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Текст
FRAUEN Serie: 10 Jahre Heim-WM – Rückblick, Einblick, Ausblick
LEIPZIG
Der Angriff
mit Silva
Österreich € 3,60, Schweiz 6,20 sFr., BeNeLux € 3,70, Frankreich € 4,20 Italien € 4,20, Spanien (cont.) € 4,50, Kanaren (Luftfracht) € 4,80, Ungarn 1 490 Ft., Griechenland € 4,90, Dänemark 37,95 Dkr
START DER TRAINER
Roses Ideen,
Hütters
Aufträge
Die neuen
Chefs
Nach dem Kroos-Rücktritt
stehen Joshua Kimmich und
Leon Goretzka im Fokus –
und in der Verantwortung.
Fotos: Getty Images (2)
E X K LU S I V- I N T E RV I E W WE NGE R
• WM-Revolution
• deutsche Stürmer
• weniger Spiele
EM-HALBFINALIST ITALIEN
Mancini und die
Macht aus der Provinz
54
5. 7. 2021
27. WOCHE
3,20 ¤
5. JULI 2021
EDITORIAL
3
I N DIES E R AU S G AB E
Jörg Jakob
Chefredakteur
Spannend:
Wengers Ideen
für die Zukunft
N
ach der EM ist vor einer neuen
Ära: In unserer Titelstory lesen
Sie, welch tragende Rolle Joshua
Kimmich und Leon Goretzka spielen,
wenn nun Hansi Flick die Nationalelf
für die schon nahe Zukunft mit der
WM 2022 und der EUR0 2024 formt.
Die kicker-Reporter Matthias Dersch
und Oliver Hartmann haben das DFBAufgebot in den jüngsten Wochen
begleitet und die beiden Bayern-Profis
intensiv beobachten können.
NACH DER EM ist Bundesliga: In diesen
Tagen legen die Klubs wieder los, vielfach
mit reizvollen Neubesetzungen auf der
Trainerbank. Darunter Gerardo Seoane.
Den Schweizer hatten einige Klubs in
Europa auf dem Zettel. Einen neuen
Vertrag unterschrieb der Mann, der bei
Young Boys Bern von sich reden gemacht
hatte, bei Bayer Leverkusen. Wie tickt der
neue Chef der Werkself? Stephan von
Nocks gibt die Antworten.
NACH DER EM ist vor der nächsten WM.
Warum das globale Turnier alle zwei und
nicht wie bisher alle vier Jahre stattfinden
könnte, erklärt der frühere Meistermacher
des FC Arsenal, Arsene Wenger, in dem
großen Interview, das Georg Holzner führte. Wenger will den Fußball für die FIFA
weiterentwickeln und mit den Reformen
gleichzeitig die Belastung der Spieler
verringern. Bemerkenswerte Ansätze, die
bestimmt heiß diskutiert werden.
6
Mit Zukunft: Joshua Kimmich
und Leon Goretzka sollen auch im
DFB-Trikot zentrale Rollen spielen.
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38
16
76
Für die Zukunft: Arsene Wenger sagt
im Interview, welche Veränderungen
er sich im Weltfußball wünscht.
Bayers Zukunft: Gerardo Seoane gilt
als spannende Persönlichkeit und
ist als Trainertyp schwer zu fassen.
In Zukunft nur noch im Verein:
Weltmeister Toni Kroos hat seine
Karriere in der Nationalelf beendet.
Vergangenheit und Zukunft: Der
Serienstart zu „10 Jahre Heim-WM“
mit Doris Fitschen und Silvia Neid
Wir wünschen
eine schöne Woche!
Foto: Imago Images
19
Der Preis für den Montags-kicker
erhöht sich heute um 20 Cent. Die stark
gestiegenen Kosten in der Herstellung
und Logistik haben diesen Schritt leider
notwendig gemacht. Wir bitten um Ihr
Verständnis.
Verlag und Redaktion
Bundesliga:
Aktuelles aus
den Vereinen
54
International:
Aktuelles aus
aller Welt
57
2. Liga:
Aktuelles aus
den Vereinen
65
3. Liga:
Aktuelles aus
den Vereinen
70
Regionalliga:
Aktuelles aus
den Regionen
kicker ist Mitglied im Verbund „EUROPEAN SPORTS MEDIA“. Dazu gehören: A Bola (Portugal), De Telegraaf
(Niederlande), ELF (Niederlande), Fanatik (Türkei), La Gazzetta dello Sport (Italien),
Marca (Spanien), Nemzeti Sport (Ungarn), So Foot (Frankreich), Sportal Korea (Südkorea),
Sport-Express (Russland), Sport-Magazine (Belgien), Tipsbladet (Dänemark), World Soccer (England).
5. JULI 2021
KNIPSER
Foto: Witters
4
Kommen wir
nun zu etwas
völlig anderem
E
in Besuch im Ministerium für
alberne Gangarten? Eine Neuauflage des „Fußballspiels der
Philosophen“ von Monty Python?
Oder sehen wir hier etwa einen bisher unveröffentlichten Sketch der
britischen Kultkomikertruppe?
Falsch, alles falsch. Niemand wird
verhohnepipelt. Vielmehr wärmen sich die Spieler Jugoslawiens
auf vor dem Halbfinale gegen
Frankreich bei der ersten Europameisterschaft 1960. Und das mit
Erfolg. Branko Zebec und Kollegen
wandeln am 6. Juli im Pariser Prinzenpark einen 2:4-Rückstand nach
75 Minuten noch in einen 5:4-Sieg
um. Zum EM-Titel reicht es dennoch nicht. Die Sowjetunion siegt
im Finale 2:1. Nach Verlängerung.
5. JULI 2021
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Das
Doppelherz
JO S HUA KIMM ICH (26) und LEO N G O R ETZKA (26)
verkörpern alles, wofür die Nationalelf auf wie außerhalb
des Platzes stehen will. Unter Bundestrainer Hansi Flick
sollen sie eine noch tragendere Rolle spielen als bisher.
Joshua Kimmich steht am Rande des
Vergeblich waren die Anstrengungen der verganenglischen Strafraums, als die große
genen Wochen, Monate, Jahre.
Siegesfeier beginnt. Die Spieler der Three
Viel hatte das Duo geopfert bzw. investiert
Lions reißen die Arme hoch, recken ihre Fäuste
in der jüngeren Vergangenheit: Kimmich, der von
in den Himmel, auf den Tribünen des mächLöw auf die ungeliebte rechte Seite beordert wurde,
tigen Wembley-Stadions fallen sich die
seinen Platz in der Schaltzentrale, wo sich der von
Menschen in die Arme und stimüberbordendem Ehrgeiz angetriebene Musterprofi
men in einem 43 000-stimmigen
am liebsten sieht und das Spiel diktieren kann.
Chor „Football’s Coming Home“
Goretzka viel Zeit und Energie. Anfang Mai noch
an. England hat Deutschland
fürchtete der Münchner um seine EM-Teilnahme,
mit 2:0 besiegt und zieht ins
nachdem er sich zwei Spieltage vor dem Ende der
Viertelfinale der EM 2020 ein.
Bundesliga-Saison einen Muskelfaserriss im OberGebrochen ist der Fluch der
schenkel zugezogen hatte. Im schlimmsten Fall
Gastgeber, gefühlt immer an
hätte die Diagnose das Aus für das Turnier bedeuDeutschland zu scheitern. Rietet, doch Löw hielt ihm einen Platz im 26er-Kader
sig der Jubel, unter den sich eine
frei – und Goretzka kämpfte sich zurück. Tag für
gehörige Portion Erleichterung mischt
Tag schuftete er in der Reha, schob Extraschichten
ob des überwundenen Fußball-Traumas.
und arbeitete an seinem Körper. Mit Erfolg: Die
Ob Kimmich von all dem etwas mitbekommt?
0:1-Niederlage im ersten Spiel gegen Frankreich
Falls ja, lässt er sich nichts anmerken. Der 26-Jähsah er zwar nur von der Tribüne aus, doch gegen
rige steht einfach nur da, den
Portugal war er wieder dabei,
Blick schräg auf den Boden geDer Frust ist weg, nun spielte beim 4:2-Erfolg als Joker
richtet, die Arme in die Seiten
17 Minuten lang mit. Gegen Unherrscht trotzige
gestemmt. Er kämpft, das ist
garn schließlich traf er – erneut
Entschlossenheit.
nicht zu übersehen. Mit sich und
von der Bank kommend – zum
seiner Enttäuschung. Und gegen
2:2-Ausgleich, der Deutschland
die Tränen. Manuel Neuer und
vor dem vorzeitigen K. o. bewahrMats Hummels, die Weltmeister von 2014, sehen
te. Das Bild seines anschließenden Jubels ging
Kimmich, laufen zu ihm, nehmen ihn tröstend in
um die Welt: Goretzka formte mit den Händen
den Arm. Dann kann er sie nicht mehr halten, die
ein Herz, hielt es in Richtung der schwarz gekleibitteren Tränen der Niederlage. Sie kullern über
deten Neonazi-Fangruppierung der ungarischen
seine Wangen, mischen sich mit dem Schweiß in
„Carpathian Brigade“, die sich direkt hinter dem
seinem Gesicht. Kimmich lässt sich nicht auf den
Tor formiert hatte – bewacht von zwei Dutzend
Rasen fallen wie einige seiner Kollegen. Und doch
Polizeikräften. Es war das wohl stärkste Zeichen
wirkt er, wie er da mit trotzig durchgedrückten
nach den tagelangen Diskussionen um die ReKnien steht, als sei er am Boden zerstört.
genbogen-Einfärbung der Allianz-Arena. Und es
Kimmich teilt dieses Gefühl mit Leon Goretzpasste, dass es von Goretzka kam, dem politisch
ka, seinem Freund und Mitspieler beim FC Bayern
und gesellschaftlich wohl interessiertesten deutwie in der Nationalmannschaft. Goretzka weint
schen Spieler.
zwar nicht in den Momenten der Niederlage.
Gemeinsam mit Kimmich hat er gleich zu
Aber seine Augen verraten seinen Frust. Der KieBeginn der Pandemie „WeKickCorona“ ins Leben
fer malmt. Auch er hat die Hände in die Hüften
gerufen, eine Spendenaktion für soziale Einrichgestemmt. Geplatzt ist der Traum vom EM-Titel.
tungen. Wie kaum ein anderer Fußballer seiner 9
5. JULI 2021
Prominenz nutzt er seine Reichweite, um sich
gegen Rechts auszusprechen sowie für Toleranz
und Vielfalt. Er lehnt öffentlich die AfD ab, nennt
sie eine „Schande für Deutschland“ und lässt
sich für das Magazin der Deutschen Bahn mit
einer Fahne ablichten, auf der „Kein Fußball den
Faschisten“ steht.
Goretzka müsste all das nicht tun. Er könnte
es sich auch gemütlich machen in einer Wohlstands-Blase, wie etliche seiner Kollegen. Doch es
ist ihm ein echtes Anliegen – auch wenn er dafür
von einigen beschimpft und beleidigt wird. So
wie gegen Ungarn, als er die Hooligans, die zuvor
„Deutschland, Deutschland, homosexuell“ gesungen hatten, mit dem Herz provozierte und dafür
ihren Hass erntete. „Spread Love“, schrieb er später
zu einem Foto seiner Geste: „Verteilt Liebe!“ Goretzka selbst – der ähnlich wie Kimmich alles verkörpert, wofür die deutsche Nationalmannschaft
auf dem Platz wie außerhalb stehen will – verteilte
in diesem Moment noch mehr: echte Hoffnung.
Hoffnung auf ein rechtzeitiges Erwachen
der mit Ausnahme des Portugal-Spiels matt und
ideenlos wirkenden DFB-Elf, auf ein Erweckungserlebnis wie gegen Algerien bei der WM 2014, auf
den EM-Titel.
Doch diese Hoffnung wird sechs Tage später
vom Londoner Regen davongespült und versickert
in den Abwasserkanälen unterhalb des Wembleystadions. Zwei Tage nehmen sich Goretzka und
Kimmich anschließend Zeit, bis sie sich in den
Social Media äußern. „Die Enttäuschung sitzt tief
und es ist wirklich schwierig für mich, das Ganze zu
verarbeiten“, schreibt Kimmich bei Instagram. „Ich
habe zu jeder Zeit zu 100 Prozent daran geglaubt,
dass wir das Turnier gewinnen können, und ich
bin sehr traurig darüber, dass wir euch und uns alle
nicht stolz machen konnten.“ Es folgen die Versicherung, dass man zurückkommen werde, und ein
Dank an den scheidenden Bundestrainer Joachim
Löw, der Kimmich zum Nationalspieler befördert
hatte. Goretzka macht es kürzer, postet lediglich ein
Foto mit der Unterschrift „VerArbeiten“. Das „A“ ist
bewusst großgeschrieben, Rechtschreibfehler passieren diesem intelligenten Kopf nicht. Der Frust
ist aus seinen Augen verschwunden und trotziger
Entschlossenheit gewichen. Im Hintergrund sieht
EM bereits angekündigt hatte und die Nachfolge
man eine Hantelbank. Goretzka, der während des
noch nicht geregelt war, mit der Zuversicht auf
ersten Lockdowns eine beachtliche Wandlung vom
einen gemeinsamen Neuanfang an anderer StelLauch zur muskelbepackten Maschine vollzogen
le. Kimmich brachte dies mit der Aussage zum
hat, stemmt Gewichte gegen den Zorn – und für
Ausdruck: „Ich hoffe natürlich, dass er beim DFB
einen neuen Anlauf.
übernehmen wird.“
Die Zukunft beginnt schon in knapp zwei
So wird es jetzt voraussichtlich bis zur HeimMonaten mit den WM-Qualifikationsspielen gegen
EM 2024 sein, bis dahin wurde Flicks Vertrag beim
Liechtenstein, Armenien und Island. Und bereits
DFB ausgehandelt. Wie die Nationalmannschaft
unter seiner Regie aussehen und
in 17 Monaten bietet sich bei der
umstrittenen Weltmeisterschaft Flick schätzt Goretzka. auftreten soll, hat Flick so kurz
in Katar die nächste Chance auf
nach dem EM-Aus und dem
einen Titelgewinn. Kimmich Kimmich habe das Zeug Abschied seines einstigen Vorzum Weltfußballer. gesetzten öffentlich noch nicht
und Goretzka sind prädestiniert,
unter dem neuen Bundestrainer
dargelegt. Intern wird er mit
Hansi Flick eine noch tragendeOliver Bierhoff in dieser Woche
re Rolle zu spielen als bisher – wie sie sie – zuminein Sondierungsgespräch führen, zumindest hat
dest allermeistens – auch in den von sieben Titeln
dies der Direktor Nationalmannschaften angeküninklusive dem Gewinn der Champions League
digt. Offenkundig ist schon jetzt, dass sich Flick
geschmückten eineinhalb gemeinsamen Jahren
nicht an Löws zuletzt immer undurchsichtigerem
zuvor beim deutschen Rekordmeister einnahmen.
Schlingerkurs orientieren wird, sondern eher an
der ihm bestens vertrauten Achse des FC Bayern,
Als Flick im April seinen Abschied in München ankündigte, drückten beide Profis in der
auf die er weitgehend auch im Nationalteam zurückgreifen kann. Und man darf auch fest davon
für sie typischen Unverblümtheit ihr ehrliches
ausgehen, dass Flick andere Fixpunkte verankern
Bedauern über den Abschied ihres Förderers
aus. Und beide verbanden dies damals, als Löw
wird als Löw, nämlich Goretzka und Kimmich als
„Doppelherz“ im zentralen Mittelfeld.
seinen Rückzug unabhängig vom Ausgang der
Zusammen schon viel erlebt:
Kimmich und Goretzka vor der
Pleite gegen Nordmazedonien,
mit dem neuen Bundestrainer
Hansi Flick, beim Gewinn des
Confed-Cup 2017 und mit
dem Bayerischen Sportpreis
als Auszeichnung für ihre
Spendenaktion „We kick Corona“
Diese Prioritätensetzung hatte Löw nie. Für
ihn war über neun Jahre hinweg Toni Kroos, den
er nach dem WM-Debakel in Russland zum Weitermachen überredet hatte und der am Freitag
seinen Rücktritt aus der Nationalelf erklärt hat,
die unumstößliche Größe im Mittelfeld. Kimmich
erhielt in aller Regel den Platz als Juniorpartner
neben dem etatmäßigen Spielgestalter. Goretzka
wirkte dann noch auf einem Plätzchen, das gerade
vakant war, mal als Achter, mal als Zehner, mal als
Rechtsaußen. Nur wenn Kroos mal unpässlich
war wie in den März-Länderspielen, durften Goretzka und Kimmich gemeinsam im Mittelfeld die
Verantwortung übernehmen, was gegen Island (3:0)
und Rumänien (1:0) prima klappte, gegen Nordmazedonien aber in einem peinlichen 1:2 verkam.
Flick schätzt Goretzka, das hat er als Bayern-Trainer immer wieder betont. „Er hat viele
Ballgewinne, kann mit seiner Dynamik das Mittelfeld gut überbrücken und kreiert sich mit tiefen
Läufen immer wieder selbst Chancen“, so sein
Urteil. Noch mehr schätzt er allerdings Kimmich,
das machte er zum Abschluss seiner Amtszeit in
München deutlich. „Ich glaube, wenn er es schafft,
seinen beispiellosen Ehrgeiz noch ein bisschen
zu kanalisieren und in die richtige Richtung zu
lenken, dann kann er Weltfußballer werden“,
Fotos: Getty Images (3), picture-alliance, GES, FC Bayern München
8
sagte er in seinem Abschiedsinterview mit dem
in Russland wäre ein arg schwacher Trost, wenn
Bayern-Magazin 51.
da nicht noch der ganz große Coup folgen würde.
Löw versuchte sich am Mittwoch während
Es gibt ja aus der Vergangenheit einige Beiseiner letzten Pressekonferenz als Bundestrainer
spiele von Ausnahmespielern, die auf unzählige
in einem optimistischen Ausblick, der so gar
Vereinstitel und persönliche Auszeichnungen
nicht zur aktuellen Situation und seinem leeren
zurückblicken können, denen aber ein ganz großer
Gesichtsausdruck passte. „Ich glaube, dass diese
Erfolg auf Länderebene verwehrt blieb. Michael
Mannschaft und diese Spieler
Ballack und Oliver Kahn etwa
eine sehr, sehr gute Zukunft vor
waren zur Jahrtausendwende,
Kahn und Ballack
sich haben und vielleicht den
der sogenannten Ära des deutblieb ein Titel mit der schen Rumpelfußballs, die einErfolg erreichen, den sie sich
Nationalelf verwehrt. zigen deutschen Spieler, deren
alle wünschen“, sagte er, und
es war klar, an wen diese BotNamen im Ausland einen Klang
schaft vornehmlich gerichtet
hatten, deren Trikots auch die
war. Goretzka, der am 6. Februar 1995 in Bochum
Kinder in Asien und Afrika trugen. Kahn gewann
das Licht der Welt erblickte, und der nur zwei Tage
als Welttorhüter mit dem FC Bayern alle Titel,
später in Rottweil geborene Kimmich sind bei der
die man gewinnen konnte. Ballack scheiterte
WM in Katar mit 27 im besten Fußballer-Alter. Sie
zwar mit Bayern und Chelsea zweimal im Chamsind dann aber auch schon in einem Stadium, in
pions-League-Finale, holte aber nationale Titel am
dem die vor einem liegende Zeit als Profi mutmaßFließband und wurde zu einem internationalen
lich kürzer ist als die Jahre, die man hinter sich
Top-Star. Ein Titel mit der Nationalelf blieb beigelassen hat. Damit einhergehend wird auch die
den verwehrt, bei der WM 2002 gar auf tragische
Anzahl der Titelchancen immer überschaubarer.
Weise, als der bis dato überragende Ballack im FiDer gemeinsame Gewinn des Confed-Cup 2017
nale gegen Brasilien gelbgesperrt nicht mitwirken
Joshua Kimmich
Leon Goretzka
1 x Champions-League-Sieger
1 x Champions-League-Sieger
1 x UEFA-Supercup-Sieger
1 x UEFA-Supercup-Sieger
6 x Deutscher Meister
3 x Deutscher Meister
3 x Pokalsieger
2 x Pokalsieger
4 x Supercup-Sieger
1 x Supercup-Sieger
1 x Klub-Weltmeister
1 x U-19-Europameister
1 x Confed-Cup-Sieger
59 A-Länderspiele, 3 Tore, Note 3,18
30 U-Länderspiele, 3 Tore
1 x Silber bei Olympia
und Kapitän des Teams
1 x Confed-Cup-Sieger
35 A-Länderspiele, 14 Tore, Note 3,28
40 U-Länderspiele, 8 Tore
konnte und der bis dato gleichfalls herausragende
Kahn ausgerechnet in diesem Endspiel patzte. Die
Bilder vom nach der Partie fassungslos am Pfosten
kauernden Kahn bleiben bis heute in Erinnerung.
Auch die Tränen, die Ballack bei der WM 2006 nach
dem unglücklich in der Verlängerung gegen Italien
verlorenen Halbfinale verlor, erinnerten an die am
Dienstag vergossenen. Das Gute für Kimmich und
Goretzka ist: Wembley war noch lange nicht ihre
letzte Chance. MATTHIAS DERSCH, OLIVER HARTMANN
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10
5. JULI 2021
Macht
aus der
Provinz
Wieder ist I TA L I E N in Wembley,
diesmal zum Halbfinale gegen
Spanien. Und wieder steht auch
das Duo an der Linie im Fokus,
das schwere Zeiten meisterte.
Kurz die Faust ballen. Dann
den Scheitel wieder akkurat
richten. Ja nicht in exzessiven Jubel ausarten. War auch als
Spieler nie die Masche von Roberto
Mancini. Selbst wenn die ganze Nation gerade auf der Piazza oder vor dem
TV orgiastisch brüllt, „Mancio“ ist
gewissermaßen der Wächter, wenn
schon nicht der Galaxis, so doch über
Gemach und Etikette.
Von dieser EM jedoch blieb
ganz Italien eine Momentaufnahme in Erinnerung. Da
wurde Mancini mitgerissen.
Aus dem Hintergrund schoss Halbnicht Rahn, sondern Gianluca finale
Vialli heran. Ein Jubelgesicht,
das kein Spezialeffekte-Nerd
besser hätte animieren können. Und der „Commissario Tecnico“
ließ sich dann doch mal gehen. Es
geschah nicht nach dem Spektakel
gegen Belgien, sondern beim 2:1Sieg eine Runde zuvor im Achtelfinale über Österreich. In Wembley,
dort, wo sich die Wege von Mancini
und Vialli vor 29 Jahren getrennt
hatten. Acht gemeinsame Jahre bei
Sampdoria, 1991 die Meisterschaft,
1992 das nach Verlängerung verlorene Landesmeisterfinale in Wembley
gegen den FC Barcelona (0:1). Vialli
ging zu Juventus, und die „gemelli
del gol“, die Torzwillinge, waren Geschichte.
2017 wurde bei Vialli Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert.
„Alle sahen in mir immer den harten
Knochen, und ich wollte nicht bemitleidet werden. Ich musste erst lernen,
mich unter Freunden zu öffnen, ohne
Hemmungen zu weinen und mich gehen zu lassen.“ Mancini ist einer aus
dem engsten Kreis. Erst teilte er die
Tränen, dann holte er Vialli,
nachdem der dem Tumor die
Stirn geboten hatte, als Delegationschef zu den Azzurri.
Calcio als Therapie, so macht
man das unter Freunden.
Mancini sagt, er hat wenige Freunde, Vialli ist einer
mit einem ganz großen F. Vialli lobte
zurück: „Roberto muss niemandem
mehr etwas beweisen. Er hat eine
Elf kreiert, wie er damals spielte: ein
Mix aus Disziplin und Freiheit. Wir
beide teilen die gleichen Träume.“
Um einen davon zu erahnen, bedarf
es keiner übernatürlichen Fähigkeiten. Wembley muss die Verspätung
verzeihen. 29 Jahre später sind die
Zwillinge mit einem Viertelfinal-Umweg über München zurück und geben sich nicht noch einmal mit der
Trost-Medaille zufrieden. Italien will
auch am 11. Juli, zwei Tage nach Viallis 57. Geburtstag, diese Umarmung
sehen, die solch bewegende Symbolik
für alle Tifosi besaß. Auch Pathos.
Aber wenn es nach all diesen Monaten in zermürbender Zeitlupe nicht
pathetisch werden darf, wann dann?
Doch es ging ja nicht anders.
„Ich kämpfe gegen den Krebs,
aber er ist stärker als ich. Standhalten und niemals aufgeben, in der
Hoffnung, dass er irgendwann ganz
verschwindet. Ich möchte noch so
viel erleben.“ Inspiration wolle er
den Jungs geben, sagte Vialli vor dem
Turnier, und offensichtlich gaben
Mancini und er ihren Azzurri genau
die mit auf den EM-Weg. Würde, Zusammenhalt und Hoffnung, ab und
an auch einfach mal stark bleiben
und auf die Zähne beißen, denn die
Superhelden wie Mbappé oder Ronaldo hatten schließlich andere im
Kader. Die sind wieder zu Hause,
Italien ist zurück in London. Erst
zum Halbfinale gegen Spanien, und
danach bitte schön zum Endspiel.
Mancini gelang nach der Apokalypse der verpassten WM 2018
Beachtliches. Er errichtete ein Fundament, als alle Experten den 21. der
Weltrangliste milde belächelten –
von Gary Lineker bis Patrick Vieira.
Mancini erschuf ein Projekt, das Italien in dieser Form noch nicht gesehen hatte. Er pfiff auf das genetisch
vererbte Konterspiel und die Blockbildung im Kader aus den blasierten
Nordklubs. Von den 26 Spielern aus
seiner Squadra wuchs niemand in
Keiner der 26 Spieler
im Kader wuchs in
einer Metropole auf.
einer der großen Metropolen auf.
Die Hälfte stammt sogar aus Örtchen
mit weniger als 10 000 Einwohnern,
dort, wo große Träume geboren werden. Zehn Profis aus dem Norden,
neun aus dem Süden, sieben aus
dem Zentrum – Mancini, selbst aus
dem Städtchen Jesi mit 40 000 Einwohnern in den mittelitalienischen
Marken, hat die Azzurri fußballerisch
und geografisch zusammengerückt.
Einfach und fundamental, als gehe
es gar nicht so sehr um Taktik. Ein
Ball, zwei Taschen als Pfosten und
instinktive Begeisterung. Selten hatte
sich Italien dermaßen bedingungslos in seine Nazionale verliebt. Die
Gazzetta dello Sport ließ sich ver-
5. JULI 2021
EM
11
Italien –
Spanien
Freunde fürs Leben:
Gianluca Vialli und
Roberto Mancini
zücken: „Wir haben die Umarmung
zwischen Mancini und Vialli gefühlt.
Ein verrücktes Verlangen nach Kontakt und Menschlichkeit. Dafür steht
das Team, dafür ist das ganze Land
nun DIE Azzurri.“ Wie gesagt, wenn
nicht jetzt Pathos, wann dann?
Die jungen und teils unerfahrenen „Mancio-Boys“ sollten die
Endrunde als Erasmus-Projekt im
Hinblick auf die WM 2022 nutzen.
Rucksack schultern, Spaß und Studium, bei dem ein Hauch Übereifer
und Leichtsinnsfehler verziehen würden. Mancini weiß, wie die Jugend
bisweilen funktioniert. Der Freigeist
verbaute sich selbst die Karriere im
Nationalteam. Bei einer Nordamerika-Länderspielreise 1984 tauschte der
damals 19-Jährige den Zapfenstreich
gegen eine Nacht im legendären
New Yorker Klub „Studio 54“ und
wurde für Trainer Enzo Bearzot zur
Persona non grata.
Polemische Aussagen gegen
Coach Azeglio Vicini und die Presse
machten Mancini zum Reservisten
bei der Heim-WM 1990 ohne eine
einzige Spielminute. Er kommentierte: „Einige Dinge hätte ein Blinder
erkannt, Vicini leider nicht.“ Unter
Arrigo Sacchi beendete Mancini seine
problematische Karriere in Azur-
Fotos: Getty Images, picture-alliance
Dienstag, 21 Uhr
live bei ARD/ZDF und bei Magenta TV
sowie im Ticker bei kicker.de
blau schließlich selbst. Zähneknirschend hatte er die Alternativrolle
zu Roberto Baggio für die WM 1994
akzeptiert. Als beim Test in Stuttgart
gegen Deutschland deutlich wurde,
Gianfranco Zola könnte ihn sogar zur
Nummer drei auf der Position werden
lassen, knurrte Mancini am Kofferband des Flughafens Malpensa: „Sie
halten sich nicht an Abmachungen.
Rufen Sie mich nie wieder an.“ Sacchi
rief nie wieder an, und auch kein
anderer Nationalcoach.
36 Einsätze, vier Tore, kein
WM-Einsatz – schon aberwitzig,
dieses Schicksal, dass ausgerechnet
der Azzurri-Anarchist die brillante
Renaissance der Azzurri begründete.
„Manchmal war ich hypersensibel,
ich bin es heute noch. Damit dürfte
man eigentlich weder spielen noch
trainieren. Aber es ist der schönste Job der Welt – der Geruch des
Rasens.“ Und Sacchi sagt heute:
„Mancini hat einen flammenden
Ball übernommen und dem ganzen
Land unerwartete Freude geschenkt.“
Der Sacchi, dem Mancini damals am
Kofferband quasi die Tür ins Gesicht
gepfeffert hatte. Andere Zeiten.
Die Jubelschreie aus den Fenstern hörte man zuletzt 2006. Danach
Stille, erst recht nach den Duellen
Kollektive Ekstase: Italiens Spieler bejubeln das 1:0 von Nicolo Barella gegen
Belgien. Am Ende stand in dem spektakulären Viertelfinale ein 2:1-Erfolg.
mit Schweden in den fatalen WMPlay-offs im Herbst 2017. Danach auf
der Couch zuschauen und immer
seufzen, dazu die verdammten Ellenbogengrüße statt Küsschen rechts
und links. Wenig Calcio, dafür Militär,
das Särge aus Bergamo wegtransportierte.
Corona ist nicht vorbei, aber alle
sind jetzt Italia. Dank der No-Names
aus der Provinz. Wer kannte schon
wirklich diese Spinazzolas, Locatellis,
Barellas, Chiesas oder Berardis? Oder
den stets phlegmatisch unvollendeten Lorenzo Insigne? Vielleicht
Als Mancini seine Zeit
als Nationalspieler
selbst beendete ...
etwas die Juve-Recken Leo Bonucci
oder Capitano „Chiello“ Chiellini,
der eine Grätsche in der Nachspielzeit wie ein Traumtor feiert. Geniale
Weltstars besitzt Italien in diesem
Turnier nicht, dafür Mancini und
Vialli. Das ist ein unzertrennliches
Duo, keiner kann ohne den anderen.
Vialli hat den Tumor vorerst besiegt.
Und jetzt zurück nach London und
sich richtig herzen.
Mancinis Plan ging auf. Ein paar
Senatoren im Team, dann raus, die
Nationalhymne gebrüllt und Spaß.
Egal, ob Torino, Milano, Nord, Süd.
Italien verliert seit 32 Spielen nicht,
spielt aber immer gegen kleine Nationen. Summte die Presse lange. Belgien war Nummer 1 der Weltrangliste,
der nächste Gegner Spanien ist die
Nummer 6. Alle mit geballter Faust
gegen Klassements, Unbedachtheit
und Schicksal, und Mancini richtet
sich den Scheitel, Vialli reibt sich die
Glatze. Hungrige aus der Provinz plus
Torzwillinge an der Linie.
Als Mancini mit 14 die Familie in Richtung Bologna-Akademie
verließ, klammerte er sich nicht an
die Mamma, sondern an den Bologneser Liedermacher Lucio Dalla.
„Schau mal, Kumpel, was für einen
Blödsinn ich mir ausdenken muss.
Dreimal Weihnachten im Jahr, Liebe machen ohne Sorgen und Party
jeden Tag“, singt Dalla und träumt.
2021 singt Gianni Morandi, aus dem
Bologneser Hinterland: Ripartire,
ripartire. Neustart, Neustart, Mancini
hat das geschafft. Nicht die Besten.
Vielleicht aber die besten Freunde.
Eine Umarmung, ein Schrei, wieder
in Wembley. Doch Vorsicht: Es ist
erst das Halbfinale. OLIVER BIRKNER
„Ich plädiere für nur noch
eine Abstellungsperiode“
Im großen Exklusiv-Interview spricht A R SENE WENG ER (71) über seine Ideen zur
Zukunft des Fußballs. Eine Weltmeisterschaft alle zwei Jahre gehört auch dazu.
5. JULI 2021
13
I N T ER N AT I ONAL E R R AHME NTE R MI NKAL E NDE R
So will Wenger den Weltfußball reformieren und die Spiele reduzieren
Aktuell gibt es im Laufe eines Jahres fünf Abstellungsperioden,
in denen die Klubs ihre Spieler zu den Nationalmannschaften
entsenden müssen. Wenger möchte diese am liebsten auf eine
August
September Oktober
November Dezember
Januar
reduzieren (siehe Option 2). In diesem Fall würden im Oktober sieben Qualifikationsspiele stattfinden, die Spieler wären 28 Tage bei
ihren Auswahlteams. Momentan sind es zehn Spiele und 50 Tage.
Februar
März
April
Mai
Juni
Juli
STATUS QUO
OPTION 1
OPTION 2
Spieler bei der Nationalmannschaft
Weltmeisterschaft/Kontinentalturnier
ausgebildete Trainer, besser strukturierte Wettbewerbe, bessere Matchpläne und eine bessere Talentförderung verfügen. Das fängt bei den Kindern an.
Vieles hängt da mit der Ausbildung zusammen.
Sie haben also eine Bestandsaufnahme gemacht.
Genau, wir haben uns mit jedem Land beschäftigt. Daraus ist der Global Report über insgesamt
205 Mitgliedsverbände entstanden und jeweils ein
individueller Report über die Bedürfnisse jedes
Landes. Jetzt liegt es an uns, jedem Mitgliedsverband das zu geben, was er braucht, um sich weiterzuentwickeln. Denn jedes Kind, ob Junge oder Mädchen, das auf dieser Welt Fußball spielen möchte,
verdient eine faire Chance. Das ist unsere Mission.
Sie wollen die Strukturen im Fußball verbessern?
Ja, natürlich. Bislang war die FIFA hauptsächlich
für die Organisation ihrer Wettbewerbe bekannt.
Jetzt investiert sie mehr in die Förderung des
Fußballs, in die Aus- und Weiterbildung und in
die Talententwicklung. Es geht darum, die Wettbewerbsfähigkeit auf der ganzen Welt zu erhöhen
und mehr Breite in der Spitze zu generieren. Das
macht den Fußball dann wirklich globaler. Und
ich freue mich, ein Teil dessen zu sein.
D
er einstige Trainer des FC Arsenal ist nun bei
der FIFA in Zürich als Leiter für die globale
Entwicklung des Fußballs zuständig. Arsene
Wengers Aufgaben bestehen darin, den Fußball
auf der ganzen Welt voranzutreiben. Um seine
neuesten Ansätze vorzustellen, nimmt er sich in
einem Videomeeting 90 Minuten Zeit. Detailliert
schildert Wenger, worauf es für ihn in der Zukunft
ankommt: auf mehr Qualität, weniger Quantität,
auf Ausbildung und den Schutz der Spieler.
Sie haben einen mehr als 20 000 Seiten umfassenden FIFA Global Report veröffentlicht, Herr Wenger.
Wie steht es um den Weltfußball?
Im Weltfußball gibt es einen riesigen Unterschied
zwischen den großen Ländern und den kleinen,
gerade hinsichtlich der Ausbildung. Wenn man die
20 führenden Teams im FIFA-Ranking nimmt, ist
deutlich zu erkennen, dass diese Klubs über besser
Darüber hinaus haben Sie eine kleine Revolution
im Fußball vorgeschlagen: Sie plädieren für eine
Weltmeisterschaft alle zwei Jahre. Wieso?
Zunächst möchte ich betonen, dass ich die Weltmeisterschaft unheimlich respektiere und sie für
mich einen enormen Stellenwert hat. Als ich allerdings erfuhr, dass die WM 1930 auch deshalb zum
ersten Mal stattfand, weil das Fußballturnier bei
den Olympischen Spielen 1932 gestrichen worden
war, habe ich realisiert: Dieser Vier-Jahres-Zyklus
muss nicht in Stein gemeißelt sein. Warum sollte
er? Inzwischen gehören 211 Länder zur FIFA –
und 133 davon haben noch nie eine WM gespielt.
Diese Länder schauen alle vier Jahre zu ohne jede
Chance, selbst daran teilzunehmen.
Außerdem …
… ist mir aufgefallen, dass bei den meisten Weltmeister-Mannschaften die Spieler zwischen 26
und 30 Jahre alt sind, weil es Erfahrung für ein
so großes Turnier braucht. Es wird also schwierig,
dieses Kunststück zu wiederholen, weil man mit
34 dann doch meist zu alt ist. Und durch meine
Trainerkarriere mit mehr als 200 Spielen in der
Champions League kann ich sagen, dass man sich
vor allem dann weiterentwickelt, wenn man seine
Schwächen kennenlernt. Und diese Schwächen
zeigt ein besseres Team auf. Also reden wir von der
Entwicklung auf dem Toplevel. Dafür aber braucht
es die Unterstützung der Verbände.
Wie wird die UEFA darüber denken?
Wir wollen definitiv keinen Konflikt. Ich möchte
letztlich ja nur das Beste für den Fußball, für die
Nationen genauso wie für die
Verbände. Natürlich muss es da
Gespräche mit der UEFA und
den anderen Kontinentalverbänden an einem Tisch geben.
Aber wenn man die Qualität
der Spiele auf der ganzen Welt
verbessern möchte, dann sollte man darüber nachdenken.
Denn neben den 55 Ländern
in der UEFA gibt es noch 156
„Warum sollte dieser
weitere. Wir haben den Auftrag
Vier-Jahres-Zyklus
bekommen beim 71. FIFA-Kongress, eine Machbarkeitsstudie
einer WM in Stein
zu der WM alle zwei Jahre zu
gemeißelt sein?
erstellen, und das tun wir. Wir
befinden uns in einem Beratungs-Prozess und sprechen
mit allen Interessenvertretern im Fußball. Es geht
nicht darum, recht haben zu wollen, sondern die
beste Lösung für den Fußball zu finden. Deshalb
führen wir viele Gespräche, deshalb stellen wir
Fragen und hören zu. Es ist eine Diskussion mit
einem offenen Ausgang, aber wir wollen in diese
Debatte eintreten – sie ist wichtig.
Eine Weltmeisterschaft alle zwei Jahre bedeutet
vermutlich auch eine Veränderung des Spielplans,
dem International Match Calendar?
Ich war in meiner Karriere Klubtrainer, kein Nationaltrainer. Da hatte ich immer das Gefühl,
dass die vielen kürzeren Abstellungsperioden
für die Spieler eher ungünstig waren. Das 9
5. JULI 2021
waren immer Momente der Ungewissheit.
Wie geht es den Spielern danach mental?
Kommen Sie angeschlagen wieder zurück?
Wir brauchen doch nur auf die abgelaufene
Saison zu blicken. Robert Lewandowski verletzte sich während der wichtigsten Phase
im Klubfußball bei einem Länderspiel,
fehlte damit im Viertelfinale gegen Paris
St. Germain. Das hat Bayerns komplette
Champions-League-Saison kaputtgemacht.
Außerdem sehen die Fans viel lieber Spiele,
in denen es wirklich um etwas geht.
an der eigenen Klasse gebe. Klingt im Nachhinein fast ein wenig prophetisch.
Das Double: Arsene Wenger gewann 1997/98, seinem zweiten
Jahr beim FC Arsenal, die Meisterschaft und den FA-Cup.
Was bedeutet das konkret?
Dass ich für nur noch eine
Abstellungsperiode plädiere,
oder maximal zwei, anstatt
wie heute fünf. Dass sich die
Nationalmannschaft im Oktober trifft, für einen Monat,
sieben Qualifikationsspiele
bestreitet und dann im Juni
die Endrunde eines Turniers. Das bedeutet insgesamt weniger Reisen für die
„Wir wollen die Zahl
Spieler, bringt mehr Klarheit
der Spiele reduzieren, und Kontinuität für alle Beteiligten und weniger Verletwir sehen ja den
zungsrisiko. Wir wollen die
Zustand der Spieler.“ Zahl der Spiele reduzieren,
das ist ganz wichtig, denn
wir sehen ja den Zustand der
Spieler. Wir garantieren auch nach jedem Turnier
eine Ruhephase. Stellen Sie sich das so vor: 2026 die
Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada; 2027 eine Europameisterschaft und die anderen
Kontinental-Turniere; 2028 wieder eine Weltmeisterschaft; und so weiter. Bis 2024 bleiben die Wettbewerbe ohnehin vorerst alle bestehen, erst danach
können Veränderungen vorgenommen werden.
Also mehr Qualität und weniger Quantität.
Exakt. Und mehr große Spiele. Mehr K.-o.-Duelle,
weniger Qualifikationspartien. Das wollen doch die
Fans. Und wir wollen auch mehr Wettbewerbsfähigkeit schaffen. Seit der ersten WM 1930, als die
USA im Halbfinale standen, hat es nur eine einzige
Nation in die Runde der letzten vier geschafft, die
nicht aus Europa (inklusive UdSSR, Anm. d. Red.)
oder Südamerika kam – und das war Südkorea 2002.
Wir dürfen die Tür zur Welt ruhig ein wenig öffnen.
Wird der Fußball so attraktiver?
Davon gehe ich aus. Denn ganz wichtig ist doch,
dass jeder Wettbewerb eine klare Bedeutung hat.
Momentan ist die Fußballwelt ja in zwei Lager
geteilt: Klubfußball inklusive Geld auf der einen
Seite – und Fans, die spannende wie attraktive
Spiele sehen wollen, auf der anderen Seite.
finden, diesen Angriff zu verteidigen. Daraufhin
sucht die Offensive nach neuen Lösungen … So ist
die Evolution. In den vergangenen zehn bis 15 Jahren hat sich die Athletik der Spieler am meisten gesteigert. Sie sind schneller, kräftiger, ausdauernder,
also der physische Zustand des Körpers von den
Zehen bis zum Hals. Künftig wird es darum gehen,
den Kopf einzubinden, um angepasst an das schnellere Spiel auch schnellere Entscheidungen treffen
zu können. Das macht das Spiel noch flexibler.
Gibt es gewisse Elemente im heutigen Fußball, die
Sie mit Blick auf Ihr Arsenal-Team „The Invincibles“
von 2003/04 aktuell vermissen?
Ich vermisse ein bisschen die Romantik. Und die
speziellen Charaktere, die aus dem Nichts Großes
initiieren können. Leider kostet dieses physische
Spiel von heute vielen kreativen Spielern den Platz,
weil jeder angreifen und verteidigen können muss.
Das Umschaltspiel in beide Richtungen ist eine
Grundvoraussetzung, es erlaubt keine Verschnaufpausen mehr. Aber diese Spieler, die ich vermisse,
hatten andere Vorstellungen
und Fantasien auf dem Feld.
Inwiefern?
Manche davon sind anders aufgewachsen, haben sich in gewisser Weise selbst ausgebildet,
ob auf der Straße oder anderswo. Sie mussten immer schnelle
Entscheidungen treffen. Heute
wird den Spielern viel zu viel
gesagt und vorgeschrieben. Du
musst dies, du musst das, du
musst jenes. Das schränkt die
Freiheit eines Kreativen, eines
Künstlers ein.
Wer oder was hat Ihnen bei der
Europameisterschaft bislang am
besten gefallen?
Deutschland hatte vor dem Turnier einige
negative Ergebnisse, das ändert so manches
im Kopf. Denn normalerweise war Deutschland immer ein Team, das zu einem Turnier
gefahren ist mit dem Glauben, wir können
es gewinnen. Das war dieses Jahr anders.
Sie stimmen mir sicherlich zu, dass diese
Mannschaft vor Turnierstart nicht von
sich überzeugt war, die EM zu gewinnen.
Vollkommen richtig.
Ich verfolge Deutschland schon seit meiner Kindheit. Die Nationalmannschaft hatte in der Vergangenheit immer großartige Stürmer wie Gerd Müller,
Uwe Seeler, Horst Hrubesch, Klaus Fischer, Rudi
Völler, Jürgen Klinsmann, Oliver Bierhoff … Das ist
heute nicht mehr der Fall. Wer spielt denn bei den
beiden großen deutschen Klubs im Sturm? Erling
Haaland und Robert Lewandowski.
Ist das ein Problem der Ausbildung?
Deutschland muss sich selbst hinterfragen, ob die
Nachwuchsarbeit wirklich stimmt, wenn man einst
viele gute Stürmer hatte und heute nicht mehr.
Mit dem Aus endete auch die Ära von Joachim Löw.
Ich mag Joachim Löw sehr. Er hat Klasse, Stil,
ein exzellentes Benehmen. Aber er war in einer
unmöglichen Situation, diese Europameisterschaft zu gewinnen – unabhängig davon, dass
seine Mannschaft auch nicht gut genug war. Aber
ich habe noch nie ein Turnier gesehen, das ein
Team gewonnen hat, bei dem feststand, dass der
Trainer danach aufhört. Einerseits denkt man, der Coach habe
dann alle Freiheiten; andererseits aber hat man Spieler, die
vielleicht nicht zu 100 Prozent
bereit sind. Ersatzspieler wissen,
dass dieser Trainer nicht mehr
da sein wird – das ist schwer zu
moderieren.
„Joachim Löw mag
ich sehr. Er war in
einer unmöglichen
Situation, die EM
zu gewinnen.“
Wie sieht für Sie moderner Fußball aus?
Die sogenannten „kleineren“
Teams. Sie haben nicht nur um ihr Leben verteidigt, sie haben auch in Ballbesitz versucht, die
Initiative zu übernehmen. Was wir dabei manchmal zu wenig berücksichtigen, sind die fünf Auswechslungen. Dadurch können die Teams ihr
physisches Level hochhalten.
Wie betrachten Sie, als globaler Entwicklungs-Chef
der FIFA, die Entwicklung im Fußball?
Genau. Bei drei Auswechslungen hast du dir als
Trainer bis zur 82. Minute noch eine Möglichkeit
aufbewahrt – für den Fall einer Verletzung, um
nicht zu zehnt zu Ende spielen zu müssen. Heute
kannst du drei Spieler auf einmal bringen und sofort auf Schwächen und Schwankungen reagieren.
Das hat schon eine Auswirkung auf das Spiel – und
niemand spricht darüber.
Er sollte einfach zu verstehen sein, klar in der Umsetzung und wann immer möglich auf höchstem
Niveau. Ich meine: Selbst für die Spieler wäre es einfacher, wenn sie sich in einem fixen Zeitraum einoder zweimal pro Jahr voll und ganz auf das Nationalteam fokussieren könnten und für die restliche
Saison auf ihren Klub. Das wäre die richtige Balance.
Und somit gleichzeit das Niveau?
Wie er sich entwickelt? Die Offensive stellt die Abwehr vor Probleme; die Defensive muss Lösungen
Über die deutsche Mannschaft haben Sie vor dem
Turnier gesagt, dass der Glaube fehle, dass es Zweifel
Unabhängig vom schwachen
Abschneiden der Deutschen hat
sich die Nationalmannschaft für
wichtige Werte eingesetzt. Wie
bewerten Sie die gesellschaftliche Verantwortung des Fußballs?
Der Fußball hat eine massive
Verantwortung. Der Sport ist ein
kulturübergreifendes, verbindendes Element. Egal ob du der
Sohn des Präsidenten eines Landes bist oder der
Sohn des ärmsten Menschen dieses Landes – der
beste Fußballer wird in der besten Mannschaft
spielen. Sport kann dazu beitragen, dass sich die
Menschen überall auf der Welt respektieren.
Ist das auch ein Auftrag der FIFA, die Menschen
weltweit in gewisser Weise zu vereinen?
Natürlich. Wenn wir nur auf die WM 2026 schauen:
48 Nationen werden daran teilnehmen, es werden
viele Menschen von sämtlichen Kontinenten zusammenkommen – und das ist dann doch eine
globale Vereinigung.
Was ist Ihr persönliches Ziel, Ihr persönlicher Traum
für die nächsten Jahre, Herr Wenger?
Ich möchte gerne den Fußball weiter vorantreiben,
den Fußball verbessern. Das ist wirklich mein
Traum.
INTERVIEW: GEORG HOLZNER
Fotos: picture alliance (4), picture-alliance
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WE NGE R ÜBE R …
… die Bundesliga: „Ich mag die
Bundesliga, ich bin damit aufgewachsen. 1995, als Franz Beckenbauer noch Präsident war, war
ich kurz davor, zum FC Bayern zu
gehen. Später wollte mich Werder
Bremen. Willi Lemke nahm Kontakt
auf, da war ich gerade drei Monate
in Japan. Er hätte mich gerne in die
Bundesliga geholt, aber ich konnte
nach so kurzer Zeit nicht gehen.“
… die Gerüchte über ein Engagement bei Bayern im Herbst 2019:
„Ich war mit Karl-Heinz Rummenigge in Kontakt. Es waren nur Gespräche, aber nichts Konkretes. Bayern
hat letztlich die absolut richtige
Entscheidung getroffen, Hansi Flick
hat es extrem gut gemacht.“
… die „Invincibles-Saison“: „Es
war ein langer Prozess. Mein Ziel
war es nicht nur, die Meisterschaft
zu gewinnen; mein Ziel war es, sie
ohne Niederlage zu gewinnen. Denn
dann hast du als Trainer deinen Job
absolut erfüllt. Zu dieser Geschichte gehört auch, dass wir im Jahr
zuvor die Premier League verspielt
hatten und ein Spieler meinte, ich
hätte zu viel Druck aufgebaut. Was
ich damit sagen möchte: Manchmal
muss sich etwas erst im Kopf festsetzen, um es erreichen zu können.
Hab’ also niemals Angst davor, den
Menschen zu große Ziele mitzugeben. Nur dann können sie etwas
schaffen, woran sie vielleicht nicht
einmal selbst glauben.“
… den FC Arsenal heute: „Diesen
Klub, dem ich mehr als die Hälfte
meines Arbeitslebens gewidmet
habe, habe ich intakt übergeben.
Wir haben über zehn Jahre das
Stadion abbezahlt, dafür die guten
Spieler alle verkauft – und das ohne
jeden Penny von irgendjemandem.
Nun hat Arsenal ein hervorragendes
Trainingsgelände und gute Nachwuchsspieler. Dieser Klub könnte im
nächsten Jahr aufhorchen lassen.“
„Gehasst,geliebt,gehasst, geliebt“:
Wenger und Sir Alex Ferguson
… die Premier League: „Es ist die
beste Liga der Welt, weil das Paket
besser ist als anderswo. In China,
Australien und den USA schauen
die Menschen den englischen Meisterschaftskampf. Umso überraschter war ich, als ich gehört habe,
dass sechs Klubs eine Super League
mitbegründen wollten. Doch damit
hätten sie sich selbst zerstört. Jede
andere Liga in Europa würde die
Premier League gerne in die Knie
zwingen – und diese sechs Klubs
hätten es beinahe selbst gemacht.
Irgendwann müssen mir die Vertreter den Sinn erklären, ich habe
ihn bislang nicht verstanden. Die
Fans haben es gestoppt, wovon die
Premier League heute profitiert.“
… die Super League: „Ich war vom
ersten Tag an dagegen und sagte
immer, dass es nicht funktionieren
werde. Wenn man die Sinnhaftigkeit des Wettbewerbs, der in
Europa wichtig ist, hinterfragt, dann
wird diese Form einer Liga nicht
akzeptiert werden. Darüber bin ich
glücklich. Ich persönlich werde bis
zum Ende meiner Tage kämpfen,
damit die Werte des europäischen
Fußballs Bestand haben.“
… die Ära nach Messi/Ronaldo:
„Kylian Mbappé wird eine Ära prägen. Und, ich kenne ihn nicht gut
genug, vielleicht Erling Haaland.“
… ManUniteds Triple-Saison 1999:
„Was 1999 geschah, ist unglaublich.
Wir haben gegen ManUnited bis
zum Schluss um die Meisterschaft
gekämpft und den Titel nur deshalb
versäumt, weil wir gegen Leeds mit
vier Aluminium-Treffern verloren
haben. Ein Desaster. Im Halbfinale
des FA-Cups gab es ein Wiederholungsspiel gegen ManUnited. Dennis
Bergkamp hat in der 94. Minute, es
stand 1:1, einen Strafstoß verschossen. United gewann dann 2:1. Das
war ein fußballerisches Wunder,
und Bergkamp wollte nie wieder
einen Elfmeter schießen. Und gegen
Bayern im Champions-League-Finale hätte ManUnited 0:3 verlieren
müssen. Auch da gewannen sie
2:1. 1999 war ein einziges Wunder.
Gott muss entschieden haben, dass
Manchester alles gewinnen soll.“
… Sir Alex Ferguson:
„Er und ich haben eine ganz
spezielle Beziehung. Wir haben uns
geliebt, gehasst, geliebt, gehasst.
Nun ist es eine absolut respektvolle,
freundliche Beziehung, wie bei zwei
Boxern im Ring. Wir haben immer
gekämpft. Aber nach dem Kampf
hat man sein Gegenüber stets wertgeschätzt. Ein gutes Gefühl.“
16
5. JULI 2021
Der Anti-Bosz
Ein Blick zurück erklärt
oft das Handeln in der
Gegenwart. Und möchte
man verstehen, warum
sich Bayer 04 für Gerardo Seoane
als Trainer entschieden hat, reicht
eine Zeitreise in den August 2020.
Damals, unmittelbar vor dem
Viertelfinale der Europa League in
Düsseldorf gegen Inter Mailand, ließ
Peter Bosz die Taktik für das K.-o.Spiel trainieren. Leverkusens Sechser
Julian Baumgartlinger sollte im internen Testlauf das Double des sich tief
in der eigenen Hälfte die Bälle abholenden Inter-Spielmachers Marcelo
Brozovic unter Druck setzen. Doch
immer wieder wurde das Pressing mit
einem weiten Ball auf Lukaku-Double
Lucas Alario überspielt. Der Kniff
funktionierte nicht.
Im wirklichen Spiel gegen Inter
setzte Bosz dennoch auf seine Idee
des aggressiven und hohen Pressings,
und Bayer ging gegen die ausgebufften Italiener baden. Viel deutlicher,
als es das Resultat von 1:2 aussagte.
Immer wieder überspielte der echte
Brozovic das Leverkusener Pressing
mit einem langen Ball auf Romelu
Lukaku, der dann mit Sturmkollege
Lautaro Martinez und viel Raum die
Bayer-Abwehr auseinandernahm.
Der aufgrund der taktischen Vorgabe viel zu weit nach vorne stoßende Baumgartlinger fehlte 30 Meter
weiter hinten, um Passempfänger
Lukaku abzuschirmen, der mit Edmond Tapsoba Katz und Maus spielen durfte. Bosz war sehenden Auges
Als Trainer-Typ ist er
schwer zu fassen, hat
einen komplexen Mix.
ins Verderben gerannt. Weil er an
seiner Idee festhielt und nicht bereit
war, eine andere, weniger aktive, auf
mehr defensive Absicherung ausgelegte Marschroute zu wählen.
Im Rückblick auf die Saison
2020/21, deren Endphase Bosz ab
dem 27. Spieltag nach bedingungslosem Festhalten an seiner Offensividee und dem Absturz der Werkself
nur noch als Beobachter erlebt hatte,
erklärte Simon Rolfes, dass der Niederländer Hinweise ignoriert habe,
sein Spiel variabler zu gestalten.
Damit war Bosz wie sein
Vor-Vor-Vorgänger Roger Schmidt in
seiner letzten Saison bei Bayer daran
gescheitert, in einer Krise nicht die
richtigen Maßnahmen und Änderungen vorgenommen zu haben. Boszs
Überzeugung von der Alternativlosigkeit des eigenen Weges wurde
dem 57-Jährigen zum Verhängnis.
Was dies alles mit Gerardo
Seoane zu tun hat? Ganz einfach:
Der 42-Jährige, den Bayer für bis
zu zwei Millionen Euro Ablöse vom
Schweizer Meister Young Boys aus
Bern losgeeist hat, gilt als ein Trainer,
der nicht stur an seiner Philosophie
festhält. Auch wenn Rolfes Seoane
bei dessen Verpflichtung für seinen
Angriffsfußball lobte. „Gerardo Seoane ist dreimal in Folge mit den Young
Boys Schweizer Meister geworden
und hat 2020 auch den Pokalsieg
geholt – und das mit einer attraktiven
und offensiven Spielidee, die unserer Philosophie sehr nahekommt“,
erklärte Leverkusens Sportdirektor.
Dennoch stellt Seoane ein Kontrastprogramm zu Bosz dar. Davon
konnten sich die Bosse schon im
März überzeugen – zum eigenen
Leidwesen. Im Sechzehntelfinale der
Europa League gegen Seoanes Young
Boys zeigte der Trainer die Flexibilität, die den Machern in Leverkusen
am Ende bei Bosz fehlte.
Beim 4:3-Sieg im Hinspiel nutzte Bern die defensiven Schwachstellen bei Bayer und konterte den Bundesligisten vor der Pause eiskalt aus,
führte schon 3:0. Im Rückspiel, in
dem die Schweizer ein Unentschieden benötigten, verteidigten sie tief
gestaffelt extrem kompakt mit einer
Leidenschaft, die in Leverkusen der
eigenen Mannschaft oftmals abgesprochen wird, und siegten 2:0.
Zwei Auftritte der Young Boys,
die Beobachter der Szene dazu veranlassten, Fragezeichen hinter Seoanes
Profil zu setzen, als dieser in Leverkusen gehandelt wurde. Schließlich
hatte sein damaliges Team alles andere als Bayer-Fußball zelebriert.
Doch gerade dies war ein Argument für Seoane. Dass er eben nicht
Foto: picture alliance
Auch wenn er am liebsten genauso dominant spielen
lässt, stellt Trainer G E R A R DO SEOA NE (42) einen klaren
Kontrast zu seinem Vorgänger in Leverkusen dar.
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weiterentwickeln will. Gerardo ist
eine sehr spannende Persönlichkeit.“
Je mehr man über Seoane
spricht, umso komplexer erscheint
dieser als Trainer. Seoane ist schwer
zu fassen. „Er hat einen guten Mix.
Er ist nicht dogmatisch, sondern
bereit, sich anzupassen“, sagt der
Schweizer kicker-Korrespondent Fabian Ruch. Die Neue Zürcher Zeitung
beschrieb den Schlüssel zu Seoanes
„Er ist überzeugt, aber
nicht festgefahren.“
Christoph Spycher, Sportdirektor Young Boys
nur einen Ansatz verfolgt, sondern bereit ist, den Umständen entsprechend
Änderungen vorzunehmen. Nicht
umsonst betonte Rolfes im Kölner
Stadt-Anzeiger: „Heute braucht man
im Fußball, und selbst in einem Spiel,
verschiedene taktische Grundausrichtungen, weil es Gegner gibt, die
sich beispielsweise durch jedes Pressing hindurchspielen. Hier wollen wir
den nächsten Schritt gehen.“
Genau dafür steht Seoane. Dieser ist nicht so einfach in eine Schublade zu stecken. Anfangs führte er in
Bern Adi Hütters Red-Bull-Fußball
mit Gegenpressing und Vertikalspiel
fort, um diesen später um die Komponenten Ballbesitz und Spielkontrolle
zu erweitern. „Er ist überzeugt von
dem, was er tut, aber er ist nicht
festgefahren“, urteilt der YB-Sportdirektor und frühere Frankfurter
Bundesliga-Profi Christoph Spycher,
„er ist jemand, der über den Tellerrand hinausschaut, Entwicklungen
beobachtet, dabei Dinge aber nicht
einfach kopiert, sondern versucht,
sich etwas für seine Arbeit herauszuziehen. Jemand, der sich ständig
Erfolgsgeschichte wie folgt: „In Bern
war es drei Jahre lang nicht einfach,
herauszufinden, was Seoane-Fußball
ist – aber vielleicht liegt gerade darin
das Geheimnis seines Stils: die Unberechenbarkeit, der Pragmatismus.“
Pragmatismus! Den Ästhetik-Extremisten unter den Bayer-Fans
dürften sich die Haare sträuben angesichts dieses Attributs. Doch vielleicht verspricht gerade dieses am
Ende den Erfolg, dem der Klub seit
dem Pokalsieg 1993 hinterherläuft.
Zweifel ist Seoane gewohnt. Die
gab es schon, als er 2018 zu den Young
Boys wechselte. Schließlich hatte
er damals gerade einmal ein halbes
Jahr als Profi-Trainer vorzuweisen.
Seitdem kletterte er zügig auf der Karriereleiter. In einem halben Jahr als
Cheftrainer führte er den FC Luzern
vom vorletzten auf den 3. Platz der
zehn Mannschaften starken Schweizer Liga. Seine Arbeit beeindruckte
Spycher dermaßen, dass er Seoane
2018 trotz so wenig Erfahrung zum
Nachfolger des damals nach Frankfurt gewechselten Hütter machte.
Jetzt wagt Seoane selbst den Schritt
in die Bundesliga.
Bayers Neuer („Ich atme
24 Stunden Fußball“) ist kein Zampano, kein Fußball-Guru, dem Genialität nachgesagt wird. Vielmehr ein
von Akribie Getriebener, der eine Online-Plattform („Plan & Play“) mitentwickelte, die Trainer im Nachwuchsbereich und in unteren Ligen bei der
Trainingsplanung unterstützt.
Er bringt in jedem Fall gute
Voraussetzungen mit, um Leverkusens Multikulti-Kader erfolgreich
zu dirigieren. So spricht der Sohn
spanischer Eltern, der das Schweizer Bürgerrecht sowie die spanische
Staatsbürgerschaft besitzt, neben
Deutsch und seiner ersten Muttersprache Spanisch auch Englisch,
Französisch und Italienisch fließend,
sein Portugiesisch gilt als gut.
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5. JULI 2021
Sein systematischer Ansatz ist
relativ klar zu umreißen. In Bern
favorisierte Seoane ein 4-4-2 mit Doppelsechs, ließ aber auch mal in einem
4-1-4-1 oder einem 4-2-3-1 spielen.
Systeme, die zum Leverkusener Kader mit schnellen und spektakulären
Flügelspielern passen.
Allerdings ist Seoane jemand,
der nur auf dem Platz für Unterhaltung steht. Bayer bekommt keinen
Entertainer. Die mediale Bühne ist
nicht seine. Seoane ist kein Trainer,
der Journalisten und Fans mit Wortwitz und Charme für sich gewinnt,
sondern in der Außendarstellung
sehr kontrolliert und nüchtern.
Im Umgang mit seinen Profis ist
dies anders. „Er beherrscht das Spiel
mit Distanz und Nähe“, sagt Spycher,
„er ist sehr klar in seinen Ansagen auf
dem Platz, aber er ist auch ein Trainer, der Nähe zulässt. Nach außen
möchte er aber nur fachlich überzeugen.“ So gilt der Familienvater extern
als unnahbar, sein Privatleben hält er
weitestgehend von der Öffentlichkeit
fern. Als Spieler konnte er sein spanisches Temperament hingegen des
Öfteren nicht verheimlichen.
In seiner Zeit in La Coruna von
2000 bis 2002 erwarb er sich den
Ruf, das Nachtleben durchaus zu
genießen. Seoane kam bei Deportivo
nur in der zweiten Mannschaft zum
Einsatz, galt als Streuner, der keine
RO L F F RI N G E R
Duell im Europa-League-Sechzehntelfinale 2020/21: Bern und
Gerardo Seoane setzten sich gegen Peter Bosz und Bayer durch.
Disziplin hatte, und kehrte in die
Schweiz zurück. Die Karriere des
zentralen Mittelfeldspielers, dem die
Dynamik fehlte, der aber mit einer
sehr feinen Technik wuchern konnte,
verlief eher überschaubar.
Und in seinem letzten Jahr als
Profi, inzwischen mit seiner taktischen Kompetenz in die Innenverteidigung versetzt, erlebte der damalige Luzern-Coach Rolf Fringer den
Leader Seoane auch als Stimmungs-
macher. Nach vier Niederlagen in
Serie setzte der frühere Trainer des
VfB Stuttgart seinen Kapitän ab und
verbannte ihn in die Reservemannschaft, weil er die Loyalität vermisste.
„Er nahm negativen Einfluss auf die
Mannschaft und die jungen Spieler“, erklärte Fringer damals. Der
Vorwurf: Seoane habe Grüppchen
gebildet und gegeneinander ausgespielt, Stimmung gegen den Trainer
gemacht. Heute stimmt Fringer, der
sich mit Seoane später aussprach,
wahre Lobeshymnen auf diesen an
(siehe Interview unten).
Denn Seoane hat aus seinem
damaligen Handeln Schlüsse gezogen. Auch für sein eigenes Credo
als Fußballlehrer. „Alle müssen mit
ins Boot. Vielleicht hatte ein Trainer Mühe mit dem Spieler Seoane.
Ich finde: Es ist die Aufgabe eines
Trainers, auch mit unangenehmen
Spielern zurechtzukommen“, sagt er.
Heute erlebt man zudem einen
ganz anderen Gerardo Seoane. Spycher, der 2004/05 mit diesem bei
Grasshopper Zürich spielte, sah sich
in den Gesprächen mit Seoane vor
dessen Engagement in Bern einem
veränderten Menschen gegenüber,
stellte bei seinem Gegenüber eine
„unglaubliche Klarheit und Ruhe“
sowie eine „große menschliche Entwicklung“ fest.
Der Schweizer hat sie offenbar
durchlaufen. In Leverkusen hoffen
sie, dass er auch bei der Werkself
eine entsprechend positive Genesis anstoßen kann. „Er wird eine
Bereicherung für die Bundesliga
sein“, verteilt Geschäftsführer Rudi
Völler Vorschusslorbeeren an den
Neuen. Ab Dienstag, wenn Seoane
seine Profis zum ersten Training
bittet, liegt es an ihm, den nächsten
Schritt anzugehen – für sich und für
Bayer 04.
STEPHAN VON NOCKS
Der frühere VfB-Trainer und Schweiz-Experte über seinen ehemaligen Schützling
„Gerry Seoane ist ein kompletter Trainer“
r ist ein Kenner des Schweizer Fußballs, trainierte unter
anderem den FC Aarau, den
FC Zürich und die Grasshoppers,
den FC St. Gallen und den FC Luzern. Von Juli 1995 bis
August 1996 arbeitete Rolf
Fringer beim VfB Stuttgart
in der Bundesliga. Der heute 64-Jährige weiß, was für
einen Trainer Bayer 04 mit
Gerardo Seoane verpflichtet hat –
und was für den 42-Jährigen die
größte Umstellung wird.
Fähigkeiten gehören zusammen.
Er ist ein herausragender Trainer.
Herr Fringer, was für einen Trainer
bekommt Leverkusen?
Auf dem Platz wird es nichts
geben, woran er sich gewöhnen
muss. Aber an das ganze Drumherum – das sind ganz andere Dimensionen, mit denen man aber
auch schnell zurechtkommen
kann: Die Zuschauer und die Medienarbeit sind in Deutschland
ganz anders. Es ist derselbe Unterschied, ob man einen guten Film
zu Hause auf der Couch oder in
einem Kino schaut. Im Kino wirkt
derselbe Film ganz anders.
Mit Gerry Seoane bekommt Bayer 04 einen kompletten Trainer
insofern, als er von der taktischen
Seite alles durchblickt, mit allen
Wassern gewaschen ist. Da ist
er absolut auf der Höhe. Darüber hinaus ist er auch in Sachen
Empathie und Sozialkompetenz
sehr stark. Da ist alles durchdacht.
Deshalb sage ich auch, dass er ein
kompletter Trainer ist. Denn beide
Der als Cheftrainer in seiner Karriere aber weder in seinen drei Jahren
Bern noch zuvor in einem halben
Jahr in Luzern eine Krise
meistern musste.
Ja, das stimmt. Er hat bislang noch keine Krise erlebt – allerdings auch, weil
er so gut ist.
Sie haben selbst 1995 den Schritt
aus der Schweiz in die Bundesliga
gewagt. Was wird für Seoane die
größte Umstellung werden?
Als Trainer hat Seoane bislang keinerlei Angriffsflächen geboten. Als
Spieler war das noch ganz anders.
Ja, das war so. Ich hatte in Luzern ja auch eine Geschichte mit
ihm, als ich ihn als Kapitän aus
der Mannschaft geworfen habe.
Ich glaube, dass er gewisse Dinge,
die er als Spieler realisiert hat, verbessert hat. Er hat daraus gelernt.
Er hat sich in der Kommunikation
weitergebildet und auch als Persönlichkeit weiterentwickelt. Das
spricht für ihn als Trainer. Da hat er
sich enorm gesteigert. Ich glaube,
er hat gut reflektiert. Deswegen
sehe ich ihn auch als kompletten
Trainer an. Es ist schwierig, ihm
als Journalist etwas anzuhängen.
Auch, weil er nicht auf einen Spielstil festzunageln ist?
Wenn du in der Schweiz mit Bern
spielst, wirst du die Spiele meist
gewinnen, wenn du offensiv
spielst, weil du einfach die bessere
Mannschaft hast. Aber in solchen
Spielen wie gegen Leverkusen in
der Europa League (Bern gewann
4:3 und 2:0, Anm. d. Red.), geht
das nicht. Da braucht es List und
Cleverness. Gerry Seoane sieht,
wann es was braucht. Und das
kann man bei Weitem nicht von
jedem Trainer sagen.
INTERVIEW: STEPHAN VON NOCKS
Fotos: imago images
E
Als Spieler unter Trainer Fringer
in Luzern aktiv: Gerardo Seoane
5. JULI 2021
19
topthema
Hiundn
weg
Foto: firo/Witters
Marco Rose ist da und
Jadon Sancho so gut wie
weg: D ORTM U N D stehen
spannende Wochen bevor.
Der alte Sinnspruch von Vereinslegende Adi Preißler ist in Dortmund so fest
verankert, dass er sogar eine Wand im
Stadion ziert: „Grau is’ im Leben alle
Theorie, aber entscheidend is’ auf’m Platz.“ Am
Sonntag um 10.29 Uhr stand Neu-Trainer Marco
Rose auf dem Rasen des BVB-Trainingsgeländes
in Dortmund-Brackel und begann seine erste Einheit mit einer siebenminütigen Ansprache an die
zehn Feldspieler und zwei Keeper. Seinen Dienst
hatte Rose mit den Co-Trainern René Maric und
Alexander Zickler bereits am Mittwoch angetreten
und in den folgenden Tagen Gespräche geführt,
Spieler kennengelernt und nach seiner Antrittspressekonferenz im Stadion auch den ersten Blick
in die neue Kabine geworfen.
„Arbeiter-Fußball“, wolle er spielen lassen,
hatte der entspannt und erholt wirkende 44-Jährige
bei seinem ersten Auftritt versprochen, „viel laufen,
Bälle gewinnen und das Stadion hinter sich bringen.“ Die Defensive soll stabilisiert werden, dazu
kommt der „Anspruch, guten Fußball zu spielen
und den Gegner zu dominieren“. Genau dafür hat
der BVB Rose verpflichtet, betonte Sportdirektor
Michael Zorc: „Es gibt eine sehr gute Balance
zwischen dem nötigen Spiel gegen den Ball mit
Gegenpressing und Umschaltspiel, aber auch ein
Rose sicher, der ohnehin nicht damit rechnen konnSpiel gekennzeichnet von guten und kreativen
te, den hochbegabten Außenbahnspieler in seinem
Lösungen bei eigenem Ballbesitz.“
Kader zu haben. Sicher ist, dass die Ablöse nicht
Zeitgleich zu Roses ersten Aussagen als
im vollen Umfang in einen Neuzugang reinvestiert
BVB-Trainer am späten Donnerstagvormittag
wird, zumal Sanchos Ex-Verein, dem Unitedverkündete der börsennotierte Verein per Ad-hocStadtrivalen Manchester City, 15 Prozent der SumMeldung die nicht mehr überraschende Nachme zustehen. Ein Teil der Einnahmen wird zuricht, mit Manchester United eine grundsätzliche
dem benutzt, um den „Corona-Verlust“ von rund
Einigung über den Transfer von Jadon Sancho
75 Millionen Euro etwas abzufedern.
getroffen zu haben. Zum AbGeld für einen Ersatz ist
schluss fehlen unter anderem „Es war Jadons Wunsch. aber dennoch da, Schnellignoch die sportmedizinischen
keit und eine gute Ausbeute an
Untersuchungen des Spielers, Er hat sich fantastisch Toren und Vorlagen sind die
verhalten.“
der sich am Samstag mit der
Parameter für den Neuen. Dieenglischen Nationalmannses Profil erfüllt der intensiv
Hans-Joachim Watzke, BVB-Boss
schaft fürs EM-Halbfinale quaumworbene Niederländer Donlifizierte. Zu der fixen Ablöseyell Malen von der PSV Eindsumme von 85 Millionen Euro
hoven, der seine Qualitäten in
kommen mögliche Nachzahlungen, die teils an
der vergangenen Saison in der Eredivisie (19 Tore,
sehr niedrige Bedingungen geknüpft sind.
