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Binleitung Seite:
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I) Die chronikaliache (Jberlieferung der preuBisohen
i\ Geachichte bie zur Mitte dea 16. Jahrhunderta
II) Die Danziger Chronik dea Oberlandeagerichta Celle
1) Beschreibung der Handachrift
2) Die Bildauaatattung
A) Die Wappen
a) Hochmeisterwappen
b) Andere Wappen von Institutionenoder
Л
X Peraonen
rf
[| c) Landea- und Stadtewappen
•i B) Die Dar8tellungen
a) Politiachea Geachehen in Polen und im
Ordensland im Bild
b) Politiachea Geachehen in Danzig im Bild
o) Die Bauten
j d) PortrSta
e) MUnzen
f) Berufe im Bild
v., g) Mord, Gericht und Tod
|| h) Sagen und Schw&nke
;il) Die Chronik Heinricha von Reden und ihr Verh<nis
v zur Celler Handachrift
1) Beachreibung der Handachrift
2) Die Bildauaatattung
A) Die Wappen
a) Hochmeisterwappen
b) Andere Peraonalwappen
c) Landes- und Stadtewappen
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- 6 -
В) Bie Darstellungen 73
3) Вег Text 74
IV) Verfasser und EntBtehungszeit der Handeohrlftan
Reden, X und Celle 81
V) Inhalt und Wesen der Celler Chronik 87
1) Ber Inhalt 87
2) Originalitat und Glaubwttrdigkeit 94
3) Chronik Celle ale Entwicklungsstufe stftdtischer
Geschichtsschreibung in Banzig 104
VI) Bie Quellen der Celler Chronik 111
1) Bie zitierten Chroniken und ihre Benutzung
in den Kapiteln der Landbeschreibung 111
A) Ber Reisebericht des Biwonie 112
B) Bie Chronik Bischof Chriatiane 114
C) Aeneas Sylvius 116
B) Erasmus Stella 118
E) Johannes Boemus 120
F) Sebastian Prank 121
G) Matthias von Miechbw 125
2) Bie nichtzitierten Quellen und die Stellung
der Celler Handschrift innerhalb der Banziger
Chronistik 127
VII) Ber Einflufi Polens auf die Banziger historiogra-
phische Tradition 151
„ VIII) Bie Celler Chronik im Rahmen der preuflischen
Historiographie des 16. Jahrhunderts 167
Zur Zitierweise 194
AbkUrzungsverzeichnis 195
7
jimerkungen 196
luellen und Literatur 236
egister der Chronisten und Handachriften 247
bbildungen 250
Einleitung
Бег preuBischen Hietoriographie des 16. Jahrhunderts ist die
orliegende Arbeit gewidmet. So abseits und isoliert das PreuBen-
and gelegen zu haben scheint, der Pulsschlag der europaischen Ge-
chichte ist deutlich bis dorthin zu spUren. Nur scheinbar provin-
iell ist die Themenstellung. Pie Entwicklung, das G&ren und Vor-
ftrtsgreifen jener Zeit der grdBten geistigen Erschlitterung
eutschlands ist in PreuBen genausogut zu bemerken wie in jeder
nderen Landschaft, nur daB es manchmal in sanfteren Tbnen geschah
nd nicht unbedingt der laut klingenden Fanfare bedurfte. So ge-
innt der scheinbar provinzielle Ansatz ein gesamthistorisches In-
eresse.
Pie preufli8che Historiographie hat jeden bertthrt, der sich
fiher mit preuflischer Geschichte befaflte. Erst seit der Jahrhun-
ertwende ist das Interesse zurtlckgegangen, urn vor wenigen Jahren
eu zu entflammen. Paher steht noch immer unUbertroffen da das er-
te zusammenfassende Werk, Toeppens Geschichte der preufiischen Hi-
toriographie vom Jahre 1853, das er schrieb, bevor die systemati-
che Erforschung und Edition der Quellen Uberhaupt begonnen hatte.
ringend notwendig ware die Neubearbeitung jenes Gebietes, im
leichen Umfang wie Toeppen es seinerzeit tat. Pazu bedurfte und
edarf es einiger Vorarbeiten, besonders fUr die Panziger Ge-
chichtsschreibung. Per Anfang ist gemacht durch W. Hubatsch sowie
. Pworzaczkowa, deren Arbeit das auch auf polnischer Seite er-
achte Interesse an jener Thematik representiert, und die vorlie-
ende Arbeit. Aus dieser Zielrichtung ergab sich die Art meiner
arstellung und Untersuchung.
Es gait zunachst, die Entwicklung der preuBischen Historic-
raphie bis ins 16. Jahrhundert aufzuzeigen als Grundlage fUr die
aitere Betrachtung. Sodann ging es darum, die Fragen, die J.
tforzaczkowa im allgemeineren Rahmen aufgezeigt hatte, durch das
n Peutschland vorhandene, ihr nicht zug&ngliche Material zu be-
?ichern und an einigen Stellen zu vertiefen. Ausgangspunkt dazu
3t die PreuBische Chronik aus dem Besitz des Oberlandesgerichtes
10
Celle, auf die ich stets Bezug nehme. Zu diesen quellenkritischen
Fragen habe ich neben dem Text auch die Abbildungen herangezogen,
in der Hoffnung, durch diesen methodisch neuen Ansatz der Forschu
zur preuBischen Geschichtsschreibung aus einer Sackgasse herauszu
helfen. Ein weiterer Ansatzpunkt war, den so viel zitierten, jedo'
nie genauer untersuchten EinfluB polmscher Geschichtsschreiber ai
p
die preuBischen Darstellungen zu untersuchen. AbschlieBend forder-
das Material es geradezu heraus, sich - wie zu Beginn - mit der
geistigen Entwicklung der spateren Chronisten auseinanderzusetzen
die weniger durch die poiitische Lage wie in den frUheren Jahrhun-
derten, eondern jetzt vor allem von langsam erwachenden methodi-
schen Uberlegungen geleitet war. So entstand mehr als nur die mo-
nographische Behandlung einer Chronik, mehr auch als ein StUck ^
HeimatgeschichtsschreiDung.
DaB mir dies gelang, verdanke ich in erster Linie Herrn Pror,
Hubatsch, der mir die Ceiier Chronik zur Bearbeitung UberlieB und
die Arbeit wahrend ihres Entstehens fbrderte und lenkte. AuBerdem
mochte ich nicht versaumen, all denen zu danken, die wesentliche^
c
Material mir zuganglich machten und mir ratend zur Seite standen,
oesonders Herm Prof. Jablonowski, Bonn, Herrn Prof. Llilfing vonv1
der Deutschen Staatsbibliothek Berlin, den Herren Oberlandesge- >
richtsraten Dr. Figge und Glaser vom Oberlandesgericht Celle,
Herrn StaatsarchivdirektorDr. Koeppen vom ehem. PreuBischen Staati
archiv Kbnigsberg in Goxtingen sowie Herrn P. Dr. Wieser vom ^
ueutechoraeiiszentralarchiv in Wien, ebenso der Universitatsbiolio-
thek Bonn, die sich nach Kiaften bemUhte, die Literatur zu einer^
Thematik heranzuschaffen, die dem Aufbau einer rheinischen Biolio-
thek nicht unbedingt entspricht. ^
Sodann erwahne ich dankbar die Untersttitzung, die mir nicht1^1
nur fUr die Dissertation liber langere Zeit von der Fritz Thyssen-
Stiftung zuteil wurde. Sie ermoglichte mir die fUr das Forschungs-
gebiet notige freizligige Arbeitsweise. rt
•j
Moge nun diese Arbeit in ihrem Rahmen ein Beitrag sein zu de:
Erfilllung der historisch-politischen Verpflichtung, die uns heut^
die Zerrissenheit des deutschen Vaterlandee auferlegt. S'
11
I) Lie chronikalische tJberlieferung der altpreuflischen
Geschichte bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts
5 Eins der groBten Phanomene der mittelalterlichen Geschichte
t der Aufbau des Deutschordensstaates PreuBenЛnnerhalb von etwa
Jahren nach seiner Ankunft hatte der Ritterorden die Starr.i: der
v
uBen, die bereits zwei Jahrhunderte den Polen standhaft trotzten,
terworfen, christianisiert und zu Kittragern eines Staates ge-
cht, wie er seinesgleichen suchte. In groben ZUgen waren die
enzen des Gebietes festgelegt, die Miseionierung durchgeflihrt
d die innere Verwaltung aufgeoaut. Mit der tlbersiedlung des Hoch-
isters in die Marienburg wurde das PreuBenland Mittelpunkt der
utschordensbesitzungen und - nach dem Pall der Templer - Zentrale
s Ordensgedankens. Geboren aus einer Ara groBer geistiger Bewe-
ng ging mit der Epoche der Kolonisation und des inneren Aufbaus
r Orden enier Zeit uer Selbstbesinnung entgegen. Danul begannen
Anfang des 14. Jahrhunuerts in PreuBen aucn Dichtung una de-
hichtoschreibung, zwei literanscue Ausdrucksiигшеп, die wit dem
echiuA exnes btaaies aul's engste verkniipit sind. Wie sehr Gluck
d hnglUck eines Staates die Akzente der Geschichtsschreibung ver-
hieben, sowohl geistig als auch geographisch, zeigt sich gerade
PreuBen. Lem gilt es nachzugehen, flir mehr als zwei Jahrhunderte
e vielgestaiten Variationen des einen Themas aufzuzeigen, Ge-
hehenes mitzuteilen.^
Vorerst lagen Macht und Kunst allein in der Hand des Ordens.
nimuit es nicht Wunder, von dieser Seite die ersxe histon&che
rstellung seiner Geschicke zu erhalten, allerdings erst fast 140
hre nach seiner GrUndung als Ritter orden, von dem im Ko-
gsberger SchloB lebenden rheinischen Ordensbruder Petrus von
2)
aburg. ' Sem "Chronicon terrae Prussiae" war nicht das erste
atonsche Werk, das der Orden hervorbrachte. So stutzte sich be-
Ъ)
its Lusburg auf die MNarratio de primordiis ordinis Theutonici"
i den Prolog der Ordensstatuten^ mit dem Bericht Uber die GrUn-
ig des Ordens, sowie einen dem Hochmeister Hartmann von Heldrun-
l zugeschriebenen Bericht Uber die Vereinigung des SchwertbrUder-
iens mit dem Deutschen Orden. Ebenso benutzte er die groBe Dar-
12
stellung der alteren liviandischen Reimchronik.^^ Livlanda Erobe-
rung und Missionierung hatte dreiBig Jahre vor derjemgen PreuBer
begonnen, dreiBig Jahre vor Dusburg wurde die Reimchronik fertig-
gestellt, unter ahnlichen Vorauasetzungen entstanden, wie aie ftii
PreuBen geschildert worden sind. Das erste groBe Werk innerhalb
dea Ordens war jedoch das 1326 fertiggestellte Chronicon Dus-
burgs,^ Es umfaBt die altpreuBiache Ordensgeschichte sowie das
erete Jahrhundert und damit die Zeit dea Staatsaufbaues im Preu-
Benland. Peter widmete seine Chronik Werner von Orselen, "dem Mei
ster des Hospitals der HI. Maria vom Deutschen Hause in Jerusa¬
lem". Seinem Naraen nach stammte er wahrscheinlich aus dem rheini-
schen Duisburg; gelebt hat er im Ordenshaus Kdnigsberg ala Prie-
sterbruder (sacerdos), was kaum Schllisae auf seine Tatigkeit er-
laubt. Mehr wissen wir von ihm nicht. Doch bereits dies macht kla
mit welcher Art von Geschichtsschreibung wir es zu tun haben: es
ist offiziose Historiographie. Nichts anderes ist auch fUr diese
Zeit in PreuBen zu erwarten. Dementsprechend finden sich Beispiel
einer zwar nicht falschen, jedoch vorsichtig verschweigenden oder
betonenden Darstellung der Verhaltnisse zu Polen; hatte doch 1320
der erste ProzeB zwischen Polen und dem Deutschen Orden an der Ku
rie stattgefunden.
Unter einem weiteren Aspekt steht Dusburgs Schilderung. Preu¬
Ben war ein Land des Heidenkampfes, seit dem Pall Akkons 1291 ne-
ben Spanien das Land der Kreuzfahrten. Nach PreuBen zogen aie
,,Gasten, vom niederen Adel bis zum gekronten Herrscher. Dies be-
stimmt Peters Darstellung. Im Mittelpunkt steht der Schutz der
Kirche, das heiBt in jener Zeit, aktiver Kampf gegen die Unglau-
bigen. Dieser Kampi wird geflihrt zur Ehre Gottes und zum GlUck de
Heiden, zu lhrer Errettung aus den Klauen des Bbsen. So sind die
PruBen 1'Ur Peter die Sohne Belials, der Kampf gegen sie ist ein
Kampf gegen die dunklen Gewalten der Holle zur Verherrlichung Got
tes und der Jungfrau Maria, zur Ausbreitung des Glaubens und Un-
terweriung unter die Kirche. Der Ordensritter ist nur Mittelsper-
son in aiesem Krieg. Er kampft flir den Willen Gottes, leidet und
etirbt fur ihn. Das Ziel ist die Bekehrung der Heiden, ansonsten
ihre Ausrottung. Der PruBe ist m dem Sinne flir Dusburg kein
Mensch, sein Wiaerstand nur ein Aufbaumen des Bosen. So trifft cLe
13 -
Tod von Mann, Weib und Kind auf pruliischer Seite immer nur das B5-
86, aessen Verkorperung jene sind. Auf der Seite des Oraens Oder
der wenig erwahnten Koionisten ist dasselbe Geschehen jedoch ein
Leiuen ilir Gott und die Kirche.
Von hier ist die Beurteiiung der Vorgange durch Dusburg ge-
Kennzeichnet, aus dieser Sicht heraus ist sie zu verstehen. Auch
seine Auswahi aes Berichceten wird nun deutlich. Der Auibau des
Staates durch Kolomsation, Verwaltung und Handel ist unwesent-
lich; wir erfahren fast nichts dariiber oder nur so sehr am Rande,
da В diese Notizen sich oftmals mit Erfolg einer Auswertung entzie-
hen. Wichtig ist dagegen jeder Kriegszug, jedes Kampi'geschehen, da
ale der Ausbreitung des Glaubens dienen. Daher rtihrt die aui die
Dauer so eintonig wirkencte Auizahiung der Kriegerischen Vorgange;
doch konnen wir andererseits wieder gewib sein, daB von diesen
wohl kauui einer vergessen wurae, oesonders nicht seit etwa 1290,
also der Zeit, die Dusburg DewuBt miteriebt haben durite, wie ai-
l6in schon die Breite seiner Schiiderung zeigt.
Noch einen anderen Zweck verfoigte Peter. Seme Chromk soilte
eroauen und anfeuern. Wir mlissen daran denken, dab wahx'end der
echweigend eingenommenen Mahlzeit der Bruder vorgelesen wurde, un-
ter anderem aus historischen Werken, wie die Bibliotheksverzeich-
nisse einzelner Hauser vermuten lessen. Daher sind die eingestreu-
ten Mahnungen und Gedanken Uber die Wunder wirkende Gnade und Weis-
heit Gottes unmittelbarer Aufruf an die Bruder, die den Kampf oft
nicht mehr aus eigenem Erleben kannten. So diirfen wir Dusburgs
Chronik durchaus einen Auslaufer der Kreuzzugsliteratur nennen,
zugleich jedoch den ersten Ansatz zu einer Landesgeschichtsschrei-
bung, so weit der Verfasser auch liber das PreuBenland hinausgriff
in Reichs- und Kirchengeschichte. Dabeistlitzte er sich auf die be-
eonders bei den Bettelorden beliebten Kompilationen, von denen nur
Tolomeo von Luccas "Annales" und Martin von Troppaus "Chronicon
pontificum et imperatorum" genannt werden sollen. Diese nplatteste
Art von Geschichtsschreibung"^ fand durch Dusburg ihren Eingang
in PreuBen.
Die 1326 abgeschlossene und dem Hochmeister zur Prlifung vor-
gelegte Chronik setzte Dusburg noch bis 1330 fort. In dieser Form
fand das Werk eine Neubearbeicung, den sprachlichen Schwierigkei-
14
ten der Brilder, die durchaus nicht alle Latein veratanden, Rech-
nung tragend. Ein anderer Konigsberger Priesterbruder, Nikolaus
von J eroschin Ubertrug Dusburgs Chronik in deutsche
Verse, damit nicht nur eine Ubersetzung, sondern ein dichterisches
8)
Kunstwerk schaifend. ' Per Ordenspriester und spatere Hochmeister-
kaplan erhielt den Auftrag hierzu vom Hochmeister Luther von
Braunschweig (1331 - 1335). Duch wurde - wohi durch Neid uud MiS-
gunst der Brilder - der erste Teil der tlbertragung vernichtet, so
daB erst auf neuerliche Bitte Dietrichs von Altenburg (1335 - 1341
das Werk in seiner jetzigen Form begonnen und unter jenem auch be-
endet worden ist. Dabei hielt sich Jeroschin recht eng an seine
Vorlage, verwandte jedoch zusatzlich noch andere Queilen, wie das
verlorene Gedicht ernes Ordensritters Gerstenberg liber einen tap-
xeren Kneger namens Otter und dessen Erlebnisse, des Hochmeisters
Luther von Braunschweig in Reimen gefaBte (verlorene) Legende von
der HI. Barbara und emige andere. Ab 1311 scheint er mehr aus
eigenem Erleben und starker mUndlicher Tradition geschopft zu ha-
oen, so daB dieser Teil einen nicht zu unterschatzenden Eigenwert
besitzt. Auch seine dichtenschen Qualitaten steigen von dort an. '
"Gerade hier, wo er von den Fesseln der Vorlage nicht gehemmt ist,
4)
bewegt er sich mit erfrischender Freiheit." ' Allerdings nahert er
sich in seiner gesamten Konzeption, die sich unter anderem in Aus-
lassungen der bei Dusburg hauligen Refiexionen religiosen Inhaits
zeigt, recht stark schon der Iaeenweit aes ausgenenaen 14. Janr-
hunderts, wie sie sich bei wigana von Marburg darbietet.
Jeroschin war flir die iolgende Zeit der Hauptvermittler der
Geschicke des Ordens im ersten Jahrhundert in PreuBen. Allerdings
ist seine und Dusburgs Nachwirkung auf die spatere Chronistik noch
nicht genau gegeneinander abgegrenzt. Doch scheint Jeroschin in
zahlreicheren Handschriften Uberliefert worden zu sein als Dusburg
was auch die Auffindung neuer BruchstUcke bis in unsere Tage be-
weist.^^ MaBgeblich beteiligt ist Jeroschin an der Tradierung der
preuBischen Geschichte in die polnische Historiographie, wenn auch
nur mittelbar. Im Jahre 1464 Ubersetzte Konrad Gesselen seine Chro
nik ins Lateinische, ohne von der Existenz der Chronik Dusburgs zu
wissen. In dieser Form wurde sie Vorlage flir die groBe Darstellung
der polnischen Geschichte durch Johannes D^ugosz. Wie weit D^ugosz
15
aus Dusburg schbpfte Oder aber aus Gesselens Jeroschin-Uberset-
eung, iet noch nicht endgtiltig gekl&rt. Interessant ist auch die
Prage, ob D^ugosz an einigen Stellen nicht gar den deutschen Text
dee Jeroschin einsah, obwohl man ihm nachsagt, dafl er der deut-
echen Sprache nicht m&chtig gewesen sei. Ein gleiches gilt auch
ftir das Verh<nis D^ugoszs zu der Ubersetzung der Reimchromk dee
Wigand yon Marburg und dem Original.^ ^
Jeroschin war in seiner Zeit der grbflte Dichter, den das
PreuBenland aufzuweisen hatte. Er steht in enger Verbindung zu
Heelers Apokalypse, dem Passional und der Judithdarstellung.
8tricker, der Willehalm und die Werke des Rudolf von Ems dUrften
ihm nicht unbekannt geblieben sein. Doch auch dichterische Dar-
etellungen der Ordensgeschichte in kleinen Episoden gab es zu sei¬
ner Zeit. Gerstenbergs Otter-Gedicht vrurde bereits erwahnt. Es ist
mir noch in etwa aus Jeroschin zu erschlieBen. Bekannter ist be-
reits die Barbara-Legende des Hochmeisters Luther von Braunschweig
Zvar liegt auch sie neute nur in einer lateinischen Ubersetzung
yor, doch konnte Jeroschin sie noch im Original benutzen, Bei dem
dichterischen Bemlihen jenes Hochmeisters ist es nur alizu ver-
etandlich, daB Jeroschin mit der Ubersetzung der Dusburgschen
Chronik beauitragt wurde. Nahm doch m dieser Zeit die Kunst in
Preutfen auch aux anderen Gebieten einen groBen Aufschwung, wenn
man auch die Bestrebungen des Hochmeisters nicht als Versuch wer-
ten капп, die Marienburg zu einem Musensitz ahnlich der Wartburg
ip)
jmechen zu wollen. 1
| Auch die nachste geschichtliche Darstellung stammt aus den
|Reihen des Ordens, die "Epitome gestorum Prussiae” eines samian-
tdischen Kanonikers, dessen Name noch nicht ganz gekl&rt ist. Er
jbietet eine annalistische Zusammensteilung aus der allgemeinen so-
wie aer Ordensgeschicnte von der Geourt Christi bis 1338. Somit
etellt sein Wei-к eiue gute Erganzung von Dusburgs und Jeroschins
Chroniken dar, benutzte er doch auch oenen unbekannte Quelien.
|Allerdings ist sowohl die Stellung zu den Queiien als aucn den
Inachfolgenaen werken, wie etwa Bluinenau, noch nicnt eindeutig ge-
klttrt.
Neoen aen Aufzeichnungen des Kanonixers gab es noch eine gan-
ze Keihe von Annalen - teilweise verloren und spater erschlossen -
16
wie die Konneoerger, die Pelpuner, die kurzen preubischen Annalei
sowie die Annaies Oder Chronica terrae Prussiae. Die Peipiiner
Annalen fUftren uns m einen Bezirx, der lm uorigen christlichen
Gebiet aer literanscn produKtivste war, in den inonastischen Le-
oensbereich. Der Deutscne Orden zog anaere, besonders Bextelorden
zur Mission heran, aocn spieiten sie immer eine untergeordnete
Roue. Das Leben des Lanaes iana semen MitteipunKt zu jener Zeit
m der OrdensDurg, nichx lm Kioster. Dies gilt auch iur Peipim
und aementsprechena iur jene Annalen. Eme Ausnahme nur gao es vo;
aieser Regel, das Kioster Oliva; war aocn seine Grundung oereixs
Enae aes 1^. Jahrnunderxs vor aer Ankunit des Ordens erioigt. Dor
linden wir iixerariscne Betatigung, die zur Aoiassung einer Chro¬
nic um die Mixxe aes 14. Janrhunderts luhrte. Neben Dusburgs und
Jeroscnins Aroeiten sowie aer Epitome des Canonicus Sambiensis is
diese "Altere Chronik von Oliva" das bedeutendste historiographi-
sche Denkmal jener Zeix. Zwar ist der teilweise xn scharfster For
gefiihrte Streit um die quellenkritische Einordnung jenes Werkes
langst verstummt, doch ist eine endgliltige Klarung der Quellenlag
noch nicht herbeigeflihrt. Ist nicht mit Hilfe der Alteren Chronik
von Oliva die umstrittene Frage nach der Existenz einer Chronik
des ersten PreuBenbischofs Christian, die gleich viel Anhanger wi
Ablehner gelunden hat, zu losen? Haben wir jene in der Olivaer
Chronik verarbeitet zu sehen? Wie ist letztlich das Verhaltnis zu
Dusburg und Jeroschin? Dies sind Fragen, die in einer Literatur-
auswertung Oder einer Zusammenfassung sich normalerweise nicht
stellen, die hier ebenl'alls nicht untersucht werden khnnen. Doch
zeigen sie, wie wenig kritische Beachtung die chronikalische Uber
lieferung der preuBischen und Ordensgeschichte bisher fand.
Jene Altere Chronik von Oliva, viel-
leicht vom Prior Gerhard von Braunswalde verfaBx, Derichtet Uber
die Zeit von der Grundung des Klosters bis 1350. Sie zeigt in
ihrer Anlage ziemiiche Unterschiede zu Dusburgs Werk. Der Verfas-
ser will zwar auch lehrhaft wirken, jedoch nicht im Hinblick aul
einen zu fUhrenden Heidenkampf. Ihm geht es darum, Gottes Walten
in der Geschichte zu zeigen, um dem Menschen seme wachsende Bos-
heit und Verderbnis vorzuhalten. Wir sehen deutlich den Unter-
schied zwischen dem Werk Peters, der - wenn auch ale Priesterbru-
17
dar - einem Ritterorden angehdrte, und demjenigen des Olivaer Zi-
ate rziensers. Auch an anderen Stellen tntt uns dies entgegen. Bei
Dueburg sahen wir die Schilderung der Kriegsziige ais das wesentli-
Obe Element. Zwar finden wir diese bier ebenfalls, doch berichtet
UXietre Chronik emiges mehr liber Bauten und Tatigkeiten, die nicht
in engeter Verbindung mit dem Kriegshandwerk stehen. Auch hierin
Beigt eich zisterziensicher Geist. Diese Chronik ist nicht mehr
Offizlttse Historiographie, wie wir sie bisher kennenlernten. Sie
Mgt durchaue ein Wort der Kritik am Oraen und wahrt die besondere
feteilung des Klosters Oliva. Gerade die Schilderung der Kampfe des
prdene gegen Swantopoik von Pommerellen lessen diesen Zug sehr
deutlich zu Tage treten. Noch finden wir keme Gegnerschait gegen
jden Landesherrn. Dies blieb einer spateren Zeit vorbehalten. Die
tradition dieser kntischen Historiographie konnte sich aber m
i
Dliva iortsetzen. Sie zeigt sich unter anderem im 1b. Jahrhundert
behr deutlich in der Mittieren Chronik von Oliva, die zwar starke
BinfltlBse der st&dtischen Danziger Geschichtsschreibung erfahren
hat, jedoch noch eine gewisse Eigenstandigkeit aufweisen kann. FUr
pommerellen jedenfalls ist jene Altere Chronik von Oliva die wich-
tlgete Quelle, ohne weiteres neben Dusburg Oder der Alteren liv-
Ifindischen Reimchronik zu nennen. Sie ist "trotz der besonderen
Bchwierigkeiten des Gegenstandes doch Ubersichtlich und gefallig"
Und zeichnet sich "durch ihre Abrundung zu einem Ganzen und durch
1
Sen natlirlichen FluB der Darstellung aus" , 1
Bereits bei der Epitome des Canonicus Sambiensis sahen wir
Jie etarken livlelndischen EinflUsse. In Livland hatte sich die
jlietoriographie seit der alteren Reimchronik ebenfalls nur in an-
balistischen Zusammenstellungen geSuflert. Jetzt, um die Mitte des
u. Jahrhunderts, schrieb der Priesterbruder Bartholomhus Hoeneke
Iub OsnabrUck seine Jlingere livlandische Reimchronik, dem Voroiid
Jener alteren nacheifernd. Dieses Werk ist nicht mehr erhalten,
Ironnle aber von HbhlDaum aus der sp£Ueren Chronik des Bremer Jo¬
hannes Renner erschlossen werden.^^ Ев schiiderte Ereignisse der
Livlandischen Geschichte aus den Jahren 1315 bis 1348. Diese Reim-
)hronik ist Quelle geworden fUr eine ganze Reihe sphterer Zusam-
^eneteilungen, wie die Altere und JUngere Hochmeisterchronik, die
18
Chroniken Wigands von Marburg, Detmars von Lllbeck und Hermanns v<
Wartberge•
Hermann von Wartberge, der Kaplan der
Landmeister von Liviand, echneb Kurz nach 1378 sein "Chromcon
livoniae". Aus seiner Stellung heraus ergab eich zweieriei: als
Oraensangehoriger una dessen offizieller Vertieter schrieb er im
Interesse des Ordens und aus dem Blickwinkel der livlandischen
Meister; er konnte aber aeswegen, una aas macht seine ChroniK so
wertvoil, samtiiche Aufzeichnungen Denutzen, aie dem Orden in se
ner Kanzlei zur Veritigung stanaen. So linden wir neben aer Ver-
wenaung aer iriiheren Chroniken wie aer Alteren una JUngeren liv¬
landischen Reimchronik, Heinncns vcn Lettland1*^ und anderer,
auch die Benutzung von Urkunaen und sonstigen Kanzleiaufzeichnun
gen, Zwar stellte Hermann diese Vorlagen ganz in den Dienst sein
Tendenz, mdern er deutlich Partei des Ordens besonders gegen den
rigischen Bischof ergnfl, aoch lUr seine eigene Zeit bietet er
einen sehr zuverl&ssigen Benchi. Bei Hermann sehen wir bereits
deutlich aen Unterschied zu Dusourg m aer gexstigen Grunahaltud
aer spater bei Wigana noch zu erwahnen sein wird. Im Bericht zei,
sich nicht mehr aer von starker Religiositat oestiramte, lehrhaft
wirKen woliende Priester, sondern der poiiLische Benchterstatte
Die Zeit aes eigenblichen Auibaues una Kampfes war voroei. Zwar
i'anaen janriicn noch die Reisen gegen die heidnischen Litauer
statt, doch mcnt mehr im Geist aer Kreuzzlige. £s war, zummdest
in den Augen aer Gaste, eine ritterliche Versammiung zu Kuhn; una
Ehre des emzelnen tapleren Knegers, aen aer Hochmeister am En-
rentisch zum Ritter schlug. Der Kampl iUr die Kirche trat nmter
aen noiiscn-ritteriichen Kampi zurUck.^0^
Wenn wir hier aul aie pontische Geschichte schauen wollen,
wira aiese Entwickiung aeutlich. Noch zur Zeit DusDurgs war der
Kampf um aen Besitz aes Lanaes in inscher Ennnerung. Die Prui^e
waren erst vor kurzer Zeit oelriedet worden. Noch wurde der Kamp
gegen aie Litauer lortgeiiihrt, aer Geist aer Kreuzzuge war in
8cnwachem Abgianz weiterhin leoenaig. Doch nachaem der Oraen sei
Lana in Besitz genommen hatte, wurde eine Verwaitung auigeoaut,
aer Boaen kolomsiert mit Hilie aer aus aem Reichsgeoiet heroei-
stromenaen Bauern, una Hanael und Wirtschal't gepllegt. Der Orden
- 19 -
fritter wurae zum Verwaltungsiachmann; er Xegte aas Bcnwert ao zu-
gunsten aer Feder. In dieser Zeit erfolgte die Reaction auf das
Geschaft des Kampfes, die Reflexion. Sie schlug sich nieder in den
1 7)
Chroniken, aber auch in der geistlichen Literatur ;sowie der
18)
frachprosa. ' Der Ordensstaat stand gesichert da: sein Blick ging
Iftlt in alle Richtungen. Livland war fast eine Kronkolonie. Seine
Geschicke schlugen sich stets in PreuBen nieder, so auch in der
Geechichtsschreibung. Doch eine andere Verbindung wurde ebenfalls
laser starker, die zur Hanse. Das zeigt sich deutlich in der Hi-
Storiographie, wenn wir an Detmar von Llibeck denken.
Die Zeit Winrichs von Kniprode hinterliefl keine groBeren er-
Sdhlenden Quellen, obwohl - Oder weil? - sie die Zeit der hochsten
irlrtsohaftlichen und politischen BlUte des Ordensstaates war. Erst
ШЛ Ende des Jahrhunderts haben wir wieder eine Darstellung der Or-
densgeschichte, in Form einer Reimchronik zusammengetragen. Ihr
Verfasser war Wigand von Marburg, Wappenherold
dee Hochmeisters und bezeichnenderweise kem Angehbriger des Or-
A#ne» Seine ChroniK atmet somit einen ganz anaeren Geist. Leider
lit auch dieses Werk nur in einer recht flttchtigen Prosaliuertra-
gttng ins Lateinische aus der Mitte des 1b. Jahrhunderts tiberlie-
fert worden, die Ereignisse der Jahre 1311 bis 1394 umfassena. Nur
lfenige BruchstUcke des Onginaxtextes besitzen wir, doch reichen
8le aus, urn die kraftvolle, reiche Darstellungsgabe Wigands erken-
nen und somit den Verlust des Werkes erst recht deutlich werden zu
lessen. Diese Chronik drilckt klar den bereits bei Wartoeige er-
19)
w&hnten geistigen Wandel aus. *' Zwar steht auch bei Wigand wie
bei Dusourg im Mittelpunkt des Berichteten Kampi' und Krieg, doch
Stark durcn seinen Berui gepragt. Er schiidert das Heer m seiner
Aufetellung und Bewafmung sowie den eigentlichen Kampfvorgang.
Das vermitteite Bila ist lebendig, buntsehulerna una in gespann-
tsr Bewegung, vergxeichbar den ebenfalls geschilderten Turnieren.
Der Kampf ist nicht mehr Mittel zum Zweck aer Glauoensausbreitung,
sondern dient aer ritterlichen Ertuchtigung axl der Gaste, die von
feme her gekommen sma, weniger des Kneges, sondern aes "gesexl-
•chaftlichen Ereigmsses" wegen. Wigand "hat weder fur die hmter-
grundige Deutung aer histonschen Vorgange Smn, noch weitreichen-
Aeres poiitisches Verstandnis. Die Ereignisse seibst, aie bunte
- 20
Fuile des histonschen Geschehens, die jedem sichtbar war, der zii
jener Zeit lm Oraensiana lebte, machen den Gegenstand seines Inte
20)
esses aus." Der Orden steht naturiich im Mitteipunxt, aoch me
in der oiiiziosen, last tenaenziosen Beieuchtung, wie wir es oe^
Dusburg una wanoerge sahen. Das politische Geschehen Oder gar ei
politische Erziehung liegen Wigand fern. Er liebte als Herold den
Kampi und schilderte ihn, wobei er rUhmende Worte fand fllr den mu
tigen Krieger, sei er Ordensntter, Pole oder gar Litauer. Gerade
der Litauer war zwar Heide und Feind, doch vor allem mit ntterli
chen Augen betrachteter Gegner, dessen Tapferkeit und Erfolg gese-
hen und mit lobenden Worten bedacht wurden, sogar auf Kosten des
Ordens.
Deutiich spiegelt sich hier das politische Wohlergehen des
Ordens. Einen machtvollen Staat hatte er errichtet, in unumstrit-
tenem Besitz des Landes, nach dem die Brlider bereits "die Herren
von PreuBen" hieBen. Aufgrund der blUhenden Wirtschafts- und Han-
delsbeziehungen war der Tressel des Ordens so wobl geflilh wie in
keinem anderen Staate. Die Erwerbung der Insel Gotland kurz darau
solite den Orden auf die Hohe seiner auBeren Macht flihren. Wenig
war gebiieoen vom Geist aer Brlider, die dieses Land vor eineinhal'
Jahrhunderten zu erobern begonnen hatten.
Aus der gleichen, wenn nicht etwas frliheren Zeit stammt das
Gedicht Schondochs liber den "Litauer". Es bietet einen kurzen Be-
richt liber Bekehrung und Taufe des litauischen Flirsten Butawt im
Jahre 136b. Wohi auf mlindlicher Tradierung beruhend wurde es ge-
gen Ende des Jahrhunderts im alemannischen Spracnbereich aufge-
zeichnet und ist ein Beispiel aafiir, wie starkes Interesse das Ge
21)
schehen im Ordensstaat auch auBerhalb seiner Grenzen erwecKte. '
Dieses Interesse wird auch deutiich im Niederschlag der bald
darauf erfolgten Katastrcphe von Tannenberg in den Chromken, die
auberhalb PreuBens geschrieben wurden. Doch vorher entstand noch
eine groBe Chromk aes Ordens, am Vorabend der Tannenberger
Schlacht die Grbfle dieses Staates splirbar machend, die "cronike
aes iandes von Pruszin" des Johann von Posilge
Johann war Pfarrer von Deutsch-Eylau und spacer Ofi'izial m
Hiesenourg. Er hmterlieB eine Chronik in lateinischer Prosa, wo-
von jedoch nur die deutsche Ubersetzung erhalten ist. Hinzu kom-
- 21
!доп etliche Fortsetzungen, die wichtigete bis 1419, damit fUr die
22)
Vorgfelnge bei Tannenberg eine nicht zu unterschatzende Quelle. '
Posilge eelber schildert das Geschehen der Jahre 1360 bis etwa
1404/05; sein Todesjahr ist nicht gesichert. Da er wohl flir die
gasamte Chronik ale Zeitgenosse anzusehen ist, gewinnt sein Werk
tine auQerordentliche Bedeutung. Hinzu kommt, daB er sich politisch
bet&tigte. 1372 war er Beisitzer eines Schiedsgerichtes zwischen
dem Orden und dem Bischof von Ermland. Als solcher und spater als
Offizial des Bistums Pomesanien hatte er durchaus Beriihrung mit
hbheren Ordensbeamten. Nicht verwianderlich ist daher die Einschal-
(tung von Urkunden in den Text. Weit Uber seinen eigenen Arbeitsbe-
'jpeich hinaus ging Posilges Interesse, sei es in der Kirchenpolitik,
Vie den Streitigkeiten zwischen dem Orden und dem Rigischen Bi-
achof Oder der verwickelten papstlichen Politik, sei es in der
BuBeren Politik des Ordensstaates und seinen Bertihrungspunkten mit
alien anderen europaischen Staaten. Vor allem widmete er seine Auf-
■erksamkeit den fiir den Orden besonders wichtigen Gebieten Litauen,
Polen, Bohmen und Ungarn. Gepragt ist diese Schilderung durch die
;8tellung, die der Ordensstaat in jener Zeit einnahm und die wir
►baraits kurz skizzierten. "Es ist geradezu erstaunlich, wie
une Posilge ein Bild des reinen Verwaltungs- und Machtstaates ent-
ifirft, wo die politischen Entscheidungen, Pragen und Kampfe die
•Igentlich bewegenden und allein intere6sierenden Triebfedern
Dabei steht er jedoch langst nicht so sehr auf der Seite
das Ordens wie etwa Dusburg Oder Wartberge. Man kann eine starke
Hinwendung des Schreibers zu seinem Lande spUren. Er ist nicht Or-
danebruder, sondern PreuBe. Das bedeutet noch nicht eine Gegner-
achaft zum Orden, jedoch eine kritische Betrachtung. Bei Posilge
kann man den tlbergang von der Ordenschronik zur Landeschronik ver-
folgen. Noch ist er starker der Ordenschronistik verhaftet. Daran
Jtndern auch nichts die Mitteilungen liber Verwaltung, Rechtspre-
chung und wirtschaftliche Entwicklung, die meist in annalistischer
Vaise sehr knapp gegeben werden; zeigen diese doch den Orden auf
dar Hohe seiner Macht. Aber Johann ist in Posilge bei Marienburg
geboren worden, er ist PreuBe im ganz anderen Sinne als die bisher
nur dem Orden verbundenen Schriftsteller. Wir finden bei ihm die
neuen Tone einer Liebe zu seinem Lande, eines Stolzes auf die Hei-
22
mat, die Toeppen sogar von einer patriotischen Gesinnung sprechen
lieBen.^^Hier sehen wir den Ansatz zu jener Haltung, die sich urn
die Mitte des 15. Jahrhunderts vbllig lbste von der Ordenstraditi¬
on, politisch wie auch historiographisch. Nicht umsonst wurde Po-
silge von der spateren Hiatoriographie stark herangezogen, so von
den Hochmeisterchroniken, Grunau, der Thorner Chronik und auch
D%wg03z, Er selbst stUtzte sich neben Dusburg und Jeroschin beson-
ders auf die Thorner Annalen.
Die Thorner Annalen entstanden im dortigen
Pranziskanerkloster, mithin einem Ort, der geeignet war flir die
Wahrung einer historiographischen Tradition. Diese wird recht
deutlich in dem Werk, welches heute als das des Annalista Thoru-
nensis vorliegt. Es beginnt nach einigen vorgeschobenen Notizen
mit der Eroberung PreuBens durch den Orden und flihrt bis zur Tan-
nenberger Schlacht. Vorlage dazu waren altere Thorner Annalen, die
dem Ltfbecker Minoriten Detmar ebenfalls als Quelle dienten. Welche
Redaktion let&Lich Posilge benutzte, laBt sich nicht genau sagen.
Der Thorner Annalist schrieb noch Ordensgeschichte und ergriff
Partei gegen Polen und Litauen. Doch hat er durchaus Worte der
Kritik oder des Tadels am Deutschen Orden bereit. 2war 1st der Or¬
den fUr ihn Landesherr, doch bedeutet das nicht sehr viel. Ebenso-
wenig ist der Annalist als PreuBe anzusehen. Er identifiziert sich
ganz mit зешеш eigenen Orden, dem der fratres minores. '
Diese Chroniken, geschrieben zu einer Zeit, in der der Orden
auBerlich auf dem Gipfel seiner Macht stand, sind Auslaufer der
eigentlichen Ordenschronistik. Der Geist des ritterlichen Ordens
weht uns kaum noch entgegen aus diesen letzten Werken. Die ge-
schichtsschreibung des Landes beginnt. So sind denn die folgenden
Chroniken Landes- und Stadtechroniken oder Darstellungen der Lan-
desherrschaft. Der eigentliche Ordensgedanke ist zurlickgetreten
hinter dem Staatsgedanken, oder besser gesagt, eine andere Kompo-
nente des Ordensgedankens tritt uns nunmehr entgegen. Hatte der
Deutsche Orden im Heiligen Lande zuerst die Aufgabe der Kranken-
pflege, sodann den Auftrag des ritterlichen Heidenkampfes gehabt,
so war bald eine dritte Richtung hinzugekommen, das Bestreben nach
einer Staatsbildung.War diese Tendenz vorerst noch unterstUtzt
worden, um die Tatigkeit des Ordens auf den beiden angesprochenen
- 23 -
■abletan zu ermoglichen, so schob sie sich nach und nach immer
pthr in den Vordergrund. Zwar wurde der preuQische Staat gegrtlndet
'tie Ergebnis dee ritterlichen Heidenkampfes; doch rUckte er all-
•Bhlich in den Mittelpunkt dee Denkens innerhalb des Ordens. Der
Deutsche Orden in seiner Gesamtheit war zum Landesherrn geworden,
Urns о sthrker, je weniger der Heidenkampf Erfolge zeitigte, beson-
dare nach der "Christianisierung" Litauens; war ihm doch dadurch
nach Ansicht der Zeitgenossen seine Daseinsberechtigung genom-
Ben.^^ Diese Stellung des Ordens als Landesherr begegnet in der
nun folgenden Chronistik immer deutlicher, wobei es gleich ist, ob
•it ordensfreundlich Oder -feindlich in ihrer Grundstimmung ange-
JLegt 1st. Der Gegensatz des Landesherrn zu seinen Sthnden und
28)
Btttdten wuchs, ' der Ton des Chronisten wurde sch&rfer, und zwar
nicht nur im politischen Bereich. So geiflelte in huflerst scharfen
Tflnen die Ermahnung eines Karthauser-Mbnches von 1427/28 den Ver-
fall des inneren religidsen Lebens und der Sitte des Ordens und
forderte eine durchgreifende Reform. Daneben wirkt die Fortsetzung
dar Dusburg-Chronik durch den Kulmer Stadtschreiber Konrad Bit-
•chin vom Jahre 1435 ziemlich neutral. Seine Starke lag auch gewifl
nicht auf historischem Gebiet. Zumindest ist seine Schrift "De vi¬
ta coniugali" wesentlich bedeutender. Er gibt, anknlipfend an Dus-
burg, Notizen fUr die Jahre 1332 bis 1435, ab 1420 ausfUhrlicher.
Baina Nachwirkungen lassen sich nur im Bereich der Thorner Stadt-
ehronistik feststellen.
Anders ist es bei der Alteren Hochineister-
0 h г о n i к , frliher Zamehlsche Chronik genannt, etwa um 1440
YerfaBt. Sie wurde wohl von einem Ordensangehdrigen geschrieben
und berichtet Ereignisse der Jahre 1190 bis 1433. Zwar beginnt sie
Bit der Neugrttndung des Ordens vor Akkon, doch bereits vom dritten
lapitel an rttckt das Land PreuBen in den Vordergrund der Betrach-
Zfcung. Dem Orden wurde der Verfasser gerecht, indem er rein huBer-
lich seine Chronik nach den Regierungszeiten der Hochmeister ein-
^tailte* Doch sah er ihn nur noch als Landesherrn, als "Regenten
•inee Territorialstaates".2^ Der Geist, der uns aus Dusburg,
Vartberge und teilweise noch Posilge anmutet, ist vergangen. Dies
BpUrte der Schreiber selber, indem er die Zeiten Winrichs von
Eniprode als die bedeutendsten herausstellte und Uber seine eigene
- 24 -
Epoche den Stab brach; jedoch wuGte er, weshalb das Ungltlck Uber
den Orden kam: uSy irkanten nicht noch leider irkennen, wie ire
vorfarn mildiclich vorgussen ir blut und in den tod gingen kegen
die heiden um des globen und der gerechtikeit willen, und wie das
got en gegeben hat Prewserlant und ouch Leifland wunderlich zu be-
sitzen bas uf diszen tag, und die inwoner diszer beiden lande en
zu gebote mussen steen.Wie eehr der Chronist die MiBstande
seiner Zeit erkannte, zeigt uns die als didaktischer Gegensatz
aufzufassende Schilderung der Zeit Winrichs, die in der Fes.tstel-
lung gipfelt: "so das in den gezeiten was kein convend, in deme
man nicht vunden hette einen bruder adir zwene, di wol zu homeistei
an weisheit und an redelicheit dem orden getucht hetten."'^ PUr
einen Chronisten, der dem Orden angehdrt, kbnnen wir uns kaum eine
bewegtere Klage Uber seine Zeit vorstellen. Doch zeigt uns auch ge«
rade der Verfasser der Alteren Hochmeisterchronik in seiner Be-
trachtung der Geschichte als Landesgeschichte, wie stark er selbst
bereits diesem beklagten geistigen Wandel unterlegen ist. Das glei-
che Bild bietet die erste Fortsetzung der Chronik fiir die Jahre
%o)
1433 bis 1455, nach 1455 verfaBt von Georg von Egloffstein. '
Die Darstellung in der Art der Landesgeschichte lieB diese
Chronik Quelle flir eine groBe Zahl spaterer Werke werden, die noch
starker das Land oder gar die Stadt als Hintergrund ihrer Ge-
schichtsschreibung faBten, wie die JUngere Hochmeisterchronik, das
Ferber-Buch, die Chroniken Grunaus, Poles, Falks und Hoppes, die
alteste Thorner Stadtchronik und andere. Am sch&rfsten als Regen-
ten eines Territorialstaates wird der Orden gesehen von Laurentius
Blumenau.
Blumenau , der als Jurist und Rat in den Diensten des
Hochmeisters stand, hinterlieG eine Chronik, die bis in den Stan-
dekrieg reicht.-^ Ihr Aufbau zeigt zum ersten Mai die deutliche
Beziehung auf das Territorium PreuGen* Blumenau begann in der Vbl-
kerwanderungszeit und fUhrte diese Urgeschichte bis zur Ankunft
des Deutschen Ordens, Den zweiten Abschnitt bildet die Eroberung
des Landes unter Hermann von Salza, wahrend der dritte Teil, an
der Folge der Hochmeister orientiert, die Geschichte bis 1449 be-
richtet. Das zweite Buch, das Blumenaus eigener Zeit gewidmet sein
sollte, bricht nach der Einleitung ab. Diese Einleitung zeigt am
- 25 -
Виге ten seine Stellung. Es gait, tiber die Streitigkeiten zwischen
Btftnden und Orden zu berichten. Dabei Bind die Stande die gegen
Itn princeps aufsassige plebs, die die gottgewollte Ordnung in
^tufliecher Verblendung umstUrzt. Deutlicher kann die Position
9* 0rden8 als Regent tiberhaupt nicht ausgesprochen werden. Diese
#indeutige Stellungnahme Blumenaus gab auch den Ausschlag fUr die
•pitere Benutzung seiner Chronik; nur bei Aeneas Sylvius und in
der Jllngeren Hochmeisterchronik findet eich eine Nachwirkung. Bei
Blumenau sehen wir nur allzu deutlich die Beziehung zwischen hi-
itoriecher Gegenwartswirklichkeit und Historiographie. Nach Tan-
Jtonberg hatte das standische und stfidtische Selbstbewufltsein auf-
grnnd der stetig steigenden Macht jener Gruppen einerseits und des
pBaufhalteamen Verfalls des Ordens andererseits immer starker zu-
Panommen und schliefllich zur Bildung des preuflischen Bundes und
deesen Kriegserklarung an den Hochmeister geftlhrt. Die St&dte wa-
Ten es, die nun den Ton angaben, in der Politik wie in der Histo¬
riographie. Zwar fehlte noch die Spannkraft, urn eine preuflische
Ceechichte aus jener Sicht heraus zu schreiben; die Darstellungen
Wtfaflten anfangs nur ktirzere Zeitraume. Doch das Gewicht der Chro-
Bletik verlagerte sich fast ausschlieBlich auf den stadtischen Be-
;reich, urn dort im 16. Jahrhundert seine Hdhepunkte zu finden. Die
Wenlgen Darstellungen universalen Geprages entstammen einem ande-
Гвп Geist; so die Schriften des Aeneas Sylvius
Jiccolomini , des spelteren Papstes Pius II. Ihm ging es
goeh etttrker als Blumenau, um ’’die Riickverbindung der preuflischen
Ceechichte mit der Antike".^^ Hier sehen wir die klare Auspragung
tiner neuen Epoche, des Humanismus. Er begegnet uns auch am Anfang
dee 16, Jahrhunderts in dem Werk des Erasmus Stella
Zu seiner Zeit waren die Chronisten fUr diesen Geist bereits auf-
geechlossen, was die starke Benutzung in spateren Chroniken zeigt.
Stella wies unter Heranziehung einer groflen Zahl antiker Quellen
die deutsche Vergangenheit des Landes nach. "In diesem aber artete
dae Wissen des Humanisten zu den ktihnsten historischen Hypothesen
due, so dafl es kaum als historische Quelle, wohl aber als gUltiges
Dokument humanistiecher Geechichtsauffassung in Preuflen angesehen
warden darf."^
26
Aus dem Kampf des Ordens gegen die Stfinde erwuchs urn 1460
eine Schrift, die Geschichten von wegen
einee Bundes, die die Vorgange von 1440 bis zum Jahre
1462 verfolgt. Der Verfasser bemUht sich um eine objektive Darste]
lung, leugnete jedoch die Parteinahme fUr den Orden nicht. Sein
Werk war Quelle flir die um 1500 entstandene kleine lateinische
Hochmeisterchronik, die ausschlieSlich auf der vom Orden ausgehen*
den Chronistik fuBte, Der Verfasser war ein "leidenschaftlicher I
35)
Anhanger des Ordens", 1 zu verstehen aus dem Gegensatz zwischen
Polen und dem Orden um die Jahrhundertwende.
Zur selben Zeit entstanden auch in den Balleien Ordensgeschic
ten, verst&ndlich nicht nur aus den Streitigkeiten der BrUder untt
einander, sondern auch dem Bestreben, in den immer starker werdem
den Auseinanderaetzungen der einzelnen Stande und innerhalb der
Stadte ihre Position zu wahren*^^ Meist waren es nur Abschriften
fellterer Werke, doch zwei neue Kompilationen verdienen hervorgeho-
ben zu werden. Da ist einmal die Chronik der vier
37)
Orden von Jerusalem. 1 Der Verfasser, der in
Pranken schrieb, stellte den Deutschen Orden in den Zusammenhang
der Geschichte des Heiligen Landes. Das verbindende Element flir
eine Darstellung auch des Ordens vom Heiligen Grabe sowie der Jo-
hanniter und Templer war fttr ihn die Grlindung aller vier Orden in
Jerusalem,Dabei orientierte er sich an guten Quellen und bieti
eine brauchbare Ubersicht, Sein eigentliches Anliegen war verstam
licherweise die Schilderung der Geschichte des eigenen Ordens. Da
bei verfuhr er als recht kritisch wertender Kompilator. Leider
fehlt der SchluB des Werkes, da die Handschrift im Jahr 1455 mit¬
ten im Satz abbricht und die weiteren Blatter verloren sind. Dies
Chronik blieb in der Historiographie ohne jeglichen EinfluB; ande
die gleichzeitig - wohl in den neunziger Jahren des 15. Jahrhun-
derts - in der Ballei Utrecht entstandene J ti n g e г e
Hochmeisterchronik Sie ist der letzte Auslau-
fer einer offizibsen Chronistik des Ordens, obwohl von einer Or-
denschronik in dem bereits erlauterten Sinne nicht mehr die Rede
sein kann, Ihr Verfasser stellte die Geschichte seiner Kongregati
on in den Zusammenhang einer Heilsgeschichte, beginnend mit Noah.
Es ging ihm darum, den Orden als Streiter Gottes im Heiligen Land
- 27
dursuetellen, ihn in einen moglichst unantastbaren Status zu ver-
aatzan. Bazu wird das ritterliche Wesen der Bruderschaft stark be-
tont. Pementsprechend finden wir hier zum ersten Male die Beigabe
fib Wappen ftlr den Orden und die Hochmeister, die in faBt alien
4jindechriften vorhanden sind und auch in die stadtische Historio-
graphie Eingang fanden, dort jedoch unter anderen Aspekten. Wappen
ralhen der Hochmeister gab es zwar schon urn die Mitte des Jahrhun-
derte in einigen Handschriften im Gebiet der deutschen Balleien,
doch fanden sie erst durch die JUngere Hochmeisterchronik Eingang
In die Historiographie und nach PreuBen.^^ Sthrker denn je wird
hiar die Rittermafliglceit und deutsche Abstammung des Ordena betont
|И*в ist verstandlich aus der Situation der Zeit. Der Standekampf
in PreuBen hatte zu einer Teilung des Ordensstaates geftthrt. In
dan deutschen Balleien wurde die Stellung der einzelnen Kommenden
tmd Hauser immer schwieriger. Per Adel sah den Orden als Versor-
gongsstation an. Der BUrgerliche war von der Aufnahme ausgeschlos-
aan, ebenso wie der nicht Peutschbllitige. Per Orden hielt starr an
dan Weeen einer Hitterschaft fest, die den Zeitgegebenheiten nicht
aahr entsprechen konnte. Pies tat er gewiB nicht wider bessere
Binsicht. Sein Penkschema, bestimmt durch Statuten, Regeln und Ge-
aatze, die ihre Formung wahrend der Kreuzzlige erfahren hatter., war
▼eraltet. Zwar entsprach die geistige Haltung nicht mehr dem Ge-
Mtz, unter dem der Orden einst angetreten war; doch gelang es ihm
auch nicht, genausowenig wie der weltlichen Hitterschaft ein Jahr-
hUndert frtiher, sich ganz davon zu losen und eine innere Reform
«fatorzunehmen. Pieser Gordische Knoten muBte zerhauen werden, um zu-
Bindest den Rest des einst so glanzenden Ordensstaates funktnons-
und lebensfahig zu erhalten. Pas Verdienst, dies unter dem Bruck
dar Situation eingesehen zu haben, gebUhrt Markgraf Albrecht von
Brandenburg-Ansbach. Poch verhalf ihm dazu - neben der Lehre Lu¬
thers - seine Abstammung aus einem bereits damals bedeutenden FUr-
•tenhause. Pie aus dem Orden hervorgegangenen Hochmeister gegen
Bnde des Jahrhunderts waren noch nicht in der Page, jene Situation
-SU erkennen. Erst recht fehlte dem Verfasser der JUngeren Hochmei-
•terchronik das Verstandnis fUr diese Probleme und die Schicksal-
taftigkeit der Ereignisse von 1466, womit er seine Chronik been-
28
Dies Werk bildet den SchluBstein im Gebaude der offizibsen
Historiographie des Ordens, das in steter Formentwicklung inner-
halb von drei Jahrhunderten erbaut wurde. Seine Berichte vmrden
tradiert als Nachrichten ttber die Geschicke eines Landes, seine
Wappen, beigegeben zur Verdeutlichung dee geistigen Anspruches dee
Ordens, wurden zu reiner Illustration, am deutlichsten splirbar in
der Danziger Geschichtsschreibung um die Mitte des 16. Jahrhun-
derts; der Orden selbst war kein lebensformendes Element mehr, er
war nicht mehr Gegenwart, sondern bereits Geschichte.
