ISBN: 3-7913-1455-2

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                    ОТТО PACHT
Buchmalerei des Mittelalters
PRESTEL


OttoPdcht Buchmalerei des Mittelalters
OTTO pAcht Buchmalerei des Mittelalters Eine EinRihrung Prestel-Verlag Miinchen
Umschlagbild: Initiate zum l.ukas-Evangelium F.vangeliar Ottos III.: Reichenau, Ende to. Jh. (Farbtafel XV) Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diesc Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie: deraillierte bibliografische Daten sind im Internet uber http://dnb.ddh.de ahrufbar ISBN 3-7913-1455-2. Fiinfre A ullage 2004 Konzept und Produktion Michael Pacht © Michael Pacht. Miinchen 2004 Reprodukrionen: Ernst Wartelsteiner, Garching bei Miinchen (Farbe). und Brend’Amour, Simhart 6c Co., Miinchen Satz, Druck und Bindung: Passavia Druckservice GmbFI, Passau
Inhalt Vorwort der Hcrausgeber 7 EINLEITUNG 9 Forschungssituation 9 - Symbolwert des Buchcs im Mittclaltcr 10 - Von dcr Schriftrolle zum Codex 13 VERANKERUNG DES BILDSCHMUCKS IM BUCHORGANISMUS 32 Vorbcmerkungcn 32 - Sakramentar und Missalc 36 DIE INITIALE 45 Entstchung (Antike) 45 - Die zoomorphc Initialc (spatantik, merowingisch) $0 Die kaleidoskopischc Initiale (vorkarolingisch, romanisch) $3 - Die Figuren- initiale (vorkarolingisch, romanisch, spatgotisch) 58 - Monogrammsciten (insular, karolingisch, ottonisch) 63 - Die historisicrte und die bewohntc Initiale (insular, karolingisch, Beatus-B) 77 ILLUSTRATION DER BIBEL 129 Romanische Riesenbibeln (Italien, Salzburg, England) 129 - Dcr EinfluG von Byzanz (Gcwand-Korper-Dualismus, Goldfarbe) 136-Die gotische Bibcl (Frankreich) 144 Exkurs: Aus der Monumcntalkunst entlehntc Formcn der Buchscitcngliedcrung (gotischcs und antikes Formvokabular) 148 DIDAKTISCHE BILDSEITEN 155 Vorbemerkungen 155 - Kosmosdarstellungen (Salomon von Konstanz, Honorius Augustodunensis, Hildegard von Bingen) 157 ILLUSTRATION DER APOKALYPSE 161 Vorstufen 161 - Bcatus von Liebana 161 - Ottonischc und englische Apoka- lypse 165 ILLUSTRATION DES PSALTERS 167 Das Prinzip der Wortillustration (byzantinischc Randpsalterien, Utrecht- Psalter) 168 KONFLIKT FLACHE - RAUM, DURCHGEHENDE ENTWICKLUNGSTENDENZEN 173 Das Primat des flachig Dekorativen (insulare Kunst) 173 - Rcnaissanccphasen und die mittclaltcrlichc Umgcstaltung antikcn Formcnguts: Expressionismus, Flachcnbezug (angelsachsisch) 177 - Schichtenraum (ottonisch) 184 - Hinter- grundstafclung (romanisch) 187 - Architektonischc Strukturcn (karolingisch, normannisch, franzosischc Hochgotik) 190 - Aufbrcchen des Raumkonflikts, Endphase der genuinen Buchmalerei 198 ANHANG 204 Anmcrkungcn 204 - Abbildungsverzeichnis 207 - Ausgewahlte Bibliogra¬ phic 213 - Bibliographic Otto Pacht zur Buchmalerei 214-Glossar 216 Vcrzcichnis dcr angeflihrtcn Handschriften 217 - Verzeichnis dcr angeflihrtcn Objekte 219 - Objektrcgister 220 - Photonachwcis 221 Farbtafcln i-хххн Scitc 97-128
Vorwort der Herausgeber Mit dem vorliegcndcn Band publiziert dcr Prestel-Vcrlag die von Otto Pacht im Wintersemester 1967/68 an dcr Universitat Wien gehaltcnc Vorlcsung >Einfuhrung in die mittelalterliche Buchmalcrei<. Um den Inhalt dieses Kollcgs zu charaktcrisieren, mub man damit beginnen zu sagen, was es nicht war und auch nicht sein wolltc: cine Geschichte der Buchmalerei, Geschichte im iiblichen Sinn, dem cines historischen Oberblicks iiber Fakten und Epochcn. Trotzdem ist es, in cincm anderen, tieferen Sinn, auch eine Geschichte dcr Buchmalerei geworden, erschliebt es dem Leser doch grundlegendc Einsichtcn in Genesc, Entwicklung, inncrc Gcsctzmabigkcitcn dieser genuin mittcl- alterlichcn Kunstform, die kein noch so umfangreicher und dctaillier- ter historischer Uberblick zu vermitteln vermag. Dem Autor kommt es in erster Linie darauf an, Vcrstandnis fur die lange nicht erkannte Eigenart dieser Kunst, die aus der permanenten Wcchselwirkung von Schrift, Bild und Ornament crwachst, zu weeken, und das >Funktio- nierern dcr schopfcrischen kiinstlerischen Phantasie des mittelalterli- chen Buchmalers an einer Fiille von Bcispiclcn vor Augcn zu fiihren. Jcdcs Thema bictct ihm, iiber die konkrete Behandlung hinaus, immer auch Gclegenhcit, zu grundlegenden Aussagen zu gclangen, iibergrei- fende Problcmc zu beriihren oder allgemeine entwicklungsgeschicht- liche Linien darzulegen. Kenntnisse und Erkenntnisse, die in jahrzchn- tclanger Lehr- und Forschungstatigkeit gewonnen sind, werden mit dicsem Buch in knapper und vcrstandlicher Form dargeboten. All dies mag auch erklaren, dab es so lcicht moglich war, die Vorlesung mehr als cincinhalb Jahrzehnte, nachdem sie gehaltcn wurdc, im wesentliehen unverandert zu veroffentliehen. Die in ihr vermittelten Einsichten diirfcn, unabhangig von neuen Detailerkennt- nissen, bleibendc Giiltigkeit beanspruchcn. Der Autor hat fur die Publikation das Originalmanuskript zur Verfii- gung gestellt. Es war sein Wunsch, den Text in dcr Form, in der cr fur die Vorlcsung abgefabt wurde, zu belassen. Eine Reihe freier, auf Horermitschriftcn beruhender Intcrpolicrungen wurden in das Manuskript cingcarbeitet. Diese Ad-hoc-Formulierungcn wurden auf Wunsch dcs Autors im Druck gekennzeichnet, um sie von dem - zwar ebenfalls fur den miindlichen Vortrag konzipierten, aber doch schriftlich fcstgelegten - iibrigen Text zu untcrscheiden; sie sind durch gebrochcnc Klammern < ) abgesetzt. Die Herausgeber sind fur die Anmcrkungcn verantwortlich, soweit sic nicht als Ex-temporc-Stel- len gekennzeichnet sind. In der ausgewahlten Bibliographic wurde der Schwerpunkt aufjiingere und jiingstc Werke gclcgt; hicr fanden auch cinigc nach 1967 erschienene, die Vorlesung in besonderem Mab bctrcffcndc Spezialstudicn ihren Platz. Das Glossar bcriicksichtigt nur im Text nicht unmittclbar erlauterte Fachworter. Das Register ist cin reines Objektregister. Dagmar Thoss Ulrike Jetwi
Einleitung Wenn jemand zur Zcit, als ich studierte, also schon vor ctlichen Jahrzehntcn, sich der Buchmalerei, Miniaturmalcrei, zuwandtc, hielt man das im allgemeinen fur cin Zcichcn von Bescheidcnhcit, insofern als der Bctrcffendc sich offenbar damit zufricdcn gab, seinen wissen- schaftlichen Ehrgeiz auf eincm Ncbcngcbiet der Kunstgcschichtc zu betatigen. Bcgann man sich auf diesem Gebiet ctwas auszukcnncn, dann wurde einem gerne das Epithcton >Spczialist< zuerkannt, womit weniger ein Experte gemeint war als cin Eigcnbrotlcr, bcstcnfalls cin Fachmann fur Klcinkunst. Einc Ausnahmc gestand man denen zu, die sich mit karolingischer oder ottonischer Buchmalerei bcschaftigten, denn schlicblich war das praktisch die cinzigc Art Malerei, die aus diesen Bliitczciten mittelalterlicher Kultur auf uns gckommcn ist. Die Situation ist heute nicht mehr ganz so schlimm, die Buchmale- rci und ihre Erforscher werden mit ctwas mehr Rcspckt behandelt, man wertet Miniaturmalerei nicht mehr blob als Surrogat fur die bedauerlicherweise verlorengegangene hohe Kunst. Und doch wird auch heute die Kunst der Illuminatoren noch nicht fur ebenbiirtig der Kunst ihrer im groBen Format arbeitenden Kollegen gehalten. Die Eigengesetzlichkeit der Buchmalerei mag in der Theoric bcrcits anerkannt sein, aber ihr Studium stand vicl zu langc im Schatten der altercn Forschungsdisziplinen, als dab es die dieser besondcrcn Materie ad- aquaten Wertungsmabstabe schon hattc erarbeiten konnen. Man sicht die Wcrkc dcr Buchmaler auch heute noch viel zu schr mit Augen, die an Wand- oder Tafelmalcrei gewohnt sind, und mub sie infolgcdcsscn falsch sehen, falsch lesen. Dies verrat sich vor allcm schon in dcr Art dcr Rcproduktion von Buchmalcrcicn und dcr Auswahl von Beispiclcn in allgemeinen Kunstgeschichtswcrkcn. In einem 1929 crschienencn Band eines reich illustricrtcn Handbuchs der Kunstgeschichte1 ist die Buchmalerei dcs friihen Mittclaltcrs mit 125 Abbildungcn vertreten, von denen ganze drei Initialcn wiedergeben; d. h. eine der origincllstcn Manifestationcn der kiinstlerischen Phantasic des Mittelalters ist so gut wie nicht vertreten, die Auswahl wurde ganzlich auf das Bildmabigc innerhalb dcs Buchschmucks abgestcllt. Zudcm liegt cs im Wcscn aller Buchbc- bilderung, dab die Unterschiede zwischcn Buch- und Monumcntal- malerei, die durchaus nicht nur solche des Formates sind, verwischt werden, besonders auch, weil man vielfach der Versuchung nicht widersteht, Miniaturcn und Details derselben stark zu vergrobern, wodurch auch dcr Eindruck der Textur der Malobcrflache sich oft in Richtung auf diejenige anderswo gciibter Maltechniken verandert. Lctztcn Endes wird damit doch die Buchmalerei als vcrklcinerte
io Einleitung GroBmalerci dcklaricrt, auch von dcnen, die wohl wissen, daB der Name Miniaturmalcrei urspriinglich nichts mit >diminuerc<, verklci- nern. zu tun hat, sondem von >minium<, cincm schr haufig gcbrauch- ten roten Pigment, herstammt. Dank der bctriibiichcn Tatsache, daB die GroBmalerei der Griechen so gut wic vollkommen zugrundc gegangen ist, sind unserc Fachkolle- gen auf dem Gcbiet der klassischcn Archaologic bei der Bchandlung und Erforschung der entsprcchcndcn Kleinkunst, der Vascnmalerci, nie den Gcfahrcn ausgesetzt gewesen, falsche, von auBen hcrangetra- gene MaBstabe an die in Frage kommenden Dcnkmaler anzulcgcn. Sie sind sich immer dessen bewuBt geblicben, daB cs sich um Vasen- schmuck und nicht um Wandbildersatz handeite, daB die Vascnmalcr, auch die, die mit einem Minimum von ornamcntalen Elementen arbeiteten, einc tcktonischc Aufgabe zu losen sich bemiihtcn, die die besondcre Formgelegcnheit, das zu zicrende GcfaB, ihnen stelltc. Eine ganz ahnliche Aufgabe hat, neben andcren, die Buchmalcrei zu bewal- tigen, auch fur sic ist dcr Ausgangspunkt der Gcstaltung nicht einfach die jeweilige Malunterlage, sondern das Objekt als Ganzes, in diesem Fall das Buch als Organismus mit dem nur ihm eigenen Gcstal- tungsraum. Freilich war - im Unterschied zur klassischcn Vascnmalerei - bcim Buch vom Anfang an cine doppelte Bcziehung zwischen dem Kernge- bildc und seiner Ausformung und Ausschmiickung vorhanden und wirksam: neben der formal-physischen einc aufs innigste mit ihr verkniipfte spiritucllc, namlich die Bcziehung des in Schriftsymbolen, konvcntioncllen Zeichcn, anschaulich Erlcbbarcn zu dem durch diesc vcrmittclten gedankliehen Gehalt, dem Text. Und diesc Bezichung ist nicht bloB als cine rationale zu verstehen, wic das Vcrhaltnis eines Tcxtes zu seiner Illustration, sondern auch als cine irrational-magischc. Denn in den Zeitcn, in denen das Buch in erster Linie das Buch der Bucher, die Heiligc Schrift, war, fand der Glaubigc, selbst wenn cr nicht schriftkundig war, unschwer Zugang zu diesem tieferen Sinn des Vcrhaltnisses von Buch und kiinstlerischcr Ausstattung. Damit haben wir aber den Punkt bcriihrt, von dem sich ein Weg zum Vcrstandnis des asthctischen Ortes des Buchschmuckcs und dcr Buchmalerei abzeichnet. In dcr christlichen Welt des Mittclalters war das Objekt Buch nicht einfach ein Gebrauchsgcgenstand, es hatte als solchcs Zeichenwert als Zeugnis dcs Heilsvcrsprechens, hatte Symbol- wert kaum minder als das Krcuz. Das Buch schlechthin hatte einen Hciligcnschein, wic sich das noch im Gcbrauch des Wortes Bibel, abgclcitet von >biblion<, dokumentiert, was ja urspriinglich nur Buch- rollc hieB, also in dcr Gleichsctzung von Buch und heiligem Buch. Im fundamentalcn Gcgcnsatz zu den antiken Kulturcn war die christliche Religion eine Buchreligion. Man kann sich die ganze Bedeutung dieses Faktums nicht besscr vergegenwartigen, als indem man sich beispiels- wcisc eine jener zahlrcichcn Kreuzigungsdarstcllungen ins Gedachtnis ruft, in denen der Licblingsjiingcr unter dem Krcuz, in der Stunde des Opfertodcs, im tiefsten Schmerz, mit dem Buch in dcr Hand zu erblicken ist (Abb. i)2. Es ware doch ganz unmoglich, sich ein antikes
Symbolwcrt des Bitches im Mittelalter 11 l Kanonbild. Missalc des Andrcas-Altars, St. Florian, um 1320 Bild einer Apolloszcnc vorzustcllcn, in der ncbcn dcm Gott noch cine Schriftrolle mit dcm Homerischen Apollohymnus zu sehen scin wiirdc. Zwischcn dcm Buch als Instrument der Vcrstiindigung und dcr durch cs vcrmitteltcn Botschaft wurdc im Christentum nicht untcrschicdcn. Das Buch war die sinnlichc Form der Glaubcnsquelle, cs enthielt nicht nur den Text des Evangeliums, es war das Evangclium. Die Heiligkeit des Buches, dcs Evangeliums, war nun dort einc gesteigerte, wo ein besondcrcr Zeugniswert, namlich der dcr authenti- schen Uberlieferung, hinzukam. Das Evangcliar, das ein Missionar, dcm die Christianisierung eines barbarischen, hcidnischcn Volkes ge- lungen war, mit sich gebracht und mit dcm cr gepredigt hatte, das Evangeliar, das ein Patrick, dcr Apostel der Iren, cin Augustinus von Canterbury, der Apostel der Angclsachscn, cin Bonifaz, dcr Apostel dcr Dcutschcn, bescssen hatte odcr bcscsscn haben soli, wurdc zur Rcliquic und als nationalcs Heiligtum verehrt.
12 Einleitung <So wissen wir zum Bcispicl von eincm solchen Evangcliar, das sich in England crhaltcn hat und als das dcs Augustinus von Canter¬ bury gilt (Abb. 36)3, dab cs bis ins spate Mittelalter nicht in dcr Bibliothck dcr Christ Church in Canterbury aufbcwahrt wurdc, son- dern immer auf deni Altartisch lag, also zur Kirchenausstattung ge- horte wic cin Reliquiar oder das Krcuz. Andere Bucher, die glcichfalls die Aura von Buchcrn von Missionarcn batten, vvurden iiberhaupt wie Reliquien gehalten und in kostbaren Mctallschreinen aufbcwahrt es sind dies die altesten Reliquiare dcs Nordens. Vom Book of Durrow etwa (Farbtafel и, Abb. 83), das cincr Subskription zufolge dem hi. Columban, Missionar der Piktcn, gehort hat4, ist iiberlicfert, daB cs in einem solchen Rcliquienschrein vervvahrt wurdc5. Eines der altesten irischcn Buchrcliquiare besitzen wir im Schrein des >Soiscel Molaise< (Abb. 2), des Evangcliars dcs hl.Molaise, eines irischcn Mis- sionars dcs 6.Jahrhunderts6.) In den nicht zur antiken Welt gehorigen Landcrn, die nie cine literarische Kultur besessen hatten und erst im friihcn Mittelalter christianisiert worden vvaren, Landcrn mit iiber- wiegend analphabetischer Bcvolkerung, war das Buch von Anfang an mit dem Stcmpcl einer hoheren Welt versehen und bot infolgcdes- sen einen weit starkeren Anreiz zur kiinstlerischcn Ausgcstaltung und Verzierung als in den Mittelmeerlandcrn. in denen die Buchmalerei auch nie dieselbe hervorragende Rolle gespielt hat wie im Norden.
Von der Schriftrolle znm Codex 13 Wenn hier vom Buch als Foringelcgcnhcit die Rede war, so sollte unverziiglich hinzugcfiigt werden, daB, wic wir im Riickblick erken- nen, nur der schon in dcr Spatantike vollzogene Ubergang zu einem ganz bestimmten Buchtypus die Voraussetzungen zu jener cinzigarti- gen kiinstlcrischcn Entwicklung des Buchwcscns bot. Ich mcinc den Ubergang von der Schriftrolle zum Codex, also dem, was wir heute einzig untcr Buch vcrstchcn, einem aus cinzclnen Textscitcn von gleichem Format zusammengesetzten, nicht mchr kontinuicrlichcn Schriftsubstrat, einem Buch, das man aufblatterte, nicht mchr ent- rolltc. <Als auBerliches Bild dicscr Wende von der Rolle zum Codex mag hier cine - auf eine Vorlage des 6.Jahrhundcrts zuriickgehcndc - byzantinischc Miniatur des io.Jahrhunderts dienen (Abb. 3), in welchcr ein Evangelist dargcstellt ist, dcr in einem auf scincn Knicn ruhenden Codex schreibt, offenbar aus cincr Rolle abschreibt, die iiber sein Pult gebreitet ist7. Dieselbe Handschrift zeigt im Bild des Evangclisten Johannes (Abb. 16) auf dem Schreibpult einen Codex, 3 Evangelist Lukas. Evangeliar, Byzantinisch, Mitte 10.Jh.
14 Einleitung wahrend in cincm am Boden befindlichen Behalter mehrere Rollcn aufbewahrt sind8. Fiir die Art, wie solche Rollcn gchandhabt wurden, gibt es cbcnfalls zahlrcichc bildliche Zeugnissc. Auf cincr attischen Stele des 5.Jahrhunderts v. Chr. (Abb. 4) zum Beispiel konnen wir schcn, wie die Rollc mit dcr einen Hand gchaltcn wurdc, wahrend die anderc zog und glcichzcitig das Gelesenc wiedcr cinrolltc.) In der antiken Welt war der normale Beschreibstoff Papier, das Buch war cine Papyrusrollc. Papier ist aber eine wenig haltbare Substanz, nicht fur Daucr geeignet, und so habcn sich bekanntlich Papyri nur aus Agypten, dank seinem trockcncn Klima, crhaltcn. Als im 3. vorchristlichen Jahrhundert Abschriftcn dcr hciligcn Bucher dcr Judcn an die in cincm gricchischcn Milieu lebende judischc Gemeinde von Alexandria zweeks Ubersetzung ins Gricchischc geschickt wur¬ den, waren die hebraischen Originaltcxtc auf Hauten geschricben, die gricchischc Ubersetzung — die untcr dem Namen Septuaginta bekannt wurde - erschicn in Papyrusrollen. Erst als Bcarbcitungsmcthoden cntwickclt waren, die cine wesentlichc Vcrfcinerung der langst schon als Beschreibstoff verwendeten Tierhaut zustande brachten - es ist das, was wir Pergament nennen - erstand dem Papyrus cin ernster Rivalc. In dcr Rollcnform hatte das Pergament das schmiegsamerc, lcichtere Papier wohl schwcrlich so rasch verdrangen konnen, es bedurfte noch einer zweiten Neuerung bzw. Reform im Buchwesen, um dem Pergament zum Sieg zu vcrhelfen: der Einfuhrung des Codex, des Blatterbuchcs. Urspriinglich waren es wohl Doppeltafcln aus Holz - uns als Diptychcn vertraut -, deren Innenseiten mit Wachs belegt waren, in das man bei Gericht oder ahnlichen Anlasscn mit eincm Griffcl kurze Notizen oder Memos eingrub. <(Im sogenannten Probianus-Diptychon zum Beispiel (Abb. 5) schreiben die kleincn Gestalten zu scitcn dcs Thronenden in solchen Doppcltafelchen, alle anderen dargcstclltcn Personen halten hingegen Rollcn.) Vom ersten nachchristlichen Jahrhundert an haben wir in Rom Kunde von der Existcnz von Blattcrbiichern (man nanntc sic >mem- branac<) wahrscheinlich klcinen Formats (>libelli<). Wir wissen seit kurzem auch, daB die christlichen Gcmeinden schon friih, schon im 2.Jahrhundert, Papiercodices bevorzugten, also zum Codex iiberzu- gehen begannen, aber zu cinem Codex mit billigem Beschreibstoff. Die christliche Literatur erschien in billigen Ausgaben, es waren die unscheinbarcn Bucher einer Untergrundbcwcgung oder der klcinen Leute, wahrend die heidnisch-klassische Literatur weiter traditionsge- maB in Rollenform ediert wurde. Ja, es scheint, daB bis zu dem Zeitpunkt, in dem das Christentum Staatsrcligion wurde, die Christen als Protest sowohl gegen den heidnischcn wie den judischen Brauch, also gegen die heidnischc wie die Thorarollc9, auf den Codex cinge- schworen waren. Die Erhcbung des Christcntums zur Staatsrcligion untcr Constantin aber leitet das Jahrhundert ein, in dem die Codex- form die Norm fur jcgliche Art Literatur wurde. Im 4.Jahrhundert hat sich der entscheidendc ProzeB dcr Transponicrung der klassischen und christlichen Literatur von dcr Papyrusrolle zum Pergamcntcodex auf breiter Front vollzogen. Ein ProzeB, dcr fur die Uberlieferung der antiken Bildung und die Entwicklung des ganzen europaischen 4 Grabstele. Attisch, 5.Jh. v. Chr.
I on der Schriftrolle zum Codex i 5 Gcistcslcbcns von ungeheurer Bcdcutung war. Erstcns waren die Fol- gen konservicrcndcr Art. Die Lebensdauer einer Papyrusrollc war eine stark begrenzte. Man hielt es schon tlir ein Wunder. wenn ein Papyrusbuch ein Alter von zweihundert Jahren erreichtc. Ware man nicht zum Pcrgainentcodex iibergegangen, so waren die matcriellen Voraussetzungen fur das Weiterlebcn dcs antiken Schrifttums die denkbar ungiinstigsten gewesen. Die Zeitbriicke, die die Vcrgangcn- heit mit der Zukunft verband, ware auBcrst eng geworden, denn von Generation zu Generation hattc sich nur das vererbt. was dem Wechsel dcs Publikumsgescbmacks und dem Tagcsinteresse nicht unterworfen war und kontinuierlich neu aufgelegt werden mulke, und das ware in den nachantiken Jahrhundertcn praktisch nur die Heiligc Schrift, die Bibcl, gewesen. Der Sieg des Codex liber die Rolle bedeutete die Rcttung der antiken Bildung tlir die Nachwelt. Hs lag in der Natur der Sache. daft die Ubcrtragung dcs antiken Bildungsschatzes nur cine selektive war. Nur was dem 4. und S.Jahrhundcrt lesenswert crschicn, damals von aktuellcm Intcresse war, wanderte von der Rolle in den Codex und iiberdauerte so die Zcitcn. Das damalige Auswahlprinzip hat im wesentliehen dariiber cntschicdcn, wen von den antiken Autoren und welche ihrer Schriften die Nachwelt im Originaltext lesen sollte und wo von sic hochstcns durch Zitatc Namen oder Titcl erfahren sollte. Die Wcite odcr Engc
16 Iiinlcitunд» des damaligen Gcschmacks hat auch iibcr unscrcn Bildungshorizont cntschicdcn. Bckanntlich war dies nicht das cinzigc Sicb, das die antike Uberlieferung passicrcn muBte. Пег Zahn der Zeit und der Niedergang, besscr Zusammenbruch der antiken Kultur der Mittcl- meerlandcr, ihre politische Entmachtung und das Vordringcn des Islam haben das Rettungswerk der spatantiken Buchproduktion und der Schrciber in Frage gestellt. Und so war es der ersten Renaissance- bewegung dcs Abendlandes vorbchaltcn, der der karolingischcn Epo- che. durch eine rege Abschreibctatigkcit antiker Texte nochmals vom antiken Erbe zu rotten, was noch zu rotten war. ПаВ nunmehr das Reserv oir, aus dem die Kcnntnis antiker Literatur geschopft werden konntc, stark geschrumpft war, liegt auf der Hand. Das Kerngcbict der karolingischcn Renaissanccbewcgung vvaren die Lander, die dem antiken (Jallicn cntsprachen. Die Klosterskriptorien, denen die Tran- skription der Texte oblag, konnten im wesentlichen nur dessen hab- haft werden. was in den altcn gallischen Bibliothekcn aufgctricbcn werden konntc - obwohl cs schon damals in vereinzeltcn Fallen cincn Entlehnverkehr mit dem Ausland gab. Zu der situationsbedingten Beschriinkung auf das im Kerngcbict des neuen Impcriums Vorhan- dene koninit als aktiv beschrankender Faktor die Auslesc des der у/ I’lNEFT LIBER №DIVEKSISQW tlVNEtSEMRESFI^J ■ y к МЧИ ИЬ\\\,Г“КГ!1:»[ Lll' 6 Incipitseite. Petrus Archidiaconus, Liber de diversis quaestiuneulis, Aachen, Ende S.Jli.
Von der Schriftrolle zum Codex 17 - zu den Himmciskorpem. Kipyrusrolle, 165 v.Chr. Abschrift Wiirdigen, wic sic vom Intercssc und Gcschmack dcr neuen monchischen Bildungsschicht diktiert war. Eine Kopiertatigkcit, wic sie zur Befricdigung von geistigen Intcresscn mit weiterem Bildungs- horizont am Hofc Karls des GroBcn, also zur Bercicherung einer weltlichcn Bibliothek, ins Leben gerufen wurde, blicb die Ausnahmc. <Ein denkwiirdiges Beispiel dieses profanen Bcitrags zum Rettungs- prozcB antiken Bildungsgutes ist das >Liber de diversis quaestiunculis< des Petrus Archidiaconus, auf dcssen Incipitseitc (Abb. 6) - in Kapita- licn, die der Zeit als antik galten - zu lesen ist, daB Karl dcr GroBe personlich das Werk transkribieren lieB: »Incipit liber de diversis quae- stiunculis cum responsionibus suis quern iussit dom[i]nus rex Carolus transcriber .. .«> Wir sind unvcrschcns von Form und Ausstattung zum Buchinhalt abgcschweift und mussen nun zu unserem cigentlichcn Thema zu- ruckkchrcn. Fur das Vcrstandnis dcr Gencse der mittelaltcrlichen Buchmalcrei ist der erste TranskriptionsprozeB, der dcr Spatantikc aus dcr Rolle in den Codex, von kapitaler Bedeutung. Beim Kopieren der Texte blieb der Inhalt erhaltcn, dies war ja der Zwcck der Obung, Vcranderungcn ergaben sich nur aus Irrtumcrn des Abschrcibcns. Wie aber stand cs mit dcr Form der Schrift und, wenn cs cine solche gab, dcr Ausstattung, des Buchschmucks und dcr Illustration? Wolltc man, konnte man diesc rcproduzicren, kopieren, war es uberhaupt moglich, sie unverandert zu ubcmchmen? Man braucht diese Fragcn nur zu stcllen, urn zu erkennen, welche Fiille von Problemen sich aus der praktisch-technischcn Umstellung ergaben. Papyrusrollen waren in schmalcn, hohen Kolumnen mit kurzen Zeilen geschricben (Abb. 7), bcim Ubergang von cinem kontinuierli- chcn Schriftband von ansehnlicher Lange zu einer Folgc von rclativ klcinen separaten Blattern lieBcn sich bestenfalls zwei bis vicr solcher
18 Einleinnig Schriftkolumncn auf einer Seitc vcrcincn (Abb. 8, 9). Man war friihcr geneigt, das Ncbencinander mehrerer Kolumncn auf einer Codcxscitc als Nachlebcn dcr in der Schriftrolle bebcimateten und ihr genehmen Tcxtanordnung zu intcrprctieren, als Zcichen einer Unfrcihcit gegen- iiber einer in eincm verschicdcnen Medium crwachsenen Tradition. Scit wir von dem bcsondcrcn Attachcment dcr friihcn Christen zum Codex wissen, drangt sich uns eine ganz andere Deutung dcr Fakten auf. Dcr friihc christliche Papicrcodex, dcr von bcscheidencm Format war, bcsaB hochstwahrschcinlich in der Regel nur eine cinzige Schrift- kolumne, mit etwas breitercn Zeilen als cs bei den Textkolumnen der Rollcn iiblich war. Prachtausgabcn der Bibcl auf Pergament aber, wic ctwa der beriihmtc Codex Sinaiticus (Abb. 9), dcr in vicr Spalten geschricben ist - cine dcr wenigen fast vollstandigcn spatantiken Prachtausgaben der Bibel, die sich erhaltcn haben diirftcn als Pro- dukte einer archaisierenden Richtung zu verstehen scin, flir das vor- nehme Publikum, die herrschendc Klassc gedacht, an deren in die heidnische Zeit zuriickreichendc Gcwohnhciten das christliche Buch sich angepaBt hattc. C o&uf ЬаЬ^Ы1аТ in ciud* cU^pcrti-<5^u3Ui (1лиГ(|; xAftepcum etuT-v fubucrrcfr- vi- fiunt XIII- JTliiuiurC|Ufni hст'1с!лпГ| dtcunr ЬхЬл? fWlATpf) moflexu ni fedo-m- Tfr “no vii cjiixcdiuintur often ill innini* xni hnu-fiibc jWU-t|UC САП О puf JtppflLcrilp. Р.ГсГ mAflfii u Г h ХП-wording pCflXAfACA. pttr ufejur jufcuidxm • A A A* fine fAcfccnum Ьл. ftrU.AT.in- dtuTmtgnr qui n mpoTnufArd^ ^tnbjtfiduAf. CemaujAir mfin^ul«Tunimrf1n5u bp. «Vmcti tmr bmATin In/tliquo 8 Stcrnbildcr. Chronologischc und astronomischc Schriftcn. Salzburg, um 818
Го» dcr Schriftrollc zum Codex 19 1 t] ii t Г 1 t, f P { cm ни 1 IKrfiAAr~ C4j>ANCf(l»t ( »JA< 04 IIIHJIICANdM-) ClMlUNIir IfOCKN oidmai Олегом* MOCAIAYMIII'KAI KIM)ANAIIM)AIIO КЛМ Allll'l A Al AN ЧОКАЮ1 yun /('«• A> |(Г)Ч(А1АЛЛО|'К '|U)NMA(N I lUiflAJ . ? l«YAYl»: a«*i ciaytou cimu) •It Ifot-YHATXDA M*Y» INAt Г07Г1М At rtlAfyoM* OAK HMC U'evnenit >HX Лоноуы AllN« iHONi'IC IOMA1 ON-KAltN1 KINUMI N YK ПОАОГ 11A AM v,»« OYACM I Ifu u 'Ww* l i’MOMf Milt l!l**i* I О I ItlNAII IA At IN* OYMfN IXHi I МИ» AMOiMAOII IAI- fnot t~HN- Асгл lOYMAYTOIfp I PAIAlAMIHl PCX' •f•AГlOll(:xl-| oAii- K — t RAAt N< AYTT»fA| McilACOnrorH5 11 INOAIAI t'ANOI Л Aen lAT l*l>N> I ACAAAOIMAOMIW * ~ - Yti IA AAllll I (OllAOONi CANM АКГАГ1А/1<> cwAMdT IIAAINAfr к lilt MlOAAAACLX A I rnAYlU’nMoiN1^ I lonifXCIIM AlA IU At MOYAI I IK r|U»^Yr«NT«.*T' <-*■ M* iAt'l €*IAY'IX*»tM' Л1КТУ«»ИЧи»М1Х-| « К?с:у01АА1ЧГТ1 iUNUKH|YNAni s|>| AU>e*'f( |C|AY IMI'ANCICIIINIIIO- TuMlOlMAIMlIA lAf I * * KIANI AICAWOI Ae I < 1 AT MliNAI I МАО» I I" * i^cyoiaacoii IIMOlAfl J>|A«Mf* A* rfr'IAl ЧоугАТН fuiROfKX lAAfNl — ^ AM f * 1 Г«'»> ICOA T «.V Ml > -> * k^c: ф| A* »* Txin 'llOYONANOfA JX I ifOlt XI AMOY A* ’ г Латки I t,iri,;- KAI iPfAf lOMtl11 M t* N О N-K AI AfJ **♦ Ai l *-|AY'l«»lOOiiJ€ MtIKAIAIAMOf-" ofXrii|)MU»Mtl)l AOaIi-myn: t ncriiuyncim-n I li I FOf К АК1 AM CFN lOAIK eiri 11 mi ft 1МИ1ЖФАММ1' I At ICMM.AY*1,1 lOty АГIАГМ1/-Г OIC'A t^riV А Г ю •» ^erriAY»OltYAK ei> CAKHIYAICAK r-> rteit lAAfJIAMt . MMU);jHaoi^ ГМЦ.уПА01ОГК) 7X- IXA'AIxylOM'l •MK lvY«N A [Ml _V*. rirfKlAOICrOII f^Ittll AK 1AAi’i»>i OKf^fC IINl fXt l<AlOYM 11КГГ** .aiaih-Vaiaamka KY1’XIIC*A1<»MAII* -■„» lit 1 |t»M Af'IOHKM JOYI MOOfem « MAUIONAYTOMI ‘XOY4»N-M| fclOT lOO'f AflONOMm M-aicTUYioAfHAH 1 1 flTOMl4f»AHeflD OIIOIY* Г01СМАОИ 'JAICtl tfOl'ICtfK fuKfioNOie(*Yn MflOTlICAWACTr» lAt'Ui If 1 rot fl МГП IHI AflXA» |- ITI itiMKAivblA-i- M CKAlAei Cl AY |tl>M I I AM lAi*ri ААиоупмюек'Г IKTyorl ОТ|ф|АЧ>1Ч>СА| IIMMFT' OJkAH rlAYItilKOt'M IXOY*U)MMCfAi^ • All RA AM IY fkaioni ifMTm* аммнаммнаи- lAirin’Nt ПОЧ v* uihm'iioMFUi |ll»Mt)M'ltl»AK>Y кесхичп noAi к I YOH-Ai-reiAYF-* X) Ml At» I I inCfAfl '•Ot'IINIII AM At if* ■[«ininroHiwtiir t IMI M ум» ICJP- AKOYCAt-O 1 I Ob? V IIMlDMtlltNN f*l N AieVAllfAl»»- M'YMNoik rtfOObVtDMNT f’t-l*t ATIONKAIIb f'ICI I Air|tx>i»orw It At eOlAMAtlll fACi IlYYt I t Nlt-|H XlfAI*lt4»YKAIAA Ао|/цкч»уе|Н1ч КАП !.V И* ЧГГС1Н foil H WyorAlr 'foy I UAft’llIfNtl MAIMCOMIIIIKO (IAN A UI»Ac»A<-«| IXiNoTHvAI Ю1 г Cl N (ON At ГС IАГ IШАМ IAt»YOI IЧТ СМ I 1C IfA4!**** tJAr OririrtH'RAflirr MAOfl OINONI И A , , IIAOUXAIAMIII* ~ Vtl>CIM(|>N"Jt-ir4—T *4 Mt N rmAi II IN** 0»T4.'!MC|>aT>4A4W « n riot* I I lOOCAT ЦГуКА1А( / t |A я - KMlCtrC I I HOI IA fAAlAOfft-t T(J*f I* OYNlAU’NOIIt If- «'ll 104 IUH YOYI- AfJ I Af| t I AY Iti > 0|T-t*AM AY ItllltH AUlMfNINt UKtf XOMAIfll I fiM-ff CYHOlAKOAtiyui «-' A.llAOt-K|OYM€iy roeoAOl Oft lt-l-Y AAt'Atbtjyotn Ю M AOlillltCKO NoeoyKAi ioonii t'Kt lOYKt I IlfllAt Ау*ги»оП-о liofM liooNMCKi rAAA* AN АУ'П IN i )« All) Mt-N« INI «OO r *■ M AR»Y ltH *“(* IIH* MAOM lllt'ilM) I I UINIItfl ft l| ‘ Kxil fA jAflAy IA К Alt >1 AAM« Mini AAMtUlt ft I INI» MArfYt,A‘>'Y,OY‘ llOAAAAt I IOIHCM t‘If A I IN At AN I ГА till I AIK А* м 1KIY A* AY It >1401 MAI IOM Ktlfb lONMDfl lft-Г A VIA • Y Al r*M*N KAI A iwANNIlN •»> tv к 9 Wcnn man in karolingischer Zeit odcr spatcr noch mchrspaltig SchluB dcs Johanncs-Evangeliums. schricb - man dcnke an den Utrccht-Psalter (Abb. 10) so tat man Codex Sinaiticus, 4.JI1. ^ zvveifcllos auch, um dcr Handschrift cin bcsondercs Dekorum und cin altchrwiirdigcs Ausschcn zu geben. 1st doch dcr Utrccht-Psalter sogar statt in dcr damals modernen Minuskcl in archaisiercndcn Ka- pitalicn, GroBbuchstabcn, gcschricbcn. <Schon die im friihen 11 .Jahrhundcrt angefertigte angelsachsischc Kopic - nicht mono- chrom vvic dcr Utrecht-Psaltcr, sondern mit farbiger Feder gczcichnct (Farbtafel xviii) — macht dieses Archaisicrcn nicht mchr mit.) In eincr zweiten - im 12.Jahrhundcrt — in England entstandenen Kopic9 10 hat man dann cine rationale Motivierung der Mehrspaltigkeit gefunden: Es ist cin Psaltcrium triplex, d. h. eine Konkordanz dcr drei latcini- schcn Ubersetzungen des Psalters (Abb. 11: es ist drcimal dicselbe Tcxtstclle, dcr Beginn des 11. Psalms - »Salva me...« bzw. »Salvum me fac ...« - zu lesen).
20 Einleitung ( PAASCAllCIStOACM- > ASDUiXIT- .1 tflimrSMUS: ;/• qMIVSTUSDNSIUSIlH AtQUlTAlfMUlDiT.. -■ ,'y-s § AjuUU<f>4T>e|CAC ‘'D.VfQMDUIClIiCS QM DfMi.4 C LU SC.VT ипшлшлШшно • • M1K-UM • , * UA.VALOCWTISUWT U4-USQ.VJI5Q.UMD rAOMMUMSUUM-lA lADOlOSA/WCOMH IICOKDUOCUriSUWr OlSflKDAIDNSefcll СI ASA l A SIЛ DOlO JA t 4i <*£t. IIV C CAM AC MlOQUA CjeiDIXtAUMTllNCCA VOSIAAMMACKTIH CAftlMOS-iASiAKJOS IAAAKOJtSSCNI- QyiSKOSUKDKSISI РАО Г Tl ЫИ I SIVIA M IN OrCMITCfMITCM C lOQVlAD.VHIO(5.CIA CASTA AACf.VTCM , IGVfIVAJUlKAUrxe \ РЬМЛрДОТ! UALfLAj CATUSmUflOM. г ш>ы f $/ял;лш .vos tTCUSIOOIfSWOS.lCf Ы1 AATtOViHACIN'Af ГАСПACM KU.VCi.4 SCACAMDlCirDWS I pOKA.VU.VSAtUIAM . f’lOUCMUnAACAJKfO' ) IfUKfUM' NClkCLinjiMNlAMU’ 1ЛК/Г* ffCU.VD VMAl : 10 Illustration zu Psalm 11. Utrechi-Psalter. Reims, um 830 Illustration zu Psalm 11. Eadwine-Psalter. Canterbury (Christ Church), um 1150 Й Лп
I on tier Schriftrolle zuni Codex qooj—nam rmfmca»-Qtx) nагтарт fm»r fid^JfT rumfr 4ПаШ mc-fncdommc ^.rt 1X100^ f&tbmvatbnptopA «nifawiffwjBilijMhpy fitnu^j Й’лс.пттЛв qiioniamdetrar c - fmlpaeon J,1, lM.q^xibi<]xpfoT^ifTni ^айЬвюГ defeat ^nn.V&Sf ЙЙпГштгип qmfq: SimflmmLi ctofnfSrft c$58r ctandTfb сшЗс <fo5ЯБ - paardomtiv ДОчрааг flemrm aacqrruur^atr тмттагаягре1г« ftvft^am*.o6 J home.erf radio тяелрпЛй*. Cmftuf: quoiiu^vdrmimnp- dona do dcpruMtTt . - “ » u^ii д>- ex pwmt que rrmui feaMM Ъ^гтМж (Amwu^fwcuAforarfalrf. nmrt.’V »wi«ftocun lime unuf fqj'denti. rvamranedapCgccat qmfq; adpnmum ftram.la ^rntfL faddeopioidrf.fmfntttnp(m emit. «fWeft&tfflSfarf.kom bw dolofim erode efttnde lo ^ ^peffjent qiipumUt araftmc J^tfpdar dommas 1 w К ewunw. Wlf.
22 Einleitung Dem Pergamentcodex vcrdankcn wir also die Rettung dcs literari- schen Vcrmachtnisscs der Antike; wic ist cs aber bei dcr Umstcllung von der Rollc zum Codex dem Gewand ergangen, in das man in der Antike den Inhalt klcidete, dem dekorativen Schmuck des Buches und seiner bildkiinstlerischen Ausstattung? Was ist von dem reichen Schatz des im antiken Buch in schaubarer Form Gesagten in die Folgezeit hiniibergerettet worden? Um diesc Frage zu beantworten, wird man sich drei Grundfakten vergegenwartigen miissen. Erstcns, daB cs in dcr Antike nur einc sehr bcschrankte Anzahl von Textcn gegeben hat, die lllustrationcn enthalten oder anderweitige kunstlcrischc Ausstattung besessen haben, zumal im Zeitalter dcr Buchrolle. Es hat reich illustricrte Bucher damals gegeben, sogar wahre Bilderbiicher, aber sie waren die vcrschwindendc Ausnahmc. In dem TransponierungsprozeB war es wiedcrum nur eine klcine Auswahl, deren Bebildcrung oder Zierschmuck in den Codex mitko- piert wurdc, bzw. dort ein Aquivalcnt erhiclt. Von den zahlreichcn Papyri, Fragmenten von Buchrollen, die in Agyptcn wiedcr ans Licht gckommen sind, ist nur ein sehr gcringer Teil illustriert (Abb. 12) oder gcschmiickt; keine einzige Rollc antiken Ursprungs, die einc Bildcrfolge enthicltc, nicht einmal ein nennenswertes Bruchstuck ei- ner solchcn ist bis auf uns gckommen11. Von dcr Buchmalerei dcr griechischen Welt, in dcr die Schriftrollc das Monopol hatte, konnen wir uns nur in zum Teil sehr gewagten Rekonstruktionen einc Vorstcl- lung machen. Dicscr fast totale Verlust erschwcrt es ungemein, zu ermessen oder abzuwagen, was in der Sphare des bildlichen Schmuckes der antike Codex von der Schriftrollc iibemommen hat. DaB man von eincr nachantiken Bildrolle, der mittelbyzantinischcn Josuarolle der Biblio- teca Vaticana (Abb. 19) auf das Aussehen der antiken illustrierten Rollc direkt Schliisse ziehen darf- wic man lange Zcit glaubte - wird heute von eincm Teil der Forschung crnstlich bestritten. A Is crschwercnder 12 Papyrusrcste mit dem Bruchstuck eincs Romans, 2.Jh.
I on der Schriftrolk zum Codex 23 13. U Sternbildcr. Komputistisch-Astronomisches Lchrbuch, Metz, zwischen 820 und 840 Umstand komnit hinzu, daG aucli vom antiken illustricrten Perga- mcntcodcx, also dem direkten Nachfolgcr der illustricrten Rolle, nur cine ganz gcringe Anzahl von Originalen erhaltcn geblieben ist (Abb. 29); die Kenntnis einiger weitercr Beispiele verdanken wir karolingischcn Kopisten (Abb. 31), zu deren Zcit noch eine groGcrc Anzahl antiker Handschriften cxistiertc. So ist aucli unscrc Kenntnis dcs Buchschmucks dcs antiken Pergamentcodcx eine rccht be- schrankte. Der zweite Faktor, den wir bei Beantwortung unscrcr Frage nach dem schopferischen Antcil dcr Rollenillustration am Schmuck des Blatterbuchcs zu beriicksichtigcn haben, ist der Anpassungskoeffizient an das neuc Buchformat, das ncue Medium, die veranderte Aufgabc. Hatte beispielswcisc eine Schriftkolumne kurze Zeilen wie bei der Rolle, dann muGte auch cin Bild, das in diese schmale Kolumne inseriert wurde, knapp gehaltcn werden - Kolumncnbilder neigen zu lapidarcr Kiirze (Abb. 7). Andcrt sicli dcr Satzspiegel und langen sich die Zeilen wie beim Codex, dann wird das fur die Illustration frcigelassene Intcrvall innerhalb der Schriftkolumne viel zu breit fur das Bild der Rollenvorlagc. Wird die Vorlage ohne Vcranderung kopiert - wie das aus Rcspekt vor dem altchrwiirdigcn Fbrbild nicht ; I \«*lnv \rcfj/r*ur Я1ДЮГ lixb^Adhfmoptre VH 1*1 • -<и1|Ги«цтГ rmyiiUf' 1ялг1яо-1 mpcctofe i m -•~л*ч clxrvf diiAf* HifiiimnxcAiidx dxrxm urt&m inufmjv . !vr\»n u*i.\m« mcnirv poOenori JhixT 1*1 exrrtmo s hk'auJx iii fiunr v.v 11 • it ^'•nofurv \rcninifmioor kU.*vOeUxrifiu»iola»erf.iiii lint' mejil.vdropofinxf mcAudo clvt^lll fium Vll •йЫпГ ЛррлгЛ' fit/нГ cpioWnocAmr potuC CiiXunujuoD cuamr ct>vut' ortif'iicrn ~ рг|1^пГ1|Ч11*»тггАГГП1ГгГ mrc/mf lAxAc’ hAiVfWW* - -лсАргтг eLxrxfv 1 floorрогт гост».x fum xv Cf ^^Ancrr (WUr mpccroi-r JutScUrmT quxrAppell»*X Afinof inter CJUATnubiculx CJUArcxnJrtn colanf xppMW C|uA*npraefepium uocxm inJocmf р«М>иГ Onyulxf quxefum 11*1- obfeura* infinifrnv pxAr mjieJep'onn с!агаГ infecurtdoii. tmrAioi- mcfuArv pxruxtn i in *®evnro cornu urUxiiie.iiMfltimfnv 11 fium.xvw • tjuibuf Juxe cjuaTinpenupf CAncri dpcimuf*CurnaLiC 'DuA.tuf* mmontur iVobf cun Г A. fin i 'diutmur bxW Aure*n ГсгКаГ iiii j№ www J—1 fo hxkaffleUxf 1 miapuT -m mooli* >, па-111 incAxicfx mccfiA 1 mfummic«rcjuJeclAram i fut> pectore 11 1пра1|[*иГрпоп1>иГс1лтят i fulmfirTt ctxr mmeJietxrr utmnfс(.\гАт i imtibuft mpoflmonjf nu 1 щргорос/л clxizxrn i fumm*.wm CJ1 JfmurЛ.'л-(|АГ lueev CAAidxm nuf /TcI/a* otfcur.vf vi
24 Ein lei tung MOi. - v>;f Л ,• Vk40'» Licm au^mocfcrm cfctffiJerax 'сегиилГfbriiicf^A£]ucij~irrri ( 'traAcftdcr^j: dJiima^TieaL^xfat^- ; intifC гиитгигпс^ги1с1гтп •ч к&эяёшиигп l> Der Hirsch ail der Quelle, Illustration zu Psalm 41,2. Stuttgartcr Psalter, Saint-Germain-des-Prcs (?), 1. Hiiltte y.Jh. scltcn verlangt worden sein mochtc —, dann kann die wortlich getreue Wicderholung dcs LYbildes unmoglich den breiten Strcifen flillcn, es entstehen Locher auf der Buchscitc. Das mag dann den Anreiz bilden, Fiillmotive zu erfmden, um die Locher zu stopfen, also die Vorlagc zu verandern. {In cincr karolingischcn — iiber ein Zwischcnglied von cincr antiken Handschrift kopierten - Arataca-Handschrift ist im wesentliehen noch das antike Bild ubernommen, aber in das lntcrvall dcr schr breit gewordenen Schriftkolumnc gesetzt (Abb. 13), frei schwebcnd, ohne irgendwie fest verankert zu sein. Ein andcrcs Blatt dcrselben Handschrift (Abb. 14) zeigt zwei Illustrationen in eine Ko- lumne nebeneinandcrgcschobcn. DaB die Verlockung bestand, die Schriftkolumne wenn das Motiv selbst nicht dazu ausrcichtc - erganzend auszufiillen, daB sich hier AnlaB zu Bercicherungcn bot, mag - mit Vorbehalt, denn das Urbild ist nicht lcicht zu bestimmen - an einem Bcispiel aus dem Stuttgarter Psalter vcranschaulicht werden (Abb. 15): Es ist die Illustration zu Psalm 41,2 »Qucmadmodum dcsi- derat cervus ad fontes aquarum, ita dcsidcrat anima mea ad te Dcus« - »\vie dcr Hirsch nach der Quelle diirstet, so diirstct mcinc Seele nach dir mein Gott«. Das Zcntrum dcr Darstcllung ist der Hirsch, der an der Quelle trinkt, hwzugesellt hat sich dcr Psalmist, dcr auf die Hand Gottcs und den Hirschcn vveist. So ungefahr muB man sich vorstellcn, daB cine Rcihc von urspriinglich sehr knappen Illustratio¬ nen erweitert vviirdc.) Wir sehen: beim Bild flihrt das Postulat der Buchstabcntreuc ge- gcniibcr dem Urtcxt sofort zu Konfliktcn, kann nicht mehr, wie beim sprachlichen Text, ein absoluter Wert sein. Veranderungcn des Textes schleichen sich unabsichtlich ein, sind die Folge von Verlesen und Unachtsamkcit; wir sprcchcn von Tcxtkorruption. Natiirlich gibt es auch bci der Tradierung von Bildvorlagen Korruption, Sinnverstiim-
26 Hinlcinmg Wichtigcr als historischcs Phanomen ist jcdoch cine zweite Folgc- crscheinung dcs Umstellungs- und Anpassungsprozcsscs. Jeder Buch- typus schcint von sich aus nicht nur ihm allein cntsprcchendc Bildformatc zu vcrlangen, sondern auch ihm allein kongeniale Schmucksystcnic und - was das Wichtigstc ist - ihm kongeniale bildliche Erzahlwciscn. Jeder Buchtypus ist cin anderes Medium, in dem anderc Gcstaltungsmoglichkcitcn schlummcrn. Das kontinuierli- che Band der Schriftrolle legt cs nahe. die Motorik der Buchform, das Abrollen - das noch in dem heute ganz anderes bezeichncnden Terminus Volumen nachklingt- in die Bildform und bildliche Erzahl- wcisc hincinzutragen, seitlich offene Bildkompositioncn zu schaffen. Der Codex mit seiner Folge relativ kleincr, separater Blatter wieder- um drangt auf seitlichen Abschlub, auf Untcrteilung, Insichgcschlos- senscin des Bildes wie der Buchscitc (Abb. 18). Wic inimer man sich die Entstchung dcr Bilderfolge des vatikanischcn Josuarotulus (Abb. iy) zu denken hat — woriiberjetzt die Mcinungen dcr Forschung auseinandergehen - ob sic als archaisicrcnde Ncuschopfung der maze- donischen Renaissancebcwegung zu vcrstchcn ist, wie Wcitzmann vorschliigt14, und das hiebe als Bilderstreifcn, der durch Aneinandcr- flickcn und Auffadeln einer groben Anzahl urspriinglich getrennter Einzelepisoden entstanden ist, - aus in sich geschlosscncn, gcrahmten Bildern, wie sie die ikonographisch aufs engstc verwandten Josuazy- klen der wenig spiitcren mittelbyzantinischen Oktateuchillustrationcn (Abb. 20, 21) besitzen — oder aber ob die Josuaillustrationcn schon urspriinglich als szcnischer Film, als fortlaufendcs Gcschehcnsband erfunden worden sind, wie man langc, Wickhoffs15 Interpretation folgend, glaubte, auf jeden Fall ist es cine aus dem Gcist des Mediums entwickelte Erzahlwcisc - die kontinuierlichc Erzahlung -, flir die cs monumentalc Gcgcnbeispiclc in der Spatantikc gibt, wie das um cine Saule spiralig gewundene Reliefband dcr Marc-Aurel- oder dcr Trajan-Saulc (Abb. 22). Bcsteht Weitzmanns These zu Rccht, derzu- folge wir im Bildcrzyklus der Josuarolle cine kiinstliche Rekonstruk- tion einer antiken Bildcrrolle zu erblieken haben, die genuine antike Rollcnillustration jedoch den kontinuierlichen Erzahlstil nicht kannte, dann stiinden wir vor dem hochst seltsamen historischen Phanomen, dab die der Buchrolle kongeniale Erzahltechnik erst post mortem des Rollenbuchcs von einem gclehrten Kopfcrdacht worden sei. Einc flir mich nur schwer vollziehbarc Vorstellung. Schlieblich der dritte Grundfaktor. den wir bei einer Bcurtcilung der epochalen Umstellung des Buchwcscns von Anfang an in Rcch- nung stellcn miissen: Die Wendc von der Schriftrolle zum Codex fiel zusammen mit einem Umschwung in der Bcwertung der sinnlichcn Erfahrung und Anschauung, einer Hntwertung des anschaulich Erleb- baren, was natiirlich die Haltung zum Bild und Abbild zutiefst beriih- ren mubtc und im ostliehen Mittclmeerbcckcn bekanntlich zur extre- men Form der Bildcrfeindlichkcit gcfiihrt hat16. Wo man noch bildcr- freundlich war oder blieb, begann man in dcr als verganglieher Schein gcstempclten auBcrcn Wirklichkeit ein Simile zu erblieken, das flir ein primar nicht Sichtbares, die iibersinnlichc Welt, das wahre Scin, stcht. Man begann, zwischen dem leiblichcn und dem geistigen Auge is Illustration dcr Eigcnschaftcn dcs Lowcn. Bcstiar. Peterborough (?), Anfang 13. Jh. Szenen aus den Daker-Kricgcn Trajan-Saule (Ausschnitt). Rom. Anfang 2.Jh
Von der Schriftrolle ztim Codex 25 16 Evangelist Johannes. Evangeliar, Byzantinisch, Mittc 10.Jh. j.’.isr Matthaus. . millenarius, _.rg. um 800 melung infolge mangclnder Fahigkcit und Gcschicklichkcit des Kopi- sten, MiBvcrstchcn des Vorbildcs, denn auch das passivste Kopicrcn beinhaltet schon cine unwillkiirliche Interpretation. <Es ist aber auch ein Mi fiver steheu-Miissen, ini Sinn von >in der neuen Sprache ausdriik- ken miisseiK, welches die neue Form mitbestimmt. Ein Umdeutcn, Ubcrsctzen in cigcnc, fur die Zeitgcnosscn bestimmte, vcrstandlichcrc Formcn. Zur Veranschaulichung des Gcsagten stellc ich eine jener zahlreichcn byzantinischcn Evangclistendarstellungcn, die wir noch als Vertreter des spatantiken Autorenportrats ansehen konnen (Abb. 16) und eine nordische, friihmittelalterliche Kopie dieses Typus (Abb. 17) gegenuber. Die Philosophenhaltung - das in die Hand Stiit- zen des Kinns - ist dieselbc. Zu bcachten ist die Transponicrung des Schaftes des Lesepults. Der Kopist kannte natiirlich das Naturvorbild, den Delphin, nicht; er hat ihn in ein Drachenwcscn mit scharfen Zahnen und besondcrcr, dekorativer Ausbildung des Auges iibersctzt, d.h. cr dachtc sicherlich auch, cs in scincm Sinn zu verbessern, aus- drucksvoller zu gcstalten, indem cr ihm dicse Form gab.) Es sind intendierte Vcranderungcn, sic entspringen eincm anders Miisscn, cinem anders Wollcn12, nicht einem Unvermogcn, sind nicht blob AuBcrungcn dcr Inferioritat und Primitivitat des Kopisten13.
Von der Schriftrolle zum Codex 27 . C iibeoniter vorjosua. -irollc. : iruinisch, 10.Jh. 20, 21 Die Gibeonitcr vorjosua. Oktatcuch, Byzantinisch, 11. Jh. zu untcrschciden, und was man mit dem lciblichen Augc sah, hattc nur Wert als Abglanz, Andcutung, Wegweiser auf cin Anderes, hintcr dcr Obcrflachc dcr matcricllcn Erscheinung Verborgencs - kurz als Zcichcn, als Symbol. Wenn allcs Schaubarc nur stellvertretendc 13c- dcutung hattc, dann muBtc allc bildlichc Darstcllung symbolhaft werden, eine mchr odcr minder abstrakte Zeichcnsprache. Als Bildcr- schrift war sic aber plotzlich in cine innere verwandtschaftlichc Bczic- hung zur Zeichcnschrift dcs Buches getreten, die Schrankcn zwischcn zwei bishcr heterogenen und in dcr Antikc grundsatzlich unvermisch- baren Spharen fielen. Wcitc Pcrspcktivcn fur ein fruchtbarcs, schopfe- risches Zusammcnlcbcn von Wort und Bild, von Buchstabe und Figur, von Schriftspiegcl und Bildraum taten sich auf. Dicscr Sym- biosc verdanken vide dcr origincllstcn Erfindungcn der bildkiinstlcri- schcn Phantasic dcs Mittclaltcrs ihre Entstchung und Entfaltung, ctwa, um nur cinige der spczifischcn Moglichkcitcn anzudeuten, die Figureninitiale, bci dcr dcr Buchstabenkorpcr durch Figuren odcr
28 Einlcitimg ganzc Szcnen gebildet wird (Farbtafcl xxx), die liistorisiertc Initiate, bei der Figuren odcr Szencn die Fiillung dcs Buchstabens bilden (Abb. 138), die Monogrammseite, die Schrift und Ornament in rcich orchcstricrtcn Kompositioncn zusammcnfligt (Farbtafcl hi), die Drole- rie, die glcichsam cinen Freiraum fur groteske, naturalistische Drastik, Genreszcnen u.a. bictct (Abb. 23, 151), didaktische Bilder mit ihrer Durchdringung von bildliehen und Schriftclemcnten, vvie sic auGcr- halb des Buches nie moglich ware (Abb. 166), Bilderkotikordatizcn wie etwa die Arnicnbibel, die mit ihren Gcgeniiberstellungcn von Bildern dcs Alten und dcs Neuen Testaments spirituellc Zusamnienhangc - Prophczeiung und Erfiillung - vor Augcn fiihrcn will (Abb. 24)17, und noch viclcs anderc, Dinge, dienur im Lcbensraum dcr Buchmale- rci groG werden konnten und im Reich dcr Monumcntalmalcrci, sei es Frcsko, Mosaik oder Tafelbild, nicht ihresgleichcn haben. Die Gewinne, die, wenn auch nicht dank der Umstellung von dcr Buchrollc zum Codex, so doch in ihrem Gcfolge nacli und nach erziclt worden sind, sind, wie ich eben anzudeuten vcrsuchtc, bei einigem guten Willcn eher abzuschatzen als die Vcrlustc, deren Uni¬ fang und Bcdeutung wir heute nur mehr erahnen konnen. {Wir konnen bcobachtcn, wie aus der neuen Kocxistenz von Schrift, Bild und Dekoration immer wieder vollig ncue Formen und Ausdrucks- weisen entstehen, was es hingegen zuvor gegeben hat und nicht weiterlcbtc, laGt sich vicl scliwerer abschatzcn.) Die Bildcrzyklen, die mit der Vernichtung dcr illustricrten Rollcn zugrunde gegangen sind, wird kein Spaten cines Archaologcn auch nur fragmcntwcisc ausgraben konnen. DaG man die Verlustc nicht hoch genug veran- schlagen kann, wird man sich noch am ehesten am Beispiel der Bibclillustration vergegenwartigen, deren Tradition bcgreiflicher- weisc trotz Wechsel dcs Mediums, trotz Kulturkatastrophen und Kri- sen der Kunst nie ganz abgerissen ist. Von den altesten biblischcn Zyklen, die sicherlich noch als Rollenillustration entworfen worden turomj SfutT Ic-ccfo bfique |H \nct№&i С и fiflT&'frorftnon mrnftrt irt&f crorlc& Wine IteUten Aptcn^nou liqrt "
Von der Schriftrolle zum Codex 29 24 Krcuztragung mit zwei typologischen Szenen. Armcnbibel, Blockbuch, Hollandisch, um 1430/1440 twiFui ей ^ • Uf «©i-Akrf 1 ф yetuaa cimuaUftt aU inulic* гг» f) ibftt ftv myuvMicr wUi- ttft etr* uLUnCewu* шгя- qrutre Hit- ftt ijv.C ll£f ?jiU§D tit <!'■ № Кича ft ftUo wen pu!iue*t •. Duo luj- r f mlr rolh^atUfp’cruc? fitjitilftf q lijf mfoiff lu CllO sind, hat die ganze fruhmittelalterliche Bibelillustration einschliefilich der romanischen Epoche gezehrt. Ausziigc aus den urspriinglichen Bilderfolgen sind in friihchristlichc Codices iibernommen und spater, wieder auszugsweise, in immer klcincrcn Doscn bis ins Hochmittelal- ter hiniibergerettet worden. <1° der Wiener Genesis (Farbtafcl 1), cincm aus kaiscrlich byzantinischem Besitz stammenden Purpurco- dex, haben wir ein erstes, friihes Stadium dieser Rcduktion vor uns: eine noch immer auBcrst reich illustrierte Gcncsis-Folgc (cs ist ein 48 Scitcn - von ursprunglich mindestens 200 Sciten - zahlcndes Fragment). In den karolingischcn Bibeln bekommen dann die cinzel- nen Biichcr - manchmal nur noch das Buch Genesis - lediglich Titelbilder, in denen auf einer Seite cinige Bildstreifen zusammengc- drangt wurden (Farbtafel xi), und die wir, da wir die ikonographi- schen Ubereinstimmungcn lcicht nachwcisen kdnncn, als Ausziigc aus unendlich viel reichcrcn Bildcrzyklcn ansehen diirfen. Wie diese
30 Bin Icitiing fortschrcitcndc Rcduktion stattgefundcn hat, dcr Strom der bildlichcn Uberlicferung immcr diinncr wurdc, uni schlieBlich auf einigc Titcl- bildcr zusammcnzuschrumpfen, mochtc ich noch am Bcispicl der Illustration dcr Makkabaerbiichcr kurz skizzieren. Wir besitzen eine spatkarolingische, wahrscheinlich in St. Gallcn entstandenc Hand- schrift, in der auf 26 eigencn Bildseitcn cine ganze Szcnenfolgc die Gcschichte der Makkabacr erzahlt (Abb. 25, 26). Es ist kcin Zweifel, dab dicsc karolingischc Folge nur eine Kopie einer spatantiken Vorlage ist. In zwei Bibeln der romanischen Epochc, der von Citeaux und dcr von Winchester, sind gerade die Makkabaerbiichcr mit Titclbildern versehcn (Abb. 27, 28). Die in mchreren Bildstreifen ubercinander angeordncten Szcnenfolgen bcinhalten cngc Parallelen zu dem St. Gallcncr Zyklus, etwa, um nur auf zwei Details hinzuweisen, die Klagcgestcn der Traucrndcn in der jcweiligen SchluBcpisode (Tod des Judas Makkabiius) odcr die Ausschnitthaftigkcit der Darstellungen am Bildrand (St.Gallen und Winchester).) Vcrfolgen wir die Gcschichte dieser Tradicrung, so kommen wir unweigerlich zu dem SchluB, daB die bei weitem reichstcn, ausfiihr- lichstcn biblischen Bildcrzyklen am Anfang gestanden haben, ja daB der biblischc Text nie wiedcr so eingchcnd und luckenlos illustriert wordcn ist. Allcrdings gilt dies nur fur das Altc Testament, von friihcn zyklisclten Darstellungen dcr Evangelicn ist keine Spur zu findcn. 25 Konig Antiochus crtcilt seine Befehle. Makkabaerbiicher, St.Gallcn, i.Halfte 10. Jh. 26 Tod des Judas Makkabaus. Makkabaerbiichcr, St.Gallcn, i.Halfte io.Jh.
