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ISBN: 0023-1290

Год: 2021

Текст
                    FRAUEN Serie: 10 Jahre Heim-WM – Rückblick, Einblick, Ausblick
LEIPZIG

Der Angriff
mit Silva
Österreich € 3,60, Schweiz 6,20 sFr., BeNeLux € 3,70, Frankreich € 4,20 Italien € 4,20, Spanien (cont.) € 4,50, Kanaren (Luftfracht) € 4,80, Ungarn 1 490 Ft., Griechenland € 4,90, Dänemark 37,95 Dkr

START DER TRAINER

Roses Ideen,
Hütters
Aufträge

Die neuen

Chefs
Nach dem Kroos-Rücktritt
stehen Joshua Kimmich und
Leon Goretzka im Fokus –
und in der Verantwortung.

Fotos: Getty Images (2)

E X K LU S I V- I N T E RV I E W WE NGE R

• WM-Revolution
• deutsche Stürmer
• weniger Spiele

EM-HALBFINALIST ITALIEN

Mancini und die
Macht aus der Provinz

54
5. 7. 2021
27. WOCHE

3,20 ¤



5. JULI 2021 EDITORIAL 3 I N DIES E R AU S G AB E Jörg Jakob Chefredakteur Spannend: Wengers Ideen für die Zukunft N ach der EM ist vor einer neuen Ära: In unserer Titelstory lesen Sie, welch tragende Rolle Joshua Kimmich und Leon Goretzka spielen, wenn nun Hansi Flick die Nationalelf für die schon nahe Zukunft mit der WM 2022 und der EUR0 2024 formt. Die kicker-Reporter Matthias Dersch und Oliver Hartmann haben das DFBAufgebot in den jüngsten Wochen begleitet und die beiden Bayern-Profis intensiv beobachten können. NACH DER EM ist Bundesliga: In diesen Tagen legen die Klubs wieder los, vielfach mit reizvollen Neubesetzungen auf der Trainerbank. Darunter Gerardo Seoane. Den Schweizer hatten einige Klubs in Europa auf dem Zettel. Einen neuen Vertrag unterschrieb der Mann, der bei Young Boys Bern von sich reden gemacht hatte, bei Bayer Leverkusen. Wie tickt der neue Chef der Werkself? Stephan von Nocks gibt die Antworten. NACH DER EM ist vor der nächsten WM. Warum das globale Turnier alle zwei und nicht wie bisher alle vier Jahre stattfinden könnte, erklärt der frühere Meistermacher des FC Arsenal, Arsene Wenger, in dem großen Interview, das Georg Holzner führte. Wenger will den Fußball für die FIFA weiterentwickeln und mit den Reformen gleichzeitig die Belastung der Spieler verringern. Bemerkenswerte Ansätze, die bestimmt heiß diskutiert werden. 6 Mit Zukunft: Joshua Kimmich und Leon Goretzka sollen auch im DFB-Trikot zentrale Rollen spielen. 12 38 16 76 Für die Zukunft: Arsene Wenger sagt im Interview, welche Veränderungen er sich im Weltfußball wünscht. Bayers Zukunft: Gerardo Seoane gilt als spannende Persönlichkeit und ist als Trainertyp schwer zu fassen. In Zukunft nur noch im Verein: Weltmeister Toni Kroos hat seine Karriere in der Nationalelf beendet. Vergangenheit und Zukunft: Der Serienstart zu „10 Jahre Heim-WM“ mit Doris Fitschen und Silvia Neid Wir wünschen eine schöne Woche! Foto: Imago Images 19 Der Preis für den Montags-kicker erhöht sich heute um 20 Cent. Die stark gestiegenen Kosten in der Herstellung und Logistik haben diesen Schritt leider notwendig gemacht. Wir bitten um Ihr Verständnis. Verlag und Redaktion Bundesliga: Aktuelles aus den Vereinen 54 International: Aktuelles aus aller Welt 57 2. Liga: Aktuelles aus den Vereinen 65 3. Liga: Aktuelles aus den Vereinen 70 Regionalliga: Aktuelles aus den Regionen kicker ist Mitglied im Verbund „EUROPEAN SPORTS MEDIA“. Dazu gehören: A Bola (Portugal), De Telegraaf (Niederlande), ELF (Niederlande), Fanatik (Türkei), La Gazzetta dello Sport (Italien), Marca (Spanien), Nemzeti Sport (Ungarn), So Foot (Frankreich), Sportal Korea (Südkorea), Sport-Express (Russland), Sport-Magazine (Belgien), Tipsbladet (Dänemark), World Soccer (England).
5. JULI 2021 KNIPSER Foto: Witters 4 Kommen wir nun zu etwas völlig anderem E in Besuch im Ministerium für alberne Gangarten? Eine Neuauflage des „Fußballspiels der Philosophen“ von Monty Python? Oder sehen wir hier etwa einen bisher unveröffentlichten Sketch der britischen Kultkomikertruppe? Falsch, alles falsch. Niemand wird verhohnepipelt. Vielmehr wärmen sich die Spieler Jugoslawiens auf vor dem Halbfinale gegen Frankreich bei der ersten Europameisterschaft 1960. Und das mit Erfolg. Branko Zebec und Kollegen wandeln am 6. Juli im Pariser Prinzenpark einen 2:4-Rückstand nach 75 Minuten noch in einen 5:4-Sieg um. Zum EM-Titel reicht es dennoch nicht. Die Sowjetunion siegt im Finale 2:1. Nach Verlängerung.