Als Gegenwart empfunden wurde der Orden jedoch sehr intensiv
von Standen und Stadten in der zweiten H&lfte des 15. Jahrhunderte
Die Macht verschob sich zugunsten der Stadte. Aufgrund eines welt-
weiten Handels, der dem Kaufmann und Ratsherrn den Weg zu eigen-
standigem politischen Denken und Handeln eroffnete, wurde der gei-
stige Gegensatz zwischen den Schichten der Bevolkerung, die nun
"PreuBen" waren, und dem Landesherrn mit seinem Verwaltungsapparat
immer deutlicher. Es muBte zu Auseinandersetzungen zwischen einem
selbstbewuBten Magistrat der Stadt und dem Komtur der Burg kommen,
Diese Streitigkeiten, die bereits in der ersten Halfte des 15.
Jahrhunderts zu beobachten sind, ftlhrten zum schriftlichen Nieder-
schlag in der Chronik. Hinzu kam, daB das Btlrgertum auch in Bezug
auf die Geschichte Uber den eigenen Lebensbereich hinaussah, an-
ders gesagt: der BUrger wurde sich bewuBt, daB er und seine Stadt
historisch gewordene Wesenheiten waren, daB seine Stadt und das
Land Geschichte hatten, Geschichte erlebten und pragten. Dies kam
nicht schlagartig. Es dauerte Jahrzehnte bis zur Abfassung der er¬
sten Landeschronik von stadtischer Seite. Doch die Entwicklung
bahnte sich an. Noch waren es annalistische Aufzeichnungen, Auf-
stellungen von Ratslisten Oder Schilderungen einzelner Episoden,
die man erlebt hatte. GrbBere Darstellungen entstanden erst in del
zweiten Halfte des 15. Jahrhunderts, w&hrend und nach der kriege-
rischen Auseinandersetzung mit dem Orden. Zuerst finden wir eine
solche Beschreibung in Danzig, verstandlich aus der FUhrerstellunj
dieser Stadt. Es ist die Danziger Ordenschro-
n i к , einem Heinrich Caper zugeschrieben.Im Abdruck der
Scriptores rerum Prussicarum prasentiert sie sich als Chronik des
Ordens von 1190 bis zum Jahre 1439, mit unliberhbrbaren Tonen
- 29 -
Btftdtischen Geistes, angelehnt an die Altere Hochmeisterchronik.
Ihr folgt die Danziger Chronik vom Bunde frtiher
Peter Brambeck zugeschrieben. Sie schildert die Gegensatze zwischen
den Stadten und dem Orden von 1440 bis 1466 und atmet eindeutig den
Parteigeist jener Zeit. Einen ahnlichen Zeitraum, den des 13jahri-
gen Krieges, umfaBt die Daretellung des Danziger Stadtsekretares
Johannes Lindau Sie stellt sich ala recht umfang-
reiche, wohl gleichzeitig geftlhrte Niederschrift der Ereignisse
dar, scharf Partei gegen den Orden ergreifend, jedoch ebenfalls
dem polnischen Bundesgenossen auBerst skeptiach gegenUberstehend.
Solch kritisch-tendenziose Einstellung ist ebenfalls der Danziger
Chronik vom Pfaffenkrieg zu eigen.
Es wurde bereits auf das erwachende historische BewuBtsein
dee BUrgers hingewiesen. Dies tritt uns besonders in den Chroniken
entgegen, die nicht nur dem bffentlichen Bereich entstammen, vor
allem in der Familienchronik des Danziger Kramers Martin
L u b b e Er fUtrte sie gleichzeitig fUr die Jahre 1465 bis 1489*
Sie ermbglicht ala einzige einen Blick in das private wie bffent-
liche Leben eines kleineren BUrgers und seine Stellung im Zeitge-
echehen sowie in das "groBe" politische Geschehen um ihn herum.
Dem ahneln die Aufzeichnungen des Thorner Pfarrers Hie¬
ronymus Waldau Auf die freien Rander und leeren
Seiten eines Buches machte er Notizen verschiedenen Inhaltes, be-
eonders jedoch historischer Art. Er berUhrte personliche Dinge,
Kreignisse in Thorn, im Bistum Kulm sowie - weniger exakt - allge-
9tin preuBische Geschehniesse. Da er als Schreiber des Christburger
Koaturs, spater des Gubernators Johann von Baysen geschult war,
ging eein Blick weit Uber die Grenzen PreuBens hinaus. Wir sehen
in ihm, ahnlich wie bei Lubbe, den Menschen, der bewuBt seine Zeit
erlebte*
In einem anderen Lebensbereich stellen wir das fest bei
Kaepar Weinreich, einem Danziger Reeder und Kauf-
ьагш. Er schilderte den Zeitraum von 1461 bis 1496, seinem Stande
gem&B mit einem Blick nicht nur filr den stadtischen Bezirk, son-
dem ebenfalls stark flir die hansischen Belange im westlichen
luropa. Mit wachem Auge konstatierte er die Geschehnisse jener
Jrecht bewegten Zeit, um sie zu einer streng chronologisch geordne-
30 -
ten Schrift zusammenzufassen. Dabei stUtzte er sich wohl auch auf
schriftliche Quellen, doch sind diese noch nicht recht klar.
Ein ahnliches Bild zeigen fUr Danzig Christoph Beyer und
Bernt Stegmann sowie das sogenannte Ebert-Ferber-Buch. Sie bieten
alle rnehr oder weniger umfangreiche, mit einigen Originalnotizen
vermischte Kompilationen, zu denen wir erst allmahlich quellenkri-
tisch Zugang finden.^^ Noch ist keine dieser Kompilationen in
ihrer Gesamtheit gedruckt, was jede Untersuchung sehr erschwert.
Die Danziger Chronik des Oberlandesgerichtes Celle, geschrieben
nach 1553, soil die erste sein, die verbffentlicht wird und somit
als Anhaltspunkt fUr weitere Arbeiten dienen kann.^^
Nur eine Chronik lag bisher als Ganzes gedruckt vor, die gro-
Be Zusammenstellung des Dominikanermonches Simon Gru-
n a u Sie gait, besonders im vorigen Jahrhundert, als Angelpunkt
der Danziger Chronistik. Sollte das "chronikalische Material we-
nigstens in seinen hauptsachlichen Vertretern zu einem umfangrei-
chen Werke zusammengefaBt und verarbeitet (sein) in der preuBi-
schen Chronik des Simon Grunau,"^^ so sollte diese auch Quelle
gewesen sein fur eine Unzahl anderer Chroniken jener Zeit, wie die
von Bornbach, Melmann, Runau, Wartzmann, Ranis, Daubmann und viele
andere. Erst allmahlich setzt sich die Erkenntnis durch, daS diese
Ansicht nicht mehr vertretbar ist, sondern Grunau nur unter ande-
ren Aspekten betrachtet werden kann. Noch mtissen wir vorsichtig
sein, eine Kompilation als die "Mutterchronik" fUr die Danziger
Geschichtsschreibung des 16. Jahrhunderts zu bezeichnen. Lieber
sprechen wir vorerst noch von einer Danziger Tradition, in der je-
ne Handschriften alle stehen. Maschke drlickte dies vor 35 Jahren
bereits in einem vielzitierten Satz aus: "Der Stoff verbindet und
verfilzt sich, daB vielleicht noch die Traditionslinien innerhalb
der einzelnen Stadte, aber nicht mehr die Arbeit der einzelnen Hi-
4.5)
storiker einwandfrei zu scheiden ist." 1 Zwei solcher Traditions¬
linien treffen sich in Grunaus Werk: die der Danziger Chronistik
und die der tlberlieferung der Elbinger Dominikaner.
Damit kommen wir bereits aus dem Danziger stadtischen Bereich
heraus. Nicht nur dort entwickelte sich eine historiographische
Tradition, sondern in alien Ballungszentren der wirtechaftlichen
- 31
and politischen Macht. So kennen wir aus Thorn im 16. Jahrhundert
▼erschiedene Redaktionen einer Stadtchronik.Peter Himmelreich
rerfaBte die Geschichte Elbings,^^ in Heilsberg Merten Osterreich
die seiner Stadt und des Bistums Ermland,^^ gestUtzt auf die
^Chronik der ermiandischen Bischofe des um 1465/64 schreibenden
^Pomdechanten Johann yon Plastwig.
Die starkste Auspragung fand die stadtische Chronistik jedoch
neben Danzig in Konigsberg. Seit 1457 lag dort der Sitz des Hoch-
■eisters. Eigentliche Residenz wurde die Stadt aber erst unter Al¬
brecht von Brandenburg-Ansbach, vor allem ab 1525. Aus jener Zeit
besitzen wir die ersten eigenstandigen Quellen Kbnigsbergs in der
Chronistik. Der Altstadter Ratssekretar Johann Beler
fUhrte von 1519 bis 1523 ein Memorialbuch, das von seinem Nachfol-
ger Kaspar Platner bis 1528 fortgesetzt wurde. Lei-
der besitzen wir von dem Teil Platners nur ganz wenige BruchstUk-
ke.^^ In diesem amtlichen Buche wurde eingetragen, was der Sekre-
tdr besonderer Beachtung fUr wert hielt, vor allem Verhandlungen,
Urkunden, Bauten, Brande und dergleichen. So werden andere Chroni-
ken jener Zeit durch sonst unbekannte Details ersetzt.
Wir sehen auch hier den Beginn der stadtischen Historiogra-
phie im kleinen, miterlebten Ausschnitt aus dem Geschehen. Ahnlich
verhfilt es sich bei der Historie von dem Aufruhr der samlandischen
Bauern des altstadtischen BUrgermeisters Nikolaus Ri¬
ch a u , der etwa gleichzeitig die Ereignisse niederschrieb, die
er als maBgeblicher Reprasentant seiner Stadt sah und in die er
•handelnd eingreifen muBte. Diese Darstellung hat einen sehr hohen
Vert fUr die Beurteilung jener Unruhen, die damals nicht nur Ko¬
nigsberg Oder PreuBen, sondern das gesamte Deutschland ergriffen.
"Zwar war auch der altstadtische BUrgermeister-Chronist an einen
Standort gebunden, namlich an das Interesse des Patriziats von K<5-
nigsberg, daB der Bauernaufstand nicht vom Land auf die Stadte
iibergreife und hier die niederen Stande zu Aktionen gegen die obe-
ren (patrizischen) Stande verleite. Aber gerade diese Position
verlieh ihm eine fUr sein chronistisches Anliegen forderliche Di-
etanz gegenUber Landesherrschaft, Bauern, Adel und niederen stadti-
51)
echen Standen..."
Eine Gesamtdarstellung der preuBischen Landesgeschichte aus
- 32 -
Kbnigsberger Sicht besitzen wir von Johannes Frei¬
berg Seine Person ist nicht naher bekannt, doch gehdrte er
nicht dem Rat an* Aufgrund seiner Stellungnahme gegen den Kneiphof
und die herzoglichen Beamten darf er als Altstadter gelten. Vor
1550 verfaBte er seine Chronik, die den Zeitraum von 1190 bis 1548
umfaBt. FUr die altere Zeit stUtzte er sich auf die Hochmeister-
chroniken sowie Auslslufer der Danziger Tradition* Diese frtihen
Teile fehlen heute; es liegt vor die Darstellung ab 1511, also ftir
die Epoche, fUr die wir in etwa Freiberg als Zeitgenossen ansehen
durfen. Als solcher liefert er den wichtigsten Beitrag zur Ge-
schichte Kbnigsbergs in der ersten Halfte des 16. Jahrhunderts, da
er wesentliche Details aus seiner Umgebung berichtet, die zwar
nicht immer hohe Politik betreffen, deshalb aber nicht minder
wichtig sind; sehen wir doch hierin den Geist des BUrgers, der
sich der historischen Gegebenheiten bewuBt wird und sich in den
Ablauf der Geschichte hineinstellt.^^
Bereits bei Freiberg beraerkten wir, wie sich die Danziger hi-
storiographische Tradition in Konigsberg wiederfand. Am deutlich-
sten spiirbar ist dies in der Chronik des Altstadters Paul
Pole Der Kaplan und spatere lutherische Handelsherr widmete
sich wahrend einer langen Krankheit dem Studium der Geschichte
seines Yaterlandes. Dabei bekam er im Laufe mehrerer Jahre Ein-
blick in eine kaum Ubersehbare Zahl von Handschriften. In seiner
Vorrede berichtet Pole sehr anschaulich von seiner Arbeitsweise
und urteilte tlber das Ergebnis: "Uber das alles ein acheamer und
fleissiger leser von im selbst in dissem buch wol spuren wird und
befinden, wie es nach forderung der zeit hat mussen ane wahl rips
raps in einander geworfen werden, also dafi mir auch selbs hernach-
mals, do ich weil und zeit ubirkam, solchs zu ubirsehen, dafur
eckelt . Allerdings dUrfen wir den SchluB wohl nicht ganz
wortlich nehmen, hat Pole doch das Verdienst, durch die Abschrif-
ten, die er anfertigen lieB, eine ganze Reihe von Chroniken erhal-
ten zu haben. Hinzu kommt, dafl er die Traditionsstrbme der Ordens-
geschichtsschreibung sowie der Danziger und polnischen Historio-
graphie zusammenfaBte und in das Herzogtum lenkte, dort eine Basis
errichtend fttr die spateren Chronisten. Die Grundidee zu seiner
Arbeit lag jedoch in der bereits mehrfach erwahnten Stellung des
33 -
3Qrgers zur Geschichte seines Landes, Diese spricht er in der Vor-
rade aus: "Auch dienen die historien dazu, das sie denjenigen, der
ale list, lernt und weis, dieselbigen zu seiner und bequemen zeit
htrfurzubringen, dise achtbarkeit geben von wegen irer kuntschaft,
ЙМ mans dafur belt, er hab nicht allein zu seiner Zeit gelebt,
sunder auch in ehezeiten mit alien alten umgangen und ir thun und
iMean aufs fleissigst gesehen und behalten ein gut regiment
ела historien ader geschicht der forfaren fassen und erhalten (ist)
eben so vill, als ein gut wol gebauet und gebutzet schiff ane ru¬
der und siegel zur sehewarts schicken," ^ ^
Ein solch offenes Hinwenden zur Geschichte stand zu jener
Sait nicht vereinzelt da, von den Anf&ngen einer gelehrten For-
echung, wie wir sie bei Lucas David, Kaspar Schlitz und Kaspar Hen-
nanberger finden, ganz abgesehen. Eine solch kritische Tatigkeit
ervuche erst allmahlich. Vorerst wurde nur gesammelt. Dabei flos-
•an die verschiedenen Traditionsstrbme ineinander, die sich vorher
getrennt entwickelt hatten. Das tlbergreifen der Danziger Tradition
mch Kbnigsberg sahen wir bereits. Dasselbe gilt fUr Thorn. Doch
aine neue Linie trat hinzu, die polnische Geschichtsschreibung.
DeB jene teilweise in PreuBen ihre Quellen fand, bemerkten wir be¬
reits. Im 16. Jahrhundert setzte nun der RUckfluB ein. Das groBe
Verk des Jan D^ugosz, 1480 abgeschlossen, wurde im Auszug in Druck
gegeben als "Polonorum Chronicon'1 von Matthias von
Kiechbwim Jahre 1521, fortgesetzt bis zum Jahre 1506. Der
Druck sicherte eine weite Verbreitung. So wurde Matthias Quelle
fttr eine ganze Anzahl preuflischer Chroniken, sowohl in Danzig als
Mch in Konigsberg und Elbing. Deutlich erkennbar ist das bei der
Caller Chronik, die im folgenden auch daraufhin untersucht werden
soil. Neben Matthias von Miechbw waren es jedoch noch eine ganze
Baihe anderer Chronisten, wie Jodocus Ludovicus Decius und Andreas
Critiue.*^ Die Tradition der Ordenshistoriographie kehrte auf dem
Uaweg Uber Polen zurtick in ihre eigentliche Heimat, dabei jedoch
grundlegend gewandelt und nur durch Erg&nzung aller Zwischenglie-
der noch als solche zu erkennen. In der Mitte des 16. Jahrhunderts
Bind diese Strange noch entflechtbar, spater ist auch dies nicht
nahr mbglich.
34
Ein letztes Werk haben wir noch zu betrachten, die Chronik
des Balthasar Gans In den Zentren der politischen,
wirtschaftlichen und geistigen Macht sahen wir die Geschichts-
schreibung sich entwickeln. Diese Zentren wechselten. Lagen sie
i
anfangs beim Orden, so gingen sie spater in die Hand besonders der,
Stadte iiber. Doch bildete sich im 16, Jahrhundert in Preufien ein
neuer Mittelpunkt im Hofe Herzog Albrechts, Nicht nur konzentrierl
sich dort wieder eine Landesmacht, auch die KUnste hielten ihren
56) >
Einzug. Dazu gehorte ebenfalls die Geschichtsschreibung. Zeit-
lebens interessierte sich Herzog Albrecht lebhaft flir die Ge-
schichte. So liefl er seit dem Ende der dreiBiger Jahre eifrig
Quellen zusammentragen und manchen Brief mit der Bitte um Ubersen*
dung einer Chronik schreiben, Mit der endgtiltigen Zusammenstellunj
einer geplanten Chronik beauftragte Albrecht seinen Sekret&r Bal¬
thasar Gans. Die Hauptquelle fUr Gans bildete eine (verlorene)
kneiphofische Chronik, die wohl die Jahre 1519 bis 1525 umfaBte.
Der weiterftlhrende recht knappe Teil stammt von Gans selber. Die
Einleitung, 1490 mit der Geburt Albrechts beginnend, bietet eine J
Reihe solch genauer Details aus dem Leben des Herzogs, die jener
eigentlich nur selber wissen konnte. So ist es anzunehmen, daB
dieser erste Teil der Chronik auf Mitteilungen Albrechts zurUck-
geht, wenn nicht gar von ihm diktiert wurde.
Hier 3chlieSt sich der Ring, dessen Anfang wir bei Peter von
Dusburg sahen. Die offiziose Historiographie des Ordens wich der
Darstellung der Geschichte eines Landesregenten, um in die Hand
des Burgertums zu gleiten, genau wie Macht und Glanz des preuBi-
schen Staates. Am herzoglichen Hofe erfuhren die weit auseinander-
gelaufenen Strange eine neue Verflechtung, wie wir es auch spater
in der Chronik des Lucas David sehen. Balthasar Gans lieferte kurz
vor 1550 das erste Werk einer offiziellen Hofgeschichtsschreibung,
eine neue Tradition grttndend, auf einer alten aufbauend. Doch tie-
fer noch lag der Grund. Flir Albrecht war Geschichte etwas Fortdau-
erndes. "Die bewegte Vergangenheit des Landes sollte flir die Nach-
welt festgehalten werden, die eigene Staatsschopfung in den Zusam-
menhang des historischen Ablaufs gestellt und damit seinem Lebens-
werk Dauer verliehen werden Immer aber bezog sich die Ge-
35
ichichtsschreibung auf das ganze Land und seine ganze Geschichte,
der Grdensstaat gehorte selbstveratandlich dazu und ist in einem
richtigen GefUhl fUr die Fortwirkung alles groBen geschichtlichen
Lebens auch zur Grundlage des Hohenzollernschen FUrstentums genom-
57)
sen worden.” 7 Die Traditionsstrbme der Historiographie im Preu-
fienland waren in ein neues Becken zusammengefaBt worden, urn einen
Deuen, wachsenden Strom preuBischer Geschichtsschreibung zu spei-
36 -
II) Die Danziger Chronik des Oberlandesgerichtes Celle
Bereits einige Male wxirde die Handschrift einer Danziger Chro«
nik erwahnt, die heute in der Bibliothek des Oberlandesgerichtes
Celle verwahrt wird.^ Ihre Einordnung in den aufgezeigten Rahmen
der preuBischen Chronistik mag spater folgen. Zuerst betrachten
wir den Kodex und seine Ausstattung. 1935 gab Walther Hubatsch
2)
eine knappe Beschreibung; ' ebenso findet sich eine solche im 7.
Band der Scriptores rerum Prussicarum;^ sie soli hier, noch wei-
ter ins Detail gehend, an den Anfang der Untersuchung gestellt j
werden. !
1) Beschreibung der Handschrift
Der Foliant miflt 198 x 298 mm und ist in braunes, inzwischen
stark nachgedunkeltes Leder eingebunden. Die Ecken sind bereits
durchgestoBen. Als Einbandschmuck lauft etwa 5 mm vom Rand entfernt
eine gepragte Goldrille urn Vorder- und Ruckdeckel, zum BuchrUcken
hin doppelt. Aus jeder Ecke sprieBt ein 18 mm langer beblatterter
Zweig. Past in der Mitte sitzt ein ovaler Goldpragestempel von
18 x 22 mm GroBe. Er zeigt einen nach links schauenden Adler, eine
Krone um den Hals und ein S auf der Brust tragend, also das Preu-
Bische Wappen. das Konig Sigismund I. 1525 Herzog Albrecht in Kra¬
kau verlieh.^' Der 55 mm breite BuchrUcken ist durch sechs WUlste
in fUnf Felder unterteilt; die oberen vier Felder haben eine Hohe
von 48 mm, das untere von nur 40 mm. Jedes Feld weist eine fiinf-
blattrige Rosette von 6 mm Durchmesser als Schmuck auf. Insgesamt
ist die Einbandausstattung recht einfach, wenn nicht dtirftig zu
5)
nennen, gemessen an manchem Renaissanceeinband.
Die Innenseite des Vorderdeckels zeigt einige Eintragungen,
die uns aber Uber den Schreiber oder frUheren Besitzer keinerlei
Auskunft geben. Oben steht mit Bleistift eingetragen "Nro. 5Mt un-
ten mit Tinte "PreuBische Chronik./Katalog В.II.Nro: 820”. Beide
Eintrage stammen von derselben Hand; beim zweiten handelt es sich
um die Signierung, die das Oberlandesgericht Celle vornahm.^ Zwi-
schen diesen Eintragungen finden sich Pederlibungen einer frUheren
Zeit, wohl des 17. Jahrhunderts, die vielleicht als "Johannes
37
Adolphus a Nirvenna" und "Franciscus a Wyloga NummersuBe" zu lesen
7)
Sind. Ob diesen Eintragen eine Bedeutung zuzumessen ist, kann
ich nicht sagen.
Der Band enthalt neben der Danziger Chronik noch einige wei¬
tere Mitteilungen. Am Anfang stehen 10 unpaginierte Blatt Register,
darauf folgen in einer Foliierung des 16. Jahrhunderts 227 Blatt
der Chronik. Es schlieBen sich auf 11 1/2 Seiten - auf anderem Pa¬
pier in anderer Schrift, ohne Zahlung - Nachrichten aus Konigsberg
an, beginnend mit einer knappen Schilderung des Bauernkrieges in
PreuBen 1525, endend mit einer Nachricht Uber die Pest in Konigs-
berg 1564/65.^^ Es folgen weitere Konigsberger Mitteilungen auf 16
8eiten, beginnend mit zwei Notizen zu den Jahren 1263 und 1375,
d«nn die Jahre 1511 bis 1598 umfassend.^ Die nachsten acht Blat¬
ter f wiederum unpaginiert, enthalten auf anderem Papier und von
anderer Hand die Abschrift einer Strafandrohung mit der Aufforde-
rung, der Union beizutreten, von dem koniglich-schwedischen gehei-
aen Rat und Bevollmachtigten fiir Polen, Jacob Roussel, an die pol-
nischen und livlandischen Stadte, ausgestellt am 1. Januar 1632 in
Higa.^^ Weitere Blatter, die beim Einbinden noch vorhanden gewe-
een sind, fehlen. Insgesamt enthalt der Kodex heute 257 Blatt.
Der Beschreibstoff ist Papier, das fUr Register und Chronik noch
ЫШег zu betrachten ist.
Der Chronik vorangesetzt ist das "Register der Namen" von 10
Blatt. Die angegebenen Folio-Verweise des Registers sind im allge-
aelnen richtig.11^ Darauf folgt unmittelbar der Text. Die Blatt-
grdBe betragt durchweg 187 x 287 mm; vor dem Binden und Beschnei-
den des Buchblockes durfte sie noch etwas mehr betragen haben, da
1 2)
einige Blattzahlen angeschnitten sind. ' Gezahlt wird jedes Blatt
Von 1 bis 227, wobei fol. 21 und 22 in der Zahlung fehlen, dafllr
fol. 25 und 26 sich doppelt finden. Die Schrift weist - ausgenom-
Швп fol. 123 bis 158 - eine Einfassung an alien vier Seiten auf.
Dttdurch ergibt sich ein Schriftspiegel, der nicht immer dieselbe,
Jedoch eine durchschnittliche GroBe von 135 x 240 mm hat. Er wird
▼on der Schrift so gut wie immer eingehalten, wahrend die Illu-
atrationen^ ^ of ters bis zum Blattrand gefUhrt worden sind,1^ Oder
sich nur am Rande befinden.^^ Beim Vergleich der Schrift sowohl
n&ch Gesamteindruck als auch an Hand einzelner Schriftzeichen las-
- 58 -
sen sich insgesamt vier Schreiberhande feststellen:1^ in der
Hauptsache handelt es sich jedoch um zwei Hande.
Ubersicht wird das verdeutlichen.
'Die folgende
fol. 1s
etwa 35 Zeilen
je Seite
Schreiber I -
fol. 2-12a: 32 - 36 Zeilen
fol. 12b:
fol. 13-147:
fol. 148-151:
fol. 152-158:
fol. 159-227:
Register:
35 Zeilen +
Kustos
26 - 31 Zeilen
29 oder 30 Zei¬
len, fol. 151b
37(!) Zeilen +
Kustos
Tinte schwarz, klare
Schrift, Buchstaben
abgesetzt18)
Tinte braun, klare
Schrift, jedoch nicht
so gestochen wirkend
wie vorher, Buchstaben
miteinander verbunden,
Schrift flieSender
Tinte schwarz, ahnlich Schreiber
wie Schreiber I, jedoch
andere Buchstabenformen
Tinte braunlich, sehr
klare Schrift, flUssig
in der Buchstabenrei-
hung
Schreiber II
III
II
IV
Schreiber
Schreiber
Schreiber
Schreiber
Schreiber
II
IV
II
Grob gerechnet entfallen somit zwei Drittel der Schreibarbeit
auf den Schreiber II, ein Drittel auf Schreiber IV.
Kustoden sind gegeben bei den tlbergangen von einem Schreiber
zum anderen nur dort, wo es sich um durchlaufenden Text handelt,
also von fol. 12b auf fol. 13a. von fol. 147b auf fol. 148a und
IQ
von fol. 151b auf fol. 152a. } Die Anzahl der Zeilen ist interes-
sant beim ersten Auftauchen von Schreiber IV, der auf fol. 151b
statt 29 oder 30 Zeilen plotzlich 37 unterbringt. Das spricht,
ebenso wie das Auftreten von mehreren Schreiberhanden, fUr eine
Abschrift von einer Vorlage, woran vielleicht gleichzeitig gear-
beitet wurde.
Die Foliierung ist ebenfalls von mehreren Handen durchgefUhrt
worden:
fol.
2
110
fol.
111 -
122
fol.
123 -
155
fol.
136 -
146
fol.
147 -
157
Schreiber II
Schreiber III
Schreiber II
Schreiber IIV
Schreiber II
fol. 158 - 227:
Register:
Schreiber IV
Schreiber III
В Im Vergleich mit der vorigen Tabelle ergibt sich, daG nicht
Ejtder Schreiber auch das gezahlt hat, was er schrieb. Somit ist
tiine recht enge Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Schreibern
• anzusetzen.
^ Zum Lobe der Schreiber sei gesagt, dafi sie ihre Vorlage sehr
aorgfaltig Ubertrugen, da sich fast keinerlei Verschreibungen,
Durchstreichungen und dergleichen finden. Auch Randbemerkungen
•ind selten. Fol, 25b (in der zweiten Zhhlung) ist im Text unter-
etrichen "Conrad von Lanssberg"; dazu steht am Rande: ”der erste
Bitter / in Preussen / ein Westphalinger / von AdelM. Fol. 26a (in
der zweiten Zahlung) ist unterstrichen ’’Herman Balcken”; dazu steht
•n Rande: "der erste Landmei/ster in Preussen / Herman Balcke /
let ein Dortmun/der gewesen, aus / Roden Oder vormahls Balcken/ho-
fe, davon die / Balcken-strasse / noch heute den / nahmen fUh-
20)
ret". Beide Bemerkungen stammen von einer Hand, die jedoch kaum
andere Tinte aufweist als der Text und wohl auch dem 16. Jahrhun-
dert angehdrt. Hier zeigt sich die Hand eines Dortmunders, der die
ihn interessierenden sachlichen Bemerkungen machte. Das lafit al-
lerdings kaum auf einen Besitzer schliefien, noch nicht einrr.al dar-
auf, ob die Chronik bereits im 16. Jahrhundert auBerhalb Danzigs
21)
.war Oder nicht. Sonst finden sich am Rande nur FederUbungen. '
Es fehlt, was besonders schmerzlich ist, das Titelblatt. DaB
tine vorhanden war, laBt sich an Hand der Blattzahl der Papierla-
gen beweisen. Bis auf drei Ausnahmen haben wir Papierlagen zu
eechs DoppelblattSo dlirfen wir das auch fUr die erste Lage
annehmen, die dann das Register zu ftinf Doppelblatt sowie Titel-
und Gegenblatt enthielt. Der Titel mag ahnlich wie in der Berliner
Handschrift gewesen sein.2^ Das Gegenblatt wies vielleicht, wie
in der Berliner Handschrift, eine Zeichnung mit dem Wappen des Be-
eitzere auf; das ware ein Grund gewesen, dieses Blatt zu entfer-
nen. Wenn wir weiter die Papierlagen betrachten und berUcksichti-
gen, welche Blatter fehlen, stellen wir fest: fol. 85, 218 und 228
•ind herausgerissen; die RiBreste sind einwandfrei zu erkennen.
fol. 85 enthielt als Illustration neben dem Wappen Konrad von Wal-
lenrodes eine Darstellung Konig Kasimirs und Witolds, fol. 218
40
zeigte Konig Sigismund August bei seinem Einzug in Danzig 1552.
Ein Gesichtspunkt, der das HerausreiSen dieser Blatter verstand-
lich machte, ergibt sich nicht, Fol. 228 ist wahrscheinlich ein
Leerblatt gewesen, da der Text Mitte fol. 227a endet.
Interessant ist der Sprung in der Blattzahlung von fol. 20
auf fol. 25. Der Papierlage nach fehlen keine zwei Folios, obwohl
der Textsprung vorhanden ist.^^ Hier war wohl, nach winzigen Spu-
ren zu urteilen, ein Doppelblatt eingeklebt, was aber - vielleicht
durch die Einwirkung von Wasser, die in der ganzen Chronik festzu-
stellen ist, ohne aber Farben Oder Tinte zum Verlaufen gebracht
zu haben - sich gelost hat und verloren ging.
Zu betrachten bleibt noch die Art des Papiers. Dies ist in
Form der Wasserzeichenanalyse moglich. Insgesamt lassen sich drei
Wasserzeichen feststellen:
Wz. 1: doppelkopfiger Adler mit Krone, rechts und links der
oberen FlUgelenden je ein H; groBer herzfbrmiger
Brustschild.
Wz. 2: zwei TUrme mit dreizackiger Krone und breitem Wulst
darunter, im Turm je ein Fenster; dazwischen Torhaus
mit Ttir und Spitzgiebel; Fundament umgekehrt helmartig
zu einer Spitze hin abgetreppt, darin der Buchstabe E.
Wz. 3: Zeichnung wie Wz. 1 mit geringen Unterschieden; Buch-
staben P - H, im Brustschild K.
Das letzte Wasserzeichen ist am einfachsten zu bestimmen. Das
К im Brustschild verweist auf Kempten als Herstellungsort. Von
dort stammt auch das Papier mit dem ersten Wasserzeichen, wahr-
scheinlich aus der Miihle von Hans Hurrenbein. ' Das zweite Was¬
serzeichen fUhrt das Wappen von Ravensburg, das seit 1544 zur Qua-
litatsbezeichnung von den Papierherstellern der Stadt offiziell
27')
verwandt werden durfte. ' Damit ist eindeutig die sliddeutsche
Herkunft des Papiers erwiesen. RUckschllisse auf unsere Handschrift
laBt dieses Faktum allerdings nicht zu.
Nachdem wir das AuBere der Handschrift kennen, wenden wir uns
der Beigabe zum Text zu, den Bildern.
-Г*
- 41
$ 2) Die Bildausstattung
Die Celler Chronik ist mit einer Vielzahl farbiger Bilder ge-
Ichmlickt, die sich durch den gesamten Bericht ziehen. Immer stehen
ile in Verbindung zum Text. Die insgesamt 114 erhaltenen Illustra-
iionen kann man in zwei Gruppen einteilen: Wappen und Darstellun-
gen. Bei den Wappen tiberwiegen die der Hochmeister; unter Darstel-
lungen sei hier einmal alles Ubrige zusammengefaBt. Zuerst werden
О Q \
lie Wappen untersucht, }
A) Die Wappen
a) Hochmeisterwappen
Die Celler Chronik ist bei weitem nicht die erste Handschrift,
der sich Wappen finden. Die altestenZusammenstellungen der Hoch-
listerwappen in Handschriften, um die es in der Hauptsache geht,
Ifeichen bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts zurlick. Dies sind Wap-
^penbticher aus St. Gallen, Nurnberg und Berlin, die sich sehr glei-
Chen. "Es liegt aber die Vermutung nahe, daB sie alle drei in der
Hauptsache eine irgendwo gefundene fertige Zusammenstellung mehr
Oder minder genau wiedergeben.Diese Ansicht unterstlitzt eben-
.*•11 s der Fund einer weiteren Reihe von Hochmeisterwappen in einer
30)
Wo und wann diese Zusamir.enstellung er-
•Innsbrucker Handschrif t. ■
jjfolgte, ist nicht bekannt.
FUr PreuBen und die preuBische Chronistik finden wir die er-
iten Wappenzeichnungen nach Meinung Max Toeppens in der PreuBischen
£hronik Paul Poles,die 1532 fertiggestellt wurde.*^ Von der
Oelsnitz glaubt,^^ daB die Wappen einer alteren Chronik nachge-
.bildet seien. Bei dieser alteren Chronik handelt es sich wahr-
icheinlich um die Jiingere Hochmeisterchronik. Theodor Hirsch stell-
te bei deren Edition kurz fest, daB die gezeichneten oder
gemalten Wappen der Hochmeister in keiner Handschrift der Chro¬
nik fehlen."^^ Pole benutzte die Jiingere Hochmeisterchronik sehr
ausfUhrlich, deren alteste Handschrift kurz nach 1492 entstanden
let;55) frUher laBt sich in der Ordenschronistik keine Zusammen-
etellung der Hochmeisterwappen nachweisen.
Im 16. Jahrhundert besitzen die meisten preuBischen Chroni-
kenhandschriften diesen Schmuck. Allerdings diirfte dafUr nicht al-
42
lein Pole die Quelle sein, wie wir sahen, entgegen der so lauten-?
den Meinung Toeppens.-^ Auch in den Drucken der Zeit sind die
Wappen vorhanden, so bei Ranis, Daubmann, Hennenberger, SchUtz und
37)
Waissel, urn nur einmal das 16. Jahrhundert zu berticksichtigen. •
Diese ftinf verschiedenen Chronisten haben sich allerdings nicht
die Miihe gemacht, jeweils neue Wappenzeichnungen anzufertlgen. Ra¬
nis Ubernahm aus einer handschriftlichen Chronik die Wappen; er
brachte sie als geviertelten Schild unkoloriert. Daubmann setzte
zu der gleichen Ausfuhrung jeweils zwei Schildwachter, Figuren,
die neben dem Wappenschild stehen, ihn jedoch nicht unbedingt hal-<
ten. Aus der Offizin von Daubmanns Nachfolger Georg Osterberger -
wahrscheinlich unter Obernahme seines Inventars stammt Hennen-
bergers Verzeichnis. Daher ist verstandlich, daB dieselben Druck-
stocke wiederverwandt wurden, mit Ausnahme des Stockes fUr das
Wappen Gottfrieds von Hohenlohe; anscheinend war dieser verloren
Oder zerbrochen. So wurde fiir Hohenlohe das Wappen Luthers von j
Braunschweig verwandt. Der Unterschied beruht nur darauf, daB Ho- ;
henlohe schwarze Lowen auf weiBem Grund, Luther jedoch weiBe Lowen
auf weiBem Grund fiihrte.'' J Das war ein verbaltnismaflig einfach zu j
losendes Problem. Schutz, der seine Chronik in Zebst drucken lieB,
verwandte andere Druckstocke. ^' Die Chronik Waissels, die bei
Osterberger in Konigsberg gedruckt wurde, zeigt wieder die Druck-
stocke, die bereits Daubmann und Hennenberger benutzten.^^ Nur
Hohenlohe hat einen neuen Stock bekommen, der sich sogar in der
Zeichnung des Personalwappens unterscheidet: er hat drei statt
41)
zwei schreitende Lowen tibereinander, weiB auf weiBem Grund.
Bei den gedruckten Wappendarstellungen gibt es also nur drei
verschiedene Ausfuhrungen, die jedoch in der Zeichnung fast alle
Ubereinstimmen. Die Unterschiede interessieren uns im Zusammenhang
mit der Celler Chronik.
Zuvor noch einiges allgemeine liber den Schild mit dem Hoch-
meisterwappen. Wir finden in fast alien Chroniken, die in PreuBen
oder sonstigen Ordensbesitzungen geschrieben sind, bei Wappenzeich-
nungen den geviertelten Schild, der in der Verschrankung das Per¬
sonal- und Ordenswappen zeigt. Das ist jedoch keineswegs die Ori-
ginalform. MSie wurde allgemein erst im Laufe des 14. Jahrhunderta
A 0\
liblich und beim Deutschorden nachweislich noch spater." ' Von der
- 43 -
Oelenitz hat sie Mvor dem 16. Jahrhundert beim Peutschorden tiber-
haupt nicht gefunden.
% Ahnlich verhalt es sich mit dem Ordenskreuz im Wappen. Das
tinfache schwarze Balkenkreuz auf weiBem Grund blieb, nach anfang-
Xichen Streitigkeiten mit den Templern, das Zeichen des Deutschen
Ordens. Die Verleihung des goldenen Auflagekreuzes unter Heinrich
Bart, das unter Konrad von Thiiringen durch Privileg Ludwigs von
Frankreich zum Lilienkreuz geworden sei, sowie ein Privileg Frie¬
drichs II., darauf den Heichsadler zu filhren, lassen sich nicht
44)
nachweisen. 7 Alteste Quelle dafiir ist wohl die JUngere Hochmei-
45)
iterchronik, 7 eben jene Deutschordenschronik, die als erste
Hochmeisterwappen aufweist. Ihre Handschriften fuhren dieses Merk-
sal auch konsequent durch.^) Daher ist es verstandlich, daB alle
Chroniken, denen jene direkt Oder indirekt vorlag, in der Wappen-
leichnung diese Merkmale beriicksichtigen, oftmals sogar besonders
ait einem Merkvers unter dem Wappen oder am SchluB des Kapitels
|arauf aufmerksam machen.^^
t Jedenfalls stammen weder die Form des Gesamtwappens noch die
dee Personalwappens aus gesicherter alter tjberlieferung. "Aus al-
ledem ergibt sich, daB die gedruckten Wappenreihen samt und sen¬
ders von zweifelhaftern Werte sind und nur mit groBer Vorsicht be-
nutzt werden dlirfen."^8^ Diese Aussage lafit sich ohne weiteres auf
die Handschriften ausdehnen, somit auch auf die Celler Chronik.
Doch geht es hier nicht darum, eine Untersuchung auf heraldische
Bichtigkeit anzustellen, sondern im Rahmen der Handschriftenbe-
ichreibung verschiedene Chroniken gegenliberzustellen.
Es werden miteinander verglichen Ranis und Daubmann und jene
viederum mit der Celler Chronik. Statt Daubmann wird dort, wo es
auf die Kolorierung ankommt, Hennenberger herangezogen, der die-
eelben Druckstocke aufweist; dabei gehe ich von der Annahme aus,
daB die Kolorierung kurz nach dem Druck vorgenommen wurde. Nach
der Uberall in der Chronistik verwandten Zahlung gibt es 34 Hoch-
neister und also ebensoviele Wappen, von denen jedoch nur die be-
49)
eprochen werden, die sich unterscheiden. 7
1) Heinrich Walpot: Die Celler Chronik hat dieses Wappen
nicht, da die entsprechende Seite fehlt.^^
44
2) Otto von Kerpen: Alle drei Darstellungen entsprechen
sich, mit der Abweichung, dafl die Celler Chronik im oberen
Personalfeld richtig den gebrochenen Balken in rot und den
Si)
Turnierkragen in blau hat, 1 wahrend die Parben im unteren
Personalfeld vertauscht sind.
3) "Herman" Bart: Ranis hat in den Personalfeldern einen
schreitenden Lowen, Daubmann zwei Lowen Ubereinander. Die al*.
tere Form jedoch, wie sie unsere Chronik zeigt, hat ein ge-
vierteltes Personalfeld in weiB und rot. Unsere Chronik weiet
blau und rot auf, und im blauen Feld, links oben jeweils,
einen wachsenden goldenen Lowen. In der Farbgebung ist eine
S2)
Parallele unbekannt, die Aufteilung entspricht Pole.
5) Konrad von ThUringen: Die Zeichnung entspricht sich in
alien drei Chroniken. Unsere Chronik hat allerdings nicht,
wie richtig ware, nur die Kronung in gold, sondern ebenfalle •
SS)
einen goldenen Lowen. '
6) Poppo von Osterna: Es finden sich sehr verschiedene
Formen, doch ist die verbreitetste ein geteiltes Feld, das 'i
oben nochmals gespalten ist; die obere Spaltung wurde aller¬
dings in den meisten Fallen erst bei der Kolorierung durchge-
ftihrt. Die Farben sind rot - weiB - blau, wobei unsere Chro¬
nik wieder die Farben vertauscht hat: das obere Feld zeigt
weiB-rot-blau, das untere ist richtig, hat allerdings unten
eine weitere Spaltung, so daB sich genaugenommen das farbli-
che Bild rot-weiB-blau-weiB ergibt.
Diese Farbvertauschungen, wie sie bereits das Wappen von Otto
von Kerpen aufweist, konnen ein Versehen des Zeichners sein, kon-
nen ;jedoch ebenso auf eine Vorlage hinweisen. Da wir die direkte
Vorlage unserer Handschrift noch nicht kennen, sollen diese auf
den ersten Blick unwesentlich erscheinenden Angaben auf jeden Fall
gemacht werden, da die Illustrationen der preuflischen Chroniken
bisher noch gar nicht von der Wissenschaft herangezogen wurden, uo
Handschriftenverwandtschaften aufzuspviren.
7) Anno von Sangershausen: Ranis zeigt drei Ubereinander
54)
schreitende Lowen, wie Pole. Daubmann und die Celler Chro-
- 45 -
nik haben drei Lowen, zwei zu eins gestellt. Die Farben gold
auf rot der Celler Chronik stiminen mit der Kolorierung bei
Hennenberger Uberein.
8) Hartmann von Heldrungen: Ranis und Daubmann weisen den
Lbwen im schwarzen Feld auf, Hennenberger in gold auf schwarz
Die Celler Chronik hat ebenfalls den goldenen Lowen, jedoch
auf silbernem Feld. Ebenso ist dort der Schragbalken nicht
rot-weiB geschacht, sondern trotz Ausfiihrung der Schachtung
einheitlich golden.
9) Burkhard von Schwanden: Die Wappenzeichnung stimmt in
■ 55)
alien Chroniken Uberein. ' Nur zeigt die Celler Chronik die
Leiter in gold auf silbernem Feld, wahrend sie sonst rot dar-
gestellt wird, wie bei Hennenberger.
11) Gottfried von Hohenlohe: Die bereits erwahnte Zeich-
nung ist immer dieselbe. Die Celler Chronik zeigt jedoch die
schwarzen Lowen im goldenen statt im silbernen Feld, wie es
Hennenberger richtig hat.-^
12) Siegfried von Feuchtwangen: Unsere Chronik hat nicht,
wie alle anderen, die tlbereinstimmung mit dem Wappen Konrads
von Feuchtwangen. Die Ubereinanderliegenden goldenen Turnier-
kragen mit zwei Latzen auf rot bei Konrad sind bei Siegfried
diagonal im Spalt gekreuzt.
15) Karl von Trier: Dbereinstimmend zeigen alle Chroniken
den goldenen steigenden Mond auf rot; die Celler Chronik hat
im oberen Personalfeld einen steigenden, im unteren einen
fallenden Mond.
16) Dietrich von Altenburg: Wahrend Daubmann und Hennen¬
berger. ebenso Pole, das richtige Altenburger Wappen aufwei-
sen, 1 zeigt Ranis das Oldenburger Stammwappen, wie es aus
dem 14. Jahrhundert Uberliefert ist: zwei waagerechte Balken.
Die Celler Chronik hat zwar ebenso diese Oldenburger Balken,
58)
richtig rot auf gold, fUhrt jedoch drei Balken.
18) Heinrich Dusemer: Die Zeichnung des Personalfeldes ist
Uberall gleich. Normalerweise ist das Feld geteilt in gold
- 46
und schwarz. Pole hat, ebenso wie Hennenberger, die Teilung
CQ ) .
in gold und blau. ' Die Celler Chronik zeigt die Teilung im J
oberen Peld in hellgold - gold, im unteren Feld in gold
silber.
19) Winrich von Kniprode: Die Wappenzeichnung ist Uberall
gleich, einmal abgesehen von den Vogeln, die das Geschick der
Zeichner sehr verschieden ausfallen lieB; so scheinen es bei
Ranis Krahen, bei Daubmann Raben und bei der Celler Chronik
friedlich schwimmende Enten zu sein. Vielleicht rUhrt von
dieser Entenvorsteilung auch die Farbgebung des Feldes her:
die Celler Chronik weist ein blaues Feld mit rotem Balken auf,
wahrend die anderen preuBischen Chroniken, wie Pole und Hen¬
nenberger, ein rotes Feld mit Silberbalken zeigen.^0^
21) Konrad von Wallenrod: Das Wappen fehlt der Celler
611
Chronik, da die entsprechende Seite herausgerissen ist. '
24) Heinrich von Plauen: Die Zeichnung ist Uberall die
gleiche, doch unterscheidet sich die Farbgebung. Pole und
Hennenberger zeigen richtig einen goldenen Lbwen auf schwarz,
62)
' die Celler Chronik einen silbernen Lowen auf schwarz auf
goldenem StandhUgel. Ranis und Daubmann sind unkoloriert und
fuhren somit einen weiBen Lowen auf schwarz und einen weiBen
Lowen auf weiB.
25) Michael Kuchmeister: Abweichend von alien anderen
Chroniken hat die Celler Chronik die Sterne statt in silber
in gold auf blau.
27) Konrad von Erlichshausen: Abgesehen von Hennenberger,
^■^der im oberen Personalfeld nur zwei rote Schragbalken in
silber aufweist, stimmen alle Chroniken Uberein.
28) Ludwig von Erlichshausen: Er fUhrt dasselbe Wappen wie
sein Vorganger. Die Celler Chronik hat jedoch die Balken
senkrecht gestellt.
33) Friedrich von Sachsen: Bei Daubmann schaut der pfalzi-
sche Adler falschlich nach innen. Die Celler Chronik hat den
64)
Rautenkranz irrtumlich golden statt grUn.
- 47
b) Andere Wappen von Institutionen Oder Personen
Aufier den 32 heute noch vorhandenen Hochmeisterwappen weist
Chronik Celle 20 weitere Wappen auf, von denen zuerst die betrach-
rtet werden, die in den uns gedruckt vorliegenden Chroniken eben-
v falls vorkommen.
1) Wappen des Deutschen Ordens: das einfache
%Balkenkreuz im ungeteilten Schild. Es findet sich bei Ranis, Daub-
*®ann, Hennenberger und Waissel jeweils dort, wo von der Ordens-
griindung berichtet wird. Man kannte es als das Zeichen des Ordens,
das schon 1221 )*rkundlich Uberliefert ist.6^ Die Ulteste bildli-
che Darstellung des einfachen Ordenskreuzes des Deutschordenszen-
tralarchivs ist vorhanden am Kopf eines Visitationsberichtes aus
der Mitte des 15. Jahrhunderts aus Palermo.Alter sind Wandma-
lereien im Dom zu Konigsberg (2. Halfte des 14. Jahrhunderts), in
der Ordensburg Lochstedt (etwa 1380-1400), im Winterremter der Ma-
brienburg (Anfang des 15. Jahrhunderts) und in anderen Ordensbau-
Len.66^
Щ 2) Wappen des SchwertbrUderordens: ein auf der
PSiitze etehendes rotes Schwert mit sechszackigem Stern und kugel-
fp fdrmigem Knauf auf weifiem Feld. Ranis und Daubmann haben es, je-
* veils unkoloriert.Im Original bestand das Wappen aus einem
Schwert mit darUbergesetztem griechischen Kreuz. Bereits Heinrich
von Lettland schildert es so. } Die Chroniken schalten es dort
ein, wo vom Schwertbrtiderorden berichtet wird, so Ranis anschlie-
Bend an den Bericht Uber Heinrich Bart, wohl angeregt durch die
Brzahlung - wie sie in der Celler Chronik ausgefUhrt ist -, dafl
die SchwertbrUder nach Dobrin kamen und dort einen Orden bildeten
eur UnterstUtzung Konrads von Masowien gegen die Prufien. Weniger
einnvoll ist die Stelle, an der Daubmann Uber den Orden berichtet.
Br schaltet seine Darstellung mit Wappen in den Bericht Uber Al¬
brecht von Brandenburg-Ansbach ein, wo er vdllig ohne Beziehung
eteht. Als Aufhanger fUr die Erzahlung an dieser Stelle dient die
nicht nachweisbare Behauptung, die auch die Celler Chronik an-
fUhrt,^) daS Albrecht 151'3 gegen eine grbBere Summe Geldes die
Oberherrschaft Uber den livlandischen Ordenszweig aufgegeben habe.
48
3) Wappen ’’Konrads von ThUringen": Auf fol.
26a der zweiten Zahlung berichtet die Celler Chronik kurz liber die
Regierungszeit Konrads im Zusammenhang mit der Darstellung des er-
sten ZusammenstoBes zwischen Ordensbrlidern und PruBen. Konrad wird
dabei folgendes Wappen zugeordnet: zwei goldene offene Blatterkro-
nen, mit dem Reif einander zugewandt, in geteiltem Feld auf blau
und rot. Dieses Wappen stirnmt durchaus nicht Uberein mit demjeni-
gen, das auf fol. 36b dem Hochmeister beigegeben ist.^^^ Wir fin-
den dieses Wappen noch bei Daubmann, Waissel und Ranis. Daubmann
bringt auf dem ersten Blatt nach dem Titelblatt dieses Wappen, un-
koloriert mit Schildwachtern. Ebenso hat es Waissel zu Anfang sei¬
ner Chronik, falls jedoch koloriert: auf weiBem geteilten Feld die
Krone, deren Stirnreif innen blau, auBen rot mit grliner Einfassung
und ebensolchen Steinen, der Aufsatz in gold mit grlinen Steinen
dargestellt ist. Die Beschriftung bei Daubmann lautet: ”Der Preus-
sen Wapen”. Von Konrad von ThUringen ist dort nicht die Rede. Ver-
standlich wird das ganze, wenn wir Ranis betrachten. Er berichtet
fol. Fib von der Schenkung Herzog Konrads von Masowien an den Or-
den, anschlieBend von der ersten Kreuzfahrt gegen die PruBen, und
bringt dann das uns schon bekannte Wappen, allerdings ohne Teilung
und unkoloriert, mit der tlberschrift: ’’Wappen der Alten Preussen.
Anno MCCXXXIIIJ.” Weiter berichtet Ranis von der Schenkung des Do-
briner und Kulmer Landes sowie der Wahl Poppos von Osterna zum
preuBischen Landmeister. Dann folgt das richtige Wappen Konrads
von ThUringen und der Bericht Uber ihn. Nun wird das MiBverstand-
nis unserer Chronik klar: der Bericht, wie wir ihn in Ranis fin-
71)
den, ist in der Celler Chronik etwas gekUrzt Oder umgestellt,
wobei das Wappen falschlicherweise nicht dem Bericht Uber die Pru¬
Ben, sondern der Erwahnung Konrads von ThUringen beigegeben wurde.
Ahnlich verhalt es sich mit dem folgenden Wappen Poppos von Oster¬
na. Doch mag hier noch gesagt sein, daB dieses Wappen der PruBen
eine Erfindung der Chronistik ist. Von der Oelsnitz glaubt, wohl
mit Recht, daB Wappen erst nach der Ankunft des Ordens den PruBen
bekannt geworden seien und kommt zu dem SchluB, ”daB es vor 700
72)
Jahren ein preuflisches Landeswappen nicht gegeben haben kann”.
Wann dieses Phantasiewappen zuerst auftauchte, laBt sich nicht ge-
nau feststellen. In den Handschriften der JUngeren Hochmeister-
- 49 -
. ±if -и*.*
Chronik habe ich es nicht gefunden. So sind die Celler Chronik, der
Druck von Ranis und Ms, 1285 der Danziger Stadtbibliothek (geschrie-
ben vor 1558) die ersten Chroniken, in denen mir dieses Wappen auf-
gefallen ist. Loch dUrfte wohl eine altere Vorlage vorhanden gewe-
Ben sein, was noch naher zu erortern ware.^^
4) Wappen "Poppos von Osterna": Auf fol. 28a
berichtet die Celler Chronik Uber die Landmeisterzeit Poppos. Ihm
vird folgendes Wappen zugeordnet: drei rote, wellenfbrmige Quer-
balken auf silbernem Grund. Auf fol. 38b wird ihm als Hochmeister
jedoch ©in vbllig anderes Wappen beigegeben.7^ Wie bei dem zuletzt
besprochenen Wappen b^ruht diese Zuordnung auf einem Irrtum. Unsere
Chronik bringt auf fol. 27b und 28a den Bericht Uber die Schenkung
des Kulmerlandes an den Orden; zu jenem Bericht gehbrt das Wappen.
So finden wir es richtig bei Ranis fol. FIHa; dort bringt er das
Wappen und auf der folgenden Seite den Bericht Uber das Kulmerland.
Im selben Zusammenhang zeigt auch Daubmann fol. Alllb jenes Wappen,
allerdings wie Ranis unkoloriert. In anderen Chroniken habe ich es
bisher nicht gefunden.
Nun hat dieses Wappen im Gegensatz zum vorigen einen richti-
gen Bezug. Das Kulmer Wappen namlich sah im 15. Jahrhundert fol-
gendermaflen aus: ein Ritter im Helm mit aufgeschlagenem Visier, un-
ter einem Baldachin, auf schreitendem Pferd, in der Rechten ein
75)
Banner mit dreimaliger weiB-roter Wellenteilung fUhrend. ' Ein
"SECRETUM CiViTATiS COLMEN." des 16. Jahrhunderts zeigt nur diese
drei Wellenbalken.7^ Doch noch frUher lfiBt sich dieses Wappen
nachweisen. Der polnische Chronist Jan D^ugosz zeigt in den "Eande-
naria Prutenorum", dem Werk, in dem er die bei Tannenberg 1410 von
den Polen erbeuteten preuBischen Pahnen darstellt, fUr Kulm ein
dreifach wellenfbrmig weiB-rot geteiltes Banner mit schwarzem obe-
ren AbschluBbalken, der ein kleines schwarzes Kreuz herabhangen
im.77) Endlich berichtet bereits 1339 whhrend des Prozesses ge-
gen den Orden ein polnischer Zeuge von den Pahnen, unter denen der
Orden nach Kujawien eingefallen war: in aliquibus vexillis
H Q \
▼idit crucem nigram in albo, et in aliquibus inundationem aque.” '
Kit jener "inundatio aque" dUrfte wohl das Kulmische Banner gemeint
eein, worin wir den frUhesten Nachweis hfiLtten. Wir sehen also, daB
- 50 -
die Wappenzeichnung, die falschlicherweise Poppo von Osterna zuge«;
ordnet wurde, in Wirklichkeit das schon im 14. Jahrhundert bekann-'
te Kulmer Wappen darstellt. *
5) Wappen "Heinrichs von Weida": Auf fol. 35b
zeigt die Celler Chronik im Zusammenhang mit den Nachrichten Uber
Weida folgendes Wappen: auf silbernem Schild ein schwarzer senk-
rechter Mittelbalken, darUber ein V-fbrmiger Balken in rot, in urn-
gekehrter Stellung. Dieses Wappen babe ich bisher in keiner ande-
ren Chronik gefunden. Heinrich von Weida entstaramte dem Hause
Reuss von Weida.Auf seinem Grabstein findet sich nur das
Deutschordenskreuz mit dem Nimbus. Von einem Wappen ist keine Spur
vorhanden.®^ Die Gemmen und Wappensiegel derer von Weida,seit
1224 nachweisbar, weisen bis ins 16. Jahrhundert hinein nicht die
geringste Ahnlichkeit mit dem Heinrich in der Celler Chronik zu-
81 ^
geordneten Wappen auf. ' Heinrich selber fUhrte als Wappen eine
antike Gemme mit dem Bild eines Lbwen, der ein Pferd niederreiBt,
dahinter ein schiefstehender Baum; nachgewiesen ist dieses Siegel
op \
1224 bis 1236. ' Vielleicht beruht auch die Zuordnung in der Cel¬
ler Chronik auf einem Irrtum infolge Textkontraktion; wohin es al-
lerdings gehbren konnte, ist unklar.
c) Landes- und StUdtewappen
Die weiteren Wappen sind Landes- und Sthdtewappen. Dabei
Uberwiegt die Darstellung des polnischen Zeichens. Wir finden sie
sechsmal und einmal in der Zusammenziehung mit dem litauischen
Wappen, das ebenfalls alleine vorkommt. Allerdings unterscheiden
sich die Zeichnungen ziemlich. Pol. 12a sehen wir auf silbernem
Feld einen roten Adler mit goldenen Fangen. Der Schild tragt eine
goldene, rot ausgeschlagene BUgelkrone, dahinter Szepter und
Reichsapfel. Diesen roten Adler auf silbernem Grund finden wir
wieder auf fol. 84a bei der Kontraktion mit dem litauischen Wap¬
pen, Uber das noch zu sprechen sein wird. Bei diesen Darstellungen
sind jedoch die Farben vertauscht. Richtig finden sie sich fol.