Von der Schriftrolle zum Codex 31 7xi des Judas Makkabaus. ir.bel des Abtcs Steven Harding, ::eaux, Anfang 12.JI1. 28 Konig Antiochus erteilt seine Befehle, Tod des Judas Makkabaus. Winchester-Bibel, Winchester (St. Swithun’s), urn 1150-1180 Lange wuBtc man nicht, was dicse auffallcnde Diskrepanz bcdcuten solltc. Die Beobachtung, daB die Alttestamentszyklen zahlrcichc apo- kryphe jiidische Elemcnte enthielten, hat dann die Forschung auf die wahrscheinlich richtige Spur gebracht: Dicse alttestamentarischen Bildcrzyklen miissen vorchristlichen Ursprungs sein, in den vom Hellenismus infizierten und daher das Bildervcrbot nicht mehr beach- tenden judischen Gemeinden entstanden. Das heiBt aber - und dies ist fur uns im Augenblick das Entschcidcndc ihre Entstchung fallt in eine Zcit, in dcr es den Codex noch nicht gegeben hat. Mit einem Wort: das zyklischc Erzahlcn, Welches mit kontinuierlichcm Erzahlcn nicht identisch ist, ist recht cigentlich das Vcrmachtnis dcr antiken Rollcnillustration an die mittelaltcrlichc Buchmalerci. Es hat, wie wir sehen konnten, im wcitcren Verlaufder mittclalterlichen Entwicklung bisweilen geniigt, wenn den Illuminatorcn im gccigneten Moment Bruchstucke solcher Bilderzyklen in Kopien untergekommen sind, um narrative Kunst wic den Phonix aus der Asche wieder erstchen zu lassen. Eincs dcr schonstcn Bcispiclc fur die Unsterblichkeit kiinst- lerischer Ideen.
Verankerung des Bildschmucks im Buchorganismus Eine der Grundbedingungcn des Vcrstehcns mittelalterlicher Buch- malcrci ist es, eine klare Vorstcllung davon zu gewinnen, wie das Bild odcr dcr bildliche Schmuck im Organismus des Buchcs matcriell wie geistig vcrankcrt ist. Ebensowenig wie man deni kiinstlcrischcn Sinn mittelalterlicher odcr barockcr Altarbildcr odcr den Gewandefigurcn gotischer Kathcdralcn gerecht werdcn kann, wcnn man sie als isolicrtc Muscumsstiickc betrachtet und wertct, ohnc ihrc Funktion im Sakral- raum und ihre intime Vcrbundcnheit mit andcren Teilen des Gcsamt- kunstwerkcs in Rcchnung zu stcllcn, ebensowenig begreift man eine Miniatur, wcnn man sie im Apperzipieren ihres Existcnzraums be- raubt, also densclben Vandalismus im Gcistigcn begcht, den die vielcn kunstliebenden Vandalen dcs vorigen und auch noch unseresjahrhun- derts faktisch sich zuschuldcn kommen licBcn, die Initialen odcr Mi- niaturen aus Biichcrn herausschnittcn, um sie in Bildcrrahmcn, die den cntwurzelten Wesen cine falschc Ganzhcit geben, fein saubcrlich an die Wand zu hangen. Wir werden uns, glaubc ich, am raschestcn in die besondere Sphare dcr Buchmalcrei einschcn, wcnn wir von eincr Erfahrung ausgehen, die jedcr bald machcn wird, dcr sich mit dem Studium illuminiertcr 29 Kriegsrat des Ascanius. Vergilius Vaticanus, Italien (?), Anfang 5.Jh.
Vorbemerkitngen 33 30 Bacchus. Ovidc moralise, Flandern, uni 1480 3i Illustration zu Andria, 11. Akt, 6. Szene. Terenz, Komodien, Reims, z.Halftc 9.Jh. Handschriftcn abgibt. Zu seiner Uberraschung wird namlich ein aufnicrksamcr Beobachter schon nach der Durchsicht cinigcr weniger Handschriftensammlungcn die Fcststcllung niachcn miissen, dab cs, sicht man von dcr Spatzeit der mittelalterlichcn Entwicklung ab, immer nur verhaltnismabig wenigc Tcxtc warcn, die illustricrt oder auch illuminiert wurdcn, und ferner, dab es nur ganz bcstimmtc Stellen im Buche sind, und zwar je nach dem Text immer anderc, an dcncn sich bildlicher oder dckorativer Schmuck findet. Schon in der Antikc schcincn - soweit die stark fragmentierte Ubcrlicfcrung ein Urteil zulaGt - nur bestimmte Werke AnlaG zur Illustrierung gebotcn zu haben; vvarum, das entzieht sich haufig unscrer Kenntnis. So ist gewib nicht dcr Zufall dcr Erhaltung daran schuld, dab wir von mchrcren illustricrtcn Vcrgilausgabcn wisscn (Abb. 29), hingcgen keine Spur cincs bebilderten Ovid entdecken konncn. Die spatmittcl- alterlichcn Illustrationen des christlich moralisierten Ovid fubcn in keiner Weise auf irgcndcincr bildlichen antiken Tradition, sie sind direkte Verbildlichungcn dcs Tcxtes, uns oft furchtbar naiv anmutcnde bildlichc Ubcrsctzungcn dcr vcrbalen Andeutungcn und Bcschrei- bungen, etvva wcnn der Tiger des Bacchus in einer flamischen Minia- tur als hybridcs Monster dargcstcllt wird, dessen Vorderteil eincm Grcifcn, dessen Hintertcil cincm Lowcn ahnelt (Abb. 30). Dab wir Tcrenzillustrationen besitzen (Abb. 31), hingegen kein Anzeichen da- fur spricht, dab Plautus, dcr andcre grobe romischc Komodiendichter, in einer illustriertcn Ausgabc vorgelegen hat, ist ebenso ratsclhaft wie das Fehlen einer Tradition von Ovidillustrationen. Fiir uns bleibt cs unbegreiflich, dab ein Stoff wie der von Ovids Metamorphoscn - dcr in dcr Renaissance eine solchc Bcdcutung crlangcn sollte - nicht zur bildlichen Darstcllung als Beglcitung cincs Textcs gcreizt haben soil. 1Гc№ ifinpi с^ил-ои tffrm t Tl* iw fi‘ )У<УИИ1^/?М^П J f Ьи prfbrx(ffcprtcut mJiLmufrufTar S j^ur^uic<|uJri ntAnujuider V-j llnlnrkrm 1 pJitlpjvrliif S ^irvj?rrclkx»ri^uiJerT» * p ptrrrp (prmrumtt' firrxa bocmjlr (vice v.f milnttlfiiniiufff t'V-J jjthlfttllutf ttV Vi umilLmt'Lftir f ejuijfpi-tmhjiefumr f fvj«fl4uulcflw^)tir wnfaKuiirKn t V H iml juithuAes kjut nucrrrtLucfl И ал plLi-rawldrt JfJefuni ( earTTfrmjf^icitur4*^* ( 4 L Jiiir JumL(mvnr(l-fl Jrt»n(|ur аш/tulir A »n.umr aim l.imr.i.itr trifarrU-lT
34 Verankerung da Bildsclmiucks 32 33 Klerikcr beim Singen dcr Psalmen. Zelebricrcn der Messe. Elfcnbein, spatkarolingisch Elfenbcin, ro.Jh.
Vorbemerkungeti 3 5 ALOIWIDI _ F1'DH1 HW ^'-^^RUUS- MOM аттЬиЬг.Гф:сГш1Г1пс!т1р(\опе ШШшт1^0лГсдаис1и1т_(?аЛпплгс ^ ? t. ^гоаитш7фыпсю?гиаггагтп 7l/ Cl5mn^^aaiWquodpbanofidn 'l м шг^мппщаторашг-Тшсппа aucc/o;)uf pfrrtuin habCD-исГшТ p , kj ft^cnnagniTwuUodcfinmnT- ;* t;- Siquiraurnn urfn mdigrcfapicn } j ua-poftuldradCDquidaronmU); \* afflumrcr cvnon impropant' • cvda J_ birur a ■'PoftuUxautfmftdt • m , cbilbpfTranrQuiainnbjJtcarTi TmUrrttRuttuimanfquiaucnro moumirdramirnfauir^NonagB rftrnia bomoiUr- quod arapiar _ auquidadnoHirduplgcaninio- mconftanrcffc monmib-. ииГГш5 • Gloiimir аишп frbuimUf in peal * ranoncfuadiucfdmrnibinntUci trto &'■ qfn flair ftor^Ni dniibro■ * exoinircftcmmrol-aimaidoic. <fc . /• dTifccn: fymrm ■ йИоГсшГ deatfle •' r cvdaoinutairaurdcpcniD-lracfc dmcf mmncnb: flnr manrfax • ) елтигuir qui fufftro шпртаиолс^т corn w [^) г'тчмшг fuau ocupicc ronmm imp qua •fli rff diUpprabirtrt ПЯето йппгфши • v Swithun’s), Das Mittelaltcr hat sich gegeniiber der bildlichen Tradition antiker Tcxtc bis zur gotischcn Zeit vollkommcn passiv vcrhaltcn: es hat den Bildschmuck von Ausgabcn antiker Autoren nicht seltcn mitkopiert und dabci oft rccht eigenwillig verandert und paraphrasiert. Es hat aber unscres Wissens bis zur Gotik niemals cincn antiken Text, der unbebildcrt iiberliefcrt worden war, aus cigenem mit Bildcrn vcrschen. Bcsser durchschaucn wir die Verhaltnissc auf dem Gebiet der christ- lichen Literatur. Kiinstlcrischen Schmuck erhicltcn in erster Linie und in der Friihzeit fast ausschlieBlich jene Bucher, die bei den gottesdienst- lichcn Handlungcn gebraucht wurden; das Sakramentar, spatcr Mis- sale genannt, das Evangeliar und Evangelistar, der Psalter, das Pontifi- kale und das Bencdiktionalc, in den spatcren Jahrhundcrtcn die Chor- biicher, d. h. die Zusammenstcllungcn der fur den Gcsang bestimmten Tcxtc. <Zwei wahrscheinlich in Lothringcn entstandene Elfcnbcinc der spatkarolingischcn Schulc, in denen liturgische Handlungen dar- gestellt sind, flihren uns die dabci gcbrauchten Biichcr vor Augen. In eincm der beiden (Abb. 32) halt ein Priestcr, umgeben von singenden Monchen, bzw. im Hintergrund von Diakoncn, ein aufgeschlagencs Buch in der Linken. Wir konnen auch die Worte entziffem, die auf den Buchsciten eingraviert sind: »Ad te Dominc lcvavi animam mcam«, den Beginn dcs 24. Psalms, es ist also ein Psalterium. Im zweiten Elfenbein (Abb. 33) ist der Pricster, wieder umgeben von Monchen und Diakonen, nur als Halbfigur zu sehen - in dieser Zeit stand der Priestcr hinter dem Altar -, das Buch ist an der Stclle des Canon missac aufgcschlagen, wir konnen die Worte lesen, die der Pricster unmittclbar vor dem MeBopfcr spricht: »Tc igitur dementis- sime pater...« Es handclt sich also um ein Sakramentar (das gcschlos- senc Buch am andcren Ende des Altartischcs muB dann das Evangeliar sein). Psalterium, Evangeliar, Sakramentar - das sind die Hauptbii- chcr, die in dieser Friihzeit dcs Mittelalters illustriert wurden, nicht die Bibcl.) Die Bibel, Sammlung allcr die Heiligc Schrift bildenden Texte, wurde aus dem angegebenen Grund in diesen Jahrhundertcn nicht als Aufgabc fur bildliche oder dekorative Ausschmiickung angc- schen. In der so bilderfreudigen ottonischen Epoche hat es offenbar keinc illustricrtc Bibel gegeben. Das anderte sich allcrdings schlagartig im I2.jahrhundert, das die Bliitezeit der mittclalterlichen Bibelaus- stattung und -illustrierung geworden ist. Sehr wahrscheinlich sind fur diesen Wandel die verschicdcnen groBcn Reformbewegungen der Kloster verantwortlich zu machen, die u. a. auf verbesserte Textredak- tionen Wert legten und vielfach Bibellektiire im Rcfcktorium vor- schricben. Eine cnglischc Chronik spricht von ciner besonders prunk- vollcn Bibcl, die in Winchester wahrend dcr Mahlzcitcn zum Vorlcscn beniitzt wurde18 - wahrscheinlich handclt es sich um dassclbc Pracht- werk, das sich auch heute noch in der Kathedralc von Winchester befindet (Farbtafel ххш). Worauf es ankommt ist, daB die Bibel aus der reinen Biicherstubenexistcnz herausgetreten war und ihr zwar nicht bei den gottesdienstliehen Handlungen, aber doch im offcntli- chcn Lebcn der klostcrlichcn Gemcinschaftcn eine ganz besonderc Funktion zukam. <Abb.34, Detail mit nur in Vorzeichnung ausge-
36 Vera икс rung des Bildschmucks fuhrter Initialc; im Text sind nebcn den Abkiirzungszeichcn auch die Markierungen - fur Hebungcn und Scnkungcn - zu sehen. die beim lauten Lescn behilflich sein sollcn.) Im allgemcinen kann man sagen, dab, je privatcr der Charakter cincr Schrift odcr eincs Buches war, dcsto gcringcr offcnbar der Ansporn zu seiner kiinstlcrischen Durch- gestaltung und Ausstattung. So sind es, wcnigstens bis zur romani- schen Epoche, im vvesentlichen die im cinzelncn bercits genanntcn liturgischen Bucher, in denen das Schwergcwicht der Entwicklung lag. Und ganz klarerwcisc war es der liturgische Gcbrauch, dcr zum cntschcidendcn Faktor in dcr kiinstlcrischen Organisation des betref- fenden Buches, des Sakramentars, Psalters oder Lcktionars wurde. Wcr nach dem kiinstlcrischen Schmuck eincs der genanntcn Bucher sucht, wird sic jeweils an verschicdenen Stellcn aufschlagcn miissen. Handelt es sich um ein Evangeliar, besser gesagt um die vicr Versionen dcr Hcilsgcschichtc, die die Kirche sanktioniert hat, also das, was im Gricchischcn ein Tctracvangcliar heibt, so wird man zu Beginn jedes Evangeliums einc Art Titelbild erwarten diirfen, entweder in dcr Form cines Autorcnbildcs (Farbtafeln v, vi) odcr eines Evangelisten- symbols (Farbtafel n)19 odcr einer Kombination dcr bciden Elcmcnte, <sei es auf cinandcr gcgeniibcrlicgenden Seiten (Abb. 35) oder auf dcrsclbcn Scitc, entweder indem das Symbol als Fiillung der Lunette einer pscudoarchitektonischcn Rahmcnform fungiert (Abb. 36) oder 35 indem Evangelist und Symbol im sclben Bildraum vereinigt sind (Abb. 181), was in den spateren Jahrhundcrten dcs Mittelaltcrs die Codex millenarius. Regel sein wird20.) In cincm Sakramcntar oder Missalc hingegen Salzburg, um 800
Sakramentar иnd Missale 3" 3^ Der Evangelist Lukas mit seinem Symbol und christologischcn Szcnen. Augustinus-Evangeliar, Italienisch. 6.Jh. wird man von dcr karolingischcn Epochc ab vergebens nach cincm Titelbild Ausschau halten, hicr finden wir den Hauptschmuck und oft den einzigen Buchschmuck ini Kcrnstlick dcs MeBbuches, dort, wo das Hochgcbct dcr Feier dcs MeBopfers steht, dcr sogenannte Canon Missae. Und zwar sind es regclmaBig zwei Stcllcn, die durch bildliche oder auch nur ornamentalc Vcrzierungen ausgczeichnct wer- den, dcr Bcginn dcr Pracfatio (Farbtafel xvi, Abb. 40, 105) und der Bcginn des eigentlichen Canon (Farbtafel xvn, Abb. 39, 106). Es erscheint mir ratsam, ein Wort iiber den Untcrschied zwischen Sakramentar und Missale zu sagen. Die Zercmonic der Mcsse wird bckanntlich mit vcrtciltcn Rollcn gespielt: Gebetc, Lesungcn und Gesangsteilc obliegen vcrschicdcncn Pcrsonen. Das Sakramentar um- faBt nun die eigentlichen Gcbetc, also den Teil, den dcr Pricstcr selbst zclebricrt (Abb. 33). Erst im io.Jahrhundert bildete sich das Vollmissale aus odcr besscr, begann es, sich durchzusetzen, ein Sam- mclcodex, der auch die anderen Teilc der gottesdienstliehen Feier enthiclt. Das Liber sacramcntorum (Sakramentar) war nach dem
38 Verankerung dcs Bildschmucks Jahreslauf gcordnet, und in karolingischcr Zcit stand der Text des Canon, d. h. dcr eucharistischcn Gebcte, am Anfang des Buchcs; spatcr, vom i i.Jahrhundert ab, riicktc der Canon jedoch in die Mittc, dorthin, wo sich der Codex am leichtcsten aufschlug, um schlicBlich an dcr Stellc vor dem Text zum Ostcrfest, dcr Hauptfcicr des Kirchen- jahres, seinen dauernden Flatz zu finden. Die fiir das Sakramentar typischc Ausstattung, namlich die, die sich auf die schmiickcnde Auszeichnung dcr Pracfatio communis und dcs Canon konzentriert, crscheint erst in karolingischer Zcit. Die MeBbiichcr dcr vorkarolingischen Epochc, also die des Mcrowingcr- rciches - reprasentativ das Sacramcntarium Gclasianum - in denen Pracfatio und Canon gewohnlich am Endc dcs Buchcs standen, hatten dicsen wichtigstcn Tcil beinahe ganzlich ungeschmiickt gclassen und nur die drei Hauptabschnittc dcs ganzen Buchcs mit Frontispizcs versehen, deren Formmatcrial sich von dem bei anderen liturgischen Biichern scit friihchristlichcr Zcit gebrauchlichen Schmuck - Arka- denbogen odcr Kreuze nicht wesentlieh unterschied (Abb. 37). <Der eigcntlichc Canon, das »Te igitur elementissime pater..dcr Tcxtbe- cinn, der cine so groBartige Zukunft in der Buchausstattung haben . . . 0 , lncipusciten zum 2. Haupttcil sollte (Abb. 39), hndet sich in dcr Mltte ciner Scitc, ja in dcr Mittc des Sacramcntarium Gclasianum, ciner Zeile, ohne jede Hcraushebung (Abb. 38).) Frankrcich, um 750
Sakramentar und A'fissalc з< . mit dem Canon missae. .ntariiim Gelasianum, • -..Ji. inn 750 39 Initial-Ligatur zum Canon missae. Sakramentar-Fragnient, Nordfrankreich, um 860 Gegen das Endc dcs 8.Jahrhundcrts, im Jahr 789, sandtc Papsi Hadrian 1. an Karl den GroBen auf desscn Wunsch cin Sakramentar dessen Redaktion angeblieh von Papst Gregor dem GroBen, also au: dem 6.Jahrhundcrt hcrriihrte, und das Karl der frankischcn Kircht als Muster empfahl. Im Gcgcnsatz zu den mcrowingischen Sakramcn- taren nahm der Canon die Spitzc, nicht das Ende des Buchcs ein, unc das mag die Schreibcr und Illuminatorcn angespornt haben, auf da! gcwissermaBcn in den Vordcrgrund geriickte Kcrnstiick der Messc auch visucll den Hauptakzcnt zu legen. Den Ansatzpunkt bildctc einc Ligatur, cine Buchstabcnvcrbindung, und zwar von V und D, die wegen der viclfachen Wiederholung dcrsclbcn Wortc - »Vcrc dignun: et iustum est, acquum ct salutarc, nos tibi semper, ct ubique gratia! agere« von den Schreibern schon langst als Abkiirzung vervvcndci worden war. Oft lieB man den Abkiirzungsstrich die beiden sick uberschncidcnden Kapitalcn kreuzen, und so entstand cine festc For- mel dcs Vere-Dignum-Zeichcns (Abb. 41), cin Monogramm nach dci Art des Christogramms, das die Grundlagc allcr kiinftigen Verzicrun- gen, ornamcntalcr wic figuralcr, wurde. Es ist ein typisch mittclaltcrli- chcr ProzeB, wie aus dcr simplcn Paraphe cin ausdrucksgcladenc! Zcichen. sinntrachtige bildlichc Form entstcht und schlieBlich die abstrakte Physiognomic des Formsymbols durch cine konkretc crsctzi . nuMTpOTcsrvres Cxebcidoiwio» queui ктитсзАсвеадха^хжр»*»о чи)Вилет>»озтцх5иосезит2к.Ъап1Т -n iuBtiL3bepMCcuBUKSaj>jpl)Ct :о?чгезз1омеЪ1сем*гез.^салсл8С5 bMsoSsmoitjjbwnjuKraelj M-TR^IjLoilUIUlkOsaNKUNQlC^ 3 vs»cjqeb»CTua^umeMrrm»qoQf>i>»e ЪЙ1 .os ^cntibu т u испЪwr»icr> s иj> places Xo Atnus т^еткпият*ссе^1х1))де1ает^ - еДс^юхл.ЪлссЪо^чх. кдезсан&ши -'xecs&sxcKipcixmbB^n.l^piu a iscjuiMibioj:^eia<nuaj>Ropc : Lcs ixiuAscuaiiiobu. ouiduci t ic десщтоЫке-АЪидш сттн ; с ксЪ]^м№зтотоокьетсЧ1шц| \J.4 \с исп г аспиХоттло. ьлр JLJ45 itio e-T3J4TesTiT^A401 Цо.ию. CDCtnCN 7 ,Ъме рл(тг>и1о кит|: jicnuXjLRvicr) : U i.e-IUARUCneTOCr>J41UCnClKCUQr>
40 Verankcrung des Bildsclimucks wird, der Durchbruch zur vollcn sinnlichcn Anschaulichkeit sich vollzicht und die Icibhaftige Gestalt der angerufenen Gottheit hcrauf- beschworcn wird. Man stcllt bier die Majcstas Domini dar, auf die sich die unmittclbar auf das »Vcre dignum ...« folgcnden Worte »Domine sancte. Pater omnipotens...« beziehen (Abb.42)21. In den Obergangsstadicn kann die Gottheit entweder als Medaillonflillung im Schnittpunkt des Prafationszeichens erschcincn, sei es ausschnitt- weise, als Kopfodcr Biiste, oder ganzfigurig (wic im eben angefuhrtcn Bcispiel), oder aber es wird die thronende Gottheit als eigenc Darstel- lung neben das Prafationszeichen gesetzt, also rein auBerlich hinzuad- diert, lctztcres besonders in Italien (Abb. 43), wo man f!ir die spezifisch mittclaltcrliche Vermischung von Zcichcn und Bild weit weniger Vcrstandnis besaB als in den nordischcn Landem. (Am Endpunkt diescr Entwicklung ist die Majcstas Domini zum eigenen Kanonbild gcworden (Abb. 44).) Wir werden auf diesc Wende vom Zeicheu zum Bild - in der wir auf den innersten Ncrv dcr schopferischen Phantasic der Buchmalerci stoBen - noch naher eingehen, sobald wir vom zweiten Hauptmoment des Sakramcntarschmuckes am Beginn dcs cigentlichen Canon Notiz genommen haben. Diescr beginnt mit den Worten »Tc igitur, elementissime Pater, per Jesum Christum Filium tuum Dominum nostrum, suppliccs rogamus, ac petimus...«, und so konntc es nicht ausblciben, daB der erste Buchstabc, das T, als Initialc 40 Prafationszeichen. Sakramentar-Fragnient, Nordfrankrcich, uni 860 4i Prafationszeichen. Exultetrolle, Montecassino. Mitte 11.Jh.
Sakramentar and Mis sale 41 44 Majcstasdarstcllung zur Prafation. Exultetrollc, Benevent. i2.Jh. Majcstasdarstcllung zur Prafation. sakramentar. Писана, um 1100 44 Majcstasdarstcllung zur Prafation. Missale. St. Florian, uni 1305/1310
42 Verankerung des Bildschnmcks groBcnmaBig und durch Vcrzicrung hcrvorgehoben wurde und, ahn- lich wie das Prafationszcichen, mit den folgcnden Buchstaben einc Symbiose einging und in ein kunstvollcs, monogrammartiges Gebildc zusammcngcschwciBt wurde (Abb. 45). Das T (griechisch Tau) war aber von urchristlichcr Zeit her bedcutungsgcladen, es wurde automa- tisch als Zeichen des Krcuzcs und dcs Gekrcuzigtcn verstanden. Fur die mittclaltcrlichc Einbildungskraft war cs das Natlirlichstc dcr Welt, das abstrakte geometrische Zeichcn in cine anthropomorphic Form zu vcrwandcln. Schon eincs dcr altesten erhaltenen Sakramentare, das von Gcllone, aus dem spatcrcn 8.Jahrhundert, bringt an dieser Stcllc den Gekrcuzigtcn (Abb. 46), schon hicr wird das Wort Bild. Dies geschah in cinem kiinstlcrischcn Milieu, in dem man, dcr Entwicklung weit vorauseilend, mit Initialen experimentierte, die in Figuren umge- sehen waren, man kann auch sagen, als Figuren vcrklcidct auftraten. Das Kruzifix-Tau dcs Sakramentars von Gellone blieb jedoch noch langc cine Ausnahmc. Erst in ottonischcr Zeit wurde die Glcichung T = Gckrcuzigtcr cine gelaufige Form dcs Sakramcntarschmucks (Farbtafcl xvn)22. Es war einc Zeit, in der der Drang zum bildliehen Ausdruck iibermachtig wurde und alle Formgclcgenhcitcn erfaBte, die aber zugleich groBartige unfigiirliche Initialgebilde erfand, die in ihrer Ausdruckskraft ebenbiirtig Seite an Scitc neben die Darstcllungen der bcdcutcndsten rcligioscn Thcmcn traten. Und so finden wir in den meisten ottonischcn Sakramentaren ein rein ornamentales Prafations- 45 Initial-Ligatur zum Canon missac. >Missale< des Robert vonjumieges, Canterbury, uni 1020 46 Kreuzigungsdarstellung zum Canon missae. Sakramentar von Gellone, Diozcsc Meaux, um 790/795
Sakratnetitar urnl Missalc 43 cr.<: CP VC I OTEGA.MVR с с*,/--; .4 ,4 t^J-iz *CT l^rH Xpwt fltlu X*iX\S *o<promu«*. •C^KT^icaf’ boot 4’ *fcbi* •«'T’fWw mhRert* -1 gccti сил fell *• cu4x'dxTsr • ^лЛигих rrt» crrbe rwг глг шп • V1f%t MJV- fit' 4^411 гЖохйтаГ-*ctnc*Ao 2 uitenbuf.J ^ncnrv Jnr fUm nmmuu rutj* eft. #(r Tim c!e- ТШ «ч/м • ATE!1 .rrm- ^crppfiorf uc accept*. U f^w ■+• mwnrn • ^ver 4 Jti pr*mif*<ji*e nti «**> cacAohca* quaraciftc-t «С r^JTTef ritgnert*- c»j»fjmule »e Vfhit иго- Ptoimb ^opofbltc* /Win n|i nuriand nti flclrfco *ro фИ&J otl И '4- Kreuzigungsdarstellung /шп Canon missac. Sakramentar. Toskana, um 1100 4« Kreuzigungsdarstellung zum Canon missac. Walling-Missalc. St. Florian. um 1310 zcichen gcpaart miteincm bildmabigcn Tcigitur (Farbtafcln xvi, xvn). In romanischcr Zcit wird dann die Tcndcnz zur bildlichcn Fassung bci- der Zicrstcllen dcs Sakramentars zuscbcnds starker (Abb.43. 47). die Gotik, das gotische Missalc - Sakramentare gibt es dann nicht melir - kennt nur mehr das Kanonbild (Abb. 48), die Kreuzigungsdarstellung, allein oder gepaart mit deni ihm vorausgehenden Bild der Majestas Domini. In der Geschichte und Gencalogic dcs Kanonbildes spicgelt sich nicht wenig von den Aspirationen, Bemtihungcn und Schicksalcn der gesamten mittelalterlichen Buchmalerei. Der Fall ist auch deshalb noeh von besondcrem Interesse, vveil wir dazu die Reflcxioncn und Kommentare von Zcitgenossen der kiinstlerischen Schopfungen kennen. So hat Papst Innozcnz in., der 1216 starb, folgcnde Erlautcrung des Canon Missae gegeben: In ihm soil der Ciliiiibige an die Passion crinnert werden, und deshalb fande man in manehen Sakramcntaren zwischen Praefatio und Canon die imago Christi »ut non solum intcllectus litterae, verum ctiam aspectus picturae memoriam passionis Domini inspired dab nicht nur das Vcrstandnis des Wortcs, sondern auch der Anblick des Bildes das Gcdcnkcn. die >mcmoria< dcr Passion dcs Hcrrn inspiricre. Hier wird offenbar die Funktion bildlicher Darstellung als cin Mittel des Innc- werdens, der Vergegenwartigung verstanden. Und Innozcnz fahrt fort: »Ht forte divina factum est providentia, ut ab ea littera T [Tau| canon inciperet, quae sui forma signum crucis ostendit ct exprimit in
44 Veraukertmg des BiUschmucks figura« - »und es ist cine gliickliche Fiigung dcr gottlichcn Vorsehung, daB dcr Canon mit jcnem Buchstaben T [TauJ bcginnt, dcr kraft seiner Form das Zcichen dcs Kreuzcs bictet und figurlich ausdriickt«23. Wir sehen, Papst Innozcnz ist sich dcs Doppclcharakters der Initialc, dcr Auswechselbarkcit von Wortzcichcn und Bild wohl bcwuBt. Und erinnern wir uns gleichzeitig, daB dcr Priestcr beim Zclebricrcn der Messe durch die Gcste der ausgebreiteten Arme noch auf seine Wcise die Vorstcllung dcr Kreuzcsgcstalt symbolisiercnd wachruft, und fer- ner, daB in der Messe die Konsekration von Brot und Wein, das unblutige MeBopfcr, cine symbolischc Representation dcs Opfcrs am Krcuzc ist. Hier sei cin kleiner Exkurs gestattet. Ich mochtc es namlich nicht unerwahnt lassen, daB wir auch zum Prafationszeichen zeitgenossische Kommentarc besitzen, wenn auch nicht friih-, so doch hochmittclal- tcrlichc Erklarungcn dcs Sinnes dieses formclhaftcn Zeichens (Farbta- fcl xvi). Aus dem ia.Jahrhundert gibt es im >Rationale divini officii< dcs Johannes Bclcth, Rektor dcr Pariser Univcrsitat, folgende Bc- schreibung des Prafationszcichcns: Man findet, sagt cr, an dicscr Stclle cine »figura«, also cin Gcbildc, das unscrem Delta odcr D glcicht, welches iiberall gcschlosscn ist; im vorderen Tcil umschrcibt es unscr V [UJ, das in der Hohc offen ist, in der Mittc wird es von eincm Transvcrsalstrich durchzogen, dcr bcide Teilc nach dcr Art des Krcuzes koppclt. Und nun folgt die Sinndeutung dcs mittclalterlichcn Theolo- gen: »Quod quidem non sine causa factum est« - Dies ist nicht ohne tieferen Grund so: Durch das allscits gcschlosscnc Delta wird namlich die gottliche Natur wiedergegeben, die weder Anfang noch Endc hat, durch das V aber wird die mcnschlichc Natur Christi ausgcdriickt, die ihren Ursprung in dcr Jungfrau hat, aber eines Endcs entbehrt. Der Bindestrich in der Mitte jcdoch, dcr bcide Teilc verbindet, ist das Kreuz, durch das das Menschlichc an das Gottliche gckniipft erscheint24. Ein Jahrhundcrt spater wiedcrholt Wilhelm Durandus in seincm fur das Spatmittclalter verbindlich gewordenen >Rationale< die glcichc Interpretation, nur in ctwas ausgcschmiickter Form: So seicn durch das Mystcrium dcr Vcreinigung mit dcr Passion dcs Hcrrn die Menschcn mit den Engcln versohnt und das Menschliche mit dem Gottlichen im Vorbild des Erloscrs vcrkniipft25. Ich fiihrc diese Interpretationcn an, nicht wcil ich glaube, daB sie stichhaltig scien, im Gegcntcil, als Bcispielc von cx post Dcutungen, mystisch-allcgori- sierenden Auslegungcn, die Sinngchaltc und Motive untcrstellcn, wcl- che bei der Entstehung dcr fraghchcn Gcbildc nicht wirksam gewesen sind, beinahe mochte man sagen theologische Spiclcreien, welche iiber den geistigen Habitus dcr allcgorisicrenden Excgetcn, nicht aber iiber die Wcscnheit der interpretierten Werkc etwas aussagen. Ich erwahne sie aber auch deshalb, weil diese allegorisicrcnde Exegcsc in dcr heutigen Kunstgeschichte leider wiedcr groBe Mode geworden ist und namcntlich die jiingcrc Generation von den Pfaden, die zum wahren Verstehcn dcr historischcn Denkmaler flihrcn, wcglockt. Der Symbolsinn des Те igitur kann in sinnlicher Wahrnchmung erlcbt wer- den, dcr, dcr dem Prafationszeichen zugrundc liegen soli, ist von speku- licrcndcn Theologcn hincinprojiziert und hinzuassoziicrt worden.
Die Initiale In der Bcsprechung dcs Sakramcntarschmucks habcn wir ein Phano- mcn gestrcift, das zu den allercharakteristischsten und spczifischsten der Buchmalerei gchort, das Phanomen dcr Auscinandersetzung von Schrift, Dekoration und Bild. Das Ergcbnis dicser Auseinanderset- zung war die Bildung dcr Initiale, cine Formschopfung, die ihre Existenzbcdingung und -bcrcchtigung natiirlich cinzig in der Buch- malcrei hat. Das Vcrdienst dcr Erfindung der Initiale darf noch das Altcrtum in Anspruch nehmen (Abb. 51), ein fruchtbares Thema der Gcstaltung wurde sic erst fur die kiinstlcrischc Phantasic dcs Mittclaltcrs. Bci ihrer Entstehung waren sowohl praktische wie asthctische Faktoren wirksam, sehr bald aber bekamen die asthetischcn das Ubcrgcwicht und verstanden cs, die Initiale als autonome Sphare zwischcn Schrift und Bild einzuschalten. Schon in dcr Antikc empfand man das praktische Bcdiirfnis, den Bcginn eines Absatzcs oder Abschnittcs dcs Tcxtcs irgendwie visucll hervorzuheben. Man tat cs, indem man die Fugen zwischcn den Abschnittcn entweder durch einen klcincn zwischcn die Zeilen cingc- schobenen Trennungsstrich, den >Paragraphos<, oder aber durch cinen cinfachcn Hakcn, die >Koronis<, markierte (Abb. 49). Man muB sich dabci vor Augen haltcn, daB die antikc Schrift weder Worttrcnnung noch Intcrpunktion kannte- oderjcdcnfalls erst spat diese Differenzie- rungen cinfuhrtc-, cine Zeile also kontinuicrlich, ohnejedcs Interval!, gcschrieben war. Infolgcdcssen waren die interpolierten Paragraphen- zcichen zunachst gar nicht so lcicht zu sehen. Es ist fur uns heute kaum faBlich, wie der antike Lcscr sich mit dcr kontinuicrlichcn Schreibwcisc abfand, die zur Sprechwcisc doch so inkongruent war; wir miissen uns aber vorstcllen, daB in der Antike die groBten Hem- mungen bestanden habcn miissen, die Geschlossenheit der Schriftko- Damasus-Epigraph. lumne irgendwie aufzulockcrn und irgendwo in ihr cincn lceren Platz Rom, letztes Drittcl 4.Jh. zu lasscn, wic wir cs bei dem Beginn cincs Absatzcs oder bcim Endc OSF> V I A'.V*RГT V LISSFIW »:N I I •а1 sc л\ 1 wnTACONciu pvjssjlt S'\’ M l СМГШ*У > ‘SS I- 1 ''V-P l L.j\ bb assi м iNA!sBftvBJ cmcpfy» anN* M ISVOIVlS'srTNOllll l; CO RJPVS V;I R J NfM 4&фрли\' r S S VP 1 R AS S I I T M < Tftf:. .41 'Ny d% QVjiafcn of'%/:-.w м crt'ni.m ferai ем hr a maw $.ч .N G ЬО1 ACU'SJgJ^Rrr V R AN I OlflAI: J О V ENFft МУТИ S A N (. I VJVTdFCV SATM AFVDoRCS N^DAMA SfrlTrСIBF A VFAS V R БCOR^N C1. VAT^RTA R
46 Die Initiate ,< Uit*|M • Г K'.OMUIM • I» »K.v i 01 kx>m.vV IUIM 41 Ю I.VM V('l 1ХОЧООГ. 4CiximoHM-Mmiwi<uor V.O i i n к• • \rx i m K!U'iAit i* IIAC'icO€UAf|XHIH- ^KkVCKOII IAOCNCIC^'waO Г • I NO VOOC XM4|>OMIK4)NKM ins’M i xf.NCii:w»r ivMc^ki м чм.чкап ипч^нл'- oi ioHi:ocu>iNi:nioiu<(m • * ■|X>IC?V| io(«'it)M)IO OIKXI I IPO оллО\'| v.i4)MXMCN4a> 1 \ci • m'vctH;vKtuxiMON ioM Vl-M • I I I4*M MHW.MKUl \o • • sO.vOih'.OVPk.VMoNKii 1*1 нс P IX)H I IMU)NCNX»IIK'K.IX Vykl’ONM VVI Г» ГЦ)ГШ1Л /\onxoM',OAi\iii:vAiiMron4« К» MONl'NXU» ■ Л.Of I I I'VOCK IUJNAriC ГОЮУАОу ДО| • хОХ'СХ!» VIXH I OVI'I’CNIINMOV ACMXCXC OciwWKraiMMvrKK^ON •IXJVCOM I VCCNKlf) Лсгг IXOAOOC I pyv]x:n w, i<x.,p ^Как’ VN IXOKOI «ivmJMii’.m»- X ler.>cxoo«K»Vvjn>m4)Hi:h ЧХ' K-roNi'.N ivu > lxJ\lшммрх \cn XO.VCOOV^IKPll\)Nv|xAiiu PMI IbrilVI TOb-VN о PMAN |<Vi*Aj^'COVM4l 4^i;v'}4''‘ \ci l-ACXO OC«J> • AOVOI X)N MNM MtlI*C<N l<Xri4IN\MJK фц»« V>*'I\)Y K'XIOAywilXN IvMIXXY'CCY'NAV1 OlCllXN ТЛСАПОУО' ACl 1 AOACOC ^ АМ|А.ОУС('.мф|ХПМ VriAfKii Xcri |XON |-XiyMXC\lCUKVH Oixri I4i\l IVVXY *1 I XPMsXVillXCy mxCxmjxJxo I v? iUti IV I N I OVO lACAl vAota OlkC KXirXCKANXAAA *1 IXPVlM . A I \A\ IINII MV M CK'.O M voV: I »• •| I OIOVMI AO KXieKKAA: I • IMP M , xy IU)N Oirxnt)loy I Dili- Kill* • ХЩ)пхШОУАОухеT'OYti ' A. AVXCI I Cxy UJHIn'O I 4 ».V ICXJ4I ,V|1 IXIX ГI 10*1 OAOI'I VOKxU-yx~»v ОЛ.А1 I VI U)CI NTXCK.VpMAv’ 'I il)li\KXI<U)M ИГХ1’уми»нун\ N ко i ioici ixMTAox\bi кет MiMOYNYXIPal OCXOJM’ V KlVA?00vbo> 0 AltNOI мхк.юи» АГЛООП ДКХ| |Г0\'0ЛССЮ1О |C-V»4*V>ri i».VC<.TC'*l llOl'.lnirlMr оум'1 'I* |'|*ХГ1'ОМ()ЛГАМЛМ Ом I XXOI'J'I 10*|Х>УО 1 IIJVXO'IIUH I I Ч А Г 11'• I 4 >у КVI I w U * N IУ чумс*у..- SyOl ГА^ЛПЧгуМАО i uiooooi: а и гу» Kj’ioviMviyKMAt >укин: I4.VI lAoloN КХКЧ1ЧМ1 IXTIpOf l>IOYI Ч'СЫАМОИОУ Д01 | ч/л>ммумхА'01Ч1т‘р |0‘- OlT.vJ *XO 1*1» n XT I nOrOVIINOMh'»- XCTi JxXXYl moy*kxioahoiik4'.»<kviu:iX' \oi i a;<o i к'.умаач'РМГ! осот KONOMOO TIlOl llUo.UlO IvM Kv*Y^|*lOt?CiXXO XvKtH' * I и*ЧА'ЛуМА^^Ми»УМХОО'П1Р1 f Л VI i<v|xix>oyv» l4^li>NMv)YK*' IVKMPYI-MMY'XY KM AMIOKA NV-j .r.xiVO i lifiOY Kfoi^jOlO Vli/lMIO K44iO 11 •» I к IONOY vj'A*** гиюокп oo\ONyr »MVit:i р'ф*" I I poxbl iTlh’OIN KViOl I I-I-.4I-III * ’ • 'ОУ' I Xl >Ы lOYOy Olxn'ilAKnii I HXT I UxOxX'.IxTl IX» riXl'AOONIi l*Mvl»rixTXU'.NlOCMOMvOO“f-' Oiiixi MY'VY' U»! xXO'M'JCltnV V| 4l>M XO/IXON VI VI tMvOMXMii JV $ $ ■••r Г‘ * 50 Textseite. Codex Alcxandrinus, i.Halftc j.Jh. eincs solchcn naturgcmaB erwarten. Obrigcns pflegte man urspriin- glich die Absatzzcichcn nur als Endzeichen, als Explicits, nicht als Incipits aufzufassen. Allmahlich entschloB man sich aber doch, die Untcrtcilungcn kraf- tiger hcrvorzulieben, und zu dicsem Zwcck begann man, den ersten Buchstaben cincr Zeile, in dcr, aber nicht notwendigerweisc mit der ein ncucr Paragraph folgte, in den Rand zu riicken und bald auch durch groBcrcs Format und Vcrzierung auszuzeichncn, <wie wir es zum Bcispiel im sogenannten Codex Alcxandrinus (Abb. 50) sehen konnen, wobci eben auch das Charakteristischc ist, daB erst am SchluB dcs Textabschnittcs dcr Titcl (Brief an die Romer) angefiihrt wird.) In dicsen bescheidcnen Merkzeichen haben wir den Kcim zur groBar- tigen Entwicklung dcr nachantikcn Initiale. Genaueres iiber die antike Initialc wissen wir erst aus der Zeit, in der der Codex zur dominieren- den Buchform wurde, also aus dem 4-Jahrhundert. Einc vatikanische Vergil-Handschrift des 5.Jahrhunderts besitzt bereits voll ausgcbildctc Initialen (Abb. 51), die injeder Bcziehung von den iibrigen Buchsta¬ ben der Schrift gesondert sind. Aus dem Ostcn kennen wir keine so friihen Beispiele, was bci dem noch sparlieheren Denkmalerbestand
bntstelumg 47 51 Textscitc (Ausschnitt). Vergilius Augustcus, Romisch, 5-Jh. Чт ISS1 N1C FOIV l Я E S EIU NTI CSV R(RI Я1А1 LSS VO&l I Sill XI i 141ГЯГМ VMG iUV E aODV Я.ЧЯДЛ RJ i ляо.чг e Levs imm vi Я1 s voLv lni i vclx\ str.\ 1Я1ЛУ LMU ШЛИ \ la LI 1N1 ClVOrON DLTU R\S k? \MRCtXrRMlE.Xt\CXEUlVlllSOSVrrU4' f/:? XR1W1 I ЛЕСЯМ ISE1MVSIICWWNVSI \CCHI; dcr Friihzcit dcs griechischcn Codex nicht bedcutcn mud, dad die Schmuckinitiale einc Schopfung dcs lateinischcn Westens ist. Immer- hin schcint dcr griechischc Osten ursprimglich mir auf Schmiickung dcr Explicitseiten ausgegangen zu sein, <auf die / leruorhebung des lit ides eincs Textcs, an dem auch der Buchtitcl angcfuhrt vvurde: in unserem Beispiel Abb. 9, »Evangclion kata joannem«). Die Zukunft der Buchde- koratioH aber lag, wic sich bald hcrausstellen sollte, in der Auszeichnung des Schriftbeginns, der Spitze dcs Duchcs. <Einen Hinvvcis auf die kiinftigc Entwicklung gibt zum Beispiel das Valcrianus-Evangeliar mit seiner Vereinigung von Explicit und Incipit (Abb. 52): »Sccundum Iohannem explicit Amen. Incipit secundum Lukam.«> 52 Explicit-Incipit, 'hannes-Lukas-Evangcliuni. Valerianus-Evangcliar, Nordostitalien, um 675 ferry A-yiey. ru'' { .4 *nu« f Ут.;t• {' pf41*» I BD»Uit>u»n • ; J ,nb4HNt'(T) щ vi» ; . |МГ1|»|1 • S<T"; fVM Sujtl."*' : ! iy -^V •*< нонет nenum iqujeiMnooisco»i „ ,pl£I4SUHT ^’icur 7R46ldeRIIHI MOWS quiABiMilioipsiuj Лёлинг ciminis urpei pL»cuiieimi»H щ spin 1 r iiisco.^si! cttro.\pniHcipio* OrOMI&UsCXIICt'N it'P »;к>гй|ц iic.1 Sen 1 г»спс'оцпщс- iikth; MOSCttrcopunHIfp r>OR||n) rRu6imsfsm-R«4r
Ш!адщ'м — .*Г If , ■'|ГЧ ^ 4 ,г ВТ а П ж нэт^ш юшетм. sc;; ашшш, штсзогк 53 Incipitscitc. Ambrosius, Hcxamcron, Corbie, 2. Halftc 8.Jh. Incipicsci: des Lukas-Evangeliui Book of KcL Insular nach 4
50 Die Initiate Wichtig ist ferncr die Tatsachc, daB das bei den friihesten Initialen Italiens wie Galliens verwendete Omamentvokabularein zoomorphes ist. Es ist die sattsam bekannte Fisch-Vogel-Ornamcntik (Abb. 53, vgl. auch Abb. 37), liber deren Herkunft und urspriingliche Bedcutung man sich noch immer im Unklaren ist. Es ist durchaus nicht ausge- macht, daB das Fischmotiv sich deshalb so groBcr Beliebtheit erfreute, wcil man einc eucharistische Bedcutung mitassoziierte, noch ist die Frage geklart, ob die Fisch-Vogcl-Ornamentik dcr spatantiken und merowingischen Initialen direkt etwas mit den orientalischen zoo- morphen Initialen zu tun bat, die wir aus armcnischcn Handschriften kennen26. Strzygowski war der erste, der hier einen gemcinsamcn Ursprung vermutete27, vvomit letzten Endes doch wieder dem Ostcn das Urhebcrrecht zufielc. Aber die arinenischen Beispiclc rcichen nicht vveiter als bis ins io.Jahrhundert zuriick und die zoomorphen Initialen hebriiischcr Handschriften28. an die man noch denken konnte, stain men aus noch viel spaterer Zeit. Das Riitsel aller diescr Analogicn harrt noch der Losung. Dcsscnungeachtct darf eines wohl schon jetzt gesagt werden: Die Vermischung und gcgcnscitige Durchdringung von abstraktem Zei- chcn und organischcr Form odcr von Organischcm abgelcitetem Ornament ist keine klassisch-antikc Idee; im Gcgenteil, wo immer im Mittelaltcr die klassisch-antike Tradition zu Wortc kommt, wird auf moglichst saubere Trennung dcr Sphiiren von Schrift und Bild gedrangt. Wir diirftcn kaum fehlgehen, vvenn wir die so mannigfalti- gen Initialschopfungen dcr mittelaltcrlichen Buchmalerei als eine anti- klassische Strahne in der Textur der mittelalterlichen Kunst werten. Ein Buchstabe ist cin Zeichcn, das eindeutig sein, so und nicht anders verstanden werden soil; ersetzt man den Buchstaben durch Formcn, die Dinglichcs zu suggcricren oder zumindest darauf anzu- spielen vermogen, so riskiert man, das Schriftzeichen unkenntlich zu
Die zoomorphe Initiate 51 о ешжЕшр haqki; ♦aTC-uwetaN^ 5co ptutw ^coNSKwbw ли Relio-au9ust.nus iimono saLutccd Ъеатогчп * плге-^илеоз sGcnus eruenus esT^LmKS luueisiis lnicoawi.S^^ cjuippe- Ьос opu:;jaosTCX срллтсбрем ркдсгкер tos ombi esse^siue-suBKeprus ^N*rt<juaucn cos Absobiencoo e*i“Ss kmkacomos urnneaibisposnio риекдт* етсроЬкет NoncniW) V Sii^iLLxTicn/Scbo^or>tes sicnul, e^eKe-exiwiioNe-becrue^eiounl W (juoNiAm j5iuece<)CN‘nbus coNsetjueNTes iNcjuisi*nuNe|>w< * ‘ рсЛше ыссли^тия/Сиспекуо peneos bomiNies ^ui^riuIsH'L cjuxnr>ueLLeor> ^uqs^aho tLLokuoi peKueNiKe-рскплeHUN«i'L/ ^>ispoSJTiOMe-or>ex nc^uiuissct* icnptew'lNqwRupqaKii ^icii *<L *nONea> ReLlCjUpUCO. CO^mNS boc ipsuco ]NALl<i|UlbU5 iciU^ >. He Trimtate, ■irvivrh. Mirte S.Jh. machen. Erfundcn, um die Lcsbarkeit eines Textcs zu erhohen - man erinnere sich an die heraiisgcriickten Anfangsbuchstabcn - kehrt das Motiv der Initiale sich schlieBlich gegen seinen eigenen Daseinsgrund und entfesselt ein Spiel der Unkenntlichmachung, der Verratselung der natiirlichen oder sachlich geforderten Form. Einen Hohepunkt dieser Vcrunkenntlichmachung erleben wir zweifellos im Book of Kells (Abb. 54). Die Kunst des mittclalterlichen Buchmalers lag gerade in diesem Transponicrcn des einen in das andere, des Buchstabens in cincn Fischleib (Abb. 55) und der Figur in einen Buchstabcn (Abb. 34), so wie es die Kunst eines mittclalterlichen Bildhauers war, eine Figur in cine Saule (Abb. 156) oder ein Rohr in einen lebendigen Wasser- speier zu verzaubern. Die einfachste Form der Transponierung war die der Substituierung dcr Buchstabcnformen durch heterogene Elemente, Schafte und Bo- gen werden durch zoomorphe Motive (Abb. 56) ersetzt. Nach diesem Prinzip sind die Initialcn der vcrschicdcncn vorkarolingischen Schulen des trankischcn Reiches gcbildet, wobei aber die zoomorphen Formen ihres organischen Lebens vollig cntkleidet werden, sclbst in zcichcn- hafte Abstraktionen verwandclt crscheinen. Auch muBten die Tier- formcn cs sich getallcn lasscn, in Teile zcrlegt zu werden, um jc nach Bclieben den geometrischcn Formen der Schriftzcichcn besser cingcpaBt werden zu konnen (Abb. 57).
52 Die Initiate V > uvpwn j r Pm-mif c 1НЛРПЦТ TINi L«n*T ц<с14^ 6-ptccte- а*Г ~лт ПЦтеу<}с*л*&«- n6n64>cf Lt-cLqifY^ Jomop Das 8.Jahrhundcrt hat sich abcr nicht damit bcgniigt, die Buchstabcn in ihrcn Scnkrcchtcn, Diagonalen und Kurven wic aus Zundholzern zusammcnzusetzen, es hat irn spateren Vcrlauf der Entwicklung den Ticrformen ein MaB ihres organischen Lcbcns zu restituicrcn verstan- den und cin ncucs Verhaltnis zwischen Buchstabenform und den zoomorphen Elcmcntcn konstituiert. Die Tierformen horen auf, bloBc Fiillmotive zu scin und beginnen, eine aktivc Rollc bci der Bildung der Buchstabenform zu spielen. In dcr Bewegung der Lcbc- wesen, ihrem sich Krummcn und sich Strecken, entsteht der Buchsta- benkorper (Abb. 58). Es ist Form ini Werdcn, die uns jetzt vorgeflihrt wird. Frcilich ist es keinc natiirlichc, sondern eine organischcs Lcbcn simulicrcnde, phantastischc Bcvvcglichkcit, die sich in dicscn Inidalcn entfaltet. Dicsc Lcbewesen - die Fauna des zoomorphen Vokabulars crschcint betriichtlich erweitert und schlieBt VierfliBcr ein — beherr- schen jede Akrobatik (Abb. 59), so daB cs ihnen ein leichtcs ist, uns jede gewiinschte Buchstabenform durch entsprcchcndc Kriimmun- gen und Verrcnkungcn vorzumalcn, vorzuzaubern. Dicsc Dynamik gewinnt abcr noch cine wcitcrc Dimension hinzu, dadurch daB sic imstandc ist, im flicBcndcn Ubcrgang cine naturliche Spezies in eine andere zu verwandcln. Unerwartet setzt sich ein Fisch in cincn Vicrfli- Bcr fort, endet cine Pflanze statt in einer Blute in cincm Ticrkopf, wird organische zu unorganischcr Form. <In den Fisch-Vogel-Initia- Icn waren zoomorphe Elemente additiv aneinandergereiht, jetzt fin- det ein unaufhorlichcs sich Verwandcln dcr cinzelnen Formen der Natur statt. Die Darstellung einer ihr Junges saugenden Hiindin in cincr D-Initialc (Abb. 60) wirkt zunachst ganz naturalistisch, wenn 58 Figureninitiale: Der Fuchs und dcr Rabe. Sammlung kanonischer Schriften, Corbie, 8.Jh. 59 Zoomorphe Initialc. Augustinus, Quaestioncs in Hcptatcuchon, Nordfrankrcich, Mitte 8.Jh.
Die kaleidoskopischc Initiate 53 60, 61 Figureninitialen: Hiindin saugt ihr Jungcs; j'.im Danklied Habakuks. Corbie-Psalter, Corbie, um 800 •Ф * .._ rr [inJTUU C«mfrjc J»ien»tr p(tCCt*m g it JtcnoJni fbpuaO t>* nvneJm» « V -. If Г . 1 f w <■ - fr * • cL*»»VUII julirt/ne-,' dry* о rv.lu wir abcr den Schwanz des Tieres vcrfolgcn, wird er plotzlich etwas anderes, das wiedcrum von cincm drachenartigcn Tier vcrschlungen wird, welches seinerseits in ein Flcchtwcrkornamcnt iibergeht bzw. in einen Schaft, dcr durch das Maul dcr Hiindin flihrt.) Das Prinzip dieser Initialerfindung ist das der kaleidoskopischen Metamorphose, ein Gcstaltungsvorgang, der ein Zcitmoment, wenn auch ein irreales, wesentlich mitcinbegrcift. Ini Lescn des Buchstabcns wohnen wir seiner Gcncse bei, bcinahe als ob uns eine Geschichte erzahlt wiirdc. In einer dicscr Initialcn (Abb. 61) erlebcn wir, wie ein Pfcrdeschwcif sich in den Bug cines Schiffcs vcrwandelt und dann der Schnabel des Bootes seinerseits in den Zipf der phrygischcn Miitze des Steucrmanns iibergeht, dcr im Boot sitzt und cs anscheincnd lenkt. Und zu guter Letzt ist dieses Boot kein Boot mchr, sondern eine Art Wagen mit Radcrn. Gemcinhin klassifizicrt man ein solchcs Gcbildc als Figu- reninitialc, man konnte abcr in dicscm Fallc auch von einer historisier- ten Initiale sprcchen, nur bildet in der gcwohnlichcn historisierten Initialc die Buchstabcnform den Rahmcn flir die szcnischc Darstel- lung, hier sind Buchstabenform und Szene eins. So erzahlt eine anderc Initialc dcrselben Handschrift die Geschichte von Jonas und dem Walfisch auf folgendc Weisc (Abb. 62): Das Boot, aus dem Jonas ins Mcer geworfen wird, vcrwandelt sich plotzlich in den Schweif bzw. Korpcr dcs Seeungehcuers, in dessen Rachcn dcr Prophet versenkt wird. Und da Jonas’ Bcine sich dirckt aus dem Schiffsschnabcl zu cntwickeln und diesen fortzusetzen scheincn, bildet das Ganzc eine Art Achtcrschlcife und eine ewig in sich sclbst zuriickkehrendc Bewc- gung. Dcr Traum cincs Perpctuum mobile scheint realisiert zu scin, die Buchstabenform ist nie fertig, vergeht und entsteht ohne UnterlaB.
>4 Die Initiate В 1ЛТОГЛГл;:ллшо 63 Initiate. Evangeliar, Schule von Fours, Mittc y.Jh. Die bcsprochenen Initialen und unzahlige andcre, ebenso originelle, schmiickcn cinen Psalter, der knapp nach 800 ftir das in der Picardic (Nordfrankreich) gclcgcne Klostcr Corbie geschriebcn vvurde. Ob- wohl in karolingischer Zeit entstanden, ist dieser Buchschmuck sei- ncm Wcscn nach eine Manifestation vorkarolingischen Kunstwollcns. In der eigentliehen karolingischen und der ihr in cinem Abstand folgenden ottonisclien Buclimalcrci sind zoomorphe Initialen eine Seltenheit, man suchtc in der dekorativen wie in der tiguralen Spharc sich nach der klassischen Norm zu richten, und das hicB, daB dem klassischen Akanthusornament cine Art Monopol cingcraumt wurdc, (das lheB aber auch und vor allem, daB die Spharen von Ornament und Schrift streng getrennt blieben: die Schaftc haben Rankenfiillun- gen als Verzierung, vegetabile Ornamentc sind an ihre Enden oder Gelenkstcllen angesetzt, aber die klarc geometrische Form des Buch- stabens wird nicht beeintrachtigt (Abb.63).) Die Gcschichte des kalcidoskopischcn Initialkomponierens war aber keineswegs zu Ende; die originellen Bestrebungcn dcr vorkarolingi¬ schen Buchmaler, deren Kunst von der vom Kaiser lancierten und favorisierten Renaissanccbcwegung abgewiirgt wurdc, haben viclc Jahrhundertc spatcr, in der romanischen Epoche, ubcrraschend eine neue Aktualitat erlangt. Unterirdischc Kanalc verbinden die vorkaro- lingische und die romanischc Kunst, zum Beispicl das Ticrornament und die 'rierverschlingungen dcr insularen Kunst (Abb. 64) mit den Bestiensaulen dcr romanischen Monumentalskulpturen (Abb. 65), im Fallc der Initialgestaltung lassen sich auch direkte Riickgriffe auf die Initialschopfungcn dcr vorkarolingischen Pioniere nachweisen (vgl. Abb. 66 und 67). 64 Fragment eincs irischen Steinkrcuzcs mit Ticrflccluwcrk, aus Aberlady. East Lothian, um <Soo 65 Trumeau-Pfeiler. Souillac, Siidfrankreich, z.Viertel 12.Jh.
