc, deren Uni¬
fang und Bcdeutung wir heute nur mehr erahnen konnen. {Wir
konnen bcobachtcn, wie aus der neuen Kocxistenz von Schrift, Bild
und Dekoration immer wieder vollig ncue Formen und Ausdrucks-
weisen entstehen, was es hingegen zuvor gegeben hat und nicht
weiterlcbtc, laGt sich vicl scliwerer abschatzcn.) Die Bildcrzyklen,
die mit der Vernichtung dcr illustricrten Rollcn zugrunde gegangen
sind, wird kein Spaten cines Archaologcn auch nur fragmcntwcisc
ausgraben konnen. DaG man die Verlustc nicht hoch genug veran-
schlagen kann, wird man sich noch am ehesten am Beispiel der
Bibclillustration vergegenwartigen, deren Tradition bcgreiflicher-
weisc trotz Wechsel dcs Mediums, trotz Kulturkatastrophen und Kri-
sen der Kunst nie ganz abgerissen ist. Von den altesten biblischcn
Zyklen, die sicherlich noch als Rollenillustration entworfen worden
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Von der Schriftrolle zum Codex 29
24
Krcuztragung mit zwei
typologischen Szenen.
Armcnbibel, Blockbuch,
Hollandisch, um 1430/1440
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sind, hat die ganze fruhmittelalterliche Bibelillustration einschliefilich
der romanischen Epoche gezehrt. Ausziigc aus den urspriinglichen
Bilderfolgen sind in friihchristlichc Codices iibernommen und spater,
wieder auszugsweise, in immer klcincrcn Doscn bis ins Hochmittelal-
ter hiniibergerettet worden. <1° der Wiener Genesis (Farbtafcl 1),
cincm aus kaiscrlich byzantinischem Besitz stammenden Purpurco-
dex, haben wir ein erstes, friihes Stadium dieser Rcduktion vor uns:
eine noch immer auBcrst reich illustrierte Gcncsis-Folgc (cs ist ein
48 Scitcn - von ursprunglich mindestens 200 Sciten - zahlcndes
Fragment). In den karolingischcn Bibeln bekommen dann die cinzel-
nen Biichcr - manchmal nur noch das Buch Genesis - lediglich
Titelbilder, in denen auf einer Seite cinige Bildstreifen zusammengc-
drangt wurden (Farbtafel xi), und die wir, da wir die ikonographi-
schen Ubereinstimmungcn lcicht nachwcisen kdnncn, als Ausziigc
aus unendlich viel reichcrcn Bildcrzyklcn ansehen diirfen. Wie diese
30 Bin Icitiing
fortschrcitcndc Rcduktion stattgefundcn hat, dcr Strom der bildlichcn
Uberlicferung immcr diinncr wurdc, uni schlieBlich auf einigc Titcl-
bildcr zusammcnzuschrumpfen, mochtc ich noch am Bcispicl der
Illustration dcr Makkabaerbiichcr kurz skizzieren. Wir besitzen eine
spatkarolingische, wahrscheinlich in St. Gallcn entstandenc Hand-
schrift, in der auf 26 eigencn Bildseitcn cine ganze Szcnenfolgc die
Gcschichte der Makkabacr erzahlt (Abb. 25, 26). Es ist kcin Zweifel,
dab dicsc karolingischc Folge nur eine Kopie einer spatantiken Vorlage
ist. In zwei Bibeln der romanischen Epochc, der von Citeaux und dcr
von Winchester, sind gerade die Makkabaerbiichcr mit Titclbildern
versehcn (Abb. 27, 28). Die in mchreren Bildstreifen ubercinander
angeordncten Szcnenfolgen bcinhalten cngc Parallelen zu dem
St. Gallcncr Zyklus, etwa, um nur auf zwei Details hinzuweisen, die
Klagcgestcn der Traucrndcn in der jcweiligen SchluBcpisode (Tod des
Judas Makkabiius) odcr die Ausschnitthaftigkcit der Darstellungen
am Bildrand (St.Gallen und Winchester).)
Vcrfolgen wir die Gcschichte dieser Tradicrung, so kommen wir
unweigerlich zu dem SchluB, daB die bei weitem reichstcn, ausfiihr-
lichstcn biblischen Bildcrzyklen am Anfang gestanden haben, ja daB
der biblischc Text nie wiedcr so eingchcnd und luckenlos illustriert
wordcn ist. Allcrdings gilt dies nur fur das Altc Testament, von friihcn
zyklisclten Darstellungen dcr Evangelicn ist keine Spur zu findcn.
25
Konig Antiochus
crtcilt seine Befehle.
Makkabaerbiicher,
St.Gallcn,
i.Halfte 10. Jh.
26
Tod des Judas Makkabaus.
Makkabaerbiichcr,
St.Gallcn,
i.Halfte io.Jh.
Von der Schriftrolle zum Codex 31
7xi des Judas Makkabaus.
ir.bel des Abtcs Steven Harding,
::eaux, Anfang 12.JI1.
28
Konig Antiochus
erteilt seine Befehle,
Tod des Judas Makkabaus.
Winchester-Bibel,
Winchester (St. Swithun’s),
urn 1150-1180
Lange wuBtc man nicht, was dicse auffallcnde Diskrepanz bcdcuten
solltc. Die Beobachtung, daB die Alttestamentszyklen zahlrcichc apo-
kryphe jiidische Elemcnte enthielten, hat dann die Forschung auf
die wahrscheinlich richtige Spur gebracht: Dicse alttestamentarischen
Bildcrzyklen miissen vorchristlichen Ursprungs sein, in den vom
Hellenismus infizierten und daher das Bildervcrbot nicht mehr beach-
tenden judischen Gemeinden entstanden. Das heiBt aber - und dies
ist fur uns im Augenblick das Entschcidcndc ihre Entstchung fallt
in eine Zcit, in dcr es den Codex noch nicht gegeben hat. Mit einem
Wort: das zyklischc Erzahlcn, Welches mit kontinuierlichcm Erzahlcn
nicht identisch ist, ist recht cigentlich das Vcrmachtnis dcr antiken
Rollcnillustration an die mittelaltcrlichc Buchmalerci. Es hat, wie wir
sehen konnten, im wcitcren Verlaufder mittclalterlichen Entwicklung
bisweilen geniigt, wenn den Illuminatorcn im gccigneten Moment
Bruchstucke solcher Bilderzyklen in Kopien untergekommen sind,
um narrative Kunst wic den Phonix aus der Asche wieder erstchen
zu lassen. Eincs dcr schonstcn Bcispiclc fur die Unsterblichkeit kiinst-
lerischer Ideen.
Verankerung des Bildschmucks
im Buchorganismus
Eine der Grundbedingungcn des Vcrstehcns mittelalterlicher Buch-
malcrci ist es, eine klare Vorstcllung davon zu gewinnen, wie das Bild
odcr dcr bildliche Schmuck im Organismus des Buchcs matcriell wie
geistig vcrankcrt ist. Ebensowenig wie man deni kiinstlcrischcn Sinn
mittelalterlicher odcr barockcr Altarbildcr odcr den Gewandefigurcn
gotischer Kathcdralcn gerecht werdcn kann, wcnn man sie als isolicrtc
Muscumsstiickc betrachtet und wertct, ohnc ihrc Funktion im Sakral-
raum und ihre intime Vcrbundcnheit mit andcren Teilen des Gcsamt-
kunstwerkcs in Rcchnung zu stcllcn, ebensowenig begreift man eine
Miniatur, wcnn man sie im Apperzipieren ihres Existcnzraums be-
raubt, also densclben Vandalismus im Gcistigcn begcht, den die vielcn
kunstliebenden Vandalen dcs vorigen und auch noch unseresjahrhun-
derts faktisch sich zuschuldcn kommen licBcn, die Initialen odcr Mi-
niaturen aus Biichcrn herausschnittcn, um sie in Bildcrrahmcn, die
den cntwurzelten Wesen cine falschc Ganzhcit geben, fein saubcrlich
an die Wand zu hangen.
Wir werden uns, glaubc ich, am raschestcn in die besondere Sphare
dcr Buchmalcrei einschcn, wcnn wir von eincr Erfahrung ausgehen,
die jedcr bald machcn wird, dcr sich mit dem Studium illuminiertcr
29
Kriegsrat des Ascanius.
Vergilius Vaticanus,
Italien (?), Anfang 5.Jh.
Vorbemerkitngen 33
30
Bacchus.
Ovidc moralise,
Flandern, uni 1480
3i
Illustration zu Andria,
11. Akt, 6. Szene. Terenz, Komodien,
Reims, z.Halftc 9.Jh.
Handschriftcn abgibt. Zu seiner Uberraschung wird namlich ein
aufnicrksamcr Beobachter schon nach der Durchsicht cinigcr weniger
Handschriftensammlungcn die Fcststcllung niachcn miissen, dab cs,
sicht man von dcr Spatzeit der mittelalterlichcn Entwicklung ab,
immer nur verhaltnismabig wenigc Tcxtc warcn, die illustricrt oder
auch illuminiert wurdcn, und ferner, dab es nur ganz bcstimmtc
Stellen im Buche sind, und zwar je nach dem Text immer anderc, an
dcncn sich bildlicher oder dckorativer Schmuck findet. Schon in der
Antikc schcincn - soweit die stark fragmentierte Ubcrlicfcrung ein
Urteil zulaGt - nur bestimmte Werke AnlaG zur Illustrierung gebotcn
zu haben; vvarum, das entzieht sich haufig unscrer Kenntnis. So ist
gewib nicht dcr Zufall dcr Erhaltung daran schuld, dab wir von
mchrcren illustricrtcn Vcrgilausgabcn wisscn (Abb. 29), hingcgen
keine Spur cincs bebilderten Ovid entdecken konncn. Die spatmittcl-
alterlichcn Illustrationen des christlich moralisierten Ovid fubcn in
keiner Weise auf irgcndcincr bildlichen antiken Tradition, sie sind
direkte Verbildlichungcn dcs Tcxtes, uns oft furchtbar naiv anmutcnde
bildlichc Ubcrsctzungcn dcr vcrbalen Andeutungcn und Bcschrei-
bungen, etvva wcnn der Tiger des Bacchus in einer flamischen Minia-
tur als hybridcs Monster dargcstcllt wird, dessen Vorderteil eincm
Grcifcn, dessen Hintertcil cincm Lowcn ahnelt (Abb. 30). Dab wir
Tcrenzillustrationen besitzen (Abb. 31), hingegen kein Anzeichen da-
fur spricht, dab Plautus, dcr andcre grobe romischc Komodiendichter,
in einer illustriertcn Ausgabc vorgelegen hat, ist ebenso ratsclhaft wie
das Fehlen einer Tradition von Ovidillustrationen. Fiir uns bleibt cs
unbegreiflich, dab ein Stoff wie der von Ovids Metamorphoscn - dcr
in dcr Renaissance eine solchc Bcdcutung crlangcn sollte - nicht zur
bildlichen Darstcllung als Beglcitung cincs Textcs gcreizt haben soil.
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34 Verankerung da Bildsclmiucks
32 33
Klerikcr beim Singen dcr Psalmen. Zelebricrcn der Messe.
Elfcnbein, spatkarolingisch Elfenbcin, ro.Jh.
Vorbemerkungeti 3 5
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•fli rff diUpprabirtrt ПЯето йппгфши
• v Swithun’s),
Das Mittelaltcr hat sich gegeniiber der bildlichen Tradition antiker
Tcxtc bis zur gotischcn Zeit vollkommcn passiv vcrhaltcn: es hat den
Bildschmuck von Ausgabcn antiker Autoren nicht seltcn mitkopiert
und dabci oft rccht eigenwillig verandert und paraphrasiert. Es hat
aber unscres Wissens bis zur Gotik niemals cincn antiken Text, der
unbebildcrt iiberliefcrt worden war, aus cigenem mit Bildcrn
vcrschen.
Bcsser durchschaucn wir die Verhaltnissc auf dem Gebiet der christ-
lichen Literatur. Kiinstlcrischen Schmuck erhicltcn in erster Linie und
in der Friihzeit fast ausschlieBlich jene Bucher, die bei den gottesdienst-
lichcn Handlungcn gebraucht wurden; das Sakramentar, spatcr Mis-
sale genannt, das Evangeliar und Evangelistar, der Psalter, das Pontifi-
kale und das Bencdiktionalc, in den spatcren Jahrhundcrtcn die Chor-
biicher, d. h. die Zusammenstcllungcn der fur den Gcsang bestimmten
Tcxtc. <Zwei wahrscheinlich in Lothringcn entstandene Elfcnbcinc
der spatkarolingischcn Schulc, in denen liturgische Handlungen dar-
gestellt sind, flihren uns die dabci gcbrauchten Biichcr vor Augen. In
eincm der beiden (Abb. 32) halt ein Priestcr, umgeben von singenden
Monchen, bzw. im Hintergrund von Diakoncn, ein aufgeschlagencs
Buch in der Linken. Wir konnen auch die Worte entziffem, die
auf den Buchsciten eingraviert sind: »Ad te Dominc lcvavi animam
mcam«, den Beginn dcs 24. Psalms, es ist also ein Psalterium. Im
zweiten Elfenbein (Abb. 33) ist der Pricster, wieder umgeben von
Monchen und Diakonen, nur als Halbfigur zu sehen - in dieser Zeit
stand der Priestcr hinter dem Altar -, das Buch ist an der Stclle des
Canon missac aufgcschlagen, wir konnen die Worte lesen, die der
Pricster unmittclbar vor dem MeBopfcr spricht: »Tc igitur dementis-
sime pater...« Es handclt sich also um ein Sakramentar (das gcschlos-
senc Buch am andcren Ende des Altartischcs muB dann das Evangeliar
sein). Psalterium, Evangeliar, Sakramentar - das sind die Hauptbii-
chcr, die in dieser Friihzeit dcs Mittelalters illustriert wurden, nicht
die Bibcl.) Die Bibel, Sammlung allcr die Heiligc Schrift bildenden
Texte, wurde aus dem angegebenen Grund in diesen Jahrhundertcn
nicht als Aufgabc fur bildliche oder dekorative Ausschmiickung angc-
schen. In der so bilderfreudigen ottonischen Epoche hat es offenbar
keinc illustricrtc Bibel gegeben. Das anderte sich allcrdings schlagartig
im I2.jahrhundert, das die Bliitezeit der mittclalterlichen Bibelaus-
stattung und -illustrierung geworden ist. Sehr wahrscheinlich sind fur
diesen Wandel die verschicdcnen groBcn Reformbewegungen der
Kloster verantwortlich zu machen, die u. a. auf verbesserte Textredak-
tionen Wert legten und vielfach Bibellektiire im Rcfcktorium vor-
schricben. Eine cnglischc Chronik spricht von ciner besonders prunk-
vollcn Bibcl, die in Winchester wahrend dcr Mahlzcitcn zum Vorlcscn
beniitzt wurde18 - wahrscheinlich handclt es sich um dassclbc Pracht-
werk, das sich auch heute noch in der Kathedralc von Winchester
befindet (Farbtafel ххш). Worauf es ankommt ist, daB die Bibel aus
der reinen Biicherstubenexistcnz herausgetreten war und ihr zwar
nicht bei den gottesdienstliehen Handlungen, aber doch im offcntli-
chcn Lebcn der klostcrlichcn Gemcinschaftcn eine ganz besonderc
Funktion zukam. <Abb.34, Detail mit nur in Vorzeichnung ausge-
36 Vera икс rung des Bildschmucks
fuhrter Initialc; im Text sind nebcn den Abkiirzungszeichcn auch die
Markierungen - fur Hebungcn und Scnkungcn - zu sehen. die beim
lauten Lescn behilflich sein sollcn.) Im allgemcinen kann man sagen,
dab, je privatcr der Charakter cincr Schrift odcr eincs Buches war,
dcsto gcringcr offcnbar der Ansporn zu seiner kiinstlcrischen Durch-
gestaltung und Ausstattung. So sind es, wcnigstens bis zur romani-
schen Epoche, im vvesentlichen die im cinzelncn bercits genanntcn
liturgischen Bucher, in denen das Schwergcwicht der Entwicklung
lag. Und ganz klarerwcisc war es der liturgische Gcbrauch, dcr zum
cntschcidendcn Faktor in dcr kiinstlcrischen Organisation des betref-
fenden Buches, des Sakramentars, Psalters oder Lcktionars wurde.
Wcr nach dem kiinstlcrischen Schmuck eincs der genanntcn Bucher
sucht, wird sic jeweils an verschicdenen Stellcn aufschlagcn miissen.
Handelt es sich um ein Evangeliar, besser gesagt um die vicr Versionen
dcr Hcilsgcschichtc, die die Kirche sanktioniert hat, also das, was im
Gricchischcn ein Tctracvangcliar heibt, so wird man zu Beginn jedes
Evangeliums einc Art Titelbild erwarten diirfen, entweder in dcr
Form cines Autorcnbildcs (Farbtafeln v, vi) odcr eines Evangelisten-
symbols (Farbtafel n)19 odcr einer Kombination dcr bciden Elcmcnte,
<sei es auf cinandcr gcgeniibcrlicgenden Seiten (Abb. 35) oder auf
dcrsclbcn Scitc, entweder indem das Symbol als Fiillung der Lunette
einer pscudoarchitektonischcn Rahmcnform fungiert (Abb. 36) oder 35
indem Evangelist und Symbol im sclben Bildraum vereinigt sind
(Abb. 181), was in den spateren Jahrhundcrten dcs Mittelaltcrs die Codex millenarius.
Regel sein wird20.) In cincm Sakramcntar oder Missalc hingegen Salzburg, um 800
Sakramentar иnd Missale 3"
3^
Der Evangelist Lukas mit seinem
Symbol und christologischcn Szcnen.
Augustinus-Evangeliar,
Italienisch. 6.Jh.
wird man von dcr karolingischcn Epochc ab vergebens nach cincm
Titelbild Ausschau halten, hicr finden wir den Hauptschmuck und
oft den einzigen Buchschmuck ini Kcrnstlick dcs MeBbuches, dort,
wo das Hochgcbct dcr Feier dcs MeBopfers steht, dcr sogenannte
Canon Missae. Und zwar sind es regclmaBig zwei Stcllcn, die durch
bildliche oder auch nur ornamentalc Vcrzierungen ausgczeichnct wer-
den, dcr Bcginn dcr Pracfatio (Farbtafel xvi, Abb. 40, 105) und der
Bcginn des eigentlichen Canon (Farbtafel xvn, Abb. 39, 106).
Es erscheint mir ratsam, ein Wort iiber den Untcrschied zwischen
Sakramentar und Missale zu sagen. Die Zercmonic der Mcsse wird
bckanntlich mit vcrtciltcn Rollcn gespielt: Gebetc, Lesungcn und
Gesangsteilc obliegen vcrschicdcncn Pcrsonen. Das Sakramentar um-
faBt nun die eigentlichen Gcbetc, also den Teil, den dcr Pricstcr
selbst zclebricrt (Abb. 33). Erst im io.Jahrhundert bildete sich das
Vollmissale aus odcr besscr, begann es, sich durchzusetzen, ein Sam-
mclcodex, der auch die anderen Teilc der gottesdienstliehen Feier
enthiclt. Das Liber sacramcntorum (Sakramentar) war nach dem
38 Verankerung dcs Bildschmucks
Jahreslauf gcordnet, und in karolingischcr Zcit stand der Text des
Canon, d. h. dcr eucharistischcn Gebcte, am Anfang des Buchcs;
spatcr, vom i i.Jahrhundert ab, riicktc der Canon jedoch in die Mittc,
dorthin, wo sich der Codex am leichtcsten aufschlug, um schlicBlich
an dcr Stellc vor dem Text zum Ostcrfest, dcr Hauptfcicr des Kirchen-
jahres, seinen dauernden Flatz zu finden.
Die fiir das Sakramentar typischc Ausstattung, namlich die, die sich
auf die schmiickcnde Auszeichnung dcr Pracfatio communis und
dcs Canon konzentriert, crscheint erst in karolingischer Zcit. Die
MeBbiichcr dcr vorkarolingischen Epochc, also die des Mcrowingcr-
rciches - reprasentativ das Sacramcntarium Gclasianum - in denen
Pracfatio und Canon gewohnlich am Endc dcs Buchcs standen, hatten
dicsen wichtigstcn Tcil beinahe ganzlich ungeschmiickt gclassen und
nur die drei Hauptabschnittc dcs ganzen Buchcs mit Frontispizcs
versehen, deren Formmatcrial sich von dem bei anderen liturgischen
Biichern scit friihchristlichcr Zcit gebrauchlichen Schmuck - Arka-
denbogen odcr Kreuze nicht wesentlieh unterschied (Abb. 37). <Der
eigcntlichc Canon, das »Te igitur elementissime pater..dcr Tcxtbe-
cinn, der cine so groBartige Zukunft in der Buchausstattung haben . . .
0 , lncipusciten zum 2. Haupttcil
sollte (Abb. 39), hndet sich in dcr Mltte ciner Scitc, ja in dcr Mittc des Sacramcntarium Gclasianum,
ciner Zeile, ohne jede Hcraushebung (Abb. 38).) Frankrcich, um 750
Sakramentar und A'fissalc з<
. mit dem Canon missae.
.ntariiim Gelasianum,
• -..Ji. inn 750
39
Initial-Ligatur zum Canon missae.
Sakramentar-Fragnient,
Nordfrankreich, um 860
Gegen das Endc dcs 8.Jahrhundcrts, im Jahr 789, sandtc Papsi
Hadrian 1. an Karl den GroBen auf desscn Wunsch cin Sakramentar
dessen Redaktion angeblieh von Papst Gregor dem GroBen, also au:
dem 6.Jahrhundcrt hcrriihrte, und das Karl der frankischcn Kircht
als Muster empfahl. Im Gcgcnsatz zu den mcrowingischen Sakramcn-
taren nahm der Canon die Spitzc, nicht das Ende des Buchcs ein, unc
das mag die Schreibcr und Illuminatorcn angespornt haben, auf da!
gcwissermaBcn in den Vordcrgrund geriickte Kcrnstiick der Messc
auch visucll den Hauptakzcnt zu legen. Den Ansatzpunkt bildctc einc
Ligatur, cine Buchstabcnvcrbindung, und zwar von V und D, die
wegen der viclfachen Wiederholung dcrsclbcn Wortc - »Vcrc dignun:
et iustum est, acquum ct salutarc, nos tibi semper, ct ubique gratia!
agere« von den Schreibern schon langst als Abkiirzung vervvcndci
worden war. Oft lieB man den Abkiirzungsstrich die beiden sick
uberschncidcnden Kapitalcn kreuzen, und so entstand cine festc For-
mel dcs Vere-Dignum-Zeichcns (Abb. 41), cin Monogramm nach dci
Art des Christogramms, das die Grundlagc allcr kiinftigen Verzicrun-
gen, ornamcntalcr wic figuralcr, wurde. Es ist ein typisch mittclaltcrli-
chcr ProzeB, wie aus dcr simplcn Paraphe cin ausdrucksgcladenc!
Zcichen. sinntrachtige bildlichc Form entstcht und schlieBlich die
abstrakte Physiognomic des Formsymbols durch cine konkretc crsctzi
. nuMTpOTcsrvres Cxebcidoiwio»
queui ктитсзАсвеадха^хжр»*»о
чи)Вилет>»озтцх5иосезит2к.Ъап1Т
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: U i.e-IUARUCneTOCr>J41UCnClKCUQr>
40 Verankcrung des Bildsclimucks
wird, der Durchbruch zur vollcn sinnlichcn Anschaulichkeit sich
vollzicht und die Icibhaftige Gestalt der angerufenen Gottheit hcrauf-
beschworcn wird. Man stcllt bier die Majcstas Domini dar, auf die
sich die unmittclbar auf das »Vcre dignum ...« folgcnden Worte
»Domine sancte. Pater omnipotens...« beziehen (Abb.42)21. In den
Obergangsstadicn kann die Gottheit entweder als Medaillonflillung
im Schnittpunkt des Prafationszeichens erschcincn, sei es ausschnitt-
weise, als Kopfodcr Biiste, oder ganzfigurig (wic im eben angefuhrtcn
Bcispiel), oder aber es wird die thronende Gottheit als eigenc Darstel-
lung neben das Prafationszeichen gesetzt, also rein auBerlich hinzuad-
diert, lctztcres besonders in Italien (Abb. 43), wo man f!ir die spezifisch
mittclaltcrliche Vermischung von Zcichcn und Bild weit weniger
Vcrstandnis besaB als in den nordischcn Landem. (Am Endpunkt
diescr Entwicklung ist die Majcstas Domini zum eigenen Kanonbild
gcworden (Abb. 44).) Wir werden auf diesc Wende vom Zeicheu zum
Bild - in der wir auf den innersten Ncrv dcr schopferischen Phantasic
der Buchmalerci stoBen - noch naher eingehen, sobald wir vom
zweiten Hauptmoment des Sakramcntarschmuckes am Beginn dcs
cigentlichen Canon Notiz genommen haben. Diescr beginnt mit den
Worten »Tc igitur, elementissime Pater, per Jesum Christum Filium
tuum Dominum nostrum, suppliccs rogamus, ac petimus...«, und so
konntc es nicht ausblciben, daB der erste Buchstabc, das T, als Initialc
40
Prafationszeichen.
Sakramentar-Fragnient,
Nordfrankrcich, uni 860
4i
Prafationszeichen.
Exultetrolle,
Montecassino. Mitte 11.Jh.
Sakramentar and Mis sale 41
44
Majcstasdarstcllung zur Prafation.
Exultetrollc,
Benevent. i2.Jh.
Majcstasdarstcllung zur Prafation.
sakramentar.
Писана, um 1100
44
Majcstasdarstcllung zur Prafation.
Missale. St. Florian,
uni 1305/1310
42 Verankerung des Bildschnmcks
groBcnmaBig und durch Vcrzicrung hcrvorgehoben wurde und, ahn-
lich wie das Prafationszcichen, mit den folgcnden Buchstaben einc
Symbiose einging und in ein kunstvollcs, monogrammartiges Gebildc
zusammcngcschwciBt wurde (Abb. 45). Das T (griechisch Tau) war
aber von urchristlichcr Zeit her bedcutungsgcladen, es wurde automa-
tisch als Zeichen des Krcuzcs und dcs Gekrcuzigtcn verstanden. Fur
die mittclaltcrlichc Einbildungskraft war cs das Natlirlichstc dcr Welt,
das abstrakte geometrische Zeichcn in cine anthropomorphic Form zu
vcrwandcln. Schon eincs dcr altesten erhaltenen Sakramentare, das
von Gcllone, aus dem spatcrcn 8.Jahrhundert, bringt an dieser Stcllc
den Gekrcuzigtcn (Abb. 46), schon hicr wird das Wort Bild. Dies
geschah in cinem kiinstlcrischcn Milieu, in dem man, dcr Entwicklung
weit vorauseilend, mit Initialen experimentierte, die in Figuren umge-
sehen waren, man kann auch sagen, als Figuren vcrklcidct auftraten.
Das Kruzifix-Tau dcs Sakramentars von Gellone blieb jedoch noch
langc cine Ausnahmc. Erst in ottonischcr Zeit wurde die Glcichung
T = Gckrcuzigtcr cine gelaufige Form dcs Sakramcntarschmucks
(Farbtafcl xvn)22. Es war einc Zeit, in der der Drang zum bildliehen
Ausdruck iibermachtig wurde und alle Formgclcgenhcitcn erfaBte, die
aber zugleich groBartige unfigiirliche Initialgebilde erfand, die in ihrer
Ausdruckskraft ebenbiirtig Seite an Scitc neben die Darstcllungen der
bcdcutcndsten rcligioscn Thcmcn traten. Und so finden wir in den
meisten ottonischcn Sakramentaren ein rein ornamentales Prafations-
45
Initial-Ligatur zum Canon missac.
>Missale< des Robert vonjumieges,
Canterbury, uni 1020
46
Kreuzigungsdarstellung
zum Canon missae.
Sakramentar von Gellone,
Diozcsc Meaux, um 790/795
Sakratnetitar urnl Missalc 43
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Kreuzigungsdarstellung
/шп Canon missac.
Sakramentar.
Toskana, um 1100
4«
Kreuzigungsdarstellung
zum Canon missac.
Walling-Missalc.
St. Florian. um 1310
zcichen gcpaart miteincm bildmabigcn Tcigitur (Farbtafcln xvi, xvn).
In romanischcr Zcit wird dann die Tcndcnz zur bildlichcn Fassung bci-
der Zicrstcllen dcs Sakramentars zuscbcnds starker (Abb.43. 47). die
Gotik, das gotische Missalc - Sakramentare gibt es dann nicht melir -
kennt nur mehr das Kanonbild (Abb. 48), die Kreuzigungsdarstellung,
allein oder gepaart mit deni ihm vorausgehenden Bild der Majestas
Domini. In der Geschichte und Gencalogic dcs Kanonbildes spicgelt
sich nicht wenig von den Aspirationen, Bemtihungcn und Schicksalcn
der gesamten mittelalterlichen Buchmalerei.
Der Fall ist auch deshalb noeh von besondcrem Interesse, vveil
wir dazu die Reflcxioncn und Kommentare von Zcitgenossen der
kiinstlerischen Schopfungen kennen. So hat Papst Innozcnz in., der
1216 starb, folgcnde Erlautcrung des Canon Missae gegeben: In ihm
soil der Ciliiiibige an die Passion crinnert werden, und deshalb fande
man in manehen Sakramcntaren zwischen Praefatio und Canon die
imago Christi »ut non solum intcllectus litterae, verum ctiam aspectus
picturae memoriam passionis Domini inspired dab nicht nur das
Vcrstandnis des Wortcs, sondern auch der Anblick des Bildes das
Gcdcnkcn. die >mcmoria< dcr Passion dcs Hcrrn inspiricre. Hier wird
offenbar die Funktion bildlicher Darstellung als cin Mittel des Innc-
werdens, der Vergegenwartigung verstanden. Und Innozcnz fahrt
fort: »Ht forte divina factum est providentia, ut ab ea littera T [Tau|
canon inciperet, quae sui forma signum crucis ostendit ct exprimit in
44 Veraukertmg des BiUschmucks
figura« - »und es ist cine gliickliche Fiigung dcr gottlichcn Vorsehung,
daB dcr Canon mit jcnem Buchstaben T [TauJ bcginnt, dcr kraft
seiner Form das Zcichen dcs Kreuzcs bictet und figurlich ausdriickt«23.
Wir sehen, Papst Innozcnz ist sich dcs Doppclcharakters der Initialc,
dcr Auswechselbarkcit von Wortzcichcn und Bild wohl bcwuBt. Und
erinnern wir uns gleichzeitig, daB dcr Priestcr beim Zclebricrcn der
Messe durch die Gcste der ausgebreiteten Arme noch auf seine Wcise
die Vorstcllung dcr Kreuzcsgcstalt symbolisiercnd wachruft, und fer-
ner, daB in der Messe die Konsekration von Brot und Wein, das
unblutige MeBopfcr, cine symbolischc Representation dcs Opfcrs am
Krcuzc ist.
Hier sei cin kleiner Exkurs gestattet. Ich mochtc es namlich nicht
unerwahnt lassen, daB wir auch zum Prafationszeichen zeitgenossische
Kommentarc besitzen, wenn auch nicht friih-, so doch hochmittclal-
tcrlichc Erklarungcn dcs Sinnes dieses formclhaftcn Zeichens (Farbta-
fcl xvi). Aus dem ia.Jahrhundert gibt es im >Rationale divini officii<
dcs Johannes Bclcth, Rektor dcr Pariser Univcrsitat, folgende Bc-
schreibung des Prafationszcichcns: Man findet, sagt cr, an dicscr Stclle
cine »figura«, also cin Gcbildc, das unscrem Delta odcr D glcicht,
welches iiberall gcschlosscn ist; im vorderen Tcil umschrcibt es unscr
V [UJ, das in der Hohc offen ist, in der Mittc wird es von eincm
Transvcrsalstrich durchzogen, dcr bcide Teilc nach dcr Art des Krcuzes
koppclt. Und nun folgt die Sinndeutung dcs mittclalterlichcn Theolo-
gen: »Quod quidem non sine causa factum est« - Dies ist nicht ohne
tieferen Grund so: Durch das allscits gcschlosscnc Delta wird namlich
die gottliche Natur wiedergegeben, die weder Anfang noch Endc
hat, durch das V aber wird die mcnschlichc Natur Christi ausgcdriickt,
die ihren Ursprung in dcr Jungfrau hat, aber eines Endcs entbehrt.
Der Bindestrich in der Mitte jcdoch, dcr bcide Teilc verbindet, ist
das Kreuz, durch das das Menschlichc an das Gottliche gckniipft
erscheint24. Ein Jahrhundcrt spater wiedcrholt Wilhelm Durandus in
seincm fur das Spatmittclalter verbindlich gewordenen >Rationale<
die glcichc Interpretation, nur in ctwas ausgcschmiickter Form: So
seicn durch das Mystcrium dcr Vcreinigung mit dcr Passion dcs Hcrrn
die Menschcn mit den Engcln versohnt und das Menschliche mit
dem Gottlichen im Vorbild des Erloscrs vcrkniipft25. Ich fiihrc diese
Interpretationcn an, nicht wcil ich glaube, daB sie stichhaltig scien,
im Gegcntcil, als Bcispielc von cx post Dcutungen, mystisch-allcgori-
sierenden Auslegungcn, die Sinngchaltc und Motive untcrstellcn, wcl-
che bei der Entstehung dcr fraghchcn Gcbildc nicht wirksam gewesen
sind, beinahe mochte man sagen theologische Spiclcreien, welche
iiber den geistigen Habitus dcr allcgorisicrenden Excgetcn, nicht aber
iiber die Wcscnheit der interpretierten Werkc etwas aussagen. Ich
erwahne sie aber auch deshalb, weil diese allegorisicrcnde Exegcsc in
dcr heutigen Kunstgeschichte leider wiedcr groBe Mode geworden
ist und namcntlich die jiingcrc Generation von den Pfaden, die zum
wahren Verstehcn dcr historischcn Denkmaler flihrcn, wcglockt. Der
Symbolsinn des Те igitur kann in sinnlicher Wahrnchmung erlcbt wer-
den, dcr, dcr dem Prafationszeichen zugrundc liegen soli, ist von speku-
licrcndcn Theologcn hincinprojiziert und hinzuassoziicrt worden.
Die Initiale
In der Bcsprechung dcs Sakramcntarschmucks habcn wir ein Phano-
mcn gestrcift, das zu den allercharakteristischsten und spczifischsten
der Buchmalerei gchort, das Phanomen dcr Auscinandersetzung von
Schrift, Dekoration und Bild. Das Ergcbnis dicser Auseinanderset-
zung war die Bildung dcr Initiale, cine Formschopfung, die ihre
Existenzbcdingung und -bcrcchtigung natiirlich cinzig in der Buch-
malcrei hat. Das Vcrdienst dcr Erfindung der Initiale darf noch das
Altcrtum in Anspruch nehmen (Abb. 51), ein fruchtbares Thema
der Gcstaltung wurde sic erst fur die kiinstlcrischc Phantasic dcs
Mittclaltcrs. Bci ihrer Entstehung waren sowohl praktische wie
asthctische Faktoren wirksam, sehr bald aber bekamen die asthetischcn
das Ubcrgcwicht und verstanden cs, die Initiale als autonome Sphare
zwischcn Schrift und Bild einzuschalten.
Schon in dcr Antikc empfand man das praktische Bcdiirfnis, den
Bcginn eines Absatzcs oder Abschnittcs dcs Tcxtcs irgendwie visucll
hervorzuheben. Man tat cs, indem man die Fugen zwischcn den
Abschnittcn entweder durch einen klcincn zwischcn die Zeilen cingc-
schobenen Trennungsstrich, den >Paragraphos<, oder aber durch cinen
cinfachcn Hakcn, die >Koronis<, markierte (Abb. 49). Man muB sich
dabci vor Augen haltcn, daB die antikc Schrift weder Worttrcnnung
noch Intcrpunktion kannte- oderjcdcnfalls erst spat diese Differenzie-
rungen cinfuhrtc-, cine Zeile also kontinuicrlich, ohnejedcs Interval!,
gcschrieben war. Infolgcdcssen waren die interpolierten Paragraphen-
zcichen zunachst gar nicht so lcicht zu sehen. Es ist fur uns heute
kaum faBlich, wie der antike Lcscr sich mit dcr kontinuicrlichcn
Schreibwcisc abfand, die zur Sprechwcisc doch so inkongruent war;
wir miissen uns aber vorstcllen, daB in der Antike die groBten Hem-
mungen bestanden habcn miissen, die Geschlossenheit der Schriftko-
Damasus-Epigraph. lumne irgendwie aufzulockcrn und irgendwo in ihr cincn lceren Platz
Rom, letztes Drittcl 4.Jh. zu lasscn, wic wir cs bei dem Beginn cincs Absatzcs oder bcim Endc
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\oi i a;<o i к'.умаач'РМГ! осот
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* I и*ЧА'ЛуМА^^Ми»УМХОО'П1Р1
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Vli/lMIO K44iO 11 •» I к IONOY vj'A***
гиюокп oo\ONyr »MVit:i р'ф*"
I I poxbl iTlh’OIN KViOl I I-I-.4I-III *
’ • 'ОУ' I Xl >Ы lOYOy Olxn'ilAKnii
I HXT I UxOxX'.IxTl IX» riXl'AOONIi
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Oiiixi MY'VY' U»! xXO'M'JCltnV
V| 4l>M XO/IXON VI VI tMvOMXMii
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■••r Г‘
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50
Textseite.
Codex Alcxandrinus,
i.Halftc j.Jh.
eincs solchcn naturgcmaB erwarten. Obrigcns pflegte man urspriin-
glich die Absatzzcichcn nur als Endzeichen, als Explicits, nicht als
Incipits aufzufassen.
Allmahlich entschloB man sich aber doch, die Untcrtcilungcn kraf-
tiger hcrvorzulieben, und zu dicsem Zwcck begann man, den ersten
Buchstaben cincr Zeile, in dcr, aber nicht notwendigerweisc mit der
ein ncucr Paragraph folgte, in den Rand zu riicken und bald auch
durch groBcrcs Format und Vcrzierung auszuzeichncn, <wie wir es
zum Bcispiel im sogenannten Codex Alcxandrinus (Abb. 50) sehen
konnen, wobci eben auch das Charakteristischc ist, daB erst am SchluB
dcs Textabschnittcs dcr Titcl (Brief an die Romer) angefiihrt wird.)
In dicsen bescheidcnen Merkzeichen haben wir den Kcim zur groBar-
tigen Entwicklung dcr nachantikcn Initiale. Genaueres iiber die antike
Initialc wissen wir erst aus der Zeit, in der der Codex zur dominieren-
den Buchform wurde, also aus dem 4-Jahrhundert. Einc vatikanische
Vergil-Handschrift des 5.Jahrhunderts besitzt bereits voll ausgcbildctc
Initialen (Abb. 51), die injeder Bcziehung von den iibrigen Buchsta¬
ben der Schrift gesondert sind. Aus dem Ostcn kennen wir keine so
friihen Beispiele, was bci dem noch sparlieheren Denkmalerbestand
bntstelumg 47
51
Textscitc (Ausschnitt).
Vergilius Augustcus,
Romisch, 5-Jh.
Чт ISS1 N1C FOIV l Я E S EIU NTI CSV R(RI Я1А1 LSS
VO&l I Sill XI i 141ГЯГМ VMG iUV E aODV Я.ЧЯДЛ RJ
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1Я1ЛУ LMU ШЛИ \ la LI 1N1 ClVOrON DLTU R\S k?
\MRCtXrRMlE.Xt\CXEUlVlllSOSVrrU4' f/:?
XR1W1 I ЛЕСЯМ ISE1MVSIICWWNVSI \CCHI;
dcr Friihzcit dcs griechischcn Codex nicht bedcutcn mud, dad die
Schmuckinitiale einc Schopfung dcs lateinischcn Westens ist. Immer-
hin schcint dcr griechischc Osten ursprimglich mir auf Schmiickung
dcr Explicitseiten ausgegangen zu sein, <auf die / leruorhebung des lit ides
eincs Textcs, an dem auch der Buchtitcl angcfuhrt vvurde: in unserem
Beispiel Abb. 9, »Evangclion kata joannem«). Die Zukunft der Buchde-
koratioH aber lag, wic sich bald hcrausstellen sollte, in der Auszeichnung
des Schriftbeginns, der Spitze dcs Duchcs. <Einen Hinvvcis auf die
kiinftigc Entwicklung gibt zum Beispiel das Valcrianus-Evangeliar
mit seiner Vereinigung von Explicit und Incipit (Abb. 52): »Sccundum
Iohannem explicit Amen. Incipit secundum Lukam.«>
52
Explicit-Incipit,
'hannes-Lukas-Evangcliuni.
Valerianus-Evangcliar,
Nordostitalien, um 675
ferry A-yiey.
ru'' {
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53
Incipitscitc.
Ambrosius, Hcxamcron,
Corbie, 2. Halftc 8.Jh.
Incipicsci:
des Lukas-Evangeliui
Book of KcL
Insular nach 4
50 Die Initiate
Wichtig ist ferncr die Tatsachc, daB das bei den friihesten Initialen
Italiens wie Galliens verwendete Omamentvokabularein zoomorphes
ist. Es ist die sattsam bekannte Fisch-Vogel-Ornamcntik (Abb. 53, vgl.
auch Abb. 37), liber deren Herkunft und urspriingliche Bedcutung
man sich noch immer im Unklaren ist. Es ist durchaus nicht ausge-
macht, daB das Fischmotiv sich deshalb so groBcr Beliebtheit erfreute,
wcil man einc eucharistische Bedcutung mitassoziierte, noch ist die
Frage geklart, ob die Fisch-Vogcl-Ornamentik dcr spatantiken und
merowingischen Initialen direkt etwas mit den orientalischen zoo-
morphen Initialen zu tun bat, die wir aus armcnischcn Handschriften
kennen26. Strzygowski war der erste, der hier einen gemcinsamcn
Ursprung vermutete27, vvomit letzten Endes doch wieder dem Ostcn
das Urhebcrrecht zufielc. Aber die arinenischen Beispiclc rcichen
nicht vveiter als bis ins io.Jahrhundert zuriick und die zoomorphen
Initialen hebriiischcr Handschriften28. an die man noch denken
konnte, stain men aus noch viel spaterer Zeit. Das Riitsel aller diescr
Analogicn harrt noch der Losung.
Dcsscnungeachtct darf eines wohl schon jetzt gesagt werden: Die
Vermischung und gcgcnscitige Durchdringung von abstraktem Zei-
chcn und organischcr Form odcr von Organischcm abgelcitetem
Ornament ist keine klassisch-antikc Idee; im Gcgenteil, wo immer
im Mittelaltcr die klassisch-antike Tradition zu Wortc kommt, wird
auf moglichst saubere Trennung dcr Sphiiren von Schrift und Bild
gedrangt. Wir diirftcn kaum fehlgehen, vvenn wir die so mannigfalti-
gen Initialschopfungen dcr mittelaltcrlichen Buchmalerei als eine anti-
klassische Strahne in der Textur der mittelalterlichen Kunst werten.
Ein Buchstabe ist cin Zeichcn, das eindeutig sein, so und nicht
anders verstanden werden soil; ersetzt man den Buchstaben durch
Formcn, die Dinglichcs zu suggcricren oder zumindest darauf anzu-
spielen vermogen, so riskiert man, das Schriftzeichen unkenntlich zu
Die zoomorphe Initiate 51
о ешжЕшр haqki;
♦aTC-uwetaN^ 5co ptutw ^coNSKwbw
ли Relio-au9ust.nus iimono saLutccd Ъеатогчп *
плге-^илеоз sGcnus eruenus esT^LmKS luueisiis lnicoawi.S^^
cjuippe- Ьос opu:;jaosTCX срллтсбрем ркдсгкер
tos ombi esse^siue-suBKeprus ^N*rt<juaucn cos Absobiencoo e*i“Ss
kmkacomos urnneaibisposnio риекдт* етсроЬкет NoncniW) V
Sii^iLLxTicn/Scbo^or>tes sicnul, e^eKe-exiwiioNe-becrue^eiounl W
(juoNiAm j5iuece<)CN‘nbus coNsetjueNTes iNcjuisi*nuNe|>w< * ‘
рсЛше ыссли^тия/Сиспекуо peneos bomiNies ^ui^riuIsH'L
cjuxnr>ueLLeor> ^uqs^aho tLLokuoi peKueNiKe-рскплeHUN«i'L/
^>ispoSJTiOMe-or>ex nc^uiuissct* icnptew'lNqwRupqaKii ^icii *<L
*nONea> ReLlCjUpUCO. CO^mNS boc ipsuco ]NALl<i|UlbU5 iciU^
>. He Trimtate,
■irvivrh. Mirte S.Jh.
machen. Erfundcn, um die Lcsbarkeit eines Textcs zu erhohen - man
erinnere sich an die heraiisgcriickten Anfangsbuchstabcn - kehrt das
Motiv der Initiale sich schlieBlich gegen seinen eigenen Daseinsgrund
und entfesselt ein Spiel der Unkenntlichmachung, der Verratselung
der natiirlichen oder sachlich geforderten Form. Einen Hohepunkt
dieser Vcrunkenntlichmachung erleben wir zweifellos im Book of
Kells (Abb. 54).
Die Kunst des mittclalterlichen Buchmalers lag gerade in diesem
Transponicrcn des einen in das andere, des Buchstabens in cincn
Fischleib (Abb. 55) und der Figur in einen Buchstabcn (Abb. 34), so
wie es die Kunst eines mittclalterlichen Bildhauers war, eine Figur in
cine Saule (Abb. 156) oder ein Rohr in einen lebendigen Wasser-
speier zu verzaubern.
Die einfachste Form der Transponierung war die der Substituierung
dcr Buchstabcnformen durch heterogene Elemente, Schafte und Bo-
gen werden durch zoomorphe Motive (Abb. 56) ersetzt. Nach diesem
Prinzip sind die Initialcn der vcrschicdcncn vorkarolingischen Schulen
des trankischcn Reiches gcbildet, wobei aber die zoomorphen Formen
ihres organischen Lebens vollig cntkleidet werden, sclbst in zcichcn-
hafte Abstraktionen verwandclt crscheinen. Auch muBten die Tier-
formcn cs sich getallcn lasscn, in Teile zcrlegt zu werden, um jc
nach Bclieben den geometrischcn Formen der Schriftzcichcn besser
cingcpaBt werden zu konnen (Abb. 57).
52 Die Initiate
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Das 8.Jahrhundcrt hat sich abcr nicht damit bcgniigt, die Buchstabcn
in ihrcn Scnkrcchtcn, Diagonalen und Kurven wic aus Zundholzern
zusammcnzusetzen, es hat irn spateren Vcrlauf der Entwicklung den
Ticrformen ein MaB ihres organischen Lcbcns zu restituicrcn verstan-
den und cin ncucs Verhaltnis zwischen Buchstabenform und den
zoomorphen Elcmcntcn konstituiert. Die Tierformen horen auf,
bloBc Fiillmotive zu scin und beginnen, eine aktivc Rollc bci der
Bildung der Buchstabenform zu spielen. In dcr Bewegung der Lcbc-
wesen, ihrem sich Krummcn und sich Strecken, entsteht der Buchsta-
benkorper (Abb. 58). Es ist Form ini Werdcn, die uns jetzt vorgeflihrt
wird.
Frcilich ist es keinc natiirlichc, sondern eine organischcs Lcbcn
simulicrcnde, phantastischc Bcvvcglichkcit, die sich in dicscn Inidalcn
entfaltet. Dicsc Lcbewesen - die Fauna des zoomorphen Vokabulars
crschcint betriichtlich erweitert und schlieBt VierfliBcr ein — beherr-
schen jede Akrobatik (Abb. 59), so daB cs ihnen ein leichtcs ist, uns
jede gewiinschte Buchstabenform durch entsprcchcndc Kriimmun-
gen und Verrcnkungcn vorzumalcn, vorzuzaubern. Dicsc Dynamik
gewinnt abcr noch cine wcitcrc Dimension hinzu, dadurch daB sic
imstandc ist, im flicBcndcn Ubcrgang cine naturliche Spezies in eine
andere zu verwandcln. Unerwartet setzt sich ein Fisch in cincn Vicrfli-
Bcr fort, endet cine Pflanze statt in einer Blute in cincm Ticrkopf,
wird organische zu unorganischcr Form. <In den Fisch-Vogel-Initia-
Icn waren zoomorphe Elemente additiv aneinandergereiht, jetzt fin-
det ein unaufhorlichcs sich Verwandcln dcr cinzelnen Formen der
Natur statt. Die Darstellung einer ihr Junges saugenden Hiindin in
cincr D-Initialc (Abb. 60) wirkt zunachst ganz naturalistisch, wenn
58
Figureninitiale:
Der Fuchs und dcr Rabe.
Sammlung kanonischer Schriften,
Corbie, 8.Jh.
59
Zoomorphe Initialc.
Augustinus,
Quaestioncs in Hcptatcuchon,
Nordfrankrcich, Mitte 8.Jh.
Die kaleidoskopischc Initiate 53
60, 61
Figureninitialen:
Hiindin saugt ihr Jungcs;
j'.im Danklied Habakuks.
Corbie-Psalter,
Corbie, um 800
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wir abcr den Schwanz des Tieres vcrfolgcn, wird er plotzlich etwas
anderes, das wiedcrum von cincm drachenartigcn Tier vcrschlungen
wird, welches seinerseits in ein Flcchtwcrkornamcnt iibergeht bzw.
in einen Schaft, dcr durch das Maul dcr Hiindin flihrt.) Das Prinzip
dieser Initialerfindung ist das der kaleidoskopischen Metamorphose, ein
Gcstaltungsvorgang, der ein Zcitmoment, wenn auch ein irreales,
wesentlich mitcinbegrcift. Ini Lescn des Buchstabcns wohnen wir
seiner Gcncse bei, bcinahe als ob uns eine Geschichte erzahlt wiirdc.
In einer dicscr Initialcn (Abb. 61) erlebcn wir, wie ein Pfcrdeschwcif
sich in den Bug cines Schiffcs vcrwandelt und dann der Schnabel des
Bootes seinerseits in den Zipf der phrygischcn Miitze des Steucrmanns
iibergeht, dcr im Boot sitzt und cs anscheincnd lenkt. Und zu guter
Letzt ist dieses Boot kein Boot mchr, sondern eine Art Wagen mit
Radcrn. Gemcinhin klassifizicrt man ein solchcs Gcbildc als Figu-
reninitialc, man konnte abcr in dicscm Fallc auch von einer historisier-
ten Initiale sprcchen, nur bildet in der gcwohnlichcn historisierten
Initialc die Buchstabcnform den Rahmcn flir die szcnischc Darstel-
lung, hier sind Buchstabenform und Szene eins. So erzahlt eine anderc
Initialc dcrselben Handschrift die Geschichte von Jonas und dem
Walfisch auf folgendc Weisc (Abb. 62): Das Boot, aus dem Jonas ins
Mcer geworfen wird, vcrwandelt sich plotzlich in den Schweif bzw.
Korpcr dcs Seeungehcuers, in dessen Rachcn dcr Prophet versenkt
wird. Und da Jonas’ Bcine sich dirckt aus dem Schiffsschnabcl zu
cntwickeln und diesen fortzusetzen scheincn, bildet das Ganzc eine
Art Achtcrschlcife und eine ewig in sich sclbst zuriickkehrendc Bewc-
gung. Dcr Traum cincs Perpctuum mobile scheint realisiert zu scin,
die Buchstabenform ist nie fertig, vergeht und entsteht ohne UnterlaB.
>4 Die Initiate
В
1ЛТОГЛГл;:ллшо
63
Initiate.
Evangeliar,
Schule von Fours,
Mittc y.Jh.
Die bcsprochenen Initialen und unzahlige andcre, ebenso originelle,
schmiickcn cinen Psalter, der knapp nach 800 ftir das in der Picardic
(Nordfrankreich) gclcgcne Klostcr Corbie geschriebcn vvurde. Ob-
wohl in karolingischer Zeit entstanden, ist dieser Buchschmuck sei-
ncm Wcscn nach eine Manifestation vorkarolingischen Kunstwollcns.
In der eigentliehen karolingischen und der ihr in cinem Abstand
folgenden ottonisclien Buclimalcrci sind zoomorphe Initialen eine
Seltenheit, man suchtc in der dekorativen wie in der tiguralen Spharc
sich nach der klassischen Norm zu richten, und das hicB, daB dem
klassischen Akanthusornament cine Art Monopol cingcraumt wurdc,
(das lheB aber auch und vor allem, daB die Spharen von Ornament
und Schrift streng getrennt blieben: die Schaftc haben Rankenfiillun-
gen als Verzierung, vegetabile Ornamentc sind an ihre Enden oder
Gelenkstcllen angesetzt, aber die klarc geometrische Form des Buch-
stabens wird nicht beeintrachtigt (Abb.63).)
Die Gcschichte des kalcidoskopischcn Initialkomponierens war aber
keineswegs zu Ende; die originellen Bestrebungcn dcr vorkarolingi¬
schen Buchmaler, deren Kunst von der vom Kaiser lancierten und
favorisierten Renaissanccbcwegung abgewiirgt wurdc, haben viclc
Jahrhundertc spatcr, in der romanischen Epoche, ubcrraschend eine
neue Aktualitat erlangt. Unterirdischc Kanalc verbinden die vorkaro-
lingische und die romanischc Kunst, zum Beispicl das Ticrornament
und die 'rierverschlingungen dcr insularen Kunst (Abb. 64) mit den
Bestiensaulen dcr romanischen Monumentalskulpturen (Abb. 65), im
Fallc der Initialgestaltung lassen sich auch direkte Riickgriffe auf die
Initialschopfungcn dcr vorkarolingischen Pioniere nachweisen (vgl.