16b, 129a, 157b, 192a und 204a. Die Zeichnung auf fol. 16b ahnelt
stark einer Taube, mit goldenen Fangen auf grUnem StandhUgel; doch
- 51
Fdttrfte dies ein MiBgeschick des Illustrators sein. Бег Adler auf
fol. 129a tragt eine goldene Blatterkrone und blickt falschlicher-
veiee nach links# Auf fol. 157b tragt der Adler ebenfalls die gol¬
dene Blatterkrone, wahrend der Wappenschild auch mit einer solchen
geechmiickt ist; zusatzlich schlingt sich um die Brust des Adlers
ein goldenes S. Diese Darstellung tritt genau im richtigen Augen-
blick auf, da dort von der Kronung Konig Sigismunds im Jahre 1507
berichtet wird.8^ Bei der Nachricht von der Kronung Sigismunds
August im Jahre 1530 auf fol. 192a ist das Wappen fast genauso ge-
eeichnet, nur tragt der Adler keine Krone, wofllr die Krone Uber
dem Schild zu eine^/BUgelkrone geworden ist. Fol. 204a anlaBlich
des Konigsbesuches in Danzig 1552 wird das groBe polnische Wappen
tbgebildet: der geviertelte Schild ist mit einer SchildfuBteilung
und einem Herzschild versehen. Links oben und rechts unten findet
eich der schwarze, rotgezungte westpreuBische Adler mit goldenen
Pdngen und "Kleestengeln", gerecktem Schwertarm und goldener Blat¬
terkrone um den Hals;8^ in den anderen Feldern ist das litauische
Wappen dargestellt. SchildfuB und Herzschild tragen den weiBen
polnischen Adler auf rotem Grund, im Herzschild noch mit dem gol¬
denen S versehen. Das ganze Wappen tragt eine goldene BUgelkrone
ale Aufsatz.8"^
Das litauische Wappen, das wir in Kontraktion bereits auf
fol. 84a und 204a kennenlernten, hat dort und fol. 82a folgende
Peichnung: Ritter in Rustung mit blankem erhobenen Schwert und
goldenem Schild, belegt mit rotem Balkenkreuz, sowie golden wehen-
dem Helmbusch auf schreitendem Schimmel; das Feld ist rot, der
SchildfuB grim. Beim groflen polnischen Wappen fol. 204a ist der
Grund allerdings silbern, der Schild rot mit silbernem Kreuz.8^
Das westpreuBische Wappen, das wir ebenfalls in Kontraktion
bereits fol. 204a sahen, ist fol. 9b etwas anders, jedoch falsch
dargestellt: der Adler in rot auf silbernem Feld, mit ebenfalls
roter Wehr; zusatzlich der Schwertarm an der linken statt an der
rechten Seite emporgereckt. Ebenso ist die Zeichnung auf fol. 146a
nicht ganz richtig. Zwar tragt der schwarze Adler goldene Wehr und
ebensolche Krone auf silbernem Feld, jedoch keine Kleestengel
(goldene Spangen auf den FlUgeln) und den Schwertarm links auf dem
PlUgel.87^
- 52 -
Auf fol. 15b sehen wir einen Hitter in voller RUstung, der
wohl Swantopolk von Pommerellen darstellen soli, als SchildwUchter
neben einem Wappen. Dasjenige Swantopolks ist es jedoch nicht.
Nach den Siegeln zeigt das pommerellische Wappen durchweg eine Li- :
88)
lie. ' Doch hier haben wir folgende Zeichnung: der Schild ist ge-
viertelt; links oben sehen wir im quergeteilten Schild einen wach-
senden goldenen Greif auf silber, darunter rot in rot geschacht;®^!
rechts oben der rote Greif auf silber, ebenso links unten; rechts j
unten in rosa ein goldenes Schacherkreuz mit vier silbernen Bill- I
90) 1
ten. ' Wir haben hier eine Wappenform Pommerns, nicht Pommerel- <
lens vor uns, die gegen Ende des 15. Jahrhunderts in Gebrauch ge-
91T
wesen sein diirfte. 1 Wieder einmal wird klar, daВ die heraldischen
Quellen in PreuBen nur bis zum Ende des 15. Jahrhunderts zurlickrei-
chen. Das bestarkt uns in der Annahme, daB es vor der Jtingeren \
Hochmeisterchronik keine Ordenschronik mit Wappenzusammenstellun- 1
gen gegeben haben dUrfte. vj
Nun bietet die Celler Chronik noch - wie zu erwarten war - <
das Danziger Wappen, auf fol. 129b und fol. 225b; Ubereinander
zwei silberne griechische Kreuze auf rotem Feld, auf fol. 225b zu-
satzlich mit einer goldenen Krone versehen. Die Wappenform ist an
beiden Stellen richtig; beim er3ten Mai bezieht sie sich auf Er-
eignisse von 1455, beim zweiten Mai von 1490. Die Vermehrung des
Danziger Wappens um die Krone fand zu einem zwischen diesen Daten
92)
liegenden Zeitpunkt statt: 1457.
Das Wappen von K5nigsberg-Kneiphof, das der Chronist auf fol,
130a darstellen wollte, ist nicht ausgefiihrt. Wahrscheinlich wuBte
der Illustrator nicht, welche Zeichnung es aufwies, mochte aber
auch keine Fantasiezeichnung anfertigen. So sehen wir nur einen *
leicht schraffierten Wappenschild.
Die letzte zu besprechende Wappenzeichnung haben wir auf fol.'
22bs "Die 4. Comptors ihre Wapen." Vier Wappenschilde weisen fol¬
gende Zeichnung auf: 1) gespaltener Schild, darin links halber Ad¬
ler in gold auf schwarz, rechts die gleiche Zeichnung farbver-
tauscht (MBrug in FlandernM); 2) gespaltener Schild, darin links
silberner SchlUssel auf blau, Bart nach innen gekehrt, rechts hal¬
ber Adler in schwarz auf gold, wie es bei 1) der Fall ist ("Naw-
gardt in Ruflland1*); 3) im weiB-rot geteilten Feld schwarzer gold-
- 53 -
bewehrter Doppeladler mit goldener Blatterkrone urn den Hals ("Lun-
den in Engelandt"); 4) gespaltener Schild, darin links silberner
•ufrechter Fisch, dartiber goldene Blatterkrone, auf rot, rechts
halber Adler in schwarz auf gold, wie bei 1) und 2) zu finden ist
("Bergen in Norwegen"). Neben diesen Wappen steht ein Deutschor-
densangehoriger. ' Die Zeichnung ist vollkommen richtig ausge-
fUhrt. Das dominierende Element, der ganze Oder halbe Doppeladler,
entstammt dem LUbecker Wappen, von wo aus es auf die Wappen der
Hansekontore Uberging.^^ Vergleichen wir die Siegel der Hansekon-
tore Brligge aus dem 15. Jahrhundert und London aus dem Ende des
15, Jahrhunderts,^^ so stellen wir dieselbe Zeichnung fest. Zeit-
genossisch unserer Chronik und ebenfalls vollkommen Ubereinstim-
aend ist das Wappen des Kontors von Bergen, wie wir es aus dem
Buch der LUbecker Bergenfahrer von 1533 kennen.^^ Das Nowgoroder
Vappen stimmt ebenfalls.^^
Wir sahen also, da3 unsere Chronik in den Personalwappen der
Hochmeister im allgemeinen die in der Chronistik Ublichen Zeich-
nungen und Farben fUhrte, jedoch einige Abweichungen zeigte, die
bei einer Einordnung der Handschrift vielleicht von Nutzen sein
kdnnen, Hinzu kamen einige Wappen, wie das Kulmer, die auf der
nicht ganz glUcklichen Auswertung einer Vorlage beruhen, Die wei-
teren Wappen, im allgemeinen richtig dargestellt, lielBen uns doch
merken, da8 die heraldische Tradition der Ordenschronistik um die
Kitte des 16. Jahrhunderts noch sehr jung war und keinesfalls Uber
das Ende des 15. Jahrhunderts zurUckreichte.
B) Die Darstellungen
Alle Bilder, die keine Wappen zeigen,. haben wir zusammenfas-
send Darstellungen genannt. Diese sind nun genauer zu betrachten.
Bereits bei sehr flUchtigem Hinsehen fallt ein wichtiger Umstand
sofort auf: wir haben es mit zwei Illustratoren zu tun. Der zweite
eetzt fol. 98b mit der Darstellung der Tannenberger Schlacht des
Jahres 1410 ein. Wahrend der erste Illustrator kleine Darstellun¬
gen liebte in einfacher, fast plumper AusfUhrung mit unkomplizier-
- 54 -
ter Farbgebung, werden nun die Bilder groBer und im ganzen ge-
schickter, sowohl in der Betailzeichnung als auch in der Farbge-
bung; vor allem bei den Wappen wird viel starker mit Tinten- oder
Tuschenschraffierung gearbeitet, so daB damit die Federzeichnung
nicht nur als Rahmen, sondern als Stilmittel verwandt wird. Babei
wird jedoch die gesamte Farbgebung wesentlich unaufdringlicher.
Von dem hier entworfenen Bild gibt es auch einige Ausnahmen.
So haben wir groBere Barstellungen des ersten Illustartors unter
anderem bei der Banziger Stadtansicht,der Bergwerkszeichnung,^
den Gerichtsszenen1 oder den Schwanken der Lichtenauer Bau-
ern;^^ doch ist es interessant, daB viele der gerade erwahnten
groBeren Barstellungen Zusammensetzungen aus zwei oder mehr klei-
nen Bildern sind, wie die Mordszene in Litauen,1^2^ die Gerichts-
szenen1^^ oder die Schwanke der Lichtenauer Bauern.101^ Fast hat
man den Eindruck, als sei es dem ersten Illustrator schwergefal-
len, den Raum zu fullen, wahrend der zweite auBerst geschickt war
in Flacheneinteilung und -ausnutzung.
Interessant ist ferner, daB sich Illustrationen zu Sagen und
Schwanken - mit einer Ausnahme - nur beim ersten Zeichner finden;
ebenso verhalt es sich mit den Miinzdarstellungen. Portrats und
Szenen der Banziger Innenpolitik hat dagegen nur der zweite Illu¬
strator. Ganz allgemein kann man sagen, daB die schwierigeren Bar¬
stellungen vom zweiten Illustrator angefertigt wurden; das heiBt
andererseits, daB die Illustrationen ab fol. 98b - eben der Tan-
nenberger Schlacht - schwierigere Situationen in komplizierterer
Technik zeigen und somit wesentlich anziehender sind als die vor-
herigen.
Nun sollen diese Barstellungen, der besseren Ubersicht wegen
zu thematischen Gruppen zusammengestellt, kurz besprochen werden.
a) Politisches Geschehen in Polen und im Ordens-
land im Bild
Bie eigentlich polnische Geschichte wird - allein schon auf-
grund der Quellenlage - besonders am Anfang der Celler Chronik be-
tont. So finden sich bildliche Barstellungen dazu nur fUr die vor
der Ankunft des Ordens liegende Zeit: Kasimir Restaurator als
Monch mit Herrschaf tszeichen^^ und Tod Mas^aws von Masowien nach
- 55 -
eeinem Krieg gegen Kasirair;1^^ die Zeichnung von Bolesfaw III.
let aus uneerer Chronik herausgerissen worden.10^ Mit dem Kampf
dee Ordens gegen die PruBen und der allmahlichen Entstehung des
Ordensstaates nehmen auch die Zeichnungen zu, wobei wir anfangs
ttberwiegend Wappen finden und erst spater mehr Darstellungen.
Den Kampf des Ordens beriihren die nachsten Bilder: die PruBen-
ftlhrer Glappe und Monte wurden gehangt;10^ Taufe litauischer Ed-
ler im Jahre 1365.^^ Interessant ist, dafl gerade dieses Ereignis,
n&nlich der Ubergang Butawts, eines Sohnes Kinstuts, zum Orden zum
AnlaB genommen wurde, eine solche Taufdarstellung zu zeigen. Dem-
nach ist diese Taufe im 16. Jahrhundert doch wohl als ein bedeu-
tender Schritt des Ordens zur Missionierung und Unterwerfung bi-
tauens gewertet worden, obwohl er dem Orden auBer moralischen kei-
nerlei Vorteile einbrachte, da er gegen Litauen zu der Zeit nicht
■it Geist und Propaganda zu Felde ziehen konnte, sondern nur mit
Waffengewalt.108^
Die nachste Darstellung zeigt eine Schicksalsstunde des Deut-
echen Ordens und ein erschUtterndes Ereignis fiir die gesamte Ge-
echichte des bstlichen Europa: "Die Schlacht auf dem Tannenberge
Anno 1410".Es ist das erste Bild des zweiten Illustrators und
gleichzeitig eins der besten, die er gemalt hat. Auf der rechten
Seite sehen wir in bester Ordnung Fufivolk, dahinter Berittene in
die Schlacht rticken; links hinten ist ein ahnliches Bild zu beob-
achten, w&hrend sich vorne ein verzweifeltes Kampfgeschehen Mann
gegen Mann abspielt: das einhSndig geflihrte Schwert ist drohend
-Eum Streich erhoben und fallt hernieder auf den noch stehenden Oder
bereits fallenden Feind, das Rohr der Kanone ist zerbrochen, Gefal-
lene und zerstorte Waffen liegen am Boden. tlber dem Ganzen stehen
die schrag gegeneinandergestellten Lanzen, von denen Wimpel und
Pahnen flattern. In vorsichtigen Braun-, Rot- und Grautbnen gehal-
ten geht das Bild liebevoll bis in kleinste Details, etwa die
Zeichnung eines Gesichts, einer Riistung Oder der Bundschleife an
einer Kniehose. Diese Darstellung, geschickt mit Raumaufteilung
und Perspektive arbeitend, gefiillt bis zum Rande, doch nicht tiber-
laden, vermittelt einen Eindruck der geballten Kraft, die in einem
verzweifelten Ringen in dieser Schlacht aufeinandertraf. Die Aus-
eagekraft dieses Bildes Ubertrifft bei weitem die Textschilderung;
- 56 -
das Bild wird an dieser Stelle deutlich "Trager der Handlung". Ев
ist eine der ganz wenigen Darstellungen, die Uber den Rahmen eir.er
Illustration weit hinausgehen. Sie ist gewiB nicht nur aus der
Freude an der malerischen Darstellung entstanden, sondern zeigt,
daB der Maler des 16. Jahrhunderts die grofle Bedeutung dieses Er-
eignisses erkannte und versucht hat, sie darzustellen und zu ver-
mitteln, in einer Zeit, als die Buchmalerei infolge der Buchdruk-
kerkunst allmahlich ein Ende nahm.^1^
Auch die beiden nachsten Bilder bertlhren eine bedeutende Wen-
de im politischen Geschehen des Ordenslandes. Sie ftihren uns in
die Zeit um 1440, die Zeit der Entstehung des preuflischen Bundes.
Das erste zeigt eine Abordnung der Stande von sechs Mann vor eben-
soviel Ordensangehorigen, die an einem runden Tische sitzen.11^
Es ist eine Ahnlichkeit zur Darstellung des Jtlngsten Gerichtes in
Schedels Weltchronik vorhanden, die jedoch mehr fUr die Richtig-
keit der Gerichtsdarstellung als solcher spricht denn flir eine Ab-
112^
hangigkeit. ' Die Detailzeichnung ist liebevoll bis ins kleinste
durchgefuhrt bei einer sehr dezenten Farbgebung. Dasselbe gilt fUr
die nachste Darstellung, die den Titel tragt: "Der Bund wird gele-
sen, 1440". Im Text geht es zwar eindeutig um die Abfassung der
11'^')
Bundesakte 1440, 1 doch stellt das Bild das kaiserliche Urteil
von 1453 dar. Rechts auf dem Thron, uns anschauend, sitzt mit
Szepter und Krone der Kaiser, wahrend sein Beauftragter einer gro-
Beren Zahl von Abgesandten das Urteil verliest.
Die beiden letzten Bilder dieser Gruppe flihren uns an das En¬
de des Ordensstaates in PreuBen, den AbschluS des Krakauer Ver-
trages*^^ und die Huldigung Albrechts von Brandenburg-Ansbach
vor Konig Sigismund von Polen.^^ Das erste Bild zeigt Albrecht
und Sigismund: "in moderner spanischer Hoftracht steht der friihe-
re Hochmeister, der die Ordenszeichen abgelegt hat. vor dem Polen-
konig, der ihm den Friedensvertrag Uberreicht."^Das zweite
Bild stellt die Huldigung dar. Sigismund sitzt auf dem Thron,
Reichsapfel und das Schwert haltend, mit dem er Albrecht zum Rit¬
ter schlug. Albrecht legt knieend den Eid auf das von einem Geist-
lichen ihm vorgehaltene Evangelium ab, wahrend sein neues Banner
Uber ihn gehalten wird; es ist eine Szene von eindrucksvoller Klar-
heit und Schlichtheit, sowohl in Bildaufbau als auch der auf wenige
57
Farben beschrankten Kolorierung. Damit ist die Epoche des Orders-
Btaates abgeschlossen, PreuBen v/ird zu einem Territorium von an-
fangs untergeordneter Bedeutung. Das macht sich im Text bemerkbar*
der nun wesentlich starker die Danziger Stadtsicht spUren laflt,
wie auch in den Darstellungen. Illustrationen zur Mhohen Politic"
die Danzig nicht betrifft, fehlen von nun an.
£
b) Politiscj^es Geschehen in Danzig im Bild
Ein starkes Interesse auch in der Ausmalung finden wir in der
Celler Chronik fUr Danziger Ereignisse. Dabei handelt es sich bei
den Bildern fast immer um Geschehnisse von hochster politischer
Bedeutung, selten um reine Lokalereignisse. Abgesehen von der Dar-
117)
etellung des Mordes an Konrad Letzkau im Jahre 1416 7 setzen die
Bilder allerdings erst 1525 ein, zu einer Zeit also, die Schreiber
wie Maler vielleicht selber erlebt haben und die deshalb fUr sie
won besonderem Interesse war.
« Es beginnt mit einer Illustration zu dem Spottgedicht Uber
Bberhard Ferber und den Danziger Aufruhr.11^ AnlaBlich der Ladung
dee Konigs an Danzig, sich zu verantworten, vom Dezember 1525,
vird ein koniglicher Herold gezeigt, mit Wappenschild und einge-
legter, wimpelgeschmUckter Lanze auf einem Schimmel heranspren-
119)
gend. 7 Das nachste Bild stellt dar, anlaBlich ihrer Anweser-
heit in Danzig 1526, von rechts nach links: Herzog Albrecht in
voller Rlistung mit Banner, Herzog Georg von Pommern in hofischer
Kleidung, beide auf galoppierendem Pferde, und Konig Sigismund im
Wollen Ornat mit Szepter auf ruhig schreitendem Schimmel.1
tfber die Darstellung eines mit Silberwerk beladenen Monches und
121)
eines bUBenden Bauern 7 kommen wir zu einer auBerst blutigen
122)
Szene, der Enthauptung der 1526 verurteilten BUrger. Kopfe
rollen, Blut stromt, wahrend der Henker zum nUchsten Streich gegen
einen betend knieenden BUrger ausholt. Die Detailzeichnung ist
eingehend wie immer beim zweiten Illustrator; beruhigend ist nur
die dezente Farbanwendung, wodurch das Bild nicht zu grausig er-
echeint.
Die drei letzten Bilder dieser Gruppe, die in engem themati-
schem Zusammenhang stehen, zeigen wieder deutlich die StUrke des
- 58 -
Malers in der Darstellung groBer Gruppenbilder. Sie illustrieren i
den Konigsbesuch in Danzig von 1552, ein Ereignis, das Schreiber 1
und Maler der Chronik sicherlich miterlebt haben und das den Maler з
unter anderem zu seinem groBten Bild anregte. Zuerst stellt er den.;
Konflikt zwischen Polen und der Danziger Wache dar, wobei er sich
dem Text eng anschlieBt.1^^ Es folgt das zwei Zeilen fUllende
Bild, das sicherlich, vom Maler aus eigenem Erleben geschopft, den
zeichnerischen Hbhepunkt darstellen sollte: der Einzug des Kdnigs
Sigismund August in die Stadt.1^^ Umso bedauerlicher ist es, daB
gerade die Konigsdarstellung aus unserer Chronik entfernt worden
ist. Trotzdem erhalt man einen Eindruck, wenn man den verbliebenen
Rest betrachtet. Pauken und Pfeifen ziehen vorweg, ihnen folgt dae
gepanzerte berittene Geleit. liber allem stehen die SpieBe und Lan-
zen, von denen die Wimpel im Winde flattern. Die Pomphaftigkeit
tritt einem entgegen in der groBzllgigen und doch wohlliberlegten
Raumaufteilung des Bildes, wahrend die Farbgebung wie immer dezent
ist. Die Liebe zum Detail ist auch hier wieder deutlich sichtbar,
ob es sich nun urn das Zaumzeug eines Pferdes handelt oder den dunk*
leren Fleck an der Stelle des Trommelfells, auf die der Schlegel
zu treffen pflegt. Hier haben wir es wieder mit einer Darstellung
zu tun, die Eigenwert beansprucht, die den Text vollkommen zurtick-
treten laBt und ohne ihn ein kilnstlerisches Eigenleben zu fUhren
vermag. Selten genug begegnet uns dies in der Celler Chronik, doch
dann umso Uberzeugender.
AbschlieBend in dieserGruppe folgt die Darstellung des Ge-
12 4)
richts des Konigs Uber Danzig, in Raumaufteilung und Detail-
zeichnung ahnlich der Darstellung der Beschwerden Uber den Orden
um 1440.126)
Die Illustrationen zur Geschichte Danzigs finden ihren Hbhe-
127')
punkt in der "Gegenwartschronistik" des Malers, in den Situa-
tionen, die er, wenn auch nicht unbedingt als Beteiligter, erlebt
hat. Sie zeigen uns das Danziger Leben des 16. Jahrhunderts oder
auch das Leben frUherer Jahrhunderte, wie der Maler des 16. Jahr¬
hunderts es sah. Diese Feststellung trifft gerade auch flir die
nachste Gruppe von Darstellungen zu, die Bauten.
- 59 -
c) Die Bauten
In unserer Chronik haben wir einige Bilder, die verschiedene
Gebfiude darstellen. So erwtlnscht uns friihe Ansichten sind, so vor-
•ichtig miissen wir bei ihrer Auswertung vorgehen. Sehr deutlich
Mgt dies an einer Stelle Forstreuter, zwar auf Landkarten bezo-
gen, was wir aber auch auf Chroniken ausdehnen kbnnen: "Solche
Bilder sind oft freilich reine Fantasie, Bilder von Burgen
«nd Kirchen an sich, nichty/bestimmter Bauten,Unter dieser
flberlegung wollen wir die Darstellungen betrachten.
Grleich das erste Bild wirft entsprechende Probleme auf. Es
teigt eine teils auf gewachsenem Felsen stehende Burg mit Vorhof,
1 pQ
Vohnbauten und zwei TUrmen. Zugeordnet ist es dem Bericht Uber
den Bau Konigsbergs im Jahre 1255.^^ Charakteristisch und unver-
kennbar ist die Zeichnung des groflen SchloSturms, doch alles ande-
re ist so stark abweichend, daB ich zumindest keine sehr genaue
lenntnis des Schlosses annehme. Wahrscheinlich handelt es sich urn
■eine Burg", der der SchloBturm als charakteristisches Merkmal
131)
aufgesetzt ist. ^ ' So zeigt sich hier bereits die groBe Gefahr
der Auswertung des Bildes, die wir an dieser Stelle durch Ver-
gleich mit anderen Darstellungen priifen konnten.
Anders liegt der Fall bei der folgenden Darstellung Danzigs;
war der Illustrator doch hochstwahrscheinlich Danziger, so da!3 wir
ihm nun weit mehr Vertrauen entgegenbringen dlirfen. Es handelt
eich um die Ansicht Danzigs, dem Bericht Uber die Belagerung der
Stadt im Jahre 1308 beigegeben. * Verstandlicherweise entspricht
die Zeichnung nicht dem Zustand des 14., sondern des 16. Janrhun-
derts. Dadurch bekommt das Bild fUr uns einen sehr konkreten Wert,
1
irie bereits Otto GUnther festgestellt hat. } Es zeigt namlich
Koggentor und KoggenbrUcke vor ihrem Abbruch 1563 und den Rathaus-
turm vor dem Brand 1556. Anhand der Zeichnung der Marienkirche,
die im ganzen richtig dargestellt ist - wobei wir berUcksichtigen
atissen, daB es sich um den nicht so geschickten ersten Illustra¬
tor handelt - dlirfen wir annehmen, daB der Charakter der nicht
nehr erhaltenen Bauwerke in etwa richtig wiedergegeben wurde. So
let dieses Bild die einzige Darstellung Danzigs vor jenen ein-
echneidenden baulichen Veranderungen und besitzt dadurch erhebli-
- 60
chen Quellenwert.
Genau das Gegenteil ergibt sich bei der nachsten Darstellung,
in der der Brand einer Burg Oder Stadt gezeigt wird.^^ Beigege-
ben ist das Bild dem Bericht liber die Belagerung der litauischen
Burg Pilenai im Jahre 1336, Datum und Ort machen bereits die Kennt*
nis der Burg fur den Verfa3ser unmoglich.
Auch fiir die nachste Zeichnung ist wohl keine genaue Wieder-
gabe anzunehmen. Es handelt sich um die Darstellung einer brennen-
den romanischen Kirche, zugeordnet dem Bericht liber den Turmbrand
1
der Danziger Johanniskirche im Jahre 1543. Eine Ahnlichkeit
wurde auch schon von Gunther mit Recht abgelehnt.1^^
d) Portrats
Die Celler Chronik weist eine groBe Zahl von Personenbildern
auf. Bei den Bauten sahen wir, daB zu einem weit zurlickliegenden
Vorgang ein Bild aus der Gegenwart des Malers gegeben werden konn-
te. Anders ist es mit den Personendarstellungen. Dabei dlirfen wir
grundsatzlich nur die Bilder betrachten, deren Personen der Maler
gekannt haben konnte. Selbst darin miissen wir einschranken. Wir
lernten bereits kennen die Darstellungen des kaiserlichen Urteils
von 1453» des Treffens von Sigismund I. und Albrecht sowie Al¬
brechts Belehnung und seinen Ritt nach Danzig mit dem Konig und
137)
Georg von Pommern. 7 Der Herrscher im Ornat bleibt sich dabei
imnier gleich. Er ist nur als "gekronter Monarch" gezeichnet, nicht
portratiert. Schwieriger wird das bei den flinf Brustbildern, die
die Celler Chronik aufweist.
Zugeordnet sind diese Bilder Ereignissen, die liber den Danzi¬
ger stadtischen Rahmen weit hinausgehen und oftmals auf das Leben
in dieser Stadt gar keinen EinfluB gehabt haben. Gemalt wurden
Martin Luther, Johann von Leyden, ^9) jo^ann von Sachsen, *^0)
Sigismund I. von Polen1^1^ und Moritz von Sachsen.Es ist kaum
anzunehmen, daB der Maler als Danziger eine dieser Personen gese-
hen hat, hochstens Konig Sigismund, als er 1526 in Danzig weilte.
Gerade dessen Bild entspricht in den Gesichtsziigen aber durchaus
keiner der bekannten Darstellungen, wie wir sie etwa in dem Werk
143)
von Decius finden. 7
61
Die ganze Aufmachung der Bilder erinnert stark an die Technik
des Holzschnittes, wenn man von der Kolorierung einmal absieht.
Damit sind wir vermutlich auch bei den Vorlagen angelangt. Darstel-
lungen beruhmter Personen im Gemalde, in Stein Oder als Holzschnitt
in einem Buch Oder auch als Einzeldruck gab es zur damaligen Zeit
viele. Auch in Preuflen waren diese Darstellungen zu finden, wie
ein etwa zeitgenossisches Inventar des Konigsberger Schlosses von
1568 beweist;1infolge de^ Vielzahl der Fliegenden-Blatt-Drucke
der Reformationszeit, die heute zum groflten Teil noch gar nicht
eyetematisch erfaflt sind, erscheint es ein aussichtsloses Unter-
fangen, die genaue Yorlage fur unsere Portrats zu suchen. Festzu-
halten bleibt nur, daB sie eine Vorlage jener Art gehabt haben
konnen, dann jedoch zum Aussehen jener Personlichkeiten keinen
neuen Anhalt liefern.
e) Miinzen
In dem Abschnitt, den der erste Zeichner illustriert hat,
finden wir vier MUnzdarstellungen.1^^ Man hat von einigen sofort
den Eindruck, als seien sie nicht nach einem Original gezeichnet
vorden, sondern nur nach den Angaben im Text. Unklar scheint das
nur bei dem preuBischen Schilling Dietrichs von Altenburg, der
auch nach Vorlage gezeichnet sein konnte. Doch kennen wir im Ori¬
ginal bisher kein StUck der Altenburgischen Schillinge. Die Nach-
;richten dariiber entstammen nur der Danziger Chronistik. Auch die
Ausfiihrung in Bild und Umschrift durfte "mehr als verdachtig"
eein.1
f) Berufe im Bild
Interessant sind auch die Bilder, die den Menschen des 16.
Jahrhunderts bei der Arbeit zeigen. Bergarbeiter, Totengraber,
Priester und Bauer stammen vom ersten Illustrator. Ihre Darstel-
lung ist grob und erweckt nicht den Eindruck genauer Kenntnis des
Gezeichneten.^^^
Anders ist es beim Buchsenmeister und den MUnzschlagern;^
besonders fiir die letzteren besitzen wir eine fast gleichzeitige
Paralleldarstellung in Jost Ammans Standebuch von 1568.14-<^ Zwar
- 62 -
j
1st der Rahmen des Bildes ein anderer, doch die Tatigkeit die j
gleiche. So besitzen wir vor Amman, dessen Bilder wiederum von
Hans Holbeins Totentanz und den dort gezeigten Standevertretern
beeinfluBt sind, bereits in unserer Chronik eine typische Handwer-
kerdarstellung, unbeeinfluBt von jener nachhaltig wirkenden Zusam-
menstellung Jost Ammans.
Nur ein Bild mag hier noch besprochen werden, das neben der
Tannenberger Schlacht und dem Konigseinzug in Danzig wohl zu den
besten der Chronik zahlt. Es zeigt eine Kogge des 16. Jahrhunderts
auf See.1'^ Das Schiff liegt voll vor dem Winde, die Segel stehen,
die Wimpel flattern. Ein Teil der Besatzung ist zu sehen, sogar der
Mann im Ausguck. Aus den StUckpforten blicken drohend die Geschlitze
hervor. Das ganze Bild ist voller Leben und mit groBer Liebe zum
Detail gezeichnet, die sicher auf eine gute Anschauung von der
Schiffahrt schlieBen laBt. Zumindest hat der Illustrator von der
Moglichkeit Gebrauch gemacht, im Danziger Hafen ein solches Schiff
genau nachzuzeichnen.
g) Mord, Gericht und Tod
Sehr haufig vertreten sind in unserer Chronik Bilder, auf de-
nen Blut flieBt und den Beschauer das Gruseln ankommen kann. Be¬
reits im 16. Jahrhundert war das Verlangen nach diesen Darstellun-
gen vorhanden, das noch heute von vielen Tages- und Wochenzeitun-
gen erfilllt wird. Schon bei Zeichnungenzu Danziger Ereignissen sa-
1 C 1 \
hen wir dies, J ' erst recht dann dort, wo der Text eine solche
Darstellung geradezu fordert, wie etwa bei der Belagerung von
Schwetz,*^^ der Ermordung einer Nonne durch einen Litauer^^
Oder einer Begebenheit, die bereitsden Titel tragt: MGroB Mord in
Litauen".Auch die Strafarten werden klar und unmiBverstand-
1CC)
lich gezeigt, wie Vierteilen und Schleifen, ' Enthaupten und Ra-
dern,^^^ Brandmalen^^^ Oder die Darstellung eines Morders kurz
vor dem Radern am Pfahl.1^8^
Auch der Tod, der nicht durch Gewalt Oder einen irdischen
Richter verursacht ist, findet seine Darstellung, wie im Selbst-
mord mit Pistole.Geradezu liebevoll ist der Tod Martin Luthers
gezeichnet.Luther liegt auf hohem Stufenbett, die betreuende
- 63 -
Person anblickend. Sowohl das Bett als auch der Tisch und all die
kleinen Binge, die in einer Krankenstube zu sein pflegen, sind mit
groBer Genauigkeit gezeichnet; trotzdem wirkt das Bild etwas leer.
Von guter Anatomiekenntnis zeugen zwei Totenschadel ohne Un-
terkiefer, der Erzahlung Uber die Pest des Jahres 1427 beigegeben.
Das letzte Bild dieser Gruppe entstamint offensichtlich der
Vorliebe des 16. Jahrhunderts fUr Totentanz- und Todesdarstellun-
gen, deren groBter Vertreter Rand Holbein d.J. war. Es zeigt zwi-
schen einem Kornfeld und einem Baum auf einem Pferd den Tod als
А С О \
Gerippe, die Sense in der Hand. } Diese Art der Barstellung des
Todes als Schnitter geht bis in die romanische Zeit zurUck. Sie
1st immer wiederkehrendes Motiv, nicht auf eine Urdarstellung rUck-
ftihrbar. Im 16. Jahrhundert erfuhr sie einige Hohepunkte, wie DU-
rers Handzeichnung von 1505, den Tod mit Krone und Sense auf mage-
rem Klepper zeigend.
h) Sagen und Schwanke
Im ganzen gibt es wenig Bilder zu diesem Thema, wenn man von
den Illustrationen zu den Erzahlungen Uber die GroBlichtenauer
Bauern absieht. Es handelt sich um eine sehr sinnfallige Darstel-
lung der Entstehung des Bernsteins1^^ sowie um die Illustration
zu der Schauergeschichte, daB ein Monch seinen Abt um eines Raben
willen tUtet.*^^ Beide Zeichnungen sind sehr einfach und bieten
nichts besonderes.
Einen breiten Raum nehmen, wie die Erzahlungen, die Illustra¬
tionen zu den Schwanken der Lichtenauer Bauern ein. Jede Erzahlung
hat ihr eigenes Bild erhalten, ob es sich um die Schatzfasser, den
Monch im Hopfensack, den Monch am SpieB gebraten, den Kesselflik-
ker im toten Pferd Oder die Sau im Bett handelt, die die Absolution
erhalten soll.^^ Zwar sind die Bilder einfach, doch geben sie
die jeweilige Situation sehr klar wieder.
Ben AbschluB dieser Gruppe bildet die Barstellung eines Trink-
1 67)
gelages mit all seinen wenig schonen Begleiterscheinungen. ' Bei¬
gegeben ist diese der Erzahlung Uber die Bierecheppen, bei der man,
wie bei unserem Bild, den Eindruck hat, als habe dies dem Schreiber
doch recht viel SpaB bereitet und sei die Verurteilung dieses Ge-
- 64
1
schehens eigentlich nicht so recht zum Ausdruck gekommen. Gerade
bei diesem Bild zeigen sich interessante Parallelen zu den beiden
Kolzschnitten der ’’Spieler" und "Saufer" im Totentanz von Hans
168)
Holbein d.J. ' Man konnte vermuten, daB diese beiden Holzschnit-
te aufgrund ihrer weiten Verbreitung dem Zeichner bekannt waren,
wenn auch nicht als direkte Vorlage dienten. Er dllrfte dann ver-
sucht haben, jene Schnitte in eine Komposition zusammenzufassen,
der Textstelle entsprechend, wo es vor allem auf die Saufer ankam,
Allerdings gab es wohl eine ganze Reihe von Barstellungen dieser
Thematik; bereits Н90 ist eine solche im Druck nachweisbar.
Holbein selbst verwandte sie auBer im groBen Totentanz auch schon
in seinem Totentanzalphabet. ^0) y/ir haben es also wieder mit
einem Bild einer recht verbreiteten Thematik zu tun, dessen direk¬
te Vorlage zu finden schwerfallt.
Wenn wir nun die Darstellungen Ubersehen, konnen wir sagen,
daB ihr kunstlerischer Wert nicht allzu groB ist. Fast immer han-
delt es sich um Illustrationen zum Text. Kaum kann das Bild einen
Wert beanspruchen, der es liber den Text hinaushobe und zu eigener
Aussage kommen lieBe. Nur bei der Darstellung der Tannenberger
Schlacht, der Kogge und des Konigseinzuges in Danzig konnten wir
dies beobachten. Wir haben es also hier nicht mit einem KUnstler
zu tun, dessen Spuren nachzugehen sich lohnte, wie den Illustra-
toren des Gebetbtichleins der Herzogin Dorothea, sondern mit
guten "Handwerkern". Jedoch auch jene werden in der Mitte des 16.
Jahrhunderts bereits selten, da sie zum Holzschnitzen flir den
Buchdruck Ubergehen. Es ist auch dies eine Spatform, ein Auslaufer
in unserer Chronik.
Wie groB ist nun der historische Wert der Darstellungen? Ha¬
ben die Illustratoren an einigen Stellen uns einen Eindruck ver-
mittelt, wie Personen, Vorgange Oder Dinge ihrer Zeit aussahen?
Bejahen konnen wir diese Frage teilweise ftlr die gezeichneten Be-
rufe, auf jeden Fall flir die Kleidung der dargestellten Personen.
Die Portrats gaben uns allerdings keinen neuen Beitrag. Sehr wert-
voll dagegen ist die Darstellung der Danziger Stadtansicht, die
wir als einziges Zeugnis ftlr das Aussehen Danzigs um 1550 besit-
zen, Einen guten Beitrag liefern die Bilder zur geistigen Geschich-
- 65 -
t* des 16. Jahrhunderts, zeigen sie uns doch - neben der geistigen
Terbindung PreuBens mit den alten deutschen Kulturlandschaften
via der damalige Mensch die Vergangenheit sah, welche Ereignisse
tr fUr besonders bemerkenswert hielt, wie er erlebte und wie er
dachte.171^
Nun stellt sich die Frage nach dem Wert der ZeichnungenfUr
die kritische Untersuchung der Chronistik. Da die gesamte Forschung
auf diese3 Problem noch nie n&her eingegangen ist, kann hier kein
endgUltiges Urteil abgegeben werden. Wie die Wappenzeichnungen bei
der quellenkritischen Analyse helfen konnen, wird noch gezeigt
werden; denn auf diesem Gebiet liegen bereits Materialsammlungen
Tor, die eine Auswertung ermoglichen. Diese Materialsammlungen
fehlen aber auf dem Gebiet der Illustrationen. Deshalb muBte hier
fine solche erst erstellt werden. Bearbeitung und Wertung bleibt
dementsprechend bis zu dem Zeitpunkt vorbehalten, an dem weitere
Vergleichsmoglichkeiten sich ergeben. Doch dtlrfen wir durchaus
ichon jetzt feststellen, daB wir das pauschale Urteil Paul Gehr-
kes, das er liber die Berliner Parallelhandschrift und deren Bilder
172)
f&llte, die den unseren entsprechen, etwas begrlindet haben.
Der Ansatz, der hierin liegt, flihrt im Grunde zu der Forde-
rung,eine Chronik nicht nur, wie es bishep geschah, vom Text her,
eondern unter Einbeziehung aller, moglicherweise anfangs neben-
etichlich erscheinenden Details zu betrachten, urn die Kritik an
diesen Quellen noch fundierter gestalten zu konnen, damit wir die
Gruppe der erzahlenden Quellen starker als bisher ausschopfen kon-
nen.17^ Niemals jedoch sollte die Betrachtung der Quelle und kri¬
tische Auswertung auf die Dauer zum Selbstzweck werden; sie soil
Vorstufe bleiben zur kritisch-darstellenden Erfassung einer Zeit
und ihrer Ereignisse.
Ill) Die Chronik Heinrichs von Reden und ihr Verhaltnie
zur Celler Handschrift
Die engste Verwandtachaft mit der Celler Chronik weist die
schon ofter erwahnte Handschrift der Staatsbibliothek Berlin auf,
Ms. boruss. fol. 176.^ Gehrke konnte sie aufgrund verschiedener
2)
Indizien einera Heinrich von Reden zuweisen. ' Betrachten wir zu-
nachst den Kodex und seine Ausstattung.^
1) Beschreibung der Handschrift
Der Foliant mifit 310 x 210 mm. Der Holzdeckeleinband ist mit
ehemals hellbraunem Leder Uberzogen. Die beiden Schlieflen fehlen.
Der Einbandschmuck gehort der zweiten Halfte des 16. Jahrhunderts
an. Der Vorderdeckel ist schwacher gepragt als der RUckdeckel und
starker beschabt, doch weisen beide denselben Schmuck auf. Den
Rand bildet eine Leiste mit biblischen Figuren, mit einem Rollen-
stempel angefertigt; Kbnig David mit der Harfe kehrt immer wieder.
Der verbliebene Raum wird in zwei Felder geteilt, die durch ein
Rosettenband begrenzt sind. Darin finden wir wieder figtirliche
Darstellung in Rollenstempelpragung. Im Mittelfeld stehen je drei
Fantasieblumen. Der 75 mm starke RUcken weist 6 BindewUlste im Ab-
stand von 50 mm auf, ist sonst aber schmucklos. Er tragt aufgeklebt
ein weiBes Papierschild MPreussische Chronik” und die Signatur auf
rotem Lederstuck "Ms. boruss. Fol. 176.” Der Einband entspricht
also dem Ublichen Rollenstempeleinband der Zeit, ohne aber kunst-
lerisch wertvoll zu sein.^
Auf der Innenseite des Vorderdeckels befindet sich eine Be-
sitzeintragung, von der jedoch selbst unter der Quarzlampe der Ra-
sur wegen nur noch das Wort zugehbrig" zu lesen ist. Nach
einem Leerblatt folgt das als fol. 1 gezahlte Titelblatt. Unter
der bereits von Gehrke mitgeteilten Hausmarke^ folgt der Titel:
"Kronica der preusen / Wie das Landt Erfunden und / gebaut ist. /
Vom Glauben Sitten und Ge/brauch der einwoner / Von Anfang des Or-
dens, und / seiner Regirung, und wie / sie das Lanth vorloren /
Anno 1553.” Von der Ubermalten Besitzeintragung unten rechts ist
- 67 -
Г.
(L
fj
water der Quarzlampe zu lesen: "Wilhelm bergk"(?). Die RUck-
eeite des Blattes tragt den Berliner Bibliotheksstempel. Fol. 2a
ble За folgt die Zusammenstellung "Von messung des Landes".Fol.
3b eowie zwei ungezahlte Blatter sind frei. Es schliefien sich an
fol. 4a-b das Hochmeisterverzeichnis und fol. 5а-21Ь das Register
der Namen. Die beiden nachsten nicht gezahlten Leerblatter sind
noch mit senkrechten Strichen fur das Register versehen. Fol. 22a
tragt die Wappen von Kaiser und KurfUrsten, fol. 23a die Arma Bru-
tenorum mit zwei Hausmarken, der des Heinrich von Reden und wahr-
echeinlich des Illustrators.8^ Die RUckseite hat einen Quellenein-
trag von der Hand, die bisher paginierte und aus spaterer Zeit
Q )
etammt; aufgezahlt werden Bischof Christian, Aeneas Sylvius, Jo¬
hannes Boemus, Mathias Mecnoviensis, Erasmus Stella und Sebastia¬
ns Franck.
Nun folgt auf 227 Blatt, von der Hand des Schreibers paginiert,
der eigentliche Text der Chronik. Die Schriftzuge bleiben sich
gleich und gehoren der Hand des Heinrich von Reden an, wie Gehrke
durch Vergleich mit Redenschen Briefen feststellte. Die beiden
Eintrage aus den Jahren 1663 und 16901^ warden fol. 227a dem Text
angehangt. Fol. 227b-228b sind frei. Fol. 229a-231b folgt das
■Privilegium und Gerechtigkeit des Hoffes zu Dantzigk. A? 1300 be-
etetiget." Hier haben wir die alteste bekannte Abschrift der Ar-
tushofordnung, deren urspriingliche Fassung Simson in das Jahr 1400
legt.^^ Beim Abdruck der Ordnung benutzte er Handschriften des
17. Jahrhunderts; keine der dort benutzten ist Abschrift unseres
Eiemplares, das sich in mancherlei Lesarten unterscheidet.
Mit fol. 230 bricht die alte Paginierung ab; fol. 231 stamrnt
void Paginierer des Vorspanns. Die folgenden Blatter bis 269 sind
von moderner Hand in Blei gezahlt. Nach den Leerblattern setzt je-
doch die Zahlung 232-245 von der Hand des Vorspanns wieder ein;
fol. 257 neuer Zahlung ist fol. 232 alterer Zahlung. Dort beginnt
die "Fewers Ordnung der Koniglichen Stadt Dantzigk, durch einen
Erbarn Rath daselbst, den Gemeinen Einwohnern zum besten, Berahmet
und auBesetzt. Anno 1587.” Der Text endet fol. 245b (=269) Mitte.
Es folgt der Berliner Bibliotheksstempel; das heifit, dafi die her-
auegerissenen Blatter am SchluB des Bandes wohl schon vor dem Er-
verb durch die Staatsbibliothek fehlten.
- 68 -
Das Privilegium und die Feuersordnung haben verschiedene
Schreiberhande, die jeweils nicht identisch sind mit der Hand
Heinrichs von Reden. Der gesamte Band weist auf jeder Seite zwei
rote seitliche Begrenzungslinien auf. Dadurch ergibt sich bei einer
BlattgroBe von 290 x 200 mm ein Schriftspiegel von durchschnittlich
210 x 155 mm. Rindbemerkungen finden sich nicht, es sei denn, als
i?)
Texthinweise. 1 Die Blattlagen, bis auf wenige Ausnahmen zu je
drei Doppelblatt, sind nicht bedeutsam, da die Handschrift voll-
standig erhalten ist.
Das Papier weist vier verschiedene Wasserzeichen auf:
Wz. 1: Anfang bis ausschlieBlich Kaiserwappen sowie fol. 47
des Chroniktextes bis fol. 258 (Bleistiftzahlung):
bekronter Wappenschild mit aufgesetzter VierpaBblume,
im Wappen Hausmarke, Unterschriftenleiste "P PRICARD".
Wz# 2t Kaiserwappen bis fol. 46 des Chroniktextes:
Henkelkrug mit FuB und aufgesetzter Krone, darauf Vier-
paBblume.
Wz# 3s fol. 259 (Bleistiftzahlung) bis zum Ende, ausgenommen
fol. 242:
gotisches P mit KrebsscherenfuB, aufgesetzte VierpaB-
blume.
Wz# 4s fol. 242: Doppelturmanlage mit starkem Helmwulst und
Dreizinnenbekronung; im Turm je ein aufrechtes Recht-
eckfenster, durch einen Steg mit der Turminnenseite
verbunden; dazwischen ein Spitzgiebeltorhaus; FuB um-
gekehrt helmartig abgetreppt; im FuB Buchstaben H S(?).
Wz. 1 stammt aus der MUhle des sonst unbekannten Papierers
Pricard (Perricard), der vielleicht im nordostlichen Frankreich
beheimatet war. Nachgewiesen ist sein Papier 1547 bis 1559, unter
anderem im Staatsarchiv Bremen im Titel "Rhedenrechnungen";der
Titel rtihrt von der Bremer Patrizierfamilie Rheden, mit der unser
14)
Heinrich von Reden verwandt war. '
Das Papier mit dem Wasserzeichen 2, ab 1542 nachgewiesen,
15)
stammt wohl aus der Champagne. ' Die Herkunft des Papieres mit
dem Wasserzeichen 5 ist nicht eindeutig bestimmbar, da die Familie
zu groB ist. Nachweisbar wurde es in Nordfrankreich und in den
- 69 -
Hiederlanden verwandt von den dreiBiger Jahren des 16. Jahrhunderte
an.1^ Wahrscheinlich iat die Muhle in Nordfrankreich zu suchen.
Pol. 241/242 wurde ala Doppelblatt spater eingeklebt, wie an den
verbliebenen Stegen dea friiheren Doppelblattes zu aehen ist. Ahn-
17)
liche Wasserzeichen sind nachgewiesen, ' doch liegt hier wahr-
echeinlich ein nicht naher bekannter JPapiermacher vor.
Das Papier der Chronik Redens scheint somit aus Frankreich
zu stammen. FUr die Entstehung der Handschrift lafit dieses Faktum
keine RuckschlUsse zu. Interessant ist allerdings, daB die Bremer
Ratsfamilie von Rheden dasselbe Papier verwandte wie Heinrich von
Reden in Danzig fUr den groBten Teil seiner Chronik. Das kann je-
doch hochstens ein Indiz fUr verwandtschaftliche Handelsbeziehun-
gen sein, wenn es nicht ganz auf Zufall beruht. Leider fehlen Un-
tersuchungen uber daa in Danzig verwandte Papier, во daB eine na-
here Aussage nicht moglich ist.
Nachdem wir nun die Handschrift kennen, gilt es, ihr Verhalt-
nie zur Celler Chronik naher zu bestimmen. Text und Illustrationen
etehen sich so nahe, daB man die Handschriften fUr Abschriften
voneinander Oder von einer gemeinsamen Vorlage halten muB. Um das
zu klaren, soil zuerst die Bildausstattung, anschlieBend der Text
untersucht werden.
2) Die Bildausstattung
Die Reden-Chronik ist in ihrer gesamten Aufmachung wesentlich
bunter als die Celler Handschrift. Sie bietet jede Uberschrift als
Spruchband. Die Bander sind nach dem Beschriften gemalt worden, da
die Tinte am Buchstabenrand leicht verlaufen und besonders von
Grtin ofter etwae Uberdeckt ist. Die Farben wurden intensiv aufge-
tragen, wobei die groBere Farbintensitat bis zur Ubertriebenen
Buntheit geht. Im Text hebensich Namen, Titel und wichtige Sub-
stantiva in roter Schrift vom Ubrigen Schriftbild ab. Die Bilder,
alle von derselben Hand gemalt, sind sehr exakt und liebevoll im
Detail, jedoch recht statisch bei den Darstellungen und insgesamt
wesentlich einfacher. Die zeichnerische AusfUhrung ist selbst dort
voller Ruhe, wo eie Bewegung wiedergeben soli. Der Illustrator in
- 70 -
der Chronik Redena 1st dem ersten in der Cellar Handschrift eben-
bUrtig, dem zweiten jedoch weit unterlegen, allerdings ist derje-
nige bei Reden nicht auch gleichzeitig der erste der Celler Chro¬
nik. Insgesamt haben wir es also mit drei verschiedenen Malern zu
tun. Dabei gehe ich von der Annahme aus, daB Schreiber und Maler
nicht identisch sind. PUr die Redenchronik scheint diese Annahme
durch die Existenz zweier Hausmarken neben den Arma Brutenorum ge-
stUtzt zu werden, wobei die eine Hausmarke Heinrich von Reden zu-
gehort, die zweite dem Maler beizuordnen ware. Urn das Handschrif-
tenverhaltnis zu klaren, folgt eine Zusammenstellung der Abweichun-
gen von Reden gegenilber C bei den Illustrationen.
A) Die Wappen
Yon folgender Uberlegung sei ausgegangen: ein Illustrator mufl
sich nicht ganz eng an seine Vorlage halten. Er kann sie in Zeich-
nung und Parbgebung variieren. Davon ausgenommen sind nur die Bil-
der, die eine unveranderliche Vorlage haben, also die Bauten, Por-
trats und Munzen - sofern sie nach einem wirklich existenten Vor-
wurf entstanden sind - und in besonderem MaBe die Wappen. Gerade
bei den Wappen kommt es auf die Detailzeichnung sowie die Parbge¬
bung an. Bei der geringsten Veranderung ist das Wappen "falsch".
Das gewuBt zu haben durfen wir auch fUr den Illustrator ansetzen
und somit annehmen - von Ausnahmen immer wieder abgesehen dafl
er bei den Wappen seiner Vorlage am treuesten folgte. Somit ist
deren Betrachtung fUr uns ausschlaggebend. Die Darstellungen wer-
den nur zur Erganzung des Urteils herangezogen.
л q\
a) Hochmeisterwappen 1
2) Otto von Kerpen: Reden hat die richtige Parbgebung im ro-
19)
ten Balken und blauen Turnierkragen; C weicht ab.
3) Heinrich Bart: Die Aufteilung ist dieselbe; der Lowe ist
bei Reden weifi und rot gezungt, bei C golden. Die Farbge-
19a)
bung beider Handschriften hat keine Parallele.
5) Konrad von ThUringen: Die Parbgebung entspricht C und ist
somit ebenfalls falsch; zusatzlich sind bei Reden die Lo-
20)
wen rot gezungt. 1
- 71
6) Poppo von Osterna: Reden hat nicht die zweimalige Spaltung
im unteren Feld. Die Farbgebung entspricht C und ist somit
ebenfalls falsch.20^
8) Hartmann von Heldrungen: Reden entspricht Hennenberger2^
und Pole; die ursprUngliche^Farbgebung dtirfte jedoch umge¬
kehrt sein: Lowe schwarz auf gold.21^
9) Burkhard von Schwanden: Reden entspricht richtig Hennenber-
ger.20^
11) Gottfried von Hohenlohe: Reden entspricht richtig Hennen-
22)
berger. 7
17) Ludolf Konig: Wahrend C wie Pole den Ring mit den drei
Lindenblattern in rot auf silber zeigt, hat Reden silber
auf rot.2^
18) Heinrich Dusemer: Reden verwendet die wohl richtige Farb¬
gebung, in der Teilung gold-schwarz, abweichend von Pole?^
19) Winrich von Kniprode: Reden entspricht Pole und Hennenber-
ger. Die Vdgel scheinen hier Tauben zu ahneln.
22) Konrad von Jungingen: Die Farbverteilung ist bei Reden
falschlicherweise weiB-blau-blau-weiB, also umgekehrt wie
in C und ebenfalls umgekehrt wie bei Ulrich von Jungin-
se„.25>
24) Heinrich von Plauen: Reden entspricht richtig Pole und Hen-
nenberger, hat jedoch zusatzlich - wie C - einen StandhU-
gel, allerdings in grtin.2^
25) Michael KUchmeister: Reden entspricht in der Farbgebung C,
hat jedoch die Stellung der Sterne 1:2 und 2:1, damit von
alien anderen Chroniken abweichend.2(^
33) Friedrich von Sachsen: Reden zeigt den Rautenkranz richtig
in grtin; zusatzlich ist bei ihm der obere Lbwe golden ge-
kront.26)
Aus dem Vergleich ergibt sich folgendes Bild: In vierzehn
Wappen unterscheiden sich Reden und C; bei sechs ist C falsch und
Reden richtig,2^ bei zwei Reden falsch und C richtig,2®^ bei sechs
sind beide falsch.2^ Das liegt mit Ausnahme des KUchmeister-Wap-
pens 7 in der Farbgebung. Da nun einmal c> ein andermal Reden die
richtigen Farben aufweist, ist es nicht moglich, da!3 die eine
- 72 -
Handschrift von der anderen abgemalt und abgeschrieben wurde, son-
dern es ist anzunehmen, daB beide dieselbe Vorlage benutzten; denn
wir kbnnen es als im hochsten MaBe unwahrscheinlich ansehen, daB
die Maler beider Handschriften die Wappen anhand einer jeweils an¬
deren Handschrift korrigierten, da sich davon auch an anderen Stel-
len etwas hatte niederschlagen mtissen. Wir haben also davon auszu-
gehen, daB C und Reden eine dritte Chronik, die uns unbekannt ist,
zur Vorlage hatten. Es gilt zu untersuchen, ob diese Feststellung
von anderen Indizien bestatigt wird.
b) Andere Personalwappen
1) Wappen ’’Konrads von ThUringen”: Wahrend C die Kronen in
gold auf blau und rot zeigt, hat Reden blau auf gold und gold auf
blau. Da wir nur die sehr fantasievoll-bunte Parallele bei Wiissel
)
kennen, hilft dieser Unterschied nicht weiter. '
2) Wappen ’’Heinrichs von Weida”: Reden hat die auBeren Balken
rot, den mittleren weiB, das umgekehrte V blau.Auch dieses Wappen
hilft nicht weiter, da in der Zeichnung die einzige Parallele in C
12)
vorhanden ist, in der Farbgebung auch dort nicht.
c) Landes- und Stfidtewappen
Reden hat die bei C vorgenommene Farbvertauschung im polni-
schen Wappen fol. 12a und 84a nicht; ebenso ist die Krone nicht
11)
ausgeschlagen und ohne BUgel. J Beim litauischen Wappen in der
Kontraktion mit dem polnischen fol. 204a ist der Grund bei ihm
7 И
blau statt silbern wie in C; beides ist falsch. ' Beim westpreu-
11)
Bischen Wappen fol. 9b hat Reden den Adler richtig in schwarz.