Die kaleidoskopische Initiate 55 Um dieses Wicdcraufgreifcn von Idccn dcr vorkarolingischen Zeit in der Buchmalerci noch eingehendcr zu illustrieren, zeige ich zu- nachst ein Initialgebilde eines Evangcliars dcs Esscner Miinsterschatzes (Abb. 68), dessen Illuminator ein Zeit- und vielleicht Gcnerationsge- nossc, sichcr aber ein Gesinnungsgenossc des Mcisters von Corbie war. Es ist einc L-Initialc, deren Genese aus der Fortbewegung eines Lebcwescns vordemonstriert wird: Ein Raubticr, das einen kleincrcn ViertliBer vcrfolgt, wechselt auf dieser Jagd plotzlich, noch innerhalb des eigenen Korpers, die Rich tun g und lenkt mit einem Knick aus der Waagrechten in die Senkrechte ein, um dann auBerdcm noch auf der Nasc einen gcfliigeltcn ZweifiiBer zu balancicren, dessen gcstrccktc Form den Buchstabcnschaft zu Endc baut. In der vorange- gangenen, vorkarolingischen Buchmalerei stoBcn die cinzelnen zoo- morphen Wesen dort zusammen, wo die Gclcnke der Buchstabcn sind. Im Essencr Evangcliar ist cs anders. Die Gelcnkstcllen der Tiere 67 Initiate zum Buch Daniel. . '.i. Winchester, Mitte I2.jh. шш е^евдвухо- r dsobftchc cam .Gc cmdidio dtif mtnatutf auf toaebim m$em uid<v шйоштп domufdet. afpor cammtafcnnadr mdomu da fm.^iwfathnilirTndornu thcCum dafui. ai-
>6 Die Initiate I 6H Initiate L. Evangcliar, 8.Jh. und ihre anatomische Glicdcrung werden hier in die Buchstabcnge- lcnke und Buchstabengliederung unigcdcutct. Ein Riclitungs- und BcwcgungswcchscI dcs Ticrcs erzeugt den rcchtwinkcligcn Um- bruch, der fur den Buchscabcn L charakteristisch ist. 35oJahre spatcr hat sich die Phantasic eincs cnglischcn Buclnnalers an dicser Idee entziindet und cine L-Initiale entstchen lassen. die fast mit dcmsclbcn Motivschatz operiert (Abb. 69). In der Zwischcnzeit war freilich das vegetable Ornamentvokabular zur Grundlage dcr Initialbildung geworden, und auch dcr Ruckgriff auf vorkarolingi- sche Konstruktionsprinzipicn konnte das vegetabile nicht vollig durch zoomorphes Formvokabular ersetzen. In der romanischen Initiale fchlcn die Vier- und Zwcifufler, die das Raubtier in der vorkarolingi- schen Initiale verfolgt. Statt ihrer sehen wir cine Pflanze aus dem Rachen der Bestie emporsteigen. Doth kennen wir uns zunachst nicht genau aus, vvie wir die Beziehung zwischen Pflanze und Tier verstehen sollen. Ist das Raubtier dabci, diese Pflanze zu vcrschlingcn odcr haben wir uns die Pflanze aus dem Tierrachen hcrvorwachsend zu denken? Nach all dem, was wir auch sonst von mittclaltcrlicher Eormerfindung wissen. war diese Mehrdeutigkcit odcr Ambiguitat durchaus crwunscht, wenn nicht dirckt intendiert. Ist doch die Ambi-
Die kaleidoskopische Initiale 57 69 Initiale zum Buch Numcri. Bibel, Winchester, Mittc i2.Jh. I, ЦС1Ш llBtScVAGtbA qUCnffUlS eft 4nf adimyfen wdefereo fmay-m caba nicuto f&knf.pntna die incnfrf fcafndi. valcnz allcr Form geradezu cine Vorbedingung dcs kalcidoskopischcn Komponierens. Dcr mittelalterlichc Kiinstler und sein Publikum miis- sen, wenn sic nicht religiose Eiferer und Puristcn wie dcr hi. Bernhard waren, ihren besonderen Gcfallen daran gefunden haben, den auf- schnellendcn Bcwegungszug dcs Tieres plotzlich in cin springbrun- nenartiges Emporstcigcn eines pflanzlichcn Gcwachscs umkippen zu sehen, dessen umgcstiilptes Blattwcrk dann die Bcwegungsorientie- rung wieder reversiert. Dieses Reversicrcn dcr Bcwcgung setzt eine nochmalige Metamorphose in Gang: so wie zuerst die Pflanzcnform aus dcr zoomorphen auftaucht, so blickcn nun plotzlich menschliche Kopfe aus den Hohlungen der niederhangenden Blatter heraus. Letz- ten Endcs entsteht durch diesc ingeniose Verschrankung von Motiv und Bcwcgungsrichtung eine Art Gleichgcwicht zwischcn den beiden Artcn von Lcbcwcscn. Auf cinen Aspckt dcs Phanomens muG hierbei noch besonders aufmerksam gcmacht werden, namlich die Uniwand- lung des Gcgcnstandlich-Darstellungshaftcn in das Ungegenstand- lich-Ornamentale und seine Riickverwandlung. Begreiflicherweise ist diescr Spczialfall von groGtcr Wichtigkeit fur die ein Jahrtausend wahrende standige Auseinandersetzung zwischen Schriftzeichen und bildlieher Form, sci cs ornamentalcr odcr figiirlicher.
58 Die Initiate miJfcrdr<ft' wcaLxv» or$xno.- -• -w fMflUlOjHWii; 1 -uuW«imPvV”i'?|'^p^’TiBus p i bal(f:tene/5jiA«^v/^/4ui fUS <*Sr- . 1ЛиЛче-еит.тс1т (j^ , lAiC нЬЛлротI inf* (J>rLiuJ(Z’Jn 'WiC V ^>*Ор U*S I dome рлггт/ p*xfctfk*ra oucf рагпГ>«^1 •* anuffjicue <:\vrtftu or^htriu' Parallel zur kaleidoskopischen Initiate wird in fast dcnsclbcn Zcntrcn und zur selben Zcit, knapp vor und nach 800 und um 1100, die spezifisch anthropomorphe, die reine Figurcninitiale gepflcgt. Die lebendig gewordenen Schafte, Striche und Kurven der Buchstabcn agieren im Corbie-Psalter ganze Szcncn, den Kampf Davids mit Goliath (Abb. 70), die Darbringung im Tcmpcl (Abb. 71), die Verkiin- digung (Abb. 72) <- vvohl die einzige Vcrkiindigung in dcr Kunstge- schichte mit zwei Marien; der Illuminator benotigte sic, um das M dcs «Magnificat...« (Lukas 1, 47-55) zu bilden.) Dann wurde es fur Jahrhundcrte recht still um die Figureninitialc, bis um die Wende vom 11. zum iz.Jahrhundcrt dieses Initialkonzept aufs ncuc die kiinstlcri- schc Phantasie packtc und dem Corbic-Mcister in den Buchmalern von Citeaux in Burgund kongeniale Nachfolgererstanden. Die Buch- maler, die untcr und fur den kunstsinnigen Abt Steven Harding eine groBe, mehrbandige Bibel sovvie eine mchrbandige Ausgabc von Gregors >Moralia in Job< illuminiertcn, haben den Kompositionsprin- zipien dcr Figurcninitiale zur hochsten Vollcndung verholfen. Anstatt cincn Ausgleich zu suchen zwischcn dcr gegebenen Form dcs Schrift- zcichcns und einem cbenso fcstgclcgtcn ikonographischcn Motiv, 70-72 Figureninitialen: David und Goliath, Darbringung im Tempel, Verkiindigung. Corbie-Psalter, Corbie, um 800
Die Figiireninitiale 59 •' :кт Reiter, МоглЬл in Job. ctwa dcr Darbringung (Abb. 71), vcrlcgtcn sie sicli darauf, die Buch- stabenform in Szencn dcs monchischcn Alltagslcbcns und dcr person- lichen Erfahrung umzusehcn. Ein Paar holzhackender Monche formt ein Q (Abb. 73), wobei sich ilirc Korper in das Rund dieses Buchsta- bens kriimmen, was einen humorvollen Zug in die Darstellung bringt. Oder aber cs wird der Schaft eincs 1 (Farbtafel xxii) in einen hohen Baumstamm vcrwandelt, an dem sich holzfallende Monche zu schaf- fen machen, am Fub dcs Stammes und in der Baumkrone. Es kommt zu einer vvahren Verlandschaftlichung der Initialc, so etvva, vvenn der Schweif cines Q (Abb. 75) als Wasscr ausflieBt, auf dem sich Schvvimmvogel und Kraniche tummcln, wahrend ein Falkncr das Rund des Buchstabens iiberquert. Oder wenn ein Pferd seinen Reiter abwirft, dieser aus dem Buchstabenrund hinausfliegt und so den Schwcif dcs Q hinzeichnct (Abb. 74).
6o Die Initiate Glcichzcitig lichen die Meister von Citeaux das Spiel ihrcr Phantasie noch durch einen anderen Formgcdankcn befruchtcn, der ebenfalls aus dcr barbarischcn, und zwar der insularen Erbschaft der mittelalter- lichcn Kunst starnmtc: durch die Idee der endlosen Formverschlin- gung, deren friihcstc Manifestation das nordischc Tierornament ist (Abb. 76), mit seinem Alptraum ineinandcr sich verbeihendcr, einan- dcr durchdringendcr, in eincm todliehen Existenzkampf begriffener Lcbevvesen. Ein Kampf allcr gegen alle, in dem die Aggression sich manchmal sogar gegen den eigenen Korpcr richtet, der allcrdings nicht Korper bleibt, sondern zu Bandwerk denaturiert wird. In dieser vehementen Formverknotung wird jeder Frciraum eliminiert, ja es ist gerade diese Raumlosigkcit, die den Gcbilden den Ausdruckscha- rakter dcs Beangstigenden verleiht, des hoffnungs- und ausvveglos im Kampfgetummcl Vcrstricktcn. In dcr romanischen Epochc feiert die barbarische Idee dcr Formverschlingung nach mehrhundertjahriger Pause plotzlich ihre Auferstehung, in der Monumentalskulptur vvie in der Buchmalcrci. Wic man von cincr Bestiensaule spricht - deren kunstvollste Beispiclc in Siidfrankrcich, in Moissac und Souillac (Abb. 77) zu finden sind so konnte man von einer Bestieninitiale sprechcn, die eine phantastischc Spielart der Figureninitiale ist (Abb. 78). Aber es ist nicht Siidfrankrcich, sondern Burgund, Citeaux, das Stammkloster der Zisterzicnser, wo die Damonisierung der Initiale am radikalsten durchgefuhrt worden ist. Alle Kiinste der Formver- schrankung verbinden sich mit denen dcr Formmetamorphosc, um in eincm Feuerwerk bildliehen Witzes die Buchstabcnformen vor uns hinzuzaubern. Da Raumverknappung dcr Lcbensnerv des Konflikts der Kreaturcn ist, ist die Enge der Buchstabenkorper nicht eine Verle- genheit fur den Buchmalcr, sondern ein willkommener Vorwand, maximalc Dichte des Fornigcflechts zu erzielen. Ein Wesen tritt dem andern auf den Kopf, windet sich um den Gegncr, stoht gegen ihn, 76 Teppichseite (Detail). Book of Durrow, Insular, um 680 7 Bcsticnpfcilci Souillac, Siidfrankreich 2.Viertcl i2.Jh
Die Figureninitiale 6 durchbohrt ihn und wird selbst von wieder andcren bcnachbartcr damonischen Mischwcscn angegriffen, bczwungen. Jeder Kampfe ist zuglcich Sieger und Bcsiegter. Die phantastische Figurcninitalc dcr Romanik ist bald wieder voi dcr Bildflachc vcrschwunden, hat aber in der Spatgotik cin brillantc Nachspicl gehabt. Dies aber schon am Rande der Buchmalcrci. In i4.Jahrhundert haben franzosische Miniaturistcn die phantastisch< Figureninitiale wieder aufleben lassen, allerdings ohne den wiistei Kampf damonischcr Krcaturen zu entfesscln, und vor allcm wenige in der Ausschmiickung von Biichern als in dcr von Urkundei (Abb. 79). So wic man noch bis vor kurzem bei der Ausfertigung voi Dokumentcn altertumlichc, verschnorkcltc Schriftziigc angewand hat, so hat man offenbar damals schon durch archaisiercnde Initialei das Dekorum des Schriftstiicks heben wollen. Der nachstc Schrit ist dann der, dab cin ganzes Figurcnalphabet im Musterbuch eine Buchmalers, des Mailandcrs Giovannino dc’Grassi, crscheint (Farb tafel xxx). Dieses ist dann um die Mittc des I5.jahrhunderts seinerseit 78 Initiate. Gregor der GroBe, Moralia in Job, Citeaux, Anfang I2.jh. .ur uif iny.Adimrm orydrecrttuXcrsar^ 'аяиМгг-Ыыфи rAr млпгшге-'елтгеи* i5iJrT:Gur b*c ex furrr-^ дагил RiILwn icrnwriti WTthlr tftbdc 1 <mr ttgprfcmf'cvtm j-urlur retmif дЯт» ^rur.dCiJ# tvrrrrr cp (шпигеле ft apt di iimnda uur fmnЯ-Чапо etoduentuq шгпяг i erudLmfc ■ D* nuntfdhjf un ncr.'W if tnomfprifa ciarddnr * tuliidihanc&pkmu luxai'cdtefdai 'diet Ятлтдт-'ЫЬи «cfifUdtcf ml-itLmp' тшш> rfiwbulf «fcrurbmf»' rrotr^diftnAcm f'bemfu6 лвдпш > срп^ЛдпСпг^атшг ГфштгсЬеГЛмф dtopnfHief тшЬ» diilA; rfu 1ВГrr4dr. U maprrfct tfklfitt ^tmudiUfiAujfcdd tienctiuji ppcridimui €?CPtUB sEiWiran; 1NCIPIT UB XVIII; 5 ш fuiv dAfitn (k iumraiQamyduaridm inrtaiii nnra. пллягкт^ bv&mcl uufom&Scdfrpe dktualumeadr bvftwica narumpnc tnmrtri fimr-pqnr (irpfiacC fi>vIbrv cuxteFi сдЯсЬ vluc iu ш cbil tydten'tai rrfotbatir**^Iiud uwrt* zmjutrqr' lafWc nnbifertt cfc&f qtxr д^т tfefc muf- cu trrrucb. Aliq ofcfcun mucmin'tjiufi quttetiS rtmwle punginv itradalujai лЬз iratU»^rtttU w^iUof-V fot cum сд шд quf лрг* didaynxc&mtttfCuq- v Ьслг1оЬЯс(язштгЯЛ'^тл^пгшЯшгтр ^nrrrui bufaerrf1 ctfde
62 Die Initiate tcnmm^^mwcfvttfc tutonuuiam itvtmpcu von einem dcutschen Stechcr, dem Mcister E. S., zurn Vorbild fur eine Serie von Kupferstichen genommen wordcn (Abb. 80, 81), gra- phischcn Produkten, die als Kunstwcrkc fur sich gewertet vverden wollten, getrennt vom Buchmilicu, deni sic ihre Entstehung verdank- ten. Die Form dcr Initiale ist kiinstlerischer Sclbstzweck geworden, ihre Funktion als Lesezcichcn ist zu Ende. In unserem raschen Uberblick iiber die Geschichte der Dekoration dcs Sakramcntars und Missales konnten wir den Werdegang des Те igitur von der Hcrvorhebung des Anfangsbuchstabcns, eincr un- schcinbarcn Initiale (Abb. 38), zu eincr machtigen Buchstabcnvcr- schlingung (Abb. 39) und dann vveiter zum Kanonbild (Abb. 48) ver- folgen, ferner den Werdegang dcs Prafationszeichcns vd vom schlich- ten Stenogramm zu einem stattliehen dekorativen Zcichcn, das seinerseits cin Ansatzpunkt zu figurlich-bildlicher Ausschmiickung wurdc. Das konnte lcicht so miBverstandcn werden, als ob das Wachs- tum von der einfachcn Ligatur zum monumentalcn Initialmono- gramm, das fahig war, cine ganze Seitc zu fiillen odcr zu beherrschcn, sich als immanentc Entwicklung des Sakramentarschmucks vollzogen habe. So war es nicht. Die Entwicklung des Sakramentarschmucks hatte zur Voraussetzung, daB das Ligaturprinzip zu einem der Haupt- themen kiinstlerischer Buchgestaltung wurde, und das war im 7. und 8.Jahrhundert im insularen, irisch-angelsachsischen Milieu gcschehen. Dort war cs vor allem zu einem radikalen Auffassungswandel des Vcrhaltnisscs von Schrift und Schmuck gckommcn, ohne den die autonome Entwicklung der mittelaltcrlichen Zierbuchstaben nicht moglich gewesen ware. 79 Figureninitiale. Urkunde Karls v. von Frankrcich, Paris, 1372 Figurcnalph Buchstaben К un Meister E. S., 1466
Mcmogrammseiten 63 82 Initialen. Cathach (Psalter) dcs hl.Columban, Insular, um 600 Als die Initialc, der akzcntuicrtc Anfangsbuchstabc, geboren wurde - das gcschah noch im antiken Buch (Abb. 51) stand die utilitare Funktion als Mcrkzcichcn im Vordcrgrund. Wie bcrcits erwahnt, sperrte sich das kontinuierlichc antike Schriftgefligc zunachst gegen das Eindringen und die Hinzufugung irgendwelcher Orientierungs- bcihilfcn, duldctc die vcrschicdcncn Absatzzeichen mehr odcr minder wie man AuGenseiter behandelt, und hattc die Tcndcnz, sie aus dem Schriftgefugc zu climinicrcn und an den Rand zu riicken (Abb. $0), was natiirlich die Oricnticrung sehr crlcichtcrte. Zugleich vertrug sich diese Separierung besser mit der asthctischen Grundeinstellung der Antike, die die Mischung von Ausdrucksspharen pcrhorrcszicrtc. Jcdcs Medium bcsaB fur sie seine eigene immanente Gesetzlichkeit, und so war sic a limine einer Vermischung der Elcmcnte von Schrift, Schmuck und Bild abhold. Die frlihcstcn Beispielc von Initialen, die mehr sind als vergroBerte Buchstaben, finden wir daher an den Rand herausgeriickt. Fcrncr ist die Initiale von der Normalschrift durch cin wesentlich groGercs Format klar gesondert, als ob die beiden zu zwei verschicdcnen Kategorien von Dingen gchorten. Schon in den altcsten irischen Handschriften, wie dem sogenannten Cathach (Psalter) des hl.Columban (Abb. 82), einer Arbeit der Zeit um 600, ist in diesem Punkt cine ganz andcre Einstellung zu bemerken. Die irischen Schreibcr haben die Tcndenz, von der Initialc zur Nor¬ malschrift einen allmahlichen Ubcrgang hcrzustcllcn, und ferner die Initiale aus dem Rand in die Schriftkolumne hincinzuziehen, sie nicht als Fremdwesen in der Schrift zu behandeln. Der Zeilenanfang dcr groBcn Abschnitte senkt sich zur Normalschrift in einer Art Diminu¬ endo, von dcr Hohc dcr durch Punktkonturen, rote Farbc, Spiral- endungen und ahnlichc Verzicrungen ausgczcichneten Initialc oder monogrammartigen Ligaturen hinab zum FuGvolk der schlichtcn, in gewohnlicher Tinte geschriebenen Lesebuchstaben. DaB auf dicser Stufe und in diesem Schriftwesen in der Regel einc Personalunion von Schrciber und Illuminator bestand, vcrstcht sich von selbst. ^ U7rrc\u/uci xftinunC *
64 Die Initiate ,*..,pTOl>:U. . ' р-^ГПЛГ)?:}*rv , r«:r шгп pUfdi "Gicuofc gipcummesor*» ел-. .'рт1орсаъ- ОСШ гптсеоосп c/N.v/geCunnneum сгтЕршяотп. (?/w^*(xtccm qmpttucpirnabTuj*V ^ ^Лрсаштшппз TTicJesoiv раткис шатпЪш рос ‘cxxsprtacosctniaxscnis -•• 'PljTirrobcaiTiism'Dcscna) * babcleans ftpnoatuaxnp . Ъ'-Tbnstnu m pacmtcmiao - lUTiOrnsionem pecccrrontV C ич'/i cbanm aduuitnoniflesiii\o - fuclcno n о tvb rCrw»$o i i m tea о ши во uensi ОсЬаЬгрсаЬатшшосбшо Imot» drtmvpbunmcainpurmfiS ptYmmly , VYCROtu mliatmistjcrliuis prJi$twn v 41 S’* «3 Incipit des Markus-F.vangeliums. Book of Durrow, Insular, uni <S8o Ein Drciviertcljahrhundert spatcr, um 68ot zur Zeit als die erste irische odcr besser hibcrno-sachsische Prachthandschrift, die wir besit- zen, entstanden sein nniB, sind aus dicscn beschcidcncn Anfangen monumentale, reich orchcstricrte Diminucndokompositionen gc- worden (Abb. 83). Und jetzt beschrankt sich dcr insulare Kalligraph nicht darauf, von dcr riesenhaften Initiale in durch Zug um Zug klciner vverdenden Formaten zum Buchstabenniveau der Lcsczcilc zu vcrmittcln, er vvendet das Prinzip des flieBenden Ubergangs auf die Buchstabeneinhcit sclbst an. Dcr einzclne Buchstabenkorper verjungt sich in seiner Breitcntfaltung, schrumpft nach der einen Seite hin, um
Motiogratmnseiten 65 «5 Chi Rho (Detail). Book of Lindisfarne, Insular, vor 698 (?) *4 Prunkschild. Keltisch, Anfang i.Jh. n.Chr. dem Lcscnd-Schauenden das Hinabgleiten zur gcwohnlichcn Schrift zu erleichtcrn. Das bcdcutet aber, dab das Schriftzcichen keine fest gegebenc, vom romischen Alphabet ihm vorbestimmte Gestalt mehr hat, sondern den besondcrcn Umstanden gemab dicse verandern kann, eine fur einen antiken Buchstabcn unmoglichc Zumutung. Die insulare Initiale hingegen entpuppt sich als cin elastisches Wesen, das von dynamischcn Energien erflillt ist und die Fahigkeit besitzt, Teile seines Korpers bcliebig zu dehnen oder zu verkiirzen, sich zu kontra- hieren, und so in betrachtlichcm Ausmab scin Gesamtaussehen zu verandern (was es oft schwierig macht, den Buchstabcn zu erkennen). Die kurvilincare Ornamcntik - altes bis auf den La-Tenc-Stil zu- riickreichendes keltisches Erbgut (Abb. 84) die diese Initialgcbildc flillt oder sich ihnen anschmicgt (Abb. 85), tragt das Ihrc dazu bei, die Formen zu vcrschleifen und in Flub zu bringen. Die Spiralen, in denen Buchstabenschafte enden konnen, suggerieren mit ihrem sich Einrollen und Wicdcrausrollen Bewcgung, die sich reversiert. Damit wird aber das Augc in ein Labyrinth verstriekt und vom fest ausge- richtcten Lcsen sehr abgclcnkt. Die Ubcrwucherung des Schriftzei- chens mit Schmuck - an das Tatowieren des Korpers bei primitiven Volkcrschaftcn gemahnend die so unausbleiblichc Vcrunklarung der Lesbarkeit, dcr Konflikt zwischcn dcr rationalcn Funktion des Buchstabcns und der Wcrtung der Initiale als magisches Symbolzci- chen, all dies dokumentiert ein einzigartiges historisches Phanomcn: den Zusammenprall und die gegenseitige Durchdringung sehr ver- schicdcn altcn, barbarischen und mittclmcerischcn Kulturgutes, nam- lich den Triumph oder zumindcst die Revitalisicrung cincs prahistori- schcn Stils an einem christlichen Kultobjckt, dem Evangclicnbuch, das ein Vermachtnis dcr christlichen Antikc war.
66 Die Initiate Noch cincn andcrcn Aspekt dcs Phanomens miissen vvir uns da vergegenwartigen: die Renaissance dcs kcltischcn und bald auch des teutonisch-zoomorphcn Ornaments bedeutete auch den Einbruch ei- nes Ornamcntvokabulars und von Dekorationsprinzipien, die in der Spharc der Mctallverzierung, also der Goldschmicdckunst (Abb. 86), beheimatet und zur Entfaltung gekommen waren, in das Reich des Buches und seiner Ausstattung (Abb. 87). Damit, daB der insulare Kunstlcr scin I landvvcrk nun im Dienste dcr Kirchc und in einem andcrcn Medium ausubte. hat sich aber sein asthctischer Kanon, scin Kunstvvollen, offenbar nur vvenig geandert. Die Buchseite bzvv. das leerc, nicht beschriebene Blatt ist fur ihn Gelegenhcit, cin ornamenta- les Spiel zu cntfesscln, das alien verfugbaren Raum cinnimmt und keine leerc Stellc laBt, d.h. die Buchseite iibte auf den Kalligraphen und Buchmaler dcnselbcn Anreiz aus, vvie es die Oberflachc irgendei- ncs Mctallgcgenstandcs, sci cs Waffe, Schmuckstuck oder MeBkclch, auf den insularcn Goldschmicd tat. Bekanntlich bemachtigtc sich die dekorativc Phantasie dcr insularen Buchmaler ganzer Buchseitcn, bedcckte sie mit Ornamentgewebcn und stcllte sie als vollkommcn ungegenstandliehe - auch nicht zeichenhaft-symbolische - Frontispi- zes vor die Evangelienanfangc, vor Vorwort, Kanonbogcn und ahnli- ches (Farbtafcl iv). Fiir die Zukunft der Buchmalcrci jcdoch war der Auftrieb, den die Initialgestaltung durch die barbarische Ncigung zu Hypertrophie und Potenzicrung des Ornamentalen erfuhr, von cntscheidcndcrer und nachhaltigerer Wirkung. > Л/Xv. s. > vim -r ^ '#•* vr vs ’;:mb ^ *xjcio Gu rnO*.V.AlJccI' ■ ’.>J' > 2НВПГ ftu.v'Unuceu.CJtivi Tucumvuo.w - phaiuDquaina'r nmcwr tv P- •• с 87 Teppichscite (Detail). Book of Durrow. Insular, um 680 86 Goldschnalle von Sutton Hoo. Kcltisch, Mitte 7.JI1. 88 Chi Rho. Book of Durrow. Insular, um 680
Motiogrammseiten 67 Auch in dcr kontincntalen Buchmalcrci dcr vorkarolingischen Epo- chc - also mit der insularcn, cben bcsprochencn, glcichzcitig - ist die Initialc zu eincm bedcutcnden kiinstlcrischcn Thcma geworden (Abb. 60-62), in der insularcn Kunst allcin hat sic die ganze Buchscite erobert (Abb. 54). Dcr Ort diescr Eroberung war das Evangclienbuch, das damals, wahrscheinlich als Buch dcr Missionare, den hochsten Rang untcr alien liturgischcn Biichem innehattc. Bczeichnendcrwcisc waren es nicht vicr, sondern flinf Stcllcn im Evangcliar, die als Haupt- formgclegenheiten angesehen wurden. Nicht nur dcr Beginn dcr Evangclicntexte, sondern auch die Stelle knapp nach dem Beginn des Matthausevangeliums, wo nach Aufzahlung der Vorfahrcn des Heilands die Geburt Christi zur Sprache kommt. An dieser Stelle holt dcr Schreiber-Illuminator zu einem Hohepunkt des Schriftschmucks aus und setzt hicr in riesenhafter GroBc die Ligatur der Ligaturcn, das Christusmonogramm, das griechische XP (Chi Rho), begleitct von klcineren und immcr schlichtcr werdenden Zeichcn (Farbtafcl hi). <In einer dcr altcstcn insularen Evangelienhandschriften ist das XP noch in der Mitte des Schriftspiegcls eingefligt (Abb. 88), um sich dann - in einer vcrhaltnismaBig kurzen Zeitspanne, vom Ende des 7. bis zum 8.Jahrhundert - allmahlich die ganze Scitc (Abb. 89, 90) zu 89 Chi Rho. Evangeliar, Insular, um 750/760
68 Die Initiate erobern.) Es ist immcr ein in allmahlichcm Diminuendo vcrcbbender Fortissimo-Akkord. An dcr Lcsbarkcit ist es dcm Schreibkunstler gewiB nicht gclcgcn (sie ist nicht selten auf ein Minimum reduziert), cr mochtc vor allem dcr vom mystischen Klang der Nomina Sacra hcrvorgerufencn Erregung bildhaften Ausdruck verlcihen. Wortc gc- barden sich ekstatisch, als waren sic lcbendigc Gestalten in Bildcrn. Das hciligc Monogramm will nicht cntziffert, nicht gelesen, es will wic das Signum crucis spontan gcschaut wcrden. Und ahnlich wcrdcn die Schriftkonfigurationcn der eigentlichen Anfangc der Evangclicn - einbegleitct von den Buchstabenligaturcn von »Libcr generations* (Abb.91), »Initium ...« (Abb.83), »Quoniam ...« (Abb.54) oder »In principio...« (Abb. 92) - zu Strukturcn, die den Reichtum und das Pathos von Bildkompositionen bcsitzen. Als magisches Zeichen vcr- tritt das Wort das Bild, wird es Bild. Und so wachst in den spatcn yo Chi Rho. Book of Kells, Insular, nach 800
Alofwgrcwwiscitcti 69 9i Bcginn dcs ius-Evangeliums. <k of Lindisfarne, 'iilar. vor 698 (?) Erzcugnisscn dcr insularcn Buchkunst das Monogramm- odor Initial- gebildc zu BlattgroBc an, spiilt die folgendcn Schriftzeilen glcichsam liber Bord, wird Alleininhalt der Scitc. Die Monogramm- oder Initialseitc erwies sich als ein dauernder Gcwinn der abcndlandischcn Buchmalcrci, ohne dicse insularc Schop- fung ware auch die monumentale Entvvicklung dcs Sakramentar- schmucks, dcs Prafations- und Kanonzcichcns, nicht moglich gcwc- sen. Die durch Karl den GroBen inauguriertc Tcxtrcform des Sakra- mentars hat dafiir nur die liturgische Vorbedingung gcschaffcn. Die karolingische Kunst iibernahm die insulare Erfindung (Abb. 93; vgl. Abb. 83), aber nicht ohne auf diesem Gcbiet einen eigenen schop- fcrischcn Beitrag zu leisten. Die Hofschulc Karls dcs GroBen, das Atelier, das die friiher untcr dem Namen Ada-Schulc zusammcngc- faBten Handschriften hcrvorgcbracht hat, verzichtetc trotz Durchflih-
70 Die I flit idle 9- Beginn ties Johanncs-Evangeliums. Book of Lindisfarnc, Insular, vor 6yS (?) rung cincr auf klassischc Klarhcit gerichtetcn Schriftrcform nicht darauf, sich dcr Magic dcr groBen insularcn Incipit- und Mono¬ gram mseiten zu bedienen und ini Zugc dicser Ubernahme barbarisch- insularcs Ornament dem sonst klassisch-antikcn К anon dcs Buchcs cinzuvcrlcibcn. Der Magic insularcn Ursprungs gcsclltc sic eine an- dcrc hinzu: das Dekorum dcr Goldschrift (Chrysographic) und dcs purpurnen Pergaments (Farbtafcl ix). Bcide neuen Elcmcntc sind aus dcr imperialcn Machtsymbolik geborgt und solltcn die Aura dicser Spharc, dcs Hcrrschcrtums von Gottes Gnaden, hcraufbcschworcn. Die Karolingcr gingen in ihren Frontispizes allcrdings nicht bis zum Extrem cincr kompletten Desintegration dcr Schrift in rein ornamcn- talc Kompositionen. Was sic bcibchieltcn, war das System dcr Apo- strophicrung dcs Lesers und Bcschaucrs durch monunicntalc magischc Schriftzcichcnkombination sovvic die glcitcndc Skala dcr Schriftzci- lung der Schrift. Die Zier dcr Schrift liegt jetzt im Gold, nicht aber
Motiogrammseiten 71 93 . irinn dcs Markus-Evangeliums. von Saint-Martin-dcs-Champs, iv Karls dcs GroBen, Ende 8.Jh. in dcr Vcrschnorkclung. Es ist eine wurdevollc Schauschrift, die sich an den Kapitalen antiker Epigraphik gcschult hat und dem Buch den Charaktcr des Zcitlosen solcher Schriftdcnkmale zu verleihen sich bcmiiht. Ein vielfaches Ubcreinander solcher klassisch einfacher, kur- zer Zeilen (Farbtafel viii) halt der Vcrtikale der machtigen Initiale auf der gegenubcrliegenden Seite das Glcichgewicht. Die endgultigc Konsohdierung der Achsengerechtigkeit dcr Buchseite vollbringt dann abcr ein eigcner rechteckiger Bordurenfrics (in dem wir neben Maandcr und anderen klassischcn Ornamcnten auch noch insularcm Flcchtwerk begegnen), der Schrift wie Riescninitiale zusammenge- faBt und cingcklammcrt halt. Das Schriftkunstwerk wird wie eine Figurcnszcne, eine bildliche Komposition, gerahmt. Der Rahmen sondert den Kern der Buchseite als Schauraum von den ungestaltetcn, lccren Randem ab.
72 Die Initiate In zvvci spatkarolingischcn Schulen, ciner nordfranzosischen, der so- genanntcn frankosachsischen, und der von St.Gallen, hat die insularc Idee dcruberdiniensionicrten Initialkomposition besonderen Anklang gefunden, ja geradezu cine Renaissance erlcbt. Beidc sind in Rcgionen lokalisiert, in denen es altc insularc Klostcrgriindungcn gab und infol- gedcssen insularc kulturellc Traditioncn nie ganz von der imperialen Rcnaissancebcwegung verdrangt worden waren. <Es genugt, eine frankosachsische Beatus-vir-Initialc (Abb. 94) derjenigen eincs der wenigen erhaltenen insularen Psaltericn (Abb. 95) gegcniiberzustellen, uni die unmittelbarc Verwandtschaft zu sehen. Gegcniibcr der cben angefuhrten Bcatus-Initiale der Hofschulc riicken die beiden sowohl in der Buchstabenform wic ini Ornamentvokabular (man vcrglciche die typischen Verknotungen und Spiralcn) aufs engste zusammen. Das gcbrochene E der insularen Ea-Ligatur sollte sich uberdies in den frankosachsischen Prafationszeichen ciner besonderen Beliebtheit er- freuen (Abb. 40).) In dcr frankosachsischen Buchmalerei gcht die 94 Bcatus-Initiale. Psalter Ludwigs des Deutschen, St. Omcr, 2. Vicrtel 9-Jh. I3ea:„ - S.ilabcrr - Insular, 2. Vic.::.
Motiogrammseiten 73 97 Initialc. Evangcliar, Frankosachsisch, 9.Jh. j.iiums. . Sr. Vaast, Mittc y.Jh. Affinitat zum Insularcn ja so weit, daB das figiirlichc Element eine schr untergcordnetc Rolle spielt (Abb. 96) und der Buchschmuck uberwiegend mit Ornament, und zwar abstraktcm Ornament, bc- strittcn wird. Hier wird nun die Idee dcr fcstlichen Incipitseitcn auf eine ncuc, schr originellc Wcise weitcrentwickclt. Die karolingischc Zeitnote macht sich in bciden Schulcn darin bemerkbar, daB die Initialkompositioncn ahnlich wie in den Buchern der Hofschulc durch tektonische Rahmen umfriedct wcrdcn (Abb. 97). Abcr wie in den reifcn Schopfungcn dcr insularen Buchmalerci hat die Initiate oder Initial-Ligatur das absolute Ubcrgcwicht iibcr die Normalschrift, ist Alleinherrscherin auf dcr Scite. Sie fuhlt sich als Zentrum, wird sich sozusagcn desscn bewuBt, daB der Rahmen fur sic da ist, und riickt auch in die gcomctrischc Mitte dcr Buchseitc. Das verlangt cine Reorganisation dcr Schriftseite. Die dekorative Planung hat jetzt das Primat, auch wenn dies zu einem VcrstoB gegen die von der Sprache bestimmte Buchstabenreihung flihrt. Es kann nun vorkommen, daB die Initiale, entgegen ihrer urspriinglichcn Bestimmung, nicht der erste Buchstabe ist, dcr auf dcr Seitc erscheint und dem die ubrigen Schriftzeichen folgen. Im »Quid gloriaris...« des Folchard-Psalters finden wir die dem Q folgenden Buchstabcn vor
74 D/V Initialc Initiale zu Psalm s i. Fol chard-Psalter. St.Gallen. 3. Vicrtel y.Jh. das Q geriickt (Abb. 98), denn die Rundscbleite dieses Duchstabcns schien dem Miniator der gegebene Anlaft zu einer zentralsymmctri- sehen Anlage. und so verschob er den Antangsbucbstaben aus dem Wortverband. Doch der St. Gallener Kiinstlcr lieB es nicht damit bewenden. sondern veranderte auch die Buehstabenform selbst. Ent- sprcchend seiner neuen zentralen Stellung hat das Q seinen Sehwcit verdoppelt und liiBt iiberdies in der horizontalen wie in der vertikalcn Achse der Q-Schlinge kleinere Hndfornien binausschieBen. was die syminetnsche Ordnung der Initialseite vervollstandigt. ja sogar cine Kreuzesform anklingcn la(jt, die iiber das Buchstabenrund gelagert erscheint. Die eine herausgehobene Initiale. die die gesamte Weite des gerahinten Feldes bestreitet, laBt nur wenig Platz flir die iibrigen Buchstaben. die dann in den Intervallen und Restraumcn unterge- bracht werden. /ersplittert in kurze Buchstabengruppen, verteilt sich die Schrift zu beiden Seiten der Rieseninitiale wie eine Schar kleiner Trabanten, die uni ein iniielitiges, beherrscliendes Wesen versammelt sind. <I)er Sprung von der normalen Prunkschrift. Prunkkapitale, zur Initiale ist bier so gewaltig. daB die ganze Skala cles Cberlcitens von eineni zuni anderen Format nicht mehr zu Bewulksein kommt.)
Monogrammseiten 75 99 Initiate zu Psalm 41. Egbert-Psalter, Rcichcnau, Ende 10.Jh. Die ini St. Gallcn dcs y.Jahrhunderts zustandcgckommcnen Formpra- gungen sind die Grundlage cincr Entwicklung, die sich in der Schule von Rcichcnau, dem Inselkloster am Bodensee nordlich von St. Gallen, im io.Jahrhundert fortgesetzt hat. Es ist jenc Schule, in vvelcher der ottonischc Stil, wenn nicht zuerst geformt, so doch zur Rcifc gckommcn ist. Hier wurde cin absoluter Hohepunkt in der Erfindung und Ausgestaltung der Incipit-Schauscitcn errcicht, die jetzt im Rang vollkommen ebenbiirtig und nicht minder monumen¬ tal den bildliehen Darstellungen gegenuberstehen. Dicse Initialcn sind nun von cincr nie dagewesenen Vitalitat, die sich auch gegen die Bevormundung und Kontrolle des Rahmcnwcrkcs auflehnt. Sic besit- /en besondcrc dynamische Qualitatcn. die in den immer vviedcr К no- ten bildenden Verschlingungcn zur Gcltung kommen. welchc die Grcnzcn dcr Kcrnform dcs Buchstabcns uberfluten, nach alien Rich- tungen sich fortranken, bis sic die Rahmcnlcistcn in ihren Griff bc- kommen (Abb. 99). Das Rahmenwcrk wird Stiitze, hort auf, Einfrie- dung und ubergeordnete Umfassung zu sein. SchlieBlich wirken noch hochst subtile und raffiniertc malcrische Mittel mit, um die ehrfurcht- gcbictendc GroBe der heiligen Schriftsymbole zu unterstreichcn. Initia-
76 Die Initiate kin#- еч^ьоа^г^хыцев pvcris iNjaol^abjii^s ;IN.3OTC еэт qarp^ci at boNaoo nongst usq^oxiNucn :.Q:NST>ec>elp pRosrpqjcrr sapeRpuos bocoiNocn : ; ifrt+tfr UriSiit. V*k- | T У?- ауУ{- yt — I ж /r+rr>«/mnrofl\J<Snm> iO JcnNes oecU'NxueRti nt siarkif iNUTiles^c^stiN'r len und Rahmcnwerk sind von Purpur umgeben (Farbtafcl xiv), in 100 wclchcn manchmal Pflanzcnrankcn odcr Phantasieticrc wic in ciner Init^c Z|-a >Spni|t52' dunklcn Flut untergctaucht sind (Farbtafcl xv). Das Augc vermag die Insular uni 735 Formcn nicht deutlieher wahrzunchnien. als wenn es in nachtlichcm Dunkcl opericren miifttc. Und aus dicser Purpurnacht lost sich, scharf kontrastiert, die Elfcnbeinfarbe des Pcrgamcntgrundcs innerhalb des Rahmcns. Erst von diesem im Kontrast doppclt licht wirkenden Grund hebt sich die in Gold crstrahlendc Initiale ab. So wird mit Hilfc des nachtlichcn Purpurs - das aber doch nicht wic in antiken Purpurhandschriftcn die cinzige Grundfarbc ist - cine Farbcnhicrar- chic in drei Stufen etablicrt. Tageshclligkeiten brechcn aus der Mitte ciner nachtdunklen Randzone hervor, aber sclbst diese sind nur Folie fur das alles ubcrstrahlendc Lcuchtcn dcr goldencn Initiale, in dcr Licht als cin transzendenter Faktor auftritt. Mit dicscn von ciner abstrakt-nialcrischen Farbcnphantasic gcschaffenen Initialkomposi- tionen der ottonischen Kunst haben vvir uns weit entfernt von den Monogrammseitcn insularer Codices wic der Bucher von Durrow (Abb. 83) oder Lindisfarne (Farbtafcl in). Kein cinziges ornamentalcs Motiv ist vergleichbar, jedc Spur linearer Musterbildung ist in dcr ottonischen Initiale vervvischt, alle Musterartikulierung wird in farbi- gen Wcrten vorgetragen. Das Vokabular wie die Syntax sind radikal andcre geworden, und doch sind die ottonischen Initialbildcr nur die letzte Metamorphose von Formideen. die zuerst in der insularen Kunst, dreihundert Jahrc vorher, ausgesprochen worden vvaren. Mit der Initiale als Bildersatz, als bildcbenbiirtiges Gebilde, ist die Aufziihlung der kiinstlerischen Losungen, zu denen die schopfcrischc Phantasie dcs Mittelalters durch die Formgclcgenheit der Initiale an- gcregt worden ist. noch nicht crschopft. Wir miissen noch von den Initialtypcn sprechen, in denen das Schriftzeichen die Figur nicht
Die historisierte und die bewohnte Initiate 77 101 David rcttct das Lamm aus dcm Rachen dcs Lowen. Silbcrtcller. Zypern, zwischcn 613 und 630 102 Beatus-Initialc. Winchcstcr-Bibcl. Winchester (St. Swithun's), uni 1 I 50-11S0 •ТППТУТГ Г:-.' - vertreten und auch nicht, umgckehrt, von ihr verkorpcrt wcrden will, sondcrn fur sie einen Existcnzraum bildet. In zweicrlei Wcisc: entwedcr, indcm der Buchstabenkorpcr als Rahmung flir cine Bildfiil- lung dient (Abb. 127), odcr indcm er Trager, Schauplatz und Lebcns- raum fur figiirlichc Darstellung wird (Abb. 124). Das einc nennen wir die historisierte, das andcre die bewohnte Initiale. Zur crstcrcn eignen sich eigentlich nur Initialen mit Offnungen, mit Inncnraum gleichsam, die Figiirlichcs oder gar ganze Szenen als Fiillung aufnehmcn, bchcrbcrgcn konnen. Einen Sonderfall dcr historisierten Initiale diirfte das als Bildclipcus gewertete O-Rund darstellen, das mit einem En-facc-Kopf odcr eincr Biistc geflillte Medaillon. Dcr Vergleich zwischen dcm О und einem Schildrahmen lag zu sehr auf dcr Hand, als daB er nicht alien und jedem in den Sinn gckommcn ware, auch in Schulcn, in denen die historisierte Initiale nicht gcpflcgt wurdc. Das friiheste Vorkommen der cigentlichen historisierten Initiale ist in dcr insularen Malcrci des friihen 8.Jahrhun- derts zu finden, und zwar in einem in Canterbury entstandenen Psalter. Im Oval eincs Q crschcint einc Szcnc aus derjugcndgeschichte Davids (Abb. too), einc Szcnc, deren Ikonographie ostlichen, friihby- zantinischcn Ursprungs ist (Abb. 101). Dcr insularc Buchmalcr hat cine narrative Szenc, die flir sich als Bild existiert hatte, in den Organis- mus einer Schriftseitc verpflanzt und ihm cinverlcibt, indcm er das Loch der Initiale damit schloB. Ob er darin einen Vorlaufer gehabt hat, wissen wir nicht, vicl friiher kann es aus den verschiedensten Griindcn zu dieser wichtigcn, zukunftstrachtigcn Ncucrung nicht gckommen scin. Diese erstc historisierte Initiale, die wir kennen, tragt allc Zeichcn cines Friihstadiums in der Bcwiiltigung einer ncuen Aufgabe an sich. Im byzantinischcn Vorbild war David als Hirte dargcstcllt, wie er den Rachen dcs Lowen auscinanderreiBt, um cin Lamm seiner Hcrde zu bcfrcicn. Die Ubcrtragung in die Initiale hat der Herde den Bodcn unter den FiiBcn entzogen, und so sieht man einige Lammlein, den Seitenkontur Davids als Gehstcig beniitzend, steil aufwarts in die Luft spazieren. <Dic Figurcnwelt hat einen ncuen Existenzraum erhalten, fiir den die Gesetze dcs natiirlichen odcr illu- sionistischcn Bildraums nicht mchr gelten. Einige hundert Jahrc spater wird das Thema durch einen byzantinisicrcnden Kiinstlcr wiederauf- genommen, einen der Illuminatorcn der Winchestcr-Bibel, dcr der urspriinglichcn, antikischcn Fassung wieder naherkommt (Abb. 102): David springt auf den Riicken dcs Lowen und rciBt dessen Rachen auf, in dem das Lamm schon zur Halftc drinstcckt.) Ein Problem ist gcstellt, das von nun ab den mittclalterlichcn Buchmaler unablassig bcschaftigen wird, das Problem dcr Vcrsohnung der Forderungen dcs Bildraums mit denen des Malgrunds der Buchscitc. Die historisierte Initiale scheint sich zunachst nicht durchgcsetzt zu haben, wir finden sie erst in dcr karolingischen Buchmalerei wieder und auch da nicht friih und nur in einer cinzigcn der groBen Malschu- lcn, dcr von Metz in der Zeit Bischofs Drogo, im zweiten Viertel dcs 9.Jahrhunderts. Dcr in allem, was er tat, hochst origincllc Meistcr hat einen iiberreichen Bilderschatz, den er sich vorwiegend aus der
78 Die Initiate 103 Ot om erwe os u г ^ СК11Д In) oK к О 1C се v u *nP TO K_ C (V> Nj OS T К и СП ЛОС'Ль Los V S Ci N О I S S cC К C or VI US* I' s I ‘ 14.1 Oej: I'D fc \J ГС IN С Л - I C sriBU sbA Б I R4THI s • pt К Oi ч oi 0 4 ITS \os г К u llvro v pci') p 1 Li UtYSTUU -cjul г c "NRt ТЛГС AN’Cd I cm\-vt 1 учт-:ь i. \ LoTUrmcp ВС Л Г \ s CXdl 7 \ I fON CUCDv|<JI В CI$ UOfCSUT \o ОС p R_ С CA rt) CON- 7 CSSIOX VJ€S 1 T 00 R Cminsrr c l 1C vc c LS \c fO) SOC.IA Lcbrvn C7 NOS r R,\s >7TTH*'BCVS CfR Su P]» 1.1 Cl e 01 сб\тсs ■ ■ 105 fruhchristlichen Kunst des Ostcns angeeignct hatte, cincm Buch- schmuck cinzugliedern vcrstandcn, dcr fast ausschlicBlich aus Zier- buchstabcn bestand. Nicht nur cincn GroBtcil seines figurliehen Voka- bulars (vgl. Abb. 103 u. 104), auch die Ornamcntformcn hat er aus der Antike bezogen, das Hauptmotiv seiner Dekoration ist die Akan- thusranke. Sic vvird aber nicht, wie in dcr antiken Kunst, als Fiillung von Fcldern, Schaftcn, Lcistcn verwendet, sondern klcttcrt wie ein Schlinggcwachs oder Efeu an den Buchstabenkorpern cntlang, um- faBt und umklammcrt sic oder sprieBt an ihren Endungen hervor. Das vegetabile Element ist ein lebendiges Gewachs, das das tote, starre Gcriist des Buchstabens uberwuchcrt. Eine liberaus fruchtbare Idee, die in der angelsachsischcn Kunst und in der Romanik noch groBe Triumphc feiern sollte. Zu bemerken ist noch, daB im Drogo-Sakra- mentar, dem Hauptwerk des Metzer Meisters. Rankcn und Blattvverk nicht grim sind, wie man erwarten wiirde, sondern golden mit roten Random (Farbtafcl xii). Diesc umrankten Initialcn beherbergen nun an alien mbglichen Stellen figurlichc, meistens szenischc Darstellungcn. Und nicht nur dort, wo das Rund einer Buchstabenform einen natiirlichen Bildrah- mcn schatTt wie ctwa bcim O. Schon das Prafations- und Kanonzei- chen des Sakramcntars sind auBcrst personliche Erfindungen. In bei- den Fallen hat der Bildinhalt direkten Bczug auf die gottesdienstliche Handlung, das Zelebrieren der Messe. Bei der Praefatio (Abb. 105) 104 Die drei Frauen am Grabe und Himmclfahrt Christi. F.lfenbein. Oberitalien, um 400
Die historisierte utid die bewohnte Initiale 79 t N! к e pb v p b v\ 1 л s i> \ о seen I» e tR.um • ibocnenwiZne utm^c штшшл yen aIxirfttUaJucnreue’ I Lafb- conaJeprop / Ipuftmjuilamcegy ^tdctajnouimur u£p A<Jcontci»pLin«Jjwi (ршстиле-сс1лш«1|ягГ perducamur ptreundf cWinofll iwn il>inxpTn|i(juTntuuTn (piitutuui urr еггсутиг fnuniiairrpffo-pcrornnia feta (bcubnum • S С» |> t~ К OB LAT\ EcctrfiaCxnat^qr<Jne"HonaprojjmuriTrruCT*T-* cjinlnilnonlajruurum T^uf ft-myrrApro prr nir ■ frrlfjuoJftfJrmtTiuruTTtufJrtiau. • ftntnoLiuir Ctrfiimrrur pJnmnnn' Гг tufrum rfraojuum rrfaluxarc— nofbbt frmpcrctubifj: yaxu^^ft ТГЦГ • I™ m 107 103, 105-107 Historisierte initiale C mit der Himmclfalm Christi, iNzeiehen, Canon missac, Historisierte ale D mit der Anbctung der Kdnige. Drogo-Sakramentar, Metz, zwischen 850 und 855 durchsctzt ein riesiges V den in GroBbuchstaben in antiker Manicr kontinuicrlich gcschricbcnen Text. Die oberen Enden der Buchsta- benschaftc tragen klcine architektonische Strukturen, deren cine, als Kirche mit Turm gekcnnzcichnct, die Halbfigur dcs die Messe zclc- bricrcndcn Pricstcrs vor deni Altar cinschlicBt, wahrend die andere unter der Aedicula des himmlischcn Tempels das adorierte Opfcr- lamm zeigt. Die Architekturen ruhen vvic Aufsatze auf dcr Initiale. Im Те igitur (Abb. 106) vverden die Szenen in cigcns geschaffene Offnungen von Stamm und Balken des T cingefligt. Die alttestamen- tarischcn Prafigurationcn des Kreuzigungsopfcrs Christi (Mclchisc- deks Opfcr am Altar, Abels und Abrahams Opfcr) liaben hicr, glcich- sam als dekorativer Besatz des T-Kreuzcs, Untcrkunft gefunden. Eine neue Freiheit der Disposition ist gewonnen, fur die die Initiale zum Gcbct dcs Wcihnachtsfestes (Farbtafcl xii) cines der schonsten Bci- spiele ist. Die einzelncn Episoden der Gcburt Christi bzw. einzelne ihrer Bcstandteilc - das Lager Marias, die Krippe mit Ochs und Esel, das Bad des Kindes, die Hirten - nisten sich an vcrschiedcnen Stellen cines monumentalen C ein, das mitten in cine breite Schriftkolumne cingcbcttct ist. Eine dieser Teileinheiten, die Hirtcngruppc, hat im Innern des Buchstabcnkorpers keinen Platz gefunden, RankenschoB- lingc zweigen von den Buchstabcncnden ab und bilden ein Gc- schlinge, das die Hirtcngruppc balanciert. Die Hirten befinden sich eben auBerhalb des Stallcs, drauBcn in der Landschaft. In cinem ande-
8o Die Initial? ren Fall hilft die Form des Buchstabens eine Geschichtc crzahlen. Das D dcr Epiphanic-lnitiale (Abb. 107) bringt die Magierlcgcnde in eincr dreiszenigen Folge: die Magier vor Herodes, dann ihr Ritt nach Bethlehem und schlieBlich die Anbetung des Kindes. Die erstc und dritte Episode stehen ubcrcinandcr. die Schlcife des Buchstabens aber wird zum Wcg, der von der einen zur anderen Ortlichkcit im Ablauf dcr Handlung fiihrt. Die schriftbedingte Gestalt dcr Initialc wird Handlungsschauplatz. Von der ncuen Auffassung dcr Initialc bzw. dcs Verhaltnisses von Schrift, Bild und Ornament, die sich im Werk dcs Drogomeisters bekundet hatte. hat die Entwieklung lange Zeit wenig Notiz genom- mcn. Sovvohl die karolingische wie die ottonische Epoche bevorzug- ten in der Regel die klarc Scheidung zwischcn dem Figiirlichcn und dem Dekorativen, und so vvurden die Bucher cinerscits mit rcinen Bildscitcn, andcrerseits mit rein dekorativen Initialcn geschmiickt (Farbtafcln xvi, xvn). Die Stunde tiir die historisierte wie fur die ,v, . „ , У*9 ' Weincrntcszcncn. Sarkophag bewohnte Initiate kam erst, als die Buchnialerci die Bcdcutung eincs mjt jem Guten Hirtcn, ganz bestimmten Formgedankcns erkannte, den urspriinglich ganz Friihchrisdich, 4.Jh.
Die historisierte und die bewohnte Initiale 8 I 10 Ranken mit Jagdszcncn. Elfcnbcin, Nordfrankreich (?), 9/io.Jh. andcre kiinstlerische Mcdien entwickclt batten. Es war das Motiv der bewohnten Ranke. Mit ihm muBten sich die Buchmaler erst befreun- den, bevor die Typen der bewohnten wie auch dcr historisierten Initiale zu ihrer vollen Entfaltung kommen konnten. Als spiclcrisches Motiv hat bcrcits die antike Reliefplastik die be¬ wohnte Ranke gckannt. Es gibt zahlreiche dekorative Reliefs der romischen Zcit, deren Ranken von Ticren, Vogeln, aber auch Putten und klcinen Figiirchcn bclcbt werden. Wir kennen auch Reliefplasti- ken, deren Ranken in ihren Windungen eine Art Medaillonreihe mit kleinen Szenen - etwa der Weinernte (Abb. 108) — bilden. In altchristlicher Zeit hat die Symbolik der Weinranke AnlaB zu Kompo- sitionen gegeben, in denen ein Weinrankenspalicr in unendlichem Rapport sich ausbreitet und irgcndwo in den Zweigcn Unterschlupf fur pastorale szenische Darstellungen - wie den die Herde weidenden guten Hirten (Abb. 109) - bictct. Entscheidcnd fur die kiinftige Ent- wicklung dcs Motivs wird dann eine Wendung, die uns zuerst in insularen Stein- und karolingischcn Elfcnbcinrelicfs entgegentritt (Abb. 1 1 o, 111), die aber auch bcrcits in dcr Antike vorbcrcitet worden scin mag. Der Gcdankc, der hier neu auftritt ist dcr, daB ein gewisscr Antagonismus zwischen Pflanze und Tier oder Pflanze und Mensch vorgcstcllt wird, ein Konflikt, dcr sich darin auBert, daB die Pflanzen- ranke aggressiv gegen das bcwcglichc Lcbcwcscn vorgeht und seine
82 Die Initiate U Y*>* «* r**'* p т г»ега«е-ош'пхг cnr ~ r >* lrri et>no|* cjui tntnrnt hocmnu/ ccru ,T all rrVl C|TT V о inn ЫсДтсшттг a Bewcgungsfrciheit bcschrankt. Die Korpcr und Gliedcr von Tier oder Mensch werden in die Ranke vvie in cin Schlinggewachs vcrwickelt und setzen sich dagegen zur Wehr. In dcr Verknotung haltcn sich die gegncrischen Krafte in Schach, wodurch das Gesctz dcr Schwcrkraft aufgehoben erscheint. Ein aus lebendiger, nicht anorganischer Matcrie geformtes Flechtwcrk entsteht, das an jedcr Stclle, auf jedcr Hohc halt. Noch in dcr ersten Halftc des lo.Jahrhunderts begegnen wir plotz- lich in der angclsachsischcn Buchmalerci Initialcn, die dieses zuvor anschcincnd nur in dcr Relicfskulptur heimischc Motiv ubernchmen (Abb. 112: cin Vogel ist in einc D-Initialc verstrickt und packt sciner- seits mit dem Schnabel cinen Schol31ing). In dcr darauf folgenden Bliitezcit der angclsachsischcn Buchmalcrei hat es kaum Beachtung gefunden, uni so mehr aber auf dem Kontincnt, in den nord- und wcstfranzosischen Schulen, die damals untcr starksten cnglischen Ein- fluB gerieten, Schulen wic die von St. Bcrtin urn das Jahr 1000, die ctwas spateren von Arras und Paris (St. Germain-des-Pres, Abb. 113), und vor allem die in zahlreichen klosterlichen Zentren bliihcnde normannischc Schule. Gcmcinsam ist alien diesen Schulen des 1 i.Jahrhundcrts, da!3 in ihnen das Vollbild cine Ausnahmc bildet, haufig auf das Titclbild beschrankt blcibt - im auffallcndcn Gegensatz zur bilderfreudigcn angclsachsischcn und auch ottonischen Kunst - und sich die Buchausstattung auf den Initialschmuck konzentriert. Namentlich in dcr normannischen Malerei kann man dcutlich die Tendenz spiiren, figiirliche Elcmentc nicht frei auftreten zu lassen, sondern sie wenn nioglich cinem ornamentalcn Verband cinzuordnen (Abb. 114). Es hat ganz den Anschein, als ob das eigenstandige Bild suspekt geworden ware und sich im Dickicht eines kunstvoll ver- schlungencn Ornaments bzvv. Initialgcfligcs versteckcn wolle. Die Bildcrzyklcn dcr Angelsachsen verlorcn das Anrecht auf einc cigenc Domanc, und was die Nornianncn davon an narrativer Kunst iiber- nahmen, wurde in diminutiver Form den Mikrokosmen der Initialen 112 Initiate. Junius-Psaltcr, Winchester. 2.Viertel 10.JI1. Initiate zu Psalm 1 Psalter, Saint-Germain-des-Pri Mitte 11.I- (X A-tJUftW|ЧлгГг1ггТи/!лАг |>лтп ptrtUam pwrif. ftnmJorn-!JU4nTnJ,jT- put Cinilunu]- pi-fiuJrr' ПМЗР^— eRTi vs ПП in C.\piW" M»n* -cT- ll яЬиЬогст trapmum mu niciidum a nemo mckrmir rermn птгн pu¬ ma ffrojnA tibnfinmi irfjjiLir-. N-»m<pcx fbpcruit'fiurcvpcrlenA cuu.in^Wifkvcfi - ur C*Jni 1alu.tn?nf urquibifjam pLtcurr- Л|Лит furrxr-- £jT0tinf yopiihifАшЬепГ-
Die historisierle und die bewohnte Initiate 83 Wifi™ KIEM MATbEGS [NORDENE REGIA . Evangelienkommcntar, <h. 11. Jh. anvertraut und mit dcren Hilfe dem Organismus der Schriftscite subordiniert. Aus frei geborenen Individual wird Rankenbcvolke- rung. Die Dcgradicrung der szenischen Darstellung bedcutete aber zuglcich einc Nobiliticrung der Initiale, ihren Aufstieg aus cincm Randgebict zwischcn dem Bcrcich anonymen Ornaments und dem gegenstandlieher Aussage in das Zcntrum darstcllender Kunst (Abb. 115). Das figiirlichc Erzahlen ist in den Raum der Initiale gc- wandert. In den Friihphascn des Prozcsses im 1 i.Jahrhundcrt begegnen wir noch meist dem Konflikt eincr anonymen Pflanzcnrankenbevolke- rung mit dcr Umwelt. Zum Kampf dcr Tiere oder Menschen mit ihrem Pflanzcnmilicu, das sie beengt, einschniirt oder vcrklammert, gescllt sich der Kampf von Mensch gegen Tier oder Damon, tierisch- menschliches Mischwescn, oft in doppeltcr und drcifacher Verkno- tung (Abb. 116). Oder es konnen die Rankenwindungen die Biihne fur ein Jagcn bilden, bei dem Jagcr wie Beute im Labyrinth des Pflanzendickichts verlorengehen. Die Lebcwescn spielcn miteinandcr und mit uns Vcrstecken in jenem grenzcnloscn und doch beengenden Kontinuum, dem Rankengcwebc dcs nordischen Mittelalters mit seinem unendlichen Rapport. Tills. • mmentar, . T.. 1 ■. Jh. 116 Initiale. Augustinus, Psalmcn korn mentar, Rochester, um 1100 fVmeLn nVGV ST IHI -Oo< 'ToR |Snc QYlHGXytJQbtNt(f$< Inc ip, r j Bf^iilS 06 Quo . еггму5 лкгглгг *?*»++*** ~ w“*" -г- i ?ггггщгг 1- ~ «lUfrffirr ЬиЬи! wir4 . ^4,. cwn&, Г " №йт~Гп* KiltejSspZZE* 4 iJLr ’ •'li . . '"Vp« i , ,V ^п'шГ'пЛ /'77*r 1 “K "*+*"<**« BRlr\\ Can 'if*. I
К4 Die Initiate In cincm Evangelicnbuch. das uni das Jahr 1000 im Klostcr von St. Bcrtin an dcr Kanalkiiste Nordfrankrcichs entstanden ist. komrnt unsercs Wissens zum ersten Mai cin Rankcngcbildc der gcschildertcn Art vor (Abb. 117). Statt den Rah men eincr Incipitscitc mit Akanthus- ranken flach zu fiillcn, wie cs in manchen Schulcn der Karolingerzcit Brauch war und auch in unscrcr Handschrift selbst die Rcgcl ist, hat dcr Maler hicr den verfiigbaren Rahmcnstreifen mit einer laufcnden Akanthusranke durchzogen, die das Existenzmilicu fiir Figuren und Ticre bildet. In dem von den Rankcnwindungcn umschricbencn Hohlraum odcr besser Rankeninnern, das cine Art rohrenformigen Schacht ergibt, rollcn kleine Jagdszencn ab. Einige Zeit spater erschci- nen in der nordfranzosischen Buchmalcrei ganz ahnliche Motive - bewohnte. >durchtumtc< Ranken - auch in den Initialcn29. Es verdient hier darauf hingewiesen zu werden, daB mit dicser Wicderaufnahme cines sporadisch schon in der vorkarolingischcn und karolingischen Kunst vorkommenden Motivs die Buchmalerei die Fiihrung in cincm EntwicklungsprozcB ubernommen hat, in dem ihr die monumentalen Kiinste erst in einigem Abstand gefolgt sind. So wird die bewohnte Ranke eincs der beliebtesten Schmuckmotivc der Bauplastik der romanischen Zeit, also dcr ncuen Monumcntalskulp- tur, aber cben erst annahernd ein Jahrhundert spater. Ein Doppclkapi- tell des Augustincrkreuzgangs von Toulouse baut einen Fries mit eincr Barenjagd zusammen, der die bewohnte Buchmalcreirankc in plastische Materie um- und iibcrsetzt (Abb. 118). In der Klcinplastik. vor allcm in Elfenbein, das ja bckanntlich auch bei Bucheinbanden Verwendung fand, gibt cs cine Reihe von Parallclen, aber auch viclc Zwischenglicdcr zwischcn Buchmalerei und Monumentalplastik (Abb. 119). 117 Bordiirenfries mit Jagdszenen, Evangeliar, St. Bertin, um 1000 119 Elfenbcinernc Kriimmc cines Bischofstabcs mit Gcburt Christi. Englisch, i2.Jh. 118 Kapitcll mit Barenjagd. Augustinerkreuzgang Toulouse, Siidfrankreich, Elide 12.JI1.