Abb. 66 und 67).
64
Fragment eincs irischen Steinkrcuzcs
mit Ticrflccluwcrk,
aus Aberlady.
East Lothian, um <Soo
65
Trumeau-Pfeiler. Souillac,
Siidfrankreich, z.Viertel 12.Jh.
Die kaleidoskopische Initiate 55
Um dieses Wicdcraufgreifcn von Idccn dcr vorkarolingischen Zeit
in der Buchmalerci noch eingehendcr zu illustrieren, zeige ich zu-
nachst ein Initialgebilde eines Evangcliars dcs Esscner Miinsterschatzes
(Abb. 68), dessen Illuminator ein Zeit- und vielleicht Gcnerationsge-
nossc, sichcr aber ein Gesinnungsgenossc des Mcisters von Corbie
war. Es ist einc L-Initialc, deren Genese aus der Fortbewegung eines
Lebcwescns vordemonstriert wird: Ein Raubticr, das einen kleincrcn
ViertliBer vcrfolgt, wechselt auf dieser Jagd plotzlich, noch innerhalb
des eigenen Korpers, die Rich tun g und lenkt mit einem Knick aus
der Waagrechten in die Senkrechte ein, um dann auBerdcm noch
auf der Nasc einen gcfliigeltcn ZweifiiBer zu balancicren, dessen
gcstrccktc Form den Buchstabcnschaft zu Endc baut. In der vorange-
gangenen, vorkarolingischen Buchmalerei stoBcn die cinzelnen zoo-
morphen Wesen dort zusammen, wo die Gclcnke der Buchstabcn
sind. Im Essencr Evangcliar ist cs anders. Die Gelcnkstcllen der Tiere
67
Initiate zum Buch Daniel.
. '.i. Winchester, Mitte I2.jh.
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>6 Die Initiate
I
6H
Initiate L.
Evangcliar, 8.Jh.
und ihre anatomische Glicdcrung werden hier in die Buchstabcnge-
lcnke und Buchstabengliederung unigcdcutct. Ein Riclitungs- und
BcwcgungswcchscI dcs Ticrcs erzeugt den rcchtwinkcligcn Um-
bruch, der fur den Buchscabcn L charakteristisch ist.
35oJahre spatcr hat sich die Phantasic eincs cnglischcn Buclnnalers
an dicser Idee entziindet und cine L-Initiale entstchen lassen. die fast
mit dcmsclbcn Motivschatz operiert (Abb. 69). In der Zwischcnzeit
war freilich das vegetable Ornamentvokabular zur Grundlage dcr
Initialbildung geworden, und auch dcr Ruckgriff auf vorkarolingi-
sche Konstruktionsprinzipicn konnte das vegetabile nicht vollig durch
zoomorphes Formvokabular ersetzen. In der romanischen Initiale
fchlcn die Vier- und Zwcifufler, die das Raubtier in der vorkarolingi-
schen Initiale verfolgt. Statt ihrer sehen wir cine Pflanze aus dem
Rachen der Bestie emporsteigen. Doth kennen wir uns zunachst nicht
genau aus, vvie wir die Beziehung zwischen Pflanze und Tier verstehen
sollen. Ist das Raubtier dabci, diese Pflanze zu vcrschlingcn odcr
haben wir uns die Pflanze aus dem Tierrachen hcrvorwachsend zu
denken? Nach all dem, was wir auch sonst von mittclaltcrlicher
Eormerfindung wissen. war diese Mehrdeutigkcit odcr Ambiguitat
durchaus crwunscht, wenn nicht dirckt intendiert. Ist doch die Ambi-
Die kaleidoskopische Initiale 57
69
Initiale zum Buch Numcri.
Bibel, Winchester, Mittc i2.Jh.
I,
ЦС1Ш llBtScVAGtbA
qUCnffUlS
eft 4nf adimyfen wdefereo fmay-m caba
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valcnz allcr Form geradezu cine Vorbedingung dcs kalcidoskopischcn
Komponierens. Dcr mittelalterlichc Kiinstler und sein Publikum miis-
sen, wenn sic nicht religiose Eiferer und Puristcn wie dcr hi. Bernhard
waren, ihren besonderen Gcfallen daran gefunden haben, den auf-
schnellendcn Bcwegungszug dcs Tieres plotzlich in cin springbrun-
nenartiges Emporstcigcn eines pflanzlichcn Gcwachscs umkippen zu
sehen, dessen umgcstiilptes Blattwcrk dann die Bcwegungsorientie-
rung wieder reversiert. Dieses Reversicrcn dcr Bcwcgung setzt eine
nochmalige Metamorphose in Gang: so wie zuerst die Pflanzcnform
aus dcr zoomorphen auftaucht, so blickcn nun plotzlich menschliche
Kopfe aus den Hohlungen der niederhangenden Blatter heraus. Letz-
ten Endcs entsteht durch diesc ingeniose Verschrankung von Motiv
und Bcwcgungsrichtung eine Art Gleichgcwicht zwischcn den beiden
Artcn von Lcbcwcscn. Auf cinen Aspckt dcs Phanomens muG hierbei
noch besonders aufmerksam gcmacht werden, namlich die Uniwand-
lung des Gcgcnstandlich-Darstellungshaftcn in das Ungegenstand-
lich-Ornamentale und seine Riickverwandlung. Begreiflicherweise
ist diescr Spczialfall von groGtcr Wichtigkeit fur die ein Jahrtausend
wahrende standige Auseinandersetzung zwischen Schriftzeichen und
bildlieher Form, sci cs ornamentalcr odcr figiirlicher.
58 Die Initiate
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Parallel zur kaleidoskopischen Initiate wird in fast dcnsclbcn Zcntrcn
und zur selben Zcit, knapp vor und nach 800 und um 1100, die
spezifisch anthropomorphe, die reine Figurcninitiale gepflcgt. Die
lebendig gewordenen Schafte, Striche und Kurven der Buchstabcn
agieren im Corbie-Psalter ganze Szcncn, den Kampf Davids mit
Goliath (Abb. 70), die Darbringung im Tcmpcl (Abb. 71), die Verkiin-
digung (Abb. 72) <- vvohl die einzige Vcrkiindigung in dcr Kunstge-
schichte mit zwei Marien; der Illuminator benotigte sic, um das M
dcs «Magnificat...« (Lukas 1, 47-55) zu bilden.) Dann wurde es fur
Jahrhundcrte recht still um die Figureninitialc, bis um die Wende vom
11. zum iz.Jahrhundcrt dieses Initialkonzept aufs ncuc die kiinstlcri-
schc Phantasie packtc und dem Corbic-Mcister in den Buchmalern
von Citeaux in Burgund kongeniale Nachfolgererstanden. Die Buch-
maler, die untcr und fur den kunstsinnigen Abt Steven Harding eine
groBe, mehrbandige Bibel sovvie eine mchrbandige Ausgabc von
Gregors >Moralia in Job< illuminiertcn, haben den Kompositionsprin-
zipien dcr Figurcninitiale zur hochsten Vollcndung verholfen. Anstatt
cincn Ausgleich zu suchen zwischcn dcr gegebenen Form dcs Schrift-
zcichcns und einem cbenso fcstgclcgtcn ikonographischcn Motiv,
70-72
Figureninitialen:
David und Goliath,
Darbringung im Tempel,
Verkiindigung.
Corbie-Psalter,
Corbie, um 800
Die Figiireninitiale 59
•' :кт Reiter,
МоглЬл in Job.
ctwa dcr Darbringung (Abb. 71), vcrlcgtcn sie sicli darauf, die Buch-
stabenform in Szencn dcs monchischcn Alltagslcbcns und dcr person-
lichen Erfahrung umzusehcn. Ein Paar holzhackender Monche formt
ein Q (Abb. 73), wobei sich ilirc Korper in das Rund dieses Buchsta-
bens kriimmen, was einen humorvollen Zug in die Darstellung bringt.
Oder aber cs wird der Schaft eincs 1 (Farbtafel xxii) in einen hohen
Baumstamm vcrwandelt, an dem sich holzfallende Monche zu schaf-
fen machen, am Fub dcs Stammes und in der Baumkrone. Es kommt
zu einer vvahren Verlandschaftlichung der Initialc, so etvva, vvenn
der Schweif cines Q (Abb. 75) als Wasscr ausflieBt, auf dem sich
Schvvimmvogel und Kraniche tummcln, wahrend ein Falkncr das
Rund des Buchstabens iiberquert. Oder wenn ein Pferd seinen Reiter
abwirft, dieser aus dem Buchstabenrund hinausfliegt und so den
Schwcif dcs Q hinzeichnct (Abb. 74).
6o Die Initiate
Glcichzcitig lichen die Meister von Citeaux das Spiel ihrcr Phantasie
noch durch einen anderen Formgcdankcn befruchtcn, der ebenfalls
aus dcr barbarischcn, und zwar der insularen Erbschaft der mittelalter-
lichcn Kunst starnmtc: durch die Idee der endlosen Formverschlin-
gung, deren friihcstc Manifestation das nordischc Tierornament ist
(Abb. 76), mit seinem Alptraum ineinandcr sich verbeihendcr, einan-
dcr durchdringendcr, in eincm todliehen Existenzkampf begriffener
Lcbevvesen. Ein Kampf allcr gegen alle, in dem die Aggression sich
manchmal sogar gegen den eigenen Korpcr richtet, der allcrdings
nicht Korper bleibt, sondern zu Bandwerk denaturiert wird. In dieser
vehementen Formverknotung wird jeder Frciraum eliminiert, ja es
ist gerade diese Raumlosigkcit, die den Gcbilden den Ausdruckscha-
rakter dcs Beangstigenden verleiht, des hoffnungs- und ausvveglos im
Kampfgetummcl Vcrstricktcn. In dcr romanischen Epochc feiert die
barbarische Idee dcr Formverschlingung nach mehrhundertjahriger
Pause plotzlich ihre Auferstehung, in der Monumentalskulptur vvie
in der Buchmalcrci. Wic man von cincr Bestiensaule spricht - deren
kunstvollste Beispiclc in Siidfrankrcich, in Moissac und Souillac
(Abb. 77) zu finden sind so konnte man von einer Bestieninitiale
sprechcn, die eine phantastischc Spielart der Figureninitiale ist
(Abb. 78). Aber es ist nicht Siidfrankrcich, sondern Burgund, Citeaux,
das Stammkloster der Zisterzicnser, wo die Damonisierung der Initiale
am radikalsten durchgefuhrt worden ist. Alle Kiinste der Formver-
schrankung verbinden sich mit denen dcr Formmetamorphosc, um
in eincm Feuerwerk bildliehen Witzes die Buchstabcnformen vor uns
hinzuzaubern. Da Raumverknappung dcr Lcbensnerv des Konflikts
der Kreaturcn ist, ist die Enge der Buchstabenkorper nicht eine Verle-
genheit fur den Buchmalcr, sondern ein willkommener Vorwand,
maximalc Dichte des Fornigcflechts zu erzielen. Ein Wesen tritt dem
andern auf den Kopf, windet sich um den Gegncr, stoht gegen ihn,
76
Teppichseite (Detail).
Book of Durrow,
Insular, um 680
7
Bcsticnpfcilci
Souillac, Siidfrankreich
2.Viertcl i2.Jh
Die Figureninitiale 6
durchbohrt ihn und wird selbst von wieder andcren bcnachbartcr
damonischen Mischwcscn angegriffen, bczwungen. Jeder Kampfe
ist zuglcich Sieger und Bcsiegter.
Die phantastische Figurcninitalc dcr Romanik ist bald wieder voi
dcr Bildflachc vcrschwunden, hat aber in der Spatgotik cin brillantc
Nachspicl gehabt. Dies aber schon am Rande der Buchmalcrci. In
i4.Jahrhundert haben franzosische Miniaturistcn die phantastisch<
Figureninitiale wieder aufleben lassen, allerdings ohne den wiistei
Kampf damonischcr Krcaturen zu entfesscln, und vor allcm wenige
in der Ausschmiickung von Biichern als in dcr von Urkundei
(Abb. 79). So wic man noch bis vor kurzem bei der Ausfertigung voi
Dokumentcn altertumlichc, verschnorkcltc Schriftziigc angewand
hat, so hat man offenbar damals schon durch archaisiercnde Initialei
das Dekorum des Schriftstiicks heben wollen. Der nachstc Schrit
ist dann der, dab cin ganzes Figurcnalphabet im Musterbuch eine
Buchmalers, des Mailandcrs Giovannino dc’Grassi, crscheint (Farb
tafel xxx). Dieses ist dann um die Mittc des I5.jahrhunderts seinerseit
78
Initiate.
Gregor der GroBe, Moralia in Job,
Citeaux, Anfang I2.jh.
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^nrrrui bufaerrf1 ctfde
62 Die Initiate
tcnmm^^mwcfvttfc tutonuuiam itvtmpcu
von einem dcutschen Stechcr, dem Mcister E. S., zurn Vorbild fur
eine Serie von Kupferstichen genommen wordcn (Abb. 80, 81), gra-
phischcn Produkten, die als Kunstwcrkc fur sich gewertet vverden
wollten, getrennt vom Buchmilicu, deni sic ihre Entstehung verdank-
ten. Die Form dcr Initiale ist kiinstlerischer Sclbstzweck geworden,
ihre Funktion als Lesezcichcn ist zu Ende.
In unserem raschen Uberblick iiber die Geschichte der Dekoration
dcs Sakramcntars und Missales konnten wir den Werdegang des Те
igitur von der Hcrvorhebung des Anfangsbuchstabcns, eincr un-
schcinbarcn Initiale (Abb. 38), zu eincr machtigen Buchstabcnvcr-
schlingung (Abb. 39) und dann vveiter zum Kanonbild (Abb. 48) ver-
folgen, ferner den Werdegang dcs Prafationszeichcns vd vom schlich-
ten Stenogramm zu einem stattliehen dekorativen Zcichcn, das
seinerseits cin Ansatzpunkt zu figurlich-bildlicher Ausschmiickung
wurdc. Das konnte lcicht so miBverstandcn werden, als ob das Wachs-
tum von der einfachcn Ligatur zum monumentalcn Initialmono-
gramm, das fahig war, cine ganze Seitc zu fiillen odcr zu beherrschcn,
sich als immanentc Entwicklung des Sakramentarschmucks vollzogen
habe. So war es nicht. Die Entwicklung des Sakramentarschmucks
hatte zur Voraussetzung, daB das Ligaturprinzip zu einem der Haupt-
themen kiinstlerischer Buchgestaltung wurde, und das war im 7. und
8.Jahrhundert im insularen, irisch-angelsachsischen Milieu gcschehen.
Dort war cs vor allem zu einem radikalen Auffassungswandel des
Vcrhaltnisscs von Schrift und Schmuck gckommcn, ohne den die
autonome Entwicklung der mittelaltcrlichen Zierbuchstaben nicht
moglich gewesen ware.
79
Figureninitiale.
Urkunde Karls v.
von Frankrcich,
Paris, 1372
Figurcnalph
Buchstaben К un
Meister E. S., 1466
Mcmogrammseiten 63
82
Initialen.
Cathach (Psalter)
dcs hl.Columban,
Insular, um 600
Als die Initialc, der akzcntuicrtc Anfangsbuchstabc, geboren wurde
- das gcschah noch im antiken Buch (Abb. 51) stand die utilitare
Funktion als Mcrkzcichcn im Vordcrgrund. Wie bcrcits erwahnt,
sperrte sich das kontinuierlichc antike Schriftgefligc zunachst gegen
das Eindringen und die Hinzufugung irgendwelcher Orientierungs-
bcihilfcn, duldctc die vcrschicdcncn Absatzzeichen mehr odcr minder
wie man AuGenseiter behandelt, und hattc die Tcndcnz, sie aus dem
Schriftgefugc zu climinicrcn und an den Rand zu riicken (Abb. $0),
was natiirlich die Oricnticrung sehr crlcichtcrte. Zugleich vertrug
sich diese Separierung besser mit der asthctischen Grundeinstellung
der Antike, die die Mischung von Ausdrucksspharen pcrhorrcszicrtc.
Jcdcs Medium bcsaB fur sie seine eigene immanente Gesetzlichkeit,
und so war sic a limine einer Vermischung der Elcmcnte von Schrift,
Schmuck und Bild abhold. Die frlihcstcn Beispielc von Initialen, die
mehr sind als vergroBerte Buchstaben, finden wir daher an den Rand
herausgeriickt. Fcrncr ist die Initiale von der Normalschrift durch cin
wesentlich groGercs Format klar gesondert, als ob die beiden zu zwei
verschicdcnen Kategorien von Dingen gchorten.
Schon in den altcsten irischen Handschriften, wie dem sogenannten
Cathach (Psalter) des hl.Columban (Abb. 82), einer Arbeit der Zeit
um 600, ist in diesem Punkt cine ganz andcre Einstellung zu bemerken.
Die irischen Schreibcr haben die Tcndenz, von der Initialc zur Nor¬
malschrift einen allmahlichen Ubcrgang hcrzustcllcn, und ferner die
Initiale aus dem Rand in die Schriftkolumne hincinzuziehen, sie nicht
als Fremdwesen in der Schrift zu behandeln. Der Zeilenanfang dcr
groBcn Abschnitte senkt sich zur Normalschrift in einer Art Diminu¬
endo, von dcr Hohc dcr durch Punktkonturen, rote Farbc, Spiral-
endungen und ahnlichc Verzicrungen ausgczcichneten Initialc oder
monogrammartigen Ligaturen hinab zum FuGvolk der schlichtcn, in
gewohnlicher Tinte geschriebenen Lesebuchstaben. DaB auf dicser
Stufe und in diesem Schriftwesen in der Regel einc Personalunion
von Schrciber und Illuminator bestand, vcrstcht sich von selbst.
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VYCROtu mliatmistjcrliuis prJi$twn
v 41 S’*
«3
Incipit des
Markus-F.vangeliums.
Book of Durrow,
Insular, uni <S8o
Ein Drciviertcljahrhundert spatcr, um 68ot zur Zeit als die erste
irische odcr besser hibcrno-sachsische Prachthandschrift, die wir besit-
zen, entstanden sein nniB, sind aus dicscn beschcidcncn Anfangen
monumentale, reich orchcstricrte Diminucndokompositionen gc-
worden (Abb. 83). Und jetzt beschrankt sich dcr insulare Kalligraph
nicht darauf, von dcr riesenhaften Initiale in durch Zug um Zug
klciner vverdenden Formaten zum Buchstabenniveau der Lcsczcilc zu
vcrmittcln, er vvendet das Prinzip des flieBenden Ubergangs auf die
Buchstabeneinhcit sclbst an. Dcr einzclne Buchstabenkorper verjungt
sich in seiner Breitcntfaltung, schrumpft nach der einen Seite hin, um
Motiogratmnseiten 65
«5
Chi Rho (Detail).
Book of Lindisfarne,
Insular, vor 698 (?)
*4
Prunkschild.
Keltisch,
Anfang i.Jh. n.Chr.
dem Lcscnd-Schauenden das Hinabgleiten zur gcwohnlichcn Schrift
zu erleichtcrn. Das bcdcutet aber, dab das Schriftzcichen keine fest
gegebenc, vom romischen Alphabet ihm vorbestimmte Gestalt mehr
hat, sondern den besondcrcn Umstanden gemab dicse verandern
kann, eine fur einen antiken Buchstabcn unmoglichc Zumutung. Die
insulare Initiale hingegen entpuppt sich als cin elastisches Wesen, das
von dynamischcn Energien erflillt ist und die Fahigkeit besitzt, Teile
seines Korpers bcliebig zu dehnen oder zu verkiirzen, sich zu kontra-
hieren, und so in betrachtlichcm Ausmab scin Gesamtaussehen zu
verandern (was es oft schwierig macht, den Buchstabcn zu erkennen).
Die kurvilincare Ornamcntik - altes bis auf den La-Tenc-Stil zu-
riickreichendes keltisches Erbgut (Abb. 84) die diese Initialgcbildc
flillt oder sich ihnen anschmicgt (Abb. 85), tragt das Ihrc dazu bei, die
Formen zu vcrschleifen und in Flub zu bringen. Die Spiralen, in
denen Buchstabenschafte enden konnen, suggerieren mit ihrem sich
Einrollen und Wicdcrausrollen Bewcgung, die sich reversiert. Damit
wird aber das Augc in ein Labyrinth verstriekt und vom fest ausge-
richtcten Lcsen sehr abgclcnkt. Die Ubcrwucherung des Schriftzei-
chens mit Schmuck - an das Tatowieren des Korpers bei primitiven
Volkcrschaftcn gemahnend die so unausbleiblichc Vcrunklarung
der Lesbarkeit, dcr Konflikt zwischcn dcr rationalcn Funktion des
Buchstabcns und der Wcrtung der Initiale als magisches Symbolzci-
chen, all dies dokumentiert ein einzigartiges historisches Phanomcn:
den Zusammenprall und die gegenseitige Durchdringung sehr ver-
schicdcn altcn, barbarischen und mittclmcerischcn Kulturgutes, nam-
lich den Triumph oder zumindcst die Revitalisicrung cincs prahistori-
schcn Stils an einem christlichen Kultobjckt, dem Evangclicnbuch,
das ein Vermachtnis dcr christlichen Antikc war.
66 Die Initiate
Noch cincn andcrcn Aspekt dcs Phanomens miissen vvir uns da
vergegenwartigen: die Renaissance dcs kcltischcn und bald auch des
teutonisch-zoomorphcn Ornaments bedeutete auch den Einbruch ei-
nes Ornamcntvokabulars und von Dekorationsprinzipien, die in der
Spharc der Mctallverzierung, also der Goldschmicdckunst (Abb. 86),
beheimatet und zur Entfaltung gekommen waren, in das Reich des
Buches und seiner Ausstattung (Abb. 87). Damit, daB der insulare
Kunstlcr scin I landvvcrk nun im Dienste dcr Kirchc und in einem
andcrcn Medium ausubte. hat sich aber sein asthctischer Kanon, scin
Kunstvvollen, offenbar nur vvenig geandert. Die Buchseite bzvv. das
leerc, nicht beschriebene Blatt ist fur ihn Gelegenhcit, cin ornamenta-
les Spiel zu cntfesscln, das alien verfugbaren Raum cinnimmt und
keine leerc Stellc laBt, d.h. die Buchseite iibte auf den Kalligraphen
und Buchmaler dcnselbcn Anreiz aus, vvie es die Oberflachc irgendei-
ncs Mctallgcgenstandcs, sci cs Waffe, Schmuckstuck oder MeBkclch,
auf den insularcn Goldschmicd tat. Bekanntlich bemachtigtc sich die
dekorativc Phantasie dcr insularen Buchmaler ganzer Buchseitcn,
bedcckte sie mit Ornamentgewebcn und stcllte sie als vollkommcn
ungegenstandliehe - auch nicht zeichenhaft-symbolische - Frontispi-
zes vor die Evangelienanfangc, vor Vorwort, Kanonbogcn und ahnli-
ches (Farbtafcl iv). Fiir die Zukunft der Buchmalcrci jcdoch war der
Auftrieb, den die Initialgestaltung durch die barbarische Ncigung
zu Hypertrophie und Potenzicrung des Ornamentalen erfuhr, von
cntscheidcndcrer und nachhaltigerer Wirkung.
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87
Teppichscite (Detail).
Book of Durrow.
Insular, um 680
86
Goldschnalle
von Sutton Hoo.
Kcltisch, Mitte 7.JI1.
88
Chi Rho.
Book of Durrow.
Insular, um 680
Motiogrammseiten 67
Auch in dcr kontincntalen Buchmalcrci dcr vorkarolingischen Epo-
chc - also mit der insularcn, cben bcsprochencn, glcichzcitig - ist
die Initialc zu eincm bedcutcnden kiinstlcrischcn Thcma geworden
(Abb. 60-62), in der insularcn Kunst allcin hat sic die ganze Buchscite
erobert (Abb. 54). Dcr Ort diescr Eroberung war das Evangclienbuch,
das damals, wahrscheinlich als Buch dcr Missionare, den hochsten
Rang untcr alien liturgischcn Biichem innehattc. Bczeichnendcrwcisc
waren es nicht vicr, sondern flinf Stcllcn im Evangcliar, die als Haupt-
formgclegenheiten angesehen wurden. Nicht nur dcr Beginn dcr
Evangclicntexte, sondern auch die Stelle knapp nach dem Beginn
des Matthausevangeliums, wo nach Aufzahlung der Vorfahrcn des
Heilands die Geburt Christi zur Sprache kommt. An dieser Stelle holt
dcr Schreiber-Illuminator zu einem Hohepunkt des Schriftschmucks
aus und setzt hicr in riesenhafter GroBc die Ligatur der Ligaturcn, das
Christusmonogramm, das griechische XP (Chi Rho), begleitct von
klcineren und immcr schlichtcr werdenden Zeichcn (Farbtafcl hi).
<In einer dcr altcstcn insularen Evangelienhandschriften ist das XP
noch in der Mitte des Schriftspiegcls eingefligt (Abb. 88), um sich
dann - in einer vcrhaltnismaBig kurzen Zeitspanne, vom Ende des 7.
bis zum 8.Jahrhundert - allmahlich die ganze Scitc (Abb. 89, 90) zu
89
Chi Rho.
Evangeliar,
Insular, um 750/760
68 Die Initiate
erobern.) Es ist immcr ein in allmahlichcm Diminuendo vcrcbbender
Fortissimo-Akkord. An dcr Lcsbarkcit ist es dcm Schreibkunstler
gewiB nicht gclcgcn (sie ist nicht selten auf ein Minimum reduziert),
cr mochtc vor allem dcr vom mystischen Klang der Nomina Sacra
hcrvorgerufencn Erregung bildhaften Ausdruck verlcihen. Wortc gc-
barden sich ekstatisch, als waren sic lcbendigc Gestalten in Bildcrn.
Das hciligc Monogramm will nicht cntziffert, nicht gelesen, es will
wic das Signum crucis spontan gcschaut wcrden. Und ahnlich wcrdcn
die Schriftkonfigurationcn der eigentlichen Anfangc der Evangclicn
- einbegleitct von den Buchstabenligaturcn von »Libcr generations*
(Abb.91), »Initium ...« (Abb.83), »Quoniam ...« (Abb.54) oder »In
principio...« (Abb. 92) - zu Strukturcn, die den Reichtum und das
Pathos von Bildkompositionen bcsitzen. Als magisches Zeichen vcr-
tritt das Wort das Bild, wird es Bild. Und so wachst in den spatcn
yo
Chi Rho.
Book of Kells,
Insular, nach 800
Alofwgrcwwiscitcti 69
9i
Bcginn dcs
ius-Evangeliums.
<k of Lindisfarne,
'iilar. vor 698 (?)
Erzcugnisscn dcr insularcn Buchkunst das Monogramm- odor Initial-
gebildc zu BlattgroBc an, spiilt die folgendcn Schriftzeilen glcichsam
liber Bord, wird Alleininhalt der Scitc.
Die Monogramm- oder Initialseitc erwies sich als ein dauernder
Gcwinn der abcndlandischcn Buchmalcrci, ohne dicse insularc Schop-
fung ware auch die monumentale Entvvicklung dcs Sakramentar-
schmucks, dcs Prafations- und Kanonzcichcns, nicht moglich gcwc-
sen. Die durch Karl den GroBen inauguriertc Tcxtrcform des Sakra-
mentars hat dafiir nur die liturgische Vorbedingung gcschaffcn.
Die karolingische Kunst iibernahm die insulare Erfindung (Abb. 93;
vgl. Abb. 83), aber nicht ohne auf diesem Gcbiet einen eigenen schop-
fcrischcn Beitrag zu leisten. Die Hofschulc Karls dcs GroBen, das
Atelier, das die friiher untcr dem Namen Ada-Schulc zusammcngc-
faBten Handschriften hcrvorgcbracht hat, verzichtetc trotz Durchflih-
70 Die I flit idle
9-
Beginn ties
Johanncs-Evangeliums.
Book of Lindisfarnc,
Insular, vor 6yS (?)
rung cincr auf klassischc Klarhcit gerichtetcn Schriftrcform nicht
darauf, sich dcr Magic dcr groBen insularcn Incipit- und Mono¬
gram mseiten zu bedienen und ini Zugc dicser Ubernahme barbarisch-
insularcs Ornament dem sonst klassisch-antikcn К anon dcs Buchcs
cinzuvcrlcibcn. Der Magic insularcn Ursprungs gcsclltc sic eine an-
dcrc hinzu: das Dekorum dcr Goldschrift (Chrysographic) und dcs
purpurnen Pergaments (Farbtafcl ix). Bcide neuen Elcmcntc sind aus
dcr imperialcn Machtsymbolik geborgt und solltcn die Aura dicser
Spharc, dcs Hcrrschcrtums von Gottes Gnaden, hcraufbcschworcn.
Die Karolingcr gingen in ihren Frontispizes allcrdings nicht bis zum
Extrem cincr kompletten Desintegration dcr Schrift in rein ornamcn-
talc Kompositionen. Was sic bcibchieltcn, war das System dcr Apo-
strophicrung dcs Lesers und Bcschaucrs durch monunicntalc magischc
Schriftzcichcnkombination sovvic die glcitcndc Skala dcr Schriftzci-
lung der Schrift. Die Zier dcr Schrift liegt jetzt im Gold, nicht aber
Motiogrammseiten 71
93
. irinn dcs Markus-Evangeliums.
von Saint-Martin-dcs-Champs,
iv Karls dcs GroBen, Ende 8.Jh.
in dcr Vcrschnorkclung. Es ist eine wurdevollc Schauschrift, die sich
an den Kapitalen antiker Epigraphik gcschult hat und dem Buch den
Charaktcr des Zcitlosen solcher Schriftdcnkmale zu verleihen sich
bcmiiht. Ein vielfaches Ubcreinander solcher klassisch einfacher, kur-
zer Zeilen (Farbtafel viii) halt der Vcrtikale der machtigen Initiale
auf der gegenubcrliegenden Seite das Glcichgewicht. Die endgultigc
Konsohdierung der Achsengerechtigkeit dcr Buchseite vollbringt
dann abcr ein eigcner rechteckiger Bordurenfrics (in dem wir neben
Maandcr und anderen klassischcn Ornamcnten auch noch insularcm
Flcchtwerk begegnen), der Schrift wie Riescninitiale zusammenge-
faBt und cingcklammcrt halt. Das Schriftkunstwerk wird wie eine
Figurcnszcne, eine bildliche Komposition, gerahmt. Der Rahmen
sondert den Kern der Buchseite als Schauraum von den ungestaltetcn,
lccren Randem ab.
72 Die Initiate
In zvvci spatkarolingischcn Schulen, ciner nordfranzosischen, der so-
genanntcn frankosachsischen, und der von St.Gallen, hat die insularc
Idee dcruberdiniensionicrten Initialkomposition besonderen Anklang
gefunden, ja geradezu cine Renaissance erlcbt. Beidc sind in Rcgionen
lokalisiert, in denen es altc insularc Klostcrgriindungcn gab und infol-
gedcssen insularc kulturellc Traditioncn nie ganz von der imperialen
Rcnaissancebcwegung verdrangt worden waren. <Es genugt, eine
frankosachsische Beatus-vir-Initialc (Abb. 94) derjenigen eincs der
wenigen erhaltenen insularen Psaltericn (Abb. 95) gegcniiberzustellen,
uni die unmittelbarc Verwandtschaft zu sehen. Gegcniibcr der cben
angefuhrten Bcatus-Initiale der Hofschulc riicken die beiden sowohl
in der Buchstabenform wic ini Ornamentvokabular (man vcrglciche
die typischen Verknotungen und Spiralcn) aufs engste zusammen. Das
gcbrochene E der insularen Ea-Ligatur sollte sich uberdies in den
frankosachsischen Prafationszeichen ciner besonderen Beliebtheit er-
freuen (Abb. 40).) In dcr frankosachsischen Buchmalerei gcht die
94
Bcatus-Initiale.
Psalter Ludwigs des Deutschen,
St. Omcr, 2. Vicrtel 9-Jh.
I3ea:„ -
S.ilabcrr -
Insular, 2. Vic.::.
Motiogrammseiten 73
97
Initialc.
Evangcliar,
Frankosachsisch, 9.Jh.
j.iiums.
. Sr. Vaast,
Mittc y.Jh.
Affinitat zum Insularcn ja so weit, daB das figiirlichc Element eine
schr untergcordnetc Rolle spielt (Abb. 96) und der Buchschmuck
uberwiegend mit Ornament, und zwar abstraktcm Ornament, bc-
strittcn wird. Hier wird nun die Idee dcr fcstlichen Incipitseitcn auf
eine ncuc, schr originellc Wcise weitcrentwickclt. Die karolingischc
Zeitnote macht sich in bciden Schulcn darin bemerkbar, daB die
Initialkompositioncn ahnlich wie in den Buchern der Hofschulc durch
tektonische Rahmen umfriedct wcrdcn (Abb. 97). Abcr wie in den
reifcn Schopfungcn dcr insularen Buchmalerci hat die Initiate oder
Initial-Ligatur das absolute Ubcrgcwicht iibcr die Normalschrift, ist
Alleinherrscherin auf dcr Scite. Sie fuhlt sich als Zentrum, wird sich
sozusagcn desscn bewuBt, daB der Rahmen fur sic da ist, und riickt
auch in die gcomctrischc Mitte dcr Buchseitc.
Das verlangt cine Reorganisation dcr Schriftseite. Die dekorative
Planung hat jetzt das Primat, auch wenn dies zu einem VcrstoB gegen
die von der Sprache bestimmte Buchstabenreihung flihrt. Es kann
nun vorkommen, daB die Initiale, entgegen ihrer urspriinglichcn
Bestimmung, nicht der erste Buchstabe ist, dcr auf dcr Seitc erscheint
und dem die ubrigen Schriftzeichen folgen. Im »Quid gloriaris...« des
Folchard-Psalters finden wir die dem Q folgenden Buchstabcn vor
74 D/V Initialc
Initiale zu Psalm s i.
Fol chard-Psalter.
St.Gallen. 3. Vicrtel y.Jh.
das Q geriickt (Abb. 98), denn die Rundscbleite dieses Duchstabcns
schien dem Miniator der gegebene Anlaft zu einer zentralsymmctri-
sehen Anlage. und so verschob er den Antangsbucbstaben aus dem
Wortverband. Doch der St. Gallener Kiinstlcr lieB es nicht damit
bewenden. sondern veranderte auch die Buehstabenform selbst. Ent-
sprcchend seiner neuen zentralen Stellung hat das Q seinen Sehwcit
verdoppelt und liiBt iiberdies in der horizontalen wie in der vertikalcn
Achse der Q-Schlinge kleinere Hndfornien binausschieBen. was die
syminetnsche Ordnung der Initialseite vervollstandigt. ja sogar cine
Kreuzesform anklingcn la(jt, die iiber das Buchstabenrund gelagert
erscheint. Die eine herausgehobene Initiale. die die gesamte Weite des
gerahinten Feldes bestreitet, laBt nur wenig Platz flir die iibrigen
Buchstaben. die dann in den Intervallen und Restraumcn unterge-
bracht werden. /ersplittert in kurze Buchstabengruppen, verteilt sich
die Schrift zu beiden Seiten der Rieseninitiale wie eine Schar kleiner
Trabanten, die uni ein iniielitiges, beherrscliendes Wesen versammelt
sind. <I)er Sprung von der normalen Prunkschrift. Prunkkapitale,
zur Initiale ist bier so gewaltig. daB die ganze Skala cles Cberlcitens
von eineni zuni anderen Format nicht mehr zu Bewulksein kommt.)
Monogrammseiten 75
99
Initiate zu Psalm 41.
Egbert-Psalter,
Rcichcnau, Ende 10.Jh.
Die ini St. Gallcn dcs y.Jahrhunderts zustandcgckommcnen Formpra-
gungen sind die Grundlage cincr Entwicklung, die sich in der Schule
von Rcichcnau, dem Inselkloster am Bodensee nordlich von
St. Gallen, im io.Jahrhundert fortgesetzt hat. Es ist jenc Schule, in
vvelcher der ottonischc Stil, wenn nicht zuerst geformt, so doch zur
Rcifc gckommcn ist. Hier wurde cin absoluter Hohepunkt in der
Erfindung und Ausgestaltung der Incipit-Schauscitcn errcicht, die
jetzt im Rang vollkommen ebenbiirtig und nicht minder monumen¬
tal den bildliehen Darstellungen gegenuberstehen. Dicse Initialcn sind
nun von cincr nie dagewesenen Vitalitat, die sich auch gegen die
Bevormundung und Kontrolle des Rahmcnwcrkcs auflehnt. Sic besit-
/en besondcrc dynamische Qualitatcn. die in den immer vviedcr К no-
ten bildenden Verschlingungcn zur Gcltung kommen. welchc die
Grcnzcn dcr Kcrnform dcs Buchstabcns uberfluten, nach alien Rich-
tungen sich fortranken, bis sic die Rahmcnlcistcn in ihren Griff bc-
kommen (Abb. 99). Das Rahmenwcrk wird Stiitze, hort auf, Einfrie-
dung und ubergeordnete Umfassung zu sein. SchlieBlich wirken noch
hochst subtile und raffiniertc malcrische Mittel mit, um die ehrfurcht-
gcbictendc GroBe der heiligen Schriftsymbole zu unterstreichcn. Initia-
76 Die Initiate
kin#-
еч^ьоа^г^хыцев pvcris iNjaol^abjii^s
;IN.3OTC еэт qarp^ci at boNaoo nongst usq^oxiNucn
:.Q:NST>ec>elp pRosrpqjcrr sapeRpuos bocoiNocn
: ; ifrt+tfr UriSiit. V*k- | T У?- ауУ{- yt
— I ж /r+rr>«/mnrofl\J<Snm>
iO JcnNes oecU'NxueRti nt siarkif iNUTiles^c^stiN'r
len und Rahmcnwerk sind von Purpur umgeben (Farbtafcl xiv), in 100
wclchcn manchmal Pflanzcnrankcn odcr Phantasieticrc wic in ciner Init^c Z|-a >Spni|t52'
dunklcn Flut untergctaucht sind (Farbtafcl xv). Das Augc vermag die Insular uni 735
Formcn nicht deutlieher wahrzunchnien. als wenn es in nachtlichcm
Dunkcl opericren miifttc. Und aus dicser Purpurnacht lost sich, scharf
kontrastiert, die Elfcnbeinfarbe des Pcrgamcntgrundcs innerhalb des
Rahmcns. Erst von diesem im Kontrast doppclt licht wirkenden
Grund hebt sich die in Gold crstrahlendc Initiale ab. So wird mit
Hilfc des nachtlichcn Purpurs - das aber doch nicht wic in antiken
Purpurhandschriftcn die cinzige Grundfarbc ist - cine Farbcnhicrar-
chic in drei Stufen etablicrt. Tageshclligkeiten brechcn aus der Mitte
ciner nachtdunklen Randzone hervor, aber sclbst diese sind nur Folie
fur das alles ubcrstrahlendc Lcuchtcn dcr goldencn Initiale, in dcr
Licht als cin transzendenter Faktor auftritt. Mit dicscn von ciner
abstrakt-nialcrischen Farbcnphantasic gcschaffenen Initialkomposi-
tionen der ottonischen Kunst haben vvir uns weit entfernt von den
Monogrammseitcn insularer Codices wic der Bucher von Durrow
(Abb. 83) oder Lindisfarne (Farbtafcl in). Kein cinziges ornamentalcs
Motiv ist vergleichbar, jedc Spur linearer Musterbildung ist in dcr
ottonischen Initiale vervvischt, alle Musterartikulierung wird in farbi-
gen Wcrten vorgetragen. Das Vokabular wie die Syntax sind radikal
andcre geworden, und doch sind die ottonischen Initialbildcr nur die
letzte Metamorphose von Formideen. die zuerst in der insularen
Kunst, dreihundert Jahrc vorher, ausgesprochen worden vvaren.
Mit der Initiale als Bildersatz, als bildcbenbiirtiges Gebilde, ist die
Aufziihlung der kiinstlerischen Losungen, zu denen die schopfcrischc
Phantasie dcs Mittelalters durch die Formgclcgenheit der Initiale an-
gcregt worden ist. noch nicht crschopft. Wir miissen noch von den
Initialtypcn sprechen, in denen das Schriftzeichen die Figur nicht
Die historisierte und die bewohnte Initiate 77
101
David rcttct das Lamm
aus dcm Rachen dcs Lowen.
Silbcrtcller. Zypern,
zwischcn 613 und 630
102
Beatus-Initialc.
Winchcstcr-Bibcl.
Winchester (St. Swithun's),
uni 1 I 50-11S0
•ТППТУТГ Г:-.' -
vertreten und auch nicht, umgckehrt, von ihr verkorpcrt wcrden
will, sondcrn fur sie einen Existcnzraum bildet. In zweicrlei Wcisc:
entwedcr, indcm der Buchstabenkorpcr als Rahmung flir cine Bildfiil-
lung dient (Abb. 127), odcr indcm er Trager, Schauplatz und Lebcns-
raum fur figiirlichc Darstellung wird (Abb. 124). Das einc nennen wir
die historisierte, das andcre die bewohnte Initiale.
Zur crstcrcn eignen sich eigentlich nur Initialen mit Offnungen,
mit Inncnraum gleichsam, die Figiirlichcs oder gar ganze Szenen
als Fiillung aufnehmcn, bchcrbcrgcn konnen. Einen Sonderfall dcr
historisierten Initiale diirfte das als Bildclipcus gewertete O-Rund
darstellen, das mit einem En-facc-Kopf odcr eincr Biistc geflillte
Medaillon. Dcr Vergleich zwischen dcm О und einem Schildrahmen
lag zu sehr auf dcr Hand, als daB er nicht alien und jedem in den Sinn
gckommcn ware, auch in Schulcn, in denen die historisierte Initiale
nicht gcpflcgt wurdc. Das friiheste Vorkommen der cigentlichen
historisierten Initiale ist in dcr insularen Malcrci des friihen 8.Jahrhun-
derts zu finden, und zwar in einem in Canterbury entstandenen
Psalter. Im Oval eincs Q crschcint einc Szcnc aus derjugcndgeschichte
Davids (Abb. too), einc Szcnc, deren Ikonographie ostlichen, friihby-
zantinischcn Ursprungs ist (Abb. 101). Dcr insularc Buchmalcr hat
cine narrative Szenc, die flir sich als Bild existiert hatte, in den Organis-
mus einer Schriftseitc verpflanzt und ihm cinverlcibt, indcm er das
Loch der Initiale damit schloB. Ob er darin einen Vorlaufer gehabt
hat, wissen wir nicht, vicl friiher kann es aus den verschiedensten
Griindcn zu dieser wichtigcn, zukunftstrachtigcn Ncucrung nicht
gckommen scin. Diese erstc historisierte Initiale, die wir kennen,
tragt allc Zeichcn cines Friihstadiums in der Bcwiiltigung einer ncuen
Aufgabe an sich. Im byzantinischcn Vorbild war David als Hirte
dargcstcllt, wie er den Rachen dcs Lowen auscinanderreiBt, um cin
Lamm seiner Hcrde zu bcfrcicn. Die Ubcrtragung in die Initiale hat
der Herde den Bodcn unter den FiiBcn entzogen, und so sieht man
einige Lammlein, den Seitenkontur Davids als Gehstcig beniitzend,
steil aufwarts in die Luft spazieren. <Dic Figurcnwelt hat einen ncuen
Existenzraum erhalten, fiir den die Gesetze dcs natiirlichen odcr illu-
sionistischcn Bildraums nicht mchr gelten. Einige hundert Jahrc spater
wird das Thema durch einen byzantinisicrcnden Kiinstlcr wiederauf-
genommen, einen der Illuminatorcn der Winchestcr-Bibel, dcr der
urspriinglichcn, antikischcn Fassung wieder naherkommt (Abb. 102):
David springt auf den Riicken dcs Lowen und rciBt dessen Rachen
auf, in dem das Lamm schon zur Halftc drinstcckt.) Ein Problem ist
gcstellt, das von nun ab den mittclalterlichcn Buchmaler unablassig
bcschaftigen wird, das Problem dcr Vcrsohnung der Forderungen dcs
Bildraums mit denen des Malgrunds der Buchscitc.
Die historisierte Initiale scheint sich zunachst nicht durchgcsetzt zu
haben, wir finden sie erst in dcr karolingischen Buchmalerei wieder
und auch da nicht friih und nur in einer cinzigcn der groBen Malschu-
lcn, dcr von Metz in der Zeit Bischofs Drogo, im zweiten Viertel dcs
9.Jahrhunderts. Dcr in allem, was er tat, hochst origincllc Meistcr
hat einen iiberreichen Bilderschatz, den er sich vorwiegend aus der
78 Die Initiate
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105
fruhchristlichen Kunst des Ostcns angeeignct hatte, cincm Buch-
schmuck cinzugliedern vcrstandcn, dcr fast ausschlicBlich aus Zier-
buchstabcn bestand. Nicht nur cincn GroBtcil seines figurliehen Voka-
bulars (vgl. Abb. 103 u. 104), auch die Ornamcntformcn hat er aus
der Antike bezogen, das Hauptmotiv seiner Dekoration ist die Akan-
thusranke. Sic vvird aber nicht, wie in dcr antiken Kunst, als Fiillung
von Fcldern, Schaftcn, Lcistcn verwendet, sondern klcttcrt wie ein
Schlinggcwachs oder Efeu an den Buchstabenkorpern cntlang, um-
faBt und umklammcrt sic oder sprieBt an ihren Endungen hervor. Das
vegetabile Element ist ein lebendiges Gewachs, das das tote, starre
Gcriist des Buchstabens uberwuchcrt. Eine liberaus fruchtbare Idee,
die in der angelsachsischcn Kunst und in der Romanik noch groBe
Triumphc feiern sollte. Zu bemerken ist noch, daB im Drogo-Sakra-
mentar, dem Hauptwerk des Metzer Meisters. Rankcn und Blattvverk
nicht grim sind, wie man erwarten wiirde, sondern golden mit roten
Random (Farbtafcl xii).
Diesc umrankten Initialcn beherbergen nun an alien mbglichen
Stellen figurlichc, meistens szenischc Darstellungcn. Und nicht nur
dort, wo das Rund einer Buchstabenform einen natiirlichen Bildrah-
mcn schatTt wie ctwa bcim O. Schon das Prafations- und Kanonzei-
chen des Sakramcntars sind auBcrst personliche Erfindungen. In bei-
den Fallen hat der Bildinhalt direkten Bczug auf die gottesdienstliche
Handlung, das Zelebrieren der Messe. Bei der Praefatio (Abb. 105)
104
Die drei Frauen am Grabe
und Himmclfahrt Christi.
F.lfenbein. Oberitalien, um 400
Die historisierte utid die bewohnte Initiale 79
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107
103, 105-107
Historisierte initiale C
mit der Himmclfalm Christi,
iNzeiehen, Canon missac, Historisierte
ale D mit der Anbctung der Kdnige.
Drogo-Sakramentar,
Metz, zwischen 850 und 855
durchsctzt ein riesiges V den in GroBbuchstaben in antiker Manicr
kontinuicrlich gcschricbcnen Text. Die oberen Enden der Buchsta-
benschaftc tragen klcine architektonische Strukturen, deren cine, als
Kirche mit Turm gekcnnzcichnct, die Halbfigur dcs die Messe zclc-
bricrcndcn Pricstcrs vor deni Altar cinschlicBt, wahrend die andere
unter der Aedicula des himmlischcn Tempels das adorierte Opfcr-
lamm zeigt. Die Architekturen ruhen vvic Aufsatze auf dcr Initiale.
Im Те igitur (Abb. 106) vverden die Szenen in cigcns geschaffene
Offnungen von Stamm und Balken des T cingefligt. Die alttestamen-
tarischcn Prafigurationcn des Kreuzigungsopfcrs Christi (Mclchisc-
deks Opfcr am Altar, Abels und Abrahams Opfcr) liaben hicr, glcich-
sam als dekorativer Besatz des T-Kreuzcs, Untcrkunft gefunden. Eine
neue Freiheit der Disposition ist gewonnen, fur die die Initiale zum
Gcbct dcs Wcihnachtsfestes (Farbtafcl xii) cines der schonsten Bci-
spiele ist. Die einzelncn Episoden der Gcburt Christi bzw. einzelne
ihrer Bcstandteilc - das Lager Marias, die Krippe mit Ochs und Esel,
das Bad des Kindes, die Hirten - nisten sich an vcrschiedcnen Stellen
cines monumentalen C ein, das mitten in cine breite Schriftkolumne
cingcbcttct ist. Eine dieser Teileinheiten, die Hirtcngruppc, hat im
Innern des Buchstabcnkorpers keinen Platz gefunden, RankenschoB-
lingc zweigen von den Buchstabcncnden ab und bilden ein Gc-
schlinge, das die Hirtcngruppc balanciert. Die Hirten befinden sich
eben auBerhalb des Stallcs, drauBcn in der Landschaft. In cinem ande-
8o Die Initial?
ren Fall hilft die Form des Buchstabens eine Geschichtc crzahlen. Das
D dcr Epiphanic-lnitiale (Abb. 107) bringt die Magierlcgcnde in eincr
dreiszenigen Folge: die Magier vor Herodes, dann ihr Ritt nach
Bethlehem und schlieBlich die Anbetung des Kindes. Die erstc und
dritte Episode stehen ubcrcinandcr. die Schlcife des Buchstabens aber
wird zum Wcg, der von der einen zur anderen Ortlichkcit im Ablauf
dcr Handlung fiihrt. Die schriftbedingte Gestalt dcr Initialc wird
Handlungsschauplatz.
Von der ncuen Auffassung dcr Initialc bzw. dcs Verhaltnisses von
Schrift, Bild und Ornament, die sich im Werk dcs Drogomeisters
bekundet hatte. hat die Entwieklung lange Zeit wenig Notiz genom-
mcn. Sovvohl die karolingische wie die ottonische Epoche bevorzug-
ten in der Regel die klarc Scheidung zwischcn dem Figiirlichcn und
dem Dekorativen, und so vvurden die Bucher cinerscits mit rcinen
Bildscitcn, andcrerseits mit rein dekorativen Initialcn geschmiickt
(Farbtafcln xvi, xvn). Die Stunde tiir die historisierte wie fur die ,v, . „ , У*9
' Weincrntcszcncn. Sarkophag
bewohnte Initiate kam erst, als die Buchnialerci die Bcdcutung eincs mjt jem Guten Hirtcn,
ganz bestimmten Formgedankcns erkannte, den urspriinglich ganz Friihchrisdich, 4.Jh.
Die historisierte und die bewohnte Initiale 8
I 10
Ranken mit Jagdszcncn.
Elfcnbcin, Nordfrankreich (?),
9/io.Jh.
andcre kiinstlerische Mcdien entwickclt batten. Es war das Motiv der
bewohnten Ranke. Mit ihm muBten sich die Buchmaler erst befreun-
den, bevor die Typen der bewohnten wie auch dcr historisierten
Initiale zu ihrer vollen Entfaltung kommen konnten.
Als spiclcrisches Motiv hat bcrcits die antike Reliefplastik die be¬
wohnte Ranke gckannt. Es gibt zahlreiche dekorative Reliefs der
romischen Zcit, deren Ranken von Ticren, Vogeln, aber auch Putten
und klcinen Figiirchcn bclcbt werden. Wir kennen auch Reliefplasti-
ken, deren Ranken in ihren Windungen eine Art Medaillonreihe
mit kleinen Szenen - etwa der Weinernte (Abb. 108) — bilden. In
altchristlicher Zeit hat die Symbolik der Weinranke AnlaB zu Kompo-
sitionen gegeben, in denen ein Weinrankenspalicr in unendlichem
Rapport sich ausbreitet und irgcndwo in den Zweigcn Unterschlupf
fur pastorale szenische Darstellungen - wie den die Herde weidenden
guten Hirten (Abb. 109) - bictct. Entscheidcnd fur die kiinftige Ent-
wicklung dcs Motivs wird dann eine Wendung, die uns zuerst in
insularen Stein- und karolingischcn Elfcnbcinrelicfs entgegentritt
(Abb. 1 1 o, 111), die aber auch bcrcits in dcr Antike vorbcrcitet worden
scin mag. Der Gcdankc, der hier neu auftritt ist dcr, daB ein gewisscr
Antagonismus zwischen Pflanze und Tier oder Pflanze und Mensch
vorgcstcllt wird, ein Konflikt, dcr sich darin auBert, daB die Pflanzen-
ranke aggressiv gegen das bcwcglichc Lcbcwcscn vorgeht und seine
82 Die Initiate
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Bewcgungsfrciheit bcschrankt. Die Korpcr und Gliedcr von Tier oder
Mensch werden in die Ranke vvie in cin Schlinggewachs vcrwickelt
und setzen sich dagegen zur Wehr. In dcr Verknotung haltcn sich die
gegncrischen Krafte in Schach, wodurch das Gesctz dcr Schwcrkraft
aufgehoben erscheint. Ein aus lebendiger, nicht anorganischer Matcrie
geformtes Flechtwcrk entsteht, das an jedcr Stclle, auf jedcr Hohc
halt.