Im Gegensatz zu den Fantasiewappen, die sich einer Nachprti-
fung entzogen, stellen wir hier fest, daB Reden die besseren Wap-
penfarben angibt. Allerdings sind auch bei ihm Fehler und in den
Fehlern wieder Differenzen zu C vorhanden. Das spricht nicht da-
fUr, daB Reden und C voneinander abzeichneten, sondern wiederum
^Ur eine gemeinsame Vorlage, die sie jeweils falsch Ubertrugen.
- 73 -
В) Me Darstellungen
Die Darstellungen entsprechen sich im allgemeinen, wenn auch
nicht so "wortlich", daB man von Kopien reden kann. Das sollen eini-
ge ausgewahlte Beispiele zeigen.
Das Kreuz Christi weist bei Reden Zor{. 10a eindeutig die Na-
gellbcher an der linken Hand, den FUBen und am Kreuzungspunkt der
Balken auf; da9 ist bei C ebenfalle vorhanden, geht jedoch in der
angedeuteten Holzstruktur unter. Dem MBnch-Kasimir-Bilde bei Reden
fol. 12b fehlt der am Boden liegende Hut. Dagegen hat Reden fol.
14b zusatzlich bei der Erzahlung von der Belagerung Nakels durch
BolesXaw einen geharnischten Ritter mit Krone, Reichsapfel und
Schlachtenwimpel, also eine Darstellung des polnischen Herrschera.
Bei der Taufe Butawts und seines Gefolges hat Reden fol. 79a noch
einen Hund gemalt, der die Szene weit weniger erhaben wirken laBt
vie in C. "Die Schlacht auf dem Tannenberge" ist in C das erste
Bild des zweiten Illustrators; es unterscheidet sich sehr stark
▼on der AusfUhrung bei Reden. Dort wirkt es wesentlich tiefer, je-
doch auch statischer.Reden vermittelt mehr den groBen Aufmarsch
der Krafte, wahrend C darliber hinaus das erbitterte Ringen zu ver-
anschaulichen sucht.
Die Reihe dieser Beispiele lieBe sich ohne Schwierigkeiten
erweitern. Doch der Unterschied der Darstellungen in beiden Chro-
Diken ist zur Gentige erhellt. Nun geht es darum, das Bildraaterial
tuszuwerten im Hinblick auf eine eventuelle Abhangigkeit der Hand-
echriften voneinander. Dazu konnen - wie bereits ausgefUhrt - nur
Bauten, Portr&ts und MUnzen herangezogen werden. Von den Bauten
ktime, da alle anderen Darstellungen als Fantasiebilder erkannt
vurden, nur die Danziger Stadtansicht in Frage. Da jedoch aus die-
sem Bild ein nicht mehr vorhandener baulicher Befund erschlossen
vurde,^^ kann es nicht zur Klarung der Handschriftenabhangigkeit
herangezogen werden, weil eventuelle Fehlzeichnungen sich nicht
nachweisen lassen.
Eine Shnliche Schwierigkeit ergibt sich bei den Portrats. Die
Gesichtsztige entsprechen sich in den beiden Handschriften nicht.
Da wir bereits annahmen - und diese Annahme wird hier bestarkt -,
- 74 -
а
daS es sich nicht um echte Portr&ts handele, sondern um Abzeich- t
nungen einer Vorlage,^®^ kbnnen wir die Portrats nicht heranziehen
zur Aufhellung des Handschriftenverhaltnisses, weil die Vorlagen
wieder unbekannt sind.
Es bleiben also nur die MUnzdarstellungen, neben den Wappen
am zuverlassigsten, da auch hierbei vom Zeichner nicht mutwillig
geandert werden darf. Bei der Darstellung des preuBischen Schil-
lings5^) hat C die Ahktlrzung "MONET", Reden dagegen "MONT". Beim
Groschen5^) ist in C die Umschrift nicht ausgefUhrt.40^ Pfennig
und Schotter sind in beiden Handschriften gleich flUchtig gezeich-
net.^^ Dem Gulden in C fehlt wieder die Umschrift.Reden bie-
tet also die bessere AusfUhrung, abgesehen von der Lesart der er-
sten Umschrift. Daraus AbhangigkeitsschlUsse zu ziehen, ware eehr
gewagt. Es kann jedoch ohne Bedenken festgestellt werden, daB die
MUnzdarstellungen die bei den Wappen ausgesprochene Wahrscheinlich-
keit, daB Reden und C eine gemeinsame Vorlage hatten, zwar nicht
unterstUtzen, aber auch nicht widerlegen kbnnen.
Es bleibt nun zu klaren, wie sich die Texte zueinander ver-
halten.
3) Per Text
Die Analyse des Textes soil so vorgenommen werden, daB mehre-
re Textstellen, die in den Handschriften voneinander abweichen,
gegenUbergestellt werden. Um dem Vorwurf zu begegnen, mit vorge-
faBter Meinung die oben bereits ausgesprochene Art der Verwandt-
schaft der Handschriften durch entsprechende Auswahl stUtzen zu
wollen, wird im ersten Beispiel der ganze Abschnitt ungekUrzt dar-
geboten, auch wenn die BeweisfUhrung dadurch etwas langatmiger er->
scheint. Herangezogen sind die Anfangskapitel, da sie sehr oft von
anderen Chroniken in der Literatur zitiert werden; sodann folgt
ein Abschnitt mit vielen Faktenangaben. Auf die GegenUberstellung
von Mitteilungen nach 1525 wird verzichtet, da vielleicht die Mbg-
lichkeit besteht, daB Abweichungen auf bewufite Anderungen des
Schreibers zurUckgehen, der den jeweils geschilderten Vorgang aus
eigener Erinnerung "verbessert"
a) Der Bericht der Landfindung nach der Be-
43)
schreibung des Divonis '
Handschrift Celle Handschrift Reden
■Die Beschreibung des landes "Die Beslchreibung des landes
Preussen von dem gelerten Preussen von dem w о 1 g e -
Diwone, der zum ersten lerten Diwone, der d i s
dis landt hat hel - landt zum ersten
fen ausforschen hat helfen a u f s u -
und finden. chenund finden.
Diwonis, als er wieder zu den Diwonis, als er wieder zu den
eeinen kam, hat er a n g e - seinen kam, hat er ange-
teiget und gespro-zeiget: das landt,
chen: die lande, das ich durchwandert bin,
die ich durchwandert bin, s i n d groBe und wuste lande,
6 i n d groBe und wuste lande, und das volk darinnen
und das volk, das da- ist sehr unverstandig, leben
rinnen ist, sehr unver- nach der art und weise
etendig, leben nach art der Hunen. Darnach bin ich gekom-
und weise der Hunen. Darnach bin men i n ein ander land, da
ich gekommen d u r c h ein an- die schone flies ist I s -
der land, da das schone flies 1 a aus Sarmacia in die С г о -
I e 1 a aus Sarmacia in die n a , das ist in das в a 1 -
Crone , das ist in das ge-czene meer fleust. D-» s land
в a 1 z e n meer fleust. Dis hat keinen standhaftigen Namen,
land hat keinen standhaftigen na- etliche nennen das land S a r -
men, etliche nennen das land g a r i a m , etliche G e 1 i -
Sargogum , etliche G e - d a m , etliche Vacuni-
1 i d e n , etliche V a t i - am, darnach dafl ein volk dar-
n i a m , darnach daB ein volk da-ein kompt. Dis ist allenthalben
rein kompt. Dis ist allenthalben ein schlecht land
ein schlecht offen mit vielen schonen w a s s e г n,
land mit vielen schonen f 1 u s s e n und seen. Dis land
vaBerflussen und seen.hat schon volk, mit
Dis land hat viel schon iren reden sehr beschei-
volk, mit reden sehr den, essen und trinken meBig, ha-
bescheiden, essen und trinken me- ben keine heusser, dorfer noch
Big, haben keine heusser, dorfer stedte, wohnen zwischen
noch stedte, wohnen a n den den flussen unter den salweiden,
flussen unter den salweiden, da-daruber sie ein
ruber sie ein rohr gezelt machen von
von gezelt machen, Rore, und wen es sehr kalter
und wen es sehr kalter winter ist,winter ist, so machen sie feuer
so machen sie feuer von dem holze,von dem holze, alB d a г wech-
als e s wechset. Dis volk brin- set. Dis volk bringet die meiste
get die meiste zeit des zeit im winter mit
winters mit schlafen zu. schlafen zu. Ire Klei-
Jedes, man und weityler sinth von
tragen kleider vonschilfe. Ein jeglicher
8 c h i 1 f . Ein jeglicher man man hat drei weiber und haben
hat drei weiber und haben keinen keinen besonderen gott. Sie
besonderen gott. So ehren wirdigen und be- 1
und beten sie son ten an die Sonne J
und m о n d an. Die menner und den Mon. Die men- '■
haben ihre geschefte mit den wei- ner haben ihre geschefte mit den
bern, wenn und wo sie wollen weibern, wenn und wo sie wollen,
und schonen keinesscheuen niemand
kegenwertigkeit, kegenwertigen und
sind in den dingen ohn alien sind in den dingen ohn alien
scham, gebrauchen der drei weiber scham, gebrauchen der drei wei-
umbzech. Und alzeit, wo der man ber umbzech. Und alzeit, wo der
ist, da m u В alle zei tman ist, so muB eine
eine von seinen von den weibern
weibern um ihn her bei im sein, und wie-
sein, und wiewoll sie woll sie weiber haben,
viel weiber haben, so so zeugen sie doch g a n t z
zeugen sie doch w e n i g kin- w e n i g kinder. Ihr oberherr
der. Ihr oberherr h i e В Maso, h e i з s e t Maso, wen der zu
wen der zu ihnen kam, fie- ihnen kam, so fielen
1 e n sie auf ihr angesicht, und sie auf ihr angesicht, und so
so sie ihm j a nichts an- sie ihm n i c h t s andres zu
dres zu verehren und ehren Oder zu geben
zu geben hatten, so gaben sie ihme hatten, so gaben sie ihme ihre
ihre seuberlichste kinder und seuberlichste kinder die
ihresohne sohne
Um die Unterschiede zu verdeutlichen, habe ich die entschei-
denden Stellen gesperrt.
Bei Betrachtung dieses Abschnittes ergibt sich folgendes: C
hat gegenUber Reden die gewandtere, moderner klingende Sprachform.
Umstellungen im Satzbau konnen darauf zurilckgefUhrt werden und
sind kein Abhangigkeitskriterium. C hat Zusatze, die nicht bei Re¬
den stehen: nhat er angezeiget und gesprochen
nhat viel schon volk"; "so sie ihm 3 a nichts andres zu
verehren hatten". Ebenso hat Reden Zusatze, die nicht bei C ste¬
hen: "mit i г e n reden sehr bescheiden"; "zeugen sie doch
g a n t z wenig kinder". Einige Satze sind vbllig anders: "die
lande, die ich durchwandert bin, sind..."(bei C); "daruber ein
gezelt machen von Rore" (bei Reden); "ire kleider sint von schil-
fe" (bei Reden); "so muB eine von den weibern bei ihm sein" (bei
Reden), Falls C und Reden voneinander abhangig sind, mUflte der Ab-
schreiber sehr eigenwillig verandert haben; das ist jedoch unwahr-
scheinlich. An folgenden Stellen sehen wir diese Unwahrscheinlich-
keit deutlich:
b) Айз der Beschreibung dea Aeneas Sylvius
44)
"Die Romer waren dem Konig PruGia Die Rbmer waren dem Kbnig PruGia
zu mechtig und vertrieben zu geweldig und vertrie-
i h n mit allem seinem volks, ben den Kbnig Pru-
aleo daJ3 er sein Land Bithiniam В i a mit allem seinem volks,
muste verlaBen und kam i n also dasher sein Land Bithiniam
das land Ulmigania muste verlaBen und kam i n
P г u В i a nach dem konige ge- das land Ulmigani-
nennet. am. Also wardt dis
land Prufiia nach
dem konige genennet."
\ 45)
c) Aus dem ersten Bericht Sebastian Francks 1
"Diese (die Ulmigeri} haben an
der Weissel in Preusen gewohnet,
aber sie sind in der
Ulmiganer stadt ge-
setzt.
Diese haben an der Weissel in
PreuBen gewohnet, aber sie
sind von den goten
aldor vertrieben,
und die Goeter ha¬
ben sich in der Ul¬
miganer stadt gesetzt."
d)
Aus der Schilderung der Religion der PruGe
ft6)
"...Patollo, und seine Ehrerbie-
tung war ein kleinoth, darinnen
war eines todten menschen heupt
gehalten. Diese Brute-
n i hatten viel mehr abgotter..
....Patollo, und seine Ehrerbie-
tung war ein kleinoth, darinnen
war eines todten menschen heupt
gehalten. Und als Bro-
t
e
n
о u n
d Wide
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ilt waren,
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a .
D
i
e
s e В
r u t e n
i
hat-
ten
viel mehr abgotter.
и
Sahen wir oben die Unwahrscheinlichkeit, daB C und Reden von-
einander abhangen, so wird dies in einem Detailpunkt zur GewiB-
heit. Die Auslassungen, die C gegeniiber Reden hat, sind typische
Augenspriinge beim Abschreiben. Reden kann also, wie die Beispiele
b - d verdeutlichen, unmoglich C zur Vorlage gehabt haben. 1st das
umgekehrte Verhaltnis moglich? Immerhin bietet C die jlingere
Sprachform und ist vielleicht etwas spater als Reden entstanden,
wenn wir dieses Kriterium in der sprachlichen Umbruchszeit des
- 78 -
1
16, Jahrhunderts, in dem die verschiedenaten Sprachformen am ael-
ben Ort nebeneinander vorkommen, auch nicht zu hoch anschlagen
diirf en.
e) Aus dem Schandianer-Bericht^^
"Und dieae volker kamen nach langer Und diese volker kamen nach
zeit aus Schandia, vorloffener zeit aus
das ist aus Norwe- Norwegen in Cymbriam."
gen in Cymbriam.
f) Aus der Schilderung der Religion der PruBeft8^
MUnd die gemeinen Stellen, do sie Und die stellen, do sie die
die Abgotter ehreten, die wurden Ry gott ehreten, die wurden Riko-
Koyoth genennet. Aber yoth genennet. Das
die s t e d t e , da die volk aber..."
groBe eiche s t u n d t ,
da die drei abgotter
in waren, und da die
Hohenpriester woh-
neten,die hieBen sie
Romowa nach der stadt
Rom Das volk aber
g) Aus dem Bericht liber die Regierungzeit des.QX
Herzogs von Kleinpolen Kasimirs II* Justus4’"'
"...und zog mit grossem ....und zog m i t tri-
triumpf mit groBer urapf in Polen."
herrligkeit und mit
freuden wider in Po-
len.
Diese drei Beispiele lassen keinen Zweifel, daB auch C nicht
von Reden abgeschrieben haben kann. Die folgenden Beispiele aus
den Angaben Uber die Grlindung der Stadt Oder Burg mogen das er-
50)
ganzend veranschaulichen. '
Handschrift Celle Handschrift Reden richtiges Datum
Pischhausen
1269
1259
1268, Grunau 1269
Georgenburg
(Litauen)
1259
1291
1259 It- Dusburg
Ritterswerder
1396
1546
1591
PreuB.-Eylau
1338
1588
1338 bereits Aus-
stellungsort
einer Urkunde
Allenstein
1367
1347
1348
Ausgewahlt wurden nur die eindeutigen Angaben, die nicht auf
einfache Verschreibung - wie Ziffervertauschung - zuriickzufUhren
Bind. Dabei bestatigt sich die Beobachtung, daB einmal C, zum an-
dern Male Reden die richtige Desert bietet. Weitere Beispiele auch
&U8 Schilderungen spaterer Zeiten kbnnten angefllhrt werden, doch
vUrden sie nur zur weiteren Erhartung des bereits erkannten Fak-
turns dienen: Die Celler Handschrift und dip/Chronik Redens sind
nicht voneinander abgeschrieben. Beiden hat eine andere Chronik
vorgelegen, die wir ale Kodex X bezeichnen. Es ergibt sich also
dae Verhaitniss
X
Ев besteht die MBglichkeit, daB zwischen X und Reden Oder
zwiechen X und C ein weiteres Zwischenglied einzuschieben ist;
doch sollte man die lectio difficilior nicht zum Prinzip erheben.
Zumindest hier ist es nicht angebracht, da kein Indiz zwingend da-
fUr spricht.
Das Verwandtschaftsverhaitnis von Reden und C, das wir anhand
dee Textes feststellen konnten, war nach der im vorigen Abschnitt
angestellten Untersuchung nicht anders zu erwarten, wurde doch an¬
hand der Wap-pen bereits gesagt: "Wir haben also davon auszugehen,
daB C und Reden eine dritte Chronik, die uns unbekannt ist, zur
Vorlage hatten."'^ Beide Ergebnisse sind unanhhngig voneinander
gewonnen, was die Erkenntnis dee Verh<nisses von C zu Reden dop-
pelt erhartet. Darliber hinaus ist hiermit aber auch ein methodi-
scher Ansatz zu erneuter Untersuchung von Handschriftenfamilien
ermbglicht worden. Zur Analyse von Chroniken - sofern sie illu-
etriert sind - kann in vblliger Gleichberechtigung neben die Text-
analyse die Bildanalyse gestellt werden. Das betrifft in erster
Linie sachlich nachprlifbare Darstellungen, wie Wappen, Bauten,
MUnzen und ahnliche; doch auch einfache, von der Pantasie bestimm-
te Zeichnungen kbnnen mit entsprechender Vorsicht herangezogen wer-
- 80 -
den. Damit ist der Forschung Uber die preuBische Hiatoriographie
ein vollig neuer Weg gewiesen. Da aber aufler auf heraldischem Ge-
biet Vorarbeiten fehlen, ist ea noch schwierig, diesen Weg zu be-
echreiten. Immerhin zeigt sich hier die Berechtigung der in dieser
Arbeit aufgestellten methodischen Forderung, "eine Chronik nicht
nur vom Text her, sondern unter Einbeziehung aller, moglicherweise
anfangs nebensachlich erscheinenden Details zu betrachten, um die
Kritik an diesen Quellen noch fundierter gestalten zu kbnnen/’^^
Die festgefahrene Betrachtung vor allem der reichen Danziger Chro-
nistik, von der Maschke resignierend sagte: "Der Stoff verbindet
und verfilzt sich, daB vielleicht noch die Traditionslinien inner-
halb der einzelnen Stadte, aber nicht mehr die Arbeit der einzel-
nen Historiker einwandfrei zu scheiden ist. Der Sinn dieser Ge-
schichtsschreibung wird nur deutlich, wenn man sie als einheitli-
54)
che, unloslich zu einem Knftuel verschlungene Masse nimmt.” ,
diese Betrachtung, die auch Jolanta Dworzaczkowa nicht befriedi-
gend fortfUhren konnte, mag durch den methodischen Ansatz, dessen
DurchfUhrbarkeit hier erwiesen wurde, neue Impulse empfangen.
Noch bedarf es etlicher Untersuchungen, um das Кпёлде1 zu entwir-
ren. Vailig wird das wahrscheinlich nicht gelingen, da zu viele
Zwischenglieder fehlen. Es wird eine undankbare, doch stets reiz-
voile Aufgabe sein.
- 81
IV) Verfasser und Entstehungszeit der Handschriften
Reden, X und Celle
tfber die Redenchronik und ihren Verfasser ist am meisten be-
kannt.1^ Die Handschrift weist die Initialen H.v.R. und eine Haus-
вагке auf, die Gehrke anhand eines Schriftvergleiches und einer
anderen Hausmarke als die Heinrichs von Reden identifizierte.^
Redcn wird in seiner eigenen Chronik anlaBlich des Kdnigsbe-
euches vom Jahre 1552 zweimal namentlich erwahnt. Die meisten
Polen aus der Gefolgschaft Sigismund Augusts waren bei ihm in der
Heilige-Geist-Gasse einquartiert; dort muB er demnach ein ansehn-
liches Besitztum sein eigen genannt haben. Bereits 1531 ist er in
der Korrespondenz zwischen dem Rat der Stadt Danzig und Herzog Al¬
brecht als Bttrger erwfthnt. Er wird damals zumindest 21 Jahre alt
gewesen sein.^' Sein Sohn Heinrich wurde 1542 geboren. Es kann al¬
so angenommen werden, dafl er selber vor 1510 geboren ist. Er beta-
tigte sich als Kaufmann, dessen Handel weit Uber Danzig hinaus-
griff.*^ Am 19. September 1558 belehnte ihn der Rat der Stadt zu-
sammen mit Cort Olden mit der Schefferei, die Reden bis zu seinem
Tode gewissenhaft verwaltete. Er starb nach dem 6. Mai 1569.
Heinrich von Redens verwandtschaftliche Beziehungen waren
weit verzweigt. Etwas £lter als Heinrich diirften der herzogliche
Rat Hermann von Reden und der Prokurator an der Kurie, ermlandi-
echer Domherr und spaterer Bischof von Lllbeck, Dietrich von Reden
gewesen sein.^ Nicht sicher ist, wie Gehrke annimmt, dafi es sich'
um Briider Heinrichs handelt. Es konnen ebensogut Vettern gewesen
sein. Als Vater Heinrichs nimmt Gehrke Johann von Reden an,
1477/78 als EigentUmer eines Besitztums in der Heilige-Geist-Gasse
nachgewiesen. DaB dieser identisch ist mit dem 1518 als Freibruder
in Buch der LUbischen Bank des Artushofes eingetragenen Johann von
Reden, mdchte ich im Gegensatz zu Gehrke nicht behaupten. Ober-
haupt scheint die von Gehrke aufgestellte Genealogie nicht ganz
echllissig zu sein.
Ich beginne mit Nikolaus von Reden. 1427 ist er als Stiefel-
schuster in den BUrgerlisten aufgefUhrt. Demnach mUBte er etwa
1405 geboren sein. Es ist nicht eindeutig auszumachen, wer sein
Vater war. In den BUrgerlisten finden sich drei aus der Familie:
Petrus de Redyn 1381, Nikolaus (I.) vam Redzin 1394, Jacob (I.)
apotecarius de Reden 1403. Dem Alter nach kg.me wohl am ehesten
Jacob (I.) in Frage, obwohl man zu jener Zeit nicht unbedingt mit
dem Erwerb des BUrgerrechtes heiraten muBte; bis gegen Ende des
15* Jahrhunderts durfte man auch als Junggeselle BUrger sein.^ ^
FUr Jacob (I.) als Vater spricht aber auch, daB Nikolaus (II.) eei-'^:
nen altesten Sohn wieder Jacob (II.) nannte, erst den dritten je-
doch Nikolaus (III.). Dasselbe Argument kann somit ebenfalls gegen
Nikolaus (I.) als Vater von Nikolaus (II.) gelten.
1433 wird im rechtstadtischen Schoppenbuch ein Niclas vam Re¬
de erwahnt, wahrscheinlich jener um 1405 geborene (II.). 1436 er-
scheint er als Vormund der unmUndigen Kinder des Lorenz Blumenau.
Er starb wahrscheinlich 1466. Er hinterlieB vier Kinder: Jacob (II.)
Hans, Barbara und Nikolaus (III.). In der nun folgenden Erbschafts-
regelung vertraten Jakob und Hans sich selber, Barbara und Nikolaus
wurden durch einen Vormund vertreten, Demnach waren Jakob und Hans
bereits BUrger, also 1445 Oder frUher geboren. Das ist ohne weite-
res moglich, da ihr Vater Nikolaus (II.) schon vor Erwerb seines
BUrgerrechtes 1427 heiraten durfte; erst nach 1479 kam die Bestim-
mung auf, daB der Mann vor der Heirat BUrger sein muBte.Barbara
und Nikolaus (III.) scheinen erst nach 1450 geboren zu sein, da
der ProzeB, in dem sie durch einen Vormund vertreten wurden, erst
1471 endete.
Gehrke setzt Hans und den 1477/78 erwahnten Johann gleich.
Der Chronist Heinrich wurde spatestens 1510 geboren, zu einer Zeit,
als Hans bereits etwa 60 Jahre zahlte; das ist unwahrscheinlich.
Gegen die Gleichsetzung von Hans und Johann von Reden spricht
auBerdem der Umstand, daB Hans bei der 1466-71 erfolgten Erbtei-
lung ein Besitztum in der BUttelgasse erhielt, Johann aber in der
Heilige-Geist-Gasse ansassig war. Es bestUnde die Mdglichkeit, daB
Hans nach VerauBerung seines Besitzes sich dort ankaufte, doch
wahrscheinlicher ist, dafl es sich um zwei verschiedene Personen
handelt.
Somit dUrfen zwei StUmme der Familie von Reden engenommen
werden:
- 83 -
1) Jacob I. (*um 1380) mit dem Sohn Nikolaus II. (etwa 1405 -
1466) und dessen Kinder Jacob II. (*vor 1455), Hans (Чог
1445), Barbara (*nach 1450) und Nikolaus III. (*nach 1450).
2) Johann mit dem Sohn Heinrich (etwa 1510-1569) und dem En-
kel Heinrich (1542-1601).
Wie diese beiden Stamme zusammenhangen, ist unklar. Jedenfalls
erscheint Hans (I.), der Sohn des Nikolaus (II.), nicht identisch
mit Johann (II.) zu sein, da jener dann bei der Geburt des Sohnes
Heinrich etwa 65 Jahre zahlte.
Die Ubersicht wird noch komplizierter durch den Eintrag in das
BrUderbuch 1518, in dem ein Johann von Heden erscheint. Identisch
mit Hans (I.) kann er nicht sein, da jener wohl kaum noch lebte.
Ob er mit Johann (II.) identisch ist, bleibt unklar. Wenn Johann
(II.) 1477/78 bereits im Steuerbuch erscheint, mlifite er etwa 1455
geboren sein. Dann ware er aber als etwa 60j&hriger noch der Liibi-
flchen Bank beigetreten, was nicht glaubhaft erscheint. Jener Johann
(III.) mliBte dann ein anderer Verwandter gewesen sein. Aufgrund der
Geburtsdaten ergabe sich somit folgendes Bild, unter allem Vorbe-
halt aufgestellt:
Jakob von Reden
(*umj1380)
I
i
Nikolaus (II.)
(ca. 1405-1466)
l
Jakob (II.) Hans (I.) Barbara Nikolaus (III.)
(*ca. 1430) (*vor 1445) (*nach 1450) (*nach 1450)
i
i
Johann1(II.)
(*ca. 1455)
i 1
Heinrich (T.) Luder Frieschen
{vor 1510-1Ьо9) (Schwester in Bremen)
Heinrich (II.)
(1542 - 1601)
- 84
-и
In welche Generation und welchen Familienzweig nun Johann
(III.) sowie Hermann und Dietrich gehbren, ist vollkommen unklar,
Johann (III.) kann ein alterer Bruder Heinrichs sein, jedoch eben-
sogut ein Vetter Oder gar Onkel. Das ganze Bild wird sich erst
klaren - und vielleicht grundlegend andern wenn andere Mitglie-
der der Familie Reden bekannt werden, von denen es sicher noch
eine ganze Reihe gegeben hat.
Die Verwandtschaft mit dem Bremer Stamm der Familie von Rhe-
den betont Heinrich selber, als er sich in einer Erbschaftsangele-
genheit an den Danziger Rat um UnterstUtzung wendet. Erstaunlich
ist, daB Heinrich solche ErbansprUche in Bremen noch besaB, die
er nach dem Tode eines Vetters gegen seine Schwester in Bremen
geltend machen konnte. Das zeugt fUr eine sehr enge Verbindung mit
Bremen, woraufhin sich die Frage stellt, ob Johann (II.) nicht gar
aus Bremen zugewandert ist und sich in der Heilige-Geist-Gasse an-
kaufte. Doch betreten wir damit den Boden von Hypothesen. Mogen
die aufgezeigten Fragen als Anregung fUr die Bremer und Danziger
genealogischen Forschungen dienen, hier jedoch nicht weitergetrie-
ben werden, da das nbtige Material zur Zeit noch fehlt. Erwglhnt
soil nur noch werden, daB der Bremer Zweig der Familie Reden eng
verwandt war mit der aus Bremen nach Danzig eingewanderten Familie
q 1
Zierenberg. 1 Ob sich auch in Danzig verwandtschaftliche Beziehun-
gen zwischen beiden Familien ergaben, ist unbekannt.
Der Chronist Heinrich von Reden stand also im Kreise einer
groBen und einfluBreichen Verwandtschaft, selbst ein vermogender
und angesehener Danziger Burger. Im Alter von liber 40 Jahren griff
er zur Feder, um eigenhandig eine Danziger Chronik abzuschreiben.
Da die Schrift des Kodex die gleiche ist wie die einer personli-
chen Petition an den Rat der Stadt vom Jahre 1551,scheidet die
Moglichkeit aus, daB Reden nur die Abschrift der Chronik veranlaflt
habe.
Die Entstehungszeit dieser Handschrift gilt es zu bestimmen.
Sie kann, nach der Aufschrift des Titels, friihestens 1553,*^ spa-
testens jedoch 1569 geschrieben sein, da in diesem Jahr Heinrich
starb. Das Datum des Titels muB nicht das der wirklichen Entste-
hung sein, da es von der Vorlage Ubernommen sein kann. Der Einband
gibt keinen zeitlichen Hinweis.*^ Ebenso laBt das Papier keine
- 85 -
genaue zeitliche Abgrenzung zu, es sei denn, man wollte das Jahr
dee letzten Vorkommens von gleichem Papier mit dem Wasserzeichen 1
in den Rhedenrechnungen in Bremen - 1559 - auch hier als Grenze
ansetzen. Aus dem Text laBt sich nur sagen, daB die Handschrift
veiterhin in Danzig blieb, auf jeden Fall bis 1587, da die Feuer-
ordnung jenes Jahres dort eingetragen ist. Zu einem genaueren Da¬
tum verhilft die Abbildung der Danziger Stadtansicht.Der Illu¬
strator schien - im Rahmen seiner technischen Moglichkeiten - recht
zuverlassig zu sein. Gerade bei der Ansicht Danzigs hat er wohl
kaum aus der Chronik X bedenkenlos abgezeichnet, wenn sich der bau-
liche Befund inzwischen geandert hatte. Das heiBt aber, daB die
Zeichnung, und damit die gesamte Handschrift, spatestens 1556 ent-
stand, da in jenem Jahre der Rathausturm abbrannte, den die Zeich¬
nung noch darstellt. Die Handschrift wurde also zwischen dem 19.
Februar 1553, dem letzten Eintrag, und dem 3. Oktober 1556 geschrie-
ben, dem Tag des Turmbrandes.1^
Wenden wir uns der Vorlage der Reden-Handschrift zu, der Chro¬
nik X. Es finden sich bei Reden und Celle keinerlei Hinweise auf
einen andefen Schreiber. Man kann nur annehmen, daB er Danziger
war. Die Abfassungszeit laBt sich genauer bestimmen. Gegen Ende
der Chronik nimmt der Bericht an Einzelheiten mit genauer Datenan-
gabe zu. Der etwas unmotivierte Abbruch unter dem Datum des 19. Fe¬
bruar 1553 laBt darauf schlieBen, daB die Handschrift zu diesem
Zeitpunkt etwa beendet wurde, da sich sonst sicher weitere Notizen
gefunden hfttten. Jedenfalls darf sie mit GewiBheit in das Jahr 1553
gesetzt werden - falls sie nicht ihrerseits eine genaue Abschrift
eines anderen Kodex ist wofur auch die bei Reden Uberlieferte
Datierung im Titel spricht, die wahrscheinlich auf Kodex X zurtlck-
geht.
Zum AbschluB soil wieder Chronik Celle betrachtet werden. Ihr
Schreiber ist nicht bekannt. Allerdings darf man annehmen, daB er
Danziger war. Seine Vorlage X war in Danzig beheimatet und wurde
dort von Heinrich von Reden abgeschrieben. In etwa demselben Zeit-
raum wie Reden arbeitete auch dieser Schreiber, so daB es unwahr-
scheinlich sein dtirfte, daB X nach der Anfertigung der Reden-Ab-
schrift Danzig verlasaen hat und der Schreiber von Kodex Celle so-л
mit kein Danziger ware.
Die Abfassungszeit der Handachrift Celle laBt aich genauer
bestimmen. Der Einband scheint eher dem 17. ala dem 16. Jahrhun-
dert anzugehoren. Dagegen apricht nicht die Verwendung des Wappen-
stempels mit dem Wappen, das Herzog Albrecht 1525 in Krakau verlie-
hen wurde. Das ”S" auf der Brust des Adlers iat nicht auf die Re-
gierungszeit Konig Sigismunds beschrankt, sondern bleibt in Preu-
i c \
Ben auch unter den spateren Konigen. ' Dem widerspricht nicht,
daB Sigismund August seinem Wappenadler das Monogramm "SAM in Ver-
schrankung geben lieB;**^ handelt es sich doch einmal um daa pol-
nische, noch dazu ein Personalwappen, auf dem Einband der Chronik
Celle aber um das preuBische Landeswappen. Hinzu kommt, daB sich
Einbandstempel oftmals sehr lange in Gebrauch gehalten haben. Da
in der Chronik sich auch die - nicht spater zugebundene - Auffor-
17 \
derung von 1652 findet, der Union beizutreten, ' dllrfte erwiesen
sein, daB der Einband ins zweite Drittel des 17. Jahrhunderts ge-
hort.
Das Papier gibt keinerlei zeitlichen Hinweis, da gleiche Oder
ahnliche Wasserzeichen sich bis ins 17. Jahrhundert hinein nach-
weisen lassen. Der Text hilft diesmal etwas weiter. Der erste Ко-
nigsberger Anhang endet im Jahre 1564; zu dieser Zeit war die
Handschrift wahrscheinlich bereits dort. Noch genauer kann man ihre
Entstehung datieren anhand der Danziger Stadtansicht. Es gilt wie-
der das schon bei Redens Kodex Gesagte, daB der Illustrator wohl
kaum Handschrift X abgemalt, wenn sich das Stadtbild inzwischen ge-
andert hatte. Dafllr sprechen auch die geringen Abweichungen in der
Darstellung in Reden und Celle, die jedoch den Gesamteindruck der
Stadtsilhouette nicht verandern, wie das deutlich auf beiden Sei-
ten gezeichnete Ufer Oder die etwas geringere, wohl durch den vom
Schreiber fUr den Illustrator freigelassenen Raum bedingte Hohe
der Tiirme. Handschrift Celle ist also ebenfalls auf die Zeit vom
19. Pebruar 1553 bis zum 3. Oktober 1556 zu datieren.
Sorait sind alle drei Handschriften innerhalb von drei Jahren
entstanden. Ob dabei die Abschriften Redens und des Kodex Celle in
einem ursachlichen Zusammenhang stehen, laBt sich nicht erkennen.
87 -
Щ Inhalt und Weeen der Cellar Chronik
1) Der Inhalt
Im Celler Kodex liegt eine der weit verbreiteten Chroniken
vor, die die Geschichte des PreuBenlandes von den mythiachen Ur-
eeiten bis in die Gegenwart des Schreibera hinein darstellen. Die-
ee Handschrift endet mit dem Jahre 1553, nicht in einer SchluBapo-
theose, sondern mit der zweiten Ladung des polnischen Konigs an
die Rottmeister, die an den Unruhen von 1552 beteiligt waren.1^
Pie Notiz bietet kein Ende; jederzeit konnten der weitere Verlauf
jenes Streites Oder andere Tagesereignisse eingetragen werden. Es
war damit kein pragmatiaches Geschichtswerk zum AbschluB gebracht,
eondern nur eine gegen Ende annalenhafte Darstellung bia zum Augen
blick der Gleichzeitigkeit von Ereignis und Niederschrift fortge-
fUhrt. Mit dieser Art, Geschichte zu schreiben, steht die Celler
Chronik nicht alleine da; eine ganze Reihe von Handschriften der
"zweiten Wartzmann-Redaktion" schlieBt zum Beispiel mit der Angabe
2)
des Hopfenpreises im Jahre 1549* Auch die Chronik Ms. 1285 der
Danziger Stadtbibliothek bricht unvermittelt ab nach der Schilde-
3)
rung der Wahl des Abtea Adrian von Oliva 1545. Anders dagegen
der stark engagierte Simon Grunau, der sein Werk mit dem Traktat
abschloB und rundete: "Folgender tractatt sagett von alien uraa-
chen des gemeinen vorterbens des landes zu Preusen, welche ursa-
chen man heute mit augen im lande siehet, und wird je lenger, je
4^
erger.’^^
Die Celler Chronik beginnt mit der "Findung” des Landes Preu-
Ben. Sie steht damit im Kreise der huraanistischen Landbeschreibun-
gen, wie sie in jener Zeit in reicher Zahl zu finden sind; fUr
Deutschland seien nur Cochlaeus, Boemus, Frank und MUnster genannt
Diese Beschreibung dient als Grundlage einer geschichtlichen Dar-
etellung der Geschicke jenes Landes. Dadurch war ein Problem ge-
lbstr das sich fllr Preuflen stellte, fllr andere Staaten nicht: In
PreuBen hatte der Deutsche Orden die Herrschaft ausgelibt. Er kam
nachweislich aus dem Heiligen Lande und unterwarf eine Bevolkerung
88
von der man fast nichts wuBte. Ез fehlte auf jeden Fall das die
Zeiten verbindende dynastische Element. So hatte sich ein Bruch in
der Darstellung ergeben mussen, wenn nicht das Land Gegenstand der
Beschreibung wurde. Lie Beziehung auf das dynastische Element als
Leitfaden einer Chronik ist deutlich bei Matthias von Miechbw zu
spliren, der sein Werk auf dem Titelblatt "Chronica Polonorum"
nennt, spater jedoch deutlicher "Chronicon regniPoloniae Die
preuBische Landeschronistik, ihren ersten Ansatz bei Johann von
Posilge nehmend, ' konnte besonders nach dem Ende des Deutschen
Ordens in PreuBen einzige Darstellungsart sein.
Nach der "Landfindung" folgen Beschreibungen des Gebietes von
Enea Silvio, Johannes Boemus, Matthias von Miechow, Erasmus Stella
und Sebastian Frank.^ in diesem Neben- und Zueinander der ver-
schiedenen Darstellungen desselben Themas darf man - neben einem
Bestreben, die Nachrichten mbglichst vollstandig aufzuzeigen, die
dem Schreiber aus anderen Arbeiten bekannt vrurden - vielleicht
schon den ersten Versuch einer Kritik sehen; noch setzte keine
Wertung ein wie etwa bei Lucas David, der seine Quellen kritisch
7)
beurteilte, ' doch vrurde der erste Schritt getan durch das Neben-
einanderstellen verschiedener Versionen desselben Yorganges. Die-
ser Schritt geschah noch zaghaft nur bei der geographischen und
volkerkundlichen Schilderung, doch bald wurde er auch in der hi-
storischen Darstellung vollzogen, wie eine Stuttgarter Handschrift
zeigt.8^
Weiter berichtet die Celler Chronik Uber das Volk der Schan-
dianer, das aus Norwegen Uber die Zwischenstation Gotland nach
PreuBen gekommen sei, ihre Ebnige Bruteno und Weidewut und die
Aufteilung des Konigreiches in zwolf - die bekannten preuBischen -
Q )
Landschaften. ; Mit diesem Bericht lieBen sich verbinden eine
Schilderung der Naturreligion der PruBen sowie die Aufzahlung der
Stadte und ihrer Grtindungsdaten. Bei Galindien ist die aus Dusburg
bekannte Sage eingeschoben.1Der zwdlfte Sohn Litwo erh< im
tibrigen kein Land. Deutlich ist die Diskrepanz zwischen der mythi-
schen Landteilung und den damit verbundenen Angaben liber die Stad-
tegrlindungen zu spliren, besonders zum SchluB der Aufzahlung ftir
die Michelau und Pommerellen.1^ Vollends wird die etwas gewaltsame
Verbindung zweier tjberlieferungen deutlich in den Mitteilungen Uber
- 89 -
Lttnge und Breite des Landes sowie die Zahl der Seen und FlUsse.12^
Es schlieBen sich die "Geschichten von den rechten alten
1 3)
Preussen” an, auf sagenhafte Vorzeit zurUckgreifend. In die Epo-
che genau nachprlifbarer Geschichtlichkeit tritt die Chronik erst
nit der ErwahnungBoles^aw Chrobrys; von da an laBt sie die polnisch-
preuBischen Beziehungen bis zur Ankunft des Ordens vorbeigleiten.^^
Nach einem Einschub Uber die Kloster Oliva, St. Nikolai in
\ c \
Danzig und das Zisterzienserkloster zu Pelplin 7 folgt die Ge-
echichte des Deutschen Ordens im Heiligen Lande von 1190 bis zum
Pall Akkons im Jahre 1291. Damit sind die die Zukunft des Preu-
Benlandes bestimmenden Komponenten aufgezeichnet: das Land mit den
heidnischen Bewohnern einerseits, der Ritterorden andererseits.
Hun wird ihr Geschick miteinander verbunden, es folgen die Preu-
17^
Benkampfe des Ordens bis zum Jahre 1283. 7 Zwei EinschUbe finden
eich, jeweils an der vermeintlich chronologisch richtigen Stelle:
die Aufsegelung und Christianisierung Livlands sowie die Inkorpo-
rierung des SchwertbrUderordens zu 1234 (!) und die Taufe Mindowes
-|й\
zu 1252 (!)• 7 Damit sind die weiteren Wirkungsgebiete des Ordens
umrissen: Livland und Litauen. Die Schwenkung auf den litauischen
Kriegsschauplatz im Jahre 1283 zeigt sich in der Celler Chronik
eehr deutlich, zwar nicht in der fast klassisch zu nennenden For-
mulierung Dusburgs: ’’Explicit bellum Prussie. Incipit bellum Le-
thowinorum."doch ebenfalls einen deutlichen AbschluB darstel-
lend. In der Erz&hlung eingeschaltet sind jeweils Namen und Regie-
rungsdaten der Hoch- und Landmeister, doch nicht in enger Symbiose
mit den geschilderten Vorgangen, sondern in sehr lockerer oder
auch ohne eine Verbindung. Man gewinnt den Eindruck, als sei ein
Hoch- und Landmeisterverzeichnis auseinandergeschnitten und an der
chronologisch richtigen Stelle vom Chronisten in den Text einge-
fUgt worden.
Der nun folgende Teil ist scheinbar orientiert an den Litau-
erzUgen, doch nehmen die EinschUbe immer mehr zu. So sieht man die
’’Bernsteinfindung”, die GrUndung der BistUmer2^ und bald darauf
die erste Mitteilung zur Kolonisation des Landes (”Die Nogat wird
getemmet, anno 1294”) und eines Wunders.2*^ Nach den Vorg&ngen um
22)
die Besetzung Pommerellens durch den Orden 1308-11, der Landes-
ordnung Siegfrieds von Feuchtwangen2^ und einer Mitteilung Uber
- 90 -
О А \
Unwetter und Sturm1 kommt der Chronist wieder auf die Litauer- ~
kriege zurlick. Loch die Zahl der geschilderten Ereignisse nimmt zuf ||
der bisherige sachliche Faden, der sich durch die Darstellung zog, |j
geht verloren. Es bleibt das Gerlist der Chronologie, an dem aufge- %
hangt die Nachrichten in bunter Reihenfolge sich abwechseln: die j!
Pest von 1312, das Orselnsche Kapitel von 1323» eine Mar Uber eine ^
Nonne, Kriegszlige gegen Litauen und Polen, Hochmeisterdaten, eine l
Gerichtsgeschichte, wieder Polenkriege, EinfUhrung von MUnzen und \
Gilden, eine Kleiderordnung Kniprodes und vieles mehr.
Es tiberwiegen die Schilderungen der Kriegszlige gegen Litauen
und Polen, doch sind die eingeschobenen innenpolitischen Oder kul-
turhistorischen Notizen von groBer Mannigfaltigkeit und lassen
kaum einen Lebensbereich aus; zu der strengen Geschichtserzahlung
politischer Ereignisse treten Berichte liber den damaligen Menschen
unmittelbar berlihrende Geschehnisse: Krankheit, Not, Ungewitter
und Tod. Hinzu kommt die Lust zur Mitteilung von Schauergeschich-
ten (MYon einem Morder") erregenden Ereignissen ("Gold ward ge-
stohlen anno 1361")^) und erheiternden Schwanken ("Von einem rei-
chen pauren in Nigklauswalde").^^ Gerade die letzte Gattung ist
sehr breit vertreten in den Erz&hlungen liber die Lichtenauer Bau-
ern, die in oftmals derber Form recht lustig auf den Leser gewirkt
haben dlirften. Baneben stehen immer wieder an erster Stelle die
auBenpolitischen Nachrichten: "Ursprung der fursten aus Litauen"^
pq)
die polnisch-litauische Union von 1386 Oder die Litauerzlige.
Der Gesichtskreis geht weit liber PreuBen hinaus nach Polen, Litau¬
en, Bohmen, der Neumark, Pom und weiter, ohne verwaltungstechnische
MaBnahmen wie die Statuten von 1408 Oder die Steuern auf einzelne
Waren und Gliter zu vergessen. Die Palette ist auBerst farbenreich,
doch leidet darunter der Zusammenhang der Erz&hlung. Der Leser
folgt dem Chronisten auf samtliche Lebensgebiete des Staates und
des Individuums, ohne jedoch eine einheitliche, fesselnde Gesamt-
darstellung zu erhalten; Leitfaden ist einzig die Chronologie. Man
konnte fast den Vergleich zur "Neuen Zeitung" wagen, diese jedoch
ins GroBe gesteigert; dabei darf allerdings weniger vom Begriff
der "aktuellen Nachricht" ausgegangen werden als vom Inhalt.
Inzwischen ist in der Darstellung der Celler Chronik das Ge-
wicht immer mehr zur Seite einer Ordenschronik verschoben worden
- 91
eufgrund der vorhandenen Quellen. Das zeigt sich deutlich bei den
Vorgangen um 1410, die trotz der Kiirse der eigentlichen Schlacht-
echilderung breiten Raum einnehmen. 7 Dabei flicht der Chronist
in reichem MaBe Urkunden und Akten ein, wie es bereits in der Land-
ordnung Feuchtwangens zu sehen war. So stoBt man neben der Landes-
und Ordensgeschichte und dera Hochmeisterverzeichnis auf einen wei-
teren Bestandteil der Celler Chronik: Urkunden, Briefe und Rezesse.
Je groBer die tiberlief erung solcher Stticke wird, also im 15. und
16. Jahrhundert, desto groBer wird auch die in die Chronik aufge-
nommene Zahl derselben.
Nach der Tannenberger Schlacht finden sich die ersten ausfUhr-
lichen Nachrichten Uber Danziger Ereignisse: die Unruhen um Letz-
32)
kau 1411 und van der Becke 1416. 7 Dies sind die Vorkommnisse, an
denen sich wahrscheinlich der erste Versuch schriftlicher Darstel-
lung Danziger G-eschichte entztindete.Sodann zeigen sich die Re-
ste eines weiteren Bestandteiles der Celler Chronik, die ich mit
dem Begriff eines Danziger Diariums bezeichnen mochte: kurze anna-
listische Notizen zu Branden, Unwettern, Krankheiten, Lebenshal-
34)
tungskosten und ahnlichem. 7 Sie stehen unmittelbar neben hochpo-
litischen Begebenheiten, wie dem Versuch Witolds, die Konigskrone
zu erlangen,^^ oder dem Hussitenzug durch PreuBen im Jahre 1433.^^^
Gleichzeitig fallt der Blick nicht nur auf die innerstadtischen
Danziger Verhaltnisse, sondern auch auf die inzwischen weit ausge-
37)
dehnten Handelsverbindungen der Stadt. 7 Anhand der zugrunde ge-
legten Quellen ist damit die Celler Handschrift von einer preuBi-
echen Landeschronik mit starker Betonung ordensgeschichtlicher
Komponenten zu einer stadtischen Geschichtsdarstellung geworden.
Vttllig deutlich wird das bei der nun folgenden ausfiihrlichen Schil-
derung des PreuBischen Bundes und des 13jahrigen Krieges. ; Ein-
geschoben sind Akten und Urkunden der BUndnerseite, deren Haupt-
partner - vor allem im Kriege - Danzig war. Die Ordensgeschichte-
achreibung Uber jene Zeit sieht vollig anders aus. 7 So eindeutig
die Danziger Historiographie zu den Vorgangen jener Zeit Stellung
nimmt, darf man sie doch nicht boswilliger Fblschungen oder der
Tradierung solcher zeihen. Das zeigen zum Beispiel die Artikel,
die 1457 in der Marienburg gefunden sein sollen. Sie sind keine
Falschung des Bundes, sondern entstammen wirklich Ordenskreisen.
- 92
In dieser groBen zusammenhangenden Darstellung nehmen sich
alle anderen Nachrichten wie Fremdkorper aua: die Bierscheppen,^^
der GuB der Glocke flir die Marienkirche 1453,die Gesandtschaft
des Ordens zum Papet 1456,4^der harte Winter 1460;44^ vbllig pas-
send dagegen wirken die ausfUhrlichen Nachrichten Uber die inner-
stadtischen Danziger Vorgange: der Koggesche Aufruhr,^^ die Dan-
ziger Kriegserklarung an Danemark,^6^ der Aufruhr 1463.
Nun folgt ein Zwischenteil, der durch ein MiBgeschick des
Chronisten beim Abschreiben verschoben worden sein muB: der Turm-
brand von St. Peter 1521, die Pragung der MLutter schilling'* 1522,
der Versatz der Neumark 1524 (statt 1454 wie Reden!), das Privileg
Sigismunds I. von 1521.^®^ AnschlieBend greift er wieder auf die
Ergebnisse des 13jahrigen Krieges zurUck,^^ urn dann ziemlich ge-
rafft die Geschichte der nachsten zwanzig Jahre bis zum Tode Tief-
fens darzustellen, stark von kurzen Danziger Lokalnachrichten durch-
50)
setzt. ' Sodann bringt der Chronist eine genealogische Analyse dee
polnischen Herrscherhauses und seiner Verbindung zum Kaiserhause,*^
um gleich auf die Posener Tagfahrt Uberzugehen. Er greift zwar
nochmals zuruck auf Danziger Lokalereignisse und die Landesordnung
Priedrichs von Sachsen, doch gelangt er sehr rasch Uber eine neuer-
liche ausfUhrlichere Behandlung der Posener Tagfahrt des Jahres
52)
1510 zum Regierungsantritt Albrechts von Brandenburg-Ansbach. '
Damit hat die Celler Chronik die gesamte Zeit vom Zweiten
Thorner Prieden bis zum Tode Friedrichs von Sachsen auf sechs Blatt
behandelt, die genealogischen Nachrichten noch inbegriffen. Fast
ist man versucht zu sagen, sie sei darin Vorbild gewesen flir die
moderne Geschichtsschreibung Uber jene Zeit.
VerhaltnismaBig knapp wird liber die Tagfahrten zu Peterkau
und Wien berichtet, unterbrochen von einer Darstellung des Krieges
Sigismunds gegen Smolensk.Nach einigen Praeliminarien folgt
die Darstellung des Reiterkrieges,^^ um nach kurzen Schilderungen
der d&nischen Streitigkeiten und dem Auftreten Luthers ausflihrlich
/ 55)
von den Danziger Unruhen 1525/26 zu berichten. } Diesem Teil sind
unverhaltnismaBig viele Schriftstlicke beigegeben.
Nach der ausfUhrlichen Behandlung der Krakauer Belehnung vom
57)
Jahre 1525 und der Wiedergabe des Vertrages geschieht eine vdl-
lige Wandlung im Berichtstil: zusammenhangende Schilderungen treten
- 93 -
zurUck zugunsten knapper, annalistischer Mitteilungen, die nicht
nur das Jahr, sondern auch den Tag angeben. Dabei ist interessant
zu beobachten, daB eine neue Datierung aufkommt. Zwar werden viele
Angaben noch nach dem Heiligenkalender geraacht, doch tragen eine
ganze Reihe die Monatsdatierung, dabei den lateinischen Monatsna-
men Oder gar den deutschen verwendend.^ Sin System herauszulesen
ist nicht moglich. Zu untersuchen bliebe, ob sich RUckschlUsse auf
eventuelle Quellen ziehen lassen.
Bei diesen annalistischen Notizen steht alles ohne nahere Un-
terscheidung nach Wichtigkeit nebeneinander. Die Buntheit de^ Pa¬
lette der Mitteilungen scheint noch grbBer zu sein als vorher auf-
grund der KUrze der jeweiligen Notiz. Einen langeren Bericht bietet
Chronik Celle erst wieder zum Jahre 1547 anlaBlich des Todes von
Jakob Kampe und zu 1548 beim Tode Hans GlockengieBers.Diese
beiden Vorfalle gehoren in den unmittelbaren Erlebnisbereich des
Chronisten, was ihre AusfUhrlichkeit eindeutig beweist. Nach Mit-
teilungen fttr die Jahre 1544-49 - deren letzte der Hopfenpreis des
Jahres 1549 ist, an welcher Stelle eine Reihe von Handschriften
der sogenannten zweiten Redaktion der Wartzmannchronik schlieBt -
folgt eine auBerst ausfUhrliche Barstellung des Konigsbesuches in
Danzig vom Jahre 1552 mit einer angehangten tibersicht Uber die
Privilegien Danzigs im Laufe der letzten hundert Jahre.Bieser
Bericht ist eben vergangene Gegenwart, weshalb er vom Chronisten
nur mit leichten KUrzungen aus einer zeitgenossischen Vorlage Uber-
nommen wurde. Geradezu spannend wirkt diese ausfUhrliche Detail-
echilderung samtlicher wichtiger Vorgange des Besuches und man ist
fast enttauscht, daB anschlieBend noch weitere Mitteilungen folgen,
die die Chronik beenden: der Einzug des Konigs in Konigsberg, der
Streit der Hanse mit England 1552, ein Radauneausbruch im Jahre
1553 und zuletzt die Ladung der Rottmeister vor das konigliche Ge-
richt. Damit bricht die Erzahlung in der Celler Chronik plotzlich
ab, ohne zu einem wirklichen AbschluB gekommen zu sein. Eine Fort-
eetzung konnte jederzeit angehangt werden, wie es bei manchen Hand-
schriften auch zu beobachten ist.
Die Celler Chronik bietet eine Geschichtsdarstellung in rei-
cher Vielfalt der Ereignisse. Ihre Hauptkomponenten sind: eine
landesgeschichte von sagenhafter Vorzeit bis zum Auftreten des
- 94 -
Beutschen Ordens, eine st£ldtische Geschichte PreuBens Ъ1а 1525»
eine Stadtgeschichte Banzigs von 1411 bis 1553» dabei aus breite-
ren Berichten und einem Banziger Biarium zusammengesetzt, einer
Sammlung von Urkunden, Rezessen und Briefen und nicht zuletzt
einem Hoch- und Landmeisterverzeichnis. Biese Teile sind oft sehr
geschickt miteinander verbunden, w&hrend man an einigen Stellen
einen Bruch recht deutlich BpUrt. So nehmen sich beispielsweise
Notizen zur Stadtgeschichte Banzigs mitten in der stadtischen Ge¬
schichte des PreuBischen Bundes fast als fehl am Platz aus; ver-
bindend wirkt nur die Uberall als MaBstab angelegte Chronologie.
Sie ist das GerUst, das die einzelnen Komponenten, so unterschied-
lich sie jeweils sein mogen, schlieBlich doch zu einer Einheit zu-
sammenfUgt, zu einer Barstellung der Geschichte des PreuBenlandes
aus stadtisch-Banziger Sicht.