5. JULI 2021 7 Das Doppelherz JO S HUA KIMM ICH (26) und LEO N G O R ETZKA (26) verkörpern alles, wofür die Nationalelf auf wie außerhalb des Platzes stehen will. Unter Bundestrainer Hansi Flick sollen sie eine noch tragendere Rolle spielen als bisher. Joshua Kimmich steht am Rande des Vergeblich waren die Anstrengungen der verganenglischen Strafraums, als die große genen Wochen, Monate, Jahre. Siegesfeier beginnt. Die Spieler der Three Viel hatte das Duo geopfert bzw. investiert Lions reißen die Arme hoch, recken ihre Fäuste in der jüngeren Vergangenheit: Kimmich, der von in den Himmel, auf den Tribünen des mächLöw auf die ungeliebte rechte Seite beordert wurde, tigen Wembley-Stadions fallen sich die seinen Platz in der Schaltzentrale, wo sich der von Menschen in die Arme und stimüberbordendem Ehrgeiz angetriebene Musterprofi men in einem 43 000-stimmigen am liebsten sieht und das Spiel diktieren kann. Chor „Football’s Coming Home“ Goretzka viel Zeit und Energie. Anfang Mai noch an. England hat Deutschland fürchtete der Münchner um seine EM-Teilnahme, mit 2:0 besiegt und zieht ins nachdem er sich zwei Spieltage vor dem Ende der Viertelfinale der EM 2020 ein. Bundesliga-Saison einen Muskelfaserriss im OberGebrochen ist der Fluch der schenkel zugezogen hatte. Im schlimmsten Fall Gastgeber, gefühlt immer an hätte die Diagnose das Aus für das Turnier bedeuDeutschland zu scheitern. Rietet, doch Löw hielt ihm einen Platz im 26er-Kader sig der Jubel, unter den sich eine frei – und Goretzka kämpfte sich zurück. Tag für gehörige Portion Erleichterung mischt Tag schuftete er in der Reha, schob Extraschichten ob des überwundenen Fußball-Traumas. und arbeitete an seinem Körper. Mit Erfolg: Die Ob Kimmich von all dem etwas mitbekommt? 0:1-Niederlage im ersten Spiel gegen Frankreich Falls ja, lässt er sich nichts anmerken. Der 26-Jähsah er zwar nur von der Tribüne aus, doch gegen rige steht einfach nur da, den Portugal war er wieder dabei, Blick schräg auf den Boden geDer Frust ist weg, nun spielte beim 4:2-Erfolg als Joker richtet, die Arme in die Seiten 17 Minuten lang mit. Gegen Unherrscht trotzige gestemmt. Er kämpft, das ist garn schließlich traf er – erneut Entschlossenheit. nicht zu übersehen. Mit sich und von der Bank kommend – zum seiner Enttäuschung. Und gegen 2:2-Ausgleich, der Deutschland die Tränen. Manuel Neuer und vor dem vorzeitigen K. o. bewahrMats Hummels, die Weltmeister von 2014, sehen te. Das Bild seines anschließenden Jubels ging Kimmich, laufen zu ihm, nehmen ihn tröstend in um die Welt: Goretzka formte mit den Händen den Arm. Dann kann er sie nicht mehr halten, die ein Herz, hielt es in Richtung der schwarz gekleibitteren Tränen der Niederlage. Sie kullern über deten Neonazi-Fangruppierung der ungarischen seine Wangen, mischen sich mit dem Schweiß in „Carpathian Brigade“, die sich direkt hinter dem seinem Gesicht. Kimmich lässt sich nicht auf den Tor formiert hatte – bewacht von zwei Dutzend Rasen fallen wie einige seiner Kollegen. Und doch Polizeikräften. Es war das wohl stärkste Zeichen wirkt er, wie er da mit trotzig durchgedrückten nach den tagelangen Diskussionen um die ReKnien steht, als sei er am Boden zerstört. genbogen-Einfärbung der Allianz-Arena. Und es Kimmich teilt dieses Gefühl mit Leon Goretzpasste, dass es von Goretzka kam, dem politisch ka, seinem Freund und Mitspieler beim FC Bayern und gesellschaftlich wohl interessiertesten deutwie in der Nationalmannschaft. Goretzka weint schen Spieler. zwar nicht in den Momenten der Niederlage. Gemeinsam mit Kimmich hat er gleich zu Aber seine Augen verraten seinen Frust. Der KieBeginn der Pandemie „WeKickCorona“ ins Leben fer malmt. Auch er hat die Hände in die Hüften gerufen, eine Spendenaktion für soziale Einrichgestemmt. Geplatzt ist der Traum vom EM-Titel. tungen. Wie kaum ein anderer Fußballer seiner 9
5. JULI 2021 Prominenz nutzt er seine Reichweite, um sich gegen Rechts auszusprechen sowie für Toleranz und Vielfalt. Er lehnt öffentlich die AfD ab, nennt sie eine „Schande für Deutschland“ und lässt sich für das Magazin der Deutschen Bahn mit einer Fahne ablichten, auf der „Kein Fußball den Faschisten“ steht. Goretzka müsste all das nicht tun. Er könnte es sich auch gemütlich machen in einer Wohlstands-Blase, wie etliche seiner Kollegen. Doch es ist ihm ein echtes Anliegen – auch wenn er dafür von einigen beschimpft und beleidigt wird. So wie gegen Ungarn, als er die Hooligans, die zuvor „Deutschland, Deutschland, homosexuell“ gesungen hatten, mit dem Herz provozierte und dafür ihren Hass erntete. „Spread Love“, schrieb er später zu einem Foto seiner Geste: „Verteilt Liebe!“ Goretzka selbst – der ähnlich wie Kimmich alles verkörpert, wofür die deutsche Nationalmannschaft auf dem Platz wie außerhalb stehen will – verteilte in diesem Moment noch mehr: echte Hoffnung. Hoffnung auf ein rechtzeitiges Erwachen der mit Ausnahme des Portugal-Spiels matt und ideenlos wirkenden DFB-Elf, auf ein Erweckungserlebnis wie gegen Algerien bei der WM 2014, auf den EM-Titel. Doch diese Hoffnung wird sechs Tage später vom Londoner Regen davongespült und versickert in den Abwasserkanälen unterhalb des Wembleystadions. Zwei Tage nehmen sich Goretzka und Kimmich anschließend Zeit, bis sie sich in den Social Media äußern. „Die Enttäuschung sitzt tief und es ist wirklich schwierig für mich, das Ganze zu verarbeiten“, schreibt Kimmich bei Instagram. „Ich habe zu jeder Zeit zu 100 Prozent daran geglaubt, dass wir das Turnier gewinnen können, und ich bin sehr traurig darüber, dass wir euch und uns alle nicht stolz machen konnten.“ Es folgen die Versicherung, dass man zurückkommen werde, und ein Dank an den scheidenden Bundestrainer Joachim Löw, der Kimmich zum Nationalspieler befördert hatte. Goretzka macht es kürzer, postet lediglich ein Foto mit der Unterschrift „VerArbeiten“. Das „A“ ist bewusst großgeschrieben, Rechtschreibfehler passieren diesem intelligenten Kopf nicht. Der Frust ist aus seinen Augen verschwunden und trotziger Entschlossenheit gewichen. Im Hintergrund sieht EM bereits angekündigt hatte und die Nachfolge man eine Hantelbank. Goretzka, der während des noch nicht geregelt war, mit der Zuversicht auf ersten Lockdowns eine beachtliche Wandlung vom einen gemeinsamen Neuanfang an anderer StelLauch zur muskelbepackten Maschine vollzogen le. Kimmich brachte dies mit der Aussage zum hat, stemmt Gewichte gegen den Zorn – und für Ausdruck: „Ich hoffe natürlich, dass er beim DFB einen neuen Anlauf. übernehmen wird.“ Die Zukunft beginnt schon in knapp zwei So wird es jetzt voraussichtlich bis zur HeimMonaten mit den WM-Qualifikationsspielen gegen EM 2024 sein, bis dahin wurde Flicks Vertrag beim Liechtenstein, Armenien und Island. Und bereits DFB ausgehandelt. Wie die Nationalmannschaft unter seiner Regie aussehen und in 17 Monaten bietet sich bei der umstrittenen Weltmeisterschaft Flick schätzt Goretzka. auftreten soll, hat Flick so kurz in Katar die nächste Chance auf nach dem EM-Aus und dem einen Titelgewinn. Kimmich Kimmich habe das Zeug Abschied seines einstigen Vorzum Weltfußballer. gesetzten öffentlich noch nicht und Goretzka sind prädestiniert, unter dem neuen Bundestrainer dargelegt. Intern wird er mit Hansi Flick eine noch tragendeOliver Bierhoff in dieser Woche re Rolle zu spielen als bisher – wie sie sie – zuminein Sondierungsgespräch führen, zumindest hat dest allermeistens – auch in den von sieben Titeln dies der Direktor Nationalmannschaften angeküninklusive dem Gewinn der Champions League digt. Offenkundig ist schon jetzt, dass sich Flick geschmückten eineinhalb gemeinsamen Jahren nicht an Löws zuletzt immer undurchsichtigerem zuvor beim deutschen Rekordmeister einnahmen. Schlingerkurs orientieren wird, sondern eher an der ihm bestens vertrauten Achse des FC Bayern, Als Flick im April seinen Abschied in München ankündigte, drückten beide Profis in der auf die er weitgehend auch im Nationalteam zurückgreifen kann. Und man darf auch fest davon für sie typischen Unverblümtheit ihr ehrliches ausgehen, dass Flick andere Fixpunkte verankern Bedauern über den Abschied ihres Förderers aus. Und beide verbanden dies damals, als Löw wird als Löw, nämlich Goretzka und Kimmich als „Doppelherz“ im zentralen Mittelfeld. seinen Rückzug unabhängig vom Ausgang der Zusammen schon viel erlebt: Kimmich und Goretzka vor der Pleite gegen Nordmazedonien, mit dem neuen Bundestrainer Hansi Flick, beim Gewinn des Confed-Cup 2017 und mit dem Bayerischen Sportpreis als Auszeichnung für ihre Spendenaktion „We kick Corona“ Diese Prioritätensetzung hatte Löw nie. Für ihn war über neun Jahre hinweg Toni Kroos, den er nach dem WM-Debakel in Russland zum Weitermachen überredet hatte und der am Freitag seinen Rücktritt aus der Nationalelf erklärt hat, die unumstößliche Größe im Mittelfeld. Kimmich erhielt in aller Regel den Platz als Juniorpartner neben dem etatmäßigen Spielgestalter. Goretzka wirkte dann noch auf einem Plätzchen, das gerade vakant war, mal als Achter, mal als Zehner, mal als Rechtsaußen. Nur wenn Kroos mal unpässlich war wie in den März-Länderspielen, durften Goretzka und Kimmich gemeinsam im Mittelfeld die Verantwortung übernehmen, was gegen Island (3:0) und Rumänien (1:0) prima klappte, gegen Nordmazedonien aber in einem peinlichen 1:2 verkam. Flick schätzt Goretzka, das hat er als Bayern-Trainer immer wieder betont. „Er hat viele Ballgewinne, kann mit seiner Dynamik das Mittelfeld gut überbrücken und kreiert sich mit tiefen Läufen immer wieder selbst Chancen“, so sein Urteil. Noch mehr schätzt er allerdings Kimmich, das machte er zum Abschluss seiner Amtszeit in München deutlich. „Ich glaube, wenn er es schafft, seinen beispiellosen Ehrgeiz noch ein bisschen zu kanalisieren und in die richtige Richtung zu lenken, dann kann er Weltfußballer werden“, Fotos: Getty Images (3), picture-alliance, GES, FC Bayern München 8
sagte er in seinem Abschiedsinterview mit dem in Russland wäre ein arg schwacher Trost, wenn Bayern-Magazin 51. da nicht noch der ganz große Coup folgen würde. Löw versuchte sich am Mittwoch während Es gibt ja aus der Vergangenheit einige Beiseiner letzten Pressekonferenz als Bundestrainer spiele von Ausnahmespielern, die auf unzählige in einem optimistischen Ausblick, der so gar Vereinstitel und persönliche Auszeichnungen nicht zur aktuellen Situation und seinem leeren zurückblicken können, denen aber ein ganz großer Gesichtsausdruck passte. „Ich glaube, dass diese Erfolg auf Länderebene verwehrt blieb. Michael Mannschaft und diese Spieler Ballack und Oliver Kahn etwa eine sehr, sehr gute Zukunft vor waren zur Jahrtausendwende, Kahn und Ballack sich haben und vielleicht den der sogenannten Ära des deutblieb ein Titel mit der schen Rumpelfußballs, die einErfolg erreichen, den sie sich Nationalelf verwehrt. zigen deutschen Spieler, deren alle wünschen“, sagte er, und es war klar, an wen diese BotNamen im Ausland einen Klang schaft vornehmlich gerichtet hatten, deren Trikots auch die war. Goretzka, der am 6. Februar 1995 in Bochum Kinder in Asien und Afrika trugen. Kahn gewann das Licht der Welt erblickte, und der nur zwei Tage als Welttorhüter mit dem FC Bayern alle Titel, später in Rottweil geborene Kimmich sind bei der die man gewinnen konnte. Ballack scheiterte WM in Katar mit 27 im besten Fußballer-Alter. Sie zwar mit Bayern und Chelsea zweimal im Chamsind dann aber auch schon in einem Stadium, in pions-League-Finale, holte aber nationale Titel am dem die vor einem liegende Zeit als Profi mutmaßFließband und wurde zu einem internationalen lich kürzer ist als die Jahre, die man hinter sich Top-Star. Ein Titel mit der Nationalelf blieb beigelassen hat. Damit einhergehend wird auch die den verwehrt, bei der WM 2002 gar auf tragische Anzahl der Titelchancen immer überschaubarer. Weise, als der bis dato überragende Ballack im FiDer gemeinsame Gewinn des Confed-Cup 2017 nale gegen Brasilien gelbgesperrt nicht mitwirken Joshua Kimmich Leon Goretzka 1 x Champions-League-Sieger 1 x Champions-League-Sieger 1 x UEFA-Supercup-Sieger 1 x UEFA-Supercup-Sieger 6 x Deutscher Meister 3 x Deutscher Meister 3 x Pokalsieger 2 x Pokalsieger 4 x Supercup-Sieger 1 x Supercup-Sieger 1 x Klub-Weltmeister 1 x U-19-Europameister 1 x Confed-Cup-Sieger 59 A-Länderspiele, 3 Tore, Note 3,18 30 U-Länderspiele, 3 Tore 1 x Silber bei Olympia und Kapitän des Teams 1 x Confed-Cup-Sieger 35 A-Länderspiele, 14 Tore, Note 3,28 40 U-Länderspiele, 8 Tore konnte und der bis dato gleichfalls herausragende Kahn ausgerechnet in diesem Endspiel patzte. Die Bilder vom nach der Partie fassungslos am Pfosten kauernden Kahn bleiben bis heute in Erinnerung. Auch die Tränen, die Ballack bei der WM 2006 nach dem unglücklich in der Verlängerung gegen Italien verlorenen Halbfinale verlor, erinnerten an die am Dienstag vergossenen. Das Gute für Kimmich und Goretzka ist: Wembley war noch lange nicht ihre letzte Chance. MATTHIAS DERSCH, OLIVER HARTMANN ANZEIGE
10 5. JULI 2021 Macht aus der Provinz Wieder ist I TA L I E N in Wembley, diesmal zum Halbfinale gegen Spanien. Und wieder steht auch das Duo an der Linie im Fokus, das schwere Zeiten meisterte. Kurz die Faust ballen. Dann den Scheitel wieder akkurat richten. Ja nicht in exzessiven Jubel ausarten. War auch als Spieler nie die Masche von Roberto Mancini. Selbst wenn die ganze Nation gerade auf der Piazza oder vor dem TV orgiastisch brüllt, „Mancio“ ist gewissermaßen der Wächter, wenn schon nicht der Galaxis, so doch über Gemach und Etikette. Von dieser EM jedoch blieb ganz Italien eine Momentaufnahme in Erinnerung. Da wurde Mancini mitgerissen. Aus dem Hintergrund schoss Halbnicht Rahn, sondern Gianluca finale Vialli heran. Ein Jubelgesicht, das kein Spezialeffekte-Nerd besser hätte animieren können. Und der „Commissario Tecnico“ ließ sich dann doch mal gehen. Es geschah nicht nach dem Spektakel gegen Belgien, sondern beim 2:1Sieg eine Runde zuvor im Achtelfinale über Österreich. In Wembley, dort, wo sich die Wege von Mancini und Vialli vor 29 Jahren getrennt hatten. Acht gemeinsame Jahre bei Sampdoria, 1991 die Meisterschaft, 1992 das nach Verlängerung verlorene Landesmeisterfinale in Wembley gegen den FC Barcelona (0:1). Vialli ging zu Juventus, und die „gemelli del gol“, die Torzwillinge, waren Geschichte. 2017 wurde bei Vialli Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert. „Alle sahen in mir immer den harten Knochen, und ich wollte nicht bemitleidet werden. Ich musste erst lernen, mich unter Freunden zu öffnen, ohne Hemmungen zu weinen und mich gehen zu lassen.“ Mancini ist einer aus dem engsten Kreis. Erst teilte er die Tränen, dann holte er Vialli, nachdem der dem Tumor die Stirn geboten hatte, als Delegationschef zu den Azzurri. Calcio als Therapie, so macht man das unter Freunden. Mancini sagt, er hat wenige Freunde, Vialli ist einer mit einem ganz großen F. Vialli lobte zurück: „Roberto muss niemandem mehr etwas beweisen. Er hat eine Elf kreiert, wie er damals spielte: ein Mix aus Disziplin und Freiheit. Wir beide teilen die gleichen Träume.“ Um einen davon zu erahnen, bedarf es keiner übernatürlichen Fähigkeiten. Wembley muss die Verspätung verzeihen. 29 Jahre später sind die Zwillinge mit einem Viertelfinal-Umweg über München zurück und geben sich nicht noch einmal mit der Trost-Medaille zufrieden. Italien will auch am 11. Juli, zwei Tage nach Viallis 57. Geburtstag, diese Umarmung sehen, die solch bewegende Symbolik für alle Tifosi besaß. Auch Pathos. Aber wenn es nach all diesen Monaten in zermürbender Zeitlupe nicht pathetisch werden darf, wann dann? Doch es ging ja nicht anders. „Ich kämpfe gegen den Krebs, aber er ist stärker als ich. Standhalten und niemals aufgeben, in der Hoffnung, dass er irgendwann ganz verschwindet. Ich möchte noch so viel erleben.“ Inspiration wolle er den Jungs geben, sagte Vialli vor dem Turnier, und offensichtlich gaben Mancini und er ihren Azzurri genau die mit auf den EM-Weg. Würde, Zusammenhalt und Hoffnung, ab und an auch einfach mal stark bleiben und auf die Zähne beißen, denn die Superhelden wie Mbappé oder Ronaldo hatten schließlich andere im Kader. Die sind wieder zu Hause, Italien ist zurück in London. Erst zum Halbfinale gegen Spanien, und danach bitte schön zum Endspiel. Mancini gelang nach der Apokalypse der verpassten WM 2018 Beachtliches. Er errichtete ein Fundament, als alle Experten den 21. der Weltrangliste milde belächelten – von Gary Lineker bis Patrick Vieira. Mancini erschuf ein Projekt, das Italien in dieser Form noch nicht gesehen hatte. Er pfiff auf das genetisch vererbte Konterspiel und die Blockbildung im Kader aus den blasierten Nordklubs. Von den 26 Spielern aus seiner Squadra wuchs niemand in Keiner der 26 Spieler im Kader wuchs in einer Metropole auf. einer der großen Metropolen auf. Die Hälfte stammt sogar aus Örtchen mit weniger als 10 000 Einwohnern, dort, wo große Träume geboren werden. Zehn Profis aus dem Norden, neun aus dem Süden, sieben aus dem Zentrum – Mancini, selbst aus dem Städtchen Jesi mit 40 000 Einwohnern in den mittelitalienischen Marken, hat die Azzurri fußballerisch und geografisch zusammengerückt. Einfach und fundamental, als gehe es gar nicht so sehr um Taktik. Ein Ball, zwei Taschen als Pfosten und instinktive Begeisterung. Selten hatte sich Italien dermaßen bedingungslos in seine Nazionale verliebt. Die Gazzetta dello Sport ließ sich ver-
5. JULI 2021 EM 11 Italien – Spanien Freunde fürs Leben: Gianluca Vialli und Roberto Mancini zücken: „Wir haben die Umarmung zwischen Mancini und Vialli gefühlt. Ein verrücktes Verlangen nach Kontakt und Menschlichkeit. Dafür steht das Team, dafür ist das ganze Land nun DIE Azzurri.“ Wie gesagt, wenn nicht jetzt Pathos, wann dann? Die jungen und teils unerfahrenen „Mancio-Boys“ sollten die Endrunde als Erasmus-Projekt im Hinblick auf die WM 2022 nutzen. Rucksack schultern, Spaß und Studium, bei dem ein Hauch Übereifer und Leichtsinnsfehler verziehen würden. Mancini weiß, wie die Jugend bisweilen funktioniert. Der Freigeist verbaute sich selbst die Karriere im Nationalteam. Bei einer Nordamerika-Länderspielreise 1984 tauschte der damals 19-Jährige den Zapfenstreich gegen eine Nacht im legendären New Yorker Klub „Studio 54“ und wurde für Trainer Enzo Bearzot zur Persona non grata. Polemische Aussagen gegen Coach Azeglio Vicini und die Presse machten Mancini zum Reservisten bei der Heim-WM 1990 ohne eine einzige Spielminute. Er kommentierte: „Einige Dinge hätte ein Blinder erkannt, Vicini leider nicht.“ Unter Arrigo Sacchi beendete Mancini seine problematische Karriere in Azur- Fotos: Getty Images, picture-alliance Dienstag, 21 Uhr live bei ARD/ZDF und bei Magenta TV sowie im Ticker bei kicker.de blau schließlich selbst. Zähneknirschend hatte er die Alternativrolle zu Roberto Baggio für die WM 1994 akzeptiert. Als beim Test in Stuttgart gegen Deutschland deutlich wurde, Gianfranco Zola könnte ihn sogar zur Nummer drei auf der Position werden lassen, knurrte Mancini am Kofferband des Flughafens Malpensa: „Sie halten sich nicht an Abmachungen. Rufen Sie mich nie wieder an.“ Sacchi rief nie wieder an, und auch kein anderer Nationalcoach. 36 Einsätze, vier Tore, kein WM-Einsatz – schon aberwitzig, dieses Schicksal, dass ausgerechnet der Azzurri-Anarchist die brillante Renaissance der Azzurri begründete. „Manchmal war ich hypersensibel, ich bin es heute noch. Damit dürfte man eigentlich weder spielen noch trainieren. Aber es ist der schönste Job der Welt – der Geruch des Rasens.“ Und Sacchi sagt heute: „Mancini hat einen flammenden Ball übernommen und dem ganzen Land unerwartete Freude geschenkt.“ Der Sacchi, dem Mancini damals am Kofferband quasi die Tür ins Gesicht gepfeffert hatte. Andere Zeiten. Die Jubelschreie aus den Fenstern hörte man zuletzt 2006. Danach Stille, erst recht nach den Duellen Kollektive Ekstase: Italiens Spieler bejubeln das 1:0 von Nicolo Barella gegen Belgien. Am Ende stand in dem spektakulären Viertelfinale ein 2:1-Erfolg. mit Schweden in den fatalen WMPlay-offs im Herbst 2017. Danach auf der Couch zuschauen und immer seufzen, dazu die verdammten Ellenbogengrüße statt Küsschen rechts und links. Wenig Calcio, dafür Militär, das Särge aus Bergamo wegtransportierte. Corona ist nicht vorbei, aber alle sind jetzt Italia. Dank der No-Names aus der Provinz. Wer kannte schon wirklich diese Spinazzolas, Locatellis, Barellas, Chiesas oder Berardis? Oder den stets phlegmatisch unvollendeten Lorenzo Insigne? Vielleicht Als Mancini seine Zeit als Nationalspieler selbst beendete ... etwas die Juve-Recken Leo Bonucci oder Capitano „Chiello“ Chiellini, der eine Grätsche in der Nachspielzeit wie ein Traumtor feiert. Geniale Weltstars besitzt Italien in diesem Turnier nicht, dafür Mancini und Vialli. Das ist ein unzertrennliches Duo, keiner kann ohne den anderen. Vialli hat den Tumor vorerst besiegt. Und jetzt zurück nach London und sich richtig herzen. Mancinis Plan ging auf. Ein paar Senatoren im Team, dann raus, die Nationalhymne gebrüllt und Spaß. Egal, ob Torino, Milano, Nord, Süd. Italien verliert seit 32 Spielen nicht, spielt aber immer gegen kleine Nationen. Summte die Presse lange. Belgien war Nummer 1 der Weltrangliste, der nächste Gegner Spanien ist die Nummer 6. Alle mit geballter Faust gegen Klassements, Unbedachtheit und Schicksal, und Mancini richtet sich den Scheitel, Vialli reibt sich die Glatze. Hungrige aus der Provinz plus Torzwillinge an der Linie. Als Mancini mit 14 die Familie in Richtung Bologna-Akademie verließ, klammerte er sich nicht an die Mamma, sondern an den Bologneser Liedermacher Lucio Dalla. „Schau mal, Kumpel, was für einen Blödsinn ich mir ausdenken muss. Dreimal Weihnachten im Jahr, Liebe machen ohne Sorgen und Party jeden Tag“, singt Dalla und träumt. 2021 singt Gianni Morandi, aus dem Bologneser Hinterland: Ripartire, ripartire. Neustart, Neustart, Mancini hat das geschafft. Nicht die Besten. Vielleicht aber die besten Freunde. Eine Umarmung, ein Schrei, wieder in Wembley. Doch Vorsicht: Es ist erst das Halbfinale. OLIVER BIRKNER
„Ich plädiere für nur noch eine Abstellungsperiode“ Im großen Exklusiv-Interview spricht A R SENE WENG ER (71) über seine Ideen zur Zukunft des Fußballs. Eine Weltmeisterschaft alle zwei Jahre gehört auch dazu.
5. JULI 2021 13 I N T ER N AT I ONAL E R R AHME NTE R MI NKAL E NDE R So will Wenger den Weltfußball reformieren und die Spiele reduzieren Aktuell gibt es im Laufe eines Jahres fünf Abstellungsperioden, in denen die Klubs ihre Spieler zu den Nationalmannschaften entsenden müssen. Wenger möchte diese am liebsten auf eine August September Oktober November Dezember Januar reduzieren (siehe Option 2). In diesem Fall würden im Oktober sieben Qualifikationsspiele stattfinden, die Spieler wären 28 Tage bei ihren Auswahlteams. Momentan sind es zehn Spiele und 50 Tage. Februar März April Mai Juni Juli STATUS QUO OPTION 1 OPTION 2 Spieler bei der Nationalmannschaft Weltmeisterschaft/Kontinentalturnier ausgebildete Trainer, besser strukturierte Wettbewerbe, bessere Matchpläne und eine bessere Talentförderung verfügen. Das fängt bei den Kindern an. Vieles hängt da mit der Ausbildung zusammen. Sie haben also eine Bestandsaufnahme gemacht. Genau, wir haben uns mit jedem Land beschäftigt. Daraus ist der Global Report über insgesamt 205 Mitgliedsverbände entstanden und jeweils ein individueller Report über die Bedürfnisse jedes Landes. Jetzt liegt es an uns, jedem Mitgliedsverband das zu geben, was er braucht, um sich weiterzuentwickeln. Denn jedes Kind, ob Junge oder Mädchen, das auf dieser Welt Fußball spielen möchte, verdient eine faire Chance. Das ist unsere Mission. Sie wollen die Strukturen im Fußball verbessern? Ja, natürlich. Bislang war die FIFA hauptsächlich für die Organisation ihrer Wettbewerbe bekannt. Jetzt investiert sie mehr in die Förderung des Fußballs, in die Aus- und Weiterbildung und in die Talententwicklung. Es geht darum, die Wettbewerbsfähigkeit auf der ganzen Welt zu erhöhen und mehr Breite in der Spitze zu generieren. Das macht den Fußball dann wirklich globaler. Und ich freue mich, ein Teil dessen zu sein. D er einstige Trainer des FC Arsenal ist nun bei der FIFA in Zürich als Leiter für die globale Entwicklung des Fußballs zuständig. Arsene Wengers Aufgaben bestehen darin, den Fußball auf der ganzen Welt voranzutreiben. Um seine neuesten Ansätze vorzustellen, nimmt er sich in einem Videomeeting 90 Minuten Zeit. Detailliert schildert Wenger, worauf es für ihn in der Zukunft ankommt: auf mehr Qualität, weniger Quantität, auf Ausbildung und den Schutz der Spieler. Sie haben einen mehr als 20 000 Seiten umfassenden FIFA Global Report veröffentlicht, Herr Wenger. Wie steht es um den Weltfußball? Im Weltfußball gibt es einen riesigen Unterschied zwischen den großen Ländern und den kleinen, gerade hinsichtlich der Ausbildung. Wenn man die 20 führenden Teams im FIFA-Ranking nimmt, ist deutlich zu erkennen, dass diese Klubs über besser Darüber hinaus haben Sie eine kleine Revolution im Fußball vorgeschlagen: Sie plädieren für eine Weltmeisterschaft alle zwei Jahre. Wieso? Zunächst möchte ich betonen, dass ich die Weltmeisterschaft unheimlich respektiere und sie für mich einen enormen Stellenwert hat. Als ich allerdings erfuhr, dass die WM 1930 auch deshalb zum ersten Mal stattfand, weil das Fußballturnier bei den Olympischen Spielen 1932 gestrichen worden war, habe ich realisiert: Dieser Vier-Jahres-Zyklus muss nicht in Stein gemeißelt sein. Warum sollte er? Inzwischen gehören 211 Länder zur FIFA – und 133 davon haben noch nie eine WM gespielt. Diese Länder schauen alle vier Jahre zu ohne jede Chance, selbst daran teilzunehmen. Außerdem … … ist mir aufgefallen, dass bei den meisten Weltmeister-Mannschaften die Spieler zwischen 26 und 30 Jahre alt sind, weil es Erfahrung für ein so großes Turnier braucht. Es wird also schwierig, dieses Kunststück zu wiederholen, weil man mit 34 dann doch meist zu alt ist. Und durch meine Trainerkarriere mit mehr als 200 Spielen in der Champions League kann ich sagen, dass man sich vor allem dann weiterentwickelt, wenn man seine Schwächen kennenlernt. Und diese Schwächen zeigt ein besseres Team auf. Also reden wir von der Entwicklung auf dem Toplevel. Dafür aber braucht es die Unterstützung der Verbände. Wie wird die UEFA darüber denken? Wir wollen definitiv keinen Konflikt. Ich möchte letztlich ja nur das Beste für den Fußball, für die Nationen genauso wie für die Verbände. Natürlich muss es da Gespräche mit der UEFA und den anderen Kontinentalverbänden an einem Tisch geben. Aber wenn man die Qualität der Spiele auf der ganzen Welt verbessern möchte, dann sollte man darüber nachdenken. Denn neben den 55 Ländern in der UEFA gibt es noch 156 „Warum sollte dieser weitere. Wir haben den Auftrag Vier-Jahres-Zyklus bekommen beim 71. FIFA-Kongress, eine Machbarkeitsstudie einer WM in Stein zu der WM alle zwei Jahre zu gemeißelt sein? erstellen, und das tun wir. Wir befinden uns in einem Beratungs-Prozess und sprechen mit allen Interessenvertretern im Fußball. Es geht nicht darum, recht haben zu wollen, sondern die beste Lösung für den Fußball zu finden. Deshalb führen wir viele Gespräche, deshalb stellen wir Fragen und hören zu. Es ist eine Diskussion mit einem offenen Ausgang, aber wir wollen in diese Debatte eintreten – sie ist wichtig. Eine Weltmeisterschaft alle zwei Jahre bedeutet vermutlich auch eine Veränderung des Spielplans, dem International Match Calendar? Ich war in meiner Karriere Klubtrainer, kein Nationaltrainer. Da hatte ich immer das Gefühl, dass die vielen kürzeren Abstellungsperioden für die Spieler eher ungünstig waren. Das 9
5. JULI 2021 waren immer Momente der Ungewissheit. Wie geht es den Spielern danach mental? Kommen Sie angeschlagen wieder zurück? Wir brauchen doch nur auf die abgelaufene Saison zu blicken. Robert Lewandowski verletzte sich während der wichtigsten Phase im Klubfußball bei einem Länderspiel, fehlte damit im Viertelfinale gegen Paris St. Germain. Das hat Bayerns komplette Champions-League-Saison kaputtgemacht. Außerdem sehen die Fans viel lieber Spiele, in denen es wirklich um etwas geht. an der eigenen Klasse gebe. Klingt im Nachhinein fast ein wenig prophetisch. Das Double: Arsene Wenger gewann 1997/98, seinem zweiten Jahr beim FC Arsenal, die Meisterschaft und den FA-Cup. Was bedeutet das konkret? Dass ich für nur noch eine Abstellungsperiode plädiere, oder maximal zwei, anstatt wie heute fünf. Dass sich die Nationalmannschaft im Oktober trifft, für einen Monat, sieben Qualifikationsspiele bestreitet und dann im Juni die Endrunde eines Turniers. Das bedeutet insgesamt weniger Reisen für die „Wir wollen die Zahl Spieler, bringt mehr Klarheit der Spiele reduzieren, und Kontinuität für alle Beteiligten und weniger Verletwir sehen ja den zungsrisiko. Wir wollen die Zustand der Spieler.“ Zahl der Spiele reduzieren, das ist ganz wichtig, denn wir sehen ja den Zustand der Spieler. Wir garantieren auch nach jedem Turnier eine Ruhephase. Stellen Sie sich das so vor: 2026 die Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada; 2027 eine Europameisterschaft und die anderen Kontinental-Turniere; 2028 wieder eine Weltmeisterschaft; und so weiter. Bis 2024 bleiben die Wettbewerbe ohnehin vorerst alle bestehen, erst danach können Veränderungen vorgenommen werden. Also mehr Qualität und weniger Quantität. Exakt. Und mehr große Spiele. Mehr K.-o.-Duelle, weniger Qualifikationspartien. Das wollen doch die Fans. Und wir wollen auch mehr Wettbewerbsfähigkeit schaffen. Seit der ersten WM 1930, als die USA im Halbfinale standen, hat es nur eine einzige Nation in die Runde der letzten vier geschafft, die nicht aus Europa (inklusive UdSSR, Anm. d. Red.) oder Südamerika kam – und das war Südkorea 2002. Wir dürfen die Tür zur Welt ruhig ein wenig öffnen. Wird der Fußball so attraktiver? Davon gehe ich aus. Denn ganz wichtig ist doch, dass jeder Wettbewerb eine klare Bedeutung hat. Momentan ist die Fußballwelt ja in zwei Lager geteilt: Klubfußball inklusive Geld auf der einen Seite – und Fans, die spannende wie attraktive Spiele sehen wollen, auf der anderen Seite. finden, diesen Angriff zu verteidigen. Daraufhin sucht die Offensive nach neuen Lösungen … So ist die Evolution. In den vergangenen zehn bis 15 Jahren hat sich die Athletik der Spieler am meisten gesteigert. Sie sind schneller, kräftiger, ausdauernder, also der physische Zustand des Körpers von den Zehen bis zum Hals. Künftig wird es darum gehen, den Kopf einzubinden, um angepasst an das schnellere Spiel auch schnellere Entscheidungen treffen zu können. Das macht das Spiel noch flexibler. Gibt es gewisse Elemente im heutigen Fußball, die Sie mit Blick auf Ihr Arsenal-Team „The Invincibles“ von 2003/04 aktuell vermissen? Ich vermisse ein bisschen die Romantik. Und die speziellen Charaktere, die aus dem Nichts Großes initiieren können. Leider kostet dieses physische Spiel von heute vielen kreativen Spielern den Platz, weil jeder angreifen und verteidigen können muss. Das Umschaltspiel in beide Richtungen ist eine Grundvoraussetzung, es erlaubt keine Verschnaufpausen mehr. Aber diese Spieler, die ich vermisse, hatten andere Vorstellungen und Fantasien auf dem Feld. Inwiefern? Manche davon sind anders aufgewachsen, haben sich in gewisser Weise selbst ausgebildet, ob auf der Straße oder anderswo. Sie mussten immer schnelle Entscheidungen treffen. Heute wird den Spielern viel zu viel gesagt und vorgeschrieben. Du musst dies, du musst das, du musst jenes. Das schränkt die Freiheit eines Kreativen, eines Künstlers ein. Wer oder was hat Ihnen bei der Europameisterschaft bislang am besten gefallen? Deutschland hatte vor dem Turnier einige negative Ergebnisse, das ändert so manches im Kopf. Denn normalerweise war Deutschland immer ein Team, das zu einem Turnier gefahren ist mit dem Glauben, wir können es gewinnen. Das war dieses Jahr anders. Sie stimmen mir sicherlich zu, dass diese Mannschaft vor Turnierstart nicht von sich überzeugt war, die EM zu gewinnen. Vollkommen richtig. Ich verfolge Deutschland schon seit meiner Kindheit. Die Nationalmannschaft hatte in der Vergangenheit immer großartige Stürmer wie Gerd Müller, Uwe Seeler, Horst Hrubesch, Klaus Fischer, Rudi Völler, Jürgen Klinsmann, Oliver Bierhoff … Das ist heute nicht mehr der Fall. Wer spielt denn bei den beiden großen deutschen Klubs im Sturm? Erling Haaland und Robert Lewandowski. Ist das ein Problem der Ausbildung? Deutschland muss sich selbst hinterfragen, ob die Nachwuchsarbeit wirklich stimmt, wenn man einst viele gute Stürmer hatte und heute nicht mehr. Mit dem Aus endete auch die Ära von Joachim Löw. Ich mag Joachim Löw sehr. Er hat Klasse, Stil, ein exzellentes Benehmen. Aber er war in einer unmöglichen Situation, diese Europameisterschaft zu gewinnen – unabhängig davon, dass seine Mannschaft auch nicht gut genug war. Aber ich habe noch nie ein Turnier gesehen, das ein Team gewonnen hat, bei dem feststand, dass der Trainer danach aufhört. Einerseits denkt man, der Coach habe dann alle Freiheiten; andererseits aber hat man Spieler, die vielleicht nicht zu 100 Prozent bereit sind. Ersatzspieler wissen, dass dieser Trainer nicht mehr da sein wird – das ist schwer zu moderieren. „Joachim Löw mag ich sehr. Er war in einer unmöglichen Situation, die EM zu gewinnen.“ Wie sieht für Sie moderner Fußball aus? Die sogenannten „kleineren“ Teams. Sie haben nicht nur um ihr Leben verteidigt, sie haben auch in Ballbesitz versucht, die Initiative zu übernehmen. Was wir dabei manchmal zu wenig berücksichtigen, sind die fünf Auswechslungen. Dadurch können die Teams ihr physisches Level hochhalten. Wie betrachten Sie, als globaler Entwicklungs-Chef der FIFA, die Entwicklung im Fußball? Genau. Bei drei Auswechslungen hast du dir als Trainer bis zur 82. Minute noch eine Möglichkeit aufbewahrt – für den Fall einer Verletzung, um nicht zu zehnt zu Ende spielen zu müssen. Heute kannst du drei Spieler auf einmal bringen und sofort auf Schwächen und Schwankungen reagieren. Das hat schon eine Auswirkung auf das Spiel – und niemand spricht darüber. Er sollte einfach zu verstehen sein, klar in der Umsetzung und wann immer möglich auf höchstem Niveau. Ich meine: Selbst für die Spieler wäre es einfacher, wenn sie sich in einem fixen Zeitraum einoder zweimal pro Jahr voll und ganz auf das Nationalteam fokussieren könnten und für die restliche Saison auf ihren Klub. Das wäre die richtige Balance. Und somit gleichzeit das Niveau? Wie er sich entwickelt? Die Offensive stellt die Abwehr vor Probleme; die Defensive muss Lösungen Über die deutsche Mannschaft haben Sie vor dem Turnier gesagt, dass der Glaube fehle, dass es Zweifel Unabhängig vom schwachen Abschneiden der Deutschen hat sich die Nationalmannschaft für wichtige Werte eingesetzt. Wie bewerten Sie die gesellschaftliche Verantwortung des Fußballs? Der Fußball hat eine massive Verantwortung. Der Sport ist ein kulturübergreifendes, verbindendes Element. Egal ob du der Sohn des Präsidenten eines Landes bist oder der Sohn des ärmsten Menschen dieses Landes – der beste Fußballer wird in der besten Mannschaft spielen. Sport kann dazu beitragen, dass sich die Menschen überall auf der Welt respektieren. Ist das auch ein Auftrag der FIFA, die Menschen weltweit in gewisser Weise zu vereinen? Natürlich. Wenn wir nur auf die WM 2026 schauen: 48 Nationen werden daran teilnehmen, es werden viele Menschen von sämtlichen Kontinenten zusammenkommen – und das ist dann doch eine globale Vereinigung. Was ist Ihr persönliches Ziel, Ihr persönlicher Traum für die nächsten Jahre, Herr Wenger? Ich möchte gerne den Fußball weiter vorantreiben, den Fußball verbessern. Das ist wirklich mein Traum. INTERVIEW: GEORG HOLZNER Fotos: picture alliance (4), picture-alliance 14
ANZEIGE WE NGE R ÜBE R … … die Bundesliga: „Ich mag die Bundesliga, ich bin damit aufgewachsen. 1995, als Franz Beckenbauer noch Präsident war, war ich kurz davor, zum FC Bayern zu gehen. Später wollte mich Werder Bremen. Willi Lemke nahm Kontakt auf, da war ich gerade drei Monate in Japan. Er hätte mich gerne in die Bundesliga geholt, aber ich konnte nach so kurzer Zeit nicht gehen.“ … die Gerüchte über ein Engagement bei Bayern im Herbst 2019: „Ich war mit Karl-Heinz Rummenigge in Kontakt. Es waren nur Gespräche, aber nichts Konkretes. Bayern hat letztlich die absolut richtige Entscheidung getroffen, Hansi Flick hat es extrem gut gemacht.“ … die „Invincibles-Saison“: „Es war ein langer Prozess. Mein Ziel war es nicht nur, die Meisterschaft zu gewinnen; mein Ziel war es, sie ohne Niederlage zu gewinnen. Denn dann hast du als Trainer deinen Job absolut erfüllt. Zu dieser Geschichte gehört auch, dass wir im Jahr zuvor die Premier League verspielt hatten und ein Spieler meinte, ich hätte zu viel Druck aufgebaut. Was ich damit sagen möchte: Manchmal muss sich etwas erst im Kopf festsetzen, um es erreichen zu können. Hab’ also niemals Angst davor, den Menschen zu große Ziele mitzugeben. Nur dann können sie etwas schaffen, woran sie vielleicht nicht einmal selbst glauben.“ … den FC Arsenal heute: „Diesen Klub, dem ich mehr als die Hälfte meines Arbeitslebens gewidmet habe, habe ich intakt übergeben. Wir haben über zehn Jahre das Stadion abbezahlt, dafür die guten Spieler alle verkauft – und das ohne jeden Penny von irgendjemandem. Nun hat Arsenal ein hervorragendes Trainingsgelände und gute Nachwuchsspieler. Dieser Klub könnte im nächsten Jahr aufhorchen lassen.“ „Gehasst,geliebt,gehasst, geliebt“: Wenger und Sir Alex Ferguson … die Premier League: „Es ist die beste Liga der Welt, weil das Paket besser ist als anderswo. In China, Australien und den USA schauen die Menschen den englischen Meisterschaftskampf. Umso überraschter war ich, als ich gehört habe, dass sechs Klubs eine Super League mitbegründen wollten. Doch damit hätten sie sich selbst zerstört. Jede andere Liga in Europa würde die Premier League gerne in die Knie zwingen – und diese sechs Klubs hätten es beinahe selbst gemacht. Irgendwann müssen mir die Vertreter den Sinn erklären, ich habe ihn bislang nicht verstanden. Die Fans haben es gestoppt, wovon die Premier League heute profitiert.“ … die Super League: „Ich war vom ersten Tag an dagegen und sagte immer, dass es nicht funktionieren werde. Wenn man die Sinnhaftigkeit des Wettbewerbs, der in Europa wichtig ist, hinterfragt, dann wird diese Form einer Liga nicht akzeptiert werden. Darüber bin ich glücklich. Ich persönlich werde bis zum Ende meiner Tage kämpfen, damit die Werte des europäischen Fußballs Bestand haben.“ … die Ära nach Messi/Ronaldo: „Kylian Mbappé wird eine Ära prägen. Und, ich kenne ihn nicht gut genug, vielleicht Erling Haaland.“ … ManUniteds Triple-Saison 1999: „Was 1999 geschah, ist unglaublich. Wir haben gegen ManUnited bis zum Schluss um die Meisterschaft gekämpft und den Titel nur deshalb versäumt, weil wir gegen Leeds mit vier Aluminium-Treffern verloren haben. Ein Desaster. Im Halbfinale des FA-Cups gab es ein Wiederholungsspiel gegen ManUnited. Dennis Bergkamp hat in der 94. Minute, es stand 1:1, einen Strafstoß verschossen. United gewann dann 2:1. Das war ein fußballerisches Wunder, und Bergkamp wollte nie wieder einen Elfmeter schießen. Und gegen Bayern im Champions-League-Finale hätte ManUnited 0:3 verlieren müssen. Auch da gewannen sie 2:1. 1999 war ein einziges Wunder. Gott muss entschieden haben, dass Manchester alles gewinnen soll.“ … Sir Alex Ferguson: „Er und ich haben eine ganz spezielle Beziehung. Wir haben uns geliebt, gehasst, geliebt, gehasst. Nun ist es eine absolut respektvolle, freundliche Beziehung, wie bei zwei Boxern im Ring. Wir haben immer gekämpft. Aber nach dem Kampf hat man sein Gegenüber stets wertgeschätzt. Ein gutes Gefühl.“
16 5. JULI 2021 Der Anti-Bosz Ein Blick zurück erklärt oft das Handeln in der Gegenwart. Und möchte man verstehen, warum sich Bayer 04 für Gerardo Seoane als Trainer entschieden hat, reicht eine Zeitreise in den August 2020. Damals, unmittelbar vor dem Viertelfinale der Europa League in Düsseldorf gegen Inter Mailand, ließ Peter Bosz die Taktik für das K.-o.Spiel trainieren. Leverkusens Sechser Julian Baumgartlinger sollte im internen Testlauf das Double des sich tief in der eigenen Hälfte die Bälle abholenden Inter-Spielmachers Marcelo Brozovic unter Druck setzen. Doch immer wieder wurde das Pressing mit einem weiten Ball auf Lukaku-Double Lucas Alario überspielt. Der Kniff funktionierte nicht. Im wirklichen Spiel gegen Inter setzte Bosz dennoch auf seine Idee des aggressiven und hohen Pressings, und Bayer ging gegen die ausgebufften Italiener baden. Viel deutlicher, als es das Resultat von 1:2 aussagte. Immer wieder überspielte der echte Brozovic das Leverkusener Pressing mit einem langen Ball auf Romelu Lukaku, der dann mit Sturmkollege Lautaro Martinez und viel Raum die Bayer-Abwehr auseinandernahm. Der aufgrund der taktischen Vorgabe viel zu weit nach vorne stoßende Baumgartlinger fehlte 30 Meter weiter hinten, um Passempfänger Lukaku abzuschirmen, der mit Edmond Tapsoba Katz und Maus spielen durfte. Bosz war sehenden Auges Als Trainer-Typ ist er schwer zu fassen, hat einen komplexen Mix. ins Verderben gerannt. Weil er an seiner Idee festhielt und nicht bereit war, eine andere, weniger aktive, auf mehr defensive Absicherung ausgelegte Marschroute zu wählen. Im Rückblick auf die Saison 2020/21, deren Endphase Bosz ab dem 27. Spieltag nach bedingungslosem Festhalten an seiner Offensividee und dem Absturz der Werkself nur noch als Beobachter erlebt hatte, erklärte Simon Rolfes, dass der Niederländer Hinweise ignoriert habe, sein Spiel variabler zu gestalten. Damit war Bosz wie sein Vor-Vor-Vorgänger Roger Schmidt in seiner letzten Saison bei Bayer daran gescheitert, in einer Krise nicht die richtigen Maßnahmen und Änderungen vorgenommen zu haben. Boszs Überzeugung von der Alternativlosigkeit des eigenen Weges wurde dem 57-Jährigen zum Verhängnis. Was dies alles mit Gerardo Seoane zu tun hat? Ganz einfach: Der 42-Jährige, den Bayer für bis zu zwei Millionen Euro Ablöse vom Schweizer Meister Young Boys aus Bern losgeeist hat, gilt als ein Trainer, der nicht stur an seiner Philosophie festhält. Auch wenn Rolfes Seoane bei dessen Verpflichtung für seinen Angriffsfußball lobte. „Gerardo Seoane ist dreimal in Folge mit den Young Boys Schweizer Meister geworden und hat 2020 auch den Pokalsieg geholt – und das mit einer attraktiven und offensiven Spielidee, die unserer Philosophie sehr nahekommt“, erklärte Leverkusens Sportdirektor. Dennoch stellt Seoane ein Kontrastprogramm zu Bosz dar. Davon konnten sich die Bosse schon im März überzeugen – zum eigenen Leidwesen. Im Sechzehntelfinale der Europa League gegen Seoanes Young Boys zeigte der Trainer die Flexibilität, die den Machern in Leverkusen am Ende bei Bosz fehlte. Beim 4:3-Sieg im Hinspiel nutzte Bern die defensiven Schwachstellen bei Bayer und konterte den Bundesligisten vor der Pause eiskalt aus, führte schon 3:0. Im Rückspiel, in dem die Schweizer ein Unentschieden benötigten, verteidigten sie tief gestaffelt extrem kompakt mit einer Leidenschaft, die in Leverkusen der eigenen Mannschaft oftmals abgesprochen wird, und siegten 2:0. Zwei Auftritte der Young Boys, die Beobachter der Szene dazu veranlassten, Fragezeichen hinter Seoanes Profil zu setzen, als dieser in Leverkusen gehandelt wurde. Schließlich hatte sein damaliges Team alles andere als Bayer-Fußball zelebriert. Doch gerade dies war ein Argument für Seoane. Dass er eben nicht Foto: picture alliance Auch wenn er am liebsten genauso dominant spielen lässt, stellt Trainer G E R A R DO SEOA NE (42) einen klaren Kontrast zu seinem Vorgänger in Leverkusen dar.
ANZEIGE weiterentwickeln will. Gerardo ist eine sehr spannende Persönlichkeit.“ Je mehr man über Seoane spricht, umso komplexer erscheint dieser als Trainer. Seoane ist schwer zu fassen. „Er hat einen guten Mix. Er ist nicht dogmatisch, sondern bereit, sich anzupassen“, sagt der Schweizer kicker-Korrespondent Fabian Ruch. Die Neue Zürcher Zeitung beschrieb den Schlüssel zu Seoanes „Er ist überzeugt, aber nicht festgefahren.“ Christoph Spycher, Sportdirektor Young Boys nur einen Ansatz verfolgt, sondern bereit ist, den Umständen entsprechend Änderungen vorzunehmen. Nicht umsonst betonte Rolfes im Kölner Stadt-Anzeiger: „Heute braucht man im Fußball, und selbst in einem Spiel, verschiedene taktische Grundausrichtungen, weil es Gegner gibt, die sich beispielsweise durch jedes Pressing hindurchspielen. Hier wollen wir den nächsten Schritt gehen.“ Genau dafür steht Seoane. Dieser ist nicht so einfach in eine Schublade zu stecken. Anfangs führte er in Bern Adi Hütters Red-Bull-Fußball mit Gegenpressing und Vertikalspiel fort, um diesen später um die Komponenten Ballbesitz und Spielkontrolle zu erweitern. „Er ist überzeugt von dem, was er tut, aber er ist nicht festgefahren“, urteilt der YB-Sportdirektor und frühere Frankfurter Bundesliga-Profi Christoph Spycher, „er ist jemand, der über den Tellerrand hinausschaut, Entwicklungen beobachtet, dabei Dinge aber nicht einfach kopiert, sondern versucht, sich etwas für seine Arbeit herauszuziehen. Jemand, der sich ständig Erfolgsgeschichte wie folgt: „In Bern war es drei Jahre lang nicht einfach, herauszufinden, was Seoane-Fußball ist – aber vielleicht liegt gerade darin das Geheimnis seines Stils: die Unberechenbarkeit, der Pragmatismus.“ Pragmatismus! Den Ästhetik-Extremisten unter den Bayer-Fans dürften sich die Haare sträuben angesichts dieses Attributs. Doch vielleicht verspricht gerade dieses am Ende den Erfolg, dem der Klub seit dem Pokalsieg 1993 hinterherläuft. Zweifel ist Seoane gewohnt. Die gab es schon, als er 2018 zu den Young Boys wechselte. Schließlich hatte er damals gerade einmal ein halbes Jahr als Profi-Trainer vorzuweisen. Seitdem kletterte er zügig auf der Karriereleiter. In einem halben Jahr als Cheftrainer führte er den FC Luzern vom vorletzten auf den 3. Platz der zehn Mannschaften starken Schweizer Liga. Seine Arbeit beeindruckte Spycher dermaßen, dass er Seoane 2018 trotz so wenig Erfahrung zum Nachfolger des damals nach Frankfurt gewechselten Hütter machte. Jetzt wagt Seoane selbst den Schritt in die Bundesliga. Bayers Neuer („Ich atme 24 Stunden Fußball“) ist kein Zampano, kein Fußball-Guru, dem Genialität nachgesagt wird. Vielmehr ein von Akribie Getriebener, der eine Online-Plattform („Plan & Play“) mitentwickelte, die Trainer im Nachwuchsbereich und in unteren Ligen bei der Trainingsplanung unterstützt. Er bringt in jedem Fall gute Voraussetzungen mit, um Leverkusens Multikulti-Kader erfolgreich zu dirigieren. So spricht der Sohn spanischer Eltern, der das Schweizer Bürgerrecht sowie die spanische Staatsbürgerschaft besitzt, neben Deutsch und seiner ersten Muttersprache Spanisch auch Englisch, Französisch und Italienisch fließend, sein Portugiesisch gilt als gut. 9
18 5. JULI 2021 Sein systematischer Ansatz ist relativ klar zu umreißen. In Bern favorisierte Seoane ein 4-4-2 mit Doppelsechs, ließ aber auch mal in einem 4-1-4-1 oder einem 4-2-3-1 spielen. Systeme, die zum Leverkusener Kader mit schnellen und spektakulären Flügelspielern passen. Allerdings ist Seoane jemand, der nur auf dem Platz für Unterhaltung steht. Bayer bekommt keinen Entertainer. Die mediale Bühne ist nicht seine. Seoane ist kein Trainer, der Journalisten und Fans mit Wortwitz und Charme für sich gewinnt, sondern in der Außendarstellung sehr kontrolliert und nüchtern. Im Umgang mit seinen Profis ist dies anders. „Er beherrscht das Spiel mit Distanz und Nähe“, sagt Spycher, „er ist sehr klar in seinen Ansagen auf dem Platz, aber er ist auch ein Trainer, der Nähe zulässt. Nach außen möchte er aber nur fachlich überzeugen.“ So gilt der Familienvater extern als unnahbar, sein Privatleben hält er weitestgehend von der Öffentlichkeit fern. Als Spieler konnte er sein spanisches Temperament hingegen des Öfteren nicht verheimlichen. In seiner Zeit in La Coruna von 2000 bis 2002 erwarb er sich den Ruf, das Nachtleben durchaus zu genießen. Seoane kam bei Deportivo nur in der zweiten Mannschaft zum Einsatz, galt als Streuner, der keine RO L F F RI N G E R Duell im Europa-League-Sechzehntelfinale 2020/21: Bern und Gerardo Seoane setzten sich gegen Peter Bosz und Bayer durch. Disziplin hatte, und kehrte in die Schweiz zurück. Die Karriere des zentralen Mittelfeldspielers, dem die Dynamik fehlte, der aber mit einer sehr feinen Technik wuchern konnte, verlief eher überschaubar. Und in seinem letzten Jahr als Profi, inzwischen mit seiner taktischen Kompetenz in die Innenverteidigung versetzt, erlebte der damalige Luzern-Coach Rolf Fringer den Leader Seoane auch als Stimmungs- macher. Nach vier Niederlagen in Serie setzte der frühere Trainer des VfB Stuttgart seinen Kapitän ab und verbannte ihn in die Reservemannschaft, weil er die Loyalität vermisste. „Er nahm negativen Einfluss auf die Mannschaft und die jungen Spieler“, erklärte Fringer damals. Der Vorwurf: Seoane habe Grüppchen gebildet und gegeneinander ausgespielt, Stimmung gegen den Trainer gemacht. Heute stimmt Fringer, der sich mit Seoane später aussprach, wahre Lobeshymnen auf diesen an (siehe Interview unten). Denn Seoane hat aus seinem damaligen Handeln Schlüsse gezogen. Auch für sein eigenes Credo als Fußballlehrer. „Alle müssen mit ins Boot. Vielleicht hatte ein Trainer Mühe mit dem Spieler Seoane. Ich finde: Es ist die Aufgabe eines Trainers, auch mit unangenehmen Spielern zurechtzukommen“, sagt er. Heute erlebt man zudem einen ganz anderen Gerardo Seoane. Spycher, der 2004/05 mit diesem bei Grasshopper Zürich spielte, sah sich in den Gesprächen mit Seoane vor dessen Engagement in Bern einem veränderten Menschen gegenüber, stellte bei seinem Gegenüber eine „unglaubliche Klarheit und Ruhe“ sowie eine „große menschliche Entwicklung“ fest. Der Schweizer hat sie offenbar durchlaufen. In Leverkusen hoffen sie, dass er auch bei der Werkself eine entsprechend positive Genesis anstoßen kann. „Er wird eine Bereicherung für die Bundesliga sein“, verteilt Geschäftsführer Rudi Völler Vorschusslorbeeren an den Neuen. Ab Dienstag, wenn Seoane seine Profis zum ersten Training bittet, liegt es an ihm, den nächsten Schritt anzugehen – für sich und für Bayer 04. STEPHAN VON NOCKS Der frühere VfB-Trainer und Schweiz-Experte über seinen ehemaligen Schützling „Gerry Seoane ist ein kompletter Trainer“ r ist ein Kenner des Schweizer Fußballs, trainierte unter anderem den FC Aarau, den FC Zürich und die Grasshoppers, den FC St. Gallen und den FC Luzern. Von Juli 1995 bis August 1996 arbeitete Rolf Fringer beim VfB Stuttgart in der Bundesliga. Der heute 64-Jährige weiß, was für einen Trainer Bayer 04 mit Gerardo Seoane verpflichtet hat – und was für den 42-Jährigen die größte Umstellung wird. Fähigkeiten gehören zusammen. Er ist ein herausragender Trainer. Herr Fringer, was für einen Trainer bekommt Leverkusen? Auf dem Platz wird es nichts geben, woran er sich gewöhnen muss. Aber an das ganze Drumherum – das sind ganz andere Dimensionen, mit denen man aber auch schnell zurechtkommen kann: Die Zuschauer und die Medienarbeit sind in Deutschland ganz anders. Es ist derselbe Unterschied, ob man einen guten Film zu Hause auf der Couch oder in einem Kino schaut. Im Kino wirkt derselbe Film ganz anders. Mit Gerry Seoane bekommt Bayer 04 einen kompletten Trainer insofern, als er von der taktischen Seite alles durchblickt, mit allen Wassern gewaschen ist. Da ist er absolut auf der Höhe. Darüber hinaus ist er auch in Sachen Empathie und Sozialkompetenz sehr stark. Da ist alles durchdacht. Deshalb sage ich auch, dass er ein kompletter Trainer ist. Denn beide Der als Cheftrainer in seiner Karriere aber weder in seinen drei Jahren Bern noch zuvor in einem halben Jahr in Luzern eine Krise meistern musste. Ja, das stimmt. Er hat bislang noch keine Krise erlebt – allerdings auch, weil er so gut ist. Sie haben selbst 1995 den Schritt aus der Schweiz in die Bundesliga gewagt. Was wird für Seoane die größte Umstellung werden? Als Trainer hat Seoane bislang keinerlei Angriffsflächen geboten. Als Spieler war das noch ganz anders. Ja, das war so. Ich hatte in Luzern ja auch eine Geschichte mit ihm, als ich ihn als Kapitän aus der Mannschaft geworfen habe. Ich glaube, dass er gewisse Dinge, die er als Spieler realisiert hat, verbessert hat. Er hat daraus gelernt. Er hat sich in der Kommunikation weitergebildet und auch als Persönlichkeit weiterentwickelt. Das spricht für ihn als Trainer. Da hat er sich enorm gesteigert. Ich glaube, er hat gut reflektiert. Deswegen sehe ich ihn auch als kompletten Trainer an. Es ist schwierig, ihm als Journalist etwas anzuhängen. Auch, weil er nicht auf einen Spielstil festzunageln ist? Wenn du in der Schweiz mit Bern spielst, wirst du die Spiele meist gewinnen, wenn du offensiv spielst, weil du einfach die bessere Mannschaft hast. Aber in solchen Spielen wie gegen Leverkusen in der Europa League (Bern gewann 4:3 und 2:0, Anm. d. Red.), geht das nicht. Da braucht es List und Cleverness. Gerry Seoane sieht, wann es was braucht. Und das kann man bei Weitem nicht von jedem Trainer sagen. INTERVIEW: STEPHAN VON NOCKS Fotos: imago images E Als Spieler unter Trainer Fringer in Luzern aktiv: Gerardo Seoane
5. JULI 2021 19 topthema Hiundn weg Foto: firo/Witters Marco Rose ist da und Jadon Sancho so gut wie weg: D ORTM U N D stehen spannende Wochen bevor. Der alte Sinnspruch von Vereinslegende Adi Preißler ist in Dortmund so fest verankert, dass er sogar eine Wand im Stadion ziert: „Grau is’ im Leben alle Theorie, aber entscheidend is’ auf’m Platz.“ Am Sonntag um 10.29 Uhr stand Neu-Trainer Marco Rose auf dem Rasen des BVB-Trainingsgeländes in Dortmund-Brackel und begann seine erste Einheit mit einer siebenminütigen Ansprache an die zehn Feldspieler und zwei Keeper. Seinen Dienst hatte Rose mit den Co-Trainern René Maric und Alexander Zickler bereits am Mittwoch angetreten und in den folgenden Tagen Gespräche geführt, Spieler kennengelernt und nach seiner Antrittspressekonferenz im Stadion auch den ersten Blick in die neue Kabine geworfen. „Arbeiter-Fußball“, wolle er spielen lassen, hatte der entspannt und erholt wirkende 44-Jährige bei seinem ersten Auftritt versprochen, „viel laufen, Bälle gewinnen und das Stadion hinter sich bringen.“ Die Defensive soll stabilisiert werden, dazu kommt der „Anspruch, guten Fußball zu spielen und den Gegner zu dominieren“. Genau dafür hat der BVB Rose verpflichtet, betonte Sportdirektor Michael Zorc: „Es gibt eine sehr gute Balance zwischen dem nötigen Spiel gegen den Ball mit Gegenpressing und Umschaltspiel, aber auch ein Rose sicher, der ohnehin nicht damit rechnen konnSpiel gekennzeichnet von guten und kreativen te, den hochbegabten Außenbahnspieler in seinem Lösungen bei eigenem Ballbesitz.“ Kader zu haben. Sicher ist, dass die Ablöse nicht Zeitgleich zu Roses ersten Aussagen als im vollen Umfang in einen Neuzugang reinvestiert BVB-Trainer am späten Donnerstagvormittag wird, zumal Sanchos Ex-Verein, dem Unitedverkündete der börsennotierte Verein per Ad-hocStadtrivalen Manchester City, 15 Prozent der SumMeldung die nicht mehr überraschende Nachme zustehen. Ein Teil der Einnahmen wird zuricht, mit Manchester United eine grundsätzliche dem benutzt, um den „Corona-Verlust“ von rund Einigung über den Transfer von Jadon Sancho 75 Millionen Euro etwas abzufedern. getroffen zu haben. Zum AbGeld für einen Ersatz ist schluss fehlen unter anderem „Es war Jadons Wunsch. aber dennoch da, Schnellignoch die sportmedizinischen keit und eine gute Ausbeute an Untersuchungen des Spielers, Er hat sich fantastisch Toren und Vorlagen sind die verhalten.“ der sich am Samstag mit der Parameter für den Neuen. Dieenglischen Nationalmannses Profil erfüllt der intensiv Hans-Joachim Watzke, BVB-Boss schaft fürs EM-Halbfinale quaumworbene Niederländer Donlifizierte. Zu der fixen Ablöseyell Malen von der PSV Eindsumme von 85 Millionen Euro hoven, der seine Qualitäten in kommen mögliche Nachzahlungen, die teils an der vergangenen Saison in der Eredivisie (19 Tore, sehr niedrige Bedingungen geknüpft sind. 8 Vorlagen) und der Europa League (7 Tore, 2 VorEs bleibt ein enormer sportlicher Verlust. „Wir lagen) nachwies und für die Nationalmannschaft freuen uns nicht über das Geld“, kommentierte Gebei der EM ebenfalls zwei Treffer vorbereitete. Der schäftsführer Hans-Joachim Watzke und betonte: 22-Jährige wäre allerdings kein Eins-zu-eins-Ersatz „Wir sind traurig, dass er weg ist. Es war am Ende für Sancho, sondern spielt bevorzugt als Mittelstürdes Tages der exemplarische Wunsch von Jadon, mer. Da in Dortmund auf dieser Position Erling wir hätten ihn lieber hierbehalten.“ Der 21-Jährige Haaland gesetzt ist, spräche viel für ein System habe sich aber „fantastisch verhalten“ – das war mit zwei Angreifern, zum Beispiel in Form einer bei wechselwilligen BVB-Profis in der jüngeren Raute, Roses Lieblingsgrundordnung. Vergangenheit schon anders. Es werden intensive Wochen in Dortmund – Die Nachfolge des Briten, der vergangene was dabei entscheidend ist, hat Adi Preißler ja Spielzeit trotz Verletzungspause in 38 Pflichtspiebereits hinterlegt. PATRICK KLEINMANN len insgesamt 37 Scorerpunkte sammelte, ist hinter den Kulissen schon lange in Planung, „Wenn wir Was der Sancho-Wechsel für ManUnited gute Spieler verlieren, holen wir gute dazu“, war sich bedeutet, lesen Sie auf der Seite 54
20 5. JULI 2021 Bayerns Auftakt mit Hindernissen Neu-Trainer J U L I A N N AG E L S MANN (33) startet direkt mit einer Hiobsbotschaft. Denn Lucas Hernandez fällt länger aus. M ÜN C H E N Foto: imago images/MiS Und nun geht es los. Wochen wieder voll zur Verfügung Neu-Trainer Julian Nagelsstehen“ solle. Doch aufgepasst: Schon mann startet in dieser im Sommer 2019, als er von Atletico Woche aktiv in sein Amt Madrid an die Isar wechselte, hatte an der Säbener Straße. An diesem der Verteidiger mit einer KnieverMontag treffen sich die Beteiligten, letzung zu kämpfen. Er brauchte am Dienstag steht die Leistungseine Weile, um sich bei den Bayern diagnostik an, am Mittwoch wird zum zurecht- und einzufinden, um in seiersten Mannschaftstraining geladen. nen Rhythmus zu kommen. Umso Vorerst allerdings im kleinen Kreis. heftiger trifft ihn und den Klub nun Die EM-Teilnehmer, dazu Dayot Upadieser erneute Rückschlag. Denn in mecano, der erst ab 15. Juli einsteigen der zweiten Hälfte der abgelaufedarf, und Alphonso nen Saison schien Davies, der für Ka„Die Ärzte sind mit sich Hernandez nada am Gold Cup immer besser in das der OP zufrieden.“ Münchner Spiel zu teilnehmen wird, werden den Auftakt integrieren. Hasan Salihamidzic, Sportvorstand verpassen. Nach den AbFür Nagelsgängen von David mann, der für eine Rekordablöse Alaba und Jerome Boateng, den von 15 Millionen Euro plus Boni nach beiden gesetzten Innenverteidigern, München kam, ist es daher ein erstes sollte der Franzose nun ein fester Abtasten. Und schon gleich mit dem Bestandteil der Abwehrzentrale Beginn seiner Bayern-Zeit muss der sein. Neben Upamecano, schließ33-Jährige einen Ausfall kompenlich konnte sich Niklas Süle weder sieren. Lucas Hernandez, der sich in der vergangenen Saison noch bei während des kontinentalen Turniers der Europameisterschaft so richtig am Knie verletzt hatte, musste sich in den Vordergrund spielen. Heißt: einer Operation unterziehen. Der Nagelsmann hat gleich zum Start französische Nationalspieler habe ein Abwehrproblem zu lösen. Sein sich während der EM „einen Einriss Vorteil: Er kennt Süle noch aus Hofdes Innenmeniskus zugezogen“, teilfenheimer Zeiten, weiß womöglich, te der Verein am Sonntag mit. Der wie er ihn wieder an das geforderte 25-Jährige, der fürs Abwehrzentrum Niveau heranbringen kann. Es wird vorgesehen ist, muss jetzt in die Reha aber nicht einfach für den jungen und wird dem Rekordmeister einige Trainer, der, falls er seinen für fünf Wochen fehlen. Wenngleich SportJahre unterschriebenen Vertrag ervorstand Hasan Salihamidzic sagt, füllen sollte, an Ottmar Hitzfeld (1998 dass „unsere Ärzte sehr zufrieden bis 2004) heranrücken könnte. Es ist mit dem Verlauf der Operation sind“ die bislang längste Verweildauer auf und Hernandez „schon in wenigen der Bayern-Bank. GEORG HOLZNER Hat wieder Probleme: Lucas Hernandez musste in seiner Zeit bei den Bayern schon oft leiden. Profivertrag für Rechtsverteidiger – Müller ist die Ausnahme Stanisic, Musiala und die Local Player H asan Salihamidzic klingt, als ob der gesuchte Rechtsverteidiger gefunden sei: „Wir trauen Josip zu, diesen ganz wichtigen Schritt ins Profiteam so gut zu setzen, wie ihm das auf dem Campus gelungen ist“, sagt er über Talent Stanisic, der einen Profivertrag bis 2023 unterschrieben hat. Bislang gehörte der 21-Jährige zum Personal der 2. Mannschaft, Hansi Flick setz- te ihn einmal in der Bundesliga ein, beim 1:1 gegen Union Berlin zwischen Hin- und Rückspiel der Champions League gegen Paris. Stanisic kann sich ab sofort bei Julian Nagelsmann empfehlen. Ein Grund für den Vertrag könnte zudem sein, die Local-Player-Regelung zu erfüllen, wonach vier Spieler zwischen ihrem 15. und 21. Lebensjahr drei Jahre im Verein gespielt haben müssen. Nach David Alabas Abschied trifft dies vom Stammpersonal nur noch auf Thomas Müller zu. Dazu kommen die Torhüter Christian Früchtl und Ron-Thorben Hoffmann, die ebenso wechseln könnten wie die zurückgekehrten Leihspieler Adrian Fein und Joshua Zirkzee. Jamal Musiala (18) zählt in einem Jahr zu den Local Players, dann ist er drei Jahre beim FCB. FRANK LINKESCH 1. SPIELTAG FREITAG, 13. AUGUST 20.30 UHR Gladbach (3:2, 0:6) München SAMSTAG/SONNTAG, 14./15. AUGUST Dortmund Wolfsburg Union Stuttgart Mainz Augsburg Bielefeld Köln (1:2, 1:1) (-, - ) (1:0, 1:1) (-, - ) (3:2, 1:3) (2:1, 1:3) (1:0, 0:2) (0:0, 0:0) Frankfurt Bochum Leverkusen Fürth Leipzig Hoffenheim Freiburg Hertha
5. JULI 2021 21 Der neue Trainer will die BOR U SS I A zurück ins internationale Geschäft führen. Auf ihn wartet eine Menge Arbeit. Knapp 3000 Zuschauer begleiteten am Wochenende im Borussia-Park die ersten beiden öffentlichen Trainingseinheiten unter dem neuen Cheftrainer Adi Hütter. Auf viele seiner künftigen Stützen muss der Österreicher noch eine Weile verzichten, weil die zehn EM-Teilnehmer erst nach einem dreiwöchigen Urlaub dazustoßen und auch Ramy Bensebaini, der nach Saisonende mit Algerien Länderspiele bestritt, später einsteigt. Doch das große Ziel hat Hütter schon klar beschrieben: Er will die Fohlen zurück nach Europa führen. „Die Ansprüche in Mönchengladbach sind hoch, das weiß ich. Aber auch mein Anspruch ist es, wieder um die internationalen Plätze zu kämpfen“, sagt Hütter. Zu tun gibt es für den Nachfolger von Marco Rose nach einem enttäuschenden 8. Platz einiges – und das sind seine Aufträge, um den übergeordneten Europa-Wunsch zu erfüllen: Foto: GettyImages BEGEISTERUNG ENTFACHEN Noch sind gerade im Fanlager längst nicht alle Wunden geheilt, die der von lautem Getöse und allerlei Turbulenzen begleitete Wechsel von Rose nach Dortmund gerissen hat, aber auch der krachende Absturz der Mannschaft ab der Bekanntgabe des Abschieds. Anders als vor zwei Jahren, als nach der Rose-Verpflichtung rund um den Borussia-Park ein regelrechter Hype um den neuen Coach ausgebrochen und die Euphorie geradezu greifbar war, wird Hütter wohlwollend und erwartungsvoll empfangen, es geht nach den Erfahrungen der vergangenen Monate aber auch spürbar ruhiger zu als beim Rose-Einstieg. Über gute Arbeit soll Begeisterung entfacht werden, nicht über markige Sprüche. Hütter tritt sehr natürlich und charmant auf, selbstbewusst und mit klaren Vorstellungen, ohne auch nur ansatzweise großspurig zu wirken, das kommt schon mal an. Überzeugt schnell auch die Spielweise der Mannschaft, dürften sich die verbliebenen Wunden aus der Rose-Zeit zügig schließen. SPIELIDEE IMPLEMENTIEREN Wurde der in Gladbach seit Jahren verankerte Ballbesitzfußball unter Rose um die Komponenten Aktivität, höheres Pressing, mehr Aggressivität erweitert, dürfte Hütter die angestoßene Evolution vorantreiben. Auf die Hütters Aufträge Spielstärke des Teams wird er weiter bauen, mehr Emotionalität herauszukitzeln versuchen und besonders in Sachen Umschaltspiel seine Ideen einbringen: „Wann attackieren wir? Wo attackieren wir?“ Alles in allem will Hütter mit den Fohlen nicht nur erfolgreichen, sondern auch attraktiven und begeisternden Fußball präsentieren, „dafür“, sagt er, „stehe ich“. DEFENSIVE STABILISIEREN Das wird eine der wichtigsten Aufgaben für Hütter sein. 56 Gegentore vergangene Saison – viel zu viele. Die Frage nach der individuellen Qualität in der Defensive stellt sich weniger, Hütter muss daran arbeiten, dass das kollektive Verteidigen wieder funktioniert. Darin lag das eigentliche Problem. FÜHRUNGSSTÄRKE ZEIGEN Im Zusammenhang mit den vielen Gegentoren steht auch, dass vergangene Saison 29 Punkte nach Führungen verspielt wurden – Höchstwert in der Liga. Hütter hat bei seiner Analyse erkannt: „In den Spielen hat manchmal die letzte Konsequenz, die letzte Siegermentalität gefehlt, man hat zu wenig Entschlossenheit gezeigt, zu wenig den Fight angenommen. Da muss man sicher den Hebel ansetzen.“ TEMPO ERHÖHEN Rose scheiterte bei dem Versuch, aus den Borussen ein sprintstarkes Team zu machen. Ging es unter dem Hütter-Vorgänger im ersten Jahr zumindest hoch ins Mittelfeld des Bundesliga-Rankings, war die Borussia in der ver- gangenen Saison die Mannschaft mit den zweitwenigsten Sprints, nur Absteiger Bremen schlechter. Für den Hütter-Fußball braucht es eine hohe Intensität – da muss sich die Mannschaft zwingend verbessern. TALENTE FÖRDERN In den vergangenen zwei Jahren klopfte aus dem Nachwuchs nur Rocco Reitz (19) richtig oben an, kam in der Bundesliga zweimal zum Einsatz. Zu wenig für einen Klub, der für eine starke Nachwuchsausbildung steht. Bei Hütter werden sich in der Vorbereitung eine ganze Reihe von Talenten vorstellen und auch ihre Bewährungschancen erhalten. Der Trainer macht aber auch klar: „Am Ende geht es immer um die Qualität.“ JAN LUSTIG
22 5. JULI 2021 Gefühls-Achterbahn Wout Weghorst ist ein emotionaler Willen hat, das wissen sie in Wolfsburg. „Er geht Mensch. Wie es in ihm aussieht, kann er seinen Weg, ohne sich ablenken zu lassen“, sagt nur schwer verbergen. Wenn er glücklich Geschäftsführer Jörg Schmadtke mit Blick auf ist, sieht das jeder, ebenso, wenn der Frust dessen EM-Berufung. „Er hat immer für sich verin ihm überwiegt. Und irgendwie sitzt der Niesucht, maximalen Aufwand an den Tag zu legen. derländer ständig in dieser Gefühls-Achterbahn, Das hat funktioniert, dafür wurde er belohnt.“ wenn es um seinen Job geht. Die Verärgerung war Und auch wenn das Happy End ausblieb, bot das lange Zeit gewaltig, als der Bondscoach – zunächst Turnier dem Stürmer eine zusätzliche Bühne, auf Ronald Koeman, zuletzt Frank de Boer – ihn in der er sich präsentieren konnte. Bislang jedoch ist schöner Regelmäßigkeit trotz bees beim VfL sehr ruhig, was die ständig nachgewiesener Klasse in Van Bommel hatte Personalie Weghorst betrifft. Ein der Bundesliga überging. Und die Angebot gebe es bislang nicht, Freude war riesig, als er doch noch zum Stürmerstar des versichern die Verantwortlichen, auf den EM-Zug aufsprang, sich VfL schon Kontakt. jedoch ist der Stürmermarkt auch sogar zunächst einen Startplatz noch nicht komplett in Wallung ergatterte, zum Auftakt gegen die geraten. Grundsätzlich interesUkraine (3:2) traf. Die nächste Wendung in der sierte Vereine sind reichlich vorhanden, jedoch Achterbahn ließ jedoch nicht lange auf sich warten. muss vieles zusammenkommen, damit Weghorst Weghorst verlor seinen Platz, Holland sein Achtel(Vertrag bis 2023) den VfL verlässt. Zumal er in finalspiel gegen Tschechien (0:2). Turnier vorbei, Wolfsburg erstmals in seiner Karriere in der Weghorst frustriert. In welchem Gemütszustand Königsklasse spielen könnte. Boss Schmadtke gibt kommt er in circa zwei Wochen nun zurück nach sich entspannt, weiß aber auch, dass sich die Lage Wolfsburg? Bleibt er überhaupt beim VfL? rasch ändern kann. „Wenn ein Angebot kommt“, Die Fragen nach der Zukunft von Weghorst sagt der Manager, „das alle Seiten befriedigt, dann sind so konstant wie seine Erfolgserlebnisse auf verändern sich die Dinge.“ dem Rasen. 17, 16 und nun 20 Tore hat der Angreifer Aktuell urlaubt Weghorst noch in seiner im Trikot der Niedersachsen erzielt, parallel dazu Heimat, sammelt Kraft, fährt, das musste er lernie einen Hehl daraus gemacht, gerne noch einen nen, mal komplett runter. Sein neuer Trainer und weiteren Karriereschritt, bevorzugt in England, Landsmann Mark van Bommel sagt: „Kontakt zu gehen zu wollen. Auch jetzt ranken sich wieder ihm hatte ich schon. Er war natürlich sauer, dass Gerüchte (Tottenham, Newcastle, West Ham) er ausgeschieden ist mit Holland.“ Für einige Tage um den 1,97-Meter-Mann, der am 7. August 29 kommt die Gefühls-Achterbahn nun zum Stehen. wird und nicht mehr ganz viel Zeit hat, sich seine Mitte Juni nimmt sie dann wieder an Fahrt auf – Träume zu erfüllen. Dass Weghorst einen eisernen Stand jetzt in Wolfsburg. THOMAS HIETE H O F F EN H EI M „Er geht seinen Weg“: Jörg Schmadtke über Wout Weghorst Foto: Witters Noch gibt es kein Angebot für Wolfsburgs Torjäger WO UT W EG H O R ST (28). Doch das könnte sich ändern. Wie plant der kroatische Topstürmer? – Norwich wirbt um Bebou und blitzt ab Kraichgauer K&K-Fragen: Kramaric und Kapital Noch ist Andrej Kramaric (Foto) nicht in Hoffenheim. Was wenig verwunderlich ist, weil der Stürmer mit Kroatiens Nationalelf bis vergangenen Montagabend bei der EM vertreten war. Fürs Erste darf Kramaric urlauben, den TSG-Trainingsauftakt am Sonntag verpasste er. Spätestens aber bei seinem Einstieg werden sich im Kraichgau die K&K-Fragen stellen: die nach Kramarics Zukunft und die nach dem Kapital. Dem Ausnahmeangreifer liegt bekanntermaßen ein TSG-Angebot vor, die Vertragsdauer über 2022 hinaus auszudehnen. Dass er das Zeug für einen Champions- League-Klub hat, ist unbestritten, auch wenn seine EM-Auftritte keine Eigenwerbung darstellten. Dass speziell italienische Topklubs Kramaric seit jeher auf dem Zettel haben, ist ebenso wenig ein Geheimnis. Nur: Eine geschätzte Ablöse von 13 bis 15 Millionen Euro für einen 30-Jährigen sind längst nicht alle Vereine aus dem Spitzensegment der Serie A zu stemmen bereit. Finanziell am besten ausgestattet sein soll derzeit AC Mailand, der zudem mit dem gewichtigen Pfund Königsklasse werben kann. Sollte Kramaric das Hoffenheimer Angebot nicht annehmen, müssten die Handelnden überlegen, was sie tun: ihren besten Mann in Kapital ummünzen, um ihn in einem Jahr nicht ablösefrei zu verlieren? „Man muss auch nicht immer jeden Spieler zu Geld machen“, hatte Alexander Rosen Ende Mai betont mit Blick auf Kramaric. Natürlich hat der Direktor Profifußball damit recht. Zumal ein Verkauf irgendwo ein Signal wäre, dass Hoffenheim sich gemütlich im Mittelmaß einrichten mag. Denn wer soll dann der künftige Angriffshochkaräter sein? Unabhängig von seinem aktuellen Leistungsvermögen soll das Verhältnis mit Ishak Belfodil nach wie vor kompliziert sein nach der bitteren Verletzungsgeschichte des Frankoalgeriers. Und Munas Dabburs Quote stimmte eben nur in der Europa League, in der sportlich anspruchsvolleren Bundesliga nicht. Dass er vor seiner verfrühten Abreise nach Israel wegen kolportierter Visumprobleme seiner Ehefrau viermal in Serie 90 Minuten auf der Bank schmorte, soll der 29-Jährige eher verschnupft aufgenommen haben. Dabei hatte Ihlas Bebou schlicht und ergreifend die besseren Argumente mit neun Ligatoren und acht Vorlagen. Das ist auch Norwich City nicht verborgen geblieben, der PremierLeague-Rückkehrer fühlte nach kicker-Informationen vor beim 27-Jährigen. Und kassierte eine Absage vom bis 2023 gebundenen Angreifer. BENNI HOFMANN
5. JULI 2021 Aufbruch mit Fragezeichen Neuer Plan, neues Personal: Jetzt hängt bei HERTH A BS C viel davon ab, ob und wann die restlichen 65 Millionen Euro von Lars Windhorst beim Klub eingehen. Mit einer „rasanten Komödie“ wirbt der Ausrichter und verspricht mit seinem Open-Air-Sommertheater „einen unterhaltsamen Abend“. Direkt am Ufer des Ruppiner Sees bringen durchaus namhafte Schauspieler wie Walter Plathe, einst im ZDF „Der Landarzt“, William Shakespeares Stück „Was ihr wollt“ in diesen Tagen zur Aufführung. Direkt daneben, im Vier-SterneHotel „Resort Mark Brandenburg“, logiert noch bis zum Mittwoch Hertha BSC. Die Lust auf komödiantische Abend-Unterhaltung ist in den Reihen der Vereinsprotagonisten aktuell eher begrenzt. Die Spieler, die im Camp die athletisch-konditionellen Grundlagen für die Saison legen, sind froh über jede Ruhephase. Die Klub-Bosse, die in den vergangenen Tagen nach und nach im Quartier in Neuruppin eintrafen, haben ebenfalls keinen Mangel an Arbeit. Der Umbau des Kaders, die Integration der zehn Neuen um Kaderplaner Dirk Dufner, Fotos: Winter (2), imago images Aus dem Hertha-Trainingslager in Neuruppin berichtet Steffen Rohr den Technischen Direktor Sebastian Zelichowski und Chefscout Babacar Wane, die seit dem 1. Juli das Team hinter dem Team verstärken – bei Hertha bewegt sich viel. Eine Armada an Mitarbeitern hat Geschäftsführer Fredi Bobic, der am 1. Juni begonnen hatte, nach Berlin gelotst. „Ich habe das Gefühl, dass eine neue Energie durch den Verein geht“, sagt Sportdirektor Arne Friedrich. „Wir sind jetzt breiter und besser aufgestellt.“ Der Personalaufbau geht einher mit einem Strategieprogramm, mit dem Hertha die Zukunft bewältigen will. Ein viermonatiger interner 23 Aufregung durch und beim Investor: Lars Windhorst dementierte sofort am Donnerstag via Twitter die Onlinemeldung des kicker. Die stimmte aber. Bo Analyseprozess, extern unterstützt von der Unternehmens- und Strategieberatung Bain & Company, mündete in „ein umfassendes Netz an Maßnahmen“, wie Hertha-CEO Carsten Schmidt sagt. Sechs Handlungsfelder, 40 Initiativen und ein dezidierter Plan für die nächsten drei bis vier Jahre: Hertha will sich von innen heraus erneuern und strebt eine klarere Identität, stärkeren Berlin-Bezug, höhere Umsätze und – vor allem – mehr sportlichen Erfolg an. Schmidt, seit 1. Dezember im Amt, sieht Hertha „jetzt mit einem klaren Plan für die Zukunft ausgestattet“. Nach zwei ernüchternden Jahren mit den Plätzen 10 und 14 wähnt er den Klub in einer aussichtsreichen Ausgangslage: „Wir haben jetzt die Chance, unsere Aufholjagd fundiert und nachhaltig zu starten.“ Hertha will sportlich und wirtschaftlich zum oberen Liga-Drittel aufschließen. Bobic propagiert „ein anderes Denken“ und kündigt an: „Auf Dauer werde ich mich nicht damit zufriedengeben, vor sich hinzuarbeiten.“ Es ist ein Aufbruch – aber einer mit Fragezeichen. Der Kader, der dringend Verstärkung auf den Flügeln braucht und zugleich Verkaufserlöse bringen soll (Matheus Cunha, Dodi Lukebakio), ist längst noch nicht fertig. Und mit welchen Bordmitteln der neue Sport-Frontmann Bobic in dieser für Hertha so wichtigen Transferperiode agieren kann, ist ungewiss. Dieser Montag dürfte mehr Klarheit bringen. Er wird für Hertha entweder zum Zahltag – oder zum Qualtag. Die vorletzte Tranche von Investor Lars Windhorst, Volumen 35 Millionen Euro, sollte vertragsgemäß eigentlich am 1. Juli bei Hertha eingehen. Nachdem der kicker am Donnerstagabend publik gemacht hatte, dass das Geld nicht da ist (siehe Ausriss oben), setzte in beiden Lagern hektische Betriebsamkeit ein. Der Klub verkündete, der Zahlungseingang sei „für Montag vereinbart“ – während Tennor-Chairman Windhorst in seinem neuen Lieblingsmedium Twitter schneller auf Angriff umschaltete als Hertha in vielen Spielen der vergangenen Saison: „Die Tranche wurde heute (Donnerstag; Anm. d. Red.) wie vereinbart und nachweislich an Hertha BSC überwiesen. Es droht keine Pfändung! Das nennt man dann wohl kicker-Eigentor.“ Angekommen war das Geld bis zum Wochenende indes nicht. Insge- bi c samt stehen noch 65 Millionen aus: 35 Millionen jetzt, weitere 30 Millionen am 15. August. Bleibt das Geld aus, steht weiterhin eine Pfändung von Windhorsts dt i hm Hertha-Anteilen im c S Raum. Die Wirtschaftswoche berichtet in ihrer aktuellen Ausgabe, Windhorsts Außenstände würden sich „auf insgesamt 2,5 Milliarden Euro summieren, verpackt in zig Anleihen“. Windhorst, der 2019 für 224 Millionen Euro zunächst 49,9 Prozent der Hertha BSC GmbH & Co. KGaA erworben hatte und im Sommer 2020 zusagte, mit weiteren 150 Millionen seinen Anteil auf 66,6 Prozent aufzustocken, sagt in der Wirtschaftswoche: „Es ist manches anders, als wir es uns vorgestellt haben.“ Der Eindruck ist beidseitig. Seit einem Jahr wurde der für die 150 Millionen ausgearbeitete Zahlungsplan mehrfach angepasst. Die Sechs-Seiten-Story der Wirtschaftswoche über Stehaufmann Windhorst trägt die Überschrift: „Sein Endspiel.“ Bei Hertha hegen sie auch unter Bobic den Traum vom Endspiel: im DFB-Pokal – nicht beim Ringen um vertraglich fixierte Zahlungen.
24 5. JULI 2021 „Das Knie fühlt sich gut an wie lange nicht“ Kölns Stürmer kämpft mit einer hartnäckigen Blessur. S E B ASTI A N A N D E R SS ON (29) sieht aber nun Fortschritte. Sie haben am Samstag Ihren Medizincheck absolviert, Herr Andersson. Wie geht’s, was macht vor allem das Knie? Alles okay. Es waren die üblichen Tests vor Beginn der Vorbereitung: Fahrrad fahren, Herzcheck und diese Dinge. Die liefen gut. Das heißt, Sie steigen an diesem Montag mit ins Training ein, wenn der FC die Vorbereitung aufnimmt? Nein, noch nicht. Ich werde es in den ersten Tagen noch etwas langsamer angehen lassen, aber danach mit dem Team trainieren. Interims-Sportchef Jörg Jakobs berichtete zuletzt, dass Sie Ihr Knie einer „speziellen Therapie“ unterzogen hätten. Was hat es damit auf sich? Ich war in Belgien, habe dort mit einem Fitness-Trainer gearbeitet. Es war keine spezielle Therapie, sondern normales Reha-Training, um die Muskulatur zu stärken, um dadurch das Knie zu entlasten. Hat das die Probleme behoben? Wie belastbar ist Ihr Knie? Ich habe jetzt natürlich wochenlang keinen Fußball gespielt. Aber das Knie ist momentan sehr stabil, es fühlt sich sehr gut an. Sie kämpfen seit Monaten mit der Verletzung. Können Sie garantieren, dass das Knie nun halten wird? Garantieren kann ich nichts. Aber ich bin sehr zuversichtlich. Die vergangene Saison war natürlich sehr schwierig. Ich habe mich oft gefragt, was los ist, warum es nicht besser wurde. Erst am Saisonende ging es „Garantieren kann ich nichts, aber ich bin sehr zuversichtlich.“ dann etwas aufwärts mit dem Knie. Jetzt, nach einigen Wochen Pause und dem Reha-Training, ist es viel, viel besser. Das Knie fühlt sich so gut wie schon lange nicht mehr an. Aber ich kann nicht zu 100 Prozent versprechen, dass es wieder wie früher sein wird. Wie bedrohlich ist diese Verletzung? Haben Sie ans Karriereende gedacht? Nein, habe ich nie, und ich habe auch nie gehört, dass jemand zu mir gesagt hat, dass ich meine Karriere beenden muss. Wie gefährlich ist die Verletzung also? Ich konnte in der vergangenen Saison nie 90 oder 100 Prozent geben. Es war sehr lästig. Dann macht es irgendwann einfach keinen Sinn mehr zu spielen. Ich will der beste Sebastian Andersson sein, der ich sein kann. Sonst funktioniert es nicht. Können Sie bestätigen, dass ein Knorpelschaden die Probleme verursacht? Ich möchte nicht ins Detail gehen, sonst sage ich noch etwas Falsches. Es ist kompliziert. Die Ärzte müssten das erklären. Letztes Jahr wurde mir gesagt, es seien die Nerven, da war ich in München zu einer Nervenbehandlung. Später hieß es, es sei dieses oder jenes, oder das oder das. Ich weiß schon gar nicht mehr, was genau es sein soll … Ich habe jetzt jedenfalls meine ganze Sommerpause genutzt, um erst mal runterzufahren und dann das Knie gezielt zu stärken, um die gleiche Kraft wieder in meinem rechten Bein zu haben wie im linken. Was genau haben Sie in Belgien gemacht? War oder ist eine Stammzellentherapie auch ein Thema? Nein, eine Stammzellentherapie ist für mich keine Option. Ich habe auch mit keinem Arzt darüber gesprochen. Ich weiß auch gar nicht genau, was das ist. Bei der Therapie in Belgien ging es nur um Muskelaufbau. Ich habe in der vergangenen Saison viel Kraft und Muskeln im rechten Bein verloren, weil ich es geschont und weniger trainiert habe. Deshalb musste ich das jetzt nachholen. Jörg Jakobs sagte, dass man abwarten müsse, ob die jüngste Therapie Ihr Knie stabilisiere. In eine ähnliche Richtung äußerte sich auch Steffen Baumgart, Ihr neuer Trainer, bei seiner Vorstellung am Donnerstag. Es herrscht also Ungewissheit. Zudem sucht der Klub einen neuen Stürmer. Inwieweit spüren Sie noch das Vertrauen Ihres Arbeitgebers? Nach der vergangenen Saison wollen sie nicht noch einmal in der Situation sein, dass sie sich nur auf mich verlassen müssen. Das ist doch klar. Ich verstehe deshalb, dass sie einen weiteren Stürmer haben wollen. Ich muss ihnen nun beweisen, dass ich fit bin und sie auf mich zählen können. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit dem neuen Trainer. Ich weiß, dass seine Spielweise für offensive Spieler wie mich gut ist. Wie gesagt: Ich bin sehr zuversichtlich. In Ihren zwei Jahren bei Union Berlin haben Sie 67 von 68 möglichen Ligapartien bestritten. Seit Ihrem Wechsel nach Köln macht Ihnen allerdings das Knie zu schaffen. Woher kommen die Probleme? Keine Ahnung. Verletzungen gehören zum Sport dazu. Das ist so, macht es aber nicht einfacher sie zu ertragen, wenn es dich dann erwischt – insbesondere, wenn es nach einem Wechsel zu einem neuen Klub passiert. Du willst ja spielen, du willst dich beweisen. Das ging nicht. Ich habe eine schwere Zeit hinter mir, vor allem mental. Aber ich hoffe, dass das Knie nun besser ist – und ich fühle, dass es besser ist. Während des ersten Lockdowns, im Frühjahr 2020, da spielten Sie noch für Union und waren verletzt. Damals hieß es, es sei eine Knieverletzung. War das dieselbe Verletzung, die Sie später nach Ihrem Wechsel nach Köln immer wieder außer Gefecht gesetzt hat? Nein, das hatte mit dem Knie nichts zu tun. Damals ging es um eine Muskelverletzung in meiner hinteren Wade. INTERVIEW: JAN REINOLD Foto: Bopp Es ist dieser Tage mal wieder viel von Hoffnung die Rede in Köln. Der Hoffnung auf bessere Zeiten, der Hoffnung auf einen erfolgreichen Neustart unter dem neuen Trainer Steffen Baumgart, nicht zuletzt der Hoffnung, dass Sebastian Anderssons Knie hält. Der Schwede, vor einem Jahr für rund sechs Millionen Euro von Union Berlin verpflichtet, hat ein Seuchenjahr hinter sich. Über seine Knieprobleme und seine Zukunft beim 1. FC Köln spricht der Angreifer im Interview.