Die historisierte und die bewohnte Initiate 85 120 Beatus-Initiale. Psalter, St.Gallen, 9.Jh. A DKK ? 0 w Г 0 .VU M Nicht immcr ist cs ein anonymes Spiel, das da im Schatten dcs Rankengeschlinges wie in eincm Vcrstcck gctrieben wird. In den nordwestfranzosischcn und nordwestfranzosisch becinfluBten Schulen der Buchmalcrei sind es oft auch biblische Einzelszenen, ja sogar Szenenfolgen, die in die Rankcninitialen hineinvcrwobcn werden. Am einpragsamstcn laBt sich die Genese der romanischen Durchdrin- gung von Figuralem und Dekorativcm an der Entwicklung der gro- Ben Beatus-Initiale dcs Psaltcranfangs verfolgen, die wohl die Initialc der Initialcn war und die ornamentale Phantasic der mittclaltcrlichen Kiinstler zu immer ncucn Hohcnfliigen hcrausgefordcrt hat. Wir beginnen unserc Rcihc mit cincr Initiale aus der Mittc des 9.Jahrhunderts, die abcr in eincm Milieu cntstandcn ist, in dem von der Griindung her die Ideale einer groBen Vcrgangenhcit, dcr vorka- rolingischen Epochc insularcr Herkunft, immer in lebcndigcr Erinne- rung gcblicbcn waren. Es ist die ricsigc Beatus-Initiale cincs aus dcr Schulc von St.Gallen hcrvorgcgangenen Psalters, die in Silbcr und Gold gemalt ist (Abb. 120). Der erste Eindruck ist der einer unentwirr- baren Formverflcchtung, und doch ist das Konstruktionsprinzip cin sehr einfaches. Der den Buchstaben in der Scitc und im Schriftspiegcl verankernde Schaft wird durch cin Bandgcflecht gcbildet, das oben und unten in auseinanderweisenden Vogelkopfen endigt, wahrend in der Mitte die Endcn sich iiberkreuzender Bander in vegetable Formcn auslaufen. Es ist kein sehr massiver Schaft, und cr ware es noch
86 Die Itiitiale VIR QV'VCA' А1Л I 1 !л: CON S!i.,0!MP!OHVM 121 Beatus-Initiale. Harlcy-Psalter, Winchester, um weniger, wiirdc nicht die - oxydierte - silbernc Fullung der Intcrvallc das goldcne Gcflecht zusammenschlicBen. Die nach rechts gerichtctcn tcrminalcn Vogelkopfe halten in ihren Schnabeln die scitlich ausbuch- tenden Bogcn, die sich bci der Begegnung in der Mittc uberschneidcn und vcrflechten. In diesem nicht ganz symmetrischcn Doppclbogen finden wir uns in den Bercich der kaleidoskopischcn Initialbildung zuriickversetzt: die Bander vcrwandeln sich in den Hinterleib, Vorder- leib odcr den Kopf von Ticren, die Vogeln ahncln, dcren Ruckenli- nien dann aber doch in Schweifcn enden, die ihrerscits in Ranken umschlagcn, an deren Bccren kleinc Vogel picken. Der Ranken- schweif aber schlingt sich untcr und iiber diese Vogel. Die Schwcllung des untcren, groBcrcn Bogens ist uberraschcndcrwcise unkorperlieh und von ciner laufenden Ranke besetzt. Nirgcnds ein Verwcilen in dersclbcn Gcgcnstandsspharc, ubcrall rastloscs Sichverwandcln und ewiges Sichvcrknotcn. Wir besitzen keine bedeutende Beatus-Initiale aus der insularen Buchmalcrci des 8.Jahrhunderts, diirfen jcdoch die St. Gallcner als vollwertigen Ersatz anschen. Kann das St. Gallencr Beatus-B als Ersatz fur die fehlcndc insularc Version gclten, so das majcstatische Bcatus-B eines angclsachsischen Psalters aus dem io.Jahrhundert als Beispicl eincr noch aus dem Geistc dcs karolingischen Klassizismus geborenen Initialschopfung (Abb. 121). Obwohl in England entstanden, sind die spezifisch insula- ren Elemcnte stark zuriickgedrangt. Das Bandgcflccht ist auf die
Die historisierte und die hewolmte Initiate 87 beiden Gclenkstcllen dcs Schaftcs bcschrankt, das zoomorphe Element ist noch in den Vogclschnabelendungen dieses Geflechts und in einer imposanten Lowen- odor Katzenmaske zu linden, aus dcren Maul iippig wucherndes Akanthusrankenwerk vvie aus einem Wasserspcier hervorschiefk. Das vegetabile Element ist auch in Form von Akan- thusfricscn als Fiillung der Kompartimente zu schen, in die Schaft wie Bogen des Buchstabcnkorpers zerlegt werden. Der Buchstabcnkorper bildet jetzt das klare. solide Gcriist der Initiate unter nachdriicklicher Verfestigung der Gclenkstcllen. Die Dynamik dcs pflan/lichcn Lebcns vvird in Grcnzen gchalten. Die von Pflanzenfricsen getiillten Schafte und Bogen umrahmen die in den Buchstabcnintcrvallcn sicli enttal- tenden Rankenspiralcn. Als hundertjahre spiiter (1060, wenigejahre vor der Normannenin- vasion) wieder cin englischer Psalter mit einem machtigen Beatus-B gesclnniickt vvurde (Abb. 122), war das Gcriist der Initiate zwar noch 122 Heatus-Initialc. Arundcl-Psaltcr, Winchester (New Minster?). uni 1060
88 Die Initiate cm iqxc щ im. an. tic tapur nvififCfijiHniyjijyvw ^’иширессдт*: nfbercr.coinшЬе\ Лд Jenfo*r nan Safer. ^dmlec^dni iwhuttA?efsdtjjilecpt? i^3 Bcatus-Initialc. Carilef-Bibcl, Normannisch, spates u.Jh. dassclbe gcblicbcii, im Formal vokabular aber war cin ncucs Elcmait hinzugckommcn. das figiirlichc. In die Rankenspiralen sind Figuren interpoliert. In der oberen Initialschleife versucht ein Jiingling mit phrygischcr Miitzc. sicli durch das Dickicht hindurchzuwinden, seine Beine vcrflcchten sicli mit den Pflanzenstengeln; in der unteren hat Konig David sclbst auf deni von der Rankcnspirale gebildeten preka- ren Sitz Platz genommen. In beiden Fallen haben wir Bcispielc be- wohntcr Ranken vor uns. Die bewohntc Rankeninitiale war aber friiher schon in dcr Normandie und auch in Paris hcimisch, und so sehen wir, daB im Kiinstlcrischen normannischcr EinfluG sich noch vor dcr Erobcrung der britischen Insel durch die Normannen entschci- dend gcltend gcmacht hat. Es ist auch nicht ausgeschlossen, daB dcr Miniaturist, dcr dicse in Winchester entstandenc Psalterhandschrift illuminicrte, schon normannisch geschult war, ganz sicher aber war es dcr Buchmaler, dcr tlir den ersten normannischcn Bischof von Durham, Carilef (Wilhelm von St. Calais), cine groBc Bibel dekoriert hat. Auch er folgt noch deni friihen angelsachsischcn Grundschcma (Abb. 123), nur eliminicrt cr die zentrale Lowenmaske, die die zwei Bogen vcrkoppelt, durch Verflechtung hangen sich die beiden Bogen jetzt sclbst ineinander. Datiir laBt cr die Rankenspiralen schon an den Schaftendcn und nicht erst im Lowenmaul beginnen, und dort aus
Die historisierte utid die bewohnte Initiate 89 124 Beatus-Initiale. Augustinus, Psalmcnkommentar. Normannisch, spates u.Jh. 4 tiritrto a* qaUytyta*?*''■ * At* i —__ , /f( / fcflV ,rtntn /* V *! »< /&**** X - IJ .\lmr tnamfrt w lmptot' luur bornr XTOh . r/rf'tcPf '?< / ' ' — 0 ттге 4m rjx> bot \топжгк?Г »чу У~Х*ДТ УМ* \\L ij| / cVmto Aectpcmfci riJ-FWarun' ^ ne ^ _ k .umr tnoorcfttioimpiob' ftajrtem /( COCKS I1"1 ТП WGV5TLNJ tjmuron «mtnftr deeper лйтргткт пг - Л^грарстггг.ег ппш|кгсддас ntfrnr (\ff4fltnrykinBJ|KBmBii nifcgidoftc pee ^ arortf. <cdn fr?mc-'9<nen ггггптг tirerbm feta *' njtjtc тпскЬссНа ре^йспп; n toirr.>fotiiTr re _ фт ггфй cn fiiplna. que aubeda ^cAurmr ^ tefeo rrert trwdli5ir! 91 n hrr ejfqiuc • 9 wmr ^ .«more donnmndt «Tnmuiu njfpcar 5&m. I4tocf»u^cmiaortnii*t«t jnu^r-e^tnf im |К1а«и^ШРС<1КпГАшпуц хссотоЛх rraf jcnpi^fcjrfxdrapdkcnrK рптпаСх dxtp ^ пд. errt fn*Bvur cmcrHh^er CDeuxfe confide r nuWlof <огйо uerbor ftrcK.fedff/Umi criiilUcnmrffr .idro6rmraiddrrar dt ^irtcirptH^ir.ai in fiufi ij4 t.i «cnfmruritdiiv rLponur ярен litarqrxq дИтмпеепйЬо ^ mjjnoi ncc tr.ma рссыгол. tbrm nee incut* da pctblcnm fccftr-SortTTitc^T dmuottmeu' ci cr'tnletjroTTKdTt^nf"(hr jknoenr Iriblpr pafca ti df tie dtar tnU <jr. \liodhifct<^.Um<#Tnli^.fKfmU<jTW ^ црг.Одп len . fedtn lectr .vrrr! tie j Ul*r л& ^ninfbrmck jltttdcfrfcr # *qtir ГчтйпГл'ттротпгЧгшетя!. .Ц tt *1 itX<p(mn<onf^nr’Abtoqvon\nAi ( ! 5тт1гггп гГхз^сЬстКгАгжвоаг’ ,/lnr fine mrrnitftJTK mrrflujrridn 1 eft- .ittr die Tnlrncu-nocir ттгйж ^ (anomLv%>ic?r mi dc jfctnha ebon T] ircumchr cfcpiufij<. ©rde trtfni rj ■1ЛГЮ1К dr'lnfup "rig: adnoemn ■» ,'y TTKTTpnrr roe rCmfmn-^t mr cm^. ♦ , l*jna qdfHancuii r-iedm demrfuf a^rnjde^ .«ir fidm 1р£ГС^Я(пги'ш d*yruc»cln>mmr‘ Mfndfilatflnv. , nr ipfe Ьо fir U^rraiiUrnnnVfafin dctnrfW .19m crnWtnRUccaacnpf ^incdrT^ron di cr.i^vM^t r ffrfmfpa) fan-fedin dr- lp$ орПмрпаИг trrljm icil 6rfbl^1mffdmadtV^(tf^4ff4^a ^crr.fKTTtfri Jb«»^ldJrcP raodj nnii node q Wktit n fTnrr tn^rnii-faf mjrttTwmfmd maai non ■ Am fttfrn dccunuf (fca'Mjnrpoptim tjyrrc rnjfwultfS.a'iltcttr^i •ifordr^ tficrllkyr Lip#xjf-qd|4Tn<T Udian Цпвд Bcsticnmaulcrn hervorkommen. Indem die Ranken sich zur Spirale cinrollen, bilden sic die Buchstabenausbuchtungen. Dicsmal ist ein gegen die Umklammerung sich wchrender ViertuBer in die obere Spirale verstriekt, keine mcnschlichc Figur; die untcre Spirale behcr- bergt wieder den harfcspiclenden, thronenden David - ein Autorbild, das in dcr Initialc Zuflucht gefunden hat. Es gibt aber auch normannischc Beatus-Initialcn, in denen das Initialgebilde ganze Szenenfolgcn beherbergt. Auf den Incipitseitcn zweier normannischcr Psalmcnkommcntarc ist jcweils ein ganzer Davidzyklus in dem Labyrinth groBer B-Initialen untergctaucht (Abb. 124)30. Nach cinigem Suchcn gelingt es, einige Episoden zu identifizicren, indem man die cinzelnen Elemente aus den vcrschicdc- nen Initialstcllcn zusammenklaubt: David, vvic er das Lamm aus dem Lowenrachcn rettet, Davids Kampf mit Goliath und David mit sci- ncm Orchestcr, vielleicht auch denaturierte Reste anderer Szenen.
90 Die Initiate InCl' HT.T \CT\T? PSM.CDOR'VTVf ,25 Incipitseite. /\.С1 GVSTINl 0Г1 Augustinus, Psalmcnkommentar, Normannisch. z.Halfte n.Jh. Das Ncue daran ist, daB die Initialc hicr zur Aktionsbiihnc geworden ist, auf dcr sich die im Text geschildcrten odcr mit ihm assoziicrten Ereignisse bcgebcn, sic ist, wic cs dann in der eigcntlich romanischen Buchmalcrei allgemein Brauch wurde, dcr Existenzraum der Figurcn- welt schlcchthin, flir den die Gcsetze dcs natiirlichcn odcr illusionisti- schcn Bildraums, etwa die ciner gemcinsamen Stand- oder Bcwe- gungsflachc der Aktcure, nicht mehr gclten. Allen Personcn obliegt jetzt einc doppelte Aufgabe: mit den Gegcnspiclcrn zu kommunizic- ren - sic anzugreifen oder sich gegen sie zu wehren - und zugleich im Rankcngcschlingc einen Platz oder Halt zu finden, so als ob sich alle Aktion nur in dicsem geriisthaften Gewcbe abspiclcn konntc. So wic in der romanischen Monumcntalplastik allcs figiirliche Lcben an die geformten Glieder der Baumassc als Existenzraum gebunden ist, so hicr an den Fassungsraum dcr Schriftkorpcr und deren Begrcnzung. Um das Phanomen dicser Koexistenz von Figur und Buchstabende- kor in dcr richtigcn Pcrspcktivc zu sehen, muB daran erinnert werden, daB gerade in den Skriptorien und Zentrcn der Buchmalcrei, in denen die Assimilicrung des Figuralcn durch das Schriftmilieu am vollkommensten durchgefiihrt worden ist und die origincllstcn Initi- alschopfungen hervorgcbracht wurden, das unabhangige Figurcnbild fast iiberhaupt nicht gcpflegt wurde. Wcnn iiberhaupt, dann gewohn- lich nur als Autoren- oder representatives Titelbild (Abb. 125), nicht aber in dcr Form narrativer Illustration. Doch hat diesc Bevormun-
Die historisiertc und die bewolmte Initiale 91 [26 Incipitseite zur Apostclgeschichte. Himmelfahrt Christi. Ricscnbibcl, Mittclitalicn, i.Halfte i2.Jh. InCIPLI BEMCTvM m* dung dcs Figuralen und dcr gegenstandlichen Darstellung, die in dcr friihen Romanik ihren Hohcpunkt hattc, nicht langc gevvahrt. Schon in dcr ersten Halfte dcs n.Jahrhunderts setzen in alien curopaischcn Kunstzentren, in Frankreich, England, Deutschland, Italien, Spanien, Bewegungen cin, die auf eine groBere Autonomie der darstellenden Kunst, auch im Rahmcn dcs Buchcs, hinarbeiten. Diese Autonomiebcwcgung hat sowohl die Psalter- wic die Bibelil- lustration revolutioniert. Zugleich hat diese Stromung allerdings die Buchmalerei vielfach in Abhangigkeit von der Monumentalmalerei gebracht. In Landern wie Italien, in denen die Buchmalerei nie zu den vordringliehen Anlicgcn zahlte, kommt es zu mehr oder minder auBcrlichcn Ubcrtragungcn des Monumcntalstils (Abb. 126), in andc- ren, wie Frankreich und England, wo die Buchmalerei unbestritten zur groBen Kunst gehorte, hat die Auscinandcrsctzung mit den in andcren Mcdien erwachscncn Darstcllungstormcn neue genuine Buchmalereiformen und -stile geschaffen. Letztercm ProzeB wollcn wir uns zuwenden.
92 Die Initiate Nachdem auf dem Gebiet der Buchmalcrci im spaten n. und friihcn i2.Jahrhundcrt Frankreich das gcbcnde Land gcwcscn zu scin scheint, vcrlcgt sich um 1120 der Schwerpunkt nach England. Um dicse Zeit entsteht dort, im Kloster von St. Albans, das bis dahin kiinstlerisch keine ncnncnswcrtc Rollc gespielt hat, obwohl cs den Protomartyrcr Englands zum Namenspatron hattc, eine Psalterhand- schrift, in der sich ein wahrer Drang zum darstellendcn Buchbild und zur bildliehen Erzahlung ubermachtig manifestiert. Im Beatus-B (Abb. 127) hat plotzlich das Ornament das Initialinnere gcraumt und beschrankt sich auf die Fiillung der Buchstabcnformen. An der Kon- struktion des Buchstabenkorpcrs- Bandgeflecht an den Gclcnkstellen, Tierkopfe zur Aussendung dcs Doppclbogens - hat sich nichts gcan- dert. Das Inncrc dcs Doppclbogens aber wird als cine cinzigc Bildfolic behandclt: die Gestalt des psalmierenden David iibcrschneidet die Stelle der Einschniirung, so daB dcr Psalmendichter der Inspiration der - mchr cincm Schwan gleichenden - Taube des Heiligen Geistes, die von oben herabschwcbt, scin Ohr lcihcn kann. Anstatt des preka- ren Rankensitzes - man vcrgleiche das drciBig Jahre friiher entstan- dcnc normannische Gegenbeispicl (Abb. 123) - ist dem Psalmisten ein solider Thron bereitgestellt worden. Im Grundc hat die Initiale jetzt zwei Schichtcn: ein Bild ist iiber cine Initiale projiziert worden. Wir haben nicht mchr cine bewohnte sondern eine historisierte Initiale vor uns. (Man muB einige Jahrhundcrtc zuruckgehcn, zu den Kiinst- lern dcs Corbie-Psalters, um eine ahnlichc Art dcr Initialfullung zu finden (Abb. 128).) 127 Beatus-Initialc. Albani-Psalter, St. Albans, um 1119-1123 128 Beatus-Initiale. Corbie-Psalter, Corbie, um 800
Die historisierte und die bewohnte Initiate 93 J^l UISJ Ш11Ш10/ шрпт: . d quaruidmodu tgoum? тпш - ticonfimdar шpcm£- ’ Tjnmufru rjfrtuivv k VrJvcvot iGxm u^adrad [kmdacfcccfupc j^Mtoctcdtnfi licuxan Idommidoitrm «Iidno aaqiwxji gcjtoflfc 'ОТО! xurcuctCdmdf JbmibLcfcUumi ipaudrjo. 2 r, .hif ^mcd'mibcrcWl<monxn(m^1^dadi .•-Psalter, L '.ms, um 1119-1123 130 Einzug in Jerusalem. Albani-Psaltcr, St. Albans, um 1119-1123 Historisierte Initialcn crhicltcn im Albani-Psaltcr auch allc tibrigen Psalmenanfange (Abb. 129), und iiberdies vvurde zwischcn dem Ka- lcnder und dem Bcginn dcs cigcntlichen Psaltertextes cine cigcne christologische Bilderfolge, eine Erzahlung in ganzseitigen Bildcrn ohne Text eingeschoben (Abb. 130). Das Buch ist cin Dokument eines eruptiven Dranges zum bildlichen Ausdruck, der neben dem Text und den aus der Schrift entwickelten Zicrformcn auf uns vvirken soil31. Ein langcr Kommentar zur Darstcllung der Beatus-Initialc, vvahrscheinlich vom Kiinstlcr selbst gcschricbcn, und, an anderer Stellc, die Nicdcrschrift cincr Apologic bildlicher Darstcllung im Bereich dcr Kirche - es handelt sich um den beriihmtcn Brief Gregors dcs GroBen32 lassen darauf schlicBcn, daB cs ctwas ganz Ncucs und cin Wagnis gewesen scin muB, sicb unumschrankt zum Bild zu bekennen, kurz, daB vvir es mit ciner Art Gegenbewegung gegen die ikonoklastischcn Tcndcnzcn dcr normannischcn und der friihromani- schen Buchkunst iiberhaupt zu tun haben. Dicsc Gegenbewegung, die ihre Kraft durch eine immer verstandnisvollerc Rezcption medi- terraner Kunst, und zwar dcr glcichzcitigcn byzantinischen, bezog, ist siegreich aus dem Ringcn mit der ungegenstandlichen Kunst des Schriftornaments hervorgegangen, ein EntwicklungsprozeB, dcr sich am schonsten in der Gcschichte der jetzt plotzlich hochaktuell wer- denden Bibclillustration verfolgen laBt. Bevor wir darauf naher cinge- hen, muB aber noch cin Nachspiel der Motivgeschichtc dcr bewohn- ten Rankeninitiale Erwahnung finden.
94 Die Initiate Noch einmal kchrcn wir zum Beatus-B zuriick. Nach dem Albani- Psaltcr hat es, auch in prachtigcr ausgestatteten Psaltericn, noch priinar dekoradve Fassungen dieser Initialc gegeben, aber nie niehr eine Verflcchtung von Figur bzw. Szenc und Ornament. Mit Vorlicbe ist die doppelbogige Form des В als Rahmen eines Doppclbildes genommen worden, wie etwa in dem nach 1200 in Toumai entstande- nen Ingeborg-Psalter (Abb. 13 1); bisweilen werden, wie auch im ge- radc angetuhrten Beispiel, die seitlichen Ausbuchtungcn zu richtigcn Medaillons geweitet und ihrerscits mit Davidszenen gcfullt. Einc retrospektive Richtung, hauptsachlich durch englische Beispiele ver- treten, ist jedoch auf den Gcdanken vcrfallen, den Omamentcharaktcr der traditionsuimvittcrten Beatus-Inidale dadurch zu retten, dab sie cin ikonographischcs Thema einfuhrte, in dem cin pflanzliches Gc- flccht gegenstandlich modviert war: die IVurzelJesse. Die Darstcllung dcr Gcnealogie Chrisd, mit der dcr Text des Matthauscvangeliums anhebt, ist gcwiB nicht fur den Psalter erfunden worden, ikonogra- phisch ist es einc Neuschopfung der friihromanischen Epoche (Abb. 132). Die Metapher dcs Stammbaums konnte aber nun nach der Art eines bewohnten Pflanzengewachses verstanden werden, und so sehen wir uni 1200 auf einmal die Wurzcl Jesse in das Beatus-B transponiert und auf diesc Weise den Untergang der bewohnten Initialc wenigstens bei dieser Formgelegenheit iiberdauern (Abb. 133) und in barocker Wuchcrung bis ins i4.Jahrhundert hincin wahre Orgien dcs Formgeschlingcs feiern (Farbtafcl xxvn). •3i Beatus-lnitiale. Ingeborg-Psalter. Toumai, Anfang 13.Jh. 42. Wurzel Jesse. Lambeth-Bibcl, Canterbury (St. Augustine’s), uni 1145
Die historisierte umi die bcwoluite Initiale 95 «33 Beatus-Initiale als Wurzcl Jesse. Huntingfield-Psaltcr, Englisch, Ende i2.Jh.
( Text S. 59) Die Farbtafeln I (Text S. 29) Auszug aus der Arche und Dankopfcr Noahs. Wiener Genesis, Friihbyzantinisch, 3.Viertel 6.Jh. 304/326x245/265 mm II (Text S. i2, 36) Lowe (Hicr: Symbol dcs Johannes). Book of Durrow, Insular, um 680 245 x 145 mm III (Text S. 67, 76, 173) Chi Rho. Book of Lindisfarnc, Insular, vor 698 (?) 340x245 mm rv (Text S. 66, 174) Tcppichseite. Book of St. Chad, Insular, 1. Halfte 8.Jh. 308x223 mm v (Text S. 36, 175) Evangelist Lukas. Book of St. Chad, Insular, 1. Halfte 8.Jh. 308x223 mm VI-VII (Text S. 36, 140, 177) Evangelist Johannes und Tcxtseitc zum Lukas-Evangelium. Kronungscvangcliar (Schatzkammcr-Evangeliar), Hof Karls des GroBen, Ende 8.Jh. 324x249 mm VllI-lX (Text S. 70, 71, 140, 173) Titel- und Incipitseite. Dagulf-Psalter, Hofschulc Karls des GroBen, Ende 8.Jh. 190 x 120 mm X (Text S. 179, 182) Evangelist Johannes. Evangeliar aus Saint-Medard-dc-Soissons, Hofschule Karls des GroBen, Anfang 9-Jh. 362x267 mm xi (TextS. 29) Szenen aus der Genesis. Bibcl von Moutier-Grandval, Tours, um 840 375 x 510 mm XII (Text S. 7S, 79, 140) Initiale zum Weihnachtsfest. Drogo-Sakramcntar, Metz, zwischen 850 und 855 264x214 mm XIII (TextS. its) FuBwaschung. Evangeliar Ottos ill., Reichenau, Ende 10.Jh. 334x242 mm XIV (Text S. 76, 173) Initiale zum Matthaus-Evangclium. Hillinus-Evangeliar, Reichenau, um 1000 370x270 mm XV (Text 5. 76, 173) Initiale zum Lukas-Evangelium. Evangeliar Ottos 111.. Reichenau, Ende 10.Jh. 334x242 mm XVI (Text S. 37, 43 > 44, 80) Prafationszeichcn. Sakramentar, Reichenau, Ende io.Jh. 245 x 175 mm X vil (Text S. 37, 42, 43, 80) Kreuzigungsdarstellung zum Canon missae. Sakramentar, Reichenau, Ende io.Jh. 245 x 175 mm xviii (Text S. 19, no) Illustration zu Psalm 11. Kopic des Utrccht-Psaltcrs, Angelsachsisch, friihes 11.Jh. 380x309 mm xix <TextS. 178) Die drei Frauen am Grabe. Sakramentar (>Missale<) des Robert von Jumieges, Angelsachsisch, um 1020 335X222 mm xx (Text S. 161, 162, 164, 166) Anbetung des Lammes. Apokalypsenkommentar aus Santo Domingo de Silos, Spanien, zwischen 1091 und 1109 380x250 mm XXI (Text S. 188) Der Karren mit den Reliquicn Konig Edmunds fahrt iiber einc Briicke ins Kloster Bury St. Edmunds. Edmundslegende, Bury St. Edmunds, um 1130 273 x 184 mm XXII Figureninitiale. Gregor, Moralia in Job, Citeaux, Anfang i2.Jh. 350x240 mm XXIII (Text S. 135, 136) Initiale zu Exodus. Bibcl von Winchester, Winchester (St. Swithun’s), um 1150-1180 583 X396 mm XXIV (Texts. 1581 Die gottlichc Schopferkraft mit Univcrsum und Kosmosmensch. Hildegard von Bingen, Rcvelationes. Siiddcutschland, um 1230 270X170 mm xxv (Text S. 166 Das Sonnenweib und dcr Drache. Apokalypse, Westminster (?), um 1270 3 т 1 x203 mm XXVI (Text S. 148, 142 Untergang der Stadt Sodom. Lots Frau erstarrt zur Salzsaulc. Psalter des hi. Ludwig, Paris, um 1270 200x 132 mm xxvil (Text S. 94, 144 Beatus-Initialc mit Wurzcl Jesse. England, Anfang 14.Jh. 374x235 mm XXVIII f 'lir.M S. I9r Wunder vom zuriickgebrachten Brevier des hi. Ludwig. Stundenbuch der Jeanne d’Evrcux. Jean Pucellc, zwischen 1325 und 1324 94x64 mm XXIX (Text S. 195. ijr Thronendcr Christus mit den vier Evangelisten. Bible historiale, Paris, um 1330-1340 385 x297 mm XXX (TextS. 28 r Figurenalphabet. Giovannino dc’Grassi, Ende i4.Jh. 260 x 185 mm xxxi (TextS .v Maricntod und Maricnkronung. Stundenbuch dcs Engelbert von N2-. Meister der Maria von Burgund. ur: 133x94 mm xxxii (Text S ... Titclseite. Aristoteles, Werke, Band 1, Vencdig, um 1483
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XXIV
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Illustration der Bibel Wic bereits angedcutct, war im i2.Jahrhundert das aktucllste Anlic- gen der Buchmalerei die Ausstattung dcr komplcttcn Bibel, d.h. die durchgehende Bcbilderung der einzelnen Bucher des Alten und Ncucn Tcstarncntcs in cincr cinzigen, mcist mehrbandigen Ausgabe. Die romanischen Riesenbibeln bildcn untcr den illuminierten Hand- schriften dcs Mittelalters cine Klassc fur sich, nicht nur wcgen dcr Obcrdimcnsionicrtheit ihrcs Formates33 - der schr bezeichnende mit- telaltcrlichc Terminus tcchnicus fur sic war >bibliotheca< - sondern wegen der auBerordentlichcn Spannweite und den gcwaltigen Pro- portioncn, die dcm Plan dieser unhandlichen Folianten zugrundc gclegt wurden. So sehr die Idee einer Gesamtausgabc der Hciligen Schrift, in dcr jcdcs cinzclne dcr siebzig vcrschiedenen Bucher mit cincr Art Titelbild eingeleitet wird, uns auf dcr Hand zu liegcn scheint, so ist doch diese Idee einer systcmatischen Bcbilderung dcs BibelstofFes erst von dcr romanischen Epoche konzipicrt und rcalisiert worden. Das Ringcn um die Schaffung einer vollillustrierten monumentalcn Bibel dauerte mehr als ein Jahrhundert, und allc groBcn mittclalterli- chen Nationcn habcn sich an dicscm kiinstlerischen Unternehmcn bctciligt. Im Riickblick sicht cs wie ein Wcttstrcit der verschiedenen flihrcndcn Ateliers der Buchmalerei allcr Lander aus, so als ob sie voncinander gewuBt hattcn; von wem die urspriingliche Initiative kam, von Frankreich, England oder Italicn, ist bis heute noch nicht geklart worden. In alien Zentren abcr sind die Anfangsstadien durch ein Expcrimcnticrcn und Suchen nach gccigneten Losungen gckcnn- zeichnct. In Italien spiclt sich das Eindringcn dcs Bildes in den Bibelcodcx als cine rein auBcrlichc Obcrtragung von Formen dcr Monumentalmale- rei ins Buch ab. In den friihen Riesenbibeln vor und nach noo wird oft gar nicht versucht, die Einzelfigurcn, die als Autorenbilder den einzelnen Biichcrn dcr Bibel vorangestellt werdcn, in irgendcine gere- geltc Bcziehung zum Satzspiegel und den Initialen zu bringcn. Sie werden frci auf den lceren Grund gesetzt (Abb. 134), zwecks Veranke- rung auf der Buchseite wird bestenfalls die Figur durch Kapitalschrift flankicrt und umklammcrt. Spatcr, als man zu einer reichcren, narrati- vcn Bebilderung iibcrging, wurden die Szenen in scparaten, sparsam gcrahmtcn Bildstreifen oder ganzscitigcn Bildtafcln den Textabschnit- tcn vorangestellt. Ein innercr Kontakt zwischen Bild und Schrift kommt nicht zustandc, das Bild bleibt ein ungefuger Frcmdkorpcr im Buch, nimmt wcdcr an dcr Organisation dcr Buchseite tcil noch sucht sich der Bildstil den spczifischen Erfordcrnissen des Buchmilicus
130 Illustration der Bihel anzupasscn. Die Wahl dcs Foliantcnformats der Bibeln ist hier ein Entgegenkommen an die in iiberlebcnsgroGcm Format geborene Bildwclt. Diese Buchmalcrcicn, die zu den groGtcn ihrer Art zahlcn, sind tatsachlich Miniaturgemalde im Sinne von Diminutiven von Wandmalereien (Abb. 126). Jenseits der Alpcn ist dies selbst in stark von Italien abhangigen Schulen wie der Salzburger ganz anders. In der friihesten Bibcl des Salzburger Krciscs, dcr der Stiftsbibliothck von St. Florian (Abb. 135) - an der anfangs noch italienische Krafte mitgearbeitet haben - tauchcn untcr den in italicnisch-gcomctrischem Stil dekorierten Initialen einige hi- storisierte auf, die ersten Zcichcn cincs wicdcrcrwachten Drangcs zum bildliehen Ausdruck. Im Initialsystem liegt bei ihnen cine vollkom- menc Analogic zu der zcitglcichcn Bcatus-Initialc des Albani-Psaltcrs vor (Abb. 127); die figurlichen odcr szcnischen Elcmente sind entwe- der in die Initialoffnungen schlecht und recht hincinprojiziert oder auf die Initialen gleichsam aufgeklebt. Die ersten vollbcbildcrtcn Salz¬ burger Bibeln, die von Michaclbcurcn34 und Admont (Abb. 137), schcidcn bcrcits grundsatzlich zwischen ornamentalen Initialen und gerahmten, vom Text abgcsctztcn Bildcrn, die oft scitengroG sind. Auf dieser Stufe ist die Nahc zu den italienischcn Ricsenbibeln am groGten, bloG vvird in den Salzburger Exemplarcn die Geometrie der Buchseite bei dcr Vcrtcilung von Bild, Initialc und Schrift viel 134 Prophet Tobias. Bcginn des Buchcs Tobias. Riesenbibel aus Hirsau, Rom oder Mittelitalien, 2. Halfte 1 i.Jh. 135 Josua erhalt den Befehl Gottcs, den Jordan zu ubcrschreiten. Beginn des Buchcs Josua. Riesenbibel aus St. Florian, Salzburg/Obcritalicn, um 1075 Л'&Ьшг erdincfjLcmian q- ItiuTxr&itruLqunf? iP' bijjjiuct/ouH- Ahcm^mifl^vXfq- tnmini/Vmofiio• ccvno Нлоояс' и^пагип^ЛтгсетроггЪ -conftiru ■®ir ermppmniuip >W emetiro mez inbonum- ^ *fCl SCl JFKV*ft Ml VK£SB1T-£A1- У TTLlB^o ГОВГХГ'. ««no* C$U^Utl41fururp--tT7fbl»7TUtri. btl rrr' conqprgtmfcn paehf obmkmontfMh* tjiilf CO ft P% V f i T; MrW'ti. ;m£i.. i ч v rfic poit-morrf м or ft fcnndw lo qttctrrdnf *td tofuc ffhu nun mi mtbii труп ct diarrra-Moyfir feninftn<mojyuufc'fuir^ ctmui fijoixLmfiftU'Tuteoiritsppts n ейттспйqtu cnpcLibcyfjlufifH-
Roniamschc Riesenbibcln 131 136 Davidszenen. (iiimpertsbibcl, Bayern odcr Salzburg, vor 1195 sorgtaltigcr bcrucksichtigt, das Ncbcncinandcr dcr heterogenen Elc- mente ist harinonischer, wirkt gcplanter. In dcr reifsten Schopfung der Salzburger Bibclproduktion, dcr Guinpcrtsbibcl in Erlangen, der bilderreichstcn aller Salzburger Bibeln, blcibcn zwar aueh Bild und Schrift getrennt, jedoch wird die Bildseite nunmehr einer dekorativen Ordnung unterworfen, die mit der Flachengcsetzlichkeit des Bucli- schmucks vertriiglich ist. Die cinzclnen Szenen sind zu Bildcinlagen cincs ornamentalen Musters gevvorden (Abb. 136). <lm nordischen Milieu setzt sieb also die dekorativc Organisierung der Buchseite durch.) Welcber kiinstlcrisehcr Mittel sich die Salzburger Malerei bei diesen Kompositionen bediente, werden vvir besser verstehen, vvenn wir das Problem des Vcrhaltnisses von Bild und Rahinen - und nicht von Bild und Initiate - behandeln.
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134 Illustration dcr Bibcl Re v A”IyS EST ш'иу (ПОЛЯ ЩISRt'; у oft- qua rnommf ejb AcbAbCcciArq: echo :iaf ^ caiKdlof <£пдш li fui quod lubdwr m .tfcgrcniurr. Aifirq: mi?Kiof.diu*u5 ad co$.]rc confute- 4?cchcbub dcum acba mi • utrum uuicrc qucam dc mftnnrtan: тлел I we. knee's Aircc din loaruif efr Ad 1ч* 1и\ш dnibrren d Ken 5. Surge evafeende moc curium tumciob ivgrf famartj: -<V dialed oo$. Hunquidnon^ds in if i\\d ur iwnfAd confu (cndu tei-chub dai. adwron r^uanwluv ft * icfc dt<al debyr* лxr* IS * trmtf p4<Htrm - £><t c Uuitf n cetUibtrf. ft«t peddyrf t ■Q^ustito t ялш bocm. j ■-Д. tti ри икл ттче1 ^ *2 С1С4Л <T An тпгп/угИитхи {r.^xiUriy\ Ь&перлацЪ; <v <Jttl ТГ) trutrt nuAnttelfttc ^UutumJ tofilprr* td rtrmwrt4 Ltitfovrtvrfifc utiu-fingpubi Hco4<*ciC 4k 13К I limmclfahrt dcs F.lias. Bibcl von Rochester, Canterbury (Rochester), um 1130 139 Initiale. Mcdizinische Traktatc, Normannisch, um 1100 Zuvor gilt cs aber, das Kapitel der romanischcn Bibclausstattung zu beenden. Von der ostlichen Peripherie des okzidentalen Mittclaltcrs wenden wir uns zur westliehen, zu den groBen englischen Bibeln, denen an kiinstlcrischer Originalitat und Qualitat wenig zeitgenossi- sche Buchmalerei an die Seite zu stellcn ist. Am Beginn der englischen Bibclillustration stchen, nicht anders als in der Salzburger Buchmale¬ rei, historisierte Initialcn (Abb. 138). Noch wcchscln sie mit rein deko- rativen ab und sind zunachst auch in der Minderzahl. Bald stellt sich aber hcraus, dab die englischen Initialbcwohner, Figuren wic Szcncn, sich mit dem ihnen zugewiesenen Aufcnthaltsort nicht begniigen und auf Abenteuer ausgehen. Zum Vorbild nehmen sic sich die verschiede- nen gnomhaften Kreaturcn, diceinen bestimmten dekorativen Initial- typus der vorausgehenden normannischcn Stilphase bcvolkern, Initi¬ alcn, die man in der Fachliteratur mit dem Kennwort >gynmastisch< (Abb. 139) charaktcrisiert hat, weil da das Buchstabcngcriist von den Lcbcwesen, Menschen, Tiercn oder Pflanzen, als Gcrat fur akroba- tischc Exerzitien beniitzt wird. Der Buchstabc wird zur Aktions- biihnc, auf dcr anfangs dekoratives Spiel gctricbcn und schlicBlich ernste, dcr 1 Iciligcn Schrift entnommcnc Szcncn aufgeflihrt werden.
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136 Illustration der Bibel knapp nach der Mittc des i2.Jahrhundcrts entstandcn, ist cine dritte Variante dersclbcn Kompositionsidee. In ihr crschcint der Fcucrwagcn in den Buchstabenschaft hinabverlcgt, um oben in der P-Offnung Platz fur cine weitcre Elias-Episodc zu schaffen; der Himmcl ist hicr unterhalb der P-Schlingc angcbracht. Im Bcstreben, den Bildcrrcich- tum der Bibel zu steigern, hat der Winchcstcr-Meister den urspriingli- chcn Kompositionsgcdankcn wieder vcrunklart. Von dem Meister, der diese Elias-Initiale schuf und der dcr erste in dcr Abfolge dcr Kiinstlcr war, die cin halbes Jahrhundcrt lang an dcr Illustricrung dieses Buchkompcndiums arbeiteten, gibt cs Initialcn, die man bci obcrflachlicher Betrachtung als bewohnte (Farbtaf. ххш), und andcrc, die man als historisiertc (wie das P mit der Eliasgcschichtc) klassifizieren mochtc, d.h. in den einen sind die Figuren Rankenbe- wohner, in den anderen nicht. Im Grundc ist aber die Kompositionsart dieselbe. Die Gcstalten dieses Mcisters haben es nicht mchr notig, in cin Rankenschlingwerk verstrickt zu werden, um sich dcr Form und dem Lebensrhythmus der Initialkorper anzupassen. Denn das Netzwerk, dem die Figuren cingeschrieben und angepaBt sind, bcfin- det sich jetzt nicht mchr auGerhalb derselben, sondern wird von den Figuren selbst erstellt. Der Faden, aus dem es gesponnen ist, sind die Fiihrungsbahnen der Gewandfaltcn (Abb. 142). Wie die Ranken, aus denen das Schlingwcrk des romanischen Formgewcbcs erwachscn ist, letzten Endes klassischen Ursprungs sind, so ist paradoxcrwcisc auch das interne Netz, in das sich die romanischen Figuren vcrstricken. 143 Sandalenloscnde Nike. Relief vom Tern pel der Athena Nike, Athen, Akropolis, Attisch, nach 400 v.Chr.
Der EinfluJJ von Byzatiz 137 U5 Evangelist Markus. Neues Testament, Byzantinisch. in Italien (Grottaferrata ?) entstanden. 2.Halfte I2.jh. U4 Nyx (Detail aus lesaia im Gcbct). Kiriser Psalter. Konstantinopcl, Mitte io.Jh. aus cincm antiken Formgcdanken entwickclt, stcllt sozusagen eine Travestie dieser Idee dar, namlich des Gewand-Korper-Dualismus. Be- kanntlich haben die Gricchcn das Geheimnis entdeekt, wic man den lebendigen Kern unter der be- und vcrdcckendcn Hullo, die an sich ja nur totcr Stoff ist, spiirbar machen kann, kurz, wic man es zuwege bringen kann, Gcwandung zu sehen, jedoch Korper zu spiiren (Abb. 143). Durch Schaffung der Fiktion cincr diaphanen Drapcric wurde es ermoglicht, Figurcn wie im Alltag bckleidet zu lassen und doch stcllcnweise Durchblickc auf die Korpcrform hinter der Ge- wandhiille zu gestatten. Zugleich - und hicr bertihren wir den fur unsere Frage entschcidenden Punkt — wird so das auf Zug und Druck sensible, biegsamc Material des Gewandes das Medium, in dem sich die im Korper waltenden und agicrcndcn Kraftc auswirken und uns so mitteilcn. Der Witz der ganzen Sachc ist cben der, dab das Lebcn der menschlichen Figur sich im Gegenspiel von Gcwand und Korper verrat, ja dab es in dicscm Gegenspiel recht cigentlich erst Form wird. In dcr byzantinischcn Kunst hat sich die antike Tradition der diaphanen Gewandbehandlung direkt fortgeerbt, vor allcm in dcr makedonischen Renaissance (Abb. 144), nur hat hier infolgc dcr Ent- matcrialisierung alles Korpcrlichen das Gewandelement im weitcrcn Verlauf der Entwicklung merklich die Oberhand gewonnen. Die Gesamtheit dcr Falten und Gcwandsaumc bildet ein umfasscndes lincares und meist formelhaft angewandtes System, welches die Insel- chen oder Fragmcntc organischer Substanz wie Fullscl rahmt und
138 Illustration der Bibel zusammcnhalt, die Figurenoberflache in Kompartimcnte zerlcgend. Etwas von dcm altcn Spannungszustand dcr beidcn Faktoren ist noch da, abcr man hat den Eindruck, als ware ein hauchdiinnes, beinahe ungreifbarcs Netzwerk um transluzide, geisterhafte Korper gespon- nen (Abb. 145). Was wir vor uns haben, ist bloB die Symbolformel eincs Konflikts von Kraftcn. Die cnglischen Kiinstler der romanischcn Epochc, besonders die dcr Mitte des i2.Jahrhundcrts, haben die byzantinische Version der diaphanen Drapcrie, die ihnen durch verschicdene Kanalc vermittclt wurdc35, eifrigst studiert, sie abcr in ihrer besondcren insularcn Optik vollig uminterpretiert und aus ihr ein denkbar unklassisches System linearcr Mustcrung herausdestilliert. Die von ihren nordisch-barbari- schcn Urspriingcn her belastete, ornamental ausgcrichtete insularc Formphantasie bcmachtigte sich sofort dcs in dcr byzantinischcn Gc- wandbildung nur latenten Faltennetzwerkes, zeichncte es durch und reduzierte allc Modellicrung zu schmalcn Schattcnrandcrn der Falten- grate (Abb. 34). In dcr englischen Ubcrsetzung der byzantinischen Vorbildcr erinnert die Figurenoberflache an >anatomische Dia- gramme<, in denen alle Schnen und Adern offen hcrausgezcichnct sind und in denen das Gcfiihl fur das Korperliche, das diese Spannung zwischen Hiille und Kern erzeugt hat, verschwunden ist. Das Linien- netz ist autonom geworden, was sich unter andcrem darin auBcrt, daB cs labil ist und sich in cigenwilligc, abstraktc Bewcgungsspiele verwandeln kann, ohne jede Riicksichtnahme auf die gegenstandlich geforderte Bewegung der Figuren. <Es ist ein Charakteristikum dieses Stils, daB man die Figuren ciner Gruppc gar nicht im einzelnen auseinandcrhalten kann. Sic verstccken sich gleichsam selbst durch ihr Geflige von Falten und Konturen, so daB sic unentwirrbar scheinen (Abb. 146).) 1m Gewogc und Gczerrc der Linicn kommt die organi- sche Form in FluB, wird ein Spiclball dcr entfessclten Dynamik, sucht sie durch die unglaublichsten Vcrrenkungcn mitzumachen oder entzieht sich unseren Blicken wic in cinem Labyrinth. Mit eincm Wort, die menschliche Figur hat sich jetzt gegen cine selbst erzcugte Bcdrohung und Bedrangung zur Wchr zu setzen, genauso wic sie friiher sich gegen die Vitalitat des Rankengeschlingcs zu behaupten hatte. Einc ungeheurc Elastizitat zeichnet jetzt die Figuren aus; anstatt mit Hilfe dcs ondulierenden, expansiven Rankcngcflechts vermogen sie nun in ihrer neuen kurvilinearen Durchblutung und Entfaltbarkcit sich dcm Lebensrhythmus dcr Initialen und des Ornaments anzupassen und deren Fassungsraum allein zu fallen. Damit sind aber unversehens aus bewohnten historisierte Initialen geworden. Die ornamentalisierte Figur hat das Ornament aus der Initialc verdrangt. In diesem Moment der Entwicklung mcldeten sich kiinstlerische Krafte zu Wort, die in die byzantinischen Lehrcn von der Gestaltung organischcn Lebens und figurlieher Erscheinung tiefer eingedrungen und nicht gewillt waren, Figur und szcnische Darstcllung eincr frem- den Gesctzlichkeit unterzuordnen. Es ist nun symptomatisch, daB die kosmopolitischerc, weniger insularc Richtung, die um diese Zeit das Wcrk der Ausschmiickung des Winchester Bibelfolianten ubernahm, mit den Initialen und dem Initialraum uberhaupt nicht mehr ihr
Der EmfluJJ if on Byzanz 139 146 Sauls Tod. Lambcth-Bibcl, Canterbury (?), um 1140-1150 Auslangcn finden zu konnen glaubtc und einigen Hauptabschnitten, die noch nicht illuminiert worden waren, cigcne groBe, mehrstreifige Bildseiten voranstellen wolltc. Ein Mcister wurdc herangezogen, der seine Kunst dcs bildlichen Erzahlens nicht bci der gleichzcitigen Mit- tclmcerkunst gclcrnt hattc, sondern bei der christlichen Antike, die ihm wohl in Originalcn und karolingischcn Obersetzungen zugang- lich gewesen scin muB. (Bci ciner der Scitcn, die diescr Meistcr entworfen hat und die als Zeichnung stehenblieb, namlich bei der Titelscitc zum Buch der Makkabaer (Abb. 28), konnen wir die Gcnca- logie ihres Vorbilds liber eine karolingische, aus St. Gallen stammende Makkabacrhandschrift (Abb. 25, 26) in die Antike zuriickverfolgen, also nicht zur gleichzcitigen byzantinischen Kunst, wie das bci den vor ihm an deni Bibclunternchmcn betciligten Buchmalcrn dcr Fall war.) Mittelalterlich am Stil dieses Meistcrs war frcilich die Art, wie cr den malerischcn lllusionismus seiner Vorbildcr in ciner graphischen Ubcrsetzung mit ziigigen Umrisscn wiederzugeben unternahm. Viel- leicht nicht ganz zufalligcrwcisc wissen wir nicht, wie dicser geniale
140 Illustration der Bibel Zeichner gcmalt hat. <Allcs, was diescr Kiinstler gearbcitct hat, hat er nur in Zeichnung ausgeflihrt, sei cs in dcr Winchcster-Bibcl, sci es in dcr auf einc antikc Vorlage zuriickgchcndcn Tcrcnz-Handschrift in Oxford36.) Scin Wcrk in der Bibel, nicht andcrs wie das seines Vorgangers, blicb unvollendct. Gcgen Endc des i2.Jahrhunderts trat ein Team griindlich byzanti- nisch geschulter Kiinstler auf den Plan, das die unfertig hinterlasscnen Entwiirfe der beidcn altercn Kiinstler farbig ausfiihren sollte und vielfach nur ein moderncs farbiges Kleid iiber einc bestehcndc zeich- ncrische Form brciten konnte. In cincr Reihc von Fallen ist aber auch beidcs, Entwurf wie farbigc Ausfiihrung, das Werk der jiingercn, byzantinisiercnden Generation. Erinncrt man sich, daB die byzantinischc Kunst einc Einordnung von figiirlichcn Elementen in ein Initialgefiige im allgcmcinen nicht kanntc - es gibt zwar byzantinische Figureninitialcn in der mittelby- zantinischen Zeit, aber keine byzantinischen historisiertcn Initialen -, so wird man begrcifen, dab die englischen Schuler der Byzantiner ihrc liebe Not damit hattcn, die byzantinischc Bildwclt, die primar cine monumcntalc war, in die lateinische, von Initialen organisicrte Buchscite zu intcgricren (Abb. 147). Freic, in weitcn Bildfeldern be- hcimatcte Typcn muBten gleichsam zu Initialbcwohnern dcgradicrt wcrden. Die Figuren hatten nun ihr Gleichgewicht gefunden, hatten ihre cigcne Sell were, ihre cigenc Wiirdc, und ihre Dynamik muBtc mit den Regcln organischcr Bcwegung vertraglieh crschcincn. Es kam nicht mehr in Fragc, Serpentinata-Windungcn auszufiihren, um sich dem Rund ciner Buchstabenschleife anzuschmicgen oder sich entlang eines Buchstabenschaftes oder etwa gar durch ihn hindurch cmporzuschlangeln. Zunachst besteht noch die Tendenz, die Initialoff- nungen durch die Brcitc der Figuren auszufiillen, allmahlich aber nimmt man keinen Anstand mehr daran, auch den Grund leer hervor- treten zu lassen - zumal dicser Grund nicht mehr buntfarben war wie in der friiheren Romanik, sondern mit strahlendem Gold bcdeckt. Dcr Triumph des byzantinischen asthctischen Kanons bedeutctc zwar cine Entornamcntalisierung des Figurcnbildes, zugleich aber konnte dicscr byzantinisierende Stil als Entschadigung aus cigencm cinen Bcitrag zum Schmuckhaftcn der Buchscite lcisten. In Nachahmung des Goldhintergrundcs byzantinischer Mosaiken, Ikonen und Minia- turen wird der Hintergrund dcr Initialminiaturen und natiirhch auch der selbstandiger Buchbilder mit Blattgold ausgclegt. Die Geschichte der Goldfarbc im Mittclalter ist ein wichtiges Kapitcl, das noch ge- schricben werden muB. Sic ist nicht nur die Geschichte des Goldhin- tergrundes. In der Friihzcit, im christlichen Altertum und Mittelalter bis zur karolingischcn und ottonischen Epoche, ja bis in die dcut- schc Friihromanik hinein, tritt Gold in Form von Chrysographie auf, wobei ich untcr Chrysographie sowohl Goldschrift wie in Gold ausgeflihrte Flechtband- und Rankenornamentik verstehe37. <Chry- sographic in diesem doppelten Sinn war zum Bcispiel in karolingi- scher Zeit besonders beliebt (Farbtafeln vii, viii, ix, xii)38.) Man verwendete damals allcrdings, wenigstens im Abendland, ein Gold-
Der Einflufi von Byzanz 141 147 Initiate mit Christus Pantocrator und Prophet Jcrcmias. Winchester-Bibel (St. Swithun’s), Endc I2.jh. FIN 1Т1ЛМ ENTATlOl FREREOHl ессжгатш dnequidaradcrrcn шшсгс/ eerclpicoop probnum noftrum ■ niptdimf nfa uerfi dt ad alienor domuf nrcadqrcruneor- pupilU fa6blumu abfq-paero-'fnai uiduc (дтшшпташ pecumcroionmiTvp ujy nan л (^emiabuf ттпаЬатпигШПГ non dabamr rtquier • pigment von sandig kornigem Charakter, das nur maBigen Glanz hergab. Erst im i2.Jahrhundcrt gelang es den abendlandischcn Buch- malern, durch Auflegen hauchdiinner, hochpolicrtcr Metallplattchen - dem Blattgold - den Goldeffekt der GlasfluBwiirfel byzantinischer Mosaikcn zu crziclen. Infolge seiner metallischen Substanz hat Gold als einzige aller Far- ben etwas ausgesprochen Matcricllcs, Dinghaftes an sich, und besitzt, schon seiner Kostbarkcit wegen, cincn auBcrordentlichcn Schmuck- wert, es ist also ipso facto Ornament, auch ohne jede mustcrhaftc Artikulierung. DaB sich im spiiten i2.Jahrhundert Gold als Hintcr- grundsfolic universell durchsetzen konntc, verdankt cs im wescntli- chen zwei Momenten. Einmal der vorhin erwahnten technischen Neuerung, die das Metallische des Goldes erst so rccht zur Wirkung brachte, und zweitens cincm mit dicscm scnsuellen unloslich verbun- denen spirituellen Moment. Der mittelalterliche Goldgrund ist scit jeher als Symbol transzendenten Lichtcs interpretiert worden. Im Sendclicht des Goldes byzantinischer Mosaiken war dcr unendlichc kosmische Raum am sinnfalligstcn in irrcalcs, oder sagen wir besser iibcrirdisches und doch unsere Sinne direkt tangierendes Licht aufgc- lost worden. In Sizilicn, Untcritalicn und Vcncdig sowie, wahrend dcr Kreuzziige, auch im byzantinischen Ostcn sclbst, hatten abendlan- dische Malcr und Illuminatoren Anschauungsunterricht in der Dar- stellung cntmaterialisierter Bcleuchtung erhaltcn. So war cs natiirlich,
142 Illustration der Bibel daB auch bei ihncn die Ambition erwachtc. die sakralc Note ihrer Bilder durch Obcrnahmc des fcicrlichen Goldlichts der byzantini- schen Malcrei zu steigern. Das neuc Blattgold ermoglichte den vollen Goldglanz, den man gcmcinhin niit dem Goldgrund byzantinischcr Kuppelgcwolbe, Apsiden und Wandausschmiickung assoziiert. Von da ab ist der Goldgrund im Abendland das Dekorum der sakralcn Bildsphare geblieben, auch in dcr spatmittelalterlichcn Tafelmalcrei, bis cs gcradc dort in der neuen Wirklichkcitsschau vom irdischcn Luftrauni verdrangt wurdc. Die Initialcn der byzantinisierenden Mcister zeigen deutlich, daB Fi- gur und Ornament von nun an getrennte Wcge zu gchen haben, daB die Existcnzgemeinschaft, an die die bciden Elcmente gewohnt vvaren, im Begriffe ist, sich aufzulosen. Da die menschliche Figur unter byzantinischem EinfluB cincn inneren Halt gewonnen, ihre queck- silbrigc Elastizitat verlorcn und die Zwittcrhaftigkcit einer anthropo- morphen Arabeske abgestreift hat, ist sic nicht mehr imstande, sich nach der Deckc einer ornamentalen Ordnung zu strcckcn, wahrend auf der andcrcn Scitc das vegetabile Ornament seine mimischen und physiognomischen, kurz animistischcn Qualitatcn vcrliert und zu cincm rein dekorativen Element vvird. Das Ornament wird etwas rein Marginales, muB sich mit der Rollc eines Bciwerks, cines Auslaufers odcr eines Fiillsels begniigen, ctwa als Intcrvallfullung einer in einem hochrcchteckigcn Rahmen zusamnicngefaBtcn Medaillon- odcr Mandorlcnfolge, wie sic unter anderem als Gencsisinitialc - mit dcr Mcdaillonfolgc des Scchstagewcrks der Schopfungsgcschichte - da- mals Brauch wurdc. A lies Vegetabile wird nach auBcn verlcgt und manchmal (Abb. 148) in einer Art Eck-Akrotcrien zu flamboyanter Form gesteigert.
