/
Текст
Z E I T U NG F Ü R D E U T S C H LA N D
Samstag, 10. Juli 2021 · Nr. 157 / 27 D 2
Viele Tote bei
Fabrikbrand in
Bangladesch
fäh. SINGAPUR. Bei einem Großbrand in einer Fabrik in Bangladesch
sind mehr als 50 Menschen ums Leben gekommen. Bislang seien 52 Leichen geborgen worden, teilte die Polizei am Freitag mit. Das Feuer in der
Industriestadt Rupganj bei Dhaka,
das schon am Donnerstag ausgebrochen war, wütete am Freitag weiter.
Etwa 50 Personen erlitten Verletzungen, viele von ihnen, weil sie sich mit
Sprüngen aus oberen Stockwerken
vor den Flammen in Sicherheit brachten. Laut Feuerwehr hatte sich der
Brand in der Fabrik für Getränke und
Lebensmittel schnell ausgebreitet,
weil dort leicht entflammbare Chemikalien und Plastik gelagert wurden.
Ein Arbeiter berichtete laut Nachrichtenagentur AFP, zum Zeitpunkt des
Ausbruchs des Feuers seien im dritten Stock die Türen an beiden Treppen verschlossen gewesen. Ein Feuerwehrsprecher bestätigte demnach,
dass die Arbeiter das Dach nicht hätten erreichen können, weil die Tür
zum Treppenhaus mit einem Vorhängeschloss versehen war. Sobald der
Brand gelöscht sei, würden die Rettungskräfte das Gebäude nach weiteren Opfern durchsuchen. Hunderte
Fabrikarbeiter und Angehörige versammelten sich am Freitag auf der Suche nach Vermissten vor dem brennenden Gebäude. (Siehe Deutschland und die Welt.)
HERAUSGEGEBEN VON GERALD BRAUNBERGER, JÜRGEN KAUBE, CARSTEN KNOP, BERTHOLD KOHLER
Und wer vertritt mich?
Von Reinhard Müller
G
Interessen – Früher hätte sich die Frage gar nicht gestellt,
wen ein niedersächsischer Rotmilan wählen würde. Heute
ist es knifflig: Alle wollen Klimaschutz, Klimaschutz heißt
Windkraft, und Windkraft heißt: Die ganze Norddeutsche
Tiefebene ist Risikogebiet. Ob Artenschutz im Schatten des
Klimaschutzes verkümmert oder sich auf Seite 19 bloß Windmühlenbekämpfer hinter Bruthorsten verstecken, ist aus Vogelperspektive akademisch. Pogo-Anarchisten scheiden auf
Seite 4 als Rächer aus. Also Gartenpartei? Oder die „Menschliche Welt für das Wohl und Glücklichsein aller“?
Foto epd
Ganzes Land jetzt Corona-Risikogebiet / Malta lässt nur noch Geimpfte einreisen
Wir beschreiben Japan, sehen
Los Angeles mit Franka Potente
und lieben als Leser Linz.
Die gewonnene Zeit
Vor hundertfünfzig Jahren
wurde Marcel Proust geboren:
Warum man ihn heute lesen
sollte – am besten mehrmals.
Feuilleton, Seite 9
hcr./kbb./kum. MADRID/FRANKFURT/
TIMMENDORFER STRAND. Die deutsche Bundesregierung hat ganz Spanien
am Freitag zum Risikogebiet erklärt. In
dem Urlaubsland war die Zahl der Neuinfektionen in den vergangenen Wochen besonders in der jungen Bevölkerung stark
gestiegen. Nach spanischen Regierungsangaben lag die Sieben-Tage-Inzidenz zuletzt bei 179 Neuinfektionen pro 100 000
Einwohner. Somit könnte das Land bald
sogar als Hochinzidenzgebiet eingestuft
werden. Die fünfte Corona-Welle gefährdet die Sommersaison, in der Spanien auf
bis zu 17 Millionen ausländische Urlauber
gehofft hatte. Das Auswärtige Amt in Berlin rät Deutschen von „nicht notwendigen,
touristischen Reisen“ nach Spanien von
Sonntag an ab, hat aber keine förmliche
Reisewarnung ausgesprochen. Malta teilte
derweil am Freitag mit, als erstes EULand nur noch vollständig geimpfte Personen einreisen zu lassen. Wegen steigender
Infektionszahlen gelte diese Regelung auf
der Mittelmeerinsel vom 14. Juli an, teilte
Gesundheitsminister Chris Fearne mit.
Für die ersten Geimpften könnten
schon bald Auffrischungsimpfungen nötig sein. Der Impfstoffhersteller BioNTech gab am Donnerstagabend erste Ergebnisse einer Studie bekannt. Demnach
sei es „wahrscheinlich“, dass eine dritte
Dosis in der Zeit zwischen sechs und
zwölf Monate nach der zweiten Impfung
erforderlich ist. Während der Schutz vor
einem schweren Verlauf innerhalb der ersten sechs Monate hoch bleibe, werde ein
„Rückgang der Wirksamkeit gegenüber
symptomatischen Verläufen im Laufe der
Zeit“ erwartet. In Arztpraxen könnte unterdessen eine große Menge des Impfstoffs von AstraZeneca verfallen. Darauf
hat die Kassenärztliche Vereinigung in
Hamburg am Freitag hingewiesen. „Die
häufig geänderten Empfehlungen für diesen Wirkstoff durch die Ständige Impfkommission haben das Vertrauen der Bevölkerung massiv beschädigt“, sagte Walter Plassmann, der Vorsitzende der Ärztevereinigung.
Der Präsident des Landkreistags, Reinhard Sager, appellierte an die Ständige
Impfkommission, eine Impfung von Kindern zu empfehlen. „Wenn irgend möglich und medizinisch vertretbar, sollte
eine Impfung empfohlen werden“, sagte
er der F.A.Z. (Siehe Seite 2.)
Haiti beschuldigt ausländische Söldner
Polizei: 28 Kolumbianer und Amerikaner an Ermordung von Präsident Moïse beteiligt
Briefe an die Herausgeber, Seite 21
sat. WASHINGTON. Nach der Ermordung von Präsident Jovenel Moïse machen
Haitis Behörden mehr als zwei Dutzend
Ausländer für die Tat verantwortlich. Ein
Kommando aus „26 Kolumbianern und
zwei amerikanischen Staatsbürgern haitianischer Herkunft“ sei an dem Attentat beteiligt gewesen, sagte der Chef der Nationalpolizei, Léon Charles. Bislang seien 17
Verdächtige festgenommen worden. Acht
Angreifer befänden sich auf der Flucht.
Die Polizei hatte zunächst von vier erschossenen „Söldnern“ gesprochen. Die
Hintergründe des Mordes sind unklar.
In Bogotá hieß es, mindestens sechs der
kolumbianischen Beteiligten seien „ehemalige Mitglieder der nationalen Streitkräfte“. Kolumbiens Verteidigungsminister, Diego Molano, sagte, er habe Polizei
und Armee angewiesen, mit den haitianischen Behörden zusammenzuarbeiten.
Das State Department in Washington teilte mit, Haiti habe Unterstützung bei den
Ermittlungen angefragt. Darauf werde
man eingehen. Zu den Festnahmen amerikanischer Bürger äußerte man sich in Washington nicht. Die Mitglieder des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen forderten
einstimmig, die „Täter dieses abscheulichen Verbrechens schnell vor Gericht zu
stellen“. Alle Parteien sollten „Ruhe bewahren, Zurückhaltung üben“.
Der von Instabilität und Armut geprägte
Karibikstaat droht angesichts eines Konflikts um die Nachfolge an der Macht noch
tiefer ins Chaos zu stürzen. Der schon vor
dem Attentat designierte neue Regierungschef Ariel Henry stellte die Legitimität
von Interims-Ministerpräsident Claude Joseph infrage, der wenige Stunden nach
Moïses Tod den Ausnahmezustand ausgerufen hatte. Die Regierung erhält damit für
zwei Wochen zusätzliche Befugnisse.
Nach Angaben Taiwans wurden elf Verdächtige im Zusammenhang mit dem
Mord auf dem taiwanischen Botschaftsgelände in Haitis Hauptstadt Port-au-Prince
festgenommen. „Eine Gruppe bewaffneter Männer“ sei am Donnerstag in die diplomatische Vertretung Taiwans eingedrungen, teilte eine Sprecherin des Außenministeriums mit. Moïse war in der
Nacht zum Mittwoch in seinem Haus in
Port-au-Prince erschossen worden. Seine
Frau Martine, die bei dem Attentat verletzt wurde, wurde nach Miami ausgeflogen. (Siehe Seite 8.)
Richter für ungeeignet in
Asylverfahren erklärt
Korruptionsprozess gegen
Strache vertagt
Weitere Geländegewinne
der Taliban
Deutsche sind so zufrieden
wie vor der Krise
mgt. FRANKFURT. Das Bundesverfassungsgericht hat der Beschwerde eines
Asylbewerbers stattgegeben, der eine Verletzung seines Rechts auf einen gesetzlichen Richter gerügt hatte. Der Mann aus
Afghanistan hatte vor dem Verwaltungsgericht Gießen zuvor erfolglos einen Befangenheitsantrag gegen einen Richter gestellt, der 2019 mit einer NPD-Entscheidung für Aufsehen gesorgt hatte. Darin
hatten sich ausführliche politische Äußerungen gefunden. Es hieß dort etwa, dass
Zuwanderung „auf lange Sicht zum Tod
der freiheitlichen demokratischen Grundordnung“ führen könne. (Siehe Seite 4.)
löw. WIEN. In Österreich ist der Korruptionsprozess gegen den früheren Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian
Strache nach vier Verhandlungstagen auf
Ende August vertagt worden. Die Vorsitzende Richterin kam Beweisanträgen der
Staatsanwaltschaft nach, die weitere Zeugen aufgerufen hatte. Es geht darum, ob
Strache in einer gesundheitspolitischen
Frage nur nach seiner politischen Überzeugung gehandelt hat, wie er versichert,
oder sich durch Parteispenden eines Unternehmers, der von Straches Einsatz potentiell profitierte, motivieren ließ. (Siehe Seite 8.)
cmei./sat. FRANKFURT/WASHINGTON.
Die Taliban haben weitere wichtige Grenzübergänge zwischen Afghanistan und
Nachbarländern unter ihre Kontrolle gebracht. In der westlichen Provinz Herat eroberten die Aufständischen laut Angaben
lokaler Vertreter die Orte Islam Qala an
der Grenze mit Iran sowie Torghundi an
der Grenze mit Turkmenistan. Russischen
Angaben zufolge kontrollieren die Taliban
zwei Drittel des Grenzgebiets mit Tadschikistan. Der amerikanische Präsident Joe Biden verteidigte unterdessen seine Entscheidung zum Abzug nach zwanzig Jahren Militärpräsenz in dem Land. (Siehe Seite 6.)
jpen. FRANKFURT. Die Lebenszufriedenheit der Deutschen ist Anfang Juli wieder auf das Niveau von vor der Corona-Krise zurückgekehrt. Das geht aus Befragungsdaten des Universitätsklinikums
Hamburg-Eppendorf hervor, die der
F.A.Z. vorliegen. Auf einer Zehnerskala
war der Zufriedenheitswert von 7,2 im August 2020 auf 6,1 im April 2021 zurückgegangen. Anfang Juli sprang der Wert dann
wieder auf 7,0, was etwa dem Vorkrisenniveau entspricht. Der Marburger Soziologe Martin Schröder bezeichnete die Erholung in diesem Sommer als „extrem
schnell“. (Siehe Wirtschaft, Seite 17.)
Englands stärkstes Problem
Erst geächtet, jetzt langsam
geachtet: Raheem Sterling
kämpft in seiner Karriere gegen
viele Widerstände.
Sport, Seite 32
Kühler Kopf im Sturm
Unbedachte Mails, Corona
und neue Gesetze: Worüber
Manager in diesen Zeiten
ins Stolpern geraten.
Beruf und Chance, Seite C 1
4<BUACUQ=eaddag>:r;V;l;X;s
F. A. Z. im Internet: faz.net
Ohne Angst in die neue Welle
Bundesregierung rät von
Urlaubsreisen nach Spanien ab
Heute
mit Magazin
3,30 € D 2954 A
Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH; Kundenservice: (069) 75 91 - 10 00, Telefax: (069) 75 91 - 21 80 oder www.faz.net/meinabo. Briefe an die Herausgeber: leserbriefe@faz.de
Belgien, Frankreich, Italien, Luxemburg, Österreich, Portugal (Cont.), Slowenien, Spanien 4,10 € / Griechenland, Kanaren, Malta, Niederlande, Zypern 4,20 € / Dänemark 32 dkr / Schweiz 5,30 sfrs
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
eht das schon wieder los?
Das fragen sich viele Urlauber angesichts wieder steigender Infektionszahlen und neuer,
alter Risikogebiete. Tatsächlich kann
die Lage als bedrückend empfunden
werden – aber nur, wenn man die Entwicklungen und Erkenntnisse der
jüngsten Zeit ausblendet. Die Ausbreitung der Delta-Variante des Coronavirus war abzusehen. Zugleich ist
auch klar, dass eine durchaus beachtliche Mehrheit der Europäer schon
geimpft ist oder sich impfen lassen
will. Und das ist ein großer Unterschied zum vergangenen Jahr, auch
wenn die Infektionszahlen wieder
steigen. Mehr Fälle bedeuten selbst
bei der stärker ansteckenden Variante eben nicht zwingend viele schwere
Krankheitsverläufe. Die Öffnungen
auch in Ländern mit viel mehr Corona-Fällen als in Deutschland sind
nicht alle per se verantwortungslos,
sondern folgen dem Gebot von Freiheit und Eigenverantwortung und
der beherrschbarer gewordenen Gefahr.
Risiken in Kauf zu nehmen – auch
das gehört zur Freiheit – heißt aber
auch nicht, dass man Risiken suchen
muss. Jeder sollte Warnungen ernst
nehmen und Schutzmaßnahmen insbesondere dort weiter ernst nehmen,
wo man sich am ehesten anstecken
kann: in Innenräumen und Menschenmengen. Auch wenn die Quarantänepflicht oft nicht mehr zum Tragen
kommt und es mehr Möglichkeiten
zum Freitesten gibt als früher,
wünscht man die Krankheit mit ihren
schweren, aber auch längeren, eher
heimtückischen Verläufen niemandem.
Jeder hat weiterhin die Möglichkeit, sich gut und weitgehend zu
schützen: durch Impfung, die bekannten Schutzmaßnahmen – unabhängig
davon, ob sie angeordnet werden –
und generell durch das eigene Verhalten. Wenn der Einzelne dieser Verantwortung gerecht wird, ist auch das
ein Zeichen dafür, dass die Freiheit
lebt. Umbuchungen, Quarantänen
und Unsicherheiten können nicht darüber hinwegtäuschen, dass es möglich geworden ist, die Pandemie zu beherrschen. Daraus sollte Europa Mut
schöpfen, anstatt Angst vor einer neuen Welle zu haben.
Kein „Stuttgart 21“ am Main
Von Manfred Köhler
A
uf keinen Fall soll es wie in
Stuttgart werden. Als kürzlich das Bundesverkehrsministerium und die Deutsche Bahn das
Projekt eines mehrere Kilometer langen Tunnels unter dem Frankfurter
Hauptbahnhof und der Innenstadt
der Mainmetropole hindurch vorstellten, war ihnen vor allem eines wichtig: Das wird kein „Stuttgart 21“ am
Main, kein „Frankfurt 21“ also –
nichts, was irgendwie an die umstrittene Großbaustelle in der badenwürttembergischen
Landeshauptstadt erinnern würde. Jeder war bemüht, nur von einem schnöden Fernverkehrstunnel unter Frankfurt zu reden. Proteste der Bürger? Die seien
am Main doch wohl allenfalls dann
zu erwarten, wenn ihnen die Verwirklichung des Projekts nicht schnell genug gehe, meinte Oberbürgermeister
Peter Feldmann (SPD).
Bahn und Politik haben alle Gründe, auf die Friedfertigkeit der Frankfurter zu hoffen. Tatsächlich gab es in
Hessens größter Stadt vor zwei Jahrzehnten einmal die Idee, ähnlich wie
in Stuttgart den Hauptbahnhof mit
seinen Zufahrten unter die Erde zu
verlegen und das kilometerlange
Gleisvorfeld für die Stadtentwicklung
zu nutzen. Doch wurden die Pläne
bald zu den Akten gelegt. Stattdessen
verständigten sich Politik und Verkehrsunternehmen darauf, den oberirdischen Kopfbahnhof und die Zulaufstrecken zu ertüchtigen.
Dass in Frankfurt trotzdem auf einmal von einem bis zu zehn Kilometer
langen Tunnel für Fernzüge die Rede
ist, hat die Stadt der neuesten Renaissance des Eisenbahnverkehrs zu verdanken. Ruhen doch auf der Schiene,
nachdem sie in der Bundesrepublik
lange nur ein Stiefkind der Verkehrspolitik war, auf einmal alle Hoffnungen, um Mobilität in umweltbewussten Zeiten zu sichern.
Das aber ist mit dem vorhandenen
Schienennetz nicht zu machen. Es ist
längst überlastet, auch und gerade in
Deutschlands Mitte, wo sich die meisten Züge treffen. Allemal der geplante „Deutschlandtakt“, bei dem die
ICE in dichterer Folge und bei leicht
merkbaren Abfahrtszeiten die Metropolen besser denn je miteinander verbinden sollen, erfordert zusätzliche
Kapazitäten. Trotzdem war die Überraschung groß, als in einer Präsentation des Bundesverkehrsministeriums
vor zweieinhalb Jahren auf einmal
von einem Tunnel unter Frankfurt
die Rede war, der immerhin 3,6 Milliarden Euro kosten soll.
Jetzt kann es gar nicht schnell genug gehen. Eine Machbarkeitsstudie
bestätigt, dass ein solcher Bau bestens geeignet wäre, die Kapazitätsengpässe des Frankfurter Hauptbahnhofs aufzulösen und zudem die Fahrzeiten aller Züge Richtung Osten,
also nach Fulda und weiter nach Hamburg, Hannover und Berlin, um etwa
sieben Minuten zu verkürzen. Das
klingt nach wenig, kann aber viel
sein, wenn es um Anschlüsse geht.
Alle oberirdischen Gleisanlagen
im Frankfurter Hauptbahnhof bleiben erhalten, dank zusätzlicher Bahnsteige in 35 Meter Tiefe für vier Züge
gleichzeitig sollen den Knotenpunkt
1500 statt 1250 Züge am Tag passieren können. Mit „Stuttgart 21“ hat
das mithin wirklich nichts zu tun.
Nicht nur, weil weder der Bahnhof
noch das Gleisvorfeld abgeräumt werden, sondern auch, weil sich am Main
niemand anschickt, die Richtung der
Gleisanlagen um 90 Grad zu drehen.
Das Frankfurter Projekt ist mithin
zwar ebenfalls ehrgeizig, aber doch
deutlich kleiner.
Für Frankfurt wäre es gleichwohl
ein großer Wurf. Die Stadt verdankt
Der Fernbahntunnel
unter Frankfurt wird
dem Verkehr und der
Stadt helfen.
ihre Existenz der zentralen Lage, und
bis heute ist dies ihr wichtigster
Standortvorteil. Flughafendrehkreuz,
Knotenpunkt des Schienenverkehrs,
Autobahnkreuz, neuerdings auch Internetknoten: Darauf gründet der
Wohlstand der Stadt wie auch des gesamten Ballungsraums. Die ebenfalls
geplanten Neubaustrecken der Eisenbahn Richtung Fulda und Mannheim
würden wie auch der Tunnel für Fernzüge die Rolle der Stadt als Verkehrsdrehscheibe sichern und stärken.
Doch selbst wenn die Bürger nicht
auf die Barrikaden klettern und wenn
sich alle Beteiligten Mühe geben, zügig zu handeln, so wird es mindestens
zwei Jahrzehnte dauern, bis die ersten Züge unter der Innenstadt hindurchrauschen. Dabei wird sich an
den zehn Jahren Bauzeit nicht viel ändern lassen, denn das Vorhaben ist
ehrgeizig, muss doch der Tunnel angesichts der tiefen Fundamente der
Hochhäuser in weiten Teilen unter
dem Flussbett des Mains verlaufen.
Ärgerlich ist hingegen, dass zuvor
Jahr um Jahr für die Vorarbeiten vergehen wird. Das Planungsrecht, das
in den vergangenen Jahrzehnten immer stärker mit neuen Aufgaben beladen wurde, erweist sich jetzt, da beim
Klimaschutz alle aufs Tempo drücken, und trotz einiger Entschlackungsbemühungen als Hemmnis ersten Ranges.
Aber vielleicht kommt es ja wirklich so, wie es sich das Frankfurter
Stadtoberhaupt erhofft: dass diesmal
Bürger nicht etwa auf die Straße gehen, weil sie ein Großprojekt verhindern wollen, sondern vielmehr, weil
ihnen die Verwirklichung infolge eines kaum mehr zu durchblickenden
Planungsrechts viel zu lange dauert.
Der Fernbahntunnel unter dem Main
hätte derlei Engagement verdient.
SEITE 2 · S AMS TAG, 10. JULI 2021 · NR. 157
FRAKTUR
Schlammſchlacht
D
as Phänomen der Altersmilde
kann jeder alte weiße Mann
an sich selbst beobachten.
Deshalb hat es uns auch nicht sonderlich überrascht, dass Horst Seehofer
Annalena Baerbock gegen die „übertriebene“ Kritik an ihrem Reader’sDigest-Sammelband in Schutz nahm.
Das arme Ding, das seine Tochter
sein könnte, weckte beim CSU-Mann
offensichtlich den Beschützerinstinkt.
Eigentlich müssten die Grünen sich
auf das Schärfste gegen solchen Paternalismus verwahren. Doch in ihrem
Stadium der Verzweiflung wären sie
wahrscheinlich sogar froh, wenn Lukaschenko eine Ehrenerklärung für
Baerbock abgäbe. Wo Habeck doch so
dröhnend schweigt, als hätte er selbst
den Plagiatsjäger angeheuert.
Da ist Seehofer als Gewährsmann
schon willkommen. Der hatte bereits
bei Guttenberg nur ein Kavaliersdelikt
erkennen können. Inzwischen darf
sich wohl sogar Söder Hoffnungen machen, dass Seehofer im warmen Licht
des Laufbahnabends erklärt, der
Schmutzeleien-Vorwurf sei vielleicht
doch etwas übertrieben gewesen.
Aufgebauscht wie die Vorwürfe gegen Baerbock kam uns auch die Schlagzeile in einem Boulevardblatt vor, die
vom „schmutzigste(n) Wahlkampf aller Zeiten“ kündete. Wenn das mal
kein Plagiat war! Diese Behauptung
hatte Trump in allen denkbaren Versionen aufgestellt. Selbst nur auf Deutschland bezogen, stimmt der Befund
nicht. Er wird schon durch Seehofers
Süßholzraspelei widerlegt. Und dann
zeigt ja der Blick in die deutsche Vergangenheit, was wirklich den Namen
„Schlammschlacht“ verdient, vor der
inzwischen sogar der Bundespräsident
warnte. Wir meinen nicht nur das Steckenbleiben der Wehrmacht im Morast vor Moskau, sondern auch die
Wortgefechte zwischen Strauß und
Schmidt, beide übrigens noch Kriegsteilnehmer. Die Begriffe, mit denen
Rechte Trolle: Das konservative La-
ger mobilisiert alles, was es noch hat.
Zeichnung Wilhelm Busch
die sich bewarfen, hatten ganz andere
Kaliber als die Wattebäuschchen, die
heute zwischen den Parteien hin und
her fliegen. Die Unionsparteien, die
SPD und die Grünen sind aber eben
keine Erzfeinde mehr, sondern potentielle Koalitionspartner, weswegen
auch Scholz und Gabriel nicht weniger
besorgt um Baerbock erscheinen wollten als Seehofer.
Bei dem einen oder anderen Veteranen der vergangenen Parteienkriege,
der jetzt die „Dreckskampagne“ gegen Baerbock verurteilt, meint man
freilich eine klammheimliche Sehnsucht nach den guten alten Zeiten erkennen zu können. Etwa wenn Jürgen
Trittin davon spricht, dass das strukturkonservative Lager „alles mobilisiert, was es hat“. Ach, wenn es bloß
so wäre! Generalmobilmachung statt
asymmetrische
Demobilisierung!
Noch einmal eine große Schlacht zwischen links und rechts, in der keiner
scheinheilig behauptet, es gehe ihm
nur um die Sache! Hinterher könnten
die Kombattanten ja behaupten, sie
hätten das gar nicht gewollt, sondern
seien wie die Schlafwandler in den
Schlamassel hineingestolpert. Baerbock sagte schon, sie sei bei der Verteidigung ihres Buches, von dem inzwischen kein Mensch mehr weiß, was es
eigentlich (sein) soll, „kurz in alte
Schützengräben gerutscht“.
Aber, liebe alte Schlachtrosse, die
ihr mit Wehmut an eure Jugend an der
Startbahn West denkt und schon mit
den Hufen zittert: Bleibt ruhig liegen
und schont eure Gelenke. Alles, was
das strukturkonservative Lager noch
hat, ist dieser Volkssturm namens
„Werteunion“, von dem zudem schon
die Hälfte desertierte. Bei dieser Truppe müsste man auch einmal eine Charakterprüfung vornehmen, wie sie Maaßen für die strukturlinken Kollegen
beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk
einführen will. Gleiches Recht für alle.
Doch wollen wir auch nicht behaupten, das strukturkonservative
Lager sei gar nicht mehr kampffähig. Die Ritter vom rechten Flügel
haben sich einiges von den Schmutzkampagnen der Linken abgeschaut
und sich ebenfalls auf subversive Aktionen verlegt. Selbst die taz wurde
schon unterwandert, wie Trittin gerade bestätigte: Dort schrieben jetzt
„rechte Trolle“ Kommentare gegen
Baerbock. Wir entdeckten zwar nur
einen Artikel mit der Überschrift
„Es ist vorbei, Baerbock!“, angeblich verfasst von einer Frau. Sie warf
Baerbock unter anderem vor, „dem
Feminismus einen Bärendienst erwiesen zu haben“. Aber das Hinterhältige des Subversiven besteht ja
darin, dass man es nicht immer sofort erkennt. Beim Baerbock’schen
Bärendienst dagegen hat der rechte
Troll sich selbst entlarvt: Es hätte natürlich BärInnendienst heißen müssen.
bko.
Politik
FPM
F R AN K F URT ER AL LGEM EINE Z E IT U NG
Gefährlich, gefährlicher,
am gefährlichsten
In Spanien hat jetzt
das Virus Hochsaison
Die Bundesregierung kann Staaten oder
Regionen jederzeit in eine von drei Corona-Risikokategorien einstufen. Reisende,
die das sechste Lebensjahr vollendet haben, müssen dann vor und nach der Rückkehr bestimmte Auflagen beachten.
hcr. MADRID. Die spanische Sommersaison ist in Gefahr. Nachdem die französische Regierung vor einem Spanien-Urlaub gewarnt hatte, hat die deutsche Bundesregierung am Freitag das gesamte
Land zum Risikogebiet erklärt. Bisher
war das nur für rund ein halbes Dutzend
Regionen der Fall – allen voran Katalonien, das zum neuen Corona-Hotspot
Spaniens wurde. Seit drei Wochen steigen die Fallzahlen wieder stark an. Nach
Angaben des Gesundheitsministeriums
lag die Sieben-Tage-Inzidenz zuletzt bei
179 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern. In Katalonien betrug die Inzidenz
in dieser Woche zeitweise fast 400. Immer mehr spanische Regionen verhängen deshalb neue Restriktionen. In Katalonien mussten am Freitag Diskotheken
und Nachtklubs nach nur gut drei Wochen wieder schließen. Auf Mallorca
und seinen Nachbarinseln verzichtet
man auf geplante Öffnungen im Nachtleben. Valencia, die Kanaren und andere
Regionalregierungen forderten die Zentralregierung dazu auf, nächtliche Ausgangssperren zu ermöglichen.
Die fünfte Corona-Welle breitet sich
vor allem unter jungen Spaniern aus. Zu
mehr als der Hälfte der Infektionen kam
es in der Altersgruppe zwischen zehn
und 29 Jahren. Von ihnen haben bisher
nur rund elf Prozent einen vollständigen
Impfschutz. Die meisten haben keine
oder leichte Symptome und brauchen
keine Krankenhausbehandlung. Dennoch sind viele lokale Gesundheitszentren bereits überlastet; sie sind auch die
Anlaufstelle für Tests. Mit einer Testoffensive versucht man jetzt zum Beispiel
Was gilt für Heimkehrer aus Risikogebieten?
Einfaches Risikogebiet
Wenn ein Staat mehr als 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in einer Woche meldet, prüft die Bundesregierung
eine Einstufung als Risikogebiet. Ein Automatismus ist das nicht; die Politik berücksichtigt etwa auch Testquoten und
Hygienemaßnahmen. Bei EU-Staaten
werden oft nur einzelne Regionen als Risikogebiete eingestuft. Neben Spanien,
das am Freitag hinzukam, steht die Türkei schon seit Juni auf der Liste, in Europa außerdem einzelne Regionen Irlands,
Schwedens und Kroatiens.
Das Auswärtige Amt warnt nicht ausdrücklich vor Reisen in diese Risikogebiete. Wer sich bis zu zehn Tage vor Einreise
nach Deutschland aber in einem Risikogebiet aufgehalten hat, muss in häusliche
Quarantäne, sofern er nicht vollen Impfschutz, einen Genesenennachweis oder
ein negatives Testergebnis hat. Da ein Antigen-Schnelltest genügt, werden die
meisten Rückkehrer aus „einfachen“ Risikogebieten ihre Quarantäne nie antreten
müssen. Sie müssen sich aber unter
www.einreiseanmeldung.de anmelden.
Binnen 48 Stunden nach Einreise müssen sie dort zudem einen Nachweis über
vollen Impfschutz, eine überstandene Infektion oder das Testergebnis hochladen.
Hochinzidenzgebiet
Das Auswärtige Amt warnt vor „nicht
notwendigen, touristischen Reisen“ in
Hochinzidenzgebiete, zu denen in Europa derzeit das Vereinigte Königreich, Portugal, Russland und seit Freitag auch Zypern gehören. Verboten sind Reisen dorthin nicht, aber es droht der Verlust des
Versicherungsschutzes. Richtwert für die
Einstufung zum Hochinzidenzgebiet ist
eine Inzidenz von 200.
Wer sich im Zeitraum von zehn Tagen
vor der Einreise in einem Hochinzidenzgebiet aufgehalten hat, darf Deutschland
nur mit einem Impf-, Genesenen- oder
Testnachweis betreten. Der Test muss
also schon im Ausland vorgenommen
werden. Fällt er positiv aus, gelten die örtlichen Quarantäneregeln; eine Einreise
nach Deutschland ist nicht gestattet. Alle
anderen, noch nicht immunisierten Reisenden müssen bei der Einreise einen
höchstens drei Tage alten PCR-Test oder
einen maximal zwei Tage alten AntigenSchnelltest beim Einreiseportal des Bundes hochladen – und sich dennoch absondern. Die zehntägige Quarantäne kann
frühestens nach fünf Tagen durch einen
negativen Test beendet werden.
Virusvariantengebiete
Die strengsten Regeln gelten für Rückkehrer aus Staaten, in denen eine Mutante
des Coronavirus grassiert, von der ein besonderes Risiko ausgeht – zum Beispiel,
weil vermutet wird, dass sie leichter übertragbar ist oder schwerere Krankheitsverläufe verursacht als die in Deutschland
dominante Variante. Insbesondere soll
die Ausbreitung von Varianten verhindert werden, gegen die Geimpfte nicht
D
Vor allem Jüngere stecken sich jetzt mit Corona an
immun sind. Das Vereinigte Königreich
war im Mai, Portugal und Russland waren Ende Juni kurzzeitig wegen der grassierenden Delta-Mutante zu Virusvariantengebieten erklärt worden. Da „Delta“
nun aber auch in Deutschland dominiert,
wurden die drei Länder im Juli zu Hochinzidenzgebieten heruntergestuft. Die Liste der Virusvariantengebiete umfasste
am Freitag elf Staaten aus Afrika und Lateinamerika. Sie kann aber sehr kurzfristig erweitert werden, wie vor allem Portugal-Urlauber im Juni erfahren mussten.
Aus Virusvariantengebieten dürfen
nur Deutsche einreisen, und auch das nur
mit negativem Test. Antigen-Schnelltests
dürfen nur 24 Stunden alt sein. Da die
Sorge besteht, dass Impfungen gegen
neue Varianten nicht schützen, müssen
sich auch Geimpfte und Genesene testen
lassen und sich nach der Einreise für
zwei volle Wochen absondern. Niemand
kann sich aus der Quarantäne freitesten.
Kontrolle der Regeln
Flugreisen sind für nicht immunisierte
Passagiere ohne negativen Test gar nicht
möglich, unabhängig davon, ob ein Risikogebiet bereist wird. Aus Hochinzidenzgebieten dürfen auch Bus- oder Bahngesellschaften Passagiere ohne einen der
geforderten Nachweise nicht befördern.
Wer mit dem Auto reist und in einem Risikogebiet gewesen ist, muss die jeweils
geforderten Nachweise mit sich führen.
Die Bundespolizei soll die Regeln per
Schleierfahndung durchsetzen helfen.
Durch die digitale Einreiseanmeldung
werden die Gesundheitsämter an den
Zielorten der Rückkehrer informiert. Sie
sollen die Einhaltung der QuarantäneAuflagen überwachen.
anr.
Covid-19-Pandemie
7-Tage-Inzidenz1)
Island 0
Norwegen 25,3
unter 10
10 bis unter 25
25 bis unter 50
50 bis unter 100
100 bis unter 200
über 200
Schweden
17,0
Großbritannien
292,7
Lettland 15,6
Litauen 7,7
Niederlande
92,2
Belgien 51,8
Luxemburg 157,2
Portugal
168,2
Spanien
179,1 2)
Tschech. Rep.
11,1 Slowakei
2,8
Österreich
2,4
7,3 Ungarn
Schweiz 16,8
Frankreich
31,5
Slowenien 12,5
15,2 0,5
22,8
Liechtenstein 33,5
Italien 10,5
Marokko 18,0
Algerien 8,3
Malta
25,9
Tunesien
324,5
1) Bestätigte Neuinfektionen je 100 000 Einwohner
in den vergangenen sieben Tagen, Stand: 9.7.2021.
2) Spanische Regierung.
Quellen: Johns Hopkins, RKI /F.A.Z.-Karte Sieber
Belarus
67,4
Polen
1,5
Deutschland
5,6
Andorra
170,2
Russland 113,2
Estland 20,5
Dänemark 58,2
Irland 67,5
Finnland
25,1
Libyen 81,8
1,5
Ukraine
16,5
17,0 Moldau
Rumänien
1,5
Bulgarien
6,7
Serbien 9,3
Kosovo 3,3
Nordmazedonien 3,4
Türkei 41,1
Syrien
1,2
Libanon
22,0
Albanien Griechenland
91,7
Zypern 539,8
Montenegro
Bosnien-Hercegovina
Israel 30,9
Kroatien
Ägypten 1,2
300 km
auf der besonders betroffenen Insel Menorca, den Infizierten rechtzeitig auf die
Spur zu kommen, um sie zu isolieren.
Die neue Welle machte sich zum
Ende des spanischen Schuljahrs bemerkbar, als Ende Juni auch die Maskenpflicht im Freien aufgehoben wurde und
weitere Lockerungen in Kraft traten.
Auf Partys bei Abschlussfahrten nach
Mallorca und nach Katalonien infizierten sich mehrere Tausend Schüler, die
das Virus mit nach Hause brachten.
Auch aus anderen Teilen Spaniens wurde von Massenpartys ohne Abstand und
Masken berichtet.
In den Krankenhäusern verzeichnet
man bisher nur eine leichte Zunahme
der Covid-19-Fälle, etwa in Katalonien.
Auf den Intensivstationen machen sie
bisher nur gut 6,5 Prozent der Fälle aus.
Dabei fällt auf, dass die Covid-19-Patienten immer jünger werden, was als ein Anzeichen dafür gilt, dass der Impfschutz
für Ältere gut funktioniert. 43 Prozent
der Spanier sind inzwischen komplett
geimpft. Gut 57 Prozent erhielten die erste Dosis. Das betrifft immer noch besonders die Altersgruppe zwischen 60 und
69 Jahren, die deshalb stärker gefährdet
ist. Sie war mit dem Mittel von AstraZeneca geimpft worden und muss länger
auf die zweite Dosis warten.
Über die Ausbreitung der Delta-Variante fehlen in Spanien verlässliche Zahlen. Im Vergleich zu anderen Ländern
werden dort nur wenige Proben sequenziert. Zuletzt meldete das Gesundheitsministerium einen Anteil von elf Prozent, Stand Mitte Juni. In Katalonien veranschlagt man den Anteil von Delta auf
40 bis 60 Prozent. Auf den Balearen sprachen die Gesundheitsbehörden von 56
Prozent, in der nordspanischen Region
Navarra sollen es laut Medienberichten
schon bis zu 80 Prozent sein. Mit der Beschleunigung der Impfkampagne – auf
den Balearen wurde die Altersgrenze
auf 16 Jahre gesenkt – hofft man in Spanien, den Wettlauf gegen die Mutante zu
gewinnen.
Die Impfungen und die niedrige Zahl
der Covid-19-Patienten in den Kliniken
zeigten, dass Spanien trotz steigender Infektionszahlen weiterhin ein „sicheres
Reiseland“ sei, sagte Tourismusministerin Reyes Maroto am Freitag in einem
Rundfunkinterview. „Wir können die epidemiologische Lage nicht nur auf der
Grundlage der Inzidenz einschätzen“,
sagte sie. Die europäischen Regierungen
sollten sich koordinieren, statt Alarm zu
schlagen. Zu Wochenbeginn hatte die
Tourismusministerin noch bis zu 17 Millionen ausländische Urlauber in diesem
Sommer erwartet. Spanische Hoteliers
berichten, dass neue Reservierungen
schon seit einigen Tagen stagnierten.
Zusammen mit Zypern und Portugal
gehört Spanien zu den Staaten mit den
höchsten Fallzahlen in der EU. Die deutsche Regierung hatte Spaniens Nachbarland Portugal am Mittwoch vom Virusvarianten- zum Hochinzidenzgebiet herabgestuft; in diese Kategorie rückt jetzt
Zypern auf. Wenn die Zahlen in Spanien weiter so steigen, könnte das Land
ebenfalls den Grenzwert von 200 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern überschreiten.
Eine Show zulasten der Schüler?
as bayerische Kabinett hat
jüngst beschlossen, den Kommunen 50 Prozent der Kosten
abzunehmen, wenn sie als zuständige Sachaufwandsträger ihre Schulen
mit mobilen Luftreinigern ausstatten. Das
hörte sich gut an – doch nicht unbedingt
in den Ohren der bayerischen Kommunen. Dass der auf Ministerpräsident Markus Söder zurückgehende Vorstoß nicht
abgesprochen gewesen sei, war dabei nur
ein Aspekt. Vertreter der kommunalen
Spitzenverbände wie etwa Uwe Brandl,
der Präsident des Bayerischen Gemeindetags, bemängelten auch, dass nach wie vor
keine Klarheit über die Wirksamkeit der
Raumluftfilter bestehe. Auch der Präsident des Deutschen Landkreistags, Reinhard Sager, äußerte sich skeptisch. „Ich
muss die Diskussion etwas bremsen“, sagte er der F.A.Z. auf der Jahrestagung des
Landkreistags in Timmendorfer Strand.
Für stationäre Luftfilteranlagen seien umfangreiche Bauarbeiten nötig. Die könnten vor allem dann geleistet werden, wenn
ohnehin gebaut werden müsse. Das werde
von den Schulen und Bauträgern auch bedacht und in Angriff genommen. „Aber
alle Klassenräume in Deutschland damit
auszustatten wird nicht möglich sein“, sagte Sager, „schon gar nicht von heute auf
morgen in den Sommerferien.“ Es sei wissenschaftlich außerdem noch nicht hinreichend belegt, wie stark der Nutzen solcher
stationären Anlagen tatsächlich sei. Klar
sei nur, dass mobile Anlagen „laut und
nicht sehr effektiv sind“.
Tatsächlich ist die Studienlage weiterhin uneinheitlich. Daran ändert auch das
von der Stadt Stuttgart in Auftrag gegebene Pilotprojekt „Experimentelle Untersuchung zum Infektionsrisiko in Klassenräumen“ wenig. Der Leiter des Instituts für
Gebäudeenergetik und Thermotechnik an
der Universität Stuttgart, Konstantinos
Stergiaropoulos, hat mit einer Forscher-
Nach dem Sommer soll es Präsenzunterricht
geben, das fordert auch der Bundespräsident.
Über den Weg dahin besteht weiterhin Streit.
gruppe an zehn Schulen jeweils zwei bis
drei Klassenräume auf die dort bestehenden Infektionsrisiken untersucht. An
„thermischen Personendummies“ erforschten die Wissenschaftler, wie sich Aerosole in den Schulräumen verteilen und
welchen Einfluss die Raumluftströmung
auf das Infektionsrisiko hat. Mobile Geräte könnten „ein Baustein zur Senkung von
Infektionsrisiken sein“. Sie ersetzten aber
nicht die Basishygiene. „Ein flächende-
Von Jasper von
Altenbockum, Timo
Frasch und Rüdiger Soldt
ckender Einsatz erscheint mir nicht sinnvoll“, sagt Stergiaropoulos. Für schlecht
belüftbare Räume könnten Luftreiniger
hilfreich sein; das Tragen von FFP2-Masken und das regelmäßige Lüften könnten
sie nicht ersetzen. FFP2-Masken senken
die Infektionswahrscheinlichkeit in nicht
gelüfteten Räumen von etwa 40 auf zehn
Prozent. Kommen regelmäßige Stoßlüftungen hinzu, dann liegt das Infektionsrisiko
mit FFP2-Masken unter zehn Prozent.
Nach der Studie kann dann ein zusätzlich
eingesetztes Raumlüftungsgerät in Räumen, in denen stoßgelüftet wird und
FFP2-Masken getragen werden, das Risiko
noch einmal reduzieren.
Stergiaropoulos empfiehlt die Geräte
nur als „kurzfristige unterstützende Maßnahme“, besser wäre es, vorhandene sta-
tionäre Klima- und Raumluftanlagen aufzurüsten. Keinesfalls könnten Raumluftreiniger Masken, das Impfen und regelmäßige Tests ersetzen. Gegen die Stuttgarter
Studie lässt sich einwenden, dass nur Luftreiniger mit Hochleistungsschwebstofffiltern untersucht worden sind. Hocheffiziente Luftreiniger mit UV-C-Technologie
testeten die Forscher nicht. Außerdem basiert die Studie auf der Infektiosität der
SARS-CoV-2-Basisvariante. Die Stadt
Stuttgart will der Empfehlung folgen und
Luftreinigungsgeräte nur ergänzend aufstellen. Dabei spielen sicher auch die Kosten eine Rolle.
Jan-Eric Raschke, zuständig für Luftreinigungssysteme bei dem baden-württembergischen Hersteller Mann+Hummel, widerspricht den Wissenschaftlern: „Wir
konnten nachweisen, dass unsere Geräte
die Viren in einem Raum innerhalb einer
halben Stunde reduzieren. Dann sind
mehr als 99 Prozent aller Viren und sonstigen Erreger eingefangen.“ Auch die Geräuschbelästigung und die durch die Geräte entstehende Zugluft seien kein Problem. „Ein Schüler, der drei bis vier Meter
von dem Gerät entfernt sitzt, hat nur eine
Geräuschbelastung von weniger als 35 Dezibel, bei Stillarbeit werden 45 Dezibel gemessen.“ Auch gegen Zugluft helfe Abstand.
Die Bayerische Staatsregierung bleibt
bei ihrer Haltung, dass auch Luftfilter „ein
wesentlicher Baustein“ seien, „um die
Schulen fit zu machen für das kommende
Schuljahr“. Hinter vorgehaltener Hand
wirft man den Kommunen vor, sie wollten
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
sich in Wahrheit mit der Bewältigung der
Pandemie möglichst wenig belasten, organisatorisch wie finanziell. Das habe sich
schon gezeigt an einem inzwischen ausgelaufenen Förderprogramm der Staatsregierung für mobile Lüfter, dessen Mittel nur
nach mehrmaliger Aufforderung abgerufen worden seien, obwohl bis zu hundert
Prozent der Anschaffungskosten erstattet
wurden. Man musste das Programm am
Ende ausweiten, auch auf Klassenräume,
die sich auch ohne Filteranlage gut lüften
lassen. Für knapp 37 Millionen Euro wurden inzwischen etwa 14 000 Klassenzimmer von insgesamt etwa 75 000 Klassenzimmern mit mobilen Geräten ausgestattet. Offensichtlich befürchteten die Kommunen Folgekosten, etwa durch die Wartung, sowie Folgediskussionen in der Elternschaft, etwa über die Lärmerzeugung.
Sie hätten sich wohl darauf verlassen, dass
das Impfen die Probleme von allein lösen
werde – und andere Lösungen verschleppt, heißt es in der Staatsregierung.
Die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands, Simone
Fleischmann, sagte der F.A.Z., die momentane Diskussion zwischen Wissenschaftlern, Technikern, Landes- und Kommunalpolitikern sei „Showbusiness“, das umgehend zu beenden sei. Sie erwarte schlicht
und einfach, dass die Staatsregierung als
Dienstherr alles tue, damit die Lehrer,
wenn sie im September in den Präsenzunterricht gehen sollen, „absolut sicher“
sind. „Wenn das nicht der Fall ist, muss sie
so ehrlich sein, das auch zuzugeben.“
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier rief die Politik auf, Sorge dafür zu
tragen, dass nach den Sommerferien täglicher Präsenzunterricht an den Schulen
stattfinden kann. „Tun Sie jetzt bitte alles
Menschenmögliche, um Voraussetzungen
zu schaffen, damit alle Schüler in die Schule gehen können, und zwar jeden Tag“, sagte Steinmeier auf der Jahrestagung des
Deutschen Landkreistags.
War ich
infiziert?
Antikörper und die
Teststrategie
Die Empfehlung von BioNTech/Pfizer
zu einer dritten „Booster-Impfung“ erhöht den Druck auf Politik und Behörden, Antikörpertests zum Nachweis
des Immunstatus von Geimpften und
Genesenen verstärkt in die Nationale
Teststrategie aufzunehmen. Schon Anfang der Woche hatte der Dachverband der deutschen Diagnostikfirmen
in einem eigenen Positionspapier
eine „Neuausrichtung“ der Teststrategie des Bundes gefordert, um mehr
Klarheit über die Immunitätslage in
der Bevölkerung zu erhalten. Nach
dem Willen europäischer Parlamentarier sollten Antikörpertests auch als
Immunitätsnachweis für das digitale
Covid-19-Zertifikat dienen. Die Initiative war allerdings an Brüssel und an
Einwänden nationaler Regierungen –
auch der deutschen – gescheitert. Für
das Robert Koch-Institut ist der indirekte Nachweis einer durchgemachten Infektion mit den Antikörpertests
oder auch der Nachweis einer vorhandenen Immunität nach Impfung oder
Infektion nicht aussagekräftig genug.
„Nach derzeitigem Kenntnisstand
lässt ein serologischer Nachweis SarsCoV-2-spezifischer Antikörper keine
eindeutige Aussage zur Infektiosität
oder zum Immunstatus zu“, heißt es
dort.
Tatsächlich wächst der Bedarf, den
eigenen Immunstatus zu kennen. „In
jeder Woche werden mittlerweile
Hunderttausende Antikörpertests im
Land durchgeführt“, sagt der Vizevorstand im Verband der Diagnostica-Industrie (VDGH), Thorsten Hilbich.
Die Tests müssen auch von Kassenpatienten selbst bezahlt werden. Die
Nachfrage gesteigert haben dürfte
auch die in dieser Woche an der Universität Mainz vorgelegte Studie, wonach zu den durch Virennachweise erfassten 3,7 Millionen Covid-19-Genesenen viele unbemerkte Infektionen
durch symptomlos Infizierte hinzukämen. Knapp vierzig Prozent der Infektionen erwiesen sich in der Mainzer
Antikörperstudie als asymptomatisch, was bedeutet, dass zu den Genesenen, die kaum etwas über ihren aktuellen Immunstatus wissen, Hunderttausende oder Millionen Bürger hinzukommen, die gerne wissen möchten,
wie viele Impfdosen sie zu ihrem
Schutz benötigen. Die Diagnostiklabore sehen das Angebot, mit Antikörpern mehr über den eigenen Immunstatus zu erfahren, laut Hilbich als
„eine zusätzliche Motivation“, die der
nationalen Impfkampagne zusätzlichen Schub verleihen könne. Im
VDGH-Positionspapier sprechen die
Firmen von dem „Momentum“, das
genutzt werden sollte, um das Vertrauen in die Schutzimpfungen zu stärken.
Zudem könnte durch die Aufnahme eines Antikörpernachweises und damit
einer nachgewiesenen Immunität in
den digitalen Impfpass die Impfstoffknappheit weiter verringert und könnten „stufenweise abgesicherte Lockerungsschritte“ begleitet werden.
Wie brauchbar die Antikörpertests
dafür sind, wird aber derzeit nicht
nur vom Robert Koch-Institut in
Zweifel gezogen. In vielen Ländern,
unter anderen in den USA, warnen
Wissenschaftler und Immunologen
davor, die Aussagekraft der Antikörpertests zu überschätzen. Das Angebot an Schnelltests und laborbasierten professionellen Tests ist zwar gewaltig, für einige genügt schon ein
Blutstropfen aus der Fingerkuppe,
und mit Kosten von zehn bis mehr als
dreißig Euro pro Test ist der Antikörpertestmarkt praktisch schon aufgebaut. Allerdings gibt auch Diagnostikexperte Hilbich zu bedenken, dass viele der Tests zwar die Mindestanforderungen der Weltgesundheitsorganisation erfüllen und bestimmte Antikörper im Blut nachweisen können, aber
keine exakte Auskunft über den Immunschutz liefern. Überhaupt ist
noch längst nicht klar, welche Schwellenwerte bei welchen Antikörpern
und Immunzellen überschritten werden müssen, damit die betreffenden
Personen auch wirklich vor einer Ansteckung geschützt sind. Als aussagekräftig gelten im Grunde nur solche
Antikörper aus dem Blutserum, die
gegen das Bindungsmolekül von
Sars-CoV-2 gerichtet sind und für die
in Virusneutralisationstests nachgewiesen wurde, dass sie tatsächlich
den jeweils kursierenden Erreger –
und damit auch die Varianten – attackieren. Damit erhält man am Ende
einen Testwert, der allerdings wegen
der bei den Menschen individuell
sehr unterschiedlichen Immunantworten keineswegs von allen Experten als ausreichend angesehen wird.
Zudem halten Fachleute solide immunologische Aussagen über ein sich abschwächendes Immunsystem auch
nicht für möglich, solange nicht etwa
die zweite Abwehrschiene (T-Zellen)
oder der zeitliche Verlauf der Antikörpermengen mit berücksichtigt wird.
Solche Überlegungen spielen in der
Nationalen Teststrategie bisher keine
Rolle. Für Hilbich ein fatales Defizit:
„Wir müssten bei steigenden Fallzahlen dringend über Strategien nachdenken, die vulnerablen Gruppen
und insbesondere auch in Altenheimen systematisch zu testen.“
jom.
Politik
FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUN G
S AMS TAG, 10. JULI 2021 · NR. 157 · S EITE 3
R
alf Raths ist der vielleicht erfolgreichste deutsche Panzerführer der Gegenwart.
Abschüsse kann er zwar keine vorweisen, aber seine Videos werden auf Youtube
hunderttausendfach geklickt. Rund 130
Fahrzeuge zählen zur Panzertruppe von
Raths, darunter auch die bekannten „Großkatzen“. Als Direktor des Deutschen Panzermuseums im niedersächsischen Munster legt Raths natürlich Wert auf deren getrennte Unterbringung: Der „Leopard“
steht zusammen mit den anderen Panzern
der Bundeswehr, dem „Gepard“ und dem
„Marder“ oder dem possierlichen „Wiesel“,
den man auch in einem gewöhnlichen Parkhaus einparken könnte. Die berühmten Panzer der Wehrmacht, der „Tiger“ und der
„Panther“, stehen in einer anderen Halle.
Legenden der Militärgeschichte. Raths
weiß solche Legenden für sich zu nutzen.
Allerdings nicht, indem er sie fortschreibt,
sondern indem er sie mit Lust und Kalkül
zertrümmert.
Raths besondere Zuneigung gilt dabei
dem „Blitzkrieg“, der eng mit dem Mythos
der deutschen Panzerwaffe verbunden ist.
Raths lehnt bereits den Begriff „Blitzkrieg“ ab, spricht von einem PropagandaWort, das auch die Wehrmachtsführung
Am Montag
Ereignisse und Gestalten
„Hier stehe ich“: Die Landesausstellung
in Worms entführt in die Welt von
Gewissen und Protest. Doch was sagte
Luther wirklich? Und was bewirkte er?
zurückgewiesen habe. Das operative Verfahren war nämlich nicht neu. Die raschen Erfolge gegen Polen und Frankreich
standen in der Tradition des preußischen
Bewegungskriegs und seines Prinzips des
„Führens von vorne“.
Raths widerspricht auch der These,
dass die deutschen Panzer „Tiger“ und
„Panther“ ihren alliierten Gegnern überlegen gewesen seien. Zum einen, weil „Tiger“ und „Panther“ gar nicht so wichtig gewesen seien. Die Hauptlast der Kriegsführung trugen die etwas kleineren „Panzer
III“ und „Panzer IV“, die nicht nach Raubtieren benannt wurden und vielleicht auch
darum weniger mythenumkränzt sind.
Am „Tiger“ und am „Panther“ zeige sich
zudem der strategische Fehler der deutschen Kriegsplanung, sagt Raths. Während die Sowjets in Masse simple T-34 produzierten und auf die Schlachtfelder warfen, hätten die deutschen Ingenieure und
Generäle die Vorteile der Serienfertigung
lange geringgeschätzt. Stattdessen seien
nach dem Manufakturprinzip komplexere
Modelle wie der „Tiger“ und der „Panther“ hergestellt worden. Diese waren einem T-34 zwar überlegen, an der Front
hatten die Deutschen mangels Masse aber
dennoch zusehends das Nachsehen.
Das Video, in dem Raths den „Panther“
inklusive der Vorzüge der Drehstabfederung gegenüber der Blattfederung erklärt,
bringt es im Internet derzeit auf knapp
eine Million Klicks. Weniger Interesse findet Raths vierteilige, insgesamt zweistündige Präsentation zum Thema „Benzin
oder Diesel. Die Panzermotoren der Wehrmacht“. Die Zahl der Aufrufe pendelt je
nach Folge um die Hunderttausend. Das
ist aber immer noch ein Vielfaches dessen, was die Kunstmuseen Deutschlands
erreichen, wenn sie einen Dürer oder einen Caravaggio vorstellen.
Das kleine Panzermuseum in der Lüneburger Heide ist im Internet selbst den
größten Museen im Land weit enteilt:
71000 Abonnenten auf Youtube, 12 000
auf Instagram, 85 000 auf Facebook. Social Media bedeutet für Ralf Raths „Vermittlung, Werbung, Bindung, Spaß“. Der
Erfolg des Panzermuseums auf den Online-Plattformen hängt auch damit zusammen, dass das Prinzip „Führen von vorne“
auch dort gilt. Als Direktor eines Museums müsse man bereit sein, selbst vor die
Kamera zu treten, sagt Raths, der sich
selbst als „Rampensau“ bezeichnet. „Und
man sollte immer sofort konfliktfähig und
reaktionsfähig sein.“
Der 44 Jahre alte Raths greift deshalb
Kritik an seinen Aussagen aktiv auf und
startet auch selbst Kontroversen. Mitte
Juni hat er ein Video mit dem Titel „Gender-Gaga im Panzer:innen-Museum“ eingestellt, in dem erklärt wird, weshalb im
Deutschen Panzermuseum gegendert
wird. „Ich wusste, dass das eine Riesenparty wird. Unser Stammpublikum ist ja eher
konservativ, wie man es bei Sicherheitsthemen eben erwartet.“ Das Ausmaß der Ablehnung überraschte dann allerdings auch
Raths. Es gab zehnfach mehr Kommentare als sonst, in der großen Mehrheit negativ, zudem rund 270 Kündigungen des Youtube-Abos. Doch auch diese Debatte schuf
wieder neue Aufmerksamkeit – und das
schwarze T-Shirt mit dem Aufdruck „Panzer:innen (m/w/d)“ war hernach im Museumsshop binnen kurzer Zeit vergriffen.
In den Kommentaren unter dem Gender-Video ist auch zu lesen, dass das Deutsche Panzermuseum unter der Führung
von Raths aus ihrer Sicht eine schlechte
Entwicklung genommen habe. Nicht bestreiten lässt sich zumindest, dass eine Entwicklung stattgefunden hat. Es gibt eine
Filmaufnahme einer Führung durch das
Deutsche Panzermuseum in den neunziger
Jahren. Der damalige Leiter weist mit einem Zeigestock auf das deutsche Kanonenrohr eines sowjetischen Panzers und erklärt in schnarrenden Ton: „Und deswegen
sage ich auch hier immer wieder: KruppStahl – deutsche Wertarbeit. Alles andere
war sowjetisch, und das war nicht so gut.“
Das Deutsche Panzermuseum verstand
sich damals als ein vermeintlich ideologie-
Ralf Raths ist Historiker und Direktor des Deutschen Panzermuseums in Munster
Fotos Daniel Pilar
Reinhard Bingener
Unter Großkatzen
Das Deutsche Panzermuseum in Munster ist schlecht.
Sagt dessen Direktor. In seinen Internetvideos zeigt er, wie es besser geht.
Wenn er dort erklärt, warum der „Panther“ eine Drehstabfederung hat
und weshalb das Panzermuseum gendert, schauen mehr Leute zu
als bei jedem anderen Museum in Deutschland.
freies Technikmuseum. Das Museum sah
sich damit im Einklang mit den Interessen
seiner Besucher, an denen sich nach Einschätzung von Ralf Raths bis heute auch
nicht viel geändert hat. „Die Leute kommen normalerweise mit so einer Art Quartett-Motivation. Die wollen große Maschinen sehen.“ Raths liegt daran, den Blick
der Besucher auf die ausgestellten Panzer
zu weiten. Es gehe darum, die Entwicklung
der Panzerei in die politische Geschichte,
die Industriegeschichte und die Kulturgeschichte einzubetten. Dazu zähle auch der
Zusammenhang zwischen der deutschen
Panzerproduktion und dem NS-Zwangsarbeitssystem. Das Panzermuseum sei zwar
keine Gedenkstätte. „Hier ist nicht der Ort
für Trauerarbeit“, sagt Raths. Bei aller Faszination für Technik dürfe aber nicht aus
dem Blick geraten, dass Panzer für das Töten gebaut werden. „Unsere Aufgabe besteht darin, die Besucher mit diesem Thema zu nerven. Denn wir verstehen uns als
Museum für maschinisierte Gewalt.“
Raths durfte selbst nicht
Panzer fahren
Raths teilt zugleich aber auch die Faszination für die Panzer. Der Sohn eines Soldaten, der selbst in Munster zur Schule gegangen ist, durfte wegen einer Rot-GrünSehschwäche während seines Wehrdienstes zwar selbst keinen Panzer fahren. Aber
schon seit seiner Kindheit spielt Raths
Panzerspiele am Computer. An der Universität Hannover hat er sich später mit Militärgeschichte befasst und eine Arbeit zur
deutschen Landkriegstaktik zwischen
1906 und 1918 verfasst. 2008 kam der junge Historiker zunächst als wissenschaftlicher Leiter ans Deutsche Panzermuseum.
Sein Äußeres veränderte Raths auch
nicht, als er 2013 zum Direktor des Hauses
aufstieg. Die Kombination aus Jeans, engem T-Shirt und langen Haaren nennt
Raths seine „Kulturuniform“. In der Museumsszene komme man damit sehr gut
durch. Politisch verortet sich der Direktor
des Panzermuseums klar links. Er war
selbst Mitglied der Linkspartei, die ihm
mittlerweile allerdings zu fundamentalistisch ist. Die SPD indes findet Raths „zu
zahm“. Ein Pazifist ist Raths nicht. Seine
Linie für das Panzermuseum lautet: Keine
Verherrlichung des Krieges, aber auch keine Abwertung militärischer Werte. „Den
Linken werden wir damit immer zu weit
rechts sein und den Rechten zu weit
links.“ Aus der linksextremen Ecke habe
es bisher zwei Farbanschläge auf das Museum gegeben, erzählt Raths. Die Rechtsextremisten tun sich schwerer mit Kritik.
Anders als KZ-Gedenkstätten hat das Panzermuseum nicht damit zu kämpfen, dass
Neonazis einzeln oder in Gruppen aufkreuzen und die Legitimität der Einrichtung in Frage stellen. „Im Gegenteil, die
Etwa 6000 Exponate in fünf Hallen gibt es in Munster, es sind nicht nur Panzer.
wollen uns ja eigentlich gut finden.“ Die
Herausforderung für das Panzermuseum
besteht darin, sich gegen rechtsextremistische Vereinnahmungen zu wehren. Wer
mit rechtsextremen Symbolen ins Haus
will, wird rausgeschickt und kommt erst
mit einem neutralen T-Shirt wieder herein. Auch auf Facebook mischt sich Raths
in die Diskussionen ein und hält dagegen.
Gemeinsam mit Unterstützern sei es inzwischen gelungen, das Forum des Panzermuseums auf Facebook zu versachlichen.
„Was wir erzählen, nervt WehrmachtsFans natürlich tierisch. Aber wir haben
die Bibliothek und das militärhistorische
Wissen.“ Insofern leiste das Panzermuseum einen wichtigen Beitrag zur politischen Bildung, sagt Raths. „Fast jedes Museum will ein Ort der Debatte sein. Oft
bleibt es jedoch beim Anspruch. Hier findet die Diskussion tatsächlich statt, und
das mit Leuten, die man sonst nicht erreicht.“
Die Internet-Videos sind dafür das beste
Mittel. Raths steigt oft mit der Panzertechnik ein, verknüpft diese aber mit dem aktuellen Stand der militärgeschichtlichen Forschung. Das Prinzip lautet nicht Vereinfachung, sondern Differenzierung, wenngleich Raths diese auch schmissig verpackt und auf Pointen zuspitzt. Als Vorbild
nennt Raths den amerikanischen Historiker Timothy Snyder. Der einzige deutsche
Professor für Militärgeschichte, Sönke
Neitzel, hält Raths für eine „Idealbesetzung“, weil er nicht nur über das erforderliche militärgeschichtliche und technische
Wissen verfüge, sondern dieses auch in
eine Kulturgeschichte der Technik und politische Zusammenhänge einbetten könne.
„Nein, ihr müsst keine
Propaganda machen“
Eine andere Herangehensweise wäre spätestens seit der Neugestaltung des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr
auch kaum noch zu rechtfertigen. Das Museum in Dresden setzte im Jahr 2011 den
Maßstab dafür, wie man in Deutschland
über Krieg und Waffen sprechen kann.
Raths sieht das Dresdner Museum als „Eisbrecher“ auch für sein eigenes Haus. „Das
Signal lautet: Ja, ihr dürft Kontroversen
haben. Und nein, ihr müsst keine Propaganda machen.“ Raths findet diesen Ansatz auch für die politische Bildung und
die Nachwuchsgewinnung der Bundeswehr wichtig. „Mit der Fortschreibung
von Mythen bekommt die Bundeswehr jedenfalls nicht die jungen Leute, die sie
braucht.“
Raths benennt allerdings auch klar,
dass seine eigene Ausstellung diesem Anspruch gegenwärtig nicht gerecht wird.
„Die Sammlung hat Weltniveau, aber das
Museum ist nach wie vor schlecht.“ Die
Panzer stehen so dicht, dass der Platz für
Über den historischen Hintergrund der Fahrzeuge wird auch informiert.
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
vertiefende Erklärungen oft fehlt. Kaum
zu übersehen ist auch, dass das Panzermuseum baufällig ist. An einigen Stellen läuft
man über helle Lichtkegel. Man könnte
meinen, sie seien das Ergebnis einer besonders ausgefeilten Beleuchtung durch
LED-Spots. Tatsächlich ist es die Sonne,
die durch das löchrige Dach hindurchscheint. In den hölzernen Behelfsbauten
schwanken die Temperaturen so stark,
dass die ausgestellten Panzer darunter leiden. Raths deutet auf einen Gummi, der
bereits vor Sprödigkeit krümelt.
Vor zwei Jahren hat der Bundestag beschlossen, 20 Millionen Euro in das Panzermuseum in Munster zu investieren. Die
Entscheidung soll auf ein Zusammenwirken der „Küsten-Gang“ aus dem SPDHaushaltspolitiker Johannes Kahrs und
dem CDU-Haushaltspolitiker Eckhard
Rehberg mit SPD-Generalsekretär Lars
Klingbeil zurückgegangen sein. Die Stadt
Munster, bis heute der größte Heeresstandort in ganz Deutschland, liegt im Wahlkreis von Klingbeil.
Die Stadt Munster bestimmt auch im
Deutschen Panzermuseum mit. Ralf Raths
ist ebenso wie die anderen rund 25 Mitarbeiter über die Kommune angestellt. Der
Bundeswehr gehören die Panzer, was nicht
zuletzt aus Gründen des Waffenrechts von
Vorteil ist. Auch das Grundstück ist Teil
der Kaserne und wird von der Bundeswehr
auch als solche bewacht. Ralf Raths
spricht von einer „glücklichen Zwangsehe“ zwischen Stadt und Bundeswehr. Die
komplizierte Struktur des 1983 gegründeten Museums wird aber auch als Grund dafür angeführt, dass von den 20 Millionen
Euro bisher nichts angekommen ist. Auch
Raths zeigt sich unzufrieden mit der Verschleppung, zumal das Panzermuseum für
die Stadt auch von zunehmender wirtschaftlicher Bedeutung ist. Die Besucherzahlen stiegen zuletzt auf 115 000 im Jahr
und helfen Munster, vom Heidetourismus
zu profitieren, von dem die Militärstadt ansonsten kaum etwas abbekommt.
Weitere Ausstellungsflächen wären erforderlich, weil die Sammlung beständig
wächst. Im vergangenen Jahr hat das Museum einen Panzer geholt, denn die Bundeswehr nahe Delmenhorst im öffentlichen Raum herumstehen ließ und der
dann über Nacht rosa angemalt wurde. Direktor Raths zeigt auch Interesse an dem
„Panther“, den die Behörden 2015 nahe
Kiel in einem Hauskeller fanden. Der Besitzer, ein Waffennarr mit Kontakten in
die rechtsextreme Szene, steht derzeit vor
Gericht. Ihm werden Verstöße gegen das
Waffenrecht und das Kriegswaffenkontrollgesetz vorgeworfen.
Auf den Kriegsschauplätzen hat die Faszinationskraft der Panzer zuletzt hingegen
nachgelassen. Der Konflikt zwischen Aserbaidschan und Armenien wird vielfach als
Beleg für die Überlegenheit der Kampfdrohnen gewertet. Wird die Panzertruppe
also bald aus den Armeen der Welt verschwinden wie vor ihr die Kavallerie? Ralf
Raths glaubt nicht daran. Die Geschichte
der Panzer lasse sich auch als Wettlauf zwischen Panzerung und Geschütz verstehen.
Zur Zeit des Leopard I lag das Geschütz
vorne. Der erste Treffer war zu dieser Zeit
meist auch der letzte. Beim Leopard II
konnte dann die Panzerung wieder aufschließen. Derzeit werden nun Soft-Killund Hard-Kill-Systeme für Panzer entwickelt. Sie können anfliegende Geschosse
entweder ablenken oder zerstören, auch
solche von Kampfdrohnen. „Die Panzer
werden also nicht überflüssig“, sagt Ralf
Raths.
Politik
SEITE 4 · S AMS TAG, 10. JULI 2021 · NR. 157
Pogo steht nicht zur Wahl
„Offensichtlich unhaltbar
und damit willkürlich“
Karlsruhe hält Richter nach NPD-Urteil für befangen
Im August 2019 sorgte ein Urteil des
Verwaltungsgerichts Gießen für Aufruhr, das nun auch das Bundesverfassungsgericht beschäftigt hat. Ein Richter hatte damals über ein NPD-Wahlplakat zu urteilen, auf dem stand: „Stoppt
die Invasion: Migration tötet! Widerstand jetzt“. Er entschied, dass der Slogan nicht volksverhetzend sei – und
nutzte die Gelegenheit für ausführliche
politische Bemerkungen. In einem späteren Asylverfahren beantragte ein Kläger aus Afghanistan, den Richter wegen
der Besorgnis der Befangenheit abzulehnen, was das Verwaltungsgericht zurückwies. Der Asylbewerber zog daraufhin
vor das Bundesverfassungsgericht, das
ihm nun Recht gab. Seine Beschwerde
bewerteten die Verfassungsrichter in
dem am Freitag veröffentlichten Beschluss als „offensichtlich begründet“.
In dem früheren Urteil hatte der Gießener Richter etwa geschrieben, die Einwanderung stelle „naturgemäß eine Gefahr für kulturelle Werte an dem Ort
dar, an dem die Einwanderung“ stattfinde. Die bestehende „Gefahr für die deutsche Kultur und Rechtsordnung sowie
menschliches Leben“ sei „nicht von der
Hand zu weisen“. Weiter hieß es: Die Zuwanderungsbewegung nach Deutschland ab dem Jahr 2014/2015 habe zu einer Veränderung innerhalb der Gesellschaft geführt, die sowohl zum Tode
von Menschen geführt habe als auch ge-
So viele Vereinigungen
wie nie wollten zur
Bundestagswahl im
Herbst zugelassen
werden – geschafft
haben es nicht alle.
eignet sei, „auf lange Sicht zum Tod der
freiheitlichen demokratischen Grundordnung zu führen“.
Die Gießener Richter erkannten keinen Anlass, an der Unparteilichkeit ihres Kollegen zu zweifeln – eine Einschätzung, die das Bundesverfassungsgericht
nun als „offensichtlich unhaltbar und damit willkürlich“ bewertete. Die Äußerungen seien vielmehr „offensichtlich
geeignet“, Misstrauen zu begründen.
In „hervorgehobenem Maße“ gelte
das auch für die Passagen, in denen der
Verwaltungsrichter ausgeführt habe,
bei der Wendung „Migration tötet“ handele es sich um eine empirisch zu beweisende Tatsache. Um das zu untermauern, zählte er Einzelfälle von Asylsuchenden auf, die wegen Mordes verurteilt wurden. Im Karlsruher Beschluss
heißt es dazu: Das Verwaltungsgericht
verenge den Begriff der „Migration“ auf
die Gruppe der Asylsuchenden und stelle aus dieser Gruppe die später mit
schweren Straftaten straffällig gewordenen Personen „als prägend nicht nur für
die Gruppe der Asylsuchenden, sondern für den gesamten Bereich der Migration dar“.
Um den rechtlichen Charakter des
NPD-Slogans ging es in Karlsruhe nicht.
Der Kläger pochte vielmehr auf sein verfassungsmäßiges Recht auf einen gesetzlichen Richter. Es garantiert auch Unparteilichkeit.
mgt.
Von Helene Bubrowski
und Peter Carstens, Berlin
A
n der Bundestagswahl am
26. September wollten 87 politische Vereinigungen teilnehmen. Am Donnerstag und Freitag beugte sich der Bundeswahlausschuss
über ihre Anträge und entschied, welche
davon als Partei anerkannt und zur Wahl
des 20. Deutschen Bundestags zugelassen
werden. Von den Organisationen, die eine
Teilnahme beantragt hatten, wurden 44
anerkannt, 43 Vereinigungen wurde die
Zulassung nach Prüfung der rechtlichen
Voraussetzungen versagt. Es handelt sich
dabei zum Teil um Klein- und Kleinstparteien, manchmal mit um die 50 Mitgliedern bundesweit. Allerdings waren in diesem Jahr aufgrund der Pandemie die Kriterien für die Zulassung etwas abgeschwächt worden. So wurde etwa die Zahl
der notwendigen Unterschriften für einen
Antrag reduziert. Der Bundeswahlausschuss prüft aber auch, ob eine Partei bereits in der Öffentlichkeit hervorgetreten
ist, durch Broschüren, Internetauftritte
oder Veranstaltungen. Es gehe dabei darum, so erläuterte Bundeswahlleiter Georg
Thiel, ob die Parteien „eine ausreichende
Gewähr für die Ernsthaftigkeit ihres Willens bieten, an der politischen Willensbildung mitwirken und das Volk vertreten zu
wollen“.
Für die Bundestagswahl im Herbst hatten sich mehr Vereinigungen beworben
als je zuvor. Thiel wertet dies als Zeichen
für Pluralität. In der Vergangenheit haben
es in der Bundesrepublik immer wieder
Parteineugründungen geschafft, sich zu
etablieren, Grüne und auch die AfD zählen dazu, andere, beispielsweise die Piratenpartei oder die Republikaner, erlebten
einen kurzen Höhenflug. Zu den aussichtsreicheren Bewerbern zählt diesmal „Volt
Deutschland“, eine paneuropäische Partei, die bei Kommunalwahlen, etwa in
Nordrhein-Westfalen,
Rheinland-Pfalz
und Hessen, Mandate gewinnen konnte.
Zu den vom Bundeswahlausschuss zugelassenen Parteien zählen „Menschliche Welt für das Wohl und Glücklichsein
aller“, die „Bayernpartei“, die „Gartenpartei“ sowie das „Bündnis C – Christen
für Deutschland“. Allerdings gilt es als
nahezu ausgeschlossen, dass eine dieser
Parteien die Fünfprozenthürde überspringt. Aussicht auf ein Mandat hat der
Südschleswigsche
Wählerverband
(SSW), die Vertretung der dänischen Minderheit und der Friesen in Deutschland.
Der Bundeswahlausschuss stellte einstimmig fest, dass die Partei den Rechtsstatus
einer Partei einer nationalen Minderheit
hat. Dies führt dazu, dass die Fünfprozenthürde entfällt. Dieselbe Regel gilt
auch in Schleswig-Holstein, wo der SSW
Kein absoluter Vorrang
Karlsruhe äußert sich zum Unionsrecht
In einer am Freitag veröffentlichten
Entscheidung hat der Zweite Senat des
Bundesverfassungsgerichts zwei Eilanträge abgelehnt, die sich gegen das
Übereinkommen zu einem Einheitlichen Europäischen Patentgericht gerichtet hatten. Die Beschwerdeführer
hätten die Möglichkeit einer Verletzung ihrer Grundrechte nicht hinreichend substantiiert dargetan, so das
Gericht. Der Senat legt in der Entscheidung noch einmal dar, wie er die Stellung des Europarechts, seine Kompetenzen und die des Europäischen Gerichtshofs sieht. Vor dem Hintergrund
des gegen Deutschland eingeleiteten
Vertragsverletzungsverfahrens wirken
diese Passagen wie eine Antwort auf
die EU-Kommission.
Die Karlsruher Richter erinnern daran, dass der Anwendungsvorrang des
Unionsrechts „nur kraft und im Rahmen der verfassungsrechtlichen Ermächtigung“ bestehe. Daher finde die
vom Grundgesetz ermöglichte Öffnung der deutschen Rechtsordnung für
das Europarecht ihre Grenzen nicht
nur in dem vom Gesetzgeber verantworteten Integrationsprogramm, „sondern auch in der ebenso änderungswie integrationsfesten Identität der
Verfassung“. Der Anwendungsvorrang
reiche nur so weit, wie das Grundgesetz und das Zustimmungsgesetz die
Übertragung von Hoheitsrechten erlaubten oder vorsähen. „Nur in diesem
Umfang ist die Anwendung von Unionsrecht in Deutschland demokratisch
legitimiert.“
FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUN G
Das Bundesverfassungsgericht gewährleiste diese Grenzen insbesondere
im Rahmen der Identitäts- und der Ultra-vires-Kontrolle, so die Karlsruher
Richter, die mit ausführlichen Nachweisen hervorheben: „Auch die Verfassungs- oder Höchstgerichte anderer Mitgliedstaaten kennen ähnliche verfassungsrechtliche Vorbehalte.“ Diese „europaverfassungsrechtlichen Kontrollvorbehalte“ stünden einem uneingeschränkten Anwendungsvorrang des Unionsrechts entgegen. Die ihnen zugrunde liegenden Anforderungen des Grundgesetzes „binden alle Verfassungsorgane der
Bundesrepublik Deutschland und dürfen weder relativiert noch unterlaufen
werden“.
Vor diesem Hintergrund, so das Verfassungsgericht weiter, enthalten der
Vertrag über die Europäische Union und
der Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union keine ausdrückliche
Festlegung zum Vorrang des Unionsrechts. Der Zweite Senat legt weiter dar,
auch die Bundesregierung habe in ihrer
Begründung zum Entwurf des Gesetzes
zum Einheitlichen Europäischen Patentgericht ausgeführt, dass die Ausübung
verfassungsrechtlich gegebener Prüfungskompetenzen durch das Bundesverfassungsgericht unberührt bleibe. Später
heißt es noch: Dieses Verständnis habe
die Bundesregierung den anderen Vertragsmitgliedstaaten nicht mitgeteilt.
Schließlich lassen die Verfassungsrichter auch leichte Kritik an der Legitimation von Richtern aufscheinen, die wiedergewählt werden können – wie das am Europäischen Gerichtshof der Fall ist. Mü.
im Landtag vertreten ist. Die Partei hatte
zuletzt 1961 an einer Bundestagswahl
teilgenommen.
Die „Europäische Partei Liebe“ oder
auch „Team Todenhöfer – Die Gerechtigkeitspartei“ dürften es schwer haben, diese Hürde zu nehmen. Gar nicht antreten
darf unter anderem die „Anarchistische
Pogo-Partei Deutschlands“ (APPD), sie
erfüllte die formalen Voraussetzungen
zur Enttäuschung ihres Vertreters ebenso wenig wie die Partei „Solidarität“, zu
der mitgeteilt wurde, alle drei Vorstandsmitglieder seien aus der Partei ausgetreten gewesen und diese habe somit keine
Mitglieder mehr.
In dem Verfahren, das vom Bundestagsfernsehen übertragen wurde, mussten Vertreter aller Bewerber-Parteien anwesend sein. Es kam zu einer Darstellung des Sachverhalts, dann folgten ergänzende Fragen und ein Entscheidungsvorschlag. „Die Öffentlichkeit der Wahl
ist eine wesentliche Voraussetzung für
die Willensbildung in einer Demokratie“, sagte Bundeswahlleiter Thiel.
Bei der Prüfung geht es lediglich um
formelle Voraussetzungen. Der Bundeswahlleiter machte die Vereinigungen darauf aufmerksam, dass deshalb auch keine
Wahlreden gehalten werden sollten. Auf
den Inhalt des Wahlprogramms kommt
es ebenso wenig an wie darauf, ob der
Verfassungsschutz eine Partei im Visier
hat. Es gehört zum Parteienprivileg, dass
lediglich das Bundesverfassungsgericht
mit einer Zweidrittelmehrheit eine Partei verbieten darf, sodass sie nicht mehr
zur Wahl antreten darf.
Deshalb sprach es auch nicht gegen die
Zulassung der rechtsextremen Partei „Der
III. Weg“, dass diese vom Bundesamt für
Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft wird. Im jüngst veröffentlichten Verfassungsschutzbericht heißt es, der III.
Weg „agitiert insgesamt antisemitisch, ausländerfeindlich und revisionistisch“. Die
Partei diene „als Auffangbecken für Personen, die der neonazistischen Szene ange-
Wichtiges in Kürze
hören und teilweise auch Mitglieder verbotener Organisationen waren“. Aus Sicht
der SPD hätten diese Aspekte allerdings
durchaus Beachtung finden müssen. Der
parlamentarische Geschäftsführer der
SPD-Fraktion, Carsten Schneider, kritisierte die Zulassung. Der Partei gehe es wahrscheinlich darum, sich durch das Parteifinanzierungssystem festzusetzen und sich
so im politischen Spektrum erkennbar zu
machen.
Die Deutsche Kommunistische Partei
(DKP) darf dagegen voraussichtlich
nicht an der Bundestagswahl teilnehmen, da sie nach Überzeugung des Bundeswahlausschusses ihre Rechtsstellung
als Partei verloren hat. Auch das hat allerdings nichts mit dem Inhalt des Programms zu tun. Zur Begründung der Entscheidung hieß es, dass die Partei ihre Rechenschaftsberichte in den vergangenen
sechs Jahren nie innerhalb der gesetzlich
vorgeschriebenen Frist eingereicht habe.
Die Berichte hätten damit nicht die gesetzlichen Mindestanforderungen erfüllt.
„Fristen sind Fristen“, sagte Bundeswahlleiter Thiel. Die DKP reagierte empört:
„Was hier versucht wird, das ist ein kaltes
Parteiverbot“, sagte der Vorsitzende Patrik Köbele. „Natürlich werden wir alle
Rechtsmittel einlegen.“ Abgelehnte Parteien können Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht einreichen.
Nicht geprüft wurden sogenannte etablierte Parteien wie CDU, SPD, Grüne,
FDP oder auch die AfD. Sie müssen auch
nicht die Mindestzahl von Unterschriften
beibringen. Als etabliert gilt eine Partei
dann, wenn sie mindestens fünf Abgeordnete im Bundestag oder in Landesparlamenten hat. Dem Bundeswahlausschuss
gehören neben dem Bundeswahlleiter
mehrere Richter am Bundesverwaltungsgericht an; die im Bundestag vertretenen
Parteien entsenden Beisitzerinnen und
Beisitzer. Wie alle Wahlorgane ist der
Bundeswahlausschuss nicht an Weisungen, sondern lediglich an die gesetzlichen Regelungen gebunden.
Baerbock-Buch wird mit
Quellenangaben versehen
Nach den Plagiatsvorwürfen gegen
die Kanzlerkandidatin der Grünen,
Annalena Baerbock, wird ihr Buch
nun mit Quellenangaben versehen.
Eine Sprecherin des Ullstein-Verlags
bestätigte das am Freitag. „In Absprache mit der Autorin werden wir in einer möglichen nächsten Auflage sowie zum nächstmöglichen Zeitpunkt
im E-Book zusätzliche Quellenangaben im Buch ergänzen.“ Dies entspreche den Standards bei Nachauflagen
und erfolge aus Gründen der Transparenz „auch unabhängig von der rechtlich zulässigen Übernahme von Passagen aus Public Domains“, sagte sie.
Baerbock wird vorgeworfen, in dem
Buch „Jetzt. Wie wir unser Land erneuern“ Textstellen ungekennzeichnet aus anderen Veröffentlichungen
übernommen zu haben.
dpa
Ocean Viking legt im
Hafen von Augusta an
Das Rettungsschiff Ocean Viking ist
mit 572 geretteten Bootsmigranten
an Bord am Freitagvormittag in den
Hafen Augusta im Südosten Siziliens
eingelaufen. Die italienischen Gesundheitsbehörden unternahmen zunächst Sanitärkontrollen und erste
Covid-Tests an Bord, danach sollten
Minderjährige und Frauen, später die
Männer an Land gehen dürfen. Das
Schiff der Hilfsorganisation SOS Méditerranée hatte die Bootsflüchtlinge
bei sechs Einsätzen im Mittelmeer gerettet, die meisten vor der libyschen
Küste. Von den Migranten auf dem
Schiff sind nach Angaben der Organisation 183 minderjährig, unter ihnen
sind 159 ohne Begleitung von Erwachsenen. Auch zwei körperbehinderte Kinder sowie eine schwangere
Frau seien an Bord. Da derzeit kein
Quarantäneschiff für die Migranten
zur Verfügung steht, könnte sich der
Landgang von Bord des Rettungsschiffs für manche der Migranten verzögern.
rüb.
Polnischer Erzbischof legt
Ämter nieder
Foto Getty
Nach einer Untersuchung mutmaßlicher Verfehlungen im Umgang mit
Missbrauchsfällen hat der 73 Jahre
alte katholische Erzbischof von Kattowitz (Katowice) in Südpolen, Wiktor Skworc, Papst Franziskus um die
Ernennung eines Ko-Adjutor-Erzbischofs, eines „Helfers“ des Amtsinhabers, gebeten. Wie das Erzbistum Krakau weiter mitteilte, trat Skworc ebenfalls als Mitglied des Ständigen Rates
der Bischofskonferenz und als Vorsitzender der Seelsorge-Kommission zurück. Zudem werde der Erzbischof
„Ausgaben des Bistums Tarnow in Zusammenhang mit Fällen von sexuellem Missbrauch aus privaten Mitteln“ bezahlen. Untersucht worden
war, ob Skworc als damaliger Bischof
von Tarnow (1998–2011) seine
Dienstpflichten in Fällen von sexuellem Missbrauch an Minderjährigen
durch zwei Priester vernachlässigte.
Weitere Einzelheiten teilte das Erzbistum Krakau nicht mit.
KNA
spricht ruhig und in langen Sätzen, bei denen man am Ende manchmal nicht mehr
weiß, wie sie vorne losgingen. Dreyer ist
oft diejenige, die Naheliegendes sagt, die
etwa Hubertz einen „Glücksfall“ für die
SPD nennt. Auf die Frage, wie es mit dem
Homeoffice gerade in Grenzregionen weitergehe, spricht Scholz über die Doppelbesteuerung, um dann auf seinen Erfolg im
Kampf für eine globale Mindestbesteuerung zu sprechen zu kommen. Danke für
den „Meta-Blick“, sagt daraufhin Hubertz,
die moderiert.
Eisern gibt Scholz auch in Mainz das
Ziel aus, eine künftige Bundesregierung
anführen zu wollen. Dafür müsste die SPD
die Grünen überholen, um so SchwarzGrün zu verhindern. Zwar schwächeln die
Grünen derzeit, doch davon profitierte zu-
letzt nur die Union. Die SPD liegt in Umfragen stabil zwischen 15 und 16 Prozent.
Scholz sagt, für eine Koalition aus wahrscheinlich drei Parteien komme es darauf
an, „ausreichend stark zu sein“, dafür brauche es nicht viel. Rheinland-Pfalz habe gezeigt, „was da geht“. Später am Abend
geht er mit Dreyer in einem Biergarten am
früheren Zollhafen in Mainz von Tisch zu
Tisch. Es sind überwiegend Sozialdemokraten da, die Stimmung fröhlich, „wie bei
einem Klassentreffen“, sagt einer, schließlich könne man einander endlich mal wieder sehen. Scholz spricht leise mit den
Leuten, setzt sich zu ihnen, trinkt ein Bier,
isst eine Wurst und hört viel zu. „Trotz begrenzter Möglichkeiten“ wünsche er
Scholz alles Gute für den Wahlkampf, sagt
ein Mann.
Neuling: In Frankfurt war Volt schon bei der Kommunalwahl erfolgreich.
Von einer Siegerin lernen
SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz sucht bei Malu Dreyer in Mainz Schwung für den Bundestagswahlkampf / Von Julian Staib, Mainz
Im Windschatten des Erfolgs von BioNtech, das die Welt mit Impfstoff gegen das
Coronavirus versorgt, soll RheinlandPfalz zum führenden Standort der Biotechnologie werden. Dafür will die Landesregierung Fördermittel verdoppeln, Universitäten und Forschungseinrichtungen stärker vernetzen, neue Forschungsbauten errichten. Die Aufbruchstimmung rund um
das Mainzer Unternehmen sucht auch die
Politik zu nutzen. Im Wahlkampf wurde
Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD)
nicht müde, auf die Erfolge der Firma zu
verweisen. Furios gelang ihr im März die
Wiederwahl. Auch Olaf Scholz, der Kanzlerkandidat der SPD, möchte von der Dynamik etwas mitzunehmen. Bei BioNtech
war er im Winter schon, also schaut er am
Donnerstag zusammen mit Dreyer auf
dem Uni-Campus in Mainz beim Institut
für Molekulare Biologie vorbei. Beide blicken dort in Lichtmikroskope, sehen darin Zellen, die sich fortwährend teilen, bewundern große Maschinen, die die Zellen
für eine Untersuchung sortieren. Es gebe
eine gute Chance, dass Deutschland zu einer Art „Apotheke der Welt“ werde, sagt
Scholz nach dem Rundgang. Dreyer ergänzt: BioNtech zeige, was möglich sei.
Im März zeigte Dreyer der SPD, was
möglich ist: Bei 35,7 Prozent landeten die
Sozialdemokraten, nachdem sie zuvor lange abgeschlagen gewesen waren. Auf eine
Einladung von Bundesprominenz hatte
man im Wahlkampfschlussspurt verzichtet, die Parteivorsitzenden Saskia Esken
und Norbert Walter-Borjans traten gar
nicht auf. Scholz immerhin kam einmal.
Frankfurter Zeitung
Gründungsherausgeber Erich Welter †
VERANTWORTLICHE REDAKTEURE: für Innenpolitik: Dr. Jasper von Altenbockum; für
Außenpolitik: Dr. Nikolas Busse; für Nachrichten und Politik Online: Andreas Ross, Oliver
Georgi (stv.), Mona Jaeger (stv.); für „Zeitgeschehen“: Dr. Reinhard Müller; für „Die Gegenwart“: Dr. Daniel Deckers; für Deutschland und die Welt: Dr. Alfons Kaiser; für Wirtschaftspolitik: Heike Göbel; für Wirtschaftsberichterstattung: Johannes Pennekamp; für Unternehmen: Sven Astheimer; für Finanzen: Inken Schönauer; für Wirtschaft und Finanzen
Online: Alexander Armbruster, Christoph Schäfer; für Sport: Anno Hecker, Peter Penders
(stv.); für Sport Online: Tobias Rabe; für Feuilleton: Sandra Kegel, Dr. Matthias Alexander
(stv.), Jakob Strobel y Serra (stv.); für Literatur und literarisches Leben: Andreas Platthaus;
für Feuilleton Online: Michael Hanfeld; für Rhein-Main: Helmut Schwan, Marie Lisa Kehler (stv.), Manfred Köhler (stv.).
FÜR REGELMÄSSIG ERSCHEINENDE BEILAGEN UND SONDERSEITEN: Beruf und
Chance: Nadine Bös; Bildungswelten: Dr. h.c. Heike Schmoll; Der Betriebswirt: Mark
Fehr; Der Volkswirt: Maja Brankovic; Die Lounge: Johannes Pennekamp; Die Ordnung der Wirtschaft: Heike Göbel; Digitec: Alexander Armbruster; Forschung und
Lehre: Thomas Thiel; Geisteswissenschaften: Patrick Bahners; Immobilien: Michael
Psotta; Jugend schreibt: Dr. Ursula Kals; Jugend und Wirtschaft: Lisa Becker; Kunst-
Dreyer, die Scholz schätzt, will nun auch
außerhalb der Landesgrenzen für ihn
kämpfen. Was dieser von ihr lernen könne? Scholz brauche keinen Rat, antwortet
Dreyer, er habe ja schon absolute Mehrheiten geholt, in Hamburg. Dann aber sagt
sie doch, was es brauche, um Wahlen zu gewinnen: eine geschlossene Partei, ein gutes Programm und den richtigen Kandidaten. Bei Scholz sei alles gegeben.
In Rheinland-Pfalz aber standen Partei
und Programm am Ende des Wahlkampfs
weit hinter der Person Dreyer zurück; die
SPD wurde zum Dreyer-Wahlverein. Rund
80 Tage vor der Bundestagswahl ist jedoch
völlig unklar, woher für die SPD im Bund
eine vergleichbare Dynamik kommen soll.
Von Scholz, so wird in Mainz deutlich,
geht sie kaum aus.
markt: Dr. Rose-Maria Gropp; Medien: Michael Hanfeld; Menschen und Wirtschaft:
Philipp Krohn; Natur und Wissenschaft: Joachim Müller-Jung; Neue Sachbücher:
Helmut Mayer; Politische Bücher: Dr. Peter Sturm; Recht und Steuern: Corinna Budras; Reiseblatt: Freddy Langer; Staat und Recht: Dr. Reinhard Müller; Technik und
Motor: Holger Appel.
Bildredaktion: Henner Flohr; Chefin vom Dienst: Dr. Elena Geus; Grafische Gestaltung/Informationsgrafik: Holger Windfuhr (Art Director), Benjamin Boch (Stv. Grafi-
sche Gestaltung), Informationsgrafik: Andre Piron.
DIGITALE PRODUKTE: Cai Tore Philippsen (verantwortlicher Redakteur), Kai N. Pritzsche (Redaktionsleiter), Stefanie Michels (Social Media), Robert Wenkemann (Art Director), Andreas Krobok (Audio/Video), Sönke Sievers (Multimedia Ausgabe).
GESCHÄFTSFÜHRUNG: Thomas Lindner (Vorsitzender), Dr. Volker Breid.
DIGITALE PRODUKTION UND VERTRIEB: Stefan Buhr, Nico Wilfer.
ANZEIGEN: Ingo Müller (verantwortlich) und Jürgen Maukner, REPUBLIC Marketing & Media Solutions GmbH, Mittelstraße 2 – 4, 10 117 Berlin, www.republic.de.
Anzeigenpreisliste Nr. 81a vom 1. April 2021 an; für Stellenanzeigen: F.A.Z.-Stellenmarkt-Preisliste Nr. 15a vom 1. April 2021 an.
HERSTELLER: Andreas Gierth.
MONATSBEZUGSPREIS: Inland: Abonnement Frankfurter Allgemeine Zeitung 71,50 €;
einschließlich Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 78,50 €. Abonnenten der ge-
Die Sozialdemokraten regieren in
Rheinland-Pfalz seit 30 Jahren, der Erfolg
zieht Leute an, die sich sonst kaum mehr
in der SPD engagieren würden. Eine davon trifft an diesem Tag zusammen mit
Scholz und Dreyer zu einem digitalen „Zukunftsgespräch“ zusammen. Verena Hubertz hat in Berlin das Start-up „Kitchen
Stories“ gegründet, eine App mit mittlerweile rund 20 Millionen Nutzern, dann
ging sie in ihre Heimat Trier zurück und
kandidiert nun für die Bundestagswahl.
Eine Biographie wie eine Steilvorlage für
den Finanzminister. Der aber geht kaum
darauf ein, spult seinen Auftritt routiniert
ab, nennt seine beiden zentralen Punkte:
mehr Respekt in der Gesellschaft und
Deutschland als starkes Industrieland.
Wie immer hat Scholz viele Zahlen parat,
druckten Zeitung lesen für einen Aufpreis von 10,00 € die digitalen Ausgaben der
F.A.Z. und Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Darin enthalten ist außerdem
der vollständige Zugang zur Website FAZ.NET (F+). Mehr Informationen zu allen Angeboten und Preisen (z. B. für junge Leser und Studierende, Geschäftskunden, Digital- und Auslandsabonnements) im Internet unter abo.faz.net. Ihre Daten werden
zum Zweck der Zeitungszustellung an Zustellpartner und an die Medienservice
GmbH & Co. KG, Hellerhofstraße 2 – 4, 60327 Frankfurt am Main, übermittelt. Gerichtsstand ist Frankfurt am Main.
NACHDRUCKE: Die Frankfurter Allgemeine Zeitung wird in gedruckter und digitaler
Form vertrieben und ist aus Datenbanken abrufbar. Eine Verwertung der urheberrechtlich geschützten Zeitung oder der in ihr enthaltenen Beiträge und Abbildungen,
besonders durch Vervielfältigung oder Verbreitung, ist ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urhebergesetz
nicht anderes ergibt. Besonders ist eine Einspeicherung oder Verbreitung von Zeitungsinhalten in Datenbanksystemen, zum Beispiel als elektronischer Pressespiegel
oder Archiv, ohne Zustimmung des Verlages unzulässig.
Sofern Sie Artikel dieser Zeitung nachdrucken, in Ihr Internet-Angebot oder in Ihr Intranet übernehmen oder per E-Mail versenden wollen, können Sie die erforderlichen
Rechte bei der F.A.Z. GmbH online erwerben unter www.faz-rechte.de. Auskunft erhalten Sie unter nutzungsrechte@faz.de oder telefonisch unter (069) 75 91- 29 01. Für
die Übernahme von Artikeln in Ihren internen elektronischen Pressespiegel erhalten
Sie die erforderlichen Rechte unter www.presse-monitor.de oder telefonisch unter
(0 30) 28 49 30, PMG Presse-Monitor GmbH.
Für die Herstellung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wird ausschließlich Papier mit einem hohen Recyclingfaseranteil verwendet.
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
© FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG GMBH, FRANKFURT AM MAIN
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH behält sich eine Nutzung ihrer Inhalte
für kommerzielles Text- und Data-Mining im Sinne von § 44b UrhG ausdrücklich
vor. Für den Erwerb einer entsprechenden Nutzungslizenz wenden Sie sich bitte an
nutzungsrechte@faz.de.
DRUCK: Frankfurter Societäts-Druckerei GmbH & Co. KG, Kurhessenstraße 4 – 6,
64546 Mörfelden-Walldorf; Märkische Verlags- und Druck-Gesellschaft mbH Potsdam, Friedrich-Engels-Straße 24, 14473 Potsdam; Süddeutscher Verlag Zeitungsdruck GmbH, Zamdorfer Straße 40, 81677 München.
Amtliches Publikationsorgan der Börse Berlin, Rheinisch-Westfälischen Börse zu Düsseldorf, Frankfurter Wertpapierbörse, Hanseatischen Wertpapierbörse Hamburg, Niedersächsischen Börse zu Hannover, Börse München, Baden-Württembergischen
Wertpapierbörse zu Stuttgart
ANSCHRIFT FÜR VERLAG UND REDAKTION:
Postadresse: 60267 Frankfurt am Main, Hausanschrift: Hellerhofstraße 2 – 4, 60327
Frankfurt am Main; zugleich auch ladungsfähige Anschrift für alle im Impressum genannten Verantwortlichen und Vertretungsberechtigten.
TELEFON: (0 69) 75 91- 0. Anzeigenservice: (069) 75 91 - 33 44. Kundenservice: (0 69)
75 91 - 10 00 oder www. faz.net/meinabo.
Telefax: Anzeigen (0 69) 75 91- 80 89 20; Redaktion (0 69) 75 91 - 17 43; Kundenservice
(0 69) 75 91 - 21 80.
BRIEFE AN DIE HERAUSGEBER: leserbriefe@faz.de
Traueranzeigen
FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG
SAMSTAG, 10. JULI 2021 · NR. 157 · SEITE 5
,4
, 1, 4,% 4$ 4%.,% ;.##. 1, 4% # % ,%
;.1.5,,
-% $& #)
+2% 6. -2-#
*
3+ *,# )&0 2:+ =4% 3:3)
#1%
#.,
' &
<,, ;', 4$* 1, 1 $ )+ '6$, )&/ #. 1%., 1,
% 7,$ 6%1,'* % #., %+ '% =4# )& . -% 3:)0
1 , #. ;.1.5,, -%18!#4% 4%.,, 7,$ .1 #11
4% $1 ;.! . %1,%$%. $ # *,1+
5 . " &* 0& '%
, 6, %!% $ ., 6#+
& !&
%., 15# 4% 4%., ; %!% .% .%, 7 $#
%..'%, .%, 7, 4 4% .%% % (%%+
" .194% % $ %.1% 7 $#%!,. .1 11+
" &. '* &' & 3 '* **%
;.##. 1, ;.1.#14% 4% 1 ,1, , 7,$
6%1,'* ;$< '+ ;
'* 1. *& . & & 1 ** 0& '
&'* & . $ /& &1* 4&1
5 ", (- +(2- 222 222 (2( 22
/& 1 0&*' * 0 &* 4 & .$
-- * $' $ ( - ' - '+ $ /
$' $ ' ' $ $ ) $+
0$ " $ ( $ '
( ' $+'
) $+ ($' ( $ / 1 $ /
.( ' '
' ' -- $
" "##!
# %
$ %
. $ (
#) )
!( %( )%**%) ")( 0)( ")( ((
. ,)$%+% !&3#.'+
#./0
1%1/0 '+ ,/0,!(
1)' '+ #+,#)/#)"#.#+ #)%'#+
$+
$
-( . $
%
'. 0.1#.+ 1* 1+/#.#+ %#)'# 0#+ 0#.
!&3'#%#.20#. 1+" .,20#.
% ! &,&
$+
' $ $
#., $ =4# 3:3)
&( 00*- &$+
4# -) ) 0) " #
)- 0#
")( 3 ## %) )-#
")*( -- * 0# 6%#*- #1 # !- #)*-%') 0# ## # !- 3 ##
")( # 0# %# !!)! ##
0# # -# 0# * -1-#
'. 2#.*'//#+ '!&
/( 50# /2/&
&,*/ 1+" . . !&3#.'+
*'0 &')'-- 1+" , '/
#)'4 !&3#.'+
" *-10# #- ! #*-# , ! # 0# ,)0#*)* *- --(
% #
'# #'/#051+% $+" #.#'0/ '* #+%/0#+ .#1+"#/ 1+"
*')'#+(.#'/ /000
& #
) 0) #*)- , #) *- --0## , # #) -) &. &. ) #' # 0
.1#.+/!&.'$0 . &,*/ !&3#.'+
.-#. !&1)3#% 1--#.0)
!
'
$
& ' .
#
& % &% "
&' )+)) &)3
&')0&
+)' ' ' ) % %
) # ! %
$ ! # !
($ ! # %$ !
Traueranzeigen und Nachrufe
) "#
# ! ! * " !
! ! + ! ' &
&% 3+) &
2' )'-&&
+)' ' ' ) % %
# !
Auskunft und Beratung
Satt ist gut. Saatgut ist besser.
brot-fuer-die-welt.de/saatgut
) & % &% & &) -) ")&+$ .&& ' +)' ' ) %%
+ & ' + +)' +) ,&+ &
&'! ) + ) )& ) ,!&&&% & )& +& ) '& ,& +
+ '& , %
+&0& ' /&& 5& ) ') & % &% & &) -) ")&+$
% 4+ *1*# (% ' & .&') & % ) & & 5& ) + 3 )
& ' ' && &')0& + "&. &')0& -&
")/ + ' +)' ' )' %% 0+ & ' & )
+ & ) "& )+ & +)' /&)' ) ')0)%
"
Telefon (069) 75 91–22 79
Telefax (069) 75 91–80 89 23
E-Mail traueranzeigen@faz.de
# ! ! ' ! !!
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
Politik
SEITE 6 · S AMS TAG, 10. JULI 2021 · NR. 157
FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUN G
Vorerst
erleichtert
Ein Gesetz, das auf den
schärfsten Kritiker abzielt?
Warum Polens Regierung gegen nichteuropäische
Medieneigentümer vorgehen will
gna. WARSCHAU. Der heftige Protest
gegen eine geplante Sondersteuer auf
Medien ist gerade abgeklungen, da eröffnet Polens rechte Regierung eine neue
Front. Eine Gruppe von Abgeordneten
der von Jarosław Kaczyński geführten
PiS hat in dieser Woche im Parlament einen Gesetzentwurf eingebracht, der vordergründig die Eigentümerstruktur elektronischer Medien neu regeln soll. Während man im Fall der Sondersteuer auf
Werbeerträge noch diskutieren konnte,
welche Medien sie wie hart treffen würde, ist die Sache diesmal klar: Ein großer Teil der Öffentlichkeit sieht in dem
neuen Entwurf eine „Lex TVN“. Also einen Angriff auf die gleichnamige Sendergruppe mit TVN, dem Nachrichtensender TVN24 und weiteren Kanälen sowie dem dazugehörigen Internetportal.
Größte Konkurrenz für das
öffentlich-rechtliche Fernsehen
TVN ist, neben dem etwa gleichrangigen, ebenfalls privaten Polsat, die größte Konkurrenz zum öffentlich-rechtlichen Fernsehen TVP. Dieses ist, soweit
politische Themen berührt sind, zum ungezügelten Propagandasender der Regierung geworden. Die abendliche Hauptnachrichtensendung von TVN war 2019
und 2020 nach Berechnungen der Firma
Nielsen Media mit durchschnittlich jeweils knapp 2,7 Millionen Zuschauern
sogar die beliebteste im Land. Die eine
halbe Stunde später ausgestrahlten
Nachrichten von TVP1 kamen 2019 auf
2,1, im folgenden Pandemiejahr auf 2,2
Millionen Zuschauer.
Entscheidend dürfte jedoch sein,
dass die liberale TVN-Gruppe auf dem
Fernsehmarkt der schärfste und einflussreichste Kritiker der Regierung ist. So
einflussreich und so professionell gemacht, dass kaum ein Politiker aus dem
Regierungslager es wagt, Einladungen
ins TVN-Studio auszuschlagen. Nach
der Wende von Polen gegründet, ging
der Sender 2015 – in dem Jahr, als die
PiS an die Regierung kam – in amerikanische Hände über. Heute gehört er zum
Medienunternehmen Discovery, das
bald zusammen mit WarnerMedia ein
neues amerikanisches Medienimperium
schaffen will, dass der zweitgrößte Medienkonzern der Welt werden dürfte.
Der Gesetzentwurf sieht eine Verschärfung des Passus vor, laut dem elektronische Medien Lizenzen nur dann bekommen können, wenn sie „ihre Zentra-
le oder ihren Sitz im Bereich des Europäischen Wirtschaftsraums haben“,
also in der EU, Norwegen, Island und
Liechtenstein. Diese Bedingung erfüllen die Amerikaner, da sie ihr Polen-Geschäft über ein niederländisches Tochterunternehmen kontrollieren. Aber
künftig soll zusätzlich die Bedingung
gelten, dass das europäische Unternehmen nicht im Besitz eines außereuropäischen Konzerns – wie im Fall von TVN
eines amerikanischen – sein darf. Beobachter sehen für TVN das Risiko, dass
die gesamte Senderfamilie ihre Lizenzen verliert – es sei denn, die Amerikaner verkaufen die Mehrheit ihrer Anteile. Das wäre in den Augen der PiS eine
erfolgreiche „Repolonisierung“ eines
polnischen Mediums und zugleich die
Chance, es politisch auf Linie zu bringen. So geschah es zu Jahresbeginn mit
den polnischen Medien der deutschen
Verlagsgruppe Passau, die der staatsnahe Ölkonzern Orlen kaufte.
Ministerpräsident Mateusz Morawiecki sagte, das geplante Gesetz solle
verhindern, dass russisches, chinesisches oder arabisches Kapital sich im
Medienmarkt einkaufe. Kaum war der
Plan der PiS ans Licht gekommen, meldete sich der Vorstand des Senders: „Für
TVN sind die Zuschauer und ihr Recht
auf wahrheitsgemäße, überprüfte Informationen das Wichtigste.“ Der Sender
habe in den zwanzig Jahren seines Entstehens jeder Regierung auf die Finger
geschaut; der Gesetzentwurf solle „uns
den Mund verbieten und den Zuschauern die Möglichkeit der Wahl rauben.
Unter dem Vorwand des Kampfes gegen
fremde Propaganda will man die Medienfreiheit einschränken. Wir werden
uns keinem Druck beugen und unabhängig bleiben.“
Will die PiS einen „Krieg mit
Amerika“ anzetteln?
Der amerikanische Geschäftsträger in
Warschau drückte wegen des Gesetzentwurfs die „wachsende Besorgnis“ Washingtons aus. Amerika dürfte zweierlei
Grund zur Sorge haben: zum einen wegen der Medienfreiheit, zum anderen,
weil auch noch amerikanische Geschäftsinteressen berührt sind. Polnische Medien kritisierten, die PiS wolle
einen „Krieg mit Amerika“ anzetteln,
dem historisch und gegenwärtig wichtigsten Verbündeten Polens. (Kommentar Seite 8.)
Erste Zeichen der Entspannung
zwischen Israel und Jordanien
Treffen zwischen Bennett und Abdullah in Amman
stah. TEL AVIV. Die unter Benjamin
Netanjahu erkalteten politischen Beziehungen zwischen Israel und Jordanien
hatten dazu geführt, dass es mehrere
Jahre lang kein Treffen zwischen dem
Ministerpräsidenten und dem jordanischen König Abdullah II. gegeben hatte. Das Verhältnis war angespannt,
nicht zuletzt seit Netanjahu angekündigt hatte, große Teile des besetzten
Westjordanlands zu annektieren. Nun
deutet sich Entspannung an. In der vergangenen Woche hat Ministerpräsident Naftali Bennett Abdullah im Königspalast von Amman besucht, berichten israelische Medien übereinstimmend. Eine offizielle Bestätigung blieb
von beiden Seiten zunächst aus. Das
Treffen sei in guter Atmosphäre erfolgt, meldete das Portal „Walla“. Beide Seiten seien sich einig, ein neues Kapitel in den Beziehungen beider Länder aufzuschlagen, die seit 1994 einen
Friedensvertrag geschlossen haben.
Die Berichte korrespondierten mit
dem Kurzbesuch von Außenminister
Jair Lapid in Jordanien am Donnerstag,
der dort nahe der Grenze den Außenminister Ajman Safadi traf, wie das Außenministerium in Jerusalem bekanntgab. Dabei erklärte sich Israel bereit,
dem Nachbarland in diesem Jahr zusätzliche fünfzig Millionen Kubikmeter
Wasser zu verkaufen und damit deutlich mehr als bisher. Dieses Projekt wurde offenbar beim Treffen Abdullahs
und Bennetts in die Wege geleitet. Jordanien leidet seit Jahren unter erheblicher Wasserknappheit. Zudem soll Jordanien der Vereinbarung zufolge seine
Exporte ins Westjordanland von 160
Millionen auf siebenhundert Millionen
Dollar erhöhen können. Das amerikanische State Department begrüßte die
Vereinbarungen schon wenig später.
„Es sind diese Art von konkreten Schritten, die den Wohlstand für alle erhöhen
und regionale Stabilität erhöhen“, hieß
es aus Washington.
„Das Außenministerium wird den
Dialog fortführen“
„Das Königreich Jordanien ist ein Nachbar und wichtiger Partner Israels“, äußerte Lapid nach dem Treffen. „Das Außenministerium wird den Dialog fortführen, um die Beziehungen zu bewahren und zu stärken.“ Das sind neue
Töne aus Israel, dessen vorherige Führung fortlaufende Kooperation der Si-
cherheitsapparate noch für selbstverständlich erachtete und Jordanien politisch ansonsten weitgehend außen vor
gelassen hatte. Safadi wiederum warnte Israel vor der bevorstehenden Enteignung palästinensischer Einwohner im
Ostjerusalemer Stadtteil Scheich Jarrah und sprach dabei von „Kriegsverbrechen“. Jordaniens Außenminister rief
zu Anstrengungen für eine Zweistaatenregelung mit den Palästinensern auf
und verlangte, dass Israel den vereinbarten „Status quo“ auf dem Al Aqsa-Plateau über dem Tempelberg in Jerusalem wahre, das Jordanien formal verwaltet.
Der „Deal des Jahrhunderts“
von Kushner kam nicht zustande
Diese Frage hatte Jordanien im Zuge
der Normalisierungsabkommen zwischen Israel und den Golfstaaten in Sorge versetzt, bei denen Jordanien nicht
konsultiert worden war. Einem Bericht
der „Washington Post“ zufolge hatten
Donald Trump und dessen mit der Region betrauter Schwiegersohn Jared
Kushner erwogen, im Gegenzug für
eine weitere Annäherung des Verbündeten Saudi-Arabien an Israel Riad die Rolle von König Abdullah als Hüter der heiligen muslimischen Stätten in Jerusalem
zu übertragen. König Abdullah sprach
2019 von „Druck aus dem Ausland“ und
dass er „niemals meine Position zu Jerusalem verändern werde“. Abdullahs Rolle in Jerusalem ist eine wesentliche
Quelle der Legitimität des haschemitischen Königshauses, das über ein Land
herrscht, dessen Bevölkerung zur Hälfte
palästinensische Wurzeln hat.
Der Kushner-Plan des „Deals des
Jahrhunderts“ kam nicht zustande.
Und eine weitere Konfrontation mit Jordanien ist mit den Regierungswechseln
in Washington und Jerusalem vorerst
vom Tisch. Die neue israelische Regierung bemüht sich um Wiederannäherung und wird dabei von den Vereinigten Staaten unterstützt. Abdullah befindet sich derzeit auf einer drei Wochen
dauernden Amerika-Reise, bei der für
den 19. Juli auch ein Treffen mit Präsident Joe Biden angesetzt ist. Es wäre
der erste Empfang eines arabischen
Staatsführers im Weißen Haus unter Biden. Und ein Zeichen dafür, wie sehr
das unter Trump und Netanjahu noch
an den Rand gedrängte Jordanien wieder an Bedeutung gewonnen hat.
UN-Sicherheitsrat
verlängert Syrien-Hilfe
Von Christoph Ehrhardt,
Beirut
Aufrüstung: Afghanische Milizionäre, die an der Seite der Regierung gegen die Taliban kämpfen sollen, in der Stadt Herat
Foto AFP
Weder Sieg noch Niederlage
Joe Biden verteidigt den
amerikanischen Abzug
aus Afghanistan – und
weist Vergleiche mit
dem Ende des Krieges in
Vietnam zurück.
Von Majid Sattar,
Washington
A
ls Joe Biden nach einer halben
Stunde den East Room des Weißen Hauses verließ, rief eine
Journalistin ihm noch etwas
hinterher: Was er davon halte, dass eine
Delegation der Taliban derzeit Moskau
besuche. Der Präsident reagierte nicht.
Für ihn, so schien es, war alles gesagt. Er
war am Donnerstag vor die Öffentlichkeit
getreten, um noch einmal den Abzug der
amerikanischen Truppen aus Afghanistan zu verteidigen. Er hatte in den vergangenen Tagen zur Kenntnis nehmen
müssen, dass dies auch im kriegsmüden
Amerika keine einfache Angelegenheit
ist. Denn natürlich steht die Frage im
Raum: War es das wert?
Kurz vor dem Auftritt in Washington
hatten Nachrichtenagenturen gemeldet,
Vertreter der Taliban hätten der russischen Regierung zugesichert, dass die Geländegewinne der radikalen Islamisten
keine Bedrohung für Moskau oder dessen
Verbündete in Zentralasien darstellten.
Hintergrund waren Ereignisse zu Wochenbeginn: Das Vorrücken der Taliban
hatte Soldaten der afghanischen Streitkräfte veranlasst, über die Grenze nach
Tadschikistan zu fliehen, wo Russland
eine Militärbasis unterhält. In Moskau
sagten die Taliban-Vertreter zudem, man
kontrolliere inzwischen 85 Prozent des
Landes. In der Regierung in Kabul wurde
dies zurückgewiesen. Allerdings gestand
man ein, dass die Taliban im Zuge des Abzugs der ausländischen Streitkräfte weitere Gebiete eingenommen hätten. Austin
Miller, der amerikanische Kommandeur
in Afghanistan, sagte kürzlich, ein Bürgerkrieg sei sicherlich ein Weg, den man sich
vorstellen könne, wenn es so weitergehe,
wie es jetzt laufe.
Welchen Preis Biden dafür zahlt, derjenige Oberbefehlshaber zu sein, der nach
20 Jahren des Krieges die Soldaten heimholt, muss ihm spätestens in der vergangenen Woche bewusst geworden sein, als seine Streitkräfte den wichtigsten Stützpunkt Bagram verließen – buchstäblich in
einer Nacht-und-Nebel-Aktion, ohne den
neuen afghanischen Kommandeur zu informieren. Das Pentagon verwies später
auf die Sicherheitslage, was implizierte:
Man traute der afghanischen Seite nicht.
Solche Geschichten wecken Erinnerungen an die Niederlage in Vietnam.
Biden wies den Vergleich zurück. „Die
Taliban sind nicht die nordvietnamesische Armee.“ Es werde keine Bilder wie
die von 1975 aus Saigon geben, sagte er
mit Blick auf die historische Aufnahme,
die festhielt, wie amerikanische Hubschrauber verbündete Vietnamesen ausflogen. Der Präsident rang um Worte. Um
„mission accomplished“ gehe es nicht,
sagte er unter Anspielung auf George W.
Bushs voreilige Siegesfeier nach dem
Sturz Saddam Husseins im Irak. Von einem Scheitern wollte er freilich auch
nicht sprechen – jedenfalls „noch nicht“.
Eine Machtübernahme durch die Taliban
sei „nicht unausweichlich“.
Die Sicherheit des Landes liege nun in
den Händen von mehr als 300 000 afghanischen Soldaten und Polizisten, welche
die Amerikaner und ihre Verbündeten
gut ausgebildet und ausgerüstet hätten.
Es gehe jetzt aber nicht nur um militärische Fähigkeiten, sondern auch um den
politischen Willen in Kabul, zusammenzukommen. Die dortige Regierung müsse gemeinsam mit den Taliban einen „modus
vivendi“ finden. Sodann: Es sei jedenfalls
sehr unwahrscheinlich, dass es eine einheitliche Regierung geben werde, welche
die Kontrolle über das ganze Land haben
werde. Das habe es aber auch nie in der
langen Geschichte Afghanistans gegeben.
Wie es auch nie einer fremden Nation gelungen sei, das Land zu beherrschen.
Der nach den Terrorangriffen auf die
USA vom 11. September 2001 begonnene
Einsatz habe zwei Ziele gehabt: Osama
Bin Laden „zu den Pforten der Hölle zu
bringen“ und dessen Terrornetzwerk AlQaida die Fähigkeit zu nehmen, von Afghanistan aus die Vereinigten Staaten anzugreifen. „Wir haben diese beiden Ziele
erreicht“, sagte Biden und fügte hinzu:
Um „nation building“ sei es nie gegangen.
Von den zwischenzeitlichen Zielen, Menschenrechte durchzusetzen und eine Demokratie aufzubauen, wollte er offensichtlich nichts mehr wissen. Er erinnerte daran, dass er nach 2009 als Vizepräsident –
anders als Barack Obama – für einen Abzug plädiert habe.
Biden machte letztlich deutlich, dass er
sich nicht beirren lassen werde, sich darauf zu konzentrieren, die eigenen Herausforderungen und internen Konflikte Amerikas zu lösen. „Ich werde nicht noch eine
weitere Generation Amerikaner in den
Krieg nach Afghanistan schicken.“ An seine Kritiker gewandt, die den Abzug voreilig nennen, fragte er: Das Leben wie vieler zusätzlicher Töchter und Söhne Amerikas zu riskieren sei man bereit? Die Vorgängerregierung habe den Abzug angekündigt. Wäre man geblieben, hätten die
Taliban ihre Angriffe auf Amerikaner wieder aufgenommen. Bis zum 31. August,
also noch vor dem 11. September, dem ursprünglich geplanten Termin, soll der Abzug abgeschlossen sein.
Die Gefahr ist größer denn je
Macron verspricht beim G5-Sahel-Gipfel eine fortgesetzte Präsenz
mic./pca. PARIS/BERLIN. Der französische Präsident Emmanuel Macron hat bei
einer Pressekonferenz mit dem nigrischen Präsidenten Mohamed Bazoum
am Freitag in Paris die Abzugspläne für
die französischen Truppen aus dem Sahelgebiet bestätigt. Der Kampfeinsatz „Barkhane“ solle beendet werden. Die Zahl
der französischen Soldaten soll auf 2500
verringert werden. Aus Sicherheitsgründen könne er keinen genauen Zeitplan
nennen, sagte Macron. „Wir haben unsere Partner beruhigt, dass wir weiter im Sahelgebiet präsent bleiben.“ Die Terrorgefahr sei größer denn je. Afrika sei die
neue Hochburg der Terrororganisationen
„Islamischer Staat“ und Al-Qaida, sagte
Macron. Der nigrische Präsident Bazoum
lobte die Kooperation mit „Barkhane“,
die gute Ergebnisse gebracht hätte. Die
beiden Präsidenten hatten zuvor per Videoschaltung mit den Staatschefs Mauretaniens, Burkina Fasos, Tschads und Malis über die Sicherheitslage in dem Krisengebiet und das weitere Vorgehen beraten.
Die Bundesregierung hat wie schon im
Januar 2020 in Pau auf eine Teilnahme an
dem sogenannten G5-Sahel-Gipfel verzichtet. Das Vorgehen sei abgestimmt gewesen, hieß es in Paris. Macron betonte,
dass dem virtuellen Treffen Konsultationen mit den europäischen Partnern vorangegangen seien. Fortan wolle Frankreich
stärker in einem multilateralen Rahmen
militärische Hilfe leisten, sagte er. Die
französische Anti-Terror-Mission Barkhane mit 5100 Soldaten soll schrittweise
beendet werden. Macron sagte, das Ziel
des in Pau beschlossenen „Surge“, eine
Aufstockung der Anti-Terror-Truppen,
sei erreicht worden. Doch die Lage vor
Ort sei sehr volatil, und die Terrorgruppen hätten sich innerhalb kürzester Zeit
über das gesamte Sahelgebiet verteilt.
Deshalb sei der bisherige Ansatz nicht
mehr angemessen. Frankreich werde
Stützpunkte im Norden Malis, in Timbuktu und Kidal, schließen. Der jüngste
Sprengstoffanschlag auf die Bundeswehrsoldaten ereignete sich bei einer Fahrt
nach Kidal.
Macron betonte, dass die europäische
Kampftruppe Takuba ausgebaut werden
solle. Neun EU-Partner beteiligen sich an
der Spezialtruppe. Deutschland hat wiederholte Anfragen abschlägig beschieden. Macron lobte, dass Rumänien Spezialkräfte entsenden wolle. Frankreich will
sich künftig stärker in die EU-Ausbildungsmission EUTM einbringen. Die Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen MINUSMA, deren Mandat am 29.
Juni erneuert wurde, soll weiterhin eine
wichtige Rolle spielen. Wie Präsident Macron betonte, soll für die Franzosen ein
entwicklungspolitischer Ansatz im Vordergrund stehen. Der Truppenabzug soll
dabei geordnet und in Etappen erfolgen.
Dies sei eng auch mit Deutschland abgestimmt. Er lobte wie zuvor die Bundeskanzlerin den demokratischen Übergang
in Niger. Das war ein kaum verdeckter
Hinweis auf die undemokratischen Machtwechsel in Mali und in Tschad.
Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte
am Donnerstag bei einem Gespräch mit
Präsident Bazoum in Berlin Niger weitere
Hilfe aus Deutschland zugesichert. Sie
sprach auch die verschlechterte Sicherheitslage an. In der Tschadsee-Region im
Südosten und in der Grenzregion zu Mali
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
im Westen seien islamistische Kämpfer
und Milizen aktiv, sagte die Bundeskanzlerin. Kampfschwimmer aus Deutschland
bilden in Niger Spezialkräfte aus. Die Mission „Gazelle“ ist inzwischen Teil der
EU-Ausbildungsmission EUTM.
Wie aus dem Auswärtigen Amt zu hören war, stehe man bezüglich der Umgliederung seines militärischen Engagements im ständigen und engen Austausch. In Berlin herrscht nach einem Anschlag auf das Mali-Kontingent der Bundeswehr derzeit Verunsicherung über die
Zukunft des Engagements dort. Einerseits wird die Bedeutung des Anti-TerrorKampfes im Sahel betont, andererseits zögert Berlin, substanzielle Beiträge zu leisten, zuletzt auch mit Blick auf das Putschregime in Bamako. Für Deutschland ist
der Sahel nach Auskunft des Auswärtigen
Amtes gleichwohl ein Schwerpunkt der
Außen-, Sicherheits- und Entwicklungspolitik.
Derzeit sind in Mali rund 1000 Soldaten
eingesetzt, davon etwas mehr als 100 bei
der europäischen Trainingsmission für die
Armee und 890 bei der UN-Stabilisierungsmission MINUSMA. Den französischen Rückzug erklärt man sich in Berlin
einerseits mit dem französischen Wahlkampf, die Forderung nach einem Abzug
sei populär. Andererseits gelten die französischen Streitkräfte in Berlin als überfordert durch ihr Auslandsengagement. Zur
Enttäuschung von Paris hat sich Deutschland auch am Einsatz von Spezialkräften
in der „Task Force Takuba“ nicht aktiv beteiligt, anders als etwa Belgien oder die
Niederlande. Deutschland unterstütze die
Mission „politisch“, hieß es dazu in Berlin,
also nicht militärisch.
Der UN-Sicherheitsrat hat die Fortsetzung grenzüberschreitender humanitärer Hilfe der UN-Organisationen
nach Syrien gebilligt. Nach den Worten der amerikanischen UN-Botschafterin Linda Thomas Greenfield darf
der Übergang Bab al-Hawa an der türkisch-syrischen Grenze ein weiteres
Jahr für UN-Hilfslieferungen genutzt
werden, die nicht die Genehmigung
des syrischen Regimes von Baschar
al-Assad brauchen. Nach Angaben
von Hilfsorganisationen ist das aber
nicht garantiert. Es soll demnach die
Möglichkeit bestehen, die Hilfslieferungen nach sechs Monaten wieder
zu stoppen.
Der Grenzübergang von Bab al
Hawa ist das letzte Nadelöhr für UNHilfe, die aus der Türkei nach Syrien
verbracht wird. Auf diese Weise werden Millionen Menschen in der von
Islamisten beherrschten nordwestsyrischen Provinz Idlib und in angrenzenden Regionen versorgt. Laut UNAngaben passieren dort durchschnittlich 1000 Lastwagen im Monat die
Grenze. Zwar wären türkische oder
andere Hilfslieferungen so oder so
möglich, aber ein Wegfall der UN-Hilfen wäre nach Einschätzung von
Fachleuten bei Weitem nicht aufzufangen. In den vergangenen Tagen
hatte es daher eine Vielzahl dringender Appelle von Hilfsorganisationen,
den Zivilisten im Nordwesten Syriens
nicht die letzte Lebensader zu kappen. Der Sprecher des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP) hatte erklärt, es stünden
„Millionen von Menschenleben auf
dem Spiel“.
Der Entscheidung in New York
war – wie schon in vorigen Fällen –
ein diplomatischer Nervenkrieg vorausgegangen. Russland, neben Iran
Assads wichtigste Schutzmacht und
Vetomacht im Sicherheitsrat, hatte
lange auf einen vollständigen Stopp
beharrt und erst in den vergangenen
Tagen Kompromissbereitschaft signalisiert. Moskau will die grenzüberschreitende Hilfe, so gut es geht, unterbinden, um Assads Autorität und
seinen Einfluss auf die internationale Syrien-Hilfe weiter zu stärken. So
ist auf russisches Betreiben und mit
der Unterstützung Chinas die grenzüberschreitende Hilfe, die im Juli
2014 erstmals vom UN-Sicherheitsrat
genehmigt worden war, immer weiter
eingeschränkt worden. Ursprünglich
waren dafür vier Grenzübergänge geöffnet: neben dem Übergang Bab alHawa ein weiterer an der syrisch-türkischen Grenze, einer nach Jordanien und einer an der irakisch-syrischen Grenze, über den der von kurdischen Kräften kontrollierte Nordosten Syriens versorgt wurde.
Für Hilfsorganisationen ist es
enorm schwierig, die nur noch über
den Bab-al-Hawa-Übergang verbrachten Hilfslieferungen in den von Rebellen kontrollierten Gegenden im Norden Syriens zu verteilen. Routen führen durch das Herrschaftsgebiet zum
Teil rivalisierender islamistischer
und extremistischer Gruppen. In den
Kurdengebieten im Nordosten ist die
Lage besonders heikel, weil dort keine Lieferungen aus der Türkei ankommen. Ankara sieht die dort herrschenden, eng mit der PKK-Organisation
verbündeten Kräfte als Terroristen
an und bekämpft sie militärisch.
So mischte sich in die Erleichterung am Freitag auch Kritik. David
Miliband, Chef der Hilfsorganisation
„International Rescue Comittee“ kritisierte, dass der Grenzübergang aus
dem Irak in den Nordosten Syriens
trotz der zunehmenden Not geschlossen bleibt. Frontüberschreitende Hilfe, also Lieferungen aus den Regionen, die das Assad-Regime kontrolliert, gibt es nicht. Berichte von Diplomaten und Menschenrechtsorganisation beklagen übereinstimmend, dass
das Regime die humanitäre Hilfe manipuliert und diese für die Sicherung
von Assads Herrschaft und die Fortsetzung des Krieges missbraucht. Der
syrische Präsident hat in der Vergangenheit Rebellengebiete gezielt ausgehungert und zivile Infrastruktur wie
Krankenhäuser zerstört.
Die Not in ganz Syrien ist größer
denn je. Laut WFP wissen schätzungsweise 12,4 Millionen Syrer, also fast
60 Prozent der Bevölkerung, nicht,
was sie am nächsten Tag essen werden. Zwar ist die Lage in den Rebellengebieten weitaus dramatischer,
aber auch in den vom Regime kontrollierten Regionen herrscht große Not,
weil die Wirtschaft zusammengebrochen ist und die Preise explodiert
sind. Die Hungerkrise wird zudem
durch eine Dürre verschärft, von der
die diesjährige Ernte massiv beeinträchtigt ist. Nach Angaben der UNLandwirtschaftsorganisation
FAO
konnten außerdem wegen Treibstoffmangels Felder nicht bewässert werden. Zudem hat die Corona-Pandemie hat die Not der Menschen in Syrien weiter verschärft.
Deutschland und die Welt
FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUN G
G
oldene Moderegel: Alles
kommt irgendwann zurück.
Das trifft selbst auf diesen
Couture-Salon zu, Avenue
George V, Hausnummer 10.
Cremefarbener Teppich, cremefarbene
Wände, cremefarbene Vorhänge. Abgesehen von den Zierschnörkeln um die Türrahmen sollte damals nichts von den Kleidern ablenken. Im Jahr 1968 schloss Cristóbal Balenciaga den Salon. Der große
Couturier war überzeugt, der Geschichte
nichts mehr hinzufügen zu können. Die
Jugendkultur hatte zu diesem Zeitpunkt
schon die Mode verändert, die sich nicht
mehr an wenige reiche Kundinnen richtete, sondern Frauen mit Trends versorgte.
Statt architektonischer Meisterwerke,
wie Balenciaga sie kreiert hatte, eroberte
der Minirock die Straßen. Das Epizentrum der Mode war nicht mehr Paris, sondern London.
Das Epizentrum dieser Tage ist vielleicht Instagram. Aber wenn alle am
Social Shopping teilhaben und der Strom
an Bildern und kostenlosem Modemedienkonsum nie abreißt, darf es für Menschen
mit den passenden finanziellen Mitteln
eben auch wieder etwas mehr sein als das
Parfum, die It-Bag, das Kleid aus der sechsten Kollektion, die ein Designer pro Jahr
auflegt, zugestellt per Overnight-Express.
Auch so ist Mode beliebig geworden. Die
Blütezeit der hohen Schneiderkunst hält
deshalb schon ein paar Jahre an.
Eine schöne Fügung ist es trotzdem,
dass das erste große Wiedersehen der Modeleute seit anderthalb Jahren auf die Couture-Tage in Paris fällt – dank der zumindest in der Planungsphase günstigen Inzidenz. Für das Haus Balenciaga ist es von
umso größerer Bedeutung. 1972 starb Cristóbal Balenciaga, 1986 wurde die Marke
zwar wiederbelebt, an die Couture traute
man sich aber nicht heran. Es brauchte einige weitere kreativ und geschäftlich Verantwortliche, bis es nun, unter Demna
Gvasalia, dem fünften Chefdesigner des
Hauses nach dem Gründer, so weit ist:
Balenciaga und sein Eigentümer, der Kering-Konzern, stellen die erste CoutureKollektion seit 53 Jahren vor.
Sogar den Couture-Salon haben sie im
Prachtbau an der Avenue George V nachgebaut. Cremefarbener Teppich, cremefarbene Wände, cremefarbene Vorhänge, Zierschnörkel um die Türen. Nicht mal Musik
soll von den Entwürfen ablenken. „Wir
können nicht nur in die Zukunft schauen,
wir müssen auch die Vergangenheit berücksichtigen“, sagt Demna Gvasalia nach der
Schau. Für die Mode ist es wie nach Hause
zu kommen. Bislang hat der Chefdesigner
Balenciaga bewusst auf die Straße hinausgeführt: Mit Hoodies, Regenmänteln mit
großen Schriftzügen und fetten Turnschuhen hat er es so fest in der Streetwear verankert, wie das keinem anderen Luxushaus in
den vergangenen Jahren gelungen ist. Nun
kehrt er zurück in dieses Gemäuer. „Er ist
hier“, sagt er und spielt auf den Spirit des
Gründers in diesem Salon an. Und er ist
auch in diesen Entwürfen, selbst in den offenbar mit winzigen Messerklingen bearbeiteten großen Bademänteln aus Leder.
Das soll nicht heißen, dass Gvasalia
nicht ebenso präsent wäre. Den CoutureBegriff erweitert er um T-Shirts, Trainingsjacken, Hoodies, überhaupt: um Männermode. „Das Couture-T-Shirt war das komplizierteste Stück, viel komplizierter als
ein Couture-Ballkleid.“ Um Jeans auf diesem Niveau von Hand zu weben, suchte
der Designer nach den Originalmaschinen der amerikanischen Cowboy-Jeans –
und wurde erst in Japan fündig.
Aufmerksam: Chitose Abe interpretiert Jean Paul Gaultier für heute.
Foto EPA
Salut, Couture!
Nach anderthalb Jahren Pause treffen sich die Modeleute wieder –
und entdecken die alte Schneiderkunst.
Von Jennifer Wiebking, Paris
Ausladend: Chanel
Foto Reuters
Die Pandemie könnte seinem CoutureVorhaben dabei sogar einen Vorteil verschafft haben: Zeit war ja ausnahmsweise
mal genug da. Demna Gvasalia wurde sich
in dieser Zeit bewusst darüber, worum es
ihm eigentlich ging. „Kleidung hat einen
psychologischen Effekt. Sie macht mich
Spur in Taghis Umfeld
Alltagstauglich: Dior
Foto EPA
glücklich. Zwei Wochen habe ich im
Schlafanzug verbracht. Dann beschloss
ich, mich wieder richtig anzuziehen.“
Auch die deutsche Influencerin Veronika Heilbrunner versuchte, sich gut anzuziehen, trotz Lockdowns im Bauernhaus
auf dem Land im Oberbayerischen. „Ich
Anspielungsreich: Balenciaga
Foto Laif
dachte häufig, die armen Kleider, sie verstauben geradezu.“ Sie war seit anderthalb Jahren nicht mehr in Paris gewesen.
„Es ist schon komisch, wieder hier zu sein.
Zu erkennen, aha, genau, das war mein
altes Leben.“ Und eine italienische Redakteurin schildert, wie sie vor der Frage
stand, mit der sich viele der Anwesenden,
die es sich im Homeoffice gemütlich gemacht hatten, auf einmal auseinandersetzen mussten: Was anziehen, nach so langer Zeit? „Was ist zu underdressed, was ist
schon overdressed?“
In Paris ist der Grat guten Stils schließlich denkbar schmal, zu betrachten in der
Netflix-Serie „Emily in Paris“, der Parodie
auf die Pariser und die Zugereisten. In dieser Woche fühlen hier viele mit Emily. Es
war ja auch eine große Couturière, die in
dieser Hinsicht weise Worte sprach: den
Look immer um ein Teil reduzieren, nie
noch ein weiteres hinzufügen. Die Rede
ist von Gabrielle Chanel. Ihrem Stilgefühl
widmet das Pariser Musée Galliera in diesem Sommer eine Ausstellung.
Chanels Worte sind auch beim Blick auf
die Couture-Kollektionen wieder aktuell.
Die Kernklientel ist in jenen Weltregionen zu Hause, in denen stilistisch nicht gerade der Look von Jane Birkin gefragt ist.
Schon eher: Kate Moss, Amber Valletta
und Christy Turlington in Abendkleidern
in sanften Pastelltönen, wie sie Kim Jones
digital bei Fendi zeigt. Und bei Armani Privé wird der Designer von den Kundinnen
für seine Kollektion „Shine“, die dank
Kristall-Pavé-Anordnungen und Lamé-Effekten wirklich leuchtet, live mit Standing
Ovations geehrt.
Dagegen bleibt Maria Grazia Chiuri zumindest ästhetisch mit ihrer Couture-Kollektion aus robustem Tweed noch eine
Weile in Paris. Selbst die Federstickerei
wirkt hier nicht etwa zart, sondern stark.
Die Mäntel mit großen Kapuzen und
Schnürstiefel könnten fast den Chauffeur
ersetzen.
Das passt zu den Debüts in dieser Woche, die Richtung Zukunft deuten: Chitose
Abe verwebt als erste Gastdesignerin bei
Jean Paul Gaultier die Codes des Hauses –
die Korsage, das Streifen-Shirt, den Kilt –
mit Trenchcoats, Bomberjacken, Lederjacken. Und Pieter Mulier führt mit seiner
ersten Schau bei Alaïa das Erbe des vor
vier Jahren verstorbenen Gründers in dessen Sinn fort. Mit Kerby Jean-Raymond
von Pyer Moss sollte ein weiteres wichtiges Debüt folgen. Als erster schwarzer
Amerikaner stand er auf dem Couture-Kalender, von New York aus sollte er präsentieren. Die Gäste waren schon da, die Vorbereitungen im Backstage-Bereich liefen,
schönste Donnerstagabend-Berieselung
per Livestream. Dann kam der Regen.
Jetzt ist die Schau verschoben.
Wiedersehen macht Freude? Das gilt
auch für die Stücke selbst. Der Couture
kann man in sozialer wie ökologischer
Hinsicht nun wirklich Nachhaltigkeit attestieren. Schließlich werden diese Stücke
erst nach Auftrag von Hand in Paris von
Menschen verarbeitet, die für ihr Handwerk eine aufwendige Ausbildung hinter
sich haben. Aber jetzt geht es auch an die
Materialien. Der Amerikaner Daniel Roseberry, Chefdesigner von Schiaparelli, der
im Januar für Lady Gagas denkwürdigen
Auftritt bei der Amtseinführung den Look
mit der Friedenstaube kreierte, geht besonders weit. Aus Vintage-Levi’s-Jeans
der achtziger Jahre fertigt er eine neue
Jacke auf Couture-Niveau. Für einen Mantel mit schwarzen Fransen suchte sein
Team derweil lange nach dem passenden
Material. „Wir haben alle möglichen Techniken ausprobiert. Aber keine ließ sich besser fotografieren.“ Bei dem Material – elastisch und doch robust – handelt es sich um
nichts anderes als schwarze Müllsacktüten. Aktuell ist der Mantel reserviert,
für ein Magazin-Shooting. Das ist Couture! Das kann nicht weg!
Wegen Corona
werden wir
nicht noch älter
F.A.Z. FRANKFURT. Die CoronaPandemie hat den Anstieg der Lebenserwartung in Deutschland gebremst. Wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte, hat ein neugeborenes Mädchen zurzeit eine
Lebenserwartung von 83,4 Jahren,
bei neugeborenen Jungen liegt sie
laut Sterbetafel 2018/2020 nun bei
78,6 Jahren. Im Vergleich zur vorangegangenen Sterbetafel 2017/2019 ist
die Lebenserwartung damit bei den
Jungen um 0,01 Jahre, bei Mädchen
um 0,04 Jahre gestiegen.
Hauptgrund für die stagnierende
Entwicklung seien die außergewöhnlich hohen Sterbefallzahlen zum Jahresende 2020 im Zuge der zweiten
Welle der Corona-Pandemie: Zuvor
war die Lebenserwartung Neugeborener bei beiden Geschlechtern seit der
Berechnung für die Jahre 2007/2009
jeweils um durchschnittlich 0,1 Jahre
angestiegen. Aber es gab auch einen
gegenläufigen Effekt: Durch Lockdown, Abstandsregeln und Maskenpflicht wurden wohl auch viele Sterbefälle verhindert.
Am höchsten bleibt die Lebenserwartung in Baden-Württemberg:
Dort geborene Mädchen haben mit
84,2 Jahren und Jungen mit 79,9 Jahren die höchste Lebenserwartung bei
der Geburt. Die niedrigsten Werte
weisen wie bisher Mädchen im Saarland mit 82,3 Jahren sowie Jungen in
Sachsen-Anhalt mit 76,5 Jahren auf.
In Sachsen ist im Vergleich zur vorangegangenen Sterbetafel 2017/2019
die Lebenserwartung im Zeitraum
2018/2020 bei beiden Geschlechtern
deutlich zurückgegangen – das Bundesland war Ende 2020 von der Pandemie besonders stark betroffen.
Kurze Meldungen
Zaila ist beeindruckend
Zaila Avant-garde, eine 14 Jahre alte
Schülerin aus dem Südstaat Louisiana (Foto), hat den amerikanischen
Buchstabierwettbewerb Scripps National Spelling Bee am Donnerstag
gewonnen. In der letzten Runde setzte sie sich mit „murraya“, dem Namen eines tropischen Baumes, gegen
zehn Mitbewerber durch. Zuvor hatte
Zaila schon die Worte „solidungulate“ (einhufig) und „querimonious“
(querulantisch) richtig buchstabiert.
Die Vierzehnjährige hatte in den vergangenen Monaten jeden Tag bis zu
sieben Stunden neue Wörter studiert.
Die Schülerin, die bereits drei Weltrekorde für das Dribbeln mit mehreren
Bällen aufstellte, bereitet sich seit
Jahren auf eine Karriere als Basketballspielerin vor. Zaila ist die zweite
schwarze Jugendliche, die den traditionellen Buchstabierwettbewerb gewonnen hat. 1998 holte die Jamaikanerin Jody-Anne Maxwell den Titel.
Den jährlichen Wettbewerb, der den
Namen des Medienkonzerns E. W.
Scripps Company trägt, gibt es seit
Wieder brennt eine Fabrik
Verdächtiger im Fall de Vries verwandt mit Verurteiltem
Mehr als 50 Todesopfer in Bangladesch. Von Till Fähnders, Singapur
T.G. BRÜSSEL. Im Fall des Mordanschlags auf den Journalisten Peter R.
de Vries gibt es eine erste Spur in das
Umfeld des Drogenhändlers Ridouan
Taghi, der wegen mehrerer Auftragsmorde in Amsterdam vor Gericht steht.
Wie die Zeitung De Telegraaf berichtet,
ist einer der beiden von der Polizei festgenommenen Verdächtigen mit einem
verurteilten Straftäter verwandt, der
aus Taghis Umkreis stammt. Es handelt
sich um den 21 Jahre alten Delano G.,
der am Dienstag auf den Kriminalreporter in Amsterdam geschossen und ihn
lebensgefährlich verletzt haben soll.
Delano G. ist demnach ein Cousin ersten Grades von Jaouad W., der 2019 zu
13 Jahren Haft verurteilt wurde.
Jaouad W. stand im sogenannten
26Koper-Verfahren vor Gericht. In diesem Strafprozess ging es um die Vorbereitung von Auftragsmorden im
Bereich der organisierten Kriminalität.
Fünf Angeklagte wurden zu langen
Haftstrafen verurteilt, darunter W. Bei
ihnen waren 2015 mehr als 100 Schusswaffen, Handgranaten und gestohlene
Fahrzeuge gefunden worden. Aufgrund
von abgehörten Gesprächen und entschlüsselten Nachrichten kam das
Berufungsgericht Amsterdam zu dem
Schluss, dass die Angeklagten die feste
Absicht hatten, mehrere Personen zu ermorden. Taghi gehörte seinerzeit zwar
nicht zu den Angeklagten, doch geht
aus inzwischen entschlüsselten Nachrichten hervor, dass er der Kopf der
Bande war.
Wie die Zeitung De Volkskrant berichtet, beging Delano G. noch als
Jugendlicher zwei Diebstähle und fünf
Wohnungseinbrüche, alle in Tiel (Provinz Gelderland), wo er aufwuchs. Er
wurde deshalb und wegen eines Gewaltdelikts zu einer Freiheitsstrafe von
zehn Monaten verurteilt. Nach seiner
Bei einem Fabrikbrand in Bangladesch
sind mindestens 52 Menschen ums Leben
gekommen. Das Feuer in einer Getränkeund Lebensmittelfabrik in Rupganj im Bezirk Narayanganj in der Nähe der Hauptstadt Dhaka war schon am Donnerstag
ausgebrochen. Die Zeitung Dhaka Tribune berichtete auf ihrer Website, dass die
Rettungskräfte bis Freitagnachmittag 49
Leichen aus dem vierten Stock des Gebäudes geborgen hätten. Drei Personen waren schon zuvor an ihren Verletzungen gestorben, nachdem sie auf der Flucht vor
dem Feuer aus der Fabrik gesprungen waren. Außerdem sollen 50 weitere Personen verletzt worden sein. Einige von ih-
Freilassung gründete er ein Musiklabel
und veröffentlichte einen Rap-Song.
Darin heißt es, er sei „auf dem Raubzug, weil ich die Krise satthabe“. Am
Ende des Tages sei es vor allem „Geld,
das wir riechen“. Bekannte berichteten
der Zeitung, der junge Mann sei ins
Rauschgiftmilieu abgerutscht.
Delano G. und der zweite Verdächtige Kamil E. wurden am Freitag dem
Haftrichter vorgeführt. Der ordnete
zwei Wochen Untersuchungshaft an;
die kann anschließend um zunächst
neunzig Tage verlängert werden. Kamil
E. soll den Fluchtwagen gefahren haben. Er lebt nach Angaben von De
Volkskrant erst seit wenigen Monaten
in Maurik, ebenfalls in der Provinz Gelderland. Bevor er in die Niederlande
zog, soll er mindestens zwei Jahre lang
in Deutschland gemeldet gewesen sein,
und zwar in Düren. In Polen wird er wegen mehrerer Diebstähle und Raubüberfälle per Haftbefehl gesucht.
Peter R. de Vries war Vertrauensperson des Kronzeugen Nabil B. im sogenannten Marengo-Prozess gegen Ridouan Taghi. Der Bruder und der Anwalt des Kronzeugen waren bereits ermordet worden, was Kommentatoren
auf einen Rachefeldzug Taghis zurückführen. Der Rauschgifthändler, in Marokko geboren, muss sich mit 16 weiteren Angeklagten wegen sechs anderer
Auftragsmorde verantworten. Er war
2019 in Dubai festgenommen und an
die Niederlande ausgeliefert worden.
Der zweite Hauptangeklagte in dem
Verfahren, Said R., steht derweil kurz
vor seiner Auslieferung an die Niederlande. Er war Anfang 2020 in Medellín
festgenommen worden; das Oberste Gericht Kolumbiens genehmigte am Donnerstag seine Überstellung. Said R. soll
die „rechte Hand“ Taghis gewesen und
das Personal für dessen Mordaufträge
ausgewählt und angeleitet haben.
NR. 157 · SEITE 7
S AMS TAG, 10. JULI 2021
nen hatten ebenfalls versucht, sich durch
einen Sprung aus einem der oberen Stockwerke vor den Flammen zu retten.
Der Brand war am Donnerstag gegen
17 Uhr mutmaßlich im Erdgeschoss des
sechsstöckigen Gebäudes ausgebrochen.
Aufgrund der dort gelagerten leicht
brennbaren Materialien – Chemikalien,
Plastikflaschen, Folienpapier, Harz und
Plastikflaschen – hatte sich das Feuer offenbar sehr schnell ausgebreitet. Es brannte auch 24 Stunden nach dem Ausbruch
noch weiter. Die Rettungskräfte befürchten nun, dass noch viele weitere Tote in
dem brennenden Gebäude gefunden werden könnten. Der Zeitung zufolge waren
Am Tag danach: Noch am Freitag brennt die Fabrik in Rupganj.
Foto Reuters
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
den Behörden die Namen von mindestens
44 Vermissten bekannt. Laut einem Agenturbericht waren in dem Werk sogar 1000
Beschäftigte, als das Feuer ausgebrochen
war. Viele hätten aber fliehen können, indem sie ein Schloss am Eingangstor aufbrachen. Der vierte Stock sei aber zusätzlich abgeschlossen gewesen, sodass dort
viele Menschen in der Falle saßen.