8 Vorlagen) und der Europa League (7 Tore, 2 VorEs bleibt ein enormer sportlicher Verlust. „Wir
lagen) nachwies und für die Nationalmannschaft
freuen uns nicht über das Geld“, kommentierte Gebei der EM ebenfalls zwei Treffer vorbereitete. Der
schäftsführer Hans-Joachim Watzke und betonte:
22-Jährige wäre allerdings kein Eins-zu-eins-Ersatz
„Wir sind traurig, dass er weg ist. Es war am Ende
für Sancho, sondern spielt bevorzugt als Mittelstürdes Tages der exemplarische Wunsch von Jadon,
mer. Da in Dortmund auf dieser Position Erling
wir hätten ihn lieber hierbehalten.“ Der 21-Jährige
Haaland gesetzt ist, spräche viel für ein System
habe sich aber „fantastisch verhalten“ – das war
mit zwei Angreifern, zum Beispiel in Form einer
bei wechselwilligen BVB-Profis in der jüngeren
Raute, Roses Lieblingsgrundordnung.
Vergangenheit schon anders.
Es werden intensive Wochen in Dortmund –
Die Nachfolge des Briten, der vergangene
was dabei entscheidend ist, hat Adi Preißler ja
Spielzeit trotz Verletzungspause in 38 Pflichtspiebereits hinterlegt.
PATRICK KLEINMANN
len insgesamt 37 Scorerpunkte sammelte, ist hinter
den Kulissen schon lange in Planung, „Wenn wir
Was der Sancho-Wechsel für ManUnited
gute Spieler verlieren, holen wir gute dazu“, war sich
bedeutet, lesen Sie auf der Seite 54
20
5. JULI 2021
Bayerns Auftakt mit Hindernissen
Neu-Trainer J U L I A N N AG E L S MANN (33)
startet direkt mit einer Hiobsbotschaft.
Denn Lucas Hernandez fällt länger aus.
M ÜN C H E N
Foto: imago images/MiS
Und nun geht es los.
Wochen wieder voll zur Verfügung
Neu-Trainer Julian Nagelsstehen“ solle. Doch aufgepasst: Schon
mann startet in dieser
im Sommer 2019, als er von Atletico
Woche aktiv in sein Amt
Madrid an die Isar wechselte, hatte
an der Säbener Straße. An diesem
der Verteidiger mit einer KnieverMontag treffen sich die Beteiligten,
letzung zu kämpfen. Er brauchte
am Dienstag steht die Leistungseine Weile, um sich bei den Bayern
diagnostik an, am Mittwoch wird zum
zurecht- und einzufinden, um in seiersten Mannschaftstraining geladen.
nen Rhythmus zu kommen. Umso
Vorerst allerdings im kleinen Kreis.
heftiger trifft ihn und den Klub nun
Die EM-Teilnehmer, dazu Dayot Upadieser erneute Rückschlag. Denn in
mecano, der erst ab 15. Juli einsteigen
der zweiten Hälfte der abgelaufedarf, und Alphonso
nen Saison schien
Davies, der für Ka„Die Ärzte sind mit sich Hernandez
nada am Gold Cup
immer besser in das
der OP zufrieden.“ Münchner Spiel zu
teilnehmen wird,
werden den Auftakt
integrieren.
Hasan Salihamidzic, Sportvorstand
verpassen.
Nach den AbFür Nagelsgängen von David
mann, der für eine Rekordablöse
Alaba und Jerome Boateng, den
von 15 Millionen Euro plus Boni nach
beiden gesetzten Innenverteidigern,
München kam, ist es daher ein erstes
sollte der Franzose nun ein fester
Abtasten. Und schon gleich mit dem
Bestandteil der Abwehrzentrale
Beginn seiner Bayern-Zeit muss der
sein. Neben Upamecano, schließ33-Jährige einen Ausfall kompenlich konnte sich Niklas Süle weder
sieren. Lucas Hernandez, der sich
in der vergangenen Saison noch bei
während des kontinentalen Turniers
der Europameisterschaft so richtig
am Knie verletzt hatte, musste sich
in den Vordergrund spielen. Heißt:
einer Operation unterziehen. Der
Nagelsmann hat gleich zum Start
französische Nationalspieler habe
ein Abwehrproblem zu lösen. Sein
sich während der EM „einen Einriss
Vorteil: Er kennt Süle noch aus Hofdes Innenmeniskus zugezogen“, teilfenheimer Zeiten, weiß womöglich,
te der Verein am Sonntag mit. Der
wie er ihn wieder an das geforderte
25-Jährige, der fürs Abwehrzentrum
Niveau heranbringen kann. Es wird
vorgesehen ist, muss jetzt in die Reha
aber nicht einfach für den jungen
und wird dem Rekordmeister einige
Trainer, der, falls er seinen für fünf
Wochen fehlen. Wenngleich SportJahre unterschriebenen Vertrag ervorstand Hasan Salihamidzic sagt,
füllen sollte, an Ottmar Hitzfeld (1998
dass „unsere Ärzte sehr zufrieden
bis 2004) heranrücken könnte. Es ist
mit dem Verlauf der Operation sind“
die bislang längste Verweildauer auf
und Hernandez „schon in wenigen
der Bayern-Bank.
GEORG HOLZNER
Hat wieder Probleme:
Lucas Hernandez musste
in seiner Zeit bei den
Bayern schon oft leiden.
Profivertrag für Rechtsverteidiger – Müller ist die Ausnahme
Stanisic, Musiala und die Local Player
H
asan Salihamidzic klingt,
als ob der gesuchte Rechtsverteidiger gefunden sei:
„Wir trauen Josip zu, diesen ganz
wichtigen Schritt ins Profiteam
so gut zu setzen, wie ihm das auf
dem Campus gelungen ist“, sagt
er über Talent Stanisic, der einen Profivertrag bis 2023 unterschrieben hat. Bislang gehörte
der 21-Jährige zum Personal der
2. Mannschaft, Hansi Flick setz-
te ihn einmal in der Bundesliga
ein, beim 1:1 gegen Union Berlin
zwischen Hin- und Rückspiel der
Champions League gegen Paris.
Stanisic kann sich ab sofort bei
Julian Nagelsmann empfehlen.
Ein Grund für den Vertrag könnte zudem sein, die
Local-Player-Regelung zu erfüllen, wonach vier Spieler zwischen
ihrem 15. und 21. Lebensjahr drei
Jahre im Verein gespielt haben
müssen. Nach David Alabas Abschied trifft dies vom Stammpersonal nur noch auf Thomas Müller
zu. Dazu kommen die Torhüter
Christian Früchtl und Ron-Thorben Hoffmann, die ebenso wechseln könnten wie die zurückgekehrten Leihspieler Adrian Fein
und Joshua Zirkzee. Jamal Musiala (18) zählt in einem Jahr zu
den Local Players, dann ist er drei
Jahre beim FCB. FRANK LINKESCH
1. SPIELTAG
FREITAG, 13. AUGUST
20.30 UHR
Gladbach (3:2, 0:6) München
SAMSTAG/SONNTAG, 14./15. AUGUST
Dortmund
Wolfsburg
Union
Stuttgart
Mainz
Augsburg
Bielefeld
Köln
(1:2, 1:1)
(-, - )
(1:0, 1:1)
(-, - )
(3:2, 1:3)
(2:1, 1:3)
(1:0, 0:2)
(0:0, 0:0)
Frankfurt
Bochum
Leverkusen
Fürth
Leipzig
Hoffenheim
Freiburg
Hertha
5. JULI 2021
21
Der neue Trainer will die
BOR U SS I A zurück ins
internationale Geschäft
führen. Auf ihn wartet
eine Menge Arbeit.
Knapp 3000 Zuschauer begleiteten am Wochenende
im Borussia-Park die ersten
beiden öffentlichen Trainingseinheiten unter dem neuen
Cheftrainer Adi Hütter. Auf viele
seiner künftigen Stützen muss der
Österreicher noch eine Weile verzichten, weil die zehn EM-Teilnehmer erst nach einem dreiwöchigen
Urlaub dazustoßen und auch Ramy
Bensebaini, der nach Saisonende
mit Algerien Länderspiele bestritt,
später einsteigt. Doch das große Ziel
hat Hütter schon klar beschrieben: Er
will die Fohlen zurück nach Europa
führen. „Die Ansprüche in Mönchengladbach sind hoch, das weiß ich.
Aber auch mein Anspruch ist es,
wieder um die internationalen Plätze
zu kämpfen“, sagt Hütter. Zu tun gibt
es für den Nachfolger von Marco
Rose nach einem enttäuschenden
8. Platz einiges – und das sind seine
Aufträge, um den übergeordneten
Europa-Wunsch zu erfüllen:
Foto: GettyImages
BEGEISTERUNG ENTFACHEN Noch sind
gerade im Fanlager längst nicht alle
Wunden geheilt, die der von lautem
Getöse und allerlei Turbulenzen
begleitete Wechsel von Rose nach
Dortmund gerissen hat, aber auch der
krachende Absturz der Mannschaft
ab der Bekanntgabe des Abschieds.
Anders als vor zwei Jahren, als nach
der Rose-Verpflichtung rund um den
Borussia-Park ein regelrechter Hype
um den neuen Coach ausgebrochen
und die Euphorie geradezu greifbar
war, wird Hütter wohlwollend und
erwartungsvoll empfangen, es geht
nach den Erfahrungen der vergangenen Monate aber auch spürbar
ruhiger zu als beim Rose-Einstieg.
Über gute Arbeit soll Begeisterung
entfacht werden, nicht über markige
Sprüche. Hütter tritt sehr natürlich
und charmant auf, selbstbewusst
und mit klaren Vorstellungen, ohne
auch nur ansatzweise großspurig zu
wirken, das kommt schon mal an.
Überzeugt schnell auch die Spielweise der Mannschaft, dürften sich
die verbliebenen Wunden aus der
Rose-Zeit zügig schließen.
SPIELIDEE IMPLEMENTIEREN Wurde
der in Gladbach seit Jahren verankerte Ballbesitzfußball unter Rose
um die Komponenten Aktivität, höheres Pressing, mehr Aggressivität
erweitert, dürfte Hütter die angestoßene Evolution vorantreiben. Auf die
Hütters
Aufträge
Spielstärke des Teams wird er weiter
bauen, mehr Emotionalität herauszukitzeln versuchen und besonders
in Sachen Umschaltspiel seine Ideen
einbringen: „Wann attackieren wir?
Wo attackieren wir?“ Alles in allem
will Hütter mit den Fohlen nicht nur
erfolgreichen, sondern auch attraktiven und begeisternden Fußball präsentieren, „dafür“, sagt er, „stehe ich“.
DEFENSIVE STABILISIEREN Das wird
eine der wichtigsten Aufgaben für
Hütter sein. 56 Gegentore vergangene Saison – viel zu viele. Die Frage
nach der individuellen Qualität in der
Defensive stellt sich weniger, Hütter
muss daran arbeiten, dass das kollektive Verteidigen wieder funktioniert.
Darin lag das eigentliche Problem.
FÜHRUNGSSTÄRKE ZEIGEN Im Zusammenhang mit den vielen Gegentoren
steht auch, dass vergangene Saison
29 Punkte nach Führungen verspielt
wurden – Höchstwert in der Liga.
Hütter hat bei seiner Analyse erkannt: „In den Spielen hat manchmal
die letzte Konsequenz, die letzte Siegermentalität gefehlt, man hat zu wenig Entschlossenheit gezeigt, zu wenig den Fight angenommen. Da muss
man sicher den Hebel ansetzen.“
TEMPO ERHÖHEN Rose scheiterte
bei dem Versuch, aus den Borussen
ein sprintstarkes Team zu machen.
Ging es unter dem Hütter-Vorgänger im ersten Jahr zumindest hoch
ins Mittelfeld des Bundesliga-Rankings, war die Borussia in der ver-
gangenen Saison die Mannschaft
mit den zweitwenigsten Sprints, nur
Absteiger Bremen schlechter. Für
den Hütter-Fußball braucht es eine
hohe Intensität – da muss sich die
Mannschaft zwingend verbessern.
TALENTE FÖRDERN In den vergangenen zwei Jahren klopfte aus dem
Nachwuchs nur Rocco Reitz (19) richtig oben an, kam in der Bundesliga
zweimal zum Einsatz. Zu wenig für
einen Klub, der für eine starke Nachwuchsausbildung steht. Bei Hütter
werden sich in der Vorbereitung eine
ganze Reihe von Talenten vorstellen
und auch ihre Bewährungschancen
erhalten. Der Trainer macht aber
auch klar: „Am Ende geht es immer
um die Qualität.“
JAN LUSTIG
22
5. JULI 2021
Gefühls-Achterbahn
Wout Weghorst ist ein emotionaler
Willen hat, das wissen sie in Wolfsburg. „Er geht
Mensch. Wie es in ihm aussieht, kann er
seinen Weg, ohne sich ablenken zu lassen“, sagt
nur schwer verbergen. Wenn er glücklich
Geschäftsführer Jörg Schmadtke mit Blick auf
ist, sieht das jeder, ebenso, wenn der Frust
dessen EM-Berufung. „Er hat immer für sich verin ihm überwiegt. Und irgendwie sitzt der Niesucht, maximalen Aufwand an den Tag zu legen.
derländer ständig in dieser Gefühls-Achterbahn,
Das hat funktioniert, dafür wurde er belohnt.“
wenn es um seinen Job geht. Die Verärgerung war
Und auch wenn das Happy End ausblieb, bot das
lange Zeit gewaltig, als der Bondscoach – zunächst
Turnier dem Stürmer eine zusätzliche Bühne, auf
Ronald Koeman, zuletzt Frank de Boer – ihn in
der er sich präsentieren konnte. Bislang jedoch ist
schöner Regelmäßigkeit trotz bees beim VfL sehr ruhig, was die
ständig nachgewiesener Klasse in
Van Bommel hatte Personalie Weghorst betrifft. Ein
der Bundesliga überging. Und die
Angebot gebe es bislang nicht,
Freude war riesig, als er doch noch zum Stürmerstar des versichern die Verantwortlichen,
auf den EM-Zug aufsprang, sich VfL schon Kontakt. jedoch ist der Stürmermarkt auch
sogar zunächst einen Startplatz
noch nicht komplett in Wallung
ergatterte, zum Auftakt gegen die
geraten. Grundsätzlich interesUkraine (3:2) traf. Die nächste Wendung in der
sierte Vereine sind reichlich vorhanden, jedoch
Achterbahn ließ jedoch nicht lange auf sich warten.
muss vieles zusammenkommen, damit Weghorst
Weghorst verlor seinen Platz, Holland sein Achtel(Vertrag bis 2023) den VfL verlässt. Zumal er in
finalspiel gegen Tschechien (0:2). Turnier vorbei,
Wolfsburg erstmals in seiner Karriere in der
Weghorst frustriert. In welchem Gemütszustand
Königsklasse spielen könnte. Boss Schmadtke gibt
kommt er in circa zwei Wochen nun zurück nach
sich entspannt, weiß aber auch, dass sich die Lage
Wolfsburg? Bleibt er überhaupt beim VfL?
rasch ändern kann. „Wenn ein Angebot kommt“,
Die Fragen nach der Zukunft von Weghorst
sagt der Manager, „das alle Seiten befriedigt, dann
sind so konstant wie seine Erfolgserlebnisse auf
verändern sich die Dinge.“
dem Rasen. 17, 16 und nun 20 Tore hat der Angreifer
Aktuell urlaubt Weghorst noch in seiner
im Trikot der Niedersachsen erzielt, parallel dazu
Heimat, sammelt Kraft, fährt, das musste er lernie einen Hehl daraus gemacht, gerne noch einen
nen, mal komplett runter. Sein neuer Trainer und
weiteren Karriereschritt, bevorzugt in England,
Landsmann Mark van Bommel sagt: „Kontakt zu
gehen zu wollen. Auch jetzt ranken sich wieder
ihm hatte ich schon. Er war natürlich sauer, dass
Gerüchte (Tottenham, Newcastle, West Ham)
er ausgeschieden ist mit Holland.“ Für einige Tage
um den 1,97-Meter-Mann, der am 7. August 29
kommt die Gefühls-Achterbahn nun zum Stehen.
wird und nicht mehr ganz viel Zeit hat, sich seine
Mitte Juni nimmt sie dann wieder an Fahrt auf –
Träume zu erfüllen. Dass Weghorst einen eisernen
Stand jetzt in Wolfsburg.
THOMAS HIETE
H O F F EN H EI M
„Er geht seinen
Weg“: Jörg
Schmadtke über
Wout Weghorst
Foto: Witters
Noch gibt es kein Angebot für Wolfsburgs Torjäger
WO UT W EG H O R ST (28). Doch das könnte sich ändern.
Wie plant der kroatische Topstürmer? – Norwich wirbt um Bebou und blitzt ab
Kraichgauer K&K-Fragen: Kramaric und Kapital
Noch ist Andrej Kramaric (Foto) nicht in
Hoffenheim. Was wenig
verwunderlich ist, weil
der Stürmer mit Kroatiens Nationalelf bis vergangenen Montagabend bei der EM vertreten war.
Fürs Erste darf Kramaric
urlauben, den TSG-Trainingsauftakt am Sonntag
verpasste er.
Spätestens aber bei
seinem Einstieg werden
sich im Kraichgau die K&K-Fragen
stellen: die nach Kramarics Zukunft und die nach dem Kapital.
Dem Ausnahmeangreifer liegt
bekanntermaßen ein TSG-Angebot vor, die Vertragsdauer über
2022 hinaus auszudehnen. Dass
er das Zeug für einen Champions-
League-Klub hat, ist unbestritten,
auch wenn seine EM-Auftritte
keine Eigenwerbung darstellten.
Dass speziell italienische Topklubs Kramaric seit jeher auf dem
Zettel haben, ist ebenso wenig ein
Geheimnis. Nur: Eine geschätzte
Ablöse von 13 bis 15 Millionen Euro für einen 30-Jährigen sind längst nicht alle
Vereine aus dem Spitzensegment der Serie A zu
stemmen bereit. Finanziell am besten ausgestattet sein
soll derzeit AC Mailand, der zudem mit dem gewichtigen Pfund
Königsklasse werben kann.
Sollte Kramaric das Hoffenheimer Angebot nicht annehmen,
müssten die Handelnden überlegen, was sie tun: ihren besten
Mann in Kapital ummünzen, um
ihn in einem Jahr nicht ablösefrei
zu verlieren? „Man muss auch
nicht immer jeden Spieler zu
Geld machen“, hatte Alexander
Rosen Ende Mai betont mit Blick
auf Kramaric. Natürlich hat der
Direktor Profifußball damit recht.
Zumal ein Verkauf irgendwo ein
Signal wäre, dass Hoffenheim sich
gemütlich im Mittelmaß einrichten mag.
Denn wer soll dann der
künftige Angriffshochkaräter
sein? Unabhängig von seinem
aktuellen Leistungsvermögen soll
das Verhältnis mit Ishak Belfodil nach wie vor kompliziert sein
nach der bitteren Verletzungsgeschichte des Frankoalgeriers. Und
Munas Dabburs Quote stimmte
eben nur in der Europa League,
in der sportlich anspruchsvolleren Bundesliga nicht. Dass er vor
seiner verfrühten Abreise nach
Israel wegen kolportierter Visumprobleme seiner Ehefrau viermal
in Serie 90 Minuten auf der Bank
schmorte, soll der 29-Jährige
eher verschnupft aufgenommen
haben.
Dabei hatte Ihlas Bebou
schlicht und ergreifend die besseren Argumente mit neun Ligatoren und acht Vorlagen. Das
ist auch Norwich City nicht verborgen geblieben, der PremierLeague-Rückkehrer fühlte nach
kicker-Informationen vor beim
27-Jährigen. Und kassierte eine
Absage vom bis 2023 gebundenen
Angreifer.
BENNI HOFMANN
5. JULI 2021
Aufbruch mit Fragezeichen
Neuer Plan, neues
Personal: Jetzt hängt
bei HERTH A BS C viel
davon ab, ob und
wann die restlichen
65 Millionen Euro
von Lars Windhorst
beim Klub eingehen.
Mit einer „rasanten Komödie“ wirbt der Ausrichter
und verspricht mit seinem
Open-Air-Sommertheater
„einen unterhaltsamen Abend“.
Direkt am Ufer des Ruppiner Sees
bringen durchaus namhafte Schauspieler wie Walter Plathe, einst im
ZDF „Der Landarzt“, William Shakespeares Stück „Was ihr wollt“ in
diesen Tagen zur Aufführung.
Direkt daneben, im Vier-SterneHotel „Resort Mark Brandenburg“, logiert noch bis zum Mittwoch Hertha
BSC. Die Lust auf komödiantische
Abend-Unterhaltung ist in den Reihen der Vereinsprotagonisten aktuell
eher begrenzt. Die Spieler, die im
Camp die athletisch-konditionellen
Grundlagen für die Saison legen,
sind froh über jede Ruhephase. Die
Klub-Bosse, die in den vergangenen
Tagen nach und nach im Quartier in
Neuruppin eintrafen, haben ebenfalls
keinen Mangel an Arbeit. Der Umbau
des Kaders, die Integration der zehn
Neuen um Kaderplaner Dirk Dufner,
Fotos: Winter (2), imago images
Aus dem Hertha-Trainingslager
in Neuruppin berichtet
Steffen Rohr
den Technischen Direktor Sebastian
Zelichowski und Chefscout Babacar
Wane, die seit dem 1. Juli das Team
hinter dem Team verstärken – bei
Hertha bewegt sich viel. Eine Armada
an Mitarbeitern hat Geschäftsführer
Fredi Bobic, der am 1. Juni begonnen
hatte, nach Berlin gelotst. „Ich habe
das Gefühl, dass eine neue Energie
durch den Verein geht“, sagt Sportdirektor Arne Friedrich. „Wir sind
jetzt breiter und besser aufgestellt.“
Der Personalaufbau geht einher
mit einem Strategieprogramm, mit
dem Hertha die Zukunft bewältigen will. Ein viermonatiger interner
23
Aufregung durch und beim
Investor: Lars Windhorst
dementierte sofort am
Donnerstag via Twitter die
Onlinemeldung des kicker.
Die stimmte aber.
Bo
Analyseprozess, extern unterstützt
von der Unternehmens- und Strategieberatung Bain & Company,
mündete in „ein umfassendes Netz
an Maßnahmen“, wie Hertha-CEO
Carsten Schmidt sagt. Sechs Handlungsfelder, 40 Initiativen und ein
dezidierter Plan für die nächsten drei
bis vier Jahre: Hertha will sich von
innen heraus erneuern und strebt
eine klarere Identität, stärkeren
Berlin-Bezug, höhere Umsätze und –
vor allem – mehr sportlichen Erfolg
an. Schmidt, seit 1. Dezember im Amt,
sieht Hertha „jetzt mit einem klaren
Plan für die Zukunft ausgestattet“.
Nach zwei ernüchternden Jahren
mit den Plätzen 10 und 14 wähnt er
den Klub in einer aussichtsreichen
Ausgangslage: „Wir haben jetzt die
Chance, unsere Aufholjagd fundiert
und nachhaltig zu starten.“
Hertha will sportlich und wirtschaftlich zum oberen Liga-Drittel
aufschließen. Bobic propagiert „ein
anderes Denken“ und kündigt an:
„Auf Dauer werde ich mich nicht
damit zufriedengeben, vor sich hinzuarbeiten.“ Es ist ein Aufbruch –
aber einer mit Fragezeichen. Der
Kader, der dringend Verstärkung auf
den Flügeln braucht und zugleich
Verkaufserlöse bringen soll (Matheus
Cunha, Dodi Lukebakio), ist längst
noch nicht fertig. Und mit welchen
Bordmitteln der
neue Sport-Frontmann Bobic in dieser für Hertha so
wichtigen Transferperiode agieren
kann, ist ungewiss.
Dieser Montag dürfte mehr
Klarheit bringen. Er
wird für Hertha entweder
zum Zahltag – oder zum Qualtag.
Die vorletzte Tranche von Investor
Lars Windhorst, Volumen 35 Millionen Euro, sollte vertragsgemäß
eigentlich am 1. Juli bei Hertha
eingehen. Nachdem der kicker am
Donnerstagabend publik gemacht
hatte, dass das Geld nicht da ist (siehe
Ausriss oben), setzte in beiden Lagern hektische Betriebsamkeit ein.
Der Klub verkündete, der Zahlungseingang sei „für Montag vereinbart“ –
während Tennor-Chairman Windhorst in seinem neuen Lieblingsmedium Twitter schneller auf Angriff umschaltete als Hertha in vielen Spielen
der vergangenen Saison: „Die Tranche wurde heute (Donnerstag; Anm.
d. Red.) wie vereinbart und nachweislich an Hertha BSC überwiesen. Es
droht keine Pfändung! Das nennt
man dann wohl kicker-Eigentor.“
Angekommen war das Geld bis
zum Wochenende indes nicht. Insge-
bi
c
samt stehen noch
65 Millionen aus:
35 Millionen jetzt,
weitere 30 Millionen am 15. August.
Bleibt das Geld
aus, steht weiterhin eine Pfändung
von Windhorsts
dt
i
hm
Hertha-Anteilen
im
c
S
Raum. Die Wirtschaftswoche berichtet in ihrer aktuellen
Ausgabe, Windhorsts Außenstände
würden sich „auf insgesamt 2,5 Milliarden Euro summieren, verpackt in
zig Anleihen“. Windhorst, der 2019
für 224 Millionen Euro zunächst
49,9 Prozent der Hertha BSC GmbH
& Co. KGaA erworben hatte und im
Sommer 2020 zusagte, mit weiteren 150 Millionen seinen Anteil auf
66,6 Prozent aufzustocken, sagt in
der Wirtschaftswoche: „Es ist manches anders, als wir es uns vorgestellt
haben.“ Der Eindruck ist beidseitig.
Seit einem Jahr wurde der für die
150 Millionen ausgearbeitete Zahlungsplan mehrfach angepasst. Die
Sechs-Seiten-Story der Wirtschaftswoche über Stehaufmann Windhorst
trägt die Überschrift: „Sein Endspiel.“
Bei Hertha hegen sie auch unter
Bobic den Traum vom Endspiel: im
DFB-Pokal – nicht beim Ringen um
vertraglich fixierte Zahlungen.
24
5. JULI 2021
„Das Knie fühlt
sich gut an wie
lange nicht“
Kölns Stürmer kämpft mit
einer hartnäckigen Blessur.
S E B ASTI A N A N D E R SS ON (29)
sieht aber nun Fortschritte.
Sie haben am Samstag Ihren Medizincheck absolviert, Herr Andersson. Wie
geht’s, was macht vor allem das Knie?
Alles okay. Es waren die üblichen
Tests vor Beginn der Vorbereitung:
Fahrrad fahren, Herzcheck und diese
Dinge. Die liefen gut.
Das heißt, Sie steigen an diesem Montag mit ins Training ein, wenn der FC
die Vorbereitung aufnimmt?
Nein, noch nicht. Ich werde es in den
ersten Tagen noch etwas langsamer
angehen lassen, aber danach mit dem
Team trainieren.
Interims-Sportchef Jörg Jakobs berichtete zuletzt, dass Sie Ihr Knie einer
„speziellen Therapie“ unterzogen hätten. Was hat es damit auf sich?
Ich war in Belgien, habe dort mit
einem Fitness-Trainer gearbeitet.
Es war keine spezielle Therapie, sondern normales Reha-Training, um die
Muskulatur zu stärken, um dadurch
das Knie zu entlasten.
Hat das die Probleme behoben? Wie
belastbar ist Ihr Knie?
Ich habe jetzt natürlich wochenlang
keinen Fußball gespielt. Aber das
Knie ist momentan sehr stabil, es
fühlt sich sehr gut an.
Sie kämpfen seit Monaten mit der
Verletzung. Können Sie garantieren,
dass das Knie nun halten wird?
Garantieren kann ich nichts. Aber
ich bin sehr zuversichtlich. Die vergangene Saison war natürlich sehr
schwierig. Ich habe mich oft gefragt,
was los ist, warum es nicht besser
wurde. Erst am Saisonende ging es
„Garantieren kann ich
nichts, aber ich bin
sehr zuversichtlich.“
dann etwas aufwärts mit dem Knie.
Jetzt, nach einigen Wochen Pause
und dem Reha-Training, ist es viel,
viel besser. Das Knie fühlt sich so
gut wie schon lange nicht mehr an.
Aber ich kann nicht zu 100 Prozent
versprechen, dass es wieder wie früher sein wird.
Wie bedrohlich ist diese Verletzung?
Haben Sie ans Karriereende gedacht?
Nein, habe ich nie, und ich habe
auch nie gehört, dass jemand zu mir
gesagt hat, dass ich meine Karriere
beenden muss.
Wie gefährlich ist die Verletzung also?
Ich konnte in der vergangenen Saison
nie 90 oder 100 Prozent geben. Es war
sehr lästig. Dann macht es irgendwann einfach keinen Sinn mehr zu
spielen. Ich will der beste Sebastian
Andersson sein, der ich sein kann.
Sonst funktioniert es nicht.
Können Sie bestätigen, dass ein Knorpelschaden die Probleme verursacht?
Ich möchte nicht ins Detail gehen,
sonst sage ich noch etwas Falsches.
Es ist kompliziert. Die Ärzte müssten
das erklären. Letztes Jahr wurde mir
gesagt, es seien die Nerven, da war
ich in München zu einer Nervenbehandlung. Später hieß es, es sei
dieses oder jenes, oder das oder das.
Ich weiß schon gar nicht mehr, was
genau es sein soll … Ich habe jetzt jedenfalls meine ganze Sommerpause
genutzt, um erst mal runterzufahren
und dann das Knie gezielt zu stärken, um die gleiche Kraft wieder in
meinem rechten Bein zu haben wie
im linken.
Was genau haben Sie in Belgien gemacht? War oder ist eine Stammzellentherapie auch ein Thema?
Nein, eine Stammzellentherapie ist
für mich keine Option. Ich habe auch
mit keinem Arzt darüber gesprochen.
Ich weiß auch gar nicht genau, was
das ist. Bei der Therapie in Belgien
ging es nur um Muskelaufbau. Ich
habe in der vergangenen Saison viel
Kraft und Muskeln im rechten Bein
verloren, weil ich es geschont und weniger trainiert habe. Deshalb musste
ich das jetzt nachholen.
Jörg Jakobs sagte, dass man abwarten müsse, ob die jüngste Therapie
Ihr Knie stabilisiere. In eine ähnliche
Richtung äußerte sich auch Steffen
Baumgart, Ihr neuer Trainer, bei seiner Vorstellung am Donnerstag. Es
herrscht also Ungewissheit. Zudem
sucht der Klub einen neuen Stürmer.
Inwieweit spüren Sie noch das Vertrauen Ihres Arbeitgebers?
Nach der vergangenen Saison wollen
sie nicht noch einmal in der Situation sein, dass sie sich nur auf mich
verlassen müssen. Das ist doch klar.
Ich verstehe deshalb, dass sie einen
weiteren Stürmer haben wollen. Ich
muss ihnen nun beweisen, dass ich fit
bin und sie auf mich zählen können.
Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit dem neuen Trainer. Ich
weiß, dass seine Spielweise für offensive Spieler wie mich gut ist. Wie
gesagt: Ich bin sehr zuversichtlich.
In Ihren zwei Jahren bei Union Berlin
haben Sie 67 von 68 möglichen Ligapartien bestritten. Seit Ihrem Wechsel
nach Köln macht Ihnen allerdings das
Knie zu schaffen. Woher kommen die
Probleme?
Keine Ahnung. Verletzungen gehören zum Sport dazu. Das ist so,
macht es aber nicht einfacher sie
zu ertragen, wenn es dich dann erwischt – insbesondere, wenn es nach
einem Wechsel zu einem neuen Klub
passiert. Du willst ja spielen, du willst
dich beweisen. Das ging nicht. Ich
habe eine schwere Zeit hinter mir,
vor allem mental. Aber ich hoffe,
dass das Knie nun besser ist – und
ich fühle, dass es besser ist.
Während des ersten Lockdowns, im
Frühjahr 2020, da spielten Sie noch
für Union und waren verletzt. Damals
hieß es, es sei eine Knieverletzung. War
das dieselbe Verletzung, die Sie später
nach Ihrem Wechsel nach Köln immer
wieder außer Gefecht gesetzt hat?
Nein, das hatte mit dem Knie nichts
zu tun. Damals ging es um eine Muskelverletzung in meiner hinteren
Wade.
INTERVIEW: JAN REINOLD
Foto: Bopp
Es ist dieser Tage mal wieder viel von Hoffnung die
Rede in Köln. Der Hoffnung auf bessere Zeiten,
der Hoffnung auf einen erfolgreichen
Neustart unter dem neuen Trainer
Steffen Baumgart, nicht zuletzt der
Hoffnung, dass Sebastian Anderssons Knie hält. Der Schwede, vor
einem Jahr für rund sechs Millionen
Euro von Union Berlin verpflichtet, hat ein Seuchenjahr hinter sich.
Über seine Knieprobleme und seine
Zukunft beim 1. FC Köln spricht der
Angreifer im Interview.
[STRG]+[ALT]+D XX. XXXX 20XX
FREIBURG
25
Noch kein Neuzugang, aber ein ausgeruhter Trainer
An diesem Montag startet der SC Freiburg in die Vorbereitung – ohne externen Neuzugang. „Das große Bild bei
uns passt“, freut sich Sportvorstand
Jochen Saier angesichts des zuletzt starken
Abschneidens auf Rang 10: „Wir halten die
Gruppe zusammen, haben dadurch ein gutes
Fundament, das wir punktuell ergänzen und
damit optimieren wollen.“ Anders als nach
dem 8. Platz 2020, als Alexander Schwolow,
Robin Koch, Luca Waldschmidt und Mike
Frantz gingen, verlässt diesmal wahrscheinlich kein Schlüsselspieler den SC. Als Ersatz
für die Ergänzungsspieler Chang-Hoon Kwon
(Suwon Blue Wings) und Guus Til (nun von
Stammverein Spartak Moskau an Feyenoord
Rotterdam verliehen) erscheint nur die Verpflichtung eines Offensivspielers nötig. Wie
bei einem möglichen zweiten Zugang können
die Verantwortlichen ohne großen Handlungsdruck fallende Preise abwarten.
Wichtiger als ein guter neuer Spieler ist
laut Saier beim durch gute inhaltliche Arbeit
geprägten SC ohnehin ein ausgeruhter Trainerstab um Christian Streich, der während der
Saison oft am energetischen Limit wandelt.
Diese Voraussetzung sei durch die knapp
sechswöchige Pause erfüllt. Für Saier und die
BIELEF E L D
übrige Klubführung gilt das nicht unbedingt:
„Es waren eineinhalb extrem intensive Jahre,
aber es ebbt nicht ab. Der Corona-Spielbetrieb
wird uns weiter begleiten, hinzu kommt der
geplante Umzug ins neue Stadion und die
erstmalige Kombination mit unserer U 23 in
der 3. Liga. Die nächste Zeit wird vielleicht
noch intensiver“, mutmaßt der 43-Jährige, der
mit Sportdirektor Klemens Hartenbach aber
bereits für Entlastung des Gehaltsetats gesorgt
hat. Die zuletzt verliehenen Brandon Borrello
(Dresden), Chima Okoroji (Sandhausen),
Amir Abrashi (GC Zürich) und Florian Kath
(Magdeburg) wurden allesamt fix abgegeben.
Eine überraschende Wende hat sich derweil bei den zwei geplanten Olympia-Abstellungen ergeben. Sowohl Woo-Yeong Jeong als
auch Keven Schlotterbeck zählen nach kickerInformationen nun doch nicht zum Kreis der
Nominierten. Da Jeong nach der Saison kaum
Pause hatte und sich mit Südkoreas Auswahl
schon in einem Vor-Trainingslager befand,
bekommt er bis zum Start des Freiburger Trainingslagers am 15. Juli frei. Einen Tag vorher
sollen auch die EM-Fahrer Christian Günter (Deutschland), Philipp Lienhart (Österreich) und Roland Sallai (Ungarn) wieder
einsteigen.
CARSTEN SCHRÖTER-LORENZ
Offene Zukunft des Verteidigers
FÜRTH
Foto: imago images
Lauern auf fallende Preise
Selten so entspannt an der Seitenlinie zu sehen: Für
SC-Trainer Christian Streich geht es wieder in die Vollen.
Ein Schwerpunkt in der Vorbereitung
Pieper bleibt nur kurz
Leitl lehrt die Defensive
Der erste Test lief nicht gut
für Arminia Bielefeld, über
Twitter sah sich der Klub
gar bemüßigt, während des
Spiels gegen Drittligist SC Verl festzustellen, dass der Gegner schon in drei
Wochen in die neue Saison startet,
während es für den
DSC der erste Test
nach nur wenigen
Trainingstagen war.
Dennoch: Am Ende
stand ein 0:3 aus Sicht
des Bundesligisten, mit dem Trainer
Frank Kramer nicht einverstanden
sein konnte. „Natürlich haben wir
uns das anders vorgestellt“, sagte der
49-Jährige. „Man hat gemerkt, dass
vieles noch nicht eingespielt ist – wir
haben in allen Bereichen noch gut
Luft nach oben.“ Kramer setzt auf
den Lerneffekt: „Ich finde es gut,
dass wir jetzt einen Gegner hatten,
der unsere Fehler bestraft hat. Nur
so kommen wir weiter.“
Noch nicht mit dabei war in
Verl Amos Pieper (Foto), der nach seinem erfolgreichen Einsatz und dem
Titelgewinn bei der U-21-Europameisterschaft erst in dieser Woche ins
Training einsteigt – und sich in Kürze
300 Zuschauer im Stadion
begrüßten die 21 Feldspieler und vier Torhüter sowie
das Trainerteam um Stefan
Leitl am Samstagnachmittag beim
Trainingsauftakt mit viel Applaus
und Jubel. Verdiente Anerkennung
für das Geleistete, ab
sofort legt die SpVgg
jedoch sämtliche
Energie auf das Ziel
Klassenerhalt.
Ein Schwerpunkt in der Vorbereitung wird für
Leitl deshalb auf der Defensivarbeit
liegen: „Wir müssen noch besser verteidigen als in der 2. Liga, weil die individuelle Qualität in der Bundesliga
deutlich höher ist.“ 44 Gegentreffer
zuletzt waren zwar der drittbeste
Wert in der 2. Liga, zeigen aber auch
deutlich das Verbesserungspotenzial
in diesem Bereich. Mithelfen soll
Gideon Jung. „Es ist eine Herausforderung für jeden Einzelnen, aber
auch eine Chance, sich mit den Besten in Deutschland zu messen“, sagt
der Neuzugang vom HSV zur Bundesliga. Den 26-Jährigen plant Leitl
zunächst in der Innenverteidigung
ein, weil hier das Personal knapp ist.
schon wieder verabschiedet. Pieper
gehört zum deutschen OlympiaKader, Stefan Kuntz setzt wie in der
U 21 auf die Qualitäten des Bielefelder Innenverteidigers, der auf eine
gelungene Debütsaison in der Bundesliga zurückblicken kann. 30 Spiele
absolvierte der 23-Jährige, 2019 von
Borussia Dortmund gekommen, und
gehörte letztlich zu den Garanten für
den Klassenerhalt.
Was jedoch auch Fragen nach
der Zukunft aufwirft: Piepers Vertrag läuft in einem Jahr aus, der
1,92-Meter-Verteidiger hat sich in
so manches Notizbuch gespielt und
könnte für sich jetzt auch noch die
Olympia-Bühne nutzen. Jedoch: Der
Transfermarkt steht aktuell weitgehend still, entsprechend geht die
Tendenz derzeit in die Richtung eines
Verbleibs in Bielefeld, wo sich der
Abwehrspieler auch wohlfühlt. Gespräche über eine Vertragsverlängerung wurden von Vereinsseite bislang
noch nicht vertieft. Vorgesorgt hat
die Arminia jedenfalls schon jetzt:
Mit Guilherme Ramos kam ein neuer
Innenverteidiger, der am Samstag
beim Fehlstart in die Vorbereitung
in Verl sein Debüt gab. THOMAS HIETE
Die Suche nach Verstärkung in diesem Mannschaftsteil läuft. Da Jung
auch im defensiven Mittelfeld spielen
kann, nennt Leitl diesen Transfer
eine „Win-win-Situation für uns“.
Sehr zufrieden ist der Coach mit
den Ergebnissen der Leistungstests.
„Im Grundlagenbereich haben wir
nahezu die ganzen Themen abgearbeitet. Die Mannschaft ist physisch
auf einem sehr guten Level, deutlich
weiter als vor einem Jahr.“ Heißt,
Trainer und Team können sofort das
Thema Defensive angehen, ehe zum
Ende der Vorbereitung ein anderer
Schwerpunkt gesetzt wird. „Dann
werden wir viel mit eigenem Ballbesitz arbeiten, um unseren Prinzipien und unserer Spielweise treu
zu bleiben“, kündigt Leitl an. Für
den Klassenerhalt muss der Spagat
gelingen, weiterhin forsch und frech
zu agieren, die tollen spielerischen
Ansätze aus dem Aufstiegsjahr eine
Klasse höher durchzubringen, gleichzeitig aber weniger Chancen und
damit Gegentreffer zuzulassen. Dann
besteht eine realistische Chance auf
ein zweites Jahr Bundesliga. Und das
wäre eine noch größere Sensation als
der Aufstieg.
FRANK LINKESCH
26
5. JULI 2021
Borré erfüllt Glasners Forderung
Auf den Abgang von Torjäger Silva
reagiert F R A N KF U RT mit einem
anderen Stürmertypen. Dessen
Tempo spielt eine zentrale Rolle.
Foto: Getty Images/Meier
Überraschender als der Verkauf von
André Silva an sich kam im Zuge des
Transfers zu RB Leipzig diese Bestätigung: Eintrachts Toptorjäger besaß eben
doch eine Ausstiegsklausel im bis 2023 laufenden
Arbeitspapier. Sportvorstand Markus Krösche
erklärte in der offiziellen Pressemitteilung, „der
Spieler (habe) eine entsprechende Option im Vertrag gezogen“. Als im Frühjahr von der Klausel
gerüchteweise die Rede war, dementierte manch
Klubverantwortlicher noch entschieden. Nun
kommt die Info gerade recht, entkräftet sie doch
den möglichen Vorwurf, man habe seinen Star
bei einer Ablöse von 23 Millionen Euro auch in
Corona-Zeiten zu billig abgegeben. Und das just an
Krösches Ex-Arbeitgeber RB, für einen Großteil der
Neuer Anlauf in Europa: Nachdem es 2015 bei Atletico Madrid und diversen Leihstationen
Frankfurter Fanszene bekanntlich ein rotes Tuch.
nicht geklappt hat, soll Rafael Santos Borré jetzt bei der Eintracht durchstarten.
Über den Verlust hinwegtrösten soll die
Anhänger Rafael Santos Borré,
dessen Verpflichtung nur noch
Milans Hauge ist ein Heimatklub zurückverliehen. firmieren, verkörpert es doch eher eine hängende
Formsache ist. Diesen Mittwoch
2016/17 folgte ein weiteres LeihSpitze bzw. „falsche Neun“. Dafür bringt Borré – übtrifft der Kolumbianer mit sei- Kandidat – unabhängig geschäft mit dem FC Villarreal,
rigens im Gegensatz zu Silva – fraglos jenes Tempo
vom Fall Filip Kostic. in 17 Liga- und 7 Europa-League- mit, das Trainer Oliver Glasner an vorderster Front
nem Nationalteam im Halbfinale der Copa America auf die
Einsätzen gelangen Borré je zwei
ausdrücklich fordert. Dass darüber hinaus noch ein
Vertretung seiner bisherigen
Treffer. Atletico selbst ließ den
klassischer Mittelstürmer kommt, bleibt möglich,
Wahlheimat Argentinien. Borrés Vertrag bei ReAngreifer in offiziellen Wettbewerben gar nicht
genießt aber offenbar keine Priorität. Intensiver
nommierklub River Plate lief Ende Juni aus, seit
ran, transferierte ihn 2017 für kolportierte drei Milbeschäftigen sich Krösche und Co. derzeit mit
2017 sind dort für ihn 56 Tore und 18 Assists in
lionen Euro an River Plate. Dort weckte er wieder
dem norwegischen Linksaußen Jens Petter Hau149 Pflichtspielen registriert. Nun fühlt sich der
die Aufmerksamkeit europäischer Klubs wie Fege (21) vom AC Milan (Vertrag bis 2025). Und das
25-Jährige bereit für seinen zweiten Anlauf in einer nerbahce Istanbul, FC Watford oder Feyenoord
unabhängig von der Personalie Filip Kostic. Der
europäischen Topliga. 2015 hatte Atletico Madrid
Rotterdam – und entschied sich für die Eintracht.
Topvorbereiter soll in jedem Fall gehalten werden –
den damals 19-Jährigen von Deportivo Cali geholt,
Als „Nachfolger“ für Silva kann das 1,74 Meter
und dem Vernehmen nach keine Ausstiegsklausel
ihn aber direkt für eine weitere Saison an seinen
kleine 70-Kilo-Leichtgewicht freilich nur bedingt
besitzen …
THIEMO MÜLLER
AU GS B UR G
Janker nun Leiter der Lizenzspielerabteilung – Höhere Durchlässigkeit als Ziel
Torwarttalent Klein als Signal für die Zukunft
Auf der einen Seite ist es
nur ein Tausch auf der
Position des dritten Torhüters. Auf der anderen
Seite auch ein Signal für die Zukunft. Der FC Augsburg
hat mit der Verpflichtung
von Daniel Klein (Foto)
von der TSG Hoffenheim
sein Torhüter-Trio für die
neue Saison komplettiert.
Benjamin Leneis, die bisherige
Nummer 3 hinter Stammkeeper
Rafal Gikiewicz und Ersatzmann
Tomas Koubek, verlängerte bis
2024 und wird für ein Jahr an
Drittligist Magdeburg verliehen.
Der 20-jährige Klein durchlief von der U 15 bis zur U 19 die
Juniorenteams des DFB und
absolvierte insgesamt 13 U-Länderspiele. Der gebürtige Heidelberger galt phasenweise als
eines der größten Torwarttalente Deutschlands, seine
Entwicklung geriet zuletzt
aber ins Stocken. Auch weil
ihn im Herbst 2019 ein Mittelhandbruch und dessen Folgen
fast ein Jahr lang außer Gefecht
setzten. Bei der TSG verlor Klein
den Kampf um den dritten Platz
im Bundesligakader gegen Luca
Philipp. Diese Delle in der Ent-
wicklung gab dem FCA die Gelegenheit, den Nachwuchskeeper
für 200 000 Euro zu verpflichten
und bis 2025 zu binden. Nun muss
sich zeigen, ob Klein in Augsburg
Bundesligaformat entwickelt.
Es ist nach Flügelspieler Lasse Günther (18), der ablösefrei aus
der Jugend des FC Bayern kam
und beim Trainingsstart wegen
einer Knöchelverletzung noch
kürzertreten musste, der zweite
Augsburger Perspektivtransfer
in diesem Sommer. Auch die
Verpflichtung von Frederik Winther (20) fällt in diese Kategorie.
Der dänische Verteidiger, bereits
im Oktober 2020 verpflichtet, aber
zunächst weiter an seinen bisherigen Klub Lyngby BK verliehen,
ist nun ebenfalls neu in Augsburg.
Der FCA will künftig mehr
Talente – ob aus dem eigenen
Nachwuchs oder von anderen
Klubs – zu Profis entwickeln.
Dabei mitwirken soll Ex-Profi
Christoph Janker, der die neu
geschaffene Stelle als Leiter der
Lizenzspielerabteilung besetzt.
Der 36-Jährige, zuvor als TalenteManager tätig, soll Bindeglied
zwischen Profis und Nachwuchs
sein. Ziel ist, die Durchlässigkeit
zu erhöhen. DAVID BERNREUTHER
5. JULI 2021
27
Eisen für
die Eisernen
Spaß hatten wohl
nur zwei. Zum einen Martin Krüger,
bekannt als „Iron Martin“, der
Athletik-Trainer des 1. FC Union,
der seinen gestählten Oberkörper
ausgesprochen aufrecht vor sich
herträgt. Zum anderen Andreas
Voglsammer, im Hauptberuf Stürmer, dazu mit einer Leidenschaft
gesegnet, die unter Fußballprofis
eher selten zu finden ist. „Ich“, bekennt Voglsammer, „mache gerne
Krafttraining. Andere muss man
hinprügeln. Mir macht’s Spaß.“
Freude pur hat zwar auch
Unions neuer Stürmer nicht empfunden, als am Freitagnachmittag,
in der zweiten Einheit des Tages im
Kurztrainingslager in Bad Saarow,
Krügers berüchtigter Kraftzirkel
zu absolvieren war. Dazu geriet
das Programm zu anstrengend.
Aber Voglsammer vermittelte zumindest den Eindruck, als habe er
deutlich weniger als viele Teamkollegen zu leiden gehabt. Kein Wunder, denn das 1,78 Meter große und
81 Kilogramm schwere Kraftpaket
MAINZ
legt seit Jahren viel Wert auf Extratraining und Robustheit. „Mir ist
das wichtig, sonst fühle ich mich
nicht gut, sonst kann ich meine
Leistung nicht abrufen. Deshalb
wird da auch immer noch ordentlich zusätzlich geschuftet“, erklärt
Voglsammer, dessen Eigenbeschreibung lautet: „Ich bin jetzt
kein Filigrantechniker, deshalb
fühle ich mich vielleicht beim
Eisen wohler.“
Nach fünfeinhalb Jahren bei
Arminia Bielefeld entschloss sich
Voglsammer zu einem Tapetenwechsel, nun stemmt er – Achtung:
Wortspiel – seine Eisen bei den
Eisernen. Das ist ein Wechsel, übrigens ablösefrei, der überraschen
mag, schließlich war der Angreifer bei den Ostwestfalen gesetzt,
außerdem trennen beide Klubs
keine Welten. Aber „Union ist in
den letzten Jahren den stabileren
Weg gegangen. Sie sind generell
einfach ein, zwei Schritte voraus“,
sagt Voglsammer und erklärt: „Ich
habe mich in Bielefeld mega wohlgefühlt, es war alles superschön.
Foto: M. Koch
Mit den Stürmern Kevin Behrens und
Andreas Voglsammer holt U NIO N ein
Duo, das für Wucht und Wille steht.
„Ich bin kein Filigrantechniker“: Andreas Voglsammer arbeitet stets an
Kraft und Fitness, um seine Stärken ausspielen zu können.
Aber es ist Zeit geworden, dass ich
was Neues sehe.“
In Köpenick ist der dynamische und wuchtige Bayer nun Teil
der neuen Offensive, zu der auch
Kevin Behrens gehört. Der 30-Jährige steht ähnlich wie Voglsammer
für Einsatzbereitschaft und körperliche Präsenz, das sollte also
zur Spielweise des FCU passen,
der für seine Gegner gerne „eklig“
sein will, wie nicht nur Trainer Urs
Fischer oft sagt. Insbesondere bei
Behrens kommt hinzu, dass der
ablösefreie Zugang von Zweitligist
SV Sandhausen, der vor gut drei
Jahren noch in der Regionalliga
spielte und die Bundesliga nur
als Beobachter kennt, sich bei und
mit Union in der 1. Liga beweisen
will. Damit folgt er (aber auch
Voglsammer mit seinen erst 18
Bundesligaeinsätzen) Spielern wie
Robert Andrich oder Sebastian
Griesbeck, die in den Vorjahren
als Bundesliga-Novizen zu Union
kamen. Saturiertheit ist da unwahrscheinlich.
JAN REINOLD
Ji vor dem Absprung – Svensson und Heidel legen gesteigerten Wert auf Identifikation
Warum EM-Starter Quaison keine Zukunft hat
2019/20 war Robin
Quaison mit 13 Bundesligatoren der erfolgreichste Torschütze
von Mainz 05. In der vergangenen
Saison kam er nach einer
Knieverletzung auf sechs
Tore. Treffsicherer war nur
Jean-Philippe Mateta, der
inzwischen in England
spielt. Trotzdem ließ der
FSV den Vertrag mit dem schwedischen Nationalspieler Quaison
sang- und klanglos auslaufen,
stellte die Bemühungen um den
27-Jährigen ein. Aus Sicht von
Trainer Bo Svensson und Sport-
vorstand Christian Heidel fehlte
ein Zeichen seitens des Spielers,
dass er unbedingt in Mainz bleiben möchte. Die 05er wollen kein
Notnagel sein für den Fall, dass
Quaison nichts Besseres
findet. „Wir möchten das
Gefühl haben, dass ein
Spieler unbedingt bleiben
will. Dieses Gefühl hatten
wir nicht“, sagt Heidel unmissverständlich. Bei den Gesprächen zum Saisonende entstand
bei den 05-Verantwortlichen eher
ein gegenteiliger Eindruck. „Ich
glaube, dass in seinem Kopf ein
Wechsel ansteht, was nach Aus-
laufen des Vertrags auch völlig
legitim ist, aber dann wollen wir
so einen Spieler auch nicht hier
haben“, bekräftigt Heidel die Position des Vereins. Bei der EM
war Quaison in allen schwedischen Spielen am Ball (4 Einsätze/
1 Torvorlage). „Wenn man so weit
kommt, dann ist es auch ein Zeichen, dass die Zukunft für Robin
woanders liegt“, meint Svensson.
„Wir können nicht 16 oder
17 Topverdiener haben“, nennt
Heidel einen weiteren Grund, warum sich die Wege trennen. Übrigens im Gegensatz zu Adam Szalai, der große Lust verspürt, eine
weitere Saison in Mainz dranzuhängen und dafür eine Reduzierung des Gehalts in Kauf nimmt.
Insgesamt ist der Klub dabei, seinen Kader zu verkleinern. Dabei
zeichnet sich der nächste Abgang
ab. Der Südkoreaner Dong-Won
Ji steht vor einem Wechsel zum
FC Seoul.
MICHAEL EBERT
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28
5. JULI 2021
Neuer Angriff mit Silva
Der Rekordtransfer soll für L EI PZI G ein entscheidender
Mosaikstein im Ringen um den ersten Titel werden.
Am Sonntag fand sich Jesse Marsch
zenkönig geworden. 117 Torschüsse waren nach
am Cottaweg ein. Im LeistungszentRobert Lewandowski (137) der zweitbeste Wert
rum von RB Leipzig scharte der neue
unter den Top-Torjägern der Liga, zudem schoss
Coach seinen Stab um sich, um ihn
der Portugiese am zweithäufigsten aufs Tor (alle
für die kommenden Aufgaben einzuschwören. An
24 Minuten) und war der dritteffektivste Torjäger
diesem Montag beginnt mit den medizinischen
(alle 99 Minuten ein Treffer) nach Erling Haaland
Tests die Vorbereitung auf die Saison, in der RB
(alle 89) und Lewandowski (alle 60).
erneut einen Angriff auf einen Titel starten will.
Mit Silva verändert sich natürlich die Statik
Offiziell gibt es zwar keine Kampfansagen in Richim Angriff von RB, der Zugang geht als klare
tung Bayern München und Borussia Dortmund,
Nummer eins in die Saison. Yussuf Poulsen
aber die Verpflichtung von Angreifer André Silva
wird nach kicker-Informationen bleiben, bei
von Eintracht Frankfurt kann man getrost als
Alexander Sörloth und Hee-Chan Hwang
Beleg für die Ambitionen der Sachsen in Richtung
ist das offen. Kommen passende AngeMeisterschaft oder Pokal werten. Der 23 Millionen
bote, wird – speziell bei Sörloth – über
Euro teure Rekordtransfer soll die Lücke schlieeinen Abgang nachgedacht, aber wegßen, die nach dem Abgang von Timo Werner zum
geschickt werden soll kein Akteur.
FC Chelsea 2020 als die entscheidende galt, wesDas gilt auch für Marcel Halstenhalb RB zuletzt den Bayern (in der Liga) und
berg. Der Nationalverteidiger, dessen
Dortmund (im Pokal) den Vortritt lassen musste.
Vertrag bei RB noch bis 2022 läuft,
In Silva hat RB nun einen Torjäger verpflichwäre ein Wechselkandidat, wenn
tet, der anders als Werner kein
sich der Transfer des
Sprinter und somit nicht der geWolfsburgers MaxenDie Verpflichtung
borene Konterstürmer ist. Aber
ce Lacroix realisieren
ist ein Beleg für die
der 25-Jährige, der in Leipzig
ließe. Grundsätzlich
einen Vertrag bis 2026 unter- Ambitionen von RB. kann man bei RB aber
schrieb, besticht mit Technik,
in Ruhe abwarten. Mit
Spielverständnis, HandlungsSilva, Brian Brobbey
schnelligkeit und Abschlussstärke. Gerade weil
(Ajax Amsterdam), Mohamed SimaRB unter Julian Nagelsmann in Sachen Ballbekan (RC Straßburg) und Josko Gvarsitzkultur deutliche Fortschritte gemacht hat und
diol (Dinamo Zagreb) sind die Abgänzudem zuletzt oft auf tief stehende Kontrahenten
ge ersetzt, zudem steht in Dominik
traf, stehen Silvas Qualitäten dem Spiel gut zu
Szoboszlai (RB Salzburg) – nach
Gesicht. Die 28 Treffer des 1,85 Meter großen
seinem Wechsel im Januar verStürmers aus der Vorsaison bedeuteten nicht nur
letzungsbedingt noch ohne
neuen Eintracht-Rekord (bisher Bernd Hölzenbein
Einsatz – quasi ein weiterer
mit 26 Toren in der Saison 1976/77), in 42 Bun„Zugang“ bereit.
desliga-Saisons wäre Silva damit auch TorschütANDREAS HUNZINGER
ST UT TG ART
Youngster sollen die Lücken schließen, die Castro und Gonzalez hinterlassen haben
Die Historie dient dem
VfB Stuttgart als Warnung. Nach Platz 7 als
Aufsteiger in der Saison
2017/18 stieg der VfB ein Jahr
später ab. Auch jetzt, nach
einem starken 9. Platz,
bezeichnet Trainer Pellegrino Matarazzo das
zweite Jahr als „besondere Herausforderung“. Weil
die Aufstiegseuphorie und das
Überraschungsmoment weg sind.
Hinzu kommt, dass drei Schlüsselspieler den VfB verließen: Mit
Kapitän Gonzalo Castro wurde
nicht verlängert, Keeper Gregor
Kobel wechselte für 15 Millionen
Euro zum BVB, Angreifer Nicolas
Gonzalez für 23,5 Millionen nach
Florenz. Wirtschaftlich waren diese Transfers notwendig, sportlich
kosten sie Substanz.
Für Kobel gibt es
mit Florian Müller, für
fünf Millionen aus Mainz
verpflichtet, einen designierten Nachfolger, der
wegen seiner Olympia-Teilnahme allerdings den Großteil der
Vorbereitung verpassen wird. Die
Lücken, die Castro und Gonzalez hinterlassen haben, sollen
Youngster aus der zweiten Reihe
schließen. „Wir haben viele Jungs
in der Hinterhand“, ist Sportdirektor Sven Mislintat (Foto) überzeugt. Er baut auf Spieler wie den
nun fest verpflichteten Naouirou
Ahamada (19) im Zentrum sowie
auf Tanguy Coulibaly (20), Roberto Massimo (20), Darko Churlinov (20) oder Momo Cissé (18)
für die Flügel. „Wichtig ist, dass
die Jungs den nächsten Entwicklungsschritt machen, aber auch
den Platz haben, ihn gehen zu
können“, sagt Mislintat und betont: „Wir trauen es allen zu, das
ist das Hauptauswahlkriterium.
Wir nehmen keinen dazu, wenn
wir glauben, er ist nur ein Lückenfüller.“ Einen weiteren Rückschlag
muss Lilian Egloff (18) verkraften,
das Eigengewächs fällt nach einer
Operation am Mittelfuß erneut
mindestens sechs Wochen aus.
Nicht ausgeschlossen ist
nach wie vor, dass der umworbene Sasa Kalajdzic eine weitere
Lücke in den Stuttgarter Kader
reißt. Momentan gibt sich Mislintat zwar zuversichtlich, dass der
Österreicher auch in der neuen
Saison für den VfB stürmen wird.
Doch im Poker um den Torjäger
kann bis Ende August noch viel
passieren.
DAVID BERNREUTHER
Foto: J. Huebner
Mislintat baut auf die Talente aus der zweiten Reihe
5. JULI 2021
LEV ERKUS E N
29
Nächster Rückschlag für Alario
Dringend gesucht:
Schick in EM-Form
Fotos: imago images (2)
Es war ein Schmankerl der
Deutlich stärker als in der WerksEM, ein Tor mit Übersicht
elf präsentierte sich der 25-Jährige
und ganz viel Gefühl. Aus
im Nationaltrikot auch im Kombifast 50 Metern düpierte
nationsspiel und zeigte seine Klasse
Patrik Schick den schottischen Torim Abschluss. Daran muss der elehüter David Marshall mit einem feigante Angreifer anknüpfen, wenn
nem Heber; eines von fünf Turniertoer demnächst beim neuen Trainer
ren – bei fünf Einsätzen – des bei der
Gerardo Seoane das zweiten Jahr
EURO überragenden tschechischen
unterm Bayer-Kreuz angeht.
Stürmers. Seine Bilanz in Leverkusen
Wie Schick, so wollte sich auch
nimmt sich dagegen mau aus. Hier
Sturm-Kollege Lucas Alario bei seiner
hat der vor einem Jahr für 26,5 MilNationalmannschaft neues Selbstlionen von RB Leipzig gekommene
vertrauen holen, doch stattdessen
Angreifer noch deutlich Luft nach
erlitt der argentinische Angreifer
oben, auch wenn er in seinem zweieinen erneuten Rückschlag. Wegen
ten Halbjahr bei der Werkself schon
einer Sehnenverletzung hatte er
eine aufsteigende Tendenz zeigte.
schon den Liga-Endspurt verpasst,
Nach den jüngsten internationalen
war dennoch für die Copa America
Auftritten ist aber auch klar: Da geht
nominiert worden, wurde allerdings
noch deutlich mehr.
nicht rechtzeitig fit. Dann sollte der
„In der Nationalmannschaft“,
28-Jährige als älterer Profi mit der
findet Simon Rolfes, „ist er immer
U 23 für Argentinien bei Olympia
ein Anspielpunkt. Mehr eingebunam Ball sein, doch auch daraus wird
den zu sein, kommt seiner Art entnichts. Wie der Verband nun mitteilgegen.“ Auf Leverkusen bezogen
te, hat sich Alario „ein Muskelverletbedeutet das für den Sportdirektor:
zung zweiten Grades“ zugezogen,
„In dieser Hinsicht hatten wir einige
zudem seien die Adduktoren leicht
Schwierigkeiten, auch weil unser
gezerrt, heißt es. Wann Alario nach
Offensivspiel in der Rückrunde sehr
seiner Zwangspause in Leverkusen
starr war.“ Bei der EM dagegen taute
das Training aufnehmen kann, ist
Schick sichtlich auf, nachdem er in
noch nicht bekannt. OLIVER BITTER
der Bundesliga-Rückrunde (mit nur
vier Treffern) deutlich unter seinen
Eine Story über Bayer-Coach
Möglichkeiten geblieben war. „Ich
Gerardo Seoane lesen Sie
bin überzeugt, dass er das, was er in
auf den Seiten 16 bis 18
den letzten Wochen bei
der EM gezeigt hat, auch
bei uns zeigen wird“, sagt
Rolfes. „Er ist ein wichtiger Spieler für uns, kopfballstark und mit einer
super Schusstechnik.“
Was er allerdings selten
zeigte.
Insgesamt, so das
Urteil des Ex-Nationalspielers „hat Patrick sich
in der Rückrunde schon
verbessert, ist stabiler geworden und hat mehr für
die Mannschaft gearbeitet“. Körperlich robuster
kam der Stürmer schon
in der Schlussphase der
Saison daher, hat intensiv
vor allem an der Rumpfmuskulatur gearbeitet
und auch deutlich mehr
Bereitschaft gezeigt, nach
Ballverlusten in der Defensive sehr aktiv mitzuhelfen. „Daran wird er
weiter arbeiten müssen“, Torgarant: So wie hier will und soll Patrik Schick
fortan auch im Bayer-Trikot vermehrt jubeln.
so Rolfes.
Titelverteidiger: Borussia Dortmund trifft in der 1. Hauptrunde des
DFB-Pokals auf den Drittligisten SV Wehen Wiesbaden.
DFB-P OKAL 2 0 2 1 /2 2 : DI E 1. RU ND E
Dass sich bisweilen eine Loskugel
nicht öffnen ließ – geschenkt. Dass
am Schluss einer Auslosung sogar
mal eine Kugelhälfte fehlte – frag nach
bei Frau Kumbernuss … Nun gab’s
ein neues Kuriosum. So befand sich
mit den 31 Kugeln mit den Vereinsnamen eine neutrale im „Amateurtopf“,
und der VfB Stuttgart blieb ohne konkreten Gegner, denn: Der Berliner
Fußball-Verbandes (BFV) hatte den
Viertligisten BFC Dynamo als Landespokalsieger gemeldet, ein (namentlich nicht genannter) Berliner Verein
Revision beim DFB-Bundesgericht gegen eben diese Benennung durch den
BFV eingelegt. Im Hinblick auf dieses
anhängige Verfahren wurde lediglich
der Teilnehmer aus dem Bereich des
Berliner Fußball-Verbandes gelost.
2. BUNDESLIGA GEGEN BUNDESLIGA
SV Sandhausen – RB Leipzig
3. LIGA GEGEN BUNDESLIGA
SV Meppen – Hertha BSC
FC Viktoria Köln – TSG Hoffenheim
1. FC Kaiserslautern – Borussia Mönchengladbach
Würzburger Kickers – SC Freiburg
SV Waldhof Mannheim – Eintracht Frankfurt
SV Wehen Wiesbaden – Borussia Dortmund
Türkgücü München – 1. FC Union Berlin
REGIONALLIGA GEGEN BUNDESLIGA
SV Babelsberg 03 – SpVgg Greuther Fürth
1. FC Lokomotive Leipzig – Bayer 04 Leverkusen
SV Elversberg – 1. FSV Mainz 05
SpVgg Bayreuth – Arminia Bielefeld
Carl Zeiss Jena – 1. FC Köln
Wuppertaler SV – VfL Bochum
Preußen Münster – VfL Wolfsburg
VERTRETER BERLINER FUSSBALL-VERBAND GEGEN BUNDESLIGA
Vertreter Berliner Fußball-Verband – VfB Stuttgart
OBERLIGA GEGEN BUNDESLIGA
Bremer SV – Bayern München
Greifswalder FC – FC Augsburg
2. BUNDESLIGA GEGEN 2. BUNDESLIGA
FC Ingolstadt 04 – Erzgebirge Aue
Hansa Rostock – 1. FC Heidenheim
Dynamo Dresden – SC Paderborn 07
3. LIGA GEGEN 2. BUNDESLIGA
Eintracht Braunschweig – Hamburger SV
VfL Osnabrück – Werder Bremen
1. FC Magdeburg – FC St. Pauli
TSV München 1860 – SV Darmstadt 98
REGIONALLIGA GEGEN 2.BUNDESLIGA
SSV Ulm 1846 – 1. FC Nürnberg
SC Weiche Flensburg 08 – Holstein Kiel
Sportfreunde Lotte – Karlsruher SC
Eintracht Norderstedt – Hannover 96
FC Rot-Weiß Koblenz – Jahn Regensburg
OBERLIGA GEGEN 2.BUNDESLIGA
FC 08 Villingen – FC Schalke 04
VfL Oldenburg – Fortuna Düsseldorf
TERMINE
1. Runde: 6. bis 9. August 2021 – 2. Runde: 26./27. Oktober 2021 –
Achtelfinale: 18./19. Januar 2022 – Viertelfinale: 1./2. März 2022 –
Halbfinale: 19./20. April 2022 – Endspiel: 21. Mai 2022 in Berlin
30
5. JULI 2021
B O CH UM
Konkurrenz durch Asano und Co.
Tesches Trümpfe:
Balance und Routine
Die Bilanz kann sich
sehen lassen: Für Robert Tesche war es eine
herausragende Saison.
Unverzichtbar im zentralen Mittelfeld, trat er sogar als Torschütze auf, wenn es erforderlich war,
und am Ende wählten ihn die
Fans zum Spieler der Saison,
noch vor Regisseur Robert Zulj
und Torjäger Simon Zoller.
Auch wenn sich Thomas Reis
durchaus Gedanken macht, sein
Mittelfeld neu zu ordnen, dürfte
Tesche im Zentrum weiter zu
den Platzhirschen gehören.
Bezeichnend für seinen
Wert: 33-mal war er in der
Aufstiegssaison dabei, davon
29-mal in der Startelf, und ist für
den kicker in der Rangliste der
defensiven Mittelfeldspieler die
Nummer eins vor seinem Teamkollegen Anthony Losilla. Ein
ideales Gespann im Maschinenraum des Aufsteigers – auch in
der Bundesliga? Da ist zweifellos
mehr Tempo in allen Bereichen
gefragt, auch deshalb denkt der
Trainer über Alternativen zu seiner bisherigen Stammbesetzung
nach. Allerdings ist Tesche als
Stabilisator im Grunde genommen unverzichtbar und weiß im
Kampf um einen Platz im Team
viele Trümpfe auf seiner Seite,
erst recht mit seiner neu entdeckten Qualität im Abschluss.
Acht Tore gelangen ihm im
Aufstiegsjahr, so viele wie noch
nie in einer Saison. Als „enorm
wichtigen Spieler für die Balance zwischen Defensive und
Offensive“ bezeichnet Manager Sebastian Schindzielorz den
Fleiß-Arbeiter, „er ist äußerst
ballsicher und ein Stabilisator“.
Und überdies bundesligaerfahren wie kein anderer im Kader
nach 125 Einsätzen für Bielefeld,
Düsseldorf und den HSV.
Auf neue Konkurrenz
muss sich der 34-Jährige dennoch einstellen, gerade im zentralen Mittelfeld rüstet Bochum
auf. Mit Patrick Osterhage vom
BVB II, der viel Talent mitbringt,
aber lange verletzt war, mit Eduard Löwen, der auf der Sechs
oder der Acht spielen könnte,
und mit dem vielseitigen Japaner Takuma Asano, der noch bis
Mitte Juni im Länderspieleinsatz war und sich am Montag
erstmals im Training in Bochum
präsentiert. Den deutschen Fußball kennt der dribbelstarke
Asano schon aus seiner Zeit
beim VfB Stuttgart und bei Hannover 96; zuletzt spielte er bei
Partizan Belgrad, löste dort aber
seinen Vertrag wegen ausstehender Gehaltszahlungen auf.
Mit Asano tummeln sich
annähernd 30 Spieler beim
Training; diesen Kreis möchte
Reis reduzieren. „Wir planen mit
22 oder 23 Feldspielern und führen Gespräche mit den Jungs,
die nicht mit ins Trainingslager
fahren. Die müssen Bescheid
wissen.“
OLIVER BITTER
Starke Saison:
Robert Tesche
stand in der
Rangliste des
kicker ganz oben.
Der Prozess um
die Altersgrenze
Selbst will MANUEL G R ÄF E (47)
auch bei einem Erfolg nicht mehr
pfeifen, weitreichende Folgen für
das Schiedsrichterwesen hingegen
sind nicht ausgeschlossen.