Dcr Einflup von Byzanz 143 Aus dcr Initiale vertricben, hat sich das Rankcnornament in der Gotik cin ncucs Wirkungsfcld crobcrt. Die Buchstabenausladungen und -endungen treiben aus und ziehen cine Weile am Rand dcs Satzspicgels cntlang, um sich schlicBlich in einem Endschnorkel zu cincr Rankcnspirale einzurollen. Die RankenschoBlingc betatigen sich als Rahmung, sie leben nicht mehr im Schriftinnern sondern umklam- mern die Tcxtkolumnen. Am Beginn dieser Entwicklung gehen diesc Initialauslaufcr voll- kommen in ihrer neuen geometrischen Funktion der Rahmung auf, verleugncn ihre organischc Pflanzennatur - ausgenommen in den Endungen vverden zu gcraden Randleistcn, die wic ein Stacheldraht hie und da dornenhafte Spitzen entsenden (Abb. 149). Auf dieser Stilstufc kann man nicht cinmal von Dornblattranken sprcchen, die Leisten haben nur Dornen, keine Blatter. Inzwischen hatte aber die franzosischc Buchmalerei ganz zarte, lincarc Rankcnwindungcn als Bordiircn entwickelt, die drei- und mchrzackige Blattchcn hervor- sprieBen lasscn, und diese sind es, fiir die dcr gcbrauchliche Name dcr gotischcn Dornblattranke paBt und die in fcderlcichtcr Umrandung die Schriftfeldcr umzichen (Abb. 150). Gcwachse, die dann schlicBlich U9 Illustration zu Psalm 80. Bird-Psalter, Englisch. Ende 13.Jh. .««larifftrus Ccpalhis i^tttfwrnmuu €*F qm gtamautr bitten»' TOa:(v-fu^ftlium qaem amfirmihnta Xtitctiffl tent 4fufibflarab mcrqmtwic ttulms tut vnnltunt^SSBsaa^ TR 1*r tiwnuftua fug uttnim iernmut- ” (Plug firtium bornmts qufuftnnafb nl»v etnd'difa^unattnuuifuabifiioftf- ncnncntttttm muocabmme^gj^* {fe шшгаГошлтс Ltugmtfaun mmueaqaa ill- attutron tioftroMtibrta icomrott.^utnm gfahutnn 1 t>rtmvtn gtmwnrgfiflcttitmi
Illustration ilcr Bibcl n ctrlrfue imctlmtt too • commo fr fouuOue Urartu—•—***— X in inuamui vto> cfcmruluc • m mcnne crctQru^^^®^^*? . Jpanatre turn Oucte ronim-pima juce robulcm yir ape ncymln ^пш crue uutaa шс. ronfaniK tou6 Itr quoD ojxmnxe- cs junoiue- ^mnplrrki m шиШсщ* tiDiof * jfotUr ttgttt ПШПШГ*мГ^г=^^ J[ucvan ftrcejnrunmme. cciuxrcgu tiomurouuu miiameppuloumi ur cxdutent сю quvpbm <***tU¥tb • •tDifftm yctitca niictcua woiunr-uc mmc идет cr рш- micp ia у ~ , uauct nvuiue auo $&сдлш tmcmnmtctoopWIttrto \bfto .yauutt to • mu afcnioirfu I щ ctUim ccit tlto: tntrrm^ } crccno iruca facu emu uu ото-* I ftut glcuam юз (uyn ifmct- may jmaccuaaauecriumiffcuiemti p> I ии01Ьиб;Р^ет—"4^4 ^ imuiUc епш m ftmeteo (me. but 2 kfmd фСсйИл r mmmimu trtoi l cuflmcm yicm fuctcnctume ecus- fauiumc Ifortouc ^ T* omflin lumtuuuit niquc-i# ] A& »тш nu | manual ТийсЫ i m limoinofunovc-notititit h ihre spczifischc Fauna hervorbringen. die gotische Drolerie, ? spezifische Gcstaltenwclt der Buchmalcrci, wic cs vordem die ialbcvolkerung gevvesen war, mit der sic zahlrciche Faden verbin- . (Die Drolerie bictct nicht nur die Moglichkeit cincs freicn Spiels Phantasic odcr humoristischer Darstcllungen (Abb. 23). In diesem ldbercich, in deni die Zensur nicht so streng ist wic in den Darstel- gen dcr Heiligen Schrift selbst, beginnt bald der Hinstrom von iremotiven und anderen Dingen, die dem taglichen Lebcn abge- aut waren; darin liegt die groftc, in die Zukunft rcichcnde Bcdeu- g dcr Drolerie (Farbtafeln xxvii, xxix, Abb. 151a. b).) 150 Illustration zu Psalm 68. Stundenbuch und Psalierium, Paris, um 1300 ‘ Schwcrelosigkeit dicscr Buchdckoration ware nicht moglich ge- >cn, hatte die Gotik nicht das Buchformat selbst eincr radikalen ndlung unterzogen. Hatte sich in dcr spateren Romanik die Ten- iz bemerkbar gemacht, den iibermachtigen Erzahlungs- und Dar- lungdrang dadurch zu befriedigen, dab sich die Illustration aus der iriftscite auf eigene Bildseitcn zuriickzog, so setzt jetzt einc gegen 1 Uberschwall von Bild und Ornament gerichtetc Opposition ein, das Buch auf ein handlichercs Format zuriickflihren will und Monumentalitat des Buch- wic Figurenformates ablehnt. In der
Die gotische Bibel 145 f. ufimnmwefr mmoqmtorajj g. ggAttitmftwitim тмт1^^.,11иЯ| O^imt quuTwnptxf? etommaqiiosittcmtt гтодишшьОДЫ [ши; amgitgnmrcotK H foite otfttcronaalj flqmiouccrmtinB5SI Bfnniifomrmftimdi |шша(|ш)Го:мшшашс гаТШптат flfumml i f Г t * к rmuteitin шит йшшюсспюда “ imarnim-E? киасшшгашшаш| яиштоиииитссг -ratidrmmmi итшпттинт* Шашпотеша^ов snncnnoanfirrtuow * jpiuqucrcr .jcamomoma wtqmumoitrtc i S1 а Tcxtsciten mit Drolericn. Psalter, Gent, uni 1320-1330 tttumprammftmrur apw.'HKKpfi.muegeti’ .ицгГдтттлий touiiif modi с* л ediftmttлшпп quictopaitncmomi# ivticfttHitm.vCvicpta? ли cftuftismtmmWiW n*cft-4rimgTfqu«)*tg-’ crpioicw mdi diflcrttmcewr.q^rqr Vnv rngiyificrtc lilts imfttic?ryicnctiiccit I5lb Icxtscitc mit Drolcricn aus Aristotclcs, Metaphysik. Englisch, uni 1310
ц/> Illustration iicг Bihcl ftf 7ii) rt Bibelproduktion wic -illustration kommt cs zu cincr wahren Peripe- tie: auf die romanischcn Riesenbibeln folgcn die kleinsten Bibelhand- schriften, die wir in der Geschichte dieser Gattung kennen; sic sind oft vveniger als io cm hoch und cnthaltcn den gesamten Bibcltcxt in einem einzigen Band. Wir wissen aucli, was den Unischvvung auBer- lich hervorgebracht hat: In den zwanzigerjahren des i3.Jahrhunderts hat die Pariser Univcrsitat eine neue Ausgabe des gesamten Bibeltcxtes als Studienbehclf in einem Band und im Taschcnformat hcrstcllcn lassen. Uni dies zu realisieren, rnuBtcn Schrift wic Illustration mikro- skopisch klein sein (Abb. 152). Es sind richtigc Mitiiaturbibehi mit der dazu passenden minutiosen undsparsamen Ausstattung. Die Mehrzahl dieser winzigen Bibcln sind ausgeschmuckt. vielc mit historisierten Initialen, in denen in einer Art bildlicher Kurzschrift der Autor des betreffenden Buches oder aber eine representative Szcnc dargestellt ist. Ein echter Miniaturstil - Miniatur im Sinnc eines Diminutivs gemeint ist geschaffcn vvorden, glcichzeitig mit dem monumcntal- sten Stil der Skulptur in den Kathcdralcn. Die Erkcnntnis, daB hier eine Malerei vorliegt, die fur das Buch und kein andcrcs Medium spczifisch ist, kann einzig dcr Sinn des beruhmten Dante-Wortcs sein von der Kunst, die man in Paris »illuminarc« nennt39. In dem Moment, als die Miniaturbibel geschaffcn wurdc, hatten sich die Bibelkolosse iibcrlcbt. Das inuB auch die Erklarung dafiir sein, warum etliche von ihnen, so die Winchestcr-Bibcl, was die Ausstattung betrifft Torso geblieben sind. 152 Initialen zu den Biichem der Propheten Obadias und Jonas. Bibel in Taschenformat. Frankreich (Paris), Anfang 13.Jh.
Die gotische Bibcl 147 Man kann sagen. dab das Vorbild der byzantinischcn Malcrci die Figurcn von der Umklammcrung und Umschnurung des Pflanzcnor- naments befreit hat, nichtsdestowenigcr ist auch jetzt ihr Existenz- raum noch nicht cin autonomer gevvorden. Noch imrner niiissen sich die Figuren und Szenen cincr fremden Ordnung bcugen, und zvvar eincr von architcktonischen Strukturen erborgten. Nehmen wir ein Work der hochgotisehen Buchmalerci Frankrcichs. ctvva das Evangc- liar der Sainte-Chapelle aus dem spatcren i3.Jahrhundert (Abb. 153), so werden wir bemerken, dab die schmalen, hohen Bildkolonnen, die gewohnlich eine I-Initiale vertreten sollen, oben gerne mit Baldachi- nen in der Form gotischen Dachwerks, also Wimpergcn, Fialen, Spitzturmcn usw. enden. Bei naherer Priifung stellt sich heraus, dab diesen Baldachinen keineswegs gegcnstandlichc Bcdeutung zu- kommt, d.h. dab sie nicht ctwa in der Erzahlung vorkommende Gebaude darstellen sollen. Im Gcgcnteil, die architcktonische Bekro- nung tritt unabhangig davon auf, ob die Szcne in eincm Innenraum •53 Christus beim Zollncr, Johannes der Taufer verheibt das Lamm Gottes. Evangdiar der Sainte-Chapdlc Paris, um 1255-1260 дшпшоТ^ KV * ti)’s pn Ц^. Лрйсапп EgraHnominc LmjHnaufctc ; Hamad • 'fi irttlonc (jtrUUlSt. ' ftjMfijSQItinC. tfatltm aa^^Jomnrtv. жЖ^1.|Ст1П18 |швЯЦмгапп. gHftftar о magnumsuuufi: |mtomofna.fi-cmr mtbamutoxpttW fanorcrauar.gm lamuIlifcranrOtfcv [ocmts.tfnmmnran lunrplnfctcrfmte mnlumttsaddif сфШоГаиз.йнпгс atpuWtcamCtrpor canminmnnoumri trDtDrasrt’rtx’nte-. idmtaotUos.flonr gmrquifanifnnr tncOicorg; qmnldr imr.Aon тГппи ВЯШМиосагс uitros йО mi rornam. Га рты C02CS. К*. миат. ЮШоЙ- •шаг life шг jDifmtc or.flln tonnar nnros jlmuiitK. mophn
148 Ex kms Лдлпб Utocu* fcfrcc< uaijcou* v' , jj mourou* aicr uofl «.. _ . tamer* pour &u>tr aif- uofl „ 14 * rttttrcmcttr t<{b;mcy-dU?fcl * —t moitbiie • (Mitt wf mt pnwic ■» ’ » ■ «г 15+ Autorbild. Adam dc la Halle, Le Chansonnicr cT Arras, Nordfrankreich, Fnde 13.Jh. 155 Johannes dcr Taufer. Kathedra des Bischofs Maximian (Detail), nm 520-550 odcr im Freicn spiclt. MuG aus illustrativcn Griinden einc Architcktur dargcstcllt vverden, dann findet dcr Miniaturist nichts dabci, noch cine architcktonischc Bekronung liber das Dach des szcnischcn Vcr- satzstiickes zu stiilpcn. Dcr um 1270 in Frankrcich entstandene Psalter des hi. Ludwig hat - wie so vide englischc oder unter cnglischem EinfluG entstandene Psaltcrien der romanischcn Epoche - eine langc Vollbilderserie zwischen Kalcndcr und Psaltertext cingeschoben; jcdcs diescr Vollbilder ist von einer mit laufenden Dornblattranken gefull- ten Bordiirc gerahmt, auGcrdem besitzt jedc Szenc aber noch inner- halb des Rahmens eine architcktonischc Bekronung (Farbtafcl xxvi). Biswcilen bilden diesc Bekronungen den oberen AbschluG, ohne von cincm dekorativen Rah men umfriedet zu sein, sic konnen dann frei in den lccrcn Rand ernporragen (Abb. 154). Die Herkunft dieses Motivs ist unschwer zu erraten. Wir kennen es aus dcr gotischcn Monumentalskulptur, wo jede Figur odcr auch Szenc ihren cigcnen Baldachinhimmel mitbekommt, als ob jcdcs Wcsen in seincm eigenen Schilderhauschcn stehen miiGtc. In dcr Plastik ist die Baldachinbekronung cin lctzter Hinweis, daG die neue Rundplastik als Blockfigur, d. h. aus der Maucrmasse heraus, geboren wurdc, einst im Maucrblock drinstecktc und auch nach ihrer Emanzi-
Aus dcr MouumctUalkimsl entlchnte Formen 149 >57 Kanontafel. Evangeliar aus Saint-Medard-dc-Soissons. Hofschule Karls dcs GroBcn, Anfang 9-Jh. 156 Prophet vom Gewande dcs linken Wcstportals von Notre Dame. Chartres, Ile-de-France, ! 145-11 s S pation in dcr gotischen Saulenfigur (Abb. 156) noch ihren angestamm- ten Hxistenzraum wic cine Schalc mit sich flihrt. Das Motiv dcr baldachinbckrontcn Figur hat cine lange Gcschichtc hintcr sich, cs ist die Spczies dcs Arkadenmenschen, dcs hommc-arcade, wic die gliickliche franzosischc Wortpragung lautet, cine zuerst in dcr Spatan- tike aufkommende Gcstaltform (Abb. 155), die als cine Komplcmcn- tarerscheinung zum spatantiken Phanomen dcs Vcrschwindcns dcr frcistchendcn Statuarik zu werten ist. Die enge Verbindung, die die menschliche Gestalt damals mit dcr sic umschliclknden Arkadc cin- ging, ist durch alle ihre mittclalterlichcn Dcrivate in Plastik und Malcrci in Kraft geblieben. Die iibcrgcordnctc Arkadc bot dcr menschlichen Figur Halt und Stabilitat, die sie aus cigencr Kraft nicht zu cntwickeln vermochte. Als umrahmtc Form lied sich die Figur dcr Buchseite cingliedern. Die Arkadcnfigur ist erst auf dem Umweg iiber die romanischc Trumcau- und die gotischc Saulenfigur (Abb. 156) in die Buchmalerei hinubergewandert. Architektonische Formen und Strukturen waren aber in dcr Buchmalerei als Organisierungsmittel der Buchseite schon von alters her in Gcbrauch. Ich crinncrc hicr nur an die Arkadcnstel- lungen der Kanontafcln40 dcr Evangeliare (Abb. 157) und an die ver-
150 Exkurs schicdcnen Uogcnstcllungcn. unter dencn die Evangclisten und andcrc Autorenfigurcn in Frontispizcn (Abb. 35. 36) Platz zu nehmen pflc- gen. In diesem Zusammenhang miissen cin paar Worte iiber das Vcrhaltnis von Bild und Rahmen in der spatantiken und dcr mittcl- alterlichcn Buclinialcrei gesagt vverden. Die antike Buclinialcrei hat sich allc Rahmen- und Zierformcn aus der Monunicntalkunst geholt, nicht nur die Motive, das Zicrvokabular, sondeni aucli die Art ihrer Verwendung. Fur den Buchtitel vervven- dete sie die Inscliriftrahmungen. die sicli bei Grabaltaren und bei anderen Anlasscn nionunientalcr Epigraphie eingeburgert batten, cin von eincin liaufig als Schleifenkranz gcbildeten Lorbeerkranz uni- schlossenes Medaillon (Abb. 158). Statt der Inschrift konnen auch cbristlichc Synibole als Fronternblcni der Handschrift fungieren41. Wo imnicr vvir solelie Medaillontitel in mittclalterlichcn Handschrif- ten fmden. kauni iiber die karolingischc Epoclie hinaus und in Byzanz bis ins io.Jahrhundert. miissen wir auf cine Anlchnung an antike Vorbilder riickschlicBcn. Nach vieljahrbundertlanger Pause hat erst die Buchkunst des italienischen Humanisnius sich vvieder auf diese Titclaufmachung besonnen, vielleicht. oline antike Bcispiele von Buchtitcln zu kennen, einfach in kongcnialcni Wicdererschaffen aus tiefer Wahlvcrwandtschaft (Abb. 159). 158 Titelseice. Wiener Dioskurides, Herbarium. Byzanz, 11 m 5 12 Tiielseiie der Komodic:. von Terenz. Florenz, 14^»-
Aus der Mommentalkunst entlehnte Formen i 5 i 160 Titclseite, Filocalus-Kalendcr. Kopie dcs romischen Kalendcrs von 354 161 Titclblatt zum Matthaus-Evangelium. Evangeliar, Echternach (?), Endc 8.Jh. Die antikc Buchmalerci hat noch einc andcre Form des Buchtitcls gckannt, die aber im Mittelaltcr kaum Anklang gefunden hat. Ich meine das Motiv des von zwei Putten oder Gcnien uns cntgegengchal- tenen Titelschildes, der Tabula ansata, wie es im Frontispiz dcs Filoca- luskalendcrs vomjahre 354, in der Nachzeichnung des heutc verschol- lcncn Originals, zu sehen ist (Abb. 160). Nicht die Buchseitc tragt die Schrift, sondern ein auf der Buchscite abgcbildetes Objckt. Ein spezifisch antiker Gedanke: nicht einmal der Schrift wird crlaubt, flach zu sein, auch sie wird, wenigstens indirekt, vcrdinglicht. Im Mittelaltcr hat diese Idee begreiflicherwcise nur sporadisch ein Echo gefunden. Einc rclativ starkc Rcsonanz ist noch in cinem vorkarolingi- schen Evangelienbuch von Trier zu spiircn (Abb. 161). Hicr erschcinen auf dem Titclblatt dcs Matthauscvangeliums die Erzcngcl Michael und Gabriel und halten dem Lcscr qua Beschauer cine Tafel mit dem Incipit entgegen. Die Tafel scheint schwcr zu scin, und damit die Engel beim Emporhalten nicht ermiiden, ist noch ein solider Pfciler untcrschobcn. Es ist ganz offenbar einc getreu sein wollendc Repro- duktion eines spatantiken bzw. fruhbyzantinischcn Vorbildcs, und das Paradoxe daran ist, dab sie von cinem eingewanderten insularcn Kiinstler ausgcfiihrt worden ist, dem rcine Schriftincipits das Gelau- fige waren. Wenn unser Motiv in der ottonischen Buchmalerei noch einmal auftaucht, ist die Schrifttafel, die die Engel halten, kaum mehr ein greifbarcs Objekt (Abb. 162). Das Format der Tafel ist von dcr Buchscite abgclcitet, die Engel prasenticren cine Buchseitc und das Halten ist einc blobc Geste geworden.
I.S2 Exkurs Wic in ahnlichen Fallen so hat auch in diescm der Humanismus der Friihrcnaissancc die altc Formcl wiederentdeekt und ihre Bcdeutung wiedcrerkannt: Schrift nicht auf das Pergamentblatt hinzusetzen, son- dern sie als Inhalt cines dort erscheinenden Bildes vorzuFinden, als ctvvas primar Schaubares, nicht Lcsbarcs. In dem man mochte fast sagen archaologischen Milieu Paduas, im Umkreis Squarcioncs, des ersten Bcsitzcrs und Sammlers von Gipsen nach antiken Skulpturen, und seines groBen Schulers Mantegna hat man denn auch Buchtitel more antico entworfen, die vvohl sclbst einem antiken Codex alle Ehre gcmacht hatten. Auf einem dieser Paduaner Buchtitel (Abb. 163) crblickt man cine Marmorbasis, auf der zvvei prunkvolle Kandelabcr stehen, an deren oberes Endc ein Bogen Papier bzw. Pcrgament geheftet ist, den zwei Puttcn zu cntrollcn im Begriff sind. In einem andcrcn Beispiel halten dicse Puttcn einc gerahmte Marmortafel, auf der zwei antike Mtinzcn und ein groBcr metallcner Kapitalbuchstabe aufgeheftct sind, wahrend die Fortsctzung auf ciner Rolle darunter zu lesen ist42. Den groBtcn Erfolg hattc die Idee, einen Bogen mit 162 Schrifttafol zur Majestas Domini. Codex aureus von Echternach. Echternach, vor 1039
Aus der Monumentalkunst entlehnte Formen 153 der Titclinschrift an einer altarartigcn Struktur anzuhcftcn oder von Putten hcrabhangen zu lasscn. Die Buchscitc hat sich in Bildraum vcrwandclt, in dem man wie ein Plakat cinen bcschrifteten Bogen erschaut (Abb. 164). In den Titclkupfcrn barocker Bucher gibt cs bckanntlich ein Nachspicl dieser Formidcc: Da lassen etwa in einer idyllischen Landschaft Putten im Fliegen ein Tuch mit dem Buchtitel in der Luft flattem43; oder die letzte Metamorphose dcs Motivs in der Schau dessen, der wehmiitig auf die versunkene Hcrrlichkcit der Antike zuriickblickt, Piranesis Frontispiz: in cinem Triimmerfeld entdeckt man cinen geborstenen Fclsblock, in dem Name von Buch und Autor eingegraben ist44. 163 Titclseite. Basinio dc'Basini, Astronomicon, Padua, vor 1460
54 Exkitrs ,X ' ,uM\^ JOSEPH I DL BELLO IYDAKs ^VM POTT 4' IsL DIVIDE |К EE EO ТЕ tiJMmm ^poitl ju' i i i o i \ у;юе\ л P IHOLOMEO SEXTO \NTI OA'I L PI PI EWES ^ ) i > j -»i ’V . i V ! W I EM !! ' N ОТ ENT IО Dl PO I I N 1 l.\ Q^OI) I ION ЕЛ I V S CEVESQ GRAVEltB jilmi rpunufkiln jvlhj piMhiit robir fVlnib 164 Titclscitc. Josephus Flavius, l)e bcllo judaico. Budi 1. Lauro Padovano (Padua), 2. Halftc 15.Jh.
Didaktische Bildseiten Um die Eigenart dcr mittelalterlichen Buchmalerei zu crfassen, um nicht in den Fchler zu vcrfallcn, sie nach unseren Sehgcwohnheiten zu beurteilen und als bloG verkleinertc Monumentalmalcrei zu behan- dcln, bestenfalls als Ersatz fur vcrlorengcgangcne Freskcn oder Tafel- bilder, haben wir uns zunachst auf allc jene Formen des Buchschmucks konzentriert, die spezifisch sind und in anderen Gattungcn der Malerci nicht vorkommen: die ureigenen Gcstaltungsformen dcr Buchmalerei wie Initialc, Bordiire, Kanonbogen, Buchtitel und anderc. Wir haben allc Verfahren kcnncngelernt, die entwickelt wurden, um bildlich darstcllcndc Formen im Organismus der Buchscite zu assimiliercn, ctwa jene Angleichungen der Schriftzeichen an Gegenstandlichcs und, umgekehrt, die Auflosungcn und Metamorphosen des Gcgenstandli- chen in symbolhafte Zcichen und Ornament. Jctzt aber wollen wir den Sticr bci den Horncrn packen und nach dem Wescn jener mittclal- terlichcr Buchbilder fragen, die cs verschmahen, sich zu maskieren, sich hinter erborgten Formen zu vcrstccken, um sich im Herrschafts- bcreich des geschricbencn Wortes Existcnzberechtigung zu erwirken. Kurz, was ist buchbildhaft an den Vollbilderti, die schon von der spatantiken und vorkarolingischcn Epochc ab die Bucher schmiicken? Wclche kimstlerische Mission crflillen sic? Zunachst muB sofort betont werden, dab diesc kiinstlerische Mis¬ sion nicht glcichbedcutend ist und nicht vcrwechsclt werden darf mit dcr Funktion dcr Bilder als Instrument der christlichcn Religion oder rcligioscr Aktivitaten. Diese religiose Funktion ist von seiten dcr romischcn Kirche bckanntlich bereits im 6.Jahrhundcrt von Papst Gregor dem GroBen uniiberbietbar pragnant formulicrt worden. In der in cincm Brief an den Bischof von Marseille enthaltencn Apologie bildlicher Darstellung in dcr christlichcn Welt crklart Gregor, die Bilder hatten einen didaktischen Sinn, sie seien die Bibel und die Hagiographie der Analphabeten, statt schriftlichcr bildlich-anschauli- che Mittcilung32. Mit dieser Definition wiirde man natiirlich in Vcrle- genheit geraten, nahmc man cine christlichc Welt an, in der es kcinc Analphabeten gabe. Fur unscr Problem ist aber etwas anderes ent- scheidend: Trager dieser Funktion ist nicht nur die Buchmalerei, sondern alle bildlichc Darstellung und in Gregors Zcit die Monumen- talkunst in erster Linic. Auch sic ist Mittcilung in Bildern, dies ist kein Privileg dcr Buchkunst. Die friihesten typologischen Darstellun- gen, von denen wir horen, in denen die Vorwegnahme des Ncuen durch das Altc Testament ad oculos demonstriert wird, sind Wcrkc monumcntaler Kunst. In der Buchmalerei setzt die groBe Mode typo- Jogischen Darstellcns erst im i2.Jahrhundcrt cin.
>6 Didaktische Bildscitat Wahr ist frcilich, daB das Buch der gcgebcne Ort war, in dem das idaktischc Kunstwcrk durch die Kombination von Wort und Bild □ seiner mannigfaltigsten und hochsten Entfaltung kommen konnte. Jnd ferner, daB es Buchbilder waren, in denen das thcologische tudium einen willkommenen Lehrbehclf schen muBte. Im hohen littelalter schrcckte man nicht davor zuriick, komplizierte philoso- hische Systeme der Welterklarung bildlich darzustcllen, also das, was dr metaphorisch WeltMd nennen, tatsachlich als Bild vor Augcn u flihren. So besitzen wir in ciner Regensburger Handschrift des 2.Jahrhunderts cine Darstellung dcs Mikrokosmos (Abb. 165). Es ist cr bildliche Niederschlag ciner uralten Tradition, die ihre Urspriinge 1 den Kosmogonicn und Kosmologien des alten Orients hatte und ie die mcnschliche Gestalt als Spiegel des Univcrsums verstanden dssen wolltc. Antike Astrologic, die cin Gcdankcngcbaude iiber den influB der Gestirne im Weltall auf das Lcben des Menschcn errichtet attc, also den EinfluB des Makrokosmos iiber den Mikrokosmos, atte dieses Gcdankcngut dem Mittclaltcr vermittelt. Die Rcgens- urg-Prufcningcr Zcichnung ist eine Darstellung der Konkordanz
Kosmosdarstelhmgeti 157 zwischcn den Tcilen des menschlichcn Korpers und den Tcilen des Makrokosmos, also cine Variantc der aus der Bibel bekannten Vorstel- lung voni Menschcn als nach Gottes Ebenbild gcschaffen. <Es ist die Wicdergabe eines Menschcn und nicht diejenige von Christus, der >Kreuznimbus< tauscht, die Strahlcn sind lediglich zur Bcschriftung angcbracht worden.) Die Beischriften sagen uns, daB die FiiBe dcs Mannes der Erde gleichzusetzcn scicn, seine Knochcn den Stcinen, seine Nagel den Baumen, scin Haar dem Gras, seine Brust der Luft, sein Bauch dem Meer und sein Haupt dem Himmcl. Zu diescr Mikro- kosmosdarstellung hattc es cigentlich gehort, daB cine andcrc Glei- chung zwischen Makro- und Mikrokosmos vordemonstriert wird, namlich daB bei geoffneten Armen Breitc und Hohe des Menschcn identisch sci, genau wie die Dimcnsionen der Welt, die sich so in cincn Krcis einschreiben lassc. Eine verwandte Miniatur aus dcrselben Zeit zeigt diesc Form des Mikrokosmos mit der Gleichsctzung dcr MaBe (Abb. 166). Ubcrdics ist die mcnschlichc Figur hicr zu den vicr Elcmenten und den vicr Windcn in Beziehung gesetzt. Dem Priifcningcr Zcichner war es aber mchr darum zu tun, die Gestalt durch zcntrifugalc Spruchbander in den viercckigcn Rahmcn zu ver- spannen, dcssen Winkel von den vicr Elcmenten besetzt sind. 166 Der Mcnsch als Mikrokosmos mit den vicr Elcmenten und Windgottern. Astronomischc Traktatc, Priitening, 3.Viertel !2.Jh.
158 Dtdaktische bildseiten Vicl ambitionicrtcr noch als dieses Bilddiagramni ist cine ungefahr gleichzcitige, aus dem Kloster Michelsberg bci Bamberg stammende, aber wahrschcinlich im Maasgcbiet entstandene Miniatur, die einen »Clavis physicae« (Schlussel dcr Natur) bctitcltcn Traktat des Honorius Augustodunensis illustricrt (Abb. 167), ein Traktat, das scincrseits das im Geistc Platos konzipierte Weltbild des Iren Johannes Scotus Eriu- gena, eines der groGten mittelaltcrlichcn Denkcr, widerspiegelt. Die vier Register dcr Miniatur bedeuten die vicr Naturcn der Schopfung. Das oberste cnthalt in einer Art Limettenflillung die »primordiales causac«, das sind die Prinzipien aller Dinge, das was crschafft, aber sclbst nicht crschaffen worden ist. Nach dem Muster dcr Sapicntia, dcr gottliehen Weishcit, und ihrer sicbcn Tochtcr crscheinen die Ma- nifestationen der Gottheit - Justitia, Virtus, Ratio, Veritas, Essentia, Vita und Sapicntia - als Halbfiguren um das gckrontc Wesen dcr supercsscntiellcn Bonitas als Zcntralfigur gcschart. Daruntcr, in dcr zweiten Rcihc, erblicken wir die »effectus causarum«, das was erschaf- fen ist und seincrscits schafft, und zwar als Inhalt dreier Mcdaillons: links eine Pcrsonifikation der Zeit. rechts einc des Raumcs, die Mittc aber wird von einem vierkopfigen, nach Art eines Wirbelmusters vereinigten Amalgam cingenommen, mit dem laut Umschrift die noch ungeformte Matcric gemcint ist. Wiedcr cine Stufe daruntcr ist untcr vier Arkaden die «natura crcata«, die erschaffcne Natur, zu schcn, die Engel, Vogel, Fischc, Pflanzen, Ticrc und Menschcn, die Geschopfc, die sclbst nicht wieder erschaffen konnen, die geformte Matcric. Den unteren AbschluG bildet cine umgckchrtc Lunette mit dcr Biistc der nimbierten Gottheit, die in ihren Handen alle Fadcn dcs Universums halt. Die Beischrift »finis« spielt an auf die Worte des Honorius Augustodunensis: das Wort Gottes, in dem Anfang und Endc aller Dinge bcschlossen ist (»univcrsalis quippe totius creature finis Dei verbum est«)45. Ich lasse cs dahingestcllt, ob mit einem solchen Bilddiagramm, das zur Not die Hierarchie der durch Pcrsonifikationcn und Symbolzei- chen angedeuteten abstrakten Kategorien vcranschaulicht, mchr als ein mnemotcchnisches Hilfsmittel gewonnen worden ist. Naher der Kunst sind wir in den Fallen, in denen Weltanschauung nicht als trockenc Philosophic, sondem als visionare OfFcnbarung dargeboten wird, wic etwa in den Illustrationcn dcr Schriften der rhcinischen Nonnc Hildcgard von Bingen (Farbtafcl xxiv). Denn hicr sind die Einsichtcn, wic die Autorin in dcr Vorrcdc selbst betont, nicht aus einer andcrcn Lchrc (»dc alia doctrina«), sondern iiber den Weg des lebendigen Lichtcs (»per viam viventis luminis«) gewonnen worden46; nicht in thcologischen Spekulationcn hat Hildcgard sich ihr Weltbild erworben, sondern in spontancr Erleuchtung. »Das Ubcrsinnliche wird«, wic es in einer Studie iiber ihr allegorischcs Weltbild heiGt, «nicht in dialektischcr Entwicklung verfolgt ..., sondern in seinem Wesen durch cin bestimmt umschriebencs Bild vor Augen gestellt.«47 Einc Theologie in Bildern. Mit anderen Worten, das Bild ist hier keine Kriickc, cs ist als visionare Eingebung die urspriingliche Form dcr Gedankenkomplexc, das gcmalte Bild ist der Vcrsuch, dem Icibli- chen Augc zuganglich zu machen, was das innerc Auge geschen.
Kosmosdarstellungen 159 167 Die vicr Naturen der Schopfung. Honorius Augustodunensis, Clavis physicae, Maasgebiet (?), Mitte i2.Jh. Nicht andcrs als in den Illustrationen dcr Offcnbarung des Johannes, die als literarische Gattung an dcr Spitze oder besser am Quellpunkt diescr spezifischen Mitteilungsformen rcligiosen Erlebens sich be- fmdet. Auch in der Kosmosvision der Hildegard (Abb. 168) ist vieles, was hinzugewuBt, assoziicrt werden muB, was also nicht unmittelbar sinnlich anschaulich ist. Das groBc Oval, dcssen auBercr Rand von lichtcm Feucr erflillt ist, soil die Gotteskraft sinnfallig machcn, »wel- che die Mcnschcn auBerhalb des Glaubcns rachend heimsucht, den Rcchtglaubigcn aber das Feucr dcs Trostes und der Lauterung sen- det«48. Ein Stern in dicser Zone bedeutet Christus und seine brennende Liebe, das Drcigestirn dariiber die Trinitat. Die Windc, die von diescr Fcuerzonc ausgehen, sollcn ein Gleichnis flir die Verkiindigung Gottes durch die Prcdigt sein. Wenn unscr Augc nun von dicser auBeren
i6o Didaktischc Bildseiten 168 I )as Wcltcnci mit aunospharischcn uiui planctarischen Ringzonen. Hildcgard von Bingen, Scivi.iv. Siiddcutschland. uni 116 s Zone in das Inncrc des mandorlatormigen Ovals cindringt, passiert es zuerst einen Streifen dunklcn Feuers. das Wirken des Teufels, uni dann in die lichtere. sterneniibersatc Sphare des Athers des Glaubens zu gclangen, in deren Mitte eine leuchtende Kugel sebwebt. die sich mit anderen Lichtkorpern, die die Kirche und die beiden Testamcntc symbolisieren, ihr Licht von den Gcsrirnen dcr alles umfasscndcn Zone holen nuiB4H. Noch viele andere Einzelgleichnisse sind in das 13ild vervvoben und wollen voin Leser mitwahrgenommen und ver- standen werden. Der Text der hl.Hildcgard ist Vision und deutender Kommentar zuglcich. Der Illustrator hat gedeutete Visioncn wiederzugeben ver- sucht, und so war es unvermeidbar, dab seine Bilder stark von nicht- visucllen, rein zeichcnhaftcn Elementen durchsetzt wurden, daB dcr allcgorisch-didaktischc Charakter iiberwog und die Miniaturen zu cinem bctrachtlichcn Teil Kuriositaten geblieben sind.
Illustration der Apokalypse Das Urbild dcr mystischen Visional der rhcinischcn Nonne Hilde- gard, die Apokalypse des nach Patmos verbannten Johannes, hat einc Menge unvisuellen Gchaltes in sich, aber scin Ursprung ist cin ganz andercr, liegt nicht in der Vcrstandeskalte cincr wenn auch mystisch gefarbten theologischcn Spekulation, sondern hat seine Wurzel in dem Umstand, daB dcr Autor der Apokalypse, wie auch diejiidischcn Seher vor ihm, die Verfasscr dcr Bucher Daniel, Henoch usw., einer Zivilisation entstammten, die bildlos war. Die iibcrhitztcn Phantasicn dieses Litcraturgenres kannten die Schranken dcs visucll Moglichcn nicht. Es war nun offenbar gerade die Aufhebung allcr Kausalitat, die jeder Anschauungslogik spottende Hemmungslosigkcit diescr Wach- traume und Fiebcrphantasien, was - bczcichnendcrweise nicht im griechischen Ostcn, aber im latcinischen Wcsten - das ganze Mittelal- ter hindurch die bildlichc Phantasic zur Gestaltung gcrcizt hat. Da gerade diescr Stoff zu wicderholtcn Malen wahre Bildcrbiichcr spezi- fisch mittelaltcrlicher Pragung hervorgebracht hat, und daruntcr ei- nige dcr bcdcutendstcn Kunstwcrke des Mittelaltcrs sich befinden, dlirfen wir nicht versaumen, auf den phantastischen Irrcalismus dieser Bildschopfungen einzugehen. Aus Kopien, die um 800 entstanden sind, dlirfen wir schlieBen, daB die Offenbarung desjohannes - eine in dcr Ostkirche nicht anerkannte Schrift - schon in der Spatantike illustriert worden ist. Aber obwohl diese Bilderfolge schon einer Phase stark barbarisierter Antike ange- hort haben muB, waren die klassischen Bindungen noch zu stark, als daB die Reaktion dcr Illustratoren auf die Metaphysik dcr Geschichte desjohannes zu Positiverem hatte flihren konnen als zu einer Schau- stcllung dcs Zcrfalls der antiken, natiirlichen Anschauungslogik, wie es etwa die nach friihehristliehen Handschriftcn kopierten Apokalyp- sen von Cambrai und Trier zeigen (Abb. 169, 170). Eine der GroBc der Visionen adaquate Originalitat des Bildkiinstle- rischen kam erst im Friihmittelalter zustande, gegen das Endc des 8.Jahrhunderts, als in Spanien ein ncuer Kommentar der Apokalypse erschien, als dcssen Autor Beatus von Licbana zcichnctc. Es gibt nur illustricrte Exemplare dieses Buchcs, woraus mit Sichcrheit geschlos- sen werden kann, daB diese glossiertc Apokalypse von Anfang an als Bilderbuch ediert worden ist. Das Bcispiel, auf das ich naher eingchen mochte (Farbtafel xx), ist aus weit spatcrer Zcit - es ist einer knapp vor 1100 entstandenen Beatus-Handschrift von Santo Domingo dc Silos entnommen -, aber die mozarabische Kunst, die Kunst des christlichen Spanien unter arabischer Hcrrschaft, hat ihren Stil mit
i62 Illustration der Apokalypse unerhorter Zahigkcit durch Jahrhundcrte nahczu unverandert beibe- halten, ahnlich wie die irische, und ahnlich wie dicse ist sie im wesent- lichcn einc Manifestation dcs vorkarolingischen Kunstwollens49. Der Gcgenstand unscrer Miniatur ist die Lammanbctung durch die vier- undzwanzig Altcsten. Es ist in der Handschrift bereits die zweitc Illustration der Vision dcs 4. Kapitels, offenbar angcrcgt durch den Szencnwcchsel im Verlauf der Visionsschilderung. Genauso inkonse- quent wie der Sehcr selbst, vcrgiBt dcr Miniator, daB von den Sitzcn der vierundzwanzig Altcsten rings um den Thron dcr Gottheit die Rede war und laBt die Halfte von ihnen um cin Lamm-Mcdaillon kreisen (Ap. 4, 4). Zum Ausgangspunkt der Darstcllung ist die Stclle des Tcxtes genommen, in der Johannes in der Mittc dcs Thrones und der vicr Lebewescn (Zoa) und in dcr Mittc der Altestcn das Lamm stchen sicht, das die Siegel des Buches zu losen vermag (Ap. 5, 6). Dcr Kiinstler hat darin den AnlaB fur eine radialc Komposition gesc- hen, die fur alle Figurcn, die Altcsten wie die vicr Zoa, einzig die Bcziehung zur zcntralcn Figur dcs Lammcs fur ausschlaggcbend halt und Fragen wie die der raumlichen Vcrankcrung dcr Figuren auf einer Bodcnlinic, auf einer Trag- odcr Sitzflachc souveran ignoriert. Man braucht nur cincn Blick auf die cntsprechendc Illustration in dcr Apokalypse von Trier (Abb. 170) zu werfen, die ein fruhehristliehes Wcrk italicnischcn Ursprungs kopiert, um das grundsatzlich Neuc und spezifisch Mittclalterlichc dcr spanischen Bildschopfung zu erfas- sen. Dort ist die Vision des Lammcs noch ganz in der Perspcktive eines Erdenbcwohncrs crschaut. Die vierundzwanzig Altesten stchen auf der Erde, dariiber schwcbcn die Engel, und alle blickcn zum Himmcl iiber den Wolkcn auf, in dem die vicr gefliigclten Lebewescn den Clipcus mit dem Lamm flankieren. Ungeachtet dcs cschatologi- schcn und transzendcntalcn Charaktcrs des Vorwurfs ist die bildkunst- lerischc Betrachtungswcisc noch immer eine gcozentrischc. Unten ist Erde und oben Himmcl, das Bildfeld ist ein, wenn auch ein sehr verflachtcs, Simile des Realraumcs. Die Thcophanie dcr spanischen Apokalypse (Farbtafcl xx) begibt sich im Nirgendwo und iibcrall. Alle Einzclcrschcinungen sind vom Zentrum aus organisiert - man darf einc solche Darstcllungsweise mit Fug und Rccht als Ausdruck einer thcozentrischen Weltanschauung ansprechcn. Auch die Engel nahe dem unteren Bildrand sind vom Zentrum des groBen Weltradcs her ausgcrichtet, nicht in einer luftigen Hohe, zu der wir hinaufschauen. Und wenn dcr Allmachtige in seiner von fliegenden Engcln gchaltenen Gloriole das Weltenrad bekront, so ist es ein Dominieren und zugleich auBerhalb der Schopfung Sein, das damit symbolisiert wird. Auch hat der Urhcber dieser Komposi- don - dcr natiirlich nicht mit dem Miniator der Handschrift von Santo Domingo de Silos idcntisch ist und mchr als ein Jahrhundcrt friiher gclcbt haben muB - mit den zwei gottlichen Wcscn, dem Lamm und dcr Majestas, dem kalcidoskopischen Wcchsel der Gottcs- crscheinung, die der Text mit dcr Unlogik von Traumgcsichtcn schil- dert, gcrccht werden wollen. Denn dcr Scher berichtet erst von cincm auf dem Throne Sitzcnden (Ap. 5, 1), aber dann, als niemand das Siegel des Buches zu offnen imstande ist, spricht er plotzlich von dem 169 Sonncnweib und Drachc. Apokalypse von Cambrai, Frankreich. 2. Halfte 9-Jh.
Beams von Liebana 170 Lamrnanbetung. Apokalypse von Trier, Frankrcich, 1. Vicrtel y.Jh. Lamm inmitten dcs Thrones (Ap. 5,6). Die Unempfindliehkeit gc Widcrsprliche im Nacheinander der Erzahlung wird wettgema durch die Unempfindliehkeit des Buchmalers gegen den Widcrspr der raumlichcn Trcnnung von Lamm und Thronendem, die cinan ablosend an dersclbcn Stellc erscheinen sollen. Zeit ist hier Ra geworden. Aber dicse mozarabischc Darstellungsweise ist auch empfindlich gegenuber dem Unterschicd von Ruhc und Bewcgu Von den Altestcn stchen acht paarweise radial vertcilt in allc Windri tungen, in den vicr Intervallen aber ist jewcils ciner flach ausgestre denn im Text heiBt es, dab sie, als sie das Lamm erkannten, niederwarfen (Ap. 5, 8). Damit sind nun viermal Parallelcn 2 Umfang dcs Krcises geschaffen und Impulse gegeben, das Ganz roticrendcr Bewegung zu sehen. Nicht die Bewcgung des Einzeli das sich Hinwerfcn, auch nicht das Umfliegen der Lebewcsen v veranschaulicht, sondern das in sich ewig Krciscn des Ganzcn.
164 Illustration der Apokalypse All dies bcgibt sich in dcr Schauebenc dcr Buchscitc, nicht in eincm imaginaren Raum, auch nicht in cincm flachen Abklatsch cines solchcn, wie in den mittelaltcrlichcn Kopien der spatantiken Apokalypscnillustrationen (Abb. 169, 170). Die Miniatur ist cine Mu- sterung der Buchscite. Die dekorativ-formale Funktion ist das primarc Stilprinzip, das Gcgcnstandlich-Inhaltliche bestimmt die Wahl dcr Gesamtform dcs Musters, die Gesamtplanung, und diktiert die Ausge- staltung und Diffcrenzierung im cinzelncn. Eine abstraktc Farbigkeit (Farbtafel xx) - Gclb und Rot kontrastiert mit Braun- und Schwarz- griin als den starksten Akzcnten - ist die Hauptstiitze dcr dekorativen Ordnung und vermag doch wiederum ihrerseits Bcdeutungsgchalte dcr Miniatur zuflieBcn zu lassen - man achte nur etwa auf das rote Krcuz, das durch die roten Engelsflugcl dcr vicr Zoa gebildct wird, sie bringen ein stabilisicrcndes Moment in die vorhcrrschendc Radbe- vvegung. Voraussctzung flir das Primat dcs Musters ist die Entgegcn- standlichung allcr organischcn Form, namentlich dcr menschlichcn Gestalt, deren Drapericn den Vorwand zur Formung gestreifter, meist mehrfarbiger anthropomorpher Bandwesen geben. Bis in die Einzel- form hinab ist alles flachenhaftcs Muster, dessen Planung und Detail- gestaltung jedoch gegenstandliehen Symbolwert besitzen. 171 Anbetung dcr Majcstas Domini durch die 24 Altesten. Bamberger Apokalypse. Reichenau (?), 1000-1002
Ottonische utid etiglische Apokalypse 16 172 Anbetung der Majcstas Domini durch die 24 Altcsten. Lambeth-Apokalypsc, Englisch, Ende 13.Jh. Vcrglichen mit dcr spanischen Apokalypsenillustration stellen all spateren Behandlungen dicser visionaren Themcn Kompromisse mi der natiirlichen Anschauungserfahrung dar. Das gilt schon von de ottonischcn Apokalypse, dcren Fassung dessclben Themas, de Lammanbetung (Abb. 171), bereits ein Kompositionsschema bietet welches sich von dem einer Himmelfahrt Christi durch nichts unter scheidct. Nicht minder gilt das fur die cnglischcn Illustrationen de i3.Jahrhunderts50, deren Lammanbetungsvision (Abb. 172) bereit die Majestastympana dcr romanischen und friihgotischen Monumcn talskulptur zur Voraussctzung hat (Abb. 173), nur legt das viercckig 173 Anbetung dcr Majcstas Domini durch die 24 Altestcn. Moissac, chem. Abtcikirche Saint-Pierre, Tympanon des Siidportals, Siidfranzosisch. n20-1135
166 Illustration der Apokalypse Format der Buchseite einc andcre Flachenaufteilung nahe als die Felder rund- odcr spitzbogiger Tympana. Die Buchseite wird in gcometrisch regelmaftigc Felder unterteilt, deren untcrer Rand jcweils als Bodenlinic oder Standflache sitzcnder odcr stehendcr Figuren erscheint. Das Ganze ist allcrdings durch die alternierende Farbung des Hintergrundes zu cinem flachcnhaften Muster zusanimengespannt (in unsercm Fall ein blau-rotcs Schachbrettmustcr). In den spateren Exemplaren dcs englischcn Bilderbuchcs der Apokalypse (Farbtafcl xxv) ist man dazu iibergegangcn, die Visionen crstmals als Licht- erscheinungcn aufzufasscn. So seltsam es ist, die bildliche Phantasic hat sich an dieser vordringlichstcn Eigentiimlichkcit der sprachlichen Unterlage bis dahin nur ausnahniswcise entziindet. Visionen sind an sich Erlcuchtungcn, wic auch unserc Sprache sagt, und die sprachli- chcn Gleichnisse des neutestamcntlichen Sehcrs sind voll von Schildc- rungcn spczifisch optischer Phanomene wic dcm Fall von Hagel (Ap. 16, 20) odcr dem Regen von Fcuer und Asche vermischt mit Blut (Ap. 8, 7), oder brennenden Bergen, die ins Mccr stiirzcn (Ap. 8, 8), odcr dem Rcgenbogcn, der iiber dcm Kopf eincs Engels schwebt, dessen Gcsicht wic die Sonne und dcssen Fiiftc wie Fcucrpfeiler sind (Ap. 1, 15 Г.), und ahnlichen luminaristischen Gcsichten. Die altc spanische Apokalypse (Farbtafel xx) hat zwar als durchgehcndc Grundfarbe ckstatische Tone - Schwefelgclb und Karminrot - gc- wahlt, aber cine Individualisicrung der Lichtsituation lag ihr fern, cs sei dcnn daft, wenn von Feucr vermischt mit Blut die Rede ist, ein Teil des Bildgrundcs blutrot gefarbt erscheint. Erst cnglischc Bildcrzyklen vom Ende dcs I3.jahrhundcrts gehen darauf aus, die atmospharischen Sensationen der Erzahlung zum Kern der bildlichen Darstellung zu machen - in Vorwegnahmc malerischcr Errungenschaften der neu- zeitlichcn Kunst, natiirlich nicht ohne die farbigen Valcurs durch Rhythmisierung und Stilisierung ornamental umzuwerten.
Illustration des Psalters Ncbcn dcr Apokalypse hat es noch eincn anderen Text gegeben, der die bildkiinstlcrischc Phantasic dcr Buchmalcr mit dem Bildgchalt seiner Sprache in schopferische Erregung versetzt hat: den Psalter51. Dabei meinc ich an dicscr Stelle nur jene Psalterillustrationcn, die nach dem hochst sonderbaren und zutiefst mittelaltcrlichen System der Wortillustration erfunden worden sind. Dcr Bilderreichtum dcr Psaltersprache ist nicht der cincs Visionars, cincs Entriicktcn, wach Traumcndcn, wie derjenige der Offenbarung des Johannes. Er beruht vielmehr auf der unerschopflichcn Erfindungskraft und dem extrava- ganten, nimmermiiden Gebrauch von Glcichnisscn, die wesensmabig Unanschauliches wie die Macht, Hcrrlichkeit, GroBc, Giite, Allwis- senheit des Schopfers, Gottvcrtraucn oder die Verworfcnheit, Nied- rigkeit, Gemeinheit des Boscn im Simile erschauen lasscn und sinnlich spiirbar machen sollcn. Die oricntalische Exaltierthcit der Psalmcn- dichtcr - die Psalmcn Davids sind bckanntlich das Werk mehrerer Autorcn, nicht cincs einzigen - iibcrspringt die Schrankcn allcr Sin- nesspharen, so dab in poetischer Lizenz viclcs gesagt wird, was man, horte man es in den prosaischcn Wortcn der Alltagssprache, als schic- fen Vcrglcich bczcichnen wiirdc. Am fremdartigsten klingt uns diese Sprache dann, wenn das Glcichniszeichen sozusagen unterdriickt wird und das Verglichene dcr cinen Gegenstands- oder Sinncssphare mit dem zu Vergleichendcn dcr anderen dirckt in Bezug gesetzt wird. Etwa, wenn cs heibt: »Aus dem Mundc von Kindern und Sauglingcn hast du ein Bollwerk gcmacht« (Ps. 7,3) oder »Ihrc Sprache ist iiberheb- lich. Sie haben ihren Mund gegen den Himmel gesetzt und ihre Zunge geht durch die Erdc« (Ps. 72,8 f.). Die mittelalterlichen Kiinstlcr haben diese Sprache jedoch als kongenial empfunden und in iiberra- schender Weise darauf rcagiert. Ein GroBteil des Wortschatzes allcr Sprachen ist bildlich und wird im tagliehen Umgang oder Gebrauch spontan bildlich verstanden. Wenn jemand sagt, meinc Lippen sind vcrsicgclt, wird es niemandem einfallen, auf den Mund des Bctrcffcnden zu schauen, ob auch wirk- lich ein Siegelwachs darauf klebt. Ubcrdics hatte er ja gar nicht reden konnen, wenn das, was er sagte, buchstablich wahr gewesen ware. Ebensowcnig wird jemand, der in den Psalmen zum Beispicl den Vers best »die Ungcrechtigkeit klebt an ihren Fingem« (Ps. 124,3) auf den Gedanken kommen, sich das Aussehen dicser Finger zu vergegenwar- tigen. Im Mittelalter aber ist man auf diesen wenn man will abstrusen Gedanken gekommen. Man hat zahlreiche Psalmstcllen nicht bildlich, sondern >wortlich< genommen, d.h. die Sprache bcim Wort genom- mcn, au pied de la lcttre, also den Bildgchalt der Worte unangetastet
168 Illustration des Psalters ins Bild iibertragen, hat das Bild der Sprache das Bild des Bildes sein lassen. Mit oft ganz kuriosen Resultaten. So ctwa, wenn cin byzantinischcr Buchmalcr die vorhin erwahnte Schilderung der Prahlcr verbildlicht, indem cr die Wortbilder des Psalms, die bis zum Himmel rcichendcn Miindcr und die bis zur Erde vcrlangertc Zungc, talc quale darstellt (Ps.72,9; Abb. 174). Oder wenn die Barmherzigkeit als ein almosen- spendender Mann wicdcrgcgcben wird, aus dcssen Haupt ein Gcbiisch von Zweigcn sprieBt (Abb. 175). Denn cr ist »der Gcrechtc, der griinen wird wie cin Palmbaum, wachsen wic die Zedcr auf Libanon« (Ps.91,13). Wir gebrauchen noch heute die Redcwendung, dafi je- mand floricrt, wir wissen um ihre abstraktc Bedcutung, aber dcr Bildsinn ist uns verlorcn gegangen, wir beniitzen sie als entsinnlichte Vokabel. Der Buchmaler hat zum Wort das Vcrhaltnis eincs, der sich dcs urspriinglichen Bildsinns entweder noch bcwuBt ist odcr wiedcr bewuBt geworden ist. Man spricht so vicl von dcr Abstrakthcit mittel- alterlicher Kunst. Aber in unscrcm Fall ist zwar der Bildstoff abstrakt, dargestellt werden soil Tugcnd und Lastcr, das Wesen des Darstcl- lungsverfahrens jcdoch ist wortgetreuc Vcrsinnlichung. Was herauskommt, wenn man bildliche Rcdewcndungen, die langst ausgelciert im Umlauf sind, bluternst nimmt, hat Brueghel in scinem Bild dcr Sprichwortcr52 gezeigt, in dem zum Beispicl das >mit dem Kopf gegen die Wand Rennen< odcr das >Roscn vor die Saue Wcrfcn< wortlich dargestellt ist. Was Brueghel da gcmalt hat, ist ein eklatanter Fall von Wortillustration. Aber es ist nicht ganz dassclbe wie im Mittelalter, denn seine Darstcllungcn haben ein andcrcs Vor- zcichen. Brueghel cnthiillt die Komik, die in den Wortbildern liegt, nahmc man sic ernst, und indem er sich naiv stellt und tut, als ob er jeder Wendung dcr Sprache >aufs Wort< glaube, zicht er das menschli- chc Treibcn und Tun ins Lachcrliche und cntlarvt die Vcrriicktheit der Welt. Die mittelalterliche Wortillustration hingegen ist nicht ein Werkzcug des Humors odcr der Gesellschaftssatire, dem Mittelalter ist cs ganz ernst mit dem Wort und darum eo ipso auch mit dem von diesem gcbrauchten Bild. Hicr miifitcn wir umgckehrt sagen: es sicht in den Wortbildern nicht Wahnsinn, sondern den wahren Sinn. Auch das Mittelalter glaubt, durch Wortillustration Enthiillungcn machen zu konnen, das in den Worten Vcrsteckte hcrauszuholen, cs benimmt sich etymologisch. Daraufaus, Gedankcn zu malen, nimmt es, anstatt Worte bildlich zu nehmen, ihre Bilder bcim Wort. -4 pi «/I :• fj 'fiSym. K&y* К j ^ovov 174 Illustration zu Psalm 72. Psalter, Illuminator Theodorus aus dem Kloster Studios, n.Jh. In den byzantinischen Randminiaturcn, denen unscre bishcrigen Bei- spiele dcr Wortillustration entnommen waren, ist dieses Vcrfahren eincs neben mehreren anderen dcr Psalterbebildcrung. Im Abendland wurde dieses Prinzip der Bilderfindung wiedcrholt auch zur Norm cincs ganzen Zyklus von Psaltcrillustrationcn genommen, der hervor- ragendste Vertrctcr dieser Gattung ist unstreitig der heute in Utrecht bcfindlichc karolingischc Psalter der Rcimser Schule, aus dem 3-Jahrzehnt des 9.Jahrhundcrts. Die bildlichen Zitate aus dem Psalter- text sind nicht wie bci unscren byzantinischen Beispiclcn verbin- dungslos iiber die Blattrander verstreut, sondern in ausgcdchnten
Das Prinzip der IVortillustration 169 175 Illustration zu Psalm 91. Psalter, Illuminator Theodorus aus dem Klostcr Studios, 1 i.Jh. 176 Illustration zu Psalm 68. Utrccht-Psalter, Reims, um 830 landschaftlichcn Szcnaricn als in ihnen spielende Einzclepisodcn zu cincr Pseudoeinhcit vcrcinigt. Auch dafiir hattc iibrigcns dcr karolin- gische Zcichncr byzantinische Vorbildcr53. Man muB sich vor Augcn halten, daB in den einzelncn Psalmcn koine zusammenhangende Gc- schichte crzahlt wird, sondern sich Stimmungen und Metaphcrn in loser Ideenflut jagen, kurz daB die cinzclnen Gcdichte, wenn iiber- haupt, cine rein gedankliche Einheit besitzen. Dcr oder die Meister des Utrecht-Psaltcrs lassen sich jevveils von cincr Anzahl der in dieser losen Ideenkctte vorkommenden Motive und Wortbildcr zur Illustra¬ tion anregen und bictcn eine Synopsis dieser an sich unzusammenhan- genden Bildmotivc, indem sie mit ihnen weitc Landschaftspanoramen bevolkcrn. Die von der Antikc ubernommenen illusionistischen Landschaftsprospekte sind das Simile dcr unbegrenzten Raumc, in denen die Gedankcn und Empfindungcn des Dichters ruhelos schwcifcn54. Es gibt keine bestimmte Ordnung, in der diesc Bilder zu lesen sind; die Abfolge dcr Gcdanken und Vorstcllungen wird aufgelost, um sich der Anschauungslogik des Scheinraums anzupassen, Szenen, die man sich am Wasscr, an FluB- und Meercsufern vorzustellen hat, werden nach unten versetzt, was auf Bcrgcshohcn oder gar in die Himmcls- spharen paBt, muB selbstverstandlich in der Bildhohc erscheinen und mag dann durch in die Mittelzonc versctztc Einzclepisodcn, die erst auf vicl spatere Verse Bczug haben, von den gedanklich enger dazuge- horigen Szenen unten getrennt sein. In dem bekannten Psalm, dcr als Gebct um Errettung aus den Tiefcn dcs Wasscrs gilt, »Salvum me fac...« (Ps.68) - spater gewohnlich abgekiirzt durch cinen David illustriert, der nackt, aber mit ciner Krone auf dem Haupt, betend aus den Wasserflutcn emportaucht (Abb. 150) - sieht man im Utrechter Codex zuunterst cinen Schiffbriichigen mit ausgestrecktcm Arm den Herrn um Hilfc anrufen (Abb. 176); cr konnte die Anfangsvcrse %'V ' D.&K : < • 1 * ' ■ Л: г * , V» j* , : ' i ■l: J \ Л > •*' i/ ~ ** 4Л ^ • *>> I •Л tr t .c;.v - • . • v •' ^ ■ • *. • v .-i I/ \ - .. u. \ / \ J цу . J V mC л ■;* Lwiii iviI’Robis quiuwimnv л шкцшОлшО
170 Illustration dcs Psalters gesprochen habcn »Hilf mir, Herr, denn das Wasser geht mir schon bis zur Kehlc«. Der Herr aber ist gcradc zu beschaftigt, um ihm ein Ohr zu leihen: er crteilt eben cinem von zwei Schreibern den Auftrag, jemand aus dem Buch dcr Lcbcndigcn zu loschcn; dicscr jemand sind die Boscn, die Feinde des um Hilfe flehcndcn Psalmisten, eine Episode, die erst im 29. Vers des Psalms erwahnt wird. In dasselbc Wasser, das den Schiffbriichigen von Vers 1 zu verschlingcn droht, stiirzen aber auch Tcilnchmer cincs Bankctts, aufdic Vers 23 anspiclt. Diesc Zusam- menstellung hat sich erst dcr Illustrator einfallen lassen, wcil cr das Wasser von dcr Szenc mit dem Schiffbriichigen zur Verfligung hattc. Wir schen, was in der Fortbcwegung dcr Gedankcn keine Beriih- rungspunkte aufweist, kann im Landschaftskontinuum in engstc Nachbarschaft geraten, ja cs konnen sich, wic eben im Fall dcr Ban- kettszene, vollig neue inhaltliche Momentc ergeben, die im Psalm iiberhaupt nicht vorkommen. Es scheint auch keincrlci Regel daflir zu geben, was odcr wievicl einem Psalmentext entnommen wird, noch wic intensiv oder extensiv die einzclnc Stelle verbildlicht wird. Versreiche Psalmcn konnen durch cine Vereinigung weniger bildlieher Momente illustricrt wer- den, umgckehrt konnen kurze Psalmen AnlaB zu episodenreicher Illustricrung geben. In dcr Illustration zu Psalm 11 (Farbtafel xvin, Abb. 10, 11) fallen zwei Gruppen von Figurcn in ungewohnlicher Bcschaftigung auf. Die eine bewegt sich um einen eincr runden Tischplatte odcr einer Schcibe ahnclnden Gegenstand, die anderc treibt ein Tourniquet an und halt cs in Drchung. Mit beiden Episoden ist dassclbe gemeint, namlich »die Frevlcr bewegen sich im Krcis« (in circuitu impii ambulant ..., Ps. 11,9), d.h. sie kommen nicht vom Fleck. Eine einzige Textstellc hat hicr zwei Illustrationen ausgelost. Ein Vergleich wic der beriihmte dcs Hirschen, den es nach dem Wasser diirstct wie die Seelc des Glaubigcn nach Gott (Ps. 41,2) <im Mittclaltcr mcist durch einen an eincr Quelle trinkenden Hirschen dargestellt und durch den Psalmisten, dcr mit eincr Hand auf den Hirschen als Vcrsinnbildlichung seiner Seelc weist, mit der andcren auf die Hand Gottes (Abb. 15)), dieser Vergleich kann ganz oberflachlich angedeutet scin durch die kleinc Szcne cines von den Hunden gehetz- ten Wildes (Abb. 177), andererscits konnen die Worte dcr Gcgner und Hasscr dcs Psalmisten »wer cinmal liegt, steht nicht mehr auf« (Ps. 40,9) sofort die neutcstamentlichc Auslegung, die Aufcrstchung Christi, im Illustrator wachrufen und ihm ein Vorwand scin, die Grabeskirche zu zeigen und nicht weit davon die Szcne dcr Bcgegnung des Auferstan- denen mit den zwei Frauen (Abb. 178). Dies ist nicht mehr Wortillu- stration im engeren Sinn, sondern Sichtbarmachung der durch das Wort hervorgerufenen Idccnassoziation. Das Merkwiirdige ist nur, daB dcrselbe Illustrator, dcr hicr den prophetischcn Sinn dcr Psalmen hcrausstreicht, also typologisch-allegorisch denkt, sich genauso oft der naivsten Wortillustration bedient, wie etwa bcim 43.Psalm, der den Vers cnthalt: »Wach auf, warum schlafst Du, Herr?« (Vers 23). Zu sehen bekommen wir ein Pfostenbett mit dariibcrgespanntcm Vorhang, auf dem Gott dcr Ruhe pflcgt (Abb. 179).
i77-i79 Illustrationen zu Psalm 41, 40 und 43 (Details). Utrccht-Psalter, Reims, uni 830 Das Prinzip der Wortillustration 17 \L Kpivecr» psaXcousovuiO DO' ШШЫЛЛШМММ/, IAklUUilUPMI £ & ter Л
172 Illustration des Psalters Die viclen antikischen Pcrsonifikationen der Naturclemente, Terra, FluBgotter, Himmclsgcstirnc, Hades und andere antikische Motive (Abb. 180), die im Utrecht-Psaltcr iibcrall Verwendung finden, legen es nahe, ja machen cs zur GewiBhcit, daB unserc karolingischen Minia- turen auf einer friihchristlichcn Vorlagc fuBen und daB sie dort auch das System dcr Wortillustration schon vollig cntwickelt vorgefunden haben. DaB sic ihre Vorlage sklavisch kopierten, also fur die Bilderfin- dungen gar kein Urheberrecht in Anspruch nehmen konnten, ist mehr als unwahrschcinlich. Vor allem bietet das, was wir von spatantiker Buchillustration wissen, keine Anhaltspunktc daflir, daB die friih¬ christlichcn Psaltcrillustrationen in cinem zcichnerischcn Stil wic in Reims vorgetragen waren, d.h., daB bereits damals der malerisch- illusionistischc Stil der Spatantikc in jene graphisch-skizzcnhafte Spra- chc iibcrsctzt und umgedeutet war, die fur uns einen Gutteil der Originalitat der Bildcr dcs Utrccht-Psaltcrs ausmacht und deren Line- aritat bckanntlich auf die angclsachsischc und spaterc englischc Buch- malerci so befruchtcnd gewirkt hat (Abb. 185). Das Skizzenhaft-Gra- phischc dieses Stils hat eine eminent illustrative und dabei sehr unan- tike Funktion, namlich ein bildliches Aquivalcnt fur das blitzartige Aufleuchtcn und Sichjagen dcr Gcdankcn, Bildcr, Stimmungcn der Dichtung zu schaffen. Diescr Zeichenstil crmoglicht es, die beim Horen der Gedichtc evozierten Bildcr als Vcrsbegleitung in Windes- eilc glcichsam hinzuschrciben. Die auBcrordcntlichc Errcgthcit, die Figuren wie Landschaft in glcichem MaBe crfaBt, so daB allcs zu vibrieren scheint, ist einer der wichtigsten Faktoren bildlichcr Vercin- heitlichung, cine Erregtheit, die, da sie alles crfaBt, keine auBere sein kann, und die in wunderbarer Weise den exalticrten inneren Zustand dcs Psalmistcn auf den Betrachter der von ihm inspirierten Illustration iibertragt. Das Bild ist hicr einem Scismographen vergleichbar, der die Erregung dcs in religioser Ekstase Befindlichcn aufzeichnet. Lesen und Schaucn ist hier eins, und das ist wohl das spezifisch Mittclalter- lich'c an den grandiosen Zeichnungen des Utrecht-Psalters. 180 Illustration zu Psalm 92 (Detail). Utrecht-Psalter, Reims, um 830
Konflikt Flache—Raum, durchgehende Entwicklungstendenzen Wir haben friiher einmal von rein dekorativen Initialen und Buchsta- benligaturcn gcsprochcn, die mit dem Anspruch auftreten, ganz wie Bilder auf uns zu wirken und auch wie Bilder selbstandig gerahmt sind - Schrift als Bild (Farbtafcln in, ix, xiv, xv, Abb. 40, 89 ff.). In den didaktischen Buchbildern sowie in den nach dem Prinzip der Wortillustration erfundenen Psaltcrillustrationen begegnen wir Minia- turen, die ihre Bildordnung, die Art des Zusammenftigcns dcr cinzel- nen Bildelcmente, also das, was man vergrobernd gemcinhin Kom- position nennt, von der Syntax dcr Sprache, von dcr Glicderung sprachlich formulicrtcr Gcdankenfolgen borgen. Es sind Bilder, die wie sprachlichc Mittcilungcn hineingeschricben sind und infolgedes- sen ehcr im Lcsen als im Schauen apperzipiert werden wollen. Die Moglichkeit cincs Nebcneinandcrs der beiden Phanomene, der Schau- barkeit der Schrift und der Lcsbarkeit des bildlich Geformten, kenn- zeichnet die mittclalterlichc Situation wie wenig andcrcs. Die Sym- biosc von Schrift und Bild ist ein anderer Aspckt desselben Phano- mens. Wir haben uns friiher mit denjenigen Formen dieser Symbiose beschaftigt, in denen das Bild im Schriftmilieu zu Gast war, Figurcn- initialen, historisierten Initialen und verwandten Gebilden. Jetzt wol- lcn wir noch rasch einen Blick auf die Umkehrung dcr Beziehungcn der beiden Elementc werfen, Falle, in denen die Schrift im Bildmilieu zu Gast ist - natiirlich nicht als cinfachc Beischrift. Hervorragendc Beispiclc bictct cin Hauptwcrk der insularen Male- rei, das Lindisfamc Evangcliar aus dem spaten 7.Jahrhundcrt. Als Frontispiz jedes Evangcliums dient ein Autorenbild, das den Evangc- listen samt scincm Attribut, dem Tiersymbol zeigt, an dem man ihn erkennt (Abb. 181). Das crschicn aber dem insularen Kiinstler noch kein geniigend starker Fingcrzeig auf die transzendcntale Bedeutung des Bildes, cr fiihlte das Bcdiirfnis, das Bild auch noch zu beschriften. In gebiihrender Stufung schricb cr den Namcn des Evangelistcn in monumcntalen, pseudogriechischcn Buchstabcn in griechischen Wor- ten, den des Symboltieres in kleineren lateinischen Schriftzcichen und lateinischer Sprache in dekorativer Vertcilung in das Bildinncrc. In Etappen glcitet unser Auge von Bild zu Symbol und von Symbol zu Schrift. Es ist eine Art redendcs Bild, das wir vor uns haben, das unscre Aufmerksamkeit gleichzeitig auf verschicdcnc Weise beansprucht, ahnlich wie das moderne Plakat uns gleichzeitig mit Bild, Emblem und Schrift anzusprechen versucht.