[STRG]+[ALT]+D XX. XXXX 20XX FREIBURG 25 Noch kein Neuzugang, aber ein ausgeruhter Trainer An diesem Montag startet der SC Freiburg in die Vorbereitung – ohne externen Neuzugang. „Das große Bild bei uns passt“, freut sich Sportvorstand Jochen Saier angesichts des zuletzt starken Abschneidens auf Rang 10: „Wir halten die Gruppe zusammen, haben dadurch ein gutes Fundament, das wir punktuell ergänzen und damit optimieren wollen.“ Anders als nach dem 8. Platz 2020, als Alexander Schwolow, Robin Koch, Luca Waldschmidt und Mike Frantz gingen, verlässt diesmal wahrscheinlich kein Schlüsselspieler den SC. Als Ersatz für die Ergänzungsspieler Chang-Hoon Kwon (Suwon Blue Wings) und Guus Til (nun von Stammverein Spartak Moskau an Feyenoord Rotterdam verliehen) erscheint nur die Verpflichtung eines Offensivspielers nötig. Wie bei einem möglichen zweiten Zugang können die Verantwortlichen ohne großen Handlungsdruck fallende Preise abwarten. Wichtiger als ein guter neuer Spieler ist laut Saier beim durch gute inhaltliche Arbeit geprägten SC ohnehin ein ausgeruhter Trainerstab um Christian Streich, der während der Saison oft am energetischen Limit wandelt. Diese Voraussetzung sei durch die knapp sechswöchige Pause erfüllt. Für Saier und die BIELEF E L D übrige Klubführung gilt das nicht unbedingt: „Es waren eineinhalb extrem intensive Jahre, aber es ebbt nicht ab. Der Corona-Spielbetrieb wird uns weiter begleiten, hinzu kommt der geplante Umzug ins neue Stadion und die erstmalige Kombination mit unserer U 23 in der 3. Liga. Die nächste Zeit wird vielleicht noch intensiver“, mutmaßt der 43-Jährige, der mit Sportdirektor Klemens Hartenbach aber bereits für Entlastung des Gehaltsetats gesorgt hat. Die zuletzt verliehenen Brandon Borrello (Dresden), Chima Okoroji (Sandhausen), Amir Abrashi (GC Zürich) und Florian Kath (Magdeburg) wurden allesamt fix abgegeben. Eine überraschende Wende hat sich derweil bei den zwei geplanten Olympia-Abstellungen ergeben. Sowohl Woo-Yeong Jeong als auch Keven Schlotterbeck zählen nach kickerInformationen nun doch nicht zum Kreis der Nominierten. Da Jeong nach der Saison kaum Pause hatte und sich mit Südkoreas Auswahl schon in einem Vor-Trainingslager befand, bekommt er bis zum Start des Freiburger Trainingslagers am 15. Juli frei. Einen Tag vorher sollen auch die EM-Fahrer Christian Günter (Deutschland), Philipp Lienhart (Österreich) und Roland Sallai (Ungarn) wieder einsteigen. CARSTEN SCHRÖTER-LORENZ Offene Zukunft des Verteidigers FÜRTH Foto: imago images Lauern auf fallende Preise Selten so entspannt an der Seitenlinie zu sehen: Für SC-Trainer Christian Streich geht es wieder in die Vollen. Ein Schwerpunkt in der Vorbereitung Pieper bleibt nur kurz Leitl lehrt die Defensive Der erste Test lief nicht gut für Arminia Bielefeld, über Twitter sah sich der Klub gar bemüßigt, während des Spiels gegen Drittligist SC Verl festzustellen, dass der Gegner schon in drei Wochen in die neue Saison startet, während es für den DSC der erste Test nach nur wenigen Trainingstagen war. Dennoch: Am Ende stand ein 0:3 aus Sicht des Bundesligisten, mit dem Trainer Frank Kramer nicht einverstanden sein konnte. „Natürlich haben wir uns das anders vorgestellt“, sagte der 49-Jährige. „Man hat gemerkt, dass vieles noch nicht eingespielt ist – wir haben in allen Bereichen noch gut Luft nach oben.“ Kramer setzt auf den Lerneffekt: „Ich finde es gut, dass wir jetzt einen Gegner hatten, der unsere Fehler bestraft hat. Nur so kommen wir weiter.“ Noch nicht mit dabei war in Verl Amos Pieper (Foto), der nach seinem erfolgreichen Einsatz und dem Titelgewinn bei der U-21-Europameisterschaft erst in dieser Woche ins Training einsteigt – und sich in Kürze 300 Zuschauer im Stadion begrüßten die 21 Feldspieler und vier Torhüter sowie das Trainerteam um Stefan Leitl am Samstagnachmittag beim Trainingsauftakt mit viel Applaus und Jubel. Verdiente Anerkennung für das Geleistete, ab sofort legt die SpVgg jedoch sämtliche Energie auf das Ziel Klassenerhalt. Ein Schwerpunkt in der Vorbereitung wird für Leitl deshalb auf der Defensivarbeit liegen: „Wir müssen noch besser verteidigen als in der 2. Liga, weil die individuelle Qualität in der Bundesliga deutlich höher ist.“ 44 Gegentreffer zuletzt waren zwar der drittbeste Wert in der 2. Liga, zeigen aber auch deutlich das Verbesserungspotenzial in diesem Bereich. Mithelfen soll Gideon Jung. „Es ist eine Herausforderung für jeden Einzelnen, aber auch eine Chance, sich mit den Besten in Deutschland zu messen“, sagt der Neuzugang vom HSV zur Bundesliga. Den 26-Jährigen plant Leitl zunächst in der Innenverteidigung ein, weil hier das Personal knapp ist. schon wieder verabschiedet. Pieper gehört zum deutschen OlympiaKader, Stefan Kuntz setzt wie in der U 21 auf die Qualitäten des Bielefelder Innenverteidigers, der auf eine gelungene Debütsaison in der Bundesliga zurückblicken kann. 30 Spiele absolvierte der 23-Jährige, 2019 von Borussia Dortmund gekommen, und gehörte letztlich zu den Garanten für den Klassenerhalt. Was jedoch auch Fragen nach der Zukunft aufwirft: Piepers Vertrag läuft in einem Jahr aus, der 1,92-Meter-Verteidiger hat sich in so manches Notizbuch gespielt und könnte für sich jetzt auch noch die Olympia-Bühne nutzen. Jedoch: Der Transfermarkt steht aktuell weitgehend still, entsprechend geht die Tendenz derzeit in die Richtung eines Verbleibs in Bielefeld, wo sich der Abwehrspieler auch wohlfühlt. Gespräche über eine Vertragsverlängerung wurden von Vereinsseite bislang noch nicht vertieft. Vorgesorgt hat die Arminia jedenfalls schon jetzt: Mit Guilherme Ramos kam ein neuer Innenverteidiger, der am Samstag beim Fehlstart in die Vorbereitung in Verl sein Debüt gab. THOMAS HIETE Die Suche nach Verstärkung in diesem Mannschaftsteil läuft. Da Jung auch im defensiven Mittelfeld spielen kann, nennt Leitl diesen Transfer eine „Win-win-Situation für uns“. Sehr zufrieden ist der Coach mit den Ergebnissen der Leistungstests. „Im Grundlagenbereich haben wir nahezu die ganzen Themen abgearbeitet. Die Mannschaft ist physisch auf einem sehr guten Level, deutlich weiter als vor einem Jahr.“ Heißt, Trainer und Team können sofort das Thema Defensive angehen, ehe zum Ende der Vorbereitung ein anderer Schwerpunkt gesetzt wird. „Dann werden wir viel mit eigenem Ballbesitz arbeiten, um unseren Prinzipien und unserer Spielweise treu zu bleiben“, kündigt Leitl an. Für den Klassenerhalt muss der Spagat gelingen, weiterhin forsch und frech zu agieren, die tollen spielerischen Ansätze aus dem Aufstiegsjahr eine Klasse höher durchzubringen, gleichzeitig aber weniger Chancen und damit Gegentreffer zuzulassen. Dann besteht eine realistische Chance auf ein zweites Jahr Bundesliga. Und das wäre eine noch größere Sensation als der Aufstieg. FRANK LINKESCH
26 5. JULI 2021 Borré erfüllt Glasners Forderung Auf den Abgang von Torjäger Silva reagiert F R A N KF U RT mit einem anderen Stürmertypen. Dessen Tempo spielt eine zentrale Rolle. Foto: Getty Images/Meier Überraschender als der Verkauf von André Silva an sich kam im Zuge des Transfers zu RB Leipzig diese Bestätigung: Eintrachts Toptorjäger besaß eben doch eine Ausstiegsklausel im bis 2023 laufenden Arbeitspapier. Sportvorstand Markus Krösche erklärte in der offiziellen Pressemitteilung, „der Spieler (habe) eine entsprechende Option im Vertrag gezogen“. Als im Frühjahr von der Klausel gerüchteweise die Rede war, dementierte manch Klubverantwortlicher noch entschieden. Nun kommt die Info gerade recht, entkräftet sie doch den möglichen Vorwurf, man habe seinen Star bei einer Ablöse von 23 Millionen Euro auch in Corona-Zeiten zu billig abgegeben. Und das just an Krösches Ex-Arbeitgeber RB, für einen Großteil der Neuer Anlauf in Europa: Nachdem es 2015 bei Atletico Madrid und diversen Leihstationen Frankfurter Fanszene bekanntlich ein rotes Tuch. nicht geklappt hat, soll Rafael Santos Borré jetzt bei der Eintracht durchstarten. Über den Verlust hinwegtrösten soll die Anhänger Rafael Santos Borré, dessen Verpflichtung nur noch Milans Hauge ist ein Heimatklub zurückverliehen. firmieren, verkörpert es doch eher eine hängende Formsache ist. Diesen Mittwoch 2016/17 folgte ein weiteres LeihSpitze bzw. „falsche Neun“. Dafür bringt Borré – übtrifft der Kolumbianer mit sei- Kandidat – unabhängig geschäft mit dem FC Villarreal, rigens im Gegensatz zu Silva – fraglos jenes Tempo vom Fall Filip Kostic. in 17 Liga- und 7 Europa-League- mit, das Trainer Oliver Glasner an vorderster Front nem Nationalteam im Halbfinale der Copa America auf die Einsätzen gelangen Borré je zwei ausdrücklich fordert. Dass darüber hinaus noch ein Vertretung seiner bisherigen Treffer. Atletico selbst ließ den klassischer Mittelstürmer kommt, bleibt möglich, Wahlheimat Argentinien. Borrés Vertrag bei ReAngreifer in offiziellen Wettbewerben gar nicht genießt aber offenbar keine Priorität. Intensiver nommierklub River Plate lief Ende Juni aus, seit ran, transferierte ihn 2017 für kolportierte drei Milbeschäftigen sich Krösche und Co. derzeit mit 2017 sind dort für ihn 56 Tore und 18 Assists in lionen Euro an River Plate. Dort weckte er wieder dem norwegischen Linksaußen Jens Petter Hau149 Pflichtspielen registriert. Nun fühlt sich der die Aufmerksamkeit europäischer Klubs wie Fege (21) vom AC Milan (Vertrag bis 2025). Und das 25-Jährige bereit für seinen zweiten Anlauf in einer nerbahce Istanbul, FC Watford oder Feyenoord unabhängig von der Personalie Filip Kostic. Der europäischen Topliga. 2015 hatte Atletico Madrid Rotterdam – und entschied sich für die Eintracht. Topvorbereiter soll in jedem Fall gehalten werden – den damals 19-Jährigen von Deportivo Cali geholt, Als „Nachfolger“ für Silva kann das 1,74 Meter und dem Vernehmen nach keine Ausstiegsklausel ihn aber direkt für eine weitere Saison an seinen kleine 70-Kilo-Leichtgewicht freilich nur bedingt besitzen … THIEMO MÜLLER AU GS B UR G Janker nun Leiter der Lizenzspielerabteilung – Höhere Durchlässigkeit als Ziel Torwarttalent Klein als Signal für die Zukunft Auf der einen Seite ist es nur ein Tausch auf der Position des dritten Torhüters. Auf der anderen Seite auch ein Signal für die Zukunft. Der FC Augsburg hat mit der Verpflichtung von Daniel Klein (Foto) von der TSG Hoffenheim sein Torhüter-Trio für die neue Saison komplettiert. Benjamin Leneis, die bisherige Nummer 3 hinter Stammkeeper Rafal Gikiewicz und Ersatzmann Tomas Koubek, verlängerte bis 2024 und wird für ein Jahr an Drittligist Magdeburg verliehen. Der 20-jährige Klein durchlief von der U 15 bis zur U 19 die Juniorenteams des DFB und absolvierte insgesamt 13 U-Länderspiele. Der gebürtige Heidelberger galt phasenweise als eines der größten Torwarttalente Deutschlands, seine Entwicklung geriet zuletzt aber ins Stocken. Auch weil ihn im Herbst 2019 ein Mittelhandbruch und dessen Folgen fast ein Jahr lang außer Gefecht setzten. Bei der TSG verlor Klein den Kampf um den dritten Platz im Bundesligakader gegen Luca Philipp. Diese Delle in der Ent- wicklung gab dem FCA die Gelegenheit, den Nachwuchskeeper für 200 000 Euro zu verpflichten und bis 2025 zu binden. Nun muss sich zeigen, ob Klein in Augsburg Bundesligaformat entwickelt. Es ist nach Flügelspieler Lasse Günther (18), der ablösefrei aus der Jugend des FC Bayern kam und beim Trainingsstart wegen einer Knöchelverletzung noch kürzertreten musste, der zweite Augsburger Perspektivtransfer in diesem Sommer. Auch die Verpflichtung von Frederik Winther (20) fällt in diese Kategorie. Der dänische Verteidiger, bereits im Oktober 2020 verpflichtet, aber zunächst weiter an seinen bisherigen Klub Lyngby BK verliehen, ist nun ebenfalls neu in Augsburg. Der FCA will künftig mehr Talente – ob aus dem eigenen Nachwuchs oder von anderen Klubs – zu Profis entwickeln. Dabei mitwirken soll Ex-Profi Christoph Janker, der die neu geschaffene Stelle als Leiter der Lizenzspielerabteilung besetzt. Der 36-Jährige, zuvor als TalenteManager tätig, soll Bindeglied zwischen Profis und Nachwuchs sein. Ziel ist, die Durchlässigkeit zu erhöhen. DAVID BERNREUTHER
5. JULI 2021 27 Eisen für die Eisernen Spaß hatten wohl nur zwei. Zum einen Martin Krüger, bekannt als „Iron Martin“, der Athletik-Trainer des 1. FC Union, der seinen gestählten Oberkörper ausgesprochen aufrecht vor sich herträgt. Zum anderen Andreas Voglsammer, im Hauptberuf Stürmer, dazu mit einer Leidenschaft gesegnet, die unter Fußballprofis eher selten zu finden ist. „Ich“, bekennt Voglsammer, „mache gerne Krafttraining. Andere muss man hinprügeln. Mir macht’s Spaß.“ Freude pur hat zwar auch Unions neuer Stürmer nicht empfunden, als am Freitagnachmittag, in der zweiten Einheit des Tages im Kurztrainingslager in Bad Saarow, Krügers berüchtigter Kraftzirkel zu absolvieren war. Dazu geriet das Programm zu anstrengend. Aber Voglsammer vermittelte zumindest den Eindruck, als habe er deutlich weniger als viele Teamkollegen zu leiden gehabt. Kein Wunder, denn das 1,78 Meter große und 81 Kilogramm schwere Kraftpaket MAINZ legt seit Jahren viel Wert auf Extratraining und Robustheit. „Mir ist das wichtig, sonst fühle ich mich nicht gut, sonst kann ich meine Leistung nicht abrufen. Deshalb wird da auch immer noch ordentlich zusätzlich geschuftet“, erklärt Voglsammer, dessen Eigenbeschreibung lautet: „Ich bin jetzt kein Filigrantechniker, deshalb fühle ich mich vielleicht beim Eisen wohler.“ Nach fünfeinhalb Jahren bei Arminia Bielefeld entschloss sich Voglsammer zu einem Tapetenwechsel, nun stemmt er – Achtung: Wortspiel – seine Eisen bei den Eisernen. Das ist ein Wechsel, übrigens ablösefrei, der überraschen mag, schließlich war der Angreifer bei den Ostwestfalen gesetzt, außerdem trennen beide Klubs keine Welten. Aber „Union ist in den letzten Jahren den stabileren Weg gegangen. Sie sind generell einfach ein, zwei Schritte voraus“, sagt Voglsammer und erklärt: „Ich habe mich in Bielefeld mega wohlgefühlt, es war alles superschön. Foto: M. Koch Mit den Stürmern Kevin Behrens und Andreas Voglsammer holt U NIO N ein Duo, das für Wucht und Wille steht. „Ich bin kein Filigrantechniker“: Andreas Voglsammer arbeitet stets an Kraft und Fitness, um seine Stärken ausspielen zu können. Aber es ist Zeit geworden, dass ich was Neues sehe.“ In Köpenick ist der dynamische und wuchtige Bayer nun Teil der neuen Offensive, zu der auch Kevin Behrens gehört. Der 30-Jährige steht ähnlich wie Voglsammer für Einsatzbereitschaft und körperliche Präsenz, das sollte also zur Spielweise des FCU passen, der für seine Gegner gerne „eklig“ sein will, wie nicht nur Trainer Urs Fischer oft sagt. Insbesondere bei Behrens kommt hinzu, dass der ablösefreie Zugang von Zweitligist SV Sandhausen, der vor gut drei Jahren noch in der Regionalliga spielte und die Bundesliga nur als Beobachter kennt, sich bei und mit Union in der 1. Liga beweisen will. Damit folgt er (aber auch Voglsammer mit seinen erst 18 Bundesligaeinsätzen) Spielern wie Robert Andrich oder Sebastian Griesbeck, die in den Vorjahren als Bundesliga-Novizen zu Union kamen. Saturiertheit ist da unwahrscheinlich. JAN REINOLD Ji vor dem Absprung – Svensson und Heidel legen gesteigerten Wert auf Identifikation Warum EM-Starter Quaison keine Zukunft hat 2019/20 war Robin Quaison mit 13 Bundesligatoren der erfolgreichste Torschütze von Mainz 05. In der vergangenen Saison kam er nach einer Knieverletzung auf sechs Tore. Treffsicherer war nur Jean-Philippe Mateta, der inzwischen in England spielt. Trotzdem ließ der FSV den Vertrag mit dem schwedischen Nationalspieler Quaison sang- und klanglos auslaufen, stellte die Bemühungen um den 27-Jährigen ein. Aus Sicht von Trainer Bo Svensson und Sport- vorstand Christian Heidel fehlte ein Zeichen seitens des Spielers, dass er unbedingt in Mainz bleiben möchte. Die 05er wollen kein Notnagel sein für den Fall, dass Quaison nichts Besseres findet. „Wir möchten das Gefühl haben, dass ein Spieler unbedingt bleiben will. Dieses Gefühl hatten wir nicht“, sagt Heidel unmissverständlich. Bei den Gesprächen zum Saisonende entstand bei den 05-Verantwortlichen eher ein gegenteiliger Eindruck. „Ich glaube, dass in seinem Kopf ein Wechsel ansteht, was nach Aus- laufen des Vertrags auch völlig legitim ist, aber dann wollen wir so einen Spieler auch nicht hier haben“, bekräftigt Heidel die Position des Vereins. Bei der EM war Quaison in allen schwedischen Spielen am Ball (4 Einsätze/ 1 Torvorlage). „Wenn man so weit kommt, dann ist es auch ein Zeichen, dass die Zukunft für Robin woanders liegt“, meint Svensson. „Wir können nicht 16 oder 17 Topverdiener haben“, nennt Heidel einen weiteren Grund, warum sich die Wege trennen. Übrigens im Gegensatz zu Adam Szalai, der große Lust verspürt, eine weitere Saison in Mainz dranzuhängen und dafür eine Reduzierung des Gehalts in Kauf nimmt. Insgesamt ist der Klub dabei, seinen Kader zu verkleinern. Dabei zeichnet sich der nächste Abgang ab. Der Südkoreaner Dong-Won Ji steht vor einem Wechsel zum FC Seoul. MICHAEL EBERT ANZEIGE
28 5. JULI 2021 Neuer Angriff mit Silva Der Rekordtransfer soll für L EI PZI G ein entscheidender Mosaikstein im Ringen um den ersten Titel werden. Am Sonntag fand sich Jesse Marsch zenkönig geworden. 117 Torschüsse waren nach am Cottaweg ein. Im LeistungszentRobert Lewandowski (137) der zweitbeste Wert rum von RB Leipzig scharte der neue unter den Top-Torjägern der Liga, zudem schoss Coach seinen Stab um sich, um ihn der Portugiese am zweithäufigsten aufs Tor (alle für die kommenden Aufgaben einzuschwören. An 24 Minuten) und war der dritteffektivste Torjäger diesem Montag beginnt mit den medizinischen (alle 99 Minuten ein Treffer) nach Erling Haaland Tests die Vorbereitung auf die Saison, in der RB (alle 89) und Lewandowski (alle 60). erneut einen Angriff auf einen Titel starten will. Mit Silva verändert sich natürlich die Statik Offiziell gibt es zwar keine Kampfansagen in Richim Angriff von RB, der Zugang geht als klare tung Bayern München und Borussia Dortmund, Nummer eins in die Saison. Yussuf Poulsen aber die Verpflichtung von Angreifer André Silva wird nach kicker-Informationen bleiben, bei von Eintracht Frankfurt kann man getrost als Alexander Sörloth und Hee-Chan Hwang Beleg für die Ambitionen der Sachsen in Richtung ist das offen. Kommen passende AngeMeisterschaft oder Pokal werten. Der 23 Millionen bote, wird – speziell bei Sörloth – über Euro teure Rekordtransfer soll die Lücke schlieeinen Abgang nachgedacht, aber wegßen, die nach dem Abgang von Timo Werner zum geschickt werden soll kein Akteur. FC Chelsea 2020 als die entscheidende galt, wesDas gilt auch für Marcel Halstenhalb RB zuletzt den Bayern (in der Liga) und berg. Der Nationalverteidiger, dessen Dortmund (im Pokal) den Vortritt lassen musste. Vertrag bei RB noch bis 2022 läuft, In Silva hat RB nun einen Torjäger verpflichwäre ein Wechselkandidat, wenn tet, der anders als Werner kein sich der Transfer des Sprinter und somit nicht der geWolfsburgers MaxenDie Verpflichtung borene Konterstürmer ist. Aber ce Lacroix realisieren ist ein Beleg für die der 25-Jährige, der in Leipzig ließe. Grundsätzlich einen Vertrag bis 2026 unter- Ambitionen von RB. kann man bei RB aber schrieb, besticht mit Technik, in Ruhe abwarten. Mit Spielverständnis, HandlungsSilva, Brian Brobbey schnelligkeit und Abschlussstärke. Gerade weil (Ajax Amsterdam), Mohamed SimaRB unter Julian Nagelsmann in Sachen Ballbekan (RC Straßburg) und Josko Gvarsitzkultur deutliche Fortschritte gemacht hat und diol (Dinamo Zagreb) sind die Abgänzudem zuletzt oft auf tief stehende Kontrahenten ge ersetzt, zudem steht in Dominik traf, stehen Silvas Qualitäten dem Spiel gut zu Szoboszlai (RB Salzburg) – nach Gesicht. Die 28 Treffer des 1,85 Meter großen seinem Wechsel im Januar verStürmers aus der Vorsaison bedeuteten nicht nur letzungsbedingt noch ohne neuen Eintracht-Rekord (bisher Bernd Hölzenbein Einsatz – quasi ein weiterer mit 26 Toren in der Saison 1976/77), in 42 Bun„Zugang“ bereit. desliga-Saisons wäre Silva damit auch TorschütANDREAS HUNZINGER ST UT TG ART Youngster sollen die Lücken schließen, die Castro und Gonzalez hinterlassen haben Die Historie dient dem VfB Stuttgart als Warnung. Nach Platz 7 als Aufsteiger in der Saison 2017/18 stieg der VfB ein Jahr später ab. Auch jetzt, nach einem starken 9. Platz, bezeichnet Trainer Pellegrino Matarazzo das zweite Jahr als „besondere Herausforderung“. Weil die Aufstiegseuphorie und das Überraschungsmoment weg sind. Hinzu kommt, dass drei Schlüsselspieler den VfB verließen: Mit Kapitän Gonzalo Castro wurde nicht verlängert, Keeper Gregor Kobel wechselte für 15 Millionen Euro zum BVB, Angreifer Nicolas Gonzalez für 23,5 Millionen nach Florenz. Wirtschaftlich waren diese Transfers notwendig, sportlich kosten sie Substanz. Für Kobel gibt es mit Florian Müller, für fünf Millionen aus Mainz verpflichtet, einen designierten Nachfolger, der wegen seiner Olympia-Teilnahme allerdings den Großteil der Vorbereitung verpassen wird. Die Lücken, die Castro und Gonzalez hinterlassen haben, sollen Youngster aus der zweiten Reihe schließen. „Wir haben viele Jungs in der Hinterhand“, ist Sportdirektor Sven Mislintat (Foto) überzeugt. Er baut auf Spieler wie den nun fest verpflichteten Naouirou Ahamada (19) im Zentrum sowie auf Tanguy Coulibaly (20), Roberto Massimo (20), Darko Churlinov (20) oder Momo Cissé (18) für die Flügel. „Wichtig ist, dass die Jungs den nächsten Entwicklungsschritt machen, aber auch den Platz haben, ihn gehen zu können“, sagt Mislintat und betont: „Wir trauen es allen zu, das ist das Hauptauswahlkriterium. Wir nehmen keinen dazu, wenn wir glauben, er ist nur ein Lückenfüller.“ Einen weiteren Rückschlag muss Lilian Egloff (18) verkraften, das Eigengewächs fällt nach einer Operation am Mittelfuß erneut mindestens sechs Wochen aus. Nicht ausgeschlossen ist nach wie vor, dass der umworbene Sasa Kalajdzic eine weitere Lücke in den Stuttgarter Kader reißt. Momentan gibt sich Mislintat zwar zuversichtlich, dass der Österreicher auch in der neuen Saison für den VfB stürmen wird. Doch im Poker um den Torjäger kann bis Ende August noch viel passieren. DAVID BERNREUTHER Foto: J. Huebner Mislintat baut auf die Talente aus der zweiten Reihe
5. JULI 2021 LEV ERKUS E N 29 Nächster Rückschlag für Alario Dringend gesucht: Schick in EM-Form Fotos: imago images (2) Es war ein Schmankerl der Deutlich stärker als in der WerksEM, ein Tor mit Übersicht elf präsentierte sich der 25-Jährige und ganz viel Gefühl. Aus im Nationaltrikot auch im Kombifast 50 Metern düpierte nationsspiel und zeigte seine Klasse Patrik Schick den schottischen Torim Abschluss. Daran muss der elehüter David Marshall mit einem feigante Angreifer anknüpfen, wenn nem Heber; eines von fünf Turniertoer demnächst beim neuen Trainer ren – bei fünf Einsätzen – des bei der Gerardo Seoane das zweiten Jahr EURO überragenden tschechischen unterm Bayer-Kreuz angeht. Stürmers. Seine Bilanz in Leverkusen Wie Schick, so wollte sich auch nimmt sich dagegen mau aus. Hier Sturm-Kollege Lucas Alario bei seiner hat der vor einem Jahr für 26,5 MilNationalmannschaft neues Selbstlionen von RB Leipzig gekommene vertrauen holen, doch stattdessen Angreifer noch deutlich Luft nach erlitt der argentinische Angreifer oben, auch wenn er in seinem zweieinen erneuten Rückschlag. Wegen ten Halbjahr bei der Werkself schon einer Sehnenverletzung hatte er eine aufsteigende Tendenz zeigte. schon den Liga-Endspurt verpasst, Nach den jüngsten internationalen war dennoch für die Copa America Auftritten ist aber auch klar: Da geht nominiert worden, wurde allerdings noch deutlich mehr. nicht rechtzeitig fit. Dann sollte der „In der Nationalmannschaft“, 28-Jährige als älterer Profi mit der findet Simon Rolfes, „ist er immer U 23 für Argentinien bei Olympia ein Anspielpunkt. Mehr eingebunam Ball sein, doch auch daraus wird den zu sein, kommt seiner Art entnichts. Wie der Verband nun mitteilgegen.“ Auf Leverkusen bezogen te, hat sich Alario „ein Muskelverletbedeutet das für den Sportdirektor: zung zweiten Grades“ zugezogen, „In dieser Hinsicht hatten wir einige zudem seien die Adduktoren leicht Schwierigkeiten, auch weil unser gezerrt, heißt es. Wann Alario nach Offensivspiel in der Rückrunde sehr seiner Zwangspause in Leverkusen starr war.“ Bei der EM dagegen taute das Training aufnehmen kann, ist Schick sichtlich auf, nachdem er in noch nicht bekannt. OLIVER BITTER der Bundesliga-Rückrunde (mit nur vier Treffern) deutlich unter seinen Eine Story über Bayer-Coach Möglichkeiten geblieben war. „Ich Gerardo Seoane lesen Sie bin überzeugt, dass er das, was er in auf den Seiten 16 bis 18 den letzten Wochen bei der EM gezeigt hat, auch bei uns zeigen wird“, sagt Rolfes. „Er ist ein wichtiger Spieler für uns, kopfballstark und mit einer super Schusstechnik.“ Was er allerdings selten zeigte. Insgesamt, so das Urteil des Ex-Nationalspielers „hat Patrick sich in der Rückrunde schon verbessert, ist stabiler geworden und hat mehr für die Mannschaft gearbeitet“. Körperlich robuster kam der Stürmer schon in der Schlussphase der Saison daher, hat intensiv vor allem an der Rumpfmuskulatur gearbeitet und auch deutlich mehr Bereitschaft gezeigt, nach Ballverlusten in der Defensive sehr aktiv mitzuhelfen. „Daran wird er weiter arbeiten müssen“, Torgarant: So wie hier will und soll Patrik Schick fortan auch im Bayer-Trikot vermehrt jubeln. so Rolfes. Titelverteidiger: Borussia Dortmund trifft in der 1. Hauptrunde des DFB-Pokals auf den Drittligisten SV Wehen Wiesbaden. DFB-P OKAL 2 0 2 1 /2 2 : DI E 1. RU ND E Dass sich bisweilen eine Loskugel nicht öffnen ließ – geschenkt. Dass am Schluss einer Auslosung sogar mal eine Kugelhälfte fehlte – frag nach bei Frau Kumbernuss … Nun gab’s ein neues Kuriosum. So befand sich mit den 31 Kugeln mit den Vereinsnamen eine neutrale im „Amateurtopf“, und der VfB Stuttgart blieb ohne konkreten Gegner, denn: Der Berliner Fußball-Verbandes (BFV) hatte den Viertligisten BFC Dynamo als Landespokalsieger gemeldet, ein (namentlich nicht genannter) Berliner Verein Revision beim DFB-Bundesgericht gegen eben diese Benennung durch den BFV eingelegt. Im Hinblick auf dieses anhängige Verfahren wurde lediglich der Teilnehmer aus dem Bereich des Berliner Fußball-Verbandes gelost. 2. BUNDESLIGA GEGEN BUNDESLIGA SV Sandhausen – RB Leipzig 3. LIGA GEGEN BUNDESLIGA SV Meppen – Hertha BSC FC Viktoria Köln – TSG Hoffenheim 1. FC Kaiserslautern – Borussia Mönchengladbach Würzburger Kickers – SC Freiburg SV Waldhof Mannheim – Eintracht Frankfurt SV Wehen Wiesbaden – Borussia Dortmund Türkgücü München – 1. FC Union Berlin REGIONALLIGA GEGEN BUNDESLIGA SV Babelsberg 03 – SpVgg Greuther Fürth 1. FC Lokomotive Leipzig – Bayer 04 Leverkusen SV Elversberg – 1. FSV Mainz 05 SpVgg Bayreuth – Arminia Bielefeld Carl Zeiss Jena – 1. FC Köln Wuppertaler SV – VfL Bochum Preußen Münster – VfL Wolfsburg VERTRETER BERLINER FUSSBALL-VERBAND GEGEN BUNDESLIGA Vertreter Berliner Fußball-Verband – VfB Stuttgart OBERLIGA GEGEN BUNDESLIGA Bremer SV – Bayern München Greifswalder FC – FC Augsburg 2. BUNDESLIGA GEGEN 2. BUNDESLIGA FC Ingolstadt 04 – Erzgebirge Aue Hansa Rostock – 1. FC Heidenheim Dynamo Dresden – SC Paderborn 07 3. LIGA GEGEN 2. BUNDESLIGA Eintracht Braunschweig – Hamburger SV VfL Osnabrück – Werder Bremen 1. FC Magdeburg – FC St. Pauli TSV München 1860 – SV Darmstadt 98 REGIONALLIGA GEGEN 2.BUNDESLIGA SSV Ulm 1846 – 1. FC Nürnberg SC Weiche Flensburg 08 – Holstein Kiel Sportfreunde Lotte – Karlsruher SC Eintracht Norderstedt – Hannover 96 FC Rot-Weiß Koblenz – Jahn Regensburg OBERLIGA GEGEN 2.BUNDESLIGA FC 08 Villingen – FC Schalke 04 VfL Oldenburg – Fortuna Düsseldorf TERMINE 1. Runde: 6. bis 9. August 2021 – 2. Runde: 26./27. Oktober 2021 – Achtelfinale: 18./19. Januar 2022 – Viertelfinale: 1./2. März 2022 – Halbfinale: 19./20. April 2022 – Endspiel: 21. Mai 2022 in Berlin
30 5. JULI 2021 B O CH UM Konkurrenz durch Asano und Co. Tesches Trümpfe: Balance und Routine Die Bilanz kann sich sehen lassen: Für Robert Tesche war es eine herausragende Saison. Unverzichtbar im zentralen Mittelfeld, trat er sogar als Torschütze auf, wenn es erforderlich war, und am Ende wählten ihn die Fans zum Spieler der Saison, noch vor Regisseur Robert Zulj und Torjäger Simon Zoller. Auch wenn sich Thomas Reis durchaus Gedanken macht, sein Mittelfeld neu zu ordnen, dürfte Tesche im Zentrum weiter zu den Platzhirschen gehören. Bezeichnend für seinen Wert: 33-mal war er in der Aufstiegssaison dabei, davon 29-mal in der Startelf, und ist für den kicker in der Rangliste der defensiven Mittelfeldspieler die Nummer eins vor seinem Teamkollegen Anthony Losilla. Ein ideales Gespann im Maschinenraum des Aufsteigers – auch in der Bundesliga? Da ist zweifellos mehr Tempo in allen Bereichen gefragt, auch deshalb denkt der Trainer über Alternativen zu seiner bisherigen Stammbesetzung nach. Allerdings ist Tesche als Stabilisator im Grunde genommen unverzichtbar und weiß im Kampf um einen Platz im Team viele Trümpfe auf seiner Seite, erst recht mit seiner neu entdeckten Qualität im Abschluss. Acht Tore gelangen ihm im Aufstiegsjahr, so viele wie noch nie in einer Saison. Als „enorm wichtigen Spieler für die Balance zwischen Defensive und Offensive“ bezeichnet Manager Sebastian Schindzielorz den Fleiß-Arbeiter, „er ist äußerst ballsicher und ein Stabilisator“. Und überdies bundesligaerfahren wie kein anderer im Kader nach 125 Einsätzen für Bielefeld, Düsseldorf und den HSV. Auf neue Konkurrenz muss sich der 34-Jährige dennoch einstellen, gerade im zentralen Mittelfeld rüstet Bochum auf. Mit Patrick Osterhage vom BVB II, der viel Talent mitbringt, aber lange verletzt war, mit Eduard Löwen, der auf der Sechs oder der Acht spielen könnte, und mit dem vielseitigen Japaner Takuma Asano, der noch bis Mitte Juni im Länderspieleinsatz war und sich am Montag erstmals im Training in Bochum präsentiert. Den deutschen Fußball kennt der dribbelstarke Asano schon aus seiner Zeit beim VfB Stuttgart und bei Hannover 96; zuletzt spielte er bei Partizan Belgrad, löste dort aber seinen Vertrag wegen ausstehender Gehaltszahlungen auf. Mit Asano tummeln sich annähernd 30 Spieler beim Training; diesen Kreis möchte Reis reduzieren. „Wir planen mit 22 oder 23 Feldspielern und führen Gespräche mit den Jungs, die nicht mit ins Trainingslager fahren. Die müssen Bescheid wissen.“ OLIVER BITTER Starke Saison: Robert Tesche stand in der Rangliste des kicker ganz oben. Der Prozess um die Altersgrenze Selbst will MANUEL G R ÄF E (47) auch bei einem Erfolg nicht mehr pfeifen, weitreichende Folgen für das Schiedsrichterwesen hingegen sind nicht ausgeschlossen. A m 22. Mai lief Manuel Gräfe nem Prozessgewinn nicht einseitig durch ein Spalier von klaterzwingen. Wohl auch deshalb sagt schenden Dortmunder und Gräfe: „Ich selbst werde nicht mehr Leverkusener Spielern. Ein außerpfeifen, auch wenn ich mit meiner gewöhnlicher Abschied für einen Klage Erfolg haben sollte.“ Die AlSchiedsrichter. Trotz einiger Appelle tersgrenze betreffe nicht nur ihn. Er von Profis, Klub- und Medienvertrenennt die gleichaltrigen Guido Winktern pfiff der DFB die aktive Karriere mann und Markus Schmidt und sagt: des nationalen Top-Referees nach „In fünf Jahren soll Deniz Aytekin unter anderem 289 Bundesligaeinaufhören. In der Regionalliga wird sätzen ab. Der Grund: die traditionelmanchem 25-Jährigen mitgeteilt, le Altersgrenze von 47 Jahren. dass er bald aufsteigen müsse, sonst Gegen diese geht Gräfe nun sei er zu alt. So geben viele perspekjuristisch vor und wird damit wotivlos und frustriert auf.“ möglich für enorme Veränderungen Eine weitere Motivation räumt im hiesigen Schiedsrichterwesen sorGräfe ebenso ein: „Natürlich gibt es gen. „Ich verklage den DFB wegen Alauch finanzielle Verluste, ich werde tersdiskriminierung. Der DFB nimmt versuchen, wenigstens diese geltend mir das, was mir Freude macht. Der zu machen.“ Zuletzt bekam Gräfe DFB behauptet, sich gegen Rassisneben 5000 Euro pro Bundesligaeinmus, Diskriminiesatz ein jährliches rung und für DiverGrundhonorar von Es geht auch sität einzusetzen. 70 000 Euro. um finanzielle Die Altersregel Egal, wie der Entschädigung. steht dem entgeProzess endet, fest gen. Beim DFB geht steht: Das Tisches zu wenig nach tuch zwischen Leistung“, erklärt Gräfe in einem Gräfe und der DFB-SchiedsrichterInterview mit dem Zeit-Magazin. führung um Lutz Michael Fröhlich Er selbst fühle sich so, als könist endgültig zerschnitten, eine Funkne er „bis 50 oder länger“ pfeifen. tion von Gräfe als VAR, Beobachter Gräfe ist von sich selbst und seiner oder Coach nicht mehr denkbar. Qualität überzeugt und attackiert die Dies macht Gräfe auch mit seiner Verbandsverantwortlichen scharf: harschen Kritik am damals als Lini„Jetzt hat der DFB mal einen guten – enrichter im Robert-Hoyzer-Skandal ich hoffe, ich darf das so sagen – und verwickelten Felix Zwayer deutlich: beliebten Schiri, und dann sortiert er „Wer einmal Geld angenommen und ihn aus, offenbar nur, weil er nicht zu Hoyzers Manipulation ein halbes allem Ja und Amen sagt. Leider änJahr verschwiegen hat, sollte keinen dern in diesem Verband Argumente Profifußball pfeifen.“ Zwayer leitet als nichts, sondern nur die SteuerfahnFIFA-Referee unter anderem Chamdung oder Richter.“ Solche werden pions-League-Spiele: „Da sind wir irgendwann im anstehenden Prozess wieder beim DFB. Der befördert Zwayein wegweisendes Urteil fällen. Gräer auch noch, trotz durchschnittlife werden von Rechtsexperten gute cher Leistungen“, schimpft Gräfe: Erfolgschancen eingeräumt (siehe „Mir bleibt es nun immerhin erspart, Gastbeitrag), eine Rückkehr auf den mich mit diesen Themen rumzuRasen könnte er aber selbst bei eischlagen.“ CARSTEN SCHRÖTER-LORENZ
MEINUNG Thiemo Müller Leiter Südwest-Redaktion Entscheidend ist das Ziel, nicht die Motivation D Er wollte, aber er durfte nicht mehr: Manuel Gräfe greift den DFB in harschen Tönen an. M anuel Gräfe hat Klage gegen den DFB wegen seines erzwungenen Ausscheidens als Bundesliga-Schiedsrichter erhoben. Sein Vorwurf lautet: Altersdiskriminierung. Abseits von Sympathiebekundungen aus der Welt des Fußballs stellt sich die Frage: Trägt seine Argumentation auch juristisch? Ich meine ja. 1Zwar ist unter Juristen umstrit- ten, ob Bundesliga-Schiedsrichter überhaupt „Arbeitnehmer“ sind. Die Rechtsprechung hat dies bisher verneint. In der vorliegenden Diskriminierungskonstellation spielt es aber keine entscheidende Rolle. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) schützt nämlich auch Nicht-Arbeitnehmer, also Selbstständige, wenn diesen der Zugang zur Erwerbstätigkeit diskriminierend verwehrt wird. Darunter fällt auch der verweigerte Folgevertrag für die nächste Saison zwischen dem DFB und seinem (Ex-)Schiedsrichter. Fotos: Witters, firo 1Vor Gericht wird sich der DFB möglicherweise damit verteidigen, nicht das Alter Herrn Gräfes habe den Ausschlag gegeben, sondern (vermeintliche) Leistungsdefizite. Das wird aber vergeblich sein, denn DFB-Vertreter haben sich bereits öffentlich auf die geltende „Altersgrenze 47“ berufen. Solche Äußerungen genügen laut AGG grundsätzlich, um eine Diskriminierung nachzuweisen. 1Natürlich ist nicht jede Ungleichbehandlung wegen des Alters auto- GASTBEITRAG Stephan Gräf Rechtswissenschaftler Gute Chancen für Gräfe matisch eine verbotene Diskriminierung. Sie kann durch ausreichend gewichtige Gründe gerechtfertigt sein. Der DFB verteidigt seine Altersgrenze mit der typischerweise abnehmenden Leistungsfähigkeit und der steigenden Verletzungsgefahr der Schiedsrichter. Das dürfte das Gericht kaum überzeugen. Denn es gibt eine diskriminierungsneutrale und durchaus praktikable Alternativlösung: Das Ausscheiden von Schiedsrichtern könnte vom Bestehen individueller Leistungstests abhängig gemacht werden, die der DFB bereits durchführt. Außerdem erscheint die Wahl gerade des Alters 47 mangels gesicherter medizinischer Erkenntnisse willkürlich. 1Ähnlich verhält es sich mit dem vom DFB ebenso ins Feld geführten Argument der Nachwuchsförderung. Es wird zwar grundsätzlich von den Gerichten als Rechtfertigungsgrund anerkannt – aber nur, wenn sich eine ausgewogene Altersstruktur nicht durch „mildere Mittel“ als durch starre Altersgrenzen verwirklichen lässt. Der DFB kann aber die Zahl der Schiedsrichter, die zugunsten des Nachwuchses ausscheiden sollen, ohne erheblichen Zusatzaufwand regulieren, indem er die Leistungsanforderungen an die Alt-Schiedsrichter anpasst. Der Leistungsgedanke muss auch insoweit Vorrang vor dem bloßen Alter haben. 1Die Erfolgschancen der Klage Gräfes stehen also durchaus gut. Er selbst will aber auch bei einem Prozessgewinn nicht mehr pfeifen – und könnte dies auch nicht erzwingen. Denn nach dem AGG kann sich ein diskriminierter Beschäftigter nicht wieder „einklagen“, sondern lediglich eine finanzielle Entschädigung verlangen – die allerdings im Fall Gräfe durchaus sechsstellig ausfallen könnte. Ohnehin können bis zu einem rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens Jahre vergehen. Weitreichender dürften die Folgen sein, die von einer Verurteilung des DFB über die Person Gräfes hinausgingen. Die „Altersgrenze 47“ wäre in diesem Fall nicht mehr zu halten. Davon profitierten auch nachfolgende Schiedsrichtergenerationen. Gräfe hätte dann nicht nur sportliche, sondern auch juristische Spuren hinterlassen. Dr. Stephan Gräf ist Juniorprofessor für Bürgerliches Recht und Arbeitsrecht an der Universität Konstanz. en Ton, den Manuel Gräfe im Interview mit dem Zeit-Magazin anschlägt, muss man sicher nicht goutieren. Zu formulieren, in ihm habe „der DFB mal einen guten und beliebten Schiri, und dann sortiert er ihn aus“, beinhaltet maximale Anmaßung gegenüber den (Ex-) Kollegen. Und die Behauptung, der Bannstrahl treffe ihn „offenbar nur, weil er nicht zu allem Ja und Amen sagt“, ist eine völlig haltlose Verschwörungstheorie. Gräfe muss Schluss machen, weil er die Altersgrenze erreicht hat. Wie schon etliche vor ihm, die ebenfalls eine schmerzliche Lücke hinterließen. Ein Paradebeispiel wäre Florian Meyer, heute Teil der Schiedsrichter-Führung des DFB, als Aktiver genau wie Gräfe ein herausragender Spielleiter und Kommunikator auf dem Feld. Dem heute 52-Jährigen indes fehlt jeder Hang zur Eigen-PR – weshalb sein Abschied 2016 geräuschlos verlief. DIE MOTIVE, die Gräfe zu seiner Klage bewegen, mögen also nicht alle ehrenwert, teils egoistisch und auch finanzieller Natur sein. Das Ziel, das er anstrebt, aber ist und bleibt ein hehres: Allein Leistung muss zählen, nicht das Alter. Dies ignorierte der DFB viel zu lange – und hat sich die ins Haus stehende Klage deshalb selbst zuzuschreiben. Gewinnt Gräfe vor Gericht, wird das Leben für die Verantwortlichen um Lutz Michael Fröhlich unbequemer. Vor allem gälte es bei nachlassender Leistung einzelner Referees künftig, knallharte und transparente Entscheidungen zu treffen, wo bisher die Altersgrenze so manchen „Problemfall“ automatisch löste. Dem Niveau der Schiedsrichterei auf Profi-Ebene könnte das nur guttun. Genau wie die Karrierefortsetzung künftiger Leistungsträger wie Gräfe.
32 5. JULI 2021 Er war NBA-Champion, hat sich über 20 Jahre fast täglich mit den weltbesten Basketballern gemessen und unzählige Millionen verdient. Dennoch schwärmt Weltstar Dirk Nowitzki von einem Ereignis, das durch das Vorrunden-Aus nicht erfolgreich lief: Olympia 2008 in Peking. Der deutsche Fahnenträger war beeindruckt von Treffen mit anderen Athleten, die oft fernab des Rampenlichts Höchstleistungen bringen, er genoss das Flair im olympischen Dorf und den Besuch anderer Wettkämpfe. Nun, Corona wird viele dieser Vorzüge bei den Ende Juli startenden, wegen der Pandemie um ein Jahr verschobenen Olympischen Spielen einschränken. Aber davon unabhängig stellt sich die Frage: Welchen Stellenwert hat Olympia im Fußball? Und welchen sollte dieser weltweit dominante, milliardenschwere Profisport dort einnehmen, wo vor allem sonst weniger beachtete Sportarten ihren großen Auftritt zelebrieren? Formell besteht seitens der FIFA für das olympische Fußballturnier der Männer, das vom 22. Juli bis 7. August in ganz Japan steigt, keine Abstellungspflicht. Die U-23-Regel, wonach nur drei Spieler im Kader älter sein dürfen – wegen der Verschiebung diesmal eine U-24-Regel –, verhindert, dass komplette A-Nationalteams antreten können. Eine sinnvolle Abgrenzung zur WM und Zweimal EM, nur einmal Olympia: Gladbachs Florian Neuhaus und Leipzigs Dani Olmo Eine Frage des Stellenwerts Das O LYMP ISCHE F USSBA LLT UR NIER genießt in Spanien hohe Bedeutung. In Deutschland sieht es anders aus. zu kontinentalen Titelkämpfen. Und ein Unterschied zum Basketball, wo es keine U-23-Regel gibt und Olympia auch für den Primus USA und seine NBA-Stars Vorrang vor einer WM hat. Im Fußball genießt das Turnier dennoch unterschiedliche Wertschätzung. In Deutschland scheint sie weiterhin nicht besonders hoch zu sein – trotz der Silbermedaille 2016 in Brasilien, als das deutsche Team dem Gastgeber um Superstar Neymar erst im Elfmeterschießen unterlag. Die Brasilianer feierten den Titel in Rio vor über 60 000 Zuschauern im Maracana fast wie einen WM-Triumph. Dabei hatten sie „nur“ ein zusam- D ER S OMME RFAH RP L A N 20 21 DE R 18 BU NDE SL IGI ST EN FC Bayern München Trainingsstart: 7. 7. Trainingslager: nicht geplant Testspiele: 1. FC Köln (17. 7., 16 Uhr, Villingen), Ajax Amsterdam (24. 7., 16.30 Uhr), Borussia Mönchengladbach (28. 7., 18 Uhr), SSC Neapel (31. 7., 16.30 Uhr, alle Allianz Arena) RB Leipzig Trainingsstart: 5. 7. Trainingslager: 25. 7. bis 1. 8. in Saalfelden (Österreich) Testspiele: AZ Alkmaar (17. 7., 18 Uhr) Montpellier HSC (23. 7., 18 Uhr, beide Cottaweg), 31.7. (Gegner, Uhrzeit und Ort offen) Borussia Dortmund Trainingslager: 23. bis 31. 7. in Bad Ragaz (Schweiz) Testspiele: beim FC Gießen (13. 7., 18.30 Uhr), Cup der Traditionen mit Spielen gegen Gastgeber MSV Duisburg und den VfL Bochum (17. 7., ab 15 Uhr), Athletic Bilbao (24. 7., St. Gallen), FC Bologna (30. 7., Altach, beide Uhrzeit offen) VfL Wolfsburg Trainingslager: 18. bis 24. 7. in Bad Waltersdorf (Österreich) Testspiele: Erzgebirge Aue (6. 7., 16 Uhr), Hansa Rostock (10. 7., 16 Uhr), Holstein Kiel (14. 7., Uhrzeit offen, alle AOK-Stadion), bei Olympique Lyon (17. 7., 21 Uhr), AS Monaco (24. 7., Uhrzeit und Ort offen) Eintracht Frankfurt Trainingslager: nicht geplant Testspiele: SV Wehen Wiesbaden (10. 7., 16 Uhr), SV Sandhausen (17. 7., 16 Uhr), RC Straßburg (24. 7., Uhrzeit offen, alle Deutsche Bank Park) – weitere in Planung Bayer 04 Leverkusen Trainingsstart: 6. 7. Trainingslager: 16. bis 23. 7. in Kaprun/ Zell am See (Österreich) Testspiele: SV Wehen Wiesbaden (14. 7., 17 Uhr, Ort offen), Dynamo Moskau (18. 7., 17 Uhr, Zell am See), FC Utrecht (28. 7., 16 Uhr, Ulrich-Haberland-Stadion) 1. FC Union Berlin Trainingslager: 19. bis 28. 7. in Oberlängenfeld (Österreich) Testspiele: Dukla Prag (10. 7., 15.30 Uhr, Alte Försterei), FC Viktoria Berlin (14. 7., 17.30 Uhr, Ort offen), Dynamo Dresden (17. 7., 14.30 Uhr, Alte Försterei), OGC Nizza (24. 7., 16 Uhr, Imst/ Tirol), Athletic Bilbao (31. 7., 15.30 Uhr, Alte Försterei) Bor. Mönchengladbach Trainingslager: 17. bis 24. 7. in Harsewinkel/Marienfeld Testspiele: Viktoria Köln (10. 7., 15.30 Uhr, Grenzlandstadion Mönchengladbach), beim SC Paderborn (17. 7., 15 Uhr), FC Metz (24. 7., 15.30 Uhr, Fohlenplatz im Borussia-Park), beim FC Bayern (28. 7., 18 Uhr), FC Groningen (31. 7., 15.30 Uhr, Borussia-Park) VfB Stuttgart Trainingslager: 17. bis 24. 7. in Kitzbühel (Österreich) Testspiele: beim FSV Hollenbach (6. 7., 18 Uhr), FC St. Gallen (10. 7., 15 Uhr), SV Darmstadt 98 (15. 7., 15 Uhr, beide Robert-Schlienz-Stadion) SC Freiburg Trainingsstart: 5. 7. Trainingslager: 15. bis 24. 7. in Schruns (Österreich) Testspiele: 1. FC Saarbrücken (10. 7., 15 Uhr, Dreisamstadion), FC Vaduz (16. 7., 15.30 Uhr, Schruns) – weitere in Planung TSG Hoffenheim Trainingslager: 18. bis 25. 7. in Rottach-Egern Testspiel: beim 1. FC Heidenheim (17. 7., 13.30 Uhr) – weitere in Planung 1. FSV Mainz 05 Trainingslager: 20. bis 28. 7. in Bad Häring (Österreich) Testspiel: Würzburger Kickers (9. 7., 16 Uhr, Bruchwegstadion) – weitere in Planung FC Augsburg Trainingslager: 10. bis 18. 7. in Walchsee (Österreich) Testspiel: Hamburger SV (7. 7., 13.30 Uhr, Heimstetten) – weitere in Planung
5. JULI 2021 Nimmt der deutsche Profifußball Olympia wichtig genug? Stimmen Sie auf kicker.de ab. mengewürfeltes Team besiegt. „2016 sind wir mit Sportdirektor Hansi Flick und Trainer Horst Hrubesch von Tür zu Tür gegangen und haben um jeden Spieler gekämpft“, sagt Joti Chatzialexiou, Sportlicher Leiter Nationalmannschaften beim DFB. Das hat er mit Olympia-Coach Stefan Kuntz nun wieder getan. Schon im Vorfeld traf der Verband mit den Vereinen die beschwichtigende Abmachung, kein deutscher EM-Fahrer komme für Olympia infrage. Warum eigentlich? Gladbachs Florian Neuhaus, um ein Beispiel zu nennen, hätte nach null EM-Minuten und zweiwöchigem Urlaub in Japan eine Verstärkung sein können, ohne überbelastet zu sein. In Spanien geht es anders zu. Im 22er Olympiakader stehen gleich sechs Spieler, die noch bei der EM aktiv sind. Darunter: Leipzigs Dani Olmo (23) und Pedri (18). Bei Letzterem bat Arbeitgeber FC Barcelona den Verband RFEF, den viel beanspruchten Jungstar doch bitte nicht mit nach Olympia zu nehmen und kassierte eine Abfuhr. Denn das spanische Sportgesetz sieht vor, dass Spieler auch für die Olympischen Spiele abgestellt werden müssen – egal, was die FIFA verfügt. Olympia genießt also höchste nationale Wichtigkeit. Das färbt auch auf die Haltung der Spieler ab. RB ist nicht an das spanische Gesetz gebunden und könnte die Olympia-Reise von Olmo verhindern, lässt seine wichtige Offensivkraft aber ziehen. Olmo wird seinen Wunsch wohl deutlich hinterlegt haben. In Ägypten löste die Nicht-Abstellung des FC Liverpool von Star Mo Salah Bestürzung plätze. Die Auswahl wird kein aus. Die Auswahl Südkoreas, Kanonenfutter sein, gute Brasiliens oder Japans beBundesliga-Profis wie Maxifindet sich längst mitten in milian Arnold, Max Kruse, der Olympia-Vorbereitung, Felix Uduokhai, Benjamin während sich der Henrichs oder deutsche Tross „Das spanische Gesetz Keeper Florian erst am 12. Juli Müller werden trifft und am 13. wünsche ich mir auch.“ neben einigen nach Japan fliegt. U-21-EuropmeisJoti Chatzialexiou, DFB-Sportchef In Deutschtern dabei sein. land hängen die Dennoch sagt Absagen nicht immer nur an den Chatzialexiou: „Eine ErwartungsVereinen, auch manchem Spieler haltung, dass wir als U-21-Euroist die Saisonvorbereitung wichtipameister automatisch auch bei ger. „So ein Gesetz wie in Spanien Olympia Medaillenkandidat sind, wünsche ich mir auch“, sagt Chatist schwierig zu erfüllen, wenn man zialexiou, „weil solche Turnier die personell nicht aus dem Vollen Jungs weiterbringen.“ Auch mangels schöpfen kann.“ Nowitzki wird den Freigaben besetzt der DFB nur 19 Rekrutierungsprozess eher nicht der von 18 auf 22 erweiterten Kaderverstehen. CARSTEN SCHRÖTER-LORENZ PRO & CONTRA Foto: picture-alliance/dpa FRAGE DER WOCHE 33 Carsten Schröter-Lorenz Redakteur Fahnenträger: Dirk Nowitzki führte 2008 das deutsche Team an. Thiemo Müller Leiter Südwest-Redaktion Olympia ist der Liga nicht wichtig genug Hertha BSC Trainingslager: 1. bis 7. 7. in Neuruppin, 25. 7. bis 1. 8. in Leogang (Österreich) Testspiele: beim MSV Neuruppin (7. 7., 15.30 Uhr), beim SV Babelsberg 03 (10. 7., 15.30 Uhr), Hannover 96 (14. 7., 17 Uhr), VfB Lübeck (21. 7., 17.30 Uhr, beide Berlin/Platz offen) Arminia Bielefeld Trainingslager: 16. bis 24. 7. in Scheffau am Wilden Kaiser (Österreich) Testspiele: Hannover 96 (10. 7., 15 Uhr, Ort offen), FK Krasnodar (18. 7., 14 Uhr, Kitzbühel), Norwich City (28. 7., 18.30 Uhr, Gütersloh), FC Twente (31. 7., Uhrzeit und Ort offen) 1. FC Köln Trainingsstart: 5. 7. Trainingslager: 16. bis 25. 7. in Donaueschingen Testspiele: bei Fortuna Köln (9. 7., 18 Uhr), beim MSV Duisburg (10. 7., 17 Uhr, Trainingsgelände), FC Bayern München (17. 7., 16 Uhr, Villingen), FC Schaffhausen (18. 7., 17 Uhr), SV Elversberg (24. 7., 16 Uhr, beide Bad Dürrheim), Almere City (geplant) VfL Bochum Trainingslager: 18. bis 25. 7. in Gais (Italien) Testspiele: bei der SSVg Velbert (7. 7., 18.30 Uhr), SC Verl (10. 7., 13.30 Uhr, Vonovia-Ruhrstadion), Cup der Traditionen mit Gastgeber MSV Duisburg und Borussia Dortmund (17. 7., ab 15 Uhr), FC Parma (21. 7.), FC Turin (24. 7., beide Uhrzeit und Ort offen), Vitesse Arnhem (29. 7., 16.30 Uhr, Vonovia-Ruhrstadion) SpVgg Greuther Fürth Trainingslager: 17. bis 24. 7. in Bramberg (Österreich) Testspiele: FC Bayern München II (9. 7., 16 Uhr, Sportpark Ronhof), bei den Würzburger Kickers (14. 7., 17 Uhr), beim FC Ingolstadt (17. 7., Uhrzeit offen, unter Ausschluss der Öffentlichkeit) – im Trainingslager weitere geplant P ro: WM, EM, Copa America, Asienmeisterschaft, Afrikaund Gold-Cup – der Fußball hat eigene Highlights, klar. Aber wir reden über Olympische Spiele, die historisch bedeutsamsten globalen Sportwettkämpfe. Eine Teilnahme ist in vielen Sportarten das Nonplusultra. Und selbst im Vergleich dazu in puncto Ruhm und Geld verwöhnte Fußballprofis, die unter den fünf Ringen mitspielen durften, wie 2016 etwa die Bender-Zwillinge oder Nils Petersen, schwärmen vom einzigartigen Olympia-Flair. Serge Gnabry erfuhr dort gar erst den entscheidenden Karriereschub. Zudem präsentiert sich der gesamte deutsche Fußball auf dieser weltweit beachteten Bühne, mittelbar auch die Liga. Deshalb sollten die Klubs großzügiger Freigaben erteilen, auch wenn die „Last“ unterschiedlich groß ist. Solidarität mit dem DFB ist nötig, ein Medaillengewinn strahlt schließlich am Ende auch auf die ganze Fußballnation ab. C ontra: Dass die FIFA fürs olympische Fußballturnier keine Abstellungspflicht verfügt, hat gute Gründe. Fällt der Wettbewerb doch in die heiße Vorbereitungsphase der nationalen Ligen. Wenn Bundesligisten da nur Spieler freigeben, die sie zu diesem Zeitpunkt für verzichtbar halten, entspringt das gesundem Egoismus. Im Interesse der Klubs, aber im Zweifel auch der Spieler. Wer im Kampf um einen Stammplatz ins Hintertreffen gerät, während er an Olympia teilnimmt, dessen Karriere ist perspektivisch sicher nicht gedient – mag das Gemeinschaftserlebnis noch so schön sein. Den historisch gewachsenen Stellenwert einer WM oder EM hat Olympia in der deutschen Fußballkultur ohnehin nicht. Vor 2016 hatten das u. a. die Kandidaten Toni Kroos und Thomas Müller ohne Umschweife klargestellt. Kurzum: Bei Olympia dabei zu sein, ist ganz nett. Aber nicht ganz so wichtig.
34 5. JULI 2021 Das ist Ihre Die große Umfrage E UROPAPO K AL Das Aus gegen Paris sitzt tief: Mbappé (links) erzielte im April in München das 3:2 für die Franzosen. Bayerns 1:0-Sieg im Prinzenpark half nichts mehr. A LLGEME IN Ja 81,6 % Nein 18,4 % Glauben Sie, dass sich angesichts der Pandemie und der wirtschaftlichen Zwänge Ablösesummen und Spielergehälter auf einem niedrigeren Niveau einpendeln? Nein 75,0 % Werden Sie, so es erlaubt ist, wieder ins Stadion gehen? Ja 25,0 % Drang ist ungebrochen Eine überwältigende Mehrheit möchte das Liveerlebnis wieder haben. Der Drang ins Stadion ist offenbar ungebrochen, damit scheint der Weg zurück in die Normalität möglich. Hoffen wir, dass die Inzidenzzahlen mitspielen. Denn erlaubt sollte es schon sein. Wie empfanden Sie die Geisterspiele? Wie erwartet 46,9 % Besser als erwartet 34,8 % Schlimmer als erwartet 18,3 % Was halten Sie von Ablösezahlungen für Trainer? Muss erlaubt sein 76,3 % Sollte verboten werden 23,7 % Dürfen Trainer eine Ausstiegsklausel haben? Wie weit kommt der FC Bayern in der Champions League? Wie weit kommt RB Leipzig in der Champions League? Aus in der Gruppenphase 1,7 % Aus in der Gruppenphase Achtelfinale 2,4 % Achtelfinale 35,6 % Viertelfinale 20,9 % Viertelfinale 45,9 % Halbfinale 54,0 % Halbfinale 8,8 % Finale 10,2 % Finale 0,9 % Sieger 10,8 % Sieger 0,3 % Der Druck ist weg Etwas mehr als zuletzt Ein Blick zurück lohnt: Vor einem Jahr sagten massive 46,6 Prozent, dass sie den FC Bayern als Sieger der Champions League erwarten. Dieser enorme Druck ist nach dem Viertelfinal-Aus gegen Paris erst mal weg. Kehrt da Demut ein? Den ganz großen Wurf traut man RB Leipzig immer noch nicht zu. Nur 0,3 Prozent glauben an einen Erfolg des Vizemeisters, die meisten immerhin ans Viertelfinale. Obwohl zuletzt schon im Achtelfinale gegen Liverpool Schluss war. Wie weit kommt Frankfurt in der Europa League? Wie weit kommt Leverkusen in der Europa League? Aus in der Gruppenphase 6,4 % Aus in der Gruppenphase 7,1 % Play-offs der K.-o.-Runde 9,3 % Play-offs der K.-o.-Runde 11,7 % Achtelfinale 26,2 % Achtelfinale 34,0 % Viertelfinale 35,4 % Viertelfinale 33,6 % Halbfinale 16,0 % Halbfinale 10,7 % Finale 3,0 % Finale 1,7 % Sieger 3,7 % Sieger 1,2 % Erbarmen, zu spät … Erfahrung zählt nicht Ein Mitgröl-Lied der Rodgau Monotones aus den 80er Jahren wird neu aufgelegt: „Erbarmen, zu spät, die Hesse komme.“ Eintracht goes Europa League. Und gar nicht so chancenlos. Sogar Finalteilnahme und Gesamtsieg wurden angekreuzt. Erbarmen … 2002 stand Bayer Leverkusen sogar einmal im Finale der Champions League, verlor gegen Real Madrid (1:2). Internationale Erfahrung hat die Werkself en masse. Und doch wird ihr selbst in der Europa League insgesamt weniger zugetraut als Eintracht Frankfurt. Glauben Sie, dass die Topklubs die Super League komplett ad acta gelegt haben? Ja 75,5 % Nein 24,5 % 8,5 % Die Skepsis ist massiv da Was war das für ein Aufschrei, als zwölf Spitzenklubs aus England, Italien und Spanien im April ihre Pläne zur Super League vorstellten. Dann der schnelle Rückzug. Doch die Leser trauen Barca, Real, den Klubs aus Mailand, Manchester und Co. nicht wirklich. Nein 75,5 % Ja 24,5 %
5. JULI 2021 Meinung! Teil 2 35 Der Europapokal steht im 2. Teil der Leserumfrage im Blickpunkt. Daneben der internationale Fußball, die Referees und auch der Fan. Wie hat er die Geisterspiele erlebt? Wird er wieder ins Stadion gehen? 58 887 KICKER-LESER haben teilgenommen. Eine Analyse von Martin Messerer. SC HIE D SR IC HT E R / R EGE L N Wie weit kommt Bor. Dortmund in der Champions League? Wie weit kommt Wolfsburg in der Champions League? Aus in der Gruppenphase Aus in der Gruppenphase 53,3 % Gräfes letzter Wahlsieg Gräfe, Aytekin, Dr. Brych – das sind die Schiedsrichter, die auf zweistellige Ergebnisse kamen. Interessant, dass Daniel Siebert, immerhin EM-Teilnehmer, mit 0,6 Prozent der Stimmen nur auf Platz 6 landete. Für Gräfe (Foto), der gegen den „Schiri-Ruhestand“ klagt (siehe S. 30/31), der letzte Wahlsieg. 4,5 % Wer ist der beste deutsche Schiedsrichter? Achtelfinale 18,4 % Achtelfinale 35,7 % Viertelfinale 53,1% Viertelfinale 8,8 % Halbfinale 18,4 % Halbfinale 1,5 % Finale 3,0 % Finale 0,3 % Sieger 2,6 % Sieger 0,4 % Lohn für den Endspurt Eher Aus in der Gruppe Der BVB und die Königsklasse: Immerhin hat er sich mit einem Endspurt noch beeindruckend dafür qualifiziert. Und nun? „Viertelfinale!“, sagt mehr als jeder zweite Leser. Wie zuletzt. Mehr wäre der Lohn für den tollen Endspurt. Zum dritten Mal hat sich der VfL für die Champions League qualifiziert. 2009/10 war in der Gruppe Schluss, 2015/16 immerhin erst im Viertelfinale – knapp gegen Real Madrid (2:0, 0:3). Die Leser glauben eher ans Scheitern in der Gruppe. Wie weit kommt Union Berlin in der Europa Conference League? Scheitern in der Qualifikation 12,2 % Aus in der Gruppenphase 27,7 % Play-offs der K.-o.-Runde 16,7 % Achtelfinale 19,7 % Viertelfinale 12,8 % Halbfinale 5,8 % Finale 1,4 % Sieger 3,7 % 3,7 % Superoptimisten Der Wettbewerb ist neu, folglich ein Abenteuer. Union ist ja auch in der Liga immer eine kleine Wundertüte. Warum soll der 1. FC nicht sogar gewinnen? Sagen 3,7 Prozent. Die Superoptimisten … Alle anderen halten alles für möglich. 48,9 % 26,6 % 15,5 % 2,1 % 0,8 % Gleich 53,8 % Nein 88,6 % Ja 11,4 % Besser 36,5 % Schlechter 9,7 % Ist die Altersgrenze von 47 Jahren in deutschen Profiligen noch zeitgemäß? Bewerten Sie die Leistungen der Schiedsrichter im Vergleich zur Vorsaison: Ein klares Votum Eine gute Nachricht Manuel Gräfe wehrt sich noch gegen den Ruhestand. Er würde gerne weitermachen. Da kommt das Thema her. Und es spricht ja auch einigen aus der Seele. Warum soll ein Top-Referee mit 47 aufhören? Ein klares Votum unserer Leser. Über 90 Prozent sehen die Performance der Schiris gleich oder besser als in der Vorsaison. Das ist doch mal eine gute Nachricht für die seit Bibiana Steinhaus-Webbs Rückzug im September 2020 reine Männergesellschaft. Nein 88,9 % Schlecht 60,4 % Ja 11,1 % Gut 39,6 % Leistungsträger: Max Kruse trug viel zu Unions Aufschwung bei. Die Regelauslegung bei Handspiel wird erneut geändert. Blicken Sie da noch durch? Was halten Sie von der neuen Europa Conference League? Reine Geldbeschaffung Manuel Gräfe Deniz Aytekin Dr. Felix Brych Felix Zwayer Patrick Ittrich Finde ich nicht gut 79,2 % Mehr Verbände, mehr Klubs, mehr Geld – so rechnet die UEFA. Für knapp 80 Prozent der Leser ist das nicht gut. Für sie ist der neue Wettbewerb reine „Geldbeschaffung“. Keine Überraschung, auch wenn Teams dabei sind, die teilweise Neuland betreten. Finde ich gut 20,8 % Hand ist, wenn …? Absicht? Oder nicht? Verbreiterung der Körperfläche. Und wenn ja, wo? Es ist für viele unserer Leser nicht mehr nachvollziehbar, was ein Handspiel ist. Früher war es in der Tat einfacher. Da war es Hand, wenn der Schiedsrichter pfeift … Wie finden Sie die Umsetzung des Videobeweises? Es gibt viel zu tun Klar, das Votum kam vor der EM. Gefühlt ging der Videobeweis bei den kontinentalen Titelkämpfen schneller und nachvollziehbarer als in der Bundesliga. Dort sagt eine – schon spürbare – Mehrheit, dass die Umsetzung schlecht ist. Es gibt viel zu tun. 9
5. JULI 2021 Das ist Ihre Meinung! Teil 2 IN TE RN ATION AL R EGIONA L L IGA / A MAT E U R E Wer ist der beste Spieler der Welt? Wer ist der beste Torhüter der Welt? Lewandowski, klar! Zwei Deutsche vorne Er ist bester Spieler der Bundesliga und auch der Welt: Robert Lewandowski (32) ließ Lionel Messi (34) und Kylian Mbappé (22) klar hinter sich. Alle anderen wurden nicht mal mit einer zweistelligen Prozentzahl genannt, darunter auch Cristiano Ronaldo. Der Star aus Portugal kommt mit 36 offenbar langsam in die Jahre. Er ist bester Torwart der Bundesliga und auch der Welt: Manuel Neuer (35) landete mit 61,3 Prozent der Stimmen gar einen Erdrutschsieg. Nur einer kam noch auf eine zweistellige Quote: Marc-André ter Stegen (29), der aber erneut den spanischen Meistertitel mit dem FC Barcelona verpasste. Wie die EM. Die aber wegen einer Knie-OP. Robert Lewandowski Lionel Messi Kylian Mbappé N’golo Kanté Cristiano Ronaldo 40,1 % 13,2 % 11,2 % 9,3 % 7,5 % Manuel Neuer Marc-André ter Stegen Jan Oblak Ederson Edouard Mendy 61,3 % 15,8 % 9,0 % 3,1 % 2,9 % Starke Trainer in einer starken Liga: Sieger Jürgen Klopp (links) und Pep Guardiola Welche Liga ist die beste der Welt? Klopp – trotz allem! England – wer sonst? Er hatte Probleme mit dem FC Liverpool, unverkennbar. Doch letztlich schafften es Jürgen Klopp (54) und sein Team in die Champions League. Meister wurde Pep Guardiola (50) mit Manchester City. In der Champions League unterlag er aber Thomas Tuchel (47, FC Chelsea). Darüber sehen die Leser aber noch Hansi Flick (56). Das Champions-League-Finale war eine rein englische Angelegenheit, im Endspiel der Europa League stand auch noch Manchester United, verlor im Elfmeterschießen (10:11) aber gegen den FC Villarreal. Fakt ist: Die Premier League ist das Maß der Dinge. Auch das Ziel vieler Spieler. Exorbitante Gehälter mögen der Grund hierfür sein. 33,6 % 20,9 % 19,4 % 14,0 % 4,7 % Premier League (England) Bundesliga (Deutschland) La Liga (Spanien) Serie A (Italien) Umfrage LESER ME INU NGEN „Ausstiegsklausel generell daneben“ Vereine, die die Super League brauchen, haben über ihre Verhältnisse gewirtschaftet. Hans Dekkers Nein 23,3 % Es sollte nur zwei europäische Mannschaftswettbewerbe geben: Champions League und Europa League. Alles andere ist Geldschneiderei – so wie die Nations League für Nationalteams und die größere Teilnehmerzahl bei der WM. Thomas Jeier Sollte die 3. Liga auf 22 Mannschaften aufgestockt werden, damit die fünf Regionalliga-Meister direkt aufsteigen können? Ein Ja zu 22 Teams Seit Jahren ist dieser Fakt ein heiß diskutiertes Thema: Nur in der Regionalliga ist dem Meister kein Aufstieg garantiert. Würden 22 Teams in der 3. Liga spielen, könnte dies geändert werden und allen Meistern ein Aufstiegsrecht eingeräumt werden. Mehr als drei Viertel der kicker-Leser würden diese Lösung begrüßen. Wenn hoffentlich wieder alle Spieltage stattfinden können, soll auch das beste Team direkt in die 3. Liga aufsteigen. Die Engländer sind so gut, wie sie dastehen. Leider werden sich die Gehälter und Ablösesummen nicht nach unten bewegen, kein Verein kann eine radikale Umkehr auf die Jugend verkraften. Volker Herzog Der Videobeweis zerstört viel, weil die Schiedsrichter ferngesteuert rumeiern, statt es sich einfach anzuschauen und den technischen Vorteil zu nutzen. Fabian Czypull Ich finde Ausstiegsklauseln generell daneben. Solange sie aber ein Spieler hat, sollte es dem Trainer ebenso gestattet sein. Maximilian Decker DI E GE WINNE R Der Fußball-Globus dreht sich in Aßlar Der 1. Preis, ein interaktiver Fußball-Globus von kicker und Columbus, geht an: Michael W. Schmitt, Aßlar Wer ist der beste Trainer der Welt? Jürgen Klopp Hansi Flick Thomas Tuchel Pep Guardiola Diego Simeone Ja 76,7 % Die große 81,8 % 14,1 % 3,3 % 0,8 % Der 2. Preis, eine GMT-Uhr „Spielzeit“, geht an: Georg Stübl, Wasserburg Der 3. Preis, ein Wochenkalender 2022 „Legendäre Fußballtempel“, geht an: Bernd Oestreich, Potsdam Der 4. bis 10. Preis, je ein „Elfer raus!“ von Ravensburger, geht an: Heinz Schuller, St. Andreasberg Axel Stein, Duisburg Jean Spanu, Reiskirchen Lars Knoke, Diez Eric Jonas, Kiel Hannes Rösner, Nordhorn Kalle Sappa, Weyhe Gutes Händchen: Hoang Ngo Huy, Herzlichen Glückwunsch! Azubi im Olympia-Verlag, zog aus Alle Gewinner werden von uns den Losen die zehn Gewinner. benachrichtigt. Fotos: imago images (3) picture-alliance, kicker 36
Die Liga legt los – und oft sind wieder FA NS dabei. Doch Tests, Impfungen und Vorsicht bleiben wichtig. ndlich wieder Bratwurst, Bier und Bundesligaprofis! Nicht bloß im Fernsehen, sondern ganz in echt und nur wenige Meter entfernt. 500 Fans kamen am Freitag in Stuttgart bei Sonne und 22 Grad in den Genuss dieser lange vermissten Kombination. Wer beim Trainingsauftakt des VfB die drei B erleben wollte, musste sich vorab registrieren und eines der drei G vorweisen, die im Kampf gegen Corona mittlerweile geläufig sind: geimpft, getestet oder genesen. Die Kontrolle erfolgte per App am Eingang, auf der Stehtribüne des Robert-Schlienz-Stadions war markiert, wo Plätze frei bleiben mussten, Autogramme von oder Fotos mit den Stars waren nicht drin. Die Fans verhielten sich vernünftig – und sorgten für Stimmung: Als das VfB-Team auf der anderen Seite der Bande vorbeilief, applaudierten sich Publikum und Profis gegenseitig. „Wieder 500 Leute hier zu haben, ist ein viel schöneres Gefühl als immer diese Geisterspiele“, freute sich Sportdirektor Sven Mislintat über das erste Training vor Zuschauern nach über 17 Monaten. In Gladbach waren am Samstag 1300 Fans im Borussia-Park, am „Ein tolles Gefühl, Zuschauer zu erleben.“ Foto: Rudel Adi Hütter, Gladbach-Trainer Sonntag sogar 1500. Auch sie mussten vorab ein kostenloses Ticket buchen und eines der drei G nachweisen. Der neue Trainer Adi Hütter genoss die Atmosphäre: „Ein tolles Gefühl, dass wir wieder Zuschauer erleben durften. Ich hoffe, dass das Stadion bald wieder dauerhaft gut gefüllt sein kann.“ Beim Test gegen Groningen am 31. Juli sollen bis zu 18 000 Leute kommen dürfen, so viele wie zum Bundesligastart gegen Bayern zwei Wochen später. Die Münchner wiederum testen am 17. Juli vor bis zu 6000 Zuschauern in Villingen gegen Köln. Bielefeld verlor am Samstag vor 1200 Besuchern mit 0:3 in Verl. Zum Start der Vorbereitung waren in Fürth, Bochum, Hoffenheim, Mainz und Wolfsburg ebenfalls Fans zugelassen, auch am Dienstag in Leipzig werden welche dabei sein. In Augsburg, Bielefeld, Frankfurt, Freiburg und Leverkusen ging bzw. geht es hingegen ohne Publikum los. Beispiele, die zeigen: Es ist wieder mehr möglich, aber noch längst nicht 37 „Viel schöner als diese Geisterspiele“: 500 Zuschauer verfolgten das erste Training des VfB Stuttgart. alles wie früher. Grundlage für die Klubs sind behördliche Vorgaben, räumliche Gegebenheiten und das Hygienekonzept der DFL, das für die neue Saison überarbeitet wird. Einen Beschluss der Klubs soll es Mitte Juli geben. Vor Wiederaufnahme des Trainings waren für Spieler, Trainer und Betreuer jeweils zwei negative PCR-Tests erforderlich. Während der Vorbereitung sind zwei PCR-Tests pro Woche oder tägliche Schnelltests vorgeschrieben. Vollständig Geimpfte oder Genesene können von der Testung ausgenommen werden. Beim Thema Impfen kommen die Vereine unterschiedlich voran. In Frankfurt wurden bereits vor der Pause alle Profis mit dem Präparat von Johnson & Johnson (nur eine Dosis nötig) geimpft – trotzdem wird weiter täglich getestet. Beim VfB sind etwa zwei Drittel des Kaders geimpft, bei Bielefeld etwa ein Drittel doppelt. Bei Greuther Fürth gab es für alle Mitarbeiter ein Impfangebot, das vielfach angenommen wurde. Zahlreiche Klubs machen mit Verweis auf die Privatsphäre ihrer Spieler keine Angaben zu Impfungen.Beim FC Augsburg sei „der Großteil der Spieler“ geimpft, sagt Manager Stefan Reuter, bislang habe dies keiner abgelehnt. Der Schutz erhöht die Sicherheit, dennoch ist weiter Disziplin gefragt. „Wir sind alle gut beraten, noch nicht zu euphorisch zu sein, sondern vorsichtig zu bleiben und Hygienemaßnahmen weiter einzuhalten“, betont Reuter. Die Reiselust ist bei der großen Mehrheit der Klubs aber zurück (siehe Übersicht Seite 32/33). Nur der FC Bayern und Frankfurt haben kein Trainingslager geplant. Gladbach, Köln und Hoffenheim bleiben innerhalb Deutschlands. Hertha und Union bezogen zunächst Camps vor den Toren Berlins und reisen später nach Österreich – wie neun weitere Klubs. Die Alpenrepublik ist traditionell das beliebteste Ziel. Der BVB bereitet sich wie gewohnt in der Schweiz vor, die Trainingseinheiten in Bad Ragaz finden ohne Zuschauer statt. Aufsteiger Bochum reist nach Italien, genauer nach Gais in Südtirol. Für alle Klubs gilt, die Corona-Lage am Ort des Trainingslagers im Auge zu behalten. Sollten Inzidenzen oder Risiken steigen, lautet der nächstliegende Notfallplan: lieber zu Hause bleiben. DAVID BERNREUTHER bündig kurz E Drei B & drei G 5. JULI 2021 Leweling verlängert in Fürth Die SpVgg Greuther Fürth hat den Vertrag des Offensivspielers Jamie Leweling (20) vorzeitig bis 2024 verlängert. Das Eigengewächs spielt seit 2019 bei den Profis und hat seither in 50 Pflichtspielen vier Tore erzielt. Dreisamstadion wieder da Aus dem Schwarzwald-Stadion in Freiburg wird wieder das Dreisamstadion. Die bisherige Heimstätte des SC Freiburg wird allerdings durch das neu gebaute, noch namenlose Stadion am anderen Ende der Stadt ersetzt. Das Dreisamstadion ist die Ausweichstätte des Bundesligisten. Die SC-Frauen und der SC Freiburg II in der 3. Liga sollen fest dort spielen. Fitschen zieht die Lose Ex-Nationalspielerin Doris Fitschen lost am 13. Juli die 1. DFB-Pokalrunde der Frauen aus. Insgesamt sind 54 Mannschaften qualifiziert. Die zehn bestplatzierten Teams der Bundesliga erhalten ein Freilos und greifen erst in der 2. Runde in den Wettbewerb ein. Testspiele Neustadt/Dosse – Hertha 0:16 Tore: 0:1 Tousart (6.), 0:2 Selke (10.), 0:3 Tousart (20.), 0:4 Selke (27.), 0:5 Lukebakio (31.), 0:6, 0:7, 0:8, 0:9 Cordoba (46., 48., 49., 51.), 0:10 Kade (51.), 0:11, 0:12 Werthmüller (55., Foulelfmeter, 57.), 0:13, 0:14 Cordoba (62., Foulelfmeter, 69.), 0:15 Mittelstädt (77.), 0:16 Michelbrink (84.) TSG Planig – Mainz 05 0:11 Tore: 0:1 Meier (11.), 0:2, 0:3 Rupil (22., 29.), 0:4, 0:5 Bobzien (31., 39.), 0:6 Meier (43.), 0:7 Brosinski (44.), 0:8 Stöger (49., Foulelfmeter), 0:9 Lucoqui (55.), 0:10 Papela (88.), 0:11 Stöger (90.) SC Verl – Arminia Bielefeld 3:0 Tore: 1:0 Rabihic (10.), 2:0, 3:0 Saglik (64., 85. Foulelfmeter)
N AT I O N A L M A N N S C H A F T TO N I K RO OS (31) beendet seine Karriere beim DFB. Eine Würdigung und Wertung seiner Karriere. D iese Frage war von Mitgefühl unterlegt, wenn nicht sogar von Mitleid. Dreimal hatte er in der abgelaufenen Saison 2011/12 mit dem FC Bayern München lediglich Platz 2 erreicht, in der Bundesliga, in der Champions League und im DFB-Pokal: Wie würde er nun mit dem zusätzlichen Aus im Halbfinale der Europameisterschaft klarkommen? Der mit dieser heftigen Negativserie konfrontierte Toni Kroos antwortete knapp und kühl, als er an jenem 28. Juni 2012 aus der Kabine in Warschau trat: In diesem Wettbewerb seien er und seine Mannschaft ja nicht einmal Zweiter geworden. Also, bitte, was solle der Vergleich? Es gibt verschiedene Arten, große Niederlagen zu verarbeiten. Kroos, an dem vorzeitigen Aus der DFB-Auswahl vor neun Jahren einigermaßen mitbeteiligt, weil der Plan mit ihm im Mittelfeld gescheitert war, nimmt sie in der Regel stoisch an, zumindest nach außen hin. Dreimal bezeichnet er jetzt, es ist Dienstag, 27. Juni 2021, den Knockout im Londoner EM-Achtelfinale als „bitter“, gesteigert als „sehr bitter“, einmal als „enttäuschend“, als er weni- Stiller Star. Leiser ge Minuten nach dem Abpfiff innerhalb von angezweifelt. Für ihn war dieser Spieler „ein 70 Sekunden seinen Kommentar zum Spiel Muster an Zuverlässigkeit und Beständigkeit, gegen England und zum Ertrag dieses Turniers über Jahre hinweg ein Leistungsträger bei abgibt, gewohnt cool und unaufgeregt. Real Madrid und in der Nationalmannschaft“. Kroos bevorzugt stets die sachliche AnaBeim DFB ist nun Schluss für Kroos nach lyse. Auch wenn er meint, dass die deutsche 106 Auftritten im A-Team, „unwiderruflich“, Mannschaft bei diesem paneuropäischen wie er mit knapp dreitägigem Abstand zu seiWettstreit weitaus mehr nem letzten Spiel verkündet hätte erreichen können oder hat. Mehr Einsätze haben in Kroos ist die gar müssen, weiß er, dass es der Nationalmannschaft bispersonifizierte Schwächen und Schwachlang lediglich sechs Spieler, Bodenständigkeit. Rekordmann Lothar Matstellen gab. Sonst wäre es anders und besser gelaufen. thäus (150), Miroslav Klose Immerhin aber habe dieses (137), Lukas Podolski (130), Mal der Einsatz gestimmt, betont Kroos, anders Bastian Schweinsteiger (121), Philipp Lahm als in Russland 2018. Deshalb ist er jetzt mit (113) und Jürgen Klinsmann mit 108 Partien. sich im Reinen. 106 sind ebenso für Thomas Müller gelistet. Den Gedanken aufzuhören hat er schon Für beide begann diese Nationalmannnach der entgleisten Weltmeisterschaft 2018 schaftstour am 3. März 2010 in München, gegen gewälzt, aber unsicher gegrübelt, ob er es Argentinien (0:1). Kroos wurde für Müller eintatsächlich tun solle. Zudem wollten ihn gewechselt (67. Minute). Das DFB-Trikot mit Sohn Leon sowie Joachim Löw weiter in der der Nummer 26, das er bei dieser Premiere trug, DFB-Auswahl spielen sehen. Der nun verabist nicht mehr in seinem Besitz, Kroos schenkte schiedete Bundestrainer hat Kroos’ Position nie es dem kicker-Kollegen Frank Lußem zu des-
5. JULI 2021 Fotos: picture alliance/AP/Augstein, picture alliance/GES/Guengoer Lenker sen 50. Geburtstag. Als er 2018 zum Fußballer des Jahres gewählt worden war, besuchte ihn Lußem in Madrid. Die Real-Stars leben dort – Kroos als Nachbar Cristiano Ronaldos – in einer abgeschotteten Wohnanlage. Lußem spürte damals die Diskrepanz zwischen der Wucht des Kroos’schen Domizils und der Normalität, die dessen Charakter ausmacht. Kroos ist die personifizierte Bodenständigkeit. Nie war er ein Mann der lauten Worte und Gesten, sondern immer ein stiller Star, ein leiser Lenker und Leader. Er wollte auf dem Fußballplatz „alles ein bisschen strategischer sehen“, wie er sein Tun selbst definierte, seine Entscheidungen „ein bisschen rationaler“ treffen. Bevor er den Ball annahm, hatte er ihn im Kopf schon weitergeleitet, ehe er es sogleich mit dem Fuß im immer weißen Lederschuh – andere trägt er nicht – machte. Sein Rundumblick plus diese naturgegebene Sicherheit am Ball ergaben diese Selbstverständlichkeit in seinen Aktionen, den großen wie den kleinen. Attacken, auch körperlich robuste, federte und wehrte er sogar gegen eine gegnerische Überzahl auf engstem Raum ab, mit seiner typischen Leichtigkeit, die schon als Lässigkeit rüberkam. 39 Note 4,5 beurteilte, reagierte er über einen längeren Zeitraum verärgert. Aber Kroos versteht die Abläufe mit seiner heutigen Reife und Erfahrung – nach dieser langen, gelungenen Tour durch die ganz große Fußballwelt. Mit 16 begann er seine Wanderschaft im Fußball und verließ die damalige elterliche Wahlheimat Rostock. Mit 17 Jahren und 265 Tagen wurde er, eingewechselt gegen Energie Cottbus, der bis dahin jüngste Bundesliga-Spieler des FC Bayern, musste aber den Umweg über Bayer Leverkusen und die anderthalb Lehrjahre unter seinem entscheidenden Förderer Jupp Heynckes nehmen als Weltmeister auf Nimmerwiedersehen: Spielmacher, der vom linken Flügel kam und – ein Hansi Flick (links) muss ohne Toni Kroos planen. Novum – 2009/10 dreimal in Serie im kicker zum Spieler des Tages gekürt wurde, ehe er zur Saison Kroos ist ein Meister der Antizipation. Nie 2010/11 nach München zurückkehrte. Vier Jahre wurde und wird er hektisch am Ball, Nervosität später verabschiedete er sich als Championsoder negative Gedanken vor großen Spielen oder League-Gewinner, dreimaliger Deutscher Meister Turnieren plagten ihn nicht, allenfalls packt ihn und DFB-Pokalsieger zu den „Königlichen“ nach ein Kribbeln, Vorfreude. Auf dem Feld verspüre Madrid, wo Kroos zweimal Spaniens Meisterschaft er „eine große Ruhe“, sagt er selbst, „es geht doch gewann sowie dreimal die Champions League. nur um ein Fußballspiel“. Kroos verkörperte im Seine Anstellung bei Real gilt noch bis 2023, dann Mittelfeld die Gelassenheit des Spiels, das er so inwill Kroos seine berufliche Zukunft sondieren und terpretieren musste, weil Grundschnelligkeit, Temdort in jedem Fall seine tolle Karriere beenden. podribblings und offensive Eins-gegen-eins-Duelle Die Konzentration auf die täglichen Anfornicht zu seinem Repertoire zählen. Ihn deswegen derungen bei seinem Arbeitgeber führt Kroos als als „Querpass-Toni“ zu verhöhnen, wie es zuletzt einen Grund an für seinen Rücktritt, mit dem er immer wieder passierte, ist resich und dem neuen Bundestraispektlos. ner Hansi Flick weitere Debatten Grundschnelligkeit Kroos sprach auch in der über die optimale Zusammengehört nicht zu Nationalmannschaft mit seinem setzung des deutschen MittelfelKroos’ Repertoire. des erspart. Für den ZentralbeSpiel, das Autorität und Souveränität vermittelte. Schön sollte reich sind nun Kimmich, Leon es nach seinem Willen sein mit Goretzka, auch Ilkay Gündogan, den Präzisionspässen über die Kurz-, Mittel- und Florian Neuhaus und andere gefragt. Kroos wird Langstrecke, aber auch sachlich und zweckmäßig. sich derweil an den Tagen ohne DFB-Termine Der Techniker mit dem feinen rechten Fuß und als praktizierender Papa verstärkt um seine Frau dem harten Schuss – trotzdem gelangen ihm im und die drei Kinder kümmern, wie er es in seiner DFB-Team relativ wenige 17 Tore und 16 Assists – Abschiedsdepesche mitteilt. wollte es nicht verschwitzt und verdreckt, setzte 31 Lebensjahre sind eigentlich noch nicht aber durchaus zur Grätsche an, wenn es die Notlage die Altersgrenze, die das Ende einer Karriere in erforderte, auch abschließend in London. einer Nationalmannschaft verlangt. Kroos hat Bei dieser EM sollte der Achter, der Kroos im seine Entscheidung rational getroffen. Es ist die halblinken Mittelfeld immer war, zusätzlich den richtige. Er gehörte prägend, stil- und spielbildend Sechser geben. Die Absicherung, die ihm im Klub zur goldenen 2010er Generation des deutschen in Madrid der Brasilianer Casemiro seit Jahren Fußballs, die mit begeisternden Vorträgen 2014 garantiert, fehlte ihm nun, da Joshua Kimmich Weltmeister wurde. Mehr geht nicht in der Wernach rechts außen versetzt worden war. Kroos fügte tigkeit – und doch wäre mehr gegangen in der sich in diese Konstruktion, die der Fußballlehrer Häufigkeit. Kroos selbst nennt die EM 2016 in Löw ausgetüftelt hatte, weil er wegen eines ManFrankreich als die größte verpasste Chance für nes zu viel im Zentralbereich eine Lösung finden einen weiteren, den kontinentalen Titelgewinn, musste. Es sollte ein Modell mit Kroos sein. Dessen den er 2021 wieder für möglich hielt. Das Aus Status wollte der Bundestrainer im Achtelfinale hat seinen Abjedoch nicht gefährden, wie schied nur beschleunigt, nicht schon nach der WM 2018 nicht. ausgelöst: Kroos hatte schon Seither war Kroos in vor dem Turnier beschlossen, der deutschen Öffentlichkeit dass das letzte EM-Spiel sein skeptischer gesehen und die letztes im deutschen Trikot sein Löw’sche Stammplatzgaranwerde. Dafür war Wembley ein tie zu Recht hinterfragt worwürdiger Ort, aber im falschen den. Kroos hat diese Zweifel Spiel – schon im AchtelfinaJa 78,6 % registriert. Mag er mit seiner le war es vorbei, nicht erst im überlegten Erscheinung auch Finale, wie er es erhofft hatte. Nein 21,4 % unerschütterlich wirken, so ist Kroos geht – und damit er doch sehr wohl empfindsam. ein Großer in der Geschichte Als der kicker seine Leistung im der deutschen Nationalmann98 712 Teilnehmer www.kicker.de WM-Finale in Brasilien mit der schaft. KARLHEINZ WILD WIR WOLLTEN’S WISSEN Führt Flick die Nationalelf zurück in die Weltspitze?
40 5. JULI 2021 DI E L Ä NDE R SP I E L SAI SON 2 0 2 0 /2 1 33 Tore, aber auch 27 Gegentreffer – und kein Titel 3. 9. Spanien (Stuttgart) 1:1 Tor: Werner 6. 9. Schweiz (Basel) 1:1 Tor: Gündogan 7. 10. Türkei (Köln) 3:3 Tore: Draxler, Neuhaus, Waldschmidt 10. 10. Ukraine (Kiew) 2:1 Tore: Ginter, Goretzka 13. 10. Schweiz (Köln) 3:3 Tore: Werner, Havertz, Gnabry 11. 11. Tschechien (Leipzig) 1:0 Tor: Waldschmidt 14. 11. Ukraine (Leipzig) 3:1 Tore: Sané, Werner (2) 17. 11. Spanien (Sevilla) 0:6 Die Spiele 2021: 25. 3. Island (Duisburg) 3:0 Tore: Goretzka, Havertz, Gündogan 28. 3. Rumänien (Bukarest) 1:0 Tor: Gnabry 31. 3. Nordmazedonien (Duisburg) 1:2 Tor: Gündogan 2. 6. Dänemark (Innsbruck) 1:1 Tor: Neuhaus 7. 6. Lettland (Düsseldorf) 7:1 Tore: Gosens, Gündogan, Müller, Gnabry, Werner, Sané, Ozols (Eigentor) 15. 6. Frankreich (München) 0:1 19. 6. Portugal (München) 4:2 Tore: Havertz, Gosens, Ruben Dias (Eigentor), Guerreiro (Eigentor) 23. 6. Ungarn (München) 2:2 Tore: Havertz, Goretzka 29. 6. England (London) 0:2 17 Spiele 33:27 Tore 7 Siege, 6 Unentschieden, 4 Niederlagen DIE EINGESETZTEN SPIELER (In Klammern Notendurchschnitt) gespielte Minuten 15 Spiele: Rüdiger (3,70) Ginter (3,46) 13 Spiele: Gnabry (3,83) Sané (4,00) Werner (3,75) 12 Spiele: Neuer (3,21) Gündogan (3,46) Can (3,60) 11 Spiele: Kimmich (3,27) Gosens (3,60) Havertz (2,85) 10 Spiele: Kroos (3,90) Goretzka (3,56) 8 Spiele: Süle (3,92) 6 Spiele: Hummels (3,50) Müller (3,30) Koch (3,80) Neuhaus (2,50) 5 Spiele: Klostermann (3,70) Draxler (3,75) Musiala (–) 4 Spiele: Brandt (4,50) Waldschmidt (3,00) Tah (4,33) 3 Spiele: Max (4,00) Halstenberg (4,00) Hofmann (3,50) Younes (5,00) Volland (–) 2 Spiele: Kehrer (3,75) Leno (2,25) Trapp (2,50) Henrichs (3,50) Schulz (4,50) Amiri (4,00) Dahoud (4,50) Günter (–) 1 Spiel: Baku (3,50) ter Stegen (3,00) Serdar (–) Stark (–) 1288 1256 993 753 646 1080 937 544 990 752 720 900 721 514 511 458 392 309 418 331 40 235 215 196 248 153 56 41 24 180 180 180 105 91 72 57 42 90 90 17 5 DIE ABSTELLUNGEN NACH KLUBS Bayern München (78): Gnabry, Sané (je 13), Neuer (12), Kimmich (11), Goretzka (10), Süle (8), Müller (6), Musiala (5) FC Chelsea (39): Rüdiger (15), Werner (13), Havertz (11) Borussia Dortmund (26): Can (12), Hummels (6), Brandt (4), Dahoud, Schulz (je 2) Bor. Mönchengladbach (24): Ginter (15), Neuhaus (6), Hofmann (3) Manchester City (12): Gündogan Atalanta Bergamo (11): Gosens RB Leipzig (10): Klostermann (5), Halstenberg (3), Henrichs (2) Real Madrid (10): Kroos Paris St. Germain (7): Draxler (5), Kehrer (2) Bayer Leverkusen (6): Tah (4), Amiri (2) Leeds United (6): Koch Eintracht Frankfurt (5): Younes (3), Trapp (2) Benfica Lissabon (4): Waldschmidt AS Monaco (3): Volland PSV Eindhoven (3): Max FC Arsenal (2): Leno SC Freiburg (2): Günter FC Barcelona (1): ter Stegen FC Schalke 04 (1): Serdar Hertha BSC (1): Stark VfL Wolfsburg (1): Baku DIE TORSCHÜTZEN 5 Tore: Timo Werner 4 Tore: Ilkay Gündogan Kai Havertz 3 Tore: Serge Gnabry Leon Goretzka 2 Tore: Robin Gosens Florian Neuhaus Leroy Sané Luca Waldschmidt 1 Tor: Julian Draxler Matthias Ginter Thomas Müller DIE SCORER-LISTE Pkt. Name 10 7 6 5 4 3 2 1 Kai Havertz Timo Werner Robin Gosens Serge Gnabry Leon Goretzka Ilkay Gündogan Leroy Sané Matthias Ginter Joshua Kimmich Florian Neuhaus Luca Waldschmidt Thomas Müller Mats Hummels Julian Draxler Lukas Klostermann Philipp Max Antonio Rüdiger Tore + Vorlagen 4+6 5+2 2+4 3+2 3+2 4+0 2+2 1+2 0+3 2+0 2+0 1+1 0+2 1+0 0+1 0+1 0+1 DIE KARTEN Rot: keiner Gelb-Rot: keiner Gelb: Rüdiger (4), Ginter, Gosens, Sané (je 3), Can, Draxler, Gündogan, Havertz, Kimmich, Kroos (je 2), Koch, Musiala, Süle, Tah (je 1) Insgesamt kamen 41 Spieler zum Einsatz, 7 davon (gefettet) gaben ihr Debüt. L ÄNDE R SP I E L E 2 021 / 22 Startschuss im September: Am 2. 9. feiert Hansi Flick seine Premiere als Bundestrainer. 2. 9.2021 WM-Qualifikation Liechtenstein – Deutschland 5. 9.2021 WM-Qualifikation Deutschland – Armenien 8. 9.2021 WM-Qualifikation Island – Deutschland 8.10.2021 WM-Qualifikation Deutschland – Rumänien 11.10.2021 WM-Qualifikation Nordmazedonien – Deutschland 11.11.2021 WM-Qualifikation Deutschland – Liechtenstein 14.11.2021 WM-Qualifikation Armenien – Deutschland Mögliche Play-offs finden am 24./25. und 28./29.3.2022 statt. 2.– 4.6.2022 Nations League 1. Spieltag 5.– 7.6.2022 Nations League 2. Spieltag 9.–11.6.2022 Nations League 3. Spieltag 12.–14.6.2022 Nations League 4. Spieltag 22.–24.9.2022 Nations League 5. Spieltag 25.–27.9.2022 Nations League 6. Spieltag Eventuelle Testspiele sind abhängig von der WM-Qualifikation. 21.11.–18.12.2022 WM-Endrunde in Katar in St. Gallen in Stuttgart in Reykjavik in Hamburg in Skopje in Wolfsburg in Erewan Foto: Getty Images DIE SPIELE Die Spiele 2020:
5. JULI 2021 SPIELPLAN EM 2021 A Alle Spiele und Statistiken im Live-Ticker bei %.de B C Dänemark Finnland Russland Belgien Italien Türkei Wales Schweiz Spiele in Bukarest und Amsterdam Samstag, 12. Juni Freitag, 11. Juni Türkei – Italien (21 Uhr, Rom) Wales – Schweiz (15 Uhr, Baku) 0:1 3:0 Österreich – Nordmazedonien (18 Uhr, Bukarest) Niederlande – Ukraine (21 Uhr, Amsterdam) Mittwoch, 16. Juni 1:1 0:1 Ukraine – Nordmazedonien (15 Uhr, Bukarest) Niederlande – Österreich (21 Uhr, Amsterdam) 1:2 Montag, 21. Juni Donnerstag, 17. Juni 0:2 3:0 Dänemark – Belgien (18 Uhr, Kopenhagen) Schweiz – Türkei (18 Uhr, Baku) Italien – Wales (18 Uhr, Rom) Russland – Dänemark (21 Uhr, Kopenhagen) Finnland – Belgien (21 Uhr, St. Petersburg) 3:1 1:0 3 3 3 3 7:0 3:2 4:5 1:8 Tabelle 1. Belgien 2. Dänemark 3. Finnland 4. Russland 9 4 4 0 3 3 3 3 1:4 0:2 7:1 5:4 1:3 2:7 Tabelle 1. Niederlande 2. Österreich 3. Ukraine 4. Nordmazedonien 9 3 3 3 E D 3 3 3 3 Spiele in London und Glasgow Spiele in St. Petersburg und Sevilla Spiele in Budapest und München Montag, 14. Juni Dienstag, 15. Juni 1:0 Polen – Slowakei (18 Uhr, St. Petersburg) Spanien – Schweden (21 Uhr, Sevilla) 0:2 Freitag, 18. Juni Freitag, 18. Juni Schweden – Slowakei (15 Uhr, St. Petersburg) Kroatien – Tschechien (18 Uhr, Glasgow) England – Schottland (21 Uhr, London) 1:1 0:0 Samstag, 19. Juni Schottland – Tschechien (15 Uhr, Glasgow) Tschechien – England (21 Uhr, London) Kroatien – Schottland (21 Uhr, Glasgow) Tabelle 1. England 2. Kroatien 3. Tschechien 4. Schottland 1:2 0:0 0:1 3:1 3 3 3 3 2:0 4:3 3:2 1:5 7 4 4 1 Ungarn – Portugal (18 Uhr, Budapest) Frankreich – Deutschland (21 Uhr, München) 0:3 1:0 Samstag, 19. Juni 1:0 Ungarn – Frankreich (15 Uhr, Budapest) Portugal – Deutschland (18 Uhr, München) 1:1 Mittwoch, 23. Juni Spanien – Polen (21 Uhr, Sevilla) Mittwoch, 23. Juni Dienstag, 22. Juni 9 6 3 0 Ungarn Portugal Frankreich Deutschland Polen Slowakei Spanien Schweden Sonntag, 13. Juni Montag, 14. Juni 8:2 4:3 4:5 2:8 0:3 0:1 F England Schottland Tschechien Kroatien England – Kroatien (15 Uhr, London) 2:1 2:0 Nordmazedonien – Niederlande (18 Uhr, Amsterdam) Ukraine – Österreich (18 Uhr, Bukarest) Montag, 21. Juni Sonntag, 20. Juni 3:1 3:2 Donnerstag, 17. Juni Finnland – Russland (15 Uhr, St. Petersburg) Mittwoch, 16. Juni Türkei – Wales (18 Uhr, Baku) Italien – Schweiz (21 Uhr, Rom) Sonntag, 13. Juni Dänemark – Finnland (18 Uhr, Kopenhagen) Belgien – Russland (21 Uhr, St. Petersburg) 0:3 Samstag, 12. Juni Tabelle 1. Italien 2. Wales 3. Schweiz 4. Türkei Österreich Nordmazedonien Niederlande Ukraine Spiele in Kopenhagen und St. Petersburg Spiele in Rom und Baku 41 Slowakei – Spanien (18 Uhr, Sevilla) Schweden – Polen (18 Uhr, St. Petersburg) Tabelle 1. Schweden 2. Spanien 3. Slowakei 4. Polen 3 3 3 3 0:5 3:2 4:2 6:1 2:7 4:6 7 5 3 1 1:1 2:4 Deutschland – Ungarn (21 Uhr, München) Portugal – Frankreich (21 Uhr, Budapest) Tabelle 1. Frankreich 2. Deutschland 3. Portugal 4. Ungarn 3 3 3 3 2:2 2:2 4:3 6:5 7:6 3:6 5 4 4 2 Nach diesen Kriterien werden die Tabellen sortiert: a) Anzahl der Punkte – b) Anzahl der Punkte aus den Begegnungen der punktgleichen Teams – c) Tordifferenz aus den Begegnungen der punktgleichen Teams – d) Anzahl der Tore aus den Begegnungen der punktgleichen Teams – e) Wenn nach der Anwendung der Kriterien b) bis d) von drei oder vier punktgleichen Teams immer noch mehrere Mannschaften denselben Platz belegen, werden die Kriterien b) bis d) erneut angewendet, jedoch ausschließlich auf die Direktbegegnungen der noch betreffenden Mannschaften. – f) Bessere Tordifferenz aus allen Gruppenspielen – g) Größere Anzahl erzielter Tore aus allen Gruppenspielen – h) Größere Anzahl an Siegen aus allen Gruppenspielen – i) Fair-Play-Wertung – j) Platzierung in der Schlussrangliste der EM-Qualifikation AC HT EL FI N A LE V I E RTE L FI NAL E HAL BFI NA LE AF 1: Sa., 26. Juni, 18 Uhr, Amsterdam Wales – Dänemark 0:4 AF 5: Mo., 28. Juni, 18 Uhr, Kopenhagen Kroatien – Spanien n. V. 3:5 VF 1: Fr., 2. Juli, 18 Uhr, St. Petersburg Schweiz – Spanien n. V. 1:1, Elfm. 1:3 HF 1: Di., 6. Juli, 21 Uhr, London Italien – Spanien ARD, MagentaTV AF 2: Sa., 26. Juni, 21 Uhr, London Italien – Österreich n. V. 2:1 AF 6: Mo., 28. Juni, 21 Uhr, Bukarest Frankreich – Schweiz n. V. 3:3, Elfm. 4:5 VF 2: Fr., 2. Juli, 21 Uhr, München Belgien – Italien 1:2 HF 2: Mi., 7. Juli, 21 Uhr, London England – Dänemark ZDF, MagentaTV AF 3: So., 27. Juni, 18 Uhr, Budapest Niederlande – Tschechien 0:2 AF 7: Di., 29. Juni, 18 Uhr, London England – Deutschland 2:0 VF 3: Sa., 3. Juli, 18 Uhr, Baku Tschechien – Dänemark 1:2 FI NAL E 1:0 AF 8: Di., 29. Juni, 21 Uhr, Glasgow Schweden – Ukraine n. V. 1:2 VF 4: Sa., 3. Juli, 21 Uhr, Rom Ukraine – England 0:4 So., 11. Juli, 21 Uhr, London, Wembley Sieger HF 1 – Sieger HF 2 ZDF, MagentaTV AF 4: So., 27. Juni, 21 Uhr, Sevilla Belgien – Portugal