A
m 22. Mai lief Manuel Gräfe
nem Prozessgewinn nicht einseitig
durch ein Spalier von klaterzwingen. Wohl auch deshalb sagt
schenden Dortmunder und
Gräfe: „Ich selbst werde nicht mehr
Leverkusener Spielern. Ein außerpfeifen, auch wenn ich mit meiner
gewöhnlicher Abschied für einen
Klage Erfolg haben sollte.“ Die AlSchiedsrichter. Trotz einiger Appelle
tersgrenze betreffe nicht nur ihn. Er
von Profis, Klub- und Medienvertrenennt die gleichaltrigen Guido Winktern pfiff der DFB die aktive Karriere
mann und Markus Schmidt und sagt:
des nationalen Top-Referees nach
„In fünf Jahren soll Deniz Aytekin
unter anderem 289 Bundesligaeinaufhören. In der Regionalliga wird
sätzen ab. Der Grund: die traditionelmanchem 25-Jährigen mitgeteilt,
le Altersgrenze von 47 Jahren.
dass er bald aufsteigen müsse, sonst
Gegen diese geht Gräfe nun
sei er zu alt. So geben viele perspekjuristisch vor und wird damit wotivlos und frustriert auf.“
möglich für enorme Veränderungen
Eine weitere Motivation räumt
im hiesigen Schiedsrichterwesen sorGräfe ebenso ein: „Natürlich gibt es
gen. „Ich verklage den DFB wegen Alauch finanzielle Verluste, ich werde
tersdiskriminierung. Der DFB nimmt
versuchen, wenigstens diese geltend
mir das, was mir Freude macht. Der
zu machen.“ Zuletzt bekam Gräfe
DFB behauptet, sich gegen Rassisneben 5000 Euro pro Bundesligaeinmus, Diskriminiesatz ein jährliches
rung und für DiverGrundhonorar von
Es geht auch
sität einzusetzen.
70 000 Euro.
um finanzielle
Die Altersregel
Egal, wie der
Entschädigung.
steht dem entgeProzess endet, fest
gen. Beim DFB geht
steht: Das Tisches zu wenig nach
tuch zwischen
Leistung“, erklärt Gräfe in einem
Gräfe und der DFB-SchiedsrichterInterview mit dem Zeit-Magazin.
führung um Lutz Michael Fröhlich
Er selbst fühle sich so, als könist endgültig zerschnitten, eine Funkne er „bis 50 oder länger“ pfeifen.
tion von Gräfe als VAR, Beobachter
Gräfe ist von sich selbst und seiner
oder Coach nicht mehr denkbar.
Qualität überzeugt und attackiert die
Dies macht Gräfe auch mit seiner
Verbandsverantwortlichen scharf:
harschen Kritik am damals als Lini„Jetzt hat der DFB mal einen guten –
enrichter im Robert-Hoyzer-Skandal
ich hoffe, ich darf das so sagen – und
verwickelten Felix Zwayer deutlich:
beliebten Schiri, und dann sortiert er
„Wer einmal Geld angenommen und
ihn aus, offenbar nur, weil er nicht zu
Hoyzers Manipulation ein halbes
allem Ja und Amen sagt. Leider änJahr verschwiegen hat, sollte keinen
dern in diesem Verband Argumente
Profifußball pfeifen.“ Zwayer leitet als
nichts, sondern nur die SteuerfahnFIFA-Referee unter anderem Chamdung oder Richter.“ Solche werden
pions-League-Spiele: „Da sind wir
irgendwann im anstehenden Prozess
wieder beim DFB. Der befördert Zwayein wegweisendes Urteil fällen. Gräer auch noch, trotz durchschnittlife werden von Rechtsexperten gute
cher Leistungen“, schimpft Gräfe:
Erfolgschancen eingeräumt (siehe
„Mir bleibt es nun immerhin erspart,
Gastbeitrag), eine Rückkehr auf den
mich mit diesen Themen rumzuRasen könnte er aber selbst bei eischlagen.“ CARSTEN SCHRÖTER-LORENZ
MEINUNG
Thiemo Müller
Leiter Südwest-Redaktion
Entscheidend ist
das Ziel, nicht
die Motivation
D
Er wollte, aber er durfte nicht
mehr: Manuel Gräfe greift den
DFB in harschen Tönen an.
M
anuel Gräfe hat Klage gegen
den DFB wegen seines
erzwungenen Ausscheidens als Bundesliga-Schiedsrichter erhoben. Sein Vorwurf lautet:
Altersdiskriminierung. Abseits von
Sympathiebekundungen aus der
Welt des Fußballs stellt sich die
Frage: Trägt seine Argumentation
auch juristisch? Ich meine ja.
1Zwar ist unter Juristen umstrit-
ten, ob Bundesliga-Schiedsrichter
überhaupt „Arbeitnehmer“ sind.
Die Rechtsprechung hat dies
bisher verneint. In der vorliegenden
Diskriminierungskonstellation spielt
es aber keine entscheidende Rolle.
Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) schützt nämlich auch
Nicht-Arbeitnehmer, also Selbstständige, wenn diesen der Zugang
zur Erwerbstätigkeit diskriminierend
verwehrt wird. Darunter fällt auch
der verweigerte Folgevertrag für die
nächste Saison zwischen dem DFB
und seinem (Ex-)Schiedsrichter.
Fotos: Witters, firo
1Vor Gericht wird sich der DFB
möglicherweise damit verteidigen,
nicht das Alter Herrn Gräfes habe
den Ausschlag gegeben, sondern
(vermeintliche) Leistungsdefizite. Das wird aber vergeblich sein,
denn DFB-Vertreter haben sich
bereits öffentlich auf die geltende
„Altersgrenze 47“ berufen. Solche
Äußerungen genügen laut AGG
grundsätzlich, um eine Diskriminierung nachzuweisen.
1Natürlich ist nicht jede Ungleichbehandlung wegen des Alters auto-
GASTBEITRAG
Stephan Gräf
Rechtswissenschaftler
Gute Chancen
für Gräfe
matisch eine verbotene Diskriminierung. Sie kann durch ausreichend
gewichtige Gründe gerechtfertigt
sein. Der DFB verteidigt seine
Altersgrenze mit der typischerweise
abnehmenden Leistungsfähigkeit
und der steigenden Verletzungsgefahr der Schiedsrichter. Das dürfte
das Gericht kaum überzeugen.
Denn es gibt eine diskriminierungsneutrale und durchaus praktikable
Alternativlösung: Das Ausscheiden
von Schiedsrichtern könnte vom Bestehen individueller Leistungstests
abhängig gemacht werden, die der
DFB bereits durchführt. Außerdem
erscheint die Wahl gerade des Alters
47 mangels gesicherter medizinischer Erkenntnisse willkürlich.
1Ähnlich verhält es sich mit dem
vom DFB ebenso ins Feld geführten
Argument der Nachwuchsförderung.
Es wird zwar grundsätzlich von den
Gerichten als Rechtfertigungsgrund
anerkannt – aber nur, wenn sich eine
ausgewogene Altersstruktur nicht
durch „mildere Mittel“ als durch
starre Altersgrenzen verwirklichen
lässt. Der DFB kann aber die Zahl der
Schiedsrichter, die zugunsten des
Nachwuchses ausscheiden sollen,
ohne erheblichen Zusatzaufwand regulieren, indem er die Leistungsanforderungen an die Alt-Schiedsrichter anpasst. Der Leistungsgedanke
muss auch insoweit Vorrang vor dem
bloßen Alter haben.
1Die Erfolgschancen der Klage
Gräfes stehen also durchaus gut. Er
selbst will aber auch bei einem Prozessgewinn nicht mehr pfeifen – und
könnte dies auch nicht erzwingen.
Denn nach dem AGG kann sich ein
diskriminierter Beschäftigter nicht
wieder „einklagen“, sondern lediglich
eine finanzielle Entschädigung
verlangen – die allerdings im Fall
Gräfe durchaus sechsstellig ausfallen könnte. Ohnehin können bis zu
einem rechtskräftigen Abschluss
des Verfahrens Jahre vergehen.
Weitreichender dürften die Folgen
sein, die von einer Verurteilung
des DFB über die Person Gräfes
hinausgingen. Die „Altersgrenze 47“
wäre in diesem Fall nicht mehr zu
halten. Davon profitierten auch
nachfolgende Schiedsrichtergenerationen. Gräfe hätte dann nicht nur
sportliche, sondern auch juristische
Spuren hinterlassen.
Dr. Stephan Gräf ist Juniorprofessor
für Bürgerliches Recht und Arbeitsrecht
an der Universität Konstanz.
en Ton, den Manuel
Gräfe im Interview mit dem
Zeit-Magazin anschlägt,
muss man sicher nicht goutieren.
Zu formulieren, in ihm habe „der
DFB mal einen guten und beliebten Schiri, und dann sortiert er
ihn aus“, beinhaltet maximale
Anmaßung gegenüber den (Ex-)
Kollegen. Und die Behauptung,
der Bannstrahl treffe ihn „offenbar nur, weil er nicht zu allem Ja
und Amen sagt“, ist eine völlig
haltlose Verschwörungstheorie.
Gräfe muss Schluss machen, weil
er die Altersgrenze erreicht hat.
Wie schon etliche vor ihm, die
ebenfalls eine schmerzliche Lücke hinterließen. Ein Paradebeispiel wäre Florian Meyer, heute
Teil der Schiedsrichter-Führung
des DFB, als Aktiver genau wie
Gräfe ein herausragender Spielleiter und Kommunikator auf dem
Feld. Dem heute 52-Jährigen
indes fehlt jeder Hang zur Eigen-PR – weshalb sein Abschied
2016 geräuschlos verlief.
DIE MOTIVE, die Gräfe zu seiner
Klage bewegen, mögen also nicht
alle ehrenwert, teils egoistisch
und auch finanzieller Natur sein.
Das Ziel, das er anstrebt, aber
ist und bleibt ein hehres: Allein
Leistung muss zählen, nicht das
Alter. Dies ignorierte der DFB viel
zu lange – und hat sich die ins
Haus stehende Klage deshalb
selbst zuzuschreiben. Gewinnt
Gräfe vor Gericht, wird das Leben
für die Verantwortlichen um Lutz
Michael Fröhlich unbequemer.
Vor allem gälte es bei nachlassender Leistung einzelner
Referees künftig, knallharte und
transparente Entscheidungen zu
treffen, wo bisher die Altersgrenze so manchen „Problemfall“ automatisch löste. Dem Niveau der
Schiedsrichterei auf Profi-Ebene
könnte das nur guttun. Genau wie
die Karrierefortsetzung künftiger
Leistungsträger wie Gräfe.
32
5. JULI 2021
Er war NBA-Champion,
hat sich über 20 Jahre fast
täglich mit den weltbesten
Basketballern gemessen
und unzählige Millionen verdient.
Dennoch schwärmt Weltstar Dirk
Nowitzki von einem Ereignis, das
durch das Vorrunden-Aus nicht erfolgreich lief: Olympia 2008 in Peking. Der deutsche Fahnenträger war
beeindruckt von Treffen mit anderen
Athleten, die oft fernab des Rampenlichts Höchstleistungen bringen, er
genoss das Flair im olympischen Dorf
und den Besuch anderer Wettkämpfe.
Nun, Corona wird viele dieser
Vorzüge bei den Ende Juli startenden,
wegen der Pandemie um ein Jahr
verschobenen Olympischen Spielen
einschränken. Aber davon unabhängig stellt sich die Frage: Welchen
Stellenwert hat Olympia im Fußball?
Und welchen sollte dieser weltweit
dominante, milliardenschwere Profisport dort einnehmen, wo vor allem
sonst weniger beachtete Sportarten
ihren großen Auftritt zelebrieren?
Formell besteht seitens der
FIFA für das olympische Fußballturnier der Männer, das vom 22. Juli bis
7. August in ganz Japan steigt, keine
Abstellungspflicht. Die U-23-Regel,
wonach nur drei Spieler im Kader
älter sein dürfen – wegen der Verschiebung diesmal eine U-24-Regel –,
verhindert, dass komplette A-Nationalteams antreten können. Eine
sinnvolle Abgrenzung zur WM und
Zweimal EM, nur
einmal Olympia:
Gladbachs Florian
Neuhaus und
Leipzigs Dani Olmo
Eine Frage des
Stellenwerts
Das O LYMP ISCHE F USSBA LLT UR NIER
genießt in Spanien hohe Bedeutung.
In Deutschland sieht es anders aus.
zu kontinentalen Titelkämpfen. Und
ein Unterschied zum Basketball, wo
es keine U-23-Regel gibt und Olympia
auch für den Primus USA und seine
NBA-Stars Vorrang vor einer WM hat.
Im Fußball genießt das Turnier dennoch unterschiedliche Wertschätzung. In Deutschland scheint
sie weiterhin nicht besonders hoch zu
sein – trotz der Silbermedaille 2016 in
Brasilien, als das deutsche Team dem
Gastgeber um Superstar Neymar erst
im Elfmeterschießen unterlag. Die
Brasilianer feierten den Titel in Rio
vor über 60 000 Zuschauern im Maracana fast wie einen WM-Triumph.
Dabei hatten sie „nur“ ein zusam-
D ER S OMME RFAH RP L A N 20 21 DE R 18 BU NDE SL IGI ST EN
FC Bayern München
Trainingsstart: 7. 7.
Trainingslager: nicht geplant
Testspiele: 1. FC Köln (17. 7., 16 Uhr,
Villingen), Ajax Amsterdam (24. 7.,
16.30 Uhr), Borussia Mönchengladbach (28. 7., 18 Uhr), SSC Neapel
(31. 7., 16.30 Uhr, alle Allianz Arena)
RB Leipzig
Trainingsstart: 5. 7.
Trainingslager: 25. 7. bis 1. 8. in Saalfelden (Österreich)
Testspiele: AZ Alkmaar (17. 7., 18 Uhr)
Montpellier HSC (23. 7., 18 Uhr, beide
Cottaweg), 31.7. (Gegner, Uhrzeit und
Ort offen)
Borussia Dortmund
Trainingslager: 23. bis 31. 7. in
Bad Ragaz (Schweiz)
Testspiele: beim FC Gießen (13. 7.,
18.30 Uhr), Cup der Traditionen mit
Spielen gegen Gastgeber MSV Duisburg und den VfL Bochum (17. 7., ab
15 Uhr), Athletic Bilbao (24. 7., St. Gallen), FC Bologna (30. 7., Altach, beide
Uhrzeit offen)
VfL Wolfsburg
Trainingslager: 18. bis 24. 7. in
Bad Waltersdorf (Österreich)
Testspiele: Erzgebirge Aue (6. 7.,
16 Uhr), Hansa Rostock (10. 7., 16 Uhr),
Holstein Kiel (14. 7., Uhrzeit offen, alle
AOK-Stadion), bei Olympique Lyon
(17. 7., 21 Uhr), AS Monaco (24. 7., Uhrzeit und Ort offen)
Eintracht Frankfurt
Trainingslager: nicht geplant
Testspiele: SV Wehen Wiesbaden
(10. 7., 16 Uhr), SV Sandhausen (17. 7.,
16 Uhr), RC Straßburg (24. 7., Uhrzeit
offen, alle Deutsche Bank Park) – weitere in Planung
Bayer 04 Leverkusen
Trainingsstart: 6. 7.
Trainingslager: 16. bis 23. 7. in Kaprun/
Zell am See (Österreich)
Testspiele: SV Wehen Wiesbaden
(14. 7., 17 Uhr, Ort offen), Dynamo Moskau (18. 7., 17 Uhr, Zell am See), FC Utrecht (28. 7., 16 Uhr, Ulrich-Haberland-Stadion)
1. FC Union Berlin
Trainingslager: 19. bis 28. 7. in Oberlängenfeld (Österreich)
Testspiele: Dukla Prag (10. 7., 15.30 Uhr,
Alte Försterei), FC Viktoria Berlin
(14. 7., 17.30 Uhr, Ort offen), Dynamo
Dresden (17. 7., 14.30 Uhr, Alte Försterei), OGC Nizza (24. 7., 16 Uhr, Imst/
Tirol), Athletic Bilbao (31. 7., 15.30 Uhr,
Alte Försterei)
Bor. Mönchengladbach
Trainingslager: 17. bis 24. 7. in
Harsewinkel/Marienfeld
Testspiele: Viktoria Köln (10. 7.,
15.30 Uhr, Grenzlandstadion Mönchengladbach), beim SC Paderborn (17. 7.,
15 Uhr), FC Metz (24. 7., 15.30 Uhr,
Fohlenplatz im Borussia-Park), beim
FC Bayern (28. 7., 18 Uhr), FC Groningen (31. 7., 15.30 Uhr, Borussia-Park)
VfB Stuttgart
Trainingslager: 17. bis 24. 7. in
Kitzbühel (Österreich)
Testspiele: beim FSV Hollenbach (6. 7.,
18 Uhr), FC St. Gallen (10. 7., 15 Uhr),
SV Darmstadt 98 (15. 7., 15 Uhr, beide
Robert-Schlienz-Stadion)
SC Freiburg
Trainingsstart: 5. 7.
Trainingslager: 15. bis 24. 7. in
Schruns (Österreich)
Testspiele: 1. FC Saarbrücken (10. 7.,
15 Uhr, Dreisamstadion), FC Vaduz
(16. 7., 15.30 Uhr, Schruns) – weitere
in Planung
TSG Hoffenheim
Trainingslager: 18. bis 25. 7. in
Rottach-Egern
Testspiel: beim 1. FC Heidenheim
(17. 7., 13.30 Uhr) – weitere in Planung
1. FSV Mainz 05
Trainingslager: 20. bis 28. 7. in
Bad Häring (Österreich)
Testspiel: Würzburger Kickers (9. 7.,
16 Uhr, Bruchwegstadion) – weitere
in Planung
FC Augsburg
Trainingslager: 10. bis 18. 7. in
Walchsee (Österreich)
Testspiel: Hamburger SV (7. 7.,
13.30 Uhr, Heimstetten) – weitere in
Planung
5. JULI 2021
Nimmt der deutsche
Profifußball Olympia
wichtig genug?
Stimmen Sie auf kicker.de ab.
mengewürfeltes Team besiegt. „2016
sind wir mit Sportdirektor Hansi Flick
und Trainer Horst Hrubesch von Tür
zu Tür gegangen und haben um jeden
Spieler gekämpft“, sagt Joti Chatzialexiou, Sportlicher Leiter Nationalmannschaften beim DFB. Das hat
er mit Olympia-Coach Stefan Kuntz
nun wieder getan. Schon im Vorfeld
traf der Verband mit den Vereinen
die beschwichtigende Abmachung,
kein deutscher EM-Fahrer komme für
Olympia infrage. Warum eigentlich?
Gladbachs Florian Neuhaus, um ein
Beispiel zu nennen, hätte nach null
EM-Minuten und zweiwöchigem Urlaub in Japan eine Verstärkung sein
können, ohne überbelastet zu sein.
In Spanien geht es anders zu.
Im 22er Olympiakader stehen gleich
sechs Spieler, die noch bei der EM
aktiv sind. Darunter: Leipzigs Dani
Olmo (23) und Pedri (18). Bei Letzterem bat Arbeitgeber FC Barcelona
den Verband RFEF, den viel beanspruchten Jungstar doch bitte nicht
mit nach Olympia zu nehmen und
kassierte eine Abfuhr. Denn das spanische Sportgesetz sieht vor, dass
Spieler auch für die Olympischen
Spiele abgestellt werden müssen –
egal, was die FIFA verfügt. Olympia genießt also höchste nationale
Wichtigkeit. Das färbt auch auf die
Haltung der Spieler ab. RB ist nicht
an das spanische Gesetz gebunden
und könnte die Olympia-Reise von
Olmo verhindern, lässt seine wichtige
Offensivkraft aber ziehen. Olmo wird
seinen Wunsch wohl deutlich hinterlegt haben. In Ägypten löste die
Nicht-Abstellung des FC Liverpool
von Star Mo Salah Bestürzung
plätze. Die Auswahl wird kein
aus. Die Auswahl Südkoreas,
Kanonenfutter sein, gute
Brasiliens oder Japans beBundesliga-Profis wie Maxifindet sich längst mitten in
milian Arnold, Max Kruse,
der Olympia-Vorbereitung,
Felix Uduokhai, Benjamin
während sich der
Henrichs oder
deutsche Tross „Das spanische Gesetz Keeper Florian
erst am 12. Juli
Müller werden
trifft und am 13. wünsche ich mir auch.“ neben einigen
nach Japan fliegt.
U-21-EuropmeisJoti Chatzialexiou, DFB-Sportchef
In Deutschtern dabei sein.
land hängen die
Dennoch sagt
Absagen nicht immer nur an den
Chatzialexiou: „Eine ErwartungsVereinen, auch manchem Spieler
haltung, dass wir als U-21-Euroist die Saisonvorbereitung wichtipameister automatisch auch bei
ger. „So ein Gesetz wie in Spanien
Olympia Medaillenkandidat sind,
wünsche ich mir auch“, sagt Chatist schwierig zu erfüllen, wenn man
zialexiou, „weil solche Turnier die
personell nicht aus dem Vollen
Jungs weiterbringen.“ Auch mangels
schöpfen kann.“ Nowitzki wird den
Freigaben besetzt der DFB nur 19
Rekrutierungsprozess eher nicht
der von 18 auf 22 erweiterten Kaderverstehen. CARSTEN SCHRÖTER-LORENZ
PRO & CONTRA
Foto: picture-alliance/dpa
FRAGE
DER WOCHE
33
Carsten Schröter-Lorenz
Redakteur
Fahnenträger: Dirk Nowitzki führte
2008 das deutsche Team an.
Thiemo Müller
Leiter Südwest-Redaktion
Olympia ist der Liga
nicht wichtig genug
Hertha BSC
Trainingslager: 1. bis 7. 7. in
Neuruppin, 25. 7. bis 1. 8. in Leogang
(Österreich)
Testspiele: beim MSV Neuruppin
(7. 7., 15.30 Uhr), beim SV Babelsberg 03 (10. 7., 15.30 Uhr), Hannover 96 (14. 7., 17 Uhr), VfB Lübeck
(21. 7., 17.30 Uhr, beide Berlin/Platz
offen)
Arminia Bielefeld
Trainingslager: 16. bis 24. 7. in
Scheffau am Wilden Kaiser (Österreich)
Testspiele: Hannover 96 (10. 7.,
15 Uhr, Ort offen), FK Krasnodar
(18. 7., 14 Uhr, Kitzbühel), Norwich City (28. 7., 18.30 Uhr, Gütersloh), FC Twente (31. 7., Uhrzeit und
Ort offen)
1. FC Köln
Trainingsstart: 5. 7.
Trainingslager: 16. bis 25. 7.
in Donaueschingen
Testspiele: bei Fortuna Köln (9. 7.,
18 Uhr), beim MSV Duisburg (10. 7.,
17 Uhr, Trainingsgelände), FC Bayern
München (17. 7., 16 Uhr, Villingen),
FC Schaffhausen (18. 7., 17 Uhr),
SV Elversberg (24. 7., 16 Uhr, beide
Bad Dürrheim), Almere City (geplant)
VfL Bochum
Trainingslager: 18. bis 25. 7.
in Gais (Italien)
Testspiele: bei der SSVg Velbert (7. 7.,
18.30 Uhr), SC Verl (10. 7., 13.30 Uhr,
Vonovia-Ruhrstadion), Cup der Traditionen mit Gastgeber MSV Duisburg
und Borussia Dortmund (17. 7., ab
15 Uhr), FC Parma (21. 7.), FC Turin
(24. 7., beide Uhrzeit und Ort offen),
Vitesse Arnhem (29. 7., 16.30 Uhr,
Vonovia-Ruhrstadion)
SpVgg Greuther Fürth
Trainingslager: 17. bis 24. 7. in
Bramberg (Österreich)
Testspiele: FC Bayern München II
(9. 7., 16 Uhr, Sportpark Ronhof),
bei den Würzburger Kickers (14. 7.,
17 Uhr), beim FC Ingolstadt (17. 7.,
Uhrzeit offen, unter Ausschluss der
Öffentlichkeit) – im Trainingslager
weitere geplant
P
ro: WM, EM, Copa America,
Asienmeisterschaft, Afrikaund Gold-Cup – der Fußball
hat eigene Highlights, klar. Aber
wir reden über Olympische Spiele, die historisch bedeutsamsten
globalen Sportwettkämpfe. Eine
Teilnahme ist in vielen Sportarten das Nonplusultra. Und selbst
im Vergleich dazu in puncto
Ruhm und Geld verwöhnte
Fußballprofis, die unter den fünf
Ringen mitspielen durften, wie
2016 etwa die Bender-Zwillinge
oder Nils Petersen, schwärmen
vom einzigartigen Olympia-Flair.
Serge Gnabry erfuhr dort gar erst
den entscheidenden Karriereschub. Zudem präsentiert sich
der gesamte deutsche Fußball
auf dieser weltweit beachteten
Bühne, mittelbar auch die Liga.
Deshalb sollten die Klubs großzügiger Freigaben erteilen, auch
wenn die „Last“ unterschiedlich
groß ist. Solidarität mit dem DFB
ist nötig, ein Medaillengewinn
strahlt schließlich am Ende auch
auf die ganze Fußballnation ab.
C
ontra: Dass die FIFA fürs
olympische Fußballturnier
keine Abstellungspflicht
verfügt, hat gute Gründe. Fällt
der Wettbewerb doch in die
heiße Vorbereitungsphase der
nationalen Ligen. Wenn Bundesligisten da nur Spieler freigeben,
die sie zu diesem Zeitpunkt für
verzichtbar halten, entspringt
das gesundem Egoismus. Im
Interesse der Klubs, aber im
Zweifel auch der Spieler. Wer im
Kampf um einen Stammplatz ins
Hintertreffen gerät, während er
an Olympia teilnimmt, dessen
Karriere ist perspektivisch
sicher nicht gedient – mag das
Gemeinschaftserlebnis noch
so schön sein. Den historisch
gewachsenen Stellenwert einer
WM oder EM hat Olympia in der
deutschen Fußballkultur ohnehin
nicht. Vor 2016 hatten das u. a.
die Kandidaten Toni Kroos und
Thomas Müller ohne Umschweife
klargestellt. Kurzum: Bei Olympia
dabei zu sein, ist ganz nett. Aber
nicht ganz so wichtig.
34
5. JULI 2021
Das ist Ihre
Die große
Umfrage
E UROPAPO K AL
Das Aus gegen Paris sitzt tief: Mbappé (links) erzielte im April in München
das 3:2 für die Franzosen. Bayerns 1:0-Sieg im Prinzenpark half nichts mehr.
A LLGEME IN
Ja
81,6 %
Nein
18,4 %
Glauben Sie, dass sich angesichts
der Pandemie und der wirtschaftlichen Zwänge Ablösesummen und
Spielergehälter auf einem
niedrigeren Niveau
einpendeln?
Nein
75,0 %
Werden Sie, so es erlaubt ist,
wieder ins Stadion gehen?
Ja
25,0 %
Drang ist ungebrochen
Eine überwältigende Mehrheit
möchte das Liveerlebnis wieder
haben. Der Drang ins Stadion ist offenbar ungebrochen, damit scheint
der Weg zurück in die Normalität möglich. Hoffen wir, dass die
Inzidenzzahlen mitspielen. Denn
erlaubt sollte es schon sein.
Wie empfanden Sie
die Geisterspiele?
Wie erwartet
46,9 %
Besser
als erwartet
34,8 %
Schlimmer
als erwartet
18,3 %
Was halten Sie von
Ablösezahlungen
für Trainer?
Muss erlaubt sein
76,3 % Sollte verboten
werden
23,7 %
Dürfen Trainer eine
Ausstiegsklausel
haben?
Wie weit kommt der FC Bayern
in der Champions League?
Wie weit kommt RB Leipzig
in der Champions League?
Aus in der Gruppenphase
1,7 %
Aus in der Gruppenphase
Achtelfinale
2,4 %
Achtelfinale
35,6 %
Viertelfinale
20,9 %
Viertelfinale
45,9 %
Halbfinale
54,0 %
Halbfinale
8,8 %
Finale
10,2 %
Finale
0,9 %
Sieger
10,8 %
Sieger
0,3 %
Der Druck ist weg
Etwas mehr als zuletzt
Ein Blick zurück lohnt: Vor einem
Jahr sagten massive 46,6 Prozent,
dass sie den FC Bayern als Sieger
der Champions League erwarten.
Dieser enorme Druck ist nach dem
Viertelfinal-Aus gegen Paris erst
mal weg. Kehrt da Demut ein?
Den ganz großen Wurf traut man
RB Leipzig immer noch nicht zu.
Nur 0,3 Prozent glauben an einen
Erfolg des Vizemeisters, die meisten immerhin ans Viertelfinale.
Obwohl zuletzt schon im Achtelfinale gegen Liverpool Schluss war.
Wie weit kommt Frankfurt
in der Europa League?
Wie weit kommt Leverkusen
in der Europa League?
Aus in der Gruppenphase
6,4 %
Aus in der Gruppenphase
7,1 %
Play-offs der K.-o.-Runde
9,3 %
Play-offs der K.-o.-Runde
11,7 %
Achtelfinale
26,2 %
Achtelfinale
34,0 %
Viertelfinale
35,4 %
Viertelfinale
33,6 %
Halbfinale
16,0 %
Halbfinale
10,7 %
Finale
3,0 %
Finale
1,7 %
Sieger
3,7 %
Sieger
1,2 %
Erbarmen, zu spät …
Erfahrung zählt nicht
Ein Mitgröl-Lied der Rodgau Monotones aus den 80er Jahren wird
neu aufgelegt: „Erbarmen, zu spät,
die Hesse komme.“ Eintracht goes
Europa League. Und gar nicht so
chancenlos. Sogar Finalteilnahme und Gesamtsieg wurden angekreuzt. Erbarmen …
2002 stand Bayer Leverkusen sogar
einmal im Finale der Champions
League, verlor gegen Real Madrid
(1:2). Internationale Erfahrung
hat die Werkself en masse. Und
doch wird ihr selbst in der Europa
League insgesamt weniger zugetraut als Eintracht Frankfurt.
Glauben Sie, dass die Topklubs die Super League
komplett ad acta gelegt haben?
Ja
75,5 %
Nein
24,5 %
8,5 %
Die Skepsis ist massiv da
Was war das für ein Aufschrei, als zwölf
Spitzenklubs aus England, Italien und Spanien im April ihre Pläne zur Super League
vorstellten. Dann der schnelle Rückzug.
Doch die Leser trauen Barca, Real, den Klubs
aus Mailand, Manchester und Co. nicht wirklich.
Nein
75,5 %
Ja
24,5 %
5. JULI 2021
Meinung! Teil 2
35
Der Europapokal steht im 2. Teil der Leserumfrage im
Blickpunkt. Daneben der internationale Fußball, die Referees
und auch der Fan. Wie hat er die Geisterspiele erlebt? Wird
er wieder ins Stadion gehen? 58 887 KICKER-LESER
haben teilgenommen. Eine Analyse von Martin Messerer.
SC HIE D SR IC HT E R / R EGE L N
Wie weit kommt Bor. Dortmund
in der Champions League?
Wie weit kommt Wolfsburg
in der Champions League?
Aus in der Gruppenphase
Aus in der Gruppenphase
53,3 %
Gräfes letzter Wahlsieg
Gräfe, Aytekin, Dr. Brych – das sind
die Schiedsrichter, die auf zweistellige
Ergebnisse kamen. Interessant, dass
Daniel Siebert, immerhin EM-Teilnehmer, mit 0,6 Prozent der Stimmen nur
auf Platz 6 landete. Für Gräfe (Foto),
der gegen den „Schiri-Ruhestand“ klagt
(siehe S. 30/31), der letzte Wahlsieg.
4,5 %
Wer ist der beste deutsche Schiedsrichter?
Achtelfinale
18,4 %
Achtelfinale
35,7 %
Viertelfinale
53,1%
Viertelfinale
8,8 %
Halbfinale
18,4 %
Halbfinale
1,5 %
Finale
3,0 %
Finale
0,3 %
Sieger
2,6 %
Sieger
0,4 %
Lohn für den Endspurt
Eher Aus in der Gruppe
Der BVB und die Königsklasse:
Immerhin hat er sich mit einem
Endspurt noch beeindruckend dafür qualifiziert. Und nun? „Viertelfinale!“, sagt mehr als jeder zweite
Leser. Wie zuletzt. Mehr wäre der
Lohn für den tollen Endspurt.
Zum dritten Mal hat sich der VfL
für die Champions League qualifiziert. 2009/10 war in der Gruppe
Schluss, 2015/16 immerhin erst im
Viertelfinale – knapp gegen Real
Madrid (2:0, 0:3). Die Leser glauben
eher ans Scheitern in der Gruppe.
Wie weit kommt Union Berlin
in der Europa Conference League?
Scheitern in der Qualifikation
12,2 %
Aus in der Gruppenphase
27,7 %
Play-offs der K.-o.-Runde
16,7 %
Achtelfinale
19,7 %
Viertelfinale
12,8 %
Halbfinale
5,8 %
Finale
1,4 %
Sieger
3,7 %
3,7 % Superoptimisten
Der Wettbewerb ist neu, folglich
ein Abenteuer. Union ist ja auch in
der Liga immer eine kleine Wundertüte. Warum soll der 1. FC nicht
sogar gewinnen? Sagen 3,7 Prozent.
Die Superoptimisten … Alle anderen halten alles für möglich.
48,9 %
26,6 %
15,5 %
2,1 %
0,8 %
Gleich
53,8 %
Nein
88,6 %
Ja
11,4 %
Besser
36,5 %
Schlechter
9,7 %
Ist die Altersgrenze von
47 Jahren in deutschen
Profiligen noch zeitgemäß?
Bewerten Sie die Leistungen
der Schiedsrichter im Vergleich
zur Vorsaison:
Ein klares Votum
Eine gute Nachricht
Manuel Gräfe wehrt sich noch gegen den Ruhestand. Er würde gerne weitermachen. Da kommt das
Thema her. Und es spricht ja auch
einigen aus der Seele. Warum soll
ein Top-Referee mit 47 aufhören?
Ein klares Votum unserer Leser.
Über 90 Prozent sehen die Performance der Schiris gleich oder
besser als in der Vorsaison. Das ist
doch mal eine gute Nachricht für
die seit Bibiana Steinhaus-Webbs
Rückzug im September 2020 reine
Männergesellschaft.
Nein
88,9 %
Schlecht
60,4 %
Ja
11,1 %
Gut
39,6 %
Leistungsträger: Max Kruse trug
viel zu Unions Aufschwung bei.
Die Regelauslegung bei Handspiel
wird erneut geändert. Blicken Sie
da noch durch?
Was halten Sie von der neuen
Europa Conference League?
Reine Geldbeschaffung
Manuel Gräfe
Deniz Aytekin
Dr. Felix Brych
Felix Zwayer
Patrick Ittrich
Finde ich
nicht gut 79,2 %
Mehr Verbände, mehr Klubs, mehr Geld –
so rechnet die UEFA. Für knapp 80 Prozent
der Leser ist das nicht gut. Für sie ist der
neue Wettbewerb reine „Geldbeschaffung“.
Keine Überraschung, auch wenn Teams
dabei sind, die teilweise Neuland betreten.
Finde
ich gut
20,8 %
Hand ist, wenn …?
Absicht? Oder nicht? Verbreiterung
der Körperfläche. Und wenn ja,
wo? Es ist für viele unserer Leser
nicht mehr nachvollziehbar, was
ein Handspiel ist. Früher war es in
der Tat einfacher. Da war es Hand,
wenn der Schiedsrichter pfeift …
Wie finden Sie die Umsetzung
des Videobeweises?
Es gibt viel zu tun
Klar, das Votum kam vor der EM.
Gefühlt ging der Videobeweis bei
den kontinentalen Titelkämpfen
schneller und nachvollziehbarer als in der Bundesliga. Dort
sagt eine – schon spürbare –
Mehrheit, dass die Umsetzung
schlecht ist. Es gibt viel zu tun. 9
5. JULI 2021
Das ist Ihre Meinung! Teil 2
IN TE RN ATION AL
R EGIONA L L IGA / A MAT E U R E
Wer ist der beste Spieler
der Welt?
Wer ist der beste Torhüter
der Welt?
Lewandowski, klar!
Zwei Deutsche vorne
Er ist bester Spieler der Bundesliga und auch der Welt: Robert
Lewandowski (32) ließ Lionel Messi (34) und Kylian Mbappé (22) klar
hinter sich. Alle anderen wurden
nicht mal mit einer zweistelligen
Prozentzahl genannt, darunter
auch Cristiano Ronaldo. Der Star
aus Portugal kommt mit 36 offenbar langsam in die Jahre.
Er ist bester Torwart der Bundesliga und auch der Welt: Manuel
Neuer (35) landete mit 61,3 Prozent
der Stimmen gar einen Erdrutschsieg. Nur einer kam noch auf eine
zweistellige Quote: Marc-André ter
Stegen (29), der aber erneut den
spanischen Meistertitel mit dem
FC Barcelona verpasste. Wie die
EM. Die aber wegen einer Knie-OP.
Robert Lewandowski
Lionel Messi
Kylian Mbappé
N’golo Kanté
Cristiano Ronaldo
40,1 %
13,2 %
11,2 %
9,3 %
7,5 %
Manuel Neuer
Marc-André ter Stegen
Jan Oblak
Ederson
Edouard Mendy
61,3 %
15,8 %
9,0 %
3,1 %
2,9 %
Starke Trainer in
einer starken Liga:
Sieger Jürgen
Klopp (links) und
Pep Guardiola
Welche Liga ist die beste
der Welt?
Klopp – trotz allem!
England – wer sonst?
Er hatte Probleme mit dem
FC Liverpool, unverkennbar. Doch
letztlich schafften es Jürgen Klopp
(54) und sein Team in die Champions League. Meister wurde Pep
Guardiola (50) mit Manchester
City. In der Champions League
unterlag er aber Thomas Tuchel
(47, FC Chelsea). Darüber sehen die
Leser aber noch Hansi Flick (56).
Das Champions-League-Finale war
eine rein englische Angelegenheit,
im Endspiel der Europa League
stand auch noch Manchester United, verlor im Elfmeterschießen
(10:11) aber gegen den FC Villarreal.
Fakt ist: Die Premier League ist
das Maß der Dinge. Auch das Ziel
vieler Spieler. Exorbitante Gehälter
mögen der Grund hierfür sein.
33,6 %
20,9 %
19,4 %
14,0 %
4,7 %
Premier League (England)
Bundesliga (Deutschland)
La Liga (Spanien)
Serie A (Italien)
Umfrage
LESER ME INU NGEN
„Ausstiegsklausel
generell daneben“
Vereine, die die Super League brauchen, haben über ihre Verhältnisse
gewirtschaftet.
Hans Dekkers
Nein
23,3 %
Es sollte nur zwei europäische Mannschaftswettbewerbe geben: Champions League und Europa League.
Alles andere ist Geldschneiderei – so
wie die Nations League für Nationalteams und die größere Teilnehmerzahl bei der WM.
Thomas Jeier
Sollte die 3. Liga auf
22 Mannschaften aufgestockt
werden, damit die fünf
Regionalliga-Meister direkt
aufsteigen können?
Ein Ja zu 22 Teams
Seit Jahren ist dieser Fakt ein
heiß diskutiertes Thema: Nur in
der Regionalliga ist dem Meister
kein Aufstieg garantiert. Würden
22 Teams in der 3. Liga spielen,
könnte dies geändert werden und
allen Meistern ein Aufstiegsrecht
eingeräumt werden. Mehr als drei
Viertel der kicker-Leser würden
diese Lösung begrüßen. Wenn
hoffentlich wieder alle Spieltage
stattfinden können, soll auch das
beste Team direkt in die 3. Liga
aufsteigen.
Die Engländer sind so gut, wie sie
dastehen. Leider werden sich die
Gehälter und Ablösesummen nicht
nach unten bewegen, kein Verein
kann eine radikale Umkehr auf die
Jugend verkraften.
Volker Herzog
Der Videobeweis zerstört viel, weil
die Schiedsrichter ferngesteuert rumeiern, statt es sich einfach anzuschauen und den technischen Vorteil zu
nutzen.
Fabian Czypull
Ich finde Ausstiegsklauseln generell
daneben. Solange sie aber ein Spieler
hat, sollte es dem Trainer ebenso
gestattet sein.
Maximilian Decker
DI E GE WINNE R
Der Fußball-Globus dreht sich in Aßlar
Der 1. Preis, ein interaktiver Fußball-Globus von kicker und Columbus,
geht an: Michael W. Schmitt, Aßlar
Wer ist der beste Trainer
der Welt?
Jürgen Klopp
Hansi Flick
Thomas Tuchel
Pep Guardiola
Diego Simeone
Ja
76,7 %
Die große
81,8 %
14,1 %
3,3 %
0,8 %
Der 2. Preis, eine GMT-Uhr „Spielzeit“, geht an:
Georg Stübl, Wasserburg
Der 3. Preis, ein Wochenkalender 2022 „Legendäre Fußballtempel“,
geht an: Bernd Oestreich, Potsdam
Der 4. bis 10. Preis, je ein „Elfer raus!“
von Ravensburger, geht an:
Heinz Schuller, St. Andreasberg
Axel Stein, Duisburg
Jean Spanu, Reiskirchen
Lars Knoke, Diez
Eric Jonas, Kiel
Hannes Rösner, Nordhorn
Kalle Sappa, Weyhe
Gutes Händchen: Hoang Ngo Huy, Herzlichen Glückwunsch!
Azubi im Olympia-Verlag, zog aus Alle Gewinner werden von uns
den Losen die zehn Gewinner.
benachrichtigt.
Fotos: imago images (3) picture-alliance, kicker
36
Die Liga legt los – und oft
sind wieder FA NS dabei.
Doch Tests, Impfungen und
Vorsicht bleiben wichtig.
ndlich wieder Bratwurst, Bier
und Bundesligaprofis! Nicht
bloß im Fernsehen, sondern
ganz in echt und nur wenige Meter
entfernt. 500 Fans kamen am Freitag
in Stuttgart bei Sonne und 22 Grad in
den Genuss dieser lange vermissten
Kombination. Wer beim Trainingsauftakt des VfB die drei B erleben
wollte, musste sich vorab registrieren
und eines der drei G vorweisen, die
im Kampf gegen Corona mittlerweile
geläufig sind: geimpft, getestet oder
genesen.
Die Kontrolle erfolgte per App
am Eingang, auf der Stehtribüne des
Robert-Schlienz-Stadions war markiert, wo Plätze frei bleiben mussten,
Autogramme von oder Fotos mit den
Stars waren nicht drin. Die Fans verhielten sich vernünftig – und sorgten
für Stimmung: Als das VfB-Team auf
der anderen Seite der Bande vorbeilief, applaudierten sich Publikum
und Profis gegenseitig. „Wieder 500
Leute hier zu haben, ist ein viel schöneres Gefühl als immer diese Geisterspiele“, freute sich Sportdirektor Sven
Mislintat über das erste Training vor
Zuschauern nach über 17 Monaten.
In Gladbach waren am Samstag 1300 Fans im Borussia-Park, am
„Ein tolles Gefühl,
Zuschauer zu erleben.“
Foto: Rudel
Adi Hütter, Gladbach-Trainer
Sonntag sogar 1500. Auch sie mussten
vorab ein kostenloses Ticket buchen
und eines der drei G nachweisen.
Der neue Trainer Adi Hütter genoss
die Atmosphäre: „Ein tolles Gefühl,
dass wir wieder Zuschauer erleben
durften. Ich hoffe, dass das Stadion
bald wieder dauerhaft gut gefüllt sein
kann.“ Beim Test gegen Groningen
am 31. Juli sollen bis zu 18 000 Leute
kommen dürfen, so viele wie zum
Bundesligastart gegen Bayern zwei
Wochen später. Die Münchner wiederum testen am 17. Juli vor bis zu
6000 Zuschauern in Villingen gegen
Köln. Bielefeld verlor am Samstag
vor 1200 Besuchern mit 0:3 in Verl.
Zum Start der Vorbereitung
waren in Fürth, Bochum, Hoffenheim, Mainz und Wolfsburg ebenfalls
Fans zugelassen, auch am Dienstag
in Leipzig werden welche dabei sein.
In Augsburg, Bielefeld, Frankfurt,
Freiburg und Leverkusen ging bzw.
geht es hingegen ohne Publikum los.
Beispiele, die zeigen: Es ist wieder
mehr möglich, aber noch längst nicht
37
„Viel schöner als diese Geisterspiele“: 500 Zuschauer verfolgten das erste Training des VfB Stuttgart.
alles wie früher. Grundlage für die
Klubs sind behördliche Vorgaben,
räumliche Gegebenheiten und das
Hygienekonzept der DFL, das für die
neue Saison überarbeitet wird. Einen
Beschluss der Klubs soll es Mitte
Juli geben. Vor Wiederaufnahme des
Trainings waren für Spieler, Trainer
und Betreuer jeweils zwei negative
PCR-Tests erforderlich. Während der
Vorbereitung sind zwei PCR-Tests
pro Woche oder tägliche Schnelltests
vorgeschrieben. Vollständig Geimpfte oder Genesene können von der
Testung ausgenommen werden.
Beim Thema Impfen kommen
die Vereine unterschiedlich voran.
In Frankfurt wurden bereits vor der
Pause alle Profis mit dem Präparat
von Johnson & Johnson (nur eine
Dosis nötig) geimpft – trotzdem wird
weiter täglich getestet. Beim VfB sind
etwa zwei Drittel des Kaders geimpft,
bei Bielefeld etwa ein Drittel doppelt.
Bei Greuther Fürth gab es für alle
Mitarbeiter ein Impfangebot, das
vielfach angenommen wurde. Zahlreiche Klubs machen mit Verweis
auf die Privatsphäre ihrer Spieler
keine Angaben zu Impfungen.Beim
FC Augsburg sei „der Großteil der
Spieler“ geimpft, sagt Manager Stefan Reuter, bislang habe dies keiner
abgelehnt. Der Schutz erhöht die Sicherheit, dennoch ist weiter Disziplin
gefragt. „Wir sind alle gut beraten,
noch nicht zu euphorisch zu sein,
sondern vorsichtig zu bleiben und
Hygienemaßnahmen weiter einzuhalten“, betont Reuter.
Die Reiselust ist bei der großen Mehrheit der Klubs aber zurück
(siehe Übersicht Seite 32/33). Nur der
FC Bayern und Frankfurt haben kein
Trainingslager geplant. Gladbach,
Köln und Hoffenheim bleiben innerhalb Deutschlands. Hertha und
Union bezogen zunächst Camps
vor den Toren Berlins und reisen
später nach Österreich – wie neun
weitere Klubs. Die Alpenrepublik ist
traditionell das beliebteste Ziel. Der
BVB bereitet sich wie gewohnt in der
Schweiz vor, die Trainingseinheiten
in Bad Ragaz finden ohne Zuschauer
statt. Aufsteiger Bochum reist nach
Italien, genauer nach Gais in Südtirol.
Für alle Klubs gilt, die Corona-Lage
am Ort des Trainingslagers im Auge
zu behalten. Sollten Inzidenzen oder
Risiken steigen, lautet der nächstliegende Notfallplan: lieber zu Hause
bleiben.
DAVID BERNREUTHER
bündig
kurz
E
Drei B & drei G
5. JULI 2021
Leweling verlängert in Fürth
Die SpVgg Greuther Fürth hat den
Vertrag des Offensivspielers Jamie
Leweling (20) vorzeitig
bis 2024 verlängert. Das
Eigengewächs spielt seit
2019 bei den Profis und hat
seither in 50 Pflichtspielen
vier Tore erzielt.
Dreisamstadion wieder da
Aus dem Schwarzwald-Stadion
in Freiburg wird wieder das Dreisamstadion. Die bisherige Heimstätte des SC Freiburg wird allerdings
durch das neu gebaute, noch namenlose Stadion am anderen Ende der
Stadt ersetzt. Das Dreisamstadion
ist die Ausweichstätte des Bundesligisten. Die SC-Frauen und der
SC Freiburg II in der 3. Liga sollen
fest dort spielen.
Fitschen zieht die Lose
Ex-Nationalspielerin Doris Fitschen
lost am 13. Juli die 1. DFB-Pokalrunde der Frauen aus. Insgesamt
sind 54 Mannschaften qualifiziert.
Die zehn bestplatzierten Teams der
Bundesliga erhalten ein Freilos und
greifen erst in der 2. Runde in den
Wettbewerb ein.
Testspiele
Neustadt/Dosse – Hertha 0:16
Tore: 0:1 Tousart (6.), 0:2 Selke
(10.), 0:3 Tousart (20.), 0:4 Selke
(27.), 0:5 Lukebakio (31.), 0:6, 0:7,
0:8, 0:9 Cordoba (46., 48., 49., 51.),
0:10 Kade (51.), 0:11, 0:12 Werthmüller (55., Foulelfmeter, 57.), 0:13,
0:14 Cordoba (62., Foulelfmeter,
69.), 0:15 Mittelstädt (77.), 0:16
Michelbrink (84.)
TSG Planig – Mainz 05
0:11
Tore: 0:1 Meier (11.), 0:2, 0:3 Rupil
(22., 29.), 0:4, 0:5 Bobzien (31.,
39.), 0:6 Meier (43.), 0:7 Brosinski
(44.), 0:8 Stöger (49., Foulelfmeter), 0:9 Lucoqui (55.), 0:10 Papela
(88.), 0:11 Stöger (90.)
SC Verl – Arminia Bielefeld 3:0
Tore: 1:0 Rabihic (10.), 2:0, 3:0 Saglik (64., 85. Foulelfmeter)
N AT I O N A L M A N N S C H A F T
TO N I K RO OS (31) beendet
seine Karriere beim DFB.
Eine Würdigung und
Wertung seiner Karriere.
D
iese Frage war von Mitgefühl unterlegt,
wenn nicht sogar von Mitleid. Dreimal
hatte er in der abgelaufenen Saison
2011/12 mit dem FC Bayern München lediglich
Platz 2 erreicht, in der Bundesliga, in der Champions League und im DFB-Pokal: Wie würde er
nun mit dem zusätzlichen Aus im Halbfinale
der Europameisterschaft klarkommen? Der
mit dieser heftigen Negativserie konfrontierte
Toni Kroos antwortete knapp und kühl, als
er an jenem 28. Juni 2012 aus der Kabine in
Warschau trat: In diesem Wettbewerb seien er
und seine Mannschaft ja nicht einmal Zweiter
geworden. Also, bitte, was solle der Vergleich?
Es gibt verschiedene Arten, große Niederlagen zu verarbeiten. Kroos, an dem vorzeitigen Aus der DFB-Auswahl vor neun Jahren
einigermaßen mitbeteiligt, weil der Plan mit
ihm im Mittelfeld gescheitert war, nimmt sie
in der Regel stoisch an, zumindest nach außen
hin. Dreimal bezeichnet er jetzt, es ist Dienstag, 27. Juni 2021, den Knockout im Londoner
EM-Achtelfinale als „bitter“, gesteigert als „sehr
bitter“, einmal als „enttäuschend“, als er weni-
Stiller Star. Leiser
ge Minuten nach dem Abpfiff innerhalb von
angezweifelt. Für ihn war dieser Spieler „ein
70 Sekunden seinen Kommentar zum Spiel
Muster an Zuverlässigkeit und Beständigkeit,
gegen England und zum Ertrag dieses Turniers
über Jahre hinweg ein Leistungsträger bei
abgibt, gewohnt cool und unaufgeregt.
Real Madrid und in der Nationalmannschaft“.
Kroos bevorzugt stets die sachliche AnaBeim DFB ist nun Schluss für Kroos nach
lyse. Auch wenn er meint, dass die deutsche
106 Auftritten im A-Team, „unwiderruflich“,
Mannschaft bei diesem paneuropäischen
wie er mit knapp dreitägigem Abstand zu seiWettstreit weitaus mehr
nem letzten Spiel verkündet
hätte erreichen können oder
hat. Mehr Einsätze haben in
Kroos ist die
gar müssen, weiß er, dass es
der Nationalmannschaft bispersonifizierte
Schwächen und Schwachlang lediglich sechs Spieler,
Bodenständigkeit. Rekordmann Lothar Matstellen gab. Sonst wäre es
anders und besser gelaufen.
thäus (150), Miroslav Klose
Immerhin aber habe dieses
(137), Lukas Podolski (130),
Mal der Einsatz gestimmt, betont Kroos, anders
Bastian Schweinsteiger (121), Philipp Lahm
als in Russland 2018. Deshalb ist er jetzt mit
(113) und Jürgen Klinsmann mit 108 Partien.
sich im Reinen.
106 sind ebenso für Thomas Müller gelistet.
Den Gedanken aufzuhören hat er schon
Für beide begann diese Nationalmannnach der entgleisten Weltmeisterschaft 2018
schaftstour am 3. März 2010 in München, gegen
gewälzt, aber unsicher gegrübelt, ob er es
Argentinien (0:1). Kroos wurde für Müller eintatsächlich tun solle. Zudem wollten ihn
gewechselt (67. Minute). Das DFB-Trikot mit
Sohn Leon sowie Joachim Löw weiter in der
der Nummer 26, das er bei dieser Premiere trug,
DFB-Auswahl spielen sehen. Der nun verabist nicht mehr in seinem Besitz, Kroos schenkte
schiedete Bundestrainer hat Kroos’ Position nie
es dem kicker-Kollegen Frank Lußem zu des-
5. JULI 2021
Fotos: picture alliance/AP/Augstein, picture alliance/GES/Guengoer
Lenker
sen 50. Geburtstag. Als er 2018 zum Fußballer des
Jahres gewählt worden war, besuchte ihn Lußem in
Madrid. Die Real-Stars leben dort – Kroos als Nachbar Cristiano Ronaldos – in einer abgeschotteten
Wohnanlage. Lußem spürte damals die Diskrepanz
zwischen der Wucht des Kroos’schen Domizils und
der Normalität, die dessen Charakter ausmacht.
Kroos ist die personifizierte Bodenständigkeit.
Nie war er ein Mann der lauten Worte und
Gesten, sondern immer ein stiller Star, ein leiser
Lenker und Leader. Er wollte auf dem Fußballplatz
„alles ein bisschen strategischer sehen“, wie er
sein Tun selbst definierte, seine Entscheidungen
„ein bisschen rationaler“ treffen. Bevor er den Ball
annahm, hatte er ihn im Kopf schon weitergeleitet,
ehe er es sogleich mit dem Fuß im immer weißen
Lederschuh – andere trägt er nicht – machte. Sein
Rundumblick plus diese naturgegebene Sicherheit
am Ball ergaben diese Selbstverständlichkeit in
seinen Aktionen, den großen wie den kleinen.
Attacken, auch körperlich robuste, federte und
wehrte er sogar gegen eine gegnerische Überzahl
auf engstem Raum ab, mit seiner typischen Leichtigkeit, die schon als Lässigkeit rüberkam.
39
Note 4,5 beurteilte, reagierte er über einen längeren Zeitraum verärgert. Aber Kroos versteht die
Abläufe mit seiner heutigen Reife und Erfahrung –
nach dieser langen, gelungenen Tour durch die
ganz große Fußballwelt.
Mit 16 begann er seine Wanderschaft im Fußball und verließ die damalige elterliche Wahlheimat Rostock. Mit 17 Jahren und 265 Tagen wurde
er, eingewechselt gegen Energie Cottbus, der bis
dahin jüngste Bundesliga-Spieler des FC Bayern,
musste aber den Umweg über Bayer Leverkusen
und die anderthalb Lehrjahre unter seinem entscheidenden Förderer Jupp Heynckes nehmen als
Weltmeister auf Nimmerwiedersehen:
Spielmacher, der vom linken Flügel kam und – ein
Hansi Flick (links) muss ohne Toni Kroos planen.
Novum – 2009/10 dreimal in Serie im kicker zum
Spieler des Tages gekürt wurde, ehe er zur Saison
Kroos ist ein Meister der Antizipation. Nie
2010/11 nach München zurückkehrte. Vier Jahre
wurde und wird er hektisch am Ball, Nervosität
später verabschiedete er sich als Championsoder negative Gedanken vor großen Spielen oder
League-Gewinner, dreimaliger Deutscher Meister
Turnieren plagten ihn nicht, allenfalls packt ihn
und DFB-Pokalsieger zu den „Königlichen“ nach
ein Kribbeln, Vorfreude. Auf dem Feld verspüre
Madrid, wo Kroos zweimal Spaniens Meisterschaft
er „eine große Ruhe“, sagt er selbst, „es geht doch
gewann sowie dreimal die Champions League.
nur um ein Fußballspiel“. Kroos verkörperte im
Seine Anstellung bei Real gilt noch bis 2023, dann
Mittelfeld die Gelassenheit des Spiels, das er so inwill Kroos seine berufliche Zukunft sondieren und
terpretieren musste, weil Grundschnelligkeit, Temdort in jedem Fall seine tolle Karriere beenden.
podribblings und offensive Eins-gegen-eins-Duelle
Die Konzentration auf die täglichen Anfornicht zu seinem Repertoire zählen. Ihn deswegen
derungen bei seinem Arbeitgeber führt Kroos als
als „Querpass-Toni“ zu verhöhnen, wie es zuletzt
einen Grund an für seinen Rücktritt, mit dem er
immer wieder passierte, ist resich und dem neuen Bundestraispektlos.
ner Hansi Flick weitere Debatten
Grundschnelligkeit
Kroos sprach auch in der
über die optimale Zusammengehört nicht zu
Nationalmannschaft mit seinem
setzung des deutschen MittelfelKroos’ Repertoire. des erspart. Für den ZentralbeSpiel, das Autorität und Souveränität vermittelte. Schön sollte
reich sind nun Kimmich, Leon
es nach seinem Willen sein mit
Goretzka, auch Ilkay Gündogan,
den Präzisionspässen über die Kurz-, Mittel- und
Florian Neuhaus und andere gefragt. Kroos wird
Langstrecke, aber auch sachlich und zweckmäßig.
sich derweil an den Tagen ohne DFB-Termine
Der Techniker mit dem feinen rechten Fuß und
als praktizierender Papa verstärkt um seine Frau
dem harten Schuss – trotzdem gelangen ihm im
und die drei Kinder kümmern, wie er es in seiner
DFB-Team relativ wenige 17 Tore und 16 Assists –
Abschiedsdepesche mitteilt.
wollte es nicht verschwitzt und verdreckt, setzte
31 Lebensjahre sind eigentlich noch nicht
aber durchaus zur Grätsche an, wenn es die Notlage
die Altersgrenze, die das Ende einer Karriere in
erforderte, auch abschließend in London.
einer Nationalmannschaft verlangt. Kroos hat
Bei dieser EM sollte der Achter, der Kroos im
seine Entscheidung rational getroffen. Es ist die
halblinken Mittelfeld immer war, zusätzlich den
richtige. Er gehörte prägend, stil- und spielbildend
Sechser geben. Die Absicherung, die ihm im Klub
zur goldenen 2010er Generation des deutschen
in Madrid der Brasilianer Casemiro seit Jahren
Fußballs, die mit begeisternden Vorträgen 2014
garantiert, fehlte ihm nun, da Joshua Kimmich
Weltmeister wurde. Mehr geht nicht in der Wernach rechts außen versetzt worden war. Kroos fügte
tigkeit – und doch wäre mehr gegangen in der
sich in diese Konstruktion, die der Fußballlehrer
Häufigkeit. Kroos selbst nennt die EM 2016 in
Löw ausgetüftelt hatte, weil er wegen eines ManFrankreich als die größte verpasste Chance für
nes zu viel im Zentralbereich eine Lösung finden
einen weiteren, den kontinentalen Titelgewinn,
musste. Es sollte ein Modell mit Kroos sein. Dessen
den er 2021 wieder für möglich hielt. Das Aus
Status wollte der Bundestrainer
im Achtelfinale hat seinen Abjedoch nicht gefährden, wie
schied nur beschleunigt, nicht
schon nach der WM 2018 nicht.
ausgelöst: Kroos hatte schon
Seither war Kroos in
vor dem Turnier beschlossen,
der deutschen Öffentlichkeit
dass das letzte EM-Spiel sein
skeptischer gesehen und die
letztes im deutschen Trikot sein
Löw’sche Stammplatzgaranwerde. Dafür war Wembley ein
tie zu Recht hinterfragt worwürdiger Ort, aber im falschen
den. Kroos hat diese Zweifel
Spiel – schon im AchtelfinaJa
78,6 %
registriert. Mag er mit seiner
le war es vorbei, nicht erst im
überlegten Erscheinung auch
Finale, wie er es erhofft hatte.
Nein
21,4 %
unerschütterlich wirken, so ist
Kroos geht – und damit
er doch sehr wohl empfindsam.
ein Großer in der Geschichte
Als der kicker seine Leistung im
der deutschen Nationalmann98 712 Teilnehmer www.kicker.de
WM-Finale in Brasilien mit der
schaft.
KARLHEINZ WILD
WIR WOLLTEN’S
WISSEN
Führt Flick die Nationalelf
zurück in die Weltspitze?
40
5. JULI 2021
DI E L Ä NDE R SP I E L SAI SON 2 0 2 0 /2 1
33 Tore, aber auch 27 Gegentreffer – und kein Titel
3. 9. Spanien (Stuttgart)
1:1
Tor: Werner
6. 9. Schweiz (Basel)
1:1
Tor: Gündogan
7. 10. Türkei (Köln)
3:3
Tore: Draxler, Neuhaus, Waldschmidt
10. 10. Ukraine (Kiew)
2:1
Tore: Ginter, Goretzka
13. 10. Schweiz (Köln)
3:3
Tore: Werner, Havertz, Gnabry
11. 11. Tschechien (Leipzig)
1:0
Tor: Waldschmidt
14. 11. Ukraine (Leipzig)
3:1
Tore: Sané, Werner (2)
17. 11. Spanien (Sevilla)
0:6
Die Spiele 2021:
25. 3. Island (Duisburg)
3:0
Tore: Goretzka, Havertz, Gündogan
28. 3. Rumänien (Bukarest)
1:0
Tor: Gnabry
31. 3. Nordmazedonien (Duisburg) 1:2
Tor: Gündogan
2. 6. Dänemark (Innsbruck)
1:1
Tor: Neuhaus
7. 6. Lettland (Düsseldorf)
7:1
Tore: Gosens, Gündogan, Müller,
Gnabry, Werner, Sané, Ozols (Eigentor)
15. 6. Frankreich (München)
0:1
19. 6. Portugal (München)
4:2
Tore: Havertz, Gosens, Ruben Dias
(Eigentor), Guerreiro (Eigentor)
23. 6. Ungarn (München)
2:2
Tore: Havertz, Goretzka
29. 6. England (London)
0:2
17 Spiele
33:27 Tore
7 Siege, 6 Unentschieden, 4 Niederlagen
DIE EINGESETZTEN SPIELER
(In Klammern Notendurchschnitt)
gespielte Minuten
15 Spiele: Rüdiger (3,70)
Ginter (3,46)
13 Spiele: Gnabry (3,83)
Sané (4,00)
Werner (3,75)
12 Spiele: Neuer (3,21)
Gündogan (3,46)
Can (3,60)
11 Spiele: Kimmich (3,27)
Gosens (3,60)
Havertz (2,85)
10 Spiele: Kroos (3,90)
Goretzka (3,56)
8 Spiele: Süle (3,92)
6 Spiele: Hummels (3,50)
Müller (3,30)
Koch (3,80)
Neuhaus (2,50)
5 Spiele: Klostermann (3,70)
Draxler (3,75)
Musiala (–)
4 Spiele: Brandt (4,50)
Waldschmidt (3,00)
Tah (4,33)
3 Spiele: Max (4,00)
Halstenberg (4,00)
Hofmann (3,50)
Younes (5,00)
Volland (–)
2 Spiele: Kehrer (3,75)
Leno (2,25)
Trapp (2,50)
Henrichs (3,50)
Schulz (4,50)
Amiri (4,00)
Dahoud (4,50)
Günter (–)
1 Spiel: Baku (3,50)
ter Stegen (3,00)
Serdar (–)
Stark (–)
1288
1256
993
753
646
1080
937
544
990
752
720
900
721
514
511
458
392
309
418
331
40
235
215
196
248
153
56
41
24
180
180
180
105
91
72
57
42
90
90
17
5
DIE ABSTELLUNGEN NACH KLUBS
Bayern München (78): Gnabry, Sané
(je 13), Neuer (12), Kimmich (11),
Goretzka (10), Süle (8), Müller (6),
Musiala (5)
FC Chelsea (39): Rüdiger (15),
Werner (13), Havertz (11)
Borussia Dortmund (26): Can (12),
Hummels (6), Brandt (4), Dahoud,
Schulz (je 2)
Bor. Mönchengladbach (24): Ginter
(15), Neuhaus (6), Hofmann (3)
Manchester City (12): Gündogan
Atalanta Bergamo (11): Gosens
RB Leipzig (10): Klostermann (5),
Halstenberg (3), Henrichs (2)
Real Madrid (10): Kroos
Paris St. Germain (7): Draxler (5),
Kehrer (2)
Bayer Leverkusen (6): Tah (4), Amiri (2)
Leeds United (6): Koch
Eintracht Frankfurt (5): Younes (3),
Trapp (2)
Benfica Lissabon (4): Waldschmidt
AS Monaco (3): Volland
PSV Eindhoven (3): Max
FC Arsenal (2): Leno
SC Freiburg (2): Günter
FC Barcelona (1): ter Stegen
FC Schalke 04 (1): Serdar
Hertha BSC (1): Stark
VfL Wolfsburg (1): Baku
DIE TORSCHÜTZEN
5 Tore: Timo Werner
4 Tore: Ilkay Gündogan
Kai Havertz
3 Tore: Serge Gnabry
Leon Goretzka
2 Tore: Robin Gosens
Florian Neuhaus
Leroy Sané
Luca Waldschmidt
1 Tor: Julian Draxler
Matthias Ginter
Thomas Müller
DIE SCORER-LISTE
Pkt. Name
10
7
6
5
4
3
2
1
Kai Havertz
Timo Werner
Robin Gosens
Serge Gnabry
Leon Goretzka
Ilkay Gündogan
Leroy Sané
Matthias Ginter
Joshua Kimmich
Florian Neuhaus
Luca Waldschmidt
Thomas Müller
Mats Hummels
Julian Draxler
Lukas Klostermann
Philipp Max
Antonio Rüdiger
Tore + Vorlagen
4+6
5+2
2+4
3+2
3+2
4+0
2+2
1+2
0+3
2+0
2+0
1+1
0+2
1+0
0+1
0+1
0+1
DIE KARTEN
Rot: keiner
Gelb-Rot: keiner
Gelb: Rüdiger (4), Ginter, Gosens, Sané
(je 3), Can, Draxler, Gündogan,
Havertz, Kimmich, Kroos (je 2), Koch,
Musiala, Süle, Tah (je 1)
Insgesamt kamen 41 Spieler zum Einsatz,
7 davon (gefettet) gaben ihr Debüt.
L ÄNDE R SP I E L E 2 021 / 22
Startschuss im
September: Am
2. 9. feiert
Hansi Flick seine
Premiere als
Bundestrainer.
2. 9.2021
WM-Qualifikation Liechtenstein – Deutschland
5. 9.2021
WM-Qualifikation Deutschland – Armenien
8. 9.2021
WM-Qualifikation Island – Deutschland
8.10.2021
WM-Qualifikation Deutschland – Rumänien
11.10.2021
WM-Qualifikation Nordmazedonien – Deutschland
11.11.2021
WM-Qualifikation Deutschland – Liechtenstein
14.11.2021
WM-Qualifikation Armenien – Deutschland
Mögliche Play-offs finden am 24./25. und 28./29.3.2022 statt.
2.– 4.6.2022 Nations League
1. Spieltag
5.– 7.6.2022 Nations League
2. Spieltag
9.–11.6.2022 Nations League
3. Spieltag
12.–14.6.2022 Nations League
4. Spieltag
22.–24.9.2022 Nations League
5. Spieltag
25.–27.9.2022 Nations League
6. Spieltag
Eventuelle Testspiele sind abhängig von der WM-Qualifikation.
21.11.–18.12.2022
WM-Endrunde in Katar
in St. Gallen
in Stuttgart
in Reykjavik
in Hamburg
in Skopje
in Wolfsburg
in Erewan
Foto: Getty Images
DIE SPIELE
Die Spiele 2020:
5. JULI 2021
SPIELPLAN EM 2021
A
Alle Spiele und Statistiken im Live-Ticker bei %.de
B
C
Dänemark Finnland Russland Belgien
Italien Türkei Wales Schweiz
Spiele in Bukarest und Amsterdam
Samstag, 12. Juni
Freitag, 11. Juni
Türkei – Italien (21 Uhr, Rom)
Wales – Schweiz (15 Uhr, Baku)
0:1
3:0
Österreich – Nordmazedonien (18 Uhr, Bukarest)
Niederlande – Ukraine (21 Uhr, Amsterdam)
Mittwoch, 16. Juni
1:1
0:1
Ukraine – Nordmazedonien (15 Uhr, Bukarest)
Niederlande – Österreich (21 Uhr, Amsterdam)
1:2
Montag, 21. Juni
Donnerstag, 17. Juni
0:2
3:0
Dänemark – Belgien (18 Uhr, Kopenhagen)
Schweiz – Türkei (18 Uhr, Baku)
Italien – Wales (18 Uhr, Rom)
Russland – Dänemark (21 Uhr, Kopenhagen)
Finnland – Belgien (21 Uhr, St. Petersburg)
3:1
1:0
3
3
3
3
7:0
3:2
4:5
1:8
Tabelle
1. Belgien
2. Dänemark
3. Finnland
4. Russland
9
4
4
0
3
3
3
3
1:4
0:2
7:1
5:4
1:3
2:7
Tabelle
1. Niederlande
2. Österreich
3. Ukraine
4. Nordmazedonien
9
3
3
3
E
D
3
3
3
3
Spiele in London und Glasgow
Spiele in St. Petersburg und Sevilla
Spiele in Budapest und München
Montag, 14. Juni
Dienstag, 15. Juni
1:0
Polen – Slowakei (18 Uhr, St. Petersburg)
Spanien – Schweden (21 Uhr, Sevilla)
0:2
Freitag, 18. Juni
Freitag, 18. Juni
Schweden – Slowakei (15 Uhr, St. Petersburg)
Kroatien – Tschechien (18 Uhr, Glasgow)
England – Schottland (21 Uhr, London)
1:1
0:0
Samstag, 19. Juni
Schottland – Tschechien (15 Uhr, Glasgow)
Tschechien – England (21 Uhr, London)
Kroatien – Schottland (21 Uhr, Glasgow)
Tabelle
1. England
2. Kroatien
3. Tschechien
4. Schottland
1:2
0:0
0:1
3:1
3
3
3
3
2:0
4:3
3:2
1:5
7
4
4
1
Ungarn – Portugal (18 Uhr, Budapest)
Frankreich – Deutschland (21 Uhr, München)
0:3
1:0
Samstag, 19. Juni
1:0
Ungarn – Frankreich (15 Uhr, Budapest)
Portugal – Deutschland (18 Uhr, München)
1:1
Mittwoch, 23. Juni
Spanien – Polen (21 Uhr, Sevilla)
Mittwoch, 23. Juni
Dienstag, 22. Juni
9
6
3
0
Ungarn Portugal Frankreich Deutschland
Polen Slowakei Spanien Schweden
Sonntag, 13. Juni
Montag, 14. Juni
8:2
4:3
4:5
2:8
0:3
0:1
F
England Schottland Tschechien Kroatien
England – Kroatien (15 Uhr, London)
2:1
2:0
Nordmazedonien – Niederlande (18 Uhr, Amsterdam)
Ukraine – Österreich (18 Uhr, Bukarest)
Montag, 21. Juni
Sonntag, 20. Juni
3:1
3:2
Donnerstag, 17. Juni
Finnland – Russland (15 Uhr, St. Petersburg)
Mittwoch, 16. Juni
Türkei – Wales (18 Uhr, Baku)
Italien – Schweiz (21 Uhr, Rom)
Sonntag, 13. Juni
Dänemark – Finnland (18 Uhr, Kopenhagen)
Belgien – Russland (21 Uhr, St. Petersburg)
0:3
Samstag, 12. Juni
Tabelle
1. Italien
2. Wales
3. Schweiz
4. Türkei
Österreich Nordmazedonien Niederlande Ukraine
Spiele in Kopenhagen und St. Petersburg
Spiele in Rom und Baku
41
Slowakei – Spanien (18 Uhr, Sevilla)
Schweden – Polen (18 Uhr, St. Petersburg)
Tabelle
1. Schweden
2. Spanien
3. Slowakei
4. Polen
3
3
3
3
0:5
3:2
4:2
6:1
2:7
4:6
7
5
3
1
1:1
2:4
Deutschland – Ungarn (21 Uhr, München)
Portugal – Frankreich (21 Uhr, Budapest)
Tabelle
1. Frankreich
2. Deutschland
3. Portugal
4. Ungarn
3
3
3
3
2:2
2:2
4:3
6:5
7:6
3:6
5
4
4
2
Nach diesen Kriterien werden die Tabellen sortiert: a) Anzahl der Punkte – b) Anzahl der Punkte aus den Begegnungen der punktgleichen Teams – c) Tordifferenz aus den Begegnungen der punktgleichen Teams –
d) Anzahl der Tore aus den Begegnungen der punktgleichen Teams – e) Wenn nach der Anwendung der Kriterien b) bis d) von drei oder vier punktgleichen Teams immer noch mehrere Mannschaften denselben Platz belegen, werden die Kriterien b) bis d) erneut angewendet, jedoch ausschließlich auf die Direktbegegnungen der noch betreffenden Mannschaften. – f) Bessere Tordifferenz aus allen Gruppenspielen – g) Größere Anzahl erzielter Tore aus allen Gruppenspielen – h) Größere Anzahl an Siegen aus allen Gruppenspielen – i) Fair-Play-Wertung – j) Platzierung in der Schlussrangliste der EM-Qualifikation
AC HT EL FI N A LE
V I E RTE L FI NAL E
HAL BFI NA LE
AF 1: Sa., 26. Juni, 18 Uhr, Amsterdam
Wales – Dänemark
0:4
AF 5: Mo., 28. Juni, 18 Uhr, Kopenhagen
Kroatien – Spanien
n. V. 3:5
VF 1: Fr., 2. Juli, 18 Uhr, St. Petersburg
Schweiz – Spanien
n. V. 1:1, Elfm. 1:3
HF 1: Di., 6. Juli, 21 Uhr, London
Italien – Spanien
ARD, MagentaTV
AF 2: Sa., 26. Juni, 21 Uhr, London
Italien – Österreich
n. V. 2:1
AF 6: Mo., 28. Juni, 21 Uhr, Bukarest
Frankreich – Schweiz
n. V. 3:3, Elfm. 4:5
VF 2: Fr., 2. Juli, 21 Uhr, München
Belgien – Italien
1:2
HF 2: Mi., 7. Juli, 21 Uhr, London
England – Dänemark
ZDF, MagentaTV
AF 3: So., 27. Juni, 18 Uhr, Budapest
Niederlande – Tschechien
0:2
AF 7: Di., 29. Juni, 18 Uhr, London
England – Deutschland
2:0
VF 3: Sa., 3. Juli, 18 Uhr, Baku
Tschechien – Dänemark
1:2
FI NAL E
1:0
AF 8: Di., 29. Juni, 21 Uhr, Glasgow
Schweden – Ukraine
n. V. 1:2
VF 4: Sa., 3. Juli, 21 Uhr, Rom
Ukraine – England
0:4
So., 11. Juli, 21 Uhr, London, Wembley
Sieger HF 1 – Sieger HF 2
ZDF, MagentaTV
AF 4: So., 27. Juni, 21 Uhr, Sevilla
Belgien – Portugal
42
5. JULI 2021
I TA L I E N
Der Ex-Dortmunder erlebt bislang eine maue K.-o.-Phase – Extralob für Chiellini
Am Dienstagabend wird
der Rekord wohl erneut
übertroffen, denn niemand
möchte das Spektakel der Azzurri
verpassen. Dem Sieg über Belgien
schauten 17,5 Millionen Tifosi im
TV zu – eine überragende Quote von
73,4 Prozent. Beim Halbfinale gegen
Spanien könnten die anderen Sender
womöglich gleich ein Testbild zeigen
und niemandem fiele es auf.