Noch in dcr ersten Halftc des lo.Jahrhunderts begegnen wir plotz-
lich in der angclsachsischcn Buchmalerci Initialcn, die dieses zuvor
anschcincnd nur in dcr Relicfskulptur heimischc Motiv ubernchmen
(Abb. 112: cin Vogel ist in einc D-Initialc verstrickt und packt sciner-
seits mit dem Schnabel cinen Schol31ing). In dcr darauf folgenden
Bliitezcit der angclsachsischcn Buchmalcrei hat es kaum Beachtung
gefunden, uni so mehr aber auf dem Kontincnt, in den nord- und
wcstfranzosischen Schulen, die damals untcr starksten cnglischen Ein-
fluB gerieten, Schulen wic die von St. Bcrtin urn das Jahr 1000, die
ctwas spateren von Arras und Paris (St. Germain-des-Pres, Abb. 113),
und vor allem die in zahlreichen klosterlichen Zentren bliihcnde
normannischc Schule. Gcmcinsam ist alien diesen Schulen des
1 i.Jahrhundcrts, da!3 in ihnen das Vollbild cine Ausnahmc bildet,
haufig auf das Titclbild beschrankt blcibt - im auffallcndcn Gegensatz
zur bilderfreudigcn angclsachsischcn und auch ottonischen Kunst -
und sich die Buchausstattung auf den Initialschmuck konzentriert.
Namentlich in dcr normannischen Malerei kann man dcutlich die
Tendenz spiiren, figiirliche Elcmentc nicht frei auftreten zu lassen,
sondern sie wenn nioglich cinem ornamentalcn Verband cinzuordnen
(Abb. 114). Es hat ganz den Anschein, als ob das eigenstandige Bild
suspekt geworden ware und sich im Dickicht eines kunstvoll ver-
schlungencn Ornaments bzvv. Initialgcfligcs versteckcn wolle. Die
Bildcrzyklcn dcr Angelsachsen verlorcn das Anrecht auf einc cigenc
Domanc, und was die Nornianncn davon an narrativer Kunst iiber-
nahmen, wurde in diminutiver Form den Mikrokosmen der Initialen
112
Initiate.
Junius-Psaltcr,
Winchester. 2.Viertel 10.JI1.
Initiate zu Psalm 1
Psalter, Saint-Germain-des-Pri
Mitte 11.I-
(X A-tJUftW|ЧлгГг1ггТи/!лАг |>лтп ptrtUam pwrif.
ftnmJorn-!JU4nTnJ,jT- put Cinilunu]- pi-fiuJrr'
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ma ffrojnA tibnfinmi irfjjiLir-. N-»m<pcx
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Die historisierle und die bewohnte Initiate 83
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KIEM MATbEGS
[NORDENE REGIA
. Evangelienkommcntar,
<h. 11. Jh.
anvertraut und mit dcren Hilfe dem Organismus der Schriftscite
subordiniert. Aus frei geborenen Individual wird Rankenbcvolke-
rung. Die Dcgradicrung der szenischen Darstellung bedcutete aber
zuglcich einc Nobiliticrung der Initiale, ihren Aufstieg aus cincm
Randgebict zwischcn dem Bcrcich anonymen Ornaments und dem
gegenstandlieher Aussage in das Zcntrum darstcllender Kunst
(Abb. 115). Das figiirlichc Erzahlen ist in den Raum der Initiale gc-
wandert.
In den Friihphascn des Prozcsses im 1 i.Jahrhundcrt begegnen wir
noch meist dem Konflikt eincr anonymen Pflanzcnrankenbevolke-
rung mit dcr Umwelt. Zum Kampf dcr Tiere oder Menschen mit
ihrem Pflanzcnmilicu, das sie beengt, einschniirt oder vcrklammert,
gescllt sich der Kampf von Mensch gegen Tier oder Damon, tierisch-
menschliches Mischwescn, oft in doppeltcr und drcifacher Verkno-
tung (Abb. 116). Oder es konnen die Rankenwindungen die Biihne
fur ein Jagcn bilden, bei dem Jagcr wie Beute im Labyrinth des
Pflanzendickichts verlorengehen. Die Lebcwescn spielcn miteinandcr
und mit uns Vcrstecken in jenem grenzcnloscn und doch beengenden
Kontinuum, dem Rankengcwebc dcs nordischen Mittelalters mit
seinem unendlichen Rapport.
Tills.
• mmentar,
. T.. 1 ■. Jh.
116
Initiale. Augustinus,
Psalmcn korn mentar,
Rochester, um 1100
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К4 Die Initiate
In cincm Evangelicnbuch. das uni das Jahr 1000 im Klostcr von
St. Bcrtin an dcr Kanalkiiste Nordfrankrcichs entstanden ist. komrnt
unsercs Wissens zum ersten Mai cin Rankcngcbildc der gcschildertcn
Art vor (Abb. 117). Statt den Rah men eincr Incipitscitc mit Akanthus-
ranken flach zu fiillcn, wie cs in manchen Schulcn der Karolingerzcit
Brauch war und auch in unscrcr Handschrift selbst die Rcgcl ist, hat
dcr Maler hicr den verfiigbaren Rahmcnstreifen mit einer laufcnden
Akanthusranke durchzogen, die das Existenzmilicu fiir Figuren und
Ticre bildet. In dem von den Rankcnwindungcn umschricbencn
Hohlraum odcr besser Rankeninnern, das cine Art rohrenformigen
Schacht ergibt, rollcn kleine Jagdszencn ab. Einige Zeit spater erschci-
nen in der nordfranzosischen Buchmalcrei ganz ahnliche Motive -
bewohnte. >durchtumtc< Ranken - auch in den Initialcn29.
Es verdient hier darauf hingewiesen zu werden, daB mit dicser
Wicderaufnahme cines sporadisch schon in der vorkarolingischcn und
karolingischen Kunst vorkommenden Motivs die Buchmalerei die
Fiihrung in cincm EntwicklungsprozcB ubernommen hat, in dem ihr
die monumentalen Kiinste erst in einigem Abstand gefolgt sind. So
wird die bewohnte Ranke eincs der beliebtesten Schmuckmotivc der
Bauplastik der romanischen Zeit, also dcr ncuen Monumcntalskulp-
tur, aber cben erst annahernd ein Jahrhundert spater. Ein Doppclkapi-
tell des Augustincrkreuzgangs von Toulouse baut einen Fries mit
eincr Barenjagd zusammen, der die bewohnte Buchmalcreirankc in
plastische Materie um- und iibcrsetzt (Abb. 118). In der Klcinplastik.
vor allcm in Elfenbein, das ja bckanntlich auch bei Bucheinbanden
Verwendung fand, gibt cs cine Reihe von Parallclen, aber auch viclc
Zwischenglicdcr zwischcn Buchmalerei und Monumentalplastik
(Abb. 119).
117
Bordiirenfries mit Jagdszenen,
Evangeliar, St. Bertin, um 1000
119
Elfenbcinernc Kriimmc cines
Bischofstabcs mit Gcburt Christi.
Englisch, i2.Jh.
118
Kapitcll mit Barenjagd.
Augustinerkreuzgang Toulouse,
Siidfrankreich, Elide 12.JI1.
Die historisierte und die bewohnte Initiate 85
120
Beatus-Initiale.
Psalter, St.Gallen, 9.Jh.
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Nicht immcr ist cs ein anonymes Spiel, das da im Schatten dcs
Rankengeschlinges wie in eincm Vcrstcck gctrieben wird. In den
nordwestfranzosischcn und nordwestfranzosisch becinfluBten Schulen
der Buchmalcrei sind es oft auch biblische Einzelszenen, ja sogar
Szenenfolgen, die in die Rankcninitialen hineinvcrwobcn werden.
Am einpragsamstcn laBt sich die Genese der romanischen Durchdrin-
gung von Figuralem und Dekorativcm an der Entwicklung der gro-
Ben Beatus-Initiale dcs Psaltcranfangs verfolgen, die wohl die Initialc
der Initialcn war und die ornamentale Phantasic der mittclaltcrlichen
Kiinstler zu immer ncucn Hohcnfliigen hcrausgefordcrt hat.
Wir beginnen unserc Rcihc mit cincr Initiale aus der Mittc des
9.Jahrhunderts, die abcr in eincm Milieu cntstandcn ist, in dem von
der Griindung her die Ideale einer groBen Vcrgangenhcit, dcr vorka-
rolingischen Epochc insularcr Herkunft, immer in lebcndigcr Erinne-
rung gcblicbcn waren. Es ist die ricsigc Beatus-Initiale cincs aus dcr
Schulc von St.Gallen hcrvorgcgangenen Psalters, die in Silbcr und
Gold gemalt ist (Abb. 120). Der erste Eindruck ist der einer unentwirr-
baren Formverflcchtung, und doch ist das Konstruktionsprinzip cin
sehr einfaches. Der den Buchstaben in der Scitc und im Schriftspiegcl
verankernde Schaft wird durch cin Bandgcflecht gcbildet, das oben
und unten in auseinanderweisenden Vogelkopfen endigt, wahrend in
der Mitte die Endcn sich iiberkreuzender Bander in vegetable Formcn
auslaufen. Es ist kein sehr massiver Schaft, und cr ware es noch
86 Die Itiitiale
VIR QV'VCA'
А1Л I 1 !л: CON
S!i.,0!MP!OHVM
121
Beatus-Initiale.
Harlcy-Psalter,
Winchester, um
weniger, wiirdc nicht die - oxydierte - silbernc Fullung der Intcrvallc
das goldcne Gcflecht zusammenschlicBen. Die nach rechts gerichtctcn
tcrminalcn Vogelkopfe halten in ihren Schnabeln die scitlich ausbuch-
tenden Bogcn, die sich bci der Begegnung in der Mittc uberschneidcn
und vcrflechten. In diesem nicht ganz symmetrischcn Doppclbogen
finden wir uns in den Bercich der kaleidoskopischcn Initialbildung
zuriickversetzt: die Bander vcrwandeln sich in den Hinterleib, Vorder-
leib odcr den Kopf von Ticren, die Vogeln ahncln, dcren Ruckenli-
nien dann aber doch in Schweifcn enden, die ihrerscits in Ranken
umschlagcn, an deren Bccren kleinc Vogel picken. Der Ranken-
schweif aber schlingt sich untcr und iiber diese Vogel. Die Schwcllung
des untcren, groBcrcn Bogens ist uberraschcndcrwcise unkorperlieh
und von ciner laufenden Ranke besetzt. Nirgcnds ein Verwcilen in
dersclbcn Gcgcnstandsspharc, ubcrall rastloscs Sichverwandcln und
ewiges Sichvcrknotcn. Wir besitzen keine bedeutende Beatus-Initiale
aus der insularen Buchmalcrci des 8.Jahrhunderts, diirfen jcdoch die
St. Gallcner als vollwertigen Ersatz anschen.
Kann das St. Gallencr Beatus-B als Ersatz fur die fehlcndc insularc
Version gclten, so das majcstatische Bcatus-B eines angclsachsischen
Psalters aus dem io.Jahrhundert als Beispicl eincr noch aus dem
Geistc dcs karolingischen Klassizismus geborenen Initialschopfung
(Abb. 121). Obwohl in England entstanden, sind die spezifisch insula-
ren Elemcnte stark zuriickgedrangt. Das Bandgcflccht ist auf die
Die historisierte und die hewolmte Initiate 87
beiden Gclenkstcllen dcs Schaftcs bcschrankt, das zoomorphe Element
ist noch in den Vogclschnabelendungen dieses Geflechts und in einer
imposanten Lowen- odor Katzenmaske zu linden, aus dcren Maul
iippig wucherndes Akanthusrankenwerk vvie aus einem Wasserspcier
hervorschiefk. Das vegetabile Element ist auch in Form von Akan-
thusfricscn als Fiillung der Kompartimente zu schen, in die Schaft wie
Bogen des Buchstabcnkorpers zerlegt werden. Der Buchstabcnkorper
bildet jetzt das klare. solide Gcriist der Initiate unter nachdriicklicher
Verfestigung der Gclenkstcllen. Die Dynamik dcs pflan/lichcn Lebcns
vvird in Grcnzen gchalten. Die von Pflanzenfricsen getiillten Schafte
und Bogen umrahmen die in den Buchstabcnintcrvallcn sicli enttal-
tenden Rankenspiralcn.
Als hundertjahre spiiter (1060, wenigejahre vor der Normannenin-
vasion) wieder cin englischer Psalter mit einem machtigen Beatus-B
gesclnniickt vvurde (Abb. 122), war das Gcriist der Initiate zwar noch
122
Heatus-Initialc.
Arundcl-Psaltcr,
Winchester (New Minster?).
uni 1060
88 Die Initiate
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Bcatus-Initialc.
Carilef-Bibcl,
Normannisch, spates u.Jh.
dassclbe gcblicbcii, im Formal vokabular aber war cin ncucs Elcmait
hinzugckommcn. das figiirlichc. In die Rankenspiralen sind Figuren
interpoliert. In der oberen Initialschleife versucht ein Jiingling mit
phrygischcr Miitzc. sicli durch das Dickicht hindurchzuwinden, seine
Beine vcrflcchten sicli mit den Pflanzenstengeln; in der unteren hat
Konig David sclbst auf deni von der Rankcnspirale gebildeten preka-
ren Sitz Platz genommen. In beiden Fallen haben wir Bcispielc be-
wohntcr Ranken vor uns. Die bewohntc Rankeninitiale war aber
friiher schon in dcr Normandie und auch in Paris hcimisch, und so
sehen wir, daB im Kiinstlcrischen normannischcr EinfluG sich noch
vor dcr Erobcrung der britischen Insel durch die Normannen entschci-
dend gcltend gcmacht hat. Es ist auch nicht ausgeschlossen, daB dcr
Miniaturist, dcr dicse in Winchester entstandenc Psalterhandschrift
illuminicrte, schon normannisch geschult war, ganz sicher aber war
es dcr Buchmaler, dcr tlir den ersten normannischcn Bischof von
Durham, Carilef (Wilhelm von St. Calais), cine groBc Bibel dekoriert
hat. Auch er folgt noch deni friihen angelsachsischcn Grundschcma
(Abb. 123), nur eliminicrt cr die zentrale Lowenmaske, die die zwei
Bogen vcrkoppelt, durch Verflechtung hangen sich die beiden Bogen
jetzt sclbst ineinander. Datiir laBt cr die Rankenspiralen schon an den
Schaftendcn und nicht erst im Lowenmaul beginnen, und dort aus
Die historisierte utid die bewohnte Initiate 89
124
Beatus-Initiale. Augustinus,
Psalmcnkommentar.
Normannisch, spates u.Jh.
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Bcsticnmaulcrn hervorkommen. Indem die Ranken sich zur Spirale
cinrollen, bilden sic die Buchstabenausbuchtungen. Dicsmal ist ein
gegen die Umklammerung sich wchrender ViertuBer in die obere
Spirale verstriekt, keine mcnschlichc Figur; die untcre Spirale behcr-
bergt wieder den harfcspiclenden, thronenden David - ein Autorbild,
das in dcr Initialc Zuflucht gefunden hat.
Es gibt aber auch normannischc Beatus-Initialcn, in denen das
Initialgebilde ganze Szenenfolgcn beherbergt. Auf den Incipitseitcn
zweier normannischcr Psalmcnkommcntarc ist jcweils ein ganzer
Davidzyklus in dem Labyrinth groBer B-Initialen untergctaucht
(Abb. 124)30. Nach cinigem Suchcn gelingt es, einige Episoden zu
identifizicren, indem man die cinzelnen Elemente aus den vcrschicdc-
nen Initialstcllcn zusammenklaubt: David, vvic er das Lamm aus dem
Lowenrachcn rettet, Davids Kampf mit Goliath und David mit sci-
ncm Orchestcr, vielleicht auch denaturierte Reste anderer Szenen.
90 Die Initiate
InCl' HT.T \CT\T?
PSM.CDOR'VTVf ,25
Incipitseite.
/\.С1 GVSTINl 0Г1 Augustinus, Psalmcnkommentar,
Normannisch. z.Halfte n.Jh.
Das Ncue daran ist, daB die Initialc hicr zur Aktionsbiihnc geworden
ist, auf dcr sich die im Text geschildcrten odcr mit ihm assoziicrten
Ereignisse bcgebcn, sic ist, wic cs dann in der eigcntlich romanischen
Buchmalcrei allgemein Brauch wurde, dcr Existenzraum der Figurcn-
welt schlcchthin, flir den die Gcsetze dcs natiirlichcn odcr illusionisti-
schcn Bildraums, etwa die ciner gemcinsamen Stand- oder Bcwe-
gungsflachc der Aktcure, nicht mehr gclten. Allen Personcn obliegt
jetzt einc doppelte Aufgabe: mit den Gegcnspiclcrn zu kommunizic-
ren - sic anzugreifen oder sich gegen sie zu wehren - und zugleich
im Rankcngcschlingc einen Platz oder Halt zu finden, so als ob sich
alle Aktion nur in dicsem geriisthaften Gewcbe abspiclcn konntc. So
wic in der romanischen Monumcntalplastik allcs figiirliche Lcben an
die geformten Glieder der Baumassc als Existenzraum gebunden ist,
so hicr an den Fassungsraum dcr Schriftkorpcr und deren Begrcnzung.
Um das Phanomen dicser Koexistenz von Figur und Buchstabende-
kor in dcr richtigcn Pcrspcktivc zu sehen, muB daran erinnert werden,
daB gerade in den Skriptorien und Zentrcn der Buchmalcrei, in
denen die Assimilicrung des Figuralcn durch das Schriftmilieu am
vollkommensten durchgefiihrt worden ist und die origincllstcn Initi-
alschopfungen hervorgcbracht wurden, das unabhangige Figurcnbild
fast iiberhaupt nicht gcpflegt wurde. Wcnn iiberhaupt, dann gewohn-
lich nur als Autoren- oder representatives Titelbild (Abb. 125), nicht
aber in dcr Form narrativer Illustration. Doch hat diesc Bevormun-
Die historisiertc und die bewolmte Initiale 91
[26
Incipitseite zur Apostclgeschichte.
Himmelfahrt Christi.
Ricscnbibcl, Mittclitalicn,
i.Halfte i2.Jh.
InCIPLI BEMCTvM m*
dung dcs Figuralen und dcr gegenstandlichen Darstellung, die in dcr
friihen Romanik ihren Hohcpunkt hattc, nicht langc gevvahrt. Schon
in dcr ersten Halfte dcs n.Jahrhunderts setzen in alien curopaischcn
Kunstzentren, in Frankreich, England, Deutschland, Italien, Spanien,
Bewegungen cin, die auf eine groBere Autonomie der darstellenden
Kunst, auch im Rahmcn dcs Buchcs, hinarbeiten.
Diese Autonomiebcwcgung hat sowohl die Psalter- wic die Bibelil-
lustration revolutioniert. Zugleich hat diese Stromung allerdings die
Buchmalerei vielfach in Abhangigkeit von der Monumentalmalerei
gebracht. In Landern wie Italien, in denen die Buchmalerei nie zu
den vordringliehen Anlicgcn zahlte, kommt es zu mehr oder minder
auBcrlichcn Ubcrtragungcn des Monumcntalstils (Abb. 126), in andc-
ren, wie Frankreich und England, wo die Buchmalerei unbestritten
zur groBen Kunst gehorte, hat die Auscinandcrsctzung mit den in
andcren Mcdien erwachscncn Darstcllungstormcn neue genuine
Buchmalereiformen und -stile geschaffen. Letztercm ProzeB wollcn
wir uns zuwenden.
92 Die Initiate
Nachdem auf dem Gebiet der Buchmalcrci im spaten n. und
friihcn i2.Jahrhundcrt Frankreich das gcbcnde Land gcwcscn zu scin
scheint, vcrlcgt sich um 1120 der Schwerpunkt nach England. Um
dicse Zeit entsteht dort, im Kloster von St. Albans, das bis dahin
kiinstlerisch keine ncnncnswcrtc Rollc gespielt hat, obwohl cs den
Protomartyrcr Englands zum Namenspatron hattc, eine Psalterhand-
schrift, in der sich ein wahrer Drang zum darstellendcn Buchbild
und zur bildliehen Erzahlung ubermachtig manifestiert. Im Beatus-B
(Abb. 127) hat plotzlich das Ornament das Initialinnere gcraumt und
beschrankt sich auf die Fiillung der Buchstabcnformen. An der Kon-
struktion des Buchstabenkorpcrs- Bandgeflecht an den Gclcnkstellen,
Tierkopfe zur Aussendung dcs Doppclbogens - hat sich nichts gcan-
dert. Das Inncrc dcs Doppclbogens aber wird als cine cinzigc Bildfolic
behandclt: die Gestalt des psalmierenden David iibcrschneidet die
Stelle der Einschniirung, so daB dcr Psalmendichter der Inspiration
der - mchr cincm Schwan gleichenden - Taube des Heiligen Geistes,
die von oben herabschwcbt, scin Ohr lcihcn kann. Anstatt des preka-
ren Rankensitzes - man vcrgleiche das drciBig Jahre friiher entstan-
dcnc normannische Gegenbeispicl (Abb. 123) - ist dem Psalmisten ein
solider Thron bereitgestellt worden. Im Grundc hat die Initiale jetzt
zwei Schichtcn: ein Bild ist iiber cine Initiale projiziert worden. Wir
haben nicht mchr cine bewohnte sondern eine historisierte Initiale
vor uns. (Man muB einige Jahrhundcrtc zuruckgehcn, zu den Kiinst-
lern dcs Corbie-Psalters, um eine ahnlichc Art dcr Initialfullung zu
finden (Abb. 128).)
127
Beatus-Initialc.
Albani-Psalter,
St. Albans, um 1119-1123
128
Beatus-Initiale.
Corbie-Psalter,
Corbie, um 800
Die historisierte und die bewohnte Initiate 93
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.•-Psalter,
L '.ms, um 1119-1123
130
Einzug in Jerusalem.
Albani-Psaltcr,
St. Albans, um 1119-1123
Historisierte Initialcn crhicltcn im Albani-Psaltcr auch allc tibrigen
Psalmenanfange (Abb. 129), und iiberdies vvurde zwischcn dem Ka-
lcnder und dem Bcginn dcs cigcntlichen Psaltertextes cine cigcne
christologische Bilderfolge, eine Erzahlung in ganzseitigen Bildcrn
ohne Text eingeschoben (Abb. 130). Das Buch ist cin Dokument eines
eruptiven Dranges zum bildlichen Ausdruck, der neben dem Text
und den aus der Schrift entwickelten Zicrformcn auf uns vvirken
soil31. Ein langcr Kommentar zur Darstcllung der Beatus-Initialc,
vvahrscheinlich vom Kiinstlcr selbst gcschricbcn, und, an anderer
Stellc, die Nicdcrschrift cincr Apologic bildlicher Darstcllung im
Bereich dcr Kirche - es handelt sich um den beriihmtcn Brief Gregors
dcs GroBen32 lassen darauf schlicBcn, daB cs ctwas ganz Ncucs
und cin Wagnis gewesen scin muB, sicb unumschrankt zum Bild zu
bekennen, kurz, daB vvir es mit ciner Art Gegenbewegung gegen die
ikonoklastischcn Tcndcnzcn dcr normannischcn und der friihromani-
schen Buchkunst iiberhaupt zu tun haben. Dicsc Gegenbewegung,
die ihre Kraft durch eine immer verstandnisvollerc Rezcption medi-
terraner Kunst, und zwar dcr glcichzcitigcn byzantinischen, bezog,
ist siegreich aus dem Ringcn mit der ungegenstandlichen Kunst des
Schriftornaments hervorgegangen, ein EntwicklungsprozeB, dcr sich
am schonsten in der Gcschichte der jetzt plotzlich hochaktuell wer-
denden Bibclillustration verfolgen laBt. Bevor wir darauf naher cinge-
hen, muB aber noch cin Nachspiel der Motivgeschichtc dcr bewohn-
ten Rankeninitiale Erwahnung finden.
94 Die Initiate
Noch einmal kchrcn wir zum Beatus-B zuriick. Nach dem Albani-
Psaltcr hat es, auch in prachtigcr ausgestatteten Psaltericn, noch priinar
dekoradve Fassungen dieser Initialc gegeben, aber nie niehr eine
Verflcchtung von Figur bzw. Szenc und Ornament. Mit Vorlicbe
ist die doppelbogige Form des В als Rahmen eines Doppclbildes
genommen worden, wie etwa in dem nach 1200 in Toumai entstande-
nen Ingeborg-Psalter (Abb. 13 1); bisweilen werden, wie auch im ge-
radc angetuhrten Beispiel, die seitlichen Ausbuchtungcn zu richtigcn
Medaillons geweitet und ihrerscits mit Davidszenen gcfullt. Einc
retrospektive Richtung, hauptsachlich durch englische Beispiele ver-
treten, ist jedoch auf den Gcdanken vcrfallen, den Omamentcharaktcr
der traditionsuimvittcrten Beatus-Inidale dadurch zu retten, dab sie
cin ikonographischcs Thema einfuhrte, in dem cin pflanzliches Gc-
flccht gegenstandlich modviert war: die IVurzelJesse. Die Darstcllung
dcr Gcnealogie Chrisd, mit der dcr Text des Matthauscvangeliums
anhebt, ist gcwiB nicht fur den Psalter erfunden worden, ikonogra-
phisch ist es einc Neuschopfung der friihromanischen Epoche
(Abb. 132). Die Metapher dcs Stammbaums konnte aber nun nach
der Art eines bewohnten Pflanzengewachses verstanden werden, und
so sehen wir uni 1200 auf einmal die Wurzcl Jesse in das Beatus-B
transponiert und auf diesc Weise den Untergang der bewohnten
Initialc wenigstens bei dieser Formgelegenheit iiberdauern (Abb. 133)
und in barocker Wuchcrung bis ins i4.Jahrhundert hincin wahre
Orgien dcs Formgeschlingcs feiern (Farbtafcl xxvn).
•3i
Beatus-lnitiale.
Ingeborg-Psalter.
Toumai, Anfang 13.Jh.
42.
Wurzel Jesse.
Lambeth-Bibcl,
Canterbury (St. Augustine’s),
uni 1145
Die historisierte umi die bcwoluite Initiale 95
«33
Beatus-Initiale als Wurzcl Jesse.
Huntingfield-Psaltcr,
Englisch, Ende i2.Jh.
( Text S. 59)
Die Farbtafeln
I (Text S. 29)
Auszug aus der Arche
und Dankopfcr Noahs.
Wiener Genesis,
Friihbyzantinisch,
3.Viertel 6.Jh.
304/326x245/265 mm
II (Text S. i2, 36)
Lowe
(Hicr: Symbol dcs Johannes).
Book of Durrow,
Insular, um 680
245 x 145 mm
III (Text S. 67, 76, 173)
Chi Rho.
Book of Lindisfarnc,
Insular, vor 698 (?)
340x245 mm
rv (Text S. 66, 174)
Tcppichseite.
Book of St. Chad,
Insular, 1. Halfte 8.Jh.
308x223 mm
v (Text S. 36, 175)
Evangelist Lukas.
Book of St. Chad,
Insular, 1. Halfte 8.Jh.
308x223 mm
VI-VII (Text S. 36, 140, 177)
Evangelist Johannes und
Tcxtseitc zum Lukas-Evangelium.
Kronungscvangcliar
(Schatzkammcr-Evangeliar),
Hof Karls des GroBen,
Ende 8.Jh.
324x249 mm
VllI-lX (Text S. 70, 71, 140, 173)
Titel- und Incipitseite.
Dagulf-Psalter,
Hofschulc Karls des GroBen,
Ende 8.Jh.
190 x 120 mm
X (Text S. 179, 182)
Evangelist Johannes. Evangeliar
aus Saint-Medard-dc-Soissons,
Hofschule Karls des GroBen,
Anfang 9-Jh.
362x267 mm
xi (TextS. 29)
Szenen aus der Genesis.
Bibcl von Moutier-Grandval,
Tours, um 840
375 x 510 mm
XII (Text S. 7S, 79, 140)
Initiale zum Weihnachtsfest.
Drogo-Sakramcntar,
Metz, zwischen 850 und 855
264x214 mm
XIII (TextS. its)
FuBwaschung.
Evangeliar Ottos ill.,
Reichenau, Ende 10.Jh.
334x242 mm
XIV (Text S. 76, 173)
Initiale zum Matthaus-Evangclium.
Hillinus-Evangeliar,
Reichenau, um 1000
370x270 mm
XV (Text 5. 76, 173)
Initiale zum Lukas-Evangelium.
Evangeliar Ottos 111..
Reichenau, Ende 10.Jh.
334x242 mm
XVI (Text S. 37, 43 > 44, 80)
Prafationszeichcn.
Sakramentar,
Reichenau, Ende io.Jh.
245 x 175 mm
X vil (Text S. 37, 42, 43, 80)
Kreuzigungsdarstellung
zum Canon missae.
Sakramentar,
Reichenau, Ende io.Jh.
245 x 175 mm
xviii (Text S. 19, no)
Illustration zu Psalm 11.
Kopic des Utrccht-Psaltcrs,
Angelsachsisch, friihes 11.Jh.
380x309 mm
xix <TextS. 178)
Die drei Frauen am Grabe.
Sakramentar (>Missale<)
des Robert von Jumieges,
Angelsachsisch, um 1020
335X222 mm
xx (Text S. 161, 162, 164, 166)
Anbetung des Lammes.
Apokalypsenkommentar
aus Santo Domingo de Silos,
Spanien, zwischen 1091 und 1109
380x250 mm
XXI (Text S. 188)
Der Karren mit den Reliquicn
Konig Edmunds fahrt iiber einc
Briicke ins Kloster Bury St. Edmunds.
Edmundslegende,
Bury St. Edmunds, um 1130
273 x 184 mm
XXII
Figureninitiale.
Gregor, Moralia in Job,
Citeaux, Anfang i2.Jh.
350x240 mm
XXIII (Text S. 135, 136)
Initiale zu Exodus.
Bibcl von Winchester,
Winchester (St. Swithun’s),
um 1150-1180
583 X396 mm
XXIV (Texts. 1581
Die gottlichc Schopferkraft
mit Univcrsum und Kosmosmensch.
Hildegard von Bingen, Rcvelationes.
Siiddcutschland, um 1230
270X170 mm
xxv (Text S. 166
Das Sonnenweib und dcr Drache.
Apokalypse,
Westminster (?), um 1270
3 т 1 x203 mm
XXVI (Text S. 148, 142
Untergang der Stadt Sodom.
Lots Frau erstarrt zur Salzsaulc.
Psalter des hi. Ludwig,
Paris, um 1270
200x 132 mm
xxvil (Text S. 94, 144
Beatus-Initialc
mit Wurzcl Jesse.
England, Anfang 14.Jh.
374x235 mm
XXVIII f 'lir.M S. I9r
Wunder vom zuriickgebrachten
Brevier des hi. Ludwig.
Stundenbuch der Jeanne d’Evrcux.
Jean Pucellc, zwischen 1325 und 1324
94x64 mm
XXIX (Text S. 195. ijr
Thronendcr Christus mit
den vier Evangelisten.
Bible historiale,
Paris, um 1330-1340
385 x297 mm
XXX (TextS. 28 r
Figurenalphabet.
Giovannino dc’Grassi, Ende i4.Jh.
260 x 185 mm
xxxi (TextS .v
Maricntod und Maricnkronung.
Stundenbuch dcs Engelbert von N2-.
Meister der Maria von Burgund. ur:
133x94 mm
xxxii (Text S ...
Titclseite.
Aristoteles, Werke, Band 1,
Vencdig, um 1483
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11
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peer ошетГиагс modom qtuo: саиГз^ 7 nvedebar p pin
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Iceftutbeccoumcuo aat fir fiait copulaniu: ni otfpofi
no cenc (de inuenif in rdf bnobue caafae quafdi p foe
^ni Шага canTaro; ficue inacnf ai brab4 oce caafae.7 qii
pofuu bac ppoboonc indajdt tefbmoran ad vcnficandd
ilia: q^lereindupiinpofterioab’ anakmoa: 7.o.cr*di'
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ГроГшо iicie селе pc ali<$ no acquirif nift er
feeu/eftrqmoiaqnoicttfefebc^idd: nootttboendi
qn Гоист dlud p biaa осв caofaa ppinquae7 remoue:
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ftinunonc7q>iniftj<ppo6noncoacmik ocepTideriuo
•deo <f спа ГорЫЛс ut otjnr in poftehoab*.D.o.quni (d
oeriinoe caafae ешвбтрЬсев: 7 tmendo at vidd caafae
cpfterceinrepanuendcopoTaae: 7Гшралм ma:7 rid
nulbana-qaccniiampecrpama mattna 7 vlomi for*
mi cuinflibct mu nahacfiit пиеспсс6роГае:7 forme cd^
poftte &.D.7 pma p: a: 7 inicditbn ndctp panta
рзларигрэтав caufae q Гш cpra гст-Г.рзтй ag.iie:7
rlhmu fine omnia rerd. D.o.ooncc puemam* ad demea
и eme7 inride 6 pelemcu ooTaeadlaeeai герюраи
qtsae 7 d1emulc9.7 ainott p boc 4d oqojcqr ooareu oz/
‘ dinaueftiftapeacogniaonccjufardpamarordcogno'
feende pfeoe. Cxmdc intnkrc ad co^anoac akaro caufa
ram remocard Cm oadmcooncrpacmaf ad caofaa j>pio
qoaa:7 fea boc rnf 5 boc noiecaaTa:7 ekmcrnd alio mo
ab со 4 vfoe eft аШс pua fea did тоге in babedo modica
foUidnidinc oe nominib’^ qum pofeac bac maiosc ypo
feaone m boc кгаюос.Г.тсемс (f ккивлсаи oc rebue
bababuecaufae7clemcundacqomf mlicrcoflnindc
caafard 7 dementom eoaI:oumbc minosc jfpobaooc %
didujdc cddofionc qua йшЬг p bde fermonc7 oipe ma
nifcftum eft qf» in (id^ nab 7C.i.manifeftd effcqni cr boc
feqoif <f efi rob La^ri (dona oc aanra opoaer ipfiua
pdua querere oetenmnanone caafard rerd nalutm babe
oum caufae 7 dcmda. 7 iftc fermo copomf fee: ota nalia
babent caufae7 demda:7oia babena caafae 7demda
no frinafnifi er cognmone caafard 7 demouoai:g onua
naltaadCdnaf mb ercogninonc Гаага caro7dcakio^.
ЭппаисП ашстсхпопоаЬ*поЫв?ссг'
ооаЬив йишкма пашге % пооошю oum fat
XXXII
Illustration der Bibel
Wic bereits angedcutct, war im i2.Jahrhundert das aktucllste Anlic-
gen der Buchmalerei die Ausstattung dcr komplcttcn Bibel, d.h.
die durchgehende Bcbilderung der einzelnen Bucher des Alten und
Ncucn Tcstarncntcs in cincr cinzigen, mcist mehrbandigen Ausgabe.
Die romanischen Riesenbibeln bildcn untcr den illuminierten Hand-
schriften dcs Mittelalters cine Klassc fur sich, nicht nur wcgen dcr
Obcrdimcnsionicrtheit ihrcs Formates33 - der schr bezeichnende mit-
telaltcrlichc Terminus tcchnicus fur sic war >bibliotheca< - sondern
wegen der auBerordentlichcn Spannweite und den gcwaltigen Pro-
portioncn, die dcm Plan dieser unhandlichen Folianten zugrundc
gclegt wurden. So sehr die Idee einer Gesamtausgabc der Hciligen
Schrift, in dcr jcdcs cinzclne dcr siebzig vcrschiedenen Bucher mit
cincr Art Titelbild eingeleitet wird, uns auf dcr Hand zu liegcn scheint,
so ist doch diese Idee einer systcmatischen Bcbilderung dcs BibelstofFes
erst von dcr romanischen Epoche konzipicrt und rcalisiert worden.
Das Ringcn um die Schaffung einer vollillustrierten monumentalcn
Bibel dauerte mehr als ein Jahrhundert, und allc groBcn mittclalterli-
chen Nationcn habcn sich an dicscm kiinstlerischen Unternehmcn
bctciligt. Im Riickblick sicht cs wie ein Wcttstrcit der verschiedenen
flihrcndcn Ateliers der Buchmalerei allcr Lander aus, so als ob sie
voncinander gewuBt hattcn; von wem die urspriingliche Initiative
kam, von Frankreich, England oder Italicn, ist bis heute noch nicht
geklart worden. In alien Zentren abcr sind die Anfangsstadien durch
ein Expcrimcnticrcn und Suchen nach gccigneten Losungen gckcnn-
zeichnct.
In Italien spiclt sich das Eindringcn dcs Bildes in den Bibelcodcx als
cine rein auBcrlichc Obcrtragung von Formen dcr Monumentalmale-
rei ins Buch ab. In den friihen Riesenbibeln vor und nach noo wird
oft gar nicht versucht, die Einzelfigurcn, die als Autorenbilder den
einzelnen Biichcrn dcr Bibel vorangestellt werdcn, in irgendcine gere-
geltc Bcziehung zum Satzspiegel und den Initialen zu bringcn. Sie
werden frci auf den lceren Grund gesetzt (Abb. 134), zwecks Veranke-
rung auf der Buchseite wird bestenfalls die Figur durch Kapitalschrift
flankicrt und umklammcrt. Spatcr, als man zu einer reichcren, narrati-
vcn Bebilderung iibcrging, wurden die Szenen in scparaten, sparsam
gcrahmtcn Bildstreifen oder ganzscitigcn Bildtafcln den Textabschnit-
tcn vorangestellt. Ein innercr Kontakt zwischen Bild und Schrift
kommt nicht zustandc, das Bild bleibt ein ungefuger Frcmdkorpcr
im Buch, nimmt wcdcr an dcr Organisation dcr Buchseite tcil noch
sucht sich der Bildstil den spczifischen Erfordcrnissen des Buchmilicus
130 Illustration der Bihel
anzupasscn. Die Wahl dcs Foliantcnformats der Bibeln ist hier ein
Entgegenkommen an die in iiberlebcnsgroGcm Format geborene
Bildwclt. Diese Buchmalcrcicn, die zu den groGtcn ihrer Art zahlcn,
sind tatsachlich Miniaturgemalde im Sinne von Diminutiven von
Wandmalereien (Abb. 126).
Jenseits der Alpcn ist dies selbst in stark von Italien abhangigen Schulen
wie der Salzburger ganz anders. In der friihesten Bibcl des Salzburger
Krciscs, dcr der Stiftsbibliothck von St. Florian (Abb. 135) - an der
anfangs noch italienische Krafte mitgearbeitet haben - tauchcn untcr
den in italicnisch-gcomctrischem Stil dekorierten Initialen einige hi-
storisierte auf, die ersten Zcichcn cincs wicdcrcrwachten Drangcs zum
bildliehen Ausdruck. Im Initialsystem liegt bei ihnen cine vollkom-
menc Analogic zu der zcitglcichcn Bcatus-Initialc des Albani-Psaltcrs
vor (Abb. 127); die figurlichen odcr szcnischen Elcmente sind entwe-
der in die Initialoffnungen schlecht und recht hincinprojiziert oder
auf die Initialen gleichsam aufgeklebt. Die ersten vollbcbildcrtcn Salz¬
burger Bibeln, die von Michaclbcurcn34 und Admont (Abb. 137),
schcidcn bcrcits grundsatzlich zwischen ornamentalen Initialen und
gerahmten, vom Text abgcsctztcn Bildcrn, die oft scitengroG sind.
Auf dieser Stufe ist die Nahc zu den italienischcn Ricsenbibeln am
groGten, bloG vvird in den Salzburger Exemplarcn die Geometrie
der Buchseite bei dcr Vcrtcilung von Bild, Initialc und Schrift viel
134
Prophet Tobias.
Bcginn des Buchcs Tobias.
Riesenbibel aus Hirsau,
Rom oder Mittelitalien,
2. Halfte 1 i.Jh.
135
Josua erhalt den Befehl Gottcs,
den Jordan zu ubcrschreiten.
Beginn des Buchcs Josua.
Riesenbibel aus St. Florian,
Salzburg/Obcritalicn, um 1075
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ейттспйqtu cnpcLibcyfjlufifH-
Roniamschc Riesenbibcln 131
136
Davidszenen.
(iiimpertsbibcl,
Bayern odcr Salzburg, vor 1195
sorgtaltigcr bcrucksichtigt, das Ncbcncinandcr dcr heterogenen Elc-
mente ist harinonischer, wirkt gcplanter. In dcr reifsten Schopfung
der Salzburger Bibclproduktion, dcr Guinpcrtsbibcl in Erlangen, der
bilderreichstcn aller Salzburger Bibeln, blcibcn zwar aueh Bild und
Schrift getrennt, jedoch wird die Bildseite nunmehr einer dekorativen
Ordnung unterworfen, die mit der Flachengcsetzlichkeit des Bucli-
schmucks vertriiglich ist. Die cinzclnen Szenen sind zu Bildcinlagen
cincs ornamentalen Musters gevvorden (Abb. 136). <lm nordischen
Milieu setzt sieb also die dekorativc Organisierung der Buchseite
durch.) Welcber kiinstlcrisehcr Mittel sich die Salzburger Malerei bei
diesen Kompositionen bediente, werden vvir besser verstehen, vvenn
wir das Problem des Vcrhaltnisses von Bild und Rahinen - und nicht
von Bild und Initiate - behandeln.
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JjrptlCJVHT c AJMTll A. .
G8v
IjJ-
Moses cmpfaiigt ilie Ciesetze.
Beginn des s. Burhes Moses.
Admonter Riesenbibel.
Salzburg, um i 140
4u;jrp -m л/р гит JTLkLud Jnb г\шо
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134 Illustration dcr Bibcl
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13К
I limmclfahrt dcs F.lias.
Bibcl von Rochester,
Canterbury (Rochester), um 1130
139
Initiale.
Mcdizinische Traktatc,
Normannisch, um 1100
Zuvor gilt cs aber, das Kapitel der romanischcn Bibclausstattung zu
beenden. Von der ostlichen Peripherie des okzidentalen Mittclaltcrs
wenden wir uns zur westliehen, zu den groBen englischen Bibeln,
denen an kiinstlcrischer Originalitat und Qualitat wenig zeitgenossi-
sche Buchmalerei an die Seite zu stellcn ist. Am Beginn der englischen
Bibclillustration stchen, nicht anders als in der Salzburger Buchmale¬
rei, historisierte Initialcn (Abb. 138). Noch wcchscln sie mit rein deko-
rativen ab und sind zunachst auch in der Minderzahl. Bald stellt sich
aber hcraus, dab die englischen Initialbcwohner, Figuren wic Szcncn,
sich mit dem ihnen zugewiesenen Aufcnthaltsort nicht begniigen und
auf Abenteuer ausgehen. Zum Vorbild nehmen sic sich die verschiede-
nen gnomhaften Kreaturcn, diceinen bestimmten dekorativen Initial-
typus der vorausgehenden normannischcn Stilphase bcvolkern, Initi¬
alcn, die man in der Fachliteratur mit dem Kennwort >gynmastisch<
(Abb. 139) charaktcrisiert hat, weil da das Buchstabcngcriist von den
Lcbcwesen, Menschen, Tiercn oder Pflanzen, als Gcrat fur akroba-
tischc Exerzitien beniitzt wird. Der Buchstabc wird zur Aktions-
biihnc, auf dcr anfangs dekoratives Spiel gctricbcn und schlicBlich
ernste, dcr 1 Iciligcn Schrift entnommcnc Szcncn aufgeflihrt werden.
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tti-..: - лтг bom о da • to ]'T^rpr: ис&КахЬГ-
фп\ I^iT hduiT du:: qiimqiUgctkmo-
1 w. datum •' IrTtntddt u? -T dc trio-Q'dr
ucmxre «vqirnqM-.i^rrTamoT'lMcaidrni.
igmTdccciutfdcucnauir arm •"«’ quit i. r-'grn
m qtnaanramico-Rinlinnimfr .drum pn
apart qumquagntmunt dltni; ofqimtquA
цтеп aim со • Qmloanif eft 1П1 -bomoda •"
ahrt des Elias.
cr-Bibel,
cr (St. Swithun’s), um 1150
Romanische Riesenbibeln 135
140
Himmclfahrt des Elias.
Bibel von Dover,
Canterbury, Mittc I2.jh.
adirq*-odwz
catxrtltjfcpv
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nwmA'tg
Ua bcdztbab dann adwron: ta
titrc qneam dttnfinmmrt>mM
А"Ф> йипп dni toramfrfb ad!
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tUftuto fuj? qrtfm afrmeWb tt drfc
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^'babmttcn mrqmotni
«oW.^ComEdbucrbabftTTlri
vtrpiiofutd'zonapdiicia,
emi rn nr
Ltii
Im eben erwahnten englischcn Bcispicl aus dcr Bibel von Rochcstci
ist die Himmclfahrt dcs Elias in die Offnung dcr Schlingc einei
ricsigen P-Initiale hineingezwangt, wahrend der Buchstabenschaft ir
ganz unscrioser Weise von jagenden Tieren als Laufbahn beniitzt
wird. Die Eliasszcnc ist eigentlich nur abbrcviicrt wiedergegeben
denn die als Erganzung notwendige Gestalt des Jungers Elisaus, dei
den Mantel des entruckten Meisters zu empfangen hat, fehlt. In dei
etwa zwanzig Jahrc spatcr entstandenen Bibel von Dover (Abb. 140]
- wic die von Rochester ein Produkt der Schulc von Canterbury -
kann man die unvollkommene Fassung der Eliaslegcnde, wic sic
Rochester bictct, sinnvoll erganzt schcn. Hicr ist der Schaft des P ah
aufwarts gerichtete Bewegungsbahn gesehen, auf der sich die Auffahri
in uberirdischc Hohcn vollzicht. Die Schlinge des P wird zum Him-
melstor, durch das der Wagen des Elias unseren Blicken entschwindct
Unten aber, am FuBende des Initialschaftcs, eigentlich auf cinerr
von der Initialc ausgesandten RankcnschoBling, steht dcr Junger ir
Erwartung des Mantels des Meisters, der aus dcr Hohe niederfallt unc
mit dem cr Wundcr wirken solltc. Die cntsprechende Miniatur dei
Winchcstcr-Bibcl (Abb. 141), um weniges spatcr als die Dover-Bibel
136 Illustration der Bibel
knapp nach der Mittc des i2.Jahrhundcrts entstandcn, ist cine dritte
Variante dersclbcn Kompositionsidee. In ihr crschcint der Fcucrwagcn
in den Buchstabenschaft hinabverlcgt, um oben in der P-Offnung
Platz fur cine weitcre Elias-Episodc zu schaffen; der Himmcl ist hicr
unterhalb der P-Schlingc angcbracht. Im Bcstreben, den Bildcrrcich-
tum der Bibel zu steigern, hat der Winchcstcr-Meister den urspriingli-
chcn Kompositionsgcdankcn wieder vcrunklart.
Von dem Meister, der diese Elias-Initiale schuf und der dcr erste in
dcr Abfolge dcr Kiinstlcr war, die cin halbes Jahrhundcrt lang an dcr
Illustricrung dieses Buchkompcndiums arbeiteten, gibt cs Initialcn,
die man bci obcrflachlicher Betrachtung als bewohnte (Farbtaf. ххш),
und andcrc, die man als historisiertc (wie das P mit der Eliasgcschichtc)
klassifizieren mochtc, d.h. in den einen sind die Figuren Rankenbe-
wohner, in den anderen nicht. Im Grundc ist aber die Kompositionsart
dieselbe. Die Gcstalten dieses Mcisters haben es nicht mchr notig, in
cin Rankenschlingwerk verstrickt zu werden, um sich dcr Form
und dem Lebensrhythmus der Initialkorper anzupassen. Denn das
Netzwerk, dem die Figuren cingeschrieben und angepaBt sind, bcfin-
det sich jetzt nicht mchr auGerhalb derselben, sondern wird von den
Figuren selbst erstellt. Der Faden, aus dem es gesponnen ist, sind die
Fiihrungsbahnen der Gewandfaltcn (Abb. 142). Wie die Ranken, aus
denen das Schlingwcrk des romanischen Formgewcbcs erwachscn ist,
letzten Endes klassischen Ursprungs sind, so ist paradoxcrwcisc auch
das interne Netz, in das sich die romanischen Figuren vcrstricken.
143
Sandalenloscnde Nike.
Relief vom Tern pel
der Athena Nike,
Athen, Akropolis,
Attisch, nach 400 v.Chr.
Der EinfluJJ von Byzatiz 137
U5
Evangelist Markus.
Neues Testament,
Byzantinisch. in Italien
(Grottaferrata ?) entstanden.
2.Halfte I2.jh.
U4
Nyx (Detail aus
lesaia im Gcbct).
Kiriser Psalter.
Konstantinopcl,
Mitte io.Jh.
aus cincm antiken Formgcdanken entwickclt, stcllt sozusagen eine
Travestie dieser Idee dar, namlich des Gewand-Korper-Dualismus. Be-
kanntlich haben die Gricchcn das Geheimnis entdeekt, wic man den
lebendigen Kern unter der be- und vcrdcckendcn Hullo, die an sich
ja nur totcr Stoff ist, spiirbar machen kann, kurz, wic man es zuwege
bringen kann, Gcwandung zu sehen, jedoch Korper zu spiiren
(Abb. 143). Durch Schaffung der Fiktion cincr diaphanen Drapcric
wurde es ermoglicht, Figurcn wie im Alltag bckleidet zu lassen und
doch stcllcnweise Durchblickc auf die Korpcrform hinter der Ge-
wandhiille zu gestatten. Zugleich - und hicr bertihren wir den fur
unsere Frage entschcidenden Punkt — wird so das auf Zug und Druck
sensible, biegsamc Material des Gewandes das Medium, in dem sich
die im Korper waltenden und agicrcndcn Kraftc auswirken und uns
so mitteilcn. Der Witz der ganzen Sachc ist cben der, dab das Lebcn
der menschlichen Figur sich im Gegenspiel von Gcwand und Korper
verrat, ja dab es in dicscm Gegenspiel recht cigentlich erst Form
wird. In dcr byzantinischcn Kunst hat sich die antike Tradition der
diaphanen Gewandbehandlung direkt fortgeerbt, vor allcm in dcr
makedonischen Renaissance (Abb. 144), nur hat hier infolgc dcr Ent-
matcrialisierung alles Korpcrlichen das Gewandelement im weitcrcn
Verlauf der Entwicklung merklich die Oberhand gewonnen. Die
Gesamtheit dcr Falten und Gcwandsaumc bildet ein umfasscndes
lincares und meist formelhaft angewandtes System, welches die Insel-
chen oder Fragmcntc organischer Substanz wie Fullscl rahmt und
138 Illustration der Bibel
zusammcnhalt, die Figurenoberflache in Kompartimcnte zerlcgend.
Etwas von dcm altcn Spannungszustand dcr beidcn Faktoren ist noch
da, abcr man hat den Eindruck, als ware ein hauchdiinnes, beinahe
ungreifbarcs Netzwerk um transluzide, geisterhafte Korper gespon-
nen (Abb. 145). Was wir vor uns haben, ist bloB die Symbolformel
eincs Konflikts von Kraftcn.
Die cnglischen Kiinstler der romanischcn Epochc, besonders die
dcr Mitte des i2.Jahrhundcrts, haben die byzantinische Version der
diaphanen Drapcrie, die ihnen durch verschicdene Kanalc vermittclt
wurdc35, eifrigst studiert, sie abcr in ihrer besondcren insularcn Optik
vollig uminterpretiert und aus ihr ein denkbar unklassisches System
linearcr Mustcrung herausdestilliert. Die von ihren nordisch-barbari-
schcn Urspriingcn her belastete, ornamental ausgcrichtete insularc
Formphantasie bcmachtigte sich sofort dcs in dcr byzantinischcn Gc-
wandbildung nur latenten Faltennetzwerkes, zeichncte es durch und
reduzierte allc Modellicrung zu schmalcn Schattcnrandcrn der Falten-
grate (Abb. 34). In dcr englischen Ubcrsetzung der byzantinischen
Vorbildcr erinnert die Figurenoberflache an >anatomische Dia-
gramme<, in denen alle Schnen und Adern offen hcrausgezcichnct
sind und in denen das Gcfiihl fur das Korperliche, das diese Spannung
zwischen Hiille und Kern erzeugt hat, verschwunden ist. Das Linien-
netz ist autonom geworden, was sich unter andcrem darin auBcrt,
daB cs labil ist und sich in cigenwilligc, abstraktc Bewcgungsspiele
verwandeln kann, ohne jede Riicksichtnahme auf die gegenstandlich
geforderte Bewegung der Figuren. <Es ist ein Charakteristikum dieses
Stils, daB man die Figuren ciner Gruppc gar nicht im einzelnen
auseinandcrhalten kann. Sic verstccken sich gleichsam selbst durch ihr
Geflige von Falten und Konturen, so daB sic unentwirrbar scheinen
(Abb. 146).) 1m Gewogc und Gczerrc der Linicn kommt die organi-
sche Form in FluB, wird ein Spiclball dcr entfessclten Dynamik,
sucht sie durch die unglaublichsten Vcrrenkungcn mitzumachen oder
entzieht sich unseren Blicken wic in cinem Labyrinth. Mit eincm
Wort, die menschliche Figur hat sich jetzt gegen cine selbst erzcugte
Bcdrohung und Bedrangung zur Wchr zu setzen, genauso wic sie
friiher sich gegen die Vitalitat des Rankengeschlingcs zu behaupten
hatte. Einc ungeheurc Elastizitat zeichnet jetzt die Figuren aus; anstatt
mit Hilfe dcs ondulierenden, expansiven Rankcngcflechts vermogen
sie nun in ihrer neuen kurvilinearen Durchblutung und Entfaltbarkcit
sich dcm Lebensrhythmus dcr Initialen und des Ornaments anzupassen
und deren Fassungsraum allein zu fallen. Damit sind aber unversehens
aus bewohnten historisierte Initialen geworden. Die ornamentalisierte
Figur hat das Ornament aus der Initialc verdrangt.