2) Originalitat und Glaubwtlrdigkeit
Bei der geschilderten Vielfalt der Ereignisse in der Chronik
Celle ist die Frage interessant, wie groB Originalitat und Glaub-
wtirdigkeit der Erzahlungen sind. Ba bis zu Gehrkes Zeit die Banzi¬
ger Chronistik groBtenteils als von Grunau abhangig betrachtet,
jener aber als "monstroser Geschichtsfalscher” angesehen wurde»^^^
stellte sich jene Frage nicht. Ba die Quellenlage aber seit Gehrke
und J. Bworzaczkowa nachgewiesenermaBen anders ist, muB dieses
Problem betrachtet werden.
Jeder Chronist ist auf seine Glaubwtlrdigkeit vor allem dort
zu untersuchen, wo er Selbsterlebtes berichtet, also original ist^
Berichte, die er aus einer Vorlage Ubernahm, spielen nur insofern
eine Rolle, als sie versehentlich - bei Yerschreibungen von Baten
beispielsweise - Oder willentlich zugunsten einer Tendenz vom
Schreiber geandert wurden.
Es ist nicht moglich, jede Einzelheit der Celler Chronik un-
ter diesem Gesichtspunkt zu UberprUfen, abgesehen davon, daB dies
bereits in der Edition der Handschrift vorgenommen wurde. Bas dort
gewonnene Urteil soil anhand von Stichproben hier begrUndet werden.
Bazu wird zuerst der Zeitraum der chronikalischen Berichterstattung
betrachtet, also vom Beginn der Handschrift bis zum Jahre 1525.
Versehentliche Anderungen fjnden sich verhaltnismaBig haufig,
vor allem bei Daten; das zeigen die Lesarten von Chronik Celle zu
Reden recht deutlich.
Nun 1st die Handschrift X, Vorlage der Chroniken Celle und
Redens, nicht bekannt, so daB sich gerade bei Daten die Frage er-
gibt, ob Celle Oder Reden die originale Lesart bewahrt hat. Eindeu-
tig ist das nicht immer zu entscheiden, doch kann man annehmen, daB
das jeweils richtigere Datum in der Vorlage stand, da Celle und Re¬
den neben X keine andere Quelle benutzten, es aber unwahrscheinlich
ist, daB aufgrund einer Verschreibung zufallig sich das richtige
Datum ergeben hat.
Zur Untersuchung bieten sich die Stadtedaten bei Aufzahlung
der einzelnen Landschaften geradezu an. Dabei stellt sich heraus:
Die sechs Angaben fUr Samland sind samtlich falsch; nur Fischhau-
sen ist mit 1269 statt 1268 fast richtig angegeben.^^ Fur Nathan-
gen sind die Angaben wesentlich genauer: von zehn Daten sind acht
richtig; dabei kann allerdings nicht unterschieden werden zwischen
Burggriindung, StadtgrUndung, Stadtrechtsverleihung Oder Griindung
einer Neustadt, kennt die Chronik dieseUnterscheidung doch eben-
falls nicht. Die Jahreszahlen fUr Schalauen sind in vier von funf-
zehn Fallen richtig, in zweien fast richtig. Fur Barthen stimmen
von sieben Daten eins vollig, zwei beinahe und ein weiteres ist
zwar richtig, beruht jedoch auf der Verwechslung mit der litaui-
schen Georgenburg. Bei Galindien ergibt sich: eine Angabe von sie¬
ben ist vollig, eine weitere fast richtig. FUr Ermland sieht es
folgendermaflen aus: von neun Daten sind vier richtig, ein weiteres
(Allenstein) bei Reden fast richtig. Interessant sind dabei die
Angaben ftir Seeburg: Celle 1525, Reden 1548, Grunau 1548, Hand¬
schrift A jedoch zuerst 1558, Ms. 1285 hat 1548. In der ersten Zu-
sammenstellung stand demnach 1548; das in der Grunauhandschrift A
richtige Datum 1558 beruhte wohl auf einer Verschreibung, da es in
rbmischen Zahlen angegeben war. So weist also bereits die Quelle
fUr die spatere Chronistik falsche Jahresangaben auf.
Bei den Stadten in Pogesanien sind von acht Zahlen zwei vbl-
lig, eine in Chronik Celle fast richtig. Sehr groBe Fehler finden
sich ftir Pomesanien: von zweiundzwanzig Angaben sind nur drei vol-
- 96 -
lig, eine beinahe richtig. Nicht viel besser sieht es bei Kulm aus:
von dreiundzwanzig Daten stimmen sieben, ein weiteres beinahe. Die
Aufstellung fur Pommerellen schlieBlich bietet von sechs Angaben
nur zwei richtige. Insgesamt sind von 107 angegebenen Jahreszahlen
33 richtig und 9 beinahe richtig, die Ubrigen 65 jedoch samtlich
falsch; zwei Drittel der Angaben entsprechen also nicht den Tatsa-
chen. Die besten Daten finden sich fur Nathangen, Ermland und Bar-
then. Palls die Zusamirens tellung bereits der Elbinger Monchschro-
nik als Vorlage dieser Tradition angehort hat, lage es nahe, die
Genauigkeit auf die enge geographische Verbindung jener Stadt mit
den drei Landschaften zuriickzufuhren; genauere tiberlief erungsge-
schichtliche Schliisse lassen sich aber wohl nicht daraus ziehen.
6S1
In diesem ersten Teil ' der Chronik Celle ist die Glaubwttr-
digkeit sehr gering, doch muB das ihrer Quelle zur Last gelegt
werden, wie sich aus einer Vergleichsprobe ergab. Der nachste Ab-
schnitt ist nicht nachprUfbar, da sein Bericht vor Einsetzen einer
schriftlichen Tradition liegt; ebenso kann der aus Matthias von
Miechow stammende Teil nicht herangezogen werden. Dagegen zeigen
die Nachrichten liber Oliva und das Nikolaikloster in Danzig^' vol-
lige Richtigkeit. Die geraffte Darstellung der Ordensgeschichte
gehort bis auf geringe Ausstellungen einer guten tiberlieferung an.
Die nun folgende Schilderung der PruBenkampfe steht in der Dusburg-
Tradition; auf jenen stiitzt sich hauptsachlich unsere Kenntnis des
ersten Jahrhunderts der Ordensherrschaft in PreuBen. Die Celler
Chronik bietet einen bis auf Kleinigkeiten richtigen Bericht der
Epoche. Sagenhafte Erzahlungen wie von der Auffindung des Bern -
steins Oder den Neunlingen der Grafin von Querenfurt, spater der
Nonnenehre, dem "Judicium Cambisis” Oder gar den Lichtenauer Bau-
ernschwanken entziehen sich von vornherein der Beurteilung auf
Wahrhaftigkeit. Auch Originalitat ist der Celler Chronik dafiir ab-
zusprechen, finden sich doch diese Berichte auch bei Grunau. Einige
Stellen lassen einen bewuBten Eingriff in die Geschichtsliberliefe-
rung spiiren; zu welchem Zeitpunkt dieser Eingriff vorgenommen wur-
de, ist fraglich. Die erste Stelle bietet die Siegfried von Feucht-
wangen zugeschriebene Landesordnung. } Perlbach glaubt, sie sei
an der Ordnung Friedrichs von Sachsen orientiert; alle in iener
nicht vorhandenen Artikel waren freie Erfindung Grunaus. } Diese
Auseage muB insofern abgeschwacht werden, als die Ordnung der Vor-
lage Grunaus angehort, da Chronik Celle sie ebenfalls anfUhrt. LaB
die Landesordnung diejenige Friedrichs zur Vorlage gehabt habe,
kann nicht unbedingt behauptet werden, da sich eine neue Landesord-
nung jeweils an der frUheren orientierte; deshalb sind Ubereinstim-
nungen selostverstandlich. Allerdings steht fest, daB sie nicht zur
Zeit Feuchtwangens entstand, da Vierchen erst unter Winrich von
Kniprode ab 1360 gepragt wurden.^-^ An diesem Punkt folgt Celle
also einer wissentlich falschen tlberlieferung, wenn auch der Schrei-
ber dieser Chronik die Falschung nicht selber vornahm.
Lieselbe Situation liegt vor bei dem Hilfegesuch des Landmei-
eters um 1320 an den Pfalzgrafen zu Rhein,das Grunau ebenfalls
tiberliefert• Abgesehen davon, daB nach 1309 das Landmeisteramt ab-
geschafft wurde, gehbrt der Wortlaut der Ablehnung des Hilfegesuchs
nicht ins 14. Jahrhundert; solch ordensfeindliche Tone schlug man
erst im 15. und beginnenden 16. Jahrhundert an.
Auf die mogliche Entstehungszeit solcher "Berichte” weist eine
andere Erzahlung hin: "Capitel wird zu Marienburg gehalten. Anno
1323м. Lie dort angefUhrte Rede beklagt den Zerfall des Ordens und
zitiert die Weissagungen der Heiligen Birgitta von Schweden. Bir-
gitta wurde 1302 Oder 1303 geboren, ihre Weissagungen werden be-
reits auf dem Kapitel von 1323 angefiihrt! Bei Grunau wird deutlich,
daB dieser Abschnitt erst nach 1492 Oder gar 1500 geschrieben sein
kann, beruft er sich doch in seiner Einleitung auf den Lruck der
71)
Hevelationes der Birgitta, 1 der vollstandig erst in jenen Jahren
erfolgte. Von den ersten drei Ausgaben der Revelationes Sanctae
Birgittae - Florenz vor 1478, ebenda im selben Jahr, Rom 1488 -
ist kein Exemplar nachweisbar. Lie niederdeutschen Auszugsdrucke -
LUbeck um 1485, ebenda 1496 - enthalten die zitierte Stelle nicht.
Die erste erhaltene Gesamtausgabe - LUbeck: Bartholomaus Ghotan
1492. 2° - war weit verbreitet im Ostseeraum, unter anderem in
Danzig und Pelplin. Ebenso ist der folgende Druck - NUrnberg: An¬
ton Koberger 1500, September 21. 2° - nachgewiesen fUr Konigsberg
und Pelplin.Einen dieser Lrucke benutzte die Chronik, die
fUr Grunau und Handschrift Celle als Traditionstrager diente. Ganz
in die Zeit jener Drucke passen die auBerst ordensfeindlichen Ten-
denzen, den Zerfall der BrUderschaft bereits fUr den Beginn des
- 98 -
14. Jahrhunderts nachzuweisen; widerspricht die Celler Chronik
doch anhand anderer Quellen sich selber, wenn sie fUr die Zeit urn
1350 sagt: "Zu diser Zeit was der Orden im land Preussen in ihrer
besten tucht un hochsten floren."^^
Noch mehr wird deutlich: Die bisher angeflihrten Stellen fin-
den sich alle auch bei Grunau; das bedeutet, dafl sie einer gemein-
samen Quelle von Grunau und Handschrift Celle angehbren. Ob diese
Quelle direkt Oder liber eine vermittelnde Handschrift ausgebeutet
wurde, mag dahingestellt bleiben. Wichtig ist, daB sie frlihestens
urn 1500 verfaBt worden sein kann. Demnach stammt der grdflte Teil
der Celler Chronik aus einer im 16. Jahrhundert "angefertjgten"
Uberlieferung; sie weist sich also in ihrem Hauptbestandteil als
sekundfire Quelle aus. Da die manchmal falschende Tendenz zur GenU-
ge erlautert wurde, kann sich die weitere Untersuchung auf die
Teile beschranken, die einzig aus jener zu Beginn des 16. Jahrhun¬
derts verfertigten Tradition bekannt sind; sie hat zu prlifen, ob
die auf altere Zeiten bezogenen Nachrichten Erfindungen sind Oder
ein wirkliches Ereignis zum Vorwurf haben.
Solche Nachrichten finden sich ofter eingestreut. Die erste
Miinze in Preufien wird beispielsweise von einem Thorner Blirger na-
mens Schilling abgeleitet; der Ansatz entspringt dem bereits im
Kapitel liber die Landteilung beobachteten Versuch, in verstandli-
chen Etymologien Sachnamen von (erfundenen) Personen herzuleiten.
Der Ordensschilling ist zwar richtig beschrieben, doch weist die
Relation 1 Schilling = 6 Pfennige in die Zeit nach der KUchmeister-
schen Pinanzreform.Richtig dagegen scheint die Mitteilung iiber
die Gildenbildung um 1340 zu sein, da sich bereits zu 1349 eine
Verordnung flir Wollweber findet; ' ob sie allerdings void Hochmei-
ster befohlen wurde, ist nicht feststellbar. Unklar bleibt die
Kleiderordnung Winrichs von Kniprode;^^ nur die Danziger Tradi¬
tion kennt sie. Allerdings berichten die Thorner Annalen zu 1387
’ll)
von einer Kleiderordnung, jedoch anderen Inhaltes. Das Faktum
einer solchen stimmt also, wahrend die weitere Ausformung Zutat
spaterer Zeit zu sein scheint. Richtig dlirfte auch folgende Notiz
sein: "Bergwerk wird gefunden, anno 1348.”^®^ Verbunden ist sie
mit Angaben Uber Metallpreise, an erster Stelle Silber. VoBberg
kam dadurch zu der Auffassung, es sei ein Silberbergwerk gemeint
und lehnte die Existenz eines solchen flir PreuBen ab."^ Bei ge-
nauer Betrachtung stellt sich aber heraus, daB es sich uni ein nicht
nhher gekennzeichnetes Werk handelt. Nun sind aber aus dieser Zeit
Yerechreibungen flir Eisenhammer in der Gegend von Wormditt be-
kannt,®^ die eine Eisenforderung in der Nahe wahrscheinlich ma-
chen*
Ein anderer Bericht ergibt ein ahnliches Bild: "Von pauren im
Q1 \
verder anno 1383*" Er stellt einen hnndgreiflichen Streit zwi-
echen Bauern und Priestern dar, entbrannt wegen der Scharwerkslei-
etung. Perlbach lehnt den Bericht mit dem knappen Hinweis ab, daB
eich in Posilge, der Quelle flir die vorausgesetzte libers chwemmung,
82)
eolches nicht finde. ' Interessant ist aber, daB in jener Zeit
der Hochmeister Konrad Zollner in einem Streit zwischen Pfarrern
und Deichgeschworenen im Marienburger Werder liber die Unterhaltung
der Damme vermittelte; darin dlirfte der Kern der Darstellung
der Celler Chronik zu suchen sein.
Die Nachricht liber die "Ketzerei im Lande Preussen 1392"^^
trifft ebenfalls im Kern zu.®*^ Weitere Beispiele konnten folgen,
doch ist bereits zur Geniige deutlich geworden:
Die Celler Chronik bringt eine insgesamt zutreffende Darstel¬
lung, soweit sie auf anderen heute allgemein bekannten Chroniken
beruht; an manchen Stellen wird allerdings der Bericht in ordens-
feindlicher Tendenz mit erfundenen Beigaben ausgeschmlickt. Als be-
eonderes Indiz dafiir darf die wortliche Rede gelten.®^ AuBerdem
hat die humanistische Sucht nach Etymologien ihre Spuren hinter-
lassen, Neben solch negativen Ztigen weist die Chronik jedoch Posi¬
tive auf, die man nicht vermutet hatte. Sie zeigt, daB in den nur
ihrer Tradition - die frlihestens um 1500 entstanden sein kann -
eigenen Berichten meist ein Wahrheitskern steckt, mag die Einklei-
dung auch noch so sehr der Pabulierlust ent^ungen sein. Wie die-
вег Wahrheitskern tiberliefert wurde, ist vollig ungewifl; es ist
wahrscheinlich, daB eine schriftliche Tradition angenommen werden
darf, doch kann sie nicht sicher nachgewiesen werden.
Dies alles flihrt zu einer anderen Wertung der Danziger chro-
nistischen tlberlieferung. DaB sie auch Richtiges berichte, ist als
selbstverst&ndlich angenommen worden; angeprangert wurden stets
nur die "Fabeleien", Es war flir die Beurteilung der Tradition un-
100
glinstig, daB seit dem 16. Jahrhundert als Hauptvertreter etets Si¬
mon Grunau angesehen wurde, dessen Chronik wirklich recht konfus
ist und sehr viel Beiwerk und Hetze enthalt. Wenn man ihm die Cel-
ler Chronik entgegenstellt, muB man zu dem SchluB kommen, dafl jene
Chronistik zwar tendenzios ist, manchmal auch dieser Tendenz die
Berichterstattung unterordnet, im groBen und ganzen jedoch eine
richtige Darstellung bietet und darUber hinaua eine ganze Reihe
von Details mitteilt, die, aus ihrem Gewand vorsichtig herausge-
schalt, unser Wissen um die Geschichte des PreuBenlandes an man-
chen Stellen erweitert. Es ist eine Frage der sachlich unvoreinge-
nommenen Quellenkritik, jene Stellen recht zu bewerten. Dazu sind
samtliche Zweige der historischen Uberlieferung heranzuziehen; es
ist nicht moglich, die Chronistik aus sich heraus sprechen zu les¬
sen. Genauso darf sie aber auch nicht aus der historischen Darstel-
lung ausgeschlossen oder nur als schmuckendes Beiwerk verwandt wer-
den.
Es wurde bereits gesagt, daB die Glaubwtlrdigkeit eines Chro-
nisten vor allem in den Berichten der von ihm miterlebten Zeit
sich wiederspiegele. Bisher konnte nur liber die Glaubwlirdigkeit
einer Tradition etwas gesagt werden, da die Celler Chronik sich
bis 1500 offensichtlich auf Vorlagen stlitzt. Nun finden aber die
Yorgange auch nach 1500 weitere Parallelen bei Grunau und der von
fl7 1
Hirsch edierten "Ferber-Chronik". ' Von Grunau ist die Celler
Chronik erwiesenermaBen unabhangig; ob sie das Ferber-Buch zu ihren
Quellen zahlt, ist hier unerheblich. Es wird nur wieder deutlich,
daB der Chronist noch immer keinen Bericht aus eigenem Erleben
schreibt. Auch die zitierten Urkunden mlissen auBer acht gelassen
werden, da es sich bei ihrer Wiedergabe stets um Abschriften, nie
um freie Darstellung handelt.
Es bleiben also zur Prlifung nur noch die annalistischen Noti-
zen nach 1525, da mit diesem Jahr der Abdruck der Danziger Chroni-
ken in den Scriptores endet. Zum Vergleich liegen im Druck nur
spatere, zu knapp gefaBte Werke vor. wie ein Teil von Spatte und
Q Q \
das Annalenblichlein Jakob Rhodes. ' Deshalb ziehe ich hier die
Handschrift der Danziger Stadtbibliothek Ms. 1285 als Vertreter
89)
einer alteren Form der Danziger Chronistik heran. Im Vergleich
ergibt sich, was als Eigenbericht der Chronik Celle anzusprechen
1st
Ms* 1285 berichtet ab fol. 382a von der Citation des Rates
vor den Konig, ausfUhrlicher als Chronik Celle; weiter folgen alle
Nachrichten, die auch Celle mitteilt: "Grosser schnee anno 1526",
der Weichselausbruch, der Besuch des Kbnigs in der Stadt und die
90)
Anwesenheit Georgs von Pommern und Herzog Albrechts* ' Dabei un-
terscheiden sich Ms. 1285 und Handschrift Celle nicht nur in der
Stellung, sondern auch in der Form der Einzelnachrichten. Ms. 1285
bietet weit starker den zusammenhangenden Bericht* Deutlich ist
8plirbar, daB die Tradition sich eine Anderung hat gefallen lassen
miissen. Per Einzug Herzog Albrechts nach Danzig mag als Beispiel
dienen. Ms. 1285 schreibt: "Der Fiirst aus preusen kam auch ken
Dantzke montags der erfindunge des heilig Creutzes auf einen don-
91)
nerstag mit 150 pferden..."7 ' Handschrift Celle berichtet: "Den
13* may kam der furst aus preussen mit 150 roB." Hier wird ersicht-
lich, wie Handschrift Celle um eine Ktirzung zur Annalistik hin be-
mUht ist. Dabei unterlaufen allerdings bfters Fehler in der Daten-
auflosung; die Kreuzfindung bezeichnet den 3., nicht den 13. Mai.
Der 3. Mai 1526, das richtige Datum von Albrechts Einzug, fiel auf
einen Donnerstag. Ms. 1285 bietet also die teilweise korrektere
und altere tJberlieferung. Die Auflosung der Daten kommt jedoch auch
an einigen Stellen bereits in Ms. 1285 vor. Jedenfalls, das war im
Rahmen der Fragestellung wichtig, erv/eist sich Handschrift Celle
wieder nicht als original.
Auch die wenigen Notizen, die Celle mehr hat als Ms. 1285 -
wie Uber den Gewolbeeinsturz der St. Johann-Kirche in Marienburg
und den Brand Lobaus*^ - konnen diesen Eindruck nicht andern.
Anders wird dies ab 1535. Die Berichte in der Celler Hand¬
schrift Bind gegenliber Ms. 1285 wesentlich ausfUhrlicher Oder bie-
ten gar in Ms. 1285 nicht mitgeteilte Nachrichten: "Ameral aus
93) 94.) 95)
Schweden", ' Johann von Leiden in Munster, ' "Cometen", ' "Je-
96) 97) 98)
ronimus Meslandt", ' ein Mordbrenner, 1 "Georg Wegner", ' Weich-
selausbruch 1544,^) Ernennung Joachims von Brandenburg zum FUhrer
gegen die Turken,1*^ "Putzker sachen"f1^1^ Mordbrenner1^^ und
schlieBlich die Vollmachterteilung des Rates fUr Johann von Werden
und Johann Brandt in Sachen Putzig im Jahre 1545.1<^ Hier zeigt
die Celler Chronik eine tJberlieferung von wesentlich ausfUhrliche-
102
ren und exakteren Mitteilungen. Die Handschrift gibt zusammenfas-
sende Darstellungen, die einen sicheren Uberblick fiber die Vorgange
verraten. Liegt das an einer verklirzten und schlechteren Tradie-
rung in Ms. 1285 Oder dlirfen diese wertvollen Nachrichten als Ei-
genleistung des Celler Chronisten angesehen werden?
Eine andere Handschrift der Danziger Stadtbibliothek, Ms.
1290, soil diese Frage klaren helfen.1(^ Die Bedeutung, die Gehr-
ke ihr beimaB, wurde von J. Dworzaczkowa mit Recht eingeschrankt]^
doch ist das hier nicht weiter wesentlich. Ms. 1290 stellt aufgrund
der fehlenden Boemus- und Frank-Zitate wie Ms. 1285 eine frlihere
Bearbeitungsstufe dar als Chronik Celle, ist somit von ihr unab-
hangig und zum Vergleich geeignet.
Ms. 1290 fiihrt samtliche oben genannten Nachrichten, die Ms.
1285 fehlen, mit Celle gleichlautend auf.^^ Die Unterschiede
sind recht gering, Verschiebungen in Tagesdaten Oder Jahresanga-
ben. Interessant ist jedoch, daB sich die zusammenfassenden Dar¬
stellungen der Celler Handschrift nur deshalb als solch guter Uber-
blick ausnehmen, weil samtliche Zwischennotizen, wie sie Ms. 1290
bietet, fortgelassen sind; auch hat Chronik Celle den Text ein we-
nig geklirzt.
Wieder weist sich also die Celler Chronik als sekundare Quel¬
le aus. Das gilt auch ftir die folgenden Jahre. Fast alle Notizen
finden sich ebenfalls in Ms. 1290, ausgenommen drei Nachrichten
iiber Preise und Bauten.^^ Hervorzuheben sind die ausftihrlichen
Erzahlungen liber Kampe zu 154-7 und GlockengieBer zu 154-8.^^ Ms.
1290 erwahnt nur kurz deren Tod, wahrend Handschrift Celle beson-
ders liber GlockengieBer sich sehr weitschweifig - auf liber drei
Seiten! - auBert. Man gewinnt den Eindruck, als habe der Schrei-
ber GlockengieBer personlich gekannt.
AnschlieBend berichtet der Chronist liber die Kommission der
Bischofe in Danzig vom Jahre 154-4-;^^ zwar ist er ausftihrlicher,
doch bietet Ms. 1290 diese Schilderung ebenso wie die folgenden
bis zum Preis des Hopfens im Jahre 1549•^
Die sehr breit angelegte Erzahlung vom Konigsbesuch in Danzig
im Jahre 1552 stammt ebenfalls nicht vom Chronisten der Celler
Handschrift, wie bereits GUnther nachwies.^^ Abgesehen von den
wenigen folgenden Notizen ist damit das Ende der Handschrift er-
- 103
reicht.
Dieser ttberblick ergab somit folgendes:
Chronik Celle berichtet in ihrer gesamten Darstellung fast nichts,
das nicht auch in anderen, meist ungedruckten Danziger Chroniken
zu finden wslre; die wenigen nicht anderweitig nachgewiesenen Noti-
zen sprechen nicht dafUr, daB der Schreiber eigene Nachrichten
einschob, die nur ihm bekannt waren. Einzig die ausfUhrliche Dar-
etellung des Todes von Hans GlockengieBer ist bisher nur aus der
Celler Chronik bekannt, doch ist es unwahrscheinlich, daB hier ein
originaler Bericht vorliegt. Mit wesentlich groBerer Wahrschein-
lichkeit darf angenommen werden, daB Ms, 1290 ebenso wie Spatte,
die beide den Tod GlockengieBers mitteilen, eine Dorstellung klirz-
ten, die die Celler Chronik in voller Lange Ubernahm. Originalitat
kann demnach diese Handschrift nicht aufweisen. Ihr groBer Vorteil
ist jedoch, daB sie bei weitem die ausflihrlichs te Darstellung un-
ter den Danziger Chroniken bietet.AuBerdem zeigt sie die hochste
Entwicklungsstufe, die diese Chronistik erreicht hat in der kompi-
latorischen, unkritischen Zusammenstellung einer Vielzahl verschie-
dener QuellenstUcke, Ubertroffen hbchstens von Bornbach, dessen
Werk zwar viel zitiert, aber bis heute nicht genau untersucht wor-
den ist. Alle spateren Chronisten wie Melmann oder Spatte erheben
sich darin nicht liber die Celler Chronik. Es ist in der Literatur
nur deshalb immer wieder auf jene zurlickgegriffen worden, weil sie
epater entstanden und somit einen groBeren Berichtszeitraum umfas-
sen - so besonders Spatte - und am Ort der Porschung greifbar wa¬
ren. Eine neue Zeit brach erst an, als die vorsichtigen Versuche
einer Kritik zur regelrechten Wertung der Quellen fUhrten, zuerst
also bei Lucas David.
Wie wenig Originalitat der Celler Chronik bescheinigt werden
konnte, so groB ist jedoch ihre Glaubwiirdigkeit. Der Standort des
Berichterstatters ist deutlich zu spliren, einmal an der durch-
schlagenden Tendenzfalschung, die sich aber in auBerst bescheide-
nen Grenzen halt, vor allem jedoch an den mitgeteilten Nachrichten.
Diesen Eindruck vermittelt besonders die Danziger Stadtgeschichte
von 1411 bis 1553* Eine in Konigsberg Oder Thorn entstandene Quelle
unterscheidet sich allein darin recht deutlich, auch wenn sie die
104 -
Danziger Tradition zur Vorlage hatte. Die mitgeteilten Vorgange
hat die Forschung zum groBten Teil bestatigt. Viele Einzelheiten,
die bisher al9 Falschungen, entsprungen einer Ublen Fabulierlust,
abgetan wurden, haben sich gerade in jtingster Zeit ala vollig Oder
zumindest im Kern wahr und richtig dargestellt erwiesen. Somit
kann die Uberlieferung, von der die Celler Chronik eins der beaten
Beispiele iat, verstarkt herangezogen werden, unsere Kenntnis der
preuGischen Geschichte zu vertiefen, auch dort, wo sie nicht an-
derweitig nachgewiesene Details berichtet, Das Vertrauen in diese
Tradition, durch Grunaus Werk stark erschUttert und oft vdllig
112)
zerstort, darf damit ala wesentlich gestarkt aua dieaer Unter-
suchung hervorgehen.
3) Chronik Celle ala Entwicklungaatufe stadtischer
Geschichtsschreibung in Danzig
Die Celler Handschrift bietet die am htfchsten entwickelte
Form der kompilatorischen Geschichtsschreibung Danziga. Sie ist
deshalb geeignet, fUr eine Untersuchung des Wesens stadtischer
Chronistik zu dienen. Es kann hier keine erschopfende Analyse ge-
boten werden, steckt die Forschung auf dieaem Gebiet doch noch in
113)
den Anfangen. Es sollen nur einzelne Punkte aufgezeigt werden,
die das Verstandnis der Chronistik jener Zeit beleuchten.11^
Bereits einleitend wurde der tlbergang von der Ordensgeschichts
schreibung zur Landeschronistik und ihrer stadtischen Auspragung er
wahnt. Dieser Vorgang findet sich nicht nur in Danzig; andere preu-
Gische Stadte zeigen ihn ebenso, wie auch die Stadte des Reiches
eine eigene Chronistik entwickelten. Den Grund dazu bot die politi-
sche Erstarkung des stadtischen Gemeinwesens, verursacht durch den
wirtschaftlichen Aufschwung, den die groGeren Handelsstadte im 15.
Jahrhundert erlebten, Dieser Aufschwung ist besonders bei den Han-
sestadten zu beobachten, Es sei nur daran erinnert, daG der drei-
zehnjahrige Krieg in PreuBen nicht durch bessere Organisation und
Schlagkraft der BUndner, sondern in erster Linie mit dem Geld Dan-
zigs gewonnen wurde! Der Rat der Stadt, damit die einzelnen Ge-
schlechter, der Reeder und GroBkaufmann griffen somit handelnd in
- 105 -
eine Geschichte ein, deren Objekte sie bisher gewesen waren. Gerade
cu Beginn des 15. Jahrhunderts setzte diese Wandlung in Preuflen
ein. Es geschah nicht in einem plotzlichen Aufbegehren, sondern in
einein zuerst langsamen, dann sich stets beschleunigenden ProzeB
von unaufhaltsamer Kraft. Man kann jene Entwicklung nicht als Re¬
bellion der Untertanen gegen eine von Gott gesetzte Herrschaft be-
trachten, sondern nur als Versuch, den aufgrund des Anteils am Le-
ben des Staates berechtigt scheinenden Platz einzunehmen. Pas ist
auch der Tenor in den juristischen AusfUhrungen wahrend des Pro¬
cesses der BUndner gegen den Orden am kaiserlichen Hofe 1453. Es
wurde nicht der Orden als Landesherrschaft abgelehnt, sondern ein
groBeres Mitspracherecht in der Leitung der eigenen Geschicke ge-
115)
fordert. '1 Erst als es urn die Existenz der BUndner zu gehen
schien, griffen sie zum Mittel des Krieges.
Lieser erwachende politische Geist sah sich mit den verschie-
densten Erscheinungsformen politischen Geschehens konfrontiert,
nicht nur im eigenen Land, sondern vor allem auch auf den Reisen,
die der BUrger, wie ich ihn hier vorerst nennen will, entweder als
Kaufherr Uber Meer unternahm Oder als Abgeordneter seiner Stadt
etwa auf den Hansetagen. Er war gezwungen, Stellung zum Geschehen
zu nehmen, das gerade den Kaufherrn oft recht konkret berUhrte, da
es sich auf den Verkauf Oder sogar schon den Transport seiner Wa¬
ren auswirkte. Label mufite er notgedrungen marches Mai zu den Pri-
vilegien greifen, die dem Geraeinwesen, dem er angehdrte, einmal
verliehen worden waren; er muBte sich mit frUheren Geschehnissen
auseinandersetzen, um den zu seiner Zeit zu beschreitenden Weg zu
erkennen. Las wurde noch bestarkt auf dem Gebiet des Rechtes, das
erst im 15. Jahrhundert in Deutschland eine langsame Lurchdringung
des Uberkommenen durch das Romische Recht erfuhr, durch den Satz,
daB altes Recht wahres Recht sei. So ist beispielsweise die Anlage
von SeerechtsbUchern in den Hansestadten zu verstehen, wie sie fUr
Danzig Konrad Bitschin Anfang des 15. Jahrhunderts vornahm.11^ Da„
mit war der Blick, noch rein zweckgebunden, auf die Vergangenheit
gelenkt, jedoch um als Leitfaden fUr gegenwartiges oder gar zukUnf-
117)
tiges Handeln zu dienen. '
Starker in das Leben des Einzelnen griff die Gegenwart in un-
ruhigen Zeiten ein. Eine Form der Bewaltigung des Gegenwartsgesche-
106
hens ist es, die Ereignisse schriftlich niederzulegen. So darf man
wohl ftir Danzig die frUheste Aufzeichnung historischer Vorgange in
den Anfang des 15* Jahrhunderts setzen, als es 1411 und 1416 etli-
che Unruhen in der Stadt gab, Zu diesen Jahren finder, sich auch
die frtihesten Mitteilungen zur Danziger Stadtgeschichte in der Cel-
ler Chronik.
Auch in der Mitte des Jahrhunderts gait dies noch. So hat bei-
spielsweise Lindau ein "Kriegstagebuch" gefUhrt Uber die Vorgange
des 13jahrigen Krieges. Noch fehlte das vbllig bewuBte Sichhinein-
stellen in die Tradition einer Ubergeordneten Wesenheit, sei es
die Stadt, das Land oder eine andere Ausdrucksform; festgehalten
wurde, was als denkwtlrdig erschien. Nicht die Beunruhigung allein,
sondern zusatzlich das Geftihl, der Vorgang sei denkwtlrdig, veran-
11 q)
laBten die ersten Aufzeichnungen. *' Solche Aufzeichnungen wurden
dann aber nicht weitergeftihrt; mit dem Ende des denkwUrdigen Vor-
ganges und der Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung endeten auch
sie. Es bedurfte eines neuen AnstoBes, um weitereAufzeichnungen
entstehen zu lassen. Das zeigt deutlich die Liicke der stadtischen
Uberlieferung, die in der Celler Chronik zwischen den Ereignissen
von 1416 und der Geschichte des Bundes besteht* So komint auch Men-
ke zu der Uberzeugung, die Geschichtsschreibung laufe in diesem
friihen Stadium nicht "von alleine" weiter aus bloBem historisch-
literarischen Interesse, sondern vollziehe sich in Schtiben im po-
litischen Zusamraenhang,
Das kennzeichnet deutlich den Unterschied zur gleichzeitigen
Ordenschronistik, wie sie sich etwa in der Alteren Hochmeister-
chronik bietet. Ihr Verfasser ist Angehbriger eines Orders, dessen
Geschichte von seiner GrUndung an den Rahmen abgibt, auch wenn das
Werk stark auf das Land PreuBen bezogen ist. Er sieht sich als
Teil jenes Orders hineingestellt in dessen historische Entwicklung.
Dieser Gesichtspunkt ist dem stadtischen Chronisten noch unbekannt,
er erlebt vor allera die Gegenwart. Die Darstellungsform des anstoB-
gebundenen Gegenwartsberichtes existiert in Danzig noch in der Mit¬
te des 16. Jahrhunderts in der Relation Uber den Konigsbesuch, wie
sie die Celler Chronik bietet.
Jene aufgezeigte Entwicklung fUllt in PreuBen das 15. Jahr-
hundert. Im Vergleich etwa zu Koln, Magdeburg Oder LUbeck zeigt
- 107 -
Danzig, Wegbereiter der stadtischen Chronistik in PreuBen, eine
ziemliche Verspatung. Wahrend sich fur Koln bereits in der zweiten
Halfte des 14. Jahrhunderts der Ansatz stadtischer tlberlieferung
121)
findet, ' fallt er fUr Danzig erst in die erste Halfte des 15.
Jahrhunderts, erklarlich aus der Situation PreuBens als eines
,lKolonial,,-landes. Deshalb ist die von Nenke angesetzte Zwischene-
poche des literarischen Interesses zwischen der Zeit der anstoBge-
bundenen Relation und der Stadtischen Chronik fUr Danzig im 15.
Jahrhundert kaum vorhanden. Die Abschriften alterer Werke, vornehm-
lich historischer, gehoren samtlich dem 16. und 17. Jahrhundert an
und entspringen weniger literarischem Interesse als kompilatori-
echem Sammeleifer der inzwischen tatigen Chronisten. 1 Literari-
eches Interesse ist im Deutschen Orden Oder den Klostern anderer
Orden weit starker zu beobachten, stUtzen sie sich doch auf eine
alte Tradition. In den anderen Kongregationen ist vor allem die
Gattung der Weltchronik vertreten; es seien nur Tolomeo von Lucca
und Martin von Troppau genannt. Der Geistliche, ob nun Ritter oder
Monch, hatte von vornherein ein anderes Verhaltnis zum Buch als der
BUrger. AuBerdem stand er nicht so sehr in einem begrenzten Gemein-
wesen der Gegenwart wie jener, sondern vnaBte sich als Einzelner
Oder auch als Angehoriger einer Bruderschaft in die Tradition zu-
mindest jener, wenn nicht gar einer Heilsgeschichte gestellt. Das^
bedeutete nicht, daB er der Vergangenheit gelebt hatte; alleih die
Art der Staatsbildung des Deutschen Ordens widerspricht dem. Doch
man sah sich als Glied einer Kette, die weit in die Vergangenheit
zurlickreichte. Das bewiesen auch die Hochmeisterverzeichnisse, die
unabhangig von der eigentlichen Chronistik seit Posilge immer wie-
der zusaramengestellt wurden.
Diese Wendung nach rUckwarts, dort im Rahmen einer geistlichen
Bruderschaft, zeigt sich im stadtischen Bereich in Danzig erst im
16. Jahrhundert, auf den Kreis der erweiterten Familie bezogen in
der Anlage groBer Genealogien, zu einer Zeit, als im selben Lebens-
bereich die Chronistik bereits kraftig erblUht war. Vorlaufer die-
ser Genealogien mogen die Rats- und Schoppenlisten sein, die in
Danzig seit der Mitte des 15. Jahrhunderts gefUhrt wurden.
Erst zu Beginn des 16. Jahrhunderts, in den zwanziger Jahren,
wurde fUr Danzig die Form der zusammenhhngenden Chronik stadtischer
Pragung geboren. Vorher finden sich nur Einzelrelationen oder ta-
gebuch- und annalenahnliche Aufzeichnungen, die entweder zusamrnen-
stellungen des Rates sind wie bei Lindau Oder aber Memorabilia dee
weitgereisten Kaufmanns, gesammelt wahrend seiner Handelstatigkeit,
wie bei Weinreich. Sogar die engere Form der Familienberichte, ver*
mischt mit den Darstellungen Uber Tatigkeit und Funktion des Haus-
herrn im stadtischen Gemeinwesen, ist durch die Mitteilungen Jakob
Lubbes vertreten. Sie wurden aufgezeichnet ,Tzu Nutz und Frommen
1 2Ъ)
der nachfolgenden Geschlechter sowie zu eigenem Ruhm.M
Pen endgiiltigen AnstoB, all diese Ansatze zu vereinigen zu
einer Parstellung nicht nur des Selbsterlebten, sondern auch der
Vergangenheit, gab der Humanismus. Er griff zurUck und entdeckte
aus neue die lange verschUttete Literatur der Antike. Aus dieser
Literatur bezog der Humanist Kenntnis tlber die Verhaltnisse seiner
Heimat - sei es Italien, sei es das Reich - in vergangener Zeit
und verglich sie mit den Gegebenheiten seiner Epoche, wie etwa Jo¬
hannes Boemus. Das flihrte zu einer Parstellung auch der preuBischen
Vorzeit, wie man sie bei Enea Silvio Oder Erasmus Stella findet.
Hinzu trat volks- und volkerkundliches Interesse, wie es sich im
Werk des Boemus offenbart. Nur noch ein kleiner Schritt war es,
diese Parstellungen mit dem zu verbinden, was in einzelnen Relatio-
nen bereits vorlag, und ein ebenso kleiner Schritt, die fehlenden
Zwischenpartien zu rekonstruieren Oder schlimmstenfalls zusammenzu-
fabulieren. Dieser Schritt wurde vollzogen von weltlichen Humani-
sten ebenso wie von geistig hochstehenden Klerikern.
Hinzu kam, daB der Humanismus eine nationale Erscheinung
war.^^ Er regte nicht nur zur Schaffung von Weltchroniken an wie
bei Schedel und Nauklerus, sondern auch zu historischen Darstellun-
gen des eigenen Volkes, wie sie im Osten Johannes D/ugosz und nach
ihm im Pruck Matthias von Miechbw vertreten.
Damit sind die Komponenten aufgezeigt, die den AnstoB zur er-
sten preuBischen Geschichte aus stadtischer Sicht gaben: die Schil-
derung der Vorzeit durch Silvio und Stella sowie das parallele Bei-
spiel fUr das benachbarte Polen in der Chronik Matthias von Mie-
chows. Noch griffen sie nicht in eine stadtische Panziger Historio-
graphie ein; das erste Werk unter jenen Vorzeichen entstand im El-
binger Dominikanerkloster. Doch in KUrze war es in Danzig bekannt.
109 -
Daneben blieb jener humanistische AnstoS auch in den hoher ge-
bildeten Danziger Fiihrungskreisen nicht ohne Erfolg, stammt doch
aus derselben Zeit, eben den zwanziger Jahren des 16. Jahrhunderts,
die sogenannte Ferber-Chronik. Die Existenz beider Werke ist nicht
anzuzweifeln, wenn auch Form und Inhalt noch nicht eindeutig ge-
klart werden konnten. DaB der Danziger BUrger fur diese geistige
Entwicklung vorbereitet war, zeigen die mannigfachen Beziehungen zu
den Mittelpunkten humanistischen Lebens, den Universitaten im Reich
und in Italien. Bereits um die Mitte des 15* Jahrhunderts finden
wir Danziger an Universitaten, um die Jahrhundertwende besetzen sie
125)
die offentlichen Amter, ; etwas spater auch die Kontore groBerer
Handelsunternehmen. Damit ist der Kreis aufgezeigt, der in Danzig
tragend wurde fUr die stadtische Geschichtsschreibung. War im 15.
Jahrhundert die anstoBgebundene Relation Angelegenheit des Rates
und seiner Schreibstube - wie etwa der Bericht Lindaus und wur¬
de er dort aufbewahrt und nicht weiter verbreitet, so gait im 16.
Jahrhundert die Chronik als Ausdrucksform kaufm&nnisch-bUrgerlichen
SelbstbewuBtseins, getragen von der geistigen Entwicklung des Ein-
zelnen, der keinen anderen Zweck verfolgte als den der tieferen
historischen Erkenntnis und deren Vermittlung an gleich ihm Inter-
essierte. In diesem Zusammenhang ist auch die Chronik des Kaufmanns
Bartholomaus Wartzmann zu sehen. Allerdings blieb die Verbindung
zum Rat und den fUhrenden Geschlechtern wichtig, besonders im An-
fangsstadium, da sie im Besitz der alteren Quellen waren. Go ist
1 ? 6)
diese Verbindung auch flir Wartzmann wahrscheinlich. ' War die
erste zusammenfassende Darstellung erarbeitet, konnte die stadti¬
sche Chronistik erbluhen. Das heiBt allerdings nicht, daB e i n e
Chronik die Vorlage fur die gesamte spatere Historiographie bilde-
1 27)
te, wie Gehrke es mit dem Ferber-Buch nachzuweisen versuchte.
Wie rege das Interesse in Danzig war, zeigen die vielen Handschrif-
ten des 16. Jahrhunderts, die wir heute noch kennen, in deren Kreis
auch die Celler Chronik gehort.
Die Entwicklung der Historiographie in Danzig habe ich ver-
sucht aufzuzeigen. Dabei wurde zwar stets der Begriff nStadtische
Chronistik1’ verwandt, jedoch nicht naher gekennzeichnet. Um ihn zu
verdeutlichen, soil auf Chronik Celle zurtickgegriffen werden, die
als Endpunkt jener Entwicklung Uberliefert ist.Ihr Inhalt wurde
110 -
bereits aufgezeigt, ihr Horizont ist daher zur GenUge bekannt. Der
Blick des Chronisten geht Uber die Mauern seiner Stadt welt hin-
aus. Er schreibt keine Geschichte seiner Stadt, keine "Stadt-
Chronik", wie sie etwa im "Boich van der stede Colne’1 des Gotfrid
Hagen vom Ende des 13. Jahrhunderts,^ wie sie aus dem 15. Jahr-
hundert in der NUrnberger Chronik Sigismund Meisterlins vorliegtl^
Auch Danzig kennt ein solch begrenztes Werk: die Aufzeichnungen
Christoph Beyers. Sie dUrften in der Hauptsache aus Mitteilungen
zu innerstadtischen Vorgangen bestanden haben; allerdings umfassen
sie nur etwa dreiBig Jahre. Eine "Stadtchronik" von der Urzeit bis
zur Gegenwart kennt Danzig nicht. Deutlich spUrbar ist in der Dan-
ziger Historiographie die Stadt als Abfassungsort, doch ebenso of-
fenkundig ist die eindeutige Mittelpunktstellung dee Landes Preu-
Ben. Sie war bedingt durch die als Quelle dienende Ordensgeschicht-
schreibung, wenn auch, wie gezeigt wurde, die Danziger Historio¬
graphie in ihrer Entwicklung nicht unmittelbar von jener abhangig
ist. Es muB aber als besonderes Verdienst der Danziger Chronisten
angesehen werden, daB der ftir eine Stadt sehr weite Horizont der
Ordenschronistik nicht eingeschrankt wurde, auch nicht von dem
Zeitpunkt an, wo jene nicht mehr als Vorlage diente. Deutlich sind
zu unterscheiden die - in Danzig nicht vertretene - Stadtchronistik
und die - in der Celler Chronik vorliegende - stadtische Chroni-
stik.1^0^ Die stadtische Chronistik war in Danzig gleichzeitig
Landeschronistik. Das sicherte ihr die weite Verbreitung im gesam-
ten Preuflenland. Daher sind ihre maBgebenden EinflUsse genauso in
Konigsberg wie auch in Thorn deutlich erkennbar. Nur deshalb war
es moglich, sie im Verein mit der Uberlieferten Ordenschronistik
zusammenzufassen zu einer neuen Form der Landesgeschichtsschrei-
bung, wie sie sich am Hofe Herzog Albrechts in der zweiten Hallfte
des 16. Jahrhunderts zu bilden begann.
111
VI) Die Quellen der Celler Chronik
Die Hand9chrift Celle, die neben Grunau als einzige jener Zeit
vollstandig in einer wissenschaftlichen Ausgabe vorliegt, soli auf
ihre Quellen genau untersucht werden. Die Ergebnisse gelten weni-
ger fUr Handschrift C als fUr die gleichlautende Vorlage X; der
Einfachheit halber und der besseren NachprUfbarkeit im Druck wegen
wird C in den Mittelpunkt der Untersuchungen gestellt.
Es sind zwei verschiedene Arten von Quellen zu berUcksichti-
gen: die zitierten und die nichtzitierten. Die Erwahnung einer
Chronik im Text bedeutet noch nicht, daB der Schreiber sie in Han-
den hatte und benutzte; es sagt nicht einmal etwas Uber ihre Exi-
stenz aus. Wir wissen, "daB ofter Zitate vorgetauscht werden, wo
solche in Wahrheit nicht vorliegen, der Dichter vielmehr nur Dek-
kungen ftlr eigene Erfindungen sucht. Es ist bekannt genug, daB dem
Mittelalter das Verstandnis fUr eine hohere dichterische Wahrheit
noch nicht aufgegangen war, daB Horer- und Leserschaft auBere, wo
moglich durch diu buoch bestatigte, geschichtliche Wahrheit ver-
langte. Das hat ja hundertfaltig zur Vorspiegelung erfundener Quel¬
len gefUhrt, ein Brauch, der aus der Spatantike ins Mittelalter
Ubergegangen ist und in geistlichen wie weltlichen Literaturwerken
oft genug begegnet."*^ Als Paradebeispiel dafUr in der preuBischen
Historiographie gilt Simon Grunau, der in dem Zusammenhang gleich
herangezogen werden mufl. PUr die Celler Chronik bedeutet das, daB
man im Abschnitt Uber die zitierten Quellen wahrscheinlich gar
nicht auf die wirklichen Vorlagen stoBen wird, sondern jene erst
im nachsten Teil kennen lernt.
1) Die zitierten Chroniken und ihre Benutzung in den
Kapiteln der Landbeschreibung
Handschrift Celle zitiert auf den ersten Seiten gleich sieben
Chroniken, und zwar: Diwonis, Bischof Christian, Aeneas Sylvius,
Johannes Bohemus, Matthias Mechoniensis, Erasmus Sterne und Seba-
stianus Franck. Das Verhaltnis von C zu diesen Chroniken gilt es
zu klaren.
112
Я
A) Der Reisebericht des Diwonis r
Diwonis, ein Gelehrter in der Astronomie, wurde zur Zeit des
romischen Kaisers Octavius Augustus aus Salura in Bitinia ausge-
sandt, шп festzustellen, ob im Norden ebenfalls Menschen wohnten.
Dazu durchreiste er die Tatarei, Noskau und Livland und gelangte
nach PreuBen. All seine Begleiter starben unterwegs, wahrend er
als Einziger zur Berichterstattung zurtlckkehrte.^'
Soweit Chronik Celle; weitere Nachrichten liber ihn findet man
in Kaspar Bbttchers Chronik um 1569, der das Geschehen ins Jahr
47 v, Chr. legt,^ und bei Hans Radewald 1565, der die Reisenden
tiberwintern laBt und die Krankheitsursache angibt: die ungewohnte
Luft.^ ^
Die ausfuhrlichsten, aber auch verwirrendsten Nachrichten
liber Diwonis bringt Grunau. Er berichtet, daB Bischof Christian
vom Domprobst Jaroslaus von Plotzka in der Kasau anno 110 ein Buch
geliehen worden sei, in russischer Sprache doch mit griechischen
Buchstaben, in dem eben jener Diwonis seine Reisebeobachtungen
eingetragen habe; auf der RUckreise sei er in Polock gestorben und
habe das Buch hinterlassen. '
An diesem Eericht haben sich die Gemliter entzlindet; unter an-
derem sind zu nennen Hartknoch, Kotzebue, Voigt, Toeppen, ZeiBberg,
Perlbach, und zuletzt J. Dworzaczkowa. Es ginge zu weit, das Wider-
spiel der Arguraente anzufiihren; nur ab und an soli darauf verwie-
sen werden.
Grunau ist der erste, der vom Buch des Diwonis berichtet; das
sagt noch nichts aus. Zwar ist bekannt, daB er seine Quellen oft
recht frei behandelte, doch ist es nicht angangig zu argumentie-
ren, daB ihm als "LUgenmonch" von vornherein nicht zu trauen sei;
hat sich doch im Laufe der Zeit mancher Bericht im Kern als wahr
erwiesen, den die Herausgeber verwarfen.^ Das Buch des Diwonis
soli Bischof Christian benutzt haben fUr seine Chronik; er bekam
es vom Domprobst Jaroslaus von Polock. Nun existierte jedoch Polock
in romischer Zeit noch nicht.^ Vie soil sich aber ein Buch - in
russischer Sprache und griechischer Schrift! - in jener Gegend
fast 1300 Jahre lang erhalten haben? Das klingt sehr unglaubvdirdig.
113 -
Woher kann dieses Buch aber gekommen sein? Glaubwtirdige Erklarun-
gen gibt es nicht. Grunau zitiert es als Vorlage ftir -Christian.
Abgesehen von der Frage, ob Christians Chronik existierte Oder
nicht, sieht das ganze nach einer Quellenfiktion aus, urn die Chro¬
nik Christians zu stutzen; diese Fiktion entspricht jedoch nicht
dem 13., eondern dem beginnenden 16. Jahrhundert. Somit konnte man
Grunau die Erfindung der Quelle ankreiden, wie es am hartesten bei
Tettau geschieht, der ihm eine regelrechte Namen- und Quellen-
"Fabrik" zuschreibtDoch damit ist Uber das Ziel hinausgeschos-
sen. Die Chronik Christians und somit das Buch des Diwonis erschei
nen nicht nur bei Grunau, sondern auch in anderen von Grunau unab-
a)
hangigen * Berichten, wie der Handschrift Celle. Also muB eine ge-
meinsame Quelle vorgelegen haben, in der jene Chroniken verzeich-
net waren; dafUr sprechen auch die verschiedenen Lesarten des Be-
richtes bei Grunau und Celle. Bereits Gehrke nahm einen Auszug aus
einer verlorenen Elbinger Dominikanerchronik als Vorlage an.1^
Ihm folgte in etwa J. Dworzaczkowa.1^ Sie diff erenziarte das Bild:
ein Auszug gelangte nach Danzig in den Besitz von Georg Schbffke,
eine andere Redaktion Oder Umarbeitung "versehen mit dem Namen Si-
12)
mon Grunau, wurde im Ermland aufbewahrt." ' Die Handschrift
Schoffkes, die er aus dem Danziger Dominikanerkloster erhielt, i9t
13)
bekannt. *// Sie ist wahrscheinlich indirekt Vorlage gewesen fUr
Handschrift Celle. Den Nachweis fUr die ermlandische Redaktion
bleibt J. Dworzaczkowa jedoch schuldig. Dafi Grunau jene Monchschro
nik benutzte, scheint ohne Zweifel; dafi sie den Hinweis auf Diwoni
enthielt, ist wahrscheinlich. Doch konnte Grunau, selber terminie-
render Dominikaner, nicht im Elbinger Kloster das Original einge-
sehen haben? Dadurch wurde sich auch der Unterschied im Bericht-
stil bei Grunau einerseits und alien anderen Danziger Chronisten
1 4)
andererseits erklaren, auf den bereits Gehrke verweist. Anders
gesagt, die Vorwtlrfe, die fUr diesen Teil gegen Grunau erhoben
wurden, sind vielleicht weiterzuleiten an seine Quelle, die Elbin¬
ger Dominikanerchronik, die er am ausfUhrlichsten benutzte. Jene,
15)
zu Beginn des 16. Jahrhunderts entstanden, 1 hatte dann das Buch
des Diwonis erfunden. Das scheint durchaus vorstellbar, darf man
doch den Einzug traditionsfalschender Tendenzen viel eher fUr den
geistlichen BeieLch ansetzen als fUr den bUrgerlichen, noch dazu in
114
einem Zeitpunkt, in dem es um die monchische Existenz ging, wie
die Danziger Vorgange 1525/26 deutlich beweisen. Zudem entspricht
das Unternehmen des Diwonis vollig humanistischem Gedankengut,^^
wie es ebenfalls bei Stella zu finden ist. Die Ablehnung der Be-
schreibung des Diwonis wirft aber auch ein bedenkliches Licht auf
die Chronik Christians, der sie benutzt haben soil.
B) Die Chronik Bischof Christians
Christian, unter dem Namen Gottfried Abt des polnischen Zi-
sterzienserklosters Lekno, wurde 1215 zum Bischof von PreuBen ge-
weiht, Wahrend seiner Anwesenheit in PreuBen hatte er Gelegenheit,
das Land und eine etwa vorhandene mlindliche historische Uberliefe-
rung kennenzulernen. Er hatte wohl auch wahrend seiner Kulmer Jah-
re oder in der Gefangenschaft der PruBen Zeit gehabt, jenes zu no-
tieren und eine "Chronik" zusammenzustellen, wie sie die Celler
Handschrift erwahnt. Wie sollte sie aber ausgesehen haben? Chronik
Celle zufolge hatte sie nur aus dem Bericht des Diwonis bestanden.
Ausfiihrlicher berichtet wieder Grunau: "Dominus Christianus, bi-
schoff von Preussen, ein buch von in schreibt, und dis hebet sich
so an: liber filiorum Belial cum suis superstitionibus Bruticae
1 7)
factionis incipit cum moestitia cordis." ' Dann setzte er die Be-
richte des Aeneas Sylvius und Erasmus Stella gegen Christian ab;
zusatzlich fabuliert er unter Christians Namen liber die Goten so-
wie Bruteno und Weidewut, also die sagenhafte Urzeit PreuBens.1^
Es ist wieder anzunehmen, daB Grunau diese Abschnitte aus der El-
binger Dominikanerchronik Ubernahm, da die Celler Chronik ahnli-
ches mitteilt. Wie kamen aber die Elbinger Dominikaner an die Chro
nik Christians? So alt war das Kloster nicht, um das Buch von Chri
stian selbst empfangen zu haben; auBerdem hatte er es doch wohl
eher, selber.Zisterzienser, dem Kloster Oliva Ubergeben. In der
Tradition von Oliva findet sich jedoch kein Hinv'eis auf diese Chro
nik. Sollte der Verfasser der alteren Chronik von Oliva sich diese
Autoritat haben entgehen lessen, dies Ruhmesblatt in der Geschich-
te seines Ordens im PreuBenlande? Doch er berichtet nur ganz bei-
19)
laufig von dem Bischof an einer einzigen Stelle, so daB mit Si-
cherheit anzunehmen ist, daB in Oliva keine Christian-Tradition
- 115 -
bestand. AuBerdem scheint nach den Untersuchungen Perlbachs auch
der altere Teil, der in die Chronik eingeschaltet wurde, nicht mit
der Chronik Christians identisch zu sein, da er erst nach 1341
20)
entstand, ganz abgesehen davon, dafl die altere Chronik von Oliva
die Urgeschichte PreuBens gar nicht umfafit.