Vor der Fabrik hatte sich seit Donnerstagabend eine Menschenansammlung gebildet. Darunter waren viele Angehörige
von Vermissten, die vermutlich in dem
brennenden Gebäude eingeschlossen
waren. Es kam zu wütenden Protesten, in
deren Verlauf auch eine Schnellstraße besetzt wurde. Am Freitagmorgen kam es
demnach zu Zusammenstößen mit Polizisten, bei denen mehrere Autos beschädigt wurden und in deren Verlauf die Polizei Tränengas gegen die Menschen einsetzte. Die wütenden Angehörigen werfen dem Unternehmen Hashem Foods
vor, das Vordertor der Fabrik und damit
den einzigen Fluchtweg versperrt zu haben. Sie kritisierten außerdem fehlende
Brandschutzvorkehrungen.
Der Arbeiter Mohammad Saiful sagte
der Nachrichtenagentur AFP, Dutzende
Menschen seien in der Fabrik gefangen
gewesen. „Im dritten Stock waren die Türen an beiden Treppen geschlossen. Einige Kollegen sagten, dass dort 48 Menschen waren. Ich weiß nicht, was mit ihnen passiert ist.“ In Bangladesch kommt
es aufgrund mangelnder Vorsichtsmaßnahmen und der beengten Verhältnisse
in Fabriken und Wohngebieten immer
wieder zu verheerenden Unglücken. Im
Februar 2019 waren bei einem Brand in
einem historischen Viertel Dhakas 70
Menschen umgekommen. Beim Einsturz
der Textilfabrik Rana Plaza waren im
April 2013 mehr als 1100 Menschen gestorben.
Foto Reuters
1925. Wegen der Corona-Pandemie
war er im vergangenen Jahr zum ersten Mal seit dem Ende des Zweiten
Weltkriegs abgesagt worden.
ceh.
Madonna ist wütend
Die Bewegung #FreeBritney findet
immer mehr prominente Anhängerinnen. Nach Mariah Carey, Halsey und
Miley Cyrus fordert jetzt auch Madonna ein Ende der gerichtlich angeordneten Betreuung von Britney Spears.
„Die Sklaverei ist schon vor langer
Zeit abgeschafft worden. Gebt dieser
Frau ihr Leben zurück“, verlangte die
Sängerin bei Instagram. Madonna
verband ihre Forderung mit einem ungewöhnlich politischen Seitenhieb.
Das „gierige Patriarchat“ unterjoche
Frauen schon seit Jahrhunderten.
Die 62 Jahre alte Sängerin spielte damit auf Spears’ Anhörung vor einem
Gericht in Los Angeles an, in dem sie
ihren Vater und Betreuer Jamie
Spears vor zwei Wochen beschuldigte, sie auszubeuten. Madonna und
Britney Spears verbindet eine lange
Geschichte. 2003 schockierten die
Sängerinnen Fans und Tugendwächter, als sie sich bei den Video Music
Awards des Senders MTV auf der
Bühne küssten. Als Spears 2008 nach
der Trennung von Kevin Federline sowie dem Sorgerechtsstreit um ihre
Söhne Sean und Jayden einen Zusammenbruch erlitt, half Madonna der
Neununddreißigjährigen, nicht auch
in der Musikbranche den Boden unter den Füßen zu verlieren.
ceh.
Zeitgeschehen
SEITE 8 · S AMS TAG, 10. JULI 2021 · NR. 157
Das deutsche Gewicht
Von Nikolas Busse
E
s ist nicht übertrieben zu sagen, dass die Bundesregierung von sich aus nicht auf
die Idee gekommen wäre, sich militärisch in Mali zu engagieren. Die Solidarität mit Frankreich spielte eine
große Rolle, im Grunde folgte Berlin
der strategischen Agenda seines engsten Partners. In Afghanistan war es
ähnlich, dort forderten die Amerikaner Bündnistreue ein. Und in beiden
Fällen erlebt Deutschland jetzt, dass
Mitmachen nicht Mitentscheiden bedeutet. Biden ordnete den Abzug
vom Hindukusch an, obwohl Berlin
länger bleiben wollte. Macron beendet den Anti-Terror-Einsatz Barkhane, der im Mittelpunkt der französischen Intervention in der Sahel-Zone
stand, während Deutschland weiter
in der UN-Friedenstruppe MINUSMA und einem EU-Einsatz ausharrt.
Gemeinsam rein, gemeinsam raus,
lautete mal ein Grundsatz der NATO.
Wenn Auslandseinsätze schiefgehen,
ist das bestenfalls noch logistisch zu
verstehen.
Im Grundsatz ist dagegen nichts
einzuwenden. Jedes Land muss selbst
wissen, wofür und wie lange es seine
Soldaten einsetzt. Aber es sagt schon
etwas darüber aus, welches Gewicht
den Beiträgen der Bundeswehr zugeschrieben wird, wenn Verbündete keine Notwendigkeit zur Abstimmung
mit Deutschland sehen. In Berlin hat
man im Laufe der Jahre zu oft einen
Bogen um die schwierigen Teile der
Einsätze gemacht und zu viele theoretische Vorträge gehalten. Daran hatten dann am Freitag offenbar weder
Macron noch fünf Staaten der SahelZone ein Interesse.
Kampf gegen Medien
F
P
olens nationalkonservative
Regierungspartei PiS kündigt
seit Jahren an, sie wolle die
in ausländischem Besitz befindlichen polnischen Medien in polnische Hände bringen. Bei einer Partei, die ihre Gegner als „Polen der
schlechteren Sorte“ und Vaterlandsverräter beschimpft, ist offensichtlich, was sie damit meint. Mit der
Verwirklichung dieser Worte tat sich
die PiS jedoch lange schwer, auch
weil die rechtlichen Hürden hoch
sind. Doch je tiefer sich das Regierungslager durch interne Intrigen in
die Krise manövriert und je wahrscheinlicher wird, dass es die Wahlerfolge der vergangenen sechs Jahre
nicht wiederholen kann, desto entschiedener scheint es zu sein, kritische Medien auszuschalten.
Nachdem Anfang des Jahres der
Versuch gescheitert ist, den privaten
Medien mit einem Steuergesetz die
wirtschaftliche Grundlage zu entziehen, will die PiS nun offenbar wenigstens den größten privaten Nachrichtensender durch eine Veränderung
der Konzessionsbedingungen aus
dem Weg räumen. Das Erstaunliche
daran ist, dass die Regierung in Warschau mit dem Vorgehen gegen die
amerikanischen Eigner sehenden Auges in einen offenen Konflikt mit den
Vereinigten Staaten hineingeht. Dabei galt bisher parteiübergreifend:
Gute Beziehungen zu Washington
sind die wichtigste Garantie für Polens Sicherheit. Doch die PiS stellt
die Parteiräson über die Staatsräson.
Das lässt tief blicken.
Haitis betrogene Hoffnungen
ür ein notorisch instabiles Land
wie Haiti mag der Befund überraschen: Bis zum Mord an Präsident Jovenel Moïse in der Nacht
zum Mittwoch war mehr als ein Jahrhundert lang kein amtierender haitianischer
Staatschef gewaltsam ums Leben gekommen. Auf den Tod von Präsident Vilbrun
Guillaume Sam am 28. Juli 1915, der von
einer aufgebrachten Menge buchstäblich
in Stücke gerissen wurde, folgte eine amerikanische Invasion. Auf Befehl von Präsident Woodrow Wilson stellten noch gleichentags 330 Marines in Port-au-Prince
Ruhe und Ordnung wieder her. Die Marineinfanteristen hatten es nicht weit: Ihre
Kriegsschiffe lagen im Hafen der Hauptstadt zum Schutz amerikanischer Geschäftsinteressen auf der Insel Hispaniola, die sich die Dominikanische Republik
im Osten und Haiti im Westen teilen. Die
amerikanische Besatzung Haitis dauerte
bis August 1934.
Wie vor 106 Jahren Präsident Sam hat
auch Moïse sein jähes Ende maßgeblich
selbst herbeigeführt: durch Machtanmaßung, durch Unterminierung der ohnedies schwachen Institutionen, durch Kungelei mit gewalttätigen Banden. Ob und
in welcher Weise die Vereinigten Staaten
auch dieses Mal wieder das ärmste Land
der westlichen Hemisphäre vor dem
Sturz ins vollständige Chaos bewahren
werden, steht dahin. Unstrittig ist, dass
das Land mit gut elf Millionen Einwohnern, von denen rund zwei Drittel in Armut leben und fast die Hälfte auf humanitäre Hilfe angewiesen ist, schon jetzt ein
„failed state“ ist und zum „Somalia Amerikas“ zu werden droht.
Von Präsident Joe Biden ist ein Satz
aus dem Jahr 1994 überliefert, der in all
seiner Herzlosigkeit die damalige geostrategische Wirklichkeit widerspiegelt:
„Wenn Haiti einfach in der Karibik versinken oder sich hundert Meter über den
Meeresspiegel erheben würde, mit Blick
auf unsere Interessen hätte es keine große Bedeutung.“ Doch anders als vor rund
drei Jahrzehnten müssen die Vereinigten
Staaten heute nicht mehr die jugoslawischen Zerfallskriege und den Völkermord auf dem Balkan beenden, weil die
Von Reinhard Veser
FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUN G
Einst Vorbild für die Vereinigten
Staaten, heute ein gescheiterter Staat
Von Matthias Rüb, Rom
Europäer dazu seinerzeit nicht in der
Lage waren. Heute breiten sich Instabilität und Gesetzlosigkeit, die Washingtons
Interessen direkt berühren, in der unmittelbaren Nachbarschaft aus: in Mittelamerika und in der Karibik.
In Wahrheit haben die großen Vereinigten Staaten für das kleine Haiti immer
eine besondere Verantwortung. Denn die
ungleichen „Schwesternationen“ verbindet eine besondere Geschichte. Haiti errang am Neujahrstag 1804 als zweites
Land der westlichen Hemisphäre nach
den Vereinigten Staaten seine Unabhängigkeit. Doch das Joch der Sklaverei schüttelte die junge karibische Nation sechs
Jahrzehnte vor den Vereinigten Staaten
ab, in einem Schlag mit der französischen
Kolonialherrschaft. Der Schriftsteller
und Abolitionist Frederick Douglass, von
1891 bis 1893 Washingtons Gesandter in
Port-au-Prince, hat die Vorbildrolle Haitis in einer Rede 1893 wie folgt beschrieben: „Wir dürfen nicht vergessen, dass
wir die Freiheit, die wir heute genießen,
zum Gutteil dem tapferen Kampf der
schwarzen Söhne Haitis vor neunzig Jahren verdanken. Ihr Kampf für die Freiheit
war ein Kampf für die Freiheit für jeden
Schwarzen auf der Welt.“
Es ist die Tragik Haitis, dass die stärksten Söhne des Landes ihren Kampf für
Unabhängigkeit und Freiheit nach dem
Sieg über Frankreich fortgesetzt haben:
gegeneinander statt gemeinsam zu Nutz
und Frommen des Volkes. Eine endlose
Reihe von unfähigen, korrupten und einfach verrückten politischen Führern hat
die große Hoffnung der Geburtsstunde
Haitis immer wieder betrogen. Dabei ha-
Festgenommen: Haitis Polizei präsentiert angebliche Mittäter des Mordes.
Foto dpa
ben die Haitianer gerade zu Krisenzeiten,
etwa nach Naturkatastrophen wie dem
verheerenden Erdbeben vom 12. Januar
2010 oder den vielen Hurrikanen, eine erstaunliche Resilienz und soziale Kohäsion gezeigt. Doch dieses „Urvertrauen“ im
Volk hat nie eine Führungselite hervorgebracht, die das nationale Interesse verfolgen würde. Stattdessen eskalierten die
Machtkämpfe der allenfalls partikular
oder rein persönlich Interessierten immer wieder. Immer wieder kam es zu amerikanischen oder amerikanisch geführten
Interventionen: 1994 und 2001 jeweils wegen des einstigen Armenpriesters JeanBertrand Aristide, der im Präsidentenamt
so machttrunken wie die meisten seiner
Vorgänger und Nachfolger wurde. Auch
verschiedene UN-Missionen, von 1993
bis 2017, brachten Haiti keinen inneren
Frieden und keinen nennenswerten Entwicklungsfortschritt. Stattdessen schleppten nepalesische UN-Soldaten, die kurz
nach dem Erdbeben vom Januar 2010
nach Haiti kamen, die Cholera ein.
Nachhaltige Stabilität oder wenigstens
ein Mindestmaß an öffentlicher Sicherheit im Land konnten in Haitis Geschichte bisher weder durch ausländische Streitkräfte noch durch eigene polizeiliche
Kraft erreicht werden. Weder haben über
die Jahrzehnte politische Unterstützung
aus der Nachbarschaft und internationale
Hilfe die demokratischen Institutionen gegen die Machtgier der einheimischen Politiker immunisieren können, noch auch ist
dies der haitianischen Zivilgesellschaft
aus eigener Kraft gelungen. Das anhaltende Misstrauen zwischen der schwarzen
Mehrheit und der Minderheit der Mulatten, die nur etwa fünf Prozent der Bevölkerung ausmacht, aber die wirtschaftliche Macht in Händen hält, bleibt ein weiterer Faktor der Instabilität.
Vier Jahre nach dem Ende der letzten
UN-Mission in Haiti sind die demokratischen Institutionen des Landes faktisch
zerstört. An Wahlen nimmt kaum noch jemand teil. Kriminelle Gangs kontrollieren weite Teile der Hauptstadt und liefern
sich Verteilungskämpfe. Die öffentliche
Sicherheit ist nicht gewährleistet. Nach zuletzt chaotischen Zeiten stehen Haiti
noch chaotischere Zustände bevor.
Staatsanwälte haben es schwer
Warum der Prozess gegen den früheren FPÖ-Chef Strache pausieren muss / Von Stephan Löwenstein, Wien
In Wien ist am Freitag das Strafverfahren
wegen des Vorwurfs der Korruption gegen den früheren Parteichef der rechten
FPÖ Heinz-Christian Strache sowie gegen den Geschäftsmann Walter Grubmüller vertagt worden. Die Materie ist offensichtlich doch nicht so einfach, dass der
ursprünglich vorgesehene kurze Prozess
hätte durchgezogen werden können. Die
Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft hat am vierten der anvisierten
vier Verhandlungstage weitere Zeugen angefordert und hat ihren Strafantrag verändert. Damit geht das erste Verfahren, das
als Folge der Ibiza-Affäre vor Gericht gekommen ist, vorerst in eine Sommerpause und soll Ende August wiederaufgenommen werden. Im Mai 2019 waren VideoAufnahmen öffentlich geworden, auf denen zu hören ist, wie Strache sich im Gespräch mit der angeblichen Verwandten
eines russischen Oligarchen für korrupte
Geschäfte offen zeigt.
Grubmüller ist eine illustre Gestalt in
Österreich. Einst recht erfolgreicher
Speedway-Rennfahrer, machte er ein Vermögen im Geschäft mit Sportwetten. Später investierte er in der Gesundheitsbranche, in die Privatklinik Währing, die unter anderem Schönheitsoperationen anbot. Er begehrte Zugang zu Abrechnungen mit der Sozialversicherung über den
sogenannten Privatkrankenanstalten-Finanzierungsfonds (PRIKRAF). Dafür wären Verträge mit dem Versicherungsträger sowie mit der Wirtschaftskammer notwendig gewesen. Die behandelte den PRIKRAF aber als geschlossene Gesellschaft,
weil der Topf gedeckelt sei. Grubmüller
klagte durch die Instanzen, aber vergebens. Dann trug er seinen Kampf in die
politische Arena und fand dort Strache
als Mitstreiter.
Der sprang auch öffentlich auf das Thema und kritisierte die christlich-demokratische ÖVP, die in der Wirtschaftskammer dominiert. Er veranstaltete im Februar 2017 eine Pressekonferenz mit Grubmüller (die vorgezogene Wahl im Herbst
jenes Jahres war noch nicht abzusehen)
Fehler der Anklage und
vorgebliche Vergesslichkeit
der Angeklagten führten zur
Vertagung.
und schimpfte über „diesen Sumpf im
Dunstkreis der ÖVP“. Inhaltlich mündete
das in einen Gesetzesantrag der damaligen Oppositionspartei im Parlament, der
freilich chancenlos blieb. Grubmüller assistierte dann während des Wahlkampfs
mit einem Buch, das den Titel „ÖVP-Haberer“ trug. „Haberer“ bedeutet in Österreich das, was in Bayern einmal „Amigo“
genannt wurde.
Für Grubmüller schien sich das Ganze
auszuzahlen. Die FPÖ trat nach der Wahl
im Oktober 2017 als Koalitionspartner
ebenjener ÖVP in die Regierung ein.
Schon im ersten Regierungsjahr wurde
der Fonds per Gesetz höher dotiert, und
in den Erläuterungen der Novelle hieß es
ausdrücklich: „Mit dieser Erhöhung der
Mittel des PRIKRAF soll auch eine Erwei-
terung der Mitglieder um die Privatklinik
Währing verbunden sein.“ Das wurde
schon damals als „Lex Grubmüller“ kritisiert, die SPÖ witterte außerdem, es werde Sozialgeld „für Reiche“ (nämlich die
Patienten der Privatklinik) ausgeschüttet.
Die Staatsanwaltschaft trat nach der
Ibiza-Affäre und Handy-Beschlagnahmungen unter anderen bei Strache auf
den Plan. Sie verweist auf eine Parteispende Grubmüllers von 10 000 Euro an
die FPÖ im Jahr 2017, die gesetzeskonform veröffentlicht wurde. Andererseits
hält sie Chats im Zuge der Koalitionsverhandlungen und der Gesetzgebung für belastend. Strache fragte Grubmüller, welche Gesetzesformulierung für ihn „wichtig“ sei, „damit die Schönheitsklinik endlich fair behandelt wird“. Grubmüller
übermittelte wunschgemäß seine Vorstellungen, die ins Gesetz einflossen. Die Ankläger sehen in den Initiativen „strafbare
Korruption“. Strache habe „nicht uneigennützig“ gehandelt, sondern sich dafür „entgeltliche Vorteile“ für sich selbst,
seine Ehefrau (gemeint ist ein gemeinsamer Urlaub auf Grubmüllers Anwesen
auf Korfu) sowie seine Partei versprochen.
Im Prozess haben Strache und Grubmüller den Bestechungsvorwurf vehement bestritten. Strache erklärte, er habe
sich nach Einholung von Expertisen von
Juristen aus der FPÖ davon überzeugt,
dass tatsächlich „eine Ungleichbehandlung“ der Privatklinik vorgelegen habe.
Diesen „Missstand“ aufzugreifen habe
zum „Kernthema“ der FPÖ gepasst, die
parlamentarischen Initiativen seien die logische Folge gewesen. Strache verwies
auf „die Zuständigen“ in der Partei, die
sich darum gekümmert hätten – auch in
den Koalitionsverhandlungen sei das
nicht „Chefsache“ gewesen. Allerdings
deuteten die Aussagen von FPÖ-Politikern durchaus darauf hin, dass es ein
Drängen „von oben“ gegeben habe. Für
Strache, mit dem die Partei gebrochen
hat, wirft sich kein FPÖ-Politiker mehr in
die Bresche.
Grubmüller versicherte, er habe als
einstiges SPÖ-Mitglied, der von den Sozialdemokraten keine Unterstützung erfahren habe, absichtlich an die FPÖ so viel
gespendet, dass der Betrag veröffentlicht
werden muss: „Weil mir die Linie der
Freiheitlichen Partei bei der Abschaffung der Zwangsmitgliedschaft bei den
Kammern gefallen hat.“ Von Strache
habe er keine Gesetzesänderung verlangt, sondern erhofft, dass er „Lärm
macht und die Korruption aufgezeigt
wird in Zusammenhang vor allem mit
der Wirtschaftskammer“.
Die Staatsanwaltschaft machte nicht
unbedingt eine gute Figur, weil sich herausstellte, dass sie den Korfu-Urlaub
falsch datierte, nämlich auf 2018 statt
2016. Strache will außerdem für den Flug
von dort in Grubmüllers Privatjet anteilig
gezahlt haben, was der Pilot bestätigte.
Andererseits überraschten die Ankläger
mit Hinweisen auf eine weitere Parteispende Grubmüllers an die FPÖ in Höhe
von 2000 Euro schon 2016. Die beiden
Angeklagten konnten sich daran überhaupt nicht erinnern, bestätigten sie tags
darauf aber. Die Staatsanwaltschaft erweiterte ihre Anklage, auch deswegen wurde
die Vertagung nötig.
Richard BRANSON
Abenteurer und
Träumer
Richard Branson ist ein Freund der
Superlative. Der britische Multimilliardär ist nicht nur als Unternehmer
bekannt, sondern auch als Abenteurer mit einem Hang zu Weltrekordversuchen. Nicht alle gelangen im ersten
Anlauf, aber davon ließ er sich nie erschüttern. 1985 nahm er sich zum Beispiel vor, die schnellste Atlantiküberquerung zu schaffen, doch sein Boot
kenterte. Im folgenden Jahr unternahm er einen weiteren Versuch, diesmal mit Erfolg. 1987 überquerte er
als Erster mit einem Heißluftballon
den Atlantik, elf Jahre später scheiterte er aber mit dem Vorhaben, als Erster mit einem solchen Ballon die
Erde zu umrunden.
Jetzt steht Branson vor einem weiteren Meilenstein. Am Sonntag will
er in den Weltraum fliegen, und
wenn ihm das gelingt, dann wird er
der Erste sein, der dies mit seinem eigenen Raumfahrtunternehmen tut.
Virgin Galactic will ihn und fünf andere Personen mit einem Raumgleiter mehr als 80 Kilometer über den
Meeresspiegel bringen, dort sollen
die Passagiere einige Minuten Schwerelosigkeit spüren. Der Termin am
Sonntag wurde angekündigt, nachdem schon bekannt war, dass Jeff Bezos, der Gründer des Onlinehändlers
Amazon und des Raumfahrtunternehmens Blue Origin, am 20. Juli ins
All fliegen will. Branson wird Bezos
nun also einige Tage zuvorkommen.
„Ich war immer schon ein Träumer“, sagte der 70 Jahre alte Branson
mit Blick auf den bevorstehenden
Flug. Seine Mutter Eve habe ihm beigebracht, nie aufzugeben und „nach
den Sternen zu greifen“. Nach ihr hat
er das Trägerflugzeug für den VirginRaumgleiter benannt, er schreibt ihr
eine prägende Rolle für seine Karriere zu. Nach ihrem Tod im Januar erzählte er, wie sie ihm das Startkapital
für sein Unternehmen gab. Sie fand
eine wertvolle Kette auf der Straße
und verkaufte sie, nachdem sich kein
Eigentümer meldete, den Erlös bekam ihr Sohn. Richard Branson startete Virgin als Versender von Schallplatten. Daraus wurde im Laufe der Jahre
ein riesiges Konglomerat mit Fluglinien, Hotels, Fitnessstudios und diversen anderen Aktivitäten. Den Raumfahrtspezialisten Virgin Galactic, der
ihn nun ins All bringen soll, startete
er 2004. Zur Virgin-Gruppe gehören
heute 40 Unternehmen. Forbes
schätzt Bransons Vermögen auf sechs
Milliarden Dollar.
Virgin Galactic hat seit der Gründung einige Rückschläge erlitten. Flüge mit Passagieren waren eigentlich
schon vor Jahren geplant. 2014 stürzte
ein Virgin-Raumfahrzeug bei einem
Test ab, dabei kam der Ko-Pilot um.
Branson machte trotzdem entschlossen weiter. Mit seinem Flug am Sonntag hofft er, einen entscheidenden
Schub für den Weltraumtourismus zu
geben. Ab kommendem Jahr will er
zahlende Kunden ins All bringen, er
hat mehr als 600 Reservierungen.
„Der Weltraum gehört uns allen“, sagt
Branson.
ROLAND LINDNER
Wer immer auf dem Laufenden ist, will
Wissen teilen
Podcasts, Apps und Newsletter von Frankfurter Allgemeine und Süddeutscher
Zeitung sind gefragte Informationsquellen. Mit ihnen ist man immer und überall
auf dem Laufenden oder kann in spannende Themen tiefer einsteigen. Was die
Nutzerinnen und Nutzer hier erfahren, teilen sie gerne mit anderen Menschen
– das ist auch für werbliche Kommunikation von Vorteil. REPUBLIC verantwortet
das Werbegeschäft für diese Medien. Erfahren Sie jetzt, was wir für Sie und
Ihr Unternehmen tun können. Lernen Sie uns kennen!
Mehr entdecken
www.republic.de
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
Foto EPA
MEDIA
MIT
SINN
Feuilleton
FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUN G
Sie sind
das System
MeToo: Hip-Hop darf
sich nicht verstecken
Es gibt eine neue alte Debatte im deutschen Rap, auch wenn sie jetzt mit großer Geste kleingeredet wird. Ausgelöst hat sie eine Influencerin, die dem
Rapper Samra vor drei Wochen vorwarf, er habe sie vergewaltigt. Samra
dementierte das. Alles Weitere soll
ein Gericht beurteilen. Kurz darauf
veröffentlichte ein anderer Rapper
ein Video, das den jungen Bushido
zeigte, wie er dem Anschein nach eine
sehr junge Frau bedrängte. Das alles
muss Jahre her sein und, falls justiziabel, verjährt. Bushido bat um Entschuldigung.
Solche Vorwürfe sind in der HipHop-Szene wie auch andernorts nicht
neu und nicht unüblich. Diesmal lassen die Reaktionen aber vermuten,
dass die Diskussion über sexualisierte
Gewalt die Szene länger als ein paar
Wochen beschäftigen könnte. Es
scheint, als hätten sich einige Frauen
vorgenommen, an den Kern des Problems zu gehen. Auf Instagram werden seither Erfahrungen gesammelt.
Oft klingt das dann wie in den jüngsten Veröffentlichungen so: Rapper
und Fan begegnen sich, Rapper will
mehr oder wird zudringlich, Fan widersetzt sich oder traut sich nicht. Viele der anonymen Berichte enden mit
der Benennung eines Gefühls: Schäbigkeit. Geäußert haben sich auch
Frauen, die in der Szene aktiv sind.
Sie kritisieren ein Netzwerk aus Künstlern, Musiklabels, Agenturen und Managements, das den Nährboden für
solche Übergriffe schaffe. Andere Kritiker haben sich ein weiteres Mal über
die Songs einzelner Rapper gebeugt
und bringen frauenfeindliche, gewaltverherrlichende und von krankhafter
Selbstüberhöhung getränkte Lyrics in
Zusammenhang mit den Vorwürfen.
Es ist natürlich Unsinn, Rap-Texte
zu lesen wie die Beweisstücke vergangener und bevorstehender Straftaten.
Glaubten wir daran, dass alle deutschen Rapper, die in ihren Songs mit
Knarren durch die Stadt rasen und
koksend Selbstjustiz üben, dies wirklich täten, wir wären zu einem Alltag
in Todesangst verdammt. Dass wiederum ein Song, der den Satz „Ich fick’
sie fast tot, sie liegt im Wachkoma“
enthält, nicht gerade jetzt erscheinen
muss oder vielleicht auch nie, dürften
die meisten Vertreter der Szene ebenso anerkennen wie der Rest der Deutschen.
Unablässig wird nun über die unzureichende Trennung von Künstler und
Werk geklagt, ausgerechnet im Rap,
der so dringend auf seine Authentizität angewiesen sei. Es sei heuchlerisch, jetzt aus anderen, also eher bildungsnahen Kulturbereichen mit dem
Finger auf die Szene zu zeigen. Da
fragt man sich, ob die Debatten der
letzten Jahre keine Erkenntnis gebracht haben. Als könnte ein Filmemacher, dem Frauen Misogynie oder sexuelle Gewalt vorwerfen, öffentliche
Kritik von sich abperlen lassen. Ganz
abgesehen davon, dass die Debatten
der vergangenen Jahr gelehrt haben,
besser nicht mehr mit dem Finger auf
andere Kulturbereiche zu zeigen.
Schreibt man über die Vorwürfe
oder will mit Vertretern der Szene
sprechen, gibt es derzeit einigen Gegenwind. Es ist ja auch kein Wunder:
Kein Milieu liegt dem Kulturjournalismus ferner als der neue deutsche HipHop, und kaum etwas wird so plakativ
beschworen, mit kennerhaft vorgetragenen Analysen zu Rap-Techniken
und Street Credibility – beinahe, als
wünschten sich die Schreiber selbst
ein Stück von dieser Härte. Dass es
Hip-Hop-Künstler zwischen diesen
Polen gibt, authentische und straßenweise, die nicht aus dem Lambo steigen und Mios zählen, vor allem jene,
die länger im Geschäft sind und Töchter haben, ist kaum von Interesse. Das
ist so ignorant wie die Kritik jener, die
weder Songs noch Protagonisten kennen und nun erklären, im Rap sei der
Sexismus geboren.
Natürlich liegt es auch an der gesellschaftlichen Struktur. Aber als Argument reicht das nicht. Soll der deutsche Hip-Hop deshalb vom Diskurs
ausgenommen werden? Die Struktur
beinhaltet auch einen Bereich, indem
männliche Musiker dank Rückendeckung jener, die von ihnen profitieren, glauben, sich alles erlauben zu
dürfen.
Es steht jedem frei, den Rap zu hören, der einem am meisten zusagt.
Wenn die Vorwürfe gegen Samra aufgeklärt sind und sich herausstellt, dass
es falsche Anschuldigungen waren,
wird er weiter rappen. Es gibt genug
Vertreter der These, Frauen hätten einen Hang zu übler Nachrede, wenn
ihr Stolz verletzt werde. Für alle übrigen müsste es sich lohnen, für strukturelle Veränderung zu kämpfen. Vielleicht finden sich auf diese Weise
noch mehr neue Ideen für Kunstfiguren, die ihre Macht nicht mehr aus der
Erniedrigung von Frauen schöpfen.
Mit erfolgreichen Rapperinnen wie
Shirin David kann man sich ja wohl
auch auf Augenhöhe battlen. Der HipHop kann sich nicht in seiner Nische
verstecken. Und seine Fans wissen
das.
ELENA WITZECK
SAMS TAG, 10. J ULI 2021 · NR . 157 · SEITE 9
D
ie Bedeutung eines Werkes
erschließt sich meistens
nicht durch einmalige Lektüre. Doch was machen wir,
wenn der wiederholten Lektüre durch das Werk selbst Grenzen gesetzt sind? Kaum eine Erinnerung an das
Romanwerk von Marcel Proust, die nicht
zu den vielerlei Gründen, von ihm fasziniert zu sein, den Hinweis auf seine Länge hinzufügt. Der vor einhundertfünfzig
Jahren geborene Autor hat mit „Auf der
Suche nach der verlorenen Zeit“ im Grunde nur ein einziges Buch geschrieben, in
sieben Bänden und auf ungefähr viertausendfünfhundert Seiten. Ein Buch über
einen Erzähler, das aus seiner Perspektive berichtet, wie er zum Schriftsteller
wird, indem er seinen Kindheitserinnerungen nachgeht, den „Sensationen“ der
Natur und Kunst, der Liebe und der Eifersucht, der Interaktion in den adeligen
und bürgerlichen Salons in Paris zwischen Belle Époque und Erstem Weltkrieg sowie der Erfahrung des eigenen
Müßiggangs – auch das heißt „temps perdu“, vertane Zeit. Viertausendfünfhundert Seiten zur Frage, woran sich geistige
Weltwahrnehmung einer Zeit schult.
Alles andere aus Prousts Feder sind
Vorarbeiten, Seitenwege, interessante
Übungen, diesseits der Forschung aber
unwichtig und wichtig allenfalls zum Verständnis der Entstehung des großen Ro-
Raketenmänner
Von Melanie Mühl
W
Morgen im Bücher-Podcast
Was macht das ideale
Sommerbuch aus?
Und welche Werke
kommen diesem Ideal
sehr nahe?
Sechs Antworten.
faz.net/buecher-podcast
mans. Das eine Werk wiederum, da ist
nichts zu machen, erschließt sich allein
durch vollständige Lektüre. Es hat keinen Sinn, nur die Kindheitserinnerungen
des Erzählers im ersten Band zu lesen,
die Beschreibungen der Pariser Partys in
Band drei für ein eigenständiges Buch zu
halten oder sich ganz den Fanatismen
des masochistischen Eros in Band fünf
zu widmen. Prousts Figuren kehren wieder, sie altern im Roman, sie haben überraschende Karrieren, oder es wiederholt
sich in ihnen, was zuvor geschah.
Die Geliebte des ersten Protagonisten
etwa, Charles Swann, zu dem und seiner
Tochter der Erzähler in Band eins aufschaut, hält den Maler Vermeer für einen
Zeitgenossen und verliert das Interesse
an ihm, als sie erfahren muss, man wisse
nicht einmal etwas über seine Frau. Drei
Bände und zwanzig Jahre später denkt in
„Sodom und Gomorrha“ die Geliebte des
Erzählers, Albertine, als von den Vermeers in Holland die Rede ist, es handele
sich um eine dortige Familie, und verneint, sie zu kennen. So geht es ständig.
Ein ganzes Kapitel widmet der Erzähler
eingangs der These, in Ortsnamen sei die
Essenz der Orte aufbewahrt, später himmelt er fast einen ganzen Band lang eine
Herzogin nicht zuletzt aufgrund ihres Namens an, noch später tritt ein Professor
auf, der die Geselligkeit ständig mit etymologischen Ableitungen von Eigennamen unterhält oder quält. Nichts geht verloren, vieles zeigt erst seine schöne,
dann seine groteske oder böse Seite. Die
„Recherche“ existiert nur in der Einzahl.
Das macht sie zu einem der längsten Romane der Literaturgeschichte.
Doch der Anatole France zugeschriebene Satz, das Leben sei zu kurz, Proust hingegen zu lang, bezog sich nicht so sehr
auf den Umfang des Werks. Er meinte
Prousts Sätze, deren Nebensatzverkettungen dem Dichter die Beschreibung eingetragen haben, er formuliere im Französischen deutsch.
Nehmen wir nur diesen über die bettlägerige Tante des Erzählers: „Sie liebte
uns wirklich und wahrhaftig, es hätte ihr
Genuß bereitet, uns innig zu beweinen,
die etwa in einem Augenblick, da sie sich
wohlfühlte und nicht an Schweißausbrüchen litt, eintreffende Nachricht, daß das
Haus einer Feuersbrunst zum Opfer gefallen und die ganze Familie dabei umgekommen sei, daß bald kein Stein mehr davon stehen werde, wobei ihr aber noch
Zeit bleibe, sich ohne Eile in Sicherheit
zu bringen, sofern sie auf der Stelle aufstehe, hat sicher als Möglichkeit in ihren
Hoffnungen eine Rolle gespielt, besonders da sich hier zu dem nicht ganz so ins
Gewicht fallenden Vorteil, ihre ganze Liebe zu uns in langer Wehmut auszukosten
und zum grenzenlosen Staunen des ganzen Dorfes unseren Trauerzug anzuführen – mutig, wenn auch tiefgebeugt, todgeweiht, aber ungebrochen –, noch jene
weit verlockendere gesellt hätte, daß sie
dann gerade im richtigen Augenblick
ohne enervierendes Zaudern den Sommer auf ihrem hübschen Landbesitz Mirougrain hätte verbringen können, wo es
einen Wasserfall gab.“
An dieser Stelle ist erkennbar, dass die
Längen Prousts oft nicht solche der Hingabe an Reflexion sind, die dem Roman
zunächst seine kontemplative Atmosphäre geben und später, wenn die Eifersucht
mächtig wird, über Hunderte von Seiten
zu so unerbittlichem wie sinnlosem Hinund Herwenden von Verdächtigungen
und taktischen Plänen führen. Proust ist
vielmehr lang aus Genauigkeit, hier in
der Schilderung einer maliziösen Seele.
Er häuft ihre scheinheiligen Motive, um
sie am Ende in die selbstgerechte Freude
am Besitz eines Wasserfalls münden zu
lassen. Aber Seebilder, Theaterabende,
Lange Zeit nahm er Anlauf zum großen Werk: Marcel Proust in seinen Zwanzigern.
Foto Interfoto
Er studierte allein sich
selbst und die Welt
Die Länge der „Suche nach der verlorenen Zeit“ wäre eine Zumutung,
wenn sie nicht tiefen Sinn hätte: Über Marcel Proust, das Gesellschaftstier
und den phänomenalen Seelenzergliederer, der nie arbeiten musste.
Von Jürgen Kaube
Blumen, Klaviersonaten und Gesichter
behandelt er ganz genauso, mit unermüdlicher Aufmerksamkeit. Immer entdeckt
er dabei etwas Vergleichbares. Wendungen, etwas sei „wie“ etwas anderes, stehen auf jeder dritten Seite: „Er verkroch
sich wie ein Reisender, der ohne Neugier, stumpf und starr, in der Eisenbahn
im Halbschlaf seinen Hut über die Augen schiebt.“ Alles, was zum Hinsehen,
Beschreiben und Denken zwingt, hängt
bei ihm untereinander zusammen. Theaterlogen sind Meeresgrotten, Restaurants Aquarien, Liebe nur die Bedingung
dafür, das Leid der Eifersucht auskosten
zu können. Gilles Deleuze hat es so formuliert: Prousts Dichtung rivalisiere mit
der Philosophie.
W
arum also soll man sich
auf den weiten Weg dieses Werks begeben, womöglich sogar mehrfach? Warum etwa, so
hat ein früher Kritiker sinngemäß formuliert, einem Knaben sechzig Seiten lang
bei seinem vergeblichen Versuch folgen,
ohne Gutenachtkuss einzuschlafen? Eine
Antwort darauf liegt im Arsenal der Figuren Prousts. Sie werden meistens ganz
klar gezeichnet und bis in die Winkel ihrer Kleinlichkeit und Größe ausgeleuchtet. Und dann werden sie auf einmal ihr
Gegenteil. Oder besser: Es wird deutlich,
dass wir und oft auch der Erzähler etwas
Entscheidendes an ihnen nicht bedacht
haben. Schon die Angst des Knaben vor
dem strengen Vater beispielsweise, der
ihn bestimmt bestrafen wird, wenn er die
mütterliche Zuwendung durch Wachbleiben zu erpressen versucht, geht völlig ins
Leere. Swann hängt sein Leben an eine
Frau, die ‚nicht von seinem Genre‘ ist.
Die schreckliche Salonbetreiberin Madame Verdurin, die wir tausend Seiten
später fast vergessen haben, steigt am
Ende durch eine dritte Ehe phantastisch
auf. Den furchteinflößenden Baron Charlus, Inbegriff ältesten aristokratischen
Selbstbewusstseins, finden wir zuletzt als
masochistisches Opfer von bezahlten, für
ihn also „unechten“ Sadisten.
Überhaupt werden vor allem die Befürchtungen wahr, die man gar nicht hatte. Auch das führt zur Länge des Romans: Es gibt in ihm kaum Figuren, von
denen feststeht, dass es Nebenfiguren
bleiben werden. Zunächst auf drei Bände
angelegt, hat ihn wohl nur Prousts Bewusstsein vom Schreiben gegen die eigene tödliche Krankheit davor bewahrt,
noch weiter anzuwachsen.
Doch es ist nicht das hingebungsvoll
wie polemisch gezeichnete geistige Tierund Pflanzenreich, durch das Proust die Leser am meisten beschenkt. Und es sind
auch nicht die Hunderte von Aphorismen
im Stil der französischen Moralistik, auf
die er seine Beschreibungen oft zulaufen
lässt, von „Was man weiß, gehört nicht einem selbst“ über „Sobald man zu zweit ist,
verschwinden die Ideen“ bis zum Satz
über den Tod des Dichters Bergotte, in den
Züge von Anatole France eingegangen
sein sollen: „Man kann nur sagen, daß alles in unserem Leben sich so vollzieht, als
träten wir mit der Bürde in einem früheren Dasein übernommener Verpflichtungen in das derzeitige ein; die Umstände unseres Erdendaseins bedingen keineswegs,
daß wir uns für verpflichtet halten, Gutes
zu tun, zartfühlend, ja höflich zu sein.“
Prousts Roman, so hat Ernst Robert
Curtius in seiner soeben neu aufgelegten
wunderbaren Studie von 1925 notiert, sei
geschrieben von einem Menschen, der
weder einen Beruf noch je die Sorge hatte, vom Romaneschreiben leben zu müssen. Der Erzähler studiert nur sich selbst
und die Welt, kein Fach. Er hat keine Karriere, es sei denn, man bezeichnete seine
Aufnahme in den Salon der Herzogin
von Guermantes so. Man kann die Stellen leicht abzählen, an denen in der „Recherche“ von Geld oder gar wirtschaftlichem Drangsal die Rede ist. Fast möchte
man sagen: aber von allem anderen
Drangsal schon. Jede Form von Leid – geschlechtliches, religiöses, intellektuelles,
politisches – wird erkundet, um nicht zu
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
sagen ausgekostet, so als bliebe der
Kunst, die sich von glücklichen Erinnerungen nährt, ansonsten nur die Hohlform des Glücks. Das war sein Beruf, die
Herstellung eines Messinstruments für
Leid und Glück. Es ist aufgrund der Sachverhalte, die mit ihm gemessen werden
sollen, ein Unikat. Das sekundäre Glück,
diese Messung nachzuverfolgen, ist groß.
Es gibt keinen Grund, sich den Roman
kürzer zu wünschen.
er ist von den vielen kleinen Raketenmännern dieser Welt eigentlich der
größte? Eine ganze Weile sah es danach aus, als hätte der Amazon-Gründer Jeff Bezos die Nase klar vorn. Für
seinen Blue-Origin-Raketen-Coup
hatte Bezos, der vom Weltraum
träumt, seit er als Kind die Mondlandung vor dem Fernsehapparat verfolgt hat, den 20. Juli (Jahrestag der
Mondlandung!) gewählt. „Ehrengast“
des reichsten Mannes der Welt wird
die über achtzigjährige Wally Funk
sein. Eine großherzige Geste, die der
Steuervermeider Bezos auf Twitter
mit den Worten kommentierte, niemand habe länger als Wally Funk auf
diesen Moment gewartet. Bereits in
den sechziger Jahren durchlief sie
nämlich ein Astronautentraining, das
Funk zwar als Beste abschloss, ins All
aber fliegen durfte sie trotzdem
nicht. Solche Abenteuer sah die amerikanische Raumfahrtbehörde damals nur für Männer vor. Ebenfalls
mit an Bord der New-Shepard-Rakete wird neben Bezos’ Bruder ein bislang unbekannter Gast sein, der für
den kurzen Trip in die Schwerelosigkeit bei der Versteigerung 28 Millionen Dollar hingeblättert haben soll.
Alles in allem also eine runde Sache.
Bis Sir Richard Branson, 71 Jahre alt
und auf der Forbes-Liste der reichsten Menschen unter „ferner liefen“,
Bezos einen Strich durch die Rechnung machte. „Ich war immer ein
Träumer. Meine Mutter hat mir beigebracht, nie aufzugeben und nach den
Sternen zu greifen“, twitterte Branson, dessen Rakete VSS Unity morgen von New Mexico aus abheben
soll. Branson findet: Das All gehört
uns allen! Allerdings, das unterschlägt er geflissentlich, ist All nicht
gleich All. Hundert Kilometer muss
eine Rakete schon zurücklegen, denn
in dieser Höhe befindet sich laut Definition der Fédération Aéronautique Internationale (FAI) die Grenze
zwischen Erdatmosphäre und All –
die sogenannte Kármán-Linie. Die
weniger strenge NASA indes sagt:
Achtzig Kilometer reichen völlig aus.
Damit wäre Branson, dessen Rakete
immerhin neunzig Kilometer schafft,
das Astronautenabzeichen sicher. Bezos allerdings wirbt damit, dass die
Touristen in seiner Rakete zukünftig
auf 106 Kilometer hochgeschossen
würden, damit sie das begehrte Abzeichen auch ganz sicher bekämen.
Wäre auch ärgerlich, Hunderttausende von Dollar zu bezahlen und dann
auf den offiziellen Beweis der Weltraumeroberung zu verzichten. Und
Elon Musk? Der Gründer des Raumfahrtunternehmens SpaceX dürfte
die Raketenmänner Bezos und Branson müde belächeln und tun, was er
am liebsten tut: mit seinen Tweets
die von Inflations- und Delta-Angst
beunruhigten Börsen aufschrecken.
Seine Rakete Falcon-9 hat bereits Astronauten zur Internationalen Raumstation ISS befördert. Musks persönliche Kármán-Linie ist der Mond, den
er 2023 mit Touristen an Bord umrunden möchte. Fehlt nur noch einer, gewissermaßen der Vater aller kleinen
Raketenmänner: Wo bleibt Koreas
Kim Jong-un?
MAX PECHSTEIN
Herbstschatten, (Detail), 1921
Schätzpreis €120.000–180.000
Schreiben Sie
Auktionsgeschichte
mit uns.
ERÖFFNUNGSAUKTION
MODERN & CONTEMPORARY ART
KÖLN, 10.–17. SEPTEMBER 2021
LIEFERN SIE JETZT EIN.
KÖLN
0 221 20 71 70
BERLIN
0 30 39 79 49 54
HAMBURG & MÜNCHEN
0 40 4 4 40 80 | 0 89 2 91 31 51
FRANKFURT/MAIN & STUTTGART
0 69 74 07 87
COLOGNE@SOTHEBYS.COM
SOTHEBYS.COM/COLOGNE
Literatur und Sachbuch
SEITE 10 · S AMS TAG, 10. JULI 2021 · NR. 157
FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUN G
Sie bringen sie in einen Albtraum
Katja Kettus heftiger Roman „Die Unbezwingbare“
Von diesem Fahrzeugheck sehen vier Jahrzehnte zu uns hinauf: Ein Wartburg aus der DDR mit einem Wahlkampfaufkleber der SPD aus dem Jahr 1990.
B
Foto Imago
Ungeküsst im Plattenbau
uchstäblich auf der letzten Seite,
der dreihundertdreiundvierzigsten, taucht plötzlich ein Engel
auf. Und nicht irgendeiner, sondern der jüngste von allen, Angelus Novus, den nur Paul Klee einmal erblickt und
gleich gezeichnet hat. Zum „Engel der Geschichte“ ernannt, wendet er bekanntlich
bei Walter Benjamin sein Antlitz der Vergangenheit zu, einem wachsenden Trümmerberg, während er von einem „Sturm
vom Paradiese her, der sich in seinen Flügeln verfangen hat“, rückwärts in eine
fremde Zukunft geweht wird: ein Abschied auch vom optimistischen, teleologischen Geschichtsverständnis. Hier nun
zeigt sich dieser Engel weniger elegisch in
einer technoiden Variante, als Sonde Voyager 1, die, noch während sie im Jahr 1990
unser Sonnensystem verließ, die Kamera
auf den kleinen blauen Punkt, die Erde, gerichtet hielt. „Pale Blue Dot“ heißt das berühmte Foto, „und gleichzeitig raste die
Sonde weiter ins All. In Richtung Vergangenheit, zum Anfang, an dem alles begonnen hatte, mit einem mikroskopisch kleinen, extrem heißen Punkt.“
Dass in der Zukunft die Vergangenheit
aufgehoben ist und umgekehrt, dass der
„Untergang des alten Landes“ nicht einfach zur Ersetzung durch ein neues führte,
sondern das Kommende erst zu dem formte, was es heute ist, diese Grunderkenntnis von Björn Stephans Roman
„Nur vom Weltraum aus ist die Erde blau“
(oder zumindest seines dreizehnjährigen
Protagonisten Sascha Labude) findet hier
ein so treffendes Bild, dass man geneigt
ist, dem größtenteils im Jahr 1994 spielenden Buch viel Ungelenkes zu verzeihen.
Aber auch nicht alles. Insbesondere die Figurenzeichnung schwächelt. Sie überzeugt einzig im Falle des Protagonisten
und Icherzählers: Sascha, Sohn eines de-
Das Glück sieht manchmal struppig aus:
Björn Stephans verträumt-jugendliche
Liebesgeschichte aus dem schwarzen Loch der
Nachwendezeit macht es sich etwas leicht.
pressiven, mit der DDR seine Verankerung verloren habenden Vaters und einer
dauerbesorgten willensstarken Mutter,
lebt in einer Plattenbausiedlung nach
DDR-Standard, die eben noch heiß begehrt war und plötzlich als asoziales Umfeld gilt. Eine rasante Rückkehr zu den
Ruinen, aus denen man sich auferstanden
wähnte. Alles dazwischen: ausgelöscht.
Das Erzählprinzip, die äußeren Veränderungen ganz aus naiver Kinderperspektive
zu schildern, ist nicht neu, aber effektiv.
Und als Jugendlicher mit eigenen Sorgen
lebt es sich in dieser zerfallenden Siedlung
so gut und schlecht wie überall.
Kaum aber kommen die übrigen Figuren in den Blick, wird es hölzern und klischeebeladen. Da haben wir etwa Saschas
Freund Sonny, der Elton John vergöttert
und der allzeit größte Songwriter aus
Klein Krebslow werden will, oder die neu
zugezogene Juri (eigentlich Jenni), ein
schnippisches, angstfreies Mädchen, das
jederzeit aus dem Stand volkshochschultaugliche Vorträge über das Universum
halten kann (und in die sich Sascha natürlich unsterblich verliebt). Noch schlimmer
geraten ist ein blasiert sprechender Rentner, den die Kinder (außer Juri) erst für
einen Penner halten und der sich dann als
überaus weiser, belesener Mentor erweist.
Natürlich gibt es auch zwei prototypische
Jung-Faschos (die von Sascha und Juri
nach Drei-Fragezeichen-Manier beschatte-
ten Gegner) und eine ungebrochen weiterspitzelnde ehemalige Stasi-Informantin.
Das auf der Alltagsebene stattfindende
Verschmelzen der Kulturen wird atmosphärisch inszeniert, indem die für das
Zeitkolorit wichtigen Signalwörter von hüben wie drüben stammen: „Nimm 2“, „Birkenfurnier-Möbel“, „Wartburg“, „Hubba
Bubba“, „Diamant-Rad“, „BMX-Rad“ und
so fort. Das ist durchschaubar, aber funktioniert. Um Sascha jedoch eine leicht poetische Note zu verleihen, hat der Autor
ihm noch das etwas aufdringliche Hobby
zugeteilt, seltene Worte aus allen Weltsprachen zu sammeln, mit deren Symbolik wir ständig traktiert werden. Wo es um
Saschas Gefühle für Juri geht – es ist ein
Buch der Abschiede –, gelingen Stephan
jedoch einige zart flirrende Szenen, auch
wenn sich selbst dort die Sentenzen-Botschaften einschleichen: „Ein anderer
Mensch kann nie dein Traum sein. Ein anderer Mensch kann dich höchstens träumen lassen. Und dich dazu ermutigen, deinen eigenen Traum zu finden.“ Zum erträumten Kuss kommt es nie, weil Sascha
zu schüchtern ist.
Der Autor, der bislang eher für seine Reportagen bekannt war, hat die Erzählung
in eine Rahmenhandlung samt Manuskriptfiktion verpflanzt: Juri findet 25 Jahre später, nach dem Tod ihrer alkoholkranken Mutter, Saschas Aufzeichnungen, die
ebendieses Buch sind. Doch auch das
scheint mehr einer Creative-Writing-Idee
zu folgen, als erzähltechnisch ein Gewinn
zu sein, denn eine Brechung oder Vertiefung der Handlung gibt diese dürre Ebene
nicht her. Ein Jugendbuch muss zwar
nicht unbedingt mit Komplexität punkten, aber es sollte doch eine Erzählhaltung finden, die dem Gegenstand – hier
also: der gesellschaftlichen Verlorenheit
in Ostdeutschland kurz nach der Wende,
als ganze Biographien entwertet zu sein
schienen – auf Augenhöhe begegnet und
zudem stilistisch einen gewissen ästhetischen Überschuss mitbringt.
Im vorliegenden Roman aber gibt es
nur das, was an der Oberfläche zu sehen
ist und dazu noch ständig erklärt wird:
„Und vermutlich, dachte ich, war das Beste am Untergang des alten Landes, dass
sich auch diese eckige und abgestandene
Sprache aufgelöst hatte wie ein Zuckerwürfel, den man in eine Tasse Früchtetee
plumpsen lässt.“ Ein nostalgisches Setting
und dazu gefühliges Storytelling rund um
einige symbolträchtige Motive wie die vereint brennenden Wagen der Nachbarschaft – ein Wartburg, ein Lada und der
Mitsubishi der Labudes, was Saschas degradierten Vater befreit und irre lachen
lässt – ist einfach zu wenig für das selbst
gesteckte Ziel, dieses Interim („wie eine
andere Zeit auf einem anderen Planeten“)
vor uns auferstehen zu lassen, „genauso,
wie es damals gewesen war“. Schade um
den Engel.
OLIVER JUNGEN
Björn Stephan: „Nur vom
Weltraum aus ist die Erde
blau“. Roman.
Galiani Verlag, Berlin 2021.
350 S., geb., 22,– €.
Von feindlichen Ausländern zu Helfern
Ein Band erinnert an deutschsprachige Emigranten im Dienst der englischen Propaganda im Zweiten Weltkrieg
Durch gezielte Dauerpropaganda versuchten sich die totalitären Systeme des zwanzigsten Jahrhunderts zu stabilisieren. Es
blieb jedoch dem NS-Regime vorbehalten, dafür ein eigenes Ministerium zu
schaffen. Dem hatten die Demokratien
nach 1933 zunächst nichts entgegenzusetzen. Das änderte sich erst, als die britische Regierung am 4. September 1939,
also unmittelbar nach ihrer Kriegserklärung an das Deutsche Reich, ein „Ministry of Information“ (MoI) gründete, den
Begriff „Propaganda“ wohlweislich meidend. Dass dabei jedoch Goebbels’ Amt
Pate stand nebst Vorlagen von Lord Beaverbrook aus dem letzten Jahr des Ersten
Weltkriegs und während der Sudentenkrise 1938, steht inzwischen außer Frage.
Das zunächst – bis Juli 1941 – von weitgehend inkompetenten Chefs geleitete Ministerium war auch für die BBC zuständig. Eine rasch an Bedeutung gewinnende Nebenorganisation, die „Political Warfare Executive“ (PWE oder: Ausschuss
für politische Kriegsführung) wurde zunehmend eigenverantwortlich für die gegen Deutschland und seine Verbündeten
gerichtete Propaganda zuständig. Den
kaum bekannten, aber immensen Beitrag
deutschsprachiger Exilanten zu dieser Propaganda, sei es als Texter, Sprecher, Karikaturisten, Plakatentwerfer oder Komponisten, untersuchen Charmian Brinson
und Richard Dove, ihres Zeichens führende Vertreter in der britischen Exilforschung, in ihrem Buch. Es belegt ein-
drucksvoll, wie vom NS-Regime Verfolgte
ihre Verfolger von britischem Boden aus
mit Mitteln der Propaganda heimsuchten.
Anhand bislang unerschlossener Quellen zeigen Brinson und Dove, wie aus sogenannten „enemy aliens“, deutschen
und österreichischen Emigranten, die
sich nach Ausbruch des Krieges zunächst als „feindliche Ausländer“ in britischen Internierungslagern wiederfanden, manchmal geschätzte Mitarbeiter
Charmian Brinson and
Richard Dove: „Working
for the War Effort“.
German-Speaking Refugees
in British Propaganda during the Second World War.
Vallentine Mitchell,
London/Chicago 2021.
201 S., geb., 53,– €.
in britischen Propagandadiensten wurden, vereinzelt sogar in führender Stellung. Es ist ein großes Verdienst dieser
Studie, sich dabei weniger mit den bekannten Namen der deutschsprachigen
Emigrantenszene und ihrer zum Teil erheblichen publizistischen Wirkung zu beschäftigen – etwa mit Hilde Spiel, ihrem
ersten Ehemann Peter de Mendelssohn,
Sebastian Haffner, Alfred Kerr oder Thomas Mann mit seinen über die BBC ausgestrahlten resonanzreichen Sendungen
„Deutsche Hörer“ –, sondern Persönlichkeiten in Erinnerung zu rufen, die heute
nahezu vergessen sind. Zu ihnen gehören zum Beispiel frühere Mitarbeiter der
Frankfurter Zeitung wie Hans Lothar
und Hans Uhlig, deren deutschsprachiges Emigrantenblatt Die Zeitung von
der Konzeption bis hin zum Layout die
Frankfurter Zeitung zum Vorbild hatte.
Zu erinnern ist an Hans Schleger, der bis
1932 im Berliner Büro der britischen
Werbeagentur W. S. Crawford gearbeitet
hatte und der sich in der Emigration wesentlich damit beschäftigte, welche Art
von Bildsignalen in deutschen oder britischen Kontexten wirkte: Worauf und wie
lässt sich wirkungsvoll in propagandistischen Darstellungen anspielen? Und erinnert wird auch an die Schriftstellerin
Irmgard Litten („A Mother Fights Hitler“, 1940) und den Komponisten Ernst
Hermann Meyer, der die Musik zu rund
zwanzig kurzen propagandistischen Dokumentarfilmen schrieb.
Zu den politisch einflussreichsten
deutschsprachigen Emigranten gehörte
Harry Peter Smolka, der den EnglischSowjetischen Verbindungsausschuss leitete und eng mit Stalins Botschafter in
London, Ivan Maisky, zusammenarbeitete. Eingegangen wird auch auf den Schauspieler Martin Miller mit seinen HitlerPersiflagen und die Schauspielerin und
Sängerin Lucie Mannheim, die nach
1945 vor allem in der Britischen Besatzungszone auftrat, ohne jedoch an ihre
Popularität in den Jahren vor 1933 anknüpfen zu können.
Der Gefahr, der Studien dieser Art oft
unterliegen, nämlich zu einem aufzählenden „Who’s Who“ in der Emigrantenszene zu werden, begegnen Brinson und
Dove dadurch, dass sie ihre übergeordneten Fragen nie aus den Augen verlieren:
Wie funktionierte die britische Propaganda? Was war den deutschsprachigen Emigranten in diesem Rahmen umzusetzen
möglich? Welchen Zwängen waren sie
ausgesetzt? Welche Rolle spielten sie zudem in den Umerziehungsprogrammen
für die deutschen Kriegsgefangenen?
Bislang nahezu unbekanntes Terrain
betreten die Autoren mit ihrer Untersuchung der „‚black‘ propaganda“, womit
im Unterschied zu den offiziellen Sendungen der BBC jene „dunklen“ Kanäle
gemeint sind, die den Anschein erweckten, es handele sich bei ihnen um deutsche subversive Sender. Sie sollten unter
Zivilisten und Soldaten der Wehrmacht
Verwirrung stiften. Gerade in diesem Bereich spielten, wie hier erstmals gezeigt,
deutschsprachige Emigranten eine wesentliche Rolle.
Brinsons und Doves Buch wird man
künftig neben Jean S. Medawars und David Pykes Pionierleistung „Hitlers Geschenk – Die wahre Geschichte der vom
Naziregime vertriebenen Wissenschaftler“ lesen müssen. Sie haben damit einen
weiteren Baustein geliefert für das, was
überfällig ist: eine umfassende Geschichte der deutschsprachigen Emigration in
Britannien.
RÜDIGER GÖRNER
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
Mehr als zweihundert Kinderleichen
wurden unlängst auf dem Gelände eines
ehemaligen Internates für indigene Kinder in Kanada gefunden, bald stieß man
andernorts auf weitere siebenhundertfünfzig. Auch jenseits der kanadischen
Grenze – in den Vereinigten Staaten,
wo es ein ähnliches System von Umerziehungsschulen gab – war der Schock
groß. Deb Haaland, amerikanische Innenministerin mit indigenen Wurzeln,
erinnerte in einem Zeitungsartikel an
ihre Großeltern, die im Alter von acht
Jahren ihrer Familie „gestohlen“ und für
fünf Jahre in ein solches Internat gesteckt worden seien. Es ging darum,
schreibt sie, „unsere Kultur auszurotten“, „uns als Volk auszulöschen“.
Wer sich unter solchen Sätzen nichts
vorstellen kann, sollte Katja Kettus Roman „Die Unbezwingbare“ lesen, der
im Original 2018 erschien. Es handelt
vom Leid, das indigenen Frauen im
zwanzigsten Jahrhundert im Mittleren
Westen der Vereinigten Staaten angetan
wurde, auch hier kommen die fürchterlichen Internate zur Sprache: „An einem Spätsommertag kamen die Schergen des Büros für Indianerangelegenheiten mit Keschern und Handschellen,
und sie jagten uns wie Feuerkäfer und
steckten uns in einen nach Pferd riechenden Rosshaarsack und von da in einen
gelben Schulbus . . . Als wir durch das
Tor einfuhren, meinte ich, in einen Albtraum zu kommen . . . Hier wird nur die
Sprache von Jesus gesprochen! . . . Wir
wurden in einen langgestreckten Raum
geführt und gezwungen, uns vor einem
vierköpfigen Rat nackt auszuziehen.“
Die Autorin gehört nicht zu den Anishinaabe, von denen sie schreibt. Sie ist
Finnin und stieß auf das Thema, weil
einst viele finnische Auswanderer nach
Minnesota gelangten. Die Regierung
gab ihnen Land, das den Ojibwe-Indianern gehörte, man arrangierte sich, und
auch gemischte Ehen von Finnen und Indianern kamen zustande – die Nachfahren heißen „Findianer“.
Kettu erzählt die Lebensumstände einer solchen Familie vom Eintreffen eines finnischen Anarchisten in New
York, wo er zunächst Arbeit beim Hochhausbau zu finden versucht, über die
Vermählung seines Sohnes mit einer
Frau aus dem Reservat bis in die Gegenwart, in der die Enkeltochter des finnischen Immigranten, die „Findianerin“
Lempi, über die Familiengeschichte und
ihre eigene Identität nachdenkt. Allerdings nicht chronologisch. Der Roman
besteht durchweg aus Briefen, die 2018
von Lempi und 1973 von ihrer Mutter
Rose geschrieben wurden.
Auch sprachlich ist das Buch eine Herausforderung. Die Autorin möchte „mit
der Stimme derjenigen erzählen, die
zum Schweigen gebracht worden sind“,
sie hat ausgiebig im Reservat Fond Du
Lac im Nordosten Minnesotas recherchiert, nebenher Interviews für einen
Dokumentarfilm gedreht und beim
Schreiben über knifflige Details wie die
zeitgenössisch übliche, aber eben den
Kolonistenblick verewigende Begrifflichkeit „Indianer“ gegrübelt (zugunsten der zeitgenössischen Verwendung).
Doch wie authentisch ist es, wenn
eine Finnin in der Ich-Form mit der
Stimme einer Indianerin und einer „Findianerin“ erzählt? Diese Frage kommt
einem bei schwülstig-pathetischen Passagen wiederholt in den Sinn, obwohl es
selbstverständlich zu den ureigenen Aufgaben von Literaten gehört, sich in das
Fremde hineinzuversetzen. Jedenfalls
wüsste man gerne, wie „Die Unbezwingbare“ in Minnesota beurteilt wird. Und
wo bei Sätzen wie diesem die Grenze
zum Kitsch verläuft: „Das Mitleid
schnürte mir die Brust zusammen, als
ich die früher so starken, mich wiegenden Hände des Waldarbeiters in der
Blässe des Morgens zittern sah wie
durchscheinendes Espenlaub.“
Katja Kettu:
„Die Unbezwingbare“.
Roman.
Aus dem Finnischen
von Angela Plöger.
Ecco Verlag, Hamburg
2021. 335 S., geb., 22,– €.
Sehr gekonnt wiederum, mit zwei ineinander verschlungenen Rätseln, zieht
uns die Autorin in die Story: Als das
„Halbblut“ Lempi 2018 ihre Briefe an einen Vietnam-Veteranen namens Jim
Graupelz schreibt, ist sie vom Sheriff in
Cloquet gerade ins Reservat gerufen
worden. Ein Mädchen verschwand,
Lempis demenzkranker Vater Ettu Haverinen gilt als verdächtig – und der stammelt zugleich auch wieder von Rose, seiner 1973 verschwundenen Gattin. Lempis Mutter. Die Briefe von Rose wiederum setzen kurz vor ihrem Verschwinden ein. Sie sind an Lempi gerichtet, die
damals noch ein Kind gewesen sein
muss, und deuten ein Verbrechen an,
das Rose beging.
Katja Kettu, die 2011 mit dem rohen
Weltkriegsdrama „Wildauge“ bekannt
wurde, weiß bei der Verflechtung dieser
Stränge genau, was sie tut, und noch besser, wie sie nebenher vom Leben der Ureinwohner Nordamerikas im zwanzigsten Jahrhundert erzählt. Immer tiefer
führt sie den Leser in ein dunkles, bestürzend trauriges und doch zuweilen
auch an kurze Lichtblicke wie das Wirken des „American Indian Movement“
erinnerndes Kapitel der amerikanischen Geschichte: „Jetzt machen wir Revolution, flüsterte Mutter.“ Nichts für nebenher.
MATTHIAS HANNEMANN
Stillleben mit Schreibmaschine
Schnörkellos: Neue Erzählungen von Maria Frisé
Schöner Wohnen ist heute gern leerer
Wohnen. Weiße Sitzlandschaft vor weißer Wand, als Farbklecks eine Grünpflanze. Keine Bücherregale, kein „lächerliches Stillleben“ mit Schreibmaschine und Tabakspfeife, denn all das ist
die Welt von gestern. Maria Frisé scheut
sich nicht, genau dieses wimmelbildhafte Ambiente zum Schauplatz der ersten
ihrer insgesamt sieben Erzählungen des
Bandes „Einer liebt immer mehr“ zu machen. Für die Gestaltung des Interieurs
wählt sie eine schnörkellose, an der Neuen Sachlichkeit geschulte Sprache. Es ist
eine Freude, das klare Deutsch zu lesen.
Dieser Ton prägt alle Geschichten, doch
hier bildet er einen besonders reizvollen
Kontrast zum Inhalt, auch wenn der Auftakttext insgesamt nicht der beste der
Sammlung ist. Ein alternder Wissenschaftler wird aus Anlass eines runden
Geburtstags von einer jungen Journalistin interviewt. Frisé stellt ihn als in sich
verkapselten einsamen Mann vor. Ähnliche Charakterzüge weisen die meisten
ihrer Figuren auf. Sie überzeugen, weil
Frisé ihre Entwicklungswege anschaulich nachzeichnet. Der Wissenschaftler
will einerseits seine Privatsphäre wahren, seine Eltern, die er für „spießig und
kulturell indolent“ hält, „nicht vor einer
Fremden denunzieren“. Andererseits
hütet er ein Geheimnis: Zu Beginn seiner Karriere hat er die Ideen eines toten
Kollegen für seine eigenen ausgegeben.
Obwohl ihm Scham, nicht Angst vor
dem Rücktritt zusetzt, liest sich dieser
Aspekt wie ein Schielen nach der Gegenwart. Das hat Frisé gar nicht nötig.
Den äußerlichen Kontrapunkt zur
akademischen Bücherwelt bildet das stylische Appartement im vierzehnten
Stock aus der Geschichte „Zu dritt“, die
beste des Bandes. Hier wartet die schicke Küche samt Beziehung nach Reißbrett. Beim ersten Kind ist die Rollenverteilung klar: „Er strebte gar nicht erst
an, zu den modernen, pflegevernarrten
Vätern zu gehören.“ Entsprechend distanziert ist das Verhältnis zum neugeborenen Sohn. Als der Mann ihm dann
doch das Fläschchen gibt, spornt die
Frau ihn an: „Du lernst es schnell“, wobei es geschickt in der Schwebe bleibt,
ob sich wirklich eine Veränderung abzeichnet. Mit der Schwebehaltung klingen alle Erzählungen aus, die gerade
durch offene Schlüsse überzeugen.
Thematisiert werden das Altern, die
Fremd- und Eigenwahrnehmung dieses
Prozesses, biographische Brüche durch
Scheidung oder Vertreibung sowie die
familiäre Rollenverteilung. Faszinierend ist, wie zeitlos Frisé das gelingt.
Der Akademiker und das junge Paar stehen für verschiedene Generationen,
doch die Probleme sind so unterschiedlich nicht. Ein Blick ins Leben von Maria Frisé ist vor allem für die letzte Geschichte, „Stationen einer Ehe“, interessant, die auf den Tod des älteren Mannes nach fast fünfzig Jahren gemeinsam
verbrachten Lebens hinläuft. Für die
Frau ist es die zweite Ehe – Frisé selbst
war zunächst mit Hans-Conrad Stahlberg, später mit Adolf Frisé verheiratet.
Protagonistin wie Autorin haben Kinder mit in die zweite Ehe gebracht, beide sind literarisch interessiert und berufstätig, Frisé hat mehr als zwanzig Jahre als feste und länger als freie Mitarbeiterin für diese Zeitung geschrieben.
Doch die inzwischen fünfundneunzigjährige Autorin blickt keineswegs nur
zurück. Ihr Text kann auch als Kommentar auf gegenwärtige Fragestellungen gelesen werden. Jeder Einstimmigkeit
zieht sie den Streit vor: „Die abendlichen Gespräche gerieten deshalb nicht
selten zu Debatten, bei denen die Wege
zu Kompromissen weit waren und immer wieder in Sackgassen endeten“,
denn sich „mit zunächst konträren
Standpunkten zu reizen machte ihnen
offensichtlich Spaß, was Außenstehende mitunter befremdete“. Da ist Patchwork ebenso ein Thema wie Rollenzuschreibung: „Einer liebt immer mehr,
sagte er resigniert, aber du müsstest
mich nicht so rücksichtslos spüren lassen, dass du zeitweise ohne mich besser
zurechtkommst.“ Und dann die urvertraute Szene: „Bücher waren oft der Anlass, dass sie die Schule schwänzte“,
dass Husten oder Kopfweh vorgetäuscht
wurden, „um die spannende Lektüre
nicht unterbrechen zu müssen“. Mancher wird andere Passagen mehr lieben.
Das heißt nur, dass der schmale Band etliche Möglichkeiten bietet, fündig zu
werden.
CHRISTIANE PÖHLMANN
Maria Frisé:
„Einer liebt immer
mehr“. Erzählungen.
Literareon, München
2021. 138 S., br., 15,– €.
Feuilleton
FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUN G
S AMS TAG, 10. JULI 2021 · NR. 157 · S EITE 11
Fotos SKD/Oliver Killig/ VG Bild-Kunst, Bonn 2021
Kennen
Sie diese
Frau?
Der Fotograf Andreas
Mühe entfaltet im
Dresdner Lipsiusbau ein
subtiles Spiel mit dem
Image der Kanzlerin.
Fleck weg: Die Bewahrung von Sep Rufs architektonischem Erbe braucht Pflege.
Vorhang auf für den Ruhesitz: Arbeit in der Essecke des Bonner Kanzlerbungalows
P
lötzlich musste es sehr schnell
gehen. Im Lipsiusbau, dem
spektakulären Ausstellungsgebäude direkt an der Brühlschen Terrasse, war eine geplante Nutzung weggebrochen, und so
wurde das erst jüngst von den Staatlichen
Kunstsammlungen Dresden unter den
Herausforderungen der Pandemie entwickelte Ausstellungskonzept der „Rapid
Response“ – schnell auf aktuelle Ereignisse reagierende Präsentationen – unter Extrembedingungen auf die Probe gestellt:
Nur vier Wochen hatte man von der Entwicklung der Ausstellungsidee bis zur heutigen Eröffnung, und die Generaldirektorin Marion Ackermann machte sich persönlich mit dem Fotografen Andreas
Mühe an die Arbeit. Das Resultat trägt einen Titel, der ebenso lang ist, wie die Vor-
bereitungszeit kurz war: „Alles, was noch
nicht gewesen ist, ist Zukunft, wenn es
nicht gerade jetzt ist“.
Man könnte es eine Abschiedsausstellung nennen, denn die ganze Schau dreht
sich um die scheidende Bundeskanzlerin
Angela Merkel. Vor dreizehn Jahren fotografierte Andreas Mühe sie zum ersten
Mal, damals im Auftrag der Illustrierten
Stern und auf eine für politische Porträts
allgemein und Angela Merkel speziell ungewöhnliche Weise, nämlich hochartifiziell szenisch inszeniert. Die Politikerin
steht in einer dunkelromantischen Gartenlandschaft als kleine Rückenfigur vor
einem mächtigen Baum. Seitdem hat
Mühe Merkel mehrfach auf Reisen begleitet und im Kanzleramt porträtiert, vor allem aber hat er damit begonnen, neben
den dokumentarischen Bildern auch ge-
stellte Serien zu fotografieren, deren Fixpunkt aus seinem ersten Motiv erwuchs:
Angela Merkel als Rückenfigur, also nur
erkennbar an der unverwechselbaren
Kombination aus Hosenanzug, Habitus
und Frisur. Mühe stattete seine eigene
Mutter als Doppelgängerin aus und nahm
sie 2018 an zahlreichen mythischen deutschen Orten auf: vor den Kreidefelsen auf
Rügen, vor der Zugspitze, in Golzow und
Gehlweiler als den beiden Drehorten der
bedeutendsten deutschen Filmserien (Barbara und Winfried Junges „Kinder von
Golzow“ sowie Edgar Reitz’ „Heimat“)
oder vor der Villa Hügel in Essen. Im vergangenen Frühjahr dann durfte Mühe
drei Tage lang im unbewohnten Bonner
Kanzlerbungalow fotografieren.
Die dabei entstandenen neun Bilder
sind das Zentrum der Dresdner Ausstel-
lung. Sie spielen mit dem Gedanken,
was die Kanzlerin wohl nach dem Abschied von der Macht tun wird. Mühe
inszeniert Merkels Doppelgängerin als
Rentnerin in einem Gebäude, das selbst
im Ruhestand ist, nachdem es ehedem
Wohnung der Mächtigen war, und über
den Witz dieser Idee hinaus entsteht
auch das aus der Außen- und Innenarchitektur des Bungalows geborene Psychogramm einer verlorenen Republik. Mitten unter den neun Bildern hängt im selben Großformat, aber vor neutralem
dunklen Hintergrund ein Porträt der echten Angela Merkel. Und in der riesigen
Halle des Lipsiusbaus steht ein Kleiderständer, an dem Mühes Requisiten baumeln: pastellfarbene Jacken und eine Perücke. Realität und Fiktion sind hier
überall ganz nahe beieinander.
Auf Helmut Kohls Bett
Auch in den vier Texten aus Durs Grünbeins „Oxford Lectures“, die Mühe und
Marion Ackermann mit Billigung des
Dichters den Bildern beigegeben haben.
In der Auseinandersetzung Grünbeins
mit seiner deutschen, vor allem aber
Dresdner Herkunft spiegelt sich der ästhetische Umgang des in Karl-MarxStadt (darauf legt Mühe Wert) gebürtigen Fotografen Mühe mit dessen eigener
Biographie in seinen Arbeiten: Er ist ein
Außenstehender geblieben, der auf Distanz achtet, was man in den insgesamt
hundert Motiven der Ausstellung immer
wieder sehen kann, am beeindruckendsten in der – realen – Schwarzweißbildserie, die Mühe 2011 in Washington bei
der Verleihung der amerikanischen Freiheitsmedaille durch Barack Obama an
Angela Merkel aufgenommen hat. Aber
auch der Blick aus extremer Obersicht
auf den roten Teppich eines Staatsgastempfangs am Berliner Flughafen weist
dieselbe analytische Kühle auf wie die
Texte von Grünbeins Poetikvorlesung.
Marion Ackermann versteht die Ausstellung als Hommage nicht nur an die Person, sondern an die Ära Merkel. Was das
im gesellschaftspolitisch gespaltenen Dresden für Reaktionen hervorrufen wird, dürfte so spannend sein wie die Bilder selbst.
Und man mag es Trost oder Drohung nennen: Die Ausstellung wird leider noch früher enden als Angela Merkels Kanzlerschaft.
ANDREAS PLATTHAUS
Andreas Mühe – Alles, was noch nicht
gewesen ist, ist Zukunft, wenn es nicht
gerade jetzt ist. Im Lipsiusbau, Dresden;
bis zum 29. August. Kein Katalog.
Maler seltener Erden
Ton, Steine, Kräuter: Der Land-Art-Künstler Herman de Vries wird achtzig
Foto Peter Wieler
In der Versenkung errettet
Mehr als virtuos: Claire Huangci und Grigory Sokolov beim Klavierfestival Ruhr
Ein Konzert ist ein öffentliches Ereignis.
Für das Klavierkonzert gilt das in besonderer Weise. Die Figur des Virtuosen hat
ein Ideal des Auftretens vor Publikum geprägt, an dem auch Personen aus anderen anspruchsvollen Berufen gemessen
werden wie Manager, Politiker und Wissenschaftler, selbst wenn sie nur gelegentlich in Sälen um Applaus werben.
An die Virtuosität knüpft sich freilich
auch ein Verdacht: Das Können werde
nur um des Vorführeffekts wegen vorgeführt. Ein merkwürdiger Vorbehalt. Man
geht doch ins Konzert, um eine Vorführung zu erleben. Nicht nur die Virtuosen
im übertragenen Sinne, die Kaesers, Söders und Nassehis, stehen unter kritischer Beobachtung selbst ihrer hingerissenen Anhänger. Diese Figur der charakterologischen Sozialkritik wird auch heute noch von der Praxis der Musikkritik beglaubigt. Ein Virtuose – das bleibt ein
zwiespältiges Lob für einen Pianisten.
Was sagt das über den Konzertbetrieb?
Es kommt hier womöglich ein Unbehagen an der Öffentlichkeit als Betriebsvoraussetzung zum Ausdruck, ein Gefühl dafür, dass die Form des Konzerts ästhetische Kosten erzeugt. Überwältigung, Brillanz, das Staunen über die
Technik: Begünstigen nicht schon die äußeren Bedingungen des Auftritts, angefangen mit der Verdunkelung des Saals,
eine Konzentration auf solche Einseitigkeiten, also eine Art von Ablenkung?
Mit der Klaviermusik assoziiert man
auch Intimität. Die mit der Bauart des
Tasteninstruments gegebene Deutlichkeit der Töne erlaubt unvermittelte Mitteilungen.
Kann es sein, dass Grigory Sokolov, einer der größten Meister seines Faches,
von kulturkritischer Skepsis gegenüber
seinen Arbeitsumständen heimgesucht
wird? Er hat das Ritual des Konzerts
schon vor geraumer Zeit erweitert. Der
Zugabenteil hat sich derart ausgewachsen, dass er das Ganze verändert. Auf
den öffentlichen Teil folgt sozusagen ein
Privatissimum. Der Hörer ist auf sich zurückgeworfen, wird mit Stücken konfron-
tiert, auf die ihn das Programmheft nicht
vorbereitet hat. Das Ritual im Ritual hat
zwar auch zirzensische Züge entwickelt,
aber das gehört zur Dialektik der Öffentlichkeit. Bei Sokolovs Rezital in der Essener Philharmonie, seinem dreiundzwanzigsten Auftritt in fünfzehn Jahren des
Klavierfestivals Ruhr, hatte die Zugabenserie jetzt einen komplett anderen Charakter als der Rest des Programms.
Sokolov begann mit zwei Stücken aus
op. 118 von Brahms, wo jeder Kollege
sich mit einem begnügt hätte. Es folgte
nicht anderes, sondern Ähnliches, genauer gesagt hier und jetzt Ähnliches, durch
Sokolovs Vortrag eingeschmolzen zu Probestücken seiner Kunst der Anverwandlung: eine Mazurka und ein Prélude von
Chopin, ein Prélude von Skrjabin und
Bachs Choral „Ich ruf zu dir Herr Jesu
Christ“ in Busonis Bearbeitung. Der Alchimist zerlegte den Stoff des A-Dur-Intermezzos von Brahms, um ihn wieder
zusammenwachsen zu lassen, und mischte aus den heroischen Spurenelementen
der g-Moll-Ballade ein Pulver zur Erlangung der ewigen Ruhe.
Das ohne Pause gebotene Gesamtprogramm des Konzerts nahm sich im Rückblick dreigeteilt aus, und die drei Teile unterschieden sich so vollständig voneinander, dass einem die dreiteilige Ordnung
der alteuropäischen Gesellschaft einfallen konnte, nach der die Menschen die
Stände der Krieger, Arbeiter und Priester
bilden. Am Anfang war der Kampf. Mit
klingendem Spiel präsentierte Sokolov
vier Polonaisen Chopins, markant blitzend, mitreißend durch rhythmische Präzision und Ballung der Kräfte, durchdringende Appelle auch im Leisen, so im Gegeneinander der fetzenhaften Eröffnungsformeln von op. 26 Nr. 2: Die Trommel zweimal gerühret.
Es folgte die Arbeit oder das Studium,
Rachmaninows zehn Préludes op. 23 als
Kompendium von Etüden. Geduldig präpapierte Sokolov die Gleichförmigkeit
der Melodien und die Notwendigkeit
exakter Reproduktion der rhythmischen
Effekte heraus: Muster einer natürlichen
Klangwirtschaft. Das Gnadenbrot der
Zugaben, geistliche Musik schon vor der
buchstäblichen Anrufung des Herrn Jesu
Christ, ließ dann alle konventionellen
Vorstellungen von pianistischen Glanzstunden in der Versenkung der Zuhörer
verschwinden.
Zwei Tage vor Sokolov war die vierzig
Jahre jüngere Claire Huangci in Wuppertal aufgetreten, eine Amerikanerin, die
in Frankfurt lebt. Sie hat schon als Kind
Wettbewerbe gewonnen und konnte sich
nicht wehren gegen die Fama der Virtuosin. Das Rollenproblem scheint sie
forsch attackieren zu wollen, mit reflexiver Virtuosität: Als Einspringerin für Maria João Pires bot sie gleich drei notorische Bravourstücke, die d-Moll-Toccata
von Bach-Busoni, Beethovens Waldstein-Sonate und Schuberts letzte Sonate
in B-Dur, das Anti-Bravourstück mit
dem von Schumann notierten Verzicht
auf glänzende Neuheit. Claire Huangci
imponierte – indem sie die für beide Sonaten charakteristischen allgemeinen
musikalischen Gedanken nicht frappant
ausschmückte, sondern leise wachsen
ließ und zu langen Bögen formte.
Als Joachim Kaiser für sein Buch über
die Beethoven-Sonaten das Kapitel über
op. 53 schrieb, saß er mit der Stoppuhr
vor dem Plattenspieler. Er nahm „Zwischenzeiten“, wie bei Langstreckenläufern, um nachzuweisen, dass in den Referenzaufnahmen das zweite Thema immer langsamer genommen wird als das
erste. Den Befund stilisierte er zu einem
Rätsel: Kann es sein, dass „alle Pianisten
unserer Welt irren“? Claire Huangci
wich von der allgemeinen Übung ab,
nahm das Tempo nicht heraus, wofür sie
sich immerhin auf Alfred Brendel hätte
berufen können. Indem sie das an sich
schon langsame Thema nicht extra langsam spielte, wurde sinnfällig, dass der
von Beethoven aus dem Felsen des antimelodischen Beginns geschlagene Strom
hier nicht auf einen Widerstand stößt: Innen und außen, Gestaltung und Verwandlung, Fluss und Schleuse sind eins.
So sieht das Jenseits des Leistungssports
der Virtuosen aus. PATRICK BAHNERS
Herman De Vries
Foto ddp
noch zu arrangieren oder kontextualisieren ist. Ein solches minimalinvasives Konzept bedeutet auch, dass bisweilen wie bei
Beuys die Gefahr des Nichterkennens
droht — de Vries’ wild wuchernder Sträucher- und Gräserdschungel des „Sanctuariums“ am Stuttgarter Pragsattel wurde
2018 radikal abgemäht und beschnitten.
Neben kunstvollen „Herbarien“ im
Freien sowie auf Papier und Leinwand in
der Tradition der Renaissance-Wunderkammern entstanden auch Künstlerbücher mit dem gesamten Kosmos de Vries’
im Kleinen. Wenn eine dieser Künstlereditionen in der Reihe mimas atlas mit dem
Titel „ambulo ergo sum“ überschrieben
ist, könnte das auch das Lebensmotto des
Künstlers sein: „Ich wandle, also bin ich.“
Dass de Vries in seinem urigen deutschen Mittelgebirge von den eigenen
Landsleuten vergessen worden wäre, ist
nicht der Fall: Auf der 56. Biennale von
Venedig im Jahr 2015 gestaltete er den
holländischen Pavillon und die LagunenInsel Lazzaretto Vecchio. Beides stand unter dem geradezu buddhistischen Titel
„To be all the ways to be“. Die Architektur
verwandelte er dabei in eine MeditationsInsel im Auge des venezianischen Kunsttaifuns, die echte Insel überließ er der Natur. Auch das Stedelijk Museum in Amsterdam besitzt und ehrt seine Gemälde von
de Vries, bildete er doch in den Fünfzigerjahren gemeinsam mit Armando und Henderikse das Herz des holländischen Informel. Erst im vergangenen Jahr widmete
ihm das auf Skulpturen spezialisierte
Georg-Kolbe-Museum in Berlin mit
„How green is the grass?“ eine große Ausstellung, die auch neueste Arbeiten des
unermüdlichen Waldläufers umfasste.
Möge das Gras und die Erdsode darunter
sich noch lange lebendig und duftend auf
seinen Leinwänden abreiben, denn heute
wird Herman de Vries erst jugendliche
achtzig Jahre alt.
STEFAN TRINKS
Auktionen, Kunsthandel, Galerien
Vorbesichtigung München
Nur noch bis 13. Juli 2021
karlundfaber.de/kaufen
Auktionen 14./15. Juli 2021
Moderne & Zeitgenössische Kunst
AUKTION 22. JULI
SHE SONDERAUKTION
HANNELORE ELSNER
BESICHTIGUNG
14.–20. JULI, 10–17 UHR
NEUMEISTER
Barer Straße 37. 80799 München.T + 49 89 231710-0
info@neumeister.com. www.neumeister.com
© NOLDE STIFTUNG SEEBÜLL
Als könne es gar kein Ende haben: Claire Huangci spielt Schubert in der Stadthalle Wuppertal.
Was verschlägt einen im holländischen
Flachland Alkmaar Geborenen in das hügelige Mittelgebirge des fränkischen Steigerwalds, genauer nach Eschenau, und
was hält ihn dort, seit einundfünfzig Jahren? Sicher nicht die nahe Cola-Fabrik in
Knetzgau, vielmehr sind es die Besonderheiten der dortigen Natur, die für einen
ausgebildeten Gärtner, Biologen und
Land-Art-Künstler wie Herman de Vries
ständige Anregung oder Herausforderung
sind und in deren Wäldern er die Grundelemente jener Bilder findet, für die er bekannt ist: Abriebe „seltener Erden“, die
er auf seinen ausgedehnten täglichen
Wanderungen durch die erstaunlich vielfältige Natur des Steigerwalds sammelt
und auf weiß grundierter Leinwand —
meist in quadratischer Form — in die textile Struktur einmassiert.
Fast parallel zu Gerhard Richters Farbquadrat-Puzzles und vor dessen riesigem
Glasfenster für den Kölner Dom entstanden, beziehen de Vries’ ebenfalls vom
Licht bestimmte Erd-Farbquader ihre
Leuchtkraft von zartem Lehmgelb über
Rosé-Löss bis hin zu Waldbodentiefbraun
nicht primär vom einfallenden Licht, sondern von den mineralischen Bestandteilen der variantenreichen Böden der Gegend. Wer ihn über einen herben Magerrasen schlurfen sieht, könnte sich phänotypisch durch den mächtigen grau-weißen
Vollbart de Vries’ an den Alm-Öhi erinnert fühlen; treffender scheint der Vergleich mit einem Geologen-Künstler wie
dem malenden Ganzheitlichkeitsarzt und
präzisen Chronisten von Gesteinssedimenten, Carl Gustav Carus, der wie de Vries
Landschaftsformationen wie die Basaltformationen in Nordirland mit Auge und Pinsel sezierte. Doch anders als Carus ist de
Vries auch Bildhauer. Dabei ist ihm jedes
in der Natur gefundene und von ihr vorgestaltete Objekt eine „sculpture trouvée“,
der es nichts hinzuzufügen gilt und die nur
EMIL NOLDE , „Meer“ (Welle), Schätzpreis: € 150.000/200.000
Amiraplatz 3 · München · T +49 89 22 18 65 · info@karlundfaber.de
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
ALEX KATZ
Burkhard Eikelmann Galerie
Düsseldorf Oberkassel
art@burkhardeikelmann.com
WÖCHENTLICHE
ONLINE-AUKTIONEN
WWW.VAN-HAM.COM
ONLINE
ONLY
Wissenschaftliche Bücher +
Fachliteratur + Bibliophiles kauft
Antiquariat Zorn Marburg
☎ 0 64 21 / 2 32 20
Klingt interessant:
die F.A.Z. zum Hören.
Jetzt mehr erfahren unter
faz.net/audio-angebot
Feuilleton
SEITE 12 · S AMS TAG, 10. JULI 2021 · NR. 157
FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUN G
D
ie großen Kinoautoren werden in Cannes gehätschelt,
aber der kommerzielle Glamour ist für das Festival genauso wichtig, und die Filme von Paul Verhoeven passen ideal in
beide Kategorien. Vor fast dreißig Jahren lief sein Erotikthriller „Basic Instinct“ im Wettbewerb, 2016 kehrte er
mit Isabelle Huppert und „Elle“ an die
Croisette zurück, und jetzt ist er mit „Benedetta“ wieder hier, der Verfilmung einer wahren Geschichte aus dem Italien
des siebzehnten Jahrhunderts. Es geht
CANNES
2021
um eine Nonne, die wegen ihrer Christus-Visionen und wegen ihrer lesbischen
Liebe zu einer Mitschwester zum Opfer
der Inquisition und zugleich zur Volksheldin einer toskanischen Kleinstadt
wurde. Verhoevens langjähriger Drehbuchautor Gerard Soeteman ist aus dem
Projekt ausgestiegen, weil es ihm, wie er
sagte, zu sehr auf das Thema Sexualität
fixiert war, und so kam der Film mit dem
Nimbus der cineastisch abgefederten
Obszönitätenschau nach Cannes.
Davon kann, auch auf den zweiten
Blick, keine Rede sein. Zwar zeigt die letzte Einstellung zwei nackte Frauen in blühender Natur, und auch davor sind gelegentlich entblößte Frauenkörper im Lustrausch oder auf der Streckbank des Folterers zu sehen, aber Sex ist nicht das Thema dieses Films. Worum es Verhoeven
wirklich geht, ist das System, mit dem die
katholische Kirche im Mittelalter und der
frühen Neuzeit ihre Schäfchen zusammengehalten hat, der organisierte Wahnsinn
aus Askese, Körperfeindlichkeit, Aberglauben und Angst. Die schlimmste intellektuelle Sünde in dieser Welt war die Blasphemie, die Entweihung des Heiligen, und
eben davon handelt „Benedetta“.
Denn Benedetta (Virginie Efira)
macht mit Jesus das, was das Kino seit Pasolini und George Stevens mit ihm ge-
Die Fleischeslust kommt beim Beten: Virginie Efira als Nonne Benedetta in Paul Verhoevens Film.
Foto Festival
Böse Mädchen im Kloster
Paul Verhoeven verfilmt eine lesbische Liebesgeschichte aus dem Barock,
und Valeria Bruni Tedeschi spielt eine Nervensäge: Eindrücke vom
Wettbewerb an der Croisette. Von Andreas Kilb, Cannes
macht hat: Sie stellt ihn sich vor. Am Anfang sind ihre Visionen vom guten Hirten und himmlischen Bräutigam noch relativ keusch, aber als sie sich in die schöne Bartolomea verguckt, die vor dem sexuellen Missbrauch durch ihren Vater ins
Theatinerkloster von Pescia geflohen ist,
vermischt sich Benedettas Begehren mit
der Erscheinung des Mannes am Kreuz.
In ihrem Traum hat Jesus den Unterleib
einer Frau, er fordert sie auf, sich auf ihn
zu legen, und als sie erwacht, sind ihre
Hände und Füße mit Wundmalen bedeckt, ohne dass man genau erfährt, ob
sie die Stigmata empfangen oder sich
selbst beigebracht hat.
Aber auch hier findet Benedetta die kinomäßig beste Lösung für ihre Situation,
indem sie zur Regisseurin und zum Star ihres religiösen Traumspiels wird. Weil Jesus zu ihr spricht und die Kirchenmänner
des Städtchens eine Heilige gut brauchen
können, um ihre eigene Stellung aufzuwerten, übernimmt Benedetta schon bald die
Was man tief im Herzen besitzt,
kann man nicht durch den Tod verlieren.
(Goethe)
Von guten Mächten wunderbar geborgen,
Erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen
Und ganz gewiss an jedem neuen Tag.
Der Herr wird seinen Engel
mit dir senden und Gnade
zu deiner Reise geben.
1. Mose 24, 40
In Liebe und Dankbarkeit nehmen wir Abschied von
Peter Maier-Oswald
Generalkonsul a. D.
Dietrich Bonhoeffer
Inge Maier-Oswald geb. Huber
Amélie Eise, geb. Maier-Oswald und Lars Eise
Konstantin Eise
Theresa Eise
Elsässer Straße 32, 81667 München
* 14. Januar 1931
Elberfeld
† 1. Juli 2021
Locarno
Die Urnenbeisetzung findet im Kreise der Familie
in Österreich statt.
Im Alten
Testament steht:
Liebe Deinen
Nächsten.
In meinem auch.
Wegen einer Strafanzeige findet die
von der Stadt Düsseldorf Ende April
beschlossene Rückgabe von Franz
Marcs wertvollem Gemälde „Füchse“ aus dem Jahr 1913 an die Erben
des einstigen jüdischen Besitzers
Kurt Grawi vorerst nicht statt. Wenige Tage nach dem Beschluss des
Stadtrats zur Restitution sei bei der
Staatsanwaltschaft Düsseldorf Strafanzeige wegen zumindest versuchter
Untreue gestellt worden, sagte eine
Sprecherin der Stadt jetzt der Deutschen Presse-Agentur. Die Anzeige
richte sich gegen die verantwortlichen Mitglieder der Stadtverwaltung, die die Rückgabe der „Füchse“
empfohlen hatten, sowie gegen die
Mitglieder des Stadtrats, die dem Beschluss Ende April zustimmten.
Nach Informationen der F.A.Z. hat
die Strafanzeige Friedrich Kiechle,
ehemaliger Vorsitzender Richter am
Verwaltungsgericht Berlin, gestellt.
Kiechle hatte sich in seinem Artikel
„Aufforderung zum Rechtsbruch“
(F.A.Z. vom 23. April) bereits mit der
Möglichkeit eines solchen Vorgehens
auseinandergesetzt, nachdem die Beratende Kommission im Zusammenhang mit der Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturguts
insbesondere aus jüdischem Besitz,
kurz „Limbach-Kommission“, der
Stadt Düsseldorf die Rückgabe empfohlen hatte. Diese Empfehlung des
Gremiums erging nicht einstimmig,
sondern mit sechs gegen drei Stimmen. Sie war zudem auch unter Juristen umstritten, weil die „Füchse“ außerhalb des einstigen nationalsozialistischen Machtbereichs erst nach der
Emigration Grawis in den Vereinigten Staaten verkauft wurden,
nachdem er das Werk nach New York
hatte verbringen können.
rmg/dpa
Einschlafen dürfen, wenn man müde ist,
und eine Last fallen lassen können,
die man lange getragen hat,
ist eine tröstliche, eine wunderbare Sache.
Hermann Hesse
Dr. Kurt Fischer
* 17. Januar 1937
Wir haben unseren geliebten Nono verloren:
geb. Frowein
Strafanzeige gegen
die Stadt Düsseldorf
Flottillenadmiral a. D.
Berlin, 4. Februar 1935
München, 20. Juni 2021
Marion König
Die „Füchse“
bleiben vorerst
Leitung und bekommt so Gelegenheit, ihre lesbische Romanze auszuleben. Die abgesetzte Äbtissin sinnt allerdings auf Rache und mobilisiert einen päpstlichen Nuntius, der nicht nur die Inquisition, sondern
auch die Pest nach Pescia bringt.
Das alles ist gefällig erzählt und schön
anzusehen, schon deshalb, weil man Charlotte Rampling und Christopher Lambert,
die Benedettas Widersacher spielen, immer gern zuschaut. Aber die in fünfzig Jahren erworbene Routine, mit der Verhoeven diesen Stoff inszeniert, hat eine Kehrseite. Das Innenleben seiner Figuren ist
dem niederländischen Regisseur nämlich
vollkommen gleichgültig, jede wird auf ihre Funktion in der Geschichte reduziert,
und diese Kälte überträgt sich auf den Zuschauer. „Benedetta“ läuft wie ein Bilderbuch ab, nicht wie ein Drama, und deshalb wirken auch die visuellen Provokationen des Films – etwa die hölzerne Marienstatuette, aus der Benedettas Geliebte einen Dildo schnitzt – wie Museumsstücke.
Die Belgierin Virginie Efira schließlich
agiert trotz aller Wunden und Schreie so
statuarisch, dass man sich fragt, ob Benedetta in einem Fürstenschloss nicht besser
aufgehoben wäre. Vielleicht hätte Paul
Verhoeven lieber einen Film über die Medici drehen sollen. Sex, Crime und Religion gab es bei ihnen reichlich, und Florenz
liegt von Pescia aus um die Ecke.
Unter den Kino-Heiligen von Cannes
jedenfalls war Benedetta ein Leichtgewicht: Wirklich böse Mädchen traf man
anderswo. In Catherine Corsinis „La
fracture“, einem Film, der ein wenig unbeholfen die Gelbwesten-Krawalle von
2019 mit einer Frauenliebesgeschichte
zu verknüpfen versucht, spielt Valeria
Bruni Tedeschi eine Comiczeichnerin in
der Lebenskrise. Als sie auf der Straße
stürzt und sich den Arm bricht, kommt
sie ins Krankenhaus, und dort lässt sie ihrem hysterischen Selbstmitleid freien
Lauf, ehe sie im Chaos der Pariser Gewaltexzesse ihren Mund zu halten lernt.
Es gibt Filmfiguren, deren Glaubwürdigkeit an Belästigung grenzt, und Bruni Tedeschis Zeichnerin gehört dazu. Jedenfalls ist man froh, dass sie in ihre Geschichte eingesperrt bleibt und nicht wie
in einem alten Film von Woody Allen
von der Leinwand herabsteigt, um unser
Leben in Unordnung zu bringen.
† 28. Juni 2021
In Dankbarkeit und tiefer Trauer nehmen wir Abschied.
Ursula Fischer, geb. Eschenburg
im Namen aller Angehörigen
26349 Jade, Kirchenstraße 64
Die Seebestattung erfolgt mit der „Etta von Dangast“
im engsten Kreis.
Die Trauerfeier findet aus gegebenem Anlass zu einem
späteren Zeitpunkt statt.
In liebevoller Erinnerung nehmen wir Abschied von
Dieter Strohm
* 28. 2. 1939
† 3. 7. 2021
Du wirst immer in unseren Herzen sein.
Nach einem langen und glücklichen Leben verliess uns
unsere geliebte und verehrte Mutter, meine Schwester,
Schwiegermutter, Grossmutter und Urgrossmutter.
sie war das herz und der Mittelpunkt unserer familie.
Dr. Stephan und Marion König
Dr. Sophie König-Rutt und Nikolaus Rutt mit Philippa
Nathalie König
Philipp König
Angela Bartels, geb. König
Caspar, Leonie und Paul Bartels
Dr. Jörg
und
Vivica Mittelsten Scheid
Ina Strohm
Hansi und Christiane Zinner
Lili Zinner
Katja Gutschmidt
Claudia Strohm
Familie Reiner Strohm
sowie alle Angehörigen
Irgendwann kommt für jeden
der Zeitpunkt, an dem man
sich fragt, ob man alles richtig
gemacht hat, den anderen ein
guter Mensch war. Was bleibt,
wenn man geht? Dies können
Sie selbst entscheiden. Mit
Ihrem Testament!
Mit einer Testamentsspende
unterstützen Sie unser Engagement gegen Einsamkeit
im Alter und schenken alten
vereinsamten Menschen
wieder Zuversicht und Lebensfreude.
Die Trauerfeier mit anschließender Urnenbeisetzung findet am
Samstag, dem 31. Juli 2021 um 15.00 Uhr im Friedwald Gelnhausen statt.
Professor Dr. Juergen B. Donges
* 24. Oktober 1940
Nähere Informationen:
Freunde alter Menschen e.V.
Tieckstraße 9, 10115 Berlin
Telefon 030 / 13 89 57 90
www.famev.de
† 25. Juni 2021
Herr Prof. Donges war von März 1998 bis März 2017 Mitglied im
Aufsichtsrat unserer Gesellschaft und hat das Gremium mit seinem
unerschöpf lichen Fachwissen, seinen mitunter kontroversen
Perspektiven und Impulsen, aber auch durch seine Herzlichkeit
und seinen Humor bereichert. Hierfür gebührt einer großen
Persönlichkeit unser tiefster Dank für das langjährige Engagement.
In stillem Gedenken
Unser besonderes Mitgefühl gilt seiner Familie.
„Lebenswege“, das Trauerportal der F.A.Z., veröffentlicht alle Anzeigen aus der Zeitung jeweils auf einer eigenen Gedenkseite.
Hier können Menschen kondolieren, persönliche Erinnerungen teilen oder eine virtuelle Gedenkkerze anzünden.
Mehr erfahren Sie unter lebenswege.faz.net
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
Ampega Investment GmbH, Köln
Aufsichtsrat, Geschäftsführung und Belegschaft
Kunstmarkt
FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUN G
S AMS TAG, 10. JULI 2021 · NR. 157 · S EITE 13
Spektralvogel
als Alter Ego
London und Paris, vereint
Münchner Vorschau:
Moderne, Zeitgenossen
bei Karl & Faber
Die Tradition der Londoner Sommersaison mit Moderne und Zeitgenossen blieb;
das Format war, wie schon 2020, wieder
ein neues. Sotheby’s schloss dem „Modern
and Contemporary Art Evening Sale“ den
sonst separierten „British Art Evening
Sale: Modern/Contemporary“ an. Zusammen setzten die Abendauktionen 156,2
Millionen Pfund um; die Erwartung lag
bei 119,7 bis 170,3 Millionen.
Die junge Londoner Malerin Jadé Fadojutimi machte diesmal den Auftakt bei Moderne und Gegenwartskunst. Ihr Gemälde
„I’m pirouetting the night away“ von 2019
stieg auf 320 000 Pfund (Taxe 80 000/
120 000). Picasso war gleich siebenmal
vertreten: Sein teuerstes Werk, „Homme
et femme au bouquet“ von 1970, war garantiert und ging zur unteren Taxe von
acht Millionen Pfund weg. Spitzenlos waren Wassily Kandinskys abstrakte „Tensions calmées“ von 1937, aus einer amerikanischen Sammlung eingereicht. Es wurden achtzehn bis 25 Millionen Pfund erwartet; der Hammer fiel bei 18,3 Millionen. Maria Lassnigs Fußball spielende
Nonne in „Kampfgeist I“ erzielte 380 000
Pfund (350 000/450 000). Insgesamt wurden mit 53 von 57 Losen im Angebot 108
Millionen Pfund umgesetzt.
Die britische Kunst führte Lucian
Freuds marktfrisches Porträt seines Malerkollegen „David Hockney“ von 2002 an.
Fünf Telefonbieter aus London, New York
und Asien rangen zehn Minuten darum;
der erfolgreiche Käufer bot 12,8 Millionen
Euro (8/12 Millionen) dafür. Peter Doigs
Gemälde aus den Neunzigern wurde
schneller vermittelt: „Blue Mountain“
blieb mit 4,5 Millionen (5/7 Millionen) hinter seiner Erwartung zurück; Doigs
„Bomb Island“ erzielte 3,6 Millionen
Pfund (3/5 Millionen). Eine Keramikvase
der in Kenia geborenen britischen Künstlerin Magdalene Odundo stellte mit 300 000
Pfund (60 000/ 90 000) einen Rekord auf.
Christie’s hatte an den „20th/21st Century: London Evening Sale“ zwei Abendauktionen in Paris angeschlossen und setzte
mit dieser engen Verbindung der beiden
Standorte ein Signal für die Zukunft –
„Post-Brexit“. Insgesamt wurden mit 82
Losen 153,6 Millionen Pfund umgesetzt.
Der Auktionator und Global President Jus-
Ergebnisse des Sommers / Von Anne Reimers, London
Herbert List, „Fußball auf der Straße“ in Palermo, 1950, Silbergelatine Vintage-Print, 23 mal 29,5 Zentimeter (8500 Euro)
Anstoß Italien
Foto Katalog/VG Bild-Kunst, Bonn 2021
Fotografien von Herbert List in der Kölner Galerie Karsten Greve
Hans Hartung, „T-1970-H37“, 1970,
Acryl auf Leinwand, 102 mal 130 Zentimeter: Taxe 150 000/200 000 Euro
te Formen auf zitronengelben Grund
setzte (150 000/200 000). Max Ernst
schließlich zieht es schon 1922 zu den
Surrealisten nach Paris, wo 1932 „Oiseaux spectraux“ entsteht, ein oft ausgestelltes Beispiel der als Alter Ego
des Künstlers zu verstehenden Vogeldarstellungen (250 000/350 000).
Experten beurteilen Wilhelm Morgners ornamental umschlungenen
„Blauen Jungen mit Sense“ von 1911
als von „herausragender Bedeutung“
im Werk des Soester Künstlers. Neben
dessen Monogramm weist das marktfrische Bild auch eine Bezeichnung
und Datierung von Georg Tappert
auf, Lehrer und künstlerisch beratender Freund des jung in Westflandern
gefallenen
Morgner
(100 000/
150 000). Bei der Grafik sticht
Munchs Holzschnitt „Der Kuss IV“
von 1902 hervor, die letzte, beide Figuren verschmelzende Version des berühmten Motivs (120 000/150 000).
Die Offerte mit Kunst von 1945 an
enthält mehr als hundert Werke aus
Hans Burchard von Harlings Sammlung fast ausschließlich monochromer, in der Mehrzahl weißer Arbeiten.
Sie startet mit Picassos keramischer
„Tête au masque“ (6000/8000), tangiert die Zero-Künstler, darunter
Heinz Mack mit einem Aluminiumrelief (8000/12 000), bringt eine
schwarz-weiße Collage von Palermo
aufs Pult (8000/12 000) oder auch eine
lange Werkstrecke von Herbert Zangs,
dem der Sammler als enger Freund die
Möglichkeit gab, mehrere Jahre Werkstätten der Mercedes-Benz-Fabrik in
Sindelfingen als Atelier zu nutzen.
Auch Turi Simeti fehlt nicht, seine
„Scultura in tela sagomata“ von 1995
(4000) passt zu Arbeiten weiterer
Künstler aus dem Mailänder Kreis um
Lucio Fontana, die aus einer anderen
Privatsammlung kommen: Paolo
Scheggi variierte Fontanas Expansionsprinzip der Leinwand in den Raum
mit seiner „Zone riflesse“, hier drei
übereinandergelegte, im selben Blau
bemalte Leinwände, die ovale Ausschnitte
raumgebend
öffnen
(180 000/200 000). Durch Unterfütterung modellierte raumplastische Lösungen von Agostino Bonalumi stehen als „Rosso“ (50 000/60 000) und
in Gestalt von „Nero n˚18“ zur Verfügung (90 000/120 000), während Dadamainos schwarze „Volume“ im Zweidimensionalen bleibt (25 000/ 35 000).
Gunter Sachs machte Hartmut Stöcker mit Andy Warhol bekannt; 1980
schuf der ein Porträt des damaligen
Noch-Ehemanns der Sammlerin Ingvild Goetz, der auch in ihrer Galerie
„Art in Progress“ mitwirkte. Sein Bildnis zeigt Stöcker vor mittelblauem
Grund, taxiert ist es auf 180 000 bis
220 000 Euro. Eine beachtliche Auswahl an Bildhauerarbeiten führt, neben anderen, Namen wie David Smith,
Eduardo Chillida, Joannis Avramidis,
Stephan Balkenhol oder Michail Pirgelis, ehemals Schüler Rosemarie Trockels, der mit einem seiner blanken originalen Flugzeugteile vertreten ist
(15 000/20 000).
BRITA SACHS
Eine geradezu balletöse Eleganz legt dieser Straßenfußballer an den Tag, der Herbert List 1950 in Palermo vor die Linse
gelaufen ist, da können die Bambini aus
der Nachbarschaft nur ehrfürchtig staunen. Auch Lorenzo „il magnifico“ Insigne, der in Frattamaggiore, einem armen
Vorort im Norden von Neapel, aufgewachsen ist, soll, wiewohl er „nur“ 1,63
Meter misst und keine langen Beine mitbringt, die Leichtigkeit seines Spiels auf
der Straße gelernt haben. Da werden
The Three Lions im EM-Finale morgen
Abend aufpassen müssen, dass er ihnen
nicht das Fell über die Ohren zieht:
Wenn der einzige Spieler, der für Trainer
Roberto Mancini immer gesetzt ist, den
Ball aus dem Dribbling heraus – so zum
(zwischenzeitlichen) 2:0 gegen Belgien
– überraschend anstrengungslos in den
Torwinkel schlenzt, wird die Sprezzatura
zum Stilideal auf dem grünen Rasen.
Der anonyme Solist des „bel gioco“ ist
nur eine von mehreren Zufallsbegegnungen, die Herbert List (1903 bis 1975) in
die Quere gekommen ist, auf der Suche
nach die Sonne anbetenden Adonissen
und in Stein gehauenen Göttern der Vergangenheit. Besonders die Streifzüge,
die er zwischen 1957 und 1961 mit Vittorio De Sica in dessen Heimatstadt unternahm, führten zu eindrucksvollen Porträtaufnahmen. Die Extreme Neapels –
Pracht und Elend, Licht und Schatten –
liegen dicht beieinander: Teatro San Carlo und Hinterhofsänger, Galleria Umberto und Gebrauchtmöbelmarkt, kartenspielende Pensionäre im Club und Näherinnen in der Gasse, Handwerker und
Priesterseminaristen. Die Tränen und
stummen Schreie in den Gesichtern der
Frauen, die am Hafen Abschied nehmen
von ihren nach Australien auswandernden Verwandten, sind herzzerreißend.
Neben Neapel ist Rom mit Kapitol
und Kolonnaden, Trevi-Brunnen und
Trastevere der zweite zentrale Schauplatz der Ausstellung „Italia“, mit der die
Kölner Galerie Karsten Greve in mehr
als hundert Fotografien auffächert, wie
Herbert List zwischen 1934 und 1961
sein Sehnsuchtsland bereist und wahrgenommen hat: vom Markusplatz in Venedig zum Tal der Tempel in Agrigent, von
den Thunfischfischern auf Favignana
zur Altersresidenz Casa Verdi in Mailand, vom „Schatten des David“ in Florenz zu den Ungeheuern von Bomarzo.
Eine Sammlung in der Sammlung bildet eine Galerie mit Künstlerporträts, in
der unter anderen Giorgio de Chirico
und Giorgio Morandi, Anna Magnani
und Silvana Magnano, Marino Marini
und der dreißigjährige, frisch ondulierte
Pier Paolo Pasolini auftreten. (Die Silbergelatine Vintage-Prints kosten zwischen
4500 und 11 000, die Modern Prints
2100 Euro; Begleitheft zwölf Euro. Bis
zum 28. August.) ANDREAS ROSSMANN
Strahlende Technik im finsteren Wald
Ausgegrenzt: Taisia Korotkova, Kirill Alexandrow und Wladimir Martirosow
in der Galerie „Triumph“ / Von Kerstin Holm, Moskau
Russlands Szene zeitgenössischer Kunst
vibriert, doch die russischen Galerien leiden unter der Isolation ihres Landes, was
teils eine Folge der Pandemie ist, aber
vor allem bedingt durch die politische
Konfrontation, die jegliche Kontakte
toxisch macht. Dmitri Chankin, Mitbegründer und Manager der Galerie „Triumph“, die hochklassige
Ausstellungen in führenden staatlichen Museen kuratiert, klagt,
dass ihm soeben eine Schweizer
Galerie, deren britische Künstlerin er in Moskau zeigen wollte, abgesagt habe. Der Schweizer Kollege wolle in Russland weder etwas
ausstellen noch verkaufen, so Chankin. Ähnliches hört man von anderen russischen Kunsthändlern, vor allem über amerikanische Kollegen. International marktgängig sei heute allein gegen Putin gerichteter politischer Aktionismus, sagt Chankin, der verschaffe einem
auch eine Einladung zur Art Basel. Doch
die zeitgenössische russische Kunst erschöpfe sich nicht darin und habe diese
Ausgrenzung nicht verdient.
Die Galerie „Triumph“, wenige Schritte vom Roten Platz gelegen, sei nie vom
Regime begünstigt worden, versichert
Chankin. Und obwohl Leute aus der Präsidialverwaltung in Fragen zeitgenössischer Kunst sich mit ihm berieten, operierten er und sein Partner Jemeljan Sacharow in einer Parallelwelt. Man habe
zum ersten Mal Damien Hirst, die Chapman-Brüder, Tim Noble & Sue Webster
nach Moskau gebracht, kenne die internationalen Kontexte und habe sich nie
vorstellen können, davon abgeschnitten
zu werden, sagt Chankin; doch das sei
jetzt so. Also schnalle er den Gürtel enger und organisiere nichtkommerzielle
Projekte – wie jene Retrospektive kinetischer russischer Kunst oder das von jun-
Leonardos
Bärchen
Der Bärenkopf von Leonardo da Vinci
hat sich als teuerste Zeichnung des Künstlers in die Rekordbücher eingeschrieben,
obwohl das winzige Blatt bei Christie’s in
einer der ersten Londoner Auktionen der
Firma – mit begrenztem Publikum – seit
Beginn der Pandemie nur ein einziges Gebot anzog. Es kam von einem unbekannten Paar im Saal und lag mit 7,5 Millionen Pfund, mit Aufgeld 8,86 Millionen,
unterhalb der Mindesttaxe. Christie’s hat-
Giftiger Ort: Taisia Korotkova
lässt historische Hochtechnologie
von Wildkräutern umrankt sein.
Foto Galerie
gen Kuratoren zusammengestellte Panorama des Sozialistischen Realismus, die
gerade in der Neuen Tretjakow-Galerie
liefen. Er habe nicht vor, zu emigrieren,
bekennt der Galerist, er liebe seine
Künstler und bewundere Russlands kompetente, stressresistente Jugend.
In der Neuen Tretjakow-Galerie hat
derzeit noch bis zum 25. Juli die Schau
„Dunkler Wald“ der heute überwiegend
in Italien lebenden Moskauer Malerin
Taisia Korotkova geöffnet; ihre Arbeiten
stehen bei „Triumph“ auch zum Verkauf.
Es sind mit schwarzem Marker fein gezeichnete Silhouetten von Waldesdickicht, das weiß leuchtende retrofuturisti-
te die zärtliche Silberstiftzeichnung, die
seit 2008 dem New Yorker Investor,
Sammler und Philanthropen Thomas Kaplan gehört, mit acht bis zwölf Millionen
Pfund veranschlagt. Somit hat die nur sieben mal sieben Zentimeter messende Studie, die angesichts der Seltenheit von Leonardo-Zeichnungen in privater Hand als
Trophäe gilt, den bisherigen Rekord für
die etwas größere Skizze eines Pferds mit
Reiter knapp übertroffen. Diese Vorzeichnung zu Leonardos unfertigem Gemälde
der „Anbetung der Könige“ in den Uffizien wurde einem Telefonbieter bei Christie’s vor genau zwanzig Jahren für 7,4 Millionen Pfund zugeschlagen, damals mit
Aufgeld 8,1 Millionen Pfund.
G.T.
sche Startrampen, Tunnelausgänge,
Strahlen- und Signalempfänger aus diversen Kalten Kriegen ornamental und finster zugleich umrankt. Der hausfraulich-parzenhafte Malgrund – gewachste, zusammengestückelte
Tischtücher – und die teils riesigen Formate von 2,80 mal 6,50
Metern vergegenwärtigen, dass
auch die modernste Technik
Teil der Natur bleibt, die diese
sich auf die eine oder andere
Weise wieder einverleibt. Für
die Großformate sind als Preis
30 000 Euro angesetzt, kleinere
oder runde Formate liegen bei
7000 bis 10 000 Euro. Altmeisterlich ausgearbeitete, farbintensive
Temperagemälde von vergrößerten
Sporen oder Schimmelpilzen auf Holz
sind für 2000 bis 3000 Euro zu haben.
In den eigenen Räumen an der IlinkaStraße 3/8 präsentierte „Triumph“ zuvor
kinetische Skulpturen von Kirill Alexandrow und Wladimir Martirosow. Alexandrow, vom Suprematismus und der Arte
Povera gleichermaßen inspiriert, zerlegt
geometrische Körper wie Kugel oder
Säule – wie durch eine kubistische Optik
– in farblich abgesetzte, gleichsam auseinanderfliegende Scheiben (je 15 000
Euro); er formt einen schlichten Holzstab oder rustikales Holzgeflecht zur eleganten Spirale oder Schnecke (4000 und
10 000 Euro); hängt mannshohe Spiegel
einander gegenüber, die ein zwischen ihnen stehender Betrachter in konvulsivische Bewegung versetzt („Dialog“,
12 000 Euro). Martirosow, der auch als
Bühnenbildner aktiv ist, konstruiert motorisierte Mobiles, deren EdelstahlArme so anmutig mit Löschpapier-Segeln gestikulieren, als seien es Distelblätter, Schmetterlingsflügel oder die fragilen Schwingen eines verletzten Vogels.
Der Glanz des alten Europas
Vorschau: Sammlung Bernard de Leye bei Lempertz
Mit solch delikater Pracht segelte das Ancien Régime ins Abendrot: Dem am Hof
Ludwigs XV. überaus einflussreichen französischen Adligen Jean-Baptiste de Machault d’Arnouville gehörte das 1752 von
François-Thomas Germain in Paris aus Silber, Spiegelglas, Porzellan und Bronze mit
Vergoldungen gefertigte Schreibnecessaire, das am 15. Juli in Köln bei Lempertz
zum Aufruf kommt. In der Form einem Segelschiff nachempfunden, ist das Modell
auf einem tablettartigen Untersatz verankert wie auf einer ruhigen See, mit Blumenranken dekoriert und hat zwei Fässchen für Tinte an Bord. Das Segel kann als
Schattenspender ausgerollt werden, das
Heck krönt eine Uhr.
An dieser freilich konnte Jean-Baptiste
de Machault d’Arnouville, der Mitte des
18. Jahrhunderts als Generalkontrolleur
der Finanzen und Siegelbewahrer auf dem
Höhepunkt seiner Karriere war, nicht ablesen, was die Stunde weltgeschichtlich am
Ende seines langen Lebens schlagen würde. Der 1701 Geborene erlebte noch, wie
die Französische Revolution das Schiffchen seines Lebens in den Sturm riss. Er
starb 1794 in Gefangenschaft. Sein nautisches Schreibset überdauerte den Umsturz unversehrt in einem Wäscheschrank. Nun gehört es mit einer Taxe von
700 000 bis 800 000 Euro zu den kunsthandwerklichen Preziosen, die Lempertz
aus der Privatsammlung des auf Goldund Silberschmiedearbeiten spezialisier-
Schreibset aus Silber, Porzellan und Bronze, 1752, 41 mal 39,8 mal 25 Zentimeter:
Taxe 700 000/800 000 Euro
Foto Katalog
ten belgischen Kunsthändlers Bernard De
Leye zur Auktion bringt. Von der Antike
bis ins 20. Jahrhundert führen die 260
Kunstobjekte der Offerte mit einer Gesamttaxe von rund sechs Millionen Euro.
An der Spitze mit einer Schätzung von
einer bis 1,2 Millionen Euro steht eine Silberkanne mit Bassin, die Ludwig XV. seiner ehemalige Mätresse Marguerite Catherine Hainault zu deren Hochzeit mit dem
Marquis de Montmelas schenkte.
eer.
Gerhard Richter 2021 (0146)
Foto Galerie/ The Herbert List & Max Scheler Estate
Zwei Bilder von Renoir führen die
„Ausgewählten Werke“ am ersten
Abend an, wenn Karl & Faber am 14.
und 15. Juli Kunst vom Impressionismus bis heute versteigert: „Jeunes
femmes dans un jardin“, um 1895 gemalt, tritt mit einer Taxe von 300 000
bis 400 000 Euro an, und die gleichfalls duftige „Paysage avec femme assise au milieu“ von 1918, die der Künstler laut Vermerken auf dem Keilrahmen seinem Sohn Jean vererbte, bevor sie sich zeitweise in der Kollektion des berühmten Pariser Kunsthändlers und -sammlers Paul Guillaume befand, sucht für 350 000 bis 450 000
Euro eine neue Bleibe. Auguste Herbin hatte sich damals schon am Kubismus versucht, man meint den Kopf eines Rauchenden in seiner „Composition cubiste“ von 1913 zu erkennen
(Taxe 30 000/40 000 Euro). Es geht
noch weiter mit französischer Kunst,
da sind Paul Signac und auch Henri
Manguin mit Landschaften vertreten,
während die Wahlpariserin Sonia Delaunay-Terk bis ins Spätwerk bei geometrischer Abstraktion bleibt, wie
ihre Gouache „Rythme-couleur“ von
1966 belegt (30 000/50 000). Hans
Hartung war bereits französischer
Staatsbürger, als er 1970 für
„T-1970-H37“ drei kompakte abstrak-
si Pylkkänen machte den Auftakt in London; auf ihn folgten drei Auktionatorinnen in London und Paris. Gleich das erste
Los, Stanley Whitneys bunte Quadrate in
„Light a New Wilderness“ von 2016, stellte mit 420 000 Pfund (120 000/180 000)
den einzigen Künstlerrekord des Abends
auf; es ging an einen Bieter am Telefon
der in Hongkong stationierten Elaine
Kwok. Picassos „L’Étreinte“ von 1969
stieg mit dem finalen Gebot von 12,6 Millionen Pfund (11/16 Millionen) zum teuersten Los auf und verwies Alberto Giacomettis „Homme qui chavire“ von 1951 auf
den zweiten Platz. Giacomettis Skulptur
zog drei Bieter an und überwand mit 12,4
Millionen (12/18 Millionen) knapp seine
untere Taxe. Basquiats „Untitled“-Figur in
Grün von 1984 erzielte fünf Millionen
Pfund (4/6 Millionen). Keith Harings gelbe „Untitled“-Komposition mit Computer
von 1984 kam auf ihre untere Taxe von 3,9
Millionen (bis 4,5 Millionen): Das monumentale Werk war mit einer Garantie versehen, sein europäischer Einlieferer machte so wenigstens nur einen kleinen Verlust; er hatte es 2018 bei Christie’s in London aus der Sammlung des deutschen Galeristen Paul Maenz für 3,94 Millionen
Pfund, inklusive Aufgeld, übernommen.
Kandinskys „Noir bigarré“ blieb mit 7,8
Millionen knapp hinter seiner Taxe (8/12
Millionen) zurück; Ernst Ludwig Kirchners „Pantomime Reimann: Die Rache
der Tänzerin“ von 1912 erzielte sechs Millionen Pfund (6/9 Millionen).
In Paris ging es weiter, mit 24 Werken
aus der Sammlung des 1992 gestorbenen
Werbeunternehmers Francis Gross. Spitzenlos war René Magrittes „La Vengeance“ von 1936. Sechs Bieter trieben
den Hammerpreis auf 12,5 Millionen
Euro (6/10 Millionen). Beim dritten Teil
des Abends, der „Paris vente du soir“, stellte Pierre Soulages das Spitzenlos, denn
Basquiats „The Elephant“ (3,7/5,5 Millionen) war zurückgezogen worden. Soulages’ abstrakte „Peinture 162 × 114 cm,
17 avril 1972“ in Schwarz, Weiß und Blau
stieg mit 1,7 Millionen knapp über die
Obertaxe von 1,5 Millionen Euro. Kazuo
Shiragas Komposition „T56“ von 1962
schwang sich mit dem Hammerpreis von
1,4 Millionen Euro (900 000/1,2 Millionen) zum zweitteuersten Los auf.
Noah Horowitz
verlässt Art Basel
Überraschend ist Noah Horowitz als Director of Americas der Art Basel zurückgetreten. Er verlässt den Posten Ende
August nach sechs Jahren. Horowitz hatte maßgeblich am Beginn der Pandemie
die „Online Viewing Rooms“ der Kunstmesse gemanagt. Sein Abgang fällt zusammen mit der Ankündigung, dass die
Art Basel Miami Beach in diesem Jahr
vom 30. November bis zum 4. Dezember stattfinden wird, mit zusätzlich
zwei Tagen für die VIP-Preview. F.A.Z.
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
Aus unseren Frühjahrsauktionen mit neun Erlösen jenseits der Millionen-Euro-Marke:
G. Richter € 1.500.000
Einfach und erfolgreich verkaufen
mit dem Marktführer für Kunst des 19. – 21. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum
Weitere Informationen: Tel. 089 55244 - 0 · www.kettererkunst.de
Medien
SEITE 14 · S AMS TAG, 10. JULI 2021 · NR. 157
Die Kanzlerkandidatin der Grünen, Annalena Baerbock, hat ein Problem. Sie
hat ihren Lebenslauf geschönt und Sonderzahlungen ihrer Partei anzugeben
„vergessen“. Sie hat ein Buch geschrieben, dessen Darlegungen zu einem bedeutenden Teil nicht von ihr selbst stammen. Wie kommt sie da, aus der Sicht eines Kommunikationsberaters, heraus?
Unsere Gesellschaft ist doch immer auf
Verzeihung ausgerichtet. Selbst der
schlimmste Verbrecher wird nicht bestraft,
ohne seine Resozialisierung aus dem Blick
zu verlieren. Schuld und Sühne, der notwendige Ausgleich, um einen verursachten Streit beizulegen oder den Schaden zu
beheben, ist ein klassisches Motiv der Literatur. Dazu gibt es ein festes Prozedere,
wie in der Kirche: Beichte, Reue, Buße.
Die Absolution wird dann mit nach der öffentlichen Bitte um Entschuldigung kollektiv erteilt. Operativ heißt das im Falle Baerbock, dass sie und ihr Team sich intensiv
prüfen, an welcher Stelle man die Fehler
gemacht hat, worin die Ursache liegt und
welche Schlüsse man daraus zieht. Der Sokratesschüler Anthistenes riet dazu, seine
Feinde zu achten und ihnen dafür zu danken, dass sie die Fehler, die man begehe,
noch vor einem selbst erkennen würden.
Die Grünen sollten seine Worte beherzigen und an der Aufklärung mitarbeiten.
Und wenn man seine Fehler zugibt, dann
sollte das nicht in einem Beitrag erfolgen,
der hinter einer Paywall versteckt liegt,
wie in der Süddeutschen Zeitung.
Annalena Baerbock hat sich entschuldigt, aber nicht wirklich. Sie versucht, die
Sache irgendwie zu retten. Sie habe kein
„Sachbuch“ oder „Fachbuch“ geschrieben. Sie schaltet einen Medienanwalt ein.
Urheberrechtsverletzungen werden bestritten. Plagiatsspezialisten sprechen von 29
kopierten Passagen. Lässt sich die Strategie „das sind Lappalien“ durchhalten?
Jede einzelne von anderen übernommene
Textpassage ist für sich genommen eine
Lappalie. Das Problem entsteht aus der
Summe der Funde. Das für sich genommen wäre auch noch kein Grund für den
Untergang. Indes: Nicht die Causa an sich
führt in die Katastrophe, sondern der Umgang mit ihr. Das Einschalten des Medienanwalts, das fortgesetzte Leugnen und Relativieren hat dazu geführt, dass die Medien erst recht darüber berichtet haben.
In anderen Fällen, etwa bei Karl-Theodor zu Guttenberg, waren die Grünen
freilich noch ganz anders ausgerichtet.
O ja, als Guttenbergs Plagiate vor zehn
Jahren ruchbar wurden, waren es die
FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUN G
Es war einmal eine Strategie
Wie ist das mit den Plagiaten im Buch von Annalena Baerbock? Was bedeutet
es für die Grünen? Kardinalfehler oder Lappalie? Ist der Wahlkampf eine
„Schlammschlacht“? Fragen an den Kommunikationsberater Hasso Mansfeld
Plagiatsexperten und Journalisten müssen sich – zum Teil von Kollegen, die eine
Verschwörung wittern – anhören, hier
gehe es um „Rufmord“. Verspricht es Erfolg, sich als Opfer auszugeben?
Die Opferrolle ist attraktiv, weil sie ermöglicht, Verantwortung abzugeben.
Und sie ist im höchsten Maße anschlussfähig: für Verständnis, Hilfsbereitschaft,
Unterstützung und Mitgefühl. Indes:
Wenn für jeden deutlich wird, dass man
sich zu Unrecht als Opfer aufführt, dann
wenden sich Empathie und Verständnis
in ihr Gegenteil. Ein Politiker sollte in
keiner Form Verachtung für Selbstverständlichkeiten des bürgerlichen Lebens
zeigen. Auch Täuschungshandlungen drücken Verachtung aus.
Der Bundespräsident hat vor einer
„Schlammschlacht“ im Wahlkampf gewarnt. Ist das eine?
Man muss trennen: Auf der einen Seite
gibt es den ubiquitären Hass im Netz – den
bekommen die Grünen nicht exklusiv ab.
Auf der anderen Seite steht das gute Recht,
im Rahmen des politischen Wettbewerbs
auf Fehlverhalten des Gegners hinzuweisen. Ich würde sogar sagen, es besteht die
Notwendigkeit. Das Wesen der Demokratie ist der Dissens. Streit ihre Attitüde.
Wahlkampf ist der Kampf vor der Wahl.
„Jetzt. Wie wir unser Land erneuern“ ist der Titel von Annalena Baerbock. „Erneuert“ werden jetzt erst mal Quellenhinweise.
Grünen, die mit besonderer Härte den
Delinquenten ächteten. Sie nannten ihn
Lügner und Betrüger und sprachen ihm
die Eignung zum Minister ab. Mit welcher Schärfe 2011 die Grünen den Plagiator Guttenberg angegangen sind, ist im
Plenarprotokoll 17/92 auf den Seiten
10361 ff. nachzulesen. Milde, wie sie
jetzt im Falle von Annalena Baerbock
eingefordert wird, ist dort nicht in einem
einzigen Satz zu finden. Das damalige
Verhalten müssen die Grünen sich jetzt
als Maßstab vorhalten lassen, zumal mit
Jürgen Trittin und Britta Haßelmann einige der damaligen grünen Protagonis-
ten sich auch prominent zum aktuellen
Fall geäußert haben.
Der Verkauf von „Jetzt. Wie wir unser
Land erneuern“ läuft angeblich blendend.
In der nächsten Auflage soll es Quellenhinweise geben. Ist es für die Presse wichtig, für die Wähler aber gar nicht entscheidend, was von Annalena Baerbock
stammt und was nicht?
Natürlich nicht. Die Wählerschaft erwartet
doch gar nicht, dass Politiker mit extrem
knapp kalkuliertem Terminkalender ein
Buch selber schreiben. Es ist Usus, dass
den Job Ghostwriter übernehmen. Nur
CYPRIEN GAILLARD
FRANKFURTER SCHACHT
Foto Reuters
wenn man im Vorfeld betont, das Buch selber verfasst zu haben, und im weiteren Verlauf berechtigte Zweifel wegleugnen will,
dann wird die Urheberschaft zum Thema.
Warum reagieren die Grünen so gereizt?
Ist das Buch so wichtig im Wahlkampf?
Ich denke, das Buch ist – oder besser war –
ein ganz zentraler Baustein der Wahlkampfstrategie von Baerbock. Mit diesem
Buch, der ganz persönlichen Agenda von
Annalena Baerbock, so das Kalkül, bestimme sie, über das grüne Parteiprogramm hinaus, den Bundestagswahlkampf. Mit dem
Umgang mit ihrer Plagiatsaffäre ist die Strategie komplett gescheitert. Hinzu kommt,
dass die Grünen in ihrer Medienarbeit über
eine lange Zeit keine Frustrationstoleranz
haben entwickeln können. Es wurde ihnen
immer leicht gemacht. Jetzt bei dem heftigem Gegenwind reagieren sie wie das antiautoritär erzogene Kind, das die erste Erfahrung mit der Lebensrealität macht.
Gegenangriffe, wie etwa auf den Kanzlerkandidaten der Union, Armin Laschet,
der persönlich für Hitzetote in Kanada
verantwortlich sei, lohnen die sich?
Ja, die lohnen sich. Für Armin Laschet.
In einer Situation, in der es um eigene
Verfehlungen geht, dem politischen Gegner schrill absurde Vorhaltungen zu machen ist, vorsichtig formuliert, wenig
klug. Wenn die Situation für das breite
Publikum derart offensichtlich ist, sind
solche Ablenkungsmanöver ein Brandbeschleuniger, der die Flammen nur noch
höher schlagen lässt.
Sie sind an der Aufmerksamkeit für die
Sache selbst auch nicht unschuldig. Auf
Twitter haben Sie den Hashtag #Baerplag geprägt. Warum?
Ich bin Mitglied der FDP und politisch interessierter Mensch. Ich habe am Morgen
des 29. Juni auf dem Weg zu einer Kundenveranstaltung gesehen, dass es Plagiatsvorwürfe gegen Annalena Baerbock
gibt und dass in ihrem neuen Buch Teile
aus Wikipedia und von der Bundeszentrale für politische Bildung kopiert worden
seien. Das habe ich so getwittert und dazu
#Baerplag geschrieben. Da war ich der
Erste mit diesem Hashtag.
Sie haben für die FDP 2014 fürs Europaparlament kandidiert und beraten ehrenamtlich Politiker. Wie lautet Ihr Rat für
den Wahlkampf der Grünen und Annalena Baerbock? Sie ist nun in Urlaub.
Könnte sein, dass sich das Ganze verläuft.
Aussitzen ist keine Option mehr. Dafür hat
die ganze Sache ja eine viel zu große Dimension. Die Menschen erwarten von Frau
Baerbock, dass sie persönlich zur Aufklärung beiträgt. Die Grünen sind hervorragende Wahlkämpfer, ihre große Stärke ist
die überaus motivierte Basis. Die sehen
doch auch, was los ist. Das Schlimmste,
was passieren kann, wäre, wenn die jetzt
die Lust verlieren, Wahlkampf vor Ort zu
machen, weil sie immer nur auf die fehlende Erklärung ihrer Kanzlerkandidatin angesprochen werden.
Sind Annalena Baerbocks Aussichten,
von der Kanzlerkandidatin zur Kanzlerin zu werden, perdu?
Zumindest was diese Wahlperiode betrifft, definitiv: Ja.
Hasso Mansfeld arbeitet als selbständiger Unternehmensberater und Kommunikationsexperte
unter anderem für Unternehmen der Tabak-,
Glücksspiel-, Finanz- und der Chemiebranche.
Für seine Kampagnen wurde er viermal mit dem
deutschen PR-Preis ausgezeichnet. Im Netz war
er an einer Facebookkampagne zu Wahl von Joachim Gauck zum Bundespräsidenten beteiligt
und hat das Forum FDP Liberté initiiert.
Das Gespräch führte Michael Hanfeld.
30 000 Euro
pro Journalist
Luxemburg erhöht
Pressehilfe deutlich
Man müsse nicht nach Ungarn schauen, um Gefahren für eine unabhängige
Presse zu erkennen, sagte die sozialistische Abgeordnete Francine Closener
im luxemburgischen Parlament, um
dann den Blick nach Deutschland zu
richten: Verheerend sei die Forderung
eines CDU-Politikers nach Gesinnungstests für „Tagesschau“-Journalisten. Auch wegen solcher Entwicklungen benötige die Sicherung einer pluralistischen Medienlandschaft Unterstützung. Die im Großherzogtum regierenden Liberalen, Sozialisten und Grüne
haben sich mit den oppositionellen
Christsozialen nun darauf geeinigt, die
seit den Siebzigerjahren bestehende direkte Pressehilfe zu erneuern. Künftig
orientiert sich diese nicht mehr an der
Zahl gedruckter Zeitungsseiten, sondern der Zahl unbefristet beschäftigter
Redakteure, für die es jeweils einen Zuschuss von 30 000 Euro im Jahr gibt.
Hinzu kommt ein Fixbetrag von
200 000 Euro pro Medium. Gedeckelt
werden die Zuschüsse durch Höchstgrenzen pro Verlagshaus.
Nach Berechnungen der Regierung
erhalten die meisten Medien künftig
mehr Geld. Zwei Zeitungen werden
durch das neue Rechenmodell verlieren, diese erhalten in den nächsten
fünf Jahren den Differenzbetrag erstattet. Erstmals werden auch reine Onlineformate sowie Publikationen in
englischer oder portugiesischer Sprache profitieren. Es gibt eine große
Zahl portugiesischer Einwanderer im
Land. Die Gesamthöhe der Pressehilfe
steigt von acht auf 10,3 Millionen
Euro. Der Staatsrechtler Mario Martini von der Deutschen Universität für
Verwaltungswissenschaften
Speyer
sagte dieser Zeitung, das Großherzogtum sei damit in Europa, relativ zur
Einwohnerzahl, am großherzigsten.
Die EU hatte der Neuregelung zugestimmt. Zur Pressehilfe kommen in Luxemburg noch indirekte Hilfen hinzu.
So veröffentlicht der Staat alle Ausschreibungen als bezahlte Anzeigen in
gedruckten Zeitungen.
Diane Adehm von den Christsozialen bedauerte, dass viele junge Journalisten den Beruf nach einigen Jahren
an den Nagel hingen, um sich einer besser bezahlten Tätigkeit zu widmen. Zuletzt hatte die Wochenzeitung Le Jeudi
das Erscheinen eingestellt, das tägliche Journal publiziert nur noch online.
Die grüne Abgeordnete Djuna Bernard wies auf die Bedeutung der Tagespresse hin. Diese erfülle eine Chronistenpflicht, die neuere Medien nicht unbedingt wahrnehmen. Sie forderte
eine mehrsprachige Journalistenausbildung im Verbund mit Rheinland-Pfalz,
dem Saarland, Lothringen und der
Wallonie. Nathalie Oberweis von den
Linken unterstützte die Idee der luxemburgischen Journalistenverbände nach
einem
Informationsfreiheitsgesetz.
Davon will der liberale Medienminister Xavier Bettel aber nichts wissen.
Erst müsse man die Wirkungen des
2019 beschlossenen Transparenzgesetzes evaluieren. JOCHEN ZENTHÖFER
Neue Männer braucht das Land
Aber was brauchen Männer? Zwei Filmemacherinnen stellen 30 „Boys“ intime Fragen
TAUNUSANLAGE
MUSEUM FÜR MODERNE KUNST
Domstraße 10, 60311 Frankfurt am Main mmk.art
Bild: Cyprien Gaillard, Frankfurter Schacht, 2021
Ein Werkauftrag für die Frankfurter Positionen 2021.
24 h
Eine Initiative der BHF BANK Stiftung.
Tiefe und flache Teller wild durcheinander, eine schief hineingekeilte Pfanne, die
das halbe Fach blockiert: Vielleicht ist
Spülmaschineneinräumen die letzte Disziplin, in der Männer Frauen überlegen
sind. Ansonsten ist die bequeme Vorherrschaft dahin, in der Familie, im Job, am
Grill oder im Stadion, wo die Frauen sogar einen Tick lauter jubeln, wenn siegreiche Italiener die Hosen fallen lassen.
Manche (jungen) Männer irritiert das
so sehr, dass sie Trost bei Predigern, Nationalisten oder Ermannungspsychologen
wie Jordan Peterson suchen, die alle an
der alten (heute: „toxisch“ genannten)
Übersichtlichkeit festhalten wollen. Freilich erweist sich die Maskulinitätsideologie auch im Rückblick als fragil. So hat
etwa die Frühgeschichte entdeckt, dass
manche schmuckgefüllten Gräber Männern gehörten, einige mit Waffenbeigaben aber Frauen. Auch die Jagd war in der
Urzeit wohl kein männliches Privileg.
Dass Männer trotzdem die längste Zeit
mit Gewalt über Frauen geherrscht haben, lässt sich nicht leugnen, vielleicht
aber ein Stück weit erklären mit männlicher Angst. Das hat zumindest Klaus Theweleit in seinen „Männerphantasien“ versucht, in denen er den Faschismus auf die
Panik vor der Körperauflösung zurückführt: der Mann als „Fragmentkörper“,
der Hierarchiefreiheit nicht aushält. So gesehen wäre die Gegenwart mit ihren
durchlässig gewordenen Geschlechterkategorien auch eine Befreiung des Mannes,
der endlich alles sein darf, weil er kein
„er“ im erigierten Sinne mehr sein muss,
sondern jede sexuelle Orientierung leben
und Gefühle zeigen kann.
Dass über diesen enormen Wandel im
männlichen Selbstverständnis, der in
zwei, drei Generationen stattgefunden
hat, weit weniger reflektiert wird als über
weiblich-emanzipative Selbstfindungen,
diese Feststellung der jungen Filmemacherinnen Felicitas Sonvilla und Nina Wesemann, trifft sicher zu. Und so ist zu begrü-
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
ßen, wenn sich ihre Dokumentarserie vornimmt, „den aktuellen Diskurs, die Unsicherheiten, Ablöseprozesse und Findungsansätze der Männer von heute ausleuchten“ zu wollen. Das auf eine derart naive,
theoriefreie Weise anzugehen, ist freilich
mutig. Dabei wirkt es zunächst durchaus
charmant, dreißig Exemplare der zu erforschenden Art in eine Einzel-Interviewsituation zu bringen, die mehr an Gesprächstherapie als an ein Verhör erinnert, und nun einfach lächelnd alles zu fragen, was Frau so in den Sinn kommt: Was
halten junge Männer von der Liebe und
vom Vatersein? Was bedeutet ihnen Sex?
Welches Verhältnis haben sie zu ihrem
Körper? Ist der eigene Vater ihr Vorbild?
Wurden Sie schon einmal übergriffig?
So divers wie die ausgesuchten Gesprächspartner sind die Antworten. Der
eine fühlt sich „ständig männlich“, andere
hinterfragen als schwule oder als TransMänner gleich das zugehörige Konzept. Einer erzählt von seinem Fußball-Fanclub,
in dem Frauen unerwünscht sind (Ablenkung), andere geben zu, ihr Pornokonsum
habe sie katastrophal verblendet. Zwei Interviewte zeigen sich genervt vom tendenziell vorwurfsvollen Cis-Mann-Gerede, andere begreifen sich als stark privilegiert
und unterstützen den Feminismus. Tiefes
und Flaches wild durcheinander. Gespalten sind die Meinungen über Online-Dating, das aber alle machen. Väter sind
oder wären die meisten dabei sehr gerne.
Unsympathisch wirkt niemand, und alle
reden, so scheint es, grundehrlich. Nur
was ergibt sich aus der langen Abfolge von
privaten, eher trivialen Antworten?
Der Erkenntniswert ist beschränkt, weil
es sich nicht um eine repräsentative Auswahl handelt. Die Teilnehmer gehören
alle zum Typus neuer Mann, auch die wenigen, die etwas muskulärer auftreten. Mehrheitlich darf man die Gesprächspartner
gar zur emanzipatorischen Avantgarde
rechnen, auch die beiden (wohl nur aus
Vermarktungsgründen
hinzugefügten)
Prominenten, den mitunter wie ein
Queer-Feminist redenden Emo-Rapper
Kelvyn Colt und den erstaunlich wenig
beitragenden Kevin Kühnert. An die Verunsicherung kommt man so nicht heran.
Es wäre weniger angenehm, aber viel aufschlussreicher gewesen, auch aggressive
Antifeministen, bildungsferne Machos
oder einen fundamentalistischen Muslim
oder Katholiken antworten zu hören, statt
eine Buntheit zu dokumentieren, die nur
die Buntheit der Auswahl widerspiegelt.
Am meisten aber stört die ästhetische
Einfallslosigkeit der Serie. Die Bühnensituation, ein müde nach vorn auslaufender
Vorhang, bleibt unverändert. Unterbrochen werden die Gespräche von Szenen, in
denen die Interviewten gewissermaßen ihr
Inneres tanzen. Mit der radikalen Kreativität einer Yoko-Ono-Performance war nicht
zu rechnen, aber so riecht es doch sehr
nach Filmschulen-Seminar. Dieser bildkünstlerische Minimalismus mag den Fokus bewusst auf den Inhalt der zusammengeschnittenen Selbstauskünfte lenken,
aber nun wird doppelt deutlich, dass diese
die geweckten Erwartungen – Generationenporträt, Resümee des Männlichkeitsdiskurses, Analyse neuer Geschlechterkonkurrenz – nicht zu erfüllen vermögen.
Dennoch hört man den Redenden gern
zu, oft mit der leicht betretenen Faszination, mit der man früher „Wahrheit oder
Pflicht“ spielte. Die als weiteres EM-Beiprogramm
(mit
heruntergelassener
Hose) konzipierte Serie aus dem ZDFFormatlabor Quantum sucht auch gar
nicht den großen Bildschirm, sondern ist
als Häppchen-Format für die Social-Media-Nutzung optimiert. In dieser Hinsicht
funktioniert sie. Dass darin die Zukunft
der öffentlich-rechtlichen Produktionen
liegen soll (Online-First-Strategie), wird
durch diese oberflächliche Plauderei jedoch nicht beworben. OLIVER JUNGEN
Alle sieben Folgen von Boys, in der Mediathek
abrufbar, laufen am Montag, 23.30 Uhr, im ZDF.
Feuilleton
FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUN G
Fernsehen am Samstag
S AMS TAG, 10. JULI 2021 · NR. 157 · S EITE 15
www.faz.net/tv
Aktualisiertes und ausgewähltes Programm
ARD
ZDF
ARTE
3 sat
RTL
SAT 1
5.30 Elefant & Co. 5.55 Wissen macht Ah!
6.20 Durch die Wildnis – Das Abenteuer
deines Lebens 7.10 Anna und die wilden
Tiere. Sammy, der coole Gleitbeutler 7.35
Anna und die Haustiere 7.50 Checker Tobi 8.15 neuneinhalb 8.25 Die Pfefferkörner 9.50 Tagesschau 9.55 Seehund, Puma & Co. 11.30 Quarks im Ersten. Was wir
über Nahrungsergänzungsmittel wissen
sollten 12.00 Tagesschau 12.05 Die Tierärzte – Retter mit Herz 12.55 Tochter
meines Herzens. Dt. Drama, 2003 14.25
Tagesschau 14.30 Radsport: Tour de
France. 14. Etappe: Carcassonne – Quillan. Mod.: Michael Antwerpes 17.15 Brisant 18.00 Sportschau. EURO-Rückblick
2020 – Film von Sven Kaulbars und Christoph Nahr 19.50 Wetter 19.57 Lotto
5.30 Mister Twister 6.20 JoNaLu 6.45
Meine Freundin Conni 7.10 Wickie 7.40
Peter Pan 8.05 Lassie 8.30 Mia and me
8.55 Pippi in Taka-Tuka-Land. Schwed./
Dt. Kinderfilm, 1970 10.25 Notruf Hafenkante 11.10 SOKO Wismar 11.55 heute
Xpress 12.00 Menschen – das Magazin.
Mein Leben mit Long-COVID 12.10 Dora
Heldt: Bei Hitze ist es wenigstens nicht
kalt. Dt. Komödie mit Christine Neubauer, 2012 13.40 Inga Lindström: Mittsommerliebe. Dt. Romanze mit Christina Beyerhaus, 2005 15.15 Bares für Rares 16.10
Die Rosenheim-Cops 17.00 heute Xpress
17.05 Länderspiegel 17.35 plan b. Besser
essen 18.05 SOKO Kitzbühel 19.00 heute / Wetter 19.25 Das große DeutschlandQuiz (1/6) Das Spiel für unser Land
6.45 Basketball – Deysis großer Traum
7.00 David und die Drachen 7.15 Mit
Spürhunden gegen Wilderer 7.30 360°
8.25 GEO-Reportage. Kushti, Indiens uralter Kampfsport 9.30 Verschollene Filmschätze 10.25 Zu Tisch ... auf auf Rhodos
10.50 Die gefährlichsten Bahnstrecken
der Welt 12.20 Mit dem Zug ... Transsilvanien 13.05 Albaniens letzte Züge
13.55 24 Stunden. Großbritannien /
Deutschland / Frankreich / Italien 17.30
Arte Reportage 18.25 360° – Geo-Reportage. Geliebtes Korsika – Kampf gegen
das Feuer 19.10 Arte Journal 19.30 Moldawien, ein Land im Aufbruch. Der Bericht stellt Frauen in Moldawien vor, die
versuchen, den Menschen in dem armen
Land Perspektiven aufzuzeigen.