In diesem Moment der Entwicklung mcldeten sich kiinstlerische
Krafte zu Wort, die in die byzantinischen Lehrcn von der Gestaltung
organischcn Lebens und figurlieher Erscheinung tiefer eingedrungen
und nicht gewillt waren, Figur und szcnische Darstcllung eincr frem-
den Gesctzlichkeit unterzuordnen. Es ist nun symptomatisch, daB die
kosmopolitischerc, weniger insularc Richtung, die um diese Zeit das
Wcrk der Ausschmiickung des Winchester Bibelfolianten ubernahm,
mit den Initialen und dem Initialraum uberhaupt nicht mehr ihr
Der EmfluJJ if on Byzanz 139
146
Sauls Tod.
Lambcth-Bibcl,
Canterbury (?),
um 1140-1150
Auslangcn finden zu konnen glaubtc und einigen Hauptabschnitten,
die noch nicht illuminiert worden waren, cigcne groBe, mehrstreifige
Bildseiten voranstellen wolltc. Ein Mcister wurdc herangezogen, der
seine Kunst dcs bildlichen Erzahlens nicht bci der gleichzcitigen Mit-
tclmcerkunst gclcrnt hattc, sondern bei der christlichen Antike, die
ihm wohl in Originalcn und karolingischcn Obersetzungen zugang-
lich gewesen scin muB. (Bci ciner der Scitcn, die diescr Meistcr
entworfen hat und die als Zeichnung stehenblieb, namlich bei der
Titelscitc zum Buch der Makkabaer (Abb. 28), konnen wir die Gcnca-
logie ihres Vorbilds liber eine karolingische, aus St. Gallen stammende
Makkabacrhandschrift (Abb. 25, 26) in die Antike zuriickverfolgen,
also nicht zur gleichzcitigen byzantinischen Kunst, wie das bci den
vor ihm an deni Bibclunternchmcn betciligten Buchmalcrn dcr Fall
war.) Mittelalterlich am Stil dieses Meistcrs war frcilich die Art, wie
cr den malerischcn lllusionismus seiner Vorbildcr in ciner graphischen
Ubcrsetzung mit ziigigen Umrisscn wiederzugeben unternahm. Viel-
leicht nicht ganz zufalligcrwcisc wissen wir nicht, wie dicser geniale
140 Illustration der Bibel
Zeichner gcmalt hat. <Allcs, was diescr Kiinstler gearbcitct hat, hat
er nur in Zeichnung ausgeflihrt, sei cs in dcr Winchcster-Bibcl, sci es
in dcr auf einc antikc Vorlage zuriickgchcndcn Tcrcnz-Handschrift in
Oxford36.) Scin Wcrk in der Bibel, nicht andcrs wie das seines
Vorgangers, blicb unvollendct.
Gcgen Endc des i2.Jahrhunderts trat ein Team griindlich byzanti-
nisch geschulter Kiinstler auf den Plan, das die unfertig hinterlasscnen
Entwiirfe der beidcn altercn Kiinstler farbig ausfiihren sollte und
vielfach nur ein moderncs farbiges Kleid iiber einc bestehcndc zeich-
ncrische Form brciten konnte. In cincr Reihc von Fallen ist aber auch
beidcs, Entwurf wie farbigc Ausfiihrung, das Werk der jiingercn,
byzantinisiercnden Generation.
Erinncrt man sich, daB die byzantinischc Kunst einc Einordnung
von figiirlichcn Elementen in ein Initialgefiige im allgcmcinen nicht
kanntc - es gibt zwar byzantinische Figureninitialcn in der mittelby-
zantinischen Zeit, aber keine byzantinischen historisiertcn Initialen -,
so wird man begrcifen, dab die englischen Schuler der Byzantiner
ihrc liebe Not damit hattcn, die byzantinischc Bildwclt, die primar
cine monumcntalc war, in die lateinische, von Initialen organisicrte
Buchscite zu intcgricren (Abb. 147). Freic, in weitcn Bildfeldern be-
hcimatcte Typcn muBten gleichsam zu Initialbcwohnern dcgradicrt
wcrden. Die Figuren hatten nun ihr Gleichgewicht gefunden, hatten
ihre cigcne Sell were, ihre cigenc Wiirdc, und ihre Dynamik muBtc
mit den Regcln organischcr Bcwegung vertraglieh crschcincn. Es
kam nicht mehr in Fragc, Serpentinata-Windungcn auszufiihren, um
sich dem Rund ciner Buchstabenschleife anzuschmicgen oder sich
entlang eines Buchstabenschaftes oder etwa gar durch ihn hindurch
cmporzuschlangeln. Zunachst besteht noch die Tendenz, die Initialoff-
nungen durch die Brcitc der Figuren auszufiillen, allmahlich aber
nimmt man keinen Anstand mehr daran, auch den Grund leer hervor-
treten zu lassen - zumal dicser Grund nicht mehr buntfarben war wie
in der friiheren Romanik, sondern mit strahlendem Gold bcdeckt.
Dcr Triumph des byzantinischen asthctischen Kanons bedeutctc zwar
cine Entornamcntalisierung des Figurcnbildes, zugleich aber konnte
dicscr byzantinisierende Stil als Entschadigung aus cigencm cinen
Bcitrag zum Schmuckhaftcn der Buchscite lcisten. In Nachahmung
des Goldhintergrundcs byzantinischer Mosaiken, Ikonen und Minia-
turen wird der Hintergrund dcr Initialminiaturen und natiirhch auch
der selbstandiger Buchbilder mit Blattgold ausgclegt. Die Geschichte
der Goldfarbc im Mittclalter ist ein wichtiges Kapitcl, das noch ge-
schricben werden muB. Sic ist nicht nur die Geschichte des Goldhin-
tergrundes. In der Friihzcit, im christlichen Altertum und Mittelalter
bis zur karolingischcn und ottonischen Epoche, ja bis in die dcut-
schc Friihromanik hinein, tritt Gold in Form von Chrysographie
auf, wobei ich untcr Chrysographie sowohl Goldschrift wie in Gold
ausgeflihrte Flechtband- und Rankenornamentik verstehe37. <Chry-
sographic in diesem doppelten Sinn war zum Bcispiel in karolingi-
scher Zeit besonders beliebt (Farbtafeln vii, viii, ix, xii)38.) Man
verwendete damals allcrdings, wenigstens im Abendland, ein Gold-
Der Einflufi von Byzanz 141
147
Initiate mit Christus Pantocrator
und Prophet Jcrcmias.
Winchester-Bibel (St. Swithun’s),
Endc I2.jh.
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pigment von sandig kornigem Charakter, das nur maBigen Glanz
hergab. Erst im i2.Jahrhundcrt gelang es den abendlandischcn Buch-
malern, durch Auflegen hauchdiinner, hochpolicrtcr Metallplattchen
- dem Blattgold - den Goldeffekt der GlasfluBwiirfel byzantinischer
Mosaikcn zu crziclen.
Infolge seiner metallischen Substanz hat Gold als einzige aller Far-
ben etwas ausgesprochen Matcricllcs, Dinghaftes an sich, und besitzt,
schon seiner Kostbarkcit wegen, cincn auBcrordentlichcn Schmuck-
wert, es ist also ipso facto Ornament, auch ohne jede mustcrhaftc
Artikulierung. DaB sich im spiiten i2.Jahrhundert Gold als Hintcr-
grundsfolic universell durchsetzen konntc, verdankt cs im wescntli-
chen zwei Momenten. Einmal der vorhin erwahnten technischen
Neuerung, die das Metallische des Goldes erst so rccht zur Wirkung
brachte, und zweitens cincm mit dicscm scnsuellen unloslich verbun-
denen spirituellen Moment. Der mittelalterliche Goldgrund ist scit
jeher als Symbol transzendenten Lichtcs interpretiert worden. Im
Sendclicht des Goldes byzantinischer Mosaiken war dcr unendlichc
kosmische Raum am sinnfalligstcn in irrcalcs, oder sagen wir besser
iibcrirdisches und doch unsere Sinne direkt tangierendes Licht aufgc-
lost worden. In Sizilicn, Untcritalicn und Vcncdig sowie, wahrend
dcr Kreuzziige, auch im byzantinischen Ostcn sclbst, hatten abendlan-
dische Malcr und Illuminatoren Anschauungsunterricht in der Dar-
stellung cntmaterialisierter Bcleuchtung erhaltcn. So war cs natiirlich,
142 Illustration der Bibel
daB auch bei ihncn die Ambition erwachtc. die sakralc Note ihrer
Bilder durch Obcrnahmc des fcicrlichen Goldlichts der byzantini-
schen Malcrei zu steigern. Das neuc Blattgold ermoglichte den vollen
Goldglanz, den man gcmcinhin niit dem Goldgrund byzantinischcr
Kuppelgcwolbe, Apsiden und Wandausschmiickung assoziiert. Von
da ab ist der Goldgrund im Abendland das Dekorum der sakralcn
Bildsphare geblieben, auch in dcr spatmittelalterlichcn Tafelmalcrei,
bis cs gcradc dort in der neuen Wirklichkcitsschau vom irdischcn
Luftrauni verdrangt wurdc.
Die Initialcn der byzantinisierenden Mcister zeigen deutlich, daB Fi-
gur und Ornament von nun an getrennte Wcge zu gchen haben, daB
die Existcnzgemeinschaft, an die die bciden Elcmente gewohnt vvaren,
im Begriffe ist, sich aufzulosen. Da die menschliche Figur unter
byzantinischem EinfluB cincn inneren Halt gewonnen, ihre queck-
silbrigc Elastizitat verlorcn und die Zwittcrhaftigkcit einer anthropo-
morphen Arabeske abgestreift hat, ist sic nicht mehr imstande, sich
nach der Deckc einer ornamentalen Ordnung zu strcckcn, wahrend
auf der andcrcn Scitc das vegetabile Ornament seine mimischen und
physiognomischen, kurz animistischcn Qualitatcn vcrliert und zu
cincm rein dekorativen Element vvird. Das Ornament wird etwas rein
Marginales, muB sich mit der Rollc eines Bciwerks, cines Auslaufers
odcr eines Fiillsels begniigen, ctwa als Intcrvallfullung einer in einem
hochrcchteckigcn Rahmen zusamnicngefaBtcn Medaillon- odcr
Mandorlcnfolge, wie sic unter anderem als Gencsisinitialc - mit dcr
Mcdaillonfolgc des Scchstagewcrks der Schopfungsgcschichte - da-
mals Brauch wurdc. A lies Vegetabile wird nach auBcn verlcgt und
manchmal (Abb. 148) in einer Art Eck-Akrotcrien zu flamboyanter
Form gesteigert.
Dcr Einflup von Byzanz 143
Aus dcr Initiale vertricben, hat sich das Rankcnornament in der
Gotik cin ncucs Wirkungsfcld crobcrt. Die Buchstabenausladungen
und -endungen treiben aus und ziehen cine Weile am Rand dcs
Satzspicgels cntlang, um sich schlicBlich in einem Endschnorkel zu
cincr Rankcnspirale einzurollen. Die RankenschoBlingc betatigen sich
als Rahmung, sie leben nicht mehr im Schriftinnern sondern umklam-
mern die Tcxtkolumnen.
Am Beginn dieser Entwicklung gehen diesc Initialauslaufcr voll-
kommen in ihrer neuen geometrischen Funktion der Rahmung auf,
verleugncn ihre organischc Pflanzennatur - ausgenommen in den
Endungen vverden zu gcraden Randleistcn, die wic ein Stacheldraht
hie und da dornenhafte Spitzen entsenden (Abb. 149). Auf dieser
Stilstufc kann man nicht cinmal von Dornblattranken sprcchen, die
Leisten haben nur Dornen, keine Blatter. Inzwischen hatte aber die
franzosischc Buchmalerei ganz zarte, lincarc Rankcnwindungcn als
Bordiircn entwickelt, die drei- und mchrzackige Blattchcn hervor-
sprieBen lasscn, und diese sind es, fiir die dcr gcbrauchliche Name dcr
gotischcn Dornblattranke paBt und die in fcderlcichtcr Umrandung
die Schriftfeldcr umzichen (Abb. 150). Gcwachse, die dann schlicBlich
U9
Illustration zu Psalm 80.
Bird-Psalter,
Englisch. Ende 13.Jh.
.««larifftrus Ccpalhis
i^tttfwrnmuu
€*F qm gtamautr bitten»'
TOa:(v-fu^ftlium qaem amfirmihnta
Xtitctiffl tent 4fufibflarab mcrqmtwic
ttulms tut vnnltunt^SSBsaa^
TR 1*r tiwnuftua fug uttnim iernmut-
” (Plug firtium bornmts qufuftnnafb nl»v
etnd'difa^unattnuuifuabifiioftf-
ncnncntttttm muocabmme^gj^*
{fe шшгаГошлтс
Ltugmtfaun mmueaqaa
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attutron tioftroMtibrta
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gfahutnn 1 t>rtmvtn
gtmwnrgfiflcttitmi
Illustration ilcr Bibcl
n ctrlrfue imctlmtt too • commo fr
fouuOue Urartu—•—***—
X in inuamui vto> cfcmruluc • m
mcnne crctQru^^^®^^*? .
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J[ucvan ftrcejnrunmme. cciuxrcgu
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h ihre spczifischc Fauna hervorbringen. die gotische Drolerie,
? spezifische Gcstaltenwclt der Buchmalcrci, wic cs vordem die
ialbcvolkerung gevvesen war, mit der sic zahlrciche Faden verbin-
. (Die Drolerie bictct nicht nur die Moglichkeit cincs freicn Spiels
Phantasic odcr humoristischer Darstcllungen (Abb. 23). In diesem
ldbercich, in deni die Zensur nicht so streng ist wic in den Darstel-
gen dcr Heiligen Schrift selbst, beginnt bald der Hinstrom von
iremotiven und anderen Dingen, die dem taglichen Lebcn abge-
aut waren; darin liegt die groftc, in die Zukunft rcichcnde Bcdeu-
g dcr Drolerie (Farbtafeln xxvii, xxix, Abb. 151a. b).)
150
Illustration zu Psalm 68.
Stundenbuch und Psalierium,
Paris, um 1300
‘ Schwcrelosigkeit dicscr Buchdckoration ware nicht moglich ge-
>cn, hatte die Gotik nicht das Buchformat selbst eincr radikalen
ndlung unterzogen. Hatte sich in dcr spateren Romanik die Ten-
iz bemerkbar gemacht, den iibermachtigen Erzahlungs- und Dar-
lungdrang dadurch zu befriedigen, dab sich die Illustration aus der
iriftscite auf eigene Bildseitcn zuriickzog, so setzt jetzt einc gegen
1 Uberschwall von Bild und Ornament gerichtetc Opposition ein,
das Buch auf ein handlichercs Format zuriickflihren will und
Monumentalitat des Buch- wic Figurenformates ablehnt. In der
Die gotische Bibel 145
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Tcxtsciten mit Drolericn.
Psalter, Gent, uni 1320-1330
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Vnv rngiyificrtc lilts
imfttic?ryicnctiiccit
I5lb
Icxtscitc mit Drolcricn aus Aristotclcs, Metaphysik.
Englisch, uni 1310
ц/> Illustration iicг Bihcl
ftf 7ii) rt
Bibelproduktion wic -illustration kommt cs zu cincr wahren Peripe-
tie: auf die romanischcn Riesenbibeln folgcn die kleinsten Bibelhand-
schriften, die wir in der Geschichte dieser Gattung kennen; sic sind
oft vveniger als io cm hoch und cnthaltcn den gesamten Bibcltcxt in
einem einzigen Band. Wir wissen aucli, was den Unischvvung auBer-
lich hervorgebracht hat: In den zwanzigerjahren des i3.Jahrhunderts
hat die Pariser Univcrsitat eine neue Ausgabe des gesamten Bibeltcxtes
als Studienbehclf in einem Band und im Taschcnformat hcrstcllcn
lassen. Uni dies zu realisieren, rnuBtcn Schrift wic Illustration mikro-
skopisch klein sein (Abb. 152). Es sind richtigc Mitiiaturbibehi mit der
dazu passenden minutiosen undsparsamen Ausstattung. Die Mehrzahl
dieser winzigen Bibcln sind ausgeschmuckt. vielc mit historisierten
Initialen, in denen in einer Art bildlicher Kurzschrift der Autor des
betreffenden Buches oder aber eine representative Szcnc dargestellt
ist. Ein echter Miniaturstil - Miniatur im Sinnc eines Diminutivs
gemeint ist geschaffcn vvorden, glcichzeitig mit dem monumcntal-
sten Stil der Skulptur in den Kathcdralcn. Die Erkcnntnis, daB hier
eine Malerei vorliegt, die fur das Buch und kein andcrcs Medium
spczifisch ist, kann einzig dcr Sinn des beruhmten Dante-Wortcs sein
von der Kunst, die man in Paris »illuminarc« nennt39. In dem Moment,
als die Miniaturbibel geschaffcn wurdc, hatten sich die Bibelkolosse
iibcrlcbt. Das inuB auch die Erklarung dafiir sein, warum etliche von
ihnen, so die Winchestcr-Bibcl, was die Ausstattung betrifft Torso
geblieben sind.
152
Initialen zu den Biichem der
Propheten Obadias und Jonas.
Bibel in Taschenformat.
Frankreich (Paris), Anfang 13.Jh.
Die gotische Bibcl 147
Man kann sagen. dab das Vorbild der byzantinischcn Malcrci die
Figurcn von der Umklammcrung und Umschnurung des Pflanzcnor-
naments befreit hat, nichtsdestowenigcr ist auch jetzt ihr Existenz-
raum noch nicht cin autonomer gevvorden. Noch imrner niiissen sich
die Figuren und Szenen cincr fremden Ordnung bcugen, und zvvar
eincr von architcktonischen Strukturen erborgten. Nehmen wir ein
Work der hochgotisehen Buchmalerci Frankrcichs. ctvva das Evangc-
liar der Sainte-Chapelle aus dem spatcren i3.Jahrhundert (Abb. 153),
so werden wir bemerken, dab die schmalen, hohen Bildkolonnen, die
gewohnlich eine I-Initiale vertreten sollen, oben gerne mit Baldachi-
nen in der Form gotischen Dachwerks, also Wimpergcn, Fialen,
Spitzturmcn usw. enden. Bei naherer Priifung stellt sich heraus, dab
diesen Baldachinen keineswegs gegcnstandlichc Bcdeutung zu-
kommt, d.h. dab sie nicht ctwa in der Erzahlung vorkommende
Gebaude darstellen sollen. Im Gcgcnteil, die architcktonische Bekro-
nung tritt unabhangig davon auf, ob die Szcne in eincm Innenraum
•53
Christus beim Zollncr,
Johannes der Taufer
verheibt das Lamm Gottes.
Evangdiar der Sainte-Chapdlc
Paris, um 1255-1260
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15+
Autorbild.
Adam dc la Halle,
Le Chansonnicr cT Arras,
Nordfrankreich, Fnde 13.Jh.
155
Johannes dcr Taufer.
Kathedra des Bischofs Maximian
(Detail), nm 520-550
odcr im Freicn spiclt. MuG aus illustrativcn Griinden einc Architcktur
dargcstcllt vverden, dann findet dcr Miniaturist nichts dabci, noch
cine architcktonischc Bekronung liber das Dach des szcnischcn Vcr-
satzstiickes zu stiilpcn. Dcr um 1270 in Frankrcich entstandene Psalter
des hi. Ludwig hat - wie so vide englischc oder unter cnglischem
EinfluG entstandene Psaltcrien der romanischcn Epoche - eine langc
Vollbilderserie zwischen Kalcndcr und Psaltertext cingeschoben; jcdcs
diescr Vollbilder ist von einer mit laufenden Dornblattranken gefull-
ten Bordiirc gerahmt, auGcrdem besitzt jedc Szenc aber noch inner-
halb des Rahmens eine architcktonischc Bekronung (Farbtafcl xxvi).
Biswcilen bilden diesc Bekronungen den oberen AbschluG, ohne von
cincm dekorativen Rah men umfriedet zu sein, sic konnen dann frei
in den lccrcn Rand ernporragen (Abb. 154).
Die Herkunft dieses Motivs ist unschwer zu erraten. Wir kennen
es aus dcr gotischcn Monumentalskulptur, wo jede Figur odcr auch
Szenc ihren cigcnen Baldachinhimmel mitbekommt, als ob jcdcs
Wcsen in seincm eigenen Schilderhauschcn stehen miiGtc. In dcr
Plastik ist die Baldachinbekronung cin lctzter Hinweis, daG die neue
Rundplastik als Blockfigur, d. h. aus der Maucrmasse heraus, geboren
wurdc, einst im Maucrblock drinstecktc und auch nach ihrer Emanzi-
Aus dcr MouumctUalkimsl entlchnte Formen 149
>57
Kanontafel. Evangeliar
aus Saint-Medard-dc-Soissons.
Hofschule Karls dcs GroBcn,
Anfang 9-Jh.
156
Prophet vom Gewande dcs
linken Wcstportals von
Notre Dame. Chartres,
Ile-de-France, ! 145-11 s S
pation in dcr gotischen Saulenfigur (Abb. 156) noch ihren angestamm-
ten Hxistenzraum wic cine Schalc mit sich flihrt. Das Motiv dcr
baldachinbckrontcn Figur hat cine lange Gcschichtc hintcr sich, cs
ist die Spczies dcs Arkadenmenschen, dcs hommc-arcade, wic die
gliickliche franzosischc Wortpragung lautet, cine zuerst in dcr Spatan-
tike aufkommende Gcstaltform (Abb. 155), die als cine Komplcmcn-
tarerscheinung zum spatantiken Phanomen dcs Vcrschwindcns dcr
frcistchendcn Statuarik zu werten ist. Die enge Verbindung, die die
menschliche Gestalt damals mit dcr sic umschliclknden Arkadc cin-
ging, ist durch alle ihre mittclalterlichcn Dcrivate in Plastik und
Malcrci in Kraft geblieben. Die iibcrgcordnctc Arkadc bot dcr
menschlichen Figur Halt und Stabilitat, die sie aus cigencr Kraft nicht
zu cntwickeln vermochte. Als umrahmtc Form lied sich die Figur dcr
Buchseite cingliedern.
Die Arkadcnfigur ist erst auf dem Umweg iiber die romanischc
Trumcau- und die gotischc Saulenfigur (Abb. 156) in die Buchmalerei
hinubergewandert. Architektonische Formen und Strukturen waren
aber in dcr Buchmalerei als Organisierungsmittel der Buchseite schon
von alters her in Gcbrauch. Ich crinncrc hicr nur an die Arkadcnstel-
lungen der Kanontafcln40 dcr Evangeliare (Abb. 157) und an die ver-
150 Exkurs
schicdcnen Uogcnstcllungcn. unter dencn die Evangclisten und andcrc
Autorenfigurcn in Frontispizcn (Abb. 35. 36) Platz zu nehmen pflc-
gen. In diesem Zusammenhang miissen cin paar Worte iiber das
Vcrhaltnis von Bild und Rahmen in der spatantiken und dcr mittcl-
alterlichcn Buclinialcrei gesagt vverden.
Die antike Buclinialcrei hat sich allc Rahmen- und Zierformcn aus der
Monunicntalkunst geholt, nicht nur die Motive, das Zicrvokabular,
sondeni aucli die Art ihrer Verwendung. Fur den Buchtitel vervven-
dete sie die Inscliriftrahmungen. die sicli bei Grabaltaren und bei
anderen Anlasscn nionunientalcr Epigraphie eingeburgert batten, cin
von eincin liaufig als Schleifenkranz gcbildeten Lorbeerkranz uni-
schlossenes Medaillon (Abb. 158). Statt der Inschrift konnen auch
cbristlichc Synibole als Fronternblcni der Handschrift fungieren41.
Wo imnicr vvir solelie Medaillontitel in mittclalterlichcn Handschrif-
ten fmden. kauni iiber die karolingischc Epoclie hinaus und in Byzanz
bis ins io.Jahrhundert. miissen wir auf cine Anlchnung an antike
Vorbilder riickschlicBcn. Nach vieljahrbundertlanger Pause hat erst
die Buchkunst des italienischen Humanisnius sich vvieder auf diese
Titclaufmachung besonnen, vielleicht. oline antike Bcispiele von
Buchtitcln zu kennen, einfach in kongcnialcni Wicdererschaffen aus
tiefer Wahlvcrwandtschaft (Abb. 159).
158
Titelseice.
Wiener Dioskurides,
Herbarium.
Byzanz, 11 m 5 12
Tiielseiie der Komodic:.
von Terenz. Florenz, 14^»-
Aus der Mommentalkunst entlehnte Formen i 5 i
160
Titclseite, Filocalus-Kalendcr.
Kopie dcs romischen Kalendcrs
von 354
161
Titclblatt zum Matthaus-Evangelium.
Evangeliar, Echternach (?),
Endc 8.Jh.
Die antikc Buchmalerci hat noch einc andcre Form des Buchtitcls
gckannt, die aber im Mittelaltcr kaum Anklang gefunden hat. Ich
meine das Motiv des von zwei Putten oder Gcnien uns cntgegengchal-
tenen Titelschildes, der Tabula ansata, wie es im Frontispiz dcs Filoca-
luskalendcrs vomjahre 354, in der Nachzeichnung des heutc verschol-
lcncn Originals, zu sehen ist (Abb. 160). Nicht die Buchseitc tragt
die Schrift, sondern ein auf der Buchscite abgcbildetes Objckt. Ein
spezifisch antiker Gedanke: nicht einmal der Schrift wird crlaubt,
flach zu sein, auch sie wird, wenigstens indirekt, vcrdinglicht. Im
Mittelaltcr hat diese Idee begreiflicherwcise nur sporadisch ein Echo
gefunden. Einc rclativ starkc Rcsonanz ist noch in cinem vorkarolingi-
schen Evangelienbuch von Trier zu spiircn (Abb. 161). Hicr erschcinen
auf dem Titclblatt dcs Matthauscvangeliums die Erzcngcl Michael
und Gabriel und halten dem Lcscr qua Beschauer cine Tafel mit dem
Incipit entgegen. Die Tafel scheint schwcr zu scin, und damit die
Engel beim Emporhalten nicht ermiiden, ist noch ein solider Pfciler
untcrschobcn. Es ist ganz offenbar einc getreu sein wollendc Repro-
duktion eines spatantiken bzw. fruhbyzantinischcn Vorbildcs, und
das Paradoxe daran ist, dab sie von cinem eingewanderten insularcn
Kiinstler ausgcfiihrt worden ist, dem rcine Schriftincipits das Gelau-
fige waren. Wenn unser Motiv in der ottonischen Buchmalerei noch
einmal auftaucht, ist die Schrifttafel, die die Engel halten, kaum mehr
ein greifbarcs Objekt (Abb. 162). Das Format der Tafel ist von dcr
Buchscite abgclcitet, die Engel prasenticren cine Buchseitc und das
Halten ist einc blobc Geste geworden.
I.S2 Exkurs
Wic in ahnlichen Fallen so hat auch in diescm der Humanismus der
Friihrcnaissancc die altc Formcl wiederentdeekt und ihre Bcdeutung
wiedcrerkannt: Schrift nicht auf das Pergamentblatt hinzusetzen, son-
dern sie als Inhalt cines dort erscheinenden Bildes vorzuFinden, als
ctvvas primar Schaubares, nicht Lcsbarcs. In dem man mochte fast
sagen archaologischen Milieu Paduas, im Umkreis Squarcioncs, des
ersten Bcsitzcrs und Sammlers von Gipsen nach antiken Skulpturen,
und seines groBen Schulers Mantegna hat man denn auch Buchtitel
more antico entworfen, die vvohl sclbst einem antiken Codex alle
Ehre gcmacht hatten. Auf einem dieser Paduaner Buchtitel (Abb. 163)
crblickt man cine Marmorbasis, auf der zvvei prunkvolle Kandelabcr
stehen, an deren oberes Endc ein Bogen Papier bzw. Pcrgament
geheftet ist, den zwei Puttcn zu cntrollcn im Begriff sind. In einem
andcrcn Beispiel halten dicse Puttcn einc gerahmte Marmortafel, auf
der zwei antike Mtinzcn und ein groBcr metallcner Kapitalbuchstabe
aufgeheftct sind, wahrend die Fortsctzung auf ciner Rolle darunter
zu lesen ist42. Den groBtcn Erfolg hattc die Idee, einen Bogen mit
162
Schrifttafol zur Majestas Domini.
Codex aureus von Echternach.
Echternach, vor 1039
Aus der Monumentalkunst entlehnte Formen 153
der Titclinschrift an einer altarartigcn Struktur anzuhcftcn oder von
Putten hcrabhangen zu lasscn. Die Buchscitc hat sich in Bildraum
vcrwandclt, in dem man wie ein Plakat cinen bcschrifteten Bogen
erschaut (Abb. 164). In den Titclkupfcrn barocker Bucher gibt cs
bckanntlich ein Nachspicl dieser Formidcc: Da lassen etwa in einer
idyllischen Landschaft Putten im Fliegen ein Tuch mit dem Buchtitel
in der Luft flattem43; oder die letzte Metamorphose dcs Motivs in
der Schau dessen, der wehmiitig auf die versunkene Hcrrlichkcit
der Antike zuriickblickt, Piranesis Frontispiz: in cinem Triimmerfeld
entdeckt man cinen geborstenen Fclsblock, in dem Name von Buch
und Autor eingegraben ist44.
163
Titclseite.
Basinio dc'Basini, Astronomicon,
Padua, vor 1460
54 Exkitrs
,X ' ,uM\^
JOSEPH I DL BELLO IYDAKs
^VM POTT 4'
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Dl PO I I N 1 l.\ Q^OI) I ION
ЕЛ I V S CEVESQ GRAVEltB
jilmi rpunufkiln jvlhj piMhiit robir fVlnib
164
Titclscitc.
Josephus Flavius,
l)e bcllo judaico. Budi 1.
Lauro Padovano (Padua),
2. Halftc 15.Jh.
Didaktische Bildseiten
Um die Eigenart dcr mittelalterlichen Buchmalerei zu crfassen, um
nicht in den Fchler zu vcrfallcn, sie nach unseren Sehgcwohnheiten
zu beurteilen und als bloG verkleinertc Monumentalmalcrei zu behan-
dcln, bestenfalls als Ersatz fur vcrlorengcgangcne Freskcn oder Tafel-
bilder, haben wir uns zunachst auf allc jene Formen des Buchschmucks
konzentriert, die spezifisch sind und in anderen Gattungcn der Malerci
nicht vorkommen: die ureigenen Gcstaltungsformen dcr Buchmalerei
wie Initialc, Bordiire, Kanonbogen, Buchtitel und anderc. Wir haben
allc Verfahren kcnncngelernt, die entwickelt wurden, um bildlich
darstcllcndc Formen im Organismus der Buchscite zu assimiliercn,
ctwa jene Angleichungen der Schriftzeichen an Gegenstandlichcs und,
umgekehrt, die Auflosungcn und Metamorphosen des Gcgenstandli-
chen in symbolhafte Zcichen und Ornament. Jctzt aber wollen wir
den Sticr bci den Horncrn packen und nach dem Wescn jener mittclal-
terlichcr Buchbilder fragen, die cs verschmahen, sich zu maskieren,
sich hinter erborgten Formen zu vcrstccken, um sich im Herrschafts-
bcreich des geschricbencn Wortes Existcnzberechtigung zu erwirken.
Kurz, was ist buchbildhaft an den Vollbilderti, die schon von der
spatantiken und vorkarolingischcn Epochc ab die Bucher schmiicken?
Wclche kimstlerische Mission crflillen sic?
Zunachst muB sofort betont werden, dab diesc kiinstlerische Mis¬
sion nicht glcichbedcutend ist und nicht vcrwechsclt werden darf mit
dcr Funktion dcr Bilder als Instrument der christlichcn Religion oder
rcligioscr Aktivitaten. Diese religiose Funktion ist von seiten dcr
romischcn Kirche bckanntlich bereits im 6.Jahrhundcrt von Papst
Gregor dem GroBen uniiberbietbar pragnant formulicrt worden. In
der in cincm Brief an den Bischof von Marseille enthaltencn Apologie
bildlicher Darstellung in dcr christlichcn Welt crklart Gregor, die
Bilder hatten einen didaktischen Sinn, sie seien die Bibel und die
Hagiographie der Analphabeten, statt schriftlichcr bildlich-anschauli-
che Mittcilung32. Mit dieser Definition wiirde man natiirlich in Vcrle-
genheit geraten, nahmc man cine christlichc Welt an, in der es kcinc
Analphabeten gabe. Fur unscr Problem ist aber etwas anderes ent-
scheidend: Trager dieser Funktion ist nicht nur die Buchmalerei,
sondern alle bildlichc Darstellung und in Gregors Zcit die Monumen-
talkunst in erster Linic. Auch sic ist Mittcilung in Bildern, dies ist
kein Privileg dcr Buchkunst. Die friihesten typologischen Darstellun-
gen, von denen wir horen, in denen die Vorwegnahme des Ncuen
durch das Altc Testament ad oculos demonstriert wird, sind Wcrkc
monumcntaler Kunst. In der Buchmalerei setzt die groBe Mode typo-
Jogischen Darstellcns erst im i2.Jahrhundcrt cin.
>6 Didaktische Bildscitat
Wahr ist frcilich, daB das Buch der gcgebcne Ort war, in dem das
idaktischc Kunstwcrk durch die Kombination von Wort und Bild
□ seiner mannigfaltigsten und hochsten Entfaltung kommen konnte.
Jnd ferner, daB es Buchbilder waren, in denen das thcologische
tudium einen willkommenen Lehrbehclf schen muBte. Im hohen
littelalter schrcckte man nicht davor zuriick, komplizierte philoso-
hische Systeme der Welterklarung bildlich darzustcllen, also das, was
dr metaphorisch WeltMd nennen, tatsachlich als Bild vor Augcn
u flihren. So besitzen wir in ciner Regensburger Handschrift des
2.Jahrhunderts cine Darstellung dcs Mikrokosmos (Abb. 165). Es ist
cr bildliche Niederschlag ciner uralten Tradition, die ihre Urspriinge
1 den Kosmogonicn und Kosmologien des alten Orients hatte und
ie die mcnschliche Gestalt als Spiegel des Univcrsums verstanden
dssen wolltc. Antike Astrologic, die cin Gcdankcngcbaude iiber den
influB der Gestirne im Weltall auf das Lcben des Menschcn errichtet
attc, also den EinfluB des Makrokosmos iiber den Mikrokosmos,
atte dieses Gcdankcngut dem Mittclaltcr vermittelt. Die Rcgens-
urg-Prufcningcr Zcichnung ist eine Darstellung der Konkordanz
Kosmosdarstelhmgeti 157
zwischcn den Tcilen des menschlichcn Korpers und den Tcilen des
Makrokosmos, also cine Variantc der aus der Bibel bekannten Vorstel-
lung voni Menschcn als nach Gottes Ebenbild gcschaffen. <Es ist die
Wicdergabe eines Menschcn und nicht diejenige von Christus, der
>Kreuznimbus< tauscht, die Strahlcn sind lediglich zur Bcschriftung
angcbracht worden.) Die Beischriften sagen uns, daB die FiiBe dcs
Mannes der Erde gleichzusetzcn scicn, seine Knochcn den Stcinen,
seine Nagel den Baumen, scin Haar dem Gras, seine Brust der Luft,
sein Bauch dem Meer und sein Haupt dem Himmcl. Zu diescr Mikro-
kosmosdarstellung hattc es cigentlich gehort, daB cine andcrc Glei-
chung zwischen Makro- und Mikrokosmos vordemonstriert wird,
namlich daB bei geoffneten Armen Breitc und Hohe des Menschcn
identisch sci, genau wie die Dimcnsionen der Welt, die sich so in
cincn Krcis einschreiben lassc. Eine verwandte Miniatur aus dcrselben
Zeit zeigt diesc Form des Mikrokosmos mit der Gleichsctzung dcr
MaBe (Abb. 166). Ubcrdics ist die mcnschlichc Figur hicr zu den
vicr Elcmenten und den vicr Windcn in Beziehung gesetzt. Dem
Priifcningcr Zcichner war es aber mchr darum zu tun, die Gestalt
durch zcntrifugalc Spruchbander in den viercckigcn Rahmcn zu ver-
spannen, dcssen Winkel von den vicr Elcmenten besetzt sind.
166
Der Mcnsch als Mikrokosmos
mit den vicr Elcmenten und Windgottern.
Astronomischc Traktatc,
Priitening, 3.Viertel !2.Jh.
158 Dtdaktische bildseiten
Vicl ambitionicrtcr noch als dieses Bilddiagramni ist cine ungefahr
gleichzcitige, aus dem Kloster Michelsberg bci Bamberg stammende,
aber wahrschcinlich im Maasgcbiet entstandene Miniatur, die einen
»Clavis physicae« (Schlussel dcr Natur) bctitcltcn Traktat des Honorius
Augustodunensis illustricrt (Abb. 167), ein Traktat, das scincrseits das
im Geistc Platos konzipierte Weltbild des Iren Johannes Scotus Eriu-
gena, eines der groGten mittelaltcrlichcn Denkcr, widerspiegelt. Die
vier Register dcr Miniatur bedeuten die vicr Naturcn der Schopfung.
Das oberste cnthalt in einer Art Limettenflillung die »primordiales
causac«, das sind die Prinzipien aller Dinge, das was crschafft, aber
sclbst nicht crschaffen worden ist. Nach dem Muster dcr Sapicntia,
dcr gottliehen Weishcit, und ihrer sicbcn Tochtcr crscheinen die Ma-
nifestationen der Gottheit - Justitia, Virtus, Ratio, Veritas, Essentia,
Vita und Sapicntia - als Halbfiguren um das gckrontc Wesen dcr
supercsscntiellcn Bonitas als Zcntralfigur gcschart. Daruntcr, in dcr
zweiten Rcihc, erblicken wir die »effectus causarum«, das was erschaf-
fen ist und seincrscits schafft, und zwar als Inhalt dreier Mcdaillons:
links eine Pcrsonifikation der Zeit. rechts einc des Raumcs, die Mittc
aber wird von einem vierkopfigen, nach Art eines Wirbelmusters
vereinigten Amalgam cingenommen, mit dem laut Umschrift die
noch ungeformte Matcric gemcint ist. Wiedcr cine Stufe daruntcr ist
untcr vier Arkaden die «natura crcata«, die erschaffcne Natur, zu
schcn, die Engel, Vogel, Fischc, Pflanzen, Ticrc und Menschcn, die
Geschopfc, die sclbst nicht wieder erschaffen konnen, die geformte
Matcric. Den unteren AbschluG bildet cine umgckchrtc Lunette mit
dcr Biistc der nimbierten Gottheit, die in ihren Handen alle Fadcn
dcs Universums halt. Die Beischrift »finis« spielt an auf die Worte des
Honorius Augustodunensis: das Wort Gottes, in dem Anfang und
Endc aller Dinge bcschlossen ist (»univcrsalis quippe totius creature
finis Dei verbum est«)45.
Ich lasse cs dahingestcllt, ob mit einem solchen Bilddiagramm, das
zur Not die Hierarchie der durch Pcrsonifikationcn und Symbolzei-
chen angedeuteten abstrakten Kategorien vcranschaulicht, mchr als
ein mnemotcchnisches Hilfsmittel gewonnen worden ist. Naher der
Kunst sind wir in den Fallen, in denen Weltanschauung nicht als
trockenc Philosophic, sondem als visionare OfFcnbarung dargeboten
wird, wic etwa in den Illustrationcn dcr Schriften der rhcinischen
Nonnc Hildcgard von Bingen (Farbtafcl xxiv). Denn hicr sind die
Einsichtcn, wic die Autorin in dcr Vorrcdc selbst betont, nicht aus
einer andcrcn Lchrc (»dc alia doctrina«), sondern iiber den Weg des
lebendigen Lichtcs (»per viam viventis luminis«) gewonnen worden46;
nicht in thcologischen Spekulationcn hat Hildcgard sich ihr Weltbild
erworben, sondern in spontancr Erleuchtung. »Das Ubcrsinnliche
wird«, wic es in einer Studie iiber ihr allegorischcs Weltbild heiGt,
«nicht in dialektischcr Entwicklung verfolgt ..., sondern in seinem
Wesen durch cin bestimmt umschriebencs Bild vor Augen gestellt.«47
Einc Theologie in Bildern. Mit anderen Worten, das Bild ist hier
keine Kriickc, cs ist als visionare Eingebung die urspriingliche Form
dcr Gedankenkomplexc, das gcmalte Bild ist der Vcrsuch, dem Icibli-
chen Augc zuganglich zu machen, was das innerc Auge geschen.
Kosmosdarstellungen 159
167
Die vicr Naturen der Schopfung.
Honorius Augustodunensis,
Clavis physicae,
Maasgebiet (?), Mitte i2.Jh.
Nicht andcrs als in den Illustrationen dcr Offcnbarung des Johannes,
die als literarische Gattung an dcr Spitze oder besser am Quellpunkt
diescr spezifischen Mitteilungsformen rcligiosen Erlebens sich be-
fmdet.
Auch in der Kosmosvision der Hildegard (Abb. 168) ist vieles, was
hinzugewuBt, assoziicrt werden muB, was also nicht unmittelbar
sinnlich anschaulich ist. Das groBc Oval, dcssen auBercr Rand von
lichtcm Feucr erflillt ist, soil die Gotteskraft sinnfallig machcn, »wel-
che die Mcnschcn auBerhalb des Glaubcns rachend heimsucht, den
Rcchtglaubigcn aber das Feucr dcs Trostes und der Lauterung sen-
det«48. Ein Stern in dicser Zone bedeutet Christus und seine brennende
Liebe, das Drcigestirn dariiber die Trinitat. Die Windc, die von diescr
Fcuerzonc ausgehen, sollcn ein Gleichnis flir die Verkiindigung Gottes
durch die Prcdigt sein. Wenn unscr Augc nun von dicser auBeren
i6o Didaktischc Bildseiten
168
I )as Wcltcnci mit aunospharischcn
uiui planctarischen Ringzonen.
Hildcgard von Bingen, Scivi.iv.
Siiddcutschland. uni 116 s
Zone in das Inncrc des mandorlatormigen Ovals cindringt, passiert
es zuerst einen Streifen dunklcn Feuers. das Wirken des Teufels, uni
dann in die lichtere. sterneniibersatc Sphare des Athers des Glaubens
zu gclangen, in deren Mitte eine leuchtende Kugel sebwebt. die sich
mit anderen Lichtkorpern, die die Kirche und die beiden Testamcntc
symbolisieren, ihr Licht von den Gcsrirnen dcr alles umfasscndcn
Zone holen nuiB4H. Noch viele andere Einzelgleichnisse sind in das
13ild vervvoben und wollen voin Leser mitwahrgenommen und ver-
standen werden.
Der Text der hl.Hildcgard ist Vision und deutender Kommentar
zuglcich. Der Illustrator hat gedeutete Visioncn wiederzugeben ver-
sucht, und so war es unvermeidbar, dab seine Bilder stark von nicht-
visucllen, rein zeichcnhaftcn Elementen durchsetzt wurden, daB dcr
allcgorisch-didaktischc Charakter iiberwog und die Miniaturen zu
cinem bctrachtlichcn Teil Kuriositaten geblieben sind.
Illustration der Apokalypse
Das Urbild dcr mystischen Visional der rhcinischcn Nonne Hilde-
gard, die Apokalypse des nach Patmos verbannten Johannes, hat einc
Menge unvisuellen Gchaltes in sich, aber scin Ursprung ist cin ganz
andercr, liegt nicht in der Vcrstandeskalte cincr wenn auch mystisch
gefarbten theologischcn Spekulation, sondern hat seine Wurzel in
dem Umstand, daB dcr Autor der Apokalypse, wie auch diejiidischcn
Seher vor ihm, die Verfasscr dcr Bucher Daniel, Henoch usw., einer
Zivilisation entstammten, die bildlos war. Die iibcrhitztcn Phantasicn
dieses Litcraturgenres kannten die Schranken dcs visucll Moglichcn
nicht. Es war nun offenbar gerade die Aufhebung allcr Kausalitat, die
jeder Anschauungslogik spottende Hemmungslosigkcit diescr Wach-
traume und Fiebcrphantasien, was - bczcichnendcrweise nicht im
griechischen Ostcn, aber im latcinischen Wcsten - das ganze Mittelal-
ter hindurch die bildlichc Phantasic zur Gestaltung gcrcizt hat. Da
gerade diescr Stoff zu wicderholtcn Malen wahre Bildcrbiichcr spezi-
fisch mittelaltcrlicher Pragung hervorgebracht hat, und daruntcr ei-
nige dcr bcdcutendstcn Kunstwcrke des Mittelaltcrs sich befinden,
dlirfen wir nicht versaumen, auf den phantastischen Irrcalismus dieser
Bildschopfungen einzugehen.
Aus Kopien, die um 800 entstanden sind, dlirfen wir schlieBen, daB
die Offenbarung desjohannes - eine in dcr Ostkirche nicht anerkannte
Schrift - schon in der Spatantike illustriert worden ist. Aber obwohl
diese Bilderfolge schon einer Phase stark barbarisierter Antike ange-
hort haben muB, waren die klassischen Bindungen noch zu stark, als
daB die Reaktion dcr Illustratoren auf die Metaphysik dcr Geschichte
desjohannes zu Positiverem hatte flihren konnen als zu einer Schau-
stcllung dcs Zcrfalls der antiken, natiirlichen Anschauungslogik, wie
es etwa die nach friihehristliehen Handschriftcn kopierten Apokalyp-
sen von Cambrai und Trier zeigen (Abb. 169, 170).
Eine der GroBc der Visionen adaquate Originalitat des Bildkiinstle-
rischen kam erst im Friihmittelalter zustande, gegen das Endc des
8.Jahrhunderts, als in Spanien ein ncuer Kommentar der Apokalypse
erschien, als dcssen Autor Beatus von Licbana zcichnctc. Es gibt nur
illustricrte Exemplare dieses Buchcs, woraus mit Sichcrheit geschlos-
sen werden kann, daB diese glossiertc Apokalypse von Anfang an als
Bilderbuch ediert worden ist. Das Bcispiel, auf das ich naher eingchen
mochte (Farbtafel xx), ist aus weit spatcrer Zcit - es ist einer knapp
vor 1100 entstandenen Beatus-Handschrift von Santo Domingo dc
Silos entnommen -, aber die mozarabische Kunst, die Kunst des
christlichen Spanien unter arabischer Hcrrschaft, hat ihren Stil mit
i62 Illustration der Apokalypse
unerhorter Zahigkcit durch Jahrhundcrte nahczu unverandert beibe-
halten, ahnlich wie die irische, und ahnlich wie dicse ist sie im wesent-
lichcn einc Manifestation dcs vorkarolingischen Kunstwollens49. Der
Gcgenstand unscrer Miniatur ist die Lammanbctung durch die vier-
undzwanzig Altcsten. Es ist in der Handschrift bereits die zweitc
Illustration der Vision dcs 4. Kapitels, offenbar angcrcgt durch den
Szencnwcchsel im Verlauf der Visionsschilderung. Genauso inkonse-
quent wie der Sehcr selbst, vcrgiBt dcr Miniator, daB von den Sitzcn
der vierundzwanzig Altcsten rings um den Thron dcr Gottheit die
Rede war und laBt die Halfte von ihnen um cin Lamm-Mcdaillon
kreisen (Ap. 4, 4). Zum Ausgangspunkt der Darstcllung ist die Stclle
des Tcxtes genommen, in der Johannes in der Mittc dcs Thrones und
der vicr Lebewescn (Zoa) und in dcr Mittc der Altestcn das Lamm
stchen sicht, das die Siegel des Buches zu losen vermag (Ap. 5, 6).
Dcr Kiinstler hat darin den AnlaB fur eine radialc Komposition gesc-
hen, die fur alle Figurcn, die Altcsten wie die vicr Zoa, einzig die
Bcziehung zur zcntralcn Figur dcs Lammcs fur ausschlaggcbend halt
und Fragen wie die der raumlichen Vcrankcrung dcr Figuren auf einer
Bodcnlinic, auf einer Trag- odcr Sitzflachc souveran ignoriert. Man
braucht nur cincn Blick auf die cntsprechendc Illustration in dcr
Apokalypse von Trier (Abb. 170) zu werfen, die ein fruhehristliehes
Wcrk italicnischcn Ursprungs kopiert, um das grundsatzlich Neuc
und spezifisch Mittclalterlichc dcr spanischen Bildschopfung zu erfas-
sen. Dort ist die Vision des Lammcs noch ganz in der Perspcktive
eines Erdenbcwohncrs crschaut. Die vierundzwanzig Altesten stchen
auf der Erde, dariiber schwcbcn die Engel, und alle blickcn zum
Himmcl iiber den Wolkcn auf, in dem die vicr gefliigclten Lebewescn
den Clipcus mit dem Lamm flankieren. Ungeachtet dcs cschatologi-
schcn und transzendcntalcn Charaktcrs des Vorwurfs ist die bildkunst-
lerischc Betrachtungswcisc noch immer eine gcozentrischc. Unten ist
Erde und oben Himmcl, das Bildfeld ist ein, wenn auch ein sehr
verflachtcs, Simile des Realraumcs.
Die Thcophanie dcr spanischen Apokalypse (Farbtafcl xx) begibt
sich im Nirgendwo und iibcrall. Alle Einzclcrschcinungen sind vom
Zentrum aus organisiert - man darf einc solche Darstcllungsweise mit
Fug und Rccht als Ausdruck einer thcozentrischen Weltanschauung
ansprechcn. Auch die Engel nahe dem unteren Bildrand sind vom
Zentrum des groBen Weltradcs her ausgcrichtet, nicht in einer luftigen
Hohe, zu der wir hinaufschauen. Und wenn dcr Allmachtige in seiner
von fliegenden Engcln gchaltenen Gloriole das Weltenrad bekront,
so ist es ein Dominieren und zugleich auBerhalb der Schopfung Sein,
das damit symbolisiert wird. Auch hat der Urhcber dieser Komposi-
don - dcr natiirlich nicht mit dem Miniator der Handschrift von
Santo Domingo de Silos idcntisch ist und mchr als ein Jahrhundcrt
friiher gclcbt haben muB - mit den zwei gottlichen Wcscn, dem
Lamm und dcr Majestas, dem kalcidoskopischen Wcchsel der Gottcs-
crscheinung, die der Text mit dcr Unlogik von Traumgcsichtcn schil-
dert, gcrccht werden wollen. Denn dcr Scher berichtet erst von cincm
auf dem Throne Sitzcnden (Ap. 5, 1), aber dann, als niemand das
Siegel des Buches zu offnen imstande ist, spricht er plotzlich von dem
169
Sonncnweib und Drachc.
Apokalypse von Cambrai,
Frankreich. 2. Halfte 9-Jh.
Beams von Liebana
170
Lamrnanbetung.
Apokalypse von Trier,
Frankrcich, 1. Vicrtel y.Jh.
Lamm inmitten dcs Thrones (Ap. 5,6). Die Unempfindliehkeit gc
Widcrsprliche im Nacheinander der Erzahlung wird wettgema
durch die Unempfindliehkeit des Buchmalers gegen den Widcrspr
der raumlichcn Trcnnung von Lamm und Thronendem, die cinan
ablosend an dersclbcn Stellc erscheinen sollen. Zeit ist hier Ra
geworden. Aber dicse mozarabischc Darstellungsweise ist auch
empfindlich gegenuber dem Unterschicd von Ruhc und Bewcgu
Von den Altestcn stchen acht paarweise radial vertcilt in allc Windri
tungen, in den vicr Intervallen aber ist jewcils ciner flach ausgestre
denn im Text heiBt es, dab sie, als sie das Lamm erkannten,
niederwarfen (Ap. 5, 8). Damit sind nun viermal Parallelcn 2
Umfang dcs Krcises geschaffen und Impulse gegeben, das Ganz
roticrendcr Bewegung zu sehen. Nicht die Bewcgung des Einzeli
das sich Hinwerfcn, auch nicht das Umfliegen der Lebewcsen v
veranschaulicht, sondern das in sich ewig Krciscn des Ganzcn.
164 Illustration der Apokalypse
All dies bcgibt sich in dcr Schauebenc dcr Buchscitc, nicht in
eincm imaginaren Raum, auch nicht in cincm flachen Abklatsch
cines solchcn, wie in den mittelaltcrlichcn Kopien der spatantiken
Apokalypscnillustrationen (Abb. 169, 170). Die Miniatur ist cine Mu-
sterung der Buchscite. Die dekorativ-formale Funktion ist das primarc
Stilprinzip, das Gcgcnstandlich-Inhaltliche bestimmt die Wahl dcr
Gesamtform dcs Musters, die Gesamtplanung, und diktiert die Ausge-
staltung und Diffcrenzierung im cinzelncn. Eine abstraktc Farbigkeit
(Farbtafel xx) - Gclb und Rot kontrastiert mit Braun- und Schwarz-
griin als den starksten Akzcnten - ist die Hauptstiitze dcr dekorativen
Ordnung und vermag doch wiederum ihrerseits Bcdeutungsgchalte
dcr Miniatur zuflieBcn zu lassen - man achte nur etwa auf das rote
Krcuz, das durch die roten Engelsflugcl dcr vicr Zoa gebildct wird,
sie bringen ein stabilisicrcndes Moment in die vorhcrrschendc Radbe-
vvegung. Voraussctzung flir das Primat dcs Musters ist die Entgegcn-
standlichung allcr organischcn Form, namentlich dcr menschlichcn
Gestalt, deren Drapericn den Vorwand zur Formung gestreifter, meist
mehrfarbiger anthropomorpher Bandwesen geben. Bis in die Einzel-
form hinab ist alles flachenhaftcs Muster, dessen Planung und Detail-
gestaltung jedoch gegenstandliehen Symbolwert besitzen.
171
Anbetung dcr Majcstas Domini
durch die 24 Altesten.