Die einzige schmerzhafte Note
beim 2:1-Erfolg über Belgien war der
Achillessehnenriss von Leonardo
Spinazzola, einem der besten Spieler
dieser Endrunde. Der RomaProfi wird in dieser Woche in
Finnland operiert und fällt
mindestens ein halbes Jahr Halbaus. Im Halbfinale wird er finale
durch den Italo-Brasilianer
Emerson ersetzt, der während
der Saison bei Chelsea Reservist war, mit nur zwei Einsätzen in der
Premier League. Es dürfte die einzige
Veränderung der Startelf bleiben.
Die Abwehrkollegen Leonardo
Bonucci und Giorgio Chiellini sollen
ihn stützen. Letzterer wird nun womöglich noch eine weitere Saison für
Juventus und die Nationalelf auflaufen, denn laut Nationalcoach Roberto
Mancini ist „Chiello zu überragend,
um aufzuhören“. Mit einem möglichen Finale erreichte der 36 Jahre alte
Capitano Dino Zoffs 112 Einsätze auf
Platz 6 der Länderspiel-Rangliste für
Italien erreichen (die Bestmarke hält
Gigi Buffon mit 176 Partien).
Im Mittelfeld hat sich Mancinis
Beharren auf Marco Verratti ausgezahlt. Sein Plan mit dem doppelten
Regisseur neben Jorginho wurde
leicht angezweifelt, nachdem der
Profi von Paris Saint-Germain sich
vor der EM verletzt hatte und später
etwas mühsam ins Turnier gekom-
H I STO RI E
Foto: Getty Images/Villa
Immobile hofft auf eine neue Chance
Aktive Erholung vor dem Halbfinale: Die Italiener Lorenzo Insigne, Marco Verratti und vorne Stürmer Ciro Immobile.
men war. Gegen Belgien überzeugte
er mit Elan und Ideen, auch wenn
Verratti leichte Mängel im Zweikampf
hatte. „Ich muss Mancini unendlich
dankbar sein, dass er auf mich gewartet hat. In dieser Truppe spürt jeder
das Vertrauen des Trainers, und das
schweißt uns zusammen.“
Der 28-Jährige ist nebenbei der
Einzige in Italiens Kader, der noch
keine einzige Minute in der Serie A
absolvierte. Verratti hatte als Profi
in der Serie B bei Pescara debütiert,
wo ihm 2012 unter dem Offensiv-Fetischisten Zdenek Zeman der Aufstieg
in die 1. Liga gelang. Direkt danach
wechselte er für zwölf Millionen Euro
nach Paris. In jener Aufstiegself kickten auch Lorenzo Insigne und Ciro
Immobile, der sich mit 28 Treffern
zum Schützenkönig der Serie B kürte.
Das Visier aus der Zeit der Pescara-Connection könnte Immobile aktuell gut brauchen, denn nach Toren
Finale 2012: Spanien besiegt Italien und verteidigt den Titel
Die Iberer zaubern sich zum Triumph
Was hatten Spaniens
Fans vor dem Finale
2012 gezittert. Vor allem vor Mario Balotelli,
der im Halbfinale Deutschland
besiegt hatte. Balotelli war beim
2:1 nicht zu stoppen gewesen.
Der Stürmer galt nicht nur als
Riese, er war damals einer. Seine
beiden Treffer zeugten davon:
ein Kopfball und ein donnernder
Schuss von der Strafraumgrenze.
Doch dann weisen den
Iberern im Endspiel Aktionen
von Sergio Ramos früh den Weg
zur Titelverteidigung: Er steckt
das Terrain ab, steigt mehrmals
hart ein gegen Balotelli. Italiens
Angreifer agiert fortan eingeschüchtert, zudem geht Sergio
Ramos in die Offensive und setzt
auch dort Zeichen. In der Folge
wird großartig gezaubert: Andres Iniesta schickt per Steckpass
Cesc Fabregas, der David Silva:
Nach 15 Minuten steht es bereits
1:0, am Ende tanzt sich Spanien
dank weiterer Treffer von Jordi
Alba, Fernando Torres und Juan
Mata zu einem 4:0 und ist nun
Europa-Welt-Europameister.
Von 2012 noch dabei sind Sergio Busquets und Jordi Alba,
bei Italien Giorgio Chiellini und
Leonardo Bonucci sowie Ersatzkeeper Salvatore Sirigu.
WOL
gegen die Türkei und die Schweiz
erlebte der Ex-Dortmunder eine
maue K.-o.-Runde. Gegen Belgien
fiel er vor allem durch peinliche
Schauspielerei auf. „Mancini weiß,
dass ich ab und an ein wenig gehätschelt werden muss, um wieder
zu treffen“, sagte Immobile, und bis
Dienstag sind wohl intensive Streicheleinheiten vonnöten.
Alles deutet auf einen erneuten
Start Immobiles hin, weil es gegen
Spanien womöglich freie Räume gibt,
die ihm eher liegen als Konkurrent
Andrea Belotti. So oder so: Die Italiener werden London in jedem Fall
nach dem Spiel wieder in Richtung
Coverciano verlassen. In der Hoffnung, am 10. Juli erneut den Flieger
zu besteigen. Nicht mit Urlaubsträumen, die können noch ein wenig
warten.
OLIVER BIRKNER
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5. JULI 2021
43
„San Unai“, so heißt der
neue Heilige Spaniens –
und er wandelt damit auf
den Spuren von „San Iker“. Wie einst
Iker Casillas 2008 hielt Unai Simon
am Freitag zwei Strafstöße im Elfmeterschießen des Viertelfinales. Bei
der EM 2008 hatte Casillas in Wien
den jahrzehntelangen spanischen
Fluch, nicht über ein Viertelfinale
hinauszukommen, im Shoot-out gegen Italien gebannt. Nun heißt der
Gegner wieder Italien.
Casillas, der 2008 nach einem
1:0 im Finale über Deutschland Europameister wurde und zwei Jahre
später sogar Weltmeister, sagte damals: „Es war aber auch an der Zeit,
dass Spanien es schafft.“ Unai Simon
„Wir wollen die
ganze Welt
erobern.“
Unai Simon, Nationaltorwart
jubelt aktuell: „Wir wollen die ganze
Welt erobern und Europameister werden. Wir müssen es einfach schaffen.“
Dem Torwart von Athletic Bilbao kommt dabei schon jetzt eine
tragende Rolle zu. Nicht nur aufgrund seiner beiden Paraden in St. Petersburg gegen den Ex-Hoffenheimer
Fabian Schär und den Dortmunder
Manuel Akanji. Schon beim 5:3 nach
Verlängerung im Achtelfinale gegen Kroatien in Kopenhagen war er
maßgebend beteiligt: erst, als er den
Rückpass von Pedri in den Kasten
passieren ließ. Später dann wurde
er erneut entscheidend und parierte
etwa beim Stand von 3:3 stark gegen
den Hoffenheimer Andrej Kramaric.
Solche Paraden erhoffen sie
sich nun auch in Wembley von dem
24-Jährigen: „San Unai“ soll der Elf
gegen Italien erneut zur Seite stehen.
Donnarumma
di Lorenzo Bonucci Chiellini Emerson
Jorginho
Barella
Verratti
Chiesa
Immobile
Insigne
I TA L I E N
Foto: picture alliance/AA/Golubovich
SPANIEN
Dani Olmo
Pedri
Jordi Alba
Morata
Ferran Torres
Koke
Busquets
Pau
Laporte Azpilicueta
Unai Simon
Dienstag, 21 Uhr
live in der ARD und bei Magenta TV
Her mit dem nächsten Gegner: Unai Simon und Cesar Azpilicueta feiern den Halbfinaleinzug.
Tragende Rolle
In Spanien ist Torhüter UNAI SIM O N (24) nach seiner
Achterbahnfahrt in aller Munde. Der Keeper aus Bilbao
gibt sich vor dem Italien-Spiel so demütig wie siegessicher.
Nach dem Schweiz-Spiel begeisterte
der Keeper seine Landsleute auch
mit seiner entfesselten Freude im
TV-Interview. Keine Spur von medienscheu, distanziert, gehemmt.
Stattdessen Vitalität und Bescheidenheit. Simon: „Ich hätte die Auszeichnung zum MVP des Spiels nicht
an mich, sondern an Yann Sommer
vergeben.“ Unterstatement mit Blick
auf den „MVP“, den Titel des Spielers
des Spiels. Dabei hatte er schon in der
regulären Spielzeit seine Elf gerettet.
Unai Simons Stürmerkollegen
hatten es bei zwei Dutzend Torschüssen in 120 Spielminuten nur zu einem
Eigentor gebracht, der Sieg hing am
seidenen Faden – und eben an den
Fangkünsten des Torwarts, der sich
erst im Frühjahr als Spaniens Nummer 1 herauskristallisiert hatte im
Duell mit David de Gea von Manchester United. Schon jetzt sagen ihm
die in Spanien allerdings traditionell
überschwänglichen Auguren einen
Stammplatz für viele Jahre voraus.
Trotz des Stockfehlers in der Run-
de zuvor zum 0:1 gegen Kroatien.
Trainer Luis Enrique hatte danach
erklärt: „Wichtig ist nicht, ob man
Fehler macht, sondern wie man sich
danach verhält.“ Stand jetzt hat Unai
Simon alles richtig gemacht. Sein
Coach sagt jedenfalls: „Ich freue
mich, dass Unai jetzt der Held ist.“
Und: „Ich war noch nie so ruhig bei einem Elfmeterschießen wie diesmal.“
Und so hat vor dem Halbfinale
dank Unai Simon auch der weiter umstrittene 51-Jährige etwas mehr Ruhe,
auch wenn der Ex-Profi erklärte: „Es
wäre auch bei einem Aus gegen die
Schweiz eine überragende EM.“ Dabei hat der Coach im Überschwang
offenbar die mauen Auftritte bei den
Remis gegen Schweden und Polen
in der Gruppenphase vergessen, an
deren Ende seinem Team dann die
Slowakei beim 5:0 Spalier stand, zwei
Eigentore inklusive. Doch Luis Enrique hatte es immer schon gewusst:
„Ich hatte immer gesagt, dass wir zu
den acht besten Teams gehören, jetzt
sind wir unter den besten vier.“
Kritik gab es auch nach dem
Schweiz-Spiel, nicht zu Unrecht.
Allzu fahrig hatte sich sein Team in
der zweiten Halbzeit präsentiert und
kam erst in Überzahl wieder besser
ins Spiel. Manche Kritiker warfen
dem als dickköpfig geltenden Coach
sogar weiterhin vor, keinen Spieler
von Real Madrid im Kader zu haben.
Die Personaldecke scheint aber auch
ohne königliches Personal gefestigt:
Für den gegen die Schweiz mit muskulären Problemen ausgewechselten
Pablo Sarabia steht erneut der Leipziger Dani Olmo bereit.
Und bereit, wie einst als Spieler, ist auch Luis Enrique, der nach
drei Weltmeisterschaften und einer
EM als Profi erstmals mit Spanien
in einem Halbfinale steht. Dass der
Gegner Italien heißt, scheint mit
Blick auf die jüngere Vergangenheit
logisch: Nach 2008 im Viertelfinale
besiegten die Iberer die Azzurri 2012
im Finale. 2016 verlor man dagegen
im Achtelfinale.
PETER SCHWARZ-MANTEY
5. JULI 2021
Es ist so ein beliebter Satz,
oft im Scherz gesagt, wenn
Ereignisse eigentlich noch
gar nicht so lange zurückliegen: „Die
Älteren unter Ihnen werden sich
erinnern ...“ Im Falle des einzigen
Titels, den Englands Nationalmannschaft je holte, ist er so treffend wie
unpassend zugleich. Klar erinnern
sich bildlich nur noch „Ältere“
an den WM-Triumph von 1966,
wenn sie ihn live im Stadion
oder zumindest vor dem TV Halboder Radio erlebt haben. Doch finale
eigentlich ist dieser 30. Juli 1966
präsent für alle in England,
denn seitdem wächst die Sehnsucht nach einem Titel mit jedem
Misserfolg mehr. Und davon gab es
einige in den vergangenen 55 Jahren
des fußballerischen Schmerzes.
Von der ewigen Stadt zum
Nun könnte dieser Leidensweg
ewigen Ziel: Englands
bald beendet sein. Durch die Spieler
Maguire und Co. träumen.
der Three Lions und Trainer Gareth
Southgate, für die Fans, die Medien.
Für England. Nach dem lockeren 4:0Sieg in Rom gegen die Ukraine ging’s
zurück nach England. Zwei Hürden
sind noch zu bewältigen, bevor auch
der Spott aus dem Ausland mal aufhören könnte: erst Dänemark, dann
Italien oder Spanien. Wobei Southgate natürlich mahnt, erst mal die
euphorisierten Dänen schlagen zu müssen. Aber er
Eine
sagt auch: „Jetzt wolCo-Produktion
len wir die Chancen
von zwei ManUnitednutzen.“
Profis führte erstmals seit
Vor
allem:
2000 wieder zu einem eng- gut gefahren. Pragwenn nicht dort, in
lischen Turniertor: damals matischer und nüchWembley, wo dann?
legte Beckham für Scholes, terner, als sie diese
Die Fans sollen und
nun Shaw für Maguire auf.
EM bisher begreifen,
können die Englängeht’s kaum. Mitten
der tragen. Sie können
im überwiegend vorsie aber auch lähmen, wenn
herrschenden Modus der
der Fall eintritt, mit dem man
Kontrolle sorgt die bärenstarke
noch nicht zu kämpfen hatte:
Offensive dann und wann für
ein Rückstand.
Highlights wie nun nicht mehr nur
In der Nations League siegte
Raheem Sterling allein, sondern
Dänemark im vergangenen Oktoauch Harry Kane oder Abwehrchef
ber in England, übrigens durch ein
Harry Maguire in Rom. Und sogar
Elfmetertor von Christian Eriksen.
Jordan Henderson erzielte in diesem
Schlechte Gefühle und Emotionen
besseren Trainingsspielchen gegen
aller Art auszublenden, damit sind
die Ukraine seinen ersten Treffer
die Engländer bislang jedoch sehr
im 62. „Cap“. „Zweimal in Folge bei
Fotos: picture-alliance
44
Wenn nicht dort, wo dann?
Zurück in Wembley! Ganz ENG L AN D sehnt sich nach der
ersten Final-Teilnahme seit 1966. Der Druck ist riesig.
1
Der einzige große Triumph: Martin Peters, Bobby Moore
und Geoff Hurst posieren 1966 mit dem WM-Pokal.
einem Turnier das Halbfinale zu erreichen, ist großartig“, schwärmte
Maguire. Auch die Befürchtungen
der Boulevardpresse, der deutsche
Schiedsrichter Dr. Felix Brych könnte
die Partie stören, weil England zuvor
Deutschland ausgeschaltet hatte, erwiesen sich – natürlich – als haltlos.
Nun also gegen jene Dänen, die
fußballerisch nicht besser sind als
England, jedoch mit Leidenschaft
und als Kollektiv auftrumpfen, getragen von der Genesung Eriksens,
nachdem das Drama um ihn zum
Glück gut ausging. Bleibt Southgate
seiner Linie treu, wird er das System
wieder vom 4-2-3-1 (gegen die Ukraine) in ein 3-4-3 (wie gegen Deutschland) zurückverwandeln, um die
Dänen zu spiegeln. Kieran Trippier
wäre als zusätzlicher Abwehrspieler der Nutznießer, Mason Mount
der Leidtragende. Attraktiver wird
Englands Spiel dadurch nicht, aber
das ist auch nicht Southgates Ansinnen. Er will, er muss gewinnen, die
Erwartungshaltung und der Druck
sind riesig. Doch der Coach weiß
vor der historisch großen Chance
am Mittwoch auch: „Diese Siege,
diese Nächte bringen ganz England
zusammen.“ Es ist Zeit für eine neue
englische Erfolgsgeschichte, Zeit für
mehr Farbfotos von einem englischen Titel.
KEIR RADNEDGE
Gareth
Southgate ist
erst der zweite Trainer der englischen
Nationalelf, der die Three
Lions bei einer WM und einer
EM in ein Halbfinale geführt
hat. Zuvor nur Alf Ramsey,
1966 und 1968.
2
Bleibt
Keeper Pickford im Halbfinale
ohne Gegentor, wäre
dies ein Rekord bei einem
großen Turnier. Auf fünf Spiele brachten es auch Spaniens
Casillas 2012 und Italiens
Zenga 1990.
5
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5. JULI 2021
Pickford
Walker
Stones Maguire
Trippier Phillips
Rice
Shaw
Sancho
Kane
Sterling
ENGLAND
DÄNEMARK
Dolberg
Braithwaite
Delaney Höjbjerg
Maehle
Stryger Larsen
Vestergaard Kjaer Christensen
Schmeichel
Der Fels
Auf S I M O N KJA ER (32) ist
Verlass. Der Kapitän der
Dänen hat spät in der
Karriere eine erstaunliche
Entwicklung gemacht.
Foto: imago images/Ritzau Scanpix
Diese Bilder werden in die
Geschichte der EM eingehen. Simon Kjaer, wie er
den kollabierten Christian Eriksen in
die stabile Seitenlage bringt, Simon
Kjaer wie er Eriksens Freundin tröstet, Simon Kjaer, wie er die Mitspieler
zum menschlichen Sichtschutz vor
Eriksen und den Ärzten gruppiert.
Dänemarks Kapitän hat charakterliche Größe gezeigt. Und er hat
eine sportliche Klasse gezeigt, die
so nicht jeder erwartet hatte. Kjaer
war seinem Team nicht nur ein Fels
zum Anlehnen neben dem Spielfeld,
sondern auch ein Fels auf dem Platz,
an dem die gegnerische Offensive
meist abprallte.
Ein Fels mit Gefühlen, wie auch
nach dem Viertelfinalsieg über die
Tschechen, als er mit Tränen in den
Augen ein Interview gab: „Das ist
groß. Das ist Wahnsinn. Wir hatten
ein Ziel vor dem Turnier: Wir wollten
nach Wembley. Und da sind wir jetzt.
Das ist eine verrückte Leistung, die
wir als Team geschafft haben. Und
wir dürfen nie die Leute hinter dem
Team vergessen und all das, was
wir durchgemacht haben. Wir sind
als Gruppe zusammengewachsen.“
Diese EM ist ein absoluter Höhepunkt in Kjaers Karriere. 112 Länderspiele hat der Innenverteidiger nun
absolviert, doch erst jetzt haben ihn
die Fans ins Herz geschlossen. Denn
sonderlich beliebt war er nicht immer. 2018 zog er durch seine Rolle im
Streit des Teams mit dem Verband,
der zu einem Spielerstreik führte, den
Unmut vieler Dänen auf sich. Lange
Jahre hatte Kjaer im Nationalteam
im Schatten seines Nebenmannes
Daniel Agger gestanden und war
auch in seinen Klubs nicht gerade
als Leistungsträger aufgefallen. Beim
VfL Wolfsburg dürften sie sich heute
fragen, ob dies jener Simon Kjaer ist,
der von 2010 bis 2013 unkonzentriert
und ungelenk eher als Sicherheits-
risiko in der Bundesliga aufgefallen
war. Einen kaum besseren Eindruck
hatte er später beim FC Sevilla und
bei Atalanta Bergamo hinterlassen.
Erst seit Kjaer im Januar 2020
zum AC Mailand kam, beweist er
endlich auch seine Tauglichkeit für
einen Spitzenklub in einer absoluten Topliga. Der Däne war einer der
„Das ist eine verrückte
Leistung, die wir als
Team geschafft haben.“
Simon Kjaer, Dänemarks Kapitän
Poulsen
Mittwoch, 21 Uhr
live im ZDF und bei Magenta TV
45
Schlüsselspieler bei Milans sportlichem Comeback in der Serie A in den
vergangenen anderthalb Jahren und
wird inzwischen sogar als möglicher
neuer Kapitän der Rossoneri gehandelt. Unstrittig ist, dass der blonde
Hüne bei dieser EM-Endrunde zu
den bislang besten zentralen Verteidigern zählt. Gegen Tschechien
hielt er einmal mehr seine Abwehr
zusammen, hatte Torjäger Patrik
Schick weitgehend im Griff, gewann
alle Kopfballduelle sowie die meisten
Zweikämpfe, allerdings einmal auch
mit Glück, als Schiedsrichter Björn
Kuipers sein Foul an Matej Vydra
kurz vor dem Strafraum übersah.
„Ich liebe diesen Aspekt des Spiels“,
erklärt Kjaer seine robuste Spielweise.
„Wir haben hart gearbeitet und
hätten besser spielen können“, lautete die durchaus kritische Analyse
des Kapitäns nach dem Schlusspfiff,
„vielleicht haben wir ihnen zu sehr
die Initiative überlassen, aber in der
Abwehr standen wir sicher. Vielleicht
hätten wir noch ein Tor mehr machen
sollen, aber wir sind im Halbfinale.“
Und zwar zum ersten Mal seit
29 Jahren, als Danish Dynamite bei
der EM 1992 zündete und man im
Halbfinale erst die Niederlande (nach
Elfmeterschießen) ausschaltete und
dann das Endspiel sensationell mit
2:0 gegen Deutschland gewann. Die
Stimmung im Land ist geradezu aus-
gelassen, die Nationalelf ist im Alltag
fast überall präsent: Sie wird geliebt
wie das legendäre Team der 80er
Jahre und die Europameister von
1992. Dänemark erlebt einen magischen Summer of Love, ohne den
Rekonvaleszenten Eriksen dabei zu
vergessen. „Das ist ganz große Klasse.
Die Unterstützung, die wir in der
ganzen Zeit jetzt erhalten haben,
ist schon fast irreal. Das gibt uns
Mut und Energie“, freute sich PierreEmile Höjbjerg, der an Eriksens Stelle
die Spielmacherrolle übernommen
hat und das sehr gut macht.
Vor dem Viertelfinale gegen
die Tschechen hatte Trainer Kasper Hjulmand seinen Spielern ein
Foto des Wembley-Stadions aus dem
Nations-League-Spiel gegen England
im Oktober vorigen Jahres gezeigt.
„Ich habe ihnen gesagt, dass wir da
wieder hin müssen.“ Das haben er
und seine Mannschaft tatsächlich
geschafft. Und übrigens: Die Partie
damals gewannen die Dänen mit 1:0.
MARTIN DAVIDSEN
46
5. JULI 2021
Belgien – Italien
1:2
Courtois 2,5
Alderweireld 4,5
Meunier 4 i
Vertonghen 4
Witsel 2,5
T. Hazard 3
Doku 2
B Lukaku 3,5
Immobile 4,5 i
B Insigne 2 i
Verratti 2,5 G i
Spinazzola 1,5 i
TRAINER: Martinez
Vermaelen 3,5
Tielemans 3 G i
De Bruyne 2
Verwundet, aber
nicht verbittert
1:2
B Barella 2
Jorginho 2
Chiellini 1,5
Für BELG IEN endet das nächste Turnier
ohne einen Titel. Die Generation um
De Bruyne braucht frischen Wind.
Chiesa 3 i
Bonucci 2,5
di Lorenzo 3,5
Wieder raus im Viertelfinale, Belgien kennt das
EM-Aus ja schon von der EM 2016.
Und doch war diesmal vieles anders. Angefangen beim Gegner:
das große Italien statt seinerzeit der
Underdog aus Wales. Anders war
aber auch die Erwartungshaltung.
In Belgien wurde nicht mehr nur
vom Titel geträumt, der
große Wurf wurde eingefordert. Stattdessen heißt
es nach dem 1:2 gegen ItaliViertelen: „Ciao, goldene Fußballfinale
kinder“, wie die auflagenstärkste belgische Tageszeitung Het Laatste Nieuws lakonisch am Samstag titelte.
Belgiens Nationalelf leckt nach
den 90 Minuten von München ihre
Wunden. Die einen buchstäblich
(Kevin De Bruyne spielte mit einem
Bänderriss im Knöchel), die anderen
sinnbildlich: „Meine Spieler verdienen das Ausscheiden nicht. Wir sind
auf eine sehr starke Mannschaft getroffen“, befand Roberto Martinez.
Donnarumma 2,5
TRAINER: Mancini
EINGEWECHSELT: 69. Mertens (–) für Tielemans und Chadli (–) für Meunier, 73. Praet
(–) für Chadli – 74. Belotti (–) für Immobile und Cristante (–) für Verratti, 79. Berardi
(–) für Insigne und Emerson (–) für Spinazzola, 90./+1 Rafael Toloi (–) für Chiesa –
RESERVEBANK: Kaminski, Sels (beide Tor), Boyata, Denayer, Carrasco, Dendoncker,
Batshuayi, Benteke, Trossard – Meret, Sirigu (beide Tor), Acerbi, Bastoni, Bernardeschi,
Locatelli, Pessina
TORE: 0:1 Barella (31., Rechtsschuss, Verratti), 0:2 Insigne (44., Rechtsschuss, –), 1:2
Lukaku (45./+2, Linksschuss, FE, di Lorenzo an Doku) – CHANCEN: 6:5 – ECKEN: 9:5
SR-TEAM: Vincic (Assistenten: Klancnik, Kovacic/alle Slowenien – Vierter Offizieller:
Rapallini/Argentinien – Video-Assistent: Dankert/Rostock), Note 3,5, ein insgesamt
sehr unsicherer Auftritt des Unparteiischen, der das Spiel selten unter Kontrolle zu
haben schien. Vor dem harten Elfmeterpfiff hätte ein Gang in die Review-Area nicht
geschadet. – ZUSCHAUER: 12 984 (in München) – GELBE KARTEN: Tielemans – Verratti,
Berardi – SPIELNOTE: 1, Chancen, Tempo, taktische Finessen – dem Spektakel fehlten
nur noch drei Tore oder zumindest eine Verlängerung und ein Elfmeterschießen.
“ ANALYSE
Oliver Birkner, Boris Cremer
und Martin Gruener
ES BERICHTEN
Ein Spektakel in höchster Geschwindigkeit
etwa bei Insignes 2:0, als niemand
herausrückte. Nach der Pause hatte
sich Belgien besser auf das variable
Spiel der Azzurri eingestellt und
brachte nun sein Tempo in der Offensive zur Geltung. Witsel fand
mehr Platz, um anzutreiben, nur
fehlte in vorderster Front das Geschick und das Glück, um die Verlängerung zu erzwingen. So brachte
Italien den Erfolg ins Ziel.
LEONARDO SPINAZZOLA trieb das
Spiel immer wieder an über links, er
glänzte auch als Verteidiger, als er in
höchster Not gegen Lukaku rettete und
wurde durch seine schwere Verletzung
schließlich zum tragischen Helden.
Ø-Note
Ø-Alter
Meiste Ballkontakte
3,14
29,74
87 T. Hazard
ITALIEN
2,50
28,48
104 Verratti
Ballbesitz
46 % 54 %
60
43
Gewonnene
Zweikämpfe
Mit dem Aus von Innenverteidiger
Shevchenko lässt
Daten: opta
S PI ELE R D ES S P I EL S
BELGIEN
UK R AI NE
FAZIT: Ein spektakuläres Spiel, das
immer wieder mit höchster Geschwindigkeit hin- und herwogte,
fand einen knappen, aber gerechten
Sieger. Auch wenn Belgien dem
Ausgleich mehrfach nahe war.
58+42
46+54
Einmal mehr zeigte sich Italien
bei dieser EM sehr angriffslustig.
Die Squadra nutzte dabei vor allem ihre Überzahl auf den Flügeln.
Mit präzisen Diagonalbällen aus
der Abwehr und dem defensiven
Mittelfeld wurde das belgische Pressing schnell entschärft, Spinazzola
hinterlief immer wieder Insigne auf
links, auf der Gegenseite schoben
Barella und Chiesa im Duett an.
Bei Belgien fehlte lange diese Breite
im Spiel, weil De Bruyne und Doku
zunächst ihre Hintermänner nicht
konsequent bei der Defensivarbeit
auf den Seiten unterstützten. Hinzu
kam, dass die Dreierreihe der Roten
Teufel mehrfach zu passiv agierte,
Und doch muss sich der Spanier Kritik gefallen lassen, in diesem
Ausmaß zum ersten Mal in seinen
fünf Jahren als belgischer Chefcoach.
Nicht etwa, weil ein knappes Viertelfinal-Aus gegen ein derart auftrumpfendes Italien ein Drama wäre. Wohl
aber, weil die Belgier bei der EM spielerisch einiges vermissen ließen. Der
Tempofußball, mit dem die
Roten Teufel noch bei der WM
vor drei Jahren ins Halbfinale
vorgeprescht waren (und dort
0:1 gegen Frankreich verloren), war nur sehr vereinzelt
zu sehen, etwa in der zweiten Hälfte der Viertelfinals.
Stattdessen „überzeugte“ Belgien
mit Ergebnisfußball, und das hätte
sogar gegen Italien zumindest für
eine Verlängerung reichen können.
Belgiens (nach wie vor) goldene
Generation ging mit einem Handicap
ins Turnier. Dortmunds Axel Witsel
gab sein Comeback nach gut einem
halben Jahr Verletzungspause,
De Bruyne und Eden Hazard waren
0:4 gegen England,
eine echte Klatsche in
EM-Aus der Runde der letzten
acht, chancenlos – und
dennoch feierte die Ukraine und
wurde von den Fans in Rom mit
warmem Applaus verabschiedet. „Ich bedanke mich bei den
Spielern für ihre Hingabe“, sagte Trainer Andriy Shevchenko,
„und für den Versuch, schönen
Fussball zu spielen, der typisch
werden soll für unser Team.“
Die Höhe der Niederlage
hat viel mit den Personalproblemen zu tun. Linksaußen Olexandr Zubkov wurde doch nicht
rechtzeitig fit. Am Samstag
meldete sich Regisseur Ruslan
Malinovskyi (Bergamo) wegen
Adduktorenproblemen ab. Und
als auch noch Serhiy Kryvtsov
in der 35. Minute verletzt rausmusste, nahmen die Dinge ihren Lauf. „Der Verlust eines so
kopfballstarken Verteidigers
hat uns arg geschwächt“, sagte
Shevchenko, und bei drei Kopfball-Gegentoren nach der Pause
kann man ihm nur zustimmen.
„Wahrscheinlich ist es für
uns noch zu früh, mehr zu erreichen“, so der 44-jährige Coach
weiter. „Bis wir eine qualitativ
hochwertige nationale Meisterschaft haben, werden wir die
Ukraine immer seltener bei den
großen Turnieren sehen. Und
5. JULI 2021
Ukraine – England
0:4
0:1
Bushchan 4
Zabarnyi 5
47
TRAINER: Shevchenko
Kryvtsov 4,5 i
Matviienko 5,5
Karavaev 5
Mykolenko 4,5
Shaparenko 4,5
Sydorchuk 4 i
Yarmolenko 5
Zinchenko 3,5
Yaremchuk 4,5
B B Kane 2 i
Sterling 2,5 i
Shaw 2,5 i
Mount 3,5
Rice 3 i
Phillips 4 i
B Maguire 2
Stones 3
EINGEWECHSELT: 35. Tsygankov (4) für Kryvtsov, 64. Makarenko (–) für Sydorchuk –
57. Henderson (3) für Rice, 65. Rashford (–) für Sterling, Trippier (–) für Shaw und
Bellingham (–) für Phillips, 73. Calvert-Lewin (–) für Kane – RESERVEBANK: Pyatov,
Trubin (beide Tor), Sobol, Tymchyk, Bezus, Marlos, Stepanenko, Sudakov, Dovbyk,
Zubkov – Johnstone, Ramsdale (beide Tor), Chilwell, Coady, Mings, Foden, Grealish
TORE: 0:1 Kane (4., Rechtsschuss, Vorarbeit Sterling), 0:2 Maguire (46., Kopfball,
Shaw), 0:3 Kane (50., Kopfball, Shaw), 0:4 Henderson (63., Kopfball, Mount) – CHANCEN: 2:7 – ECKEN: 3:2
SR-TEAM: Dr. Brych (München – Assistenten: Borsch/Mönchengladbach, Lupp/
Zossen – Vierter Offizieller: del Cerro Grande/Spanien – Video-Assistent: Fritz/Korb),
Note 2,5, insgesamt sichere Spielleitung, nicht groß gefordert, meistens angenehm
unauffällig. – ZUSCHAUER: 11 880 (in Rom) – GELBE KARTEN: keine – SPIELNOTE: 3, die
zweite Halbzeit entschädigte dank der drei Tore für eine biedere erste. Allerdings stießen
die Engländer auch auf keine Gegenwehr mehr.
Trauriger Abgang: Kevin De Bruyne, der mit einem Bänderriss gegen Italien
aufgelaufen war, und Jeremy Doku, Belgiens Hoffnung für die Zukunft.
Jahren verletzungsbedingt nicht
mehr zu alter Form zurück. Auch
Dries Mertens (34) und Witsel (32)
sind im Herbst ihrer Karrieren. Und
so dürfte die WM 2022 die vorerst
letzte Titelchance für die „goldenen“
Belgier werden.
Immerhin ist frischer Wind zu
spüren: Jeremy Doku (19), der Eden
Hazard gegen Italien vertrat, wirbelte
auf Linksaußen und bewies, dass er
Belgiens größte Offensivhoffnung
für die Zukunft ist. Stade Rennes
dürfte für den Tempodribbler nur
eine Durchgangsstation sein. Im
zentralen Mittelfeld ist Leicesters
Youri Tielemans (24) Belgiens neuer
Fixpunkt, auch wenn er bei der EM
vieles schuldig blieb.
“ ANALYSE
Oliver Birkner,
Keir Radnedge und Oleg Zadernovsky
ES BERICHTEN
Shevchenkos Plan früh zerstört
seine Zukunft offen
rung hätte führen sollen. Doch diese
zarte Pflanze verwelkte mit einem
englischen Doppelschlag nach der
Pause, spätestens damit war alles
entschieden. Vor allem Shaw trug
auf links nun mehr zum Offensivspiel bei, zudem unterstrichen die
Three Lions mit zwei Kopfballtoren
ihre wiedergefundene Stärke bei
Standards. Die Treffer entsprangen
eigenem Ideenreichtum (geschicktes Vorpositionieren und Einlaufen)
sowie ukrainischer Passivität und
Hilflosigkeit.
FAZIT: Ein auch in dieser Höhe verdienter Sieg für England gegen in
jeder Phase und jeder Hinsicht überforderte und harmlose Ukrainer.
Ein Abschiedsgruß? Trainer
Shevchenko spricht in Rätseln.
Der Knoten ist geplatzt. HARRY KANE
erzielte nicht nur zwei Tore, sondern
verzeichnete auch eine wunderbare
Direktabnahme, die einen Treffer verdient gehabt hätte. Ließ sich oft schlau
zurückfallen, nahm so aktiv teil.
Daten: opta
Fotos: imago images, picture-alliance
SP I E L E R DE S SP I E L S
Ø-Note
Ø-Alter
Meiste Ballkontakte
UKRAINE
4,50
26,24
120 Matviienko
ENGLAND
3,00
25,87
103 Stones
Ballbesitz
��
��
Die gelbe Wand, die von UkraineCoach Shevchenko im 5-3-2 einzig
zum Zweck der Fußballverhinderung errichtet worden waren, konnte England bereits nach vier Minuten überlisten. Sterlings klugen Pass
verwertete Kane zum 1:0, womit der
Plan zerstört war, die Engländer
mürbe zu spielen. Denn die mussten
nun ihrerseits keine Kreativität an
den Tag legen, sie mutierten in der
ersten Halbzeit zum Verwaltungsapparat. Auffällig waren lediglich
noch gute Positionswechsel in der
Offensivreihe zwischen den beiden
Flügeln oder auch bei Mount und
Kane. Die Ukraine behielt ihre Mauer zunächst aufrecht, hoffte auf den
einen Moment, der zur Verlänge-
Kryvtsov nimmt der Niedergang seinen Lauf
wir müssen noch mehr Spieler
in die Top-Ligen schicken.“
Wie Andrey Yarmolenko
zum Beispiel, der bei West Ham
in England spielt. „Generell bin
ich zufrieden“, sagte der Kapitän, „ich denke, wir haben unseren Fans eine Menge positiver
Emotionen geschenkt.“
Ob Shevchenko bleibt, ist
so sicher nicht. „Wir werden die
EM gemeinsam in Ruhe analysieren“, berichtet der Coach,
„und dann wird der Verband
eine Entscheidung treffen – und
ich auch.“ Der Vertrag von Shevchenko, der 2016 den Neuaufbau des Nationalteams begonnen hatte, läuft bis zur WM 2022.
Walker 4
Pickford 3,5
TRAINER: Southgate
zu Turnierbeginn angeschlagen,
kämpften sich zurück, erlitten aber
beide im Achtelfinale gegen Portugal
einen Rückschlag. „Es war ein kompliziertes Turnier für uns. Ich selber
hatte in den beiden letzten Monaten
zu viele Verletzungsprobleme“, bedauerte De Bruyne, der schon mit
ManCity das Finale der Champions
League verloren hatte. Er fügte aber
trotzig hinzu: „Wir kommen wieder.“
Aber mit wem kommt Belgien
wieder? Die Abwehr der K.-o.-Runde
(Vermaelen, Vertonghen, Alderweireld), hat einen Altersdurchschnitt
von knapp 34 Jahren. Fraglich, ob
die drei überhaupt noch bei der WM
in Katar dabei sein werden. Eden
Hazard ist erst 30, findet aber seit
Sancho 3
49 % 51 %
27
38
Gewonnene
Zweikämpfe
48
5. JULI 2021
Schweiz – Spanien
Sommer 1,5
Akanji 3,5
Zakaria 4 i
Freuler 3 R
Embolo – i
1:1, 0:1
TRAINER: Petkovic
Elvedi 4
Widmer 3 G i
1:1
i.E. 1:3
Rodriguez 3
B Shaqiri 2 i
Zuber 2,5 i
Seferovic 4 i
Morata 4,5 i
Pedri 3 i
Jordi Alba 2,5
Ferran Torres 4 i
Koke 3,5 i
Busquets 4
Pau 3,5 i
Laporte 4,5 G
Azpilicueta 3,5
Unai Simon 1,5
TRAINER: Luis Enrique
EINGEWECHSELT: 23. Vargas (4) für Embolo, 81. Gavranovic (3) für Seferovic und Sow
(3,5) für Shaqiri, 90./+2 Fassnacht (4) für Zuber, 100. Mbabu (–) für Widmer und Schär
(–) für Zakaria – 46. Dani Olmo (3,5) für Sarabia, 54. Gerard (3,5) für Morata, 90./+1
M. Llorente (3) für Koke, 91. Oyarzabal (3) für Ferran Torres, 113. Thiago (–) für Pau,
119. Rodrigo (–) für Pedri – RESERVEBANK: Kobel, Mvogo (beide Tor), Benito, Cömert,
Lotomba, Fernandes – de Gea, Sanchez (beide Tor), Garcia, Gaya, D. Llorente, Traoré
TORE: 0:1 Zakaria (8., Eigentor, Vorarbeit Jordi Alba), 1:1 Shaqiri (68., Rechtsschuss,
Freuler) – ELFMETERSCHIESSEN: Busquets verschießt, 1:0 Gavranovic, 1:1 Dani Olmo,
Schär scheitert an Unai Simon, Rodrigo scheitert an Sommer, Akanji scheitert an Unai
Simon, 1:2 Gerard, Vargas verschießt, 1:3 Oyarzabal – CHANCEN: 3:7 – ECKEN: 9:13
SR-TEAM: Oliver (Assistenten: Burt, Bennett/alle England – Vierter Offizieller: Hategan/
Rumänien – Video-Assistent: Kavanagh/England), Note 4,5, sichere Spielleitung, die
sich meistens im Strafmaß widerspiegelte. Die Rote Karte gegen Freuler war allerdings
zu hart, weil der Fuß nicht oberhalb des Knöchels war und die Intensität nicht extrem
hoch. – ZUSCHAUER: 24 764 (in St. Petersburg) – GELBE KARTEN: Widmer, Gavranovic – Laporte – ROTE KARTE: Freuler (77., rohes Spiel an Gerard) – SPIELNOTE: 3, Spaniens Ballsicherheit und Schweizer Kämpferherz sorgten für abwechslungsreiche und
spannende Phasen, allerdings gab es auf beiden Seiten auch Leerlauf und jeweils eine
schwache Chancenverwertung, die aber zur Hochspannung im Elfmeterschießen führte.
“ ANALYSE
Foto: picture-alliance/AP
Sarabia 3 i
Raus mit Applaus: Die Schweizer um den starken Torwart Yann Sommer
schieden erhobenen Hauptes aus, können optimistisch nach vorne schauen.
SC HWE I Z
Höhere Ansprüche,
echte Perspektiven
Fabian Ruch
und Peter Schwarz-Mantey
ES BERICHTEN
Platzverweis rettet passive Spanier
ten. Mit Beginn der zweiten Halbzeit
änderte sich jedoch das Bild, weil
die Eidgenossen nun mutiger und
präziser agierten. Verdienter Lohn
gegen nun zu passive und sich in
der Führung bequem einrichtende
Iberer war das fein herausgespielte
1:1. Doch mit der überzogenen Roten
Karte gegen die Schweiz kehrte die
Dominanz der Spanier zurück.
FAZIT: Im Elfmeterschießen ein
glücklicher Sieg für Spanien. Hier
fehlten den Schweizern auch wegen
der rund 45-minütigen Unterzahl
Kraft und damit Konzentration.
Zuletzt gescholten, avancierte Keeper
UNAI SIMON diesmal spät zum spanischen Helden. Er entschärfte beim
Showdown die Elfmeter von Fabian
Schär und Manuel Akanji und hatte so
knapp die Nase vor Yann Sommer.
Ø-Note
Ø-Alter
Meiste Ballkontakte
SCHWEIZ
3,21
27,64
70 Sommer
SPANIEN
3,37
26,95
161 Pau
Ballbesitz
28 %
68
72 %
50
Gewonnene
Zweikämpfe
Daten: opta
S PI ELE R D ES S P I EL S
58+42
28+72
Die Schweiz formierte sich gegen
den Ball diesmal im 4-2-3-1. War sie
selbst im Angriff, wurde Widmer
zum Hybridspieler, der sich aus der
Kette löste, es enstand ein 3-2-3-2.
Doch zunächst war die Kugel meist
im spanischen Besitz, Passschärfe
und -tempo zwangen die Nati zum
Hinterherlaufen. Vor allem aber
ließ die Viererkette einen viel zu
großen Abstand zu den Sechsern,
um Druck aufbauen zu können.
Spaniens Führungstreffer entsprang
einer schlechten Zuordnung bei einem Eckball, als die Schweizer den
Rückraum ungenügend absicher-
Hitzfeld-Nachfolger Petkovic umworben
Was wäre das für ein Spiel
geworden, fraglos das
größte in der Geschichte
EM-Aus
des Schweizer Fußballs!
Dienstagabend, Wembley,
EM-Halbfinale gegen Italien.
Ganz nah dran war die
Schweizer Mannschaft im
Viertelfinale in St. Petersburg
Viertelgegen den Favoriten Spanien,
finale
doch es reichte nicht zum
erneuten Sieg im Elfmeterschießen – wie noch eine
Runde zuvor gegen Weltmeister
Frankreich.
„Wir dürfen dennoch stolz sein
auf uns und dieses Turnier“, sagt
Trainer Vladimir Petkovic. Auch
ohne den gesperrten Kapitän Granit
Xhaka steigerten sich die Schweizer
im Viertelfinale, sie waren Mitte der
zweiten Halbzeit sogar die bessere
Mannschaft gewesen, ehe der strenge
Platzverweis gegen Remo Freuler zu
einer Abwehrschlacht führte – mit
einem überragenden Torhüter Yann
Sommer. Im Showdown vom Punkt
scheiterten dann gleich drei Schweizer, wie 2006 bei der WM in Deutschland im Achtelfinale gegen die Ukraine, damals endete es sogar 0:3.
Die Schweizer haben nach sehr
schwierigem Start ins Turnier, unter
anderem mit einem 0:3 gegen Italien
in Rom, bei dieser EM einen großen,
historischen Erfolg gefeiert. Endlich,
so heißt es in der Schweiz, haben sie
nach fünf Anläufen ein Achtelfina-
le überstanden. Und die talentierte
Generation um Xhaka, Sommer,
Xherdan Shaqiri, Ricardo Rodriguez
und Haris Seferovic hat mindestens
noch ein Turnier in den Beinen.
Andere, wie Breel Embolo,
Denis Zakaria sowie die meist
überzeugenden Innenverteidiger Nico Elvedi und Manuel
Akanji, sind 24 und 25 Jahre
alt, die Aussichten der Mannschaft sind dementsprechend
gut.
Allerdings wird es für die kleine
Fußballnation Schweiz auch in Zukunft bereits ein Erfolg sein, die Runde der letzten 16 zu erreichen, selbst
wenn die Ansprüche nun deutlich
gestiegen sind. „Wir haben bewiesen, mit den besten Mannschaften
mithalten zu können“, sagt Trainer
Petkovic, der die Schweiz 2014 von
Ottmar Hitzfeld übernommen hatte.
Sein Vertrag läuft bis zur WM 2022,
aber zuletzt gab es wieder Gerüchte um ihn, angeblich sind mehrere
Klubs am erfolgreichen Petkovic interessiert. Unter anderem Zenit St. Petersburg. Nach teilweise komplizierten Zeiten ist es Petkovic gelungen,
zusammen mit seiner Mannschaft
eine bemerkenswerte Begeisterung
in der Schweiz zu entfachen. Aber
schon die direkte Qualifikation für
die WM 2022 in Katar wird sehr
schwierig, trotz zweier Siege zum
Start – weiter geht es im September
mit einem Heimspiel gegen … Italien.
5. JULI 2021
Tschechien – Dänemark
1:2
TRAINER: Silhavy
Celustka 4 i
Kalas 1,5 G
Holes 2,5 i
Soucek 2,5
Masopust 4 i
Boril 4
Barak 3
Sevcik 4 i
Vladimir Coufal weinte.
Nach einer hervorragenden
EM-Aus Saison bei West Ham United in England (34 Startelf-Einsätze), die auf Rang 6 endete,
spielte Tschechiens Rechtsverteidiger auch ein starkes EM-Turnier
(fünf Einsätze über die volle Distanz,
Notenschnitt 3,3) mit zwei Tor-Assists, auch den 1:2-Anschlusstreffer
gegen Dänemark durch Patrik Schick
bereitete er vor. „Wir wollten so sehr
nach Wembley zum Halbfinale kommen“, klagte der 28-Jährige, „und wir
waren so nah dran. Aber dann hat uns
einfach die Kraft gefehlt.“
Der gebürtige Ostrauer, der nie
für den lokalen Erstligisten Banik
Ostrau spielte und im Oktober 2020
für 6,4 Millionen Euro von Slavia Prag
auf die Insel wechselte, war auch im
Viertelfinale einer der Besten seines
Teams, wäre da nur nicht dieser eine
Lapsus gewesen: Bei einem Pass von
Vestergaard stand Coufal schlecht
und verlor das Laufduell mit Maehle,
der Dolberg das 0:2 auflegte.
„Es war still in der Kabine“, berichtete Jaroslav Silhavy, und außer
bei Coufal hat der Trainer auch bei
anderen Spielern Tränen gesehen.
„Wir sind sehr enttäuscht, aber die
Spieler verdienen ein großes Lob.
Wir haben nach bestem Wissen und
Gewissen gespielt, aber am Ende
waren wir völlig erschöpft.“
Dennoch: Laut Co-Trainer Tomas Galasek (früher Profi in Nürn-
B Schick 3 i
Damsgaard 2,5 i
Maehle 3,5
B Dolberg 2,5 i
B Delaney 1,5 i
Vestergaard 3
Braithwaite 4
Höjbjerg 2,5
Kjaer 2,5
Stryger Larsen 3 i
Christensen 2 i
Schmeichel 3
TRAINER: Hjulmand
EINGEWECHSELT: 46. Jankto (3) für Holes und Krmencik (3,5) für Masopust, 65. Brabec
(–) für Celustka, 79. Vydra (–) für Schick und Darida (–) für Sevcik – 59. Poulsen (2) für
Dolberg und Nörgaard (4,5) für Damsgaard, 70. Wass (–) für Stryger Larsen, 81. Jensen (–)
für Delaney und Andersen (–) für Christensen – RESERVEBANK: Koubek, Mandous (beide
Tor), Kaderabek, Zima, Kral, Pekhart, Pesek – Lössl, Rönnow (beide Tor), Jörgensen, Skov,
Cornelius, Skov Olsen, Wind
TORE: 0:1 Delaney (5., Kopfball, Vorarbeit Stryger Larsen), 0:2 Dolberg (42., Rechtsschuss,
Maehle), 1:2 Schick (49., Rechtsschuss, Coufal) – CHANCEN: 7:7 – ECKEN: 9:7
SR-TEAM: Kuipers (Assistenten: van Roekel, Zeinstra/alle Niederlande – Vierter Offizieller:
Karasev/Russland – Video-Assistent: van Boekel/Niederlande), Note 3,5, gewohnt routiniert, aber auch mit Fehlern bei der Zweikampfbewertung. Der Gröbste: In der 84. Minute
verweigerte er den Tschechen einen klaren Freistoß (Kjaer foult Vydra) aus guter Position
kurz vor dem Strafraum – ZUSCHAUER: 16 306 (in Baku) – GELBE KARTEN: Krmencik, Kalas –
SPIELNOTE: 2,5, taktisch anspruchsvoll, flott mit vielen Strafraumszenen und spannend bis
zum Schluss.
“ ANALYSE
Martin Davidsen
und Vit Chalupa
ES BERICHTEN
Als Tschechien drückt, trifft nur Schick
Die Umstellungen des tschechischen Trainers Silhavy in der Pause
auf ein 4-4-2 fruchteten sofort, von
den vielen dicken Möglichkeiten
konnte aber nur Schick seine nutzen. In der ersten Hälfte der zweiten Halbzeit hätte das Spiel kippen
können, nach einer Phase mit vielen Verletzungsunterbrechungen
jedoch hatten die zusehends müder
werdenden Tschechen den Faden
verloren. Poulsen (78.) und Maehle
(82.) verpassten die vorzeitige Entscheidung.
Nach dem frühen Führungstor per Kopf
avancierte THOMAS DELANEY zum
Schwungrad seiner Mannschaft. Als
Dänemark nach der Pause in Schwierigkeiten geriet, war der Dortmunder
ein Fels in der Brandung.
Ø-Note
Ø-Alter
Meiste Ballkontakte
3,08
28,54
84 Coufal
DÄNEMARK
2,81
27,70
62 Höjbjerg
Ballbesitz
55 % 45 %
49
54
Gewonnene
Zweikämpfe
Daten: opta Foto: picture-alliance/Kose
S P I E L E R D ES S P I EL S
TSCHECHIEN
berg und Gladbach) war die EM für
Tschechien „ein großer Erfolg, trotz
des Ausscheidens sind wir zufrieden.
Die Stimmung ist gut“.
Vielleicht hätte es ja wenigstens noch zur Verlängerung gereicht,
wenn nicht Schick elf Minuten vor
Schluss wegen Problemen im rechten
Oberschenkel vom Feld gemusst hätte. „Eine genaue Diagnose steht noch
aus“, berichtete Galasek am Sonntagnachmittag dem kicker, „aber immerhin: Er kann normal laufen.“
Der 25 Jahre alte Torjäger von
Bayer Leverkusen, der fünf der
sechs tschechischen Treffer bei dieser EM-Endrunde erzielte, wird als
einer der Gewinner des Turniers in
Erinnerung bleiben. „Ja, es war ein
gutes Turnier für mich. Aber für die
Mannschaft auch?“, fragt der Stürmer. „Wir alle haben das Gefühl, dass
mehr drin gewesen wäre. Die Dänen
waren schlagbar.“ Immerhin: Mit
fünf Treffern hat Schick nun mit
Tschechiens EM-Rekordschützen
Milan Baros gleichgezogen.
Am Tag nach dem Spiel beendete Kapitän Vladimir Darida
von Hertha BSC seine Karriere im
Nationalteam, wie der tschechische
Verband twitterte. Der 30 Jahre alte
Mittelfeldspieler, der nach einer
Verletzung erst in der Schlussphase
eingewechselt worden war, bestritt
76 Länderspiele (acht Tore). „Danke
für alles“, schrieb der Verband, „wir
wünschen dir nur das Beste.“
FAZIT: Aufgrund der ersten Halbzeit
kein unverdienter Erfolg der Dänen.
Ein Sieg der Marke „Arbeitssieg“.
48+52
55+45
Nach der frühen Führung im Anschluss an eine berechtigte Ecke
(Celustka sprang der Ball für einen
Sekundenbruchteil an die Hand), als
Schick Delaney laufen ließ, waren
die Dänen die bessere, torgefährlichere Mannschaft. Zwar übte das
Hjulmand-Team nicht die Dominanz und Wucht der vergangenen
Spiele aus, kontrollierte aber das
Geschehen. Dennoch kamen auch
die Tschechen zu ihren Chancen,
eine davon nach einem Schmeichel-Patzer, den der Keeper aber
Sekunden später gegen Holes wiedergutmachte. Dem 0:2 ging eine
Unaufmerksamkeit von Coufal im
Laufduell mit Maehle voraus.
Letztes Länderspiel von Darida
Untröstlicher Coufal
mit Licht und Schatten
0:2
Vaclik 2
Coufal 3
TSC HEC HI E N
49
Interessantes Duell: Vladimir Coufal traf immer wieder auf Joakim Maehle
(rechts). Einmal entwischte der Däne dem tschechischen Rechtsverteidiger.
5. JULI 2021
Sinn oder
nicht Sinn?
Das ist hier die Frage. Die
Endphase der EM findet
ausgerechnet in LO N D O N
statt, einem Hotspot der
Pandemie. Die UEFA hat
dennoch nicht reagiert.
B
eim Blick auf die vier Halbfinalisten Italien, Spanien, England
und Dänemark sticht dem Betrachter sofort deren Teamgeist ins
Auge. Die Stars und ihre Adjutanten
bilden gemeinsam die Mannschaft,
Egos sind nicht als Geisterfahrer des
Erfolgs unterwegs, alle ordnen sich
im Sinne des Ganzen ein. Es gab in
der Vergangenheit genügend Turniere, die von einzelnen großen Spielern
geprägt wurden. Michel Platini und
die EM 1984 sind ebenso untrennbar
miteinander verbunden wie Diego
Maradona und die WM 1986 oder
der globale Wettstreit 2002 mit
dem Brasilianer Ronaldo. Der Trend
geht jedoch seit Jahren eindeutig
in die Richtung, dass Erfolg nur der
hat, bei dem große Spieler auf die
One-Man-Show verzichten. Das war
2018 im Gegensatz zu 2021 bei den
Franzosen der Fall, auch 2008 bis
2012 bei den Spaniern und 2014 bei
den Deutschen. Selbst die Portugiesen 2016 mit ihrem eigentlich alle
N
un also London. In der
britischen Hauptstadt
werden in dieser Woche die finalen Spiele dieser EM ausgetragen. Was als
sportlicher Höhepunkt in einem der beeindruckendsten
Fußballstadien der Welt vor
einigen Jahren geplant und
organisiert wurde, droht im
Juli 2021 zu einem großen
Teil von den kritischen Rahmenbedingungen überschattet zu werden.
In Großbritannien
grassiert derzeit die hochansteckende Delta-Vari-
ante des Coronavirus, die
Inzidenzzahlen der Neuinfektionen lagen zuletzt bei
180, was einen negativen
Spitzenwert in Europa bedeutet, noch vor Russland
und Portugal. Und das Land
beklagt inzwischen 128 000
Corona-Tote. Da erscheint
es doch zumindest fragwürdig, ein sportliches Großereignis ausgerechnet in einem Hotspot der Pandemie
stattfinden zu lassen.
Dass dieses Problem
prinzipiell erkannt wurde,
beweisen die restriktiven in-
ternationalen Reiseregelungen, nach denen fast alle europäischen Länder britische
Staatbürger bei der Einreise
in eine längere Quarantäne
schicken und dies in Großbritannien mit Einreisenden
ebenso gehandhabt wird.
Selbst die UEFA reagierte,
indem sie Karten für Briten
für das Viertelfinale in Rom
zwischen England und der
Ukraine sperren ließ.
Warum aber hat die
UEFA in Sachen London
nicht auf die Corona-Entwicklung reagiert? Der eu-
EM –
DER KOMM EN TAR
Frank Linkesch
kicker-Redakteur
Erfolgreich ist nur,
bei wem sich die
Stars einordnen.
überstrahlenden Cristiano Ronaldo
bildeten keine Ausnahme.
CR7 hat, obwohl längst im Urlaub,
noch immer Chancen auf den Titel
des Torschützenkönigs. Drei Elfmeter, zweimal richtig gestanden, fünf
Treffer. Geprägt hat er dieses Turnier
dennoch nicht. Dieser eine, alle
überstrahlende Topstar fehlt, auch
wenn große Namen sehr wohl mit
Leistung glänzen. Harry Kane hat in
der K.-o.-Phase seine Treffsicherheit gefunden, Giorgio Chiellini
verteidigt auch in fortgeschrittenem
Alter famos, Karim Benzema, Kevin
De Bruyne, Paul Pogba, Luka Modric
oder auch Robert Lewandowski setzten einzelne Glanzlichter, brachten
ihre Leistung. Anders sieht das beim
hoch gehandelten Kylian Mbappé
aus, einem der Enttäuschten und
Enttäuschenden dieses Turniers.
EINE EM ODER WM ist nicht nur
die Bühne der aktuellen Stars, sondern auch eine für die kommenden.
Gianluigi Donnarumma reiste nicht
mehr als Unbekannter an, zeigt aber
bei seinem ersten großen Turnier
als Stammtorwart, dass er diese
Position auf Jahre prägen kann. Der
Spanier Pedri macht ebenso Spaß
wie sein Teamkollege Ferran Torres.
Und so enttäuschend das deutsche
Abschneiden war, Kai Havertz bewies
als einer der wenigen Lichtblicke,
dass sein Siegtor im ChampionsLeague-Finale keine Eintagsfliege
war. Er gehört zur Generation kommender Topstars ebenso wie sein
Chelsea-Kollege Mason Mount und
Phil Foden bei England, auch wenn
Letzterer der EM seinen Stempel
noch nicht aufdrücken konnte. Weitere Namen, die Fans weltweit sich
merken sollten: Manuel Locatelli und
Federico Chiesa bei den Italienern,
der aus Leipzig hierzulande bereits
bekannte Spanier Dani Olmo, Schwedens Alexander Isak, der Däne Mikkel
Damsgaard und Belgiens Jeremy
Doku, der die Italiener ins Schwitzen
brachte. Spannend, ob die letzten
drei Partien große Momente großer
Stars bringen wie Zinedine Zidane
1998 oder Mitläufer zu Helden werden wie Portugals Finaltorschütze
Eder 2016, an den sich längst nicht
mehr jeder erinnert.
Foto: imago images/pixsell
50
5. JULI 2021
Entscheidung: In Wembley
sollen die Halbfinals und das
Endspiel der EM stattfinden.
ropäische Verband zieht sich
auf die Position zurück, er
halte sich an die von den
Regierungen und Gesundheitsbehörden der jeweiligen
Länder erlassenen Bestimmungen im Umgang mit der
Pandemie. Da trifft es sich natürlich gut, dass man es mit
ach so vertrauenswürdigen
und verantwortungsbewussten Politikern zu tun hat, also
ein Autokrat wie Viktor Orban ein volles Stadion zulässt
und ein Populist wie Boris
Johnson für die Finalspiele
inzwischen 60 000 Zuschauer im Wembley-Stadion erlaubt – unter dem durchsichtigen Vorwand, dies sei eine
wissenschaftliche Testphase,
die auch andere Großveran-
EM
MAGAZIN
KOLUMNISTEN-KREIS
staltungen (z. B. Wimbledon)
umfasse. Dem Vernehmen
nach soll die UEFA den englischen Gastgebern in Aussicht gestellt haben, man
könne die Finalspiele auch
andernorts abhalten, falls die
Kapazität in London nicht
erhöht werde. Bewiesen ist
das nicht, dass man der UEFA
ein solches Vorgehen zutraut,
sagt genug.
Die kurzfristige Verlegung von London in das
EM-Stadion eines anderen
Landes wäre für die UEFA angesichts von Johnsons Zusage, es könne alles den geplanten Gang gehen, gegenüber
ihren Werbepartnern, insbesondere in Großbritannien,
nur schwierig zu begründen
gewesen – unmöglich war
es sicher nicht. Doch da war
dem von der Corona-Pandemie zweifellos finanziell auch
stark betroffenen Verband
das Hemd näher als der Rock.
Eines hätte die UEFA, die für
die Dauer der EM-Endrunde
das Hausrecht in den Stadien
besitzt, jedoch durchaus machen können: die Zuschauerzahl beschränken und damit
auch das Infektionsrisiko.
München und Rom haben
gezeigt, dass selbst ein nur zu
25 Prozent besetztes Stadion
stimmungsvoll sein kann.
Auch hier wird die Verantwortung wieder abgegegen: diesmal an die Fans.
Sollen die doch aufpassen.
Was angesichts der (durchaus
gewünschten) Emotionalität
eines Fußballspiels – zumal
in der K.-o.-Phase – unrealistisch ist. Der Beweis, dass
dies nicht funktioniert, ist ja
bereits erbracht. 2000 schottische Fans brachten Corona
nach dem Gruppenspiel gegen England aus London mit
in die Heimat. Da hilft auch
nicht, dass in Großbritannien schon viele Menschen
geimpft sind – ansteckend
für andere können sie weiterhin sein.
Umso absurder, dass
nun die ersten Stimmen aus
Spanien und Dänemark fordern, die Einreise ins Hochrisikogebiet sogar zu erleichtern. Kritische Stimmen sind
aus den Ländern der anderen
drei Halbfinalisten dagegen
kaum zu vernehmen. Im
Vergleich dazu wirkt die
deutsche Kritik fast schon
hysterisch. Mit einem rundum sorglosen Gefühl kann
aber niemand nach Wembley
kommen. Die Gefahr, dass
die EM zum Super-Spreader
wird, ist allzu real. Der Herbst
bringt die Antwort auf die
Frage. MANFRED MÜNCHRATH
Der kicker begleitet Sie durch die EM
UEFA verbietet Werbung mit Regenbogen
Der Umgang der UEFA mit dem Regenbogen als Symbol für sexuelle Vielfalt und
Toleranz bleibt höchst widersprüchlich.
Nach dem Verbot der regenbogenfarbenen
Beleuchtung der Münchner Arena und der
Erlaubnis, Werbebanner mehrerer Sponsoren in einigen Stadien, darunter München,
mit den Regenbogenfarben zu unterlegen
bzw. zu rahmen, untersagte der europäische
Verband dies dem Werbepartner VW für die
Viertelfinals in St. Petersburg und Baku. Laut
VW hat die UEFA dies mit den rechtlichen
Rahmenbedingungen in Russland und Aserbaidschan begründet.
Unterdessen ist es in Baku beim Viertelfinalspiel zwischen Dänemark und Tschechien zu einem Zwischenfall gekommen.
Zwei Ordner nahmen einem dänischen Fan
51
eine Regenbogenfahne weg. Zur Begründung
hieß es aus Aserbaidschan, der Däne sei betrunken gewesen und habe Ärger mit lokalen
Fans gehabt. Der dänische Verband widersprach dieser Darstellung. Der Fan erhielt
die Fahne nach dem Spiel zurück. Die UEFA
erklärte, man habe nie jemanden angewiesen, eine solche Fahne zu konfiszieren, und
kündigte eine Untersuchung an.
Brych pfeift Halbfinale Spanien – Italien
Nach dem EM-Aus der deutschen Nationalelf
konnte sich Felix Brych Hoffnungen auf einen
Einsatz im Endspiel machen. Die UEFA setzte
den Schiedsrichter aus München nun für die
Leitung des Halbfinals zwischen Italien und
Spanien an, was seine Chancen auf das Finale
sinken lässt. Brych kommt damit aber bereits
zu seinem fünften Einsatz bei dieser EM.
Bernd Heynemann
WM-Schiedsrichter 1998
Der unsichtbare
Freund und Helfer
D
as Abschneiden der Nationalmannschaft
bei der EM entspricht dem Bild, das der
DFB seit einiger Zeit und auch zuletzt mit
dem Rücktritt von Präsident Fritz Keller abgibt.
Chaotisch – kein Wunder, dass das höchste
dem Verband unterstellte Team sich ähnlich
präsentiert und nicht erfolgreich ist. Der Fisch
stinkt eben vom Kopf.
WESENTLICH BESSER haben sich bei
der EM allgemein die Schiedsrichter-Teams
gezeigt. Besonders im Videocenter in Nyon
wurde wohltuend gearbeitet. Geräuschlos und
flott. Im Gegensatz zu Deutschland, wo man die
Video-Assistenten oft als kniefieselige Strafraumpolizisten wahrnimmt, haben sie beim
paneuropäischen Turnier den Unparteiischen
auf dem Platz als unsichtbarer Freund und
Helfer gedient. Sie haben nicht jeden Körperkontakt in unzähligen Szenen aus allen möglichen Kameraeinstellungen seziert und damit
das Spiel aufgehalten, sondern ganz entspannt
den Geist des Videobeweises umgesetzt und
nur eingegriffen, wenn wirklich schwere Versäumnisse vorlagen. Der beste Schiedsrichter
ist der, über den man nicht spricht, heißt es.
Und die Video-Assistenten der EM standen
praktisch nicht in der öffentlichen Diskussion.
AM 1. JULI HAT DIE NEUE Saison begonnen,
die Schiedsrichter Manuel Gräfe, Markus
Schmidt und Guido Winkmann sind seitdem
offiziell in Ruhestand, weil sie die nationale
Altersgrenze von 47 Jahren erreicht haben.
Es bleibt die Frage, ob eine solch starre Linie
sinnvoll ist. Die Unparteiischen sind eigentlich
freie Mitarbeiter des DFB, faktisch stehen sie
unter der Bedingung von Einjahresverträgen.
Denn sie können jederzeit absteigen und nicht
mehr für die Bundesliga nominiert werden.
Das lässt eine persönliche Karriere- und
Lebensplanung natürlich nur unter sehr kurzfristigen Umständen zu. Sinnvoll wären, analog
zu vielen Spielern, längerfristige Kontrakte für
Leistungsträger. Und diese könnten punktuell
über die Altersgrenze hinausgehen.
Der kicker-Kolumnistenkreis:
Gerald Asamoah, Sergej Barbarez, Giuseppe Bergomi,
Fredi Bobic, Marco Bode, Helen Breit, Didier Deschamps,
Eduard Geyer, Thomas Helmer, Bernd Heynemann,
Bodo Illgner, Jürgen Kohler, Annike Krahn, Erik Meijer,
Uli Stein, Joachim Streich, Olaf Thon, Rudi Völler
52
5. JULI 2021
EM-KULISSE
Notiert von Thomas Hiete
REGELRECHT ABGETAUCHT war
Christian Eriksen (Foto) nach seinem Zusammenbruch im dänischem
Auftaktspiel gegen Finnland (0:1) und
der anschließenden Implantation eines
Defibrillators. Nun ist
der 29-Jährige wieder
gesichtet worden: am
Strand von Tidvilde im
Norden des Landes.
Dort traf Björn Bindzus
auf den Fußballstar,
sprach ihn an und ergatterte ein Foto, das den elfjährigen
Jungen selbst schnell zur Social-Media-Berümtheit werden ließ. Das Bild
ging rasant um die Welt, Bindzus schrieb
bei Instagram: „Ich im Glück mit dem
berühmtesten Mann der Welt.“ Der
dänischen Zeitung BT sagte er über
Eriksen: „Er sah gesund und frisch aus,
das war richtig schön zu sehen.“ Der sich
erholende Fußballer trug ein Shirt mit
der passenden Aufschrift „slow down“,
was so viel heißt wie: Mach mal etwas
langsamer.
IM EM-TURNIER spielt Italiens
Federico Bernardeschi mit bislang erst
zwei Einsätzen nur eine Nebenrolle, im
Flieger auf dem Rückweg von München
in die Heimat übernahm der Profi von
Juventus Turin das Kommando. Über
das Bordmikro animierte er seine Teamkollegen im besten Capo-Stil zum Mitsingen. Über den Wolken demonstrierte
die Squadra Azzurra großes Mitgefühl
und skandierte für den im Spiel gegen
Belgien (2:1) verletzten Teamkollegen
Leonardo Spinazzola: „Olé, olé, olé, olé,
Spina, Spina!“ Titelreifer Teamgeist!
NACH DEM englischen 2:0-Triumph
über Deutschland wurde Three-LionsKeeper Jordan Pickford (Foto) kurzerhand zum Fan. Der Schlussmann des
FC Everton bat sein Gegenüber Manuel Neuer
um dessen Trikot und erhielt dieses dann auch.
„Ich habe es sogar unterschrieben bekommen“, freute sich der
27-Jährige über diesen
„schönen Moment“. Der mehrmalige
Welttorhüter gratulierte Pickford zu
dessen Leistung. Pickfords Plan mit dem
Neuer-Jersey: „Ich werde es einrahmen
lassen.“
Heiß wie Summerbee: Wie ich mich in den
englischen Fußball verliebte
H
eute möchte ich eine Liebesgeschichte erzählen.