42 5. JULI 2021 I TA L I E N Der Ex-Dortmunder erlebt bislang eine maue K.-o.-Phase – Extralob für Chiellini Am Dienstagabend wird der Rekord wohl erneut übertroffen, denn niemand möchte das Spektakel der Azzurri verpassen. Dem Sieg über Belgien schauten 17,5 Millionen Tifosi im TV zu – eine überragende Quote von 73,4 Prozent. Beim Halbfinale gegen Spanien könnten die anderen Sender womöglich gleich ein Testbild zeigen und niemandem fiele es auf. Die einzige schmerzhafte Note beim 2:1-Erfolg über Belgien war der Achillessehnenriss von Leonardo Spinazzola, einem der besten Spieler dieser Endrunde. Der RomaProfi wird in dieser Woche in Finnland operiert und fällt mindestens ein halbes Jahr Halbaus. Im Halbfinale wird er finale durch den Italo-Brasilianer Emerson ersetzt, der während der Saison bei Chelsea Reservist war, mit nur zwei Einsätzen in der Premier League. Es dürfte die einzige Veränderung der Startelf bleiben. Die Abwehrkollegen Leonardo Bonucci und Giorgio Chiellini sollen ihn stützen. Letzterer wird nun womöglich noch eine weitere Saison für Juventus und die Nationalelf auflaufen, denn laut Nationalcoach Roberto Mancini ist „Chiello zu überragend, um aufzuhören“. Mit einem möglichen Finale erreichte der 36 Jahre alte Capitano Dino Zoffs 112 Einsätze auf Platz 6 der Länderspiel-Rangliste für Italien erreichen (die Bestmarke hält Gigi Buffon mit 176 Partien). Im Mittelfeld hat sich Mancinis Beharren auf Marco Verratti ausgezahlt. Sein Plan mit dem doppelten Regisseur neben Jorginho wurde leicht angezweifelt, nachdem der Profi von Paris Saint-Germain sich vor der EM verletzt hatte und später etwas mühsam ins Turnier gekom- H I STO RI E Foto: Getty Images/Villa Immobile hofft auf eine neue Chance Aktive Erholung vor dem Halbfinale: Die Italiener Lorenzo Insigne, Marco Verratti und vorne Stürmer Ciro Immobile. men war. Gegen Belgien überzeugte er mit Elan und Ideen, auch wenn Verratti leichte Mängel im Zweikampf hatte. „Ich muss Mancini unendlich dankbar sein, dass er auf mich gewartet hat. In dieser Truppe spürt jeder das Vertrauen des Trainers, und das schweißt uns zusammen.“ Der 28-Jährige ist nebenbei der Einzige in Italiens Kader, der noch keine einzige Minute in der Serie A absolvierte. Verratti hatte als Profi in der Serie B bei Pescara debütiert, wo ihm 2012 unter dem Offensiv-Fetischisten Zdenek Zeman der Aufstieg in die 1. Liga gelang. Direkt danach wechselte er für zwölf Millionen Euro nach Paris. In jener Aufstiegself kickten auch Lorenzo Insigne und Ciro Immobile, der sich mit 28 Treffern zum Schützenkönig der Serie B kürte. Das Visier aus der Zeit der Pescara-Connection könnte Immobile aktuell gut brauchen, denn nach Toren Finale 2012: Spanien besiegt Italien und verteidigt den Titel Die Iberer zaubern sich zum Triumph Was hatten Spaniens Fans vor dem Finale 2012 gezittert. Vor allem vor Mario Balotelli, der im Halbfinale Deutschland besiegt hatte. Balotelli war beim 2:1 nicht zu stoppen gewesen. Der Stürmer galt nicht nur als Riese, er war damals einer. Seine beiden Treffer zeugten davon: ein Kopfball und ein donnernder Schuss von der Strafraumgrenze. Doch dann weisen den Iberern im Endspiel Aktionen von Sergio Ramos früh den Weg zur Titelverteidigung: Er steckt das Terrain ab, steigt mehrmals hart ein gegen Balotelli. Italiens Angreifer agiert fortan eingeschüchtert, zudem geht Sergio Ramos in die Offensive und setzt auch dort Zeichen. In der Folge wird großartig gezaubert: Andres Iniesta schickt per Steckpass Cesc Fabregas, der David Silva: Nach 15 Minuten steht es bereits 1:0, am Ende tanzt sich Spanien dank weiterer Treffer von Jordi Alba, Fernando Torres und Juan Mata zu einem 4:0 und ist nun Europa-Welt-Europameister. Von 2012 noch dabei sind Sergio Busquets und Jordi Alba, bei Italien Giorgio Chiellini und Leonardo Bonucci sowie Ersatzkeeper Salvatore Sirigu. WOL gegen die Türkei und die Schweiz erlebte der Ex-Dortmunder eine maue K.-o.-Runde. Gegen Belgien fiel er vor allem durch peinliche Schauspielerei auf. „Mancini weiß, dass ich ab und an ein wenig gehätschelt werden muss, um wieder zu treffen“, sagte Immobile, und bis Dienstag sind wohl intensive Streicheleinheiten vonnöten. Alles deutet auf einen erneuten Start Immobiles hin, weil es gegen Spanien womöglich freie Räume gibt, die ihm eher liegen als Konkurrent Andrea Belotti. So oder so: Die Italiener werden London in jedem Fall nach dem Spiel wieder in Richtung Coverciano verlassen. In der Hoffnung, am 10. Juli erneut den Flieger zu besteigen. Nicht mit Urlaubsträumen, die können noch ein wenig warten. OLIVER BIRKNER ANZEIGE
5. JULI 2021 43 „San Unai“, so heißt der neue Heilige Spaniens – und er wandelt damit auf den Spuren von „San Iker“. Wie einst Iker Casillas 2008 hielt Unai Simon am Freitag zwei Strafstöße im Elfmeterschießen des Viertelfinales. Bei der EM 2008 hatte Casillas in Wien den jahrzehntelangen spanischen Fluch, nicht über ein Viertelfinale hinauszukommen, im Shoot-out gegen Italien gebannt. Nun heißt der Gegner wieder Italien. Casillas, der 2008 nach einem 1:0 im Finale über Deutschland Europameister wurde und zwei Jahre später sogar Weltmeister, sagte damals: „Es war aber auch an der Zeit, dass Spanien es schafft.“ Unai Simon „Wir wollen die ganze Welt erobern.“ Unai Simon, Nationaltorwart jubelt aktuell: „Wir wollen die ganze Welt erobern und Europameister werden. Wir müssen es einfach schaffen.“ Dem Torwart von Athletic Bilbao kommt dabei schon jetzt eine tragende Rolle zu. Nicht nur aufgrund seiner beiden Paraden in St. Petersburg gegen den Ex-Hoffenheimer Fabian Schär und den Dortmunder Manuel Akanji. Schon beim 5:3 nach Verlängerung im Achtelfinale gegen Kroatien in Kopenhagen war er maßgebend beteiligt: erst, als er den Rückpass von Pedri in den Kasten passieren ließ. Später dann wurde er erneut entscheidend und parierte etwa beim Stand von 3:3 stark gegen den Hoffenheimer Andrej Kramaric. Solche Paraden erhoffen sie sich nun auch in Wembley von dem 24-Jährigen: „San Unai“ soll der Elf gegen Italien erneut zur Seite stehen. Donnarumma di Lorenzo Bonucci Chiellini Emerson Jorginho Barella Verratti Chiesa Immobile Insigne I TA L I E N Foto: picture alliance/AA/Golubovich SPANIEN Dani Olmo Pedri Jordi Alba Morata Ferran Torres Koke Busquets Pau Laporte Azpilicueta Unai Simon Dienstag, 21 Uhr live in der ARD und bei Magenta TV Her mit dem nächsten Gegner: Unai Simon und Cesar Azpilicueta feiern den Halbfinaleinzug. Tragende Rolle In Spanien ist Torhüter UNAI SIM O N (24) nach seiner Achterbahnfahrt in aller Munde. Der Keeper aus Bilbao gibt sich vor dem Italien-Spiel so demütig wie siegessicher. Nach dem Schweiz-Spiel begeisterte der Keeper seine Landsleute auch mit seiner entfesselten Freude im TV-Interview. Keine Spur von medienscheu, distanziert, gehemmt. Stattdessen Vitalität und Bescheidenheit. Simon: „Ich hätte die Auszeichnung zum MVP des Spiels nicht an mich, sondern an Yann Sommer vergeben.“ Unterstatement mit Blick auf den „MVP“, den Titel des Spielers des Spiels. Dabei hatte er schon in der regulären Spielzeit seine Elf gerettet. Unai Simons Stürmerkollegen hatten es bei zwei Dutzend Torschüssen in 120 Spielminuten nur zu einem Eigentor gebracht, der Sieg hing am seidenen Faden – und eben an den Fangkünsten des Torwarts, der sich erst im Frühjahr als Spaniens Nummer 1 herauskristallisiert hatte im Duell mit David de Gea von Manchester United. Schon jetzt sagen ihm die in Spanien allerdings traditionell überschwänglichen Auguren einen Stammplatz für viele Jahre voraus. Trotz des Stockfehlers in der Run- de zuvor zum 0:1 gegen Kroatien. Trainer Luis Enrique hatte danach erklärt: „Wichtig ist nicht, ob man Fehler macht, sondern wie man sich danach verhält.“ Stand jetzt hat Unai Simon alles richtig gemacht. Sein Coach sagt jedenfalls: „Ich freue mich, dass Unai jetzt der Held ist.“ Und: „Ich war noch nie so ruhig bei einem Elfmeterschießen wie diesmal.“ Und so hat vor dem Halbfinale dank Unai Simon auch der weiter umstrittene 51-Jährige etwas mehr Ruhe, auch wenn der Ex-Profi erklärte: „Es wäre auch bei einem Aus gegen die Schweiz eine überragende EM.“ Dabei hat der Coach im Überschwang offenbar die mauen Auftritte bei den Remis gegen Schweden und Polen in der Gruppenphase vergessen, an deren Ende seinem Team dann die Slowakei beim 5:0 Spalier stand, zwei Eigentore inklusive. Doch Luis Enrique hatte es immer schon gewusst: „Ich hatte immer gesagt, dass wir zu den acht besten Teams gehören, jetzt sind wir unter den besten vier.“ Kritik gab es auch nach dem Schweiz-Spiel, nicht zu Unrecht. Allzu fahrig hatte sich sein Team in der zweiten Halbzeit präsentiert und kam erst in Überzahl wieder besser ins Spiel. Manche Kritiker warfen dem als dickköpfig geltenden Coach sogar weiterhin vor, keinen Spieler von Real Madrid im Kader zu haben. Die Personaldecke scheint aber auch ohne königliches Personal gefestigt: Für den gegen die Schweiz mit muskulären Problemen ausgewechselten Pablo Sarabia steht erneut der Leipziger Dani Olmo bereit. Und bereit, wie einst als Spieler, ist auch Luis Enrique, der nach drei Weltmeisterschaften und einer EM als Profi erstmals mit Spanien in einem Halbfinale steht. Dass der Gegner Italien heißt, scheint mit Blick auf die jüngere Vergangenheit logisch: Nach 2008 im Viertelfinale besiegten die Iberer die Azzurri 2012 im Finale. 2016 verlor man dagegen im Achtelfinale. PETER SCHWARZ-MANTEY
5. JULI 2021 Es ist so ein beliebter Satz, oft im Scherz gesagt, wenn Ereignisse eigentlich noch gar nicht so lange zurückliegen: „Die Älteren unter Ihnen werden sich erinnern ...“ Im Falle des einzigen Titels, den Englands Nationalmannschaft je holte, ist er so treffend wie unpassend zugleich. Klar erinnern sich bildlich nur noch „Ältere“ an den WM-Triumph von 1966, wenn sie ihn live im Stadion oder zumindest vor dem TV Halboder Radio erlebt haben. Doch finale eigentlich ist dieser 30. Juli 1966 präsent für alle in England, denn seitdem wächst die Sehnsucht nach einem Titel mit jedem Misserfolg mehr. Und davon gab es einige in den vergangenen 55 Jahren des fußballerischen Schmerzes. Von der ewigen Stadt zum Nun könnte dieser Leidensweg ewigen Ziel: Englands bald beendet sein. Durch die Spieler Maguire und Co. träumen. der Three Lions und Trainer Gareth Southgate, für die Fans, die Medien. Für England. Nach dem lockeren 4:0Sieg in Rom gegen die Ukraine ging’s zurück nach England. Zwei Hürden sind noch zu bewältigen, bevor auch der Spott aus dem Ausland mal aufhören könnte: erst Dänemark, dann Italien oder Spanien. Wobei Southgate natürlich mahnt, erst mal die euphorisierten Dänen schlagen zu müssen. Aber er Eine sagt auch: „Jetzt wolCo-Produktion len wir die Chancen von zwei ManUnitednutzen.“ Profis führte erstmals seit Vor allem: 2000 wieder zu einem eng- gut gefahren. Pragwenn nicht dort, in lischen Turniertor: damals matischer und nüchWembley, wo dann? legte Beckham für Scholes, terner, als sie diese Die Fans sollen und nun Shaw für Maguire auf. EM bisher begreifen, können die Englängeht’s kaum. Mitten der tragen. Sie können im überwiegend vorsie aber auch lähmen, wenn herrschenden Modus der der Fall eintritt, mit dem man Kontrolle sorgt die bärenstarke noch nicht zu kämpfen hatte: Offensive dann und wann für ein Rückstand. Highlights wie nun nicht mehr nur In der Nations League siegte Raheem Sterling allein, sondern Dänemark im vergangenen Oktoauch Harry Kane oder Abwehrchef ber in England, übrigens durch ein Harry Maguire in Rom. Und sogar Elfmetertor von Christian Eriksen. Jordan Henderson erzielte in diesem Schlechte Gefühle und Emotionen besseren Trainingsspielchen gegen aller Art auszublenden, damit sind die Ukraine seinen ersten Treffer die Engländer bislang jedoch sehr im 62. „Cap“. „Zweimal in Folge bei Fotos: picture-alliance 44 Wenn nicht dort, wo dann? Zurück in Wembley! Ganz ENG L AN D sehnt sich nach der ersten Final-Teilnahme seit 1966. Der Druck ist riesig. 1 Der einzige große Triumph: Martin Peters, Bobby Moore und Geoff Hurst posieren 1966 mit dem WM-Pokal. einem Turnier das Halbfinale zu erreichen, ist großartig“, schwärmte Maguire. Auch die Befürchtungen der Boulevardpresse, der deutsche Schiedsrichter Dr. Felix Brych könnte die Partie stören, weil England zuvor Deutschland ausgeschaltet hatte, erwiesen sich – natürlich – als haltlos. Nun also gegen jene Dänen, die fußballerisch nicht besser sind als England, jedoch mit Leidenschaft und als Kollektiv auftrumpfen, getragen von der Genesung Eriksens, nachdem das Drama um ihn zum Glück gut ausging. Bleibt Southgate seiner Linie treu, wird er das System wieder vom 4-2-3-1 (gegen die Ukraine) in ein 3-4-3 (wie gegen Deutschland) zurückverwandeln, um die Dänen zu spiegeln. Kieran Trippier wäre als zusätzlicher Abwehrspieler der Nutznießer, Mason Mount der Leidtragende. Attraktiver wird Englands Spiel dadurch nicht, aber das ist auch nicht Southgates Ansinnen. Er will, er muss gewinnen, die Erwartungshaltung und der Druck sind riesig. Doch der Coach weiß vor der historisch großen Chance am Mittwoch auch: „Diese Siege, diese Nächte bringen ganz England zusammen.“ Es ist Zeit für eine neue englische Erfolgsgeschichte, Zeit für mehr Farbfotos von einem englischen Titel. KEIR RADNEDGE Gareth Southgate ist erst der zweite Trainer der englischen Nationalelf, der die Three Lions bei einer WM und einer EM in ein Halbfinale geführt hat. Zuvor nur Alf Ramsey, 1966 und 1968. 2 Bleibt Keeper Pickford im Halbfinale ohne Gegentor, wäre dies ein Rekord bei einem großen Turnier. Auf fünf Spiele brachten es auch Spaniens Casillas 2012 und Italiens Zenga 1990. 5 ANZEIGE
5. JULI 2021 Pickford Walker Stones Maguire Trippier Phillips Rice Shaw Sancho Kane Sterling ENGLAND DÄNEMARK Dolberg Braithwaite Delaney Höjbjerg Maehle Stryger Larsen Vestergaard Kjaer Christensen Schmeichel Der Fels Auf S I M O N KJA ER (32) ist Verlass. Der Kapitän der Dänen hat spät in der Karriere eine erstaunliche Entwicklung gemacht. Foto: imago images/Ritzau Scanpix Diese Bilder werden in die Geschichte der EM eingehen. Simon Kjaer, wie er den kollabierten Christian Eriksen in die stabile Seitenlage bringt, Simon Kjaer wie er Eriksens Freundin tröstet, Simon Kjaer, wie er die Mitspieler zum menschlichen Sichtschutz vor Eriksen und den Ärzten gruppiert. Dänemarks Kapitän hat charakterliche Größe gezeigt. Und er hat eine sportliche Klasse gezeigt, die so nicht jeder erwartet hatte. Kjaer war seinem Team nicht nur ein Fels zum Anlehnen neben dem Spielfeld, sondern auch ein Fels auf dem Platz, an dem die gegnerische Offensive meist abprallte. Ein Fels mit Gefühlen, wie auch nach dem Viertelfinalsieg über die Tschechen, als er mit Tränen in den Augen ein Interview gab: „Das ist groß. Das ist Wahnsinn. Wir hatten ein Ziel vor dem Turnier: Wir wollten nach Wembley. Und da sind wir jetzt. Das ist eine verrückte Leistung, die wir als Team geschafft haben. Und wir dürfen nie die Leute hinter dem Team vergessen und all das, was wir durchgemacht haben. Wir sind als Gruppe zusammengewachsen.“ Diese EM ist ein absoluter Höhepunkt in Kjaers Karriere. 112 Länderspiele hat der Innenverteidiger nun absolviert, doch erst jetzt haben ihn die Fans ins Herz geschlossen. Denn sonderlich beliebt war er nicht immer. 2018 zog er durch seine Rolle im Streit des Teams mit dem Verband, der zu einem Spielerstreik führte, den Unmut vieler Dänen auf sich. Lange Jahre hatte Kjaer im Nationalteam im Schatten seines Nebenmannes Daniel Agger gestanden und war auch in seinen Klubs nicht gerade als Leistungsträger aufgefallen. Beim VfL Wolfsburg dürften sie sich heute fragen, ob dies jener Simon Kjaer ist, der von 2010 bis 2013 unkonzentriert und ungelenk eher als Sicherheits- risiko in der Bundesliga aufgefallen war. Einen kaum besseren Eindruck hatte er später beim FC Sevilla und bei Atalanta Bergamo hinterlassen. Erst seit Kjaer im Januar 2020 zum AC Mailand kam, beweist er endlich auch seine Tauglichkeit für einen Spitzenklub in einer absoluten Topliga. Der Däne war einer der „Das ist eine verrückte Leistung, die wir als Team geschafft haben.“ Simon Kjaer, Dänemarks Kapitän Poulsen Mittwoch, 21 Uhr live im ZDF und bei Magenta TV 45 Schlüsselspieler bei Milans sportlichem Comeback in der Serie A in den vergangenen anderthalb Jahren und wird inzwischen sogar als möglicher neuer Kapitän der Rossoneri gehandelt. Unstrittig ist, dass der blonde Hüne bei dieser EM-Endrunde zu den bislang besten zentralen Verteidigern zählt. Gegen Tschechien hielt er einmal mehr seine Abwehr zusammen, hatte Torjäger Patrik Schick weitgehend im Griff, gewann alle Kopfballduelle sowie die meisten Zweikämpfe, allerdings einmal auch mit Glück, als Schiedsrichter Björn Kuipers sein Foul an Matej Vydra kurz vor dem Strafraum übersah. „Ich liebe diesen Aspekt des Spiels“, erklärt Kjaer seine robuste Spielweise. „Wir haben hart gearbeitet und hätten besser spielen können“, lautete die durchaus kritische Analyse des Kapitäns nach dem Schlusspfiff, „vielleicht haben wir ihnen zu sehr die Initiative überlassen, aber in der Abwehr standen wir sicher. Vielleicht hätten wir noch ein Tor mehr machen sollen, aber wir sind im Halbfinale.“ Und zwar zum ersten Mal seit 29 Jahren, als Danish Dynamite bei der EM 1992 zündete und man im Halbfinale erst die Niederlande (nach Elfmeterschießen) ausschaltete und dann das Endspiel sensationell mit 2:0 gegen Deutschland gewann. Die Stimmung im Land ist geradezu aus- gelassen, die Nationalelf ist im Alltag fast überall präsent: Sie wird geliebt wie das legendäre Team der 80er Jahre und die Europameister von 1992. Dänemark erlebt einen magischen Summer of Love, ohne den Rekonvaleszenten Eriksen dabei zu vergessen. „Das ist ganz große Klasse. Die Unterstützung, die wir in der ganzen Zeit jetzt erhalten haben, ist schon fast irreal. Das gibt uns Mut und Energie“, freute sich PierreEmile Höjbjerg, der an Eriksens Stelle die Spielmacherrolle übernommen hat und das sehr gut macht. Vor dem Viertelfinale gegen die Tschechen hatte Trainer Kasper Hjulmand seinen Spielern ein Foto des Wembley-Stadions aus dem Nations-League-Spiel gegen England im Oktober vorigen Jahres gezeigt. „Ich habe ihnen gesagt, dass wir da wieder hin müssen.“ Das haben er und seine Mannschaft tatsächlich geschafft. Und übrigens: Die Partie damals gewannen die Dänen mit 1:0. MARTIN DAVIDSEN
46 5. JULI 2021 Belgien – Italien 1:2 Courtois 2,5 Alderweireld 4,5 Meunier 4 i Vertonghen 4 Witsel 2,5 T. Hazard 3 Doku 2 B Lukaku 3,5 Immobile 4,5 i B Insigne 2 i Verratti 2,5 G i Spinazzola 1,5 i TRAINER: Martinez Vermaelen 3,5 Tielemans 3 G i De Bruyne 2 Verwundet, aber nicht verbittert 1:2 B Barella 2 Jorginho 2 Chiellini 1,5 Für BELG IEN endet das nächste Turnier ohne einen Titel. Die Generation um De Bruyne braucht frischen Wind. Chiesa 3 i Bonucci 2,5 di Lorenzo 3,5 Wieder raus im Viertelfinale, Belgien kennt das EM-Aus ja schon von der EM 2016. Und doch war diesmal vieles anders. Angefangen beim Gegner: das große Italien statt seinerzeit der Underdog aus Wales. Anders war aber auch die Erwartungshaltung. In Belgien wurde nicht mehr nur vom Titel geträumt, der große Wurf wurde eingefordert. Stattdessen heißt es nach dem 1:2 gegen ItaliViertelen: „Ciao, goldene Fußballfinale kinder“, wie die auflagenstärkste belgische Tageszeitung Het Laatste Nieuws lakonisch am Samstag titelte. Belgiens Nationalelf leckt nach den 90 Minuten von München ihre Wunden. Die einen buchstäblich (Kevin De Bruyne spielte mit einem Bänderriss im Knöchel), die anderen sinnbildlich: „Meine Spieler verdienen das Ausscheiden nicht. Wir sind auf eine sehr starke Mannschaft getroffen“, befand Roberto Martinez. Donnarumma 2,5 TRAINER: Mancini EINGEWECHSELT: 69. Mertens (–) für Tielemans und Chadli (–) für Meunier, 73. Praet (–) für Chadli – 74. Belotti (–) für Immobile und Cristante (–) für Verratti, 79. Berardi (–) für Insigne und Emerson (–) für Spinazzola, 90./+1 Rafael Toloi (–) für Chiesa – RESERVEBANK: Kaminski, Sels (beide Tor), Boyata, Denayer, Carrasco, Dendoncker, Batshuayi, Benteke, Trossard – Meret, Sirigu (beide Tor), Acerbi, Bastoni, Bernardeschi, Locatelli, Pessina TORE: 0:1 Barella (31., Rechtsschuss, Verratti), 0:2 Insigne (44., Rechtsschuss, –), 1:2 Lukaku (45./+2, Linksschuss, FE, di Lorenzo an Doku) – CHANCEN: 6:5 – ECKEN: 9:5 SR-TEAM: Vincic (Assistenten: Klancnik, Kovacic/alle Slowenien – Vierter Offizieller: Rapallini/Argentinien – Video-Assistent: Dankert/Rostock), Note 3,5, ein insgesamt sehr unsicherer Auftritt des Unparteiischen, der das Spiel selten unter Kontrolle zu haben schien. Vor dem harten Elfmeterpfiff hätte ein Gang in die Review-Area nicht geschadet. – ZUSCHAUER: 12 984 (in München) – GELBE KARTEN: Tielemans – Verratti, Berardi – SPIELNOTE: 1, Chancen, Tempo, taktische Finessen – dem Spektakel fehlten nur noch drei Tore oder zumindest eine Verlängerung und ein Elfmeterschießen. “ ANALYSE Oliver Birkner, Boris Cremer und Martin Gruener ES BERICHTEN Ein Spektakel in höchster Geschwindigkeit etwa bei Insignes 2:0, als niemand herausrückte. Nach der Pause hatte sich Belgien besser auf das variable Spiel der Azzurri eingestellt und brachte nun sein Tempo in der Offensive zur Geltung. Witsel fand mehr Platz, um anzutreiben, nur fehlte in vorderster Front das Geschick und das Glück, um die Verlängerung zu erzwingen. So brachte Italien den Erfolg ins Ziel. LEONARDO SPINAZZOLA trieb das Spiel immer wieder an über links, er glänzte auch als Verteidiger, als er in höchster Not gegen Lukaku rettete und wurde durch seine schwere Verletzung schließlich zum tragischen Helden. Ø-Note Ø-Alter Meiste Ballkontakte 3,14 29,74 87 T. Hazard ITALIEN 2,50 28,48 104 Verratti Ballbesitz 46 % 54 % 60 43 Gewonnene Zweikämpfe Mit dem Aus von Innenverteidiger Shevchenko lässt Daten: opta S PI ELE R D ES S P I EL S BELGIEN UK R AI NE FAZIT: Ein spektakuläres Spiel, das immer wieder mit höchster Geschwindigkeit hin- und herwogte, fand einen knappen, aber gerechten Sieger. Auch wenn Belgien dem Ausgleich mehrfach nahe war. 58+42 46+54 Einmal mehr zeigte sich Italien bei dieser EM sehr angriffslustig. Die Squadra nutzte dabei vor allem ihre Überzahl auf den Flügeln. Mit präzisen Diagonalbällen aus der Abwehr und dem defensiven Mittelfeld wurde das belgische Pressing schnell entschärft, Spinazzola hinterlief immer wieder Insigne auf links, auf der Gegenseite schoben Barella und Chiesa im Duett an. Bei Belgien fehlte lange diese Breite im Spiel, weil De Bruyne und Doku zunächst ihre Hintermänner nicht konsequent bei der Defensivarbeit auf den Seiten unterstützten. Hinzu kam, dass die Dreierreihe der Roten Teufel mehrfach zu passiv agierte, Und doch muss sich der Spanier Kritik gefallen lassen, in diesem Ausmaß zum ersten Mal in seinen fünf Jahren als belgischer Chefcoach. Nicht etwa, weil ein knappes Viertelfinal-Aus gegen ein derart auftrumpfendes Italien ein Drama wäre. Wohl aber, weil die Belgier bei der EM spielerisch einiges vermissen ließen. Der Tempofußball, mit dem die Roten Teufel noch bei der WM vor drei Jahren ins Halbfinale vorgeprescht waren (und dort 0:1 gegen Frankreich verloren), war nur sehr vereinzelt zu sehen, etwa in der zweiten Hälfte der Viertelfinals. Stattdessen „überzeugte“ Belgien mit Ergebnisfußball, und das hätte sogar gegen Italien zumindest für eine Verlängerung reichen können. Belgiens (nach wie vor) goldene Generation ging mit einem Handicap ins Turnier. Dortmunds Axel Witsel gab sein Comeback nach gut einem halben Jahr Verletzungspause, De Bruyne und Eden Hazard waren 0:4 gegen England, eine echte Klatsche in EM-Aus der Runde der letzten acht, chancenlos – und dennoch feierte die Ukraine und wurde von den Fans in Rom mit warmem Applaus verabschiedet. „Ich bedanke mich bei den Spielern für ihre Hingabe“, sagte Trainer Andriy Shevchenko, „und für den Versuch, schönen Fussball zu spielen, der typisch werden soll für unser Team.“ Die Höhe der Niederlage hat viel mit den Personalproblemen zu tun. Linksaußen Olexandr Zubkov wurde doch nicht rechtzeitig fit. Am Samstag meldete sich Regisseur Ruslan Malinovskyi (Bergamo) wegen Adduktorenproblemen ab. Und als auch noch Serhiy Kryvtsov in der 35. Minute verletzt rausmusste, nahmen die Dinge ihren Lauf. „Der Verlust eines so kopfballstarken Verteidigers hat uns arg geschwächt“, sagte Shevchenko, und bei drei Kopfball-Gegentoren nach der Pause kann man ihm nur zustimmen. „Wahrscheinlich ist es für uns noch zu früh, mehr zu erreichen“, so der 44-jährige Coach weiter. „Bis wir eine qualitativ hochwertige nationale Meisterschaft haben, werden wir die Ukraine immer seltener bei den großen Turnieren sehen. Und
5. JULI 2021 Ukraine – England 0:4 0:1 Bushchan 4 Zabarnyi 5 47 TRAINER: Shevchenko Kryvtsov 4,5 i Matviienko 5,5 Karavaev 5 Mykolenko 4,5 Shaparenko 4,5 Sydorchuk 4 i Yarmolenko 5 Zinchenko 3,5 Yaremchuk 4,5 B B Kane 2 i Sterling 2,5 i Shaw 2,5 i Mount 3,5 Rice 3 i Phillips 4 i B Maguire 2 Stones 3 EINGEWECHSELT: 35. Tsygankov (4) für Kryvtsov, 64. Makarenko (–) für Sydorchuk – 57. Henderson (3) für Rice, 65. Rashford (–) für Sterling, Trippier (–) für Shaw und Bellingham (–) für Phillips, 73. Calvert-Lewin (–) für Kane – RESERVEBANK: Pyatov, Trubin (beide Tor), Sobol, Tymchyk, Bezus, Marlos, Stepanenko, Sudakov, Dovbyk, Zubkov – Johnstone, Ramsdale (beide Tor), Chilwell, Coady, Mings, Foden, Grealish TORE: 0:1 Kane (4., Rechtsschuss, Vorarbeit Sterling), 0:2 Maguire (46., Kopfball, Shaw), 0:3 Kane (50., Kopfball, Shaw), 0:4 Henderson (63., Kopfball, Mount) – CHANCEN: 2:7 – ECKEN: 3:2 SR-TEAM: Dr. Brych (München – Assistenten: Borsch/Mönchengladbach, Lupp/ Zossen – Vierter Offizieller: del Cerro Grande/Spanien – Video-Assistent: Fritz/Korb), Note 2,5, insgesamt sichere Spielleitung, nicht groß gefordert, meistens angenehm unauffällig. – ZUSCHAUER: 11 880 (in Rom) – GELBE KARTEN: keine – SPIELNOTE: 3, die zweite Halbzeit entschädigte dank der drei Tore für eine biedere erste. Allerdings stießen die Engländer auch auf keine Gegenwehr mehr. Trauriger Abgang: Kevin De Bruyne, der mit einem Bänderriss gegen Italien aufgelaufen war, und Jeremy Doku, Belgiens Hoffnung für die Zukunft. Jahren verletzungsbedingt nicht mehr zu alter Form zurück. Auch Dries Mertens (34) und Witsel (32) sind im Herbst ihrer Karrieren. Und so dürfte die WM 2022 die vorerst letzte Titelchance für die „goldenen“ Belgier werden. Immerhin ist frischer Wind zu spüren: Jeremy Doku (19), der Eden Hazard gegen Italien vertrat, wirbelte auf Linksaußen und bewies, dass er Belgiens größte Offensivhoffnung für die Zukunft ist. Stade Rennes dürfte für den Tempodribbler nur eine Durchgangsstation sein. Im zentralen Mittelfeld ist Leicesters Youri Tielemans (24) Belgiens neuer Fixpunkt, auch wenn er bei der EM vieles schuldig blieb. “ ANALYSE Oliver Birkner, Keir Radnedge und Oleg Zadernovsky ES BERICHTEN Shevchenkos Plan früh zerstört seine Zukunft offen rung hätte führen sollen. Doch diese zarte Pflanze verwelkte mit einem englischen Doppelschlag nach der Pause, spätestens damit war alles entschieden. Vor allem Shaw trug auf links nun mehr zum Offensivspiel bei, zudem unterstrichen die Three Lions mit zwei Kopfballtoren ihre wiedergefundene Stärke bei Standards. Die Treffer entsprangen eigenem Ideenreichtum (geschicktes Vorpositionieren und Einlaufen) sowie ukrainischer Passivität und Hilflosigkeit. FAZIT: Ein auch in dieser Höhe verdienter Sieg für England gegen in jeder Phase und jeder Hinsicht überforderte und harmlose Ukrainer. Ein Abschiedsgruß? Trainer Shevchenko spricht in Rätseln. Der Knoten ist geplatzt. HARRY KANE erzielte nicht nur zwei Tore, sondern verzeichnete auch eine wunderbare Direktabnahme, die einen Treffer verdient gehabt hätte. Ließ sich oft schlau zurückfallen, nahm so aktiv teil. Daten: opta Fotos: imago images, picture-alliance SP I E L E R DE S SP I E L S Ø-Note Ø-Alter Meiste Ballkontakte UKRAINE 4,50 26,24 120 Matviienko ENGLAND 3,00 25,87 103 Stones Ballbesitz �� �� Die gelbe Wand, die von UkraineCoach Shevchenko im 5-3-2 einzig zum Zweck der Fußballverhinderung errichtet worden waren, konnte England bereits nach vier Minuten überlisten. Sterlings klugen Pass verwertete Kane zum 1:0, womit der Plan zerstört war, die Engländer mürbe zu spielen. Denn die mussten nun ihrerseits keine Kreativität an den Tag legen, sie mutierten in der ersten Halbzeit zum Verwaltungsapparat. Auffällig waren lediglich noch gute Positionswechsel in der Offensivreihe zwischen den beiden Flügeln oder auch bei Mount und Kane. Die Ukraine behielt ihre Mauer zunächst aufrecht, hoffte auf den einen Moment, der zur Verlänge- Kryvtsov nimmt der Niedergang seinen Lauf wir müssen noch mehr Spieler in die Top-Ligen schicken.“ Wie Andrey Yarmolenko zum Beispiel, der bei West Ham in England spielt. „Generell bin ich zufrieden“, sagte der Kapitän, „ich denke, wir haben unseren Fans eine Menge positiver Emotionen geschenkt.“ Ob Shevchenko bleibt, ist so sicher nicht. „Wir werden die EM gemeinsam in Ruhe analysieren“, berichtet der Coach, „und dann wird der Verband eine Entscheidung treffen – und ich auch.“ Der Vertrag von Shevchenko, der 2016 den Neuaufbau des Nationalteams begonnen hatte, läuft bis zur WM 2022. Walker 4 Pickford 3,5 TRAINER: Southgate zu Turnierbeginn angeschlagen, kämpften sich zurück, erlitten aber beide im Achtelfinale gegen Portugal einen Rückschlag. „Es war ein kompliziertes Turnier für uns. Ich selber hatte in den beiden letzten Monaten zu viele Verletzungsprobleme“, bedauerte De Bruyne, der schon mit ManCity das Finale der Champions League verloren hatte. Er fügte aber trotzig hinzu: „Wir kommen wieder.“ Aber mit wem kommt Belgien wieder? Die Abwehr der K.-o.-Runde (Vermaelen, Vertonghen, Alderweireld), hat einen Altersdurchschnitt von knapp 34 Jahren. Fraglich, ob die drei überhaupt noch bei der WM in Katar dabei sein werden. Eden Hazard ist erst 30, findet aber seit Sancho 3 49 % 51 % 27 38 Gewonnene Zweikämpfe
48 5. JULI 2021 Schweiz – Spanien Sommer 1,5 Akanji 3,5 Zakaria 4 i Freuler 3 R Embolo – i 1:1, 0:1 TRAINER: Petkovic Elvedi 4 Widmer 3 G i 1:1 i.E. 1:3 Rodriguez 3 B Shaqiri 2 i Zuber 2,5 i Seferovic 4 i Morata 4,5 i Pedri 3 i Jordi Alba 2,5 Ferran Torres 4 i Koke 3,5 i Busquets 4 Pau 3,5 i Laporte 4,5 G Azpilicueta 3,5 Unai Simon 1,5 TRAINER: Luis Enrique EINGEWECHSELT: 23. Vargas (4) für Embolo, 81. Gavranovic (3) für Seferovic und Sow (3,5) für Shaqiri, 90./+2 Fassnacht (4) für Zuber, 100. Mbabu (–) für Widmer und Schär (–) für Zakaria – 46. Dani Olmo (3,5) für Sarabia, 54. Gerard (3,5) für Morata, 90./+1 M. Llorente (3) für Koke, 91. Oyarzabal (3) für Ferran Torres, 113. Thiago (–) für Pau, 119. Rodrigo (–) für Pedri – RESERVEBANK: Kobel, Mvogo (beide Tor), Benito, Cömert, Lotomba, Fernandes – de Gea, Sanchez (beide Tor), Garcia, Gaya, D. Llorente, Traoré TORE: 0:1 Zakaria (8., Eigentor, Vorarbeit Jordi Alba), 1:1 Shaqiri (68., Rechtsschuss, Freuler) – ELFMETERSCHIESSEN: Busquets verschießt, 1:0 Gavranovic, 1:1 Dani Olmo, Schär scheitert an Unai Simon, Rodrigo scheitert an Sommer, Akanji scheitert an Unai Simon, 1:2 Gerard, Vargas verschießt, 1:3 Oyarzabal – CHANCEN: 3:7 – ECKEN: 9:13 SR-TEAM: Oliver (Assistenten: Burt, Bennett/alle England – Vierter Offizieller: Hategan/ Rumänien – Video-Assistent: Kavanagh/England), Note 4,5, sichere Spielleitung, die sich meistens im Strafmaß widerspiegelte. Die Rote Karte gegen Freuler war allerdings zu hart, weil der Fuß nicht oberhalb des Knöchels war und die Intensität nicht extrem hoch. – ZUSCHAUER: 24 764 (in St. Petersburg) – GELBE KARTEN: Widmer, Gavranovic – Laporte – ROTE KARTE: Freuler (77., rohes Spiel an Gerard) – SPIELNOTE: 3, Spaniens Ballsicherheit und Schweizer Kämpferherz sorgten für abwechslungsreiche und spannende Phasen, allerdings gab es auf beiden Seiten auch Leerlauf und jeweils eine schwache Chancenverwertung, die aber zur Hochspannung im Elfmeterschießen führte. “ ANALYSE Foto: picture-alliance/AP Sarabia 3 i Raus mit Applaus: Die Schweizer um den starken Torwart Yann Sommer schieden erhobenen Hauptes aus, können optimistisch nach vorne schauen. SC HWE I Z Höhere Ansprüche, echte Perspektiven Fabian Ruch und Peter Schwarz-Mantey ES BERICHTEN Platzverweis rettet passive Spanier ten. Mit Beginn der zweiten Halbzeit änderte sich jedoch das Bild, weil die Eidgenossen nun mutiger und präziser agierten. Verdienter Lohn gegen nun zu passive und sich in der Führung bequem einrichtende Iberer war das fein herausgespielte 1:1. Doch mit der überzogenen Roten Karte gegen die Schweiz kehrte die Dominanz der Spanier zurück. FAZIT: Im Elfmeterschießen ein glücklicher Sieg für Spanien. Hier fehlten den Schweizern auch wegen der rund 45-minütigen Unterzahl Kraft und damit Konzentration. Zuletzt gescholten, avancierte Keeper UNAI SIMON diesmal spät zum spanischen Helden. Er entschärfte beim Showdown die Elfmeter von Fabian Schär und Manuel Akanji und hatte so knapp die Nase vor Yann Sommer. Ø-Note Ø-Alter Meiste Ballkontakte SCHWEIZ 3,21 27,64 70 Sommer SPANIEN 3,37 26,95 161 Pau Ballbesitz 28 % 68 72 % 50 Gewonnene Zweikämpfe Daten: opta S PI ELE R D ES S P I EL S 58+42 28+72 Die Schweiz formierte sich gegen den Ball diesmal im 4-2-3-1. War sie selbst im Angriff, wurde Widmer zum Hybridspieler, der sich aus der Kette löste, es enstand ein 3-2-3-2. Doch zunächst war die Kugel meist im spanischen Besitz, Passschärfe und -tempo zwangen die Nati zum Hinterherlaufen. Vor allem aber ließ die Viererkette einen viel zu großen Abstand zu den Sechsern, um Druck aufbauen zu können. Spaniens Führungstreffer entsprang einer schlechten Zuordnung bei einem Eckball, als die Schweizer den Rückraum ungenügend absicher- Hitzfeld-Nachfolger Petkovic umworben Was wäre das für ein Spiel geworden, fraglos das größte in der Geschichte EM-Aus des Schweizer Fußballs! Dienstagabend, Wembley, EM-Halbfinale gegen Italien. Ganz nah dran war die Schweizer Mannschaft im Viertelfinale in St. Petersburg Viertelgegen den Favoriten Spanien, finale doch es reichte nicht zum erneuten Sieg im Elfmeterschießen – wie noch eine Runde zuvor gegen Weltmeister Frankreich. „Wir dürfen dennoch stolz sein auf uns und dieses Turnier“, sagt Trainer Vladimir Petkovic. Auch ohne den gesperrten Kapitän Granit Xhaka steigerten sich die Schweizer im Viertelfinale, sie waren Mitte der zweiten Halbzeit sogar die bessere Mannschaft gewesen, ehe der strenge Platzverweis gegen Remo Freuler zu einer Abwehrschlacht führte – mit einem überragenden Torhüter Yann Sommer. Im Showdown vom Punkt scheiterten dann gleich drei Schweizer, wie 2006 bei der WM in Deutschland im Achtelfinale gegen die Ukraine, damals endete es sogar 0:3. Die Schweizer haben nach sehr schwierigem Start ins Turnier, unter anderem mit einem 0:3 gegen Italien in Rom, bei dieser EM einen großen, historischen Erfolg gefeiert. Endlich, so heißt es in der Schweiz, haben sie nach fünf Anläufen ein Achtelfina- le überstanden. Und die talentierte Generation um Xhaka, Sommer, Xherdan Shaqiri, Ricardo Rodriguez und Haris Seferovic hat mindestens noch ein Turnier in den Beinen. Andere, wie Breel Embolo, Denis Zakaria sowie die meist überzeugenden Innenverteidiger Nico Elvedi und Manuel Akanji, sind 24 und 25 Jahre alt, die Aussichten der Mannschaft sind dementsprechend gut. Allerdings wird es für die kleine Fußballnation Schweiz auch in Zukunft bereits ein Erfolg sein, die Runde der letzten 16 zu erreichen, selbst wenn die Ansprüche nun deutlich gestiegen sind. „Wir haben bewiesen, mit den besten Mannschaften mithalten zu können“, sagt Trainer Petkovic, der die Schweiz 2014 von Ottmar Hitzfeld übernommen hatte. Sein Vertrag läuft bis zur WM 2022, aber zuletzt gab es wieder Gerüchte um ihn, angeblich sind mehrere Klubs am erfolgreichen Petkovic interessiert. Unter anderem Zenit St. Petersburg. Nach teilweise komplizierten Zeiten ist es Petkovic gelungen, zusammen mit seiner Mannschaft eine bemerkenswerte Begeisterung in der Schweiz zu entfachen. Aber schon die direkte Qualifikation für die WM 2022 in Katar wird sehr schwierig, trotz zweier Siege zum Start – weiter geht es im September mit einem Heimspiel gegen … Italien.
5. JULI 2021 Tschechien – Dänemark 1:2 TRAINER: Silhavy Celustka 4 i Kalas 1,5 G Holes 2,5 i Soucek 2,5 Masopust 4 i Boril 4 Barak 3 Sevcik 4 i Vladimir Coufal weinte. Nach einer hervorragenden EM-Aus Saison bei West Ham United in England (34 Startelf-Einsätze), die auf Rang 6 endete, spielte Tschechiens Rechtsverteidiger auch ein starkes EM-Turnier (fünf Einsätze über die volle Distanz, Notenschnitt 3,3) mit zwei Tor-Assists, auch den 1:2-Anschlusstreffer gegen Dänemark durch Patrik Schick bereitete er vor. „Wir wollten so sehr nach Wembley zum Halbfinale kommen“, klagte der 28-Jährige, „und wir waren so nah dran. Aber dann hat uns einfach die Kraft gefehlt.“ Der gebürtige Ostrauer, der nie für den lokalen Erstligisten Banik Ostrau spielte und im Oktober 2020 für 6,4 Millionen Euro von Slavia Prag auf die Insel wechselte, war auch im Viertelfinale einer der Besten seines Teams, wäre da nur nicht dieser eine Lapsus gewesen: Bei einem Pass von Vestergaard stand Coufal schlecht und verlor das Laufduell mit Maehle, der Dolberg das 0:2 auflegte. „Es war still in der Kabine“, berichtete Jaroslav Silhavy, und außer bei Coufal hat der Trainer auch bei anderen Spielern Tränen gesehen. „Wir sind sehr enttäuscht, aber die Spieler verdienen ein großes Lob. Wir haben nach bestem Wissen und Gewissen gespielt, aber am Ende waren wir völlig erschöpft.“ Dennoch: Laut Co-Trainer Tomas Galasek (früher Profi in Nürn- B Schick 3 i Damsgaard 2,5 i Maehle 3,5 B Dolberg 2,5 i B Delaney 1,5 i Vestergaard 3 Braithwaite 4 Höjbjerg 2,5 Kjaer 2,5 Stryger Larsen 3 i Christensen 2 i Schmeichel 3 TRAINER: Hjulmand EINGEWECHSELT: 46. Jankto (3) für Holes und Krmencik (3,5) für Masopust, 65. Brabec (–) für Celustka, 79. Vydra (–) für Schick und Darida (–) für Sevcik – 59. Poulsen (2) für Dolberg und Nörgaard (4,5) für Damsgaard, 70. Wass (–) für Stryger Larsen, 81. Jensen (–) für Delaney und Andersen (–) für Christensen – RESERVEBANK: Koubek, Mandous (beide Tor), Kaderabek, Zima, Kral, Pekhart, Pesek – Lössl, Rönnow (beide Tor), Jörgensen, Skov, Cornelius, Skov Olsen, Wind TORE: 0:1 Delaney (5., Kopfball, Vorarbeit Stryger Larsen), 0:2 Dolberg (42., Rechtsschuss, Maehle), 1:2 Schick (49., Rechtsschuss, Coufal) – CHANCEN: 7:7 – ECKEN: 9:7 SR-TEAM: Kuipers (Assistenten: van Roekel, Zeinstra/alle Niederlande – Vierter Offizieller: Karasev/Russland – Video-Assistent: van Boekel/Niederlande), Note 3,5, gewohnt routiniert, aber auch mit Fehlern bei der Zweikampfbewertung. Der Gröbste: In der 84. Minute verweigerte er den Tschechen einen klaren Freistoß (Kjaer foult Vydra) aus guter Position kurz vor dem Strafraum – ZUSCHAUER: 16 306 (in Baku) – GELBE KARTEN: Krmencik, Kalas – SPIELNOTE: 2,5, taktisch anspruchsvoll, flott mit vielen Strafraumszenen und spannend bis zum Schluss. “ ANALYSE Martin Davidsen und Vit Chalupa ES BERICHTEN Als Tschechien drückt, trifft nur Schick Die Umstellungen des tschechischen Trainers Silhavy in der Pause auf ein 4-4-2 fruchteten sofort, von den vielen dicken Möglichkeiten konnte aber nur Schick seine nutzen. In der ersten Hälfte der zweiten Halbzeit hätte das Spiel kippen können, nach einer Phase mit vielen Verletzungsunterbrechungen jedoch hatten die zusehends müder werdenden Tschechen den Faden verloren. Poulsen (78.) und Maehle (82.) verpassten die vorzeitige Entscheidung. Nach dem frühen Führungstor per Kopf avancierte THOMAS DELANEY zum Schwungrad seiner Mannschaft. Als Dänemark nach der Pause in Schwierigkeiten geriet, war der Dortmunder ein Fels in der Brandung. Ø-Note Ø-Alter Meiste Ballkontakte 3,08 28,54 84 Coufal DÄNEMARK 2,81 27,70 62 Höjbjerg Ballbesitz 55 % 45 % 49 54 Gewonnene Zweikämpfe Daten: opta Foto: picture-alliance/Kose S P I E L E R D ES S P I EL S TSCHECHIEN berg und Gladbach) war die EM für Tschechien „ein großer Erfolg, trotz des Ausscheidens sind wir zufrieden. Die Stimmung ist gut“. Vielleicht hätte es ja wenigstens noch zur Verlängerung gereicht, wenn nicht Schick elf Minuten vor Schluss wegen Problemen im rechten Oberschenkel vom Feld gemusst hätte. „Eine genaue Diagnose steht noch aus“, berichtete Galasek am Sonntagnachmittag dem kicker, „aber immerhin: Er kann normal laufen.“ Der 25 Jahre alte Torjäger von Bayer Leverkusen, der fünf der sechs tschechischen Treffer bei dieser EM-Endrunde erzielte, wird als einer der Gewinner des Turniers in Erinnerung bleiben. „Ja, es war ein gutes Turnier für mich. Aber für die Mannschaft auch?“, fragt der Stürmer. „Wir alle haben das Gefühl, dass mehr drin gewesen wäre. Die Dänen waren schlagbar.“ Immerhin: Mit fünf Treffern hat Schick nun mit Tschechiens EM-Rekordschützen Milan Baros gleichgezogen. Am Tag nach dem Spiel beendete Kapitän Vladimir Darida von Hertha BSC seine Karriere im Nationalteam, wie der tschechische Verband twitterte. Der 30 Jahre alte Mittelfeldspieler, der nach einer Verletzung erst in der Schlussphase eingewechselt worden war, bestritt 76 Länderspiele (acht Tore). „Danke für alles“, schrieb der Verband, „wir wünschen dir nur das Beste.“ FAZIT: Aufgrund der ersten Halbzeit kein unverdienter Erfolg der Dänen. Ein Sieg der Marke „Arbeitssieg“. 48+52 55+45 Nach der frühen Führung im Anschluss an eine berechtigte Ecke (Celustka sprang der Ball für einen Sekundenbruchteil an die Hand), als Schick Delaney laufen ließ, waren die Dänen die bessere, torgefährlichere Mannschaft. Zwar übte das Hjulmand-Team nicht die Dominanz und Wucht der vergangenen Spiele aus, kontrollierte aber das Geschehen. Dennoch kamen auch die Tschechen zu ihren Chancen, eine davon nach einem Schmeichel-Patzer, den der Keeper aber Sekunden später gegen Holes wiedergutmachte. Dem 0:2 ging eine Unaufmerksamkeit von Coufal im Laufduell mit Maehle voraus. Letztes Länderspiel von Darida Untröstlicher Coufal mit Licht und Schatten 0:2 Vaclik 2 Coufal 3 TSC HEC HI E N 49 Interessantes Duell: Vladimir Coufal traf immer wieder auf Joakim Maehle (rechts). Einmal entwischte der Däne dem tschechischen Rechtsverteidiger.
5. JULI 2021 Sinn oder nicht Sinn? Das ist hier die Frage. Die Endphase der EM findet ausgerechnet in LO N D O N statt, einem Hotspot der Pandemie. Die UEFA hat dennoch nicht reagiert. B eim Blick auf die vier Halbfinalisten Italien, Spanien, England und Dänemark sticht dem Betrachter sofort deren Teamgeist ins Auge. Die Stars und ihre Adjutanten bilden gemeinsam die Mannschaft, Egos sind nicht als Geisterfahrer des Erfolgs unterwegs, alle ordnen sich im Sinne des Ganzen ein. Es gab in der Vergangenheit genügend Turniere, die von einzelnen großen Spielern geprägt wurden. Michel Platini und die EM 1984 sind ebenso untrennbar miteinander verbunden wie Diego Maradona und die WM 1986 oder der globale Wettstreit 2002 mit dem Brasilianer Ronaldo. Der Trend geht jedoch seit Jahren eindeutig in die Richtung, dass Erfolg nur der hat, bei dem große Spieler auf die One-Man-Show verzichten. Das war 2018 im Gegensatz zu 2021 bei den Franzosen der Fall, auch 2008 bis 2012 bei den Spaniern und 2014 bei den Deutschen. Selbst die Portugiesen 2016 mit ihrem eigentlich alle N un also London. In der britischen Hauptstadt werden in dieser Woche die finalen Spiele dieser EM ausgetragen. Was als sportlicher Höhepunkt in einem der beeindruckendsten Fußballstadien der Welt vor einigen Jahren geplant und organisiert wurde, droht im Juli 2021 zu einem großen Teil von den kritischen Rahmenbedingungen überschattet zu werden. In Großbritannien grassiert derzeit die hochansteckende Delta-Vari- ante des Coronavirus, die Inzidenzzahlen der Neuinfektionen lagen zuletzt bei 180, was einen negativen Spitzenwert in Europa bedeutet, noch vor Russland und Portugal. Und das Land beklagt inzwischen 128 000 Corona-Tote. Da erscheint es doch zumindest fragwürdig, ein sportliches Großereignis ausgerechnet in einem Hotspot der Pandemie stattfinden zu lassen. Dass dieses Problem prinzipiell erkannt wurde, beweisen die restriktiven in- ternationalen Reiseregelungen, nach denen fast alle europäischen Länder britische Staatbürger bei der Einreise in eine längere Quarantäne schicken und dies in Großbritannien mit Einreisenden ebenso gehandhabt wird. Selbst die UEFA reagierte, indem sie Karten für Briten für das Viertelfinale in Rom zwischen England und der Ukraine sperren ließ. Warum aber hat die UEFA in Sachen London nicht auf die Corona-Entwicklung reagiert? Der eu- EM – DER KOMM EN TAR Frank Linkesch kicker-Redakteur Erfolgreich ist nur, bei wem sich die Stars einordnen. überstrahlenden Cristiano Ronaldo bildeten keine Ausnahme. CR7 hat, obwohl längst im Urlaub, noch immer Chancen auf den Titel des Torschützenkönigs. Drei Elfmeter, zweimal richtig gestanden, fünf Treffer. Geprägt hat er dieses Turnier dennoch nicht. Dieser eine, alle überstrahlende Topstar fehlt, auch wenn große Namen sehr wohl mit Leistung glänzen. Harry Kane hat in der K.-o.-Phase seine Treffsicherheit gefunden, Giorgio Chiellini verteidigt auch in fortgeschrittenem Alter famos, Karim Benzema, Kevin De Bruyne, Paul Pogba, Luka Modric oder auch Robert Lewandowski setzten einzelne Glanzlichter, brachten ihre Leistung. Anders sieht das beim hoch gehandelten Kylian Mbappé aus, einem der Enttäuschten und Enttäuschenden dieses Turniers. EINE EM ODER WM ist nicht nur die Bühne der aktuellen Stars, sondern auch eine für die kommenden. Gianluigi Donnarumma reiste nicht mehr als Unbekannter an, zeigt aber bei seinem ersten großen Turnier als Stammtorwart, dass er diese Position auf Jahre prägen kann. Der Spanier Pedri macht ebenso Spaß wie sein Teamkollege Ferran Torres. Und so enttäuschend das deutsche Abschneiden war, Kai Havertz bewies als einer der wenigen Lichtblicke, dass sein Siegtor im ChampionsLeague-Finale keine Eintagsfliege war. Er gehört zur Generation kommender Topstars ebenso wie sein Chelsea-Kollege Mason Mount und Phil Foden bei England, auch wenn Letzterer der EM seinen Stempel noch nicht aufdrücken konnte. Weitere Namen, die Fans weltweit sich merken sollten: Manuel Locatelli und Federico Chiesa bei den Italienern, der aus Leipzig hierzulande bereits bekannte Spanier Dani Olmo, Schwedens Alexander Isak, der Däne Mikkel Damsgaard und Belgiens Jeremy Doku, der die Italiener ins Schwitzen brachte. Spannend, ob die letzten drei Partien große Momente großer Stars bringen wie Zinedine Zidane 1998 oder Mitläufer zu Helden werden wie Portugals Finaltorschütze Eder 2016, an den sich längst nicht mehr jeder erinnert. Foto: imago images/pixsell 50
5. JULI 2021 Entscheidung: In Wembley sollen die Halbfinals und das Endspiel der EM stattfinden. ropäische Verband zieht sich auf die Position zurück, er halte sich an die von den Regierungen und Gesundheitsbehörden der jeweiligen Länder erlassenen Bestimmungen im Umgang mit der Pandemie. Da trifft es sich natürlich gut, dass man es mit ach so vertrauenswürdigen und verantwortungsbewussten Politikern zu tun hat, also ein Autokrat wie Viktor Orban ein volles Stadion zulässt und ein Populist wie Boris Johnson für die Finalspiele inzwischen 60 000 Zuschauer im Wembley-Stadion erlaubt – unter dem durchsichtigen Vorwand, dies sei eine wissenschaftliche Testphase, die auch andere Großveran- EM MAGAZIN KOLUMNISTEN-KREIS staltungen (z. B. Wimbledon) umfasse. Dem Vernehmen nach soll die UEFA den englischen Gastgebern in Aussicht gestellt haben, man könne die Finalspiele auch andernorts abhalten, falls die Kapazität in London nicht erhöht werde. Bewiesen ist das nicht, dass man der UEFA ein solches Vorgehen zutraut, sagt genug. Die kurzfristige Verlegung von London in das EM-Stadion eines anderen Landes wäre für die UEFA angesichts von Johnsons Zusage, es könne alles den geplanten Gang gehen, gegenüber ihren Werbepartnern, insbesondere in Großbritannien, nur schwierig zu begründen gewesen – unmöglich war es sicher nicht. Doch da war dem von der Corona-Pandemie zweifellos finanziell auch stark betroffenen Verband das Hemd näher als der Rock. Eines hätte die UEFA, die für die Dauer der EM-Endrunde das Hausrecht in den Stadien besitzt, jedoch durchaus machen können: die Zuschauerzahl beschränken und damit auch das Infektionsrisiko. München und Rom haben gezeigt, dass selbst ein nur zu 25 Prozent besetztes Stadion stimmungsvoll sein kann. Auch hier wird die Verantwortung wieder abgegegen: diesmal an die Fans. Sollen die doch aufpassen. Was angesichts der (durchaus gewünschten) Emotionalität eines Fußballspiels – zumal in der K.-o.-Phase – unrealistisch ist. Der Beweis, dass dies nicht funktioniert, ist ja bereits erbracht. 2000 schottische Fans brachten Corona nach dem Gruppenspiel gegen England aus London mit in die Heimat. Da hilft auch nicht, dass in Großbritannien schon viele Menschen geimpft sind – ansteckend für andere können sie weiterhin sein. Umso absurder, dass nun die ersten Stimmen aus Spanien und Dänemark fordern, die Einreise ins Hochrisikogebiet sogar zu erleichtern. Kritische Stimmen sind aus den Ländern der anderen drei Halbfinalisten dagegen kaum zu vernehmen. Im Vergleich dazu wirkt die deutsche Kritik fast schon hysterisch. Mit einem rundum sorglosen Gefühl kann aber niemand nach Wembley kommen. Die Gefahr, dass die EM zum Super-Spreader wird, ist allzu real. Der Herbst bringt die Antwort auf die Frage. MANFRED MÜNCHRATH Der kicker begleitet Sie durch die EM UEFA verbietet Werbung mit Regenbogen Der Umgang der UEFA mit dem Regenbogen als Symbol für sexuelle Vielfalt und Toleranz bleibt höchst widersprüchlich. Nach dem Verbot der regenbogenfarbenen Beleuchtung der Münchner Arena und der Erlaubnis, Werbebanner mehrerer Sponsoren in einigen Stadien, darunter München, mit den Regenbogenfarben zu unterlegen bzw. zu rahmen, untersagte der europäische Verband dies dem Werbepartner VW für die Viertelfinals in St. Petersburg und Baku. Laut VW hat die UEFA dies mit den rechtlichen Rahmenbedingungen in Russland und Aserbaidschan begründet. Unterdessen ist es in Baku beim Viertelfinalspiel zwischen Dänemark und Tschechien zu einem Zwischenfall gekommen. Zwei Ordner nahmen einem dänischen Fan 51 eine Regenbogenfahne weg. Zur Begründung hieß es aus Aserbaidschan, der Däne sei betrunken gewesen und habe Ärger mit lokalen Fans gehabt. Der dänische Verband widersprach dieser Darstellung. Der Fan erhielt die Fahne nach dem Spiel zurück. Die UEFA erklärte, man habe nie jemanden angewiesen, eine solche Fahne zu konfiszieren, und kündigte eine Untersuchung an. Brych pfeift Halbfinale Spanien – Italien Nach dem EM-Aus der deutschen Nationalelf konnte sich Felix Brych Hoffnungen auf einen Einsatz im Endspiel machen. Die UEFA setzte den Schiedsrichter aus München nun für die Leitung des Halbfinals zwischen Italien und Spanien an, was seine Chancen auf das Finale sinken lässt. Brych kommt damit aber bereits zu seinem fünften Einsatz bei dieser EM. Bernd Heynemann WM-Schiedsrichter 1998 Der unsichtbare Freund und Helfer D as Abschneiden der Nationalmannschaft bei der EM entspricht dem Bild, das der DFB seit einiger Zeit und auch zuletzt mit dem Rücktritt von Präsident Fritz Keller abgibt. Chaotisch – kein Wunder, dass das höchste dem Verband unterstellte Team sich ähnlich präsentiert und nicht erfolgreich ist. Der Fisch stinkt eben vom Kopf. WESENTLICH BESSER haben sich bei der EM allgemein die Schiedsrichter-Teams gezeigt. Besonders im Videocenter in Nyon wurde wohltuend gearbeitet. Geräuschlos und flott. Im Gegensatz zu Deutschland, wo man die Video-Assistenten oft als kniefieselige Strafraumpolizisten wahrnimmt, haben sie beim paneuropäischen Turnier den Unparteiischen auf dem Platz als unsichtbarer Freund und Helfer gedient. Sie haben nicht jeden Körperkontakt in unzähligen Szenen aus allen möglichen Kameraeinstellungen seziert und damit das Spiel aufgehalten, sondern ganz entspannt den Geist des Videobeweises umgesetzt und nur eingegriffen, wenn wirklich schwere Versäumnisse vorlagen. Der beste Schiedsrichter ist der, über den man nicht spricht, heißt es. Und die Video-Assistenten der EM standen praktisch nicht in der öffentlichen Diskussion. AM 1. JULI HAT DIE NEUE Saison begonnen, die Schiedsrichter Manuel Gräfe, Markus Schmidt und Guido Winkmann sind seitdem offiziell in Ruhestand, weil sie die nationale Altersgrenze von 47 Jahren erreicht haben. Es bleibt die Frage, ob eine solch starre Linie sinnvoll ist. Die Unparteiischen sind eigentlich freie Mitarbeiter des DFB, faktisch stehen sie unter der Bedingung von Einjahresverträgen. Denn sie können jederzeit absteigen und nicht mehr für die Bundesliga nominiert werden. Das lässt eine persönliche Karriere- und Lebensplanung natürlich nur unter sehr kurzfristigen Umständen zu. Sinnvoll wären, analog zu vielen Spielern, längerfristige Kontrakte für Leistungsträger. Und diese könnten punktuell über die Altersgrenze hinausgehen. Der kicker-Kolumnistenkreis: Gerald Asamoah, Sergej Barbarez, Giuseppe Bergomi, Fredi Bobic, Marco Bode, Helen Breit, Didier Deschamps, Eduard Geyer, Thomas Helmer, Bernd Heynemann, Bodo Illgner, Jürgen Kohler, Annike Krahn, Erik Meijer, Uli Stein, Joachim Streich, Olaf Thon, Rudi Völler
52 5. JULI 2021 EM-KULISSE Notiert von Thomas Hiete REGELRECHT ABGETAUCHT war Christian Eriksen (Foto) nach seinem Zusammenbruch im dänischem Auftaktspiel gegen Finnland (0:1) und der anschließenden Implantation eines Defibrillators. Nun ist der 29-Jährige wieder gesichtet worden: am Strand von Tidvilde im Norden des Landes. Dort traf Björn Bindzus auf den Fußballstar, sprach ihn an und ergatterte ein Foto, das den elfjährigen Jungen selbst schnell zur Social-Media-Berümtheit werden ließ. Das Bild ging rasant um die Welt, Bindzus schrieb bei Instagram: „Ich im Glück mit dem berühmtesten Mann der Welt.“ Der dänischen Zeitung BT sagte er über Eriksen: „Er sah gesund und frisch aus, das war richtig schön zu sehen.“ Der sich erholende Fußballer trug ein Shirt mit der passenden Aufschrift „slow down“, was so viel heißt wie: Mach mal etwas langsamer. IM EM-TURNIER spielt Italiens Federico Bernardeschi mit bislang erst zwei Einsätzen nur eine Nebenrolle, im Flieger auf dem Rückweg von München in die Heimat übernahm der Profi von Juventus Turin das Kommando. Über das Bordmikro animierte er seine Teamkollegen im besten Capo-Stil zum Mitsingen. Über den Wolken demonstrierte die Squadra Azzurra großes Mitgefühl und skandierte für den im Spiel gegen Belgien (2:1) verletzten Teamkollegen Leonardo Spinazzola: „Olé, olé, olé, olé, Spina, Spina!“ Titelreifer Teamgeist! NACH DEM englischen 2:0-Triumph über Deutschland wurde Three-LionsKeeper Jordan Pickford (Foto) kurzerhand zum Fan. Der Schlussmann des FC Everton bat sein Gegenüber Manuel Neuer um dessen Trikot und erhielt dieses dann auch. „Ich habe es sogar unterschrieben bekommen“, freute sich der 27-Jährige über diesen „schönen Moment“. Der mehrmalige Welttorhüter gratulierte Pickford zu dessen Leistung. Pickfords Plan mit dem Neuer-Jersey: „Ich werde es einrahmen lassen.“ Heiß wie Summerbee: Wie ich mich in den englischen Fußball verliebte H eute möchte ich eine Liebesgeschichte erzählen. Über meine Liebe zum englischen Fußball. Die übertrieben klingende Prosa ist angebracht, denn im 7. Schuljahr trug es sich zu, dass ich mit Tina ging (Name von der Redaktion geändert). Was sich darin ausdrückte, dass wir in den Pausen pausenlos nebeneinanderher liefen. Bis sich Tina ein Herz nahm und einen Kinobesuch am Sonntagnachmittag vorschlug. Ich sagte ab mit der Begründung, die ZDF-Sportreportage nicht verpassen Jörg Jakob zu wollen, denn da gab es immer „Sport aus aller Welt“ mit den Toren und Paraden eines Spiels der First Division. Was diese Episode für den zarten Beginn einer ersten Beziehung bedeutete, kann man sich ausmalen. Die Ordner, die sich in den 70er Jahren mit Ausschnitten aus dem kicker und persönlichen Aufzeichnungen nach meinen regelmäßigen Rendezvous mit BBC Radio 2 füllten, gibt es jedenfalls noch heute. Mittwochs und samstags nahm ich die Live-Reporta- gen mit dem Kassettenrekorder auf. Gebannt von der großartigen Erzählkunst der Kommentatoren, hingerissen von den leidenschaftlichen Gesängen der Fans. Sie glauben ja nicht, welch knisternde Erotik in einem Wiederholungsspiel der vierten Ligapokal-Runde steckt. FC Middlesbrough gegen Newcastle United, ausgestrahlt auf der Langwelle. DER KICKER mit den Berichten von Arthur Rotmil hielt meine Begeisterung hoch. Chefredakteur Karl-Heinz Heimann persönlich beantwortete 1975 dem Zwölfjährigen einen Leserbief, der von Keepern wie Mervyn Day von West Ham United handelte. Es waren noch Zeiten, in denen die deutschen Medien ohne die Metapher „Mutterland des Fußballs“ nicht auskamen und geradezu ehrfürchtig vom „englischen Profi“ schwärmten. Umso prägender war der 3:1Sieg der deutschen Elf in Wembley 1972 für meine Generation. Netzer! Zwei Jahre zuvor beim 3:2 nach Verlängerung in Mexiko war unser erster Farbfernseher eingeweiht worden. Seeler! AUF DEN SAMMELBILDERN hatten die Engländer Namen wie Mike Summerbee, die längeren Haare und schöneren Trikots, ihre Klubs klangen geheimnisvoll: Wolverhampton Wanderers! Deren Aufstellung mit Goalgetter Derek Dougan diktierte mein wunderbarer Englischlehrer Ulrich M., ein Fan der Wolves und von Leeds United, einmal in einem spontanen Klassentest … ENDGÜLTIG um mich geschehen war’s, als ich den väterlichen Freund Tony Eaton kennenlernte, der tatsächlich im Sherwood Forest wohnte, den europäischen Höhenflug von Nottingham Forest genoss, mich 1979 ins alte Wembley mitnahm (England – Wales 0:0) und mir Magazine mit faszinierenden Namen schickte: „Shoot!“, „Match“, „Football Monthly“. Drei Jahre lang wartete ich fiebrig alle zwei Wochen auch auf die abonnierte Stadionzeitung von Coventry City. Die deutsche Post lieferte da sogar noch montags aus. Alles zusammen ein aufregendes Vorspiel, bis es dann richtig geknallt und „Zoom gemacht“ hat: Liverpool gegen Bayern im Europapokal 1981, der erste Besuch an der Anfield Road. 40 Jahre ist das jetzt her, Rubinhochzeit. Das heißt so, weil die Liebe nicht erloschen ist und glänzt wie ein Rubin: edel, dunkelrot und feurig.
TORSCH ÜTZ E N Tore 5 5 4 4 4 3 3 3 3 3 3 3 Spieler Land Cristiano Ronaldo Schick Lukaku Benzema Forsberg Dolberg Kane Sterling Wijnaldum Lewandowski Seferovic Shaqiri Portugal Tschechien Belgien Frankreich Schweden Dänemark England England Niederlande Polen Schweiz Schweiz Rechts Links Kopf davon Elfer 3 1 2 2 2 3 1 2 1 1 2 2 3 2 1 2 2 1 1 1 1 1 2 1 1 2 - 3 1 1 1 1 - 53 Foto: picture-alliance 5. JULI 2021 Spitze: Tschechiens Patrik Schick zog durch sein Anschlusstor gegen Dänemark mit Cristiano Ronaldo in der Torschützenliste gleich. SC ORE R Punkte 6 6 4 4 4 4 4 4 4 4 4 3 3 3 3 3 3 3 3 3 3 3 3 3 3 3 3 3 3 3 Tore + Vorarbeiten Cristiano Ronaldo (Portugal) Schick (Tschechien) Lukaku (Belgien) Sterling (England) Benzema (Frankreich) Depay (Niederlande) Forsberg (Schweden) Shaqiri (Schweiz) Zuber (Schweiz) Sarabia (Spanien) Yarmolenko (Ukraine) De Bruyne (Belgien) T. Hazard (Belgien) Meunier (Belgien) Dolberg (Dänemark) Höjbjerg (Dänemark) Maehle (Dänemark) Gosens (Deutschland) Kane (England) Shaw (England) Mbappé (Frankreich) Immobile (Italien) Perisic (Kroatien) Dumfries (Niederlande) Wijnaldum (Niederlande) Lewandowski (Polen) Rafa (Portugal) Seferovic (Schweiz) Ferran Torres (Spanien) Yaremchuk (Ukraine) 5+1 5+1 4+0 3+1 4+0 2+2 4+0 3+1 0+4 2+2 2+2 1+2 2+1 1+2 3+0 0+3 2+1 1+2 3+0 0+3 0+3 2+1 2+1 2+1 3+0 3+0 0+3 3+0 2+1 2+1 G ROTE KARTEN de Ligt (Niederlande) Danielson (Schweden) Freuler (Schweiz) Ampadu (Wales) Wilson (Wales) Gesamtzahl nach 48 Spielen: 5 GG GELB-ROTE KARTEN Krychowiak (Polen) Gesamtzahl nach 48 Spielen: 1 G GELBE KARTEN Schweiz (11): Gavranovic, Xhaka (je 2), Akanji, Elvedi, Embolo, Mbabu, Rodriguez, Schär, Widmer Wales (9): Moore (2), Allen, Bale, Brooks, B. Davies, Gunter, Mepham, Rodon Frankreich (8): Pavard (2), Coman, Griezmann, Hernandez, Kimpembe, Lloris, Varane Nordmazedonien (8): Alioski (2), Avramovski, Kostadinov, Musliu, S. Ristovski, Trajkovski, Velkovski Deutschland (7): Ginter (2), Gosens, Gündogan, Havertz, Kimmich, Sané Kroatien (7): Brozovic, Caleta-Car, Lovren (je 2), Kovacic Tschechien (7): Boril (2), Coufal, Hlozek, Kalas, Krmencik, Masopust Türkei (7): Calhanoglu, Söyüncü (je 2), Celik, Dervisoglu, B. Yilmaz Österreich (6): Alaba, Arnautovic, Bachmann, Dragovic, Hinteregger, Lainer Polen (6): Glik, Jozwiak, Klich, Krychowiak, Lewandowski, Moder Slowakei (6): Duda (2), Dubravka, Hubocan, Skriniar, Weiss Ungarn (6): Botka (2), Fiola, Nego, Orban, Ad. Szalai Italien (5): Barella, Berardi, di Lorenzo, Pessina, Verratti Russland (5): Barinov, Diveev, Dzhikiya, Kudryashov, Ozdoev Schweden (5): Danielson, Forsberg, Kulusevski, Lustig, Olsson Spanien (5): Busquets, Jordi Alba, Laporte, Pau, Rodrigo Belgien (4): Alderweireld, T. Hazard, Tielemans, Vermaelen Dänemark (4): Damsgaard, Delaney, Jensen, Wass England (4): Foden, Maguire, Phillips, Rice Finnland (4): Kamara, Lod, O’Shaughnessy, Sparv Portugal (4): Diogo Dalot, Joao Palhinha, Pepe, Ruben Dias Ukraine (4): Dovbyk, Shaparenko, Sydorchuk, Yarmolenko Niederlande (3): F. de Jong, de Roon, Dumfries Schottland (3): McGinn, McKenna, O’Donnell C HANC E N TOP -TORH Ü T ER Nach 48 von 51 Spielen Verwertung/Chancen 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23. 24. Ungarn Kroatien England Belgien Deutschland Portugal Slowakei Österreich Schweiz Italien Dänemark Ukraine Frankreich Niederlande Spanien Tschechien Schweden Nordmazedonien Polen Wales Russland Finnland Türkei Schottland 60,0 % 38,9 % 38,1 % 37,5 % 35,3 % 33,3 % 33,3 % 31,3 % 29,6 % 28,9 % 28,2 % 27,3 % 26,9 % 26,7 % 26,1 % 26,1 % 25,0 % 25,0 % 23,5 % 16,7 % 16,7 % 16,7 % 9,1 % 6,3 % 5 18 21 24 17 21 6 16 27 38 39 22 26 30 46 23 20 8 17 18 12 6 11 16 Die Zahl der erzielten Tore geteilt durch die Anzahl der Torchancen ergibt die Chancenverwertung. 1. Sommer (Schweiz) 2. Vaclik (Tschechien) 3. Livakovic (Kroatien) Dimitrievski (Nordmazed.) 5. Courtois (Belgien) 6. Olsen (Schweden) 7. Gulacsi (Ungarn) 8. Pickford (England) 9. Hradecky (Finnland) 10. Donnarumma (Italien) 11. Bachmann (Österreich) 12. Unai Simon (Spanien) Notenschnitt 2,20 2,30 2,50 2,50 2,60 2,63 2,67 2,70 2,75 2,80 2,88 3,10 TOP -FE LD SPIELER Nach 48 von 51 Spielen Notenschnitt 1. De Bruyne (Belgien) Kulusevski (Schweden) 3. Christensen (Dänemark) Höjbjerg (Dänemark) 5. Maguire (England) Sarabia (Spanien) 7. Damsgaard (Dänemark) Pogba (Frankreich) Spinazzola (Italien) 10. Dolberg (Dänemark) Poulsen (Dänemark) 12. Delaney (Dänemark) Maehle (Dänemark) F. de Jong (Niederlande) Dumfries (Niederlande) Cristiano Ronaldo (Portugal) Forsberg (Schweden) Zuber (Schweiz) 19. Jorginho (Italien) 20. Benzema (Frankreich) Berardi (Italien) Locatelli (Italien) Modric (Kroatien) 24. Braithwaite (Dänemark) Kjaer (Dänemark) Griezmann (Frankreich) Insigne (Italien) Depay (Niederlande) 29. Vermaelen (Belgien) Mount (England) Trajkovski (Nordmazedonien) Golovin (Russland) 2,00 2,00 2,13 2,13 2,17 2,17 2,25 2,25 2,25 2,33 2,33 2,38 2,38 2,38 2,38 2,38 2,38 2,38 2,40 2,50 2,50 2,50 2,50 2,63 2,63 2,63 2,63 2,63 2,67 2,67 2,67 2,67
bald spielt er wieder in Manchester, nun aber bei United. Die Folgen. TOT TE N HA M Foto: Getty Images/Bardens Mindestens 85 Millionen Euro sind mal ein Statement. In diesen Zeiten ohnehin. Aber auch für einen 21-Jährigen, der noch auf den ganz großen internationalen Durchbruch wartet. Insofern bedeutet Jadon Sanchos baldige Ankunft bei Manchester United mehr als einen normalen Transfer. Der Winger, der in England mit seiner wettbewerbsübergreifenden Bilanz von 16 Toren und 21 Assists für Borussia Dortmund in der vergangenen Saison auch die Zweifler auf der Insel überzeugte, war längst zu einem Prestigeobjekt geworden, wenngleich sein Transfer schon lange abzusehen war. Die Frage, wer den Jungen, der nach Deutschland zog, um sich einen Namen zu machen, wieder zurück nach Hause holt, hat Manchester United klar beantwortet. Und damit auch ein Zeichen in Richtung Manchester City gesetzt. Eigentlich zwei: Zum einen kehrte Sancho nicht zu den Skyblues zurück, sondern unternimmt einen neuen Anlauf bei den Red Devils in derselben Stadt, zum anderen soll Sancho die Hoffnung auf die erste Meisterschaft des englischen Rekordchampions seit 2013 nähren und eben City den Meisterpokal abjagen. Ist das realistisch? Für den ganz großen Wurf wird es mehr Gar nicht so lange her: 2017 spielte Sancho mit ManCity gegen Mount und Chelsea – im FA-Youth-Cup. „Zurück“! Im Glück? brauchen als einen Sancho. So hofft der Klub für die Innenverteidigung auf eine Verpflichtung Raphael Varanes und spekuliert darauf, dass Real Madrid Geld benötigt. Spannend auch: Was wird aus Paul Pogba? Bei aller Freude der United-Fans über den Sancho-Coup muss die Frage gestellt werden, ob ein Team, in dem mit Marcus Rashford, Mason Greenwood und Daniel James schon sehr gute bis zumindest hoffnungsvolle Flügelstürmer unter Vertrag stehen, noch einen Sancho brauchte. Die Antwort: Ja, wenngleich die Ablösesumme diskutabel bleibt. Doch ein Fünfjahresvertrag ist ein Versprechen auf und eine Investition in die Zukunft. Sancho dürfte seinen Platz rechts bekommen, Rashford links oder zentral, denn Edinson Cavani (34) wird auch nicht jünger. Sancho dürfte angesichts der Konkurrenz bei United glücklicher werden als bei City. Rio Ferdinand, eine UnitedLegende, freut sich auf Sancho: „In den letzten Jahren hatten wir keinen Flügelstürmer, der auch wirklich die Bahn gehalten hat. Er kann die Jungs mit Flanken füttern.“ Und soll dennoch selbst seine Torgefährlichkeit unter Beweis stellen. Bei der EM könnte er nach ordentlichem Startelfdebüt gegen die Ukraine nun doch noch wichtig werden, allerdings wird dort – wie bei United – gefragt sein, was nicht Sanchos Paradedisziplin ist: Defensivarbeit. Allerdings hat er sich dort im vergangenen Jahr verbessert. KEIR RADNEDGE Trainer Espirito Santo und die Frage nach Kane Der Eiertanz der Spurs geht weiter Ob Nuno Espirito Santo nun die neunte Wahl ist oder nicht, sei mal dahingestellt. Doch mehr oder weniger acht ernst gemeinte Trainer-Wunschkandidaten schwirrten zuvor durch Tottenham: Julian Nagelsmann, Hansi Flick, Brendan Rodgers, Erik ten Hag, Mauricio Pochettino, Antonio Conte, Gennaro Gattuso und Paulo Fonseca, der fast schon verpflichtet war. Nun also Espirito Santo, der einst als Torwarttrainer in Malaga begann, sich in England aber einen Namen machte, als er mit Wolverhampton in die Premier League aufstieg und die Wanderers zweimal auf Platz 7 führte. Rang 13 in der Vorsaison war nun ein kleiner Rückfall, allerdings durch Abgänge wie Diogo Jota (Liverpool) und Matt Doherty (Spurs) erklärbar. Wie auch immer: In Wolverhampton ging es nicht weiter, ein Engagement bei Crystal Palace scheiterte an der angeblichen Forderung des 47-Jährigen, sieben Assistenztrainer mitzubringen. Bei den Spurs nun geht der Eiertanz weiter. Erst suchte dieser stolze und große Traditionsklub drei Monate einen Chefcoach, nun wollen sie den Portugiesen als Top-Lösung verkaufen und versuchen dies durch die Worte des Sportdirektors Fabio Paratici: „Man muss sich nur Nunos Zeit bei den Wolves ansehen, um seine Fähigkeit zu sehen, einen Stil zu implementieren, der Erfolg bringt und es den Spielern ermöglicht, sich zu entwickeln.“ Das mag so sein, doch ob er die große Sehnsucht nach Titeln stillen kann? Und wird der abwanderungswillige Topstar Harry Kane nun deswegen noch zum Bleiben bewegt? Eher nicht. Schwierige Zeiten im Norden Londons ... K. R. Foto: Tottenham Hotspur FC/Getty Images I N T E R N AT I O N A L JAD O N SA NC H O (21) – Neu bei den Spurs: Trainer Nuno Espirito Santo, zuletzt bei den Wolves
5. JULI 2021 Glänzende Aussichten Bei PA RI S SA I NT- G E R M A I N ist Geld kein Thema – und das Alter von Sergio Ramos offenbar ebenfalls nicht. Die Sehnsucht nach dem Henkelpokal wird immer brennender bei Paris Saint-Germain, also öffnen die Klubeigner aus Katar nochmals die Kasse. Den ablösefreien Niederländer Georginio Wijnaldum (30, zuvor Liverpool) schnappte man dem FC Barcelona vor der Nase weg. Bald sollen weitere Stars den Kader von Mauricio Pochettino verstärken. Das Financial Fair Play spielt offenbar nur eine Nebenrolle, immerhin will PSG-Präsident und Multifunktionär Nasser Al-Khelaifi die finanziellen Spielregeln angesichts der Auswirkungen der Corona-Pandemie ohnehin grundlegend überarbeiten. Mit Inter Mailand gibt es offenbar eine Einigung im Poker um Achraf Hakimi. Auch Chelsea warb um den Rechtsaußen, der früher in Dortmund spielte, doch soll PSG für eine Sockelablöse von mindestens 60 Millionen Euro den Zuschlag erhalten haben. „Ein schmerzhafter Transfer für uns“, sagte Inter-Geschäftsführer Beppe Marotta in einem Interview mit Sky Sport. „Aber der Hakimi-Deal wird uns erlauben, LILLE Abgang bei Real: Sergio Ramos und seine Trophäen bei den Königlichen ein wenig durchzuatmen.“ Italiens Meister ist dringend auf Einnahmen angewiesen, weil die chinesischen Eigner des Suning-Konzerns nicht mehr munter Geld nachschießen wollen oder können. Auch der Transfer von Italiens Nationalkeeper Gianluigi Donnarumma ist auf der Zielgeraden. Der 22-Jährige verlässt den AC Mailand ablösefrei und soll nach der EM präsentiert werden. Offen ist dabei, was mit dem bisherigen Stammtorwart Keylor Navas bei PSG passiert. Er hat eine höchst solide Saison hinter sich, gilt wegen seiner 34 Jahre aber nicht mehr als Lösung für die Zukunft. Die mögliche Ankunft des Konkurrenten soll Navas allerdings nicht klaglos gegenüber PSG-Sportdirektor Leonardo hingenommen haben. Bei Sergio Ramos ist das Alter offenbar nicht so entscheidend. Der 35-Jährige hat Real Madrid nach 16 Saisons mit zahllosen Titeln verlassen. Vorige Woche verhandelte sein Bruder und Berater Rene Ramos mit Leonardo. Laut AS einigte man Ranieri gilt als Favorit auf den Trainerjob bei Frankreichs Meister Foto: Getty Images 45 Mann im Kader – aber kein Coach Ein Meister in der Schwebe. Ohne Chefcoach nahm Lille OSC vergangene Woche das Training wieder auf. Die ersten Übungen leitete Jorge Maciel, der in der Vorsaison noch Assistent von Christophe Galtier war. Der Meistertrainer hatte direkt nach dem Triumph sein Adieu angekündigt und am Montag vor einer Woche schließlich bei OGC Nizza unterschrieben. Dort soll er mit dem Geld des Chemiekonzerns Ineos einen Titelaspiranten aufbauen. Allerlei Kandidaten gibt es seither für seine Nachfolge in Lille. Die Liste reicht von Patrick Vieira (nun bei Crystal Palace) über Laurent Blanc, Lucien Favre und Thiago Motta bis zu Claudio Ranieri, der inzwischen als Favorit auf den Posten gilt. Der 69-jährige Italiener, auf ewig verbunden mit Leicesters Meisterschaft 2016, hat in Frankreich Monaco (2012 bis 2014) und Nantes trainiert (2017/18), er kennt sich also aus in der Ligue 1. Egal, ob nun Ranieri oder sonst wer: Auf den neuen Coach wartet eine knifflige Mission. Lille wird zwar durch die Teilnahme an der Champions League ordentlich Geld einnehmen, ist aber aktuell auch massiv verschuldet, die Rede ist von knapp 200 Millionen Euro. Dazu kommt, dass die Meistermannschaft längst nicht mehr beisammen ist. Der Vertrag mit Abwehrchef José Fonte (37) lief 55 aus und wird mutmaßlich auch nicht verlängert. Torwart Mike Maignan (26) wechselte zum AC Mailand, brachte aber immerhin 13 Millionen Euro an Ablöse in die Kasse. Sogar 23 Millionen kassiert Lille für Boubakary Soumaré (22), der künftig für Leicester City im defensiven Mittelfeld spielen wird. Mit dem Ex-Münchner Renato Sanches (23) und Xeka (26) sind zwei weitere Säulen von englischen Klubs umworben, Jonathan Ikoné (23) könnte es zu Milan ziehen. Lille muss verkaufen und so die Bilanz in Ordnung bringen. Und auch den Kader wieder straffen, der samt zurückgekehrter Leihspieler 45 Mann umfasst. Aber keinen Trainer. L. M. sich auf einen Zweijahresvertrag und zehn Millionen Euro netto pro Saison. Aber unterschrieben oder bestätigt ist all das noch nicht. Schließlich hat Leonardo eine weitere Großbaustelle offen. Mit Neymar hat er verlängert (bis 2025), auch Julian Draxler bekam einen neuen Vertrag (bis 2024), doch es fehlt die Unterschrift von Kylian Mbappé, dessen Arbeitspaper im kommenden Sommer ausläuft. Der Weltmeister ist und bleibt die entscheidende Personalie bei PSG. LAURENT MALTRET kurz bündig Bordeaux droht die 2. Liga Girondins Bordeaux und SCO Angers wurden vom Ligaverband vorläufig mit dem Zwangsabstieg in die 2. Liga bestraft. Die Girondins standen nach dem Ausstieg des Hauptsponsors kurz vor der Pleite, nun werden aber offenbar neue Investoren um Gerard Lopez (Ex-Präsident von Lille OSC) einspringen, die nun bis zum 12. Juli Zeit haben, die Lizenz für die Ligue 1 zu retten. Bei Angers gibt es Streit um Dokumente rund um das Leihgeschäft von Rayan Ait Nouri vor einem Jahr zu den Wolverhampton Wanderers. Operation bei Joao Felix Joao Felix (21) musste sich einer Operation am Knöchel unterziehen und wird damit weite Teile der Vorbereitung von Spaniens Meister Atletico Madrid verpassen. Bei der EM kam er für Portugal nur einmal als Joker zum Einsatz.
56 5. JULI 2021 Aus im Viertelfinale der Copa Amercia für den Sieger von 2015 und 2016: C H I LE hat die Klasse der letzten Jahre eingebüßt. Foto: imago images/Photosport 2014 war es, da hätte Chiles Mauricio Pinilla im Achtelfinale der WM fast dafür gesorgt, dass Tage später das legendäre 7:1 Deutschlands gegen Brasilien gar nicht hätte zustande kommen können. In der 120. Minute des Duells mit Brasilien traf der Chilene nur die Querlatte statt zum 2:1 für den Außenseiter, der damals keiner war. Brasilien rettete sich ins Elfmeterschießen, im Halbfinale von Belo Horizonte war dann bekanntlich Schluss. Chiles Roja aber hob in der Folge so richtig ab: Sieg bei der Copa America 2015 und 2016, gefolgt von einem 0:1 erst im Finale des ConfedCups 2017 gegen Deutschland. Vorbei diese glorreichen Zeiten. Lief schon besser: Arturo Vidal und Chile agieren nicht mehr auf dem Niveau vergangener Jahre. Durchgereicht COPA AM ER I CA 2 02 1 VIERTELFINALE Peru – Paraguay 3:3, Elfm. 4:3 Brasilien – Chile 1:0 Uruguay – Kolumbien 0:0, Elfm. 2:4 Argentinien – Ecuador 3:0 HALBFINALE Dienstag, 6. Juli (1 Uhr MESZ): Brasilien – Peru Mittwoch, 7. Juli (3 Uhr MESZ): Kolumbien – Argentinien SPIEL UM DEN 3. PLATZ Samstag, 10. Juli (2 Uhr MESZ): Verlierer der Halbfinals ENDSPIEL IM MARACANA Sonntag, 11. Juli (2 Uhr MESZ): Sieger der Halbfinals Trainer waren damals in Folge vier Argentinier: Marcelo Bielsa, Claudio Borghi, Jorge Sampaoli und Juan Antonio Pizzi. Schon unter Pizzi begann der Abstieg, der sich unter dem Kolumbianer Reinaldo Rueda und mit dem Verpassen der WM 2018 fortsetzen sollte. Am Wochenende nun zog die seit dem Frühjar von dem Uruguayer Martin Lasarte trainierte vermeintlich „Goldene Generation“ rund um den Ex-Leverkusener und -Münchner Arturo Vidal beim 0:1 im Viertelfinale gegen Brasilien den Kürzeren. Es könnte die Niederlage sein, die den Niedergang fixiert. Die Probleme sind einerseits hausgemacht. Schon unter dem zum AR GE NT INI EN Volkshelden aufgestiegenen Bielsa gab es vor zehn Jahren Streitigkeiten mit der Verbandsspitze, die sich auch bei seinen Nachfolgern, mal mehr, mal weniger, fortsetzten. Zudem gab es nach den sozialen Unruhen 2019 und der anschließenden Pandemie zunächst keine Meisterschaft. Apropos Meisterschaft: Der 34-jährige Vidal hat, auch verletzungsbedingt, die schlechteste Saison hinter sich, seit er 2007 nach Leverkusen und damit nach Europa kam. An Inters Scudetto 2021 war er kaum beteiligt, die Roja will er aber weiter führen, auf und neben dem Platz. Dabei werden die Eskapaden des Mittelfeldspielers zunehmend COPA AMERICA zum Problem. Bei der Copa brach er, frisch von COVID-19 genesen, das Hygienekonzept, eine Auswechslung interpretierte er als Majestätsbeleidigung. Auch die Verteidiger Gary Medel und Mauricio Isla sind über den Zenit. Keeper Claudio Bravo hebt sich noch positiv ab, ebenso Leverkusens Charles Aranguiz. Der 32-Jährige war Chiles Bester in der Gruppenphase, zeigte sich führend im Passspiel und bei der Einleitung von Torchancen. Nun geht es um die WM-Qualifikation für 2022. Doch nach sechs von 18 Spielen liegt man mit sechs Punkten und einer Tordifferenz von null nur im Mittelfeld. Durchgereicht. RODRIGO FUENTEALBA, JÖRG WOLFRUM Der vereinslose Superstar führt die Albiceleste ins Halbfinale Foto: picture-alliance Auch im sportlichen Sinne ein Kapitän Obenauf: Kollege Angel di Maria feiert Kapitän Lionel Messi. Argentiniens Rekordmann mit 148. Länderspielen war er schon im Gruppenspiel beim 4:1 gegen Bolivien geworden, als er seinen ehemaligen Barca-Teamkollegen Javier Mascherano hinter sich ließ. Zwei Tore und eine Vorlage steuerte er da zum Sieg bei. Beim 3:0 über Ecuador im Viertelfinale war Lionel Messi erneut bester Argentinier, bilanzierte zwei Assists und ein Tor. Erstmals seit dem 3:4 im WM-Achtelfinale 2018 gegen Frankreich gab der Kapitän wieder zwei Vorlagen in einem Länderspiel, erstmals seit der Copa America 2016 servierte er nun auch wieder in zwei Spielen in Folge zu Toren. Und da der 34-Jährige gegen Ecuador per Freistoß traf, baute er auch seine Führung als weltweit treffsicherster aktiver Profi mit 58 Freistoßtoren in Pflichtspielen aus. Zum Turnierstart hatte er beim 1:1 gegen Chile im Fernduell seinen ewigen Kontrahenten Cristiano Ronaldo (56 Treffer) hinter sich gelassen. Mit vier Treffern und vier Assists führt der aktuell vereinslose Messi sowohl die Torjägerliste als auch die Scorerwertung der Copa an. Brasiliens Neymar traf in vier Spielen indes erst zweimal. In der Nacht auf Mittwoch trifft die Albiceleste nun auf Kolumbien. Dass sie von Messi diesmal auch sportlich im Wortsinne angeführt wird, erscheint einerseits logisch. Andererseits war genau dies früher oft nicht der Fall und daher selbst in Argentinien entsprechend kritisiert worden. WOL
„Die Strafen von Walter nerven“ Seinen Trainer kennt J ONAS ME F F E RT (26) bereits aus Kiel. Und verrät, weshalb ein Scheitern helfen kann. Unter Tim Walter gewann Jonas Meffert in Kiel vor drei Jahren nach „einer schweren Zeit in Freiburg die Freude am Fußball zurück“. Jetzt will er im Verbund mit seinem neuen alten Trainer den HSV aus der Gefühlskrise führen. Und sagt, wie ihm Negativerlebnisse sogar helfen können. Aus dem Trainingslager des HSV in Grassau berichtet Sebastian Wolff Sie sind mit dem KSC 2015 und zuletzt mit Kiel in der Relegation gescheitert und nun zum HSV gewechselt, der in den vergangenen drei Jahren der Inbegriff des knappen Scheiterns war. Provokant gefragt: Wollen Sie gar nicht in die Bundesliga, Herr Meffert? Doch, doch, ich kann Sie beruhigen: Ich denke, jeder Zweitligaspieler strebt danach, in der Bundesliga zu spielen. Das Ziel verfolge ich natürlich auch. Fußball-Deutschland hat nach zwei Quarantänen mit Holstein gefiebert – wie haben Sie diese Zeit und die nach der verlorenen Relegation gegen Köln erlebt? Als wir zum zweiten Mal in Quarantäne mussten, hatten wir die Hoffnungen im ersten Moment eigentlich aufgegeben, es ist dann aber viel passiert: Die Mitarbeiter des Vereins haben uns Überraschungsgeschenke nach Hause gebracht und das Gefühl vermittelt, dass sie immer noch an uns glauben. Dann kamen wir in einen Flow. Der hielt ausgerechnet bis zu dem Spiel gegen Regensburg an, nach dem wir es mit vier Punkten Vorsprung zwei Spiele vor Schluss fast geschafft hatten. Aber dann kamen zwei Faktoren zusammen. Welche? Wir konnten körperlich einfach nicht mehr. Der Kopf spielte auch eine Rolle. Da war das Gefühl: Wir haben was zu verlieren. Ein Gefühl, das Ihren neuen Klub seit dem Bundesliga-Abstieg vor drei Jahren hemmt. Können Sie das nachempfinden? Ja, ich kann das sogar gut nachempfinden. Weil ich in Kiel beide Positionen erlebt habe: Am Ende das Gefühl, etwas verlieren zu können, aber über Jahre auch diese Leichtigkeit: Wenn wir mit Holstein nach Hamburg gefahren sind, dann ging es zum großen HSV, in ein super Stadion, in Foto: Witters 2. LIGA 5. JULI 2021 dem du es allen zeigen wolltest, aber auch wusstest: Klappt es nicht, gewinnen wir halt nächste Woche. Der HSV konnte das in der 2. Liga nie sagen, er musste immer gewinnen. Das kann hemmen, so eine Situation muss aber auch angenommen werden. Der Vergleich mit dem FC Bayern findet natürlich auf einem anderen Niveau statt, aber in diesen Spielen sind auch alle besonders motiviert – und die Bayern liefern dennoch. Tim Walter versucht mit kleinen Strafen nach verlorenen Trainingsspielen die Siegermentalität zu fördern. Funktioniert das? Ich kenne dieses Prinzip von ihm aus Kiel. Da war es nicht so extrem wie hier, nur etwa ein-, zweimal pro Woche. Ich glaube schon, dass es zuträglich für die Siegermentalität ist, denn ich kann sagen: Die Strafen nerven schon. Welche Rolle spielte er für Ihren Wechsel? Eine große. Er hat in Kiel jeden Spieler besser gemacht, das galt auch für die, die nicht gespielt haben. Das ist außergewöhnlich. Wie macht Walter das? Er achtet bei allen auf die gleichen Sachen und fordert von einem gesetzten Stammspieler das Gleiche wie von einem Nachwuchsmann. Und das ist das Maximum. In jeder Einheit. Wir haben in Kiel noch oft über ihn gesprochen, als er weg war. Wie viel Kiel können Sie nun einbringen? Ich habe gelernt, was mit Zusammenhalt alles möglich ist. Und ich habe die Erfahrung gemacht, wie es ist zu scheitern. Das hört sich widersprüchlich an, aber ich glaube, auch dem HSV hilft es, dass er diese Erfahrung gemacht hat. Es könnte auch zum Kopfproblem führen, auf der Zielgeraden auf das Scheitern regelrecht zu warten ... Ich sehe das anders. Ich persönlich konnte die Relegation 2021 zum Beispiel viel besser verarbeiten als 2015 gegen den HSV. Ich denke, negative Erfahrungen können helfen, um künftig die gleichen Fehler zu vermeiden. 1. SPIELTAG FREITAG, 23. JULI 20.30 UHR Schalke ( - , - ) HSV SAMSTAG, 24. JULI Darmstadt Heidenheim Dresden Rostock (0:0, 1:1) (0:0, 2:2) (4:0, 0:1) ( -, - ) 13.30 UHR Regensburg Paderborn Ingolstadt Karlsruhe SAMSTAG, 24. JULI 20.30 UHR SONNTAG, 25. JULI 13.30 UHR Bremen ( - , - ) Hannover St. Pauli (1:1, 0:4) Kiel Nürnberg (1:0, 1:0) Aue Sandhausen (0:0, 0:1) Düsseldorf 57