174 Kouflihi FIiiche - Raimi i Si Evangelist Lukas. Book of Lindisfarne, Insular, vor 698 (?) Voraussetzung fur diese Svmbiosc aber ist, daB fur Schauen und Lcscn das Aktionsfeld dasselbc ist, das Substrat fiir Bild und Schrift das gleicbc, daB bcidc flach wic Applikationen auf dcr lceren Buchscitc liegen. Es ist ein vollkommcn raumneutrales Medium, in dem die bciden Elemente erschcinen, kein imaginiertes Raumkontinuum, we- dcr Tiefraum noch Flachraum. In den fruhchristlichcn Vorbildcrn batten die cinzelnen Bildmotive in einem illusionistischen Bildraum gelebt, im Lindisfarnc-Evangcliar dagegen scheinen sie wic isolicrt ausgeschnitten und auf die Buchseite aufgeklebt. Es gibt keine gc- meinsame Bodenlinic oder Standflache tiir Eiguren und Objekte, nur die Oberfliiche der Buchseite, die mit diesen wie mit den Schriftzei- chcn in mehr oder weniger lockerer Form besetzt werden kann. Neben diesen Bildseitcn gibt es in denselbcn insularcn Biichcrn Seiten, die, ahnlich wic die Bildseitcn gerahmt, dicht mit rein ornamentalcn Mustern besetzt sind, die sogenannten Tcppichscitcn (Farbtafel iv).
Das Primal desflachig Dvkorativen 175 Hicr tritt die zvveitc Figenschaft dcr mittclaltcrlichcn Buchseite dcr Friihzeit zutage. ihr Wesen als Schmuckscitc. Und auch die Bildseiten (Abb. 181, 182) sind im Grunde wie Musterseiten organisiert. Uni iiberhaupt in den Organisnius dcs Buches und Buchschmucks aufge- nomnien zu werden. miissen sich die gegenstandlichen Motive dem ProzeB einer rigorosen Ornamentalisierung unterziehen - es ist das, was man mit deni schon viel zu abgegriffenen Wort Stilisierung bezeichnet. Intcndiert ist eine Vcredelung der Naturfornien die wir geneigt sind, als Barbarisierung zu werten eine Vcredelung durch Angleichung dcs fur den primitiven (besser gesagt fur den an Werkc einer ungcgcnstandliclicn Phantasie gewdlinten) Mcnschen »Formlo- scn< an in der Ornamentik liingst akkreditierte Fornicn wie Bandstrei- fen flir die Draperie. Spiralen fur die Haarlocken oder Vo 111 ten Fiir Bartstrahncn, Kreisc fur die Pupillen, Deltamotive fiir die Oliren usw. (Farbtafel v. Abb. 181. 1S2). Auf diese Weise vvird aus der in den Augen der Primitiven oftenbar rohen, wenn man will unschonen Naturform Kalligraphie. I11 dicseni Zusammcnhang muB auf die Tatsache hingcvvicsen werden, daB in dieser Zeit haufig eine Personal- union von Schrcibcr und Miniator bestand, d.h. daB Schrift, Orna¬ ment und gegenstandliches Bild von einer Person gcarbeitet worden sind55. Has hilft auch verstehen, waruni Lesen und Schauen auf dieser Stufe in einer einzigen optisdien Einstcllung realisiert werden konnen. 182 Evangelist Johannes. Evangeliar. Insular. 8. |h.
176 Konflikt Flache - Raurn Die fluchtig angcdcutctcn Angleichungcn an Ornamentales sind Symptome cines Assimilationsprozesses, in dcm das Organisch-Ge- genstandliche zunachst dem Diktat dcr dekorativen Organisations- prinzipien unterliegt. Aus Angehorigcn cines Bildraumes wcrdcn Tcilc cines Bildmusters und im Verlauf dicscr Operation miissen das Eigcnlebcn der organischen Wesen und die Sacherfordemissc dcr Objcktwelt dcr Gesetzlichkcit dcs Bildmusters und dcr Buchseitenor- ganisation geopfert werden. Die mcnschliche Figur erstarrt zu einer Mustcrfigurinc und erhebt sich bisweilen nicht liber den Status cines anthropomorphen Emblems. Man kann nun die ganze weitcrc Ent- wicklung der mittclalterlichen Buchmalerei als cinen Konflikt zweicr Gestaltungsgcsctzlichkeitcn ansehen, in dcm vcrsucht wird, den Zwang dcs abstrakten Musters abzuschiittcln, dcr Logik dcs Sinnlich- Anschaulichen zu ihrem Recht zu vcrhclfen, womoglich aber ohne auf die Scgnungen cincr abstrakt-formalcn, mit transzendentaler Bc- dcutung gesattigten Ordnung verzichten zu miissen. Etwas simplifi- zierend laBt sich diese Auseinandersetzung als ein Konflikt der beiden das Mittelaltcr konstituierenden Erbmasscn, der barbarischen (sowohl mittclmeerisch-barbarisch wie nordisch-barbarisch) und der mittel- meerisch-antikcn Traditionen auflfassen, und so mochte ich im folgcn- den kurz die wichtigstcn Etappcn in der Austragung dieses Konfliktcs skizzieren. Dic.Pcriodisierung dcr mittelalterlichen Kunstgeschichtc, wie sie nach cinigcm Schwanken heute allgcmcin anerkannt ist, folgt im wcscntli- chen dcm Rhythmus, in welchem die bcdcutendstcn VorstoBe und Wicderbclcbungsversuchc dcr antikischen Tradition crfolgtcn, also den cinzelncn Wcllen des Entwicklungsstromcs, die wir als Renais- sanccbcwegungcn bczeichnen: die karolingische Renaissance, der eine northumbrische und slidenglische in vorkarolingischcr Zcit vorange- gangen waren (iiber flinfzig Jahrc friiher, um die Mittc dcs 8.Jahrhundcrts) und die ein angclsachsisches Nachspiel im 10. und 1 i.Jahrhundcrt hattc, dann die der ottonischcn Renovatio Imperii Romani parallcle kiinstlerische Manifestation, danach die Erneue- rungsbestrebungen der romanischen Epochc, die sich die Kunst des gleichzcitigen Byzanz, dcr mittelalterlichen Erbin der Antikc, zum Leitstern erkoren hattc, und schlieBlich die Gotik, die ein Janusgcsicht hat und deshalb von ihrer unmittelbarcn Nachfolgerin, der ersten nachmittelalterlichcn, der ersten auf alien Linien triumphicrcndcn Renaissance, mit dcm Schimpfnamen der Barbarcn belegt w'urde, die dem romischcn Weltreich den TodesstoB versetzt hatten, die aber seither langst als Wegbereiterin der Ncuzcit - man denke nur an die Emanzipation dcr Vollplastik - aufgewertet worden ist und es, namentlich in Frankreich, dem Mutterland dcr Gotik, bis zum cpithc- ton ornans >humanisme gotique< gebracht hat. Historisch richtiger ist es wohl, die Doppclgcsichtigkcit dcr Gotik nicht aus dem Auge zu vcrlicrcn, wic sic auch in dem Titel der bekannten Abhandlung Max Dvoraks ddcalismus und Naturalismus in dcr gotischcn Skulptur und Malcrci<56 zum Ausdruck kommt.
Expressionismus 177 .. Evangelistcn Matthaus und Markus, .ngeliar aus Xanten (Detail), :’'chule Karls dcs GroBen, ring 9-Jh. 184 Evangelist Matthaus. Ebo-Evangeliar, Reims, um 816-835 Am Bcginn dcr Rcnaissancebcwcgungen steht jedesmal einc Phase intensivster Rezcption der antiken Vorbilder, einer Zuwcndung zu den antiken Idealen und Ausdrucksformen, am vorbehaltloscstcn in der karolingischcn Renaissance. Hier ging man bis zur offenen Nach- ahmung der bewunderten Vorbilder (Abb. 183), genierte sich nicht, zu kopieren, bis in alle Einzclheiten getreu zu reproduzieren - so dab es vercinzelt den karolingischen Kiinstlcrn sogar gelungcn ist, die modernen Kritikcr hineinzulcgcn und sic glauben zu machcn, sic hatten ein spatantikes Original vor sich. Auch bci cinigcn Elfcnbcincn gibt cs bekanntlich noch die offenc Frage, ob wir cs mit einem antiken Original oder einer karolingischen Kopie zu tun haben57. Dies sind Fallc, in denen das spczifisch Mittelalterlichc sich in irgendwelchen Ncbensachlichkeiten verrat, die dem karolingischen Kopistcn sozusa- gen nicht zu BewuBtsein gckommen sind. Dort wo dcr karolingische Maler sich mit dcr Rolle dcs Kopisten nicht begniigt, ist dcr eigene Beitrag und der Charakter dcr Neufassung dcs antiken Bildgutcs nicht zu verkennen. Ich kann hier nur zwei Punkte herausheben. Dcr erste betrifft das Verhaltnis von Rahmung und Bildinncrem. In den antikischsten allcr Evangelistenbilder, denen des Schatzkammer-Evangeliars, wird noch die Illusion eincs gerahmten Tafelbildes angestrebt (Farbtafel vi). Der mit vegetabilem Ornament verzierte Rahmen hat Relief, und durch diesen plastischen Rahmen blickt man in ein sehr malerisch gehaltcncs, licht- und lufterflilltes Bildinneres mit landschaftlichem Hintergrund, also in cinen illusionistischcn Raum. In dcr als Bcispiel angeflihrten Evangelistenminiatur ist dem Maler jedoch ctwas passiert: der FuB- schemcl des Johannesthrons kommt aus dem Bildraum heraus und iibcrschneidct den Bildrahmen. Dem karolingischen Meister schcint der Bcgriff des Untcrschicds zwischen dcr realen Welt und einem von dicser durch einen Rahmen getrennten imaginierten Bildraum nicht mchr klar gewesen zu sein. Fur ihn liegen der Rahmen wie das Bildinnere in dcrselben Dimension dcr Buchseite. Zwei Jahrzehntc spater sind in Reims Evangelistenbilder entstanden, die die so antikisch klingende Sprache dcr Bildcr dcs Schatzkammer- Evangeliars resolut ins Mittclalterliche transponicrcn (Abb. 184). Alles Sichtbare - Figur, Pult, Landschaft, aber auch Rahmen — ist in flam- mende Bcwcgung versetzt, so als ob ein Sturm es crfaBt hatte. Am starksten, erregtesten, ist die Bewegthcit in der Gewandung. In der Antike war die Gewandform, das Faltenspiel, immer Werkzcug im Dienste des Ausdrucks einer vom Korpcr, dcr lebenden Materic, ausgeflihrtcn Bcwcgung. Hier sind die in heftige Wallung geratenen vibricrenden Gewandfaltcn mit eigenem dramatischen Leben crflillt, das offenbar auch die leblosc Materic ringsum angesteckt hat. Der Ort diescr zitternden und zuckenden Bcwcgung - ein linearistisches Aquivalent dcs Flimmcrns einer illusionistischcn Atmospharc — ist die Oberflache der Buchseite, nicht dcr Bildraum. Wie in den Zeichnun- gen dcs Utrecht-Psalters (Abb. 10, 176-180), der im gleichen Reimser Atelier entstanden ist, muB die sichtbare auBerordentliche Agitation als eine dirckte Ubertragung, cin Extroverticren der inneren Erregt-
178 Konflikt Flache - Raum heit oder Exstasc dcs Schaucnden gewertet werden. Wcnn man will, ein Beispicl mittclaltcrlichcn Expressionismus, sozusagcn cin mittelal- tcrlichcr Vorlaufer van Goghs. Dcr Vcrglcich, der nur mit allcm Vorbehalt gcwagt wcrdcn kann, ist deshalb nicht ganz abwcgig, weil auch hier eine lincaristische Umsctzung einer urspriinglich impressio- nistischcn Bildmaterie vorliegt. Die Idee cincr Excmplifizicrung und Veranschaulichung inncrcr Emotionen des kiinstlerisch Schaffenden an Objektcn dcr aubcren Wahrnehmung hat im Mittclaltcr Schulc gemacht, im engeren und weiteren Sinn. Hicr war cin Wcg gcfundcn, dcr Gegenstandswelt ein gewisses Eigenrccht zuzubilligcn und sie nicht in Ornament aufzulo- sen wie cs die vorkarolingische Kunst tat, sie aber zuglcich an cincr Bewegtheit teilnehmcn zu lassen, die keine inncrbildliche war und die cine quasiornamentale Einheit iiber das Ganze breitete. Man operierte glcichsam simultan auf zwei Ebcncn, cincr irdischen und einer meta- physischen. Die unmittclbarc Fortsetzung und Weiterbildung der Reimser Me- thode ist in der angelsachsischcn Buchmalcrci dcs 10. und n.Jahr- hunderts zu finden, in dcr aber das wundersame Glcichgewicht der beiden Faktoren sich in cin Ubergewicht der transzendentalen Dy- namik vcrwandclt (Abb. 185). Die Bcwcgung dcr Figurenpcriphc- rie verandert dcren Proportioned rciGt sic mit in die Hohe, evapori- siert die Figurensubstanz. Seincn farbigen Ausdruck findet dicser Expressionismus in einem Fluorcszicrcn und Irisicrcn, in dem manch- mal in iiberraschender Einfiihlung in den besonderen Darstellungsge- genstand die zu dicscm passende Stimmungsfarbe zur Dominantc wird, etwa das leicht rotlichc Gclb dcs Auferstehungsmorgens (Farb- tafcl xix) odcr das rotlich Flackernde dcs Pfingstfcstes58. Einc Indivi- dualisierung dcr Bclcuchtungssituation, wic man sic in cincm nicht- naturalistischen Stil gar nicht glaubt erwarten zu konnen. <Selbst die Ornamentik ist von dcrselben Bewegtheit in Form und Farbc erfaBt.) Die angelsachsische Malcrci ist eine Spatbliitc des Karolingischen, in der die schon von den Karolingcrn begonnene Assimilierung der antikischcn Substanzcn in ein mittclalterliches Ordnungssystcm zu den letzten Konscquenzen gefiihrt wurde, als die karolingische Kunst in ihrem kontinentalen Ursprungsgebiet (in Frankreich und am Rhein) langst schon abgcstorben war. Wie schon einmal in vorkaro- lingischcr Zcit, so hat auch jetzt die insulare Buchmalcrci GroBes fur die Organisation der mittclalterlichen Buchscite geleistet. Ihr funda- mentaler Beitrag zur ornamentalen Durchdringung und Aufwertung der Schrift sind uns ja schon bekannt. Dcr ProzcG, den ich nun noch skizzicrcn mochtc, ist dcr einer Ncuvcrteilung dcs Bildinventars, das, statt gravitationsmaBig auf einer Bodenlinic verankert zu scin, eine Ponderierung anstreben muB, die die Bildtcilc in Einklang mit den Gleichgcwichtsvcrhaltnisscn eines Fldchenmusters bringt. In der Praxis ist es vielfach ein Weg von cinem in dcr antikischcn Vorlagc gegebe- nen Brcit- in ein Hochformat unter glcichzeitiger Verlagerung der Hauptakzente auf halbc Hohe.
Flachenbczug 179 Die ersten Symptome eincs Umdenkcns der Ponderierung sind noch in dcr karolingischen Entwicklung zu beobachten. Der Evange¬ list Johannes des Evangcliars von Soissons (Farbtafel x), eines der Hohcpunkte des Ateliers, das wir als die Hofschule Karls dcs GroBen, friiher Adaschule genannt, ansehen miissen, hat einen machtigcn thronartigen Sitz, aber worauf dieses schwerc Mobel aufruhen soil, die Frage zu beantworten, wiirde uns in Verlcgenhcit bringen. Dcr Thron wird von ciner vielfcnstrigcn Nische oder Exedra umschlosscn, die ihrcrscits von einer Rundbogenarkade gerahmt wird, bzw. im Durchblick durch sic erschaut wird. Dieser Typus des in einer Nische untcr einer Arkadcnstellung sitzenden Evangelisten hat cine lange Ahncnrcihe, die bis in das spatantike Autorcnbild und zu Bildcrn thronendcr Konsuln zuriickreicht. Die sitzende Person wird wie ein >homme-arcade< in der Offnung eines raumhaltigen Gehauses vorge- stellt, und ctwas von diesem Nischcncharakter, dieser Raumcinbuch- tung, haftet noch dcr architektonischen Struktur des Lukasbildes im spatantiken italicnischcn Augustinus-Evangeliar in Cambridge an (Abb. 36). Dcm Johannesbild dcs Soissons-Evangeliars liegt ein ost-
180 Konflikt Fliiche - Ranm 186 Taufc Christi. Ethel wold-Bcnedictionalc, Angelsachsisch (Winchester), zwischen 971 und 984 christliches, kcin italicnischcs Vorbild zugrundc, dcsscn Excdra in pcrspcktivischcr Vcrkiirzung crschien (ahnlich dcr cines byzantini- schcn Evangclistenbildcs dcs lo.Jahrhunderts, Abb. 3). Dcr Hinter- grund des karolingischcn Evangclistcn ist wic cin optischcs Vexier- spicl, man kann das Gewande als konvcxcs odcr konkavcs Gcbilde schcn. Und zwar ist an dicscr Ambivalenz die Obcrcckstcllung dcs Thrones schuld, dcsscn Scitenwangc sich in dcr linken, dcsscn Front sich in dcr Flucht der rcchtcn Exedrawand fortsetzt. Wic bci cincr Membran, die cinwarts und auswiirts schwingt, ist das Ergcbnis die Etablicrung dcr Flache als Ort dcr bildliehen Darstellung. Eine andcrc Zone dcr Ambivalenz ist das liincttcnhaftc Feld mit dem Adlcrsym- bol, dcsscn oberc Bcgrcnzung nur fliichig, dcssen untcre auch raumlich gcschcn werden kann. Die wichtigste Neucrung aber gegenuber dem antiken Vorbild ist vielleicht die Vcrankcrung dcs Evangclistcn mit- samt scincm Thron in dcr Hintcrgrundsarchitektur statt auf dem FuBbodcn. Dcr Thron schcint von den Fluchtlinicn dcr Excdra mitge- rissen zu werden, dcr Evangelist zu schwebcn. Eigcntiimlichkeiten dcs Raumes helfen da, die Schwere dcr Substanz zu iiberwinden.
Flachenbezug 18 Im folgcnden mochtc ich - tcils im AnschluB an schon Gesagtcs, teils aus andcrcm Blickwinkcl — cinigc dcr wichtigstcn Idecn aufzci- gcn, die als Motor der Entwicklung seit dcr karolingischcn Epochc in der Buchmalcrci wirksam gewcscn sind. Wic bcrcits crwahnt, wurde der ProzcB dcr Entschwcrung dcr von dcr Antikc ubernomme- ncn Bildsubstanz und dcr Schwcrpunktvcrlagerung inncrhalb dcs Bildfeldcs, dcr schon in dcr karolingischen Renaissance cingcsctzt hattc, noch auf karolingischcr Basis von dcr angclsachsischen Buch¬ malcrci des io. und i i.Jahrhundcrts zum AbschluB gcbracht. Ein Bcispicl fur viele: Das Bild dcr Taufc im Bencdictionalc dcs Bischofs Ethelwold (Abb. 186) fuBt auf einer karolingischcn Komposition, die uns in einem Relief cincs Mctzer Elfenbeinkastchcns (Abb. 187) crhaltcn ist und die letzten Endcs, wic schon die Naturpcrsonifikatio- nen zeigen, antiken Ursprungs ist. In dcr Ubcrsctzung in die Buchmi- niatur war nichts vergessen worden, was die Elfenbeinschnitzereien cnthielten, auch nicht die hcidnischc Pcrsonifikation dcsJordanflusses, dcr seine Urnc ausleert, um das Wasscr dcs Flusses zu bilden. Im Mctzcr Kastchen war jedoch die Szene als horizontale Fricskomposi- tion entworfen worden. Sic auf die Scitcn dcs Benediktionales zu transfericren bedeutetc einen Wechscl vom Breit- zum Hochformat. Dcr Illuminator loste das Problem einmal dadurch, daB cr oben und unten horizontale Streifcn von Wolken und Wasscr hinzufligtc. Nur auf diese Wcisc war cs ihm moglich, die ganze Hohe des Bildfeldes, die durch das Bildformat diktiert war, entsprechend zu fallen. Aufs erste mag das wie cine chcr oberflachliche Adjusticrung der Vorlage an die geanderten Formatverhaltnisse, ja als ein Versuch cincr barocken Stcigcrung des Illusionistisch-Atmospharischcn crscheinen. In Wahr- heit war es mehr als das, namlich cine konsequente Umformung gemaB den Prinzipicn cincs grundsatzlich vcrschiedenen asthetischcn Systems. Der Breitfries der karolingischen Taufszcnc ist auf einer 187 Taufe Christi. Elfcnbcinkastchen (Vorderseite), Metz, 9./io.Jh.
182 Konflikt Flddic - Raton 188 Die drei Frauen am Grabc. Echelwold-Bcnedictionale, Angelsachsisch (Winchester), zwischen 971 und 984 imaginaren Grundlinic verankert, genauso wic in ciner antiken Dar- stcllung. Fcrner setzt dcr dekorative Rahmcn der Elfenbeinplatte dem Bildfcld cine absolute Grenzc. Fur den angelsachsischcn Illuminator haben diesc beiden strukturcllen Regeln ihre Giiltigkcit verlorcn. Fiir ihn bedeutet dcr Rahmcn keinc uniibcrschrcitbare Bildfcldgrenzc. Dadurch, daB er mit seinen Darstcllungsclcmcnten in die Bordiirc eindrang und den Rahmcn iiberschnitt, wird die Szcne glcichsam an eincm Geriist aufgchangt und nicht auf eincr Grundlinie odcr Bodcnflache lastcnd vorgestellt. So wird die Bilderzahlung der deko- rativen Planung dcr Buchscitc untergeordnet. Wie dcr Evangelist dcs Soissons-Evangeliars (Farbtafel x), so schwebt hier cine ganze Szcne entgegen aller Erfahrung irdischer Gravitation. Die Scite ist an dcr vcrtikalcn Achse ausbalancicrt, das Gleichgewicht der Seitc hat Prio- ritat iiber die Erfordernisse dcr Raumillusion. Vcrfolgcn wir dicse Entwicklung am Bcispicl cincs anderen Themas, dem dcr Frauen am Grabe (Abb. 188), uni cinen Schritt weiter, so werden wir beobachten konnen, wic der urspriinglichc Bildzusammenhang desintegriert
Fldchetibezug 183 189 Die drci Frauen am Grabe. Bencdictionale des Robert von Jumiegcs, Winchester (New Minster), urn 980 wird. <(Dic horizon talc Mittclachsc, an dcr sich die Szcne aufrciht, ist verpflichtcnd, es gibt keine Grundlinie. In einem ctwas spatcrcn Bcispicl (Abb. 189) hat sich das Buchformat ins Vertikale noch gestei- gert, mit dem Resultat, daB fur die Wachter iiberhaupt kein Platz mehr neben dem Grab war und sie als FuBschcmcl dcr andcrcn Figuren auftreten miissen.) Die einzelncn Bildmotivc sind also frei vertcilbar geworden; wo immer sic von dcr Flachcnorganisation dcr Buchseite gcbraucht werden, drohen sie zu Werkzeugcn cincr gegen- standsfernen Ordnung degradiert zu werden. (In cincr noch spatcren Miniatur etwa sind die Wachtcr iiberhaupt fortgelasscn, Abb. 190.) 190 Die drei Frauen am Grabe. Psalter, Angelsiichsisch (Winchester), um 1050
184 Konjlikt Fltiche - Raum Zur glcichen Zcit, im spaten 10. und im friihen 1 i.Jahrhundcrt, hat man in der ottonischen Buchmalcrci damit bcgonncn, die Auseinan- dersetzung zwischcn den dekorativen und den crzahlcrisch-bildmaBi- gen Forderungcn auf cine ganz ncuc Basis zu stellcn. Es waren Bcmii- hungen, die sowohl eine Emanzipation von der starren Mustcrhaftig- keit der Buchseitc wie von der Raumvorstellung dcs spatantik- karolingischen Illusionismus zum Ziel hatten. Nchmen wir den letztc- ren Punkt zuerst. In der ottonischen Malcrci finden wir die kontinu- icrliche, aber vage Raumlichkeit des Illusionismus durch cinen Schichtenraum ersetzt (Abb. 191). Es komnit zu einem Aggregat paralleler flacher Lagen, hauchdiinner iibereinander projizierter Schichten, die wie dicht zusammengcpreBt wirken und zwischcn denen keine Luft zu zirkulicren scheint. Die Differcnzierung der einander teilweise iibcrdeckcnden Schichten crfolgt mit den Mittcln der Farbe, cine lincare Abgrenzung der Figuren vom Grund hatte 191 Gregor der GroBe und sein Schreiber. >Registrum Gregorii<, Einzelblatt, Meister des Rcgistrum Gregorii (Trier), um - ■
Schichtenraum 185 192 Krcuzigung. Evangcliar, Echternach, Mittc 1 l.Jh. letztcrcn als ctwas Amorphcs und Luftartiges deklariert. Ottonische Figuren bcsitzcn kcinc Konturlinien, ottonische Zcichnungen odcr Vorzcichnungcn gibt es fast nicht. Dcr Grund hat nun cin Eigcnlebcn, wcil er seine cigcnc, ungegenstandlichc Farbigkcit hat, die gegen die weniger ausgcdehntcn Farbflachcn dcr Figuren oder des Szcnariums stcht. In dcr reifen Phase der ottonischen Malerci ist das amorphe, atmo- spharische Fluiduin dcr karolingischen Malerci bcrcits vollig von eincr lichtcn Purpurflache odcr reinen Goldflache verdrangt worden (Farbtafcl хш), also zwei transzendenten Farbcn, die dcnnoch ehcr als idealc Farbe denn als idealer Raum verstanden werden sollen. Jantzen hat vom Un-raum der ottonischen Malerci gcsprochen59. Spatcr jcdoch ist die ottonische Malerei dazu iibergegangen, den Bildgrund farbig zu tafcln bzw. die Hauptfiguren oder Figurengruppcn mit gesonderten farbigen Folien zu versehen. Den uniformen Hintcr- grund, in dem dcr Laut dcr Gestcn wic in einer weiten Lccrc hallt, gibt cs nicht inchr. In eincr Kreuzigung eincs Evangcliars der spiitcrcn Schule von Echternach (um die Mittc dcs 1 i.Jahrhundcrts, Abb. 192) sind aus dem bun ten Bildgrund hintcr den Figuren von Maria und Johannes hochrechteckige Felder in Gold ausgespart, als hatte jedc Gestalt ihre eigene Aura. Als Folie dcs Gekrcuzigten dient das breite Band des Krcuzes, so dab das Bild vielfach geomctrisch unterteilt, parzclliert erscheint.
86 Konflikt Flcichc - Raum In einigen Sonderschulen der ottonischcn Kunst, namentlich in Regensburg, haben nun glcichgcrichtete Tcndenzcn zur Zcrlcgung des Gcsamtareals eines Bildes in streng voneinandcr gesonderte Kom- partimente gcflihrt, und damit sind wir bci dem zvveiten Punkt ange- langt, bei der Neuorganisation dcs Bildmustcrs als solchem. In der Miniatur dcs Sakramcntars Heinrichs n.f die die Kronung des Kaisers darstellt (Abb. 193) oder, richtiger, die Ertcilung des Segens Christi an den Kaiser - das Bild ist die vollkommenste Verkorperung dcr Idee des Herrschcrs von Gottcsgnaden — ist jeder der scchs Figuren cin separates Feld zugewiesen, und diese Parzellicrung, vomchmlich durch Inschriftbandcr und Ornamentstrcifen bewcrkstelligt, fallt be- sonders dadurch ins Augc, dab die verschiedencn Hintcrgrundssekto- ren abwechsclnd in blaucr, olivgriiner und violcttcr Farbc angemalt sind. Die Figuren jedoch uberschreiten an gewissen Stcllcn die Gren- zen ihrer Kompartimente und dringen in die Nachbarzonc cin (der Kaiser etvva rcicht in die Zone der Mandorla Christi). Im Kontrast zur statischcn Hintergrundsstruktur wirkt dann die geringste Lagcver- anderung in der Figurenschicht als kraftige Bewegung. 193 Kronung Kaiser Heinrichs 11. durch Christus. Sakramentar Heinrichs 11., Regensburg, zvvischen 1002 und 1014
Hintergrundstafelung 11 194 Glorifizierung des hi. Edmund. Edmundslegcnde, Bury St. Edmunds, 2. Viertel I2.jh. Mit dicser Zwcischichtigkeit ist ein wescntliches Strukturprinzip d' Bildmusters dcr romanischen Buchmalcrei vorweggcnommen, schc um dasjahr 1000. Es gcht um einc Tektonisicrung des Buchbildes un der Buchseite. In den einzelncn nationalen Schulen der romanischc Buchmalcrei ist diesc Tcktonisierung auf verschicdcne Weisc bctriebc worden, wobci in einigen, zum Beispiel in dcr deutschcn, die Tender unvcrkennbar ist, sie auf die Figurenschicht zu iibertragen, die Figure selbst blockmaBig zusammenzuschlieBcn. Besonders interessant i die englischc Variante, weil dort die Idee einer straff organisiertc Hintergrunds- und Rahmcnzone, in der eine zweite, gcgcnstandlicl figiirliche, collage-artig cingelassen erscheint, innerhalb dcr ein rclati frcics Lcbcn herrscht, den AnstoB zur Entwicklung eines ganz neuc Erzahlstils gegeben hat. Unter den Bildern einer Handschrift d< Edmundslegendc aus deni 2. Viertel des I2.jahrhunderts (Abb. 19.
188 KonJUkl Flciche - Ramti gibt es cincs, das sich als freie Paraphrase des eben bcsprochenen ottonischen Kronungsbildcs dcs vorangehenden Jahrhunderts zu cr- kennen gibt. Es stcllt die Glorifizicrung dcs konigliehen Martyrers dar, d. h. nicht eine tatsachlichc, nur eine imaginierte Kronung. Im Rcgensburger Sakramentar legt Christus personlich die Krone aufs gesalbte Haupt, in dcr englischcn Szenc erhalt dcr Martyrer von Engeln Krone, Szeptcr und Palme. Die zwei Edmund flankierenden groBcn Engel nehmen genau die Stelle ein, die in der ottonischen Miniatur die bciden den Kaiser stiitzenden und der Gotthcit prascntic- renden Hciligcn inne haben. In beiden Fallen ist die Kronung zuglcich feierliche Schaustellung des Gckronten. Zeremonielle Handlungen neigen von sich aus zu hieratischer Fron- talitat, ein Blick auf andere Darstellungcn dersclben oder verwandter Bildcrfolgen aber lehrt, daB bei der ncuen cnglischen Malcrci die hieratische Note eine Sache dcs Stils, nicht des Themas ist. In den eigentlichen Ereignisbildcrn, in Szenen, die von Aktionen und Begc- benheiten crzahlcn sollen, also transitorisch sind, iibernimmt es die dekorative Hintcrgrundstafclung, den frontalen Appell an den Be- schauer zu bcwerkstelligen. (Ein Bild aus derselbcn Handschrift zeigt die Szene, in der dcr Sarg des hi. Edmund iiber cine Briicke in das Kloster Bury St. Edmunds geflihrt wird (Farbtafel xxi). Wahrcnd die Handlung nach rcchts abrollt, wird die Szcnc mittels dcr Parzellierung des Bildfeldes frontal ausgerichtet.) Der Hintergrundstafclung ist gleichsam das Dckorum der Szene anvertraut, dcr Bczug auf eine hohere, transzendentale Ordnung, was den Figurcn gestattet, sich ganz dem inneren Lebcn der Aktion zu widmen und auf die Fordcrun- gen der gegenstandliehen Situation zu achtcn. Da die Sorgc um das Dekorum und die Ausrichtung auf das Muster dcr Buchflachc ihnen genommen ist, vermogen die Figuren ihre szenischen Oblicgcnheiten in eincm nie zuvor moglichen MaBe zu erfiillcn und in den Rollcn, die sie zu spielen haben, ganz aufzugchcn. Wir sehen die Bildhandlung und Bewcgung seitwarts ablaufcn, fiihlen uns aber zugleich von dcr Komposition als ganzer frontal angesprochen. In dcr Schule von St. Albans, in der dieser neue Erzahlstil geboren wurde - es ist ein wirklich erzahlendcr Stil60 - kommt dicse Situation in einem auBcrcn Symptom sehr pragnant zum Ausdruck: Ohne dem Frontalitatscha- rakter des Bildganzen abtraglich zu sein, werden die einzelncn Figuren zum Zcichen ihrer wcchselseitigen Handlungsbezogcnheit fast durch- wegs im reinen Profil gegeben; eine frontale Ausrichtung bleibt zur Ganze dem Hintcrgrund iibcrlassen (Abb. 130). Eine wichtigc Voraussctzung der ncuen Dramatisicrung dcr bildli- chcn Erzahlung haben wir noch nicht erwahnt: den Rekurs der roma- nischcn Malerci auf die zeitgenossische byzandnischc, die dircktc Erbin dcr antiken Kunst, und auf die dort vor sich gegangene Erneue- rung der christlichen Ikonographie. (Dieser Rekurs dcr romanischcn Malerci hat cbenfalls schon Vorstufen in der ottonischen, ungefahr vom Jahr 1000 an.) In dieser Hinsicht ist auch die romanische Kunst cine Art Rcnaissanccbewcgung, allcrdings cine, die nicht durch Kon- takt mit eincr abgestorbcncn Antike, sondem mit ciner noch lebendi- gen zustandegckommen war. Die Grablcgungsminiatur dcs Albani-
Hi n tergrundstafe lung 189 195 Grablcgung Christi. Albani-Psaltcr, St. Albans, um 1119-1123 196 Grablegung Christi (Detail einer Seite mit vier Szcncn). Evangcliar, Konstantinopel, 2. Halftc 1 i.Jh. Psalters (Abb. 195) setzt die Kenntnis dcr jiingsten ikonographischen Neuerungcn der byzantinischcn Kunst voraus (Abb. 196), in der dcr Akt der physischen Bcisctzung in eine ergreifende Totenklagc umge- wandclt ist, deren Hohepunkt das Motiv der letzten Umarmung des toten Sohncs durch Maria ist, jencs von der geistliehen Dichtung schon friiher intonierten >Planctus Mariae<. Unter dem Impuls eines neuen rcligioscn Sentiments, das ein Einfuhlcn in das Inncnlcbcn dcr heiligen Personcn und ein Mitleiden mit ihnen verlangt, setzt eine Revolutionierung der christlichen Kunst ein, die zuerst cine Humani- sieruttg, zuletzt aber cine Verweltlichung zur Folge hatte, die schlicBlich die Existcnz einer religiosen Kunst selbst in Frage stelltc. Dcnn sie flihrte unerbittlich zur Vcrkorperlichung und das heibt Entzauberung dcs Mysteriums. Wir wollcn dicscn EntwicklungsprozeB fortschrei- tender Vergegenwartigung der Begebenheiten des Heilsgeschehens, die ja doch der Hauptstoff rcligioscr Bildkunst waren, nur in einem Aspckt verfolgen: eine Vergegenwartigung jener Vorfalle war nicht moglich, ohne zur Frage ihrer Lokalisicrung Stellung zu nehmen, ohne das Wann und besonders das Wo genaucr zu definieren; damit wurde aber die Frage des Status des Bildes sowie jedes einzelnen Bildelemcntcs als Tcil dcs Schmucks einer Buchscitc ncu aufgcrollt. In dcr mittelalterlichen Buchmalerei hatte jedes Bildmotiv zwei Loy- alitatcn. Es muBtc sich als Mitglicd der Flachenorganisation dcr Buch¬ scitc und zugleich als Bewohner irgcndcincs Szenariums ausweisen. Als das lctzterc cinem VerraumlichungsprozeB unterworfen wurde, war es unausbleiblich, dab die beiden Anspriichc in offenen Konflikt miteinandcr gerieten.
г 90 Konjlikt Flache - Rawtt уьД}'Л0); 197 Prophet Jesaias. Jcsaias-Kommentar, Normandie, Endc u.Jh. Die Saat zu dicscm Konflikt, den ich den Kampf der bciden Ambiente nennen mochtc, wurde schon in romanischer Zeit gelegt. Neben der Hintcrgrundstafclung ist damals noch cine zweitc Form von Tcktonisierung aufgctreten: die Szenen erhaltcn architektonische Hin- tcrgrimdc, ein architcktonisches Szenarium, das aber nur zum gerin- gen Teil als Lokalangabe dient, meistens die Funktion eincs Rhythmi- sierungsbchclfs hat. Die Bildarchitekturcn sind dazu da, in der Figu- renszene die richtigen Zasuren und Ligaturen zu markieren und so den dramatischcn Sinn der Darstcllung zu verdeutlichen. In dcr Zeit, in dcr die Architektur die fiihrcnde Kunst war, lag es nahe, von ihr Formcln zur Gliedcrung dcr Buchscitc zu borgen. Hier haben wir ein schones Beispiel dcr doppelten Loyalitat: ein architektonisches Motiv kann als Lokalangabe ein innerbildlichcs Element sein, zuglcich aber auch ein Teil einer architcktonischcn Musterung dcr Buchseite.
Architektonische Strukiuren 191 Allgcmcincrc Gultigkcit hat abcr cine zweitc Form der Tcktonisic- rung der Buchseite /nit Hiifc archiecktonischer Efementc erfenge, in dcr die Architcktur als Bildrahmcn auftritt, also auftcrhalb der Darstellung befindlich. In eincr normannischen Handschrift cincs Je- saias-Kommentars (Abb. 197) sieht man ini Titelbild den Propheten in strenger Frontalitat untcr cincm Bogcn, der mit einer Fiille kompli- zierter architektonischer Baldachinformen bedeekt ist. die aus einer Masse von Tiirnicn, Bogengalericn, Dachern und einzclncn Motivcn der Kirchenarcbitektur bestehen. Was damit vcrsinnbildlicht werden soil, ist wohl weniger die Monumentalitat irgendeincr besonderen Baustruktur als die Majcstat von Ecclesia als GencralbegrilT. Gclcgent- lich waren architektonische Rahmenbildungcn auch in dcr angelsach- sischen Malerci vorgekommen, nicht nur fur das gceignctc Thema der Kanontafeln. sondern zum Beispiel auch fur die Umrahmung von Evangelistcnportrats. Nirgends aber vvurdc der rahmende Bogcn derart durch krbnendc Baldachinformen belastet wie in deni machti- gen Uberbau dcr normannischen Miniatur von 1100. Feme Vorlaufer dieses Typus von architektonischcn Rahnien lasscn sich bereits in dcr karolingischcn Buchmalerci entdcckcn, etwa in der Bibel von San Paolo fuori 1c mura (Abb. 198). Noch besitzen die karolingi- schen Architekturmotivc - ein Konglomcrat von Dachcrn, Tiirmen vmd Mauem - cVicr den Cbarakter eincs liber den Rahmcnbogen crschcinenden fernen Stadtbildcs als den einer massiveii Ba/dac/iin- 198 ’ : . ;d mil seinen Musikantcn. n S.m Paolo fuori lc mura, Reims (?), um 870-880
192 Konflikt Flache - Rauni bckronung. Mit dcr Eliminierung dcr illusionistischen Wcrte in der nachkarolingischcn Malcrci vcrlicrt die architektonische Fata Morgana uber dem Arkadenbogen den Charakter der Fernsicht, jcdcr Teil der Darstellung licgt nun innerhalb derselbcn Flache, auf dcr Buchscite. Um die vieltiirmige Fassadenkomposition unscrer normannischen Miniatur in die richtige historischc Pcrspcktive zu stellen, muB man sic als Parallclphanomcn dcs homme-arcade-Motivs schcn, das geradc damals in der friihromanischen Bauplastik seine Auferstchung fciertc (Abb. 199). In dcr Bauplastik wird die mcnschlichc Figur vcrmittels dcr Arkadc der Baumassc einvcrleibt, in dcr Buchmalcrei intcgricrt die Eingebundenhcit in die Arkadc die Figur in die Buchscite. Die vorgestellte Architcktur setzt die Buchseitc einem gebauten Raum glcich, der wic die rcalc Architcktur Einzelfigurcn wie Szcnen bcher- bergen kann. Wcnn es jetzt auf der Buchscite wicdcr ein Gravitieren nach unten gibt, so darf die gerahmte Flache doch nicht mit einem Bildraum vcrwechselt werden. Die Figuren sind vielmehr Architek- turbewohner in dem Sinn, wie sie im Schriftvcrband gleichzeitig Initialbewohner sein konnen. Am Hohepunkt dcs Byzantinisierens, zur Zeit der groBcn Bibeln, wie ctwa von Winchester (Abb. 147), tritt das Motiv dcr architcktoni- schcn Rahmung stark in den Hintcrgrund, um dann bci dcr Konstitu- icrung dcs gotischcn Stils in dcr Buchmalcrei - die bekanntlich hun- dert Jahre spater als die Konstituierung des gotischen Stils in der Plastik crfolgtc - emeut Bodcn zu gevvinnen. Wir haben bereits in einem anderen Zusammcnhang von der Hypertrophic der Rahmung gesprochen, die die erste groBc Bilderfolge der Pariser Gotik auszcich- net, den Vollbildcrzyklus des Ludwig-Psalters (Farbtafcl xxvi). Jede Miniatur ist durch einc Bordiirc eingefaBt, in der aber auch noch cine architektonische Rahmung steckt. Dicse hat nic gcgenstandlichc Bcdeutung, ist nicht Lokalangabc. Vcrlangt die Erzahlung eine Bau- lichkeit, dann wird cben ein Dach uber das anderc gcstiilpt, anschci- nend ohne daB der Kiinstler darin eine contradictio in adiccto gesehen hatte. Inhaltlichcs und dekoratives Ambicntc waren hicr zwei ganz verschicdcne Dingc. Die architektonische Bekronung ist auf dicser Stilstufc einc bloBe Vorlage, diinn wie cine Blendfassade oder eine oberflachlichc MaB- wcrkglicdcrung. Auch dies ist cine Ubertragung von Strukturvcrhalt- nissen der realen Architcktur auf die Formung dcr Buchseitc, die Anwendung des Prinzips des diaphanen Wandrelicfs. Die Figuren dcr hochgotischcn Miniaturcn lasten nicht auf dcr Buchflachc, sic schwcben auf ihr (man vcrglcichc zum Bcispicl das Kanonbild des Missalcs von Scnlis vom Anfang des I4.jahrhundcrts, Abb. 200). Dcmentsprcchcnd sind sic von auBcrstcr Zarthcit, Schlankhcit, Ele- ganz, atherisch. Dicselbc Kunst, die in der Plastik Gcstaltcn von einzigartiger Monumentalitat schuf, hat in der Buchmalcrei ein Figurcnformat des Diminutival, cinen Miniaturstil dcs Figurlichcn cntwickelt. Das gilt aber hauptsachlich fur die franzosischc Gotik, wedcr die englische noch die dcutsche Gotik hat den Sinn dieser subtilen Unterscheidung crfaBt, in der Buchmalcrei bcidcr Lander gibt cs nach wic vor groBformatigc Bildcr bzw. Figuren. 199 Engel, Chorumgangsrclief. Toulouse. Saint-Scrnin, Siidfrankrcich, um 1100
Architcktonische Strukturen 193 teftohi let тпипви brrfiwidafiwrttaaiaii*» IK ?n pmme otut ffmmul ctriui tue rends mrftjum tttmftiflf- in? да toOtue ft&tj x.rr кдодо jjn m« mtv oat отпиши ana шгп ftrnui mo jwp« to.J^ йп к «те-Нворп®* «tuj! f er ntU. OUb£kna.SO); ecfkme onetuo £rtotKu*pMt ritfc fimtnlftg fimiofttey r: .уц mi iH'rrwjmiienr 200 Kanonbild. Missale von Scnlis, Paris, Anfang I4-Jh. 201 Majestas Domini. Missale und Brevier von Chalons-sur-Marnc Ile-de-France, Anfang 14-Jh. Eine spczifischc Eigentiimlichkcit dcr gotischen Miniaturmalcrci Frankrcichs ist die Ornamcntalisicrung der Bildfcldform mittels von der Architcktur cntlchnter Zicrformen, Vicrpassen und mcdaillonar- tigen MaBwcrkinnenraumen (Abb. 200). Einc ganze Majcstaskompo- sition kann einem vielgliedrigen MaBwerkgitter cingcschriebcn wer- den (Abb. 201). Gold ist jetzt nicht mehr die bevorzugtc Hintergrund- farbe, die Figuren erscheinen nun vielfach auf roten odcr blaucn Mustcrflachen, ahnlich wic in dcr glcichzcitigcn Glasmalcrei, in dcr ja iibrigens die diaphanen Strukturen ein besonders dankbares und kongcniales Betatigungsfcld gefunden haben. Selbstvcrstandlich hat das Buchformat sclbst die Tcndenz zum Kleincn, nicht nur in den Taschenausgaben der in winzigen Buchstabcn geschricbcnen Univer- sitatsbibcl, deren Pcrgament an Feinhcit dem Dunndruckpapicr mo- derner Ausgabcn nicht nachstcht. Die Schwcrclosigkeit von Buchma- lcrci und Malerciuntcrlage halten sich die Waagc. Die Freiheit, die die ubergeordnete architcktonische Rahmung der Spezifizicrung des Szenariums laBt, kann am schonsten in einem der Hauptwcrkc der Pariser Buchmalerei des friihen I4.jahrhunderts
194 Koiiflikt Fldclie Raimi commmmif les fomslr nofhrto [mrfcloiirUifegtttla ©uit cc tome. ■ Ошшс labin mot арию. ЯВ&^йштсит fliuimmftbir Inu VnL- ** V^mifnam. ЯЛяГ» & ^iwuiribifflOHiimmc studiert werden, dem Bilderbuch dcr >Vic de St. Dcnis< der Biblio- theque Nationalc in Paris. In ciner Predigtszene (Abb. 202) bringt der Miniator cin ganzes Panorama von Paris in dem von Strebcpfcilern gestiitzten Architekturkompartimcnt unter. Am FuB der Miniatur flieBt das Wasser der Seine, dariiber steigt die turmcrcichc Stadt auf. Und je hoher wir gehen, urn so groBer werden die Figuren. Die MaBstabe sind der Bcdcutungspcrspektive entnommen, vom Stand- punkt dcs Heiligen aus sind die Entfernungen bestimmt. Viellcicht spielte noch ein anderer Faktor mit: indem der Malcr die schwereren Figuren nach oben verlegte, sorgtc er fur cine gleichmaBigc Vertci- lung dcr Akzentc liber die Bildflache, balanciertc cr unten und oben aus. Wobci er noch die Hilfe der sechs aus den Bildrandern hervor- wachscndcn Dornblattzweige hatte, gleichsam zur Vcrankerung auf dcr Buchseite. Die >Vic dc St. Dcnis< ist 1317 datiert. Inzwischen hatte sich aber auf cinem anderen europaischcn Schauplatz ctvvas Umwalzcndes cr- cignct, von dessen Folgen auch die nordische Buchmalerei nicht ver- schont bleiben solltc. Es war in Italien zur Ncukonstituicrung dcs Bildraums gckommen: mit Giotto war die Fordcrung aufgcstellt worden, die Einzcldinge wie ihr gegenscitiges Vcrhaltnis als Tcil eines drcidimcnsionalcn Kontinuums zu begreifen. die Topographic eines zunachst noch schr begrenzten Bildraums als die primarc Ordnung anzuschcn und die Bildebene - die bisher fur allc Bildordnung tonan- gebend war - als Ort der Erscheinung des Dreidimensionalcn als etwas Sekundares zu bchandeln. Der Umsclnvung hatte sich auf dem Gebiet der Monumcntalkunst vollzogen. Die Anwendung dcr neuen Lehrcn auf die Buchmalerei muBte zur Erschuttcrung der auf der 202 Predigt des Ы. Dionysius in Paris. Leben des hi. Dionysius, Paris, 1317 203 Vcrkiindigung. Stundenbuch dcr Jeanne H., Konigui von Navarra, Franzosisch (Pucclle-Werkstatt), 2. Viertel »4.Jh.
Architektonische Strukturen 195 204 GciBclung Christi und Christus vor Pilatus. Missale, Schulc dcs Jean Pucclle, Mitte 14-Jh. uncingeschrankten, absoluten Zweidimensionalitat dcr Buchseitc ba- sicrendcn Ordnung flihren. Damit aber begann die Existcnz dcr Buch- malcrci als solchcr in Frage gcstcllt zu werden. Die Entschcidungcn in diesem Konflikt ficlcn in Frankreich, wo die Gesetzlichkeit des spczifischcn Buchscitcnambicntcs ihre reinste Ausbildung erfahren hattc. <Italien hat ja nie odcr scltcn die Entwicklung dcr Buchmalerei von ganzem Herzen mitgcmacht, nie cincn cigcnen Stil der Buchma- lerci geschaffen.) Eincs dcr bczcichncndstcn Symptomc dcs Konfliktcs ist die Tendenz zur Verdinglichutig der architektonischen Rahtmmg; die ornamentalc Fas- sung dcs Bildcs wird in cin drcidimcnsionalcs Objekt umgewertet und die Grenzen zwischcn architcktonischer Rahmung und Lokalangabc werden vcrwischt. Vicr Bcispielc, die ich allc aus deni Wcrk dcs Jean Pucclle und seines Umkrciscs nehme, jenes Pariscr Kiinstlcrs, der im zweiten Viertel des I4.jahrhunderts die Botschaft des neuen giottes- ken Evangeliums nach Frankrcich gebracht hat. Im ersten Beispicl (FarbtaFel xxviii) setzt sich das Bildfeld mit Fialcn gegen die Hohc, mit Strcbcpfeilern gegen den Scitcnrand ab und ruht auf eincr Platt- form, wird aber auBcrdem noch von Drolcricgcschopfen wic von Karyatiden getragen. Das Bild hat Schwcrc bekommen, wird als etwas Lastcndcs vorgcstcllt. Im zweiten Beispicl (Abb. 203) ist dcr dekorative Rahmcn zum Haus ausstafficrt, in dem sich die Verkundi- gungsszcnc abspielt. Rahmcn und Ortsangabc sind cins. Im dritten Beispicl (Abb. 204) wird dcr Rahmen gcrusthaft verdinglicht, um glcichsam auf verschicdcnen Stockwcrken Spielbiihnen flir die Auf- flihrung mehrerer Episodcn (GeiBelung und Christus vor Pilatus) zu gewinnen. Im vierten Beispicl (Farbtafcl xxix) wird die flache
i c/) Kotiflikt FLiilit' - Riium 20 S Majestas Domini. Tres belles heurcs des Herzogs von Berry, Jaequemart de Hesdin. Anfang 15-Jh. Rahmung mitsamt ihrer inncrbildlicbcn Parzcllicrung zur Vordcrscitc eines Goldschmiedewcrkcs, eines Schreins, der eben vorne mit cincr Darstcllung der Majcstas Domini gcschmiickt ist. Gcgcnstand der Miniatur ist nicht die Majcstas-Vision direkt, sondern ein mit dieser verziertes Kultobjekt. Die dem Thema inharentc Frontalitat kommt nicht durch eine zweidimensionale Gliedcrung der Buchscite zu- stande, sondern weil wir die Vordcrscitc eines dreidimensionalcn Ge- bildes zu schen bekommen. Damit ist unversehens die Frontalitat der Komposition als etwas Archaisches deklariert. Es ist besonders instruktiv, an diesem mctaphysischcn Thema, des- sen bildliche Organisation schon in karolingischer Zeit zu cincr festen Formel geworden war, die zah weiter lebte. die Entwicklung bis zu dem Punkt zu verfolgcn, wo der metaphysischc Himmel dem physischen gleichgcsctzt wird, die Theophanie also wieder in die Wolkcnhohen steigt, aus dcr sie vor grauen Zeiten gekommen war.
Architektonische Strukturen 197 206 Vorzeichnung einer Majcstas Domini. Tres belles heures des Herzogs von Berry, Franzosisch, Ende 14.JI1. In einem der mit hochstem Luxus ausgestatteten Stundenbiicher des Herzogs von Berry, eines der groGtcn Bibliophilcn und Mazcnc, gibt es eine Majcstasminiatur (Abb. 205), die keinerlci architektonische Rahmung und auch nicht die iibliche Feldcrparzellicrung aufwcist. Abcr was wir heute sehen, war nicht urspriinglich so gcplant. Auf der Riickscite scheint die traditionelle gotische Rautcncinteilung durch (Abb. 206), die offenbar vom Planer dcr Bilderscrie, die urn 1400 entstanden ist, vorgesehen war. Der ausflihrende Miniator, der bercits einer jiingcrcn Generation angchorte, konntc mit dem alten Rauten- mustcr nichts mehr anfangen und iibcrmalte das ganze Bildfeld in Blau - die blauc Luft, in dcr der Allmachtige von einer feurigen Engclsgloriole getragen schwebt. Von den Symbolwesen sctztc er die gefliigelten sinnvollerweise in die Luft, den VicrfiiBern abcr breitetc cr cin Stuck Erde unter die FiiBe. Das Bildfeld ist wieder imaginarer Raum, der von der Erde bis in den Himmel reicht.
198 Kotiflikt Flachc - Raum 207 Totenmcsse. Stundcnbuch. Meister dcs Marcchal dc Boiuicaut. 1. Vicrtcl 15-Jh. Wir stehen an cincr Zcitenwendc. Als das Bildfcld zum Bildraum wurdc, dcr Bildrahmcn cin Gehausc fur die Figure», die es bcwohn- ten, vcrwandclte sich die Flache dazwischen in cine Offnung, durch die man in cine Tide blickcn konnte, hinter die Buchseite, wic in cinen Guckkasten, dessen Vorhang beiseite gcschoben wordcn war. Dcr Einbruch in die Buchseite schuf einen Hohlraum, cinen Innen- raum. Hier lag einc der Wurzeln der Fntstchung des echten Intcrieur- bildcs, zu dessen Illusion es gchort, dab in ihm nur sichtbar wird, was innerhalb dcr vier Wiinde crblickt werdcn kann. Dicscr modernen Konzeption standcn noch Cbcrbleibsel altcrer Vorstellungsgewohn- heiten im Wcge. Noch wirkte im Norden die Trecento-Vorstcllung nach, derzufolgc cin Innenraum als AuBenansicht mit geoffnetcr Vor- dcrscite wiedergcgcbcn zu werdcn pflegtc (Abb. 207). Man konnte lange die Ganzhcitsvorstellung des Baublocks nicht aufgeben, auch wenn es nur auf das Innere ankam. In dcr nordischen Buchmalerei klammcrte man sich aber an das Stuck AuBenbau, das den Einblick ins Innere umfaBtc, noch aus eineni anderen Grunde. In ihm hatte
Auflrecheu des Raumkon/Ukts 199 man noch cincn lctztcn Rest jcncr dekorativen Rahmung, dercn Funktion cs war, das raumhaltigc Bild in die Ebcnc dcr Buchseite einzubindcn. <Und so wird man auf diescr Entwicklungsstufe, am Anfang des is.Jahrhunderts, wenige Darstellungen von Raumlich- keiten findcn, die nicht, auch wcnn sie einen Innenraum wicdcrgebcn wollen, diese Bogenoffnung von auficn zcigen; sie ist cigentlich nur verdinglichtc Form des alten dekorativen Rahmcns.) Ein gcnialcr Kiinstlcr, einer der Briidcr van Eyck, hat Mittcl und Wege gefunden, auch diesen lctzten Rest konventioneller Form vom neuen Raumbild absorbicrcn zu lasscn. In der Totcnmcssc des Turincr Stundenbuches (Abb. 208) gibt cr vor, die Messc findc im Chor einer Kirche statt, dercn Transept noch im Bau bcfindlich sei. Infolgcdesscn schcn wir zwar ein Bruchstiick einer Kirche, aber doch allcs, was da war - die Annahme einer unfcrtigcn Kirche gcstattet ohne Vcrlctzung 208 Totenmcsse. Turincr Stundcnbuch, Mcister des Turincr Gebetbuchs (Flandcrn). a.Jahrzchnt 15.Jh. £a mdlc ц tucn? сшuftidM •• 1 a inCfiR pip№<Ui№>: tS. itaemOor ttnbnvmm иштт il* <
200 Konflikt Flache - Raimi der Anschauungslogik simultan Inncn- und AuBcnansicht. Dcr Kiinst- lcr trcibt das Spiel mit dcr Illusion noch writer und laBt den Bau iibcr eincn cinfachen Bildrahmcn, eine kleinc goldenc Leiste, hinaus in die Hohe rcichen. Die Schnittflachcn dcr Gewolbe geben die vordcrc Bildgrcnze als Durchschnitt aus, die Oberschncidung durch den Bild- rahmen definiert die Darstellung als Ausschnitt. So ist inncrhalb des Rahmcns das Innere, auBcrhalb das AuBcre des Baus zu schcn. Es ist nicht ganz klar, ob die Illusion beabsichtigt ist, das cine liege vor, das andcrc hinter der Bildcbenc, bzw. Buchseitc. Der Durchblick durch die Buchseite, wie genial auch immer moti- viert, bedeutete, daB das Buch von nun an das Bild als Fremdkorper in sich bcherbergte, auf dessen Gestaltung es kcinerlci Wirkung mchr hattc. Mit Miih und Not versuchtcn einige Miniatoren durch naturali- stisch verlebcndigtc Rankcnbordiircn zwischcn der Drcidimensiona- litat dcs Bildraums und dcr Ebcne der Buchseitc zu vermittcln, wah- rend andere glcichzeitige Miniatoren die Rahmcnbordurc dcrart umzugestalten trachteten, daB sic in Einklang mit der neuen Raumauffassung gcbracht werden konnte. Die Krisc dcr Buchkunst war in ein akutes Stadium getreten. Jedc der drei Krafte, in deren Zusammcnarbeit cine illuminiertc Handschrift entstand - dcr Buch- malcr, dcr Schreibcr und dcr Dckoratcur, der zwischen beiden eine Mittclstellung einnahm (dcr >cnlumineur< in der franzosischen Tcrmi- nologie der Zcit, die ihn vom >historieur<, dem Malcr dcr cigentlichcn Buchbilder, untcrschied) - jeder der drei hatte ein ganz anderes Ver- haltnis zur Buchseitc: Schauen und Lescn waren zwei wesensmaBig verschicdenc Aktivitaten geworden, seit dcr wanderndc Blick dem sdllgelcgten, unbeweglieh fixierten gewichcn, die Werkunterlagc cin- mal optischc, das andere Mai rcalc Ebcne war. Es hat nicht an Versu- chen gcfehlt, eincn Modus vivendi zu finden, und einige Male ist cs auch im i5.Jahrhundcrt gclungen, durch ingenios ausgedachte Illusionsverfahrcn genuine Buchmalcrei zu schaffcn, d.h. Malcrcicn, die nicht Tafelbildimitationen waren, sondern eine cigenc, aus den spezifischcn Existenzbcdingungcn ihres Mediums entwickcltc Ord- nung besaBen. Die Namen Fouquet in Frankreich, Meister der Maria von Burgund in den Nicderlanden61 bezcichnen die Gipfclpunkte dieser letzten Bliitezeit der abendlandischcn Buchmalerei. In beiden Fallen ist der tiefere Grund dcs Gelingcns dcr, daB erstens ein gemcinsames System der Organisation, cin gemcinsamcr Ncnncr fur Bild, Ornament und Schrift gefunden wurde, und zweitens, daB dcr Ort der gemeinsamcn Oricnticrung wieder die Obcrfliichc dcr Buchseitc war. Der Meister der Maria von Burgund begann das Wcrk der Rcgcncricrung dcr Buchmalerei mit eincr Aufwcrtung dcr Randzone. Er will den Rahmcn als Nahzonc verstanden wissen, von dem aus wir wie durch cin Fenstcr in den Kirchcnraum, ein Interieur odcr auch in eine feme Landschaft blicken. Bild und Bordiirc, die ganze Buchseite, sind in eincr Perspcktivc erfaBt (Farbtafel xxxi). In dcr Bordiire wird die reale Flache des Buches wicdcrhcrgcstcllt; in einem kunstvollen Spiel optischer Illusion wird vorgegeben, daB auf dcr Buchflachc Blumcn, Juwclcn, Muscheln oder andcrc hiibschc Dinge ausgestreut sind; es sind die sogenannten Trompe-l’oeil-Rah-
Auflfrecheti ties Raunikonflikts 201 209 Szenen aus dcr Passion Christi. Meistcr der Maria von Burgund (Brugge), um 1490 ilica oitimt bi Dm. IHCit it лишь H 06 тшж ТшИН UUlltnr 1«Ш&| И ипииСТДсиъ ш aO uuo шп) ниш» itmf & coti и не aO a&iwut Опт тс fifh №Mfintitjjnm t*c /«IcO a fpiunu mungen. Nun ist die Ebcne dcr Buchscite die Barriere zwischen zwei Riiumen, dem imaginaren des Bildes hinter dcr Seite und dem als real vorgctauschten vor ihr. Wie aber stcht es mit der Schrift? Sie ist als Inscl an der Scheidcwand dcr Raumc zuriickgebliebcn. Es gibt bei dicsem Mcister aber noch eine andere Art, das Verhaltnis von Bild und Schrift zu harinonisieren. Und die ist noch bezcichncnder fur die historische Lage der Buchkunst dieser Spiitzcit. Das Bild und scin Raum iibersiedelt in die Randzone, und in ihrer Mitte, als Untcrbrechung, erschcint ein Blatt Schrift, wie cin Plakat in der Luft schwebend, oft auch mit Schniircn befestigt (Abb. 209). Jetzt ist auch die Schrift Teil cines geschauten Raums. Nun ist die Randzonc fern von uns, die Mitte mit dcr Schrift nahe, damit wir sic lesen konnen. Wenn friiher, im Mittelalter, die Schrift- seite cin Bild enthielt, so jetzt das Bild ein Stuck Schrift. Das Bild hat liber die Schrift triumphiert.