Über meine Liebe zum englischen
Fußball. Die übertrieben klingende Prosa ist angebracht, denn im
7. Schuljahr trug es sich zu, dass
ich mit Tina ging (Name von der
Redaktion geändert). Was sich
darin ausdrückte, dass wir in den
Pausen pausenlos nebeneinanderher liefen. Bis sich Tina ein
Herz nahm und einen Kinobesuch am Sonntagnachmittag
vorschlug. Ich sagte ab mit der
Begründung, die ZDF-Sportreportage nicht verpassen
Jörg Jakob
zu wollen, denn da gab
es immer „Sport aus aller Welt“
mit den Toren und Paraden eines
Spiels der First Division. Was
diese Episode für den zarten
Beginn einer ersten Beziehung
bedeutete, kann man sich ausmalen. Die Ordner, die sich in den
70er Jahren mit Ausschnitten
aus dem kicker und persönlichen
Aufzeichnungen nach meinen regelmäßigen Rendezvous mit BBC
Radio 2 füllten, gibt es jedenfalls
noch heute. Mittwochs und samstags nahm ich die Live-Reporta-
gen mit dem Kassettenrekorder
auf. Gebannt von der großartigen
Erzählkunst der Kommentatoren,
hingerissen von den leidenschaftlichen Gesängen der Fans. Sie
glauben ja nicht, welch knisternde
Erotik in einem Wiederholungsspiel der vierten Ligapokal-Runde
steckt. FC Middlesbrough gegen
Newcastle United, ausgestrahlt
auf der Langwelle.
DER KICKER mit den Berichten
von Arthur Rotmil hielt meine
Begeisterung hoch. Chefredakteur Karl-Heinz Heimann persönlich beantwortete 1975 dem
Zwölfjährigen einen Leserbief,
der von Keepern wie Mervyn
Day von West Ham United handelte. Es waren noch Zeiten, in
denen die deutschen Medien
ohne die Metapher „Mutterland
des Fußballs“ nicht auskamen
und geradezu ehrfürchtig vom
„englischen Profi“ schwärmten.
Umso prägender war der 3:1Sieg der deutschen Elf in Wembley 1972 für meine Generation.
Netzer! Zwei Jahre zuvor beim
3:2 nach Verlängerung in Mexiko
war unser erster Farbfernseher
eingeweiht worden. Seeler!
AUF DEN SAMMELBILDERN
hatten die Engländer Namen wie
Mike Summerbee, die längeren
Haare und schöneren Trikots,
ihre Klubs klangen geheimnisvoll: Wolverhampton Wanderers!
Deren Aufstellung mit Goalgetter
Derek Dougan diktierte mein wunderbarer Englischlehrer Ulrich M.,
ein Fan der Wolves und von Leeds
United, einmal in einem spontanen Klassentest …
ENDGÜLTIG um mich geschehen war’s, als ich den väterlichen
Freund Tony Eaton kennenlernte, der tatsächlich im Sherwood
Forest wohnte, den europäischen Höhenflug von Nottingham Forest genoss, mich 1979
ins alte Wembley mitnahm
(England – Wales 0:0) und mir
Magazine mit faszinierenden Namen schickte: „Shoot!“, „Match“,
„Football Monthly“. Drei Jahre
lang wartete ich fiebrig alle zwei
Wochen auch auf die abonnierte Stadionzeitung von Coventry
City. Die deutsche Post lieferte
da sogar noch montags aus. Alles zusammen ein aufregendes
Vorspiel, bis es dann richtig geknallt und „Zoom gemacht“ hat:
Liverpool gegen Bayern im Europapokal 1981, der erste Besuch
an der Anfield Road. 40 Jahre
ist das jetzt her, Rubinhochzeit.
Das heißt so, weil die Liebe nicht
erloschen ist und glänzt wie ein
Rubin: edel, dunkelrot und feurig.
TORSCH ÜTZ E N
Tore
5
5
4
4
4
3
3
3
3
3
3
3
Spieler
Land
Cristiano Ronaldo
Schick
Lukaku
Benzema
Forsberg
Dolberg
Kane
Sterling
Wijnaldum
Lewandowski
Seferovic
Shaqiri
Portugal
Tschechien
Belgien
Frankreich
Schweden
Dänemark
England
England
Niederlande
Polen
Schweiz
Schweiz
Rechts
Links
Kopf
davon
Elfer
3
1
2
2
2
3
1
2
1
1
2
2
3
2
1
2
2
1
1
1
1
1
2
1
1
2
-
3
1
1
1
1
-
53
Foto: picture-alliance
5. JULI 2021
Spitze: Tschechiens Patrik Schick zog durch sein Anschlusstor gegen
Dänemark mit Cristiano Ronaldo in der Torschützenliste gleich.
SC ORE R
Punkte
6
6
4
4
4
4
4
4
4
4
4
3
3
3
3
3
3
3
3
3
3
3
3
3
3
3
3
3
3
3
Tore + Vorarbeiten
Cristiano Ronaldo (Portugal)
Schick (Tschechien)
Lukaku (Belgien)
Sterling (England)
Benzema (Frankreich)
Depay (Niederlande)
Forsberg (Schweden)
Shaqiri (Schweiz)
Zuber (Schweiz)
Sarabia (Spanien)
Yarmolenko (Ukraine)
De Bruyne (Belgien)
T. Hazard (Belgien)
Meunier (Belgien)
Dolberg (Dänemark)
Höjbjerg (Dänemark)
Maehle (Dänemark)
Gosens (Deutschland)
Kane (England)
Shaw (England)
Mbappé (Frankreich)
Immobile (Italien)
Perisic (Kroatien)
Dumfries (Niederlande)
Wijnaldum (Niederlande)
Lewandowski (Polen)
Rafa (Portugal)
Seferovic (Schweiz)
Ferran Torres (Spanien)
Yaremchuk (Ukraine)
5+1
5+1
4+0
3+1
4+0
2+2
4+0
3+1
0+4
2+2
2+2
1+2
2+1
1+2
3+0
0+3
2+1
1+2
3+0
0+3
0+3
2+1
2+1
2+1
3+0
3+0
0+3
3+0
2+1
2+1
G ROTE KARTEN
de Ligt (Niederlande)
Danielson (Schweden)
Freuler (Schweiz)
Ampadu (Wales)
Wilson (Wales)
Gesamtzahl nach 48 Spielen:
5
GG GELB-ROTE KARTEN
Krychowiak (Polen)
Gesamtzahl nach 48 Spielen:
1
G GELBE KARTEN
Schweiz (11): Gavranovic, Xhaka (je 2),
Akanji, Elvedi, Embolo, Mbabu, Rodriguez,
Schär, Widmer
Wales (9): Moore (2), Allen, Bale, Brooks,
B. Davies, Gunter, Mepham, Rodon
Frankreich (8): Pavard (2), Coman,
Griezmann, Hernandez, Kimpembe, Lloris,
Varane
Nordmazedonien (8): Alioski (2),
Avramovski, Kostadinov, Musliu,
S. Ristovski, Trajkovski, Velkovski
Deutschland (7): Ginter (2), Gosens,
Gündogan, Havertz, Kimmich, Sané
Kroatien (7): Brozovic, Caleta-Car, Lovren
(je 2), Kovacic
Tschechien (7): Boril (2), Coufal, Hlozek,
Kalas, Krmencik, Masopust
Türkei (7): Calhanoglu, Söyüncü (je 2),
Celik, Dervisoglu, B. Yilmaz
Österreich (6): Alaba, Arnautovic,
Bachmann, Dragovic, Hinteregger, Lainer
Polen (6): Glik, Jozwiak, Klich, Krychowiak,
Lewandowski, Moder
Slowakei (6): Duda (2), Dubravka,
Hubocan, Skriniar, Weiss
Ungarn (6): Botka (2), Fiola, Nego, Orban,
Ad. Szalai
Italien (5): Barella, Berardi, di Lorenzo,
Pessina, Verratti
Russland (5): Barinov, Diveev, Dzhikiya,
Kudryashov, Ozdoev
Schweden (5): Danielson, Forsberg,
Kulusevski, Lustig, Olsson
Spanien (5): Busquets, Jordi Alba, Laporte,
Pau, Rodrigo
Belgien (4): Alderweireld, T. Hazard,
Tielemans, Vermaelen
Dänemark (4): Damsgaard, Delaney,
Jensen, Wass
England (4): Foden, Maguire, Phillips, Rice
Finnland (4): Kamara, Lod, O’Shaughnessy,
Sparv
Portugal (4): Diogo Dalot, Joao Palhinha,
Pepe, Ruben Dias
Ukraine (4): Dovbyk, Shaparenko,
Sydorchuk, Yarmolenko
Niederlande (3): F. de Jong, de Roon,
Dumfries
Schottland (3): McGinn, McKenna,
O’Donnell
C HANC E N
TOP -TORH Ü T ER
Nach 48 von 51 Spielen
Verwertung/Chancen
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
8.
9.
10.
11.
12.
13.
14.
15.
16.
17.
18.
19.
20.
21.
22.
23.
24.
Ungarn
Kroatien
England
Belgien
Deutschland
Portugal
Slowakei
Österreich
Schweiz
Italien
Dänemark
Ukraine
Frankreich
Niederlande
Spanien
Tschechien
Schweden
Nordmazedonien
Polen
Wales
Russland
Finnland
Türkei
Schottland
60,0 %
38,9 %
38,1 %
37,5 %
35,3 %
33,3 %
33,3 %
31,3 %
29,6 %
28,9 %
28,2 %
27,3 %
26,9 %
26,7 %
26,1 %
26,1 %
25,0 %
25,0 %
23,5 %
16,7 %
16,7 %
16,7 %
9,1 %
6,3 %
5
18
21
24
17
21
6
16
27
38
39
22
26
30
46
23
20
8
17
18
12
6
11
16
Die Zahl der erzielten Tore geteilt durch die Anzahl
der Torchancen ergibt die Chancenverwertung.
1. Sommer (Schweiz)
2. Vaclik (Tschechien)
3. Livakovic (Kroatien)
Dimitrievski (Nordmazed.)
5. Courtois (Belgien)
6. Olsen (Schweden)
7. Gulacsi (Ungarn)
8. Pickford (England)
9. Hradecky (Finnland)
10. Donnarumma (Italien)
11. Bachmann (Österreich)
12. Unai Simon (Spanien)
Notenschnitt
2,20
2,30
2,50
2,50
2,60
2,63
2,67
2,70
2,75
2,80
2,88
3,10
TOP -FE LD SPIELER
Nach 48 von 51 Spielen
Notenschnitt
1. De Bruyne (Belgien)
Kulusevski (Schweden)
3. Christensen (Dänemark)
Höjbjerg (Dänemark)
5. Maguire (England)
Sarabia (Spanien)
7. Damsgaard (Dänemark)
Pogba (Frankreich)
Spinazzola (Italien)
10. Dolberg (Dänemark)
Poulsen (Dänemark)
12. Delaney (Dänemark)
Maehle (Dänemark)
F. de Jong (Niederlande)
Dumfries (Niederlande)
Cristiano Ronaldo (Portugal)
Forsberg (Schweden)
Zuber (Schweiz)
19. Jorginho (Italien)
20. Benzema (Frankreich)
Berardi (Italien)
Locatelli (Italien)
Modric (Kroatien)
24. Braithwaite (Dänemark)
Kjaer (Dänemark)
Griezmann (Frankreich)
Insigne (Italien)
Depay (Niederlande)
29. Vermaelen (Belgien)
Mount (England)
Trajkovski (Nordmazedonien)
Golovin (Russland)
2,00
2,00
2,13
2,13
2,17
2,17
2,25
2,25
2,25
2,33
2,33
2,38
2,38
2,38
2,38
2,38
2,38
2,38
2,40
2,50
2,50
2,50
2,50
2,63
2,63
2,63
2,63
2,63
2,67
2,67
2,67
2,67
bald spielt er wieder in
Manchester, nun aber
bei United. Die Folgen.
TOT TE N HA M
Foto: Getty Images/Bardens
Mindestens 85 Millionen Euro sind mal ein
Statement. In diesen
Zeiten ohnehin. Aber
auch für einen 21-Jährigen, der
noch auf den ganz großen internationalen Durchbruch wartet.
Insofern bedeutet Jadon Sanchos
baldige Ankunft bei Manchester
United mehr als einen normalen Transfer. Der Winger, der in
England mit seiner wettbewerbsübergreifenden Bilanz von 16 Toren und 21 Assists für Borussia
Dortmund in der vergangenen
Saison auch die Zweifler auf der
Insel überzeugte, war längst zu
einem Prestigeobjekt geworden,
wenngleich sein Transfer schon
lange abzusehen war.
Die Frage, wer den Jungen,
der nach Deutschland zog, um
sich einen Namen zu machen,
wieder zurück nach Hause holt,
hat Manchester United klar beantwortet. Und damit auch ein
Zeichen in Richtung Manchester
City gesetzt. Eigentlich zwei: Zum
einen kehrte Sancho nicht zu den
Skyblues zurück, sondern unternimmt einen neuen Anlauf bei
den Red Devils in derselben Stadt,
zum anderen soll Sancho die Hoffnung auf die erste Meisterschaft
des englischen Rekordchampions
seit 2013 nähren und eben City den
Meisterpokal abjagen.
Ist das realistisch? Für den
ganz großen Wurf wird es mehr
Gar nicht so lange her:
2017 spielte Sancho
mit ManCity gegen
Mount und Chelsea –
im FA-Youth-Cup.
„Zurück“! Im Glück?
brauchen als einen Sancho. So
hofft der Klub für die Innenverteidigung auf eine Verpflichtung
Raphael Varanes und spekuliert
darauf, dass Real Madrid Geld
benötigt. Spannend auch: Was
wird aus Paul Pogba?
Bei aller Freude der United-Fans über den Sancho-Coup
muss die Frage gestellt werden,
ob ein Team, in dem mit Marcus
Rashford, Mason Greenwood und
Daniel James schon sehr gute bis
zumindest hoffnungsvolle Flügelstürmer unter Vertrag stehen,
noch einen Sancho brauchte.
Die Antwort: Ja, wenngleich die
Ablösesumme diskutabel bleibt.
Doch ein Fünfjahresvertrag ist ein
Versprechen auf und eine Investition in die Zukunft. Sancho dürfte
seinen Platz rechts bekommen,
Rashford links oder zentral, denn
Edinson Cavani (34) wird auch
nicht jünger. Sancho dürfte angesichts der Konkurrenz bei United
glücklicher werden als bei City.
Rio Ferdinand, eine UnitedLegende, freut sich auf Sancho:
„In den letzten Jahren hatten wir
keinen Flügelstürmer, der auch
wirklich die Bahn gehalten hat.
Er kann die Jungs mit Flanken
füttern.“ Und soll dennoch selbst
seine Torgefährlichkeit unter
Beweis stellen.
Bei der EM könnte er nach
ordentlichem Startelfdebüt gegen
die Ukraine nun doch noch wichtig werden, allerdings wird dort
– wie bei United – gefragt sein,
was nicht Sanchos Paradedisziplin
ist: Defensivarbeit. Allerdings hat
er sich dort im vergangenen Jahr
verbessert.
KEIR RADNEDGE
Trainer Espirito Santo und die Frage nach Kane
Der Eiertanz der Spurs geht weiter
Ob Nuno Espirito Santo nun die neunte Wahl
ist oder nicht, sei mal
dahingestellt. Doch
mehr oder weniger acht ernst
gemeinte Trainer-Wunschkandidaten schwirrten zuvor durch Tottenham: Julian
Nagelsmann, Hansi Flick,
Brendan Rodgers, Erik ten
Hag, Mauricio Pochettino, Antonio Conte, Gennaro Gattuso
und Paulo Fonseca, der fast
schon verpflichtet war.
Nun also Espirito Santo,
der einst als Torwarttrainer in
Malaga begann, sich in England aber einen Namen machte, als er mit Wolverhampton
in die Premier League aufstieg
und die Wanderers zweimal
auf Platz 7 führte. Rang 13 in
der Vorsaison war nun ein
kleiner Rückfall, allerdings
durch Abgänge wie Diogo
Jota (Liverpool) und Matt
Doherty (Spurs) erklärbar.
Wie auch immer: In
Wolverhampton ging es nicht
weiter, ein Engagement bei
Crystal Palace scheiterte an
der angeblichen Forderung
des 47-Jährigen, sieben Assistenztrainer mitzubringen.
Bei den Spurs nun geht
der Eiertanz weiter. Erst suchte dieser stolze und große Traditionsklub drei Monate einen
Chefcoach, nun wollen sie den
Portugiesen als Top-Lösung
verkaufen und versuchen dies
durch die Worte des Sportdirektors Fabio Paratici: „Man
muss sich nur Nunos Zeit bei
den Wolves ansehen, um seine
Fähigkeit zu sehen, einen Stil
zu implementieren, der Erfolg
bringt und es den Spielern ermöglicht, sich zu entwickeln.“
Das mag so sein, doch ob er die
große Sehnsucht nach Titeln
stillen kann? Und wird der
abwanderungswillige Topstar
Harry Kane nun deswegen
noch zum Bleiben bewegt?
Eher nicht. Schwierige Zeiten
im Norden Londons ... K. R.
Foto: Tottenham Hotspur FC/Getty Images
I N T E R N AT I O N A L
JAD O N SA NC H O (21) –
Neu bei den
Spurs: Trainer
Nuno Espirito
Santo, zuletzt
bei den Wolves
5. JULI 2021
Glänzende Aussichten
Bei PA RI S SA I NT- G E R M A I N
ist Geld kein Thema – und
das Alter von Sergio Ramos
offenbar ebenfalls nicht.
Die Sehnsucht nach dem
Henkelpokal wird immer brennender bei Paris
Saint-Germain, also öffnen
die Klubeigner aus Katar nochmals
die Kasse. Den ablösefreien Niederländer Georginio Wijnaldum (30, zuvor Liverpool) schnappte man dem
FC Barcelona vor der Nase weg. Bald
sollen weitere Stars den Kader von
Mauricio Pochettino verstärken. Das
Financial Fair Play spielt offenbar
nur eine Nebenrolle, immerhin will
PSG-Präsident und Multifunktionär
Nasser Al-Khelaifi die finanziellen
Spielregeln angesichts der Auswirkungen der Corona-Pandemie ohnehin grundlegend überarbeiten.
Mit Inter Mailand gibt es offenbar eine Einigung im Poker um
Achraf Hakimi. Auch Chelsea warb
um den Rechtsaußen, der früher in
Dortmund spielte, doch soll PSG für
eine Sockelablöse von mindestens
60 Millionen Euro den Zuschlag erhalten haben. „Ein schmerzhafter
Transfer für uns“, sagte Inter-Geschäftsführer Beppe Marotta in einem Interview mit Sky Sport. „Aber
der Hakimi-Deal wird uns erlauben,
LILLE
Abgang bei Real:
Sergio Ramos und
seine Trophäen bei
den Königlichen
ein wenig durchzuatmen.“ Italiens
Meister ist dringend auf Einnahmen
angewiesen, weil die chinesischen
Eigner des Suning-Konzerns nicht
mehr munter Geld nachschießen
wollen oder können.
Auch der Transfer von Italiens
Nationalkeeper Gianluigi Donnarumma ist auf der Zielgeraden. Der
22-Jährige verlässt den AC Mailand
ablösefrei und soll nach der EM präsentiert werden. Offen ist dabei, was
mit dem bisherigen Stammtorwart
Keylor Navas bei PSG passiert. Er hat
eine höchst solide Saison hinter sich,
gilt wegen seiner 34 Jahre aber nicht
mehr als Lösung für die Zukunft. Die
mögliche Ankunft des Konkurrenten
soll Navas allerdings nicht klaglos
gegenüber PSG-Sportdirektor Leonardo hingenommen haben.
Bei Sergio Ramos ist das Alter
offenbar nicht so entscheidend. Der
35-Jährige hat Real Madrid nach
16 Saisons mit zahllosen Titeln verlassen. Vorige Woche verhandelte
sein Bruder und Berater Rene Ramos
mit Leonardo. Laut AS einigte man
Ranieri gilt als Favorit auf den Trainerjob bei Frankreichs Meister
Foto: Getty Images
45 Mann im Kader – aber kein Coach
Ein Meister in der
Schwebe. Ohne Chefcoach nahm Lille OSC
vergangene Woche das
Training wieder auf. Die ersten
Übungen leitete Jorge Maciel,
der in der Vorsaison noch Assistent von Christophe Galtier
war. Der Meistertrainer hatte
direkt nach dem Triumph sein
Adieu angekündigt und am Montag vor einer Woche schließlich
bei OGC Nizza unterschrieben.
Dort soll er mit dem Geld des
Chemiekonzerns Ineos einen
Titelaspiranten aufbauen.
Allerlei Kandidaten gibt es
seither für seine Nachfolge in
Lille. Die Liste reicht von Patrick
Vieira (nun bei Crystal Palace)
über Laurent Blanc, Lucien Favre
und Thiago Motta bis zu Claudio
Ranieri, der inzwischen als Favorit auf den Posten gilt. Der 69-jährige Italiener, auf ewig verbunden
mit Leicesters Meisterschaft 2016,
hat in Frankreich Monaco (2012
bis 2014) und Nantes trainiert
(2017/18), er kennt sich also aus
in der Ligue 1.
Egal, ob nun Ranieri oder
sonst wer: Auf den neuen Coach
wartet eine knifflige Mission. Lille
wird zwar durch die Teilnahme an
der Champions League ordentlich
Geld einnehmen, ist aber aktuell
auch massiv verschuldet, die Rede
ist von knapp 200 Millionen Euro.
Dazu kommt, dass die Meistermannschaft längst nicht mehr
beisammen ist. Der Vertrag mit
Abwehrchef José Fonte (37) lief
55
aus und wird mutmaßlich auch
nicht verlängert. Torwart Mike
Maignan (26) wechselte zum
AC Mailand, brachte aber immerhin 13 Millionen Euro an Ablöse
in die Kasse. Sogar 23 Millionen
kassiert Lille für Boubakary Soumaré (22), der künftig für Leicester City im defensiven Mittelfeld
spielen wird.
Mit dem Ex-Münchner Renato Sanches (23) und Xeka (26)
sind zwei weitere Säulen von englischen Klubs umworben, Jonathan Ikoné (23) könnte es zu Milan
ziehen. Lille muss verkaufen und
so die Bilanz in Ordnung bringen.
Und auch den Kader wieder straffen, der samt zurückgekehrter
Leihspieler 45 Mann umfasst.
Aber keinen Trainer.
L. M.
sich auf einen Zweijahresvertrag und
zehn Millionen Euro netto pro Saison.
Aber unterschrieben oder bestätigt
ist all das noch nicht.
Schließlich hat Leonardo eine
weitere Großbaustelle offen. Mit Neymar hat er verlängert (bis 2025), auch
Julian Draxler bekam einen neuen
Vertrag (bis 2024), doch es fehlt die
Unterschrift von Kylian Mbappé, dessen Arbeitspaper im kommenden
Sommer ausläuft. Der Weltmeister
ist und bleibt die entscheidende Personalie bei PSG.
LAURENT MALTRET
kurz
bündig
Bordeaux droht die 2. Liga
Girondins Bordeaux und SCO Angers
wurden vom Ligaverband vorläufig
mit dem Zwangsabstieg in die 2. Liga
bestraft. Die Girondins standen nach
dem Ausstieg des Hauptsponsors
kurz vor der Pleite, nun werden aber
offenbar neue Investoren um Gerard
Lopez (Ex-Präsident von Lille OSC)
einspringen, die nun bis zum 12. Juli
Zeit haben, die Lizenz für die Ligue 1
zu retten. Bei Angers gibt es Streit um
Dokumente rund um das Leihgeschäft
von Rayan Ait Nouri vor einem Jahr zu
den Wolverhampton Wanderers.
Operation bei Joao Felix
Joao Felix (21) musste sich einer Operation am Knöchel unterziehen und
wird damit weite Teile der Vorbereitung
von Spaniens Meister Atletico Madrid
verpassen. Bei der EM kam er für Portugal nur einmal als Joker zum Einsatz.
56
5. JULI 2021
Aus im Viertelfinale der
Copa Amercia für den
Sieger von 2015 und 2016:
C H I LE hat die Klasse der
letzten Jahre eingebüßt.
Foto: imago images/Photosport
2014 war es, da hätte Chiles Mauricio Pinilla im
Achtelfinale der WM fast
dafür gesorgt, dass Tage später das
legendäre 7:1 Deutschlands gegen
Brasilien gar nicht hätte zustande
kommen können. In der 120. Minute des Duells mit Brasilien traf der
Chilene nur die Querlatte statt zum
2:1 für den Außenseiter, der damals
keiner war. Brasilien rettete sich ins
Elfmeterschießen, im Halbfinale von
Belo Horizonte war dann bekanntlich
Schluss. Chiles Roja aber hob in der
Folge so richtig ab: Sieg bei der Copa
America 2015 und 2016, gefolgt von
einem 0:1 erst im Finale des ConfedCups 2017 gegen Deutschland. Vorbei
diese glorreichen Zeiten.
Lief schon besser: Arturo Vidal und Chile agieren nicht mehr auf dem Niveau vergangener Jahre.
Durchgereicht
COPA AM ER I CA 2 02 1
VIERTELFINALE
Peru – Paraguay
3:3, Elfm. 4:3
Brasilien – Chile
1:0
Uruguay – Kolumbien 0:0, Elfm. 2:4
Argentinien – Ecuador
3:0
HALBFINALE
Dienstag, 6. Juli (1 Uhr MESZ):
Brasilien – Peru
Mittwoch, 7. Juli (3 Uhr MESZ):
Kolumbien – Argentinien
SPIEL UM DEN 3. PLATZ
Samstag, 10. Juli (2 Uhr MESZ):
Verlierer der Halbfinals
ENDSPIEL IM MARACANA
Sonntag, 11. Juli (2 Uhr MESZ):
Sieger der Halbfinals
Trainer waren damals in Folge vier Argentinier: Marcelo Bielsa,
Claudio Borghi, Jorge Sampaoli und
Juan Antonio Pizzi. Schon unter Pizzi
begann der Abstieg, der sich unter
dem Kolumbianer Reinaldo Rueda
und mit dem Verpassen der WM 2018
fortsetzen sollte. Am Wochenende
nun zog die seit dem Frühjar von dem
Uruguayer Martin Lasarte trainierte
vermeintlich „Goldene Generation“
rund um den Ex-Leverkusener und
-Münchner Arturo Vidal beim 0:1
im Viertelfinale gegen Brasilien den
Kürzeren. Es könnte die Niederlage
sein, die den Niedergang fixiert.
Die Probleme sind einerseits
hausgemacht. Schon unter dem zum
AR GE NT INI EN
Volkshelden aufgestiegenen Bielsa
gab es vor zehn Jahren Streitigkeiten
mit der Verbandsspitze, die sich auch
bei seinen Nachfolgern, mal mehr,
mal weniger, fortsetzten. Zudem gab
es nach den sozialen Unruhen 2019
und der anschließenden Pandemie
zunächst keine Meisterschaft.
Apropos Meisterschaft: Der
34-jährige Vidal hat, auch verletzungsbedingt, die schlechteste Saison hinter sich, seit er 2007 nach
Leverkusen und damit nach Europa
kam. An Inters Scudetto 2021 war er
kaum beteiligt, die Roja will er aber
weiter führen, auf und neben dem
Platz. Dabei werden die Eskapaden
des Mittelfeldspielers zunehmend
COPA
AMERICA
zum Problem. Bei der Copa brach
er, frisch von COVID-19 genesen, das
Hygienekonzept, eine Auswechslung
interpretierte er als Majestätsbeleidigung. Auch die Verteidiger Gary Medel und Mauricio Isla sind über den
Zenit. Keeper Claudio Bravo hebt sich
noch positiv ab, ebenso Leverkusens
Charles Aranguiz. Der 32-Jährige war
Chiles Bester in der Gruppenphase,
zeigte sich führend im Passspiel und
bei der Einleitung von Torchancen.
Nun geht es um die WM-Qualifikation für 2022. Doch nach sechs von
18 Spielen liegt man mit sechs Punkten und einer Tordifferenz von null
nur im Mittelfeld. Durchgereicht.
RODRIGO FUENTEALBA, JÖRG WOLFRUM
Der vereinslose Superstar führt die Albiceleste ins Halbfinale
Foto: picture-alliance
Auch im sportlichen Sinne ein Kapitän
Obenauf: Kollege Angel di Maria
feiert Kapitän Lionel Messi.
Argentiniens Rekordmann mit 148. Länderspielen war er schon
im Gruppenspiel beim 4:1 gegen
Bolivien geworden, als er seinen
ehemaligen Barca-Teamkollegen
Javier Mascherano hinter sich
ließ. Zwei Tore und eine Vorlage
steuerte er da zum Sieg bei.
Beim 3:0 über Ecuador im
Viertelfinale war Lionel Messi
erneut bester Argentinier, bilanzierte zwei Assists und ein Tor.
Erstmals seit dem 3:4 im WM-Achtelfinale 2018 gegen Frankreich
gab der Kapitän wieder zwei Vorlagen in einem Länderspiel, erstmals seit der Copa America 2016
servierte er nun auch wieder in
zwei Spielen in Folge zu Toren.
Und da der 34-Jährige gegen
Ecuador per Freistoß traf, baute er
auch seine Führung als weltweit
treffsicherster aktiver Profi mit
58 Freistoßtoren in Pflichtspielen
aus. Zum Turnierstart hatte er
beim 1:1 gegen Chile im Fernduell
seinen ewigen Kontrahenten Cristiano Ronaldo (56 Treffer) hinter
sich gelassen.
Mit vier Treffern und vier
Assists führt der aktuell vereinslose Messi sowohl die Torjägerliste als auch die Scorerwertung der
Copa an. Brasiliens Neymar traf in
vier Spielen indes erst zweimal. In
der Nacht auf Mittwoch trifft die
Albiceleste nun auf Kolumbien.
Dass sie von Messi diesmal auch
sportlich im Wortsinne angeführt
wird, erscheint einerseits logisch.
Andererseits war genau dies früher oft nicht der Fall und daher
selbst in Argentinien entsprechend kritisiert worden.
WOL
„Die Strafen von Walter nerven“
Seinen Trainer kennt
J ONAS ME F F E RT (26)
bereits aus Kiel. Und
verrät, weshalb ein
Scheitern helfen kann.
Unter Tim Walter gewann Jonas
Meffert in Kiel vor drei Jahren
nach „einer schweren Zeit in
Freiburg die Freude am Fußball
zurück“. Jetzt will er im Verbund mit seinem neuen alten Trainer den HSV aus der
Gefühlskrise führen. Und sagt, wie ihm
Negativerlebnisse sogar helfen können.
Aus dem Trainingslager des HSV in Grassau
berichtet
Sebastian Wolff
Sie sind mit dem KSC 2015 und zuletzt mit
Kiel in der Relegation gescheitert und nun
zum HSV gewechselt, der in den vergangenen drei Jahren der Inbegriff des knappen
Scheiterns war. Provokant gefragt: Wollen
Sie gar nicht in die Bundesliga, Herr Meffert?
Doch, doch, ich kann Sie beruhigen: Ich
denke, jeder Zweitligaspieler strebt danach, in der Bundesliga zu spielen. Das
Ziel verfolge ich natürlich auch.
Fußball-Deutschland hat nach zwei Quarantänen mit Holstein gefiebert – wie haben
Sie diese Zeit und die nach der verlorenen
Relegation gegen Köln erlebt?
Als wir zum zweiten Mal in Quarantäne
mussten, hatten wir die Hoffnungen im
ersten Moment eigentlich aufgegeben, es
ist dann aber viel passiert: Die Mitarbeiter
des Vereins haben uns Überraschungsgeschenke nach Hause gebracht und das
Gefühl vermittelt, dass sie immer noch
an uns glauben. Dann kamen wir in einen
Flow. Der hielt ausgerechnet bis zu dem
Spiel gegen Regensburg an, nach dem wir
es mit vier Punkten Vorsprung zwei Spiele
vor Schluss fast geschafft hatten. Aber
dann kamen zwei Faktoren zusammen.
Welche?
Wir konnten körperlich einfach nicht
mehr. Der Kopf spielte auch eine Rolle. Da
war das Gefühl: Wir haben was zu verlieren.
Ein Gefühl, das Ihren neuen Klub seit dem
Bundesliga-Abstieg vor drei Jahren hemmt.
Können Sie das nachempfinden?
Ja, ich kann das sogar gut nachempfinden. Weil ich in Kiel beide Positionen
erlebt habe: Am Ende das Gefühl, etwas
verlieren zu können, aber über Jahre auch
diese Leichtigkeit: Wenn wir mit Holstein
nach Hamburg gefahren sind, dann ging es
zum großen HSV, in ein super Stadion, in
Foto: Witters
2. LIGA
5. JULI 2021
dem du es allen zeigen wolltest, aber auch
wusstest: Klappt es nicht, gewinnen wir
halt nächste Woche. Der HSV konnte das
in der 2. Liga nie sagen, er musste immer
gewinnen. Das kann hemmen, so eine
Situation muss aber auch angenommen
werden. Der Vergleich mit dem FC Bayern
findet natürlich auf einem anderen Niveau
statt, aber in diesen Spielen sind auch alle
besonders motiviert – und die Bayern
liefern dennoch.
Tim Walter versucht mit kleinen Strafen
nach verlorenen Trainingsspielen die Siegermentalität zu fördern. Funktioniert das?
Ich kenne dieses Prinzip von ihm aus
Kiel. Da war es nicht so extrem wie hier,
nur etwa ein-, zweimal pro Woche. Ich
glaube schon, dass es zuträglich für die
Siegermentalität ist, denn ich kann sagen:
Die Strafen nerven schon.
Welche Rolle spielte er für Ihren Wechsel?
Eine große. Er hat in Kiel jeden Spieler besser gemacht, das galt auch für die, die nicht
gespielt haben. Das ist außergewöhnlich.
Wie macht Walter das?
Er achtet bei allen auf die gleichen Sachen
und fordert von einem gesetzten Stammspieler das Gleiche wie von einem Nachwuchsmann. Und das ist das Maximum.
In jeder Einheit. Wir haben in Kiel noch
oft über ihn gesprochen, als er weg war.
Wie viel Kiel können Sie nun einbringen?
Ich habe gelernt, was mit Zusammenhalt
alles möglich ist. Und ich habe die Erfahrung gemacht, wie es ist zu scheitern. Das
hört sich widersprüchlich an, aber ich glaube, auch dem HSV hilft es, dass er diese
Erfahrung gemacht hat.
Es könnte auch zum Kopfproblem führen,
auf der Zielgeraden auf das Scheitern regelrecht zu warten ...
Ich sehe das anders. Ich persönlich konnte
die Relegation 2021 zum Beispiel viel besser verarbeiten als 2015 gegen den HSV.
Ich denke, negative Erfahrungen können
helfen, um künftig die gleichen Fehler zu
vermeiden.
1. SPIELTAG
FREITAG, 23. JULI
20.30 UHR
Schalke ( - , - ) HSV
SAMSTAG, 24. JULI
Darmstadt
Heidenheim
Dresden
Rostock
(0:0, 1:1)
(0:0, 2:2)
(4:0, 0:1)
( -, - )
13.30 UHR
Regensburg
Paderborn
Ingolstadt
Karlsruhe
SAMSTAG, 24. JULI
20.30 UHR
SONNTAG, 25. JULI
13.30 UHR
Bremen ( - , - )
Hannover
St. Pauli (1:1, 0:4) Kiel
Nürnberg (1:0, 1:0) Aue
Sandhausen (0:0, 0:1) Düsseldorf
57
58
5. JULI 2021
N ÜR N BE RG
Schäffler mit Wettkampf-Comeback
Zu seiner intensivsten Phase der Vorbereitung hat sich
der Club nach Südtirol begeben, am Samstag hat er
oberhalb von Brixen in Natz-Schabs
für eine Woche Quartier bezogen. Zum
nunmehr dritten Mal ist in puncto
Trainingslager die Wahl auf das Apfelhochplateau gefallen. Vor allem
an das erste vor vier Jahren hat der
Club nur die besten Erinnerungen.
Damals reisten die Franken nach einer zuvor mit Rang 12
durchwachsenen Zweitligaspielzeit
an und schworen sich dann dort
unter Leitung von Trainer Michael
Köllner intern auf das Ziel Aufstieg
ein, während sie nach außen hin den
Ball flach hielten. Das Ergebnis ist
bekannt, Platz 2, Aufstieg. So gesehen
drängt sich eine Parallele auf, wenn
der Club nun nach Platz 11 in der
Vorsaison mit einer nach außen hin
eher stillen, zwischen den Zeilen aber
doch unüberhörbaren Zuversicht
mit 28 Spielern über den Brenner
angereist ist. „Besser abschneiden
als zuletzt“, lautet das offizielle, von
Trainer Robert Klauß ausgegebene
Ziel. Um das zu erreichen, was übrigens keiner im Verein in Zweifel
zieht, will Klauß nun intensiv an
den Abläufen feilen, auf dem Platz
am Umschaltspiel, neben dem Platz
an der so wichtigen Zusammengehörigkeit.
Die Vorrausetzungen sind
schon mal gut: Nur Stürmer Pascal
Köpke fehlt wegen seiner Reha nach
Kreuzbandriss, für ihn ist Sturmtalent Tim Sausen (19) von der U 21
mit von der Partie, der im Test gegen
D ÜSS E L DOR F
Foto: Zink/DaMa
Ein Trainingslager
als gutes Omen
Zurück im Strafraum: Stürmer Manuel Schäffler, zuletzt am 28. Spieltag in
der vergangenen Saison im Einsatz, kann seine Knieverletzung abhaken.
Zwickau (5:1) nicht nur wegen seiner
zwei Tore zu gefallen wusste.
Im Laufe der Woche werden alle
zuletzt noch gebremst trainierenden
Akteure wie Christopher Schindler
oder Felix Lohkemper voll ins Mannschaftstraining einsteigen können.
Mittelstürmer Manuel Schäffler, der
das letzte Saisondrittel knieverletzt
verpasste, hat sogar bereits sein Wett-
DRE SDE N
kampf-Comeback gefeiert. Auf der
Hinreise machte der FCN Halt in
Innsbruck, spielte gegen den dortigen Zweitligisten Wacker und siegte
nach Toren von Krauß, Borowski und
Shuranov mit 3:1. Ging der Club in
der ersten Hälfte noch ansehnlich
wie flott zu Werke, war Schäfflers
Comeback nach der Pause der positivste Aspekt.
CHRISTIAN BIECHELE
KAR L SR UHE
Sobottka soll den Borrello bringt
Hofmann reizt
Talenten helfen viel Erfahrung mit seine Karten aus
Für die Präsentation der neuen
Düsseldorf-Trikots, die erstmals in
Fortunas jüngerer Geschichte von
den drei Streifen aus Herzogenaurach geziert werden, stand Marcel Sobottka
als Model zur Verfügung. Die „neuen Kleider“
kamen am Sonntagabend im ersten Test gegen
Würzburg über 4 x 30 Minuten
in Wels zum Einsatz.
Der Respekt vor dem
Trainingslager ist bei Sobottka
fast vollständig geschwunden.
Die ersten Einheiten unter
dem neuen Trainer Christian
Preußer sind hart, aber abwechslungsreich
und spielerisch aufgebaut. Es scheint den
Spielern Spaß zu machen, Händchen haltend
zu dritt durch einen Parcours zu dribbeln
oder Abschlussübungen zu absolvieren, bei
denen Sobottka am Samstag das Tor des Tages
erzielte. „Es gehört auch zu einer normalen
Vorbereitung, dass die Beine mal schwer sind“,
sagt Sobottka, der einen „ersten guten Eindruck“ vom neuen Coach gewonnen hat.Bad
Leonfelden hält für den 27 Jahre alten Mittelfeldspieler eine weitere Aufgabe bereit. Unter
den 24 Spielern im Trainingslager sind auch
die Talente David Savic (16), sowie U-17-Nationalspieler Daniel Bunk. Als Führungsspieler
und dienstältester Fortune nach Adam Bodzek
muss sich Sobottka um die jüngeren Spieler
kümmern.
NORBERT KRINGS
Brandon Borrello, der am Samstag vorgestellt wurde, ist Dynamos
sechster Sommertransfer. Dresdens
Sportgeschäftsführer Ralf Becker
beschrieb den Neuzugang als „laufstarken,
technisch versierten Mittelfeldspieler, der
noch dazu eine gute Intensität im Spiel an den
Tag legt“. Für Borrello spricht
obendrein, dass er in der Offensive sowohl im Zentrum als
auch auf den Außenpositionen
variabel einsetzbar ist.
Auf eben jenen Außenbahnen hatte man zuletzt intensiv nach Verstärkungen gesucht. Nachdem
sich Wunschspieler Sercan Sararer für einen
Verbleib bei Türkgücü München entschied,
wurde mit Morris Schröter (25) bereits ein
Außenbahnspieler verpflichtet. Sowohl für
den Neuzugang vom FSV Zwickau als auch
für die verbleibenden Flügelspieler Ransford
Königsdörffer (19), Agyemang Diawusie (23
sowie Panagiotis Vlachodimos (29) gilt, dass
sie über wenig bis gar keine Zweitligaerfahrung
verfügen. Umso wichtiger ist die Verpflichtung
des Auswahlspielers aus Down Under (vier
Einsätze). Ziel ist, dass in den kommenden
Wochen „weitere erfahrene Spieler“ zum Team
stoßen, verriet Kaderplaner Kristian Walter
am Rande des Testspiels gegen Eintracht
Braunschweig. Bei dem 1:0 erzielte Pascal
Sohm das goldene Tor.
LUCAS BÖHME
Philipp Hofmann bereitet sich mit
dem KSC im Trainingslager in Österreich auf die kommende Saison
vor. Eine Entscheidung, für welchen
Klub der Torjäger nächste Spielrunde auflaufen wird, ist nicht in Sicht. Eine endgültige
Entscheidung kann sich bis Ende August, nach
Abschluss der Transferperiode
hinziehen. Sein Vertrag endet 2022, jetzt wäre die letzte
Chance, dass die Badener für
den Torjäger eine ordentliche
Ablöse kassieren. Rund 1,5
Millionen Euro sollten es sein.
Hofmann lässt sich Zeit, erklärte aber,
dass er zu keinem anderen Zweitligisten wechseln werde. „Am HSV habe ich kein Interesse.
Sonst gibt es bis jetzt noch nichts“, so der
technisch starke Linksfuß. „Wenn ich wechsle,
dann nur in die 1. Liga. Ich will unbedingt
einmal Bundesliga spielen.“ Etwas anderes
macht für ihn keinen Sinn: „Ich fühle mich
hier sauwohl und wir haben eine geile Truppe.“
Der Hüne bleibt cool, wartet ab und hofft
auf eine lukrative Anfrage. Hofmann, der für
den KSC in 63 Spielen 30 Zweitligatore erzielte
und 15 vorbereitete, gilt als „Lebensversicherung.“ Er bestätigt, dass ihm ein KSC-Angebot
zur Vertragsverlängerung vorliegt. Auch da
spielt er auf Zeit und übt sich in Zurückhaltung: „Vielleicht geht es auch in die Richtung,
dass ich im Wildpark bleibe.“ PETER PUTZING
5. JULI 2021
59
Sané verkraftet
die Intensität nicht
Wegen erheblicher Knieprobleme muss
der Innenverteidiger das Übungscamp
abbrechen. Hat S C H A L K E zu hart trainiert?
Es ist nicht ungewöhnlich,
dass die Mannschaft eines
Profiklubs an einem Trainingslager-Vormittag fast
zweieinhalb Stunden auf dem Platz
steht und sich verausgabt. Dass die
Spieler zur Einheit am Nachmittag
dann aber erneut sehr hart rangenommen werden, ist überraschend.
Insgesamt kamen die Schalker an
Aus Schalkes Trainingslager
in Mittersill berichtet
Toni Lieto
jenem Tag im beschaulichen Mittersill auf rund viereinhalb Stunden Intensiv-Training. Das ist viel. Zu viel?
Zumindest bei Salif Sané führte
die Belastungssteigerung der vergangenen Tage zu einer Überbelastung.
Der Innenverteidiger, der monatelang Probleme mit dem linken Knie
Foto: DeFodi
ST. PAUL I
hatte, hat nun Schwierigkeiten mit
dem rechten. Sportdirektor Rouven
Schröder erklärte mit Verweis auf
„das Tempo“, das der Senegalese
„leider nicht mitgehen konnte“,
dass man sich „gemeinsam mit der
medizinischen Abteilung für eine
vorzeitige Abreise und weitere Untersuchungen entschieden“ habe.
Hat Schalke 04 es nach der
ersten intensiven Einheit versäumt,
Sané eine Pause im Rahmen der neumodischen „Belastungssteuerung“
zu gönnen? Diesen Verdacht weist
Trainer Dimitrios Grammozis entschieden zurück. „In Verbindung
mit der medizinischen Abteilung
haben wir gesagt: Nehmen wir ihn
raus, dann leidet seine Ausdauer.
Dann wird er nie eine Topform erreichen. Oder versuchen wir, ihn
auf ein Niveau zu bringen, in dem er
erst- und zweitligatauglich ist. Das ist
ein ganz schmaler Grat, das wussten
wir.“ Der Trainer betont: „Wir haben
uns immer das Feedback von Salif eingeholt. Wir haben nie gesagt:
Der Shootingstar geht von Verbleib aus
Schon wieder das Knie: Eine Überbelastung führt dazu, dass
Abwehrspieler Salif Sané vorzeitig aus dem Trainingslager abreist.
Du hast Schmerzen, geh’ trotzdem
auf den Platz. Letztendlich sind wir
schlauer und hätten sagen können:
Hätten wir ihn lieber rausgelassen.“
Fakt ist bei der ganzen Thematik aber auch, dass der harte Trainingstag nicht hauptursächlich für
Sanés Zustand ist. Was Grammozis
anmerkte, gilt grundsätzlich: „Das
Knie hat im Moment nicht die Stabilität, um Höchstbelastungen standzuhalten.“ Intern befürchtet der eine
oder andere auf Schalke sogar eine
Sportinvalidität des 30-Jährigen.
Den Klub bringt Sanés Ausfall in
weitere Nöte. Ein Verkauf des teuren
KIEL
Abwehrspielers ist mit der Knieverletzung nun nicht wahrscheinlicher
geworden, schlimmstenfalls muss
Schalke ohne zusätzliche Einnahmen einen weiteren Innenverteidiger
verpflichten – immerhin konnten die
Königsblauen am Sonntag Stürmer
Ahmet Kutucu für eine halbe Million
Euro Ablöse an Basaksehir FK abgeben. Im Test am Samstag gegen Zenit
St. Petersburg (0:0) hatte Malick
Thiaw statt Sané die zentrale Rolle
im defensiven Dreierverbund übernommen. Unabhängig von Sanés
Ausfall gilt: Thiaw soll auf Schalke
durchstarten (siehe Seite 60).
Stöver lobt das Gardemaß von Neuzugang Erras
Schultz’ Plan mit Kyereh
Ein Turm als Standardhilfe
Die starke Premierensaison
am Millerntor hatte Begehrlichkeiten geweckt. Aus der
Bundesliga schien Mainz
05 Daniel-Kofi Kyereh zu Beginn
der Sommerpause auf dem Radar zu
haben, St. Paulis Verantwortliche waren für mögliche Wechselszenarien
durchaus vorbereitet – seit dem Start
in die Vorbereitung aber stehen die
Zeichen auf Verbleib.
Ultimative Bekenntnisse gibt es
im Fußball nicht, die Absicht, auch
die kommende Spielzeit in Hamburg
zu verbringen, hat der vor einem Jahr
aus Wehen Wiesbaden gekommene Offensivallrounder während der
Trainingslagertage in Herzlake klar
kommuniziert: „Das ist der Plan, das
habe ich vor.“
Licht und Schatten beim
ersten Kieler Testspiel.
„Es ging darum, Abläufe
mit und gegen den Ball zu
sehen“, sagte Störche-Cheftrainer
Ole Werner nach dem 1:2 gegen den
aktuellen dänischen Pokalsieger Randers FC und lieferte seine Erkenntnisse gleich nach: „Mit Ball war es
ordentlich, wir hatten wir eine gute
Raumaufteilung. Gegen den Ball hat
uns das Zulaufen der Räume gefehlt.“
Für Innenverteidiger Marco
Komenda, der wegen des Ausfalls
von Kapitän Hauke Wahl (grippaler
Infekt) als einziger Feldspieler 90
Minuten auf dem Platz stand, waren
„die Abstände zwischen den Ketten
zu groß“. Eine Schwäche, die der
24-Jährige nach zehn Tagen inten-
Dokumentiert wird dies dadurch, dass sich Kyereh aktiv einbringt in die sportlichen Überlegungen und nach dem Abschied von
Standardschütze Rodrigo Zalazar das
Gespräch mit Trainer Timo Schultz
gesucht hat. „Ich habe ihm gesagt,
dass ich mit Standards oder am ruhenden Ball für noch mehr Gefahr
sorgen kann.“ Der Coach sieht das
ähnlich: „Es ist eine Möglichkeit für
Kofi, sein Spiel auf ein anderes Level
zu bringen.“
Kyereh ist damit neuer Standardschütze und fester Bestandteil
in Schultz’ Planungen. Ein gewisses
Restrisiko bezüglich eines Wechsels
aber kalkuliert der 43-Jährige ein:
„Das Geschäft ist und bleibt dynamisch.“
SEBASTIAN WOLFF
siver Saisonvorbereitung als (noch)
nicht gravierend einordnete.
Als stiller Beobachter saß der
1,96-Meter-Hüne Patrick Erras am
Freitag auf der Tribüne. Der 26-Jährige, nach dem Wechsel von Jonas
Meffert zum HSV eingeplant für
das defensive Mittelfeld, hatte zuvor einen Dreijahresvertrag bei der
KSV Holstein unterschrieben. Die
Ablöse an Werder Bremen dürfte
rund 250 000 Euro betragen. „Mit
Patrick gewinnen wir einen robusten
Mann für unser defensives Zentrum,
der sich durch ein gutes Pass- und
Stellungsspiel auszeichnet und gerade durch seine Körpergröße auch
bei Standards helfen kann“, so Sportchef Uwe Stöver über seinen bislang
vierten Neuzugang. ANDREAS GEIDEL
60
5. JULI 2021
S E B AST I AN ER N ST
Platz da!
96 als „Herzensverein“
Der Rückkehrer soll
zum neuen Kopf werden
„Auf Dauer habe ich schon das
Gefühl, dass es hier mehr Sinn
macht“, sagt er. Ernst kennt jede
Parkbank am Maschsee, das Stadion, die Menschen. Er braucht
ganz offensichtlich keine Zeit
für die Eingewöhnung.
Im Testspiel gegen Paderborn (1:1) überzeugte Ernst als
Achter im Mittelfeld. Er habe
seine Sache „sehr gut gemacht“,
fand sein Trainer Jan Zimmermann. Ernst trägt die 10 auf
dem Rücken, er will „mit der
Nummer Verantwortung übernehmen“, sagt er. Es wäre keine große Überraschung, wenn
er nach dem Trainingslager in
Rotenburg an der Wümme der
Kopf der Mannschaft werden
würde – als neuer Kapitän.
Als Ernst sich entschied,
zu 96 zu wechseln, stand in
Hannover noch gar nicht fest,
wer Trainer oder wer Manager
werden wird. Es fügte sich. Zimmermann ist Trainer, Marcus
Mann wurde Manager, Ernst soll
nun die Führungsfigur werden.
Und ein Aufstieg mit Hannover? Inklusive Tränen auf dem
Rathausbalkon? „Ein Fernziel“,
sagt Ernst.
MARKUS KRONE
M A L I CK TH I AW
Egal, ob Youngster oder Routinier –
egal, ob Neustart oder nächster
Schritt: Diese 13 S PIELE R könnten in
der neuen Saison für Furore sorgen.
Foto: Sielski
Wie nahe ein Bundesliga-Aufstieg selbst
erfahrenen Profis
gehen kann, zeigt
das Beispiel Sebastian Ernst.
„Nach dem Aufstieg habe ich
viele Tränen vergossen“, blickt
der Mittelfeldspieler auf das viel
umjubelte Ende seiner vierjährigen Zeit in Fürth zurück. „Ich
wollte das so unbedingt, auch
wenn ich wusste, dass ich nicht
mehr für Fürth spielen werde.“
Nun aber lacht der 26-Jährige – auch weil er mittlerweile
Trainingsklamotten mit dem
Logo trägt, das er als Elfjähriger
schon getragen hatte, bis er 2016
zu Magdeburg gewechselt war
und es für ihn anschließend
über Würzburg (Januar bis Juni
2017) nach Fürth ging.
96, sagt er, sei sein „Herzensverein“. Es bleibt dennoch
eine ungewöhnliche Entscheidung für einen Profi, auf die
Bundesliga mit Fürth zu verzichten, um zum wankenden
Riesen Hannover in die 2. Liga
zu wechseln. Aber nun ist Ernst
da. Und er macht sich prima,
beteuert, die Entscheidung
pro 96 habe sportliche Gründe.
„Auf Dauer habe ich schon das Gefühl, dass es hier mehr Sinn macht“: Statt mit Fürth
in der Bundesliga zu spielen, will Sebastian Ernst Verantwortung bei 96 übernehmen.
SEB ASTI AN JUNG
K E V I N SE SSA
„Größere Rolle“ Einfach nur
in der Mannschaft gesund bleiben
Der lange Anlauf
zum neuen Status
Der möglicherweise längere Ausfall von Salif Sané (siehe Seite 59)
wirft weiteres Scheinwerferlicht
auf Malick Thiaw, der aber auch
grundsätzlich auf Schalke mehr und mehr
in den Fokus rückt. In der
Abstiegssaison gehörte der
Innenverteidiger immerhin
hier und da noch zu den Besseren – nun soll seine Karriere
in bedeutendem Tempo Fahrt
aufnehmen. Der 19-Jährige sei „an einem
Punkt angekommen, an dem er weitere Verantwortung übernehmen muss“, sagt Trainer
Dimitrios Grammozis. „Er ist gewillt, das zu
tun. Wichtig ist, dass er sich etwas zutraut.“
Die Königsblauen wollen diese Entwicklung
bewusst vorantreiben. Der deutsche U-21-Nationalspieler, der im Vorjahr auf Schalke einen
Profivertrag bis 2024 unterschrieb, soll „eine
größere Rolle innerhalb der Mannschaft einnehmen“.
TONI LIETO
Bereits als 17-Jähriger durfte er bei
den Profis reinschnuppern. Mehr
noch: 2017/18 brachte es Kevin Sessa sogar auf zwei Einsätze in der
2. Liga. 2018/19 und 2019/20 wurden es für
den Deutsch-Argentinier aber
ebenfalls jeweils nur zwei Einsätze. In der nun abgelaufenen
Saison zeigte Sessa, dass er
wesentlich mehr ist als nur ein
Local Player. In 30 Einsätzen
gelangen ihm zwei Tore und sechs Vorbereitungen. 21-mal stand er in der Startelf,
neunmal kam er von der Bank. Von Spiel zu
Spiel wurde er selbstbewusster und von seinen
Mitspielern gesucht, in vielen Partien war er
Dreh- und Angelpunkt. Mit diesem neuen Status kann der bald 21-Jährige nun richtig durchstarten. Vereinsikone Marc Schnatterer ist fort,
Sessa aus der Region und einige Jahre im Verein – vielleicht kann er gar diese Fußstapfen
irgendwann ausfüllen.
TIMO LÄMMERHIRT
Sebastian Jung hatte Anfang 2016
einen Kreuzbandriss erlitten. Seither war er immer wieder verletzt.
Nach seiner Rückkehr zeigte der
Rechtsverteidiger, Ex-Nationalspieler mit 155
Bundesligaspielen seine Klasse und stand in der Startelf.
Jung ist kein Lautsprecher, er
stellt keine Ansprüche, sondern ist ein Teamplayer, der
Konkurrenten mit Respekt behandelt. Ein Stammplatz ist ihm sicher, wenn
er gesund bleibt. Jungs Stärken: Ein starkes
Stellungsspiel, er antizipiert Aktionen und ist
im Offensivspiel variabel. Mal flankt er, mal
zieht er nach innen und sucht den Abschluss.
Er weiß um sein Können, ist selbstbewusst:
„Ich kann einiges besser machen, wenn ich
noch mehr im Rhythmus bin.“ Für die nächste
Saison wäre er froh, „gesund zu bleiben und
einfach Fußball zu spielen, um mit meinen
Qualitäten zu helfen“.
PETER PUTZING
5. JULI 2021
FI E TE A RP
Duell im Sturm mit Fridjonsson
Viel hatte nicht zu
Fiete Arps erstem Treffer beim 45-MinutenDebüt für seinen neuen Arbeitgeber Holstein Kiel
gefehlt. Doch der Kopfball des
21-Jährigen (86.) landete nicht
zum 2:2 im Netz des dänischen
Testspielgegners Randers FC,
sondern in den Armen des Keepers Patrik Carlgren.
An der Selbstverständlichkeit seines Spiels auch im Torabschluss will die für ein Jahr
vom FC Bayern ausgeliehene
Neuverpflichtung intensiv feilen. Im beschaulichen Umfeld
soll jener Spaß, jene Leichtigkeit zurückkehren, die der vor
drei Jahren als größte deutsche
Sturmhoffnung Gepriesene seit
seinem Wechsel 2019 vom HSV
nach München ein gutes Stück
verloren hat. „Ich denke, dass es
das kleinere Kiel ist, das man als
junger Spieler in einer solchen
Situation braucht. Dass du an
einen Ort kommst, wo es nicht
um die großen Auftritte geht,
sondern darum, einen geilen
Ball zu spielen, mit den Fans
zu feiern und einfach Siege zu
holen“, so der Blondschopf.
Die Rückkehr in die schleswig-holsteinische Heimat ist für
den gebürtigen Bad Segeberger
in mehrfacher Hinsicht von zentraler Bedeutung. „Es ist ja kein
Geheimnis: Ich bin jung, ich bin
Einzelkind, und wenn du dann
wieder in die Nähe der Eltern
kommst, dann freust du dich
immer. Das ist das i-Tüpfelchen
auf dem Ganzen. Das passt alles
einfach perfekt“, gibt der 1,84
Meter große Angreifer mit strahlendem Gesicht zu Protokoll.
Die Schlagzeilen um sein
kolportiertes Jahresgehalt beim
FC Bayern in Höhe von fünf Millionen Euro sieht Arp an der Förde („Hier interessiert es keinen,
wer wie viel verdient“) nicht
als Hypothek. Den Zweikampf
um den Platz im Sturmzentrum
gegen den elf Zentimeter längeren Isländer Holmbert Aron
Fridjonsson will er mit neuem
Selbstbewusstsein angehen.
Und notfalls auch auf die in Kiel
noch vakante Zehnerposition
ausweichen. „Zutrauen würde
ich es mir auf jeden Fall“, so der
jüngste Bundesliga-Torschütze
der HSV-Geschichte (17 Jahre
und 295 Tage). ANDREAS GEIDEL
Foto: imago images
Ein Schritt zurück,
um durchzustarten
Ein Abstecher in die Heimat als Starthilfe: Bayerns Leihgabe Fiete Arp
erhofft sich in Kiel Spielpraxis und geht die Aufgabe selbstbewusst an.
LINU S ROS E NLÖCH ER
C H R I STOP H K L AR E R
E R I K Z E NGA
Mit Rasanz
und Wucht
Die Vorzeichen
stehen gut
Ein Sonnyboy
mit Schattenseite
Wie schnell Linus Rosenlöcher auf
dem Platz unterwegs ist, stach schon
immer ins Auge. Während seiner
Zeit bei der U 21 ist noch eine andere
Komponente hinzugekommen – aus dem eher
schmächtigen Eigengewächs
ist ein Athlet geworden, rund
sechs Kilo an Muskelmasse
hat er zugelegt, bringt nun bei
einer Größe von 1,83 Metern
79 Kilogramm auf die Waage.
Legt der 20-Jährige, der im Februar einen Profivertrag erhalten hat, nun auch in
Sachen taktisches Verhalten entsprechend
zu, erwächst er auf der linken Abwehrseite
dem bisherigen Platzhalter Tim Handwerker
zu einem brandgefährlichen Konkurrenten.
Dieser ist zwar trotz seiner 23 Jahre mittlerweile ein gestandener Profi, hat aber zuletzt
stagniert – Rosenlöcher mit seinen bisherigen
fünf Profi-Einsätzen könnte an ihm mit Wucht
und Tempo vorbeiziehen.
CHRIS BIECHELE
Für einen österreichischen U-23-Nationalspieler sind 829 Spielminuten, neun Startelfeinsätze und eine
Torvorbereitung statistische Werte,
die nicht zufriedenstellen können. Christoph Klarer will mehr, und
die zweite Saison bei Fortuna
Düsseldorf könnte den blonden Hünen zum Stammspieler
werden lassen. Derzeit hat der
Zweitligist im Trainingslager
in Oberösterreich nur einen fitten Profi für die
Innenverteidiger-Position, und das ist Klarer.
Abwehrchef Andre Hoffmann laboriert an
einer rätselhaften Fußverletzung, und Jamil
Siebert (beide vor Ort) hat seine Schambeinentzündung nicht endgültig auskuriert. In
den beiden letzten Spielen der vergangenen
Saison hat Klarer nur gespielt, weil der damalige Trainer Uwe Rösler ihn statt der Spieler
auflaufen ließ, die nach Leihende den Verein
ohnehin verlassen würden. NORBERT KRINGS
2015 aus Münster nach Sandhausen
gewechselt, bestritt Erik Zenga seitdem 55 Spiele, die wenigsten über
90 Minuten, die Mehrzahl nicht
in der Startelf. Keine Bilanz, die zwingend
dazu führt, die Zusammenarbeit fortzusetzen. Trotzdem
gehört der Mittelfeldspieler
nicht zu den 15 Profis, die den
SVS verlassen haben. Sein Vertrag wurde noch mal bis 2023
verlängert. Aus gutem Grund: Die Begabung
des verletzungsgeplagten 28-Jährigen ist unumstritten. Zenga ist schnell, dynamisch,
stark am Ball. Der Sohn eines Angolaners und
einer Russin ist fast immer auch gut gelaunt,
ein Sonnyboy. Das hat eine Schattenseite.
Zuweilen wünschte man sich mehr Biss. Wenn
der Hochtalentierte von Verletzungen verschont bleibt und etwas konstanter und entschlossener zu Werke geht, dann kann es ein
spätes Happy End geben. WOLFGANG BRÜCK
61
62
5. JULI 2021
H A N N O B EH R E N S
Torgefährlichkeit als besonderes Markenzeichen
Hanno Behrens startet
bei Aufsteiger Hansa
Rostock einen Neuanfang. Nach sechs
Spielzeiten erlebte der frühere
Kapitän ein enttäuschendes
letztes Jahr in Nürnberg. Lediglich dreimal stand der 31-Jährige in der vergangenen Saison
in der Startelf. Dazu kamen 17
Einwechslungen für den Mittelfeldspieler. Insgesamt kam
er nur auf 400 Spielminuten.
Am Ende hatte er kaum noch
Vertrauen gespürt, fühlte sich
ignoriert und aufs Abstellgleis
geschoben. „Es war das erste
Jahr in meiner Karriere, in dem
ich keine große Rolle gespielt
habe, nicht Stammspieler war.“
Das sei eine neue Erfahrung für
ihn gewesen. „Ich versuche, das
Positive daraus mitzunehmen.
Ich konnte sehen, wie es ist,
wenn man ein bisschen außen
vor ist – das war nicht schön.“
An der Ostseeküste will der
Routinier zu alter Stärke zurückfinden und wieder eine tragende
Rolle spielen. Es habe einige
interessierte Vereine gegeben,
aber den Zuschlag erhielt Hansa. „Sie wollten mich unbedingt.
Als Norddeutscher kenne ich
den Verein relativ gut. Ich weiß,
wie es hier im Stadion kracht“,
sagt Hanno Behrens.
In den ersten Vorbereitungsspielen gegen unterklassige Gegner hinterließ der
gebürtige Elmshorner (bei Hamburg) einen guten Eindruck.
Agil, ballsicher, spielfreudig
und torhungrig. „Ich bin nicht
hergekommen, um den Jungs
zu erzählen, wie die 2. Liga funktioniert. Da sind genug dabei,
die wissen, wie es dort zugeht“,
meint Behrens.
Am liebsten spielt er im
zentralen Mittelfeld. Von dort
aus kann er sich mit tiefen Läufen offensiv einschalten und torgefährlich werden. „Für einen
Mittelfeldspieler habe ich immer relativ viele Tore geschossen. Das ist eine meiner Stärken,
die möchte ich hier einbringen.“
Coach Jens Härtel (52) sieht in
ihm einen Führungsspieler,
der als Anspielstation und Ballschlepper im Zentrum die Fäden
zieht. Bislang stehen vier Tore
in 30 Bundesligaspielen und 31
Treffer in 187 Zweitligapartien
in seiner Vita. Mit seinen Toren will er den Klassenerhalt
sichern.
TOMMY BASTIAN
Platz da!
Foto: imago images
Im neuen Umfeld zur alten Klasse
Möchte wieder eine tragende Rolle spielen: Neuzugang Hanno Behrens
will als Führungsspieler in Rostock das bittere Jahr beim Club vergessen.
M O RTE N BE H RE N S
DAV I D OT TO
DI MI TR I J NAZ AR OV
D ENNI S ECKERT AY ENSA
Die Chance im
Dreikampf ist da
Diesmal soll der
Knoten platzen
Ein Individualist
muss umdenken
Der Kampf gegen
die Dunkelziffer
In Magdeburg war Morten
Behrens Stammkeeper,
hatte maßgeblichen Anteil
am Drittliga-Klassenerhalt.
Nun versucht sich der 24-Jährige in
Darmstadt eine Liga
höher. „Ich habe den
Zeitpunkt für richtig
erachtet, nach dieser Saison eine neue
Aufgabe anzunehmen und den Schritt in die 2. Liga
zu gehen“, sagt Behrens. Schnell integrieren, Vollgas geben und dann
natürlich auch spielen – so lautet
seine Marschroute. Die Chance ist da.
Torwarttrainer Dimo Wache, der laut
Behrens großen Anteil am Wechsel
hatte, sieht einen Dreikampf zwischen Behrens, dem ebenfalls neuen
Steve Kroll (Unterhaching) und der
bisherigen Nummer 1 Marcel Schuhen. „Ich habe ihnen gesagt, alle Uhren werden auf null gedreht“, so Wache.
STEPHAN KÖHNLEIN
Sich im vergangenen Winter zu verstärken, das war
eigentlich nicht der Plan
in Regensburg. Als sich
die Chance ergab, David Otto für
18 Monate aus Hoffenheim auszuleihen,
schlug der Jahn aber
zu. Zuerst hinterließ
der Angreifer einen
positiven Eindruck.
Doch nach der Corona-Zwangspause
kam der 22-Jährige im März außer
Tritt. Ein magerer Treffer steht zu
Buche – nicht das, was sich Otto und
der Jahn erhofft haben. 2021/22 muss
der Stürmer, der sich zuvor in Heidenheim nicht durchgesetzt hatte,
liefern, damit es keinen Karriereknick gibt. Die Hoffnung ist groß,
dass Otto, ausgestattet mit einer guten Technik und flott unterwegs,
das schafft. Das Potenzial ist da. Es
ist ihm zuzutrauen, dass der Knoten
platzt.
FELIX KRONAWITTER
Sechs der letzten sieben
Auer Treffer in der vergangenen Saison gingen
auf sein Konto: Dimitrij
Nazarov. Er erlebte einen glanzvollen Abgang aus der
Spielzeit, doch die
ist Geschichte. Der
31-Jährige geht jetzt
in seine sechste Saison im Erzgebirge
und muss sich neu beweisen. Der
eine Trainer stand auf seine Individualität, der andere nicht. Am Ende
setzte er sich immer durch.
Nun ist mit Aleksey Shpilevski
ein Trainer da, der mehr verlangt, der
aggressiv sein will, der hohes Pressing
spielen will. Das ist mit viel Laufarbeit verbunden. Zudem will der
Coach den unbedingten Teamgedanken hervorheben. Auf das muss sich
der Individualist einstellen. Packt er
das, kommt auch Shpilevski nicht an
ihm vorbei.
THOMAS NAHRENDORF
Trotz des Aufstiegs war die
Saison 2020/21 für Dennis Eckert Ayensa (24) ein
Rückschritt. Zwei langfristige Ausfälle (Muskel- und Schulterverletzung) kosteten den Angreifer
den Stammplatz.
Auch, wenn sich die
Bilanz mit 24 Einsätzen (neun Tore, acht
Vorlagen) auf den ersten Blick nicht
schlecht liest, gibt es so etwas wie
eine Dunkelziffer (13-mal Startelf, nur
zweimal volle 90 Minuten). Wer den
Ehrgeiz des Sturmpfeils kennt, weiß,
dass er sich mit der Rolle als Teilzeitkraft nicht zufriedengeben wird.
Hier könnte sich die technisch
anspruchsvollere 2. Liga als Glücksfall erweisen und der Spielweise des
Deutsch-Spaniers entgegenkommen.
Der FCI wird mehr über Konter agieren, was für den Tempodribbler maßgeschneidert ist.
BERND KÖNIG
5. JULI 2021
HANNOVE R
Generationswechsel steht an – Weiteres Feilen am Kader
PADE R BOR N
Eine Umschulung als Problemlöser
Hannover. Nicht versetzt in die Bundesliga, setzen und wiederholen! 96 sitzt
im dritten Jahr in Folge in der 2. Liga.
Statt des endlosen Anrennens gegen die
eigenen Schwächen entschied sich der Chef Martin
Kind bei Hannover 96 nun zu einer Umschulung.
96 studiert am Montag im Trainingslager in Rotenburg an der Wümme Zurückhaltung, ein Überblick:
DIE ZIELE Geschäftsführer Martin Kind verzichtet
auf Ansprüche der Vergangenheit, an denen sowohl Mirko Slomka als auch Kenan Kocak scheiterten. „Kommende Saison ist Aufstieg kein Thema“,
sagte Kind. Allein diese Aussage nimmt Druck weg
und zeigt Demut.
DIE TAKTIK Zimmermann-Fußball beginnt mit
aggressivem Pressing. 96 will die Gegner in Fallen
lenken, die durch schnellen Zugriff zuschnappen. Klappte gut im Test gegen Paderborn (1:1).
Am Thema Ballbesitz nach –eroberung muss die
Mannschaft in Rotenburg arbeiten.
DIE FÜHRUNGSSPIELER Ein Generationswechsel
steht an. Als neue Chefs sollen Ernst, Stürmer Marvin Ducksch, Marcel Franke und Niklas Hult mit
sportlichen Leistungen vorangehen. Die Kapitänsfrage will Zimmermann nach dem Trainingslager
beantworten.
MARKUS KRONE
Foto: Kaletta
DIE TRANSFERS Sebastian Ernst (Fürth) wird ein
Gewinn sein für 96. Sebastian Kerk (Osnabrück)
hat vielversprechende Ansätze, während Sebastian
Stolze (Regensburg) durchhängt. Julian Börner
(Sheffield) soll als Verteidiger kommen. Dazu
ein rechter Verteidiger. Schlüsseltransfer wird
aber der neue Sechser sein. Kandidat ist Orestis
Kiomourtzoglou (Almelo).
DER TRAINER Jan Zimmermann wird zahlreiche
Gespräche führen. Das sind die Spieler aus der
Kocak-Zeit nicht gewohnt. Das Trainingslager
in Rotenburg nutzt der Trainer, „dass wir mehr
zusammenrücken, die Jungs mich besser kennenlernen, unsere Gedanken austauschen“. Zimmermann sucht „eine große Nähe und große
Offenheit, die Spieler müssen auch wissen, was
ich von ihnen erwarte“.
Trainingsgespräch: 96-Trainer Jan Zimmermann
mit Linton Maina (links) und Marvin Ducksch
63
Personeller Notstand
in der Innenverteidigung
Die Paderborner beklagen einen personellen Notstand auf der Manndeckerposition: Jesse Tugbenyo muss nach
einem unverschuldeten Autounfall
weiter pausieren, und Marcel Correia ist als erste
Kontaktperson eines Corona-Infizierten in häuslicher Quarantäne.
So standen am Wochenende in den
Testspielen bei Hannover 96 (1:1)
und gegen die U 23 des BVB (2:3)
nur drei gelernte Innenverteidiger
zur Verfügung. Uwe Hünemeier und Jasper van
der Werff machten ihre Sache in der Partie bei 96
gut und wurden tags darauf geschont.