58 5. JULI 2021 N ÜR N BE RG Schäffler mit Wettkampf-Comeback Zu seiner intensivsten Phase der Vorbereitung hat sich der Club nach Südtirol begeben, am Samstag hat er oberhalb von Brixen in Natz-Schabs für eine Woche Quartier bezogen. Zum nunmehr dritten Mal ist in puncto Trainingslager die Wahl auf das Apfelhochplateau gefallen. Vor allem an das erste vor vier Jahren hat der Club nur die besten Erinnerungen. Damals reisten die Franken nach einer zuvor mit Rang 12 durchwachsenen Zweitligaspielzeit an und schworen sich dann dort unter Leitung von Trainer Michael Köllner intern auf das Ziel Aufstieg ein, während sie nach außen hin den Ball flach hielten. Das Ergebnis ist bekannt, Platz 2, Aufstieg. So gesehen drängt sich eine Parallele auf, wenn der Club nun nach Platz 11 in der Vorsaison mit einer nach außen hin eher stillen, zwischen den Zeilen aber doch unüberhörbaren Zuversicht mit 28 Spielern über den Brenner angereist ist. „Besser abschneiden als zuletzt“, lautet das offizielle, von Trainer Robert Klauß ausgegebene Ziel. Um das zu erreichen, was übrigens keiner im Verein in Zweifel zieht, will Klauß nun intensiv an den Abläufen feilen, auf dem Platz am Umschaltspiel, neben dem Platz an der so wichtigen Zusammengehörigkeit. Die Vorrausetzungen sind schon mal gut: Nur Stürmer Pascal Köpke fehlt wegen seiner Reha nach Kreuzbandriss, für ihn ist Sturmtalent Tim Sausen (19) von der U 21 mit von der Partie, der im Test gegen D ÜSS E L DOR F Foto: Zink/DaMa Ein Trainingslager als gutes Omen Zurück im Strafraum: Stürmer Manuel Schäffler, zuletzt am 28. Spieltag in der vergangenen Saison im Einsatz, kann seine Knieverletzung abhaken. Zwickau (5:1) nicht nur wegen seiner zwei Tore zu gefallen wusste. Im Laufe der Woche werden alle zuletzt noch gebremst trainierenden Akteure wie Christopher Schindler oder Felix Lohkemper voll ins Mannschaftstraining einsteigen können. Mittelstürmer Manuel Schäffler, der das letzte Saisondrittel knieverletzt verpasste, hat sogar bereits sein Wett- DRE SDE N kampf-Comeback gefeiert. Auf der Hinreise machte der FCN Halt in Innsbruck, spielte gegen den dortigen Zweitligisten Wacker und siegte nach Toren von Krauß, Borowski und Shuranov mit 3:1. Ging der Club in der ersten Hälfte noch ansehnlich wie flott zu Werke, war Schäfflers Comeback nach der Pause der positivste Aspekt. CHRISTIAN BIECHELE KAR L SR UHE Sobottka soll den Borrello bringt Hofmann reizt Talenten helfen viel Erfahrung mit seine Karten aus Für die Präsentation der neuen Düsseldorf-Trikots, die erstmals in Fortunas jüngerer Geschichte von den drei Streifen aus Herzogenaurach geziert werden, stand Marcel Sobottka als Model zur Verfügung. Die „neuen Kleider“ kamen am Sonntagabend im ersten Test gegen Würzburg über 4 x 30 Minuten in Wels zum Einsatz. Der Respekt vor dem Trainingslager ist bei Sobottka fast vollständig geschwunden. Die ersten Einheiten unter dem neuen Trainer Christian Preußer sind hart, aber abwechslungsreich und spielerisch aufgebaut. Es scheint den Spielern Spaß zu machen, Händchen haltend zu dritt durch einen Parcours zu dribbeln oder Abschlussübungen zu absolvieren, bei denen Sobottka am Samstag das Tor des Tages erzielte. „Es gehört auch zu einer normalen Vorbereitung, dass die Beine mal schwer sind“, sagt Sobottka, der einen „ersten guten Eindruck“ vom neuen Coach gewonnen hat.Bad Leonfelden hält für den 27 Jahre alten Mittelfeldspieler eine weitere Aufgabe bereit. Unter den 24 Spielern im Trainingslager sind auch die Talente David Savic (16), sowie U-17-Nationalspieler Daniel Bunk. Als Führungsspieler und dienstältester Fortune nach Adam Bodzek muss sich Sobottka um die jüngeren Spieler kümmern. NORBERT KRINGS Brandon Borrello, der am Samstag vorgestellt wurde, ist Dynamos sechster Sommertransfer. Dresdens Sportgeschäftsführer Ralf Becker beschrieb den Neuzugang als „laufstarken, technisch versierten Mittelfeldspieler, der noch dazu eine gute Intensität im Spiel an den Tag legt“. Für Borrello spricht obendrein, dass er in der Offensive sowohl im Zentrum als auch auf den Außenpositionen variabel einsetzbar ist. Auf eben jenen Außenbahnen hatte man zuletzt intensiv nach Verstärkungen gesucht. Nachdem sich Wunschspieler Sercan Sararer für einen Verbleib bei Türkgücü München entschied, wurde mit Morris Schröter (25) bereits ein Außenbahnspieler verpflichtet. Sowohl für den Neuzugang vom FSV Zwickau als auch für die verbleibenden Flügelspieler Ransford Königsdörffer (19), Agyemang Diawusie (23 sowie Panagiotis Vlachodimos (29) gilt, dass sie über wenig bis gar keine Zweitligaerfahrung verfügen. Umso wichtiger ist die Verpflichtung des Auswahlspielers aus Down Under (vier Einsätze). Ziel ist, dass in den kommenden Wochen „weitere erfahrene Spieler“ zum Team stoßen, verriet Kaderplaner Kristian Walter am Rande des Testspiels gegen Eintracht Braunschweig. Bei dem 1:0 erzielte Pascal Sohm das goldene Tor. LUCAS BÖHME Philipp Hofmann bereitet sich mit dem KSC im Trainingslager in Österreich auf die kommende Saison vor. Eine Entscheidung, für welchen Klub der Torjäger nächste Spielrunde auflaufen wird, ist nicht in Sicht. Eine endgültige Entscheidung kann sich bis Ende August, nach Abschluss der Transferperiode hinziehen. Sein Vertrag endet 2022, jetzt wäre die letzte Chance, dass die Badener für den Torjäger eine ordentliche Ablöse kassieren. Rund 1,5 Millionen Euro sollten es sein. Hofmann lässt sich Zeit, erklärte aber, dass er zu keinem anderen Zweitligisten wechseln werde. „Am HSV habe ich kein Interesse. Sonst gibt es bis jetzt noch nichts“, so der technisch starke Linksfuß. „Wenn ich wechsle, dann nur in die 1. Liga. Ich will unbedingt einmal Bundesliga spielen.“ Etwas anderes macht für ihn keinen Sinn: „Ich fühle mich hier sauwohl und wir haben eine geile Truppe.“ Der Hüne bleibt cool, wartet ab und hofft auf eine lukrative Anfrage. Hofmann, der für den KSC in 63 Spielen 30 Zweitligatore erzielte und 15 vorbereitete, gilt als „Lebensversicherung.“ Er bestätigt, dass ihm ein KSC-Angebot zur Vertragsverlängerung vorliegt. Auch da spielt er auf Zeit und übt sich in Zurückhaltung: „Vielleicht geht es auch in die Richtung, dass ich im Wildpark bleibe.“ PETER PUTZING
5. JULI 2021 59 Sané verkraftet die Intensität nicht Wegen erheblicher Knieprobleme muss der Innenverteidiger das Übungscamp abbrechen. Hat S C H A L K E zu hart trainiert? Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Mannschaft eines Profiklubs an einem Trainingslager-Vormittag fast zweieinhalb Stunden auf dem Platz steht und sich verausgabt. Dass die Spieler zur Einheit am Nachmittag dann aber erneut sehr hart rangenommen werden, ist überraschend. Insgesamt kamen die Schalker an Aus Schalkes Trainingslager in Mittersill berichtet Toni Lieto jenem Tag im beschaulichen Mittersill auf rund viereinhalb Stunden Intensiv-Training. Das ist viel. Zu viel? Zumindest bei Salif Sané führte die Belastungssteigerung der vergangenen Tage zu einer Überbelastung. Der Innenverteidiger, der monatelang Probleme mit dem linken Knie Foto: DeFodi ST. PAUL I hatte, hat nun Schwierigkeiten mit dem rechten. Sportdirektor Rouven Schröder erklärte mit Verweis auf „das Tempo“, das der Senegalese „leider nicht mitgehen konnte“, dass man sich „gemeinsam mit der medizinischen Abteilung für eine vorzeitige Abreise und weitere Untersuchungen entschieden“ habe. Hat Schalke 04 es nach der ersten intensiven Einheit versäumt, Sané eine Pause im Rahmen der neumodischen „Belastungssteuerung“ zu gönnen? Diesen Verdacht weist Trainer Dimitrios Grammozis entschieden zurück. „In Verbindung mit der medizinischen Abteilung haben wir gesagt: Nehmen wir ihn raus, dann leidet seine Ausdauer. Dann wird er nie eine Topform erreichen. Oder versuchen wir, ihn auf ein Niveau zu bringen, in dem er erst- und zweitligatauglich ist. Das ist ein ganz schmaler Grat, das wussten wir.“ Der Trainer betont: „Wir haben uns immer das Feedback von Salif eingeholt. Wir haben nie gesagt: Der Shootingstar geht von Verbleib aus Schon wieder das Knie: Eine Überbelastung führt dazu, dass Abwehrspieler Salif Sané vorzeitig aus dem Trainingslager abreist. Du hast Schmerzen, geh’ trotzdem auf den Platz. Letztendlich sind wir schlauer und hätten sagen können: Hätten wir ihn lieber rausgelassen.“ Fakt ist bei der ganzen Thematik aber auch, dass der harte Trainingstag nicht hauptursächlich für Sanés Zustand ist. Was Grammozis anmerkte, gilt grundsätzlich: „Das Knie hat im Moment nicht die Stabilität, um Höchstbelastungen standzuhalten.“ Intern befürchtet der eine oder andere auf Schalke sogar eine Sportinvalidität des 30-Jährigen. Den Klub bringt Sanés Ausfall in weitere Nöte. Ein Verkauf des teuren KIEL Abwehrspielers ist mit der Knieverletzung nun nicht wahrscheinlicher geworden, schlimmstenfalls muss Schalke ohne zusätzliche Einnahmen einen weiteren Innenverteidiger verpflichten – immerhin konnten die Königsblauen am Sonntag Stürmer Ahmet Kutucu für eine halbe Million Euro Ablöse an Basaksehir FK abgeben. Im Test am Samstag gegen Zenit St. Petersburg (0:0) hatte Malick Thiaw statt Sané die zentrale Rolle im defensiven Dreierverbund übernommen. Unabhängig von Sanés Ausfall gilt: Thiaw soll auf Schalke durchstarten (siehe Seite 60). Stöver lobt das Gardemaß von Neuzugang Erras Schultz’ Plan mit Kyereh Ein Turm als Standardhilfe Die starke Premierensaison am Millerntor hatte Begehrlichkeiten geweckt. Aus der Bundesliga schien Mainz 05 Daniel-Kofi Kyereh zu Beginn der Sommerpause auf dem Radar zu haben, St. Paulis Verantwortliche waren für mögliche Wechselszenarien durchaus vorbereitet – seit dem Start in die Vorbereitung aber stehen die Zeichen auf Verbleib. Ultimative Bekenntnisse gibt es im Fußball nicht, die Absicht, auch die kommende Spielzeit in Hamburg zu verbringen, hat der vor einem Jahr aus Wehen Wiesbaden gekommene Offensivallrounder während der Trainingslagertage in Herzlake klar kommuniziert: „Das ist der Plan, das habe ich vor.“ Licht und Schatten beim ersten Kieler Testspiel. „Es ging darum, Abläufe mit und gegen den Ball zu sehen“, sagte Störche-Cheftrainer Ole Werner nach dem 1:2 gegen den aktuellen dänischen Pokalsieger Randers FC und lieferte seine Erkenntnisse gleich nach: „Mit Ball war es ordentlich, wir hatten wir eine gute Raumaufteilung. Gegen den Ball hat uns das Zulaufen der Räume gefehlt.“ Für Innenverteidiger Marco Komenda, der wegen des Ausfalls von Kapitän Hauke Wahl (grippaler Infekt) als einziger Feldspieler 90 Minuten auf dem Platz stand, waren „die Abstände zwischen den Ketten zu groß“. Eine Schwäche, die der 24-Jährige nach zehn Tagen inten- Dokumentiert wird dies dadurch, dass sich Kyereh aktiv einbringt in die sportlichen Überlegungen und nach dem Abschied von Standardschütze Rodrigo Zalazar das Gespräch mit Trainer Timo Schultz gesucht hat. „Ich habe ihm gesagt, dass ich mit Standards oder am ruhenden Ball für noch mehr Gefahr sorgen kann.“ Der Coach sieht das ähnlich: „Es ist eine Möglichkeit für Kofi, sein Spiel auf ein anderes Level zu bringen.“ Kyereh ist damit neuer Standardschütze und fester Bestandteil in Schultz’ Planungen. Ein gewisses Restrisiko bezüglich eines Wechsels aber kalkuliert der 43-Jährige ein: „Das Geschäft ist und bleibt dynamisch.“ SEBASTIAN WOLFF siver Saisonvorbereitung als (noch) nicht gravierend einordnete. Als stiller Beobachter saß der 1,96-Meter-Hüne Patrick Erras am Freitag auf der Tribüne. Der 26-Jährige, nach dem Wechsel von Jonas Meffert zum HSV eingeplant für das defensive Mittelfeld, hatte zuvor einen Dreijahresvertrag bei der KSV Holstein unterschrieben. Die Ablöse an Werder Bremen dürfte rund 250 000 Euro betragen. „Mit Patrick gewinnen wir einen robusten Mann für unser defensives Zentrum, der sich durch ein gutes Pass- und Stellungsspiel auszeichnet und gerade durch seine Körpergröße auch bei Standards helfen kann“, so Sportchef Uwe Stöver über seinen bislang vierten Neuzugang. ANDREAS GEIDEL
60 5. JULI 2021 S E B AST I AN ER N ST Platz da! 96 als „Herzensverein“ Der Rückkehrer soll zum neuen Kopf werden „Auf Dauer habe ich schon das Gefühl, dass es hier mehr Sinn macht“, sagt er. Ernst kennt jede Parkbank am Maschsee, das Stadion, die Menschen. Er braucht ganz offensichtlich keine Zeit für die Eingewöhnung. Im Testspiel gegen Paderborn (1:1) überzeugte Ernst als Achter im Mittelfeld. Er habe seine Sache „sehr gut gemacht“, fand sein Trainer Jan Zimmermann. Ernst trägt die 10 auf dem Rücken, er will „mit der Nummer Verantwortung übernehmen“, sagt er. Es wäre keine große Überraschung, wenn er nach dem Trainingslager in Rotenburg an der Wümme der Kopf der Mannschaft werden würde – als neuer Kapitän. Als Ernst sich entschied, zu 96 zu wechseln, stand in Hannover noch gar nicht fest, wer Trainer oder wer Manager werden wird. Es fügte sich. Zimmermann ist Trainer, Marcus Mann wurde Manager, Ernst soll nun die Führungsfigur werden. Und ein Aufstieg mit Hannover? Inklusive Tränen auf dem Rathausbalkon? „Ein Fernziel“, sagt Ernst. MARKUS KRONE M A L I CK TH I AW Egal, ob Youngster oder Routinier – egal, ob Neustart oder nächster Schritt: Diese 13 S PIELE R könnten in der neuen Saison für Furore sorgen. Foto: Sielski Wie nahe ein Bundesliga-Aufstieg selbst erfahrenen Profis gehen kann, zeigt das Beispiel Sebastian Ernst. „Nach dem Aufstieg habe ich viele Tränen vergossen“, blickt der Mittelfeldspieler auf das viel umjubelte Ende seiner vierjährigen Zeit in Fürth zurück. „Ich wollte das so unbedingt, auch wenn ich wusste, dass ich nicht mehr für Fürth spielen werde.“ Nun aber lacht der 26-Jährige – auch weil er mittlerweile Trainingsklamotten mit dem Logo trägt, das er als Elfjähriger schon getragen hatte, bis er 2016 zu Magdeburg gewechselt war und es für ihn anschließend über Würzburg (Januar bis Juni 2017) nach Fürth ging. 96, sagt er, sei sein „Herzensverein“. Es bleibt dennoch eine ungewöhnliche Entscheidung für einen Profi, auf die Bundesliga mit Fürth zu verzichten, um zum wankenden Riesen Hannover in die 2. Liga zu wechseln. Aber nun ist Ernst da. Und er macht sich prima, beteuert, die Entscheidung pro 96 habe sportliche Gründe. „Auf Dauer habe ich schon das Gefühl, dass es hier mehr Sinn macht“: Statt mit Fürth in der Bundesliga zu spielen, will Sebastian Ernst Verantwortung bei 96 übernehmen. SEB ASTI AN JUNG K E V I N SE SSA „Größere Rolle“ Einfach nur in der Mannschaft gesund bleiben Der lange Anlauf zum neuen Status Der möglicherweise längere Ausfall von Salif Sané (siehe Seite 59) wirft weiteres Scheinwerferlicht auf Malick Thiaw, der aber auch grundsätzlich auf Schalke mehr und mehr in den Fokus rückt. In der Abstiegssaison gehörte der Innenverteidiger immerhin hier und da noch zu den Besseren – nun soll seine Karriere in bedeutendem Tempo Fahrt aufnehmen. Der 19-Jährige sei „an einem Punkt angekommen, an dem er weitere Verantwortung übernehmen muss“, sagt Trainer Dimitrios Grammozis. „Er ist gewillt, das zu tun. Wichtig ist, dass er sich etwas zutraut.“ Die Königsblauen wollen diese Entwicklung bewusst vorantreiben. Der deutsche U-21-Nationalspieler, der im Vorjahr auf Schalke einen Profivertrag bis 2024 unterschrieb, soll „eine größere Rolle innerhalb der Mannschaft einnehmen“. TONI LIETO Bereits als 17-Jähriger durfte er bei den Profis reinschnuppern. Mehr noch: 2017/18 brachte es Kevin Sessa sogar auf zwei Einsätze in der 2. Liga. 2018/19 und 2019/20 wurden es für den Deutsch-Argentinier aber ebenfalls jeweils nur zwei Einsätze. In der nun abgelaufenen Saison zeigte Sessa, dass er wesentlich mehr ist als nur ein Local Player. In 30 Einsätzen gelangen ihm zwei Tore und sechs Vorbereitungen. 21-mal stand er in der Startelf, neunmal kam er von der Bank. Von Spiel zu Spiel wurde er selbstbewusster und von seinen Mitspielern gesucht, in vielen Partien war er Dreh- und Angelpunkt. Mit diesem neuen Status kann der bald 21-Jährige nun richtig durchstarten. Vereinsikone Marc Schnatterer ist fort, Sessa aus der Region und einige Jahre im Verein – vielleicht kann er gar diese Fußstapfen irgendwann ausfüllen. TIMO LÄMMERHIRT Sebastian Jung hatte Anfang 2016 einen Kreuzbandriss erlitten. Seither war er immer wieder verletzt. Nach seiner Rückkehr zeigte der Rechtsverteidiger, Ex-Nationalspieler mit 155 Bundesligaspielen seine Klasse und stand in der Startelf. Jung ist kein Lautsprecher, er stellt keine Ansprüche, sondern ist ein Teamplayer, der Konkurrenten mit Respekt behandelt. Ein Stammplatz ist ihm sicher, wenn er gesund bleibt. Jungs Stärken: Ein starkes Stellungsspiel, er antizipiert Aktionen und ist im Offensivspiel variabel. Mal flankt er, mal zieht er nach innen und sucht den Abschluss. Er weiß um sein Können, ist selbstbewusst: „Ich kann einiges besser machen, wenn ich noch mehr im Rhythmus bin.“ Für die nächste Saison wäre er froh, „gesund zu bleiben und einfach Fußball zu spielen, um mit meinen Qualitäten zu helfen“. PETER PUTZING
5. JULI 2021 FI E TE A RP Duell im Sturm mit Fridjonsson Viel hatte nicht zu Fiete Arps erstem Treffer beim 45-MinutenDebüt für seinen neuen Arbeitgeber Holstein Kiel gefehlt. Doch der Kopfball des 21-Jährigen (86.) landete nicht zum 2:2 im Netz des dänischen Testspielgegners Randers FC, sondern in den Armen des Keepers Patrik Carlgren. An der Selbstverständlichkeit seines Spiels auch im Torabschluss will die für ein Jahr vom FC Bayern ausgeliehene Neuverpflichtung intensiv feilen. Im beschaulichen Umfeld soll jener Spaß, jene Leichtigkeit zurückkehren, die der vor drei Jahren als größte deutsche Sturmhoffnung Gepriesene seit seinem Wechsel 2019 vom HSV nach München ein gutes Stück verloren hat. „Ich denke, dass es das kleinere Kiel ist, das man als junger Spieler in einer solchen Situation braucht. Dass du an einen Ort kommst, wo es nicht um die großen Auftritte geht, sondern darum, einen geilen Ball zu spielen, mit den Fans zu feiern und einfach Siege zu holen“, so der Blondschopf. Die Rückkehr in die schleswig-holsteinische Heimat ist für den gebürtigen Bad Segeberger in mehrfacher Hinsicht von zentraler Bedeutung. „Es ist ja kein Geheimnis: Ich bin jung, ich bin Einzelkind, und wenn du dann wieder in die Nähe der Eltern kommst, dann freust du dich immer. Das ist das i-Tüpfelchen auf dem Ganzen. Das passt alles einfach perfekt“, gibt der 1,84 Meter große Angreifer mit strahlendem Gesicht zu Protokoll. Die Schlagzeilen um sein kolportiertes Jahresgehalt beim FC Bayern in Höhe von fünf Millionen Euro sieht Arp an der Förde („Hier interessiert es keinen, wer wie viel verdient“) nicht als Hypothek. Den Zweikampf um den Platz im Sturmzentrum gegen den elf Zentimeter längeren Isländer Holmbert Aron Fridjonsson will er mit neuem Selbstbewusstsein angehen. Und notfalls auch auf die in Kiel noch vakante Zehnerposition ausweichen. „Zutrauen würde ich es mir auf jeden Fall“, so der jüngste Bundesliga-Torschütze der HSV-Geschichte (17 Jahre und 295 Tage). ANDREAS GEIDEL Foto: imago images Ein Schritt zurück, um durchzustarten Ein Abstecher in die Heimat als Starthilfe: Bayerns Leihgabe Fiete Arp erhofft sich in Kiel Spielpraxis und geht die Aufgabe selbstbewusst an. LINU S ROS E NLÖCH ER C H R I STOP H K L AR E R E R I K Z E NGA Mit Rasanz und Wucht Die Vorzeichen stehen gut Ein Sonnyboy mit Schattenseite Wie schnell Linus Rosenlöcher auf dem Platz unterwegs ist, stach schon immer ins Auge. Während seiner Zeit bei der U 21 ist noch eine andere Komponente hinzugekommen – aus dem eher schmächtigen Eigengewächs ist ein Athlet geworden, rund sechs Kilo an Muskelmasse hat er zugelegt, bringt nun bei einer Größe von 1,83 Metern 79 Kilogramm auf die Waage. Legt der 20-Jährige, der im Februar einen Profivertrag erhalten hat, nun auch in Sachen taktisches Verhalten entsprechend zu, erwächst er auf der linken Abwehrseite dem bisherigen Platzhalter Tim Handwerker zu einem brandgefährlichen Konkurrenten. Dieser ist zwar trotz seiner 23 Jahre mittlerweile ein gestandener Profi, hat aber zuletzt stagniert – Rosenlöcher mit seinen bisherigen fünf Profi-Einsätzen könnte an ihm mit Wucht und Tempo vorbeiziehen. CHRIS BIECHELE Für einen österreichischen U-23-Nationalspieler sind 829 Spielminuten, neun Startelfeinsätze und eine Torvorbereitung statistische Werte, die nicht zufriedenstellen können. Christoph Klarer will mehr, und die zweite Saison bei Fortuna Düsseldorf könnte den blonden Hünen zum Stammspieler werden lassen. Derzeit hat der Zweitligist im Trainingslager in Oberösterreich nur einen fitten Profi für die Innenverteidiger-Position, und das ist Klarer. Abwehrchef Andre Hoffmann laboriert an einer rätselhaften Fußverletzung, und Jamil Siebert (beide vor Ort) hat seine Schambeinentzündung nicht endgültig auskuriert. In den beiden letzten Spielen der vergangenen Saison hat Klarer nur gespielt, weil der damalige Trainer Uwe Rösler ihn statt der Spieler auflaufen ließ, die nach Leihende den Verein ohnehin verlassen würden. NORBERT KRINGS 2015 aus Münster nach Sandhausen gewechselt, bestritt Erik Zenga seitdem 55 Spiele, die wenigsten über 90 Minuten, die Mehrzahl nicht in der Startelf. Keine Bilanz, die zwingend dazu führt, die Zusammenarbeit fortzusetzen. Trotzdem gehört der Mittelfeldspieler nicht zu den 15 Profis, die den SVS verlassen haben. Sein Vertrag wurde noch mal bis 2023 verlängert. Aus gutem Grund: Die Begabung des verletzungsgeplagten 28-Jährigen ist unumstritten. Zenga ist schnell, dynamisch, stark am Ball. Der Sohn eines Angolaners und einer Russin ist fast immer auch gut gelaunt, ein Sonnyboy. Das hat eine Schattenseite. Zuweilen wünschte man sich mehr Biss. Wenn der Hochtalentierte von Verletzungen verschont bleibt und etwas konstanter und entschlossener zu Werke geht, dann kann es ein spätes Happy End geben. WOLFGANG BRÜCK 61
62 5. JULI 2021 H A N N O B EH R E N S Torgefährlichkeit als besonderes Markenzeichen Hanno Behrens startet bei Aufsteiger Hansa Rostock einen Neuanfang. Nach sechs Spielzeiten erlebte der frühere Kapitän ein enttäuschendes letztes Jahr in Nürnberg. Lediglich dreimal stand der 31-Jährige in der vergangenen Saison in der Startelf. Dazu kamen 17 Einwechslungen für den Mittelfeldspieler. Insgesamt kam er nur auf 400 Spielminuten. Am Ende hatte er kaum noch Vertrauen gespürt, fühlte sich ignoriert und aufs Abstellgleis geschoben. „Es war das erste Jahr in meiner Karriere, in dem ich keine große Rolle gespielt habe, nicht Stammspieler war.“ Das sei eine neue Erfahrung für ihn gewesen. „Ich versuche, das Positive daraus mitzunehmen. Ich konnte sehen, wie es ist, wenn man ein bisschen außen vor ist – das war nicht schön.“ An der Ostseeküste will der Routinier zu alter Stärke zurückfinden und wieder eine tragende Rolle spielen. Es habe einige interessierte Vereine gegeben, aber den Zuschlag erhielt Hansa. „Sie wollten mich unbedingt. Als Norddeutscher kenne ich den Verein relativ gut. Ich weiß, wie es hier im Stadion kracht“, sagt Hanno Behrens. In den ersten Vorbereitungsspielen gegen unterklassige Gegner hinterließ der gebürtige Elmshorner (bei Hamburg) einen guten Eindruck. Agil, ballsicher, spielfreudig und torhungrig. „Ich bin nicht hergekommen, um den Jungs zu erzählen, wie die 2. Liga funktioniert. Da sind genug dabei, die wissen, wie es dort zugeht“, meint Behrens. Am liebsten spielt er im zentralen Mittelfeld. Von dort aus kann er sich mit tiefen Läufen offensiv einschalten und torgefährlich werden. „Für einen Mittelfeldspieler habe ich immer relativ viele Tore geschossen. Das ist eine meiner Stärken, die möchte ich hier einbringen.“ Coach Jens Härtel (52) sieht in ihm einen Führungsspieler, der als Anspielstation und Ballschlepper im Zentrum die Fäden zieht. Bislang stehen vier Tore in 30 Bundesligaspielen und 31 Treffer in 187 Zweitligapartien in seiner Vita. Mit seinen Toren will er den Klassenerhalt sichern. TOMMY BASTIAN Platz da! Foto: imago images Im neuen Umfeld zur alten Klasse Möchte wieder eine tragende Rolle spielen: Neuzugang Hanno Behrens will als Führungsspieler in Rostock das bittere Jahr beim Club vergessen. M O RTE N BE H RE N S DAV I D OT TO DI MI TR I J NAZ AR OV D ENNI S ECKERT AY ENSA Die Chance im Dreikampf ist da Diesmal soll der Knoten platzen Ein Individualist muss umdenken Der Kampf gegen die Dunkelziffer In Magdeburg war Morten Behrens Stammkeeper, hatte maßgeblichen Anteil am Drittliga-Klassenerhalt. Nun versucht sich der 24-Jährige in Darmstadt eine Liga höher. „Ich habe den Zeitpunkt für richtig erachtet, nach dieser Saison eine neue Aufgabe anzunehmen und den Schritt in die 2. Liga zu gehen“, sagt Behrens. Schnell integrieren, Vollgas geben und dann natürlich auch spielen – so lautet seine Marschroute. Die Chance ist da. Torwarttrainer Dimo Wache, der laut Behrens großen Anteil am Wechsel hatte, sieht einen Dreikampf zwischen Behrens, dem ebenfalls neuen Steve Kroll (Unterhaching) und der bisherigen Nummer 1 Marcel Schuhen. „Ich habe ihnen gesagt, alle Uhren werden auf null gedreht“, so Wache. STEPHAN KÖHNLEIN Sich im vergangenen Winter zu verstärken, das war eigentlich nicht der Plan in Regensburg. Als sich die Chance ergab, David Otto für 18 Monate aus Hoffenheim auszuleihen, schlug der Jahn aber zu. Zuerst hinterließ der Angreifer einen positiven Eindruck. Doch nach der Corona-Zwangspause kam der 22-Jährige im März außer Tritt. Ein magerer Treffer steht zu Buche – nicht das, was sich Otto und der Jahn erhofft haben. 2021/22 muss der Stürmer, der sich zuvor in Heidenheim nicht durchgesetzt hatte, liefern, damit es keinen Karriereknick gibt. Die Hoffnung ist groß, dass Otto, ausgestattet mit einer guten Technik und flott unterwegs, das schafft. Das Potenzial ist da. Es ist ihm zuzutrauen, dass der Knoten platzt. FELIX KRONAWITTER Sechs der letzten sieben Auer Treffer in der vergangenen Saison gingen auf sein Konto: Dimitrij Nazarov. Er erlebte einen glanzvollen Abgang aus der Spielzeit, doch die ist Geschichte. Der 31-Jährige geht jetzt in seine sechste Saison im Erzgebirge und muss sich neu beweisen. Der eine Trainer stand auf seine Individualität, der andere nicht. Am Ende setzte er sich immer durch. Nun ist mit Aleksey Shpilevski ein Trainer da, der mehr verlangt, der aggressiv sein will, der hohes Pressing spielen will. Das ist mit viel Laufarbeit verbunden. Zudem will der Coach den unbedingten Teamgedanken hervorheben. Auf das muss sich der Individualist einstellen. Packt er das, kommt auch Shpilevski nicht an ihm vorbei. THOMAS NAHRENDORF Trotz des Aufstiegs war die Saison 2020/21 für Dennis Eckert Ayensa (24) ein Rückschritt. Zwei langfristige Ausfälle (Muskel- und Schulterverletzung) kosteten den Angreifer den Stammplatz. Auch, wenn sich die Bilanz mit 24 Einsätzen (neun Tore, acht Vorlagen) auf den ersten Blick nicht schlecht liest, gibt es so etwas wie eine Dunkelziffer (13-mal Startelf, nur zweimal volle 90 Minuten). Wer den Ehrgeiz des Sturmpfeils kennt, weiß, dass er sich mit der Rolle als Teilzeitkraft nicht zufriedengeben wird. Hier könnte sich die technisch anspruchsvollere 2. Liga als Glücksfall erweisen und der Spielweise des Deutsch-Spaniers entgegenkommen. Der FCI wird mehr über Konter agieren, was für den Tempodribbler maßgeschneidert ist. BERND KÖNIG
5. JULI 2021 HANNOVE R Generationswechsel steht an – Weiteres Feilen am Kader PADE R BOR N Eine Umschulung als Problemlöser Hannover. Nicht versetzt in die Bundesliga, setzen und wiederholen! 96 sitzt im dritten Jahr in Folge in der 2. Liga. Statt des endlosen Anrennens gegen die eigenen Schwächen entschied sich der Chef Martin Kind bei Hannover 96 nun zu einer Umschulung. 96 studiert am Montag im Trainingslager in Rotenburg an der Wümme Zurückhaltung, ein Überblick: DIE ZIELE Geschäftsführer Martin Kind verzichtet auf Ansprüche der Vergangenheit, an denen sowohl Mirko Slomka als auch Kenan Kocak scheiterten. „Kommende Saison ist Aufstieg kein Thema“, sagte Kind. Allein diese Aussage nimmt Druck weg und zeigt Demut. DIE TAKTIK Zimmermann-Fußball beginnt mit aggressivem Pressing. 96 will die Gegner in Fallen lenken, die durch schnellen Zugriff zuschnappen. Klappte gut im Test gegen Paderborn (1:1). Am Thema Ballbesitz nach –eroberung muss die Mannschaft in Rotenburg arbeiten. DIE FÜHRUNGSSPIELER Ein Generationswechsel steht an. Als neue Chefs sollen Ernst, Stürmer Marvin Ducksch, Marcel Franke und Niklas Hult mit sportlichen Leistungen vorangehen. Die Kapitänsfrage will Zimmermann nach dem Trainingslager beantworten. MARKUS KRONE Foto: Kaletta DIE TRANSFERS Sebastian Ernst (Fürth) wird ein Gewinn sein für 96. Sebastian Kerk (Osnabrück) hat vielversprechende Ansätze, während Sebastian Stolze (Regensburg) durchhängt. Julian Börner (Sheffield) soll als Verteidiger kommen. Dazu ein rechter Verteidiger. Schlüsseltransfer wird aber der neue Sechser sein. Kandidat ist Orestis Kiomourtzoglou (Almelo). DER TRAINER Jan Zimmermann wird zahlreiche Gespräche führen. Das sind die Spieler aus der Kocak-Zeit nicht gewohnt. Das Trainingslager in Rotenburg nutzt der Trainer, „dass wir mehr zusammenrücken, die Jungs mich besser kennenlernen, unsere Gedanken austauschen“. Zimmermann sucht „eine große Nähe und große Offenheit, die Spieler müssen auch wissen, was ich von ihnen erwarte“. Trainingsgespräch: 96-Trainer Jan Zimmermann mit Linton Maina (links) und Marvin Ducksch 63 Personeller Notstand in der Innenverteidigung Die Paderborner beklagen einen personellen Notstand auf der Manndeckerposition: Jesse Tugbenyo muss nach einem unverschuldeten Autounfall weiter pausieren, und Marcel Correia ist als erste Kontaktperson eines Corona-Infizierten in häuslicher Quarantäne. So standen am Wochenende in den Testspielen bei Hannover 96 (1:1) und gegen die U 23 des BVB (2:3) nur drei gelernte Innenverteidiger zur Verfügung. Uwe Hünemeier und Jasper van der Werff machten ihre Sache in der Partie bei 96 gut und wurden tags darauf geschont. Jannis Heuer (Foto) kam in beiden Partien als Rechtsverteidiger zum Einsatz. Auch auf dieser Position ist der SCP nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Frederic Ananou aktuell in gewissen Nöten. „Ich kann die Jungs ja nicht verheizen“, beschrieb Lukas Kwasniok seine Vorgehensweise und wollte deshalb die Niederlage gegen einen zweikampfstarken Drittligaaufsteiger auch nicht überbewerten. „Wir müssen das einordnen, aber wird dürfen es auch nicht schönreden“, sagte der Trainer, der mit Ron Schallenberg und Johannes Dörfler zwei fachfremde Kräfte ins Abwehrzentrum beordert hatte. Tugbenyo und Correia verpassen auch das Trainingslager in Garderen (Niederlande). Deshalb wird Kwasniok im Test gegen Meppen am Mittwoch nochmals viel wechseln. In der Partie gegen Ajax Amsterdam am Samstag könnte sich dann eine erste Elf herauskristallisieren. JOCHEM SCHULZE AUE R EG E N S B U R G SANDHAUSE N R OSTOCK Shpilevski lebt die Aktivität vor Zwei Testspiele als Mutmacher Viel Bewegung Die Musterlösung auf beiden Seiten mit Schumacher Wenn neue Trainer kommen, schaut man gern, wie sie sich am Seitenrand verhalten. Gut zu sehen ist das bei Spielen. Aue hat jetzt zwei hinter sich: 5:0 gegen Eintracht Bamberg und bei einem Blitzturnier (je 45 Minuten) beim VfB Auerbach 4:1 gegen den Gastgeber und 3:0 gegen die U 23 von Fürth. FCE-Trainer Aleksey Shpilevski ist keiner, der nur am Rand steht. Er geht mit, ist aktiv. „Unsere Spielart soll lebendig sein, dementsprechend ist auch mein Coaching. Ich verlange 90 Minuten Wachsamkeit und Aktivität. Das muss ich auch vorleben“, betont Shpilevski. Der 33-Jährige hat jetzt auch sein Trainerteam komplett. Neu dazugekommen ist Tommy Jähnigen. Der 31-Jährige fungierte schon in Brest sowie Almaty unter Shpilevski als Assistenztrainer und bekleidet nun den Job des Videoanalysten im Erzgebirge. THOMAS NAHRENDORF Im zweiten Testspiel gelang Regensburg am Samstag gegen Regionalligist Bayreuth der zweite Sieg. Wie schon gegen Blau-Weiß Linz gab es erneut ein 4:0. Das tut den Oberpfälzern, die sich in der Vorsaison im Endspurt mit dem Toreschießen schwergetan hatten, gut. Abschlüsse, Abschlüsse, Abschlüsse: Das ist einer der großen Schwerpunkte in der Vorbereitung. In der kommenden Saison will der Jahn die rote Laterne, die er 2020/21 bei der Chancenverwertung innehatte, unbedingt abtreten. Eine weitere Baustelle sind die Standards: offensiv wie defensiv. Mit dem Klassenerhalt wurde es am Saisonende auch deswegen knapp, „weil wir bei Standards zu viele Gegentore bekommen haben“, weiß Mersad Selimbegovic. Im Test gegen Bayreuth war der Trainer sehr angetan, dass sein Team nach dem Trainingslager frischer als erwartet war. FELIX KRONAWITTER Die gute Nachricht zuerst: Von großen Erwartungen wie in der Vorsaison wird der SVS diesmal nicht erdrückt. Im Gegenteil: Es sind Baustellen offen. Wann Kapitän Dennis Diekmeier nach seinem Syndesmoseriss zurückkommt, vermag der Sportliche Leiter Mikayil Kabaca nicht zu sagen. Mit Kevin Behrens (zu Union Berlin) hat der erfolgreichste Angreifer der vergangenen Jahre den Hardtwald verlassen. Ob gleichwertiger Ersatz gefunden wird, ist zweifelhaft. Die Zahl der Abgänge wird weiter steigen: Falls Enrique Pena Zauner und Anas Ouahim neue Vereine finden, wird sie sich auf 17 erhöhen. Auf der anderen Seite sollen den zehn Neuen weitere folgen. Im Trainingslager in Österreich sind Torhüter Nikolai Rehnen von Arminia Bielefeld und Mittelfeldspieler Maximilian Thiel vom 1. FC Heidenheim als Gastspieler dabei. WOLFGANG BRÜCK Hansa hat Linksaußen Kevin Schumacher (23) verpflichtet und mit einem Zweijahresvertrag plus Option ausgestattet. Der 1,82 Meter große Linksfuß schoss den TSV Havelse im Relegationsrückspiel gegen Schweinfurt zum 1:0-Sieg und zum Aufstieg in die 3. Liga. Er kann auf 118 Einsätze (16 Tore, 26 Vorlagen) in der Regionalliga Nord zurückblicken und will sich nun in der 2. Liga beweisen. Er ist sehr schnell, laufstark und kämpferisch. Er weiß seinen Körper robust einzusetzen und zeichnet sich durch großen Ehrgeiz aus. Damit passt er perfekt ins Anforderungsprofil der Rostocker, die vor allem über Teamgeist, Mentalität und Einsatzbereitschaft den Klassenerhalt schaffen wollen. Unterdessen wird der FC Hansa seine Generalprobe vor dem Saisonstart am 17. Juli im Ostseestadion gegen Eintracht Braunschweig bestreiten. TOMMY BASTIAN
64 5. JULI 2021 Bekenntnisse unter Vorbehalt Diese eine Frage an den jeweiligen Bremer Profi kommt natürlich immer. Nach einem Verbleib, einem Wechsel, einer Ausleihe. Sie stellt sich vor dieser Saison, der ersten seit 41 Jahren in der 2. Liga, ja umso dringlicher: Wer bleibt bei Werder? Beileibe nicht alle der 28 Spieler, die mit ins Trainingslager gereist sind, werden am 31. August, wenn das Transferfenster schließt, noch beim Zweitligisten unter Vertrag stehen. Aus Bremens Trainingslager in Zell am Ziller berichtet Tim Lüddecke Öffentliche Bekenntnisse sind bislang jedenfalls rar, was auch damit zusammenhängt, dass die Profis natürlich wissen, dass sie mit solchen Aussagen am Ende womöglich alleine dastehen. Die Bremer streben noch immer Transfereinnahmen von mindestens zehn Millionen Euro an, können es sich also gar nicht leisten, auch nur irgendeinen Spieler für unverkäuflich zu erklären. Als einer der wenigen Profis hat sich Kevin Möhwald inzwischen mit einer „eindeutigen Tendenz“ positioniert: „Ich kann nur sagen, dass ich Bock habe, den Wiederaufbau mit anzukurbeln“, ließ der 28-Jährige wissen. Damit dieser trotz Planungsunsicherheiten nicht ins Stocken gerät, rief Möhwald sogar zu einer Art Appell an seine Mitspieler auf: „Im Endeffekt muss und sollte jeder davon ausgehen, dass er hierbleibt.“ Daran lässt zumindest Niclas Füllkrug keine Zweifel: „Es ist nicht so, dass ich mir jeden Abend den Kopf zerbreche: Zu welchem Verein könnte ich denn gehen?“, sagte er im Gespräch mit dem kicker: „Ich bin hier zufrieden, ich finde die neue Philosophie vom Trainer sehr gut, und ich bin auch ein Fan von der 2. Liga.“ Wie bei Möhwald, der den Klub nur bei einem „perfekten Angebot“ verlassen würde, klingt das grundsätzlich nach einem Bekennt- H E I DE NH E I M Foto: nordphoto Wer bleibt bei Werder? Nach Möhwald kann sich auch NI C L AS F Ü L LKR UG (28) einen Verbleib grundsätzlich vorstellen. Haben die 2. Liga im Visier: Während Angreifer Niclas Füllkrug (li.) zum Schuss ausholt, hat ihn Mittelfeldspieler Kevin Möhwald genau im Blick. nis, allerdings ebenfalls nur unter Vorbehalt. Weil man einen Verbleib „aktuell nicht garantieren kann“, so Füllkrug, „und dann wäre es nicht schlau, das zu sagen.“ Dieser Unklarheit sieht der Angreifer gelassen entgegen: „Wenn ein Angebot reinkommen sollte, wird Werder sich Gedanken machen, ob es das Geld oder der Spieler wert ist.“ Er selbst geht davon aus, dass es noch so einige Offerten geben wird: „Viele DARMSTADT Klubs werden unseren Kader im Blick haben, weil man durch den Abstieg denken könnte: Man bekommt hier jetzt günstige Spieler.“ Zumal es ja auch noch einige wechselwillige Spieler gibt, die dafür bereits ihre Berateragentur gewechselt haben wie Maximilian Eggestein und Milos Veljkovic. Andere (etwa Ömer Toprak und Leonardo Bittencourt) wollen sich dieser einen Frage öffentlich aktuell lieber nicht stellen. I NGOL STADT Siersleben kommt Sobiech sorgt für Kassensturz auf mit Ambitionen doppelte Auswahl der linken Seite In diesem Jahr ist der FCH wieder im Sommertrainingslager in Aigen in Oberösterreich, bereits zum fünften Mal. Mit dabei ist auch Tim Siersleben. Unter der Woche wurde die zweijährige Leihe finalisiert, der U-20-Nationalspieler kommt vom VfL Wolfsburg. Der 21-Jährige hat sich Einiges vorgenommen, denn mit Patrick Mainka und Oliver Hüsing verfügt der FCH über eines der besten Innenverteidiger-Duos der 2. Liga. Überwiegend in der Regionalliga eingesetzt, kann Siersleben aber auch schon ein Bundesligaspiel vorweisen – am 34. Spieltag der Vorsaison wurde er bei Wolfsburgs 2:3 gegen Mainz in der 57. Minute eingewechselt. Er wolle den nächsten Schritt in seiner Karriere machen und sich in Heidenheim durchsetzen, gab der gebürtige Magdeburger zu Protokoll. Weitere Optionen für ihn wären die linke defensive Außenbahn oder das defensive Mittelfeld – auch diese Positionen könnte Siersleben bekleiden. TIMO LÄMMERHIRT Mit den kurz zuvor verpflichteten Lasse Sobiech (30) und Luca Pfeiffer (24) ist Darmstadt am Sonntag ins Trainingslager nach Herxheim-Hayna in die Pfalz gereist. Bei dem fünftägigen Aufenthalt sollen unter anderem die Rekonvaleszenten Tobias Kempe (Nasen-OP), Patric Pfeiffer (Syndesmoseverletzung) und Frank Ronstadt (Bänderriss) wieder ans Team herangeführt werden. Ein für Ende Juni geplantes Trainingslager im Schwarzwald hatte der Verein noch wegen Personalmangels gestrichen. Mit dem ablösefreien Sobiech, der 2020/21 vom 1. FC Köln an den FC Zürich ausgeliehen war und in Darmstadt für ein Jahr unterschrieb, haben die Lilien beide Innenverteidiger-Positionen doppelt besetzt. Stürmer Pfeiffer wechselt für ein Jahr auf Leihbasis vom dänischen Vizemeister FC Midtjylland ans Böllenfalltor. Weiterhin Interesse besteht an Mittelfeldspieler Dennis Dressel (22) vom TSV München 1860. STEPHAN KÖHNLEIN Neben der konditionellen Arbeit stehen im Trainingslager vor allem die Taktikschulung, das Zweikampfverhalten und die Torabschlüsse ganz oben auf der Agenda. Gefeilt wird daran in Vals (Südtirol). So malerisch der Ort ist, so beschaulich gestaltet sich auch die Kaderplanung. Nicht nur die zähe Suche nach einem Abwehrchef geht weiter. Nachdem Linksverteidiger Gordon Büch (25) dem Lockruf seines Ex-Trainers Jeff Saibene zu RFC Union Luxemburg gefolgt ist, ergibt sich eine neue Konstellation. Geht man davon aus, dass Marcel Gaus, der Allrounder auf der linken Seite, eine Position weiter vorne gebraucht wird, lichten sich die Reihen. Gewiss hat man mit Dominik Franke (22) noch einen Pfeil im Köcher, und dahinter steht Peter Kurzweg (27) parat. Nur eine 1a-Lösung auf gehobenem Zweitliganiveau steht nicht im Kader. Wer weiß, vielleicht zieht die sportliche Leitung noch ein Ass aus dem Ärmel. BERND KÖNIG
5. JULI 2021 65 3. LIGA „Ohne Druck erreichst du nichts“ Am 23. Juli geht’s wieder los 132-mal trug Thomas Hengen das Trikot des 1. FC Kaiserslautern. 17 Jahre nach seinem Abschied 2004 kehrte er im März dieses Jahres zurück auf den Betzenberg – und konnte in seiner ersten Transferphase bereits den ein oder anderen Coup landen. Doch es warten noch harte Verhandlungsrunden auf den gebürtigen Pfälzer. Offensiv wird das Ziel nicht formuliert, doch es ist klar: Sport-Geschäftsführer T H O M AS H ENG EN (46) will den FCK zurück in die 2. Bundesliga führen. Vor wenigen Monaten stand der FCK noch mit einem Bein in der Regionalliga, aktuell wächst die Freude und Euphorie bei den Fans stetig. Wie nehmen Sie die Stimmungslage im Umfeld wahr, Herr Hengen? ve Grundstimmung gibt. Diese wollen wir auch gerne weiterhin behalten, dafür geben wir alles. Aber in unserem Geschäft sollte man sich grundsätzlich nicht von Stimmungen leiten lassen, weder in der einen, noch in der anderen Richtung. Aber das ist ja das Besondere an Traditionsvereinen, es werden eben extreme Emotionen gelebt, die sich in kurzer Zeit wandeln. Wir können damit gut umgehen. Zuletzt wurden regelmäßig Neuzugänge präsentiert. Die Schlüsselstelle des Nummer-eins-Torjägers ist aber noch unbesetzt. Ist eine „Der Betzenberg soll wieder eine Festung werden.“ Wie ist es gelungen, Fans und Mannschaft in den vergangenen Monaten wieder zu einen? Foto: picture-alliance/Eibner Aktuell ist es tatsächlich so, wie man sich das wünscht. Es macht vieles einfacher, wenn jeder rund um den Verein gut gelaunt ist und mehr Spaß hat. Aber das ist eine Momentaufnahme und vieles Wenn ein Spieler das zusätzlich mitbringt, umso besser. Und natürlich sollen die erfahrenen Spieler Verantwortung übernehmen und vorneweg gehen, das erwarten wir schon. Das fordern wir aber auch von all unseren Spielern, jeder darf sich gerne mehr einbringen und Verantwortung übernehmen. Auf dem Platz reichen oftmals schon die kleinen Dinge, dazu ist jeder Spieler in der Lage. Wir befinden uns in schwierigen Verhandlungen. Wir sind nicht in der Position, der agierende Verein zu sein. Es liegt ja nicht nur an uns und am Spieler, sondern auch am abgebenden Verein. Im Moment ist es in dem vorgegebenen Rahmen für uns nicht darstellbar. Wir müssen hier die weiteren Entwicklungen abwarten. „Im Moment ist Götze für uns nicht darstellbar.“ Erstmals seit Längerem gibt es außerdem keine störenden Nebengeräusche aus den verschiedenen Vereinsgremien, die den Klub zuletzt jahrelang auf Trab gehalten haben. Das muss doch sicher sehr ungewohnt sein. Was ist mit dem Faktor Erfahrung und Führungspersönlichkeit? Viel Verantwortung übernahm in der Rückrunde Felix Götze. Kann der zuletzt aus Augsburg geliehene Defensivspieler gehalten werden? Natürlich ist es schön, wenn es rund um den Verein eine positi- Das Umfeld versteht den Weg, den wir gehen wollen, wie Mannschaft und Trainer das angehen und honoriert das Geleistete. Es ist auch die Art und Weise, wie wir auftreten. Der sportliche Erfolg hat natürlich viel zu dieser Entwicklung beigetragen. Aber das gilt es jetzt zu bestätigen. Markt ist, wäre es fahrlässig, es nicht zu versuchen späte Verpflichtung nicht gerade auf dieser wichtigen Position problematisch? steht und fällt mit dem sportlichen Erfolg. Wir sind da, um Ergebnisse zu erzielen und können so dazu beitragen, dass es lange ruhig bleibt. Und selbst wenn nicht: Wir sind alle Profis und müssen uns egal in welcher Situation auf unseren Job konzentrieren – nicht auf mögliche Nebenschauplätze. Transfers wie die von Jean Zimmer und Mike Wunderlich sorgen aber nicht nur für Vorfreude, es geht auch eine erhöhte Erwartungshaltung damit einher. Wie kann verhindert werden, dass der Erfolgsdruck belastend wirkt? Im Profisport hast du immer Druck, da geht es immer nur um Leistung – und die wollen wir ab- rufen und erfolgreich spielen. Da sehe ich deswegen kein Problem. Ohne Druck im Leistungssport kannst du auch deine Ziele nicht erreichen. Jeder, der sich für den Weg in den Leistungssport entschieden hat, muss damit umgehen können. Spieler wie Wunderlich – sehr erfahren und gleichzeitig Leistungsträger auf hohem Niveau – haben dem FCK zuletzt gefehlt. Wurde speziell danach gesucht? Wir gehen unabhängig von einem bestimmten Schubladendenken vor. Es geht uns in erster Linie um die Qualität eines Spielers, unabhängig vom Alter. Unser Ziel ist es, die Qualität im Kader anzuheben. Wenn dann so ein Spieler auf dem Nach der Verpflichtung von Daniel Hanslik und Muhammed Kiprit und mit Elias Huth sind wir im Sturm gut aufgestellt. Aber natürlich beobachten wir weiterhin den Markt und könnten auch noch situativ reagieren. Zum Abschluss: In der 3. Liga geht es für einen Verein meist um den Aufstieg oder gegen den Abstieg. Spielt der FCK kommende Saison vorne mit? Wir können nicht versprechen, dass wir Erfolg haben. Aber wir können versprechen, dass wir Leistung bringen werden. Und darum geht es. Abzuliefern, seinen Job machen, über 90, 95 Minuten. Dazu soll der Betzenberg wieder eine Festung werden. Dann kommt der Rest von ganz alleine. INTERVIEW: MORITZ KREILINGER
66 5. JULI 2021 O SN A B R Ü CK Hohes Pressing und schnelle Ballrückeroberungen – Testspiel gegen Mario Götze Schernings Philosophie schon sichtbar D ORT MU N D I I von Torwart Philipp Kühn über die Defensivspieler Timo Beermann, Maurice Trapp und Uli Taffertshofer bis hin zu Stürmer Marc Heider – ist ein halbes Dutzend gut ausgebildete, hungrige Jungprofis gekommen, die mit Schnelligkeit, Offensivgeist und Mentalität zu diesem Stil passen. Diesen Typ verkörpern beispielhaft die Außenverteidiger Davide Itter und Florian Kleinhansl. „Zu den Jungs, die den Verein kennen und die Identifikation mit dem Klub mitbringen, kommen Spieler, die für die Chance speziell in Osnabrück brennen“, beschreibt Scherning die Mischung, die ab diesem Montag im Trainingslager im nahegelegenen und als Standort bewährten Ankum nicht nur sportlich, sondern auch beim Teambuilding weiterkommen soll. Nicht voll belastbar sind derzeit die Mittelfeldspieler Ulrich Bapoh (Oberschenkelprobleme) und Oliver Wähling (Reizung im Knie). Noch sind nicht alle Planstellen besetzt, Handlungsbedarf gibt Foto: imago images/Wedel Nach zwei Wochen und drei Testspielen ist schon klar zu erkennen, wo Trainer Daniel Scherning mit dem VfL Osnabrück hin will: Keine Kopie, aber eine Variation des offensiven Vollgasfußballs, mit dem der SC Paderborn auf seinem Erfolgsweg der vergangenen vier Jahre bundesweit Aufsehen und Anerkennung erntete, soll die Enttäuschung über den Abstieg schnell verscheuchen. Der 37-jährige Fußballlehrer hat diese Entwicklung im Trainerteam von Steffen Baumgart („Daniel war nicht mein Assistent, sondern mein Partner“) mitgeprägt. „Ich bin von dieser Spielweise überzeugt, und ich weiß, dass das auch der Fußball ist, der in Osnabrück ankommt“, sagt Scherning. In den beiden jüngsten Testspielen gegen die Regionalligisten SSV Jeddeloh II (7:3) und BSV Rehden (5:0) fielen die Hälfte der Tore nach hohem Pressing oder nach schnellen Ballrückeroberungen: „Nicht der Trainer prägt den Stil, sondern die Spieler, die davon überzeugt sein müssen, den Mut und die Intensität dafür haben.“ Zu einer Achse mit erfahrenen Spielern aus den vergangenen Jahren – Für Maaßen ein „Impulsgeber“ es am ehesten auf den offensiven Außenpositionen. Gesucht wird außerdem noch ein junger Torwart mit Entwicklungspotenzial. Zum inoffiziellen Eröffnungsspiel kommt am Samstag mit dem niederländischen Vizemeister PSV Eindhoven und Ex-Nationalspieler Mario Götze ein attraktiver Gast, der von Schnernings früherem Paderborner Teamkollegen Roger Schmidt trainiert wird, an die Bremer Brücke, wo möglicherweise 7500 Zuschauer zugelassen sein werden. HARALD PISTORIUS Sie standen in Paderborn für Vollgasfußball: der neue VfL-Coach Daniel Scherning (li.) und Steffen Baumgart HAL L E Der Neuzugang will oben mitspielen Papadopoulos reißt mit Kreuzer soll führen Fünf externe Neuzugänge wird Trainer Enrico Maaßen um sich versammeln, wenn an diesem Montag das Dortmunder Trainingslager im österreichischen Kirchberg beginnt. Vier für die Offensivabteilung, einer eher für die Defensive. Antonios Papadopoulos heißt der, ist 21 Jahre jung und wird für gewöhnlich nur „Papa“ gerufen. 71 Pflichtspiele sind für ihn in der 3. Liga bereits notiert; für Aalen und den Großteil für Halle. Dieser Erfahrungsschatz war für den BVB II ein wichtiges Einstellungskriterium. Papadopoulos wisse, wie es in dieser physisch anspruchsvollen 3. Liga zugehe, und könne den Aufsteiger in komplexen Situationen mitreißen, heißt es. In den Die Wohnungssuche in seinem neuen Lebensmittelpunkt muss jetzt erst mal für ein paar Tage pausieren. Ab Montag ist Zugang Niklas Kreuzer mit dem Halleschen FC für eine Woche im Trainingslager im niedersächsischen Wesendorf – Intensivvorbereitung auf die anstehende Drittliga-Saison. Heimisch werden will der 28-Jährige nach langen Jahren in Dresden nun im rund 40 Kilometer von Halle entfernten Leipzig. Dort sucht der ehemalige Dynamo-Publikumsliebling für sich, seine Freundin und die gemeinsame Tochter derzeit eine Wohnung. „Meine Freundin ist gebürtige Leipzigerin, deshalb passt das ganz gut“, sagt Kreuzer. ersten Tagen bestätigt der ablösefrei verpflichtete Mann diese Einschätzung. Papadopoulos coacht prägnant und kraftvoll, sodass Maaßen lobt: „Mit seiner Lautstärke und seiner intensiven Art, Fußball zu spielen, wird er sicherlich wichtig für uns.“ Zumal er sehr „flexibel einsetzbar“ sei. Der Trainer testet Papadopoulos in der Innenverteidigung und im zentralen Mittelfeld. „Mit ihm haben wir einen weiteren Impulsgeber gewonnen“, freut sich Maaßen, der viele polyvalente Spieler haben will. Papadopoulos kann es aus seiner Sicht zentral in letzter Linie, auf der Sechs wie auf der Acht – und soll von großer Bedeutung werden. Wo auch immer es nötig ist. PATRICK KLEINMANN Auch mit dem HFC sollte es passen. Hier soll er Führungsspieler sein. Diese Erwartung möchte er erfüllen. „Darüber habe ich mir persönlich viele Gedanken gemacht. Ich war nie der Spieler, der die Mannschaft zusammengeschrien hat, wenn es nicht lief. Mir geht es darum, mit guter Leistung voranzugehen.“ Das ist auch die Vorstellung von Sportdirektor Ralf Minge und Trainer Florian Schnorrenberg. Der zweitligaerprobte Außenverteidiger soll dem im letzten Jahr oft wankelmütigen Team Stabilität verleihen, um mittelfristig höhere Zeile anpeilen zu können. Kreuzer: „Wir haben als Team die Qualität, oben mitzuspielen. Und ich denke, ich weiß, was es dafür braucht.“ FABIAN WÖLFLING
5. JULI 2021 67 „Wir haben genügend Erfahrung“ OTM A R S C H O R K (63) bleibt entspannt, obwohl der Kader sehr jung und Routinier Gjasula ohne Vertrag ist. Anfang November 2020 begann Otmar Schork seine Tätigkeit als Sportdirektor beim abstiegsbedrohten 1. FC Magdeburg. Mit erfolgreichen Personalentscheidungen unter anderem der Verpflichtung von Trainer Christian Titz - trug der 63-Jährige maßgeblich zum Klassenerhalt bei und stellte gemeinsam mit dem Coach das neue Team zusammen. Seit 1. Juli fungieren Sie als Geschäftsführer Sport. Was verändert sich damit in Ihrer Tätigkeit beim FCM? Für mich hat sich nichts verändert. Ich hatte vom ersten Tag an das Vertrauen der Gremien und trage die alleinige Verantwortung im sportlichen Bereich. Das sind nur formelle Dinge, die nichts an meiner Arbeits- und Vorgehensweise ändern. Der aktuelle Kader umfasst 30 Spieler. Soll es bei der doch wieder großen Anzahl bleiben oder sind weitere Ausleihen geplant? Wir haben drei A-Jugendliche übernommen. Da geht es primär um die Integration und den Übergang junger talentierter Spieler in den Männerfußball. Dass diese DUISBURG Spieler nicht von heute auf morgen konkurrenzfähig sein können, ist klar. Zudem haben wir drei weitere Spieier dabei, die im letzten Jahr aus der A-Jugend ge- Perspektive? „Weit weg von den Abstiegsplätzen.“ kommen sind. Man hat gesehen, dass es schwierig war, direkt in die Konkurrenzsituation im Kader zu kommen. Um Wettkampfpraxis zu erhalten, müssen wir einen sinnvollen Weg über Ausleihen finden. Von daher reduziert sich die realistische Einordnung in direkter Konkurrenzsituation auf 24 Spieler. Es wird überlegt, wieder eine U 23 zu etablieren. Was sind die Beweggründe? Wir haben das angeschoben, jedoch hat der Fußballverband Sachsen-Anhalt (FSA) uns mitgeteilt, dass aufgrund der Pandemie und der abgebrochenen Saison es kurzfristig für die bevorstehende Saison 2021/2022 nicht möglich ist. Die Installierung einer U-23-Mannschaft ist für den Verein als Übergang vom Jugend- in den Lizenzspielerbereich enorm Erfolgserlebnis im Test, die Kaderplanung ist weit fortgeschritten Foto: imago images/Schroedter Dotchev: „Ich verspüre eine innere Freude“ Mit einem Erfolgserlebnis schloss Duisburg sein Trainingslager ab. Die Zebras gewannen ein Testspiel gegen den belgischen Erstligisten K. Berschoot VA mit 1:0. Nun haben Resultate während der Saisonvorbereitung oft nur eine untergeordnete Bedeutung, für die Duisburger war der Sieg aber Balsam für frisch aufgerissene Wunden. Der MSV hatte sich kurz nach dem Start in die Vorbereitung mit einem 2:4 gegen Fünftligist SpVg Schonnebeck blamiert. So wehte den Verantwortlichen gleich zum Start ein rauer Wind ins Gesicht. Pavel Dotchev registrierte den Erfolg mit großer Erleichterung: „Ich verspüre eine innere Freude.“ Zudem freut sich der Trainer, dass die Kaderplanungen kurz vor dem Abschluss stehen. Mit dem offensiven Mittelfeldspieler Kolja Pusch (28, KFC Uerdingen) und Stürmer Chinedu Ekene (21, TSG Hoffenheim II) konnte Sportdirektor Ivica Grlic (45) zwei weitere Planstellen besetzen. Der MSV sucht nun noch einen Innenverteidiger. Hier geht es allerdings nicht um eine Ergänzung des Kaders, sondern der neue Mann soll im Idealfall die Rolle des Abwehr- chefs übernehmen. Der Vertrag von Routinier Dominik Schmidt (34), der derzeit verletzungsbedingt auf Eis liegt, läuft zwar noch ein Jahr, der ehemalige Kieler konnte in der abgelaufenen Saison jedoch nur selten die Erwartungen erfüllen. Die Stabilisierung der Defensive hatte Dotchev auf der Prioritätenliste ganz oben notiert. Auf den Außenbahnen (Rolf Feltscher und Leroy Kwadwo) und im defensiven Mittelfeld (Marvin Bakalorz) hat der MSV seine Hausaufgaben erledigt, in der Abwehrzentrale besteht noch Handlungsbedarf. DIRK RETZLAFF wichtig, um im Männersport anzukommen. Gerade die jungen Spieler benötigen Spielpraxis auf Wettkampfniveau. Das Durchschnittsalter des gegenwärtigen Kaders beträgt nicht einmal 24 Jahre. Sehen Sie die Gefahr fehlender Erfahrung im Haifischbecken 3. Liga und würde ein fitter Routinier Jurgen Gjasula dem Team nicht guttun? Wir legen viel Wert darauf, Spieler im Kader zu haben, die Potenzial haben. Mit Tobias Müller, Alexander Bittroff, Adrian Malachowski, aber auch Baris Atik, Florian Kath, Raphael Obermair und Maximilian Franzke sowie weiteren Spielern im besten Fußballeralter haben wir genügend Erfahrung im Kader. Jurgen Gjasula muss zunächst einmal gesund und fit werden. Sein Vertrag ist am 30. Juni ausgelaufen. Aktuell ist er noch im Krankenstand. Bei den meisten Neuverpflichtungen wurden keine Vertragslaufzeiten mehr kommuniziert. Warum? Das ist keine Geheimniskrämerei. In der Vergangenheit wurde in der Öffentlichkeit viel spekuliert, was Vertragsdauern oder Vertragsverlängerungen nach einer gewissen Anzahl von Spielen betrifft. Das hat der Sache nicht gedient und war zudem mehrfach nicht korrekt. Dem wollen wir vorbeugen. Wo sehen Sie den FCM am Ende der Saison 2021/22 in der Tabelle? Weit weg von den Abstiegsplätzen. INTERVIEW: HANS-JOACHIM MALLI
68 5. JULI 2021 3 . L I GA KOMPAK T 1. FC Saarbrücken Kerber verlängert vorzeitig Eintracht Braunschweig Hemmerich präsentiert sich Eigengewächs Luca Kerber hat seinen bis 2023 laufenden Vertrag vorzeitig um ein weiteres Jahr verlängert. Der 19-Jährige unterschrieb erst im vergangenen Winter seinen ersten Profivertrag und wurde direkt Stammspieler bei den Blau-Schwarzen. Um einen Vertrag bewirbt sich derzeit auch Innenverteidiger Bruno Soares (32). „Wir hoffen, dass wir 18 Mannschaften hinter uns lassen können“, erklärte der Löwen-Coach: „Aber ich glaube auch nicht, dass unsere Gegner sagen: ‚Hipp, hipp, hurra, die Löwen kommen!“ Würzburger Kickers Jäger folgt auf Sauer Waldhof Mannheim Campins muss warten Wechsel an der Spitze: Nach fünfeinhalb Jahren hat Daniel Sauer seinen Posten als Vorstandsvorsitzender bei den Würzburgern abgeben. Sein Nachfolger Christian Jäger, zuvor beim nicht mit den Kickers verbandelten Sportrechte-Vermarkter Sportfive tätig, hat übernommen. Die erste Dienstfahrt des Neuen führte ins Trainingslager nach Oberösterreich, wo er den 5:2-Sieg gegen den Zweitligisten FC Juniors OÖ verfolgte. Lotric, Heinrich, Sane, Atmaca und Kopacz erzielten die Tore für die Unterfranken. SV Wehen Wiesbaden Verletzte – Test fällt aus Mit der Verpflichtung von Florian Stritzel (27) sind auf der Torhüter-Position die Planungen abgeschlossen. Die Personalsituation ist derweil angespannt. So drohen Gianluca Korte (30) eine Meniskusoperation und mehrere Monate Zwangspause. Im Test gegen Oberligist Hassia Bingen (6:4, Tore: Nilsson 4, Stangl, Wurtz) verletzte sich Marc Lais, auch Sascha Mockenhaupt und Emanuel Taffertshofer gingen angeschlagen aus der Partie. Daher wurde die für vergangenen Samstag vorgesehene Begegnung bei Regionalligist Aschaffenburg abgesagt. TSV München 1860 Köllner probt den Aufstieg Trotz des 0:1 im Test gegen den SV Ried am Freitag belohnte Michael Köllner (51) die Seinen mit einer Bergtour zur Wurzeralm. Ähnliches, ein Aufstieg, schwebt ihm auch in der anstehenden Saison vor. Wechselt von Duisburg zu Türkgücü: Sinan Karweina Die Mannheimer haben das erste Testspiel beim Oberligisten Neckarsulmer SU 4:2 gewonnen. Just, Schnatterer, Jurcher und Costly erzielten die Tore für den SV Waldhof, bei dem Gastspieler Joan Campins (26) zum Einsatz kam. Über eine Verpflichtung des spanischen Rechtsverteidigers ist noch keine Entscheidung gefallen. 1. FC Kaiserslautern Kiprit neu, Hanslik bleibt Der Kader nimmt konkrete Formen an. Der bereits vergangene Saison von Holstein Kiel ausgeliehene Daniel Hanslik (24) wurde fest verpflichtet. Der Angreifer hatte unter anderem mit sechs Treffern in fünf Spielen im Saisonendspurt maßgeblichen Anteil am Klassenerhalt. Mit Muhammed Kiprit (21), zuletzt mit acht Toren in 36 Spielen für den KFC Uerdingen erfolgreich, sicherte sich der FCK einen weiteren Stürmer. Viktoria Köln Feigenspan kommt und geht Die Torhüter Elias Bördner (19, Eintracht Frankfurt) und Lucas Fox (20, Jeunesse Esch) sowie Rechtsaußen Mike Feigenspan (25, KFC Uerdingen) spielten vor. Bei der 1:5-Niederlage im Test gegen den Karlsruher SC (Tor: Amyn) musste Feigenspan allerdings früh mit einer Verletzung am Sprunggelenk vom Platz. Marcel Risse (31), dessen Leihvertrag Ende Juni ausgelaufen ist, gehört der Mannschaft vorerst nicht mehr an. Die Verhandlungen mit dem 1. FC Köln über einen festen Wechsel zur Viktoria laufen weiter. Türkgücü München Karweina hat einen Bezug Der 22-jährige türkischstämmige Angreifer Sinan Karweina, ausgebildet beim 1. FC Köln, schloss sich nach zuletzt zwei Jahren beim MSV Duisburg den Münchnern an. In der Vorsaison war er 19-mal in der 3. Liga zum Einsatz gekommen, zu seinem neuen Verein hat er einen persönlichen Bezug. „Aufgrund meines türkischen Hintergrunds“, so Karweina, habe ihn „der Verein Türkgücü persönlich direkt gereizt“. SV Meppen Blacha bringt Erfahrung Meppen hat mit David Blacha einen erfahrenen Mittelfeldstrategen geholt. Der 30-jährige ehemalige Osnabrücker stand schon vor drei Jahren auf der Wunschliste. Torgefährlich präsentieren sich die neuen jungen Spieler aus der Regionalliga: Serhat Koruk hat in fünf Spielen fünf Treffer erzielt, Morgan Faßbender vier, Tobias Dombrowa drei – genau wie Willi Evseev. 1. FC Magdeburg Leneis vom FCA ausgeliehen SC Verl Es sieht gut aus für Saglik Gegen Arminia Bielefeld feierte das neue Team von Trainer Rino Capretti einen überzeugenden 3:0-Sieg. Kasim Rabic und Gastspieler Mahir Saglik (2) erzielten die Treffer. Der 38-jährige Ex-Bundesligaspieler steht offenbar vor der Verpflichtung. „Er kann laufen, er kann schießen, er ist ballsicher und er hat hier Bock – das sagt schon alles“, lautete Caprettis Tendenzaussage. FC Viktoria 1889 Berlin Start: Spielort nicht sicher Trainer Benedetto Muzzicato war nach dem 3:3 im Test gegen den 1. FC Magdeburg, bei dem Lucas Falcao, Seiffert und Hovi per Foulelfmeter trafen, zufrieden: „Unser Matchplan hat funktioniert und wurde gut umgesetzt. Wir haben wieder gute Erfahrungen gesammelt.“ Noch ist nicht sicher, wo die Partie am 1. Spieltag gegen Viktoria Köln ausgetragen wird. „Es ist schön, dass wir unseren Drittliga-Auftakt mit einem Heimspiel feiern dürfen. Natürlich wünschen wir uns eine tolle Unterstützung, unabhängig davon, ob wir im Jahn-Sportpark oder im Olympiastadion spielen“, so Sportdirektor Rocco Teichmann. SC Freiburg II Premiere für Stamm Zum Abschluss des Trainingslagers gab es gegen Viktoria Berlin ein 3:3. Derweil wurde Torwart Benjamin Leneis (22) für ein Jahr vom Bundesligisten FC Augsburg ausgeliehen. Nur drei Wochen nach dem letzten Regionalligaspieltag steigt der Aufsteiger am Dienstag in die Vorbereitung für die anstehende Saison ein. Dann wird Thomas Stamm (38) erstmals das Training leiten. Der bisherige A-Jugend-Coach kann zum Auftakt sämtliche Zugänge begrüßen. FSV Zwickau Brand überzeugt TSV Havelse Meyer dritter Neuzugang Felix Brand (20) ist der siebte Neuzugang. Der 1,92 Meter große Verteidiger erhielt einen Dreijahresvertrag. „Er ist groß, athletisch und bringt für einen Innenverteidiger sehr gute Voraussetzungen mit. Dazu wurde er in Mainz und Hoffenheim sehr gut ausgebildet. Wir werden Felix in den nächsten Monaten sukzessive an den Profifußball heranführen“, sagt Sportchef Toni Wachsmuth. Der dritte Neuzugang des TSV Havelse ist da. Linus Meyer kommt vom Regionalligisten VSG Altglienicke. Der 29-jährige Außenbahnspieler könnte Kevin Schumacher ersetzen. Der Aufstiegsheld, der den TSV in die 3. Liga schoss, wechselt zu Hansa Rostock. Mit Yannic Thiel gibt es einen neuen Co-Trainer. Er war zuletzt Assistent bei der U 16 des VfL Wolfsburg. Foto: imago images Beim 0:1 gegen Zweitliga-Aufsteiger Dresden war Braunschweig die bessere Mannschaft mit dem kompakteren Auftritt. Insofern ärgerte sich Cheftrainer Michael Schiele über das späte Gegentor von Pascal Sohm (86.). Positiv bewertete der 43-Jährige das Comeback von Luke Hemmerich, der in der abgelaufenen Saison krankheitsbedingt nur drei Spiele für die Würzburger Kickers machte und vereinslos ist. Der 23-Jährige, den Schiele schon in Würzburg trainierte, absolviert ein Probetraining und durfte gegen die Sachsen für 20 Minuten aufs Feld. Eine Verpflichtung ist nicht kategorisch ausgeschlossen, überstürzen will die Eintracht aber nichts. „Wir wollen ihn testen und ihm nach langer Ausfallzeit die Möglichkeit geben, sich Wettkampfhärte zu holen. Und dann schauen wir, was sich entwickelt“, sagt der Trainer.
5. JULI 2021 TERMINPLAN 3. LIGA 1. Spieltag: Fr. – Mo., 23. – 26. Juli R. 17. – 20. 12. VfL Osnabrück – MSV Duisburg (Fr.) SC Freiburg II – SV Wehen Wiesbaden Waldhof Mannheim – 1. FC Magdeburg TSV Havelse – 1. FC Saarbrücken 1. FC Kaiserslautern – Eintracht Braunschweig Hallescher FC – SV Meppen FSV Zwickau – Borussia Dortmund II SC Verl – Türkgücü München FC Viktoria 1889 Berlin – FC Viktoria Köln TSV München 1860 – Würzburger Kickers 2. Spieltag: Fr. – Mo., 30. Juli – 2. August R. 21. – 23. 1. ( - , - ) ( - , - ) ( - , - ) (1:3, 3:2) ( - , - ) (3:2, 2:1) ( - , - ) (0:3, 0:3) (1:2, 2:2) (1:2, 1:3) R. 28. – 31. 1. VfL Osnabrück – Borussia Dortmund II MSV Duisburg – SV Wehen Wiesbaden TSV Havelse – Türkgücü München 1. FC Saarbrücken – 1. FC Magdeburg SC Freiburg II – Würzburger Kickers TSV München 1860 – FC Viktoria Köln Waldhof Mannheim – SV Meppen Hallescher FC – 1. FC Kaiserslautern FSV Zwickau – FC Viktoria 1889 Berlin SC Verl – Eintracht Braunschweig ( - , - ) (4:1, 3:0) ( - , - ) (0:3, 2:1) ( - , - ) (1:1, 1:2) (0:1, 0:2) (1:1, 1:3) ( - , - ) ( - , - ) 6. Spieltag: Fr. – Mo., 27. – 30. August R. 4. – 7. 2. Würzburger Kickers – 1. FC Saarbrücken SV Wehen Wiesbaden – 1. FC Magdeburg FC Viktoria 1889 Berlin – Waldhof Mannheim 1. FC Kaiserslautern – FSV Zwickau SV Meppen – TSV Havelse Hallescher FC – SC Verl Türkgücü München – VfL Osnabrück Eintracht Braunschweig – TSV München 1860 FC Viktoria Köln – SC Freiburg II Borussia Dortmund II – MSV Duisburg 7. Spieltag: Fr. – Mo., 3. – 6. September MSV Duisburg – Würzburger Kickers TSV München 1860 – SV Meppen Waldhof Mannheim – Türkgücü München TSV Havelse – Borussia Dortmund II FSV Zwickau – Hallescher FC 1. FC Saarbrücken – SV Wehen Wiesbaden SC Freiburg II – Eintracht Braunschweig 1. FC Magdeburg – 1. FC Kaiserslautern SC Verl – FC Viktoria 1889 Berlin VfL Osnabrück – FC Viktoria Köln (2:2, 2:0) ( - , - ) ( - , - ) ( - , - ) ( - , - ) (4:1, 3:2) ( - , - ) ( - , - ) (0:0, 2:1) (1:1, 2:2) R. 25./26. 1. Borussia Dortmund II – 1. FC Saarbrücken SV Wehen Wiesbaden – TSV Havelse FC Viktoria 1889 Berlin – Hallescher FC Würzburger Kickers – VfL Osnabrück Eintracht Braunschweig – FSV Zwickau 1. FC Magdeburg – MSV Duisburg Türkgücü München – SC Freiburg II 1. FC Kaiserslautern – TSV München 1860 FC Viktoria Köln – Waldhof Mannheim SV Meppen – SC Verl 5. Spieltag: Di./Mi., 24./25. August 13. Spieltag: Fr. – Mo., 22. – 25. Oktober In Klammern Vorjahresergebnisse. Bislang ist nur das Eröffnungsspiel genau terminiert. Zeitgenaue Ansetzungen der ersten beiden Spieltage werden am Montag, 5. Juli, für die Spieltage 3 bis 10 noch vor Saisonstart bekannt gegeben. Aktualisierungen auf www.kicker.de. ( - , - ) (1:0, 2:1) ( - , - ) (2:2, 2:1) ( - , - ) (1:1, 2:4) ( - , - ) ( - , - ) ( - , - ) ( - , - ) R. 11. – 14. 2. ( - , - ) (1:1, 3:1) (4:4, 2:0) ( - , - ) (2:2, 2:0) (3:3, 2:2) ( - , - ) (1:0, 1:1) ( - , - ) ( - , - ) R. 1. – 4. 4. 1. FC Magdeburg – FC Viktoria 1889 Berlin SV Wehen Wiesbaden – SV Meppen VfL Osnabrück – Hallescher FC Waldhof Mannheim – FSV Zwickau TSV Havelse – Eintracht Braunschweig 1. FC Saarbrücken – TSV München 1860 SC Freiburg II – SC Verl MSV Duisburg – 1. FC Kaiserslautern Borussia Dortmund II – FC Viktoria Köln Würzburger Kickers – Türkgücü München ( - , - ) (1:0, 3:0) ( - , - ) (1:0, 0:0) ( - , - ) (2:1, 2:1) ( - , - ) (2:2, 2:2) ( - , - ) ( - , - ) 14. Spieltag: Fr. – Mo., 29. Oktober – 1. Nov. ( - , - ) ( - , - ) ( - , - ) (1:1, 2:1) (3:2, 2:2) ( - , - ) (0:3, 1:4) (1:1, 2:2) ( - , - ) ( - , - ) TSV München 1860 – Türkgücü München VfL Osnabrück – SV Wehen Wiesbaden FC Viktoria 1889 Berlin – 1. FC Kaiserslautern TSV Havelse – 1. FC Magdeburg Hallescher FC – Eintracht Braunschweig 1. FC Saarbrücken – MSV Duisburg SC Freiburg II – Borussia Dortmund II Waldhof Mannheim – Würzburger Kickers FSV Zwickau – SV Meppen SC Verl – FC Viktoria Köln 4. Spieltag: Fr. – So., 20. – 22. August Saison 2021/22 R. 14. – 17. 1. Eintr. Braunschweig – FC Viktoria 1889 Berlin Würzburger Kickers – SC Verl MSV Duisburg – TSV Havelse FC Viktoria Köln – FSV Zwickau SV Meppen – 1. FC Kaiserslautern 1. FC Magdeburg – SC Freiburg II Türkgücü München – Hallescher FC SV Wehen Wiesbaden – TSV München 1860 1. FC Saarbrücken – VfL Osnabrück Borussia Dortmund II – Waldhof Mannheim 3. Spieltag: Fr. – Mo., 13. – 16. August ( - , - ) ( - , - ) (5:2, 1:1) ( - , - ) ( - , - ) (4:1, 1:2) ( - , - ) (0:1, 2:1) ( - , - ) ( - , - ) R. 8. – 11. 4. Waldhof Mannheim – 1. FC Saarbrücken 1. FC Kaiserslautern – Würzburger Kickers FC Viktoria Köln – 1. FC Magdeburg SV Meppen – Türkgücü München FSV Zwickau – TSV Havelse TSV München 1860 – SC Freiburg II Hallescher FC – MSV Duisburg Eintr. Braunschweig – SV Wehen Wiesbaden SC Verl – VfL Osnabrück FC Viktoria 1889 Berlin – Borussia Dortmund II 8. Spieltag: Fr. – Mo., 10. – 13. September R. 18. – 21. 2. SV Meppen – SC Freiburg II Würzburger Kickers – TSV Havelse Eintracht Braunschweig – VfL Osnabrück 1. FC Kaiserslautern – Waldhof Mannheim Borussia Dortmund II – 1. FC Magdeburg Hallescher FC – TSV München 1860 Türkgücü München – MSV Duisburg FC Viktoria 1889 Berlin – SV Wehen Wiesbaden FSV Zwickau – SC Verl FC Viktoria Köln – 1. FC Saarbrücken 9. Spieltag: Fr. – Mo., 17. – 20. September R. 25. – 28. 2. SV Wehen Wiesbaden – Borussia Dortmund II VfL Osnabrück – SV Meppen TSV München 1860 – FSV Zwickau Waldhof Mannheim – Hallescher FC 1. FC Magdeburg – Würzburger Kickers 1. FC Saarbrücken – Türkgücü München SC Verl – 1. FC Kaiserslautern MSV Duisburg – Eintracht Braunschweig SC Freiburg II – FC Viktoria 1889 Berlin TSV Havelse – FC Viktoria Köln 10. Spieltag: Fr. – Mo., 24. – 27. September ( - , - ) ( - , - ) (0:1, 2:1) (3:2, 0:0) ( - , - ) (2:1, 1:1) (1:1, 1:1) ( - , - ) ( - , - ) ( - , - ) R. 4. – 7. 3. FC Viktoria 1889 Berlin – TSV Havelse Würzburger Kickers – SV Wehen Wiesbaden 1. FC Kaiserslautern – VfL Osnabrück FC Viktoria Köln – MSV Duisburg SV Meppen – 1. FC Saarbrücken FSV Zwickau – SC Freiburg II SC Verl – TSV München 1860 Hallescher FC – 1. FC Magdeburg Türkgücü München – Borussia Dortmund II Eintracht Braunschweig – Waldhof Mannheim 11. Spieltag: Fr. – Mo., 1. – 4. Oktober ( - , - ) ( - , - ) ( - , - ) (3:1, 3:1) (1:0, 0:2) ( - , - ) (1:1, 2:3) (1:0, 2:0) ( - , - ) ( - , - ) R. 11. – 14. 3. 1. FC Saarbrücken – Eintracht Braunschweig TSV München 1860 – FC Viktoria 1889 Berlin Waldhof Mannheim – SC Verl TSV Havelse – 1. FC Kaiserslautern Borussia Dortmund II – Würzburger Kickers 1. FC Magdeburg – Türkgücü München SC Freiburg II – Hallescher FC VfL Osnabrück – FSV Zwickau MSV Duisburg – SV Meppen SV Wehen Wiesbaden – FC Viktoria Köln 12. Spieltag: Fr. – Mo., 15. – 18. Oktober ( - , - ) ( - , - ) (0:2, 4:0) (1:1, 2:0) ( - , - ) (0:4, 1:6) (2:1, 2:3) ( - , - ) (3:0, 1:1) (0:2, 3:2) ( - , - ) ( - , - ) (2:2, 1:0) ( - , - ) ( - , - ) (2:0, 1:2) ( - , - ) ( - , - ) (1:0, 1:2) (2:2, 2:0) R. 18. – 21. 3. Eintracht Braunschweig – Borussia Dortmund II FC Viktoria 1889 Berlin – VfL Osnabrück TSV München 1860 – Waldhof Mannheim 1. FC Kaiserslautern – SC Freiburg II FC Viktoria Köln – Würzburger Kickers FSV Zwickau – MSV Duisburg SC Verl – TSV Havelse Hallescher FC – 1. FC Saarbrücken Türkgücü München – SV Wehen Wiesbaden SV Meppen – 1. FC Magdeburg ( - , - ) ( - , - ) (5:0, 2:0) ( - , - ) ( - , - ) (3:1, 1:1) ( - , - ) (1:1, 0:4) (0:0, 1:3) (1:2, 0:0) 15. Spieltag: Fr. – Mo., 5. – 8. November (4:1, 0:5) ( - , - ) (2:4, 2:0) (1:4, 0:2) ( - , - ) ( - , - ) (1:1, 0:0) ( - , - ) ( - , - ) ( - , - ) R. 16. – 18. 4. SC Freiburg II – Waldhof Mannheim VfL Osnabrück – TSV München 1860 Würzburger Kickers – Eintracht Braunschweig MSV Duisburg – FC Viktoria 1889 Berlin TSV Havelse – Hallescher FC 1. FC Saarbrücken – 1. FC Kaiserslautern Türkgücü München – FC Viktoria Köln SV Wehen Wiesbaden – FSV Zwickau 1. FC Magdeburg – SC Verl Borussia Dortmund II – SV Meppen 16. Spieltag: Fr. – Mo., 19. – 22. November 69 ( - , - ) ( - , - ) (0:0, 2:1) ( - , - ) ( - , - ) (1:1, 1:2) (1:1, 2:0) (3:1, 1:2) (0:4, 1:3) ( - , - ) R. 22. – 25. 4. FC Viktoria 1889 Berlin – Würzburger Kickers TSV München 1860 – MSV Duisburg Waldhof Mannheim – VfL Osnabrück SV Meppen – FC Viktoria Köln Hallescher FC – Borussia Dortmund II SC Verl – 1. FC Saarbrücken SC Freiburg II – TSV Havelse Eintracht Braunschweig – Türkgücü München FSV Zwickau – 1. FC Magdeburg 1. FC Kaiserslautern – SV Wehen Wiesbaden ( - , - ) (0:2, 0:1) ( - , - ) (0:1, 0:1) ( - , - ) (1:3, 2:1) ( - , - ) ( - , - ) (0:1, 0:0) (0:1, 2:2) 17. Spieltag: Fr. – Mo., 26. – 29. November R. 29. 4. – 2. 5. Türkgücü München – FSV Zwickau Würzburger Kickers – SV Meppen MSV Duisburg – Waldhof Mannheim TSV Havelse – TSV München 1860 Borussia Dortmund II – 1. FC Kaiserslautern FC Viktoria Köln – Hallescher FC 1. FC Saarbrücken – FC Viktoria 1889 Berlin SV Wehen Wiesbaden – SC Verl VfL Osnabrück – SC Freiburg II 1. FC Magdeburg – Eintracht Braunschweig 18. Spieltag: Fr. – Mo., 3. – 6. Dezember FSV Zwickau – 1. FC Saarbrücken VfL Osnabrück – TSV Havelse FC Viktoria 1889 Berlin – Türkgücü München TSV München 1860 – 1. FC Magdeburg Waldhof Mannheim – SV Wehen Wiesbaden 1. FC Kaiserslautern – FC Viktoria Köln Hallescher FC – Würzburger Kickers SC Verl – Borussia Dortmund II SC Freiburg II – MSV Duisburg Eintracht Braunschweig – SV Meppen 19. Spieltag: Fr. – Mo., 10. – 13. Dezember MSV Duisburg – SC Verl Würzburger Kickers – FSV Zwickau TSV Havelse – Waldhof Mannheim Borussia Dortmund II – TSV München 1860 SV Meppen – FC Viktoria 1889 Berlin 1. FC Magdeburg – VfL Osnabrück 1. FC Saarbrücken – SC Freiburg II FC Viktoria Köln – Eintracht Braunschweig Türkgücü München – 1. FC Kaiserslautern SV Wehen Wiesbaden – Hallescher FC (1:1, 1:0) ( - , - ) (1:1, 2:2) ( - , - ) ( - , - ) (2:0, 0:2) ( - , - ) (0:0, 2:2) ( - , - ) ( - , - ) R. 6. – 9. 5. (2:0, 2:1) ( - , - ) ( - , - ) (1:1, 3:0) (0:1, 1:0) (0:0, 3:3) ( - , - ) ( - , - ) ( - , - ) ( - , - ) R. 14. 5. (0:4, 2:1) ( - , - ) ( - , - ) ( - , - ) ( - , - ) ( - , - ) ( - , - ) ( - , - ) (3:0, 0:0) (1:1, 0:4)
In knapp zwei Wochen beginnt die Saison. Ist die Wunde des verpassten Aufstiegs verheilt, Herr Hettich? Bei mir ging es relativ schnell, weil ich für beide Ligen geplant habe und vorbereitet war. Im ersten Moment war die Enttäuschung sehr groß, weil wir gegen Havelse nach dem 0:1 zu Hause im Rückspiel ausreichend Chancen hatten, am Ende verdient aufzusteigen. „Alles andere als das Ziel Aufstieg wäre albern“ zeigen. Auch Nürnberg II wird ein gutes Team haben, eventuell auch Aschaffenburg. Holen Sie noch Neuzugänge? Wir wollen uns verstärken. Nicht in der Breite, sondern Spieler mit Potenzial und guter Perspektive, die uns auch eine Liga höher helfen könnten. Ein Stürmer soll auf jeden Fall kommen. Im Moment haben wir 17 Feldspieler, einen Langzeitverletzten und drei Torhüter. Dazu werden aus der U 19 Andreas Kundmüller, Elias Reiher, Robin Zeitler, Luka Maric und Tom Siller regelmäßig mittrainieren, um unseren Nachwuchs an höhere Aufgaben heranzuführen. Der knapp verpasste Aufstieg ist abgehakt. R O BERT HET T ICH (46) und Schweinfurt gehen angriffslustig in die neue Regionalliga-Saison. Wie schwierig sind die Verhandlungen in Corona-Zeiten? Wir können in der Regionalliga pandemiebedingt keine Beraterhonorare zahlen, weil das Budget knapp ist. In den Spielergesprächen ist alles okay, aber manch ein Berater tut dann alles dafür, dass der Wechsel nicht klappt. Wir haben für uns entschieden: Beraterhonorare nur in der 3. Liga und dann nur fünf Prozent. Wir haben ein homogenes Gehaltsniveau. Geht das wirklich so locker? Ich habe elf Jahre bei 1860 München gearbeitet, da lernt man, leidensfähig zu sein und gut mit Niederlagen umzugehen. Gleichwohl aber auch, wie ein Löwe immer weiterzukämpfen. Diese Eigenschaften braucht man, wenn man mit bitteren Pleiten umgehen Welche Rolle sollen die Routiniers Daniel Adlung und Adam Jabiri spielen? „Wir müssen uns den Titel über 38 Spieltage verdienen.“ muss. Jetzt arbeiten wir an der Mission Titelverteidigung. Gelingt uns diese, steigen wir direkt auf. Mit Blick auf die Konkurrenten Unterhaching, Bayern II und Bayreuth: Wird es 2021/22 nicht deutlich schwieriger? Foto: picture-alliance/Becker REGIONALLIGA Am 15. Juli geht’s wieder los Über ein halbes Jahr ist Robert Hettich nun der Sportliche Leiter der Schweinfurter. Mit den Regionalliga-Play-offs, dem Meistertitel und dem verpassten Drittliga-Aufstieg gegen den TSV Havelse hat er sowohl Höhen als auch Tiefen erlebt. Darüber und auch über die Ziele und Hoffnungen in der kommenden Saison spricht er im Interview. Das ist eine sehr hypothetische Frage. Gegen Havelse waren Sie Favorit. Zumindest auf dem Papier, weil wir souveräne Play-offs gespielt hatten. Für Havelse war es dadurch vor dem Hinspiel aber wesentlich leichter, uns zu ana- 1. SPIELTAG DONNERSTAG, 15. JULI 18.30 UHR Aubstadt ( - , - ) Unterhaching FREITAG, 16. JULI 18.30 UHR Rain (1:2, - ) Bayreuth FREITAG, 16. JULI 19.00 UHR Illertissen ( - , 0:3) Aschaffenburg Heimstetten ( - , 1:2) Memmingen Burghausen (0:0, 3:0) Schalding-H. SAMSTAG, 17. JULI 14.00 UHR Augsburg II ( - , - ) FC Bayern II Nürnberg II ( - , - ) Pipinsried SAMSTAG, 17. JULI 17.00 UHR Buchbach (3:2, - ) Schweinfurt Eltersdorf ( - , - ) Eichstätt SONNTAG, 18. JULI 14.00 UHR Fürth II ( - , 2:0) Rosenheim lysieren. Für uns war der Gegner unbekannt, wir konnten ihn nur per Video in Testspielen beobachten. Aber wenn man Havelse in zwei Spielen nicht schlägt, hat man es am Ende nicht verdient. Zurück zur Titelverteidigung: Wie realistisch ist diese? Ich gebe der Mannschaft in der Vorbereitung mit, dass wir uns den Titel über 38 Spieltage verdienen müssen. Wir werden aufgrund der guten Konkurrenz einen Punkteschnitt von mindestens zwei benötigen. Aber: Wir sind Meister, knapp nicht aufgestiegen, haben den Stamm des Kaders zusammengehalten und uns verstärkt. Da wäre alles andere als das Ziel Aufstieg albern. Favorit ist aufgrund der vielen Top-Talente und der finanziellen Möglichkeiten jedoch der FC Bayern II. Unser Anspruch muss trotzdem sein, wieder den Meistertitel zu holen. Diese Einstellung brauchen wir vom 1. Spieltag an. Wie schätzen Sie die drei genannten Hauptkonkurrenten ein? Unterhaching ist nach dem großen Aderlass schwer einzuschätzen. Sie haben viel Qualität verloren, aber gute junge Spieler mit einem Kern an Routiniers. Bei Bayern II braucht man sich nur die Marktwerte anschauen, sie sind weit vor den anderen. Bayreuth greift definitiv an, wie die Neuzugänge Adam traue ich trotz seiner 37 Jahre wieder eine starke Saison zu, er achtet auf seinen Körper, muss wegen seines Berufs als Architekt nicht mehr jede Trainingseinheit mitmachen. Durch die Play-offs hat er uns getragen. Daniel hat Ruhe am Ball, ist aber eher ein introvertierter Typ. Er geht mit Taten voran, lebt das Profi-Dasein in der Kabine vor. Welche Entwicklung wünschen Sie sich von Trainer Tobias Strobl? Für ihn waren die letzten Wochen eine wichtige und wertvolle Erfahrung. Ich habe den Eindruck, dass er gestärkt daraus hervorgeht. Natürlich ist Druck da, aber den haben wir alle. Es ist ein selbst auferlegter Druck, eine Eigendynamik aus dem Verein heraus. Und wie läuft Ihre Zusammenarbeit mit Präsident Markus Wolf? Super. Ich habe ihn als sehr leidenschaftlichen Präsidenten kennengelernt, der immer für die Mitarbeiter und Spieler da ist und versucht, alles möglich zu machen. Ich spüre eine extrem hohe Empathie. Zum Start geht es nach Buchbach. Was erwarten Sie? Ein wunderbarer Auftakt, Buchbach ist ein Klassiker und die Realität. Wir werden sofort wissen, wo wir stehen und was uns in dieser Saison erwartet. Wir wollen natürlich mit einem Sieg starten. INTERVIEW: FRANK LINKESCH
71 Foto: Zink 5. JULI 2021 Starker Zusammenhalt: Durch attraktiven Fußball haben die Eltersdorfer inmitten der personellen Umbruchsphase den Aufstieg geschafft. ELT ERS D O RF Mit Ehrenamt und familiärer Atmosphäre zum Klassenerhalt Underdog und Süßgras-Klub Das Kleeblatt als Synonym für die SpVgg Greuther Fürth ist bundesweit bekannt. Dass aber ganz in der Nähe noch eine Pflanze einen Fußballklub symbolisiert, wissen nur die wenigsten. In der Regionalliga Bayern treten ab sofort die „Quecken“ an. Der SC Eltersdorf als Stadtteilverein im Südosten Erlangens firmiert bei seinen Anhängern unter diesem Namen, weil dieses Süßgras in dem Gebiet rund um die Sportanlage Langenau wuchert und gedeiht. Die Rückkehr des SCE in Bayerns höchste Spielklasse ist eine faustdicke Überraschung, weil sie während einer personellen Umbruchphase gelang. „Der Aufstieg war gar nicht geplant“, erzählt Trainer Bernd Eigner. „Wir wollten eigentlich nur attraktiven Fußball mit viel Tempo über die Flügel spielen.“ Deshalb bekam er den Tipp, sich einen jungen Spieler für die Außenbahn namens Dickson Abiama vom Landesligisten Quelle Fürth anzuschauen. Der pfeilschnelle Nigerianer heuerte beim SCE an, wurde zum Stoßstürmer umfunktioniert und trug mit 17 Toren in 21 Spielen maßgeblich zum Höhenflug der Eltersdorfer bei. „Dickson hat uns unwahrscheinlich gutgetan. Er hat die Gegenspieler auf sich gezogen, so konnten auch die an- deren Offensivspieler profitieren.“ Am Ende standen 79 Tore in 26 Partien. Aber die Quecken sind nicht nur Abiama – im Gegenteil. Nach dessen Wechsel zur SpVgg Greuther Fürth gelangen in den fünf Partien im Herbst vier Siege und 19 Treffer. Im Gegensatz zu den favorisierten Teams aus Seligenporten und Vilzing leistete sich Eltersdorf keinen Ausrutscher und ließ beide Konkurrenten hinter sich. „Der Aufstieg ist das Ergebnis einer großartigen Mannschaftsleistung, und natürlich braucht man auch ein wenig Glück“, erkennt Eigner an. Für die Mittelfranken ist die Regionalliga dennoch kein Neuland. Der SC Eltersdorf war in der Saison 2012/13 einer der Gründungsmitglieder der damals neu eingeführten Spielklasse. Highlight war ein 3:1-Sieg gegen Bayern München II mit Stars wie Alessandro Schöpf und PierreEmile Höjbjerg, damals unter Trainer Mehmet Scholl. Erst am letzten Spieltag sind die die Erlanger unglücklicherweise auf einen direkten Abstiegsplatz gestürzt. Dies soll in der kommenden Saison möglichst verhindert werden. Angesichts der äußerst eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten dürfte dies ein schwieriges Unterfangen werden. Mit Kevin Woleman (29) hat sich der Abwehrchef zum Lokalrivalen kurz bündig SpVgg Unterhaching ATSV Erlangen verabschiedet. Für einen regionalligaerfahrenen Ersatz fehlt schlichtweg das Geld. Immerhin konnten mit den beiden ehemaligen Fürther Mittelfeldakteuren Tobias Schaffors (20) und Laurin Klaus (21) sowie Angreifer Tim Sulmer (24) von der SpVgg Bayreuth drei junge Kräfte mit Viertligaerfahrung gewonnen werden. Die Zielsetzung ist für Eigner klar: „Wir sind ein absoluter Underdog. Wir wollen für die eine oder andere Überraschung sorgen. Unser Ziel ist der Klassenerhalt, notfalls über die Relegation.“ Eigner, der 23 Bundesligaspiele für den FC St. Pauli absolvierte, ist seit 2016 Trainer bei den Quecken. Der 49-Jährige schätzt die familiäre Atmosphäre und den Zusammenhalt im Verein. Dies sieht er auch als Auftrag für sich und sein Team: „Momentan wird der Gästeblock der Sportanlage regionalligatauglich gemacht. Das läuft alles ehrenamtlich. Manchmal ist der Vorstand am Samstag um 20 Uhr noch vor Ort und bohrt die Geländer an. Da sind wir in der Verantwortung und wollen etwas zurückgeben.“ Am liebsten mit den Klassenerhalt, damit die Quecken auch zukünftig in der Regionalliga blühen. MARTIN BAUER NEU IN DER LIGA Mit der Vertragsverlängerung von Kapitän Markus Schwabl (30) hat die SpVgg eine wichtige Personalentscheidung getroffen. Der Rechtsverteidiger hat seinen auslaufenden Vertrag bis 2024 verlängert. Viktoria Aschaffenburg Mit Nicolas Hebisch (31) vom VfB Lübeck kommt ein erfahrener Stürmer (82 Drittliga- und 130 Regionalligaspiele) an den Schönbusch. Der gebürtige Berliner hat in der Regionalliga 46 Tore und 21 Vorlagen vorzuweisen. FC Memmingen Mit Gökalp Kilic (21, SSV Ulm 1846) und Arjon Kreyezi (22, VfB Eichstätt) kommt Verstärkung für die Offensive. TSV 1860 Rosenheim Sturmtalent Armin Majanovic (18) kommt von Viktoria Berlin und erhält einen Vertrag bis 2024. SV Schalding-Heining Der SVS hat Abwehrspieler Tobias Hofbauer (20), zuletzt bei Wacker Burghausen, verpflichtet. Torhüter Lukas Groll (18), der vor Kurzem von der Spvgg GW Deggendorf gekommen war, kehrt zum Bezirksligisten zurück. FC Augsburg II Von Türkgücü München wurde Torhüter Maximilian Engl (23) verpflichtet. Beim 1:0-Testspielsieg beim TSV Buchbach stand Engl schon im Kasten. Torschütze war Verteidiger Benedikt Lobenhofer (22).