6.10 Kenia: Kein Platz für wilde Tiere 6.30
Wunderwelt Schweiz 7.00 WELTjournal
7.30 Alpenpanorama 9.00 ZIB 9.05 Mein
anderes Russland (2/2) 9.35 Bilder aus
Südtirol 10.00 Thema 10.45 Alltagsgeschichte 11.30 Die Heilerin 2 (2/2) Österr./Dt. Drama, 2008 13.00 ZIB 13.10
Notizen aus dem Ausland 13.15 quer
14.00 Ländermagazin 14.30 Kunst &
Krempel. Im Schloss Dachau 15.05 Englische Gärten in Frauenhand 15.30 Im
Garten der Queen. Dokumentation 16.15
Die Inseln der Queen 17.00 Die Azoren –
Grünes Inselparadies 17.30 Liebe und
andere Unfälle. Schweiz. Komödie mit
Lea Hadorn, Beat Marti, Aaron Hitz. Regie: Thomas Gerber, 2012 19.00 heute
19.20 Queer Balkan. Dokumentation
5.50 Familien im Brennpunkt. Doku-Soap
8.55 Der Blaulicht-Report. Doku-Soap.
U.a.: Puppe mit Regenwürmern und Käfern / Halbnackte Frisörin sitzt gefesselt
in Schaufenster / Kind sucht Spielkameradin auf dem Straßenstrich 14.45 Die
100 ... scheinbar schönsten Wege zum
Glück / Raffi sucht in den Straßenritzen
New Yorks nach Gold / Chloe und ihre
Schwester wollen mit sechs Jahren schon
Model werden / DIY-Peter bastelt sich in
der Garage ein eigenes Flugzeug zusammen / Alex verkuppelt seine 70-jährige
Mutter 17.45 Best of ...! Moderation: Angela Finger-Erben 18.45 RTL Aktuell
19.03 Wetter 19.04 Klima Update. Magazin 19.05 Life – Menschen, Momente,
Geschichten. Mod.: Annika Begiebing
5.20 Auf Streife – Berlin 8.05 Auf Streife –
Berlin 9.05 Auf Streife – Berlin 10.05 Auf
Streife – Die Spezialisten 11.05 Auf Streife – Die Spezialisten. Doku-Soap 12.05
Auf Streife – Die Spezialisten 13.00 Auf
Streife – Die Spezialisten 14.00 Auf Streife – Die Spezialisten 15.00 Die Ruhrpottwache 16.00 Die Ruhrpottwache – Vermisstenfahnder im Einsatz. Doku-Soap.
Jedes Jahr verschwinden in Deutschland
Menschen. Insgesamt gelten mehr als
11 000 als vermisst. Eine Spezialeinheit
der Wache Duisburg Nord klärt einige
dieser Vermisstenfälle auf. 16.59 So gesehen 17.00 Die Ruhrpottwache – Vermisstenfahnder im Einsatz 18.00 110
Notruf Autobahn! Drogenschmugglern
auf der Spur 19.55 Sat.1 Nachrichten
20.00 Tagesschau
20.15 Charlotte Link – Im Tal des
Fuchses Dt. Krimi mit Benjamin
Sadler, Ludwig Trepte, Lisa Bitter
Regie: Till Franzen, 2019. Der
Kleinkriminelle Ryan Lee überwältigte eine Frau und versteckte
sie in einer Fuchshöhle. Als der
Vorbestrafte wegen eines
anderen Delikts verhaftet wird,
verschweigt er die Entführung.
21.45 Charlotte Link – Die Entscheidung Dt. Krimi mit Felix Klare,
Jasna Fritzi Bauer, Frederick Lau
Regie: Sven Fehrensen, 2019
23.15 Tagesthemen Mit Wetter
23.35 Wort zum Sonntag
23.40 Wolfsland Der steinerne Gast
Dt. Krimi mit Yvonne Catterfeld
Regie: Max Zähle, 2018
1.15 Charlotte Link – Im Tal
des Fuchses Dt. Krimi, 2019
20.15 50 Jahre ZDF-Hitparade –
Die Zugabe Zu Gast: Roland
Kaiser, Jürgen Drews, Paola Felix,
Peggy March, Andy Borg, Gitte
Hænning, Michelle, Nino de
Angelo, Graham Bonney u.a. Die
Party geht weiter: Das ZDF feiert
in einer Zugabe-Show das große
Jubiläum der beliebten Kultsendung. Thomas Gottschalk
begrüßt zahlreiche „Hitparaden“Lieblinge und Schlagerlegenden.
22.45 heute-journal Mit Wetter
23.00 Das aktuelle Sportstudio
Zu Gast: Per Mertesacker
(ZDF-Fußball-Experte), Manuel
Gräfe (DF-SchiedsrichterExperte), Robby Naish (Surfer)
0.05 The Call – Leg nicht auf! Amerik.
Thriller mit Halle Berry, 2013
1.30 The Hunted – Der Gejagte
Amerik. Actionthriller, 1995
20.15 Hannibal – Marsch auf Rom
Dokumentation. Hannibals
Alpenüberquerung im Jahre
218 v. Ch. ist eines der wichtigsten Ereignisse der Weltgeschichte. Die Frage, welche Route der
Heerführer nahm, fasziniert
Wissenschaftler bis heute.
21.10 Die Alpen – Eine große
Geschichte Dokumentation
22.00 Die rätselhafte Krankheit
Die ME/CFS ist eine verheerende
Krankheit, die allein in Deutschland ca. 300 000 Menschen
betrifft. Für die Erkrankten
gibt es bislang wenig Hilfe.
22.55 Wundersaft Muttermilch Doku
23.50 Die Macht der sanften
Berührung Dokumentation
0.45 KurzSchluss „Subversive Klänge“
1.50 Gift auf dem Teller Amerik.
Dokumentarfilm, 2019
20.00 Tagesschau
20.15 Lang Langs GoldbergVariationen Die Doku begleitet
den Klavier-Virtuosen Lang Lang
bei der intensiven Auseinandersetzung mit den Klangwelten
Johann Sebastian Bachs.
21.15 Klassik am Odeonsplatz
Das Sinfonieorchester des BR
spielt unter der Leitung des
britischen Pultstars Daniel
Harding. Stargast des Abends ist
die argentinische Cellistin Sol
Gabetta mit dem Cellokonzert
von Robert Schumann.
22.56 Strawalde alias Jürgen Böttcher
Das Porträt
23.25 Phoenix Dt./Poln. Drama mit
Nina Hoss, Ronald Zehrfeld
Regie: Christian Petzold, 2014
1.00 lebens.art BB, Che & Gina –
Der Herr der Dunkelkammer
20.15 Die lustigsten Fernsehmomente der Welt Vier Stunden
Programm-Highlights und Erinnerungen an die spaßigsten
Fernsehmomente, die Millionen
Menschen emotional bewegt
haben. Egal ob Oliver Pocher als
Britney Spears bei „Let’s Dance“,
die„Schweinekotelett-Revue“
oder die„Kreißsaalspiele“.Auf
diese Themen dürfen sich die
Zuschauer u.a. freuen: Bei dem
AGT-Act mit dem Titel„Pork
Chop Revue“ („SchweinekotelettRevue“), war zur Freude vieler
Menschen keine Koch-Einlage.
Stattdessen zeigte das Paar Les
Kimes und Nina Meluzzi mit Hilfe
ihrer vierbeinigen SchweinchenHelfer unglaubliche Kunststücke.
0.25 Take Me Out (7–11) Show.
Moderation: Ralf Schmitz
20.15 Coco – Lebendiger als
das Leben Amerik./Mexik.
Animationsfilm. Regie: Lee
Unkrich, Adrian Molina, 2017
Der zwölfjährige Mexikaner Miguel träumt davon, Musiker zu
werden. Durch einen Zufall gerät
er ins Reich der Toten. Dort will
er mit der Hilfe von Héctor sein
Idol Ernesto de la Cruz suchen.
22.15 Formel E: FIA-WM Aus New York
City (USA). Moderation: Andrea
Kaiser, Matthias Killing
23.45 Layer Cake – Hierarchie
der Gewalt Engl. Thriller
mit Daniel Craig, Jamie Foreman,
Sally Hawkins, George Harris
Regie: Matthew Vaughn, 2004
1.50 Twisted – Der erste Verdacht
Amerik./Dt. Thriller mit Ashley
Judd, Samuel L. Jackson
Regie: Philip Kaufman, 2004
ZDF Neo
Tele 5
16.10 Terra X 17.35 Die glorreichen 10
19.05 Sketch History 19.30 Dinner Date
20.15 Morning Glory. Amerik. Komödie
mit Rachel McAdams, 2010 22.00 Die
Stunde des Killers. Dt./Span./Amerik. Actionthriller mit Sam Worthington, 2017
23.20 Poltergeist. Amerik. Horrorthriller,
2015 0.45 Die Stunde des Killers. Dt./
Span./Amerik. Actionthriller, 2017
16.30 Timeless 18.20 Relic Hunter 20.15
Lake Placid. Amerik. Horrorkomödie, ’99
22.05 Lake Placid 3. BUL/Amerik. Horrorfilm, 2010 23.50 Hochzeitsnacht-Report.
Dt. Sexfilm, 1972 1.30 Message Man.
INO/Austral./Engl./VAE. Thriller, 2018
nal 20.00 Tagesschau 20.15 Arbitrage.
Amerik./Poln. Drama, 2012 21.55 Die Erfolgsstory„Drei Tenöre“. Dt. Dokumentarfilm, 2020 23.25 Polizeiruf 110. Gefährliche Küsse. Dt. Krimi, 1996
19.50 Thomas Junker unterwegs – Europas einsame Inseln (5/5) 20.15 Wenn die
Musi spielt 22.45 Das Gipfeltreffen 23.15
Das Fenster zum Hof. Amerik. Mysterythriller, 1954 1.05 Praxis mit Meerblick.
Der Prozess. Dt. Familienfilm, 2018
18.15 Das Messie-Team (3) 20.15 Kiez
knallhart: Berlin-Neukölln (1–2) 0.15 Kriminell. Weggesperrt. Entlassen. (2)
Phoenix
16.30 Expedition Baikal – Mit dem Robur
nach Sibirien 17.15 Winzige Wunder
19.30 plan b. Im Einsatz für bedrohte Arten 20.00 Tagesschau 20.15 Verborgene
Welten 22.30 Katastrophen der Erdgeschichte 23.15 ZDF-History. Paul Breitner – Der legendäre Fußball-Rebell 0.00
Die 80er – Das explosive Jahrzehnt
Pro Sieben
16.10 Two and a Half Men 17.05 Young
Sheldon 18.00 Newstime 18.10 Die Simpsons 19.05 Galileo 20.15 Das Beste aus
Duell um die Welt – Team Joko gegen
Team Klaas. Show 22.30 Das Beste aus
Duell um die Welt – Team Joko gegen
Team Klaas: Die Erwachsenen-Edition
0.15 Die beste Show der Welt
KIKA
17.00 The Garfield Show 18.00 Ritter
Rost 18.10 Sam 18.40 PEEKs ZOO – Von
Affen & Co. 18.50 Sandmännchen 19.00
Power Players 19.25 Checker Julian 19.50
logo! 20.00 KiKA Live 20.10 Checkpoint
Hessen
17.15 Engel fragt 17.45 maintower weekend 18.15 Brisant 18.45 Hanau – Einsatz
in der Terrornacht 19.30 hessenschau
20.00 Tagesschau 20.15 Kesslers Expedition (1) 21.45 Inseltouren auf Sylt und
Rügen 23.15 Mankells Wallander. Rache.
Schwed./Dt./Dän./Norweg./Finnisch. Krimi, 2011 0.45 Der Metzger und der Tote
im Haifischbecken. Dt. Krim, 2014
NDR
17.35 Gartenzeit 18.00 Nordtour 18.45
DAS! Zu Gast: Alvaro Soler 19.30 Regio-
RBB
SWR
18.00 UM6 18.30 rbbKultur 19.00 Heimatjournal 19.30 Abendschau/Brandenburg aktuell 20.00 Tagesschau 20.15 Expeditionen ins Tierreich 21.45 rbb24
22.00 Allmen und das Geheimnis des
rosa Diamanten. Dt. Krimi, 2017 23.30
Boulevard der Dämmerung. Amerik. Drama, 1950 1.15 Mitose. Dt. Drama, 2018
18.15 Menschen und Momente 18.45
Stadt – Land – Quiz 19.30 Aktuell 20.00
Tagesschau 20.15 Schlager-Spaß 22.20
Schlagerfest 23.50 Der Daddy Cool von
Boney M. – Die Weltkarriere des Frank
Farian 0.35 Fisherman’s Friends – Vom
Kutter in die Charts. Engl. Komödie, 2019
WDR
Bayern
17.15 Viel für wenig 17.45 Kochen mit
Martina und Moritz 18.15 Einfach und
köstlich – Kochen mit Björn Freitag 18.45
Akt. Stunde 19.30 Lokalzeit 20.00 Tagesschau 20.15 Quiz ohne Grenzen 23.25
Glückslieder! 50 Songs, die glücklich machen 0.55 David Garrett in Verona
17.45 Zwischen Spessart und Karwendel
18.30 BR24 Rundschau 19.00 Gut zu wissen 19.30 Kunst & Krempel 20.00 Tagesschau 20.15 Monaco Franze – Der ewige
Stenz 21.00 BR24 Rundschau 21.15 BRKlassik 22.55 Pfarrer Braun. Ausgegeigt!
Dt. Krimi, 2012 0.25 Pfarrer Braun. Altes
Geld, junges Blut. Dt. Krimi, 2011
MDR
16.40 Meine Freundin Sybille. Dt. Komödie, 1967 18.00 Heute im Osten 18.15 In
S-A 19.00 Regional 19.30 MDR aktuell
RTL 2
16.20 Die Schnäppchenhäuser – Der
Traum vom Eigenheim: Wir ziehen ein
Super RTL
17.55 Paw Patrol 18.25 Grizzy & die Lemminge 18.55 Tom und Jerry 19.15 ALVINNN!!! (5) 19.45 Angelo! 20.15 Breaking Dawn – Biss zum Ende der Nacht:
Teil 1. Amerik. Fantasyfilm mit Kristen
Stewart, 2011 22.30 Breaking Dawn –
Biss zum Ende der Nacht: Teil 2. Amerik.
Fantasyfilm, 2012 0.35 Infomercials
ARD-alpha
17.45 Hauptsache gesund 18.30 Gesundheit! 19.00 Schätze der Welt spezial
19.15 Schätze der Welt 19.30 Global
3000 20.00 Tagesschau 20.15 Der Flussbaumeister. Dt. Dokudrama, 2020 21.45
Die Konjunktur-Geschädigten 22.30
Schrothen in Oberstaufen 23.00 Müttergenesungswerk 23.10 Sebastian Kneipp
23.45 Der Flussbaumeister. Dt. Dokudrama, 2020 1.15 Die Tagesschau vor 20 ...
WELT
Vox
Stündlich Nachrichten 16.15 Welt der
Zukunft (1–2) 18.05 Künstliche Intelligenz – Das synthetische Gehirn (4) 19.05
Autos der Zukunft – Guck mal, wer da
fährt 20.05 Spektakuläre Konstruktionen.
Eisenbahnbrücken 21.05 Der Gotthardtunnel – Rekordbau unter den Alpen
22.00 Mega Maschinen – Giganten der
Baustelle 23.05 PS-Riesen im Einsatz –
Landmaschinen 0.05 Megaschiffe (5)
16.55 Der V.I.P. Hundeprofi 18.00 hundkatzemaus 19.10 Das geheime Leben
unserer Haustiere (1) 20.15 21 Jump
Street. Amerik. Actionkomödie mit Jonah
Hill, 2012 22.30 Terminator 3 – Rebellion
der Maschinen. Amerik./Dt./Engl. Actionfilm, 2003 0.40 Medical Detectives
Stündlich Nachrichten 16.05 Giganten
der Geschichte 18.30 Auslandsreport
19.05 Wissen 20.10 The Huntsman 22.10
Nicht von dieser Welt 0.10 Verrückt aber
wahr! 1.40 The Huntsman
Kabel 1
16.25 News 16.35 Scorpion. Actionserie
20.15 MacGyver. Actionserie. Shiva / Der
Gesang der Vögel / Staatsfeind / Apokalypse 0.15 Criminal Minds. Krimiserie. Libertad / Für immer jung 1.55 MacGyver
ntv
Radio am Samstag
HÖRSPIEL
19.04 „Siren-web-client.exe“ – WDR 3
Von Christine Nagel, ca. 56 Min.
19.04 „Neues von Herrn Bello“ (2/4) – WDR 5
Von Ulla Illerhaus, ca. 56 Min.
20.05 „Mögen Sie Emily Dickinson?“
– Deutschlandfunk Nach Briefen
und Gedichten von Emily Dickinson
Von Kai Grehn, ca. 115 Min.
KLASSIK
19.05 W. A. Mozart: „Idomeneo, rè di Creta“
– Deutschlandfunk Kultur
Mit Giulio Pelligra, Maité Beaumont,
Judith van Wanroij, Vokalensemble
des Mozartfestes, Les Talens Lyriques,
Leitung: Christoph Rousset, ca. 175 Min.
20.00 Georg Friedrich Händel: „Esther“
– MDR Kultur, NDR Kultur, HR 2,
RBB Kulturradio, SWR 2, SR2, WDR 3
Mit Hana Blažíková (Sopran), Dana Marbach
(Sopran), Robin Blaze (Alt), Marcus Ullmann
(Tenor), Tomáš Král (Bass), Chorwerk Ruhr,
Yuval Weinberg (Einstudierung), Concerto
Köln, Leitung: Shalev Ad-El, ca. 180 Min.
FEATURE & MAGAZIN
8.05 Bayerisches Feuilleton – BR 2
Frauenoffensiven. München und
der Feminismus, ca. 55 Min.
9.05 Bayern 2 am Samstagvormittag – BR 2
U.a.: „Blackout“ und Hacker: Gespräch mit
Schriftsteller Marc Elsberg, ca. 175 Min.
9.05 Im Gespräch – Deutschlandfunk Kultur
U.a.: Internet-Kriminalität: Wie können wir
uns schützen? Zu Gast: Karin Schuler, Informatikerin, Dr. Iren Schulz, ca. 115 Min.
9.10 Das Wochenendjournal
– Deutschlandfunk
Geschichten vom Beckenrand, ca. 50 Min.
10.05 Klassik – Pop – et cetera
– Deutschlandfunk
Mit Marcel Beyer, Schriftsteller, ca. 55 Min.
11.05 Gesichter Europas – Deutschlandfunk
Italien und die Pandemie, ca. 55 Min.
13.05 Breitband – Deutschlandfunk Kultur
U.a.: Die elektronische Patientenakte:
Kritik von vielen Seiten, ca. 55 Min.
14.05 Campus und Karriere – Deutschlandfunk
Wie wichtig sind pädagogische Fachkräfte
für die Schulen, ca. 55 Min.
14.05 Breitengrad – BR 2 Oklahoma!
Republikanischer wird’s nicht, ca. 25 Min.
16.05 Büchermarkt – Deutschlandfunk
Der Kinderbuchautor Will Gmehling im
Gespräch, ca. 25 Min.
16.30 Forschung aktuell – Deutschlandfunk
U.a.: Kriminelle IT-Konzerne bestimmen
das Ransomware-Geschäft ca. 30 Min.
17.05 Jazz & Politik – BR 2 Die Väter aller Dinge.
Krieg – im Kopf?, ca. 50 Min.
18.05 Feature – Deutschlandfunk Kultur
Eine Jüdin und die Tochter einer NaziFamilie im Gespräch, ca. 55 Min.
19.05 Zündfunk – BR 2
Apo Don Me: Wie Albaner*innen (deutschen) Pop verändern, ca. 55 Min.
23.05 Lange Nacht – Deutschlandfunk
Die Lange Nacht über Marcel Proust
ca. 175 Min.
0.05 Stunde 1 Labor – Deutschlandfunk Kultur
Zur Aktualität von C. Wright Mills
„Soziologischer Phantasie“, ca. 55 Min.
LESUNG
16.04 Lesung – WDR 3 Paul Maar – Wie alles kam.
Roman meiner Kindheit, ca. 56 Min.
Fernsehen am Sonntag
www.faz.net/tv
Aktualisiertes und ausgewähltes Programm
ARD
ZDF
ARTE
3 sat
RTL
SAT 1
6.05 Hank Zipzer 6.50 Tigerenten Club
7.50 Ostwind – Rückkehr nach Kaltenbach (2) Dt. Familienfilm, 2015 9.30 Die
Maus 10.03 Immer wieder sonntags
12.03 Presseclub 12.45 Europamagazin.
U.a.: Corona-Reiseticker: Interview mit
Frank Ulrich Montgomery – Präsident
des Weltärztebundes 13.15 Die Weihnachtsinsel und der Palmendieb 14.00
Tagesschau 14.05 Radsport: Tour de
France. 15. Etappe: Céret – Andorra la Vella 17.59 Deutsche Fernsehlotterie 18.05
Bericht aus Berlin – Sommerinterview
18.30 Sportschau 19.20 Weltspiegel.
USA: Der Kampf ums Wasser, wie Quellen
in Kalifornien zum Spekulationsobjekt
werden / Dänemark: Mit einer Quote im
Wohngebiet gegen„Ghettobildung“
6.25 Die Biene Maja 6.40 Petronella Apfelmus 6.50 Mumintal 7.15 Bibi Blocksberg 7.40 Bibi und Tina 8.10 Löwenzahn
Classics 8.35 Michel aus Lönneberga
9.00 heute Xpress 9.03 sonntags. Öko =
anders = gut? 9.30 Ev. Gottesdienst
10.15 Bares für Rares – Lieblingsstücke
11.55 heute Xpress 12.00 ZDF-Fernsehgarten 14.10 Duell der Gartenprofis
14.55 Mein Hund fürs Leben 15.45 Die
Rosenheim-Cops 16.30 planet e. 17.00
heute 17.10 sportstudio reportage 17.55
Deutschlands größtes Tierheim 18.25
Terra Xpress 18.55 Aktion Mensch Gewinner 19.00 heute 19.10 Berlin direkt –
Sommerinterview. Zu Gast: Janine Wissler (DIE LINKE) 19.30 Terra X. Deutschland
in ... (1/3): Der Frühen Bronzezeit
5.05 Blickpunkt Junior 7.20 Citizen
Kahn – Bankier und Kunstmäzen 8.15
Arte Junior Magazin 8.30 Jim Morrison:
Die letzten Tage in Paris 9.25 Vergessene
Schätze des Mittelmeers 9.55 Nach einer
wahren Geschichte 10.20 Unter Raubkatzen und Ameisenbären 11.05 Die Rückkehr der Bären 12.00 Camping – Die Geschichte einer Leidenschaft 12.55
Guédelon II. Die Burg-Baustelle. Engl./
Franz. Dokumentarfilm. Regie: Bianca
Zamfira, 2019 14.25 Burgen (1–2/2). Heimat Burg / Bollwerk Burg 16.15 Rodin.
Wegbereiter der Moderne 17.10 Luciano
Pavarotti – Memorial Concert aus der
Arena di Verona 18.40 Zu Tisch ... im Friaul 19.10 Arte Journal 19.30 GEO-Reportage. Die Vespa-Rebellen in Indonesien
5.55 Traumorte. Korsika 6.40 Wachtmeister Studer. Schweiz. Kriminalfilm, 1939
8.25 Der Bestseller – Wiener Blut. Österr./
Dt. Krimikomödie, 2004 9.55 Der Bestseller – Millionencoup auf Gran Canaria. Dt./
Österr. Krimikomödie, 2001 11.20 Der
Bestseller – Mord auf italienisch. Österr./
Dt. Krimikomödie, 2002 12.50 Mord nach
Zahlen. Dt. Krimikomödie, 2013 14.20
Die Nonne und der Kommissar. Dt. Krimikomödie, 2006 15.50 Die Nonne und
der Kommissar – Todesengel. Dt. Krimikomödie mit Ann-Kathrin Kramer. Regie:
Hajo Gies, 2009 17.15 Die Nonne und der
Kommissar – Verflucht. Dt. Kriminalfilm
mit Ann-Kathrin Kramer, 2012 18.45 Ein
Hund kam in die Küche. Österr. Kriminalfilm mit Tobias Moretti, 2002
6.10 Familien im Brennpunkt. Verschuldete Sexbomben bringen Gerichtsvollzieher-Ehefrau auf die Palme 7.20 Die
Superhändler – 4 Räume, 1 Deal 8.30 Die
lustigsten Fernsehmomente der Welt
12.40 Die Versicherungsdetektive 13.40
Die Versicherungsdetektive 14.40 Martin
Rütter – Die Welpen kommen (3–4) 16.45
Explosiv – Weekend 17.45 Exclusiv –
Weekend. Magazin. Moderation: Frauke
Ludowig 18.45 RTL Aktuell 19.03 Wetter
19.05 Martin Rütter – Die Welpen kommen (5) Familie Stadler aus Bayern:
Mischling Lucy / Ibrahim„Ibo“ Gülen aus
NRW: Shih Tzu Lilifee / Familie Rothenbächer aus Hessen: Siberian Husky Amerikanischen AkitaMato / Olando & Dini aus
Hannover: Amerikanischer Akita Ghana
5.05 Watch Me – das Kinomagazin 5.20
Auf Streife. Doku-Soap 5.50 Auf Streife.
Doku-Soap 6.50 Auf Streife. Doku-Soap
7.50 So gesehen – Talk am Sonntag. Zu
Gast: Mehdi Maturi 8.10 Auf Streife. Doku-Soap 9.10 Mein Date, mein bester
Freund & Ich. Show 11.50 99 – Eine:r
schlägt sie alle! Show 15.15 Megamind.
Amerik. Animationsfilm. Regie: Tom
McGrath, 2010 17.05 Coco – Lebendiger
als das Leben. Amerik./Mexik. Animationsfilm. Regie: Lee Unkrich, Adrian Molina, 2017 19.10 Sat.1 Nachrichten. Moderation: Marc Bator 19.15 Formel E:
FIA-WM. Aus New York City (USA). Moderation: Andrea Kaiser, Matthias Killing.
Kommentar: Eddie Mielke, Daniel Abt.
Experte: Christian Danner
20.00 Tagesschau
20.15 Tatort Spieglein, Spieglein
Dt. Krimi mit Axel Prahl, Jan
Josef Liefers, Friederike Kempter
Regie: Matthias Tiefenbacher,
2019. Schreckmoment für Hauptkommissar Thiel: Ein Mordopfer
sieht der Staatsanwältin Klemm
zum Verwechseln ähnlich.
21.45 Tatort Lakritz
Dt. Krimi mit Axel Prahl, Jan
Josef Liefers, ChrisTine Urspruch
Regie: Randa Chahoud, 2019
23.15 Tagesthemen Mit Sport
23.35 ttt U.a.: Der atemberaubende
Dokumentarfilm„WER WIR
WAREN“ / Die Digitalvisionärin
Francesca Bria / Das Filmfestival
in Cannes feiert die Rückkehr des
Kinos / #Metoo im HipHop?
0.05 Prof. Wall im Bordell
Dt. Komödie mit Hanns Zischler
Regie: Stefan Krohmer, 2019
20.15 sportstudio live –
UEFA EURO 2020 Aus Mainz
21.00 Fußball: EM Aus London
Finale: Italien – England. Kommentar: Oliver Schmidt, Sandro
Wagner. In der Pause: ca. 21.50
heute journal; Verlängerung
und Elfmeterschießen möglich.
England gewann im Halbfinale
gegen Dänemark nach Verlängerung, Italien besiegte Spanien
im Elfmeterschießen.
23.00 sportstudio live – UEFA
EURO 2020 Aus Mainz. Highlights, Analysen, Interviews
23.30 heute Xpress
23.35 Lucy Dt./TWN/Kanad./Franz./
Amerik. Actionfilm mit Scarlett
Johansson, Morgan Freeman
Regie: Luc Besson, 2014
0.55 Fußball: EM
Finale: Italien – England
2.35 Starsky und Hutch Krimiserie
20.15 Wiedersehen in Howards End
Engl./Japan./Amerik. Drama
mit Anthony Hopkins, Vanessa
Redgrave, Helena Bonham
Carter. Regie: James Ivory, 1992
Die adlige Ruth Wilcox verbindet
eine Freundschaft mit der um
Jahre jüngeren Margaret Schlegel. Als Ruth stirbt, erwartet die
Familie eine Überraschung:
Margaret ist die Alleinerbin des
Familienbesitzes Howards End.
22.30 Colette, die Aufständische
Doku. Die Schriftstellerin machte
sich als Vorreiterin der Autofiktion selbst zur Romanfigur, eng
verbunden mit ihrem Werk.
23.25 Nico & The Navigators: Force
and Freedom Konzert
Musik: Ludwig van Beethoven
0.50 1968mm Dokureihe. Reformen,
Panzer, Hühnersuppe / BHs und
Barrikaden / Sex und Rock ’n’ Roll
20.15 Ein Taunuskrimi (1/2) Böser Wolf.
Dt. Krimi mit Tim Bergmann,
Felicitas Woll, Michael Schenk.
Regie: Marcus O. Rosenmüller,
2015. Jugendliche machen am
Ufer des Mains einen grausigen
Fund: Die Leiche eines 16-jährigen Mädchens wurde angespült.
Pia und Oliver entdecken Ähnlichkeiten zu einem früheren Fall.
23.15 Polizeiruf 110 Der Tod macht
Engel aus uns allen. Dt. Krimi
mit Matthias Brandt, Anna
Maria Sturm, Lars Eidinger
Regie: Jan Bonny, 2013
0.40 Der Chinese (1–2/2) Dt./Österr./
Schwed. Thriller mit Suzanne
von Borsody, Michael Nyqvist,
Claudia Michelsen. Regie: Peter
Keglevic, 2011. Als sie von einem
Blutbad in ihrem Heimatdorf
erfährt, bangt die Richterin
Birgitta Roslin um ihr Leben.
20.15 Mamma Mia! Here We Go Again
Japan./Engl./Amerik. Musical
mit Amanda Seyfried, Meryl
Streep, Lily James. Regie: Ol
Parker, 2018. Sophie will nach
dem Tod ihrer Mutter Donna
deren Hotel auf Kalokairi wiedereröffnen. Als sie feststellt, dass
sie schwanger ist, fühlt sie sich
unsicher, ob sie der Verantwortung gewachsen ist, und vertraut
sich Rosie und Tanya an. Die
erzählen ihr, wie Donna damals
mit ihrer ungeplanten Schwangerschaft umgegangen ist.
22.25 Peppermint: Angel of Vengeance Amerik./Hongkong.
Actionthriller mit Jennifer
Garner, John Gallagher Jr., John
Ortiz. Regie: Pierre Morel, 2018
0.25 Mamma Mia! Here We Go Again
Japan./Engl./Amerik. Musical
mit Amanda Seyfried, 2018
20.20 Love Vegas Amerik. Romantikkomödie mit Cameron Diaz,
Ashton Kutcher, Rob Corddry
Regie: Tom Vaughan, 2008
Jack hat seinen Job verloren,
Joy ihren Verlobten. In Las Vegas
wollen beide ihren Kummer
vergessen, lernen sich kennen
und heiraten spontan im Vollrausch. Am nächsten Morgen
folgt das böse Erwachen.
22.40 Bad Teacher Amerik. Komödie
mit Cameron Diaz, Justin
Timberlake, Jason Segel. Regie:
Jake Kasdan, 2011. Als die
arbeitsunwillige Lehrerin
Elizabeth dem vermögenden
Aushilfslehrer Scott begegnet,
erkennt sie ihre Chance.
0.35 Love Vegas Amerik. Romantikkomödie mit Cameron Diaz,
Ashton Kutcher, Rob Corddry
Regie: Tom Vaughan, 2008
ZDF Neo
Tele 5
NDR
SWR
17.00 Death in Paradise 18.45 Inspektor
Morse. Nachtstücke. Engl. Krimi, 2014
20.15 Bares für Rares 21.45 Wilsberg.
Bauch, Beine, Po. Dt. Krimi, 2015 23.15
13 Fragen. Mit Salwa Houmsi und Jo
Schück 23.45 Morning Glory. Amerik. Komödie, 2010 1.25 Agatha Raisin
16.40 Dinotopia: Wahlkampf (2-/6) Amerik. Abenteuer, 2002 18.25 Dinotopia:
Der Wettkampf (3/6) Amerik. Abenteuerfilm, 2002 20.15 Dinotopia: Versuchung (4/6) Amerik. Abenteuerfilm, 2002
22.05 Dinotopia: Das Virus (5/6) Amerik.
Abenteuerfilm, 2003 0.00 Dinotopia: Das
Portal (6/6) Amerik. Abenteuerfilm, 2002
17.00 Bingo! 18.00 Nordseereport 18.45
DAS! Zu Gast: Tobias Esch (Arzt) 19.30
Regional 20.00 Tagesschau 20.15 Europas Seen, die Sie kennen sollten 21.45
Kaum zu glauben! 23.45 Total normal (5)
0.15 Geheimnisvolles Tokio. Doku
KIKA
18.00 UM6 18.30 rbb Gartenzeit 19.00
Die Spur der Täter 19.30 Abendschau/
Brandenburg aktuell 20.00 Tagesschau
20.15 Wer weiß denn sowas? 21.45
rbb24 22.00 Hubert und Staller 23.30 Jede Antwort zählt 0.15 Dings vom Dach
17.15 Wildes Neuseeland (2/3) 18.00 Aktuell 18.15 Ich trage einen großen Namen 18.45 Treffpunkt 19.15 Die Fallers
19.45 Aktuell 20.00 Tagesschau 20.15
Ein Sommer in Südtirol. Dt. Dokumentarfilm, 2017 21.45 Krause kommt! 22.30
Walulis Woche 23.00 Birnenkuchen mit
Lavendel. Franz. Romantikkomödie, 2015
0.35 Kochen ist Chefsache. Franz./Span.
Komödie mit Jean Reno, 2012
Phoenix
16.15 Meine Kindheit in MecklenburgVorpommern 17.15 Verborgene Welten
19.15 Katastrophen der Erdgeschichte
20.00 Tagesschau 20.15 Von Engeln bewacht: Die Bundeslade. Franz. Dokumentarfilm, 2020 21.45 Geheimnisvolle Orte
23.15 h.-show 23.45 extra 3 0.15 phoenix
gespräch 0.45 Bekannt im Land 1.15 Von
Engeln bewacht: Die Bundeslade. Franz.
Dokumentarfilm, 2020
Pro Sieben
17.00 taff weekend 18.00 Newstime
18.10 Die Simpsons 19.05 Galileo Plus
20.15 Terminator: Genisys. Amerik./Kanad. Sci-Fi-Film mit Arnold Schwarzenegger, 2015 22.55 Predator – Upgrade.
Amerik./Kanad. Sci-Fi-Horror mit Boyd
Holbrook, 2018 1.10 Alien: Covenant.
Amerik./Engl. Sci-Fi-Film, 2017
16.35 Anna und die wilden Tiere 17.00
1, 2 oder 3 17.30 Shaun das Schaf 18.00
Ritter Rost 18.10 Sam 18.40 PEEKs ZOO –
Von Affen, Giraffen & Co. 18.50 Sandmännchen 19.00 Power Players 19.25
pur+ 19.50 logo! 20.00 Team Timster
20.15 stark! 20.30 Schau in meine Welt!
Hessen
17.45 Abflug aus der Pandemie – wie
sich die Luftfahrt neu erfindet 18.30 Engel fragt 19.00 Tobis Städtetrip 19.30
hessenschau 20.00 Tagesschau 20.15
Immer wieder sonntags 22.10 Jede Antwort zählt 22.55 strassen stars 23.25 Ich
trage einen großen Namen 23.55 Dings
vom Dach 0.40 strassen stars 1.10 Aufschrei der Jugend. Generation „Fridays
for Future“. Dt. Dokumentarfilm, 2020
RBB
WDR
18.00 Tiere suchen ein Zuhause 18.45
Akt. Stunde 19.30 Lokalzeit-Geschichten
20.00 Tagesschau 20.15 Wunderschön!
21.45 Mord mit Aussicht 23.20 Meuchelbeck (5–6) 1.00 Rentnercops
MDR
18.20 Brisant 18.52 Sandmann 19.00 Regional 19.30 MDR aktuell 19.50 Kripo live
20.15 Das ABC der Volksmusik. Von A wie
Amigos bis Z wie Zuckowski 23.50 Die
Schlager des Monats 1.20 Kripo live
Bayern
16.45 Euroblick 17.15 herzhaft und süß
17.45 Schwaben und Altbayern 18.30
BR24 Rundschau 18.45 freizeit 19.15 Unter unserem Himmel 20.00 Tagesschau
20.15 Melodien der Berge. Im Herzen der
Schweiz 21.45 München 7 23.15 BR24
Rundschau 23.30 Woidboyz on the Road.
Per Anhalter durch Bayern 0.00 Schlachthof 0.45 Vereinsheim Schwabing. Bühnensport mit Constanze Lindner 1.30
herzhaft und süß. Gnocchi Alfonso
RTL 2
16.15 Die Schnäppchenhäuser 17.15
Mein neuer Alter 18.15 GRIP. Magazin.
Det sucht Trabi | Hypersport-Cabrios –
Lamborghini Aventador SVJ vs. McLaren
720S | Schrottplatz-Fred sucht Oldie
20.15 The Circle. Franz./VAE/Amerik.
Thriller mit Emma Watson, 2017 22.25
Terminal. Amerik. Komödie, 2004 1.00
The Circle. Franz./VAE/Amerik. Thriller, ’17
Super RTL
17.55 Paw Patrol 18.25 Grizzy & die Lemminge 18.55 Tom und Jerry 19.15 ALVINNN!!! 19.45 Angelo! 20.15 Rizzoli &
Isles. Hinter der Maske / Liebeswahn
22.00 Snapped – Wenn Frauen töten
23.55 Böse Mädchen 0.20 Infomercials
Kabel 1
16.05 News 16.15 Mein Lokal, Dein Lokal – Der Profi kommt. „Peggy’s Diner“,
Halbe / „Willmersdorfer Hof“, CottbusWillmersdorf /„Zum Weißen Roß“, Forst /
„Alte Kirche in Schloss Beuchow“, Lübbenau/Spreewald 20.15 Trucker Babes –
400 PS in Frauenhand. Doku-Soap (- 3.50)
Vox
17.00 auto mobil 18.10 Biete Rostlaube,
suche Traumauto. Doku-Soap 19.10 Hot
oder Schrott – Die Allestester 20.15 Promi Shopping Queen 23.20 Prominent!
Magazin 0.10 Medical Detectives
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
ARD-alpha
17.00 Xenius 17.30 W wie Wissen 18.00
Einfach genial 18.30 Quarks 19.15 Schätze der Welt – Erbe der Menschheit spezial 19.30 Respekt 20.00 Tagesschau
20.15 Geheimnisvolle Orte 21.00 Geheimnisvolle Orte 21.45 Klassik am Odeonsplatz 2016 23.15 „lesenswert“ Quartett 0.15 Geheimnisvolle Orte. Schloss
Cecilienhof 1.00 Geheimnisvolle Orte
WELT
Stündlich Nachrichten 16.10 V-Day – Tag
der Vulkane 18.05 Die Foodtruckerin
19.05 Traumzüge (2+6+6) Dokumentationsreihe. Tren Crucero – Der Teufelszug
von Ecuador / Bernina Express / Der AVE
103 – Spaniens Hochgeschwindigkeitszug 22.00 Dreamcars 1.00 Jaguar XKSS
ntv
Stündlich Nachrichten 16.05 Verrückt
aber wahr! 18.30 Wissen 19.10 Deluxe.
Wieviel Platz braucht eine Luxus-Familie
im Urlaub 20.15 Architektur-Highlights –
Die schönsten Häuser der Welt. DokuSoap. Wohnen im Nirgendwo 22.10 Das
Universum – Eine Reise durch Raum und
Zeit. Dokumentationsreihe 1.00 Expedition Neue Erde (1–2/2) Dokureihe
Radio am Sonntag
HÖRSPIEL
18.30 „Das Zittern des Fälschers“
– Deutschlandfunk Kultur Nach dem
Roman von Patricia Highsmith. Von Eberhard Klasse, Stefanie Hoster, ca. 90 Min.
19.00 „Ins Gras beißen die anderen“
– NDR Kultur Kriminalhörspiel nach Jamie
Mason. Von Irene Schuck, ca. 60 Min.
19.04 „Verfahren“ – WDR 3
Von Kathrin Röggla, ca. 56 Min.
KLASSIK
19.05 Festival der Nationen Bad
Wörishofen 2019 – BR-Klassik
U.a.: Wagner: „Die Meistersinger von Nürnberg“, Vorspiel; „Die Walküre“, Walkürenritt
und Szene des Siegmund; „Siegfried“, Waldweben; „Lohengrin“, Szene des Lohengrin
aus dem 3. Akt, ca. 115 Min.
20.00 Konzert– MDR Kultur, NDR Kultur, HR 2,
RBB Kulturradio, SWR 2, SR2, WDR 3
U.a.: J. Haydn: Sonate C-Dur Hob. XVI:21;
J.S. Bach: Französische Suite Nr. 2 c-Moll
BWV 813; J. Haydn: Sonate G-Dur Hob.
XVI:39; Schubert Sonate G-Dur D 894 op. 78
(Christian Zacharias, Klavier); Anschließend:
Granada Festival; de Falla, ca. 180 Min.
20.03 Konzert – Deutschlandfunk Kultur
U.a.: Janáček: Suite aus der Oper „Das
schlaue Füchslein“; Hosokawa: Violinkonzert;
Zemlinsky: Lyrische Symphonie in sieben
Gesängen (Veronika Eberle, Violine; Prager
Radio-Symphonieorchester, Leitung:
Alexander Liebreich), ca. 117 Min.
FEATURE & MAGAZIN
12.04 Literaturland Hessen – HR 2
Hitze, Dürre, Emissionen – was uns Bäume
über das Klima sagen, ca. 56 Min.
12.05 kulturWelt – BR 2 U.a.: Eine Zwischenbilanz nach der ersten Woche der Filmfestspiele in Canne, ca. 25 Min.
14.05 Religionen – Deutschlandfunk Kultur
Islam und Extremismus, ca. 55 Min.
15.05 Rock et cetera – Deutschlandfunk
Die niederländische Rockband DeWolff
ca. 55 Min.
16.05 Eins zu Eins. Der Talk – BR 2
Zu Gast: Anton G. Leitner, Lyriker, ca. 55 Min.
16.10 Büchermarkt – Deutschlandfunk
Wolfgang Hilbig: „Werke. Essays, Reden,
Interviews“, ca. 20 Min.
16.30 Forschung aktuell – Deutschlandfunk
Rettet den Boden! Leben und Sterben
unter dem Asphalt, ca. 30 Min.
18.04 Feature – HR 2
Die Macht der Sucht. Junge Drogentote
und die deutsche Drogenpolitik, ca. 56 Min.
20.05 Freistil – Deutschlandfunk
Bogen. Sehne. Pfeil. Vom Anspannen
und Loslassen, ca. 55 Min.
LESUNG
12.30 radioTexte – Das offene Buch – BR 2
Jacqueline Woodson: „Alles glänzt“
ca. 30 Min.
GOTTESDIENSTE
10.00 Kath. Gottesdienst
– WDR 5, NDR Info, RBB Kulturradio
Predigt: Pfarrer Martin Limberg, ca. 60 Min.
10.05 Ev. Gottesdienst – Deutschlandfunk
Predigt: Gregor Heidbrink, ca. 55 Min.
Literarisches Leben
SEITE 16 · S AMS TAG, 10. JULI 2021 · NR. 157
D
ie Rechtschreibung, dachte ich am Ufer der Saale
in Halle, wie wäre es, bei
zwei Wörtern/Wortstämmen die Rechtschreibung
ein wenig zu ändern, um
einen großen Mann zu ehren? Ein neues
„ff“ und ein „ck“, wäre das nicht eine angemessene Würdigung für den Erfinder
der „vernünfftigen Gedancken“?
Wenn sich andere eifrige Menschen
bemühen, die deutsche Rechtschreibung
mit Sternchen, schrägen Strichen oder angeklebten X-Lettern zu verhässlichen, um
der Gerechtigkeit in einer ungerechten
Welt wenigstens in Worten zum Durchbruch zu verhelfen, und wenn diese neue
Mode in einem Teil der Gesellschaft
immer mehr Raum gewinnt, warum soll
dann nicht ein anderer Teil der Gesellschaft etwas von den alten Moden ins Gespräch bringen und die Sprache verschönern? Zum Schutz der winzigen Minderheit derjenigen, die in einer Epoche hitziger Lügenkonjunktur dazu beitragen,
der Wahrheit wenigstens in Worten zum
Durchbruch zu verhelfen? So dachte ich,
der Duden-Redaktion in Mannheim den
Vorschlag zu machen, bei den Wörtern
„Vernunft“ und „vernünftig“ in Ausnahmefällen, wenn wirklich Vernünftiges gemeint sei, die Schreibung „Vernunfft“ und
„vernünfftig“ zuzulassen, ebenso beim
Wort „Gedanken“, im Fall solider Gedankenarbeit, auch „Gedancken“.
Nein, ich war nicht betrunken an der
Saale hellem Strande, der „Krug zum grünen Kranze“ war noch gut zwei Kilometer entfernt. Ich wusste sehr wohl, dass
die Saale keinen Strand hat, geschweige
denn einen hellen, jedenfalls im Stadtgebiet von Halle. Und wusste ebenso,
dass die Duden-Redaktion die Sprachund Wortentwicklung nur beobachtet
und registriert und keinen von mir oder
sonst wem geäußerten Wunsch in einen
Regelbefehl verwandeln kann.
Wir saßen auf der Würfelwiese, ein
Parkstück, das seinen Namen von den
Volksfesten früherer Jahrhunderte hatte,
bei denen offenbar die Glücks- und Würfelspiele am populärsten waren. Meine
Gefährtin und ich ließen die Fantasie
sprießen, wir überlegten, wie man an
Rebellen erinnern, wie man einen alten
Rebellen der Vernunft ehren könnte, den
heute außerhalb der Fachwelt keiner
mehr kennt. Einen Philosophen, der mir
schon wegen seiner langen Buchtitel gefiel, die mit „Vernünfftige Gedancken“ beginnen, dann den Gegenstand benennen,
Logik, Ethik, Natur, Metaphysik und so
weiter, und mit „den Liebhabern der
Wahrheit mitgetheilet von Christian Wolffen“ enden. Was fangen wir 2021 mit
einem fast vergessenen deutschen „Frühaufklärer“ an, wie manche etwas abschätzig sagen, der vor dreihundert Jahren, im
Juli 1721, die denkende Menschheit und
„Liebhaber der Wahrheit“ einen markanten Schritt vorangebracht hat?
Kaum bekannt ist heute die Geschichte
von Christian Wolffs skandalöser „Rede
von der Sittenlehre der Sineser“, die er auf
Lateinisch gehalten hatte und die in modernem Deutsch als „Rede über die praktische Philosophie der Chinesen“ nachzulesen ist. Ein Grund mehr, den Mut dieses
Hallenser Professors heute besonders zu
belohnen. Mit einem einzigen Auftritt gelang es ihm, die Deutungshoheit der Theologen über Gut und Böse infrage zu stellen, sich danach auch vom preußischen
König nicht einschüchtern zu lassen, für
die Meinungsfreiheit ins Exil zu gehen
und damit auf die Intellektuellen in ganz
Europa einzuwirken und die Aufklärung
entscheidend voranzutreiben.
Wolff (1679 bis 1754) gilt heute nicht
mehr als Starphilosoph. Er war wohl
nicht so umfassend gebildet wie Leibniz,
nicht so weise wie Mendelssohn, nicht so
menschenfreundlich und ästhetisch versiert wie Lessing, nicht so systematisch
und radikal wie Kant. Doch allein für
seine Entscheidung zur Weitsicht, über
FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUN G
Vernünfftige Gedancken
auf der Würfelwiese
wenn Wolff „die Chinesen“ nur als Mittel zum Zweck benutzt hätte, um die Philosophie von der Theologie zu befreien,
der Erfolg gab ihm recht. Der Skandal
machte den Redner zum Helden, seine
Gegner zu Deppen, das Ereignis einer
kleinen, rhetorisch eher mittelmäßigen
lateinischen Rede zum Markstein der europäischen Philosophiegeschichte. Die
Rolle des Märtyrers muss man Wolff
nicht zuschreiben, das Exil an der Marburger Universität war komfortabler als
das Leben in Halle. Nach fünfzehn Jahren erreichte man beim alten König die
Neigung zur Rehabilitierung, doch erst
der neue König, der junge Fritz, hob
1740 die Verbannung auf, es war eine seiner ersten Amtshandlungen. Wolff kehrte im Triumph zurück, seine Wirkung auf
die nächste Studentengeneration soll für
ihn enttäuschend gewesen sein. Dafür
gab es nun einen Herrscher, der viele seiner Ansichten teilte.
Das alles ist heute gut dokumentiert,
etwa im Ausstellungskatalog „Die Causa
Christian Wolff“ der Franckeschen Stiftungen von 2015, in einer neuen Biographie
von Hans-Joachim Kertscher, in wissenschaftlichen Editionen. In Halle gibt es
eine Christian-Wolff-Gesellschaft und
eine Initiative für ein Wolff-Denkmal.
Aber das ist zu wenig, sagte ich auf der Würfelwiese rechts der Saale, wie könnte Europa, wie könnten die Deutschen ihren unterschätzten Wolff ins allgemeinere Bewusstsein rücken? Was tun anlässlich des 12. Juli
2021, exakt dreihundert Jahre nach der
„oratio de sinarum philosophia practica“?
Gedenkminuten für Christian Wolff
Von Friedrich Christian Delius
E
Gutmütiger Mann
mit streitbarem
Gemüt:
Christian Wolff
Foto Getty
Preußen und den abendländischen Kulturkreis hinaus, von Halle bis nach Peking,
von der Würfelwiese bis zu Konfuzius zu
schauen, daraus „vernünfftige Gedancken“ zu entwickeln und dafür bestraft
und vertrieben zu werden, hätte er heute
mehr als die übliche Festrede und die übliche zoomgestützte Tagung verdient.
S
chon vor dreihundert Jahren
waren „die Chinesen“ ein
heikles Thema. Die Europäer hatten immer noch mit
der schweren Kränkung zu
kämpfen, dass es in China
eine sehr viel ältere und solidere Kultur
als die ihre gegeben hatte. Noch schlimmer, allem Anschein nach hatten im Fernen Osten über viel längere Zeiträume
mehr Vernunft, Toleranz und effektive
Verwaltung geherrscht als im Westen.
(Was Leibniz auf den Gedanken brachte,
chinesische Missionare einzuladen, um
die konfuzianischen Tugenden den kriegerisch stets aufs Neue zerstrittenen Europäern beizubringen und ihren moralischen Verfall zu bremsen.) Und nun kam
ein Hallenser Mathematikprofessor, der
sich zu einem Moralphilosophen fortge-
bildet hatte, der protestantischen
Perückengesellschaft mit der Weisheitslehre des von jesuitischen Missionaren
ins Lateinische übersetzten Konfuzius.
Er nutzte den höchsten Universitätsfeiertag, die Übergabe des Prorektorats, um
nachzuweisen, dass konfuziusgeschulte
Chinesen tugendhafte, gute Menschen
sein konnten, ohne Christen zu sein. Die
Provokationen standen zwischen den Zeilen: Das konfuzianische Gebot der praktischen Nächstenliebe schien effektiver als
das christliche, Heiden konnten besser
als viele Christen sein. Eher als der Glaube seien gute Beispiele und die Orientierung am Gemeinwohl geeignet, die Welt
zu bessern. Im Übrigen habe sich erwiesen, dass Erbfolge bei Herrschern eher
schade. Außerdem trage der freie Wille,
nicht die Furcht vor einem Herrn am
meisten zur Erziehung, zur Tugendbildung bei. Gute Vorbilder seien für das
Volk besser als Befehle.
Der Philosoph hatte die Prorektoratswürde (den Titel Rektor führte der preußische König) einem Theologen übergeben,
mit vielen theologischen Absicherungen
und Komplimenten, nicht ohne gebräuchliche akademisch-ironische Floskeln:
„Männer von übermenschlicher Weisheit
– wir verehren sie unter dem Namen der
Theologen.“ Deren Aufschrei folgte
prompt, sie waren eifrige Pietisten, geschart um den sonst so verdienstvollen
August Hermann Francke. Dieser verlangte das Manuskript zu lesen, Wolff sah keinen Grund, es herzugeben, sein Vorteil
war, dass das kompakte Latein der Rede
niemand verlässlich im Kopf behalten
oder protokolliert haben dürfte. So begann der „Hällische Streit“ – ohne jede
Textgrundlage (erst 1726, im hessischen
Exil, rückte Wolff die Rede heraus, mit
vielen Anmerkungen). Wer behauptet,
Atheisten oder Nichtchristen könnten
auch gute Menschen sein, selbst wenn sie
Chinesen sind, der rüttelte nach Ansicht
der Theologen an den Fundamenten der
Religion und musste ein Sympathisant
der Atheisten sein.
Francke schickte Studenten als Spione
in Wolffs Vorlesungen, sammelte dessen
angebliche Anstößigkeiten und hatte das
Ohr des Königs Friedrich Wilhelm I. von
Preußen. Wolff spottete über den Kleingeist der Theologen, machte sich mit Sturheit auch in Berufungsfragen unbeliebt
und so fort. Auch am preußischen Hof gab
es rivalisierende Berater, und so dauerte
es mehr als zwei Jahre, bis es Francke gelang, den König vom angeblichen Atheismus Wolffs zu überzeugen und zu dem Geständnis zu bringen: „ich habe das nit
gewuhst das der wolf so gottlohse ist.“ Für
alle überraschend erhielt Wolff im November 1723 den Befehl, „binnen 48 Stunden
nach Empfang dieser Ordre die Stadt Halle und alle unsere übrige königl. Lande
bey Strafe des Stranges“ zu verlassen.
Todesstrafe oder Verbannung, das war
selbst für den Tabakskollegiums-Soldatenkönig stärkster Tobak. Doch dieser
Akt führte zu einer enormen Aufwertung
der Philosophie. Die Aufklärung war zu
einer politischen Sache geworden. Selbst
FRANKFURTER ANTHOLOGIE
F. C. Delius ist Schriftsteller. Zuletzt erschien
von ihm im Rahmen der Werkausgabe in Einzelbänden „Wenn die Chinesen Rügen kaufen,
dann denkt an mich“ (Rowohlt).
Redaktion Hubert Spiegel
Dracontius
Hartmut Leppin
Über den Ursprung der Rosen
Gewalt unter dem Firnis der Eleganz
Verletzt wird die fruchtbare Venus, als sie dem Liebesdrängen
des Mars sich entzieht
und mit ihren bloßen Füßen auf die Blumenwiese tritt:
Frevlerisch schlich sich ein Dorn unter die friedlichen Pflanzen
und ritzt in die zarten Sohlen unversehens eine Wunde.
Blut fließt aus ihr; rot kleidet sich der Stachel.
Er, der doch ein Verbrechen beging, empfängt als
Gegengabe den Duft.
Blut rötet alles Gesträuch in den goldgelben Wiesen.
Und sie heiligt die Dornen, nach dem Vorbild der Sterne:
die Rose.
Was hilft es, kyprische Göttin, dass du dem blutigen Mars
bist entkommen,
wenn von tiefrotem Blut deine Fußsohle benetzt ist?
Göttin von Kythera mit den blutroten Wangen, bestrafst
du so die Verbrechen,
dass feuerroter Tropfen den diebischen Dorn bedeckt?
Ja, so musste die Göttin Schmerzen leiden, so die Gottheit der
Liebe,
dass sie mit reizenden Gaben ihre Wunden vergalt.
Liebe kann wehtun. Die schöne, dornige
Rose ist ein Bild dafür – Goethes Heidenröslein kommt einem sofort in den Sinn.
Dort ist es eine Knabe, der sich verletzt,
als er die Blume brechen will, hier die
Göttin Venus, die vor dem Drängen ihres
Liebhabers Mars flieht und auf einer
Wiese gestochen wird, um sie sodann
mit ihrem Blut zu schmücken. So entstehen Duft und Farbe der Rosen aus der
Not.
Blossius Aemilius Dracontius griff mit
seinem Gedicht einen alten Mythos auf.
Am Ausgang der Antike, im fünften Jahrhundert nach Christus, schrieb er lateinische Verse. Etliche Dichter hatten eine
ähnliche Geschichte erzählt, allerdings
gewöhnlich nicht über Venus, sondern
über Adonis, einen anderen Geliebten,
den Mars umbrachte. Aus dem Blut seien Röslein entstanden. Diese geläufigere
Version war Dracontius gewiss vertraut,
doch entschied er sich für Entlegenes.
Die Leser des Dracontius wussten das
vermutlich zu schätzen. Denn sie waren
gebildet und kannten die klassischen Beinamen der Venus, die sich von Inseln herleiteten, mit denen der Mythos sie in Berührung brachte, Zypern und Kythera.
Sie sahen sicherlich die feinsinnigen lite-
Aus dem Lateinischen von Hartmut Leppin
ine Festrede? Geschenkt.
Eine Briefmarke? Das war
einmal. Einen Preis? Ja,
warum nicht den nächsten
Frankfurter Adorno-Preis
oder den Stuttgarter Hegel-Preis postum für Christian Wolff, was
sind schon dreihundert Jahre? Das wäre
mal ein Anfang, doch so viel philosophischen Humor traue ich diesen Jurys dann
doch nicht zu.
Nein, man müsste Wolff auf das Debattierfeld holen, das zu einem der letzten
intellektuellen Schlachtfelder geworden
ist, auf das Feld der Rechtschreibung. Ein
paar vernünftige oder vernünfftige Leute
könnten noch in diesem Jahr damit anfangen, in bestimmten Fällen Vernunft
mit zwei f und Gedanke mit ck zu schreiben und, wo immer das möglich ist, gegenüber Korrektoren und anderen Kontrollinstanzen durchzusetzen. Auch die
winzige und eher schweigende als zwitschernde Minderheit derer, die noch auf
Vernunft, Aufklärung, geprüfte Wahrheiten und „hochtouriges Denken“ (George
Steiner) setzen, hat ein Recht auf Gehör
und auf Minderheitenschutz gerade in
Zeiten permanenter Verhöhnung und
Diskriminierung dieser zugegeben etwas
altmodischen Errungenschaften des „Vermögens, den Zusammenhang der Wahrheiten zu erkennen“, wie Wolff die Vernunfft definierte. Es bedarf freilich einiger Lobbyarbeit, bis auch die Sprachwissenschaft, die Feuilletons, die akademische Welt und am Ende der Duden uns
beispringen werden: Das Licht der Aufklärung soll im Sinne Christian Wolffs
bis in die Orthographie, bis in die Buchstaben hinein leuchten!
So schweiften unsere unvernünfftigen
Gedancken über die Würfelwiese, ehe
wir aufstanden und weiterliefen. Die
schöne Strecke bis zum „Krug zum grünen Kranze“ lag noch vor uns. Über die
Pointe, dass „die Chinesen“ einst den
Deutschen Entwicklungshilfe bei der Aufklärung leisteten, heute aber in ihrem
Einflussbereich Aufklärung und Meinungsfreiheit mit aller Macht bekämpfen, mochte ich jetzt nicht räsonieren.
Lieblich war der Sommertag.
rarischen Anspielungen des Poems mit
vielen Freuden.
Die Heimat des Dracontius, die ungefähr dem heutigen Tunesien entspricht,
war in römischer Zeit ein reiches Zentrum lateinischer Sprachkunst. Von hier
stammte Apuleius, der den Roman „Der
goldene Esel“ verfasste, aus dem die berühmte Geschichte von Amor und Psyche stammt. Sprachmächtige christliche
Autoren wie Tertullian und Augustinus
wirkten ebenfalls in dieser Region.
Als der Letztere 430 starb, wurde seine Bischofsstadt Hippo von den Vandalen belagert. Deren Name verbindet sich
heute mit Zerstörungswut, wozu die brutale Plünderung Roms im Jahr 455 wesentlich beitrug. Die Basis für den Angriff auf die Ewige Stadt war die Eroberung des vormals römischen Nordafrika,
wo die Vandalen seit 429 ein christliches
Königtum aufbauten, das politische und
religiöse Gegner zeitweise mit größter
Härte verfolgte. Auch Dracontius verbrachte einige Zeit im Gefängnis seiner
vandalischen Herren, wo er Gelegenheit
fand, mit Könnerschaft fromme Gedichte zu schreiben. Aus der Haft entlassen,
verfasste er christliche Texte und auch
solche, die in der Tradition der klassi-
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
schen Dichtung standen. Denn diese
blühte unter der Herrschaft der Vandalen, die keineswegs nur Barbaren waren,
sondern viele Annehmlichkeiten der antiken Welt zu genießen wussten.
Gerne stellt man sich die Geschichte
der Spätantike als eine lineare Entwicklung vor; eine zunehmend christliche
und barbarische Prägung scheint den
Reichtum der klassischen Kultur, aber
auch die Leichtigkeit eines genießerischen Lebens ruiniert zu haben. Ungleichzeitigkeiten bestimmten jedoch
diese Welt. Die Vandalen plünderten
Rom und förderten lateinische Dichtung. Dracontius ist ein und derselbe
Dichter, in seinen christlichen Gedichten wie in jenen, die heidnische Gottheiten ins Zentrum rückten. Solche Verse erlaubten ein allegorisches Verständnis –
christlichen Lesern war die Verbindung
von Leid und Milde, für die hier Venus
steht, durchaus vertraut. Doch spielte
der ästhetische Genuss gewiss eine Rolle. So entstand unter einem barbarischen und christlichen Herrscher ein mythologisches und elegantes Gedicht wie
„Der Ursprung der Rosen“.
Doch das Gedicht ist nicht nur elegant: Die Nähe von Schönheit und Verlet-
zung, von Liebe und Gewalt ist ein klassisches Thema, das die elegischen Distichen des Dracontius durchzieht. Der Leser erfährt von einer Frau, die vor einem
gewalttätigen Mann flieht und sich dabei
verletzt und deren Wunde dann Gutes
wirkt. Eine versöhnliche Lösung wohl
aus der Sicht des Dracontius.
Wer diese Verse geschlechtergeschichtlich sensibilisiert liest, wird hingegen die
Festschreibung der Frau auf die Rolle
des wohltätigen Opfers nicht übersehen,
das leiden muss, wenn ein Mann seinem
Drang folgt. Wie so oft in der Antike verbirgt sich unter dem Firnis der Eleganz
die Gewalthaftigkeit einer sozialen Ordnung.
Blossius Aemilius Dracontius: „Carmina profana“. Lateinische Ausgabe. Hrsg. von Otto
Zwierlein. Verlag DeGruyter, Berlin/Boston
2017. 176 S., geb., 59,95 €.
Von Hartmut Leppin ist zuletzt erschienen:
„Die frühen Christen“. Von den Anfängen bis
Konstantin. Verlag C. H. Beck, München 2020.
512 S., 29,95 €.
Eine Gedichtlesung von Thomas Huber und
das Gedicht in seiner Originalsprache finden
Sie unter www.faz.net/anthologie.
Wirtschaft
F RANK FURT ER A LLG E M E I N E Z E I T U NG
NR . 15 7 · SE I T E 1 7
SA M S TAG, 10 . J UL I 2 0 2 1
Brenzlige
Situation in
Nordirland
J
edes Jahr in der Nacht des 11. Juli
entzünden nordirische „Loyalisten“
große Feuer, die an die Landung
des englischen Heeres von Wilhelm III.
(von Oranien) im Jahr 1690 erinnern.
Doch die Atmosphäre im britischen
Landesteil ist schon so hitzig – und viele
befürchten Zusammenstöße zwischen
den verfeindeten Lagern der Protestanten und der Katholiken an diesem
Wochenende. Seit dem Brexit mit seinen komplizierten Schlussfolgerungen
für die Architektur des britischen Staates tobt ein Kleinkrieg um Handelskontrollen in der Irischen See. Die Regierung in London droht mit einer unilateralen Aktion in den nächsten zwei
Wochen, die Europäische Union will
dagegenhalten. Ein großer Streit dreht
sich um die Lieferungen von frischem
Fleisch und Würstchen von Britannien
nach Nordirland. Der „Wurst-Krieg“ hat
schon zahlreiche wütende Schlagzeilen
in der britischen Presse erzeugt. Nach
EU-Vorschrift dürfen aus Drittstaaten
keine gekühlten, sondern nur tiefgefrorene Würste importiert werden – doch
das macht es teurer und beeinträchtigt
die Qualität der begehrten Ware. In letzter Minute wurde eine weitere dreimonatige Übergangsfrist bis Ende September vereinbart. Doch London fordert,
dass Brüssel nun insgesamt die Regeln
lockert. (Siehe Seite 18.)
ppl.
Von Johannes
Pennekamp, Frankfurt
D
ie Corona-Krise scheint in
Deutschland ihren schlimmsten
Schrecken verloren zu haben.
Nicht nur körperlich ist eine
Covid-Erkrankung eine geringere Bedrohung als noch im Winter, die Pandemie
schlägt auch kaum noch auf die Stimmung.
Darauf deuten aktuelle Befragungsdaten
des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf hin, die der F.A.Z. vorliegen. Auf
einer Zehnerskala war der Zufriedenheitswert von 7,2 im August 2020 auf 6,1 im
April 2021 zurückgegangen. Anfang Juli
sprang der Wert dann wieder auf 7,0 was
etwa dem Vorkrisenniveau entspricht. „Die
Erholung der Zufriedenheit war dieses Jahr
extrem schnell, verglichen mit dem Ende
der ersten Welle letztes Jahr“, sagt der Mar-
Brexit-Bonfire: Dieser Holzstoß in Belfast wird in Flammen aufgehen.
Foto dpa
burger Soziologe Martin Schröder, der die
Daten ausgewertet hat. Aus den Antworten
von 520 Personen, die während der Pandemie immer wieder von den Hamburger
Forschern Anne Runde und Gregor Leicht
befragt wurden, gehe hervor, dass sich die
Deutschen von der Pandemie und dem
Lockdown erholt hätten. Ob in erster Linie
die sinkende Corona-Gefahr, der Impffortschritt oder der Wirtschaftsaufschwung für
die Erholung verantwortlich ist, spiegeln
die Daten nicht wider.
Wie schwerwiegend das Stimmungstief während der Corona-Krise war,
zeigt ein Vergleich: Der Verlust an
Lebenszufriedenheit sei vom Umfang
doppelt so schlimm gewesen, wie
arbeitslos zu werden, was der Forschung
zufolge einer der schlimmsten Schicksalsschläge überhaupt ist. Befragungsdaten des Sozio-oekonomischen Panels
zeigen zudem, dass sich die Deutschen
während beider Lockdowns zudem im
Schnitt extrem einsam fühlten, das
Gefühl, unglücklich zu sein, machte sich
im zweiten Lockdown demnach noch
stärker breit als im ersten. Mediziner
und Psychologen schlugen vor allem im
zweiten Lockdown Alarm, weil die Zahl
der
Patienten
mit
psychischen
Beschwerden stark zugenommen hatte.
Besonders betroffen waren Jugendliche.
Umso erfreulicher ist der steile Anstieg
auf nun 7 Punkte, was einem größeren
Glückssprung entspreche, als wenn Menschen heiraten, so Schröder. Der Forscher
vermutet, dass die Zufriedenheit in den
nächsten Wochen noch etwas weiter steigen und sie sich auf dem hohen Niveau von
vor der Krise einpendeln wird.
Langfristig werden die Menschen in
Deutschland ohnehin immer zufriedener.
In den Jahren 2005 bis 2019 war die
Die Deutschen und Corona
Zufriedenheit während der Pandemie
7,2
7,0
6,8
6,6
6,4
6,2
6,0
Skala 1 -10:
10 = sehr zufrieden
1 = sehr unzufrieden
1.5.2020
7.8.
30.11. 11.1.21
Quelle: Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martin Schröder
8.7.2021
F.A.Z.-Grafik niro.
Lebenszufriedenheit, begleitet von einem
langen Wirtschaftsaufschwung, stetig
gestiegen, auch die Finanzkrise der Jahre
2008/2009 hatte daran nichts geändert.
Und auch jetzt geht die Erholung mit
der wirtschaftlichen Belebung Hand in
Hand: Die Zahl der Arbeitslosen ist im
Juni deutlich auf nur noch 2,6 Millionen
Menschen gesunken. Viele Kurzarbeiter
sind an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt,
Unternehmen stellen wieder ein. Nach
Angaben der Bundesagentur für Arbeit
gibt es zwar noch etwa 400 000 Arbeitslose mehr als vor der Krise, die Erholung
verläuft aber in Rekordtempo. Und auch
die Stimmungsindikatoren in der Wirtschaft zeigen allesamt nach oben. Die
meisten
Konjunkturforscher
gehen
davon aus, dass die Wirtschaftsleistung
schon im laufenden dritten Quartal wieder das Vorkrisenniveau erreichen wird.
Voraussetzung für all das ist, dass es
nicht zu einer vierten Welle kommt.
Denn auch im vergangenen Sommer
schossen die Zufriedenheitswerte nach
oben, bevor dann wieder Ernüchterung
einkehrte. Gerade für die Menschen,
die sich nicht impfen lassen, könnte
sich der Anstieg der Zufriedenheit im
Fall einer neuen Welle auch in diesem
Jahr als „Blase“ herausstellen, sagt
Soziologe Schröder.
Mindeststeuer und Klimaschutz statt Wahlkampf
Bundesfinanzminister Scholz fordert zum Start des G-20-Treffens der Finanzminister Tempo ein
mas. VENEDIG. Was für ein schöner
Ausflug: Olaf Scholz fliegt nach Venedig,
dort trifft der Finanzminister seine Kollegen aus dem Kreis der 20 großen Industriestaaten und Schwellenländer (G 20).
Das extrem frühe Aufstehen lohnt sich.
Der SPD-Kanzlerkandidat lässt Berlin,
Regen und Umfragewerte hinter sich und
taucht ein – bei strahlendem Sonnenschein – in eine der schönsten Städte der
Welt. Und nicht nur das, Scholz darf hoffen, den Erfolg vergangener Mühen einfahren zu können und Unterstützung zu
bekommen für das Vorhaben, die Weltsteuerordnung auf zwei neue Säulen zu
stellen. Das ist sein großes Projekt, auf
das er drei Jahre hingearbeitet hat. Dass
die Neuregelung am Samstag mit dem
Kommuniqué bekräftigt wird, war so gut
wie sicher, nachdem nunmehr 131 Länder auf Arbeitsebene die Reform mittragen, darunter sind nicht zuletzt alle
G-20-Staaten.
Das Momentum will der deutsche Politiker nutzen, er will den Schwung aus der
Steuerpolitik auf ein ganz anderes Feld
übertragen – den Klimaschutz. Auf dem
G-20-Treffen wirbt der Deutsche eindringlich dafür, hier ebenfalls nach einer
gemeinsamen Lösung zu suchen, auf globaler Ebene zusammenzuarbeiten, multilateral, damit nicht jedes Land seinen
eigenen Weg geht. Seine Sorge: Wenn
Gegen Monopole
Von Sven Astheimer
Von Winand von Petersdorff
uropas größter Autohersteller
sorgt für Konstanz. Herbert
Diess soll Volkswagen bis zur
Mitte des Jahrzehnts führen. Inhaltlich ist das stimmig, schließlich hat er
die neue Strategie 2030 geprägt, das
Topmanagement größtenteils eingesetzt. Die Zahlen stimmen derzeit, wie
der Milliardengewinn fürs erste Halbjahr verdeutlicht. Diess hat das Tempo
gemacht für die E-Mobilität, und der
Rest der Branche ist längst auf diesen
Kurs eingebogen. Dass der ehrgeizige
Manager vor einem Jahr noch vor dem
Aus stand, weil er die Verlängerung
erzwingen wollte und sich im Ton vergriff, scheint vergessen. Zumal sein
größter Gegenspieler, der langjährige
Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh, aus dem Weg befördert wurde.
Viel Zeit wird dem Österreicher
jedoch nicht bleiben, diesen Triumph
auszukosten. Eine große Herausforderung der kommenden Jahre heißt China. Der Erfolg der Kernmarke VW auf
dem dortigen E-Automarkt ist kein
Selbstläufer. Derzeit hakt es an einigen Stellen. Im Reich der Mitte aber
wird sich maßgeblich entscheiden, wo
Volkswagen am Ende der Ära Diess
stehen wird.
er in den USA seinen Internetvertrag kündigen will,
ein Hörgerät erstehen
möchte oder einen neuen Arbeitgeber
sucht, lernt Amerikas Wirtschaft in
neuem Licht zu sehen. Ein Wust von
Regeln beschränkt die Entscheidungsfreiheit der Konsumenten und Arbeitnehmer. Die Regeln dienen dem einzigen Zweck, Unternehmen das Leben
leichter zu machen. Die Zeit ist schon
lange reif für Regeln, die nicht Unternehmen nützen, sondern den Wettbewerb schützen. Präsident Joe Biden
hat jetzt ein Dekret mit mehr als 70
Einzelpunkten erlassen, die eine Stoßrichtung haben: wettbewerbsfeindliches Verhalten von Unternehmen zu
unterbinden. Man mag die eine oder
andere Maßnahme für übertrieben
halten, das Projekt aber verdient Lob.
Unklar bleibt, ob das Dekret Zähne
hat. Besser wäre es, wenn der Kongress die Anordnungen durch Gesetze
absicherte. Leider werden die Abgeordneten nicht nur von Lobbyisten
belagert, sie sind dem politischen
Lagerdenken so stark verhaftet, dass
sie für ein neues Wettbewerbsrecht
keine Kraft finden. Das aber wäre vermutlich nötig.
E
Deutsche zufrieden wie vor der Krise
Corona war psychisch
eine riesige Belastung.
Neue Daten zeigen nun:
Das Glück ist zurück.
Diess unter Strom
eine Regierung den Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid in ihrem Land
verteuert, belastet dies auch die inländischen Produzenten. Wer demnach im
Sinne der ganzen Menschheit ehrgeizig
ist, muss fürchten, dass in sein Land
weniger klimafreundlich hergestellte
Produkte eingeführt werden und die heimische Industrie abwandert – „Carbon
Leakage“ heißt das unter Fachleuten. Um
solche Entwicklungen zu verhindern,
wird schon länger über einen CO2-Grenzausgleich nachgedacht, unter Ökonomen,
aber auch ganz konkret auf politischer
Ebene. So arbeitet die EU-Kommission
an einem solchen Konzept.
Der deutsche Politiker warnte in Venedig, einander mit solchen Grenzausgleich-Systemen zu bekämpfen. „Wir
müssen jetzt nachdenken, wie wir unsere
nationalen CO2-Politiken koordinieren“,
mahnte Scholz. „Wir haben nicht viel
Zeit, aber wir haben noch etwas Zeit –
ein oder zwei Jahre –, um eine Lösung zu
finden.“ Man müsse wie im Falle der
Mindestbesteuerung vorgehen.
Der amerikanische Ökonom William
Nordhaus hat schon im Jahr 2015 angeregt, dass sich klimabewegte Länder zu
einem Klub zusammenschließen und
einen einheitlichen Mindestpreis für
Kohlendioxid-Emissionen
einführen.
Diesen Ansatz hat der deutsche Minister
aufgegriffen. „Die Klubmitglieder arbeiten an einem gemeinsamen Fahrplan mit
Meilensteinen zur vergleichbaren Erfassung von CO2-Bilanzen und existierenden CO2-Preisen“, heißt es in einem Eckpunktepapier aus seinem Haus. „Mittelbis langfristig streben sie vergleichbare
(Mindest-)Preise für Treibhausgasemissionen an und stimmen ihren Schutz vor
Olaf Scholz in Venedig
Foto Imago
Carbon Leakage ab.“ Die Mitglieder des
Klubs sollten im Handel mit Drittstaaten
klimarelevante Aspekte weitestgehend
berücksichtigen, dabei seien jedoch die
Regeln der Welthandelsorganisation
einzuhalten.
Frankreichs Finanzminister Bruno Le
Maire sprang dem Deutschen bei. Er
sprach sich für ein realistisches Vorgehen aus. Ein einheitlicher Preis für CO2Emissionen sei momentan nicht durchsetzbar. Es könne aber eine Untergrenze
eingezogen werden. Das könnte für die
G 20 ein guter Startpunkt sein. Amerikas Finanzministerin Janet Yellen
befürwortete zwar ebenfalls konkrete
Maßnahmen zum Klimaschutz, wollte
sich aber nicht auf einen CO2-Mindestpreis festlegen lassen. Sie sagte in Venedig nur, um bis zur Mitte des Jahrhunderts klimaneutral zu werden, seien im
G-20-Kreis erhebliche staatliche und
private Investitionen nötig.
Klima-Klub und Kohlendioxid-Grenzausgleich haben somit das Zeug dazu, an
die Stelle der Mindeststeuer zu treten und
die Treffen der Industriestaaten und
Schwellenländer in den nächsten Jahren
zu prägen. Ob Scholz dabei an führender
Stelle mitmischen kann, wird sich nach
der Bundestagswahl im September entscheiden. Irgendwann endet auch einmal
die schönste Auszeit vom Wahlkampf.
TOURISMUS IN ZEITEN VON DELTA
ZU DEN STERNEN UND AUF DIE FÜSSE
VW WEITER MIT DIESS
Vorsichtigen Reisenden könnten
einige Bestimmungen befremdlich
erscheinen. Eine Übersicht.
Jeff Bezos und Richard Branson
streben ins All. Hat das Potential
für die Massen?
In Wolfsburg deutet einiges darauf
hin, dass der VW-Chef seinen
Vertrag doch verlängert bekommt.
Seite 18
Seite 21
Seite 24
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
W
Für die UEFA zählt nicht Deutschland
Von Gustav Theile
A
us deutscher Sicht war diese
Fußball-EM der Herren,
deren Finale am Sonntag
England und Italien austragen, eine
einzige Enttäuschung. Sportlich
ohnehin, doch auch für die Sponsoren
lief es, wenn man auf die hiesige
Debatte blickt, anscheinend nicht gut.
Aus dem Greenpeace-Debakel – diesem verrückten Segler, der den Autobauer anprangern wollte und die Wut
des ganzen Landes auf sich zog – ging
Volkswagen zwar noch als Sieger hervor. Doch seitdem ist kaum ein Tag
vergangen, an dem nicht ein weiterer
Sponsor ins Kreuzfeuer geraten ist.
Cristiano Ronaldo rückte, angewidert
dreinschauend, zwei Coca-Cola-Flaschen aus seinem Blickfeld und forderte die Welt auf, stattdessen Wasser
zu trinken. Spielerkollegen taten es
ihm – auch mit Flaschen der Biermarke Heineken – nach. Der europäische
Fußballverband UEFA sah sich sogar
gezwungen, die Nationalmannschaften an ihre vertraglichen Pflichten zu
erinnern und mit Strafen zu drohen.
Dann drehte sich alles um den
Regenbogen, der zum Spiel Deutschland gegen Ungarn in München doch
nicht die Außenfassade der Allianz
Arena schmücken durfte. Etliche
EM-Sponsoren, ob TikTok, Volkswagen oder Booking, färbten dafür ihre
Logos und Bandenwerbung bunt –
nur in Baku, St. Petersburg und Budapest nicht, wo man auf den Regenbogen nicht so gut zu sprechen ist. Die
Aktionen der Unternehmen wirkten
deshalb opportunistisch. Gleichzeitig
fragten sich die Zuschauer, warum an
den Banden so auffällig viele chinesische Schriftzeichen prangten und
warum die UEFA so sehr mit Autokratien kuschelt.
Über allem schwebte die Frage,
warum diese Europameisterschaft
angesichts der grassierenden DeltaVariante überhaupt stattfindet, warum
die UEFA die Ausrichterstädte erpresste, möglichst viele Zuschauer
zuzulassen, und warum ausgerechnet
in diesem Jahr ein paneuropäischer
Modus durchgedrückt werden musste,
in dem Fans und Spieler noch viel
mehr reisen mussten als sonst schon.
Das Finale findet nun am Sonntag –
ebenso wie die beiden Halbfinals in
dieser Woche – ausgerechnet in der
Delta-Hochburg Großbritannien statt.
Für die Sponsoren waren das alles
keine guten Nachrichten: Sie wollten
doch nur werben. Stattdessen musten
sie sich immer wieder Debatten über
gesunde Ernährung, Klimaschutz,
Diversität und den Umgang mit
Autokratien stellen. Die UEFA müsste sich – wenn das Narrativ stimmen
würde – Sorgen machen, dass ihr
Umsatztreiber als Werbeumfeld unattraktiv wird. Marken und Sponso-
ren verfolgen minutiös, in welchem
Umfeld ihre Werbung erscheint. Ist
das zu negativ aufgeladen, rechnen
die Sponsoren gründlich nach, ob
sich die Millionen eigentlich noch
lohnen.
Doch all das ist die deutsche Brille.
In den Ländern in Europa, in denen
etwas sorgloser mit der Pandemie
umgegangen wird und in denen die
Nationalmannschaften besser abschnitten, kamen sehr wohl positive
Emotionen auf. Ob in Dänemark, in
England, in Italien, in Spanien oder
in der Schweiz: Dort haben sich die
Fans hinter ihren Mannschaften versammelt. Hier dürfte das Sponsoring
seinen Zweck erfüllt haben.
Noch viel wichtiger aber: Europa
ist zwar noch Produktionsort der
Fußball-Inhalte. Es wird aber mehr
und mehr zur bloßen Bühne des
Schauspiels. Das zahlungskräftige
Publikum sitzt in der ganzen Welt. In
China steigt das Interesse und die
Der UEFA kann es egal
sein, dass sich der
Münchner Oberbürgermeister erpresst fühlt.
Zahlungsbereitschaft, in vielen
anderen asiatischen und arabischen
Ländern auch. Der UEFA kann es
deshalb herzlich egal sein, dass der
Münchner Oberbürgermeister ihre
Methoden, volle Stadien zu erpressen, unfair findet. Die Struktur des
Marktes spielt ihr in die Hände: Sie
ist Monopolist als Ausrichter europäischer
Fußball-Großereignisse,
und Stadien gibt es genug, zur Not
eben in Aserbaidschan. Wichtig ist,
dass die Bilder stimmen, mit anderen Worten: dass die Stadien voll
sind. Die Fans auf den Rängen sind
Teil der Inszenierung. Sie zeigen
gemeinsam mit den Teams die Emotionen, die das Sportsponsoring
attraktiv machen.
Die Entwicklungen im Werbemarkt dürften es für die UEFA künftig noch einfacher machen, all die
politischen Debatten in Europa zu
umschiffen. Die Bandenwerbung, die
die Zuschauer im Fernsehen zu sehen
bekommen, kann mithilfe neuer
Technik je nach Land angepasst werden: So lässt sich die Werbung in
Regenbogenoptik auf Europa beschränken. Und weil immer mehr
Fernseher Smart TVs und damit
Computer sind, lässt sich auch die
sonstige Werbung personalisieren.
Vielleicht gibt es die politischen Botschaften dann irgendwann nur noch
für Menschen mit Twitter-Konto.
Wirtschaft
SEITE 1 8 · SA MS TAG , 1 0 . J U L I 2 0 2 1 · N R . 1 5 7
FR ANK FU R T ER ALLGEM EINE Z E I T UNG
Wenn die Reise zum Risiko wird
EU präsentiert Großbritannien
höhere Austrittsrechnung
Urlauber staunen, wenn
kaum nach dem
Impfpass gefragt wird.
Briten müssen nach Brexit 47,5 Milliarden Euro
nach Brüssel überweisen
Von Timo Kotowski und
Johannes Pennekamp,
Frankfurt
D
ie Reise beginnt mit einer
Überraschung. Am Frankfurter
Flughafen interessiert sich vor
dem Abflug nach Italien niemand für einen aktuellen Corona-Test
oder ein Impfzertifikat. Beim Check-in
für den Lufthansa-Flug musste bestätigt
werden, dass eines von beiden vorliegt,
überprüft wird das nicht. Der Fußweg im
Terminal führt vorbei an wenig ausgelasteten Schaltern zur Sicherheitskontrolle.
Dort ist man penibel – in der Nivea-Dose
ist zu viel Creme, sie darf nicht mitgenommen werden. Ein paar Schritte weiter ist das Flugzeug zu sehen, aber keine
Corona-Kontrolle. Fieberscans gibt es in
Asien – auf dieser Reise ist die einzige
Temperatur, die eine Rolle spielt, die am
Ziel in Turin: 28 Grad, Sonne – schön.
Was vorsichtigen Reisenden angesichts
der Delta-Virusvariante und politischen
Forderungen nach mehr Kontrollen
befremdlich erscheint, entspricht der
Rechtslage. Der Flug führt aus dem Nichtrisikogebiet Deutschland ins Nichtrisikogebiet Italien. Laut Reisehinweisen des Auswärtigen Amts sind dort eine Onlineregistrierung und das digitale EU-Covid-Zertifikat über eine Testung oder Impfung –
Papiernachweis auch möglich – nötig.
Kontrollieren müssten italienische Stellen.
Doch am Flughafen Turin ist Corona kein
Thema. Mitarbeiter grüßen freundlich. Vor
dem Rückflug wirft eine Mitarbeiterin am
Schalter einen Blick auf den Impfausweis.
Deutschland schreibt die Prüfung auf Test
oder Impfung für alle heimkehrenden Flugpassagiere vor – umsetzen müssen das die
Fluglinien. Wer mit Bahn oder Auto reist,
entgeht auf dem Rückweg aus Nichtrisikogebieten der Zwangsprüfung.
Für Spanien-Urlauber wird die Freiheit
nun wieder etwas eingeschränkt. Am Freitag hat das Robert-Koch-Institut (RKI) das
gesamte Land samt Mallorca und Teneriffa
zum Risikogebiet erklärt. Wer zurückkommt, muss wieder eine digitale Einreiseanmeldung machen und einen Nachweis
über Test, Impfung oder Genesung haben.
Für Flugreisende galt die Nachweispflicht
Sehnsucht: Schwimmen auf Mallorca
schon vorher. Das Auswärtige Amt rät von
Sonntag an von Reisen nach Spanien ab.
Im August 2020 hatte eine Risikogebietseinstufung zum jähen Saisonende auf Mallorca geführt, damals gab es aber keine
Corona-Impfungen. Härter trifft es
Zypern-Urlauber. Der Inselstaat wird zum
Hochinzidenzgebiet. Ungeimpfte Rückkehrer müssen in Quarantäne, die nach
fünf Tagen per Test beendet werden kann.
Mit der Ferienzeit war die wieder
gewonnene Reisefreiheit ohnehin zum
Streitthema geworden. Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) und
der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß (CDU), forderten
mehr Kontrollen. Im Sommer 2020 hatten
Reisende – nach RKI-Daten vor allem Heimatbesucher vom Balkan und aus der Türkei – Viren mitgebracht, wahrscheinlich
oft im Auto. Derzeit gebe es keine Sicherheit, ob Ankommende die Corona-Einreiseverordnung einhielten, bemängelte Bareiß. In der zweiten Januarhälfte hatte die
Bundespolizei nach 111 420 Stichproben
an Straßen und Flughäfen 8429 Verfahren
wegen möglicher Verstöße gegen die
damaligen Einreiseregeln angestoßen –
Foto Reuters
also bei jeder 13. Prüfung, wie die FDP
damals auf eine Schriftliche Frage an die
Bundesregierung erfuhr.
Aktuell kontrolliert die Bundespolizei
Flüge aus Variantengebieten komplett,
erklärt ein Bundespolizei-Sprecher in
Frankfurt. Für die übrigen Flüge gebe es
Stichproben. Die Zahl der Verstöße sei
stark rückläufig, ganz ungeprüft ankommende Flüge würden nicht festgestellt.
Für den Autoverkehr hat Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) mehr
Schleierfahndungen in Grenznähe angekündigt. Ob mögliche Quarantänen eingehalten werden, müssten aber Gesundheitsämter überwachen. Doch die erfahren nichts vom Heimkehrern, wenn die
eine Einreiseanmeldung unterlassen.
Darauf steht ein Bußgeld von bis zu 2500
Euro – wenn ein Reisender ertappt wird.
Der Luftfahrtverband IATA klagt indes
über einen Regelwust, der Passagiere
abschrecke. Dabei hätten in Großbritannien seit Februar Ankommende 1,3 Millionen PCR-Tests machen müssen, 1,6
Prozent waren positiv. Die Quote im
Inland ist deutlich höher. Dass Tests mitunter teuer sind, bezeichnet der Verband
als „Abzocke“. Wer aus Deutschland
nach England fliegt, muss laut Auswärtigem Amt drei Tests machen – einen vor
der Reise, zwei – mit Abstand – nach der
Ankunft. Die Kosten je Test dort beziffert
das Amt auf 80 bis 300 Pfund.
Ruhig geworden ist es in der hiesigen
Reisebranche um die deutsche Regelung,
dass Flugpassagiere Nachweise erbringen
müssen, Autoreisende aus Nichtrisikogebieten aber nicht. Der Deutsche Reiseverband hatte das ursprünglich als „nicht
nachvollziehbar“ kritisiert. Mittlerweile
beteuern Anbieter von Flugpauschalreisen
hinter den Kulissen, ihre Reisen seien
sicherer als andere – auch wegen der Tests.
Von einem Dämpfer durch die Delta-Variante für Last-Minute-Buchungen will
niemand sprechen. Wie groß aber Ängste
vor einem Rückschlag sind, zeigte ein
Impfappell, den Reise-, Bus- und Hotelverbände gemeinsam aussandten: „Impfungen dürfen jetzt nicht ins Stocken geraten.
Bund und Länder sind gefordert, noch viel
stärker über die Impfungen aufzuklären,
den Zugang zu erleichtern und deutliche
Anreize zu setzen“, hieß es. Ein abermaliger Lockdown wäre „katastrophal“.
„Keine Politik mit der Brille der Großstadt“
Landkreise fordern mehr Freiraum / Bundespräsident: Pandemie hat digitale Schwachstellen offengelegt
jch. FRANKFURT. Den digitalen Rückstand Deutschlands hat auch der Bundespräsident
Frank-Walter
Steinmeier
erkannt. Für ihn zeigte sich das besonders seit dem Beginn der Corona-Pandemie in der Verwaltung und den Schulen.
„Wir haben den Digitalisierungstest nicht
bestanden“, sagte er am Freitag auf der
Jahrestagung des Landkreistages in Timmendorfer Strand. Er mahnte zum Handeln: Jetzt sei es an der Zeit, mehr zu
investieren und nachzulegen. „Wir müssen besser werden, und wir müssen, spätestens bei der nächsten Krise, besser
vorbereitet sein.“ Gerade in den Landkreisen habe die Pandemie besondere
Verwundbarkeiten und Problemfelder
kenntlich gemacht, sagte Steinmeier.
Dazu passend forderte Reinhard Sager
(CDU), der Präsident des Landkreistages
und Landrat in Ostholstein, 20 Milliarden
Euro Fördergeld für den Breitbandausbau in der kommenden Legislaturperiode. Aus dem ländlichen Raum sind oft
Klagen über schlechte Internetverbindungen zu hören. Sonst stellt sich Sager
aber weitgehend gegen projekt- und fördermittelgebundene Hilfe wie für Klimaschutzmaßnahmen und fordert mehr
Freiraum für die Landkreise. So kritisiert
er die geplante Ganztagsbetreuung für
Grundschüler, worüber Bund und Länder
beraten, weil deren Finanzzusagen nicht
ausreichen sollen. Eine Anschubfinanzierung des Bundes mit kommunalen
Dauerkosten ohne Blick auf die Frage,
wie die Kommunen die zusätzlichen Ausgaben auf Jahre und Jahrzehnte finanzieren können, seien Gift sowohl für ausgeglichene Haushalte als auch für die Aufrechterhaltung kommunaler Gestaltungsspielräume, so Sager zum Auftakt der
Tagung in seinem Landkreis an der Ostsee. Statt einer Förderung für einzelne
Vorhaben ist ihm ein höherer Anteil an
der Umsatzsteuer lieber.
Zum Thema machte Sager auch eine
gerechte Lastenverteilung zwischen Stadt
und Land. Als Streitpunkte nannte er
erneuerbare Energien, Industrie, Mobilität und CO2-Preise. „Wir brauchen keine
Politik mit der Brille der Großstadt, sondern ein Feingefühl für die Menschen auf
dem Land, die mit den Lasten der Ener-
giewende nicht allein gelassen werden
dürfen“, sagte er.
Den Gegensatz zwischen Land und
Stadt sprach auch der Bundespräsident
an: Trotz der Notwendigkeit gleichwertiger Lebensverhältnisse müsse auch
akzeptiert werden, dass nicht jeder
Unterschied zwischen Stadt und Land
aufzuheben ist. Weiter stellte Steinmeier
die Frage in den Raum, wie Kreise und
Kommunen nicht zu reinen Befehlsempfängern werden und wie groß ihre finanzielle Selbständigkeit sein muss: „Wie
entgehen wir unserem allzu deutschen
Hang zum Alles-regeln-Wollen, bei dem
am Ende jeder Pragmatismus, jede mutige, beherzte Lösung als Normabweichung verschrien wird?“
Nordirland steckt in der Brexit-Zwickmühle
Verschärfte Spannungen im britischen Teil von Irland / EU und London ringen um Handelskontrollen
ppl./hmk. LONDON/BRÜSSEL. In
Nordirland bereiten sich viele auf hitzige
Tage – möglicherweise mit Brandanschlägen – vor. Der Post-Brexit-Streit
setzt die ganze Region unter Stress. Seit
Januar werden Warenlieferungen zwischen Großbritannien und Nordirland
kontrolliert. So verlangt es das Nordirland-Protokoll des EU-Austrittsvertrags,
den die Regierung von Boris Johnson und
die EU geschlossen haben. Für Warentransporte über die Irische See müssen
Unternehmen umfangreiche Zollerklärungen und Zertifikate vorlegen, besonders für Nahrungsmittel und Agrarprodukte. Der Handel fühlt sich dadurch
gelähmt. Supermärkte in Nordirland hatten anfangs Schwierigkeiten, ihre Regale
mit Lebensmitteln zu füllen.
Viele englische Transporteure und
Onlinehändler haben Lieferungen wegen
des Zollaufwands ganz eingestellt. Seit
Wochen provoziert der „Wurst-Krieg“
Schlagzeilen – dabei geht es um drohende EU-Einfuhrkontrollen für gekühltes
Fleisch und Würstchen. Ende Juni wurde
eine weitere dreimonatige Gnadenfrist
vereinbart, um Lieferungen britischer
Fleischprodukte nach Nordirland zu
ermöglichen.
Lord Frost, der britische Brexit-Minister, der mit der EU verhandelt, hält das
Nordirland-Protokoll in seiner gegenwärtigen Form für nicht haltbar und appelliert an die EU, sie solle pragmatischen
Lockerungen zustimmen. Das Protokoll
soll verhindern, dass eine harte
(Zoll-)Grenze innerhalb Irlands errichtet
werden muss, die den Frieden gefährden
könnte. Nordirland bleibt de facto in der
EU-Zollunion und im Binnenmarkt. Deshalb müssen aber Güterlieferungen in
der Irischen See kontrolliert werden. Britisch orientierte „Unionisten“ fühlen sich
verraten. Sie haben Angst, dass das kleine Nordirland mit nur 1,8 Millionen Einwohnern nach und nach vom Königreich
abgespalten wird.
In den kommenden Tagen könnten
sich die Spannungen verschärfen. Es ist
der Höhepunkt der alljährlichen nordirischen „Marsch-Saison“. Am 12. Juli werden die britisch-protestantischen „Loyalisten“ des Oranier-Ordens wieder auf
den Straßen in Belfast, Londonderry und
anderswo marschieren. Mehr als hundert
Paraden mit Trommelwirbel und Fahnen
sind angekündigt. Am Abend zuvor entzünden die Loyalisten wieder große Freudenfeuer, die an jene Leuchtfeuer erinnern, die 1690 die Truppen des englischen Königs Wilhelm III. (von Oranien)
begrüßten, der tags darauf in der
Schlacht am Boyne den entscheidenden
Sieg über abtrünnige irische Truppen
errang. Bis heute ist diese konfliktreiche
Geschichte virulent. Drei Jahrzehnte blutiger Bürgerkrieg zwischen katholischen
Nationalisten und protestantischen Unionisten fanden erst mit dem Karfreitags-
abkommen 1998 ein Ende. Dieses Jahr
werden am 11. Juli nicht nur Freudenfeuer erwartet, sondern möglicherweise
auch Brandanschläge und Protestzeichen
gegen die Europäische Union. „EU out of
Ulster“ steht auf Plakaten von Unionisten.
London versucht seinerseits, den
Druck zu erhöhen, damit die EU Zugeständnisse macht und weniger Kontrollen in der Irischen See verlangt. Lieferungen für Supermärkte in Nordirland sollten ohne Zolldokumente durchgewunken
werden. Brexit-Minister David Frost hat
angekündigt, bis zum 22. Juli werde die
Regierung Johnson einen „neuen
Ansatz“ präsentieren. Innerhalb der
nächsten zwei Wochen könnte es also
eine unilaterale Aktion geben. Schon im
März hatte die britische Regierung die
Übergangsfrist, während der die EU-Regeln für die Einfuhr von Tieren, Fleisch
und landwirtschaftlichen Gütern nach
Nordirland außer Kraft gesetzt sind, einseitig um drei Monate bis Ende September verlängert. Die Europäische Kommission hatte darauf mit einem Vertragsverletzungsverfahren reagiert. „Die vergangenen Wochen wären intensiv“, fasste ein hochrangiger EU-Beamter jüngst
den Streit um das Nordirland-Protokoll
zusammen – aus Brüsseler Sicht eine klare Untertreibung. Vor allem die französische Regierung hat großen Druck ausgeübt, gegenüber den Briten mehr Härte zu
zeigen, und Vergeltungsschritte gefordert. Wenn die britische Regierung „weitere unilaterale Handlungen“ ergreife,
müsse Großbritannien „durch alle zur
Verfügung stehenden Mittel zu Vertragstreue bewegt werden“, kündigte der
zuständige Kommissionsvize Šefčovič im
Juni an. Konkret ging es um Strafzölle auf
die Einfuhr britischer Güter in die EU.
Zuletzt gab sich zumindest die Kommission etwas konzilianter. Die EU hat
angeboten, ihre eigenen Regeln für die
Zulassung von Medikamenten zu überarbeiten, um die Versorgung Nordirlands
mit Generika zu erleichtern. Das Gleiche
gilt für die nur scheinbar banale Frage,
wie ein reibungsloser Grenzübertritt von
Blindenhunden gesichert werden kann.
„Wir wollen den Menschen Nordirlands
beistehen“, kommentierte ein Kommissionsvertreter diesen Kurs, schränkte
aber sogleich ein: „Aber wir werden auch
alle nötige Härte zeigen, wenn Großbritannien seinen Verpflichtungen aus dem
Nordirland-Protokoll nicht nachkommt.“
Die „neue“ Übergangsperiode für
Kühlfleisch bis zum 30. September müsse
nun von britischer Seite auch ernsthaft
genutzt werden, um eine dauerhafte
Lösung zu finden. „Wir können die Periode nicht alle drei Monate von Neuem verlängern, weil die Briten ihre Hausaufgaben nicht machen“, heißt es in der Kommission. „Wir brauchen eine dauerhafte
Lösung.“
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
hmk./ppl. BRÜSSEL/LONDON. Zwischen der EU und Großbritannien ist ein
neuer Streit über die Austrittsrechnung
entbrannt, nachdem im neuen EU-Haushaltsbericht für 2020 eine Zahl von 47,5
Milliarden Euro genannt wurde. „Wir
erkennen diese Zahl nicht an, das ist eine
Schätzung der EU für ihre internen
Buchhaltungszwecke“, sagte ein britischer Regierungssprecher am Freitag.
Die genannte Summe liegt höher als das,
was die Briten bislang erwartet hatten.
Großbritannien meint, dass die Austrittsrechnung in der Größenordnung
von 35 bis 39 Milliarden Pfund liegen
soll. Zum aktuellen Umtauschkurs wären
dies 41 bis 45,6 Milliarden Euro. Laut
dem Sprecher reflektiere die neue Zahl
nicht alles Geld, das man sich gegenseitig schulde. Aus Brüssel hingegen hieß
es, die genannte Zahl sei korrekt.
Der Streit um die Austrittsrechnung
gehörte zu den schwierigsten der BrexitVerhandlungen. Bis zu 100 Milliarden
Euro hat die EU zwischenzeitlich für den
Austritt gefordert. Mit dem Geld sollten
die Briten für die Verpflichtungen geradestehen, die sie während ihrer Mitgliedschaft in der EU eingegangen waren.
Dazu gehören Rückstellungen für die
Pensionen der EU-Beamten und zuge-
sagte Beiträge zu Förderprogrammen,
vor allem im Rahmen der EU-Strukturförderung. Die britische Regierung
sperrte sich lange, lenkte schließlich aber
ein. Im Brexit-Vertrag selbst aber stand
keine genaue Summe. Beide Seiten vereinbarten nur, wie sie die britischen Verpflichtungen berechnen wollen. Die
Regierung in London sprach Ende 2018
– als das Austrittsabkommen für den
schließlich dann erst Ende Januar 2020
vollzogenen Brexit im Kern stand – von
einer Summe zwischen 40 und 45 Milliarden Euro. Die britische unabhängige
Haushaltsbehörde OBR hatte die Austrittsrechnung zuvor auf 41,4 Milliarden
Euro geschätzt. Laut dem EU-Haushaltsbericht sollen es nun aber insgesamt 47,5
Milliarden Euro sein. Schon 2021 sind
6,8 Milliarden Euro fällig.
Der Großteil der Rechnung entfällt
mit 35 Milliarden Euro auf die von den
Briten zugesagten Beiträge zu EU-Programmen, die über mehrere Jahre laufen oder einige Jahre Vorlaufzeit
haben. 14,5 Milliarden Euro entfallen
auf Pensionsrückstellungen. Dass 47,5
Milliarden Euro herauskommen, liegt
daran, dass Großbritannien trotz des
Austritts noch kleinere Zahlungen aus
dem EU-Haushalt zustehen.
IWF macht Milliarden locker
Geldschöpfung für arme Länder in der Pandemie
wvp. WASHINGTON. Der Internationale Währungsfonds IWF mobilisiert Reserven im Umfang von 650 Milliarden Dollar, die armen Ländern helfen sollen, Impfstoffe zu kaufen, das
Gesundheitswesen zu stützen und
Schulden zu begleichen. Der Fonds
weist für diesen Zweck den Ländern
neue Sonderziehungsrechte zu. Der
Vorstand des IWF hat die Entscheidung
schon abgesegnet, die Zustimmung der
Ländervertreter steht noch aus, gilt
aber als Formsache.
Die Geldschöpfung ist die größte in
der Geschichte des Währungsfonds.
IWF-Chefin Kristalina Georgiewa wies
darauf hin, dass die Mobilisierung der
Mittel jedem Land helfe, für arme Länder aber besonders wichtig sei. Tatsächlich werden die Mittel entsprechend der Anteile der Länder am Währungsfonds verteilt mit der Konsequenz, dass reichen Ländern automatisch der größte Anteil zufließt.
Einige Industrienationen einschließlich der Vereinigten Staaten erwägen
allerdings, die neuen Mittel teilweise
armen Ländern zu leihen. Der Währungsfonds arbeitet an einem Topf,
gespeist aus Sonderziehungsrechten
reicher Länder im Umfang vom 100
Milliarden Dollar. Daraus sollen sich
arme Länder bedienen können.
Der Durchbruch zur Entscheidung
für die Mobilisierung der neuen Mittel
kam, weil die neue amerikanische
Regierung ihre Haltung dazu geändert
hatte. Präsident Donald Trump hatte
sich gegen die Ausweitung der Mittel
gesperrt, weil sie vor allem Ländern
zuflössen, die sie nicht brauchten und
weil sie Amerikas Feinde wie Russland
und China stärkten.
Die Sonderziehungsrechte sind keine Währung, man kann mit ihnen
nichts kaufen. Aber sie können gegen
harte Währung getauscht werden.
Wenn sich zwei Länder verständigen,
können sie die Sonderziehungsrechte
gegen Bargeld tauschen. Der Währungsfonds wickelt als Vermittler diese
Transaktion ab. Die USA kämpfen für
bessere Transparenz, um herauszufinden, wo die frischen Mittel landen.
Draghi stößt auf Schwierigkeiten
Italien braucht eine Justizreform, damit Geld fließt
tp. FRANKFURT. Italiens Ministerpräsident Mario Draghi versucht mit
einer Justizreform die Quadratur des
Kreises: Um die Mittel des europäischen Aufbaufonds zu erhalten, muss
Italien die Dauer der Strafprozesse um
ein Viertel verringern, die der Zivilprozesse um 40 Prozent. Doch Draghis
Regierungskoalition der nationalen
Einheit ist gerade in der Rechtspolitik
gespalten. Die Fünf-Sterne-Protestbewegung feierte es als Erfolg, dass in der
vorausgehenden Regierung der von ihr
gestellte Justizminister Alfonso Bonafede die Verjährung in Strafprozessen
abgeschafft hat. Bonafede jubelte
damals, dass niemals mehr ein korrupter Politiker seiner Verantwortung entfliehen könne. Die italienischen Verfechter der Bürgerrechte entgegneten,
dass nun manchen Leuten das Los
eines „Angeklagten auf Lebenszeit“
bevorstehe.
Die Fünf-Sterne-Bewegung, im Parlament immer noch die größte Fraktion, beharrte nun darauf, dass auf keinen Fall die Verjährung wieder eingeführt werden dürfe, gerade das wollten
aber andere Teile der Regierungskoalition. Nun hat die von Mario Draghi als
Justizministerin berufene parteilose
Juristin und ehemalige Verfassungsgerichtspräsidentin
Marta
Cartabia
zusammen mit dem Ministerpräsidenten einen scheinbar unmöglichen Kompromiss erzielt. Das Problem der Verjährung wurde umgangen mit einer
Umbenennung. Die Dauer des Strafgerichtsverfahrens in der ersten Instanz
bleibt zwar unbegrenzt, aber für die folgenden Instanzen werden Zeitlimits
eingeführt: zwei Jahre für das Berufungsgericht, ein Jahr für das oberste
Gericht. Damit orientiert sich Cartabia
an Vorgaben des Europäischen
Gerichtshofs der Menschenrechte, vor
dem Italien bereits mehr als 1200 Mal
wegen überlanger Gerichtsverfahren
verurteilt wurde – so oft wie kein anderes Land.
Der Widerstand der Fünf-Sterne-Bewegung im Ministerrat wurde am
Schluss dadurch überwunden, dass die
Fristen für Prozesse wegen Korruption
und Vergehen gegen die Prinzipien der
öffentlichen Verwaltung verlängert
werden. Wie bei besonders schweren
Straftaten, etwa Mord oder Angehörigkeit zur Organisierten Kriminalität,
wird auch bei Korruption eine Frist von
3 Jahren für die zweite und 18 Monaten
für die dritte Instanz eingeführt. Nach
Ablauf dieser Fristen darf ein Prozess
nicht fortgeführt werden, was im Prinzip der Verjährung entspricht.
Gegen die Regierungsvorlage gibt es
dennoch große Widerstände. Denjenigen, die in der Fünf-Sterne-Bewegungen Maximalforderungen stellen,
erscheint die Reform wie ein Einknicken. Im vielstimmigen Lager der Bürgerrechte wird der Reformvorschlag
nur als eine halbe Sache angesehen.
Dort werden inzwischen Unterschriften gesammelt für ein Volksbegehren,
das eine tiefgreifende Justizreform per
Volksabstimmung herbeiführen will.
Im öffentlichen Widerstreit zwischen den „giustizialisti“ (Anhängern
harter Strafen) und „garantisti“
(Garantien für die Bürger) gehen die
Anstrengungen der Justizministerin
unter, mit vielerlei Mitteln die Zahl der
Prozesse und auch der Prozessdauer zu
verringern, damit es gar nicht erst zu
einer wie immer gearteten Verjährung
kommt. So soll die Frist für die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen vor
dem Prozess begrenzt werden. Im Vorverfahren zur Frage, ob es überhaupt
zum Prozess kommt, sollen endlich die
aussichtslosen Fälle geschlossen werden, während bisher die Staatsanwälte
in jedem Fall einen Prozess wünschten
und dann nach Jahren verloren.
Draghi ist überzeugter Anhänger
von Reformen, um die Prozesse zu
beschleunigen. Noch als italienischer
Notenbankgouverneur
hatte
er
gemahnt, dass die langsame Justiz
Italien jährlich einen Prozentpunkt
an realem Wachstum koste. Zugleich
sorgen in Italien immer wieder aufsehenerregende Freisprüche nach jahrelangen Prozessen für Aufsehen.
Zuletzt etwa für die frühere und
gegenwärtige Spitze des staatlich
kontrollierten Ölkonzerns Eni, der in
einem zwölf Jahre dauernden Verfahren internationale Korruption in
Nigeria vorgehalten wurde. Nachdem
die Manager und der Konzern jahrelang wegen des Verfahrens am Pranger standen, endete alles mit Freisprüchen, danach auch noch mit
Ermittlungen gegen Staatsanwälte,
die entlastendes Material geheim
hielten.
Die Lounge
F RANK FURT ER A LLG E M E I N E Z E I T U NG
SA M S TAG, 10. JU LI 2021 · NR . 15 7 · SE I T E 1 9
Allein gegen
den Wind
Ohne Windräder keine Energiewende, sagt
die Politik. Doch dort, wo sie hin sollen,
sind die Zweifel groß. Manch einer fühlt
sich im Stich gelassen – auch von jenen, die
sonst auf Arten- und Naturschutz pochen.
Von Niklas Záboji, Emmerthal
S
tephan Stallmann schüttelt den
Kopf. „Augen zu und durch bin
ich nicht der Typ für“, sagt der
Dachdeckermeister und Forstwissenschaftler aus Emmerthal
in Niedersachsen und fährt weiter. Er parkt das Auto auf der Anhöhe, nun
sieht man die Windräder von Süden. Acht
Stück, jedes von ihnen 217 Meter hoch,
höher als die Aussichtsplattform des Berliner Fernsehturms. Der Himmel über dem
Weserbergland ist wolkenlos, die Sonne
brennt unentwegt an diesem heißen Junitag. Wind weht kaum. Im Hintergrund
qualmen die Kühltürme des Kernkraftwerks Grohnde.
Als Vorsitzender der lokalen Bürgerinitiative (BI) kämpft Stallmann gegen
die Windräder vor seiner Haustür, seit es
sie gibt. Also seit zweieinhalb Jahren.
Verhindern konnte er sie vor Gericht
nicht. Aber er macht weiter, auch wenn
die Chancen schwinden und die Jahre
vergehen. „Man ist auch für das verantwortlich, was man nicht tut“, sagt Stallmann. Er erwähnt Sohn und Tochter, beide noch klein. Um die gehe es. Als Vater
frage er sich oft: „Was hinterlassen wir
unseren Kindern eigentlich in zehn bis
zwanzig Jahren für ein Land?“ Ein „Propellerland“ sei jedenfalls keine Lösung –
nicht für den sicheren Strombezug, nicht
für die Menschen vor Ort und vor allem
nicht für Vögel und Natur. Dass das
intakte Kernkraftwerk Ende dieses Jahres vom Netz geht, macht ihn fassungslos.
Anti-Windkraft-Klagen wie in der
Zehntausend-Seelen-Gemeinde Emmerthal sind eigentlich nichts Neues. Anwohnerprotest ist ein ständiger Begleiter der
Energiewende, meist kann man nach
begonnener Projektplanung die Uhr
danach stellen, dass es bald losgeht.
Schätzungen für ganz Deutschland reichen von wenigen hundert bis mehr als
tausend organisierten Protestgruppen.
Doch die Konflikte nehmen zu: Die Klimaziele vor Augen, drücken Politik und
Industrie bei der Windkraft aufs Tempo.
Zugleich werden die Anlagen mit bis zu
250 Metern immer höher und die verfügbaren Flächen knapper. Geht es nach
Regierungsvertretern in Stuttgart, München oder Hannover, sollen Neuanlagen
nun auch in den Wald.
Kerstin Andreae, früher ranghohe
Grüne und heute an der Spitze des mächtigen Energieverbands BDEW, trommelte diese Woche über den reichweitenstarken Verteiler der dpa: Es brauche jährlich
1500 statt zuletzt 420 neue Windräder,
trotz technischen Fortschritts, trotz mehr
Ertrag bei mehr Höhe. Sie mahnte Reformen im Artenschutz an. „Wenn wir die
Energiewende nicht hinbekommen, werden die negativen Folgen wie Trockenheit der Wälder und andere Klimaveränderungen viele Arten insgesamt gefährden“, so Andreae. Der Schutz der Art
müsse in den Vordergrund, nicht der
Schutz jedes einzelnen Vogels. Der
BDEW sei deshalb in intensiven Diskussionen mit den Umweltverbänden.
In Emmerthal glaubt man zu wissen, wie
diese Diskussionen enden. Aus Sicht der
Bürgerinitiative zählt der einzelne Vogel
für
Greenpeace,
Naturschutzbund
Deutschland (Nabu) & Co schon heute
nicht mehr viel – obwohl die Max-PlanckGesellschaft gerade erst das ungebremste
Voranschreiten des Vogelsterbens in
Deutschland diagnostiziert hat. Alles werde dem Primat von Windkraft- und Solaranlagen unterworfen, der Zielkonflikt von
Artenschutz und Klimaschutz einseitig
zugunsten des Klimas gelöst. Vor allem
hier in Niedersachsen, Heimat vom Anlagenhersteller Enercon, jenem Bundesland,
in dem sich mit Abstand die meisten Rotoren drehen. Von den Umweltverbänden
sieht sich Stallmann, der Chef der Bürgerinitiative, im Stich gelassen.
Das war nicht immer so. 2015 geplant,
waren die Windräder am Waldrand vor der
Gemeinde von Beginn an hochumstritten.
„Aus naturschutzfachlicher und -rechtlicher sowie artenschutzrechtlicher Sicht
bestehen erhebliche Bedenken gegen den
geplanten Windpark“, schrieb der Nabu
seinerzeit in einer Stellungnahme. Der
zuständigen Behörde, dem Landkreis
Hameln-Pyrmont, warf der Naturschutzbund gar vor, „Konflikte zu bagatellisieren,
nur um Einschränkungen, Kosten möglichst gering zu halten und damit gegebenfalls Gewinne zu maximieren“. Und weiter:
„Dass durch ein derartiges Vorgehen die
Akzeptanz von (Windrädern) in der Bevölkerung und bei den Naturschutzverbänden
beschädigt wurde und weiter beschädigt
wird, ist bedauerlich, kann und darf aber
nicht verwundern.“
Andere Umweltverbände wie die Landesjägerschaft Niedersachsen und die
Naturschutzinitiative urteilten ähnlich.
Hauptkritikpunkt war, dass der Landkreis
in den Genehmigungsunterlagen zahlreiche Auswirkungen auf Vögel und Natur
ignoriere: Unweit von Emmerthal gebe es
Fauna-Flora-Habitat-Gebiete
(FFH),
mahnte der Nabu, davon eines mit mehr als
1300 Fledermäusen, deren Flugradius bis
zum Windpark reichen könnte. Hinzu
kommen Uhus und Schwarzstörche, Mäusebussarde und Rotmilane. Gerade Letztere seien kollisionsgefährdet: Die Greifvögel
erfassten die Rotoren nicht als Gefahr, sondern konzentrierten sich auf die Beutesuche am Boden. Auch mit Blick auf die
Anwohner sah der Nabu Defizite durch
„Befeuerung“, also Lichtsignale, Schattenwurf und Lärm. Unterm Strich hielt er das
Vorhaben für „nicht genehmigungsfähig“.
Es kam anders. Ende 2018 gingen die
acht Anlagen in Betrieb, eine davon rund
einen Kilometer vom Emmerthaler
Stadtteil Grohnde entfernt. Abschaltauflagen „zur Minimierung des Vogelschlagrisikos“ gibt es. Aber sie gelten nur an
wenigen Tagen im Jahr und nur für einen
Bruchteil der von den Umweltverbänden
dokumentierten Arten. So müssen etwa
für Kraniche im Frühjahr „ab dem 3. Tag
des Massenabflugs vom Lac du DerChantecoq in Frankreich über die nächsten drei bis fünf Tage“ tagsüber die Rotoren ruhen. Wann das genau sein soll, sei
im Internet zu finden, schreibt die Behörde. Immer wieder kommen Vögel den
Anlagen gefährlich nahe, sagt die Bürgerinitiative. Die Beurteilung von
Tötungsrisiken obliege der Behörde, und
diese habe grünes Licht gegeben, sagt der
Betreiber, ein Unternehmen aus Kiel.
Auch an diesem Junitag zieht ein Mäusebussard seine Kreise.
Offene Fragen bleiben. Eine sogenannte
FFH-Verträglichkeitsprüfung
fand nie statt; im Genehmigungsantrag
vom Landkreis für die Betreiber noch
angefordert, entfiel diese Pflicht einige
Monate später durch einen Änderungs-
E
rst mal ein Versprechen: In diesem Text ist alles echt. Die
gefürchtetsten Plagiatsjäger des
Landes werden keine Passagen finden,
die bei Joschka Fischer, dem Papst oder
sonst wem abgekupfert sind. Copy and
Paste gibt es hier nicht. Es mögen nicht
alle Gedanken die originellsten sein,
aber immerhin sind sie vom Autor
höchstselbst. Warum es dieser Vorrede
bedarf? Scheint ja keine Selbstverständlichkeit zu sein.
uuu
SIE WISSEN LÄNGST, worum es geht:
Annalena Baerbocks Kanzlerkandidatinnen-Frühwerk: „Jetzt“, das sie wohl besser mit dem Zusatz „Oder nie?“ veröffentlicht hätte. Uns interessieren weniger
die – bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe – 29 Passagen, die unter Plagiatsverdacht stehen, sondern eher, wie die Grünen-Frontfrau auf die Anschuldigungen
reagiert hat. Nämlich mit Vorwärtsverteidigung, einem bissigen Medienanwalt
und der Ausrede, es habe sich um keine
wissenschaftliche Arbeit gehandelt. Ist
das Abschreiben fremder Texte, ohne das
Auf einen Espresso
Jetzt!
Oder nie?
Von Johannes Pennekamp
Energiewende hautnah: Vorne der Windpark vor Emmerthal, hinten das Kernkraftwerk Grohnde. Ende des Jahres geht es nach 37 Jahren Betrieb vom Netz.
bescheid. Warum, vermag ein Vertreter
des Umweltdezernats der F.A.Z. heute,
vier Jahre später, nicht zu sagen.
Bloß, gegen die Genehmigung aufbegehren wollte in den Reihen von Nabu,
Landesjägerschaft und Naturschutzinitiative keiner so recht. Einzig der Landesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz Niedersachsen, kurz LBU, stellte sich an die
Seite von Stallmanns Initiative. Er erteilte
die Verbandsklagevollmacht, die es vor
Gericht braucht, wenn es um die Belange
von Vögeln und Natur geht. Es folgten zwei
Stephan Stallmann
Foto Niklas Záboji
Niederlagen, im einstweiligen Rechtsschutzverfahren erst vor dem Verwaltungsgericht Hannover, dann vor dem Niedersächsischen Oberverwaltungsgericht. Aber
Stallmann blieb am Ball, brachte den Streit
im Hauptsacheverfahren vor Gericht, verlor wieder, drängte auf die Berufungszulassung eine Instanz höher – doch dann stellte
sich der LBU plötzlich quer. „Nach längerer
Beratung hat der Vorstand beschlossen,
das Klageverfahren nicht fortzusetzen“,
schrieb der LBU-Vorstand im Oktober
2020 an die Emmerthaler Initiative.
Erfolgsaussichten vor Gericht sah er keine
mehr, und dass die Vollmacht nur begrenzt
erteilt werde, habe man schon zu Beginn
signalisiert.
Ein Umweltverband, der im Kampf für
den Artenschutz kapituliert? Stallmann
verstand die Welt nicht mehr. Außer, dass
kenntlich zu machen, dadurch etwa
gerechtfertigt? Was soll man von einer
Spitzenkandidatin, die „ihre“ Ideen
anderswo hernimmt und das noch nicht
einmal dazusagt? Erst jetzt gestand sie in
der Süddeutschen Zeitung ein, rückblickend wäre es „sicherlich besser gewesen,
wenn ich doch mit einem Quellenverzeichnis gearbeitet hätte“.
manches plötzlich Sinn ergeben könnte.
So hatte der LBU im März 2018 Post
erhalten, Absender: Dirk Adomat, SPD,
Mitglied des Niedersächsischen Landtags
und mittlerweile Landrat in Hameln-Pyrmont. Darin wurde der LBU-Vorstand –
Stallmann war da noch im erweiterten
Vorstand und bekam von der Sache Wind
– zu einem Gespräch eingeladen. Es gehe
um Emmerthal. Adomat monierte, dass
der Widerstand der Bürgerinitiative den
Bau des Windparks verzögere und die
LBU ihn dabei unterstütze. Deshalb das
Gespräch, an dem laut Mail neben weiteren Abgeordneten von SPD und Grünen
auch Niedersachsens Umweltminister
Olaf Lies teilnehmen wolle. Die Mail
schließt mit den Worten: „Unser Ziel ist
es, möglichst zeitnah zu einer befriedigenden Lösung des Falles zu kommen.“
Für Stallmann steht seither fest, dass der
LBU politisch in die Mangel genommen
wurde und dieser ihm deshalb seine weitere Unterstützung versagte; über die Nähe
der Niedersachsen-SPD zur Windkraftlobby brauche man gar nicht erst reden.
Bewiesen ist freilich nichts. Der Umweltdezernent im Landkreis stellt sich auf Nachfrage vor Adomat, der selbst sei im Urlaub.
„Der LBU ist politisch unabhängig. Er wurde zu keiner Zeit von Herrn Adomat oder
anderen Politikern unter Druck gesetzt“,
teilt auch der Umweltverband mit. Ansonsten müsse man einfach zur Kenntnis nehmen, dass die Gerichte grünes Licht gegeben haben – und dem LBU darin nicht
gefolgt sind, dass es eine FFH-Verträglichkeitsprüfung hätte geben müssen und
gegen das Tötungsverbot von Vögeln verstoßen wird. Es sei unwahrscheinlich, dass
die nächste Instanz anders entschieden
hätte.
Stallmann bezweifelt das, bis heute.
Noch im Oktober hatte er eine neue
Anwältin mit einem Gutachten beauftragt, die ihm Hoffnung machte, da die
jüngere Rechtsprechung das „signifikant
erhöhte Tötungsrisiko“ von Mäuse- und
Wespenbussarden durch Windräder
bekräftigt habe; tatsächlich hatten Gießener Verwaltungsrichter windkraftfreundliche Ausnahmen vom Tötungsverbot voriges Jahr gekippt. Auch mit
Blick auf die Rotmilane sah die Anwältin
Chancen. Fünf Bruthorste seien rund um
die Anlagen vor Emmerthal belegt, und
das „signifikant erhöhte Tötungsrisiko“
gelte da nach neuesten wissenschaftli-
ganz anderen Ranges beruhen doch auf
Eingebungen von oben. Und da hat sich
auch niemand beschwert, dass sie letztlich
nur zusammenkopiert sind.
uuu
FEHLER KOMMEN VOR UND sind
entschuldbar, keine Frage. Aber wenn
man keinen Kotau machen möchte,
wofür es im Fall der unter Dauerbeschuss stehenden Baerbock durchaus
Gründe gibt, dann sollte man bessere
Ausreden haben als die genannten.
Kleines Coaching gefällig?
UND GEGEN DEN GRÜNEN GEIST
traut sich ohnehin niemand, der nicht
lebensmüde ist, etwas zu sagen. Er
kehrt ein in jedes Haus, könnte man
sagen. Jetzt auch in die Europäische
Zentralbank im Frankfurter Ostend mit
der Hausherrin Christine Lagarde.
Unter ihrer Führung wird die Notenbank künftig grüne Geldpolitik betreiben. Dabei geht es natürlich nur um die
eigentliche Aufgabe der EZB, die Preisstabilität. Wenn das mal keine Ausrede
ist.
uuu
uuu
BAERBOCK WÄRE LÄNGST aus dem
Schneider, hätte sie sich direkt darauf
berufen, dass ihr Buch nicht allein ihr
Werk ist, sondern auf Eingebungen
beruht – und zwar vom „grünen Geist“. In
dieser gottlosen Zeit mag das erst mal
etwas befremdlich wirken, aber Bücher
WER IN SACHEN AUSREDEN nicht auf
EZB-Niveau hängen bleiben will, der
sollte mal ein Praktikum bei Volkswagen
machen. Seit fast sechs Jahren perfektionieren die Wolfsburger nun schon ihre
Ausflüchte in Sachen Dieselbetrug, Pardon, die Niedersachsen legen Wert auf
uuu
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
chen Erkenntnissen für einen Umkreis
von 1,5 Kilometern. Der LBU aber winkte ab, die Verbandsvollmacht fehlte, für
die Bügerinitiative war die letzte Chance
auf eine Berufungszulassung damit erloschen.
Auch mit dem Nabu war nichts zu
machen. Nicht einmal für eine Klage auf
strengere Abschaltauflagen für die Vögel
stand er bereit. Der Vorsitzende der Ortsgruppe lässt gegenüber der F.A.Z. durchblicken: Weil der Artenschutz eben nur
ein Ziel und der Ausbau der Windkraft
politisch und gesellschaftlich gewollt sei.
Aber auch hier in Emmerthal? In seiner
früheren Stellungnahme hatte man den
Standort ja ausdrücklich für untauglich
erachtet. Besteht ein Interessenkonflikt,
wo der Chef der Nabu-Ortsgruppen doch
zugleich in einem Umweltplanungsbüro
arbeitet, dort Flächen für die Windkraft
ausweist und zudem für die SPD im
Gemeinderat sitzt?
D
er Mann bestreitet, in die
Planung für den angesprochenen
Windpark
direkt involviert gewesen
zu sein. Ja, er werde mit
Blick auf die jüngste
Rechtsprechung zum Artenschutz zusehen, sich noch mal mit der Naturschutzbehörde in Verbindung zu setzen. Aber
klar müsse sein: Es gebe im Weserbergland nirgends den perfekten Standort,
überall segelten Rotmilan, Uhu und
Schwarzstorch. „Verträgliche Windenergienutzung“ sei deshalb das Ziel. Letztlich gehe es immer um Schadenbegrenzung. Den Beschluss, nicht zu klagen,
habe im Übrigen die Mitgliederversammlung gefasst. Und einige Abschaltauflagen habe man ja erwirkt.
Auch die Landesjägerschaft nennt
Gründe, warum man hier gerade nicht
geklagt hat. Man teile „die Bedenken der
BI“, sagt ein Sprecher einerseits, und
habe das durch einen Referenten beim
ersten Klageverfahren auch vorbringen
lassen. Nur sei das Gericht diesen Ausführungen nicht im Ansatz gefolgt, sondern dem Verhaltensbiologen eines Gutachterbüros, das etwa bezogen auf den
Rotmilan „im totalen Gegensatz zu allen
in der Literatur aufgeführten biologischen Verhaltensweisen steht“. Andererseits handele es sich bei dem Windpark
um ein lokales Vorhaben – und als Lan-
die Bezeichnung „Dieselthematik“. Das
Thema war gerade etwas in Vergessenheit geraten, da muss Volkswagen schon
wieder mehr als eine halbe Milliarde
Euro berappen, weil der Konzern nach
Ansicht der EU-Kommission mit BMW
und Daimler ein Kartell gebildet hat, das
Innovation und Wettbewerb im Weg
gestanden hat. Also kein „Fortschritt
durch Technik“, sondern „Stillstand
durch Absprache“. So richtig einsichtig
zeigte sich Volkswagen hinterher mal
wieder nicht: Statt des hohen Bußgeldes
wären „klare Richtlinien“ aus Brüssel
zielführender gewesen, sagte ein Sprecher. So so, klare Richtlinien also. Wie
bei den eindeutig unzulässigen Abschalteinrichtungen in Dieselautos?!
uuu
EINE ABSCHALTEINRICHTUNG hätten wir übrigens auch gerne. Allerdings
nicht in unserem Golf, sondern eine für
Wahlplakate der CDU oder zumindest für
unsere Augen. Wer noch keines der Plakate gesehen hat: Sie sind spektakulär
langweilig. In schwarz-rot-gold umrandeten Kreisen sind Polizistinnen, Altenpfle-
Foto Niklas Záboji
desjägerschaft klage man, wenn überhaupt, nur bei Vorhaben von überregionaler Bedeutung. Die Naturschutzinitiative wiederum teilt knapp mit, dass der
LBU in Emmerthal ja geklagt habe – und
die Klage zweier Verbände in der gleichen Sache auch aus Kostengründen keinen Sinn ergebe.
Was nun? Stallmann seufzt. 50 000
Euro an Spenden und Mitgliedsbeiträgen hat seine Initiative in die vielen
Verfahren und Gutachten gesteckt, die
Hunderte oder wohl eher Tausende
Stunden ehrenamtliche Arbeit nicht
einberechnet. Die Genehmigung ist
nunmehr bestandskräftig. Von zu Hochzeiten mehr als 50 Unterstützern sind in
der Initiative rund 30 verblieben. „Viele
haben sich damit abgefunden, das AKW
hat auch nicht jedem geschmeckt“, sagt
Stallmanns
Mitstreiter
Norman
Schmidtmeier, von dessem Garten man
freien Blick auf die Rotoren hat. Je nach
Tageszeit flackere es bei ihm wie in der
Disco, sagt er, und bei Westwind gebe
es dieses unentwegte Dauerrauschen
eines Flugzeugs im Landeanflug. Wer
eine solche „unzumutbare Eigentumsbeeinträchtigung“ geltend machen will,
der kann zivilrechtlich klagen. Das Verfahren eines Anwohners gegen den
Betreiber läuft, Ausgang offen.
In Sachen Artenschutz ruht der Rest an
Hoffnung der Windkraftgegner nun auf
Europa. Anfang März urteilte der Europäische Gerichtshof nach Vorlage aus Schweden, dass nicht nur die Population, sondern
jeder Vogel schützenswert sei – für Vertreter der Windkraft eine Schlappe. Zugleich
hat die EU-Kommission Deutschland vor
dem EuGH wegen Verstöße gegen das
Naturschutzrecht verklagt, vor allem mit
Blick auf FFH-Gebiete. Strafzahlungen
und sogar nachträgliche Genehmigungsänderungen sind denkbar.
Postwendend hat Brüssel im April
einen achtseitigen Brief aus Emmerthal
erhalten. „In den Verfahren sind 2 großflächige FFH-Gebiete im Landkreis
Hameln-Pyrmont in Niedersachsen in
Deutschland nicht berücksichtigt worden
und dennoch im unmittelbaren Einwirkungsbereich 8 Windenergieanlagen
genehmigt worden“, schrieb man an die
Kommission und bat, das laufende Klageverfahren zu erweitern oder zumindest
dahingehend zu prüfen. Eine Antwort
steht noch aus.
gerinnen und andere in Sonntagsreden
geschätzte
Personen
zu
sehen.
„DEUTSCHLAND
GEMEINSAM
MACHEN“ ist der verbindende Slogan.
Auf einem Plakat heißt es gar: „Gemeinsam. Kinder. Machen.“
uuu
ALS WÄRE DAS NICHT PEINLICH
genug, kam dann auch noch raus, dass
die Polizistin und die Altenpflegerin
nicht echt sind und in Wahrheit für die
CDU arbeiten. Fake-Texte bei den Grünen, Fake-Fotos bei der CDU – Sie
haben am 26. September die Wahl. Paul
Ziemiak, Generalsekretär der Christdemokraten, begründete die Motivwahl
und das fragwürdige Casting damit, man
habe für die Wahlplakate eben keine
echten Pflegekräfte und Polizisten von
ihrem wichtigen Job abziehen und kein
zusätzliches Infektionsrisiko eingehen
wollen. Aha. Wir werden daran erinnern, wenn Kanzlerkandidat Armin
Laschet dann bald im Wahlkampf durch
Pflegeheime tingelt oder anderswo
Menschen vom Arbeiten abhält. Spätestens dann gilt: Keine Ausreden mehr!
Traueranzeigen
SEITE 20 · SAMSTAG, 10. JULI 2021 · NR. 157
FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG
&5 !3.#3 393 +$*+ <&3 4$& ;.+ 9+43* (*&4$+ $33 ".(5.3;53 +5.3 9+ !!)&53
002 "?*3 0,6@
882 9+& 8@80
&+&+4$ :34A4))4$ 43$5;3+3949553*&5+!+739+4$ +9++$$)5&!+134/+)&$+
?&$9+!+2& (9* &+ +33 :$35 3 +4$+ 94 * C+% 9+ 94)+ :3 A+35&.++ $&+<! ?94**+2 &+
&3(+ 9+ 4&+ 34/+)&$(&5 $+ +&$5 +93 & $54<&44+4$ !13!5 4.+3+ &+44.+3 9$ & +4$+
& &++ &) 4 !4 *&5 &$* !$+ 93 +2 ":3 4&+ 9+ )&+ <&3 &$* 93&$5&! +(32
7:3 4&+ $:)3 9+ (*&4$+ !!)&53
73&3&( !)
)53 >3
.+3 >3)
93($3 &++<&4
B&)!3 &4.+
B&( ;.+ 9$<)5
&3.4)< '*3
$&)&11 )*+4
)94 /3! "$+
&$) "&53&$
3& ".3)5
53 ".3)5
.4<&5$ ".3)5
)53 ".3)5
B&+3 "3:(
+4 -!!+3!3
+34 -&($.
B&+3 7)$94
=) 7.$3*++
$3&45.1$3 73+5?+
.) 73&<)
3+ 73&)
94++ 79&(3
5+ A))
A.3! A+4+
B++&+! A3(+
$3&45&+ A$)&+!
94++ A$)&+!
733&( A&))44+
$&* A)
.) A3.44*++
55$&4 A39+
$3&45&+ A3:+3!
33 A39+<)
&3!&5 B+()94
$3&45.1$ B))3
$3&45.1$ B&34$*++
53 B.!+
345+ !3
-)*3 .3+
$.*4 /3!+4
=) 5?3
)2: 7.16.7 +;,12.- >87
#:8/ : ;<* 1-.
:B
.* &34$9*
&$3 )&=
$.*4 3*3
3 $&)&1 9&5?
3&!&55 **34
B&( +!&+
.) &+(9!)
&$) &45&(.<
3+ ()
5+ 933
+ $&)&11 .$3
$.*4 9))3% $9+4
5 :$)+4
345+ :))3%-&4&+!
73+? 55
++!35 55)(
B.)!3 &)+
) &54$(
9&4 :++&+!
73+( $4+)
35&+ )5*++4
)) '!'* +%$ ') '$
"% #
*"!
=72
#:8/.;;8: 1-. 0.1:<. B= -.7 .:;<.7 8,1;,1=55.1:.:7 -2. *+ -2.
+.<:2.+;?2:<;,1*/<52,1. 8:;,1=70 =7- .1:. -.: 802;<24 27 .=<;,15*7.7<?2,4.5<.7 =7- -*B= +.2<:=0.7 -*;; -.: 802;<240.-*74. B020 270*70 27
-2. '7<.:7.16.7;9:*@2; /*7- 5; 71*+.: -.; .1:;<=15; /: 550.6.27.
.<:2.+;?2:<;,1*/<;5.1:. =7- 802;<24 27;+.;87-.:. (.:4.1:;+.<:2.+;5.1:. *7
-.: '72>.:;2< < *771.26 1*< .: >87 +2; B= ;.27.: 6.:2<2.:=70
;.27 )2;;.7 *7 =7B 1520. %<=-2.:.7-. ?.2<.:0.0.+.7 %.27. .0.2;<.:=70
=7- .2-.7;,1*/< /: -2. 802;<24 1*+.7 ;2,1 -=:,1 ;.27. .70*02.:<. .1:. *=/
>2.5. %<=-2.:.7-. +.:<:*0.7 =7- ;9 <.:. .:=/; =7- .+.7;?.0. 0.9: 0<
2.; 025< 27;+.;87-.:. /: *55. /: -2. #:8/.;;8: 1-. 7*,1 -.6 %<=-2=6
84<8:>*<.: ?=:-.
: 2:4 .,4.: C #:8/ : 8:2;5*> 3.52,2, C : &26 85<.
#:8/ : 81*77* =,.:2=; C : ,4*:< =<B C #:8/ : *:51.27B 2,1.:
.77270 >87 2,4. C : 2:4 A+5 C : 1:2;<2*7 .6.:5270
: -?27 2;,1.: C : 5+:.,1< *55+*=.: C #:8/ : *:*5- *:<6*77
: :202<<. .27;,1%<*=;+.:0 C : .:71*:- .2B6*77 C : $*5/ .77270
: .:7- .;;.5;,1?.:-< C : .7; .A6*7; C : =<<* =,1
#:8/ : "52>.: *7B C 3:7 5299.5 C : &186*; 58;<.:
: )85/0*70 7-.5 C #:8/ : : .:7- 8:<;,1*4
: &186*; 2.+ C : %<.91*7 ..-.: C #:8/ : $=<1 .5B.:$2-270.:
: :*7B .:*<1 C #:8/ : .56=< .:4.5 C : .27B !.=+*=.:
: :=78 % 5B.: C #:8/ : 2,1*.5 %,1:-.: C : :2.-.: %,1=99.:<
: *:5 %866.: C : 70.5* %<2.052<B C : *72.5 )85/
'!!)) +%$ *#$$ '!!$ +%$ ') '$
'!()%& *$ '(*" +%$ *#$$ #!) !"%
) +%$ *#$$!$,!$' *$ '$' !$,!$'
#!) %'%) *$ % $$(
%'%) +%$ *#$$ *$ )) !( &&'#$$
"+')"$ *( )"$
Auskunft und Beratung
Telefon (069) 75 91 – 22 79
Telefax (069) 75 91 – 80 89 23
E-Mail traueranzeigen@faz.de
Alle Anzeigen und Informationen unter lebenswege.faz.net
$.*4 3/)&5?4$
3&+ )$.3+
$3&45&+ ))3&$
3.)&+ 3
.$+ 553
&$) .#
B335 .44)
B++&+! 2 $)34
9.%$&+! +!
.$++4 &443
B935 2 +?%A3.++
35&+ &55*++
35&+ .)
"+&) 9)
(. 9)
+)& $.9
B&)!3 &*.+4
3&!&55 >13&4
+' 7. -3-% 0()* ( *( 0# !3 7 ( . )( ( (* (
. 4)) *(
(*) *)&(/( *)
1 * *.(( *(
.) #
* * ) * ) (* ( /( 7 (2 *
" *1. ( ( 4(/ . ))) *
. )(( *( )(.&& ( .) *
(* ( #54 (*) *)
&(/. ))) * 2. ( ( /( **)* )
(*) *)&(/. ))) * .*) ) 0#( *( '
"( * )
(. * # &()$ " ) *2 ) (
()* . (# ( *1#(*. )/ .)/* . 1 ( /(
) (* ( . * (*( )**) #('
(/. . ( *. 0# # 2( . *(
))# ( .) ( ()(. )( )# (( )
5(2 '
' 4 4 "* .(
# 41
* + 2# .
*1* 6*## 1 -*1
9#
+ '7
/) %5) %!/0
+( +
0%) ,) 050%
*
8 +.* * 1*
- ##
- * 4 *
* $*
.) #
* * ) ) () * . ))# ( )
#()*2 ( ) ()(. ) .)).))) ) 6 )**.*) (
(*) *)&(/( .*) ' ' # ( *
/( (.)&#*) . (* . * 2. ) .*#(
0() ( , &. *# " *1. ) (.))* )
*) *&( *'
( 0(( * .) #
* #) *2* (* ( .
# . 1( ) )**) "( * '
)( )# () */ * ) ( , '
(* ( . * (*( 0#
+.41 3* 1 1 + + *+.#* .+&* +.
- *+ 1
*# * #* +. .. )
%
#:8/.;;8: 1-. ?=:-. 27 *55.: %<255. 26 .70;<.7 *6252.74:.2;
*=/ -.6 5<.7 :2.-18/ 27 8;5*: +.20.;.<B<
Traueranzeigen und Nachrufe
*$!
!$ '% ',! '* !() $$
#:8/.;;8: 1-. ?*: *= .:-.6 0.;,1 <B<.: $*<0.+.: /: '7<.:7.16.7
%<2/<=70.7 =7- *7-.:. 7;<2<=<287.7 %8 ?*: .: +.: >2.5. *1:. *5; 2<052.- 26
)2;;.7;,1*/<52,1.7 .2:*< +.26 =7-.;>.:4.1:;6272;<.:2=6 =7- *5; (8:;<*7-;
62<052.- -.: =7-.;>.:.2720=70 802;<24 *4<2> '7;.:.6 *7- -2.7<. .: +2; B=
;.27.6 27<:2<< 27 -.7 $=1.;<*7- *5; $.;.:>.8//2B2.: -.: =/<?*//. B=5.<B< 26
$*70 .27.; "+.:;<;
%.27. *4*-.62;,1.7 %,15.: =7- 2<*:+.2<.: >.:7.20.7 ;2,1 27 $.;9.4< /: -2.
.+.7;5.2;<=70 >87 #:8/.;;8: 1-. =7- 27 *74+*:4.2< /: -2. ;,17.7 *1:.
*7 ;.27.: %.2<.
C*( 44+:$)
B+4%$3&45.1$ 1
3+ )?3
&3!&55 534
-!.+ 94
$3&45&+ 9(
51$+ *35$
.9;+ (3
)94 ))3*>3
345+ .*++
*.+ 9
)3&$ $)<&+!
$3&45&+ $)&55
44& $*&5
.$+ $*&5
73&5 $+&34
)3&$ $3.3
.)!+! $:)3
A:+53 $9*++
7)&= 5(
.$++ 5+!)&+
( & '"
" % " % " "(% (%
% " - "
# $)$
+ .
!
'
* ,% $)$
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
&
!
+
.) "
,$ #*#
-$ $ , .
!) $ .
' +% $ / (
$ . +%
! ! !
!
Unternehmen
F RANK FURT ER A LLG E M E I N E Z E I T U NG
SA M S TAG, 10. JU LI 2021 · NR . 15 7 · SE I T E 2 1
BRIEFE AN DIE HERAUSGEBER
Keine Lichterkette
Reinhard Müllers Leitartikel „Folgen
einer falschen Politik“ (F.A.Z. vom 2.
Juli) angesichts des Messerterrors von
Würzburg legt den Finger in eine große Wunde. Noch die Ausgabe vom 24.
Juni enthielt eine Glosse des Redakteurs mit dem Titel „Es kamen auch
Mörder“, welche sich just am nächsten
Tag erneut tragisch bewahrheiten sollte.
Und Müller hat sehr wohl recht: Der
Täter fiel nicht vom Himmel. Bereits im
September 2015 wies Berthold Kohler in
seinem Leitartikel „Der verspätete Vielvölkerstaat“ darauf hin, dass Einwanderer „nicht bloß ihre Kochrezepte, sondern auch ihre Weltanschauungen und
Konflikte“ mitbringen, und mahnte:
„Deutschland sollte sich daran erinnern,
dass Einwanderung nicht nur Probleme
löst.“ Zeitungslektüre bildet – man hätte
insofern vieles wissen können, wollte es
jedoch wohl einfach nicht sehen. Bitteres
Fazit: Nach „Würzburg“ gab es kein
spontan organisiertes Konzert, keine
Lichterketten, keine bundespräsidentiellen Mahnungen. Nach den Opfern wird
man keine Straßen benennen, von
„nennt ihre Namen“ hört man nichts.
Und wer übernimmt die politische Verantwortung? Vermutlich wieder einmal
niemand.
CLAUS MICHAEL SCHMIDT, DILLENBURG
Abzug aus Afghanistan ohne Erfolg
Zu den Berichten über den Abzug der
Soldaten aus Afghanistan: Nach zwei
Jahrzehnten Einsatz werden die letzten
Soldaten der westlichen Allianz abgezogen. Hat sich der Einsatz gelohnt? Die
militärische Intervention nach 9/11 war
aus Sicht der Amerikaner verständlich,
und Deutschland hatte gewisse Bündnisverpflichtungen. Das afghanische
Volk nahm zu Beginn positiv wahr, dass
es der westlichen Allianz um die
Befreiung vom Terror ging und dass
gezielt die Taliban bekämpft wurden.
Kritisch ist jedoch zu bewerten, dass
Gruppen bekämpft wurden, die zuvor
im strategischen Kampf gegen die sowjetische Intervention in Afghanistan
mit Geld und Waffen unterstützt worden
sind. Früher oder später werden nun die
Taliban abermals an die Macht kommen
und das Scharia-Gesetz durchsetzen.
Wer sich dem nicht beugen will, wird
nur die Wahl bleiben, sich innerlich
zurückzuziehen oder möglichst schnell
das Land zu verlassen. Wohin? Kritiker
merken an, dass mit dem Abzug der
Streitkräfte die erreichten Ziele in Bildung, Rechte der Frauen, Aufbau einer
Infrastruktur wieder in Frage gestellt
werden.
Welche Folgen haben militärische
Interventionen von außen? Was
geschieht, wenn ein Land zum Spielball
ausländischer Machtinteressen wird?
Da spielt Pakistan eine ganz große Rolle, neben den USA, Russland und Iran.
Wie realistisch ist der Versuch, unsere
Demokratie in einem Land zu importieren, das im ländlichen Bereich von
einer alten Stammestradition geprägt
ist und islamisch? Der Stolz der Stammeskrieger verbietet es, ausländische
Soldaten in ihrem Gebiet zu tolerieren.
Das sollte man wissen, bevor man dort
interveniert. Die Taliban verfügten
darüber hinaus über ein großes Reservoir an jungen Kämpfern aus den
Flüchtlingslagern in Pakistan, in denen
furchtbare Zustände herrschten.
Die Afghanen sind schwer gezeichnet
und traumatisiert durch die jahrzehntelangen Kampfhandlungen und Bürgerkriege. Auf jeden Fall ist klar: Mit Waffen und Bomben schafft man keinen
Staat, in dem die Menschen friedlich
miteinander leben. Die Scharia-Rechtsordnung schafft leider auch kein friedliches Zusammenleben verschiedener
weltanschaulich-religiöser Gruppierungen im Lande. Die zugefügten Verletzungen schreien nach Aufarbeitung und
Versöhnung. Woher kommt aber die
Kraft zu einem Neuanfang, der auf
gegenseitiger Achtung und einem
barmherzigen Umgang miteinander
gründet? Das ist vornehmste Aufgabe
aller gesellschaftlich relevanten Gruppen in Afghanistan. Andernfalls dreht
sich die Spirale von Gewalt und Gegengewalt weiter.
Die Milliardäre Jeff
Bezos (links) und
Richard Branson
lassen sich von ihren
Kindheitsträumen
beflügeln.
Fotos AP
DIETER LOEST, ROT AM SEE
Die Politik schweigt
Zu den Berichten und Kommentaren
über das EU-Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland wegen des
EZB-Urteils des Bundesverfassungsgerichts: Im Mittelpunkt des Konflikts
zwischen Brüssel und Berlin steht nicht
nur die Dimension des Vorrangs des
EU-Rechts.