Bamberger Apokalypse.
Reichenau (?), 1000-1002
Ottonische utid etiglische Apokalypse 16
172
Anbetung der Majcstas Domini
durch die 24 Altcsten.
Lambeth-Apokalypsc,
Englisch, Ende 13.Jh.
Vcrglichen mit dcr spanischen Apokalypsenillustration stellen all
spateren Behandlungen dicser visionaren Themcn Kompromisse mi
der natiirlichen Anschauungserfahrung dar. Das gilt schon von de
ottonischcn Apokalypse, dcren Fassung dessclben Themas, de
Lammanbetung (Abb. 171), bereits ein Kompositionsschema bietet
welches sich von dem einer Himmelfahrt Christi durch nichts unter
scheidct. Nicht minder gilt das fur die cnglischcn Illustrationen de
i3.Jahrhunderts50, deren Lammanbetungsvision (Abb. 172) bereit
die Majestastympana dcr romanischen und friihgotischen Monumcn
talskulptur zur Voraussctzung hat (Abb. 173), nur legt das viercckig
173
Anbetung dcr Majcstas Domini
durch die 24 Altestcn. Moissac,
chem. Abtcikirche Saint-Pierre,
Tympanon des Siidportals,
Siidfranzosisch. n20-1135
166 Illustration der Apokalypse
Format der Buchseite einc andcre Flachenaufteilung nahe als die
Felder rund- odcr spitzbogiger Tympana. Die Buchseite wird in
gcometrisch regelmaftigc Felder unterteilt, deren untcrer Rand jcweils
als Bodenlinic oder Standflache sitzcnder odcr stehendcr Figuren
erscheint. Das Ganze ist allcrdings durch die alternierende Farbung
des Hintergrundes zu cinem flachcnhaften Muster zusanimengespannt
(in unsercm Fall ein blau-rotcs Schachbrettmustcr). In den spateren
Exemplaren dcs englischcn Bilderbuchcs der Apokalypse (Farbtafcl
xxv) ist man dazu iibergegangcn, die Visionen crstmals als Licht-
erscheinungcn aufzufasscn. So seltsam es ist, die bildliche Phantasic
hat sich an dieser vordringlichstcn Eigentiimlichkcit der sprachlichen
Unterlage bis dahin nur ausnahniswcise entziindet. Visionen sind an
sich Erlcuchtungcn, wic auch unserc Sprache sagt, und die sprachli-
chcn Gleichnisse des neutestamcntlichen Sehcrs sind voll von Schildc-
rungcn spczifisch optischer Phanomene wic dcm Fall von Hagel (Ap.
16, 20) odcr dem Regen von Fcuer und Asche vermischt mit Blut
(Ap. 8, 7), oder brennenden Bergen, die ins Mccr stiirzcn (Ap. 8, 8),
odcr dem Rcgenbogcn, der iiber dcm Kopf eincs Engels schwebt,
dessen Gcsicht wic die Sonne und dcssen Fiiftc wie Fcucrpfeiler sind
(Ap. 1, 15 Г.), und ahnlichen luminaristischen Gcsichten. Die altc
spanische Apokalypse (Farbtafel xx) hat zwar als durchgehcndc
Grundfarbe ckstatische Tone - Schwefelgclb und Karminrot - gc-
wahlt, aber cine Individualisicrung der Lichtsituation lag ihr fern, cs
sei dcnn daft, wenn von Feucr vermischt mit Blut die Rede ist, ein Teil
des Bildgrundcs blutrot gefarbt erscheint. Erst cnglischc Bildcrzyklen
vom Ende dcs I3.jahrhundcrts gehen darauf aus, die atmospharischen
Sensationen der Erzahlung zum Kern der bildlichen Darstellung zu
machen - in Vorwegnahmc malerischcr Errungenschaften der neu-
zeitlichcn Kunst, natiirlich nicht ohne die farbigen Valcurs durch
Rhythmisierung und Stilisierung ornamental umzuwerten.
Illustration des Psalters
Ncbcn dcr Apokalypse hat es noch eincn anderen Text gegeben, der
die bildkiinstlcrischc Phantasic dcr Buchmalcr mit dem Bildgchalt
seiner Sprache in schopferische Erregung versetzt hat: den Psalter51.
Dabei meinc ich an dicscr Stelle nur jene Psalterillustrationcn, die
nach dem hochst sonderbaren und zutiefst mittelaltcrlichen System
der Wortillustration erfunden worden sind. Dcr Bilderreichtum dcr
Psaltersprache ist nicht der cincs Visionars, cincs Entriicktcn, wach
Traumcndcn, wie derjenige der Offenbarung des Johannes. Er beruht
vielmehr auf der unerschopflichcn Erfindungskraft und dem extrava-
ganten, nimmermiiden Gebrauch von Glcichnisscn, die wesensmabig
Unanschauliches wie die Macht, Hcrrlichkeit, GroBc, Giite, Allwis-
senheit des Schopfers, Gottvcrtraucn oder die Verworfcnheit, Nied-
rigkeit, Gemeinheit des Boscn im Simile erschauen lasscn und sinnlich
spiirbar machen sollcn. Die oricntalische Exaltierthcit der Psalmcn-
dichtcr - die Psalmcn Davids sind bckanntlich das Werk mehrerer
Autorcn, nicht cincs einzigen - iibcrspringt die Schrankcn allcr Sin-
nesspharen, so dab in poetischer Lizenz viclcs gesagt wird, was man,
horte man es in den prosaischcn Wortcn der Alltagssprache, als schic-
fen Vcrglcich bczcichnen wiirdc. Am fremdartigsten klingt uns diese
Sprache dann, wenn das Glcichniszeichen sozusagen unterdriickt wird
und das Verglichene dcr cinen Gegenstands- oder Sinncssphare mit
dem zu Vergleichendcn dcr anderen dirckt in Bezug gesetzt wird.
Etwa, wenn cs heibt: »Aus dem Mundc von Kindern und Sauglingcn
hast du ein Bollwerk gcmacht« (Ps. 7,3) oder »Ihrc Sprache ist iiberheb-
lich. Sie haben ihren Mund gegen den Himmel gesetzt und ihre
Zunge geht durch die Erdc« (Ps. 72,8 f.). Die mittelalterlichen Kiinstlcr
haben diese Sprache jedoch als kongenial empfunden und in iiberra-
schender Weise darauf rcagiert.
Ein GroBteil des Wortschatzes allcr Sprachen ist bildlich und wird
im tagliehen Umgang oder Gebrauch spontan bildlich verstanden.
Wenn jemand sagt, meinc Lippen sind vcrsicgclt, wird es niemandem
einfallen, auf den Mund des Bctrcffcnden zu schauen, ob auch wirk-
lich ein Siegelwachs darauf klebt. Ubcrdics hatte er ja gar nicht reden
konnen, wenn das, was er sagte, buchstablich wahr gewesen ware.
Ebensowcnig wird jemand, der in den Psalmen zum Beispicl den Vers
best »die Ungcrechtigkeit klebt an ihren Fingem« (Ps. 124,3) auf den
Gedanken kommen, sich das Aussehen dicser Finger zu vergegenwar-
tigen. Im Mittelalter aber ist man auf diesen wenn man will abstrusen
Gedanken gekommen. Man hat zahlreiche Psalmstcllen nicht bildlich,
sondern >wortlich< genommen, d.h. die Sprache bcim Wort genom-
mcn, au pied de la lcttre, also den Bildgchalt der Worte unangetastet
168 Illustration des Psalters
ins Bild iibertragen, hat das Bild der Sprache das Bild des Bildes sein
lassen.
Mit oft ganz kuriosen Resultaten. So ctwa, wenn cin byzantinischcr
Buchmalcr die vorhin erwahnte Schilderung der Prahlcr verbildlicht,
indem cr die Wortbilder des Psalms, die bis zum Himmel rcichendcn
Miindcr und die bis zur Erde vcrlangertc Zungc, talc quale darstellt
(Ps.72,9; Abb. 174). Oder wenn die Barmherzigkeit als ein almosen-
spendender Mann wicdcrgcgcben wird, aus dcssen Haupt ein Gcbiisch
von Zweigcn sprieBt (Abb. 175). Denn cr ist »der Gcrechtc, der griinen
wird wie cin Palmbaum, wachsen wic die Zedcr auf Libanon«
(Ps.91,13). Wir gebrauchen noch heute die Redcwendung, dafi je-
mand floricrt, wir wissen um ihre abstraktc Bedcutung, aber dcr
Bildsinn ist uns verlorcn gegangen, wir beniitzen sie als entsinnlichte
Vokabel. Der Buchmaler hat zum Wort das Vcrhaltnis eincs, der sich
dcs urspriinglichen Bildsinns entweder noch bcwuBt ist odcr wiedcr
bewuBt geworden ist. Man spricht so vicl von dcr Abstrakthcit mittel-
alterlicher Kunst. Aber in unscrcm Fall ist zwar der Bildstoff abstrakt,
dargestellt werden soil Tugcnd und Lastcr, das Wesen des Darstcl-
lungsverfahrens jcdoch ist wortgetreuc Vcrsinnlichung.
Was herauskommt, wenn man bildliche Rcdewcndungen, die
langst ausgelciert im Umlauf sind, bluternst nimmt, hat Brueghel in
scinem Bild dcr Sprichwortcr52 gezeigt, in dem zum Beispicl das >mit
dem Kopf gegen die Wand Rennen< odcr das >Roscn vor die Saue
Wcrfcn< wortlich dargestellt ist. Was Brueghel da gcmalt hat, ist ein
eklatanter Fall von Wortillustration. Aber es ist nicht ganz dassclbe
wie im Mittelalter, denn seine Darstcllungcn haben ein andcrcs Vor-
zcichen. Brueghel cnthiillt die Komik, die in den Wortbildern liegt,
nahmc man sic ernst, und indem er sich naiv stellt und tut, als ob er
jeder Wendung dcr Sprache >aufs Wort< glaube, zicht er das menschli-
chc Treibcn und Tun ins Lachcrliche und cntlarvt die Vcrriicktheit
der Welt. Die mittelalterliche Wortillustration hingegen ist nicht ein
Werkzcug des Humors odcr der Gesellschaftssatire, dem Mittelalter
ist cs ganz ernst mit dem Wort und darum eo ipso auch mit dem von
diesem gcbrauchten Bild. Hicr miifitcn wir umgckehrt sagen: es sicht
in den Wortbildern nicht Wahnsinn, sondern den wahren Sinn. Auch
das Mittelalter glaubt, durch Wortillustration Enthiillungcn machen
zu konnen, das in den Worten Vcrsteckte hcrauszuholen, cs benimmt
sich etymologisch. Daraufaus, Gedankcn zu malen, nimmt es, anstatt
Worte bildlich zu nehmen, ihre Bilder bcim Wort.
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174
Illustration zu Psalm 72.
Psalter, Illuminator Theodorus
aus dem Kloster Studios, n.Jh.
In den byzantinischen Randminiaturcn, denen unscre bishcrigen Bei-
spiele dcr Wortillustration entnommen waren, ist dieses Vcrfahren
eincs neben mehreren anderen dcr Psalterbebildcrung. Im Abendland
wurde dieses Prinzip der Bilderfindung wiedcrholt auch zur Norm
cincs ganzen Zyklus von Psaltcrillustrationcn genommen, der hervor-
ragendste Vertrctcr dieser Gattung ist unstreitig der heute in Utrecht
bcfindlichc karolingischc Psalter der Rcimser Schule, aus dem
3-Jahrzehnt des 9.Jahrhundcrts. Die bildlichen Zitate aus dem Psalter-
text sind nicht wie bci unscren byzantinischen Beispiclcn verbin-
dungslos iiber die Blattrander verstreut, sondern in ausgcdchnten
Das Prinzip der IVortillustration 169
175
Illustration zu Psalm 91.
Psalter, Illuminator Theodorus
aus dem Klostcr Studios, 1 i.Jh.
176
Illustration zu Psalm 68.
Utrccht-Psalter, Reims, um 830
landschaftlichcn Szcnaricn als in ihnen spielende Einzclepisodcn zu
cincr Pseudoeinhcit vcrcinigt. Auch dafiir hattc iibrigcns dcr karolin-
gische Zcichncr byzantinische Vorbildcr53. Man muB sich vor Augcn
halten, daB in den einzelncn Psalmcn koine zusammenhangende Gc-
schichte crzahlt wird, sondern sich Stimmungen und Metaphcrn in
loser Ideenflut jagen, kurz daB die cinzclnen Gcdichte, wenn iiber-
haupt, cine rein gedankliche Einheit besitzen. Dcr oder die Meister
des Utrecht-Psaltcrs lassen sich jevveils von cincr Anzahl der in dieser
losen Ideenkctte vorkommenden Motive und Wortbildcr zur Illustra¬
tion anregen und bictcn eine Synopsis dieser an sich unzusammenhan-
genden Bildmotivc, indem sie mit ihnen weitc Landschaftspanoramen
bevolkcrn. Die von der Antikc ubernommenen illusionistischen
Landschaftsprospekte sind das Simile dcr unbegrenzten Raumc, in
denen die Gedankcn und Empfindungcn des Dichters ruhelos
schwcifcn54.
Es gibt keine bestimmte Ordnung, in der diesc Bilder zu lesen sind;
die Abfolge dcr Gcdanken und Vorstcllungen wird aufgelost, um sich
der Anschauungslogik des Scheinraums anzupassen, Szenen, die man
sich am Wasscr, an FluB- und Meercsufern vorzustellen hat, werden
nach unten versetzt, was auf Bcrgcshohcn oder gar in die Himmcls-
spharen paBt, muB selbstverstandlich in der Bildhohc erscheinen und
mag dann durch in die Mittelzonc versctztc Einzclepisodcn, die erst
auf vicl spatere Verse Bczug haben, von den gedanklich enger dazuge-
horigen Szenen unten getrennt sein. In dem bekannten Psalm, dcr als
Gebct um Errettung aus den Tiefcn dcs Wasscrs gilt, »Salvum me
fac...« (Ps.68) - spater gewohnlich abgekiirzt durch cinen David
illustriert, der nackt, aber mit ciner Krone auf dem Haupt, betend aus
den Wasserflutcn emportaucht (Abb. 150) - sieht man im Utrechter
Codex zuunterst cinen Schiffbriichigen mit ausgestrecktcm Arm den
Herrn um Hilfc anrufen (Abb. 176); cr konnte die Anfangsvcrse
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170 Illustration dcs Psalters
gesprochen habcn »Hilf mir, Herr, denn das Wasser geht mir schon
bis zur Kehlc«. Der Herr aber ist gcradc zu beschaftigt, um ihm ein
Ohr zu leihen: er crteilt eben cinem von zwei Schreibern den Auftrag,
jemand aus dem Buch dcr Lcbcndigcn zu loschcn; dicscr jemand sind
die Boscn, die Feinde des um Hilfe flehcndcn Psalmisten, eine Episode,
die erst im 29. Vers des Psalms erwahnt wird. In dasselbc Wasser, das
den Schiffbriichigen von Vers 1 zu verschlingcn droht, stiirzen aber
auch Tcilnchmer cincs Bankctts, aufdic Vers 23 anspiclt. Diesc Zusam-
menstellung hat sich erst dcr Illustrator einfallen lassen, wcil cr das
Wasser von dcr Szenc mit dem Schiffbriichigen zur Verfligung hattc.
Wir schen, was in der Fortbcwegung dcr Gedankcn keine Beriih-
rungspunkte aufweist, kann im Landschaftskontinuum in engstc
Nachbarschaft geraten, ja cs konnen sich, wic eben im Fall dcr Ban-
kettszene, vollig neue inhaltliche Momentc ergeben, die im Psalm
iiberhaupt nicht vorkommen.
Es scheint auch keincrlci Regel daflir zu geben, was odcr wievicl
einem Psalmentext entnommen wird, noch wic intensiv oder extensiv
die einzclnc Stelle verbildlicht wird. Versreiche Psalmcn konnen
durch cine Vereinigung weniger bildlieher Momente illustricrt wer-
den, umgckehrt konnen kurze Psalmen AnlaB zu episodenreicher
Illustricrung geben. In dcr Illustration zu Psalm 11 (Farbtafel xvin,
Abb. 10, 11) fallen zwei Gruppen von Figurcn in ungewohnlicher
Bcschaftigung auf. Die eine bewegt sich um einen eincr runden
Tischplatte odcr einer Schcibe ahnclnden Gegenstand, die anderc
treibt ein Tourniquet an und halt cs in Drchung. Mit beiden Episoden
ist dassclbe gemeint, namlich »die Frevlcr bewegen sich im Krcis« (in
circuitu impii ambulant ..., Ps. 11,9), d.h. sie kommen nicht vom
Fleck. Eine einzige Textstellc hat hicr zwei Illustrationen ausgelost.
Ein Vergleich wic der beriihmte dcs Hirschen, den es nach dem
Wasser diirstct wie die Seelc des Glaubigcn nach Gott (Ps. 41,2) <im
Mittclaltcr mcist durch einen an eincr Quelle trinkenden Hirschen
dargestellt und durch den Psalmisten, dcr mit eincr Hand auf den
Hirschen als Vcrsinnbildlichung seiner Seelc weist, mit der andcren auf
die Hand Gottes (Abb. 15)), dieser Vergleich kann ganz oberflachlich
angedeutet scin durch die kleinc Szcne cines von den Hunden gehetz-
ten Wildes (Abb. 177), andererscits konnen die Worte dcr Gcgner und
Hasscr dcs Psalmisten »wer cinmal liegt, steht nicht mehr auf« (Ps. 40,9)
sofort die neutcstamentlichc Auslegung, die Aufcrstchung Christi, im
Illustrator wachrufen und ihm ein Vorwand scin, die Grabeskirche zu
zeigen und nicht weit davon die Szcne dcr Bcgegnung des Auferstan-
denen mit den zwei Frauen (Abb. 178). Dies ist nicht mehr Wortillu-
stration im engeren Sinn, sondern Sichtbarmachung der durch das
Wort hervorgerufenen Idccnassoziation. Das Merkwiirdige ist nur,
daB dcrselbe Illustrator, dcr hicr den prophetischcn Sinn dcr Psalmen
hcrausstreicht, also typologisch-allegorisch denkt, sich genauso oft
der naivsten Wortillustration bedient, wie etwa bcim 43.Psalm, der
den Vers cnthalt: »Wach auf, warum schlafst Du, Herr?« (Vers 23).
Zu sehen bekommen wir ein Pfostenbett mit dariibcrgespanntcm
Vorhang, auf dem Gott dcr Ruhe pflcgt (Abb. 179).
i77-i79
Illustrationen
zu Psalm 41, 40 und 43 (Details).
Utrccht-Psalter, Reims, uni 830
Das Prinzip der Wortillustration 17
\L Kpivecr» psaXcousovuiO
DO' ШШЫЛЛШМММ/, IAklUUilUPMI
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ter
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172 Illustration des Psalters
Die viclen antikischen Pcrsonifikationen der Naturclemente, Terra,
FluBgotter, Himmclsgcstirnc, Hades und andere antikische Motive
(Abb. 180), die im Utrecht-Psaltcr iibcrall Verwendung finden, legen
es nahe, ja machen cs zur GewiBhcit, daB unserc karolingischen Minia-
turen auf einer friihchristlichcn Vorlagc fuBen und daB sie dort auch
das System dcr Wortillustration schon vollig cntwickelt vorgefunden
haben. DaB sic ihre Vorlage sklavisch kopierten, also fur die Bilderfin-
dungen gar kein Urheberrecht in Anspruch nehmen konnten, ist mehr
als unwahrschcinlich. Vor allem bietet das, was wir von spatantiker
Buchillustration wissen, keine Anhaltspunktc daflir, daB die friih¬
christlichcn Psaltcrillustrationen in cinem zcichnerischcn Stil wic in
Reims vorgetragen waren, d.h., daB bereits damals der malerisch-
illusionistischc Stil der Spatantikc in jene graphisch-skizzcnhafte Spra-
chc iibcrsctzt und umgedeutet war, die fur uns einen Gutteil der
Originalitat der Bildcr dcs Utrccht-Psaltcrs ausmacht und deren Line-
aritat bckanntlich auf die angclsachsischc und spaterc englischc Buch-
malerci so befruchtcnd gewirkt hat (Abb. 185). Das Skizzenhaft-Gra-
phischc dieses Stils hat eine eminent illustrative und dabei sehr unan-
tike Funktion, namlich ein bildliches Aquivalcnt fur das blitzartige
Aufleuchtcn und Sichjagen dcr Gcdankcn, Bildcr, Stimmungcn der
Dichtung zu schaffen. Diescr Zeichenstil crmoglicht es, die beim
Horen der Gedichtc evozierten Bildcr als Vcrsbegleitung in Windes-
eilc glcichsam hinzuschrciben. Die auBcrordcntlichc Errcgthcit, die
Figuren wie Landschaft in glcichem MaBe crfaBt, so daB allcs zu
vibrieren scheint, ist einer der wichtigsten Faktoren bildlichcr Vercin-
heitlichung, cine Erregtheit, die, da sie alles crfaBt, keine auBere sein
kann, und die in wunderbarer Weise den exalticrten inneren Zustand
dcs Psalmistcn auf den Betrachter der von ihm inspirierten Illustration
iibertragt. Das Bild ist hicr einem Scismographen vergleichbar, der
die Erregung dcs in religioser Ekstase Befindlichcn aufzeichnet. Lesen
und Schaucn ist hier eins, und das ist wohl das spezifisch Mittclalter-
lich'c an den grandiosen Zeichnungen des Utrecht-Psalters.
180
Illustration zu Psalm 92 (Detail).
Utrecht-Psalter, Reims, um 830
Konflikt Flache—Raum,
durchgehende Entwicklungstendenzen
Wir haben friiher einmal von rein dekorativen Initialen und Buchsta-
benligaturcn gcsprochcn, die mit dem Anspruch auftreten, ganz wie
Bilder auf uns zu wirken und auch wie Bilder selbstandig gerahmt
sind - Schrift als Bild (Farbtafcln in, ix, xiv, xv, Abb. 40, 89 ff.). In
den didaktischen Buchbildern sowie in den nach dem Prinzip der
Wortillustration erfundenen Psaltcrillustrationen begegnen wir Minia-
turen, die ihre Bildordnung, die Art des Zusammenftigcns dcr cinzel-
nen Bildelcmente, also das, was man vergrobernd gemcinhin Kom-
position nennt, von der Syntax dcr Sprache, von dcr Glicderung
sprachlich formulicrtcr Gcdankenfolgen borgen. Es sind Bilder, die
wie sprachlichc Mittcilungcn hineingeschricben sind und infolgedes-
sen ehcr im Lcsen als im Schauen apperzipiert werden wollen. Die
Moglichkeit cincs Nebcneinandcrs der beiden Phanomene, der Schau-
barkeit der Schrift und der Lcsbarkeit des bildlich Geformten, kenn-
zeichnet die mittclalterlichc Situation wie wenig andcrcs. Die Sym-
biosc von Schrift und Bild ist ein anderer Aspckt desselben Phano-
mens. Wir haben uns friiher mit denjenigen Formen dieser Symbiose
beschaftigt, in denen das Bild im Schriftmilieu zu Gast war, Figurcn-
initialen, historisierten Initialen und verwandten Gebilden. Jetzt wol-
lcn wir noch rasch einen Blick auf die Umkehrung dcr Beziehungcn
der beiden Elementc werfen, Falle, in denen die Schrift im Bildmilieu
zu Gast ist - natiirlich nicht als cinfachc Beischrift.
Hervorragendc Beispiclc bictct cin Hauptwcrk der insularen Male-
rei, das Lindisfamc Evangcliar aus dem spaten 7.Jahrhundcrt. Als
Frontispiz jedes Evangcliums dient ein Autorenbild, das den Evangc-
listen samt scincm Attribut, dem Tiersymbol zeigt, an dem man ihn
erkennt (Abb. 181). Das crschicn aber dem insularen Kiinstler noch
kein geniigend starker Fingcrzeig auf die transzendcntale Bedeutung
des Bildes, cr fiihlte das Bcdiirfnis, das Bild auch noch zu beschriften.
In gebiihrender Stufung schricb cr den Namcn des Evangelistcn in
monumcntalen, pseudogriechischcn Buchstabcn in griechischen Wor-
ten, den des Symboltieres in kleineren lateinischen Schriftzcichen und
lateinischer Sprache in dekorativer Vertcilung in das Bildinncrc. In
Etappen glcitet unser Auge von Bild zu Symbol und von Symbol zu
Schrift. Es ist eine Art redendcs Bild, das wir vor uns haben, das unscre
Aufmerksamkeit gleichzeitig auf verschicdcnc Weise beansprucht,
ahnlich wie das moderne Plakat uns gleichzeitig mit Bild, Emblem
und Schrift anzusprechen versucht.
174 Kouflihi FIiiche - Raimi
i Si
Evangelist Lukas.
Book of Lindisfarne,
Insular, vor 698 (?)
Voraussetzung fur diese Svmbiosc aber ist, daB fur Schauen und
Lcscn das Aktionsfeld dasselbc ist, das Substrat fiir Bild und Schrift
das gleicbc, daB bcidc flach wic Applikationen auf dcr lceren Buchscitc
liegen. Es ist ein vollkommcn raumneutrales Medium, in dem die
bciden Elemente erschcinen, kein imaginiertes Raumkontinuum, we-
dcr Tiefraum noch Flachraum. In den fruhchristlichcn Vorbildcrn
batten die cinzelnen Bildmotive in einem illusionistischen Bildraum
gelebt, im Lindisfarnc-Evangcliar dagegen scheinen sie wic isolicrt
ausgeschnitten und auf die Buchseite aufgeklebt. Es gibt keine gc-
meinsame Bodenlinic oder Standflache tiir Eiguren und Objekte, nur
die Oberfliiche der Buchseite, die mit diesen wie mit den Schriftzei-
chcn in mehr oder weniger lockerer Form besetzt werden kann.
Neben diesen Bildseitcn gibt es in denselbcn insularcn Biichcrn Seiten,
die, ahnlich wic die Bildseitcn gerahmt, dicht mit rein ornamentalcn
Mustern besetzt sind, die sogenannten Tcppichscitcn (Farbtafel iv).
Das Primal desflachig Dvkorativen 175
Hicr tritt die zvveitc Figenschaft dcr mittclaltcrlichcn Buchseite dcr
Friihzeit zutage. ihr Wesen als Schmuckscitc. Und auch die Bildseiten
(Abb. 181, 182) sind im Grunde wie Musterseiten organisiert. Uni
iiberhaupt in den Organisnius dcs Buches und Buchschmucks aufge-
nomnien zu werden. miissen sich die gegenstandlichen Motive dem
ProzeB einer rigorosen Ornamentalisierung unterziehen - es ist das,
was man mit deni schon viel zu abgegriffenen Wort Stilisierung
bezeichnet. Intcndiert ist eine Vcredelung der Naturfornien die wir
geneigt sind, als Barbarisierung zu werten eine Vcredelung durch
Angleichung dcs fur den primitiven (besser gesagt fur den an Werkc
einer ungcgcnstandliclicn Phantasie gewdlinten) Mcnschen »Formlo-
scn< an in der Ornamentik liingst akkreditierte Fornicn wie Bandstrei-
fen flir die Draperie. Spiralen fur die Haarlocken oder Vo 111 ten Fiir
Bartstrahncn, Kreisc fur die Pupillen, Deltamotive fiir die Oliren usw.
(Farbtafel v. Abb. 181. 1S2). Auf diese Weise vvird aus der in den
Augen der Primitiven oftenbar rohen, wenn man will unschonen
Naturform Kalligraphie. I11 dicseni Zusammcnhang muB auf die
Tatsache hingcvvicsen werden, daB in dieser Zeit haufig eine Personal-
union von Schrcibcr und Miniator bestand, d.h. daB Schrift, Orna¬
ment und gegenstandliches Bild von einer Person gcarbeitet worden
sind55. Has hilft auch verstehen, waruni Lesen und Schauen auf dieser
Stufe in einer einzigen optisdien Einstcllung realisiert werden konnen.
182
Evangelist Johannes.
Evangeliar. Insular. 8. |h.
176 Konflikt Flache - Raurn
Die fluchtig angcdcutctcn Angleichungcn an Ornamentales sind
Symptome cines Assimilationsprozesses, in dcm das Organisch-Ge-
genstandliche zunachst dem Diktat dcr dekorativen Organisations-
prinzipien unterliegt. Aus Angehorigcn cines Bildraumes wcrdcn
Tcilc cines Bildmusters und im Verlauf dicscr Operation miissen das
Eigcnlebcn der organischen Wesen und die Sacherfordemissc dcr
Objcktwelt dcr Gesetzlichkcit dcs Bildmusters und dcr Buchseitenor-
ganisation geopfert werden. Die mcnschliche Figur erstarrt zu einer
Mustcrfigurinc und erhebt sich bisweilen nicht liber den Status cines
anthropomorphen Emblems. Man kann nun die ganze weitcrc Ent-
wicklung der mittclalterlichen Buchmalerei als cinen Konflikt zweicr
Gestaltungsgcsctzlichkeitcn ansehen, in dcm vcrsucht wird, den
Zwang dcs abstrakten Musters abzuschiittcln, dcr Logik dcs Sinnlich-
Anschaulichen zu ihrem Recht zu vcrhclfen, womoglich aber ohne
auf die Scgnungen cincr abstrakt-formalcn, mit transzendentaler Bc-
dcutung gesattigten Ordnung verzichten zu miissen. Etwas simplifi-
zierend laBt sich diese Auseinandersetzung als ein Konflikt der beiden
das Mittelaltcr konstituierenden Erbmasscn, der barbarischen (sowohl
mittclmeerisch-barbarisch wie nordisch-barbarisch) und der mittel-
meerisch-antikcn Traditionen auflfassen, und so mochte ich im folgcn-
den kurz die wichtigstcn Etappcn in der Austragung dieses Konfliktcs
skizzieren.
Dic.Pcriodisierung dcr mittelalterlichen Kunstgeschichtc, wie sie nach
cinigcm Schwanken heute allgcmcin anerkannt ist, folgt im wcscntli-
chen dcm Rhythmus, in welchem die bcdcutendstcn VorstoBe und
Wicderbclcbungsversuchc dcr antikischen Tradition crfolgtcn, also
den cinzelncn Wcllen des Entwicklungsstromcs, die wir als Renais-
sanccbcwegungcn bczeichnen: die karolingische Renaissance, der eine
northumbrische und slidenglische in vorkarolingischcr Zcit vorange-
gangen waren (iiber flinfzig Jahrc friiher, um die Mittc dcs
8.Jahrhundcrts) und die ein angclsachsisches Nachspiel im 10. und
1 i.Jahrhundcrt hattc, dann die der ottonischcn Renovatio Imperii
Romani parallcle kiinstlerische Manifestation, danach die Erneue-
rungsbestrebungen der romanischen Epochc, die sich die Kunst des
gleichzcitigen Byzanz, dcr mittelalterlichen Erbin der Antikc, zum
Leitstern erkoren hattc, und schlieBlich die Gotik, die ein Janusgcsicht
hat und deshalb von ihrer unmittelbarcn Nachfolgerin, der ersten
nachmittelalterlichcn, der ersten auf alien Linien triumphicrcndcn
Renaissance, mit dcm Schimpfnamen der Barbarcn belegt w'urde, die
dem romischcn Weltreich den TodesstoB versetzt hatten, die aber
seither langst als Wegbereiterin der Ncuzcit - man denke nur an
die Emanzipation dcr Vollplastik - aufgewertet worden ist und es,
namentlich in Frankreich, dem Mutterland dcr Gotik, bis zum cpithc-
ton ornans >humanisme gotique< gebracht hat. Historisch richtiger ist
es wohl, die Doppclgcsichtigkcit dcr Gotik nicht aus dem Auge zu
vcrlicrcn, wic sic auch in dem Titel der bekannten Abhandlung Max
Dvoraks ddcalismus und Naturalismus in dcr gotischcn Skulptur und
Malcrci<56 zum Ausdruck kommt.
Expressionismus 177
.. Evangelistcn Matthaus und Markus,
.ngeliar aus Xanten (Detail),
:’'chule Karls dcs GroBen,
ring 9-Jh.
184
Evangelist Matthaus.
Ebo-Evangeliar,
Reims, um 816-835
Am Bcginn dcr Rcnaissancebcwcgungen steht jedesmal einc Phase
intensivster Rezcption der antiken Vorbilder, einer Zuwcndung zu
den antiken Idealen und Ausdrucksformen, am vorbehaltloscstcn in
der karolingischcn Renaissance. Hier ging man bis zur offenen Nach-
ahmung der bewunderten Vorbilder (Abb. 183), genierte sich nicht,
zu kopieren, bis in alle Einzclheiten getreu zu reproduzieren - so dab
es vercinzelt den karolingischen Kiinstlcrn sogar gelungcn ist, die
modernen Kritikcr hineinzulcgcn und sic glauben zu machcn, sic
hatten ein spatantikes Original vor sich. Auch bci cinigcn Elfcnbcincn
gibt cs bekanntlich noch die offenc Frage, ob wir cs mit einem antiken
Original oder einer karolingischen Kopie zu tun haben57. Dies sind
Fallc, in denen das spczifisch Mittelalterlichc sich in irgendwelchen
Ncbensachlichkeiten verrat, die dem karolingischen Kopistcn sozusa-
gen nicht zu BewuBtsein gckommen sind. Dort wo dcr karolingische
Maler sich mit dcr Rolle dcs Kopisten nicht begniigt, ist dcr eigene
Beitrag und der Charakter dcr Neufassung dcs antiken Bildgutcs nicht
zu verkennen.
Ich kann hier nur zwei Punkte herausheben. Dcr erste betrifft das
Verhaltnis von Rahmung und Bildinncrem. In den antikischsten allcr
Evangelistenbilder, denen des Schatzkammer-Evangeliars, wird noch
die Illusion eincs gerahmten Tafelbildes angestrebt (Farbtafel vi). Der
mit vegetabilem Ornament verzierte Rahmen hat Relief, und durch
diesen plastischen Rahmen blickt man in ein sehr malerisch gehaltcncs,
licht- und lufterflilltes Bildinneres mit landschaftlichem Hintergrund,
also in cinen illusionistischcn Raum. In dcr als Bcispiel angeflihrten
Evangelistenminiatur ist dem Maler jedoch ctwas passiert: der FuB-
schemcl des Johannesthrons kommt aus dem Bildraum heraus und
iibcrschneidct den Bildrahmen. Dem karolingischen Meister schcint
der Bcgriff des Untcrschicds zwischen dcr realen Welt und einem von
dicser durch einen Rahmen getrennten imaginierten Bildraum nicht
mchr klar gewesen zu sein. Fur ihn liegen der Rahmen wie das
Bildinnere in dcrselben Dimension dcr Buchseite.
Zwei Jahrzehntc spater sind in Reims Evangelistenbilder entstanden,
die die so antikisch klingende Sprache dcr Bildcr dcs Schatzkammer-
Evangeliars resolut ins Mittclalterliche transponicrcn (Abb. 184). Alles
Sichtbare - Figur, Pult, Landschaft, aber auch Rahmen — ist in flam-
mende Bcwcgung versetzt, so als ob ein Sturm es crfaBt hatte. Am
starksten, erregtesten, ist die Bewegthcit in der Gewandung. In der
Antike war die Gewandform, das Faltenspiel, immer Werkzcug im
Dienste des Ausdrucks einer vom Korpcr, dcr lebenden Materic,
ausgeflihrtcn Bcwcgung. Hier sind die in heftige Wallung geratenen
vibricrenden Gewandfaltcn mit eigenem dramatischen Leben crflillt,
das offenbar auch die leblosc Materic ringsum angesteckt hat. Der
Ort diescr zitternden und zuckenden Bcwcgung - ein linearistisches
Aquivalent dcs Flimmcrns einer illusionistischcn Atmospharc — ist die
Oberflache der Buchseite, nicht dcr Bildraum. Wie in den Zeichnun-
gen dcs Utrecht-Psalters (Abb. 10, 176-180), der im gleichen Reimser
Atelier entstanden ist, muB die sichtbare auBerordentliche Agitation
als eine dirckte Ubertragung, cin Extroverticren der inneren Erregt-
178 Konflikt Flache - Raum
heit oder Exstasc dcs Schaucnden gewertet werden. Wcnn man will,
ein Beispicl mittclaltcrlichcn Expressionismus, sozusagcn cin mittelal-
tcrlichcr Vorlaufer van Goghs. Dcr Vcrglcich, der nur mit allcm
Vorbehalt gcwagt wcrdcn kann, ist deshalb nicht ganz abwcgig, weil
auch hier eine lincaristische Umsctzung einer urspriinglich impressio-
nistischcn Bildmaterie vorliegt.
Die Idee cincr Excmplifizicrung und Veranschaulichung inncrcr
Emotionen des kiinstlerisch Schaffenden an Objektcn dcr aubcren
Wahrnehmung hat im Mittclaltcr Schulc gemacht, im engeren und
weiteren Sinn. Hicr war cin Wcg gcfundcn, dcr Gegenstandswelt ein
gewisses Eigenrccht zuzubilligcn und sie nicht in Ornament aufzulo-
sen wie cs die vorkarolingische Kunst tat, sie aber zuglcich an cincr
Bewegtheit teilnehmcn zu lassen, die keine inncrbildliche war und die
cine quasiornamentale Einheit iiber das Ganze breitete. Man operierte
glcichsam simultan auf zwei Ebcncn, cincr irdischen und einer meta-
physischen.
Die unmittclbarc Fortsetzung und Weiterbildung der Reimser Me-
thode ist in der angelsachsischcn Buchmalcrci dcs 10. und n.Jahr-
hunderts zu finden, in dcr aber das wundersame Glcichgewicht der
beiden Faktoren sich in cin Ubergewicht der transzendentalen Dy-
namik vcrwandclt (Abb. 185). Die Bcwcgung dcr Figurenpcriphc-
rie verandert dcren Proportioned rciGt sic mit in die Hohe, evapori-
siert die Figurensubstanz. Seincn farbigen Ausdruck findet dicser
Expressionismus in einem Fluorcszicrcn und Irisicrcn, in dem manch-
mal in iiberraschender Einfiihlung in den besonderen Darstellungsge-
genstand die zu dicscm passende Stimmungsfarbe zur Dominantc
wird, etwa das leicht rotlichc Gclb dcs Auferstehungsmorgens (Farb-
tafcl xix) odcr das rotlich Flackernde dcs Pfingstfcstes58. Einc Indivi-
dualisierung dcr Bclcuchtungssituation, wic man sic in cincm nicht-
naturalistischen Stil gar nicht glaubt erwarten zu konnen. <Selbst die
Ornamentik ist von dcrselben Bewegtheit in Form und Farbc
erfaBt.)
Die angelsachsische Malcrci ist eine Spatbliitc des Karolingischen, in
der die schon von den Karolingcrn begonnene Assimilierung der
antikischcn Substanzcn in ein mittclalterliches Ordnungssystcm zu
den letzten Konscquenzen gefiihrt wurde, als die karolingische Kunst
in ihrem kontinentalen Ursprungsgebiet (in Frankreich und am
Rhein) langst schon abgcstorben war. Wie schon einmal in vorkaro-
lingischcr Zcit, so hat auch jetzt die insulare Buchmalcrci GroBes fur
die Organisation der mittclalterlichen Buchscite geleistet. Ihr funda-
mentaler Beitrag zur ornamentalen Durchdringung und Aufwertung
der Schrift sind uns ja schon bekannt. Dcr ProzcG, den ich nun noch
skizzicrcn mochtc, ist dcr einer Ncuvcrteilung dcs Bildinventars, das,
statt gravitationsmaBig auf einer Bodenlinic verankert zu scin, eine
Ponderierung anstreben muB, die die Bildtcilc in Einklang mit den
Gleichgcwichtsvcrhaltnisscn eines Fldchenmusters bringt. In der Praxis
ist es vielfach ein Weg von cinem in dcr antikischcn Vorlagc gegebe-
nen Brcit- in ein Hochformat unter glcichzeitiger Verlagerung der
Hauptakzente auf halbc Hohe.
Flachenbczug 179
Die ersten Symptome eincs Umdenkcns der Ponderierung sind
noch in dcr karolingischen Entwicklung zu beobachten. Der Evange¬
list Johannes des Evangcliars von Soissons (Farbtafel x), eines der
Hohcpunkte des Ateliers, das wir als die Hofschule Karls dcs GroBen,
friiher Adaschule genannt, ansehen miissen, hat einen machtigcn
thronartigen Sitz, aber worauf dieses schwerc Mobel aufruhen soil,
die Frage zu beantworten, wiirde uns in Verlcgenhcit bringen. Dcr
Thron wird von ciner vielfcnstrigcn Nische oder Exedra umschlosscn,
die ihrcrscits von einer Rundbogenarkade gerahmt wird, bzw. im
Durchblick durch sic erschaut wird. Dieser Typus des in einer Nische
untcr einer Arkadcnstellung sitzenden Evangelisten hat cine lange
Ahncnrcihe, die bis in das spatantike Autorcnbild und zu Bildcrn
thronendcr Konsuln zuriickreicht. Die sitzende Person wird wie ein
>homme-arcade< in der Offnung eines raumhaltigen Gehauses vorge-
stellt, und ctwas von diesem Nischcncharakter, dieser Raumcinbuch-
tung, haftet noch dcr architektonischen Struktur des Lukasbildes im
spatantiken italicnischcn Augustinus-Evangeliar in Cambridge an
(Abb. 36). Dcm Johannesbild dcs Soissons-Evangeliars liegt ein ost-
180 Konflikt Fliiche - Ranm
186
Taufc Christi.
Ethel wold-Bcnedictionalc,
Angelsachsisch (Winchester),
zwischen 971 und 984
christliches, kcin italicnischcs Vorbild zugrundc, dcsscn Excdra in
pcrspcktivischcr Vcrkiirzung crschien (ahnlich dcr cines byzantini-
schcn Evangclistenbildcs dcs lo.Jahrhunderts, Abb. 3). Dcr Hinter-
grund des karolingischcn Evangclistcn ist wic cin optischcs Vexier-
spicl, man kann das Gewande als konvcxcs odcr konkavcs Gcbilde
schcn. Und zwar ist an dicscr Ambivalenz die Obcrcckstcllung dcs
Thrones schuld, dcsscn Scitenwangc sich in dcr linken, dcsscn Front
sich in dcr Flucht der rcchtcn Exedrawand fortsetzt. Wic bci cincr
Membran, die cinwarts und auswiirts schwingt, ist das Ergcbnis die
Etablicrung dcr Flache als Ort dcr bildliehen Darstellung. Eine andcrc
Zone dcr Ambivalenz ist das liincttcnhaftc Feld mit dem Adlcrsym-
bol, dcsscn oberc Bcgrcnzung nur fliichig, dcssen untcre auch raumlich
gcschcn werden kann. Die wichtigste Neucrung aber gegenuber dem
antiken Vorbild ist vielleicht die Vcrankcrung dcs Evangclistcn mit-
samt scincm Thron in dcr Hintcrgrundsarchitektur statt auf dem
FuBbodcn. Dcr Thron schcint von den Fluchtlinicn dcr Excdra mitge-
rissen zu werden, dcr Evangelist zu schwebcn. Eigcntiimlichkeiten
dcs Raumes helfen da, die Schwere dcr Substanz zu iiberwinden.
Flachenbezug 18
Im folgcnden mochtc ich - tcils im AnschluB an schon Gesagtcs,
teils aus andcrcm Blickwinkcl — cinigc dcr wichtigstcn Idecn aufzci-
gcn, die als Motor der Entwicklung seit dcr karolingischcn Epochc
in der Buchmalcrci wirksam gewcscn sind. Wic bcrcits crwahnt,
wurde der ProzcB dcr Entschwcrung dcr von dcr Antikc ubernomme-
ncn Bildsubstanz und dcr Schwcrpunktvcrlagerung inncrhalb dcs
Bildfeldcs, dcr schon in dcr karolingischen Renaissance cingcsctzt
hattc, noch auf karolingischcr Basis von dcr angclsachsischen Buch¬
malcrci des io. und i i.Jahrhundcrts zum AbschluB gcbracht. Ein
Bcispicl fur viele: Das Bild dcr Taufc im Bencdictionalc dcs Bischofs
Ethelwold (Abb. 186) fuBt auf einer karolingischcn Komposition,
die uns in einem Relief cincs Mctzer Elfenbeinkastchcns (Abb. 187)
crhaltcn ist und die letzten Endcs, wic schon die Naturpcrsonifikatio-
nen zeigen, antiken Ursprungs ist. In dcr Ubcrsctzung in die Buchmi-
niatur war nichts vergessen worden, was die Elfenbeinschnitzereien
cnthielten, auch nicht die hcidnischc Pcrsonifikation dcsJordanflusses,
dcr seine Urnc ausleert, um das Wasscr dcs Flusses zu bilden. Im
Mctzcr Kastchen war jedoch die Szene als horizontale Fricskomposi-
tion entworfen worden. Sic auf die Scitcn dcs Benediktionales zu
transfericren bedeutetc einen Wechscl vom Breit- zum Hochformat.
Dcr Illuminator loste das Problem einmal dadurch, daB cr oben und
unten horizontale Streifcn von Wolken und Wasscr hinzufligtc. Nur
auf diese Wcisc war cs ihm moglich, die ganze Hohe des Bildfeldes,
die durch das Bildformat diktiert war, entsprechend zu fallen. Aufs
erste mag das wie cine chcr oberflachliche Adjusticrung der Vorlage an
die geanderten Formatverhaltnisse, ja als ein Versuch cincr barocken
Stcigcrung des Illusionistisch-Atmospharischcn crscheinen. In Wahr-
heit war es mehr als das, namlich cine konsequente Umformung
gemaB den Prinzipicn cincs grundsatzlich vcrschiedenen asthetischcn
Systems. Der Breitfries der karolingischen Taufszcnc ist auf einer
187
Taufe Christi.
Elfcnbcinkastchen
(Vorderseite),
Metz, 9./io.Jh.
182 Konflikt Flddic - Raton
188
Die drei Frauen am Grabc.
Echelwold-Bcnedictionale,
Angelsachsisch (Winchester),
zwischen 971 und 984
imaginaren Grundlinic verankert, genauso wic in ciner antiken Dar-
stcllung. Fcrner setzt dcr dekorative Rahmcn der Elfenbeinplatte dem
Bildfcld cine absolute Grenzc. Fur den angelsachsischcn Illuminator
haben diesc beiden strukturcllen Regeln ihre Giiltigkcit verlorcn. Fiir
ihn bedeutet dcr Rahmcn keinc uniibcrschrcitbare Bildfcldgrenzc.
Dadurch, daB er mit seinen Darstcllungsclcmcnten in die Bordiirc
eindrang und den Rahmcn iiberschnitt, wird die Szcne glcichsam
an eincm Geriist aufgchangt und nicht auf eincr Grundlinie odcr
Bodcnflache lastcnd vorgestellt. So wird die Bilderzahlung der deko-
rativen Planung dcr Buchscitc untergeordnet. Wie dcr Evangelist dcs
Soissons-Evangeliars (Farbtafel x), so schwebt hier cine ganze Szcne
entgegen aller Erfahrung irdischer Gravitation. Die Scite ist an dcr
vcrtikalcn Achse ausbalancicrt, das Gleichgewicht der Seitc hat Prio-
ritat iiber die Erfordernisse dcr Raumillusion. Vcrfolgcn wir dicse
Entwicklung am Bcispicl cincs anderen Themas, dem dcr Frauen am
Grabe (Abb. 188), uni cinen Schritt weiter, so werden wir beobachten
konnen, wic der urspriinglichc Bildzusammenhang desintegriert
Fldchetibezug 183
189
Die drci Frauen am Grabe.
Bencdictionale des Robert von Jumiegcs,
Winchester (New Minster), urn 980
wird. <(Dic horizon talc Mittclachsc, an dcr sich die Szcne aufrciht,
ist verpflichtcnd, es gibt keine Grundlinie. In einem ctwas spatcrcn
Bcispicl (Abb. 189) hat sich das Buchformat ins Vertikale noch gestei-
gert, mit dem Resultat, daB fur die Wachter iiberhaupt kein Platz
mehr neben dem Grab war und sie als FuBschcmcl dcr andcrcn
Figuren auftreten miissen.) Die einzelncn Bildmotivc sind also frei
vertcilbar geworden; wo immer sic von dcr Flachcnorganisation dcr
Buchseite gcbraucht werden, drohen sie zu Werkzeugcn cincr gegen-
standsfernen Ordnung degradiert zu werden. (In cincr noch spatcren
Miniatur etwa sind die Wachtcr iiberhaupt fortgelasscn, Abb. 190.)
190
Die drei Frauen am Grabe.
Psalter, Angelsiichsisch
(Winchester), um 1050
184 Konjlikt Fltiche - Raum
Zur glcichen Zcit, im spaten 10. und im friihen 1 i.Jahrhundcrt, hat
man in der ottonischen Buchmalcrci damit bcgonncn, die Auseinan-
dersetzung zwischcn den dekorativen und den crzahlcrisch-bildmaBi-
gen Forderungcn auf cine ganz ncuc Basis zu stellcn. Es waren Bcmii-
hungen, die sowohl eine Emanzipation von der starren Mustcrhaftig-
keit der Buchseitc wie von der Raumvorstellung dcs spatantik-
karolingischen Illusionismus zum Ziel hatten. Nchmen wir den letztc-
ren Punkt zuerst. In der ottonischen Malcrci finden wir die kontinu-
icrliche, aber vage Raumlichkeit des Illusionismus durch cinen
Schichtenraum ersetzt (Abb. 191). Es komnit zu einem Aggregat
paralleler flacher Lagen, hauchdiinner iibereinander projizierter
Schichten, die wie dicht zusammengcpreBt wirken und zwischcn
denen keine Luft zu zirkulicren scheint. Die Differcnzierung der
einander teilweise iibcrdeckcnden Schichten crfolgt mit den Mittcln
der Farbe, cine lincare Abgrenzung der Figuren vom Grund hatte
191
Gregor der GroBe und sein Schreiber.
>Registrum Gregorii<, Einzelblatt,
Meister des Rcgistrum Gregorii (Trier), um - ■
Schichtenraum 185
192
Krcuzigung.
Evangcliar, Echternach,
Mittc 1 l.Jh.
letztcrcn als ctwas Amorphcs und Luftartiges deklariert. Ottonische
Figuren bcsitzcn kcinc Konturlinien, ottonische Zcichnungen odcr
Vorzcichnungcn gibt es fast nicht. Dcr Grund hat nun cin Eigcnlebcn,
wcil er seine cigcnc, ungegenstandlichc Farbigkcit hat, die gegen die
weniger ausgcdehntcn Farbflachcn dcr Figuren oder des Szcnariums
stcht.
In dcr reifen Phase der ottonischen Malerci ist das amorphe, atmo-
spharische Fluiduin dcr karolingischen Malerci bcrcits vollig von
eincr lichtcn Purpurflache odcr reinen Goldflache verdrangt worden
(Farbtafcl хш), also zwei transzendenten Farbcn, die dcnnoch ehcr als
idealc Farbe denn als idealer Raum verstanden werden sollen. Jantzen
hat vom Un-raum der ottonischen Malerci gcsprochen59. Spatcr
jcdoch ist die ottonische Malerei dazu iibergegangen, den Bildgrund
farbig zu tafcln bzw. die Hauptfiguren oder Figurengruppcn mit
gesonderten farbigen Folien zu versehen. Den uniformen Hintcr-
grund, in dem dcr Laut dcr Gestcn wic in einer weiten Lccrc hallt,
gibt cs nicht inchr. In eincr Kreuzigung eincs Evangcliars der spiitcrcn
Schule von Echternach (um die Mittc dcs 1 i.Jahrhundcrts, Abb. 192)
sind aus dem bun ten Bildgrund hintcr den Figuren von Maria und
Johannes hochrechteckige Felder in Gold ausgespart, als hatte jedc
Gestalt ihre eigene Aura. Als Folie dcs Gekrcuzigten dient das breite
Band des Krcuzes, so dab das Bild vielfach geomctrisch unterteilt,
parzclliert erscheint.
86 Konflikt Flcichc - Raum
In einigen Sonderschulen der ottonischcn Kunst, namentlich in
Regensburg, haben nun glcichgcrichtete Tcndenzcn zur Zcrlcgung
des Gcsamtareals eines Bildes in streng voneinandcr gesonderte Kom-
partimente gcflihrt, und damit sind wir bci dem zvveiten Punkt ange-
langt, bei der Neuorganisation dcs Bildmustcrs als solchem.
In der Miniatur dcs Sakramcntars Heinrichs n.f die die Kronung
des Kaisers darstellt (Abb. 193) oder, richtiger, die Ertcilung des Segens
Christi an den Kaiser - das Bild ist die vollkommenste Verkorperung
dcr Idee des Herrschcrs von Gottcsgnaden — ist jeder der scchs Figuren
cin separates Feld zugewiesen, und diese Parzellicrung, vomchmlich
durch Inschriftbandcr und Ornamentstrcifen bewcrkstelligt, fallt be-
sonders dadurch ins Augc, dab die verschiedencn Hintcrgrundssekto-
ren abwechsclnd in blaucr, olivgriiner und violcttcr Farbc angemalt
sind. Die Figuren jedoch uberschreiten an gewissen Stcllcn die Gren-
zen ihrer Kompartimente und dringen in die Nachbarzonc cin (der
Kaiser etvva rcicht in die Zone der Mandorla Christi). Im Kontrast
zur statischcn Hintergrundsstruktur wirkt dann die geringste Lagcver-
anderung in der Figurenschicht als kraftige Bewegung.