SPORTMAGAZIN „Ganz großes Packend, spektakulär ist die erste Woche bei der TOU R DE FR ANC E gewesen. Marcel Kittel (33), der ehemalige Weltklasse-Sprinter, bewertet und schätzt sie ein. Auf der verregneten, kalten Bergetappe hinauf nach Lac de Tignes hat der Slowene Tadej Pogacar (22) sein tags zuvor bravourös erobertes Gelbe Trikot verteidigt – der Abschluss einer aufregenden Radsportwoche. Vor dem ersten Ruhetag an diesem Montag lässt der kicker mit Marcel Kittel die ersten Tage Revue passieren. Der 33-Jährige, der 14 Etappen bei der Tour gewinnen konnte und im August 2019 seine Karriere beendete, hat die ersten neun Etappen zu Hause am Fernsehen verfolgt. Herr Kittel, hat Sie die erste Tour-Woche gepackt? van der Poel Und wie! Es ist eine aufregende RadsportMischung gewesen, in der ein Stück Sportgeschichte geschrieben wurde und die leider auch mit den vielen Stürzen ihre Schattenseiten hatte. Eine emotionale Achterbahnfahrt eben. Drei Hauptakteure, die bislang bei der Tour de France für die ganz besonderen Momente stehen. Was hat Sie am meisten bewegt? Auch wenn es so viele spezielle Momente gegeben hat, dann der Auftritt von Mathieu van der Poel. Wie er an der ersten Etappe noch enttäuscht war, den Sieg zu verpassen, um sich dann tags darauf auf besonders eindrucksvolle Art den Etappensieg und wie erhofft das Gelbe Trikot für seinen Großvater Raymond Poulidor zu holen, war alleine schon ganz großes Kino. Und wie er Gelb dann bis zur ersten Bergetappe am Samstag verteidigte, vor allem beim Zeitfahren am Mittwoch wie auch am Freitag auf der fast 250 Kilometer langen schweren Klassiker-Etappe im Duell mit Wout van Art, sind großartige Sportmomente gewesen. Wobei großartig sogar noch ein wenig untertrieben ist. Warum? Pogacar Ich sage dies als Radsport-Fan: Was haben wir bislang für Duelle, für Auftritte gesehen. Ich denke, dass einem erst in ein paar Jahren bewusst wird, welche Ausnahmefahrer da derzeit zu sehen sind. Kurz noch mal zu van der Poel, für den jetzt nur noch das Projekt Mountainbike-Gold bei den Olympischen Spielen zählt und der wie erwartet der Tour am Sonntag nach sechs Tagen in Gelb vorzeitig Adieu gesagt hat. Wenn er sich in den nächsten Jahren nur auf die Straße und auf die Tour konzentrieren würde, könnte er dann um den Gesamtsieg mitfahren? Er hat einen entscheidenden Nachteil: Er bringt fürs Hochgebirge zu viele Kilos auf die Waage. Er könnte wie einst Bradly Wiggins versuchen abzunehmen … Cavendish … um sich dann eventuell seiner Stärken zu berauben? Nein, das wäre Quatsch, und er hat das auch Fotos: Getty Images (2), Imago Images „Nur die Tour – das hat Mathieu van der Poel gar nicht nötig.“
Kino“ gar nicht nötig. Er ist Cross-Weltmeister, gewinnt auf der Straße, wenn auch nicht in den Bergen, bedeutende Rennen und fährt bei Olympia auf dem Mountainbike um Gold – da braucht es wohl keine weiteren Erläuterungen. Nun zu Tadej Pogacar, einer weiteren AusnahmeErscheinung. Wie er am Samstag auf dem großen Blatt fahrend die Berge hinaufstürmte und seine Konkurrenten stehen ließ, lässt mit Blick auf seine 22 Jahre nicht nur für diese Tour in puncto Gesamtsieg Langeweile befürchten. Wenn man seine Karriere und seine stetige Entwicklung verfolgt, könnte man schon zum Schluss kommen, dass da ein Abonnement-Sieger in die Pedale tritt. Andererseits lehrt der Radsport, dass sich in Sekundenbruchteile Dinge ändern können. Pogacar hatte bei dieser Tour auch das notwendige Quäntchen Glück, nicht in einen Sturz verwickelt zu sein – anders als Primoz Roglic. Ob er im Vollbesitz seiner Kräfte Pogacar am Samstag hätte Paroli bieten können, ist nicht auszuschließen. Generell ist es aber schon sehr beeindruckend, 5. JULI 2021 welche Klasse Pogacar hat. Einerseits fährt er sehr souverän, andererseits aber auch mit großer Angriffslust – eine Top-Mischung. Sie haben die Stürze erwähnt. Hat sich die Tour selbst um Spannung gebracht? Das muss man differenziert betrachten. Der erste, von einer Zuschauerin ausgelöste Massensturz ist sehr, sehr bitter, doch eine 100-prozentige Garantie, dass sich so etwas nie wiederholt, gibt es nicht. Du kannst die Strecke nicht komplett absperren, das ist unmöglich. Und wenn du Zuschauer generell verbietest oder nur in wenigen Teilbereichen zulässt, nimmst du dem Radsport einen nicht geringen Teil seiner Faszination. Anders sieht es bei dem Massensturz in der 3. Etappe aus, der größtenteils der Streckenführung geschuldet war. 73 Und die Fahrer selbst? Auch da darf man nicht darum herumreden: Vor der ersten Etappe bläut jeder sportliche Leiter seinen ohnehin schon hochmotivierten, heißen Fahrern bei der Besprechung im Mannschaftsbus ein, vorne fahren, vorne fahren. Dass aber 23 Teams mit ihren je acht Fahrern rein mathematisch gar nicht alle vorne fahren können, ist jedem klar. Und so wird die erste Tourwoche wohl immer im Zeichen von Hektik und Nervosität stehen – und beides wird sich erst legen, wenn ein paar Zentimeter Haut weggeschmirgelt sind. Zum Schluss noch etwas Positives: Was sagen Sie zu Ihrem Ex-Sprintkonkurrenten Marc Cavendish, der nach Jahren der Sieglosig„Tadej Pogacar fährt keit mit 36 Jahren bei der Tour urplötzlich wieder als Siegfahrer souverän und mit ums Eck kommt, seine Etappen 31 großer Angriffslust.“ und 32 gewinnt und nun den Eddy-Merckx-Rekord von 34 Siegen brechen könnte? Das stimmt, aber auch da gibt es ein Aber – es gibt eben nicht nur große, breite Straßen, das muss man den Organisatoren schon zugutehalten. In diesem speziellen Fall hätte es eine einfache Lösung gegeben, in dem man wie vorgeschlagen, bevor die Straßen eng und verwinkelt wurden, acht Kilometer vor dem Ziel die Zeitnahme gemacht hätte. Das hätte sehr viel entzerrt und am Gesamtergebnis überhaupt nichts geändert. Ich hoffe, dass alle Verantwortlichen daraus lernen. Es sollte in Zukunft keine Frage mehr des Glücks sein, welche Anwärter aufs Gesamtklassement durch die erste Woche kommen. Auch das passt ganz wunderbar zu dieser Tour. Und es zeigt, dass es mehr als nur Klasse braucht. Die hat Cavendish nie verloren, anscheinend aber seine innere Mitte. Er ist ein schwieriger, sehr emotionaler Typ, der nun das für ihn passende Team gefunden hat – ich selbst habe ja die spezielle Atmosphäre bei Deceuninck Quick-Step erleben dürfen. Um auf diesem absoluten Weltklasse-Niveau, das bei der Tour nun mal herrscht, zu gewinnen, brauchst du auch eine gewisse innere Gelassen- und Zufriedenheit. INTERVIEW: CHRISTIAN BIECHELE ANZEIGE
74 5. JULI 2021 Ein Meer in Orange: Nach Lockerungen in Österreich verfolgen viele Verstappen-Fans die Triumphfahrt des Niederländers. Allein-Gang in der Steiermark Mit einem Start-Ziel-Sieg dominiert MAX V E R STA P P EN (23) erneut in Spielberg und vergrößert seinen WM-Vorsprung im Titelkampf mit Lewis Hamilton. nen, und er setzt sich dort auch für 20 Umläufe fest. Ein Kundenauto vor dem Werkswagen, auch das zeigt, wie dringend Hamilton und Valtteri Bottas (31) eben doch ein letztes, entscheidendes Update für das einst so überlegene Auto brauchen können, zumal es jetzt nach Silverstone geht – einer Piste, auf der Mercedes nach langer Zeit wieder echte Chancen hat. „Gerade ist es wie verhext“, stöhnt Mercedes-Teamchef Toto Wolff (49). Hamilton kann aber nie wirklich die Verfolgung aufnehmen, muss nach zwei Dritteln des Rennens Bottas und Norris passieren lassen. „Mehr ging nicht“, bilanziert er für den Moment. Es bleibt ihm der Glaube an eine bessere Zukunft, er hat an diesem Wochenende seinen FOR MEL-1 - GP VON ÖSTE R R EI C H Renndistanz: 71 Runden à 4,318 km (306,452 km) Asphalt: 32 Grad, trocken Luft: 21 Grad 1. Max Verstappen (NED) 2. Valtteri Bottas (FIN) 3. Lando Norris (GBR) 4. Lewis Hamilton (GBR) 5. Carlos Sainz jr. (ESP) 6. Sergio Perez (MEX) 7. Daniel Ricciardo (AUS) 8. Charles Leclerc (MON) 9. Pierre Gasly (FRA) 10. Fernando Alonso (ESP) Red-Bull-Honda Mercedes McLaren-Mercedes Mercedes Ferrari Red-Bull-Honda McLaren-Mercedes Ferrari Alpha-Tauri-Honda Alpine-Renault 1:23:54,453 Std. (ø 219,132 km/h) + 17,973 Sek. + 20,019 Sek. + 46,452 Sek. + 57,144 Sek. + 57,915 Sek. + 1:00,395 Min. + 1:01,195 Min. + 1:01,844 Min. + 1 Runde 11. George Russell (GBR) Williams-Mercedes, 12. Yuki Tsunoda (JPN) Alpha-Tauri-Honda, 13. Lance Stroll (CAN) Aston-Martin-Mercedes, 14. Antonio Giovinazzi (ITA) Alfa-RomeoFerrari, 15. Nicholas Latifi (CAN) Williams-Mercedes, 16. Kimi Räikkönen (FIN) Alfa-RomeoFerrari, 17. Sebastian Vettel (GER) Aston-Martin-Mercedes. Zwei Runden zurück: 18. Mick Schumacher (GER) Haas-Ferrari, 19. Nikita Mazepin (RUS) Haas-Ferrari. Ausfälle: Esteban Ocon (FRA) Alpine-Renault (1. Runde). Schnellste Runde: Verstappen 1:06,200 Min. (60. Runde). Pole-Position: Verstappen 1:03,720 Min. Fahrer-WM (nach 9 von 23 Rennen): 1. Verstappen 182 Punkte, 2. Hamilton 150, 3. Perez 104, 4. Norris 101, 5. Bottas 92, 6. Leclerc 62, 7. Sainz jr. 60, 8. Ricciardo 40, 9. Gasly 39, 10. Vettel 30, 11. Alonso 20, 12. Stroll 14, 13. Ocon 12, 14. Tsunoda 9, 15. Räikkönen 1, 16. Giovinazzi 1. Konstrukteurs-WM: 1. Red Bull 286 Punkte, 2. Mercedes 242, 3. McLaren 141, 4. Ferrari 122, 5. AlphaTauri 48, 6. Aston Martin 44, 7. Alpine 32, 8. Alfa Romeo 2. Nächstes Rennen: GP von Großbritannien, Sonntag, 18. Juli, 16 Uhr MESZ, in Silverstone. Foto: GettyImages Hattrick für Max Verstappen nach Siegen und Pole-Positionen, 5. Red-Bull-Triumph in Folge: Die Formel 1 fährt wieder vor vollem Haus, und der Herausforderer aus den Niederlanden ist mit dem mittlerweile besten Auto im Feld drauf und dran, die Ära von Lewis Hamilton (36) zu beenden. Drei Triumphe in 15 Tagen, der beim Großen Preis von Österreich markiert dabei einen Höhepunkt. Schon früh kann der Spitzenreiter das Tempo rausnehmen, kurz vor Schluss noch frische Reifen holen, um ungefährdet den Extrapunkt für die schnellste Rennrunde zu sammeln – und trotzdem kommt er über 40 Sekunden, also gut drei Streckenkilometer vor Hamilton ins Ziel. „So dominant hätte ich das Rennen nicht erwartet“, gesteht Verstappen, „das gibt es nicht oft.“ Der Titelverteidiger ist am Ende nur Vierter, sein Rückstand in der Gesamtwertung beträgt nun mehr als die Punkteanzahl für einen Sieg. Der Brite ist froh, beim 9. WM-Lauf überhaupt ins Ziel gekommen zu sein. Aber auch ohne einen lädierten Unterboden am Mercedes hätte er kaum Land gesehen. Ein bisschen spannender hätte es werden können, wäre Hamilton von Startplatz 4 aus früher an Lando Norris (21) vorbeigekommen. Der hatte zum ersten Mal seit 2012 wieder einen McLaren in die erste Startreihe steuern kön- Vertrag mit Mercedes noch einmal um zwei Jahre bis Ende 2023 verlängert. Einem anhaltenden Duell mit Verstappen steht damit nichts im Weg, die veränderte sportliche Herausforderung soll mit den Ausschlag für seine frühe Unterschrift gegeben haben. Offen ist, ob Bottas sein Partner bleibt oder sein Landsmann George Russell (23) im Williams. Ähnlich frustriert wie die Mercedes-Truppe dürfte Sebastian Vettel sein. An seinem 34. Geburtstag wurde der Heppenheimer im Qualifying um drei Ränge auf Startplatz 11 zurückgestuft. Im Rennen kämpft er den Aston Martin früh wieder in die Punkte, rutscht aber erneut zurück. In der allerletzten Runde bugsiert ihn ausgerechnet sein Kumpel Kimi Räikkönen (41) noch unsanft in den Kies. „Bisschen komisch“, sagt der Hesse über seinen 17. Platz. Mick Schumacher (22) setzt seine Lernphase im chancenlosen Haas-Ferrari hingegen tadellos fort. Mittlerweile kämpft er längst nicht mehr nur gegen seinen Teamkollegen Nikita Mazepin (22), sondern auch gegen andere Fahrer im hinteren Mittelfeld. 132 000 Zuschauer an drei Tagen haben der Formel 1 in Spielberg nach genau einem Jahr Corona-Rennen wieder so etwas wie Normalität beschert, nachdem in Österreich die Masken gefallen sind. „Wir sind zurück“, steht auf den T-Shirts der vielen Verstappen-Fans. ELMAR BRÜMMER
IHRE 5. JULI 2021 MEINUNG 75 L e s e r f o r u m @ k i c k e r. d e Dank, Schelte und Ironie nach dem Ausscheiden für den Bundestrainer gewannen auch nur mehr als eine Handvoll Spieler letzten August noch die Champions League. Dazu ein langjähriger Leistungsträger bei Real Madrid und einer der besten Offensivverteidiger der Serie A. Schließlich wurde auch die U 21 in den letzten vier Jahren nur zweimal Europameister. Nun kann sich Joachim Löw mehr seiner Plattensammlung widmen. Und der DFB kann weiterhin den Aufbau einer völlig seelenlosen Nationalmannschaft vorantreiben. Betr.: „Das Ende. Die Zukunft.“ – Mit dem EM-Aus endet auch Löws Ära beim DFB % Nr. 53 Für eine mittlere Ewigkeit – 15 Jahre lang – unterhaltsamer Abende dankt Fußballpfarrer Bernd Weskamp. Bisher ist es keinem auf der Welt gelungen, alle Spiele zu gewinnen … Herr Löw, Sie haben alles erlebt: vom 7:1 in Brasilien gegen den Gastgeber bis zur 0:6-Klatsche gegen die Spanier. Zur Demut gehören Niederlagen, auch die in der Kathedrale des Fußballs (Wembley). PS: Ich darf am Wochenende 80 Personen erfreuen (was auch nicht immer klappt); bei Ihnen waren es am Höhepunkt 80 Millionen. Bernhard Weskamp, Herten (Pfarrer) Löw hat keinen Plan. Löw hat Hummels und Müller zu spät zurückgeholt. Löw hätte 4-3-3 spielen lassen sollen. Löw hätte Kimmich zentral und nicht auf die rechte Seite stellen sollen. Löw hätte vieles anders machen müssen … hat er aber nicht. Und darum ist er gescheitert. Er ist schon 2018 gescheitert und hätte nicht selbstbestimmt weitermachen Rudolf Kaiser, Albbruck Bitter: Der kicker-Titel der Nr. 53 nach dem Ausscheiden dürfen. Jetzt haben es alle schon immer gesagt, aber nur wenige, wie Karlheinz Wild vom kicker, hatten den Mut, es vor dem Scheitern zu sagen. Klaus Jessen, Amrum Es ist Turnierzeit. Und es ist auch die Zeit, in der sich die deutsche Mannschaft relativ früh von einem großen Turnier verabschiedet. Aber klar, mit diesem Spielermaterial ist es auch schwierig, eine schlagkräftige Truppe zu formen. Schließlich standen nur vier Spieler dieses Jahr im Champions-League-Finale. Es H E RZ L I C HE N G LÜ C KW U N S C H ! Hoffentlich halten Brych und Siebert das Level auch in der Bundesliga Betr.: „Die EM sorgt für viel Spaß und ein ganz großes Ärgernis – EM-Kommentar von Manfred Münchrath % Nr. 53 Sehr wohltuend sind auch die Darbietungen der Schiedsrichter und VAR bei dieser EM. Abgesehen von wenigen Ausnahmen entscheiden sie richtig und sind so gut wie kein Thema im öffentlichen Diskurs. Mit ihren überwiegend guten Leistungen sind auch Dr. Brych und Siebert daran beteiligt. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Level bald auch in der Bundesliga erreicht werden kann. Ebenso erfrischend positiv: die Experteneinschätzungen von Almuth Schult (ARD). Daniel Held, Uerdingen Rassismus im Alltag: Wo bleiben denn hier die Regenbogenfarben? Betr.: „Druck auf London zeigt das wahre Gesicht der UEFA – EM-Kommentar von Matthias Dersch % Nr. 50 Ist der kicker inzwischen eine linke Mainstream-Zeitung? Es geht doch hier nur um ein politisches Statement gegen Viktor Orban, Ungarn. Wo waren und sind denn die sogenannten Regenbogenfahnen, wenn es um die Menschenrechte in Staaten geht, wo Christen, sogenannte „Ungläubige“ und Homosexuelle verfolgt werden? Hierzu lese ich nichts im kicker, registriere keine Stellungnahme von muslimischen Fußballern sowie keine politische Reaktion und Kniefälle …! Thema Vielfalt: Journalisten und Fußball-Millionäre sollten sich hier einmal in „No-go-Areas“ begeben, auch sollten sie deutsche Zugbegleiter, Polizisten, Lehrerinnen etc. befragen, was diese Leute täglich an Rassismus erleben. Wo bleiben hier die Regenbogenfarben? Horst Wilkes, Osnabrück Redaktion kicker-sportmagazin, Leserforum, Badstraße 4 – 6, 90402 Nürnberg, Fax: 0911 / 2 16 - 22 52, Mail: leserforum@kicker.de facebook.com/kickeronline Jörg Daniel 112 BL-Spiele als Torwart von Fortuna Düsseldorf, seit über 20 Jahren beim DFB als Trainer, feiert seinen 70. Geburtstag. MONTAG , 5 . JU LI Gaby König-Vialkowitsch (3 A) wird 50 Alberto Gilardino (57 A für Italien, 39 WM 2006) Megan Rapinoe (177 A USA 36 WM 2015, 2019, Olympia 2012) Robin Gosens (10 A) 27 D IE NSTAG , 6 . JU LI Uli Maslo (Trainer) Zé Roberto (84 A BRA, 336 BL) Madlen Wilder (2 A, EM 2001 o. E.) Tanja Wörle (2 A) 83 47 41 41 MITTWOC H, 7. JU LI Jürgen Grabowski (44 A, 441 BL, WM 1974, EM 1972) Michael Klinkert (301 BL) 53 D ONNERSTAG , 8 . JU LI Horst Blankenburg (75 BL) Dimitrios Grammozis (Trainer) Kevin Trapp (5 A, 202 BL) Virgil van Dijk (38 A Niederlande) 74 43 31 30 77 FRE ITAG , 9 . J U L I Jörg Daniel (DFB-Trainer) Gianluca Vialli (59 A für Italien) Heiko März (1 A DDR, 95 BL) Michael Spies (219 BL) S AM STAG , 1 0. J U L I Theo Bücker (235 BL) Edmilson (39 A, WM 2002) Ludovic Giuly (17 A für Frankreich) Lars Ricken (16 A, 301 BL) Levan Kobiashvili (100 A GEO, 351 BL) Isabell Bachor (30 A) Mario Gomez (78 A, 328 BL) Benjamin Brand (Schiedsrichter) S O NNTAG , 1 1 . J U L I Emerson Leao (80 A für Brasilien WM 1970 o. E.) Heiko Gerber (2 A, 199 BL) Michael Hartmann (4 A, 167 BL) Tobias Welz (Schiedsrichter) Alexander Madlung (2 A, 285 BL) UNSE R TI P P % Hudora 70 57 56 56 Fußballset „Matchplan“ Dein Fußballplatz im eigenen Garten! 73 45 45 45 44 Enthält Folgendes: • 1 Fußball, Gr. 5 • 1 Ballnadel • 4 Pylonen • 1 Rucksackbeutel, Maße 38 x 55 cm 38 36 30 72 49 47 44 39 29,95 ¤ Jetzt bestellen unter www.kicker.de/fussballset oder gleich direkt unter 0911-216 2222
76 5. JULI 2021 RÜCKBLICK. EINBLICK. AUSBLICK. 10 Jahre Heim-WM SERIE TEIL 1 Die Frauen-WM 2011 war die erste im eigenen Land. D O R I S F I TS C HEN (52) und S I LV I A NE I D (57) über den Hype, Nachhaltigkeit – und ihre Wünsche. Sie kennen sich schon seit Ewigkeiten. Früher haben sie zusammen in der Nationalmannschaft gespielt. Bei der Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland (26. Juni – 17. Juli) war Silvia Neid Trainerin und Doris Fitschen Managerin des DFB-Teams, das den Titel im eigenen Land gewinnen sollte. Der Druck auf die Mannschaft war groß, die öffentliche Wahrnehmung erreichte ungeahnte Dimensionen. Aber im Viertelfinale unterlag die deutsche Elf gegen Japan. Neid und Fitschen blicken noch mal zehn Jahre zurück – auf ein Turnier, das trotz der sportlichen Enttäuschung auch Maßstäbe gesetzt hat. Darüber hinaus beleuchten sie die aktuelle Situation des Frauenfußballs. Frau Neid, wenn Sie zehn Jahre zurückdenken: Welche Bilder tauchen da zuerst vor Ihrem inneren Auge auf? „Die Leute haben Silvia Neid Spontan erinnere ich mich an einen richtigen Boom in Deutschland. Frauenfußball wurde großgeschrieben, war in aller Munde – über Monate. Diese WM war und ist ein echtes Highlight für mich, weil wir so viele Menschen erreicht haben. Als Zweites fällt mir dazu ein: Schade, dass wir im Viertelfinale gegen Japan ausgeschieden sind. Und bei Ihnen, Frau Fitschen? Doris Fitschen Bei mir ist es ähnlich wie bei Silvia. Vor Augen habe ich noch unsere Fahrt zum Eröffnungsspiel. Unzählige Menschen säumten die Straßen in Berlin, ein Hubschrauber mit TV-Übertragung begleitete uns. Wir hatten plötzlich eine riesige Aufmerksamkeit. Das war toll! Aber klar, diese Niederlage gegen Japan vergisst man auch nicht, die bleibt haften. Doch insgesamt war die Weltmeisterschaft ein fantastisches Erlebnis. Die WM 2011 stand unter dem Motto „20Elf von seiner schönsten Seite“. Welche war für Sie die schönste? Fitschen Die Zeit als Managerin mit dem Team vor und während der WM war schon sehr intensiv und emotional. Und vorher als Marketingverantwortliche im Organisa- „Wir hatten eine riesige Aufmerksamkeit. Das war toll!“ Doris Fitschen tionskomitee hatten wir über drei Jahre lang darauf hingearbeitet, diese Weltmeisterschaft zu einem Erfolg zu machen. Dazu gehörten neben der Vermarktung auch Dinge wie die Entwicklung eines Logos oder eines Slogans. Eine ganz besondere Zeit. Neid Dieses Motto – das übrigens Doris damals mitentwickelt hat – passt ja auch irgendwie. Die Stadien waren voll. Die Menschen haben Frauenfußball gefeiert. Die Spielerinnen wurden noch bekannter. Wir haben temporeichen Fußball mit tollen Spiel- und Torszenen erlebt. Ich glaube, wir haben damals viele neue Fans dazugewonnen. Frau Neid, nicht nur organisatorisch, sondern auch sportlich war es eine ungewohnt lange Vorbereitungszeit. Mit einem frühen Bundesliga-Ende am 13. März, dem diverse Trainingslager folgten. Wie bewerten Sie das heute? Neid Es war schwierig, eine so lange Vorbereitungszeit zu bekommen. Ein Liga-Ende im März war ja für die Vereine auch nicht schön, aber alle wollten uns unterstützen. Diese zweieinhalb Monate waren auch super – und wichtig. Wir konnten lange auf sehr hohem Niveau miteinander
Freude nach dem WM-Auftakt: Die deutschen Spielerinnen feiern das 2:1 gegen Kanada. Frauenfußball gefeiert“ trainieren. Zumindest damals war der Vereinsfußball nicht durchgängig so hochklassig und überall auf einem Niveau. Deshalb sage ich noch heute: Gut, dass es so war. Und ich bin dankbar, dass alle zugestimmt haben. Es war also nicht zu viel? Neid Vielleicht hätte man kurz vor- Fotos: Getty Images, picture alliance her eine Woche länger frei machen können. Wir hatten ja auch frühzeitig die Intensität im Training rausgenommen, wohl wissend, dass wir am 1. Spieltag 100-prozentig fit sein mussten. Schließlich sollte das Turnier möglichst lange dauern. War denn immer die 100-prozentige Konzentration auf den Sport möglich? Fitschen Bei uns hatte der Sport im- mer Priorität. Und ich habe dann geschaut, wo wir noch MarketingAktionen einbauen konnten, aber verteilt auf mehrere Schultern. Nichtsdestotrotz muss man sagen: Das war schon mehr, als die Spielerin- nen es kannten. Diese Aufmerksamkeit während der WM war für alle eine neue Situation, das hatte es vorher so nicht gegeben. Gleichzeitig war es aber auch das, was wir wollten. Wir wollten diese Aufmerksamkeit und Wertschätzung in der Öffentlichkeit. Natürlich erzeugte das schon auch Druck. Die Erwartungshaltung in der Öffentlichkeit war hoch, was die Spielerinnen spürten. Neid Auch unsere eigene Erwartungshaltung war sehr, sehr hoch. Wir waren zuvor zweimal Weltmeisterinnen geworden – und dann willst du das natürlich unbedingt auch im eigenen Land schaffen. Und für viele waren Sie das auch schon vor dem Turnier. Neid Ja, genau. Ich weiß noch, vor dem Spiel gegen Japan habe ich schon überall gelesen, das geht 3:0, 4:0 aus – und ich dachte nur: Oh, oh, die meisten kennen Japan wohl nicht so gut. Viele Journalisten kamen aus dem Männerfußball, wo Japan keine so gute Mannschaft hat. Aber bei den Frauen war Japan schon immer bekannt für gutes technisches und taktisches Verhalten. „Auch unsere eigene Erwartungshaltung war sehr, sehr hoch.“ Silvia Neid Wissen Sie noch, dass damals erstmals im Vorfeld eines Frauen-Turniers ein Panini-Sammelalbum herauskam? Das war bis dato ausschließlich den Männern vorbehalten. Fitschen (schmunzelt) Ja, seit 2011 gibt es das bei allen Frauen-Weltmeisterschaften. Neben den Panini-Stickern gab es eine Fußball-Barbie, es wurden diverse TV-Spots produziert. Alles neu, aber auch extrem spannend. Es gab damals eine Gedenkmünze anlässlich der WM 2011 mit dem Schriftzug: „Die Zukunft des Fußballs ist weiblich“. Was ist aus Ihrer Sicht daraus geworden? Fitschen Das Münzprogramm fiel zwar in meinen Aufgabenbereich, aber an diese Münze kann ich mich gar nicht erinnern. Der Spruch stammt von Sepp Blatter aus dem Jahr 1995. Seitdem hat sich viel getan und es tut sich auch noch viel. Die WM 2011 war bis dahin die beste WM aller Zeiten mit weltweiter Aufmerksamkeit. Das war ein enorm wichtiger Schritt. Seitdem wird der Fußball immer weiblicher – da hatte Blatter schon recht. Sogar ein Tatort-Krimi hat kurz vor der WM im Umfeld Frauenfußball gespielt. Wie war die Filmerei? 9
78 5. JULI 2021 Fitschen Hast du mitgespielt, Silvia? Neid Nein, nicht wirklich, ich war nur in einer Szene zu sehen, als ich auf dem Feld eine Ansprache gehalten habe. Ich glaube, Theo Zwanziger hat damals mitgespielt. Jogi Löw auch. Fitschen Die Celia (damals Okoyino da Mbabi, heute Sasic, d. Red.) war auch dabei. Neid Insgesamt war die Geschichte ganz witzig. Als Kommissarin Lena Odenthal ist Ulrike Folkerts ja sehr bekannt, und wir haben uns auch getroffen … Fitschen … ja, es gab extra eine Filmpremiere in einem kleinen Frankfurter Kino. Da war Ulrike Folkerts auch dabei. Und wir mit der ganzen Mannschaft. Neid Das war nett, einfach mal was anderes. Was hat die WM 2011 im eigenen Land für den Frauenfußball gebracht, auch wirtschaftlich? „Das hohe Level konnten wir natürlich nicht halten.“ Doris Fitschen Fitschen Unser Heimturnier ist als erste Frauen-WM mit einem Plus rausgegangen. Auch aufgrund der guten Vermarktung, aber auch des Ticketverkaufs, wir hatten eine sehr hohe Auslastung. Das war von daher ein großer Erfolg. Wir haben Partner gewonnen, die uns heute noch treu sind, wie die Commerzbank oder Rewe. Aber man muss auch sagen: Es ist schwer, den Schwung eines öffentlichkeitswirksamen Turniers in den Alltag mitzunehmen. Auch nach einer Heim-WM, wo die Aufmerksamkeit noch mal ungleich höher ist. Das hohe Level konnten wir natürlich nicht halten. Neid Aber als wir 2013 erneut Europameister wurden, boomte der Frauenfußball wieder. Wie du sagst, Doris, die internationalen Turniere der Nationalmannschaft haben eine sehr große Aufmerksamkeit und schaffen große Begeisterung. Hatten Sie sich insgeheim doch erhofft, dass unter dem Strich mehr hängen bleibt, Frau Fitschen? Fitschen Erhofft ja. Aber wie gesagt, in der Vermarktung ist schon was hängen geblieben, allerdings natürlich nicht auf dem Level der Heim-WM. Da ist noch Luft nach oben. Aber wir arbeiten dran. Und jetzt bewerben wir uns ja auch wieder für eine Weltmeisterschaft, mit den Niederlanden und Belgien zusammen, für 2027, und hoffen, dass das Ganze wieder Fahrt aufnimmt. Die WM-Botschafterin ist ja schon mal gut gewählt … Neid (lacht) Danke für das Kompliment. Aber es ist noch ein ganz, ganz langer Weg, ob wir den Zuschlag überhaupt bekommen. Da bewerben sich ja einige Länder. Aber es wäre wirklich, wirklich gut für den Frauenfußball in Deutschland und natürlich auch in Belgien und den Niederlanden, wenn wir wieder eine WM im eigenen Land hätten und so für Nachhaltigkeit sorgen könnten. Fitschen Dennoch hat sich seit der WM 2011 schon was entwickelt. Der Frauenfußball ist in der Gesellschaft ein Stück weit selbstverständlicher geworden. Hilft dem Frauenfußball allgemein auch die Tatsache, dass sich zunehmend Klubs wie der FC Barcelona oder Chelsea engagieren? Fitschen Konkurrenz belebt das Geschäft. Es ist super, dass FIFA, UEFA und andere Verbände jetzt richtig investieren. Das ist für uns als DFB Ansporn, wieder – zumindest in Europa – die Nummer eins zu sein, wie wir es über Jahre waren. Neid Aber das sind wir doch immer noch, die Nummer eins in Europa. Wir sind Weltranglisten-Zweiter. Fitschen Wir sind aktuell nicht Europameister, nicht im ChampionsLeague-Finale, und auch in der Vermarktung der Ligen sind wir immer noch in Europas spitze, aber nicht die Nummer eins. Neid Die internationalen Klubs wie Barcelona oder Chelsea machen es auch richtig. Bei uns gibt es durchaus viele Vereine, wo der Männer- und Frauenfußball in der Bundesliga vertreten sind, aber von außen betrachtet habe ich doch irgendwie den Eindruck: Okay, das hat man jetzt, aber so richtig unterstützt werden die Frauen da doch nicht. Wenn dann der eine oder andere Verein in einem wenig professionellen Umfeld und Stadion spielt, ist das allein optisch nicht gerade förderlich, und ich kann verstehen, wenn die TV-Sender schon mal sagen: Das übertragen wir nicht. Hilft es da zum Beispiel den Frauen von Bayern München, dass sich KarlHeinz Rummenigge, Uli Hoeneß oder Oliver Kahn zunehmend äußern in den sozialen Medien – und der Verein auch deutlich mehr Geld investiert? Neid Das hilft auf jeden Fall, in der Außendarstellung und der Qualität, die diese Mannschaft hat. Die spielen richtig guten Fußball. Mir gefällt einfach, dass da eine Ent- VORRUNDE, 2. SPIELTAG Ärger nach der Auswechslung: Birgit Prinz lässt ihren Frust an der Bundestrainerin und danach an ihren Mitspielerinnen aus. wicklung stattgefunden hat. Und die wünsche ich mir in vielen Vereinen. Momentan schauen alle nach England, wo viel Geld verdient wird – völlig verständlich. Da müssen wir nachziehen, um die Qualität in der Bundesliga auch künftig zu erhalten und zu erhöhen. Und das nicht nur in zwei Vereinen. Melanie Leupolz sagt, „Wir Frauen sind halt irgendwie immer noch Exoten.“ Sivia Neid es sei total spannend in England, weil die kleineren Vereine immer in der Lage sind, die großen zu ärgern. Ich schau viel englischen Fußball – und das ist dadurch einfach attraktiv. Die Zuschauer gehen gerne dahin, wenn sie denn bald wieder dürfen. Fitschen Noch spielen die meisten Nationalspielerinnen in der Bundes- liga. Wir brauchen diese Gesichter in der Liga, und nicht nur diese, sondern auch internationale Top-Stars wie Pernille Harder, die zuletzt in Wolfsburg gespielt hat. Das sind Stars und Vorbilder, und die machen den Frauenfußball noch interessanter. Das muss unser Ziel sein. Damit wir auch in der Champions League wieder Titel gewinnen. Wir haben in Deutschland viele gute junge Spielerinnen. Wer waren eigentlich 2011 die hoffnungsvollen Talente im Kader? Neid Oh, da müsste ich in meinem Ordner nachgucken. Fitschen Das waren vor allem Alexandra Popp und Kim Kulig. Dzsenifer Marozsan hatte sich ja leider vorher verletzt. Aber die gehörte auch dazu. Neid Ich sehe nirgendwo so viele gute junge Spielerinnen wie hier in Deutschland. Nicht in England, nicht in Schweden und auch nicht in den USA. Die deutschen Talente sind alle super ausgebildet, haben ein hohes Tempo und eine hohe Passqualität.
5. JULI 2021 79 VIERTELFINALE Riesenenttäuschung nach dem Ausscheiden beim Heim-Turnier: In der Verlängerung hat Japan die deutschen Titelträume zerstört. DI E DE UTSC HE N SP I E L E 2 0 1 1 Gegen Japan ist Endstation Die WM-Stadien sind voll. Doch auch die Fans können das Aus der DFB-Frauen nicht verhindern. VIERTELFINALE Deutschland – Japan 0:1 n.V. 09.07.2011 in Wolfsburg Tor: 0:1 Maruyama (108.) Zuschauer: 26 067 VORRUNDE, 3. SPIELTAG Frankreich – Deutschland 2:4 (0:2) 05.07.2011 in Mönchengladbach Tore: 0:1 Garefrekes (25.), 0:2 Grings (32.), 1:2 Delie (56.), 1:3 Grings (68., Foulelfmeter), 2:3 Georges (72.), 2:4 Okoyino da Mbabi (89.) Zuschauer: 45 867 VORRUNDE, 3. SPIELTAG Das torreichste Spiel: Inka Grings verwandelt einen Elfmeter gegen Frankreich. Die DFB-Elf gewinnt am Ende mit 4:2. Das lässt hoffen für die Zukunft. Da ist in den U-Nationalmannschaften in den vergangenen Jahren wirklich hervorragende Arbeit geleistet worden. Fotos: Getty Images, picture alliance, imago images Birgit Prinz ist ja immer noch Rekordspielerin und Rekordtorschützin. Wer könnte sie ablösen? Neid Die Birgit hat über 200 Länder- spiele absolviert und damals ganz früh in der Nationalmannschaft begonnen. Sie war 16 und hat gespielt, bis sie 32 oder 33 Jahre alt war. Ich glaube, dass wir zukünftig Spielerinnen haben werden, die über viele Jahre dabei sein werden. Außerdem finden jetzt viel mehr Länderspiele statt als früher. Insofern könnte es eine Spielerin geben, die Birgit ablöst. Ich denke da an Lena Oberdorf vom VfL Wolfsburg. Aber die wird als Defensivspielerin nicht so viele Tore schießen wie Birgit. (lacht) Stichwort Birgit Prinz: Für sie lief die WM 2011 nicht rund. Als sie im zweiten Gruppenspiel gegen Nigeria ausgewechselt wurde, hat sie beim Abklatschen ihre Mitspielerinnen fast K. o. geschlagen vor Wut. Haben Sie das damals mitbekommen, Frau Neid? Neid Sie hat mit mir ja auch schon VORRUNDE, 2. SPIELTAG Deutschland – Nigeria 1:0 (0:0) 30.06.2011 in Frankfurt Tor: 1:0 Laudehr (54.) Zuschauer: 48 817 VORRUNDE, 1. SPIELTAG Deutschland – Kanada 2:1 (2:0) 26.06.2011 in Berlin Tore: 1:0 Garefrekes (10.), 2:0 Okoyino da Mbabi (42.), 2:1 Sinclair (82.) Zuschauer: 73 680 ziemlich fest abgeschlagen. (lacht) Aber danach habe ich nicht nach hinten Richtung Auswechselbank geguckt. Birgit war unzufrieden und sauer. Jede Spielerin wollte besonders gut sein, besser als je zuvor. Deshalb konnte ich Birgit gut verstehen. die ehemaligen Spielerinnen ihre Erfahrung weitertragen. tig. Wir brauchen die ehemaligen Spielerinnen im Frauenfußball. Und wenn die dann Trainerin oder Teammanagerin werden, ist das toll. Meine ehemalige Kapitänin Saskia Bartusiak arbeitet ja bei mir in der Scouting-Abteilung des DFB. Sie hat so viel Wissen und sieht so viele Dinge – sie ist eine richtige Fachkraft. Der Frauenfußball braucht es, dass Qualität. Was die Nationalmannschaft zuletzt gezeigt hat, das hat mir gut gefallen. Und ich wünsche mir, dass noch mehr Lizenzvereine den Frauenfußball aus Überzeugung fördern wollen. Es sollte auch ganz normal werden, dass die Spielerinnen nicht nebenher noch arbeiten müssen, wenn sie in der 1. Liga spielen. Ich wünsche mir auch viel mehr Sichtbarkeit im Fernsehen. Fitschen Ich wünsche mir auch mehr Sichtbarkeit. Und mehr Vielfalt und Prinz gehört als Psychologin zum Staff der Nationalmannschaft. Freuen Sie sich, dass viele Ihrer ehemaligen Spielerinnen beim DFB arbeiten und sich für den Frauenfußball engagieren? Neid Ja, total! Das ist ganz wich- Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Frauenfußballs? Neid Ich wünsche mir Erfolge und vor allem Frauen im Fußball auf entscheidenden Positionen. Frauen sollten selbstverständlich werden im Fußball. Was mich stört, ist, dass wir von Fußball und vom Frauenfußball sprechen. Diese Differenzierung gibt es aber leider in anderen Sportarten auch. Neid Wir Frauen sind halt irgendwie immer noch Exoten, Doris. INTERVIEW: GUNNAR MEGGERS, SABINE VÖGELE LESEN SIE AM NÄCHSTEN MONTAG: Kreuzbandriss im Viertelfinale – der Anfang vom Ende in Kim Kuligs Karriere. Und: Das machen die Spielerinnen von 2011 heute.
80 5. JULI 2021 E rzgebirge Aue führte er 2017 überraschend zum ZweitligaKlassenerhalt, mit Schalke wurde er 2018 Vizemeister, Gleiches kürzlich mit Spartak Moskau. Im kicker-Interview spricht Domenico Tedesco vor allem über seine Zeit in Russland, aber auch über die Königsblauen – und seine Zukunftspläne. Nach Ihrem Aus auf Schalke im März 2019 brauchten Sie ein paar Monate, um wieder zu Kräften zu kommen. Wie verhält es sich nach Ihrem Abschied von Spartak Moskau, Herr Tedesco? Ähnlich – obwohl der Abschied jetzt von ganz anderen Rahmenbedingungen begleitet war. Aber ich glaube, wenn man viel investiert und mit maximaler Leidenschaft für einen Verein arbeitet, tut eine Pause nach einer gewissen Zeit immer gut. Sie waren 20 Monate auf Schalke und 19 bei Spartak. Entspricht das dem Zeitraum, nach dem Sie sich ausgepowert fühlen? (lacht) Nein. Ich habe mich weder auf Schalke am Ende kraftlos gefühlt noch jetzt bei Spartak – so gesehen wäre die Pause nicht zwingend notwendig gewesen. Aber wenn man sie dann machen kann, spürt man schon, dass etwas von einem abfällt und man sie dann auch genießen soll. Ich hatte bei Schalke einen Vierjahresvertrag unterschrieben, und auch jetzt in Moskau hätte es für mich weitergehen können … … aber Sie haben trotz intensiver Bemühungen seitens des Klubs sowie der Aussicht auf ChampionsLeague-Abende entschieden, Ihren Vertrag nicht zu verlängern. Warum? Die Entscheidung fiel mir sehr schwer. Aber ich musste abwägen: Auf der einen Seite stand der Reiz, Europapokal zu spielen, die junge Mannschaft weiter mit aufzubauen „Die Mannschaft habe ich geliebt, aber meine Familie liebe ich mehr.“ und die Spieler weiterzuentwickeln, auf der anderen Seite aber habe ich eine Frau und eine kleine Tochter, die ich zum Teil monatelang nicht sehen konnte, weil es die Corona-Bestimmungen unmöglich gemacht haben. Als ich bei Moskau unterschrieb, war das alles ganz anders geplant. Die Pandemie hat für vollkommen andere Bedingungen gesorgt, vor allem was das Reisen betrifft. Ich habe die Mannschaft geliebt, aber meine Familie liebe ich mehr. „Kader und Ansprüche müssen passen“ DO M ENICO T EDESCO (35) hat schon klare Vorstellungen von seiner nächsten Trainerstation. Zudem spricht er über seine Zeit bei Spartak Moskau und den Abstieg des FC Schalke 04. Als Sie mit Spartak Moskau Mitte Mai die Vizemeisterschaft und damit einhergehend die Teilnahme an der Qualifikationsrunde zur Champions League klargemacht haben, wurden Sie im wahrsten Sinne auf Händen getragen. Haben Sie Ihre Entscheidung in diesem Augenblick nicht doch bereut? Nein. Ich habe Dankbarkeit dafür gespürt, dass sich alles so entwickelt hat. Das war alles andere als selbstverständlich. Inwiefern? Es war das erste Mal in der 17-jährigen Amtszeit von Präsident Leonid Fedun, dass ein Trainer freiwillig gegangen ist. Ich konnte die Reaktionen des Vereins also nicht genau einschätzen. Dass ich meine Entscheidung schon im Dezember getroffen und zügig kommuniziert habe, habe ich auch deshalb getan, um dem Verein die Möglichkeit zu geben, die Situation zu überdenken – und mich im Januar gegebenenfalls freizustellen, falls sie nicht mehr das hundertprozentige Vertrauen haben sollten. Dann hätten sie in der mehr als zweimonatigen Winterpause von Mitte Dezember bis Ende Februar Gelegenheit gehabt, einen anderen Trainer zu verpflichten. Warum? Weil ich finde, dass sich das so gehört, wenn meine Entscheidung feststeht. Das ist eine Frage der Fairness. Wenn ich einen Job annehme, ist es mir nicht nur wichtig, was die Leute denken, wenn ich komme, sondern auch was sie denken, wenn ich gehe. Spartak und ich sind wirklich im Guten auseinandergegangen, darüber freue ich mich. Wie hat Spartak auf Ihre Entscheidung reagiert? Die Klubverantwortlichen riefen mich noch vor Weihnachten an und haben mir gesagt, dass Sie keinen Leistungsabfall oder einen Bruch mit der Mannschaft befürchten. Dass sie mir vertrauen und sie mich gut genug kennen würden, um zu wissen, dass ich weiterhin alles geben würde. Das hat mich sehr gefreut. Sie kamen im Oktober 2019, als bei Spartak als Tabellenzwölfter einiges im Argen lag, und gingen als Vizemeis- ter. Wie haben Sie die Mannschaft so schnell wieder so flottgekriegt? Wir haben in Teilabschnitten gedacht. Als wir anfingen, hatte Spartak gerade fünfmal hintereinander verloren. Ich weiß ja aus meiner Zeit bei Schalke selbst am besten, was fünf Niederlagen in Serie mit einem machen … Wir waren als Zwölfter nicht weit von den Abstiegsrängen entfernt und wollten die extrem junge Mannschaft, wo der Altersdurchschnitt der ersten Elf teilweise bei rund 21 Jahren lag, bis Jahresende erst einmal stabilisieren. Das ist uns gelungen. In der Winterpause haben wir weitere Grundlagen gelegt und uns stetig weiterentwickelt. Schon als ich kam, sagte der Verein: Stabilisieren im ersten Jahr, unter die Top 3 im zweiten. Beides haben wir erreicht. Und was uns auch wichtig war: mit offensivem Fußball. Hohes Pressing, viele Abschlüsse. Ihr Erfolg blieb europaweit nicht unbemerkt. Olympique Marseille soll Ihnen im Februar ein konkretes Angebot gemacht haben. Warum haben Sie es nicht angenommen?
5. JULI 2021 81 Champions-League-Achtelfinale. Außerdem folgte nach meiner Zeit ja noch eine Halbserie, in der Schalke sehr erfolgreich war, durchaus auf Champions-League-Niveau. Die teuren Spielertransfers und -verträge, die dem FC Schalke jetzt auf die Füße fallen, stammen zum Teil aus Ihrer Ära. Haben Sie deshalb ein schlechtes Gewissen? Ich kann als Trainer ja nur über das Sportliche sprechen. Wir wurden 2018 Vizemeister, zogen in die Champions League ein und haben nur ganz knapp das Finale im DFB-Pokal gegen den FC Bayern verpasst. Wir „Mir tut der Abstieg des FC Schalke extrem leid.“ haben im Sommer unter anderem die Säulen Leon Goretzka und Max Meyer ablösefrei verloren, dazu Thilo Kehrer und Marko Pjaca. Das konnten wir leider nicht kompensieren. Jeder, der mich kennt, weiß: Mir tut der Abstieg des FC Schalke extrem leid, ich habe bis zum Schluss mitgelitten. Ich drücke ganz fest alle Daumen, dass der Aufstieg baldmöglichst gelingt. Wie schwer wird das? Die 2. Liga ist nicht zu unterschätzen. Und gegen Mannschaften wie Schalke, Bremen oder den HSV wollen natürlich alle gut aussehen. Jetzt sind Sie vertragslos … Und das ist völlig okay, ich werde deshalb nicht unruhig. Ich habe Spartak damals gesagt, dass ich den Vertrag wegen meiner Familie nicht verlängere. Da kann ich ja nicht direkt danach bei einem anderen Verein unterschreiben, das wäre respektlos. So ticke ich nicht. Die allermeisten Vereine sind jetzt durch mit ihrer Trainerplanung. Haben Sie das Gefühl, der Zug zumindest mit Blick auf die neue Saison ist nun abgefahren? Ich habe nach anderthalb wundervollen Jahren bei Spartak gesagt, dass ich diese Sommerpause mit der Familie verbringen möchte. Was sich danach ergibt, werden wir sehen. Welche Kriterien müssten erfüllt sein? Ein guter Kader, gepaart mit Gestaltungsmöglichkeiten, ist mir wichtig. Welche Rolle würden die Ambitionen des Vereins spielen? Mittlerweile ist es ja so, dass gefühlt jeder Klub Europapokal-Ambitionen hat (lacht). Aber Spaß beiseite: Kader und Ansprüche müssen einfach passen. dass die Sache schon bei meinem Abschied unaufhaltsam so kommen musste, wie sie jetzt kam. Wie nahmen Sie die Situation denn wahr? Wir haben damals nach den fünf Startniederlagen bis zur Winterpause der Saison 2018/19 noch 18 Punkte geholt und waren dann noch im Wie attraktiv ist die 2. Liga mittlerweile im Vergleich zum Oberhaus? Sie hat durchaus an Attraktivität hinzugewonnen. Und die 1. Liga verloren? Es ist immer noch eine absolute Topliga. Aber wenn eine Liga einen Verein wie den FC Schalke verliert, büßt sie automatisch an Attraktivität ein. INTERVIEW: TONI LIETO Noch mal Ausland oder wieder Bundesliga? Da bin ich offen. Mein Engagement im Ausland habe ich sehr geschätzt, es hat mir sehr viel gegeben. Das Gleiche gilt für die Bundesliga. Hier erlebten Sie mit den Königsblauen extreme Höhen und Tiefen. Empfinden Sie es so, dass der Absturz des FC Schalke 04 bereits mit Ihnen in der Hinserie 2018/19 begann? Da wurde ja zuletzt sehr viel die Frage gestellt, wer denn nun Schuld habe. Ich finde das schwierig und werde mich daran sicher nicht beteiligen. Das soll jeder für sich entscheiden. Aber ich habe nicht den Eindruck, Fotos: picture alliance, imago images Das will ich jetzt nicht kommentieren, aber ich kann sagen: Es gab auch während meiner anderthalb Jahre in Moskau Anfragen – aus dem Ausland, aber auch aus der Bundesliga. Aber für mich war klar, dass ich Spartak ganz sauber bis zum Vertragsende treu bleibe. So, wie ich es im Dezember gesagt habe. Ich kann Ihnen sagen, dass sehr verlockende Angebote dabei waren. Aber ich halte mein Wort. Ein gutes Duo: Domenico Tedesco hatte in Andreas Hinkel (links) einen engen Vertrauten als Co-Trainer bei Spartak.
82 5. JULI 2021 SE RIE, T EIL 2 WER, WANN, WIESO! DEUTSCHLAND: ALLE DEINE 16 819 FUSSBALLVEREINE DATE N - G RU N D L AG E Insgesamt 16 819 Fußballvereine hatten in der Saison 2020/21 mindestens eine Männer- oder Frauen-Mannschaft in einer Liga des DFB gemeldet. Sie bilden die Basis für die kicker-Datenbank und diese Serie über Deutschlands Fußballvereinsnamen – woher sie kommen und was sie verraten. 713 Chancen „Türkischer Sportverein“, „HNK Hajduk“ oder „SV Hellas“. Rund 4,2 Prozent der Vereine weisen einen MIG R AT IO NSBEZUG im Namen auf. Ihre Teilnahme am Spielbetrieb fördert die Integration. D ass Fußballvereine gern ihre Trainer aus53 griechischen Klubs, kroatische Vereinsnamen tauschen? Nichts Neues. Spieler kommen gibt es 51. Stellten die Kurden eine eigene Nation, und gehen. Selbst Vereinslogos werden alle sie tauchten in der Statistik mit 42 Vereinen am paar Jahre mal modernisiert. Eines aber bleibt: der vierthäufigsten auf. Rechnet man alle Nationen Vereinsname. Normalerweise jedenfalls. und Ethnien zusammen, stellen 713 der 16 819 Eyüpspor Werdohl hat im Sommer 2020 am DFB-Spielbetrieb teilnehmenden Klubs einen eine Ausnahme gemacht. Und wollte nicht mehr Migrationsbezug im Namen her. Rund 4,2 Prozent. Eyüpspor heißen. Der Klub aus dem Märkischen Wie diese Vereine in Deutschland verteilt Sauerland benannte sich vor dem Start der Saison sind, geben sie auch Aufschluss über Migrationsbeum. Und da jedem Anfang bekanntlich ein Zauber wegungen. So hat sich auf der kicker-Vereinskarte innewohnt, glückte die Premiere. 5:1 endete der (siehe rechts) gerade mal ein einziger migranAuftakt in der Kreisliga A gegen den SV Hellas tischer Verein in Ostdeutschland angesiedelt: Lüdenscheid. Dass das mit dem neuen Namen der SV Hellas 09 Oranienbaum. Der Klub aus Sachzusammenhängen würde, glaubt in Werdohl natürsen-Anhalt wurde 1909 allerdings nicht von grielich niemand. Und doch brachte chischen Einwanderern gegrüner eine gewisse Aufbruchstim- Im Umgang mit Ämtern det. Vielmehr spiegelt sich im mung mit sich. „Auf dem Platz Vereinsnamen die Begeisterung hat man immer mit 0:1 ange- und Verbänden würde für die Antike und die Olympiein deutscher Name schen Spiele der Neuzeit. Einfangen“, sagt Mikail Kocak, der 2. Klubvorsitzende, mit Blick auf wanderervereine auf dem Gebiet es leichter machen. den alten Vereinsnamen, „das der ehemaligen DDR existieren weiß man einfach. Man muss also dem Namen nach nicht. sich als ausländische MannDie dortigen Gastarbeiter kamen schaft mehr reinhängen.“ Eyüp Sultan, so heißt die damals etwa aus Vietnam oder Mosambik. Sie Moschee in Werdohl, unter deren Schirmherrschaft brachten anders als Türken, Griechen oder Italieder Klub anfangs firmierte. „Im vergangenen Jahr ner keine Sportvereinskultur aus ihrer Heimat mit. gab es einen Umbruch im Vorstand“, erzählt Kocak. 2019 lebten laut dem Statistischen Bundes„Viele junge Menschen kamen dazu. Also wollten amt 95,2 Prozent der Personen mit Migrationswir bei null anfangen und das mit einem neuen hintergrund in Westdeutschland und Berlin. Die Namen unterlegen.“ Die Wahl fiel auf TSV, gemeinZahl schlägt sich auf der Fußballkarte nieder. Und hin als Turn- und Sportverein bekannt … Dieser weil sich polnische Gastarbeiter vor Jahrzehnten Assoziation bediente man sich in Werdohl bewusst. häufig in NRW niederließen, finden sich dort nun Möglichst neutral sollte der Name lauten, auch sechs der deutschlandweit zwölf polnischen Klubs. damit die Sponsorensuche angekurbelt werde. Mehr als jeder vierte Migrant insgesamt wohnte Ohne ausländischen Klang funktioniere das ein2019 in Nordrhein-Westfalen. facher. Gleichwohl: Mit Barren und Reckstangen Integration geschieht nicht nur durch das hat der TSV Werdohl nichts zu tun. Wie 26 andere Eingliedern in internationale, interkulturelle Klubs im deutschen Fußball ist Werdohl nun als Teams, von denen es unzählige gibt. „Klar, dass „Türkischer Sportverein“ ins Register eingetragen. Menschen in einer neuen Heimat erst einmal unter Insgesamt knüpfen dort 332 Klubs, das zeigt eine sich bleiben wollen – aber nur im ersten Schritt“, kicker-Recherche, mit Begriffen von „Akdeniz“ sagt Michael Krüger, Professor für Sportgeschichte bis „Zonguldak“, in ihren Namen an die Türkei an. an der Universität Münster. „Im zweiten Schritt Die deutsche Vereinslandschaft ist internatimöchten sie zusammen in einem geordneten onaler, als sie auf den ersten Blick zu sein scheint. Wettkampf gegen andere Vereine antreten. Das 34 Nationen haben sich in den Namen verewigt, ist schon die erste Stufe der Integration. Später von Afghanistan bis zu den USA, von Nordmazedurchmischen sie sich dann.“ Dass Einwandererdonien bis Peru. Südamerika und Afrika sind sogar vereine sich überhaupt ins DFB-System einordals ganze Kontinente vertreten, dazu kommen neten, sei schon ein Zeichen, dass Integration 29 „internationale“ Teams sowie etliche ethnische funktioniere. „Wenn sie komplett unter sich bleiben Gruppen wie Aramäer, Jesiden, Mesopotamier wollten, könnten sie ja auch einen eigenen Verband und Tamilen. An die gewaltige Zahl der türkischen gründen“, meint Krüger. Vereine reicht aber keine andere Gruppe auch nur Zumal sie es lange Zeit nicht gerade leicht annähernd heran. Zweitstärkste Fraktion sind die hatten. Der Deutsche Sportbund schrieb noch 1981
5. JULI 2021 83 FC Basara Mainz „Der Name kommt aus dem Japanischen und hat zwei Bedeutungen. Die einfachere: »Diamant«. Der ist auch in unserem Logo zu finden. Eines unserer Gründungsmitglieder, der ehemalige Bundesligaspieler Shinji Okazaki, hat „Basara“ auch auf seinem Schuh stehen. Mit dem Namen verbinden wir, junge, talentierte Spieler zu entwickeln und sie für höhere Aufgaben bereit zu machen. Kurz gesagt: sie zu Diamanten zu schleifen. Die zweite Bedeutung unseres Namens: Im frühen Japan nannte man den beschwerlichen Aufstieg eines aus den ärmeren, ländlichen Regionen stammenden Mannes zum Samurai »Basara«. Auch hiermit kann sich unser Verein identifizieren. Nach unserer Gründung im Jahr 2014 sind wir fünfmal in Folge aufgestiegen und spielen aktuell in der Verbandsliga. Weitere Aufstiege können wir uns mittelfristig durchaus vorstellen. Hierfür müssen wir im Umfeld jedoch noch wachsen.“ Benjamin Marth, Geschäftsstelle Vereine mit Migrationsbezug im Namen: in Rot die türkischen Klubs, in Blau alle anderen Nationalitäten und Ethnien in einer Grundsatzerklärung, dass die Mitgliedschaft von Migrantinnen und Migranten in deutschen Vereinen zwar grundsätzlich wünschenswert sei. Eine zu hohe Anzahl würde diese aber überfordern. Einwanderer waren dann willkommen, wenn sie Struktur und Charakter der Klubs nicht veränderten. Diese Zeiten sind glücklicherweise vorüber. Vor dem Aufstieg von Türkgücü München in den Profifußball trug Türkiyemspor Berlin den inoffiziellen Titel als bundesweit erfolgreichster Einwandererklub. „Türkiyem“ bedeutet so viel wie „meine Türkei“. Der Verein stieg so weit auf, dass er 1991 fast von einer Ausnahmegenehmigung Gebrauch machen musste. Sein Kader in der drittklassigen Berliner Oberliga enthielt genau zwei Deutsche, in der 2. Liga waren aber in dieser Zeit gerade einmal zwei Ausländer im Team erlaubt. Erst kurz vor dem letzten Spieltag trudelte die Genehmigung des DFB für den Tabellenführer ein. „Die letzte Partie war gegen Tennis Borussia“, erinnert sich Mehmet Matur. „Wir waren im Kopf so mit allem Drumherum beschäftigt, dass wir es vergeigt haben.“ 0:5 endete die Partie, Türkiyemspor rutschte auf den 2. Platz ab und blieb drittklassig. Aktuell spielt der Verein in der sechstklassigen Berlin-Liga. Matur war damals Vereinsfunktionär, heute verantwortet er als Präsidialmitglied des Berliner Fußball-Verbands die Integrationsarbeit. „Im neuen Land schaut man in seiner Umgebung erst einmal: Wer lebt hier denn so mit dem gleichen Hintergrund wie man selbst? Dann knüpft man Kontakte, schließt sich zusammen. So lief es bei Griechen, Jugoslawen, Türken.“ Untereinander fühle man sich zunächst wohler. 9 FC Jawanan Bonn „Jawanan ist Persisch, ein DariWort für »Jugend«. Weil viele unbegleitete Jugendliche aus Afghanistan und anderen Länder in Bonn wohnen, habe ich mich entschlossen, einen MultikultiVerein zu gründen. So kommen alle aus unterschiedlichen Religionen und Kulturen zusammen, um miteinander Fußball zu spielen und Spaß zu haben, anstatt etwas Falsches zu machen. Unsere Mitglieder sind Flüchtlinge, wir wollen im Fußballkreis Bonn aufgenommen werden und bemühen uns um Integration. Dabei helfen uns viele Leute.“ Safiullah Khaliqi, 1. Vorsitzender
84 5. JULI 2021 Die Immigranten gründeten Kulturvereine, stellten auch Fußballmannschaften. Ihre Herkunft packten sie manchmal in den Namen: Istanbul, Izmir, Hatay. Meistens speisten sich diese Mannschaften aus Spielern aus ebendieser Region. Und Matur versteht das Motiv, das den TSV Werdohl zur Umbenennung führte: Mit einem einschlägigen Namen kommt man schwer an Sponsorengelder. Wenn überhaupt, dann nur innerhalb der Community. Auch hafte leicht ein negatives Image an klar erkennbar türkischen Namen, sagt Matur. FA RB I G E K LU B N A ME N Werdohl ist nicht der einzige Fall in letzter Zeit, wie der Blick nach Berlin zeigt. Der Neuköllner Klub Galatasaray heißt nun Rixdorfer SV, Samsunspor wurde zum FC Kreuzberg, nimmt aber im Moment nicht am Spielbetrieb teil. Generell empfehlen würde er Migrantenvereinen aber nicht unbedingt, zu einem neutralen Namen zu wechseln, sagt Matur. Ein einschlägiger Name bringe ja auch Vorteile: Identifikation, Zusammenhalt, Solidarität. Bei Neugründungen beobachtet er aber zunehmend, dass sie sofort einen deutschen Namen annehmen. Das mache es leichter im Umgang mit Ämtern und Verbänden, sagt er und nennt Sport-Union Berlin als Beispiel: „Vor 20 Jahren hätten die sich sicher anders genannt. Sport Gücü oder so.“ Nach zwei Siegen zum Saisonstart musste der Türkische SV Werdohl in der dritten Partie übrigens einen Rückschlag verkraften. 1:2 verlor der Klub im Kreispokal gegen den TSV Lüdenscheid. TSV? Richtig. Auch der Gegner hat nichts mit Turnen am Hut. Es war sozusagen ein kleines Derby. PAUL BARTMUß, DANIEL BÖLDT Rot-Weiß, Gold-Blau – und Rosa? 876 bunte Tupfer K leider machen Leute, Farben am DFB-Spielbetrieb teilnehmenden sind Reizstoff. Das wusste Männer- und Frauenteams heften schon Peter Krohn. Der HSVsich Farben ans Revers. Fast immer Präsident steckte seine Mannschaft sind es genau zwei, nie mehr und nur 1976/77 in rosafarbene Trikots – und zweimal weniger: beim FSV Rot West erntete Aufmerksamkeit, Gelächter Gießen und beim SV Königsblau Gohund Missverständnisse. „Es hat mich lis. „Während der Gründungswellen schrecklich gelangweilt, wenn da um das Jahr 1900 hat man sich in der einfach nur Rot gegen Weiß angeGegend umgeschaut und an der Kontreten ist“, sagte Krohn lapidar und kurrenz orientiert: Wie benennt die traf irgendwie einen Punkt. Seitdem sich? Trägt die eine Farbe im Namen hat sich einiges getan. Bayern in Kaoder nicht? Man versuchte eher sich narienvogelgelb, die regenbogenanzupassen als sich voneinander abbunten Bochumer Ende der 90er, zuheben“, mutmaßt Sportsoziologe etwas später Werder in Grün-Orange, Norbert Schütte von der Universität das himbeerfarbene Schalke im Mainz. So kamen zu den bereits koloDFB-Pokal-Finale 2011. Den Augen rierten Vereinsnamen an bestimmten der Fans wurde allerhand zugemutet. Orten weitere dazu. Woanders blieb So vielfältig Trikots im deutdie Karte farblos – wie zum Beispiel schen Fußball aber inzwischen in weiten Teilen Bayerns. sind: Bei den offiziellen Klubfarben Warum aber stellt Weiß alle anherrscht eine gewisse Gleichförmigderen Töne in den Schatten? „Weißer keit. Und das zeigt sich auch in den Stoff für die Trikots war am leichVereinsnamen. Blau-Weiß, Rot-Weiß, testen zu bekommen“, sagt Schütte. Grün-Weiß. Diese drei Kombinatio„Vereine hatten in den Gründungsnen decken 82 Prozent aller 876 Klubs zeiten sehr wenig Geld. Oftmals nähin der kickerten Spielerfrauen Datenbank ab, die Farben in Vereinsnamen die Trikots aus den ihre Namen bunt Stoffen, die ihnen sind zuallererst ein gestrichen haben. zur Verfügung Es lassen sich klare deutsches Phänomen. standen.“ Eine Muster erkennen: komplette FußBlau-Weiß domiballtracht kostete niert eher im Norden und Osten, die schließlich rund 20 Mark – etwa der beiden anderen Varianten im Süden halbe Wochenlohn eines Facharbeiund vor allem im Westen. Warum ters. Schütte und auch Krüger weisen das so ist? „Das Blau im Norden und darauf hin, dass dies vor allem VerOsten“, sagt Sporthistoriker Prof. Mimutungen sind. Wissenschaftliche chael Krüger von der Uni Münster, Arbeiten existieren so gut wie keine. „könnte etwas mit Pommern und Die Annahme, dass etwa auch Ostpreußen zu tun haben.“ SchließStadtwappen oder Landesflaggen lich zieren die Flagge Vorpommerns eine Rolle spielen könnten, wird ein blauer und ein weißer Streifen. durch die kicker-Datenanalyse nicht Neben dem Himmel meint das Blau bestätigt. Trotz der in Bayerns Idennicht zuletzt das Meer. tität tief verankerten weiß-blauen Erst im Laufe der Zeit gesellten Rauten führen dort nur drei Vereine sich Farben als namensgebende Elediese Kombination im Namen: der mente ins Repertoire der Vereine, in FC Blau-Weiß Leinach, der SV Blaumanchen Gegenden mehr, in manWeiß Sassendorf und der SV Weißchen weniger. Südlich von Hessen blau-Allianz München. Dagegen und Thüringen finden sich kaum tragen die seit jeher weiß-grün gesolche Bezüge in den Namen der Fußwandeten Sachsen wiederum im ballvereine. Rund fünf Prozent aller Fußball am häufigsten Blau-Weiß. Verteilte Hingucker: Blau-Weiß (294-mal), Rot-Weiß (218-mal) und Grün-Weiß (207-mal) dominieren die Landkarte der deutschen Fußball-Vereinsnamen – die drei Farbkombinationen sind hier dargestellt. Die Erklärung ist also etwas komplexer. Oder wie Sportsoziologe Schütte sagt: „Strukturen spielen genauso eine Rolle wie Zufälle.“ Beim Blick über die Landesgrenzen hinweg fällt auf: International spielen Farben kaum eine Rolle, wenn es um die Benennung von Vereinen geht. In Österreich, Luxemburg und den Niederlanden etwa zieren Farbtupfer vereinzelt die Namen. Insgesamt aber handelt es sich zuallererst um ein deutsches Phänomen. In der DDR ließen sich die Vereinsfarben anfangs gar ablesen, ohne selbst im Namen aufzutauchen. Die Betriebssportgemeinschaften (BSG) hatten sich in übergeordnete Sportvereinigungen einsortiert, denen wiederum je nach Wirtschaftszweig Farbkombinationen vorgeschrieben waren. Chemie? Grün-Weiß. Einheit? Rot-Weiß. Empor oder Turbine? BlauWeiß. Nach der Wende benannten WER, WANN, WIESO! sich fast alle ostdeutschen Vereine um und strichen die BSG aus dem Titel. Die Farbkombination hingegen blieb so manches Mal – und wurde hin und wieder sogar in den Namen übernommen. Heute sind Rot-Gelb, GrünRot und Gold-Blau die seltensten Kombinationen. Sie zieren hierzulande jeweils genau einen Fußballvereinsnamen. Rot-Gelb Wesseling verdankt seine Kombination einem Mineralölkonzern, der SV Grün-Rot Bornstedt macht es Menschen mit einer gewissen Sehschwäche nicht leicht – und der SV Gold-Blau Augsburg hat sich in Sachen Farben bei einem russischen Verband bedient. Rosa sucht man in der kickerDatenbank sowohl bei Männern als auch bei Frauen allerdings vergebens. Da vermochten auch die HSV-Trikots von Peter Krohn nichts auszurichten. PAUL BARTMUß, DANIEL BÖLDT Deutschland, deine Fußballvereine! Teil 3 am kommenden Montag: Die Sportart im Namen entspricht nicht immer der, für die der Klub bekannt ist. Außerdem: Alemannia, Wacker & Co. – warum Appelle mehr als nur Schmuck und Folklore sind.
Foto: imago images Sie trainiert Männer. Und sie kennt die Vorbehalte nur zu gut. Ein Gespräch mit I M K E W Ü B BE N H O R ST (32). „Ich bin so akribisch wie ein Mann“ Ab 1. August wird Imke Wübbenhorst neue Co-Trainerin bei Viktoria Köln. Die zweimalige U-19-Europameisterin (2006, 2007) und ehemalige Bundesligaspielerin des BV Cloppenburg erfuhr bundesweit Beachtung, als sie 2018 als erste Frau das Traineramt einer Männermannschaft in der Oberliga übernahm. Sie haben bis zu Ihrem 16. Lebensjahr in Jungenmannschaften gespielt, da es in Ihrer Heimat Ostfriesland keine Mädchen-Teams gab. Konnten Sie mithalten, Frau Wübbenhorst? Es gab auf jeden Fall physische Defizite. Bezogen auf die körperliche Präsenz hätten sich einige Jungs aber eine Scheibe von mir abschneiden können. Denn neben der reinen Kraft zählt im Fußball auch der Wille. War es nicht eigenartig, als Jugendliche gemeinsam mit jungen Männern zu spielen? Gerade in der einsetzenden Pubertät? Probleme gab es innerhalb meiner Mannschaft nie. Der einzige Unterschied zu den Jungs war, dass ich meist umgezogen zum Spiel kam und später zu Hause duschte. Was sind für Sie die wesentlichen Unterschiede zwischen Männer- und Frauenfußball? Auf dem Platz gibt es taktisch und technisch keine Unterschiede. Lediglich die Dynamik ist aufgrund der genetischen Prädisposition eine andere. Einige lachen, wenn eine Torhüterin einen hohen Ball nicht hält. Sie bedenken aber nicht, dass sie in der Regel 20 Zentimeter kleiner als ihr männlicher Kollege ist und nicht die gleiche Sprungkraft besitzt. Der Maßstab muss einfach ein anderer sein. Von Dezember 2018 bis Mai 2019 waren Sie Trainerin der Männermannschaft des BV Cloppenburg in der Oberliga Niedersachsen. Hatten Sie Verständnis für die riesige mediale Aufmerksamkeit? Leider ja. Ich wurde im Fußball sozialisiert und kenne die weit verbreiteten Meinungen dazu. Fußball in Deutschland wird mit männlichen Attributen assoziiert. Bei mir war das nicht anders. Denn auch für meinen Vater ist noch klar, dass Mädels mit Puppen und Jungs mit Bällen spielen. (lacht) Wird man als Frau im männerdominierten Fußball auch manchmal zur Einzelkämpferin? Klares Ja! Dazu muss man aber erzählen, wie es zu der Aussage gekommen ist. Jede Frau, die in einer männerdominierten Fußballwelt arbeiten will, wird früher oder später mit unangemessenen Aussagen konfrontiert. Bei mir kam immer wieder die Frage auf, ob ich zu den Spielern in die Kabine gehe, um einen Blick auf ihre Körper zu werfen. Das ist natürlich Quatsch. Aber die Fragerei hörte einfach nicht auf. Das führte dann irgendwann zu jener Aussage. Ab dem 1. August treten Sie bei Viktoria Köln das Amt der Co-Trainerin Analyse an. Wo sehen Sie den Schwerpunkt Ihrer Arbeit, und was ist für den Drittligisten in der neuen Saison möglich? Natürlich treffe ich auf Männer, die mir im ersten Moment skeptisch gegenübertreten. Die Jungs, die Neben der steten Verbesserung unseres eigenen wirklich in einen Diskurs mit mir gehen, kann ich Spiels gehört es zu meinen Aufgaben, die komaber schnell davon überzeugen, menden Gegner zu analysieren dass ich genauso akribisch bin wie „Auch für meinen und mit Olaf Janßen und dem jeder Mann. Wer mir keine ChanTrainerteam mögliche MatchVater ist klar: Mädels pläne zu diskutieren. Neben ce gibt, macht mich verrückt. Im April 2020 übernahmen Sie den spielen mit Puppen.“ dieser rein analytischen TätigRegionalligisten SF Lotte, wurden keit werde ich aber auch im Traiim Dezember aufgrund sportlicher nings- und Spielbetrieb auf dem Erfolgslosigkeit entlassen. Wie verlief die erste Be- Platz aktiv sein. gegnung mit den Fußballern der Sportfreunde? Alle Spieler hatten auslaufende Verträge, sodass sie sich bewusst bei der Unterschrift für mich als Trainerin entschieden haben. Es kam zu keiner Zeit zu Themen in Bezug auf mein Geschlecht, es ging nur um Fußball. Sie sind im Oktober 2019 für den Fußballspruch ausgezeichnet worden: „Ich bin Profi. Ich stelle nach Schwanzlänge auf.“ Würden Sie diese Aussage in dieser Form noch einmal tätigen? Glauben Sie, dass das Amt des Co-Trainers in der 3. Liga das Ende der Fahnenstange ist, oder streben Sie womöglich auch die Position der Cheftrainerin im Profibereich an? Zunächst einmal freue ich mich sehr auf die Zusammenarbeit mit Olaf Janßen. Für mich ist es nicht wichtig, welche Rolle ich letztlich in einem Team bekleide, solange mir die Arbeit Spaß macht und meine Arbeit wertgeschätzt wird. INTERVIEW: OLIVER LÖER
86 5. JULI 2021 kickerbusiness Echt jetzt? Kabellose Kameras, Daten in Echtzeit und vieles mehr: Die 5 G -T EC H NO LO G I E bietet in der TV-Produktion und für die Zuschauer im Stadion bisher nicht gekannte Möglichkeiten. Doch die Innovation wird noch gebremst – durch zwei externe Faktoren. D urch welchen Eingang komme ich am schnellsten ins Stadion? Eine simple, zugleich in aller Regel aber (noch) nicht zu beantwortende Frage. Und könnte ich Bratwurst und Bier nicht auch vom Platz aus bestellen – im Idealfall sogar gebracht bekommen? Was derzeit noch wie Zukunftsmusik klingt, nimmt immer mehr reale Formen an. Ach ja, Live-Daten zum Spiel würden mich auch noch interessieren, wie schnell rennt der Angreifer da gerade? Auf all diese Fragen soll es in nicht allzu ferner Zeit Antworten geben. Benutzerfreundlich gebündelt in einer App für das Smartphone. Selbstredend ist die Grundvoraussetzung für solche Angebote eine stabile Internetverbindung – für die der noch recht neue Netzstandard 5G sorgen soll. Die Zeiten, in denen die Datenraten in gut besuchten Stadien nicht mal dafür ausreichten, die Ergebnisse der Konkurrenten abzufragen, sollen endgültig der Vergangenheit angehören. Der im Vergleich bis zu 20-mal schnellere Nachfolger des heute meistbenutzten Mobilfunkstandards 4G, auch LTE genannt, ist als Basis für zahlreiche Digitalisierungsprozesse unerlässlich, von autonomem Fahren und intelligenter Mobilität über die Automatisierung in Produktionsprozessen bis hin zu virtuellen Cloud- und Officediensten. Insbesondere Letzteres ist für die Übertragung von Live-Bildern von Relevanz. Statt klassischer Übertragungswege (siehe Infografik) könnte die Infrastruktur der Zukunft ins Digitale wandern. Von heute auf morgen wird diese Umstellung aber nicht kommen. „Wir müssen uns die Frage stellen: „Die Ausfallsicherheit hat höchste Priorität.“ Andreas Heyden, Deutsche Fußball-Liga Welche Teile der Produktion sind über 5G sinnvoll? Wo bietet es uns einen Mehrwert? Das evaluieren wir gerade mit unserer Tochterfirma Sportcast“, erklärt Andreas Heyden, Executive Vice President Digital Innovations der DFL Group. Gemeinsam mit Sky und Vodafone fand ein erster Testlauf im vergangenen Dezember bei einem Zweitligaspiel in Düsseldorf statt, neben Wolfsburg und München eines von drei mit 5G-Antennen ausgestatteten Stadien in Deutschland. Auf welchem Weg die Bilder der stationären
Olympia-Verlag GmbH Badstraße 4 – 6, 90402 Nürnberg info@olympia-verlag.de Kameras von der Tribüne übertragen werden, spielt für Zuschauer am Fernseher tatsächlich keine Rolle, doch der Einsatz kabelloser Kameras könnte rund um das Feld für neue Perspektiven sorgen. Die COVID-19Pandemie bremst die Vorhaben derzeit aber. Testläufe in gefüllten Stadien sind unter anderem zwecks Überprüfung der Netzstabilität unabdingbar. „Jeder Schritt will gut überlegt sein, da insbesondere die Qualität und das Thema Ausfallsicherheit bei uns höchste Priorität genießen“, betont Heyden. Einer der Vorreiter in der Digitalisierung seines Stadions ist der VfL Wolfsburg, der in einem Show-Case im Oktober 2019 gemeinsam mit der DFL und Vodafone die Nutzung von Echtzeitdaten während des Spiels vorgestellt hat. Ob die Geschwindigkeit von Akteuren oder visualisierte Grafiken – die Analysedaten der DFL lassen kaum Wünsche offen. „Wir wollen damit ein zentrales Angebot für die Klubs und Stadionbetreiber schaffen, damit nicht jeder dieselbe Entwicklungsarbeit leisten muss“, beschreibt Heyden den Ausbau der Spieldaten-App. „Am Ende muss aber an jedem Standort für sich entschieden werden, wie eine solche Applikation in bestehende Strukturen integriert werden soll.“ Beim Volkswagen-Klub ist man mit diesen Überlegungen schon recht weit. „Wir filtern und entwickeln derzeit mögliche relevante Angebote, beispielsweise ein digitales Zuschauerleitsystem mit einer Anbindung an die Parkplatzsuche und den öffentlichen Nahverkehr, wovon natürlich auch Gästefans an dem ihnen unbekannten Standort profitieren. Man würde automatisch zu dem Eingang gelotst werden, wo am wenigsten los ist. Auch die Weiterentwicklung des Caterings mit Essensbestellungen am Platz könnte eine Rolle spielen, was dann aber auch infrastrukturelle Veränderungen bedingen würde“, erklärt VfL-Geschäftsführer Michael Meeske. „Gemeinsam mit den Echtzeitdaten zum Spiel, Gamification, Payment-Lösung und einem direkten Zugang zu Merchandisingangeboten des Klubs könnte man alles in einer zentralen App organisieren. Das ist unsere Idealvorstellung: eine App für Service und Infotainment.“ Natürlich sind die Pandemie und deren Folgen auch dieser Entwicklung nicht zuträglich, doch in erster Linie scheitert die Umsetzbarkeit von Meeskes Plänen zum jetzigen Zeitpunkt noch an der flächendeckenden Nutzbarkeit: 5G-fähige Geräte sind erst seit 2019 erhältlich und längst noch nicht in der breiten Masse angekommen. In zwei bis drei Jahren dürfte das anders aussehen. Darauf will man in Wolfsburg vorbereitet sein. „Eine zentrale App ist unsere Idealvorstellung.“ Michael Meeske, Geschäftsführer VfL Wolfsburg Direktwahl für Redaktion: +49 911 216 22 42 Abonnement: +49 911 216 22 22 Anzeigen: +49 911 216 22 13 FAX: +49 911 216 22 52 FAX: +49 911 216 22 30 FAX: +49 911 216 27 39 Gegründet 1920 durch Walther Bensemann (†) Chefredakteure: Jörg Jakob, Rainer Franzke, Alexander Wagner Chefredaktion/Ltg. Kooperationen: Klaus Smentek Art Direction: Dieter Steinhauer, Sabine Klier (Stv.) Chefreporter: Karlheinz Wild, Oliver Hartmann Printredaktion Nürnberg: redaktion@kicker.de Axel Heiber (Ltg.), Marcus Lehmann (Stv.), David Riedel (Stv.), Manfred Ewald (Sonderaufgaben), Manfred Münchrath (Ltg. Team International), Bernd Salamon (Sonderpublikationen), David Bernreuther, Christian Biechele, Thomas Böker, Ulla Ellmer, Martin Gruener, Georg Holzner, Fabian Istel, Frank Linkesch, Markus Löser, Martin Messerer, Georgios Moissidis, Peter Nickel, Michael Pfeifer, Uwe Röser, Thomas Roth, Sabine Vögele, Günter Wiese, Jörg Wolfrum, Christian Rheingruber (Korrektor) Digitalredaktion: info@kicker.de Alexander Wagner (Ltg.), Thorsten Brüggemann (Stv.), André Dersewski (Stv.) Datenredaktion/Dokumentation: Christoph Huber (Ltg.), Georgios Vavritsas (Stv.), Conrad Carl, Stephan Epple, HannsPeter Holzberger, Ulrich Matheja, Ullrich Schindler, Volker Schwerdtfeger, Tobias Weituschat Fotoredaktion: Peter Dworschak (Ltg.), Michael Beims, Kenan Hakverdi An den möglichen digitalen Serviceangeboten dürften sich die Traditionalisten weniger stören als an der Vorstellung von Stadionbesuchern, die die Partie durch ihr Smartphone verfolgen. Doch den Wünschen der jungen Fans dürfte damit Rechnung getragen werden. Zumal die mobilen Endgeräte schon jetzt ein Teil der Tribüne sind. „Die nächste Generation verlangt nach mehr Konnektivität“, erwartet Meeske. „Ich gehe davon aus, dass sie nicht mehr nur das klassische Bewegtbild konsumieren will, sie will es editieren und in irgendeiner Form in ihre eigenen privaten Netzwerke distribuieren – auch aus den Stadien.“ Das Stadionerlebnis soll weiter vom Geschehen auf dem Platz leben, das wolle man „nicht verändern“, betont Heyden. Von diesem Geschehen könnte man unter dem Strich sogar noch mehr mitbekommen: Wer hat noch kein Tor verpasst, weil er gerade in der Schlange am Kiosk stand oder kurz vor dem Anpfiff noch vor dem überfüllten Eingang warten musste, während es anderswo schneller gegangen wäre? MORITZ KREILINGER Layout & Produktion: Matthias Bracke, Claus Cheng, Michael Eppelein, Uwe Fuchs, Birgit Messer, Sonja Müller, Heinz Neubauer, Stefan Schmid, Andreas Stellwag, Christian Weber, Michael Zöllner Technische Produktion: Stefan Kemmether, Thomas Massler Herstellung: Hermann Draser (Ltg.) Digitale Medien: Werner Wittmann (Ltg. Gesamt), Julian Frost (Ltg.), Manuel Kröppelt (Ltg.) 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Das Print-Abonnement umfasst die Montag- und DonnerstagAusgabe und kostet im Inland monatlich € 19,90, für Studenten € 9,95 (Nachweis erforderlich). Auslandspreise auf Anfrage. Eine Kündigung ist sechs Wochen vor Ablauf des berechneten Zeitraums schriftlich mitzuteilen. Die Preise für eMagazine sind abrufbar unter www.kicker.de/abo Vermarktung Print und Digitale Medien: Martin Schumacher (Ltg. Gesamt), Otto Hofbeck (Anzeigenleiter, verantwortlich für Anzeigen), Gültige Anzeigenpreisliste Nr. 52 vom 01.01.2021 anzeigen@kicker.de Für unverlangt eingesandte Manuskripte, Fotos, Dias, Bücher usw. keine Haftung. Die gesamte Zeitschrift einschließlich aller ihrer Teile ist urheberrechtlich geschützt, soweit sich aus dem Urheberrechtsgesetz und sonstigen Vorschriften nichts anderes ergibt. Jede Verwertung ist ohne schriftliche Zustimmung des Verlags unzulässig. 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88 5. JULI 2021 NGEN DEUT SC HE NU GOLD-HOFF SERIE TEIL 2 HANDBALL A n den Moment, als er vor fünf Jahren bei der Eröffnungsfeier von Rio mit der deutschen Mannschaft ins Olympiastadion einmarschierte, wird sich Uwe Gensheimer sein Leben lang erinnern. „Du siehst alle Flaggen dieser Welt im Rund hängen. Das war schon sehr besonders zu begreifen, dass man gerade Teil des größten Sportevents der Welt ist.“ Bei den Spielen in Japan (23. 7. – 8. 8.) wird der Kapitän der Handball-Nationalmannschaft wieder unter den fünf Ringen auflaufen. „Ich bin gespannt, wie es in Tokio wird, aufgrund der Pandemie sicher ganz anders als in Rio. Schauen wir mal“, sagt der Linksaußen und mit 945 Treffern drittbeste Torschütze aller Zeiten im Trikot des Deutschen Handballbundes (DHB). Noch nie hat Gensheimer, „der Unvollendete“, einen Titel mit der Nationalmannschaft gewonnen, sein größter Erfolg war Olympia-Bronze 2016 in Rio, wo er zudem als bester Linksaußen im All-Star-Team stand. O LYMP I S C HE G E SC HI C HT E Handball war erstmals 1936 olympisch (Feldhandball) – vorerst einmalig. Seit München 1972 sind die Männer kontinuierlich dabei (Hallenhandball), seit 1976 auch die Frauen. Deutsche Goldmedallien 1936 Deutschland – Männer 1980 DDR – Männer Tokio 2021 Vom 24. Juli bis 8. August im Yoyogi National Stadium (gehörte bereits 1964 zu den olympischen Wettkampfstätten). Männer (ab 24.) und Frauen (ab 25.) spielen mit 12 Mannschaften in je zwei Vorrundengruppen, die besten vier Teams jeder Gruppe qualifizieren sich fürs Viertelfinale. Die Männer ermitteln ihren Olympiasieger am 7. August, die Frauen am 8. August. „Gold ist für uns Vision und Mission“ Kapitän UWE G ENSH EIMER (34) träumt in Tokio von seinem ersten Titel mit der Handball-Nationalmannschaft. Auch wenn er weiß, dass Deutschland nicht der Top-Favorit auf den ganz großen Wurf ist. Wenige Monate zuvor, als Deutscheinfach, aber ich hoffe, dass wir das land in Krakau Europameister geworschaffen. In den K.-o.-Spielen kann den war, fieberte der Mannheimer im Handball immer alles passieren“, verletzt auf der Tribüne mit. Mit sagt Gensheimer. seinem Heimatklub Rhein-Neckar Druck wegen der GoldambitioLöwen wurde er zweimal Deutscher nen Hannings spürt er indes nicht: Meister und EHF-Pokal„Man muss das ja relativieSieger, bei seinem Gastspiel ren: Das war vor sieben Jahin Paris wurde er mit PSG ren, als die »Mission Gold dreimal französischer Meisin Tokio« ausgesprochen ter und einmal Pokalsieger, wurde. Das finde ich gut verpasste als Finalist 2017 und richtig, denn jedes Unaber das große Ziel Chamternehmen hat eine Mission O L Y M P I S C H E und eine Vision. Hohe Ziele pions-League-Sieg. SPIELE Nun in Tokio träumen und eine hohe Messlatte die deutschen Handballer sind wichtig, aber nach den von Edelmetall, der scheidende letzten Turnieren sind wir nicht der DHB-Vizepräsident Bob Hanning (53) Favorit auf die Goldmedaille. Denhatte bei seinem Amtsantritt 2014 noch bin ich überzeugt, dass man vollmundig vom „großen Ziel Olymnur etwas erreicht, wenn man sich piagold in Tokio“ gesprochen. An auch hohe Ziele setzt.“ dieser Aussage muss sich das deutDas sieht Bundestrainer Alfred sche Team also messen lassen, wenn Gislason (61) ähnlich – der Isländer, man zunächst in der Vorrunde auf der als Spieler 1984 und 1988 bei Rekordweltmeister Frankreich, den Olympia auf dem Parkett stand, hat aktuellen Europameister Spanien, seine ersten Olympischen Spiele als den EM-Dritten Norwegen sowie die Trainer vor sich. „Wir gehören nicht beiden südamerikanischen Teams zum Kreis der ganz großen Favoriten, aus Brasilien und Argentinien trifft. doch wenn alle fit bleiben, können Um ins Viertelfinale einzuziehen, wir um eine Medaille mitspielen. muss die DHB-Auswahl mindestens Aber da muss man erst einmal sehen, Vierter werden. „Das ist natürlich wie die Spieler diese unglaublich unser erstes Ziel, und das ist angelange Saison weggesteckt haben. sichts dieser Hammergruppe nicht Druck spüre ich nicht, wenn im Vorfeld von der Goldmedaille gesprochen wird“, sagt Gislason, im Amt seit März 2020. 38 Bundesligaspieltage, dazu Länderspiele, Champions League und European League haben die meisten Spieler in den Knochen – Kapitän Gensheimer ist da die Ausnahme, Grund war eine mehrwöchige Pause nach einer Meniskusoperation Anfang April. Aber die Verletzung habe ihn nicht zurückgeworfen: „Ich habe die letzten fünf Bundesligaspiele mitgespielt, das lief schon rund, die Pause hat mir gutgetan, ich habe in der Reha hart gearbeitet und nach der langen Saison durch die Pause auch wieder neue Motivation gehabt. Ich habe mich richtig gefreut, wieder Handball zu spielen.“ Die nur einwöchige Pause zwischen dem letzten Bundesligaspieltag und dem Start der Olympiavorbereitung am heutigen Montag in Herzogenaurach hat Gensheimer mit seiner Familie in Südtirol verbracht. Viel Zeit haben Gislason und seine Mannen nicht für den Feinschliff, am Freitag (9. Juli) und Sonntag (11. Juli) stehen in Nürnberg die beiden einzigen Testspiele gegen die Olympiateilnehmer Brasilien und Ägypten an, am 14. Juli fliegt die Mannschaft nach Japan, um sich in Tokushima
Hochgestecktes Ziel: Für Uwe Gensheimer die Voraussetzung für den Erfolg zu akklimatisieren – wo man bereits 2018 zu einem Lehrgang war. „Es wird eine andere Japan-Reise als vor drei Jahren. Die Japaner sind allerdings ein sehr gut organisiertes Volk, deswegen denke ich, dass bei Olympia trotz Pandemie alles sehr gut abläuft“, ist sich Gensheimer sicher. Auch er sieht es als großen Nachteil an, dass die Bundesligasaison deutlich länger dauerte als alle anderen internationalen Ligen: „Da konnten sich andere Teams viel besser vorbereiten und regenerieren.“ Gislason hat 17 Spieler nominiert, 14 davon sind fix mit der Mannschaft im olympischen Dorf, die drei anderen reisen mit nach Japan, dürfen mittrainieren und können jederzeit für einen anderen Spieler nominiert werden. Im Gegensatz zu Welt- und Europameisterschaften, wo 16 oder 18 Spieler pro Partie eingesetzt werden dürfen, sind es bei Olympia Fotos: imago images/Bildbyran D E R KA D ER F Ü R TO K I O Tor: Andreas Wolff (30/KS Vive Kielce/POL/108 Länderspiele) Silvio Heinevetter (36/MT Melsungen/202) Johannes Bitter (38/HSV Hamburg/161) Linksaußen: Marcel Schiller (29/Frisch Auf Göppingen/20) Uwe Gensheimer (34/Rhein-Neckar Löwen/196) Rechtsaußen: Tobias Reichmann (33/MT Melsungen/97) Timo Kastening (26/MT Melsungen/27) Kreis: Johannes Golla (23/SG Flensburg-Handewitt/22) Hendrik Pekeler (30/THW Kiel/114) Jannik Kohlbacher (25/Rhein-Neckar Löwen/75) Rückraum Mitte: Philipp Weber (28/SC Magdeburg/43) Juri Knorr (21/Rhein-Neckar Löwen/11) Rückraum links: Julius Kühn (28/MT Melsungen/76) Paul Drux (26/Füchse Berlin/99) Rückraum rechts: Kai Häfner (31/MT Melsungen/104) Steffen Weinhold (34/THW Kiel/129) Abwehr: Finn Lemke (29/MT Melsungen/82) „Wir müssen nur konstant auf unserem Niveau spielen.“ Alfred Gislason, Bundestrainer nur 14 – und da haben ausgeruhte Mannschaften natürlich Vorteile. „Auch die Topfavoriten wie Dänemark, Norwegen oder Schweden haben sehr viele Bundesligaprofis im Kader, die haben das gleiche Problem wie wir“, sagt Gislason, der zwar „Jammern hilft nicht“ als sein Motto ausgibt, aber auch meint: „Ich glaube nicht, dass irgendein Bundestrainer mal weniger Vorbereitungszeit auf ein solches Turnier hatte als ich.“ Auch für Gensheimer sind die Skandinavier sowie Europameister Spanien die Olympia-Favoriten, wie Gislason sieht er den Abstand der deutschen Mannschaft zur absoluten Weltspitze als nicht so groß an: „Uns fehlt vielleicht das Wettkampfniveau auf allerhöchster Ebene – zum Beispiel war kein deutscher Spieler beim Champions-League-Finalturnier in Köln am Start.“ Gislason hat einen anderen Faktor ausgemacht: „Der Abstand zur Weltspitze ist nicht so groß, wir müssen nur konstant auf unserem Niveau spielen. Was uns eben noch fehlt, sind Stabilität und Sicherheit – und die bekommst du nur, wenn du dich lange und intensiv vorbereiten kannst.“ Vier Länderspiele fehlen Uwe Gensheimer noch zur Marke von 200 internationalen Einsätzen, 55 Tore zur Marke von 1000 Länderspieltreffern – der Traum vom ersten Titel mit dem Nationalteam könnte durch Gensheimers persönliche Bestmarken einen besonderen Schub erhalten. Nur eines wird er wohl nicht schaffen: erneut bei der Eröffnungsfeier dabei zu sein. Denn gleich am ersten Wettkampftag, dem 24. Juli, steht um 16.15 Uhr Ortszeit (9.15 Uhr MESZ) das Duell mit Spanien an – und daher werden die Handballer nach aktuellem Stand die Eröffnung nur am Fernseher sehen. Bei der Schlussfeier mit Gold zu winken, hört sich für Gensheimer & Co. sowieso besser an. BJÖRN PAZEN LESEN SIE AM NÄCHSTEN MONTAG: Rudern – Der Deutschland-Achter mit Schlagmann Hannes Ocik
90 5. JULI 2021 ZeitLUPE Der goldene Schuss, der goldene Schluss. Mit dem GOLDE N GOAL zum EM-Titel 1996 schreibt Oliver Bierhoff Geschichte. Doch der Allererste war er nicht ... Kuntz und das Abseits Wie fiel das Golden Goal von Oliver Bierhoff am 30. Juni in Wembley zum 2:1 gegen Tschechien? Zuspiel von Jürgen Klinsmann. Drehung, Schuss. Keeper Petr Kouba rutscht der Ball durch die Hände, er trudelt über die Linie. Hätte der lauernde Stefan Kuntz dann eingegriffen, wäre aus seiner passiven eine aktive Abseitsstellung geworden ... Wenn’s mal wieder länger dauert ... Wie alles begann, lässt sich nicht hundertprozentig belegen. Klar ist, dass es schon vor mehr als 100 Jahren zumindest inoffizielle Golden Goals gab. Zum Beispiel im Mai 1914: Im Finale um die Deutsche Meisterschaft erzielte Karl Franz das Siegtor zum 3:2 für die SpVgg Fürth gegen den VfB Leipzig – in der 154. Minute. Kurioses aus der Karibik: Nicht nur ein Tor verteidigt 1994 dokterte die FIFA bei der Karibikmeisterschaft am Golden Goal herum. Aber nicht klug: Auch in der Vorrunde sollte es kein Remis geben, das Siegtor in der Verlängerung doppelt zählen. Das führte dazu, dass Barbados gegen Grenada durch ein absichtliches Eigentor die Extra Time herbeiführen wollte, weil es zum Weiterkommen einen Sieg mit zwei Toren Differenz brauchte. Also erzielten sie das 2:2 für Grenada. Dieses Team wiederum wollte also ab der 87. Minute ein Eigentor oder den Siegtreffer schießen, um die Verlängerung zu verhindern, Barbados verteidigte also den eigenen und Grenadas Kasten! Mit Erfolg. Barbados siegte in der Verlängerung 3:2, also quasi 4:2, kam weiter. Das Experiment war danach ganz überraschend beendet ... Und das Golden oder Silver Goal gibt’s seit 2004 nicht mehr. Weltmeisterschaften Vier Spiele wurden in der WM-Historie per Golden Goal entschieden: 1998 durch Laurent Blanc (Foto; er war es, der Keeper Fabien Barthez immer auf die Glatze küsste) für Frankreich gegen Paraguay. Und vier Jahre später vergoldeten Henri Camara (für Senegal gegen Schweden), Jung-Hwan Ahn (für Südkorea gegen Italien) und Ilhan Mansiz (für die Türkei gegen Senegal) jeweils den späten Jubel ihrer Teams.
5. JULI 2021 91 Aufgetaucht in Down Under Bevor Bierhoff 1996 das erste Golden Goal im Herrenfußball erzielte, waren die Junioren dran: Bei der U-20-WM traf Anthony Carbone in Australien gegen Uruguay zum 2:1 in der Verlängerung. Ein Name wie ein Filmstar. Und: Australier. In Down Under 1993 groß rausgekommen. Nia san Nia Foto: imago images Flanke. Kopfball. Tor. Nein, diesmal nicht Manni Kaltz und Horst Hrubesch. Sondern Renate Lingor und Nia Künzer, 2003. Lingors Freistoß wuchtete Künzer in der Verlängerung gegen Schweden ins Netz. 2:1. Deutschlands Frauen sind Weltmeister. 2001 erzielte Claudia Müller das 1:0 zum EMSieg, auch gegen Schweden – und ebenfalls per Golden Goal. Europameisterschaften Vier Jahre nach dem Finale Deutschland gegen Tschechien endete auch das Endspiel zwischen Frankreich und Italien mit einem Golden Goal: David Trezeguet (Foto) traf, war aber nicht der erste französische GoldenGoal-Torschütze des Turniers: Auch den Finaleinzug konnte der amtierende Weltmeister erst in der Verlängerung gegen Portugal klarmachen – Zinedine Zidane schockte Luis Figo und Co. Europapokal Es gibt viele Spiele, die verdienen keinen Sieger. Dieses aber hätte niemand verlieren dürfen. Und doch zog CD Alaves 2001 im denkwürdigen UEFA-CupFinale gegen Liverpool in Dortmund den Kürzeren. 4:5 hieß es am Ende aus Sicht der Spanier, weil Geli (Foto) per Kopfball-Eigentor die Reds jubeln ließ. Über das einzige Golden Goal in der Europacup-Geschichte freuten sich bei Liverpool auch Markus Babbel und Didi Hamann. Silver Goal Es sollte eigentlich nicht so „brutal“ sein wie der Vorgänger, das Golden Goal, weil dem Team, das es kassierte, bis zum Ende der Halbzeit der Verlängerung noch Zeit zur Korrektur blieb. Kurios: Bei der EM 2004, als Griechenlands Traianos Dellas (Foto) mit dem 1:0 gegen Tschechien Hellas ins Finale köpfte, war dennoch kurz danach Feierabend, denn der Treffer fiel in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit der Verlängerung.