Was mag die Kommission und
deren deutsche Präsidentin geritten
haben, ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland aufgrund eines
nationalen Gerichtsurteils einzuleiten? Aufklärend könnte ein Blick auf
die rechtlich-strukturell angelegten
Konstruktionsfehler der EU sein, die
tatsächlich die von Werner Mussler in
seinem Kommentar „Die Machtfrage“
erwähnte juristische und politische
Machtbalance „fragil“ erscheinen lassen. Schon vor zehn Wochen, als sich
das Bundesverfassungsgericht zum
deutschen Gesetz zu verhalten hatte,
das den EU-Wiederaufbaufonds ratifizieren sollte, stand tatsächlich die
Frage im Raum, ob die EU weiterhin
Staatenbund oder Einstieg in den
Bundesstaat sein soll.
Es ist bemerkenswert und erschreckend zugleich, dass von keiner deutschen Partei zu diesem Mammut-Thema etwas zu hören ist. Europa steuert
auf einen vielleicht sogar bewusst kalkulierten Grundsatzkonflikt zu, und die
Politik schweigt. Nur die Politik, die
Regierungen und Parlamente der EUStaaten, können die Weichen zu Vertrags- und Verfassungsänderungen stellen. Insofern wird sich das Vertragsverletzungsverfahren vielleicht noch als
Coup herausstellen, den Europäischen
Rat zu einem Sprung in eine neue europäische Ära zu bewegen.
Schon im vergangenen Jahr flammte die Debatte „Staatenbund oder
Bundesstaat“ nach dem Beschluss der
EU-Regierungschefs zum Wiederaufbaufonds, verbunden mit dem Begriff
Fiskalunion, auf. Der deutsche
Finanzminister beschwor schon den
Hamilton-Moment und damit den
Schritt zu einem neuen Europa, dabei
blieb es dann aber auch. Es war doch
angesichts der Dimension dieser
Gemengelage absehbar, dass Europa
und Deutschland in juristisch unruhige See geraten werden. Corona-Pandemie hin, andere Themen her:
Warum hat es bisher keine Bemühungen gegeben, Europa verfassungsrechtlich zu renovieren? Wenn nicht
schon die gewaltigen vor uns liegenden globalen Themen wie Handel,
Klima, Digitalisierung, Migration hinreichend die Notwendigkeit herbeirufen, einen europäischen Bundesstaat
mit neuer Verfassung zu gründen,
dann doch spätestens jetzt!
LUDWIG VON JAGOW, BERLIN
Parodie nationaler Denkmäler
Zum Artikel von Andreas Kilb „Eine
unverzeihliche historische Naivität“ in
der F.A.Z. vom 14. Juni: Kilb kritisiert zu
Recht die hanebüchen verquasten Deutungen, die eine Reihe von Katalog-Autoren und -Autorinnen dem im Jüdischen
Museum Berlin gezeigten Videofilm
„Malka Germania“ der israelischen
Künstlerin Yael Bartana verpassen. Leider geht auch seine eigene Besprechung
des Kunstwerks in die Deutungsfalle.
Kilb wird Opfer einer grotesken
Überinterpretation, die ihrerseits
einen sehr deutschen Mangel an
Humor sowie das Verkennen gewollter
Absurdität und Parodierung befürchten lässt. Dass hier aus Fenstern von
Miethäusern Weihnachtsbäume, Stehlampen, ein Lutherbild, eine Replik
von Schadows Prinzessinnengruppe
sowie Büsten von Schiller und Beethoven aufs Pflaster fliegen, schon das
hätte ihm als Veralberung deutscher
Heiligtümer auffallen müssen. Dass
aus dem Berliner Wannsee das sich
teilende Rote Meer des Moses wird,
hätte ihm als Parodie gleich zweier
nationaler Denkmäler erkennbar sein
dürfen. Dass ausgerechnet Speers
Germania-Ruhmeshalle aus den sich
teilenden Wassern vor einer „Messiasfrau“ auftaucht, hätte ihm als Veralberung eines Nazi-Wahnsinnsprojekts
und nicht als dessen „Nobilisierung“
und damit als „Pornografie“ deutbar
sein können.
Dass Bartana bekennt, sie habe
schon immer das Gefühl gehabt, „dass
Deutsche und Jüdinnen und Juden
irgendwie Erlösung (die Ausstellung
heißt „Redemption Now“) von der
Geschichte brauchen“, nimmt Kilb
bierernst, um daraus sogleich die finstersten Schlüsse zu ziehen: Statt zu
überlegen, ob sich hier nicht jemand
behutsam lustig macht über tiefernste
deutsch-jüdische Befindlichkeiten. „In
der Kunst“, sagt Kilb mit bedeutsamer
Geste, „ist Unschärfe eine Form der
Respektlosigkeit.“ Wie wäre es, wenn
die Unschärfe satirisch gewollt wäre?
Bleibt die Frage der Geschmacklosigkeit. Dazu wäre zu sagen: Kunst darf
geschmacklos sein, sie darf provozieren, sie darf Gefühle verletzen, insbesondere solche, über die sich alle
Wohlmeinenden einig sind. Long live
Bartana!
WOLFGANG RUDOLPH, BAD NEUENAHR
R
„Schaut zu den Sternen und
nicht auf eure Füße“
ichard Branson nennt sich im
Moment gerne „Astronaut
001“. So unterschrieb der britische Milliardär vor wenigen
Tagen einen Linkedin-Eintrag, in dem er
über die bevorstehende Erfüllung eines
Kindheitstraumes sprach. An diesem
Sonntag um sieben Uhr morgens Ortszeit
will er von der Wüste des amerikanischen Bundesstaates New Mexico zu
einem Flug in den Weltraum aufbrechen.
Ein Raumfahrzeug seines Unternehmens
Virgin Galactic soll ihn und fünf weitere
Personen ins All befördern, wo sie einige
Minuten Schwerelosigkeit erleben sollen,
bevor es zurück auf die Erde geht. „Ich
will in den Weltraum, seit ich ein kleiner
Junge war,“ schrieb Branson. Am Ende
des Eintrags zitierte er den Physiker Stephen Hawking: „Schaut zu den Sternen
und nicht auf eure Füße.“
Wenn alles klappt wie geplant, wird
Branson der Erste sein, der sich von seinem eigenen Raumfahrtunternehmen
ins All chauffieren lassen wird. Er wird
aber wohl nicht lange der Einzige bleiben. Denn schon am 20. Juli und damit
neun Tage später will ihm Jeff Bezos folgen, der Gründer des Online-Händlers
Amazon, dem nebenher auch der Weltraumspezialist Blue Origin gehört. Der
derzeit reichste Mensch der Welt hat
sein bevorstehendes Abenteuer ähnlich
euphorisch beschrieben wie Branson
und gesagt, er habe dies sein ganzes
Leben lang machen wollen. Es hatte so
ausgesehen, als würde Bezos Pionierstatus haben, denn er hat seinen Flug
zuerst angekündigt. Dann aber funkte
Branson dazwischen und setzte seinen
Termin früher an.
Es sieht aus wie ein Wettrennen der
Multimilliardäre ins Weltall, und Egos
dürften auch eine Rolle spielen. „Es handelt sich hier nicht gerade um bescheidene
Personen“, sagt John Logsdon, der Gründer und langjährige Direktor des auf
Raumfahrtpolitik spezialisierten Space
Policy Institute an der George Washington
University. Aber die beiden Flüge mit prominenten Unternehmern an Bord könnten auch der Beginn eines neuen Kapitels
in der Raumfahrt sein. Logsdon meint, sie
könnten einen Durchbruch für Weltraumtourismus bedeuten und Startschuss dafür
sein, ein breiteres Publikum ins All zu
bringen. Zwar gab es auch in der Vergangenheit schon Touristen im Weltraum.
Zwischen 2001 und 2009 etwa ließen sich
sieben wohlhabende Personen in russischen Sojus-Maschinen zur Raumstation
ISS befördern, der letzte war Guy Laliberté, der Gründer des Zirkusimperiums Cir-
Vom Hype zur Realität: Die Multimilliardäre
Richard Branson und Jeff Bezos wollen mit ihren
Flügen dem Weltraumtourismus zum Durchbruch
verhelfen. Kann das ein Massenmarkt werden?
Von Roland Lindner, New York
que du Soleil. Trotzdem war Weltraumtourismus bislang nach Logsdons Worten in
erster Linie „Hype“.
Bezos und Branson traut er zu, dies zu
ändern. Es ist deren erklärtes Ziel,
Tickets in den Weltraum zu vermarkten,
für Branson und Virgin Galactic ist das
sogar Kern des Geschäftsmodells.
Daneben gibt es auch noch Elon Musk
mit SpaceX, dem wohl bekanntesten
privaten Raumfahrtunternehmen. Er
hat sich bislang zwar vor allem als Partner der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa profiliert und ihr im vergangenen Jahr geholfen, zum ersten Mal
seit langer Zeit wieder Astronauten ins
All zu bringen. Auch er plant aber Flüge
mit Touristen. Anders als Bezos und
Branson hat er bislang noch keinen
eigenen Trip ins All angekündigt. „Aber
das wird bestimmt kommen“, meint
Logsdon.
Bezos und Branson reisen nicht annähernd so tief ins All wie die früheren
Touristen mit ihren Trips zur gut 400
Kilometer von der Erde entfernten
Raumstation. Sie planen Suborbitalflüge
an den Rand des Weltraums. Für Blue
Origin soll es bis zur Kármán-Linie
gehen, die hundert Kilometer über dem
Meeresspiegel liegt und von vielen als
Grenze zwischen Erdatmosphäre und
Weltall angesehen wird. Virgin wird einige Kilometer darunter bleiben, wobei
zumindest manche amerikanische Luftfahrtbehörden auch diese Höhe als Weltraum definieren. In beiden Fällen soll es
Passagieren möglich sein, Schwerelosigkeit zu spüren.
Die Trips sind sehr kurz, bei Virgin
sollen es rund 90 Minuten sein, im Fall
von Blue Origin sogar nur elf Minuten.
Die Unternehmen setzen sehr verschiedene Transportmittel ein. Virgin befördert seine Passagiere mit einem Raumgleiter, der von einem Flugzeug mit
zwei Rümpfen auf eine bestimmte Höhe
gebracht wird, bevor er sich selbständig
macht. Blue Origins Fluggäste sitzen in
einer Raumkapsel, die von einer wie-
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
derverwertbaren Rakete ins All
gebracht wird.
Wie in der Raumfahrt üblich, war der
Weg bis zu den nun bevorstehenden
Flügen lang und nicht ohne Rückschläge. Bezos hat Blue Origin im Jahr 2000
gegründet. Trips mit Touristen waren
mal für 2018 geplant, verzögerten sich
aber. Der Flug mit Bezos wird der erste
mit Passagieren an Bord sein. Zuvor hat
Blue Origin mit seinem Raketensystem
15 erfolgreiche unbemannte Testmissionen absolviert. Virgin Galactic gibt
es seit 2004, und Branson hatte sich den
ersten kommerziellen Flug schon für
2009 vorgenommen. Es kam aber
immer wieder zu Verzögerungen und
auch zu einem schweren Unglücksfall,
2014 stürzte ein Raumfahrzeug bei
einem Testflug ab, der Ko-Pilot starb.
Branson machte trotzdem weiter, und
Ende 2018 gelang die erste Testmission
mit Personen an Bord.
Der für Sonntag geplante Flug soll
nun der erste mit voller Besatzung sein.
Es ist offiziell noch immer ein Test,
Branson und seine Kollegen sollen nach
Angaben des Unternehmens das „private Astronautenerlebnis“ ausprobieren
und bewerten, etwa in punkto Schwerelosigkeit und Sitzkomfort. Nach Bransons Trip sind noch zwei weitere Testflüge geplant, bevor im nächsten Jahr
erstmals zahlende Kunden befördert
werden sollen.
Weil die Flüge mit Virgin und Blue
Origin vergleichsweise nahe an der Erde
bleiben, werden sie um einiges
erschwinglicher sein als die früheren
Vergnügungsreisen zur ISS, wenngleich
keineswegs billig. Virgin hat schon Sitze
für künftige Missionen für bis zu
250 000 Dollar reservieren lassen und
gesagt, dass die Preise wegen des
begrenzten Angebots zunächst noch
steigen könnten. Nach Angaben des
Unternehmens gibt es mehr als 600
Reservierungen. Blue Origin hat bisher
keine genauen Preise genannt, aber
gesagt, die Flüge dürften anfangs meh-
rere Hunderttausend Dollar kosten. Auf
längere Sicht sollen sie billiger werden.
Es muss sich freilich noch zeigen, wie
groß der Markt für solche Weltraumabenteuer ist und ob dies ein ähnlich
attraktives Geschäftsmodell werden
könnte wie etwa die Beförderung von
Satelliten ins All. Bransons Unternehmen spricht von einem gewaltigen
Marktpotential. Es hat gesagt, selbst bei
einem Preis von 250 000 Dollar könnte
es global eine Nachfrage nach zwei Millionen Tickets geben, und der Markt
habe Platz für zwanzig verschiedene
Anbieter. Auch manche Analysten verbreiten Optimismus. In einer kürzlich
veröffentlichten Studie des Finanzdienstleisters Canaccord heißt es, der
Markt für Weltraumtourismus könnte
im Jahr 2030 ein Volumen von acht Milliarden Dollar erreichen. Virgin könne
mit etlichen zusätzlichen Reservierungen rechnen, viele Menschen dürften
bereit sein, für die „lebensverändernde
Erfahrung“ eines Flugs in den Weltraum
eine üppige Summe zu bezahlen.
Raumfahrtexperte Logsdon schlägt
etwas vorsichtigere Töne an. Er meint,
Weltraumtourismus könne zwar ein lukratives Geschäft werden, aber womöglich auch nicht über den Rang eines
„Nischenmarkts“ hinauskommen. Er
bezweifelt zudem, dass ein Trip an den
Rand des Alls, wie ihn Virgin und Blue
Origin anbieten, tatsächlich so „lebensverändernd“ ist. Weshalb er sich vorstellen kann, dass auch Bezos sich damit
nicht begnügen und weiter entfernte Ziele anstreben wird. Blue Origin arbeitet
auch an entsprechenden Projekten.
Elon Musk bereitet schon eine längere Mission vor. Noch für dieses Jahr
plant er mit SpaceX erstmals einen Flug
ins All, bei dem nur Zivilisten an Bord
sein sollen und keine Astronauten. Ein
amerikanischer Milliardär hat den Flug
gebucht und soll auch das Kommando
übernehmen. Die Passagiere sollen in
einer Raumkapsel von SpaceX mehrere
Tage die Erde umkreisen. Ein japanischer Milliardär hat außerdem eine
Mondumrundung mit SpaceX gebucht,
die allerdings noch ein paar Jahre auf
sich warten lassen dürfte. Sowohl Musk
als auch Bezos haben über kühne Weltraumvisionen
gesprochen.
Bezos
schwebt eine Zukunft vor, in der Millionen von Menschen im Weltraum leben
und arbeiten, Musk will mit SpaceX
eines Tages den Mars besiedeln. Logsdon hat seine Zweifel, ob das jemals
Realität werden kann. „Aber ich halte
mich auch nicht für einen Visionär.“
Unternehmen
SEITE 2 2 · SA MS TAG , 1 0 . J U L I 2 0 2 1 · N R . 1 5 7
FR ANK FU R T ER ALLGEM EINE Z E I T UNG
Baupreise steigen so stark
wie seit 14 Jahren nicht
MENSCHEN UND WIRTSCHAFT
Auf den Baustellen fehlt das Material
schä. FRANKFURT. Die Preise für den
Neubau konventionell gefertigter Wohngebäude in Deutschland steigen so stark
wie seit 14 Jahren nicht mehr. Nach
Angaben des Statistischen Bundesamtes
vom Freitag lagen die Preise im Mai dieses Jahres um 6,4 Prozent höher als ein
Jahr zuvor. Das ist der höchste Anstieg
der Baupreise seit Mai 2007.
Den größten Preiszuwachs gab es dieses Jahr für Zimmer- und Holzbauarbeiten. Sie sind um satte 28,5 Prozent teurer
geworden. Die Preise für die Leistungen
eines Dachdeckers stiegen um 8,3 Prozent, für Klempnerarbeiten erhöhten sie
sich um 8,1 Prozent und für Arbeiten am
Entwässerungskanal um 7,8 Prozent.
Nicht ganz so stark stiegen die Preise für
Betonarbeiten und Mauerarbeiten. Sie
legten um 6,6 beziehungsweise um 4,8
Prozent zu. Beton- und Mauerarbeiten
machen stets den größten Teil der Rohbauarbeiten aus. Auch die Preise für Ausbauarbeiten verteuerten sich. Sie legten
um 5,5 Prozent zu. Die Preise für
Instandhaltungsarbeiten zogen um 6,2
Prozent an.
In so gut wie allen Fällen liegt es aber
weniger an den Löhnen der Arbeiter,
Eugene Kaspersky
Foto AFP
Er mag Sicherheit und Abenteuer
Es sind gute Zeiten für
einen Virenexperten der
ersten Stunde. Aber
Eugene Kaspersky hat
neben seiner Arbeit
auch noch ganz andere
Interessen.
U
m die Welt der Cybersicherheit
scheint es derzeit so schlimm
bestellt zu sein wie noch nie.
Hacker versetzen Wirtschaft
und Gesellschaft immer öfter nachhaltig
in Angst und Schrecken. Binnen weniger
Monate rollten mehrere große Angriffswellen mit ernsten Konsequenzen.
Über den sogenannten SolarWindsHack vom Dezember drangen Angreifer
in die Netzwerke Zehntausender Nutzer
ein, betroffen waren auch amerikanische
Ministerien und Behörden. Im März
nutzten Übeltäter Schwachstellen in der
weit verbreiteten Exchange-Server-Software von Microsoft aus, sie stießen in die
Rechner Hunderttausender Kunden in
aller Welt vor. Im Mai sorgte der „Pipeline-Hack“ in den Vereinigten Staaten
für Benzinknappheit, Panikkäufe und
Schlangen an den Zapfsäulen. Und in
dieser Woche erreichte das kriminelle
Treiben einen neuen Höhepunkt, als
Hacker der Gruppe REvil nach einem
Cyberangriff auf den IT-Dienstleister
Kaseya eine Rekordsumme von 70 Millionen Dollar verlangten, um via Ransomware verschlüsselte Daten in Firmencomputern wieder zu entschlüsseln.
Abgang im
Lidl-Reich
Nach dem Abgang von Klaus Gehrig
als langjährigem Chef der SchwarzGruppe (Lidl, Kaufland) vor einer
Woche zeugt eine weitere Personalie
von einer bevorstehenden Neuordnung bei dem größten europäischen
Lebensmittelhändler:
Jetzt
hat
Annabel Ehm das Unternehmen verlassen. Die Pressestelle der SchwarzGruppe bestätigt diese Information,
nennt aber keine Details. Nach Informationen der F.A.Z. erfolgt der
Abgang keineswegs im Einvernehmen. Die 28 Jahre alte Annabel Ehm
gehört zu einer Gruppe von jungen
Frauen, die von dem 73 Jahre alten
Gehrig gefördert und mit gut dotierten Posten bedacht wurden. Von
Gehältern in Millionenhöhe schreibt
die Lebensmittelzeitung, die auch
über den Abgang von Ehm als Erste
berichtete. Wie auch die Gehrig-Vertraute Melanie Köhler hatte Annabel
Ehm sogar ein Mandat in der einflussreichen
Gesellschafterversammlung der Schwarz-Gruppe.
Nach Köhler und Ehm müssen weitere Manager um ihre Toppositionen
bangen. Oberster Entscheider in der
Schwarz-Gruppe ist im Augenblick
der 81 Jahre alte Dieter Schwarz
selbst, der den Posten aber an den
schon lange dafür vorgesehenen
Gerd Chrzanowski weitergeben
möchte, sobald geklärt ist, wer als
dessen Nachfolger die Lidl-Sparte
führen wird.
sup.
In Zeiten wie diesen haben Sicherheitsanbieter Hochkonjunktur. Zu den
bekanntesten gehört einer, der den
Namen seines Gründers trägt: Kaspersky. Eugene Kaspersky ist Russe und seit
Jahrzehnten im Geschäft. Lange vor
dem Internetboom, Ende der 1980erJahre, begegnete er seinem ersten Computervirus namens „Cascade“. Der studierte Mathematiker beobachtete dessen Verhalten und schrieb eine Desinfektionssoftware. Sie und weitere Antivirenprogramme bildeten die Grundlage für eine Datenbank – die Basis für
den Start des eigenen Unternehmens
1997 und den Beginn einer steilen Karriere. Heute setzt die Firma mit mehr als
4000 Mitarbeitern gut 700 Millionen
Dollar im Jahr um und schützt mit seinen Sicherheitstechnologien nach eigenen Angaben 400 Millionen Nutzer und
gut eine viertel Million Unternehmen.
Wenn also jemand etwas über die
Hackerwelt weiß, für die Russland ein
wichtiges Zentrum bildet, dann sollte das
Kaspersky sein – der zudem noch regelmäßig seinen eigenen Blog „Nota Bene“ mit
neuen Einträgen bestückt. Dort sind in dieser Woche interessante Inhalte zu finden,
wenn auch nicht sicherheitstechnischer
Art. Der Blog-Autor überrascht seine Leser
lieber mit Informationen über von ihm
besuchte aufgegebene und verfallende
Siedlungen rund um die Welt – die im Sand
halb begrabene namibische Wüstenstadt
Kolmanskop, die sibirische Geisterstadt
Kadyktschan oder ein verlassenes chilenisches Camp in der Antarktis. Und, ganz
neu: Sogar auf den Malediven gibt es diese
Poesie des Verfalls mit seiner deprimierenden und Kaspersky zugleich faszinierenden, weil geheimnisvollen Aura: in Form
von dahinbröckelnden Touristenresorts.
Das Thema zeigt: Kaspersky ist ein
Unternehmer, aber längst nicht nur. „Ich
habe vier Kinder, fahre gerne Ski und nutze
jede Gelegenheit, wenn ich nicht unterwegs bin, um mir ein paar Tage in den
Alpen zu gönnen“, teilt er mit. Zwar habe
seine Firma eine Kooperation mit Ferrari
als Formel-1-Sponsor, jedoch füttere er seine Leidenschaft für schnelles Fahren mit
einem BMW M3. Denn: „Leider lassen die
Straßen in Moskau noch viel zu wünschen
übrig und sind kaum für italienische Supersportwagen geeignet.“
Kaspersky hat eine Passion für das gute
Leben – so lassen sich diese Aussagen
wohl interpretieren. Er erinnert ein wenig
an ein anderes Urgestein aus der Sicherheitssoftwarebranche. Der vor kurzem
verstorbene John McAfee gründete 1987
seine nach ihm benannte Antiviren-Firma
und wurde fünf Jahre später mit 100 Millionen Dollar aus einem Börsengang zwar
reich, aber offenbar nicht glücklich: Bis zu
seinem Lebensende machte McAfee
Schlagzeilen, weil er zwar ähnlich wie
Kaspersky überall in der Welt unterwegs
war, aber beständig unter Verdacht stand.
Er wurde beschuldigt, in Schwerstverbrechen verwickelt zu sein, mit Drogen zu
handeln und Steuern nicht zu zahlen.
Auch Eugene Kaspersky musste sich in
der Vergangenheit immer wieder gegen
heftige öffentliche Vorwürfe wehren. Sie
waren aber ganz anderer Natur. Während
der Präsidentschaft Donald Trumps erregte
der Mann, der in jungen Jahren am KGBund militärnahen Moskauer Institut für
Kryptographie studierte, den heftigen Argwohn der Amerikaner. Ein Gesetz verbannte 2018 seine Antiviren-Software von
allen US-Regierungscomputern. Kaspersky selbst landete auf einer offiziellen Liste
mit 96 „russischen Oligarchen“ – sie outete
ihn als ziemlich reichen Mann. Nur Personen mit einem Nettovermögen von einer
Milliarde Dollar oder mehr wurden dort
aufgenommen.
Wie eng verbandelt ist Eugene Kaspersky wirklich mit der russischen Politik? Politik interessiere ihn nicht, hat er vor Jahren
in einem Interview kundgetan. Er habe
„Putin mal die Hand geschüttelt, mehr
nicht“. In einer Zeit, in der das Verhältnis
des Westens zu Moskau auf sibirische
Tiefsttemperaturen abgekühlt ist, ist es
wichtiger denn je, dass ihm die Kundschaft
das abnimmt. Wer ist schließlich stärker
auf Vertrauen angewiesen als jemand, der
Sicherheit verspricht?
In den vergangenen Jahren haben
Kaspersky und sein Unternehmen deshalb
einiges getan, um Vertrauen aufzubauen.
Auch, indem man sich von den eigenen
Wurzeln entfernte. Rund um die Welt entstanden sogenannte Transparenzzentren.
Die Verarbeitung und Speicherung von
Kundendaten findet nicht mehr in Russland statt, sondern an unverdächtigen
Standorten wie der Schweiz, Kanada, Brasilien und Malaysia. Dort verspricht
Kaspersky überdies einen Einblick in den
Quellcode der eigenen Software.
Man habe „absolut nichts zu verbergen“,
beteuert das Unternehmen. Außerdem
kooperiere man mit Interpol, Europol
sowie nationalen Polizeibehörden. Immer
wieder veröffentlicht Kaspersky eigene
Untersuchungen zu Hackergruppen. Und
legt beängstigende Zahlen vor: Unter anderem, dass die Anzahl von Angriffen mit
Erpressersoftware von 2019 bis 2020 um
767 Prozent gestiegen ist.
Gute Zeiten also für Eugene Kaspersky,
auch wenn ihn nicht nur die Sicherheit
interessiert. Anfang des Jahres fuhr der 55Jährige im Konvoi mit Gleichgesinnten
quer durch Russland, vom sibirischen
Magadan nach Moskau. Auf der 12 000
Kilometer langen Strecke habe man gerade
drei Strafzettel erhalten, lässt er die Leser
wissen. Ja, ein bisschen Spaß muss sein in
dieser harten Branche.
THIEMO HEEG
Morris Chang 90
Taiwans Chip-Pionier meldet sich nur
selten zu Wort. Wenn er aber in der
Öffentlichkeit auftritt, dann haben seine
Worte Gewicht. Zuletzt war das im
Frühjahr, als Chang während einer Konferenz in Taiwan Wasser in den Wein
der Förderprogramme goss, mit denen
Amerikaner, Chinesen oder Europäer
ihre heimische Halbleiterindustrie
anschieben wollen. Den Amerikanern
fehlten die talentierten und engagierten
Arbeitskräfte und das breite Arbeitskräfteangebot, merkte der Gründer von
Taiwan Semiconductor Manufacturing
(TSMC) an, der vor drei Jahren die Führung des Unternehmens abgegeben hatte. Die Subventionen in Amerika seien
befristet und die Halbleiterproduktion
dort zu teuer, wurde Chang zitiert. China sei in der Produktionstechnik noch
fünf Jahre hinter Taiwan zurück. Als
einzigen ernsthaften Konkurrenten zu
Taiwan ließ er aktuell nur Südkorea und
Samsung Electronics gelten.
Mit dieser Einschätzung wurde Chang
seiner Rolle gerecht, für Taiwan und für
TSMC zu werben. In dem freiheitlichen
chinesischen Inselstaat vor der Küste des
kommunistischen Festlandchinas gilt
Chang als eine Art wirtschaftlicher
Elder Statesman und wird auch so von
der Regierung gelegentlich eingesetzt.
Der gebürtige Chinese, der seine berufliche Sozialisation in den Vereinigten
Staaten durchlebte, wird als der Pate der
taiwanischen
Halbleiterindustrie
bezeichnet. Mitte der Achtzigerjahre des
vergangenen Jahrhunderts entwickelte
er im Auftrag der Regierung in Taipeh
das Konzept einer Halbleiter-Gießerei,
einer Foundry, die selbst keine Computerchips entwirft, die Chips aber im Auftrag anderer Unternehmen produziert.
Das war ein Bruch mit der damaligen
Industrietradition, Entwurf und Produktion im eigenen Haus zu halten. Changs
Plan öffnete die Tür für Hunderte kleinerer Chip-Unternehmen, die dank der
wirtschaftlichen Vorteile der Massenproduktion bei TSMC erblühen konnten.
Heutige Industriegrößen wie Broadcom
oder Nvidia konnten so wachsen.
Morris Chang
Foto Bloomberg
Als Chang 1987 TSMC gründete, mit
Kapital von der taiwanischen Regierung
und zu einem guten Teil von Philips, sah
er den Siegeszug des Foundry-Modells
nicht voraus. Er erkannte Schwächen Taiwans im Design und im Marketing und
ging deshalb den Schritt zur reinen Auftragsproduktion. Heute ist TSMC mit
einem Marktanteil von rund 50 Prozent
Marktführer im Geschäft mit Auftragsproduktion. Angefangen mit Apple, lassen alle namhaften Elektrohersteller von
TSMC Chips fertigen. Technisch kann
nur Samsung mithalten.
Chang wurde in China geboren und
erlebte Not und Schrecken im chinesischjapanischen Krieg, im Zweiten Weltkrieg
und im chinesischen Bürgerkrieg. Mit 18
Jahren wanderte er 1949 in die Vereinigten Staaten aus und studierte in Harvard,
am MIT und – schon auf der Gehaltsliste
von Texas Instruments – in Stanford. Seine schnelle Karriere bei Texas Instruments drehte sich um Transistoren und
Halbleiter, doch zeigte Chang mehr noch
das Talent zum weitblickenden Manager.
Er führte die Idee der Preissetzung entlang der Lernkurve ein, bei der die Preise
regelmäßig und frühzeitig mit Produktivitätsfortschritten sinken, um Marktanteile zu gewinnen. Nach einem Vierteljahrhundert kam sein Aufstieg bei Texas
Instruments unterhalb der Chefetage.
Chang wechselte 1983 das Unternehmen.
Dann kam das Angebot aus Taiwan, dort
ein staatliches Forschungsinstitut zu
übernehmen. Der Rest ist Geschichte. An
diesem Samstag wird Morris Chang 90
Jahre alt.
PATRICK WELTER
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
sondern an den Materialien, dass die
Preise so stark steigen. Zentrale Baustoffe wie Holz, Stahl oder Dämmmaterialien haben sich auch im Mai rasant verteuert, wie das Statistische Bundesamt
bereits am Montag mitgeteilt hatte.
Demnach stiegen die Preise für Konstruktionsvollholz um 83 Prozent, Betonstahlmatten wurden 30,4 Prozent teurer.
Die Ursachen für den starken Anstieg
der Materialpreise sind vielfältig. „Wir
haben in der weltweiten Logistik derzeit
viele Probleme und steigende Frachtraten“, sagte Michael Voigtländer, der am
Institut der deutschen Wirtschaft das
Kompetenzfeld „Immobilienmärkte“ leitet. Hinzu komme, dass in vielen Wirtschaftsbereichen die Produktion noch
nicht das Vorkrisenniveau erreicht habe.
IW-Fachmann Voigtländer hofft
jedoch, dass sich zumindest die Materialversorgung auf dem Bau „Ende dieses
Jahres oder spätestens im nächsten Jahr“
wieder normalisieren wird. Lohnt es sich
also, zu warten? Oder ist dann alles nur
noch teurer? „Mit Sicherheit kann das
niemand sagen“, antwortet Voigtländer.
„Aller Erfahrung nach ist Warten aber
oft noch teurer.“ (Kommentar Seite 24.)
Biden will mehr Wettbewerb
Dekret zielt auf das Silicon Valley und die Industrie
wvp. WASHINGTON. Nach einer
Analyse des Weißen Hauses hat in 75
Prozent aller Branchen die Konzentration in den letzten Jahren so stark zugenommen, dass diese von jeweils einer
Handvoll Großkonzerne beherrscht
werden, die die Löhne drücken, zu
hohe Preise verlangen und den Wettbewerb im Keim ersticken. Präsident Joe
Biden hat deshalb ein umfassendes
Dekret erlassen, das Konkurrenz stimulieren und Kartellwächter stärken
soll. Das hat das Weiße Haus am Freitag mitgeteilt.
Die Entwicklung zeigt sich in der
Steigerung von Gewinn und Handelsspannen der Unternehmen in den vergangenen Jahren. Die Konsolidierung
hat in vielen Branchen dazu geführt,
dass Unternehmen die Löhne niedrig
halten konnten. Weil zwischen 30 und
60 Millionen Amerikaner bei der Einstellung
Konkurrenzschutzklauseln
unterzeichnen müssten, könnten sie oft
nicht zu besser zahlenden Wettbewerbern wechseln, teilte das Weiße Haus
mit. Der eingeschränkte Wettbewerb
koste den mittleren Haushalt in den
Vereinigten Staaten 5000 Dollar im
Jahr, weil die Betroffenen zu viel
bezahlten und zu wenig verdienten,
rechnen Bidens Ökonomen vor. Sie
kommen auch zu dem Schluss, dass die
wachsende Konzentration generell der
wirtschaftlichen Dynamik schadet. Die
Anzahl der Neugründungen von Unternehmen habe sich seit den 70er Jahren
halbiert,
große
Unternehmen
erschwerten den Marktzutritt.
Bidens Dekret besteht aus 72 Einzelverfügungen, um die drängendsten
Probleme anzugehen: Vor allem vier
Branchen werden ins Visier genommen: die Internetwirtschaft mit ihren
Tech-Giganten, der Gesundheitssektor,
die Agrarwirtschaft einschließlich der
Fleischindustrie und das Transportgewerbe. Die Kartellbehörde FTC soll
gestärkt werden. Sie wird zusammen
mit anderen Regierungsstellen ermutigt, geplante Unternehmensübernahmen und Killer-Akquisitionen durch
die Tech-Giganten zu limitieren. Mit
diesen halten sich Tech-Konzerne
potentielle Konkurrenten vom Hals.
Die Behörde soll zudem die Regeln für
Handelsplattformen wie Amazon
zugunsten von Unternehmen verbessern, die die Plattformen zum Verkauf
ihrer Waren nutzen. Schließlich sollen
die Kartellwächter die Regeln fürs Horten persönlicher Daten verschärfen.
Bidens Dekret will unter anderem den
Import billiger Medizin erleichtern,
Hörgeräte rezeptfrei machen und
Schiffsfracht-Preise scharf regulieren.
Datev fährt Rekordergebnis ein
Deutsche Verwaltung technisch veraltet
fib. FRANKFURT. Deutschland müsse
mit der Digitalisierung endlich in die
Gänge kommen. Vor allem die öffentliche Hand habe hier Nachholbedarf. Sie
müsse die technischen Probleme entschlossener anpacken als bisher, sollen
Land, Gesellschaft und Wirtschaft wirklich fit für die Herausforderungen der
Zukunft sein. Das sagt Robert Mayr,
Chef des Nürnberger IT-Dienstleisters
Datev, auf der virtuellen Jahrespressekonferenz seines Hauses.
„Wir sind noch viel zu sehr im preußischen Verwaltungssystem verhaftet. Das
hat sich 200 Jahre lang bewährt und war
gut für die analoge Welt. Aber es passt
nicht mehr zu der schnelllebigen Zeit
der Digitalisierung.“ Die Covid-19-Pandemie mit ihren wirtschaftlichen Folgen
habe hier den Schleier gelüftet,
Schwachstellen offengelegt und Ver-
säumnisse bestraft. Sie habe nicht nur
mobiles Arbeiten, Homeoffice und den
Einsatz kooperativer Datentechnik forciert, sondern auch Lücken aufgezeigt.
Die als Genossenschaft organisierte
Datev bietet IT-Dienste für Steuerberater, Rechtsanwälte und Wirtschaftsprüfer an und arbeitet so an einer der
Schnittstellen von Staat und Wirtschaft.
Seit Beginn der Pandemie schuf die
Genossenschaft Hunderte Stellen neu.
Mittlerweile hat sie mehr als 8000 Mitarbeiter. Die Datev bedienen rund
400 000 Kunden und erlöste letztes Jahr
1,1 Milliarden Euro. Das waren rund 5
Prozent mehr als im Jahr zuvor. Das
Betriebsergebnis wird mit 71,6 Millionen Euro ausgewiesen, die Rückvergütung mit 47,1 Millionen Euro. In diesem
Jahr wird abermals mit Rekordergebnissen gerechnet. (Kommentar Seite 24.)
Conti forscht in China
Autozulieferer plant ein neues Softwarezentrum
cag. HAMBURG. China wird für die
deutsche Autoindustrie als Forschungs- und Entwicklungsstandort
immer wichtiger. Der Autozulieferer
und Reifenhersteller Continental hat
am Freitag in Hannover angekündigt,
bis Ende dieses Jahres in der innerchinesischen Metropole Chongqing ein
neues Entwicklungszentrum für Software aufzubauen. „Mit diesem Schritt
programmieren wir uns auf verstärktes
Wachstum in China als weltweit größtem Automarkt“, sagte ContinentalVorstandschef Nikolai Setzer. Bereits
jetzt arbeite rund jeder zehnte der rund
23 5000 Beschäftigten des Unternehmens in der Volksrepublik. Bis Ende
des Jahres soll am neuen Standort in
China eine zunächst niedrige dreistellige Zahl an Software- und IT-Experten
ihre Arbeit aufnehmen. Setzer berichtete, dass das Unternehmen insgesamt
bereits rund 20 000 Software- und ITSpezialisten beschäftige. „Mit Chongqing knüpfen wir unser weltweites Netz
an Entwicklungszentren noch enger
und gewinnen noch mehr Know-how.“
Conti will sich seit einiger Zeit schon
stärker von Mechanik und Hardware-
teilen hin zum Systemzulieferer von
Elektronik, Sensorik und Software
wandeln. Der Umsatz mit Software und
Vernetzung im Auto soll sich nach
Schätzungen bis Ende des Jahrzehnts
deutlich steigern – von einem Umsatz
von 20 Milliarden amerikanischen Dollar 2019 soll er bis 2030 auf rund 50
Milliarden Dollar gehen. Den Schätzungen zufolge wird China mit rund 34
Prozent Anteil an Elektronik und Software der größte Markt sein.
Der weltgrößte Automarkt in der
Volksrepublik wird deswegen auch für
Conti immer wichtiger. Mit dem neuen
Softwareentwicklungszentrum
will
Conti Nähe zu den Kunden aus der
Autoindustrie gewinnen und flexibler
werden. „In China gilt noch mehr: Die
Schnellen gewinnen“, sagte Contis
China-Chef Enno Tang. Mit dem neuen
Entwicklungszentrum für Software
und Systeme „treiben wir Chinas
zukünftige Mobilität voran“. Die dort
entwickelten Technologien würden in
Fahrassistenzsysteme eingebettet, hieß
es. Außerdem steuerten sie Hochleistungsrechner oder kundenfreundliche
Architekturen in den Fahrzeugen.
Unternehmen
F RANK FURT ER A LLG E M E I N E Z E I T U NG
SA M S TAG, 10. JU LI 2021 · NR . 15 7 · SE I T E 2 3
Auf dem Weg zum CO2-freien Flug
Ceconomy muss auf
MediaMarkt und Saturn warten
Klagen verzögern Komplettübernahme
Die Luftfahrt soll ihre
Emissionen verringern.
Mehrere deutsche
Unternehmen arbeiten
daran, diese Aufgabe zu
erfüllen.
Von Oliver Schmale,
Stuttgart
A
uf den Straßen rund um den
Stuttgarter Flughafen sind
inzwischen unzählige Elektroautos zu sehen, doch auf dem
Vorfeld kein einziger Elektro- oder Wasserstoffjet, der die Passagiere an ihr Ziel
bringt. Denn solche existieren noch gar
nicht. Aber es gibt erste Schritte auf
dem Weg dahin. In Stuttgart hob vor
knapp fünf Jahren der erste nur mit
Wasserstoff und Brennstoffzellen angetriebene viersitzige Flieger namens HY4
zum Testflug vor Publikum ab. Und mit
inzwischen mehr als 70 Starts und Landungen ist die Anwendbarkeit der Technik in der Luftfahrt bewiesen worden, so
Josef Kallo, der führende Kopf dahinter,
der am Deutschen Zentrum für Luftund Raumfahrt (DLR) und der Universität Ulm das Thema vorangetrieben hatte. Der Professor tüftelt seit Jahren an
einem Batterie-Brennstoffzellensystem,
um Flugzeuge mit Passagieren umweltfreundlich fliegen zu lassen.
Jetzt werden die Pläne dafür deutlich
konkreter: Denn mit der entsprechenden
Wasserstoff-Brennstoffzellen-Technologie
der H2FLY GmbH soll auf Basis einer
Dornier 328 ein klimaneutrales Regionalflugzeug entwickelt werden. Dazu unterzeichneten Kallo, der Geschäftsführer des
Start-ups H2FLY ist, und der in Oberpfaffenhofen ansässige Flugzeughersteller
Deutsche Aircraft GmbH, eine entsprechende Absichtserklärung. Die Deutsche
Aircraft mit ihren 200 Mitarbeitern ist eine
Tochtergesellschaft der Sierra Nevada
Corporation aus den USA, die mit Hilfe
der deutschen Regierung und der 328 Support Services GmbH einen seit dem Jahr
2018 verfolgten Plan umsetzen will: die
Dornier 328 als Regionalflugzeug neu aufzulegen. Ein Demonstrationsflugzeug mit
dem Öko-Antrieb soll im Jahr 2025 erstmals abheben. Das Wasserstoffsystem soll
eine Leistung von 1,5 Megawatt bekommen, wie H2FLY und Deutsche Aircraft in
Stuttgart mitteilen. Das wäre dann das bisher leistungsstärkste wasserstoffelektrisch
angetriebene Flugzeug.
Für das Vorhaben seien mehrere Hundert Millionen Euro notwendig, wie Martin
Nüsseler von der Deutschen Aircraft erläutert. Die gilt es nun vom Staat und auch
unter potentiellen Investoren einzusam-
FIRMENINDEX SEITE
Amazon........................21, 24
BASF........................................23
Schon im Dezember vorigen Jahres
war die Neuordnung angekündigt worden. Die Erben des MediaMarkt-Gründers Erich Kellermann erklärten sich
bereit, ihre Anteile an den Handelsketten zu verkaufen und dafür als Großaktionär in den Konzern einzusteigen.
Damit schien endlich eine Lösung
gefunden, um die jahrelangen Streitigkeiten beizulegen. Über ihre Familienholding Convergenta ist die Kellermann-Familie bisher mit knapp 22 Prozent an der Media-Saturn-Holding
beteiligt. Auf der Hauptversammlung
im Februar stimmten die Aktionäre der
Transaktion und den notwendigen
Finanzierungsmaßnahmen mit der
erforderlichen Mehrheit zu. Dabei geht
es um eine Kapitalerhöhung und die
Ausgabe von Wandelschuldverschreibungen für die Finanzierung der Übernahme. Gegen diesen Beschluss wurden dann Anfechtungs- und Nichtigkeitsklagen erhoben, welche die
Umsetzung nun blockieren.
bü. DÜSSELDORF. Rückschlag für
den Elektronikhändler Ceconomy:
Aktionärsklagen bringen die geplante
Komplettübernahme der Media-Saturn-Holding ins Stocken. In einer Börsenpflichtmitteilung hat das Unternehmen am Donnerstagabend den bisherigen Zeitplan in Frage gestellt. Grund
sei die vorläufige Rechtsauffassung des
Oberlandesgerichts (OLG) Düsseldorf,
das über die beabsichtigte Finanzierung der Übernahme entscheiden
muss. Nach einer Anhörung des OLG
gebe es „nicht mehr die ausreichende
Sicherheit, dass die Transaktion im laufenden Geschäftsjahr 2020/21 vollzogen werden kann“. Die im S-Dax
notierte Aktie war nach der Mitteilung
zunächst stark unter Druck geraten,
drehte aber am Freitag wieder ins Plus.
Der Konzern verspricht sich von der
Übernahme eine Vereinfachung der
komplizierten Unternehmensstruktur,
steuerliche Vorteile und Kosteneinsparungen.
Martin Nüßeler, Technikchef der Deutschen Aircraft, und Josef Kallo, Mitbegründer und Chef von H2FLY (v.l.)
meln. In Deutschland gebe es eine sehr
gute Förderlandschaft, sagt Kallo. Und
auch der Luft- und Raumfahrtkoordinator
der Bundesregierung, Thomas Jarzombek
(CDU), macht deutlich, dass man das Projekt unterstützen wolle. Zugleich fordert er
analog zu Elektroautos entsprechende
Kaufprämien und steuerliche Anreize, um
umweltfreundliche Flugzeuge langfristig
zu fördern, wenn sie einmal am Markt sind
und im nächsten Jahrzehnt auch Quoten
ihren Einsatz vorschreiben. In naher
Zukunft, ist Kallo überzeugt, könne man
Regionalflüge ohne den Ausstoß von Stickoxiden und des Treibhausgases Kohlendioxid abwickeln. Und Jarzombek fügt hinzu:
Zwischen den Jahren 2030 und 2040 müssten sämtliche Kurzstreckenflüge, über die
momentan heftig diskutiert werde, auf diese Technologie umgestellt werden.
Mit dem neuen Antrieb sollen dann einmal Flüge von 1850 Kilometern möglich
sein. Der Flieger soll zwischen den Jahren
2030 und 2032 einsatzbereit sein. Wasserstoff gilt als wichtiger Baustein für eine klimafreundliche Energieversorgung, da bei
der Nutzung keine Treibhausgase entstehen. Allerdings muss zur Herstellung
zunächst mit großem Energieaufwand
Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff
gespalten werden. Klimaschonend ist dies
nur, wenn dazu Strom verwendet wird, der
Blue Origin.........................21
Brenntag..............................27
Broadcom...........................22
Ceconomy...........................23
Continental........................22
Datev..............................22, 24
Dazn........................................24
Deutsche Aircraft..........23
ElringKlinger....................23
ESPN........................................24
Die F.A.Z.-Wetterinformationen
ohne oder nur mit minimalen Treibhausgasemissionen erzeugt wurde, also zum
Beispiel aus Sonne und Wind stammt.
Nüsseler meint, die Zusammenarbeit
mit H2FLY werde die Anwendung der
Wasserstoff-Brennstoffzelle auch in
Großflugzeugen voranbringen. Doch im
Falle von Langstreckenflügen mit hohem
Treibstoffbedarf sind Nüsseler zufolge die
Herausforderungen viel größer. Da seien
andere Tanks notwendig und eine andere
„aerodynamische Plattform“.
Derzeit wächst der politische Druck
der Regierungen auf Flugzeug- und
Triebwerkhersteller, den Kohlendioxidausstoß in der kommerziellen Luftfahrt
durch neue technische Entwicklungen
zu senken. Der Autozulieferer ElringKlinger befasst sich schon seit Jahren
mit der Brennstoffzellen-Technologie.
Airbus entwickelt zusammen mit ihm
künftig gemeinsam Brennstoffzellen
für die Luftfahrt. Dazu ist ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet worden, an dem Airbus 90 Prozent hält und
den Rest der Zulieferer. Er hatte bereits
sogenannte Stacks, also Stapel von miteinander verbundenen Zellen, an den
Flugzeughersteller geliefert. Airbus
hatte angekündigt, bis zum Jahr 2035
einen mit Wasserstoff betriebenen
Brennstoffzellenantrieb bauen zu wol-
H2FLY......................................23
HelloFresh..........................27
Kaspersky............................22
Nvidia.....................................22
Philips....................................22
len. Der Vorstandsvorsitzende von
ElringKlinger, Stefan Wolf, sagt: „Um
der Endlichkeit der fossilen Energieträger und den Folgen des globalen Klimawandels zu begegnen, muss Mobilität
möglichst klimaneutral gestaltet werden. Die wasserstoffbetriebene Brennstoffzelle bietet die Möglichkeit, den
nächsten Schritt in der Mobilität und im
Energiesektor zu verwirklichen.“
Auch Triebwerkhersteller machen sich
Gedanken zum umweltfreundlichen Fliegen. General Electric (GE) und Safran
wollen neue Antriebstechniken für die
nächste Generation von Passagierjets entwickeln. Der neue Triebwerktyp solle mehr
als 20 Prozent weniger Treibstoff verbrauchen und entsprechend weniger CO2 ausstoßen als die derzeitigen Modelle, so die
beiden Unternehmen. Die Partner, die seit
Langem im Konsortium CFM zusammenarbeiten, setzen nun auf die sogenannte
Open-Rotor-Technik. Dabei drehen sich
die Triebwerkschaufeln frei und ohne
schützendes Gehäuse in der Luft.
Der neue Triebwerktyp soll zudem für
alternative Energiequellen wie nachhaltigen Flugzeugtreibstoff (SAF) und Wasserstoff geeignet sein. Auch ein teilelektrischer Betrieb ist vorgesehen. Den Angaben zufolge könnte das neue Triebwerk
Mitte der Dreißigerjahre fertig sein.
Sky............................................24
SpaceX...................................21
Symrise.................................27
Tesla.........................................24
TSMC.......................................22
Kurze Meldungen
eid. HAMBURG.
Mittlerweile
haben die Heizölpreise ein Niveau
erreicht, das man zuletzt im November 2018 gesehen hat. Im Vergleich
zur Vorwoche ging es – von zwischenzeitlichen
Preiskorrekturen
nach unten abgesehen – um einen
Euro im Bundesdurchschnitt nach
oben. Die Heizölpreise folgten den
zuletzt wieder festeren Rohölnotierungen, die zur Wochenmitte wieder
anzogen, nachdem der Markt den
Entschluss von OPEC+, die Gespräche über höhere Förderquoten abzubrechen, verdaut hatte.
Am 7. Juli 2021 kostete leichtes
Heizöl im Bundesdurchschnitt von
15 Städten bei einer Abnahme von
1000 Litern 83,15 Euro je 100 Liter,
bei einer Abnahme von 3000 Litern
75,30 Euro je 100 Liter und bei einer
Abnahme von 5000 Litern 73,50
Euro je 100 Liter.
Angebotspreise für Lieferungen
(Premium-Qualität) frei Verwendertank, alles je 100 Liter, einschließlich
19 Prozent Mehrwertsteuer, EBV,
IWO und CO2-Steuer am 7. Juli.
Der Chemiekonzern BASF hat nach
einem überraschend dynamischen
Geschäft im zweiten Quartal seine
Prognosen für das Gesamtjahr deutlich erhöht. Der Umsatz soll nun auf
74 bis 77 Milliarden Euro steigen, das
wären im besten Fall 9 Milliarden Euro
mehr als bisher prognostiziert. Das
Betriebsergebnis nach Sondereinflüssen soll auf 7 bis 7,5 Milliarden Euro
steigen, auch diese Spanne übersteigt
die alte Prognose im besten Fall um 2,5
Milliarden Euro und liegt wie die neue
Umsatzprognose deutlich über den
Analystenerwartungen. Das operative
Geschäft habe im zweiten Quartal an
die starke Entwicklung seit dem
Schlussquartal 2020 anknüpfen könnten, berichtete der Konzern in einer
Pflichtmitteilung am Freitag. Das
Betriebsergebnis vor Sondereinflüssen
habe sich im Vergleich zum Corona
bedingt schwachen Vorjahresquartal
auf 2,3 Milliarden Euro glattweg verzehnfacht. Dabei haben nach Darstellung der BASF vor allem die Geschäfte
mit Grundchemikalien und chemischen Vorprodukten für weiterverarbeitende Industrien das Ergebnis
getrieben – ein Zeichen, dass der weltgrößte Chemiekonzern vom Aufschwung der Industrie profitiert. tag.
BASF optimistischer
Die aktuellen Heizölpreise
Virgin Galactic.................21
Vodafone.............................24
Volkswagen..............17, 24
Vonovia.................................27
Zalando.................................27
27. Woche
75,45-82,20
73,05-76,00
77,35-80,90
74,75-81,65
75,80-84,95
75,90-82,45
74,15-76,50
74,40-83,05
73,80-82,60
75,20-76,10
75,60-79,25
26. Woche
74,85-80,80
72,70-75,25
74,85-77,65
74,00-81,35
73,20-83,80
75,20-81,95
73,10-74,70
74,35-82,45
73,05-80,40
74,95-75,10
74,55-76,40
Berlin
Dresden
Düsseldorf
Hamburg
Frankfurt
Hannover
Karlsruhe
Leipzig
Rostock
München
Stuttgart
Autokäufe in China sinken
Aufgrund des weltweiten Halbleitermangels sind im Juni in China nach
Daten
des
Herstellerverbands
CAAM 12,4 Prozent weniger Autos
verkauft worden als im Vorjahr.
Wegen der Chipknappheit kommt es
bei vielen Herstellern zu Produktionsverzögerungen. In den ersten
sechs Monaten des Jahres stieg der
Autoabsatz in China allerdings um
25,6 Prozent zum Vorjahr. Reuters
im Internet: www.faz.net/wetter
Anzeige
DEUTSCHLAND
Messwerte und Prognosen
Fr.
9.7.
Sinn Uhr 1739 – F.A.Z.
Neue, auf 100 Exemplare limitierte F.A.Z.-Edition
mit vergoldeten Zeigern und Appliken – 39 mm.
Sichern Sie sich die neue Sinn-Uhr mit eingravierter
Limitierungsnummer für 2.250 Euro.
faz.net/selection
Info: (069) 75 91-10 10, Fax: (069) 75 91-80 82 52
F.A.Z. Selection steht für herausragende
Qualität und anspruchsvolles Design –
exklusiv für F.A.Z.-Leser gefertigt
in deutschen Manufakturen und von
renommierten Herstellern. Besuchen
Sie unseren Online-Shop!
Porsche SE...........................27
Samsung Electronics.22
Sartorius..............................27
Schwarz-Gruppe...........22
Siemens Healthin.........27
Foto H2FLY GmbH
Heizölpreise
ziehen wieder an
Sa.
So.
Mo.
10.7. 11.7. 12.7.
Aachen
16° w 21° b 21° w 21° b
Arkona
19° b 20° s 21° h 21° s
Berlin
19° b 25° s 27° w 28° h
Bremen
19° w 23° Rs 25° w 26° w
Brocken
11° R 14° w 14° w 18° h
Cottbus
21° w 24° w 27° w 28° w
Cuxhaven 19° h 20° h 23° w 23° h
Dresden
20° w 24° w 25° b 28° h
Düsseldorf 18° w 23° b 23° w 23° R
Erfurt
16° R 24° w 23° Rs 27° h
Essen
19° h 23° b 22° b 23° b
Feldberg
8° N 14° h 14° w 16° R
Feldberg/Ts. 12° b 17° w 17° b 19° h
Frankfurt 18° b 25° w 22° w 24° R
Freiburg
19° b 25° w 22° w 22° Rs
Garmisch 14° w 23° w 19° w 29° G
Greifswald 19° b 23° w 26° w 26° h
Gr. Arber
9° b 20° h 17° b 25° h
Hamburg 20° b 24° b 26° b 27° b
Hannover 18° R 24° b 24° b 26° b
Helgoland 17° b 17° h 18° w 18° w
Hof
15° b 22° w 21° b 25° h
Kahler Asten 12° b 19° b 16° Rs 19° b
Karlsruhe 18° b 25° w 22° w 23° b
Kassel
17° R 23° w 23° w 26° b
Köln
18° w 23° G 23° w 23° b
Konstanz 17° w 25° w 23° h 25° b
Leipzig
17° R 25° w 24° b 28° b
Lübeck
20° b 24° h 26° b 28° w
Magdeburg 17° R 25° w 25° Rs 27° w
Mannheim 19° b 25° w 23° w 24° R
München 14° R 23° w 22° w 27° h
Norderney 18° w 18° b 19° R 20° b
Nürnberg 15° R 24° w 24° w 27° b
Oberstdorf 12° b 22° G 18° w 27° Rs
Osnabrück 18° w 22° b 21° w 24° b
Passau
15° b 26° h 23° b 30° h
Rostock
20° b 21° h 25° w 25° Rs
Saarbrücken 19° h 24° w 21° w 19° b
Stuttgart 17° w 25° h 21° w 23° Rs
Sylt
20° b 18° h 21° w 21° w
Trier
18° w 23° b 21° w 20° b
Zugspitze
0° S 7° Rs 6° Rs 11° h
s: sonnig, h: heiter, w: wolkig, b: bedeckt, G: Gewitter, N: Nebel, R: Regen, Rs: Regenschauer, Sr: Sprühregen, S: Schnee, SR: Schneeregen, Ss: Schneeschauer, –: keine Mitteilung. Alle Tabellen zeigen
als Prognose die Tages-Höchsttemperatur, als
gestrigen Wert die Messung mittags Ortszeit.
Sonne & Mond
05:28/21:32
05:20/22:22
Auf- und Untergang in Mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ) für
Frankfurt/Main.
EUROPA
Heute
Ein Zwischenhoch bestimmt das
Wetter in den meisten Regionen
Deutschlands. Bald nähert sich
vom Atlantik ein neues Tiefdruckgebiet mit feuchter Luft.
Berlin, Brandenburg,
Sachsen-Anhalt, Thüringen,
Sachsen: Vor allem in Thüringen
gibt es einzelne Frühnebelfelder.
Sonst wechseln sich Sonne und
Wolken ab. Schauer bleiben die
absolute Ausnahme. Die Temperaturen erreichen bei schwachem
Südwestwind bis zu 25 Grad.
Bremen, Niedersachsen,
Hamburg, SchleswigHolstein, MecklenburgVorpommern: Mal scheint die
Sonne, mal ziehen dichte Wolken
durch. Einzelne Schauer oder Gewitter sind in den Frühstunden in
Vorpommern, um die Mittagszeit
an der Weser möglich. Sonst ist
es trocken bei 21 bis 24 Grad.
Schwacher bis mäßiger Wind
weht aus westlicher Richtung.
Nordrhein-Westfalen, Hessen,
Rheinland-Pfalz, Saarland:
Nach lokalem Frühnebel scheint
zeitweise die Sonne. Am späten
Nachmittag sowie am Abend
tauchen teils kräftige Schauer und
Gewitter mit Sturmböen auf. Vor
den Gewittern weht nur schwacher Wind bei 23 bis 25 Grad.
Baden-Württemberg und
Bayern: An manchen Stellen
gibt es Frühnebelfelder. Davon
abgesehen scheint neben ein
paar Wolken die Sonne. Gegen
Abend bringen Quellwolken in
Baden sowie in Alpennähe erste
Schauer und Gewitter. Im Laufe
des Abends wird es verbreitet
gewittrig, lokal besteht Unwettergefahr! Die Höchsttemperaturen
liegen bei schwachem Wind
zwischen 22 und 26 Grad.
Vorhersagekarten für heute,
10.7.2021 (Tagesmaximum)
bis -10°
-9° bis -6°
-5° bis -1°
0° bis 4°
5° bis 9°
10° bis 14°
15° bis 19°
20° bis 24°
25° bis 29°
von 30° an
4
23
3
Kiel
24
Hamburg
23
2
Bremen
24
Hannover
T
21
Rostock
Dublin
25
Magdeburg
1015
25
Berlin
20
18
1015
1010
T
24
Dresden
Reisewetter in Europa - Vorhersage für die nächsten Tage
26
3
Das Zwischenhoch lässt die
meisten wetterbedingten
Beschwerden vorübergehend
abklingen. Die meisten Menschen fühlen sich bei moderaten
Sommertemperaturen ganz
wohl, sind gut gelaunt und
voller Tatendrang. Ampfer-,
Gräser- und Wegerichpollen
fliegen oft stark, dazu sind wenige Beifußpollen unterwegs.
NORDAMERIKA
ASIEN
Städtewetter im Ausland
1020
1015
1015
30
Denver
Los Angeles
30
24
25 Toronto
Chicago
1015
31
24 1015
2
Miami
30
31
28
31
Havanna
33
T 1005 34
Xian
31
Bangkok
Seoul Tokio
29
1010
Schanghai
Hongkong Taipeh
34
1020
H
www.wetter.com
Quelle: wetter.com GmbH
Peking
New York
T Washington
29
Houston
Mexiko-St.
23
München
H
32
34
T
24
Nürnberg
1010
1015
Moskau
H
24
Am Sonntag bilden sich vom
Weser-Ems-Gebiet bis zum
Bayerischen Wald Schauer oder
Gewitter. Sonst scheint zeitweise die Sonne bei 18 bis 27
Grad. Am Montag ziehen in der
Westhälfte und am Alpenrand
erneut Schauer oder Gewitter
auf. Sonst zeigt sich in schwüler
Luft neben einigen Wolken ab
und zu die Sonne.
1015 1010
33
Wien
23
1015
31
München
28
Varna
1020
Budapest
23
Mailand 32
29
Bordeaux
29
27
1010
31
Nizza
Istanbul
33 Dubrovnik
Lissabon Madrid 30
Rom
36
37 Barcelona
34
1015
41
1015
Malaga
Antalya
Palermo
26
Athen
30
Algier
Tunis
30
1005
29
35
Las Palmas
21
Biowetter, Pollenflug
1015
T
St. Petersburg
Hamburg
Warschau Kiew
London 24
25
25
33
20
Frankfurt Berlin
Aussichten
24
28
Helsinki
1015
Österreich, Schweiz: Teils
länger sonnig. Einige kräftige
Schauer und Gewitter, heute in
der Schweiz, morgen in Österreich. 20 bis 34 Grad.
Frankreich, Benelux: Weitere
Schauer und einzelne Gewitter
bei maximal 16 bis 26 Grad. Im
Süden Frankreichs meist sonnig
und bis 33 Grad heiß.
Griechenland, Türkei, Zypern:
Sonnig, teils windig. Leichte
Gewitterneigung in Nordgriechenland. 25 bis 41 Grad.
Spanien, Portugal: Viel Sonne
und in Südspanien extreme
Hitze von 41 bis 47 Grad. Nach
Nordwesten zu weniger heiß. An
der Biskaya 20 bis 25 Grad, hier
Vancouver
23
Stockholm
Paris
2
22
Oslo
1015
1010
25
Leipzig
23
KaltEssen
2
front
23
WarmKöln
K
front
Okklu25
sion
2 Frankfurt
Hochdruckzentrum
24
TiefdruckSaarbrücken
zentrum
25
WarmluftStuttgart
zufuhr
Kaltluft2
zufuhr
25
Freiburg
Kaltluft
in der Höhe,
Erwärmung
am Boden
Städtewetter im Ausland
35
Manila
Saigon 31
32 Kuala Lumpur
30 Singapur
1010
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
29
H1015
EUROPA
Fr.
9.7.
Amsterdam 21° w
Athen
30° h
Barcelona
26° h
Belgrad
35° h
Bozen
24° h
Brüssel
19° w
Budapest
26° w
Bukarest
29° h
Dublin
15° b
Dubrovnik 29° s
Helsinki
24° b
Istanbul
27° s
Sa.
10.7.
20° R
34° s
30° s
33° w
30° s
20° Rs
31° w
31° s
18° b
31° s
28° h
29° s
So.
11.7.
22° w
34° s
29° s
35° s
29° h
22° w
27° w
33° h
19° w
29° s
25° h
30° s
Mo.
12.7.
21° b
35° h
28° b
35° w
32° h
23° b
32° h
33° h
21° b
29° s
25° s
30° s
einzelne Schauer.
Balearen, Sardinien, Korsika:
Sonnig und heiß. 29 bis 37 Grad.
Italien, Malta: Meist sonnig.
An den Alpen einzelne Gewitter.
Höchstwerte: 25 bis 38 Grad.
Großbritannien, Irland: Vorübergehend Sonne, insgesamt
jedoch durchwachsen, weitere
Schauer bei 15 bis 22 Grad.
Skandinavien: Regenwolken
heute über Südnorwegen und
-schweden, morgen und Montag
nach Norden ziehend. Ansonsten
oft recht sonnig. 15 bis 31 Grad.
Polen, Tschechien, Slowakei:
Teils sonnig, gebietsweise
kräftige Schauer und Gewitter.
Zwischen 22 und 32 Grad.
Fr.
9.7.
Kiew
29° h
Kopenhagen 20° b
Las Palmas 21° w
Lissabon
26° s
Ljubljana
28° s
London
22° b
Madrid
25° s
Mailand
26° s
Malaga
27° s
Mallorca
28° s
Moskau
30° h
Neapel
29° h
Sa.
10.7.
33° h
23° h
26° w
36° s
28° h
20° b
37° s
32° s
30° b
31° s
34° h
29° s
So.
11.7.
35° h
24° h
26° h
30° s
30° h
21° b
41° h
32° s
31° b
33° s
32° s
29° h
Mo.
12.7.
31° Rs
24° Rs
29° s
24° s
32° h
19° R
31° s
33° w
41° s
33° s
33° s
31° s
EUROPA
Fr.
Sa.
So.
Fortsetzung 9.7. 10.7. 11.7.
Oslo
21° w 20° R 23° w
Palermo
29° w 30° h 31° s
Paris
21° b 21° G 24° w
Prag
21° Rs 24° w 25° w
Riga
29° h 33° w 27° h
Rom
30° h 33° s 34° s
Sofia
27° s 29° h 31° s
Stockholm 23° w 23° Rs 25° h
St.Petersbg. 27° s 33° h 32° s
Venedig
25° s 30° s 32° s
Warschau
27° Rs 25° w 28° w
Wien
22° w 28° s 29° h
Zürich
19° h 25° w 22° w
AFRIKA
Accra
27° w 29° h 29° h
Algier
26° h 29° s 32° s
Casabl.
24° s 27° s 31° h
Dakar
28° w 29° w 28° w
Johannesb. 16° s 17° s 17° s
Kairo
35° h 38° h 38° h
Kapstadt
13° w 16° h 17° h
Lagos
25° R 27° R 27° b
Nairobi
18° b 20° b 21° w
Tunis
31° h 35° s 36° s
NORDAMERIKA
Chicago
22° w 24° w 21° R
Houston
22° R 31° R 33° h
Los Angeles 29° s 30° h 32° s
Miami
31° w 30° Rs 30° w
Montreal
22° w 27° s 28° h
New York
26° w 28° w 26° R
S. Francisco 22° h 24° h 22° h
Toronto
19° b 25° h 24° w
Washington 30° w 29° w 29° R
LATEINAMERIKA
Bogota
16° w 17° w 17° w
B.Aires
20° s 16° s 16° s
Caracas
23° b 25° s 28° s
Lima
18° w 18° b 18° b
Mexiko-St. 22° Sr 24° R 22° Rs
R.d. Janeiro 23° h 27° s 28° s
Sant.(Ch.)
11° h 18° s 17° h
NAHER OSTEN
Ankara
26° h 29° h 29° h
Antalya
36° h 41° h 40° s
Bagdad
45° s 47° s 47° s
Dubai
39° s 42° s 42° s
Riad
44° s 45° s 46° s
Teheran
32° s 36° h 37° h
Tel Aviv
28° h 30° h 31° h
ASIEN
Bangkok
30° w 31° R 31° Rs
Hongkong 33° s 34° h 34° h
Jakarta
31° w 31° w 31° w
Manila
32° w 31° Rs 32° w
Neu-Delhi 35° w 37° w 35° b
Peking
31° w 33° b 31° Rs
Seoul
27° w 29° w 30° w
Schanghai 30° h 34° h 35° h
Singapur
30° Rs 30° G 30° G
Taipeh
32° h 35° h 35° h
Tokio
24° R 29° h 29° h
AUSTRALIEN und NEUSEELAND
Melbourne 11° h 11° s 13° b
Sydney
13° Rs 14° Rs 15° h
Wellington
9° h 8° b 8° s
Mo.
12.7.
24° h
32° s
21° Rs
29° h
30° s
36° s
31° s
26° h
29° s
30° s
32° h
34° h
24° b
29° h
36° h
26° s
28° w
16° s
39° h
11° R
27° R
21° b
40° s
24° w
32° R
32° s
30° Rs
27° w
26° R
21° h
25° R
31° w
17° w
18° w
27° s
18° w
22° w
27° s
11° w
31° s
34° s
47° s
41° s
46° s
38° s
31° h
32° w
34° h
32° h
31° Rs
33° R
26° Rs
32° h
34° h
29° G
35° w
29° Rs
14° b
16° h
8° s
Unternehmen
F RANK FURT ER A LLG E M E I N E Z E I T U NG
NR . 15 7 · SE I T E 2 4
SA M S TAG, 1 0 . J UL I 2 0 2 1
H
erbert Diess gehört nicht zu
den Managern, die schnell aufgeben. In Wolfsburg deutet
jetzt vieles darauf hin, dass der
VW-Chef die von ihm selbst lange schon
angestrebte Verlängerung seines Vertrags im dritten Anlauf durchsetzt. Offen
sei nur noch, wann ein neuer Vierjahresvertrag bis Oktober 2025 vereinbart werde, berichten Insider. Zur Vorbereitung
traf sich der Aufsichtsrat von Volkswagen
am Freitagnachmittag in Wolfsburg.
Offizieller Tagesordnungspunkt: Diess
informierte das Kontrollgremium über
seine Strategie 2030, die er am Dienstag
vorstellen will. Bei der Strategie soll es
nicht nur um die forcierte Wende zur
Elektromobilität und neue Ziele für das
digital vernetzte Auto und autonomes
Fahren gehen, sondern auch um einschneidende Veränderungen der Konzernstruktur mit ihren noch elf Marken
von VW, Seat, Škoda über Audi bis zu
Porsche und Bentley. Bemerkenswert ist,
dass der sonst bei Volkswagen übliche,
auf offener Bühne ausgetragene Streit
zwischen Betriebsrat und Diess dieses
Mal ausgeblieben ist. Im Umfeld der
Arbeitnehmervertreter ist sogar von
einem „großen Wurf“ die Rede, der zeige,
wie es mit Volkswagen in diesem Jahrzehnt weitergehen soll.
Was also liegt näher, als auch den
Mann mit der Umsetzung der neuen Strategie zu betrauen, der sie maßgeblich mit
entwickelt hat. Vergessen scheinen in
Wolfsburg die Zeiten, in denen der frühere Betriebsratschef Bernd Osterloh gegen
das von Diess geforderte schnelle Tempo
beim Umbau von VW zum softwaregetriebenen Unternehmen revoltierte.
Zweimal schon unternahm Diess im vergangenen Jahr einen Vorstoß zu einer
vorzeitigen Verlängerung seines bis 2023
laufenden Vertrages. Osterloh stemmte
sich stets dagegen. Es müsse im Transformationsprozess eine Gleichrangigkeit
von Wirtschaftlichkeit und Beschäftigungssicherung geben.
Zwischenzeitlich sind viele der alten
Spannungen in Wolfsburg beseitigt,
nachdem Diess im Sommer 2020 die Verantwortung für die Kernmarke VW an
Ralf Brandstätter abtrat und sich ganz auf
die Führung des Konzerns konzentrierte.
Diess habe akzeptiert, dass er die Machtbalance bei VW in Wolfsburg mit der
starken Rolle der Arbeitnehmervertretung und dem Land Niedersachsen als
Vetoaktionär in Standortfragen nicht aufbrechen könne, berichten Vertraute. Die
grundlegende Strategie des Konzernchefs, Volkswagen zum softwaregetriebenen Unternehmen zu machen und zur
Nummer eins bei der Elektromobilität,
haben auch Osterloh und die Gewerkschaften stets unterstützt. Beschäftigungssicherung, die Zukunft der deutschen Standorte und die Qualifizierung
der Beschäftigten für die Transformation
sind auch für die neue Betriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo zentrale Forderungen an die neue Strategie gewesen.
Cavallo steht seit Mai an der Spitze der
Arbeitnehmervertreter, nachdem Osterloh die Seiten gewechselt hatte und Personalvorstand bei der VW-Nutzfahrzeugtochter Traton geworden ist.
Risse im Tesla-Bau
Von Julia Löhr
N
Das Lächeln des Siegers: Konzernchef Herbert Diess, hier vor dem VW-Werk in Zwickau, wird für Volkswagen mehr und mehr zum Marathon-Mann.
Diess will länger bei VW bleiben
Volkswagen bereitet eine neue Strategie bis 2030 vor – und der Vorstandschef will sie selbst umsetzen.
Die Betriebsräte geben ihren Widerstand gegen einen neuen Vertrag auf. Von Carsten Germis, Hamburg
Auch wenn Details der neuen Strategie erst in der kommenden Woche vorgestellt werden, scheinen Betriebsrat
und IG Metall zufrieden. Vom Widerstand gegen einen neuen Vertrag für
Diess ist dieses Mal nichts mehr zu
hören. „Es ist keine Liebe, aber eine
rationale Entscheidung, den Vorstandschef jetzt auch auf diesem Weg zu stützen“, war im Umfeld des Aufsichtsrats
zu hören. Und „dieses Mal ergibt sich
die Debatte über einen neuen Vertrag
zum ersten Mal aus der Sache heraus“.
Die Eigentümerfamilien Porsche und
Piëch haben eine Vertragsverlängerung
von Diess schon bei dessen letzten
Anläufen unterstützt, auch wenn sie die
Art und Weise, wie das Thema auf offener Bühne im Machtkampf zwischen
Osterloh und Diess ausgetragen wurde,
missbilligten.
Tesla muss importieren
Planänderung wegen Verzögerungen in Grünheide
hap./loe./tp. FRANKFURT/BERLIN.
Der amerikanische Elektroautohersteller Tesla bringt sein neues kompaktes
Model Y schon im August auf den deutschen Markt – allerdings aus einem
anderen Werk als geplant. Eigentlich
wollte das Unternehmen damit warten,
bis seine Fabrik in Grünheide bei Berlin fertiggestellt ist und die Fahrzeuge
dort bauen. Doch die Verzögerungen
auf der Berliner Baustelle haben nun
offenbar dazu geführt, dass Unternehmenschef Elon Musk der Kragen
geplatzt ist. So werden die Autos jetzt
aus dem Werk in Schanghai nach
Deutschland importiert. Aus diesem
Werk kommen auch schon einige der
Model 3, die hierzulande verkauft werden. Wie es heißt, sei es Tesla gelungen, in China durch mehr Effizienz
zusätzliche Kapazitäten freizuschlagen, die nun für die Lieferungen nach
Europa genutzt werden können.
Ursprünglich sollte die Fabrik im
brandenburgischen Grünheide jetzt
im Juli in Betrieb gehen. Wegen der
vielen Einwände von Bürgern und
Umweltverbänden gegen das Projekt
verzögerte sich das Genehmigungsverfahren jedoch um etliche Monate.
Zudem hat Tesla den Bauantrag kürzlich um eine Batteriezellenfertigung
erweitert. Nun müssen die Unterlagen
erneut öffentlich ausgelegt werden.
Bis Mitte August können Einwände
eingereicht werden, für den 13. September ist ein Erörterungstermin vorgesehen. Der Termin im vergangenen
Jahr zog sich über acht Tage hin.
Die Zusammenarbeit zwischen Tesla
und den Behörden läuft schon länger
nicht mehr so harmonisch wie zu
Beginn des Projekts im November
2019. Musk hat sich unlängst in einem
Brief über die langen Genehmigungsverfahren in Deutschland beschwert.
Das Landesumweltamt lässt sich
dadurch nicht beeindrucken. Diese
Woche leitete es ein Bußgeldverfahren
ein, weil Tesla auf dem Gelände ohne
Genehmigung Tanks errichtet hat. Am
Foto Picture Alliance
Freitag wurden auch andere Bereiche
der Baustelle auf ungenehmigte Aktivitäten hin kontrolliert.
Die Hallen zur Fahrzeugfertigung
hat Tesla auf der Grundlage von vorläufigen Einzelgenehmigungen schon
errichtet, auch Maschinen sind schon
eingebaut. Für die Batterieherstellung
laufen derzeit die Arbeiten am Fundament. Geplanter Produktionsbeginn
ist jetzt Ende des Jahres. Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) sprach zuletzt davon, dass
das Werk zum Starttermin rund 3000
Mitarbeiter beschäftigen wird. Im
kommenden Jahr soll die Zahl der
Arbeitsplätze dann auf mehr als
12 000 steigen.
Das Model Y wird in Deutschland
zunächst nur in der Version Long Range ausgeliefert, die Performance-Variante soll zum Jahresende folgen. Als
Long Range hat der Tesla eine Reichweite nach WLTP-Norm um 500 Kilometer. Der Einstiegspreis liegt inklusive Förderung bei rund 55 000 Euro.
Das Model 3 mit einem Einstiegspreis
von knapp 40 000 Euro (abzüglich
Umweltbonus von 9000 Euro) hat es
schwer auf dem deutschen Automarkt.
Denn dieses Auto ist trotz der Form mit
Schrägheck ein Viertürer, mit einem
kleinen und nicht variablen Kofferraum. Damit gegen variable Kompaktautos anzukommen, auch gegen den
ID3 von Volkswagen, ist schwer.
Nun brachte Volkswagen zudem mit
dem ID4 sozusagen die „SUV-Version“
des ersten Elektroautos auf den Markt.
Gegen dieses Modell sollte der Tesla Y
vor allem positioniert werden, der als
Fünftürer viel variabler ist als das
Model 3, bisher aber in Deutschland
nicht erhältlich war. Das Kalkül von
Tesla: Wenn Konkurrent Volkswagen
mit seinem ID4 keinen allzu großen
Vorsprung bekommen soll, bleibt den
Amerikanern keine andere Wahl, als
das Konkurrenzprodukt aus anderen
Fabriken zu importieren – in diesem
Fall aus China.
Mit einer Verlängerung seines Vertrags bis 2025 in der Tasche könnte
Diess die Weichen stellen für den Weg,
den zweitgrößten Autokonzern der
Welt bis 2050 zum CO2-neutralen
Unternehmen zu machen und sowohl
bei der Elektromobilität als auch beim
vernetzten Fahren eine führende Rolle
zu spielen. Diess wäre dann am Ende
seiner Vertragszeit zehn Jahre lang bei
VW gewesen. Der ehemalige BMW-Manager war Mitte 2015 – wenige Monate
vor Bekanntwerden des VW-Dieselskandals – als Chef der Hauptmarke
VW nach Wolfsburg gewechselt. Schon
damals zog er wegen seines forschen
Auftretens und seines Tempos bei Veränderungen Kritik von Osterloh und
der Arbeitnehmervertretung auf sich.
2017 stand er deswegen sogar kurz vor
dem Sturz.
Auch
mit
Unterstützung
des
Betriebsrats rückte Diess dann im April
2018 an die Konzernspitze. Danach
kam es zwischen den beiden starken
Männern im Unternehmen aber immer
wieder zu neuen Konflikten über das
Tempo der Transformation. Entspannt
hatte sich die Situation, als Diess im
Sommer 2020 die Führung der Marke
VW an Ralf Brandstätter abgab und sich
auf die Führung des Konzerns
beschränkte. Diess habe akzeptiert,
dass er die eingespielte Machtbalance
von starker Arbeitnehmervertretung
und dem Land Niedersachsen als Vetoaktionär in Standortfragen nicht aufbrechen könne, berichteten Vertraute.
Die grundlegende Strategie von Diess
habe der Betriebsrat immer mitgetragen, hieß es. Es werde auch anerkannt,
dass er das Unternehmen auf den richti-
gen Kurs gebracht habe. Zudem sind im
Zuge der Wende zur Elektromobilität
auch die deutschen Standorte in Wolfsburg, Zwickau, Emden, Salzgitter, Kassel und Hannover mit einer klaren
Zukunftsperspektive gesichert. Auch
das dürfte es den Gewerkschaftsvertretern erleichtert haben, sich auf fünf weitere Jahre mit Diess einzustellen.
Gestärkt wurde die Position von Diess
bei der Vertragsverlängerung am Freitag
auch durch die neuen Zahlen für das erste Halbjahr. In einer Ad-hoc-Mitteilung
teilte VW mit, dass der Konzern im ersten Halbjahr einen sehr hohen Umsatz
und ein sehr hohes operatives Ergebnis
von rund 11 Milliarden Euro erzielte.
Die Beeinträchtigungen durch die Lieferengpässe bei Halbleitern würden sich
erst im zweiten Halbjahr bemerkbar
machen, hieß es.
„Wegweiser durch den Sportdschungel“
Sportchef Charly Classen sieht Sky als Plattform / Von Henning Peitsmeier, München
Fußball im Fernsehen ist so populär wie
nie. Die Europameisterschaft hat ARD
und ZDF hohe Einschaltquoten beschert,
und die Geister-Saison der Bundesliga
brachte dem Bezahlsender Sky in
Deutschland mit durchschnittlich 4,7
Millionen Zuschauern je Spieltag sogar
einen Rekord. „Die vergangene Bundesliga-Saison war für uns die beste aller Zeiten. Noch nie haben so viele Kunden die
Sky-Übertragungen gesehen, und zwar
live sowie millionenfach über Social
Media. Das stimmt mich optimistisch für
die kommende Saison“, sagt der neue
Sportchef Charly Classen im Gespräch
mit der F.A.Z.
Eine Fortsetzung des Erfolgs ist gleichwohl ungewiss. Denn Sky, einst Monopolist in der Liveberichterstattung, ist zur
neuen Saison erheblich unter Druck geraten. Nach der jüngsten Rechtevergabe
läuft die Bundesliga nicht nur freitags
beim Streamingdienst Dazn, sondern
künftig auch sonntags. Zudem steigt der
Privatsender Sat.1 18 Jahre nach der letzten Ausstrahlung von „Ran“ wieder in
den Fußball ein und zeigt neun Spiele,
darunter die Eröffnungspartien der Ersten und Zweiten Bundesliga. Noch
schlimmer hat es Sky in der Champions
League getroffen, in der sich Dazn und
Amazon allein die Rechte teilen. Spätestens seit der amerikanische Internetgigant im Milliardenspiel mitmischt, wird
immer deutlicher, dass das Internetfernsehen an Bedeutung gewinnt – und der
Tarifdschungel für die Kunden unübersichtlicher wird.
Es kann kaum überraschen, wenn
etliche Fußballfans die Bundesligapause
für Kündigungen nutzen, zumal Sky
gerade im eigenen Abo-Modell das
monatliche Kündigungsrecht eingeführt
hat. „Natürlich kommt es vor, dass Kunden am Ende einer Saison kündigen,
aber grundsätzlich ist die Loyalität sehr
hoch“, sagt der 44 Jahre alte Manager,
der vor einem halben Jahr vom amerikanischen Sportsender ESPN zu Sky wechselte. „Sky zeigt in der neuen Saison mit
dem Samstag das Herzstück der Bundes-
liga – sechs von neun Bundesligapartien
und jedes Topspiel. Möchte der Fan
darüber hinaus zusätzliche Spiele sehen,
die auf Dazn und Amazon laufen, findet
er die jeweilige App auf Sky Q integriert, sprich, man bekommt bei uns alles
bequem aus einer Hand.“
Für Fußballfans wird die neue Saison
komplizierter und nach einer Preiserhöhung bei Dazn auch teurer als die alte.
Wer „alle Spiele, alle Tore“ sehen will,
braucht drei kostenpflichtige Abos. Wie
viel er für die Komplettversorgung
monatlich zahlen muss, hängt von den
jeweiligen Paketen ab. So mancher Fan
stößt gewiss an seine finanzielle
Schmerzgrenze. Immerhin wird Sky nicht
teurer, wie Classen verspricht: „Wir
haben derzeit keine Pläne, unsere Preise
für die neue Saison zu verändern.“
Classen will den Bezahlsender im fragmentierten Sportmarkt zu einer Art
Plattform machen. „Wir wollen für die
Kunden ein Wegweiser durch das riesige
Sportangebot sein, wollen ihnen das
Leben so einfach wie möglich machen,
indem wir die Plattformen, auf denen sie
unterwegs sind, klug miteinander verbin-
Charly Classen
Foto Sky
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
den. Über die Sky-App auf dem Smartphone und die künftig zunehmende Personalisierungsmöglichkeit des Sky-Q-Receivers behalten sie die Übersicht im
Dschungel der Liveübertragungen und
Sportnachrichten.“ Dabei setzt der
Bezahlsender aus Unterföhring auch auf
den neuen Mobilfunkstandard 5G.
Aufgrund der höheren Datenraten und
Latenzzeiten ermöglicht 5G in der Sportproduktion zum Beispiel zusätzliche
drahtlose Kameraperspektiven. Sky hat
das zusammen mit Vodafone erstmals
beim Handballspiel Hamburg gegen
Göppingen getestet. Gerade mit Blick auf
die Generation Z sieht Classen die Technik als entscheidendes Kriterium: „Das
Sehverhalten von jungen Zuschauern ist
ein anderes. Deshalb weiten wir unsere
interaktiven Angebote aus, bieten zum
Beispiel Taktikhintergründe und Highlightberichte an. Durch die Übertragung
über den neuen Mobilfunkstandard 5G
ergeben sich für die Sportproduktion
neue Blickwinkel, eine andere Nähe zum
Geschehen und den Spielern, und eine
noch hochwertigere Bildqualität.“
In den vergangenen 18 Monaten hat
Sky immer neue Formate entwickelt, um
für den Fußballfan auch außerhalb eines
Livespiels attraktiv zu sein. Classen verweist auf Sendungen wie „Matchplan“
oder die Kooperationen mit Bundesligaklubs wie dem 1. FC Köln, der Zuschauern in der Dokumentation „24/7 FC“ Einblicke ins Vereinsleben gewährte. „Sport
ist und bleibt eine zentrale Säule von Sky.
Viele Sportfans abonnieren Sky heute
allerdings nicht mehr nur, um Sport zu
schauen. Entertainment spielt eine immer
größere Rolle, und wir investieren gezielt
in diesen Bereich. Mit der Kombination
aus Topsport, exklusiven Filmen, Serien
und Dokumentationen können wir so ein
volles, attraktives Unterhaltungsspektrum
bieten“, sagt er. Einstweilen muss der
Sportchef jedoch auch hier registrieren,
dass der Wettbewerb härter wird. So hat
Sky den bislang im Grundpaket enthaltenen Sender „Fox“ verloren, der künftig
nur noch bei Disney zu sehen ist.
un bekommt Deutschlands
Musterbaustelle doch noch
Risse. Als Tesla im November
2019 eine Elektroautofabrik im brandenburgischen Grünheide ankündigte, war die Landesregierung voller
Ehrgeiz. Nach dem Pannen-Flughafen BER sollte Tesla ein Beispiel
dafür werden, dass Deutschland auch
anders kann. Modern, schnell, unbürokratisch. Zu Beginn war das auch
so. Mithilfe vorläufiger Einzelgenehmigungen zog Tesla in Windeseile die
ersten Hallen hoch. Doch inzwischen
stockt es. Noch immer prüft das Landesumweltamt Hunderte Einwände
von Umweltschützern. Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD), einst
Schering-Manager und Präsident der
TU Berlin, setzt alles daran, sich seine
Ungeduld nicht anmerken zu lassen.
Dass Tesla derweil Tanks baut, die
noch gar nicht genehmigt sind, macht
die Sache nicht einfacher. Amerikanische Hands-on-Mentalität kollidiert
mit deutscher Gründlichkeit. Weil
nun das Genehmigungsprozedere für
die ebenfalls geplante Batteriefabrik
wieder von vorne losgeht, dürfte der
zuletzt avisierte Produktionsbeginn
Ende 2021 eher ein Hoffnungswert
als eine realistische Prognose sein.
Ob Tesla mit dem Wissen von heute
seine Fabrik noch mal in Deutschland
ansiedeln würde? Zweifel sind angebracht.
Preisschock am Bau
Von Christoph Schäfer
J
unge Menschen, die ein Haus
erwerben möchten, staunen
seit Langem über Kaufpreise,
die in allen begehrten Regionen in
den Himmel schießen. Selbst in der
Corona-Pandemie gingen die Summen stramm nach oben. Seit Jahren
vertreten manche Fachleute die
Ansicht, der Anstieg werde sich verlangsamen oder sogar zum Erliegen
kommen. Sie hatten bisher immer
unrecht und werden aller Wahrscheinlichkeit nach auch in den nächsten
Jahren von der Wirklichkeit widerlegt.
Derzeit kommt es am Bau erst recht
knüppeldick, die Preise steigen so
schnell wie seit 14 Jahren nicht mehr.
Wenn Dachdecker, Klempner und Co.
binnen eines Jahres um 6,4 Prozent
teurer werden, schlägt das natürlich
voll auf die Rechnung der Häuslebauer
durch. Auch durch extrem ambitionierte politische Vorgaben wird das
Bauen künftig noch teurer, denn die
energetischen Anforderungen an die
Gebäude steigen. Der Trend zu mehr
nachhaltigen Materialien treibt die
Preise zusätzlich – und auch die
Abfuhr des Bauschutts wird immer
kostspieliger. Die Erkenntnis aus all
dem ist bitter und eindeutig: Der
Traum vom eigenen Haus rückt für
noch mehr Menschen in weite Ferne.
Ein Warnsignal
Von Stephan Finsterbusch
V
iel zu langsam, viel zu behäbig
und oft auch viel zu umständlich. Die Verwaltung der
öffentlichen Hand Deutschlands ist
nicht fit für das Zeitalter der Digitalisierung. Diesen Befund stellt nicht
irgendwer aus, sondern der Chef einer
ganz besonderen Gesellschaft: Robert
Mayr von der Datev, einer der hierzulande wichtigsten IT-Unternehmungen. Sie ist als Genossenschaft organisiert und hat Zehntausende Mitglieder, die auch ihre Kunden sind;
Rechtsanwälte,
Wirtschaftsprüfer,
Steuerberater. Die Daten, mit denen
sie arbeiten, sind nicht nur hochsensibel, sie sind geradezu entscheidend
für die deutsche Wirtschaft. Und nicht
nur das. Mit einem Jahresumsatz von
1,1 Milliarden Euro ist die Datev in
der mittelständisch strukturierten
deutschen IT-Landschaft geradezu ein
Leuchtturm. Wenn von diesem ein
warnendes Signal ausgeht, was den
Zustand der technischen Ausstattung
rund um die Verarbeitung von Daten
angeht, sollte man das in den zuständigen Ministerien und Verwaltungen
nicht nur beachten, sondern beherzigen. Denn so, wie während der Pandemie in der Verwaltung vieles gelaufen
ist, kann man künftig schnell Schiffbruch erleiden.
Finanzen
F RANK FURT ER A LLG E M E I N E Z E I T U NG
NR . 15 7 · SE I T E 2 5
SA M S TAG, 1 0 . J UL I 2 0 2 1
Die entzauberte Fußball-EM
Von wegen EM. Adidas,
Puma und Nike haben
offenbar richtige
Antworten auf die
Pandemie gefunden.
D
280
260
240
M
220
9.7.2020
9.7.2021
110
Puma
100
Kurs in Euro
90
80
70
60
9.7.2020
9.7.2021
170
Nike
Kurs in Dollar
150
130
ie deutsche Finanzaufsicht
BaFin hat im Wirecard-Skandal einen schweren Reputationsschaden erlitten. Insbesondere
die Geschäfte ihrer Mitarbeiter mit
Aktien des früheren Dax-Unternehmens stießen auf Unverständnis. Das
für die BaFin zuständige Bundesfinanzministerium will den angeschlagenen Ruf wiederherstellen.
Scharfe Vorgaben für die Wertpapiergeschäfte der Mitarbeiter
gehören dazu. Denn hier hat der
Wirecard-Skandal deutliche Defizite
gegenüber anderen Institutionen wie
der Bundesbank, der Europäischen
Zentralbank (EZB) oder EU-Börsenaufsicht Esma aufgezeigt. Der künftige BaFin-Präsident Mark Branson
hat sich schon vor Monaten für klare
Regeln und Verbote ausgesprochen.
Dass nun der BaFin-Personalrat eine
finanzielle Kompensation für Nachteile im Vermögensaufbau fordert,
wird in der Öffentlichkeit kaum
Unterstützung finden. Die Aufsicht
muss sich darum bemühen, dass der
Verdacht von Interessenkonflikten
ihrer Mitarbeiter erst gar nicht aufkommen kann. Da sind strenge Vorgaben erforderlich. Sie können im
Einzelfall nach sorgfältiger Prüfung
flexibel angewandt werden.
110
90
9.7.2020
9.7.2021
Quelle: Bloomberg
Foto AP/F.A.Z.-Grafik Walter
nach dem krisengeschüttelten Lockdown-Jahr 2020 schnell erholt. Die Unternehmen haben es geschafft, über den
Ausbau des Onlinehandels vieles von
dem aufzufangen, das durch die Schließung der Läden verloren gegangen ist.
Der Bedarf an Sportartikeln war ja da;
nur eben nicht in den durch den Lockdown behinderten Teamsportarten, dafür
aber umso mehr durch Individualsportler
wie Läufer, Outdoor-Begeisterte oder
Yoga. Legere Kleidung für das Homeoffice ist ebenso gefragt. Zudem erholten
sich die wichtigen Märkte China und
Amerika rascher als gedacht.
Symptomatisch waren dafür die Nachrichten aus den USA in der letzten JuniWoche: Nike preschte mit unerwartet
guten Quartalszahlen und einer spürbaren Erholung des Geschäfts auf dem Heimatmarkt, dem größten Sportartikelmarkt der Welt, vor und legte die Latte
der Erwartungen für die deutschen Wettbewerber höher. Garniert hatte NikeVorstandsvorsitzender John Donahoe die
Erfolgsmeldungen mit einem optimistischen mittelfristigen Ausblick, der jährliche Umsatzzuwächse um die 10 Prozent
bis zum Jahr 2025 in Aussicht stellt.
Das sind mutige Aussagen für einen so
langen Zeitraum – und trieben die Kurse
von Adidas wie Puma gleichermaßen.
Donahoe stimmt im Grunde in die
Euphorie seines Kollegen Kasper Rorsted ein, der im März in der neu aufgelegten Mittelfriststrategie mit dem Namen
„Own the Game“ (Mach das Spiel)
Umsatzanstiege zwischen 8 und 10 Prozent im Jahr von 2021 bis 2025 in Aussicht stellte, bei überproportional wachsenden Erträgen. Das nahm die Börse
damals schon positiv auf. Die Zahlen für
das erste Quartal von Adidas und Puma
taten ihr Übriges und versprechen Verheißungsvolles.
„Wir haben hervorragende Umsatzzuwächse sowie starke Profitabilitätsverbesserungen erreicht“, sagte Rorsted im
Mai. „Wir sind nun noch zuversichtlicher,
dass wir eine starke Erholung unserer
Umsatzentwicklung sehen werden, auch
wenn das Umfeld noch nicht wieder auf
normalem Niveau ist.“ Puma-Chef Gulden klang nicht minder optimistisch:
„Wir erzielten im ersten Quartal in allen
Regionen und Produktbereichen ein
zweistelliges Wachstum und sehen weiterhin eine starke weltweite Nachfrage
nach unseren Produkten, sowohl von Verbrauchern als auch von unseren Handelspartnern.“ Dabei ruckelt es ziemlich in
den Lieferketten, wegen knapper Trans-
portkapazitäten und teilweise auch Materialengpässen mit entsprechend steigenden Beschaffungs- und Logistikkosten.
In dieser Gemengelage schaukeln sich
die Analysten mit ihren Erwartungen
hoch. Natürlich gibt es immer noch Nachholeffekte, und die Vergleichsbasis mit
den Einbrüchen im zweiten Quartal vergangenen Jahres verzerrt immer noch
das Bild, heißt es. Aber: „Puma ist auch
im zweiten Quartal einer der am stärksten wachsenden Sportartikelhersteller
geblieben“, urteilt Edouard Aubin von
Morgan Stanley, der zum Übergewichten
rät, das Kursziel jedoch bei 107 Euro
belässt. Warburg Research geht mit dem
Kursziel gar auf 117 bis 120 Euro. Analyst Jörg Frey erwartet selbst verglichen
mit den Werten vor der Pandemie zweistellige Zuwachsraten. Vorsichtiger ist
Credit Suisse, die die M-Dax-Titel mit 91
bis 95 Euro auf „Neutral“ einstufen, weil
die Bruttomargen im Vergleich zu 2019
wohl schwächer ausfallen würden.
Dabei gibt es in der Analystengemeinde durchaus Stimmen, die Puma immer
noch den Vorzug vor Adidas geben; so die
kanadische Bank RBC. Die hat für die
Drei-Streifen-Marke das Kursziel auf 300
bis 330 Euro festgelegt hat. Jeffries sieht
sogar 340 Euro für den Dax-Wert. Die
Entwicklung des weltweiten Sportartikelmarktes sei günstig, erhole sich China,
würden in den kommenden Jahren steigende Gewinnmargen winken, sagt Analyst James Grzinic. Die Beobachter der
Deutschen Bank stufen Adidas auf „Halten“ ein, heben das Kursziel aber von 280
auf den etwa aktuellen Stand von 315
Euro. Die Marke sei hervorragend positioniert und profitiere vom langfristigen
Wachstum der Branche.
Und erst vergangene Woche haben
positive Stimmen von HSBC wie Goldman
Sachs den Kurs der Adidas-Aktie wieder
nach oben getrieben. Die Herzogenauracher kündigten nämlich Ende Juni an, im
zweiten Halbjahr die Aktienrückkäufe
wieder aufzunehmen, früher als von Analysten erwartet. In einer ersten Stufe sollen
bis Ende 2021 bis zu 550 Millionen Euro
eigene Aktien erworben werden. Das
hören Investoren und Analysten gerne.
Goldman Sachs hat das Kursziel prompt
von 340 auf 360 Euro angehoben.
Die von Vorstandschef Rorsted in seiner neuen Strategie angekündigten Verwöhnmaßnahmen für Aktionäre nehmen
also konkrete Formen an. Denn sie sollen
bis 2025 über Dividenden und Aktienrückkauf-Programme insgesamt 8 bis 9
Milliarden Euro erhalten.
BÖRSENWOCHE
E
Gewinner
Aktie
Telefónica Deutschl.
Software
Dürr
LEG Immobilien
Aurubis
Brenntag NA
Hugo Boss NA
SAP
Salzgitter
Kurse1) am
2.7.
9.7.
2,25
37,56
32,42
124,75
80,98
78,22
46,77
119,30
25,72
2,43
40,12
34,42
130,80
84,88
81,86
48,92
124,72
26,86
Veränd.
in %
7,90
6,82
6,17
4,85
4,82
4,65
4,60
4,54
4,43
Verlierer
Aktie
CureVac
TeamViewer
Schaeffler Vz.
Continental
Grenke NA
Hapag-Lloyd NA
Daimler NA
Südzucker
Kurse1) am
2.7.
9.7.
54,69
31,04
7,90
124,90
38,30
193,70
76,23
13,70
49,36
28,12
7,41
118,64
36,44
184,30
72,89
13,12
Veränd.
in %
-9,75
-9,41
-6,27
-5,01
-4,86
-4,85
-4,38
-4,23
1) Nicht bereinigte Originalkurse ohne Kurszusätze; erfasst werden die im F.A.Z.-Index enthaltenen Titel. Aktien mit Kursen von weniger als 1 Euro sind
nicht berücksichtigt.
Quelle: F.A.Z.
spielt offenbar auch die wieder aufkommende Diskussion um faule Kredite eine
Rolle. Zudem könnte Deutschland, so
meinten Analysten, als Exportland von
einem nachlassenden Wachstum in China besonders betroffen sein.
Die Commerzbank jedenfalls nahm die
Kursverluste zum Anlass, in ihrem
Wochenbericht genauer auf die Entwicklung in der Volksrepublik einzugehen. Ihr
Fazit klingt eher beunruhigend: Chinas
Wirtschaft dürfte in den kommenden
Quartalen deutlich langsamer zulegen.
Folglich werde auch die Nachfrage Chinas nach westlichen Produkten an Fahrt
verlieren, was ähnlich wie 2018 und 2019
eine „globale Schwäche in der Industrie“
auslösen dürfte. „Es mehren sich die
Anzeichen, dass sich das Wachstum der
chinesischen
Wirtschaft
deutlich
abschwächt“, schreibt die Bank. Teilweise stelle dies einfach eine Normalisierung
nach der starken, relativ frühen Erholung
von der Corona-Pandemie in China dar.
Es komme aber hinzu, dass China jetzt
offenbar auch eine etwas straffere Geldund Finanzpolitik verfolge. Für das
nächste Jahr rechne man jedenfalls nur
noch mit 5 Prozent Wirtschaftswachstum
in dem Land. Das werde auch die deutschen Exporte nach China treffen. „Ein
Frühindikator hierfür ist die Abkühlung
des chinesischen Automarktes, auf dem
die Verkaufszahlen im Vergleich zum
Vorjahr zuletzt stagniert haben“, schreibt
die Bank. In den kommenden Monaten
dürfte es Meldungen über eine nachlassende Nachfrage geben, der dann im
kommenden Jahr auch eine Wende bei
den Auslieferungen folgen dürfte.
CHRISTIAN SIEDENBIEDEL
NEUE STRATEGIE FORDERT ANLEGER
VIER WÄNDE ZU GELD MACHEN
SCHÜSSEL FÜR DIE GROSSEN MOMENTE
AM TOR ZUM PARADIES
Die EZB hat ihr Inflationsziel
geändert. Welche Auswirkung
hat das für Geldanleger?
Es gibt Wege, wie man in einer
Immobilie wohnen und sie
trotzdem zu Geld machen kann.
Das Wembley-Stadion ist mehr
als eine Arena. Am Sonntag findet dort das EM-Endspiel statt.
Ein Treffer im Finale würde
Italiens Stürmer Immobile für
alle Kritik entschädigen.
Seite 26
Seite 27
Seite 31
Seite 32
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
lar wertvollste Fintech der Welt hat
nun eine Rechtsanwaltskanzlei damit
beauftragt, bei den Vorbereitungen
zu helfen, weiß Reuters.
in Botswana ein riesiger Diamant
gefunden wurde? Der weiße Edel-
stein wiegt 1174 Karat und ist damit
der drittgrößte Diamant der Welt.
die ersten Sparkassen für ihre Kunden die Girocard nun für Apple Pay
freigeschalten haben? Damit kön-
nen sie nun Online- und App-Einkäufe erledigen.
die Bank Frick nun Kryptowährungen verarbeitet? Sie wickelt für die
Schweizer Sektion der Menschenrechtsorganisation Amnesty International nun auch Spenden in Form
von digitalen Zahlungsmitteln ab.
die Solarisbank in Frankreich, Italien
und Spanien startet? Dazu hatte das
Fintech in nur sechs Monaten lokale
Niederlassungen aufgebaut.
Gorillas eine eigene Kreditkarte
plant? Damit verbunden ist ein
Bankkonto, Kunden des Lieferdienstes sollen auch Rabatte erhalten.
die österreichische Social-TradingPlattform Wikifolio einen Verkauf
erwägen soll? Auf Wikifolio können
Nutzer Investmentstrategien teilen.
Mit dem Verkauf sollen Rothschild &
Co. betraut sein. Zu den Eignern
gehören Holtzbrinck Ventures und
Speedinvest.
fne./mho.
Die Ersten sprechen von „Warnhinweisen“
ine bewegte Börsenwoche: Waren
die Kursverluste am Donnerstag
schon ein Zeichen, dass man sich
um die hoch bewerteten Aktien langsam
Sorgen machen muss? Die ersten Analysten meinen das. Von mehr als 15 700
Punkten am Mittwoch fiel der Dax auf
gut 15 304 Punkte, immerhin den tiefsten
Stand seit Mitte Mai. Da beruhigte es
wenig, dass seit Jahresbeginn immer
noch ein Plus von rund 12 Prozent zu
Buche stand. Die Analysten der Landesbank Hessen-Thüringen jedenfalls sprachen von „Warnhinweisen“.
Konkret hatten vor allem Konjunkturdaten aus China die Börse auch in
Deutschland am Donnerstag nach Kursgewinnen vom Mittwoch auf Talfahrt
geschickt. Die Börsianer scheinen noch
alles andere als sicher zu sein, ob man die
wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie schon abhaken kann oder ob sie
im Gegenteil noch unterschätzt werden.
Unter Druck standen nichtzyklische Konsumaktien und Finanztitel. Bei Letzteren
Schon gehört, dass ...?
der Börsengang von Stripe konkreter wird? Das mit 95 Milliarden Dol-
Die Squadra Azzurra auf dem Weg ins Finale
Cum-Ex-Anwalt
Berger in Haft
ham. FRANKFURT. Eine Schlüsselfigur im Cum-Ex-Komplex um inzwischen als Steuerbetrug bewertete
Aktiengeschäfte rund um den Dividendenstichtag ist nach Angaben der
Frankfurter Staatsanwaltschaft in der
Schweiz festgenommen worden. Der
Steuerfachmann Hanno Berger, der
sich im Jahr 2012 ins Schweizer Bergdorf Zuoz abgesetzt hatte, sei schon
am Mittwoch im Kanton Graubünden
auf einen Auslieferungsantrag aus
Deutschland hin festgenommen worden, bestätigten Schweizer Behörden.
Das Handelsblatt berichtete, Berger
befinde sich in Auslieferungshaft, in
der nun sein Gesundheitszustand
geprüft werde. Sollten keine Bedenken
gegen die Auslieferung bestehen, könne der Steueranwalt noch Rechtsmittel
einlegen, aber die hätten meist keinen
Erfolg, schreibt die Zeitung. Das Landgericht Bonn hatte im Juni Haftbefehl
gegen den 70 Jahre alten Berger erlassen, nachdem er der Ladung zu einem
Prozess nicht gefolgt war.
Von Markus Frühauf
Kurs in Euro
300
Von Rüdiger Köhn,
München
it einem Plus von mehr als 2
Prozent setzte der Aktienkurs von Adidas am Mittwoch eine neue Rekordmarke. Dabei flog am Vorabend mit den Spaniern im Halbfinale gerade die letzte der
von der Drei-Streifen-Marke ausgerüsteten Mannschaften aus der Fußball-EM.
Im Finale an diesem Sonntag stoßen nun
die Italiener mit ihren blauen Puma-Trikots auf die Engländer mit Nikes Swoosh
auf den weißen Leibchen.
Gerne werden bei solchen Sport-Großereignissen die Marken zu den Finalkontrahenten hochstilisiert. Wen aber interessiert das noch? Spätestens mit der
pandemiebedingt um ein Jahr verschobenen EM wird klar: Sportfeste mögen im
öffentlichen Auftritt und im Marketing
für Sportartikelhersteller gut für Gesprächsstoff sein. Von wirtschaftlichem
Belang sind Weltmeisterschaft, EM und
die in zwei Wochen beginnenden Olympischen Spiele in Tokio nicht.
Die Vorstandschefs von Adidas und
Puma, Kasper Rorsted und Bjørn Gulden,
wissen, dass der kommerzielle Nutzen
überschaubar ist – auch wenn sie gerne
viel darüber reden und die Werbetrommel rühren. Rorsted bezifferte den Umsatz mit EM und Olympia in diesem Jahr
für sein Unternehmen auf 50 bis 70 Millionen Euro. Das ist vernachlässigbar bei
dem von Adidas erwarteten Gesamtumsatz für 2021 von erwarteten rund 22 Milliarden Euro.
Zum Glück. Sonst hätte die Börse mit
Kurseinbrüchen reagieren müssen. Denn
der Abverkauf von Trikots, Fußbällen
und Fußballschuhen rund um die EM war
wegen Lockdown, fehlender Fanmeilen,
langer Kick-Verbote – privat oder in Vereinen – äußerst unerfreulich. Dass dann
noch die deutsche Elf im Viertelfinale
untergegangen ist, hat den Trikotpreis
auf 45 Euro halbiert. Das mit dem Namen
„Robin Gosens“ geflockte Shirt war
immerhin ein Renner. Die Investition
lohne sich dennoch, heißt es bei Adidas,
denn die EM-Shirts sind auch in den
Qualifikationsspielen für die WM in Qatar Ende 2022 unter dem neuen Nationaltrainer Hansi Flick im Einsatz.
In der Welt der Sportartikler hat spätestens die Pandemie das verzerrende
Bild um die Großereignisse zurechtgerückt, die nur einer Werbeschlacht dienen. Statt WM und EM gibt es Wichtigeres für Adidas, Puma und Nike, den mit
Abstand marktführenden Konkurrenten
aus den USA. Die Gewichte der Geschäftsmodelle haben sich hin zu Onlineverkäufen und zu anderen Sportarten als
dem so im öffentlichen Fokus stehenden
Teamsport Fußball vorerst verschoben.
Und die Ausweichstrategien sind an den
Aktienmärkten gut angekommen, wie die
steigenden Kurse zeigen.
Gerade erst haben Adidas, Puma und
Nike neue Kursrekorde erzielt. Denn
wider Erwarten haben sich die Geschäfte
Vertrauenssache
Adidas
320
Die Börse
Bundesanleihe
Rendite 10 Jahre
Dax
in Punkten
12.4.21
9.7.21
12.4.21
9.7.21
8.7.21
9.7.21
F.A.Z.-Index
2692,81
2734,06
Dax 30
M-Dax
Tec-Dax
Euro Stoxx 50
15420,64
34352,34
3587,43
3991,66
15687,93
34777,59
3607,16
4063,07
F.A.Z.-Euro-Index
Dow Jones
Nasdaq Index
Bund-Future
141,11
34421,93
14559,79
174,33
143,09
34875,41 a
14680,59 a
173,96 b
Tagesgeld Frankfurt
Bundesanl.-Rendite 10 J.
F.A.Z.-Renten-Rend. 10 J.
US-Staatsanl.-Rend. 10 J.
-0,55 %
-0,32 %
-0,24 %
1,30 %
-0,54 %
-0,29 %
-0,22 %
1,34 % a
Gold, Spot ($/Unze)
Rohöl (London $/Barrel)
1802,83
74,35
1808,59
75,61 b
1,1838
0,8613
1,0851
129,91
1,1858
0,8576
1,0852
130,46
1 Euro in Dollar
1 Euro in Pfund
1 Euro in Schweizer Franken
1 Euro in Yen
a) Ortszeit 11 Uhr, b) Ortszeit 17 Uhr
Finanzen
SEITE 2 6 · SA MS TAG , 1 0 . J U L I 2 0 2 1 · N R . 1 5 7
M
uss es Anleger scheren,
wenn das Inflationsziel der
Europäischen Zentralbank
(EZB) künftig bei glatt 2
Prozent liegt, statt wie bisher bei „unter,
aber nahe 2 Prozent“? Viele Sparer
mögen sagen: „Das ist mir doch
wurscht.“ Ob das Ersparte auf dem Konto nun von einer Inflation von 2 Prozent
oder nicht ganz 2 Prozent aufgezehrt
wird, ist dann letztlich auch egal, könnte
man meinen. Doch die neue Strategie
der Notenbank, die EZB-Präsidentin
Christine Lagarde am Donnerstag vorstellte, hat durchaus Relevanz für Anleger: Insbesondere, wenn die Notenbank
künftig ein „moderates“ Überschießen
der Inflation über ihr Ziel für eine Zeit
lang hinnehmen will, kann das bedeuten, dass sie die Zinsen länger niedrig
lässt. Die Negativzinsen könnten den
Sparern länger als gedacht erhalten
bleiben, meinte der Bundesverband
deutscher Banken.
Bundesbank-Präsident Jens Weidmann
war am Freitag zwar bemüht, zu versichern, die EZB werde jetzt nicht bewusst
Inflationsraten oberhalb von 2 Prozent
ansteuern. „Eine Inflationsrate von zwei
Prozent in der mittleren Frist ist als Ziel
klar und leicht zu verstehen. Wir streben
weder niedrigere noch höhere Raten an.
Das war mir wichtig“, sagte Weidmann.
Tendenziell aber werde die Geldpolitik
FR ANK FU R T ER ALLGEM EINE Z E I T UNG
Neue Strategie
der EZB fordert
die Anleger
Wenn die Zinsen länger niedrig bleiben, müssen
die Sparer mehr ins Risiko gehen. Aber wie?
Von Christian Siedenbiedel, Frankfurt
jetzt noch „taubenhafter“ ausfallen, also
länger locker bleiben, bilanzierte Eugen
Keller, Kapitalmarkt-Fachmann beim
Frankfurter Bankhaus Metzler.
Was heißt das nun für Sparer? Cash
zu halten dürfte noch unattraktiver werden, wenn die EZB auch Inflationsraten
über 2 Prozent zulässt. Noch liegen
immerhin rund 2,6 Billionen Euro von
deutschen Sparern auf Girokonten.
Aber zwei Prozent Inflation lassen sich
auch mit Tages- und Festgeldangeboten
im Augenblick kaum schlagen.
Dem Dax hingegen könnten etwas
höhere Inflationsraten vielleicht sogar
nützen, meint Andreas Hürkamp, Aktienfachmann der Commerzbank. „Es ist für
die Aktienmärkte sehr wichtig, dass die
EZB in Zukunft noch gelassener auf eine
steigende Inflation reagieren wird, da die
Aktienmärkte im Euroraum weiterhin am
Tropf der Notenbanken hängen“, sagte
Zentrale in Frankfurt: Die EZB will grüner werden.
Foto Nerea Lakuntza
Der Dax war am Donnerstag nach
Wirtschaftszahlen aus China deutlich
gefallen, hatte sich am Freitag aber wieder etwas berappelt und notierte zeitweise auf 15 577 Punkten.
Die Folgen für Anleihen seien noch
nicht so ganz klar, meint David Zahn,
Chef für europäische Anleihen bei der
Fondsgesellschaft Franklin Templeton.
„Der neue Kurs der EZB ist grob gesprochen eine Fortsetzung der aktuellen
Hürkamp. Der Kurswechsel der EZB sei
für die Aktienmärkte ein Signal, dass die
relativ hohe Bewertung der Aktienmärkte
im Euroraum zunächst weiter anhalten
werde: „Denn das durch die sehr gelassene
EZB-Politik immer länger anhaltende
Niedrigzinsumfeld zwingt zunehmend
auch eigentlich risikoaverse Anleger dazu,
mehr Risiken einzugehen, um beispielsweise bereits recht hoch bewertete Aktien
zu kaufen.“
Der Neun-Punkte-Plan der EZB für den Klimaschutz – und was Greenpeace davon hält
Neun Punkte hat EZB-Präsidentin Christine Lagarde am Donnerstag vorgelegt,
mit denen die Notenbank in den Jahren
2021 bis 2024 schrittweise „grüner“ werden will. Die Umweltschutzorganisation
Greenpeace, die mit Drachenfliegern auf
dem EZB-Gebäude gelandet war, um
mehr Klimaschutz einzufordern, nennt
die Veränderungen durchaus „substanziell“ – die Festlegungen aber noch etwas
„vage“ und den Zeitplan „zu abwartend“.
Zwei Punkte dürften klimaschädlichen
Unternehmen besonders wehtun, sagt
Greenpeace-Finanzfachmann Mauricio
Vargas: Zum einen will die Notenbank
prüfen, inwieweit ihre bisherigen Kriterien für geldpolitische Anleihekäufe klimaschädliche Unternehmen bevorzugen,
weil beispielsweise das Volumen der ausstehenden Anleihen eine Rolle spielt.
Dieses Jahr soll das untersucht und im
nächsten Jahr mit besseren Kriterien
geändert werden.
Zum anderen will die EZB die Ratingagenturen dazu bewegen, physische Klimarisiken wie die Meereslage einer Stadt
und transitorische Risiken wie ein mögliches Verbot von Verbrennungsmotoren
stärker in die Anleiheratings einzubeziehen. Von Mitte nächsten Jahres an könnten entsprechende Anforderungen in das
Rahmenwerk „Eurosystem Credit Assessment Framework“ aufgenommen werden. Schon jetzt sollten beim Kaufprogramm für Unternehmensanleihen CSPP
Klimarisiken berücksichtigt werden. Hinsichtlich des Sicherheitenrahmens für
Geschäfte mit Banken seien die Angaben
vager, kritisierte Vargas. Deutlich sei hin-
berücksichtigt: Die EZB verfolge Risiken
durch die Umwelt für die Unternehmen,
aber nicht Risiken durch die Unternehmen für die Umwelt. Unterschiedliche
Schritte will die EZB unternehmen, um
Klimarisiken besser einschätzen zu können. Dazu gehören spezielle makroökonomische Projektionen und Modelle, die
stufenweise bis zum Jahr 2024 implementiert werden sollen. Außerdem will
sie neue Indikatoren entwickeln, mit
denen sich Folgen des Klimawandels
besser statistisch erfassen lassen.
sibi.
gegen der Auftrag an die Bankenaufsicht,
mehr auf Klimarisiken für Finanzinstitute
zu achten.
„Offenlegung“ von Klimarisiken ist
ein wichtigstes Stichwort in dem Plan:
Hier will die EZB sich eng mit der EU
abstimmen. Vom Jahr 2024 an sollen
Unternehmen ihre Klimarisiken verbindlich offenlegen müssen, wenn sie noch
beim Anleihekaufprogramm der EZB
dabei sein wollen. Greenpeace nennt das
gut, meint aber, die „doppelte Materialität“ von Klimarisiken werde nicht
Vita
An- und Verkauf
F. A.Z.
Stellenangebote
BÜROCONTAINER
Großflächen-Profi
Miete
Leasing
Ankauf
Aktionspreise 65% unter NP
02942 / 9880-100 www.deu-bau.de
Flügel
Für alles, was das Leben schöner macht
Denn hier treffen kluge Köpfe Gleichgesinnte: für Ehewünsche und
Partnerschaften, für Freizeit und Hobby. Jeden Samstag und Sonntag.
Ihre Fragen beantworten wir gerne unter Telefon: (069) 75 91-33 44
Sie sucht Ihn
Wünsche mir,
Frankfurt am Main | Redaktion Chef vom Dienst | Vollzeit | ab sofort | zunächst befristet für ein Jahr
Mediengestalter / Medienoperator (m/w/d)
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung ist weit über die Landesgrenzen hinaus für ihren ausgezeichneten Journalismus bekannt. Wir stehen mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aktiv für die Freiheit in unserer
demokratischen Gesellschaft ein. Deshalb sehen wir die Förderung von Vielfalt und Pluralismus als unseren
Auftrag an – in allen Arbeitsbereichen. Wir setzen uns ambitionierte Ziele, die wir mit fachlicher Exzellenz
erreichen. In einem wertschätzenden Rahmen entstehen so Nachrichten und Reportagen, die unsere Welt
gestalten und bereichern. Tragen auch Sie Ihren Teil dazu bei!
Ihre Herausforderungen:
Ihr Profil:
– Sie steuern die tägliche Zeitungsproduktion,
erstellen und planen Zeitungsseiten und redaktionelle Sonderbeilagen.
– Nach der reprotechnischen Bildbearbeitung
erstellen und liefern Sie für unsere Druckereien
druckfähige Daten.
– Für den Druck unserer Produkte übernehmen
Sie die Abnahme und Qualitätskontrolle der
täglichen F.A.Z.-Ausgaben.
– Sie unterstützen die Redaktion bei der
Konfiguration und Weiterentwicklung des sich
in Einführung befindenden Redaktionssystems.
– Als ausgebildeter Mediengestalter (m/w/d) oder
mit einer vergleichbaren Ausbildung konnten
Sie bereits mehrjährige Berufserfahrung in der
Druckvorstufe und in Zeitungsredaktionen
sammeln.
– Sie sind versiert im Umgang mit Programmen
der Adobe Creative Suite und haben idealerweise
Kenntnisse in XML, CSS und Eclipse als Entwicklungsumgebung.
– Die professionelle Bildbearbeitung unter der
Berücksichtigung gestalterischer und technischer
Gesichtspunkte bereitet Ihnen Freude.
– Eine gute Allgemeinbildung, kooperative
und teamorientierte Arbeitsweise sowie die
Bereitschaft zu Wochenend-, Feiertags- und
Spätdiensten runden ihr Profil ab.
Er sucht Sie
Dominanter Gentleman
das seltene Exemplar eines Mannes mit (54 J.) sucht solvente und devote Lady
Niveau zu finden, 60-75 J. Keine Sorge: für ein gemeinsames schönes Leben.
Deine aussagekräftige Zuschrift mit
bin nicht abgehoben, im Gegenteil.
Bild gern an meine E-Mail:
raritaetgesucht@web.de.
harmonie2077@icloud.com
Bekanntschaften
Sehnsucht spüren unsere Frauen
Sie spüren den Sommer in sich und möchten mit Ihnen
das Gefühl erleben. Welche Dame möchten Sie treffen?
Wählen Sie aus: maria-klein.de unter Sie sucht ihn
Maria Klein 004171 671 28 07
Heute schon die
F.A.Z. gehört?
Jetzt anhören: faz.net/podcast
Einfach mal raus !
Hin und wieder fällt mir -71/W/
schlicht,positiv,ausgeglichen die Decke
auf den Kopf.Suche für gelegentliche
Unternehmungen und Gedankenaustausch liebenswerten Menschen. Raum
Bonn Zuschriften erbeten unter
I510919 · F.A.Z. · 60267 Ffm.
PAX AN!
2021 ist Internationales Friedensjahr.
Auch künstlerische Friedenssymbole,
historische Erinnerungsorte und
spirituelle Räume tragen ein Stück
dazu bei, inneren und äußeren
Frieden zu bewahren. Die Deutsche
Stiftung Denkmalschutz setzt
sich aktiv für den Erhalt dieser
„Friedensbringer“ ein.
Ihre Vorteile:
– Wir wissen, dass Sie jeden Tag mit der Weiterentwicklung unserer Produkte an unserer Zukunft arbeiten.
Mit unseren flexiblen Arbeitszeiten und 30 Urlaubstagen können Sie Privates und Berufliches bestmöglich vereinbaren.
– Sie erwartet ein professionelles und offenes Team in einem spannenden Arbeitsumfeld.
– Selbstverständlich stellen wir Ihnen neuestes IT-Equipment
– Freuen Sie sich auf zahlreiche Vergünstigungen, wie einen Mobilitätszuschuss oder subventionierte
Mahlzeiten in unserer hauseigenen Kantine.
Peter Machka
Personal
Telefon: +49 69 7591 2390
E-Mail: p.machka@faz.de
Wir erhalten Einzigartiges.
Mit Ihrer Hilfe!
Spendenkonto
IBAN: DE71 500 400 500 400 500 400
BIC: COBA DE FF XXX, Commerzbank AG
Ihr Kontakt für Rückfragen:
Bewerben Sie
sich jetzt unter
faz.net/bewerber
Geldpolitik, wobei 2 Prozent als Inflationsziel festgelegt wurde“, sagt Zahn.
„Wir werden die nächste EZB-Sitzung
abwarten müssen, um besser zu verstehen, was genau sich in der operationellen
Umsetzung ändern wird.“ Erst einmal
gelte weiterhin, dass Anleihemärkte von
einer generell akkommodierenden Geldpolitik profitierten.
„Am Markt wird noch diskutiert, welches Inflationsniveau die Notenbank
zukünftig tolerieren wird“, sagt Ulrich
Stephan, Chefanlagestratege für Privatund Firmenkunden der Deutschen
Bank. Davon unbenommen dürfte die
Diskussion um eine Rückführung des
Anleihekaufprogramms
zu
einem
Anstieg der langfristigen Kapitalmarktzinsen führen. Bei den Inflationserwartungen könnten Überraschungen nach
oben drohen, meint er. Anleger sollten
sich auf eine „steilere Zinsstrukturkurve“ einstellen: Die kurzfristigen Zinsen
blieben noch einige Zeit nahe null, die
langfristigen Renditen dürften steigen,
mit korrespondierenden Kursverlusten
bei Anleihen. Die Erholungstendenzen
der Weltwirtschaft dürften aber zu
Umsatzerhöhungen bei den Unternehmen führen, was Aktien fundamental
stützen sollte.
„Angesichts des Fortbestehens der ultraexpansiven Geldpolitik und eventuell
noch weiter fallender Renditen spricht
vieles für eine Wiederauferstehung von
Gold“, sagte Eugen Keller vom Bankhaus
Metzler. Der Goldpreis war am Donnerstag zeitweise angestiegen bis auf 1817,64
Dollar je Feinunze (31,1 Gramm), hatte
sich aber später wieder etwas beruhigt
und notierte am Freitag zeitweise sogar
knapp unter 1800 Dollar.
Auch neben dem Inflationsziel gibt es
zahlreiche Aspekte der neuen EZB-Strategie, die auch Anleger betreffen könnten. „Am weitreichendsten ist sicher die
Entscheidung der EZB, über Klimaschutz
nicht nur zu reden, sondern einen ambitionierten Aktionsplan aufzustellen“,
sagte Ulrike Kastens von der Fondsgesellschaft DWS. „Auch der Bestand an
Unternehmensanleihen der EZB wird
davon betroffen sein – allein die Ankündigung könnte schon eine Signalwirkung
entfachen.“
www.denkmalschutz.de
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
Schimmel, Modell 189 Tradition,
weiss pol., Bauj. 2005, gepflegt,
aus erster Hand zu verkaufen.
Tel. 0177 6603684
Bordeauxweine,
Burgunder u. Spirituosen
von privat gegen bar zu Höchstpreisen
gesucht. 01 71/5 15 44 40 oder
Fax 089/91049785, E-Mail: a-h@gmx.info
www.Wein-Ankauf.de
Wir kaufen Ihre Weine, Champagner
& Spirituosen zu Höchstpreisen an!
Tel. 0 24 64 - 97 98 - 3 55 Fax - 7 07
info@wein-ankauf.de
Zahle 2000 € und mehr für Fliegerpokal/Becher ☎ 0170 2864930
Kraftfahrzeuge
MB E 220 d, selenitgrau met., Ledernachbildung/Stoff schwarz,
143 kW, EZ: 06/19, rd. 26.300 km, Autom., Klima, Navi, AktivMultikontursitz-Paket, Fahrassist.-Paket, Sitzheiz., Standh., gr.
Tank, Sonnensch.-Paket, Park-Paket mit Kamera, Spiegel-Paket,
Verkehrsz.-Assist., LED High Perform.-Scheinw., WR mit Alu.
Schäden: Stoßfänger vorne links unten verschrammt, leichter
Steinschlag, kleine Kratzer. Abgabefrist: 21.07.2021, Neupreis:
68.400,00 €. Mindestpreis: 29.671,48 €. Angebotsunterlagen und
Fotos sind unter u.g. Telefon oder E-Mail-Adresse anzufordern.
Bundesministerium für Bildung und Forschung
Telefon: 0228 99 57 3550
E-Mail: Wolfgang.Porger@bmbf.bund.de
Der Verkauf von Dienstkraftfahrzeugen wird nicht gewerblich
betrieben.
Wir kaufen Wohnmobile + Wohnwagen
03944-36 160 www.wm-aw.de Fa.
Verschiedenes
www.riba-muelltonnenboxen.de
Auch unterwegs alle Seiten
im Blick behalten.
Mit der digitalen F.A.Z.
Jetzt die App F.A.Z. Kiosk herunterladen
Finanzen
F RANK FURT ER A LLG E M E I N E Z E I T U NG
SA M S TAG, 10. JU LI 2021 · NR . 1 57 · SE I T E 2 7
Südeuropäische Eurostaaten
brauchen Strukturreformen
DIE VERMÖGENSFRAGE
IIF: Ursachen der Eurokrise bestehen weiter
Häuser in Obertshausen: Eine hohe Investitionen, die nicht nur zum Wohnen dienen muss.
V
Foto Lucas Bäuml
Die eigenen vier
Wände zu Geld machen
iele Bundesbürger setzen auf
die Immobilie als Altersvorsorge. Da wird zeitlebens gespart
und auch auf den ein oder
anderen Urlaub verzichtet.
Schließlich gilt es, das Darlehen für die
eigenen vier Wände bis zum Ruhestand zu
tilgen. Und wer vor einigen Jahrzehnten
eine schöne Immobilie in attraktiver Lage
erworben hat, kann sich heute über eine
kräftige Wertsteigerung seiner vier Wände
freuen. Doch von dieser hat der Immobilieneigentümer erst dann etwas, wenn er
verkauft.
Laut einer aktuellen Studie des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) besaßen im
Jahr 2017 rund sechs Millionen der
Haushalte über 65 Jahre eine schuldenfreie Immobilie. Allerdings steckt oft
ein Großteil des Vermögens im Eigenheim. Geld für Reisen, Sanierungsarbeiten oder Pflege dagegen fehlt. Laut
ZEW sorgen sich 420 000 der älteren
Immobilieneigentümer um ihre Finanzen. Und 200 000 dieser Haushalte
besitzen zwar Immobilienvermögen –
ihr Einkommen liegt allerdings unterhalb der Armutsgrenze von 13 200 Euro
im Jahr. Aber da viele im Eigenheim
wohnen bleiben möchten, kommt ein
Verkauf oft nicht infrage. Auch wollen
sich einige im Alter nicht abermals verschulden und ein Darlehen aufnehmen.
Und mitunter haben es Ältere auch
schwerer, einen Kredit zu bekommen.
Seit einigen Jahren steigt die Zahl der
Unternehmen, die einen Ausweg aus der
vertrackten Situation anbieten. Das Haus
oder die Wohnung kann komplett oder
zum Teil verkauft und trotzdem der
Lebensabend im Familienheim verbracht
werden. Und mit dem Geld aus dem Verkauf oder Teilverkauf können Kreuzfahrten oder Renovierungen finanziert oder
dem Enkel im Studium finanziell unter
die Arme gegriffen werden.
„Doch bevor man sich mit diesen
Angeboten beschäftigt, gilt es zunächst,
auch einfachere Varianten auszutesten –
etwa, ob ein Hausbankkredit, Familienkredit oder ein Darlehen vom Versicherer hilft“, rät Thomas Mai aus der Abteilung Finanzdienstleistungen der Verbraucherzentrale Bremen. Ein Darlehen
ist in der Regel die günstigere Variante,
sich Geld zu beschaffen. Angesichts des
aktuell niedrigen Zinsniveaus würden
Verbraucher ein Darlehen schon für
jährlich um die 1,5 Prozent erhalten –
mit der Immobilie als Sicherheit in der
Hinterhand. Dieses kann dann zurückgezahlt oder später mit dem Verkauf der
Immobilie getilgt werden.
Angebote zu Immobilienrenten, Teilverkäufen oder Rückmietverkauf-Varianten haben eines gemein: Sie sind
komplex und oft nicht die günstigste
Variante, um im Alter an Geld zu kommen. Anbieter kalkulieren mit verschiedenen Sicherheitsabschlägen und im
Falle der Immobilienrente mitunter mit
unterschiedlichen Sterbetafeln. „Die
Berechnungen und Klauseln sind für
viele kaum oder nur schwer nachzuvollziehen und zu vergleichen“, sagt Verbraucherschützer Mai. Doch aller Komplexität zum Trotz – es gibt zunehmend
Verbraucher, die sich mit dem Thema
beschäftigen. „Mit der Zunahme der
Angebotsvielfalt und dem verstärkten
Marketing haben wir jetzt fast täglich
Anfragen von Ratsuchenden“, schildert
Mai.
Es lohnt sich allerdings nur dann, sich
mit den Angeboten zu beschäftigen, wenn
Verbraucher kein Darlehen bekommen
Inzwischen gibt es eine Reihe von Möglichkeiten,
in der eigenen Immobilie wohnen zu
bleiben und diese trotzdem zu Geld zu machen.
Dabei gibt es allerdings einiges zu beachten.
Von Barbara Brandstetter
und in ihrem Eigenheim wohnen bleiben
wollen. Ein Verkauf wäre schließlich die
lukrativere Variante. Zudem gilt es eine
Reihe von Fragen zu klären. Wer übernimmt Notar- und weitere Kaufkosten?
Wer hält die Immobilie instand, und wer
kommt dafür auf? Wo wird das lebenslange
Nießbrauch- oder Wohnrecht im Grundbuch vermerkt? Welcher Gutachter ermittelt den Wert der Immobilie? Was passiert,
wenn der Anbieter Insolvenz anmelden
muss? Und was ist, wenn der Wohnrechtsinhaber mit der Miete oder dem Nutzungsentgelt im Verzug ist?
Gesamtverkauf gegen Wohnrecht
Schon länger gibt es die Möglichkeit, seine
Immobilie zu verkaufen und im Gegenzug
ein lebenslanges Wohn- oder Nießbrauchrecht zu erhalten. Der Verkäufer erhält
dann eine Einmalzahlung oder eine
lebenslange oder befristete Rente oder eine
Kombination aus beidem. Häufig werden
im Schnitt 20 Prozent vom Kaufpreis abgezogen, da der ehemalige Eigentümer weiter in der Immobilie wohnt. Je jünger der
Interessent, desto höher ist der Betrag, um
den der Immobilienwert verringert wird.
Daher kann die Immobilienrente vor allem
für Ältere eine Option sein. Wer sich eine
monatliche Rente auszahlen lässt, sollte
bei guter Gesundheit sein. Schließlich ist
eine Leibrente immer auch eine Wette auf
ein langes Leben. Sofern der Immobilieneigentümer kurz nach dem Verkauf stirbt,
geht zwar noch je nach Vertrag und Anbieter eine Summe an die Erben. Doch
unterm Strich hat der Käufer dann ein
gutes Geschäft gemacht.
Das Alterseinkommen entscheidet
Einer der Anbieter auf dem Markt und
nach eigenen Angaben Marktführer bei
Immobilienrenten ist die seit dem Jahr
2013 tätige Deutsche Leibrenten Grundbesitz AG. Das Unternehmen zählt aktuell
rund 900 Häuser und Wohnungen in seinem Bestand. Das durchschnittliche Alter
der Kunden beträgt 79 Jahre. Das Unternehmen kauft die Immobilie komplett auf.
Im Gegenzug erhalten Kunden eine Einmalzahlung, eine monatliche Zahlung oder
eine Kombination aus beidem. Die Kosten
für die Instandhaltung übernimmt das
Unternehmen. Ein Beispiel: Ein 70 Jahre
alter Mann verkauft seine Immobilie im
Wert von 600 000 Euro. Er würde eine Einmalzahlung von 250 000 Euro oder alternativ eine lebenslange monatliche Rente
von 2260 Euro erhalten. Im Falle einer
Frau würde die Einmalzahlung 210 000
Euro und die Rente 1670 Euro betragen.
Die Zahlung ist für fünf Jahre garantiert –
auch im Todesfall.
Seit dem Jahr 2005 bietet die Stiftung
Liebenau die Zustifterrente an. Auch die
Stiftung kauft die Immobilie komplett. Sie
zählt nach eigenen Angaben aktuell 120
Kaufverträge. Das Durchschnittsalter der
Kunden beträgt 73 Jahre. „Einige Kunden
sind froh, dass sie die Verantwortung für
ihre Immobilie abgeben können“, sagt
Christoph Sedlmeier von der Stiftung Lie-
benau. Denn häufig würden Handwerkertermine oder der Garten im Alter zur
Last. Ein Beispiel: Ein Siebzigjähriger
verkauft seine Immobilie (Grundstück
200 000 Euro, Gebäude 400 000 Euro) an
die Stiftung Liebenau. Daraufhin erhält er
eine lebenslange Rente von 920 Euro im
Monat oder alternativ eine auf 15 Jahre
befristete Rente von monatlich 1050
Euro, sofern sich die Stiftung um die
Instandhaltung kümmert. Der restliche
Wert des Wohnungsrechts kann zum Auszug oder im Todesfall ausbezahlt, vereinbarte laufende Zahlungen können in vollem Umfang vererbt werden. Viele Ruheständler würden die befristete Variante
wählen, da die monatliche Zahlung höher
ausfällt. Diese bietet sich allerdings nur
für diejenigen an, die im Alter über ein
auskömmliches Einkommen verfügen
und nicht auf die Zusatzrente angewiesen
sind. Immobilie und Geld kommen der
Stiftung und ihrer Arbeit in der Behinderten- und Altenhilfe zugute.
Teilverkauf
Seit wenigen Jahren gibt es auch die
Option, lediglich einen Teil seiner
Immobilie zu veräußern. Dabei können
Häuser und Wohnungen bis zu 50 Prozent verkauft werden. Einer der Anbieter ist beispielsweise die Wertfaktor
Immobilien GmbH, die die Idee des
Teilverkaufs nach eigenen Angaben entwickelt hat. Bis Ende 2020 hat das
Unternehmen von mehr als 400 Eigentümern Teile ihrer Immobilien gekauft.
Das Durchschnittsalter der Kunden
beträgt 67 Jahre. „Mit dem Teilverkauf
können Eigenheimbesitzer Teile ihres
Immobilienvermögens
zu
Bargeld
machen, ohne ihr Haus komplett verkaufen oder beleihen zu müssen“, sagt
Christoph Neuhaus, Geschäftsführer
der Wertfaktor Immobilien GmbH.
Sinnvoll kann dies sein, wenn jemand
kein Darlehen von einer Bank bekommt
oder Kinder hat, die noch etwas erben
sollen.
Da der Eigentümer weiter seine Immobilie bewohnt, wird ein Nutzungsentgelt
fällig. Bei Wertfaktor liegt dieses beispielsweise aktuell bei 2,9 Prozent der Summe
aus dem Teilverkauf. Je höher der ausgezahlte Betrag, desto höher das Nutzungsentgelt. Wer sich 250 000 Euro auszahlen
lässt, zahlt im Jahr also 7250 beziehungsweise 604,17 Euro im Monat. „Vergleicht
man das Nutzungsentgelt von um die 3
Prozent des Kaufpreises mit dem Zins für
ein Darlehen, so wäre ein Darlehen derzeit deutlich günstiger“, sagt Niels Nauhauser, Abteilungsleiter Altersvorsorge,
Banken und Kredite der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Bei einigen
Angeboten von Teilkäufern müssen die
Verkäufer die Instandhaltung der Immobilie allein übernehmen. „Die Instandhaltung dient auch der Wertsteigerung beider
Parteien und sollte daher grundsätzlich
paritätisch aufgeteilt werden“, sagt Nauhauser. Wertfaktor beteiligt sich seit Kurzem mit bis zu 20 000 Euro an Instandhaltungsmaßnahmen.
Wer seine Immobilie zum Teil verkauft, willigt auch ein, dass der Anbieter
später die gesamte Immobilie verkauft.
Die Erben erhalten dann ihren Teil des
Verkaufserlöses. Für den Verkauf verlangen die Anbieter ein Durchführungsentgelt. Auch lassen sich einige Anbieter für
den Fall des Gesamtverkaufs den gezahlten Teilkaufpreis plus Kaufnebenkosten
zusichern. „Dann trägt allein der Teilverkäufer das Wertänderungsrisiko, während der Anbieter auf der sicheren Seite
ist“, sagt Nauhauser.
Rückmietverkauf
Auch die Möglichkeit, die Immobilie zu
verkaufen und dann einen Mietvertrag
abzuschließen, existiert. Den Kaufpreis
erhält der Kunde sofort – allerdings in
der Regel mit einem Abschlag von rund
20 Prozent, da der Wert einer bewohnten
Immobilie niedriger ausfällt. Im Falle
eines Verkaufs wird dem Verkäufer ein
lebenslanger Mietvertrag zugesichert.
Die Variante kann für Verbraucher eine
Option sein, die nur noch wenige Jahre in
der Immobilie wohnen bleiben möchten
– etwa wenn jemand auf der Warteliste
eines Altersheims steht und weiß, dass er
erst in einigen Jahren umziehen kann.
Ein Anbieter ist die Gesellschaft für
Nachhaltige
Immobilienwirtschaft
(GNIW), die seit Ende 2018 auf dem
Markt tätig ist. „Bei dem Rückmietverkauf ist der Kunde flexibel, weil er den
Mietvertrag kurzfristig kündigen kann“,
sagt GNIW-Geschäftsführer Henryk Seeger. Ein Beispiel: Ein Paar, beide 84 Jahre
alt, verkauft sein 155 Quadratmeter großes Haus für 550 000 Euro. Im Gegenzug
kann das Paar in der Immobilie wohnen
bleiben – muss allerdings eine monatliche Miete von 916 Euro plus Betriebsund Nebenkosten bezahlen. Lebt unser
Paar noch drei Jahre in dem Haus, summiert sich die Nettokaltmiete in drei Jahren auf rund 33 000 Euro.
Darlehen
Wem das alles zu kompliziert ist, kann
auch ein Darlehen abschließen. Diese
Möglichkeit bieten allen Unkenrufen
zum Trotz verschiedene Banken und Versicherungen auch älteren Kunden an. So
gibt es beispielsweise von der Allianz
aktuell für Eigenheimbesitzer ab 60 Jahren ein Festdarlehen ohne regelmäßige
Tilgung („Allianz Best Ager Finanzierung“). Verbraucherschützer Mai berichtet von einem Angebot, das die Allianz
jüngst einem Ehepaar unterbreitet hat.
Das Ehepaar erhält 85 000 Euro. Bei
einer Zinsbindung von 20 Jahren liegt der
Zins effektiv bei 1,66 Prozent. Dann würden 1411 Euro im Jahr beziehungsweise
117,58 Euro im Monat an Zinsen fällig.
Das Darlehen kann der Eigentümer
selbst tilgen oder aber seine Erben. An
den Eigentumsverhältnissen ändert sich
dadurch nichts, und das Ehepaar kann
dem Sohn später auch eine größere Summe vererben.
„Alle Modelle haben unterschiedliche
Risiken“, sagt Verbraucherschützer Nauhauser. Schließlich hängt vom Bedarf in
jedem Einzelfall ab, welche der verschiedenen Verrentungsangebote infrage kommen. Verbraucher sollten sich aber unbedingt von einem Anwalt oder Notar beraten lassen – bevor sie sich von einem Teil
oder ihrem gesamten Eigenheim trennen.
Und wer bei knapper Kasse eine günstige
Variante für sich sucht, um an Geld zu
kommen, der sollte sich nach einem Darlehen umsehen.
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
maf. FRANKFURT. Die Euro-Staatsschuldenkrise ist angesichts der Corona-Pandemie in Vergessenheit geraten,
aber an den Ursachen, insbesondere an
der Wettbewerbsschwäche der südeuropäischen Länder, hat sich nach
Ansicht des Weltbankenverbands Institute of International Finance (IIF)
wenig geändert. In einem aktuellen
Kommentar anlässlich des zehnjährigen Jahrestages der Eurokrise empfehlen die IIF-Analysten Ländern wie zum
Beispiel Italien Strukturreformen, um
die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Durch die Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank (EZB) seien die
Renditeunterschiede zwischen italienischen und deutschen Staatsanleihen
eingeengt worden.
In den ersten Jahren der Eurokrise
hat der Risikoaufschlag Italiens gegenüber zehnjährigen Bundesanleihen
zeitweise bis zu 5 Prozentpunkte betragen. Am Freitag belief sich der Unterschied auf etwas mehr als einen Prozentpunkt. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe lag auf minus 0,298
Prozent, während die italienische
Staatsanleihe bei 0,762 Prozent notierte. Doch für die IIF-Analysten hat sich
in den vergangenen zehn Jahren nichts
an der schwachen Wettbewerbsposition der Euro-Peripherieländer geändert. Zudem sei der Euro-Wechselkurs
für die südeuropäischen Länder viel zu
hoch. Im Vergleich zu Krisen in
Schwellenländern fehlt den Euro-Peripherieländern, zu denen neben Italien
auch Griechenland, Spanien, Portugal
und als einziges nordeuropäisches
Land Irland gezählt werden, die Möglichkeit der Wechselkursabwertung.
Dadurch würden die Waren für andere
Länder günstiger und die Wettbewerbsfähigkeit des abwertenden Landes verbessert.
Die IIF-Analysten halten in diesen
Ländern Strukturreformen für nötig,
die zu einer internen Abwertung, also
sinkenden inländischen Preisen führen.
Dadurch könnten die Peripherieländer
ihre Wettbewerbsposition verbessern.
Deflationären Tendenzen könnte die
EZB mit zusätzlichen geldpolitischen
Lockerungen entgegenwirken. Der
internationale Bankenverband sieht in
den Anleihekäufen der EZB ein politisches Problem, weil sie in den nördlichen Euroländern, insbesondere in
Deutschland, als Vergemeinschaftung
der Schulden gesehen werden. Die
Renditeunterschiede Portugals und
Spaniens zur zehnjährigen Bundesanleihe sind mit jeweils rund 0,6 Prozentpunkten geringer als für Italien. Die
zehnjährige Rendite Portugals lag am
Freitag mit 0,32 Prozent um 0,02 Prozentpunkte unter der Spaniens. Griechenland, das im Frühjahr 2012 einen
Schuldenschnitt benötigte, wird am
Anleihemarkt mit 0,73 Prozent besser
als Italien eingestuft.
10-jährige Staatsanleihen imVergleich
in Prozent
30
Griechenland
Italien
Spanien
Frankreich
Deutschland
25
20
15
10
5
0
2011
2013
2015
2017
2019
Quelle: Bloomberg
2021
F.A.Z.-Grafik Kaiser
BaFin-Personalrat wehrt sich
Streit über Verbot von Wertpapiergeschäften
maf. FRANKFURT. Der künftige Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Mark
Branson, darf sich auf einen lebhaften
Start freuen, wenn er am 1. August seinen Posten antritt. Der frühere Chef
der Schweizer Finanzmarktaufsicht
konnte im April in einer öffentlichen
Anhörung im Finanzausschuss des
Bundestags die Abgeordneten überzeugen, als er sich für klare Regeln und
Verbote bei Wertpapiergeschäften der
Mitarbeiter ausgesprochen hatte. Doch
diese nach dem Wirecard-Skandal
erlassenen Beschränkungen beim Handel mit Wertpapieren gehen dem Personalrat der deutschen Finanzaufsicht
zu weit.
Das Verbot des privaten Handels
mit Aktien, Anleihen und anderen
Finanzinstrumenten sorge in der
Belegschaft für „große Frustration
und Verunsicherung“, schrieb Personalratschef Andreas Wolter in einem
der F.A.Z. vorliegenden Brief an Jörg
Kukies, Staatssekretär im Bundesfinanzministerium. Über die Kritik des
BaFin-Personalrats hatte das Handelsblatt am Freitag zuerst berichtet.
Wolter fordert einen finanziellen
Ausgleich für die Nachteile, die Mitarbeiter dadurch im Vermögensaufbau erlitten. Wolter sieht die „wahr-
scheinlich europaweit schärfsten Einschränkungen im Hinblick auf private
Finanzgeschäfte“ als Abstrafung für
den Wirecard-Skandal. Nach der
Insolvenz des Zahlungsdienstleisters
war bekannt geworden, dass BaFinMitarbeiter kurz zuvor noch mit
Wirecard-Aktien spekuliert hatten.
Als gegen einen Mitarbeiter eine
Anzeige wegen des Verdachts auf
Insiderhandel gestellt worden war, ist
Bransons Vorgänger, Felix Hufeld, als
BaFin-Präsident zurückgetreten.
Die Behörde hatte ihre Regelungen
für die Mitarbeiter daraufhin verschärft. Inzwischen dürfen diese auch
dem Gesetz nach nicht mit Finanzinstrumenten handeln, die an einer
deutschen Börse zugelassen sind oder
von Unternehmen, die von der BaFin
beaufsichtigt werden. Die BaFin kann
aber Ausnahmen zulassen, wenn kein
Interessenkonflikt zu befürchten ist.
Wolter fürchtet, dass die Behörde
durch diese Einschränkungen „Personal und damit unverzichtbare Expertise“ verlieren könnte. Die geltenden
Regelungen seien „unbefriedigend und
verfassungsrechtlich
bedenklich“,
schrieb der Personalrat. Das Finanzministerium will mit den Einschränkungen das Vertrauen in die BaFin wiederherstellen.
Puma kommt dem Dax näher
Zehn Aufsteiger für September gesucht
dmoh. FRANKFURT. Der Dax steht
vor der größten Reform seiner 33 Jahre währenden Geschichte. Am 20.
September werden – statt wie bisher
immer 30 – dann 40 Unternehmen
dem Leitindex angehören. Der Kreis
der möglichen Dax-Aufsteiger engt
sich nun zusehends ein. Diese Woche
hat die Deutsche Börse ihre JuniRangliste vorgelegt. Entscheidend
wird die Rangliste von August sein,
die am 3. September veröffentlicht
wird.
Aber auch jetzt schon lassen sich
einige Prognosen mit zunehmender
Sicherheit treffen. Sicherster Aufsteiger dürfte der Flugzeugbauer Airbus
sein, der mittlerweile das sechstwertvollste Unternehmen an der Deutschen Börse ist. Bisher war der Aufstieg am mangelnden Handelsumsatz
in den Aktien gescheitert. Doch dieses
Kriterium fällt künftig weg, sodass der
Weg für Airbus in den Dax frei ist. Auf
Rang 19 der Rangliste hat sich der
Onlinemodehändler Zalando vorgeschoben und damit im Monatsvergleich sechs Plätze gutgemacht und
unter anderem E.ON, RWE, Henkel,
Fresenius und Merck überholt. Auch
hier ist ein Aufstieg relativ sicher.