193
Kronung Kaiser Heinrichs 11.
durch Christus. Sakramentar
Heinrichs 11., Regensburg,
zvvischen 1002 und 1014
Hintergrundstafelung 11
194
Glorifizierung des hi. Edmund.
Edmundslegcnde,
Bury St. Edmunds, 2. Viertel I2.jh.
Mit dicser Zwcischichtigkeit ist ein wescntliches Strukturprinzip d'
Bildmusters dcr romanischen Buchmalcrei vorweggcnommen, schc
um dasjahr 1000. Es gcht um einc Tektonisicrung des Buchbildes un
der Buchseite. In den einzelncn nationalen Schulen der romanischc
Buchmalcrei ist diesc Tcktonisierung auf verschicdcne Weisc bctriebc
worden, wobci in einigen, zum Beispiel in dcr deutschcn, die Tender
unvcrkennbar ist, sie auf die Figurenschicht zu iibertragen, die Figure
selbst blockmaBig zusammenzuschlieBcn. Besonders interessant i
die englischc Variante, weil dort die Idee einer straff organisiertc
Hintergrunds- und Rahmcnzone, in der eine zweite, gcgcnstandlicl
figiirliche, collage-artig cingelassen erscheint, innerhalb dcr ein rclati
frcics Lcbcn herrscht, den AnstoB zur Entwicklung eines ganz neuc
Erzahlstils gegeben hat. Unter den Bildern einer Handschrift d<
Edmundslegendc aus deni 2. Viertel des I2.jahrhunderts (Abb. 19.
188 KonJUkl Flciche - Ramti
gibt es cincs, das sich als freie Paraphrase des eben bcsprochenen
ottonischen Kronungsbildcs dcs vorangehenden Jahrhunderts zu cr-
kennen gibt. Es stcllt die Glorifizicrung dcs konigliehen Martyrers
dar, d. h. nicht eine tatsachlichc, nur eine imaginierte Kronung. Im
Rcgensburger Sakramentar legt Christus personlich die Krone aufs
gesalbte Haupt, in dcr englischcn Szenc erhalt dcr Martyrer von
Engeln Krone, Szeptcr und Palme. Die zwei Edmund flankierenden
groBcn Engel nehmen genau die Stelle ein, die in der ottonischen
Miniatur die bciden den Kaiser stiitzenden und der Gotthcit prascntic-
renden Hciligcn inne haben. In beiden Fallen ist die Kronung zuglcich
feierliche Schaustellung des Gckronten.
Zeremonielle Handlungen neigen von sich aus zu hieratischer Fron-
talitat, ein Blick auf andere Darstellungcn dersclben oder verwandter
Bildcrfolgen aber lehrt, daB bei der ncuen cnglischen Malcrci die
hieratische Note eine Sache dcs Stils, nicht des Themas ist. In den
eigentlichen Ereignisbildcrn, in Szenen, die von Aktionen und Begc-
benheiten crzahlcn sollen, also transitorisch sind, iibernimmt es die
dekorative Hintcrgrundstafclung, den frontalen Appell an den Be-
schauer zu bcwerkstelligen. (Ein Bild aus derselbcn Handschrift zeigt
die Szene, in der dcr Sarg des hi. Edmund iiber cine Briicke in das
Kloster Bury St. Edmunds geflihrt wird (Farbtafel xxi). Wahrcnd die
Handlung nach rcchts abrollt, wird die Szcnc mittels dcr Parzellierung
des Bildfeldes frontal ausgerichtet.) Der Hintergrundstafclung ist
gleichsam das Dckorum der Szene anvertraut, dcr Bczug auf eine
hohere, transzendentale Ordnung, was den Figurcn gestattet, sich
ganz dem inneren Lebcn der Aktion zu widmen und auf die Fordcrun-
gen der gegenstandliehen Situation zu achtcn. Da die Sorgc um das
Dekorum und die Ausrichtung auf das Muster dcr Buchflachc ihnen
genommen ist, vermogen die Figuren ihre szenischen Oblicgcnheiten
in eincm nie zuvor moglichen MaBe zu erfiillcn und in den Rollcn,
die sie zu spielen haben, ganz aufzugchcn. Wir sehen die Bildhandlung
und Bewcgung seitwarts ablaufcn, fiihlen uns aber zugleich von dcr
Komposition als ganzer frontal angesprochen. In dcr Schule von
St. Albans, in der dieser neue Erzahlstil geboren wurde - es ist ein
wirklich erzahlendcr Stil60 - kommt dicse Situation in einem auBcrcn
Symptom sehr pragnant zum Ausdruck: Ohne dem Frontalitatscha-
rakter des Bildganzen abtraglich zu sein, werden die einzelncn Figuren
zum Zcichen ihrer wcchselseitigen Handlungsbezogcnheit fast durch-
wegs im reinen Profil gegeben; eine frontale Ausrichtung bleibt zur
Ganze dem Hintcrgrund iibcrlassen (Abb. 130).
Eine wichtigc Voraussctzung der ncuen Dramatisicrung dcr bildli-
chcn Erzahlung haben wir noch nicht erwahnt: den Rekurs der roma-
nischcn Malerci auf die zeitgenossische byzandnischc, die dircktc
Erbin dcr antiken Kunst, und auf die dort vor sich gegangene Erneue-
rung der christlichen Ikonographie. (Dieser Rekurs dcr romanischcn
Malerci hat cbenfalls schon Vorstufen in der ottonischen, ungefahr
vom Jahr 1000 an.) In dieser Hinsicht ist auch die romanische Kunst
cine Art Rcnaissanccbewcgung, allcrdings cine, die nicht durch Kon-
takt mit eincr abgestorbcncn Antike, sondem mit ciner noch lebendi-
gen zustandegckommen war. Die Grablcgungsminiatur dcs Albani-
Hi n tergrundstafe lung 189
195
Grablcgung Christi.
Albani-Psaltcr,
St. Albans, um 1119-1123
196
Grablegung Christi
(Detail einer Seite mit vier Szcncn).
Evangcliar, Konstantinopel,
2. Halftc 1 i.Jh.
Psalters (Abb. 195) setzt die Kenntnis dcr jiingsten ikonographischen
Neuerungcn der byzantinischcn Kunst voraus (Abb. 196), in der dcr
Akt der physischen Bcisctzung in eine ergreifende Totenklagc umge-
wandclt ist, deren Hohepunkt das Motiv der letzten Umarmung des
toten Sohncs durch Maria ist, jencs von der geistliehen Dichtung
schon friiher intonierten >Planctus Mariae<. Unter dem Impuls eines
neuen rcligioscn Sentiments, das ein Einfuhlcn in das Inncnlcbcn dcr
heiligen Personcn und ein Mitleiden mit ihnen verlangt, setzt eine
Revolutionierung der christlichen Kunst ein, die zuerst cine Humani-
sieruttg, zuletzt aber cine Verweltlichung zur Folge hatte, die schlicBlich
die Existcnz einer religiosen Kunst selbst in Frage stelltc. Dcnn sie
flihrte unerbittlich zur Vcrkorperlichung und das heibt Entzauberung
dcs Mysteriums. Wir wollcn dicscn EntwicklungsprozeB fortschrei-
tender Vergegenwartigung der Begebenheiten des Heilsgeschehens,
die ja doch der Hauptstoff rcligioscr Bildkunst waren, nur in einem
Aspckt verfolgen: eine Vergegenwartigung jener Vorfalle war nicht
moglich, ohne zur Frage ihrer Lokalisicrung Stellung zu nehmen,
ohne das Wann und besonders das Wo genaucr zu definieren; damit
wurde aber die Frage des Status des Bildes sowie jedes einzelnen
Bildelemcntcs als Tcil dcs Schmucks einer Buchscitc ncu aufgcrollt.
In dcr mittelalterlichen Buchmalerei hatte jedes Bildmotiv zwei Loy-
alitatcn. Es muBtc sich als Mitglicd der Flachenorganisation dcr Buch¬
scitc und zugleich als Bewohner irgcndcincs Szenariums ausweisen.
Als das lctzterc cinem VerraumlichungsprozeB unterworfen wurde,
war es unausbleiblich, dab die beiden Anspriichc in offenen Konflikt
miteinandcr gerieten.
г 90 Konjlikt Flache - Rawtt
уьД}'Л0);
197
Prophet Jesaias.
Jcsaias-Kommentar,
Normandie, Endc u.Jh.
Die Saat zu dicscm Konflikt, den ich den Kampf der bciden Ambiente
nennen mochtc, wurde schon in romanischer Zeit gelegt. Neben
der Hintcrgrundstafclung ist damals noch cine zweitc Form von
Tcktonisierung aufgctreten: die Szenen erhaltcn architektonische Hin-
tcrgrimdc, ein architcktonisches Szenarium, das aber nur zum gerin-
gen Teil als Lokalangabe dient, meistens die Funktion eincs Rhythmi-
sierungsbchclfs hat. Die Bildarchitekturcn sind dazu da, in der Figu-
renszene die richtigen Zasuren und Ligaturen zu markieren und so
den dramatischcn Sinn der Darstcllung zu verdeutlichen. In dcr Zeit,
in dcr die Architektur die fiihrcnde Kunst war, lag es nahe, von ihr
Formcln zur Gliedcrung dcr Buchscitc zu borgen. Hier haben wir ein
schones Beispiel dcr doppelten Loyalitat: ein architektonisches Motiv
kann als Lokalangabe ein innerbildlichcs Element sein, zuglcich aber
auch ein Teil einer architcktonischcn Musterung dcr Buchseite.
Architektonische Strukiuren 191
Allgcmcincrc Gultigkcit hat abcr cine zweitc Form der Tcktonisic-
rung der Buchseite /nit Hiifc archiecktonischer Efementc erfenge,
in dcr die Architcktur als Bildrahmcn auftritt, also auftcrhalb der
Darstellung befindlich. In eincr normannischen Handschrift cincs Je-
saias-Kommentars (Abb. 197) sieht man ini Titelbild den Propheten
in strenger Frontalitat untcr cincm Bogcn, der mit einer Fiille kompli-
zierter architektonischer Baldachinformen bedeekt ist. die aus einer
Masse von Tiirnicn, Bogengalericn, Dachern und einzclncn Motivcn
der Kirchenarcbitektur bestehen. Was damit vcrsinnbildlicht werden
soil, ist wohl weniger die Monumentalitat irgendeincr besonderen
Baustruktur als die Majcstat von Ecclesia als GencralbegrilT. Gclcgent-
lich waren architektonische Rahmenbildungcn auch in dcr angelsach-
sischen Malerci vorgekommen, nicht nur fur das gceignctc Thema
der Kanontafeln. sondern zum Beispiel auch fur die Umrahmung
von Evangelistcnportrats. Nirgends aber vvurdc der rahmende Bogcn
derart durch krbnendc Baldachinformen belastet wie in deni machti-
gen Uberbau dcr normannischen Miniatur von 1100. Feme Vorlaufer
dieses Typus von architektonischcn Rahnien lasscn sich bereits in
dcr karolingischcn Buchmalerci entdcckcn, etwa in der Bibel von
San Paolo fuori 1c mura (Abb. 198). Noch besitzen die karolingi-
schen Architekturmotivc - ein Konglomcrat von Dachcrn, Tiirmen
vmd Mauem - cVicr den Cbarakter eincs liber den Rahmcnbogen
crschcinenden fernen Stadtbildcs als den einer massiveii Ba/dac/iin-
198
’ : . ;d mil seinen Musikantcn.
n S.m Paolo fuori lc mura,
Reims (?), um 870-880
192 Konflikt Flache - Rauni
bckronung. Mit dcr Eliminierung dcr illusionistischen Wcrte in der
nachkarolingischcn Malcrci vcrlicrt die architektonische Fata Morgana
uber dem Arkadenbogen den Charakter der Fernsicht, jcdcr Teil der
Darstellung licgt nun innerhalb derselbcn Flache, auf dcr Buchscite.
Um die vieltiirmige Fassadenkomposition unscrer normannischen
Miniatur in die richtige historischc Pcrspcktive zu stellen, muB man
sic als Parallclphanomcn dcs homme-arcade-Motivs schcn, das geradc
damals in der friihromanischen Bauplastik seine Auferstchung fciertc
(Abb. 199). In dcr Bauplastik wird die mcnschlichc Figur vcrmittels
dcr Arkadc der Baumassc einvcrleibt, in dcr Buchmalcrei intcgricrt
die Eingebundenhcit in die Arkadc die Figur in die Buchscite. Die
vorgestellte Architcktur setzt die Buchseitc einem gebauten Raum
glcich, der wic die rcalc Architcktur Einzelfigurcn wie Szcnen bcher-
bergen kann. Wcnn es jetzt auf der Buchscite wicdcr ein Gravitieren
nach unten gibt, so darf die gerahmte Flache doch nicht mit einem
Bildraum vcrwechselt werden. Die Figuren sind vielmehr Architek-
turbewohner in dem Sinn, wie sie im Schriftvcrband gleichzeitig
Initialbewohner sein konnen.
Am Hohepunkt dcs Byzantinisierens, zur Zeit der groBcn Bibeln,
wie ctwa von Winchester (Abb. 147), tritt das Motiv dcr architcktoni-
schcn Rahmung stark in den Hintcrgrund, um dann bci dcr Konstitu-
icrung dcs gotischcn Stils in dcr Buchmalcrei - die bekanntlich hun-
dert Jahre spater als die Konstituierung des gotischen Stils in der
Plastik crfolgtc - emeut Bodcn zu gevvinnen. Wir haben bereits in
einem anderen Zusammcnhang von der Hypertrophic der Rahmung
gesprochen, die die erste groBc Bilderfolge der Pariser Gotik auszcich-
net, den Vollbildcrzyklus des Ludwig-Psalters (Farbtafcl xxvi). Jede
Miniatur ist durch einc Bordiirc eingefaBt, in der aber auch noch
cine architektonische Rahmung steckt. Dicse hat nic gcgenstandlichc
Bcdeutung, ist nicht Lokalangabc. Vcrlangt die Erzahlung eine Bau-
lichkeit, dann wird cben ein Dach uber das anderc gcstiilpt, anschci-
nend ohne daB der Kiinstler darin eine contradictio in adiccto gesehen
hatte. Inhaltlichcs und dekoratives Ambicntc waren hicr zwei ganz
verschicdcne Dingc.
Die architektonische Bekronung ist auf dicser Stilstufc einc bloBe
Vorlage, diinn wie cine Blendfassade oder eine oberflachlichc MaB-
wcrkglicdcrung. Auch dies ist cine Ubertragung von Strukturvcrhalt-
nissen der realen Architcktur auf die Formung dcr Buchseitc, die
Anwendung des Prinzips des diaphanen Wandrelicfs. Die Figuren
dcr hochgotischcn Miniaturcn lasten nicht auf dcr Buchflachc, sic
schwcben auf ihr (man vcrglcichc zum Bcispicl das Kanonbild des
Missalcs von Scnlis vom Anfang des I4.jahrhundcrts, Abb. 200).
Dcmentsprcchcnd sind sic von auBcrstcr Zarthcit, Schlankhcit, Ele-
ganz, atherisch. Dicselbc Kunst, die in der Plastik Gcstaltcn von
einzigartiger Monumentalitat schuf, hat in der Buchmalcrei ein
Figurcnformat des Diminutival, cinen Miniaturstil dcs Figurlichcn
cntwickelt. Das gilt aber hauptsachlich fur die franzosischc Gotik,
wedcr die englische noch die dcutsche Gotik hat den Sinn dieser
subtilen Unterscheidung crfaBt, in der Buchmalcrei bcidcr Lander
gibt cs nach wic vor groBformatigc Bildcr bzw. Figuren.
199
Engel, Chorumgangsrclief.
Toulouse. Saint-Scrnin,
Siidfrankrcich, um 1100
Architcktonische Strukturen 193
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200
Kanonbild.
Missale von Scnlis,
Paris, Anfang I4-Jh.
201
Majestas Domini.
Missale und Brevier
von Chalons-sur-Marnc
Ile-de-France, Anfang 14-Jh.
Eine spczifischc Eigentiimlichkcit dcr gotischen Miniaturmalcrci
Frankrcichs ist die Ornamcntalisicrung der Bildfcldform mittels von
der Architcktur cntlchnter Zicrformen, Vicrpassen und mcdaillonar-
tigen MaBwcrkinnenraumen (Abb. 200). Einc ganze Majcstaskompo-
sition kann einem vielgliedrigen MaBwerkgitter cingcschriebcn wer-
den (Abb. 201). Gold ist jetzt nicht mehr die bevorzugtc Hintergrund-
farbe, die Figuren erscheinen nun vielfach auf roten odcr blaucn
Mustcrflachen, ahnlich wic in dcr glcichzcitigcn Glasmalcrei, in dcr
ja iibrigens die diaphanen Strukturen ein besonders dankbares und
kongcniales Betatigungsfcld gefunden haben. Selbstvcrstandlich hat
das Buchformat sclbst die Tcndenz zum Kleincn, nicht nur in den
Taschenausgaben der in winzigen Buchstabcn geschricbcnen Univer-
sitatsbibcl, deren Pcrgament an Feinhcit dem Dunndruckpapicr mo-
derner Ausgabcn nicht nachstcht. Die Schwcrclosigkeit von Buchma-
lcrci und Malerciuntcrlage halten sich die Waagc.
Die Freiheit, die die ubergeordnete architcktonische Rahmung der
Spezifizicrung des Szenariums laBt, kann am schonsten in einem
der Hauptwcrkc der Pariser Buchmalerei des friihen I4.jahrhunderts
194 Koiiflikt Fldclie Raimi
commmmif les fomslr nofhrto
[mrfcloiirUifegtttla ©uit cc tome.
■ Ошшс labin mot арию.
ЯВ&^йштсит fliuimmftbir Inu
VnL- ** V^mifnam.
ЯЛяГ» & ^iwuiribifflOHiimmc
studiert werden, dem Bilderbuch dcr >Vic de St. Dcnis< der Biblio-
theque Nationalc in Paris. In ciner Predigtszene (Abb. 202) bringt der
Miniator cin ganzes Panorama von Paris in dem von Strebcpfcilern
gestiitzten Architekturkompartimcnt unter. Am FuB der Miniatur
flieBt das Wasser der Seine, dariiber steigt die turmcrcichc Stadt auf.
Und je hoher wir gehen, urn so groBer werden die Figuren. Die
MaBstabe sind der Bcdcutungspcrspektive entnommen, vom Stand-
punkt dcs Heiligen aus sind die Entfernungen bestimmt. Viellcicht
spielte noch ein anderer Faktor mit: indem der Malcr die schwereren
Figuren nach oben verlegte, sorgtc er fur cine gleichmaBigc Vertci-
lung dcr Akzentc liber die Bildflache, balanciertc cr unten und oben
aus. Wobci er noch die Hilfe der sechs aus den Bildrandern hervor-
wachscndcn Dornblattzweige hatte, gleichsam zur Vcrankerung auf
dcr Buchseite.
Die >Vic dc St. Dcnis< ist 1317 datiert. Inzwischen hatte sich aber
auf cinem anderen europaischcn Schauplatz ctvvas Umwalzcndes cr-
cignct, von dessen Folgen auch die nordische Buchmalerei nicht ver-
schont bleiben solltc. Es war in Italien zur Ncukonstituicrung dcs
Bildraums gckommen: mit Giotto war die Fordcrung aufgcstellt
worden, die Einzcldinge wie ihr gegenscitiges Vcrhaltnis als Tcil eines
drcidimcnsionalcn Kontinuums zu begreifen. die Topographic eines
zunachst noch schr begrenzten Bildraums als die primarc Ordnung
anzuschcn und die Bildebene - die bisher fur allc Bildordnung tonan-
gebend war - als Ort der Erscheinung des Dreidimensionalcn als
etwas Sekundares zu bchandeln. Der Umsclnvung hatte sich auf dem
Gebiet der Monumcntalkunst vollzogen. Die Anwendung dcr neuen
Lehrcn auf die Buchmalerei muBte zur Erschuttcrung der auf der
202
Predigt des Ы. Dionysius in Paris.
Leben des hi. Dionysius,
Paris, 1317
203
Vcrkiindigung.
Stundenbuch dcr Jeanne H.,
Konigui von Navarra,
Franzosisch (Pucclle-Werkstatt),
2. Viertel »4.Jh.
Architektonische Strukturen 195
204
GciBclung Christi und Christus vor Pilatus.
Missale, Schulc dcs Jean Pucclle,
Mitte 14-Jh.
uncingeschrankten, absoluten Zweidimensionalitat dcr Buchseitc ba-
sicrendcn Ordnung flihren. Damit aber begann die Existcnz dcr Buch-
malcrci als solchcr in Frage gcstcllt zu werden. Die Entschcidungcn
in diesem Konflikt ficlcn in Frankreich, wo die Gesetzlichkeit des
spczifischcn Buchscitcnambicntcs ihre reinste Ausbildung erfahren
hattc. <Italien hat ja nie odcr scltcn die Entwicklung dcr Buchmalerei
von ganzem Herzen mitgcmacht, nie cincn cigcnen Stil der Buchma-
lerci geschaffen.)
Eincs dcr bczcichncndstcn Symptomc dcs Konfliktcs ist die Tendenz
zur Verdinglichutig der architektonischen Rahtmmg; die ornamentalc Fas-
sung dcs Bildcs wird in cin drcidimcnsionalcs Objekt umgewertet und
die Grenzen zwischcn architcktonischer Rahmung und Lokalangabc
werden vcrwischt. Vicr Bcispielc, die ich allc aus deni Wcrk dcs Jean
Pucclle und seines Umkrciscs nehme, jenes Pariscr Kiinstlcrs, der im
zweiten Viertel des I4.jahrhunderts die Botschaft des neuen giottes-
ken Evangeliums nach Frankrcich gebracht hat. Im ersten Beispicl
(FarbtaFel xxviii) setzt sich das Bildfeld mit Fialcn gegen die Hohc,
mit Strcbcpfeilern gegen den Scitcnrand ab und ruht auf eincr Platt-
form, wird aber auBcrdem noch von Drolcricgcschopfen wic von
Karyatiden getragen. Das Bild hat Schwcrc bekommen, wird als
etwas Lastcndcs vorgcstcllt. Im zweiten Beispicl (Abb. 203) ist dcr
dekorative Rahmcn zum Haus ausstafficrt, in dem sich die Verkundi-
gungsszcnc abspielt. Rahmcn und Ortsangabc sind cins. Im dritten
Beispicl (Abb. 204) wird dcr Rahmen gcrusthaft verdinglicht, um
glcichsam auf verschicdcnen Stockwcrken Spielbiihnen flir die Auf-
flihrung mehrerer Episodcn (GeiBelung und Christus vor Pilatus)
zu gewinnen. Im vierten Beispicl (Farbtafcl xxix) wird die flache
i c/) Kotiflikt FLiilit' - Riium
20 S
Majestas Domini.
Tres belles heurcs
des Herzogs von Berry,
Jaequemart de Hesdin.
Anfang 15-Jh.
Rahmung mitsamt ihrer inncrbildlicbcn Parzcllicrung zur Vordcrscitc
eines Goldschmiedewcrkcs, eines Schreins, der eben vorne mit cincr
Darstcllung der Majcstas Domini gcschmiickt ist. Gcgcnstand der
Miniatur ist nicht die Majcstas-Vision direkt, sondern ein mit dieser
verziertes Kultobjekt. Die dem Thema inharentc Frontalitat kommt
nicht durch eine zweidimensionale Gliedcrung der Buchscite zu-
stande, sondern weil wir die Vordcrscitc eines dreidimensionalcn Ge-
bildes zu schen bekommen. Damit ist unversehens die Frontalitat der
Komposition als etwas Archaisches deklariert.
Es ist besonders instruktiv, an diesem mctaphysischcn Thema, des-
sen bildliche Organisation schon in karolingischer Zeit zu cincr festen
Formel geworden war, die zah weiter lebte. die Entwicklung bis
zu dem Punkt zu verfolgcn, wo der metaphysischc Himmel dem
physischen gleichgcsctzt wird, die Theophanie also wieder in die
Wolkcnhohen steigt, aus dcr sie vor grauen Zeiten gekommen war.
Architektonische Strukturen 197
206
Vorzeichnung einer
Majcstas Domini.
Tres belles heures
des Herzogs von Berry,
Franzosisch, Ende 14.JI1.
In einem der mit hochstem Luxus ausgestatteten Stundenbiicher des
Herzogs von Berry, eines der groGtcn Bibliophilcn und Mazcnc, gibt
es eine Majcstasminiatur (Abb. 205), die keinerlci architektonische
Rahmung und auch nicht die iibliche Feldcrparzellicrung aufwcist.
Abcr was wir heute sehen, war nicht urspriinglich so gcplant. Auf der
Riickscite scheint die traditionelle gotische Rautcncinteilung durch
(Abb. 206), die offenbar vom Planer dcr Bilderscrie, die urn 1400
entstanden ist, vorgesehen war. Der ausflihrende Miniator, der bercits
einer jiingcrcn Generation angchorte, konntc mit dem alten Rauten-
mustcr nichts mehr anfangen und iibcrmalte das ganze Bildfeld in
Blau - die blauc Luft, in dcr der Allmachtige von einer feurigen
Engclsgloriole getragen schwebt. Von den Symbolwesen sctztc er die
gefliigelten sinnvollerweise in die Luft, den VicrfiiBern abcr breitetc
cr cin Stuck Erde unter die FiiBe. Das Bildfeld ist wieder imaginarer
Raum, der von der Erde bis in den Himmel reicht.
198 Kotiflikt Flachc - Raum
207
Totenmcsse.
Stundcnbuch. Meister dcs
Marcchal dc Boiuicaut.
1. Vicrtcl 15-Jh.
Wir stehen an cincr Zcitenwendc. Als das Bildfcld zum Bildraum
wurdc, dcr Bildrahmcn cin Gehausc fur die Figure», die es bcwohn-
ten, vcrwandclte sich die Flache dazwischen in cine Offnung, durch
die man in cine Tide blickcn konnte, hinter die Buchseite, wic in
cinen Guckkasten, dessen Vorhang beiseite gcschoben wordcn war.
Dcr Einbruch in die Buchseite schuf einen Hohlraum, cinen Innen-
raum. Hier lag einc der Wurzeln der Fntstchung des echten Intcrieur-
bildcs, zu dessen Illusion es gchort, dab in ihm nur sichtbar wird, was
innerhalb dcr vier Wiinde crblickt werdcn kann. Dicscr modernen
Konzeption standcn noch Cbcrbleibsel altcrer Vorstellungsgewohn-
heiten im Wcge. Noch wirkte im Norden die Trecento-Vorstcllung
nach, derzufolgc cin Innenraum als AuBenansicht mit geoffnetcr Vor-
dcrscite wiedergcgcbcn zu werdcn pflegtc (Abb. 207). Man konnte
lange die Ganzhcitsvorstellung des Baublocks nicht aufgeben, auch
wenn es nur auf das Innere ankam. In dcr nordischen Buchmalerei
klammcrte man sich aber an das Stuck AuBenbau, das den Einblick
ins Innere umfaBtc, noch aus eineni anderen Grunde. In ihm hatte
Auflrecheu des Raumkon/Ukts 199
man noch cincn lctztcn Rest jcncr dekorativen Rahmung, dercn
Funktion cs war, das raumhaltigc Bild in die Ebcnc dcr Buchseite
einzubindcn. <Und so wird man auf diescr Entwicklungsstufe, am
Anfang des is.Jahrhunderts, wenige Darstellungen von Raumlich-
keiten findcn, die nicht, auch wcnn sie einen Innenraum wicdcrgebcn
wollen, diese Bogenoffnung von auficn zcigen; sie ist cigentlich nur
verdinglichtc Form des alten dekorativen Rahmcns.)
Ein gcnialcr Kiinstlcr, einer der Briidcr van Eyck, hat Mittcl und
Wege gefunden, auch diesen lctzten Rest konventioneller Form vom
neuen Raumbild absorbicrcn zu lasscn. In der Totcnmcssc des Turincr
Stundenbuches (Abb. 208) gibt cr vor, die Messc findc im Chor einer
Kirche statt, dercn Transept noch im Bau bcfindlich sei. Infolgcdesscn
schcn wir zwar ein Bruchstiick einer Kirche, aber doch allcs, was da
war - die Annahme einer unfcrtigcn Kirche gcstattet ohne Vcrlctzung
208
Totenmcsse.
Turincr Stundcnbuch,
Mcister des Turincr Gebetbuchs
(Flandcrn). a.Jahrzchnt 15.Jh.
£a mdlc
ц tucn? сшuftidM •• 1 a inCfiR
pip№<Ui№>: tS.
itaemOor ttnbnvmm иштт il* <
200 Konflikt Flache - Raimi
der Anschauungslogik simultan Inncn- und AuBcnansicht. Dcr Kiinst-
lcr trcibt das Spiel mit dcr Illusion noch writer und laBt den Bau iibcr
eincn cinfachen Bildrahmcn, eine kleinc goldenc Leiste, hinaus in die
Hohe rcichen. Die Schnittflachcn dcr Gewolbe geben die vordcrc
Bildgrcnze als Durchschnitt aus, die Oberschncidung durch den Bild-
rahmen definiert die Darstellung als Ausschnitt. So ist inncrhalb des
Rahmcns das Innere, auBcrhalb das AuBcre des Baus zu schcn. Es ist
nicht ganz klar, ob die Illusion beabsichtigt ist, das cine liege vor, das
andcrc hinter der Bildcbenc, bzw. Buchseitc.
Der Durchblick durch die Buchseite, wie genial auch immer moti-
viert, bedeutete, daB das Buch von nun an das Bild als Fremdkorper in
sich bcherbergte, auf dessen Gestaltung es kcinerlci Wirkung mchr
hattc. Mit Miih und Not versuchtcn einige Miniatoren durch naturali-
stisch verlebcndigtc Rankcnbordiircn zwischcn der Drcidimensiona-
litat dcs Bildraums und dcr Ebcne der Buchseitc zu vermittcln, wah-
rend andere glcichzeitige Miniatoren die Rahmcnbordurc dcrart
umzugestalten trachteten, daB sic in Einklang mit der neuen
Raumauffassung gcbracht werden konnte. Die Krisc dcr Buchkunst
war in ein akutes Stadium getreten. Jedc der drei Krafte, in deren
Zusammcnarbeit cine illuminiertc Handschrift entstand - dcr Buch-
malcr, dcr Schreibcr und dcr Dckoratcur, der zwischen beiden eine
Mittclstellung einnahm (dcr >cnlumineur< in der franzosischen Tcrmi-
nologie der Zcit, die ihn vom >historieur<, dem Malcr dcr cigentlichcn
Buchbilder, untcrschied) - jeder der drei hatte ein ganz anderes Ver-
haltnis zur Buchseitc: Schauen und Lescn waren zwei wesensmaBig
verschicdenc Aktivitaten geworden, seit dcr wanderndc Blick dem
sdllgelcgten, unbeweglieh fixierten gewichcn, die Werkunterlagc cin-
mal optischc, das andere Mai rcalc Ebcne war. Es hat nicht an Versu-
chen gcfehlt, eincn Modus vivendi zu finden, und einige Male ist
cs auch im i5.Jahrhundcrt gclungen, durch ingenios ausgedachte
Illusionsverfahrcn genuine Buchmalcrei zu schaffcn, d.h. Malcrcicn,
die nicht Tafelbildimitationen waren, sondern eine cigenc, aus den
spezifischcn Existenzbcdingungcn ihres Mediums entwickcltc Ord-
nung besaBen. Die Namen Fouquet in Frankreich, Meister der Maria
von Burgund in den Nicderlanden61 bezcichnen die Gipfclpunkte
dieser letzten Bliitezeit der abendlandischcn Buchmalerei.
In beiden Fallen ist der tiefere Grund dcs Gelingcns dcr, daB erstens
ein gemcinsames System der Organisation, cin gemcinsamcr Ncnncr
fur Bild, Ornament und Schrift gefunden wurde, und zweitens, daB
dcr Ort der gemeinsamcn Oricnticrung wieder die Obcrfliichc dcr
Buchseitc war. Der Meister der Maria von Burgund begann das
Wcrk der Rcgcncricrung dcr Buchmalerei mit eincr Aufwcrtung dcr
Randzone. Er will den Rahmcn als Nahzonc verstanden wissen, von
dem aus wir wie durch cin Fenstcr in den Kirchcnraum, ein Interieur
odcr auch in eine feme Landschaft blicken. Bild und Bordiirc, die
ganze Buchseite, sind in eincr Perspcktivc erfaBt (Farbtafel xxxi). In
dcr Bordiire wird die reale Flache des Buches wicdcrhcrgcstcllt; in
einem kunstvollen Spiel optischer Illusion wird vorgegeben, daB auf
dcr Buchflachc Blumcn, Juwclcn, Muscheln oder andcrc hiibschc
Dinge ausgestreut sind; es sind die sogenannten Trompe-l’oeil-Rah-
Auflfrecheti ties Raunikonflikts 201
209
Szenen aus dcr Passion Christi.
Meistcr der Maria von Burgund
(Brugge), um 1490
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mungen. Nun ist die Ebcne dcr Buchscite die Barriere zwischen zwei
Riiumen, dem imaginaren des Bildes hinter dcr Seite und dem als real
vorgctauschten vor ihr.
Wie aber stcht es mit der Schrift? Sie ist als Inscl an der Scheidcwand
dcr Raumc zuriickgebliebcn. Es gibt bei dicsem Mcister aber noch
eine andere Art, das Verhaltnis von Bild und Schrift zu harinonisieren.
Und die ist noch bezcichncnder fur die historische Lage der Buchkunst
dieser Spiitzcit. Das Bild und scin Raum iibersiedelt in die Randzone,
und in ihrer Mitte, als Untcrbrechung, erschcint ein Blatt Schrift, wie
cin Plakat in der Luft schwebend, oft auch mit Schniircn befestigt
(Abb. 209). Jetzt ist auch die Schrift Teil cines geschauten Raums.
Nun ist die Randzonc fern von uns, die Mitte mit dcr Schrift nahe,
damit wir sic lesen konnen. Wenn friiher, im Mittelalter, die Schrift-
seite cin Bild enthielt, so jetzt das Bild ein Stuck Schrift. Das Bild hat
liber die Schrift triumphiert.
202 KonJJikt Flache - Raum
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/
210
Titelscitc von Band n
der Wcrke von Aristotdes.
Venedig (Girolamo da Cremona
oder Jacometto Veneziano).
Druck von Andreas Torresanus,
Venedig, 1483
Es gibt cine Parallele zu dicscn nicderlandischcn Buchbildern in der
vcnezianischcn Buchmalcrei, und zwar cine vollig glcichzeitige. In
ciner diesmal schon gcdrucktcn Aristotclcsausgabc sehen wir die sie-
ben Wciscn der antiken, ostlichen und abendlandischen Welt auf dem
Balkon eincs mehrstockigcn Gebaudes stehen, an dessen Gcsims die
erste Seitc der Metaphysik angchcftet ist (Abb. 210). Eine Variante
dieser Formidee ziert die Anfangsseite des ersten Bandes der Aus-
gabe (Farbtafel xxxii). Das Blatt schcint zerfetzt und zerrissen zu scin
und gibt uns so den Blick in die Bildraumc dahinter frei. Wir konnen
diese geistrciche Schopfung symbolisch nehmen, nicht nur dieses Blatt
droht zu zcrfallen, die Tagc der Buchmalerei sclbst waren gczahlt.
Anhang
Anmerkungen
1 Gemcint ist Propylaen-Kunstgeschichte Band vi, M. Hautt-
mann, Die Kunst dcs friihen Mittclaltcrs, Berlin 1929.
2 (Eine noch krassere Darstellung findet sich im Bild der Kreu-
zigung dcs Psalters dcs hi. Ludwig (Paris, Bibliothequc de
Г Arsenal, Ms. 1186, f. 24 т), in dem nicht nur Johannes, son-
dem auch Maria sclbst ein Buch halt.) (Abb. in: H. Martin -
Ph. Lauer, Lcs principaux manuscrits a pcintures de la Biblio-
thcque de l’Arsenal a Paris, Paris 1929, Tatcl viii).
3 (Es handclt sich um einen italienischen Codex dcs
b.Jahrhunderts, also aus dcr Zeit der Missionstatigkeit des
Augustinus.)
4 Die Subskription ist schon von einem altcrcn Codex kopiert.
Sie lautet dahingehend, daB Columban zwolf Tage fur die
Nicdcrschrift bcnotigt habc (E. H. Zimmermann, Vorkarolin-
gische Miniaturen, Berlin 1916, S. 231).
5 Flann Mac Maclsechnaill, Konig von Irland, lieB zu Beginn
des lo.jahrhundcrts fur das Book of Durrow einen Schrcin
anferdgen, der um 1690 in der Bibliothek des Trinity College,
Dublin, verlorcnging.
6 Vgl. dazu: Irischc Kunst aus drei Jahrtausendcn. Thesaurus
Hiberniac. Ausstellung Koln und Berlin 1983, Kat.Nr. 7$.
Weitere Buchreliquiarc cbenda, Kat.Nr. 76 und 83.
7 Reflcxc solcher Darstcllungen, in denen Rollc und Codex
gleichzeitig gehandhabt werdcn, tauchen noch oftcr in der
abendlandischen Buchmalcrci auf. Als ein Beispiel unter viclen
sei der um 800 in Salzburg entstandene Codex millcnarius
(Abb. 35) crwahnt.
8 (Ein anders gcartetes Dokument besitzen wir in der Notitia
dignitatum - einer Art Staatshandbuch aus spatromischcr Zeit
- in der als Amtszeichen des Magister scriniorum (Kanzlcivor-
stand) Rollenbiindel und zuglcich auch Codices dargcstcllt
sind. Vgl. die Abbildung nach f. 3 r dcr Kopie in Cambridge
bei F. Wormald - Ph. M. Giles, A descriptive catalogue of the
Additional illuminated Manuscripts in the Fitzwilliam Mu¬
seum, Cambridge 1982, Bd. 2, Abb. 76. (Die Notitia dignita¬
tum ist nur in spatmittelalterlichen Kopien erhalten, die ihrer-
scits auf eine im i7.Jahrhundcrt vcrlorengegangene karolingi-
schc Kopie zuriickgchcn.))
9 (Die alteste dcrartige Rolle, die noch erhalten und sogar noch
in Gebrauch ist, befindet sich bei den Samaritancrn in Nablus
in Palastina; abgebildct in: Bibel-Lexikon, Hrsg. H. Haag,
Einsicdeln 1951, Tafel vn.)
10 Der Utrccht-Psalter ist Endc des ersten Jahrtauscnds nach Eng¬
land gewandert. AuBcr den beiden erwahnten Kopien wurdc
dort um 1200 noch eine dritte angefertigt (Paris, Bibliothequc
Nationale, Ms. lat. 8846). Im Jahr 1716 kam dcr Psalter nach
Utrecht.
11 (Der Oxforder Pap. gr. Oxy. 2331, der drei Skizzen von
Heraklestaten enthalt, wurdc von K. Wcitzmann als bcdcuten-
des Fragment einer umfangreichen illustrierten Rollc gewer-
tet, von anderen Forschcrn hingegen lediglieh als kleines satiri-
sches Poem betrachtet.) (K. Weitzmann, The Oxyrhynchus
Papyri xxn, 1954, S. 85 ff., Tafel xi. - P. Maas, The
TPYAAOZ Papyrus, in: Greece and Rome, n.Serie, Bd.v,
Nr. 2 (Okt. 1958), S. 171 ff.)
12 Der Autor bczicht sich hier auf den von Alois Riegl (Spatrb-
mische Kunstindustrie, Wien 1901) gepragten Begriff de»
>Kunstwollcns<. Vgl. dazu auch O. Pacht, Methodisches zur
kunsthistorischen Praxis, hrsg. v. Jorg Oberhaidacher, Artur
Rosenauer u. Gertraut Schikola, Miinchen 1977, S. 242, 2\;
und 292.
13 (Ein besonderer Aspekt ist die Ubersetzung dcr Kostume -
die auch nicht mehr verstanden werdcn - in die der eigener.
Zeit, ein ModernisierungsprozeB, der in der gesamten mittel-
altcrlichen Kunst permanent stattgefunden hat.)
14 K. Wcitzmann, Ancient Book Illumination, Cambridge
(Mass.) 1959. - Derselbc, Illustrations in Roll and Codex. A
Study of the Origin and Method of Text Illumination, Prince¬
ton 1970 (2. Auflagc).
1$ F. Wickhoff, Romische Kunst (Die Wiener Genesis), Beri::.
1912, S. 199 ff.
16 Der Ikonoklasmus des ostliehen Mittclmccrraumcs wurdc ::
dcr Synodc von Hiereia 754 thcologisch begriindet.
17 In den typologischen Bildpaaren odcr Bildserien von Armer-
bibcl (BibliaNpauperum) und Hcilsspicgel (Speculum humane
salvationis) tut sich cine spezifisch mittelalterliche Denkwei'-
kund, die - durch ein Christuswort gleichsam autorisiert (\-g.
P. Durrieu, Les prefigures de la passion, in: Revue de Гаг:
chrcticn lx (1910), S. 67-69) - im Laufe der Zeit zu cine::
umfassenden, die gesamte Hcilige Schrift ubcrgrcifcndcn S\-
stem ausgearbeitet wurde.
18 Vita magna s. Hugonis episcopi Lincolniensis, auct. Ada::
abbate, lib. 2, cap. 13, p. 92: ... Promisit [Henricus n. re\
etiam unam bibliothecam, utriusque testamenti corpus integr.
continentcm, se transmissurum ei. Rcdiit prior [Hugo] d. -
mum. Rex promissi sui non immemor, inquirit solicitc bibln -
thecam optime confcctam, quam ei conferre potuisset. Suggc-
ritur demum studiosius quacrcnti monachos s. Swithuni [ Wi:.-
toniac] egregiam recenti et decenti opere confeci^.
bibliothecam, in qua ad mensam edentium jratrum legi debuts.4 ■
(O. Lehmann-Brockhaus, Lateinischc Schriftquellcn zu*
Kunst in England, Wales und Schottland vom Jahre 901 b:
zum Jahrc 1307, Bd. 2, Miinchen 1956, S. 681, Nr. 4828).
19 (Der Lowe und nicht dcr Adler ist hier - cntsprechcnd cL-
vor Hieronymus geltenden Zuordnung - das Symbol da
Johannes.)
20 (Fur die vier Evangelien gab cs in dcr Spatantike auch gemeiu-
same Titel, die vor den Kanontafeln cingcfiigt wurden, vu
z. B. im Codex purpurcus Rossanensis, mit den vier Evangcl:-
sten in Medaillonform (Abb. xviii bei K. Weitzmann, Spa:-
antike und fruhchristlichc Buchmalerci, Miinchen 1977). \Y:*
haben in friihen abendlandischen Handschriften einen Refit-*
dieses Brauches: Das Book of Kells z. B. vereinigt auf ff. 2" .
und 129 V die vier Evangclistcnsymbole wie der spatantik.
Codex die vier Evangclistcnbilder (Farbabbildungen in: Ir>
schc Kunst aus drei Jahrtausenden. Thesaurus Hibcrniae. Au—
stcllung Koln und Berlin 1983, S. 10, 11). Spater sind solch.
gemcinsame Titel (Tetraevangeliar-Bebildcrungcn) schr scht-
zu finden.)
Anmerkungen 205
21 <Ab dem 1 i.Jahrhundert wurden Schrift und Bild in den
Exultet-Rollcn nicht mchr gleichlaufcnd, sondem in cinander
entgegengesetzter Richtung angeordnet, d.h. die Schrift stcht
auf dem Kopf, wenn man das Bild ansieht, und umgekchrt.
Die vor dem Ambo versammclte Gemeindc konnte so die
Illustrationcn >richtig< schcn, wenn dcr Diakon bcim Lescn die
Rolle iiber das Lesepult hcrabgleiten licB.)
22 <Dicse Gleichung findct sich auch in einem karolingischcn
Sakramcntarfragment (Paris, Bibliothcquc Nationale, Ms. Iat.
1141, f. 6v). In dcrselben Handschrift ist unseres Wissens erst-
mals auch beim Prafationszeichen der Schritt vom rein dekora-
tiven Buchstaben zum Bild gemacht worden (f. 5r).) Farbab-
bildungen in: F. Miitherich, Karolingische Buchmalerci, Miin-
chcn 1976, Tafeln 33 und 34.
23 Innocent» »i Papae De Sacro Altaris mysterio libri sex, lib. Ш,
caput h; De his quorum memoria colitur in secrcta (Patrologia
Latina 217, 840/841), im vollen Wortlaut: Propter quod inter
praefationem et canonem in plerisquc sacramentariis imago
Christi depingitur, ut non solum intellcctus litterac, vero ctiam
aspectus picturae memoriam Dominicae passionis inspiret. Et
forte divina factum cst providenda, licet humana non sit indu-
stria procuratum, ut ab ea littera T canon inciperct, quae sui
forma signum crucis ostendit et exprimit in Figura. T namque
mystcrium crucis insinuat dicente dominc per prophetam:
Signa Thau in frondbus virorum dolcntium et gemendum
(Ezech. ix).
24 Joannes Bclethus Theologus parisiensis Rationale Divinorum
ofTiciorum Cap. xl»i, De sccunda parte missae (Patrologia
Latina 202, 53): Invenitur autem ibi quaedam figurae ad simili-
tudinem nostrorum delta, D scilicet undique clausum, quod
in parte praecendenti V nostrum complectitur, quod in sum-
mitatc apertum est, in quorum parte medio tractulus per trans-
versum ducitur, utramque in modum crucis partem copulans.
Quod quidem non sine causa factum est. Per delta enim circu-
lariter clausum, divina figuratur natura, quae nec principium
nee fmem habuit. Per V exprimitur humana Christi natura,
quae principium in Virginc habuit, sed fine carebit. At vero
tractulus in medio utramque partem conjungens, crux est per
quam humana sociantur divinis.
25 Guilelmus Durandus, Rationale Divinorum OfFiciorum, Lib.
пн, Cap. xxxiii, De praefadone (lo. Bapt. Buysson, Lyon,
1592, 278): ... Idco ergo hacc figura in praefationis principio
ponitur, quia per mystcrium unionis & domini passionis pacifi-
cantur homines angclis, & sociatur humana divinis, in praeco-
nia Salvatoris. ...
26 Abbildungen u.a. bci L. A. Doumovo, Miniatures armcnicn-
ncs, Erewan 1967, Tafeln 51, 60, 63, 74.
27 J. Strzygowski, Der Dom zu Aachen und seine Entstcllung.
Ein kunstwissenschaftlicher Protest, Leipzig 1904, S. 53 f. Die
Frage des Zusammenhangs zwischcn den westlichen und den
ostliehen Fisch- und Vogclbuchstaben wird von C. Norden-
falk. Die spatantiken Zierbuchstabcn, Stockholm 1970,
S. 202 fF. zusammenfassend crortert.
28 <Z. B. die dcr 1476 datierten Kennicott-Bibcl (Oxford, Bod¬
leian Library, Ms. Kennicott 1, f. 447 т), Abb. ix bei J. Gut-
mann, Buchmalerei in hebraischen Handschriftcn, Miinchcn
1978)) vgl. ebenda auch Farbtafel 10, Bibel aus Ccrvcra,
Spanien, 1300; Lissabon, Bibliotcca Nacional, Ms. 72. f. 449 г.
Bei beiden Bcispiclen handelt es sich um ein Kiinstlcrko-
lophon.
29 <Eine Scitenlinie diescr Initialform, die sogenannte gymnasti-
sche Initialc, in der der Buchstabenschaft das Rankenge-
schlingc vertritt (Abb. 139), solltc spater groBe Bedcutung
crlangcn (siehe Seite I34ff.).)
30 Vgl. auch Rouen, Bibliothcquc municipalc, Ms. 456 (Psalmen-
Kommcntar dcs hi. Augustinus), f. 1 r, abgcbildet in: J.J.G.
Alexander, Initialen aus groBen Handschriften, Miinchcn
1978, S. 16, Abb. x.
31 O. P'acht - C.R. Dodwell - F. Wormald, The St. Albans
Psalter (Albani Psalter), London i960.
32 p. 68, Aliud est picturam adorare, aliud per picture historiam
quid sit adorandum addiscere ...
Grcgorii I papae Registrum Epistolarum tom. 11 (Monumcnta
Germaniac historica, Berlin 1895) 269 fF. (Lib. xi, Ер. хш:
Gregorius Sereno cpiscopo Massiliensi).
33 <Manche Folianten sind zu schwcr, um von einem Mann
getragen zu werden; dcr Codex Gigas in Stockholm, Kungliga
Bibliotcket, Ms. A. 148.309 (bohmisch um 1200-1225), muB
von drei M'annem transportiert werden.) - Gyllene Bocker,
Illumincradc medcltida handskrifter i dansk och svensk ago,
Stockholm 1952, Kat.Nr. 27.
34 Michaelbeuren, Stiftsbibliothek, Cod. perg. 1, z.Viertel
i2.Jahrhundert. - W. Cahn, Die Bibel in der Romanik, Miin-
chen4i982, Kat.Nr. 14, Abb. 113-116.
35 <Einer dicser byzantinisches Formvokabular vermittclnden
Kanalc war die leicht transportierbare Klcinkunst, ein andcrcr
die Autopsie von Monumcntalkunst, namentlich dcr stark
byzantinisicrenden des damals normannischen Sizilien.)
36 Oxford, Bodleian Library, Ms. Auct. F.2.13, um die Mitte des
i2.Jahrhunderts in dcr Abtei St. Albans entstanden. - С. M.
KaufFmann, Romanesque Manuscripts 1066-1190, London
1975, S. 17, 102, Abb. 198-202.
37 <Das friihestc Vorkommcn von Gold in dcr Buchmalerei
findet sich in einem insularen Purpurcodex, dem Codex aureus
aus Christ Church, Canterbury, der um die Mitte des
S.Jahrhunderts anzusetzen ist.) - Stockholm, Kungliga Bi-
blioteket, Ms. A. 135, abgcbildet u.a. bci C. Nordenfalk, Insu-
larc Buchmalerei. Illuminierte Handschriften der Britischcn
Inscln 600-800, Miinchcn 1977, S. 96-107.
38 <Dic Chrysographic im Sinne von Goldschrift kommt in der
karolingischen Zcit vor - mit Analogiecrschcinungen in der in
Gold ausgefiihrtcn Omamentik, u.a. im Drogo-Sakramentar
(Farbtafel xii) oder im Dagulf-Psalter (Farbtafel vui, ix), sowie
in dcr frankosachsischen Schule.)
39 Dante, Divina Commcdia, Purgatorio, xi.Gesang, Vers 80 f.
40 Fiir die Kanontafeln - von Eusebius von Caesarea (gest. 339/
340) aufgestclltc Konkordanztafcln zu den Evangclicn - sind
seit dem 6.Jahrhundert Zicrrahmcn in Form von Arkadenstcl-
lungen bclegt. - C. Nordenfalk, Die spatantiken Kanontafeln,
Goteborg 1938.
41 Schrifttafclrahmungcn, die christlichc Symbole (Kreuz, Taube
usw.) cinschlieBcn, fmden sich u. a. auf den beiden Titclblattcm
von Cod. 847, Osterrcichische Nationalbibliothek, f. 1 г Titcl-
blatt zu Eusebius und f. 7 г Titelblatt zu Rufmus Aquilejensis,
in Ravenna im 6.Jahrhundcrt entstanden. - H.J. Hermann,
Die illuminierten Handschriften und Inkunabeln der National¬
bibliothek in Wien, Bd.i, Leipzig 1923, S. 39-42, Tafcl vn, x.
соб Anmerkungen
4.2 Oxford, Bodleian Library, Ms. Canon. Class. Lat. 161, Soli-
nus, Polystoria, Titclblatt, von Leonardo Bellini oder seinem
Krcis, in Padua (?) 1457 cntstanden. - O. Pacht, Notes and
Observations on the Origin of Humanistic Book-Decoration,
in: Fritz Saxl 1890-1948. A Volume of Memorial Essays. Hrsg.
D.J. Gordon, London 1957, S. 184-194. - O. Pacht - J.J.G.
Alexander, Illuminated Manuscripts in the Bodleian Library
Oxford, Bd. 2, Italian School, Oxford 1970, Nr. 603, Tafel
lvii, mit weiteren Literaturangabcn. Einen Uberblick iiber die
Gestaltung von Titclseiten humanistischcn Ursprungs bringt
M. Corbett, The Architectural Title-Page, in: Motif xn (1964),
49-62.
4.3 Die Buchillustration im i8.Jahrhundcrt. Colloquium dcr Ar-
beitsstclle i8.Jahrhundert, Gesamthochschule Wuppertal,
Heidelberg 1980, Abb. auf den Seiten 81, 82, 241.
4.4 Piranesis Titelblatt zur >Prima parte di architctture e prospet-
tive<, l.Auflage aus dem Jahr 1743, abgebildct u.a. bei C.
Bertelli, Piranesi. Incisioni, rame, legature, architctture, Vene-
dig 1978, Abb. 31, 32.
4 s Clavis physicac von Honorius Augustodunensis, Paris, Biblio-
theque Nationale, Ms. lat. 6734: M.T. d’Alvcmy, Le cosmos
symbolique du XIIе siccle, in: Archives d’histoirc doctrinale et
litterairc du moyen-age 28 (1954), S. 31-83. - J. Zahltcn,
Creatio mundi. Darstellungcn der scchs Schopfungstage und
naturwissenschaftliches Weltbild im Mittclaltcr. Stuttgarter
Bcitrage zur Geschichte und Politik 13 (1979), Abb. 278.
46 H. Liebeschiitz, Das allegorische Weltbild der heiligen Hilde-
gard von Bingen, Lcipzig-Berlin 1930, S. 12, Anm. 1.
4- H. Liebeschiitz, a. a. O., S. 12.