Das Insolvenzverfahren will kein Ende nehmen. Das ist nicht die einzige offene Baustelle beim geplagten Oberligisten ROT-W E ISS E R F U RT . Seit vergangenen Donnerstag rollt im Trainingszentrum „Gebreite“ wieder der Ball. Der FC Rot-Weiß Erfurt bereitet sich auf seine zweite Saison in der Oberliga NOFV-Süd vor; diesmal zwar strukturierter als vor einem Jahr, als erst durch Franz Gerbers Einstieg als Investor der Spielbetrieb im letzten Moment gesichert wurde. Doch reibungslos verlaufen die Wochen derzeit auch nicht. Das überraschende Viertelfinal-Aus im Thüringer Landespokal gegen Ligakonkurrent FC An der Fahner Höhe (1:2) steckt den Erfurtern noch in den Kleidern. Hinzu kommt die schwierige Suche nach Sponsoren. Die Ankündigung von Insolvenzverwalter Volker Reinhardt, dass das nunmehr schon seit drei Jahren währende Insolvenzverfahren noch mindestens bis zum Jahresende andauern wird, schreckt neue Geldgeber vornehmlich ab. „Einfach ist es hier nie“, sagt Gerber zum neuerlichen Rückschlag lapidar. Ursprünglich sollte der Insolvenzplan zum 30. Juni beim Gericht eingereicht werden. Reinhardt begründete die Verschiebung Sorgenfalten auf der Stirn: Franz Gerber hat in Erfurt keinen leichten Job. mit „mehr als 300 fehlerhaften Zahlungen, die ein ehemaliger Vereinspräsident geleistet hat“. Diese anzufechten gehöre terhin wie ein Damoklesschwert über dem trag mit dem erst im Winter zurückgeholzu den gesetzlichen Pflichten eines InsolVerein. Entsprechend enttäuscht zeigte ten Selim Aydemir wurde aufgelöst. Der 30 venzverwalters. In seiner Mitteilung heißt man sich bei den Verantwortlichen in PräJahre alte Mittelfeldspieler beendet „aus es: „Die aufgedeckten Zahlungen aus dem sidium und Aufsichtsrat über die erneute gesundheitlichen Gründen“ seine Karriere Zeitraum vor Insolvenzeröffnung betreffen Verzögerung. Inhaltlich wolle man den Fall und will die Trainerlizenzen erwerben. eine Vielzahl von Beteiligten, darunter nicht bewerten, „da uns die tatsächlichen Und mit Top-Stürmer Hedy Chaabi konnte auch institutionelle Gläubiger. Sie erfolgHintergründe nicht bekannt sind“, heißt sich der Verein nicht auf einen neuen Konten in unzulässiger Art es in der Erklärung. trakt einigen. Der Franzose brachte es in und Weise, da sie nicht Während der e. V. sieben Spielen der abgebrochenen Saison „Das Pokalspiel hat im Namen des Vereins in der bevorstehenden auf vier Treffer und zwei Torvorlagen. getätigt wurden. Ein gezeigt: Die Saison wird Saison mit einem leicht „Das ist natürlich eine Schwächung“, gibt kein Selbstläufer.“ reduzierten Budget von Gerber zu, „doch ich bin zuversichtlich, solches Vorgehen ist unzulässig und zwingt Franz Gerber, Investor und Sportdirektor 270 000 Euro für Nachdass wir auch ohne ihn eine schlagkräftige den Insolvenzverwalter wuchsakademie und Mannschaft ins Rennen schicken werden.“ zum Handeln.“ Geschäftsstelle plant, Auf der Trainerbank setzen die ErOffensichtlich hält sich Gerber mit dem furter indes weiterhin auf Manuel Rost richten sich die Vorwürfe gegen den langEtat für das Oberliga-Team bedeckt. „Er ist und Goran Miscevic. Das Duo hatte die jährigen Präsidenten Rolf Rombach (2006 für die Spielklasse angemessen“, sagt er Mannschaft im vergangenen September bis 2017), der jedoch betont: „Im Zeitraum und sieht Rot-Weiß nicht als Finanzkrösus. nach der Trennung von Robin Krüger meiner Präsidentschaft liefen sämtliche Selbst das modernisierte Stadion böte (jetzt FSV Martinroda) übernommen und Zahlungen für den Verein ordnungsgemäß nur auf den ersten Blick wirtschaftliche bis zum Abbruch mit sechs Siegen und ab.“ Auch sein Kurzzeit-Nachfolger Frank Vorteile: „Wenn Zuschauer zugelassen wereinem Remis aus sieben Spielen auf Platz 3 Nowag (November 2017 bis April 2018) den, können wir zwar mehr einnehmen, geführt – hinter dem punktgleichen Rewies eine Verbindung von sich: „Nach haben aber auch deutlich mehr Kosten als gionalliga-Aufsteiger FC Eilenburg. Trotz Rücksprache mit Herrn Reinhardt kann andere.“ Hinzu kommt, dass man an den dieser Erfolgsserie warnt Gerber vor zu viel ich nur sagen, dass mich der Sachverhalt Caterer der Arena gebunden ist. Euphorie: „Das Pokalspiel gegen Fahner nicht betrifft.“ Bis es zu einer juristischen Sportlich gilt es zudem, zwei schwerHöhe hat uns deutlich gezeigt: Die Saison Klärung kommt, hängt das Verfahren weiwiegende Verluste zu verkraften. Der Verwird kein Selbstläufer.“ MARCO ALLES Foto: imago images FUSSBALL IM OSTEN Saisonstart mit Hindernissen
5. JULI 2021 Der Defensivallrounder trat pünktlich seinen Dienst an – Badu wird getestet Die Rolle rückwärts von Kauter Beim 9:0-Testspielsieg von Energie Cottbus gegen den Oberligisten Brandenburg Süd war Shawn Kauter zwar dabei, aber nicht mittendrin. Der Defensivallrounder, der zuletzt mit seinem Vertrags-Hickhack für reichlich Ärger in der Lausitz gesorgt hatte, saß lediglich als Zuschauer in Zivil auf der Bank. Die Augen der Fans wären vermutlich hauptsächlich auf den umstrittenen Neuzugang gerichtet gewesen. Das wollte Trainer Claus-Dieter Wollitz Kauter und auch dem Team ersparen. Der Neuzugang wird derzeit durch den Verein ganz bewusst vor der Öffentlichkeit abgeschirmt. Interviews soll der ehemalige Kapitän des Berliner AK bis auf Weiteres nicht geben. Energie Cottbus und auch Kauter wollen jetzt erst einmal den überraschend beigelegten Vertragsstreit verdauen. „Auch wir wurden von dieser Wendung überrascht“, räumt Präsident Sebastian Lemke ein. Der 25-jährige Kauter hatte zwar bereits im April unterschrieben, teilte dem J E NA Verein jedoch dann kurz vor dem Trainingsstart im Juni mit, dass er den Vertrag nicht erfüllen könne. In einer später als Pressemeldung veröffentlichten Erklärung nannte der Spieler „unvorhersehbare familiäre Probleme“ als Grund. Als Reaktion kündigte Energie Cottbus rechtliche Schritte an und machte sich auf die Suche nach Ersatz für die Innenverteidigerposition, für die Kauter vorgesehen war. Mitte der vergangenen Woche kam dann jedoch die überraschende Wende. Kauter trat doch pünktlich zum eigentlichen Vertragsbeginn am 1. Juli seinen Dienst an. Zudem entschuldigte sich der Spieler bei der Mannschaft und räumte gegenüber der Vereinsführung Fehler in der Kommunikation ein. Also alles wieder gut? Es ist mehr eine Versöhnung auf Bewährung. Denn Sportchef Maximilian Zimmer hat klare Forderungen an Kauter formuliert. „Wir haben die Tür wieder aufgemacht“, so Zimmer. „Es geht dabei nicht nur um gute Leistungen auf dem Platz. Es geht auch darum, Werte wie Foto: imago images/picture point Am 23. Juli geht’s wieder los REGIONALLIGA COT TB US 71 Auf Bewährung: Nach den Wechselwirrungen steht für den Neuzugang vom Berliner AK, Shawn Kauter, die Tür derzeit offen. Ehrlichkeit und Vertrauen bei Energie zu leben. Es liegt jetzt an ihm, was er daraus macht.“ Nach der überraschenden Rolle rückwärts von Kauter sind jetzt noch drei bis vier Planstellen im Kader offen. Vor allem in der Breite sollen alle Mannschaftsteile ergänzt werden. Gute Chancen hat Außenbahnspieler Malcolm Badu (24). Der ehemalige deut- sche Junioren-Nationalspieler (6 Spiele für die U 20, 2 für die U 19 sowie 6 für die U 18), der zuletzt in Russland bei Spartak Moskau unter Vertrag stand, überzeugte im Test gegen Brandenburg Süd eine Halbzeit lang mit seinen Sprints auf dem Flügel. Der gebürtige Berliner wird auch in dieser Woche weiter getestet. Schweres Auftaktprogramm nach dem Erfolg im Landespokal Kunert sucht noch einen Torhüter Es dürfte dieser Tage für die Regionalliga-Fußballer von Carl Zeiss Jena schweißtreibend werden. Denn nach dem Landespokaltriumph gegen den FC An der Fahner Höhe (4:1 n. V.) am vergangenen Mittwoch sowie im Anschluss einigen Tagen Pause starten die Thüringer ab Montag gleich mit einem sechstägigen Trainingslager in die offizielle Vorbereitung. Die ist allerdings recht kurz. Denn in nicht mal mehr drei Wochen beginnt bereits der Punktspielalltag in der Regionalliga Nordost. „Und der Start in die Liga hat es gleich in sich“, wie FCC-Trainer Dirk Kunert sagt. „Das ist ein schweres Programm.“ Immerhin treffen die Jenaer gleich zu Beginn auf den Berliner AK, den Ex-Klub des Trainers. In der Folge stehen Duelle für den FCC gegen die Titelaspiranten VSG Altglienicke, Lok Leipzig und Energie Cottbus an. Nach dem „speziellen Sieg im Landespokal“, so Kunert, konzentrieren sich die Jenaer nun vorläufig voll auf die sechs anstrengenden Tage in Zeulenroda. Zusätzlich neben den Trainingseinheiten sind zwei Testspiele geplant: gegen Siebtligist Motor Zeulenroda (6. Juli) und Drittligist FSV Zwickau (8. Juli). „Es war schon komisch, bis zuletzt mit den Spielern aus dem alten Kader die Pokalspiele zu bestreiten, die uns ja dann auch verlassen haben. Mit der speziellen Atmosphäre beim Pokalsieg hatten alle Jungs aber einen guten Abschied und wir als Verein einen guten Start“, so der FCC-Trainer. Denn die Neuzugänge durften in den Pokalspielen aus der Saison 2020/21 nicht mitwirken. Dementsprechend gestaltete sich die Trainingssteuerung in den vergangenen Wochen nicht ganz so einfach für Kunert: „Diese Pokalspiele waren sicherlich kein Vorteil für uns.“ Der 53-Jährige ist nun froh, in den kommenden Tagen ausschließlich mit dem aktuellen Kader zu arbeiten. Dieser ist aber längst noch nicht vollständig. Derzeit stehen nach Vereinsangaben 16 Akteure unter Vertrag. Handlungsbedarf sieht Kunert auf der Torhüterposition. Denn da steht bisher nur Lukas Sedlak (21) zur Verfügung. „Aber auch im offensiven Zentrum sowie auf der linken Seite brauchen wir noch Spieler“, so der Fußball-Lehrer. Es herrscht also weiter viel Bewegung beim FC Carl Zeiss Jena – auf und neben dem Platz. MATTHIAS SCHÜTT FRANK NOACK 1. SPIELTAG SAMSTAG/SONNTAG, 24./25. JULI Chemnitz ( - , - ) TeBe Berlin Meuselwitz ( - , 1:1) Lichtenberg Halberstadt ( - , - ) Hertha II Eilenburg ( - , - ) Chemie Leipzig Cottbus (1:1, - ) Luckenwalde Lok Leipzig ( - , - ) BFC Dynamo Altglienicke ( - , - ) Rathenow BAK 07 (1:5, - ) Jena Fürstenwalde ( - , - ) Auerbach Tasmania Berlin ( - , - ) Babelsberg kurz bündig Optik Rathenow Beim 6:2-Testspielsieg bei Lok Stendal verletzte sich Ali Gündogdu (19) so schwer an der Schulter, dass er sofort ins Krankenhaus gefahren wurde und noch am Wochenende operiert werden musste. BFC Dynamo Der 19 Jahre alte Abwehrspieler Bastian Schrewe kommt von der U 19 von Dynamo Dresden. Mittelfeldspieler Marcel Stutter (33) hat seinen Vertrag verlängert.
Der VF B O L DE N B U R G baut auf das Fundament der Vorsaison auf – und will oben mitspielen. Stau im Stadtgebiet ist bei Heimspielen des VfB Oldenburg im Normalfall nicht zu befürchten. Am vergangenen Mittwoch gegen kurz vor 18 Uhr ging aber kaum noch etwas im Stadtteil Eversten, in dem das Marschwegstadien liegt und der Verkehr heftig stockte. Der Grund war das Testspiel des VfB gegen Werder Bremen, das 4823 Zuschauer anzog. Die Fans hielten es zum Großteil mit den Bremern, sahen aber ein Oldenburger Team, das sich keineswegs einigelte und dem Bundesliga-Absteiger das Leben im ersten Durchgang schwer machte, durch Max Wegner sogar in Führung hätte gehen müssen. Zur Halbzeit stand es nach einem Treffer von Niclas Füllkrug 0:1, am Ende nach zahlreichen Wechseln und verloren gegangener Struktur auf beiden Seiten 0:4. „Wir haben es toll gemacht. Das Spiel zeigt mir, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, lobte Cheftrainer Dario Fossi den Auftritt seines Teams, das nach dem Spiel gegen die Bremer am Samstag den Bezirksligisten GVO Oldenburg mit 12:0 schlug. Mit Blick auf den Stand der Vorbereitung freut Fossi vor allem, dass er dieses Mal nicht einen in weiten Teilen neuen Kader zusammenstellen muss, sondern auf das Fundament der Vorsaison aufbauen kann. Verlassen aus dem Kreis der Stammspieler hat den Klub bisher nur der zentrale Mittelfeldspieler Nico Matern (28, Teutonia 05). Offen ist noch, ob Ayodele Adetula (23, offensive Außenbahn) H S C H A N N OV ER Foto: imago images REGIONALLIGA Am 15. August geht’s wieder los Gerne wieder Staugefahr Dagegengehalten: Oldenburgs Sotirios Kaissis (rechts) im Zweikampf mit Bremens Jean-Manuel Mbom. und Kevin Kalinowski (27, Innenverteidigung) einen neuen Kontrakt unterschreiben. Mit beiden steht der Klub weiterhin im Austausch. „Wir beschäftigen uns aber auch mit Alternativen zu ihnen“, sagt Geschäftsführer Michael Weinberg gegenüber dem kicker. Allzu lange soll also nicht gewartet werden, ansonsten will der VfB die Kaderplätze anderweitig besetzen. Das Potenzial, dem Team weiterzuhelfen, haben gegen Werder mit Lars Holtkamp (19, zentrales Mittelfeld, VfL Bochum) und Leonardo Uka (20, offensive Außenbahn, Grasshopper Zürich) zwei Testspieler nachgewiesen. Offen ist noch, ob sie auch auf Dauer in den Nordwesten kommen, zumal sich für Uka in Zürich möglicherweise noch die Tür in Richtung Profifußball öffnen könnte. Mit Blick auf das Saisonziel visieren die Oldenburger erneut die Aufstiegsrunde an, wollen sich allein mit dieser aber nicht begnügen. „Wir drehen nicht durch, aber auch dort wollen wir dann eine richtig gute Rolle spielen. Das Zeug dazu haben wir“, betont Fossi. Ist sein Team im Frühjahr im Meisterschaftsrennen oben mit dabei, steigt in Eversten sicher auch häufiger die Staugefahr. KARSTEN LÜBBEN Der Trainer setzt auf die Jugend und sucht Erfahrung Polomka: „Wir müssen ankommen“ Läuft es im dritten Jahr besser beim HSC Hannover? Zwei jeweils abgebrochene Spielzeiten hat das Team von Trainer Martin Polomka in der Regionalliga bereits hinter sich. Ohne die Annullierung der Saison 2019/20 wäre das Abenteuer nach dem Aufstieg schnell wieder vorbei gewesen. Nun hofft der Coach, dass die Spieler die Lehren aus der Vergangenheit mit jeweils nur zwei Siegen gezogen haben. „Wir müssen endlich in der Liga ankommen“, sagt Polomka. Doch er sieht sein Team aktuell gegenüber vielen anderen Rivalen im Nachteil. Nach sieben Monaten Pause traten die HSC-Kicker erstmals wieder am 7. Juni im gemeinsamen Training gegen den Ball. Polomka hatte in der Hochzeit der Corona-Pandemie bewusst auf den Antrag auf eine Sondergenehmigung verzichtet. Die Begründung damals: „Es gibt Wichtigeres als Fußball.“ Dass andere trainiert hatten, wolle Polomka den Vereinen aber nicht zum Vorwurf machen. Er blickt lieber nur auf sein Team, wo es genug Arbeit gibt. „Es ist alles noch etwas wackelig, wir sind noch in der Aufbauphase“, sagt der Trainer. „Die Belastungssteuerung im Training steht derzeit über allem.“ Ob der HSC den körperlichen und fußballerischen Rückstand bis zum Saisonstart aufholen könne, sei nicht sicher, so der Coach. Es dürfte also wieder ein schwieriges Unterfangen werden, die Klasse zu halten. Mit Martin Wiederhold und Christopher Schultz sind derzeit nur zwei der 17 für die Saison eingeplanten Feldspieler älter als 30 Jahre. „Ich hätte gerne noch ein paar erfahrene Fußballer dabei“, betont Polomka, der mit seinem Klub jedoch gezielt auf die Jugend setzt. „Aufgrund unserer Wirtschaftlichkeit“, erklärt der Coach, „haben wir keine andere Möglichkeit.“ MARK BODE kurz bündig Phönix Lübeck Der 21-jährige Flügelspieler Cem Barlik war zur Probe im Kurztrainingslager im dänischen Skaerbaek dabei. Der ehemalige U-17-Nationalspieler der Türkei ist aktuell vereinslos, spielte zuvor in der U-19-Bundesliga Süd-Südwest für Kaiserslautern. Derweil wurde Mittelfeldspieler Kusi Kwame erfolgreich am Meniskus operiert. Holstein Kiel II Vom Zweitligaabsteiger Eintracht Braunschweig kommt Manuel Schwenk, der bereits von 2015 bis 2018 das KSV-Trikot trug. Torwart Dean Hinterstoisser kommt aus der U 19 von RB Leipzig. Derweil wurde der Vertrag von Marius Larsen aufgelöst. Der 21-jährige Norweger kehrt in seine Heimat zurück.