Maßgeblich ist der Börsenwert der 20
letzten Handelstage im August. Ein
Kursrutsch könnte also noch alles
ändern, aber der müsste schon erheblich ausfallen. Auch die Aktien von
VW-Großaktionär Porsche Automobil
Holding zählen mit aktuell Rang 26 zu
den heißen Kandidaten. Es folgen mit
guten
Aufstiegsaussichten
Hello
Fresh, Symrise, Siemens Healthineers
und Brenntag.
Spannend wird es rund um Platz 40
der Rangliste, denn nur die ersten 40
werden dem Dax angehören. Aufsteiger wären derzeit Sartorius auf Platz
38, Beiersdorf auf Rang 39, und Puma
hat sich auf Rang 40 vorgeschoben.
Doch die Abstände sind hier knapp.
Qiagen liegt nach Berechnungen von
LBBW-Indexanalyst Uwe Streich nur
5,7 Prozent zurück. 2 Prozent hinter
Qiagen folgt LEG Immobilien, und
5 Prozent hinter Qiagen liegt Hannover Rück. Sollte die Fusion der DaxKonzerne Deutsche Wohnen und
Vonovia über die Bühne gehen, wird
zudem ein weiterer Dax-Platz frei.
Finanzen
SEITE 2 8 · SA MS TAG , 1 0 . J U L I 2 0 2 1 · N R . 1 5 7
Dax 30, M-Dax und Tec-Dax
Internationale Finanzmärkte
Börsenwert
52 Wochen
in Mrd. Landeswähr.
KGV
Tief Vergleich Hoch Gesamt Streubes. 2021 2022
63,82 57,14
87,45 87,32
62,47 62,47
49,94 49,94
52,78 27,99
23,73 12,81
10,85 10,51
77,98 61,05
29,70 18,71
21,70 19,82
27,45 26,48
72,20 57,35
85,71 58,37
18,56 13,76
26,75 21,59
24,84 17,40
20,22 13,70
14,81 11,03
15,64 15,31
43,24 39,78
127,60 127,44
21,91 21,91
11,42 11,42
32,34 32,33
21,15 19,55
153,22 125,56
18,81 10,34
112,91 107,25
43,79 38,87
33,15 33,15
15,3
14,0
41,3
10,3
13,1
8,6
7,2
16,1
8,7
6,7
0,0
11,5
22,0
15,9
15,7
30,4
13,8
13,8
19,0
9,5
18,8
29,0
24,9
21,9
36,0
11,6
19,6
23,7
48,5
18,7
7,9
23,5
31,4
9,9
13,0
7,8
7,0
10,4
9,7
6,5
0,0
8,8
20,2
16,1
13,8
30,7
11,4
12,1
15,7
9,0
17,2
24,7
22,7
20,8
27,1
9,6
17,5
24,0
23,6
17,5
6,8
20,9
32,0
88,71
2,38
2,97
10,24
3,82
8,22
6,78
25,74
12,65
1,96
14,87
7,15
3,54
5,24
2,38
2,27
13,39
6,06
5,41
2,52
2,85
6,33
3,06
3,93
17,61
60,03
6,52
14,32
4,55
3,44
2,38
12,10
15,50
5,11
9,53
6,01
2,09
7,74
2,04
14,23
3,99
15,52
9,75
9,08
3,57
17,41
6,52
2,42
2,97
3,79
16,28
4,12
5,65
7,23
5,57
11,58
6,58
5,50
6,61
26,55
4,39
0,66
2,11
1,37
0,54
1,62
1,38
4,27
1,68
21,7
8.7.21
Schluss
Dax 30
29,7
26,4
12,9
7,8
66,2
20,9
40,2
28,6
19,3
20,4
K.A.
13,7
12,8
56,6
16,7
18,9
23,1
15,9
15,6
K.A.
Xetra
Tages
Hoch
Tief
9.7.21
Schluss
Adidas NA I P
313,30
Allianz vNA I P
207,75
BASF NA I P
65,74
Bayer NA I P
50,60
BMW St I
84,47
Continental
116,82
54,20
Covestro
Daimler NA I P
70,73
Delivery Hero
121,85
Deutsche Bank NA
10,19
Deutsche Börse NA I
145,00
Deutsche Post NA I
57,56
Deutsche Telekom NA W I P 17,79
Dt. Wohnen Inh.
51,56
10,09
E.ON NA
Fresenius
43,74
Fresenius M. C. St.
68,50
HeidelbergCement
73,10
Henkel Vz.
87,34
Infineon NA W I
32,53
Linde PLC (IRL) I P
241,70
Merck
168,85
MTU Aero Engines
206,30
225,55
Münch. Rück vNA I
RWE St.
31,25
SAP W I P
123,18
Siemens Energy
26,18
Siemens NA I P
131,02
Volkswagen Vz. I
200,50
Vonovia NA I
56,62
M-Dax
318,45
212,10
68,01
50,83
87,68
118,64
56,14
72,89
119,15
10,50
144,45
58,27
18,00
51,58
10,13
44,51
69,00
74,62
87,76
33,11
246,70
169,50
213,80
230,85
31,27
124,72
25,88
132,84
212,35
57,62
318,45
212,10
69,00
51,35
87,68
119,66
56,76
73,05
123,30
10,50
145,95
58,50
18,01
51,74
10,13
44,51
69,14
75,00
88,02
33,13
247,60
170,45
214,40
231,10
31,50
124,72
26,33
132,84
213,10
57,62
Tec-Dax
109,02
20,94
16,31
6,51
82,70
38,75
160,00
102,35
80,70
50,64
167,15
5,59
66,60
53,78
32,50
16,37
28,13
36,94
58,60
19,44
40,50
34,33
98,00
22,58
143,70
53,48
57,08
83,82
62,56
47,31
11,97
91,28
96,86
56,60
128,55
9,90
62,96
65,90
17,80
87,56
16,87
101,65
42,70
784,20
80,28
475,50
71,58
133,00
38,28
66,85
120,30
27,96
27,69
2,33
8,59
31,62
34,00
133,05
124,00
101,15
112,86
21,05
16,70
6,66
84,88
38,75
161,35
102,15
81,86
50,92
166,25
5,71
66,60
54,54
34,42
16,27
28,73
36,83
58,56
19,68
41,06
35,07
97,35
22,86
146,00
53,22
58,64
82,34
64,44
48,92
12,41
92,26
96,16
58,42
130,80
10,06
63,44
67,00
17,36
92,90
17,12
102,90
42,70
798,60
81,90
465,00
70,82xD
133,90
40,12
66,80
120,20
28,14
28,12
2,43
8,95
31,65
33,94
136,05
126,70
101,50
3587,43 3607,16
1&1
Drägerwerk Vz.
Eckert & Ziegler
Jenoptik
LPKF Laser&Electr.
Pfeiffer Vacuum
S&T (A)
Siltronic NA
SMA Solar Techn.
24,74
76,05
98,90
23,46
21,92
161,80
20,20
142,30
47,50
24,84
76,70
99,65
23,94
22,00
164,00
20,84
142,30
48,46
114,00
21,34
16,72
6,69
84,88
38,95
162,00
102,50
82,02
51,36
169,40
5,71
67,45
54,88
34,80
16,46
28,88
37,80
59,60
19,70
41,18
35,13
98,45
22,92
146,10
54,14
58,78
86,24
64,64
50,08
12,49
92,26
97,84
58,88
131,30
10,13
64,30
67,04
17,84
92,90
17,22
102,90
43,11
800,40
82,10
480,50
71,44
135,00
40,36
67,15
121,25
28,39
29,04
2,43
8,96
31,82
34,31
136,80
127,65
102,00
3620,35 3581,57
24,90 24,42
77,05 75,50
100,00 98,40
24,00 23,38
22,52 21,88
165,40 161,60
20,94 20,40
142,50 141,30
48,72 47,62
Div.
+1,7 +14,4 15802,67 11450,08
366,47
2,34
80277
+1,6
+2,1
+3,5
+0,5
+3,8
+1,6
+3,6
+3,1
–2,2
+3,1
–0,4
+1,2
+1,2
±0,0
+0,4
+1,8
+0,7
+2,1
+0,5
+1,8
+2,1
+0,4
+3,6
+2,3
+0,1
+1,3
–1,1
+1,4
+5,9
+1,8
3,00
9,601x
3,301x
2,001x
1,901x
0,001x
1,301x
1,351x
0,001x
0,001x
3,001x
1,351x
0,601x
1,031x
0,471x
0,881x
1,341x
2,201x
1,851x
0,221x
1,06$4x
1,401x
1,251x
9,801x
0,851x
1,851x
0,001x
3,501x
4,861x
1,691x
0,94
4,53
4,85
3,93
2,17
0,00
2,32
1,85
0,00
0,00
2,08
2,32
3,33
2,00
4,64
1,98
1,94
2,95
2,11
0,66
1,36
0,83
0,58
4,25
2,72
1,48
0,00
2,63
2,29
2,93
505
1561
3236
3820
1445
505
852
3741
522
14905
659
4112
9948
997
7207
960
415
865
506
7284
950
546
200
634
2598
2847
2760
2107
1929
1659
+6,9
+5,7
+5,1
+5,6
+21,4
–2,2
+11,2
+26,1
–6,2
+17,3
+3,7
+43,9
+20,4
+18,1
+11,7
+17,6
+1,2
+21,9
–4,9
+5,5
+15,8
+20,8
+0,2
–4,9
–9,5
+16,3
–13,7
+13,0
+39,3
–3,6
321,95
223,50
72,88
64,76
96,39
132,68
63,24
80,41
145,40
12,56
170,15
59,60
18,05
52,38
10,81
46,53
79,96
81,04
99,50
37,31
250,65
170,45
224,90
269,30
38,65
143,32
34,48
145,96
252,20
62,74
231,20
148,60
45,92
39,91
54,23
79,04
32,86
35,32
85,24
6,75
124,85
33,74
12,59
38,03
8,27
31,03
55,18
46,32
81,40
20,66
183,15
107,50
129,55
194,10
29,95
89,93
18,36
98,50
122,96
48,57
1x
+1,2 +12,9 34888,72 25536,52
420,67
1,21
52590
+3,5
+0,5
+2,4
+2,4
+2,6
±0,0
+0,8
–0,2
+1,4
+0,6
–0,5
+2,1
±0,0
+1,4
+5,9
–0,6
+2,1
–0,3
–0,1
+1,2
+1,4
+2,2
–0,7
+1,2
+1,6
–0,5
+2,7
–1,8
+3,0
+3,4
+3,7
+1,1
–0,7
+3,2
+1,8
+1,6
+0,8
+1,7
–2,5
+6,1
+1,5
+1,2
±0,0
+1,8
+2,0
–2,2
–1,1
+0,7
+4,8
–0,1
–0,1
+0,6
+1,6
+4,2
+4,2
+0,1
–0,2
+2,3
+2,2
+0,3
0,001x
0,111x
0,531x
0,071x
1,301x
0,001x
1,351x
0,701x
1,351x
0,751x
0,501x
0,001x
0,501x
0,001x
0,301x
0,281x
1,151x
0,001x
0,001x
1,651x
0,991x
0,851x
1,251x
0,221x
4,501x
0,801x
0,001x
0,001x
3,931x
0,041x
0,001x
0,411x
1,521x
1,001x
3,781x
0,001x
0,001x
0,301x
0,001x
2,211x
0,491x
0,161x
0,001x
4,801x
2,001x
0,711x
0,821x
0,001x
0,761x
2,001x
0,971x
0,881x
0,001x
0,181x
0,001x
1,371x
0,501x
2,481x
2,001x
0,001x
0,00
0,52
3,17
1,05
1,53
0,00
0,84
0,69
1,65
1,47
0,30
0,00
0,75
0,00
0,87
1,72
4,00
0,00
0,00
8,38
2,41
2,42
1,28
0,96
3,08
1,50
0,00
0,00
6,10
0,08
0,00
0,44
1,58
1,71
2,89
0,00
0,00
0,45
0,00
2,38
2,86
0,16
0,00
0,60
2,44
0,15
1,16
0,00
1,89
2,99
0,81
3,13
0,00
7,41
0,00
4,33
1,47
1,82
1,58
0,00
156
979
558
2164
106
182
81
356
527
78
175
5959
32
82
184
930
912
276
251
503
94
452
129
255
108
534
103
694
313
405
1329
148
1420
289
111
3455
263
87
1440
696
1005
328
468
6
156
62
217
199
167
128
216
388
5380
12326
3103
361
202
186
133
741
+23,6
+47,6
+12,8
+8,9
+33,3
–
–9,6
+8,2
+29,2
+12,3
+52,7
+8,4
–15,3
+0,3
+3,1
–23,8
+7,7
+21,6
+18,6
+14,5
–11,6
+19,8
+10,9
+9,1
+12,0
+26,8
+10,9
+30,3
–19,0
+79,3
+59,3
+29,7
–13,9
–6,9
+2,9
–7,0
–32,4
+10,9
–16,1
+64,7
+24,5
+11,5
+0,6
+4,9
–5,4
+35,3
+5,6
–9,6
+20,3
–17,5
+10,9
+8,6
–35,8
+7,8
+10,2
+12,1
–1,4
+15,1
+8,5
+11,5
116,00
23,56
16,72
7,16
85,88
56,76
190,70
105,00
82,02
57,25
169,70
6,87
85,40
60,86
37,78
25,55
31,00
43,00
64,76
22,90
49,70
37,34
103,70
24,06
159,70
54,14
61,90
89,10
88,55
50,08
13,35
93,28
117,24
67,38
131,30
12,96
125,20
70,55
27,26
102,00
19,00
104,85
46,95
888,00
93,80
502,00
79,80
249,00
44,50
82,50
121,50
28,39
53,56
2,63
12,03
32,18
43,88
181,30
143,30
105,90
57,87
8,84
10,50
3,86
54,72
34,46
143,60
81,86
49,91
32,98
86,30
3,92
59,40
31,36
21,42
13,04
20,43
21,31
30,26
13,87
35,82
27,40
81,30
18,93
120,70
35,58
34,50
36,20
60,75
19,40
5,13
56,68
89,88
42,34
110,18
6,85
60,30
50,95
8,05
44,45
8,19
63,30
36,00
498,80
61,08
300,60
60,30
117,00
30,20
55,80
95,88
21,50
27,03
2,10
3,82
25,18
29,35
89,40
65,16
60,28
+0,5 +12,3
3656,39 2799,97
46,02
1,28
44228
+0,4
+0,9
+0,8
+2,0
+0,4
+1,4
+3,2
±0,0
+2,0
27,12
89,10
102,40
30,22
33,35
192,80
25,72
147,35
71,80
0,051x
0,191x
0,451x
0,251x
0,101x
1,601x
0,301x
2,001x
0,301x
0,20
0,25
0,45
1,04
0,45
0,98
1,44
1,41
0,62
136
26
104
110
170
4
176
11
172
+21,5
+22,1
+122,2
–4,7
–25,3
+4,6
+8,0
+11,1
–13,4
8.7.
9.7. Veränd. in %
Schluss 17.41 h 8.7. 31.12.
17,11
60,70
36,68
19,72
15,28
149,60
15,10
68,98
24,68
52 Wochen
Vergleich
2764,59
4945,49
310,13
6903,45
3171,20
999,00
651,26
2480,50
8514,65
3248,47
1179,05
40429,49
1165,93
15802,67
34888,72
3656,39
8726,26
16530,88
1490,17
15734,90
34811,57
3648,67
16446,14
42,10
429,10
6502,94
5221,22
11332,18
3189,37
2028,91
2741,71
173,00
5720,30
2350,69
409,48
342,97
1465,34
6308,59
2422,32
800,75
28151,00
922,34
11450,08
25536,52
2799,97
6346,35
11368,58
1081,09
11453,26
25580,68
2806,54
11390,93
16,28
299,75
4702,34
3925,37
7783,26
2183,32
F.A.Z.
2692,81
F.A.Z.-Auto- und Zulieferind. 4341,62
253,22
F.A.Z.-Banken
F.A.Z.-Bau und Immobilien 6800,66
F.A.Z.-Chemie und Pharma 3003,72
F.A.Z.-Erneuerb. Energien
668,16
F.A.Z.-Grundstoffe
579,32
F.A.Z.-Handel und Verkehr 2386,13
F.A.Z.-IT und Elektronik
8280,24
F.A.Z.-Konsum, Medien
3170,20
F.A.Z.-Maschinenbau
1154,41
F.A.Z.-Versicherungen
36867,29
F.A.Z.-Versorger,Telekom. 1152,54
Dax 30
15420,64
M-Dax
34352,34
Tec-Dax
3587,43
H-Dax
8564,11
S-Dax
15939,22
C-Dax
1459,87
Late Dax
15476,46
Late M-Dax
34429,28
Late Tec-Dax
3596,74
15978,67
Late S-Dax
VDAX-New
20,23
DivDax (Perf.)
412,90
Prime-All-Share
6380,93
Tec-All-Share
5069,86
Classic-All-Share
11123,50
GEX (Preis)
2979,77
147,11
249,13
4165,59
3585,66
460,89
460,51
1853,06
1292,71
738,10
928,29
12696,96
1589,47
1715,14
4151,23
1438,56
9310,80
2648,49
1695,46
6687,29
952,07
68148,54
3559,71
12085,51
103,86
173,38
2920,87
2671,44
329,29
338,57
1343,51
916,75
527,86
550,11
9038,15
985,38
1274,72
2970,69
1093,31
6329,50
1746,82
1039,51
4512,57
661,56
43679,41
1993,48
9494,52
F.A.Z.-Euro
F.A.Z.-Euro Performance
Euro Stoxx 50 (Europa)
Stoxx Europe 50 (Europa)
Euro Stoxx (Europa)
Stoxx Europe 600 (Europa)
S&P Euro 350 (Europa)
Euronext 100 (Europa)
AEX Index (Amsterdam)
Comp. Index (Athen)
OMX Index (Helsinki)
Nat. 100 Index (Istanbul)
OMXC 20 Ind. (Kopenhagen)
PSI-GERAL (Lissabon)
S&P UK (London)
IBEX 35 (Madrid)
DJ Italy Titans 30 (Mailand)
RTS Index (Moskau)
CAC 40 (Paris)
All-Sh. Priceind. (Stockholm)
WIG Index (Warschau)
ATX Index (Wien)
SMI (Zürich)
35091,56
14891,19
14755,33
4365,06
131083,70
51705,23
20381,70
1642,80
31183,36
6504,99
2899,89
11935,97
3316,08
1595,67
7655,90
17919,33
30714,52
25637,50
10313,94
10182,46
3127,66
93386,60
32503,25
15418,46
1187,49
23124,25
4754,80
2324,64
9256,07
2140,29
1188,31
5951,30
12030,20
21710,00
Dow Jones (New York)
34421,93
Nasdaq 100 (Nasdaq)
14722,14
Nasdaq Com. (Nasdaq)
14559,79
S&P 500 (New York)
4320,82
Bovespa (São Paulo)
125598,80
Mexiko SE (Mexiko)
49570,88
TSX Comp. Ind. (Toronto)
20061,21
SET Index (Bangkok)
1543,67
27137,51
Hang-Seng (Hongkong)
Jakarta SE (Jakarta)
6039,90
S&P S. Africa 50 (Johannesb.) 2676,38
SSE 180 (Schanghai)
10285,98
Kospi (Seoul)
3252,68
Stoxx Singapore 20 (Singapur) 1527,92
All Ordinaries (Sydney)
7614,90
Taiwan Weighted (Taipeh) 17866,09
Nikkei 225 (Tokio)
28118,03
Europäische Indizes
Übersee Indizes
111,12
20,74
16,30
6,52
82,46
38,18
160,15
101,45
80,46
50,68
164,85
5,60
66,00
53,76
32,48
16,09
28,19
36,63
58,30
19,43
40,50
34,36
96,80
22,54
143,55
52,84
56,86
80,34
62,38
47,30
12,04
90,78
95,90
56,60
128,70
9,90
62,70
66,02
17,29
88,58
16,86
101,15
42,06
784,60
80,52
458,30
70,54
128,90
38,10
66,40
120,05
27,95
27,38
2,32
8,52
31,55
33,91
134,00
123,70
100,25
Ums.Ges.
Div.- Tsd.St.
Rend.
8.7.
Statistik (aus dem HDAX)
Tagesgewinner
Porsche Vz.
Volkswagen Vz.
Dürr
Software
Veränd. %
+6,10
+5,91
+5,91
+4,81
52-Wochen-Gewinner
Eckert & Ziegler
K+S NA
Nordex
Daimler NA
Veränd. %
+155,84
+121,45
+114,75
+101,63
Tagesverlierer
Nordex
Delivery Hero
Sartorius Vz.
HelloFresh
Veränd. %
–2,47
–2,22
–2,21
–1,77
52-Wochen-Verlierer
TeamViewer
MorphoSys
Bayer NA
Hochtief
Veränd. %
–47,56
–45,62
–19,75
–19,15
2734,06
4494,39
260,39
6903,45
3053,66
663,13
597,65
2394,52
8378,57
3181,98
1178,43
37637,36
1162,75
15687,93
34777,59
3607,16
8706,21
16155,53
1482,61
15487,99
34483,46
3598,22
16005,65
17,87
420,29
6484,18
5090,57
11305,99
3024,22
+1,5
+3,5
+2,8
+1,5
+1,7
–0,75
+3,2
+0,35
+1,2
+0,37
+2,1
+2,1
+0,89
+1,7
+1,2
+0,55
+1,7
+1,4
+1,6
+0,07
+0,16
+0,04
+0,17
–11,7
+1,8
+1,6
+0,41
+1,6
+1,5
+12,4
+20,9
+14,4
+5,1
+8,7
–18,9
+22,6
+35,2
+11,2
+5,7
+11,3
+4,2
+12,3
+14,4
+12,9
+12,3
+14,2
+9,4
+14,2
+12,6
+11,7
+12,2
+8,6
–27,7
+15,5
+14,3
+13,6
+14,5
+3,9
143,09 +1,4 +12,0
141,11
242,80 +1,4 +13,7
239,44
3991,66 4068,09 +1,9 +14,5
3490,91 3541,44 +1,4 +13,9
454,09 +1,6 +14,2
446,88
457,67 +1,3 +14,7
451,61
1796,93 1820,93 +1,3 +14,8
1244,93 1265,80 +1,7 +14,7
732,15 +1,3 +17,2
723,11
874,25 +1,7
859,46
+8,1
12508,88 12640,96 +1,1 +16,3
1372,98 1378,28 +0,39 –6,7
1694,99 1691,92 –0,18 +15,5
3883,41 3875,70 –0,20 +2,0
1401,70 1420,10 +1,3 +10,9
8650,10 8776,60 +1,5
+8,7
2506,05 2552,12 +1,8 +14,1
1627,64 1636,90 +0,57 +18,0
6396,73 6529,42 +2,1 +17,6
949,21 +1,1 +23,5
938,62
66598,05 67128,80 +0,80 +17,7
3387,68 3436,43 +1,4 +23,6
11924,66 11989,81 +0,55 +12,0
34864,37
14812,12
14675,10
4365,06
–
49851,91
20200,33
1552,09
27348,53
6039,84
2723,13
10258,05
3217,95
1539,69
7545,30
17661,48
27940,42
+1,3
+0,61
+0,79
+1,0
–
+0,57
+0,69
+0,55
+0,72
±0,0
+1,7
–0,27
–1,1
+0,77
–0,91
–1,1
–0,63
+13,9
+14,9
+13,9
+16,2
–
+13,1
+15,9
+7,1
+0,43
+0,52
+5,0
–4,0
+12,0
+11,9
+10,1
+19,9
+1,8
Heimatbörse
Frankfurt
8.7.
9.7.
Dividende Schluss
AB Inbev
ABB NA
Adyen
Ahold Delhaize
Air Liquide
Amadeus IT
ASML Hold.
AstraZeneca
AXA
9.7.
Deutsche Börsen
Prime Standard
11 88 0 Solutions
2invest
3U Holding
4 SC
Aareal Bank
About You Hold.
Accentro Real Est.
ad pepper media (NL)
Adler Group (L)
Adler Modemärkte
Adler Real Estate
ADVA Optical Net.
Ahlers NA
Akasol
All for One Group
Alzchem Group
Amadeus Fire
Artnet NA
Atoss Software
Aumann
Aves One
Basler
Bastei Lübbe
Bauer
BayWa NA
BayWa vNA
BB Biotech NA (CH)
Beck, Ludwig
Befesa (L)
Bertrandt
Bet-at-home.com
Bike24
Bilfinger
Biofrontera NA
A. B. Foods (GB)
26,09
Abrdn (GB)
3,26
Accor (F)
30,66
ACS (E)
21,70
Adecco Group NA (CH) 61,44
Aegon (NL)
3,39
Aeroports de Paris (F) 111,95
Ageas (BE)
46,26
Air France-KLM (F)
4,13
Airbus (NL)
109,38
Akzo Nobel (NL)
103,30
Alfa Laval AB (SE)
29,91
Alstom (F)
37,48
Andritz (A)
45,94
Anglo American (GB)
33,20
Antofagasta (GB)
16,77
AP Moeller-Maersk (DK) 2425
ArcelorMittal (L)
24,88
Arkema (F)
105,15
Aryzta NA (CH)
1,19
Assa-Abloy AB (SE)
26,10
Atlantia (I)
15,66
Atlas Copco A (SE)
52,74
Atos (F)
52,34
Aviva (GB)
4,79
Babcock Int. (GB)
3,48
BAE Systems (GB)
6,14
Bâloise NA (CH)
143,00
Banco Sabadell (E)
0,54
Bank of Ireland (IRL)
4,26
1,941x 59,28
59,46 59,53 +0,7
0,28£2x 3433,50 3434,00 40,06 +1,1
2x
0,175
7,88
7,92 7,90 +1,3
0,531x 11,53
0,242x
9,96
1,081x 152,80
11,61 11,62 +0,7
10,08 10,08 +1,8
154,34 153,62 +0,2
0,67£ 149,75 150,80 152,65 +1,9
0,19£4x 1426,00 1435,20 16,94 +1,4
0,15$4x 410,60 414,10 4,81 –0,8
Iberdrola
Inditex
ING Groep
0,0271x
0,351x
0,122x
10,21
29,15
10,59
10,28 10,21 ±0,0
29,73 29,53 +1,4
10,88 10,87 +2,5
Intesa Sanpaolo
Kering
Kone
0,0361x
2,24
5,502x 712,90
2,251x 69,28
2,28 2,23 –2,5
731,20 730,90 +3,3
69,76 69,66 +0,6
L’Oréal
LVMH Moët Hen.
National Grid
4,0611x 365,00
4,002x 639,20
0,322£2x 935,60
371,80 370,60 +2,5
662,40 662,00 +2,6
939,60 11,00 +0,7
Nestlé NA
2,75F1x 115,46
Novartis NA
3,00F1x 84,11
Novo-Nordisk AS B 5,85DKK2x 542,20
115,20
–
–
84,94
–
–
544,60 72,24 –1,7
Pernod Ricard
Philips Electr.
Prosus
180,85 180,25 –2,3
39,06 39,01 –0,4
77,36 77,33 –0,2
2x
1,33 180,20
0,851x 39,00
0,112x 76,89
2x
0,077£2x 1342,00 1379,00 15,70 ±0,0
1,016£2x 6461,00 6432,00 76,20 +0,5
0,334£2x 1986,00 2008,00 23,49 ±0,0
Rio Tinto
2,886£2x 5866,00 6106,00 71,80 +2,6
Roche Hold. GS
9,10F1x 353,95 353,10
–
–
Royal Dutch Shell A 0,174$4x 17,09
17,22 17,18 +0,3
Vinci
Vivendi
Vodafone
Zurich Insur. Grp
Syzygy
7,26
7,38
Takkt
13,74 13,82
Talanx NA
34,94 35,46
technotrans NA
27,05 27,20
Tele Columbus NA
3,28
3,28
Teles
1,39
1,39
Traton
26,78 27,06
United Labels
2,70
2,74
USU Software
23,90 24,00
Vantage Towers
28,10 28,50
Va-Q-Tec NA
29,15 29,80
Verbio
42,66 43,24
Villeroy & Boch Vz.
20,20 20,80
Viscom
14,35 14,05
Vita 34 NA
15,20 15,20
Volkswagen St.
268,00 281,80
Voltabox
3,19
2,98
Vossloh
41,10 41,15
Wacker Neuson NA
24,40 24,46
Washtec
49,65 50,80
Westwing Group
42,50 42,52
windeln.de
1,77
1,70
Wüstenr. & Württemb. 19,20 18,94
YOC
10,30 10,30
Zeal Network
40,50 40,60
zooplus
272,40 267,20
Scale
2G Energy
Apontis Pharma
Artec Technologies
Beta Systems Software
Blue Cap
Cliq Digital
Consus Real Estate
cyan
Daltrup & Söhne
Datagroup IT Serv.
Datron
25,92
3,26
31,41
22,23
62,58
3,55
111,25
45,43
4,14
112,80
104,85
30,31
37,86
46,08
35,20
16,47
2360
25,78
106,65
1,20
25,78
15,23
52,56
52,80
4,79
3,50
6,34
144,30
0,538
4,36
88,10
17,10
3,85
–
25,20
26,10
6,48
7,99
4,24
65,60
9,90
90,20
16,95
3,80
29,00
25,80
25,70
6,33
7,92
4,28
65,10
9,85
Delignit
8,25
Deutsche Rohstoff
16,70
Dt. Grundst. Aukt.
23,00
DVS Technology
16,20
Edel
3,02
EQS Group
39,20
Ernst Russ
3,30
Exasol
17,65
fashionette
29,50
FinLab
23,90
Formycon
59,10
Heliad Eq.Part. konv. 13,80
HELMA Eigenheimbau 59,60
IBU-Tec Advanced
52,00
JDC Group
16,75
Lloyd Fonds
10,25
MagForce
3,61
Media & Games Inv. (MT)5,66
Mensch & Maschine 62,10
MIC konv.
3,36
MPC Münchmeyer
3,34
Mutares
22,10
mVISE
2,15
Mynaric
75,30
Nabaltec
34,00
Noratis
20,40
Nürnb. Bet. vink. NA 81,50
Nynomic
43,30
Ökoworld NA Vz.
76,80
Pantaflix
1,26
publity
18,90
RCM
2,18
Scherzer & Co.
3,06
SGT German Private Eq. 1,71
The Naga Group
5,72
Vectron Systems
12,96
8,25
16,75
22,40
16,30
3,02
39,80
3,32
17,77
31,40
23,80
59,50
13,60
59,40
52,40
15,85
9,92
3,56
5,89
62,50
3,24
3,18
22,80
2,10
77,50
33,40
20,90
79,00
44,30
76,00
1,25
18,82
2,18
3,04
1,68
5,74
13,00
4,11
2214
85,60
25,50
4,56
30,80
5,91
2,17
28,83
23,40
26,78
2,46
163,95
0,447
158,85
18,32
16,40
26,06
0,61
23,24
658,00
18,36
14,00
30,33
142,75
47,18
17,40
11,50
9,11
15,18
42,43
161,70
10,63
49,26
4,13
2208
86,20
26,40
4,47
31,86
5,81
2,17
30,12
24,20
26,49
2,52
167,50
0,44
156,40
18,34
16,38
25,11
0,605
22,98
658,50
18,69
14,44
29,84
140,75
46,60
17,85
11,73
9,19
15,12
42,64
159,35
10,70
48,57
EdF (F)
EDP (PT)
Electrolux B fr (SE)
Ems-Chemie (CH)
Enagás (E)
Endesa (E)
Equinor ASA (N)
Ericsson B fr (SE)
Erste Group Bank (A)
Eutelsat Comm. (F)
Exor (NL)
Experian Group (JE)
Ferguson PLC (JE)
Ferratum Oyj (FI)
Ferrovial (E)
Flughafen Zürich (CH)
Fortum (FI)
Fresnillo PLC (GB)
GALP (PT)
Gazprom ADR (RU)
GBL (BE)
Geberit NA (CH)
Gecina (F)
Generali (I)
Getinge (SE)
Getlink (F)
Givaudan NA (CH)
Gjensidige Forsikr. (N)
Glencore (JE)
Grifols (E)
Hargreaves Lans. (GB)
Heineken Hold. (NL)
Heineken N.V. (NL)
Hellenic Telecom (GR)
Hennes & Mauritz (SE)
11,35
4,68
23,87
929,50
18,29
21,09
17,07
11,01
30,97
9,77
66,00
34,28
117,00
4,84
25,09
151,90
23,11
9,65
8,97
6,57
93,96
704,60
129,20
16,92
32,71
13,91
4330
18,85
3,61
21,84
18,80
85,50
100,00
14,65
19,23
11,27
4,64
23,45
937,00
18,30
21,11
17,22
11,00
30,44
9,76
64,78
34,27
120,00
4,88
25,32
153,30
23,01
9,35
8,87
6,66
93,78
710,40
132,85
16,59
32,57
14,00
4333
18,81
3,73
21,70
19,20
84,75
100,55
14,51
19,48
Hermes International (F) 1217
Hexagon B (SE)
12,77
Holcim N (CH)
52,98
Icade (F)
74,60
Iliad (F)
120,45
Imerys (F)
37,82
IMI (GB)
20,20
Immofinanz (A)
19,40
Int. Cons. Airlines (E)
2,10
InterCont. Hotels (GB) 56,10
Investor B (SE)
19,99
ITV (GB)
1,46
JCDecaux (F)
23,94
Jeronimo Martins (PT) 16,72
Johnson, Matthey (GB) 35,62
Julius Bär NA (CH)
57,04
KBC Group (BE)
64,14
Kerry Group A (IRL)
122,40
Kingfisher (GB)
4,36
Kinnevik B (SE)
36,01
Klepierre (F)
21,36
Komercni (CZ)
29,68
Kon. Vopak (NL)
38,09
Kuehne + Nagel NA (CH) 312,80
Land Securities (GB)
7,90
Legal & General (GB)
3,00
Legrand (F)
90,24
Lindt & Spr. NA (CH)
98500
London Stock Ex. (GB) 92,48
Mapfre (E)
1,74
Marks & Spencer (GB)
1,78
Mediaset (I)
3,14
Mediobanca (I)
9,78
Michelin (F)
132,45
Natixis (F)
3,98
1229
12,75
53,64
73,75
120,70
38,32
20,00
19,45
2,15
55,60
19,89
1,42
23,62
16,50
35,90
57,60
63,90
122,05
4,28
34,58
21,94
29,54
38,03
314,60
7,85
3,08
90,54
99200
91,50
1,76
1,70
3,13
9,53
133,10
3,98
Naturgy Energy (E)
21,95 22,00
NatWest Group (GB)
2,35
2,27
Next (GB)
92,90 90,76
Nokia (FI)
4,56
4,66
Nordea Bank Abp (FI)
9,40
9,28
Norsk Hydro (N)
5,24
5,22
Novozymes B (DK)
63,34 63,72
OC Oerlikon NA (CH)
10,26 10,48
OCI N.V. (NL)
20,76 21,32
OMV (A)
46,33 46,86
Orange (F)
9,30
9,46
Orkla (N)
8,60
8,61
Österreich. Post (A)
45,45 45,60
Pandora A/S (DK)
114,25 114,40
Partners Group (CH)
1409
1420
Pearson (GB)
9,70
9,45
Porsche Vz.
88,08 92,74
Poste Italiane (I)
11,07 10,90
Proximus (BE)
16,46 16,49
Publicis Group (F)
52,34 52,44
Randstad Hold. (NL)
65,34 64,10
Red Eléctrica (E)
15,60 15,70
Relx (GB)
23,49 23,49
Renault (F)
32,78 33,61
Repsol YPF (E)
9,61
9,81
Rexel (F)
18,15 18,01
Richemont (CH)
108,95 110,65
1,20
Rolls-Royce Group (GB) 1,20
Royal KPN (NL)
2,60
2,63
RTL Group (L)
47,64 49,22
Ryanair Holdings (IRL) 16,00 16,40
Sage Group (GB)
8,08
8,03
Sainsbury PLC (GB)
3,33
3,30
Saipem (I)
1,94
1,95
Sampo (FI)
39,30 39,35
Sandvik (SE)
21,64
SCA B fr (SE)
14,29
Schibsted (N)
44,16
Schindler PS (CH)
280,00
Schroders (GB)
41,49
Scor SE (F)
25,24
Scot.&South. En. (GB) 18,11
SE Banken A fr (SE)
10,88
SeaDrill (BM)
0,384
Semperit (A)
31,15
SES S.A. (L)
6,67
SGS NA (CH)
2889
Sika (CH)
306,90
Skanska B fr (SE)
22,85
SKF B fr (SE)
21,59
Smith & Nephew (GB) 18,54
Snam Rete Gas (I)
4,86
Sodexo (F)
78,44
Solvay (BE)
106,30
Sonova Hold. NA (CH) 355,30
Standard Ch. PLC (GB)
5,30
Stellantis (NL)
15,91
STMicroelectronics (NL) 31,03
Stora Enso Oyj (FI)
15,57
Subsea 7 (L)
7,72
Suez Environm. (F)
19,49
Sulzer NA (CH)
126,80
Svenska Handelsbk. (SE) 9,50
Swatch Group Inh. (CH) 301,90
Swedbank A (SE)
15,80
Swiss Life NA (CH)
446,20
Swiss Re NA (CH)
83,04
Swisscom NA (CH)
531,40
TechnipFMC (GB)
7,15
Telecom Italia (I)
0,385
21,71
14,76
43,66
280,70
40,66
24,90
18,00
10,87
0,406
30,70
6,64
2896
309,10
22,72
21,49
18,27
4,90
76,02
108,10
330,20
5,20
16,46
31,84
16,00
7,74
19,58
128,30
9,68
310,20
16,15
453,30
84,20
535,80
7,21
0,39
Telefónica (E)
3,72
3,73
Telekom Austria (A)
7,21
7,16
Telenet (BE)
32,20 31,58
Telenor (N)
14,34 14,43
Telia Comp. (SE)
3,75
3,75
Tenaris (L)
8,90
8,73
Terna (I)
6,42
6,35
Tesco (GB)
2,80
2,76
Thales (F)
87,52 88,58
TomTom (NL)
6,78
6,79
Tullow Oil PLC (GB)
0,633 0,609
UCB (BE)
89,44 90,50
UniCredit (I)
9,41
9,64
United Utilities (GB)
12,07 12,21
UPM-Kymmene (FI)
32,39 33,24
Valeo (F)
23,91 24,71
Vallourec (F)
7,25
7,62
Veolia Environnem. (F) 25,72 25,95
Vestas Wind (DK)
33,63 32,40
Vienna Insurance (A)
23,20 23,30
Vifor Pharma NA (CH) 122,30 123,90
Voest-Alpine (A)
34,04 35,34
Volvo B (SE)
20,54 20,83
Wärtsilä (FI)
12,81 12,66
Wendel (F)
110,90 108,60
Whitbread (GB)
36,81 36,09
Wienerberger (A)
32,70 32,92
Wolters Kluwer (NL)
86,46 86,38
WPP (JE)
11,44 11,27
Yara (N)
44,99 46,22
Dow Jones Industrial Average
New York (USD)
Heimatbörse
Frankfurt
8.7.
9.7.
9.7. Ver.
Dividende Schluss 17.41 h 17.41 h in %
Cigna Corp.
Citigroup
Colgate-Palmolive
ConAgra Brands
ConocoPhillips
Corning Inc.
Crown Castle Intern.
CVS Caremark
Danaher Corp.
Deere & Co.
Dell Techs
Dominion Energy
Duke Energy
Eaton Corp.
Emerson Electric
Exxon Mobil Corp.
FedEx Corp.
Ferrari N.V.
Ford Motor
Franklin Resources
Freeport-McMoRan
Gap Inc.
General Dynamics
General Electric
General Mills
General Motors
Grainger Inc.
Halliburton
Harmony G.ADR
Hershey Co.
Hess Corp.
Howmet Aerospace
HP Enterprise
HP Inc.
Illinois Tool Works
Int. Paper
Intercont. Exch.
Johnson Controls
Kellogg
Kimberly-Clark
234,05
68,10
82,65
36,10
60,21
41,06
200,53
81,59
277,55
349,68
100,72
75,23
100,42
153,83
97,95
61,26
296,31
208,45
14,39
32,07
36,55
31,98
189,96
13,18
59,81
58,22
456,78
22,41
3,78
176,82
83,91
33,72
14,58
30,46
227,49
62,40
118,37
70,39
64,33
135,54
Kroger Co.
Lilly (Eli)
Lockheed Mar.
Loews
Lowe’s
Macys
Marsh & McL.
MasterCard
Medtronic PLC
MetLife
Morgan Stanley
Newmont Corp.
Nextera Energy
Norfolk South.
Northrop Grumman
Occidental P.
Omnicom
Oracle Corp.
Parker Hannifin
PepsiCo
Pfizer
Philip Morris
PP&L Res.
PPG Ind.
ProLogis
Raytheon Technol.
Schlumberger
Sherwin Will.
Snap
Southern Co.
State Street
Stryker
Sysco
Target Corp.
Teva Pharmac.
Texas Instr.
Trane Technologies
Truist Financial
Twitter
Union Pacific
UPS
Valero Energy
Waste Managem.
Wells Fargo
Western Digital
Weyerhaeuser
Williams Cos.
Yum! Brands
214,43
72,24
142,88
43,67
70,01
35,55
26,51
118,26
NortonLifeLock
NVIDIA Corp.
NXP Semiconduct.
Paccar Inc.
Paychex
PayPal
Qualcomm Inc.
Ryanair
Starbucks
T. Rowe Price
Tesla
Vertex Pharm.
Wynn Resorts
52 Wochen
Vergleich
3M Co.
American Express
Amgen
Apple Inc.
Boeing Co.
Caterpillar Inc.
Chevron Corp.
Cisco Systems
Coca Cola Co.
Disney Co.
Dow Inc.
Goldman Sachs
Home Depot
Honeywell Intl.
IBM
Intel Corp.
Johnson & Johnson
McDonald’s
Merck & Co.
Microsoft
Morgan (J.P.)
Nike
Procter & Gamble
Salesforce.com
Travelers Comp.
UnitedHealth
Verizon
VISA
Walgreens Boots
Walmart Inc.
1,48$4x
0,43$4x
1,76$4x
0,22$4x
2,06$4x
1,03$4x
1,34$4x
0,37$4x
0,42$4x
0,88$1x
0,70$4x
1,25$4x
1,65$4x
0,93$4x
1,64$4x
0,35$4x
1,06$4x
1,29$4x
0,65$4x
0,56$4x
0,90$4x
0,28$4x
0,87$4x
0,001x
0,88$4x
1,45$4x
0,63$4x
0,32$4x
0,47$4x
0,55$4x
198,27
167,50
244,28
143,24
236,77
212,11
102,60
53,26
54,13
172,80
61,41
358,94
318,54
219,32
140,74
55,39
169,08
232,84
78,12
277,42
150,94
160,63
136,98
245,80
148,52
409,95
55,68
236,61
46,72
139,59
201,45
171,26
245,76
145,07
239,21
217,96
104,03
53,80
54,50
176,86
63,35
370,55
321,97
224,25
141,48
55,97
169,96
235,01
78,38
277,41
155,10
161,80
137,38
246,94
152,88
411,76
56,19
239,37
47,27
140,80
169,45
142,60
205,60
122,28
201,20
182,85
86,59
45,20
45,86
148,56
53,08
309,70
271,10
187,55
119,05
46,97
143,18
197,75
66,00
233,70
129,34
136,68
115,40
208,00
124,85
347,55
47,28
200,55
39,77
118,74
+1,0
+0,9
±0,0
+0,7
+3,3
+2,5
+1,0
+0,6
+0,8
+1,7
+1,2
+3,0
+0,3
+2,2
+0,5
+0,6
+1,2
+0,6
+0,8
–0,5
+1,7
+1,5
–0,1
+0,1
–2,6
+0,6
+0,6
+0,4
+0,8
+0,6
8.7.
9.7.
Heimatbörse
Abb Vie
116,35
Abbott Labor
119,26
Accenture
309,15
Aflac Inc.
52,33
Agilent Technol.
148,83
Air Products & Chem.287,36
Alibaba
199,85
Allstate
130,40
Altria Group Inc.
46,43
Am. Electric Power 85,31
Am. Intl. Group
44,86
AMD Inc.
89,74
Americ. Tower Reit 277,92
Aon PLC
235,21
Apache Corp.
20,03
Archer-Daniels
59,13
AT&T
28,18
Baker Hughes
21,97
Bank of America
38,78
Bank of N.Y. Mellon 48,34
Barrick Gold
20,72
Baxter Int. Inc.
81,33
Becton D.& C.
251,00
Berkshire Hath. A 411840
Berkshire Hath. B 274,10
Blackrock
876,50
Boston Scientific
43,34
BP PLC
25,58
Bristol-Myers Sq.
66,69
Capital One
152,46
Carnival Corp.
23,72
Cdn Pacific Railw.
72,89
Charles Schwab
67,94
Chubb Ltd.
157,95
117,18
119,97
313,31
53,30
149,58
291,11
205,54
133,49
47,64
84,79
46,49
90,87
276,59
236,55
20,56
60,46
28,49
22,68
39,91
49,77
21,04
80,99
249,78
421250
280,13
900,10
43,79
26,07
67,40
159,80
24,24
74,52
70,05
162,52
231,41
66,73
82,34
36,09
59,21
40,10
200,74
80,22
276,98
343,58
99,00
75,95
100,56
150,57
96,03
60,14
293,24
205,66
14,06
31,08
34,69
30,89
188,02
12,87
59,66
56,06
449,70
21,61
3,74
175,79
82,60
32,94
14,30
29,92
223,83
61,33
118,06
68,91
64,00
135,30
37,88
237,12
379,92
52,88
192,80
17,47
141,52
370,19
127,44
56,69
87,64
62,76
75,13
253,78
369,94
29,66
78,31
85,59
306,88
149,86
39,25
98,37
28,16
168,97
123,11
85,44
30,53
273,09
61,96
61,55
79,59
263,94
74,29
248,58
9,14
188,24
187,24
52,98
66,83
218,34
38,44
237,93
382,89
54,31
195,58
18,31
142,52
373,06
128,45
59,01
89,98
63,90
74,61
263,40
371,73
30,26
79,53
88,08
313,16
149,79
39,83
99,93
28,23
171,15
123,21
86,54
31,37
275,41
64,71
61,29
83,58
265,25
76,18
248,91
9,30
190,30
190,93
54,73
68,24
222,09
Nasdaq (USD)
Adobe
Alphabet Inc. A
Amazon.com
Applied Mater.
ASML Hold.
Autom. Data
Baidu Inc.
Biogen Inc.
BioNTech
Booking Hold.
Broadcom
Cerner Corp.
Cincinnati Fin.
Cognizant Techn.
Comcast A
Costco
CSX Corp.
eBay
Facebook
Fiserv Inc.
Gilead Science
Illumina
Intuit Inc.
Intuitive-Surgical
Kraft Heinz Co
Liberty Global A
Marriott Intl.
Mondelez Intern.
Netflix
Northern Trust
212,07
70,26
142,17
42,32
67,82
35,04
26,24
117,32
8.7.
9.7.
605,95
2501
3731
132,53
673,69
201,86
175,88
369,05
207,93
2164
470,50
79,74
113,76
68,37
58,23
407,15
30,95
68,65
345,65
107,74
67,69
472,86
506,09
951,87
39,60
25,65
137,64
62,95
530,76
111,58
602,07
2506
3738
134,88
691,41
202,97
180,75
371,02
216,67
2181
477,97
79,99
117,76
68,84
58,41
412,27
31,87
69,91
349,16
109,12
68,24
475,83
502,82
952,99
39,87
26,25
141,55
63,13
534,88
115,11
27,21
796,11
195,99
85,66
110,22
295,05
138,29
106,01
115,99
199,40
652,81
197,74
111,66
Hongkong (HKD)
Bank of China
BOC (HK)
CCB
China Mobile
China Nat. Offs. Oil
CK Hutchison
Hang Seng Bank
Ping An Insur.
Sun Hung K.P.
Tokio (JPY)
Canon Inc.
Honda Motor
Japan Tobacco
Mitsub. UFJ Fin.
Mizuho Financ.
Nissan Motor
Softbank
Sony Corp.
Sumitomo Mit.Fin.
Toyota Motor
8.7.
27,51
797,58
200,36
87,35
111,26
299,82
141,11
108,00
117,44
203,36
650,89
198,49
114,73
9.7.
2,76
2,74
25,65 25,45
5,60
5,56
46,65 46,70
8,40
8,41
58,20 57,70
152,90 152,40
71,65 71,40
113,30 113,50
8.7.
9.7.
2465
3471
2081
587
1560
579
7380
10975
3749
9675
2477
3448
2091
587
1560
576
7327
11055
3716
9650
Letzte Kursfeststellung um 17.41 Uhr.
0,0962x
Flutter Entertain.
GlaxoSmithKline
HSBC Hold.
TotalEnergies
UBS Group
Unilever plc.
25,20
4,09
15,40
30,00
19,48
48,80
42,92
19,50
25,00
11,37
64,50
27,60
5,28
80,10
54,80
71,60
44,55
14,88
234,00
62,80
6,72
3,97
130,60
3,98
3,84
34,75
10,52
11,20
24,74
6,66
27,60
106,00
253,50
65,80
15,45
44,78
39,05
22,60
1,90
10,75
22,30
2,13
22,60
7,25
8,28
28,40
33,60
25,75
1,86
1,52
23,60
15,74
41,10
0,20
49,22
11,29
26,52
464,00
7,31
35,80
447,50
16,10
28,75
7,84
5,38
17,30
115,50
70,30
18,10
59,35
6,68
67,40
0,10
25,80
116,80
13,15
28,00
33,50
26,35
19,17
Übersee Börsen
1,552x 567,30 583,10 581,00 +1,2
1,374£2x 8589,00 8648,00 101,14 +1,4
1,431x 21,29
21,82 21,70 +2,1
0,053$4x 307,70 310,90 3,63 +0,2
0,539£2x 2758,50 2772,50 32,75 +1,2
0,7722x 41,50
42,40 41,73 –2,4
Safran
Sanofi S.A.
Schneider Electr.
25,75
4,36
15,20
29,80
19,24
48,40
42,86
19,00
24,85
11,28
65,90
26,95
5,26
78,35
53,20
71,50
44,30
14,29
236,00
61,80
7,06
3,91
130,60
4,00
3,90
34,50
10,46
11,10
24,62
6,60
28,00
106,00
264,50
64,90
16,15
43,90
38,50
22,80
1,93
10,80
22,05
2,14
22,60
7,30
8,30
29,00
32,50
26,55
1,85
1,53
23,60
15,82
41,50
0,16
47,64
11,13
25,92
462,00
7,24
36,45
447,00
15,75
28,95
7,60
5,38
17,16
113,00
69,70
18,12
61,95
6,70
67,15
0,101
25,30
117,40
13,17
28,10
34,22
26,35
19,19
Kurse in Euro / Schweizer Franken
Bankinter (E)
Barry Callebaut NA (CH)
BB Biotech NA (CH)
BHP Group (GB)
Bollore (F)
Bouygues (F)
Brit. Land (GB)
BT Group (GB)
Bunzl (GB)
Burberry Group (GB)
Bureau Veritas SA (F)
Caixabank (E)
Capgemini (F)
Capita PLC (GB)
Carlsberg B (DK)
Carnival PLC (GB)
Carrefour (F)
Casino Guich. (F)
Centrica (GB)
CEZ Inh. (CZ)
Christian Dior (F)
Clariant NA (CH)
CNP Assurances (F)
Coca-Cola HBC (CH)
Coloplast (DK)
Colruyt (BE)
Compass Group (GB)
Crédit Agricole (F)
Credit Suisse NA (CH)
Danske Bank (DK)
Dassault Systemes (F)
DSM (NL)
Easyjet (GB)
Edenred (F)
8.7.
9.7.
Frankfurt / Schweizer Aktien Zürich
25,34 25,37 –0,5
147,92 148,60 +1,3
57,58 57,72 +1,2
BP
Brit. Am. Tobacco
CRH
Prudential
Reckitt Benckiser
Relx
1,53
12,58
3,43
1,49
19,86
24,34
7,80
5,84
22,70
0,17
12,04
12,42
1,50
121,20
67,60
25,10
157,20
9,85
184,20
16,72
8,96
105,60
5,52
12,22
43,20
36,85
79,50
30,40
64,60
58,80
37,00
19,00
25,08
2,69
Instone Real
Intershop Communic.
InTiCa Systems
InVision
IVU Traffic Techn.
Jost Werke
Jungheinrich
KAP
Katek
Klöckner & Co. NA
Knaus Tabbert
Koenig & Bauer
KPS NA
Krones
KUKA
KWS Saat
Leifheit
Leoni NA
Logwin NA (L)
Manz
Masterflex
MAX Automation
MBB
Mediclin
Medigene NA
Medios
Metro St.
Metro Vz.
Mister Spex
MLP
MVV Energie NA
Nagarro
New Work
Nexus
NFON
Norma Group NA
OHB
OVB Holding
Paion
paragon GmbH
Epigenomics
1,22
1,23
ERWE Immobilien
3,52
3,52
Exceet Group (L)
4,94
4,74
Fabasoft (A)
39,80 38,65
Ferratum Oyj (FI)
4,84
4,88
Fielmann
65,00 65,25 xD
First Sensor
42,30 42,30
flatexDEGIRO
106,90 105,90
Fortec
18,00 18,20
Fr. Vorwerk Group
48,12 47,80
Francotyp-Postalia
3,13
3,09
Fuchs Petrolub St.
32,75 33,15
Fyber N.V. (NL)
0,675
0,82
Gateway Real Est.
2,74
2,77
Geratherm Medical
10,25 10,10
Gesco NA
21,00 21,30
GFT Technologies
22,15 23,15
Gigaset
0,35 0,376
GK Software
138,00 143,00
Global Fashion Grp. (L) 12,71 12,70
Grammer
25,50 25,20
Grenke NA
35,73 35,82
H+R
8,06
8,20
Hamborner Reit
9,11
9,18
Hamburger Hafen
21,02 20,88
Hapag-Lloyd NA
197,00 182,10
Hawesko
62,60 63,40
Heidelb. Druck
1,96
2,03
Heidelberg Pharma
7,45
7,44
Henkel & Co.
78,10 78,15
Hensoldt
13,84 14,22
hGears
21,80 21,40
Highlight Comm. (CH) 3,74
3,74
HolidayCheck Gr.
2,65
2,67
home24
15,18 15,05
Hornbach Hold.
98,85 96,55 xD
Hornbach-Baum.
36,85 35,15
Hypoport SE
444,60 440,00
Indus Holding
33,25 33,05
Init Innovation
40,15 39,40
Patrizia
Petro Welt Techn. (A)
PharmaSGP Hold.
PNE NA
ProCredit Holding °
Progress
PSI Software NA
PVA TePla
q.beyond
Qingdao Haier (CN)
R. Stahl NA
Rhön-Klinikum
RIB Software NA Δ
ROY Asset Hold.
RTL Group (L)
SAF Holland Δ
Salzgitter
Sartorius St.
Schaeffler Vz.
Schaltbau Hold.
Secunet
Serviceware
SFC Energy
SGL Carbon
Singulus Δ
Sixt Leasing
Sixt St.
Sixt Vz.
SLM Solutions Gr.
SNP
Softing
Stabilus (L)
Steinhoff Intern. (NL)
Stemmer Imaging
Stratec
Südzucker
Surteco Group
Suse (L)
Süss MicroTec NA
SYNLAB
Europäische Börsen
Ver.
3,06
3,13 3,12 +2,5
1,01$2x 2168,00 2262,00 26,40 +3,5
1,1231x 49,72
50,93 50,60 +1,8
Engie
Eni
Essilor-Luxottica
1,50
12,56
3,19
1,48
19,41
24,95
7,80
5,80
22,90
0,197
12,04
12,44
1,58
120,80
68,60
25,00
158,00
10,10
189,40
16,20
9,04
105,60
5,70
12,30
43,60
37,00
77,70
29,80
65,10
56,30
36,75
18,29
23,98
2,80
Wirtschaft zu ihrer Normalität vor Corona
zurückzubringen“, sagte Anlagestratege Jim Reid
von der Deutschen Bank.
Nach dem jüngsten Ausverkauf an den Börsen
sind US-Aktienanleger am Freitag wieder eingestiegen. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte
stieg um 0,9 Prozent auf 34 747 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500 kletterte um 0,7 Prozent auf
4349 Zähler. Der Index der Technologiebörse
Nasdaq gewann 0,2 Prozent auf 14 585 Punkte.
„Der Markt war auf einem Höhepunkt und musste
sich ein wenig zurückziehen, und das hat er gestern auch getan“, sagte Peter Cardillo, Chefmarktökonom beim Vermögensverwalter Spartan Capital Securities in New York. Anleger griffen vor
dem Wochenende vor allem wieder bei zinsabhängigen Finanzwerten zu.
Reuters
Kurse in Euro
Biotest St.
33,40 33,50
Biotest Vz.
33,30 33,30
BMW Vz. Δ
71,80 74,25
Borussia Dortmund
6,05
6,03
Brain Biotech
9,48
9,44
Brockhaus Cap. Man. 20,90 21,40
Capsensixx
15,10 15,10
Ceconomy St.
3,90
3,94
Ceconomy Vz.
4,98
4,98
Cenit
15,05 15,05
CeWe Stiftung
127,60 126,20
Cherry
32,00 32,00
Compleo Charg. Sol. 83,20 83,00
Corestate Capital (L) 10,90 10,92
Creditshelf
46,80 46,00
CropEnergies
10,70 10,76
Data Modul
53,00 53,00
Delticom
9,70
9,22
Demire Real Estate
4,25
4,18
Dermapharm Holding 67,50 68,15
Deutsche Industrie REIT 17,00 17,45
Deutsche Konsum REIT 15,00 14,80
Deutz
6,70
6,92
DFV Dt. Familienvers. 13,18 13,04
Dialog Semic. NA (GB) 65,16 65,02
DIC Asset NA
14,74 14,84
Diebold Nixdorf (USA) 10,25 10,23
DMG Mori
41,60 41,70
Dr. Hönle
46,90 47,45
Drägerwerk St.
74,80 74,50
Dt. Beteiligung
33,10 33,05
Dt. EuroShop NA
19,42 19,97
Dt. Pfandbriefbank
8,33
8,37
DWS Group
39,00 38,78
Ecotel Communic.
20,40 19,80 xD
EDAG Engineer. (CH) 10,05 10,15
Einhell Germany Vz. 169,50 169,50
Elmos Semicond.
38,30 38,50
ElringKlinger NA
14,35 14,63
elumeo
7,80
7,85
8.7.
9.7.
Schluss/Kassa 17.41 h
17.41 h 17.41 h in %
Banco Santander
BHP Group
BNP Paribas
Danone
Diageo
Enel
Schnäppchenjäger haben Europas Aktienmärkten
zum Wochenschluss aufgeholfen. Die rasche Verbreitung der besonders ansteckenden Delta-Variante des Coronavirus dämpfte die Kauflaune
der Anleger allerdings etwas. Der Dax stieg am
Freitag bis Handelsschluss um 1,7 Prozent auf 15
688 Punkte, der Euro Stoxx 50 kletterte um 1,8
Prozent auf 4063 Zähler.
„Es gibt noch immer eine größere Zahl an
Investoren, die die Rally unterinvestiert beobachtet haben oder die an der Seitenlinie auf günstigere Einstiegskurse warten“, sagte Portfoliomanager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC
Partners. Auf Wochensicht lagen die europäischen Indizes allerdings im Minus. „Offenbar
setzt sich langsam die Erkenntnis durch, dass
Impfprogramme allein nicht ausreichen, um die
Schluss: 15687,93 30.12.2020: 13718,78 52 Wochen Hoch/Tief: 15802,67/11450,08
0,502x 58,67
58,88 58,82 +0,6
0,80F1x 32,17
32,85
–
–
1x
0,00 2074,50 2118,502092,00 +0,7
0,402x 25,34
2,751x 145,86
0,562x 57,00
Delta dämpft die Kauflaune
Dax im Jahresverlauf (Xetra)
Euro Stoxx 50, Stoxx Europe 50
52 Wochen
Hoch
Tief
Deutsche Indizes
313,85
207,90
65,56
50,71
84,93
116,96
54,10
70,94
117,70
10,27
143,00
57,55
17,78
51,54
10,03
43,80
68,14
73,00
87,16
32,56
242,00
168,45
207,50
226,50
31,05
122,40
25,55
130,58
202,00
56,70
34352,34 34777,59 34785,16 34399,22
Aktien-Indizes
52 Wochen
Tief Vergleich Hoch
Xetra
Veränd. in % seit 52 Wochen
8.7. 30.12.20 Hoch
Tief
15420,64 15687,93 15687,93 15479,44
65,65 48,8 25,8 Airbus (NL) I P
2,38 33,5 29,3 Aixtron NA W
2,83 26,6 24,8 alstria office REIT
6,66 15,4 11,5 Aroundtown (L)
2,86 15,2 15,0 Aurubis
4,23
0,0 Auto1 Group
0,0
4,20 31,6 28,7 Bechtle W
10,04 34,2 31,2 Beiersdorf
12,65 21,2 18,9 Brenntag NA
1,86 31,9 26,7 Cancom W
6,10 67,7 63,3 Carl Zeiss Meditec W
5,67 29,1 11,3 Commerzbank
1,42 25,2 K.A. CompuGroup Med. W
2,94
0,0 39,0 CTS Eventim
1,67 22,5 14,7 Dürr
1,46 39,2 36,2 Encavis
5,09 15,2 13,8 Evonik Industries
4,83 127,9 136,9 Evotec W
2,16
0,0 23,7 Fraport
2,44 11,3 10,9 freenet NA W
2,85 23,7 21,4 Fuchs Petrolub Vz.
5,73 24,4 20,8 GEA Group
2,97 22,1 19,5 Gerresheimer
2,42 19,9 18,4 Grand City Prop. (L)
8,76 13,6 12,0 Hannover Rückv.
14,75 28,1 25,9 Healthineers W
2,61 18,1 K.A. Hella
13,43 40,6 36,1 HelloFresh
1,20 10,3
8,7 Hochtief
2,54 42,2 23,5 Hugo Boss NA
2,31 10,1 17,1 K+S NA
7,15 23,2 18,0 Kion Group
6,36 25,2 22,1 Knorr-Bremse
5,09 14,3 12,0 Lanxess
9,40 21,8 21,8 LEG Immobilien
4,53
0,0 132,3 Lufthansa vNA
2,01
0,0
0,0 MorphoSys W
3,75 65,6 60,7 Nemetschek W
1,18
0,0 20,9 Nordex W
14,23
7,1
6,1 Porsche Vz.
3,25 12,5 10,8 ProSiebenSat.1
9,44 54,4 36,8 Puma
9,72 17,2 19,0 Qiagen (NL) W
3,62 89,0 64,6 Rational
3,53 10,1
8,8 Rheinmetall
15,84 66,8 60,7 Sartorius Vz. W
5,94 50,3 38,3 Scout24 NA
0,0 139,5 Shop Apotheke (NL)
1,68
1,97 31,5 23,5 Software W
1,65 22,2 17,4 Ströer & Co.
14,94 43,8 39,9 Symrise Inh.
4,00 17,3 17,1 TAG Immobilien
4,52 37,7 27,2 TeamViewer W
0,0
1,91
0,0 Telefónica Deutschl. W
4,40
0,0 12,6 thyssenkrupp
2,73 15,4 18,5 Uniper NA
3,21 16,6 15,4 United Internet NA W
2,45 38,9 27,9 Varta W
1,90 12,1 15,2 Wacker Chemie
22,70 98,0 82,9 Zalando
1,07
0,66
1,44
1,22
0,50
0,54
0,86
2,12
0,69
FR ANK FU R T ER ALLGEM EINE Z E I T UNG
0,431x 117,20
3,201x 85,78
2,601x 133,16
119,92 119,94 +5,0
87,22 87,00 +1,2
137,02 137,10 +2,6
0,664x 37,10
37,45 37,28 +0,6
0,37$1x 13,48
13,68
–
–
0,371£4x 4297,00 4295,00 50,08 +0,5
2,04
90,50
0,601x 27,88
2x
0,00 117,86
2x
20,00F1x 360,00
91,74 91,87 +1,1
28,25 28,28 +1,9
118,64 1,41 +1,5
365,10
–
–
Börsenkennzahlen von Bloomberg (Stand 11.00 h). Alle Angaben ohne Gewähr. k.A.=keine Angaben; W = auch im TecDAX enthalten;I = auch im Euro Stoxx 50 enthalten;P = auch im Stoxx Europe 50 enthalten; Δ = 1Euro; Die Dividenden sind die letztgezahlten Ausschüttungen in Landeswährung bereinigt um Kapitalmaßnahmen.
Hochzahl hinter Dividende: Zahl der Ausschüttungen je Jahr; Dividendenrendite: Brutto-Dividendenrendite auf Basis der letztgezahlten Jahresdividende; Das 52-WochenHoch/Tief wird berechnet auf Basis von Tageshoch- und -tiefkursen bereinigt um Kapitalmaßnahmen; Börsenkapitalisierung: Berechnung ausschließlich mit der relevanten Gattung (x Streubesitzfaktor); KGV: Kurs/Gewinnverhältnis auf Basis der Ergebnisse je Aktie vor Goodwillabschreibung. Dividendenrendite und KGV berechnet von Infront Financial Technology GmbH auf Basis von Verlaufs- bzw. Schlusskursen am Börsenplatz Xetra bzw. Frankfurt.
Zinsen, Renditen, Terminkontrakte und Indizes
Intern. Devisenmärkte
Anleihen
Benchmark-Anleihen
Devisenkurse für 1 Euro
Interbk.kurse (17 Uhr)
EZB
Geld
Brief
kurs
Unternehmensanleihen
08.07.
Rend.
09.07. 09.07. 31.12.20
Rend.
Kurs Rend.
2 Jahre
5 Jahre
10 Jahre
30 Jahre
-0,69
-0,66
-0,32
0,16
-0,68
-0,64
-0,29
0,21
101,32
103,09
102,97
94,22
-0,72
-0,74
-0,58
-0,16
2 Jahre
5 Jahre
10 Jahre
30 Jahre
-0,65
-0,57
0,03
0,80
-0,64
-0,56
0,06
0,84
101,09
102,09
99,42
97,55
-0,72
-0,67
-0,34
0,36
Laufzeit
Deutschland
Frankreich
Großbritannien
2 Jahre
5 Jahre
10 Jahre
30 Jahre
0,07
0,25
0,59
1,10
0,08
0,30
0,66
1,18
100,06
99,23
137,24
86,37
-0,07
-0,08
0,20
0,77
2 Jahre
5 Jahre
10 Jahre
30 Jahre
-0,12
-0,13
0,02
0,65
-0,12
-0,12
0,03
0,67
100,25
100,62
100,74
100,85
-0,12
-0,11
0,02
0,64
2 Jahre
5 Jahre
10 Jahre
30 Jahre
0,20
0,73
1,30
1,92
0,20
0,78
1,34
1,98
99,84
100,46
102,59
108,94
0,12
0,37
0,92
1,65
Japan
USA
Renditen/Kreditzinsen
Umlaufrendite der Bundesanleihen
09.07.2021 (08.07.21)
-0,39 % (-0,41 %)
3 bis 5 Jahre
-0,70 % (-0,71 %)
5 bis 8 Jahre
-0,59 % (-0,60 %)
8 bis 15 Jahre
-0,37 % (-0,39 %)
15 bis 30 Jahre
– % (-0,03 %)
Spareinlagen (3 M Kündigungsfr.): ca. 0,01 %*
Private Dispositionskredite etwa
9,24 %*
Sparbriefe
1 Jahr
0,12 %*
2 Jahre
0,15 %*
3 Jahre
0,22 %*
4 Jahre
0,25 %*
5 Jahre
0,32 %*
Festgeld bis 5 000 Euro
1 Monat
0,07 %*
3 Monate
0,07 %*
6 Monate
0,09 %*
1 Jahr
0,13 %*
Ratenkredite bis 5 000 Euro
3 Jahre, effektiv etwa
3,43 %*
5 Jahre, effektiv etwa
3,58 %*
Ratenkredite bis 10 000 Euro
3 Jahre, effektiv etwa
3,42 %*
5 Jahre, effektiv etwa
3,55 %*
Hypothekarkredite auf Wohngrundstücke (effektiv,
100 % Auszahlung): Fest 5 Jahre 0,86 %*; Fest 10
Jahre 0,90 %*. *ungefähr: Zinssätze sind institutsabhängig
Eurolibor/Libor vom 08.07.2021
Euro
-0,5521
-0,5297
Dollar
3 Mon. 0,1190
6 Mon. 0,1570
Basiszins nach § 247 BGB (01.07.2021) –0,88 %
Terminkontrakte
Euro-Bund-Future
Euro-Bobl-Future
DAX-Future
S&P500-Future
Swaps
08.07.21
Schluss
09.07.21
Verlauf
in Prozent
174,33
134,57
15403,00
4312,90
173,96
134,50
15676,00
4331,90
1 Woche
1 Monat
3 Monate
6 Monate
12 Monate
08.07.
Eonia
-0,480
-0,480
-0,480
-0,480
-0,480
Umsätze der dt. Börse
alle
Börsenplätze
Renten-Indizes
08.07.21 09.07.21
Schluss Schluss Rendite
Rex-Gesamt
145,3519 145,4696 -0,6276
Rex-Performance 495,5846 495,9797 -0,6276
07.07.21 08.07.21
122,2500 122,3100
–
EZB-Daten
EZB-Zinsen (ab 18.09.2020)
Spitzenrefinanzierung
0,25 %
Einlagefazilität
–0,50 %
Hauptrefinanzierung
0,00 %
Mindestreserve (Verzinsung)
0,00 %
Hauptrefinanzierungsgeschäft (Refis)
7 Tage (fällig 14.07.) 72 Mio.; 91 Tage (fällig
29.07.) 25 Mio.; 91 Tage (fällig 26.08.) 40 Mio.;
91 Tage (fällig 30.09.) 3 Mio.
Wachstum Euro-Geldmenge M 3
Jahresrate 05/2021
8,40 %
3 Monats Durchschnitt 04/2021-04/2021 9,20 %
Referenzwert für das Geldmengenwachstum
der 3 Monats-Jahresrate
4,50 %
Notenumlauf im Euro-Raum
zum 25.06.2021: 1480 Milliarden Euro.
Euro-Inflationsrate
1,90 %
USA Primerate
3,25 %
USA Tagesgeld
0,04 %
Treasury Bills in %
3 Monate 0,04; 6 Monate 0,06; 1 Jahr 0,08;
Dänemark 0,00 % (Diskont); Großbritannien 0,10
% (Repo-Satz); Japan -0,10 % (Diskont); Kanada
0,25 % (Diskont); Norwegen 0,00 % (Deposite
Rate); Schweiz -0,75 % (Leitzins); Schweden 0,00
% (Pensionssatz); USA 0,25 % (Federal Fund
Rate);
Emissionsrendite Anleihen, Hypothekenpfandbriefe
1-2
2-3
3-4
4-5
-0,46
-0,46
-0,41
-0,42
-0,35
-0,36
Daten der EZB; Laufzeit in Jahren
6-7
7-8
8-9
9-10
5-6
-0,31
-0,33
-0,25
-0,28
-0,19
-0,22
-0,10
-0,13
-0,03
-0,06
0,04
-0,01
1
2
3
Öffentliche Anleihen
Hoch 52 Wochen -0,40 -0,51 -0,48
Tief 52 Wochen -0,64 -0,69 -0,67
07.07.2021
-0,60 -0,58 -0,56
08.07.2021
-0,60 -0,59 -0,57
09.07.2021
-0,60 -0,58 -0,56
Hypotheken- und öffentliche Pfandbriefe
Hoch 52 Wochen -0,28 -0,24 -0,25
Tief 52 Wochen -0,50 -0,45 -0,46
07.07.2021
-0,41 -0,43 -0,36
08.07.2021
-0,42 -0,44 -0,38
09.07.2021
-0,42 -0,43 -0,37
1,186
1,1862
1,1858
Am. Dollar*
1,1179 1,2503
1,5852
1,5862
1,5868
Austr. Dollar*
1,4908 1,7009
6,2345
6,2425
6,2369
Bras. Real*
5,8396 7,5458
0,8573
0,8575
0,8576
Brit. Pfund*
0,8181 0,8923
1,9476
1,9626
1,9558
Bulg. Lew*
1,7312 2,1712
7,6747
7,6947
7,6834
Chin. Yuan*
6,6217 8,9965
7,4363
7,4366
7,4367
Dän. Krone*
7,0934 7,8519
9,2109
9,2159
9,2117
Hongk. Dollar*
7,8644 10,6649
88,325
88,485
88,371
Indische Rupie
145,937 146,665
Isländ. Krone
131,570 168,600
130,630 130,660 130,460
Jap. Yen*
124,530 138,670
1,4787
1,4793
1,4817
Kan. Dollar*
1,4105 1,5705
7,4924
7,4968
7,4929
Kroat. Kuna
6,0866 9,2207
23,568
23,583
23,580
Mex. Peso*
18,9441 27,4046
1,6979
1,6994
1,6982
Neus. Dollar*
1,4325 2,0028
10,3204 10,3234 10,3355
Norw. Krone*
9,7356 10,9998
4,546
4,548
4,5497
Poln. Zloty*
4,0795 5,2031
4,9247
4,9297
4,9286
Rumä. Leu*
88,0986 88,1076 88,0163
Russ. Rubel*
79,424 98,557
10,1779 10,1809 10,1853
Schw. Kron.*
9,7447 10,8937
1,0853
1,0856
1,0852
Schw. Franken*
1,0455
1,126
1,6028
1,6043
1,6029
Sing. Dollar*
1,4196 1,8598
16,9037 16,9137 16,8759
Südaf. Rand*
15,107 19,0932
31,9937 34,4937
Taiwan Dollar
24,8623 41,0636
38,534
38,604
38,598
Thail. Baht*
31,233 44,398
25,741
25,761
25,791
Tsch. Krone*
22,051 28,461
10,267
10,270
10,277
Türk. Lira*
9,8141 10,799
355,530 355,730 355,100
Ungar. Forint*
303,630 433,620
* Interbankenkurse von der Commerzbank, Notenpreise der Deutschen Bank
Titel
Vortag
aktuell
±%
TR/J CRB
S&P GSCI Index (Spot)
DAXglobal® Gold Miners
American Gold Bugs (HUI)
Gold, Spot (€/Unze)
Gold, New York ($/Unze)
Silber, NY ($/Unze)
Kupfer, NY ($/lb)
222,70
524,96
292,35
271,07
1521,9
1800,2
25,99
4,26
224,84
532,09
296,81
263,56
1524,9
1809,2
26,23
4,35
+0,96
+1,36
+1,53
–2,77
+0,20
+0,50
+0,94
+1,97
Münzen, Barren
Schalterpreise
F.A.Z.-Renten-Rendite
Restlaufzeit*)
in Euro
6
7
8
9
4
5
-0,34
-0,59
-0,41
-0,43
-0,42
-0,21
-0,56
-0,34
-0,36
-0,34
-0,14
-0,48
-0,32
-0,35
-0,33
-0,13
-0,58
-0,26
-0,30
-0,28
0,06
-0,43
-0,13
-0,17
-0,15
-0,05
-0,45
-0,23
-0,26
-0,24
0,00
-0,59
-0,16
-0,24
-0,22
-0,22
-0,40
-0,27
-0,30
-0,28
-0,04
-0,29
-0,17
-0,20
-0,18
0,15
-0,38
0,06
0,05
0,06
1,17
-0,29
0,05
0,02
0,04
0,37
-0,07
0,13
0,11
0,11
0,15
-0,20
-0,03
-0,06
-0,05
0,46
-0,17
0,31
0,20
0,22
10
*) In Jahren. Die in die Berechnung einbezogenen Papiere haben Restlaufzeiten von einem halben Jahr weniger bis
zu sechs Monaten mehr als die angegebenen vollen Jahre. – Berechnung vom 31. Oktober 1995 an mit Stückzinsen.
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
Währung
Notenpreise für 1 Euro
aus Sicht der Bank
Ankauf Verkauf
Intern. Warenmärkte
Leitzinsen im Ausland
New Yorker Geldmarkt
07.07.2021
08.07.2021
-0,480
-0,480
-0,480
-0,480
-0,480
Quelle: DZ Bank AG
Kurswert
Anteil in %
in Mio. Euro Xetra Parkett
07.07. 08.07.
Ffm
Aktien im Dax 30 3217 4411 98,36
0,32
Aktien im M-Dax 1120 1401 98,29
0,54
Aktien im Tec-Dax 987 1232 98,27
0,36
Terminmarkt (Stand: 17.41 Uhr) P-C-Ratio: 1,57
Aktienoptionen Put: 871152 Call: 556263
FAZ-Anleihen
09.07.
09.07.21
08.07.2021
09.07.2021
Ankauf
Verkauf
Ankauf
Verkauf
Barrengold 1kg
48960,00
Barrengold 10g
483,40
1/1 Nugget/Maple/Krüger 1504,50
1/2 Nugget/Maple/Krüger
752,20
1/4 Nugget/Maple/Krüger
373,60
1/10 Nugget/Maple/Krüger 146,10
1/1 Britannia/Eagle/Philh. 1504,50
1/2 Britannia/Eagle/Philh.
752,20
1/4 Britannia/Eagle/Philh.
373,60
1/10 Britannia/Eagle/Philh. 146,10
20-Mark-Stück
345,55
Vreneli
279,38
Sovereign (neu)
345,80
1 Dukaten Österreich
159,77
20 Pesos Mexiko
699,21
Barrensilber 1kg*
692,50
Platin Koala
858,43
49820,00
517,50
1591,90
823,50
421,40
174,30
1591,90
823,50
421,40
174,30
431,52
335,53
380,89
192,24
794,67
995,55
1217,21
48600,00
479,80
1493,40
746,60
370,80
145,00
1493,40
746,60
370,80
145,00
342,97
277,29
343,22
158,55
694,02
697,50
862,36
49470,00
514,00
1580,70
817,80
418,50
173,10
1580,70
817,80
418,50
173,10
428,51
333,20
378,23
190,92
789,10
1001,50
1222,02
Stand 11.30 Uhr
Quelle: Deutsche Bank, *Degussa Goldhandel
Zins
2,25
2,121
2
1,125
4,5
1
2,177
4
2,5
1,375
1,875
1,5
2
2,375
1,625
2,875
0,625
1,5
1
5,25
5,875
1
1,5
3
3
2,625
0,25
2,125
6,5
1
1,875
2,375
3,125
1,528
2,875
1
Laufzeit
Zins- 09.07. 09.07.
termin 17.41 h Rend.
Adidas 14/26
8.10.
Allianz SE 2 20/50 8.7.
BASF SE 12/22
5.12.
Bayer 20/30
6.1.
Bilfinger 19/24
14.6.
BMW 16/22
15.2.
BP 14/21
28.9.
Coba 17/27
30.3.
Continental 20/26 27.8.
Covestro 20/30
12.6.
Daimler 14/24
8.7.
Delivery Hero 20/28 15.7.
Dt. Bahn 12/23
20.2.
Dt. Bank 13/23
11.1.
Dt. Börse 10/25
8.10.
Dt. Post 12/24
11.12.
Dt. Telekom 17/24 13.12.
Dt. Wohnen 20/30 30.4.
Evonik Ind. 15/23 23.1.
EWE 09/21
16.7.
Fraport 09/29
10.9.
Fresenius 20/26
29.5.
Heid.Cem. 16/25
7.2.
JP Morgan 14/26 19.2.
K+S 12/22
20.6.
Lanxess 12/22
21.11.
Lufthansa 19/24
6.9.
Nestlé 13/21
10.9.
RWE 09/21
10.8.
SAP SE 15/25
1.4.
Schaeffler 19/24 26.3.
Stellantis 16/23
14.4.
Talanx 13/23
13.2.
Telefonica 17/25 17.1.
Vier Gas 13/25
12.6.
Würth 15/22
19.5.
111,15
108,03
103,34
103,04
108,38
100,87
100,55
115,20
111,25
107,51
106,15
107,58
103,73
103,88
107,71
110,36
102,61
108,85
101,58
99,94
138,00
104,22
105,10
113,73
102,44
103,98
95,89
100,41
100,55
104,33
103,49
104,40
105,38
105,89
111,66
100,82
0,1139
1,7647
-0,3768
0,7537
1,5426
-0,4637
-0,4245
1,2275
0,2858
0,5111
-0,1771
0,3219
-0,3083
-0,2082
-0,1852
-0,1497
-0,1346
0,4706
-0,0287
12,2802
1,0023
0,1313
0,0701
0,0173
0,3889
-0,2916
1,5996
-0,4261
-0,6266
-0,1589
0,5690
-0,1270
-0,2498
-0,1422
-0,0950
0,0307
Öffentliche Anleihen
6,25
5,625
5,5
1,5
2
1,75
1,5
2,5
0,5
0,5
0,375
0
1,25
2,125
1,25
1,5
Bund v. 94/24
Bund v. 98/28
Bund v. 00/31
Bund v. 13/23
Bund v. 13/23
Bund v. 14/24
Bund v. 14/24
Bund v. 14/46
Bund v. 15/25
BLSA Nr.47 15/25
Hessen 16/26
Hessen 20/25
NRW 14/25
KfW 13/23
KfW 16/36
KfW 14/24
4.1.
4.1.
4.1.
15.5.
15.8.
15.2.
15.5.
15.8.
15.2.
5.2.
6.7.
10.3.
14.3.
15.8.
4.7.
11.6.
117,49
141,40
157,66
104,09
105,75
106,48
106,38
159,05
104,40
103,44
103,71
101,64
106,31
105,73
114,61
106,01
-0,7150
-0,6171
-0,4419
-0,7028
-0,7185
-0,7157
-0,7150
0,1119
-0,7048
-0,4543
-0,3608
-0,4438
-0,4518
-0,5886
0,2544
-0,5401
Fonds
F RANK FURT ER A LLG E M E I N E Z E I T U NG
SA M S TAG, 10. JU LI 2021 · NR . 15 7 · SE I T E 2 9
ANZEIGE
Tä gliche Veröffentlichung der Anteilspreise von Qualitä tsfonds - mitgeteilt von Infront Financial Technolog y GmbH
Name
Whrg.
Ausg./Rückn. Perf.
Stand: 09.07.2021
1 Monat
*Preise vom Vortag / letzt verfügbar
www.aberdeenstandard.de
Asia Pacific Equ T
$
/ 114,50
China A Sh Eq A Acc $
/ 23,74
Em Mkts Corp Bd A
$
/ 16,26
Em Mkts Eq A Acc
$
/ 94,32
Europ Sm Comp A Acc€* 45,16 / 45,16
European Eq A Acc
€
/ 75,86
Front Mkts Bd A Dis $
/ 9,83
Multi Asset Grth T
€
/ 12,29
www.allianzglobalinvestors.de
Adifonds A
€ 161,76 / 154,06
Biotechnologie A
€ 230,48 / 219,50
Concentra A
€ 156,06 / 148,63
Europazins A
€ 57,43 / 55,76
Flexi Rentenf. A
€ 99,62 / 96,25
Fondak A
€ 231,50 / 220,48
Global Eq.Divid A
€ 139,16 / 132,53
Industria A
€ 145,51 / 138,58
Interglobal A
€ 491,69 / 468,28
Kapital Plus A
€ 74,99 / 72,81
Mobil-Fonds A
€ 50,05 / 49,07
Nebw. Deutschl.A
€ 420,78 / 400,74
Rentenfonds A
€ 90,34 / 88,14
Rohstofffonds A
€ 84,01 / 80,01
Strategief.Stab.A2
€ 56,57 / 54,92
Thesaurus AT
€
1249 / 1190
Verm. Deutschl. A
€ 219,14 / 208,70
Wachstum Eurol A
€ 175,79 / 167,42
Wachstum Europa A € 192,50 / 183,33
–3,54
–6,83
0,60
–2,63
1,20
2,38
–1,31
1,15
1,76
5,31
1,80
0,54
0,05
1,87
1,25
–0,67
6,18
1,51
–0,04
1,72
1,02
–4,10
1,14
1,77
–1,76
3,32
3,67
Allianz Global Investors GmbH
Luxembourg Branch
Best Sty Eur Eq AT
Best Sty US Eq AT
Dyn Mu Ass Str15 A
Dyn Mu Ass Str50 A
Dyn Mu Ass Str75 I
Enh ShTerm Euro AT
Euro Bond A
Europe SmCap Eq A
European Eq Div AT
Fl Rate NoPl-VZi A
Glb Agricult Tr. A
Glb ArtIntellig AT
Glb Mu-Ass Cre-AH2
Glb SmCap Eq AT
Income & Gro A USD
Income Gr A-H2-EUR
€
€
€
€
€
€
€
€
€
€
€*
€
€
$
$*
€*
165,66 / 157,77
308,28 / 293,60
119,74 / 116,25
160,15 / 153,99
1823 / 1823
106,99 / 106,99
12,73 / 12,36
288,49 / 274,75
290,08 / 276,27
96,75 / 96,75
164,47 / 156,64
302,55 / 288,14
96,53 / 93,72
19,93 / 18,98
14,32 / 13,77
140,21 / 134,82
–0,25
4,89
1,41
2,72
3,61
–0,11
1,06
1,37
–1,99
–0,03
–1,92
2,36
0,20
–3,41
1,92
1,84
Alte Leipziger Trust
€uro Short Term
Aktien Deutschland
AL Trust €uro Relax
AL Trust Stab.
AL Trust Wachst IT
AL Trust Wachstum
Trust €uRen IT
Trust €uro Renten
Trust Akt Europa
Trust Chance
Trust Chance IT
Trust Glb Inv IT
Trust Glbl Invest
Trust Stab IT
www.ampega.de
Amp Global Renten
Amp ISP Dynamik
Amp ISP Komfort
Amp ISP Sprint
Amp Rendite Renten
Amp Reserve Renten
terrAss Akt I AMI
Zan.Eu.Cor.B.AMI I
Zan.Gl.Cred AMI Ia
Zantke Eu.HY AMI Ia
€ 43,63 / 43,20 0,07
€ 139,35 / 132,71 0,13
€ 57,47 / 55,80 0,81
€ 71,72 / 69,63 1,25
€ 67,11 / 67,11 1,83
€ 91,06 / 87,56 1,75
€ 51,77 / 51,77 0,86
€ 48,50 / 47,09 0,84
€ 57,08 / 54,36 –0,88
€ 101,93 / 97,08 2,24
€ 75,31 / 75,31 2,32
€ 80,76 / 80,76 5,93
€ 129,80 / 123,62 5,87
€ 59,84 / 59,84 1,30
€*
€*
€*
€*
€*
€*
€*
€*
€*
€*
17,79 / 17,15
134,17 / 129,01
113,77 / 110,46
171,63 / 163,46
22,40 / 21,75
50,71 / 50,21
44,94 / 43,00
125,74 / 125,74
111,14 / 111,14
124,50 / 124,50
www.axxion.lu / info@axxion.lu
Akrobat-Europa A
€ 376,59 / 358,66
Akrobat-Europa B
€ 180,47 / 171,88
MAS Val-Priv Inv P €* 464,53 / 442,41
BNP Paribas Funds
Aqua
€*
/ 190,91
1,42
1,63
1,68
2,40
0,42
0,00
5,21
0,44
2,29
0,06
1,40
1,11
1,57
4,21
Eq Euro Inc Def C
€*
/ 78,67 3,37
Euro Eq.
€*
/ 632,93 0,86
Europe SCap
€*
/ 280,60 1,92
FlexIUSMortClassic $*
/ 1811 0,13
Gl Environment
€*
/ 288,58 5,51
Russia Eq.
€*
/ 169,14 1,49
SMaRT Food
€*
/ 138,91 2,25
Strat.Stab.SRI Eur
€* 438,95 / 438,95 0,29
US SCap
$*
/ 351,10 –1,79
BNP Paribas Real Estate
BNP Pa MacStone P € 27,00 / 25,71 0,16
INTER ImmoProfil
€ 60,85 / 57,95 0,69
PB Balanced
PB Europa
PB Eurorent
PB Megatrend
PB Triselect
€ 60,45 / 57,57 0,61
€* 55,60 / 52,95 2,34
€ 57,68 / 56,00 0,43
€ 193,80 / 184,57 8,55
€ 51,19 / 48,75 –0,43
C&P Funds (Creutz & Partners)
C&P Funds ClassiX
C&P Funds QuantiX
Cat Dutch Resid II
Cat.Scandia Chance
Catella Bavaria
Catella European R
Catella MAX
Catella Mod Wohnen
Catella Nachh Immo
Catella Parken Eur
Catella Wohnen Eur
Focus HealthCare
FocusNordicCities
Immo-Spez-Süddeut.
Multiten. Stiftung
PaRhei Dutch Resid
Sar Sust Prop-EuCi
Wirtsch.-reg SüdDE
€* 74,20 / 71,35
€* 146,10 / 140,48
€*
€*
€
€
€
€
€
€*
€
€*
€
€*
€*
€*
€*
€*
2,08
3,16
10,34 / 10,34 –2,27
13,45 / 13,45 –0,37
10,90 / 10,38 0,10
16,02 / 16,02 1,01
21,36 / 20,34 1,14
10,22 / 10,22 0,20
11,42 / 11,09 0,54
10,99 / 10,47 0,48
10,63 / 10,63 0,19
8,35 / 8,35 –0,36
0,42 / 0,42 0,00
13,92 / 13,92 0,72
13,52 / 12,88 0,47
12,77 / 12,77 0,87
1295 / 1295 0,82
12,39 / 11,80 0,94
Commerz Real
hausInvest
€
44,61 / 42,49
www.csr-beratungsgesellschaft.de
Tel. +49 6192 977 00 0
CSR Akt Deut Pl R
€* 107,49 / 104,36
CSR Bond F SDG (A) €* 98,35 / 98,35
CSR Bond Plus
€*
/ 113,37
CSR Ertrag Plus
€* 109,06 / 105,88
0,17
$*
$*
0,12
0,13
0,54
0,36
56,13 / 52,90 –4,36
79,60 / 75,02 –2,81
www.deka.de I Tel. 069 / 7147-652
Aktfds RheinEdit I
€* 128,41 / 125,28
Aktfds RheinEdit oA €* 51,07 / 51,07
Aktfds RheinEdit P
€* 64,17 / 60,96
AriDeka CF
€* 83,30 / 79,14
BasisStrat Flex CF
€* 125,81 / 121,26
BasisStrat Re.TF A
€* 96,48 / 96,48
BerolinaRent Deka
€* 41,99 / 40,52
BW Zielfonds 2025 €* 46,56 / 45,65
BW Zielfonds 2030 €* 57,42 / 56,29
Deka-Deut.Bal. CF
€* 116,39 / 113,00
Deka-Deut.Bal. TF
€* 111,26 / 111,26
Deka-Eurol.Bal. CF
€* 60,42 / 58,66
Deka-Eurol.Bal. TF
€* 116,63 / 116,63
Deka-Europa Akt Str €* 84,01 / 80,01
DekaFonds CF
€* 132,49 / 125,87
DekaFonds TF
€* 309,38 / 309,38
Deka-Global Bal CF €* 110,59 / 107,37
Deka-Global Bal TF €* 105,70 / 105,70
Deka-MegaTrends CF €* 126,32 / 121,75
Deka-Na.Div Str CF €* 126,55 / 121,98
Deka-Nach Div RhEd €* 110,31 / 106,32
Deka-Nachh ManSel €* 121,93 / 117,52
Deka-NachStrInv CF €* 141,09 / 135,99
Deka-NachStrInv TF €* 132,41 / 132,41
Deka-Sachwer. CF
€* 107,72 / 104,58
Deka-Sachwer. TF
€* 102,47 / 102,47
DekaSe:Konservativ €* 92,96 / 92,04
DekaSpezial CF
€* 509,96 / 491,53
DekaTresor
€* 89,75 / 87,56
Div.Strateg.CF A
€* 181,87 / 175,30
DivStrategieEur CF €* 103,80 / 100,05
Euro Potential CF
€* 215,74 / 207,94
EuropaBond CF
€* 124,97 / 121,33
EuropaBond TF
€* 44,36 / 44,36
Frankf.Sparinrent
€* 54,64 / 54,10
Frankf.Sparinvest
€* 171,00 / 162,86 –0,90
€* 229,19 / 218,28
1,86
5,12
DBA Zlstr offensiv
€* 120,12 / 117,76
1,49
GlobalChampions TF €* 249,51 / 249,51
5,03
Deka-BaAZSt off 23
€* 105,42 / 103,35
0,46
Mainfr. Strategiekonz. €* 184,12 / 184,12
1,39
Deka-MM ausgew CF €* 121,09 / 117,28
1,27
Mainfr. Wertkonz. ausg€* 100,82 / 100,82
0,04
Deka-MM defensiv CF €* 120,98 / 117,46
1,08
Multi Asset In S A
€*
97,86 / 95,01
0,66
Deka-PB Wert 4y
€* 107,11 / 104,50
0,03
Multi Asset In.CFA
€*
97,81 / 94,96
0,61
Deka-PfSel ausgew
€* 114,63 / 111,29
1,02
www.flossbachvonstorch.de
Tel. +49 221 33 88 290
Multirent-Invest
€*
33,98 / 32,99 –0,33
Deka-PfSel dynam
€* 121,72 / 118,17
1,58
Bond Opport R
€ 148,70 / 144,37
1,96
Multizins-INVEST
€*
28,97 / 28,13
0,39
Deka-PfSel moderat
€* 106,40 / 104,31
0,51
Curr Diversif Bd R
€ 102,54 / 99,55
0,85
Nachh Dynamisch CF €* 108,33 / 103,17
3,13
DekaStruk.5Chance
€* 193,18 / 189,39
0,83
Der erste Schritt R
€ 113,16 / 112,04
1,06
Nachh Mlt Asset CF
€* 110,60 / 107,38
1,54
DekaStruk.5Chance+ €* 319,02 / 312,76
2,00
Dividend R EUR
€ 201,29 / 191,70
5,85
Nachh Mlt Asset TF
€* 106,77 / 106,77
1,50
DekaStruk.5Ertrag
€*
97,98 / 96,06
0,10
Fundament RT
€
/ 245,90
6,57
Nachhltg Gl Champ CF €* 126,89 / 122,30
5,21
DekaStruk.5Ertrag+
€* 102,54 / 100,53
0,43
Global Conv Bond R
€ 169,02 / 160,97
0,74
Naspa-Ak.Gb NachCF €*
82,38 / 79,79
2,90
DekaStruk.5Wachst. €* 106,58 / 104,49
0,67
Global Quality R
€ 297,03 / 282,89
6,57
Naspa-Ak.Gb NachTF €* 117,81 / 117,81
2,84
Hamb Stiftung D
€*
1020 / 1000
0,36
MuAsset-Balanced R
€ 179,98 / 171,41
2,80
Naspa-Fonds
€*
44,43 / 43,35
0,60
Hamb Stiftung I
€* 937,43 / 919,05
0,35
MuAsset-DefensiveR
€ 144,49 / 140,28
2,15
RenditDeka
€*
26,32 / 25,55
0,91
Hamb Stiftung P
€*
94,34 / 90,71
0,32
MuAsset-Growth R
€ 210,04 / 200,04
3,45
RenditDeka TF
€*
33,06 / 33,06
0,88
Hamb Stiftung T
€* 118,98 / 114,40
0,32
Multiple Opp II R
€ 175,47 / 167,11
3,14
RentenStratGl TF
€*
94,10 / 94,10 –0,49
Haspa TrendKonz P
€*
97,67 / 93,91
0,00
Multiple Opp R
€ 319,57 / 304,35
3,20
RentenStratGlob CF
€*
97,31 / 94,48 –0,45
Haspa TrendKonz V
€* 103,59 / 99,61
0,04
RentenStratGlob PB
€*
96,35 / 94,46 –0,45
LBBW Bal. CR 20
€*
47,85 / 46,91
1,98
RheinEdition Glob.
€*
39,08 / 39,08 –0,51
LBBW Bal. CR 40
€*
55,17 / 54,09
2,35
Rntfds RheinEdit
€*
31,44 / 30,34
LBBW Bal. CR 75
€*
70,09 / 68,72
3,03
0,00
Rntfds RheinEdit oA €*
31,29 / 31,29 –0,03
Naspa Str.Chan.Pl.
€* 131,35 / 128,77
2,54
Technologie CF
€*
70,54 / 67,99
7,82
Naspa Str.Chance
€*
62,82 / 61,59
0,97
Technologie TF
€*
54,70 / 54,70
7,85
Naspa Str.Ertrag
€*
48,30 / 47,35
0,45
UmweltInvest CF
€* 232,85 / 224,43
4,81
Naspa Str.Wachstum €*
UmweltInvest TF
€* 202,65 / 202,65
4,75
Priv BaPrem Chance €* 158,99 / 149,99
2,51
Weltzins-Invest P
€*
0,93
Priv BaPrem Ertrag
0,57
22,36 / 21,71
Deka Intern. (Lux.) (Deka-Gruppe)
€*
46,73 / 45,81
0,75
52,90 / 50,87
DWS Offene Immobilienfonds
FP Wealth B
€*
75,64 / 73,44
1,76
www.hwb-fonds.com | info@hwb-fonds.com
Tel +49 651 1704 301 | +352 48 30 48 30
Fonds Direkt Sicav
Skyline Dynamik
HWB Alex.Str.Ptf R
€*
89,21 / 84,96
3,97
HWB Alex.Str.Ptf V
€*
89,24 / 84,99
3,97
HWB DfdsV.V.Vici R
€*
67,17 / 65,21
3,53
HWB DfdsV.V.Vici V
€*
67,16 / 65,20
3,54
HWB Europe Pf.
€*
5,16 / 4,91
3,82
HWB Glb.Conv.Plus
€* 102,50 / 99,51
1,80
HWB Inter.Pf.
€*
5,30 / 5,05
3,93
HWB Pf. Plus CHF
F*
80,33 / 76,50
3,32
HWB Pf. Plus R
€* 114,22 / 108,78
3,36
HWB Pf. Plus V
€* 114,19 / 108,75
3,36
HWB Vict.Str.Pf. R
€*
1493 / 1422
4,20
HWB Vict.Str.Pf. V
€*
1494 / 1422
4,20
HWB Wdelan + R
€*
55,13 / 53,52
1,18
HWB Wdelan + V
€*
55,47 / 53,85
1,28
IFM Independent Fund Management AG
€ 261,14 / 261,14 –0,56
ACATIS FV Akt.Gl.
€* 303,02 / 288,59
4,99
INKA Intern. Kapitalanlagegesellschaft
www.franklintempleton.de I info@franklintempleton.de I Tel. 0800 / 073 80 02
FRK Gl.Fd.Stra.A d
€*
11,57 / 10,96
5,21
FRK India Fd. A d
€*
77,68 / 73,60
3,60
FRK Mut.Europ. A a
€*
22,02 / 20,86 –0,11
TEM East.EuropeA a €*
1822 Str.Cha.Pl.
€* 149,60 / 143,85
1,65
grundb. europa IC:
€
41,84 / 39,85
0,28
1822 Str.Chance
€*
96,41 / 93,15
0,39
grundb. europa RC
€
41,69 / 39,70
0,25
TEM Em.Mkts Bd A d €*
1822 Str.Ert.Pl.
€*
47,88 / 46,71
0,30
grundb. Fok Deu RC
€
56,23 / 53,55
0,07
TEM Front.Mkts.A a
$*
30,35 / 28,76
2,03
4,18 / 4,05 –3,90
21,38 / 20,26
1,44
HiYld Spez INKA
€* 10940 / 10419
StSk. Dü. Abs. Ret.
€* 116,76 / 111,20 –0,19
VM Vermögensver.
€*
54,07 / 54,07
0,92
0,64
ME Fonds PERGAMONF€ 917,97 / 874,26
3,05
ME Fonds Special V
5,06
€
3528 / 3360
DIE BESTEN IMMOBILIENFONDS IM VERGLEICH
Preis
9.7.’21
Titel
ISIN
Catella European R
Catella MAX
Frank.Temp. FRK Gl.Re.Est. A d*
BNPP REIM INTER ImmoProfil
KanAM Spz Leading Cities
DE000A0M98N2
DE000A0YFRV7
LU0523922176
DE0009820068
DE0006791825
16,02
20,34
14,02
57,95
104,94
Deka Immo b Europa*
Catella Wohnen Eur
DWS Gb. grundb. Fok Deu RC
Catella Nachh Immo
Catella Bavaria
DE0009809566
DE000A141UZ7
DE0009807081
DE000A2DHR68
DE000A2AS909
47,02
10,63
53,55
11,09
10,38
Performance in %
1 J.
3 J.
1 M.
6 M.
EUR
EUR
EUR
EUR
EUR
+ 1,01
+ 1,14
– 0,17
+ 0,69
+ 0,35
+ 3,62
+ 4,90
+ 20,14
+ 1,86
+ 1,38
+ 8,96
+ 8,74
+ 30,48
+ 3,27
+ 2,39
+ 30,75
+ 25,32
+ 14,22
+ 10,03
+ 9,35
EUR
EUR
EUR
EUR
EUR
+ 0,21
+ 0,19
+ 0,07
+ 0,54
+ 0,10
+ 1,07
+ 0,85
+ 0,79
+ 1,19
+ 0,87
+ 2,21
+ 2,39
+ 2,04
+ 2,67
+ 1,84
+ 9,35
+ 8,79
+ 8,69
+ 8,41
+ 8,38
VARIANTE_1
–2,38
–2,46
–2,39
–0,86
2,12
0,12
–0,49
1,38
2,35
–0,04
–0,08
–0,37
–0,39
–2,13
–1,02
–1,08
0,51
0,48
4,50
1,28
–1,59
1,76
1,43
1,37
–0,66
–0,68
–0,08
3,47
–0,01
1,33
–1,05
1,77
0,81
0,75
0,04
€*
€*
€*
€*
€*
€*
€*
€*
€*
€*
€*
€*
€*
€*
€*
€*
€*
€*
€*
€*
€*
€*
€*
€*
€*
€*
€*
€*
€*
€*
€*
53,21 / 51,66
42,47 / 41,64
104,24 / 103,21
96,48 / 96,48
67,63 / 65,66
88,96 / 85,95
44,59 / 43,50
41,82 / 40,70
50,33 / 48,51
140,81 / 140,81
205,88 / 198,44
56,08 / 56,08
972,24 / 967,40
968,90 / 968,90
217,11 / 209,26
214,58 / 206,82
200,26 / 200,26
98,70 / 97,72
100,85 / 100,85
257,63 / 248,32
138,30 / 134,93
76,21 / 73,99
77,23 / 74,62
37,95 / 37,21
43,59 / 42,53
70,02 / 68,65
45,79 / 44,89
43,99 / 43,13
63,79 / 62,54
200,26 / 193,02
86,95 / 84,42
0,49
0,10
0,15
0,12
0,84
2,01
0,35
0,44
–2,08
1,51
1,51
–0,32
0,00
–0,01
3,21
5,96
5,90
0,01
–0,16
4,70
0,66
1,52
2,07
0,30
0,12
0,35
0,18
0,26
1,43
1,45
0,18
Deka Immobilien Investment
Deka Immob Europa
Deka Immob Global
Deka-Immo Nordam
Deka-ImmoMetropol
WestInv. InterSel.
€*
€*
$*
€*
€*
49,49 / 47,02
57,63 / 54,75
56,45 / 54,41
53,76 / 51,07
49,38 / 46,91
0,21
0,18
0,18
0,33
0,25
Deka-Vermögensmanagement GmbH
DBA ausgewogen
DBA Defensiv
DBA dynamisch
DBA Dynamisch A30
DBA Dynamisch A50
DBA konservativ
DBA moderat
€*
€*
€*
€*
€*
€*
€*
125,59 / 120,76 1,20
96,05 / 96,05 –0,04
112,28 / 107,96 1,26
102,60 / 100,59 0,30
103,72 / 100,70 0,49
106,58 / 104,49 0,56
116,27 / 112,88 0,91
grundb. Fokus D IC:
grundb. global IC:
grundb. global RC
€
€
€
56,73 / 54,03
56,30 / 53,62
55,80 / 53,14
0,13
0,60
0,57
TEM Gl.Bd. A d
€*
TEM Gl.Tot.Ret AYd
€*
12,16 / 11,80
1,31
TEM Gr.(Eur) Aa
€*
19,76 / 18,72
0,37
TEM Gr.(Eur) Ad
€*
19,50 / 18,48
0,32
5,82 / 5,65 –3,20
www.dje.lu I info@dje.lu
Tel. 00352 26925220
DJE - Asien PA€
€ 245,53 / 233,84
DJE - Concept PA
€ 141,11 / 134,39
DJE Gold&Stabfd PA F 141,58 / 134,84
DJE-Ag&Ernährung PA € 169,39 / 161,32
DJE-Alpha Glob PA
€ 308,04 / 296,19
DJE-Div&Sub P
€ 540,81 / 515,06
DJE-Europa PA
€ 427,86 / 407,49
DJE-Gold&Ressou PA € 176,21 / 167,82
DJE-Mittel&Innov PA € 245,93 / 234,22
DJE-Multi Asset PA
€ 20,97 / 19,97
DJE-Renten Glob PA € 145,04 / 142,20
DJE-Sht Term Bd PA € 115,78 / 114,63
DJE-Umwelt & We PA €* 98,43 / 93,74
€ 169,78 / 163,25
DJE-Zins&Divid PA
1,23
–0,07
–0,50
–1,62
2,72
2,38
–0,01
–5,80
0,80
2,66
1,16
0,57
–3,45
1,69
www.ethenea.com
Telefon 00352-276921-10
Ethna-AKTIV A
€ 141,37 / 137,25
€ 148,66 / 144,33
Ethna-AKTIV T
Ethna-DEFENSIV A
€ 138,87 / 135,48
Ethna-DEFENSIV T
€ 176,47 / 172,17
Ethna-DYNAMISCH A € 96,34 / 91,75
Ethna-DYNAMISCH T € 100,37 / 95,59
1,96
1,96
0,95
0,95
2,03
2,02
€ 156,39 / 148,94
2,48
Prime Values Inc T
€ 143,08 / 138,91
1,26
FP Aktien Global A
FP EuroAkt.Staufer
FP Europa Akt.ULM
€* 129,50 / 123,33 0,84
€* 114,22 / 108,78 –0,75
€* 102,03 / 97,17 –0,26
s4
n
2
o
i
t
Mi vat
ti
n
Mo übe
sch
WISSEN.
MACHT.
SPASS.
0,07
0,92
1,14
5,49
2,29
1,03
0,92
31,65 / 30,14 –3,18
2,91
H&A Glb Bond Opp B € 120,89 / 118,52
3,56
H&A Rend. Pl. CI
€ 122,23 / 118,10
2,67
H&A SmCap.Eq EMU B € 174,90 / 166,57
1,68
MB Fd Max Value
€ 165,32 / 157,45 –1,63
MB Fund Flex Plus
€
MB Fund Max Global
€ 110,70 / 105,43 –0,45
63,68 / 63,05
0,51
PVV CLASSIC
€
50,71 / 50,71
1,23
PVV Untern. Plus
€
47,32 / 47,32
0,45
www.kanam-grund.de
info@kanam-grund.de I Tel. 069-7104110
Leading Cities
€ 110,71 / 104,94
0,35
Div. Str. Eurol. R
€*
39,94 / 38,04 –2,74
Multi Global R
€* 113,12 / 109,83
2,14
RentaMax R
€*
73,67 / 71,18
0,62
Rohstoffe 1 R
€*
37,41 / 35,63 –0,36
RS Flex R
€*
61,34 / 59,27 –0,55
Legg Mason Dublin Funds
Legg Mason Global Funds Plc
€
76,73 / 73,08
1,25
BW Gl Fi In Prt
€*
/ 147,26
€
72,52 / 69,07
3,86
BW GlCredOp A
€*
/ 102,06 –0,07
BW GlFixIn AbRe Ah €*
/ 101,59 –0,83
CB TacDivInc At
$*
/ 147,56
CB US Ag Gr At
$*
/ 281,37 –0,26
CB US Appr At
2,03
Telefon +49 89 287238-0
www.hellerich.de, info@hellerich.de
3,92
UniEMGlobal
€* 112,55 / 107,19 –1,38
UniEuRe Corp A
€*
55,21 / 53,60
0,68
UniEurKap Corp-A
€*
37,79 / 37,05
0,14
UniEurKap.Co.net A
€*
37,66 / 37,66
0,11
UniEuroAnleihen
€*
58,78 / 57,07
0,90
UniEuroKapital
€*
65,08 / 63,80
0,02
UniEuroKapital-net
€*
40,87 / 40,87 –0,05
UniEuropa
€*
2888 / 2750
2,55
UniEuropaRenta
€*
51,48 / 49,98
1,15
UniEuroSt.50 A
€*
64,89 / 62,39 –0,42
UniEuroSt.50-net
€*
52,45 / 52,45 –0,43
UniFavorit: Renten
€*
25,13 / 24,64 –0,48
UniGlobal II A
€* 145,27 / 138,35
4,45
UniIndustrie 4.0A
€*
79,94 / 76,87
5,03
UniOpti4
€*
97,12 / 97,12 –0,03
UniOptimus-net-
€* 681,41 / 681,41 –0,04
UniRak Em. Mkts
€* 191,66 / 184,29 –0,76
UniRak Na.Kon. A
€* 123,68 / 121,25
UniRak Nach.K-net-
€* 121,10 / 121,10
2,42
UniRak Nachh.A net
€*
4,33
UniRak NachhaltigA
€* 102,76 / 99,77
96,99 / 96,99
2,45
4,36
UniRenta Osteuropa €*
40,71 / 39,52
0,03
UniRes: Euro Corp.
€*
42,21 / 42,21
0,00
UniReserve: Euro A
€* 494,63 / 494,63 –0,02
WWWWWW0,90
WWWWWW0,86
WWWWWWWW1,13
WWWWWWWWWW1,49
WWWWWWW1,06
PTAM Def.Portf.OP
3,28
€* 105,56 / 101,50 10,70
+ 16,41
+ 12,06
+ 15,46
-
PTAM Bal. Pf. OP
30,93 / 30,93
UniDynamic Gl. A
€* 129,06 / 129,06 –0,83
/ 190,10 –3,65
€* 266,53 / 266,53
€* 135,00 / 129,81
UniVa.Glb-net-A
BW Gl Def. HY S(IH) €*
€*
59,57 / 57,28 –0,22
UniDyn.Europa A
1,37
BW Gl Dyn.US Eq. A $*
FU Dachfonds
56,67 / 56,67 –0,28
€* 135,38 / 130,17 –0,80
2,36
FU Multi Asset P
€*
UniDividendenAss A €*
UniVa. Global A
€ 106,54 / 101,47 –0,04
0,55
UniDividAss net A
9,14
€ 304,97 / 296,09
€* 104,00 / 100,97
4,72
5,20
1,45
2,39
2,41
3,37
6,70
2,85
0,87
58,68 / 55,89 –0,82
€* 110,25 / 107,04
Millen Glb Opp P
www.heemann.org
94,80 / 90,29
87,08 / 84,54
57,54 / 55,86
205,48 / 203,45
148,36 / 146,89
87,10 / 84,56
106,39 / 103,29
103,58 / 98,65
57,17 / 54,97
€*
UniStruktur
MB Fund S Plus
FU Bonds Monthly
BHF Flex. Alloc.FT
€
BHF Flex. Ind. FT
€
BHF Rendite P.FT
€
Grand Cru
€
Grand Cru (CHF)
F
O.BHF POLARIS BAL €
O.BHF POLARIS DY €
ODBHF Em.Co.Dem.CR €
SMS Ars selecta
€
0,77
UniCommodities
WWWWWWWWWWWW1,69
WWWWWWW0,97
WWWWWWWWWWWWW1,88
WWWWWWWWW1,34
WWWWWWW1,06
www.LBBW-AM.de I info@LBBW-AM.de
€
3,33
0,03
4,61
4,57
–0,23
0,07
–0,74
0,04
1,25
0,07
3,33
0,54
–0,06
–0,06
–0,05
1,95
3,39
2,81
0,73
52,53 / 51,00
+ 53,17
+ 78,99
+ 13,09
+ 11,59
+ 15,69
Telefon 089/2489-2489
Dividende A
€* 59,28 / 56,46 –0,19
EM Rent Nachh.
€* 51,80 / 49,81 0,36
ERGO Vermög Ausgew€* 59,30 / 56,75 1,13
ERGO Vermög Flexi €* 60,99 / 58,09 1,35
ERGO Vermög Robust €* 54,83 / 52,72 0,76
EuroBalance
€* 63,24 / 60,81 1,60
EuroCorpRent A
€* 58,96 / 56,97 0,73
EuroErtrag
€* 73,77 / 71,28 0,64
EuroFlex
€* 43,31 / 42,88 0,09
EuroInvest A
€* 101,82 / 96,97 –0,08
EuroKapital
€* 54,68 / 52,08 1,81
EuroRent A
€* 32,31 / 31,22 0,39
FairReturn A
€* 58,51 / 56,81 0,41
GlobalBalance DF
€* 74,91 / 72,03 2,00
GlobalChance DF
€* 77,08 / 73,41 3,58
Nachhaltigkeit A
€* 136,19 / 129,70 2,55
ProInvest
€* 220,61 / 210,10 –0,04
VermAnlage Komfort €* 62,70 / 60,58 0,54
VermAnlage Ret A
€* 74,27 / 71,41 0,74
€ 166,54 / 158,61
0,62
Metzler Asset Management GmbH
€ 123,70 / 117,81
138,00 / 131,43
138,12 / 138,12
236,93 / 236,93
221,04 / 210,51
67,16 / 65,20
100,80 / 99,80
616,46 / 587,10
53,92 / 52,35
326,03 / 316,53
116,50 / 115,35
89,52 / 85,26
249,08 / 237,22
69,12 / 69,12
47,65 / 47,65
4934 / 4934
74,66 / 72,49
1350 / 1311
882,26 / 856,56
51,79 / 51,79
€*
7,22
2,73
H&A Dynamik Plus B
am.oddo-bhf.com
Algo Global DRW-€ €*
Basis-Fonds I
€*
DC Value One I(t)
€*
DC Value One P(t)
€*
ETFplus Portf Balan
€
EURO ShTm Bd FT DR €*
FMM-Fonds
€
FT EuroGovernm. M €*
Green Bd CR
€*
O.BHF € ShTe Bd FT €*
O.BHF AlgoGlob CRW €*
O.BHF FRA EFF
€*
O.BHF MoneyMark CR €*
O.BHF MoneyMark DR €*
O.BHF MoneyMark G €*
Polaris Mod DRW-€ €*
Substanz-Fonds
€*
Vermögens-Fonds
€*
€*
UniAusschüttung A
€* 186,01 / 178,86
antea - R
ERBA Invest OP
€* 174,22 / 167,52 –0,08
UniAusschü. net- A
€* 156,44 / 150,42
Green Balance P
www.hauck-aufhaeuser.com
€* 171,17 / 171,17 –0,11
UniAsia Pacific A
€* 199,03 / 189,55 –0,15
€* 67,06 / 65,11 1,63
€* 99,37 / 97,42 –0,06
€* 96,54 / 94,65 –0,08
€* 615,81 / 603,74 0,79
UniSec. High Tech.
Meridio Funds
€ 114,59 / 109,13
€* 103,78 / 99,79 –6,86
€* 161,21 / 155,01 –5,87
€* 106,68 / 101,60 6,68
www.lvm.de I Tel. (0251) 70249
Euro-Kurzläufer
€* 28,99 / 28,90
Europa-Aktien
€* 29,55 / 28,07
Euro-Renten
€* 38,40 / 37,25
Inter-Aktien
€* 41,86 / 39,77
Inter-Renten
€* 34,97 / 33,92
ProBasis
€* 32,22 / 31,09
ProFutur
€* 35,74 / 34,49
HANSAINVEST
Tel. +41 41 55 20 255, info@ethius-invest.ch,
www.ethius-invest.ch
ETH Global Impact
€* 105,31 / 105,31 5,55
First Private Invest. Manag. KAG MBH
M&W Capital
M&W Privat C
NW Global Strategy
UniAsia Pac.net
Asia Pacific
Asian Bonds
Real Protect
Real Protect R
Real Return
UniSec. BioPha.
Gutmann Kapitalgesellschaft
PRIME Val Growth T
LRI Invest S.A.
Nomura Asset Management Deutschland
Lfd. Kosten %
5 J.
2 Spalten (Breite 75 mm / Höhe 80 mm)
1822 Str.Wachstum
1822-Struk. Ertrag
BasisStr.Renten CF
BasisStrat Re.TF A
Berol.Ca.Chance
Berol.Ca.Premium
Berol.Ca.Sicherh.
Berol.Ca.Wachst.
Deka-Eu.Stocks CF
DekaEuAktSpezAV
DekaEuAktSpezCF(A)
Deka-EuropaVal.TF
Deka-FlexZins CF
Deka-FlexZins TF
DekaGlobAktLRCF(A)
Deka-Indust 4.0 CF
Deka-Indust 4.0 TF
Deka-Mul Asset Ert
Deka-Nach.E.St CF A
Deka-NachhAkt CF
Deka-NachhRent CF A
HMI Chance
HMI Chance+
HMI Ertrag+
HMI Wachstum
Köln Str.Chance
Köln Str.Ertrag
Köln Str.Wachstum
KölnStr.Chance+
UnterStrat Eu CF
Wandelanleihen CF
QSInvMA EUPrfAa(A) €*
/ 127,99 2,67
QSMV APexJ EqGIFAt €*
/ 132,66 0,99
Roy.USSCapOp At
$*
/ 298,65 –4,68
Royce US SmCo At $*
/ 230,17 –3,24
WA Asian Op At
€*
/ 219,37 2,13
WA ECore+Bd Aa(D) €*
/ 114,49 0,71
WA Em Mk TRB At H €*
/ 141,34 0,06
WA EmMkt CorpBd At $*
/ 119,94 0,49
WA Eur HY A a(D)
€*
/ 102,02 0,22
WA Gl Credit At(H) €*
/ 134,43 1,51
WA Gl M St Aa(M) H €*
/ 85,57 0,51
WA GlCore+Bd Aa(A) $*
/ 107,92 0,63
WA Inf.M. Aa(A)
$*
/ 132,06 –0,03
WA Macro OpBd Aa €*
/ 103,46 4,93
WA Multi-Asset Cr. A €*
/ 107,71 0,69
WA ShD BChip At H €*
/ 100,02 0,08
WA ShD HI BF AtH €*
/ 145,92 0,79
WA US Cor+Bd At
$*
/ 174,19 1,04
WA US CorBd At
$*
/ 153,34 1,31
WA US Gov.Liq A
$*
/ 109,62 0,00
WA US HY Aa(D)
$*
/ 82,59 1,38
Weitere Anteilsklassen und Fonds unter
www.LeggMason.de
ODDO BHF Asset Management Lux.
www.ipconcept.com I Die Fonds-Designer
Alle dargestellten Investmentfonds sind Teilnehmer am Funds Service, sortiert nach 3-Jahresperformance, berechnet nach BVI Methode. Laufende Kosten % = Anteil der
Verwaltungskosten eines Fonds, hoher Prozentsatz = hoher Kostenanteil. Erscheinungstäglich wechselnde Kategorien: Aktien-, Renten-, Geldmarkt-, Misch-, Immobilienund wertgesicherte Fonds. Keine Anlageberatung und -empfehlung.
DAVIS FUNDS SICAV
Global A
Value Fund A
DBA offensiv
GlobalChampions CF €* 283,43 / 273,19
/ 94,61
1,48
0,71
1,49
$*
/ 310,09
2,85
CB US Eq Sust.L A(A) $*
/ 252,97
2,90
CB US LCapGr At
$*
/ 465,58
5,84
CB Value At
$*
/ 158,77 –4,32
LM BW GlIncOpt A € €*
LM CB EM Infr X€
€*
LM CB Infr Val A€A
/ 117,16
0,37
/ 84,05 –3,38
€*
/ 12,92
3,31
LM WA Gl HY A Euro €*
/ 115,36
4,14
MC As L-T Unc M€da €*
/ 18,25
1,08
QS Em Mk Eq At
€*
/ 117,15 –2,57
QS MV EuEq GIF At
€*
/ 196,57
QS MV GlEq GIF At
$*
/ 196,15 –1,51
RWS-Aktienfonds
RWS-DYNAMIK A
RWS-ERTRAG A
€* 105,72 / 100,69
€* 37,14 / 35,37
€* 16,11 / 15,64
3,87
2,76
1,89
Monega Kapitalanlageges.mbH
Bueno Gb. Strategy
Corporate M Su. I
Corporate M Su. R
FO Core plus
Greiff Syst All I
Greiff Syst All R
Guliver Demo. In.R
Lupus alpha R I
Lupus alpha R R
Monega BestInvEURA
Monega Chance
Monega Dän.Co.Bds
Monega Ertrag
Monega FairInv.Akt
Monega Glob Bond I
Monega Glob Bond R
PRIV ETF-DAk gl(I)
Privacon ETF Akt I
Privacon ETF Akt I
SALytic Strategy
Top Dividend
WahreWerteFonds I
WahreWerteFonds R
€*
€*
€*
€*
€*
€*
€*
€*
€*
€*
€*
€*
€*
€*
€*
€*
€*
€*
€*
€*
€*
€*
€*
53,39 / 53,39 0,54
100,11 / 100,11 0,40
103,78 / 102,25 0,36
122,85 / 122,85 2,72
107,74 / 107,74 –0,67
109,60 / 106,41 –0,71
154,13 / 146,79 4,74
128,12 / 126,85 0,42
62,72 / 60,31 0,36
56,04 / 53,37 –0,35
51,10 / 48,90 0,52
98,80 / 98,80 1,29
62,06 / 59,96 1,16
62,48 / 59,50 0,36
105,60 / 105,60 2,32
52,99 / 51,20 2,30
97,71 / 97,71 0,78
119,45 / 119,45 3,61
134,94 / 134,94 5,45
56,26 / 56,26 0,33
59,82 / 56,97 0,79
106,32 / 106,32 4,19
50,97 / 49,01 3,94
1,51
Global-Flexibel A
€ 809,76 / 771,20
2,22
QSInvMA EUBl Aa(A) €*
/ 122,11
2,37
Sachwertaktien A
€ 200,43 / 190,89
1,65
QSInvMA EuConAa(A) €*
/ 116,12
2,11
LiLux Convert
LiLux-Rent
€* 260,79 / 253,19
€* 241,58 / 234,54
2,33
0,55
www.oekoworld.de
Growing Mkts 2.0
Klima
Öko Rock‘n‘Roll
ÖkoVision Classic
Water For Life C
€
€
€
€
€
286,99 / 273,32
132,24 / 125,94
201,66 / 192,06
266,16 / 253,49
251,03 / 239,08
4,17
4,40
2,20
4,78
3,11
UniImmo:Dt.
€*
96,96 / 92,34
0,17
UniImmo:Europa
€*
57,04 / 54,32
0,13
UniImmo:Global
€*
51,32 / 48,88
0,29
UBS Funds Services Lux S.A.
UBS (L) EM Eq P AA $*
/ 148,80 –2,58
/ 157,49 –2,56
UBS (L) EM Eq P XA $*
UBS (L) GCB AD T2 €* 211,90 / 205,73 1,75
www.union-investment.de
Tel. 069 589 98-6060
Priv.Fonds:Flex.
€* 96,80 / 96,80
Priv.Fonds:FlexPro
€* 144,54 / 144,54
PrivFd:Kontr.
€* 135,69 / 135,69
PrivFd:Kontr.pro
€* 170,11 / 170,11
Uni21.Jahrh.-net€* 43,33 / 43,33
UniDeutschl. XS
€* 244,16 / 234,77
UniDeutschland
€* 258,23 / 248,30
UniEuroAktien
€* 90,64 / 86,32
UniEuropa-net€* 91,37 / 91,37
UniEuroRenta
€* 67,95 / 65,97
UniEuroRentaHigh Y €* 37,65 / 36,55
UniFav.:Akt. -net€* 121,97 / 121,97
Unifavorit: Aktien
€* 202,83 / 193,17
UniFonds
€* 70,80 / 67,43
UniFonds-net€* 99,47 / 99,47
UniGlobal
€* 336,54 / 320,51
UniGlobal-net€* 192,94 / 192,94
UniKapital
€* 109,19 / 107,05
UniKapital-net€* 38,62 / 38,62
UniKlassikMix
€* 102,58 / 99,59
UniNachhaltig A Gl €* 151,05 / 143,86
UniNordamerika
€* 483,14 / 460,13
UnionGeldmarktfds €* 47,70 / 47,70
UniRak
€* 153,17 / 148,71
UniRak Kons.-net-A €* 127,77 / 127,77
UniRak Konserva A €* 132,32 / 129,73
UniRak -net€* 80,13 / 80,13
UniRenta
€* 20,12 / 19,53
UniSel. Global I
€* 111,32 / 108,08
UniStrat: Ausgew.
€* 74,98 / 72,80
UniStrat: Dynam.
€* 66,55 / 64,61
UniStrat: Konserv.
€* 77,58 / 75,32
UniStrat:Offensiv
€* 66,98 / 65,03
Union Investment Luxemburg
PrivatFonds: Nachh
PrivFd:Konseq.pro
Uni.Eur. M&S.Caps
UniAbsoluterEnet-A
UniAbsoluterErt. A
UniAsia
www.universal-investment.de | Kontakt für
B2B-Partner: Tel. 069/71043 - 900
Degussa Univ.Rent
€*
Spiekerm.& Co Str
€* 137,59 / 131,04
46,63 / 45,72 –1,93
0,37
Universal-Investment-Luxembourg S.A.
–0,23
1,23
1,33
3,39
3,80
0,10
–1,33
1,39
2,51
0,38
0,41
4,34
4,37
–1,28
–1,31
4,46
4,44
1,54
1,52
0,97
5,06
6,66
–0,06
3,28
–0,09
–0,05
3,25
2,62
3,44
1,05
1,61
0,65
1,62
€* 56,50 / 56,50 1,59
€* 106,06 / 106,06 0,67
€* 73,74 / 70,90 0,44
€* 45,38 / 45,38 –0,46
€* 46,19 / 45,28 –0,44
€* 101,23 / 96,41 0,43
Wissen zu generieren, zu verankern
und intern weiterzugeben, bedeutet
für Unternehmen Zukunftssicherung.
Doch wie schaffe ich dafür die passende Unternehmenskultur? Dr. Ferri
Abolhassan, Servicechef der Deutschen Telekom, hat Expertinnen und
Experten aus verschiedenen Bereichen dazu eingeladen, ihre Sicht auf
lebenslanges Lernen, Wissen und
lernende Organisationen darzulegen.
Dr. Ferri Abolhassan (Hrsg.) –
WISSEN. MACHT. SPASS
18,00 Euro • ISBN 978-3-96251-104-3
Überall im Buchhandel erhältlich.
www.fazbuch.de · 0711-7899 2044 · faz@knv-zeitfracht.de
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
Union Investment Real Estate
CondorBalance-UI
€* 104,71 / 99,72
1,84
CondorChance-UI
€*
98,62 / 93,92
5,59
CondorTrends-UI
€* 113,02 / 107,64
5,74
€*
2,37
Warburg Invest
DMüller Prem Akt €
97,04 / 93,31
W&W Asset Management Dublin
SouthEast Asian Eq
€*
/ 135,65 –0,24
SONSTIGE FINANZPRODUKTE
Luxembourg Placement Funds
Solitär
€*
2193 / 2193
1,44
Solitär II
€*
1548 / 1548
1,03
Allgemeine Erläuterungen
Investmentfonds nach Kapitalanlagegesetzbuch
(KAGB)
Whrg.: Währung (A = Australischer Dollar, € = Euro,
F = Schweizer Franken, £ = Brit. Pfund, ¥ = Japanische Yen, P = Polnischer Zloty, S = Schwedische
Krone, $ = US-Dollar).
Ausg.: Ausgabepreis eines Fondsanteils zum angegebenen Tag.
Rückn.: Rücknahmepreis eines Fondsanteils zum angegebenen Tag.
Perf.: Performance auf Basis der letzten verfügbaren
NAVs (Nettoinventarwerte). Berechnung nach BVIMethode.
* Fondspreise etc. vom Vortag oder letzt verfügbar.
Ausgabe / Rücknahmepreise werden bei mehr als vier
Vorkomma- ohne Nachkommastellen abgebildet.
Alle Angaben ohne Gewähr, keine Anlageberatung und
-empfehlung.
Sport
SEITE 30 · S AMS TAG, 10. JULI 2021 · NR. 157
FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUN G
Zwei Favoritinnen im
Finale – das gibt’s noch
Ashleigh Barty und Karolina Plišková sind
im unberechenbaren Damentennis feste Größen
Karolina Plišková
Foto AP
Ashleigh Barty
Foto dpa
stand sie im Finale der US Open, verlor aber gegen Angelique Kerber, ein
Jahr später führte sie für mehrere Wochen die Weltrangliste an. Doch der
Wunsch nach einem Grand-Slam-Titel
blieb unerfüllt. Im Gegenteil: Im Coronajahr 2020 erreichte sie bei den Majors nicht einmal mehr die zweite Woche. Es schien, als brächte diese hervorragende Tennisspielerin einfach
nicht die Qualität mit, im entscheidenden Moment ihr vollständiges Können
abzurufen.
Plišková war mit diesem Problem
aber keineswegs allein. Denn das Phänomen ist in den vergangenen Jahren
zu einer Art Wesensmerkmal des Damentennis geworden. Während bei den
Männern mit Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic drei der besten
Tennisspieler der Geschichte mit ihren
andauernden Duellen das Publikum
elektrisieren, tun sich die Frauen
schwer damit, vergleichbare Rivalitäten
zu entwickeln. Zumindest seit die Williams-Schwestern Serena und Venus
nicht mehr Titel in Serie abräumen, fehlen die Konstanten in der Weltspitze.
Die vergangenen fünf Jahre etwa brachten bei 17 Grand-Slam-Turnieren 13
verschiedene Siegerinnen hervor. Einzig Naomi Osaka (vier Titel) und die Rumänin Simona Halep (zwei) konnten
mehrmals triumphieren.
Doch anstatt sich an der Unberechenbarkeit zu erfreuen, wird dem Frauentennis die Wechselhaftigkeit oft als Makel ausgelegt. Bei den French Open war
in diesem Jahr schon im Halbfinale keine Spielerin aus den Top 15 der Weltrangliste mehr vertreten. Es siegte die
ungesetzte Barbora Krejcíková. Eine
Spielerin, die selbst unter Tennisfans
nur wenigen ein Begriff war. Insofern
war es in Wimbledon auch beinahe
eine Überraschung, als sich im Halbfinale vier Namen fanden, die man dort
schon vor dem Turnier hatte erwarten
können. Neben Plišková die Nummer
eins der Weltrangliste, Ashleigh Barty,
dazu die an Nummer zwei gesetzte Aryna Sabalenka aus Belarus sowie die wiedererstarkte Kerber, die nach ihrem Turniersieg in Bad Homburg immerhin
eine Geheimfavoritin war.
Gut drei Stunden vor Pliškovás etwas
atemloser Ansprache hatte Barty auf
dem Centre Court ebenfalls ihren ersten Finaleinzug in Wimbledon kommentieren sollen. Deutlich weniger hektisch, aber nicht minder glücklich,
sprach sie über ihren Erfolg gegen die
sich tapfer wehrende Kerber. Barty ist
eben Australierin. Unter anderem ihre
unaufgeregte, stets freundliche Art
macht sie zu einer der beliebtesten Spielerinnen auf der Profitour. Dabei kennt
auch die 25-Jährige das Problem, bei
großen Turnieren Rückschläge verarbeiten zu müssen. Denn obwohl sie seit inzwischen drei Jahren beinahe ununterbrochen die Nummer eins der Welt ist,
hat sie in dieser Zeit nur ein GrandSlam-Turnier gewinnen können. „Die
größte Entwicklung machst du durch
deine düstersten Zeiten“, sagte sie nun.
Es scheint, als sei Barty am ehesten dafür prädestiniert, die Sehnsucht nach etwas mehr Konstanz im Damentennis zu
erfüllen.
PIRMIN CLOSSÉ
Berrettini schlägt sich durch
Italiener zieht ins Wimbledon-Endspiel ein
pc. FRANKFURT. Gegen Ende des
zweiwöchigen Grand-Slam-Klassikers
von Wimbledon sieht der heilige Rasen stets ziemlich mitgenommen aus.
Das satte Grün ist dann zumindest an
den Grundlinien einem staubigen
Braun gewichen. Die Ästhetik des mythischen Belags leidet. Früher war in
ähnlicher Form außerdem noch der
Mittelgang auf dem Weg zum Netz umgepflügt. Doch das Serve-and-Volley
ist längst aus der Mode gekommen.
Gut für den Rasen, schlecht für die Rasentennis-Puristen ist das.
Wer am Freitagnachmittag allerdings dem Italiener Matteo Berrettini
dabei zusah, wie er sich auf dem berühmten Centre Court in sein erstes
Grand-Slam-Finale vorspielte, der
konnte nachvollziehen, warum auch
bei ihm die alte Überrumplungstaktik
nur noch selten zur Anwendung
kommt. Denn wer so stark aufschlägt
wie Berrettini, der kann sich den Gang
ans Netz sparen. Im Halbfinale gegen
den Polen Hubert Hurkacz, der eine
Runde zuvor überraschend klar den
großen Roger Federer besiegt hatte,
servierte der Italiener nicht nur 22
Asse. War sein erster Aufschlag im
Feld, machte er 55 von 64 möglichen
Punkten. Am Ende stand ein klarer Erfolg: 6:3, 6:0, 6:7 (3:7), 6:4. Hurkacz
schaffte kein einziges Break.
Dass Berrettinis stärkste Waffe ihn
beim Spiel auf Gras-Courts besonders
gefährlich macht, hatte sich abgezeichnet. Nach dem Sieg gegen Hurkacz hat
er nun elf von elf Spielen in diesem
Jahr auf Rasen gewonnen. Er siegte
beim Vorbereitungsturnier in Queens
und reiste als ein aussichtsreicher Mitanwärter zum Rasen-Highlight nach
London. Seine Premiere in einem
Grand-Slam-Finale darf dennoch als
kleine Überraschung gewertet werden.
Denn bislang hatte der 25-Jährige stets
ein wenig im Schatten anderer aufstrebender Tennistalente gestanden. An
diesem Sonntag hat er nun die Chance,
dies endgültig zu ändern. Sein Gegner
im prestigeträchtigsten Finale der Tennis-Welt wurde im Duell zwischen dem
Serben Novak Djokovic und dem Kanadier Denis Shapovalov ermittelt (bei
Redaktionsschluss dieser Ausgabe war
das Match noch nicht beendet).
In Kürze
Kommission neu besetzt
Nach dem Streit um die Ethikkommission beim Deutschen Fußball-Bund
(DFB) hat der DFB das Gremium neu
besetzt und damit wieder handlungsfähig gemacht. Auf einer außerordentlichen Präsidiumssitzung berief der Verband am Donnerstag Peter Büllesfeld,
Ingrid Häußler, Hermann Janning und
Wolfgang Schmitz-Jansen. Dies sei auf
einen gemeinsamen Vorschlag der
Kommissionsvorsitzenden Irina Kummert und von Ulrich Schulte-Bunert,
dem Büroleiter des Gremiums, geschehen, hieß es. Vergangenen Monat waren drei Kommissionsmitglieder zurückgetreten. Die drei Mitglieder und
der Verband hatten sich gegenseitig
vorgeworfen, Unwahrheiten zu verbreiten.
dpa
Suns führen 2:0
Die Phoenix Suns haben auch das zweite Final-Duell mit den Milwaukee
Bucks gewonnen und vor den beiden
anstehenden Auswärtsspielen gute
Chancen auf ihre erste Meisterschaft
in der nordamerikanischen BasketballProfiliga. Das Team um den Anführer
Chris Paul gewann in heimischer Halle
118:108 und reist mit einer 2:0-Führung nach Wisconsin. Zum Titel
braucht eine Mannschaft vier Siege.
Bucks-Star Giannis Antetokounmpo
kam im zweiten Spiel nach seiner Knieverletzung zwar auf 42 Punkte, zwölf
Rebounds und vier Vorlagen, er hatte
aber zu wenig Unterstützung von den
anderen wichtigen Spielern seiner
Mannschaft. Bei den Suns erzielte Paul
23 Punkte.
dpa
Sieger auf der 13. Etappe: Der 36 Jahre alte Mark Cavendish ist als Rekordjäger bei der Tour de France unterwegs.
Foto Reuters
Cavendish zieht mit Merckx gleich
Mark Cavendish hat sich endgültig in den
Geschichtsbüchern der Tour de France
verewigt und den Uraltrekord von Radsportlegende Eddy Merckx eingestellt:
Der 36 Jahre alte Brite gewann am Freitag die 219,9 Kilometer lange 13. Etappe
von Nîmes nach Carcassonne und holte
damit seinen 34. Tagessieg beim größten
Radrennen der Welt. Der Belgier Merckx,
der die gleiche Anzahl an Tagessiegen
zwischen 1969 und 1975 eingefahren hatte, muss die prestigeträchtige Bestmarke
nun teilen. Zumindest so lange, bis Cavendish mit einem 35. Sieg endgültig vorbeizieht. „Es gibt kein Problem, wenn Cavendish meinen Rekord holt. Ich werde deshalb keinen Schlaf verlieren. Wenn er es
schafft, gratuliere ich, denn es ist nicht
einfach, 34 Sprints zu gewinnen“, hatte
der fünfmalige Gesamtsieger schon vorab
der Gazzetta dello Sport gesagt. Cavendish, der eine lange Durststrecke hinter
sich hat, trumpft 2021 wieder auf wie in
jungen Jahren. Der Coup in Carcassonne
war sein vierter Tagessieg, alle Massensprints im dezimierten Sprinterfeld gingen bislang an den Routinier. Sein däni-
scher Anfahrer Michael Mörköv und der
Belgier Jasper Philipsen landeten am Freitag auf den Rängen zwei und drei. Für
Routinier Roger Kluge endete das Rennen vorzeitig: Der 35-Jährige war 65 Kilometer vor dem Ziel in einen Massensturz
verwickelt. Titelverteidiger und Gelb-Träger Tadej Pogacar verteidigte ohne Probleme seine Gesamtführung.
dpa
„Menschen sind Hochgefühlssucher“
H
Der Philosoph Peter Sloterdijk
über das menschliche Bedürfnis,
sich mit Sport selbst zu beeindrucken,
seine persönliche Beziehung zum Mont
Ventoux und die Neigung, das Thema
Doping auszublenden.
err Sloterdijk, verfolgen Sie
dieser Tage eher die Tour de
France oder die FußballEM?
Ich schau mal bei dem einen, mal bei dem
anderen, aber in beiden Fällen nicht mit
so besonders großem Engagement, weil
ich im Augenblick andere Themen im
Kopf habe, die mir vorrangig scheinen.
Aber die Mont-Ventoux-Etappe habe ich
mir dann doch genauer angesehen, weil
ich da auch einen persönlichen Bezug
dazu habe.
Sie besitzen ein Ferienhaus in der Nähe.
So ist es. Ganz in der Nähe.
Sie sind den Mont Ventoux selbst schon
mit dem Rennrad hochgefahren. Welchen Sinn macht das für einen Hobbyradler?
Ich denke, alle Menschen haben das Bedürfnis, sich selbst zu beeindrucken. Und
wer sich sagen kann, ich bin gerade eben
noch auf den Mont Ventoux hinaufgefahren, der hat einen guten Grund, vor sich
selbst den Hut zu ziehen.
Was mich dabei immer beeindruckt, ist
dieser faszinierende Zustand erhabener
Zufriedenheit, in dem man dort oben ankommt.
Ich finde das einen geradezu anthropologisch wichtigen Erfahrungskern nach einer so großen Anstrengung. Anthropologen sagen einem ja auch, dass die Feste
primitiver Völker häufig dazu führen,
dass die Personen dann zwar blutend und
abgekämpft und erschöpft sind, aber in einem Zustand der harrenden Zufriedenheit am Boden liegen und danach wieder
besser wissen, warum sie leben und warum sie in dieser Festgemeinschaft ihren
Platz haben. Ich denke, dass Menschen in
gewissem Ausmaß Hochgefühlssucher
sind, und enorme Anstrengungen bringen
diese paradoxe Einheit von Erschöpfung
und Hochgefühl.
Wobei Erschöpfung ja nicht gleich Erschöpfung ist. Man kann sie auch billig
bekommen, ohne Zauber. Was macht
die Erschöpfung nach einer Auffahrt auf
den Mont Ventoux besonders?
Eine ekstatische Situation. Dieser Berg
ist durch seine Exponiertheit eine Singularität. Er steht ganz frei, hat keinen alpinen Kontext, hat deswegen auch eine
ganz eigene Magie. Dann kommt seine
einzigartige Gipfellandschaft hinzu. Diese Geröllwüste. Man hat das bei der Übertragung des französischen Fernsehens
mit höchst überwältigenden Ansichten
aus der Luft gesehen, die man sonst nicht
haben kann. Sie dürfte vielen Menschen
klargemacht haben, worin die Magie dieses Berges besteht.
Wie lange hält das Hochgefühl, wenn
man oben war?
Das kann ich nicht mehr sagen. Ich weiß
nur, dass ich einmal, nachdem ich mit
dem Rad auf der Alpe d’Huez gewesen
bin, das ist auch schon ein paar Jahre her,
dass ich mich danach zwei Tage lang in ei-
Foto dpa
FRANKFURT. Karolina Plišková redete schnell. So schnell sogar, dass ihr zwischenzeitlich die Luft ausging. In heller
Aufregung über ihren ersten Einzug ins
Endspiel von Wimbledon hätte die
tschechische Tennisspielerin offenbar
beinahe das Atmen vergessen. Zwei-,
dreimal musste sie kräftig durchschnaufen, ihre kleine Siegeransprache auf
dem Centre Court geriet ins Stocken,
ehe sie doch noch verkünden konnte:
„Ich bin einfach nur so glücklich, im Finale zu stehen.“
Plišková, 29 Jahre alt, hatte in der
jüngeren Vergangenheit schon oft zu
den Sieganwärterinnen bei den vier
großen Tennisturnieren gehört. 2016
Peter Sloterdijk
nem leichten Ausnahmezustand befunden habe.
Glauben Sie, dass Profis diese Gefühlswelten von Hobbysportlern ähnlich erleben? Die fahren den Mont Ventoux und
andere Bergriesen ja beruflich hoch, wie
Handelsvertreter, die ihre Kunden abklappern.
Man hat das bei der Übertragung der
Etappe sehr stark gemerkt, dass die Spitzenfahrer psychologisch in einer ganz anderen Situation sind. Sie sind ja auch alle
extrem übertrainiert. Ich erinnere mich
an einen Ausspruch von Rudi Altig, der
über die modernen Radfahrer sagte: Wer
leidet, hat ein Formdefizit. Als man Wout
van Aert, den späteren Sieger, am Mitt-
FRANKREICH
ANDORRA
ÄEN
1
EN
PYR
1
1
Andorre-
15. Etappe
am Sonntag
Céret
Andorrela-Vieille
la-Vieille
SPANIEN
1005 m
2
Céret
187 m
S
1
Col de
Port
1
Puymorens d’Envalira B
1915 m 2408 m
1
Col de
Beixalis
Montée
1796 m
de Mont-Louis
1560 m
Olette
627 m
0 km
66,9 86,3
135,1 146,7 176,5 191,3
1 1. Kategorie 4 4. Kategorie
Etappenstart
2 2. Kategorie S Sprintwertung
Etappenziel
HC „Hors Catégorie“ 3 3. Kategorie B Bonuspunkte
F.A.Z.-Grafik lev.
Quelle: Société du Tour de France
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
woch den Mont Ventoux hochfahren sah
auf den letzten fünf besonders brutalen
Kilometern, er fährt da bestimmt mit einer Wattleistung von bis zu 400 die ganze
Zeit, da war das jenseits dessen, was sich
ein Laiensportler vorstellen kann. Der
muss bei dieser Belastung schon nach einer Minute oder zwei absteigen. Aber diese Profis haben offenbar die Fähigkeit entwickelt, mit Anstrengungsschmerz vollkommen rücksichtslos umzugehen. Das
war im Übrigen auch der Grund, warum
Fahrer früher Testosteron eingesetzt haben, das verbessert zwar nicht die Leistung, erlaubt dem Fahrer aber eine höhere Aggressivität, eine höhere Rücksichtslosigkeit gegenüber seinem eigenen Zustand.
Die Negierung des Schmerzes führt auch
dazu, dass die Fahrer oft mit erheblichen Verletzungen weiterfahren.
Diese heroische Rücksichtslosigkeit gegen sich selbst, die man bei gestürzten
Fahrern am deutlichsten beobachten
kann, trägt zum Mythos dieser Sportart
außerordentlich bei.
Im Profifußball wird hingegen Schmerz
gern vorgetäuscht. Ein Fußballspieler
fällt schon hochmotiviert um, wenn er
sich einen Freistoß davon erhoffen
kann.
Das würde für die Radfahrer völlig gegen
die Sportlerehre gehen, abgesehen davon,
dass selbst ein Fußballspiel mit Verlängerung von der Physis her gesehen ein Kindergeburtstag ist gegenüber einer Alpenetappe.
Nimmt, wer sich den Schmerz nimmt,
auch den Zauber?
Das mag wohl sein. Man sieht diese Sportler ja auch selten leuchten. Die Sieger ja,
aber aus anderen Gründen. Schon bei allen, die nachkommen, überwiegt die An-
strengung, und dieser eigenartige Hormonstoß, den der Amateursportler nach
großer Anstrengung erfahren kann, ist
bei den Profis nicht mehr in der gleichen
Weise zu erwarten.
Jonas Rutsch, der die Tour in diesem
Jahr zum ersten Mal fährt, hat berichtet,
dass er bei der Abfahrt vom Mont Ventoux in der Spitze mit Tempo 108 unterwegs war. Wie halten Sie es mit Abfahren? Ist eine Abfahrt der Lohn eines Aufstiegs?
Ich finde, eine Abfahrt ist schon eine
großartige Belohnung. Wenn ich mit meiner Frau in Südfrankreich kleinere Berge
hinunterfahre und wir mal 45 Kilometer
pro Stunde erreichen oder mehr, dann
bleiben wir manchmal stehen und jubeln
gemeinsam, oder verständigen uns wenigstens darüber, dass es eine jubilatorische Erfahrung war. Man fühlt sich dann
dem Zustand des Fliegens angenähert.
Ich glaube wiederum nicht, dass die Rennfahrer eine Abfahrt genießen können,
weil sie da immer ans Limit gehen und
sich in einer fast übermenschlichen Konzentration befinden müssen.
Der Triathlet Jan Frodeno hat während
des Corona-Lockdowns die komplette
Ironman-Distanz bei sich zu Hause absolviert, samt Schwimmen in einer Gegenstromanlage im Pool. Wie beurteilen
Sie ein solches Sportprojekt?
Ich glaube, wenn jemand dieses Trainingsniveau hat wie Frodeno, verlangt der Körper von sich aus zu zeigen, was er kann.
Und wenn das unter äußeren Bedingungen nicht gelingt, dann kann man es simulieren in einem Innenraum. Und man
darf ja nicht vergessen, dass diese Leistungsträger tatsächlich fast immer in einem intensiven Selbstgespräch sind, um
sich nach ihren Leistungsmöglichkeiten
zu befragen. Und so wird auch der Unterschied zwischen Wettkampf und Training
weitgehend nivelliert.
Kein Gespräch über Profiradsport ohne
das Thema Doping. Sind Extremleistungen wie die am Mont Ventoux ohne Doping möglich?
Das weiß ich nicht. Im Augenblick
scheint dieses Thema keine große Rolle
mehr zu spielen, aber ich vermute, das
liegt nur daran, dass wir des Themas
müde sind, das beobachte ich auch bei
mir selbst. Man möchte sich die Freude
an diesem großartigen Sport auch nicht
verderben lassen, indem man ständig
über unerlaubte Hilfen nachdenkt. Aber
ich glaube auch, dass es nach wie vor ein
unsichtbares Wettrüsten gibt zwischen
den Drogenentwicklern und jenen, die
die Nachweise führen. Man darf ja nicht
vergessen: Bei Olympia 2012 wurden während der Spiele nur zehn oder zwölf Sportler aus dem Verkehr gezogen, nachträglich aber wurden viele (147 von den Spielen in Peking und London/d. Red.) disqualifiziert. Da sind also Grauzonen zu beachten, gestern wie heute.