Woher also stammte die Christian-Uberlieferung in der Elbinger
Monchschronik? Vielleicht hilft dazu Lucas David weiter, der das
21)
Manuskript auch eingesehen haben soil. ' Voigt druckt sogar ein
22)
Bruchstlick jener Chronik ab. ' Doch alle Belege, die Voigt aus
David anfiihrt, finden sich auch in Grunau; nur verarbeitet Da¬
vid die Mitteilungen geschickter. Was von alien Argumenten Ubrig
bleibt, ist das der genauen Arbeitsweise Davids. Er mifltraute Gru-
nau, doch begegnete ihm in den Partien, die bei jenem unter dem
Namen Christians liefen, die willkoramene Schilderung der preuBi-
echen Urgeschichte. Ist es nicht wahrscheinlich, daB David zu dem
Mittel griff, im Zitat auf jene Quelle Grunaus zurlickzugehen, an-
etatt auf den Chronieten selber, von dem er sagt: "Hab funden im
Grunau, wie er durcheinander geworfen und nicht allein viel
Irrtums in rechnunge der zeit begangen, sonder auch oft sich sel-
ben zuwider geschrieben, fleiBig ist der man gewesen, aber alles
on bedacht und vorstandt zusammen gerafft.Es war in den
Augen der Zeit ublich zu zitieren, ohne das Werk selber gesehen
25)
zu haben. ' So ist auch die Form, in der er Christian zitiert,
nichts als eine geschickte klare Verarbeitung des bei Grunau ver-
worrenen Zitates; er bietet eine Schilderung der Landfindung genau
wie Chronik Celle.
Ein dritter Autor ware noch zu prlifen. Gorski weist darauf
bin, daB Hosius dem Chronisten Cromer eine "alte Chronik” gezeigt
habe, und halt dieseChronik fUr diejenige Christians. Doch sein
nachster Hinweis, dafl die Chronik bereits von Lucas David, dem Se-
kretar von dem Vorganger des Hosius, Tiedemann Giese, benutzt wor-
27)
den sei, zerstort Gbrskis These. ' Dafl Lucas David sie nicht be-
nutzte, wurde herausgestellt. Welche "alte Chronik” Cromer bei Ho¬
sius einsah, ist weiterhin unklar, Christian war es jedenfalls
nicht.
Noch immer stellt sich die Frage, woher die Elbinger Domini-
kanerchronik die Christian-Handschrift kannte. Verdachtig ist, daB
116
I
<
die Monchschronik die einzige Quelle ist, die Christians Bericht
eingesehen haben kann. Wenn man weiter daran denkt, daB der der
Christianchronik einverleibte Bericht des Diwonis sich als wahr-
scheinliche Palschung herausstellte, liegt der SchluB nahe, auch
diese Chronik ftlr eine Erfindung des Schreibers zu halten. Diese
Erfindung ware gar nicht ungeschickt. Die Nachrichten, die Stella
1518 im Druck mitteilte,wurden von ihm recht frei verarbeitet,
urn eine breite Urgeschichte PreuBens aufzuzeigen. Wer ware als be-
statigende Autoritat geeigneter gewesen als der erste Bischof im
PreuBenland, Christian? War er doch als erster intensiv mit den
PruBen in Beriihrung gekommen. Allerdings tat der Schreiber dann
des Guten zu viel, indem er der fiktiven Chronik Christians eine
weitere fiktive Quelle zuschrieb, den Bericht des Diwonis, Bedenkt
man jedoch diese recht geschickte Art, eine Urgeschichte PreuBens
aus der Fantasie zu schreiben und mit solch glaubwtirdigen Zeugen
wie Christian zu versehen, dann dUrfte die Elbinger Monchschronik
doch nicht so konfus gewesen sein, wie man nach der LektUre Gru-
naus zuerst denkt.
Jedenfalls scheint es wohl sicher, daB die Chronik Christians
nicht existiert hat. Auch die Celler Chronik folgte nur dem Brauch
der Zeit, ein Zitat glaubig aus einer Vorlage zu Ubernehmen, denn
es herrschte sicher in weiten Kreisen die Ansicht, die Grunau aus-
sprach: M... die worheit is, noch der weise, wie alle cronicken
war sein.’1^^ Auch solch kritische Schreiber wie Lucas David waren
nicht ganz frei von jenem Glauben. Es nimmt also gar nicht Wunder,
in der Celler Chronik Christian und Diwonis zitiert zu finden, zwei
30)
teils recht geschickte Falschungen der Elbinger Monchschronik.
C) Aeneas Sylvius
Aeneas Sylvius Piccolomini war als kaiserlicher Rat und papst-
licher Legat in Deutschland mit den Verhaltnissen in PreuBen in
enge Beruhrung gekommen, besonders intensiv wahrend des Prozesses,
den der Orden wider den Preufiischen Bund vor dem Gericht des Kai¬
sers 1453 in Wien flihrte. Er, der dem Orden sehr freundlich gesinnt
war, Mhat dem ProzeB mit bemerkenswert klugem politischen Urteil
gegenUbergestanden."^1^ Seine Stellungnahmen waren zwar fUr den Or-
117 -
den gtinstig, jedoch samtlich von politischer Weitsicht bestimmt.
Das Interesse fur PreuBen zeigte sich auch 1 457/58 im Bemuhen, das
ermlandische Bistum 2u erhalten. Seine Wahl zum Papst - als solcher
nannteer sich Pius II. - setzte dem ein Ende. Doch blieb er weiter-
hin dem Orden geneigt.^2^
Auch als Schriftsteller war Sylvius auBerst vielseitig. Noch
kurz vor seiner Priesterweihe schrieb er die vielgelesenen recht
lockeren Liebesgeschichten "Euryalus und Lucrezia" sowie "De Chry-
side". Er betatigte sich auf alien Gebieten humanistischer Wissen-
schaft,so daB er als "der glanzendste Reprasentant des Humanismus
*5*5 \
unter den Papsten" gilt. '
Die Celler Handschrift schreibt Sylvius eine Chronik zu, die
die Urzeit PreuBens behandelt. Im Gegensatz zum Diwonis- Oder
Christian-Zitat existiert eine solche Schrift unter dem Titel: "De
8itu et origine Pruthenorum.M Hirsch setzt ihre Entstehung in die
Zeit von 1450 bis 1456 und weist mehrere Handschriften und Drucke
des 15. Jahrhunderts nach.^^ Der einzige in Chronik Celle zitier-
te Satz: das diB land PreuBen recht soil genennet werden Ul-
migania, denn dise volker, die dis land zum ersten bese/3en haben,
55)
eind Ulmigeri genennet worden." ' findet sich allerdings bei Syl¬
vius in keiner seiner Schriften. Die Namensform "Ulmigania", "Ul-
migeri" kommt auBerdem bei ihm nicht vor; er hat, nach seiner Quel¬
le Jordanis, "Ulmerigi", иUlmerigia,,. Stella dagegen fu'nrt die Form
'•Ulmigeri", oft noch mit vorgesetztem H. Ein Lesefehler der Hand¬
schrift Celle liegt nicht vor, da Reden nicht abweicht. Also sind
die auch bei Stella verwandten Formen bereits in der Vorlage X vor-
handen. Ebenfalls hat Grunau die Form "Ulmiganea”. ' Auffallend
ist, daB sowohl Grunau als auch Chronik Celle nur diesen einen kur
zen Betreff aus Sylvius zitieren. Das scheint dafur zu sprechen,
daB die Schreiber beider Chroniken ihn nicht im Original einsahen.
Sie ubernahmen ihre Notiz wohl wieder aus der Elbinger Dominikaner-
chronik. Ob deren Verfasser Sylvius selbst einsah Oder den kurzen
Hinweis auf die "Ulmigani" aus Stella ubernahm, ist ungewiB. Der
Quellenhinweis bei Grunau"^ spricht daftir, daB die Schrift des
Sylvius zwar bekannt war, jedoch nicht fur die Urgeschichte be-
nutzt wurde. Anders ist Grunau nicht zu verstehen, da in dem V/erk
"De situ ..." Sylvius sowohl iiber die Verhandlungen vor dem kai-
118 -
aerlichen Gericht als auch einleitend Uber die Urgeschichte spricht,
Wahrscheinlich hat das seinen Grund darin, daB der gerade erschie-
nene Druck des Erasmus Stella wesentlich mehr Uber die Urgeschichte
bot als Sylvius; dieser muBte zugunsten des neueren Werkes zuruck-
treten. Eine andere Vermittlung, etwa liber Boemus Oder Matthias von
Miechow, die ebenfalls die Schrift des Sylvius benutzten, kommt
nicht in Frage. Somit laBt sich feststellen, daB der Schreiber der
Celler Handschrift auch dise zitierte "cronica" nicht benutzte,
sondern das Zitat aus seiner Vorlage Ubernahm.
B) Erasmus Stella
Stella stammte aus Leipzig. Wahrend seiner Studien dort und
vor allem in Bologna war er in innige Bertihrung mit dem aufstreben-
den Geist des Humanismus gekonmen. Gestarkt wurde diese humanisti-
sche Keigung durch seinen Aufenthalt in PreuBen als Arzt des Hoch-
neisters Friedrich von Sachsen, wahrend dessen er wohl eine engere
Verbindung zu Hiob von Dobeneck aufnahm, dem pomesanischen Bi -
schof.-^ Auf Anregung Hioba schrieb er seine "De Borussiae anti-
quitatibus libri duo" und widmete sie dem Hochmeister Friedrich
4Q )
von Sachsen. ' Sie miissen also vor 15Ю, dem Todesjahr Friedrichs
entstanden sein. Ihre weite Verbreitung fanden sie dann durch den
1518 erfolgten Druck.
Die "Antiquitates" waren nicht die erste Schrift, die sich in
humanistischer Manier mit der Vorgeschichte PreuBens beschaftigte,
doch die am meisten gelesene.^^^ Ihre Quellen aufzuzahlen, ganz
41)
gleich ob Stella sie benutzte Oder nicht, wiirde zu weit fiihren. '
Von preuBischen Chroniken scheint ihm nur Dusburg bekannt gewesen
zu sein. Sein direkter Vorlaufer war Aeneas Sylvius, den er eifrig
zu Rate zog. Sylvius ging es um die Riickverbindung mit der Antike,
woher er seine Kenntnisse Uber PreuBen bezog. Stella aber "folgte
hemmungsloser der Freude an der Formung eines interessanten Stof-
fes."^2^ Er kann nicht unter den Aspekten der treuen FaktenUbermitt
lung betrachtet werden, sondern als Phanomen seiner Zeit.
Die Celler Chronik zitiert einen kurzen Abschnitt aus seinen
"Antiquitates": "Erasmus Sterne schreibet, das auch in diesem lan-
de Ulmigania ein mechtiger hauffen volks zu wohnen komme sey, nem-
119 -
lich die Sargatiani, Gelidani, Alauni (Heden: Silbani Alauni), Ve-
nedes, wie sie in der zeit ihre nauien genennet haben. Diese haben
alle in Ulmigania gewohnet, aber doch nicht lang."^^ Ausftihrli-
cher berichtet dartiber Grunau, sich grundlegend nur in den Namens-
formen unterscheidend: "... Sargaciani, Gelidani, Gillani, Alani,
Vacynney und Carioni .In dieser Zusammenstellung hat Stella
die Volker nicht. Er berichtet zu Beginn von Buch I, daG er bei
Ptolemaus als Bewohner PreuGens gefunden habe "Gotthones, Venedos,
Stagnanos et Sargatios Sudinosque Gelidanos simulque Gillones,
Vacinos et Charinos, quos ipse Charionas nominat."^^ Beim Vergleich
ergibt sich: C fehlen die "GillonesM, die Grunau als "Gillani", Re¬
den in einer Verlesung als "Silbani" fUhren; die "Alauni" hat Stel¬
la erst als "Alani" zu Beginn des zweiten Buches; "Vacinos" und
"Charionas", bei Grunau leicht entstellt vorhanden, fehlen in Cel¬
le; die "Venedes" sind vom Beginn der Aufzahlung Stellas genommen.
Diese Unterschiede zu Stella sowie die Gleichheit in der Reihen-
folge mit Grunau lassen annehmen, daG der Schreiber der Celler
Chronik die "Antiquitates" des Erasmus Stella nicht im Original
einsah, sondern daG sowohl er als auch Grunau ihre Weisheit aus
der gemeinsamen Quelle, der Elbinger Monchschronik bezogen. Dafur
epricht auch die beiden gemeinsame Namensform "Sterne" statt "Stel¬
la". Allerdings ist Stella von den Elbinger Mbnchen nicht sehr in-
tensiv benutzt worden, wahrscheinlich, urn der "eigenen" Quelle,
der Chronik Christians, den ihr "geblihrenden" Vorrang einzuraumen.
Jedenfalls ist festzuhalten, daG die Celler Chronik auch die "An¬
tiquitates" des Erasmus Stella zwar zitiert, aber nicht eingesehen
und benutzt hat. Dasselbe gilt fur Grunau. Zu priifen ware einmal,
ob Bornbach, Falk, Bretke, Waissel und Hennenberger, die sich alle
auf Stella berufen, jenen wirklich gekannt haben, oder ihn nur aus
zweiter Hand benutzten wie die Celler Chronik. Falk dUrfte Stellas
Schrift gekannt haben, da er daraus Exzerpte anfertigte.^^ Ob Hen¬
nenberger, der den Falk-NachlaG besaG, dartiber hinaus nochmals zum
Druck griff, ist fraglich. Bornbach zitiert Stella in der Vorrede
seiner "Cronica des preuBenlands": "Erasmus Stella Lybanothanus
hat alleine geschrieben vom Herkommen der Preussen und von gelegen-
heit ires landes."4 ' Die genaue Namensangabe scheint es sicher zu
machen, daG er einen Druck einsah und nicht, wie die Celler Chro-
120 -
nik, das Zitat einfach Ubernahm. Ob sich das bei Bornbach auch im
Text niederschlug, ware gesondert zu untersuchen; das sprengt den
Rahmen dieser Arbeit.
E) Johannes Boemus
Der Deutschordenspriester Johann Bohm aus Aub in Franken, in
der lateinischen Namensform Joannes Boemus Aubanus, war nicht der
erste, der sich fur eine volkskundliche Betrachtung Deutschlands
interessierte;doch gilt sein Werk "als das erste Kompendium
der Volkerkunde" in "ausfuhrlicher, systematischer Darstellung"
Besondere Bedeutung haben die Deutschlandkapitel.Er stUtzte
sich unter anderem recht stark auf Sylvius. 1 Seine in der Celler
Chronik als "cronies" zitierte Schrift tragt den Titel: "Omnium
gentium mores, leges et ritus ex multis clarissimis rerum scripto-
ribus, a Joanne Boemo Aubano sacerdote Teutonicae Militiae devoto
nuper collectos Augsburg 1520. Handschrift Celle weist ihm
die Nachricht zu, das von aufgang der sonnen ein mechtig volk
in dis land PreuBen gekonmen sei, nemlich Amexobi (Amoxoby), Alau-
5 21
ni, Venedes und Getones (Gitones)."э } Den Vordersatz hat Boemus
nicht, doch zitiert er den Volkerkatalog aus Ptolemaus: Pto-
lemaeus Amaxobios, Alaunos, Venedes et Githones penes Vistulam ha-
53 )
bitasse author est." '
Die Erwahnung dieser Quelle ist auBerst interessant, ermog-
licht sie doch eine ganze Reihe weiterer Schltisse. Grunau fUhrt
sie nicht an; das heiBt, daS die gemeinsame Vorlage von Grunau und
- indirekt - Handschrift Celle, die Elbinger Dominikanerchronik,
Boemus nicht kannte. Das bezeugt auch die erste Redaktion der
Wartzmannchronik, die laut J. Dworzaczkowa einen Auszug jener
Monchschronik darstellt; ^ keine Handschrift dieser Gruppe erwahnt
ihn. Das zeigt, daB Boemus nicht so rasch in PreuBen bekannt wur-
de. Auch Wartzmann selber scheint das V/erk nicht gekannt zu haben,
wenn man dies daraus schlieBen darf, daB sich im sonst reichlich
von ihm mit Randnotizen versehen Kodex Ms. 1285 der-Danziger Stadt-
55)
bibliothek kein Hinweis auf Boemus findet. ' Nur zwei Handschrif-
ten haben diesen Quellenhinweis, beide von Gehrke nicht behandelt:
Handschrift 1335 und 1331 der Bibliothek Czartoryski, ehemals Pa-
- 121
rief heute Krakau.Ihr Verh<nis zur Celler Handschrift soli
epftter untersucht werden. Jedenfalls scheinen sie wie Celle und
Reden eine weiterentwickelte Form darzustellen als Ms. 1285. Diese
ttltere Form lautet an der Stelle, an der Celle das Boemus-Zitat
einschiebt; Sylvius, der meldet in seiner Cronica, das die
Land itzt preusen genant, solt von rechts Ulmigania heiBen, und
meldet weiter das von aufgangs ist her komen ein volk von Stagna-
ny (!) und Maxony (!), und haben das volk in Ulmigania ein teil
ermordet und die anderen dienstbar gemacht Weiter folgt ein
Hinweis auf Matthias von Miechbw.^' Diese Stelle ist nichts ande-
res als ein Extrakt aus dem etwas konfusen Anfang des ersten Bu-
58)
ches von Stella. ' Das bedeutet fiir das Sylvius-Zitat, daB jenes
durch den Einschub aus Boemus, der nur aus dem Yolkerkatalog be-
eteht, auseinandergezogen wurde. In der Form ohne den Boemus-Ein-
echub wird aber ersichtlich, daB es sich gar nicht um ein Sylvius-
Zitat handelt. Die oben aufgestellte Vermutung, daB Sylvius nur
ttber die Tradition Stellas Eingang in die Elbinger Dominikanerchro-
nik gefunden habe, wird also bestatigt.
Stammt nun der Volkerkatalog unmittelbar aus Boemus Oder han¬
delt es sich wieder um ein libernommenes Zitat? Auch Sebastian
Frank, eine weitere Quelle der Celler Chronik, fiihrt in seinem
Weltbuch diese Volker auf: etwan haben an der Weichsel Oder
Viatel gewonet die Ulmigeri, Alani, Venedes, Amaxobii, Githones,
wie Ptolemaeus anzeygt.Die in Kodex C und Boemus Ubereinstim-
mende Reihenfolge sowie die beiden eigene Schreibweise "Alauni”
acheinen dafUr zu sprechen, daB der Schreiber von C die "Mores"
des Boemus als direkte Vorlage benutzte. Welche der verschiedenen
Ausgaben er kannte, laBt sich nicht feststellen, da bei dieser
Textstelle keine Abweichungen in den Drucken zu verzeichnen sind.
F) Sebastian Frank
Bisher wurden die von Chronik Celle zitierten Quellen in der
Reihenfolge ihrer angeblichen Oder wirklichen Entstehungszeit be-
handelt. Der engen Verbindung von Frank und Boemus wegen soli der
erste vor Matthias von Miechbw besprochen werden, dem die abschlie-
flende Untersuchung dieses Abschnittes gewidmet ist. Frank, Zeitge-
122
nosse Luthers und in enger Berlihrung mit Bucer und Schwenckfeld,
entwickelte eine spiritualistisch-rationalistische Denkweise, die
sich in seinen Schriften ausdrtlckte und ihn in stete Auseinander-
setzungen mit dem jeweiljgen Rat der Stadt brachte, in der er ge-
rade wohnte. Dies fiihrte zur Ausweisung aus StraBburg - auf eine
Anzeige des Erasmus hin - und spater aus Ulm. Sein Leben beschloB
er in Basel, nicht ohne vorher noch vom Schmalkaldener Theologen-
konvent seiner radikalen Art wegen aufs scharfste gerligt worden
zu sein.^^ Gollwitzer sieht in ihm keinen eigentlichen Historiker,
sondern vor allem den Popularisator humanistischen Wissens; insge-
samt betrachtet er ihn als AuBenseiter. Sein Werk spiegele die
"irdische Heimatlosigkeit des Spiritualisten wie die eozial-revolu-
tionare Garung eines bis in die Tiefe aufgewtihlten Volkes".^1^
Frank hat mehrere Chroniken verfaBt; hier sind interessant
die sogenannte Geschichtsbibel, das Weltbuch und das Chronicon Ger¬
manise.^^ Chronik Celle zitiert Frank gleich zweimal, zuerst unter
dem Titel: "Sebastianus Frank, der schreibt in seiner deutschen
cronica (Reden: Cronica der deutschen). AnschlieBend an diese
Notiz widmet sie ihm ein ganzes Kapitel: "Beschreibung des landes
Preussen und ihrer einwohner, sitten und glauben durch Sebastianum
Franck. "63) раз ers-te zitat stammt aus dem Germanise Chronicon; ^^
dort geht Frank auf die Stadt Ulm ein, die er etymologisch von den
Ulmigeri ableitet. Vie eng sich Celle an ihn anlehnt, mag das Zi¬
tat zeigen:
Sebastian Frank, Germanise Chronicon
Handschrift Celle
"Nun von dem namen der statt Ulm ist
auch doben etwas, wie es in siimpfi-
gem land ligend von den Ulmis den
felbern und weiden, den namen hab,
so wollen doch etlich iren namen
weiter haben, die sagen ein volck
genant Ulmiger Oder Hulmigeri, seind
Preussen, die man sonst Bructeros,
Celtes, Prussios. Eneas Silvius Ul-
migeros. Plinius lib. 4. cap. 17 Ul-
manetes nent. Disse sund an der Vi-
stel Oder Weixel in Preussen gesessen,
aber durch die Gotthen alda vertrie-
ben, und sich an ir statt gesetzt, da
sei diB volck an die Thonaw kommen,
und den ursprung suchend, daran hin-
auffzogen, ob sie ein wuest und unbe-
"Sebastianus Franck, der
schreibet in seiner deut¬
schen Cronica, daB etliche
wollen, daB ein volck ge-
wesen ist, die genant we-
ren Ulmigeri oder Hulmige¬
ri, und sind PreuBen gewe-
sen, die sonst Brutones,
Celtes, PreuBen Ulmigeros
nennet. Diese haben an der
Weissel in PreuBen gewoh-
net, aber sie seindt (folgt
Reden: von den gotten aldor
vortrieben. und die Goetter
haben sich) in der Ulmiga-
ner stadt gesetzt. Da sind
die Ulmiganer an daB wasser
- 123 -
wont gegent ftinden darin sie wonten, da
haben sie sich umb Ulm biB in das gebirg
da die Thonaw entspringet ernieder ge-
lassen Ulm gebawen, und nach in Ulm ge-
nant. Das thut auch darzu, das man in
alten briefen Hulma findt, das nit von
Ulmis her deriviert kan sein, sonder
von den Hulmigeris."
Donaw gezogen und sind
die Donaw ferner aufge-
zogen bis an das gebirge
da die Donaw entspringet
und haben sich alda gela
gert und Ulma die stadt
gebauet und werden nun
Schwaben genennet."
Beim Vergleich ist sofort ersichtlich, daB Pranks Chronicon
vorgelegen hat; es kann sich nicht um ein Zitat aus zweiter Hand
handeln. Recht geschickt wurde all das fortgelassen, was nicht nc>-
tig war: der Hinweis auf Sylvius, denn jener war bereits erwahnt;
der Beleg aus Plinius, da er nicht in den Rahmen paBte mit der
Form "Ulmanetes"; der letzte Satz, der sich nur auf Ulm, nicht
fiber auf PreuBen bezog. Hinzugeftigt wurde die Bemerkung, daB die
Bewohner Ulms nun Schwaben hieBen, eine allgemein bekannte Tatsa-
che. Diese Quellenstelle ist also vom Verfasser der Celler Chronic
recht gut ausgebeutet worden. Sie lafit uns einen Blick auf die Ar-
beitsweise des Schreibers werfen. Den Betreff fand er bei Frank im
Register und gab sich damit zufrieden; die eigentliche PreuBenbe-
echreibung sah er nicht ein, sonst ware ihm aufgefallen, daB der
Name "Celtes" nicht eine Volkerbezeichnung gleichberechtigt neben
den ”Brutonesn und MUlmigeros" ist, sondern der Name des Kumani-
eten Conrad Celtis. In jenem Kapitel heiBt es namlich: Ulmi-
geri seind die Preussen. Celtes heiBt die PreuBen Prussios. Eneas
6b)
Silvius Ulmigeros ..." ' Bei Sylvius fiel es ihm auf, weshalb er
ihn fortlieB, bei Celtis jedoch nicht.
Das zweite Zitat hat das Weltbuch zur Vorlage. Dort findet
sich ebenfalls ein PreuBenkapitel, ; das von der Celler Chronik,
abgesehen von ganz wenigen sprachlichen Glattungen, wortlich Uber-
nommen wurde. Ein Schreibfehler hat sich eingeschlichen: ,,clittag,,
statt umitternachtM; daraus resultiert die im folgenden Satz bei
Celle vorgenommene Richtungsumstellung. Eine wesentliche Auslas-
sung nahm allerdings der Schreiber des Celler Kodex vor, den Hin¬
weis: "... daher sy noch ein hochmeister in Preussen haben." Das
war 1553 fttr den Danziger Schreiber falsch. Ob Frank dies bei der
Drucklegung des Weltbuches 1534 noch nicht wuBte? Vielleicht liber-
nahm er diese Notiz aus einer alteren Schrift? Hier ist nicht der
Ort, dem nachzugehen. Pestzuhalten bleibt, daB der von Frank stam-
- 124 -
mende Abschnitt in der Celler Chronik so getreu im Wortlaut ist,
daB eine Zwischenvermittlung wohl ausscheidet. Auch das Weltbuch
dUrfte also dem Danziger Chronisten vorgelegen haben,
Interessant ist noch der Verweis auf das dritte Werk Franks
im letzten Satz des Danziger Berichtes: uDavon mag man des Bapstee
cronica lesen und von dem Teutschen Orden und seiner ankunft."^
Bei Frank lautetdiese Stelle, am SchluB des oben besprochenen Ka-
pitels im Weltbuch: davon besihe der Baepst Chronik, von dem
TeUtschen orden un seiner ankunfft." Damit verweist er auf das Ka-
pitel "Telitsches Ordens herkummen ..." aus der "Chronica der
Baepst" in seiner Geschichtsbibel.Das kannte der Verfasser der
Celler Chronik nicht, doch er wuBte, daB Sylvius eine Chronik ge-
schrieben hatte; wenn er sie auch nicht im Original benutzte, so
hatte er sie doch zitiert. Aus dem Plural "Baepst" bei Frank wurde
der Singular "Bapstes" in der Celler Chronik, da in dieser Form
die Aussage fur unseren Schreiber einen Sinn bekam.
Hinzuweisen ist noch auf eine Lesart bei Reden. Er bringt den
zweiten Abschnitt aus Franks Weltbuch unter dem Namen des Sebasti¬
an Brandt. Dies ist gar nicht so falsch, wie es auf den ersten
Blick scheint, verfaBte doch der Autor des "Narrenschiffes" eine
"Beschreibung etlicher gelegenheyt Teutsches lands", in dem auch
70)
ein PreuBenkapitel enthalten ist. ' Dieses Kapitel zeigt Anklange
an die Schilderung bei Frank; woher sie rlihren, braucht hier nicht
geklart zu werden. Interessant ist diese Lesart bei Reden insofern,
als sie wieder ein Indiz fUr seine reine Abschreibertatigkeit dar-
stellt. Er kannte Frank nicht, wahrscheinlich aber den Verfasser
des "Narrenschiffs", so daB ihm die Verschreibung gar nicht bewuBt
wurde.
An dieser Stelle unterlag auch J. Dworzaczkowa einem Irrtum.
Das erste Frank-Zitat wies sie richtig nach, ebenso die Notiz Uber
71)
die "Chronica der Baepst". ' Das zweite Frank-Zitat wies sie je-
doch falschlicherweise Brandt zu. Allerdings lag ihr die Chronik
Hedios mit dem Brandt-Anhang nicht vor.^^ Bei genauer LektUre des
Aufsatzes von Hubatsch hatte sie diesen Irrtum berichtigen kon-
nen.^) Festzuhalten bleibt, daB Sebastian Frank, nicht Sebastian
Brandt Kodex Celle als Vorlage diente, und zwar mit dem Weltbuch
von 1534 und dem Chronicon Germaniae von 1538. Damit benutzte der
- 125 -
'лЗ?
Verfasser der Celler Chronik die neueste gedruckte Literatur, die
es zu jener Zeit Uber die Geschichte PreuBens gab.
Es ist bemerkenswert, daB die Handschrift Celle als erste
preuBische Chronik Sebastian Prank heranzog. Bornbach, Falk, David
und Hennenberger schrieben alle spater. Noch ungeklart ist, ob sie
Prank direkt benutzten Oder ihn aus einer anderen Chronik im Zitat
Ubernahmen.
G) Matthias von Miechbw
Bisher wurden sechs zitierte Chroniken untersucht mit dem Er-
gebnis, daB die antike und die mittelalterliche Quelle gefalscht
waren; Sylvius und Stella wurden aus zweiter Hand zitiert, Boemus
eehr knapp benutzt und nur Prank ausfUhrlich herangezogen. Die
einzige polnische Quelle ist Matthias von Miechbw. Seine Chronik
stellt das Bindeglied zwischen der preuBischen, vor allem Danziger
Chronistik und der polnischen Geschichtsschreibung da^bie Danzi¬
ger Chronistik benutzte Matthias von Miechbws ’’Chronica Polonorum”
recht ausgiebig. Der ’’Doctor artium et medicinis" erfreute sich
als Leibarzt des Konigs hoher Gunst und Gdnner; seinem Werk, das
er Konig Sigismund widmete, geht ein Gedicht des Andreas Cricius
75)
voraus. 'Die Hohe seiner Bildung veranschaulicht deutlich seine
76}
Bibliothek. ' Er war der geeignete Mann, die umfangreiche, als
Handschrift vorliegende Chronik des Jan D^ugosz zu bearbeiten und
unter Hinzuziehung weiterer Quellen in handlicher Form zu verof-
fentlichen.'^ Die Chronik des Matthias, im Jahre 1521 bei Hiero¬
nymus Vietor in Krakau gedruckt,^^ flihrte auf die Hohe humanisti-
scher Geschichtsschreibung in Polen. Zu Unrecht hat Matthias stets
im Schatten D/ugoszs gestanden, war er es doch, der die polnische
Geschichte durch den Druck seines Werkes in die Historiographie
der Nachbarlander trug.
Sehr deutlich zu spUren ist das in der Celler Chronik. Bei
der Quellenaufzahlung zitiert sie ausfUhrlich Matthias von Mie-
ch6w8 Buch II, Kapitel 8. Der Hinweis ist vollig richtig.^ Zwar
bringt Chronik C jenes Kapitel nicht ganz und behandelt es freier
als Prank; doch ist alles Wesentliche, das vorher noch nicht ge-
sagt war, enthalten. Dieser Abschnitt fehlt bei Grunau. Das heiflt,
126
die Elbinger Dominikanerchronik ftlhrte diesen Passus nicht an. Mb.
1285, das eine altere Stufe als Chronik Celle darstelltbringt,
ohne den Namen Matthias von Miechbws zu nennen, nur einen ganz
knappen Hinweis auf dessen Chronik. ' DaB dieser Hinweis und die
ausfuhrliche Schilderung der Celler Chronik auf eine ahnliche Vor-
lage zuruckgehen, die Celle wortlich ausschrieb, Ms. 1285 aber
sehr stark kiirzte, scheint zweifelhaft. Ms. 1285 ftihrt Sylvius und
Stella jeweils in einem eigenen Kapitel an. Warum hatte es das mit
Matthias von Miechow nicht ebenfalls tun kbnnen, wenn dessen Kapi¬
tel ausfuhrlich in der Vorlage vorhanden war? Es ist aber nur ein
Hinweis im Abschnitt liber Sylvius. Woher kommt auBerdem der Zusatz,
daB Hannibal die Volker aus Afrika mit sich brachte? Bei Matthias
von Miechow steht er nicht; Celle hat ihn ebenfalls nicht. Falls
Celle und Ms. 1285 jedoch auf eine ahnliche Vorlage zurUckgehen,
mtlBte der Schreiber von Ms. 1285 diesen Zusatz aus eigenen StUcken
gemacht haben. Jenem Schreiber dtirfte aber das Wissen nicht zuzu-
trauen sein, daB Hannibal aus Afrika kam, schreibt er doch bereits
den Namen des ihm viel naher stehenden Enea Silvio falsch (“Enosyl-
op \
vy"). ' Das spricht dafilr, daB der Schreiber der Celler Chronik
hier Matthias vor sich hatte. Darauf laBt auch die gleich zweifa-
che Namensnennung in diesem Kapitel schlieBen, wahrend er an ande-
0-2 \
rer Stelle nur einfach von der "polnischen cronica" spricht. ;
Ebenfalls ist die genaue Angabe der Fundstelle, die sich bei Mat-
84 )
thias nach Buch- und Kapitelangabe so gut nachweisen lieB, em
Indiz daftir.
Zusammenfassend laBt sich nun Uber die in der Landbeschrei-
bung auf fol. 1 und 2 der Celler Chronik zitierten Quellen sagen:
Der Heisebericht des Diwonis ist eine Erfindung der Elbinger
Monchschronik; er sollte die Chronik Bischof Christians stUtzen.
Die Christian-Chronik erweist sich ebenfalls als Erfindung der Do-
rainikanerchronik, entstanden als Frucht eines beginnenden Humanis-
mus. Die Celler Handschrift Ubernahm den Hinweis auf sie aus ihrer
Vorlage, die ihrerseils auf die Monchschronik zurUckgeht. Enea Sil¬
vios Bericht lag nicht unmittelbar vor, sondern wurde durch Eras¬
mus Stella vermittelt. Stella aber fand auch erst Uber die Zwischen-
stufe jener Monchschronik Eingang in die Tradition der Handschrift
- 127 -
Celle. Unmittelbar vorgelegen hat wahrscheinlich Boemus, mit Sicher-
heit Frank. Auch die "Chronica Polonorum" des Matthias von Miechbw
dUrfte an dieser Stelle direkte Vorlage gewesen sein.
Bamit ware die Zahl der wirklich benutzten zitierten Quellen
in diesem Abschnitt wesentlich geringer, als es den Anschein hatte.
Wie sah nun die Vorlage der Celler Chronik aus, die aus der
Danziger Tradition stammte? Sie begann mit der Schilderung aus der
"Chronik Christians"; dann folgte das Biwonis-Kapitel. Ben nachsten
Abschnitt bildeten die Auszlige aus Sylvius und "Sterne". Bamit war
die Landesbeschreibung abgeschlossen. Es begann der nachste Absatz
liber die Wanderung jener alten Volker, bezeichnenderweise mit dem
Textanfang: "Man lieset in sehr alten cronicken . .."®^ Barin ent-
epricht die Vorlage im Aufbau vdllig der Art, wie sie Ms. 1285
bietet, damit also der zweiten Wartzmannfassung.®^
Als Vorlagen fUr die weitere Barstellung der Chronik Celle
fallen Boemus und Frank aus, da sie nichts mehr liber die preufli-
ache Geschichte zu berichten wissen. Ubrig bleiben Sylvius, Stella
und vor allem Matthias von Miechow. Bie beiden ersten wurden liber
die Elbinger Bominikanerchronik tradiert. So ist es nicht wahr-
echeinlich, dafl sie fUr spatere Partien direkt benutzt sind. Nur
bei Matthias von Miechbw konnte das der Fall gewesen sein. Ba sein
Anteil an der preufiischen Historiographie auQer in FuBnotenverwei-
sen noch nicht herausgestellt wurde, soil im nachsten Kapitel eine
Untersuchung der Celler Chronik unter dem Gesichtspunkt folgen,
welche Nachrichten auf Matthias von Miechbw zurlickzufUhren sind.
Babei ist es gleich, ob dies im direkten Verhaltnis, wie bei der
Landbeschreibung, geschah oder nicht.
2) Bie nichtzitierten Quellen und die Stellung der
Celler Handschrift innerhalb der Danziger Chroni-
stik
Wie verwickelt die Quellenlage der Banziger Chronistik ist,
wird jedem klar, der sich damit zu beschaftigen hat. Beutlich
zeigt das die Arbeit von J. Bworzaczkowa, in der die Verfasserin
sich im Gegensatz zu Gehrke hUtet, feste Filiationen aufzustellen.
128 -
Sicher ist es noch nicht moglich, diesen "Mangel” ihrer Arbeit zu '
beheben; allerdings soil versucht werden, ob sich das Maschkesche
"Knauel" der Danziger Historiographie nicht doch ftir ein kurzes
Sttickchen Faden entwirren laflt.
Sehr eng verwandt mit den Handschriften Celle und Reden sind
zwei der Bibliothek Czartoryski, vormals Paris, jetzt Krakau. Gehr-
ke kannte sie nicht, obwohl K^trzyfiski bereits 1872 auf sie hinge-
wiesen hatte.8^ Nr. 1331 fUhrt den Titel: "Cronica der Preuflen.
Wie das Landt PreuBen erfunden und erbauet ist. Vom Glauben Sitten
und gebrauch der einwohner. Von anfang des Ordens und seiner Re-
gierung und wie sie das Land verloren. Lurch Johanni Liebbrueder
dem Eltern, Schulhaltern in Konigsberg geschrieben." Es folgt die
Ledikation an "Vladislaus den Siebenten"; gemeint ist W^adys^aw IV.
(1632 - 1648), in dessen Bibliothek die Handschrift sich auch be-
funden hat. Sie entstand also um 1640 in Konigsberg.
Nach den Mitteilungen, die K^trzyfiski und J. Dworzaczkowa88^
machen, entspricht der Text der Handschrift vbllig den Chroniken
Reden und Celle. Ebenfall3 ist sie bebildert, wieder mit jenen Chro¬
niken Ubereinstimmend. Abweichend ist nur der Vorspann: "S. 1 u. 2
enthalten auf schwarzem Grund mit goldenen Buchstaben zwei Abschnit-
te, die !Von Messung des Landes, wie man in Maidenburgischen Recht
findet* etc. und von verschiedenen MaBen - von der Palm bis zur
Hube - handeln; aufierdem befindet sich daselbst ein Bild, das einen
Messer darstellt. Auf S. 3 finden wir den habsburgischen Adler mit
Krone und die Wappen der sieben KurfUrsten. S. 5 handelt *Von der
KriegsrUstungk und weise zu kriegen*. S. 6 enthalt ein einen Preu-
Ben darstellendes Bild. Auf S. 7 Fortsetzung von S. 5. S. 8 u. 9
sind leer. S. 10 u. 12 behandeln 'Das Feld Panier und Wappen des
Koniges Widowuti1 und S. 11 enthalt die dazu gehorigen Bilder. S.
13 ist leer. S. 14 und 15 befindet sich das Bild des habsburgischen
Adlers; jeder Kopf tragt eine Krone; auf dem Leibe desselben be¬
findet sich das Bild des gekreuzigten Heilandes und auf den FlUgeln
55 Wappen. S. 17 enthalt in Farben arma Brutenorum. Auf S. 19 be-
89)
ginnt die Chronik selbst."
Da auBer dem eigentlichen Chronikentext in der Celler Hand¬
schrift nur das "Register der Namen" am Anfang des Bandes existiert,
muB zum Vergleich die Handschrift Redens herangezogen werden. Sie
let wahrscheinlich noch Ende des 16. Jahrhunderts gebunden worden
und hat, wie die Papierlagen beweisen, keine Einbufle durch Heraus-
reiSen von Bl&ttern erfahren.^0^ Die Landmessung findet sich dort
auch, eben8o die Wappen von Kaiser und KurfUrsten; auch die arma
Brutenorum weist Reden auf. Es fehlen ihm der Abschnitt Uber die
IriegfUhrung, der PruBe, das Wappen Weidewuts und der nochmalige
Habsburgische Adler. DafUr hat Liebbrllder weder das Register noch
daa Hochmeisterverzeichnis.
Das Fehlen des Registers und Hochmeisterverzeichnisses besagt
fiber ein eventuelles Abhangigkeitsverhaltnis nichts. Interessanter
Bind die ZusUtze. Konnte sie LiebbrUder aus anderen Quellen hinzu-
gefUgt haben, so daB eine der bekannten Handschriften Reden Oder
Celle als Vorlage diente, Oder benutzte er einen anderen Kodex,
der all das bereits enthielt?
Die erwahnten Zusatze, mit Ausnahme des groBen habsburgischen
Adlers finden sich samtlich in Hennenbergers kurzer Beschreibung
des Landes zu PreuBen unter den Uberschriften: "Von der KriegsrU-
atung und weise zu kriegen" und "Das Feldpanier und Wappen des Ko-
qi)
niges Widowuti". 1 Die Raumaufteilung bei Hennenberger und Lieb¬
brUder ist dieselbe. Es ware moglich, daB LiebbrUder sich auf Hen¬
nenberger sttitzte. Genauso moglich ware es aber auch, dafl bereits
in einer Vorlage Hennenbergers diese Zusatze Liebbrtiders vorhanden
Bind und Hennenberger als Zwischenglied fortfiele. Das laBt sich
eehr gut nachprtifen, gibt doch Hennenberger seine Quellen am Rande
an. Er beruft sich auf eine Hochmeisterchronik, Freiberg und Jero-
echin, vor allem immer wieder auf Simon Grunau. Jener bildete die
qp)
eigentliche Grundlage dieser Abschnitte. 1 Abbildungen weisen alle
Bitierten Chroniken nicht auf, nur hat Grunau die Ausflihrung jener
eagenhaften Schrift# Der erste und einzige mir bekannte Chronist,
der die zwei Bilder aufweist, ist Hennenberger. Demnach dllrfte
LiebbrUder seine "Beschreibung" gekannt haben. Die Art, wie er sie
benutzte, zeigt deutlich, worauf es ihm ankam: Er wahlte die Bil¬
der. Da sie ohne den Text unklar geblieben wUren, Ubernahm er ihn
ebenfalls, wobei er sich in der Raumaufteilung genau an Hennenber¬
ger hielt. Der Vorspann war der geeignete Ort fUr diese Zusatze,
da ein organisches Einpassen in die eigentliche Chronik schwieri-
ger gewesen ware.
- I -
Л •
Unklar ist nur noch die Herkunft des groBen habsburgischen
Adlers; doch da es als sicher gelten darf, dafi LiebbrUder mehrere
Quellen benutzte, wenn auch mit unterschiedlicher IntensitUt, ist
es nicht notig, jene Vorlage weiter zu suchen. Es genUgt festzu-
stellen, daB es nicht unbedingt die Kandschrift gewesen sein muB,
die den Chroniktext bot. Lamit aber haben sich als Quellen heraua-
gestellt: 1) eine Handschrift, eine gedruckte Chronik Oder gar ein
Lose-Blatt-Lruck mit dem habsburgischen Wappen, 2) Hennenbergers
"Kurze Beschreibung des Landes zu PreuBen" von 1584 und 3) eine
Chronik, die den Handschriften X, Reden und Celle gleich Oder gar
mit einer der drei identisch ist. J. Dworzaczkowa, die dieses Pro¬
blem wesentlich kiirzer untersuchte, und die die Frage nach den
ersten beiden Quellen gar nicht stellte, hegte keinerlei Zweifel,
\
dafi Redens Handschrift die Vorlage ftlr LiebbrUder gewesen sei. '
Loch sie kannte die Celler Chronik nicht und damit auch nicht die
notwendige Existenz der verlorenen Handschrift X. Kann eine die-
ser drei Handschrif ten als Vorlage flir LiebbrUder in Frage kommen?
Alle drei Handschriften entstanden zwischen 1553 und 1556 in
Lanzig. liber den Verbleib des Kodex X kann nichts gesagt werden.
Das Celler Exemplar muB sich urn 1600 in Kbnigsberg befunden haben,
da die sich auf jene Stadt beziehenden Eintrage bis 1598 reichen?^
Ob das folgende Schreiben Roussels von 1632 ebenfails in ner
Stadt abgeschrieben wurde, laBt sich nicht mit Sicherheit nachwei-
sen. Lie Handschrift Redens scheint ab 1663 ebenfails in Ko.nigs-
berg gewesen zu sein; die Nachtrage Uber die Huldigungen legen die-
sen SchluB nahe.^^ Wann die Handschrift dorthin gekommen ist,
laBt sich nicht feststellen; nichts spricht dafUr, daB sie bereits
um 1640 dort war.
Nur die Celler Chronik ist zur fraglichen Zeit wohl in Kdnigs-
berg gewesen. Las macht folgende Dberlegung wahrscheinlich: Lie
Handschrift wurde im zweiten Lrittel des 17. Jahrhunderts gebunden,
Ler Pragestempel mit dem Wappen des Herzogtums laBt darauf schlie-
Ben, da3 dies im herzoglichen РгеиЗеп geschah. Um jene Zeit gab ea
in PreuBen recht wenige Buchbinder. Zwar hatte fUr den Konigsber-
ger Hof Samuel Walter seit 1628 gebunden, doch nur recht selten;
nedenfalls sind aus den Jahren 1631 und 1633 Notizen bekannt, die
07S
das Fehlen eines Hofbuchbinders bezeugen. 1 Erst ab 1634 trat
$
Welter diese Stelle an. Wenn schon der berzogliche Hof MUhe hatte,
einen Buchbinder zu bekommen, dtirfte der SchluB erlaubt sein, dafl
98 auBerhalb Konigsbergs wohl noch weniger Angehorige dieser Zunft
gab. Demnach ist die Celler Chronik wahrscheinlich in Konigsberg
gebunden worden. Das konnte jedoch frtihestens 1632 geschehen, in
eben dem Jahre, das auch das frtihest mogliche der Entstehung der
Chronik Liebbrtiders sein kann, bestieg doch in jenem Jahre W/adys-
/aw, der Empf£nger der Handschrift, den polnischen Thron.
Die Celler Handschrift war zur Entstehungszeit der Chronik
Liebbrtiders aller Wahrscheinlichkeit nach in Konigsberg. Liebbrii-
der dtirfte also jenen Kodex, der dainals die heute fehlenden und
Bur aus Redens Handschrift bekannten Seiten des Vorspanns demnach
noch besaB, als Vorlage ftir sein eigenes Werk benutzt haben. Wann
das geschah, laBt sich schwer sagen, ist der Schreiber doch nicht
QQ)
n&her bekannt. 1 Aus der Widmung ist es nur mit aller Vorsicht zu
erschlieBen. Sie lautet: Dem Allerdurchlauchtigsten GroBmechtig-
eten FUrsten und Herrn, Herrn Vlad-islao dem Siebenten, Konig in
Pohlen, GroBfUrst in Littauen, in Reussen, Preussen, Masaw, Samai-
ten, Lieflandt, SmolenBko, Sewerien und Cernihoff, wie auch der
Schweden, Gothen und Wenden Erbkonige, Seinem Allergnedigsten Ko-
nige und Herrn zu bezeugung underthenigsten und schuldigem gehor-
earns dediciret und offeriret Johannes Liebbrueder der Eltere."^^
Den schwedischen Titel besaB W/adys/aw durch seinen Vater, der seit
1587 als Sigismund III. Konig von Polen und seit 1594 zusatzlich
Konig von Schweden war; or ging erst 1660 im Frieden von Oliva
verloren. Smolensk, Sewerien und Cernigov besaB Polen seit dem Waf-
fenstillstand von Deulino vom 24. Dezember 1618/3* Januar 1619;
dieser Besitzstand anderte sich erst nach den Tode Yf/adys/aws• Der
einzige wahrend W/adys/aws Re-gierungszeit sich verschiebende Be-
eitztitel ist der des Zaren von Moskau. Im Jahre 1610 wahrend des
polnischen Eingriffes in die Moskauer Wirren zum Zaren gewahlt,
verzichtete W/adys/aw 1634 im Frieden an der Poljanovka auf jenen
Titel. Es ist nicht wahrscheinlich, dafi Liebbrtider in seiner Dedi-
kation die sen Besitztitel noch nach der Abtretung an Moskau aufge-
fUhrt haben wird. Demnach fiele die Abfassungszeit seiner Chronik
in die Jahre 1632 bis 1634.
Die zweite Handschrift der Bibliothek Czartoryski tragt die
- 132 -
Nummer 1335. Sie wurde von einer Hand in der zweiten HSlfte des 16. '
Jahrhunderts geschrieben und ist mit den vorigen Chroniken eng ver-
wandt, wie die Zitate aus Boemus und Frank zeigen;^^ allerdings
fehlen ihr die Illustrationen. Nur fUr die Hochmeisterwappen wurde
Platz gelassen und dasjenige Kniprodes in Federzeichnung ausgefUhrt#
Einen Titel tragt der Kodex nicht, jedoch enthalt das erste Blatt
drei Verse mit Namensangabe, die hier folgen sollen.
"Zu got dem Herrn der mich erhelt
habe ich Michell Schuliz alle meine
Hoffnung und (trohst?) gestellt.
/Zu Gott dem Allmachtigen, der mich erh<,
Habe ich meine Hoffnung und Trost gestellt. 1574л7^^
Zu gott dem Almagtigen der mich erhelt
Habe ich (B. Wartzmann)1meine Hoffnung und trost gestellt.
1 5.. n
Vers 1 ist durchgestrichen, doch noch leserlich; Vers 2 wurde
ebenfalls durchgestrichen, der Name unleserlich gemacht; in Vers 3
ist nur der Name gestrichen. Die Handschrift hat demnach mindestens
vier Besitzer gehabt. Die Art der Streichung laBt auf den ersten
Blick vermuten, daB Vers 3 der letzte sei. Dem widerspricht jedoch
die sprachliche Form, die jenen eindeutig als den alteren auszeich-
net. Demnach ging die Reihenfolge der Texteintragung von unten nach
oben, war also Wartzmann der erste Besitzer der Handschrift. Ge¬
schrieben hat er sie jedoch nicht selber, sondern ihr nur mehrere
Randbemerkungen zugeftigt. Bereits 1574 war sie nicht mehr in sei¬
ner Hand.
Gleich zu Beginn, in den Zitatkapiteln, weist diese Handschrift
eine wichtige Eigenart auf: sie zitiert Sebastian Brandt! Damit
rlickt sie naher zur Chronik Redens als zum Kodex Celle. Ein Ver-
gleich anhand der von K^trzyfiski mitgeteilten Uberschriften ergibt
folgendes Bild: Die sprachliche Formulierung steht der Chronik Re¬
dens recht nahe, ist aber teilweise etwas ausfUhrlicher. Einen
deutlichen Unterschied zeigt die Schilderung der Vorgange von 1525
in Danzig; wahrend Reden offensichtlich die Darstellung von luthe-
- 133 -
ranischer Seite bietet, steht Nr* 1335 deren Gegnern nahe.1<^ Auf
veitere Einzelheiten soli gar nicht eingegangen sein, echlieflt
doch bereits dieser Umstand eine direkte Abhangigkeit aus.
Vorlage fUr X kann diese Handschrift nicht gewesen sein, da
eonet auch Kodex Celle Brandt statt Frank zitieren mUflte; daB die
AnfUhrung Franks in Celle nicht auf besserer Kenntnis dieser Quel¬
le beruht, zeigt das oben erwahnte Zitat aus Franks "Chronica der
paebst".^^ Demnach kann nur die Handschrift Redens Vorlage jenes
Kodex Nr. 1335 gewesen sein. Doch machen die Abweichungen deutlich,
daB eine weitere Handschrift als Quelle vorlag. Klar scheint zu
eein, daB die Verwandtschaft zu Reden recht eng ist, diese Chronik
aber erst nach 1553 bis 1556, der Entstehungszeit der Reden-Hand-
echrift, verfaBt wurde. Ihr Besitzer wurde dann Bartholomaus Wartz-
nann.
Nun endet diese Handschrift mit dem Hopfenpreis des Jahres
1549. Warum wurde sie nicht bis 1553 fortgesetzt, wenn Redens Wer1<
Torlage war? Diese Frage klart sich nur, wenn man die Handschrif-
ten X, Reden und Celle als Kompilationsstufe betrachtet. Sie be-
etehen aus einer Reihe von Teilen. Den auBeren Rahmen bilden der
Vorepann und der Bericht vom Konigsbesuch 1552. DaB dieser Bericht
auf eigenstandiger Tradition beruht, ist bereits gesagt. Streicht
man ihn und die wenigen folgenden Notizen fort, enden die Hand-
echriften mit dem Hopfenpreis des Jahres 1549! Betrachtet man
den Vorspann, dann fallt auf, daB sich ebenfalls in der einst Kas-
;par Schiitz zugehbrigen Handschrift des Danziger Archivs Nr. 300,
R/Ll 5 Teile befinden, die auch unsere drei Handschriften aufwei-
een: ein Verzeichnis der LandmaBe und bunte Wappen von Kaiser und
Kurfursten sowie der vier Hansekontore. Nach diesen fUr den Ver-
gleich wichtigen StUcken folgen fol. 15 der Titel,1^^^ eine Liste
der polnischen Konige bis auf Sigismund I., ein Kapitel "Ursprung
der Konige czu Polen" bis zum Jahre 1505 sowie Mitteilungen liber
die Kajnpfe zwischen Polen, PruBen und den Hochmeistern. Es schlie-
flen sich an die Kulmer Handfeste und die Inkorporationsurkunde im
Transsumpt Sigismund I. sowie ein Abschnitt "Principal Ursach wo-
rumme der Deutsche Orden sich nicht mag unterwinden der Land Pome-
rellen, Culmerlandt, Michelerlandt". Dies ist ein Verzeichnis von
Privilegien, die von Pommern und Polen fUr kirchliche Institutionen
134 -
in Pommerellen ausgestellt wurden und eine entsprechende Zusammen-
fassung fUr die Michelau. BegrUndet 1st die Sammlung damit, daB
alle Urkunden und Privilegien im Jahre 1423 dem Legaten Anton von
Siena vorgelegen hatten, jene Lande den Peterspfennig zahlten und
dies ein Beweis fiir ihre Zugehorigkeit zur Krone Polen sei. Ein
Hinweis auf die Abfassungszeit des Vorspanns steht vor dem nun fol-
genden Beginn des eigentlichen Chroniktextes fol. 72: Нес ex la¬
tino sermone in nostrum vulgarem interpretata sunt. Anno 1540."^®^
Auf dem nachsten Blatt fol. 73 beginnt der Text der Chronik:
"Wo das lanth zu Preussen eraten gefunden ist." Die Handschrift 7
endet mit dem Hopfenpreis des Jahres 1549. Wahrscheinlich ist sie
nicht viel spater, aber wohl vor X abgefaBt, da die Boemus- und J
Frank-Zitate fehlen.10*^
Der Text jener Handschrift gleichtdem der Handschrift Czarto-
ryski Nr. 1335 in Lesarten und Umfang, ausgenommen die fehlenden
Zitate aus Boemus, Prank und "Brandt"• Jene Zitate kamen aber in
Nr. 1335 aus Redens Chronik. Es ist also wahrscheinlich, daB Nr. {
1335 der Bibliothek Czartoryski Ms. 300, R/Ll 5 des Danziger Ar-
chivs zur Vorlage hatte, den dortigen sehr ausfUhrlichen Vorspann 1
jedoch fortliefi und nur den eigentlichen Text Ubertrug. Am Anfang
wurde zusatzlich die Reden-Handschrift zu Rate gezogen, aber bald
beiseite gelegt, da sich ihr Text mit dem der anderen Vorlage deck-
te. Warum Redens Anhang vom Kdnigsbesuch fortgelassen ist, laBt
sich nicht feststellen. Denkbar ware aber, daB Wartzmann, der wahr¬
scheinlich die Abschrift anfertigen lieB, jenen Bericht aus ande-
rer Quelle in ausflihrlicherer Form kannte und ihn deshalb nicht
benotigte.
Nun liegt in der Handschrift aus dem Besitz von SchUtz, Ms.