REGIONALLIGA Am 13. August geht’s wieder los kurz Alemannia Aachen Abwehrspieler Peter Hackenberg (32) verlängerte rechtzeitig zum Trainingsbeginn seinen auslaufenden Vertrag am Tivoli. Bislang absolvierte Hackenberg 155 Spiele für die Alemannia. FC Schalke 04 II Torhüter Ivan Prebanic (21) kommt vom Bochumer Westfalenligisten DJK TuS Hordel. Er war bereits von 2008 bis 2017 in der Schalker „Knappenschmiede“ aktiv. „Wir sind weiter als zum gleichen Zeitpunkt im vergangenen Jahr“: Steinmann über den Status „Da wächst was zusammen“ A N DY ST E IN M A NN (36) kann schon zum Trainingsauftakt mit einem großen Kader arbeiten – anders als früher. Foto: picture-alliance/nordphoto bündig Das sah schon ganz gut aus. Mit sechs Spielern des Kaders aus dem Vorjahr, Emre Aydinel fehlte verletzt, zehn Neuzugängen und sechs Gastspielern traten die Sportfreunde Lotte am Samstag gegen Drittligist SV Meppen an und zogen sich trotz einer 0:2-Niederlage achtbar aus der Affäre. Schließlich hatten sie erst am Freitag mit der Vorbereitung begonnen und lediglich zwei gemeinsame Trainingseinheiten absolviert. 22 Spieler durfte Trainer Andy Steinmann zum Auftakt begrüßen. Neben den 17 unter Vertrag stehenden Akteuren waren fünf Gastspieler dabei. Das sah in den vergangenen Jahren meist ganz anders aus, als zum Teil weniger als zehn Spieler gebunden waren. Entsprechend ist der Trainer Andy Steinmann mit der aktuellen Situation und dem ersten Testspiel zufrieden: „Wir haben bei den Spielerverpflichtungen nicht so viel falsch gemacht. Das wurde gegen Meppen schon deutlich. Aus dem Spiel heraus haben wir in der ersten Hälfte wenig zugelassen und hatten auch unsere Chancen, gerade nach der Pause. Insgesamt müssen wir jetzt daran arbeiten, dass wir mit den vielen jungen Spielern Kontinuität reinkriegen.“ In dieser Woche sollen weitere Gastspieler mittrainieren, die dann auch am Mittwoch im zweiten Vorbereitungsspiel beim Landesligisten SC Melle zum Einsatz kommen. Auf jeden Fall muss neben Tor- Viele Neuzugänge sind seit November ohne Spielpraxis. hüter Jhonny Peitzmeier ein zweiter Keeper verpflichtet werden. Dann wünscht sich Steinmann noch zwei Außenverteidiger, einen Achter und einen Zehner sowie eventuell zwei Flügelstürmer. Mindestens 22, möglichst 24 Spieler stark soll der Kader sein. Und den möchte der Coach am liebsten bis zum DFB-Pokalspiel der 1. Runde am zweiten August-Wochenende beisammenhaben. Unterstützt wird Steinmann künftig vom neuen Co-Trainer und Teammana- ger Gerrit Neumann. Die beiden können auf einen jungen, hungrigen Kader bauen, der sich allerdings finden muss. Viele Neuzugänge haben den Weg nach Lotte aus der Regionalliga Nord oder der Oberliga gefunden. Und die haben seit November nicht mehr gespielt. „Da müssen wir das Training entsprechend dosieren und die Jungs behutsam aufbauen“, weiß Steinmann. „Aber das geht ja anderen Vereinen sicher auch so.“ Mit dem aktuellen Status quo ist er zufrieden. „Wir sind weiter als zum gleichen Zeitpunkt im vergangenen Jahr“, ist er überzeugt, wohl wissend, dass ihm und seiner Mannschaft in der kommenden Saison nichts geschenkt wird. „Aber da wächst etwas zusammen.“ Umgewöhnen muss er sich dennoch. Aus logistischen Gründen wurden die Trainerbänke auf die gegenüberliegende Seite weg von der Haupttribüne hin zur Gegengerade verfrachtet. Aber auch das nimmt Steinmann gelassen und freut sich auf die Saison mit seiner jungen und spannenden neuen Mannschaft. ALFRED STEGEMANN Preußen Münster Nach vier Jahren kehrt Carsten Nulle (45) als Torwarttrainer zum SC Preußen zurück. Er war zuletzt mit Chefcoach Karsten Neitzel (53) in Malaysia tätig. Nun zieht es ihn als Nachfolger von Milenko Gilic (49) dorthin, wo er bereits von 2015 bis 2017 aktiv war. Rot-Weiss Essen Das Trainerteam um Chefcoach Christian Neidhart (52) steht fest und bleibt quasi unverändert: Lars Fleischer (26) verlängerte seinen auslaufenden Vertrag, Fabio Audia (25) stößt als Co-Trainer Videoanalyse dazu. + + + Rechtsverteidiger Sandro Plechaty (23), der bislang nur bis 2022 an den Verein gebunden war, hat seinen Vertrag vorzeitig um zwei weitere Jahre bis zum 30. Juni 2024 verlängert. SC Wiedenbrück Von Ligakonkurrent Preußen Münster kommt Benedikt Zahn (25) zum SCW. Der Mittelstürmer, der in 18 Spielen in Münster drei Treffer erzielte, unterschreibt einen Zweijahresvertrag. SV Lippstadt 08 Nach Innenverteidiger Fabian Lübbers (29) und Linksverteidiger Phil Halbauer (22) wechselt pünktlich zum Trainingsauftakt auch Henri Matter (20) von der U 23 des FC Schalke 04 zum SVL. Der Mittelfeldspieler war auf Schalke und zuvor beim 1. FC Köln ausgebildet worden. Bei der Reserve der Königsblauen kam er in der vergangenen Saison auf 12 Einsätze, erzielte dabei einen Treffer. + + + Defensivspieler Kai Bastian Evers (31) verlängerte seinen Vertrag bis zum 30. Juni 2023 und wird ebenso wie Lübbers spielender Co-Trainer von Felix Bechtold (30).
5. JULI 2021 OBERH AUS E N 71 Mittelfeldmann verlässt RWO nach zwei Jahren – Terranova gefällt die defensive Variabilität Unmittelbar vor Saisonauftakt wurde ein Platz im Kleeblatt-Kader frei. „Eher nicht“, wiegelt allerdings Sportleiter Patrick Bauder einen möglichen Ersatz ab, denn er weiß: „Im Mittelfeld sind wir ohnehin gut besetzt.“ Was war geschehen? Bastian Müller (29), zwei Spielzeiten lang auf der Acht eine Bank der Rot-Weißen, war ziemlich plötzlich das Angebot auf den Tisch geflattert, ein Café mitten in Palma de Mallorca übernehmen zu können. Er entschied sich dafür, auch weil er darin seine berufliche Zukunft sieht. Präsident Hajo Sommers, selbst in der Gastro-Branche erfahren, weiß: „Dort in diesen Zeiten was zu starten, ist mutig. Wir bedanken uns jedenfalls für zwei gute Jahre.“ Und Trainer Mike Terranova freut sich: „Dann wissen wir, wohin wir im nächsten Jahr auf Mallorca ganz bestimmt mal gehen.“ Statt Café auf Mallorca gab es für den Rest des Kleeblatt-Trosses erst mal ein Trainingsspielchen im Stadion Niederrhein am Samstag. Dort war auch zu sehen, dass es im Oberhausener Mittelfeld tatsächlich ein großes Angebot gibt. Bauder hat AHLEN Foto: picture-alliance/Fotostand Kein Ersatz für Müllers plötzlichen Abgang Kurzfristige Planänderung: Statt Trainingsauftakt erfüllt sich RWO-Mittelfeldmann Bastian Müller nun seinen Traum von einem Café auf Mallorca. Der Zugang soll Holldack ersetzen HOMBE R G offenbar recht gut eingekauft und Terranova nannte einen ihm wichtigen Aspekt: „Wir werden von hinten heraus deutlich variabler“ und meint dabei unter anderem Fabian Holthaus (über 130 Drittligaspiele), den Neuzugang von Viktoria Köln. Doch vor allem die Rückkehr von Nico Klaß (nach einem Jahr und 15 Zweitligaspielen bei Absteiger Eintracht Braunschweig) wird in Oberhausen einhellig begrüßt. Das gilt auch für einen Wechsel an der Spitze des Aufsichtsrates. Nach 16 Jahren ist Hartmut Gieske verabredungsgemäß ausgeschieden, als kommissarischer Leiter sitzt jetzt Marcus Remark dem Gremium vor. Im Januar soll er bei der fälligen Neuwahl „richtig“ in Amt und Würden kommen. Der Wechsel ist auch insofern bedeutend, als Gieske für den Hauptsponsor „Evo“ (Energieversorger) steht, mit dem die Werbeverträge noch bis 2024 laufen. Remark ist Manager von Europas größtem Einkaufs- und Freizeitzentrum „Centro“ in Oberhausen, einen Steinwurf vom Stadion Niederrhein entfernt. Das hat sich zuletzt schon als Sponsor von Einzelaktionen der Rot-Weißen eingebracht. GUSTAV WENTZ Hildebrandt sucht noch acht Spieler Twardziks neue Rolle „Wir brauchen Geduld“ An diesem Montag startet RW Ahlen in die Saisonvorbereitung. Dann könnte der eine oder andere Zaungast eventuell große Augen machen – denn einen großen Umbruch mit vielen neuen Gesichtern, wie man es von Rot-Weiss aus jüngerer Vergangenheit gewohnt war, wird es nicht geben. „Der Großteil der Stammspieler ist geblieben“, sagt Ahlens Manager Joachim Krug, die Zufriedenheit in seiner Stimme ist klar herauszuhören. Rechtsverteidiger Bennet Eickhoff gab in der vergangenen Woche noch seine Zusage für ein weiteres Jahr, zuvor hatten bereits die beiden Rechtsaußen Sebastian Mai und Ilias Anan, Innenverteidiger Rene Lindner und Ali Cirak, sowie Mittelfeldspieler Timon Schmitz verlängert. Fehlt zum Ahlener Glücklichsein eigentlich nur noch die Unterschrift von Stürmer Seit dem vergangenen Wochenende rollt der Ball am Duisburger Rheindeich wieder. Allerdings konnte Coach Sunay Acar zum Trainingsstart nur 16 Akteure begrüßen, die beim VfB Homberg aktuell unter Vertrag stehen. „Es hat sich relativ wenig getan. Wir werden Geduld haben müssen“, berichtet Hombergs Sportlicher Leiter Frank Hildebrandt von den stockenden Transferaktivitäten der Homberger. Es sei aktuell „sehr schwer“ , den bislang noch kleinen VfB-Kader – und das möglichst qualitätssteigernd – aufzustocken. Doch das wird nötig sein, wenn der Vorletzte der Vorsaison auch in seiner dritten Spielzeit in der Regionalliga – und diesmal auch ohne Pandemie-bedingte „Beihilfe“ – bestehen will. „Wir haben gute Jungs aus der alten Truppe behalten Gianluca Marzullo, doch auch hier verbreitet Krug durchaus Zuversicht: „Es ist noch nicht festgezurrt, aber ich bin optimistisch.“ Eine tragende Rolle in der neuen Serie soll aber ein Neuzugang einnehmen: Patrik Twardzik (28), zuvor Kapitän bei Nordost-Regionalligist Halberstadt, soll im zentralen Mittelfeld den Verlust von Jan Holldack auffangen. Der hatte mit starken Leistungen großen Anteil am späten Klassenerhalt Ahlens, will sich nun aber beruflich neuorientieren und legt deshalb fußballerisch eine Pause ein. Jetzt soll der ehemalige tschechische Junioren-Nationalspieler, der 89mal in der Regionalliga Nordost spielte, in der neuen Rolle mithelfen, damit RWA in der kommenden Saison nicht wieder so lange zittern muss. HENNING HOHEISEL und auch fünf ordentliche Spieler dazubekommen“, macht sich Hildebrandt um die Qualität der vorhandenen Kicker keine Sorgen. „Aber in der Breite muss noch etwas passieren. Sieben bis acht Spieler werden wir noch brauchen, vor allem für die Offensive.“ Denn: Zu den 12 Abgängen zählten sieben Spieler aus der Offensivabteilung. Mit Pascale Talarski und Neuzugang Jan Niklas Pia hat der VfB erst zwei Angreifer unter Vertrag. Dass die Homberger ausgerechnet in der Abteilung im Sturm großen Bedarf an Neuzugängen haben, mache es laut Hildebrandt nicht einfacher. Nervös wird der Manager deshalb aber nicht. „Einige Spieler werden wir wohl erst sehr spät verpflichten. Anders wäre es natürlich schöner. Aber das war in den letzten Jahren auch schon so.“ SVEN KOWALSKI
Die SV E LV E R S B E R G kann weiter auf die Dienste ihres Topscorers Israel Suero Fernandez zählen. Zwei Tage vor dem Start in die Vorbereitung an diesem Montag hat die SV Elversberg eine wichtige Personalie geklärt: Bei den Saarländern hat der beste Torschütze der Vorsaison seinen Vertrag verlängert. Der 27-jährige Spanier Israel Suero Fernandez bleibt mindestens ein weiteres Jahr beim Vizemeister. Sehr zur Freude von Sportdirektor Nils-Ole Book: „Welche Bedeutung Isra für unsere Offensive und unser Spiel hat, ist jedem klar. Mit seinen technischen Möglichkeiten, seinem Blick für entscheidende Spielsituationen und auch seinen Qualitäten im Abschluss ist er für uns ein wertvoller Teil des Teams.“ In der vergangenen Saison gelangen dem Spanier in der Regionalliga in 40 Spielen 21 Tore. Sieben Treffer bereitete KO BL E N Z Suero Fernandez vor, der in der Jugend auch für die Akademie von Real Madrid spielte. Insgesamt kommt der Spanier für Elversberg wettbewerbsübergreifend auf 65 Torbeteiligungen (41 Tore, 24 Vorlagen) in 94 Pflichtspielen. Auch dank der Tore von Suero Fernandez hofft Elversberg, dass nach mehreren gescheiterten Anläufen in der kommenden Spielzeit endlich der langersehnte Wiederaufstieg in die 3. Liga gelingt. Dafür werden die Saarländer in den kommenden Tagen in der Vorbereitung schwitzen. Bis zum Saisonauftakt am ersten August-Wochenende mit dem DFB-Pokal, für den sich die SVE erneut qualifiziert hat, kann Trainer Horst Steffen sein Team in zahlreichen Einheiten unter die Lupe nehmen. Hinzu kommt ein Kurz-Trainingslager in Bad Kreuznach sowie vier Testspiele. Foto: imago images REGIONALLIGA Am 13. August geht’s wieder los „Ein wertvoller Teil des Teams“ Seit 2018 im Verein: Offensivakteur Israel Suero Fernandez ist aus dem Elversberger Spiel kaum noch wegzudenken. Im ersten davon sind die Elversberger am kommenden Samstag beim Oberligisten FV Diefflen zu Gast (10.30 Uhr). Mit Eintracht Trier spielt die Steffen-Elf am 28. Juni in Bad Kreuznach gegen einen weiteren Oberligisten (19 Uhr). Das Highlight der Vorbereitung ist ein Testspiel gegen den Bundesligisten 1. FC Köln am 24. Juni in Bad Dürrheim (17 Uhr). Eine Woche zuvor tritt Elversberg beim Drittli- 16 Abgänge stehen fest – Pokalduelle statt Testspiele Backhaus: Neuformierung läuft Nach dem Trainingsauftakt am vergangenen Sonntag wird es für die neu formierte Koblenzer Mannschaft, seit Monatsbeginn ganz offiziell unter dem neuen Siegel „FC Rot-Weiß“ im Einsatz, schnell erstmals ernst in der noch jungen Saison. Wobei die Rheinlandpokal-Partie beim Bezirksligisten TuS Immendorf an diesem Dienstag ein Überbleibsel aus der abgelaufenen Spielzeit ist. Der Wettbewerb mit 32 Teams soll bis 31. Juli im Schnelldurchgang beendet werden. Die Koblenzer stehen aus terminlichen Gründen als Teilnehmer der 1. Runde des DFB-Pokals aber längst fest, im Landes-„Finale“ gegen den gelosten und drei Klassen tiefer angesiedelten VfB Linz gewann der als ranghöchster Verein gesetzte FC am 29. Mai mit 6:1. Insofern können die Koblenzer der regulären Fortsetzung mit unterklassigen Gegnern gelassen entgegensehen. Trainer Heiner Backhaus sieht es positiv: „Ich bestreite lieber Spiele mit Wettkampfcharakter als irgendwelche Testspiele.“ Weniger gelassen sieht das Umfeld den Umbruch personeller Art: Sage und schreibe 16 Abgänge muss „die Elf vom Deutschen Eck“, wie sie sich fortan plakativ nennt, zur Stunde verkraften. Demgegenüber stehen aktuell nur neun Neue. Backhaus sieht das als Herausforderung: „In der Vorsaison hat es auch eine Weile gedauert, bis die Mannschaft zusammen war und wir auf dem erforderlichen Level gespielt haben. Wir müssen bei jedem Spieler viel Überzeugungsarbeit leisten. Ich sehe mich in der Ausbildung junger und hungriger Spieler aber gut aufgehoben.“ Die starke Innenverteidigung und die Sechserposition muss Backhaus indes komplett neu besetzen. Nino Miotke (zum TSV Steinbach Haiger), Julius Schell (FC Schalke 04 II) und Behadil Sabani (FSV Mainz 05 II) stehen nicht mehr zur Verfügung. Gleiches gilt für das erfolgreiche Sturmduo Valdrin Mustafa (SC Verl) und Moritz Göttel (Leihende, zurück nach Steinbach). Stammkeeper Baboucarr Gaye bleibt dem FC dagegen erhalten, zudem Kapitän Quentin Fouley als „Säulenspieler“ (Backhaus) im Mittelfeld. BODO HEINEMANN gisten SV Wehen Wiesbaden an (14 Uhr). Und während die Herren den Drittliga-Aufstieg verpassten, konnten zwei andere Elversberger Teams einen solchen bejubeln: Die U 17 setzte sich in den Aufstiegsspielen zur Bundesliga gegen RotWeiß Frankfurt durch. Die Frauen schafften durch zwei 1:0-Siege gegen die SF Siegen den Aufstieg in die 2. Bundesliga. PHILIPP SEMMLER kurz bündig Kickers Offenbach Der Vertrag mit Stürmer Moritz Reinhard (25, Ziel unbekannt) wurde aufgelöst. SGS Großaspach Steven Lewerenz (30, Mittelfeld) kommt von RW Essen. +++ Can Karatas (20, Mittelfeld), bislang vom FC Bayern ausgeliehen, erhält einen Vertrag bis 2022. +++ Der Vertrag mit Verteidiger Sandro Sirigu (32, Ziel unbekannt) wurde aufgelöst. FSV Frankfurt Außenverteidiger Manuel Reutter (19) kommt vom VfB Stuttgart II. FC-Astoria Walldorf Felix Brand (20, Abwehr) wechselt zum Drittligisten FSV Zwickau. TSG Balingen Aron Viventi (24, Mittelfeld) kommt von den Stuttgarter Kickers. +++ Tim Wöhrle (22, Mittelfeld) hat seinen Vertrag verlängert.
5. JULI 2021 G I E SS E N 71 Erneuter personeller Umbruch im Gange – Dünn besetzte Defensive Am Tag des offiziellen Trainingsstarts hat der FC Gießen 15 Spieler für die Saison 2021/22 vertraglich fest gebunden. Gerade die Defensive ist noch sehr dünn besetzt. Für die Innenverteidigung ist derzeit lediglich der 39-jährige Routinier Michael Fink vorgesehen. Wehgetan hat dem FC nicht nur der Wechselwunsch des 19-jährigen Abwehrtalents Marco Boras, sondern auch der Abgang des 30-jährigen Innenverteidigers Hendrik Starostzik zum KSV Hessen Kassel – nach Kevin Nennhuber der zweite Abgang eines erfahrenen Abwehrreckens gen Nordhessen. „Es war das lehrreichste Jahr meiner Karriere“, sagte Starostzik. „Ich habe mich im Verein nicht so wohlgefühlt.“ Nach dem Abgang von Boras/Starostzik muss der FC also ein neues Abwehrzentrum formen. In der abgelaufenen Saison war die siebtbeste Defensive der Liga die große Stärke des Tabellenelften. So steht der FC erneut vor einem großen personellen Umbruch – dieser sollte in diesem Jahr eigentlich erstmals seit Langem vermieden werden. 15 Spieler haben den Verein BAHLIN G E N verlassen, acht neue sind bislang gekommen, darunter Außenverteidiger Gianluca Lo Scrudato (25, vom FK Pirmasens), Keeper Matay Birol (23, TSV Steinbach Haiger) und Flügelspieler Dennis Owusu (20, Greuther Fürth II) – und Trainer Daniyel Cimen plant mit noch mehr als einem halben Dutzend Neuzugängen. Die aktuellste Verpflichtung stellt der 25-jährige Kristian Gaudermann dar, der vom Absteiger Eintracht Stadtallendorf kommt. Der Rechtsverteidiger sagt: „Der FC ist ein Verein, der polarisiert – positiv wie negativ. Ich glaube definitiv, dass hier ein Riesenpotenzial drinsteckt, weil Gießen eine fußballverrückte Stadt ist. Es braucht dafür aber eine Initialzündung.“ Prominentester Neuzugang des FC bislang ist der erfahrene 32-jährige Stürmer Giuseppe Burgio. Er und seine Mitstreiter freuen sich bereits auf den 13. Juli: Dann kommt Borussia Dortmund um 18.30 Uhr bei der Premiere von Neu-Trainer Marco Rose zum Testspiel ins ausverkaufte Gießener Waldstadion. „Ein absolutes fußballerisches Highlight“, freut sich Notvorstand Turgay Schmidt. SVEN NORDMANN Noch keine Neuzugänge an Bord Foto: imago images Gaudermann sieht „Riesenpotenzial“ Wie eine Rückkehr: Verteidiger Kristian Gaudermann spielte früher bereits für den VfB Gießen, künftig dann für den FC. MAI NZ I I Den nächsten Schritt im Blick Wiesler hat keinen Druck Kerstings „Plattform“ Ganz nach dem Motto „Wer rastet, der rostet“, hat der Bahlinger SC am vergangenen Montag, nur drei Wochen nach dem letzten Spieltag der Saison 2020/21, mit den Vorbereitungen auf die kommende Spielzeit begonnen. Trotz einer kräftezehrenden Saison stehen nahezu alle Spieler zur Verfügung. Lediglich Innenverteidiger Walter Simon Adam plagen Achillessehnenprobleme. Teil der Vorbereitung wird auch ein dreitägiger Überraschungstrip am zweiten Juli-Wochenende sein. „Die Mannschaft weiß noch nicht, wo es hingeht“, sagt Coach Dennis Bührer. Anschließend legt der BSC eine kurze Trainingspause ein, ehe die finale Trainingsphase auf die am 14. August beginnende Saison startet. Neben einem guten Abschneiden in der Liga, der dritten Regionalligasaison in Serie, steht gerade auch der Südbadische Pokal dann besonders im Fokus. Dass der BSC als klassenhöchster Der FSV Mainz 05 II hat die Saison auf Rang 17 abgeschlossen. Theoretisch hätte es also nicht für den Regionalligaverbleib gereicht – wäre nicht die Zahl der Absteiger verringert worden. Und hätte man nicht, wie Nachwuchschef Volker Kersting betont, mit voller Absicht im Schlussspurt vermehrt A-Jugendliche eingebaut. Damit wurden sehenden Auges Erfahrungswerte gegen Ergebnisse getauscht. Die Spielzeit bereits feststehender Abgänge wurde verringert, die Jungprofis wie Paul Nebel oder Merveille Papela in den Urlaub geschickt. „Tabellenstände spielen für uns überhaupt keine Rolle“, blickt Kersting zugleich zurück und nach vorn, „wir wollen nicht absteigen, ansonsten ist das völlig untergeordnet.“ Es gehe zuallererst um Entwicklung. Fünf externe Neuzugänge für die neue Saison gibt es bereits. Behadil Sabani (21, von RW Koblenz) Verein des Wettbewerbs beim Finale auf heimischem Rasen vor gut einer Woche erneut zum Zuschauen verdammt war, soll zeitnah korrigiert werden. Bereits am vergangenen Mittwoch absolvierten die Bahlinger vor 500 Zuschauern ein Testspiel gegen den Karlsruher SC (0:0). Während sich beim Zweitligisten der eine oder andere Neuzugang präsentierte, standen beim BSC ausnahmslos bekannte Gesichter auf dem Rasen. „Wir haben ein gutes Team beisammen. Druck bezüglich Neuzugängen verspüren wir nicht“, sagt der Sportliche Leiter Bernhard Wiesler. Im Fokus der personellen Veränderungen steht jedoch der Wunsch nach einem weiteren Innenverteidiger und einem Angreifer. „Wir wollen keinen Schnellschuss“, sagt Bührer. Den Verein nach nur einem Jahr wieder verlassen hat indes Mittelfeldakteur Manolo Rodas (Ziel unbekannt). LUKAS KARRER verstärkt das zentrale Mittelfeld, Dominik Wanner (22, Borussia Dortmund II) und Kaito Mizuta (21, SV Straelen) den zuletzt als Schwachpunkt ausgemachten offensiven Flügel, Dominik Crljenec (21, Bayern Alzenau) die zentrale Defensive und Felix Könighaus (21, Fortuna Düsseldorf II) die linke Seite. Zudem werden sieben Spieler aus der U 19 übernommen. Ein, zwei externe Neue sind laut Kersting noch denkbar. Vorrangiges Ziel sei es, Spieler für die Profimannschaft zu qualifizieren, ihnen Zeit zum Reifen zu geben. Aber wenn Spieler sich verbessern, die U 23 stärker machen und dann den nächsten Karriereschritt gehen, wie in diesem Sommer etwa Jonas Fedl (zum SV Meppen), Michael Akoto (Dynamo Dresden) oder Oliver Wähling (VfL Osnabrück), ist das ebenfalls im Sinne des Ausbildungsgedankens. „Die U 23 ist eine Plattform“, betont Kersting. TORBEN SCHRÖDER