202 KonJJikt Flache - Raum ustfcai i.n bomlncjrodu ft i^urfrw i}«r nloqiuer4li>nb .b(J( t»nu rf»lr JJi'lfCP grofcit: in h x эш (mjulirr vpi m j( *ire P qmaccD4iuvpi4* HPgubrtii*r.fynMfib (Mr bikcft.!5oJ imcbwi inHJigcrcmigir , inr .p npmrto rifc arh tumit *r irrfirr* оt / S3 арендах «Теорем» jnqjmjaefrt* f. jnrcb^i.-'jfcquar.bcKMcftqubtgiV 11 caJan к euii л. imirp q* hie own ккя *r rr^qoLyiJ.FptrqmJnciMicei.iui.pj^ijd j.V'rw Ь ir.i i uftlrtwMtrjntvi gnu jm nltufuijHtf tt-T '?.Vir I.M 4'l «* bui к-'^доЬ f. mult jU oq. rfl j ' ~ ш tpvndcrtp oif ri namrnilfcctPM' f«»*e<dlijuubK«u И лтс iabecoziokatmo Uni tiraba r*r W |'Лттп»ропГ'Ош AjluquHopai fanfei Kitviu Шага ftoL rr tot'«but *M qt-u' ‘ 1 qir iefc;iMia)MiHih:iii>PMldJigi»lrtfpc 1 bxau<*fc5ptjiViufantjkjrm>o*c)p<iiij bio-j non po«mb*io memo; 'р'.шЛил lUtor pciix» ж>4*с potrnibBin .po> Ttrtpfi jliqp liindgc R№Mon.'iabiuiftnc<iicflid<MnUJBirqu^ ^ ikpcummcnp t нкЬзЬл ftnfum Ъ з *C ihj-dcujrui mu$nuf лм i *1*1 tv ii| титл j irptnr п «не p*r p iinpii Ьсн» и auigt * i tw»rtiTua,.-tS ■fit лшсг mono?» jbouu > I Ьгфг uikUl i**, "«ilttincmo?»c 1 » К» mlurl>ll1 1 J. 1 tnntiitsfimiK;rjvnm пипictomim jn(aa>«Tv« г epr ntnmnutai ajnct * v qa fe num jr-. m trnr о fbtotonru* rrr.r Cl 7 cn^i.J mapxTifu c tbm. 4ti um jrt> rum cr I inufar rtpavnailboe -*i pi- b*tf nu 6i rm . J jg|>he »>1ut сч liii'jhtvM исфПо. m txfOjri тжя i*«iV u ihirr i]~rAt т fan if hr r%r** i intiiteati»- hicnk.tiii wi!ii»lM$gi> . ■огпмечИ Cuodiuotobamtao ii те jstcnunifpracDacriaatMwbjersria , <ЬкЬЬойсЬ*(МоЬспрЫ gnuB<uati«bo I | bnatMAikbaaiiabiki jnwdL ZUutnf yl I ^mdcigaaf сцкитЫ A псоЛт micfc p; fad top*» ^iaw^pftaitnirttu*l«rrr*r I cjr«UKbdtvnbtt».caQf*i idgwnprit .J aiqdofcnju'wincftcLgrono алиеготоик V TttemsK to<9gotrin.-^c*ci>'j odq* bo. u qatdc* »3K num qdj ficcn fcdm«ui*nfce pw, • n*i Lttuidaw tft гзлфпоп fmpMtw tifchfwtavWuu frJftntfrjnomrbjbct »uf*i jtoftut £i< о iroaelignodlp x*a tobbot irtcm ш u, (xTun lofcMmidft ctilbim =ппз. '(bohiim iiuie btbt д41&с гч* i fc non pof ftincnp’nw JW« (tn%u no» vwi fn»njH4m eflepofunc _■ ‘i > >ruio^(OjiuiiA(0n’4 l nepttpsrincU* *>. vr^uiJocnulbPtciii in j.>..^^rquidi5ni<U4hcl» (ctiquunkJiw fcUim'i'.IP'.- uiqiudomi^ini (onucn*T3<ft / 210 Titelscitc von Band n der Wcrke von Aristotdes. Venedig (Girolamo da Cremona oder Jacometto Veneziano). Druck von Andreas Torresanus, Venedig, 1483 Es gibt cine Parallele zu dicscn nicderlandischcn Buchbildern in der vcnezianischcn Buchmalcrei, und zwar cine vollig glcichzeitige. In ciner diesmal schon gcdrucktcn Aristotclcsausgabc sehen wir die sie- ben Wciscn der antiken, ostlichen und abendlandischen Welt auf dem Balkon eincs mehrstockigcn Gebaudes stehen, an dessen Gcsims die erste Seitc der Metaphysik angchcftet ist (Abb. 210). Eine Variante dieser Formidee ziert die Anfangsseite des ersten Bandes der Aus- gabe (Farbtafel xxxii). Das Blatt schcint zerfetzt und zerrissen zu scin und gibt uns so den Blick in die Bildraumc dahinter frei. Wir konnen diese geistrciche Schopfung symbolisch nehmen, nicht nur dieses Blatt droht zu zcrfallen, die Tagc der Buchmalerei sclbst waren gczahlt.
Anhang
Anmerkungen 1 Gemcint ist Propylaen-Kunstgeschichte Band vi, M. Hautt- mann, Die Kunst dcs friihen Mittclaltcrs, Berlin 1929. 2 (Eine noch krassere Darstellung findet sich im Bild der Kreu- zigung dcs Psalters dcs hi. Ludwig (Paris, Bibliothequc de Г Arsenal, Ms. 1186, f. 24 т), in dem nicht nur Johannes, son- dem auch Maria sclbst ein Buch halt.) (Abb. in: H. Martin - Ph. Lauer, Lcs principaux manuscrits a pcintures de la Biblio- thcque de l’Arsenal a Paris, Paris 1929, Tatcl viii). 3 (Es handclt sich um einen italienischen Codex dcs b.Jahrhunderts, also aus dcr Zeit der Missionstatigkeit des Augustinus.) 4 Die Subskription ist schon von einem altcrcn Codex kopiert. Sie lautet dahingehend, daB Columban zwolf Tage fur die Nicdcrschrift bcnotigt habc (E. H. Zimmermann, Vorkarolin- gische Miniaturen, Berlin 1916, S. 231). 5 Flann Mac Maclsechnaill, Konig von Irland, lieB zu Beginn des lo.jahrhundcrts fur das Book of Durrow einen Schrcin anferdgen, der um 1690 in der Bibliothek des Trinity College, Dublin, verlorcnging. 6 Vgl. dazu: Irischc Kunst aus drei Jahrtausendcn. Thesaurus Hiberniac. Ausstellung Koln und Berlin 1983, Kat.Nr. 7$. Weitere Buchreliquiarc cbenda, Kat.Nr. 76 und 83. 7 Reflcxc solcher Darstcllungen, in denen Rollc und Codex gleichzeitig gehandhabt werdcn, tauchen noch oftcr in der abendlandischen Buchmalcrci auf. Als ein Beispiel unter viclen sei der um 800 in Salzburg entstandene Codex millcnarius (Abb. 35) crwahnt. 8 (Ein anders gcartetes Dokument besitzen wir in der Notitia dignitatum - einer Art Staatshandbuch aus spatromischcr Zeit - in der als Amtszeichen des Magister scriniorum (Kanzlcivor- stand) Rollenbiindel und zuglcich auch Codices dargcstcllt sind. Vgl. die Abbildung nach f. 3 r dcr Kopie in Cambridge bei F. Wormald - Ph. M. Giles, A descriptive catalogue of the Additional illuminated Manuscripts in the Fitzwilliam Mu¬ seum, Cambridge 1982, Bd. 2, Abb. 76. (Die Notitia dignita¬ tum ist nur in spatmittelalterlichen Kopien erhalten, die ihrer- scits auf eine im i7.Jahrhundcrt vcrlorengegangene karolingi- schc Kopie zuriickgchcn.)) 9 (Die alteste dcrartige Rolle, die noch erhalten und sogar noch in Gebrauch ist, befindet sich bei den Samaritancrn in Nablus in Palastina; abgebildct in: Bibel-Lexikon, Hrsg. H. Haag, Einsicdeln 1951, Tafel vn.) 10 Der Utrccht-Psalter ist Endc des ersten Jahrtauscnds nach Eng¬ land gewandert. AuBcr den beiden erwahnten Kopien wurdc dort um 1200 noch eine dritte angefertigt (Paris, Bibliothequc Nationale, Ms. lat. 8846). Im Jahr 1716 kam dcr Psalter nach Utrecht. 11 (Der Oxforder Pap. gr. Oxy. 2331, der drei Skizzen von Heraklestaten enthalt, wurdc von K. Wcitzmann als bcdcuten- des Fragment einer umfangreichen illustrierten Rollc gewer- tet, von anderen Forschcrn hingegen lediglieh als kleines satiri- sches Poem betrachtet.) (K. Weitzmann, The Oxyrhynchus Papyri xxn, 1954, S. 85 ff., Tafel xi. - P. Maas, The TPYAAOZ Papyrus, in: Greece and Rome, n.Serie, Bd.v, Nr. 2 (Okt. 1958), S. 171 ff.) 12 Der Autor bczicht sich hier auf den von Alois Riegl (Spatrb- mische Kunstindustrie, Wien 1901) gepragten Begriff de» >Kunstwollcns<. Vgl. dazu auch O. Pacht, Methodisches zur kunsthistorischen Praxis, hrsg. v. Jorg Oberhaidacher, Artur Rosenauer u. Gertraut Schikola, Miinchen 1977, S. 242, 2\; und 292. 13 (Ein besonderer Aspekt ist die Ubersetzung dcr Kostume - die auch nicht mehr verstanden werdcn - in die der eigener. Zeit, ein ModernisierungsprozeB, der in der gesamten mittel- altcrlichen Kunst permanent stattgefunden hat.) 14 K. Wcitzmann, Ancient Book Illumination, Cambridge (Mass.) 1959. - Derselbc, Illustrations in Roll and Codex. A Study of the Origin and Method of Text Illumination, Prince¬ ton 1970 (2. Auflagc). 1$ F. Wickhoff, Romische Kunst (Die Wiener Genesis), Beri::. 1912, S. 199 ff. 16 Der Ikonoklasmus des ostliehen Mittclmccrraumcs wurdc :: dcr Synodc von Hiereia 754 thcologisch begriindet. 17 In den typologischen Bildpaaren odcr Bildserien von Armer- bibcl (BibliaNpauperum) und Hcilsspicgel (Speculum humane salvationis) tut sich cine spezifisch mittelalterliche Denkwei'- kund, die - durch ein Christuswort gleichsam autorisiert (\-g. P. Durrieu, Les prefigures de la passion, in: Revue de Гаг: chrcticn lx (1910), S. 67-69) - im Laufe der Zeit zu cine:: umfassenden, die gesamte Hcilige Schrift ubcrgrcifcndcn S\- stem ausgearbeitet wurde. 18 Vita magna s. Hugonis episcopi Lincolniensis, auct. Ada:: abbate, lib. 2, cap. 13, p. 92: ... Promisit [Henricus n. re\ etiam unam bibliothecam, utriusque testamenti corpus integr. continentcm, se transmissurum ei. Rcdiit prior [Hugo] d. - mum. Rex promissi sui non immemor, inquirit solicitc bibln - thecam optime confcctam, quam ei conferre potuisset. Suggc- ritur demum studiosius quacrcnti monachos s. Swithuni [ Wi:.- toniac] egregiam recenti et decenti opere confeci^. bibliothecam, in qua ad mensam edentium jratrum legi debuts.4 ■ (O. Lehmann-Brockhaus, Lateinischc Schriftquellcn zu* Kunst in England, Wales und Schottland vom Jahre 901 b: zum Jahrc 1307, Bd. 2, Miinchen 1956, S. 681, Nr. 4828). 19 (Der Lowe und nicht dcr Adler ist hier - cntsprechcnd cL- vor Hieronymus geltenden Zuordnung - das Symbol da Johannes.) 20 (Fur die vier Evangelien gab cs in dcr Spatantike auch gemeiu- same Titel, die vor den Kanontafeln cingcfiigt wurden, vu z. B. im Codex purpurcus Rossanensis, mit den vier Evangcl:- sten in Medaillonform (Abb. xviii bei K. Weitzmann, Spa:- antike und fruhchristlichc Buchmalerci, Miinchen 1977). \Y:* haben in friihen abendlandischen Handschriften einen Refit-* dieses Brauches: Das Book of Kells z. B. vereinigt auf ff. 2" . und 129 V die vier Evangclistcnsymbole wie der spatantik. Codex die vier Evangclistcnbilder (Farbabbildungen in: Ir> schc Kunst aus drei Jahrtausenden. Thesaurus Hibcrniae. Au— stcllung Koln und Berlin 1983, S. 10, 11). Spater sind solch. gemcinsame Titel (Tetraevangeliar-Bebildcrungcn) schr scht- zu finden.)
Anmerkungen 205 21 <Ab dem 1 i.Jahrhundert wurden Schrift und Bild in den Exultet-Rollcn nicht mchr gleichlaufcnd, sondem in cinander entgegengesetzter Richtung angeordnet, d.h. die Schrift stcht auf dem Kopf, wenn man das Bild ansieht, und umgekchrt. Die vor dem Ambo versammclte Gemeindc konnte so die Illustrationcn >richtig< schcn, wenn dcr Diakon bcim Lescn die Rolle iiber das Lesepult hcrabgleiten licB.) 22 <Dicse Gleichung findct sich auch in einem karolingischcn Sakramcntarfragment (Paris, Bibliothcquc Nationale, Ms. Iat. 1141, f. 6v). In dcrselben Handschrift ist unseres Wissens erst- mals auch beim Prafationszeichen der Schritt vom rein dekora- tiven Buchstaben zum Bild gemacht worden (f. 5r).) Farbab- bildungen in: F. Miitherich, Karolingische Buchmalerci, Miin- chcn 1976, Tafeln 33 und 34. 23 Innocent» »i Papae De Sacro Altaris mysterio libri sex, lib. Ш, caput h; De his quorum memoria colitur in secrcta (Patrologia Latina 217, 840/841), im vollen Wortlaut: Propter quod inter praefationem et canonem in plerisquc sacramentariis imago Christi depingitur, ut non solum intellcctus litterac, vero ctiam aspectus picturae memoriam Dominicae passionis inspiret. Et forte divina factum cst providenda, licet humana non sit indu- stria procuratum, ut ab ea littera T canon inciperct, quae sui forma signum crucis ostendit et exprimit in Figura. T namque mystcrium crucis insinuat dicente dominc per prophetam: Signa Thau in frondbus virorum dolcntium et gemendum (Ezech. ix). 24 Joannes Bclethus Theologus parisiensis Rationale Divinorum ofTiciorum Cap. xl»i, De sccunda parte missae (Patrologia Latina 202, 53): Invenitur autem ibi quaedam figurae ad simili- tudinem nostrorum delta, D scilicet undique clausum, quod in parte praecendenti V nostrum complectitur, quod in sum- mitatc apertum est, in quorum parte medio tractulus per trans- versum ducitur, utramque in modum crucis partem copulans. Quod quidem non sine causa factum est. Per delta enim circu- lariter clausum, divina figuratur natura, quae nec principium nee fmem habuit. Per V exprimitur humana Christi natura, quae principium in Virginc habuit, sed fine carebit. At vero tractulus in medio utramque partem conjungens, crux est per quam humana sociantur divinis. 25 Guilelmus Durandus, Rationale Divinorum OfFiciorum, Lib. пн, Cap. xxxiii, De praefadone (lo. Bapt. Buysson, Lyon, 1592, 278): ... Idco ergo hacc figura in praefationis principio ponitur, quia per mystcrium unionis & domini passionis pacifi- cantur homines angclis, & sociatur humana divinis, in praeco- nia Salvatoris. ... 26 Abbildungen u.a. bci L. A. Doumovo, Miniatures armcnicn- ncs, Erewan 1967, Tafeln 51, 60, 63, 74. 27 J. Strzygowski, Der Dom zu Aachen und seine Entstcllung. Ein kunstwissenschaftlicher Protest, Leipzig 1904, S. 53 f. Die Frage des Zusammenhangs zwischcn den westlichen und den ostliehen Fisch- und Vogclbuchstaben wird von C. Norden- falk. Die spatantiken Zierbuchstabcn, Stockholm 1970, S. 202 fF. zusammenfassend crortert. 28 <Z. B. die dcr 1476 datierten Kennicott-Bibcl (Oxford, Bod¬ leian Library, Ms. Kennicott 1, f. 447 т), Abb. ix bei J. Gut- mann, Buchmalerei in hebraischen Handschriftcn, Miinchcn 1978)) vgl. ebenda auch Farbtafel 10, Bibel aus Ccrvcra, Spanien, 1300; Lissabon, Bibliotcca Nacional, Ms. 72. f. 449 г. Bei beiden Bcispiclen handelt es sich um ein Kiinstlcrko- lophon. 29 <Eine Scitenlinie diescr Initialform, die sogenannte gymnasti- sche Initialc, in der der Buchstabenschaft das Rankenge- schlingc vertritt (Abb. 139), solltc spater groBe Bedcutung crlangcn (siehe Seite I34ff.).) 30 Vgl. auch Rouen, Bibliothcquc municipalc, Ms. 456 (Psalmen- Kommcntar dcs hi. Augustinus), f. 1 r, abgcbildet in: J.J.G. Alexander, Initialen aus groBen Handschriften, Miinchcn 1978, S. 16, Abb. x. 31 O. P'acht - C.R. Dodwell - F. Wormald, The St. Albans Psalter (Albani Psalter), London i960. 32 p. 68, Aliud est picturam adorare, aliud per picture historiam quid sit adorandum addiscere ... Grcgorii I papae Registrum Epistolarum tom. 11 (Monumcnta Germaniac historica, Berlin 1895) 269 fF. (Lib. xi, Ер. хш: Gregorius Sereno cpiscopo Massiliensi). 33 <Manche Folianten sind zu schwcr, um von einem Mann getragen zu werden; dcr Codex Gigas in Stockholm, Kungliga Bibliotcket, Ms. A. 148.309 (bohmisch um 1200-1225), muB von drei M'annem transportiert werden.) - Gyllene Bocker, Illumincradc medcltida handskrifter i dansk och svensk ago, Stockholm 1952, Kat.Nr. 27. 34 Michaelbeuren, Stiftsbibliothek, Cod. perg. 1, z.Viertel i2.Jahrhundert. - W. Cahn, Die Bibel in der Romanik, Miin- chen4i982, Kat.Nr. 14, Abb. 113-116. 35 <Einer dicser byzantinisches Formvokabular vermittclnden Kanalc war die leicht transportierbare Klcinkunst, ein andcrcr die Autopsie von Monumcntalkunst, namentlich dcr stark byzantinisicrenden des damals normannischen Sizilien.) 36 Oxford, Bodleian Library, Ms. Auct. F.2.13, um die Mitte des i2.Jahrhunderts in dcr Abtei St. Albans entstanden. - С. M. KaufFmann, Romanesque Manuscripts 1066-1190, London 1975, S. 17, 102, Abb. 198-202. 37 <Das friihestc Vorkommcn von Gold in dcr Buchmalerei findet sich in einem insularen Purpurcodex, dem Codex aureus aus Christ Church, Canterbury, der um die Mitte des S.Jahrhunderts anzusetzen ist.) - Stockholm, Kungliga Bi- blioteket, Ms. A. 135, abgcbildet u.a. bci C. Nordenfalk, Insu- larc Buchmalerei. Illuminierte Handschriften der Britischcn Inscln 600-800, Miinchcn 1977, S. 96-107. 38 <Dic Chrysographic im Sinne von Goldschrift kommt in der karolingischen Zcit vor - mit Analogiecrschcinungen in der in Gold ausgefiihrtcn Omamentik, u.a. im Drogo-Sakramentar (Farbtafel xii) oder im Dagulf-Psalter (Farbtafel vui, ix), sowie in dcr frankosachsischen Schule.) 39 Dante, Divina Commcdia, Purgatorio, xi.Gesang, Vers 80 f. 40 Fiir die Kanontafeln - von Eusebius von Caesarea (gest. 339/ 340) aufgestclltc Konkordanztafcln zu den Evangclicn - sind seit dem 6.Jahrhundert Zicrrahmcn in Form von Arkadenstcl- lungen bclegt. - C. Nordenfalk, Die spatantiken Kanontafeln, Goteborg 1938. 41 Schrifttafclrahmungcn, die christlichc Symbole (Kreuz, Taube usw.) cinschlieBcn, fmden sich u. a. auf den beiden Titclblattcm von Cod. 847, Osterrcichische Nationalbibliothek, f. 1 г Titcl- blatt zu Eusebius und f. 7 г Titelblatt zu Rufmus Aquilejensis, in Ravenna im 6.Jahrhundcrt entstanden. - H.J. Hermann, Die illuminierten Handschriften und Inkunabeln der National¬ bibliothek in Wien, Bd.i, Leipzig 1923, S. 39-42, Tafcl vn, x.
соб Anmerkungen 4.2 Oxford, Bodleian Library, Ms. Canon. Class. Lat. 161, Soli- nus, Polystoria, Titclblatt, von Leonardo Bellini oder seinem Krcis, in Padua (?) 1457 cntstanden. - O. Pacht, Notes and Observations on the Origin of Humanistic Book-Decoration, in: Fritz Saxl 1890-1948. A Volume of Memorial Essays. Hrsg. D.J. Gordon, London 1957, S. 184-194. - O. Pacht - J.J.G. Alexander, Illuminated Manuscripts in the Bodleian Library Oxford, Bd. 2, Italian School, Oxford 1970, Nr. 603, Tafel lvii, mit weiteren Literaturangabcn. Einen Uberblick iiber die Gestaltung von Titclseiten humanistischcn Ursprungs bringt M. Corbett, The Architectural Title-Page, in: Motif xn (1964), 49-62. 4.3 Die Buchillustration im i8.Jahrhundcrt. Colloquium dcr Ar- beitsstclle i8.Jahrhundert, Gesamthochschule Wuppertal, Heidelberg 1980, Abb. auf den Seiten 81, 82, 241. 4.4 Piranesis Titelblatt zur >Prima parte di architctture e prospet- tive<, l.Auflage aus dem Jahr 1743, abgebildct u.a. bei C. Bertelli, Piranesi. Incisioni, rame, legature, architctture, Vene- dig 1978, Abb. 31, 32. 4 s Clavis physicac von Honorius Augustodunensis, Paris, Biblio- theque Nationale, Ms. lat. 6734: M.T. d’Alvcmy, Le cosmos symbolique du XIIе siccle, in: Archives d’histoirc doctrinale et litterairc du moyen-age 28 (1954), S. 31-83. - J. Zahltcn, Creatio mundi. Darstellungcn der scchs Schopfungstage und naturwissenschaftliches Weltbild im Mittclaltcr. Stuttgarter Bcitrage zur Geschichte und Politik 13 (1979), Abb. 278. 46 H. Liebeschiitz, Das allegorische Weltbild der heiligen Hilde- gard von Bingen, Lcipzig-Berlin 1930, S. 12, Anm. 1. 4- H. Liebeschiitz, a. a. O., S. 12. 4S H. Liebeschiitz, a.a.O., S. 13. .19 (Die mozarabischc Kunst entstand zur selben Zeit wie die neuc, d.h. romanische Monumentalskulptur, die gerade in Silos Hauptdcnkmaler hervorbrachte. Vorkarolingisches in der Buchmalerci und Romanisches in der Plastik stoBen hicr zusammen.) (Die bedeutendsten Apokalypsendarstcllungcn dcs i3.Jahr- hunderts sind in England entstanden, im I4.jahrhundert wird es von Frankreich abgelost und im i5.Jahrhundert ist Deut¬ schland auf dem Gebiet dcr Apokalypsenillustration flihrend, bis hin zu Albrecht Diirers Holzschnittfolge.) <1 (In den ikonographischen Handbiichern wird zwischen alt- und neutestamcntarischen Themenkreisen und dann vielleicht noch solchen aus dem profanen Bereich unterschieden. Fiir einc Analyse der bildlichen Erzahlweise jedoch waren noch andere Gruppierungen wichtig, namlich die in religiose Prosa und religiose Poesie. Letztere erfordert natiirlich andere Er- zahl- und Darstcllungsweisen als die Wiedergabe von Ereig- nissen der Geschichte oder der Heiligenlegenden. Vor allem hnd es drei litcrarische Stoffe, die das Mittelalter am starksten inspiriert haben: die Apokalypse, die Psychomachie (hier nicht besprochen) und der Psalter.) <2 Pieter Brueghel, Die niederlandischcn Sprichworter. Berlin, Staatlichc Museen PreuBischer Kulturbesitz, Inv. 1720, be- zeichnet unten rcchts bruegel 1559. - F. Grossmann, Pieter Breughel, Koln 1966, Abb. 161. 53 (Es sind keine sehr guten Bcispicle erhalten. Dcr Utrccht- Psalter ist mit ein Zeuge dieser verlorcngegangcncn bzyantini- schcn Tradition.) 54 (Da es sich um Wortillustrationcn handelt, ist natiirlich die Textunterlage von entscheidender Bedeutung. Die Texte sine jedoch meist nicht wortlich iibersetzt worden; was in der deutschen Ubcrsctzung steht, paBt oft nicht zur latcinischen Fassung, diesc kann wiederum anders scin als die griechische Man konnte die textlichc Grundlage Fiir den karolingischer. Psalter lediglich so weit prazisieren, daB nicht nur die Hierony- mus-Ubersetzung, sondern auch noch eine andere, vorhiero- nymische Fassung als Quelle nachgcwiesen wurde (die Illustra- tionen geben keinen Sinn, wenn man sie allein auf die Hiero- nymus-Ubcrsetzung bezieht). Die textliche Vorlage war wahrscheinlich ein Psalterium duplex.) Die Zahlung der 150 (bzw. 151) Psalmen ist unterschiedlich Sie blcibt in Vulgata und Septuaginta gegeniiber dem von jiidischen Textkritikcm im letzten Viertel des ersten Jahrtau- sends erstellten und vcrbindlich gewordenen sogenannten Ma- sorctcntcxt - ebenso gegeniiber dcr neuen deutschen Ein- heitsiibcrsctzung - von Psalm 11 bis Psalm 147 um eine Einhei: zuriick. 55 Dies diirfte beim Lindisfarne-Evangeliar (Abb. 85, 91, 92, 1 s 1 zutreffen, fiir das Eadfrith, Bischof von Lindisfarne, als Autor in Frage kommt, femer bei einem in Trier befmdlichen Evan- gcliar, das dcr Kiinstler mit >Thomas scripsit< signierte, wobe: damit sicher nicht nur der Schreiber gemeint ist. Ferner is: das in Salzburg entstandene Cutbercht-Evangeliar von einen: insularcn Kiinstler sowohl geschricben als auch gemalt wor¬ den. C. Nordenfalk, Insulare Buchmalcrei. Illuminierte Hand- schriften dcr Britischen Inseln 600-800, Miinchen 1977, S. 6c. Abb. 15-22 (Lindisfarne-Evangeliar, London, British Library. Cotton Ms. Nero D.iv, vor 689) S. 88, Abb. 29-31 (There: Evangcliar, Trier, Dombibliothck 61/134, um 73°)- - H.J Hermann, die illuminiertcn Handschriftcn und Inkunabelr. der Nationalbibliothek in Wien, Bd. 1, Leipzig 1923, S. 50ff. Taf. xi-xx (Cutbercht-Evangeliar, Wien, Osterrcichische Na- tionalbibliothck, Cod. 1224, um 770). 56 M. Dvorak, Idealismus und Naturalismus in der gotischer. Skulptur und Malerei, Berlin 1918. 57 Am besten zusammengefaBt bei W. F. Volbach, Elfcnbeinar- beiten der Spatantike und des friihen Mittelaltcrs, Mainz 19“' (3.Auflagc), S. 129. Siehe ferner: O. Zastrow, Museo d’ar:: applicate. Gli avori, Castcllo Sforzcsco Milano 1978. R. Berg- mann, Salerno Ivories, Ars sacra from Medieval Amalph: Harvard University Press 1980. 58 Rouen, Bibliotheque municipale Ms. Y. 6, f. 29 V, Sakramenta: (>Missale<) des Robert von Jumieges, angelsachsisch um 102c 59 H. Jantzen, Ottonische Kunst, Miinchen 1947, S. 68 fF. 60 O. Pachts Beitrag in der Publikation zum Albani-Psaltcr gii: insbesondere diesem neuen Erzahlstil. O. Pacht - C. R. Doc- well - F. Wormald, The St. Albans Psalter (Albani Psalter London i960. 61 O. Pacht, The Master of Mary of Burgundy, London 194s
Abbildungsverzeichnis Farbtafeln Auszug aus dcr Arche und Dankopfcr Noahs. Wiener Gene¬ sis, friihbyzantinisch, 3.Vicrtel 6.Jh. Wien, Osterrcichische Nationalbibliothck, Cod. theol. gr. 31, p. 4 II Lowe (Hier: Symbol des Johannes). Book of Durrow, Insu¬ lar, urn 680. Dublin, Trinity College, Ms. 57, fol. 191 v III Chi-Rho-Initialc. Book of Lindisfame, Insular, vor 698 (?). London, British Library, Cotton Ms. Nero D. iv, fol. 29 г IV Tcppichseitc. Book of St. Chad, Insular, i.Halftc 8.Jh. Lich¬ field, Cathedral Treasury, p. 220 v Evangelist Lukas. Book of St. Chad, Insular, i.Halfte 8.Jh. Lichfield, Cathedral Treasury, p. 218 VI-V1I Evangelist Johannes und Textseite zum Lukas-Evangelium. Kronungsevangeliar, Hof Karls dcs GroBen, Ende 8.Jh. Wien, Weltliche Schatzkammer, fol. 178 V u. т 18 г VIII-1X Titel- und Incipitscite. Dagulf-Psalter, Hofschule Karls des GroBen, Ende 8.Jh. Wien, Osterreichischc Nationalbiblio- thek, Cod. 1861, fol. 24 V u. 25 г x Evangelist Johannes. Evangcliar aus Saint-Medard-de-Sois- sons, Hofschule Karls dcs GroBen, Anfang 9-Jh. Paris, Bibliothequc Nationale, Ms. lat. 8850, fol. i8ov XI Szcncn aus der Genesis. Bibel von Moutier-Grandval, Tours, um 840. London, British Library, Add. Ms. 10546, fol. 5 V xn Initiale zum Wcihnachtsfest. Drogo-Sakramentar, Metz, zwischcn 850 und 855. Paris, Bibliothequc Nationale, Ms. lat. 9428, fol. 24 V XIII FuBwaschung. Evangeliar Ottos 111., Reichenau, Ende 10.Jh. Miinchcn, Baycrische Staatsbibliothek, Clm. 4453, fol. 237г XIV Initiale zum Matthaus-Evangclium. Hillinus-Evangeliar, Reichenau, um 1000. Koln, Domschatz, Cod. 12, fol. 23 г xv Initiale zum Lukas-Evangelium. Evangeliar Ottos 111., Rei¬ chenau, Ende io.Jh. Miinchcn, Bayerische Staatsbibliothek, Clm. 4453, fol. 14ОГ XVI Prafationszeichen. Sakramcntar, Reichenau, Ende io.Jh. Oxford, Bodleian Library, Ms. Canon Liturg. 319, fol. 30 v XVII Krcuzigungsdarstellung zum Canon missae. Sakramcntar, Reichenau, Ende io.Jh. Oxford, Bodleian Library, Ms. Ca¬ non Liturg. 319, fol. 31 v XVIII Illustration zu Psalm 11. Kopic des Utrccht-Psalters, angel- sachsisch, friihes 11 .Jh. London, British Library, Ms. Harley 603, fol. 6v XIX Die drei Frauen am Grabe. Sakramentar (>Missale<) dcs Ro¬ bert von Jumieges, angelsachsisch, um 1020. Rouen, Biblio- theque municipale, Ms. Y. 6, fol. 72 v xx Anbetung des Lammcs. Apokalypsenkommentar aus Santo Domingo dc Silos, Spanien, zwischen 1091 und 1109. Lon¬ don, British Library, Add. Ms. 11695, fol. 86 v XXI Der Karrcn mit den Rcliquien Konig Edmunds fahrt iiber cine Briicke ins Kloster Bury St. Edmunds. Edmunds- lcgendc, Bury St. Edmunds, um 1130. New York, Picrpont Morgan Library, M. 736, p. 38 XXII Figureninitiale. Gregor, Moralia in Job, Citcaux, Anfang i2.Jh. Dijon, Bibliotheque municipale, Ms. 170, fol. 59 г XXIII Initiale zu Exodus. Bibel von Winchester (St. Swithun’s), um 1150-1180. Winchester, Cathedral Library, fol. 21 XXIV Die gottlichc Schopfcrkraft mit Universum und Kosmos- mensch. Hildegard von Bingen, Revclationes, zweite Vision, Siiddeutschland, um 1230. Lucca, Biblioteca Statale, Ms. 1942, fol. 9 г xxv Das Sonnenweib und der Drache. Apokalypsc, Westminster (?), um 1270. Oxford, Bodleian Library, Ms. Douce 180, fol. 43 г xxvi Untergang dcr Stadt Sodom. Lots Frau erstarrt zur Salzsaule. Psalter dcs hi. Ludwig, Paris, um 1270. Paris, Bibliotheque Nationale, Ms. lat. 10525, fol. 9V XXVII Beatus-Initiale mit Wurzel Jesse. Gorlcston-Psaltcr, England, Anfang 14.Jh. London, British Library, Add. Ms. 49622, fol. 8 г XXVIII Wunder vom zuriickgebrachtcn Brevier dcs hi. Ludwig. Stundenbuch der Jeanne d’Evreux, Jean Pucellc, zwischcn 1325 und 1328. New York, The Metropolitan Museum of Art, The Cloisters, fol. 154 V u. 155 г
208 Abbildungsi'erzeichnis XXIX Thronender Christus mit den vier Evangelistcn. Bible histo- rialc, Paris, um 1330-1340. Genf. Bibliothequc publiquc et univcrsitairc, Ms. fr. 2, fol. 1 г XXX Figurcnalphabet. Giovannino dc'Grassi, Endc 14..Jh. Ber¬ gamo, Biblioteca Civica, Cod. Д vn. 14, fol. 29 v XXXI Marientod und Marienkronung. Stundenbuch des Engelbert von Nassau, Meistcr der Maria von Burgund, um 1480-90. Oxford, Bodleian Library, Ms. Douce 219-220, fol. 170 v u. 171 r XXXII Titelscite von Band 1 dcr Werke von Aristoteles. Vencdig (Girolamo da Cremona oder Jacometto Veneziano). Druck von Andreas Torresanus. Venedig, 1483. New York, Picr- pont Morgan Library, E.41 Abbildtmgett 1 Kanonbild. Missale des Andreas-Altars, St. Florian, um 1320. Wilhering, Stiftsbibliothek, Cod. 9, fol. 90V 2 >SoisceI Molaisc<-Reliquiar. Insular, 9.Jh. Dublin, National Museum of Ireland, R. 4006 3 Evangelist Lukas. Evangeliar, byzantinisch, Mitte 10.Jh. Athos, Stauronikita, Ms. 43, fol. 12 v 4 Grabstcle. Attisch, s.Jh. v.Chr. Badia greca di Grottaferrata, Museum $ Probianus-Diptychon. Rom, um 400. Berlin, Stiftung Preu- Bischer Kulturbesitz, Staatsbibliothek, Ms. theol. Iat. fol. 323 Kastcn 6 Incipitseite. Petrus Archidiaconus, Liber de diversis quacsti- unculis. Aachen, Endc 8.Jh. Brussel, Bibliothequc Royalc, Ms. 11, 2572, fol. 1 r 7 Erlautcrungen zu den Himmclskorpem. Astrologischc Papy- rusrollc, 165 v.Chr. Paris, Louvre, Pap. 1 8 Stcmbildcr. Chronologische und astronomische Schriftcn, Salzburg, um 818. Wien, Osterreichische Nationalbiblio- thek, Cod. 387, fol. 120Г 9 SchluB des Johanncs-Evangcliums. Codex Sinaiticus, 4.Jh. London, British Library, Add. Ms. 43725, fol. 260 r 10 Illustration zu Psalm 11. Utrecht-Psalter, Reims, um 830. Utrecht, Bibliothcek dcr Rijksunivcrsiteit, Cat. Cod. Ms. Bibl. Rhenotraicctinae 1. Nr. 32, fol. 6v 11 Illustration zu Psalm 11. Eadwine-Psaltcr, Canterbury (Christ Church), um 1150. Cambridge, Trinity College, Ms. R. 17.1, fol. 20г 12 Papyrusrcste mit dem Bruchstiick eincs Romans, 2.Jh. Paris, Bibliothequc Nationalc, Ms. suppl. grcc 1294 13 Stembilder. Komputistisch-Astronomischcs Lehrbuch, Metz, zwischen 820 und 840. Madrid, Biblioteca Nacional, Cod. Ms. 3307, fol. 54 V 14 Stcmbildcr. Komputistisch-Astronomischcs Lehrbuch, Metz, zwischen 820 und 840. Madrid, Biblioteca Nacional, Cod. Ms. 3307, fol. 56 v 15 Der Hirsch an der Quelle, Illustration zu Psalm 41,2. Stutt- garter Psalter, Saint-Germain-des-Prcs (?), l.Halfte 9-Jh. Stuttgart, Wiirttembcrgische Landesbibliothek, Biblia Folio 23, fol. 53v 16 Evangelist Johannes. Evangeliar, byzantinisch, Mitte 10.Jh. Athos, Stauronikita, Ms. 43, fol. 13 г 17 Evangelist Matthaus. Codex millenarius, Salzburg, um So: Kremsmiinster, Stiftsbibliothek, Cim. 1, fol. 17 v 18 Illustration dcr Eigenschaften des Lowen. Bcstiar. Peter¬ borough (?), Anfang 13.Jh. Oxford, Bodleian Library. M' Ashmole 1511, fol. 10v 19 Die Gibeonitcr vor Josua. Josuarolle, byzantinisch, 10.Jh Rom, Biblioteca Vaticana, Cod. Pal. gr. 431, Szenc 28 u. 2v- fol. 11 г u. 12 r 20 Die Gibeonitcr vor Josua. Oktatcuch, byzantinisch, 11 .Jh Rom, Biblioteca Vaticana, Cod. Vat. gr. 747, fol. 224r 21 Die Gibconiter vor Josua. Oktateuch, byzantinisch, 11.Jh Rom, Biblioteca Vaticana, Cod. Vat. gr. 747, fol. 224 r 22 Szencn aus den Daker-Kriegcn. Trajan-Saule (Ausschmt: Rom, Anfang 2.Jh. 23 Drolerie. Robert de Boron, L’Histoirc du Graal, Nordfrank- reich, um 1280. Paris, Bibliothcque Nationalc, Ms. fr. 95. fei 3 5 5 r 24 Kreuztragung mit zwei typlogischcn Szenen. Armcnbibe. Blockbuch, hollandisch, um 1430/1440. Paris, Bibliothcqu. Nationale, Xylo. 2, Blatt d.24 25 Konig Antiochus ertcilt seine Befchlc. Makkabacrbiicher. St.Gallcn, l.Halfte m.Jh. Leiden, Bibliotheek dcr Rijksum- versiteit. Cod. Perizoni 17, fol. 9г 26 Tod des Judas Makkabaus. Makkabacrbiicher, St. Galler.. l.Halfte 10.Jh. Leiden, Bibliotheek der Rijksunivcrsitei:. Cod. Perizoni 17, fol. 25 г 27 Tod des Judas Makkabaus. Bibel dcs Abtes Steven Harding Citeaux, Anfang I2.jh. Dijon, Bibliothequc municipalc, M' 114 (Bd. ill), fol. 191 r 28 Konig Antiochus ertcilt seine Befehlc, Tod des Judas Makka- baus. Winchcster-Bibel, Winchester (St.Swithun’s), urn 1150-1180. Winchester, Cathedral Library, fol. 135 v 29 Kriegsrat des Ascanius. Vergilius Vaticanus, Italien (?), Ar.- fang 5.Jh. Rom, Biblioteca Vaticana, Cod. Vat. Iat. 3225, fol 73v 30 Bacchus. Ovide moralise, Flandem, um 1480. Kopcnhagen. Det Kongelige Bibliotck, Ms. Thott 399,2°, fol. 19 V 31 Illustration zu Andria, ii.Akt, 6. Szene. Terenz, Komodie: Reims, 2. Halfte 9.JI1. Paris, Bibliothequc Nationale, Ms. L: 7899, fol. 16 v , 32 Klerikcr beim Singen dcr Psalmcn. Elfenbein, spatkarolm- gisch. Cambridge, Fitzwilliam Museum 33 Zelcbrieren dcr Messe. Elfenbein, 10.Jh. Frankfurt am Man: Liebicghaus 34 Jakobus. Winchestcr-Bibel, Winchester (St.Swithun’s), urr. 1150-1180. Winchester, Cathedral Library, fol. 429Г 35 Dcr Evangelist Lukas und sein Symbol. Codex millenanuv Salzburg, um 800. Stift Kremsmiinster, Cim. 1, fol. 174 V u 175Г 36 Der Evangelist Lukas mit seinem Symbol und christologi- schcn Szenen. Augustinus-Evangeliar, Italienisch, 6.Jh. Cam¬ bridge, Corpus Christi College, Ms. 286, fol. 129 V 37 Incipitseiten zum 2.Haupttcil des Sacramentarium GcUm.,- num, Frankrcich, um 750. Rom, Biblioteca Vaticana, Coe Reg. Iat. 316, fol. 131 v u. 132 г 38 Textscitc mit dem Canon missae. Sacramentarium Gelasu- num, Frankrcich, um 750. Rom, Biblioteca Vaticana, Coe Reg. Iat. 316, fol. 180 г 39 Initial-Ligatur zum Canon missae. Sakramcntar-Fragmen: Nordfrankreich, um 860. Wien, Osterreichische National- bibliothek, Cod. 958, fol. 5 v 40 Prafationszcichen. Sakramentar-Fragment, Nordfrankreich. um 860. Wien, Osterreichische Nationalbibliothck, Cod 958, fol. 4г
A bbi Idungsverzeichtiis 209 41 Prafationszcichen. Exultctrolle, Montecassino, Mittc u.Jh. Avczzano, Curia Vescovile 42 Majestasdarstellung zur Prafadon. Exultctrolle, Benevcnt, i2.Jh. Rom, Bibliotcca Casanatense, Ms. 724 (B.i. 13) 43 Majestasdarstellung zur Prafadon. Sakramentar, Toscana, um 1100. Rom, Bibliotcca Casanatense, Ms. 1907, fol. 192 V 44 Majestasdarstellung zur Prafadon. Missale, St. Florian, um 1305/1310. St. Florian, Sdftsbibliothek, Cod. xi, 394, fol. 92 v 45 Initial-Ligatur zum Canon missae. >Missalc< dcs Robert von Jumieges, Canterbury, um 1020. Rouen, Bibliotheque muni¬ cipal, Ms. Y. 6, fol. 27 V 46 Krcuzigungsdarstcllung zum Canon missae. Sakramentar von Gellone, Diozese Mcaux, um 790/795. Paris, Bibliothe¬ que Nationale, Ms. lat. 12048, fol. 143 v 47 Krcuzigungsdarstcllung zum Canon missae. Sakramentar, Toskana, um 1100. Rom, Bibliotcca Casanatense, Cod. Ms. 1907, fol. 193 r 48 Kreuzigungsdarstellung zum Canon missae. Walling-Mis- sale, St. Florian, um 1310. St. Florian, Sdftsbibliothek, Cod. iu, 221 A, fol. 136 V 49 Damasus-Epigraph. Rom, Ictztes Drittel 4.Jh. Rom, Sant’ Agnese 50 Tcxtseitc. Codex Alcxandrinus, i.Halfte 5.JI1. London, Brit¬ ish Library, Royal Ms. 1 D.vm, fol. 92 r 51 Textseite (Ausschnitt). Vergilius Augustcus, romisch, 5.Jh. Rom, Bibliotcca Vaticana, Cod. Vat. lat. 3256, fol. 4г 52 Explicit-lncipit. Johannes-Lukas-Evangelium. Valerianus- Evangcliar, Nordostitalien, um 675. Miinchen, Bayerische Staatsbibliothek, Cod. Iat. 6224, f. 82 v 53 Incipitscitc. Ambrosius, Hexamcron, Corbie, 2.Halftc 8.Jh. Paris, Bibliotheque Nationale, Ms. lat. 12 135, fol. 1 v 54 Incipitseite des Lukas-Evangeliums. Book of Kells, Insular, nach 800. Dublin, Trinity College, Ms. 58, fol. i88r 55 Initiale. Lektionar aus Luxcuil, Luxeuil, 7./8.Jh. Paris, Biblio¬ theque Nationale, Ms. lat. 9427, fol. 24 г 56 Incipitzcilc. Augustinus, De Trinitate. Nordfrankreich. Mittc S.Jh. Oxford. Bodleian Library, Ms. laud. Misc. 126, fol. :r 57 Detail von Abb. 53 58 Figureninidalc: Dcr Fuchs und dcr Rabe. Sammlung kanoni- schcr Schriftcn, Corbie, 8.Jh. Paris, Bibliotheque Nationale, Ms. lat. 12444, fol. 52v 59 Zoomorphe Initiale. Augustinus, Quaesdones in Hcptatcu- chon, Nordfrankreich, Mitte 8.Jh. Paris, Bibliotheque Natio¬ nale, Ms. lat. 12 168, fol. 97 V 60 Figureninidalc: Hiindin saugt ihr Jungcs. Corbie-Psalter, Corbie, um 800. Amiens, Bibliotheque municipale, Ms. 18. fol. 94 r Figureninidalc. Corbie-Psalter, Corbie, um 800. Amiens, Bi- bliothcquc municipale, Ms. 18, fol. 133 г Figureninidale: Jonas und der Walfisch. Corbie-Psalter, Cor¬ bie, um 800. Amiens, Bibl. municipale, Ms. 18, fol. 110r 63 Initiale. Evangeliar, Schulc von Tours, Mitte 9-Jh. Laon, Bibliotheque municipale, Ms. 63, fol. 1 v f>4 Fragment eines irischen Stcinkreuzcs mit Tierflechtwcrk, aus Abcrlady, East Lothian, um 800. Edinburgh, National Mu¬ seum of Antiquities f>5 Trumeau-Pfeilcr, Souillac, Siidfrankreich, 2.Viertel 12.Jh. 66 Figureninidale. Corbie-Psalter, Corbie, um 800. Amiens, Bibliotheque municipale, Ms. 18, fol. 67 r r»? Initiale zum Buch Daniel. Bibel, Winchester, Mitte i2.Jh. Oxford, Bodleian Library, Ms. Auct. E. inf. 1. fol. 264 V '•n Initiate L (Lukas). Evangeliar, S.Jh. Essen, Minister, fol. 96r '•y Initiale zum Buch Numeri. Bibel, Winchester, Mittc i2.Jh. Oxford, Bodleian Library, Ms. Auct. E. mf. 1, fol. 66 r 70 Figureninidale: David und Goliath. Corbie-Psalter, Corbie, um 800. Amiens, Bibliotheque municipale, Ms. 18, fol. 123 v 71 Figureninidalc: Darbringung im Tempcl. Corbie-Psalter, Corbie, um 800. Amiens, Bibl. municipale, Ms. 18, fol. 137 г 72 Figureninidale: Vcrkiindigung. Corbie-Psalter, Corbie, um 800. Amiens, Bibliotheque municipale, Ms. 18, fol. 136V 73 Figureninidale: Holzhackendc Monchc. Gregor der GroBe, Moralia in Job, Citeaux, Anfang 12.Jh. Dijon, Bibliotheque municipale, Ms. 170, fol. 59 r 74 Figureninidale: Pferd und abgeworfencr Reiter. Gregor der GroBe, Moralia in Job, Citeaux, Anfang i2.Jh. Dijon, Biblio¬ theque municipale, Ms. 173, fol. 8or 75 Figureninidale: Falkner und Wasservogel. Gregor der GroBe, Moralia in Job, Citeaux, Anfang i2.Jh. Dijon, Bibliotheque municipale, Ms. 173, fol. 174Г 76 Teppichscitc (Detail). Book of Durrow, Insular, um 680. Dublin, Trinity College, Ms. 57, fol. 192 v 77 Besticnpfciler. Souillac, eheni. Abteikirche Saintc-Maric, Siidrankreich, 2.VierteI 12.Jh. 78 Initiale. Gregor der GroBe, Moralia in Job, Citeaux, Anfang 12.Jh. Dijon, Bibliotheque municipale, Ms. 173, fol. 7r 79 Figureninidale: Karl v. iiberreicht Jean de Berry cin Fragment dcs Kreuzcs Chrisd. Urkunde Karls v. von Frankreich, Paris 1372. Paris, Archives Nadonales, AE 11 393 80 Figurcnalphabet, Buchstabe K. Meister E.S., 1466/1467. Miinchen, Staatliche Graphische Sammlung, Inv.-Nr. 10894 81 Figurenalphabct, Buchstabe R. Meister E. S., 1466/1467. Miinchen, Staatliche Graphische Sammlung, Inv.-Nr. 10901 82 Inidalen. Cathach (Psalter) des hi. Columban, Insular, um 600. Dublin, Royal Irish Academy, s.n., fol. 12 v 83 Incipit dcs Markus-Evangeliums. Book of Durrow, Insular, um 680. Dublin, Trinity College, Ms. 57, fol. 78 т 84 Prunkschild. Kcltisch, Anfang 1 .Jh. London, British Mus. 85 Chi Rho (Detail). Book of Lindisfame, Insular, vor 698 (?). London, Brirish Library, Cotton Ms. Nero D.iv, fol. 29 г 86 Goldschnalle von Sutton Hoo. Keldsch, Mittc 7.Jh. London, British Museum 87 Tcppichseite (Detail). Book of Durrow, Insular, um 680. Dublin, Trinity College, Ms. 57, fol. 192 V 88 Chi Rho. Book of Durrow, Insular, um 680. Dublin, Trinity College, Ms. 57, fol. 23 г 89 Chi Rho. Evangeliar. Insular, um 750/760. St. Gallen, Stifts- bibliothck, Cod. 51, fol. 7 г 90 Chi Rho. Book of Kells, Insular, nach 800. Dublin, Trinity College, Ms. 58, fol. 34г 91 Beginn des Matthaus-Evangeliums. Book of Lindisfame, In¬ sular, vor 698 (?). London, British Library, Cotton Ms. Nero D.iv, fol. 27 г 92 Beginn des Johannes-Evangcliums. Book of Lindisfame, In¬ sular, vor 698 (?). London, British Library, Cotton Ms. Nero D.iv, fol. 211 г 93 Beginn des Markus-Evangeliums. Evangeliar von Saint- Martin-des-Champs, Hofschule Karls des GroBen, Endc 8.Jh. Paris, Bibliotheque de Г Arsenal, Ms. 599, fol. 61 г 94 Beatus-Initiale. Psalter Ludwigs dcs Deutschen, St. Omcr, 2. Viertcl 9.Jh. Berlin, Stiftung PreuBischer Kulturbesitz, Staatsbibliothek, Ms. thcol. Iat. fol. 58, fol. зг 95 Bcatus-Initialc. Salabcrga-Psalter, Insular, 2. Viertcl 8.Jh. Berlin, Deutsche Staatsbibliothek, Ms. Hamilton 533, fol. 2r 96 Beginn des Johanncs-Evangeliums. Evangehstar von St. Vaast, frankosachsisch, Mittc 9.Jh. Arras, Bibliotheque municipale, Ms. 1045, fol. 8 г 97 Initiale. Evangeliar. frankosachsisch, 9.Jh. Koln, Dombiblio- thek, Cod. 14, fol. 68 v
2io Abbildungsi’erzeiclmis 98 Initiate zu Psalm 51. Folchard-Psalter, St.Gallen, 3.Vicrtel 9.Jh. St.Gallen, Stiftsbibliothek, Cod. 23, fol. 135r 99 Initialc zu Psalm 41. Egbert-Psaltcr, Rcichenau. Ende io.Jh. Cividalc del Friuli, Museo archeologico, Ms. 136, fol. 67r 100 Imtiale zu Psalm 52. Vespasian-Psalter, insular, urn 735. Lon¬ don, British Library, Cotton Ms. Vespasian A.i, fol. 53 г Ю1 David rettet das Lamm aus dem Rachen des Lowcn. Silber- teller, Zypcrn, zwischcn 613 und 630. New York, Metropoli¬ tan Museum of Art 102 Bcatus-Initialc. Winchestcr-Bibel, Winchester (St. Swith- un’s), um 1150-80. Winchester, Cathedral Library, fol. 218 г 103 Historisicrtc Initialc C mit der Himmclfahrt Christi. Drogo- Sakramentar, Metz, zwischen 850 und 855. Paris, Bibliothe- que Nationale, Ms. lat. 9428, fol. 71 v 104 Die drei Frauen am Grabe und Himmclfahrt Christi. Elfen- bcin, Oberitalien, um 400. Munchen, Bayerisches National- museum 105 Prafationszeichcn. Drogo-Sakramentar, Metz, zwischen 850 und 855. Paris, Bibliotheque Nationale, Ms. lat. 9428, fol. 14V 106 Canon missae. Drogo-Sakramentar, Metz, zwischen 850 und 855. Paris, Bibliotheque Nationale, Ms. lat. 9428, fol. 15 v 107 Historisierte Initialc D mit der Anbctung der Konige. Drogo- Sakramentar, Metz, zwischen 850 und 855. Paris, Bibliothe¬ que Nationale, Ms. lat. 9428, fol. 34 V 108 Putten bei der Wcinlcsc. Porphyrsarkophag der Constantina, friihchristlich, um 350. Rom, Vatikanische Museen 109 Weinerntcszenen. Sarkophag mit dem Gutcn Hirten, friih¬ christlich, 4.Jh. Rom. Vatikanische Museen no Rankcn mit Jagdszenen. Elfenbein, Nordfrankreich (?), 9./io.Jh. Paris, Musee dc Cluny 111 Fragment eines irischen Steinkreuzes aus Easby. Northum- brien, Ende 8.Jh. London, Victoria and Albert Museum 112 Initialc. Junius-Psalter, Winchester, 2.Viertel 10.Jh. Oxford, Bodleian Library, Ms. Junius 27, fol. 121 v 113 Initiate zu Psalm 109. Psalter, Saint-Germain-des-Pres, Mitte 11.Jh. Paris, Bibliotheque Nationale, Ms. lat. 11 550. fol. 169 г 114 Initiate. Beda Venerabilis, Evangclicnkommentar, norman- nisch, 11.Jh. Avranches, Bibliotheque municipale, Ms. 107, fol. 112 r 115 Initialc. Ambrosius, Evangelienkommcntar, normannisch, 11.Jh. Avranches, Bibliotheque municipale, Ms. 59, fol. 31 v 116 Initiate. Augustinus, Psalmenkommcntar, Rochester, um 1100. London, British Library, Royal Ms. 5 D.n (Bd. in), fol. 1 г 117 Bordiirenfrics mit Jagdszenen. Evangeliar, St. Bertin. um 1000. New York, Picrpont Morgan Library, M. 333, fol. ir 118 Kapitcll mit Barenjagd. Augustinerkrcuzgang Toulouse, Siidfrankreich, Ende i2.Jh. Toulouse, Augustinermuscum 119 Elfcnbcineme Kriimme eines Bischofstabes mit der Darstcl- lung der Gcburt Christi. Englisch, i2.Jh, London, Victoria and Albert Museum, Inv.-Nr. 218-65 120 Beatus-Initialc. Psalter, St.Gallen, 9.Jh. Gottweig, Stiftsbi¬ bliothek, Cod. 1, fol. 21 r 121 Beatus-Initiale. Harley-Psaltcr, Winchester, um 980. London, British Library, Harley Ms. 2904, fol. 4Г 122 Bcatus-Initialc. Arundcl-Psalter, Winchester (New Min¬ ster?), um 1080. London, British Library, Arundel Ms. 60, fol. 13 r 123 Beatus-Initialc. Carilcf-Bibcl, normannisch, spates 11.Jh. Durham, Cathedral Library, Ms. A. 11. 4, fol. 65 г 124 Beatus-Initiale. Augustinus, Psalmenkommentar, norman¬ nisch, spates 11.Jh. Evrcux, Bibliotheque municipale, Ms. 131, fol. 1 г Incipitseite. Augustinus, Psalmenkommentar, normannisch. 2. H'alfte 11.Jh. Avranches, Bibliotheque municipale, Ms. 76. fol. Av Incipitseite zur Apostclgeschichte. Himmclfahrt Christi. Rie- senbibcl, Mittelitalicn, i.Halfte 12.Jh. Cividalc del Friuli. Museo archeologico nazionalc, Cod. Sacr. 11, fol. 271 v Beatus-Initialc. Albani-Psalter, St. Albans, um 1119-1123. Hildesheim, St. Godchard, p. 73 Beatus-Initiale. Corbie-Psalter, Corbie, um 800. Amiens. Bibliotheque municipale, Ms. 18, fol. 1 v Initialc. Albani-Psalter, St.Albans, um 1119-1123. Hildes¬ heim, St.Godehard, p. 391 Einzug in Jerusalem. Albani-Psalter, St. Albans, um 1119- 1 t23. Hildesheim, St.Godehard, p. 37 Beatus-Initiale. Ingeborg-Psaltcr, Toumai, Anfang 13.Jh Chantilly, Musee Conde, Ms. lat. 1695, fol. 37 V Wurzcl Jesse. Lambcth-Bibel, Canterbury (St. Augustine's . um 1145. London, Lambeth Palace Library, Ms. 3, fol. 198 т Beatus-Initialc als Wurzel Jesse. Huntingficld-Psaltcr, eng- lisch, Ende 12.Jh. New York, Pierpont Morgan Library, M. 43, fol. 33v Prophet Tobias. Beginn des Buchcs Tobias. Riesenbibel am Hirsau, Rom odcr Mittelitalien, i.Halfte 11.Jh. Munchcn. Baycrischc Staatsbibliothek, Cod. lat. 13001, fol. 84 V Josua crhalt den Befehl Gottes, den Jordan zu iiberschrei- ten. Beginn des Buchcs Josua. Riesenbibel aus St.Florian Salzburg/Obcritalicn, um 1075. St.Florian, Stiftsbibliothek. Cod. xi, 1, fol. 85 r Davidszenen. Gumpertsbibel, Bayern oder Salzburg, vo: 1195. Erlangen, Universitatsbibliothck, Ms. perg. 1, fol. 161 \ Moses empfangt die Gesetzc. Beginn dcs 5.Buches Mose' Admontcr Riesenbibel, Salzburg, um 1140. Wien Osterreichische Nationalbibliothek, Cod. Scr. n. 2701, fo! 68 v und 69 г Himmclfahrt des Elias. Bibel von Rochester, Canterbur. (Rochester), um 1130. London, British Library, Royal Ms. : C.7, fol. 154V Initialc. Mcdizinischc Traktate, normannisch, um 1100. Lon¬ don, British Library, Royal Ms. 12 E.xx, fol. 124V Himmelfahrt des Elias. Bibel von Dover, Canterbury, Mit:. i2.Jh. Cambridge, Corpus Christi College, Ms. 3, fol. 161 . Himmelfahrt des Elias. Winchestcr-Bibel, Windiest,. - (St. Swithun’s), um 1150. Winchester, Cathedral Library, f 120V Bcrufung desjeremias (Detail). Winchester-Bibcl, Wincho- tcr (St. Swithun's), um 1180. Winchester, Cathedral Librar. fol. 148 г Sandalenlosendc Nike. Relief vom Tcmpcl der Athena Nik. Athen, Akropolis, attisch, nach 400 v. Chr. Athen, Akropol:- museum Nyx (Detail ausjesaia im Gebct). Pariser Psalter, Konstan: - nopel, Mitte io.Jh. Paris, Bibliotheque Nationale, Ms. gr. 139, fol. 435 V Evangelist Markus. Neues Testament, byzantinisch, in Itah. (Grottafcrrata?) entstanden, i.Halfte 12.Jh. Wien, CKu~ Nationalbibliothck, Cod. Suppl. gr. 52, fol. 117 V Sauls Tod. Lambeth-Bibel, Canterbury (?), um 1140-115 London, Lambeth Palace Library, Ms. 3, fol. 151 r Initialc mit Christus Pantocrator und Prophet Jeremias. \\ :• - chester-Bibel (St. Swithun’s), Ende 12.Jh. Winches.* Cathedral Library, fol. 169 г Gencsis-Initiale (Detail). Winchester-Bibel, Winches. - (St. Swithun’s), um 1150. Winchester, Cathedral Library. 5r 125 126 127 128 129 130 131 132 133 134 135 136 137 138 139 140 141 142 >43 144 U5 146 >47 148