Jannis Heuer (Foto) kam in beiden Partien als
Rechtsverteidiger zum Einsatz. Auch auf dieser Position ist der SCP nach dem verletzungsbedingten
Ausfall von Frederic Ananou aktuell in gewissen
Nöten. „Ich kann die Jungs ja nicht verheizen“,
beschrieb Lukas Kwasniok seine Vorgehensweise
und wollte deshalb die Niederlage gegen einen
zweikampfstarken Drittligaaufsteiger auch nicht
überbewerten. „Wir müssen das einordnen, aber
wird dürfen es auch nicht schönreden“, sagte der
Trainer, der mit Ron Schallenberg und Johannes
Dörfler zwei fachfremde Kräfte ins Abwehrzentrum
beordert hatte.
Tugbenyo und Correia verpassen auch das
Trainingslager in Garderen (Niederlande). Deshalb
wird Kwasniok im Test gegen Meppen am Mittwoch
nochmals viel wechseln. In der Partie gegen Ajax
Amsterdam am Samstag könnte sich dann eine
erste Elf herauskristallisieren. JOCHEM SCHULZE
AUE
R EG E N S B U R G
SANDHAUSE N
R OSTOCK
Shpilevski lebt
die Aktivität vor
Zwei Testspiele
als Mutmacher
Viel Bewegung
Die Musterlösung
auf beiden Seiten mit Schumacher
Wenn neue Trainer kommen, schaut man gern, wie
sie sich am Seitenrand verhalten. Gut zu sehen ist das
bei Spielen. Aue hat jetzt zwei hinter
sich: 5:0 gegen Eintracht Bamberg
und bei einem Blitzturnier (je 45 Minuten) beim VfB Auerbach 4:1 gegen
den Gastgeber und 3:0 gegen die U 23
von Fürth. FCE-Trainer Aleksey Shpilevski ist keiner, der nur am Rand
steht. Er geht mit, ist aktiv. „Unsere
Spielart soll lebendig sein, dementsprechend ist auch mein Coaching.
Ich verlange 90 Minuten Wachsamkeit und Aktivität. Das muss ich auch
vorleben“, betont Shpilevski.
Der 33-Jährige hat jetzt auch
sein Trainerteam komplett. Neu dazugekommen ist Tommy Jähnigen.
Der 31-Jährige fungierte schon in
Brest sowie Almaty unter Shpilevski
als Assistenztrainer und bekleidet
nun den Job des Videoanalysten im
Erzgebirge.
THOMAS NAHRENDORF
Im zweiten Testspiel gelang
Regensburg am Samstag gegen Regionalligist Bayreuth
der zweite Sieg. Wie schon
gegen Blau-Weiß Linz gab es erneut
ein 4:0. Das tut den Oberpfälzern, die
sich in der Vorsaison im Endspurt
mit dem Toreschießen schwergetan
hatten, gut. Abschlüsse, Abschlüsse,
Abschlüsse: Das ist einer der großen
Schwerpunkte in der Vorbereitung.
In der kommenden Saison
will der Jahn die rote Laterne, die er
2020/21 bei der Chancenverwertung
innehatte, unbedingt abtreten. Eine
weitere Baustelle sind die Standards:
offensiv wie defensiv. Mit dem Klassenerhalt wurde es am Saisonende
auch deswegen knapp, „weil wir bei
Standards zu viele Gegentore bekommen haben“, weiß Mersad Selimbegovic. Im Test gegen Bayreuth war der
Trainer sehr angetan, dass sein Team
nach dem Trainingslager frischer als
erwartet war.
FELIX KRONAWITTER
Die gute Nachricht zuerst:
Von großen Erwartungen
wie in der Vorsaison wird der
SVS diesmal nicht erdrückt.
Im Gegenteil: Es sind Baustellen offen. Wann Kapitän Dennis Diekmeier
nach seinem Syndesmoseriss zurückkommt, vermag der Sportliche
Leiter Mikayil Kabaca nicht zu sagen.
Mit Kevin Behrens (zu Union Berlin)
hat der erfolgreichste Angreifer der
vergangenen Jahre den Hardtwald
verlassen. Ob gleichwertiger Ersatz
gefunden wird, ist zweifelhaft.
Die Zahl der Abgänge wird weiter steigen: Falls Enrique Pena Zauner
und Anas Ouahim neue Vereine finden, wird sie sich auf 17 erhöhen. Auf
der anderen Seite sollen den zehn
Neuen weitere folgen. Im Trainingslager in Österreich sind Torhüter
Nikolai Rehnen von Arminia Bielefeld und Mittelfeldspieler Maximilian Thiel vom 1. FC Heidenheim als
Gastspieler dabei. WOLFGANG BRÜCK
Hansa hat Linksaußen
Kevin Schumacher (23)
verpflichtet und mit einem Zweijahresvertrag plus
Option ausgestattet. Der 1,82 Meter
große Linksfuß schoss den TSV Havelse im Relegationsrückspiel gegen
Schweinfurt zum 1:0-Sieg und zum
Aufstieg in die 3. Liga. Er kann auf 118
Einsätze (16 Tore, 26 Vorlagen) in der
Regionalliga Nord zurückblicken und
will sich nun in der 2. Liga beweisen.
Er ist sehr schnell, laufstark und
kämpferisch. Er weiß seinen Körper
robust einzusetzen und zeichnet sich
durch großen Ehrgeiz aus. Damit
passt er perfekt ins Anforderungsprofil der Rostocker, die vor allem
über Teamgeist, Mentalität und Einsatzbereitschaft den Klassenerhalt
schaffen wollen. Unterdessen wird
der FC Hansa seine Generalprobe vor
dem Saisonstart am 17. Juli im Ostseestadion gegen Eintracht Braunschweig bestreiten. TOMMY BASTIAN
64
5. JULI 2021
Bekenntnisse unter Vorbehalt
Diese eine Frage an den
jeweiligen Bremer Profi
kommt natürlich immer.
Nach einem Verbleib, einem
Wechsel, einer Ausleihe. Sie stellt
sich vor dieser Saison, der ersten
seit 41 Jahren in der 2. Liga, ja umso
dringlicher: Wer bleibt bei Werder?
Beileibe nicht alle der 28 Spieler, die
mit ins Trainingslager gereist sind,
werden am 31. August, wenn das
Transferfenster schließt, noch beim
Zweitligisten unter Vertrag stehen.
Aus Bremens Trainingslager in Zell am
Ziller berichtet
Tim Lüddecke
Öffentliche Bekenntnisse sind
bislang jedenfalls rar, was auch damit
zusammenhängt, dass die Profis natürlich wissen, dass sie mit solchen
Aussagen am Ende womöglich alleine dastehen. Die Bremer streben
noch immer Transfereinnahmen von
mindestens zehn Millionen Euro an,
können es sich also gar nicht leisten,
auch nur irgendeinen Spieler für
unverkäuflich zu erklären.
Als einer der wenigen Profis hat
sich Kevin Möhwald inzwischen mit
einer „eindeutigen Tendenz“ positioniert: „Ich kann nur sagen, dass ich
Bock habe, den Wiederaufbau mit
anzukurbeln“, ließ der 28-Jährige
wissen. Damit dieser trotz Planungsunsicherheiten nicht ins Stocken
gerät, rief Möhwald sogar zu einer
Art Appell an seine Mitspieler auf:
„Im Endeffekt muss und sollte jeder
davon ausgehen, dass er hierbleibt.“
Daran lässt zumindest Niclas
Füllkrug keine Zweifel: „Es ist nicht
so, dass ich mir jeden Abend den
Kopf zerbreche: Zu welchem Verein
könnte ich denn gehen?“, sagte er im
Gespräch mit dem kicker: „Ich bin
hier zufrieden, ich finde die neue
Philosophie vom Trainer sehr gut,
und ich bin auch ein Fan von der
2. Liga.“ Wie bei Möhwald, der den
Klub nur bei einem „perfekten Angebot“ verlassen würde, klingt das
grundsätzlich nach einem Bekennt-
H E I DE NH E I M
Foto: nordphoto
Wer bleibt bei Werder? Nach Möhwald
kann sich auch NI C L AS F Ü L LKR UG (28)
einen Verbleib grundsätzlich vorstellen.
Haben die 2. Liga im Visier: Während Angreifer Niclas Füllkrug (li.) zum
Schuss ausholt, hat ihn Mittelfeldspieler Kevin Möhwald genau im Blick.
nis, allerdings ebenfalls nur unter
Vorbehalt. Weil man einen Verbleib
„aktuell nicht garantieren kann“, so
Füllkrug, „und dann wäre es nicht
schlau, das zu sagen.“
Dieser Unklarheit sieht der
Angreifer gelassen entgegen: „Wenn
ein Angebot reinkommen sollte, wird
Werder sich Gedanken machen, ob es
das Geld oder der Spieler wert ist.“ Er
selbst geht davon aus, dass es noch
so einige Offerten geben wird: „Viele
DARMSTADT
Klubs werden unseren Kader im Blick
haben, weil man durch den Abstieg
denken könnte: Man bekommt hier
jetzt günstige Spieler.“
Zumal es ja auch noch einige
wechselwillige Spieler gibt, die dafür
bereits ihre Berateragentur gewechselt haben wie Maximilian Eggestein
und Milos Veljkovic. Andere (etwa
Ömer Toprak und Leonardo Bittencourt) wollen sich dieser einen Frage
öffentlich aktuell lieber nicht stellen.
I NGOL STADT
Siersleben kommt Sobiech sorgt für Kassensturz auf
mit Ambitionen doppelte Auswahl der linken Seite
In diesem Jahr ist der FCH wieder im
Sommertrainingslager in Aigen in
Oberösterreich, bereits zum fünften
Mal. Mit dabei ist auch Tim Siersleben.
Unter der Woche wurde die zweijährige Leihe
finalisiert, der U-20-Nationalspieler kommt
vom VfL Wolfsburg. Der 21-Jährige hat sich Einiges vorgenommen, denn mit Patrick Mainka
und Oliver Hüsing verfügt der FCH über eines
der besten Innenverteidiger-Duos der 2. Liga.
Überwiegend in der Regionalliga eingesetzt, kann Siersleben aber auch schon ein
Bundesligaspiel vorweisen – am 34. Spieltag
der Vorsaison wurde er bei Wolfsburgs 2:3
gegen Mainz in der 57. Minute eingewechselt.
Er wolle den nächsten Schritt in seiner Karriere
machen und sich in Heidenheim durchsetzen,
gab der gebürtige Magdeburger zu Protokoll.
Weitere Optionen für ihn wären die linke
defensive Außenbahn oder das defensive
Mittelfeld – auch diese Positionen könnte
Siersleben bekleiden.
TIMO LÄMMERHIRT
Mit den kurz zuvor verpflichteten
Lasse Sobiech (30) und Luca Pfeiffer (24) ist Darmstadt am Sonntag ins
Trainingslager nach Herxheim-Hayna in die Pfalz gereist. Bei dem fünftägigen
Aufenthalt sollen unter anderem die Rekonvaleszenten Tobias Kempe (Nasen-OP), Patric
Pfeiffer (Syndesmoseverletzung) und Frank
Ronstadt (Bänderriss) wieder ans Team herangeführt werden. Ein für Ende Juni geplantes
Trainingslager im Schwarzwald hatte der Verein noch wegen Personalmangels gestrichen.
Mit dem ablösefreien Sobiech, der
2020/21 vom 1. FC Köln an den FC Zürich
ausgeliehen war und in Darmstadt für ein Jahr
unterschrieb, haben die Lilien beide Innenverteidiger-Positionen doppelt besetzt. Stürmer
Pfeiffer wechselt für ein Jahr auf Leihbasis
vom dänischen Vizemeister FC Midtjylland
ans Böllenfalltor. Weiterhin Interesse besteht
an Mittelfeldspieler Dennis Dressel (22) vom
TSV München 1860.
STEPHAN KÖHNLEIN
Neben der konditionellen Arbeit stehen im Trainingslager vor allem die
Taktikschulung, das Zweikampfverhalten und die Torabschlüsse ganz
oben auf der Agenda. Gefeilt wird daran in Vals
(Südtirol). So malerisch der Ort ist, so beschaulich gestaltet sich auch die Kaderplanung.
Nicht nur die zähe Suche nach einem
Abwehrchef geht weiter. Nachdem Linksverteidiger Gordon Büch (25) dem Lockruf
seines Ex-Trainers Jeff Saibene zu RFC Union
Luxemburg gefolgt ist, ergibt sich eine neue
Konstellation. Geht man davon aus, dass
Marcel Gaus, der Allrounder auf der linken
Seite, eine Position weiter vorne gebraucht
wird, lichten sich die Reihen. Gewiss hat man
mit Dominik Franke (22) noch einen Pfeil im
Köcher, und dahinter steht Peter Kurzweg (27)
parat. Nur eine 1a-Lösung auf gehobenem
Zweitliganiveau steht nicht im Kader. Wer
weiß, vielleicht zieht die sportliche Leitung
noch ein Ass aus dem Ärmel.
BERND KÖNIG
5. JULI 2021
65
3. LIGA
„Ohne Druck erreichst du nichts“
Am 23. Juli geht’s wieder los
132-mal trug Thomas
Hengen das Trikot des
1. FC Kaiserslautern.
17 Jahre nach seinem
Abschied 2004 kehrte er im März
dieses Jahres zurück auf den Betzenberg – und konnte in seiner
ersten Transferphase bereits den
ein oder anderen Coup landen.
Doch es warten noch harte Verhandlungsrunden auf den gebürtigen Pfälzer.
Offensiv wird das Ziel nicht formuliert,
doch es ist klar: Sport-Geschäftsführer
T H O M AS H ENG EN (46) will den FCK
zurück in die 2. Bundesliga führen.
Vor wenigen Monaten stand der
FCK noch mit einem Bein in der
Regionalliga, aktuell wächst die
Freude und Euphorie bei den Fans
stetig. Wie nehmen Sie die Stimmungslage im Umfeld wahr, Herr
Hengen?
ve Grundstimmung gibt. Diese
wollen wir auch gerne weiterhin
behalten, dafür geben wir alles.
Aber in unserem Geschäft sollte
man sich grundsätzlich nicht von
Stimmungen leiten lassen, weder
in der einen, noch in der anderen
Richtung. Aber das ist ja das Besondere an Traditionsvereinen,
es werden eben extreme Emotionen gelebt, die sich in kurzer Zeit
wandeln. Wir können damit gut
umgehen.
Zuletzt wurden regelmäßig Neuzugänge präsentiert. Die Schlüsselstelle des Nummer-eins-Torjägers
ist aber noch unbesetzt. Ist eine
„Der Betzenberg
soll wieder eine
Festung werden.“
Wie ist es gelungen, Fans und
Mannschaft in den vergangenen
Monaten wieder zu einen?
Foto: picture-alliance/Eibner
Aktuell ist es tatsächlich so, wie
man sich das wünscht. Es macht
vieles einfacher, wenn jeder rund
um den Verein gut gelaunt ist und
mehr Spaß hat. Aber das ist eine
Momentaufnahme und vieles
Wenn ein Spieler das zusätzlich
mitbringt, umso besser. Und
natürlich sollen die erfahrenen
Spieler Verantwortung übernehmen und vorneweg gehen, das
erwarten wir schon. Das fordern
wir aber auch von all unseren Spielern, jeder darf sich gerne mehr
einbringen und Verantwortung
übernehmen. Auf dem Platz reichen oftmals schon die kleinen
Dinge, dazu ist jeder Spieler in
der Lage.
Wir befinden uns in schwierigen
Verhandlungen. Wir sind nicht in
der Position, der agierende Verein
zu sein. Es liegt ja nicht nur an uns
und am Spieler, sondern auch am
abgebenden Verein. Im Moment
ist es in dem vorgegebenen Rahmen für uns nicht darstellbar. Wir
müssen hier die weiteren Entwicklungen abwarten.
„Im Moment ist
Götze für uns
nicht darstellbar.“
Erstmals seit Längerem gibt es außerdem keine störenden Nebengeräusche aus den verschiedenen
Vereinsgremien, die den Klub zuletzt jahrelang auf Trab gehalten
haben. Das muss doch sicher sehr
ungewohnt sein.
Was ist mit dem Faktor Erfahrung
und Führungspersönlichkeit?
Viel Verantwortung übernahm in
der Rückrunde Felix Götze. Kann
der zuletzt aus Augsburg geliehene
Defensivspieler gehalten werden?
Natürlich ist es schön, wenn es
rund um den Verein eine positi-
Das Umfeld versteht den Weg,
den wir gehen wollen, wie Mannschaft und Trainer das angehen
und honoriert das Geleistete. Es
ist auch die Art und Weise, wie wir
auftreten. Der sportliche Erfolg
hat natürlich viel zu dieser Entwicklung beigetragen. Aber das
gilt es jetzt zu bestätigen.
Markt ist, wäre es fahrlässig, es
nicht zu versuchen
späte Verpflichtung nicht gerade
auf dieser wichtigen Position problematisch?
steht und fällt mit dem sportlichen Erfolg. Wir sind da, um
Ergebnisse zu erzielen und können so dazu beitragen, dass es
lange ruhig bleibt. Und selbst
wenn nicht: Wir sind alle Profis
und müssen uns egal in welcher
Situation auf unseren Job konzentrieren – nicht auf mögliche
Nebenschauplätze.
Transfers wie die von Jean Zimmer
und Mike Wunderlich sorgen aber
nicht nur für Vorfreude, es geht
auch eine erhöhte Erwartungshaltung damit einher. Wie kann verhindert werden, dass der Erfolgsdruck
belastend wirkt?
Im Profisport hast du immer
Druck, da geht es immer nur um
Leistung – und die wollen wir ab-
rufen und erfolgreich spielen. Da
sehe ich deswegen kein Problem.
Ohne Druck im Leistungssport
kannst du auch deine Ziele nicht
erreichen. Jeder, der sich für den
Weg in den Leistungssport entschieden hat, muss damit umgehen können.
Spieler wie Wunderlich – sehr erfahren und gleichzeitig Leistungsträger auf hohem Niveau – haben
dem FCK zuletzt gefehlt. Wurde
speziell danach gesucht?
Wir gehen unabhängig von einem
bestimmten Schubladendenken
vor. Es geht uns in erster Linie um
die Qualität eines Spielers, unabhängig vom Alter. Unser Ziel ist es,
die Qualität im Kader anzuheben.
Wenn dann so ein Spieler auf dem
Nach der Verpflichtung von Daniel
Hanslik und Muhammed Kiprit
und mit Elias Huth sind wir im
Sturm gut aufgestellt. Aber natürlich beobachten wir weiterhin
den Markt und könnten auch noch
situativ reagieren.
Zum Abschluss: In der 3. Liga geht
es für einen Verein meist um den
Aufstieg oder gegen den Abstieg.
Spielt der FCK kommende Saison
vorne mit?
Wir können nicht versprechen,
dass wir Erfolg haben. Aber wir
können versprechen, dass wir
Leistung bringen werden. Und
darum geht es. Abzuliefern, seinen Job machen, über 90, 95 Minuten. Dazu soll der Betzenberg
wieder eine Festung werden. Dann
kommt der Rest von ganz alleine.
INTERVIEW: MORITZ KREILINGER
66
5. JULI 2021
O SN A B R Ü CK
Hohes Pressing und schnelle Ballrückeroberungen – Testspiel gegen Mario Götze
Schernings Philosophie schon sichtbar
D ORT MU N D I I
von Torwart Philipp Kühn über
die Defensivspieler Timo Beermann, Maurice Trapp und Uli
Taffertshofer bis hin zu Stürmer
Marc Heider – ist ein halbes Dutzend gut ausgebildete, hungrige
Jungprofis gekommen, die mit
Schnelligkeit, Offensivgeist und
Mentalität zu diesem Stil passen.
Diesen Typ verkörpern beispielhaft die Außenverteidiger
Davide Itter und Florian Kleinhansl. „Zu den Jungs, die den
Verein kennen und die Identifikation mit dem Klub mitbringen,
kommen Spieler, die für die Chance speziell in Osnabrück brennen“, beschreibt Scherning die
Mischung, die ab diesem Montag
im Trainingslager im nahegelegenen und als Standort bewährten Ankum nicht nur sportlich,
sondern auch beim Teambuilding weiterkommen soll. Nicht
voll belastbar sind derzeit die
Mittelfeldspieler Ulrich Bapoh
(Oberschenkelprobleme) und Oliver Wähling (Reizung im Knie).
Noch sind nicht alle Planstellen
besetzt, Handlungsbedarf gibt
Foto: imago images/Wedel
Nach zwei Wochen
und drei Testspielen
ist schon klar zu erkennen, wo Trainer Daniel
Scherning mit dem VfL Osnabrück hin will: Keine Kopie, aber
eine Variation des offensiven
Vollgasfußballs, mit dem der SC
Paderborn auf seinem Erfolgsweg der vergangenen vier Jahre
bundesweit Aufsehen und Anerkennung erntete, soll die Enttäuschung über den Abstieg schnell
verscheuchen.
Der 37-jährige Fußballlehrer
hat diese Entwicklung im Trainerteam von Steffen Baumgart
(„Daniel war nicht mein Assistent, sondern mein Partner“)
mitgeprägt. „Ich bin von dieser
Spielweise überzeugt, und ich
weiß, dass das auch der Fußball
ist, der in Osnabrück ankommt“,
sagt Scherning. In den beiden
jüngsten Testspielen gegen die
Regionalligisten SSV Jeddeloh II
(7:3) und BSV Rehden (5:0) fielen
die Hälfte der Tore nach hohem
Pressing oder nach schnellen
Ballrückeroberungen: „Nicht der
Trainer prägt den Stil, sondern
die Spieler, die davon überzeugt
sein müssen, den Mut und die
Intensität dafür haben.“ Zu einer
Achse mit erfahrenen Spielern
aus den vergangenen Jahren –
Für Maaßen ein „Impulsgeber“
es am ehesten auf den offensiven
Außenpositionen. Gesucht wird
außerdem noch ein junger Torwart mit Entwicklungspotenzial.
Zum inoffiziellen Eröffnungsspiel
kommt am Samstag mit dem niederländischen Vizemeister PSV
Eindhoven und Ex-Nationalspieler Mario Götze ein attraktiver
Gast, der von Schnernings früherem Paderborner Teamkollegen
Roger Schmidt trainiert wird, an
die Bremer Brücke, wo möglicherweise 7500 Zuschauer zugelassen
sein werden. HARALD PISTORIUS
Sie standen in Paderborn
für Vollgasfußball:
der neue VfL-Coach
Daniel Scherning (li.)
und Steffen Baumgart
HAL L E
Der Neuzugang will oben mitspielen
Papadopoulos reißt mit
Kreuzer soll führen
Fünf externe Neuzugänge wird Trainer Enrico Maaßen um sich
versammeln, wenn an
diesem Montag das Dortmunder
Trainingslager im österreichischen Kirchberg beginnt. Vier
für die Offensivabteilung, einer
eher für die Defensive. Antonios
Papadopoulos heißt der, ist 21
Jahre jung und wird für gewöhnlich nur „Papa“ gerufen.
71 Pflichtspiele sind für ihn
in der 3. Liga bereits notiert;
für Aalen und den Großteil für
Halle. Dieser Erfahrungsschatz
war für den BVB II ein wichtiges
Einstellungskriterium. Papadopoulos wisse, wie es in dieser physisch anspruchsvollen
3. Liga zugehe, und könne den
Aufsteiger in komplexen Situationen mitreißen, heißt es. In den
Die Wohnungssuche in
seinem neuen Lebensmittelpunkt muss jetzt
erst mal für ein paar
Tage pausieren.
Ab Montag ist Zugang
Niklas Kreuzer mit dem Halleschen FC für eine Woche im
Trainingslager im niedersächsischen Wesendorf – Intensivvorbereitung auf die anstehende Drittliga-Saison. Heimisch
werden will der 28-Jährige nach
langen Jahren in Dresden nun
im rund 40 Kilometer von Halle
entfernten Leipzig. Dort sucht
der ehemalige Dynamo-Publikumsliebling für sich, seine
Freundin und die gemeinsame
Tochter derzeit eine Wohnung.
„Meine Freundin ist gebürtige
Leipzigerin, deshalb passt das
ganz gut“, sagt Kreuzer.
ersten Tagen bestätigt der ablösefrei verpflichtete Mann diese
Einschätzung. Papadopoulos
coacht prägnant und kraftvoll,
sodass Maaßen lobt: „Mit seiner
Lautstärke und seiner intensiven Art, Fußball zu spielen,
wird er sicherlich wichtig für
uns.“ Zumal er sehr „flexibel
einsetzbar“ sei.
Der Trainer testet Papadopoulos in der Innenverteidigung
und im zentralen Mittelfeld.
„Mit ihm haben wir einen weiteren Impulsgeber gewonnen“,
freut sich Maaßen, der viele polyvalente Spieler haben will. Papadopoulos kann es aus seiner
Sicht zentral in letzter Linie,
auf der Sechs wie auf der Acht –
und soll von großer Bedeutung
werden. Wo auch immer es nötig
ist.
PATRICK KLEINMANN
Auch mit dem HFC sollte
es passen. Hier soll er Führungsspieler sein. Diese Erwartung
möchte er erfüllen. „Darüber
habe ich mir persönlich viele
Gedanken gemacht. Ich war
nie der Spieler, der die Mannschaft zusammengeschrien hat,
wenn es nicht lief. Mir geht es
darum, mit guter Leistung voranzugehen.“ Das ist auch die
Vorstellung von Sportdirektor
Ralf Minge und Trainer Florian
Schnorrenberg. Der zweitligaerprobte Außenverteidiger soll
dem im letzten Jahr oft wankelmütigen Team Stabilität verleihen, um mittelfristig höhere Zeile anpeilen zu können. Kreuzer:
„Wir haben als Team die Qualität, oben mitzuspielen. Und ich
denke, ich weiß, was es dafür
braucht.“
FABIAN WÖLFLING
5. JULI 2021
67
„Wir haben genügend Erfahrung“
OTM A R S C H O R K (63) bleibt
entspannt, obwohl der Kader
sehr jung und Routinier
Gjasula ohne Vertrag ist.
Anfang
November
2020 begann Otmar
Schork seine Tätigkeit als Sportdirektor beim abstiegsbedrohten
1. FC Magdeburg. Mit erfolgreichen Personalentscheidungen unter anderem der Verpflichtung
von Trainer Christian Titz - trug
der 63-Jährige maßgeblich zum
Klassenerhalt bei und stellte gemeinsam mit dem Coach das neue
Team zusammen.
Seit 1. Juli fungieren Sie als Geschäftsführer Sport. Was verändert sich damit in Ihrer Tätigkeit
beim FCM?
Für mich hat sich nichts verändert. Ich hatte vom ersten Tag an
das Vertrauen der Gremien und
trage die alleinige Verantwortung
im sportlichen Bereich. Das sind
nur formelle Dinge, die nichts an
meiner Arbeits- und Vorgehensweise ändern.
Der aktuelle Kader umfasst 30
Spieler. Soll es bei der doch wieder
großen Anzahl bleiben oder sind
weitere Ausleihen geplant?
Wir haben drei A-Jugendliche
übernommen. Da geht es primär
um die Integration und den Übergang junger talentierter Spieler in
den Männerfußball. Dass diese
DUISBURG
Spieler nicht von heute auf morgen konkurrenzfähig sein können, ist klar. Zudem haben wir
drei weitere Spieier dabei, die im
letzten Jahr aus der A-Jugend ge-
Perspektive? „Weit
weg von den
Abstiegsplätzen.“
kommen sind. Man hat gesehen,
dass es schwierig war, direkt in die
Konkurrenzsituation im Kader zu
kommen. Um Wettkampfpraxis
zu erhalten, müssen wir einen
sinnvollen Weg über Ausleihen
finden. Von daher reduziert sich
die realistische Einordnung in direkter Konkurrenzsituation auf
24 Spieler.
Es wird überlegt, wieder eine U 23
zu etablieren. Was sind die Beweggründe?
Wir haben das angeschoben,
jedoch hat der Fußballverband
Sachsen-Anhalt (FSA) uns mitgeteilt, dass aufgrund der Pandemie
und der abgebrochenen Saison es
kurzfristig für die bevorstehende Saison 2021/2022 nicht möglich ist. Die Installierung einer
U-23-Mannschaft ist für den Verein als Übergang vom Jugend- in
den Lizenzspielerbereich enorm
Erfolgserlebnis im Test, die Kaderplanung ist weit fortgeschritten
Foto: imago images/Schroedter
Dotchev: „Ich verspüre eine innere Freude“
Mit einem Erfolgserlebnis
schloss Duisburg sein Trainingslager ab. Die Zebras
gewannen ein Testspiel
gegen den belgischen Erstligisten
K. Berschoot VA mit 1:0. Nun haben
Resultate während der Saisonvorbereitung oft nur eine untergeordnete
Bedeutung, für die Duisburger war
der Sieg aber Balsam für frisch aufgerissene Wunden. Der MSV hatte
sich kurz nach dem Start in die Vorbereitung mit einem 2:4 gegen Fünftligist SpVg Schonnebeck blamiert. So
wehte den Verantwortlichen gleich
zum Start ein rauer Wind ins Gesicht.
Pavel Dotchev registrierte den
Erfolg mit großer Erleichterung: „Ich
verspüre eine innere Freude.“ Zudem freut sich der Trainer, dass die
Kaderplanungen kurz vor dem Abschluss stehen. Mit dem offensiven
Mittelfeldspieler Kolja Pusch (28, KFC
Uerdingen) und Stürmer Chinedu
Ekene (21, TSG Hoffenheim II) konnte
Sportdirektor Ivica Grlic (45) zwei
weitere Planstellen besetzen.
Der MSV sucht nun noch einen
Innenverteidiger. Hier geht es allerdings nicht um eine Ergänzung des
Kaders, sondern der neue Mann soll
im Idealfall die Rolle des Abwehr-
chefs übernehmen. Der Vertrag von
Routinier Dominik Schmidt (34), der
derzeit verletzungsbedingt auf Eis
liegt, läuft zwar noch ein Jahr, der
ehemalige Kieler konnte in der abgelaufenen Saison jedoch nur selten
die Erwartungen erfüllen.
Die Stabilisierung der Defensive hatte Dotchev auf der Prioritätenliste ganz oben notiert. Auf den
Außenbahnen (Rolf Feltscher und
Leroy Kwadwo) und im defensiven
Mittelfeld (Marvin Bakalorz) hat der
MSV seine Hausaufgaben erledigt,
in der Abwehrzentrale besteht noch
Handlungsbedarf.
DIRK RETZLAFF
wichtig, um im Männersport anzukommen. Gerade die jungen
Spieler benötigen Spielpraxis auf
Wettkampfniveau.
Das Durchschnittsalter des gegenwärtigen Kaders beträgt nicht
einmal 24 Jahre. Sehen Sie die Gefahr fehlender Erfahrung im Haifischbecken 3. Liga und würde ein
fitter Routinier Jurgen Gjasula dem
Team nicht guttun?
Wir legen viel Wert darauf, Spieler
im Kader zu haben, die Potenzial
haben. Mit Tobias Müller, Alexander Bittroff, Adrian Malachowski, aber auch Baris Atik, Florian
Kath, Raphael Obermair und Maximilian Franzke sowie weiteren
Spielern im besten Fußballeralter
haben wir genügend Erfahrung
im Kader. Jurgen Gjasula muss
zunächst einmal gesund und fit
werden. Sein Vertrag ist am 30.
Juni ausgelaufen. Aktuell ist er
noch im Krankenstand.
Bei den meisten Neuverpflichtungen wurden keine Vertragslaufzeiten mehr kommuniziert. Warum?
Das ist keine Geheimniskrämerei.
In der Vergangenheit wurde in der
Öffentlichkeit viel spekuliert, was
Vertragsdauern oder Vertragsverlängerungen nach einer gewissen
Anzahl von Spielen betrifft. Das
hat der Sache nicht gedient und
war zudem mehrfach nicht korrekt. Dem wollen wir vorbeugen.
Wo sehen Sie den FCM am Ende
der Saison 2021/22 in der Tabelle?
Weit weg von den Abstiegsplätzen.
INTERVIEW: HANS-JOACHIM MALLI
68
5. JULI 2021
3 . L I GA KOMPAK T
1. FC Saarbrücken
Kerber verlängert vorzeitig
Eintracht Braunschweig
Hemmerich präsentiert sich
Eigengewächs Luca Kerber hat
seinen bis 2023 laufenden
Vertrag vorzeitig um ein weiteres Jahr verlängert. Der 19-Jährige
unterschrieb erst im vergangenen
Winter seinen ersten Profivertrag und
wurde direkt Stammspieler bei den
Blau-Schwarzen. Um einen Vertrag
bewirbt sich derzeit auch Innenverteidiger Bruno Soares (32).
„Wir hoffen, dass wir 18 Mannschaften
hinter uns lassen können“, erklärte der
Löwen-Coach: „Aber ich glaube auch
nicht, dass unsere Gegner sagen: ‚Hipp,
hipp, hurra, die Löwen kommen!“
Würzburger Kickers
Jäger folgt auf Sauer
Waldhof Mannheim
Campins muss warten
Wechsel an der Spitze: Nach
fünfeinhalb Jahren hat Daniel
Sauer seinen Posten als Vorstandsvorsitzender bei den Würzburgern abgeben. Sein Nachfolger Christian Jäger, zuvor beim nicht mit den
Kickers verbandelten Sportrechte-Vermarkter Sportfive tätig, hat übernommen. Die erste Dienstfahrt des Neuen
führte ins Trainingslager nach Oberösterreich, wo er den 5:2-Sieg gegen
den Zweitligisten FC Juniors OÖ verfolgte. Lotric, Heinrich, Sane, Atmaca
und Kopacz erzielten die Tore für die
Unterfranken.
SV Wehen Wiesbaden
Verletzte – Test fällt aus
Mit der Verpflichtung von Florian Stritzel (27) sind auf der
Torhüter-Position die Planungen abgeschlossen. Die Personalsituation ist derweil angespannt. So drohen
Gianluca Korte (30) eine Meniskusoperation und mehrere Monate
Zwangspause. Im Test gegen Oberligist
Hassia Bingen (6:4, Tore: Nilsson 4,
Stangl, Wurtz) verletzte sich Marc Lais,
auch Sascha Mockenhaupt und Emanuel Taffertshofer gingen angeschlagen
aus der Partie. Daher wurde die für
vergangenen Samstag vorgesehene
Begegnung bei Regionalligist Aschaffenburg abgesagt.
TSV München 1860
Köllner probt den Aufstieg
Trotz des 0:1 im Test gegen den
SV Ried am Freitag belohnte
Michael Köllner (51) die Seinen
mit einer Bergtour zur Wurzeralm.
Ähnliches, ein Aufstieg, schwebt ihm
auch in der anstehenden Saison vor.
Wechselt von
Duisburg zu
Türkgücü:
Sinan Karweina
Die Mannheimer haben das
erste Testspiel beim Oberligisten Neckarsulmer SU 4:2 gewonnen. Just, Schnatterer, Jurcher
und Costly erzielten die Tore für den
SV Waldhof, bei dem Gastspieler Joan
Campins (26) zum Einsatz kam. Über
eine Verpflichtung des spanischen
Rechtsverteidigers ist noch keine Entscheidung gefallen.
1. FC Kaiserslautern
Kiprit neu, Hanslik bleibt
Der Kader nimmt konkrete Formen an. Der bereits vergangene Saison von Holstein Kiel
ausgeliehene Daniel Hanslik (24)
wurde fest verpflichtet. Der Angreifer
hatte unter anderem mit sechs Treffern
in fünf Spielen im Saisonendspurt
maßgeblichen Anteil am Klassenerhalt.
Mit Muhammed Kiprit (21), zuletzt mit
acht Toren in 36 Spielen für den
KFC Uerdingen erfolgreich, sicherte
sich der FCK einen weiteren Stürmer.
Viktoria Köln
Feigenspan kommt und geht
Die Torhüter Elias Bördner (19,
Eintracht Frankfurt) und
Lucas Fox (20, Jeunesse
Esch) sowie Rechtsaußen Mike Feigenspan (25, KFC Uerdingen) spielten
vor. Bei der 1:5-Niederlage im Test
gegen den Karlsruher SC (Tor: Amyn)
musste Feigenspan allerdings früh mit
einer Verletzung am Sprunggelenk vom
Platz. Marcel Risse (31), dessen Leihvertrag Ende Juni ausgelaufen ist,
gehört der Mannschaft vorerst nicht
mehr an. Die Verhandlungen mit dem
1. FC Köln über einen festen Wechsel
zur Viktoria laufen weiter.
Türkgücü München
Karweina hat einen Bezug
Der 22-jährige türkischstämmige Angreifer Sinan Karweina,
ausgebildet beim 1. FC Köln,
schloss sich nach zuletzt zwei Jahren
beim MSV Duisburg den Münchnern
an. In der Vorsaison war er 19-mal in
der 3. Liga zum Einsatz gekommen, zu
seinem neuen Verein hat er einen persönlichen Bezug. „Aufgrund meines
türkischen Hintergrunds“, so Karweina,
habe ihn „der Verein Türkgücü persönlich direkt gereizt“.
SV Meppen
Blacha bringt Erfahrung
Meppen hat mit David Blacha
einen erfahrenen Mittelfeldstrategen geholt. Der 30-jährige ehemalige Osnabrücker stand
schon vor drei Jahren auf der Wunschliste. Torgefährlich präsentieren sich
die neuen jungen Spieler aus der Regionalliga: Serhat Koruk hat in fünf
Spielen fünf Treffer erzielt, Morgan
Faßbender vier, Tobias Dombrowa drei
– genau wie Willi Evseev.
1. FC Magdeburg
Leneis vom FCA ausgeliehen
SC Verl
Es sieht gut aus für Saglik
Gegen Arminia Bielefeld feierte das neue Team von Trainer
Rino Capretti einen überzeugenden 3:0-Sieg. Kasim Rabic und
Gastspieler Mahir Saglik (2) erzielten
die Treffer. Der 38-jährige Ex-Bundesligaspieler steht offenbar vor der Verpflichtung. „Er kann laufen, er kann
schießen, er ist ballsicher und er hat
hier Bock – das sagt schon alles“, lautete Caprettis Tendenzaussage.
FC Viktoria 1889 Berlin
Start: Spielort nicht sicher
Trainer Benedetto Muzzicato war
nach dem 3:3 im Test gegen den
1. FC Magdeburg, bei dem Lucas
Falcao, Seiffert und Hovi per Foulelfmeter trafen, zufrieden: „Unser Matchplan hat funktioniert und wurde gut
umgesetzt. Wir haben wieder gute
Erfahrungen gesammelt.“ Noch ist
nicht sicher, wo die Partie am 1. Spieltag gegen Viktoria Köln ausgetragen
wird. „Es ist schön, dass wir unseren
Drittliga-Auftakt mit einem Heimspiel
feiern dürfen. Natürlich wünschen wir
uns eine tolle Unterstützung, unabhängig davon, ob wir im Jahn-Sportpark oder im Olympiastadion spielen“,
so Sportdirektor Rocco Teichmann.
SC Freiburg II
Premiere für Stamm
Zum Abschluss des Trainingslagers gab es gegen Viktoria
Berlin ein 3:3. Derweil wurde
Torwart Benjamin Leneis (22) für ein
Jahr vom Bundesligisten FC Augsburg
ausgeliehen.
Nur drei Wochen nach dem letzten Regionalligaspieltag steigt
der Aufsteiger am Dienstag in
die Vorbereitung für die anstehende
Saison ein. Dann wird Thomas Stamm
(38) erstmals das Training leiten. Der
bisherige A-Jugend-Coach kann zum
Auftakt sämtliche Zugänge begrüßen.
FSV Zwickau
Brand überzeugt
TSV Havelse
Meyer dritter Neuzugang
Felix Brand (20) ist der siebte Neuzugang. Der 1,92 Meter
große Verteidiger erhielt einen
Dreijahresvertrag. „Er ist groß, athletisch und bringt für einen Innenverteidiger sehr gute Voraussetzungen mit.
Dazu wurde er in Mainz und Hoffenheim sehr gut ausgebildet. Wir werden
Felix in den nächsten Monaten sukzessive an den Profifußball heranführen“,
sagt Sportchef Toni Wachsmuth.
Der dritte Neuzugang des TSV
Havelse ist da. Linus Meyer
kommt vom Regionalligisten
VSG Altglienicke. Der 29-jährige Außenbahnspieler könnte Kevin Schumacher ersetzen. Der Aufstiegsheld,
der den TSV in die 3. Liga schoss,
wechselt zu Hansa Rostock. Mit Yannic
Thiel gibt es einen neuen Co-Trainer.
Er war zuletzt Assistent bei der U 16
des VfL Wolfsburg.
Foto: imago images
Beim 0:1 gegen Zweitliga-Aufsteiger Dresden war Braunschweig die bessere Mannschaft mit dem kompakteren Auftritt.
Insofern ärgerte sich Cheftrainer Michael Schiele über das späte Gegentor
von Pascal Sohm (86.). Positiv bewertete der 43-Jährige das Comeback von
Luke Hemmerich, der in der abgelaufenen Saison krankheitsbedingt nur
drei Spiele für die Würzburger Kickers
machte und vereinslos ist. Der 23-Jährige, den Schiele schon in Würzburg
trainierte, absolviert ein Probetraining
und durfte gegen die Sachsen für 20
Minuten aufs Feld. Eine Verpflichtung
ist nicht kategorisch ausgeschlossen,
überstürzen will die Eintracht aber
nichts. „Wir wollen ihn testen und ihm
nach langer Ausfallzeit die Möglichkeit
geben, sich Wettkampfhärte zu holen.
Und dann schauen wir, was sich entwickelt“, sagt der Trainer.
5. JULI 2021
TERMINPLAN 3. LIGA
1. Spieltag: Fr. – Mo., 23. – 26. Juli
R. 17. – 20. 12.
VfL Osnabrück – MSV Duisburg (Fr.)
SC Freiburg II – SV Wehen Wiesbaden
Waldhof Mannheim – 1. FC Magdeburg
TSV Havelse – 1. FC Saarbrücken
1. FC Kaiserslautern – Eintracht Braunschweig
Hallescher FC – SV Meppen
FSV Zwickau – Borussia Dortmund II
SC Verl – Türkgücü München
FC Viktoria 1889 Berlin – FC Viktoria Köln
TSV München 1860 – Würzburger Kickers
2. Spieltag: Fr. – Mo., 30. Juli – 2. August
R. 21. – 23. 1.
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(1:3, 3:2)
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(3:2, 2:1)
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(0:3, 0:3)
(1:2, 2:2)
(1:2, 1:3)
R. 28. – 31. 1.
VfL Osnabrück – Borussia Dortmund II
MSV Duisburg – SV Wehen Wiesbaden
TSV Havelse – Türkgücü München
1. FC Saarbrücken – 1. FC Magdeburg
SC Freiburg II – Würzburger Kickers
TSV München 1860 – FC Viktoria Köln
Waldhof Mannheim – SV Meppen
Hallescher FC – 1. FC Kaiserslautern
FSV Zwickau – FC Viktoria 1889 Berlin
SC Verl – Eintracht Braunschweig
( - , - )
(4:1, 3:0)
( - , - )
(0:3, 2:1)
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(1:1, 1:2)
(0:1, 0:2)
(1:1, 1:3)
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6. Spieltag: Fr. – Mo., 27. – 30. August
R. 4. – 7. 2.
Würzburger Kickers – 1. FC Saarbrücken
SV Wehen Wiesbaden – 1. FC Magdeburg
FC Viktoria 1889 Berlin – Waldhof Mannheim
1. FC Kaiserslautern – FSV Zwickau
SV Meppen – TSV Havelse
Hallescher FC – SC Verl
Türkgücü München – VfL Osnabrück
Eintracht Braunschweig – TSV München 1860
FC Viktoria Köln – SC Freiburg II
Borussia Dortmund II – MSV Duisburg
7. Spieltag: Fr. – Mo., 3. – 6. September
MSV Duisburg – Würzburger Kickers
TSV München 1860 – SV Meppen
Waldhof Mannheim – Türkgücü München
TSV Havelse – Borussia Dortmund II
FSV Zwickau – Hallescher FC
1. FC Saarbrücken – SV Wehen Wiesbaden
SC Freiburg II – Eintracht Braunschweig
1. FC Magdeburg – 1. FC Kaiserslautern
SC Verl – FC Viktoria 1889 Berlin
VfL Osnabrück – FC Viktoria Köln
(2:2, 2:0)
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(4:1, 3:2)
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(0:0, 2:1)
(1:1, 2:2)
R. 25./26. 1.
Borussia Dortmund II – 1. FC Saarbrücken
SV Wehen Wiesbaden – TSV Havelse
FC Viktoria 1889 Berlin – Hallescher FC
Würzburger Kickers – VfL Osnabrück
Eintracht Braunschweig – FSV Zwickau
1. FC Magdeburg – MSV Duisburg
Türkgücü München – SC Freiburg II
1. FC Kaiserslautern – TSV München 1860
FC Viktoria Köln – Waldhof Mannheim
SV Meppen – SC Verl
5. Spieltag: Di./Mi., 24./25. August
13. Spieltag: Fr. – Mo., 22. – 25. Oktober
In Klammern Vorjahresergebnisse.
Bislang ist nur das Eröffnungsspiel genau terminiert.
Zeitgenaue Ansetzungen der ersten beiden Spieltage
werden am Montag, 5. Juli, für die Spieltage 3 bis 10
noch vor Saisonstart bekannt gegeben.
Aktualisierungen auf www.kicker.de.
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(1:0, 2:1)
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(2:2, 2:1)
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(1:1, 2:4)
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R. 11. – 14. 2.
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(1:1, 3:1)
(4:4, 2:0)
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(2:2, 2:0)
(3:3, 2:2)
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(1:0, 1:1)
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R. 1. – 4. 4.
1. FC Magdeburg – FC Viktoria 1889 Berlin
SV Wehen Wiesbaden – SV Meppen
VfL Osnabrück – Hallescher FC
Waldhof Mannheim – FSV Zwickau
TSV Havelse – Eintracht Braunschweig
1. FC Saarbrücken – TSV München 1860
SC Freiburg II – SC Verl
MSV Duisburg – 1. FC Kaiserslautern
Borussia Dortmund II – FC Viktoria Köln
Würzburger Kickers – Türkgücü München
( - , - )
(1:0, 3:0)
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(1:0, 0:0)
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(2:1, 2:1)
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(2:2, 2:2)
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14. Spieltag: Fr. – Mo., 29. Oktober – 1. Nov.
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(1:1, 2:1)
(3:2, 2:2)
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(0:3, 1:4)
(1:1, 2:2)
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TSV München 1860 – Türkgücü München
VfL Osnabrück – SV Wehen Wiesbaden
FC Viktoria 1889 Berlin – 1. FC Kaiserslautern
TSV Havelse – 1. FC Magdeburg
Hallescher FC – Eintracht Braunschweig
1. FC Saarbrücken – MSV Duisburg
SC Freiburg II – Borussia Dortmund II
Waldhof Mannheim – Würzburger Kickers
FSV Zwickau – SV Meppen
SC Verl – FC Viktoria Köln
4. Spieltag: Fr. – So., 20. – 22. August
Saison 2021/22
R. 14. – 17. 1.
Eintr. Braunschweig – FC Viktoria 1889 Berlin
Würzburger Kickers – SC Verl
MSV Duisburg – TSV Havelse
FC Viktoria Köln – FSV Zwickau
SV Meppen – 1. FC Kaiserslautern
1. FC Magdeburg – SC Freiburg II
Türkgücü München – Hallescher FC
SV Wehen Wiesbaden – TSV München 1860
1. FC Saarbrücken – VfL Osnabrück
Borussia Dortmund II – Waldhof Mannheim
3. Spieltag: Fr. – Mo., 13. – 16. August
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(5:2, 1:1)
( - , - )
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(4:1, 1:2)
( - , - )
(0:1, 2:1)
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R. 8. – 11. 4.
Waldhof Mannheim – 1. FC Saarbrücken
1. FC Kaiserslautern – Würzburger Kickers
FC Viktoria Köln – 1. FC Magdeburg
SV Meppen – Türkgücü München
FSV Zwickau – TSV Havelse
TSV München 1860 – SC Freiburg II
Hallescher FC – MSV Duisburg
Eintr. Braunschweig – SV Wehen Wiesbaden
SC Verl – VfL Osnabrück
FC Viktoria 1889 Berlin – Borussia Dortmund II
8. Spieltag: Fr. – Mo., 10. – 13. September
R. 18. – 21. 2.
SV Meppen – SC Freiburg II
Würzburger Kickers – TSV Havelse
Eintracht Braunschweig – VfL Osnabrück
1. FC Kaiserslautern – Waldhof Mannheim
Borussia Dortmund II – 1. FC Magdeburg
Hallescher FC – TSV München 1860
Türkgücü München – MSV Duisburg
FC Viktoria 1889 Berlin – SV Wehen Wiesbaden
FSV Zwickau – SC Verl
FC Viktoria Köln – 1. FC Saarbrücken
9. Spieltag: Fr. – Mo., 17. – 20. September
R. 25. – 28. 2.
SV Wehen Wiesbaden – Borussia Dortmund II
VfL Osnabrück – SV Meppen
TSV München 1860 – FSV Zwickau
Waldhof Mannheim – Hallescher FC
1. FC Magdeburg – Würzburger Kickers
1. FC Saarbrücken – Türkgücü München
SC Verl – 1. FC Kaiserslautern
MSV Duisburg – Eintracht Braunschweig
SC Freiburg II – FC Viktoria 1889 Berlin
TSV Havelse – FC Viktoria Köln
10. Spieltag: Fr. – Mo., 24. – 27. September
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(0:1, 2:1)
(3:2, 0:0)
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(2:1, 1:1)
(1:1, 1:1)
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R. 4. – 7. 3.
FC Viktoria 1889 Berlin – TSV Havelse
Würzburger Kickers – SV Wehen Wiesbaden
1. FC Kaiserslautern – VfL Osnabrück
FC Viktoria Köln – MSV Duisburg
SV Meppen – 1. FC Saarbrücken
FSV Zwickau – SC Freiburg II
SC Verl – TSV München 1860
Hallescher FC – 1. FC Magdeburg
Türkgücü München – Borussia Dortmund II
Eintracht Braunschweig – Waldhof Mannheim
11. Spieltag: Fr. – Mo., 1. – 4. Oktober
( - , - )
( - , - )
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(3:1, 3:1)
(1:0, 0:2)
( - , - )
(1:1, 2:3)
(1:0, 2:0)
( - , - )
( - , - )
R. 11. – 14. 3.
1. FC Saarbrücken – Eintracht Braunschweig
TSV München 1860 – FC Viktoria 1889 Berlin
Waldhof Mannheim – SC Verl
TSV Havelse – 1. FC Kaiserslautern
Borussia Dortmund II – Würzburger Kickers
1. FC Magdeburg – Türkgücü München
SC Freiburg II – Hallescher FC
VfL Osnabrück – FSV Zwickau
MSV Duisburg – SV Meppen
SV Wehen Wiesbaden – FC Viktoria Köln
12. Spieltag: Fr. – Mo., 15. – 18. Oktober
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(0:2, 4:0)
(1:1, 2:0)
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(0:4, 1:6)
(2:1, 2:3)
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(3:0, 1:1)
(0:2, 3:2)
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(2:2, 1:0)
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(2:0, 1:2)
( - , - )
( - , - )
(1:0, 1:2)
(2:2, 2:0)
R. 18. – 21. 3.
Eintracht Braunschweig – Borussia Dortmund II
FC Viktoria 1889 Berlin – VfL Osnabrück
TSV München 1860 – Waldhof Mannheim
1. FC Kaiserslautern – SC Freiburg II
FC Viktoria Köln – Würzburger Kickers
FSV Zwickau – MSV Duisburg
SC Verl – TSV Havelse
Hallescher FC – 1. FC Saarbrücken
Türkgücü München – SV Wehen Wiesbaden
SV Meppen – 1. FC Magdeburg
( - , - )
( - , - )
(5:0, 2:0)
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( - , - )
(3:1, 1:1)
( - , - )
(1:1, 0:4)
(0:0, 1:3)
(1:2, 0:0)
15. Spieltag: Fr. – Mo., 5. – 8. November
(4:1, 0:5)
( - , - )
(2:4, 2:0)
(1:4, 0:2)
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( - , - )
(1:1, 0:0)
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R. 16. – 18. 4.
SC Freiburg II – Waldhof Mannheim
VfL Osnabrück – TSV München 1860
Würzburger Kickers – Eintracht Braunschweig
MSV Duisburg – FC Viktoria 1889 Berlin
TSV Havelse – Hallescher FC
1. FC Saarbrücken – 1. FC Kaiserslautern
Türkgücü München – FC Viktoria Köln
SV Wehen Wiesbaden – FSV Zwickau
1. FC Magdeburg – SC Verl
Borussia Dortmund II – SV Meppen
16. Spieltag: Fr. – Mo., 19. – 22. November
69
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( - , - )
(0:0, 2:1)
( - , - )
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(1:1, 1:2)
(1:1, 2:0)
(3:1, 1:2)
(0:4, 1:3)
( - , - )
R. 22. – 25. 4.
FC Viktoria 1889 Berlin – Würzburger Kickers
TSV München 1860 – MSV Duisburg
Waldhof Mannheim – VfL Osnabrück
SV Meppen – FC Viktoria Köln
Hallescher FC – Borussia Dortmund II
SC Verl – 1. FC Saarbrücken
SC Freiburg II – TSV Havelse
Eintracht Braunschweig – Türkgücü München
FSV Zwickau – 1. FC Magdeburg
1. FC Kaiserslautern – SV Wehen Wiesbaden
( - , - )
(0:2, 0:1)
( - , - )
(0:1, 0:1)
( - , - )
(1:3, 2:1)
( - , - )
( - , - )
(0:1, 0:0)
(0:1, 2:2)
17. Spieltag: Fr. – Mo., 26. – 29. November R. 29. 4. – 2. 5.
Türkgücü München – FSV Zwickau
Würzburger Kickers – SV Meppen
MSV Duisburg – Waldhof Mannheim
TSV Havelse – TSV München 1860
Borussia Dortmund II – 1. FC Kaiserslautern
FC Viktoria Köln – Hallescher FC
1. FC Saarbrücken – FC Viktoria 1889 Berlin
SV Wehen Wiesbaden – SC Verl
VfL Osnabrück – SC Freiburg II
1. FC Magdeburg – Eintracht Braunschweig
18. Spieltag: Fr. – Mo., 3. – 6. Dezember
FSV Zwickau – 1. FC Saarbrücken
VfL Osnabrück – TSV Havelse
FC Viktoria 1889 Berlin – Türkgücü München
TSV München 1860 – 1. FC Magdeburg
Waldhof Mannheim – SV Wehen Wiesbaden
1. FC Kaiserslautern – FC Viktoria Köln
Hallescher FC – Würzburger Kickers
SC Verl – Borussia Dortmund II
SC Freiburg II – MSV Duisburg
Eintracht Braunschweig – SV Meppen
19. Spieltag: Fr. – Mo., 10. – 13. Dezember
MSV Duisburg – SC Verl
Würzburger Kickers – FSV Zwickau
TSV Havelse – Waldhof Mannheim
Borussia Dortmund II – TSV München 1860
SV Meppen – FC Viktoria 1889 Berlin
1. FC Magdeburg – VfL Osnabrück
1. FC Saarbrücken – SC Freiburg II
FC Viktoria Köln – Eintracht Braunschweig
Türkgücü München – 1. FC Kaiserslautern
SV Wehen Wiesbaden – Hallescher FC
(1:1, 1:0)
( - , - )
(1:1, 2:2)
( - , - )
( - , - )
(2:0, 0:2)
( - , - )
(0:0, 2:2)
( - , - )
( - , - )
R. 6. – 9. 5.
(2:0, 2:1)
( - , - )
( - , - )
(1:1, 3:0)
(0:1, 1:0)
(0:0, 3:3)
( - , - )
( - , - )
( - , - )
( - , - )
R. 14. 5.
(0:4, 2:1)
( - , - )
( - , - )
( - , - )
( - , - )
( - , - )
( - , - )
( - , - )
(3:0, 0:0)
(1:1, 0:4)
In knapp zwei Wochen beginnt
die Saison. Ist die Wunde des verpassten Aufstiegs verheilt, Herr
Hettich?
Bei mir ging es relativ schnell, weil
ich für beide Ligen geplant habe
und vorbereitet war. Im ersten
Moment war die Enttäuschung
sehr groß, weil wir gegen Havelse
nach dem 0:1 zu Hause im Rückspiel ausreichend Chancen hatten,
am Ende verdient aufzusteigen.
„Alles andere als
das Ziel Aufstieg
wäre albern“
zeigen. Auch Nürnberg II wird ein
gutes Team haben, eventuell auch
Aschaffenburg.
Holen Sie noch Neuzugänge?
Wir wollen uns verstärken. Nicht
in der Breite, sondern Spieler mit
Potenzial und guter Perspektive,
die uns auch eine Liga höher helfen könnten. Ein Stürmer soll auf
jeden Fall kommen. Im Moment
haben wir 17 Feldspieler, einen
Langzeitverletzten und drei Torhüter. Dazu werden aus der U 19
Andreas Kundmüller, Elias Reiher,
Robin Zeitler, Luka Maric und
Tom Siller regelmäßig mittrainieren, um unseren Nachwuchs an
höhere Aufgaben heranzuführen.
Der knapp verpasste Aufstieg ist
abgehakt. R O BERT HET T ICH (46) und
Schweinfurt gehen angriffslustig in
die neue Regionalliga-Saison.
Wie schwierig sind die Verhandlungen in Corona-Zeiten?
Wir können in der Regionalliga
pandemiebedingt keine Beraterhonorare zahlen, weil das Budget
knapp ist. In den Spielergesprächen ist alles okay, aber manch
ein Berater tut dann alles dafür,
dass der Wechsel nicht klappt. Wir
haben für uns entschieden: Beraterhonorare nur in der 3. Liga und
dann nur fünf Prozent. Wir haben
ein homogenes Gehaltsniveau.
Geht das wirklich so locker?
Ich habe elf Jahre bei 1860 München gearbeitet, da lernt man,
leidensfähig zu sein und gut mit
Niederlagen umzugehen. Gleichwohl aber auch, wie ein Löwe
immer weiterzukämpfen. Diese
Eigenschaften braucht man, wenn
man mit bitteren Pleiten umgehen
Welche Rolle sollen die Routiniers
Daniel Adlung und Adam Jabiri
spielen?
„Wir müssen uns
den Titel über 38
Spieltage verdienen.“
muss. Jetzt arbeiten wir an der
Mission Titelverteidigung. Gelingt
uns diese, steigen wir direkt auf.
Mit Blick auf die Konkurrenten Unterhaching, Bayern II und Bayreuth:
Wird es 2021/22 nicht deutlich
schwieriger?
Foto: picture-alliance/Becker
REGIONALLIGA
Am 15. Juli geht’s wieder los
Über ein halbes Jahr
ist Robert Hettich nun
der Sportliche Leiter
der Schweinfurter. Mit
den Regionalliga-Play-offs, dem
Meistertitel und dem verpassten Drittliga-Aufstieg gegen den
TSV Havelse hat er sowohl Höhen
als auch Tiefen erlebt. Darüber
und auch über die Ziele und Hoffnungen in der kommenden Saison
spricht er im Interview.
Das ist eine sehr hypothetische
Frage.
Gegen Havelse waren Sie Favorit.
Zumindest auf dem Papier, weil
wir souveräne Play-offs gespielt
hatten. Für Havelse war es dadurch vor dem Hinspiel aber
wesentlich leichter, uns zu ana-
1. SPIELTAG
DONNERSTAG, 15. JULI
18.30 UHR
Aubstadt ( - , - ) Unterhaching
FREITAG, 16. JULI
18.30 UHR
Rain (1:2, - ) Bayreuth
FREITAG, 16. JULI
19.00 UHR
Illertissen ( - , 0:3) Aschaffenburg
Heimstetten ( - , 1:2) Memmingen
Burghausen (0:0, 3:0) Schalding-H.
SAMSTAG, 17. JULI
14.00 UHR
Augsburg II ( - , - ) FC Bayern II
Nürnberg II ( - , - ) Pipinsried
SAMSTAG, 17. JULI
17.00 UHR
Buchbach (3:2, - ) Schweinfurt
Eltersdorf ( - , - ) Eichstätt
SONNTAG, 18. JULI
14.00 UHR
Fürth II ( - , 2:0) Rosenheim
lysieren. Für uns war der Gegner
unbekannt, wir konnten ihn nur
per Video in Testspielen beobachten. Aber wenn man Havelse
in zwei Spielen nicht schlägt, hat
man es am Ende nicht verdient.
Zurück zur Titelverteidigung: Wie
realistisch ist diese?
Ich gebe der Mannschaft in der
Vorbereitung mit, dass wir uns den
Titel über 38 Spieltage verdienen
müssen. Wir werden aufgrund der
guten Konkurrenz einen Punkteschnitt von mindestens zwei
benötigen. Aber: Wir sind Meister,
knapp nicht aufgestiegen, haben
den Stamm des Kaders zusammengehalten und uns verstärkt.
Da wäre alles andere als das Ziel
Aufstieg albern. Favorit ist aufgrund der vielen Top-Talente und
der finanziellen Möglichkeiten
jedoch der FC Bayern II. Unser
Anspruch muss trotzdem sein,
wieder den Meistertitel zu holen.
Diese Einstellung brauchen wir
vom 1. Spieltag an.
Wie schätzen Sie die drei genannten Hauptkonkurrenten ein?
Unterhaching ist nach dem großen
Aderlass schwer einzuschätzen.
Sie haben viel Qualität verloren,
aber gute junge Spieler mit einem
Kern an Routiniers. Bei Bayern II
braucht man sich nur die Marktwerte anschauen, sie sind weit
vor den anderen. Bayreuth greift
definitiv an, wie die Neuzugänge
Adam traue ich trotz seiner 37
Jahre wieder eine starke Saison zu,
er achtet auf seinen Körper, muss
wegen seines Berufs als Architekt
nicht mehr jede Trainingseinheit
mitmachen. Durch die Play-offs
hat er uns getragen. Daniel hat
Ruhe am Ball, ist aber eher ein
introvertierter Typ. Er geht mit
Taten voran, lebt das Profi-Dasein
in der Kabine vor.
Welche Entwicklung wünschen Sie
sich von Trainer Tobias Strobl?
Für ihn waren die letzten Wochen
eine wichtige und wertvolle Erfahrung. Ich habe den Eindruck,
dass er gestärkt daraus hervorgeht. Natürlich ist Druck da, aber
den haben wir alle. Es ist ein selbst
auferlegter Druck, eine Eigendynamik aus dem Verein heraus.
Und wie läuft Ihre Zusammenarbeit
mit Präsident Markus Wolf?
Super. Ich habe ihn als sehr leidenschaftlichen Präsidenten
kennengelernt, der immer für
die Mitarbeiter und Spieler da ist
und versucht, alles möglich zu
machen. Ich spüre eine extrem
hohe Empathie.
Zum Start geht es nach Buchbach.
Was erwarten Sie?
Ein wunderbarer Auftakt, Buchbach ist ein Klassiker und die Realität. Wir werden sofort wissen,
wo wir stehen und was uns in
dieser Saison erwartet. Wir wollen
natürlich mit einem Sieg starten.
INTERVIEW: FRANK LINKESCH
71
Foto: Zink
5. JULI 2021
Starker Zusammenhalt: Durch attraktiven Fußball haben die Eltersdorfer inmitten der personellen Umbruchsphase den Aufstieg geschafft.
ELT ERS D O RF
Mit Ehrenamt und familiärer Atmosphäre zum Klassenerhalt
Underdog und Süßgras-Klub
Das Kleeblatt als Synonym für die SpVgg
Greuther Fürth ist bundesweit bekannt. Dass
aber ganz in der Nähe noch eine
Pflanze einen Fußballklub symbolisiert, wissen nur die wenigsten. In der Regionalliga Bayern
treten ab sofort die „Quecken“
an. Der SC Eltersdorf als Stadtteilverein im Südosten Erlangens
firmiert bei seinen Anhängern
unter diesem Namen, weil dieses
Süßgras in dem Gebiet rund um
die Sportanlage Langenau wuchert und gedeiht.
Die Rückkehr des SCE in
Bayerns höchste Spielklasse ist
eine faustdicke Überraschung,
weil sie während einer personellen Umbruchphase gelang. „Der
Aufstieg war gar nicht geplant“,
erzählt Trainer Bernd Eigner. „Wir
wollten eigentlich nur attraktiven
Fußball mit viel Tempo über die
Flügel spielen.“ Deshalb bekam er
den Tipp, sich einen jungen Spieler für die Außenbahn namens
Dickson Abiama vom Landesligisten Quelle Fürth anzuschauen. Der pfeilschnelle Nigerianer
heuerte beim SCE an, wurde zum
Stoßstürmer umfunktioniert und
trug mit 17 Toren in 21 Spielen
maßgeblich zum Höhenflug der
Eltersdorfer bei. „Dickson hat
uns unwahrscheinlich gutgetan.
Er hat die Gegenspieler auf sich
gezogen, so konnten auch die an-
deren Offensivspieler profitieren.“
Am Ende standen 79 Tore in 26
Partien. Aber die Quecken sind
nicht nur Abiama – im Gegenteil.
Nach dessen Wechsel zur SpVgg
Greuther Fürth gelangen in den
fünf Partien im Herbst vier Siege
und 19 Treffer. Im Gegensatz zu
den favorisierten Teams aus Seligenporten und Vilzing leistete
sich Eltersdorf keinen Ausrutscher und ließ beide Konkurrenten hinter sich. „Der Aufstieg ist
das Ergebnis einer großartigen
Mannschaftsleistung, und natürlich braucht man auch ein wenig
Glück“, erkennt Eigner an.
Für die Mittelfranken ist
die Regionalliga dennoch kein
Neuland. Der SC Eltersdorf war
in der Saison 2012/13 einer der
Gründungsmitglieder der damals
neu eingeführten Spielklasse.
Highlight war ein 3:1-Sieg gegen
Bayern München II mit Stars wie
Alessandro Schöpf und PierreEmile Höjbjerg, damals unter
Trainer Mehmet Scholl. Erst am
letzten Spieltag sind die die Erlanger unglücklicherweise auf einen
direkten Abstiegsplatz gestürzt.
Dies soll in der kommenden Saison möglichst verhindert
werden. Angesichts der äußerst
eingeschränkten finanziellen
Möglichkeiten dürfte dies ein
schwieriges Unterfangen werden.
Mit Kevin Woleman (29) hat sich
der Abwehrchef zum Lokalrivalen
kurz
bündig
SpVgg Unterhaching
ATSV Erlangen verabschiedet.
Für einen regionalligaerfahrenen Ersatz fehlt schlichtweg das
Geld. Immerhin konnten mit den
beiden ehemaligen Fürther Mittelfeldakteuren Tobias Schaffors
(20) und Laurin Klaus (21) sowie
Angreifer Tim Sulmer (24) von der
SpVgg Bayreuth drei junge Kräfte
mit Viertligaerfahrung gewonnen
werden. Die Zielsetzung ist für
Eigner klar: „Wir sind ein absoluter Underdog. Wir wollen
für die eine oder andere
Überraschung sorgen.
Unser Ziel ist der Klassenerhalt, notfalls über
die Relegation.“
Eigner, der 23 Bundesligaspiele für den FC
St. Pauli absolvierte, ist
seit 2016 Trainer bei den
Quecken. Der 49-Jährige schätzt
die familiäre Atmosphäre und den
Zusammenhalt im Verein. Dies
sieht er auch als Auftrag für sich
und sein Team: „Momentan wird
der Gästeblock der Sportanlage
regionalligatauglich gemacht. Das
läuft alles ehrenamtlich. Manchmal ist der Vorstand am Samstag
um 20 Uhr noch vor Ort und bohrt
die Geländer an. Da sind wir in der
Verantwortung und wollen etwas
zurückgeben.“
Am liebsten mit den Klassenerhalt, damit die Quecken auch
zukünftig in der Regionalliga
blühen.
MARTIN BAUER
NEU
IN DER
LIGA
Mit der Vertragsverlängerung von Kapitän Markus Schwabl (30) hat die
SpVgg eine wichtige Personalentscheidung getroffen. Der Rechtsverteidiger
hat seinen auslaufenden Vertrag bis
2024 verlängert.
Viktoria Aschaffenburg
Mit Nicolas Hebisch (31) vom VfB
Lübeck kommt ein erfahrener Stürmer
(82 Drittliga- und 130 Regionalligaspiele) an den Schönbusch. Der gebürtige Berliner hat in der Regionalliga
46 Tore und 21 Vorlagen vorzuweisen.
FC Memmingen
Mit Gökalp Kilic (21, SSV Ulm 1846)
und Arjon Kreyezi (22, VfB Eichstätt)
kommt Verstärkung für die Offensive.
TSV 1860 Rosenheim
Sturmtalent Armin Majanovic (18)
kommt von Viktoria Berlin und erhält
einen Vertrag bis 2024.
SV Schalding-Heining
Der SVS hat Abwehrspieler Tobias
Hofbauer (20), zuletzt bei Wacker
Burghausen, verpflichtet. Torhüter
Lukas Groll (18), der vor Kurzem von
der Spvgg GW Deggendorf gekommen
war, kehrt zum Bezirksligisten zurück.
FC Augsburg II
Von Türkgücü München wurde Torhüter Maximilian Engl (23) verpflichtet. Beim 1:0-Testspielsieg beim TSV
Buchbach stand Engl schon im Kasten.
Torschütze war Verteidiger Benedikt
Lobenhofer (22).
SPORTMAGAZIN
„Ganz großes
Packend, spektakulär ist die erste
Woche bei der TOU R DE FR ANC E
gewesen. Marcel Kittel (33), der
ehemalige Weltklasse-Sprinter,
bewertet und schätzt sie ein.
Auf der verregneten, kalten Bergetappe
hinauf nach Lac de Tignes hat der Slowene Tadej Pogacar (22) sein tags zuvor bravourös erobertes Gelbe Trikot verteidigt –
der Abschluss einer aufregenden Radsportwoche.
Vor dem ersten Ruhetag an diesem Montag lässt
der kicker mit Marcel Kittel die ersten Tage Revue
passieren. Der 33-Jährige, der 14 Etappen bei der
Tour gewinnen konnte und im August 2019 seine
Karriere beendete, hat die ersten neun Etappen
zu Hause am Fernsehen verfolgt.
Herr Kittel, hat Sie die erste Tour-Woche gepackt?
van der Poel
Und wie! Es ist eine aufregende RadsportMischung gewesen, in der ein Stück Sportgeschichte geschrieben wurde und die leider auch
mit den vielen Stürzen ihre Schattenseiten hatte.
Eine emotionale Achterbahnfahrt eben.
Drei Hauptakteure,
die bislang bei der
Tour de France für
die ganz besonderen
Momente stehen.
Was hat Sie am meisten bewegt?
Auch wenn es so viele spezielle Momente gegeben
hat, dann der Auftritt von Mathieu van der Poel.
Wie er an der ersten Etappe noch enttäuscht war,
den Sieg zu verpassen, um sich dann tags darauf auf
besonders eindrucksvolle Art den Etappensieg und
wie erhofft das Gelbe Trikot für seinen Großvater
Raymond Poulidor zu holen, war alleine schon
ganz großes Kino. Und wie er Gelb dann bis zur
ersten Bergetappe am Samstag verteidigte, vor
allem beim Zeitfahren am Mittwoch wie auch am
Freitag auf der fast 250 Kilometer langen schweren Klassiker-Etappe im Duell mit Wout van Art,
sind großartige Sportmomente gewesen. Wobei
großartig sogar noch ein wenig untertrieben ist.
Warum?
Pogacar
Ich sage dies als Radsport-Fan: Was haben wir
bislang für Duelle, für Auftritte gesehen. Ich denke,
dass einem erst in ein paar Jahren bewusst wird,
welche Ausnahmefahrer da derzeit zu sehen sind.
Kurz noch mal zu van der Poel,
für den jetzt nur noch das Projekt Mountainbike-Gold bei den
Olympischen Spielen zählt und der
wie erwartet der Tour am Sonntag
nach sechs Tagen in Gelb vorzeitig
Adieu gesagt hat. Wenn er sich in
den nächsten Jahren nur auf die Straße und auf die
Tour konzentrieren würde, könnte er dann um den
Gesamtsieg mitfahren?
Er hat einen entscheidenden Nachteil: Er bringt
fürs Hochgebirge zu viele Kilos auf die Waage.
Er könnte wie einst Bradly Wiggins versuchen abzunehmen …
Cavendish
… um sich dann eventuell seiner Stärken zu berauben? Nein, das wäre Quatsch, und er hat das auch
Fotos: Getty Images (2), Imago Images
„Nur die Tour – das hat
Mathieu van der Poel
gar nicht nötig.“
Kino“
gar nicht nötig. Er ist Cross-Weltmeister, gewinnt
auf der Straße, wenn auch nicht in den Bergen,
bedeutende Rennen und fährt bei Olympia auf
dem Mountainbike um Gold – da braucht es wohl
keine weiteren Erläuterungen.