Das Gespräch führte Michael Eder.
Fußball EM
FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUN G
SAMS TAG, 10. J U LI 2021 · NR. 157 · S EITE 31
H
S
port im Verein und auf dem Land,
sagt Frank-Walter Steinmeier, sei
mehr als Sport und Bewegung, sondern bedeute besonders für Kinder: Freunde und Freundinnen zu treffen. Diese zu
unterstützen lässt der Staat sich einiges
kosten. Der Bundespräsident hat in seiner
Gesprächsreihe #miteinander in dieser
Woche im Livechat Dennie Rufflett getroffen, den er fröhlich als Herrn Präsidenten
ansprach. Rufflett sitzt dem FC Deetz vor
und noch dazu dem Fußball Kids Club,
was ihm in dem Ort an der Havel mit tausend Einwohnern einen gewissen Rang sichert. Steinmeier ließ sich das Durchhalten, die Aufmunterung während des Lockdowns und der erzwungenen Passivität
schildern, als der Verein die Kinder mit
Briefen, mit Video-Training des Maskottchens, mit der Verleihung einer Tapferkeitsmedaille bei der Stange hielt und mit
einer mobilen Weihnachtsfeier, bei der es
in geschmückten Autos über die Dörfer
ging. Praktisch alle Mitglieder hielten ihrem Verein die Treue.
Nun also geht es wieder los in den rund
90 000 Sportvereinen Deutschlands, beim
FC Deetz läuft bereits das zweite Sommer-Camp. Und aus dem Milliardenprogramm „Aufholen nach Corona“ ergießen
sich Abermillionen über den Freizeit- und
Breitensport und dessen Bewegungsangebote für Kinder, Jugendliche und Familien. Stellvertretend für all jene, die sich ehrenamtlich engagieren und die nun, da der
Sport wieder in die Gänge kommen soll,
dringend zurückerwartet werden, dankte
Steinmeier dem Vereinspräsidenten: „Das
ist keine Selbstverständlichkeit. Wir können das, was Sie leisten, gar nicht hoch genug anerkennen.“
Die Führung des FC Deetz sollte sich erkundigen, aus welchen Programmen sie
noch in diesem Jahr Förderung beantragen kann. Denn über die Anerkennung
vom Staatsoberhaupt hinaus wird ein ordentlicher Batzen von den zwei Milliarden
Euro, die das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
(BMFSFJ) in diesem und dem nächsten
Jahr zum Aufholen in Bildung und Entwicklung zur Verfügung stellt, seinen Weg
„Roberto Mancini ist der
Architekt dieser Einheit“
Sandro Mazzola über die Italiener und ihren Coach
S
andro Mazzola genießt in Italien
Legendenstatus. Der gebürtige Turiner holte Mitte der 1960er Jahre
mit Inter Mailand zweimal den Landesmeister-Cup und wurde 1968 mit der Nationalmannschaft Europameister. Die Inter-Ikone nahm zudem an der WM 1970
in Mexiko teil, als Italien WM-Zweiter
wurde. Heute ist der 78-Jährige Kommentator im italienischen Fernsehen.
Die „squadra azzurra“ wird in den
Medien mit Lobeshymnen regelrecht
überhäuft. Wie groß ist der Beitrag
von Roberto Mancini bei diesem Entwicklungsprozess?
Er ist der Architekt dieses Konstrukts.
Er hat das Team in einer sehr schwierigen Zeit übernommen, nach der misslungenen Qualifikation zur WM 2018,
und hat daraus eine verschworene Einheit gebildet. „Mancio“, den ich sehr
gut kenne und wertschätze, hat es mit
viel Empathie geschafft, dass seine
Jungs mit Herz und Solidarität auf dem
Platz agieren.
Kapitän Harry Kane spart nicht mit Pathos: „Ein Finale. Zu Hause. Was für ein Gefühl!“
Foto Witters
Londons Kultstätte
Welches ist Englands feste Adresse für Sehnsüchte und
Ambitionen? Das Wembley-Stadion, das Wohnzimmer des
Fußballs. Von Bertram Job
schen Sommerspiele nach dem Krieg eröffnet und beschlossen, und „at Wembley“
kann Henry Cooper 1963 den Jahrhundertboxer Muhammad Ali vor 35 000 Zeugen
immerhin kurzfristig zu Boden schicken,
bevor er eine Runde später stark blutend
aus dem Kampf genommen wird. Vor allem aber kann dort das englische Team am
30. Juli 1966 durch das 4:2 nach Verlängerung über die deutsche Elf Fußball-Weltmeister werden, zum ersten und einzigen
Mal. Der von dem ewig strittigen Wembley-Tor begünstigte Triumph untermauert
den Anspruch, nicht nur über die Herkunft,
sondern auch über das Wohnzimmer des
globalen Spiels zu verfügen. Das hat Brasiliens Fußball-Ikone Pelé dieser auratischen, 1963 noch mal renovierten Schüssel
ja bestätigt: „Wembley ist die Kathedrale
des Fußballs. Es ist die Metropole des Fußballs, und es ist das Herz des Fußballs.“
Den fortschreitenden Verfall des Bauwerks kann die Football Association (FA)
aber ebenso wenig verhindern wie die regelmäßigen Heimpleiten gegen die
In den
Vereinen
geht es
wieder los
Aus dem MilliardenProgramm „Aufholen nach
Corona“ ergießen sich
Abermillionen über den
Freizeit- und Breitensport
Endlich wieder rennen, spielen und
Freunde treffen: Die Institutionen
lassen es sich etwas kosten.
Foto picture alliance
„Krauts“. Also wird „Old Wembley“ 2003
abgerissen und vier Jahre später durch einen postmodernen, am Ende rund 800
Millionen Euro teuren Neubau ersetzt.
Die Architekten Norman Foster und Ron
Sheard machen ihm mit dem 133 Meter
hohen Bogen über dem schließbaren
Dach unverwechselbar und weithin sichtbar. Aber natürlich steht alles Neue im Königreich erst mal unter Generalverdacht.
„Wembley hat eine glänzende Zukunft“,
mosert die Daily Mail, „aber die Schalensitze, Firmenlogen, unverstellten Blicke
und die vornehmen Speisen der zweiten
Version können niemals die Erinnerungen an die großen Anlässe von gestern auslöschen.“
Dafür wird „New Wembley“ mit seinen
90 000 Plätzen schnell zum Lieblingskind
der UEFA. Hier steigen binnen drei Jahren gleich zwei Endspiele der Champions
League, 2013 zwischen dem FC Bayern
und dem BVB; das Endspiel im Jahr 2022
ist auch schon gebucht. Und wenn hier am
Sonntag das Finale zwischen England und
Italien steigt, wird es schon das achte
Spiel der eigentlich paneuropäisch gemeinten EM sein. Was man nicht nur mit
den Ausfällen von Brüssel und Dublin,
sondern auch mit dem Gespür der UEFA
für üppige Einnahmen erklären kann. Die
zählen im Zweifel vielleicht mehr als alle
Bedenken wegen Corona.
Kane und seinen Mitstreitern darf das
im Moment der sportlichen Entscheidung
egal sein – anders ist das erste Endspiel
der Three Lions seit 55 Jahren nicht zu gewinnen. Wichtig ist, dass auch diese Arena jede Menge Atmosphäre hat, wie in
den letzten Jahren und Wochen deutlich
geworden ist. Außerdem ist mit ihr auch
Frankreich in gewisser Weise schon geschlagen. So wurde in einem Hochglanzprospekt während der Bauphase eigens erwähnt, dass die Ausmaße des Stadions
„annähernd die doppelte Größe“ des Stade de France erreichten. In dem Sinne
steckt der alte Geist von Wembley unverändert im neuem Betongewand: London
kann es einfach immer noch größer.
in den Sport finden. Besonders attraktiv
für Vereine dürfte der Blick in die Ausschreibungen der Deutschen Kinder- und
Jugendstiftung (DKJS) sowie der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) sein. Beide erhalten zusätzlich
130 Millionen Euro für ihre Arbeit. Mit 100
Millionen Euro vom Ministerium soll die
DKJS unter anderem einen Zukunftsfonds
für Projekte und Angebote außerhalb des
Unterrichts zur Unterstützung und Begleitung von Kindern und Jugendlichen schaffen. Die Angebote richten sich bundesweit
an Kinder und Jugendliche aller Altersgruppen und sollen sie in ihrer Persönlichkeitsbildung wie in ihrer geistigen und körperlichen Gesundheit stärken. Das Programm
werde demnach auch Angebote fördern,
sagt eine Sprecherin des Ministeriums, die
Sport und Bewegung von Kindern und Jugendlichen in Kitas und Sportvereinen unterstützen.
„Wir sehen in unserer täglichen Praxis
in ganz Deutschland, dass Sport und Bewegung eine große Rolle für das Wohlbefinden und für gute Bildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten von Kindern
und Jugendlichen in unserem Land spielen. Auch und gerade in Zeiten der Corona-Pandemie“, sagt Anne Rolvering, Vorsitzende der DKJS-Geschäftsführung.
„Im Rahmen unserer Aufgabe für das Bundesfamilienministerium verfolgen wir daher neben dem Hauptziel, Kinder und Jugendliche in ihrer Persönlichkeitsbildung
zu begleiten, auch das Ziel, ihre physische
und psychische Gesundheit zu stärken.
Im Rahmen unseres Programms AUF!leben wird es daher einen Zukunftsfonds geben, über den verschiedene Angebote gefördert werden können, die auf die aktuellen Bedarfe von Kindern und Jugendlichen reagieren.“ Seit 2015 brachte die Stiftung in dem Projekt „Willkommen im Fußball“ an vielen Orten Profiklubs, Amateure und lokale Bildungsträger zur Integration junger Geflüchteter zusammen. Von
der Erfahrung wird, hoffentlich, AUF!leben profitieren. Sport ist in diesem Jahr
auch Gegenstand einer Informationskampagne, die bei der Berufswahl helfen soll.
Die DSEE ist, was die Ausschreibungen
angeht, schon weiter. Vom 15. Juli an
nimmt sie einen Monat lang Bewerbungen an von Vereinen, die entweder in
strukturschwachen oder ländlichen Räumen engagiert sind, die Innovationen umsetzen wollen, um den Rückstand aufzuholen, oder die zur Verbreitung sozialer
Innovationen beitragen wollen. Die junge, vom ehemaligen Vorsitzenden der
Deutschen Sportjugend Jan Holze geführte Organisation schüttet, zusätzlich zu ihrem Etat in gleicher Höhe, noch in diesem Jahr 30 Millionen Euro aus.
Bei Fördersummen bis 5000 Euro wird
eine Eigenbeteiligung von zehn Prozent erwartet, bis 10 000 Euro von zwanzig und
bis 15 000 von dreißig Prozent. Obergrenze für die Förderung sind 150 000 Euro.
„Mit den jetzt aufgelegten Programmen
kommen wir den uns gegenüber immer
wieder geäußerten Bedarfen entgegen“,
sagt Holze: „Ich bin überzeugt, dass wir
mit unseren Angeboten zur Stärkung von
ehrenamtlichen Strukturen auch im Sport
einen wichtigen Beitrag leisten werden.“
Laut Freiwilligensurvey der Bundesregierung machen Sport und Bewegung mit
13,5 Prozent den größten Anteil am freiwilligem Engagement aus; Kultur und Musik sind mit 8,6 Prozent unter vierzehn Bereichen der nächst große.
Über das Programm „Aufholen“ hinaus
bietet die DSEE Beratung in Rechtsfragen
und für die Beantragung von Fördermitteln. Etatmäßig stellt sie für Vereine und
andere gemeinwohlorientierte und gemeinnützige Organisationen in strukturschwachen und ländlichen Räumen ein
Mikro-Förderprogramm mit bis zu 2500
Euro Förderung zur Verfügung. Im Programm „100×Digital“ zur digitalen Transformation werden bis zu 20 000 Euro ausgeschüttet; bundesweit ausstrahlende Projekte können mit bis zu 100 000 Euro gefördert werden. Weitere Förderprogramme sind „Engagiertes Land“ für Netzwerke in strukturschwachen ländlichen Räumen sowie „Bildungs-Turbo“ mit bis zu
75 000 Euro zur Stärkung von Fort- und
Weiterbildung zivilgesellschaftlicher Akteure, für das die Antragsfrist an diesem
Sonntag ausläuft. Im vergangenen Jahr
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
Können seine Spieler die Party der
Engländer vermasseln?
Nach meiner Meinung stehen im Endspiel die zwei besten Mannschaften des
Turniers. Eine bessere Paarung kann
man sich als Fußballfan gar nicht wünschen. Es sind zwei Teams mit unterschiedlicher Veranlagung und Ausrichtung, die jedoch einen sehr schönen
und erfolgreichen Fußball praktizieren.
Und beide haben einen Entwicklungsprozess hinter sich. Natürlich gebietet
es sich, nicht den Gastgeber zu brüskieren, aber ich hoffe, dass Italien trotzdem den Engländern vor heimischer
Kulisse einen Strich durch die Rechnung macht.
Wie haben Sie dieses paneuropäische
Turnier inmitten einer Pandemie und
mit dem dramatischen Vorfall um Inter-Spieler Christian Eriksen erlebt?
Wenn man bedenkt, dass früher vier beziehungsweise acht Mannschaften um
den Titel kämpften, war das hier eine
sehr große Nummer, vor allem für die
Länder, die auch Spiele ausgerichtet haben. Und die halb leeren Stadien waren
ein kleiner Hoffnungsschimmer nach einer langen, düsteren Periode, in der es
nur Geisterspiele gab. Zu Eriksen, den
ich als Spieler und Persönlichkeit sehr
mag, möchte ich nur sagen, dass die Erleichterung und die Zuversicht, nach
dem glimpflichen Verlauf seines Dramas, überwiegen. Ich hoffe, dass ich
ihn weiterhin im Inter-Trikot spielen sehen kann.
Sie sind 1968 in Rom mit Italien Europameister geworden. Empfinden Sie es
als Beleidigung, wenn manche behaupten, es wäre pures Glück gewesen?
Na gut. Es waren ja nur vier Teams am
Start. Wir hatten das Glück auf unserer
Seite beim Halbfinale gegen die Sowjetunion, die damals eine sehr starke
Mannschaft aufgeboten hat, auch wenn
ihr legendärer Torhüter, Lew Jaschin,
gab es für das erste Förderprogramm der
Stiftung mehr als 12 500 Anträge.
Die Deutsche Sportjugend kann in diesem und im nächsten Jahr je drei Millionen Euro zusätzlich zur regulären Förderung erhalten; dies ist ein überdurchschnittlich großer Anteil am Aufholpaket.
Das Antragsverfahren läuft seit Anfang
des Monats. „Beabsichtigt ist grundsätzlich, mit den zusätzlichen Mitteln die
Strukturen des Kinder- und Jugendsports
zu stärken, damit niedrigschwellige Angebote für Bewegung, Spiel und Sport für
Kinder und Jugendliche in Deutschland ermöglicht werden“, sagt Christina Gassner,
Geschäftsführerin der DSJ: „Ziel ist es,
möglichst viele Kinder und Jugendliche zu
erreichen und sie für den Kinder- und Jugendsport (zurück) zu gewinnen.“
Den Ländern stellt der Bund mittels einer Änderung des Finanzausgleichs 70
Millionen Euro zur Verfügung. Damit sollen zusätzliche Kinder- und Jugendfreizeiten, außerschulische Jugendarbeit und Angebote der Kinder- und Jugendhilfe realisiert werden. Zusammen mit Programmen in Millionenhöhe, welche die Länder
auflegen, stehen so zusätzliche Mittel für
den Sport und die sportliche Sozialarbeit
zur Verfügung, für Bewegungsprogramme, für internationalen Jugendaustausch
und fürs Nachholen des ausgefallenen
Schwimmunterrichts zur Verfügung.
Der Deutsche Olympische Sportbund
(DOSB) hat unterdessen die Kampagne
„Comeback“ gestartet. 21 illustrierte Slogans wie „Voller Freude Maske tragen“
mit einem Kind in Fechtkleidung oder
„In die Kurve legen statt auf die Couch“
mit einem jugendlichen Biker stehen Vereinen und Verbänden zum Download zur
Verfügung. Sie sollen helfen, die eine Million Mitglieder zurückzugewinnen, die
laut Verband in der Pandemie abhandengekommen sind. „Sehnsüchtig“ hätten
die 27 Millionen Mitglieder des DOSB
und viele Sporttreibende auf die jetzige
Entwicklung gewartet, lässt sich DOSBPräsident Alfons Hörmann auf der Website des Verbandes zitieren: „zurück in
die aktive Bewegung und die sozialen
Kontakte.“
MICHAEL REINSCH
nicht am Turnier teilgenommen hat.
Nach einem torlosen Spiel entschied
der Münzwurf für den Einzug ins Finale gegen Jugoslawien, das ebenfalls
sehr stark besetzt war. Wir benötigten
ein Wiederholungsspiel, nachdem das
erste Endspiel mit 1:1 zu Ende gegangen war. Im zweiten Spiel, vor heimischer Kulisse in Rom, haben wir dann
dank der Tore von Luigi Riva und Pietro
Anastasi 2:0 gewonnen.
Zwei Jahre später bestritten Sie mit
Italien bei der WM in Mexiko das historische Halbfinale gegen Deutschland, das als „Jahrhundertspiel“ gilt.
War das 4:3 letztlich ein Pyrrhussieg,
da Sie anschließend im Finale Brasilien 1:4 unterlegen waren?
Schwer zu sagen. Einerseits bin ich
froh, dass das Spiel sportlich entschieden wurde, weil bei Unentschieden
Foto dpa
arry Edward Kane kann
sich selbst kaum hören,
wenn ihm in diesen besonderen Tagen nach dem Abpfiff die TV-Mikrofone unter den Bart gehalten werden: Auf den immer gleichen Rängen singen immer mehr
Zuschauer wie aus einer Kehle davon,
dass der Fußball gerade nach Hause
kommt und wie süß Caroline ist. Mit Pathos spart der Team Captain der „Three Lions“ (und der Tottenham Hotspurs) trotzdem nicht. So ordnete er das 2:0 über die
deutsche Auswahl im Achtelfinale als „unglaublichen Moment für uns als Team und
als Nation“ ein. Und nach dem unendlichen Halbfinale gegen Dänemark am Mittwoch sprach er an gleicher Stelle gar von
einem der stolzesten Momente in seinem
Leben. „Ein Finale. Zu Hause. Was für ein
Gefühl!“
Selbst Gareth Southgate, der sonst so
staubtrockene Manager der englischen
Mannschaft, lässt sich mittlerweile zu bewegenden Worten hinreißen. 25 Jahre
nach seinem Fehlschuss im Elfmeter-Krimi, der das EM-Halbfinale gegen Deutschland an gleicher Stelle entschied, möchte
der Fußballlehrer aus Watford an „solchen
Fußballabenden“ ein Momentum erkennen, das „alle noch näher zusammenbringen“ kann. Ganz im Sinne des Filmregisseurs Stephen Fry, der nach dem aufwühlenden „Nail-Biter“ über die Dänen fand:
„Fußball tut nichts zur Sache. Bis es was
zur Sache tut.“
Da ist er also wieder, dieser ganz besondere Überschwang, der sich so gern an dieser Stätte manifestiert. Wenn die britische
Sportnation aufs Londoner Wembley Stadium blickt, geht sie wie selbstverständlich von einem großen Anlass aus. Wie
sonst könnte man im Nordwesten der verwöhnten Metropole auch eine Arena mit
knapp 90 000 Plätzen füllen? Und wenn
das mit dem Gewinnen auch noch klappt,
gleich ob im Fußball, beim Rugby oder
sonst einem Sport, kann das selbstredend
nur ein großartiger, ja historischer Moment gewesen sein. So ist Wembley in diesen Tagen nicht bloß eine Mehrzweckarena, in der an diesem Sonntag das Finale
der 16. Fußball-EM steigt. Sie ist die feste
Adresse aller Ambitionen und Sehnsüchte, die sich im Königreich seit jeher mit
dem Sport verbinden.
Etwas zu schaffen, um es der Welt vor
Augen zu halten: das hat schon Edward
Watkin angetrieben. Der stolze Eisenbahn-Tycoon will zum Ende des 19. Jahrhunderts einen Vergnügungspark in den
unscheinbaren Stadtbezirk Brent hineinsetzen, um auf seiner Metropolitan Line
mehr Betrieb zu generieren. Mittendrin
soll ein Turm errichtet werden, höher als
der Eiffelturm. „Alles, was Paris kann,
kann London noch größer“, ist Watkin
überzeugt, bevor er an finanziellen
Schwierigkeiten scheitert. Schließlich
wird ein Jahr vor der British Empire Exhibition (1924– 25) kein Rekord-Bauwerk,
aber dafür ein gigantisches Stadion mit
zwei weißen Türmen errichtet. Die Londoner schließen es schnell als „The Twin
Towers“ beziehungsweise „The Venue of
Legends“ ins Herz.
„At Wembley“, wie man sagt, werden
von nun an die Endspiele des FA Cups ausgetragen – beginnend mit dem wilden
Match zwischen den Bolton Wanderers
und West Ham United (2:0), zu dem sich
mehr als 250 000 Fans in das ursprünglich
für 127 000 Zuschauer ausgelegte Stadion
quetschen. „At Wembley“ spielen die besten Teams der Rugby Union seit 1929 den
prestigeträchtigen Challenge Cup aus. „At
Wembley“ werden 1948 die ersten Olympi-
Europameister aus Italien:
Sandro Mazzola, der 1968
den Titel holte, hofft auf
erfolgreiche Nachfolger.
abermals der Münzwurf den Finalteilnehmer bestimmt hätte. Andererseits
waren wir natürlich ganz ausgelaugt
und am Ende unserer Kräfte. Aber unabhängig von der Last dieses epochalen
Spiels besaß unser Finalgegner Brasilien eine Mannschaft, die extrem stark
gewesen ist. Pelé, Rivelino, Jairzinho.
Mamma mia, waren das Spieler!
Sie spielten mehr als siebzehn Jahre
für Inter Mailand. Können Sie die heutigen Spieler verstehen, die bei einer
verlockenden Offerte sofort das Weite
suchen?
Die Zeiten haben sich geändert, und es
ist viel Geld im Umlauf. Zu meiner Zeit
als Kind und Jugendlicher hatte ich ein
Fußballtrikot, das von meiner Mutter
immer wieder geflickt wurde und das
ich nie hergegeben habe. Und wenn es
ein Loch hatte, ließ ich es oft so, weil
ich meinte, dass es mir Glück bringen
wird. Heute sehe ich Spieler, die bei einem Torerfolg das Vereinswappen auf
dem Trikot küssen, um den Fans ihre
Loyalität zu signalisieren. Ich kann mir
dabei mein Lächeln schwer verkneifen!
Die Fragen stellte Dimitrios Dimoulas.
Sport live im Fernsehen
Samstag
ARD: 14.30 Uhr: Radsport, Tour de France,
14. Etappe, Carcassonne–Quillan.
SAT.1: 22.15 Uhr: Motorsport, Formel E, FIAWeltmeisterschaft ran racing in New York
City.
NITRO: 16.30 Uhr: Motorsport, ADAC GT
Masters Rennen in Zandvoort, erster Tag.
EUROSPORT1: 12.20 Uhr: Radsport, Tour de
France, 14. Etappe, Carcassonne–Quillan,
17.15: Radsport, BMX, EM in Zolder.
SPORT1: 14.30 Uhr: Handball, Drei-Nationen-Turnier in Nürnberg, Ägypten – Brasilien, 16.30 Uhr: American Football, GFL in
Stuttgart, sechster Spieltag, Stuttgart Scorpions – Ravensburg Razorbacks.
Sonntag
ARD: 14.05: Radsport, Tour de France, 15.
Etappe, Céret–Andorra la Vella.
ZDF: 21 Uhr: Fußball, EM in London, Finale,
Italien – England.
SAT.1: 19.15 Uhr: Motorsport, Formel E, FIAWeltmeisterschaft ran racing in New York
City.
NITRO: 16.30 Uhr: Motorsport, ADAC GT
Masters Rennen in Zandvoort, zweiter Tag.
PRO7 MAXX: 14.45 Uhr: American Football,
European League of Football in Stuttgart,
Surge – Leipzig Kings.
EUROSPORT1: 12.15 Uhr: Radsport, Tour de
France, 15. Etappe, Céret–Andorra la Vella.
SPORT1: 10 Uhr: Motorsport, Porsche Carrera Cup in Zandvoort, zweites Rennen, 15
Uhr: Handball, Drei-Nationen-Turnier in
Nürnberg, Deutschland – Ägypten.
Ergebnisse auf FAZ.NET
Immer aktuell:
Mit Ihrem Handy
finden Sie an dieser
Stelle jederzeit
Sport-Resultate aus
aller Welt.
faz.net/ergebnisse
Fußball EM
SEITE 32 · SAMS TAG, 10. J U LI 2021 · N R. 157
FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUN G
Am Tor zum
Paradies?
Ciro Immobile
Foto Perenyi
Schlüssel im
Angriff:
Raheem Sterling
Das Elfmeterschießen
gewinnt England
Foto Getty
Von Achim Dreis
D
Italiens erster
Störenfried
Englands
stärkstes Problem
Im Verein gefeiert, im Nationalteam kritisiert: Stürmer
Ciro Immobile ordnet sich dem Spielsystem unter.
Erst geächtet, jetzt langsam geachtet: Raheem Sterling
kämpft in seiner Karriere gegen viele Widerstände.
Von Julius Müller-Meiningen, Rom
Von Marcus Erberich, Brighton
A
m Sonntag ist EM-Finale, und in
Italien ist man gerade dabei, den
unglaublichen Gang der Dinge zu
realisieren. „Vor drei Jahren waren
wir noch in der Hölle, und jetzt treten wir über den Haupteingang ins
Paradies ein“, schreibt der für italienische Verhältnisse sonst eher nüchterne „Corriere della Sera“.
Im Zeitraffer betrachtet, ist der italienischen Nationalmannschaft ja wirklich Ungeheuerliches widerfahren. 2017 verpasste sie die Qualifikation für die
WM im folgenden Jahr, jetzt steht das Team von
Trainer Roberto Mancini im EM-Finale 2020. Und
das Seltsame daran ist, dass es teilweise sogar mit
den gleichen Spielern passiert ist. Die Abwehr-Routiniers Giorgio Chiellini und Leonardo Bonucci waren bei der Schmach von 2017 dabei, die Seelen des
italienischen Spiels, Marco Verratti und Jorginho,
machten damals auch schon mit. Und vorne mühte
sich damals wie heute Ciro Immobile ab. Sieht man
einmal von den Namen ab, dann sind die Mühen
des Stürmers Immobile die einzige echte Konstante
im italienischen Team von damals und heute geblieben.
Italien ist das möglicherweise kompletteste
Team bei dieser Europameisterschaft. Vier Spiele
zeigte die squadra azzurra leichtfüßigen Offensivfußball. Im Achtelfinale gegen Österreich tat sich
die Mannschaft schwer, siegte aber in der Verlängerung nach einer Art Charaktertest. Im Halbfinale
gegen Spanien entdeckte Italien mit einer herausragenden Defensivleistung alte Tugenden wieder, der
Sieg gelang dann erst im Elfmeterschießen. Seither
bewegen zwei Debatten die Herzen der italienischen Tifosi. Ist es eine Tugend oder ein Limit, den
gerade erst neu entdeckten Ballbesitzfußball geopfert zu haben für eine weniger ansehnliche Defensivleistung?
Im Finale gegen das weniger ballsichere England ist damit zu rechnen, dass Italien wieder das
Kommando übernehmen und das Spiel gestalten
wird. Die zweite Frage lautet: Was treiben eigentlich Italiens Stürmer? Nominell bietet Mancini
drei Offensivkräfte auf, von denen eigentlich nur
einer ein echter Angreifer ist, Ciro Immobile von
Lazio Rom. In der Gruppenphase des Turniers erzielte er zwei Treffer, seither reibt er sich in wenig
ansehnlicher Manier auf. Vor allem nach dem Viertelfinale gegen Belgien hagelte es Kritik. „Er
kämpfte, aber verhedderte sich oft“, urteilte La Repubblica. Trainer Mancini behauptete anschließend, sein Stürmer werde dann eben die kommenden Spiele entscheiden. Einen Treffer hat Immobile nicht mehr erzielt, ein Tor im Finale wäre nun
der Höhepunkt. Seinen Beitrag hat er im Halbfinale gegen Spanien aber geleistet. Als der 31-Jährige
nach 60 Minuten ausgewechselt wurde, nahm der
Druck der Spanier zu, Italien wurde immer tiefer
in den eigenen Strafraum gedrängt und musste
schließlich auch den 1:1-Ausgleich hinnehmen.
Immobiles Entlastungsläufe fehlten. Bei der
1:0-Führung von Federico Chiesa hatte der Angrei-
fer zudem Raum für den Torschützen geschaffen
und die Verteidiger an sich gebunden. Dass Stürmer wie Immobile in Mancinis Team nicht nur an
Toren gemessen werden, sondern an ihrem Arbeitsaufwand, den sie für die Mannschaftskollegen betreiben, wurde da offensichtlich. Den Treffer habe er Immobile zu verdanken, behauptete
Chiesa. Bei dieser Feststellung war wohl auch
freundschaftliches Wohlwollen für den Stürmer in
Schwierigkeiten dabei.
Während Immobile bei Lazio Rom in 177 Spielen 123 Mal traf, gelangen ihm in der Nationalmannschaft bislang erst 15 Treffer (51 Spiele).
2020 gewann Immobile, der einst bei Borussia
Dortmund durchfiel, mit 36 Serie-A-Treffern gar
den Goldenen Schuh als bester europäischer Stürmer. Mancini ist es egal, wer die Treffer erzielt. Im
Finale wartet mit England ausgerechnet das nominell abwehrstärkste Team. Die Mannschaft von Gareth Southgate bekam im ganzen Turnier nur ein
einziges Gegentor – und das durch einen direkt verwandelten Freistoß im Halbfinale gegen Dänemark. Tatsache ist, dass vor allem die italienischen
Mittelfeldspieler Torgefahr verströmen, allen voran
Flügel-Angreifer Federico Chiesa. Immobile ist der
aufopferungsvollste Spieler im italienischen Team.
Er beginnt als Sturmspitze mit dem Pressing, beim
Abschluss fehlt ihm dann oft die Präzision. Mancini
hat seinen Stürmer für die Spielidee geopfert. Die
Idee ist, einen stetigen und starken Druck zu erzeugen, sodass die Gegner zu Fehlern gezwungen werden. Immobile engagierte sich für die Monate des
Lockdowns gar einen Personal Trainer, mit dem er
an seiner Ausdauer und am mentalen Aspekt seines
Spiels arbeitete. „Spaß haben, ohne Erwartungen
zu schüren“, habe die Devise gelautet.
Doch die Erwartungen an Immobile sind enorm.
Ganz Fußball-Italien springt dem Stürmer vor dem
Finale nun bei. „Ich teile die Kritik an ihm nicht“,
sagte zum Beispiel der frühere Nationaltrainer Antonio Conte. „Er macht die schmutzige Arbeit, stört
immer die beiden gegnerischen Innenverteidiger,
geht in die Räume.“ Seine Mitspieler profitierten
von Immobiles Bewegungen. Auch der einstige Stürmerkollege Christian Vieri nahm Immobile und seinen ebenfalls kritisierten Vertreter Andrea Bellotti
in Schutz: „In der Nationalmannschaft spielst du als
Stürmer nicht, um deine Tore zu machen, sondern
für dein Land. Wenn du Tore machst, okay. Wenn
du keine erzielst, aber deiner Mannschaft dienst, ist
es auch gut“, sagte Vieri.
„Senza Paura“ (Ohne Angst) lautete der Titel der
Gazzetta dello Sport am Freitag. England spielt im
Wembley-Stadion vor eigenem Publikum und möchte den ersten Titel seit 55 Jahren gewinnen. Das ist
große Motivation, aber vielleicht auch Bürde. Manchmal können aber auch die Italiener selbst noch nicht
recht glauben, was ihnen in diesem Turnier widerfahren ist. „Am Anfang, vor drei Jahren, als Mancini behauptete, dass wir wieder Sieger werden können,
dachten wir, er sei verrückt“, kommentierte Verteidiger und Kapitän Giorgio Chiellini. „Jetzt sind wir
hier. Es fehlt nur der letzte Zentimeter.“
R
aheem Sterling bekam in den ver- travaganz, ja Gier, seit er vor sechs Jahren vom
gangenen Tagen wieder mal reich- FC Liverpool nach Manchester wechselte – nach
Meinung der Kritiker nur des Geldes wegen. Dalich Kritik ab. Der Nationalspieler
stand bei Englands Halbfinale ge- bei gehören Verhandlungen um Gehälter wie in jeder anderen Branche zum Geschäft. Trotzdem argen Dänemark am Mittwochabend
beiten sie sich mit Vorliebe an ihm ab. Auch seine
vor allem wegen einer Szene in der
Spielweise rief in der Vergangenheit Zweifel an
Verlängerung im Mittelpunkt: Er war es, der im
Strafraum nach einer leichten Berührung zu Bo- seiner Einsatzbereitschaft hervor; 17 Tore und 23
den ging; er war es, der dadurch den spielentschei- Vorlagen in 67 Länderspielen sehen nicht nach
viel aus, die Werte blenden allerdings Beiträge
denden Elfmeter herausholte, der nicht nur nach
wie das Erzeugen und Einleiten von Torchancen
Meinung der Dänen in Wahrheit keiner war. Die
aus. Den Vorwurf, der in Jamaika geborene SterSzene hat die alte Diskussion über das Schinden
ling identifiziere sich nicht hinreichend mit Engvon Strafstößen beim Fußball wieder aufgewärmt.
land, widerlegte er spätestens, als er sich das
In England sind Schwalben noch weniger als auf
Wembley-Stadion auf den Arm tätowieren ließ,
dem europäischen Kontinent geduldet.
Doch Sterling kann das Gerede über ihn gut ertra- in dessen Sichtweite er aufgewachsen ist.
Erst kürzlich wurde Sterling von Königin Elisagen. Für ihn ist es nichts Neues, in der Öffentlichbeth für sein Engagement gegen
keit nicht besonders gut dazusteDiskriminierung der Ehrentitel
hen. Vor dem Turnier hatten Teile
Member of the Most Excellent
der Medien und Fans die EntscheiOrder of the British Empire verdung von Nationaltrainer Gareth
liehen. Seit Jahren kämpft er geSouthgate kritisiert, ihn in den
gen Rassismus im Fußball, auf
EM-Kader zu berufen. Mit seinem
dem Platz und daneben. So legte
Klub Manchester City ist der
er sich mit Teilen der englischen
26-Jährige in der zurückliegenden
ENGLAND –
Presse an, die seiner Ansicht
Saison zwar Meister geworden,
nach dazu beitrugen, Fußballer
für seine Verhältnisse zeigte er alITALIEN
mit dunkler Hautfarbe zu diffalerdings schwankende Leistunmieren. Stein des Anstoßes wagen. Doch er hat seine Nominieren damals Berichte der Boulerung mehr als gerechtfertigt: Bei
vardzeitung Daily Mail über zwei
Englands 1:0-Siegen in den Grupjunge Profis am Anfang ihrer Karpenspielen gegen Kroatien und
riere, die jeweils teure Häuser geTschechien schoss er jeweils den
kauft hatten. Beim hellhäutigen
Siegtreffer, im Achtelfinale gegen
Sonntag, 11. Juli, 21 Uhr
Phil Foden berichtete das Blatt,
Deutschland erzielte er das 1:0,
London
der Spieler habe „sich eine Zuim Viertelfinale gegen die Ukraikunft in Manchester aufgebaut,
ne bereitete er Harry Kanes Fühindem er seiner Familie ein neurungstor vor – und gegen Dänemark erzwang er zuerst Simon Kjærs Eigentor, be- es Zuhause gekauft hat“. Beim dunkelhäutigen Tosin Adarabioyo schrieb die Daily Mail dagegen:
vor ihm in der Verlängerung der so heiß umstrittene
„Der 20-Jährige hat noch nie in der Premier LeaElfmeter zugesprochen wurde.
gue gespielt, aber besitzt jetzt eine Villa im Wert
Ohne Raheem Sterlings Leistungen stünde
England jetzt also vermutlich nicht im Finale ge- von 2,25 Millionen Pfund.“ Sterling sagte zu dieser
tendenziösen Art der Berichterstattung: „Beide hagen Italien. Der schnelle und technisch starke
ben das Richtige getan, indem sie ihren Müttern
Linksaußen habe mehr als jeder andere Spieler
im Kader zu Englands Einzug ins Endspiel beige- ein Haus gekauft haben, die viel Zeit und Liebe investiert haben, um sie dorthin zu bringen, wo sie
tragen, schrieb der Guardian: „Sterling hat
jetzt sind. Aber guckt euch an, wie die Zeitungen
furchtlos abgeliefert, seine Leistungen waren nie
über den jungen schwarzen Spieler und den junschlechter als acht von zehn Punkten.“ Auch Sky
gen weißen Spieler schreiben.“
Sports bezeichnete Sterling als den „Schlüssel“
In der Publikation The Players’ Tribune sprach
im Angriffsspiel der Engländer, weshalb der
Traum vom ersten Titel seit der Weltmeister- Sterling einmal offen über seine schwierige Kindheit, die Ermordung seines Vaters in Jamaika, die
schaft 1966 entscheidend von ihm abhänge: „Der
Manchester-City-Stürmer sah sich vor dem Wett- vorübergehende Trennung von seiner Mutter, den
bewerb Rufen ausgesetzt, ihn nicht mitzuneh- Neuanfang der Familie und sein Aufwachsen in
London: „Ich werde niemals vergessen, wie wir
men, aber er hat seine Zweifler widerlegt.“ Doch
morgens um fünf Uhr aufstanden, um meiner Muttrotz alledem, schrieb das Portal The Athletic,
habe England nach wie vor ein „unbequemes Pro- ter vor der Schule dabei zu helfen, die Toiletten im
Hotel in Stonebridge zu putzen.“ Gegen jeden Wiblem“ mit Sterling: „Sterlings Beziehung zum
England-Trikot – und zu England im Allgemei- derstand steht Sterling zwanzig Jahre später mit
England im Finale der Europameisterschaft. Er
nen – ist schwierig und oftmals angespannt.“
Die Boulevardmedien unterstellen Sterling Ex- wird wie immer alles dafür tun, um zu gewinnen.
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
ass Engländer kein Elfmeterschießen gewinnen können,
gehört zu den beliebtesten
Mythen, seit sie bei WM 1990 und EM
1996 jeweils im Halbfinale im Stechen gegen Deutschland unterlagen.
Auch ihr aktueller Trainer Gareth
Southgate ist Teil dieser Geschichte,
die er längst nicht mehr hören kann,
scheiterte er doch seinerzeit im Wembley-Stadion als einziger Schütze am
deutschen Torwart Andreas Köpke.
Doch exakt mit diesem Fehlschuss
beginnt die Beweiskette, warum die
Engländer diesmal in Wembley gewinnen würden, sollte es gegen Italien
zur Ultima Ratio Elfmeterschießen
kommen. England hatte bei seiner
Heim-EM vor der Niederlage gegen
Deutschland im Viertelfinale gegen
Spanien ebenfalls ein Elfmeterschießen absolviert und gewonnen. Frankreich war 1996 nach dem gleichen
Muster gescheitert: erst im Stechen gegen die Niederlande gewonnen, dann
gegen Tschechien vom Punkt verloren. Diese Duplizität der Ereignisse
lässt sich als Beginn einer wundersamen Serie lesen, die bis heute Bestand hat: Von zehn Teams, die seitdem während eines großen Turniers
in ein zweites Elfmeterschießen gerieten, sind neun ausgeschieden. Nur
Kroatien überstand 2018 auch ein
zweites Shoot-Out gegen Russland,
doch dieses Duell kann ausgeklammert werden, da zuvor beide Teams
nach Elfmeterschießen weitergekommen waren – und somit logischerweise eines noch mal durchkommen
musste. Einzige wirkliche Ausnahme
von der Regel sind die Argentinier, die
es bei der WM 1990 dank ihres schier
unüberwindbaren Torwarts Goycochea schafften, gleich zwei Stechen zu
überstehen. Als späte Ironie des Fußball-Schicksals unterlagen sie dann
aber im Endspiel gegen Deutschland
durch ein Elfmetertor.
Man darf eben im Fußball wie im
Leben das Glück nicht zu oft herausfordern. Eine Erklärung für das Phänomen könnte sein, dass ein Schütze
bei der zweiten Runde denken könnte, dass der Torwart weiß, wohin er
schießt, und deshalb die andere Ecke
wählt. Oder er denkt, dass der Torwart denkt, dass er genau so denkt,
und wählt gerade deshalb die gleiche
Ecke, in der der Keeper dann aber
schon liegt. So oder so sind Knoten im
Kopf nicht zielführend, da sie auch
Knoten in den Beinen hervorrufen
können. Gegen diese Theorie spricht,
dass Southgate 1996 beim ersten Stechen gar nicht gefordert war.
Die zweite mögliche Herleitung beruht auf dem Gesetz der großen Zahl,
einem mathematischen Prinzip, das
besagt, dass nach einer bestimmten
Anzahl an Wiederholungen die relative Häufigkeit eines Ereignisses sich
verändert und die Wahrscheinlichkeit
zur Mitte hin tendiert. Kurz gesagt:
Bei einer kleinen Stichprobe von fünf
Schützen kann es sein, dass sie gegen
die Wahrscheinlichkeit alle treffen,
bei zehn schon nicht mehr.
So oder so bestätigt auch die aktuelle EM, dass sich ein Team vor einem
zweiten Stechen hüten sollte. Die
Schweiz gewann vom Punkt gegen
Frankreich, unterlag dann aber gegen
Spanien, das wiederum an Italien
scheiterte: Logische Folge: Italien hätte bei einem Elfmeterschießen im
Endspiel keine Chance – egal gegen
wen. Nicht mal gegen England.
Finale in Kürze
England will spenden
Im Falle des EM-Titelgewinns würden
Englands Fußballspieler ihr Preisgeld
an die Gesundheitsbehörde NHS spenden, berichten britische Medien übereinstimmend. Von den 28 Millionen
Euro, die der englische Fußballverband FA bekäme, stünden dem Team
rund elf Millionen Euro zur Verfügung. Der NHS wird von den Three
Lions schon länger unterstützt. dpa
Kuipers darf pfeifen
Das EM-Finale wird der Niederländer
Björn Kuipers leiten und damit der älteste Schiedsrichter des Turniers. Obwohl der 48-Jährige die Altersgrenze
überschreitet, hat die UEFA eine Ausnahme gemacht. Bei der Endrunde
leitete er bislang drei Spiele. Der Rostocker Bastian Dankert wurde als Video Assistant Referee nominiert. sid
RHEINMAINMARKT
STELLEN 2-6
IMMOBILIEN 7-13
FAHRZEUGE 15
Samstag, 10. Juli 2021
Anzeigensonderveröffentlichung
PARTNERSCHAFTEN 14
FLOHMARKT 16
REISE 18-24
Wochenende!
Beruf: Dramatische Abwanderung
Wohnen: Blühende Gärten
Reise: Eine besondere Melange
Supermarktkasse statt Biertheke: Im Zuge der CoronaPandemie verzeichnen die Hotels und Gaststätten auch
in Frankfurt und im Taunus eine dramatische Abwan derung von Fachkräften. SEITE 2
Der Fotowettbewerb „Blühende Gärten“ des Re gionalverbandes soll zeigen: Jeder Einzelne kann
dazu beitragen, die negativen Auswirkungen des
Klimawandels zu verringern. SEITE 9
Es gibt sicher eine Menge guter Gründe, Völs am
Schlern zu besuchen. Einer davon ist das Hotel Turm,
dessen Besitzer Stephan Bramstrahler einen wirklich
besonderen Ort geschaffen hat. SEITE 18+19
Gewinnspiel
Eintracht-Frankfurt-Krimi
Foto: pixabay
Sportredakteur
Severin
recherchiert zu
einer europaweit
aktiven
Wett-App
und gerät
ins Visier
türkischer Behörden. Kaum
zurück – die Fans liegen sich
nach einem 5:1 über die Bayern freudetrunken in den Armen –, behauptet die Mitarbeiterin eines Catering-Unternehmens, im VIP-Bereich der
Arena sexuell bedrängt worden zu sein.
Als der mutmaßliche Täter
nur eine Woche später tot an
der A661 aufgefunden wird,
gerät die Mitarbeiterin unter
Tatverdacht und EintrachtPressesprecherin Lydia Heller
in Erklärungsnot. Was sie
nicht wissen kann: Severin
bekommt in der Nacht zuvor
ein seltsames Eintracht-Rätsel
per SMS, dessen Lösung den
Mord hätte verhindern können! Und die nächste tödliche
Aufgabe wartet bereits …
Wochenend-Tipp: Den „Sommer in der Stadt“ mit Buden und Karussells genießen.Seite 24
Jeden Samstag
von Frankfurt HBF
Wir verlosen drei Krimis „Nachspielzeit“ von UD Müller-Braun,
ISBN: 978-3-95542-382-7.
Teilnahme per Postkarte an:
RheinMainMedia, Stichwort
„Eintracht“, Frankenallee 71-81,
60327 Frankfurt oder per E-Mail
an gewinnspiel@rmm.de.
Teilnahmeschluss ist am
15. Juli.
BAHNREISEN FRANKFURT-USEDOM
1 WOCHE INKL. BAHN-TICKET 2. KLASSE NACH ANKLAM UND EXPRESS-SHUTTLE ZUM HOTEL
Sitzplatzreservierung im Zug
1 Woche ab
S
1 Woche ab
1 Woche ab
p. P. inkl. Bahn
p. P. inkl. Bahn
p. P. inkl. Bahn
799 €
Express-Transfer zum Hotel
729 €
649 €
Promenadenhotel Admiral
Hotel am Fischerstrand S
Sommerstrandwochen
Strandurlaub
7 ÜN inkl. Frühstück, 1 x 3-Gänge-Menü am
Montagabend, 1 x Hydrojet-Massage, 1 x Drink,
Nutzung von Indoor-Pool & Wellnessbereich
7 ÜN inkl. Frühstück, Nutzung
von Indoor-Pool und Sauna
7 ÜN inkl. Frühstück, Nutzung
von Finn- und Biosauna
Preise p. P. / Woche
14.08.-04.09.2021 ab 829 €
04.09.-25.09.2021 ab 809 €
25.09.-30.10.2021 ab 729 €
Genießerwochen
Bahn
14.08.-04.09.2021 ab 899 €
04.09.-25.09.2021 ab 879 €
25.09.-30.10.2021 ab 799 €
Selbstanreise
ab 699 €
ab 679 €
ab 599 €
Preise p. P. / Woche
Bahn
Strandhotel Bansiner Hof
Selbstanreise
ab 629 €
ab 609 €
ab 529 €
Preise p. P. / Woche
Bahn
14.08.-04.09.2021 ab 749 €
04.09.-25.09.2021 ab 729 €
25.09.-30.10.2021 ab 649 €
Selbstanreise
ab 549 €
ab 529 €
ab 449 €
Flug-Tickets sind ab 25.09. wieder verfügbar / buchbar !
Unser Corona-Sorglos-Package bei Bahnreisen bis 30.10.2021 (Tag der Abreise)
Nur 100 € Anzahlung* p. P., Restzahlung 7 Tage vor Anreise. | Bei Beherbergungsverbot auf Usedom: Kostenlose Stornierung.
Bei Reiseverbot in Ihrer Heimatregion: 100 € Stornokosten* p. P. pauschal, Umbuchung der Reise innerhalb von 2 Jahren möglich.
BUCHUNG & INFORMATION TEL 038378 790680
www.usedom-reisen.de
Sie möchten mit dem eigenen PKW anreisen? Rufen Sie uns an. Wir vermitteln Sie direkt in die Hotels.
Usedom Reisen SN GmbH, Neuhofer Straße 41, 17424 Seebad Heringsdorf, E-Mail: info@usedom-reisen.de
Angebote können bahnbedingt Fahrplanwechseln und Umstiegen unterliegen. Bahnfahrzeit ca. 6 h.
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
© Abbildung ICE: Fleischmann Modelleisenbahn GmbH
STELLEN
JOBTICKER
Starke Resonanz
auf Online-Messe
„Genial! Digital“: Unter diesem
Motto hat im Mai die wichtigste
Karriere-Messe für Frauen, die
women&work, erstmals aus schließlich online stattgefun den. Die Resonanz des Events
kann sich sehen lassen: Tau sende Besucherinnen aus fast
30 Ländern knüpften digital
Kontakte und informierten sich
über neue Karrierechancen.
Über 8200 Unique-Standbe suche konnten getrackt wer den. Auch die BesucherinnenBefragung im Anschluss an die
GENIAL! DIGITAL.e Karrieremesse zeigt: über 70 Prozent
können sich vorstellen, po tenzielle Arbeitgeber auch in
Zukunft über digitale Formate
wie die women&work kennen zulernen. 28,2 Prozent würden
sich zusätzlich über Zoom-Ver anstaltungen informieren, 25,6
Prozent möchten ergänzend
über digitale Firmenevents mit
Arbeitgebern Kontakt auf nehmen. Lediglich 7,7 Prozent
der befragten Besucherinnen
wünschen sich in Zukunft aus schließlich analoge Veran staltungen zurück. Die nächste
digitale women&work findet am
23. Oktober statt. Weitere
Informationen für Unternehmen
und Interessierte unter
www.womenandwork.de.
So stimmt’s
In unserer Ausgabe vom 3. Juli
haben wir den 2. August und da mit den alten Termin zur Abgabe
der Steuererklärung angegeben.
Die Abgabefrist wurde jedoch
wegen der Corona-Pandemie bis
zum 31. Oktober 2021 verlän gert. Weil der 31. Oktober auf einen Sonntag fällt, muss die Steu ererklärung bis zum 1. Novem ber 2021 beim Finanzamt einge troffen sein. In Baden-Württem berg, Bayern, Nordrhein-Westfa len, Rheinland-Pfalz und Saar land ist der 1. November ein Fei ertag (Allerheiligen), die Steuer erklärung muss dann spätestens
am 2. November beim Finanz amt eingereicht werden.
Wir bitten, unseren Fehler zu
entschuldigen.
SAMSTAG, 10. JULI 2021
Immer mehr steigen aus
Gewerkschaft fordert bessere Arbeitsbedingungen in Hotels und Gaststätten
S
upermarktkasse statt
Biertheke: Im Zuge
der Corona-Pandemie verzeichnen die
Frankfurter Hotels
und Gaststätten eine
dramatische Abwanderung von
Fachkräften. Innerhalb des vergangenen Jahres haben in der
Stadt rund 6600 Köche, Servicekräfte und Hotelangestellte
dem Gastgewerbe den Rücken
gekehrt – das ist jeder fünfte
Beschäftigte der Branche, wie
die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) unter
Berufung auf jüngste Zahlen
der Arbeitsagentur mitteilt.
Und im Taunus sieht es nicht
anders aus. Im Hochtaunuskreis haben rund 500 Köche,
Servicekräfte und Hotelangestellte das Handtuch geworfen.
Im Main-Taunus-Kreis waren es
700 Köche, Servicekräfte und
Hotelangestellte – das ist jeder
sechste Beschäftigte der Branche.
Lage nochmals
zugespitzt
Angesichts weiterer Lockdowns bis in den Mai hinein
dürfte sich der PersonalSchwund bis heute nochmals
zugespitzt haben, befürchtet
Peter-Martin Cox, Geschäftsführer der NGG-Region RheinMain. „Viele Menschen schätzen es, nach langen Entbehrungen endlich wieder essen zu gehen oder zu reisen. Aber ausgerechnet in der Sommersaison
fehlt einem Großteil der Betriebe schlicht das Personal, um
die Gäste bewirten zu können“,
so Cox. Für die Lage macht der
Gewerkschafter insbesondere
die
Einkommenseinbußen
durch die Kurzarbeit verantwortlich: „Gastro- und HotelBeschäftigte arbeiten sowieso
meist zu geringen Löhnen.
Wenn es dann nur noch das
deutlich niedrigere Kurzarbeitergeld gibt, wissen viele nicht,
wie sie über die Runden kommen sollen.“
Wenn die gut ausgebildeten
Fachkräfte in Anwalts- oder
Arztpraxen die Büroorganisation übernehmen oder in Supermärkten zwei Euro mehr
pro Stunde verdienen als in
Hotels und Gaststätten, dürfe
es niemanden überraschen,
dass sich die Menschen neu orientierten. „Schon vor Corona
stand das Gastgewerbe nicht
gerade für rosige Arbeitsbedingungen. Unbezahlte Überstunden, ein rauer Umgangston
und eine hohe Abbruchquote
unter Azubis sind nur einige
strukturelle Probleme. Die Unternehmen haben es über Jahre
versäumt, die Arbeit attraktiver
zu machen. Das rächt sich
jetzt“, kritisiert Cox.
Branche neu
aufstellen
Wirte und Hoteliers hätten nun
die Chance, die Branche neu
aufzustellen. Zwar seien viele
Firmen nach wie vor schwer
durch die Pandemie getroffen.
Doch wer künftig überhaupt
noch Fachleute gewinnen
wolle, müsse jetzt umdenken
und sich zu armutsfesten Löhnen und besseren Arbeitsbedingungen bekennen. Dazu
seien Tarifverträge unverzichtbar, unterstreicht Cox: „Am
Ende geht es um einen Kulturwandel. Auch Servicekräfte haben ein Recht darauf, vor dem
Dienst zu wissen, wann Feierabend ist. Sie haben Anspruch
auf eine anständige Bezahlung
– unabhängig vom Trinkgeld.
Und auf eine faire Behandlung
durch den Chef.“
Gastronomen, die das Mittagessen so günstig anböten,
dass sie davon das Personal
nicht mehr bezahlen könnten,
machten ohnehin grundsätzlich etwas falsch. „Viele Gäste
sind durchaus bereit, ein paar
Cent mehr für die Tasse Kaffee
Deutliche Veränderungen
Nach Angaben der Bundes agentur für Arbeit beschäf tigte das Hotel- und Gast stättengewerbe in Frankfurt
zum Jahreswechsel 26 373
Menschen. Genau ein Jahr
zuvor – vor Ausbruch der Co ronavirus-Pandemie – waren
es noch 32 972. Damit haben
innerhalb von zwölf Mona ten 20 Prozent der Beschäf -
tigten die Branche verlassen.
Im Hochtaunuskreis waren
es 10 Prozent (zum Jahres wechsel 4752 Menschen,
vor Ausbruch der Coronavi rus-Pandemie 5291). Im
Main-Taunus-Kreis haben 17
Prozent die Branche verlas sen (zum Jahreswechsel
3522 Menschen, vor der
Pandemie 4260).
HÄNDERINGEND GESUCHT
Viele Hotels und Gaststätten
finden aktuell kein Personal
– weil während der Lockdowns ein großer Teil der
Beschäftigten die Branche
verlassen hat. Foto: NGG
zu bezahlen – gerade jetzt, wo
den Menschen bewusst geworden ist, dass der Besuch im
Stammlokal ein entscheidendes Stück Lebensqualität ist“,
so Cox.
Umfangreiche
Finanzhilfen
Die Gewerkschaft NGG verweist zudem auf die umfassenden Finanzhilfen des Staates
für angeschlagene Betriebe. So
können sich Hotels und Gaststätten im Rahmen der Überbrückungshilfen in diesem Monat bis zu 60 Prozent der Personalkosten bezuschussen lassen,
wenn sie Angestellte aus der
Kurzarbeit zurückholen (Restart-Prämie). „Klar ist: Köchinnen, Kellner & Co. freuen sich
darauf, endlich wieder Gäste
empfangen zu können. Viele arbeiten mit großer Leidenschaft
im Service. Auf diese Motivation können die Betriebe bauen
– und sollten das Personal nicht
erneut durch prekäre Löhne
und schlechte Arbeitszeiten
verprellen“, so Cox weiter.
Tipps gegen den Corona-Blues
Mehr Leichtigkeit und mentale Stärke
D
ie Corona-Monate waren ganz schön herausfordernd. Bei Erwachsenen und Kindern haben sie ihre Spuren hinterlassen: Die Anfragen nach Psychotherapie haben um 41 Prozent
zugenommen. Jedes 3. Kind ist
verhaltensauffällig (COPSY-Studie Uni-Klinikum Eppendorf).
Die WHO prognostiziert, dass
Depressionen im Jahr 2030 die
weltweit häufigste Volkskrankheit sein werden.
„Höchste Zeit, dass wir mehr
Leichtigkeit und mentale Stärke
in unser Leben bringen“, meint
Stefanie Bathe, ganzheitlicher
Business Coach. Seit 2004 unterstützt sie ihre Klienten dabei, zufriedener und laut wissenschaftlichen Studien somit auch gesünder zu leben.
Zufriedenes und
erfülltes Leben
„Es gibt Forschungsergebnisse,
aus denen wir wissen, was ein
zufriedenes und erfülltes Leben
ausmacht: wie wir im Alltag
glücklicher leben und unsere
Lebenszeit aktiv gestalten. Die-
ses Wissen wollen wir weitergeben, unseren Beitrag leisten: für
mehr Wohlbefinden, Gelassenheit und mentale Stärke.“
Der „Sommer der Leichtigkeit“
ist ein kostenloses Online-Programm: Es startet am Samstag,
10. Juli. Jede Woche gibt es jeweils samstags einen kurzen Input, etwa Audios und Selbsttests, die mit wenig Zeitaufwand (ca. 10 Minuten) eine
große Hilfe zur Selbsthilfe bieten. Infos und Anmeldung zum
kostenlosen Online-Programm
unter www.entspannter-erfolg
reich.de.
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
Stefanie Barthe
- ANZEIGE -
Foto: privat
SAMSTAG, 10. JULI 2021
Mitarbeiter (w/m/d)
Stadt Eschborn
Wir bieten Ihnen eine unbefristet zur Verfügung stehende
Vollzeitstelle (39,00 Stunden/Woche).
Entsprechend der Qualifikation und der persönlichen Voraussetzungen werden Sie Ihre Vergütung maximal auf der
Basis der Entgeltgruppe 9c TVöD / VKA beziehen.
In unserem Internetauftritt unter www.eschborn.de/
rathaus/verwaltung/stellenausschreibungen sind detaillierte Informationen, insbesondere unsere Anforderungen
an potenzielle Bewerber (w/m/d), hinterlegt. Ebenso
können Sie dort erfahren, wie es möglich ist, uns Ihre
Bewerbung ggfls. online über das Stellenportal Interamt
zukommen zu lassen.
Weiterhin finden Sie dort auch die vielfältig von uns freiwillig und damit über den üblichen Rahmen hinausgehend angebotenen (Sozial-)Leistungen aufgeführt, die
unser Stellenangebot abrunden.
Von Bewerbungen per E-Mail wollen Sie bitte
Abstand nehmen.
German Doctors e.V.
Tel.: +49 (0)228 387597-0
Fax: +49 (0)228 387597-20
info@german-doctors.de
Spendenkonto
IBAN DE12 5206 0410 0004 8888 80
BIC GENODEF1EK1
www.german-doctors.de
Werden auch Sie
zum Helfer.
„Es ist schön zu erfahren,
dass man den Menschen als
Arzt direkt und effektiv
helfen kann.“
Oliver Ostermeyer
Bitte den Coupon ausfüllen,
ausschneiden und senden an:
German Doctors e.V.
Löbestr. 1a
53173 Bonn
Coupon:
Bitte senden Sie mir unverbindlich Informationen
3
Die durch das Hessische Innenministerium als „Familienfreundlicher Arbeitgeber“ anerkannte Stadtverwaltung
Eschborn sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt für die
Offene Kinder- und Jugendarbeit einen
Stadt Eschborn
Die durch das Hessische Innenministerium als „Familienfreundlicher Arbeitgeber“ anerkannte Stadtverwaltung
Eschborn sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt für das
ihrem Fachbereich Zentrale Dienste zugeordnete Sachgebiet Personal / Organisation einen
STELLEN
Diplom-Sozialpädagogen (FH),
Diplom-Sozialarbeiter (FH)
oder Bachelor of Arts, Studiengang
Soziale Arbeit (FH) (w/m/d)
Wir bieten Ihnen eine unbefristet zur Verfügung stehende
Teilzeitstelle (20,26 Stunden/Woche).
Entsprechend der Qualifikation und der persönlichen Voraussetzungen werden Sie Ihre Vergütung maximal auf der
Basis der Entgeltgruppe S 11b TVöD / VKA beziehen.
In unserem Internetauftritt unter www.eschborn.de/
rathaus/verwaltung/stellenausschreibungen sind detaillierte Informationen, insbesondere unsere Anforderungen
an potenzielle Bewerber (w/m/d), hinterlegt. Ebenso
können Sie dort erfahren, wie es möglich ist, uns Ihre
Bewerbung ggfls. online über das Stellenportal Interamt
zukommen zu lassen.
Weiterhin finden Sie dort auch die vielfältig von uns freiwillig und damit über den üblichen Rahmen hinausgehend angebotenen (Sozial-)Leistungen aufgeführt, die
unser Stellenangebot abrunden.
Von Bewerbungen per E-Mail wollen Sie bitte
Abstand nehmen.
über German
Doctors e.V.
über eine
Projektpatenschaft
Name, Vorname
Straße, Hausnummer
Wir sind das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) – eine innovative und
technisch orientierte Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums
des Innern, für Bau und Heimat. Wir stellen Georeferenzdaten für das Bundesgebiet bereit
und versorgen Bundeseinrichtungen mit topographisch-kartographischen Informationen.
Für unsere Teams am Standort Frankfurt a. M. suchen wir zum frühestmöglichen Zeitpunkt
PLZ, Ort
E-Mail
mehrere Mitarbeiter (m/w/d) in den Bereichen
Haushalt und Finanzbuchhaltung, Beschaffung und Organisation, Assistenz
der Abteilungsleitung Geodaten, IT-Management, Architektur- und
Anforderungsmanagement sowie IT-Systemingenieure.
Ihre Bewerbung senden Sie bitte unter Angabe der jeweiligen Kennziffer bis zum
30.07.2021 ausschließlich per Mail an folgende E-Mail-Adresse:
bewerbungen@bkg.bund.de
✁
Alle weiteren Informationen zu unseren Stellenangeboten entnehmen Sie bitte den Ausschreibungstexten auf unserer Internetseite: www.bkg.bund.de
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
ARBEITEN IM ÖFFENTLICHEN DIENST
Anzeigen-Sonderveröffentlichung | Samstag, 10. Juli 2021
„Wir brauchen die Besten der Besten“
Besser, schneller, smarter, digitaler – so soll der öffentliche Dienst werden
W
enn wir den leistungsfähigen öffentlichen Dienst
in Deutschland erhalten wollen,
müssen wir die wachsende Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt
annehmen: Wir brauchen die
Besten der Besten!“ Mit diesem
Appell hat sich der dbb-Bundesvorsitzende Ulrich Silberbach
am Internationalen Tag des öffentlichen Dienstes am 23. Juni
an die staatlichen Arbeitgeber
gewendet.
Um die Leistungsfähigkeit
des öffentlichen Dienstes zu erhalten und sich noch besser auf
zukünftige Krisen vorzubereiten, müssten sie in den nächsten
Jahren enorme Anstrengungen
unternehmen: „Der Staat in
Deutschland ist ein guter, familienfreundlicher und gemeinwohlorientierter
Arbeitgeber.
Das sichert auch eine gewisse
Attraktivität in der Konkurrenz
um die ,besten Köpfe’. Bei den
Themen Bezahlung, technische
Ausstattung und politischer Regelungswut müssen wir aber
besser, schneller, smarter und
digitaler werden. Das wird nicht
ohne Investitionen gehen, und
ich kann nur sehr davor warnen,
die Konsequenzen aus dem
Nach-Corona-Kassensturz durch
neue Sparwellen und Nullrunden im öffentlichen Dienst
kompensieren zu wollen. Dann
fährt das System vor die Wand.“
Mit Blick auf das vergangene
Jahr zog der dbb-Chef zudem eine positive Leistungsbilanz. „Die
Kolleginnen und Kollegen haben
während der Pandemie flächendeckend Hervorragendes geleistet und sich oft über Monate bis
an die Belastungsgrenze – und
darüber hinaus – ,reingehängt’.
Der öffentliche Dienst hat die
Herausforderung Gemeinwohl
auch in der Krise gemeistert.
Das verdient Respekt, Anerkennung und Dankbarkeit“, so Silberbach. Vor allem auch im internationalen Vergleich stehe
Deutschland sehr gut da. „Natürlich sind bei dieser riesigen
Herausforderung auch Fehler
passiert und Verzögerungen eingetreten, aber – und das zeigen
alle Umfragen – die Gesamtperformance der staatlichen Dienstleister hat auch Bürgerinnen und
Bürger überzeugt.“
FACHKRÄFTEMANGEL
Der demografische Wandel drohe
zudem, den Personalmangel zu
verschärfen: In den nächsten zehn
Jahren scheiden 1,27 Millionen
Beschäftigte altersbedingt aus dem
öffentlichen Dienst aus. „Dabei
haben wir bereits heute einen
Mangel im öffentlichen Dienst an
über 300.000 Fachkräften“, erklärte Silberbach. Allein im Bundesdienst fehlten in den kommenden
zwei Jahren bis zu 23.000 IT-Fachkräfte. „Auch deswegen erwarten
wir von der Politik ein klares Bekenntnis zu einem starken öffentlichen Dienst und zum Berufsbeamtentum“, so der dbb-Chef.
Wenn der öffentliche Dienst stark
bleiben will, muss er auch für sogenannte Young Professionals ein attraktiver Arbeitgeber bleiben.
Foto: Fotolia
Personalzuwachs bei Kitas und Polizei hält an
83.200 Beschäftigte mehr als 2019 – Zahl geringfügig Beschäftigter aber deutlich gesunken
Rund 5,0 Millionen Menschen in Deutschland waren zur Jahresmitte 2020 im öffentlichen Dienst
beschäftigt. Wie das Statistische Bundesamt
(Destatis) anlässlich des Tages des öffentlichen
Dienstes Ende Juni mitteilte, waren das 83.200
Beschäftigte oder 1,7 Prozent mehr als ein Jahr
zuvor. Damit arbeiteten rund elf Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland im Staatsdienst. Hohe Zuwächse waren 2020 wie schon im Jahr davor bei der Polizei und in Kitas zu verzeichnen.
Der seit Jahren anhaltende Personalzuwachs bei
kommunalen Kindertageseinrichtungen setzte sich
weiter fort: Am 30. Juni 2020 waren dort 10.400 (4,4
Prozent) mehr Personen beschäftigt als ein Jahr zuvor. Von 2010 bis 2020 ist die Zahl der Erzieherinnen
und Erzieher sehr stark, und zwar um 61 Prozent, auf
243.600 Personen gestiegen (+91.900).
Bei der Polizei kam es innerhalb eines Jahres zu einem Beschäftigungszuwachs um 7100 Personen
(2,1 Prozent) auf 341.400. Das war nach 2017
(+7200) der zweitgrößte Zuwachs seit Mitte der
1990er Jahre. Damit waren 2020 rund 11 Prozent
oder 33.300 mehr Personen im Polizeidienst beschäftigt als noch 2010, wobei der Hauptzuwachs
zwischen 2016 und 2020 stattfand (+28.100).
Auch an den Hochschulen war ein Personalzuwachs zu beobachten. Dieser war mit 10.000
(1,7 Prozent) auf insgesamt 585.900 Beschäftigte
jedoch schwächer als in den Vorjahren. Der übrige
Zuwachs verteilt sich auf die anderen Bereiche
des öffentlichen Dienstes.
Deutlich gesunken ist dagegen die Zahl der geringfügig Beschäftigten im öffentlichen Dienst:
Ende Juni 2020 waren 7,8 Prozent oder 16.500
Personen weniger geringfügig beschäftigt als ein
Jahr zuvor. Insgesamt zählte der öffentliche
Dienst noch 194.300 geringfügig Beschäftigte.
Dieser Rückgang ist insbesondere auf die Hochschulen, wo auch die meisten geringfügig Beschäftigten arbeiten, und den kommunalen Bereich zurückzuführen und dürfte bereits ein Effekt der Corona-Pandemie sein.
Glücksbringer gesucht als
Standesbeamt:in
Verwaltungsfachangestellte:r
Kaum ein anderes Amt der Stadtverwaltung begleitet Menschen über ihr gesamtes Leben wie
das Standesamt. So ist das Standesamt nicht nur Ansprechpartner bei Eheschließungen, sondern auch zuständig für die Eintragung von Geburten, Namensänderungen und vieles mehr.
Und wenn Sie uns bei diesen abwechslungsreichen Aufgaben engagiert unterstützen wollen,
sind Sie herzlich willkommen. Am besten passen Sie zu uns mit einem Abschluss mind. als
Verwaltungsfachangestellte:r und erster Verwaltungserfahrung, idealerweise auch im Personenstandswesen. Mit einer leistungsgerechten Vergütung, persönlicher Förderung und vielen weiteren
Sonderleistungen sorgen wir dafür, dass Sie sich bei uns wohl fühlen!
Wir freuen uns auf SIE als sympathischen Zuwachs im Team!
Informieren Sie sich in jedem Fall über die Details unter www.moerfelden-walldorf.de
oder rufen Sie uns an unter 06105 938-260. Fragen beantwortet Ihnen gerne Stefan Feutner.
Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung bis spätestens 28. Juli 2021 an
bewerbung@moerfelden-walldorf.de oder
Stadt Mörfelden-Walldorf, Abteilung Personal und Organisation
Westendstraße 8, 64546 Mörfelden-Walldorf
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
ARBEITEN IM ÖFFENTLICHEN DIENST
Anzeigen-Sonderveröffentlichung | Samstag, 10. Juli 2021
Der Ausbildungsberuf Nummer eins
Kaufleute für Büromanagement sind Allrounder und Organisationstalente
W
em Büroarbeit nicht
langweilig ist, gerne am
Computer arbeitet, flexibel und
kommunikativ ist und Organisationstalent besitzt, liegt mit einer
Ausbildung zum Kaufmann/zur
Kauffrau für Büromanagement
bestimmt richtig. Viele junge
Menschen fühlen sich in einem
solchen Berufsumfeld gut aufgehoben, nicht umsonst handelt es
sich seit Jahren um den beliebtesten
Ausbildungsberuf
in
Deutschland mit jährlich rund
28.000 Ausbildungsverträgen.
Kaufleute für Büromanagement führen organisatorische
und kaufmännisch-verwaltende
Tätigkeiten aus. Sie erledigen
z.B. den Schriftverkehr, entwerfen Präsentationen, beschaffen
Büromaterial, planen und überwachen Termine, bereiten Sitzungen vor und organisieren
Dienstreisen. Auch unterstützen
sie die Personaleinsatzplanung
und kaufen externe Dienstleistungen ein. Zudem betreuen sie
Kunden, wirken an der Auftragsabwicklung mit, schreiben
Rechnungen und überwachen
Zahlungseingänge. Im öffentlichen Dienst unterstützen sie
Bürger bei der Antragstellung,
klären Anliegen und Zuständigkeiten und wirken an der Aufstellung des Haushalts- oder
Wirtschaftsplanes mit.
Neben ihren kommunikativen
und organisatorischen Talenten
sollten Bewerber gute Kenntnisse in Mathematik für die Erstellung von Rechnungen und Jahresabschlüssen sowie Deutsch
für den Schriftverkehr mit Bürgern, Kunden und Geschäftspartnern mitbringen. Ein bestimmter Schulabschluss ist
nicht vorgeschrieben. Während
das Handwerk und die Industrie vor allem Bewerber mit
mittlerem
Bildungsabschluss
einsetzen, greift der öffentliche
Dienst vorwiegend auf Bewerber mit Hochschulreife zurück.
SPEZIALISIERUNG ERWÜNSCHT
Kaufleute für Büromanagement
finden Beschäftigung in Unternehmen nahezu aller Wirtschaftsbereiche, in der öffentlichen Verwaltung sowie bei Verbänden, Organisationen und Interessenvertretungen. Die große
Vielfalt der Einsatzmöglichkeiten und künftiger Arbeitgeber
ist sicher auch ein Grund, wa-
rum dieser Ausbildungsberuf so
beliebt ist. Die duale Ausbildung dauert drei Jahre.
Nach der Ausbildung gibt es
mehrere Möglichkeiten, sich weiter zu qualifizieren – etwa zum
Fachwirt Verwaltung oder zum
Fachwirt Büro- und Projektorganisation. Gefragt sind laut Bundesverband Sekretariat und Büromanagement (bSb) auch Management-Assistenten im Bereich Kommunikation und Betriebswirtschaft sowie Assistenten im Qualitätsmanagement.
Analog und digital: in vielen Ämtern werden die Errungenschaften aus beiden
Die universelle Ausbildung, Welten vereinigt.
Foto: dpa
in der man ab dem zweiten
Lehrjahr zwei Wahlqualifikationen wie Einkauf und Logistik,
Marketing und Vertrieb oder
auch Personalwirtschaft vertieft, ist eine gute Grundlage.
Aber je nach Branche und Einsatzort sind Zusatzfähigkeiten
gefragt – Stichworte Digitalisierung und Datenschutz. Das gilt
insbesondere in der öffentlichen Verwaltung. Absolventen
mit Hochschulzugang können
nach der Ausbildung auch Fächer wie Handelsbetriebswirtschaft, Industriebetriebswirtschaft oder BWL/Business Administration studieren.
ARBEITEN IM ÖFFENTLICHEN
DIENST
Anzeigen-Sonderveröffentlichung
der RheinMainMedia GmbH
Content & Design
Jetzt mit der Weiterbildung zum
Auch die Zulassung von Kraftfahrzeugen gehört zu den typischen Aufgaben
des öffentlichen Dienstes.
Foto: dpa
Gerichtsvollzieher (m/w/d)
durchstarten!
Ihr Profil:
• Abgeschlossene Berufsausbildung im jurist./bankfachl./kaufmänn. Bereich und dort mind. 3 Jahre Berufserfahrung
für Sie da.
• Kommunikationsfähigkeit und Durchsetzungsvermögen
• Soziales und wirtschaftliches Verständnis
Unser Angebot:
• Qualifizierte Weiterbildung in nur 26 Monaten
• Sicheres Einkommen (2.750 € brutto mtl. in der Weiterbildung)
• Verbeamtung nach bestandener Prüfung
© BullRun – stock.adobe.com
• Gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf
ht?
c
u
s
e
g
b
o
J
r
e
r
e
h
Sic
Geplanter Einstellungstermin: 03.01.2022
Jetzt bis zum 23.07.2021 online oder per E-Mail bewerben!
alle Infos
Kontakt: Oberlandesgericht Frankfurt am Main
Zeil 42 · 60313 Frankfurt am Main · Telefon: 069 1367-2278
E-Mail: ausbildung@olg.justiz.hessen.de
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
6
STELLEN
SAMSTAG, 10. JULI 2021
Die durch das Hessische Innenministerium als „Familienfreundlicher Arbeitgeber“ anerkannte Stadtverwaltung
Eschborn sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt für den
ihrem Fachbereich Zentrale Dienste zugeordneten Empfang
(einschließlich der Telefonzentrale) einen
Die ABG FRANKFURT HOLDING GmbH sucht für ihre Konzerngesellschaft, die SAALBAU Betriebsgesellschaft mbH, einen
Mitarbeiter (w/m/d)
Hausverwalter (m/w/d)
• Begleitung von Veranstaltungen inklusive Kundenbetreuung
• Kontrolle der Veranstaltungsabläufe unter Einhaltung der
Sicherheitsrichtlinien
• Durchführung kleinerer Instandhaltungsarbeiten
• Überwachung und Abnahme der Wartungsarbeiten von
Fremdfirmen
Ihre Voraussetzungen:
• Abgeschlossene Ausbildung im Handwerk oder im
Ausbildung im Veranstaltungs-/Hotelbereich
• Dienstleistungsmentalität/Servicebereitschaft
• Technisches Verständnis
• Bereitschaft zu Schichtdienst – vorwiegend Spätschicht
– sowie zu Wochenendarbeit
• Gutes Deutsch in Wort und Schrift
• Selbstständigkeit, Engagement und Bereitschaft zu
flexiblem Einsatz in allen SAALBAU-Häusern
• Führerschein der Klasse B
Wir bieten Ihnen vielseitige Aufgaben, attraktive Vergütung,
Jobticket, sowie arbeitgeberfinanzierte betriebliche
Altersversorgung.
Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung auf unserem Karriereportal
www.abg.de/jobs oder per Mail an bewerbung@abg.de.
Bitte fügen Sie Lebenslauf und Arbeitgeberzeugnisse, sowie
Nachweise über Bildungsabschlüsse bei. Vielen Dank.
Lagermitarbeiter (m/w/d) gesucht
Ihr Profil:
+ Staplerschein von Vorteil
+ Zuverlässigkeit und Teamfähigkeit
+ gute Deutschkenntnisse von Vorteil
Wir bieten Ihnen eine unbefristet zur Verfügung stehende
Teilzeitstelle (20,00 Stunden/Woche).
Stadt Eschborn
Ihre Aufgaben:
• Vorbereitung der Veranstaltungsräume
Entsprechend der Qualifikation und der persönlichen Voraussetzungen werden Sie Ihre Vergütung maximal auf der
Basis der Entgeltgruppe 4 TVöD / VKA beziehen.
In unserem Internetauftritt unter www.eschborn.de/
rathaus/verwaltung/stellenausschreibungen sind detaillierte Informationen, insbesondere unsere Anforderungen
an potenzielle Bewerber (w/m/d), hinterlegt. Ebenso
können Sie dort erfahren, wie es möglich ist, uns Ihre
Bewerbung ggfls. online über das Stellenportal Interamt
zukommen zu lassen.
Weiterhin finden Sie dort auch die vielfältig von uns freiwillig und damit über den üblichen Rahmen hinausgehend angebotenen (Sozial-)Leistungen aufgeführt, die
unser Stellenangebot abrunden.
Von Bewerbungen per E-Mail wollen Sie bitte
Abstand nehmen.
Du bist
Bäcker*in
aus Leidenschaft? Dann bewirb dich für unsere Brot & ButterFiliale an der Alten Oper in Frankfurt.
Dein Start ist ab sofort und in Vollzeit möglich.
bewerbung@manufactum.de
SOZIALE UND MEDIZINISCHE BERUFE
Freundliche, deutschsprachige Person
(Pädagoge/in bevorzugt) zur Beschäftigung und Betreuung unseres
Sohnes gesucht.
0 61 72 / 27 94 25
Referent*in (m/w/d) für Öffentlichkeitsarbeit. Der Bundesverband Jugend und Film e.V. sucht eine*n Referent*in (m/w/d) für Öffentlichkeitsarbeit. Stellenumfang: 75 %. Nähere Informationen auf www.BJF.info/jobs
Pflegekraft dringend gesucht, auch mit
Wohnmöglichkeit, OT FFM- Nied,
Tel: 069-397870
Suche zum 15.9.21 für 20 St/Woche
Buchhalter/In für Hausverwaltung in
Bad Homburg, Fanny Göpel Hausverwaltung GmbH & Co.KG,
Tel. 06172-685460 oder
fanny-goepel-hv@t-online.de
HAUSWIRTSCHAFTLICHE BERUFE
Wir suchen eine Putzhilfe in
HG-Obererlenbach.
Tel.06172-279425
STELLENGESUCHE
Maurer und Betonbau Meister: Neubau,
Bauleitung, Komplett Sanierung, Abbruch (Abriss), Bodenbelag (aller Art),
Keller Abdichtung (Trockenlegen)
Sucht Arbeit.Tel. 0152 59935579
Suche Putz- o. Bügelstelle, fahre Sie
gerne zum Arzt o. Einkaufen, bin mobil, erledige Ihre Gartenarbeit, bin
44J., / WhatsApp: 0162-8173562
Kfz-Meister (Rentner) sucht Halbtagsbeschäftigung im Kfz-Bereich, im
Raum Frankfurt, Tel. 0160-93637117
Eine
gute
Idee …
… der Geschenk-IdeenKatalog der Lebenshilfe
mit vielen handgefertigten Artikeln aus Behinderten-Werkstätten.
Wir bieten: + eine langfristige Anstellung
+ attraktive und leistungsgerechte Vergütung
RM-Stahlhandel GmbH Hafenstraße 24, 65439 Flörsheim am Main
Telefon 06145 / 9575 - 27
Suche Serviceleute und Jungkoch/köchin, Tel. 0173 6034579
e-Mail: M.Litzendorff@rm-stahl.de
Weitere Informationen auf www.rm-stahl.de/rhein-main/stellenanzeigen
Katalog anfordern:
Lebenshilfe für Menschen
mit geistiger Behinderung
e.V., Versand,
Postfach 2266,
52469 Alsdorf,
Tel.: (0 24 04) 98 66 26,
Fax: (0 24 04) 98 66 22
Freundliche engagierte Arzthelfer/-in
für Kinderarztpraxis gesucht. Teilzeit
oder Vollzeit. Schriftliche Unterlagen
an: Bettina Günther, Hugenottenstraße 81, 61381 Frierichsdorf oder
praxisbguenther@web.de
Der erste Schritt
zum Aufstieg ist oft
eine Anzeige.
Zeitungsleser sind immer informiert
Angeboten von:
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
oder direkt bestellen:
www.lebenshilfe-shop.de
Mit Ihrer Bestellung helfen
Sie behinderten
Menschen.
IMMOBILIEN
SAMSTAG, 10. JULI 2021
Blühende Gärten und Balkone
Fotowettbewerb des Regionalverbands FrankfurtRheinMain
Ü
berall sind die Folgen
des Klimawandels zu
spüren. Nicht nur
Menschen, auch Tiere
und die Pflanzenwelt
leiden darunter. Der
Regionalverband
FrankfurtRheinMain möchte – in Kooperation mit dem Projekt GartenRheinMain der KulturRegion FrankfurtRheinMain – auf
diese Herausforderungen hinweisen und zum Umdenken
motivieren. Der Fotowettbewerb „Blühende Gärten“ soll
zeigen: Jeder Einzelne kann
dazu beitragen, die negativen
Auswirkungen des Klimawandels zu verringern und unser
privates sowie kommunales
Grün nachhaltig und lebenswert gestalten.
Ein sichtbares
Zeichen setzen
Bis Dienstag, 31. August, können alle Bürger mit Wohnsitz
im Gebiet des Regionalverbandes sowie auch die einzelnen
Kommunen der Region beim
Fotowettbewerb
mitmachen.
Damit können sie ein sichtbares
Zeichen für Insektenschutz und
Klimaanpassung setzen.
Die Teilnehmenden können
zeigen, was sie bereits umgesetzt
haben, und damit Vorbild für
andere sein. Denn mit der richti-
gen Auswahl an Pflanzen bieten
klimaangepasste, blühende Gärten und Balkone vielfältigen Lebensraum und Nahrung für Insekten. Ein bedachter Umgang
und ausgeklügelte Nutzkonzepte schonen Ressourcen wie
Wasser und Boden.
Teilnahme in
drei Kategorien
Bis zu drei Fotos mit einer kurzen Beschreibung können je-
weils in den Kategorien 1. Garten (Vorgarten, Kleingärten, Gemeinschaftsgärten), 2. Balkone
(inklusive Terrasse, Hof- und
Fassaden- und Dachbegrünung,
Fenster) und 3. kommunale
Grünflächen beim Regionalverband eingereicht werden. Eine
Fachjury aus den Bereichen
Landschaftspflege und Gartenbau bewertet als Erste die eingegangenen Bilder. Die Rangfolge
der zehn besten Einsendungen
wird dann durch eine Online-
Abstimmung voraussichtlich im
September ermittelt. Für die
fünf besten Fotos gibt es Preise
im Gesamtwert von über 1000
Euro zu gewinnen, unter anderem Gutscheine für eine regionale Gärtnerei.
Alle Informationen zum Fotowettbewerb „Blühende Gärten“, das Anmeldeformular zum
Mitmachen und die Teilnahmebedingungen gibt es unter
http://www.klimaenergie-frm.d
e/fotos.
IMMO-TICKER
Haushalte werden
immer smarter
Eben mal am Strand auf dem
Handy nachschauen, ob zu
Hause alles in Ordnung ist.
Oder vor der Heimreise per
App checken, welche Lebens mittel noch im Kühlschrank
liegen: Für Millionen Men schen in Deutschland ist die
Nutzung von Smart-HomeTechnologie inzwischen völlig
normal. Laut Statistischem
Bundesamt (Destatis) haben
im ersten Quartal 2020
3,3 Millionen Menschen mit
dem Internet verbundene
Haushaltsgeräte wie Kühl schränke, Kaffeemaschinen
oder Saugroboter eingesetzt.
Das waren rund fünf Prozent
der Bevölkerung ab zehn
Jahren. Noch deutlich weiter
verbreitet sind „intelligente“
Lautsprecher: 11,5 Millionen
Menschen ließen Musik,
Radio oder Hörbücher über
solche Geräte beziehungs weise Systeme laufen, das
entsprach einem Bevölke rungsanteil von knapp 16 Pro zent. 5,1 Millionen Menschen
steuerten Heizung, Beleuch tung oder Stromzähler via
Internet – das war in etwa
jeder Vierzehnte (sieben Pro zent). Eine zusätzliche Er kenntnis: Smart-Home-Tech nologie wird von Männern
und Frauen gleichermaßen
genutzt und kommt über alle
Altersgruppen hinweg zum
Einsatz.
NACHGEFRAGTbei unserem Partner „Haus & Grund“ Frankfurt am Main e. V.
Minderung und Zurückbehaltungsrecht – Was gilt
bei Weigerung des Mieters zur Mangelbeseitigung?
E
in für den Vermieter unangenehmes Thema ist ein Mangel an der
Mietwohnung. Häufig zeigt der
Mieter dem Vermieter einen
Mangel an und fordert die unverzügliche Mangelbeseitigung. Viele Mieter
beschränken sich aber nicht auf Mängelanzeige, sondern fordern ziemlich
forsch eine Mietminderung. Spätestens
mit der nächsten Mietzahlung kann es
passieren, dass der Mieter nicht die
Miete in voller Höhe bezahlt. Neben
der Verpflichtung zur Gewährung des
Gebrauchs an der Mietsache hat ein
Vermieter aber auch die Pflicht, die
Mietsache weiter im vertragsgemäßen
Zustand zu erhalten (§ 535 Absatz 1
Satz 2 BGB). Der Mieter hat daher
grundsätzlich einen Erfüllungs- bzw.
(Wieder-)Herstellungsanspruch. Neben
dem Recht auf Minderung kann der
Mieter auch noch ein Zurückbehaltungsrecht an der Miete geltend machen. Diese Rechte enden aber in jedem
Fall dann, wenn der Mangel vom Vermieter beseitigt wurde.
Hat der Mieter den Mangel jedoch
durch eine vertragswidrige Nutzung
selbst verschuldet oder ist er seiner
Sphäre zuzurechnen, kann er kein Minderungsrecht geltend machen. Ebenfalls wird man dem Mieter das Minderungsrecht und das Zurückbehaltungsrecht absprechen müssen, wenn er die
Mängelbeseitigung verhindert oder
mutwillig erschwert. Dies liegt vor allem vor, wenn der Mieter dem Vermieter oder den von ihm zur Mangelbesei-
tigung beauftragten Personen den Zutritt zu den Mieträumen oder sonst die
Duldung der Mangelbeseitigung verweigert. Da der Vermieter kein allgemeines Besichtigungsrecht an der Mietsache hat, muss er sich auf Mängelanzeige, zu welcher der Mieter nach § 536
c Abs. 1 BGB verpflichtet ist, verlassen
dürfen. Dementsprechend liegt eine
Verhinderung schon beim bloßen Unterlassen der Anzeige des Mangels vor.
Die Rechte des Mieters können aber
auch dann eingeschränkt sein, wenn er
eine Terminfindung für die Mangelbeseitigung erschwert oder sogar verhindert.
Außerdem kann die Verweigerung
der Mangelbeseitigung durch den Mieter in Einzelfällen eine Abmahnung
oder bei Folgeschäden sogar eine Kündigung des Mietverhältnisses nach sich
ziehen.
Aus Vermietersicht ist daher zu empfehlen, die Mangelbeseitigung beharrlich und dokumentiert zu verfolgen,
um sicherzustellen, dass die Mietsache
zeitnah wieder in einen gebrauchsfähigen Zustand versetzt wird, oder jedenfalls zu verhindern, dass der Mieter sich
unter Hinweis auf sein Zurückbehaltungsrecht und Minderungsrecht der
Pflicht zur Mietzahlung entzieht.
Sie haben Fragen zu diesem Thema
oder einem anderen Thema rund um
Ihr privates Eigentum, sind aber noch
nicht Mitglied bei Haus & Grund
Frankfurt am Main e.V.? Das neue Eigentümerportal von Haus & Grund
Frankfurt am Main e.V. kann auch von
Nichtmitgliedern kostenfrei für Erstinformationen in Anspruch genommen
werden.
Niklas Graf
Rechtsanwalt
Haus & Grund
Frankfurt am Main e. V.
Grüneburgweg 64
60322 Frankfurt am Main
Telefon: (0 69) 95 92 91–0
E-Mail: beratung@haus-grund.org
Web: www.haus-grund.org
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
NEUE BAU- UND ENTWICKLUNGSPROJEKTE
Anzeigen-Sonderveröffentlichung | Samstag, 10. Juli 2021
/?8>5> 4DA38 ?A?>1 F938C975A 75F?A45>
018<D>7B25A59CB3816C 6A *5>?E95AD>75> D>4 ">E5BC9C9?>5> 9> +=1AC !?=5 ,538>9; 75BC9575>
95 ?A?>1 5B38A>;D>
75> 8125> 495 &5>B385>
8DB<9385A F5A45> <1BB5> A
495 &58A859C 45A 5DCB385> 9BC
41B 5975>5 0D81DB5 >138 5975
>5> >7125> B59C 45A )1>45=95
F938C975A 75F?A45> A59 .95A
C5< 8125> 41B E5A71>75>5 #18A
6A -=21DC5> D>4 *5>?E95
AD>75> 75>DCHC 59 59>5=
A9CC5< 9BC 495 ">E5BC9C9?>B25
A59CB3816C B59C 45A )1>45=95
45DC<938 75BC9575> 1B B9>4 A
752>9BB5 45A A5@AB5>C1C9E5>
+CD495 /?8>5> >138 ?A?>1
45A )+ 1>; '?A4 6A 495
&5>B385> 9> 5DCB38
<1>4 12 #18A5> 256A17C FDA
45>
1B 0D81DB5 758AC 6A
)A?H5>C 45A 5DCB385> HD 45>
F938C97BC5> 9>75> 9= %525>
D>4 <957C 41=9C >?38 E?A 59>5A
7<3;<9385> )1AC>5AB3816C
)A?H5>C D>4 059C =9C 45A 1
=9<95 )A?H5>C +5<2BC 259
45> 29B #8A975> BC58C
41B 0D81DB5 =9C )A?H5>C
/938C97;59C 1> 5ABC5A +C5<<5
)A?H5>C 45A 5DCB385> 7525>
;?>;A5C 1> 41BB 98>5> 495 5975
>5> E95A />45 9> 45A ?A?>1
059C B@A21A A5<5E1>C5A 75F?A
45> B9>4
D>45BF59C 8125> 4A59 .95A
C5< 45A 5E<;5AD>7 495 %?3;
4?F> &?>1C5 6A F?8><9385
-=75BC1<CD>75> 25A59CB 75
>DCHC 25H958D>7BF59B5 ;DAH6A9B
C975 -=75BC1<CD>75> 75@<1>C
)A?H5>C 8125> &1>18=5>
E?A75H?75> 495 B95 5975>C<938
5ABC 6A 59>5> B@C5A5> 059C
@D>;C 59>75@<1>C 81CC5> I8>
<938 E95<5 8125> 75@<1>C5 F?8>
<9385 .5A>45AD>75> 1DB75F59
C5C 9> A9CC5< 792C 1> 41BB 98
A5 DB712525A59CB3816C 6A
F?8><9385 .5A>45AD>75> B59C Ein gemütliches und schönes Zuhause ist für die Menschen essenzieller
45A )1>45=95 7AD>4BCH<938 75 denn je.
Foto: Pixabay
BC9575> 9BC
SMART-HOME-TECHNIK NOCH
VOR ARBEITSZIMMER
= 8D697BC5> 25CA5665> 495
-=75BC1<CD>75> 495 ;<1BB9
B385> 5A59385 /1>475BC1<
CD>7 1AC5>75BC1<CD>7 D
2?45>25<75 D>4 9>A938CD>7B
7575>BC>45 "==5A89> 5<6
)A?H5>C 45A 56A17C5> 8125> 9>
45> E5A71>75>5> HF<6 &?>1
C5> 9> +=1AC !?=5 ,538>9; 9>
E5BC95AC /59C5A5 )A?H5>C
@<1>5> 495B 9> 45> ;?==5>45>
&?>1C5> 95 A752>9BB5 B9>4
6A 975>C=5A F95 &95C5A E5A
7<593821A "> :545= E95AC5>
2D>45B45DCB385>
!1DB81<C
BC1>45> ?45A BC585> ">E5BC9
C9?>5> 9> 59> A259CBH9==5A
25H958D>7BF59B5 59>5> A259CB
25A5938 1D6 45A ,? ? %9BC5
5A145 9> 059C5> 45B 1>81<
C5>45>
!?=5?66935 ,A5>4B
F9A4 59>5 9>C5<<975>C5 +C5D5
AD>7 45A "==?29<95 9==5A
756A17C5A B?41BB B938 495 D6
ABCD>7 D= +=1AC !?=5
,538>?<?795 B?HDB175> HD=
+=1AC !?=5 (66935 HD>58
=5>45A 5<952C859C 5A6A5DC
B17C >4A ,81<<5A .?ABC1>4B
E?AB9CH5>45 45A )+ 1>;
'?A4 A 1>BC585>45 D>4 75
@<1>C5 -=21D D>4 -=75BC1<
CD>7B=1>18=5> F9<< 45A +CD
495 HD6?<75 59> +538BC5< 45A 5
6A17C5> 59>5> $A549C 1D6>58
=5> )A?H5>C H18<5> 495B5
=9C AB@1A>9BB5> 495 5975>C<938
6A -A<1D25 D>4 1>45A5 @1>45
=952549>7C 1DB7561<<5>5 ;C9
E9CC5> 754138C F1A5> 5A
*5BC 69>1>H95AC 495 &1>18
=5> =9C <1D65>45= 9>;?=
=5> ?45A 5GCA1 6A *5>?E95AD>
75> D>4 I8><9385B E?A75B585>5
*3;<175>
ZU HOHE WOHNKOSTEN
VERMEIDEN
"= DA38B38>9CC B9>4 495 5DC
B385> 25A59C )A?H5>C 98A5B
!1DB81<CB>5CC?59>;?==5>B
6A /?8>;?BC5> 1DBHD7525>
1HD 758A5> 495 &95C5 25H95
8D>7BF59B5 9>1>H95AD>7BA1C5
B?F95 1<<5 '525>;?BC5> 9>;<DB9
E5 ">BC1>481<CD>7B;?BC5> B
9BC E5ABC>4<938 41BB 45> &5>
B385> 98A 0D81DB5 F938C975A 75
F?A45> 9BC D>4 B95 495B5B B?
B38> F95 =7<938 75BC1<C5>
=38C5> 9> >C59< 45A /?8>
;?BC5> 1= E5A6721A5> !1DB
81<CB>5CC?59>;?==5> E?>
)A?H5>C 975>C=5A )A?
H5>C 9BC 2<938 D>4 <BBC 1DBA59
385>4 +@95<A1D= 6A .5A=
75>B29<4D>7 D>4 ->E?A85A75
B585>5B B? >4A ,81<<5A
&9C BC5975>45= >C59< 45A
/?8>;?BC5> F9A4 5B 125A D=B?
F938C975A 259 9>1>H95AD>75>
1D6 7DC BC5==21A5 &?>1CBA1
C5> 59>5 <1>76A9BC975 +9385AD>7
45A 09>B5> D>4 &7<938;59C5>
HDA *1C5>1>@1BBD>7 HD 138C5>
D=
581<CBB38F1>;D>75>
.5A>45AD>75> 45A %525>BD=
BC>45 D>4 D>5AF1AC5C5 DB71
25> 126545A> HD ;>>5>
ANZEIGE
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
NEUE BAU- UND ENTWICKLUNGSPROJEKTE
Anzeigen-Sonderveröffentlichung | Samstag, 10. Juli 2021
;? ,ACF?9 ?35: G@C?7
_Anzeige
/;74C@5<:3FD ACD7?E;7CE LI7; ?7F7 &FDE7C:FD7C >;E 3<EF7==DE7? 73EFC7D
E;@?
3=D 47D@?67CD 7?7C9;7
DA3C7?67 $8 0 88;L;7?L:FD7C
)=FD 9743FE #7 ?35: FD
DE3EEF?9 D;?6 7;?;97 67C 788;
L;7?E7DE7? /;74C@5<:FD7C
)C@L7?E 47DD7C 3=D 6;7 &;?67DE
3?8@C67CF?9 3? 6;7 ?7C9;7
788;L;7?L<=3DD7 67D 9=E;97?
74F677?7C9;797D7EL7D
;7 $8 0 3?< 8C67CE
3==7 /;74C@5<:FD7C >;E L;?D
9?DE;97? 3C=7:7? F?6 :@:7?
-;=9F?9DLFD5:DD7? AC@ 0@:?
7;?:7;E
3D !3FD 7FC7D %747?D
G7CDAC;5:E /;74C@5<:3FD
67C ,A7L;3=;DE 8C 7?7C9;7788;L;
7?E7 I@:?97DF?67 F?6 D>3CE7
&3DD;G:FD7C "> &FDE7C
:3FDA3C< !;CD5:47C9 67> D6
=;5:DE7? 67C 8?8 )3C<D 67D D7;E
47DE7:7?67? -C36;E;@?D
F?E7C?7:>7?D IFC67? LI7;
?7F7 !3FDEKA7? G@C97DE7==E 63D
>@67C? >;?;>3=;DE;D5:7 &3J;
>7 "" >;E =35:635: F?6
35:479C?F?9 D@I;7 67C >@
67C? ;?E7CAC7E;7CE7 ;?83>;=;
7?:3FD $=3DD;<7C &3J;>7
2FD3>>7? >;E 67> 6;E;@?
67>
6;E;@?
0@:?;677 !3FD F?6 67> @A
A7=:3FD &3J;>7 DE7:7?
;? !;CD5:47C9 67CL7;E 8?8
/;74C@5<:FD7C 8C 7;? %;G7
C=74?;D LFC /7C89F?9 ;?
D75:DE7D &FDE7C:3FD &3J;>7
I;C6 ;? 67? ?5:DE7? &@
?3E7? 63LF<@>>7? 7;?7 7
>FDE7CF?9D7;?C;5:EF?9 L7;E?3:
8@=97?
;7 3<EF7==7 CI7;E7CF?9
67D &FDE7C:3FDA3C<D !;CD5:
47C9 F> LI7; E@==7 !FD7C L7;9E
63DD I;C F?D DEC3E79;D5: 8C 67?
,67? 7?ED5:;767? :347? 47
E@?E F;6@ EE34C3 +79;@?3=
;C7<E@C /7CEC;74 H 3F47EC;74
8C 6;7 +79;@? ,6 0;C I7C
67? :;7C 4;D ?67 D75:D
&FDE7C:FD7C :347? >;E 67?7?
I;C 93?L 3F8 6;7 0@:?476C8
?;DD7 67C &7?D5:7? ;? 67C +7
9;@? 7;?97:7? 2FC /;74C@5<
:3FD +79;@? ,6 97:C7? 6;7
F?67D=?67C !7DD7? +:7;?
=3?6 )83=L F?6 367? 0CE
E7>47C9
Weitere Informationen
im Musterhauspark Hirschberg,
Goldbeckstraße 1a,
69493 Hirschberg, Telefon
Das Einfamilienhaus Maxime 220 mit klarer Form ist optimal für schmale Grundstücke.
Fotos: Viebrockhaus
(0 62 01) 84 55 13 10, unter
www.viebrockhaus.de oder
D;5: 747?D@ ;? 6;7 ,@>8K 0@:?97DF?6:7;E
C73=;D;7CE >7?:3?9 47;DA;7=DI7;D7 LI; gebührenfrei unter Telefon
-3!@>3 27?EC3=7 7;?4;?67? ,3F47C7 %F8E C7;?7D -C;?<I3D D5:7?
C;AA77C<C3?<F?97? 0800 8 99 10 00
I;7 ;?E7==;97?E7 88?F?9D F?6 D7C 6;7 C;5:E;97 +3F>E7>A7C3 F?6 LF EC@5<7?7C +3F>=F8E ;?
+3F5:I3C?>7=67C @67C 7;? EFC 7;?7 @AE;>3=7 >>F?9 67? 0;?E7C>@?3E7? 9;4E
D>3CE7C -C88?7C ;7 G7C F?6 ?3EC=;5:7 7=7F5:EF?9
C C7;?7D 03DD7C D@C9E ;>
D5:;767?7? F?<E;@?7? 67D DE7:7? ;> @<FD "> &FDE7C &FDE7C:3FD &3J;>7 >@
,@>8K ,>3CE !@>7 ,KDE7>D :3FD &3J;>7 IFC67 LF 67C?DE7 -75:?;< F?6 7;?7 (47C
=3DD7? D;5: 47BF7> 47C F?< DEL=;5: 3FD 67> )C@9C3>> 8=5:7 ;? 67? 03DD7C=7;EF?97?
D7?67C 67? 7;97?7? @>AFE7C 0@:?97DF?6:7;E )=FD 67C 3< 6;7 4=397CF?97? G7C:;?67CE
@67C 47C 7;?7 AA G@> ,>3CE E;G7 %F8EC7;?;97C =73?3;C 2FDEL=;5: I;C6 47; 67C 03C>
A:@?7 4LI -34=7E 3FD DE7F7C? )=3D>3 ;? 63D L7?EC3=7 %8 I3DD7CG7CD@C9F?9 G@CE7>A7
EF?9DDKDE7> ;?E79C;7CE
C;7CE7D 03C>I3DD7C 3F8 7;?7C
MUSTERHAUS 2:
3<E7C;7? /;C7? F?3?97 &;?67DEE7>A7C3EFC 97:3=E7?
KLASSIKER NEU INTERPRETIERT
?7:>7
7C5:7 7;?DE3F4 63>;E 3<E7C;7? ;? 6;7D7> 7
)@==7? @67C 3?67C7 ==7C97?7 C7;5: <7;?7 :3?57 :347?
3D LI7;E7 ?7F7 &FDE7C:3FD I7C67? 6FC5: 6;7D7D 7CE >;E ,5:=;7=;5: G7C:;?67CE 7;?7
L7;9E 63D F?7CD5:A8=;5:7 )@ E7=D )=3D>3E75:?;< 673<E;G;7CE $3=<D5:FEL3?=397 97D5:>35<=;
E7?L;3= 67D /;74C@5<:3FD ,@93C )C@L7?E >9=;5:7C 5:7 77;?EC5:E;9F?97? 67D
$F?67?=;74=;?9D
&3J;>7 @C@?3 7C@D@=7 <??7? =3FE -C;?<I3DD7CD >9=;5:7 4=3
>;E CF?6 *F36C3E>7 .?E7CDF5:F?9D7C974?;DD7? 7; 97CF?97? ;? 67C -C;?<I3DD7C;?
E7C 0@:?8=5:7 7C !3FD7?E ?7D ?3>:38E7? "?DE;EFED 8C DE3==3E;@? F?6 67? 3?97D5:=@D
IFC8 @:?7 35:47CDE3?6 >;E 3FA:KD;< 6FC5: 6;7D7D ,KDE7> D7?7? 7CE7?
=35:635:7C<7C F?6 G;7=7? 4@ F?D5:6=;5: 97>35:E I7C67?
67?E;787? 7?DE7C? D@I;7 7;?7C F7C67> >;?;>;7CE 6;7 3<E;G7 KFW-EFFIZIENZHÄUSER
MUSTERHAUS 1: STADTHAUS
3DD367?97DE3=EF?9 >;E 67> %F8E4787F5:EF?9 >;E 67C 2;7= 40 PLUS
MAXIME 220 II MIT FLACHDACH
?7F7? /7C4=7?67C &@@C4C3?6 87F5:E;9<7;E )C@L7?E 63D C
ACD7?E;7CE D;5: >@67C? <C3?<F?9DC;D;<@ ;> !3FD 0;D ';5:E LF=7ELE IFC67? 47;67
;? 75:E7C !;?9F5<7C ;DE 63D F?6 4@67?DE?6;9 LF9=7;5: "? D7?D5:38E=7C 67C 13=7 .?;G7CD; ?7F7? &FDE7C:FD7C I;7 3==7 Auch das Interieur der Häuser präLI7;97D5:@DD;97 ,E36E:3FD &3 3==7? /;74C@5<:FD7C? I;C6 EE 83?67? ?>=;5: :7C3FD 63DD ?EIC87 67C /;74C@5<:3FD sentiert sich funktional und stilvoll –
J;>7 "" >;E =35:635: 7;? F>83DD7?67D $@?L7AE 8C 7D 7;?7? D;9?;8;<3?E7? 2FD3> ,7C;7? &K,EK=7 F?6 ,7=75 modernste Technik inklusive.
F?6 35:479C?F?9 D ;DE
D5:=3?< <@?L;A;7CE &7E7C
4C7;E F?6 63>;E 7;? @AE;>3=7C
?EIFC8 8C D5:>3=7 CF?6
DE5<7 ;7 0@:?8=5:7 47EC9E
CF?6 *F36C3E>7E7C ">
C697D5:@DD 67D &3J;>7
"" 4;=67E 7;? *F36C3E>7E7C
9C@7C
=;5:E6FC5:8 =FE7E7C
0@:?C3F> 63D !7CLDE5< 67D
!3FD7D 7C ;? G;7=7? /;74C@5<
:FD7C? G@C97D7:7?7 LFDEL=;
5:7 &F=E;8F?<E;@?D +3F> ;>
C697D5:@DD IFC67 :;7C 3=D
!@>78;E?7DD +3F> 7;?97C;5:
E7E 3D "?E7C;7FC 67D &FDE7C
:3FD7D ACD7?E;7CE D;5: A3DD7?6
LF> !3FDEKA >;?;>3=;DE;D5:
F?6 8F?<E;@?3=
in Frankfurt-Sachsenhausen
2F 67? E75:?;D5:7? !;9:
=;9:ED 67D &FDE7C:3FD7D &3J;
>7 "" L:=7? 6;7 ,>3CE
!@>7 %DF?97? 67D &3C<E
8:C7CD ,@>8K ,;7 4;7E7? LF
DEL=;5:7? 0@:?<@>8@CE >;E
AC@9C3>>;7C F?6 DE7F7C43C7?
+@===67? F?6 ,L7?3C;7? 8C 6;7
"??7? F?6 F7?47=7F5:EF?9
;?7 F7?<3>7C3 >;E ;?E79
C;7CE7> 7I79F?9D>7=67C =DDE
Telefon: 06126 588-120
STARTSCHUSS
„HAINER HÖFE“
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
NEUE BAU- UND ENTWICKLUNGSPROJEKTE
Anzeigen-Sonderveröffentlichung | Samstag, 10. Juli 2021
335(/2/+41:,+7 (+1533+4
540:419:769/3/83:8 ?: 867+4
_Anzeige
&/48+4 ,7 335(/2/+417+*/9+ <+/9+7./4 (+/ +9<' +/4+3 75?+49
/4+ *+:92/). '4?/+.+4*+
4,2'9/54 (+88+7+ 540:41
9:7675-458+4 +9<'8 ..+7+
+4*/9+4 (+/ *+:98).+4 !9''98
'42+/.+4 :82+(':+7 :4*
335(/2/+41:,+7 (+1533+4
/3 :2/ <+/9+7./4 *+4 '4 *+4
719+4 ?:7)11+.7+4*+4 6
9/3/83:8 ?: 867+4 '). *+3
&/48'489/+- (+/ 335(/2/+4*'7
2+.+4 /3 7? 67/2 :4* '/
.'(+4 8/). */+ 54*/9/54+4 /3
:4/ ':, +/4+3 ..+7+4 /;+':
+/4-+6+4*+29 '7':, <+/89 */+
49+7.>6 ./4 +:98).2'4*8
-79+7 $+73/992+7 67/;'9+7
':,/4'4?/+7:4-+4
:8(7+/9:4- *+7 +29'$'7/'49+
*+8 5754';/7:8 4+:+ 5)1
*5<48 5*+7 $+78).7,:4-+4 /4
579:-'2 :897'2/+4 :4* 87'+2
;+7*+:92/).+4 :48 -2+/).?+/9/-
*'88 75-458+4 /3 353+49'
4+4 #3,+2* 8).</+7/- (2+/(+4
:4*+4 3/9 /4'4?/+7:4-8(+
*'7, 85229+4 8/). *:7). +/4+ 85
2/*+ '21:2'9/54 :4* 2'4-,7/89/
-+ 498).+/*:4-+4 3-2/).89
:4'(.4-/- 3').+4 ;54 1:7?
,7/89/-+4 '7199+4*+4?+4 +7
1279 /70'3 5.7 $5789'4*
7/;'91:4*+4-+8).,9 (+/ *+7
49+7.>6 /3 '19:+22+4
&/48(+7/).9 3 354'92/).+4
49+7.>6':?/48"7+4*('75
SCHWIERIGE PROGNOSEN
3+9+7 -+.+4 */+ (+,7'-9+4 =
6+79+4 /4 *+7 +.7.+/9 1:7?
4,'4- :2/ 2/+-+4 */+ &/48+4 ,7/89/- ;54 +/4+7 !+/9<798(+<+
,7 ?+.40.7/-+ '72+.+4 *'3/9 -:4- :4* ':, '.7+88/).9 ;54
(+/ 7:4* +/4+3 75?+49 /+ 2+/).9 89+/-+4*+4 &/48+4 ':8
Je tz t 20 %
st aa tl ic he
g
Fö rd er un
si ch er n!
As be st Sa ni er un ge
n
Wir erledigen sämtliche Arbeiten an Dach und Fassade
Grafiken: dpa
/+ 5754''4*+3/+ (2+/(9
/4 ;/+2+72+/ /48/).9 3'719(+
89/33+4* /+ 7+/89+:+7:4.'99+ /4 *+4 2+9?9+4 54'9+4
:49+7 '4*+7+3 <+-+4 5754'
(+*/4-9+7 /+,+7+4-688+
*+:92/). ?:-+2+-9 /+ 54
0:419:7':88/).9+4 .'(+4 8/). /4
*+4 ;+7-'4-+4+4 %5).+4 <+/
9+7 ':,-+.+229 <+44 8/+ 8/).
3/9 2/)1 ':, 4+:+ $/7:8;'7/'4
9+4 :4* 5)1*5<48 0+*5).
':). </+*+7 +/497(+4 144
9+4 /+ '3+7/1'4/8).+ 59+4
('41 +* </22 */+ +/9?/48+4 (/8
4*+
/4 ;57':88/).92/).
?<+/ !).7/99+4 +7..+4 /+
& (+:79+/29 */+ '19:+22+
%/798).',98 :4* 4,2'9/548+49
</)12:4- /4*+8 9759? *+7 '19:+22
658/9/;+4 $57?+/).+4 ;578/).
9/-+7 :4* 89+229 ;57+789 1+/4+
&/48<+4*+ /4 :88/).9
?/+7:4- -+29+4 ?+/).4+4 */+
;578/).9/- 569/3/89/8).+ '719
2'-+ *+7 ;+7-'4-+4+4 54'9+
4'). /+ ').,7'-+ 4'). *+4
'28 8/).+7 -+29+4*+4 '6/+7+4 /89
-+7/4-+7 '28 ;57 +/4/-+4 54'
9+4 '8 .'9 *'8 &/484/;+': +9
<'8 '4-+.5(+4 <'8 ':). ':
,/4'4?/+7:4-81:4*+4 867+4
/+ +.7.+/9 *+7 =6+79+4
/3 49+7.>6':?/48"7+4*
('753+9+7 +7<'79+9 *'88 8/).
GUTE FINANZIERUNG MÖGLICH
*/+ &/48+4 /4 *+4 4).89+4 %5
).+4 ':, */+8+3 /;+': 8+/9
/+ +4*/9+4 *+7 :4*+8'4 <798 (+<+-+4 /99+2 (/8
2+/.+4 */+ '28 </).9/-+ +4). 2'4-,7/89/- *'8 .+/9 ':, '2(
3'71 ,7 */+ 335(/2/+4,/4'4 0'.7+8 5*+7 '.7+88/).9 1449+
*'8 &/484/;+': '(+7 <+/9+7
'489+/-+4 '8 +7<'79+9 */+
+.7.+/9 *+7 ;54 49+7.>6 (+
,7'-9+4 7+*/9/489/9:9+ /70'3
5.7 335(/2/+41:,+7 ,/4
*+4 <+/9+7./4 8+.7 -:9+ /4'4
?/+7:4-8(+*/4-:4-+4 ;57 */+
8/+ 3/9 2'4-+4 &/48,+898).7+/
(:4-+4 :4* .5.+4 4,'4-89/2
-:4-+4 6+7,+19 ,7 8/). 4:9?+4
144+4 49+7.>6 79 ?:*+3
*/+ 8+/9 :2/ /4 7',9 -+97+9+
4+4 7*+7:4-+4 ?: 67
,+4 */+ 3/9 -489/-+4 &/48+4
:4* ?:3 "+/2 .5.+4 "/2-:4-8
?:8).88+4 (+7 */+ , % 3-
2/). 8/4*
JETZT SOMMERRABATTE SICHERN!
Wohnen für Senioren
Barrierefreies Wohnen ist für Menschen oftmals
die Grundvoraussetzung, um langfristig in den
eigenen vier Wänden wohnen bleiben zu können.
Mit einer Anzeige sprechen Sie über eine halbe
Million Leser als potenzielle Käufer oder Mieter für
Ihre Immobilienangebote, die diesen speziellen
Bedürfnissen entsprechen, an.
Print . Digital . Live
Frankfurter Neue Presse . Höchster Kreisblatt .
Nassauische Neue Presse . Taunus Zeitung |
Frankfurter Rundschau | F.A.Z. Rhein-Main
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
Ihr Kontakt
Thomas Biehrer, Tel. (069) 75 01- 41 81
immobilienmarkt@rmm.de
www.wohnen-in-hessen.de
Erscheinungsdatum: 31. Juli 2021
Anzeigenschluss:
28. Juli 2021
NEUE BAU- UND ENTWICKLUNGSPROJEKTE
Anzeigen-Sonderveröffentlichung | Samstag, 10. Juli 2021
9?>;,99?0> *:39,8-409?0
8 7?09 7@23,109 49 4009 09?>?0309 49>20>,8?
_Anzeige
90@0 *:39@9209
,> 8:/0=90 *:39<@,=?40=
,8 7?09 7@23,109 49
4009 B4=/ 49 DB04 ,@,-
>.394??09 @8 49>20>,8? 191
*:393@>0= 0=29D? 40= 09?
>?0309 ,6?@077 49>20>,8?
90@0 *:39@9209 84? -0=
$@,/=,?80?0=9 *:3917
.30 ,> 2=:0 =0,7 09?B4.607?
>4.3 D@ 04908 9,.33,7?4209 @9/
09?>;,99?09 )40=?07 48 &?,/?20
-40? /,> ,847409 &49270> @9/
#,,=0 2704.30=8,09 ,9D403?
!40?0=>?=:8',=41 /0> &?=:8
,9-40?0=> #:7,=>?0=9 =@9/
#=:D09? 20209-0= /08 =@9/
A0=>:=20= 049>;,=09
0= 3:30 :81:=? /0= "0@
-,@*:39@92 ,8 7?09 7@2
3,109 B4=/ /@=.3 43=09 2=:D
24209 &.394?? >4.30=20>?077? 49
B04?0=0> #7@> 0/0 *:39@92
A0=12? -0= 04909 ,76:9 :/0=
0490 '0==,>>0 :/0= ,.3?0==,>
>0 &: 7>>? >4.3 48 =35,3=
@9/ &:880= /,> =3>?.6
/=,@09 2094009 :/0= 7,@>.34
GEFÖRDERTER WOHNRAUM
20 -09/0 ,@1 ,76:9 @9/ '0=
=,>>0 A0=-=49209 490 @-:
,@107/ -0493,7?0? DB04 0 /09304D@92 >:B40 803=1,.3
-@/0 84? 50B047> *:39@9 A0=27,>?0 09>?0= =@9/09 /,>
209 1109?74.3 201=/0=?0 6:81:=?,-70 *:39,8-409?0 ,@9/ 1=04 149,9D40=?0 *:3
9@9209 40 1109?74.3 201= GUTE VERKEHRSANBINDUNG
/0=?09 *:39@9209 >49/ +48
80=*:39@9209 -4> ,> *:3920-40? ,8 7?09
8 0D@2>?0=849 4>? /0= 7@23,109 49 4009 4>? :;?4
@2@>?
8,7 ,9 /09 40090= %492 ,9
Illustrationen: Nassauische Heimstätten
Urteil: Dürfen Handwerker mit
Baustellenfotos werben?
Handwerker dürfen zeigen,
welche Projekte sie bereits erfolgreich beendet haben. Dazu
dürfen sie auch Bilder der Baustelle auf ihre Website stellen.
Das Persönlichkeitsrecht des
Auftraggebers werde dadurch
NACHHALTIGKEIT IM FOKUS
40 90@09 *:3920-@/0 ,8
7?09 7@23,109 B0=/09 49
!,>>4A-,@B04>0 9,.3 /08
90=240>?,9/,=/
1 * 0=
=4.3?0? 8 +@>,8809>;407 84?
/08 *=80/88A0=-@9/>C>
?08 D04.3909 >4.3 /40 -4>
+4880=B:39@9209 /@=.3
43=09 >03= 20=49209 90=240-0
/,=1 ,@> B,> >4.3 1= (8B07?
@9/ !40?0= ,@>D,37? 40> 247?
,@.3 1= /40 #3:?:A:7?,46,97,20
,@1 /08 ,.3 40= 69909 /40
!40?0= -0= /09 29>?4209
20-@9/09 ):9 /:=? 0==04.3?
8,9 /40 /40 >:B40
/40 49 B094209 !49@?09
@1 /08 2@? ,@>20-,@?09 %,/
@9/ @B0290?D =,/07? 8,9 0?
B, D@8 ,@;?20-@/0 /0= (94
4009 49 0490= 69,;;09 )40=
?07>?@9/0 @9/ D@8 ,393:1 49
!49@?09 ,96 ;0=106?0=
9-49/@92 ,9 /09 1109?74.309
",3A0=603= 207,92? 8,9
>.39077 84? /08 @> 49 /40
40090= 9909>?,/? D@8
@88079 &3:;;09 :/0= @8
49> '30,?0= :/0= 49: D@ 20
309 9 @984??07-,=0= "30
149/09 >4.3 ,770 B4.3?4209 0
>.31?0 B40 &@;0=8=6?0 =:
20=409 .60= >:B40 &.3@709
@9/ 49/0=2=?09
17.
Juli
Foto: dpa
,@107/ -0493,7?0? /=04 0
-@/0 84? 50B047>
-4>
*:39@9209 ,770 *:39@9209
>49/ 1=04 149,9D40=? 40 1=04 14
9,9D40=?09 *:39@9209 >49/
-4>
+4880=*:39@9209
8 -4> 8 0
D@2>?0=849 4>? /0= &0;?08-0=
0= !40?;=04> /0= 1=04 14
9,9D40=?09 *:39@9209 7402?
-04
@=: 8 ;7@> 0?=40->
6:>?09 @9/ /40 1109?74.3 201=
/0=?09 *:39@9209 -04 @=:
8 ;7@> 0?=40->6:>?09
nicht in jedem Fall verletzt, befand das Oberlandesgericht
Brandenburg (Az.: 12 U 114/19),
wie die Zeitschrift „NJW-Spezial“ (Heft 12, 2021) berichtet. Daher könne er das auch nicht
grundsätzlich verbieten.
Verkaufsstart
in Kronberg
Kronberger Obstwiesen
Hier entspannen Sie in der Natur oder blühen auf
in der Stadt. Denn ganz gleich, was Sie vorhaben,
Ihre attraktive Eigentumswohnung in den Kronberger
Obstwiesen liegt für all Ihre Pläne ideal.
Besuchen Sie uns zum Verkaufsstart
Samstag, 17.07.2021, 14–17 Uhr
Campus Kronberg 1, 61476 Kronberg im Taunus
bonava.de/obstwiesen
NEUE BAU- UND
ENTWICKLUNGSPROJEKTE
Anzeigen-Sonderveröffentlichung
der RheinMainMedia GmbH
Content & Design (RMM)
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
12
IMMOBILIEN
SAMSTAG, 10. JULI 2021
IMMOBILIEN ANGEBOTE
IMMOBILIEN GESUCHE
ALLGEMEINE
HÄUSER ANGEBOTE
IMMOBILIENGESUCHE
ALLGEMEIN
GEWERBEOBJEKTE
Hotel Garni Bingen am Rhein, ideale
Verkehrsanbindung, 26 Zimmer inkl.
Betriebsausstattung aus Altersgründen zu verkaufen, Tel: 0171 2423000
HÄUSER GESUCHE
Gesucht von Privat: Ein- oder Mehrfamilienhaus in Taunus. Auch renovierungsbedürftig.
! !!
!
Unsere Leser –
Ihre Kunden
! ! ! !
!
bis
Tel.:
9534807
0172
700.000,--€
Alexander
e-Mail: irenaver@gmail.com
Professor sucht für seine Tochter mit
Familie EFH m. Garten in Mainz und
Umgebung, gerne von privat,
Tel: 0176 87985985
+% )
' $ !
% "#
# ( $
* & # #
ALLGEMEINE ETW-ANGEBOTE
Budget:
Handwerker sucht kleines Haus (auch
RH oder DHH) von Privat.
Tel. 06403-9681555
Handwerker sucht Mehrfamilienhaus
von privat , Tel. 06032 9989901
Zwei Eigentumswohnungen in
3-Zimmer-Wohnung
EIGENTUMSWOHNUNG GESUCHE
Wer möchte seine ETW ab 3,5 Zi in FFM
in gute Hände abgeben? Wir sind ein
Musikerpaar m. Kind, festangest. b.
Sinfonieorchester des Hess. Rundfunks u. Professor an der HfMDK u.
sind an Gartenarbeit interessiert.(vorzugsw. Nordend, Bornheim, Eckenheim, Westend, Bockenheim o. Sachsenhausen) Über Zuschriften v. priv.
freuen sich: N. Blumenstein u. O. Siefert, Tel: 0177-7888974
Eine kleine, gut situierte Familie sucht
ein(e) EFH/DHH (Kauf oder Miete)
oder Baugrundstück in Bad Soden, Hobby-Handwerker sucht Wohnung
Dreieich, DA-Eberstadt oder an der
von Privat. Tel. 06032 9989901
Bergstraße. Tel 0177-6503684
4-Zimmer-Wohnung
315.000,00 €
370.000,00 €
GRUNDSTÜCKE
GESUCHE
Bungalow in Frankfurt von privat gesucht. Kaufen oder Mieten, darüber
sollten wir sprechen. suche@living2021.de
Warten Sie bitte nicht
bis zur letzten Minute.
Je früher Sie Ihre Anzeige bei
uns aufgeben, um so individueller
können wir Sie bedienen.
MIETGESUCHE
MIETGESUCHE
1-ZI.-WOHNUNGEN
MIETGESUCHE
3-ZI.-WOHNUNGEN
MIETGESUCHE 4- UND
MEHRZ.-WOHNUNGEN
Masterstudentin sucht 1-Zi.-App. in ruh. Wir (Arbeiter) suchen eine 3 Zi Whg ab Universitätsprofessor sucht für den
Lage u. nahe zur einer U8-Haltestelle
Sohn eine 4 ZKB in Franfurt Nieder60 qm in Frankfurt u. Uml., mit EBK u.
ab 1.10.2021, Tel. 06241-53779,
rad, ab 1.9.21 (bis 1500€ warm),
Balk., gute Verkehrsanb., Tel.
email: hdg.um@t-online.de
Tel: 0151 50674468
0172-4614730
GRUSS
DER HEIMAT,
MIETGESUCHE GEWERBEOBJEKTE
Wir suchen!
VON UNS
GERETTET.
für di
für
diee Ge
Getr
Getränkemärkte
trän
änkkem
än
emär
ärkt
är
ktee „t
kt
„tri
„trinkgut“
rink
ri
nkgu
nk
gut“
t“
weitere Einzelhandelsstandorte.
Flächenprofil:
• bebaute Gewerbegrundstücke mit mind. 799 m² Verkaufsfläche
(ebenerdig) zuzüglich mind. 250 m² Lager und Nebenräume
• Raumhöhe mind. 4,20 m
• Boden muss für Stapler geeignet sein
• mind. 200 m² Außenfläche für Leergutlager
• mind. 30 ebenerdige Kundenparkplätze vor dem Eingang
oder unbebaute Gewerbegrundstücke mit mind. 3.000 m² Größe
Lage:
• Fachmarkt-Agglomerationen oder Solitärstandorte
Handelsumfeld:
• Lebensmittelmärkte, Discounter (Food und Non-Food), Bau- und Gartenmärkte
sowie weitere gut frequentierte Gewerbegebietslagen
erbegebietslagen
bietslage
agenn mit
age
m Ein
Einzel
Einzelhandelsnutzungen
Einzelhandelsnutzunge
zel
ngenn
nge
Einzugsgebiet:
Saarland, Rheinland-Pfalz,
Hessen: Landkreise Odenwald, Bergstraße, Groß-Gerau, Darmstadt,
Darmstadt-Dieburg, Offenbach-Land, Offenbach, Frankfurt, Hanau,
Main-Kinzig-Kreis, Wiesbaden, Rheingau-Taunus-Kreis,
Main-Taunus-Kreis, Hochtaunus-Kreis
Bayern: Landkreise Miltenberg, Aschaffenburg, Aschaffenburg-Land
Baden-Württemberg: Mannheim, Heidelberg, Rhein-Neckar-Kreis
Leuchtturm Roter Sand –
das weltweit erste Bauwerk
auf offener See.
Mehr über die Geschichte
dieses Denkmals:
www.dieganzegeschichte.de
Eines von vielen tausend
geförderten Denkmalen.
Städte und Gemeinden ab 15.000 Einwohner
und Einzugsgebiete mit mind. 25.000 Einwohner
Kontakt:
Trinkgut Handelsgesellschaft Rhein-Ruhr
uhr mbH
H
Standortentwicklung und Expansion
Im Sutenkamp 2
59069 Hamm
sekretariat-rr@trinkgut.de
Wir erhalten Einzigartiges.
Mit Ihrer Hilfe!
Zeitungsleser wissen mehr!
Spendenkonto
IBAN: DE71 500 400 500 400 500 400
BIC: COBA DE FF XXX, Commerzbank AG
www.denkmalschutz.de
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
SAMSTAG, 10. JULI 2021
IMMOBILIEN
MIETANGEBOTE
13
IMMOBILIENDIENSTLEISTUNGEN
MIETANGEBOTE
ALLGEMEIN
MIETANGEBOTE
3-ZI.-WOHNUNGEN
FFM-Oberrad, kleine Einh. sehr schöne
3 Zi Whg. , 80 qm, Balk, Parkett, EBK,
Gäste-WC, 1100,-Miete, TG-Platz 90.-,
Uml., Kaution. Tel. 0171-5423094
andreas-michael@gmx.de
Offenbach, 3 ZKB, 4. OG, DG, 45qm
KM 472,50 Euro, Umlagen 100 Euro,
Tel.0160 90250396
MIETANGEBOTE 4- U.
MEHR-ZI.-WOHNUNG
Niederdorfelden ab 01.07.2021, 93qm,
4 ZKB, EG, zu vermieten f. NR, Kalt
850 €, Umlage 150 €, 3 MM Kaution,
Tel. 06101-9861070
MIETANGEBOTE
WG-ZIMMER
Ex-Fressgass 13, su. sofort Mitlebenden ab 70, ehrlich u. sauber. Zuschr.
Chiffre 2400766 Z an RheinMainMedia, Pf 200221, 60606 Frankfurt
MIETANGEBOTE
2-ZI.-WOHNUNGEN
LAND- UND
FORSTWIRTSCHAFT
Nordend-West, 1 Zi + Kü (Dusche) Altbau, 4. OG, ca. 27 qm, KM 330.-+Umlagen+KT, Energieausw. ab 1.8.21 von
priv. Zuschr. Chiffre 2400777 Z an
RheinMainMedia, Pf 200221, 60606
Frankfurt
2 Zi Dachterr.Whg., 85 qm, Erstbez.
2018, Hanau-Steinh. 5 min z. S-Bahn,
20 min Konst.Wache, 5 min zur BAB3,
KM950.-+NK210.-opt. PKW-Stellpl.
30.- Tel. 0172-6720654
KAPITALANLAGEN
Ackerland_zu_verkaufen!! ca. 3,5ha,
Gambach West, frei Ende 2023,
Zuschr. Chiffre 2400772 Z an RheinMainMedia, Pf 200221, 60606 Frankfurt
MIETANGEBOTE
GEWERBEOBJEKTE
GARTEN-/
FREIZEITANLAGEN
Ab-in-den-Garten! Das wünschen wir
uns als Seckbacher Familie und
sind auf der Suche (Kauf/Pacht)
nach einem Gartengrundstück auf
dem Lohrberg/Seckbach zum Werkeln & Entspannen mit unseren 3
Kindern. Wir freuen uns auf Kontakt- Kapitalanlage, sehr attraktiv, im Ostalbkreis BW, behindertenger. in betreuter
aufnahme unter 0151/40139960.
Wohnanlage, 3-Zi.-ETW, 78 m2, Bj.
2006, EG, Terr., Sicht auf Wald u. WieFreizeit-Obstbaumgrundstück 3028 m²
sen, Kellerr., EB-Schränke, Parkett, neue
Bad Homburg 1a-Lage an bevorz.
EBK, gr. Stellpl., angrenz. NaturschutzWohngebiet, Taunusblick, für Bioangebiet, alle Einkaufsmöglichk., Ärzte,
bau, Jahres-Mietparzellen homefarParkanlagen, AS Herbrechtingen, Kreis
ming. info@lic-tga.de
HDH, KP 410.000 €. 0151 52362520
FFM Oberrad Nähe Buchrainplatz 52 qm
im 2. OG, Miete 500.-+Umlage
150.-+3MM KT, Schufaausk., Tel.
069-657458
Gelnhausen 2 Zi., 48 m2, Neubau, Blk.,
EBK, Fußbodenheiz., Nichtraucher, ab
sof., KM 480,- € inkl. PKW Stellplatz +
NK, Tel. 0151-57755438 (SmS)
Anzeigen in Ihrer
Tageszeitung sind eine
wirkungsvolle Werbemöglichkeit.
DER TAUNUS-RADFÜHRER!
Günther Gräning
Radeln im Taunus
Günther Gräning hat 22 einmalige Radtouren quer durch den Taunus getestet – alle
zwischen 20 km und 100 km lang. Autostraßen und schlechte Wege wurden bewusst
vermieden. Hier ist für jeden etwas dabei – von erholsam bis anspruchsvoll, für Sportler
oder Alltagsradler. Mit ausführlichen Wegbeschreibungen, Fotos, Routenkarten und
zahlreichen Hinweisen zur Infrastruktur.
Broschur · 144 Seiten · ISBN 978-3-95542-373-5 · 15,00 Euro
ICHEN
RSICHTL
E
B
Ü
IT
M
TEN
R
A
K
D
A
R
JETZT IM BUCHHANDEL ODER UNTER WWW.SOCIETAETS-VERLAG.DE // TEL. 069/7501-4297
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
PARTNERSCHAFTEN
ER SUCHT SIE
SAMSTAG, 10. JULI 2021
Weltenbummler möchte wieder ,,die
Flügel schwingen“. Er, weitgereist,
sportlich, schnell unterwegs, einfühlsam, humorvoll, tolerant, gut betucht,
78/185/82 NR, sucht eine ungebundene, aktive, weltoffene, attraktive
Partnerin für Kulturveranstaltungen
(Konzerte, Musikfestivals, Museumsbesuche, Kunstausstellungen), gezielte Tagesausflüge, Urlaubsreisen
in Deutschland und der EU (so möglich), kulinarische Events und was
sonst noch gefällt. Vielleicht haben
wir bald die Gelegenheit, auf der Terrasse meines schönen Hauses bei einem Glas Champagner die ersten Unternehmungen zu planen. Fühlen Sie
sich eingeladen. Interessiert? Zuschriften bitte mit Bild an Zuschr.
Chiffre 2400779 Z an RheinMainMedia, Pf 200221, 60606 Frankfurt
Vermögender Witwer sucht nach 49
Jahren Ehe eine neue Partnerin, um
den Rest seines Lebens in angenehmer Weise zu verbringen. Ich wohne
in einer luxuriösen Villa in Königstein
mit Hallenbad und Blick nach Frankfurt und den Odenwald. Ich habe
mein Vermögen selbsterarbeitet, so
dass bei meiner künftigen Lebensgestaltung alle Möglichkeiten offenstehen. Ich bin 78 Jahre alt und noch fit
und sportlich. Meine zukünftige Partnerin sollte eine sehr frauliche Figur
haben, eventuell auch mollig. Sie sollte Unternehmungslustig sein und gerne reisen. Zuschr. Chiffre 2400773 Z
an RheinMainMedia, Pf 200221,
60606 Frankfurt
Leben ist viel zu kurz für irgendwann.
Sportlicher Pensionär (68), finanziell
unabhängig, will seine Zeit nicht allein
genießen. Vielleicht macht die Begegnung mit dir das Leben reicher und interessanter. Bist du die sportliche
Frau um die 60, evtl. auch jünger, die
gerne die Natur, gutes Essen, Reisen,
Skifahren, Wandern, Radfahren u. v.
m. liebt? bmB Zuschr. Chiffre
2400771 Z an RheinMainMedia, Pf
200221, 60606 Frankfurt
SIE SUCHT IHN
BEKANNTSCHAFTEN
ER, 1,88, 78 Kg, 81 Jahre alt, schlanke
u. jugendliche Erscheinung, geistig
sehr fit, musikalische Veranlagung,
Hundeliebhaber, keine Katzen,
leichte Gleichgewichtsstörung, gehen aber ohne Stöcke. Eigentumswohnung mit Kunstoriginalen aus
aller Welt. Kein PKW-Fahrer mehr.
Keine Flugreisen, Wanderungen,
Theater-Oper-Schauspielevents
mehr. Gesucht: Passende, schlanke Sie mit Geduld bei Begleitungen
vor der Tür für immer. Körperliche
Nähe erwiedernd mit späterem Ziel
des gemeinsamen Zusammenlebens. Möglichst Raum Bad Camberg, kein Internet nur kurze, handschriftliche
Briefantwort
erwünscht, mit Handynummer u. Angabe der zeitl. Erreichbarkeit.
Zuschr. Chiffre 2400776 Z an
RheinMainMedia,
Pf
200221,
60606 Frankfurt
INSTITUTE
63 jährige, lebensfrohe, sportliche, romantische, hübsche, clevere Frau,
168 groß, möchte einen Partner mit
ähnlichen Eigenschaften (Größe ab
1,75 und NR) kennenlernen mit der
Aussicht auf eine erfüllende, gemeinsame Zukunft. Zuschriften bitte nur
mit Bild. Zuschr. Chiffre 2400768 Z an
RheinMainMedia, Pf 200221, 60606
Frankfurt
Cornelia, 59 J.,kinderlos, ganz natürlich
u. unkompliziert, mit schöner fraul. Figur, organisierte Hausfrau, mag singen, die Berge u. Volksmusik. Nicht
länger einsam sein, das ist mein
sehnl. Wunsch. Wir könnten was
Schönes unternehmen od. es uns zuhause gemütl. machen. Melde Dich
üb. pv, bis bald. Tel. 0176-34498406
KONTAKTE
,,Sich wegwerfen können für einen Augenblick, Jahre opfern können für das
Lächeln einer Frau, das ist Glück“. 56,
weibl, 1,65 sucht Dich im Mannh. Gepflegtes Ehepaar sucht für gemeinsame Unternehm. gleichgesinnte
Raum. Zuschr. Chiffre 2400778 Z an
Paare. Alter 55-67 im R. FFM/Bad
RheinMainMedia, Pf 200221, 60606
Homb./Usingen Tel. 0163-1910393
Frankfurt
Netter, deutscher Mann, 78 J., sucht
ebenfalls nette Sie, die nicht alleine
sein will, wie ich; Im Raum FFM o.
Griesheim, kann auch etwas jünger
sein, Zuschr. Chiffre 2400770 Z an
RheinMainMedia, Pf 200221, 60606
Frankfurt
Junger Mann, sucht sympa., sportl.
Frau zur gemeinsamen Freizeitgestaltung. Zuschr. Chiffre 2400757 Z an
RheinMainMedia, Pf 200221, 60606
Frankfurt
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
MOBIL
SAMSTAG, 10. JULI 2021
Der entölte Blitz
MOTOR-TICKER
Kriminelle
Pannenhelfer
Opel: Der Elektro-Manta und die Suche nach einer neuen Identität
W
as ist Opel
und
wofür
stehen wir?
Das ist eine
Frage, die sich
in
Rüsselsheim derzeit viele stellen. Denn
nachdem die Hessen erst von
General Motors aus Detroit gegängelt wurden, dann als Neuzugang in der PSA-Familie nach einer Pariser Pfeife tanzen mussten und jetzt ihren Platz in der
riesigen Stellantis-Gruppe suchen, ist die eigene Identität
wichtiger denn je. Und nur,
wenn sie eine überzeugende
Antwort auf diese Frage finden,
werden sie eine sichere Zukunft
haben im buntesten Markenstrauß, den ein Autokonzern aktuell zu bieten hat.
Hoher Coolness-Faktor
Das wissen auch Quentin Huber
und Pierre-Oliver Garcia, die
sich im Marketing und beim Design weniger um Modelle als die
Marke selbst kümmern und die
Selbstfindung jetzt mit einem
ganz speziellen Projekt beflügeln. Denn sie gehören zu den
Initiatoren des Manta GSe ElektroMod, der den Blick gleichzeitig zurück und nach vorne richtet und so eine neue Identität für
Opel schaffen will. Gute 50 Jahre
nach seinem Debüt gehört der
Manta zu den berühmtesten
und begehrtesten Klassikern der
Marke und zu den wenigen
Opel-Oldtimern mit einem hohen Coolness-Faktor. Und weil
das Team um Huber und Garcia
den Wagen nicht einfach restauriert, sondern dem Trend zum
„RestoMod“ folgend, gründlich
modernisiert und dabei auch
elektrifiziert hat, steht er zu-
Der Opel Manta soll bald ein Comeback als Serien-Elektroauto feiern.
gleich für die Zukunft, von der
sie in Rüsselsheim träumen.
Schließlich singt Opel lauter als
jede andere Stellantis-Tochter
das Hohelied der E-Mobilität
und will schon in drei Jahren in
jeder Modellreihe elektrische
oder zumindest elektrifizierte
Varianten anbieten. „So vereint
dieser Manta das Beste aus zwei
Welten“, sagen die Initiatoren
über den entölten Blitz: „Er erzeugt maximale Emotionen
ganz ohne Emissionen.“
Statt einfach nur einen modernen Antrieb ins alte Auto zu
frickeln, haben die Hessen den
ganzen Wagen in die neue Zeit
geholt und die Uhr fünf Jahrzehnte vorgedreht: Im originalen Armaturenbrett flimmern
deshalb digitale Instrumente,
zwischen den Sitzen schallt der
Soundtrack zum Fotoshooting
aus einem Bluetooth-Lautsprecher und sogar ein Navi haben
sie ins Cockpit integriert. Und
natürlich trägt der in Neongelb
lackierte GSe den Vizor-Grill,
den Opel mit dem Mokka eingeführt und zum künftigen Gesicht der Marke erklärt hat.
Unter der Haube steckt nicht
wie sonst oft bei solchen Einzelstücken ein Kriechmotor, der
kaum mehr als Schritttempo erlaubt. Gemeinsam mit einem externen Partner hat Opel ein ordentliches Power-Paket installiert: 147 PS und 255 Nm – das
sind 50 Prozent mehr als beim
Original und machen diesen
Manta zum stärksten seiner Art.
Rückkehr mit E-Motor
Damit sind sicher auch mehr als
die 150 km/h Spitze drin, die
Opel bei e-Corsa & Co. erlaubt.
Die Energie dafür liefert ein
Akku mit 31 kWh, der binnen
vier Stunden geladen ist und da-
Foto: spx
mit genügend Energie für 200
Kilometer liefern sollte.
Ein legendäres Auto, ein cooles Design und die Hoffnung auf
jede Menge Fahrspaß ganz ohne
Ölflecken auf dem Garagenboden – dank solcher Verheißungen hat das Projekt der Selbstfindung mittlerweile eine solche
Eigendynamik bekommen, dass
es längst mehr ist als nur eine
Standortbestimmung und PRAktion.
So hat Opel-Chef Michael
Lohscheller im Rahmen des
E-Auto-Tags des Stellantis-Konzerns angekündigt, den e-Manta
bereits Mitte des Jahrzehnts anzubieten – als ein Baustein in
Opels Umbau zur reinen EMarke, die in Europa 2028 abgeschlossen sein soll. Auch in
China wollen die Rüsselsheimer
perspektivisch als reiner E-AutoHersteller auftreten.
Thomas Geiger
Die Zukunft gehört den Stromern
Ford baut in Europa ab 2030 ausschließlich noch Elektroautos
V
or über 90 Jahren haben
der damalige Kölner
Oberbürgermeister
Konrad Adenauer und
Henry Ford den Grundstein für
die Kölner Ford-Werke gelegt.
Jetzt wird der Standort für eine
Milliarde US-Dollar zum „Ford
Cologne Electrification Center“
ausgebaut, in dem künftig ausschließlich Elektrofahrzeuge für
Europa entwickelt und produziert werden sollen. Im Rahmen
der strategischen Allianz mit
Volkswagen wird Ford dabei auf
einem sogenannten Modularen
Elektro-Baukasten (MEB) aufbauen. Das erste vollelektrische
Pkw-Volumenmodell für Europa
soll 2023 in Köln vom Band laufen.
„Das ist für uns wie eine
zweite Grundsteinlegung“, sagt
Olaf Hansen, Direktor Marketing der Ford-Werke GmbH.
Seine klare Botschaft: Ab Mitte
2026 werde jedes Pkw-Modell
mindestens mit einer Plug-inHybrid-Variante angeboten. Ab
laden werden kann, angeboten.
Basismotor ist dabei jeweils ein
152 PS starker 2,5-Liter-Vierzylinder-Benziner, unterstützt von
einem E-Motor mit 125 (VollHybrid) beziehungsweise 110 PS
(Plug-in-Hybrid) Leistung.
Aber Ford kann auch ganz anders: Dieser Tage beginnt die
Auslieferung
des
Mustang
Mach 1. Das ausschließlich als
Der Ford Kuga wird sowohl als extern wiederaufladbarer Plug-in-Hy- Fastback (2 Türen/4 Sitze) angebrid als auch in einer Version als Voll-Hybrid ohne Stecker angeboten. botene Sondermodell verfügt
über einen 5,0-Liter-V8-Motor
2030 werde das gesamte PkwBis es soweit ist, geht die Ent- mit 460 PS und spurtet in 4,4 SeAngebot in Europa dann aus- wicklung Schritt für Schritt wei- kunden aus dem Stand heraus
schließlich aus rein elektrischen ter: Mit dem Ford S-MAX (ab auf Tempo 100. „Der leistungsfäFahrzeugen bestehen. Um die 42 100 Euro) und dem Ford Ga- higste Mustang, den wir je nach
hierfür notwendige Batterie-Ka- laxy (ab 44 100 Euro) als Voll-Hy- Europa gebracht haben und der
pazität vorhalten zu können, bride ohne Stecker laufen eben- die Performance dieser Baureihe
werden gleichzeitig weitere 5,2 falls in Valencia seit Jahresbe- auf ein ganz neues Level hebt“,
Millionen Euro in das Montage- ginn auch in diesen beiden Mo- sagt Matthias Tonn, Chefingewerk im spanischen Valencia in- dellreihen die ersten elektrifi- nieur des Mustang-Mach-1-Provestiert, wo im September ver- zierten Varianten vom Band. Der gramms in Europa.
gangenen Jahres die Batterie- Ford Kuga wird wahlweise soNach ersten kurzen FahreinProduktion
aufgenommen wohl als Voll-Hybrid (ab 37 750 drücken ist dem nichts hinzuzuwurde. Hansen: „Elektrofahr- Euro) wie auch als Plug-in-Hy- fügen. Der Preis für die alltagszeuge sind für Ford in Zukunft brid (ab 39 750 Euro), der über taugliche Rennmaschine: ab
das Maß aller Dinge.“
eine externe Stromquelle aufge- 60 800 Euro.
Rolf Lehmann
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
Die ADAC Versicherung AG
warnt vor falschen Pannen helfern, die sich als Gelbe Engel
ausgeben und Reisenden viel
Geld für Abschlepp- und teils
unnötige Werkstattleistungen
abknöpfen. Außer in Ungarn
und Serbien sind die Betrüger
jetzt auch vermehrt in Bulga rien, Kroatien und Slowenien
aktiv. Dazu sind die Slowakei,
Litauen und Polen betroffen.
Um die Urlauber in die Falle zu
locken, nutzen die Betrüger
Fahrzeuge in der farblichen
Gestaltung der PannenhilfeAutos, mit dem Logo des Clubs
oder der Aufschrift „Im Auftrag
des ADAC“. Manche schauen
dabei täuschend echt aus, aber
es kommt auch vor, dass ein
Wagen mit der Aufschrift
„ACDC“ vorfährt.
Auch das Personal tritt im
Gewand der ADAC-Straßen wachtfahrer auf. Aber: Im Aus land betreibt der ADAC keine
eigene Straßenwacht-Flotte
und die dortigen Vertrags partner dürfen weder auf ihren
Fahrzeugen noch an Werk stätten ADAC-Logos verwen den. Nur in Norditalien ist ein
Gelber Engel ganzjährig als
Pannenhelfer für die ADAC-Not rufstation tätig. Besonders
offensichtlich ist die Taktik
vieler Betrüger, bereits an der
Autobahn zu warten und direkt
nach einer Panne aufzutau chen, um Hilfe anzubieten.
FAHRZEUGE
VERKÄUFE
RENAULT
Renault Captur, rot-silbermetallic, Bj.
7/2017, 23300 km 8-fach bereift
div. Extras VHB. 13.8000,-- Euro. Tel.
01718711885
VW
VW Golf 1,6l, 4-ST Automatik, flanellgrau, TÜV 2023, 19 Jahre alt, sehr gut
erhalten, unfallfrei, 5900€,
Tel: 069-564655
VW Golf Variant, Bj. 12_2014, 110 PS,
69.000 km, AHK flex, Limestone grey,
VB: 9.600,- Tel. 01520-3890656
WOHNMOBILE
ANKÄUFE
Suche Oldtimer Mercdes Benz, Porsche
oder
BMW
von
Privat;
Tel.
0177-5066621
Familie sucht Wohnmobil o. Wohnwagen auch mit Mängeln, bitte alles anbieten, Tel: 0157 74988365
Privat sucht
3671658
Porsche.
Tel.
0177
Privat sucht von privat Wohnmobil.
Bitte alles anbieten 0177 3671658
Camper sucht ein Wohnmobil oder
Wohnwagen 01714682732
FLOHMARKT
ANKÄUFE
Sammler kauft Münzen, 5 u. 10 DM-Stücke, Banknoten, Medaillen, Urlaubsgeld,
bitte
alles
anbieten.