4S H. Liebeschiitz, a.a.O., S. 13.
.19 (Die mozarabischc Kunst entstand zur selben Zeit wie die
neuc, d.h. romanische Monumentalskulptur, die gerade in
Silos Hauptdcnkmaler hervorbrachte. Vorkarolingisches in
der Buchmalerci und Romanisches in der Plastik stoBen hicr
zusammen.)
(Die bedeutendsten Apokalypsendarstcllungcn dcs i3.Jahr-
hunderts sind in England entstanden, im I4.jahrhundert wird
es von Frankreich abgelost und im i5.Jahrhundert ist Deut¬
schland auf dem Gebiet dcr Apokalypsenillustration flihrend,
bis hin zu Albrecht Diirers Holzschnittfolge.)
<1 (In den ikonographischen Handbiichern wird zwischen alt-
und neutestamcntarischen Themenkreisen und dann vielleicht
noch solchen aus dem profanen Bereich unterschieden. Fiir
einc Analyse der bildlichen Erzahlweise jedoch waren noch
andere Gruppierungen wichtig, namlich die in religiose Prosa
und religiose Poesie. Letztere erfordert natiirlich andere Er-
zahl- und Darstcllungsweisen als die Wiedergabe von Ereig-
nissen der Geschichte oder der Heiligenlegenden. Vor allem
hnd es drei litcrarische Stoffe, die das Mittelalter am starksten
inspiriert haben: die Apokalypse, die Psychomachie (hier nicht
besprochen) und der Psalter.)
<2 Pieter Brueghel, Die niederlandischcn Sprichworter. Berlin,
Staatlichc Museen PreuBischer Kulturbesitz, Inv. 1720, be-
zeichnet unten rcchts bruegel 1559. - F. Grossmann, Pieter
Breughel, Koln 1966, Abb. 161.
53 (Es sind keine sehr guten Bcispicle erhalten. Dcr Utrccht-
Psalter ist mit ein Zeuge dieser verlorcngegangcncn bzyantini-
schcn Tradition.)
54 (Da es sich um Wortillustrationcn handelt, ist natiirlich die
Textunterlage von entscheidender Bedeutung. Die Texte sine
jedoch meist nicht wortlich iibersetzt worden; was in der
deutschen Ubcrsctzung steht, paBt oft nicht zur latcinischen
Fassung, diesc kann wiederum anders scin als die griechische
Man konnte die textlichc Grundlage Fiir den karolingischer.
Psalter lediglich so weit prazisieren, daB nicht nur die Hierony-
mus-Ubersetzung, sondern auch noch eine andere, vorhiero-
nymische Fassung als Quelle nachgcwiesen wurde (die Illustra-
tionen geben keinen Sinn, wenn man sie allein auf die Hiero-
nymus-Ubcrsetzung bezieht). Die textliche Vorlage war
wahrscheinlich ein Psalterium duplex.)
Die Zahlung der 150 (bzw. 151) Psalmen ist unterschiedlich
Sie blcibt in Vulgata und Septuaginta gegeniiber dem von
jiidischen Textkritikcm im letzten Viertel des ersten Jahrtau-
sends erstellten und vcrbindlich gewordenen sogenannten Ma-
sorctcntcxt - ebenso gegeniiber dcr neuen deutschen Ein-
heitsiibcrsctzung - von Psalm 11 bis Psalm 147 um eine Einhei:
zuriick.
55 Dies diirfte beim Lindisfarne-Evangeliar (Abb. 85, 91, 92, 1 s 1
zutreffen, fiir das Eadfrith, Bischof von Lindisfarne, als Autor
in Frage kommt, femer bei einem in Trier befmdlichen Evan-
gcliar, das dcr Kiinstler mit >Thomas scripsit< signierte, wobe:
damit sicher nicht nur der Schreiber gemeint ist. Ferner is:
das in Salzburg entstandene Cutbercht-Evangeliar von einen:
insularcn Kiinstler sowohl geschricben als auch gemalt wor¬
den. C. Nordenfalk, Insulare Buchmalcrei. Illuminierte Hand-
schriften dcr Britischen Inseln 600-800, Miinchen 1977, S. 6c.
Abb. 15-22 (Lindisfarne-Evangeliar, London, British Library.
Cotton Ms. Nero D.iv, vor 689) S. 88, Abb. 29-31 (There:
Evangcliar, Trier, Dombibliothck 61/134, um 73°)- - H.J
Hermann, die illuminiertcn Handschriftcn und Inkunabelr.
der Nationalbibliothek in Wien, Bd. 1, Leipzig 1923, S. 50ff.
Taf. xi-xx (Cutbercht-Evangeliar, Wien, Osterrcichische Na-
tionalbibliothck, Cod. 1224, um 770).
56 M. Dvorak, Idealismus und Naturalismus in der gotischer.
Skulptur und Malerei, Berlin 1918.
57 Am besten zusammengefaBt bei W. F. Volbach, Elfcnbeinar-
beiten der Spatantike und des friihen Mittelaltcrs, Mainz 19“'
(3.Auflagc), S. 129. Siehe ferner: O. Zastrow, Museo d’ar::
applicate. Gli avori, Castcllo Sforzcsco Milano 1978. R. Berg-
mann, Salerno Ivories, Ars sacra from Medieval Amalph:
Harvard University Press 1980.
58 Rouen, Bibliotheque municipale Ms. Y. 6, f. 29 V, Sakramenta:
(>Missale<) des Robert von Jumieges, angelsachsisch um 102c
59 H. Jantzen, Ottonische Kunst, Miinchen 1947, S. 68 fF.
60 O. Pachts Beitrag in der Publikation zum Albani-Psaltcr gii:
insbesondere diesem neuen Erzahlstil. O. Pacht - C. R. Doc-
well - F. Wormald, The St. Albans Psalter (Albani Psalter
London i960.
61 O. Pacht, The Master of Mary of Burgundy, London 194s
Abbildungsverzeichnis
Farbtafeln
Auszug aus dcr Arche und Dankopfcr Noahs. Wiener Gene¬
sis, friihbyzantinisch, 3.Vicrtel 6.Jh. Wien, Osterrcichische
Nationalbibliothck, Cod. theol. gr. 31, p. 4
II
Lowe (Hier: Symbol des Johannes). Book of Durrow, Insu¬
lar, urn 680. Dublin, Trinity College, Ms. 57, fol. 191 v
III
Chi-Rho-Initialc. Book of Lindisfame, Insular, vor 698 (?).
London, British Library, Cotton Ms. Nero D. iv, fol. 29 г
IV
Tcppichseitc. Book of St. Chad, Insular, i.Halftc 8.Jh. Lich¬
field, Cathedral Treasury, p. 220
v
Evangelist Lukas. Book of St. Chad, Insular, i.Halfte 8.Jh.
Lichfield, Cathedral Treasury, p. 218
VI-V1I
Evangelist Johannes und Textseite zum Lukas-Evangelium.
Kronungsevangeliar, Hof Karls dcs GroBen, Ende 8.Jh.
Wien, Weltliche Schatzkammer, fol. 178 V u. т 18 г
VIII-1X
Titel- und Incipitscite. Dagulf-Psalter, Hofschule Karls des
GroBen, Ende 8.Jh. Wien, Osterreichischc Nationalbiblio-
thek, Cod. 1861, fol. 24 V u. 25 г
x
Evangelist Johannes. Evangcliar aus Saint-Medard-de-Sois-
sons, Hofschule Karls dcs GroBen, Anfang 9-Jh. Paris,
Bibliothequc Nationale, Ms. lat. 8850, fol. i8ov
XI
Szcncn aus der Genesis. Bibel von Moutier-Grandval, Tours,
um 840. London, British Library, Add. Ms. 10546, fol. 5 V
xn
Initiale zum Wcihnachtsfest. Drogo-Sakramentar, Metz,
zwischcn 850 und 855. Paris, Bibliothequc Nationale, Ms.
lat. 9428, fol. 24 V
XIII
FuBwaschung. Evangeliar Ottos 111., Reichenau, Ende 10.Jh.
Miinchcn, Baycrische Staatsbibliothek, Clm. 4453, fol. 237г
XIV
Initiale zum Matthaus-Evangclium. Hillinus-Evangeliar,
Reichenau, um 1000. Koln, Domschatz, Cod. 12, fol. 23 г
xv
Initiale zum Lukas-Evangelium. Evangeliar Ottos 111., Rei¬
chenau, Ende io.Jh. Miinchcn, Bayerische Staatsbibliothek,
Clm. 4453, fol. 14ОГ
XVI
Prafationszeichen. Sakramcntar, Reichenau, Ende io.Jh.
Oxford, Bodleian Library, Ms. Canon Liturg. 319, fol. 30 v
XVII
Krcuzigungsdarstellung zum Canon missae. Sakramcntar,
Reichenau, Ende io.Jh. Oxford, Bodleian Library, Ms. Ca¬
non Liturg. 319, fol. 31 v
XVIII
Illustration zu Psalm 11. Kopic des Utrccht-Psalters, angel-
sachsisch, friihes 11 .Jh. London, British Library, Ms. Harley
603, fol. 6v
XIX
Die drei Frauen am Grabe. Sakramentar (>Missale<) dcs Ro¬
bert von Jumieges, angelsachsisch, um 1020. Rouen, Biblio-
theque municipale, Ms. Y. 6, fol. 72 v
xx
Anbetung des Lammcs. Apokalypsenkommentar aus Santo
Domingo dc Silos, Spanien, zwischen 1091 und 1109. Lon¬
don, British Library, Add. Ms. 11695, fol. 86 v
XXI
Der Karrcn mit den Rcliquien Konig Edmunds fahrt iiber
cine Briicke ins Kloster Bury St. Edmunds. Edmunds-
lcgendc, Bury St. Edmunds, um 1130. New York, Picrpont
Morgan Library, M. 736, p. 38
XXII
Figureninitiale. Gregor, Moralia in Job, Citcaux, Anfang
i2.Jh. Dijon, Bibliotheque municipale, Ms. 170, fol. 59 г
XXIII
Initiale zu Exodus. Bibel von Winchester (St. Swithun’s),
um 1150-1180. Winchester, Cathedral Library, fol. 21
XXIV
Die gottlichc Schopfcrkraft mit Universum und Kosmos-
mensch. Hildegard von Bingen, Revclationes, zweite Vision,
Siiddeutschland, um 1230. Lucca, Biblioteca Statale, Ms.
1942, fol. 9 г
xxv
Das Sonnenweib und der Drache. Apokalypsc, Westminster
(?), um 1270. Oxford, Bodleian Library, Ms. Douce 180,
fol. 43 г
xxvi
Untergang dcr Stadt Sodom. Lots Frau erstarrt zur Salzsaule.
Psalter dcs hi. Ludwig, Paris, um 1270. Paris, Bibliotheque
Nationale, Ms. lat. 10525, fol. 9V
XXVII
Beatus-Initiale mit Wurzel Jesse. Gorlcston-Psaltcr, England,
Anfang 14.Jh. London, British Library, Add. Ms. 49622,
fol. 8 г
XXVIII
Wunder vom zuriickgebrachtcn Brevier dcs hi. Ludwig.
Stundenbuch der Jeanne d’Evreux, Jean Pucellc, zwischcn
1325 und 1328. New York, The Metropolitan Museum of
Art, The Cloisters, fol. 154 V u. 155 г
208 Abbildungsi'erzeichnis
XXIX
Thronender Christus mit den vier Evangelistcn. Bible histo-
rialc, Paris, um 1330-1340. Genf. Bibliothequc publiquc et
univcrsitairc, Ms. fr. 2, fol. 1 г
XXX
Figurcnalphabet. Giovannino dc'Grassi, Endc 14..Jh. Ber¬
gamo, Biblioteca Civica, Cod. Д vn. 14, fol. 29 v
XXXI
Marientod und Marienkronung. Stundenbuch des Engelbert
von Nassau, Meistcr der Maria von Burgund, um 1480-90.
Oxford, Bodleian Library, Ms. Douce 219-220, fol. 170 v u.
171 r
XXXII
Titelscite von Band 1 dcr Werke von Aristoteles. Vencdig
(Girolamo da Cremona oder Jacometto Veneziano). Druck
von Andreas Torresanus. Venedig, 1483. New York, Picr-
pont Morgan Library, E.41
Abbildtmgett
1 Kanonbild. Missale des Andreas-Altars, St. Florian, um 1320.
Wilhering, Stiftsbibliothek, Cod. 9, fol. 90V
2 >SoisceI Molaisc<-Reliquiar. Insular, 9.Jh. Dublin, National
Museum of Ireland, R. 4006
3 Evangelist Lukas. Evangeliar, byzantinisch, Mitte 10.Jh.
Athos, Stauronikita, Ms. 43, fol. 12 v
4 Grabstcle. Attisch, s.Jh. v.Chr. Badia greca di Grottaferrata,
Museum
$ Probianus-Diptychon. Rom, um 400. Berlin, Stiftung Preu-
Bischer Kulturbesitz, Staatsbibliothek, Ms. theol. Iat. fol. 323
Kastcn
6 Incipitseite. Petrus Archidiaconus, Liber de diversis quacsti-
unculis. Aachen, Endc 8.Jh. Brussel, Bibliothequc Royalc,
Ms. 11, 2572, fol. 1 r
7 Erlautcrungen zu den Himmclskorpem. Astrologischc Papy-
rusrollc, 165 v.Chr. Paris, Louvre, Pap. 1
8 Stcmbildcr. Chronologische und astronomische Schriftcn,
Salzburg, um 818. Wien, Osterreichische Nationalbiblio-
thek, Cod. 387, fol. 120Г
9 SchluB des Johanncs-Evangcliums. Codex Sinaiticus, 4.Jh.
London, British Library, Add. Ms. 43725, fol. 260 r
10 Illustration zu Psalm 11. Utrecht-Psalter, Reims, um 830.
Utrecht, Bibliothcek dcr Rijksunivcrsiteit, Cat. Cod. Ms.
Bibl. Rhenotraicctinae 1. Nr. 32, fol. 6v
11 Illustration zu Psalm 11. Eadwine-Psaltcr, Canterbury (Christ
Church), um 1150. Cambridge, Trinity College, Ms. R. 17.1,
fol. 20г
12 Papyrusrcste mit dem Bruchstiick eincs Romans, 2.Jh. Paris,
Bibliothequc Nationalc, Ms. suppl. grcc 1294
13 Stembilder. Komputistisch-Astronomischcs Lehrbuch,
Metz, zwischen 820 und 840. Madrid, Biblioteca Nacional,
Cod. Ms. 3307, fol. 54 V
14 Stcmbildcr. Komputistisch-Astronomischcs Lehrbuch,
Metz, zwischen 820 und 840. Madrid, Biblioteca Nacional,
Cod. Ms. 3307, fol. 56 v
15 Der Hirsch an der Quelle, Illustration zu Psalm 41,2. Stutt-
garter Psalter, Saint-Germain-des-Prcs (?), l.Halfte 9-Jh.
Stuttgart, Wiirttembcrgische Landesbibliothek, Biblia Folio
23, fol. 53v
16 Evangelist Johannes. Evangeliar, byzantinisch, Mitte 10.Jh.
Athos, Stauronikita, Ms. 43, fol. 13 г
17 Evangelist Matthaus. Codex millenarius, Salzburg, um So:
Kremsmiinster, Stiftsbibliothek, Cim. 1, fol. 17 v
18 Illustration dcr Eigenschaften des Lowen. Bcstiar. Peter¬
borough (?), Anfang 13.Jh. Oxford, Bodleian Library. M'
Ashmole 1511, fol. 10v
19 Die Gibeonitcr vor Josua. Josuarolle, byzantinisch, 10.Jh
Rom, Biblioteca Vaticana, Cod. Pal. gr. 431, Szenc 28 u. 2v-
fol. 11 г u. 12 r
20 Die Gibeonitcr vor Josua. Oktatcuch, byzantinisch, 11 .Jh
Rom, Biblioteca Vaticana, Cod. Vat. gr. 747, fol. 224r
21 Die Gibconiter vor Josua. Oktateuch, byzantinisch, 11.Jh
Rom, Biblioteca Vaticana, Cod. Vat. gr. 747, fol. 224 r
22 Szencn aus den Daker-Kriegcn. Trajan-Saule (Ausschmt:
Rom, Anfang 2.Jh.
23 Drolerie. Robert de Boron, L’Histoirc du Graal, Nordfrank-
reich, um 1280. Paris, Bibliothcque Nationalc, Ms. fr. 95. fei
3 5 5 r
24 Kreuztragung mit zwei typlogischcn Szenen. Armcnbibe.
Blockbuch, hollandisch, um 1430/1440. Paris, Bibliothcqu.
Nationale, Xylo. 2, Blatt d.24
25 Konig Antiochus ertcilt seine Befchlc. Makkabacrbiicher.
St.Gallcn, l.Halfte m.Jh. Leiden, Bibliotheek dcr Rijksum-
versiteit. Cod. Perizoni 17, fol. 9г
26 Tod des Judas Makkabaus. Makkabacrbiicher, St. Galler..
l.Halfte 10.Jh. Leiden, Bibliotheek der Rijksunivcrsitei:.
Cod. Perizoni 17, fol. 25 г
27 Tod des Judas Makkabaus. Bibel dcs Abtes Steven Harding
Citeaux, Anfang I2.jh. Dijon, Bibliothequc municipalc, M'
114 (Bd. ill), fol. 191 r
28 Konig Antiochus ertcilt seine Befehlc, Tod des Judas Makka-
baus. Winchcster-Bibel, Winchester (St.Swithun’s), urn
1150-1180. Winchester, Cathedral Library, fol. 135 v
29 Kriegsrat des Ascanius. Vergilius Vaticanus, Italien (?), Ar.-
fang 5.Jh. Rom, Biblioteca Vaticana, Cod. Vat. Iat. 3225, fol
73v
30 Bacchus. Ovide moralise, Flandem, um 1480. Kopcnhagen.
Det Kongelige Bibliotck, Ms. Thott 399,2°, fol. 19 V
31 Illustration zu Andria, ii.Akt, 6. Szene. Terenz, Komodie:
Reims, 2. Halfte 9.JI1. Paris, Bibliothequc Nationale, Ms. L:
7899, fol. 16 v ,
32 Klerikcr beim Singen dcr Psalmcn. Elfenbein, spatkarolm-
gisch. Cambridge, Fitzwilliam Museum
33 Zelcbrieren dcr Messe. Elfenbein, 10.Jh. Frankfurt am Man:
Liebicghaus
34 Jakobus. Winchestcr-Bibel, Winchester (St.Swithun’s), urr.
1150-1180. Winchester, Cathedral Library, fol. 429Г
35 Dcr Evangelist Lukas und sein Symbol. Codex millenanuv
Salzburg, um 800. Stift Kremsmiinster, Cim. 1, fol. 174 V u
175Г
36 Der Evangelist Lukas mit seinem Symbol und christologi-
schcn Szenen. Augustinus-Evangeliar, Italienisch, 6.Jh. Cam¬
bridge, Corpus Christi College, Ms. 286, fol. 129 V
37 Incipitseiten zum 2.Haupttcil des Sacramentarium GcUm.,-
num, Frankrcich, um 750. Rom, Biblioteca Vaticana, Coe
Reg. Iat. 316, fol. 131 v u. 132 г
38 Textscitc mit dem Canon missae. Sacramentarium Gelasu-
num, Frankrcich, um 750. Rom, Biblioteca Vaticana, Coe
Reg. Iat. 316, fol. 180 г
39 Initial-Ligatur zum Canon missae. Sakramcntar-Fragmen:
Nordfrankreich, um 860. Wien, Osterreichische National-
bibliothek, Cod. 958, fol. 5 v
40 Prafationszcichen. Sakramentar-Fragment, Nordfrankreich.
um 860. Wien, Osterreichische Nationalbibliothck, Cod
958, fol. 4г
A bbi Idungsverzeichtiis 209
41 Prafationszcichen. Exultctrolle, Montecassino, Mittc u.Jh.
Avczzano, Curia Vescovile
42 Majestasdarstellung zur Prafadon. Exultctrolle, Benevcnt,
i2.Jh. Rom, Bibliotcca Casanatense, Ms. 724 (B.i. 13)
43 Majestasdarstellung zur Prafadon. Sakramentar, Toscana, um
1100. Rom, Bibliotcca Casanatense, Ms. 1907, fol. 192 V
44 Majestasdarstellung zur Prafadon. Missale, St. Florian, um
1305/1310. St. Florian, Sdftsbibliothek, Cod. xi, 394, fol. 92 v
45 Initial-Ligatur zum Canon missae. >Missalc< dcs Robert von
Jumieges, Canterbury, um 1020. Rouen, Bibliotheque muni¬
cipal, Ms. Y. 6, fol. 27 V
46 Krcuzigungsdarstcllung zum Canon missae. Sakramentar
von Gellone, Diozese Mcaux, um 790/795. Paris, Bibliothe¬
que Nationale, Ms. lat. 12048, fol. 143 v
47 Krcuzigungsdarstcllung zum Canon missae. Sakramentar,
Toskana, um 1100. Rom, Bibliotcca Casanatense, Cod. Ms.
1907, fol. 193 r
48 Kreuzigungsdarstellung zum Canon missae. Walling-Mis-
sale, St. Florian, um 1310. St. Florian, Sdftsbibliothek,
Cod. iu, 221 A, fol. 136 V
49 Damasus-Epigraph. Rom, Ictztes Drittel 4.Jh. Rom, Sant’
Agnese
50 Tcxtseitc. Codex Alcxandrinus, i.Halfte 5.JI1. London, Brit¬
ish Library, Royal Ms. 1 D.vm, fol. 92 r
51 Textseite (Ausschnitt). Vergilius Augustcus, romisch, 5.Jh.
Rom, Bibliotcca Vaticana, Cod. Vat. lat. 3256, fol. 4г
52 Explicit-lncipit. Johannes-Lukas-Evangelium. Valerianus-
Evangcliar, Nordostitalien, um 675. Miinchen, Bayerische
Staatsbibliothek, Cod. Iat. 6224, f. 82 v
53 Incipitscitc. Ambrosius, Hexamcron, Corbie, 2.Halftc 8.Jh.
Paris, Bibliotheque Nationale, Ms. lat. 12 135, fol. 1 v
54 Incipitseite des Lukas-Evangeliums. Book of Kells, Insular,
nach 800. Dublin, Trinity College, Ms. 58, fol. i88r
55 Initiale. Lektionar aus Luxcuil, Luxeuil, 7./8.Jh. Paris, Biblio¬
theque Nationale, Ms. lat. 9427, fol. 24 г
56 Incipitzcilc. Augustinus, De Trinitate. Nordfrankreich. Mittc
S.Jh. Oxford. Bodleian Library, Ms. laud. Misc. 126, fol. :r
57 Detail von Abb. 53
58 Figureninidalc: Dcr Fuchs und dcr Rabe. Sammlung kanoni-
schcr Schriftcn, Corbie, 8.Jh. Paris, Bibliotheque Nationale,
Ms. lat. 12444, fol. 52v
59 Zoomorphe Initiale. Augustinus, Quaesdones in Hcptatcu-
chon, Nordfrankreich, Mitte 8.Jh. Paris, Bibliotheque Natio¬
nale, Ms. lat. 12 168, fol. 97 V
60 Figureninidalc: Hiindin saugt ihr Jungcs. Corbie-Psalter,
Corbie, um 800. Amiens, Bibliotheque municipale, Ms. 18.
fol. 94 r
Figureninidalc. Corbie-Psalter, Corbie, um 800. Amiens, Bi-
bliothcquc municipale, Ms. 18, fol. 133 г
Figureninidale: Jonas und der Walfisch. Corbie-Psalter, Cor¬
bie, um 800. Amiens, Bibl. municipale, Ms. 18, fol. 110r
63 Initiale. Evangeliar, Schulc von Tours, Mitte 9-Jh. Laon,
Bibliotheque municipale, Ms. 63, fol. 1 v
f>4 Fragment eines irischen Stcinkreuzcs mit Tierflechtwcrk, aus
Abcrlady, East Lothian, um 800. Edinburgh, National Mu¬
seum of Antiquities
f>5 Trumeau-Pfeilcr, Souillac, Siidfrankreich, 2.Viertel 12.Jh.
66 Figureninidale. Corbie-Psalter, Corbie, um 800. Amiens,
Bibliotheque municipale, Ms. 18, fol. 67 r
r»? Initiale zum Buch Daniel. Bibel, Winchester, Mitte i2.Jh.
Oxford, Bodleian Library, Ms. Auct. E. inf. 1. fol. 264 V
'•n Initiate L (Lukas). Evangeliar, S.Jh. Essen, Minister, fol. 96r
'•y Initiale zum Buch Numeri. Bibel, Winchester, Mittc i2.Jh.
Oxford, Bodleian Library, Ms. Auct. E. mf. 1, fol. 66 r
70 Figureninidale: David und Goliath. Corbie-Psalter, Corbie,
um 800. Amiens, Bibliotheque municipale, Ms. 18, fol. 123 v
71 Figureninidalc: Darbringung im Tempcl. Corbie-Psalter,
Corbie, um 800. Amiens, Bibl. municipale, Ms. 18, fol. 137 г
72 Figureninidale: Vcrkiindigung. Corbie-Psalter, Corbie, um
800. Amiens, Bibliotheque municipale, Ms. 18, fol. 136V
73 Figureninidale: Holzhackendc Monchc. Gregor der GroBe,
Moralia in Job, Citeaux, Anfang 12.Jh. Dijon, Bibliotheque
municipale, Ms. 170, fol. 59 r
74 Figureninidale: Pferd und abgeworfencr Reiter. Gregor der
GroBe, Moralia in Job, Citeaux, Anfang i2.Jh. Dijon, Biblio¬
theque municipale, Ms. 173, fol. 8or
75 Figureninidale: Falkner und Wasservogel. Gregor der GroBe,
Moralia in Job, Citeaux, Anfang i2.Jh. Dijon, Bibliotheque
municipale, Ms. 173, fol. 174Г
76 Teppichscitc (Detail). Book of Durrow, Insular, um 680.
Dublin, Trinity College, Ms. 57, fol. 192 v
77 Besticnpfciler. Souillac, eheni. Abteikirche Saintc-Maric,
Siidrankreich, 2.VierteI 12.Jh.
78 Initiale. Gregor der GroBe, Moralia in Job, Citeaux, Anfang
12.Jh. Dijon, Bibliotheque municipale, Ms. 173, fol. 7r
79 Figureninidale: Karl v. iiberreicht Jean de Berry cin Fragment
dcs Kreuzcs Chrisd. Urkunde Karls v. von Frankreich, Paris
1372. Paris, Archives Nadonales, AE 11 393
80 Figurcnalphabet, Buchstabe K. Meister E.S., 1466/1467.
Miinchen, Staatliche Graphische Sammlung, Inv.-Nr. 10894
81 Figurenalphabct, Buchstabe R. Meister E. S., 1466/1467.
Miinchen, Staatliche Graphische Sammlung, Inv.-Nr. 10901
82 Inidalen. Cathach (Psalter) des hi. Columban, Insular, um
600. Dublin, Royal Irish Academy, s.n., fol. 12 v
83 Incipit dcs Markus-Evangeliums. Book of Durrow, Insular,
um 680. Dublin, Trinity College, Ms. 57, fol. 78 т
84 Prunkschild. Kcltisch, Anfang 1 .Jh. London, British Mus.
85 Chi Rho (Detail). Book of Lindisfame, Insular, vor 698 (?).
London, Brirish Library, Cotton Ms. Nero D.iv, fol. 29 г
86 Goldschnalle von Sutton Hoo. Keldsch, Mittc 7.Jh. London,
British Museum
87 Tcppichseite (Detail). Book of Durrow, Insular, um 680.
Dublin, Trinity College, Ms. 57, fol. 192 V
88 Chi Rho. Book of Durrow, Insular, um 680. Dublin, Trinity
College, Ms. 57, fol. 23 г
89 Chi Rho. Evangeliar. Insular, um 750/760. St. Gallen, Stifts-
bibliothck, Cod. 51, fol. 7 г
90 Chi Rho. Book of Kells, Insular, nach 800. Dublin, Trinity
College, Ms. 58, fol. 34г
91 Beginn des Matthaus-Evangeliums. Book of Lindisfame, In¬
sular, vor 698 (?). London, British Library, Cotton Ms. Nero
D.iv, fol. 27 г
92 Beginn des Johannes-Evangcliums. Book of Lindisfame, In¬
sular, vor 698 (?). London, British Library, Cotton Ms. Nero
D.iv, fol. 211 г
93 Beginn des Markus-Evangeliums. Evangeliar von Saint-
Martin-des-Champs, Hofschule Karls des GroBen, Endc 8.Jh.
Paris, Bibliotheque de Г Arsenal, Ms. 599, fol. 61 г
94 Beatus-Initiale. Psalter Ludwigs dcs Deutschen, St. Omcr,
2. Viertcl 9.Jh. Berlin, Stiftung PreuBischer Kulturbesitz,
Staatsbibliothek, Ms. thcol. Iat. fol. 58, fol. зг
95 Bcatus-Initialc. Salabcrga-Psalter, Insular, 2. Viertcl 8.Jh.
Berlin, Deutsche Staatsbibliothek, Ms. Hamilton 533, fol. 2r
96 Beginn des Johanncs-Evangeliums. Evangehstar von
St. Vaast, frankosachsisch, Mittc 9.Jh. Arras, Bibliotheque
municipale, Ms. 1045, fol. 8 г
97 Initiale. Evangeliar. frankosachsisch, 9.Jh. Koln, Dombiblio-
thek, Cod. 14, fol. 68 v
2io Abbildungsi’erzeiclmis
98 Initiate zu Psalm 51. Folchard-Psalter, St.Gallen, 3.Vicrtel
9.Jh. St.Gallen, Stiftsbibliothek, Cod. 23, fol. 135r
99 Initialc zu Psalm 41. Egbert-Psaltcr, Rcichenau. Ende io.Jh.
Cividalc del Friuli, Museo archeologico, Ms. 136, fol. 67r
100 Imtiale zu Psalm 52. Vespasian-Psalter, insular, urn 735. Lon¬
don, British Library, Cotton Ms. Vespasian A.i, fol. 53 г
Ю1 David rettet das Lamm aus dem Rachen des Lowcn. Silber-
teller, Zypcrn, zwischcn 613 und 630. New York, Metropoli¬
tan Museum of Art
102 Bcatus-Initialc. Winchestcr-Bibel, Winchester (St. Swith-
un’s), um 1150-80. Winchester, Cathedral Library, fol. 218 г
103 Historisicrtc Initialc C mit der Himmclfahrt Christi. Drogo-
Sakramentar, Metz, zwischen 850 und 855. Paris, Bibliothe-
que Nationale, Ms. lat. 9428, fol. 71 v
104 Die drei Frauen am Grabe und Himmclfahrt Christi. Elfen-
bcin, Oberitalien, um 400. Munchen, Bayerisches National-
museum
105 Prafationszeichcn. Drogo-Sakramentar, Metz, zwischen 850
und 855. Paris, Bibliotheque Nationale, Ms. lat. 9428, fol.
14V
106 Canon missae. Drogo-Sakramentar, Metz, zwischen 850 und
855. Paris, Bibliotheque Nationale, Ms. lat. 9428, fol. 15 v
107 Historisierte Initialc D mit der Anbctung der Konige. Drogo-
Sakramentar, Metz, zwischen 850 und 855. Paris, Bibliothe¬
que Nationale, Ms. lat. 9428, fol. 34 V
108 Putten bei der Wcinlcsc. Porphyrsarkophag der Constantina,
friihchristlich, um 350. Rom, Vatikanische Museen
109 Weinerntcszenen. Sarkophag mit dem Gutcn Hirten, friih¬
christlich, 4.Jh. Rom. Vatikanische Museen
no Rankcn mit Jagdszenen. Elfenbein, Nordfrankreich (?),
9./io.Jh. Paris, Musee dc Cluny
111 Fragment eines irischen Steinkreuzes aus Easby. Northum-
brien, Ende 8.Jh. London, Victoria and Albert Museum
112 Initialc. Junius-Psalter, Winchester, 2.Viertel 10.Jh. Oxford,
Bodleian Library, Ms. Junius 27, fol. 121 v
113 Initiate zu Psalm 109. Psalter, Saint-Germain-des-Pres, Mitte
11.Jh. Paris, Bibliotheque Nationale, Ms. lat. 11 550. fol. 169 г
114 Initiate. Beda Venerabilis, Evangclicnkommentar, norman-
nisch, 11.Jh. Avranches, Bibliotheque municipale, Ms. 107,
fol. 112 r
115 Initialc. Ambrosius, Evangelienkommcntar, normannisch,
11.Jh. Avranches, Bibliotheque municipale, Ms. 59, fol. 31 v
116 Initiate. Augustinus, Psalmenkommcntar, Rochester, um
1100. London, British Library, Royal Ms. 5 D.n (Bd. in),
fol. 1 г
117 Bordiirenfrics mit Jagdszenen. Evangeliar, St. Bertin. um
1000. New York, Picrpont Morgan Library, M. 333, fol. ir
118 Kapitcll mit Barenjagd. Augustinerkrcuzgang Toulouse,
Siidfrankreich, Ende i2.Jh. Toulouse, Augustinermuscum
119 Elfcnbcineme Kriimme eines Bischofstabes mit der Darstcl-
lung der Gcburt Christi. Englisch, i2.Jh, London, Victoria
and Albert Museum, Inv.-Nr. 218-65
120 Beatus-Initialc. Psalter, St.Gallen, 9.Jh. Gottweig, Stiftsbi¬
bliothek, Cod. 1, fol. 21 r
121 Beatus-Initiale. Harley-Psaltcr, Winchester, um 980. London,
British Library, Harley Ms. 2904, fol. 4Г
122 Bcatus-Initialc. Arundcl-Psalter, Winchester (New Min¬
ster?), um 1080. London, British Library, Arundel Ms. 60,
fol. 13 r
123 Beatus-Initialc. Carilcf-Bibcl, normannisch, spates 11.Jh.
Durham, Cathedral Library, Ms. A. 11. 4, fol. 65 г
124 Beatus-Initiale. Augustinus, Psalmenkommentar, norman¬
nisch, spates 11.Jh. Evrcux, Bibliotheque municipale, Ms.
131, fol. 1 г
Incipitseite. Augustinus, Psalmenkommentar, normannisch.
2. H'alfte 11.Jh. Avranches, Bibliotheque municipale, Ms. 76.
fol. Av
Incipitseite zur Apostclgeschichte. Himmclfahrt Christi. Rie-
senbibcl, Mittelitalicn, i.Halfte 12.Jh. Cividalc del Friuli.
Museo archeologico nazionalc, Cod. Sacr. 11, fol. 271 v
Beatus-Initialc. Albani-Psalter, St. Albans, um 1119-1123.
Hildesheim, St. Godchard, p. 73
Beatus-Initiale. Corbie-Psalter, Corbie, um 800. Amiens.
Bibliotheque municipale, Ms. 18, fol. 1 v
Initialc. Albani-Psalter, St.Albans, um 1119-1123. Hildes¬
heim, St.Godehard, p. 391
Einzug in Jerusalem. Albani-Psalter, St. Albans, um 1119-
1 t23. Hildesheim, St.Godehard, p. 37
Beatus-Initiale. Ingeborg-Psaltcr, Toumai, Anfang 13.Jh
Chantilly, Musee Conde, Ms. lat. 1695, fol. 37 V
Wurzcl Jesse. Lambcth-Bibel, Canterbury (St. Augustine's .
um 1145. London, Lambeth Palace Library, Ms. 3, fol. 198 т
Beatus-Initialc als Wurzel Jesse. Huntingficld-Psaltcr, eng-
lisch, Ende 12.Jh. New York, Pierpont Morgan Library, M.
43, fol. 33v
Prophet Tobias. Beginn des Buchcs Tobias. Riesenbibel am
Hirsau, Rom odcr Mittelitalien, i.Halfte 11.Jh. Munchcn.
Baycrischc Staatsbibliothek, Cod. lat. 13001, fol. 84 V
Josua crhalt den Befehl Gottes, den Jordan zu iiberschrei-
ten. Beginn des Buchcs Josua. Riesenbibel aus St.Florian
Salzburg/Obcritalicn, um 1075. St.Florian, Stiftsbibliothek.
Cod. xi, 1, fol. 85 r
Davidszenen. Gumpertsbibel, Bayern oder Salzburg, vo:
1195. Erlangen, Universitatsbibliothck, Ms. perg. 1, fol. 161 \
Moses empfangt die Gesetzc. Beginn dcs 5.Buches Mose'
Admontcr Riesenbibel, Salzburg, um 1140. Wien
Osterreichische Nationalbibliothek, Cod. Scr. n. 2701, fo!
68 v und 69 г
Himmclfahrt des Elias. Bibel von Rochester, Canterbur.
(Rochester), um 1130. London, British Library, Royal Ms. :
C.7, fol. 154V
Initialc. Mcdizinischc Traktate, normannisch, um 1100. Lon¬
don, British Library, Royal Ms. 12 E.xx, fol. 124V
Himmelfahrt des Elias. Bibel von Dover, Canterbury, Mit:.
i2.Jh. Cambridge, Corpus Christi College, Ms. 3, fol. 161 .
Himmelfahrt des Elias. Winchestcr-Bibel, Windiest,. -
(St. Swithun’s), um 1150. Winchester, Cathedral Library, f
120V
Bcrufung desjeremias (Detail). Winchester-Bibcl, Wincho-
tcr (St. Swithun's), um 1180. Winchester, Cathedral Librar.
fol. 148 г
Sandalenlosendc Nike. Relief vom Tcmpcl der Athena Nik.
Athen, Akropolis, attisch, nach 400 v. Chr. Athen, Akropol:-
museum
Nyx (Detail ausjesaia im Gebct). Pariser Psalter, Konstan: -
nopel, Mitte io.Jh. Paris, Bibliotheque Nationale, Ms. gr.
139, fol. 435 V
Evangelist Markus. Neues Testament, byzantinisch, in Itah.
(Grottafcrrata?) entstanden, i.Halfte 12.Jh. Wien, CKu~
Nationalbibliothck, Cod. Suppl. gr. 52, fol. 117 V
Sauls Tod. Lambeth-Bibel, Canterbury (?), um 1140-115
London, Lambeth Palace Library, Ms. 3, fol. 151 r
Initialc mit Christus Pantocrator und Prophet Jeremias. \\ :• -
chester-Bibel (St. Swithun’s), Ende 12.Jh. Winches.*
Cathedral Library, fol. 169 г
Gencsis-Initiale (Detail). Winchester-Bibel, Winches. -
(St. Swithun’s), um 1150. Winchester, Cathedral Library.
5r
125
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>43
144
U5
146
>47
148
Abbildutigsverzeichnis 211
149 Illustration zu Psalm 80. Bird-Psalter, cnglisch, Endc 13.Jh.
Cambridge, Fitzwilliam Museum, Ms. 2-1954, fol. 83 V
150 Illustration zu Psalm 68. Stundenbuch und Psalterium, Paris,
um 1300. Wien, Osterreichischc Nationalbibliothck, Cod.
Scr. n. 2596, fol. 248 г
151 л Textsciten mit Drolericn. Psalter. Gent, um 1320-1330. Ox¬
ford, Bodleian Library, Ms. Douce 5-6. fol. 66 v u. 114 г
i S i b Textseite mit Drolericn aus Aristotelcs, Mctaphysik. Eng-
lisch, um 1310. Paris, Bibliotheque Nationalc, Ms. lat. 6299,
fol. 2 г
152 Initialen zu den Biichem der Propheten Obadias und Jonas.
Bibcl in Taschenformat, Frankrcich (Paris), Anfang 13.Jh.
London, British Library, Add. Ms. 27694, fol. 334V u. 335г
153 Christus bcim Zollner; Johannes der Taufer verheiftt das
Lamm Gottes. Evangeliar der Sainte-Chapelle, Paris, um
1255-1260. Paris, Bibliotheque Nationalc, Ms. Iat. 17326, fol.
130 V
154 Autorbild. Adam de la Halle, Le Chansonnicr d’Arras, Nord-
frankrcich. Ende 13.Jh. Arras, Bibliotheque municipalc, Ms.
657, fol. 133 v
155 Johannes der Taufer. Kathedra dcs Bischofs Maximian (De¬
tail), um 520-550. Ravenna, Museo Arcivescovilc
156 Prophet vom Gewande des linken Westportals von Notre
Dame, Chartres, Ile-de-France, 1145-1155
157 Kanontafcl. Evangeliar aus Saint-Medard-de-Soissons. Hof-
schule Karls des GroBen, Anfang 9.Jh. Paris, Bibliotheque
Nationale, Ms. lat. 8850, fol. 7 г
158 Titelseite, Wiener Dioskuridcs, Herbarium. Byzanz, um 512.
Wien, Ostcrr. Nationalbibliothck, Cod. Med. gr. 1, fol. 7v
159 Titelseite der Komodien von Tcrenz. Florenz, 1466. Oxford,
Bodleian Library, Ms. E. D. Clarke 28, fol. 3 v
160 Titelseite, Filocalus-Kalendcr. Kopie dcs rdmischen Kalcn-
ders von 354. Brussel, Bibliotheque Royale, Ms. 3538
161 Titclblatt zum Matthaus-Evangclium. Evangeliar, Echter-
nach (?), Ende 8.Jh. Trier, Dombibliothek, Ms. 61, fol. 9
162 Schrifttafel zur Majestas Domini. Codex aureus von Echtcr-
nach, Echtemach, vor 1039. Niirnberg, Germanisches Natio-
nalmuseum, Ms. 2° 156 142, fol. 4г
163 Titelseite. Basinio dc’Basini, Astronomicon, Padua, vor 1460.
Oxford, Bodleian Library, Ms. Bodlcy 646, fol. 1 r
164 Titelseite. Joscphiis Flavius, De bello judaico, Buch 1, Lauro
Padovano (Padua), 2. Halfte 15.Jh. Valencia, Biblioteca Uni-
versitaria, Ms. 819, fol. 4Г
165 Der Mensch als Mikrokosmos. Salomon von Konstanz, Glos-
sar, Priifcning, 1165. Miinchen, Baycrische Staatsbibliothek,
Cod. lat. 13002, fol. 7v
166 Der Mensch als Mikrokosmos mit den vicr Elemental und
Windgottcrn. Astronomischc Traktate, Priifcning, 3.Vicrtel
i2.Jh. Wien, Ostcrr. Nationalbibliothck, Cod. 12600, fol. 29 r
167 Die vier Naturen der Schopfung. Honorius Augustoduncn-
sis, Clavis physicae, Maasgcbiet (?), Mitte i2.Jh. Paris, Biblio-
theque Nationale, Ms. lat. 6734, fol. 3v
168 Das Wcltenei mit atmospharischen und planetarischen Ring-
zonen. Hildegard von Bingen, Scivias, Dritte Vision, Siid-
deutschland, um 1165, ehem. Wiesbaden, Hcssischc Landes-
bibliothek, Cod. minor Hildegardis, fol. 14 r
169 Sonnenweib und Drache. Apokalypsc von Cambrai, Frank-
reich, 2. Halfte 9.Jh. Cambrai, Bibliotheque municipalc, Ms.
386 m, f. 30г
170 Lammanbctung. Apokalypsc von Trier, Frankrcich, 1. Vicr-
tel 9.Jh. Trier, Stadtbibliothck, Cod. 31, fol. 37г
171 Anbetung der Majestas Domini durch die 24 Altestcn. Bam-
bergcr-Apokalypsc, Rcichcnau, 1000-1002. Bamberg,
Staatsbibliothek, Ms. 140, fol. 10 v
Anbetung der Majestas Domini durch die 24 Altcsten. Lam-
beth-Apokalypse, cnglisch, Endc 13.Jh. London, Lambeth
Palace Library, Ms. 75, fol. 2г
Anbetung der Majestas Domini durch die 24 Altcsten. Mois-
sac, chcm. Abtei-Kirche Saint-Pierre, Tympanon dcs Siid-
portals, siidfranzosisch, 1120-1135
Illustration zu Psalm 72. Psalter, Illuminator Thcodorus aus
dem Kloster Studios, 11.Jh. London, British Library, Add.
Ms. 19352, fol. 93 v
Illustration zu Psalm 91. Psalter, Illuminator Theodorus aus
dem Kloster Studios, 11.Jh. London, British Library, Add.
Ms. 19352, fol. 43 v
Illustration zu Psalm 68. Utrccht-Psalter, Reims, um 830.
Utrecht, Bibliotheek der Rijksuniversitcit, Cat. Cod. Ms.
Bibl. Rhcnotraicctinae 1. Nr. 32, fol. 38 V
Illustration zu Psalm 41. Utrecht-Psaltcr, Reims, um 830.
Utrecht, Bibliotheek der Rijksuniversitcit, Cat. Cod. Ms.
Bibl. Rhenotraiectinac 1. Nr. 32, fol. 24 V (Detail)
Illustration zu Psalm 40. Utrccht-Psalter, Reims, um 830.
Utrecht, Bibliotheek der Rijksuniversitcit, Cat. Cod. Ms.
Bibl. Rhenotraiectinac 1. Nr. 32, fol. 24r (Detail)
Illustration zu Psalm 43. Utrccht-Psalter, Reims, um 830.
Utrecht, Bibliotheek der Rijksuniversitcit, Cat. Cod. Ms.
Bibl. Rhenotraiectinac 1. Nr. 32, fol. 25 r (Detail)
Illustration zu Psalm 92. Utrecht-Psalter, Reims, 11111 830.
Utrecht, Bibliotheek der Rijksuniversitcit, Cat. Cod. Ms.
Bibl. Rhenotraiectinac 1. Nr. 32, fol. 54 V (Detail)
Evangelist Lukas. Book of Lindisfamc, insular, vor 698 (?).
London, British Library, Cotton Ms. Nero D.iv, fol. 134 V
Evangelist Johannes. Evangeliar, insular, 8.Jh. St.Gallen,
Stiftsbibliothck, Cod. 51, p. 208
Die Evangclisten Matthaus und Markus. Evangeliar aus Xan-
ten (Detail), Hofschule Karls des GroBcn, Anfang 9.Jh. Brus¬
sel, Bibliotheque Royale, Ms. 18723, fol. 16 v
Evangelist Matthaus. Ebo-Evangcliar, Reims, um 816-835.
Epcmay, Bibliotheque municipalc, Ms. 1, fol. 18 v
Christus super aspidem. Psalter, angelsachsisch, 2.Viertcl
т 1.Jh. Oxford, Bodleian Library, Ms. Douce 296, fol. 40Г
Taufc Christi, Ethclwold-Bencdictionalc, angelsachsisch
(Winchester), zwischen 971 und 984. London, British
Library, Add. Ms. 49598, fol. 25 т
Taufe Christi. Elfenbeinkastchcn, Metz. 9./io.Jh. Braun¬
schweig, Herzog Anton Ulrich-Museum, Inv.-Nr. MA 59
Die drei Frauen am Grabc. Ethclwold-Bencdictionalc, angcl-
sachsisch (Winchester), zwischen 971 und 984. London, Bri¬
tish Library, Add. Ms. 49598, fol. 51 v
Die drei Frauen am Grabe. Bcnedictionale dcs Robert von
Jumiegcs, Winchester (New Minster), um 980. Rouen,
Bibliotheque municipale, Ms. Y.7, fol. 21 v
Die drei Frauen am Grabe. Psalter, angelsachsisch (Winches¬
ter), um 1050. London, British Library, Cotton Ms. Tiberius
C.6, fol. 13 V
Gregor der Grofic und sein Schreiber. >Registrum Gregorii<,
Einzelblatt, Mcister des Registrum Gregorii (Trier), um 984.
Trier, Stadtbibliothck
Kreuzigung. Evangeliar, Echtemach, Mitte 11.Jh. London,
British Library, Egerton Ms. 608, fol. 88
Kronung Kaiser Heinrichs 11. durch Christus. Sakramcntar
Heinrichs 11., Regensburg, zwischen 1002 und 1014. Miin-
chen, Bayerische Staatsbibliothek, Cod. lat. 4456, fol. 11 r
Glorifizierung dcs hi. Edmund. Edmundslcgende, Bury
St. Edmunds, 2.Vicrtel i2.Jh. New York, Picrpont Morgan
Library, M. 736, p. 22 v
172
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194
212 Abbildungsverzeiclmis
195 Grablegung Christi. Albani-Psalter, St. Albans, um 1119-
1123. Hildeshcim, St.Godehard, p. 48
196 Grablegung Christi (Detail ciner Seite mit vicr Szencn).
Evangeliar, Konstantinopel, 2. Halfte u.Jh. Parma, Biblio-
tcca Palatina, Ms. Palat. gr. 5, fol. 90v
197 ProphetJesaias.Jcsaias-Kommcntar, Normandie, Ende 1 i.Jh.
Oxford, Bodleian Library, Ms. Bodlcy 717, fol. ir
198 David mit seinen Musikanten. Bibel von San Paulo fuori le
mura, Reims (?), um 870-880. Rom, San Paolo fuori le mura,
fol. 170 V
199 Engel. Chorumgangsrelief. Toulouse, Saint-Semin, Sud-
frankrcich, um 1100
200 Kanonbild, Missale von Scnlis, Paris, Anfang i4.Jh. Paris,
Bibliotheque Saintc-Gcncvievc, Ms. 103, fol. 120 V
201 Majestas Domini. Missale und Brevier von Chalons-sur-
Mame, Ile-de-France, Anfang I4-Jh. Paris, Bibliotheque de
Г Arsenal, Ms. 595, fol. 244 г
202 Predigt dcs hi. Dionysius in Paris. Leben des hi. Dionysius,
Paris, 1317. Paris, Bibliotheque Nationale, Ms. fr. 2091, fol.
111 r
203 Vcrkiindigung. Stundenbuch der Jeanne 11., Konigin von
Navarra, franzosisch (Puccllc-Werkstatt), 2. Viertel H.Jh.
Paris, Bibliotheque Nationale, nouv. acq. lat. 3145
204 GeiBelung Christi und Christus vor Pilatus. Missale, Schule
des Jean Pucelle, Mittc 14.JI1. Oxford, Bodleian Library, Ms.
Douce 313, fol. 238 V
205 Majestas Domini. Tres belles heures des Herzogs von Berry.
Jacquemart dc Hesdin, Anfang 15.Jh. Brussel, Bibliotheque
Royale, Ms. 11060-11061, p. 130
206 Vorzcichnung eincr Majestas Domini. Tres belles heures de«
Herzogs von Berry, franzosisch, Ende 14-Jh. Brussel, Biblio¬
theque Royale, Ms. 11060-11 061, p. 129
207 Totenmcssc. Stundenbuch, Meister dcs Marcchal dc Bouci-
caut, 1. Viertel 15-Jh. London, British Library, Add. Ms.
16997, fol. 145 г
208 Totenmesse. Turiner Stundenbuch, Meister des Turiner
Gebctbuchs (Flandcrn), z.Jahrzchnt 15.Jh. Turin, Museo Ci-
vico, fol. 116r
209 Szencn aus der Passion Christi. Meister dcr Maria von Bur-
gund (Brugge), um 1490. Madrid, Biblioteca Nacional, Ms
Vit. 25-$, fol. 14Г
210 Titelscitc von Band и der Werke von Aristotclcs. Venedig
(Girolamo da Cremona oder Jacometto Veneziano). Druck
von Andreas Torresanus, Venedig, 1483. New York, Picrpont
Morgan Library, E. 2.78 В
Ausgewahlte Bibliographic
Die hier angegcbenc Literaturauswahl beschrankt sich im wesent-
Iichcn auf ncuerc und neucstc Publikationen, die ihrerseits spezia-
lisicrtcrc Bibliographicn cnthaltcn.
Literatur zu einzelnen Epochen,
Kiinstlern oder Werken
Wcitzmann, K., Spatantike und friihchristlichc Buchmalerei.
Miinchen 1977
Wiener Genesis. Illuminierte Purpurhandschrift aus dem 6.Jahr-
hundert. Faksimile-Ausgabc. Kommentarband verf. u. hrsg.
v. Otto Mazal. Frankfurt am Main 1980
Josua-Rolle. Vollstandige Faksimile-Ausgabe des Codex Vaticanus
Palatinus Graccus 431 der Biblioteca Apostolica Vaticana.
Kommcntar v. Otto Mazal. Graz 1984
Alexander, J.J.G., Insular Manuscripts 6th-9th Century. London
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Backhouse, J., The Lindisfarne Gospels. Oxford 1981
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Nordenfalk, C., Insularc Buchmalerei. Illuminierte Handschriftcn
der Britischen Inscln 600-800. Miinchen 1977
Williams, J., Friihc spanischc Buchmalerei. Miinchen 1977
Miithcrich, F. u. Gaehde,J.E., Karolingische Buchmalerei. Miin¬
chen 1976
Unterkircher, F., Zur Ikonographie und Liturgic dcs Drogo-
Sakramentars. Graz 1977
Temple, E., Anglo-Saxon Manuscripts 900-1066. London 1976
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Kauffmann, С. M., Romanesque Manuscripts 1066-1190. London
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Oursel, Ch., Miniatures Cisterciennes (1109-1134). Macon i960
Avril, F., Buchmalerei am Hofe Frankrcichs 1310-1380. Miinchen
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Mciss, M., French Painting in the Time of Jean de Berry, 1. The
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Mciss, M., French Painting in the Time of Jean dc Berry, 11. The
Boucicaut Master. London 1968
Meiss, M., French Painting in the Time ofjean de Berry, in. The
Limbourgs and their Contemporaries. London 1974, 2 Bde.