300 R/Ll 5, bereits ein der Chronik X sehr verwandter Text vor; es
fehlen nur die Anfangszitate. Diese Zitate sind aber spatere Zufti-
gungen, das Verdienst des Kompilators von X, das sich auch hier
deutlich herauskristallisiert. Er benutzte als Vorlage eine Chro¬
nik, beginnend mit der Landfindung PreuBens durch Diwonis, wahr¬
scheinlich endend mit dem Hopfenpreis des Jahres 1549. Eine solche
Chronik bietet die Handschrift 300 R/Ll 5. Die Wappenzeichnungen in
ihrem Vorspann machen es sogar wahrscheinlich, daB sie selber dem
Schreiber von X als Quelle diente, kenne ich doch keine andere
135
Handschrift, die solche vor 1553 aufwiese. DafUr epricht auch die
MaBzusammenstellung, ebenfalls aus anderen Kandschriften nicht be-
kannt.^1^ Dies aber sind die Komponenten, die in der Hauptsache
den Vorspann ausmachen, wie er sich in der Handschrift Redens dar-
bietet und in den Handschriften X und Celle ebenfalls vorhanden
gewesen sein dUrfte. DarUber hinaus hat Reden noch ein Hochmeister-
verzeichnis, dessen Zusammenstellung,aus der Handschrift aber eben-
eo leicht war wie die des Namensregisters, also nicht unbedingt auf
eine Vorlage zurUckgehen mufl.
Einzig die Arma Brutenorum lassen sich vor 1553 nicht nach-
111)
veisen, sondern erst bei Bornbach 1558. 7 Bornbach sttttzte sich
112)
aber auf Reden. 7 So scheint diese Illustration dem Schreiber
von X eigen zu sein. Ihm sind wohl auch die anderen Illustrationen
ai danken, die die Handschriften Reden und Celle aufweisen. Die An-
regung dazu gewann er wahrscheinlich aus Drucken der ersten Halfte
dee 16. Jahrhunderts, auf dem Boden des Reiches erstellt. DafUr
epricht auch die Verwandtschaft mit Themen wie dem Holbeinschen
Totentanz.
Aus welcher Handschrift er die Hochmeisterwappen entnahm, ist
recht unklar. Beider geht aus der Beschreibung der Handschrift 300
R/Ll 5 nicht hervor, ob sie Wappendarstellungen auBer im Vorspann
113)
enthalt; 1 daran zeigt sich wieder die Erfordernis genauerer
Handschriftenbeschreibung. Ich vermute allerdings, daB die Hand-
echrift Wappen enthalt Oder doch zumindest Platz dafUr, da der Ko-
dex Czartoryski Nr. 1335 ebenfalls Raum fUr entsprechende Zeich-
nungen aufweist, nicht jedoch fUr die Darstellungen der Chronik
Redens. Wie dem auch sei, klar ist jedenfalls, dafi wohl die Hand¬
echrif t 300 R/Ll 5 des Danziger Archive Vorlage fUr Chronik X war.
Das beweist der Vorspann. PUhrt sie Wappen, hat X diese dort ent-
lehnt; fUhrt sie keine, stammen sie aus einer reinen Wappenzusam-
menstellung Oder einer Zwischenhandschrift. Solange ich aber kei-
nen zwingenden Grund habe, eine solche Handschrift annehmen zu mUs-
114)
sen, gehe ich von der direkten Abhangigkeit aus.
Dieses bisher erkannte Abh&ngigkeitsverhaltnis wird auch be-
etatigt durch den Titel der Chroniken. Zwar wendet sich J. Dworzacz-
kowa mit Recht gegen die alleinige Anwendung solch auBerer Krite-
rien bei Gehrke,1^*^ doch dUrfen eie zusatzlich ohne weiteree her-
- 136 -
angezogen werden. Der Titel der Handschrift des Danziger Archive
300 И/Ll 5 lautet: "Eine Prusche Kronicke, wie Preuser Lant erst
erfunden ist und was vor folck in den landen erst gewonet hot und
von herkomen der Preussen etc."116) Eine deutlich gekUrzte Entwick-
lungsstufe dieses im Original sicher noch weiterfUhrenden Titels
bietet Redens Chronik, die stellvertretend fUr X und Celle herange-
zogen wird: "Kronica der Preusen. Wie das Landt gefunden und ge-
baut ist. Vom Glauben, Sitten und Gebrauch der einwoner. Von An-
fang des Ordens und seiner Regierung und wie sie das Lanth vorlo-
ren."1 11^ Past vollig gleichlautend betitelt Liebbrtlder, nur mit
dem Unterschied: Wie das Landt PreuBen er funden und
e г bauet ist." Einen £hnlichen Titel flihrt noch die Handechrift
der Danziger Stadtbibliothek Ив. 1289 (lEf. 27): "Cronica des lan-
des tzu Preussen", die jetzt verloren scheint.11®) Sie bricht eben-
falls mit dem Hopfenpreis des Jahres 1549 ab. Hochmeisterwappen
weist sie nicht auf, laBt jedoch Platz daflir.11^) Die weiteren Ein-
trage interessieren hier nicht. Diese Handschrift gleicht sehr der
Nr. 1335 der Bibliothek Czartoryski. Da keine genauere Beschrei-
bung vorliegt, ist ihre Einordnung nicht moglich. Zugeordnet sei
sie vorerst den Handschriften 300 R/Ll 5 und Nr. 1335#
Einen ahnlichen Titel tragt auch eine Handschrift der "groBen
Melmann-Chronik", im Danziger Archiv 300 R/Ll 1 ("Chronica des
Landes Preussen Anno 1548"). An manchen Stellen erinnert sie durch-
aus an Chronik CHLle, doch bei genauerer Betrachtung muB eine enge-
re Verwandtschaft Melmanns mit dem bisher behandelten Handschrif-
tenkomplex ausgeschlossen werden.^CO ware nicht unmdglich, dafi
diese Handschrift mittelbar oder unmittelbar Nachrichten aus einer
Chronik dieses Komplexes entlehnt hat, doch diente sie selber auf
keinen Fall etwa der Handschrift 300 R/Ll 5 ale Quelle oder weist
auf eine solche hin. Der engen Verwandtschaft zur "groBen Melmann-
Chronik" wegen sei gleich das Verhaltnis jener Handschriftengruppe
zur "kleinen Melmann-Chronik" untersucht. Bereits Hirsch kannte
diese Handschrift und benutzte sie bei der Zusammenstellung der
1 ? 11
Notizen Christph Beyers. } In ihr fand er als Quellenzitat unter
1 22)
anderem "HvR", was er als Heinrich von Rhesen auflbste. Dage-
gen wandte sich recht scharf Gehrke aufgrund seiner Kenntnis der
Handschrift Heinrichs von Reden, den er mit dem Zitat "HvR" iden-
137
tifizierte*Ihm folgte J. Dworzaczkowa.Bei genauer Unter-
•uchung der von ihr gemachten Mitteilungen Uber jene "HvR"-Hinwei-
•e aus der "kleinen Melmann-Chronik" stellt man fest, daft zu den
Torg&ngen des Jahres 1410 - der Belagerung Marienburgs - sich ein
ferweis findet, der Abschreibearbeit sparen sollte: "Bis alles in
H.V.R. Chronicke fol. 41, 43." Nun stehen aber diese Ereignisse
bei Reden fol* 98b und folgend; fol. 41 - 43 berichten Uber Vor-
ffinge der Jahre 1260 - 1262! Wer irrte sich nun? Es scheint anhand
Jenes Hinweises die "kleine Melmann-Chronik" wohl nicht die Hand-
echrift Heinrichs von Reden benutzt zu haben. Aufler der Tatsache,
дав er keinen Heinrich von Rhesen als Chronisten kennt,
wohl aber Heinrich von Reden, bringt Gehrke auch kein Argument,
was fUr diese Auflosung des Hinweises "HvR" spricht, Ohne einen
oeuen Auflosungsversuch zu machen, mochte ich abschliefiend nur Gehr-
kes Vorwurf gegen Hirsch zitieren: "Die Moglichkeit, daft aufter ihm
auch einem anderen Banziger die Anfangsbuchstaben H.v.R. im Namen
•igenttlmlich sein konnten, lieJB er ganzlich unberticksichtigt." '
Jedenfalls zeigt auch die "kleine Melmann-Chronik", was im Rahmen
der Fragestellung wichtig ist, keine enge Verwandtschaft mit der
Handschriftengruppe, die durch die Handschriften 300 R/Ll 5 Oder
Celle reprasentiert wird.
Nach dieser Abschweifung aufgrund von Titelahnlichkeit zur
■groBen Melmann-Chronik" .und des besseren thematischen Zusammen-
hangs wegen zur "kleinen Melmann-Chronik" ist zu dem bisher zusarn-
aengestellten Handschriftenkomplex zurtlckzukehren. Ba sich keine
eehr eng verwandten Handschriften zu dieser Cruppe mehr finden, sei
die Darstellung des bisherigen Ergebnisses in Form eines Stemmas
gewagt:
(в. S. 138)
12 61
Von dem Stemma, das J. Bworzaczkowa gibt, ' muB ich somit
abweichen. Richtig ist allerdings ihre Einordnung all dieser Hand-
echriften unter den Oberbegriff der Wartzmann-Chroniken, worauf im
folgenden einzugehen ist*
138 -
300 R/Ll 5 M.v. Miechbw Prank Boemus
Liebbrllder
- - - = enge Verwandtschaft, Abhangigkeit nicht nachgewiesen#
Bartholom&us Wartzmann, dessen Name in den Handschriften wie
in der Literatur immer wieder erw&hnt wird, werden zwei verachiede-
1 27 'I
ne Chroniken zugeschrieben. ' Die erste entstand 1542 r die zwei-
te 1550/51# Es interessiert hier die zweite Fassung# J. Dworzacz-
kowa unterschied dabei zwei Redaktionen, A und B. Zur Redaktion A
z&hlt eie die Handschriften 300 R/Ll 5f Reden, Czartoryski Nr#
1335 und Liebbrllder, wobei X, Celle und wohl Ms. 1289 hinzuzufUgen
Bind, sowie die Handschriftengruppe, die am beaten durch den Namen
Kaspar Bottichera gekennzeichnet ist und zu der ersten G-ruppe man-
che Ubereinetimmung zeigt.128^ Der Redaktion В weist eie Hand-
- 139 -
fcchriften zu weniger aufgrund einer Zusammengehorigkeit als ihrer
(Jnterschiede zur Redaktion A wegen, Die wichtigste der dort aufge-
flihrten ist die Chronik der Danziger Stadtbibliothek Ms. 1285
(lEf. 33),^^ da sie aus dem Besitz Wartzmanns stammt und seine
Hand in Randbemerkungen zeigt. Nur die wichtigsten seien bier an-
geftihrt:
1) AnlaBlich der Wanderung der Cimbern nach Gotland:
uWer hie von lesen will oder lust dazu hat, der lese Olaum
Mangnus Gothus oder Albertum Krantzium di beschreibung von den
gotten und wenden, des geleichen die Historia von den Longobar-
den Nortmenner, Schweden, Denen und Cimbern, der wirts vil an-
ders befinden, als hie gefabulieret. Wer disse Bucher nit hat
der such sie bei Barto: Wartzmann."
2) AnlaBlich der Karthauserpredigt des Jahres 1427:
"Disser Cartheuser MUnch hies Joannes Wartzmann. Er war MUnch
im kloster zu Paradies marie 4 meil von dantzig. Er wart ver-
trieben um disser schrift willen, daz er must weichen zu Marien
Ehr ein Cartheuser kloster in Pomern. Alda vertrieb er sein Le-
ben bis Anno 1455, ist 27 Yar. Da wollt er im christlichen
gleidt von dem Orden gegeben wider in sein alte Wonunge zihen
gen Marien Paradies. Da ward er von den Ordenschen gefangen.
Nimant weis auf heutigen tag, wo er hinkommen se." Dies steht
unter dem Text, daneben am rechten Rand von derselben Hand:
"B. Wartzman", am linken wohl vom spateren Besitzer Valentin
Schlieff: "Waisselius nennt loco allegato diesen Cartheuser
Heinrich Beringer."1^^
5) Bei den Danziger Vorgangen der Jahre 1525/26 am Rande eines an-
tilutherischen Liedes:
"Item lieber Leser, der dis erstmals beschrieben hat, nemlich
von dem Affrur etc. das ist ein grunt Bosewicht gewest, welcher
die Warheit sparet, den dem Handel ist viel anders, wie er hie
aus seinem eigenen kopfe dreumet, dichtet und hinzu tut flicken,
ев mus ein Pfaffen hurenkint gewest etc. der do ein schentli-
chen zusatz disser historien zugeflickt. Let mir got ein 10 jar
leben, во wil ich, wils gott diaem schentlichen Lester Buben
1321
dae maul stopffen etc. Bartolt Wartzmann." ' '
4) Bei der Genealogie des Hauses Swantopolks:
140 -
"Wenn ich meine Chronica zum ende bringe, wirt man vil solchs
dinges sehen. Bartholomeus Wartzmann. M: zu Ehren Anno 1558
den 1. May." ^3)
Daraus geht eindeutig hervor, daB V/artzmann zeitweilig Bosit-
zer dieser Handschrift war. Bekommen hat er sie wohl im Jahre 155Qt ,
zu welcher Zeit er sich anscheinend mit der Zusammenstellung einer .1
groBeren Chronik trug, wie sie etwa im Werk Bornbachs vorliegt. ]
Die Korrekturen und Erganzungen sind insofern interessant, als er
sie nicht in der von ihm selbst geschriebenen Chronik anbrachte, \
sondern in einer Handschrift, die auf jene zuriickzugehen scheint. 1
Das spricht dafUr, daB das Original seines Werkes 1558 noch immer 1
im Hause Hans von Werdens verwahrt Oder inzwischen vernichtet war, I
woruber auch eine Bemerkung Bornbachs aufklart: "Bartholomeus
Wartzmann hatte auch eine Cronike mit allem vleisz geschrieben und
aus vielen alten schriften zusammen gelesen gehapt. Aber wie er
sie einmal einem herren leihet (am Rande: dem h. hans von Werden)
ist sie ime abhendig geworden, dasz er sie nie hernoch hot konen
widerbekommen."^ Diese Bemerkung, im selben Jahr geschrieben
wie Wartzmanns Zusatze zum Ms. 1285, gibt die Erklarung dafUr, daB
das Original Wartzmanns vollig unbekannt ist. Abschriften davon
konnen nur zwischen 1551 - dem Jahr der Pertigstellung - und spa-
testens 1554 - dem Todesjahr Hans von Werdens - genommen sein. Nur
in diesem Zeitraum angefertigte Handschriften konnen also Wartz¬
mann wirklich benutzt haben. Nun ist aber interesaant, daB keine
der uns iiberlieferten Handschriften mit dem Jahr 1551 endet. Bis
zum Jahre 1549, der Mitteilung des Hopfenpreises, gleichen sich
die Handschriften. Danach erst setzen grbBere Unterschiede ein. So
wird beispielsweise die Pest von 1549 in mehreren Handschriften
ausflihrlich besprochen, wahrend sie in anderen vollig fehlt. Pur
die Jahre 1550/51, fur die man in den Handschriften X, Reden, Cel¬
le und Liebbrtider jegliche Notiz vermiBt, gab es aber durchaus
einiges zu berichten, wie Spatte und Rhode zeigen, vor allem den
Brand des Jahres 1550.1^ Entweder endete das Original Wartzmanns
mit dem Jahre 1549, oder aber ein Abschreiber machte an dieser
Stelle willkiirlich SchluB und alle anderen stiitzten sich auf die-
sen, nicht auf Wartzmann. Um diese Prage zu klaren, sollen die
Handschriften herangezogen werden, die J. Dworzaczkowa in die zwei-
141
te Gruppe der Redaktion A einordnet.
Die wichtigste dafiir ist eine Stockholmer Handschrift.
eie mehrfach gebunden worden ist, wie die Schnittverluste am Rande
«eigen, fiihrt sie keinen Titel mehr. Sie weist drei verschiedene
8chreiberhande auf. Die erste Hand hinterlieB den Chronikentext
ble zum Hopfenpreis dee Jahres 1549» die dritte endete mit dem Tod
Moritz von Sachsens 1553. Eine wortliche Abschrift in recht fliich-
tiger AusfUhrung bietet Ms. 1290 der Danziger Stadtbibliothek.1
Die Handschrift reicht bis zum Jahre 1554 und endet mit dem Tode
1 7Q)
Нале von Wardens. Ihr Titel lautet:
"Cronica des landes Bruthenia yzundt Preusserland: welchs
auch etwan Pruthenia, Brusseria, Prussia, Winulia, Vlungania
Oder / Vlungeria, Gelidania, Alania, Carienia und auch Cymeria
genent ist worden. Von den Volkern, die im lande gewohnet,
und einer den andern vortriben, auch etzliche das land gut-
willig vorlassen, und der hoffnung bessere wohnunge zu suchen:
Als die Gotthy, Cimbri, Ostrogotti, Vestrogothi, Gepidi,
Schwedi, Schwizerii, Heruli, Carpi, Caibi, Cimerii und viel
andere mehr; die aus den mitnachtigen Landern durch Preussen
mit grossem Hauffen wie die Bienen geschweift; Wie viel be-
riimbte Manner das anzeigen: Als Methodus Martyr, Jordanus Go-
thus, Christianus Bischof, Paulus Diaconus, Erasmus Sterne
und Albertus Crantz. Auch findestu hirin beschrieben der al-
ten heiden Thaten, abgotter, Krige, Niderlage und Siege: Auch
wie das land ersten zum Christen glauben bracht, durch die
Creuzherren, und wie das gebauet ist worden, und von den Chri¬
sten bestritten und besessen bis auf den heutigen tag: Auch
findestu die namhaftigsten geschichten der Creuzhern und ver-
enderung des landes. Item glauben, brauch, Ordnung, Sitten,
hantirungen, vblker etc. und herrschaften etc. Batholom.
Warzmans. Anno 1553."
Davon ist wieder eine Abschrift der Kodex 300 R/Ll 75 des
141)
Danziger Archive. '
Wie der Titel der Stockholmer Handschrift aussah, mag noch
dahingestellt bleiben. Eins jedenfalls ist vollig eindeutig: das
Datum uAnno 1553" dlirfte ihr im Original nicht zu eigen gewesen
eein. Das ergibt sich aus einer Bemerkung unter dem Titel eines
- 142 -
Chroniken-Auszuges, den der Danziger Ratsherr Georg Schroder anfer-
tigte: "Chronica des landes Prutenica beschriben durch Bartho-
lomeuin Wartzmann A. nach Christi geburth 1542. Da ich diese Chro¬
nica schrieb war ich noch ein junger Loffel macher, besiehe aber
die, so ich Anno 1550 und 1551 beschrieben, so findestu einen
schatz der Alten."^^ Da Schroder im 17. Jahrhundert lebte, be-
steht kein Grund zu der Annahme, daB diese Beraerkung auf Schroder
und nicht auf Wartzmann selbst zuriickgeht. Dementsprechend hat sie
auch zur Datierung seiner Chroniken den erwiinschten Anhalt geboten,
Schroder benutzte also das Handexemplar Wartzmanns der ersten Pas-
sung der Chronik, das auch einige Jahre nach 1551 noch in dessen
Besitz gewesen Bein' dUrfte. Das bedeutet aber fUr Watzmanns zweite
Chronik, daB er selber wohl nicht das Jahr 1553 auf das Titelblatt
setzte. Ganz gleich, ob die Stockholmer Handschrift unmittelbar
Oder mittelbar auf Wartzmann zurtickgeht, das Jahr 1553 stammt nicht
dorther; so setzte ihr erster Schreiber es wohl auch nicht auf den
Titel, da er und seine Vorlage 1549 endeten. Sehr gut passen wttrde
die Datierung allerdings, wenn sie vom dritten Schreiber der Stock¬
holmer Handschrift zugefUgt worden ware, schlieJBt er doch mit je-
nem Jahre, DaB 1553 auf dem Titelblatt stand, beweist eindeutig die
Abschrift Ms, 1290, die es Uberlieferte, selber jedoch mit dem Tode
Hans von Werdens 1554 schlieflt, Damit ware das Problem gelost, mit
dem sich Gehrke plagte, ohne zu einem zufriedenstellenden Ergebnis
gekommen zu sein, und das J. Dworzaczkowa ebenfalls sehr zu denken
gab.1^)
Nun ist Ms. 1290 die einzige Handschrift der zweiten Wartz-
mannredaktion, die den Ramen des Kompilators tragt. Daher bewerte-
te sie Gehrke sehr hoch und setzte sie als Prototyp jener Redaktion
an.^^ Dagegen wendet sich J. Dworzaczkowa: "Als Kopie ist sie je-
doch wenig wertvoll, voll Schreibfehler und MiBgestaltung von Orts-
und Personennamen; wahrscheinlich wurde sie vbllig gedankenlos ab-
geschrieben." Gerade diese Gedankenlosigkeit hilft aber weiter,
Erkennbar war das bei der Datierung, die Ubernommen wurde, ohne zu
beachten, daB die eigenen Eintrage noch ein Jahr weiter reichten.
So ist zu vermuten, daB die Vorlage, also Kodex Stockholm, auch
den Namen Wartzmanns im Titel trug; denn eher ist es denkbar, daB
ein solcher Autorenname von dem Abschreiber getilgt als daB er hin-
143 -
augeftigt wurde. Damit geht der Wert, den Gehrke dem Ms* 1290 bei-
B&8, auf Kodex Stockholm Uber. Diese Handschrift entstand nach
1549# da Schreiber I in jenem Jahr schlieBt, und sp&testens 1553,
da in dem Jahre Schreiber III aufhort. Weil aber der Name Wartz-
nanns im Titel auftaucht, kann sie frlihestens 1551 verfaBt sein,
da jener erst in diesem Jahr seine Chronik abschloB. DaB sie nicht
das Original ist, zeigen einige Lesarten (z.B. "schipte der erste
Bischof in Preussen Christianus,f statt f,schreibt . ..,rdoch
ateht sie ihm recht nahe, wie der noch vorhandene Name Wartzmanns
in Titel verdeutlicht. DafUr spricht auBerdem der Titel, den Ms.
1290 ftihrt und den wir bei der Art der Abschrift auch auf den
Btockholmer Kodex Ubertragen dtirfen. An diesen Titel erinnern aber
mm zwei Randbemerkungen in Ms. 1285# die oben nicht angeflihrt
vurden, da sie nicht ausdrtlcklich auf Wartzmann verweisen, jedoch
eindeutig von seiner Hand stammen. Ms. 1285 berichtet fol. 2b fol-
gendes:"Wi die Cimbri von Gotland in preusen gekomen seint." '
Dazu setzte Wartzmann fol. 2b die Bemerkung, oben unter 1) zitiert
fol# 3a am rechten Rande eine Autorenliste: nDis seind die autho-
res, so disse volker wi auch vorzeichnet beschreiben: Olauus M.
Gothus, Albertus Kranntz, Jordanes, Paulus Diaconus, historia his
Method. Bartholomeus Aug. 1 Hieronimus, Beda, Ireneus, Otto Fri-
eingensis, Eutropius, Saxo Grammaticus, Historia Dania, Agatius,
Platina, Sabellicus# Herodotus, Bilibaldus, Blondus, Christianus,
Brassmus Sterne, Eneas silvius."^ Auf derselben Seite am unte-
ren Rand steht folgende Bemerkung: hNamen der Volker so aus den
Mittnechtigen Lenderen entsprossen, herkummen und ausgezogen und
achir die ganze Welt unruig gemahht. Wie solche die Histori mel-
den, sunderlich Olauus Mangnus Gothus, Bischof zu Upsal etwan etc.
ale volget: Gothi, Ostrogothi, Vestrogothi, Gepide, Samogethi,
Massogety, Huni, amazones, Perthi, Suedi, Longobardi, turilingi
(?), Avares, Heruli, Sului, Suitzeri, techixali (?), Dani, Daci,
Slavi, Lugi, alani, Burgundi, Sembi, Livoni, Sciri, Nortmanni, Pic
ti, Carpi, Caisi, Cimeri, Cimbri, Bulgari, Pruteni, Bructeri, Ul-
nigeri, Sambini, Obotriti, Vandali."
Im Vergleich hiermit ergibt sich der Titel, den Ms. 1290 auf-
weiet und den Kodex Stockholm wohl ebenfalls fUhrte, nur als Ver-
ktirzung der Aufz&hlung der Anmerkungen, vrie ев dem Titel ja auch
144
■1
nottat. In dieser ttbereinstimmung zwischen den persdnlichen Rand-
notizen Wartzmanns und jenem Titel kann man wohl auch einen Beweis
dafUr sehen, daB Ms. 1290 als Abschrift vom Kodex Stockholm den
originalen Wartzmann-Titel der zweiten Fassung Uberliefert.
Wenn sich aber so vi^le Ubereinstimmungen zu Wartzmanns Ori¬
ginal ergeben, darf angenommen werden, daB Kodex Stockholm ohne
die Nachtrage auch den zeitlichen Umfang jener verlorenen Hand-
schrift Uberliefert. Das heiSt, daB die Wartzmann-Chronik der zwei¬
ten Fassung, geschrieben in den Jahren 1550/51, mit dem Preis des
Hopfens 1549 abschloJB. DaB diese Notiz aufgenommen wurde, war fUr
den Sohn eines Brauers recht natUrlich, zeigt auf der anderen Sei-
te aber auch, daB ein eventuell geplanter SchluB damit nicht er-
reicht war.
Nun schreibt Gehrke auch spatere Mitteilungen noch Wartzmann
zu, vor allem die Schilderung der Pest des Jahres 1549: "Das wes
also erbermlich anzueehen, dass alle reichen aus der Stadt flohen
und die stadt halb derzwehe, den es starb mechtig viel armes fol-
kes, und ich habes selbest den 25. September 63 lacken sehen aus-
hencken und gezehlet mit einem studenten, der his Johannes Hacke.
Welcher am 4. tage hernach auch von godt gerufen."1^^ Gehrke meint,
diesen Gang durch die Stadt habe Wartzmann als Ratsbeauftragter un-
ternommen. Nun steht die Schilderung aber in Kodex Stockholm, wo
sie Ms. 1290 abschrieb, als Nachtrag der zweiten Hand. Unwahrschein-
lich ist es also, daB dieser Bericht von Wartzmann stammt, da kaum
anzunehmen ist, daB der erste Schreiber des Kodex so kurz vor
SchluB der Yorlage aufhorte und die Vollendung der Abschrift, die
nur noch 5-6 Seiten umfassen konnte bis zum spatest moglichen
Ende 1551, einem Nachfolger Ubertrug. Deshalb glaube ich annehmen
zu dUrfen - besonders da Gehrke kein weiteres Argument fUr die
Autorschaft Wartzmanns ftlr diesen Bericht anfUhrt, als daB ein sol-
cher Gang durch die verseuchte Stadt der Jugend Wartzmanns angemes-
sen sei daB der Hopfenpreis des Jahres 1549 die letzte Eintra-
gung im Original der zweiten Fassung der Wartzmann-Chronik bildete.
Alle Handschriften, die mit jener Notiz enden, haben den Original-
umfang der zweiten Fassung bewahrt und schlieBen sich somit eng an
das verlorene Exemplar an. Kodex Stockholm scheint eine direkte
Abschrift zu sein, wie sich aus verschiedenen GrUnden ergeben hat.
- 145
Davon eine Abschrift ist Ms. 1290, das seinerseits Vorlage ftir Ms.
300 R/Ll 75 war.
Eng verwandt mit diesen Handschriften ist auch die erwhhnte
Ghronik Kaspar Bottchers. Gehrke kannte sechs Exemplare aus Berlin,
Petersburg, Danzig (drei) und Upsala.*^0^ Aufgrund der Datierung
1569 im Titel und eines Eintrages auf der Rtickseite des Titelblat-
tee: ’’Diese Cronica hab ich angefangen zu schreiben den 7. Octob.
und gevolendet im Namen gottes den 17. Novemb. Ehr sei Gott in der
1 (51)
flohe frjede auf erden und den menschen ein wohlgefallen." ' halt
er diese Handschrift Ms. Diez C. fol. 35 der Deutschen Staatsbi-
bliothek Berlin fttr das Original Bbttchers. Da alle anderen Exem-
152^
plare jtlnger zu sein scheinen, ' spricht nichts gegen diese An-
nahme. Ihr Titel lautet:
’’Cronica des Landes Bruthenia, ietzundt Preuserlantt, welches
auch etwan Brusenia, Prusia, Winulia, Ulmigania Oder Ulmige-
ria Gelidania Alania Carienia und auch Cymeria genant ist
worden, von den Volckern, die im Lande gewonet und einer den
andern vertrieben, auch etliche das Landt gutwillig verlassen,
und der hoffnung bessere wohnung zu suchen als di Gotti Cim-
bri Ostrogotti Westrogotti Gepidi Schwedi Schwicery Heruly
Kerpy Caiby Cimery, und viel andre mehr, die aufl den mitter-
nachtligen landern durch Preusen mit grossen Hauffen wie die
bienen geschweifft, wie viel berumbten mennern anzeigen, als
Methodius, Martir, Jordanus Gothus, Christianus Bischof, Pau-
luB Diaconus, Erasmus Sterne und Albertus Krantz. auch finde-
stu hierin beschrieben der alten Heiden thaten, abgotter,
krige, niderlage und Siege auch wie das Landt zum ersten zum
christenglauben gebracht durch die Creutz-Herren und wie das
Land gebauet ist worden und von der christen bestriten und
besessen biB auf den heutigen tag auch findestu die namhaf-
tigsten geschichten der Creutz-Hern und verendrung des lar.des
glauben, brauch, ordnung, Sitten, Hanttierung, Volcker und
herschaften. geschrieben durch Casper Bottcher den jungen
Anno 1569."153^
Dieser Titel stimmt bis auf kleine Abweichungen besserer Les-
arten vbllig mit dem in Ms. 1290 tlberein, nur ersetzte Bdttcher
den Namen Wartzmanns durch seinen eigenen und fUgte das Jahr der
146 -
Abschrift bei. Da diese Abschrift aber erst 1569 angefertigt wur-
de, kann sie nicht auf das Original der Wartzmann-Chronik zurUck-
gehen.
Б1е vorhandene enge Verwandtschaft der Bdttcher-Chronik mit
der Handschriftengruppe, die auf Kodex Stockholm zurttckgeht, er-
kannte bereits im 18. Jahrhundert Valentin Schlieff; am SchluB von
Ms. 1290 schrieb er: "In einer von dem George Reinhold Curicken
Reinholdi Filio eigenhandig geschriebenen Chronica, so zwar auf
den Titel Caspar Bdttchern, den Jungen zum Autore angiebet, in der
tat aber diese Chronicke ist und mit ihr so wie im Titel also auch
im Texte verbotenus tlber einkomt, habe ich noch nachfolgende Note-
bilia angemercket gefunden: .Diese von Curicke angefertig-
te Bottcher-Chronik scheint zwar verloren, doch zeigt die Bemer-
kung, wie aufmerksam Schlieff die Handschriften verglich. Von Ms.
1290 und damit vom Kodex Stockholm ist Bdttcher allerdings unab-
155)
hangig, wie seine besseren Lesarten einerseits ' und seine Fort-
setzung bis 1556 andererseits annehmen lessen.
Beiden Handschriften gemeinsam sind aber die Hochmeisterwap-
pen. Bas spricht dafUr, dafl auch die Chronik Wartzraanns mit jenen
ausgestattet war. In dem Zusammenhang wird wieder die Frage inter-
essant, ob Ms. 300 R/Ll 5 Wappen fiihrte,^^ diese dann an Hand-
schrift X weitergab. Auch darin n&mlich besteht eine Verwandtschaft
swischen Bottcher als dem Reprasentanten des einen Stranges und
157)
Handschrift X beziehungsweise Reden, bereits von Kletke erkannt.
Die Unterschiede, die er fUr beide Handschriften anfUhrt, werden
besonders auffallig ftir die Jahre des Glaubensstreites in Danzig.
Bottcher hat fur die Nachrichten der Jahre 1522 - 1525 eine andere
Reihenfolge und eine Schilderung in scharfer antilutherischer Form
("Verdeckte Schalckheit der Lutterschen Secten in des Heiligen
wortes und Evangelii Gottes; Der Bose geist des Satan rechtet Bo¬
ses pil an; Hiernach folget kurtzlichen beschrieben das teuflische
und aufruhrische wesen der Lutherschen unter dem schein des Heil.
Evangelij und wort Gottes."), X jedoch eine recht reformfreudige
Darstellung.1^ Aus Wartzmanns Randbemerkung in Ms. 1285159^ geht
wohl hervor, daB er Lutheraner war. So stellt sich die Frage, ob
Bottchers Schilderung auf Wartzmann zurUckgreift oder aus anderer
Quelle stammt. Ein Vergleich mit Ms. 300 R/Ll 5 und Kodex Stock¬
- 147 -
i
holm kbnnte Klarheit schaffen.
Einen Hinweis bringt Kftrzyfiski bei Besprechung der Handechrift
Czartoryski Nr, 1335: "fol. 246 - 248: Verdecte Schalckheit der
Lutterschen Secten um des heiligen Wortea und Evangelii Gottes,
1524. fol. 249b: Бег Bdse geist der Sathan richtet bose Spiel an
1525* fol. 282: Hiernach folget korczlichen beachrieben das Teu-
ffeliche und Aufrurische wesen der Lutterschen, unter dem Schein,
dee heiligen Evangelij und worte gottes. 1524. Verse.Баз
entspricht vbllig der Darstellung in den Bbttcherchroniken. Quelle
dafUr kann nicht Reden sein, sondern nur Ms. 300 R/Ll 5. Wenn aber
Me. 300 R/Ll 5 und Bottcher diese antilutherische Darstellung ent-
halten, ist es wahrscheinlich, daB sie bereits in der Wartzmann-
chronik vorhanden war. Demnach hatte man in der Handbemerkung
Wartzmanns vom Jahre 1558 in Ms. 1285 die Frucht seiner histori-
-jchen Beschaftigung zu sehen, die ein anderes Ergebnis in der Er-
/cenntnis jener Vorgange zeitigte als er noch 1551 niedergeschrie-
oen hatte. Баз bedeutet nun aber fUr Chronik Celle und X, dafi die
Darstellung zur Prage der religiosen Unruhen wieder selbstandig
geetaltet wurde. Beispielhaft ist die Erzahlung "Martinus Luther,
ein munch anno 1524"^^, flir die mir keine Parallels bekannt ist.
Nach all diesen Erwagungen sind sich die Ausgangspunkte zwei-
er Gruppen der Hedaktion A der zweiten Wartzmannchronik recht nahe
gerlickt. Dieses enge Verhaltnis v/ird noch dadurch betont, daB Ms.
1290 Wappen der Hochmeister aufweist, ' Ms. 300 R/Ll 5 wahrschein¬
lich ebenfalls;^^ leider sagt dartiber J. Bworzaczkowa nichts flir
den Stockholmer Kodex. Bieser und Ms. 300 R/Ll 5 - abgerechnet den
Vorepann - weisen stark auf eine gemeinsame Vorlage hin. Eine ge-
genseitige Beeinflussung beider darf aufgrund unterschiedlicher
Lesarten^^ ausgeschlossen werden. Als gemeinsame Vorlage bietet
eich aber der oben gezeigten auBerst engen Verbindung zu Wartzmanns
Original des Kodex Stockholm wegen eben jene verlorene Urfassung
der zweiten Wartzmann-Chronik an. Die Richtigkeit dieser Vermutung
lieBe sich nur anhand eines genauen Vergleichs jener beiden Hand-
schriften UberprUfen, der mir zur Zeit jedoch nicht moglich ist.
Hinzu kommt als dritter Strang die Gruppe der Bdttcher-Chro-
niken. durch ein Zwischenglied mit Wartzmanns Original verbunden.
4 Г C \
Die Wappen der Hochmeister finden sich auch dort 5; und gehen
148
wohl auf Wartzmann zurtlck.
In diese Handschriftenfamilie gehdrt aber auch die Chronik I,
Es wurde bereits wahrecheinlich gemacht, daB sie Ms. 300 R/Ll 5
zur Vorlage hatte; damit scheidet Kodex Stockholm als solche aus.
Bestatigt wird das durch den schon frtlher angestellten Vergleich
der Jahre nach 1535 in Ms. 1290 und Handschrift Celle.Es
bleibt zu fragen, ob etwa Wartzmann direkt als Quelle ftir X gedient
haben konnte. Ohne einen Vergleich zwischen Kodex Stockholm, Bdtt-
cher und Ms. 300 K/Ll 5 laBt sich dazu nichts genaueres sagen. Nur
soviel ergibt sich, daB alle drei Handschriften wenn nicht unmit-
telbar auf Wartzmann zurttckgehen, so doch sich sehr eng an ihn an-
lehnen und eine dem Original sehr angen&herte Form seiner Chronik
Uberliefern. Ohne Vorspann - von dem nicht zu sagen ist, ob er eine
Eigenart des Ms. 300 R/Ll 5 darstellt Oder aus Wartzmann stammt
und nur in Kodex Stockholm fortgelassen wurde - und die Ereignisse
nach 1549 gilt dasselbe fUr X, damit also auch fUr Reden und Cel¬
le. Allerdings bieten diese drei Handschriften, wie der Vergleich
mit Ms. 1290 zeigte,^^) eine gektirzte und damit gestraffte Fas-
sung in eigenstandiger, oft unterschiedlicher Art gegeniiber Wartz¬
mann, zumindest fUr die letzten Jahre vor 1549- Das ist durchaus
verstandlich, wenn man diese Handschriften in ihrer Form als kom-
pilatorische Entwicklungsstufe betrachtet.
Damit ware die Stellung von Chronik Celle innerhalb der Redak-
tion A der zweiten Watzmann-Fassung aufgezeigt sowie die Zuordnung
der Handschriften jener Redaktion zueinander durchleuchtet. Kurz
einzufUgen ist diesem Bild noch die Redaktion B, vor allem Ms.
1285, das bereits ofter zitiert und zum Vergleich herangezogen
wurde.^
Bereits im Titel unterscheidet sie sich von der Redaktion A:
"Diese kronica meldet von dem herkommen und anfang des dutczen or-
dens der kreutzherren und irer regirung im lande zu preusen." Das
entspricht laut J. Dworzaczkowa dem Titel, den das verlorene Fer-
ber-Buch getragen haben soll.^^ Es folgen ein Hoch- und Land-
meisterverzeichnis, die Verse "Ach du gutes Preuser Land" und das
Wappen der alten PreuBen. Sodann beginnt der eigentliche Text:
"Wie das lant zu preusen erstlich ist gefunden worden folget.
Christianus, wi man in Cronicken beschriben findet, sal der erste
- 149 -
bischof in preusen gewesen sein. Dieser schreibet das zu der zeit
des keisers Octaviano ..." Bereits dieser Anfang zeigt im Vergleich
zu Chronik Celle, dafl Ms. 1285 ausfUhrlicher berichtet und mehr in
Details geht. Es fehlen aber die Zitate aus Matthias von Miech6w
und Prank. Die Aufzahlung der Landschaften ab fol. 5a geschieht in
anderer Reihenfolge. Ab fol. 15a setzt Uber jedem Kapitel eine ge-
naue Datierung ein, die in Handschrift Celle fehlt. Die Kapitel
haben teilweise eine andere Reihenfolge. Pol. 33a beginnt die Ab-
echrift der Goldenen Bulle von Rimini aus dem Jahre 1226, in Celle
ebenfalls nicht vorhanden. Um 1390 bis 1405 ist Ms. 1285 wesent-
lich ausfUhrlicher, ebenso fUr die Darstellung des 13jahrigen Krie-
ges. Die wOrtlichen ttbereinstimmungen beider Handschriften sind
grofl. Die Reihenfolge der Nachrichten ist in Ms. 1285 st&rker an
der Chronologie orientiert. Der fUr die Jahre nach 1525 vorgenom-
mene Vergleich bestatigt diese Beobachtungen. Ahnliche Feststel-
lungen traf auch J. Dworzaczkowa.Schwerwiegend und die direk-
te Verwandtschaft mit Chronik Celle ausschlieflend ist ebenfalls
die deutlich antilutherische Schilderung der religibsen Unruhen in
Danzig, wie sie wohl Wartzmann bereits aufwies. Trotzdem scheint
Ms. 1285 nicht direkt von dessen zweiter Chronik abhangig zu sein,
wie der Vergleich von Ms. 1285 und Ms. 1290 mit Chronik Celle zeig-
te;^^ diese Handschrift bietet eine Mischform, die sich erst
dann klaren laflt, wenn der Vergleich der drei Ableitungszweige der
Redaktion A unter Hinzuziehung der Handschrift Celle als klar Uber-
schaubarer weiter entwickelter Kompilationsform ergeben hat, wie
die zweite Chronik Wartzmanns aussah. Vor dieser Untersuchung la(3t
aich nicht feststellen, welche Vorlagen Ms. 1285 gehabt hat, da
das Perber-Buch ebenfalls mUhselig in seinem Bestand zu erschlie-
Ben ist. Das gleiche gilt fUr die anderen Handschriften, die J.
Dworzaczkowa zur Redaktion В der zweiten Passung der Wartzmann-
Chronik zUhlt,*^^ die man besser charakterisieren wUrde durch die
Bemerkung, es handele sich um jene Handschriften, die den EinfluB
Wartzmanns spUren lessen, jedoch nicht zur Redaktion A gehoren.
Neben direkten Vorlagen und Ableitungen der Chronik Celle ist
damit die weitere Handschriftenfamilie vorgestellt, der sie ange-
hbrt. Zusatzlich wurde diese auf ihre Entwicklungslinien untersucht
- 150 -
und der Weg aufgezeigt, der weiter zu gehen 1st, um die "unlbelich
171)
zu einem Knauel verschlungene Masse” 1 der Danziger Chronistik
in ihre einzelnen Faden zu entwirren. Diesem Terminus Maschkes,
der sowohl positiv als auch negativ wie ein Trauma wirken kann,
scheint allmahlich die Lebensberechtigung entzogen zu werden. Nach<
dem J. Dworzaczkowa mit alien Vorbehalten von ihrer und des Lesere
Seite den Versuch unternommen hat, den groBen Rahmen ftlr jene hi-
storiographische Entwicklung aufzuzeigen, wobei sie zu manch er-
freulichem Ergebnis gelangte, ist es nun Aufgabe kleinerer Arbei-
ten wie dieser, jeweils von einer Handschrift auagehend den umlie-
genden Bereich zu untersuchen, auf daB mancher Knoten des Kn&uele
gelost werden und sich Faden an Faden knllpfen lassen kann. Ich
bin Uberzeugt, daB es nicht gelingen wird, lUckenlos die Entwick¬
lung der Danziger Chronistik aufzuzeigen; zu viele Handschriften
sind verloren, zu viele Wege laufen parallel, ohne sich zu tref-
fen. Boch mit verfeinerter Methode, zu der nicht zuletzt die Be-
achtung aller Nebenerscheinungen des geschriebenen Wortes einer
Chronik zu zahlen sind, anzufangen bei der bildlichen Ausgestal-
tung, wird es moglich sein, manchen Schritt vorw&rts in der Er-
kenntnis jenes historischen Wachstums zu tun, welches keine abso¬
lute Erscheinung darstellt, sondern Ausdruck einer Zeit und einea
Zeitverstandnisses ist.
- 151
VII) Der EinfluG Polens auf die Danziger historio-
graphische Tradition
Den Hhhepunkt polnischer Geechichtsechreibung im ausgehenden
Hittelalter bietet zweifelsohne Johannes D^ugosz in seiner "Histo-
ria Polonies", von ZeiGberg als "der gewaltige Markstein, welcher
eich am Ende der polnischen Historiographie im Mittelalter erhebt"
bezeichnet,1^
Seine Verbindung zur alteren Ordenschronistik wurde bereits
•rwahnt.^ Die HHistoria Polonica" war viel zu umfangreich, um be¬
reits in der Frtihzeit der Buchdruckerkunst verbffentlicht zu wer-
den. Deshalb stellte Matthias von Miechbw einen Auszug zusammen
und erganzte ihn bis zum Jahre 1506, dem Datum des Regierungsan-
trittes Kbnig Sigismunds.^ Der Auszug, selber noch ein umfangrei-
ehee Werk, wurde 1519 und 1521 in der Offizin des Hieronymus Vie-
tor zu Krakau gedruckt.^ Damit lag die erste polnische Chronik
▼or, deren weite Verbreitung sicher war, Ihrem EinfluG ist es zu-
fuechreiben, daG die polnische Geschichte auch im Nachbarland Preu-
Ben verstarkte Beachtung fand, besonders im "PreuGen koniglichen
Anteils", das naturgemhB enger mit der Krone Polen verbunden war
als das Herzogtum. Das MaG der direkten EinfluGnahme von Matthias
'▼on Miechbws Werk auf die Danziger Chronistik ist noch unklar;
vahrscheinlich war es geringer, als bisher angenommen, da viele
Chronisten Matthias zitieren, ihn aber nicht selber zur Hand ge-
habt haben, sondern ihre Zitate aus einer Danziger Vorlage Uber-
nahmen. Daneben gibt es eine Anzahl von Handschriften, wie die
Celler Chronik, die zwar jene Zitate tibernahmen, doch darUber hin-
au8 zusatzlich des Matthias "Chronica Polonorum" unmittelbar be-
autzten.*^ Die Celler Handschrift soli darauf untersucht werden,
welche Nachrichten der Danziger Chronistik allgemein von Matthias
etammen. Diese Untersuchung schlieGt allerdings keine grundlegende
Analyse seines Werkes ein*^
Matthias beginnt sein Werk in humanistischer Weise mit der
eagenhaften Vorzeit, zurttckgreifend bis auf Noah und seine Sbhne.
Dabei bewegt er sich noch nicht auf der wissenschaftlich-systema-
152
tischen ЕЪепе eines Boemus, doch beruht das teilweiae auf seiner
Abhangigkeit von D/ugosz. Das zweite Buch fangt mit dem Regierungs-
antritt Mieszkos I. an und schreitet chronologisch fort, die Re-
gierungszeiten der Herrscher als Gertlst benutzend.
PreuBen wird zum ersten Mai erw&hnt anlaBlich des Kriegszugee
Boles^aw Chrobrys gegen die PruBen.^ Der Abschnitt findet sich
wieder in der Schilderung der Celler Chronik. Um die Art der Ver-
arbeitung zu zeigen, seien die Texte einander gegenttber gestellt.
Matthias von Miechbw
"Demum Prutenicum bellum in-
dixit, et cum veteranis at-
que tironibus Prussiam in-
grediens, diruit et exussit
Romowe, Radcim, Balga et
caetera oppida, lignea enim
erant. Primores autem Prute-
norum in abscondito latitan-
tes. Ne tota Prussia confla-
garet, primum per caduceato-
res, postea per ipsosinet,
dedicionem faciunt, et tributa
quotannis pendere fisco regio
promittunt, quod rex Boleslaus
8uscepit, agrumque Prutenicum
vastari prohibuit. Dbi victo-
riosus princeps, in flumines
Ossa medio, columnam infixit
ferream, cuius ex nomine villa
Slup nomen accepit, et deinde
Gades regni ad undas maria
Balthei extendit, ad propagan-
dum itaque fines regni Polo-
niae."
Chronik Celle
"Dieser kam mit gewaldt in das landt
zu PreuBen und schlug zu todt allee,
was er uberkam, und nam das gantze
landt zu PreuBen ein, (folgt Reden:
Anno 1015) er zog gen Kyckeyt (Re¬
den: Rickoyott) zu Romowe der gro-
Ben eichen, verbrandte die abgbtter
und die schbne wohnung des Krywo
Kryweito und der Weydeloten und ver¬
brandte (folgt Reden: dy stellen)
Rezin (Raczin) und Balga die stadt,
welche von holtz gebauet waren. Die
vornembsten PreuBen hatten sich
heimlich verborgen. Auf das aber
gantz Preuflenlandt nicht gar ver-
herdt und verbrandt wurde, sandten
sie zum ersten friedeboten zum ko-
nige und darnach kamen sie selber
zum kbnige und tbeten eine groBe
verheiBung (gewisse versicherung),
ihren tribut in das schloB dem kb-
nig zu geben (des tribut und zinB
halben ym in sein schacz zu geben).
Die nam der kbnig gnediglich an und
zog in friede mit groBem triumpf
wider in sein landt.”
Die Celler Chronik bietet eine verh<nismaBig gute, nicht
allzu freie Ubertragung; die Schilderung Matthias von Miechbws
bleibt deutlich erkennbar. Die AusschmUckung der Zerstbrung Romo-
wes geht auf eine Vorlage von Celle zurtick, die Grunau ebenfalls
Q \
benutzte. ' An dieser Stelle ist gut zu sehen, wie Grunau seine
Quellen benutzte. Gerade der Vergleich von Handschrift Celle mit
Matthias wirft ein helles Licht auf die Arbeitsweise Grunaus, weil
dadurch kenntlich wird, was Grunau Ubernahm, was seine Eigenlei-
stung ist. Nun erst kann Grunau recht gewertet werden, doch geht
- 153 -
eine solche Wertung fiber den Rahnien dieser Arbeit hinaus.
Jene Stelle zeigt noch mehr, Im sachlichen Kern stimmen Hand-
•chrift Celle und Grunau Uberein. Lie tlbernahme des Berichtes er-
folgte also, im Gegensatz zur Landesbeschreibung, nicht direkt
durch den Schreiber der Celler Chronik. Matthias wurde von der
forlage ziemlich wdrtlich Ubertragen. Labei ist eine recht gute
deuteche Sprachform erzielt worden. Ihr Schreiber beherrschte also
beide Sprachen und gehorte demnach einem hdher gebildeten Stand
an, Entweder hatte er ein Studium absolviert oder war gut ausge-
Mldeter Kleriker. FUr einen Kleriker sprhche vielleicht auch der
Binschub bei der Zerstdrung Romowes, setzt er doch starkes religi-
tJees Engagement bereits fttr die heidnieche Zeit, nicht nur ftir die
Gegenwart voraus. Politisches Engagement zeigt sich ebenfalls,
denn die Grenzausweitung bis zur Ostsee bei Matthias wird ohne je-
den Kommentar fortgelassen; lag es doch nicht unbedingt im Inter-
eese eines PreuBen, die polnischen Ansprtlche auf sein Land zu un-
terstUtzen in einer Zeit, als es nicht mehr um die Erlangung der
UnabhMngigkeit vom Orden ging, sondern um die Wahrung derselben
gegentiber Polen.
Im nachsten Kapitel berichtet Matthias iiber den hi, Adalbert,
der in der Celler Chronik erstaunlicherweise keine Erwahnung fin-
det. Aus diesem Kapitel stammt die bereits untersuchte PreuBenbe-
* ichreibung; ein Teil davon steht in der Celler Chronik an anderer
I Stelle bei der Namensetymologie der PreuBen.^ Interessant ist,
'dad dieser Hinweis bei Grunau nicht existiert; er gibt eine andere,
iprachliche Erklarung fUr die Entstehung dee Begriffee "Prussia11,
■PreuBen".Ebenso fehlen diese Zeilen in Ms, 1285.11^ Hier
liegt also wieder eine direkte Benutzung Matthias von Miechbwe
durch den Celler Chronisten vor. Las ist umso wahrscheinlicher,
tie es sich um das Ende eines Absatzes handelt, an das die wenigen
fallen angehangt werden konnten.
Matthias schreibt welter von polnischen Angelegenheiten, doch
* auch dort interessiert unseren Chronisten etwas: die Erzahlung um
£
den Mdnch und spateren Kdnig Kasimir. ' Lieser Abschnitt ist ge-
p
ktlr2t und verh<nismaBig frei wiedergegeben, lhngst nicht so eng
; an den Text anschlieflend wie bei dem oben zitierten Teil, Grunau
; bietet keine Entsprechung, ebenso fehlt die Schilderung in Ms.
154 -
1285.^^ Erst bei der n&chsten Begebenheit, dem Kriegszug Kasimire
gegen die PruBen und Nas^aw von Nasowien, setzen Grunau und Me.
1285 wieder ein. Entweder liegt eine KUrzung bei Grunau und Ns.
1285 vor, die sich in der Reihenfolge der Kapitel hier vbllig ent-
sprechen, Oder die Celler Chronik benutzte wieder Natthias direkt
und schaltete ihn an der passenden Stelle ein.
In Kapitel 14 schildert Natthias die Kampfe zwischen Kasimir
und den mit den PruBen verbUndeten Nasowiern. Celle bietet diese
Schilderungen zwar knapp, doch in enger, meist wortlicher Anleh-
14)
nung. ' Den nachsten PreuBenbezug bringt Natthias in Kapitel 16;
er taucht ebenfalls in der Celler Chronik auf, zwar gekUrzt, doch
15)
in wortlicher Anlehnung. '
Die weiteren fUnf Kapitel und damit der Rest des zweiten Bu-
ches von Natthias von Niechows Werk berichten Uber PreuBen nichte
mehr.
Bisher wurden s&mtliche Stellen, die bei Natthias Bezug auf
PreuBen hatten, von der Celler Chronik in oft gekUrzter, jedoch
stark wortlicher Anlehnung Ubernommen, nur der Bericht Uber das
Nartyrium Adalberts nicht. Warum Adalbert nicht erwahnt wird, weiB
ich nicht zu sagen. Von der Celler Chronik aus betrachtet ergibt
sich folgende Bild: Die Ubernahmen aus Natthias setzen dort ein,
wo er Uber PreuBen berichtet, also unter Boles/aw Chrobry. Was
vorher in der Celler Handechrift erzahlt wird - die Vdlkerwande-
rung in PreuBen, die Aufteilung in Landschaften mit Angaben der
StadtegrUndungen, die Kampfe zwischen PruBen und Nasowiern -,
kennt Natthias nicht. Von nun an bleibt Natthias aber fUr einige
Zeit die einzige Quelle.Auch die hier nicht gesondert erwahn-
ten Daten und kleineren Angaben stammen aus den angefUhrten Kapi-
teln bei ihm.
Weiter ist das dritte Buch Natthias von Niechbws zu untersu-
chen. Es beginnt mit dem Regierungsantritt W^adys^aws Hermanns
1079 und endet 1294. PreuBen kommt zum ersten Nal vor anlaBlich
der Berichte Uber die Ausdehnung Polens nach Norden in Kapitel 2.
Das gesamte Kapitel wird wortgetreu wie bisher Ubernommen; ausge-
lessen Bind alle nicht PreuBen unmittelbar betreffenden Ereignis-
se, also die PommernzUge.Der nur kurze Hinweis auf den Zug der
PruBen gegen "RuBland" wurde aber in die Celler Chronik aufgenora-
- 155 -
Баз zeigt, daB der Chronist Matthias zumindeet anhand der
Handhinweise recht genau geleaen hat.
Die nachste Berilhrung zwischen Polen und PruBen zeigt Matthi¬
as im 11. Kapitel auf; wieder handelt ea sich um Karopfe gegen Preu
1Q)
0sn und Pommerellen, *' Dabei ist interessant, daB ftir den Schrei-
ber der Celler Chronik Pommerellen noch nicht in den Bericht auf-
genommen wird, um etwa die Vorgeschichte des spateren Ordensbesit-
see zu erhellen; laBt er doch die Schilderungen der Kampfe gegen
Pommern-Pommerellen des 7. Kapitels aus.^^ Die ’’Pomerani" sind
ftir ihn nur wichtig als VerbUndete der "Pruteni". Wieder ist die
211
Brzahlung wbrtlich, doch leicht gektirzt Ubertragen. 1 Chronik
Celle setzt noch eine knappe Schilderung der Person Boles/aws III.
hinzu ("Schiefmund")• Diese entnahm sie dem Anfang des 7. Kapitels
Der Schreiber scheint also mehr noch als nur die Randnotizen gele-
sen zu haben, doch beschrankte er sich bei der Mitteilung nur auf
das in seinen Augen notwendigste, wie die Vorgange um Nakel in Ka-
22)
pitel 12 zeigen, ' Dabei ist interessant, dafl er einen Randver-
veis des Matthias zur ttberschrift umformte,
Kapitel 13 berichtet von der Annaherung Polens an Danemark
1129/30. Ein direkter Bezug auf PreuBen findet sich nicht; aller-
dings findet hier die friiheste Erwahnung Danzigs statt. War das
der Grund der tlbernahme in die Celler Chronik? Die eigentlichen
Vorgange interessieren nicht sonderlich, wie an der starken Ktlr-
2'5'j
Eung und nicht immer wortlichen Anlehnung zu spttren ist. "
Die PruBen kommen erst im 19. Kapitel wieder ins Gesichtsfeld
des Matthias, als er zu 1164 von einem Kriegszug gegen sie, ihrer
Taufe und den sich daran anknUpfenden Ereignissen berichtet.
Zwischen diesen Ausztigen aus dem 12. und 19. Kapitel schiebt
Chronik Celle einen Bericht folgenden Inhalts ein: Nachdem er aus
Dfinemark zuriickgekehrt war, zog Boles/aw Schiefmund gegen die un-
gehorsamen Samlander und vertrieb sie in achtwochigem Kampf aus
25)
ihren Wohnsitzen. 1 Die Schilderung hat Matthias nicht; an die-
eer Stelle zeigt sich in Celle eine andere Vberlieferung. Erwahnt
verden darin Samland und wieder Danzig. Der genauen Angabe wegen
scheint diese ttberlieferung vielleicht Danziger Herkunft zu sein.