069-21932847
SAMSTAG, 10. JULI 2021
ANTIQUITÄTEN
MUSIKINSTRUMENTE
VERLOREN/
GEFUNDEN
Modelleisenbahnanlagen, Sammlun- Uhrmacher in Rente sucht Aufträge, re- Privat: Suche alte Musikinstrumente, Ich habe am Mittwoch 16.06. meinen
pariert alte Uhren und AusbesserunIrakischen Reisepass in Frankfurt verGeige, Bratsche, Cello, Kontrabass
gen, Einzelteile. Alle Fabrikate u.
gen am Gehäuse.
0 64 33 / 64 07
loren. 01736178576
usw. (auch defekt), R. Schneeberger
Spurweiten zum fairen Preis ges.
Tel.
0163
/
2519687
0170 / 2 40 15 64
Modelleisenbahnanlagen, Sammlungen, Einzelteile. Alle Fabrikate u.
Spurweiten zum fairen Preis ges.
0170 / 2 40 15 64
BÜCHER
UNTERHALTUNG
VERSCHIEDENES
Seriöser Samml
Sammler sucht:
ht:
t: Ord
Orden (Sammel(Sa
Kaufe Bücher, Bilder u. Postkarten
Ihre alten Schmal- und Videofilme koerlaubnis vorhanden), Urkunden, Uniform- Modelleisenbahn-Sammlungen
und
Frankfurter Stadt und Kunstgeschich- Musikal. Entertainer (Saxoph.,Gesang
piere ich gut und preiswert auf DVD.
teile, Militärspielzeug, -fotos u. Fotoalben,
-Anlagen, auch (sehr) große, kauft
te 01 60/ 3 63 14 19
Auch Dias, Tonbänder und LP in besu.a.) spielt stimmungsvolle Musik für
Säbel, Dolche, Pickelhauben, Ausrüstung,
Sammler zum fairen Komplettpreis
ter Qualität auf CD. Ihre Schätze von
Senioren. Tel. 0176 5140 7535 oder
alles v. d. Fallschirmjägern usw., auch
0171/1940159 o. 06036/ 9836869
mir gut gesichert. W. Schröder
email:
marcopfeifer24@web.de
schlechter Zustand, zahle Liebhaberpreis
0 61 72 / 7 88 10
z. B. Deutsches Kreuz in Gold bis 2000,– €,
Tel. 0611 5829668, eben-emael@t-online.de Militärhistoriker sucht Militaria & PaCOMPUTER
triotika! Orden, Abz., Urk., Fotos, Uniformen, Militärspielz., Ringe usw.
Haushaltsauflösung und HausbesichtiZahle TOP Preise!
0173/9889454
gung am Samstag 10.7. u. Sonntag
VERKÄUFE
PC-Senior (über 50 Jahre Computer11.7. in Wehrheim, Köpperner Str. 29
Praxis) mit viel Geduld, hilft Senioren
von 11 bis 16 Uhr,
beim sinnvollen Gebrauch von PC,
Tel: 0157-86407784
Laptop, Tablet-PC, Smartphone Gartenteich-Neuanlage! Über 50 Sorten
Wasserpflanzen
v.
priv.
(nicht
ge(Kein
Apple
!)
Bad
Homburg
und
nä
werbl.) ab 1,00 €, Seerosen ab 8,00 €.
here Umgebung
0151/15762313
Kaufe Röhren Fernseher /Radios ,bin
Liste anfordern. Tel. 06108-6442
Barzahler und selbst abholer.
FLOH- UND
TRÖDELMÄRKTE
MARDER-Holzkastenfalle, Lebendfalle
auch f. Ratten & Waschbär zuverk.
0173/9528174
Privater Sammler kauft nur von privat
Musikinstrumente aller Art,
Modelleisenbahn von Privat gesucht ,
Suche alte Käfer und andere VolkswaTel: 0163 3709165
gerne ganze Anlage oder Teile
gen in jedem Zustand auch Teile ,ZuBRD postfrisch komplett 1949-2020,
,Tel.06142/64751
behör und Werkstattausrüstung.Auch
Preis VHB oder Gebot.
MÄRKLIN-Eisenbahnen gesucht, alte
ganze Sammlungen.
lek-lek1976@t-online.de
H0, 0, I, II u. Blechspielzeug, auch deTelefon 0171 8393249
fekt, 24 h, 0 61 96/ 4 25 48
Wir kaufen Schallplatten & CDs Modelleisenbahn Suche große ModellKlassik – Jazz – Rock & Pop
(069) 78 08 12 16 oder (0157) 73 83 21 68
MÖBEL
eisenbahn Sammlungen aller Art,
Märklin uvm. 0176/72519155
Büroschrankwand aus einer Bank, 4
Einheiten abzugeben, muss abgebaut
Münzenkauf
zu
Höchstpreisen!
werden, Tel: 069-423283
Sammler
mit
40
Jahren
Erfahrung.
BRIEFMARKENNACHLASS oder gr.
069/46999708
Sammlung aus D/EU/WELT auch
Münzen u. Medaillien kauft SammEiche - Massiv gemehlt naturbelassen,
ler Tel. 06124-2061
Privater Sammler kauft Schallplatten,
Schrank hoch 4 T, Bar niedrig 2 T. 4
LP´s, Singles, CDs, (alle Bereiche)
Stühle
Tisch(neue
Platte)
Schallplattenspieler 069 42893994
Suche Orden, Uniformen, Helme, BlankSelbstabholer
VB
950,-€
waffen, Urkunden, Fotos etc. bis
1945. Biete z.B. f. Fj-Helm b.1000 €, Kaufe: Alte Bücher (Sachverständiger).
0
69
/
46
81
51
0160 - 1857648
hole ab. 0 64 85 / 84 11
www.analogetontraeger.de/ankauf
2 HS-HAPIMAG Aktien, sehr viele
Punkte, aus Altergründen zu verkaufen, Preis VB; Tel. 0171-5734117
01628503991
Von Privat: Überspielung von Filmen u.
Tonträgern auf DVD bzw. CD (Normal
8, Super 8, Video 8, Hi 8, Mi.-DV, MC,
LP´s usw.) 0 61 73 / 6 81 14
Baumschnitt, Hecken & Gehölzschnitt
privat Tel. 069 37303123
Uhrmacher in Rente sucht Aufträge, repariert alte Uhren und Ausbesserungen am Gehäuse.
0 64 33 / 64 07
Unsere Leser –
Ihre Kunden
Ich reinige und / oder repariere Ihre
Dachrinne. Zuverlässig!
0174-8 38 61 62
Suche erfahrenen Masseur, der auch ins
Haus kommt. Tel. 069-435233
Ausmisten, inserieren, durchatmen!
„Was man ein Jahr nicht genutzt hat, kommt weg!“
Zugegeben, diese Faustregel gilt nicht für alles, denn einiges kommt sicher wieder in Mode oder
ist mit Erinnerungen verbunden. Dennoch: ausmisten befreit – und schafft Platz für Neues!
Mit Ihrer Anzeige im RMM-Flohmarkt machen Sie sich Luft und werden
unnötigen Ballast los. Und ganz nebenbei machen Sie mit Ihrem Gebrauchten
den ein oder anderen Schätzejäger glücklich …
Auskünfte und Beratung: Telefon (069) 75 01- 33 36 | www.rmm.de/kontakt
Print . Digital . Live
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
www.rmm.de
UNSERE
LECKERBISSEN
Daniel Groß
Sascha Scherer
Die Hesse koche
0
,0
€
€
ISBN 978-3-95542-386-5
10
80
9,
Ob Grüne Soße-Risotto
oder Harzer Käse-Salat,
Berger Apfelweinbraten
oder herzhafte Handkäs-Burger – dieses
Kochbuch lässt hessische
Herzen höher schlagen.
Auch Fischliebhaber,
Süßmäulchen und
Vegetarier kommen
voll auf ihre Kosten!
0
,0
20
€
Bernd Buchterkirch,
Julia Söhngen
Best of Apfelwein
Oliver Bock
Der Rheingauer
Weinschmecker
Ein Großteil des deutschen
Apfelweins kommt aus Hessen
– und das Kultgetränk hat eine
jahrhundertealte Tradition.
Wir präsentieren Ihnen DEN
Apfelwein-Knigge mit allem
Wichtigen rund ums Stöffche.
Der Klassiker im neuen Gewand: Oliver Bock präsentiert
die besten 40 Straußwirtschaften und Gutsschänken
im Rheingau. Entdecken Sie
die Top-Adressen für hervorragende Weinqualität.
ISBN 978-3-95542-250-9
ISBN 978-3-95542-285-1
Werner D’Inka,
Rainer M. Gefeller
Fleisch!
0
0
€
€
€
ISBN
978-3-95542-255-4
Werner D’Inka,
Rainer M. Gefeller
Schöner trinken
© Alexander Raths/Shutterstock
ISBN 978-3-95542-220-2
€
ISBN 978-3-95542-357-5
0
Ausgehend von bekannten
Frankfurter Lokalitäten entführen Sie die Autoren hinaus
in die Welt der Trinkkultur.
Humorvolle Begegnungen
jenseits des schnöden Realitätsprinzips.
,8
Die besten Straußwirtschaften und Gutsschänken der
Pfalz, Top-Adressen für
Saumagen-Freunde, Tipps
für Übernachtungen und
„Sprach-Übersetzungen“.
16
ISBN 978-3-95542-318-6
0
,0
,0
In diesem Kochbuch verrät
die Expertin für regionale
Küche die besten RezeptGeheimnisse von Rheingauer
Winzern – passend zu jeder
Jahreszeit. Mit ausgesuchten
Weinempfehlungen.
Hermann-Josef Berg,
Oliver Bock
Der Pfälzer
Weinschmecker
,8
14
15
18
Usch von der Winden,
Albrecht-Matthias Wendlandt
Rheingau lecker!
An Deutschlands
Esstischen tobt ein
Kulturkampf. Darf man
Fleisch überhaupt
noch essen? Die beiden Autoren antworten
gut gelaunt: auf jeden
Fall! Eine Erkundungstour durch Spitzen-Restaurants, Imbiss-Stuben und Wurstküchen,
mit Illustrationen von
Greser & Lenz.
JETZT IM BUCHHANDEL ODER VERSANDKOSTENFREI UNTER SOCIETAETS-VERLAG.DE // TEL. 069/7501-4297
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
18
REÍSE
SAMSTAG, 10. JULI 2021
Eine außergewöhnliche Melange
Entspannung, Wellness, exquisite Küche und Kunst im Hotel Turm in Völs am Schlern
E
s gibt sicher eine Menge guter
Gründe, Völs am Schlern zu besuchen. Die berühmte Seiser
Alm natürlich oder der naheliegende Geburtsort Luis Trenkers, St. Ulrich. Auch das 20 Minuten bergab gelegene entzückende Bozen oder die Kaffeerösterei Carome, deren
Besitzer sich als erster Italiener Röstmeister und Chef Kaffee-Sommelier nennen
darf und der sein Wissen gerne weitergibt.
Und dann gibt es eben das Hotel Turm,
dessen Besitzer Stephan Bramstrahler einen Ort geschaffen hat, der Entspannung,
Wellness, exquisite Küche und Kunst unter einem Dach vereint wie kaum ein anderer.
Leidenschaftlicher
Kunstsammler
Als Sohn eines leidenschaftlichen Kunstsammlers und Hotelbesitzers führt der
60-Jährige das Haus in der vierten Generation und hat es geschafft Tradition, Historie und Moderne zu einem unvergesslichen Ort zu vereinen.“ Klingt wie ein Werbeslogan. Aber, wer schon bei der Ankunft
im Ort von Wildfremden für die Wahl sei-
ner Unterkunft in höchsten Tönen gelobt
wird, ahnt bereits, dass da etwas ganz Besonderes auf ihn wartet.
Tradition Südtirols
und Modernes
Und in der Tat: „Es ist uns ein Anliegen,
die Tradition Südtirols, die historischen
Vermächtnisse meines Großvaters und die
Moderne in unserem Haus zu vereinen“,
erzählt Sofia Pegoretti, Bramstrahlers
Nichte, studierte Kunsthistorikerin und
vor allem charmante und ebenso kompetente Rezeptionistin in dem Völser Romantik Hotel. Bis hoch in die zwei großen
Türme des historischen Gebäudes zieren
die erstaunlichen Arbeiten unterschiedlichster Künstler die Wände. Hier tummeln sich Werke von Dali, Picasso oder
Kokoschka neben anderen Künstlern aus
aller Welt. Beeindruckend ist dabei für
den Betrachter die Vielfalt der mit Liebe
gesammelten Werke. Und so bleibt man
bewundernd vor Löwen mit blauen Mähnen des tschechischer Malers Vladislav Kavan, der seine letzten Jahre in Völs verbrachte, oder wunderschönen Landschaftsbildern Südtiroler Künstler stehen.
Inne hält man sicher auch vor der Kohlezeichnung eines Babys von Otto Dix, den
Werken des Südtiroler Holzschnitzkünstlers Moroder-Lusenberg oder dem „Teufel“ von Franz Stuck. Und es ist Bramstrahler eine besondere Freude, seine
Gäste durch diese Sammlung zu führen
und den Weg mit Information, historischem Wissen und lustigen Geschichten
zu spicken.
Nach vier Stockwerken voller imposanter Eindrücke steht man, zurück im Erdgeschoss, vor der Standarte des Minnesängers, Komponisten und Diplomaten in
Diensten des deutschen Kaisers Sigismund I., Oswald von Wolkenstein. Zu seinen Ehren gibt es alljährlich Ritterspiele
im nahegelegenen Kastelruth, an denen
auch Stephan Bramstrahler viele Male teilgenommen hat. Vier mal hintereinander
gewann der Hotelier den „Oswald von
Wolkenstein Ritt“ und kam somit in den
Besitz dieser Standarte. Was sonst!
Durchaus erhaben,
aber nicht abgehoben
Es ist ein Erlebnis, dieses Hotel Turm. Ein
erhabenes, aber kein abgehobenes. Dies
MODERN UND EXTRAVAGANT
Kunstwerke und
Designerstücke
überall im Haus
(großes Foto) und
in jedem Zimmer
wie in der Oswald
von Wolkenstein
Lounge (l.) setzen
dem Hotel ein
modernes und extravagantes
i-Tüpfelchen auf.
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
beginnt schon an der Pforte, wo man sich
durch die liebevolle und offene Art des
Rezeptionspersonals willkommen geheißen und von der außergewähnlichen Athmosphäre schnell in den Bann gezogen
fühlt. Liebevoll restaurierte Gemäuer, Statuen, die hier und da die Blicke auf sich
ziehen, gemütliche Sitzgruppen und wunderschöne Gärten umgeben von Rosen
machen das Bild perfekt.
Die Zimmer dieses speziellen Ortes
sind kleine Oasen und die außergewöhnlichen Suiten lassen den Alltag vergessen.
Auch hier wurde überall die Vision des Eigentümers konsequent durchgesetzt. Die
fachgerecht restaurierten Stücke, wie alte
Bauernschränke oder Holztruhen, bieten
Platz für Garderobe und die mit modernster Technik optisch perfekt eingepassten
Bäder und Duschen lassen keine Wünsche
offen. „Jede unserer Suiten hat einen ganz
eigenen Charakter und wir bemühen uns,
den Gästen das Zimmer oder die Suite anzubieten, die zu ihnen passt“, erklärt Sofia.
Ob kuschelig, sehr modern oder eher tirolerisch traditionell, für jeden Geschmack
ist etwas dabei.
Wer die Gaumenfreuden zu schätzen
weiß und dazu eine guten Wein liebt, ist
18
REISE
SAMSTAG, 10. JULI 2021
ebenfalls am rechten Platz. Der Chef persönlich kümmert sich um die Küche, weiß
er doch als gelernter Koch, worauf es ankommt. Aus zumeist regionalen Produkten werden von acht Köchen liebevoll abwechslungsreiche Gerichten gezaubert.
Nicht umsonst hat die Haubenküche des
Turm Hotel 14 Punkte (Hauben) im Gault
Millau und 3 Löffel im Aral Führer. Selbst
das Frühstücksbuffet bietet schon alles,
was das Herz begehrt, und man genießt
auf der Terrasse den Beginn des Tages liebevoll umsorgt von dem freundlichen
und kompetenten Personal, das immer ein
offenes Ohr hat und für deutsche Verhältnisse seltsam aktiv das Gespräch sucht. An
dieser Stelle können die Südtiroler ihre
italienische Heimat nicht verleugnen.
- ADVERTORIAL -
Highlights
Außergewöhnlich,
aber bodenständig
Den Halbpensionsgast erwartet abends
ein täglich wechselndes Menü mit außergewöhnlichen, aber dennoch immer bodenständigen Gerichten, die liebevoll angerichtet und serviert das Herz höherschlagen lassen. Eingerahmt wird das
wundervolle Essen durch die Produkte
des eigenen Weingutes Grottner Hof. Dort
können Gäste gerne bei einer Weinprobe
ihren Lieblingswein entdecken und natürlich in zwei exklusiven Suiten die Prozedur der Wahl verdauen.
Die Weine sind nach Vögeln, die dem
tierliebenden Eigentümer am Herzen liegen, benannt und auch hier ist für jeden
etwas dabei. Ob man den Corax (Kolkrabe) einen Blauburgunder, den Bubo
(Uhu) einen Sauvignon blanc, den Pica
(Elster) einen elganten Weißburgunder
oder den Tetrix (Auerhahn) einen Gewürztraminer wählt, jeder dieser Weine
wurde mit Liebe zur Traube und der
Landschaft in der sie wächst, gekeltert. Natürlich dürfen die entsprechenden selbstgemachten Schnäpse unter anderem ein
wundervoller Grappa nicht fehlen. Ein
Stöffchen, das gerne die Heimreise der auf
den geschmack Gekommenen mit antritt.
Wandern, Ski fahren,
Sport und Wellness
Wer von den Gästen des Hotels Turm gerade nicht wandert, Ski auf der prächtigen
Seiser Alm fährt oder die Umgebung erforscht, der verbringt den Tag mit Sport
oder Wellness im Hotel. Ein Fitnessraum
mit hochwertigen Geräten steht ebenso
zur Verfügung wie eine Indoor-Kletterwand mit Selbstsicherungssystem. Die
Kletterwand ist eine neun Meter hohe Naturfelsenwand und damit europaweit einzigartig. Wer danach entspannen möchte,
dem stehen Saunen, ein Dampfbad oder
diverse Wellness- und Beautyanwendungen zur Verfügung. Ein Tipp: Saunaliebhaber kommen bei Aufgussmeisterin Johanna Kombadscher voll auf ihre Kosten,
denn zu jedem der speziellen Aufgüsse
weiß sie eine Geschichte zu erzählen. Eine
Besonderheit ist die Weintrestenbehandlung. Aus den Überresten der Trauben
(Weintrester) wird ein einzigartiges Peeling hergestellt, mit dem der Gast liebevoll
eingerieben wird. Das Ergebnis: Viele Inhaltsstoffe unter anderem die Fruchtsäure
sorgen dafür, dass abgestorbene Hautschuppen gelöst werden, und die Haut
sich anschließen samtweich anfühlt. Wäh-
19
rend das Peeling einwirkt und der Gast gemütlich auf einem gewärmten Felsentisch
liegt, gibt es eine Gesichtsmassage mit
Traubenkernöl. Danach geht es mit einem
Glas Wein in die gemütliche Badewanne
zum Entspannen. Und als krönender Abschluss folgt eine Ganzkörper-Massage
mit Traubenkernöl. Man fühlt sich wie
neugeboren. Natürlich darf im Turm auch
das traditionelle Heubad nicht fehlen, das
einst in Völs am Schlern seine Premiere erlebte. Zudem lädt die in den Felsen gehauene Salzgrotte mit Wassergeplätscher
und Vogelgezwitscher auf schwimmenden Ruhe-inseln im Salzsee zur sanften
Wärmekur. Und wer nach diversen Saunagängen und Anwendungen die längst erreichte Entspannung abrunden möchte,
kann mit Aussicht auf die Berge am Blackpool liegen und Sonne tanken oder es sich
im Whirlpool gutgehen lassen.
AUF DEN VOGEL
GEKOMMEN
Eulenterrasse, Eulensuite,
Vogel-Skulpturen und Statuen
im Haus sowie die Namen der
Weine: Pica, Bubo, Tetrix, Corax
– der Vogel hat dem Turm seinen
Stempel aufgedrückt. Und da
passt es, dass Hausherr,
Küchenchef und sechsfacher
Vater Stephan Bramstrahler
Italienmeister im Drachenfliegen
ist und lange den Rekord im
Langstreckenflug gehalten hat.
Foto: Hotel Turm
Einer der schönsten Golfplätze Nord italiens, der 18-Loch-Golfplatz St. Vigil
Seis, liegt nur 5 Minuten vom Turm
Golfhotel Seiser Alm entfernt (oben).
Ein besonderes Highlight ist das
Signature Hole, das Loch Nr. 15: Es
handelt sich um das Par-3 Loch mit
dem größten Höhenunterschied
Europas! Die Anlage insgesamt über zeugt mit wunderbarer Landschaft,
gepflegtem Ambiente und herrlichem
Dolomiten-Panorama.
Die neun Meter hohe Indoor-Na turfelsenwand mit Selbstsicherungs system (unten) ist in Europa einzigartig. Fotos: St. Vigil Seis (1) Iris
Müller-Braun (1)
Eigene
Cocktailkreationen
Nach einem wundervollen Tag, der Köper,
Seele und Geist rundum wohlgetan hat,
sorgt eines der Urgesteine des Hotels, Barmann Lorenzo Costa, mit eigenen Cocktailkreationen und seinem vielfältigen
Wissen über ausgefallen Spirituosen für
den gemütlichen Abschluss. So viel ist sicher: Wer sich am letzten Tag seines Aufenthalts im Turm die exklusive Melange
aus Entspannung, Wellness, exquisiter Küche, Kunst und Natur etwa bei einem vielgängigen Degustationsmenü – dem gekonnten Paso Double zwischen Küchenmeister und Winzer – den Blick vom Rosengärtchen aus auf die hier 2500 Meter
emporragenden
Dolomiten-Ausläufer
gönnt, der steigt am nächsten Morgen gelassen die knapp 1000 Meter hinunter in
die irdische Welt.
Iris Müller-Braun
RUNDUM
WOHLFÜHLEN
Ob im Innen- oder im
Außenbereich – viele
Kleinigkeiten und ein
Team von 45 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
sorgt für den Wohlfühlfaktor. Fotos: Hotel Turm
(3) , Müller-Braun (1)
Foto: Hotel Turm
Völs am Schlern
Völs am Schlern liegt am Fuße des
Schlern und der Seiser Alm. Urlaub
in Völs am Schlern bietet land schaftliche Abwechslung, von Wein bergen im Tal auf 315 Metern über
Wälder, den Völser Weiher und der
größten Hochalm Europas bis zu
schroffen Dolomitenbergen wie
Schlern, Lang- und Plattkofel mit
über 2500 Metern. Das Turm Ro mantik- & Wellnesshotel liegt mitten drin auf 880 Metern Meereshöhe
und bietet einen facettenreichen
Urlaub. Neben Natur und Aktiverleb nissen findet sich auch ein reiches
Kulturangebot.
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
Übrigens: Völs am Schlern ist für das
Original Völser Heubad bekannt.
Dieses Bad lindert eine Reihe von
körperlichen Schmerzen, insbe sondere Rheuma, und wurde vor
über 100 Jahren zufällig erkannt: Die
Heuer schliefen seinerzeit auf den
Almen stets im Heu. Diese Nacht ruhe erweckte ihre müden Glieder
und vertrieb jeden Schmerz.
Romantik Hotel Turm *****
Kirchplatz 9
39050 Völs am Schlern – Südtirol –
Telefon +39 0471 725 014
E-Mail: info@hotelturm.it.
www.hotelturm.it.
20
REISE
SAMSTAG, 10. JULI 2021
Rettungsflieger
kennen keine Staus.
Unterstützen Sie die DRF Luftrettung.
Werden Sie Fördermitglied.
Info-Telefon 0711 7007-2211
www.drf-luftrettung.de
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
21
REISE
SAMSTAG, 10. JULI 2021
Wohin reist der Autor für seine
kreative Auszeit?
D
ie heiße Sonne Andalusiens, ein Schweigekloster,
Yoga am Morgen: endlich
Ruhe! Seit geraumer Zeit
ist der Puls von Leo Renz,
Schriftsteller mit chilenischer Mutter und deutschem Vater, zu
hoch. So freut er sich auf eine kreative
Auszeit in Santa María de Bonval, dessen „mächtige Klostermauern unter ihrem eigenen Gewicht in den Boden gesunken und es dabei bauchig geworden
war“. Nicht nur soll sich hier sein Puls
beruhigen, sondern auch der neue Roman soll voranschreiten. Ein Kreativitätsschub ist dringend nötig. Und da
Leo Renz seine
Protagonistin vor
der Mafia in ein
Kloster
fliehen
lässt, kommt die
Vor-Ort-Recherche
genau zur richtigen Zeit.
Doch die hehren
Pläne von gepflegter Langeweile und
Schreibrausch werden schon am ersten
Abend durchkreuzt.
Kaum sitzt er im Zitronengarten,
wo
sich Eidechsen und
Käfer in der Abenddämmerung ein letztes Stelldichein ge-
DAS LITERARISCHE REISERÄTSEL
ben, die Zikaden endlich schweigen
und die Düfte von Rosmarin, Pinienharz und Thymian die Luft schwängern, schon tritt Señor Herrera auf. Der
Koch und einzige Angestellte des Klosters in Hornachuelos hat nicht nur das
Talent, aus vielen Aromen und Fisch etwas völlig Geschmacksneutrales zu zaubern, sondern ist auch ein aufmerksamer Beobachter. Und so
überrascht er den Schriftsteller mit dem Verdacht,
dass mit der jungen
Nonne Ana Maria etwas
nicht stimme. Die Spekulation schlägt Purzelbäume und von einer Sekunde auf die nächste
sieht sich Leo Renz mit
seinem eigenen Romankonzept konfrontiert –
eben mit einer Nonne,
die sich in einem Kloster versteckt.
Bestseller-Autor Linus Reichlin, mit zahlreichen Krimipreisen
ausgezeichnet, legt mit
„Señor Herreras blühende Intuition“ kei-
nen neuen Krimi im eigentlichen Sinne
vor. Natürlich ist die blonde Nonne
ebenso mysteriös wie die vielen anderen Zufälle: der Taxifahrer, der auch mit
Pistolen umgehen kann, der zweite
Klostergast, eine Frau aus Deutschland
mit demselben Namen wie Renz’ Ehefrau und nicht zuletzt Señor Herrera,
ehemaliger Matador, dessen Fantasie
die beiden Männer bald in wildeste Gedankenspiele und haarsträubende Situationen stürzt.
Der Reiz dieses aberwitzigen, vor kuriosen Einfällen und philosophischen
Anwandlungen strotzenden Romans
liegt bei aller fast kammerspielartigen
Dichte in seiner Ambivalenz zwischen
Wahrheit und Fiktion. Was stimmt? Was
nicht? Was entspringt der Fantasie eines
Erzählers, des Protagonisten Leo Renz
oder der Einbildungskraft eines Señor
Herrera? Oder sind die Leser schon
längst in dem eigentlichen Roman des
Romans verstrickt? Wer sich auf dieses
grandiose und intelligente Vexierspiel
einlässt, läuft nicht nur Gefahr, mehr als
einmal laut aufzulachen, sondern auch
sofort seine Koffer zu packen und nach
Andalusien abzureisen.
Barbara Hoppe
Frage: In welcher spanischen Provinz
liegt das fiktive Kloster, in das sich
der Autor für seine kreative Auszeit
zurückzieht?
VERLOSUNG
So geht’s
Schicken Sie Ihre Lösung bis
13. Juli an Raufeld Medien,
Kennwort: Reiserätsel,
Paul-Lincke-Ufer 42/43, 10999 Berlin
oder per E-Mail an
reiseraetsel@raufeld.de.
Wir verlosen
Unter allen richtigen Einsendungen verlosen
wir gemeinsam mit dem Buchverlag den im
Rätsel beschriebenen Roman „Señor
Herreras blühende Intuition“ von Linus
Reichlin, Galiani Verlag, 272 Seiten, 20 Euro.
Auflösung der vorletzten Woche
Der Name bedeutet übersetzt heißer See.
Gewinner der vorletzten Woche
Hannelore Mücke-Bertram aus Hannover.
Mit der Teilnahme an diesem Gewinnspiel
sind Sie im Gewinnfall mit der Veröffentlichung Ihres Namens einverstanden.
Anzeigen-Sonderveröffentlichung
10. Juli 2021
Kreativzeit im Museum Angewandte Kunst
E
inmal zum Profi-Fotograf
werden oder in die Rolle
eines Innenarchitekten schlüpfen? In diesem Sommer kein
Problem! Das Ferienprogramm
des Museums Angewandte
Kunst lädt Kinder und Jugendliche im Alter von 7 bis 16 Jahren ein, die Sommerferien kreativ zu erleben. In drei Workshops beschäftigen sich die Teilnehmer mit den aktuellen
Wechselausstellungen des Museums. Unter Einhaltung der
Abstands- und Hygieneregeln
können sie ihre Kreativität individuell erforschen. In der Ideenwerkstatt „Wege zu nachhaltigem Design“ (20./21. Juli und
24./25. August) werden die Teilnehmer anhand der Ausstellung
„Dieter Rams. Ein Blick zurück
und voraus“ selbst zu Gestaltern. Sie lernen, wie Designer
denken und entwerfen, und fragen sich: was sind die Bedürfnisse von Menschen heute und
in der Zukunft? Wie designen
wir nachhaltige und zeitlose Geräte? Es werden Ideen gesammelt, Moodboards erstellt und
Entwürfe gezeichnet. DesignAnfänger
ausdrücklich
erwünscht!
Wie sieht der Wohnraum der
Zukunft aus? Große, helle Räume mit viel Technik oder ein Indoor-Dschungel für bessere
Luft? In der Zukunftswerkstatt
(3./4. bzw. 11./12. August) werden Kinder und Jugendliche zu
Innenarchitekten.
Kreativ sein und die Zukunft gestalten können Kinder hier in den Ferien.
Foto: Museum Angewandte Kunst
In der Fotografiewerkstatt
„Siehst du, was ich sehe?“ (18.
bis 20. August) stellt sich in Bezug auf RAY 2021 die Frage: In
was für einer Welt leben wir eigentlich? Wie beeinflussen Bilder unsere Weltanschauung?
Für die Teilnahme ist eine
Anmeldung erforderlich: unter
Telefon (0 69) 212 38 52 2
oder
per
E-Mail
an
create.angewandte-kunst@
stadt-frankfurt.de
wie los ins
Dann nichts Sauerland!
r
ge
er
Schmallenb
FERIENTIPPS
Anzeigen-Sonderveröffentlichung der
RheinMainMedia GmbH
Content & Design
Urlaub direkt an der Mosel
Schwimmbad & Sauna Lift
Zugang barrierefrei
Fam. gef. Hotel bei Bernkastel,
herrl. Moselterrasse, Liegewiese
Wandern · Radeln · Relaxen
Sparpreis ab:
2x HP 155,- €
5x HP 349,- €
www.hotel-winzerverein.de · T. 0 65 32 / 23 2
21
HBG Scheer GmbH & Co. KG · Burgstr. 7 · 54492 Zeltingen
SOMMERFRISCHE
5 Nächte im Komfort-DZ
ab 615* € gültig vom 11.07.-03.09.2021
Hotel Kleine Strandburg
MST Hotel GmbH · Dünenstr. 11
17454 Zinnowitz · 038377 38 000
info@kleine-strandburg.de
www.kleine-strandburg.de
*Preis p.P. im DZ Südseite inklusive:
· Frühstücksbuffet, Genießer-Halbpension
· 1 Aloe-Vera-Packung u. 1 Rückenmassage
· Nutzung des Spa- und Saunabereiches
& des örtlichen Thermalbades
· Verlängerung laut Preisliste möglich
· WLAN u.v.m.
5 Nächte
ab € 580,- pro Person/DZ
Erholen und entspannen Sie im
familiengeführten Wellness- &
Wohlfühlhotel im Lahntal.
(EZ ab 635,- €)
inkl. Frühstück, Verwöhn-HP,
1x wohltuende Verwöhnmassage,
tägliche Nutzung des Thermalbades und der exklusiven Saunalandschaft „Kaisergarten”.
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
Tel. 0 26 03 / 7 99-0
www.haeckers-grandhotel.com
Walter Häcker GmbH
Römerstraße 1-3 · 56130 Bad Ems
22
REISE
SAMSTAG, 10. JULI 2021
Elton John – Farewell Yellow Brick Road Tour: The Final Tour
- ANZEIGE -
Zum Abschied nach Frankfurt
E
lton John hat die letzten
Termine für seine preisgekrönte Elton John Farewell Yellow Brick
Road: The Final Tour in Groß-
ti
Gas n de
© #visitfrankfurt, David Vasicek
ain
dt
Sta
he n
n v e rwirklic
r 3 0 Jahre
e
b
ü
t
ei
S
sträume!
,
wir Urlaub
ilie ng eführt
ndisch, fam
tä
ls
te
it
M
ntiert
en
kundenorie
Kostenfreies RMV-KombiTicket
unse re Reis
Sie uns und elt -neuhof.de
n
e
rn
e
L
inklusive!
ww.reisew
ke nne n: w
M
Fra
n kfu r t a m
ALLE Reisen ab/
bis Frankfurt!
ZILLERTAL
ab
95 €
für 2
ne n
Perso
Z
D
im
23. – 25. Juli 2021
nend am 27. Mai 2022 im Deutsche Bank Park Frankfurt und
am 29. Mai in der Red Bull
Arena Leipzig. Das große Finale
der Tour wird anschließend in
VERSCHIEDENE REISEZIELE
igenen
re
#visitfrankfurt
britannien, Europa und Nordamerika bekanntgegeben und
Frankfurt jubelt: Elton wird
seine weltberühmte Tournee in
großen Stadien beenden, begin-
Uhr
07., 19 e
.
5
0
b
ra
us.d
Buchba k fur t-tourism
fran
w w w.
ng
rnachtu
nreiseta
+ Üb e
h am A e
c
u
a
,
k
stüc
2 Tag
+ Früh
ard für
kfurt C
n
en
a
g
r
n
F
+
tigu
ergüns
inkl. V
100%
g
Code: BU0574
Fahrt im modernen Fernreisebus, 7x Ü/HP im HOTEL
TIPOTSCH in Stumm, Bier, Wein und Säfte während
des Abendessens, Stadtbummel Kufstein, Ausflüge
nach Hohe Tauern mit Gerlos-Pass und Krimml, Zillertal mit Mayrhofen und Tuxertal, Besuch einer Heumilch-Sennerei, Innsbruck, Berg Isel, Wildschönau
uvm., reisewelt-Reiseleitung von Anfang an
18.08. – 25.08.2021*
09.10. – 16.10.2021 (8 Tage)
Saisonzuschlag: * + € 30,- p. P.
SCHWEIZ – MIT SCHIFF UND BAHN
Code: BU0556
Europa in großen Städten wie
Mailand und Paris Halt machen,
bevor es im Juni zu Shows in
Norwich, Liverpool, Sunderland, Bristol und Swansea
kommt. Die Frankfurt- und natürlich auch die Leipzig-Show
wird jeweils die letzte sein, die
Elton dort auf Tournee spielen
wird. Danach geht es über den
Großen Teich.
Tickets für die beiden Konzerte in Frankfurt sowie Leipzig
gibt es an allen autorisierten Vorverkaufsstellen.
Vor dem Stadionlauf wird Elton diesen Herbst in Europa ab
1. September auf die Bühne zurückkehren, mit jeweils drei
Konzerten in der Mercedes Benz
Arena in Berlin, der LanxessArena in Köln und der Barclay
Card Arena Hamburg sowie weiteren Konzerten in München
und Mannheim und weiteren
Stationen in Europa und England, um dann am 19. Januar
2022 im Smoothie King Center
in New Orleans nach Nordamerika zu kommen.
Alle bereits angekündigten
Arena-Termine gibt es unter
www.EltonJohn.com/Tours.
Fahrt im modernen Fernreisebus, 4x Ü/HP im HOTEL
CITY in Brunnen, Schiffsrundfahrt auf dem Vierwaldstättersee mit Panoramayacht, Stadtbummel
Luzern und Interlaken, Besuch des Victorinox Taschenmesser–Museums, Bahnfahrt mit dem LuzernInterlaken-Express, reisewelt-Reiseleitung durch
Birgit Matz oder Bettina Masché von Anfang an
Entdecke Frankfurt!
20.08. – 24.08.2021*
22.04. – 26.04.2022 (5 Tage)
www.frankfurt-tourismus.de
Saisonzuschlag: * + € 70,- p. P.
FRANKREICH
NORDSEE
St. Tropez, SUPERLASTMINUTE,
Wieder Nordsee? Nähe St. Peter Ording,
freisteh. FH, 3 Schlafzi. gr. Terrassen,
FeWO frei für kurzentschl. Naturhochwert. eingerichtet, Klima, WLAN,
freunde ab 40€, NR, Kind+Hund willgünst. von priv. Tel. 01712144034,
ko., Garten und Grill. Tel: 04862-8052
www.frankreichtraum.de
REISE
93%
+++ PREISSENKUNG! +++
MOSEL
Kurzurlaub bei uns …
Komfort-DZ, histor. Weinstube, neuer Wintergarten, Weinprobe
und Kellerführung, Fahrradverleih, herrl. Radwege!
5 Nächte, 4 x HP (3-Gang-Menue)
ab € 333 p.P.
Weingutshotel „St. Michael“ Inh. Familie Michael Quint
Moselweinstr. 4 · 54487 Wintrich · Tel. 06534 / 233
www.erbhof-st-michael.de · info@erbhof-st-michael.de
NORDRHEINWESTFALEN
KLEINE AUSZEIT - ARRANGEMENT
.
!
Tipp HAMBURG MIT ELBPHILHARMONIE
3 ÜF 275€ EZ 215€ DZ
inkl. Honigmassage p.P.
GmbH, 3 kleine Hotels, neues edles Ambiente, herzlich
familiär geführt, Strand-/Zentrumsnähe, Maybach 1,
7 Tg. ab 389 €, 4 Tg. ab 249 €, inkl. Fr.-Buffet.
ISTANBUL
Prospekt, 0 46 51 / 2 30 23
Zeitunglesen heißt
informiert sein
Fahrt im modernen Fernreisebus, 2x Ü/F im zentralen
5-Sterne HAMBURG MARRIOTT HOTEL, Spaziergang
Hafencity & Speicherstadt, Abendbummel um die Alster
mit der Reiseleitung, Stadtrundfahrt, Ticket PK1 für das
Konzert „CHAMBER ORCHESTRA OF EUROPE / JANINE
JANSEN“ in der Elbphilharmonie, Hafenrundfahrt auf
einer Barkasse, KTT (Kultur- und Tourismustaxe der Stadt
Hamburg), reisewelt-Reiseleitung durch Bernd Vogler von
Anfang an
26.08. – 28.08.2021 (3 Tage)
SYLT
25980
www. Sylt-Hotelperlen.de
Code: BU1655
100%
Code: FL9495
Flug mit renommierter Fluggesellschaft von Frankfurt
nach Istanbul und zurück, 4x Ü/F im 5-Sterne-Hotel
HYATT REGENCY ISTANBUL ATAKOY in idealer Lage direkt am Meer, luxuriöse Zimmer mit allem Komfort, 1x
Welcome-Dinner, 1x orientalisches Mittagessen, sämtliche Ausflüge und hochwertiges Besichtigungsprogramm inkl., örtliche, deutschsprachige Reiseleitung
16.09. – 20.09.2021*
07.10. – 11.10.2021
14.10. – 18.10.2021 (5 Tage)
02943/9700100
Saisonzuschlag: * + € 30,- p. P.
BRANDENBURGS NORDEN – RADREISE
Die perfekte Reise für
Einsteiger und E-Bike-Fahrer!
Code: BU1470
Fahrt im modernen Fernreisebus, Radtransport
im hochmodernen Fahrradanhänger, 4x Ü/HP im
AHORN SEEHOTEL TEMPLIN direkt am Lübbesee, 3x
Lunchpaket für unterwegs, Nutzung des Hotel-Innenpools und des Fitnessraums, Stadtbummel Templin,
Radprogramm mit drei herrlichen Radtouren, Begleitung durch professionellen Radmechaniker, reisewelt-Reiseleitung von Anfang an
28.08. – 01.09.2021*
06.06. – 10.06.2022 (5 Tage)
Saisonzuschlag: * + € 20,- p. P.
POLNISCHE OSTSEEKÜSTE – KURREISE
Weitere Kurreisen auf
www.kur-gesund.dee
Fahrt im modernen Fernreisebus inklusive Haustürabholung und Kofferservice, 14x Ü/VP im 3-Sterne
HOTEL IKAR CENTRUM an der Strandpromenade in
Kolberg, 20 Kuranwendungen, kostenfreie Nutzung
Schwimmbad, Whirlpool, Fitnessraum und Sauna,
kostenfreies WLAN, örtliche, deutschsprachige Reiseleitung
z. B.
14.08. – 28.08.2021 (15 Tage)
Beste Beratung unter: 06655 9609-0
reisewelt Teiser & Hüter GmbH
Fuldaer Str. 2 | 36119 Neuhof | www.reisewelt-neuhof.de
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag: 9 – 18 Uhr • Samstag: 9 – 12 Uhr
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
Fotos: Rocket Entertainment –
Ben Gibson
Elton John ist einer der meistverkauften Solokünstler aller Zeiten, mit 1 Diamant-, 38 Platinoder Multi-Platin- und 26 GoldAlben, über 50 Top-40-Hits und
er hat weltweit mehr als 300 Millionen Platten verkauft. Er hält
den Rekord für die meistverkaufte Single aller Zeiten,
„Candle in the Wind 1997’“ die
über 33 Millionen Mal verkauft
wurde.
„Diamonds“, das ultimative
Greatest Hits-Album, erreichte
bei seiner Veröffentlichung im
November des Jahres 2017 die
Top 5 der UK-Albumcharts und
wurde damit Eltons 40. UK Top
40-Album. Diese Veröffentlichung feierte 50 Jahre seiner
Songwriting-Partnerschaft mit
Bernie Taupin. Im August 2018
wurde Elton zum erfolgreichsten männlichen Solokünstler in
der Geschichte der Billboard
Hot 100 Charts ernannt, mit 67
Einträgen, darunter neun Nr. 1s
und 27 Top 10s.
Im Januar 2018 kündigte Elton die Farewell Yellow Brick
Road Tour in der New Yorker
Gotham Hall an.
Diese dreijährige Tour, die 5
Kontinente und über 350 Termine umfasst, begann im September 2018 und markiert seinen Rücktritt vom Tourleben
nach mehr als 50 Jahren auf
Tournee.
REISE
SAMSTAG, 10. JULI 2021
„Sieben Tage – Sieben Touren“
23
- ADVERTORIAL -
Sommerprogramm des Naturpark Taunus mit abwechslungsreichen Wanderungen
E
s sind nur noch wenige Tage, bis die
lang ersehnten Sommerferien nach einem außergewöhnlichen Jahr endlich
beginnen. Dann heißt es wieder, die Seele baumeln lassen,
im kühlen Nass planschen,
Ausflüge in die Umgebung unternehmen und die wunderschöne
Mittelgebirgslandschaft des Taunus direkt vor
der Haustüre genießen.
Geführte
Wanderungen
Das geht in diesem Jahr besonders gut bei einer der geführten Wanderungen oder Radtouren, die der Naturpark Taunus sechs Wochen lang täglich
anbietet. Bereits im vergangenen Jahr stießen die Führungen auf begeisterte Resonanz.
Das vielfältige Angebot bietet
verschiedene Schwierigkeitsstufen und lässt die Teilnehmer auch unbekanntere Ecken
des Taunus entdecken.
Die erste Führung findet am
Sonntag, 18. Juli, statt. Einen
Überblick über alle Führungen gibt es im Internet unter
www.naturpark-taunus.de.
Eine Anmeldung ist für alle
Führungen erforderlich. Als
Vorgeschmack auf das umfangreiche Programm finden Sie
hier ein paar Highlights:
Geologische Vielfalt
um Eppstein
Unterwegs auf unmarkierten
Wegen und entlang verschiedener
Gesteinsformationen
mit Aussicht über Bremthal
geht es bei der Rundwanderung am Freitag, 23. Juli,
11 Uhr. Ziel ist der Rossert mit
einem tollen Blick auf die östlichen Vororte von Wiesbaden –
gute Sicht vorausgesetzt. Von
dort geht es in einem Bogen
wieder zurück zum Ausgangspunkt. Treffpunkt ist am Parkplatz „Auf dem Wingertsberg“/Ecke
Friedrich-EbertStraße in Eppstein. Die für Er-
wachsene geeignete, schwere
Wanderung dauert etwa vier
Stunden, erfordert Trittfestigkeit sowie festes Schuhwerk
und kostet 7 Euro.
Anmeldung unter
www.naturpark-taunus.de.
Waldspaziergang mit
einer Försterin
Am Freitag, 30. Juli, sowie am
Mittwoch, 11. August, jeweils
um 9 Uhr startet eine Naturpark-Wanderung mit Försterin
Carolin Pfaff. Unter ihrer fachkundigen Leitung erfahren
Kinder und Erwachsene mehr
über den Reichtum und die
Vielfalt der heimischen Wälder. Dabei wird auch der Frage
nachgegangen, wie es dem
Wald zur Zeit geht, welche Risiken das birgt und welche
Chancen sich daraus ergeben.
Treffpunkt ist jeweils am Taunus-Informationszentrum, Hohemarkstraße 192 in Oberursel. Die für Familien geeignete,
leichte Wanderung dauert
etwa 3 Stunden und kostet 7
Euro, für Kinder zwischen
sechs und 14 Jahren 5 Euro.
Anmeldung unter
www.naturpark-taunus.de.
Gewässererkundungstour
„Was lebt im Urselbach?“
Egal, ob ein Bach langsam oder
schnell fließt, kaltes oder warmes Wasser führt, breit oder
eher schmal ist – es gibt viel
Spannendes zu entdecken: herumschwirrende Libellen, Frösche oder eine Wasseramsel.
Unscheinbarer sind die kleinsten Lebewesen, wie etwa Larven der Köcherfliegen. Alle
Tiere und Tierchen gilt es bei
dieser Rundwanderung am
Dienstag, 3. August, um 10
Uhr zu erkunden. Treffpunkt
ist am Taunus-Informationszentrum, Hohemarkstraße 192
in Oberursel. Die für Familien
geeignete, leichte Wanderung
dauert etwa 3 Stunden und
kostet 7 Euro, für Kinder zwischen sechs und 14 Jahren 5
Euro.
Anmeldung
unter
www.naturpark-taunus.de.
Mit der Taschenlampe
unterwegs
Wenn der Abend hereinbricht
und das Abendrot die Nacht
ankündigt, beginnt am Freitag, 13. August, um 20.30 Uhr
Foto: HA Hessen Agentur/Roman Knie
die Taschenlampentour für unerschrockene kleine und große
Wanderer. Im Licht der Dämmerung entsteht im Wald eine
ganz besondere Atmosphäre.
Treffpunkt ist die Altkönigstraße (von der Hohemark aus,
beim Abzweig „An der Waldlust“, dem Schild „Oberurseler
Forsthaus“ folgen, links abbiegen, dort befinden sich zehn
Parkplätze noch vor dem
Schild Durchfahrt verboten).
Die für Familien geeignete,
leichte Wanderung dauert
etwa drei Stunden und kostet
7 Euro, für Kinder zwischen
sechs und 14 Jahren 5 Euro.
Anmeldung unter
www.naturpark-taunus.de.
Besuch bei der Falknerei auf
dem Großen Feldberg
Der Falkenhof Großer Feldberg ist die älteste und zugleich auch höchstgelegene
Falknerei Hessens. Rund 30
verschiedene Vogelarten – Falken, Bussarde, Adler, Eulen,
Dohlen, Lachende Hänse – fast
zum Greifen nah (oder besser
nicht!). Zu den Vögeln gesellen
sich auch verschiedene Reptilien und lebhafte Frettchen –
wenn sie mal wach sind. Falkner Christian Wick erklärt am
Dienstag, 17. August, um
10 Uhr das Leben der Greifvögel, deren Verhalten und ihre
Lebensräume. Auch über die
Jagd mit dem Greifvogel (Beizjagd) – inzwischen Weltkultur-
erbe – kann der Falkner viel erzählen. Treffpunkt ist direkt an
der Falknerei am Großen Feldberg. Der für Familien geeignete Ausflug dauert etwa 1,5
Stunden und kostet 11 Euro,
für Kinder zwischen sechs und
14 Jahren 5 Euro.
Anmeldung unter
www.naturpark-taunus.de.
Rundgang durch
die Stadt der Kelten
Auf den beiden Erhebungen
links und rechts des Urselbachs finden sich die Überreste des Heidetränk-Oppidums, der ersten Großstadt im
Rhein-Main-Gebiet. Bei der
Führung durch die Überreste
der Anlage gibt es Einblicke in
die Kultur und Techniken der
Kelten, die die Eisenzeit prägten und vielleicht auch erst ermöglichten. Die mittelschwere
Führung am Dienstag, 24. August, 17 Uhr ist für Kinder ab
zehn Jahren und Erwachsene
geeignet. Treffpunkt ist am
Taunus-Informationszentrum,
Hohemarkstraße 192, in Oberursel. Dauer: etwa drei Stunden. Kosten: 7 Euro, für Kinder
bis 14 Jahre 5 Euro.
Anmeldung unter
www.naturpark-taunus.de.
men sehen können, sind nur
ein Teil des Lebewesens Pilz,
welcher der Vermehrung
dient. Die geheimnisvollen Lebewesen können schmackhafte Delikatessen, aber auch
hochgiftige Todesbringer sein.
Brunhilde Noll, selbst Inhaberin einer Pilzfarm, bringt den
Teilnehmern der Wanderung
am Mittwoch, 25. August, um
10 Uhr die Pilzwelt näher.
Bitte einen Korb, wetterfeste
Kleidung und Messer mitbringen. Treffpunkt ist der Parkplatz am Hirschgarten, Bad
Homburg-Dornholzhausen.
Die für Familien geeignete,
leichte Wanderung dauert
etwa drei Stunden und kostet
10 Euro, für Kinder bis sechs
Jahre kostenlos.
Anmeldung unter
www.naturpark-taunus.de.
Pilzwanderung
Pilze nehmen im Ökosystem
eine besondere Rolle ein. Die
Teile des Pilzes, die wir in verschiedenen Farben und For-
Foto: Christina Marx
Auf einen Blick
Foto: Naturpark Taunus
Tipp 1: Im Taunus gibt es gleich
zwei Naturparks. Neben dem
Naturpark Taunus bietet auch
der Naturpark Rhein-Taunus ge führte Wanderungen mit zertifizierten Natur- und Landschafts führern und -führerinnen an,
u.a. Fledermauswanderungen,
Vollmondexkursionen und Rö mer-Führungen durch die histo risch-gewandeten Limes-Cice rone der Zugmantel Cohorte.
Informationen und Anmeldung
im Veranstaltungskalender un ter www.naturpark-rhein-tau nus.de.
Tipp 2: Wer den Taunus lieber
auf eigene Faust erwandern,
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
aber nicht immer die gleichen
Wege gehen oder fahren
möchte, findet zahlreiche Tou renvorschläge in den neu er schienenen Broschüren zu den
Themen Wandern und Radfah ren, die beim Taunus-Informati onszentrum bestellt oder an
vielen Auslagestellen mitge nommen werden können.
Tipp 3: Eine Wanderung ohne
Einkehr ist nur ein halbes Erleb nis. Zahlreiche Ausflugslokale
und Einkehrmöglichkeiten ent lang der Wanderwege haben
wieder geöffnet.
Eine Übersicht gibt es unter
www.taunus.info/regionales.
TIPPS
SAMSTAG, 10. JULI 2021
TERMINE
Kleingolf am
Schlößchen
im Kurpark
Von unserem Leser
Jürgen Viebahn
aus Kelkheim
Seit über fünf Jahren herrscht
Bürgerkrieg im Jemen. In Wirk lichkeit handelt es sich dabei
um einen Stellvertreterkrieg
zwischen dem Iran (schiitisch)
und Saudi-Arabien (sunnitisch)
und damit auch um einen
islaminternen Glaubenskrieg.
Die Medien berichten ausführ -
Foto: Stadt Bad Soden
Kultiges Gartenfest
Was wochenlang unklar
war, ist jetzt verhandelt.
Das Gartenfest „La Villa
Cotta“ im Schlosspark
Laubach, das über die
Grenzen Hessens hinaus
beliebt und seit 19
Jahren Kult ist, darf vom
23. bis zum 25. Juli stattfinden. Es wird eines der
ersten Gartenfeste in
Hessen sein, das seit
letztem Jahr auf Grund
der Pandemie unter Auf lagen wieder stattfinden
kann. Mund- und Nasen schutz sind auf dem
Markt nur in bestimmten
Bereichen, wie am Ein gang, in Pagoden, den
Sanitäranlagen oder
aber in Bereichen, in
denen Abstände nicht
eingehalten werden
können, notwendig. Eine
Testpflicht besteht nicht.
Alle Hygienemaßnahmen
und -regeln müssen
selbstverständlich einge halten werden. Im weit läufigen Park kann man
lich über die humanitäre
Katastrophe für die Zivilbevölkerung als Folge.
Das war früher einmal anders.
Anfang der 90er Jahre war ich
mehrfach beruflich in diesem
Land, das damals noch als
touristisches Reiseziel mit
kulturellem Hintergrund und
mit „Abenteuerpotential“ galt.
Der Teilabschnitt einer Reise
1992 bestand aus einer
4stündigen Taxifahrt von Al
Hudaidah am Roten Meer nach
Taizz im südlichen Teil des
Landes mit einem Kat kau enden Fahrer am Steuer. Aus
Neugierde besuchte ich vor
Ort an einem Abend den
Souq, in dessen Menschen gewimmel ich „gefühlt“ der
einzige Europäer war. Auf
und unter dem Tisch eines
Händlers mit Waren aller Art
angelte ich mit dem Fuß
diesen Kanjar hervor. Griff
und Scheide in Silber gear beitete Handarbeit. Dieses
Schmuckstück erstand ich
endlich nach langem, tra ditionellen Handeln. Heute
ziert er bei uns zu Hause eine
Vitrine.
jedoch ganz entspannt
an den Ständen entlang schlendern und wieder
Schönes fürs Auge oder
Gaumenschmaus ge nießen.
Am Freitag, 23. Juli, ab
12 Uhr wird der idyllische Schlosspark Lau bach nun wieder auf blühen und lädt ein zum
Bummeln und Lust wandeln mit einem
großen Pflanzenmarkt,
allem für den Wohnraum
im Grünen, Accessoires
für drinnen und draußen,
Mode und Lifestyle,
Feinkost sowie Delika tessen. Qualitativ hoch wertig, schön, erlesen,
extravagant, genussvoll
und zauberhaft; das sind
die Prädikate des großen
Angebotes, das es zu
entdecken gibt.
Tickets, die die Warte zeit an der Kasse mi nimieren, erhält man in
Kürze als Online-Ticket
auf der Homepage unter
www.ahaevents.de,
aber auch an den
Tageskassen.
Foto: ahaevents
Die 18 Bahnen auf der Minigolfanlage
im Alten Kurpark von Bad Soden an
der Kronberger Straße sind verlegt,
der frische Rasen sprießt. Dement sprechend herrscht große Freude bei
allen Freizeitsportlern und Hobby spielern, die Saison konnte endlich
beginnen. Freigegeben wurden die
Bahnen am vergangenen Samstag.
Seitdem darf auf dem „Kleingolfplatz
im Schlößchenpark“, der im Oktober
1958 eröffnet wurde, gespielt werden.
Und damit auf der zweitältesten
Anlage ihrer Art in Deutschland.
Gebaut wurde er von städtischen Mit arbeitern. Schnell war er auch über
Bad Sodens Grenzen hinaus beliebt.
Bereits zu Himmelfahrt 1959 konnte
der 5000 Spieler begrüßt werden, und
in der ganzen Saison 1962 wurden
18 250 spielende Gäste gezählt. Das
70-jährige Bestehen der Anlage vor
drei Jahren wurde gebührend gefeiert.
Aber die Notwendigkeit einer Er neuerung war nicht mehr zu über sehen. Das gesamte Ensemble be grüßt die Besucher jetzt nach der
280 000 Euro teuren Sanierung wieder
als freundliche grüne Lichtung mit
einzelnen Schatten spendenden
Laubbäumen. Die neuen Minigolf bahnen sind in die frisch angelegte
Rasenfläche eingebettet. Bänke laden
zum Verweilen ein. Der Eingang am
Übergang von der Straße Am Bahnhof
in den Alten Kurpark, wurde direkt in
den Alten Kurpark verlegt. Die Ein trittspreise sind im Vergleich zur
letzten Saison gleich geblieben, Er wachsene zahlen 5 Euro, Kinder unter
zwölf Jahren 3 Euro. Geöffnet ist
täglich von 11 bis 19 Uhr. Pächter
Amadeo Mena hält für seine Gäste
kühle Getränke und kleine Snacks
bereit. Eine Förderung mit 68 000 Euro
aus Mitteln des Kreisinvestitionsfonds
und 15 000 Euro Spendengelder von
Bürgern hat erheblich beigetragen, die
Sanierung möglich zu machen.
Aris Quartett spielt
am Lieblingsort
Am Sonntag, 11. Juli, spielt das
international renommierte
Frankfurter Aris Quartett (Foto)
– Anna Katharina Wildermuth
(Violine), Noémi Zipperling (Violine), Caspar Vinzens (Viola) und
Lukas Sieber (Violoncello) – in
der Festeburgkirche Frankfurt,
„ihrem musikalischen Lieblings ort in Frankfurt“. Das Fest konzert mit dem Aris Quartett
zum 50. Jubiläum der kammer musikalischen Reihe der
Festeburgkonzerte war ur sprünglich für den 8. November
2020 vorgesehen. Konzert karten, die für diesen Termin
erworben wurden, sind auch
am 11. Juli gültig. Einige
Restkarten sind – nach vor heriger Bestellung (Telefon:
(0 69) 53 09 88 94 oder E-Mail:
willkommen@festeburgkon zerte.de) – noch an der Abend kasse erhältlich.
Schönes
Wochenende
Ein Tütchen Mandeln, eine
Runde im Karussell – seit ges tern nachmittag lockt KirmesFlair nach Frankfurt, zumindest
ein bisschen und natürlich
coronokonform. Bis mindestens
Anfang August heißt es im
Rahmen des Frankfurt-Plans zur
Belebung der City: „Sommer in
der Stadt“ – mit Buden und
Karussells an sechs Standorten
in der City (Kaiserplatz, Roß markt, Freßgass, Opernplatz,
Liebfrauenberg, nördliches
Mainufer).
Der Taunus-Tipp
Der Sommer hat im
Taunus Einzug gehalten
und mit ihm auch die Aus sicht auf spannende Ver anstaltungen. Das In fektionsgeschehen hat
sich wieder etwas beru higt und die Kultur- und
Veranstaltungsbranche
hat Konzepte entwickelt,
wie man ohne Sorge
Konzerte, Theater oder
Kino genießen kann. In
unserem Tipp dreht sich
daher dieses Mal alles um
die abwechslungsreichen
kulturellen Angebote,
nach denen wir uns seit
Monaten sehnen.
Den Auftakt liefert Bad
Homburg mit einem coronakonformen Konzept für den
Bad Homburger Sommer
vom 9. bis 31. Juli. So kann
man nach vorheriger An meldung endlich wieder in
der malerischen Kulisse des
Bad Homburger Kurparks
zahlreiche Highlights erleben. Ob Sie bei der Klassiknacht in Weiß der Kammer philharmonie St. Petersburg
lauschen oder beim OpenAir-Kino die Abenteuer eines
kommunistischen Kängurus
miterleben – das Spektrum
an Unterhaltung und Zer streuung ist auch in diesem
Sommer wieder breit ge fächert, so dass für jeden
etwas dabei ist.
Auch Idstein trumpft auf: In
einer Reminiszenz an den
Ursprung des Idstein Jazz Festivals, den legendären
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
Schlosskonzerten, klingt
endlich wieder Musik durch
die Fachwerkstadt. Unter
dem Titel „KulturSommer
im Schlosshof“ finden vom
16. Juli bis 8. August acht
Konzerte mit fantastischen
Musikern in dem einzigartigen Ambiente des Idsteiner
Schlosshofes statt.
Mit sechs musikalischen
Kleinkunstabenden wartet
die Bad Nauheimer
Sommerreihe vom 22. Juli
bis zum 26. August auf. So
kann man in der JugendstilTrinkkuranlage nicht nur die
beeindruckende Architektur,
sondern auch die Musik der
handverlesenen Konzerte an
der Orchestermuschel ge nießen.
Diese und viele weitere Ver anstaltungen finden Sie im
Veranstaltungskalender
unter www.taunus.info.
Beruf und Chance
F RANK FURT ER A LLG E M E I N E Z E I T U NG
NR . 157 · SEIT E C 1
10. JU LI 2021
E
s ist der 29. September 1983. Stanislaw Petrow ist diensthabender Offizier der sowjetischen
Flugstreitkräfte. Das Frühwarnsystem zeigt ihm den Start mehrerer
Raketen der Amerikaner. Petrow verbleiben nur wenigen Minuten, um auf den
vermeintlichen Angriff auf sein Land zu
reagieren. Laut Protokoll muss er einen
Gegenschlag einleiten. Der Oberstleutnant hält inne, überlegt und meldet seinem Vorgesetzten einen Fehlalarm. Es
stellt sich heraus, dass Petrow richtig
liegt. In der Hochphase des Kalten Kriegs
ist die Welt an einer atomaren Katastrophe vorbeigeschlittert – weil ein Mensch
mit Führungsverantwortung die Ruhe
bewahrte.
Durchatmen und reflektieren: Das ist
eine Disziplin, die Spitzenmanager in
existenziellen Krisen beherzigen sollen.
In solchen Situationen erzählt Simone
Kämpfer, Partnerin der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer, ratsuchenden
Vorständen immer wieder von Petrow. Es
sei ein gutes Beispiel, und Manager würden ihr dann im Gespräch immer ganz
genau zuhören, sagt sie. „Klar müssen
Vorstände schnell handeln, aber übereiltes Handeln kann schwerwiegende Folgen haben. Sich einfach nur wenige
Minuten zu nehmen, um nachzudenken,
kann großen Schaden abwenden. Das
sollte man sich klarmachen, auch wenn
es einen in einer Krisensituation noch so
sehr und instinktiv zum sofortigen Handeln drängt.“
Vorstände sind dann die Lieblinge von
Aktionären und Investoren, wenn sich
eine Unternehmensübernahme als Volltreffer erweist. Oder wenn dank einer brillanten Strategie Gewinne erzielt werden.
Steht das Unternehmen aber im Zentrum
eines Skandals oder werden Missstände im
Betrieb an die Öffentlichkeit durchgestochen, fällt dies schnell auf die Kultur und
damit auch das Management zurück. Und
solche Fälle haben in der Corona-Krise
zugenommen. Es herrsche eine große Verunsicherung unter Vorständen und
Geschäftsführern, berichtet Kämpfer. Die
frühere Staatsanwältin aus Düsseldorf hat
vor mehr als einem Jahrzehnt die Seiten
gewechselt und ist Rechtsanwältin geworden. Bei Freshfields berät sie Unternehmen im Strafrecht, daneben ist Kämpfer
weiterhin auch als Strafverteidigerin aktiv.
Viele Spitzenmanager wollten wissen,
welche Folgen Krisen im Unternehmen
für sie persönlich haben könnten. „Die
Geldbußen für Unternehmen sind sehr
viel höher geworden. Und je höher die
Bußen ausfallen, desto höher ist die
Gefahr für Manager, selbst auf Schadenersatz verklagt zu werden.“
„Das Ganze wird nicht einfacher“
Sind die Gesetze schärfer geworden?
Oder nehmen es Manager einfach nicht
mehr so genau? Nachfrage beim DICO,
einem Verband mit rund 600 Mitgliedern,
die sich beruflich alle mit der Einhaltung
gesetzlicher Bestimmungen (Compliance) beschäftigen. Die Risiken hätten
sich nicht stark verändert, aber sie seien
komplexer geworden, sagt Ko-Vorstandssprecher Philip Matthey. Aus der Managerperspektive sei entscheidend, dass
kein Organisationsverschulden im Unternehmen entstehe. Daher müssten Vorstände und Geschäftsführer ein Compliance-System vorhalten. „Das Ganze wird
nicht einfacher“, sagt Matthey, seit 2011
Chief Compliance Officer beim Nutzfahrzeughersteller MAN.
Compliance-Fachleute können die
Themen herunterbeten, über die Vorstände oder Geschäftsführer stolpern:
Korruption im Unternehmen, Datenschutz, Geldwäsche, gerade im exportorientierten Mittelstand aber auch die
komplexen Sanktionen im Außenwirtschaftsrecht. „Die Zahl der kritischen
Länder wächst rasant. Als ich als Compliance-Verantwortlicher begann, war es
nur Nordkorea“, berichtet Meinhard
NINE TO FIVE
Blutige
Anfänger
Von Ursula Kals
D
In Bedrängnis: Chefs ergeht es manchmal wie dem König im Schachspiel.
Foto Mauritius
Mit kühlem Kopf
durch den Sturm
Corona, neue Gesetze und das Risiko unbedachter Mails:
Worüber Spitzenmanager in der heutigen Zeit stolpern.
Von Marcus Jung
Remberg, der ebenfalls für den DICO
spricht. Unternehmen müssten „höllisch
aufpassen“, mit welchen Nationen und
Personen sie welche Geschäfte machen,
sagt Remberg, dessen Arbeitgeber SMS
Group Hütten- und Walzwerkstechnik
herstellt und in die gesamte Welt liefert.
Unternehmen wie der Anlagenbauer
aus dem Siegerland sind das Rückgrat der
deutschen Wirtschaft. Mit dem neuen
Lieferkettengesetz haben Remberg und
andere Compliance-Verantwortliche eine
Mammutaufgabe für die Einhaltung von
Umwelt- und Arbeitsschutzstandards
(ESG) bei ihren Zulieferern im Ausland
aufgetragen bekommen. Es spanne den
Bogen über alles, mahnt Remberg – „viele Mittelständler haben das noch nicht
hinreichend erkannt“. Matthey stimmt
ihm zu: „Habe ich mögliche Umweltrisiken und Menschenrechtsverletzungen,
muss ich mir das vor Ort anschauen. Im
Vergleich zur Vergangenheit muss sich
die Beschaffungskette völlig neu aufstellen.“ Künftig müssen sich Vorstände
umfangreicher als bisher über ihr Auslandsgeschäft informieren und das
Berichtswesen straffen – betriebsinterne
Messengerdienste und E-Mails könnten
ihnen dabei helfen, den Überblick zu
behalten.
„Als Chef muss ich nahbar sein“
Gerade aber die digitale Kommunikation
kann einen Manager jedoch in die nächste existenzielle Krise stürzen. So erzählt
die Strafrechtlerin Kämpfer, dass sich die
Kriminalistik seit dem 19. Jahrhundert
an zwei Punkten stark verändert hat. Vor
mehr als 120 Jahren habe die Einführung
der Straßenbeleuchtung zu einem Rückgang der Kriminalität in den Städten
geführt. Der zweite Wendepunkt sei die
Einführung der E-Mail als Kommunikationsmittel gewesen. „Sie verhindert kei-
ne Straftat, sie macht sie vielmehr besser
aufklärbar. Alles ist für die Ewigkeit
dokumentiert.“ Kämpfer spricht davon,
dass sich kein Vorgesetzter heutzutage
mehr ein sozial missbilligtes Verhalten
leisten kann. „Als Chef muss ich auf der
einen Seite nahbar sein, das wird von
meinen Mitarbeitern auch erwartet. Aber
auf der anderen Seite gibt es vieles, was
ich so eigentlich nicht mehr sagen oder
tun kann.“ Anwälte seien immer häufiger
damit beschäftigt, diese Gegensätze
sachlich voneinander zu trennen.
Matthey hingegen kann nicht feststellen, dass sich die Fälle von Mobbing und
Konflikten in seinem Unternehmen
gehäuft haben. „Aber ist es ist ein Thema, dass wir mit der digitalen Kommunikation auf der einen Seite viel weiter weg
sind, auf der anderen Seite näher dran.“
Ein unbedachtes Wort in einer E-Mail,
eine Weiterleitung einer brisanten Information an eine externe Person – all das
kann eine berufliche Karriere aufs Spiel
setzen und sogar vor Gericht relevant
werden. Um solche Krisen zu vermeiden,
setzen immer mehr Geschäftsführer auf
Vorgaben in der digitalen Kommunikation. Anwältin Kämpfer rät zu einer klaren E-Mail-Policy. „Wenn Sie als Vorstand in einen Mailverkehr einkopiert
waren, diesen aber nicht gelesen haben,
kann Sie das später vor erhebliche Probleme stellen. Definieren Sie daher klar,
welche E-Mails in Ihrem Unternehmen
ein bloßes Leseangebot darstellen (z.B.
„cc“) und in welchen Fällen eine Pflicht
zur Kenntnisnahme vom Inhalt besteht.“
Diese Unterscheidung könne im Fall von
Ermittlung durch Strafverfolgungsbehörden unglaublich wichtig werden.
Compliance-Fachmann Remberg wiederum sieht ein Problem darin, dass viele
Menschen Dinge schreiben, die ganz
unterschiedlich interpretierbar sind.
Innerhalb der SMS Group empfahl er
deshalb, die Kommunikation in Zeiten
vieler E-Mails zu straffen: „Dinge auf den
Punkt zu bringen, nicht interpretationszugänglich sein und nur an diejenigen
adressieren, die es betrifft.“ Solche internen Leitplanken sollen Sicherheit geben,
gerade einer Geschäftsleitung. Schließlich erwartet die auch von den eigenen
Mitarbeitern, dass sie sich daran halten.
Laut Remberg haben viele Unternehmen interne Richtlinien verabschiedet, die
teilweise erheblich über die gesetzlichen
Pflichten hinausgehen. So ziehen viele
Unternehmen etwa klare Grenzen beim
Wert von Geschenken für Geschäftspartner oder bei der Kostenübernahme von
Geschäftsessen. Gibt es eine interne Vorgabe und wird dagegen über Jahre hinweg
von den eigenen Mitarbeitern verstoßen,
kann ein Manager „in Not“ geraten, sagt
Remberg. Die Haftungsrelevanz sei damit
enorm gestiegen. „Wenn man sich solche
internen Richtlinien gibt, dann muss man
sich daran halten. Ansonsten sind sie das
Papier nicht wert, auf dem sie stehen.“
„Vertuschen ist unterm Strich teurer“
Silvia Eggenweiler, Partnerin der Personalberatung Odgers Berndtson, über gute Fehlerkultur und Wege dorthin
Frau Eggenweiler, Sie sind selbst Führungskraft. Was war denn Ihr größter
Fehler?
Ich hatte das Glück, dass ich in meiner
Industriekarriere keine derartigen Fehler gemacht habe, die zu weitreichenden Konsequenzen geführt hätten. Das
ist auch meinen Führungskräften zu
verdanken, die aufgepasst haben. Kleine Fehler habe ich eine Menge
gemacht. Zum Beispiel fehlerhafte Kalkulationen. Meine Fehler wurden
glücklicherweise von mir oder meinen
Vorgesetzten frühzeitig bemerkt, und
so konnten wir sie korrigieren. Das war
ärgerlich, aber – und das ist entscheidend: Man muss auch zu den kleinen
Fehlern stehen, anstatt sie zu vertuschen. Dann kann man sie rechtzeitig
ausbügeln.
Warum tun sich so viele Manager
schwer mit dem Fehler-Zugeben? Haben
sie Angst, das Gesicht zu verlieren?
Ja, diese Angst ist sehr verbreitet und
fängt bei den kleinen Dingen an. Jedem
passiert es zum Beispiel mal, dass man
sich im Ton vergreift. Aber die meisten
Manager entschuldigen sich nicht im
Anschluss, sondern tun am nächsten Tag
so, als wäre nichts gewesen. Viele haben
auch ein Problem damit, ihren Mitarbeitern Freiräume zu geben. Dahinter steht
die Denkweise: Als Chef weiß man alles
besser und hat im Zweifel immer die
Macht, einen Weg vorzugeben. Besser
wäre es, zu sagen: „Lieber Mitarbeiter,
geh du deinen Weg, und wenn mal nicht
alles zu hundert Prozent rundläuft, kann
man es immer noch adaptieren, und ich
stehe hinter dir.“ Für den Fall, dass Fehler
passieren, müssen Chefs sich hinter ihre
Mitarbeiter stellen und die Verantwortung übernehmen, das gehört dazu.
Warum ist eine gute Fehlerkultur wichtig?
Fehlerkultur ist Lernkultur. Lernkultur
hat auch als Wort eine viel positivere
Konnotation. Unser ganzer Erfahrungsschatz besteht ja aus allen Fehlern, die wir
gemacht haben. Wir werden nur richtig
gut in einer Sache, wenn wir unterwegs
immer wieder herumprobieren und dabei
auch mal selbst scheitern. Das Vertuschen
von Fehlern dagegen ist unterm Strich
meistens viel teurer, als eine gute Fehlerkultur zu pflegen.
Wie bekommt man die genau?
Das leben Start-ups oder Serien-Entre-
preneure ziemlich gut vor. Sie machen
zum Beispiel eine Version von einem Produkt, wenn es nicht funktioniert, machen
sie das nächste und das nächste. Es wird
einfach nicht als schlimm angesehen. Bei
den meisten etablierten Unternehmen ist
die Kultur immer noch so, dass alle darauf
bedacht sind, dass es bloß nicht rauskommt, wenn etwas gegen die Wand fährt.
Wie können Unternehmen Manager finden, die gut mit Fehlern umgehen?
Eine gute Führungskraft ist eine starke
Führungskraft. Chefs dürfen keine Angst
haben vor anderen guten Leuten. Sie dürfen sich nicht davor fürchten, dass gute
Mitarbeiter ihnen den Job wegnehmen.
Führungskräfte sollten eher die Einstellung haben: Wenn ich mich irgendwann
obsolet mache – umso besser!
Das Gespräch führte Nadine Bös. Eine
Langverison lesen Sie unter faz.net/fehlerkultur.
Neustart in
der Krise
Die Corona-Krise hat die Arbeitswelt
einschneidend verändert: Es gab
eine sprunghafte Digitalisierung,
eine neue Selbstverständlichkeit von
Homeoffice, eine rasante Flexibilisierung, aber auch eine neue Wertschätzung für manche Berufe. Corona hat zudem viele Karrieren umgekrempelt. Durch die Krise mussten
reihenweise Menschen in Kurzarbeit
gehen oder wurden arbeitslos. Das
Virus stoppte Projekte, bremste Selbständige aus oder brachte Menschen
ins Grübeln über den Sinn ihrer
Tätigkeit. Was auch immer der
Grund war: Viele Berufstätige haben
noch einmal ganz neu angefangen.
Ob es der berühmte Wechsel aus dem
Flugzeug-Cockpit zur Bahn war, ob
es zurück zur Uni ging oder aus
einem künstlerischen Beruf ins produzierende Gewerbe – die Geschichten waren höchst unterschiedlich.
Wir widmen den Berufswechslern in
der Krise unsere diesjährige Sommerserie und porträtieren jede
Woche einen solchen Menschen. Los
geht es mit Tom Suter, der mitten in
der Corona-Zeit sein eigenes Startup gegründet hat. (Kaffeeklatsch
fürs Arbeitszimmer Seite C2.)
ZAHL DER WOCHE
28
Prozent der Betriebe,
die eine Betriebsärztin
oder einen Betriebsarzt
haben, bieten ihren Beschäftigten
Impfungen gegen Covid 19 an.
Quelle: Institut für Arbeitsmarkt- und
Berufsforschung
ENDLICH WIEDER MITTAGSPAUSE
DER AUFSTIEG IN DIE TOPETAGE ZAHLT SICH AUS
Die Mensa ist das soziale Herz der Uni: Essen, quatschen,
gemeinsam Pause machen – etwa ein Jahr lang ging das nicht. Jetzt
machen viele Mensen wieder auf. Ein Ortsbesuch in Potsdam.
Chefs verdienen im Schnitt mehr als normale Fachkräfte – aber wie viel mehr?
Vergütungsfachleute haben dazu eine neue Studie gemacht und dabei
auch die Gehaltsunterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland untersucht.
Seite C2
Hat die derzeitige Corona-Pandemie
etwas verändert mit Blick auf die Fehlerkultur?
Wenn man sich anguckt, welche Führungseigenschaften in dieser Krise
besonders wichtig sind, also Umgang
mit Unsicherheit, Bescheidenheit,
Rückgrat, Mut, Entscheidungsfreude,
Empathie, dann wird man feststellen:
Wenn man nach dieser Art von Führungskräften sucht und Manager einstellt, die all das mitbringen, dann hat
das auch Einfluss auf die Fehlerkultur.
Aber das sind kleine Entwicklungsschritte, die die Unternehmen machen
müssen. Ich habe die Hoffnung, dass
das irgendwann konvergiert.
ümmer geht’s immer. Der
Mann ist jung, gierig auf das
brandneue Smartphonemodell im Schaufenster und lässt das
teure Stück mitgehen. Schlau hatte
er sich das überlegt. Das Ausstellungsteil trägt nämlich keine Warensicherungsetiketten. Kurz darauf
fällt der Diebstahl auf, die Belegschaft ärgert sich. Dieser Ärger verwandelt sich in Schadenfreude, als
besagter Kerl am Tag darauf tolldreist zurückkehrt, sein Smartphone vorzeigt und nach einer SimKarte verlangt. Zu Hause hatte der –
offenbar blutige Anfänger – nämlich
festgestellt, dass das Ausstellungsstück
funktionsuntüchtig
war.
„Dumm, wie er war, kommt der ausgerechnet
wieder
in
unser
Geschäft!“ Amüsiert berichtet der
Verkäufer im Elektronikmarkt, wie
solche Episoden den Berufsalltag
bunter machen. Auch die Möchtegerndiebe, die zwischen kameraüberwachten Regalreihen dilettantisch versuchen, die Sicherheitsspangen mit knisternder Alufolie zu
ummanteln, um den Kassenalarm
auszutricksen, lässt er nicht aus und
erzählt, dass die Inventurdifferenzen im Handel jährlich 4,4 Milliarden Euro betragen. Die umstehenden Kunden horchen auf und googeln zum Thema dummdreiste
Delikte. Sie stoßen auf Auftraggeber, die Verbrechen schriftlich
anweisen und die Quittung abheften. Auf den nervösen Bankräuber,
der gegen den Kassencomputer
schlägt und für einen Totalausfall im
System sorgt. Baustellendiebe, die
im Lastenaufzug stecken bleiben.
Einen Handy-Dieb, der per SMS
zum Rendezvous gebeten wird und
statt einer flirtfreudigen Dame auf
Beamte mit Handschellen trifft. Die
Polizei kreuzte auch auf einem
spontanen Grillfest auf, zu dem ein
33-Jähriger seine Nachbarschaft
eingeladen hatte, nachdem aus
einem nahen Imbiss Hunderte
Schnitzel und Frikadellen entwendet worden waren. Noch absurder ist
die Geschichte des erschöpften Einbrechers, der vor dem Tresorraum
eingeschlafen ist. Belustigt reihen
sich die Käufer in der Kassenschlange ein. Keiner will blöder sein, als es
die Polizei erlaubt.
Foto Maria Klenner
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
Seite C3
Beruf und Chance
SEITE C 2 · SA MS TAG , 1 0 . J U L I 2 0 2 1 · N R . 1 5 7
FR ANK FU R T ER ALLGEM EINE Z E I T UNG
W
weiter viel experimentiert, zum Beispiel mit der Dauer eines Coffee Calls“,
erzählt Suter. „Erst hatten wir zehn
Minuten, dann fünf, jetzt sind wir bei
sieben.“ Außerdem kann die App zu
jedem Call eine Art Eisbrecher-Frage
senden – schließlich kennen sich die
angerufenen Personen vor allem in großen Unternehmen manchmal kaum.
„Ananas auf der Pizza – ja oder nein“,
so könnte zum Beispiel solch eine Eisbrecher-Frage lauten oder: „Bist du ein
Frühaufsteher oder eine Nachteule?“
Danach komme das Gespräch in der
Regel schon in Gang, ist sich Suter
sicher. Die ersten 10 000 Coffee Calls in
einem Unternehmen sind kostenlos,
danach kostet die App 2,75 Euro je Mitarbeiter und Monat. Angefangen hat
das Start-up mit fünf Pilotkunden,
darunter das Schweizer Telekommunikationsunternehmen Swisscom. Inzwischen sind noch viele andere dazugekommen, allein in der Schweiz mehr als
50, manche kommen aber auch aus
Deutschland oder aus Suters Heimat,
den Niederlanden. Der Strauß an Organisationen ist bunt: Dabei sind etwa der
Taschenhersteller „Freitag“, ein Stromnetzunternehmen, eine Installationsfirma, eine Schweizer Gemeindeverwaltung, eine Fachhochschule, ja sogar
eine Kantons-Polizei.
enn Tom Suter im Homeoffice arbeitet, dann sitzt er
selten still. In seinem ehemaligen Gästezimmer, in
dem vor Corona häufig seine Eltern
übernachteten, hat er sich ein höhenverstellbares Pult eingerichtet. Statt eines
Bürostuhls hat er ein Schreibtisch-Fahrrad unter die Tischplatte geschoben, eine
Art Heimtrainer ohne Lenker. Seine
Fahrrad-Liebe passt insofern ins Klischee, als dass Suters Homeoffice zwar
im malerischen Dörfchen Appenzell in
der Schweiz liegt, er selbst aber
ursprünglich aus den Niederlanden
stammt. Jedenfalls kann er in seinem
Arbeitszimmer strampeln und tippen
gleichzeitig. „Würde ich jedem empfehlen“, schwärmt er, während er mit der
Handykamera sein Umfeld filmt.
Wir haben uns in einem kurzen Videochat getroffen. Sieben Minuten hat Suter,
42 Jahre alt, studierter Informatiker, Zeit,
mich durch sein Homeoffice zu führen. In
einer Ecke steht – mit roter Bettwäsche
bezogen – noch immer das Gästebett. An
der Wand hat er eine riesige Weltkarte
aufgehängt, ein schöner Hintergrund für
Videokonferenzen, zumal in Zeiten, in
denen das Reisen noch immer eingeschränkt ist. Das Wohnzimmer ist aufgeräumt und führt zu einer breiten Terrasse
mit Loungemöbeln. „Dort arbeite ich
auch mal bei schönem Wetter“, sagt
Suter. Wir quatschen noch ein bisschen
über Homeschooling in Deutschland und
der Schweiz – schon ist das kurze Treffen
wieder vorbei, der Handycall schaltet sich
automatisch ab.
Projektentwickler und Scrum-Master
Das Programm, in dem die kleine Hausführung stattgefunden hat, heißt „Coffee
Call“ und ist eine App, mit der Suter
künftig sein Geld verdienen möchte. Es
ist – kurz gesagt – eine Plauder-Hilfe für
einsame Arbeitnehmer im Homeoffice.
Und es ist Tom Suters Start-up-Idee. Sie
passt in die heutige Zeit.
Homeoffice – darum dreht sich in
Suters beruflicher Geschichte ziemlich
viel seit Beginn der Corona-Pandemie.
Als er selbst vor mehr als einem Jahr von
seinem damaligen Arbeitgeber zum
Arbeiten in die eigenen vier Wände
geschickt wurde, ahnte er indes noch
nicht, dass er sein damaliges Büro nicht
mehr wiedersehen würde – oder jedenfalls nicht als Angestellter. Er ahnte
nicht, dass er eine sichere Stelle aufgeben
würde, um sein eigenes Start-up zu gründen. Und schon gar nicht, wie viel sein
Start-up mit ebendiesem Homeoffice zu
tun haben würde, in dem er von einem
Tag auf den anderen gelandet war.
Aber der Reihe nach: Vor Corona war
Tom Suter ein langjähriger Mitarbeiter
von Haufe Umantis im schweizerischen
St. Gallen. Das ist ein Anbieter von
Bewerber- und Talentmanagement-Software. Als Projektentwickler und ScrumMaster saß er damals gemeinsam mit
mehreren Kollegen an einer Idee für ein
neues Produkt: „Es sollte eine Art Google-Maps für Talente im Unternehmen
werden. Eine Karte, auf der man jeden im
Unternehmen sehen kann.“ Wer er ist,
was seine Rolle ist, wie die Person sich
weiterentwickelt und was ihre – vielleicht
versteckten – Talente sind. „So kann man
sich ganz leicht mit jedem und jeder verbinden, nicht nur professionell, sondern
auch persönlich.“ Suter und sein kleines
Team waren Feuer und Flamme für diese
Idee, berichtet er. Sie hatten schon ein
halbes Jahr daran gearbeitet, eine interne
Pilotversion erstellt und erste Testversionen in anderen Unternehmen ausprobiert. „Etwa einen Monat nach Beginn der
Pandemie hieß es dann plötzlich, dass das
Projekt gestoppt wird.“ Sein Unternehmen habe mit Corona und der unsicheren
Wie geht es nach Corona weiter?
Bloß keine Langeweile im Homeoffice: Tom Suter auf seinem Schreibtisch-Fahrrad
Foto Philipp von Ditfurth
Neustart in der Krise (1)
Kaffeeklatsch fürs Arbeitszimmer
Tom Suter hat mitten in der Pandemie seine Stelle gekündigt und ein Start-up gegen
Einsamkeit im Homeoffice gegründet. Die Rückkehr in die Büros fürchtet er nicht.
Von Nadine Bös
Zukunft argumentiert. Das existierende
Geschäft müsse geschützt werden, es gebe
mindestens ein Jahr lang kein Budget
mehr für das neue Vorhaben.
„Wir waren am Boden zerstört deshalb“, sagt Suter. „Aber dann dachten
wir: Was, wenn wir ein Spin-off gründen,
unser eigenes Ding machen?“ Zuerst sei
es „nur so eine verrückte Idee“ gewesen.
Schließlich waren da eine Menge Hürden. „Das begann damit, Investoren zu
finden, in einer total unsicheren Zeit, und
endete mit Fragen hinsichtlich des geistigen Eigentums.“ Weil es Suter aber nicht
mehr aus dem Kopf ging, hängte er sich
ans Telefon – und zu seiner Überraschung fanden sich relativ schnell Investoren, die von dem Gründungsvorhaben
überzeugt waren. Innerhalb eines Monats
hatten Suter und seine Kollegen 750 000
Franken (rund 685 000 Euro) von Freunden, Familie und Business Angels eingesammelt. Er habe dann mit seinem
Arbeitgeber darüber gesprochen, in einer
50-Prozent-Teilzeit in seiner alten Tätigkeit weiterzuarbeiten und die andere
Hälfte seiner Zeit für die Ausgründung zu
verwenden. „Meine Vorgesetzten waren
aber überhaupt nicht begeistert. Sie sagten: Entweder du entscheidest dich für
uns oder für deine eigene Firma.“
Hessische Chefs verdienen gut
Gehälter von Fach- und Führungskräften im Vergleich
An die Schlagzeilen zum alljährlichen
Bericht der Bundesregierung zum Stand
der deutschen Einheit ist man mittlerweile gewöhnt: Der Trend ist positiv, doch
auch im vergangenen Jahr hinkte der
Osten mit Blick auf die Wirtschaftsleistung dem Westen hinterher. So belief sich
dem Bericht zufolge das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der ostdeutschen Bundesländer zusammengenommen auf rund
77,9 Prozent des Niveaus der westdeutschen. Berlin hinzugerechnet, habe der
Wert bei 82,8 Prozent gelegen.
Dieses Bild deckt sich grundsätzlich
mit neuen Daten zu den Gehältern von
Fach- und Führungskräften der Vergütungsberatung Gehalt.de, die der F.A.Z.
exklusiv vorliegen. Für die nicht repräsentative Auswertung wurden insgesamt
224 474 Datensätze aus den vergangenen
12 Monaten berücksichtigt – und was das
durchschnittliche Bruttogehalt im Jahr
betrifft, finden sich die fünf ostdeutschen
Bundesländer tatsächlich am Ende der
Ranglisten. Der Unterschied fällt bei
Beschäftigten ohne Personalverantwortung im Vergleich zu Führungskräften
allerdings deutlich geringer aus. Berlin
rangiert bei den Fachkräften sogar vor
Niedersachsen und Schleswig-Holstein.
Führungskräfte in der Bundeshauptstadt
verdienen im Median aber knapp weniger.
Der Abstand zu Thüringen, Sachsen,
Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern wiederum ist
jedoch auch auf diesem Feld vergleichsweise deutlich (siehe Grafik).
An der Spitze der regionalen Ranglisten für Fachkräfte steht Baden-Württemberg, während Hessen als einziges
Mit sinkenden Corona-Infektionszahlen, ereilen Suter und seine Mannschaft
mittlerweile immer häufiger Fragen
dazu, ob es den virtuellen Kaffeeschwatz bald überhaupt noch braucht –
wo ja nun viele wieder ins Präsenz-Büro
zurückkehren. „Ich glaube, die Arbeitswelt wird hybrid bleiben“, zeigt sich
Suter überzeugt. Coffee Call sei zwar in
der Corona-Zeit gestartet und habe da
auch ein ganz spezielles „Momentum“
erfahren. Gleichwohl gebe es zu viele
Vorteile des Homeoffice, um es in Gänze wieder aufzugeben. „Flexibilität,
weniger Pendelzeit, Mittagessen mit den
Kindern“, zählt er auf. Auch ist er überzeugt davon, dass seine App Mitarbeiter
über verschiedene Hierarchiestufen und
Standorte in Verbindung bringt, die sich
an der realen Kaffeemaschine vielleicht
nie begegnet wären. Außerdem bleibt
bislang unklar, ob und wie eine mögliche vierte Corona-Welle mit Mutationen wie der Delta-Variante im Herbst
bevorsteht. Suter und seine Kollegen sitzen jedenfalls selbst noch im Homeoffice, obwohl auch sie vorsichtshalber
schon Büroräume in der Innenstadt von
St. Gallen angemietet haben. „Da will
ich aber auch in Zukunft nicht täglich
hin“, ist Suter überzeugt.
Suters neues Büro liegt in derselben
Straße wie das seines früheren Arbeitgebers, bloß auf der gegenüberliegenden
Seite. Wird er manchmal wehmütig und
bereut, seinen sicheren Hafen verlassen
zu haben? „Die meiste Zeit denke ich, es
war richtig, aber natürlich sind da auch
Momente, in denen man sich Sorgen
macht und denkt: Was, wenn es schiefgeht? Muss ich irgendwann Sozialhilfe
beantragen?“ Er wolle nie in die Situation kommen, „die Hand aufhalten zu
müssen“, sagt er. Er sei aber zuversichtlich und vertraue in seine Fähigkeiten
und dass er zügig wieder einen Job fände,
falls alle Stricke reißen sollten. Bis dahin
aber investiert er mit voller Energie in
seine Idee. Strampeln – das ist schließlich
sein Ding.
Bundesland mit einem sechsstelligen
Wert für Führungskräfte aufwarten
kann. Auf diesem Gebiet verweist Bayern unterdessen Baden-Württemberg
auf Platz drei, während diesen Platz im
Fachkräfte-Ranking Hamburg für sich
beanspruchen kann.
Natürlich spielt neben der Region
auch die Branche eine maßgebliche Rolle, wenn es um Gehaltsvergleiche geht.
Während beispielsweise in Hessen nicht
zuletzt im Bereich Finanzdienstleistungen hohe Gehälter in Aussicht stehen,
werden diese etwa in Baden-Württemberg in der Autoindustrie oder in Zulieferbetrieben gezahlt. In der Finanzbranche lag das mittlere Gehalt von Fachkräften 2020 der Auswertung zufolge bei
52 146 Euro, während es sich bei Führungskräften auf 112 347 Euro belief.
Die Autoindustrie gibt mit 54 266 Euro
und 110 823 Euro ein grundsätzlich ähnliches Bild ab.
Viel größer sind die Unterschiede zum
Beispiel im Bereich Steuerberatung: Das
Median-Einkommen für Fachkräfte liegt
hier bei 37 589 Euro. Führungskräfte
kommen auf 112 388 Euro. Dies ergibt
einen prozentualen Unterschied von 199
Prozent, den höchsten Wert in der Auswertung. Besonders gering ist der
Gehaltsunterschied zwischen Fach- und
Führungskräften derweil in der Luftfahrt- und Kulturbranche sowie im sozialen Bereich. Ins Auge fällt hier freilich
der grundlegende Unterschied zwischen
den Branchen: Fachkräfte in der Luftfahrt verdienen im Median fast so viel
wie Führungskräfte in der Kulturbranche oder im Sozialwesen.
bfch.
Zwei Monate lang habe er hin und her
überlegt, berichtet Suter, dann kündigte
er. Gemeinsam mit zwei weiteren Kollegen aus seinem früheren Team, die heute zusammen mit einer Marketing-Spezialistin und einem Programmier-Fachmann die Kernmannschaft des Start-ups
bilden. Die Entscheidung, seine Festanstellung zu verlassen, sei ihm nicht
leichtgefallen, sagt Suter. „Ich musste ja
auch an meine Familie denken.“ Länge,
Schwere und wirtschaftliche Folgen der
Pandemie waren zum damaligen Zeitpunkt kaum einzuschätzen. Zumal Suter
der Hauptverdiener in seinem Haushalt
ist. Er muss sich, seine Frau und zwei
Schulkinder im Alter von 9 und 11 Jahren ernähren. Seine Frau arbeitet Teilzeit in einem Kunstmuseum, macht dort
Führungen und Projekte mit Kindern –
ein erfüllender Job, aber keiner, der eine
vierköpfige Familie versorgen könnte.
„Es war eine dieser Entscheidungen, die
man einmal im Leben treffen kann, und
ich habe schließlich gesagt: Ich mach
das jetzt!“
Experimentierfreudig war er auch
hinsichtlich der Entwicklung des neuen
Unternehmens. Nach der Methode
„Lean Start-up“, also „Schlankes Startup“, hatten er und sein Team von
Anfang an die Philosophie, möglichst
früh in der Entwicklung die Nutzer mitzunehmen, Beta-Versionen ihres Produkts schnell zu teilen und immer weiter
zu verbessern. „Das führte schließlich
dazu, dass wir unseren Unternehmensfokus komplett auf einen Punkt zugespitzt haben“, erzählt Suter – die App,
die mittlerweile „Coffee Call“ heißt.
Vom Kaffeeknopf zum Produkt
Die ursprüngliche Idee, also die Talentkarte, hatte als ein Element in einer
Ecke eine Kaffeetasse. Einen Button,
den man drücken konnte und der einen
Kaffeeklatsch initiieren sollte mit einer
Person auf der Talentkarte, für die man
sich interessierte. Zum Beispiel, weil
man neu im Unternehmen ist oder weil
man jemanden im Unternehmen kennenlernen möchte, den man noch nie
getroffen hat. Interessierte sollten den
virtuellen Kaffeeknopf drücken und sich
dann unkompliziert mit der jeweiligen
Person zu einem Schwätzchen verabreden können. „Als wir unseren Prototyp
der Talentkarte ausprobierten, machten
wir die Erfahrung, dass dieser Kaffeeknopf überdurchschnittliches Interesse
weckte und superstark genutzt wurde.
Die Leute hatten ein regelrechtes
Bedürfnis nach informellen kleinen
Pausen.“ Corona spielte dem Ganzen
stark in die Karten. Mit einem Mal
saßen sehr viele Büromenschen einsam
im Homeoffice und vermissten die Plaudereien in der Kaffeeküche. „Natürlich
gab es auch vor Coffee Call schon virtuelle Kaffeepausen in Unternehmen.
Aber die fühlten sich oft ein bisschen
künstlich an. Weil sie geplant waren,
zum Teil drei Tage vorher“, so erklärt
Suter den Unterschied. „Uns geht es
darum: Wenn du spontan eine Kaffeepause brauchst, um mal die Gedanken
schweifen zu lassen, dann kannst du einfach kurz auf den Knopf drücken und
wirst mit einem Kollegen verbunden,
dem es gerade genauso geht.“
Von den Nutzern bestärkt, entwickelte Suters Team den Kaffeeknopf weiter
zu einem vollwertigen Produkt – einer
Handy-App für informelle Pausen im
Homeoffice. Wer einen „Coffee Call“
ansetzt, sendet eine Benachrichtigung
an maximal 15 zufällig von einem Algorithmus ausgewählte Kollegen im
Unternehmen. Die erste Person, die
den Call annimmt, wird von der App
automatisch per Videotelefonat mit
dem Anrufer verbunden. „Wir haben
Dieser Text ist der erste Teil unserer Sommerserie „Neustart in der Krise“. Dafür unterbrechen
wir unsere Reihe „Die Karrierefrage“, mit der wir
im Spätsommer wieder starten. Lesen Sie hier
kommende Woche Folge 2 über den Tontechniker Chris Mock, der jetzt Bonbonproduzent ist.
Die 16 Bundesländer und einzelne Branchen im Überblick
Durchschnittlicher Jahresbruttoverdienst (Median)1)
Geringster Gehaltsunterschied
zwischen Führungs- und Fachkräften
Führungskräfte
10
91 158 €
Schleswig-Holstein
Kiel
77 976 €
6
MecklenburgVorpommern
97 358 €
8
Hamburg
92 507 €
Bremen
Schwerin
88 712 €
Niedersachsen
Magdeburg Potsdam
4
12
98 136 €
82 413 €
Sachsen-Anhalt
Düsseldorf
1
101 343 €
5
Hessen
97 978 €
Rheinland-Pfalz
7
Wiesbaden
Erfurt
Berlin
15
79 866 €
102 894 € 57 777 €
13
81 548 €
Thüringen
80 461 €
Sachsen
Konsum/Gebrauchsgüter
Lebensmitteleinzelhandel
70 952 € 31 433 €
2
Saarbrücken
Stuttgart
99 389 €
Bayern
3
98 476 €
Baden-Württemberg
87603 € 35 680 €
Automobilindustrie
110 823 € 54 266 €
Finanzbranche
München
112 347 € 52 146 €
Pharmaindustrie
Schwerin
10
Hannover
9
39 676 €
Magdeburg Potsdam
5
15
Nordrhein-Westfalen
Sachsen-Anhalt
42 505 €
33 718 €
Düsseldorf
2
44 966 €
6
Ausgewählte Branchen
MecklenburgVorpommern
Niedersachsen
Rechtsberatung
141 594 € 49 714 €
3
39 087€
112 388 € 37 589 €
E-Commerce
Saarland
Bremen
Steuerberatung
Dresden
16
32 749 €
Hamburg
40 850 €
Höchster Gehaltsunterschied
111 517 € 37 826 €
Kiel
44 467 €
7
Soziale Einrichtungen
Brandenburg
14
Mainz
94 181 €
37 808 €
11
91 798 €
Nordrhein-Westfalen
Luftfahrt
Schleswig-Holstein
60 007 € 32 333 €
9
Hannover
11
64 579 € 38 398 €
16
Fachkräfte
Kultur
Hessen
41 297 €
Rheinland-Pfalz
8
Wiesbaden
Berlin
14
34 100 €
Brandenburg
Dresden
Erfurt
13
12
34 221 €
34 827 €
Thüringen
Sachsen
Mainz
40 124 €
Saarland
4
Saarbrücken
Stuttgart
43 868 €
Bayern
1
45 490 €
Baden-Württemberg
München
125 603 € 53 987 €
1) Der Median ist ein bei Gehaltsdaten üblicherweise genutzter Mittelwert, der genau in der Mitte steht, wenn man die Jahresverdienste der Größe nach sortiert.
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
Quelle: www.gehalt.de/F.A.Z.-Grafik Walter
Campus
F RANK FURT ER A LLG E M E I N E Z E I T U NG
SA M S TAG, 10. JU LI 2021 · NR . 157 · SE I T E C 3
Endlich wieder
Mittagspause
Zurück an einem Tisch:
die Studierenden Laura,
Tom, Lukas und Abdu
(v.l.n.r.) in der Mensa
Griebnitzsee in Potsdam
Foto Henrik Pomeranz
Die Mensa ist das soziale Herz der Uni: essen,
quatschen, Pause machen. Für mehr als ein Jahr ging
das wegen Corona nicht. Wie ist es, zurück zu sein?
Ein Ortsbesuch in Potsdam.
Von Henrik Pomeranz
D
as Erwachen nach dem großen
Schlaf kommt nicht ruckartig,
sondern gemächlich: Kein
Lärm und keine Schlange wie
sonst, nur zwei Studenten sind es, die
gerade ihre Tabletts vorbei an den leeren
Glastheken zur Essensausgabe tragen.
Die Mensa Griebnitzsee an der Universität Potsdam hat erst seit einem Monat ihre
Türen wieder geöffnet. Bis dahin musste
sie, wie die anderen 874 Mensen und
Cafeterien in deutschen Hochschulen, für
mehr als ein Jahr geschlossen bleiben.
Rund 236 000 Plätze blieben leer, und den
Studierenden blieb nichts anderes übrig,
als sich mit ihren Spaghetti an die heimischen Esszimmer- oder Schreibtische
oder in ihre WG-Küchen zu setzen.
Dass viele Mensen nun öffnen, bedeutet für sie weit mehr, als nur wieder günstig essen zu können. Die Mensa ist das
soziale Herz der Uni, der Besuch für viele
das Highlight des Tages. Hier werden aus
Gesprächen bei Kaffee und Eintopf kostbare Erinnerungen und aus Kommilitonen Freunde fürs Leben. In der Pandemie
fiel all das weg. Wie ist es für die Studenten, endlich wieder hier zu sein? Und was
haben sie am meisten vermisst?
In der Potsdamer Mensa Griebnitzsee
lassen sich an diesem Montagmorgen
Antworten finden, doch wurde die wichtigste Frage dabei noch gar nicht gestellt:
Was gibt’s heute eigentlich zu essen? 1.
Linsensuppe mit Ingwer, Kokosmilch und
Sesam, 2. Gemüseköttbullar in Sahnesauce mit Preiselbeergelee, 3. Seelachsfilet paniert, dazu hausgemachte Remoulade mit Eismeergarnelen. Der Seelachs
klingt verlockend, aber um 11.50 Uhr ist
es dafür noch etwas früh, darum nehme
ich selbst erst mal den Cappuccino für
1,20 Euro und schaue mich um.
Vertrauen, Gemeinschaft und Nähe
Die meisten Studierenden sitzen im
Innenhof an langen Holzbänken, hinter
ihnen ein kleines Wäldchen efeubewachsener Bäume. Kurze Hosen, Sommerkleider, es sind schon wieder 29 Grad.
Nebenan am Tisch redet eine Dreierrunde über Nebenjobs und Mensa-Pommes.
Nicole macht mit ihren Freunden Tobias
und Lara Pause vom Jura-Büffeln. Sie
sagt: „Ich fand es tatsächlich ein bisschen
emotional, zum ersten Mal wieder in die
Mensa zu kommen.“ Denn dieser Ort
bedeute für sie, viel Zeit mit ihren Freunden verbringen zu können, was sie in den
Monaten vorher vermisste. „Einfach wieder ein Stück Normalität zu haben, hier
zu sitzen und Kaffee zu trinken, das war
total gut“, sagt sie.
Der größte Mensa-Fan in der Runde
scheint Tobias zu sein. Gleich an dem
Tag, als die Mensa wieder öffnete, stand
auch er mit dem Tablett an der Theke.
„Es war ein Highlight“, sagt er, der hier
vor allem die Pommes preist. Die Mensa
sei einfach ein großer Bestandteil des
Unilebens. Früher kam er oft schon um 9
Uhr zum Lernen in die Bibliothek, damit
er um 11 Uhr das erste Mal essen gehen
konnte. „Dann warst du ja lange da und
hast später noch ein zweites Mal gegessen.“ Manchmal sei das Angebot so verlockend gewesen, dass er nur für das Essen
extra aus Berlin hergefahren sei.
Ein bis zwei Stunden verbringen die
drei Freunde täglich in der Mensa. Als sie
im Lockdown schloss, mussten sie zum
Bäcker oder in den Supermarkt. Zu den
Wohnheimen schickte das Studentenwerk Imbisswagen. „Das waren sehr witzige Bilder“, sagt Tobias, „weil die ganzen
Studierenden mit ihren Tupperboxen und
Kochtöpfen ankamen und sich da den
Linseneintopf reinfüllen ließen.“
1,60 Euro kostet die Linsensuppe heute hier, 2,10 Euro die Gemüseköttbullar,
für die die drei Jura-Kommilitonen sich
entschieden haben. Viele Studierende
sind darauf angewiesen, zu subventionierten Mensa-Konditionen essen zu
gehen. Besonders in einer Zeit, in der
viele klassische Studentenjobs weggefallen sind. Für sie war es nicht leicht, im
Lockdown einen ähnlich günstigen und
halbwegs gesunden Ersatz zu finden. So
ging es auch der Informatik-Studentin
Laura, die einen Tisch weiter mit ihren
Kommilitonen zusammensitzt. Die Holzbänke sind mittlerweile gut gefüllt, und
durch den Innenhof geht ein angeregtes
Gebrabbel. „Mein Tiefkühlgemüse-Verbrauch ist normalerweise schon hoch,
aber im Lockdown war er noch größer“,
sagt Laura und lacht. „Ich habe es schon
doll vermisst, günstig und mit wenig Aufwand gutes und leckeres Essen zu bekommen.“ Genau eine Stunde haben sie in
ihrem Studiengang mittags immer Pause.
Nicht viel, wenn man erst selber kochen
muss. Abdu, der mit Laura im Bachelor
IT-Systems Engineering studiert, sagt:
„Ich freue mich immer auf diese Momente, in denen ich hier Leute treffe, die ich
bis jetzt nur online gesehen habe, und
sage: ‚Ach so siehst du aus! Wie geht’s
dir?‘“ Laura ergänzt: „Ich finde, man
merkt, dass man sich in diesen Pausen,
die man zusammen verbringt, viel effektiver erholt.“ Im Lockdown habe sie sich
mit ihrem Tiefkühlgemüse nur vor den
PC gesetzt und weitergearbeitet.
Auf wie viele Arten das gemeinsame
Essen wichtig ist, weiß auch Thomas Ellrott, der das Institut für Ernährungspsychologie an der Universität Göttingen
leitet. „Mensen haben vielfältige nutritive, soziale, emotionale und psychologische Funktionen“, sagt er. „Gemeinsame
Mahlzeiten fördern Vertrauen, Gemeinschaft, Zugehörigkeit und Nähe.“ Sie seien ein entscheidender Baustein für die
soziale Einbettung der Studenten und
damit ein wichtiger Stabilitätsanker im
Leben. Zudem seien diejenigen im Studium erfolgreicher, die unter den Studenten viele Freunde haben und gut integriert sind. Um diese Bindungen zu formen, seien Mahlzeiten wichtig. „Gemeinsames Essen bietet eine ausgezeichnete
Möglichkeit, um sich mit anderen zu verbinden, an den Freuden und Herausforderungen des Studiums teilzuhaben, sich
akzeptiert zu fühlen, kommunikative Fertigkeiten zu trainieren und Neues zu lernen“, sagt Ellrott.
Endlich mal weg vom Bildschirm
13.30 Uhr, so langsam hat sich auch bei mir
der Hunger eingestellt. Wie wohl das Essen
heute schmeckt? Das Urteil der vier Studis
fällt gut aus: zwischen 7,5 und 8 Sterne
geben sie den Gemüseköttbullar. Da
kommt schon die Mitarbeiterin und verkündet, dass die Mensa jetzt schließt, man
aber noch sitzen bleiben könne. Also
schnell los, um die Mensa-Version des IkeaKlassikers endlich selbst zu probieren.
Doch zurück an der Ausgabe werden schon
Deckel auf Töpfe gedrückt und Eimer zum
Wischen umhergetragen. „Ähm, kriege ich
noch was?“ Die Eingangstür wird verschlossen, das Licht geht aus.
Keine Chance. Die Mensa-Mitarbeiterin
Nicole mit grün-weißem Kittel und Ber-
liner Schnauze ist nicht zu überreden.
Seit 11 Jahren arbeitet sie schon in der
Mensa Griebnitzsee. Auch sie freut sich,
endlich zurück zu sein. „Wir haben uns
genauso wie die Gäste gefreut, dass wir
wieder offen haben.“ Ihre Lieblingsstudis, deren Extrawünsche sie kennt und
auch gerne erfüllt, hat sie seitdem schon
alle wiedergesehen. Eine andere Mitarbeiterin sagt im Vorbeigehen: „Wir
haben hier noch viel zu tun!“ Jaja, ich
bin ja schon weg! Noch hat die Mensa
verkürzte Öffnungszeiten, wie auch die
Bibliothek und der Lehrbetrieb vor Ort
noch nicht wieder ganz hochgefahren
sind. Aber es wird langsam.
Im nun fast leeren Innenhof sitzen
lachend noch Nina und Sabine beisammen. „Im Lockdown hat man nur über
die Uni geredet“, sagt Nina, die im Master BWL studiert und ihre Kommilitonen
vorher nur digital gesehen hatte. „Es tut
sehr gut, nicht immer nur alles am Bildschirm zu machen, sondern Menschen
auch persönlich zu sehen“, ergänzt Sabine. Dann müssen die beiden auch schon
los, damit sie nicht zu spät zur Lehrveranstaltung kommen. Noch eine letzte
Emotion zum Abschied: Wie ist es, wieder hier zu sein? „Schön“, ruft Sabine
schon im Gehen über den Innenhof.
„Gesellig“, ruft Nina hinterher, während
die beiden zu ihrem plappernden Grüppchen aufschließen.
Ihr Sommer mit der
digitalen Sonntagszeitung.
Erkennen Sie die schönsten Urlaubsziele Deutschlands?
Machen Sie jetzt mit und sichern Sie sich als Dankeschön die
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 13 Wochen lang mit
50% Ersparnis zum Vorteilspreis.
50 %
sparen
Jetzt teilnehmen und Angebot sichern:
faz.net/sommeraktion
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
Beruf und Chance
SEITE C 4 · SAMSTAG, 10. JULI 2021 · NR. 157
FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG
Stellenangebote
"% 6@6 6)%7<6%*
33! &)# )
&
#&# # 3 #)# ) *! &#)&)!
" 0!!! 2. & ) & &0
! & ! ) ! $ ! !- &0
,$# !) & .& (/('%(/(
, !# - ! ' ! ! ! #!& #!
' +$# ! $# '%! ! & !! #
, * (##
$ ! #& # # $ ' # #) ' !$! $ & # #
## # - )# * !/ )
" # &) .! ")& # *! 4 # #& 3
4 &
! 33 ! )& # )
!$ )$ 0 0 (0(( % $!
% #!$#$
..* #$! $ # !#! ! .
1 ! ,)& 0!&+ &- &)
* 0!!! 2. & ) & &0 -
! + &- & * *$ ! & !
$ &+ ) - &! #& ! & !
!&. 3$)!) ! 2&! &0 !
- ! -&)! &! .) *$ !
0!&.& ) ) ! !
1 .) *) $ !!)
,* +$
&)!! )
!
!$! $
4)# )# &) .%%
!
$!% $!! $!# (#
... . !%33% !+33%1#
#
&& !
" *$" * ! 0);C;1
G) )< @6 <<*<C%'(?* ?* <<%7<%' 6 << ,(* %7< % <(( 6 <%(?* 7(%<?* 4 <<*<$
C%'(?* 5 0);C;1 ?*6%7<< E? 7<E*2
? * ? * 6 <%(?* #,6* %7/%(C%7 % -67<((?* A+* <<*<C%'(?* 7'+*E/<* )%<
* #C6/?*'<* +#** ?* %6<7#< ?* <%(6?)(%#* -*<C%'(?* 7/(*?* * @6 ?'?*<76?$
) ?* 6*7+6)<%+*7 %< % *C*?* ?* )7<E?* 7 7+*6* <<?6#<7 7+C%
% 66%<?* 7 %+*(/(*7 @6 % << ,(*2
% #* %** "%/(+)$ +6 7<67#(?77 %*7 C%77*7#<(%#* B+#7#?(7<?%?)7 )%< /(*$
6%7#) #C6/?*'< ?* A6@ * @6 ?)77* 6?76#6?* ?* **<*%77 %) 7+*6*
<<?6#<3
% 7%<E* (* % 8@#6?* 76#6?* ?* ),#<* % 6?* >F %<6%<6%*** 6 <%(?*
<<*<C%'(?* E%(+6%*<%6< ?* C6<7#<E* @#6*3
%6 %<* G#** %* <(( %* 6 7+(?* 7 6?// .: ?#* 6?// > >2 -%*7<% 7)< *7$
7+(?* 7 7<E @6 7 * +66#%*$7<(* E%#?* 7C%7 *# 0?!6<6%%#7 -*< (<1 7
6%A6<6 7 @6 * ,*<(%#* "%*7<2 "7 ?!6<6%%# -*< (< <6 < 6E%< 929:= - 6?<<+
?* 6#,#< 7%# %) #)* 6 6 ?(6* 6%6#,#?* *2
"6@6 #%*?7 #* % (7 %<6%<6%* 6 <<A6C(<?* ,(* A%( C%<6 +6<%( C% %* D%$
( 6%<7E%< 7<(<?* )+%(7 6%<* 8+6<%(?* 7), (%#'%<* ?* % ?<E?* %*7 H+$ %'<72
$#
(( "<%(7 ?* C%<6 G*+6)<%+** ** % ?*<6
+6 @6 * $+2
## # ,
' $ $#
2 ) !
$'%( ! )$ 0( 0 (0( "!!# ..
3 #&#- !
#& 3 33
33,)& ) !#& )
'' 4*#& !
... . !
= 4 ,
%633>-1:
-98 -9! 8 #% $%
%6 6?* ?*7 ? G#6 C6?*
* ! (#
) " +$"
$
,% )& ' !
&18 9;+0-5 >;4 5+09:4/31+0-5 '-1:7;52: ,1-(,-5
%'#%" )! & ## #&" %'"&
-98 -9! 8 #% $% %633>-1:
1- <6339:5,1/- #:-33-5);99+08-1*;5/ 5,-5 #1- ;5:-8
)))''%"(%'#&
-=-8*;5/9.819:
"5*5 %69 <* F59%?%99 5<#* @%5'6)* #<9D3 6 <96# 9*9$ <* 5'*)9
12 %69 6 F,)09*DD*95<) =5 (( @5(%#* #<9D5#9 6 %69% * "% *9<)6 =5
9*9 85<#6)<695 5'* <* 6% *63 (6 5.!96 *9%,*(6 9*9)9 %* "<5,0 <*
=*9 5.!96 *9%,*(6 9*9)9 5 (9 69#9 6 =5 % <'<*9 6 "5*5(*6 <96#(*
%* %*5 (,(%6%59* %596#93 *65 %95%95%*** <* %95%95 55%* * %*69(%69<*$
* =5 "5*5%*** <* "5*5 6,@% *95*#)* <* *9@%'(* % *9%,*(* <5,0%$
6#* <* %*95*9%,*(* #<9D6C69) @%953
, .3# # 3#.,# 1 #%,1# 4## 3# =# 93! # .1!& # 1(3#1 ,3.
, ,#
<"8(,1# )60!05*
!1 3#1,. # #%,,3#.(,% # 4, 3 ## ! !11 ,# %## 3#
&,# #.1+
% <6=#5(%#* *,55<* 605,( <* @%95 E*,5)9%,** ** % < <*655 B,)$
0 <*95 666+(! +3
0*## # / #)& !#&!)
+# 1#,+, !, # #+ /$ # / /
3 71 /# /( 2,, ,! / 71+7/ +1# ..(888
-#4$#+### 1# -#4$#+ 1# 4 ,/ ,//( //#
! # #9/ ,# 4+ ,/#, !/ + # 1#
! 1/$ 71 ++#( # //+ /3# 1# 3 /#
;1 /1+ 1# 6+7/ #$/# %### 4+ 1 !
! ;#+/+11# 1# 1 # '1#/#(
4+# , /7/ 2+ # 6 + !4 / 1#
#1# ,
! # &) "!) )
1 !) %+%
"! 2 - & , - $
1,2+ :#$+! /$## 71 ,! / # #$/
## 1 1#,++ :#/+#/,/
444(+1,, ,!( 1#/+ + 1+ )/ # #$/*(
" / / 2,, ,! ! # ,/ + ) +/ + /*
/+/# %++/ 9 +/1# 3$# 6+ 1# 1#
##+# 1# +2,// 4+#+/(
:+ 1,, + / 4+1# +/# 1#/+ #
+ , - ! , #& #& # (' .$ (.( # # ,/+ /
+ / / 2,, ,! ! # 6 + +,$#
#7+ /+ && # .0 2,, ,! ! # $+
'+ - # #+ "6" / !/ ! 5! &8 #
+ !) !) ## #
&8 +/(4/=489/9:9 ,'7 &4=+4-+4+9/1 :4* :29:76&4=+4
,578).:4- -+.%79 =: *+4 <+29<+/9 ,'.7+4*+4 #+497+4 *+7
&4=+4,578).:4- 4 :48+7+3 489/9:9 8/4* 7:4*
+48).+4 &:8 *+7 -&4=+4 "+29 (+8).$,9/-9
$ +-# ' $' '+)*-#+.(&&
*-+!(* *-'"
&+ #*-'"+%*!,
"/7 8:).+4 =:3 4$).893%-2/).+4 #+/96:419 +/4+4
<3*
/+ (/2*+4 =:8&33+4 3/9 *+3 +8).$,98,'.7+4*+4 /7+1957 */+
+8).$,98,'.7:4- *+8 28 *3/4/897&9/;+7 +/9+7/4 8/4* /+
=:-2+/). !+/2 *+8 /7+1957/:38 :4* +&:,97&-9+7 ,'7 *+4 &:8.&29
&(+4 </7 .7 49+7+88+ -+<+)19
&44 (+<+7(+4 /+ 8/). (/8 =:3 :-:89
"+/9+7+ 4,573&9/54+4 :4* *&8 +<+7(:4-8,573:2&7 :49+7
///$)%", *+& ' +, && ''" (,
#., #%1
E) #.#5* %*69 "%* *# 5 6,(<* 6 5<00 / D@3 / @5995 5%960(9D3
% "%*69((<* 5,( 9 %) )9*?5#(9*%6 < 5, (6 %5<* 659%* D@3 %5<* 659
1 6,(<* 6 5<00 /:23
E) #,** %*69 "%* *# 5 6,(<* 6 5<00 /; @5995 5%960(9D3
% "%*69((<* 5,( 9 %) )9*?5#(9*%6 < 5, (6 %5<* 6%*60'9,5%* D@3
%5<* 6%*60'9,5 1 6,(<* 6 5<00 +23
(95*9%? %69 % 5*#) %* %* 6#9% <* 6?5#(9*%6 *# ) .$ <* ). (%#
**((6 D<) "5@5 5 <(%'9%,* =5 % 6095 5*#) %* %*
)9*?5#(9*%63
E) )%99(5* %*69 "%* 5%96?5#(9*%6 )! ) 5%?595 =5 * .*9(%#* %*69
1 .$ <*2 )%9 9% '%9* *# * 5%)5')(* 5 "*9 (9 5<00 + %( EEE 6#*%99
; 5 "*9 (9,5*<* 3
@#6(<* 65%# % *?5*9@,59(%# <* ?%(6%9% 9% '%9*
"%* 6%#55 <* ),5*5 5%960(9D
8<9 <69% 6). (%#'%9*
8<9 5%*5'%9 ?,* 5< <* 5%?9(* 18(%9D%9 %(D%9$ <* (5%96* ,9
E*#,<6$F%*5'5%00 %* F,,059%,* )%9 5 99 =*#* )%9 / (9D*2
* ,9 6 95%(%#* 86<*#%96)* )*96
<, 6,3#
E*9566%594 ** 5<* @%5 <*6 < E#5 @5<* ?,5D< 9 05 "$%(
. 93! '+ 33.1 2:2' *
31.. 1#1 3# ,# !1
1 +'+'+ ,.%# 6##3#
-, 3 7&1(0-, 3 73#,! ##0-, 3 ;,#,
:2$/ 4##
" 6,3# (! +
%5 ?569#* <*6 (6 )%(%*5<*(%#5 5%9 5 <* 5=!* #5 <# @5<* * ?,*
*6#* )%9 -)%(%*0%#9*3 %5 @#5(%69* % 5<%# 8(%#69((<* <* 5<* <*6
=5 @5<* * ?,* *6#* & (%#* 86#(#963 <5 -.55<* 5 8(%#5#9% <* %)
5< @=*6#* @%5 <*6 %*66,*5 @5<* * ?,* -5<*3 % (%#5 "% *<* 5='6%#9%$
* @%5 @5<* * 6#@5#%*595 *6#* ?,5D< 93 "*6, 5='6%#9% * @%5 @5$
<* * )%9 ) <*6# *# %(D%95%9 *9605#* * 056,*((* <* ,5 *%69,5%6#*
. (%#'%9*3
56,**D, * 9* % @%5 %) #)* 6 @5<* 6?5#5*6 ?,* E#** 5#(9* ?55%9* @%5 %) "%*'(* )%9
* 69%))<* * 5 9*6#<9D$85<*?5,5*<* <* ) <*69*6#<9D 69D D<) @' 5 <5#=#5<* 6
@5<* 6?5#5*63 #5 E*,5)9%,** #%5D< 5#(9* % <*95 #990677@@@30)370)75#9><*> 69D79*$
6#<9D5'(5<* 7%*A3#9)(
!(-.+ #( )(( ,."
+ *+#/- #+'( .( .,#%/(-,
&(.(! .( .+" "+.(! /)( #('
.-,"( .,#& +) .( ((-(#,,
#( + .,#%,2( ,#( +1(,"-
+) &&+ .#!##+(&&)-+
)((
Stellengesuche
." (,-&&.(! # +#" #
(( 0 )(-+)&&#(! #- #*&
' &(!$ +. ,+ "+ (-+
,, ( (-+("'(-1#%&
,-.+.(! + )+'()*-#'
+/(4/=489/9:9 ,'7 &4=+4-+4+9/1 :4* :29:76&4=+4,578).:4-
577+48897&+ > ++2&4* ! &9+782+(+4 > 05(8/61-&9+782+(+4*+
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom
Was bleibt? Mein Erbe.
Für unsere Natur.
www.sielmann-stiftung.de
&
%("&$%&(! "
9;+0: )* 96.68:
" %+'" "" %+' % &*'% !)
.8 ,1- )5,-9<-8=)3:;5/ .8 %-8968/;5/ ;5, #6>1)3-9
(" !%% ,%+'""" ,%+' !)
.8 ,1- -9919+0-5 ?4:-8 .8 %-8968/;5/ ;5, #6>1)3-9 15 )849:),: 8)52.;8:
&1-9*),-5 ;5, 1--5 5978-+07)8:5-815 19: 8); 8)5,:
0-8- 5.684):165-5 >; ,-4 5.68,-8;5/97863 96=1- ,-5 -=-8*;5/946
,)31::-5 -80)3:-5 #1- );. ;59-8-8 5:-85-:9-1:- === 87 /1-99-5 0-99-5 ,-
";*812 *-8 ;59 #:-33-5)5/-*6:-
JULI 2021
Japan,
Olympia
und wir
Außerdem: Bei Franka Potente in L.A.
Das Kaffeehaus der 100 Zeitungen
In den Kunsthäusern am Sachsenwald
Zwei Varianten von Kichererbsen
Narciso Rodriguez im Fragebogen
Das Besondere
liegt in unserer Natur.
Erleben Sie die Schweizer Alpen
wie nie zuvor: Mit der Neueröffnung
am 25. Juni 2021 wurde unser Grand Hotel
aus der Belle Epoque zum modernen
Fünf-Sterne-Refugium im Herzen
der Schweiz. Lassen Sie sich
vom Engelberger Sommer verzaubern
und von uns verwöhnen.
ENTDECKEN SIE UNSERE EXKLUSIVEN
ERÖFFNUNGSANGEBOTE:
W W W.KEMPINSKI.COM/ENGELBERG
+41 41 639 75 75
EDITORIAL
AUF
DEM
WEG
Verantwortlicher Redakteur:
Dr. Alfons Kaiser
E-Mail Redaktion:
magazin@faz.de
Redaktionelle Mitarbeit:
Julia Anton, Peter Badenhop, Johanna Christner,
Achim Dreis, Johanna Dürrholz, Claus Eckert, Sebastian
Eder, Leonie Feuerbach, Aylin Güler, David Klaubert,
Ben Kuhlmann, Michael Martens, Celina Plag,
Peter-Philipp Schmitt, Dr. Stefanie Schütte, Bernd Steinle,
Jakob Strobel y Serra, Patrick Welter, Jennifer Wiebking,
Maria Wiesner, Fara Phoebe Zetzsche
Alle Artikel werden exklusiv für das „Frankfurter
Allgemeine Magazin“ geschrieben. Alle Rechte
vorbehalten. © Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH,
Frankfurt am Main.
Bildredaktion:
Henner Flohr
FOTO GETTY
a, stimmt schon, mit Japan habe ich nicht viel zu tun.
Ich war noch nie da, bin also auch nicht qualifiziert, viel
darüber zu sagen. Also schreibe ich wenig – für diese
30 Zeilen muss es reichen. Vielleicht komme ich dem
Thema auf einem Umweg näher, über die Klavierlehrerin
unseres Sohns. Sie ist Japanerin, wohnt in Frankfurt, ist
Konzertpianistin und unterrichtet nebenher einige Schüler;
das war in Corona-Zeiten, in denen kaum Konzerte stattfanden,
ein gutes Zubrot. Weil ich oft im Homeoffice saß, hörte ich im
Nebenzimmer ihre Erziehungsversuche per iPad-Fernunterricht:
„Jaaaa“, sagte sie zum Beispiel, „das hast du gut gemacht.“ Um
gleich den Satz nachzuschieben: „Und jetzt machen wir es noch
einmal.“ Selten habe ich jemanden erlebt, der so hartnäckig und
zugleich so freundlich ist, so qualitätsbesessen und zugleich so
nachsichtig. In den Artikeln, die wir in diesem Heft als kleine
Vorbereitung auf die Olympischen Spiele drucken, kommt das
immer wieder zum Vorschein: der deutsche Judoka, der fasziniert
ist vom Studium des sanften Wegs; der Amerikaner, der sich die
Anerkennung der Japaner über Jahre erkocht; die japanische
Designmarke, die sich im Holzmöbelbau auch mit Hilfe europäischer Designer globalisiert. Wir bieten Ihnen auch einige weitere
Themen, das Shooting mit Franka Potente, einen Bericht über neue
Kunsthäuser bei Hamburg, einen Einblick in das Geschäft mit dem
Champagner, zwei gute Kichererbsen-Rezepte – und wir hoffen,
dass Sie auch in diesen Artikeln den Geist erkennen, von dem wir
hier in der Redaktion nun alle beseelt sind: sich gegenseitig zu
helfen und einander zu verstehen zum beiderseitigen
Fortschritt. Klingt zu schön, um wahr zu
sein? Lesen Sie doch erst mal
dieses Heft! Alfons Kaiser
Art-Direction:
Holger Windfuhr, Tobias Stier (Stv.)
Eine Verwertung dieser urheberrechtlich geschützten
Redaktionsbeilage sowie der in ihr enthaltenen Beiträge
und Abbildungen, besonders durch Vervielfältigung
oder Verbreitung, ist – mit Ausnahme der gesetzlich
zulässigen Fälle – ohne vorherige schriftliche
Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar.
Besonders ist eine Einspeicherung oder Verbreitung
von Inhalten aus dem Frankfurter Allgemeine
Magazin in Datenbanksystemen, zum Beispiel als
elektronischer Pressespiegel oder Archiv, ohne
Zustimmung des Verlags unzulässig.
Sofern Sie Artikel dieses Magazins nachdrucken, in
Ihr Internet-Angebot oder in Ihr Intranet übernehmen
wollen, können Sie die erforderlichen Rechte bei der
F.A.Z. GmbH erwerben unter www.faz-rechte.de.
Auskunft erhalten Sie unter nutzungsrechte@faz.de
oder telefonisch unter (069) 75 91-29 01.
Anzeigen:
Ingo Müller (verantwortlich) und Jürgen Maukner,
REPUBLIC Marketing & Media Solutions GmbH,
Mittelstraße 2-4, 10117 Berlin, www.republic.de
Redaktion und Verlag:
(zugleich ladungsfähige Anschrift für die im Impressum
genannten Verantwortlichen und Vertretungsberechtigten)
Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH
Hellerhofstraße 2-4
60327 Frankfurt am Main
Druck:
Mohn Media Mohndruck GmbH
Carl-Bertelsmann-Straße 161M
33311 Gütersloh
Geschäftsführung:
Thomas Lindner (Vorsitzender)
Dr. Volker Breid
Hersteller:
Andreas Gierth
3
7
in Bewegung. Von Degenfechten
bis Wasserspringen hat er in
seinem Sportstudium alles ausprobiert. Und auch als Sportredakteur berichtet er gerne von
der Vielfalt jenseits des Fußballs.
Bei den Olympischen Spielen in
Tokio wird ein Kampfsport im
Mittelpunkt stehen, der hierzulande kaum beachtet wird: Judo.
Für seinen Artikel traf sich Dreis
mit dem früheren Weltmeister
Alexander Wieczerzak (rechts im
Bild) und dem Medaillenaspiranten Eduard Trippel (Seite 30),
um die Popularität des JudoSports in Japan zu ergründen.
FOTOS ACHIM DREIS, FARA PHOEBE ZETZSCHE, PATRICK WELTER, JES PALUMBO-LEVY
PATRICK WELTER ist nach
Stationen in Frankfurt und
Washington seit 2015 zum zweiten Mal für die F.A.Z. in Tokio.
Als Korrespondent für Japan und
Südkorea schreibt er überwiegend
über Wirtschaft und Politik.
Doch seit der coronabedingten
Verschiebung der Olympischen
Spiele in Tokio 2020 beschäftigen
ihn sportlich neben dem gelegentlichen Blick aufs Sumo mal
wieder die fünf Ringe. Die Frage
ist dabei, ob mitten in der Pandemie gesundheitliche Risiken für
Athleten und Japaner ausgeschlossen werden können. Welter
wohnt in Tokio und ist, wie man
sieht, oft im Menschengewimmel
an der großen Kreuzung vor dem
Bahnhof Shibuya anzutreffen.
Für unser kleines „Japan-Extra“
hat er „Grüße aus Tokio“
geschickt (Seite 38). Denn fürs
Fotografieren ist dieser
Korrespondentenplatz wie
geschaffen.
MITARBEITER
ACHIM DREIS war schon immer
FARA PHOEBE ZETZSCHE
hat sich mit einer Reise nach Japan
einen lang gehegten Wunsch
erfüllt. In ihrem Fotografiestudium in Hannover und Aarhus
entdeckte sie japanische Fotografen wie Hiroshi Sugimoto
und Daidō Moriyama, die Bilder
dieses fernen Landes zwischen
Moderne und Tradition, Vertrautem und Bizarrem zeichnen.
Mit diesen Fotos im Kopf machte
sich die Bildredakteurin der
F.A.Z. auf die Reise, um eigene
Bilder zu finden. Wie man sieht
(Seite 28), ist ihr das gelungen.
JES PALUMBO-LEVY ist
Produzentin, Agentin, ZeitzonenJongleurin: Die Argentinierin hat
viele Qualifikationen. In ihrer
langjährigen Heimat New York
hat sie Modestrecken für große
Magazine und Marken organisiert und junge Talente groß
gemacht. Wegen der Liebe ist sie
im Lockdown nach Berlin gezogen. Von dort aus dirigierte sie
die Aufnahmen mit Franka
Potente in Los Angeles (Seite 16).
Bei all den Fragen um die passende Fotografin und die besten
Make-up-Leute, um Reiseerlaubg und
nisse,, Kleiderlieferungen
Corona-Testpflichten unterstützte sie das Team in K
Kalifornien.
Dank ihrem Netzzwerk auch
an der Westküstee gelang
das Shooting – obwohl
o
es
kurz vor Redakktionsschluss stattfan
nd.
ENTDECKE DIE PERFEKTEN SHORTS
Mit den Originals hat MR MARVIS eine Ikone geschaffen Shorts mit ultimativer Passform und durchdachten Details.
Die Originals werden in Portugal aus hochwertigem
GEFERTIGT IN PORTUGAL
40+ FARBEN
Oeko-Tex-zertifiziertem Baumwoll-Stretchgewebe handgefertigt. Unsere perfekten Shorts gibt es jetzt in über 40
Farben. Für welche werden Sie sich entscheiden?
ELASTISCHER HOSENBUND
REISSVERSCHLUSSTASCHE
KOSTENLOSER VERSAND
BESTELLE JETZT DEINE MR MARVIS SHORTS AUF MRMARVIS.DE
(4.82/5)
INHALT
Auf dem Weg: Deutsche
Judoka können nur
staunen, wie die Japaner
diesen Sport leben.
Zu den Olympischen
Spielen nach Tokio
trauen sie sich trotzdem.
(Seite 30)
Mitten im Grünen:
Der Sammler Rik Reinking
hat ein Kunsthaus am
Sachsenwald gebaut,
das sogar Hamburger
beeindruckt. (Seite 22)
ZUM TITEL
12 SIMON SCHWARTZ
15 ROLAND HERLORY
16 FRANKA POTENTE
32 IVAN ORKIN
42 NARCISO RODRIGUEZ
Der Fackelläufer Tanaka war
auf einem der vier offiziellen Poster
zu den Olympischen Spielen 1964
in Tokio zu sehen.
EINFAHRT Vor 60 Jahren öffnete
das erste „Drive-in“-Restaurant
in Frankfurt. Seite 11
EINZUG Japans größter Hersteller
von Holzmöbeln hat jetzt den
Markt in Europa im Blick. Seite 34
EINSICHT Sonnenbrillen spiegeln
EINDRUCK Hans-Joachim Klein
EINSATZ Adidas und Allbirds
EINKAUF In der Krise greifen
den Trend der Sportlichkeit in
der Alltagsmode wider. Seite 14
präsentieren einen Sneaker mit
kleinem CO2-Abdruck. Seite 15
hat Olympia 1964 in Tokio als
Schwimmer erlebt. Seite 36
viele lieber zu Champagner als
zu Prosecco. Seite 40
FOTOS FRANK RÖTH, DANIEL PILAR, CLAUS ECKERT, MAFALDA RAKOŠ, BRIDGEMAN
Die nächste Ausgabe des Magazins liegt der Frankfurter Allgemeinen Zeitung am
14. August bei. Im Netz: www.faz.net/stil Facebook: Frankfurter Allgemeine Stil
Instagram: @fazmagazin Twitter: @fazmagazin
Vielseitig: Das Café
von Ulrich Traxlmayr in
Linz bietet dem Gast
100 Zeitungen. (Seite 26)
Mit vielen Kichererbsen:
Hummus ist auch in
Deutschland zu einer
beliebten Vorspeise
geworden, sogar zum
Hauptgericht. Aber
wie bekommt man ihn
gut hin? (Seite 41)
9
M2 Seven Seas
Die M2 Seven Seas Signal Yellow im 50 atm druckgeprüften Reintitangehäuse.
Zuverlässigkeit, Präzision und optimale Ablesbarkeit. Geschaffen mit eben jener
Perfektion, die das Attribut „Made in Glashütte” zu einem Qualitätsversprechen von
Weltrang gemacht hat. Erfahren Sie mehr auf www.tutima.com.
Kieler
Woche
2021
FÜR DIE GEMACHT, DIE MACHEN.
04.–
12. Sept.
Offizieller Zeitnehmer
der Kieler-WocheRegatten seit 2005
TUTIMA UHRENFABRIK GMBH NDL. GLASHÜTTE
01768 Glashütte/Sa. · Deutschland · Tel. +49 35053 320 20 · Exklusiver Katalog unter info@tutima.com · www.tutima.com
BILDER AUS DER ZEITUNG
VOR
SECHZIG
JAHREN
Es ist eines der größten Mysterien der Menschheit: Wie
konnte sie schon vor vielen tausend Jahren pharaonische
Pyramiden, hängende Gärten, kolossale Leuchttürme
errichten, wie konnte sie Odysseen und Orestien dichten,
die Demokratie erfinden und die Nike von Samothrake
erschaffen, während es ihr erst vor kaum zwei Jahrhunderten gelang, sich am Esstisch einigermaßen manierlich
zu benehmen? Die Geschichte unserer Tischsitten ist ein
zivilisatorisches Trauerspiel, ein erschütterndes Sammelsurium aus Grobheit, Derbheit und Sittenlosigkeit. Die
alten Griechen bestellten sich gerne Lustknaben zu ihren
Gelagen, weil sie sich mit einer Fleischeslust nicht
begnügen wollten. Die antiken Römer steckten sich eine
Feder in den Rachen, wenn sie sich überfressen hatten,
nur um danach weiter zu völlen. Und nicht nur prominente Reformatoren hätten auch im Schweinestall futtern,
furzen und rülpsen können. Zu Tisch auf einen Stuhl
setzte man sich erst in der frühen Neuzeit – auch wenn
Leonardo da Vincis „Letztes Abendmahl“ etwas anderes
suggeriert –, davor lümmelte man sich auf Bänken oder
hockte auf dem Boden. Und dass das Speisen mit Messer
und Gabel der menschlichen Natur angemessener ist als
jenes mit Kelle und Dolch, ist ohnehin erst eine Erkenntnis des späten 18. Jahrhunderts.
Es ist eines der größten Rätsel der Menschheit: Wieso
wirft sie so oft und so lustvoll den Fortschritt im Namen
des Fortschritts über den Haufen und stuft sich freiwillig
ein paar Grade in die zivilisatorische Primitivität zurück –
so wie am 19. Juli 1961, als ein Autofahrer in Frankfurt an
einem sonderbaren neuartigen Gasthaus vorfuhr und sich
Schnellspeisen aus dem Imbiss- ins Autofenster reichen
ließ? Mit einer Mischung aus kindlichem Staunen und
ungläubiger Begeisterung schrieb diese Zeitung am
folgenden Tag dazu: „Eine in Amerika schon selbstverständlich gewordene Einrichtung findet nun auch in
Deutschland Anhänger. Nachdem in Hannover schon vor
einiger Zeit eine ,Drive-in‘-Gaststätte eröffnet wurde,
besteht nun auch in Frankfurt ein solches Lokal. Der
Autofahrer bleibt in seinem Fahrzeug sitzen, teilt dort
durch eine Sprechanlage seine Wünsche mit und fährt
dann an einen Schalter, wo ihm der Imbiß gereicht wird.
Höchstens zwei Minuten muß er bis zum fertigen Mahl
warten. Die verabreichte Kost entspricht den Bedürfnissen eines Fahrers. Sie ist leicht, bekömmlich und wird in
Pappgefäßen serviert. Bequemer geht es kaum noch.“
So sehr man sich den Enthusiasmus für den „Dernier
Cri des États-Unis“ mit der ruhmreichen weltpolitischen
Rolle Amerikas im 20. Jahrhundert erklären kann, so sehr
verwundert doch die Selbstverleugnung einer europäischen Kulturnation wie der deutschen. Sie feiert die
Autofahrergaststätte als evolutionäre Vollendung des
„homo automobilensis“ und schert sich nicht darum, dass
er nun wieder in unangemessener Haltung mit den Händen isst statt am Tisch mit Messer und Gabel, dass er sich
mit Pappe statt Porzellan zufrieden gibt und mit vorgefertigter Industriekost abspeisen lässt, die der dreitausendjährigen kulinarischen Tradition Europas Hohn spricht.
Man bekleckert sich, produziert bergeweise Müll, schenkt
dem Essen keine gebührende Aufmerksamkeit – wobei
das angesichts dieser Speisekarte auch kein Schaden ist –
und bejubelt die Trägheit als kulturellen Triumph:
„Bequemer geht es kaum noch“, wohl wahr. Stilloser,
gedankenloser, geschmackloser aber auch nicht.
Es ist eines der größten Wunder der Menschheit: Sie
schafft es trotz all ihrer Unzulänglichkeit immer wieder,
Irrwege als solche zu erkennen und auf den rechten Pfad
zurückzukehren. „Drive-in“-Lokale konnten sich weder in
Frankfurt noch im restlichen Deutschland flächendeckend durchsetzen, führen heute eine Randexistenz für
Menschen mit unheilbarer Amerika-Begeisterung und
haben selbst in der Corona-Zeit, die ihrem Wesen eigentlich sehr in die Hände spielt, keine Blüte erlebt. Lenkrad
und Schoß werden niemals Tisch und Tafel ersetzen, und
die Menschheit, jedenfalls ihre Mehrheit, hat sich wieder
einmal selbst gerettet. Jakob Strobel y Serra
Aus der F.A.Z.
vom 20. Juli 1961:
In Frankfurt geht das
erste Drive-in-Lokal
in Betrieb. In Amerika
ist es „eine schon
selbstverständlich
gewordene
Einrichtung“.
Foto Lutz Kleinhans
11
12
VITA OBSCURA
Von Simon Schwartz
ANZEIGE
LAMY 2000
Klassiker der Moderne
Zum 55-jährigen Jubiläum des LAMY 2000 erscheint eine einmalige Sonderedition des
Kolbenfüllhalters aus dunkelbraunem Polycarbonat und farblich korrespondierendem
Edelstahlclip. In einer edlen Geschenkbox inklusive ledergebundenem Notizbuch und
Biografie des Designers Gerd A. Müller präsentiert sich der Füllhalter als Teil eines
exklusiven Liebhaber-Sets. Diese Jubiläumsausgabe ist auf 3 300 Stück limitiert und
fortlaufend nummeriert.
D
Alle Fotos Lamy
as Bild der Marke LAMY ist eng verknüpft mit der Erfolgsgeschichte des
LAMY 2000. Der 1966 entwickelte
Füllhalter begründete die Ära des unverwechselbaren Lamy-Designs und ist heute
der Klassiker unter den Designschreibgeräten. Mit seiner betont sachlichen Form
definierte der LAMY 2000 neue Maßstäbe
in der Schreibgerätegestaltung und wurde
prägendes Vorbild für die Entwicklung
zahlreicher weiterer innovativer Entwürfe
der Marke. 1966 legte Dr. Manfred Lamy
mit dem Entwurf für ein völlig neuartiges
Schreibgerätedesign den Grundstein für
die zukünftige Designphilosophie der Marke LAMY. Gemeinsam mit dem früheren
Produktdesigner von Braun, Gerd A. Müller,
entwickelte er den LAMY 2000. Form und
Funktion basierten auf den Gestaltungsprinzipien des Bauhauses und machten
ihn zu einer zeitlosen Designikone, die
heute weltweit in Museen gewürdigt wird.
Dieser Design-Ansatz war nicht nur für
die Zeit innovativ, sondern sucht bis heute
seinesgleichen: Pioniergeist begründet
von Beginn an einen Grundwert der LamyUnternehmenskultur. Die erste und fundamentale Voraussetzung für den Designprozess bei Lamy ist, eine Haltung zu den
Dingen zu entwickeln. Sie sollen schön,
funktional, langlebig und möglichst für alle
zu erwerben sein. Lamy hat für seinen Entwurfsprozess Leitplanken entwickelt, auch
Designkorridore genannt: keine Ornamente
oder modischen Verzierungen, das
Wichtigste ist eine lange physikalische
und vor allem auch visuelle Haltbarkeit.
Seit inzwischen 55 Jahren wird die
Modellreihe LAMY 2000 in der Kombination von Polycarbonat und Edelstahl gefertigt. Der nahtlose Übergang zwischen
den beiden Werkstoffen ist bis heute ein
unerreichtes Alleinstellungsmerkmal dieser
hochwertigen und herausragenden Schreibgeräteserie. Für die Produktion ist eine
Kombination aus hochpräzisen technischen
Prozessen und anspruchsvollem Handwerk erforderlich.
Das Softcover-Notizbuch ist mit einem
Einband aus echtem Rindsleder ausgestattet.
Die 160 Innenseiten bestehen aus dem
hochwertigen Designpapier Biancoflash
Natural von Favini. Zu den weiteren
Features zählen Sammeltasche und Stiftöse
sowie zwei Textilbänder als praktische
Lesezeichen sowie die bislang unveröffentlichte Biografie des Designers Gerd A.
Müller. Diese bietet eine komprimierte
Werkschau von einem der bedeutendsten
deutschen Industriedesigner in der zweiten
Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sie zeichnet
ein aufschluss- und erkenntnisreiches Bild
über das Wirken Müllers, dessen zeitlose
Designschöpfungen u. a. für die Marken
Braun oder LAMY Weltruhm erlangten.
Eine Haltung zu den Dingen zu haben,
das setzt Bildung, Wissen, Bewusstsein
und nicht zuletzt eine kulturelle Fundierung
voraus – so die Überzeugung von Dr. Lamy.
Basierend auf der unternehmerischen
Vision und dem Design-Ansatz von
Dr. Manfred Lamy, wird das Unternehmen
als substanzielle Marke mit Herkunft seine
Erfolgsgeschichte fortsetzen – mit klarer
Haltung und Werten.
Gerd A. Müller wurde 1932 geboren; er studierte
an der Werkkunstschule Wiesbaden. Ab 1960
gestaltete Müller als selbständiger Designer
zahlreiche Produkte für Unternehmen, u.a. für Lamy.
Weitere Informationen finden
Sie unter www.lamy.de
In einer edlen Geschenkbox inklusive
ledergebundenem Notizbuch und Biografie des
Designers Gerd A. Müller präsentiert sich der
Füllhalter als Teil des exklusiven Liebhaber-Sets.
V.i.S.d.P. Beate Oblau I C. Josef Lamy GmbH I Grenzhöfer Weg 32 I 69123 Heidelberg I Deutschland
14
PRÊT-À-PARLER
1
2
3
4
5
6
Sports & the City
Rückblickend könnte der Hype um das Fußballtrikot
seinen vorläufigen Höhepunkt 2018, kurz vor der WM
in Russland, erreicht haben. Eine Nation genoss das
wunderbare Weltmeistergefühl, freute sich auf PublicViewing-Ereignisse, auf Grillabende vor dem Fernseher,
auf Tippspiele mit den Kollegen. Das Wetter war
traumhaft, die Laune gut. Natürlich brauchte es etwas
Passendes zum Anziehen. Nicht nur Adidas stand
bereit, auch fußballferne Häuser wie s.Oliver und
Schumacher legten T-Shirts mit thematisch passenden
Motiven auf. Nach der 0:2-Niederlage in der Vorrunde
gegen Südkorea waren diese Teile dann höchstens noch
was für den hinteren Teil des Kleiderschranks. Das
Trikot 2021 ist nur selten überhaupt dort gelandet,
ohne Public Viewings braucht man kein neues.
Es gibt natürlich größere Tragödien als jene, dass
ausgerechnet in diesem Sportsommer, in dem gleich
zwei Großereignisse nachgeholt werden, das Merchandising-Geschäft mau läuft. Soll nicht heißen, dass der
Sport nicht längst angekommen wäre in der Mode.
Sneaker zu allem, Yoga-Bekleidung, die mindestens für
den Supermarkteinkauf taugt, Hoodies statt Jacketts,
das alles dient nicht nur dem Komfort, es signalisiert
auch: Ich bin ein entspannter Typ, selbst wenn ich an
Wochenenden für meinen Arbeitgeber erreichbar bleibe
und auf dem Handy über drei Kanäle gleichzeitig
kommuniziere.
Sogar Sonnenbrillen, bei denen das Komfort-Kriterium nun wirklich keine Rolle spielen muss, fügen sich
diesem Trend der Sportlichkeit in der Alltagsmode. Sie
sind eckig, wie von Prada (2) und Lindberg (4), sie sind
zur Hälfte rahmenlos wie von Giorgio Armani (3). Sie
sind also nicht groß und rund, à la Jackie O. Selbst das
Modell von Saint Laurent (6) wirkt noch sportlichdynamisch, obwohl es den Retro-Cat-Eye-Stil zitiert.