Abbildutigsverzeichnis 211 149 Illustration zu Psalm 80. Bird-Psalter, cnglisch, Endc 13.Jh. Cambridge, Fitzwilliam Museum, Ms. 2-1954, fol. 83 V 150 Illustration zu Psalm 68. Stundenbuch und Psalterium, Paris, um 1300. Wien, Osterreichischc Nationalbibliothck, Cod. Scr. n. 2596, fol. 248 г 151 л Textsciten mit Drolericn. Psalter. Gent, um 1320-1330. Ox¬ ford, Bodleian Library, Ms. Douce 5-6. fol. 66 v u. 114 г i S i b Textseite mit Drolericn aus Aristotelcs, Mctaphysik. Eng- lisch, um 1310. Paris, Bibliotheque Nationalc, Ms. lat. 6299, fol. 2 г 152 Initialen zu den Biichem der Propheten Obadias und Jonas. Bibcl in Taschenformat, Frankrcich (Paris), Anfang 13.Jh. London, British Library, Add. Ms. 27694, fol. 334V u. 335г 153 Christus bcim Zollner; Johannes der Taufer verheiftt das Lamm Gottes. Evangeliar der Sainte-Chapelle, Paris, um 1255-1260. Paris, Bibliotheque Nationalc, Ms. Iat. 17326, fol. 130 V 154 Autorbild. Adam de la Halle, Le Chansonnicr d’Arras, Nord- frankrcich. Ende 13.Jh. Arras, Bibliotheque municipalc, Ms. 657, fol. 133 v 155 Johannes der Taufer. Kathedra dcs Bischofs Maximian (De¬ tail), um 520-550. Ravenna, Museo Arcivescovilc 156 Prophet vom Gewande des linken Westportals von Notre Dame, Chartres, Ile-de-France, 1145-1155 157 Kanontafcl. Evangeliar aus Saint-Medard-de-Soissons. Hof- schule Karls des GroBen, Anfang 9.Jh. Paris, Bibliotheque Nationale, Ms. lat. 8850, fol. 7 г 158 Titelseite, Wiener Dioskuridcs, Herbarium. Byzanz, um 512. Wien, Ostcrr. Nationalbibliothck, Cod. Med. gr. 1, fol. 7v 159 Titelseite der Komodien von Tcrenz. Florenz, 1466. Oxford, Bodleian Library, Ms. E. D. Clarke 28, fol. 3 v 160 Titelseite, Filocalus-Kalendcr. Kopie dcs rdmischen Kalcn- ders von 354. Brussel, Bibliotheque Royale, Ms. 3538 161 Titclblatt zum Matthaus-Evangclium. Evangeliar, Echter- nach (?), Ende 8.Jh. Trier, Dombibliothek, Ms. 61, fol. 9 162 Schrifttafel zur Majestas Domini. Codex aureus von Echtcr- nach, Echtemach, vor 1039. Niirnberg, Germanisches Natio- nalmuseum, Ms. 2° 156 142, fol. 4г 163 Titelseite. Basinio dc’Basini, Astronomicon, Padua, vor 1460. Oxford, Bodleian Library, Ms. Bodlcy 646, fol. 1 r 164 Titelseite. Joscphiis Flavius, De bello judaico, Buch 1, Lauro Padovano (Padua), 2. Halfte 15.Jh. Valencia, Biblioteca Uni- versitaria, Ms. 819, fol. 4Г 165 Der Mensch als Mikrokosmos. Salomon von Konstanz, Glos- sar, Priifcning, 1165. Miinchen, Baycrische Staatsbibliothek, Cod. lat. 13002, fol. 7v 166 Der Mensch als Mikrokosmos mit den vicr Elemental und Windgottcrn. Astronomischc Traktate, Priifcning, 3.Vicrtel i2.Jh. Wien, Ostcrr. Nationalbibliothck, Cod. 12600, fol. 29 r 167 Die vier Naturen der Schopfung. Honorius Augustoduncn- sis, Clavis physicae, Maasgcbiet (?), Mitte i2.Jh. Paris, Biblio- theque Nationale, Ms. lat. 6734, fol. 3v 168 Das Wcltenei mit atmospharischen und planetarischen Ring- zonen. Hildegard von Bingen, Scivias, Dritte Vision, Siid- deutschland, um 1165, ehem. Wiesbaden, Hcssischc Landes- bibliothek, Cod. minor Hildegardis, fol. 14 r 169 Sonnenweib und Drache. Apokalypsc von Cambrai, Frank- reich, 2. Halfte 9.Jh. Cambrai, Bibliotheque municipalc, Ms. 386 m, f. 30г 170 Lammanbctung. Apokalypsc von Trier, Frankrcich, 1. Vicr- tel 9.Jh. Trier, Stadtbibliothck, Cod. 31, fol. 37г 171 Anbetung der Majestas Domini durch die 24 Altestcn. Bam- bergcr-Apokalypsc, Rcichcnau, 1000-1002. Bamberg, Staatsbibliothek, Ms. 140, fol. 10 v Anbetung der Majestas Domini durch die 24 Altcsten. Lam- beth-Apokalypse, cnglisch, Endc 13.Jh. London, Lambeth Palace Library, Ms. 75, fol. 2г Anbetung der Majestas Domini durch die 24 Altcsten. Mois- sac, chcm. Abtei-Kirche Saint-Pierre, Tympanon dcs Siid- portals, siidfranzosisch, 1120-1135 Illustration zu Psalm 72. Psalter, Illuminator Thcodorus aus dem Kloster Studios, 11.Jh. London, British Library, Add. Ms. 19352, fol. 93 v Illustration zu Psalm 91. Psalter, Illuminator Theodorus aus dem Kloster Studios, 11.Jh. London, British Library, Add. Ms. 19352, fol. 43 v Illustration zu Psalm 68. Utrccht-Psalter, Reims, um 830. Utrecht, Bibliotheek der Rijksuniversitcit, Cat. Cod. Ms. Bibl. Rhcnotraicctinae 1. Nr. 32, fol. 38 V Illustration zu Psalm 41. Utrecht-Psaltcr, Reims, um 830. Utrecht, Bibliotheek der Rijksuniversitcit, Cat. Cod. Ms. Bibl. Rhenotraiectinac 1. Nr. 32, fol. 24 V (Detail) Illustration zu Psalm 40. Utrccht-Psalter, Reims, um 830. Utrecht, Bibliotheek der Rijksuniversitcit, Cat. Cod. Ms. Bibl. Rhenotraiectinac 1. Nr. 32, fol. 24r (Detail) Illustration zu Psalm 43. Utrccht-Psalter, Reims, um 830. Utrecht, Bibliotheek der Rijksuniversitcit, Cat. Cod. Ms. Bibl. Rhenotraiectinac 1. Nr. 32, fol. 25 r (Detail) Illustration zu Psalm 92. Utrecht-Psalter, Reims, 11111 830. Utrecht, Bibliotheek der Rijksuniversitcit, Cat. Cod. Ms. Bibl. Rhenotraiectinac 1. Nr. 32, fol. 54 V (Detail) Evangelist Lukas. Book of Lindisfamc, insular, vor 698 (?). London, British Library, Cotton Ms. Nero D.iv, fol. 134 V Evangelist Johannes. Evangeliar, insular, 8.Jh. St.Gallen, Stiftsbibliothck, Cod. 51, p. 208 Die Evangclisten Matthaus und Markus. Evangeliar aus Xan- ten (Detail), Hofschule Karls des GroBcn, Anfang 9.Jh. Brus¬ sel, Bibliotheque Royale, Ms. 18723, fol. 16 v Evangelist Matthaus. Ebo-Evangcliar, Reims, um 816-835. Epcmay, Bibliotheque municipalc, Ms. 1, fol. 18 v Christus super aspidem. Psalter, angelsachsisch, 2.Viertcl т 1.Jh. Oxford, Bodleian Library, Ms. Douce 296, fol. 40Г Taufc Christi, Ethclwold-Bencdictionalc, angelsachsisch (Winchester), zwischen 971 und 984. London, British Library, Add. Ms. 49598, fol. 25 т Taufe Christi. Elfenbeinkastchcn, Metz. 9./io.Jh. Braun¬ schweig, Herzog Anton Ulrich-Museum, Inv.-Nr. MA 59 Die drei Frauen am Grabc. Ethclwold-Bencdictionalc, angcl- sachsisch (Winchester), zwischen 971 und 984. London, Bri¬ tish Library, Add. Ms. 49598, fol. 51 v Die drei Frauen am Grabe. Bcnedictionale dcs Robert von Jumiegcs, Winchester (New Minster), um 980. Rouen, Bibliotheque municipale, Ms. Y.7, fol. 21 v Die drei Frauen am Grabe. Psalter, angelsachsisch (Winches¬ ter), um 1050. London, British Library, Cotton Ms. Tiberius C.6, fol. 13 V Gregor der Grofic und sein Schreiber. >Registrum Gregorii<, Einzelblatt, Mcister des Registrum Gregorii (Trier), um 984. Trier, Stadtbibliothck Kreuzigung. Evangeliar, Echtemach, Mitte 11.Jh. London, British Library, Egerton Ms. 608, fol. 88 Kronung Kaiser Heinrichs 11. durch Christus. Sakramcntar Heinrichs 11., Regensburg, zwischen 1002 und 1014. Miin- chen, Bayerische Staatsbibliothek, Cod. lat. 4456, fol. 11 r Glorifizierung dcs hi. Edmund. Edmundslcgende, Bury St. Edmunds, 2.Vicrtel i2.Jh. New York, Picrpont Morgan Library, M. 736, p. 22 v 172 173 174 175 176 177 178 179 180 181 182 183 184 185 186 187 188 189 190 191 192 193 194
212 Abbildungsverzeiclmis 195 Grablegung Christi. Albani-Psalter, St. Albans, um 1119- 1123. Hildeshcim, St.Godehard, p. 48 196 Grablegung Christi (Detail ciner Seite mit vicr Szencn). Evangeliar, Konstantinopel, 2. Halfte u.Jh. Parma, Biblio- tcca Palatina, Ms. Palat. gr. 5, fol. 90v 197 ProphetJesaias.Jcsaias-Kommcntar, Normandie, Ende 1 i.Jh. Oxford, Bodleian Library, Ms. Bodlcy 717, fol. ir 198 David mit seinen Musikanten. Bibel von San Paulo fuori le mura, Reims (?), um 870-880. Rom, San Paolo fuori le mura, fol. 170 V 199 Engel. Chorumgangsrelief. Toulouse, Saint-Semin, Sud- frankrcich, um 1100 200 Kanonbild, Missale von Scnlis, Paris, Anfang i4.Jh. Paris, Bibliotheque Saintc-Gcncvievc, Ms. 103, fol. 120 V 201 Majestas Domini. Missale und Brevier von Chalons-sur- Mame, Ile-de-France, Anfang I4-Jh. Paris, Bibliotheque de Г Arsenal, Ms. 595, fol. 244 г 202 Predigt dcs hi. Dionysius in Paris. Leben des hi. Dionysius, Paris, 1317. Paris, Bibliotheque Nationale, Ms. fr. 2091, fol. 111 r 203 Vcrkiindigung. Stundenbuch der Jeanne 11., Konigin von Navarra, franzosisch (Puccllc-Werkstatt), 2. Viertel H.Jh. Paris, Bibliotheque Nationale, nouv. acq. lat. 3145 204 GeiBelung Christi und Christus vor Pilatus. Missale, Schule des Jean Pucelle, Mittc 14.JI1. Oxford, Bodleian Library, Ms. Douce 313, fol. 238 V 205 Majestas Domini. Tres belles heures des Herzogs von Berry. Jacquemart dc Hesdin, Anfang 15.Jh. Brussel, Bibliotheque Royale, Ms. 11060-11061, p. 130 206 Vorzcichnung eincr Majestas Domini. Tres belles heures de« Herzogs von Berry, franzosisch, Ende 14-Jh. Brussel, Biblio¬ theque Royale, Ms. 11060-11 061, p. 129 207 Totenmcssc. Stundenbuch, Meister dcs Marcchal dc Bouci- caut, 1. Viertel 15-Jh. London, British Library, Add. Ms. 16997, fol. 145 г 208 Totenmesse. Turiner Stundenbuch, Meister des Turiner Gebctbuchs (Flandcrn), z.Jahrzchnt 15.Jh. Turin, Museo Ci- vico, fol. 116r 209 Szencn aus der Passion Christi. Meister dcr Maria von Bur- gund (Brugge), um 1490. Madrid, Biblioteca Nacional, Ms Vit. 25-$, fol. 14Г 210 Titelscitc von Band и der Werke von Aristotclcs. Venedig (Girolamo da Cremona oder Jacometto Veneziano). Druck von Andreas Torresanus, Venedig, 1483. New York, Picrpont Morgan Library, E. 2.78 В
Ausgewahlte Bibliographic Die hier angegcbenc Literaturauswahl beschrankt sich im wesent- Iichcn auf ncuerc und neucstc Publikationen, die ihrerseits spezia- lisicrtcrc Bibliographicn cnthaltcn. Literatur zu einzelnen Epochen, Kiinstlern oder Werken Wcitzmann, K., Spatantike und friihchristlichc Buchmalerei. Miinchen 1977 Wiener Genesis. Illuminierte Purpurhandschrift aus dem 6.Jahr- hundert. Faksimile-Ausgabc. Kommentarband verf. u. hrsg. v. Otto Mazal. Frankfurt am Main 1980 Josua-Rolle. Vollstandige Faksimile-Ausgabe des Codex Vaticanus Palatinus Graccus 431 der Biblioteca Apostolica Vaticana. Kommcntar v. Otto Mazal. Graz 1984 Alexander, J.J.G., Insular Manuscripts 6th-9th Century. London 1978 Backhouse, J., The Lindisfarne Gospels. Oxford 1981 Henry, F., The Book of Kells. The Book and its Decoration. London 1974 Nordenfalk, C., Insularc Buchmalerei. Illuminierte Handschriftcn der Britischen Inscln 600-800. Miinchen 1977 Williams, J., Friihc spanischc Buchmalerei. Miinchen 1977 Miithcrich, F. u. Gaehde,J.E., Karolingische Buchmalerei. Miin¬ chen 1976 Unterkircher, F., Zur Ikonographie und Liturgic dcs Drogo- Sakramentars. Graz 1977 Temple, E., Anglo-Saxon Manuscripts 900-1066. London 1976 Wormald, F., The Bcncdictional of St. Ethclwold. London 1959. Wiederabgedruckt in: F. Wormald, Collected Writings 1. Studies in Medieval Art from the Sixth to the Twelfth Cen¬ tury. London-Oxford 1984, S. 85-100 Grodccki, L., Miithcrich, F., Taralon, J. u. Wormald, F., Die Zcit der Ottoncn und Salicr (Universum der Kunst). Miinchen 1973. (2.Teil, S. 82-255, Dic Malcrci) Kauffmann, С. M., Romanesque Manuscripts 1066-1190. London 1975 Oursel, Ch., Miniatures Cisterciennes (1109-1134). Macon i960 Avril, F., Buchmalerei am Hofe Frankrcichs 1310-1380. Miinchen 1978 Mciss, M., French Painting in the Time of Jean de Berry, 1. The Late Fourteenth Century and the Patronage of the Duke. London u. New York 1967, 2 Bde. Mciss, M., French Painting in the Time of Jean dc Berry, 11. The Boucicaut Master. London 1968 Meiss, M., French Painting in the Time ofjean de Berry, in. The Limbourgs and their Contemporaries. London 1974, 2 Bde. Thomas, M., Buchmalerei aus der Zcit des Jean de Berry. Miin¬ chen 1979 Pacht, O., The Master of Mary of Burgundy. London 1948 Alexander, J.J.G., Buchmalerei der italicnischen Renaissance im I5.jahrhundert. Miinchen 1977 DIE INITIALE Literatur zu einzelnen Kapiteln und Themen Alexander, J.J.G., Initialcn aus groBen Handschriften. Miinchen 1978 Gutbrod, J., Die Initialc in Handschriften des achten bis dreizchn- ten Jahrhundcrts. Stuttgart 1965 Nordenfalk, C., Die spatantiken Zicrbuchstabcn. Stockholm 1970, 2 Bde. DIE BIBEL Cahn, W., Die Bibcl in der Romanik. Miinchen 1982 Oakeshott, W., The Artists of the Winchester Bible. London 1965 Oakeshott, W., The Two Winchester Bibles. Oxford 1981 DIE APOKALYPSE Hamischfeger, E., Die Bamberger Apokalypsc. Stuttgart 1983 James, M.R., The Apocalypse in Art. London 1931 van der Meer, F., Apokalypse. Die Visioncn des Johannes in dcr europaischcn Kunst. Freiburg-Bascl-Wien 1978 Douce-Apokalypse. Vollstandige Faksimile-Ausgabe des Ms. Douce 180 der Bodleian Library Oxford. Endzeiterwartung und Ritter-Idcologie. Kommentar v. P. Klein. Graz 1981 und 1985 DodwcII, C. R., The Canterbury School of Illumination 1066- 1200. Cambridge 1954 English Romanesque Art 1066-1200. Ausstellungskatalog. Lon¬ don 1984 Pacht, O., Dodwell, C. R. u. Wormald, F., The St. Albans Psalter (Albani Psalter). London i960 Thomson, R.M., Manuscripts from St. Albans Abbey 1066-1235. Bury St. Edmunds 1982, 2 Bde. Morgan, N.J., Early Gothic Manuscripts (1) 1190-1250. London 1982 Marks, R. u. Morgan, N., Englische Buchmalerei dcr Gotik (1200-1500). Miinchen 1980 DER PSALTER Der Ncrsessian, S., L’illustration des psautiers grccs du moyen age, 11, Londres, Add. 19352. Paris 1970 DcWald, E.T., The Illustrations of the Utrecht Psalter. Princcton- London-Leipzig 1932 Haseloff, G., Die Psaltcrillustration im i3.Jahrhundert. Studien zur Gcschichte der Buchmalerei in England, Frankreich und den Nicdcrlanden. Kiel 1938 Wormald, F., The Utrecht Psalter. Utrecht 1953. Wicdcrabge- druckt in: F. Wormald, Collected Writings 1. Studies in Medieval Art from the Sixth to the Twelfth Century. Lon¬ don-Oxford 1984, S. 36-46
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Die illuminiertcn Handschriften und Inkunabcln der Osterreichischen Nationalbibliothek, 1. Franzosische SchuL 1. 2 Bdc, Wien 1974. Gemeinsam mit Dagmar Tho^ (Osterr. Akad. d. Wisscnschaften. Vcroffentl. d. Komni. r' Schrift- u. Buchwesen d. Mittelalters, Reihe 1. Bd. 1.) Historiae Romanorum. Cod. 151 in serin, der Staatsbibliothck Hamburg, Berlin 1974. Gemeinsam mit Tilo Brandis.
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Glossar Akanthus - Pflanze des Mittclmeergebietes mit groBlappigen, cingcbuchteten und gezahnten Blattern, die, mehr oder we- niger stilisiert, als Ornament Verwen- dung findet anthropomorph - in Menschcngestalt Benedictionale - zum bischoflichcn Gcbrauch dicncndes liturgisches Buch, das die For- mulare fur den Pontifikalsegen enthalt, den dcr Bischof an Fcsttagen erteilt Bestiensaule - vor allem in der romanischen Epoche auftretende Saulcn bzw. Pfeiler, an deren Schaft Kampfc von Tieren oder Ticren und Menschcn dargestellt sind bewohnte Initiate - Initialc, bei der Figuren als Bewohner der Rankcnfiillungen des Buchstabenkorpcrs fungieren Chorbucher (Choralbncher) - zusammenfas- sende Bezeichnung fur die beim Gottes- dienst gebrauchtcn Bucher, in denen die Gesange der latcinischen Liturgie - ge- sondert nach den verschiedenen Berei- chen - enthalten sind (z. B. Antiphonar, Pontifikale) Clipeus - urspr. romischer Rundschild, dann Bildnis auf cinem Rundschild oder eincr randlosen Scheibe Codex, Codices - Buchform, bei der die Blat¬ ter nicht, wie bei der Buchrolle, aneinan- dergeklebt und zusammengerollt, son- dern gefaltet, gcheftet und gebunden wurden. Fiir diese Buchform wurde im Gegensatz zur Rolle Pergament verwen- det - der Name >Codex< bezeichnet ur- spriinglich >Abgeschabtes<, d.h. die pra- parierte Ticrhaut. In der Folgc zum Ter¬ minus fiir mit der Hand gcschricbcnc, meist aus Pcrgamentblattern bestehende Bucher vcrallgemeinert Drolerie - Mischwcsen aus Mensch und Tier, die das Rankcnwerk gotischcr Buchsci- ten und den Blattrand beleben und hau- fig ganze Szenen figuricrcn Epigraph - lnschrift Evangeliar - liturgisches Buch, das den voll- standigen Text dcr vicr Evangclicn enthalt Evangelistar - liturgisches Buch, das die in dcr Messe zu lesenden Abschnittc aus den Evangclien enthalt Evangelistensymbole - die nach dcr Vision dcs Ezcchicl (i, 5-14) und nach der Apoka- lypsc dcs Johannes (4,6-8) den vier Evangclistcn zugeordneten gcfliigeltm Lebewesen: Lowe (Markus), Mensch (Matthaus), Sticr (Lukas) und Adler (Jo¬ hannes) Explicit - SchluBformel, die sich in antiken und mittclalterlichen Handschriften am Endc cincs groBeren Abschnitts, einzel- ner Bucher oder des gesamten Werkcs findet Exultetrollen - nur in Slid- und Mittelitalien gebrauchtc, meist mit Illustrationen ver- sehene Schriftrollen, die den liturgischen Text fiir die feierliche Weihe der Osterkerze in der Ostcmacht enthalten, der mit dem Wort >Ex(s)ultet< einsetzt Figureninitiale - aus Menschen, Tieren oder auch Mischwesen gebildete Anfangs- buchstabcn Foliant- Bezeichnung fiirein groBformatigcs umfangrciches Buch Frontispiz - Titelblatt historisierte Initialc - einzclnc Personen oder ganze Szenen umschlieBender Anfangs- buchstabe Ikonographie - bildliche Tradition cincs Dar- stellungsthemas Illuminator - Buchmaler Iucipit - >es fangt an<, Formel am Beginn eines Textes oder Textabschnitts in spatanti- ken und mittelaltcrlichcn Handschriften Initiate - ausgezeichneter Anfangsbuchstabc eines Textabsrhnittes Kalligraph, Kalligraphie - Schonschreiber, Schreibkiinstler; Schonschrift Kanonbild- Kreuzigungsdarstellung zum Ca¬ non missae, dem im wesentlichen unver- anderlichen zentralen Gcbet der Messe Kanontafeht - tabellarischc Aufgliederung dcr vier Evangelien, die auf einen Blick die iibereinstimmenden Abschnittc erken- nen laBt Kolophon - SchluBvcrmcrk in Handschriften, der Informationcn iiber die Art des Tex¬ tes, Ort und Zcit dcr Herstellung, ev. Schreibernamcn u.a. enthalt Komputus (komputistisch) - Kalendcrberech- nung auf mathcmatisch-astronomischer Grundlagc Lektionar - liturgisches Buch mit den fiir die >Lcsungen< wahrend dcs Gottesdienstcs gcbrauchten Texten Ligatur - Buchstabenverbindung I.itnrgie, liturgisch - Gottcsdicnst, auf den Got- tesdienst bcziiglich Majestas Domini - >Macht und Hcrrhchkeit des Herrin, von der Vision Ezcchicls und der Apokalypse ausgehende Darstellung dcs erhohten Christus Majuskel - GroBbuchstabc Xlandorla - >Mandel<, mandelformigc, die ganze Figur umfassendc Aureole Xlinuskel - Klcinschrift (mit Ober- und Un- tcrlangcn) Xlissale - liturgisches Buch, das allc feststc- henden und wechselndcn Textc der Messe im liturgischen Jahresablauf enthalt Oktateuch - Bezeichnung der ersten acht Bii- cher des Alten Testaments Pantokrator - Christus als Herrscher des Weltalls Pentateuch - Bezeichnung der ersten flinf Bii- cher des Alten Testaments r = recto - Vordcrseite eines Blattcs (bei Handschriften ist Zahlung nach Blattern statt nach Seiten iiblich) Sakramentar - liturgisches Buch, das allc jcnc Gcbctc enthalt, die der Priestcr (oder Bi¬ schof) in der Messe spricht; zeitlich Vor- laufcr dcs Missale Septuaginta - altcstc und wichtigstc Ubcrset- zung dcs Alten Testaments in die griechi- schc Sprachc. Die Bezeichnung geht auf eine Legende zuriick, derzufolge 72 Ju- den in 72 Tagen die Ubersetzung angc- fertigt hatten Stundenbuch - privates Andachtsbuch dcr Laien nach dem Muster des offiziellen Gebetbuchs der Klerikcr (Brevier) Thora - die flinf Biichcr desjiidischen Geset- zes (die ersten fiinf Bucher dcr Bibel) Trumeau - Tiirpfeiler Tympanon - Bogenfeld iiber Portalen, meist mit Reliefs gcschmiickt v = verso - Ruckseite eines Blattes Wurzel Jesse - Darstellung dcs Stammbaums Christi in Form eines aus dem Korper dcs schlafcnden Isai (Jesse), Davids Vater, emporwachsenden Baumes, dcr in sci- nen Vcrzwcigungen die Brust- oder Vollbildcr dcr Vorfahren Christi um- schlicBt zoomorph - tiergestaltig
Verzeichnis der angefiihrten Handschriften nach Aufbcwahmngsortcn AMIENS Bibliotheque municipale Ms. 18: Corbie-Psalter 52 IT., $8, 67. 92, Ahb. 60, 61, 62, 66, 70, 71, 72, 12S ARRAS Bibliotheque municipale Ms. 657: Adam dc la Halle, Le Chansonnicr d’Arras 148, Abb. 134 Ms. 1045: Evangelistar von St.Vaast 73, 173, Abb. 96 ATHOS Stauronikita Ms. 43: Evangeliar 13 f., 25, 180, Abb. 3, t6 AVEZZANO Curia Vcscovilc Exultctrollc 40, Abb. 41 AVRANCHES Bibliotheque municipale Ms. 76: Augustinus. Psalmenkommcntar 90 f., Abb. 123 Ms. 107: Bcda Vcncrabilis, Evangclicn- kommentar 82, Abb. 114 BAMBERG Staatsbibliothck Ms. 140: Bamberger Apokalypse 165, Abb. 171 BERGAMO Biblioteca Civica Cod. A vh. 14: Musterbuch des Giovannino dc’Grassi 28, 61 f., Farbtaj. XXX BERLIN Deutsche Staatbibliotbek Ms. Hamilton 553: Salaberga-Psaltcr 72, Abb. 93 Staatsbibliothek PrcuBischer Kulturbesitz Ms. theol. lat. fol. 58: Psalter Ludwigs d. Deutschen 72, Abb. 94 Probianus-Diptychon 14, Abh. 3 BROSSEL Bibliotheque Royalc Albert Ier Ms. 3538: Filocalus-Kalendcr, Kopie 151, Abb. 160 Ms. 11060-11 061: Trcs belles heures des Herzogs von Berry 196f.. Abb. 203, 206 Ms. 18723: Evangeliar aus Xanten 177, Abb. 183 Ms. 11 2572: Petrus Archidiaconus, Liber dc diversis quacstiunculis 17, Abb. 6 CAMBRAI Bibliotheque municipale Ms. 386 in: Apokalypse von Cambrai 161, 164. Abb. 169 CAMBRIDGE Corpus Christi College Ms. 3: Bibel von Dover 135f.. Abb. 140 Ms. 286: Augustinus-Evangeliar 12, 36 f., 150, 179 f., Anm. 3. Abb. 36 Fitzwilliam Museum Ms. 2 - 1954: Bird-Psalter 143, Abb. 149 Ms. 86 - 1972: Notitia dignitatum Anm. 8 Trinity College Library Ms. R. 17. 1: Eadwine-Psalter 19. Abb. 11 CHANTILLY Musee Conde Ms. lat. 1695: Ingeborg-Psalter94, Abb. 131 CIVIDALE DEL FRIULI Museo archcologico nazionale Cod. Sacr. 11: Ricscnbibel 91, 130, Abb. 126 Ms. 136: Psalter des Bischofs Egbert 75 f.. Abb. 99 DIJON Bibliothcque municipale Ms. 114: Bibel des Abtcs Steven Harding 30, 58, Abb. 27 Ms. 170, 173: Gregor, Moralia in Job 58 ff., Abb. 73, 74, 73, 78, Farbiaf. XXll DUBLIN Royal Irish Academy s. n.: Cathach (Psalter) des hi. Columban 63, Abb. 82 Trinity College Library Ms. 57: Book of Durrow 12, 36, 60, 64, 66 ff., Anm. 4, 5, Abb. 76, 83, 87, 88, Farbtaj. 11 Ms. $8: Book of Kells 51, 67 f., Anm. 20, Abb. 34, 90 DURHAM Cathedral Library Ms. A. 11.4: Carilef-Bibel 88 f., 92, Abb. 123 EPERNAY Bibliotheque municipale Ms. 1: Ebo-Evangcliar 177 f., Abb. 184 ERLANGEN Univcrsitatsbibliothek Ms. perg. 1: Gumpertsbibel 131, Abb. 136 ESSEN Miinsterschatz Evangeliar 55 f., Abb. 68 EVREUX Bibliothcque municipale Ms. 131: Augustinus, Psalmenkommentar 77, 89 f.. Abb. 124 GENF Bibliothcque publique et universitaire Ms. fr. 2: Bible historialc 195 f., Farbtaj. XXIX GOTTWEIG Stiftsbibliothek Cod. 1: St.Gallener Psalter 85 f.. Abb. 120 HILDESHEIM St. Godehard Albani-Psalter 92ff., 130, i88f., Anm. 31, Abb. 127, 129, 130, 193 KOLN Erzbischoflichc Diozcsan- u. Dombibliothek Cod. 12: Hillinus-Evangcliar 76, 173, Farbtaj. Л7Г Cod. 14: Evangeliar 73, 173, Abb. 96 KREMSMUNSTER Stiftsbibliothek Cim. 1: Codex millcnarius 2$, 36, Anm. 7, Abb. 17, 33 KOPENHAGEN Dot Kongelige Bibliotek Ms. Thott 399, 20 33, Abb. 30 LAON Bibliotheque municipale Ms. 63: Evangeliar $4, Abb. 63 LEIDEN Bibliotheek der Rijksuniversiteit Cod. Perizoni 17: Bibel 30, 139, Abh. 23, 26 LICHFIELD Cathedral Treasury Book of St. Chad 36, 66, 174 f., Farbtaj. /г, г LISSABON Biblioteca Nacional Ms. 72: Bibel aus Cervera Anm. 28 LONDON British Library Add. Ms. 10546: Bibel von Moutier- Grandval 29. Farbtaj. XI Add. Ms. 11695: Beatus von Liebana, Apokalypsenkommentar aus Santo Domingo de Silos 161 ff.. Farbtaj. XX Add. Ms. 16997: Stundenbuch 197f.. Abb. 207 Add. Ms. 19352: byzantinischer Psalter 168, Abb. 174, 173 Add. Ms. 27694: Bibel in Taschenformat 146, Abb. 132 Add. Ms. 43725: Codex Sinaiticus 18, Abb. 9 Add. Ms. 49598: Ethelwold-Benedictio- nalc 181 IT., Abb. 186, 188 Add. Ms. 49622: Gorlcston-Psaltcr 94. 144, Farbtaj. xxvn
218 Verzeiclwis der atigeftihrten Handschrifien Arundel Ms. 60: Arundel-Psaltcr 87 f.. Abb. 122 Cotton Ms. Nero D. iv: Book of Lindis- farne 67(1'., 173 tT.. Anm. 55. Abb.83,91. Q2, 181, Farbtaf Ill Cotton Ms. Tiberius C.6: Psalter 183, Abb. 190 Cotton Ms. Vespasian A. I.: Vcspasian-Psal- ter 77, Abb. 100 Egerton Ms. 608: Evangeliar 185, Abb. 192 Harley Ms. 603: Kopie dcs Utrecht-Psalters 19, 170, Farbtaf. Will Harley Ms. 2904: Harlcy-Psalter 86 f., Abb. 121 Royal Ms. 1 C.7: Bibel von Rochester 28, 134 fT., Abb. 138 Royal Ms. 1 D.viii: Codex Alexandrinus 46, 63, Abb. 50 Royal Ms. 5 D.u: Augustinus, Psalmen- kommentar 83. Abb. 116 Royal Ms. 12 E. xx: Medizinische Traktatc 134. Anm. 29, Abb. 119 Lambeth Palace Library Ms. 3: Lambeth-Bibel 94, 138. Abb. 132, 146 Ms. 75: Lambeth-Apokalypse 165, Abb. 172 LUCCA Biblioteca Govcrnativa Ms. 1942: Hildegard von Bingen, Rcvcla- tiones 158 ГГ.. Abb. 168, Farbtaf. Л'Л'/Г MADRID Biblioteca Nacional Cod. Ms. 3307: Aratea-Handschrift 24, Abb. 13, 14 Ms. Vit. 25-5: Stundenbuch 201, Abb.209 M1CHAELBEUREN Stiftsbibliothek Cod. perg. 1: Riescnbibel i3of., Anm. 34 MONCHEN Baycrische Staatsbibliothck Cod. lat. ms. 6224: Valcrianus-Evangeliar 47, Abb. 32 Cod. lat. ms. 4453: Evangeliar Ottos in. 76, 185. Farbtaf. XI11. AT Cod. lat. ms. 4456: Sakramentar Hein¬ richs 11. 186 fT., Abb. 193 Cod. lat. ms. 13001: Riesenbibel aus Hir- sau I29f., Abb. 134 Cod. lat. ms. 13002: Salomon von Kon¬ stanz, Glossar I56f.. Abb. 165 NEW YORK Metropolitan Museum of Art, The Cloisters Stundenbuch der Jeanne d’Evrcux 195, Farbtaf. Х.ХП11 Pierpont Morgan Library E.41 und E. 2.78.B: Aristoteles, Werke 202, Abb. 210, Farbtaf. x.x.xn M. 43: Huntingficld-Psalter 94, Abb. 133 M. 333: Evangeliar 84, Abb. 117 M. 736: Edmundslegcnde 187 £F., Abb. 194, Farbtaf. xxi NORNBERG Germanisches Nationalmuscum Ms. 2C 156 142: Codex aureus von Echter- nach 151 f.. Abb. 162 OXFORD Bodleian Library Ms. Ashmole 1511: Bestiar 26, Abb. 18 Ms. Auct. E. inf. 1: Bibel 54. 56, Abb. 67, 69 Ms. Auct. F. 2.13: Terenz 140, Anm. 36 Ms. Bodley 171: Jesaiaskommentar 191, Abb. 197 Ms. Bodley 646. Basinio de’ Basini von Parma, Astronomicon I52f., Abb. 163 Ms. Canon Class. Lat. 161: Solinus, Poly- storia 153, Anm. 42 Ms. Canon Liturg. 319: Sakramentar 37. 42 fT., 80. Farbtaf. wi, WII Ms. E. D. Clarke 28: Terenz. Komodien 150, Abb. 139 Ms. Douce 5-6: Psalter 28, 144. Abb. 131a Ms. Douce 180: Douce-Apokalypse 166. Farbtaf. XW Ms. Douce 219-220: Stundenbuch dcs En¬ gelbert von Nassau 200 fT., Farbtaf. x.x.xi Ms. Douce 296: Psalter 172, 178, Abb. 183 Ms. Douce 313: Missale 195, Abb. 204 Ms. Junius 27: Junius-Psaltcr 82, Abb. 112 Ms. Kcnnicott 1: Bibel Anm. 28 Ms. laud. Misc. 126: Augustinus, De Trini- tatc 51, Abb. 36 Pap. gr. Oxy. 2331 Anm. 11 PARIS Archives Nationales 393: Urkunde Karls v. von Frankrcich, 61. Abb. 79 Bibliotheque de l’Arscnal Ms. 595: Missale und Brevier von Chalons- sur-Mame 193. Abb.201 Ms. 599: Evangeliar von Saint-Martin-des- Champs 69. Abb. 93 Ms. 1186: Psalter des hi. Ludwig Anm. 2 Bibliotheque Nationalc Ms. fr. 95: Robert de Boron, L’Histoire du Graal 28. 144, Abb. 23 Ms. fr. 2091: Vie de St. Denis 194, Abb. 202 Ms. grec 139: Pariscr Psalter 137 f., Abb. 144 Ms. lat. 1141: Sakramentarfragmcnt Anm. 22 Ms. lat. 6299: Aristoteles. Mctaphysik 144, Abb. 131b Ms. lat. 6734: Honorius Augustodunensis, Clavis physicae 158 ffl. Anm. 45, Abb. 167 Ms. lat. 7899: Terenz, Komodien 23, 33, Abb. 31 Ms. lat. 8846: Kopie des Utrecht-Psalters Anm. 10 Ms. lat. 8850: Evangeliar aus Saint-Me- dard-de-Soissons 149, 179 f., 182, Abb. 137, Farbtaf. x Ms. lat. 9427: Lektionar aus Luxeuil 51, Abb. 33 Ms. lat. 9428: Drogo-Sakramcntar 37, 77fT., 140, Anm. 38, Abb. 103, 103-107, Farbtaf. Xll Ms. lat. 10525: Psalter des hi. Ludwig 148. 192. Farbtaf. XX17 Ms. lat. 11 550: Psalter 82, Abb. 113 Ms. lat. 12048: Sakramentar von Gcllone 42. Abb. 46 Ms. lat. 12 135: Ambrosius, Hexamcron 50 f.. Abb. 33, 37 Ms. lat. 12 168: Augustinus, Quaestioncs in Heptateuchon 52, Abb. 39 Ms. lat. 12444: Kanonische Schriften 52, Abb. 38 Ms. lat. 17326: Evangeliar der Sainte-Cha- pelle 147 f.. Abb. 133 nouv. acq. lat. 3145: Stundenbuch der Jeanne 11. 195, Abb. 203 Ms. suppl. grec 1294: Papyrusreste 22, Abb. 12 Xylo 2: Armcnbibel, Blockbuch 28, Abb. 24 Bibliotheque Sainte-Genevieve Ms. 103: Missale von Senlis 192 f.. Abb. 200 Musee du Louvre Pap. 1: Astrologische Papyrusrollc 17, 23. Abb. 7 PARMA Biblioteca Palatina Ms. Palat. gr. 5: Evangeliar 189, Abb. 196 ROM Biblioteca Casanatense Ms. 724 (B.1.13): Exultctrolle 40, Abb. 42 Cod. 1907: Sakramentar 40, 43, 62, Abb. 43, 47 Biblioteca Vaticana Cod. Reg. lat. 316: Sacramentarium Gela- sianum 38, 50, 62, Abb. 37, 38 Cod. Vat. gr. 43 i:Josuarolle 22, 26, Abb. 10 Cod. Vat. gr. 747: Oktateuch 26, Abb. 20. 21 Cod. Vat. lat. 3225: Vergilius Vaticanus 23. 33. Abb. 29 Cod. Vat. lat. 3256: Vergilius Augusteus 45, 63. Abb. 31 San Paolo fuori le mura Bibel 19т f.. Abb. 198 ROSSANO Biblioteca Arcivescovile Codex purpurcus Rossanensis Anm. 20 ROUEN Bibliotheque municipalc Ms. Y.6: Sakramentar (>Missalc<) des Ro¬ bert von Jumieges 42, 80, 178, Anm. 5s. Abb. 43, Farbtaf. xix Ms. Y.7: Bcnedictionale des Robert von Jumieges 183. Abb. 189 Ms. 456: Augustinus, Psalmcnkommcntar Anm. 30 ST FLORIAN Stiftsbibliothek Cod. ill, 221 A: Walling-Missale 43, 80, Abb. 48 Cod. xi, 1: Riesenbibel 130, Abb. 133 Cod. xi, 394: Missale 40, Abb. 44
Verzeiclmis der atigejtihrien Objekte 219 ST. G ALLEN Stiftsbibliothek Cod. 23: Folchard-Psalter 73 ff, Abb. g8 Cod. 51: Evangeliartfyf., 173,175, Abb. 8g, 182 St.Gallener Psalter 85 f., Abb. 120 STOCKHOLM Kungliga Biblioteket Ms. A. 135: Codex aureus Anm. 7 Ms. A. 148.309: Codex Gigas Anm. 33 STUTTGART Wiirttembergischc Landesbibliothek Bibl. Fol. 23: Stuttgarter Psalter 24, 170, Abb. 13 TRIER Dombibliothek Ms. 61/134: Evangcliar 151, Anm. 55, Abb. 161 Stadtbibliothck Cod. 31: Apokalypse von Trier 161 ff.. Abb. 170 Einzclblatt aus einem >Registrum Gregorii< 185 f., Abb. tgi TURIN Museo Civico Turiner Stundenbuch 198 ff, Abb. 208 UTRECHT Bibliotheek der Rijksuniversitcit Cat. Cod. Ms. Bibl. Rhenotraiectinae 1. Nr. 32: Utrecht-Psaltcr 19, 168 ft*., 177F, Anm. 10, Abb. 10, 176-180 VALENCIA Biblioteca Univcrsitaria Ms. 819: Josephus Flavius, De bellojudaico 153, Abb. 164 WIEN Ostcrrcichische Nationalbibliothck Cod. 387: Chronologischc und astronomi- sche Schriften r8. Abb. 8 Cod. 847: Eusebius und Rufinus Aquile- jensis Anm. 41 Cod. 958: Sakramentar-Fragment 37 f., 62, Abb. jg, 40 Cod. 1224: Cutbercht-Evangeliar Anm. 55 Cod. 1861: Dagulf-Psaltcr 140, Anm. 38 Farbtaf. ГШ//Х Cod. 12600: Astronomische Traktate 157, Abb. 166 Cod. Med. gr. 1: Wiener Dioskurides 150, Abb. 138 Cod. Scr. n. 2596: Stundenbuch und Psalter 143 f., 169, Abb. 130 Cod. Ser. n. 2701: Admontcr Riescnbibel 130 IT., Abb. 137 Cod. Suppl. gr. $2: Neues Testament 138, Abb. 143 Cod. thcol. gr. 31: Wiener Genesis 29. Farbtaf. l Weltliche Schatzkammer Kronungsevangeliar 177, Farbtaf. 17/i'll WIESBADEN (ehem.) Hessischc Landesbibliothek Cod. minor Hildegardis: Hildcgard von Bingen, Scivias 159 tT., Abb. 168 WILHERING Stiftsbibliothek Cod. 9: Missale des Andrcas-Altars 11, Abb. 1 WINCHESTER Cathedral Library Winchcster-Bibel 30, 35f., 51, 77, 135ff., 192, Anm. 18, Abb. 28, 34, Ю2, 141, 142, 147, 148, Farbtaf. win Verzeichnis der angefuhrten Objekte nach Aufbewahrungsortcn ATHEN Akropolismuseum Relief vom Tempcl der Athena Nike 137, Abb. 143 BERLIN Staatliche Muscen PrcuBischcr Kulturbesitz Pieter Brueghel, Die niederlandischcn Sprichworter 168, Anm. 52 BRAUNSCHWEIG Herzog Anton Ulrich-Museum Metzer Elfenbeinkastchen 181 f.. Abb. 187 CAMBRIDGE Fitzwilliam Museum Elfcnbcin, ottonisch 3$, Abb. 32 DUBLIN National Museum of Ireland >SoisceI Molaisc<-Reliquiar 12, Anm. 6, Abb. 2 EDINBURGH National Museum of Antiquities Irischcs Steinkreuz aus Aberlady 54, Abb. 64 FRANKFURT Liebieghaus Elfenbein mit liturgischer Szene 35. 37, Abb. 33 GROTTAFERRATA Badia greca di. Museum Grabstelc, attisch 14, Abb. 4 LONDON British Museum Goldschnalle von Sutton Hoo 66, Abb. 86 Prunkschild, kcltisch 65, Abb. 84 Victoria and Albert Museum Kriimme eincs Bischofsstabs 84, Abb. ug Irisches Steinkreuz aus Easby 81, Abb. 111 mOnchen Bayerisches Nationalmuseum Elfenbein, obcritalienisch 78. Abb. 104 Staatl. Graphische Sammlung Meister E. S., Figurenalphabet 62, Abb So. 81 NEW YORK Metropolitan Museum of Art Silberteller aus Zypern 77, Abb. 101 PARIS Musee de Cluny Elfenbein, 9./io.Jh. 81, Abb. no RAVENNA Museo Arcivescovilc Kathedra des Bischofs Maximian 149, Abb. 133 ROM Vatikanische Museen Porphyrsarkophag der Constantina 81, Abb. 108 Sarkophag mit dem Gutcn Hirten 81, Abb. tog TOULOUSE Augustinermuseum Doppelkapitell 84, Abb. 118
Objektregister Admontcr Riesenbibel i3off, Abb. 137 Acthelwold s. Ethelwold Albani-Psalter gaff., 130, i88f., Anm. 31, Abb. 127, 129, 130, 193 Apokalypse von Cambrai 161, 164, Abb. 169 von Trier i6iff, Abb. 170; s.a. Apokalypsenkommentar dcs Deatus von Liebana, Bamberger Apokalypse, Douce-Apokalypse. Diirer (Holz- schnittfolge der Apokalypse). Lambcth- Apokalypse Apokalypsenkommentar des Beatus von Lie¬ bana i6iff., Farbtaf. xx Arundcl-Psaltcr 87 г. Abb. 122 Augustinus-Evangcliar 12, 36 f., 150, 179 Г., Anm. 3, Abb. 36 Bamberger Apokalypse 165. Abb. 171 Beatus von Liebana. s. Apokalypsenkom¬ mentar Benedictionale des Robert von Jumieges 183, Abb. 189 Bibcl aus Cervera Anm. 28 von Dover 135 f., Abb. 140 von Moutier-Grandval 29, Farbtaf. xt von Rochester 28, 134 В*., Abb. 138 von San Paolo fuori lc mura 191 f., Abb. 198 des Abtes Steven Harding 30, 58, Abb. 27 s.a. Admonter Riesenbibel. Carilef-Bibel, Gumpertsbibel, Kcnnicott-Bibcl, Lam- bcth-Bibcl, Riesenbibel, Winchester- Bibel Bird-Psalter 143, Abb. 149 Book of Durrow 12, 36, 60, 64. 66 fF.. Anm. 4, 5, Abb. 76, 83, 87, 88, Farbtaf. 11 Book of Kells 51, 67 f., Anm. 20, Abb. 34, 90 Book ofLindisfame 37, 67flf., 173fF., Anm. 55, Abb. 83, 91, 92, 181, Farbtaf. ill Book of St. Chad 36, 66, 174 f., Farbtaf. tv. v Brueghel, Pieter Die niederlandischen Sprichwortcr 168, Anm. 62 Carilef-Bibel 88 f., 92, Abb. 123 Cathach (Psalter) des hl.Columban 63, Abb. 82 Chartres, Kathedrale Notre-Dame Wcstportal, Prophet 51, 149, Abb. 136 Codex Alexandrinus 46, 63, Abb. 30 Codex aureus von Echternach 151 f.. Abb. 162 Codex aureus von Stockholm Anm. 37 Codex Gigas Anm. 33 Codex millenarius 25, 36, Anm. 7, Abb. 17, 35 Codex purpureus Rossanensis Anm. 20 Codex Sinaiticus 18, Abb. 9 Corbie-Psalter 52 ff., 58, 67, 92, Abb. 60, 61, 62,66, 70-72, 128 Cutbcrcht-Evangcliar Anm. 55 Dagulf-Psalter 7of., 140. 173, Anm. 38, Farbtaf. 1 ill, IX Damasus-Epigraph 45, Abb. 49 de’ Grassi, Cliovannino. Musterbuch 28, 61 f., Farbtaf. XXX Dionysius, hi. s. Leben des Douce-Apokalypse 166, Farbtaf. xx\’ Drogo-Sakramcntar 37, 77ff., 140, Anm. 38. Abb. 103, 103-107, Farbtaf. xtt Diircr, Albrecht, Holzschnittfolge der Apokalypse Anm. 50 Eadwine-Psalter 19, Abb. 11 Ebo-Evangeliar 177 f., Abb. 184 Edmundslcgende 187 ff, Abb. 194, Farbtaf xxi Egbert-Psalter 75 f., Abb. 99 Ethelwold-Benedictionale 181 ff., Abb. 186, 188 Evangeliar Ottos hi. 76, 185, Farbtaf. Xlll, лт von Saint-Martin-des-Champs 69, 173, Abb. 93 der Saintc-Chapelle 147 f.. Abb. 133; s.a. Augustinus-Evangeliar, Cutbercht- Evangcliar, Ebo-Evangeliar, Hillinus- Evangcliar, Kronungsevangeliar, Sois- sons-Evangcliar, Valcrianus-Evangeliar Exultetrollen 40, Anm. 21, Abb. 41, 42 Filocalus-Kalcndcr 151, Abb. 160 Folchard-Psaltcr 73 ff. Abb. 98 Gorleston-Psalter 94, Farbtaf. xxni Grandval-Bibcl s. Bibcl von Moutier- Grandval Gumpertsbibel 131. Abb. 136 Harley-Psalter 86f., Abb. 121 Hillinus-Evangeliar 76, 173, Farbtaf. XU' Huntingfield-Psalter 94, Abb. 133 Ingcborg-Psalter 94, Abb. 131 Jacqucmart de Hcsdin 196, Abb. 203 Josuarollc 22. 26, Abb. 19 Junius-Psalter 82, Abb. 112 Kennicott-Bibcl Anm. 28 Kronungsevangeliar 177, Farbtaf. I'lH'ii Kronungssakramentar Karls d. Kahlen Anm. 22 Lambeth-Apokalypse 16$, Abb. 172 Lambeth-Bibel 94, 138, Abb. 132, 146 Lauro Padovano Abb. 164 Leben des hi. Dionysius (Vie de St. Denis) 194, Abb. 202 Maximians-Kathcdra 149, Abb. 133 Meister E.S., Figurenalphabct 62, Abb. 80, 81 Meister dcs Marcchal de Boucicaut, Stunden- buch T97f., Abb. 207 Meister dcr Maria von Burgund, Stunden- buch 200 ff, Anm. 62, Abb. 209, Farbtaf. xxxii Meister des Turiner Stundenbuchs, Turiner Stundenbuch 198 ff, Abb. 208 Missale des Andreas-Altars 11, Abb. t Missale und Brevier von Chalons-sur-Mamc 193, 195, Abb. 201 Missale (Sakramentar) des Robert v. Jumiege' 42, 80, 178, Anm. 58, Abb. 45, Farbtaf. X!\ Missale von Senlis iQ2f., Abb. 200; s.a. Walling-Missale Moissac, ehem. Abteikirche Saint-Pierre Besticnpfeiler 60 Tympanon 165, Abb. 173 Notitia dignitatum Anm. 8 О vide moralise 33, Abb. 30 Pariser Psalter 137 f.. Abb. 144 Piranesi, Fronrispiz 153, Anm. 44 Probianus-Diptychon 14, Abb. 3 Psalter des hi. Ludwig 148, 192, Farbtaf. XXI 7 (Paris, Bibl. Nat.); Anm. 2 (Paris, Bibl de Г Arsenal) Ludwigs d. Dcutschen 72, Abb. 94; s.a. Albani-Psalter, Arundcl-Psaltcr, Bird- Psalter, Cathach (Psalter) des hi. Colum- ban, Corbie-Psalter, Dagulf-Psalter. Eadwine-Psalter, Egbert-Psalter, Fol- chard-Psalter, Gorleston-Psalter, Har- lcy-Psalter, Huntingfield-Psalter, Inge- borg-Psaltcr, Junius-Psalter, Pariser Psalter, Salabcrga-Psalter, St.Gallener Psalter, Stuttgarter Psalter, Utrecht- Psalter, Vespasian-Psalter Puccllc, Jean, und Umkreis Abb. 203, 204. Farbtaf. xxi’in Registrum Gregorii (Einzelblatt) 184, Abb. 191 Riesenbibel von Cividale 91, 130, Abb. 126 von Hirsau 129!*., Abb. 134 von Michaelbcurcn i3of., Abb. 34 von St. Florian 130, Abb. 133; s.a. Admonter Riesenbibel, Gumperts- bibcl Rom Marc-Aurcl-Saule 26 Sant’Agnese Damasus-Epigraph 45. Abb. 49 Trajan-Saulc 26, Abb. 22 Sacramentarium Gelasianum 38. 50, 62, Abb. 37, 38 Sakramentar von Gellone 42, Abb. 46
Photonachweis 221 Heinrichs и. 186 AT., Abb. 193 (>Missale<) des Robert von Jumiegcs 42, 80, 178, Anm. 58, Abb. 43, Farbtaf. xtx; s.a. Drogo-Sakramentar, Kronungssakra- mentar Karls d. Kahlen, Sacramenta- rium Gelasianum Salabcrga-Psaltcr 72, Abb. 93 Schatzkammcr-Evangeliar s. Kronungscvan- geliar >Soiscel Molaise<-Reliquiar 12, Anm. 6, Abb. 2 Soissons-Evangcliar 149,179 f.. 182, Abb. 137, Farbtaf. X Souillac, ehem. Abteikirche Sainte-Marie Trumcau-Pfeiler 54, Abb. 63 Bcsticnpfeiler 60, Abb. 77 St.Gallener Psalter 8$ f, Abb. 120 Photonachweis antella (Florenz) Scala Istituto Fotografico: Farbtafcl xxiv BARCELONA, Foto Mas: 164 brussel, Bibliotheque Royale Albert Icr: 183, 205, 206 Cambridge, Fitzwilliam Museum: 32 FRANKFURT AM main, Liebicghaus 33 graz, Akadcmische Druck- und Vcrlagsan- stalt: Farbtafel vm, ix, xn, xxv, xxvi, 10, 17, 35, 103, 105, 106, 107 koln. Photo Wolfgang F. Meier: Farbtafel xiv London, British Library: Farbtafel xviii, xx, 9, 152; Courtauld Institute: 69, 116. 138, 139, 149, 174; Victoria and Albert Mu¬ seum; 123: Warburg Institute: 34, 142, 146, 147, 48 Stundcnbuch dcs Engelbert von Nassau 200 AT., Farbtaf. XXXI der Jeanne 11., Konigin von Navarra 195, Abb. 203 der Jeanne d’Evreux 19$, Farbtaf. XXl'IU; s.a. Turiner Stundenbuch Stuttgarter Psalter 24, 170, Abb. 13 Sutton Hoo, Goldschnallc 66, Abb. 86 Tcrcnz-Handschriften 33, 140, Anm. 36, Abb. 31 Thorarolle 14, Anm. 9 Toulouse, Saint-Semin Chorumgangsrelief 192, Abb. 199 Trcs belles heures des Herzogs von Berry 196 f., Abb. 203, 206, 208 Madrid. Biblioteca Nacional: 209 Manchester, University of Manchester, Hi¬ story of Art Department: Farbtafel xxm marburg, Foto Marburg: 173, 199 munchen, Bayerische Staatsbibliothek: Farb¬ tafel xin, xv; Bayerisches Nationalmu- scum: 104; Photo Hirmer: 108, 171; Staat- lichc Graphische Sammluiig: 80, 81 new York, Metropolitan Museum: 101; Picr- pont Morgan Library: Farbtafel xxi, 194 oxford, Bodleian Library: Farbtafel xvi, xvii. XXXI. 67, 112. 151a, 197 Paris, Bibliotheque Nationale: Farbtafcl x, 23, 93, 96, 153, 157, 167; Photo Giraudon: 77. 13 * rom, Biblioteca Apostolica Vaticana: 38 rouen, Photo Ellebe: Farbtafel xix Turiner Stundenbuch (Tres belles heures dcs Herzogs von Berry) 198 AT., Abb. 208 Utrccht-Psalter 19, 168 AT., 177 AT., Anm. 10, Abb. to, 176-180 Valerianus-Evangeliar 47, Abb. 32 Vcrgilius Augusteus 46, 63, Abb. 31 Vergilius Vaticanus 23, 33, Abb. 29 Vespasian-Psalter 77, Abb. 100 Vie de St. Denis s. Leben dcs hi. Dionysius Walling-Missalc 43, 80, Abb. 48 Wiener Dioskuridcs 150, Abb. 138 Wiener Genesis 29, Farbtaf. I Winchestcr-Bibel 30, 35 f., 51,77, 135 AT., 192, Anm. 18, Abb. 28, 34, 102, 141, 142, 147, 148, Farbtaf. XXIII saioniki, Photo Lykides: 3, 16 st.callen, Photo Morschcr: 98, 182 WIEN, Kunsthistorischcs Institut der Universi¬ ty Wien: 1,15, 22, 39, 44, 45, 47, 48, $0, 52, 56, 60, 61, 62, 65, 66, 71, 72, 79, 97, 99, 102, 126, 134, 135, 140, 144, 155, 165, 170, 186, 187, 188, 196, 198, 208; Osterreichische Nationalbibliothek: 8, $1, 150, 158; Photo Meyer: Farbtafel vi, vn Allc anderen Vorlagen stamincn aus dem Archiv dcs Autors und des Verlages.
ОТТО PACHT Buchmalerei des Mittelalters Eine Einfuhrung Herausgegeben von DagmarThoss und Ulrikejenni Dieses Buch ist eine aus uberlegener Kenntms geschriebene Einfuhrung in die subtile Kunst- iibung der Buchmalerei, die vom Ausgang der Antike bis zum Ende des Mittelalters bliihte und in der Wechselwirkung von Schrift, Bild und Ornament wahre Wunderwerke hervorbrachte. In der christlichen Welt des Mittelalters war das Buch nicht einfach Gebrauchsgegenstand, son- dern hatte als sinnliche Form der Glaubensquelle, des Evangeliums, Symbolwert, kaum wemger als das Kreuz. Immer vom Verstandnis der Texte und von der Anschauung ausgehend, entrollt Otto Pacht - ein ebenso intellektuell faszinierender Gelehrter wie empfanglicher Augenmensch - ein weites Pan¬ orama, das von Byzanz bis zu den Britischen Inseln reicht und die vielfaltigen Phasen und For- men der Buchmalerei zeigt, aber auch noch im scheinbar Nebensachlichen eine Fiille von Beob- achtungen und Einsichten ausbreitet. Otto Pacht war einer der angesehensten Vertreter der tradidonsreichen Wiener Schule der Kunstge- schichte und hat durch seine Lehr- und For- schungstatigkeit in England, Amerika und in Wien entscheidend zur Kenntnis und zum Ver¬ standnis dieser lange in Bibliotheken verborgenen Kunstschatze beigetragen. Das Buch geht auf ei- nen bis ins Detail ausgearbeiteten Wiener Vorle- sungszyklus zuriick und hat zugleich alleVorzuge des gesprochenen Wortes. »Eine den geisdgen Horizont ausweitende, die Augen offhende, in dieTiefe fiihrende Sehschule.* OTTO PACHT war einer der groBen Kunsthisto- riker unserer Zeit und bis zu seinemTod im Jahre 1988 der Nestor der Handschriftenforscher. Er hat sich durch seine Lehr- und Forschungstatigkeit in London, Oxford, New York, Princeton und Cambridge schon friih iiber die Grenzen des deut- schen Sprachraums hinaus einen intemationalen Namen gemacht.Von 1963 bis 1972 lehrte er als Ordinarius an der Universitat Wien. Otto Pacht befaBte sich vor allem nut der europaischen Kunst des 15. Jahrhunderts und mittelalterlicher Buch¬ malerei, Gebiete, auf denen er unangefochtene Autoritat war. Im Prestel-Verlag erschienen auBer- dem von ihm »Methodisches zur kunsthistorischen Praxis«, eine Studienausgabe, die sich mit Grund- ffagen der kunsthistorischen Forschung beschaf- tigt (3. Auflage 1995), »Van Eyck. Die Begriinder der altniederlandischen Malerei« (2. Auflage 1993), »Rembrandt« (1991) und »Almiederlandische Malerei.Von Rogier van der Weyden bis Gerard David« (1994). 224 Seiten mit 32Tafeln in Farbc und Gold und 210 einfarbigen Abbildungen