Thomas, M., Buchmalerei aus der Zcit des Jean de Berry. Miin¬
chen 1979
Pacht, O., The Master of Mary of Burgundy. London 1948
Alexander, J.J.G., Buchmalerei der italicnischen Renaissance im
I5.jahrhundert. Miinchen 1977
DIE INITIALE
Literatur zu einzelnen Kapiteln
und Themen
Alexander, J.J.G., Initialcn aus groBen Handschriften. Miinchen
1978
Gutbrod, J., Die Initialc in Handschriften des achten bis dreizchn-
ten Jahrhundcrts. Stuttgart 1965
Nordenfalk, C., Die spatantiken Zicrbuchstabcn. Stockholm
1970, 2 Bde.
DIE BIBEL
Cahn, W., Die Bibcl in der Romanik. Miinchen 1982
Oakeshott, W., The Artists of the Winchester Bible. London 1965
Oakeshott, W., The Two Winchester Bibles. Oxford 1981
DIE APOKALYPSE
Hamischfeger, E., Die Bamberger Apokalypsc. Stuttgart 1983
James, M.R., The Apocalypse in Art. London 1931
van der Meer, F., Apokalypse. Die Visioncn des Johannes in dcr
europaischcn Kunst. Freiburg-Bascl-Wien 1978
Douce-Apokalypse. Vollstandige Faksimile-Ausgabe des Ms.
Douce 180 der Bodleian Library Oxford. Endzeiterwartung
und Ritter-Idcologie. Kommentar v. P. Klein. Graz 1981
und 1985
DodwcII, C. R., The Canterbury School of Illumination 1066-
1200. Cambridge 1954
English Romanesque Art 1066-1200. Ausstellungskatalog. Lon¬
don 1984
Pacht, O., Dodwell, C. R. u. Wormald, F., The St. Albans Psalter
(Albani Psalter). London i960
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Morgan, N.J., Early Gothic Manuscripts (1) 1190-1250. London
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(1200-1500). Miinchen 1980
DER PSALTER
Der Ncrsessian, S., L’illustration des psautiers grccs du moyen
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DcWald, E.T., The Illustrations of the Utrecht Psalter. Princcton-
London-Leipzig 1932
Haseloff, G., Die Psaltcrillustration im i3.Jahrhundert. Studien
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druckt in: F. Wormald, Collected Writings 1. Studies in
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don-Oxford 1984, S. 36-46
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London 1938, S. 192-204.
Jean Fouquet: A study of his style. In: Journal of the Warburg
and Courtauld Institutes, 4, London 1940/41, S. 85-102.
A Book of Hours by Jean Fouquet. In: The Bodleian Library
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A Giottcsquc Episode in English Medieval Art. In: Journal of the
Warburg and Courtauld Institutes, 6, London 1943, S. 51-70
(abgcdruckt in: England and the Mediterranean Tradition,
Oxford 1945, S. 40-59).
Holbein and Kratzcr as Collaborators. In: The Burlington Maga¬
zine, 84, London 1944, S. 134-139.
The Master of Mary of Burgundy. In: The Burlington Magazine,
85, London 1944, S. 295-300.
Two Manuscripts of Ellingcr, Abbot of Tegemsec. In: The Bod¬
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Einc wiedergefundene Tacuinum-Sanitatis-Handschrift. In:
Miinchncrjahrbuch dcr bildenden Kunst, 3. Folge, 3/4, Miin-
chcn 1952/53, S. 172-180.
Flemish Art 1300-1700. Winter Exhibition, 1953/54. Royal Aca¬
demy of Arts (Catalogue of the illuminated manuscripts by
O. Pacht), London 1953.
An unknown Cycle of Illustrations of the Life ofjoseph. Gemcin-
sam mit Jeanne Pacht. In: Cahiers Archeologiques, 7, Paris
1954, S. 35-49-
Die Anfange der humanistischen Buchdekoration. Vortrag wah-
rend der Tagung >Urspriinge und Anfange der Renaissance*,
Miinchen, Marz 1954. In: Kunstchronik, 7, Miinchen 1954,
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C. R. Dodwell, The Canterbury School of Illumination, Cam¬
bridge 1954. Rezension. In: The Oxford Magazine, Oxford
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A Forgotten Manuscript from the Library of the Due de Berry.
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Rene d’Anjou et les Van Eyck. In: Cahiers de Г Association intema-
tionale dcs etudes franfaises, Paris 1956, S. 41-57.
The Illustrations of St. Anselm’s Prayers and Meditations. In:
Journal of the Warburg and Courtauld Institutes, 19, London
1956, S. 68-83.
Un tableau dejacquemart de Hcsdin? In: Revue des Arts, 6, Paris
1956, S. 140-160
Notes and Observations on the Origin of Humanistic Book-
Decoration. In: Fritz Saxl, 1890-1948. A Volume of Memo¬
rial Essays from his friends in England, London 1957, S. 184-
194.
Ephraimillustration, Haggadah und Wiener Genesis. In: Fest¬
schrift fiir Karl M. Swoboda, Wien 1959, S. 213-221.
The St. Albans Psalter. Gemeinsam mit C. R. Dodwell und F
Wormald. The full-page miniatures by O. Pacht, London
i960 (Studies of the Warburg Institute, 25).
H. Buchthal, Miniature Painting in the Latin Kingdom ofjerusa-
lem, Oxford 1957. Rezension. In: Medium Acvum, 29, Ox¬
ford i960, S. 151-154.
A Cycle of English Frescoes in Spain. In: The Burlington Maga¬
zine, 103, London 1961, S. 166-175.
The Rise of Pictorial Narrative in Twelfth-Century England.
Oxford 1962.
Zur Entstehung dcs >Hieronymus im Gchaus*. In: Pantheon, 21.
Miinchen 1963, S. 131-142.
The Limbourgs and Pisancllo. In: Essais cn l’honncur de Jean
Porchcr. Gazette dcs Beaux Arts, 6. Per., 62, Paris 1963.
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I. Ragusa, R. B. Green, Meditations on the Life of Christ, Prince¬
ton 1961. Rezension. In: Medium Acvum, 32, Oxford 1963.
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The Рге-Carolingian Roots of Early Romanesque Art. In: Roma¬
nesque and Gothic Art. Studies in Western Art. Acts of the
20th International Congress of History of Art, New York
1961, Vol. 1, Princeton 1963, S. 67-75.
Vita Sancti Simperti. Eine Handschrift fur Maximilian 1. Berlin
1964.
Illuminated Manuscripts in the Bodleian Library Oxford, 1. Ger¬
man, Dutch, Flemish, French and Spanish Schools. Gemein¬
sam mitJ.J.G. Alexander, Oxford 1966.
Illuminated Manuscripts in the Bodleian Library Oxford, 11. Ita¬
lian School. Gemeinsam mitJ.J.G. Alexander, Oxford 1970
Der Wcg von dcr zcichnerischcn Buchillustration zur cigenstandi-
gen Zeichnung. In: Wiener Jahrbuch fur Kunstgcschichte.
24, Wien 1971, S. 178-184.
Illuminated Manuscripts in the Bodleian Library Oxford, in.
British, Irish and Icelandic Schools. Gemeinsam mi:
J.J.G. Alexander, Oxford 1973.
Die illuminiertcn Handschriften und Inkunabcln der
Osterreichischen Nationalbibliothek, 1. Franzosische SchuL
1. 2 Bdc, Wien 1974. Gemeinsam mit Dagmar Tho^
(Osterr. Akad. d. Wisscnschaften. Vcroffentl. d. Komni. r'
Schrift- u. Buchwesen d. Mittelalters, Reihe 1. Bd. 1.)
Historiae Romanorum. Cod. 151 in serin, der Staatsbibliothck
Hamburg, Berlin 1974. Gemeinsam mit Tilo Brandis.
Bibliographic 215
Rene d’Anjou-Studien. 1. Teil. Inijahrbuch der kunsthistorischcn
Sammlungen in Wien, 69, 1973 (Wien 1974), S. 85-126.
Die illuminierten Handschriften und Inkunabeln der
Ostcrrcichischen Nationalbibliothek, 3. Hollandischc Schule.
2 Bde, Wien 1975. Gcmeinsam mit Ulrike Jenni. (Ostcrr.
Akad. d. Wissenschaften. Veroffentl. d. Komm. f. Schrift- u.
Buchwcscn d. Mittelaltcrs, Rcihc 1, Bd. 3.)
Die friiheste abendlandische Kopie der Illustrationcn des Wiener
Dioskuridcs. Fur Hugo Buchthal zum 65. Gcburtstag. In:
Zeitschr. F. Kunstgcschichtc, 38, Miinchen, Berlin 1975, S.
201-214.
Francis Wormald, The Winchester Psalter, London 1973. Rczen-
sion. In: Kunstchronik, 28, Miinchen 1975, S. 175-182.
Die nicderlandischcn Stundenbiicher des Lord Hastings. In: Litte-
rae textuales. Essays presented to G. I. Licftinck, 4, Amster¬
dam 1976, S. 28-32.
Die illuminierten Handschriften und Inkunabeln der
Ostcrreichischen Nationalbibliothek, 2. Franzosischc Schule
11. 2 Bde, Wien 1977. Gemeinsam mit Dagmar Thoss.
(Ostcrr. Akad. d. Wissenschaften, Veroffentl. d. Komm. f.
Schrift- u. Buchwesen d. Mittelaltcrs, Rcihc 1, Bd. 2.)
Rene d'Anjou-Studicn. 2. Teil. In: Jahrbuch der kunsthistorischen
Sammlungen in Wien, 73, 1977, S. 7-106.
»La terre de Flandrcs«. In: Pantheon, 36/1, Miinchen 1978, S. 3-16.
»Simon Mormion myt der handt«. In: Revue dc Part, 46, 1979,
S. 7-15.
Die illuminierten Handschriften und Inkunabeln der
Osterreichischen Nationalbibliothek, 6. Flamischc Schule 1.
2 Bde, Wien 1983. Gemeinsam mit Ulrike Jenni und Dagmar
Thoss. (Ostcrr. Akad. d. Wissenschaften, Veroffentl. d.
Komm. f. Schrift- u. Buchwesen d. Mittelalters, Reihc 1,
Bd. 6.)
Die Evangclistcnbilder in Simon Benings Stockholmer Stunden-
buch. In: Nationalmuseum Bulletin, 7/2, Stockholm 1983,
S. 71-92.
Book Illumination in the Middle Ages. An introduction. Preface
byj.j.G. Alexander. [Aus dem Deutschen]. London 1986.
La miniatura medieval. Una introduccion. [Aus dem Deutschen].
Madrid 1987.
La miniatura medievale. Una introduzione, Prcsentazione di
J.J.G. Alexander. [Aus dem Deutschen]. (Nuova Cultura 4)
Turin 1987.
Dcr Salvator Mundi dcs Turiner Stundenbuches. In: Florilcgium
in honorem Carl Nordenfalk octagcnarii contextum. Stock¬
holm 1987 (Nationalmuseums Skriftserie, N.S. 9), S. 181-
190.
Glossar
Akanthus - Pflanze des Mittclmeergebietes
mit groBlappigen, cingcbuchteten und
gezahnten Blattern, die, mehr oder we-
niger stilisiert, als Ornament Verwen-
dung findet
anthropomorph - in Menschcngestalt
Benedictionale - zum bischoflichcn Gcbrauch
dicncndes liturgisches Buch, das die For-
mulare fur den Pontifikalsegen enthalt,
den dcr Bischof an Fcsttagen erteilt
Bestiensaule - vor allem in der romanischen
Epoche auftretende Saulcn bzw. Pfeiler,
an deren Schaft Kampfc von Tieren oder
Ticren und Menschcn dargestellt sind
bewohnte Initiate - Initialc, bei der Figuren
als Bewohner der Rankcnfiillungen des
Buchstabenkorpcrs fungieren
Chorbucher (Choralbncher) - zusammenfas-
sende Bezeichnung fur die beim Gottes-
dienst gebrauchtcn Bucher, in denen die
Gesange der latcinischen Liturgie - ge-
sondert nach den verschiedenen Berei-
chen - enthalten sind (z. B. Antiphonar,
Pontifikale)
Clipeus - urspr. romischer Rundschild, dann
Bildnis auf cinem Rundschild oder eincr
randlosen Scheibe
Codex, Codices - Buchform, bei der die Blat¬
ter nicht, wie bei der Buchrolle, aneinan-
dergeklebt und zusammengerollt, son-
dern gefaltet, gcheftet und gebunden
wurden. Fiir diese Buchform wurde im
Gegensatz zur Rolle Pergament verwen-
det - der Name >Codex< bezeichnet ur-
spriinglich >Abgeschabtes<, d.h. die pra-
parierte Ticrhaut. In der Folgc zum Ter¬
minus fiir mit der Hand gcschricbcnc,
meist aus Pcrgamentblattern bestehende
Bucher vcrallgemeinert
Drolerie - Mischwcsen aus Mensch und Tier,
die das Rankcnwerk gotischcr Buchsci-
ten und den Blattrand beleben und hau-
fig ganze Szenen figuricrcn
Epigraph - lnschrift
Evangeliar - liturgisches Buch, das den voll-
standigen Text dcr vicr Evangclicn
enthalt
Evangelistar - liturgisches Buch, das die in dcr
Messe zu lesenden Abschnittc aus den
Evangclien enthalt
Evangelistensymbole - die nach dcr Vision dcs
Ezcchicl (i, 5-14) und nach der Apoka-
lypsc dcs Johannes (4,6-8) den vier
Evangclistcn zugeordneten gcfliigeltm
Lebewesen: Lowe (Markus), Mensch
(Matthaus), Sticr (Lukas) und Adler (Jo¬
hannes)
Explicit - SchluBformel, die sich in antiken
und mittclalterlichen Handschriften am
Endc cincs groBeren Abschnitts, einzel-
ner Bucher oder des gesamten Werkcs
findet
Exultetrollen - nur in Slid- und Mittelitalien
gebrauchtc, meist mit Illustrationen ver-
sehene Schriftrollen, die den liturgischen
Text fiir die feierliche Weihe der
Osterkerze in der Ostcmacht enthalten,
der mit dem Wort >Ex(s)ultet< einsetzt
Figureninitiale - aus Menschen, Tieren oder
auch Mischwesen gebildete Anfangs-
buchstabcn
Foliant- Bezeichnung fiirein groBformatigcs
umfangrciches Buch
Frontispiz - Titelblatt
historisierte Initialc - einzclnc Personen oder
ganze Szenen umschlieBender Anfangs-
buchstabe
Ikonographie - bildliche Tradition cincs Dar-
stellungsthemas
Illuminator - Buchmaler
Iucipit - >es fangt an<, Formel am Beginn eines
Textes oder Textabschnitts in spatanti-
ken und mittelaltcrlichcn Handschriften
Initiate - ausgezeichneter Anfangsbuchstabc
eines Textabsrhnittes
Kalligraph, Kalligraphie - Schonschreiber,
Schreibkiinstler; Schonschrift
Kanonbild- Kreuzigungsdarstellung zum Ca¬
non missae, dem im wesentlichen unver-
anderlichen zentralen Gcbet der Messe
Kanontafeht - tabellarischc Aufgliederung dcr
vier Evangelien, die auf einen Blick die
iibereinstimmenden Abschnittc erken-
nen laBt
Kolophon - SchluBvcrmcrk in Handschriften,
der Informationcn iiber die Art des Tex¬
tes, Ort und Zcit dcr Herstellung, ev.
Schreibernamcn u.a. enthalt
Komputus (komputistisch) - Kalendcrberech-
nung auf mathcmatisch-astronomischer
Grundlagc
Lektionar - liturgisches Buch mit den fiir die
>Lcsungen< wahrend dcs Gottesdienstcs
gcbrauchten Texten
Ligatur - Buchstabenverbindung
I.itnrgie, liturgisch - Gottcsdicnst, auf den Got-
tesdienst bcziiglich
Majestas Domini - >Macht und Hcrrhchkeit
des Herrin, von der Vision Ezcchicls und
der Apokalypse ausgehende Darstellung
dcs erhohten Christus
Majuskel - GroBbuchstabc
Xlandorla - >Mandel<, mandelformigc, die
ganze Figur umfassendc Aureole
Xlinuskel - Klcinschrift (mit Ober- und Un-
tcrlangcn)
Xlissale - liturgisches Buch, das allc feststc-
henden und wechselndcn Textc der
Messe im liturgischen Jahresablauf
enthalt
Oktateuch - Bezeichnung der ersten acht Bii-
cher des Alten Testaments
Pantokrator - Christus als Herrscher des
Weltalls
Pentateuch - Bezeichnung der ersten flinf Bii-
cher des Alten Testaments
r = recto - Vordcrseite eines Blattcs (bei
Handschriften ist Zahlung nach Blattern
statt nach Seiten iiblich)
Sakramentar - liturgisches Buch, das allc jcnc
Gcbctc enthalt, die der Priestcr (oder Bi¬
schof) in der Messe spricht; zeitlich Vor-
laufcr dcs Missale
Septuaginta - altcstc und wichtigstc Ubcrset-
zung dcs Alten Testaments in die griechi-
schc Sprachc. Die Bezeichnung geht auf
eine Legende zuriick, derzufolge 72 Ju-
den in 72 Tagen die Ubersetzung angc-
fertigt hatten
Stundenbuch - privates Andachtsbuch dcr
Laien nach dem Muster des offiziellen
Gebetbuchs der Klerikcr (Brevier)
Thora - die flinf Biichcr desjiidischen Geset-
zes (die ersten fiinf Bucher dcr Bibel)
Trumeau - Tiirpfeiler
Tympanon - Bogenfeld iiber Portalen, meist
mit Reliefs gcschmiickt
v = verso - Ruckseite eines Blattes
Wurzel Jesse - Darstellung dcs Stammbaums
Christi in Form eines aus dem Korper
dcs schlafcnden Isai (Jesse), Davids Vater,
emporwachsenden Baumes, dcr in sci-
nen Vcrzwcigungen die Brust- oder
Vollbildcr dcr Vorfahren Christi um-
schlicBt
zoomorph - tiergestaltig
Verzeichnis der angefiihrten Handschriften
nach Aufbcwahmngsortcn
AMIENS
Bibliotheque municipale
Ms. 18: Corbie-Psalter 52 IT., $8, 67. 92,
Ahb. 60, 61, 62, 66, 70, 71, 72, 12S
ARRAS
Bibliotheque municipale
Ms. 657: Adam dc la Halle, Le Chansonnicr
d’Arras 148, Abb. 134
Ms. 1045: Evangelistar von St.Vaast 73,
173, Abb. 96
ATHOS
Stauronikita
Ms. 43: Evangeliar 13 f., 25, 180, Abb. 3, t6
AVEZZANO
Curia Vcscovilc
Exultctrollc 40, Abb. 41
AVRANCHES
Bibliotheque municipale
Ms. 76: Augustinus. Psalmenkommcntar
90 f., Abb. 123
Ms. 107: Bcda Vcncrabilis, Evangclicn-
kommentar 82, Abb. 114
BAMBERG
Staatsbibliothck
Ms. 140: Bamberger Apokalypse 165,
Abb. 171
BERGAMO
Biblioteca Civica
Cod. A vh. 14: Musterbuch des Giovannino
dc’Grassi 28, 61 f., Farbtaj. XXX
BERLIN
Deutsche Staatbibliotbek
Ms. Hamilton 553: Salaberga-Psaltcr 72,
Abb. 93
Staatsbibliothek PrcuBischer Kulturbesitz
Ms. theol. lat. fol. 58: Psalter Ludwigs d.
Deutschen 72, Abb. 94
Probianus-Diptychon 14, Abh. 3
BROSSEL
Bibliotheque Royalc Albert Ier
Ms. 3538: Filocalus-Kalendcr, Kopie 151,
Abb. 160
Ms. 11060-11 061: Trcs belles heures des
Herzogs von Berry 196f.. Abb. 203, 206
Ms. 18723: Evangeliar aus Xanten 177,
Abb. 183
Ms. 11 2572: Petrus Archidiaconus, Liber dc
diversis quacstiunculis 17, Abb. 6
CAMBRAI
Bibliotheque municipale
Ms. 386 in: Apokalypse von Cambrai 161,
164. Abb. 169
CAMBRIDGE
Corpus Christi College
Ms. 3: Bibel von Dover 135f.. Abb. 140
Ms. 286: Augustinus-Evangeliar 12, 36 f.,
150, 179 f., Anm. 3. Abb. 36
Fitzwilliam Museum
Ms. 2 - 1954: Bird-Psalter 143, Abb. 149
Ms. 86 - 1972: Notitia dignitatum Anm. 8
Trinity College Library
Ms. R. 17. 1: Eadwine-Psalter 19. Abb. 11
CHANTILLY
Musee Conde
Ms. lat. 1695: Ingeborg-Psalter94, Abb. 131
CIVIDALE DEL FRIULI
Museo archcologico nazionale
Cod. Sacr. 11: Ricscnbibel 91, 130, Abb. 126
Ms. 136: Psalter des Bischofs Egbert 75 f..
Abb. 99
DIJON
Bibliothcque municipale
Ms. 114: Bibel des Abtcs Steven Harding
30, 58, Abb. 27
Ms. 170, 173: Gregor, Moralia in Job 58 ff.,
Abb. 73, 74, 73, 78, Farbiaf. XXll
DUBLIN
Royal Irish Academy
s. n.: Cathach (Psalter) des hi. Columban
63, Abb. 82
Trinity College Library
Ms. 57: Book of Durrow 12, 36, 60, 64,
66 ff., Anm. 4, 5, Abb. 76, 83, 87, 88,
Farbtaj. 11
Ms. $8: Book of Kells 51, 67 f., Anm. 20,
Abb. 34, 90
DURHAM
Cathedral Library
Ms. A. 11.4: Carilef-Bibel 88 f., 92, Abb. 123
EPERNAY
Bibliotheque municipale
Ms. 1: Ebo-Evangcliar 177 f., Abb. 184
ERLANGEN
Univcrsitatsbibliothek
Ms. perg. 1: Gumpertsbibel 131, Abb. 136
ESSEN
Miinsterschatz
Evangeliar 55 f., Abb. 68
EVREUX
Bibliothcque municipale
Ms. 131: Augustinus, Psalmenkommentar
77, 89 f.. Abb. 124
GENF
Bibliothcque publique et universitaire
Ms. fr. 2: Bible historialc 195 f.,
Farbtaj. XXIX
GOTTWEIG
Stiftsbibliothek
Cod. 1: St.Gallener Psalter 85 f.. Abb. 120
HILDESHEIM
St. Godehard
Albani-Psalter 92ff., 130, i88f., Anm. 31,
Abb. 127, 129, 130, 193
KOLN
Erzbischoflichc Diozcsan- u. Dombibliothek
Cod. 12: Hillinus-Evangcliar 76, 173,
Farbtaj. Л7Г
Cod. 14: Evangeliar 73, 173, Abb. 96
KREMSMUNSTER
Stiftsbibliothek
Cim. 1: Codex millcnarius 2$, 36, Anm. 7,
Abb. 17, 33
KOPENHAGEN
Dot Kongelige Bibliotek
Ms. Thott 399, 20 33, Abb. 30
LAON
Bibliotheque municipale
Ms. 63: Evangeliar $4, Abb. 63
LEIDEN
Bibliotheek der Rijksuniversiteit
Cod. Perizoni 17: Bibel 30, 139,
Abh. 23, 26
LICHFIELD
Cathedral Treasury
Book of St. Chad 36, 66, 174 f.,
Farbtaj. /г, г
LISSABON
Biblioteca Nacional
Ms. 72: Bibel aus Cervera Anm. 28
LONDON
British Library
Add. Ms. 10546: Bibel von Moutier-
Grandval 29. Farbtaj. XI
Add. Ms. 11695: Beatus von Liebana,
Apokalypsenkommentar aus Santo
Domingo de Silos 161 ff.. Farbtaj. XX
Add. Ms. 16997: Stundenbuch 197f..
Abb. 207
Add. Ms. 19352: byzantinischer Psalter
168, Abb. 174, 173
Add. Ms. 27694: Bibel in Taschenformat
146, Abb. 132
Add. Ms. 43725: Codex Sinaiticus 18,
Abb. 9
Add. Ms. 49598: Ethelwold-Benedictio-
nalc 181 IT., Abb. 186, 188
Add. Ms. 49622: Gorlcston-Psaltcr 94. 144,
Farbtaj. xxvn
218 Verzeiclwis der atigeftihrten Handschrifien
Arundel Ms. 60: Arundel-Psaltcr 87 f..
Abb. 122
Cotton Ms. Nero D. iv: Book of Lindis-
farne 67(1'., 173 tT.. Anm. 55. Abb.83,91.
Q2, 181, Farbtaf Ill
Cotton Ms. Tiberius C.6: Psalter 183,
Abb. 190
Cotton Ms. Vespasian A. I.: Vcspasian-Psal-
ter 77, Abb. 100
Egerton Ms. 608: Evangeliar 185, Abb. 192
Harley Ms. 603: Kopie dcs Utrecht-Psalters
19, 170, Farbtaf. Will
Harley Ms. 2904: Harlcy-Psalter 86 f.,
Abb. 121
Royal Ms. 1 C.7: Bibel von Rochester 28,
134 fT., Abb. 138
Royal Ms. 1 D.viii: Codex Alexandrinus
46, 63, Abb. 50
Royal Ms. 5 D.u: Augustinus, Psalmen-
kommentar 83. Abb. 116
Royal Ms. 12 E. xx: Medizinische Traktatc
134. Anm. 29, Abb. 119
Lambeth Palace Library
Ms. 3: Lambeth-Bibel 94, 138. Abb. 132,
146
Ms. 75: Lambeth-Apokalypse 165,
Abb. 172
LUCCA
Biblioteca Govcrnativa
Ms. 1942: Hildegard von Bingen, Rcvcla-
tiones 158 ГГ.. Abb. 168, Farbtaf. Л'Л'/Г
MADRID
Biblioteca Nacional
Cod. Ms. 3307: Aratea-Handschrift 24,
Abb. 13, 14
Ms. Vit. 25-5: Stundenbuch 201, Abb.209
M1CHAELBEUREN
Stiftsbibliothek
Cod. perg. 1: Riescnbibel i3of., Anm. 34
MONCHEN
Baycrische Staatsbibliothck
Cod. lat. ms. 6224: Valcrianus-Evangeliar
47, Abb. 32
Cod. lat. ms. 4453: Evangeliar Ottos in. 76,
185. Farbtaf. XI11. AT
Cod. lat. ms. 4456: Sakramentar Hein¬
richs 11. 186 fT., Abb. 193
Cod. lat. ms. 13001: Riesenbibel aus Hir-
sau I29f., Abb. 134
Cod. lat. ms. 13002: Salomon von Kon¬
stanz, Glossar I56f.. Abb. 165
NEW YORK
Metropolitan Museum of Art, The Cloisters
Stundenbuch der Jeanne d’Evrcux 195,
Farbtaf. Х.ХП11
Pierpont Morgan Library
E.41 und E. 2.78.B: Aristoteles, Werke
202, Abb. 210, Farbtaf. x.x.xn
M. 43: Huntingficld-Psalter 94, Abb. 133
M. 333: Evangeliar 84, Abb. 117
M. 736: Edmundslegcnde 187 £F., Abb. 194,
Farbtaf. xxi
NORNBERG
Germanisches Nationalmuscum
Ms. 2C 156 142: Codex aureus von Echter-
nach 151 f.. Abb. 162
OXFORD
Bodleian Library
Ms. Ashmole 1511: Bestiar 26, Abb. 18
Ms. Auct. E. inf. 1: Bibel 54. 56,
Abb. 67, 69
Ms. Auct. F. 2.13: Terenz 140, Anm. 36
Ms. Bodley 171: Jesaiaskommentar 191,
Abb. 197
Ms. Bodley 646. Basinio de’ Basini von
Parma, Astronomicon I52f., Abb. 163
Ms. Canon Class. Lat. 161: Solinus, Poly-
storia 153, Anm. 42
Ms. Canon Liturg. 319: Sakramentar
37. 42 fT., 80. Farbtaf. wi, WII
Ms. E. D. Clarke 28: Terenz. Komodien
150, Abb. 139
Ms. Douce 5-6: Psalter 28, 144. Abb. 131a
Ms. Douce 180: Douce-Apokalypse 166.
Farbtaf. XW
Ms. Douce 219-220: Stundenbuch dcs En¬
gelbert von Nassau 200 fT., Farbtaf. x.x.xi
Ms. Douce 296: Psalter 172, 178, Abb. 183
Ms. Douce 313: Missale 195, Abb. 204
Ms. Junius 27: Junius-Psaltcr 82, Abb. 112
Ms. Kcnnicott 1: Bibel Anm. 28
Ms. laud. Misc. 126: Augustinus, De Trini-
tatc 51, Abb. 36
Pap. gr. Oxy. 2331 Anm. 11
PARIS
Archives Nationales
393: Urkunde Karls v. von Frankrcich,
61. Abb. 79
Bibliotheque de l’Arscnal
Ms. 595: Missale und Brevier von Chalons-
sur-Mame 193. Abb.201
Ms. 599: Evangeliar von Saint-Martin-des-
Champs 69. Abb. 93
Ms. 1186: Psalter des hi. Ludwig Anm. 2
Bibliotheque Nationalc
Ms. fr. 95: Robert de Boron, L’Histoire du
Graal 28. 144, Abb. 23
Ms. fr. 2091: Vie de St. Denis 194, Abb. 202
Ms. grec 139: Pariscr Psalter 137 f., Abb. 144
Ms. lat. 1141: Sakramentarfragmcnt
Anm. 22
Ms. lat. 6299: Aristoteles. Mctaphysik 144,
Abb. 131b
Ms. lat. 6734: Honorius Augustodunensis,
Clavis physicae 158 ffl. Anm. 45,
Abb. 167
Ms. lat. 7899: Terenz, Komodien 23, 33,
Abb. 31
Ms. lat. 8846: Kopie des Utrecht-Psalters
Anm. 10
Ms. lat. 8850: Evangeliar aus Saint-Me-
dard-de-Soissons 149, 179 f., 182,
Abb. 137, Farbtaf. x
Ms. lat. 9427: Lektionar aus Luxeuil 51,
Abb. 33
Ms. lat. 9428: Drogo-Sakramcntar 37,
77fT., 140, Anm. 38, Abb. 103, 103-107,
Farbtaf. Xll
Ms. lat. 10525: Psalter des hi. Ludwig 148.
192. Farbtaf. XX17
Ms. lat. 11 550: Psalter 82, Abb. 113
Ms. lat. 12048: Sakramentar von Gcllone
42. Abb. 46
Ms. lat. 12 135: Ambrosius, Hexamcron
50 f.. Abb. 33, 37
Ms. lat. 12 168: Augustinus, Quaestioncs in
Heptateuchon 52, Abb. 39
Ms. lat. 12444: Kanonische Schriften
52, Abb. 38
Ms. lat. 17326: Evangeliar der Sainte-Cha-
pelle 147 f.. Abb. 133
nouv. acq. lat. 3145: Stundenbuch der
Jeanne 11. 195, Abb. 203
Ms. suppl. grec 1294: Papyrusreste
22, Abb. 12
Xylo 2: Armcnbibel, Blockbuch
28, Abb. 24
Bibliotheque Sainte-Genevieve
Ms. 103: Missale von Senlis 192 f.. Abb. 200
Musee du Louvre
Pap. 1: Astrologische Papyrusrollc 17, 23.
Abb. 7
PARMA
Biblioteca Palatina
Ms. Palat. gr. 5: Evangeliar 189, Abb. 196
ROM
Biblioteca Casanatense
Ms. 724 (B.1.13): Exultctrolle 40, Abb. 42
Cod. 1907: Sakramentar 40, 43, 62,
Abb. 43, 47
Biblioteca Vaticana
Cod. Reg. lat. 316: Sacramentarium Gela-
sianum 38, 50, 62, Abb. 37, 38
Cod. Vat. gr. 43 i:Josuarolle 22, 26, Abb. 10
Cod. Vat. gr. 747: Oktateuch 26, Abb. 20.
21
Cod. Vat. lat. 3225: Vergilius Vaticanus
23. 33. Abb. 29
Cod. Vat. lat. 3256: Vergilius Augusteus
45, 63. Abb. 31
San Paolo fuori le mura
Bibel 19т f.. Abb. 198
ROSSANO
Biblioteca Arcivescovile
Codex purpurcus Rossanensis Anm. 20
ROUEN
Bibliotheque municipalc
Ms. Y.6: Sakramentar (>Missalc<) des Ro¬
bert von Jumieges 42, 80, 178, Anm. 5s.
Abb. 43, Farbtaf. xix
Ms. Y.7: Bcnedictionale des Robert von
Jumieges 183. Abb. 189
Ms. 456: Augustinus, Psalmcnkommcntar
Anm. 30
ST FLORIAN
Stiftsbibliothek
Cod. ill, 221 A: Walling-Missale 43, 80,
Abb. 48
Cod. xi, 1: Riesenbibel 130, Abb. 133
Cod. xi, 394: Missale 40, Abb. 44
Verzeiclmis der atigejtihrien Objekte 219
ST. G ALLEN
Stiftsbibliothek
Cod. 23: Folchard-Psalter 73 ff, Abb. g8
Cod. 51: Evangeliartfyf., 173,175, Abb. 8g,
182
St.Gallener Psalter 85 f., Abb. 120
STOCKHOLM
Kungliga Biblioteket
Ms. A. 135: Codex aureus Anm. 7
Ms. A. 148.309: Codex Gigas Anm. 33
STUTTGART
Wiirttembergischc Landesbibliothek
Bibl. Fol. 23: Stuttgarter Psalter 24, 170,
Abb. 13
TRIER
Dombibliothek
Ms. 61/134: Evangcliar 151, Anm. 55,
Abb. 161
Stadtbibliothck
Cod. 31: Apokalypse von Trier 161 ff..
Abb. 170
Einzclblatt aus einem >Registrum Gregorii<
185 f., Abb. tgi
TURIN
Museo Civico
Turiner Stundenbuch 198 ff, Abb. 208
UTRECHT
Bibliotheek der Rijksuniversitcit
Cat. Cod. Ms. Bibl. Rhenotraiectinae 1.
Nr. 32: Utrecht-Psaltcr 19, 168 ft*., 177F,
Anm. 10, Abb. 10, 176-180
VALENCIA
Biblioteca Univcrsitaria
Ms. 819: Josephus Flavius, De bellojudaico
153, Abb. 164
WIEN
Ostcrrcichische Nationalbibliothck
Cod. 387: Chronologischc und astronomi-
sche Schriften r8. Abb. 8
Cod. 847: Eusebius und Rufinus Aquile-
jensis Anm. 41
Cod. 958: Sakramentar-Fragment 37 f., 62,
Abb. jg, 40
Cod. 1224: Cutbercht-Evangeliar Anm. 55
Cod. 1861: Dagulf-Psaltcr 140, Anm. 38
Farbtaf. ГШ//Х
Cod. 12600: Astronomische Traktate 157,
Abb. 166
Cod. Med. gr. 1: Wiener Dioskurides 150,
Abb. 138
Cod. Scr. n. 2596: Stundenbuch und Psalter
143 f., 169, Abb. 130
Cod. Ser. n. 2701: Admontcr Riescnbibel
130 IT., Abb. 137
Cod. Suppl. gr. $2: Neues Testament 138,
Abb. 143
Cod. thcol. gr. 31: Wiener Genesis 29.
Farbtaf. l
Weltliche Schatzkammer
Kronungsevangeliar 177, Farbtaf. 17/i'll
WIESBADEN
(ehem.) Hessischc Landesbibliothek
Cod. minor Hildegardis: Hildcgard von
Bingen, Scivias 159 tT., Abb. 168
WILHERING
Stiftsbibliothek
Cod. 9: Missale des Andrcas-Altars 11,
Abb. 1
WINCHESTER
Cathedral Library
Winchcster-Bibel 30, 35f., 51, 77, 135ff.,
192, Anm. 18, Abb. 28, 34, Ю2, 141, 142,
147, 148, Farbtaf. win
Verzeichnis der angefuhrten Objekte
nach Aufbewahrungsortcn
ATHEN
Akropolismuseum
Relief vom Tempcl der Athena Nike 137,
Abb. 143
BERLIN
Staatliche Muscen PrcuBischcr Kulturbesitz
Pieter Brueghel, Die niederlandischcn
Sprichworter 168, Anm. 52
BRAUNSCHWEIG
Herzog Anton Ulrich-Museum
Metzer Elfenbeinkastchen 181 f.. Abb. 187
CAMBRIDGE
Fitzwilliam Museum
Elfcnbcin, ottonisch 3$, Abb. 32
DUBLIN
National Museum of Ireland
>SoisceI Molaisc<-Reliquiar 12, Anm. 6,
Abb. 2
EDINBURGH
National Museum of Antiquities
Irischcs Steinkreuz aus Aberlady 54,
Abb. 64
FRANKFURT
Liebieghaus
Elfenbein mit liturgischer Szene 35. 37,
Abb. 33
GROTTAFERRATA
Badia greca di. Museum
Grabstelc, attisch 14, Abb. 4
LONDON
British Museum
Goldschnalle von Sutton Hoo 66,
Abb. 86
Prunkschild, kcltisch 65, Abb. 84
Victoria and Albert Museum
Kriimme eincs Bischofsstabs 84, Abb. ug
Irisches Steinkreuz aus Easby 81,
Abb. 111
mOnchen
Bayerisches Nationalmuseum
Elfenbein, obcritalienisch 78. Abb. 104
Staatl. Graphische Sammlung
Meister E. S., Figurenalphabet 62,
Abb So. 81
NEW YORK
Metropolitan Museum of Art
Silberteller aus Zypern 77, Abb. 101
PARIS
Musee de Cluny
Elfenbein, 9./io.Jh. 81, Abb. no
RAVENNA
Museo Arcivescovilc
Kathedra des Bischofs Maximian 149,
Abb. 133
ROM
Vatikanische Museen
Porphyrsarkophag der Constantina 81,
Abb. 108
Sarkophag mit dem Gutcn Hirten 81,
Abb. tog
TOULOUSE
Augustinermuseum
Doppelkapitell 84, Abb. 118
Objektregister
Admontcr Riesenbibel i3off, Abb. 137
Acthelwold s. Ethelwold
Albani-Psalter gaff., 130, i88f., Anm. 31,
Abb. 127, 129, 130, 193
Apokalypse
von Cambrai 161, 164, Abb. 169
von Trier i6iff, Abb. 170;
s.a. Apokalypsenkommentar dcs Deatus
von Liebana, Bamberger Apokalypse,
Douce-Apokalypse. Diirer (Holz-
schnittfolge der Apokalypse). Lambcth-
Apokalypse
Apokalypsenkommentar des Beatus von Lie¬
bana i6iff., Farbtaf. xx
Arundcl-Psaltcr 87 г. Abb. 122
Augustinus-Evangcliar 12, 36 f., 150, 179 Г.,
Anm. 3, Abb. 36
Bamberger Apokalypse 165. Abb. 171
Beatus von Liebana. s. Apokalypsenkom¬
mentar
Benedictionale des Robert von Jumieges 183,
Abb. 189
Bibcl
aus Cervera Anm. 28
von Dover 135 f., Abb. 140
von Moutier-Grandval 29, Farbtaf. xt
von Rochester 28, 134 В*., Abb. 138
von San Paolo fuori lc mura 191 f., Abb. 198
des Abtes Steven Harding 30, 58, Abb. 27
s.a. Admonter Riesenbibel. Carilef-Bibel,
Gumpertsbibel, Kcnnicott-Bibcl, Lam-
bcth-Bibcl, Riesenbibel, Winchester-
Bibel
Bird-Psalter 143, Abb. 149
Book of Durrow 12, 36, 60, 64. 66 fF..
Anm. 4, 5, Abb. 76, 83, 87, 88, Farbtaf. 11
Book of Kells 51, 67 f., Anm. 20, Abb. 34, 90
Book ofLindisfame 37, 67flf., 173fF.,
Anm. 55, Abb. 83, 91, 92, 181, Farbtaf. ill
Book of St. Chad 36, 66, 174 f., Farbtaf. tv. v
Brueghel, Pieter
Die niederlandischen Sprichwortcr 168,
Anm. 62
Carilef-Bibel 88 f., 92, Abb. 123
Cathach (Psalter) des hl.Columban 63,
Abb. 82
Chartres, Kathedrale Notre-Dame
Wcstportal, Prophet 51, 149, Abb. 136
Codex Alexandrinus 46, 63, Abb. 30
Codex aureus von Echternach 151 f.. Abb. 162
Codex aureus von Stockholm Anm. 37
Codex Gigas Anm. 33
Codex millenarius 25, 36, Anm. 7,
Abb. 17, 35
Codex purpureus Rossanensis Anm. 20
Codex Sinaiticus 18, Abb. 9
Corbie-Psalter 52 ff., 58, 67, 92, Abb. 60, 61,
62,66, 70-72, 128
Cutbcrcht-Evangcliar Anm. 55
Dagulf-Psalter 7of., 140. 173, Anm. 38,
Farbtaf. 1 ill, IX
Damasus-Epigraph 45, Abb. 49
de’ Grassi, Cliovannino. Musterbuch 28, 61 f.,
Farbtaf. XXX
Dionysius, hi. s. Leben des
Douce-Apokalypse 166, Farbtaf. xx\’
Drogo-Sakramcntar 37, 77ff., 140,
Anm. 38. Abb. 103, 103-107, Farbtaf. xtt
Diircr, Albrecht, Holzschnittfolge
der Apokalypse Anm. 50
Eadwine-Psalter 19, Abb. 11
Ebo-Evangeliar 177 f., Abb. 184
Edmundslcgende 187 ff, Abb. 194,
Farbtaf xxi
Egbert-Psalter 75 f., Abb. 99
Ethelwold-Benedictionale 181 ff.,
Abb. 186, 188
Evangeliar
Ottos hi. 76, 185, Farbtaf. Xlll, лт
von Saint-Martin-des-Champs 69, 173,
Abb. 93
der Saintc-Chapelle 147 f.. Abb. 133;
s.a. Augustinus-Evangeliar, Cutbercht-
Evangcliar, Ebo-Evangeliar, Hillinus-
Evangcliar, Kronungsevangeliar, Sois-
sons-Evangcliar, Valcrianus-Evangeliar
Exultetrollen 40, Anm. 21, Abb. 41, 42
Filocalus-Kalcndcr 151, Abb. 160
Folchard-Psaltcr 73 ff. Abb. 98
Gorleston-Psalter 94, Farbtaf. xxni
Grandval-Bibcl s. Bibcl von Moutier-
Grandval
Gumpertsbibel 131. Abb. 136
Harley-Psalter 86f., Abb. 121
Hillinus-Evangeliar 76, 173, Farbtaf. XU'
Huntingfield-Psalter 94, Abb. 133
Ingcborg-Psalter 94, Abb. 131
Jacqucmart de Hcsdin 196, Abb. 203
Josuarollc 22. 26, Abb. 19
Junius-Psalter 82, Abb. 112
Kennicott-Bibcl Anm. 28
Kronungsevangeliar 177, Farbtaf. I'lH'ii
Kronungssakramentar Karls d. Kahlen
Anm. 22
Lambeth-Apokalypse 16$, Abb. 172
Lambeth-Bibel 94, 138, Abb. 132, 146
Lauro Padovano Abb. 164
Leben des hi. Dionysius (Vie de St. Denis)
194, Abb. 202
Maximians-Kathcdra 149, Abb. 133
Meister E.S., Figurenalphabct 62, Abb. 80, 81
Meister dcs Marcchal de Boucicaut, Stunden-
buch T97f., Abb. 207
Meister dcr Maria von Burgund, Stunden-
buch 200 ff, Anm. 62, Abb. 209,
Farbtaf. xxxii
Meister des Turiner Stundenbuchs, Turiner
Stundenbuch 198 ff, Abb. 208
Missale des Andreas-Altars 11, Abb. t
Missale und Brevier von Chalons-sur-Mamc
193, 195, Abb. 201
Missale (Sakramentar) des Robert v. Jumiege'
42, 80, 178, Anm. 58, Abb. 45, Farbtaf. X!\
Missale von Senlis iQ2f., Abb. 200;
s.a. Walling-Missale
Moissac, ehem. Abteikirche Saint-Pierre
Besticnpfeiler 60
Tympanon 165, Abb. 173
Notitia dignitatum Anm. 8
О vide moralise 33, Abb. 30
Pariser Psalter 137 f.. Abb. 144
Piranesi, Fronrispiz 153, Anm. 44
Probianus-Diptychon 14, Abb. 3
Psalter
des hi. Ludwig 148, 192, Farbtaf. XXI 7
(Paris, Bibl. Nat.); Anm. 2 (Paris, Bibl
de Г Arsenal)
Ludwigs d. Dcutschen 72, Abb. 94;
s.a. Albani-Psalter, Arundcl-Psaltcr, Bird-
Psalter, Cathach (Psalter) des hi. Colum-
ban, Corbie-Psalter, Dagulf-Psalter.
Eadwine-Psalter, Egbert-Psalter, Fol-
chard-Psalter, Gorleston-Psalter, Har-
lcy-Psalter, Huntingfield-Psalter, Inge-
borg-Psaltcr, Junius-Psalter, Pariser
Psalter, Salabcrga-Psalter, St.Gallener
Psalter, Stuttgarter Psalter, Utrecht-
Psalter, Vespasian-Psalter
Puccllc, Jean, und Umkreis Abb. 203, 204.
Farbtaf. xxi’in
Registrum Gregorii (Einzelblatt) 184,
Abb. 191
Riesenbibel
von Cividale 91, 130, Abb. 126
von Hirsau 129!*., Abb. 134
von Michaelbcurcn i3of., Abb. 34
von St. Florian 130, Abb. 133;
s.a. Admonter Riesenbibel, Gumperts-
bibcl
Rom
Marc-Aurcl-Saule 26
Sant’Agnese
Damasus-Epigraph 45. Abb. 49
Trajan-Saulc 26, Abb. 22
Sacramentarium Gelasianum 38. 50, 62,
Abb. 37, 38
Sakramentar
von Gellone 42, Abb. 46
Photonachweis 221
Heinrichs и. 186 AT., Abb. 193
(>Missale<) des Robert von Jumiegcs 42, 80,
178, Anm. 58, Abb. 43, Farbtaf. xtx;
s.a. Drogo-Sakramentar, Kronungssakra-
mentar Karls d. Kahlen, Sacramenta-
rium Gelasianum
Salabcrga-Psaltcr 72, Abb. 93
Schatzkammcr-Evangeliar s. Kronungscvan-
geliar
>Soiscel Molaise<-Reliquiar 12, Anm. 6,
Abb. 2
Soissons-Evangcliar 149,179 f.. 182, Abb. 137,
Farbtaf. X
Souillac, ehem. Abteikirche Sainte-Marie
Trumcau-Pfeiler 54, Abb. 63
Bcsticnpfeiler 60, Abb. 77
St.Gallener Psalter 8$ f, Abb. 120
Photonachweis
antella (Florenz) Scala Istituto Fotografico:
Farbtafcl xxiv
BARCELONA, Foto Mas: 164
brussel, Bibliotheque Royale Albert Icr: 183,
205, 206
Cambridge, Fitzwilliam Museum: 32
FRANKFURT AM main, Liebicghaus 33
graz, Akadcmische Druck- und Vcrlagsan-
stalt: Farbtafel vm, ix, xn, xxv, xxvi,
10, 17, 35, 103, 105, 106, 107
koln. Photo Wolfgang F. Meier:
Farbtafel xiv
London, British Library: Farbtafel xviii, xx,
9, 152; Courtauld Institute: 69, 116. 138,
139, 149, 174; Victoria and Albert Mu¬
seum; 123: Warburg Institute: 34, 142, 146,
147, 48
Stundcnbuch
dcs Engelbert von Nassau 200 AT.,
Farbtaf. XXXI
der Jeanne 11., Konigin von Navarra 195,
Abb. 203
der Jeanne d’Evreux 19$, Farbtaf. XXl'IU;
s.a. Turiner Stundenbuch
Stuttgarter Psalter 24, 170, Abb. 13
Sutton Hoo, Goldschnallc 66, Abb. 86
Tcrcnz-Handschriften 33, 140, Anm. 36,
Abb. 31
Thorarolle 14, Anm. 9
Toulouse, Saint-Semin
Chorumgangsrelief 192, Abb. 199
Trcs belles heures des Herzogs von Berry
196 f., Abb. 203, 206, 208
Madrid. Biblioteca Nacional: 209
Manchester, University of Manchester, Hi¬
story of Art Department: Farbtafel xxm
marburg, Foto Marburg: 173, 199
munchen, Bayerische Staatsbibliothek: Farb¬
tafel xin, xv; Bayerisches Nationalmu-
scum: 104; Photo Hirmer: 108, 171; Staat-
lichc Graphische Sammluiig: 80, 81
new York, Metropolitan Museum: 101; Picr-
pont Morgan Library: Farbtafel xxi, 194
oxford, Bodleian Library: Farbtafel xvi,
xvii. XXXI. 67, 112. 151a, 197
Paris, Bibliotheque Nationale: Farbtafcl x,
23, 93, 96, 153, 157, 167; Photo Giraudon:
77. 13 *
rom, Biblioteca Apostolica Vaticana: 38
rouen, Photo Ellebe: Farbtafel xix
Turiner Stundenbuch (Tres belles heures dcs
Herzogs von Berry) 198 AT., Abb. 208
Utrccht-Psalter 19, 168 AT., 177 AT., Anm. 10,
Abb. to, 176-180
Valerianus-Evangeliar 47, Abb. 32
Vcrgilius Augusteus 46, 63, Abb. 31
Vergilius Vaticanus 23, 33, Abb. 29
Vespasian-Psalter 77, Abb. 100
Vie de St. Denis s. Leben dcs hi. Dionysius
Walling-Missalc 43, 80, Abb. 48
Wiener Dioskuridcs 150, Abb. 138
Wiener Genesis 29, Farbtaf. I
Winchestcr-Bibel 30, 35 f., 51,77, 135 AT., 192,
Anm. 18, Abb. 28, 34, 102, 141, 142, 147,
148, Farbtaf. XXIII
saioniki, Photo Lykides: 3, 16
st.callen, Photo Morschcr: 98, 182
WIEN, Kunsthistorischcs Institut der Universi¬
ty Wien: 1,15, 22, 39, 44, 45, 47, 48, $0,
52, 56, 60, 61, 62, 65, 66, 71, 72, 79, 97, 99,
102, 126, 134, 135, 140, 144, 155, 165, 170,
186, 187, 188, 196, 198, 208;
Osterreichische Nationalbibliothek: 8, $1,
150, 158; Photo Meyer: Farbtafel vi, vn
Allc anderen Vorlagen stamincn aus dem
Archiv dcs Autors und des Verlages.
ОТТО PACHT
Buchmalerei des Mittelalters
Eine Einfuhrung
Herausgegeben von DagmarThoss und Ulrikejenni
Dieses Buch ist eine aus uberlegener Kenntms
geschriebene Einfuhrung in die subtile Kunst-
iibung der Buchmalerei, die vom Ausgang der
Antike bis zum Ende des Mittelalters bliihte und
in der Wechselwirkung von Schrift, Bild und
Ornament wahre Wunderwerke hervorbrachte.
In der christlichen Welt des Mittelalters war das
Buch nicht einfach Gebrauchsgegenstand, son-
dern hatte als sinnliche Form der Glaubensquelle,
des Evangeliums, Symbolwert, kaum wemger als
das Kreuz.
Immer vom Verstandnis der Texte und von der
Anschauung ausgehend, entrollt Otto Pacht - ein
ebenso intellektuell faszinierender Gelehrter wie
empfanglicher Augenmensch - ein weites Pan¬
orama, das von Byzanz bis zu den Britischen
Inseln reicht und die vielfaltigen Phasen und For-
men der Buchmalerei zeigt, aber auch noch im
scheinbar Nebensachlichen eine Fiille von Beob-
achtungen und Einsichten ausbreitet.
Otto Pacht war einer der angesehensten Vertreter
der tradidonsreichen Wiener Schule der Kunstge-
schichte und hat durch seine Lehr- und For-
schungstatigkeit in England, Amerika und in
Wien entscheidend zur Kenntnis und zum Ver¬
standnis dieser lange in Bibliotheken verborgenen
Kunstschatze beigetragen. Das Buch geht auf ei-
nen bis ins Detail ausgearbeiteten Wiener Vorle-
sungszyklus zuriick und hat zugleich alleVorzuge
des gesprochenen Wortes. »Eine den geisdgen
Horizont ausweitende, die Augen offhende, in
dieTiefe fiihrende Sehschule.*
OTTO PACHT war einer der groBen Kunsthisto-
riker unserer Zeit und bis zu seinemTod im Jahre
1988 der Nestor der Handschriftenforscher. Er hat
sich durch seine Lehr- und Forschungstatigkeit
in London, Oxford, New York, Princeton und
Cambridge schon friih iiber die Grenzen des deut-
schen Sprachraums hinaus einen intemationalen
Namen gemacht.Von 1963 bis 1972 lehrte er als
Ordinarius an der Universitat Wien. Otto Pacht
befaBte sich vor allem nut der europaischen Kunst
des 15. Jahrhunderts und mittelalterlicher Buch¬
malerei, Gebiete, auf denen er unangefochtene
Autoritat war. Im Prestel-Verlag erschienen auBer-
dem von ihm »Methodisches zur kunsthistorischen
Praxis«, eine Studienausgabe, die sich mit Grund-
ffagen der kunsthistorischen Forschung beschaf-
tigt (3. Auflage 1995), »Van Eyck. Die Begriinder
der altniederlandischen Malerei« (2. Auflage 1993),
»Rembrandt« (1991) und »Almiederlandische
Malerei.Von Rogier van der Weyden bis Gerard
David« (1994).
224 Seiten mit 32Tafeln in Farbc und Gold
und 210 einfarbigen Abbildungen