Nun zu Tadej Pogacar, einer weiteren AusnahmeErscheinung. Wie er am Samstag auf dem großen
Blatt fahrend die Berge hinaufstürmte und seine
Konkurrenten stehen ließ, lässt mit Blick auf seine
22 Jahre nicht nur für diese Tour in puncto Gesamtsieg Langeweile befürchten.
Wenn man seine Karriere und seine stetige Entwicklung verfolgt, könnte man schon zum Schluss
kommen, dass da ein Abonnement-Sieger in die
Pedale tritt. Andererseits lehrt der Radsport, dass
sich in Sekundenbruchteile Dinge ändern können.
Pogacar hatte bei dieser Tour auch das notwendige
Quäntchen Glück, nicht in einen Sturz verwickelt
zu sein – anders als Primoz Roglic. Ob er im Vollbesitz seiner Kräfte Pogacar am Samstag hätte
Paroli bieten können, ist nicht auszuschließen.
Generell ist es aber schon sehr beeindruckend,
5. JULI 2021
welche Klasse Pogacar hat. Einerseits fährt er
sehr souverän, andererseits aber auch mit großer
Angriffslust – eine Top-Mischung.
Sie haben die Stürze erwähnt. Hat sich die Tour
selbst um Spannung gebracht?
Das muss man differenziert betrachten. Der erste,
von einer Zuschauerin ausgelöste Massensturz ist
sehr, sehr bitter, doch eine 100-prozentige Garantie, dass sich so etwas nie wiederholt, gibt es nicht.
Du kannst die Strecke nicht komplett absperren,
das ist unmöglich. Und wenn du Zuschauer generell verbietest oder nur in wenigen Teilbereichen
zulässt, nimmst du dem Radsport einen nicht
geringen Teil seiner Faszination.
Anders sieht es bei dem Massensturz in der 3. Etappe aus, der
größtenteils der Streckenführung
geschuldet war.
73
Und die Fahrer selbst?
Auch da darf man nicht darum herumreden: Vor
der ersten Etappe bläut jeder sportliche Leiter
seinen ohnehin schon hochmotivierten, heißen
Fahrern bei der Besprechung im Mannschaftsbus
ein, vorne fahren, vorne fahren. Dass aber 23 Teams
mit ihren je acht Fahrern rein mathematisch gar
nicht alle vorne fahren können, ist jedem klar.
Und so wird die erste Tourwoche wohl immer im
Zeichen von Hektik und Nervosität stehen – und
beides wird sich erst legen, wenn ein paar Zentimeter Haut weggeschmirgelt sind.
Zum Schluss noch etwas Positives: Was sagen Sie
zu Ihrem Ex-Sprintkonkurrenten Marc Cavendish,
der nach Jahren der Sieglosig„Tadej Pogacar fährt keit mit 36 Jahren bei der Tour
urplötzlich wieder als Siegfahrer
souverän und mit ums Eck kommt, seine Etappen 31
großer Angriffslust.“ und 32 gewinnt und nun den Eddy-Merckx-Rekord von 34 Siegen
brechen könnte?
Das stimmt, aber auch da gibt es
ein Aber – es gibt eben nicht nur
große, breite Straßen, das muss
man den Organisatoren schon zugutehalten. In
diesem speziellen Fall hätte es eine einfache Lösung gegeben, in dem man wie vorgeschlagen,
bevor die Straßen eng und verwinkelt wurden,
acht Kilometer vor dem Ziel die Zeitnahme gemacht hätte. Das hätte sehr viel entzerrt und am
Gesamtergebnis überhaupt nichts geändert. Ich
hoffe, dass alle Verantwortlichen daraus lernen.
Es sollte in Zukunft keine Frage mehr des Glücks
sein, welche Anwärter aufs Gesamtklassement
durch die erste Woche kommen.
Auch das passt ganz wunderbar zu dieser Tour. Und
es zeigt, dass es mehr als nur Klasse braucht. Die hat
Cavendish nie verloren, anscheinend aber seine innere Mitte. Er ist ein schwieriger, sehr emotionaler
Typ, der nun das für ihn passende Team gefunden
hat – ich selbst habe ja die spezielle Atmosphäre
bei Deceuninck Quick-Step erleben dürfen. Um
auf diesem absoluten Weltklasse-Niveau, das bei
der Tour nun mal herrscht, zu gewinnen, brauchst
du auch eine gewisse innere Gelassen- und Zufriedenheit.
INTERVIEW: CHRISTIAN BIECHELE
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74
5. JULI 2021
Ein Meer in Orange:
Nach Lockerungen
in Österreich
verfolgen viele
Verstappen-Fans
die Triumphfahrt
des Niederländers.
Allein-Gang in der Steiermark
Mit einem Start-Ziel-Sieg dominiert MAX V E R STA P P EN (23) erneut in Spielberg
und vergrößert seinen WM-Vorsprung im Titelkampf mit Lewis Hamilton.
nen, und er setzt sich dort auch für
20 Umläufe fest. Ein Kundenauto vor
dem Werkswagen, auch das zeigt,
wie dringend Hamilton und Valtteri
Bottas (31) eben doch ein letztes, entscheidendes Update für das einst so
überlegene Auto brauchen können,
zumal es jetzt nach Silverstone geht –
einer Piste, auf der Mercedes nach
langer Zeit wieder echte Chancen hat.
„Gerade ist es wie verhext“, stöhnt
Mercedes-Teamchef Toto Wolff (49).
Hamilton kann aber nie wirklich die Verfolgung aufnehmen,
muss nach zwei Dritteln des Rennens Bottas und Norris passieren
lassen. „Mehr ging nicht“, bilanziert
er für den Moment. Es bleibt ihm der
Glaube an eine bessere Zukunft, er
hat an diesem Wochenende seinen
FOR MEL-1 - GP VON ÖSTE R R EI C H
Renndistanz: 71 Runden à 4,318 km (306,452 km) Asphalt: 32 Grad, trocken Luft: 21 Grad
1. Max Verstappen (NED)
2. Valtteri Bottas (FIN)
3. Lando Norris (GBR)
4. Lewis Hamilton (GBR)
5. Carlos Sainz jr. (ESP)
6. Sergio Perez (MEX)
7. Daniel Ricciardo (AUS)
8. Charles Leclerc (MON)
9. Pierre Gasly (FRA)
10. Fernando Alonso (ESP)
Red-Bull-Honda
Mercedes
McLaren-Mercedes
Mercedes
Ferrari
Red-Bull-Honda
McLaren-Mercedes
Ferrari
Alpha-Tauri-Honda
Alpine-Renault
1:23:54,453 Std. (ø 219,132 km/h)
+ 17,973 Sek.
+ 20,019 Sek.
+ 46,452 Sek.
+ 57,144 Sek.
+ 57,915 Sek.
+ 1:00,395 Min.
+ 1:01,195 Min.
+ 1:01,844 Min.
+ 1 Runde
11. George Russell (GBR) Williams-Mercedes, 12. Yuki Tsunoda (JPN) Alpha-Tauri-Honda,
13. Lance Stroll (CAN) Aston-Martin-Mercedes, 14. Antonio Giovinazzi (ITA) Alfa-RomeoFerrari, 15. Nicholas Latifi (CAN) Williams-Mercedes, 16. Kimi Räikkönen (FIN) Alfa-RomeoFerrari, 17. Sebastian Vettel (GER) Aston-Martin-Mercedes. Zwei Runden zurück: 18. Mick
Schumacher (GER) Haas-Ferrari, 19. Nikita Mazepin (RUS) Haas-Ferrari.
Ausfälle: Esteban Ocon (FRA) Alpine-Renault (1. Runde).
Schnellste Runde: Verstappen 1:06,200 Min. (60. Runde).
Pole-Position: Verstappen 1:03,720 Min.
Fahrer-WM (nach 9 von 23 Rennen): 1. Verstappen 182 Punkte, 2. Hamilton 150, 3. Perez 104, 4.
Norris 101, 5. Bottas 92, 6. Leclerc 62, 7. Sainz jr. 60, 8. Ricciardo 40, 9. Gasly 39, 10. Vettel 30,
11. Alonso 20, 12. Stroll 14, 13. Ocon 12, 14. Tsunoda 9, 15. Räikkönen 1, 16. Giovinazzi 1.
Konstrukteurs-WM: 1. Red Bull 286 Punkte, 2. Mercedes 242, 3. McLaren 141, 4. Ferrari 122,
5. AlphaTauri 48, 6. Aston Martin 44, 7. Alpine 32, 8. Alfa Romeo 2.
Nächstes Rennen: GP von Großbritannien, Sonntag, 18. Juli, 16 Uhr MESZ, in Silverstone.
Foto: GettyImages
Hattrick für Max Verstappen nach Siegen
und Pole-Positionen,
5. Red-Bull-Triumph in Folge: Die
Formel 1 fährt wieder vor vollem
Haus, und der Herausforderer aus
den Niederlanden ist mit dem mittlerweile besten Auto im Feld drauf
und dran, die Ära von Lewis Hamilton (36) zu beenden. Drei Triumphe
in 15 Tagen, der beim Großen Preis
von Österreich markiert dabei einen
Höhepunkt. Schon früh kann der
Spitzenreiter das Tempo rausnehmen, kurz vor Schluss noch frische
Reifen holen, um ungefährdet den
Extrapunkt für die schnellste Rennrunde zu sammeln – und trotzdem
kommt er über 40 Sekunden, also gut
drei Streckenkilometer vor Hamilton ins Ziel. „So dominant hätte ich
das Rennen nicht erwartet“, gesteht
Verstappen, „das gibt es nicht oft.“
Der Titelverteidiger ist am Ende
nur Vierter, sein Rückstand in der
Gesamtwertung beträgt nun mehr
als die Punkteanzahl für einen Sieg.
Der Brite ist froh, beim 9. WM-Lauf
überhaupt ins Ziel gekommen zu
sein. Aber auch ohne einen lädierten
Unterboden am Mercedes hätte er
kaum Land gesehen. Ein bisschen
spannender hätte es werden können,
wäre Hamilton von Startplatz 4 aus
früher an Lando Norris (21) vorbeigekommen. Der hatte zum ersten
Mal seit 2012 wieder einen McLaren
in die erste Startreihe steuern kön-
Vertrag mit Mercedes noch einmal
um zwei Jahre bis Ende 2023 verlängert. Einem anhaltenden Duell
mit Verstappen steht damit nichts
im Weg, die veränderte sportliche
Herausforderung soll mit den Ausschlag für seine frühe Unterschrift gegeben haben. Offen ist, ob Bottas sein
Partner bleibt oder sein Landsmann
George Russell (23) im Williams.
Ähnlich frustriert wie die
Mercedes-Truppe dürfte Sebastian
Vettel sein. An seinem 34. Geburtstag
wurde der Heppenheimer im Qualifying um drei Ränge auf Startplatz 11
zurückgestuft. Im Rennen kämpft er
den Aston Martin früh wieder in die
Punkte, rutscht aber erneut zurück.
In der allerletzten Runde bugsiert ihn
ausgerechnet sein Kumpel Kimi Räikkönen (41) noch unsanft in den Kies.
„Bisschen komisch“, sagt der Hesse
über seinen 17. Platz. Mick Schumacher (22) setzt seine Lernphase im
chancenlosen Haas-Ferrari hingegen
tadellos fort. Mittlerweile kämpft er
längst nicht mehr nur gegen seinen
Teamkollegen Nikita Mazepin (22),
sondern auch gegen andere Fahrer
im hinteren Mittelfeld.
132 000 Zuschauer an drei Tagen haben der Formel 1 in Spielberg
nach genau einem Jahr Corona-Rennen wieder so etwas wie Normalität
beschert, nachdem in Österreich die
Masken gefallen sind. „Wir sind zurück“, steht auf den T-Shirts der vielen
Verstappen-Fans. ELMAR BRÜMMER
IHRE
5. JULI 2021
MEINUNG
75
L e s e r f o r u m @ k i c k e r. d e
Dank, Schelte und Ironie
nach dem Ausscheiden
für den Bundestrainer
gewannen auch nur mehr als eine
Handvoll Spieler letzten August noch
die Champions League. Dazu ein
langjähriger Leistungsträger bei Real
Madrid und einer der besten Offensivverteidiger der Serie A. Schließlich
wurde auch die U 21 in den letzten
vier Jahren nur zweimal Europameister. Nun kann sich Joachim Löw
mehr seiner Plattensammlung widmen. Und der DFB kann weiterhin
den Aufbau einer völlig seelenlosen
Nationalmannschaft vorantreiben.
Betr.: „Das Ende. Die Zukunft.“ – Mit dem
EM-Aus endet auch Löws Ära beim DFB
% Nr. 53
Für eine mittlere Ewigkeit – 15 Jahre
lang – unterhaltsamer Abende dankt
Fußballpfarrer Bernd Weskamp. Bisher ist es keinem auf der Welt gelungen, alle Spiele zu gewinnen … Herr
Löw, Sie haben alles erlebt: vom 7:1 in
Brasilien gegen den Gastgeber bis zur
0:6-Klatsche gegen die Spanier. Zur
Demut gehören Niederlagen, auch
die in der Kathedrale des Fußballs
(Wembley). PS: Ich darf am Wochenende 80 Personen erfreuen (was auch
nicht immer klappt); bei Ihnen waren
es am Höhepunkt 80 Millionen.
Bernhard Weskamp, Herten (Pfarrer)
Löw hat keinen Plan. Löw hat Hummels und Müller zu spät zurückgeholt. Löw hätte 4-3-3 spielen lassen
sollen. Löw hätte Kimmich zentral
und nicht auf die rechte Seite stellen sollen. Löw hätte vieles anders
machen müssen … hat er aber nicht.
Und darum ist er gescheitert. Er ist
schon 2018 gescheitert und hätte
nicht selbstbestimmt weitermachen
Rudolf Kaiser, Albbruck
Bitter: Der kicker-Titel der Nr. 53
nach dem Ausscheiden
dürfen. Jetzt haben es alle schon
immer gesagt, aber nur wenige, wie
Karlheinz Wild vom kicker, hatten
den Mut, es vor dem Scheitern zu
sagen.
Klaus Jessen, Amrum
Es ist Turnierzeit. Und es ist auch
die Zeit, in der sich die deutsche
Mannschaft relativ früh von einem
großen Turnier verabschiedet. Aber
klar, mit diesem Spielermaterial ist
es auch schwierig, eine schlagkräftige Truppe zu formen. Schließlich
standen nur vier Spieler dieses Jahr
im Champions-League-Finale. Es
H E RZ L I C HE N G LÜ C KW U N S C H !
Hoffentlich halten Brych
und Siebert das Level
auch in der Bundesliga
Betr.: „Die EM sorgt für viel Spaß und ein
ganz großes Ärgernis – EM-Kommentar von
Manfred Münchrath
% Nr. 53
Sehr wohltuend sind auch die Darbietungen der Schiedsrichter und
VAR bei dieser EM. Abgesehen von
wenigen Ausnahmen entscheiden
sie richtig und sind so gut wie kein
Thema im öffentlichen Diskurs. Mit
ihren überwiegend guten Leistungen sind auch Dr. Brych und Siebert
daran beteiligt. Es bleibt zu hoffen,
dass dieses Level bald auch in der
Bundesliga erreicht werden kann.
Ebenso erfrischend positiv: die Experteneinschätzungen von Almuth
Schult (ARD). Daniel Held, Uerdingen
Rassismus im Alltag:
Wo bleiben denn hier
die Regenbogenfarben?
Betr.: „Druck auf London zeigt das wahre
Gesicht der UEFA – EM-Kommentar von
Matthias Dersch
% Nr. 50
Ist der kicker inzwischen eine linke
Mainstream-Zeitung? Es geht doch
hier nur um ein politisches Statement
gegen Viktor Orban, Ungarn. Wo waren und sind denn die sogenannten
Regenbogenfahnen, wenn es um die
Menschenrechte in Staaten geht, wo
Christen, sogenannte „Ungläubige“
und Homosexuelle verfolgt werden?
Hierzu lese ich nichts im kicker, registriere keine Stellungnahme von muslimischen Fußballern sowie keine
politische Reaktion und Kniefälle …!
Thema Vielfalt: Journalisten und
Fußball-Millionäre sollten sich hier
einmal in „No-go-Areas“ begeben,
auch sollten sie deutsche Zugbegleiter, Polizisten, Lehrerinnen etc.
befragen, was diese Leute täglich an
Rassismus erleben. Wo bleiben hier
die Regenbogenfarben?
Horst Wilkes, Osnabrück
Redaktion kicker-sportmagazin,
Leserforum, Badstraße 4 – 6,
90402 Nürnberg,
Fax: 0911 / 2 16 - 22 52,
Mail: leserforum@kicker.de
facebook.com/kickeronline
Jörg Daniel
112 BL-Spiele als Torwart von Fortuna Düsseldorf, seit über
20 Jahren beim DFB als Trainer, feiert seinen 70. Geburtstag.
MONTAG , 5 . JU LI
Gaby König-Vialkowitsch (3 A) wird 50
Alberto Gilardino (57 A für Italien,
39
WM 2006)
Megan Rapinoe (177 A USA
36
WM 2015, 2019, Olympia 2012)
Robin Gosens (10 A)
27
D IE NSTAG , 6 . JU LI
Uli Maslo (Trainer)
Zé Roberto (84 A BRA, 336 BL)
Madlen Wilder (2 A, EM 2001 o. E.)
Tanja Wörle (2 A)
83
47
41
41
MITTWOC H, 7. JU LI
Jürgen Grabowski (44 A, 441 BL,
WM 1974, EM 1972)
Michael Klinkert (301 BL)
53
D ONNERSTAG , 8 . JU LI
Horst Blankenburg (75 BL)
Dimitrios Grammozis (Trainer)
Kevin Trapp (5 A, 202 BL)
Virgil van Dijk (38 A Niederlande)
74
43
31
30
77
FRE ITAG , 9 . J U L I
Jörg Daniel (DFB-Trainer)
Gianluca Vialli (59 A für Italien)
Heiko März (1 A DDR, 95 BL)
Michael Spies (219 BL)
S AM STAG , 1 0. J U L I
Theo Bücker (235 BL)
Edmilson (39 A, WM 2002)
Ludovic Giuly (17 A für Frankreich)
Lars Ricken (16 A, 301 BL)
Levan Kobiashvili (100 A GEO,
351 BL)
Isabell Bachor (30 A)
Mario Gomez (78 A, 328 BL)
Benjamin Brand (Schiedsrichter)
S O NNTAG , 1 1 . J U L I
Emerson Leao (80 A für Brasilien
WM 1970 o. E.)
Heiko Gerber (2 A, 199 BL)
Michael Hartmann (4 A, 167 BL)
Tobias Welz (Schiedsrichter)
Alexander Madlung (2 A, 285 BL)
UNSE R TI P P
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76
5. JULI 2021
RÜCKBLICK. EINBLICK. AUSBLICK.
10 Jahre Heim-WM
SERIE TEIL 1
Die Frauen-WM 2011 war die erste im
eigenen Land. D O R I S F I TS C HEN (52)
und S I LV I A NE I D (57) über den Hype,
Nachhaltigkeit – und ihre Wünsche.
Sie kennen sich schon seit
Ewigkeiten. Früher haben
sie zusammen in der Nationalmannschaft gespielt.
Bei der Weltmeisterschaft 2011 in
Deutschland (26. Juni – 17. Juli) war
Silvia Neid Trainerin und Doris Fitschen Managerin des DFB-Teams, das
den Titel im eigenen Land gewinnen
sollte. Der Druck auf die Mannschaft
war groß, die öffentliche Wahrnehmung erreichte ungeahnte Dimensionen. Aber im Viertelfinale unterlag die deutsche Elf gegen Japan.
Neid und Fitschen blicken noch mal
zehn Jahre zurück – auf ein Turnier,
das trotz der sportlichen Enttäuschung auch Maßstäbe gesetzt hat.
Darüber hinaus beleuchten sie die aktuelle Situation des Frauenfußballs.
Frau Neid, wenn Sie zehn Jahre zurückdenken: Welche Bilder tauchen
da zuerst vor Ihrem inneren Auge auf?
„Die Leute haben
Silvia Neid Spontan erinnere ich mich
an einen richtigen Boom in Deutschland. Frauenfußball wurde großgeschrieben, war in aller Munde – über
Monate. Diese WM war und ist ein
echtes Highlight für mich, weil wir so
viele Menschen erreicht haben. Als
Zweites fällt mir dazu ein: Schade,
dass wir im Viertelfinale gegen Japan
ausgeschieden sind.
Und bei Ihnen, Frau Fitschen?
Doris Fitschen Bei mir ist es ähnlich
wie bei Silvia. Vor Augen habe ich
noch unsere Fahrt zum Eröffnungsspiel. Unzählige Menschen säumten
die Straßen in Berlin, ein Hubschrauber mit TV-Übertragung begleitete
uns. Wir hatten plötzlich eine riesige Aufmerksamkeit. Das war toll!
Aber klar, diese Niederlage gegen
Japan vergisst man auch nicht, die
bleibt haften. Doch insgesamt war die
Weltmeisterschaft ein fantastisches
Erlebnis.
Die WM 2011 stand unter dem Motto
„20Elf von seiner schönsten Seite“.
Welche war für Sie die schönste?
Fitschen Die Zeit als Managerin mit
dem Team vor und während der
WM war schon sehr intensiv und
emotional. Und vorher als Marketingverantwortliche im Organisa-
„Wir hatten eine riesige
Aufmerksamkeit.
Das war toll!“
Doris Fitschen
tionskomitee hatten wir über drei
Jahre lang darauf hingearbeitet, diese
Weltmeisterschaft zu einem Erfolg
zu machen. Dazu gehörten neben
der Vermarktung auch Dinge wie die
Entwicklung eines Logos oder eines
Slogans. Eine ganz besondere Zeit.
Neid Dieses Motto – das übrigens
Doris damals mitentwickelt hat –
passt ja auch irgendwie. Die Stadien
waren voll. Die Menschen haben
Frauenfußball gefeiert. Die Spielerinnen wurden noch bekannter. Wir
haben temporeichen Fußball mit
tollen Spiel- und Torszenen erlebt.
Ich glaube, wir haben damals viele
neue Fans dazugewonnen.
Frau Neid, nicht nur organisatorisch,
sondern auch sportlich war es eine
ungewohnt lange Vorbereitungszeit.
Mit einem frühen Bundesliga-Ende am
13. März, dem diverse Trainingslager
folgten. Wie bewerten Sie das heute?
Neid Es war schwierig, eine so lange
Vorbereitungszeit zu bekommen.
Ein Liga-Ende im März war ja für
die Vereine auch nicht schön, aber
alle wollten uns unterstützen. Diese
zweieinhalb Monate waren auch super – und wichtig. Wir konnten lange
auf sehr hohem Niveau miteinander
Freude nach dem WM-Auftakt:
Die deutschen Spielerinnen
feiern das 2:1 gegen Kanada.
Frauenfußball gefeiert“
trainieren. Zumindest damals war
der Vereinsfußball nicht durchgängig
so hochklassig und überall auf einem
Niveau. Deshalb sage ich noch heute: Gut, dass es so war. Und ich bin
dankbar, dass alle zugestimmt haben.
Es war also nicht zu viel?
Neid Vielleicht hätte man kurz vor-
Fotos: Getty Images, picture alliance
her eine Woche länger frei machen
können. Wir hatten ja auch frühzeitig
die Intensität im Training rausgenommen, wohl wissend, dass wir
am 1. Spieltag 100-prozentig fit sein
mussten. Schließlich sollte das Turnier möglichst lange dauern.
War denn immer die 100-prozentige
Konzentration auf den Sport möglich?
Fitschen Bei uns hatte der Sport im-
mer Priorität. Und ich habe dann
geschaut, wo wir noch MarketingAktionen einbauen konnten, aber
verteilt auf mehrere Schultern.
Nichtsdestotrotz muss man sagen:
Das war schon mehr, als die Spielerin-
nen es kannten. Diese Aufmerksamkeit während der WM war für alle eine
neue Situation, das hatte es vorher so
nicht gegeben. Gleichzeitig war es
aber auch das, was wir wollten. Wir
wollten diese Aufmerksamkeit und
Wertschätzung in der Öffentlichkeit.
Natürlich erzeugte das schon auch
Druck. Die Erwartungshaltung in
der Öffentlichkeit war hoch, was die
Spielerinnen spürten.
Neid Auch unsere eigene Erwartungshaltung war sehr, sehr hoch. Wir waren zuvor zweimal Weltmeisterinnen
geworden – und dann willst du das
natürlich unbedingt auch im eigenen
Land schaffen.
Und für viele waren Sie das auch schon
vor dem Turnier.
Neid Ja, genau. Ich weiß noch, vor
dem Spiel gegen Japan habe ich
schon überall gelesen, das geht 3:0,
4:0 aus – und ich dachte nur: Oh, oh,
die meisten kennen Japan wohl nicht
so gut. Viele Journalisten kamen aus
dem Männerfußball, wo Japan keine
so gute Mannschaft hat. Aber bei
den Frauen war Japan schon immer
bekannt für gutes technisches und
taktisches Verhalten.
„Auch unsere eigene
Erwartungshaltung
war sehr, sehr hoch.“
Silvia Neid
Wissen Sie noch, dass damals erstmals im Vorfeld eines Frauen-Turniers
ein Panini-Sammelalbum herauskam?
Das war bis dato ausschließlich den
Männern vorbehalten.
Fitschen (schmunzelt) Ja, seit 2011
gibt es das bei allen Frauen-Weltmeisterschaften. Neben den Panini-Stickern gab es eine Fußball-Barbie,
es wurden diverse TV-Spots produziert. Alles neu, aber auch extrem
spannend.
Es gab damals eine Gedenkmünze
anlässlich der WM 2011 mit dem
Schriftzug: „Die Zukunft des Fußballs
ist weiblich“. Was ist aus Ihrer Sicht
daraus geworden?
Fitschen Das Münzprogramm fiel
zwar in meinen Aufgabenbereich,
aber an diese Münze kann ich mich
gar nicht erinnern. Der Spruch
stammt von Sepp Blatter aus dem
Jahr 1995. Seitdem hat sich viel getan
und es tut sich auch noch viel. Die
WM 2011 war bis dahin die beste WM
aller Zeiten mit weltweiter Aufmerksamkeit. Das war ein enorm wichtiger
Schritt. Seitdem wird der Fußball
immer weiblicher – da hatte Blatter
schon recht.
Sogar ein Tatort-Krimi hat kurz vor der
WM im Umfeld Frauenfußball gespielt.
Wie war die Filmerei?
9
78
5. JULI 2021
Fitschen Hast du mitgespielt, Silvia?
Neid Nein, nicht wirklich, ich war nur
in einer Szene zu sehen, als ich auf
dem Feld eine Ansprache gehalten
habe. Ich glaube, Theo Zwanziger hat
damals mitgespielt. Jogi Löw auch.
Fitschen Die Celia (damals Okoyino
da Mbabi, heute Sasic, d. Red.) war
auch dabei.
Neid Insgesamt war die Geschichte
ganz witzig. Als Kommissarin Lena
Odenthal ist Ulrike Folkerts ja sehr
bekannt, und wir haben uns auch
getroffen …
Fitschen … ja, es gab extra eine Filmpremiere in einem kleinen Frankfurter Kino. Da war Ulrike Folkerts
auch dabei. Und wir mit der ganzen
Mannschaft.
Neid Das war nett, einfach mal was
anderes.
Was hat die WM 2011 im eigenen Land
für den Frauenfußball gebracht, auch
wirtschaftlich?
„Das hohe Level
konnten wir natürlich
nicht halten.“
Doris Fitschen
Fitschen Unser Heimturnier ist als
erste Frauen-WM mit einem Plus
rausgegangen. Auch aufgrund der
guten Vermarktung, aber auch des
Ticketverkaufs, wir hatten eine sehr
hohe Auslastung. Das war von daher
ein großer Erfolg. Wir haben Partner
gewonnen, die uns heute noch treu
sind, wie die Commerzbank oder
Rewe. Aber man muss auch sagen:
Es ist schwer, den Schwung eines
öffentlichkeitswirksamen Turniers in
den Alltag mitzunehmen. Auch nach
einer Heim-WM, wo die Aufmerksamkeit noch mal ungleich höher ist.
Das hohe Level konnten wir natürlich
nicht halten.
Neid Aber als wir 2013 erneut Europameister wurden, boomte der
Frauenfußball wieder. Wie du sagst,
Doris, die internationalen Turniere der Nationalmannschaft haben
eine sehr große Aufmerksamkeit und
schaffen große Begeisterung.
Hatten Sie sich insgeheim doch erhofft, dass unter dem Strich mehr
hängen bleibt, Frau Fitschen?
Fitschen Erhofft ja. Aber wie gesagt, in
der Vermarktung ist schon was hängen geblieben, allerdings natürlich
nicht auf dem Level der Heim-WM.
Da ist noch Luft nach oben. Aber wir
arbeiten dran. Und jetzt bewerben
wir uns ja auch wieder für eine Weltmeisterschaft, mit den Niederlanden
und Belgien zusammen, für 2027, und
hoffen, dass das Ganze wieder Fahrt
aufnimmt.
Die WM-Botschafterin ist ja schon mal
gut gewählt …
Neid (lacht) Danke für das Kompliment. Aber es ist noch ein ganz, ganz
langer Weg, ob wir den Zuschlag
überhaupt bekommen. Da bewerben sich ja einige Länder. Aber es
wäre wirklich, wirklich gut für den
Frauenfußball in Deutschland und
natürlich auch in Belgien und den
Niederlanden, wenn wir wieder eine
WM im eigenen Land hätten und so
für Nachhaltigkeit sorgen könnten.
Fitschen Dennoch hat sich seit der
WM 2011 schon was entwickelt. Der
Frauenfußball ist in der Gesellschaft
ein Stück weit selbstverständlicher
geworden.
Hilft dem Frauenfußball allgemein
auch die Tatsache, dass sich zunehmend Klubs wie der FC Barcelona oder
Chelsea engagieren?
Fitschen Konkurrenz belebt das Geschäft. Es ist super, dass FIFA, UEFA
und andere Verbände jetzt richtig
investieren. Das ist für uns als DFB
Ansporn, wieder – zumindest in Europa – die Nummer eins zu sein, wie
wir es über Jahre waren.
Neid Aber das sind wir doch immer
noch, die Nummer eins in Europa.
Wir sind Weltranglisten-Zweiter.
Fitschen Wir sind aktuell nicht Europameister, nicht im ChampionsLeague-Finale, und auch in der Vermarktung der Ligen sind wir immer
noch in Europas spitze, aber nicht
die Nummer eins.
Neid Die internationalen Klubs wie
Barcelona oder Chelsea machen es
auch richtig. Bei uns gibt es durchaus
viele Vereine, wo der Männer- und
Frauenfußball in der Bundesliga
vertreten sind, aber von außen betrachtet habe ich doch irgendwie den
Eindruck: Okay, das hat man jetzt,
aber so richtig unterstützt werden
die Frauen da doch nicht. Wenn dann
der eine oder andere Verein in einem
wenig professionellen Umfeld und
Stadion spielt, ist das allein optisch
nicht gerade förderlich, und ich kann
verstehen, wenn die TV-Sender schon
mal sagen: Das übertragen wir nicht.
Hilft es da zum Beispiel den Frauen
von Bayern München, dass sich KarlHeinz Rummenigge, Uli Hoeneß oder
Oliver Kahn zunehmend äußern in den
sozialen Medien – und der Verein auch
deutlich mehr Geld investiert?
Neid Das hilft auf jeden Fall, in der
Außendarstellung und der Qualität, die diese Mannschaft hat. Die
spielen richtig guten Fußball. Mir
gefällt einfach, dass da eine Ent-
VORRUNDE, 2. SPIELTAG
Ärger nach der Auswechslung: Birgit Prinz lässt ihren Frust an
der Bundestrainerin und danach an ihren Mitspielerinnen aus.
wicklung stattgefunden hat. Und die
wünsche ich mir in vielen Vereinen.
Momentan schauen alle nach England, wo viel Geld verdient wird –
völlig verständlich. Da müssen wir
nachziehen, um die Qualität in der
Bundesliga auch künftig zu erhalten
und zu erhöhen. Und das nicht nur in
zwei Vereinen. Melanie Leupolz sagt,
„Wir Frauen sind halt
irgendwie immer
noch Exoten.“
Sivia Neid
es sei total spannend in England, weil
die kleineren Vereine immer in der
Lage sind, die großen zu ärgern. Ich
schau viel englischen Fußball – und
das ist dadurch einfach attraktiv. Die
Zuschauer gehen gerne dahin, wenn
sie denn bald wieder dürfen.
Fitschen Noch spielen die meisten
Nationalspielerinnen in der Bundes-
liga. Wir brauchen diese Gesichter in
der Liga, und nicht nur diese, sondern auch internationale Top-Stars
wie Pernille Harder, die zuletzt in
Wolfsburg gespielt hat. Das sind Stars
und Vorbilder, und die machen den
Frauenfußball noch interessanter.
Das muss unser Ziel sein. Damit wir
auch in der Champions League wieder Titel gewinnen.
Wir haben in Deutschland viele gute
junge Spielerinnen. Wer waren eigentlich 2011 die hoffnungsvollen Talente
im Kader?
Neid Oh, da müsste ich in meinem
Ordner nachgucken.
Fitschen Das waren vor allem Alexandra Popp und Kim Kulig. Dzsenifer
Marozsan hatte sich ja leider vorher
verletzt. Aber die gehörte auch dazu.
Neid Ich sehe nirgendwo so viele
gute junge Spielerinnen wie hier in
Deutschland. Nicht in England, nicht
in Schweden und auch nicht in den
USA. Die deutschen Talente sind alle
super ausgebildet, haben ein hohes
Tempo und eine hohe Passqualität.
5. JULI 2021
79
VIERTELFINALE
Riesenenttäuschung nach dem
Ausscheiden beim Heim-Turnier:
In der Verlängerung hat Japan die
deutschen Titelträume zerstört.
DI E DE UTSC HE N SP I E L E 2 0 1 1
Gegen Japan ist Endstation
Die WM-Stadien sind voll. Doch auch die Fans können
das Aus der DFB-Frauen nicht verhindern.
VIERTELFINALE
Deutschland – Japan 0:1 n.V.
09.07.2011 in Wolfsburg
Tor: 0:1 Maruyama (108.)
Zuschauer: 26 067
VORRUNDE, 3. SPIELTAG
Frankreich – Deutschland 2:4 (0:2)
05.07.2011 in Mönchengladbach
Tore: 0:1 Garefrekes (25.), 0:2 Grings (32.), 1:2 Delie
(56.), 1:3 Grings (68., Foulelfmeter), 2:3 Georges
(72.), 2:4 Okoyino da Mbabi (89.)
Zuschauer: 45 867
VORRUNDE, 3. SPIELTAG
Das torreichste Spiel: Inka Grings verwandelt einen Elfmeter
gegen Frankreich. Die DFB-Elf gewinnt am Ende mit 4:2.
Das lässt hoffen für die Zukunft. Da
ist in den U-Nationalmannschaften
in den vergangenen Jahren wirklich hervorragende Arbeit geleistet
worden.
Fotos: Getty Images, picture alliance, imago images
Birgit Prinz ist ja immer noch Rekordspielerin und Rekordtorschützin. Wer
könnte sie ablösen?
Neid Die Birgit hat über 200 Länder-
spiele absolviert und damals ganz
früh in der Nationalmannschaft
begonnen. Sie war 16 und hat gespielt, bis sie 32 oder 33 Jahre alt
war. Ich glaube, dass wir zukünftig
Spielerinnen haben werden, die
über viele Jahre dabei sein werden.
Außerdem finden jetzt viel mehr
Länderspiele statt als früher. Insofern
könnte es eine Spielerin geben, die
Birgit ablöst. Ich denke da an Lena
Oberdorf vom VfL Wolfsburg. Aber
die wird als Defensivspielerin nicht so
viele Tore schießen wie Birgit. (lacht)
Stichwort Birgit Prinz: Für sie lief
die WM 2011 nicht rund. Als sie im
zweiten Gruppenspiel gegen Nigeria
ausgewechselt wurde, hat sie beim
Abklatschen ihre Mitspielerinnen fast
K. o. geschlagen vor Wut. Haben Sie
das damals mitbekommen, Frau Neid?
Neid Sie hat mit mir ja auch schon
VORRUNDE, 2. SPIELTAG
Deutschland – Nigeria 1:0 (0:0)
30.06.2011 in Frankfurt
Tor: 1:0 Laudehr (54.)
Zuschauer: 48 817
VORRUNDE, 1. SPIELTAG
Deutschland – Kanada 2:1 (2:0)
26.06.2011 in Berlin
Tore: 1:0 Garefrekes (10.), 2:0 Okoyino da Mbabi
(42.), 2:1 Sinclair (82.)
Zuschauer: 73 680
ziemlich fest abgeschlagen. (lacht)
Aber danach habe ich nicht nach
hinten Richtung Auswechselbank
geguckt. Birgit war unzufrieden und
sauer. Jede Spielerin wollte besonders gut sein, besser als je zuvor. Deshalb konnte ich Birgit gut verstehen.
die ehemaligen Spielerinnen ihre
Erfahrung weitertragen.
tig. Wir brauchen die ehemaligen
Spielerinnen im Frauenfußball.
Und wenn die dann Trainerin oder
Teammanagerin werden, ist das toll.
Meine ehemalige Kapitänin Saskia
Bartusiak arbeitet ja bei mir in der
Scouting-Abteilung des DFB. Sie hat
so viel Wissen und sieht so viele Dinge – sie ist eine richtige Fachkraft.
Der Frauenfußball braucht es, dass
Qualität. Was die Nationalmannschaft zuletzt gezeigt hat, das hat
mir gut gefallen. Und ich wünsche
mir, dass noch mehr Lizenzvereine
den Frauenfußball aus Überzeugung
fördern wollen. Es sollte auch ganz
normal werden, dass die Spielerinnen nicht nebenher noch arbeiten
müssen, wenn sie in der 1. Liga spielen. Ich wünsche mir auch viel mehr
Sichtbarkeit im Fernsehen.
Fitschen Ich wünsche mir auch mehr
Sichtbarkeit. Und mehr Vielfalt und
Prinz gehört als Psychologin zum Staff
der Nationalmannschaft. Freuen Sie
sich, dass viele Ihrer ehemaligen Spielerinnen beim DFB arbeiten und sich
für den Frauenfußball engagieren?
Neid Ja, total! Das ist ganz wich-
Was wünschen Sie sich für die Zukunft
des Frauenfußballs?
Neid Ich wünsche mir Erfolge und
vor allem Frauen im Fußball auf
entscheidenden Positionen. Frauen
sollten selbstverständlich werden im
Fußball. Was mich stört, ist, dass wir
von Fußball und vom Frauenfußball
sprechen. Diese Differenzierung gibt
es aber leider in anderen Sportarten
auch.
Neid Wir Frauen sind halt irgendwie
immer noch Exoten, Doris. INTERVIEW:
GUNNAR MEGGERS, SABINE VÖGELE
LESEN SIE AM NÄCHSTEN MONTAG:
Kreuzbandriss im Viertelfinale –
der Anfang vom Ende in Kim Kuligs
Karriere. Und: Das machen die
Spielerinnen von 2011 heute.
80
5. JULI 2021
E
rzgebirge Aue führte er 2017
überraschend zum ZweitligaKlassenerhalt, mit Schalke
wurde er 2018 Vizemeister, Gleiches
kürzlich mit Spartak Moskau. Im
kicker-Interview spricht Domenico
Tedesco vor allem über seine Zeit in
Russland, aber auch über die Königsblauen – und seine Zukunftspläne.
Nach Ihrem Aus auf Schalke im März
2019 brauchten Sie ein paar Monate,
um wieder zu Kräften zu kommen. Wie
verhält es sich nach Ihrem Abschied
von Spartak Moskau, Herr Tedesco?
Ähnlich – obwohl der Abschied jetzt
von ganz anderen Rahmenbedingungen begleitet war. Aber ich glaube,
wenn man viel investiert und mit
maximaler Leidenschaft für einen
Verein arbeitet, tut eine Pause nach
einer gewissen Zeit immer gut.
Sie waren 20 Monate auf Schalke und
19 bei Spartak. Entspricht das dem
Zeitraum, nach dem Sie sich ausgepowert fühlen?
(lacht) Nein. Ich habe mich weder
auf Schalke am Ende kraftlos gefühlt
noch jetzt bei Spartak – so gesehen
wäre die Pause nicht zwingend notwendig gewesen. Aber wenn man sie
dann machen kann, spürt man schon,
dass etwas von einem abfällt und
man sie dann auch genießen soll. Ich
hatte bei Schalke einen Vierjahresvertrag unterschrieben, und auch
jetzt in Moskau hätte es für mich
weitergehen können …
… aber Sie haben trotz intensiver
Bemühungen seitens des Klubs sowie der Aussicht auf ChampionsLeague-Abende entschieden, Ihren
Vertrag nicht zu verlängern. Warum?
Die Entscheidung fiel mir sehr
schwer. Aber ich musste abwägen:
Auf der einen Seite stand der Reiz,
Europapokal zu spielen, die junge
Mannschaft weiter mit aufzubauen
„Die Mannschaft habe
ich geliebt, aber meine
Familie liebe ich mehr.“
und die Spieler weiterzuentwickeln,
auf der anderen Seite aber habe ich
eine Frau und eine kleine Tochter, die
ich zum Teil monatelang nicht sehen
konnte, weil es die Corona-Bestimmungen unmöglich gemacht haben.
Als ich bei Moskau unterschrieb,
war das alles ganz anders geplant.
Die Pandemie hat für vollkommen
andere Bedingungen gesorgt, vor
allem was das Reisen betrifft. Ich
habe die Mannschaft geliebt, aber
meine Familie liebe ich mehr.
„Kader und Ansprüche
müssen passen“
DO M ENICO T EDESCO (35) hat schon klare
Vorstellungen von seiner nächsten Trainerstation.
Zudem spricht er über seine Zeit bei Spartak
Moskau und den Abstieg des FC Schalke 04.
Als Sie mit Spartak Moskau Mitte
Mai die Vizemeisterschaft und damit
einhergehend die Teilnahme an der
Qualifikationsrunde zur Champions
League klargemacht haben, wurden
Sie im wahrsten Sinne auf Händen
getragen. Haben Sie Ihre Entscheidung in diesem Augenblick nicht doch
bereut?
Nein. Ich habe Dankbarkeit dafür
gespürt, dass sich alles so entwickelt
hat. Das war alles andere als selbstverständlich.
Inwiefern?
Es war das erste Mal in der 17-jährigen Amtszeit von Präsident Leonid
Fedun, dass ein Trainer freiwillig
gegangen ist. Ich konnte die Reaktionen des Vereins also nicht genau einschätzen. Dass ich meine
Entscheidung schon im Dezember
getroffen und zügig kommuniziert
habe, habe ich auch deshalb getan,
um dem Verein die Möglichkeit zu
geben, die Situation zu überdenken –
und mich im Januar gegebenenfalls
freizustellen, falls sie nicht mehr das
hundertprozentige Vertrauen haben
sollten. Dann hätten sie in der mehr
als zweimonatigen Winterpause von
Mitte Dezember bis Ende Februar
Gelegenheit gehabt, einen anderen
Trainer zu verpflichten.
Warum?
Weil ich finde, dass sich das so gehört,
wenn meine Entscheidung feststeht.
Das ist eine Frage der Fairness. Wenn
ich einen Job annehme, ist es mir
nicht nur wichtig, was die Leute
denken, wenn ich komme, sondern
auch was sie denken, wenn ich gehe.
Spartak und ich sind wirklich im Guten auseinandergegangen, darüber
freue ich mich.
Wie hat Spartak auf Ihre Entscheidung
reagiert?
Die Klubverantwortlichen riefen
mich noch vor Weihnachten an und
haben mir gesagt, dass Sie keinen
Leistungsabfall oder einen Bruch mit
der Mannschaft befürchten. Dass sie
mir vertrauen und sie mich gut genug
kennen würden, um zu wissen, dass
ich weiterhin alles geben würde. Das
hat mich sehr gefreut.
Sie kamen im Oktober 2019, als bei
Spartak als Tabellenzwölfter einiges
im Argen lag, und gingen als Vizemeis-
ter. Wie haben Sie die Mannschaft so
schnell wieder so flottgekriegt?
Wir haben in Teilabschnitten gedacht. Als wir anfingen, hatte Spartak gerade fünfmal hintereinander
verloren. Ich weiß ja aus meiner Zeit
bei Schalke selbst am besten, was
fünf Niederlagen in Serie mit einem
machen … Wir waren als Zwölfter
nicht weit von den Abstiegsrängen
entfernt und wollten die extrem junge Mannschaft, wo der Altersdurchschnitt der ersten Elf teilweise bei
rund 21 Jahren lag, bis Jahresende
erst einmal stabilisieren. Das ist uns
gelungen. In der Winterpause haben
wir weitere Grundlagen gelegt und
uns stetig weiterentwickelt. Schon
als ich kam, sagte der Verein: Stabilisieren im ersten Jahr, unter die
Top 3 im zweiten. Beides haben wir
erreicht. Und was uns auch wichtig
war: mit offensivem Fußball. Hohes
Pressing, viele Abschlüsse.
Ihr Erfolg blieb europaweit nicht unbemerkt. Olympique Marseille soll Ihnen im Februar ein konkretes Angebot
gemacht haben. Warum haben Sie es
nicht angenommen?
5. JULI 2021
81
Champions-League-Achtelfinale.
Außerdem folgte nach meiner Zeit
ja noch eine Halbserie, in der Schalke
sehr erfolgreich war, durchaus auf
Champions-League-Niveau.
Die teuren Spielertransfers und -verträge, die dem FC Schalke jetzt auf
die Füße fallen, stammen zum Teil
aus Ihrer Ära. Haben Sie deshalb ein
schlechtes Gewissen?
Ich kann als Trainer ja nur über das
Sportliche sprechen. Wir wurden
2018 Vizemeister, zogen in die Champions League ein und haben nur
ganz knapp das Finale im DFB-Pokal
gegen den FC Bayern verpasst. Wir
„Mir tut der Abstieg
des FC Schalke
extrem leid.“
haben im Sommer unter anderem
die Säulen Leon Goretzka und Max
Meyer ablösefrei verloren, dazu Thilo
Kehrer und Marko Pjaca. Das konnten
wir leider nicht kompensieren. Jeder,
der mich kennt, weiß: Mir tut der Abstieg des FC Schalke extrem leid, ich
habe bis zum Schluss mitgelitten. Ich
drücke ganz fest alle Daumen, dass
der Aufstieg baldmöglichst gelingt.
Wie schwer wird das?
Die 2. Liga ist nicht zu unterschätzen.
Und gegen Mannschaften wie Schalke, Bremen oder den HSV wollen
natürlich alle gut aussehen.
Jetzt sind Sie vertragslos …
Und das ist völlig okay, ich werde
deshalb nicht unruhig. Ich habe
Spartak damals gesagt, dass ich den
Vertrag wegen meiner Familie nicht
verlängere. Da kann ich ja nicht direkt
danach bei einem anderen Verein
unterschreiben, das wäre respektlos.
So ticke ich nicht.
Die allermeisten Vereine sind jetzt
durch mit ihrer Trainerplanung. Haben Sie das Gefühl, der Zug zumindest
mit Blick auf die neue Saison ist nun
abgefahren?
Ich habe nach anderthalb wundervollen Jahren bei Spartak gesagt,
dass ich diese Sommerpause mit der
Familie verbringen möchte. Was sich
danach ergibt, werden wir sehen.
Welche Kriterien müssten erfüllt sein?
Ein guter Kader, gepaart mit Gestaltungsmöglichkeiten, ist mir wichtig.
Welche Rolle würden die Ambitionen
des Vereins spielen?
Mittlerweile ist es ja so, dass gefühlt
jeder Klub Europapokal-Ambitionen
hat (lacht). Aber Spaß beiseite: Kader und Ansprüche müssen einfach
passen.
dass die Sache schon bei meinem
Abschied unaufhaltsam so kommen
musste, wie sie jetzt kam.
Wie nahmen Sie die Situation denn
wahr?
Wir haben damals nach den fünf
Startniederlagen bis zur Winterpause
der Saison 2018/19 noch 18 Punkte geholt und waren dann noch im
Wie attraktiv ist die 2. Liga mittlerweile
im Vergleich zum Oberhaus?
Sie hat durchaus an Attraktivität hinzugewonnen.
Und die 1. Liga verloren?
Es ist immer noch eine absolute Topliga. Aber wenn eine Liga einen
Verein wie den FC Schalke verliert,
büßt sie automatisch an Attraktivität ein.
INTERVIEW: TONI LIETO
Noch mal Ausland oder wieder Bundesliga?
Da bin ich offen. Mein Engagement
im Ausland habe ich sehr geschätzt,
es hat mir sehr viel gegeben. Das
Gleiche gilt für die Bundesliga.
Hier erlebten Sie mit den Königsblauen
extreme Höhen und Tiefen. Empfinden Sie es so, dass der Absturz des
FC Schalke 04 bereits mit Ihnen in
der Hinserie 2018/19 begann?
Da wurde ja zuletzt sehr viel die Frage
gestellt, wer denn nun Schuld habe.
Ich finde das schwierig und werde
mich daran sicher nicht beteiligen.
Das soll jeder für sich entscheiden.
Aber ich habe nicht den Eindruck,
Fotos: picture alliance, imago images
Das will ich jetzt nicht kommentieren, aber ich kann sagen: Es gab
auch während meiner anderthalb
Jahre in Moskau Anfragen – aus dem
Ausland, aber auch aus der Bundesliga. Aber für mich war klar, dass ich
Spartak ganz sauber bis zum Vertragsende treu bleibe. So, wie ich es
im Dezember gesagt habe. Ich kann
Ihnen sagen, dass sehr verlockende
Angebote dabei waren. Aber ich halte
mein Wort.
Ein gutes Duo: Domenico Tedesco hatte in Andreas Hinkel
(links) einen engen Vertrauten als Co-Trainer bei Spartak.
82
5. JULI 2021
SE RIE, T EIL 2
WER,
WANN,
WIESO!
DEUTSCHLAND:
ALLE DEINE
16 819
FUSSBALLVEREINE
DATE N - G RU N D L AG E
Insgesamt 16 819 Fußballvereine hatten
in der Saison 2020/21 mindestens eine
Männer- oder Frauen-Mannschaft in einer
Liga des DFB gemeldet. Sie bilden die Basis
für die kicker-Datenbank und diese Serie
über Deutschlands Fußballvereinsnamen –
woher sie kommen und was sie verraten.
713 Chancen
„Türkischer Sportverein“, „HNK Hajduk“ oder
„SV Hellas“. Rund 4,2 Prozent der Vereine weisen
einen MIG R AT IO NSBEZUG im Namen auf. Ihre
Teilnahme am Spielbetrieb fördert die Integration.
D
ass Fußballvereine gern ihre Trainer aus53 griechischen Klubs, kroatische Vereinsnamen
tauschen? Nichts Neues. Spieler kommen
gibt es 51. Stellten die Kurden eine eigene Nation,
und gehen. Selbst Vereinslogos werden alle
sie tauchten in der Statistik mit 42 Vereinen am
paar Jahre mal modernisiert. Eines aber bleibt: der
vierthäufigsten auf. Rechnet man alle Nationen
Vereinsname. Normalerweise jedenfalls.
und Ethnien zusammen, stellen 713 der 16 819
Eyüpspor Werdohl hat im Sommer 2020
am DFB-Spielbetrieb teilnehmenden Klubs einen
eine Ausnahme gemacht. Und wollte nicht mehr
Migrationsbezug im Namen her. Rund 4,2 Prozent.
Eyüpspor heißen. Der Klub aus dem Märkischen
Wie diese Vereine in Deutschland verteilt
Sauerland benannte sich vor dem Start der Saison
sind, geben sie auch Aufschluss über Migrationsbeum. Und da jedem Anfang bekanntlich ein Zauber
wegungen. So hat sich auf der kicker-Vereinskarte
innewohnt, glückte die Premiere. 5:1 endete der
(siehe rechts) gerade mal ein einziger migranAuftakt in der Kreisliga A gegen den SV Hellas
tischer Verein in Ostdeutschland angesiedelt:
Lüdenscheid. Dass das mit dem neuen Namen
der SV Hellas 09 Oranienbaum. Der Klub aus Sachzusammenhängen würde, glaubt in Werdohl natürsen-Anhalt wurde 1909 allerdings nicht von grielich niemand. Und doch brachte
chischen Einwanderern gegrüner eine gewisse Aufbruchstim- Im Umgang mit Ämtern det. Vielmehr spiegelt sich im
mung mit sich. „Auf dem Platz
Vereinsnamen die Begeisterung
hat man immer mit 0:1 ange- und Verbänden würde für die Antike und die Olympiein deutscher Name schen Spiele der Neuzeit. Einfangen“, sagt Mikail Kocak, der
2. Klubvorsitzende, mit Blick auf
wanderervereine auf dem Gebiet
es leichter machen.
den alten Vereinsnamen, „das
der ehemaligen DDR existieren
weiß man einfach. Man muss
also dem Namen nach nicht.
sich als ausländische MannDie dortigen Gastarbeiter kamen
schaft mehr reinhängen.“ Eyüp Sultan, so heißt die
damals etwa aus Vietnam oder Mosambik. Sie
Moschee in Werdohl, unter deren Schirmherrschaft
brachten anders als Türken, Griechen oder Italieder Klub anfangs firmierte. „Im vergangenen Jahr
ner keine Sportvereinskultur aus ihrer Heimat mit.
gab es einen Umbruch im Vorstand“, erzählt Kocak.
2019 lebten laut dem Statistischen Bundes„Viele junge Menschen kamen dazu. Also wollten
amt 95,2 Prozent der Personen mit Migrationswir bei null anfangen und das mit einem neuen
hintergrund in Westdeutschland und Berlin. Die
Namen unterlegen.“ Die Wahl fiel auf TSV, gemeinZahl schlägt sich auf der Fußballkarte nieder. Und
hin als Turn- und Sportverein bekannt … Dieser
weil sich polnische Gastarbeiter vor Jahrzehnten
Assoziation bediente man sich in Werdohl bewusst.
häufig in NRW niederließen, finden sich dort nun
Möglichst neutral sollte der Name lauten, auch
sechs der deutschlandweit zwölf polnischen Klubs.
damit die Sponsorensuche angekurbelt werde.
Mehr als jeder vierte Migrant insgesamt wohnte
Ohne ausländischen Klang funktioniere das ein2019 in Nordrhein-Westfalen.
facher. Gleichwohl: Mit Barren und Reckstangen
Integration geschieht nicht nur durch das
hat der TSV Werdohl nichts zu tun. Wie 26 andere
Eingliedern in internationale, interkulturelle
Klubs im deutschen Fußball ist Werdohl nun als
Teams, von denen es unzählige gibt. „Klar, dass
„Türkischer Sportverein“ ins Register eingetragen.
Menschen in einer neuen Heimat erst einmal unter
Insgesamt knüpfen dort 332 Klubs, das zeigt eine
sich bleiben wollen – aber nur im ersten Schritt“,
kicker-Recherche, mit Begriffen von „Akdeniz“
sagt Michael Krüger, Professor für Sportgeschichte
bis „Zonguldak“, in ihren Namen an die Türkei an.
an der Universität Münster. „Im zweiten Schritt
Die deutsche Vereinslandschaft ist internatimöchten sie zusammen in einem geordneten
onaler, als sie auf den ersten Blick zu sein scheint.
Wettkampf gegen andere Vereine antreten. Das
34 Nationen haben sich in den Namen verewigt,
ist schon die erste Stufe der Integration. Später
von Afghanistan bis zu den USA, von Nordmazedurchmischen sie sich dann.“ Dass Einwandererdonien bis Peru. Südamerika und Afrika sind sogar
vereine sich überhaupt ins DFB-System einordals ganze Kontinente vertreten, dazu kommen
neten, sei schon ein Zeichen, dass Integration
29 „internationale“ Teams sowie etliche ethnische
funktioniere. „Wenn sie komplett unter sich bleiben
Gruppen wie Aramäer, Jesiden, Mesopotamier
wollten, könnten sie ja auch einen eigenen Verband
und Tamilen. An die gewaltige Zahl der türkischen
gründen“, meint Krüger.
Vereine reicht aber keine andere Gruppe auch nur
Zumal sie es lange Zeit nicht gerade leicht
annähernd heran. Zweitstärkste Fraktion sind die
hatten. Der Deutsche Sportbund schrieb noch 1981
5. JULI 2021
83
FC Basara Mainz
„Der Name kommt aus dem Japanischen und hat zwei Bedeutungen. Die einfachere: »Diamant«.
Der ist auch in unserem Logo
zu finden. Eines unserer Gründungsmitglieder, der ehemalige
Bundesligaspieler Shinji Okazaki, hat „Basara“ auch auf seinem
Schuh stehen. Mit dem Namen
verbinden wir, junge, talentierte Spieler zu entwickeln und sie
für höhere Aufgaben bereit zu
machen. Kurz gesagt: sie zu Diamanten zu schleifen. Die zweite
Bedeutung unseres Namens: Im
frühen Japan nannte man den
beschwerlichen Aufstieg eines
aus den ärmeren, ländlichen Regionen stammenden Mannes zum
Samurai »Basara«. Auch hiermit
kann sich unser Verein identifizieren. Nach unserer Gründung
im Jahr 2014 sind wir fünfmal in
Folge aufgestiegen und spielen
aktuell in der Verbandsliga. Weitere Aufstiege können wir uns
mittelfristig durchaus vorstellen.
Hierfür müssen wir im Umfeld
jedoch noch wachsen.“
Benjamin Marth, Geschäftsstelle
Vereine mit Migrationsbezug im
Namen: in Rot die türkischen
Klubs, in Blau alle anderen
Nationalitäten und Ethnien
in einer Grundsatzerklärung, dass die Mitgliedschaft von Migrantinnen und Migranten in deutschen Vereinen zwar grundsätzlich wünschenswert sei. Eine zu hohe Anzahl würde diese aber
überfordern. Einwanderer waren dann willkommen, wenn sie Struktur und Charakter der Klubs
nicht veränderten. Diese Zeiten sind glücklicherweise vorüber.
Vor dem Aufstieg von Türkgücü München
in den Profifußball trug Türkiyemspor Berlin den
inoffiziellen Titel als bundesweit erfolgreichster
Einwandererklub. „Türkiyem“ bedeutet so viel
wie „meine Türkei“. Der Verein stieg so weit auf,
dass er 1991 fast von einer Ausnahmegenehmigung
Gebrauch machen musste. Sein Kader in der drittklassigen Berliner Oberliga enthielt genau zwei
Deutsche, in der 2. Liga waren aber in dieser Zeit
gerade einmal zwei Ausländer im Team erlaubt.
Erst kurz vor dem letzten Spieltag trudelte die
Genehmigung des DFB für den Tabellenführer
ein. „Die letzte Partie war gegen Tennis Borussia“, erinnert sich Mehmet Matur. „Wir waren
im Kopf so mit allem Drumherum beschäftigt,
dass wir es vergeigt haben.“ 0:5 endete die Partie,
Türkiyemspor rutschte auf den 2. Platz ab und
blieb drittklassig. Aktuell spielt der Verein in der
sechstklassigen Berlin-Liga.
Matur war damals Vereinsfunktionär, heute
verantwortet er als Präsidialmitglied des Berliner Fußball-Verbands die Integrationsarbeit.
„Im neuen Land schaut man in seiner Umgebung erst einmal: Wer lebt hier denn so mit dem
gleichen Hintergrund wie man selbst? Dann
knüpft man Kontakte, schließt sich zusammen.
So lief es bei Griechen, Jugoslawen, Türken.“ Untereinander fühle man sich zunächst wohler. 9
FC Jawanan Bonn
„Jawanan ist Persisch, ein DariWort für »Jugend«. Weil viele unbegleitete Jugendliche aus Afghanistan und anderen Länder
in Bonn wohnen, habe ich mich
entschlossen, einen MultikultiVerein zu gründen. So kommen
alle aus unterschiedlichen Religionen und Kulturen zusammen,
um miteinander Fußball zu spielen und Spaß zu haben, anstatt
etwas Falsches zu machen. Unsere
Mitglieder sind Flüchtlinge, wir
wollen im Fußballkreis Bonn aufgenommen werden und bemühen
uns um Integration. Dabei helfen
uns viele Leute.“
Safiullah Khaliqi, 1. Vorsitzender
84
5. JULI 2021
Die Immigranten gründeten Kulturvereine,
stellten auch Fußballmannschaften. Ihre Herkunft
packten sie manchmal in den Namen: Istanbul,
Izmir, Hatay. Meistens speisten sich diese Mannschaften aus Spielern aus ebendieser Region. Und
Matur versteht das Motiv, das den TSV Werdohl zur
Umbenennung führte: Mit einem einschlägigen
Namen kommt man schwer an Sponsorengelder.
Wenn überhaupt, dann nur innerhalb der Community. Auch hafte leicht ein negatives Image an
klar erkennbar türkischen Namen, sagt Matur.
FA RB I G E K LU B N A ME N
Werdohl ist nicht der einzige Fall in letzter Zeit,
wie der Blick nach Berlin zeigt. Der Neuköllner Klub
Galatasaray heißt nun Rixdorfer SV, Samsunspor
wurde zum FC Kreuzberg, nimmt aber im Moment
nicht am Spielbetrieb teil. Generell empfehlen würde er Migrantenvereinen aber nicht unbedingt, zu
einem neutralen Namen zu wechseln, sagt Matur.
Ein einschlägiger Name bringe ja auch Vorteile:
Identifikation, Zusammenhalt, Solidarität. Bei
Neugründungen beobachtet er aber zunehmend,
dass sie sofort einen deutschen Namen annehmen.
Das mache es leichter im Umgang mit Ämtern und
Verbänden, sagt er und nennt Sport-Union Berlin
als Beispiel: „Vor 20 Jahren hätten die sich sicher
anders genannt. Sport Gücü oder so.“
Nach zwei Siegen zum Saisonstart musste
der Türkische SV Werdohl in der dritten Partie
übrigens einen Rückschlag verkraften. 1:2 verlor der Klub im Kreispokal gegen den TSV Lüdenscheid. TSV? Richtig. Auch der Gegner hat
nichts mit Turnen am Hut. Es war sozusagen
ein kleines Derby.
PAUL BARTMUß, DANIEL BÖLDT
Rot-Weiß, Gold-Blau – und Rosa?
876 bunte Tupfer
K
leider machen Leute, Farben
am DFB-Spielbetrieb teilnehmenden
sind Reizstoff. Das wusste
Männer- und Frauenteams heften
schon Peter Krohn. Der HSVsich Farben ans Revers. Fast immer
Präsident steckte seine Mannschaft
sind es genau zwei, nie mehr und nur
1976/77 in rosafarbene Trikots – und
zweimal weniger: beim FSV Rot West
erntete Aufmerksamkeit, Gelächter
Gießen und beim SV Königsblau Gohund Missverständnisse. „Es hat mich
lis. „Während der Gründungswellen
schrecklich gelangweilt, wenn da
um das Jahr 1900 hat man sich in der
einfach nur Rot gegen Weiß angeGegend umgeschaut und an der Kontreten ist“, sagte Krohn lapidar und
kurrenz orientiert: Wie benennt die
traf irgendwie einen Punkt. Seitdem
sich? Trägt die eine Farbe im Namen
hat sich einiges getan. Bayern in Kaoder nicht? Man versuchte eher sich
narienvogelgelb, die regenbogenanzupassen als sich voneinander abbunten Bochumer Ende der 90er,
zuheben“, mutmaßt Sportsoziologe
etwas später Werder in Grün-Orange,
Norbert Schütte von der Universität
das himbeerfarbene Schalke im
Mainz. So kamen zu den bereits koloDFB-Pokal-Finale 2011. Den Augen
rierten Vereinsnamen an bestimmten
der Fans wurde allerhand zugemutet.
Orten weitere dazu. Woanders blieb
So vielfältig Trikots im deutdie Karte farblos – wie zum Beispiel
schen Fußball aber inzwischen
in weiten Teilen Bayerns.
sind: Bei den offiziellen Klubfarben
Warum aber stellt Weiß alle anherrscht eine gewisse Gleichförmigderen Töne in den Schatten? „Weißer
keit. Und das zeigt sich auch in den
Stoff für die Trikots war am leichVereinsnamen. Blau-Weiß, Rot-Weiß,
testen zu bekommen“, sagt Schütte.
Grün-Weiß. Diese drei Kombinatio„Vereine hatten in den Gründungsnen decken 82 Prozent aller 876 Klubs
zeiten sehr wenig Geld. Oftmals nähin der kickerten Spielerfrauen
Datenbank ab, die Farben in Vereinsnamen die Trikots aus den
ihre Namen bunt
Stoffen, die ihnen
sind zuallererst ein
gestrichen haben.
zur Verfügung
Es lassen sich klare deutsches Phänomen. standen.“ Eine
Muster erkennen:
komplette FußBlau-Weiß domiballtracht kostete
niert eher im Norden und Osten, die
schließlich rund 20 Mark – etwa der
beiden anderen Varianten im Süden
halbe Wochenlohn eines Facharbeiund vor allem im Westen. Warum
ters. Schütte und auch Krüger weisen
das so ist? „Das Blau im Norden und
darauf hin, dass dies vor allem VerOsten“, sagt Sporthistoriker Prof. Mimutungen sind. Wissenschaftliche
chael Krüger von der Uni Münster,
Arbeiten existieren so gut wie keine.
„könnte etwas mit Pommern und
Die Annahme, dass etwa auch
Ostpreußen zu tun haben.“ SchließStadtwappen oder Landesflaggen
lich zieren die Flagge Vorpommerns
eine Rolle spielen könnten, wird
ein blauer und ein weißer Streifen.
durch die kicker-Datenanalyse nicht
Neben dem Himmel meint das Blau
bestätigt. Trotz der in Bayerns Idennicht zuletzt das Meer.
tität tief verankerten weiß-blauen
Erst im Laufe der Zeit gesellten
Rauten führen dort nur drei Vereine
sich Farben als namensgebende Elediese Kombination im Namen: der
mente ins Repertoire der Vereine, in
FC Blau-Weiß Leinach, der SV Blaumanchen Gegenden mehr, in manWeiß Sassendorf und der SV Weißchen weniger. Südlich von Hessen
blau-Allianz München. Dagegen
und Thüringen finden sich kaum
tragen die seit jeher weiß-grün gesolche Bezüge in den Namen der Fußwandeten Sachsen wiederum im
ballvereine. Rund fünf Prozent aller
Fußball am häufigsten Blau-Weiß.
Verteilte Hingucker:
Blau-Weiß (294-mal),
Rot-Weiß (218-mal) und
Grün-Weiß (207-mal)
dominieren die Landkarte der deutschen
Fußball-Vereinsnamen –
die drei Farbkombinationen sind hier dargestellt.
Die Erklärung ist also etwas
komplexer. Oder wie Sportsoziologe Schütte sagt: „Strukturen spielen
genauso eine Rolle wie Zufälle.“ Beim
Blick über die Landesgrenzen hinweg fällt auf: International spielen
Farben kaum eine Rolle, wenn es um
die Benennung von Vereinen geht.
In Österreich, Luxemburg und den
Niederlanden etwa zieren Farbtupfer
vereinzelt die Namen. Insgesamt aber
handelt es sich zuallererst um ein
deutsches Phänomen.
In der DDR ließen sich die Vereinsfarben anfangs gar ablesen, ohne
selbst im Namen aufzutauchen. Die
Betriebssportgemeinschaften (BSG)
hatten sich in übergeordnete Sportvereinigungen einsortiert, denen
wiederum je nach Wirtschaftszweig
Farbkombinationen vorgeschrieben
waren. Chemie? Grün-Weiß. Einheit?
Rot-Weiß. Empor oder Turbine? BlauWeiß. Nach der Wende benannten
WER,
WANN,
WIESO!
sich fast alle ostdeutschen Vereine
um und strichen die BSG aus dem
Titel. Die Farbkombination hingegen
blieb so manches Mal – und wurde
hin und wieder sogar in den Namen
übernommen.
Heute sind Rot-Gelb, GrünRot und Gold-Blau die seltensten
Kombinationen. Sie zieren hierzulande jeweils genau einen Fußballvereinsnamen. Rot-Gelb Wesseling
verdankt seine Kombination einem
Mineralölkonzern, der SV Grün-Rot
Bornstedt macht es Menschen mit
einer gewissen Sehschwäche nicht
leicht – und der SV Gold-Blau Augsburg hat sich in Sachen Farben bei
einem russischen Verband bedient.
Rosa sucht man in der kickerDatenbank sowohl bei Männern als
auch bei Frauen allerdings vergebens.
Da vermochten auch die HSV-Trikots von Peter Krohn nichts auszurichten. PAUL BARTMUß, DANIEL BÖLDT
Deutschland, deine Fußballvereine!
Teil 3 am kommenden Montag:
Die Sportart im Namen entspricht
nicht immer der, für die der Klub
bekannt ist. Außerdem: Alemannia,
Wacker & Co. – warum Appelle mehr
als nur Schmuck und Folklore sind.
Foto: imago images
Sie trainiert Männer.
Und sie kennt die
Vorbehalte nur zu gut.
Ein Gespräch mit
I M K E W Ü B BE N H O R ST (32).
„Ich bin so akribisch wie ein Mann“
Ab 1. August wird Imke Wübbenhorst
neue Co-Trainerin bei Viktoria Köln. Die
zweimalige U-19-Europameisterin (2006,
2007) und ehemalige Bundesligaspielerin
des BV Cloppenburg erfuhr bundesweit Beachtung,
als sie 2018 als erste Frau das Traineramt einer
Männermannschaft in der Oberliga übernahm.
Sie haben bis zu Ihrem 16. Lebensjahr in Jungenmannschaften gespielt, da es in Ihrer Heimat Ostfriesland keine Mädchen-Teams gab. Konnten Sie
mithalten, Frau Wübbenhorst?
Es gab auf jeden Fall physische Defizite. Bezogen
auf die körperliche Präsenz hätten sich einige
Jungs aber eine Scheibe von mir abschneiden
können. Denn neben der reinen Kraft zählt im
Fußball auch der Wille.
War es nicht eigenartig, als Jugendliche gemeinsam mit jungen Männern zu spielen? Gerade in der
einsetzenden Pubertät?
Probleme gab es innerhalb meiner Mannschaft
nie. Der einzige Unterschied zu den Jungs war,
dass ich meist umgezogen zum Spiel kam und
später zu Hause duschte.
Was sind für Sie die wesentlichen Unterschiede
zwischen Männer- und Frauenfußball?
Auf dem Platz gibt es taktisch und technisch keine
Unterschiede. Lediglich die Dynamik ist aufgrund
der genetischen Prädisposition eine andere. Einige
lachen, wenn eine Torhüterin einen hohen Ball
nicht hält. Sie bedenken aber nicht, dass sie in der
Regel 20 Zentimeter kleiner als ihr männlicher
Kollege ist und nicht die gleiche Sprungkraft besitzt. Der Maßstab muss einfach ein anderer sein.
Von Dezember 2018 bis Mai 2019 waren Sie Trainerin
der Männermannschaft des BV Cloppenburg in der
Oberliga Niedersachsen. Hatten Sie Verständnis für
die riesige mediale Aufmerksamkeit?
Leider ja. Ich wurde im Fußball sozialisiert und
kenne die weit verbreiteten Meinungen dazu.
Fußball in Deutschland wird mit männlichen
Attributen assoziiert. Bei mir war das nicht anders. Denn auch für meinen Vater ist noch klar,
dass Mädels mit Puppen und Jungs mit Bällen
spielen. (lacht)
Wird man als Frau im männerdominierten Fußball
auch manchmal zur Einzelkämpferin?
Klares Ja! Dazu muss man aber erzählen, wie es
zu der Aussage gekommen ist. Jede Frau, die in
einer männerdominierten Fußballwelt arbeiten
will, wird früher oder später mit unangemessenen
Aussagen konfrontiert. Bei mir kam immer wieder
die Frage auf, ob ich zu den Spielern in die Kabine
gehe, um einen Blick auf ihre Körper zu werfen.
Das ist natürlich Quatsch. Aber die Fragerei hörte
einfach nicht auf. Das führte dann irgendwann zu
jener Aussage.
Ab dem 1. August treten Sie bei Viktoria Köln das
Amt der Co-Trainerin Analyse an. Wo sehen Sie
den Schwerpunkt Ihrer Arbeit, und was ist für den
Drittligisten in der neuen Saison möglich?