Fürs echte Rennradfahren sind Brillen wie auch jene
von Viu (1) und Bottega Veneta (5) vielleicht nicht gemacht, es sei denn, man nutzt sein Super-Sport-Fahrrad
einfach in der City, was ja auch immer beliebter sein
soll. (jwi.)
Foto Daniel Stier
15
SNEAK AROUND (32):
ADIDAS X ALLBIRDS
FUTURECRAFT.FOOTPRINT
FOTOS AYLIN GÜLER, HERSTELLER
„Der Sportschuh mit dem niedrigsten KohlendioxidFußabdruck aller Zeiten.“ Dieses Ziel wollen der deutsche
Sportartikelhersteller Adidas und der amerikanische
Schuhfabrikant Allbirds mit ihrer Kooperation erreichen.
Gemeinsam haben sie in den vergangenen Monaten am
Futurecraft.Footprint gearbeitet – einem Laufschuh mit
einem Fußabdruck von nur 2,94 Kilogramm Kohlendioxid pro Paar und 63 Prozent weniger Emissionen bei
der Herstellung; ein normales Sneaker-Paar kommt
durchschnittlich auf 12,5 Kilogramm. Die Daten des
Futurecraft.Footprint zeigen also einen klaren Rückgang
der schädlichen Emissionen. Er ist bis dato der Laufschuh
mit der besten Klimabilanz.
Die Teams von Adidas und Allbirds arbeiteten von der
Entwicklung bis zur Ausführung digital zusammen, über
mehrere Zeitzonen hinweg und auf zwei Kontinenten.
Das war nicht nur Corona geschuldet, sondern auch
im Sinne eines Entwicklungsprozesses mit geringem
CO2-Ausstoß, wie Hana Kajimura, Head of Sustainability
von Allbirds, sagt. In weniger als zwölf Monaten erfanden
sie so den Laufschuh, der trotz seiner Kohlendioxid-Werte
auch Leistung und gutes Aussehen bieten soll. Der Prototyp kam im Mai in streng limitierter Produkteinführung
auf den Markt. Im Herbst kommt er in einer limitierten
Auflage von 10.000 Stück heraus, im Frühjahr 2022
schließlich in größerer Auflage.
Der Schuh vereint hauseigene Technologien der
Unternehmen, die sich gegenseitig ergänzen: die AdidasLightstrike-Zwischensohle und den auf Zuckerrohr
basierenden Allbirds-Sweet-Foam, eine natürliche Alternative. Das neu entwickelte Obermaterial besteht aus
70 Prozent recyceltem Polyester und 30 Prozent natürlichem Tencel, einem Material aus Zellstoff, das ein weiches
und leichtes Obermaterial bietet, das Leistungsansprüchen
gerecht wird und bei dessen Produktion weniger CO2
ausgestoßen wird. Aus den Einzelteilen ergeben sich im
Zuschnitt so wenig Stoffreste wie möglich.
Das Allbirds-Know-how in den natürlichen Materialien und der Berechnung von Emissionen sowie die AdidasExpertise in der Herstellung haben diesen Schuh ins Lau-
fen gebracht. Jedes Exemplar trägt als Hinweis auf den
Fußabdruck die Ziffern „2.94“ auf der Außensohle. Die
Zusammenarbeit soll laut Kimia Yaraghchian, Produktmanagerin bei Adidas, auch eine Aufforderung an andere
Unternehmen sein, zu zeigen, dass Klimaneutralität erreichbar ist. Nebenbei verrät Yaraghchian, dass es weitere
gemeinsame Projekte mit Allbirds geben wird.
Auch für mich als Sneaker-Fan ist es wichtig, dass die
Zukunft von Sport und Mode klimaneutral ist. Bisher hat
die Schuhindustrie ein Umweltproblem. Die Kooperation
von Adidas und Allbirds ist ein Schritt in die richtige
Richtung. Hoffentlich werden bald noch weitere Unternehmen verbesserte Herstellungsmethoden anwenden.
Weniger kann eben mehr sein. Aylin Güler
Shorts aus der Jubiläumskollektion
von diesem Sommer mit Motiven
von 1992, 1994 und 1983
„Wir liegen
noch gar nicht so
lange am Strand“
Herr Herlory, Sie sind
Geschäftsführer der Bademoden-Marke Vilebrequin.
Menschen, die sich für Stil
interessieren, fällt bei diesem
Stichwort ein ganz bestimmtes
Paar Shorts ein: bunt, locker,
auf dem Steiß das Emblem
in Dunkelblau. Vor 50
Jahren kam ihr Gründer
Fred Prysquel auf diese
Idee. Dabei bedeutet
Vilebrequin übersetzt:
Kurbelwelle.
Der Begriff ist wirklich
umständlich, egal in welcher Sprache, Vilebrequin
ist einer der am schwersten
auszusprechenden
Namen überhaupt. Aber
die Geschichte dazu ist
schön: Fred war Motorsport-Journalist, Autos waren seine Leidenschaft. In SaintTropez lernte er eine Frau kennen und
verliebte sich. Sie ging ihm nicht
mehr aus dem Kopf, deshalb zog er
dorthin. Das war die Zeit nach
1968, Saint-Tropez war der Inbegriff von freiheitlichem Leben.
Bis dahin gab es kein Strandleben, und in Saint-Tropez wurde daraus eine Kunst. Die Männer trugen kleine Badehosen,
und darin fühlte sich Fred
Prysquel nicht wohl. Um die
Frau in Würde für sich zu gewinnen, kam er auf eine andere Lösung, auf die Schwimmshorts. Fred hatte zuvor Surfer
in Kalifornien in solchen Hosen
gesehen, aber seine waren nicht dafür da, um darin Sport
zu machen, sondern um den ganzen Tag am Strand zu
verbringen.
Konnte er damit auch bei der Frau landen?
Ja, er war erfolgreich, sie heirateten, bekamen Kinder und
verbrachten ihr ganzes Leben gemeinsam. Die Frau, Yvette,
hatte eine Boutique, Mode war ihre Leidenschaft, und sie
erkannte, dass auch die Shorts dieses Manns
interessant waren. Also verkauften sie die in
ihrem Laden, und dafür brauchten sie einen
Namen. Weil seine Leidenschaft Autos waren, und es in Yvettes Laden eine Metalltreppe gab, die von weitem an eine Kurbelwelle
erinnerte, tauften sie die Shorts: Vilebrequin. Der schlimmste Name fürs Marketing. Selbst die Franzosen schreiben es
falsch.
Strandmode ist damals wie heute ein heikles
Thema. Sie wohnen auf St. Barth, in
Strandnähe. Sind Frauen nach Ihren
Beobachtungen wirklich so viel sensibler als
Männer?
Beide sind sensibel, jeder auf seine Weise.
Frauen achten mehr auf die Optik, Männer achten mehr auf den Komfort.
Das klingt trotzdem nach: Frauen
machen sich Druck, Männer sind
entspannt.
Frauen betrachten ihren Körper
ganz anders, und auch da gibt es
große regionale Unterschiede. Nicht
überall mögen sie ihren Körper gleich
gerne, und das bestimmt die Art und
Weise, wie sie ihn zeigen.
Was sind Ihre wichtigsten kulturellen
Erkenntnisse zum Thema Strandmode?
Es gibt immer Ausnahmen, aber die
Tendenz in Europa ist: Frauen fühlen
sich im globalen Vergleich in ihrem
Körper wohl. Sie wollen ihn auch
nicht verändern und akzeptieren
ihn, wie er ist. So zeigen sie ihn
auch. In den USA gestalten sie
mehr, sie nutzen zum Beispiel Pushups. Dort hat das Thema Körper
eine größere Brisanz: Man darf diesen Teil der Brust zeigen, aber nicht
jenen, etwa die Brustwarze. Also
braucht es mehr Polsterung. Es
gibt gewisse gesellschaftliche
Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen. In Asien
sind viele Frauen zwar super
dünn, aber ihrem Körper wollen sie ein bisschen Form geben, also ist es wichtig, dass
Bikini-Oberteile zum Beispiel
Volants haben. Es geht ihnen
damit auch um das Gefühl,
bekleidet zu sein, obwohl sie
nicht viel anhaben.
Und Südamerikanerinnen?
Dort haben viele gar kein
Problem mit Nacktheit, je
weniger Stoff, umso besser.
Sie unterhalten einige Läden in Sanya. Ist das wirklich das
Saint-Tropez von China?
Das ist der Strandort für die Chinesen. Aber es ist komplett
anders als Saint-Tropez: große Hotels, alles ist neu, selbst das
Schwimmen und die Sonne sind neu. In Asien legt man sich
traditionell nicht in die Sonne, weil man nicht braun werden
will, und Schwimmen war nie ein Thema.
Das ändert sich, mit Wasserparks und Wassersport. Dort lernen sie jetzt neben schwimmen auch surfen, zu drei Vierteln sind es übrigens Frauen in den Surfschulen. Und in den
Großstädten werden allerorts Schwimmbäder gebaut. Auch dort lernen viele das
Schwimmen. Das erinnert aber auch daran,
dass die Strandkultur auch bei uns noch
recht jung ist.
Der Franzose Roland
Herlory lebt seit 2001 auf der
Karibikinsel St. Barths.
Seit 2012 ist er Geschäftsführer des Pariser Bademodeunternehmens Vilebrequin,
das 1971 von Fred Prysquel
gegründet wurde.
Damals in Saint-Tropez . . .
Ja, in den Siebzigern ging das los. Seit gerade einmal fünf Jahrzehnten machen wir
das: den ganzen Tag dort zu verbringen.
Wir liegen noch gar nicht so lange am
Strand.
Die Fragen stellte Jennifer Wiebking.
16
Franka Potente hat einen Spielfilm gedreht, der alle ihre
Leidenschaften verbindet: denken, schreiben, planen, spielen.
Der Film, der in wenigen Tagen ins Kino kommt, heißt
„Home“. Also haben wir sie in ihrer Wahlheimat Los Angeles
besucht – und sie in neuer Mode auftreten lassen.
Interview Celina Plag, Styling Leonie Volk, Fotos Marie Tomanova
Blouson-Mantel aus Wolle im Antik-Dessin von Louis Vuitton,
Dad-Jeans aus Bio-Baumwolle von Raey über den Onlineshop
Matchesfashion, Nieten-Ringe von Givenchy
Frau Potente, über Ihre Wahlheimat schrieben Sie einmal:
„Wann ist man wirklich Einheimischer in einer Stadt wie
Los Angeles, in der Menschen aller erdenklichen Religionen,
Hautfarben, Dialekte, Sprachen und Bräuche mit- und
nebeneinander leben?“ Haben Sie auf die Frage mittlerweile
eine Antwort gefunden?
Ich glaube, dass meine Beziehung mit der Stadt situativ ist.
Es gibt Momente, in denen man denkt, man kennt hier
schon alles. Und dann passiert etwas tolles Neues. Manchmal verspüre ich ein Gefühl von Distanz. Meine beiden
Töchter sind hier geboren. Das ist natürlich ein Anker, den
man vorher nicht hatte. Es zurrt einen fester an einen Ort.
In der Pandemie hatte ich totale Verbundenheitsgefühle.
Ich habe angefangen, Brot zu backen, und überlegt,
Hühner zu kaufen. Und drei Drehbücher geschrieben.
Los Angeles ist auch der Schauplatz Ihres Langspielfilmdebüts als Regisseurin. Das Drehbuch zu „Home“ haben Sie
ebenfalls geschrieben. Darin erzählen Sie die Geschichte von
Marvin, der nach einem langen Gefängnisaufenthalt
versucht, in der alten Heimat wieder Fuß zu fassen. Hätten
Sie „Home“ jetzt nach eineinhalb Jahren Pandemie gedreht,
wäre es ein anderer Film geworden?
Tatsächlich hat die Pandemie „Home“ bereits zu einem
anderen Film gemacht, weil sie der Lesart etwas hinzufügt.
Marvin hat seine Mutter 17 Jahre lang nicht gesehen. Dazu
hat man jetzt eine andere Verbindung: Meine Familie in
Deutschland konnte ich zuletzt 2019 besuchen. Da ist
außerdem die Losgerissenheit von seinem Bezugsort, das
Gefühl, in seiner Heimat isoliert zu sein. Marvin möchte
Kontakt, aber es ist schwierig. Er skatet im Film leere
Straßen entlang. Allein zu sein ist zentral.
Sie sind auch Schriftstellerin. Ihr letzter Roman „Allmählich
wird es Tag“ (2014) handelt, wie „Home“, von einem Mann,
Zweifarbige Patchwork-Jeansjacke von Lutz Huelle, High-Rise-Jeans mit asymmetrischer Knopfleiste von Agolde
über den Onlineshop Mytheresa, getönte Sonnenbrille von Gentlemonster, floraler Ohrstecker von Panconesi
Voluminöser Denim-Mantel mit aufgesetzten Taschen und surrealistisch anmutenden Knöpfen von Schiaparelli
SEITENTITEL
Überlanges Lametta-Blouson von Dries Van Noten, Baumwoll-T-Shirt mit Schulterpolstern von Frankie Shop über Mytheresa,
High-Rise-Jeans mit asymmetrischer Knopfleiste von Agolde über Mytheresa, Wildlederpantoffeln mit Nieten-Details von Givenchy,
Klunker-Set aus Chandelier-Ohrring und Ring in Neonpink von Panconesi
20
SCHAUSPIEL
der an einem Wendepunkt seines Lebens steht und dabei eine
schwierige Zeit durchläuft. Für beide wendet sich einiges
zum Guten. Wollen Sie Männer heilen?
Gute Frage. Ich würde eher sagen: Ich möchte Menschen
heilen. Das Entscheidende dabei ist für mich, dass meine
Charaktere eine zweite Chance bekommen. Man darf
einer Rolle dabei zusehen, wie sie wächst. Das ist doch ein
schöner Gedanke. Schließlich ist mir das auch bekannt.
Inwiefern?
Naja, erst Berlin, heute L.A. Schauspielerin, Regisseurin.
Dass ich mich neu erfinden kann. So wie mir geht es
vielen Leuten. Das ist auch eine zweite Chance.
Im Fall von Marvin geht es nicht nur um Neuerfindung: Er
hat einen Mord begangen. Ist Vergebung immer richtig?
Es gibt bestimmt Dinge, die man nicht vergeben kann.
Wahrscheinlich muss man das als einen Prozess verstehen. Die Vergebung, die Marvin in „Home“ sucht, ist
ein lebenslanges Projekt. Das können Leute nicht sofort
verzeihen. Ich selbst bin total nachtragend, ich weiß auch
nicht, ob ich das könnte. On paper hat man natürlich den
Anspruch an sich. Nicht zu vergeben bedeutet Stillstand.
Vergebung ist eine Entwicklung, an der man wächst. Wer
nicht vergeben kann, ist aber kein schlechter Mensch. Als
Filmemacherin spiele ich sowieso keinen Moralapostel.
Ich mache lediglich ein Angebot.
Baumwoll-T-Shirt mit Schulterpolstern von Frankie Shop
über Mytheresa, Klunker-Chandelier-Ohrring
in Hot Pink von Panconesi
Sie sind katholisch aufgewachsen. Besteht da eine Verbindung zu Ihrem Interesse am Thema Vergebung?
Ja klar, die Absolution! Meine Erziehung war aber in
dieser Hinsicht nicht hardcore. Wir waren Ostern und
Weihnachten in der Kirche. Ich wollte auch mal Messdienerin sein, wegen der Robe. Die Kirche kommt in
meinen Geschichten eigentlich immer vor. Wohlwollend
gesagt: Dass Leute freiwillig als Gemeinschaft zusammenkommen, finde ich schön und beneidenswert, weil
ich da keinen Zugang mehr dazu habe.
Warum?
Das hat auch seine Schattenseiten. Ich weiß noch, wie
früher in der Kirche jeder saß, den man kannte. Der Junge,
den man süß fand. Der Lehrer. Die doofe Ziege. Dann
redete vorne jemand über etwas, das man nicht versteht.
Ich fand das völlig abgefahren. Als Jugendliche hatte ich
immer das Gefühl, ich müsste aufstehen und schreien. Das
hatte auch damit zu tun, wie erst alle scheinheilig beteten
– und später beim Kaffee über andere herzogen.
Man will Gemeinschaft, aber nicht jeden dabei haben.
Das gilt übrigens für alle, die irgendwie anders sind, das
sieht man täglich am Umgang mit Migranten. Mir
werden zu viele unsichtbare Abmachungen getroffen,
bevor man in einen Club gelassen wird. Auch das ist der
Absolutionsgedanke: Marvin glaubt, es nicht alleine
schaffen zu können. Dass es nur mit Hilfe der Gemeinschaft, mit Vergebung geht. Es ist schon krass, welche
Macht Communitys haben.
Gestreiftes Hemd mit asymmetrischer Knopfleiste, pinkfarbenes
Print-T-Shirt, Slashed-Jeans mit Trainingshosen-Layer, goldene
Gliederkette und Ritterclogs von Balenciaga
Medikamentenabhängigkeit, Obdachlosigkeit, TeenagerSchwangerschaft, mangelhafte Krankenversorgung, white
trash: Viele der Nebenschauplätze des Films zeichnen ein
dystopisches Bild von amerikanischen Vororten. Nach
20 Jahren in Los Angeles: Blicken Sie noch von außen auf
die Vereinigten Staaten?
Ich denke, das ist ein menschlicher Blick aufs Land. Viele
der Probleme, die in „Home“ skizziert werden, existieren
ja leider wirklich. Wer einen Roadtrip die Küste entlang
macht, begegnet vielen auch jungen Menschen, die vom
Medikamenten- oder Drogenmissbrauch schon so müde
aussehen. Speed ist hier günstig.
In „Home“ spielt Ihr Ehemann, der Schauspieler Derek
Richardson, einen Drogenabhängigen. Wie würden Sie die
Zusammenarbeit beschreiben?
Mit dem Partner zu drehen habe ich schon früher in
meiner Arbeit mit Tom Tykwer als etwas Positives erlebt.
Und ich wusste, wenn ich ein heroinabhängiges Klappergestell haben will, dann kann ich nicht irgendwen fragen.
Derek hat für die Rolle 20 Kilogramm abgenommen.
Wie geht denn das?
Das hab’ ich mich auch gefragt! Der hat noch nie im
Leben eine Diät gemacht. Drei Monate aß er nur Fisch
und Salat.
Ließ er sich noch aushalten?
War okay. Ich wollte ja auch unbedingt, dass er Teil
davon ist.
Für die Rolle der Mutter konnten Sie die mehrfache
Oscar-Gewinnerin Kathy Bates gewinnen. Marvin wird
gespielt von Newcomer Jake McLaughlin.
Kathy hatte ich als erstes eine Rolle angeboten. Sie ist uns
über den gesamten Prozess hinweg treu geblieben. Jake
hat eine irre Geschichte. Er war – wie Marvin – Soldat im
Irak. Da war er 19. Drei Jahre lang, kam dann verletzt
zurück, hat früh geheiratet. Er hat als Bauarbeiter in der
Einfahrt von James Francos Assistent Zement gegossen.
Franco drehte damals einen Film, dessen kleinere Rollen
mit echten Soldaten besetzt werden sollten. So führte
eines zum anderen. Beim Vorsprechen für „Home“ kam
er null schauspielermäßig rüber, das fand ich natürlich
gut. Dann haben wir über „Game of Thrones“ gequatscht
und uns darüber besser kennengelernt.
Sie brauchen Sympathie am Set.
Das ist viel wichtiger, als Drehbücher laut zu lesen.
Als gesamtes Team waren wir vor den Dreharbeiten
zusammen in Escape Rooms, das ist eine meiner
absoluten Lieblingsbeschäftigungen! Für Schauspieler ist
das toll, die wollen spielen.
Tom Tykwer hat einmal gesagt: „Ich muss in meiner
kreativen Familie bleiben, sonst bin ich unbrauchbar.“
Als Regisseurin musst du ein Teamplayer sein. Das Tollste
entsteht, wenn du geballt als Gang auftauchst. Frank
Griebe, meinen Kameramann, kenne ich bereits seit den
Dreharbeiten zu „Lola rennt“. Er ist total schnell, das liebe
ich. Ich will immer, dass Zug auf der Angelegenheit ist.
Wir sind morgens auch zusammen zur Arbeit gefahren und
haben uns im Auto gefragt, was wohl heute wieder passiert.
Und was passierte so?
Das Land an dem Haus, in dem wir gedreht haben, gehörte
einer Kirche. Die lasen das Drehbuch von „Home“. Leider
hat es ihnen nicht gefallen, dass die Figur des Priesters
„Fuck“ und ähnliches sagt. Also haben sie uns einen Tag vor
Drehbeginn die Drehgenehmigung entzogen. Zum Glück
finde ich extremen Stress super. Das ist wie Achterbahn
fahren, ohne zu wissen, wann die nächste Kurve kommt.
Am Set trug ich deshalb ausschließlich Trainingsanzüge. Ich
hatte das Gefühl, ich muss alles sportlich nehmen können.
Das ist das Gegenteil von Schauspielerei, bei der man wie ein
rohes Ei behandelt wird.
Fehlt es Ihnen nicht, so behandelt zu werden?
Ich schauspiele ja auch noch. Ganz generell hat das rohe
Ei aber seine Berechtigung. Ich habe meine Schauspieler
auch so behandelt. Ich wollte, dass sie sich beschützt
fühlen, nicht ausgenutzt. Man ist dankbar dafür, dass sie
magic bringen. Und ich weiß ja auch: Das können sie
nicht mal eben so aus der Tasche schütteln. Das Überhöhte, das damit einhergeht, das wird allerdings oft
missbraucht. Persönlich hatte ich das Gefühl, dass ich, je
älter ich werde, immer weniger mit dem Trara zu tun
habe. Das sind natürlich champagne problems.
Schauspielerin, Schriftstellerin – war Regisseurin eigentlich
die logische Konsequenz?
Als Schauspielerin kann man immer nur einen Bereich
bespielen. Visuelles, Musik, Film, Schnitt: Ich wollte auch
zu den anderen Dingen meinen Senf dazu geben. Und ich
hatte das Gefühl, dazu auch etwas zu sagen zu haben.
Natürlich trifft man auf den einen oder anderen Regisseur, bei dem man denkt: Was ist das denn für einer? Und
dass man es besser kann. Das klingt so undankbar. Aber
ich will einfach schnell wieder drehen.
Als Schauspielerin sind Sie am Set früher häufig angeeckt,
weil Sie es direkt ansprachen, wenn Sie etwas störte. In das
klassische Bild des Hollywood Sweethearts haben Sie nie
gepasst. Wer passt heute nicht in Ihre Filme?
Schauen Sie Kathy Bates an. Die meisten Schauspielerinnen ihres Kalibers haben ab einem gewissen Alter etwas
machen lassen. Dieses Künstliche, etwa diese überweißen
Zähne, da weiß ich sofort, wo das herkommt und was das
kostet. In die Welten, die ich erzähle, passt das nicht rein.
Natürlichkeit und Altern haben sich noch nicht in
Hollywood-Rollen eingeschrieben?
21
HBO zeigt derzeit eine Serie namens „Mare of Easttown“
mit Kate Winslet in der Hauptrolle. Da hat sie einen ganz
realistischen Körper. Wie ich sie so sehe mit ihrer
trockenen Haut, abgeschlafft, denke ich mir: Das bin ich
nach der Geburt meiner Kinder. Hunched over, ich hab’
das richtig gefühlt. Die Serie ist sehr gut angekommen.
Vielleicht hat die Pandemie das angewuppt. Man hatte
ein menschliches Jahr.
Wird Kino menschlich?
Die Idee von Kino ist natürlich, dass alles überhöht ist,
bigger than life. Bei manchen Rollen wünscht man sich,
dass sie schöner oder perfekter sind als alle anderen.
Aussehen ist auch für die Rollen, die ich schreibe,
wichtig. Das heißt aber nicht, dass die schön sein müssen.
Als es um die Besetzung der kleineren Rollen ging, habe
ich meiner Casterin gesagt: imperfections welcome, acne,
brown teeth, overweight.
Als Regisseurin können Sie helfen, diverse Körperbilder und
Rollen fernab von Stereotypen zu prägen.
Genau. Als Regisseurin ist das allerdings nicht immer
einfach. In Deutschland bekommst du kulturelles
Fördergeld. Hier in den USA gibt es private Investoren,
die alle mitquatschen und hinterher ihr Geld wiederhaben wollen. Das sind oft Männer. Wenn die 60 Millionen
in einen Film investieren, dann wollen sie auch wissen,
dass jemand damit umgehen kann. Und die denken, dass
ein Mann das eher kann. Ich denke: Ich habe zwei
Kinder, während meiner zweiten Schwangerschaft habe
ich in Toronto gedreht, war praktisch single mom. Und
habe ein Buch geschrieben. Excuse me?! Als Frau musst du
so viele Sachen gleichzeitig können und machen.
Kreativdirektion: Celina Plag und Leonie Volk
Fotos: Marie Tomanova
Styling: Leonie Volk
Haare/Make-up: Sara Denman (Celestine Agency)
Produktionsleitung: Jes Palumbo-Levy
Produktionskoordination: Henric Olsson
Stylingassistenz: Anaïs Eleni Papafoti und
Louisa Sophie Klementz
Herzlichen Dank an Frankie
Gibt es eigentlich eine weibliche Art, Filme zu machen?
Keine Ahnung. Ich kann ja als Frau auch was Männliches
machen. Können Sie, wenn Sie einen Film gucken, sagen,
ob der von einem Mann oder einer Frau gedreht wurde?
Vielleicht merkt man es an den Frauenrollen. Ich glaube
eher, dass die Art und Weise, wie man Filme macht,
davon abhängt, wie man aufgewachsen ist. Oder wie man
auf seine Beziehungen und Freundschaften blickt.
In diesem Jahr wurden Sie mit dem Margot-Hielscher-Preis
für Ihre vielfältigen Talente ausgezeichnet. Mit „Home“ sind
Sie in der Vorauswahl des deutschen Filmpreises.
Jetzt müssen wir erst mal nominiert werden, aber schön
ist das natürlich. Ich habe auch von Kollegen viel
positives Feedback bekommen. Nach all dem Pech, den
man durch die Pandemie damit hatte! Immerhin war
„Home“ schon letztes Jahr im Februar fertig. Der
Filmstart hat sich dann mehrmals verschoben. Gerade für
die kleinen Filme ist das blöd. Im Verleih herrscht Stau.
Natürlich hätte man sich einen anderen Rückenwind
gewünscht. Jetzt kommt man aus der Pandemie und hat
auf einmal Publikum. Wir starten mit 50 Kinos in
Deutschland. Endlich schickt man das Baby raus in die
Welt. Das ist, wie wenn man sein Kind zum ersten
Schultag fährt und dann im Auto sitzt und weint.
„Home“ ist auch ein Film über Hoffnung geworden.
Was macht Ihnen Hoffnung?
Dass wir geimpft sind. Dass Trump weg ist. Wie umgegangen wird mit Black Lives Matter. Eine neue Nachhaltigkeit, die plötzlich da ist. Filme wie „Nomadland“.
Und natürlich meine Töchter.
Franka Potente
Als rennende Lola im Arthouse-Film von Tom Tykwer
begeisterte Franka Potente, 46, in den Neunzigern ein
internationales Publikum. Für die gebürtige Dülmenerin
folgten Rollen in großen Hollywood-Produktionen wie
„Blow“ (2001) mit Johnny Depp sowie „Die Bourne
Identität“ (2002) mit Matt Damon. Potente ist außerdem
Schriftstellerin, Drehbuchautorin und Regisseurin. 2006
erschien der Stummfilm „Der die Tollkirsche ausgräbt“,
ihr Debüt als Filmemacherin. „Home“, ihr erster Langspielfilm, kommt am 29. Juli in die deutschen Kinos.
Gedreht wurde er in ihrer zweiten Heimat Los Angeles,
wo Potente mit ihrem Ehemann, dem amerikanischen
Schauspieler Derek Richardson, sowie den beiden
gemeinsamen Töchtern lebt.
Tracksuitjacke im Retro-Look von Gucci über den Mytheresa, Vintage-T-Shirt mit The-Clash-Motiv und
Drop-Crotch-Pants im Leomuster von R13, gelb getönte Pilotenbrille von Gentlemonster
22
KUNST
Am Sachsenwald haben ein
Kunstsammler und ein Verleger zwei
Kunsthäuser gegründet, die
selbst Hamburger staunen lassen.
Von Stefanie Schütte, Fotos Daniel Pilar
Tief im Grünen und doch ganz
hell: Nikolaus Gelpke schlug
seinem alten Freund Roger
Willemsen wenige Tage vor
dessen Tod im Jahr 2016 vor,
seine Villa als Künstlerhaus zu
nutzen. Nun können im
mare-Künstlerhaus der nach
dem verstorbenen Autor und
Moderator benannten Stiftung
Künstlerinnen und Künstler
in aller Ruhe arbeiten – wie die
Autorin und Fotografin
Franziska Hauser (Mitte
rechts). Nur im Treppenhaus
werden sie vom einstigen
Besitzer der Villa beobachtet.
23
Dem Kunstsammler Rik
Reinking (links) geht jedes
Mal das Herz auf, wenn er mit
der Bahn von Hamburg aus
das Reinbeker Schloss erreicht,
um den Mühlenteich geht und
in Wentorf in seinem Woods
Art Institute ankommt.
In dem Kunsthaus in einer
ehemaligen Schule stellt er
Zeitgenössisches aus, von
etabliert bis avantgardistisch.
Schon der Eiserne Kanzler soll diese Bäume regelmäßig
umarmt haben, lange bevor das Waldbaden in Mode kam.
Der Sachsenwald, Schleswig-Holsteins größtes zusammenhängendes Waldgebiet, war Otto von Bismarck 1871
vom Kaiser geschenkt worden. Und hier, auf dem im Forst
gelegenen Gut Friedrichsruh, lebte er bis zu seinem Tod.
Sein Beispiel machte Schule. Um die Jahrhundertwende
erlebte die Gegend in Hamburgs Osten mit ihren Bauerndörfern einen unglaublichen Aufschwung. Nicht allein
wegen des teils kultisch verehrten Reichskanzlers, sondern
vor allem wegen der neu entstandenen Haltepunkte auf
der Bahnstrecke von Hamburg nach Berlin. Schnell
konnte man aus der Stadt hier in die Frische der Natur
gelangen, mit dem herrlichen Wald vor der Tür, dem
Flusslauf der Bille und der leicht hügeligen Landschaft.
Hanseatische Kaufleute, Reeder und Senatoren ließen
sich in Wentorf, Wohltorf, Reinbek und Aumühle nun
Villen erbauen. Einige sogar von den besten hamburgischen Architekten wie Martin Haller (1835–1925) oder
den Gebrüdern Hans (1881–1931) und Oskar Gerson
(1886–1966). Im prachtvollen Wentorfer Hotel Nancythal oder dem nahegelegenen Gasthaus „Karlshöhe“ soll
damals sonntags der Zug der Gespanne gar nicht abgerissen sein. Man feierte, schlemmte und vergnügte sich
zudem vom Jahr 1921 an im neugegründeten noblen
Tontaubenklub in Wohltorf mit Tennis, Hockey oder
Tontaubenschießen.
24
KUNST
// „Roger Willemsen
Der Klub mit angeschlossenem
Badeteich, kurz TTK genannt, besteht immer noch. Doch ansonsten
verblasste der Glamour der Sachsenwalddörfer. Das Jugendstilgebäude
des Restaurants „Karlshöhe“ musste
in den siebziger Jahren einer Wohnanlage weichen. Nancythal erging es
ebenso. Viele der Villengrundstücke
wurden parzelliert und mit mehr oder
minder schönen Neubauten gepflastert. Aufsehen erregte der Wald
erst, als hier 1982 der damals am meisten gesuchte Terrorist Christian Klar festgenommen wurde und eine Nacht
in einer Zelle auf der Reinbeker Polizeiwache verbrachte.
Die Rote Armee Fraktion (RAF)hatte ihre geheimen Waffen- und Vorratsdepots in ganz Deutschland verteilt, eines
davon befand sich im Sachsenwald bei Friedrichsruh. Klar
hatte sich als Jogger getarnt, um an das RAF-Depot zu
gelangen. Und rechnete nicht damit, dass ein Heer von
Polizisten seinetwegen schon auf der Lauer lag. Dem Ruf
des Waldes war die Episode nicht gerade zuträglich.
Zumal er durch seltsame Gerüchte über „Sachsenwaldpornos“ litt, die angeblich von den Nationalsozialisten gedreht worden waren.
Fast unverhofft schimmert nun der Glanz vergangener
Zeiten wieder auf. Die Sachsenwald-Vororte werden zu
Pilgerstätten für Kulturliebhaber. Das ist besonders zwei
– oder besser drei – Männern zu verdanken: dem Hamburger Kunstsammler Rik Reinking, dem Verleger der
Zeitschrift mare, Nikolaus Gelpke, und mit ihm indirekt
auch Roger Willemsen, dem Feingeist unter den deutschen Intellektuellen, der 2016 gestorben ist. Nur ein paar
Hundert Schritte voneinander entfernt haben sie in Wentorf am Waldrand eindrückliche Häuser für die Kunst
begründet: das Woods Art Institute (WAI) und das mareKünstlerhaus.
DAHINTER BEGINNT DAS GRÜN
„Man kommt mit der Bahn unten am Reinbeker Schloss
an, man läuft halb rum um den Mühlenteich, und dann
ist man schon bei uns. Ein leichter Anstieg, und es öffnet
sich dieses Plateau. Da geht mir jedes Mal das Herz auf.“
Wenn Rik Reinking den Weg aus Hamburg zum Woods
Art Institute beschreibt, hört sich das an wie in alten Zeiten. Seit 1846 hält die Bahn aus Hamburg in Reinbek –
nur dass es statt des Dampfzugs Richtung Berlin heute die
S-Bahn im Nahverkehr der Hansestadt ist. Zur Wentorfer
Golfstraße 5, Sitz des WAI, sind es rund zehn Minuten
Fußmarsch, mit dem Renaissance-Bau des Reinbeker
Schlosses als Startpunkt. Unterhalb und hinter der Golfstraße fängt der Wald an.
Die Distanz zur Stadt, die auf den ersten Blick als
Nachteil bei der Errichtung eines Museums erscheint,
wird in Reinkings Sicht zum großen Pluspunkt: „Durch
die kleine Anreise habe ich das Erlebnis, wirklich aus dem
Alltag herauszutreten.“ Im Stadtzentrum gelinge das nicht
so leicht. „Da falle ich förmlich aus dem Museum heraus
und habe schon wieder das nächste Plakat vor der Nase.
Ich glaube, für die Auseinandersetzung mit Kunst ist
dieses Kontemplative entscheidend.“
Allein schon der Park des WAI ist sehenswert mit den
alten Bäumen, den Rhododendron-Anpflanzungen, den
Terrassen und dem alten Schwimmbad aus den zwanziger
Jahren. Auch die Sammlung muss sich nicht verstecken.
Zeitgenössisches längst etablierter Künstler steht neben
jüngerer Avantgarde. Zudem sammelt Reinking indigene
Artefakte aus verschiedenen Kulturen. Die Klammer, die
alles hält, ist die Frage nach den Antriebsfedern menschlicher Existenz, den Bildern unserer Identität. Wie
gemacht dafür erscheinen die lichten Räume, die drei bis
fünf Kunstwerke gleichsam miteinander reden lassen. Als
schaute von seinem
Schreibtisch aus in
den Wald und zum
Mühlenteich. ,Ich
hätte hier gerne alle
vier Jahreszeiten
erlebt‘, sagte er.“ //
weiterer imaginärer „Gesprächspartner“ dient die
Natur, die überall durch die
großen Fenster zu sehen ist.
Reinking setzt die Arbeiten aus verschiedenen Richtungen und Jahrzehnten bewusst nebeneinander: „Mich
hat immer interessiert, was mit mir beim Betrachten
passiert. Der Raum dazwischen ist wichtig.“ In einem der
Räume mag das Halbrund aus Lehmziegeln, geschaffen
von der deutschen Bildhauerin Madeleine Dietz (geboren
1953), die einen an uralte Grabstätten erinnern, die anderen an die Schilderung des Korans, dass der Mensch aus
Lehm geschaffen sei. Daneben hängt ein großformatiges
Bild des Wiener Aktionskünstlers Hermann Nitsch (geboren 1938), auf dem getrocknetes Blut sich zu einer seltsam organischen Form gefügt hat. Und schon stellt sich
die große Frage, woher der Mensch denn kommt. Oder
woran er glaubt: Zwei weitere Werke im Raum nehmen
die christliche Kreuzsymbolik auf.
Das elegante Gebäude, das die Sammlung beherbergt,
wurde nicht für Kunst geschaffen. Sondern für die 1960
an der Golfstraße 5 gegründete Staatliche Internatsschule
für Sprachbehinderte des Landes Schleswig-Holstein.
2014 schloss die Schule. Das Anwesen wurde zum Verkauf angeboten und diente zwischenzeitlich als Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge. 2017 bekamen
Reinking und seine Frau Anna-Julia in einem Bieterverfahren den Zuschlag. Doch obwohl er, wie er sagt,
„von der ersten Sekunde an wusste, was ich mit jedem einzelnen Quadratmeter machen könnte“, konnte er nur vage
den immensen Aufwand der Instandsetzung bemessen.
Der herrliche Park war verwildert, der Eingang des
Haupthauses, einer Gründerzeitvilla, zugemauert und das
Gemäuer mit Farbe überstrichen worden. Reinking
recherchierte akribisch, engagierte spezialisierte Handwerker und legte selbst Hand an.
Heute kann man die ursprüngliche Anlage gut erkennen. Das Haupthaus sieht wieder etwa so aus wie nach
1914, als es der belgische Kaufmann Georges Fester als
Sommersitz errichten ließ. Sein Winterpalais befand sich
in Kopenhagen. In Wentorf verbrachte er nur wenige
Monate im Jahr. Doch da seine Frau Hamburgerin war,
ließ er sich beim Bauen nicht lumpen. Zwei große Hallen,
20 Zimmer und ein bildschönes Torhaus mit der altflämischen Aufschrift „Weltevreden“ („wohlzufrieden“).
Die Aufschrift gibt es heute noch. Bilder aus der damaligen Zeit zeigen, wie lebhaft es zuging. Die Jugend der
Nachbarschaft durfte nach Belieben das Schwimmbad
benutzen. Und den sechs Ziehkindern von Anna Fester
wurde pro Woche ein „unartiger Tag“ zugestanden, an
dem sie tun und lassen konnten, was sie wollten.
DIE IDEE EINER RESIDENZ
In den dreißiger Jahren verkaufte Fester das Haus. In
der Zeit des Nationalsozialismus diente es als Müttergenesungsheim, in der Nachkriegszeit als Heim für
Flüchtlingskinder. Ähnlich erging es dem nur rund
600 Meter entfernten Landhaus Haase. 1889 hatte es der
Hamburger Augenarzt Gustav Haase bauen lassen und
dafür auch den Hamburger Stararchitekten Martin Haller
engagiert. 1935 kaufte die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt das Haus und wandelte es in ein Kinderheim
um. Die Nutzung blieb bis weit nach Ende der Nazizeit
erhalten. Von 2006 an stand es leer, bis eine Familie es vor
einigen Jahren erwarb und aufwändig renovierte. Und
2015 an den deutschen Autor und Moderator Roger
Willemsen verkaufte. Willemsen muss
bei einem Spaziergang um den
Mühlenteich mit einer Freundin sofort
einen starken Bezug zu dem Ort entwickelt haben. „Er wollte es sofort haben“, berichtet die
heutige Leiterin des Hauses, Annette Schiedeck. Er habe
nicht einmal einen Gutachter beauftragt, sondern es einfach gekauft. Selbst als seine schwere Krebserkrankung
diagnostiziert wurde, hielt Willemsen an dem Plan fest.
Die letzten Wochen seines Lebens verbrachte er in dem
ehemaligen Landhaus Haase. Inmitten seiner verblüffend
gut hierher passenden Möbel, der holzgetäfelten Bibliothek, der zahlreichen CDs und des wunderschönen
bunten Glasfensters im Treppenaufgang, in dem sich das
Sonnenlicht bricht.
Wenige Tage vor Willemsens Tod entstand die Idee
eines Künstlerhauses. Roger Willemsen bedauerte es, dass
das Haus nun wieder auf den Markt kommen müsse. Er
müsse sich da keine Sorgen machen, beruhigte ihn ein
Freund, der mare-Verleger Nikolaus Gelpke. Er werde das
Haus kaufen und eine Stiftung daraus machen. „Das war
eine komplett spontane Idee“, erzählt Gelpke. Zwar habe
er immer schon ein Literatur- oder Künstlerhaus für den
Verlag errichten wollen. Nur habe er einen ganz anderen
Ort dafür im Kopf gehabt.
Und so entstand die „Villa Willemsen“, wie die
Wentorfer sie nennen, als kreativer Ort für Kulturschaffende. Fast 40 Künstler aus Literatur, Musik, Film und
Bildender Kunst haben hier seit der Eröffnung 2018 als
Stipendiaten gewohnt, die meisten vier bis acht Wochen
lang. Vor den Corona-Maßnahmen wurden in größeren
Abständen Gäste zu Lesungen eingeladen. Auflagen,
etwas zu schaffen oder vorzustellen, gibt es für die Stipendiaten nicht. Die Idee ist die einer „Residenz“: Die Künstler sollen hier Zeit am Stück verbringen, ihre Freiräume
haben und sich austauschen können. „Der Mensch
dahinter soll wichtig sein“, sagt Gelpke, der sich vor der
Stiftungsgründung intensiv mit Kunststipendien auseinandergesetzt hat. „Intern und extern wollen wir einen
sehr nahen und respektvollen Umgang, der immer auch
das Eigene lässt.“
Fast alle Stipendiaten seien länger in der alten Villa
geblieben. Viele von ihnen haben tatsächlich etwas über
den Wald zu Papier gebracht. Kein Wunder: Überall
blickt man aus der Villa auf Bäume. „Der Wald war auch
Roger ganz wichtig“, sagt Nikolaus Gelpke über seinen
verstorbenen Freund. Der schaute von seinem Schreibtisch aus in den Wald und zum Mühlenteich. Mehr habe
er eigentlich nicht gewollt. „Ich hätte hier gerne alle vier
Jahreszeiten erlebt“, sagte er kurz vor seinem Tod zu
Annette Schiedeck. Hinterlassen hat er einen Ort, der verzaubert erscheint.
Als „vornehmste, schönste und gesundeste und theuerste Sommerfrische Hamburgs“ beschrieb der Reisebuchautor August Trinius 1898 die Billegemeinden. Wenn
man das WAI und das mare-Künstlerhaus besucht, kann
man es nachvollziehen. Aber warum war die Gegend so
lange vergessen? Zumal das Reinbeker Schloss, der Tonteich, der Bismarck’sche Schmetterlingsgarten in Friedrichsruh und natürlich der Wald mit seinen Buchen und
Eichen nie an Anziehungskraft eingebüßt hatten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor der Hamburger
Osten durch die Teilung Deutschlands sein vorher attraktives Hinterland. Auch nach der Wende passierte zunächst
wenig. Als 2017 der Rowohlt-Verlag, der seit 1960 in
Reinbek seinen Sitz hatte, bekanntgab, dass er nach Hamburg umziehen wolle, schien ein Tiefpunkt erreicht.
„Dort schlägt der Puls eben lauter als an der Bille“, hieß es
im Verlag über die Entscheidung für die Großstadt. Doch
gerade das scheint jetzt den einstigen Sachsenwalddörfern
zu neuem Glanz zu verhelfen. Das Rauschen des Waldes
toppt das Grundrauschen der Stadt.
W
MOOD/MUT
25
Wer es in nächster Zeit
wirklich bis nach London
schafft, kann sich im V&A
Museum der wunderbar
absurden Welt von Alice
im Wunderland hingeben.
„Alice: Curiouser and
Curiouser“ läuft noch
bis zum 31. Dezember.
Seit vergangenem Sommer ist häufig
die Rede vom Camping. Sogar die
Kleinsten sind dabei, siehe Mini.
Endlich verträgt die Mode wieder eine
größere Bühne, zum Beispiel die von John
Neumeiers „Beethoven-Projekt II“ am
Hamburg Ballett. Das Kleid? Ist von Akris.
116
Apropos London: Yotam Ottolenghi serviert noch immer Platten, die mit Köstlichkeiten beladen sind. Für Serax hat er
jetzt auch Teller gestaltet.
Reise-Nerd-Frage:
Wo entstand
dieses Bild?
Die Antwort steht
in: „Algarve. Eine
kulinarische Reise“,
erschienen im
Knesebeck-Verlag.
Bedeutende Dinge,
Menschen, Ideen,
Orte und weitere
Kuriositäten,
zusammengestellt von
Jennifer Wiebking
Stracciatella ist keine Trend-Eissorte, dabei trägt
sie den schönsten Namen. Klar gibt es das auch
von Tausendschön, sogar kalorienärmer.
PLOTTEN?
FOTOS HERSTELLER (9), MARKUS BASSLER/KNESEBECK VERLAG, ILLUSTRATION DISNEY
Das Jahr hat auch neue Hobbys
hinterlassen. Zum Beispiel
das Plotten: Mit liebevollen
Schriftzügen auf Kästchen,
Postern oder T-Shirts kann jeder
Etsy-Verkäufer spielen.
Wenn jetzt bei den
Olympischen Spielen
wieder Top-Schwimmer im Becken zu
sehen sind, bekommen selbst Menschen, die auf
Hallenbäder
allergisch reagieren,
Lust auf ein paar
Bahnen. Vielleicht in
diesem Badeanzug?
(Perfect Moment)
Und noch eine Frage:
Wo befindet sich diese wunderschöne
Sonnenterrasse? Wir sagen es einfach:
Hotel Le Sirenuse in Positano.
21 Tassen Kaffeesatz sowie sechs alte
Plastikflaschen, fertig ist der – Sneaker.
So geht Turnschuhfertigung im
21. Jahrhundert. (Rens)
Vergessene
Uhren
Die Deutschen und
Luxusprobleme. Das
Ausmaß ist wohl größer
als gedacht: Uhren im
Wert von 2,29 Milliarden Euro lagern in
deutschen Haushalten in
Kommoden, Kellerkisten
und Tresoren, ohne dass
sie je getragen werden.
Häufig seien ihre Besitzer
sich gar nicht darüber im
Klaren, welche Schätze
sie so arglos horteten.
Das ist das Ergebnis
einer Umfrage der
Gebrauchtplattform
Watchfinder & Co.,
deren Betreiber sich
sicher über frische alte
Ware freuen.
Ja, weil Sommer
ist, darf es auch
mal froschgrüner
Nagellack sein.
(Kester Black)
Wie man würdevoll durch die
zunehmend wärmeren Sommermonate
kommt? Zum Beispiel in diesem
Leinenkleid von Belize.
26
KAFFEEHÄUSER
AUF EINEN
VERLÄNGERTEN
Von Michael Martens, Fotos Mafalda Rakoš
Im „Café Traxlmayr“ in Linz kostet der Kaffee etwas mehr,
um das riesige Angebot an Zeitungen zu finanzieren
27
Man muss nicht 96 Jahre
alt sein wie Frau Turner
(unten), um sich als
Stammgast im „Café
Traxlmayr“ an der wohl
größten Auswahl frischer
Zeitungen in Österreich
und womöglich der Welt
zu erfreuen. Ulrich
Traxlmayr legt viel Wert
auf das gedruckte Wort
– und refinanziert es mit
leicht erhöhten Preisen
für den Kaffee.
Es muss hier unbedingt davon erzählt werden, wie
es einem hergelaufenen Studenten vor vielen Jahren einmal gelang, den ziemlich großen österreichischen Schriftsteller Thomas Bernhard im
„Café Bräunerhof“ zu Wien in ein unvergessliches
Gespräch zu verwickeln, doch dazu später. Beginnen soll diese Geschichte nämlich in Linz, an der
Adresse Promenade 16, wo sich das „Café Traxlmayr“ befindet, und zwar schon seit fünf Generationen respektive bald 150 Jahren. Noch etwas
älter ist nach österreichischen Maßstäben – und
die sind schließlich nicht unbedeutend, wenn es
um Kaffeehäuser geht – allein das „Café Thomaselli“ in Salzburg, das seit 1852 in wechselnden Generationen der namensgebenden Familie gehört.
Unübertroffen nach jedwedem Maßstab dürfte aber das Angebot an Printmedien im „Traxlmayr“ sein. Zu einem österreichischen Kaffeehaus,
derlei weiß man, gehört eine Auswahl an Zeitungen. Allerdings ist das einst reiche Angebot in
manch einem Lokal mitunter recht dürftig. Internationale Blätter gibt es bisweilen gar nicht mehr,
und was landestypische Printprodukte betrifft, so
schlägt das mancherorts ausliegende Sortiment,
katachrestisch gesagt, dem Fass die Zacken aus der
Krone. Es wird gar von Kaffeehäusern berichtet,
in denen überhaupt keine gedruckten Zeitungen
mehr ausliegen. Welch zwielichtiges Volk mag sich dort versammeln, und warum?
Zum Glück hat das „Traxlmayr“ mit solchen Etablissements nichts gemein. Die Speisenkarte umfasst auf einer ganzen Seite den Menüpunkt „Lektüre“ und zwar vollkommen zu
Recht. Um die 100 aktuelle Ausgaben verschiedener Tageszeitungen und Journale liegen hier
aus. Ob man sich die Zeitläufte
vom Corriere della Sera, von Le
Monde, der New York Times,
der Linzer Rundschau, dem
Večernji List aus Zagreb, der
Neuen Zürcher oder der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erklären lassen will: Damit es keinen Zank gibt, sind
die beliebtesten Blätter mehrfach vorhanden. Die
Oberösterreichischen Nachrichten liefern täglich
acht Exemplare an das „Traxlmayr“, die F.A.Z.
gibt es immerhin doppelt. Das ist auch deshalb
nötig, weil es selbst in den besten Häusern immer
jemanden gibt wie den Herrn an Tisch 41, der sich
hinter einem halben Kubikmeter Zeitungen verschanzt, als gäbe es kein Morgen. Hinter seiner
papiernen Trutzburg hält er sich jetzt schon seit
gut einer halben Stunde am Standard fest, nimmt
aber noch ein halbes Dutzend weiterer Blätter in
Beschlag, obwohl es in der Speisenkarte heißt:
Bitte nur drei Zeitungen auf einmal!
Doch selbst Unersättliche lassen den Ephemeridenschatz des „Traxlmayr“ nicht schmelzen.
Heute zum Beispiel sind die Salzburger Nachrichten noch zu haben, auch das Oberösterreichische Volksblatt, der Kurier oder die Wiener Zeitung. Zur Not wäre auch noch eine Süddeutsche
da. Außerdem mehr als ein Dutzend Wochenblätter, davon allein drei verschiedene aus Hamburg. „Bis vor einiger Zeit hatten wir auch eine
tschechische Zeitung, aber die Lieferung wurde
leider eingestellt“, sagt Ulrich Traxlmayr, der das
von seinem Ururgroßvater gegründete Kaffeehaus gemeinsam mit seiner Frau führt und auch
während des Gesprächs nie vergisst, aufmerksam
Stammgäste zu begrüßen oder zu verabschieden.
„Wir haben nun eine französische Zeitung, aber
keine tschechische mehr – obwohl Tschechien
nur 30 Kilometer von hier liegt“, bedauert Herr
Traxlmayr. Ginge es nach ihm, läge ein tschechisches Blatt auch weiterhin in seinem Hause aus:
„Wenn man Kaffeehaus sein will, gehört ein
reichhaltiges Angebot an Zeitungen einfach
dazu. Das darf keine wirtschaftliche Frage sein.“
Ist es natürlich aber doch. Mehr als 19.000
Euro, sagt Herr Traxlmayr, gab sein Haus vor der
Pandemie jährlich für Zeitungsabonnements aus,
und die fulminante Auswahl lässt darauf schließen, dass es heuer wieder ähnlich sein wird. Das
Finanzamt akzeptiert die Kosten als Betriebsausgaben und folgt damit Traxlmayrs Lesart, dass
für das angemessene Dasein eines Kaffeehauses
der Bezug von Zeitungen ein so selbstverständlicher Kostenbestandteil sei wie Aufwendungen
für Personal oder Kaffeemaschinen. Aber um
Kosten absetzen zu können, muss das Geld trotzdem erst einmal verdient sein. Und in der Tat:
Herr Traxlmayr erhebt so etwas wie eine Rundfunkabgabe, nur eben auf Zeitungen. „Es stimmt
schon: Der Kaffee ist etwas teurer bei uns.“
Die Kalkulation läuft darauf hinaus, dass die
Kundschaft im „Traxlmayr“, ob sie nun Zeitung
liest oder nicht, die vielen Abonnements finanziert, indem sie ein wenig mehr als anderswo für
einen Kleinen Braunen oder den Verlängerten
zahlt. Von einer Zwangsgebühr kann dennoch
nicht die Rede sein, denn es wird ja niemand
gezwungen, im „Traxlmayr“ einzukehren, und es
kommt auch keiner in Haft, der dem Café fernbleibt. „Ich kenne kein Café in Österreich“,
rechtfertigt Herr Traxlmayr seinen kleinen
Pressezins, „das so viele Zeitungen im Angebot
hat. Das ,Café Landtmann‘ in Wien ist zwar größer, aber die haben weniger Zeitungen als wir.“
Herr Traxlmayr sagt das keinesfalls triumphierend. Er tritt leise und freundlich auf wie
sein Personal, das die Gäste nicht im Ton garstiger Grantelei bedient, der angeblich das Markenzeichen von Kaffeehauskellnern ist. Granteln
und Kaffeehaus, das gehört vermeintlich unauflöslich zusammen, nicht zuletzt im Fall des ziemlich großen Schriftstellers Thomas Bernhard, der
in Wien für gewöhnlich im „Bräunerhof“ grollte
und schmollte, zeitweilig aber auch im verflossenen „Casino Zögernitz“ im 19. Bezirk. Im
„Zögernitz“ kann man allerdings nicht mehr auf
Bernhards Spuren griesgrämig sein, da das Haus
zu einem Altenheim oder zu einem Komplex aus
Eigentumswohnungen umgebaut wird, zu
irgendetwas Gerontologischem jedenfalls.
Bernhards Ruf als Kaffeehausmissmutiger ist
längst Legende. Die Süddeutsche Zeitung feierte
den Dichter 2008 noch vergleichsweise bescheiden als „schreibenden Grantler“, die Welt nobilitierte ihn 2019 schon zum „unvergleichlichen
Grantler“, und die taz (die im Hause „Traxlmayr“
allerdings nicht geführt wird, denn alles hat seine
Grenzen) nannte ihn unlängst gar „einen der
größten Grantler der Weltliteratur“.
Thomas Bernhard hat sich offenbar postum
hochgegrantelt in den Olymp der Nörgler. Als die
eigentlich Missgelaunten in der Kaffeehauswelt
gelten indes die Kellner. Dass postkakanische
Kaffeehauskellner
unverbesserliche
Dauergrantler seien, mag in unvordenklichen Zeiten zutreffend gewesen sein, doch heutzutage kommt
der waschechte Wiener Kaffeehauskellner meist
aus Bosnien, Kroatien oder Rumänien, heißt
Bogdan, Zoran oder Dacian und hat womöglich
zwar auch einmal schlechte Laune, zum authentischen Granteln aber nicht den passenden Akzent.
So auch im „Traxlmayr“, wo allerdings ohnehin nur Kellnerinnen arbeiten. „Ich hätte gerne
eine gemischte Mannschaft, wegen des Arbeitsklimas und auch für die Gäste. Damen wollen
gern von einem netten Herrn bedient werden, und
Herren freuen sich, wenn ihnen eine Dame den
Kaffee serviert“, sagt Herr Traxlmayr. „Wir haben
schon Kellner gehabt, aber die sind uns wieder abhandengekommen.“ Warum ihm seine Kellner
entlaufen sind, verrät Herr Traxlmayr nicht – sondern nur, dass es schwer sei, gute zu finden.
Deshalb gibt es im „Traxlmayr“ allein Serviererinnen (im roten Gilet) und Kellnerinnen (im
schwarzen). Alle sind löblich höflich, ihre angenehmen Stimmen fügen sich in die dezent musikfreie Geräuschkulisse ein, als seien sie eigens
hinzukomponiert worden. So entsteht eine herrliche Kaffeehaussymphonie in a-Moll, aufgeführt vor einer Kulisse aus rotem Plüsch und weißen Marmortischchen: Das Knarren des Parketts
nach dem Übergang vom alten Saal zum Neubau
von 1907, das gelegentliche Zeitungsrascheln
nicht nur von Tisch 41, dazu als Leitmotiv ein
Klimpern von Besteck und Tellern auf einem gedämpften Klangteppich aus Plaudereien.
Über allem waltet Tatjana, die Oberkellnerin
aus der Ukraine, unterstützt von Natalia aus der
Slowakei und Stephanie, die in Taiwan aufgewachsen ist. Sie haben nichts von jenem Dünkel, der in
einem anderen Klischee über Kaffeehäuser aufscheint: Demnach wird, wer bei einem grantelnden
österreichischen Kellner das gewünschte Getränk
nicht exakt unter dem landläufigen Namen bestellt
– also etwa als Mokka, Melange oder Einspänner –
mit Missachtung gestraft. Doch das ist ausgemachter Unsinn. Wer weiß, was ein Fluchtachterl oder
ein Pfiff ist, mag zwar insbesondere kurz vor der
Sperrstunde einen kleinen Vorteil haben – aber
niemand muss in einem österreichischen Kaffeehaus auf sprachfolkloristischen Zinnober zurückgreifen, um einen Espresso zu bestellen und auch zu
bekommen.
Auch die Linzer Torte heißt einfach nur Linzer Torte und wird im „Traxlmayr“ zwar nicht
nur, aber doch besonders gern von Touristen bestellt. Es verhält sich damit vermutlich wie mit
dem berühmten ästhetischen Marder von Christian Morgenstern: Ebenso wie der nur um des
Reimes willen und deshalb als Wiesel inmitten
Bachgeriesel auf einem Kiesel saß, gibt es Fremde,
die vor allem deshalb in Linz Linzer Torte essen,
um später davon erzählen zu können, wie sie in
Linz Linzer Torte aßen. Allerdings muss gesagt
werden, Herr Traxlmayr möge verzeihen: Linzer
Torte ist berühmter, als sie schmeckt. Genauer:
Sie schmeckt lange nicht so berühmt, wie sie ist.
Das hat sie mit ihrer jüngeren Wiener Schwester
gemein, der Sachertorte, die von einem minderjährigen Konditorlehrling erfunden worden sein
soll und auch ziemlich genau so schmeckt.
Wer jedenfalls im „Traxlmayr“ oder anderswo
gefragt wird, ob die Linzer mit oder ohne Schlag
kommen solle, antworte unbedingt: mit. Auf die
paar Kalorien kommt es dann nämlich auch nicht
mehr an, und wer Linzer Torte ohne Sahne isst,
riskiert eine Staublunge. Am besten hilft dagegen
die alte oberösterreichische Volksweisheit: Linzer
Torte schmeckt am besten, wenn man sie kurz vor
der Mahlzeit durch ein Fiakergulasch ersetzt. Das
ist im „Traxlmayr“ übrigens famos. Gleiches gilt
für die Schinkenfleckerl oder den Kavalierspitz
mit Semmelkren und Kartoffelschmarrn sowie
vermutlich auch für das Salonbeuschel vom Kalb,
das aber nur von September bis Mai zu haben ist,
denn alles hat seine Zeit, auch Lungen und Herzen von minderjährigen Kühen.
Doch es ist spät geworden und damit Zeit für
die Geschichte, wie es einem hergelaufenen Studenten vor vielen Jahren einmal gelang, Thomas
Bernhard in ein unvergessliches Gespräch zu verwickeln. Die Sache war nämlich so: Der Glückspilz, heute ein leidlich erfolgreicher Verleger in
Wien, damals Student und nach glaubwürdig
klingenden Aussagen noch lebender Zeitzeugen
bisweilen sogar Studierender ebenda, saß eines
Tages im „Bräunerhof“ und wurde des ziemlich
Großen ansichtig. Leibhaftig und höchstpersönlich saß er da, die N.Z.Z. lesend, neben sich
zudem die F.A.Z. und ein anderes Blatt, das
nichts zur Sache tut. Nach etwa einer halben
Stunde ging der gelegentlich studierende Student
innerlich zitternd auf den nun in die F.A.Z. vertieften ziemlich großen Bernhard zu und fragte:
„Entschuldigen Sie, Herr Bernhard – ist die
Ennzettzett schon frei?“
„Ja“, antwortete der ziemlich große Schriftsteller, setzte seine Lektüre fort und blieb unvergesslich.
Was wiederum Linz betrifft, so hat Ephraim
Kishon in seiner Geschichte „Linzertorte“ alles
gesagt, was man über diese schöne Stadt wissen
muss und eigentlich sogar mehr. Aber davon soll
bei anderer Gelegenheit berichtet werden, und
zwar vorzugsweise im einmaligen „Traxlmayr“ in
Linz.
W
28
JAPAN-SPEZIAL
1
1. HORTUS CONCLUSUS: Mit frisch
gewässertem Boden und dem NorenVorhang am Eingang zeigt dieses Restaurant in Kyoto, dass bald geöffnet wird.
2. EIN MEER VON HÄUSERN: Mit dem
Fahrstuhl in den 58. Stock sausen und
vom Abeno Harukas, dem höchsten
Gebäude Japans, über Osaka schauen.
Ein schwindelerregender Blick!
3. JIM KYOTO, LOKFÜHRER: Am
besten die Stadt zu Fuß oder per
Straßenbahn erkunden, fernab vom
Touristen-Gewusel.
4. GUTE NACHT: Im Kapselhotel
9hours in Osaka bekommt man
Hausschuhe, Zahnbürste, einen Spind
und eine eigene kleine Box, in der man
schläft. Also Rollo runter!
5. 1500 METER KÖSTLICHKEITEN: Im
Nishiki-Markt entlang einer überdachten Passage in Kyoto kaufen
Einheimische und Fernreisende seit
mehr als 400 Jahren ein.
6. GELD STINKT NICHT: In keinem
anderen Land wird so viel Liebe in die
Gestaltung von Kanaldeckeln gelegt:
mehr als 12.000 Motive, jede Gemeinde
hat ihr eigenes. Dieser Deckel liegt auf
der künstlichen Insel Odaiba in Tokio.
7. IN RUHE: Zu Hause oder in
Restaurants zieht man Toilettenschuhe
an, wenn man hereinkommt. Barfuß
oder mit Straßenschuhen ist der Zutritt
undenkbar. Wie auch hier im Garten
Murin-an in Kyoto.
8. KÜRBIS, KUNST UND MEER: Mit
Kunst – Tadao Ando, Jackson Pollock,
Claude Monet – wurde die Insel
Naoshima vor dem Verfall gerettet.
Die Kürbisse von Yayoi Kusama
stehen an zwei Kais der Insel.
2
WILLKOMMEN IN JAPAN
In zwei Wochen beginnen die Olympischen
Spiele in Tokio. Wir waren schon vorher
dort. Und haben entdeckt, wie das Land der
aufgehenden Sonne auf uns abstrahlt.
Fotos Fara Phoebe Zetzsche
3
4
5
30
Endlich kommen auch deutsche Judoka wieder
mal ins Land ihrer Träume. EDUARD TRIPPEL
hat lange trainiert, um bei den Olympischen Spielen im
Mutterland des Kampfsports mithalten zu können.
32
Eine Ramen-Suppe ist ein kleines Kunstwerk.
IVAN ORKIN hat die hohe Kunst des Kochens
bei langen Aufenthalten in Japan gelernt – und lässt die
Suppe jetzt Manhattan schmecken.
34
Japanisches Design gilt seit Jahrzehnten als
prägend für den Westen. An durchdachter
Schlichtheit arbeitet auch die Marke KARIMOKU
NEW STANDARD – mit Designern aus Europa.
6
36
1964 fanden schon einmal Olympische Spiele
in Tokio statt. HANS-JOACHIM KLEIN gewann
damals vier Medaillen im Schwimmen – und erinnert
sich an außergewöhnliche Momente.
38
Was tun in Tokio? Unser Japan-Korrespondent
PATRICK WELTER nimmt uns mit an einige
seiner Lieblingsorte in seiner Lieblingsstadt.
7
8
30
JUDO
AUF D
DIE MATTE
Bei den Olympischen
Spielen wird Judo eine der
sportlichen Attraktionen
sein. Eduard Trippel ist der
deutsche Hauptdarsteller.
In diesem Jahr hat er schon Bronze beim Masters
in Doha (Qatar) gewonnen und Silber beim
Grand Slam in Kasan (Russland). „Für mich
läuft gerade alles gut“, sagt Eduard Trippel mit
fester Stimme und gewachsenem Selbstbewusstsein. Der Vierundzwanzigjährige vom Judo-Club
Rüsselsheim hat die Verschiebung der Olympischen Spiele um zwölf Monate wegen der Corona-Pandemie genutzt, um sein Können zu vervollständigen. „Ich fühle mich besser als im
vergangenen Jahr“, sagt der 90-Kilo-Kämpfer.
Von Achim Dreis, Fotos Frank Röth
Schon vor Jahresfrist zählte er zum Aufgebot des
Deutschen Judo-Bundes (DJB) für Tokio, wirkte
aber bisweilen noch, als sei er überraschend in
einem fernen Traum aufgewacht. Nun will er
Ende Juli nach Tokio reisen, um beim Kampf um
die Medaillen im Mittelgewicht mitzumischen.
Japan ist das Sehnsuchtsland jedes Judokämpfers. „Dort hat jeder Ahnung von Judo“, hat
Trippel schon bei der ersten seiner vielen FernostReisen erstaunt festgestellt. „Bei jedem Wettkampf sind die Hallen voll, und alle kennen die
Regeln.“ Auch wenn das Publikum bei Olympia
wegen der Corona-Auflagen draußen bleiben
sollte, ein Fernsehereignis wird Judo auf alle
Fälle: Der Kampfsport, der Körper und Geist zu
verbinden versucht, gehört in dem pazifischen
Inselstaat zum Grundkanon des Könnens und
Wissens, zur praktischen Kernkompetenz eines
jeden Einwohners.
Für den Vertreter einer Randsportart, der in
Deutschland oft erklären muss, was er da eigent-
Überlegen: Eduard
Trippel trainiert in der
Großsporthalle in
Rüsselsheim für die
Olympischen Spiele.
lich macht, ist das ein seltenes Phänomen. Bei
vielversprechenden Aktionen eines Judokas geht
in japanischen Kampfhallen ein Raunen durch
die Menge – ähnlich wie anderswo bei einem
aussichtsreichen Angriff im Fußballstadion. Wer
auf der Straße als Judoka erkannt wird, wie es
dem jungen Rüsselsheimer selbst in der Millionenmetropole Tokio schon widerfuhr, ist sofort
im Gespräch: „Judokas sind Stars.“
Das kann Alexander Wieczerzak nur bestätigen. „Vor dem Hotel standen Leute, die uns
fotografieren wollten“, erinnert er sich an seine
Ankunft bei der Weltmeisterschaft 2019, die
ebenfalls in Tokio stattfand. „Wir wurden behandelt wie Könige, haben uns gefühlt wie Fußball-Weltmeister.“ Solche Gefühle kannte er aus
Deutschland nicht, obwohl der Wiesbadener
selbst Weltmeister ist – in Budapest 2017 hatte
er in der Klasse bis 81 Kilogramm den Titel gewonnen, also im Halbmittelgewicht, in dem die
Leistungsdichte gemäß Normalverteilung am
größten ist. Ein Lebenstraum ging für den damals Sechsundzwanzigjährigen in Erfüllung.
Doch sein Leben änderte sich nicht großartig.
Ein paar Medienanfragen hier und da, ein neuer
Sponsorenvertrag immerhin. Aber von Passanten erkannt wurde er an seinem Trainingsort in
Köln weiterhin nicht. In Japan dagegen schon:
„Da wird die Leistung eines Judokas super
respektiert.“
Als sich Alexander von der Groeben in den
späten siebziger Jahren zum ersten Mal mit der
deutschen Judo-Nationalmannschaft zu einem
Randori, einem Trainingskampf, in Japan aufhielt, hatte er zunächst „ein komisches Gefühl“. Er
wähnte sich in einer Filmszene. Auf seiner Seite
der Matte standen sieben, acht Deutsche, auf der
anderen knapp 200 Japaner. „Da waren alleine im
Schwergewicht 30 adäquate Gegner“, erinnert sich
der Fünfundsechzigjährige noch Jahrzehnte später
an die Szene. „So viele gab es in ganz Deutschland
nicht.“ Er zeigte auf einen Gegner, trainierte mit
ihm, und nach fünf Minuten kam der nächste an
die Reihe. Beim Randori geht es nicht darum zu
gewinnen, sondern darum, die Techniken im
Fluss der Kämpfe anwenden zu können.
KAMPF MIT SICH SELBST
Von der Groeben war in den achtziger Jahren der
beste deutsche Judoka. Er kämpfte im Schwergewicht und in der offenen Klasse, wurde mehrfach deutscher Meister, Europameister und WMMedaillengewinner. Noch heute ist der „JudoGraf“ als Sportmoderator und Schauspieler eine
bekannte Figur in der überschaubaren deutschen
Judoszene. In Japan wurde der Hüne auch dank
seiner knapp zwei Meter Körpergröße und der
blonden Mähne zu einer Berühmtheit. „Du
kommst in einen Laden rein, wirst als Judoka
erkannt, und schon deutet dir jemand einen
Wurf an – in Straßenkleidung.“ Vom deutschen
Bundestrainer Richard Trautmann ist der Spruch
überliefert: „In einem japanischen Dojo wirft
dich der Hausmeister.“ In einer deutschen Halle
verwaltet der nur die Schlüssel.
Auch Eduard Trippel war mit seinen 24 Jahren
schon mindestens achtmal in Japan, meistens in
Tokio. „Es ist der beste Ort, um Judo zu trainieren.“ Nirgendwo sonst auf der Welt ist die
Leistungsdichte so groß, stehen so viele Trainingspartner zur Verfügung. Nationalmannschaften
aus der ganzen Welt reisen an, um gegeneinander
anzutreten und sich zu verbessern. Mit Athleten
aus allen möglichen Ländern hat sich Trippel,
dessen Spezialität die Hüfttechniken sind, schon
gemessen. Manchmal weiß er gar nicht, woher
seine Partner beim Randori kommen. Nationalitäten oder Hautfarben spielen für ihn keine Rolle,
sind überhaupt im Judo nebensächlich. „Es ist
alles individuell.“ Gleichzeitig bilden die Judokämpfer eine weltweite Gemeinschaft: Judomeister wird nicht, wer für sich bleibt. „Ich könnte
nicht alleine im Keller trainieren“, sagt Trippel.
Zu Beginn der Corona-Pandemie kam er sich
deshalb bisweilen etwas verloren vor. In seiner
angestammten Trainingshalle, dem Dojo in Rüsselsheim, gab es keine adäquaten Kampfpartner
für ihn. Sportler seiner Qualitätsstufe sind rar in
Hessen, und wer nicht zum Leistungskader
gehörte, durfte gar nicht mehr auf die Matte.
Doch das Problem hat sich im Lauf der Zeit
gelöst. „Ich bin kaum noch zu Hause“, sagt
Trippel. Trotz aller Verbundenheit mit seinem
Verein und Heimtrainer Andreas Esper, der ihn
ausgebildet und auf höchstes Niveau gebracht
hatte, ließ der Polizist der hessischen Sportfördergruppe Rüsselsheim einstweilen hinter sich. „Ich
trainiere meistens in Köln“, sagt Trippel, „die
haben immer ’ne volle Matte.“
Oder bei internationalen Trainingslagern, die
meist vom Judoverband ausgerichtet werden. Bei
einem Camp in Georgien infizierte sich Eduard
Trippel dabei mit dem Coronavirus. Er musste
14 Tage in Quarantäne, hatte aber Glück: „Ich
war symptomfrei.“ Nach zwei Wochen Auszeit
konnte er unmittelbar weiter trainieren, ohne
spürbaren Leistungsverlust. Andere erwischte es
schlimmer: Alexander Wieczerzak musste nach
seiner Corona-Infektion „am Nullpunkt“ wieder
anfangen. Die Olympiateilnahme rückte für den
Wiesbadener in weite Ferne.
Die Entwicklung des Judosports geht auf das
Ende des 19. Jahrhunderts zurück. Gründungsvater war Jigorō Kanō, geboren 1860 in Mikage.
Der eher schwächlich gebaute junge Mann besuchte die Universität in Tokio und beschloss, Jiu
Jitsu zu lernen, um sich verteidigen zu können.
Dass bei dieser aggressiveren Kampfsportart aber
nicht nur Selbstverteidigungstechniken gelehrt
wurden, missfiel ihm. Und so gründete Jigorō
Kanō 1882 in Tokio seine eigene Akademie, die
„Schule zum Studium des Wegs“.
Kanō nannte das von ihm entwickelte System,
das Kampfkunst mit Lebensphilosophie verbindet, „Ju-do“, was in der deutschen Übersetzung
in etwa „der sanfte Weg“ bedeutet. Sanft deshalb,
weil der Erfolg im Judo auf dem „Prinzip des
Nachgebens“ beruht. Wer Erfolge erzielen möchte, sollte die Energie des Anderen für die eigenen
Zwecke zu nutzen imstande sein. Wörtlich wird
mit der Silbe „Ju“ das Prinzip „Siegen, indem man
sich flexibel an den Gegner anpasst“ verdeutlicht.
In Europa etablierte sich Judo zunächst als
Zirkuskunst auf Varietébühnen in London und
Berlin. Erst in den zwanziger Jahren gründeten
sich erste Judoklubs in Deutschland. Vereine in
Frankfurt und Wiesbaden waren Vorreiter. Zur
olympischen Disziplin geadelt wurde der Sport
dann 1964 – als Reminiszenz an den damaligen
Gastgeber der Spiele: Tokio. Der Wolfsburger
Klaus Glahn gewann die Bronzemedaille in der
offenen Klasse. Noch heute erinnert sich der
mittlerweile Neunundsiebzigjährige daran, dass
die Japaner sich zum Judo bei Olympia „in einen
besonders festlichen Anzug“ kleideten.
Jigorō Kanōs Idee, durch Judo für jedermann
einen alltäglichen Zugang zum Sport zu schaffen, hatte sich erfüllt. „Die Menschen sind Rivalen im Wettkampf, aber geeint und Freunde
durch ihr Ideal, in der Ausübung ihres Sports
und noch mehr im täglichen Leben“, lehrte Kanō
einst. „Jeder hat mal Judo gemacht“, sagt von der
Groeben heute. Dazu kommt das Prinzip der
persönlichen körperlichen und geistigen Vervollkommnung als Ansporn. „Wichtig ist nicht, besser zu
sein als alle anderen. Wichtig ist,
besser zu sein, als du gestern warst!“
Eduard Trippel kam zum Judo,
weil seine Grundschullehrerin ihm
Hyperaktivität attestierte. Mit sechs
Jahren fing er beim Judo-Club Rüsselsheim an. Es machte ihm Spaß,
er blieb, und ganz schlecht war er
offenbar auch nicht. Seine Energie
zielgerichtet einzusetzen: Dafür ist
eine Kampfsportart die ideale Disziplin. Neben dem sportlichen Aspekt gehört ein ethischer Kanon
elementar zum Judo. „Bescheidenheit, Höflichkeit, Respekt“ sind
Werte, die Trippel durch Judo gelernt und für sein soziales Leben
verinnerlicht hat. „Wobei: So
schlimm war ich als Kind auch wieder nicht.“
HART, ABER FAIR
Obwohl er einer anderen Generation angehört, ist sich auch von der
Groeben sicher, dass diese Werte
dazu beitragen, dass die internationale „Judo-Familie“ vergleichsweise
gut harmoniert. „Die Begrüßungsrituale sind nicht nur Show, sondern ernst gemeint. ‚Kämpfe hart,
aber fair‘ ist mehr als nur ein
Slogan.“ Doch zur Wahrheit gehört
auch ein anderes Phänomen. Die
Dichte auf der Leistungsebene ist so
enorm, dass es fast erstaunt, dass
Nach dem Prinzip
des Nachgebens: Der
Erfolg im Judo hängt
nicht nur von Kraft
und Technik ab.
nicht alle Weltmeister aus Japan kommen. „Es
gibt eine Million Dan-Träger“, sagt von der
Groeben. „In Deutschland gibt es gerade mal
150.000 Judoka, davon vielleicht 50.000 Erwachsene.“ Bei seinen Studien- und Trainingsreisen in Japan ist der Kölner auf Kämpfer
getroffen, von denen er dachte: Die werden mit
Sicherheit WM-Medaillen gewinnen. Doch
dann habe man sie nie mehr gesehen.
„Wenn du sechsmal geworfen wirst, stehe
siebenmal wieder auf“, lautet eine goldene Regel
im Judo. Aber die Wirklichkeit sieht anders aus.
„Die Japaner trainieren wirklich hart, aber nur der
Härteste setzt sich durch“, sagt von der Groeben.
Der Internationale Judo-Bund hat die Teilnehmerzahlen pro Nation und Gewichtsklasse bei
Großereignissen beschränkt. Das führt zu einer
extremen Selektion im Mutterland des Sports.
Selbst Spitzenkönner fallen durch, weil sie dem
Druck nicht standhalten. „In Deutschland wird
das Training individueller gestaltet“, weiß von der
Groeben aus eigener Erfahrung, auch um Dropouts der wenigen Talente zu vermeiden. Deshalb
hat sich der Kölner trotz der Bedeutung der Judokultur in Japan auch nie gewünscht, Japaner zu
sein. „Es kann ein ganz tristes Leben sein, wenn
man nur die Nummer zwei oder drei ist.“
Bei aller Internationalität des Judos bleibt ein
Problem: die Sprache. Trippel kann außer einigen Floskeln wie „Hallo“ („konnichiwa“),
„Tschüss“ („baibai“) und „Danke“ („arigato“)
nur Fachvokabeln seiner Sportart in ihrer
Muttersprache aufsagen. Sämtliche Griffe,
Würfe und Wertungen tragen japanische
Namen, „Ippon“ oder „Uki-Goshi“ prägen sich
ein wie „Abseits“ oder „Tor“. Für die restlichen
Begriffe des täglichen Lebens brauchen die ausländischen Kämpfer Übersetzer.
Nicht einmal von der Groeben kann gut
Japanisch sprechen, obwohl er in Summe zwei
Jahre in Fernost verbracht hat. „Wenn du mit
acht Deutschen im Trainingslager warst, hattest
du wenig Grund, die Sprache richtig zu lernen.
Doch es reichte, um ein Bier zu
bestellen.“ Und um zu signalisieren,
wenn er im Training genug hatte.
„Itami“ sagen und auf einen Körperteil zeigen, so von der Groebens
Trick, schon war die Lektion beendet: „‚Itami‘ heißt Schmerz.“
Als lustiger Nebeneffekt seiner
offenen rheinischen Art sei es ihm
häufig passiert, dass sich einheimische Gesprächspartner eine halbe
Stunde mit ihm über Judo und die
Welt unterhielten, ohne dass er letztlich verstanden hätte, um was es
ging. Eine Taktik, die dennoch zielführend war: „Wenn du im Restaurant auf Japanisch bestellt hast,
waren die schon ganz begeistert, und
du bekamst eine Riesenportion.“
Begegnungen dieser Art werden
bei den Olympischen Spielen 2021
auf ein Minimum reduziert sein.
Olympia wird nicht das sonst übliche Fest der Begegnungen sein
können. Auch im Judo nicht. „Ich
gehe davon aus, dass wir ohne Publikum kämpfen“, sagt Eduard Trippel.
Das wäre zwar schade, weil so die
einzigartige Atmosphäre fehlen
würde. Doch es muss für ihn kein
Nachteil sein. „Ich bin der Typ, der
nicht so viele Zuschauer braucht“,
sagt der eher in sich ruhende Athlet,
der gelernt hat, mit Druck umzugehen. Auf seinem Weg zum Meister
ist er weit gekommen: „Je weniger
ich mir einen Kopf mache, umso
besser gelingt es mir zu kämpfen.“ W
ESSEN
so nett zu mir.“ An Samstagen fuhren die Köche
mit den Tellerwäschern in die Stadt, ins Kino,
um sich Kung-Fu-Filme am Times Square anzusehen. „Danach aßen wir in den Restaurants
ihrer Freunde.“
Am College belegte er als Sprache Japanisch.
Und als es später darum ging, wo er hinziehen
würde, war auch das schnell entschieden. Ivan
Orkin zog nach Tokio und unterrichtete Englisch. „Mein Japanisch verbesserte sich dort
schon. Aber ich wusste nicht wirklich, was ich
auf Dauer machen wollte.“
Dann lernte er eine Frau kennen, Tami. Es
dauerte eine Weile, bis Orkin auf die Idee mit der
Gastronomie kam. Mit Tami zog Orkin zurück
in die Vereinigten Staaten und schrieb sich am
Culinary Institute of America ein. Er lernte
kochen und arbeitete anschließend an Orten, die
für fine dining einen Namen hatten. Seine Frau
und er bekamen einen Sohn. Es lief gut für Ivan
Orkin. Dann aber änderte sich plötzlich alles.
ZURÜCK NACH TOKIO
In Tokio lernte er sein Handwerk,
heute kocht Ivan Orkin in New York.
Dabei ist er mit seinen Restaurants
unter dem Namen „Ivan Ramen“
international bekannt.
RAMEN
MEN
OHNE
NE
RAHMEN
HMEN
Von Jennifer Wiebking
ing
Ivan Orkin ist Amerikaner,
ner, aber er
wurde in Tokio bekannt. In einem Land,
das kaum von Einwanderern geprägt
ist, erfuhr er Respekt – ausgerechnet
mit traditionell japanischer Nudelsuppe.
Dieser Ma
Mann stellt die Ramen-Suppe auch bildlich auf den Kopf – mit einem Mosaik im
Innenhof seines Restaurants an der Lower East
Side. In der Gege
Gegend sind viele japanische Restaurants. „Ivan Ram
Ramen“ aber ist anders, nicht
nur wegen des Name
Namens, der so gar nicht japanisch klingt. Das Bild dazu im Innenhof zeigt
eine umgestürzte Schüssel
Schü
Ramen. Die Nudeln
tanzen an der Wand eentlang, quer durch den
Hof. Dazwischen ein Oktopus. Ein dickes
Schwein. Ein Schwarm Fische. Hälften von
weichgekochten Eiern. W
War seine Idee.
Ramen, das Schnellg
Schnellgericht der Japaner, kann
scharf sein oder herzhaft.
herzha Vor Hitze dampfen
oder auf Eis serviert werden.
we
Eine Ramen-Suppe
ist kein durchchoreographiertes
durchchoreog
Kaiseki-Menü.
Aber anders als Sush
Sushi, das längst universell ist,
gehört zur Ramen noch immer dazu, dass ein
Japaner sie gekocht
gekoch hat.
Ivan Orkin, 58, ist Amerikaner und trotzdem
mit seiner Ramen berühmt geworden. Mehr
noch, fü
für sein unkonventionelles Konzept hat er
von den Japanern selbst großen Respekt erfahren.
15 Jahre lang hat Orkin in Japan gelebt und
gearbeitet, mit eigenen Restaurants. Ohne die
Anerkennung der Japaner für seine Arbeit würde
er heute nicht hier sitzen, in seinem New Yorker
Restaurant. Und ohne Netflix wäre es nicht so
bekannt – aber dazu später.
Vielleicht muss man mit seiner Jugend
beginnen: Ivan Orkin wuchs auf Long Island
auf, in Syosset, in behüteten jüdisch-konservativen Verhältnissen. Sein Vater war Anwalt, sein
Bruder auf dem besten Weg, Anwalt zu werden.
Ivan Orkin aber konnte der Aussicht, selbst
Anwalt zu werden, nichts abgewinnen.
Seine Mitschüler gingen in ihrer Freizeit
Fast Food essen. „Als ich 17 Jahre alt war, konnte ich in keinen McDonald’s mehr gehen“, sagt
Orkin. Dafür stolperte er zufällig in eine SushiBar und fragte nach einem Aushilfsjob. „Ich
habe mich als erstes in das Essen verliebt, und
ich fand die Sprache spannend. Und: Alle waren
Sein Sohn war zwei, als seine Frau Tami wieder
schwanger war. Sie erlitt einen toxischen Schock
und starb innerhalb weniger Tage. Ohne Tami
ergab das Leben in Amerika für Orkin keinen
Sinn mehr. Mit seinem Sohn zog er zurück nach
Japan und machte sich an das Vorhaben, das
sein Leben von nun an bestimmen sollte: Er
eröffnete einen Ramen-Laden. Das war im Jahr
2006. Es war nur eine Schuhschachtel im westlichen Teil von Tokio, in Setagaya. „Ich sprach
Japanisch, zahlte in Japan meine Steuern, unterhielt mich mit den alten Damen auf der Straße:
Ich führte ein japanisches Leben. Aber bei der
Vorstellung, dort ein Restaurant zu eröffnen,
war ich sehr aufgeregt.“
Um sich darauf vorzubereiten, hatte Orkin
einen Schnellkurs belegt. Eigentlich ein Witz in
einem hochspezialisierten Land, in dem UdonNudel-Koch ein eigener Beruf ist, wo die Ausbildung zum Sushi-Meister etwa so lange dauert
wie bei uns die zum Neurochirurgen.
Orkin probierte monatelang lang herum, las
Bücher und fand seine Brühen-Zubereitung. Für
Shio- und Shoyu-Ramen, Suppen mit Salz und
Soja-Brühe, hatte er ein Händchen. Schon in dieser Zeit wurde es zum Trend, Ramen in Japan
seltsam zu garnieren. So berichtete die Zeitung
The Japan Times damals von Ramen mit Käse.
Für Ivan Orkin wäre das nichts gewesen. Trotzdem fand er eine Zutat, die für ihn wie selbstverständlich dazu gehörte: die Tomate. Er warf
sie nicht einfach so in die Schüssel, sondern
röstete seine Tomaten zuvor im Ofen. „Ich habe
überlegt, was noch reich an umami ist“, sagt
Orkin über den in der japanischen Küche so
wichtigen fünften Geschmackssinn. „Tomaten
sind voll mit Umami-Stoffen.“
Mit seiner Art, Ramen neu zu denken,
Küchentraditionen aber zugleich zu wahren,
wurde Orkin erfolgreich. Zu seinen ersten Gästen gehörte der Hohepriester der Ramen-Küche.
Er tritt auch auf in der Folge „Chef ’s Table“, die
Netflix über ihn, den einzigen Koch in der
Reihe, der kein Fine-Dining-Erlebnis bietet, vor
einigen Jahren gedreht hat, und mit der er auf
der ganzen Welt bekannt wurde. Selbst über
den Bildschirm wirkt der Ramen-Meister wie
eine natürliche Respektsperson, wenn er über
Ivan Orkin spricht. Jedenfalls gab er, der Hunderte Ramen im Jahr verspeist, sein Okay.
Innerhalb von zwei Jahren eröffnete Orkin ein
zweites Restaurant.
Japaner, die mit Ramen aufgewachsen waren
und sie in Tokio an jeder Ecke bekommen, setzten sich zu ihm, dem Amerikaner, um die Suppe
zu essen. Auf Listen der besten Ramen in Tokio,
in einer Stadt mit mehr als 10.000 RamenLäden, landete Orkin unter den ersten zehn. Ivan
Orkins Nudelsuppe schmeckt auch heute noch
anders als Ramen an anderen Orten. Die Brühe
und das Fleisch sind weniger fettig, die Nudeln
sind aus Roggenteig, nicht aus Weizen, und die
FOTOS KAI NEDDEN, BRENT HERRIG/NYT/LAIF, TONY CENICOLA/NYT/LAIF
32
Tomate schafft ein ungewöhnliches Geschmackserlebnis.
Ivan Orkin hätte jetzt am Ziel sein können.
Er hatte eine neue Frau in Japan kennengelernt
und sie geheiratet, auch sie hatte ein Kind aus
einer früheren Beziehung. 2015 aber übergab er
seinem Chefkoch in Tokio die Läden. Mit
seiner neuen Familie wollte er zurück nach New
York – und begann dort aufs Neue. Wieder
Ramen, jetzt in Amerika. Leicht war es nicht.
„Es ist einfacher, ein Restaurant in Tokio zu
eröffnen als in New York“, sagt er. „Niemand
versucht, dich zu bestehlen oder dich zu
betrügen. Und die Gäste sind netter.“
Hinzu kommt: Die Zeiten haben sich geändert. Ein Amerikaner, der in New York einen
Ramen-Laden unterhält, muss jederzeit mit dem
Vorwurf der kulturellen Aneignung rechnen.
„Ich kann sehr froh sein, dass ich bis jetzt nichts
abbekommen habe“, sagt Orkin, der die Diskussion in seinem Fall recht absurd fände. „Ich
spreche die Sprache, meine Kinder und meine
Frau sind Japaner, ich habe dort 15 Jahre lang
gelebt, habe eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung und dort erfolgreich zwei Ramen-Läden
geführt. Japan ist meine Leidenschaft, Japan
gebührt mein größter Respekt.“
DARF ER DAS?
Nicht, dass er sich keine Gedanken über den Diskurs machen würde. „Der Vorwurf der kulturellen
Aneignung ist doch vielmehr die Reaktion auf
strukturellen Rassismus. Es ist wichtig, auf beiden
Seiten achtsam zu sein. Es gibt Leute, die behaupten, chinesisches Essen würde stinken. Und dann
machen sie schön geruchsarmes chinesisches
Essen. Das ist selbstverständlich gefährlich, denn
es richtet sich gegen die Kultur und die Traditionen eines Landes.“ Orkin sagt auch: „Vielleicht
sind wir jetzt zum ersten Mal an einem Punkt, an
dem wir offener über Rassismus sprechen können,
und dazu gehören dann auch solche Diskussionen.“
Der Amerikaner mit der japanischen Nudelsuppe bringt sein Konzept nun auch in andere
Landesteile. Im Mittleren Westen und im Süden,
in Nebraska und Texas, hat er in den vergangenen
Monaten Franchises seines Restaurants eröffnet,
sogenannte ghost kitchens. Das heißt nicht, dass
dem Gastronomen die Corona-Zeit nicht zugesetzt hätte – eines seiner beiden New Yorker
Ramen-Restaurants musste dauerhaft schließen.
Glücklicherweise gehört zum anderen der schöne
Innenhof mit Mosaik, in dem er schon Gäste bewirten durfte, als das drinnen noch nicht möglich
war. Wie so viele Gastronomen in den Vereinigten Staaten und Europa hat Orkin gerade Personalprobleme, eine der Langzeitfolgen der Pandemie. Die meisten Restaurants, sagt er, seien
gerade unterbesetzt. Dafür gebe es verschiedene
Gründe. Viele haben von einem Tag auf den
anderen ihre Jobs in der Gastronomie verloren.
Einige haben seitdem stabilere Arbeitsverhältnisse gefunden, wieder andere fürchten sich vor
dem Virus. Orkin hofft, dass viele trotzdem
zurückkommen. „Mir gefällt diese Branche einfach. Ich finde die Gastronomie großartig, und
ich war auch nicht immer der Typ mit den Restaurants. Zuvor war ich einfach nur Koch.“
Orkin erzählt, wie seine ehemaligen Kommilitonen von der Kochschule reagierten, als sie
damals von seiner Idee eines Ramen-Restaurants
hörten. „Sie sagten: Unglaublich, was dir passiert
ist, du eröffnest ein Ramen-Restaurant? Herzliches Beileid.“ Orkin lacht. Zur Zeit verhandelt er
nicht nur über weitere Eröffnungen unter seinem
Namen in den Vereinigten Staaten, sondern auch
über ein Konzept in Schweden.
Er, der Außenseiter, passt bis heute nicht so
recht in den Rahmen dessen, was einen erfolgreichen Gastronomen ausmacht. Und er ist es
doch – mit Ramen.
W
// „Ich spreche die Sprache, meine
Kinder und meine Frau sind Japaner,
ich habe dort 15 Jahre lang gelebt,
habe eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung und zwei RamenLäden geführt. Japan ist meine
Leidenschaft.“ //
ANZEIGE
Daniel ist ein Filmstar. Er hat Erfolg, Geld und eine traumhafte
Wohnung in Berlin. Dort lebt er mit seiner Frau, zwei kleinen
Söhnen und dem Kindermädchen. Auch der Durchbruch in
Hollywood scheint nicht mehr fern: Daniel soll in London für
einen amerikanischen Superheldenfilm vorsprechen. Auf dem
Weg zum Flughafen macht er in seiner Stammkneipe halt. Dort ist
es vormittags ruhig, dort stören keine Fans, dort will er noch
einmal seine Rolle lernen. Doch an der Theke sitzt ein fremder
Mann: Bruno verwickelt Daniel in einen Small Talk. Er kennt nicht
nur alle Filme des Schauspielers, er kennt sich auch erschreckend
gut in Daniels Privatleben aus. Mit jeder Minute dieses seltsamen
Gesprächs wächst Daniels Verwunderung. Und seine Angst.
AB 15. JULI IM KINO
DESIGN
SCHLICHT AUS FERNOST
NOST
Von Peter-Philipp Schmitt
Mit Karimoku New Standard zielt Japans größter Holzmöbelhersteller auf den
en europäischen Markt –
mit einem Kreativdirektor aus der Schweiz und Designern auch auss Deutschland
Zurück in Zürich: Nach fast
13 Jahren in Japan ist David
Glaetli in seine Heimat Schweiz
zurückgekehrt. Er bleibt aber
Kreativdirektor von Karimoku
New Standard und hat zuletzt
die Zusammenarbeit mit
Geckeler Michels auf den Weg
gebracht. Von den beiden
Berlinern stammt der Stuhl
Panorama, auf dem Glaetli hier
sitzt. Unten links ist das Sofa
Elephant von Christian Haas
zu sehen, unten rechts der Tisch
Spectrum (Geckeler Michels)
und der Stuhl Polar von dem
Schweizer Moritz Schlatter.
David Glaetli ist erst im April zurück nach
Zürich gezogen. Auch weil seine Kinder bald in
die Schule kommen, stellten er und seine japanische Frau sich die Frage: Wo wollen wir künftig
leben? „Japan“, sagt Glaetli, „fühlt sich schon ein
wenig wie das Ende der Welt an.“ In dem Inselstaat fehlte ihm das Multikulturelle seiner Heimat, die Möglichkeit, mal eben über die Grenze
in ein anderes Land zu fahren. Zudem hat Japan
eine stark überalterte Gesellschaft, die Bevölkerungszahl ist seit Jahren rückläufig.
Fast 13 Jahre hat Glaetli in Japan gelebt,
bevor er in die Schweiz zurückkehrte. In diesem
Monat will er ein neues Studio in Zürich eröffnen. Ein Teil des Büros und eine Assistentin sind
aber noch in Tokio. Der Schweizer, Jahrgang
1977, bleibt seinem Hauptarbeitgeber treu: als
Kreativdirektor von Karimoku New Standard.
Nach dem Produktdesign-Studium in Mailand und in Lausanne hatte Glaetli 2008 angefangen, für den Designer Teruhiro Yanagihara in
Osaka zu arbeiten. Noch im selben Jahr wandte
sich Japans größter Holzmöbelhersteller Karimoku an das Studio mit der Bitte, Produkte zu erarbeiten. „Karimoku wollte ein moderneres, eher
skandinavisches Design“, sagt Glaetli. „Doch wir
schlugen dem Unternehmen vor, lieber gleich
eine neue Marke zu gründen. Nur ein paar neue
Möbel wären in dem Sortiment untergegangen.“
Karimoku, 1940 in der japanischen Präfektur
Aichi gegründet, stimmte zu. Wenig später schon
konnten neun Entwürfe präsentiert werden.
Da es keine wirtschaftlichen Zwänge gab,
hatte die Marke viele Freiheiten. „Wir konnten
experimentieren“, sagt Glaetli. Das hieß vor
allem: Karimoku New Standard gab jungen,
unbekannten und auch unerfahrenen Designern
eine Chance. Dem Schweizer Studio BIGGAME zum Beispiel, das Augustin Scott de
Martinville, Elric Petit and Grégoire Jeanmonod
2004 in Lausanne gegründet hatten. Und dem
Designerduo Scholten & Baijings aus Amster-
dam, das fast 20 Jahre bestand. Seit 2019 gehen
Stefan Scholten und Carole Baijings getrennte
uch der Deutsche Christian Haas mit
Wege. Auch
dio im portugiesischen Porto stieß zu
seinem Studio
der japanischen Marke wie auch zuletzt Geckeler
Michels aus Berlin.
apanische Label kurz
Für KNS, wie sich das japanische
nennt, haben David Geckeler und Frank Michels
den Stuhl Panorama entworfen. Er ist typisch für
die Marke: minimalistisch in der Anmutung,
multifunktional einsetzbar, mit Bezügen zu
Japan. Und er ist natürlich aus Holz. Die stapelbare Stuhlfamilie besteht aus japanischer Eiche.
Sitz und Rückenlehne sind leicht gebogen und
sollen an Blätter aus Papier erinnern, die sich im
Wind biegen wie auf einem der Farbholzschnitte
des japanischen Künstlers Katsushika Hokusai.
Von Geckeler und Michels, die sich in den späten
Nullerjahren beim Designstudium in Potsdam
kennengelernt hatten, stammt auch der Eichentisch Spectrum mit gleich zwei Platten, dazwischen ist Platz für Stauraum. Scholten & Baijings
wiederum haben die Colour-Wood-Serie entworfen, bei der dünne Eichenholzleisten so miteinander verbunden werden, dass sie zum Beispiel eine Sitzschale für einen Stuhl ergeben, die
wie gefaltet aussieht. Da in Japan Holz schon vor
Corona ein rares Gut war, verwendet KNS dafür
junge Bäume, Aufschlag, der im Wald gefällt
werden muss und sonst meist zu Papier verarbeitet wird. Der Bestseller von KNS ist das Sofa
Elephant von Christian Haas: Dicke Polster
ruhen auf einem Gestell aus Kastanienholz.
Karimoku habe mit seiner jungen Marke
auch nach neuen Märkten gesucht, gerade weil
die Bevölkerung in Japan stark schrumpfe, sagt
Glaetli. Darum habe man vor allem europäische
Designer beauftragt. Anfangs war KNS in Europa auch sehr erfolgreich. Inzwischen aber erfreuen sich die minimalistischen Entwürfe größerer
Beliebtheit im Fernen Osten – in Japan, China
und Korea, aber auch in Australien.
W
FOTOS ANDREAS PEIN, KENTA HASEGAWA, TAKUMI OTA, CÉDRIC WIDMER, MARKUS JANS, HERSTELLER (4)M
34
Mit Bezug zu Japan: Den Sessel Polar
(links), mit oder ohne Armlehne, hat
der 1976 in Zürich geborene Designer
Moritz Schlatter für Karimoku New
Standard entworfen, die wie gefaltet
wirkende Möbelserie Colour Wood
(unten) das Designerduo Scholten &
Baijings. Für sie werden Leisten aus
Eichenholz miteinander verbunden
und zu Tischplatte, Untergestell oder
auch Sitzschale zusammengefügt.
Amsterdam: Das Designerduo
Scholten & Baijings fand sich
2000 zusammen. Seit 2019
gehen Stefan Scholten
(Jahrgang 1972) und Carole
Baijings (1973) getrennte Wege.
Lausanne: BIG-GAME nennt sich
das Trio, das aus dem Belgier Elric
Petit, dem Schweizer Grégoire
Jeanmonod und dem Franzosen
Augustin Scott de Martinville
(von links nach rechts) besteht.
Porto: Christian Haas wurde
1974 in Erlangen geboren.
Sein erstes Studio gründete
der Designer in München,
2007 ging er nach Paris,
seit 2015 ist er in Portugal.
Berlin: David Geckeler (links) ist
gebürtiger Schweizer, Frank
Michels Luxemburger. Nach ihrem
Studium in Potsdam gründeten die
beiden 1984 geborenen Designer
2013 ihr Studio Geckeler Michels.
36
GESCHICHTE
12. Oktober 1964, der
Moment vor dem Start
des 100-Meter-KraulFinals: Hans-Joachim
Klein auf Bahn 7, der
spätere Sieger Don
Schollander (USA) auf
Bahn 5, sein Landsmann Gary Ilman auf
Bahn 4, ganz vorne
der Darmstädter Uwe
Jacobsen (Bahn 1)
Das Fazit klang ernüchternd. „28 Weltrekorde
wurden in diesen zwei olympischen Wochen aufgestellt, aber niemals und nirgends sprang der
Funke von den Zuschauern auf die Wettkämpfer
über, der zu höchsten Leistungen anspornt.“
So urteilte die Deutsche Presse-Agentur über
die Olympischen Spiele 1964 in Tokio, ein Großereignis, das geprägt gewesen sei von der zurückhaltenden Mentalität der Japaner, einem fachlich
oft unkundigen Publikum, der exakten, aber
starren Organisation und unüberschaubaren
Ausmaßen mit allein mehr als 8000 Personen im
Olympischen Dorf. All das habe den Gesamteindruck schwer beeinträchtigt: „So wurde das
größte Sportfest der Welt weniger zu dem, was es
eigentlich sein sollte, zu einem Fest der Freundschaft und Verständigung, vielmehr aber zu einer
Medaillenjagd.“
Auch der Korrespondent der F.A.Z. hatte in
Tokio offenbar wenig olympische Begeisterung
verspürt. „Die Besessenheit, mit den Vorbereitungen alles bisher Dagewesene übertreffen zu
wollen, es größer, schöner und bedeutender zu
machen, diente gewiß nicht ausschließlich dem
höheren Ruhme der Spiele. In den letzten zwei
Wochen wurde oft deutlich, daß ein beträchtliches Maß an nationalem Geltungsbedürfnis mit
alledem verbunden war. Es war nicht der Stolz
bescheidener Selbstzufriedenheit, mit dem das
Geleistete offeriert wurde. Man versäumte selten,
darauf hinzuweisen, daß hier das Größte geboten
wurde, was es jemals gab: die bedeutendsten
Spiele, die je stattgefunden haben, die besten
Einrichtungen, die je geschaffen wurden, die
höchste Länderbeteiligung, es war ein Schwelgen
in Superlativen.“
So kam bei vielen nach den Spielen 1964 in
Tokio ein Wunsch auf, der 56 Jahre später vertraut klingt: der Wunsch nach kleineren Spielen,
nach einem bescheideneren Rahmen. „Was
nutzen die größten und teuersten Spiele“, hieß es
am 27. Oktober 1964 in der F.A.Z., „was nutzt
eine einmalige und perfekte Schau, wenn das
Herz unbeteiligt bleibt?“
Nicht bei allen freilich blieb das Herz damals
unbeteiligt. Ganz sicher nicht jedenfalls bei
Hans-Joachim Klein. Klein, damals 24 Jahre alt,
war 1964 einer der besten Kraulschwimmer der
Welt, und er war nach Tokio gekommen, um
dort um eine Medaille zu schwimmen, vielleicht
gar um den Olympiasieg. Kühle Atmosphäre,
nationales Geltungsbedürfnis, seelenlose Medaillenjagd? Klein hat das anders erlebt. „Die Begeisterung in der Bevölkerung war riesig“, sagt er.
„Ich hatte den Eindruck, ganz Japan hat sich
gefreut darüber, dass es Olympische Spiele ausrichten kann. Die Bevölkerung war richtig stolz
darauf.“ Die technischen Errungenschaften
waren imposant, die hochmoderne Bahn vom
Flughafen in die Stadt, der neue Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen, die Satellitenübertragungen in alle Welt, die elektronischen Zeitmessmatten beim Schwimmen. Aber Klein hat in
Tokio auch erlebt, wie die scheinbar perfekte
Planung kaum Raum ließ für Spontaneität und
Flexibilität, wie Vorschläge und Änderungswünsche verpufften: „Sie haben immer nur
freundlich gelächelt und dann ‚No‘ gesagt.“
Die Olympischen Spiele 1964, die ersten in
Asien, waren für Japan ein Meilenstein in der
Entwicklung des Landes nach dem Zweiten
TOKIO,
DIE ERSTE
Von Bernd Steinle
Schon 1964 fanden in der japanischen
nischen Hauptstadt
t. Für den Schwimmer
Olympische Sommerspiele statt.
Hans-Joachim Klein waren es unvergessliche Tage.
Im Becken vereint:
Die Kraulstaffel mit
Klein (oben, von
links), Horst Löffler,
Frank Wiegand und
Uwe Jacobsen
gewann Silber. HansJoachim Klein (unten
und im rechten Bild
ganz rechts) wurde
zudem Dritter im
Kraulsprint – in
einer Tausendstelentscheidung.
// „Ich hatte den Eindruck, ganz Japan hat sich gefreut
FOTOS IMAGO (2), GETTY, ULLSTEIN
darüber, dass es Olympische Spiele ausrichten kann.“ //
Weltkrieg. Tokio hatte schon 1936 den Zuschlag
für die Sommerspiele 1940 bekommen, Sapporo
sollte im gleichen Jahr Austragungsort der Olympischen Winterspiele sein. Doch von Juli 1937 an
führte Japan Krieg in China. Im Juli 1938 gab
Tokio das Austragungsrecht der Spiele zurück.
Ersatzort sollte der zuvor unterlegene Mitbewerber Helsinki sein – bis der Ausbruch des Zweiten
Weltkriegs auch diesen Plan zunichte machte.
Nach dem Krieg dauerte es in Japan mehrere
Jahre, ehe sich wieder ernsthafte olympische Ambitionen regten. Im Mai 1959 waren die Bemühungen der Olympia-Befürworter erfolgreich:
Tokio wurde als Austragungsort der Sommerspiele 1964 gewählt. Am 10. Oktober 1964 – die
Spiele fanden nicht wie jetzt in den heißen Monaten Juli und August statt – entzündete
Yoshinori Sakai in Tokio die olympische Flamme. Es sollte ein Symbol des Friedens sein. Der
19 Jahre alte Sakai war am Tag des ersten Atombombenabwurfs auf Hiroshima geboren worden.
Für Hans-Joachim Klein waren es die zweiten
Olympischen Spiele nach Rom 1960. Der Darmstädter war 1959 in die Spitze der deutschen Freistilschwimmer vorgestoßen. 1960 in Rom blieb
er noch unter den Erwartungen, in den Jahren
darauf aber steigerte er sich zusehends. Im Herbst
1962 erregte er mit einem ungewöhnlichen
Schritt Aufsehen: Klein ging auf Einladung der
Amerikaner für ein Jahr zu Training und Studium nach Los Angeles – damals ein Pionierprojekt. „Ich habe mir den Aufenthalt dort selbst
finanzieren müssen“, sagt Klein, er jobbte neben
Schwimmen und Studium sowie in den Semesterferien. Die besseren Trainingsmöglichkeiten
und die höhere Intensität in Kalifornien zahlten
sich nach der Rückkehr aus: Im Oktober 1963
schwamm Klein Europarekord über 200 Meter
Freistil, im Mai 1964 Weltrekord. Vier Monate
später reiste er zum zweiten Mal zu Olympia.
Allein die Reise war beeindruckend. „Es war
eine andere Welt als heute“, sagt Klein. „Die Welt
hatte sich noch nicht so geöffnet.“ Das Reisen
durch den Sport war für ihn die Chance, „Internationalität zu entwickeln, ein Gefühl für andere
Länder, andere Völker, andere Kulturen zu bekommen“. Nach den Spielen führte sie die Rückreise über Hongkong, Bangkok und Teheran,
Klein nahm alle Eindrücke begierig auf. „Wir
waren ja Amateure, da war so was noch möglich.
Heute müssen die Profis gleich nach Olympia die
nächsten Wettkämpfe schwimmen.“
Sein erstes Olympia-Finale in Tokio waren
die 100 Meter Kraul. 12. Oktober 1964. Es gab
einen Fehlstart, auch Klein war schon gesprungen, musste wieder aus dem Becken, trocknete
sich danach aufreizend lange ab. Der zweite Start
klappte. Bei der Wende lag Klein noch zurück,
am Ende schlugen die Führenden fast gleichzeitig an. Nach kurzer Ungewissheit die Entscheidung: Platz drei für Klein, in 54,0 Sekunden.
Zeitgleich mit dem Viertplatzierten, dem Amerikaner Gary Ilman. Die elektronische Zeitnahme
zeigte, dass beide auf die Hundertstelsekunde
gleich schnell waren – Klein aber eine Tausendstel früher angeschlagen hatte. Die Bitte der Amerikaner, zweimal Bronze zu vergeben, lehnten die
Offiziellen ab. „Gary Ilman wurde danach ein
sehr guter Freund von mir“, sagt Klein. „Ich hätte
unwahrscheinlich gerne mit ihm zusammen auf
dem Podest gestanden. Aber das ist dann wieder
der Nachteil der modernen Technik.“
Klein gewann 1964 in Tokio noch drei weitere Medaillen, jeweils Silber, mit den Staffeln über
4 x 100 Meter und 4 x 200 Meter Kraul sowie
über 4 x 100 Meter Lagen. Er war jeweils Schlussschwimmer, auch in der Lagenstaffel, in der er
sich „erneut in wunderbarer Form“ zeigte, wie
dann selbst der F.A.Z.-Berichterstatter schwärmte. In der Sprintstaffel erzielte Klein die beste bis
dahin gemessene Zeit auf dieser Strecke, 52,4 Sekunden, mit fliegendem Start.
Im Gedächtnis geblieben sind die Staffelfinals aber aus einem weiteren Grund: Sie zählten
zu den wenigen Wettbewerben in Tokio, bei
denen ost- und westdeutsche Athleten zusammen
antraten. 1964 war zum letzten Mal vor der Wiedervereinigung ein gesamtdeutsches Team zu
Olympischen Spielen entsandt worden. Der Entscheidung war ein zähes politisches Ringen zwischen Ost und West vorangegangen, das auch die
Qualifikationswettkämpfe bestimmt hatte. Chef
de Mission, so wurde es beschlossen, sollte ein
Vertreter des Verbands werden, der mehr Athleten stellte. Die Rolle fiel schließlich, mit 194 zu
182 Aktiven, Manfred Ewald zu, seit 1961 Präsident des Deutschen Turn- und Sportbunds, später Mitglied des Zentralkomitees der SED und
einflussreichster Sportfunktionär in der DDR.
Nach Olympia wurde im Westen gerne darauf
verwiesen, dass die eigenen Athleten, obwohl in
der Minderzahl, weit mehr Medaillen gewonnen
hatten als jene aus Ostdeutschland. Es war nicht
weit her mit der gemeinsamen Mannschaft in der
olympischen Wirklichkeit, das war von Anfang
an klar. „Wir haben uns zum Training und zum
Wettkampf getroffen, sonst nicht“, sagt Klein.
Es war eine bizarre Situation in einer politisch aufgeladenen Zeit. Klein war stark von seinem Vater geprägt, von dessen Abneigung gegen
politische Symbolik, von der Nationalhymne bis
zu persönlichen Auszeichnungen, eine Folge der
Kriegserfahrungen. Genau solche Symbolik gewann in der Zeit der Spiele 1964 wieder enorm
an Bedeutung. Klein versuchte, das zu unterlaufen, Grenzen zu überschreiten, Kontakte zu
ostdeutschen Athleten zu pflegen. „Aber deren
Offizielle haben alles abgeblockt. Es war unmöglich, was die für einen Druck ausgeübt haben.“
Klein war gut befreundet mit einem ostdeutschen Staffelkollegen, Frank Wiegand, mit dem
er in Tokio zwei Silbermedaillen gewonnen hatte.
Wiegand lud ihn zwei Jahre später zu seiner
Hochzeit nach Berlin ein, Klein und ein Freund
fuhren hin. „Aber er hat dadurch dann Riesenprobleme bekommen“, sagt Klein. „Wir konnten
den Kontakt nicht halten, man hätte die Leute
nur in Schwierigkeiten gebracht. Es war Totenstille danach. Man wusste: Wenn ich es übertreibe, kommt er in Schwierigkeiten.“
Nach dem Mauerfall zeigte sich, dass viele
Freundschaften trotzdem gehalten hatten. 1997
ging Klein beruflich nach Leipzig, dort traf er oft
ehemalige Schwimmkollegen, fuhr mit einigen
in Urlaub. Einmal, er hatte gerade in Leipzig angefangen, kam er beim Joggen an einer
Schwimmhalle vorbei und bat um Einlass. Die
Frau im Kassenhäuschen beschied ihm schroff,
die Halle sei für die Öffentlichkeit nicht zugänglich, nur für Universitätsangehörige. Klein blieb
hartnäckig, bis die Frau ihm schließlich riet,
doch bitte mit „Professor Dietze“ zu sprechen.
„Jimmy Dietze?“, fragte Klein ungläubig. Jürgen
Dietze war zweimal mit ihm in der Olympia-
mannschaft gewesen, 1960 in Rom und 1964 in
Tokio. Als sie das hörte, sagte die Frau an der
Kasse, sie werde den Professor gleich mal holen,
er sei gerade in der Sauna. Und dann standen sie
da, 35 Jahre später, der eine in verschwitzten
Joggingklamotten, der andere im Sauna-Bademantel. „Wir sind uns in die Arme gefallen“, sagt
Klein. „Das war ein toller Moment. Ein Moment
wie herbeigezaubert.“
1965 wurde Klein Sportler des Jahres in
Deutschland. Im Jahr zuvor hatte Willi Holdorf
die Wahl gewonnen, der Zehnkampf-Olympiasieger in Tokio. Klein siegte im nacholympischen
Jahr in sämtlichen Rennen, in denen er an den
Start ging. „Da habe ich noch von der guten Vorbereitung auf Olympia gezehrt.“
Nach diesem Jahr machte er Schluss mit dem
Leistungssport. Er konzentrierte sich auf das
Studium zum Wirtschaftsingenieur, auf die
Promotion, auf das Berufsleben. „Ich wollte
etwas Neues auf die Beine stellen.“ Der Sport war
für ihn immer eine Etappe im Leben gewesen,
eine berufliche Karriere im Schwimmen konnte
er sich nicht vorstellen. Klein arbeitete im hessischen Verkehrs- und Wirtschaftsministerium,
war zwölf Jahre Landrat im Kreis DarmstadtDieburg und übernahm 1997 die Geschäftsführung der Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft. 2008 ging er zurück nach Südhessen.
Der Sport habe ihm finanziell nichts eingebracht als Amateur, sagt Klein, aber er habe im
Berufsleben oft von ihm profitiert: durch das
Wissen, wie man sich richtig vorbereitet auf ein
Ziel, wie wichtig das Sozialverhalten ist, wie
einem Disziplin und Hartnäckigkeit weiterhelfen
und wann auch mal Geduld gefragt ist, auf dem
Weg zum Ziel ein Schritt zur Seite nötig ist, um
wieder in die richtige Bahn zu kommen.
Im August wird Hans-Joachim Klein nun
79 Jahre alt. Er schwimmt noch ein-, zweimal die
Woche, nur für sich. Er habe bei deutschen
Meisterschaften schon Seniorenrennen erlebt,
„da sind die anschließend mit hochrotem Kopf
aus dem Wasser gestiegen, total fertig. Da hab’
ich gesagt: Das machst du nicht.“ Er begann mit
Fußball, Tennis, Golf. „Ich war am Anfang ganz
schlecht, bin aber immer ein bisschen besser geworden. Beim Schwimmen wäre es nur abwärts
gegangen.“ Die Spiele 2021 in Tokio wird er sich
natürlich anschauen im Fernsehen, auch wenn er
Olympia heute für überdimensioniert hält.
Im Jahr 2005 war er selbst noch einmal in
Tokio. Er besuchte damals auch das Yoyogi-National-Gymnasium, Schauplatz der Schwimmwettbewerbe 1964, ein spektakulärer Bau. „Die
größte Schwimmhalle der Welt und die schönste
Sporthalle zugleich“ nannte ihn Heinz Maegerlein in seinem Buch „Olympia 1964“: „Wir hatten nirgends eine schönere Kulisse sportlicher
Kämpfe erlebt.“ Bei Kleins Besuch war das großartige Bauwerk eine Baustelle, es wurde von
Grund auf umgebaut, kein Zutritt. „Ich habe
dann versucht, die Sperrung zu überwinden, aber
da waren wieder das freundliche Lächeln und das
‚No‘“. Er schaffte es trotzdem reinzukommen,
Hartnäckigkeit hatte er gelernt. „Und da habe
ich das dann noch einmal sehen können.“
„Der Sport hat einen internationalen Menschen aus mir gemacht“, sagt Klein heute. Bei
allen Auswüchsen Olympias, damals und heute:
Das kommt dem Grundgedanken von Olympischen Spielen schon ziemlich nahe.
W
REISE
Keine Jahreszeit bestimmt
das Leben in Tokio so sehrr
wie die Zeit der Kirschblütte
im Frühjahr. Die Menschen sind wie verwandelt
und genießen ihr Hanami,,
die Kirschblütenschau.
Coronabedingt fielen die
Picknicks zuletzt meist auss.
Der Spaziergang zu den
Blüten musste aber sein.
D Yoyogi-NationalDas
Gymnasium gehört zu den
G
markantesten Sportstätten
m
Tokios. Gebaut wurde es
T
vvon Kenzo Tange für die
Olympischen Spiele 1964.
O
Damals fanden dort die
D
SSchwimm- und Basketballwettbewerbe statt. Dieses
w
Mal wird in den renovierten
M
SSportstätten um Medaillen
iin Handball, Badminton und
Rollstuhl-Rugby gekämpft.
R
Es ist schwierig, beim Spaziergang
in Tokio nicht auf einen buddhistischen Tempel oder ShintōSchrein zu treffen. Doch wer ihre
Schönheit entdecken will, muss
bereit sein, das Umfeld auszublenden. Die hohe Bevölkerungsdichte
und die Neigung zur Zweckarchitektur lassen Tempeln und
Schreinen oft wenig Raum.
OKIO
T
38
T
Tokio
gilt als Stadt der emsigen
Büroangestellten und der vielen
B
Überstunden. Das stimmt – und ist
Ü
doch nur ein Ausschnitt der Metrod
pole. Hier testen Schülerinnen im
p
bbeliebten Ausflugsort Kamakura
ssüdlich der Hauptstadt die Wasserttemperatur. Vor der Küste Kamakurras finden – wie schon 1964 – die
oolympischen
y p
Segelwettbewerbe
g
statt.
Die japanische Hauptstadt
fasziniert auch dann, wenn gerade keine
Olympischen Spiele stattfinden.
Von Patrick Welter (Text und Fotos)
We are Tokyo – Wir sind Tokio! Mit
dieser Markenkampagne wollten die
Mitarbeiter des Flughafens Haneda
die olympischen Gäste begrüßen.
Mit dem Coronavirus kam es anders,
und die ausländischen Sportfans
wurden ausgeladen. Im fast menschenleeren internationalen Terminal
posieren nun vereinzelt Japanerinnen
vor der
d Werbebotschaft.
W b b
h f
Beim Flanieren wie hier im Stadtteil Shibuya
B
sind seit der Pandemie Masken allgegenwärtig.
Im Gegensatz zu vielen westlichen Ländern
kommt Japan ohne Maskenpflicht aus.
Die Japaner sind es gewohnt, während der
kalten Jahreszeit Schutzmasken zu tragen, um
andere nicht mit Grippeviren anzustecken.
Zu den traditionellen Wochenendvergnügungen im Sommer gehört
der Spaziergang durch die östlichen
Gärten des kaiserlichen Palasts.
Gegen die brütende Sonnenhitze
schützen Japaner sich mit einem
Schirm. Olympische Sportler können
das nicht. Der Marathonlauf wurde
deshalb ins kühlere Sapporo
nach Hokkaido verlegt.
ANZEIGE
Atemberaubende
Kulisse: Seit 1994
gehören die ehemaligen
Festungswerke und die
Altstadt Luxemburgs
zum UNESCO-Weltkulturerbe (rechts).
Ein echter Hingucker:
Am Theaterplatz in der
Luxemburger Oberstadt
befindet sich die
Gauklertruppe
Saltimbanques der
Künstlerin Bénédicte
Weis (unten).
Kulinarische Spezialitäten: Die Hauptstadt
Luxemburgs hat viele
besondere Restaurants
und Cafés zu bieten
(links).
Neue Perspektiven: Ein
gläserner Panoramaaufzug verbindet das
obere Stadtzentrum
mit dem im Alzette-Tal
eingebetteten Viertel
„Pfaffenthal“ (rechts).
Eine Stadt, die verbindet
Fotos: LFT_AlfonsoSalgueiro, LFT_ThomasLinkel (3), LFT_NienkeKrook
Luxemburgs Hauptstadt ist vielschichtig und kosmopolitisch – genau wie ihre
Einwohner aus rund 170 Nationen. Ein Streifzug durch das UNESCO-Weltkulturerbe
und durch zukunftsweisende urbane Welten.
Weit unten schlängelt sich das Flusstal der Alzette, darü
ber die historischen Kasematten und die alte Abtei, auf
dem Plateau in der Ferne moderne Gebäude – die Haupt
stadt Luxemburgs hat alles, was es für eine außergewöhn
liche Städtereise braucht. Nirgendwo sonst in Europa
treffen auf so kleinem Raum so viele Kulturen, Mentali
täten und Sprachen harmonisch aufeinander. Und noch
dazu ist es ein Ort, an dem Geschichte mit allen Sinnen
erlebbar wird: Für Besucher besonders beeindruckend
sind die Spuren der alten Festung, dem „Gibraltar des
Nordens“, die überall zu finden sind. Seit 1994 gehören
die ehemaligen Festungswerke und die Altstadt Luxem
burgs zum UNESCOWeltkulturerbe. Wer die histo
rischen Stadtviertel erkunden will, der lässt sich am
besten zu Fuß durch die vielen kleinen, mit Kopfstein
gepflasterten Straßen treiben – zum Beispiel auf einem
der ausgewiesenen Rundwege um das UNESCOWelt
kulturerbe wie etwa dem 5,5 Kilometer langen „Wenzel
Weg“. Unterwegs laden hübsch gestaltete Außenterrassen
von zahlreichen Restaurants und Cafés zum Verweilen
ein; Shoppingbegeisterte kommen in der Oberstadt und
im Bahnhofsviertel mit ihren vielen lokalen Modelabels
sowie den großen internationalen Designern auf ihre Kosten.
niertesten Projekten Luxemburgs im Bereich Architektur
und Kultur. Schon das Gebäude selbst, entworfen vom
chinesischamerikanischen Architekten Ieoh Ming Pei,
ist einen Besuch wert. Erbaut unmittelbar hinter den
Überresten des Fort Thüngen, dessen alte Wallmauern
seinen Grundriss bestimmten, liegt das Museum im
Park „Dräi Eechelen”, von dem aus sich eine grandiose
Aussicht auf die Altstadt eröffnet.
Ganz in der Nähe des MUDAM befindet sich mit der
Philharmonie eines der renommiertesten Konzerthäuser
Europas. Breite musikalische Vielfalt und kompromiss
lose künstlerische Qualität zählen zu den Leitlinien
Auf Entdeckungstour mit dem Fahrrad
Wer die Stadt und ihre Umgebung noch besser kennen
lernen will, der nutzt den in ganz Luxemburg kosten
losen Öffentlichen Personennahverkehr oder sattelt auf
das Fahrrad um: Auf der neu eröffneten, 9,5 Kilometer
langen UNESCORadroute gibt es neben den berühmten
Sehenswürdigkeiten auch eher Unbekanntes zu ent
decken – etwa den Ursprung der Sandsteinfelsen im
Petrusstal. Für eine entspannte Auszeit unterwegs sorgen
die vielen Grünflächen der Stadt, darunter die Park
anlagen Mansfeld und Odendahl sowie der Stadtpark.
Am Ende eines Besuchs im kosmopolitischen Herzen
Europas ist klar: Diese Stadt schafft trotz – oder gerade
wegen – ihrer spannenden Kontraste auch viel Verbin
dendes – zwischen Tradition und Moderne, zwischen
verschiedenen Kulturen und Sprachen, zwischen Erholung
im Grünen und urbanem Leben. Eine Inspiration!
Weitere Informationen finden Sie unter:
www.visitluxembourg.com
Vielfältiges Kulturangebot
Kunstliebhaber lockt die Stadt mit einem ganz beson
deren Highlight: Das MUDAM, Museum für zeitgenös
sische Kunst in Luxemburg, setzt sich für eine Vielfalt
künstlerischer Disziplinen ein und zählt zu den ambitio
des Programms, das Musikliebhaber immer wieder aufs
Neue begeistert.
Weltweites Ansehen: Die Bock-Kasematten, ein unterirdisches
Verteidigungssystem aus kilometerlangen Gängen, ist eine der
wichtigsten Sehenswürdigkeiten Luxemburgs.
V.i.S.d.P.: Luxembourg for Tourism GIE · Dr. Sebastian Reddeker · 6, rue Antoine de Saint-Exupéry · L-1432 Luxembourg
CHAMPAGNER
Frau Scherer, Herr Schaus, was ist für Sie Luxus?
SCHERER: Luxus, das sind die schönen Dinge
im Leben, das besondere Etwas, das wir uns
gönnen. Und das geht natürlich über das rein
Materielle hinaus. Schauen Sie zum Beispiel auf
unser Portfolio, also hochwertige Champagner,
Weine und Spirituosen: Der Luxus ist nicht nur
das Produkt selbst, sondern auch die Art, wie wir
es konsumieren, die Freude, die es uns macht,
und das Lebensgefühl, für das es steht.
SCHAUS: Für mich ist Luxus die ideale Balance
zwischen Tradition und Moderne. Eine einzigartige Kreation, die mit einer handwerklichen
Tradition in einer modernen Produktion erschaffen
wird. Eine erfolgreiche Luxusmarke muss immer
versuchen, diese Balance zu halten: Wird sie
irgendwann zu modern und innovativ, dann wird
sie kurzlebig. Bleibt sie auf der anderen Seite zu
traditionell, zu handwerklich, dann verstaubt sie.
SCHERER: Solche Produkte haben vor allem mit
Genuss zu tun. Es sind besondere Kreationen für
die besonderen Momente, die man mit Familie
und Freunden erlebt und zelebriert. Es geht nicht
so sehr um das Besitzen, sondern viel mehr um
das Erleben.
Herr Schaus, Sie haben ursprünglich Flugbautechnik studiert und dann einen MBA gemacht. Hat
das Einfluss auf Ihr Verständnis von Luxus?
SCHAUS: Nun, ich bin inzwischen seit fast
30 Jahren im Bereich der hochwertigen Verbrauchsgüter tätig. Aber mit Sicherheit habe ich
einen anderen Blick auf die Dinge als zum
Beispiel jemand, der vom Weinbau kommt und
sein gesamtes Arbeitsleben diesen Produkten
gewidmet hat. Dessen Kenntnisse sind für unser
Unternehmen von zentraler Bedeutung. Aber wir
brauchen auch Leute wie mich, die unterschiedliche Branchen gesehen haben und ihre Erfahrungen einbringen und Verbindungen schaffen
können. Man braucht Spezialisten und Generalisten, die richtige Balance ist auch hier sehr wichtig.
SCHERER: Ganz wichtig ist für uns alle die Liebe
zum Produkt. Egal, ob man nun Mode oder
Wein und Champagner macht: Im Luxus-Segment muss man einen Blick für das Detail und
die Qualität haben. Das ist unabdingbar.
Wie ist es der Luxus-Branche in der Pandemie
ergangen? Gilt immer noch die alte Weisheit:
„Wahrer Luxus geht immer“?
SCHAUS: Das muss man in unserem Bereich
differenziert betrachten. Zum einen sind die
Gastronomie und der Handel für unsere
Distribution von enormer Bedeutung. Und da
müssen wir sehen, dass Restaurants, Bars und
das ganze Nachtleben wegen Corona enorm
gelitten haben. Das hat auch uns getroffen. Auf
der anderen Seite merken wir sehr deutlich, dass
die Konsumenten ihre Einkaufsgewohnheiten
verändert haben.
Sie geben mehr Geld aus und gönnen sich etwas.
SCHAUS: Ganz genau. Die Nachfrage nach Qualität ist größer geworden. Und davon profitieren
wir. Ich habe neulich mit einem Händler in
Italien gesprochen, der berichtete mir, dass die
Kunden, die früher einen Wein für 15 Euro
kaufen wollten, nun 20 Euro ausgeben. Und dass
jene, die früher Prosecco getrunken haben, jetzt
Champagner wollen.
Ist das typisch für eine Krise?
SCHAUS: Ich denke nicht. Die Pandemie ist ja
keine Wirtschaftskrise im klassischen Sinn.
Während der Finanzkrise zum Beispiel, da hatten
die Leute tatsächlich weniger Geld und haben
deshalb auch weniger ausgegeben. Damals ist zum
Beispiel der Champagner-Absatz total eingebrochen. Aber jetzt haben die Leute ja nicht
weniger Geld, sie können es nur nicht ausgeben.
SCHERER: Weil die Menschen nicht mehr
ausgehen und in großer Runde feiern können,
gönnen sie sich nun zu Hause im kleinen Kreis
etwas. Davon profitieren hochwertige, starke
Marken ganz eindeutig.
sind zwei Seiten derselben Medaille. Am Anfang
steht immer das Produkt – und dann kann ich
mit Marketing vieles erreichen.
Wenn die Qualität für Sie eine so große Rolle
spielt, macht es Sie dann nicht traurig, wenn
manche Ihrer Kunden Ihre Produkte vor allem als
Statussymbole kaufen?
SCHERER: Nein. Jeder kann damit tun, was er
möchte und was ihn glücklich macht. Es steht uns
nicht zu, darüber zu urteilen, was jemandem Freude bereitet. Das bleibt jedem selbst überlassen.
SCHAUS: Ich glaube, ein Produkt kann nur zum
Statussymbol werden, wenn die Qualität stimmt.
„WER FRÜHER
PROSECCO
TRANK,
WILL JETZT
CHAMPAGNER“
Interview von Peter Badenhop
Sibylle Scherer und Philippe Schaus
von Moët Hennessy über Luxus in
der Pandemie, wankende Statussymbole
und formloses Genießen
Haben sich die Ansprüche der Kunden insgesamt
verändert? Ist für sie Luxus noch das Gleiche wie
vor 20 Jahren?
SCHAUS: Da hat sich viel getan. Die Kunden
wollen heute weniger förmlich genießen. Statt
teurer Krawatten tragen sie heute unerhört teure
Sneaker. Unsere Kunden geben immer noch viel
Geld aus, aber für andere Dinge.
SCHERER: Ich gebe Ihnen ein Beispiel aus dem
Hause Chandon: Seit 60 Jahren sind wir mit
inzwischen sechs Weingütern in aller Welt
Spezialisten für hochwertige Schaumweine und
Teil der Moët-Hennessy-Gruppe. Die Marke
stand von Anfang an für eine etwas legerere Art
des Genießens und Zusammenkommens, unsere
Produkte sind viel weniger vom Status getrieben
als mancher Champagner oder Cognac. Vor
einigen Wochen haben wir nun nach vier Jahren
Entwicklungszeit unseren Chandon Garden
Spritz auf den Markt gebracht, einen anspruchsvollen Aperitif, den wir in unserem
argentinischen Betrieb aus Schaumwein und
einem handgefertigten Orangenbitterlikör kreiert
haben – und der passt genau zu dieser neuen,
jüngeren Generation von Kunden, die sich zwar
ein elegantes und hochwertiges Produkt wünschen, dieses aber informell und casual genießen
wollen.
Haben Sie den Spritz bewusst für diese Zielgruppe
gemacht?
SCHERER: Nicht unbedingt, das war eigentlich
nicht der Plan. Aber er passt sehr gut zu diesem
Trend zu mehr Lockerheit und Alltagsgenuss.
SCHAUS: Ein gemeinsamer Aperitif ist schon per
Definition weniger förmlich als zum Beispiel die
Feier zu einem 50. Geburtstag. Aber natürlich ist
das auch immer eine Frage des Preises. Knapp
20 Euro für eine Flasche Chandon Garden Spritz
sind etwas anderes als 150 Euro für eine Flasche
Dom Pérignon. Aber das eine schließt das andere
nicht aus: Es ist ein und derselbe Verbraucher,
der am Wochenende den Spritz mit seinen
Freunden auf der Terrasse trinkt und zu einem
besonderen Anlass dann den großen Champagner aufmacht.
Warum ist Champagner für viele Menschen der
Inbegriff von Luxus?
SCHAUS: Champagner steht für viele unterschiedliche Dinge. Für Momente des Feierns, weil er
eine besondere Magie hat. Auf der anderen Seite
ist Champagner aber auch einfach ein phantastischer Schaumwein, den viele Menschen aus
Genuss trinken.
SCHERER: Das ist auch kulturell bedingt. Was
Philippe sagt, trifft auf Europa ganz sicher zu.
Wenn wir aber nach Asien schauen, vor allem
China, dann spielt zum Beispiel Cognac eine viel
größere Rolle. Das ist letztlich auch eine Frage
des Geschmacks.
Was ist für einen großen Champagner wichtiger:
seine Qualität oder sein Image?
SCHERER: Die Qualität steht über allem, ohne
sie kann sich das Produkt nicht auf Dauer
behaupten. Aber natürlich spielt gerade im
Luxus-Bereich die Marke auch eine ganz
wichtige Rolle, denn sie transportiert ein
gewisses Lebensgefühl.
SCHAUS: Aber Größe und Kraft der Marke
speisen sich aus der Qualität des Produkts, das
Sehen das Ihre Kunden in Asien, Russland und in
den Golfstaaten genauso wie in Europa?
SCHAUS: Am Anfang, wenn sich ein Markt
auftut wie vor 20 Jahren in China oder in den
Ländern der früheren Sowjetunion, spielt das
Thema Status natürlich eine enorme Rolle. Aber
je mehr sich diese Märkte emanzipieren, desto
weniger Einfluss hat das. Heute müssen wir
unsere Kunden in Asien genauso mit Qualität
überzeugen wie in Europa und Amerika. Der
Konsum von Luxusprodukten ist in China heute
ein Massenphänomen und nicht mehr nur Sache
der Superreichen.
Sibylle Scherer ist
Präsidentin der Schaumwein-Marke Chandon,
Philippe Schaus ist Chef
von Moët Hennessy.
Sollte es Sie einmal auf eine einsame Insel verschlagen: Welches Getränk würden Sie mitnehmen?
SCHERER: Ganz ehrlich: Wenn es eine warme
Insel ist und es dort Eis gibt, dann würde ich den
Garden Spritz mitnehmen, aber keine Flasche,
eher eine Kiste.
SCHAUS: Ich würde einen Cognac aus unserem
Hause mitnehmen, einen Paradis von Hennessy
– damit könnte ich lange überleben.
FOTOS CARO, HERSTELLER (2)
40
KOCHEN
WELTKULTURERBSE
Von Claus Eckert (Text und Fotos)
Preiswert, haltbar, eiweißreich: Zwei Rezepte
für Kichererbsen zeigen, wie vielseitig die Früchte
der alten Nutzpflanze sind
Ob Hummus oder Suppe:
Aus Kichererbsen lässt sich
viel machen.
Die Kichererbse ist ein unterschätztes Lebensmittel. Sie
bereichert unsere zunehmend vegetarische oder vegane
Küche, nicht nur durch ihren hohen Eiweißanteil von gut
20 Prozent. Die preiswerte und getrocknet lange haltbare
Hülsenfrucht – nicht mit unseren Grünen Erbsen verwandt – ist Bestandteil vieler orientalischer Köstlichkeiten. Wir stellen nur zwei davon vor.
Greifen Sie nur im Notfall zu bereits gekochter Ware
aus dem Glas oder der Dose. Selbstgekocht sind Kichererbsen schmackhafter, und Sie können zudem ihre Konsistenz beeinflussen. Das Gewicht gekochter Kichererbsen
ist etwa doppelt so hoch wie das getrockneter. Kalkulieren
Sie das ein, wenn Sie auf andere Rezepte stoßen.
Um Kochzeit zu sparen, sollten die Kichererbsen über
Nacht in einem großen Gefäß eingeweicht werden, dabei
quellen sie auf. Das Einweichwasser wegschütten und die
Kichererbsen gut abspülen. Dem Kochwasser können Sie
eine Löffelspitze Natron zufügen, kein Salz! Ein Druckkochtopf ist hilfreich.
Die Garzeit variiert, in einem herkömmlichen Topf
können schon 45 Minuten genügen. Am besten hin und
wieder ein Erbschen probieren. Für ein Curry oder eine
Suppe ist es schön, wenn sie „Biss“ haben, zum Pürieren
dürfen sie gerne etwas matschig werden. Für den Hummus (bi Tahina) mögen wir sie schön weich. Das pürierte
Mus könnte der Knaller der nächsten Grillparty werden,
als Dip zu Fladenbrot oder zu Rohkoststreifen wie
Möhren oder Sellerie.
Kochen Sie 150 g getrocknete Kichererbsen, spülen Sie
sie mit kaltem Wasser gut ab und pürieren Sie die
lauwarmen Kichererbsen in einer Küchenmaschine mit
zwei Knoblauchzehen, dem Saft zweier Zitronen, 150 ml
Tahine (Sesampaste), zwei bis drei EL gutem Olivenöl.
Schmecken Sie die Paste mit Chilipulver, Salz und Pfeffer
pikant ab. Ist das Mus zu pappig, machen Sie es mit etwas
Wasser vorsichtig geschmeidig. Richten Sie den Hummus
in einer Schale an, beträufeln ihn mit Olivenöl und
bestäuben Sie ihn mit etwas Cayenne, Chili oder Paprika.
Zusätzliche Frische kommt von gehackter Petersilie oder
Korianderzweigen.
Zum Hummus-Dip ein selbstgemachtes Fladenbrot?
Kein Problem: 200 g Mehl, 100 ml Wasser, ½ TL Salz
und zwei EL Olivenöl zu einem glatten Teig kneten, zehn
Minuten ruhen lassen, nochmals verkneten. Mit einem
Nudelholz vier hauchdünne Fladen ausrollen, etwas
Kreuz- oder Schwarzkümmelsamen darauf festrollen und
in einer schweren Pfanne bei mittlerer Hitze auf jeder
Seite etwa zwei Minuten backen. Einen noch weich, nicht
zu kross gebackenen Fladen können Sie mit Hummus
bestreichen, Salat und Joghurtsauce darauf geben, einrollen – und Sie halten einen Dürüm in den Händen.
Nun zu einer indischen Variante, einer Kichererbsensuppe. Oder, sämig eingekocht, einem Curry. Braten Sie
eine in Streifen geschnittene Gemüsezwiebel mit jeweils
fein gehackten oder geriebenen zwei Knoblauchzehen,
einer roten Chili (bestimmen Sie die Schärfe, es darf gerne
„hot“ werden) und gut drei Zentimeter Ingwerwurzel in
zwei bis drei EL Ghee (Butterschmalz) oder Kokosfett an,
bis alles weich ist und Farbe annimmt. Bestäuben Sie das
mit einer Mischung aus zwei EL Garam Masala, einem
EL Kurkuma und einem EL frisch zerstoßenem Kreuzkümmel, rühren alles gut um und rösten die Gewürze an.
Löschen Sie mit einem Liter Gemüsebrühe ab, fügen Sie
500 g gekochte Kichererbsen, eine kleine Dose gehackte
Tomaten, eine in Scheibchen geschnittene Möhre sowie
zwei bis drei EL Tahine hinzu und lassen es 20 bis 30 Minuten köcheln. Reduzieren Sie die Hitze, fügen Sie eine
Dose Kokosmilch hinzu und schmecken mit Salz und ein
paar Spritzern Limettensaft ab. Schließlich werfen Sie
etwa 150 g Babyspinat hinein, der in der Wärme zerfällt.
Wenn Sie die Flüssigkeit weiter einkochen lassen, entsteht
von der Konsistenz her ein Curry, das mit Reis oder NaanBrot (zum Aufbacken) besonders gut schmeckt. Ob Suppe
oder Curry – gekrönt wird das alles mit einem ordentlichen Klecks cremigem Joghurt und frischem Koriander.
Die angegebenen Mengen ergeben
vier bis sechs Portionen. Das Curry schmeckt
nach ein, zwei Tagen noch mal so gut.
41
FRAGEBOGEN
„HAMBURG
ENTSPRICHT MEINER
PERSÖNLICHKEIT“
Was essen Sie zum Frühstück?
Ich brauche meinen Kaffee. Dafür bereite ich am Vorabend alles vor, den Rest erledigt die Maschine am
Morgen. Bevor ich aus der Tür gehe, schnappe ich mir
noch einen Apfel.
Wo kaufen Sie Ihre Kleidung ein?
Ich schneidere vieles selbst. Und bei Nike.
Was ist das älteste Kleidungsstück in Ihrem Schrank?
Ich kann nichts wegschmeißen und habe sehr viel
eingelagert. Zu den ältesten Stücken, die ich noch
immer trage, gehören wohl Mäntel und Hosen von Yohji
Yamamoto aus den späten Achtzigern.
Wann haben Sie zuletzt handschriftlich einen Brief verfasst?
Das war zu Weihnachten, da habe ich meiner Tante
einen Brief geschrieben, um ihr für die Geschenke
zu danken, die sie meinen Kindern geschickt hat. Ich
schreibe sowieso gerne Briefe. Wir müssen alle mehr
Briefe schreiben!
Am Vortag ist Narciso Rodriguez
50 Jahre alt geworden. Heute ist er
wieder bei der Arbeit, ein Shooting
steht an. In einer Pause sucht er sich
für dieses Zoom-Interview einen
ruhigen Raum. Die Regale sind
voller Requisiten: Blumenvasen,
Schreibmaschinen, Schwämme.
„Hätten wir mal hier fotografiert.“
Der New Yorker Modedesigner
wuchs als Sohn kubanischer
Einwanderer in New Jersey auf,
ist verheiratet und Vater von
Zwillingen. Besonders bekannt
ist er für seine Düfte. Gerade legt
er einen Klassiker neu auf: Die
Wurzeln von „Narciso Rodriguez
For Her Musc Noir“ reichen bis in
seine Jugend, wie er erzählt.
Welches Buch hat Sie in Ihrem Leben am meisten
beeindruckt?
„Rosa“ von dem kubanischen Schriftsteller Reinaldo
Arenas. Ich habe die meisten seiner Bücher gelesen.
Dieses ist sehr schmal, aber umso schöner erzählt. Als
ich es las, hatte ich den Eindruck, beim Geschehen
der Kubanischen Revolution zuschauen zu können, so
lebendig ist es aufgeschrieben.
Wie informieren Sie sich über das Weltgeschehen?
Schrecklich: alles digital. Überwiegend Zeitungen,
The New York Times, The Washington Post, Politico.
Über Instagram habe ich die entscheidenden Accounts
abonniert und stelle so sicher, dass ich die wirklich
wichtigen Nachrichten erfahre.
Was ist Ihr bestes Smalltalk-Thema?
Meine Kinder. Im Mai sind sie vier Jahre alt geworden.
Bei welchem Film haben Sie zuletzt geweint?
Vor ein paar Tagen bei „God’s Own Country“ aus dem
Jahr 2017. Eine wunderschöne Liebesgeschichte zweier
Männer. Eine Art „Brokeback Mountain“.
Sind Sie abergläubisch?
Ja!
Worüber können Sie lachen?
Dieser Tage muss man über alles lachen. Ich lache gerne
über Stand-up-Comedy und habe hier in New York
glücklicherweise einige Kandidaten im Bekanntenkreis.
Beim Abendessen, in Gesprächen, in Mails ist das toll.
Ihre Lieblingsvornamen?
Ich mag Thomas sehr gerne, John und Callum.
Machen Sie eine Mittagspause?
Hin und wieder. Es ist viel einfacher weiterzuarbeiten.
Aber ab und zu ist es schön, den kreativen Prozess zu
unterbrechen und eine Runde um den Block zu drehen.
In welchem Land würden Sie am liebsten leben?
Deutschland mag ich wirklich sehr. Hamburg entspricht
meiner Persönlichkeit. Aber zum Leben: vielleicht
Spanien oder Italien, definitiv Europa.
Was fehlt nie in Ihrem Kühlschrank?
Milch für die Kinder.
Fühlen Sie sich mit oder ohne Auto freier?
In New York ohne. Ohne Auto ist es in der Großstadt
einfach praktischer.
Was ist Ihr größtes Talent?
Kochen. Ich mache ein sehr gutes kubanisches Roastbeef.
Das ist ein altes Familienrezept, ich habe früher immer
bei der Zubereitung zugeschaut. Rezepte müssen einfach
weitergegeben werden. Ich denke mir aber auch gerne
Neues aus, nehme einfach ein paar Dinge aus dem Kühlschrank und mache etwas daraus.
Was tun Sie, obwohl es unvernünftig ist?
Am Abend snacken. Da achte ich den ganzen Tag darauf,
was ich esse, und von einer gewissen Uhrzeit an sind alle
Regeln vergessen.
Welche historische Person würden Sie gerne treffen?
Mein Traum wäre es, Cristóbal Balenciaga treffen zu
können. So wie für viele Designer meiner Generation
ist er auch mein Held. Ich habe einiges über ihn gelesen,
war in seiner Heimatstadt Getaria in Spanien und
habe mir das Museum angeschaut, das ihm dort
gewidmet ist.
Tragen Sie Schmuck? Und eine Uhr?
Ich trage ein Armband, das mir eine sehr gute Freundin
vor gut 25 Jahren angelegt hat. Sie hatte mir zuvor schon
einmal eines geschenkt, das habe ich aber verloren.
Das zweite Armband schloss sie damals mit den Worten:
„Dieses hier verlierst du niemals.“ Leider ist sie mittlerweile verstorben. Mit diesem Armband behalte ich sie
nah bei mir, es bedeutet mir wirklich viel. Ich trage auch
eine Uhr, ein Geschenk meines Ehemanns, eine Rolex,
wunderschön. Auch die lege ich nie ab.
Haben Sie einen Lieblingsduft?
Ich liebe Moschus und trage es auch selbst. Moschus ist
Teil meines Lebens, seit ich ein Jugendlicher war, und
wurde zur Inspiration all meiner Düfte.
Was war Ihr schönstes Ferienerlebnis?
Segeln mit Freunden auf dem Mittelmeer. Das war vor
ungefähr fünf Jahren. Verschiedene Orte sehen, in Häfen
anlegen, wunderbares Essen genießen, das Wasser, die
Sonne, den Sommer: Dieses Gefühl werde ich niemals
vergessen.
Auf welchem Konzert waren Sie zuletzt?
Mit dem Lockdown und mit Kindern . . . Aber vor drei
Jahren war ich auf dem Konzert meiner lieben Freundin
Bebel Gilberto hier in New York.
Was fehlt Ihnen zum Glück?
Aktuell ist die Liste lang: nicht mehr diesen MundNasen-Schutz tragen zu müssen, die Welt vor der
Corona-Pandemie gerettet zu wissen. Und mir fehlt mein
Vater. Er ist vor nicht allzu langer Zeit verstorben, und
ich vermisse ihn.
Was trinken Sie zum Abendessen?
Rotwein oder Mineralwasser oder beides.
Die Fragen stellte Jennifer Wiebking.
FOTO PR
42
Genuss-Edition
Umhängetasche
aus dem Hause Ronnefeldt mit
GinT Morgentau von Ziegler
Aus handschuhweichem Leder von
Designerin Alexandra Svendsen
Genießen Sie
den Sommer!
Uhrenband Mainhattan
für die Apple Watch® aus feinem
Horween-Shell-Cordovan-Leder
aus dem Manufakturwerk
Barsets
Versilberte Trinkgefäße
für den kühlen Genuss aus
der Silbermanufaktur
Robbe & Berking
Outdoorstuhl
Gefertigt aus Edelstahlrohr und
Dauben aus Pinot-Holzfässern
von Magnus Mewes
F.A.Z. Selection steht für herausragende Qualität und anspruchsvolles Design – exklusiv für F.A.Z.-Leser gefertigt
in deutschen Manufakturen und von renommierten Herstellern. Besuchen Sie unseren Online-Shop!
faz.net/selection, Info: (069) 75 91-10 10, Fax: (069) 75 91-80 82 52