Natürlich treffe ich auf Männer, die mir im ersten
Moment skeptisch gegenübertreten. Die Jungs, die
Neben der steten Verbesserung unseres eigenen
wirklich in einen Diskurs mit mir gehen, kann ich
Spiels gehört es zu meinen Aufgaben, die komaber schnell davon überzeugen,
menden Gegner zu analysieren
dass ich genauso akribisch bin wie
„Auch für meinen und mit Olaf Janßen und dem
jeder Mann. Wer mir keine ChanTrainerteam mögliche MatchVater ist klar: Mädels pläne zu diskutieren. Neben
ce gibt, macht mich verrückt.
Im April 2020 übernahmen Sie den spielen mit Puppen.“ dieser rein analytischen TätigRegionalligisten SF Lotte, wurden
keit werde ich aber auch im Traiim Dezember aufgrund sportlicher
nings- und Spielbetrieb auf dem
Erfolgslosigkeit entlassen. Wie verlief die erste Be- Platz aktiv sein.
gegnung mit den Fußballern der Sportfreunde?
Alle Spieler hatten auslaufende Verträge, sodass
sie sich bewusst bei der Unterschrift für mich als
Trainerin entschieden haben. Es kam zu keiner
Zeit zu Themen in Bezug auf mein Geschlecht,
es ging nur um Fußball.
Sie sind im Oktober 2019 für den Fußballspruch
ausgezeichnet worden: „Ich bin Profi. Ich stelle nach
Schwanzlänge auf.“ Würden Sie diese Aussage in
dieser Form noch einmal tätigen?
Glauben Sie, dass das Amt des Co-Trainers in der
3. Liga das Ende der Fahnenstange ist, oder streben
Sie womöglich auch die Position der Cheftrainerin
im Profibereich an?
Zunächst einmal freue ich mich sehr auf die Zusammenarbeit mit Olaf Janßen. Für mich ist es
nicht wichtig, welche Rolle ich letztlich in einem
Team bekleide, solange mir die Arbeit Spaß macht
und meine Arbeit wertgeschätzt wird.
INTERVIEW: OLIVER LÖER
86
5. JULI 2021
kickerbusiness
Echt jetzt?
Kabellose Kameras, Daten
in Echtzeit und vieles mehr:
Die 5 G -T EC H NO LO G I E
bietet in der TV-Produktion
und für die Zuschauer
im Stadion bisher nicht
gekannte Möglichkeiten.
Doch die Innovation wird
noch gebremst – durch
zwei externe Faktoren.
D
urch welchen Eingang komme ich am schnellsten ins Stadion? Eine simple, zugleich in aller
Regel aber (noch) nicht zu beantwortende
Frage. Und könnte ich Bratwurst und Bier nicht auch
vom Platz aus bestellen – im Idealfall sogar gebracht
bekommen? Was derzeit noch wie Zukunftsmusik
klingt, nimmt immer mehr reale Formen an. Ach
ja, Live-Daten zum Spiel würden mich auch noch
interessieren, wie schnell rennt der Angreifer da gerade? Auf all diese Fragen soll es
in nicht allzu ferner Zeit Antworten geben.
Benutzerfreundlich gebündelt in einer App
für das Smartphone.
Selbstredend ist die Grundvoraussetzung für solche Angebote eine stabile
Internetverbindung – für die der noch recht neue
Netzstandard 5G sorgen soll. Die Zeiten, in denen
die Datenraten in gut besuchten Stadien nicht mal
dafür ausreichten, die Ergebnisse der Konkurrenten
abzufragen, sollen endgültig der Vergangenheit
angehören. Der im Vergleich bis zu 20-mal schnellere Nachfolger des heute meistbenutzten Mobilfunkstandards 4G, auch LTE genannt, ist als Basis
für zahlreiche Digitalisierungsprozesse unerlässlich,
von autonomem Fahren und intelligenter Mobilität
über die Automatisierung in Produktionsprozessen
bis hin zu virtuellen Cloud- und Officediensten.
Insbesondere Letzteres ist für die Übertragung
von Live-Bildern von Relevanz. Statt klassischer
Übertragungswege (siehe Infografik) könnte die
Infrastruktur der Zukunft ins Digitale wandern.
Von heute auf morgen wird diese Umstellung aber
nicht kommen. „Wir müssen uns die Frage stellen:
„Die Ausfallsicherheit
hat höchste Priorität.“
Andreas Heyden, Deutsche Fußball-Liga
Welche Teile der Produktion sind über 5G sinnvoll?
Wo bietet es uns einen Mehrwert? Das evaluieren wir
gerade mit unserer Tochterfirma Sportcast“, erklärt
Andreas Heyden, Executive Vice President Digital
Innovations der DFL Group. Gemeinsam mit Sky und
Vodafone fand ein erster Testlauf im vergangenen
Dezember bei einem Zweitligaspiel in Düsseldorf
statt, neben Wolfsburg und München eines von drei
mit 5G-Antennen ausgestatteten Stadien in Deutschland. Auf welchem Weg die Bilder der stationären
Olympia-Verlag GmbH
Badstraße 4 – 6, 90402 Nürnberg
info@olympia-verlag.de
Kameras von der Tribüne übertragen werden, spielt
für Zuschauer am Fernseher tatsächlich keine Rolle,
doch der Einsatz kabelloser Kameras könnte rund um
das Feld für neue Perspektiven sorgen. Die COVID-19Pandemie bremst die Vorhaben derzeit aber. Testläufe in gefüllten Stadien sind unter anderem zwecks
Überprüfung der Netzstabilität unabdingbar. „Jeder
Schritt will gut überlegt sein, da insbesondere die
Qualität und das Thema Ausfallsicherheit bei uns
höchste Priorität genießen“, betont Heyden.
Einer der Vorreiter in der Digitalisierung seines Stadions ist der VfL Wolfsburg, der in einem
Show-Case im Oktober 2019 gemeinsam
mit der DFL und Vodafone die Nutzung von
Echtzeitdaten während des Spiels vorgestellt
hat. Ob die Geschwindigkeit von Akteuren
oder visualisierte Grafiken – die Analysedaten der DFL lassen kaum Wünsche offen.
„Wir wollen damit ein zentrales Angebot für
die Klubs und Stadionbetreiber schaffen, damit
nicht jeder dieselbe Entwicklungsarbeit leisten
muss“, beschreibt Heyden den Ausbau der Spieldaten-App. „Am Ende muss aber an jedem Standort
für sich entschieden werden, wie eine solche Applikation in bestehende Strukturen integriert werden
soll.“ Beim Volkswagen-Klub ist man mit diesen
Überlegungen schon recht weit. „Wir filtern und
entwickeln derzeit mögliche relevante Angebote,
beispielsweise ein digitales Zuschauerleitsystem mit
einer Anbindung an die Parkplatzsuche und den öffentlichen Nahverkehr, wovon natürlich auch Gästefans an dem ihnen unbekannten Standort profitieren. Man würde automatisch zu dem Eingang
gelotst werden, wo am wenigsten los ist. Auch die
Weiterentwicklung des Caterings mit Essensbestellungen am Platz könnte eine Rolle spielen, was
dann aber auch infrastrukturelle Veränderungen
bedingen würde“, erklärt VfL-Geschäftsführer Michael Meeske. „Gemeinsam mit den Echtzeitdaten
zum Spiel, Gamification, Payment-Lösung und
einem direkten Zugang zu Merchandisingangeboten
des Klubs könnte man alles in einer zentralen App
organisieren. Das ist unsere Idealvorstellung: eine
App für Service und Infotainment.“ Natürlich sind
die Pandemie und deren Folgen auch dieser Entwicklung nicht zuträglich, doch in erster Linie scheitert
die Umsetzbarkeit von Meeskes Plänen zum jetzigen
Zeitpunkt noch an der flächendeckenden Nutzbarkeit: 5G-fähige Geräte sind erst seit 2019 erhältlich
und längst noch nicht in der breiten Masse angekommen. In zwei bis drei Jahren dürfte das anders aussehen. Darauf will man in Wolfsburg vorbereitet sein.
„Eine zentrale App ist
unsere Idealvorstellung.“
Michael Meeske, Geschäftsführer VfL Wolfsburg
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Fotoredaktion: Peter Dworschak (Ltg.), Michael Beims, Kenan
Hakverdi
An den möglichen digitalen Serviceangeboten
dürften sich die Traditionalisten weniger stören als
an der Vorstellung von Stadionbesuchern, die die
Partie durch ihr Smartphone verfolgen. Doch den
Wünschen der jungen Fans dürfte damit Rechnung
getragen werden. Zumal die mobilen Endgeräte
schon jetzt ein Teil der Tribüne sind. „Die nächste
Generation verlangt nach mehr Konnektivität“, erwartet Meeske. „Ich gehe davon aus, dass sie nicht
mehr nur das klassische Bewegtbild konsumieren
will, sie will es editieren und in irgendeiner Form
in ihre eigenen privaten Netzwerke distribuieren –
auch aus den Stadien.“ Das Stadionerlebnis soll
weiter vom Geschehen auf dem Platz leben, das
wolle man „nicht verändern“, betont Heyden. Von
diesem Geschehen könnte man unter dem Strich
sogar noch mehr mitbekommen: Wer hat noch kein
Tor verpasst, weil er gerade in der Schlange am Kiosk
stand oder kurz vor dem Anpfiff noch vor dem überfüllten Eingang warten musste, während es anderswo
schneller gegangen wäre?
MORITZ KREILINGER
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Eppelein, Uwe Fuchs, Birgit Messer, Sonja Müller, Heinz Neubauer,
Stefan Schmid, Andreas Stellwag, Christian Weber, Michael Zöllner
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88
5. JULI 2021
NGEN
DEUT
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GOLD-HOFF
SERIE TEIL 2
HANDBALL
A
n den Moment, als er vor fünf
Jahren bei der Eröffnungsfeier
von Rio mit der deutschen
Mannschaft ins Olympiastadion einmarschierte, wird sich Uwe Gensheimer sein Leben lang erinnern. „Du
siehst alle Flaggen dieser Welt im
Rund hängen. Das war schon sehr
besonders zu begreifen, dass man
gerade Teil des größten Sportevents
der Welt ist.“ Bei den Spielen in Japan
(23. 7. – 8. 8.) wird der Kapitän der
Handball-Nationalmannschaft wieder unter den fünf Ringen auflaufen.
„Ich bin gespannt, wie es in Tokio
wird, aufgrund der Pandemie sicher
ganz anders als in Rio. Schauen wir
mal“, sagt der Linksaußen und mit
945 Treffern drittbeste Torschütze
aller Zeiten im Trikot des Deutschen
Handballbundes (DHB).
Noch nie hat Gensheimer, „der
Unvollendete“, einen Titel mit der
Nationalmannschaft gewonnen, sein
größter Erfolg war Olympia-Bronze
2016 in Rio, wo er zudem als bester
Linksaußen im All-Star-Team stand.
O LYMP I S C HE
G E SC HI C HT E
Handball war erstmals 1936 olympisch (Feldhandball) – vorerst einmalig. Seit München 1972 sind
die Männer kontinuierlich dabei
(Hallenhandball), seit 1976 auch
die Frauen.
Deutsche Goldmedallien
1936 Deutschland – Männer
1980 DDR – Männer
Tokio 2021
Vom 24. Juli bis 8. August im Yoyogi
National Stadium (gehörte bereits
1964 zu den olympischen Wettkampfstätten). Männer (ab 24.)
und Frauen (ab 25.) spielen mit
12 Mannschaften in je zwei Vorrundengruppen, die besten vier Teams
jeder Gruppe qualifizieren sich fürs
Viertelfinale. Die Männer ermitteln
ihren Olympiasieger am 7. August,
die Frauen am 8. August.
„Gold ist für
uns Vision
und Mission“
Kapitän UWE G ENSH EIMER (34) träumt
in Tokio von seinem ersten Titel mit der
Handball-Nationalmannschaft. Auch
wenn er weiß, dass Deutschland nicht der
Top-Favorit auf den ganz großen Wurf ist.
Wenige Monate zuvor, als Deutscheinfach, aber ich hoffe, dass wir das
land in Krakau Europameister geworschaffen. In den K.-o.-Spielen kann
den war, fieberte der Mannheimer
im Handball immer alles passieren“,
verletzt auf der Tribüne mit. Mit
sagt Gensheimer.
seinem Heimatklub Rhein-Neckar
Druck wegen der GoldambitioLöwen wurde er zweimal Deutscher
nen Hannings spürt er indes nicht:
Meister und EHF-Pokal„Man muss das ja relativieSieger, bei seinem Gastspiel
ren: Das war vor sieben Jahin Paris wurde er mit PSG
ren, als die »Mission Gold
dreimal französischer Meisin Tokio« ausgesprochen
ter und einmal Pokalsieger,
wurde. Das finde ich gut
verpasste als Finalist 2017
und richtig, denn jedes Unaber das große Ziel Chamternehmen hat eine Mission
O L Y M P I S C H E und eine Vision. Hohe Ziele
pions-League-Sieg.
SPIELE
Nun in Tokio träumen
und eine hohe Messlatte
die deutschen Handballer
sind wichtig, aber nach den
von Edelmetall, der scheidende
letzten Turnieren sind wir nicht der
DHB-Vizepräsident Bob Hanning (53)
Favorit auf die Goldmedaille. Denhatte bei seinem Amtsantritt 2014
noch bin ich überzeugt, dass man
vollmundig vom „großen Ziel Olymnur etwas erreicht, wenn man sich
piagold in Tokio“ gesprochen. An
auch hohe Ziele setzt.“
dieser Aussage muss sich das deutDas sieht Bundestrainer Alfred
sche Team also messen lassen, wenn
Gislason (61) ähnlich – der Isländer,
man zunächst in der Vorrunde auf
der als Spieler 1984 und 1988 bei
Rekordweltmeister Frankreich, den
Olympia auf dem Parkett stand, hat
aktuellen Europameister Spanien,
seine ersten Olympischen Spiele als
den EM-Dritten Norwegen sowie die
Trainer vor sich. „Wir gehören nicht
beiden südamerikanischen Teams
zum Kreis der ganz großen Favoriten,
aus Brasilien und Argentinien trifft.
doch wenn alle fit bleiben, können
Um ins Viertelfinale einzuziehen,
wir um eine Medaille mitspielen.
muss die DHB-Auswahl mindestens
Aber da muss man erst einmal sehen,
Vierter werden. „Das ist natürlich
wie die Spieler diese unglaublich
unser erstes Ziel, und das ist angelange Saison weggesteckt haben.
sichts dieser Hammergruppe nicht
Druck spüre ich nicht, wenn im
Vorfeld von der Goldmedaille gesprochen wird“, sagt Gislason, im
Amt seit März 2020.
38 Bundesligaspieltage, dazu
Länderspiele, Champions League und
European League haben die meisten
Spieler in den Knochen – Kapitän
Gensheimer ist da die Ausnahme,
Grund war eine mehrwöchige Pause nach einer Meniskusoperation
Anfang April. Aber die Verletzung
habe ihn nicht zurückgeworfen: „Ich
habe die letzten fünf Bundesligaspiele mitgespielt, das lief schon rund, die
Pause hat mir gutgetan, ich habe in
der Reha hart gearbeitet und nach
der langen Saison durch die Pause
auch wieder neue Motivation gehabt.
Ich habe mich richtig gefreut, wieder
Handball zu spielen.“
Die nur einwöchige Pause zwischen dem letzten Bundesligaspieltag und dem Start der Olympiavorbereitung am heutigen Montag in
Herzogenaurach hat Gensheimer mit
seiner Familie in Südtirol verbracht.
Viel Zeit haben Gislason und seine
Mannen nicht für den Feinschliff, am
Freitag (9. Juli) und Sonntag (11. Juli)
stehen in Nürnberg die beiden einzigen Testspiele gegen die Olympiateilnehmer Brasilien und Ägypten
an, am 14. Juli fliegt die Mannschaft
nach Japan, um sich in Tokushima
Hochgestecktes Ziel:
Für Uwe Gensheimer
die Voraussetzung
für den Erfolg
zu akklimatisieren – wo man bereits
2018 zu einem Lehrgang war. „Es wird
eine andere Japan-Reise als vor drei
Jahren. Die Japaner sind allerdings
ein sehr gut organisiertes Volk, deswegen denke ich, dass bei Olympia
trotz Pandemie alles sehr gut abläuft“, ist sich Gensheimer sicher.
Auch er sieht es als großen
Nachteil an, dass die Bundesligasaison deutlich länger dauerte als alle
anderen internationalen Ligen: „Da
konnten sich andere Teams viel besser vorbereiten und regenerieren.“
Gislason hat 17 Spieler nominiert,
14 davon sind fix mit der Mannschaft
im olympischen Dorf, die drei anderen reisen mit nach Japan, dürfen
mittrainieren und können jederzeit
für einen anderen Spieler nominiert
werden. Im Gegensatz zu Welt- und
Europameisterschaften, wo 16 oder
18 Spieler pro Partie eingesetzt werden dürfen, sind es bei Olympia
Fotos: imago images/Bildbyran
D E R KA D ER F Ü R TO K I O
Tor: Andreas Wolff (30/KS Vive Kielce/POL/108 Länderspiele)
Silvio Heinevetter (36/MT Melsungen/202)
Johannes Bitter (38/HSV Hamburg/161)
Linksaußen: Marcel Schiller (29/Frisch Auf Göppingen/20)
Uwe Gensheimer (34/Rhein-Neckar Löwen/196)
Rechtsaußen: Tobias Reichmann (33/MT Melsungen/97)
Timo Kastening (26/MT Melsungen/27)
Kreis: Johannes Golla (23/SG Flensburg-Handewitt/22)
Hendrik Pekeler (30/THW Kiel/114)
Jannik Kohlbacher (25/Rhein-Neckar Löwen/75)
Rückraum Mitte: Philipp Weber (28/SC Magdeburg/43)
Juri Knorr (21/Rhein-Neckar Löwen/11)
Rückraum links: Julius Kühn (28/MT Melsungen/76)
Paul Drux (26/Füchse Berlin/99)
Rückraum rechts: Kai Häfner (31/MT Melsungen/104)
Steffen Weinhold (34/THW Kiel/129)
Abwehr: Finn Lemke (29/MT Melsungen/82)
„Wir müssen nur
konstant auf unserem
Niveau spielen.“
Alfred Gislason, Bundestrainer
nur 14 – und da haben ausgeruhte
Mannschaften natürlich Vorteile.
„Auch die Topfavoriten wie Dänemark, Norwegen oder Schweden
haben sehr viele Bundesligaprofis
im Kader, die haben das gleiche Problem wie wir“, sagt Gislason, der zwar
„Jammern hilft nicht“ als sein Motto
ausgibt, aber auch meint: „Ich glaube
nicht, dass irgendein Bundestrainer
mal weniger Vorbereitungszeit auf
ein solches Turnier hatte als ich.“
Auch für Gensheimer sind die
Skandinavier sowie Europameister
Spanien die Olympia-Favoriten, wie
Gislason sieht er den Abstand der
deutschen Mannschaft zur absoluten
Weltspitze als nicht so groß an: „Uns
fehlt vielleicht das Wettkampfniveau
auf allerhöchster Ebene – zum Beispiel war kein deutscher Spieler beim
Champions-League-Finalturnier in
Köln am Start.“ Gislason hat einen
anderen Faktor ausgemacht: „Der
Abstand zur Weltspitze ist nicht so
groß, wir müssen nur konstant auf
unserem Niveau spielen. Was uns
eben noch fehlt, sind Stabilität und
Sicherheit – und die bekommst du
nur, wenn du dich lange und intensiv
vorbereiten kannst.“
Vier Länderspiele fehlen Uwe
Gensheimer noch zur Marke von
200 internationalen Einsätzen,
55 Tore zur Marke von 1000 Länderspieltreffern – der Traum vom ersten
Titel mit dem Nationalteam könnte
durch Gensheimers persönliche Bestmarken einen besonderen Schub
erhalten. Nur eines wird er wohl nicht
schaffen: erneut bei der Eröffnungsfeier dabei zu sein. Denn gleich am
ersten Wettkampftag, dem 24. Juli,
steht um 16.15 Uhr Ortszeit (9.15 Uhr
MESZ) das Duell mit Spanien an –
und daher werden die Handballer
nach aktuellem Stand die Eröffnung
nur am Fernseher sehen. Bei der
Schlussfeier mit Gold zu winken, hört
sich für Gensheimer & Co. sowieso
besser an.
BJÖRN PAZEN
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Rudern – Der Deutschland-Achter
mit Schlagmann Hannes Ocik
90
5. JULI 2021
ZeitLUPE
Der goldene Schuss, der goldene
Schluss. Mit dem GOLDE N GOAL
zum EM-Titel 1996 schreibt
Oliver Bierhoff Geschichte. Doch
der Allererste war er nicht ...
Kuntz und das Abseits
Wie fiel das Golden Goal von Oliver
Bierhoff am 30. Juni in Wembley
zum 2:1 gegen Tschechien? Zuspiel
von Jürgen Klinsmann. Drehung,
Schuss. Keeper Petr Kouba rutscht
der Ball durch die Hände, er trudelt
über die Linie. Hätte der lauernde
Stefan Kuntz dann eingegriffen,
wäre aus seiner passiven eine
aktive Abseitsstellung geworden ...
Wenn’s mal wieder länger dauert ...
Wie alles begann, lässt sich nicht hundertprozentig belegen. Klar
ist, dass es schon vor mehr als 100 Jahren zumindest inoffizielle
Golden Goals gab. Zum Beispiel im Mai 1914: Im Finale um die
Deutsche Meisterschaft erzielte Karl Franz das Siegtor zum 3:2
für die SpVgg Fürth gegen den VfB Leipzig – in der 154. Minute.
Kurioses aus der Karibik: Nicht nur ein Tor verteidigt
1994 dokterte die FIFA bei der Karibikmeisterschaft
am Golden Goal herum. Aber nicht klug: Auch in der
Vorrunde sollte es kein Remis geben, das Siegtor in
der Verlängerung doppelt zählen. Das führte dazu,
dass Barbados gegen Grenada durch ein absichtliches Eigentor die Extra Time herbeiführen wollte,
weil es zum Weiterkommen einen Sieg mit zwei Toren
Differenz brauchte. Also erzielten sie das 2:2 für
Grenada. Dieses Team wiederum wollte also ab der
87. Minute ein Eigentor oder den Siegtreffer schießen, um die Verlängerung zu verhindern, Barbados
verteidigte also den eigenen und Grenadas Kasten!
Mit Erfolg. Barbados siegte in der Verlängerung
3:2, also quasi 4:2, kam weiter. Das Experiment
war danach ganz überraschend beendet ... Und das
Golden oder Silver Goal gibt’s seit 2004 nicht mehr.
Weltmeisterschaften Vier Spiele
wurden in der WM-Historie per
Golden Goal entschieden: 1998
durch Laurent Blanc (Foto; er war
es, der Keeper Fabien Barthez
immer auf die Glatze küsste) für
Frankreich gegen Paraguay. Und vier Jahre später
vergoldeten Henri Camara (für Senegal gegen
Schweden), Jung-Hwan Ahn (für Südkorea gegen
Italien) und Ilhan Mansiz (für die Türkei gegen
Senegal) jeweils den späten Jubel ihrer Teams.
5. JULI 2021
91
Aufgetaucht in Down Under
Bevor Bierhoff 1996 das erste Golden Goal im Herrenfußball erzielte,
waren die Junioren dran: Bei der
U-20-WM traf Anthony Carbone in
Australien gegen Uruguay zum 2:1 in
der Verlängerung. Ein Name wie ein
Filmstar. Und: Australier. In Down
Under 1993 groß rausgekommen.
Nia san Nia
Foto: imago images
Flanke. Kopfball. Tor. Nein, diesmal nicht Manni Kaltz und
Horst Hrubesch. Sondern Renate Lingor und Nia Künzer,
2003. Lingors Freistoß wuchtete Künzer in der Verlängerung
gegen Schweden ins Netz. 2:1. Deutschlands Frauen sind
Weltmeister. 2001 erzielte Claudia Müller das 1:0 zum EMSieg, auch gegen Schweden – und ebenfalls per Golden Goal.
Europameisterschaften Vier Jahre
nach dem Finale Deutschland gegen Tschechien endete auch das
Endspiel zwischen Frankreich und
Italien mit einem Golden Goal:
David Trezeguet (Foto) traf,
war aber nicht der erste französische GoldenGoal-Torschütze des Turniers: Auch den Finaleinzug konnte der amtierende Weltmeister erst
in der Verlängerung gegen Portugal klarmachen –
Zinedine Zidane schockte Luis Figo und Co.
Europapokal Es gibt viele Spiele,
die verdienen keinen Sieger. Dieses aber hätte niemand verlieren
dürfen. Und doch zog CD Alaves
2001 im denkwürdigen UEFA-CupFinale gegen Liverpool in Dortmund den Kürzeren. 4:5 hieß es am Ende aus Sicht
der Spanier, weil Geli (Foto) per Kopfball-Eigentor
die Reds jubeln ließ. Über das einzige Golden Goal
in der Europacup-Geschichte freuten sich bei
Liverpool auch Markus Babbel und Didi Hamann.
Silver Goal Es sollte eigentlich
nicht so „brutal“ sein wie der Vorgänger, das Golden Goal, weil dem
Team, das es kassierte, bis zum
Ende der Halbzeit der Verlängerung noch Zeit zur Korrektur blieb.
Kurios: Bei der EM 2004, als Griechenlands Traianos Dellas (Foto) mit dem 1:0 gegen Tschechien
Hellas ins Finale köpfte, war dennoch kurz danach
Feierabend, denn der Treffer fiel in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit der Verlängerung.
Das Insolvenzverfahren
will kein Ende nehmen.
Das ist nicht die einzige
offene Baustelle beim
geplagten Oberligisten
ROT-W E ISS E R F U RT .
Seit vergangenen Donnerstag rollt
im Trainingszentrum „Gebreite“
wieder der Ball. Der FC Rot-Weiß
Erfurt bereitet sich auf seine zweite Saison in der Oberliga NOFV-Süd vor;
diesmal zwar strukturierter als vor einem
Jahr, als erst durch Franz Gerbers Einstieg
als Investor der Spielbetrieb im letzten
Moment gesichert wurde. Doch reibungslos verlaufen die Wochen derzeit auch
nicht. Das überraschende Viertelfinal-Aus
im Thüringer Landespokal gegen Ligakonkurrent FC An der Fahner Höhe (1:2)
steckt den Erfurtern noch in den Kleidern.
Hinzu kommt die schwierige Suche nach
Sponsoren. Die Ankündigung von Insolvenzverwalter Volker Reinhardt, dass das
nunmehr schon seit drei Jahren währende
Insolvenzverfahren noch mindestens bis
zum Jahresende andauern wird, schreckt
neue Geldgeber vornehmlich ab.
„Einfach ist es hier nie“, sagt Gerber
zum neuerlichen Rückschlag lapidar. Ursprünglich sollte der Insolvenzplan zum
30. Juni beim Gericht eingereicht werden.
Reinhardt begründete die Verschiebung
Sorgenfalten auf der Stirn: Franz Gerber hat in Erfurt keinen leichten Job.
mit „mehr als 300 fehlerhaften Zahlungen, die ein ehemaliger Vereinspräsident
geleistet hat“. Diese anzufechten gehöre
terhin wie ein Damoklesschwert über dem
trag mit dem erst im Winter zurückgeholzu den gesetzlichen Pflichten eines InsolVerein. Entsprechend enttäuscht zeigte
ten Selim Aydemir wurde aufgelöst. Der 30
venzverwalters. In seiner Mitteilung heißt
man sich bei den Verantwortlichen in PräJahre alte Mittelfeldspieler beendet „aus
es: „Die aufgedeckten Zahlungen aus dem
sidium und Aufsichtsrat über die erneute
gesundheitlichen Gründen“ seine Karriere
Zeitraum vor Insolvenzeröffnung betreffen
Verzögerung. Inhaltlich wolle man den Fall
und will die Trainerlizenzen erwerben.
eine Vielzahl von Beteiligten, darunter
nicht bewerten, „da uns die tatsächlichen
Und mit Top-Stürmer Hedy Chaabi konnte
auch institutionelle Gläubiger. Sie erfolgHintergründe nicht bekannt sind“, heißt
sich der Verein nicht auf einen neuen Konten in unzulässiger Art
es in der Erklärung.
trakt einigen. Der Franzose brachte es in
und Weise, da sie nicht
Während
der
e.
V.
sieben Spielen der abgebrochenen Saison
„Das Pokalspiel hat
im Namen des Vereins
in der bevorstehenden
auf vier Treffer und zwei Torvorlagen.
getätigt wurden. Ein gezeigt: Die Saison wird Saison mit einem leicht
„Das ist natürlich eine Schwächung“, gibt
kein Selbstläufer.“ reduzierten Budget von Gerber zu, „doch ich bin zuversichtlich,
solches Vorgehen ist
unzulässig und zwingt Franz Gerber, Investor und Sportdirektor 270 000 Euro für Nachdass wir auch ohne ihn eine schlagkräftige
den Insolvenzverwalter
wuchsakademie und
Mannschaft ins Rennen schicken werden.“
zum Handeln.“
Geschäftsstelle plant,
Auf der Trainerbank setzen die ErOffensichtlich
hält sich Gerber mit dem
furter indes weiterhin auf Manuel Rost
richten sich die Vorwürfe gegen den langEtat für das Oberliga-Team bedeckt. „Er ist
und Goran Miscevic. Das Duo hatte die
jährigen Präsidenten Rolf Rombach (2006
für die Spielklasse angemessen“, sagt er
Mannschaft im vergangenen September
bis 2017), der jedoch betont: „Im Zeitraum
und sieht Rot-Weiß nicht als Finanzkrösus.
nach der Trennung von Robin Krüger
meiner Präsidentschaft liefen sämtliche
Selbst das modernisierte Stadion böte
(jetzt FSV Martinroda) übernommen und
Zahlungen für den Verein ordnungsgemäß
nur auf den ersten Blick wirtschaftliche
bis zum Abbruch mit sechs Siegen und
ab.“ Auch sein Kurzzeit-Nachfolger Frank
Vorteile: „Wenn Zuschauer zugelassen wereinem Remis aus sieben Spielen auf Platz 3
Nowag (November 2017 bis April 2018)
den, können wir zwar mehr einnehmen,
geführt – hinter dem punktgleichen Rewies eine Verbindung von sich: „Nach
haben aber auch deutlich mehr Kosten als
gionalliga-Aufsteiger FC Eilenburg. Trotz
Rücksprache mit Herrn Reinhardt kann
andere.“ Hinzu kommt, dass man an den
dieser Erfolgsserie warnt Gerber vor zu viel
ich nur sagen, dass mich der Sachverhalt
Caterer der Arena gebunden ist.
Euphorie: „Das Pokalspiel gegen Fahner
nicht betrifft.“ Bis es zu einer juristischen
Sportlich gilt es zudem, zwei schwerHöhe hat uns deutlich gezeigt: Die Saison
Klärung kommt, hängt das Verfahren weiwiegende Verluste zu verkraften. Der Verwird kein Selbstläufer.“
MARCO ALLES
Foto: imago images
FUSSBALL IM OSTEN
Saisonstart mit Hindernissen
5. JULI 2021
Der Defensivallrounder trat pünktlich seinen Dienst an – Badu wird getestet
Die Rolle rückwärts von Kauter
Beim 9:0-Testspielsieg von Energie Cottbus gegen den Oberligisten Brandenburg
Süd war Shawn Kauter zwar
dabei, aber nicht mittendrin.
Der Defensivallrounder, der zuletzt mit seinem Vertrags-Hickhack für reichlich Ärger in der
Lausitz gesorgt hatte, saß lediglich als Zuschauer in Zivil
auf der Bank. Die Augen der
Fans wären vermutlich hauptsächlich auf den umstrittenen
Neuzugang gerichtet gewesen.
Das wollte Trainer Claus-Dieter
Wollitz Kauter und auch dem
Team ersparen.
Der Neuzugang wird derzeit durch den Verein ganz bewusst vor der Öffentlichkeit
abgeschirmt. Interviews soll
der ehemalige Kapitän des
Berliner AK bis auf Weiteres
nicht geben. Energie Cottbus
und auch Kauter wollen jetzt
erst einmal den überraschend
beigelegten Vertragsstreit verdauen. „Auch wir wurden von
dieser Wendung überrascht“,
räumt Präsident Sebastian
Lemke ein.
Der 25-jährige Kauter
hatte zwar bereits im April
unterschrieben, teilte dem
J E NA
Verein jedoch dann kurz vor
dem Trainingsstart im Juni
mit, dass er den Vertrag nicht
erfüllen könne. In einer später
als Pressemeldung veröffentlichten Erklärung nannte der
Spieler „unvorhersehbare familiäre Probleme“ als Grund.
Als Reaktion kündigte Energie
Cottbus rechtliche Schritte an
und machte sich auf die Suche
nach Ersatz für die Innenverteidigerposition, für die Kauter
vorgesehen war.
Mitte der vergangenen
Woche kam dann jedoch die
überraschende Wende. Kauter trat doch pünktlich zum
eigentlichen Vertragsbeginn
am 1. Juli seinen Dienst an.
Zudem entschuldigte sich der
Spieler bei der Mannschaft
und räumte gegenüber der
Vereinsführung Fehler in der
Kommunikation ein.
Also alles wieder gut? Es
ist mehr eine Versöhnung auf
Bewährung. Denn Sportchef
Maximilian Zimmer hat klare
Forderungen an Kauter formuliert. „Wir haben die Tür wieder
aufgemacht“, so Zimmer. „Es
geht dabei nicht nur um gute
Leistungen auf dem Platz. Es
geht auch darum, Werte wie
Foto: imago images/picture point
Am 23. Juli geht’s wieder los
REGIONALLIGA
COT TB US
71
Auf Bewährung: Nach den Wechselwirrungen steht für den
Neuzugang vom Berliner AK, Shawn Kauter, die Tür derzeit offen.
Ehrlichkeit und Vertrauen bei
Energie zu leben. Es liegt jetzt
an ihm, was er daraus macht.“
Nach der überraschenden Rolle rückwärts von Kauter
sind jetzt noch drei bis vier
Planstellen im Kader offen.
Vor allem in der Breite sollen
alle Mannschaftsteile ergänzt
werden. Gute Chancen hat
Außenbahnspieler Malcolm
Badu (24). Der ehemalige deut-
sche Junioren-Nationalspieler
(6 Spiele für die U 20, 2 für die
U 19 sowie 6 für die U 18), der
zuletzt in Russland bei Spartak
Moskau unter Vertrag stand,
überzeugte im Test gegen
Brandenburg Süd eine Halbzeit lang mit seinen Sprints
auf dem Flügel. Der gebürtige
Berliner wird auch in dieser
Woche weiter getestet.
Schweres Auftaktprogramm nach dem Erfolg im Landespokal
Kunert sucht noch einen Torhüter
Es dürfte dieser Tage für
die Regionalliga-Fußballer von Carl Zeiss Jena
schweißtreibend werden.
Denn nach dem Landespokaltriumph gegen den FC An der Fahner
Höhe (4:1 n. V.) am vergangenen
Mittwoch sowie im Anschluss
einigen Tagen Pause starten die
Thüringer ab Montag gleich mit
einem sechstägigen Trainingslager in die offizielle Vorbereitung.
Die ist allerdings recht kurz. Denn
in nicht mal mehr drei Wochen beginnt bereits der Punktspielalltag
in der Regionalliga Nordost. „Und
der Start in die Liga hat es gleich
in sich“, wie FCC-Trainer Dirk Kunert sagt. „Das ist ein schweres
Programm.“
Immerhin treffen die Jenaer
gleich zu Beginn auf den Berliner
AK, den Ex-Klub des Trainers. In
der Folge stehen Duelle für den
FCC gegen die Titelaspiranten
VSG Altglienicke, Lok Leipzig und
Energie Cottbus an.
Nach dem „speziellen Sieg
im Landespokal“, so Kunert,
konzentrieren sich die Jenaer
nun vorläufig voll auf die sechs
anstrengenden Tage in Zeulenroda. Zusätzlich neben den Trainingseinheiten sind zwei Testspiele geplant: gegen Siebtligist Motor
Zeulenroda (6. Juli) und Drittligist
FSV Zwickau (8. Juli).
„Es war schon komisch, bis
zuletzt mit den Spielern aus dem
alten Kader die Pokalspiele zu
bestreiten, die uns ja dann auch
verlassen haben. Mit der speziellen Atmosphäre beim Pokalsieg
hatten alle Jungs aber einen guten
Abschied und wir als Verein einen
guten Start“, so der FCC-Trainer.
Denn die Neuzugänge durften in
den Pokalspielen aus der Saison
2020/21 nicht mitwirken. Dementsprechend gestaltete sich die
Trainingssteuerung in den vergangenen Wochen nicht ganz so
einfach für Kunert: „Diese Pokalspiele waren sicherlich kein Vorteil für uns.“
Der 53-Jährige ist nun froh,
in den kommenden Tagen ausschließlich mit dem aktuellen
Kader zu arbeiten. Dieser ist aber
längst noch nicht vollständig. Derzeit stehen nach Vereinsangaben
16 Akteure unter Vertrag. Handlungsbedarf sieht Kunert auf der
Torhüterposition. Denn da steht
bisher nur Lukas Sedlak (21) zur
Verfügung. „Aber auch im offensiven Zentrum sowie auf der linken
Seite brauchen wir noch Spieler“,
so der Fußball-Lehrer. Es herrscht
also weiter viel Bewegung beim FC
Carl Zeiss Jena – auf und neben
dem Platz.
MATTHIAS SCHÜTT
FRANK NOACK
1. SPIELTAG
SAMSTAG/SONNTAG, 24./25. JULI
Chemnitz ( - , - ) TeBe Berlin
Meuselwitz ( - , 1:1) Lichtenberg
Halberstadt ( - , - ) Hertha II
Eilenburg ( - , - ) Chemie Leipzig
Cottbus (1:1, - ) Luckenwalde
Lok Leipzig ( - , - ) BFC Dynamo
Altglienicke ( - , - ) Rathenow
BAK 07 (1:5, - ) Jena
Fürstenwalde ( - , - ) Auerbach
Tasmania Berlin ( - , - ) Babelsberg
kurz
bündig
Optik Rathenow
Beim 6:2-Testspielsieg bei Lok
Stendal verletzte sich Ali Gündogdu (19) so schwer an der Schulter,
dass er sofort ins Krankenhaus
gefahren wurde und noch am Wochenende operiert werden musste.
BFC Dynamo
Der 19 Jahre alte Abwehrspieler
Bastian Schrewe kommt von der
U 19 von Dynamo Dresden. Mittelfeldspieler Marcel Stutter (33) hat
seinen Vertrag verlängert.
Der VF B O L DE N B U R G baut auf
das Fundament der Vorsaison
auf – und will oben mitspielen.
Stau im Stadtgebiet ist bei Heimspielen des VfB Oldenburg im
Normalfall nicht zu befürchten.
Am vergangenen Mittwoch gegen
kurz vor 18 Uhr ging aber kaum noch etwas im
Stadtteil Eversten, in dem das Marschwegstadien liegt und der Verkehr heftig stockte. Der
Grund war das Testspiel des VfB gegen Werder
Bremen, das 4823 Zuschauer anzog.
Die Fans hielten es zum Großteil mit den
Bremern, sahen aber ein Oldenburger Team,
das sich keineswegs einigelte und dem Bundesliga-Absteiger das Leben im ersten Durchgang
schwer machte, durch Max Wegner sogar in
Führung hätte gehen müssen. Zur Halbzeit
stand es nach einem Treffer von Niclas Füllkrug 0:1, am Ende nach zahlreichen Wechseln
und verloren gegangener Struktur auf beiden
Seiten 0:4. „Wir haben es toll gemacht. Das
Spiel zeigt mir, dass wir auf dem richtigen Weg
sind“, lobte Cheftrainer Dario Fossi den Auftritt
seines Teams, das nach dem Spiel gegen die
Bremer am Samstag den Bezirksligisten GVO
Oldenburg mit 12:0 schlug.
Mit Blick auf den Stand der Vorbereitung
freut Fossi vor allem, dass er dieses Mal nicht
einen in weiten Teilen neuen Kader zusammenstellen muss, sondern auf das Fundament
der Vorsaison aufbauen kann. Verlassen aus
dem Kreis der Stammspieler hat den Klub
bisher nur der zentrale Mittelfeldspieler Nico
Matern (28, Teutonia 05). Offen ist noch, ob
Ayodele Adetula (23, offensive Außenbahn)
H S C H A N N OV ER
Foto: imago images
REGIONALLIGA
Am 15. August geht’s wieder los
Gerne wieder Staugefahr
Dagegengehalten: Oldenburgs Sotirios Kaissis (rechts) im Zweikampf mit Bremens
Jean-Manuel Mbom.
und Kevin Kalinowski (27, Innenverteidigung)
einen neuen Kontrakt unterschreiben. Mit
beiden steht der Klub weiterhin im Austausch.
„Wir beschäftigen uns aber auch mit Alternativen zu ihnen“, sagt Geschäftsführer Michael
Weinberg gegenüber dem kicker. Allzu lange
soll also nicht gewartet werden, ansonsten will
der VfB die Kaderplätze anderweitig besetzen.
Das Potenzial, dem Team weiterzuhelfen,
haben gegen Werder mit Lars Holtkamp (19,
zentrales Mittelfeld, VfL Bochum) und Leonardo Uka (20, offensive Außenbahn, Grasshopper
Zürich) zwei Testspieler nachgewiesen. Offen
ist noch, ob sie auch auf Dauer in den Nordwesten kommen, zumal sich für Uka in Zürich
möglicherweise noch die Tür in Richtung
Profifußball öffnen könnte.
Mit Blick auf das Saisonziel visieren die
Oldenburger erneut die Aufstiegsrunde an,
wollen sich allein mit dieser aber nicht begnügen. „Wir drehen nicht durch, aber auch dort
wollen wir dann eine richtig gute Rolle spielen.
Das Zeug dazu haben wir“, betont Fossi. Ist sein
Team im Frühjahr im Meisterschaftsrennen
oben mit dabei, steigt in Eversten sicher auch
häufiger die Staugefahr.
KARSTEN LÜBBEN
Der Trainer setzt auf die Jugend und sucht Erfahrung
Polomka: „Wir müssen ankommen“
Läuft es im dritten
Jahr besser beim HSC
Hannover? Zwei jeweils abgebrochene
Spielzeiten hat das Team von
Trainer Martin Polomka in
der Regionalliga bereits hinter
sich. Ohne die Annullierung
der Saison 2019/20 wäre das
Abenteuer nach dem Aufstieg
schnell wieder vorbei gewesen.
Nun hofft der Coach, dass die
Spieler die Lehren aus der Vergangenheit mit jeweils nur zwei
Siegen gezogen haben. „Wir
müssen endlich in der Liga ankommen“, sagt Polomka.
Doch er sieht sein Team
aktuell gegenüber vielen anderen Rivalen im Nachteil. Nach
sieben Monaten Pause traten
die HSC-Kicker erstmals wieder am 7. Juni im gemeinsamen Training gegen den Ball.
Polomka hatte in der Hochzeit
der Corona-Pandemie bewusst
auf den Antrag auf eine Sondergenehmigung verzichtet. Die
Begründung damals: „Es gibt
Wichtigeres als Fußball.“ Dass
andere trainiert hatten, wolle
Polomka den Vereinen aber
nicht zum Vorwurf machen. Er
blickt lieber nur auf sein Team,
wo es genug Arbeit gibt. „Es ist
alles noch etwas wackelig, wir
sind noch in der Aufbauphase“,
sagt der Trainer. „Die Belastungssteuerung im Training
steht derzeit über allem.“
Ob der HSC den körperlichen und fußballerischen
Rückstand bis zum Saisonstart aufholen könne, sei nicht
sicher, so der Coach. Es dürfte
also wieder ein schwieriges Unterfangen werden, die Klasse
zu halten. Mit Martin Wiederhold und Christopher Schultz
sind derzeit nur zwei der 17
für die Saison eingeplanten
Feldspieler älter als 30 Jahre.
„Ich hätte gerne noch ein paar
erfahrene Fußballer dabei“, betont Polomka, der mit seinem
Klub jedoch gezielt auf die Jugend setzt. „Aufgrund unserer
Wirtschaftlichkeit“, erklärt der
Coach, „haben wir keine andere Möglichkeit.“
MARK BODE
kurz
bündig
Phönix Lübeck
Der 21-jährige Flügelspieler Cem
Barlik war zur Probe im Kurztrainingslager im dänischen Skaerbaek
dabei. Der ehemalige U-17-Nationalspieler der Türkei ist aktuell
vereinslos, spielte zuvor in der
U-19-Bundesliga Süd-Südwest
für Kaiserslautern. Derweil wurde Mittelfeldspieler Kusi Kwame
erfolgreich am Meniskus operiert.
Holstein Kiel II
Vom Zweitligaabsteiger Eintracht
Braunschweig kommt Manuel
Schwenk, der bereits von 2015 bis
2018 das KSV-Trikot trug. Torwart
Dean Hinterstoisser kommt aus der
U 19 von RB Leipzig. Derweil wurde der Vertrag von Marius Larsen
aufgelöst. Der 21-jährige Norweger
kehrt in seine Heimat zurück.
REGIONALLIGA
Am 13. August geht’s wieder los
kurz
Alemannia Aachen
Abwehrspieler Peter Hackenberg
(32) verlängerte rechtzeitig zum
Trainingsbeginn seinen auslaufenden Vertrag am Tivoli. Bislang
absolvierte Hackenberg 155 Spiele
für die Alemannia.
FC Schalke 04 II
Torhüter Ivan Prebanic (21) kommt
vom Bochumer Westfalenligisten
DJK TuS Hordel. Er war bereits
von 2008 bis 2017 in der Schalker
„Knappenschmiede“ aktiv.
„Wir sind weiter als zum gleichen Zeitpunkt im vergangenen Jahr“: Steinmann über den Status
„Da wächst was zusammen“
A N DY ST E IN M A NN (36) kann schon zum Trainingsauftakt
mit einem großen Kader arbeiten – anders als früher.
Foto: picture-alliance/nordphoto
bündig
Das sah schon ganz
gut aus. Mit sechs
Spielern des Kaders
aus dem Vorjahr,
Emre Aydinel fehlte verletzt,
zehn Neuzugängen und sechs
Gastspielern traten die Sportfreunde Lotte am Samstag
gegen Drittligist SV Meppen
an und zogen sich trotz einer
0:2-Niederlage achtbar aus
der Affäre. Schließlich hatten sie erst am Freitag mit der
Vorbereitung begonnen und
lediglich zwei gemeinsame
Trainingseinheiten absolviert.
22 Spieler durfte Trainer
Andy Steinmann zum Auftakt
begrüßen. Neben den 17 unter
Vertrag stehenden Akteuren
waren fünf Gastspieler dabei.
Das sah in den vergangenen
Jahren meist ganz anders aus,
als zum Teil weniger als zehn
Spieler gebunden waren. Entsprechend ist der Trainer Andy
Steinmann mit der aktuellen
Situation und dem ersten Testspiel zufrieden: „Wir haben bei
den Spielerverpflichtungen
nicht so viel falsch gemacht.
Das wurde gegen Meppen
schon deutlich. Aus dem Spiel
heraus haben wir in der ersten
Hälfte wenig zugelassen und
hatten auch unsere Chancen,
gerade nach der Pause. Insgesamt müssen wir jetzt daran
arbeiten, dass wir mit den vielen jungen Spielern Kontinuität
reinkriegen.“
In dieser Woche sollen
weitere Gastspieler mittrainieren, die dann auch am Mittwoch im zweiten Vorbereitungsspiel beim Landesligisten
SC Melle zum Einsatz kommen.
Auf jeden Fall muss neben Tor-
Viele Neuzugänge
sind seit November
ohne Spielpraxis.
hüter Jhonny Peitzmeier ein
zweiter Keeper verpflichtet
werden. Dann wünscht sich
Steinmann noch zwei Außenverteidiger, einen Achter und
einen Zehner sowie eventuell
zwei Flügelstürmer. Mindestens 22, möglichst 24 Spieler
stark soll der Kader sein. Und
den möchte der Coach am
liebsten bis zum DFB-Pokalspiel der 1. Runde am zweiten
August-Wochenende beisammenhaben.
Unterstützt wird Steinmann künftig vom neuen
Co-Trainer und Teammana-
ger Gerrit Neumann. Die beiden können auf einen jungen,
hungrigen Kader bauen, der
sich allerdings finden muss.
Viele Neuzugänge haben den
Weg nach Lotte aus der Regionalliga Nord oder der Oberliga
gefunden. Und die haben seit
November nicht mehr gespielt.
„Da müssen wir das Training
entsprechend dosieren und
die Jungs behutsam aufbauen“, weiß Steinmann. „Aber
das geht ja anderen Vereinen
sicher auch so.“
Mit dem aktuellen Status quo ist er zufrieden. „Wir
sind weiter als zum gleichen
Zeitpunkt im vergangenen
Jahr“, ist er überzeugt, wohl
wissend, dass ihm und seiner
Mannschaft in der kommenden Saison nichts geschenkt
wird. „Aber da wächst etwas
zusammen.“ Umgewöhnen
muss er sich dennoch. Aus
logistischen Gründen wurden die Trainerbänke auf die
gegenüberliegende Seite weg
von der Haupttribüne hin zur
Gegengerade verfrachtet. Aber
auch das nimmt Steinmann
gelassen und freut sich auf
die Saison mit seiner jungen
und spannenden neuen Mannschaft.
ALFRED STEGEMANN
Preußen Münster
Nach vier Jahren kehrt Carsten Nulle (45) als Torwarttrainer zum SC
Preußen zurück. Er war zuletzt mit
Chefcoach Karsten Neitzel (53) in
Malaysia tätig. Nun zieht es ihn als
Nachfolger von Milenko Gilic (49)
dorthin, wo er bereits von 2015 bis
2017 aktiv war.
Rot-Weiss Essen
Das Trainerteam um Chefcoach
Christian Neidhart (52) steht fest
und bleibt quasi unverändert: Lars
Fleischer (26) verlängerte seinen
auslaufenden Vertrag, Fabio Audia
(25) stößt als Co-Trainer Videoanalyse dazu. + + + Rechtsverteidiger
Sandro Plechaty (23), der bislang
nur bis 2022 an den Verein gebunden war, hat seinen Vertrag vorzeitig
um zwei weitere Jahre bis zum
30. Juni 2024 verlängert.
SC Wiedenbrück
Von Ligakonkurrent Preußen Münster kommt Benedikt Zahn (25) zum
SCW. Der Mittelstürmer, der in 18
Spielen in Münster drei Treffer erzielte, unterschreibt einen Zweijahresvertrag.
SV Lippstadt 08
Nach Innenverteidiger Fabian Lübbers (29) und Linksverteidiger Phil
Halbauer (22) wechselt pünktlich
zum Trainingsauftakt auch Henri
Matter (20) von der U 23 des FC
Schalke 04 zum SVL. Der Mittelfeldspieler war auf Schalke und
zuvor beim 1. FC Köln ausgebildet
worden. Bei der Reserve der Königsblauen kam er in der vergangenen
Saison auf 12 Einsätze, erzielte dabei einen Treffer. + + + Defensivspieler Kai Bastian Evers (31) verlängerte seinen Vertrag bis zum
30. Juni 2023 und wird ebenso wie
Lübbers spielender Co-Trainer von
Felix Bechtold (30).
5. JULI 2021
OBERH AUS E N
71
Mittelfeldmann verlässt RWO nach zwei Jahren – Terranova gefällt die defensive Variabilität
Unmittelbar vor Saisonauftakt wurde ein Platz im
Kleeblatt-Kader frei. „Eher
nicht“, wiegelt allerdings
Sportleiter Patrick Bauder einen
möglichen Ersatz ab, denn er weiß:
„Im Mittelfeld sind wir ohnehin gut
besetzt.“ Was war geschehen? Bastian
Müller (29), zwei Spielzeiten lang auf
der Acht eine Bank der Rot-Weißen,
war ziemlich plötzlich das Angebot
auf den Tisch geflattert, ein Café
mitten in Palma de Mallorca übernehmen zu können. Er entschied
sich dafür, auch weil er darin seine
berufliche Zukunft sieht.
Präsident Hajo Sommers, selbst
in der Gastro-Branche erfahren, weiß:
„Dort in diesen Zeiten was zu starten,
ist mutig. Wir bedanken uns jedenfalls für zwei gute Jahre.“ Und Trainer
Mike Terranova freut sich: „Dann
wissen wir, wohin wir im nächsten
Jahr auf Mallorca ganz bestimmt
mal gehen.“
Statt Café auf Mallorca gab es
für den Rest des Kleeblatt-Trosses
erst mal ein Trainingsspielchen im
Stadion Niederrhein am Samstag.
Dort war auch zu sehen, dass es im
Oberhausener Mittelfeld tatsächlich
ein großes Angebot gibt. Bauder hat
AHLEN
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Kein Ersatz für Müllers plötzlichen Abgang
Kurzfristige Planänderung: Statt Trainingsauftakt erfüllt sich RWO-Mittelfeldmann Bastian Müller nun seinen Traum von einem Café auf Mallorca.
Der Zugang soll Holldack ersetzen
HOMBE R G
offenbar recht gut eingekauft und
Terranova nannte einen ihm wichtigen Aspekt: „Wir werden von hinten
heraus deutlich variabler“ und meint
dabei unter anderem Fabian Holthaus (über 130 Drittligaspiele), den
Neuzugang von Viktoria Köln. Doch
vor allem die Rückkehr von Nico
Klaß (nach einem Jahr und 15 Zweitligaspielen bei Absteiger Eintracht
Braunschweig) wird in Oberhausen
einhellig begrüßt.
Das gilt auch für einen Wechsel an der Spitze des Aufsichtsrates.
Nach 16 Jahren ist Hartmut Gieske
verabredungsgemäß ausgeschieden,
als kommissarischer Leiter sitzt jetzt
Marcus Remark dem Gremium vor.
Im Januar soll er bei der fälligen Neuwahl „richtig“ in Amt und Würden
kommen. Der Wechsel ist auch insofern bedeutend, als Gieske für den
Hauptsponsor „Evo“ (Energieversorger) steht, mit dem die Werbeverträge
noch bis 2024 laufen. Remark ist
Manager von Europas größtem Einkaufs- und Freizeitzentrum „Centro“
in Oberhausen, einen Steinwurf vom
Stadion Niederrhein entfernt. Das
hat sich zuletzt schon als Sponsor
von Einzelaktionen der Rot-Weißen
eingebracht.
GUSTAV WENTZ
Hildebrandt sucht noch acht Spieler
Twardziks neue Rolle
„Wir brauchen Geduld“
An diesem Montag
startet RW Ahlen in die
Saisonvorbereitung.
Dann könnte der eine
oder andere Zaungast eventuell
große Augen machen – denn einen großen Umbruch mit vielen
neuen Gesichtern, wie man es
von Rot-Weiss aus jüngerer Vergangenheit gewohnt war, wird
es nicht geben. „Der Großteil
der Stammspieler ist geblieben“,
sagt Ahlens Manager Joachim
Krug, die Zufriedenheit in seiner
Stimme ist klar herauszuhören.
Rechtsverteidiger Bennet
Eickhoff gab in der vergangenen
Woche noch seine Zusage für
ein weiteres Jahr, zuvor hatten
bereits die beiden Rechtsaußen
Sebastian Mai und Ilias Anan,
Innenverteidiger Rene Lindner
und Ali Cirak, sowie Mittelfeldspieler Timon Schmitz verlängert. Fehlt zum Ahlener Glücklichsein eigentlich nur noch
die Unterschrift von Stürmer
Seit dem vergangenen
Wochenende rollt der
Ball am Duisburger
Rheindeich wieder.
Allerdings konnte Coach Sunay
Acar zum Trainingsstart nur
16 Akteure begrüßen, die beim
VfB Homberg aktuell unter Vertrag stehen. „Es hat sich relativ
wenig getan. Wir werden Geduld haben müssen“, berichtet
Hombergs Sportlicher Leiter
Frank Hildebrandt von den
stockenden Transferaktivitäten
der Homberger. Es sei aktuell
„sehr schwer“ , den bislang noch
kleinen VfB-Kader – und das
möglichst qualitätssteigernd –
aufzustocken.
Doch das wird nötig sein,
wenn der Vorletzte der Vorsaison auch in seiner dritten
Spielzeit in der Regionalliga –
und diesmal auch ohne Pandemie-bedingte „Beihilfe“ – bestehen will. „Wir haben gute Jungs
aus der alten Truppe behalten
Gianluca Marzullo, doch auch
hier verbreitet Krug durchaus
Zuversicht: „Es ist noch nicht
festgezurrt, aber ich bin optimistisch.“
Eine tragende Rolle in
der neuen Serie soll aber ein
Neuzugang einnehmen: Patrik
Twardzik (28), zuvor Kapitän
bei Nordost-Regionalligist
Halberstadt, soll im zentralen Mittelfeld den Verlust von
Jan Holldack auffangen. Der
hatte mit starken Leistungen
großen Anteil am späten Klassenerhalt Ahlens, will sich nun
aber beruflich neuorientieren
und legt deshalb fußballerisch
eine Pause ein. Jetzt soll der
ehemalige tschechische Junioren-Nationalspieler, der 89mal in der Regionalliga Nordost
spielte, in der neuen Rolle mithelfen, damit RWA in der kommenden Saison nicht wieder so
lange zittern muss.
HENNING HOHEISEL
und auch fünf ordentliche Spieler dazubekommen“, macht sich
Hildebrandt um die Qualität
der vorhandenen Kicker keine
Sorgen. „Aber in der Breite muss
noch etwas passieren. Sieben bis
acht Spieler werden wir noch
brauchen, vor allem für die Offensive.“
Denn: Zu den 12 Abgängen
zählten sieben Spieler aus der
Offensivabteilung. Mit Pascale
Talarski und Neuzugang Jan
Niklas Pia hat der VfB erst zwei
Angreifer unter Vertrag. Dass
die Homberger ausgerechnet in
der Abteilung im Sturm großen
Bedarf an Neuzugängen haben,
mache es laut Hildebrandt nicht
einfacher. Nervös wird der Manager deshalb aber nicht. „Einige Spieler werden wir wohl erst
sehr spät verpflichten. Anders
wäre es natürlich schöner. Aber
das war in den letzten Jahren
auch schon so.“
SVEN KOWALSKI
Die SV E LV E R S B E R G kann weiter
auf die Dienste ihres Topscorers
Israel Suero Fernandez zählen.
Zwei Tage vor dem
Start in die Vorbereitung an diesem
Montag hat die
SV Elversberg eine
wichtige Personalie geklärt:
Bei den Saarländern hat der
beste Torschütze der Vorsaison
seinen Vertrag verlängert. Der
27-jährige Spanier Israel Suero
Fernandez bleibt mindestens
ein weiteres Jahr beim Vizemeister.
Sehr zur Freude von
Sportdirektor Nils-Ole Book:
„Welche Bedeutung Isra für
unsere Offensive und unser
Spiel hat, ist jedem klar. Mit
seinen technischen Möglichkeiten, seinem Blick für entscheidende Spielsituationen
und auch seinen Qualitäten
im Abschluss ist er für uns ein
wertvoller Teil des Teams.“
In der vergangenen Saison gelangen dem Spanier in
der Regionalliga in 40 Spielen
21 Tore. Sieben Treffer bereitete
KO BL E N Z
Suero Fernandez vor, der in der
Jugend auch für die Akademie
von Real Madrid spielte. Insgesamt kommt der Spanier für
Elversberg wettbewerbsübergreifend auf 65 Torbeteiligungen (41 Tore, 24 Vorlagen) in
94 Pflichtspielen.
Auch dank der Tore von
Suero Fernandez hofft Elversberg, dass nach mehreren
gescheiterten Anläufen in der
kommenden Spielzeit endlich
der langersehnte Wiederaufstieg in die 3. Liga gelingt. Dafür werden die Saarländer in
den kommenden Tagen in der
Vorbereitung schwitzen.
Bis zum Saisonauftakt am
ersten August-Wochenende
mit dem DFB-Pokal, für den
sich die SVE erneut qualifiziert
hat, kann Trainer Horst Steffen
sein Team in zahlreichen Einheiten unter die Lupe nehmen.
Hinzu kommt ein Kurz-Trainingslager in Bad Kreuznach
sowie vier Testspiele.
Foto: imago images
REGIONALLIGA
Am 13. August geht’s wieder los
„Ein wertvoller Teil des Teams“
Seit 2018 im Verein: Offensivakteur Israel Suero Fernandez
ist aus dem Elversberger Spiel kaum noch wegzudenken.
Im ersten davon sind die
Elversberger am kommenden
Samstag beim Oberligisten
FV Diefflen zu Gast (10.30 Uhr).
Mit Eintracht Trier spielt die
Steffen-Elf am 28. Juni in Bad
Kreuznach gegen einen weiteren Oberligisten (19 Uhr).
Das Highlight der Vorbereitung ist ein Testspiel gegen
den Bundesligisten 1. FC Köln
am 24. Juni in Bad Dürrheim
(17 Uhr). Eine Woche zuvor
tritt Elversberg beim Drittli-
16 Abgänge stehen fest – Pokalduelle statt Testspiele
Backhaus: Neuformierung läuft
Nach dem Trainingsauftakt am
vergangenen Sonntag wird es für die
neu formierte Koblenzer
Mannschaft, seit Monatsbeginn ganz offiziell unter dem
neuen Siegel „FC Rot-Weiß“
im Einsatz, schnell erstmals
ernst in der noch jungen Saison. Wobei die Rheinlandpokal-Partie beim Bezirksligisten TuS Immendorf an diesem
Dienstag ein Überbleibsel aus
der abgelaufenen Spielzeit ist.
Der Wettbewerb mit 32 Teams
soll bis 31. Juli im Schnelldurchgang beendet werden.
Die Koblenzer stehen
aus terminlichen Gründen
als Teilnehmer der 1. Runde
des DFB-Pokals aber längst
fest, im Landes-„Finale“ gegen den gelosten und drei
Klassen tiefer angesiedelten
VfB Linz gewann der als
ranghöchster Verein gesetzte
FC am 29. Mai mit 6:1. Insofern können die Koblenzer
der regulären Fortsetzung mit
unterklassigen Gegnern gelassen entgegensehen. Trainer
Heiner Backhaus sieht es positiv: „Ich bestreite lieber Spiele
mit Wettkampfcharakter als
irgendwelche Testspiele.“
Weniger gelassen sieht
das Umfeld den Umbruch personeller Art: Sage und schreibe 16 Abgänge muss „die Elf
vom Deutschen Eck“, wie sie
sich fortan plakativ nennt,
zur Stunde verkraften. Demgegenüber stehen aktuell nur
neun Neue. Backhaus sieht
das als Herausforderung: „In
der Vorsaison hat es auch eine
Weile gedauert, bis die Mannschaft zusammen war und wir
auf dem erforderlichen Level
gespielt haben. Wir müssen
bei jedem Spieler viel Überzeugungsarbeit leisten. Ich
sehe mich in der Ausbildung
junger und hungriger Spieler
aber gut aufgehoben.“
Die starke Innenverteidigung und die Sechserposition muss Backhaus indes komplett neu besetzen.
Nino Miotke (zum TSV Steinbach Haiger), Julius Schell
(FC Schalke 04 II) und Behadil Sabani (FSV Mainz 05 II)
stehen nicht mehr zur Verfügung. Gleiches gilt für das erfolgreiche Sturmduo Valdrin
Mustafa (SC Verl) und Moritz
Göttel (Leihende, zurück nach
Steinbach). Stammkeeper Baboucarr Gaye bleibt dem FC
dagegen erhalten, zudem Kapitän Quentin Fouley als „Säulenspieler“ (Backhaus) im
Mittelfeld. BODO HEINEMANN
gisten SV Wehen Wiesbaden
an (14 Uhr).
Und während die Herren den Drittliga-Aufstieg verpassten, konnten zwei andere
Elversberger Teams einen solchen bejubeln: Die U 17 setzte
sich in den Aufstiegsspielen
zur Bundesliga gegen RotWeiß Frankfurt durch. Die
Frauen schafften durch zwei
1:0-Siege gegen die SF Siegen
den Aufstieg in die 2. Bundesliga.
PHILIPP SEMMLER
kurz
bündig
Kickers Offenbach
Der Vertrag mit Stürmer Moritz
Reinhard (25, Ziel unbekannt) wurde aufgelöst.
SGS Großaspach
Steven Lewerenz (30, Mittelfeld)
kommt von RW Essen. +++ Can Karatas (20, Mittelfeld), bislang vom
FC Bayern ausgeliehen, erhält einen
Vertrag bis 2022. +++ Der Vertrag
mit Verteidiger Sandro Sirigu (32,
Ziel unbekannt) wurde aufgelöst.
FSV Frankfurt
Außenverteidiger Manuel Reutter (19) kommt vom VfB Stuttgart II.
FC-Astoria Walldorf
Felix Brand (20, Abwehr) wechselt
zum Drittligisten FSV Zwickau.
TSG Balingen
Aron Viventi (24, Mittelfeld) kommt
von den Stuttgarter Kickers. +++
Tim Wöhrle (22, Mittelfeld) hat
seinen Vertrag verlängert.
5. JULI 2021
G I E SS E N
71
Erneuter personeller Umbruch im Gange – Dünn besetzte Defensive
Am Tag des offiziellen Trainingsstarts hat der FC Gießen 15 Spieler für die Saison 2021/22 vertraglich fest
gebunden. Gerade die Defensive ist
noch sehr dünn besetzt. Für die Innenverteidigung ist derzeit lediglich
der 39-jährige Routinier Michael Fink
vorgesehen.
Wehgetan hat dem FC nicht nur
der Wechselwunsch des 19-jährigen
Abwehrtalents Marco Boras, sondern
auch der Abgang des 30-jährigen
Innenverteidigers Hendrik Starostzik
zum KSV Hessen Kassel – nach Kevin
Nennhuber der zweite Abgang eines
erfahrenen Abwehrreckens gen Nordhessen. „Es war das lehrreichste Jahr
meiner Karriere“, sagte Starostzik.
„Ich habe mich im Verein nicht so
wohlgefühlt.“ Nach dem Abgang von
Boras/Starostzik muss der FC also
ein neues Abwehrzentrum formen.
In der abgelaufenen Saison war die
siebtbeste Defensive der Liga die
große Stärke des Tabellenelften.
So steht der FC erneut vor einem großen personellen Umbruch –
dieser sollte in diesem Jahr eigentlich erstmals seit Langem vermieden
werden. 15 Spieler haben den Verein
BAHLIN G E N
verlassen, acht neue sind bislang gekommen, darunter Außenverteidiger
Gianluca Lo Scrudato (25, vom FK Pirmasens), Keeper Matay Birol (23,
TSV Steinbach Haiger) und Flügelspieler Dennis Owusu (20, Greuther
Fürth II) – und Trainer Daniyel Cimen
plant mit noch mehr als einem halben
Dutzend Neuzugängen. Die aktuellste Verpflichtung stellt der 25-jährige
Kristian Gaudermann dar, der vom
Absteiger Eintracht Stadtallendorf
kommt. Der Rechtsverteidiger sagt:
„Der FC ist ein Verein, der polarisiert –
positiv wie negativ. Ich glaube definitiv, dass hier ein Riesenpotenzial
drinsteckt, weil Gießen eine fußballverrückte Stadt ist. Es braucht dafür
aber eine Initialzündung.“
Prominentester Neuzugang des
FC bislang ist der erfahrene 32-jährige Stürmer Giuseppe Burgio. Er
und seine Mitstreiter freuen sich bereits auf den 13. Juli: Dann kommt
Borussia Dortmund um 18.30 Uhr
bei der Premiere von Neu-Trainer
Marco Rose zum Testspiel ins ausverkaufte Gießener Waldstadion.
„Ein absolutes fußballerisches Highlight“, freut sich Notvorstand Turgay
Schmidt.
SVEN NORDMANN
Noch keine Neuzugänge an Bord
Foto: imago images
Gaudermann sieht „Riesenpotenzial“
Wie eine Rückkehr: Verteidiger Kristian Gaudermann spielte
früher bereits für den VfB Gießen, künftig dann für den FC.
MAI NZ I I
Den nächsten Schritt im Blick
Wiesler hat keinen Druck
Kerstings „Plattform“
Ganz nach dem Motto
„Wer rastet, der rostet“,
hat der Bahlinger SC am
vergangenen Montag,
nur drei Wochen nach dem letzten Spieltag der Saison 2020/21,
mit den Vorbereitungen auf die
kommende Spielzeit begonnen.
Trotz einer kräftezehrenden
Saison stehen nahezu alle Spieler
zur Verfügung. Lediglich Innenverteidiger Walter Simon Adam
plagen Achillessehnenprobleme.
Teil der Vorbereitung wird auch
ein dreitägiger Überraschungstrip am zweiten Juli-Wochenende
sein. „Die Mannschaft weiß noch
nicht, wo es hingeht“, sagt Coach
Dennis Bührer. Anschließend legt
der BSC eine kurze Trainingspause
ein, ehe die finale Trainingsphase
auf die am 14. August beginnende
Saison startet. Neben einem guten
Abschneiden in der Liga, der dritten Regionalligasaison in Serie,
steht gerade auch der Südbadische
Pokal dann besonders im Fokus.
Dass der BSC als klassenhöchster
Der FSV Mainz 05 II hat
die Saison auf Rang 17
abgeschlossen. Theoretisch hätte es also nicht
für den Regionalligaverbleib gereicht – wäre nicht die Zahl der
Absteiger verringert worden. Und
hätte man nicht, wie Nachwuchschef Volker Kersting betont, mit
voller Absicht im Schlussspurt
vermehrt A-Jugendliche eingebaut. Damit wurden sehenden
Auges Erfahrungswerte gegen
Ergebnisse getauscht. Die Spielzeit bereits feststehender Abgänge
wurde verringert, die Jungprofis
wie Paul Nebel oder Merveille
Papela in den Urlaub geschickt.
„Tabellenstände spielen für uns
überhaupt keine Rolle“, blickt Kersting zugleich zurück und nach
vorn, „wir wollen nicht absteigen,
ansonsten ist das völlig untergeordnet.“ Es gehe zuallererst um
Entwicklung.
Fünf externe Neuzugänge für
die neue Saison gibt es bereits. Behadil Sabani (21, von RW Koblenz)
Verein des Wettbewerbs beim
Finale auf heimischem Rasen
vor gut einer Woche erneut zum
Zuschauen verdammt war, soll
zeitnah korrigiert werden.
Bereits am vergangenen
Mittwoch absolvierten die Bahlinger vor 500 Zuschauern ein
Testspiel gegen den Karlsruher SC (0:0). Während sich beim
Zweitligisten der eine oder andere Neuzugang präsentierte,
standen beim BSC ausnahmslos
bekannte Gesichter auf dem Rasen. „Wir haben ein gutes Team
beisammen. Druck bezüglich
Neuzugängen verspüren wir
nicht“, sagt der Sportliche Leiter
Bernhard Wiesler. Im Fokus der
personellen Veränderungen steht
jedoch der Wunsch nach einem
weiteren Innenverteidiger und
einem Angreifer. „Wir wollen keinen Schnellschuss“, sagt Bührer.
Den Verein nach nur einem Jahr
wieder verlassen hat indes Mittelfeldakteur Manolo Rodas (Ziel
unbekannt).
LUKAS KARRER
verstärkt das zentrale Mittelfeld,
Dominik Wanner (22, Borussia
Dortmund II) und Kaito Mizuta
(21, SV Straelen) den zuletzt als
Schwachpunkt ausgemachten offensiven Flügel, Dominik Crljenec
(21, Bayern Alzenau) die zentrale
Defensive und Felix Könighaus
(21, Fortuna Düsseldorf II) die linke Seite. Zudem werden sieben
Spieler aus der U 19 übernommen.
Ein, zwei externe Neue sind laut
Kersting noch denkbar.
Vorrangiges Ziel sei es, Spieler für die Profimannschaft zu
qualifizieren, ihnen Zeit zum Reifen zu geben. Aber wenn Spieler
sich verbessern, die U 23 stärker
machen und dann den nächsten Karriereschritt gehen, wie in
diesem Sommer etwa Jonas Fedl
(zum SV Meppen), Michael Akoto
(Dynamo Dresden) oder Oliver
Wähling (VfL Osnabrück), ist das
ebenfalls im Sinne des Ausbildungsgedankens. „Die U 23 ist
eine Plattform“, betont Kersting.
TORBEN SCHRÖDER