Allerdings kann die Erwahnung der Stadt auch ein Mittel sein, um
den Abschnitt der vorhergehenden Erzahlung besser anzupassen: von
- 156
Danzig war Bolesjfaw nach Danemark gesegelt; von D&nemark zurtickg#*
kehrt wandte er sich gegen die Samlander, um anschlieBend wieder <
nach Danzig zurlickzuziehen. i
Den nachaten Hinweis hat der Celler Ghronist nicht aufgenoa»!!
men: im Kapitel 23 berichtet Matthias liber die Aufteilung Polens
nach dem Tode Boles/aws III. 1138. Dabei fallt Kasimir Pommerellen
("Pomerania citerior") mit der Metropole Danzig zu. ttbersah der
Chronist diese Stelle, wo er doch sonst recht genau gelesen hat,
Oder lieB er sie absichtlich fort, da Danzig seiner Auffassung
nach damals nicht zu PreuBen gehdrte? Weshalb berichtete er aber
dann von dem Danenzug, der von Danzig ausging? Eine Antwort auf
diese Prage laflt sich nicht geben.
Die Erwahnung des PreuBenzuges Kasimirs II. im Kapitel 25
fand wieder ihren Niederschlag in der Celler Chronik.An-
schlieflend schreibt sie von der Einsetzung Swantopolks als Regent
von Pommem,^^ entsprechend Kapitel 30 bei Matthias. Hier nimmt
der Celler Chronist einen Bericht auf, der gar keinen Hinweis auf
PreuBen enthalt. Das beruht auf einer Verwechslung mit Swantopolk
von Pommerellen, dem spateren Gegner des Ordens, wie die Gleich-
setzung bei Chronik Celle beweist.^®^
Die weiteren Nachrichten Uber PreuBen finden sich im Kapitel
30 bei Matthias. Die Celler Chronik hat sie leicht verandert Uber-
nomrnen. Pommerellen und Swantopolk werden ab hier mitbehandelt
Der VertragsschluB zwischen Konrad von Masowien und Bischof Chri¬
stian vom 5. August 1222 wird mit dem Tod Leszeks des WeiBen 1227
verquickt. Das kann auf einer ungeschickten Kontraktion beruhen.
Auf Absicht beruht jedoch folgender Abschnitt, dem der Text des
Matthias von Miechbw zur Verdeutlichung gegenlibergestellt wird:
"Et terrae Culmensi et
Lubaviensi, penitus de-
sertabantur, quinimo
pestem et flammas, ve-
xationis in sua viscera
Conradus immisit, quae
usque in hanc diem de
terris Prussorum et Po-
lonorum non sunt ex-
tincta."
"Klage der Polen uber den fUrsten Conra-
dum. In der polnischen cronica stehet ge-
schrieben, wie das die Polen uber den
fursten Conradum grausam geklagt haben,
das er die Creutzherrn ins landt zu Preu¬
Ben gefordert (gefurt) hat, und haben ge-
sprochen, das er durch solche forderung
der obgenandten creutzherrn (ab "durch"
fehlt Reden) eine groBe Pestilenz und ein
grofl fewr alles widerwillens und unglUcks
angerichtet habe, das im land PreuBen und
Polen in langen jahren nicht wird ausge-
lescht werden."
157
Es klagt hier, ex eventu die Beziehungen zwischen Polen und
dem Deutschen Orden Uberblickend, nur Matthias von Miechbw; erst
|in der Celler Chronik wird daraus eine allgemeine Klage der Polen
'fur Zeit Konrads mit prophetischen ZUgen. Da der Chronist seine
guten Lateinkenntnisse bisher bewiesen hat, kann das nicht auf
einem MiBverstandnis, sondern nur auf einer ordensfeindlichen Hal-
tung beruhen.
In Kapitel 32 erzahlt Matthias weiter von PreuBen: 1222 ver-
vtteten Pommern und PruBen Polock und Masowien; 1224 zerstoren die
Pruflen Oliva und tdten die Mdnche; 1227 (am Rand: 1225!) wird das
likolaikloster in Danzig gegrttndet. Genaue Entsprechungen bietet
die Celler Chronik nicht. Das erste Ereignis fehlt ganz. Das zwei-
te findet sich in einer Zusammenstellung der Schicksale Olivas,
d&e dritte folgt in der Aufzahlung der Klbster.-^ Chronik Celle
bringt wesentlich ungenauere Angaben als Matthias, was recht ver-
vunderlich scheint. Zu erklaren ware dies nur damit, daB Celle
eine andere Quelle vorlag, die in ihrer Zusammenstellung bequemer
zu handhaben Oder - als preuBischen Ursprungs - von groBerem
■VahrheitsgehaltH zu sein schien.
AnschlieBend folgt in der Celler Handschrift die Geschichte
des Deutschen Ordens im Heiligen Lande. Dieser Teil stammt unzwei-
felhaft aus anderer Quelle, da Matthias ihn nicht hat; in seinem
■Chronicon regni Poloniae" ware eine solch ausfUhrliche Ordensge-
echichte auch fehl am Platze.
Die nachste Schilderung Uber PreuBen bietet Matthias in Kapi¬
tel 34. Um das Verhaltmis zur Celler Chronik aufzuzeigen, sei sie
1ш folgenden wiedergegeben.
"Interea Conradus Mazoviae dux, feritate et frequentibus in-
cursionibus Prussorum plurimun attritus. De consilio Cristi-
ni Episcopi Culmensis, religiosi de ordine Cisterciense vo-
cavit de domo theutonica, septem fratres ordinis sepulchri
dominici Hierosolimitani, nigram crucem in albo pallio feren-
tes, quorum magister et primicerius erat Hermannus Balke de
Salcza, et ipsos in castro Dobrcin locavit. Hermannus vero
magister ordinis, post se reliquit fratrem Conradum de Lan-
disbergk, qui cum auxilio ducis Conradi Mazoviae, in littore
Istulae, anno domini mille: ducen: trigesimo primo locavit
Castelluin Vogilgsang, in arbore quoque quercus aliud castrum
aedificavit, locavit et civitate Thorun, eamque postmodum in
priorem locum transtulit, coepitque ex his locis Prutenos im-
petere et eorum incursiones prohibere. Pabricarunt etiam Pru-
158 -
teni duo castra, unum supra Istulam ultra Thorun, quod voca-
runt Rogow, aliud iuxta Thorun, in loco ubi nunc Btat antique
Culmensis Cathedra, et Pipinus Prutenus, Christianis infeetis-
simus terciam munitionem in lacu posuit, quae in hanc diem
lacus Pipini dicitur, Haec tamen Prutenorum castra, per fra-
tres Cruciferos et milites Polonorum sub paucis diebus fue-
runt expugnata ..."
Dagegen Chronik Celle:
"Den fursten in der Masau mit namen Conradus, den jaramerte
die groBe verwustung seiner landt, und der groBe ubermuth der
PreuBen tat ihn im herzen wehe. Derhalben er mit rat des Bi-
schofs von Colm die bruder des ordens des deutschen Hauses zu
Jerusalem in das land zu PreuBen forderte und sandt zu dem
babst Gregorio ...
Als nun die PreuBen der bruder anschlage vernahmen, da baue-
ten sie auch dre festen und schlofler, ein schloB an die wei-
Bel jenseit Thoren und nanneten das Nogaw (Rogaw), das ander
schloB baueten sie, da nun die alte Colmische kirche ist,
namlich zum alten hauB, und das dritte bauet ein tyrann, der
den Christen sehr feind was, mit namen Pinxinus (Pinpinus),
ein PreuB, und hat das schloB in einen See gebauet, und die
see wird noch heute das Pinxinische (pinpinisch) see genandt,
und die schlbBer der ungleubigen wurden in kurzer zeit^durch
die deutschen herren und hulfe der Pohlen verstoret.n^ '
Vor der Kommentierung soli ein weiterer Text folgen:
"Referunt quidam, quod dum fratres habitant in dicta arbore,
Prutheni habebant supra Thorun in littore Wisele castrum dic¬
tum Rogow, et infra in descensu aliud circa locum ilium, ubi
nunc situm est castrum antiquum. Puit etiam in medio horum
quidam nobilis de Pomesania Pippinus, qui circa stagnum, quod
a nomine suo dicitur stagnum Pippini, habitabat in quodam
propugnaculo cum multis infidelibus latrocinia exercens: nul-
lus Cristianus poterat exire castrum, quin caperetur, vel oc-
cideretur ab eo ..."32)
DaB die Celler Chronik Matthias naher steht, ist sofort ersicht-
lich. Interessant iBt aber die enge Verwandtschaft zum dritten
Text, namlich Dusburg. Deutlich spUrt man die Tradition der Orders
chronistik. Matthias bietet einen stark mit wortlichen Anklftngen
an Dusburg durchsetzten Text; wie er bei D^ugosz aussieht, soil in
diesem Rahmen nicht zusatzlich angeftihrt werden. Die Ordenstradi-
tion erscheint in Chronik Celle durch Vermittlung von Matthias;
doch kommt ein zweiter Quellenstrang hinzu. Chronik Celle versuch-
te beide sinnvoll zu verflechten, was nicht ganz gelang. So taucht
beispielsweise der Zug gegen Pinpinus wenige Zeilen spater unter
anderen Voraussetzungen ein zweites Mai auf, dem anderen Strang
entstammend•^^ Doch bereits jetzt geht der Anteil Matthias von
Miechbws an der Schilderung in Handschrift Celle stark zurlick.
159 -
*8*ln Werk wird nur noch benutzt, um zu erganzen.
Vie eng verwandt die Berichte oft eind, zeigt sich bei den
Jeweiligen Darstellungen dee Kriegszuges von 1234.^^ Celle ist
ausftihrlicher, was nicht auf eigener Erf indung beruht, bietet doch
die Chronik von Martin Osterreich fast die gleiche Erzhhlung. '
Die unterechiedliche Tradition zeigt sich auch in der Teilnehmer-
liete jenes Zuges: wahrend bei Matthias Konrad von Masowienan er-
eter und Hermann Balk an letzter Stelle steht, ist das Verhaltnis
bei Celle anders, indem Hermann die erste, Konrad die zweite Stel¬
le einnimmt. Bei der bereits aufgezeigten ordensfeindlichen Ten-
denz der Celler Chronik ist es unwahrscheinlich, dafl sie hier selb-
•tttndig eine Anderung vorgenommen hat gegenliber der bisher recht
genau ausgeschriebenen Quelle.
In Kapitel 36 weifl Matthias von der Hilfe des Markgrafen
Heinrich von Meifien fUr den Deutschen Orden im Jahre 1237 zu be-
richten, doch bietet er gegenliber Celle nur ein dtirftiges Frag-
Bent. Bei der Erbauung Elbings 1237 fehlt ihm die Teilnahme Hein¬
richs von MeiBen. In der Celler Chronik scheint jene Nachricht
eineKontraktion aus Matthias und der alteren Chronik von Oliva zu
eein.56>
Matthias schildert in Kapitel 38 den Tod Osternas, in 39 die
Grtindung des Thorner Klosters und die Inkorporierung des Schwert-
brUderordens; in Kapitel 41 liegt eine Zusammenfassung der Kampfe
dee Ordens gegen Swantopolk vor. All diese Pakten berichtet auch
die Celler Chronik, allerdings ohne von Matthias beeinfluflt zu
eein.
Ddsselbe gilt ftir die weitere Darstellung. Die kurzen Hinwei-
se des Matthias - so in Kapitel 42, 43, 49, 50 und ofter - finden
eich in dieser Form nicht in Chronik Celle. Erst aus Buch IV, Ka¬
pitel 6 wurden wieder Nachrichten Ubernommen. Doch muB der Chro-
niet trotzdem die Chronik des Matthias verfolgt haben, da die An-
gabe des Taufnamens "Mandolph" filr Mindaugas nur dort entlehnt
^ eein kann.^^^ Jedenfalls hat der Schreiber ftir den Zeitraum von
etwa 1234 bis 1307 eine andere Quelle als Matthias zur Hauptvor-
lage gehabt. Sie scheint der Ordenschronistik angehort zu haben.
In die recht knappe Darstellung der Litauerkriege und die
Aufz&hlung der Hoch- und Landmeister ist zu 1307 die Besetzung
160 -
Danzigs und Pommerellens durch den Deutschen Orden in die Celler
Chronik aus Matthias, Kapitel 6 - 8 im Buch IV eingeschoben wor-
den. Er berichtet daruber ausfuhrlich; Chronik Celle ktirzt, Uber-
nimmt aber den Rest wbrtlich.
Aus Kapitel 9 stammt die Schilderung des Litauereinfalls nach
Brandenburg zu den Jahren 1320 und 1 327;^ in Wirklichkeit fand
nur ein Zug 1326 statt, wie Matthias richtig angibt. Auch die An-
gaben iiber PreuBen sind samtlich aus den nachsten Kapiteln in die
Celler Chronik eingegangen, die Jahre 1327 - 1333 umfassend.
In Kapitel 13 begegnet zum erstenmal ein Stilmittel Matthias
von Miechows, das er in Buch IV haufig anwendet, der RUckgriff.
Bisher orientierte sich Matthias an der Regierungszeit der polni-
schen Herrscher und ordnete alle Nachrichten chronologisch ein.
Nun aber zieht er ofter eine Darstellung bis zum Ende der Ereig-
nisse durch, um dann erst die Schilderung der Vorgange auf anderen
Schauplatzen nachzuholen. So greift er in Kapitel 13 auf das Jahr
1306 zuruck. In dieser RUckgrifferzUhlung sind manche Nachrichten
uber die LitauerzUge enthalten, doch gewinnt man den Eindruck, als
habe Chronik Celle dafUr eine andere, nicht unbedingt sehr exakte
Quelle vorgelegen. So scheint auch der Zug des Ordens gegen Litau-
en 1320 und der Tod Gerhard Ruddes nicht von Matthias Ubernommen
4-1 )
zu sein. '
Ab Kapitel 17 wird der von Matthias vorher unterbrochene Er-
zahlgang wiedet aufgenommen; auch die Celler Chronik hat die Nach-
i n \
richten dieses Kapitels zum Jahre 1333 Ubernommen. ' Die Erwah-
nung des Priedens von Kalisch 1343, bei Matthias in Kapitel 18,
hat der Chronist Ubersehen. So setzte er erst wieder beim nachsten
RUckgriff des Matthias in Kapitel 22 an mit dem Zug des Ordens ge¬
gen Pilenai 1 336.*^ Auch die folgenden Angaben Uber Litauerkampfe
entlehnte er jener Quelle.Weitere Nachrichten Uber PreuBen
sind dort nicht mitgeteilt.
Anhand der Randverweise des Matthias hat der Chronist die
nachste Stelle Uber PreuBen in Kapitel 33 gefunden, wieder eine
RUckgrifferzahlung. Von hier an folgte er der polnischen Chronik
weiter, in der Hauptsache fUr die Litauerkriege.Allerdings
kUrzte er recht stark gegenUber seiner Vorlage, doch blieb die An-
lehnung wdrtlich. Auch die GrUndung des Karthauserklosters stammt
161
•u# Metthiae,46)
1J83.47^
ebenso die Nachricht tiber die Pest dee Jahree
Die polnisch-litauischen Ereignisse der Jahre 1386/87 erreg-
t#n auch in PreuBen groBes Interesse; besonders im RUckblick aus
4Ф9 16. Jahrhundert gaben sie die Erklhrung fUr die weiteren Vor-
ginge im polnisch-preuflischen Kampf. So ist es kein Wunder, daB
•la eich in ausfuhrlicher tlbernahme aus den Kapiteln 38 und 39 in
dar Celler Ghronik finden,^8^ ebenso die folgenden Litauerkamp-
In die ttbernahme aus Kapitel 40 bei Matthias schaltet die
Caller Chronik eine Uberlieferung aus einer andern Quelle ein,
die der Chronologie nach am Platze zu sein schien;^^ ebenso setz-
ta der Chronist noch die Nachricht liber die Vertreibung des Deut-
•Chen Ordens aus Bbhmen hinzu, die er bei Matthias in Kapitel 49
хшв Jahre 1393 gefunden hatte. Dann fuhr er im unterbrochenen Ka-
51}
pitel 40 mit seiner Erzahlung fort. ' Offensichtlich versuchte
ar also, der RUckgrifftechnik Herr zu werden, doch gelang es ihm
nicht ganz, wie beispielsweise die Datenverwirrung beim Frieden
52 )
▼on Racianz zeigt. 'Nach der breiten Einschaltung einer anderen
Quelle und der Weiterftihrung der Erzahlung anhand von Kapitel 42
nahm der Chronist aus den folgenden Abschnitten die Darstellung
55)
der Tannenberger Schlacht mit ihren Begleiterscheinungen auf. '
Dabei kommen MiBverstandnisse vor, die in der starken Ktirzung be-
grtindet sind;^^ so wurden laut D/ugosz und Matthias Kasimir von
Stettin und Konrad von Innsbruck gefangen, nach der Celler Chro-
55)
nik jedoch erschlagen. ' So genau wie ftir frlihere Zeiten hat der
Chronist den Bericht Matthias von Miechows nicht Ubertragen. Das
liegt wahrscheinlich daran, daB ftir diese Zeiten die Quellen reich-
licher flossen, wahrend er vorher auf Matthias alleine angewiesen
war#
Deutlich wird die veranderte Quellenlage splirbar, bringt die
Caller Chronik doch hier zum ersten Male Briefe und Urkunden in
grBflerem AusmaBe, offensichtlich weetpreuflischer Provenienz. Die
Schilderung des ersten Thorner Friedens stammt wieder aus der Dar-
etellung des Matthias in Kapitel 45.^^ Bei den Vorg&ngen des Jah-
rae 1414 wird die Abwendung des Chronisten von Matthias eindeutig,
veifl er doch wesentlich mehr an sachlichen Aussagen zu geben ale
162
571
jener. Die in der Celler Chronik folgenden Erzahlungen Uber die
Kronung der polnischen Kbnigin 1424 und den FUrstentag zu #uck
1429 sind zwar an Matthias orientiert, doch miflversteht der Schrei-
ber ihn grundlich. Dazu kommt, daB Matthias selber die pucker Vor-
gange mit denen des Tages von Kasmark 1410 vermengt. Die sich so
in der Celler Chronik ergebenden Nachrichten sind auBerst verwor-
ren.*^ Grunau bietet sie besser. Eindeutig wird jedenfalls das
mangelnde Interesse an der weiteren Verfolgung der Chronik Matthias
von Miechows; die preuSischen Quellen flossen inzwischen reichlich
genug.
So laBt sich fUr die nachsten Kapitel dee Matthias von Mie-
chow keine Benutzung durch den Celler Chronisten nachweisen, aus-
genonunen die bereits erwahnte Notiz Uber die Austreibung des Or-
dens aus Bohmen in Kapitel 49. Allerdings sind die Nachrichten
Uber PreuBen dort auch recht sparlich. Ausfiihrlicher werden sie
erst wieder zur Zeit des 13jahrigen Krieges. So konnte die Angabe
der vom Konig erteilten Privilegien Danzigs aus Matthias erganzt
591 Чч
sein. Auch die Schilderung Uber den Verkauf der Marienburg geht
6 01 t ^
teilweise auf ihn zurUck. 1 Es wird jedoch vbllig klar, daB Mat- Л
■ i*
thias nun mehr eine untergeordnete Holle als Quelle spielte.
Zusammenfassend laSt sich also sagen: Matthias von Miechow “
iibte einen bestimmenden EinfluB auf die Danziger historiographi-
sche Tradition aus. Dabei stammt die oftmals recht massive Polemik
der Chronisten gegen den Orden nicht von ihm. Sein V/егк diente in
erster Linie dazu, die EreignislUcken der Darstellung jener Tradi¬
tion zu fUllen. Die Intensitat der Benutzung richtete sich dement-
sprechend danach, wie reichlich andere Quellen chronikalischer
tJberlieferung flossen. So ist ganz deutlich zu spUren, wie der Ar>
teil des Matthias von Miechbw an der Darstellung in einer Danziger
Chronik - wie sie die Celler Chronik bietet - zu Beginn sehr groB
ist, zurtickgeht beim Auftreten der Ordensuberlieferung, starker
wird bei der Schilderung der LitauerzUge, urn dann mit dem Einset-
zen stadtisch-stalndischer Tradition nach dem ersten Thorner Frie-
den vbllig zurUckzutreten. Wenige Notizen vrurden noch Ubernommen,
einzig zur Bereicherung und Erganzung, fast nur noch als "Kostpro-
ben" • So wesentlich Matthias von Miechbws EinfluB auf die Danziger
163 -
hietoriographische Tradition bis zum Jahre 1411 ist, so vbllig be-
deutungslos wird er fUr die folgenden Jahre. Die eigenen Quellen,
gltich woher sie ihren Ursprung nahmen, flossen zu reichlich, als
4*0 eich eine Benutzung Matthias von Miechowa nachher noch gelohnt
ijltte. Deshalb zeigen die letzten Ubernahmen auch eine viel grbfie-
TC Preiheit der Wiedergabe, so daB gar nicht mehr ganz klar zu sa-
gen ist, ob mancher Bericht wirklich noch Matthias von Miechow zur
Yorlage hatte. Wo es wenig zu berichten gab, schaltete die Danzi-
ger Chronistik auch Episoden ein, die PreuBen kaum Oder gar nicht
bertihrten. Spater iiberging sie selbst wichtigere das Land betref-
fende Nachrichten, da die eigenen Quellen wesentlich mehr zu bie-
ten batten.
Die preuBische historiographische Tradition war bis zu Beginn
dee 16. Jahrhunderts in der Hauptsache eine Ordenstradition. Diese
begann aber erst 1190 mit der Ordensgeschichte, 1230 mit der preu-
liechen Geschichte. Eine schriftliche tiberlieferung der PruBen gab
ee nicht. Die Schilderung der heidnischen Vorzeit des Landes fand
eich im Ansatz bei Blumenau, der aber der Danziger Tradition unbe-
kannt blieb. Erst Stella hot die willkommene Darstellung. Doch
liegt das Schwergewicht bei ihm auf der Vblkerwanderungszeit bis
zur Weidewut-Sage. An die Teilung des Konigreiches unter Weidewuts
Sbhne liefl sich die geographische Beschreibung anschlieBen. Dann
gab es aber eine groBe LUcke zu schlieflen bis zum Beginn der Or¬
denstradition. In diese LUcke wurde, nach einigen Praeliminarien
■von den rechten alten Preusaen", Matthias eingeschoben. Er war
das Bindeglied zwischen sagenhafter Vorgeschichte und gut Uberlie-
ferter Ordensgeschichte.^1' Das Erscheinen seines Werkes ermbglich-
te erst eine umfangreiche Darstellung der preuBischen Landesge-
achichte. Doch von noch grbBerer Tragweite dUrfte sein EinfluB ge-
wesen sein. Er bot als erster dem preuBischen Geschichtsschreiber
die Geschichte eines Landes und Volkes,^^ noch dazu eines PreuBen
benachbarten. Vorher gab es fUr jenen nur Darstellungen eines be-
grenzten Zeitraumes Oder unter anderen Voraussetzungen entstanden,
Vie Lindaus Chronik des 13jahrigen Krieges, oder eben die Ordens-
geechichtsschreibung. Nun aber lag in Matthias von Miechows Chroni-
oa ein Werk vor, das Anregung und Vorbild gab und darUber hinaus
- 164 -
eine wichtige Materialsammlung darstellte. Das forderte eine zu-
sanunenfassende Beechreibung der Geschichte des PreuBenlandes gei
dezu heraus, die derm auch, zumindest in spateren Jahren, von der
Urzeit bis in die miterlebte Gegenwart fUhrte. Damit gebtthrt Mat¬
thias von Miechows Werk nicht nur der Hang einer normalen Quelle,
sondern darUber hinaus der des Anregers; es gab den AnstoB zur иш-
fassenden Landeschronistik.
Diese wesentliche Funktion Matthias von Miechbws erreichte
keine andere polnische Darstellung. Selbst wenn sie gleich mate:
alreich gewesen ware, an Bedeutung hatte sie es mit jener Chron
nicht aufnehmen konnen. Hinzu kommt, daB die v/esentlichen LUcken
gefiillt waren, eine andere Chronik also nur kleinere Erganzungen
geben konnte. Nicht daB es an polnischen Berichten gefehlt hatte,
die auch in PreuBen gelesen und bei der Abfassung einer Chronik
verwandt worden sind. So benutzte der Kbnigsberg-Altstadter BUr-
germeister Nikolaus Richau zu seiner "Historie von dem Aufruhr der
samlandischen Bauern" den Brief "De negotio Prutenico" des damali-
gen Bischofs von Przemysl Andreas Critius Die
Beliebtheit der "Polonia" des Martin Cromer ist be-
kannt; allerdings wurde seine Chronik erst 1555 zum erstenmal ge-
druckt.^) Ein anderer Name verdient noch genannt "zu werden:
Jodocus Ludovicus Decius Oder, da er als
65}
gebtirtiger Elsasser Deutscher war, Jost Ludwig Dietz. ' Seine
Werke sind im Anhang zur Chronik Matthias von Miechbws ebenfalls
bei Vietor im Dezember 1521 gedruckt: MContenta de vetustatibus
Polonorum, de Jagellonum familia, de Sigismundi regis temporibus."
Das erste gibt in aller Breite eine Schilderung polnischer Frtth-
zeit; fur die preuBische Historiographie war dieses Buch uninter-
essant. Unter dem zweiten Titel liegt eine Genealogie des polni¬
schen Kbnigshauses vor, angefangen mit Olgierd und fortgefUhrt bia
zur Geburt Sigismund Augusts 1520. Aus diesem Buch konnte die ge-
nealogische Darstellung des polnischen Kbnigshauses stammen, die
die Celler Chronik anlaBlich des Todes von Kasimir im Jahre 1492
aufweist.^) Ein genauer Vergleich ergibt, daB zwar die Mitteilun-
gen iiber die Kinder Kasimirs sich bei Decius finden, jedoch tlber
67l
Albrecht V. von Qsterreich nicht. u Eine wbrtliche Abhangigkeit
- 165 -
lfiflt sich allein aufgrund der unterschiedlichen L&nge nicht fest-
etellen. Auch Matthias von Miechbw kommt als Quelle nicht in Fra-
ge,^^ Ahnliche Darstellungen finden sich bei Grunau, Weinreich,
go)
und der Hanseatischen Chronik "Stegmanns". ' Bei Weinreich wird
tindeutig klar, daB eine solche Aufstellung bereits vor 1496 be-
•tanden haben muB, gibt er doch die Tochter Barbara, in jenem Jah-
re Georg von Sachsen vermahlt, noch als "unberaten" an. Wahrschein-
lich 1st seine Aufstellung spater an den inzwischen eingetretenen
Breignissen korrigiert worden. So zeigt die Celler Chronik einen
Stand, der frUhestens 1520 erreicht wurde, da der in jenem Jahr
geborene Sigismund August noch Erwahnung findet. Somit ist durch-
aue mbglich, dafl Decius als Quelle diente, schlie3t er sein zwei-
tee Buch doch mit der Geburt Sigismund Augusts. Aber es hat zumin-
deet noch ein zweiter Bericht vorgelegen, der die Mitteilungen
fiber Albrecht von Osterreich enthielt. Eindeutig zu klaren ist das
nicht.
Das dritte Buch bei Decius schildert das Leben Konig Sigis-
minds bis zum Jahre 1516.^^ Wesentliche Berlihrungspunkte zur Cel¬
ler Chronik ergeben sich nur an der Stelle, an der die Verwicklun-
71)
gen Polens mit Moskau behandelt werden. ' Doch ist Decius in sei-
nen Schilderungen, jeweils unter dem betreffenden Jahr zusammenge-
faflt, dermaBen ausfiihrlich gegenliber Chronik Celle, daB eine Ab-
hhngigkeit nicht sicher festgestellt werden kann. Es ist moglich,
daB die Nachrichten aus Decius stammen, doch laSt sich das weder
eicher nachweisen noch zur Wahrscheinlichkeit erheben.
Damit ist der polnische EinfluS auf die Danziger historiogra-
phische Tradition herausgestellt worden. Der Hauptvermittler war
Katthias von Miechbw in seiner "Chronica regni Poloniae". Daneben
Bind alle anderen polnischen Chroniken als Quelle fUr die Danziger
und darUber hinaus auch fUr die gesamte preuflische Chronistik be-
deutungslos. Das anderte sich erst bei den Anfangen wissenschaft-
licher Geschichtsschreibung, wie David, Hennenberger und Schiitz,
die allerdings auch von einer insgesamt wesentlich breiteren
Quellenbasis ausgingen. Matthias von Miechbw blieb aber ebenfalls
in jener Zeit noch eine der wesentlichsten nichtpreuBischen Quel-
len fUr die preuBiache Geschichtaachreibung des 16. Jahrhunderts,
- 166 -
wenn auch nicht immer als direkte Vorlage, so doch mittelbar ▼<№]
wesensbestimmendem Einflufl.
- 167 -
VIII) Die Celler Chronik im Rahmen der preuBischen
Historiographie des 16. Jahrhunderts
Eine kaum tibersehbare Zahl von historischen Handschriften
bat dae 16. Jahrhundert hinterlassen. Humanistischer Geist, bUr-
| garlicher Sammeleifer und die Wendung zur Vergangenheit des eige-
Btn Umkreises, sei es die Stadt, das Land Oder gar die damals be-
kannte Welt, machten jene Zeit zum Jahrhundert der Geschichtsschrei-
bung. Ein Blick in den Handschriftenkatalog der Danziger Stadtbi-
bliothek laSt uns erstaunen, wieviel noch heute von den Arbeits-
frilchten dieses Geistes in PreuBen vorliegt, und wie das wiederer-
vachte Interesse an der preuBischen Chronistik zeigt, gilt es nur
eine eystematische Suche, urn standig neue Schatze zu entdecken.^
Be w&re ein gewagtes Unterfangen, alle preuBischen Chroniken jener
Zeit auf knappem Raum untersuchen zu wollen; daher seien nur eini-
gt Hauptvertreter vorgestellt.
Die wesensbestimmenden ImpuLse ftir die preuBische Geschichts-
•chreibung des 16. Jahrhunderts gingen von Danzig aus. Seit der
Kitte des 15. Jahrhunderts lag die Zentrale der Ordensherrschaft
*var in Konigsberg, doch stellte den groBten Machtfaktor des nun-
aehr zerschlagenen Ordensstaates die Handels- und Hansestadt an der
Veicheelmiindung dar. Wie bereits gezeigt wurde, ging mit der Macht
auch das historisch lebensfahige Interesse auf den stadtischen Be-
reich Uber, sich der Darstellung der eigenen Vergangenheit zuwen-
dend. Viele altere Geschichtswerke sind nur aufgrund jenes Eifers
2)
erhalten, so die Fragmente der Reimchronik Wigands von Marburg,
lachdem die Vorgeschichte des PreuBenlandes durch Stella bekannt-
gemacht und von der Elbinger Monchschronik in "brauchbarer" Weise
erweitert war, nachdem Matthias von Miechbws Werk die restlichen
LClcken gefUllt hatte bis zum Einsetzen der Ordenstradition und
gleichzeitig Anreger und Vorbild fUr eine Landeschronistik gewe-
een war, stand einem ErblUhen vielgestaltiger Geschichtsdarstel-
lungen nichts mehr im Wege.
Durch Georg Schoffke wurde die Elbinger Mbnchs-
h г о n i к nach Danzig vermittelt.^ Wartzmann legte sie der
jptreten Fassung seiner Chronik zugrunde, geschrieben im Jahre 1542.
168
ц
Eine zweite groSe Kompilation entstand, das Ebert-Fer-
ber-Buch Noch ist unklar, wie dieses Werk aussah. Gehrke
j edenfalls iiberschat zte es in Aussehen und EinfluBnahme sicher.^
Auch J. Dworzaczkowa ist sehr vorsichtig in der Beurteilung jenes
Werkes.^ Den allgewaltigen Danziger BUrgermeister Eberhard Perber
hat es allerdings kaum zum Verfasser. Bevor mit Hilfe von kleine-
ren, schrittweise vorgehenden Analysen nicht sein Inhalt festge-
stellt wurde, ist eine WUrdigung ein vergebliches Unterfangen. Ее
laBt sich nur vermuten, dafi die so genannte Chronik von einem
Schreiber stammt, der in Ratskreisen freien Zutritt hatte und da-
durch altere Uberlieferungen der stadtischen Kanzlei zusammentra-
gen konnte. Das dlirfte in den zwanziger Jahren des 16. Jahrhunderte
geschehen sein, da in jener Zeit das Werk bereits als Vorlage fUr
andere Handschriften diente. Nach wie vor ist es eine der inter-
essantesten Pragen der Erforschung der His toriographie des 16.
Jahrhunderts, wie diese Chronik ausgesehen haben mag. Mancher
Schritt dlirfte aber vorher noch zurtickzulegen sein.
Verwandtschaft mit dem Ferber-Buch laBt deutlich die Hansea-
tische Chronik Bernt Stegmanns sptiren, ein Werk,
das Danziger Tradition mit hansischer Uberlieferung verband, doch
nicht als eigenstandige Arbeit, sondern nur als Abschrift oder
Kompilation gelten darf.^ Auch die Chronik vom Danziger Aufruhr
1525, fur die Stegmann als Verfasser gait, stellt nur eine Ab¬
schrift dar, wie die parallele Baisen-Chronik be-
weist
Eine verhaltnismaBig originale Uberlieferung der Ferber-Chro-
nik scheinen die Handschriften von Albert Kattenhofer
und Georg Kunheim zu geben. Toeppen bewertet sie recht
8
hoch, ' doch halte ich eine Einordnung fUr noch zu gewagt.
Die Nachrichten aus der Elbinger KSnchschronik und dem Ebert-
Ferber-Buch wurden zusammengefaBt von Simon Grunau et-
wa um 1530. Er konnte die frisch zusammengestellte Uberlieferung
aus erster Hand benutzen und schuf ein umfangreiches Werk, an dem
sich die Gemuter spaterer Historiker immer wieder entzlindeten. Wa-
ren doch die historischen Fakten und Daten in die Hand eines "Un-
wiirdigen" geraten, eines "Scharlatans" und "monstrosen Falschers"!
Doch was hatte man denn von jenem einfachen, terminierenden Mbnch
- 169 -
kvartet, der hineingestellt war in eine Zeit des Umbruchs, die
Mine vertraute Umgebung, die Achtung, die er genoB, ja seine Exi-
kenz zunichte zu machen drohte? Glaubte man, da6 er in der Art
k# humanistischen Gelehrten diese Nnchrichten zu einer wissen-
kbaftlichen Darstellung formen wiirde, zu seinem Ruhm und zu Nutz
kd Frommen der Nachwelt? Wer das erwartete, achtete die religios-
kietige Erregung jener Zeit gering! Der wohlsituierte Kaufherr,
ki eein Glaube selten spUrbare Vor- Oder Nachteile brachte, er
BjKtte die Erwartungen von Grunaus Kritikern vielleicht erfilllen
квпеп. Der einfache Dominikaner aus Tolkemit aber konnte die hi-
ftorlache Uberlieferung jener Quellen anders verwerten. Er kam in
Btrflhrung mit dem einfachen Volk, er predigte ihm, er erbaute es
tit seiner Erzahlungen, er drohte ihm ob seines Lebenswandels und
tr lebte von seinen Gaben. Zur ErfUllung dieser Aufgaben, die
Ц|Ш und Zweck seines Lebens darstellten, konnte er die histori-
Mshb Uberlieferung sehr gut verwenden. Allerdings muBte sie dazu
«geformt werden. So war seine Chronik nicht als Geschichtsdarstel-
lIBg gedacht, sondern als Predigthilfe- Der einfache Mann hatte
=mf Anhieb zu verstehen, was der predigende und erzahlende Monch
40llte. So laGt sich die eindeutige, fur den modernen Betrachter
nftmals abstoBende, teilweise haBvoll prokatholische und propolni-
iche Tendenz einzig erklaren. Als Predigthilfe ist das Werk ten-
iaiizids, falschend, verwirrend flir moderne Interpreten, doch dra-
etlSch, farbenreich und lebendig, voll urwUchsiger Kraft. Damit
Stand es in einer bereits recht alten Tradition des Dominikaneror-
Aene, dem Predigttraktate durchaus nicht fremd waren. Verwunder-
llcb scheint nur der Umfang der "Chronik", doch dauerte in jener
fit eine Predigt wesentlich langer als heute. Es war nicht selten,
АдВ gute Prediger Stunden um Stunden eine geduldig ausharrende,
miseries am ihrer Predigt folgende Hbrerschar batten. So ist es
ilirchaus vorstellbar, daB Grunau in einem Kloster seines Orders
dieses Werk zusammenstellte und es auf seinen Wanderungen als Grund-
lage seiner Predigten benutzte: in einer Zeit, als der Orden, der
Jreuflen groB gemacht, in seiner Verderbnis aber auch in Not und
Blend gestUrzt hatte, von dem verraterischen Hochmeister abgetan
var, in einer Zeit, als sich liberall die schandlichste Ketzerei
breit machte. Wenn die Herrschenden sich liber die Lehren der Ver-
170 -
gangenheit wegsetzten, das Volk sollte sie Ьбгеп! Wie gut kann manl
sich den eifernden Bettelmonch vorstellen, gegen jene Verderbnis ^
mit Hilfe der Gelehrsamkeit seines Buches wetternd. Und dieses
Buch wollte man als historische Darstellung werten! DaB eine sei¬
che Betrachtungsweise Grunau in Grund und Boden verdammen muSte, 1
ist vdllig klar. Doch anhand der oben geschilderten Aspekte ist
sein Werk zu untersuchen und zu vergleichen mit anderen Predigt-
9)
traktaten seines Ordens. ' Sicher wird diese Betrachtungsweise eir
vdllig anderes und wohl angemesseneres Urteil zur Folge haben,
noch dazu, wo sich die Faktentibermittlung als so schlecht auch
nicht erwiesen hat.1^
Neben der Elbinger Mbnchschronik und dem Ferber-Buch gab es
einen weiteren Traditionsstrang, dessen Untersuchung die grdSten
Schwierigkeiten bietet: die pommerellisch-Danziger Annalistik.
Viele Bruchstlicke sind iiberlief ert, kaum mehr ortlich Oder zeit-
lich in ihrer Entstehung nachzuweisen. FUr das 16. Jahrhundert
sind hier die Sammlungen Christoph Beyers und
Jakob Rhodes zu nennen. Beyer, der seit 1497 Danziger Schdffe und
seit 1502 Ratsherr war,^ soli eine entsprechende Zusammenstel-
lung ftir die Jahre 1481 1518 vorgenommen haben. Bekannt ist sie
durch Bornbach, und daher in ihrem Bestand nur schwer zu greifen;
aus diesem Grund halte ich ihre Rekonstruktion durch Hirsch fUr
1 2)
sehr problematisch. '
Einen eigentlich wissenschaftlichen Aufschwung erlebte die
chronistische Tatigkeit erst um die Mitte des Jahrhunderts. 1542
schrieb Bartholomaus Wartzmann die Elbinger
Mbnchschronik in der Form Schoffkes aus. 1550/51 folgte die Ver¬
se hmelzung jener Uberlief erung mit der des Ferber-Buches. Mit
Wartzmanns Namen werden eine Vielzahl von Handschriften in Verb in-'
dung gebracht, wie die von Tewes Schwabe, Hans Radewald, Abraham
Frost, Jakob Adler und Georg Tiedemann, die ihrerseits wieder je-
weils eine ganze Handschriftengruppe vertreten. ^ So groB, wie
es auf den ersten Blick scheint, und wie Gehrke aufgrund seines
mittelpunktgebundenen Denkens meinte, ist Wartzmanns EinfluB je-
doch nicht. Allerdings gilt es ihn endgiiltig im L ufe weiterer Un-
tersuchungen herauszuschalen. Der nahere Umkreis um seine zweite
Fassung konnte oben dargestellt werden; er sei nochmals ganz kurz
- 171
Wartzmann II
300 R/Ll 5
Ms. 1265
Kod. Stockholm
X
X
Ms. 1290
Bdttcher-Komplex
Reden
Celle
300 R/Ll 75
- - - - = direkte Abhangigkeit nicht nachgewiesen, Zwischenstufe.
Wartzmann bietet in seiner zweiten Chronik, an alien direkt
abhangigen Handschriften deutlich erkennbar, eine Kompilationsstu-
fe der in PreuBen selbst entstandenen Tradition unter Heranziehung
Katthias von Miechows. Er reprasentiert in der Mitte des Jahrhun-
derts den eifrigen, aber kritiklosen Sammler, der die verschieden-
eten Traditionszweige zusammenfugt, noch ohne sie wertend gegen-
einanderzuhalten. Sein Werk gehort voll und ganz der Chronistik
an. Erst in spateren Jahren gewinnt Wartzmann den Ansatz zur kri-
tiechen Sichtung, wie seine Randbemerlmngen in Ms. 1285 verdeut-
15^
lichen. ' Sehr interessant ware es, wenn er die dort angekiindigte
Chronik noch geschrieben hatte; sicher ware dann anhand seiner
drei Werke eine sehr aufschlnBreiche Entwicklung des erwachenden
wissenschaftlich-kritischen Vermogens festzustellen.
Auch in spateren Jahren, als die wertende Geschichtsschrei-
bung bereits eingesetzt hatte, gibt es eine Reihe von Werken, die
noch der Chronistik zugehoren. In ihnen sind, wie beispielsweise
in Handechrift Celle, oftmals recht deutlich die Kompilationsfugen
172
zu spiiren. Klar erkennbar ergeben sich во fUr Chronik Celle ver-
schiedene Teile: das Hochmeister- und Landmeisterverzeichnis, die
Urkunden und Rezesse, das Danziger Diarium, eingeschoben in eine
Landes* und Ordensgeschichte.' Mancher Bruch in der Darstellung\
17) is
ist vorhanden, wohl von Wartzmann herrUhrend. ' Dies sind die An*;
satzpunkte zur ErschlieBung der Quellen Wartzmanns, alleme von j
Chronik Celle her allerdings nicht zu unternehraen. I
Eine ahnlich chronistische Kompilation stellen die Handschrifj
ten Georg Melmanns und Hans S p a t t e s dar. In weit \
ausfuhrlicherer Form als Wartzmann trugen diese die Nachrichten
zusammen und reihten sie in stattlicher Zahl aneinander, im Hin-
blick auf die geistige Entwicklung historischer Tradierung aller¬
dings nichts neues bringend. Uberboten werden sie im Sammeleif er
noch von Christoph Falk und Stenzel Bornbach
Wahrend bereits der Verfasser von Handschrift X, der Vorlage
von Chronik Celle, es sich nicht mehr geniigen lieB, die altere :i
V/artzmanntradition einfach zu Ubernehmen, sondern Berichte aus di
neuesten nichtpreuBischen Literatur heranzog wie Boemus, Frank u:
Matthias von Kiecnow, stellte Bornbach systematisch eine groGe
Sammlung von Chroniken mit Abschriften zusammen, deren Vielzahl 1
einen heute staunen laBt. AufgefUhrt hat er ein Teil davon in der
Vorrede zu seiner Chronik. Dieses Werk, in vier starken Folioban-
den erhalten, 1 wurde im Jahre 15d4 abgeschlossen. Berats dem er-
sten Band geht ein kurzes Quellenverzeichnis voraus, das Bornbach
einer Klage uber die Verworrenheit der Elbinger Monchschronik an-
hangte. Dieser offensichtlichen Vorstufe folgt das endgultige Vor-
wort zum Gesamtwerk, das dem vierten Band vorangesetzt ist. Neben
einer ausflihrlichen Disposition seiner Chronik in seehs Teilen
enthalt es ein umfangreiches Quellenregister, geordnet nach Sach-
inhalt und Entstehungszeit. Den Anfang macht Stella als der Schil-
derer der Yorzeit, den BeschluB das gerade erst erschienene Werk
des Georg Ranis, zitiert unter dem Namen des Druckers Wolfgang
Dietmar.1^ Sodann folgt die Begriindung, weshalb Bornbach selber
zur Feder griff:
"Dieweil ich dann nue sehe, das man diese Croniken nicht so
geschrieben hatt, als sie woll sein sollten, hab ich Stent-
zell Bornbach mir vorgenommen, aus alien den obgemelten eine
- 173 -
eelbst zue schreiben, wenn ich der weil habe, darinnen ein
jar nach dem andern folgen solde, und nichts in der Historien
was notig ist und zue erforschen stehet ausgelossen werde,
it * /
ita ut verus temporum ordo describatur et k*u
£nvx observetur personarumque descriptiones, foedera,
b ?0)
consilia acta et eventus cum iuditio aliquo inserantur.M '
Dementsprechend fUllte er aus seiner №aterialsammlung, die wesent-
lich mehr als die fUnfzehn zitierten Chroniken umfaBte, vier Folio-
bttnde. Dieses stattliche Werk, vermehrt noch um eine Darstellung
О Л \
dee Danziger Aufruhrs von 1525/26 ' und ein Knegstagebuch von
22)
J577, in welchem Jahre Stephan Bathory gegen Danzig zu Felde zog, '
ftrdiente eine ausfUhrliche Untersuchung. Auch die Person des Ver-
faseers ist nicht uninteressant. Sein Vater war Prasidierender
Bttrgermeister in Warschau. Er selbst studierte in Wittenberg und
gehbrte zu denen, die 1546 die Leiche Luthers in diese Stadt gelei-
teten. Nach ausgedehnten Reisen liefl er sich in Danzig nieder, er-
varb das BUrgerrecht und wurde schlieBlich Stadtschreiber an der
23)
droBen Miihle. Befreundet war er mit Wartzmann und Schiitz, zur
Frau hatte er die Tochter Christoph Beyers. Auch personlich stand
•Г also in enger Verbindung zu den bedeutenden Geschichtsschrei-
bern Danzigs. Als Schreiber hatte er Zugang zu den Archivalien des
Rates, wenn auch zu jener Zeit noch immer die Geschlechter Eber-
hard Perbers und Hans von Werdens historische Werke, die die nicht
inner rtihmliche Stellung ihrer Familien in den Wirren jener Zeit
lu deutlich schilderten, zu unterdriicken suchten.*^ Deutlich ist
das im Vorwort Bornbachs ausgesprochen, weshalb er seine Chronik
25)
nicht allgemein bekannt machen mochte. 7
Nicht allein um Ordnung und AusfUhrlichkeit, sondern auch um
vahrheitsgemaBe Darstellung geht es ihm, mbglichst ohne zu groBes
pereonliches Engagement. Das sind die Wesenszuge der auslaufenden
Chronistik, noch nicht berlihrt von dem Wunsch nach kritischer Wer-
tung* Darin ist ihm Christoph Falk verwandt, der jedoch in der El-
binger Tradition steht.
Auf die Danziger tiberlief erung geht die Mittlere
Chronik von Oliva zuriick. Sie entstand nach 1545
und umfaBt die Zeit von der Mitte des 14. bis zur Mitte des 16.
JahrhundertsDeutlich ist ihr lokaler Standpunkt, die Sicht
174
eines MSnches aua Oliva. ЕЪепво deutlich aber let die tfbernahme
der Danziger Tradition als Grundlage der eigenen Darstellung, ori- ;'
entiert am Ferber-Buch.
Auch auf die Konigsberger Historiographie blieb die Danziger if
Uberlieferung nicht ohne Einflufl. Neben den bereits erwahnten Wer-й
21) P
ken ' ist vor allem die "Chronica des hochlobwirdigen ritterli-
chen Deutschen Ordens" des Christoph Jan aus Weifien-
fels zu nennen. Ihr Verfasser, in Konigsberg als nicht in herzog-
lichen Diensten stehender Briefmaler lebend, zeigte sich als ge-
schickter Kompilator, nur fiir die letzten Jahre eigenes Erleben
berichtend. Er benutzte die JUngere Hochmeisterchronik, Pole, Frei»
berg und einige kleinere Quellen, also indirekt in hohem MaBe die
Danziger tiberlief erung. Da Jans Werk ein Ubersichtliches, nicht ги *
umfangreiches Kompendium der Ordens- und Landesgeschichte bis zup
Gegenwart hot und zusatzlich die beliebten Hochmeisterwappen ent-
hielt, war ihm eine weite Verbreitung gesichert, wie sie keine an-:’
dere Konigsberger Chronik erfahren hat.2*^
Elbing fand um jene Zeit seinen Geschichtsschreiber in dem
aus Annaberg in MeiBen stammenden Lehrer Christoph
Falk Er legte wie Bornbach systematisch eine umfangreiche
Quellensammlung an, deren GroBe imponierend wirkt. Einen Teil je-
ner Handschriften trug er in sein Notizbuch ein, verfaBt in den
Jahren 1564 - 1572. \
Neben einer ganzen Reihe von Werken, die er nach anderen Mit-i
teilungen zitiert, beispielsweise die Chronik Christians nach einef
Handschrift aus der Tradition der Elbinger Monchschronik, ist doch
der iiberwiegende Teil der angeflihrten Quellen heute identifizier-
bar.2^ Bei der Zusammenstellung dieser Handschriften war ihm sein
Beruf als Lehrer am Elbinger Gymnasium eine gute Hilfe; manche
Chronik wurde von einem Schiller abgeschrieben. Seine Unterrichts-
facher waren wohl die Elementargebiete wie Schreiben, Lesen und
Rechnen; seine Werke legen diesen SchluB nahe.^^ Aufgrund seiner
31)
geschilderten "vorzUglichen literarischen Verbindungen" ' verfafl-
te er eine Elbingisch-preuBische Chronik. Als Quellen dienten ihm
die Ordenstradition anhand der Alteren Hochmeisterchronik, die
Danziger Uberlieferung auf der Grundlage Lindaus und eine unbekann*
te Elbinger Zusammenstellung. Er verband die verschiedenen Quellen*
175 -
•triage zu einer umfangreichen, wenn auch nicht immer einheitli-
ebea Darstellung mit deutlich Elbinger FSrbung, ahnlich der Arbeit
*52)
••• Balthasar Gans fUr das Herzogtum. ' Recht interessant sind
dabel seine methodischen tfberlegungen, angeregt durch das Vorwort
Paul Poles, das er teilweise Ubernahm. Dabei fordert er:
"I. Historien zu schreiben, die recht sollen sein, dazu ge-
hort und fordert es gar ein vorstandigen und beredten man.
II. Ein geschichtschreiber sol also die historien beschreiben,
das er vor unparteiisch gehalten und einiges verdachte
nicht mag beschuldiget werden.
III. Eine glose, eigensin und gutdunken Oder einiges urteil
sol er viel weniger setzen.
IV. Das sol er aber setzen, das er warhaftig die ding also
beschriben funden, er mag auch melden, das anders die
leut davon reden, nemlich so und dergleichen, weder er
geschrieben funden.
V. Mit solcher weis macht er beiden teil die historien zu
lesen angenem.
Das sind Forderungen, wie sie dem auslaufenden Zweig der Chro-
bittik vbllig gemaB Bind. Nach dieser Methode sind die groBen Kom-
pilationen zusammengestellt, wie Wartzmann Oder Bornbach. Dement-
•prechend handelte auch der Verfasser der Celler Randschrift, die
Prototyp jener auslaufenden Art der rein kompilierenden Ge-
chtsschreibung gelten kann. Zwar benutzt sie neue Literatur
titiert sie auch in etwa so genau, daB uns heute der Nachweis
•Bglich ist; darin konnte man den ersten Ansatz zu wissenschaftli-
cher Durchdringung sehen. Doch ist die Sammlung und Darstellung,
rielleicht der Vergleich, aber noch nicht die Wertung maBgebend.
Bin ftufleres Zeichen dafUr ist die Anftihrung der eigenen Person.
£• kann vorkommen, daB der Chronist Selbsterlebtes schildert und
daa durch Erzahlung in der 1. Person Singular kenntlich macht; aber
•iner Wertung, etwa mit den Worten:”ich hab funden, daB jene Chro-
nik anders schreibt, kann aber nicht wahr sein”, enthalt er sich
»Och. Die wissenschaftliche Geschichtsschreibung wird zwar durch
mb» Byatematieche Sammeln vorbereitet, doch zum methodischen Durch-
tbruch gelangte sie erst spater. Ihr erster Vertreter in PreuBen
hit Lucas David*
176 -
Ber gebUrtige Allensteiner Lucas Bavid lebte als Stu¬
dent und Lektor in Leipzig, um anschlieSend ala Kanzler zum Kulmer
Bischof Tiedemann Giese zu gehen, obgleich er selber Protestant
34) 35)
war. Bereits damals zeigte er starke historische Neigungen. '
Richtig befriedigen konnte er jene allerdings erst am Hofe Herzog
Albrechts, wo er ab 1549 als Rat am Kammergericht wirkte. Ber Her¬
zog, selber stets lebhaft interessiert an der Vergangenheit seines
Landes, beauftragte Bavid mit der Anlage einer entsprechenden Chro-
nik. Aber erst unter Albrecht Friedrich erlangte Bavid einige Er-
leichterung im Bienst sowie die Erlaubnis zur Benutzung der Archive
von Konigsberg und Tapiau. So sammelte er fast vierzig Jahre uner-
mUdlich Material, um eine Chronik des PreuBenlandes schreiben zu
konnen. Zuletzt bekam er dazu Schreibhilfen gestellt und wurde von
seinen dienstlichen Verpflichtungen entbunden. Zu spat begann er
die Niederschrift des Werkes, um es bis in seine Zeit fortfUhren
zu konnen; mit dem Jahre 1410 bricht es ab. Boch bedeutet seine
Chronik einen beachtenswerten Markstein in der Historiographie dee
PreuBenlandes. Einerseits "hat er die BeweggrUnde der Handelnden
scharf erfaBt und die Fragen der Gegenwart an ihrem historischen
■7 Г \
Ursprungsort aufgesucht,"^ andererseits begann er als erster den
grundsatzlichen Vergleich der Quellenaussagen mit kritisch-wissen-
schaftlicher Wertung. Bei Falk und Bornbach sah man noch die Kom-
pilation des Materials an oberster Stelle stehen, nach Mdglichkeit
37)
ohne "eine glose, eigensin und gutdunken Oder einiges urteil".
Vollig anders dagegen arbeitet Bavid.
Er kanntedie Schriften und Chroniken seiner Zeit und bewertet
die Schreiber:
"Weil aber dieselben zum teil nur mit gemainen worten und die
sachen an sich Oder auch sehr kurz in iren schriften davon
gehandelt, Oder die geschicht nur bios, ohn sonderlich mel-
dunge der ursachen und andern umstande gesStzt, ja oftmals
wiederwartig, nachdem ein ider diesem Oder jenem teil gewogen
in schrift und Bucher vorfast, und also zu mehrmalen irem ge-
mute mehr raum geben, dan der warheit, das also sich der so
es list, uftmals mit grosen verdries druber bestorzet, und
weist nicht, sonder bleibt im zweifel was er vor war, oder
unwar halten solle."^^
177
|м tntepricht durchaus noch dem Ansatz Bornbachs Oder Falks.
erete Arbeitsstufe, ebenfalls in der Art jener Schreiber, nur
Mhr viel intensiver, ist ftlr ihn:
■Habe notwendig erachtet zum ersten allerlei kundschaft in
fttretlichen und Bischoflichen Canzleien auch Thum-Stiften,
Klostern, und stedten, fleisig zu durchsuchen.
Ate niichetes kommt es ihm darauf an:
"Also aus dem was gefunden und zusammengelesen gott zu ehren,
dem land PreuBen zu nutz, in allem diesem Werk nichts an-
dere suchende, dan das die warheit der geschichte so viel
BUglich muchte am tag gebracht werden.1’^1^
woiterer Yorsatz zeigt, daB er noch eine Betrachtungsstufe
folgen leLBt:
"Kicht gnug sein will die warheit schlecht zu erzelen, wie
▼on andern geschichtschreibern geschicht sonder auch mit gu-
ten Urkunden und grunden erweisen, und der andern meinung wi-
derlegen.
Malt Bind Kritik und Wertung der geschilderten Ereignisse gefor-
«•Ft. Dae bedeutet aber den Schritt von der kompilierenden Chroni-
•Шс fort und die Hinwendung zur Geschichtsschreibung. Zwar ist
8ohritt und Tritt Davids Darstellung anzumerken, wie schwer
iie Verwirklichung jener Forderung ihm geworden ist. Wie oft folgt
ЦТ noch Grunau, den er an so vielen Stellen in Grund und Boden
fprdammt!^^ Zu spat begann er seine Chronik, um die methodischen
flerderungen dort sich auswirken zu lassen, wo ihre Beachtung man-
6fei IlHxung hatte bringen konnen, nach dem 1 . Thorner Frieden. An
Imi Punkt, an dem die verschiedenen Uberlieferungen einsetzen,
fOn dem an kritische Wertung der Berichte notwendig und schwierig
gird, nahm der Tod Lucas David die Feder aus der Hand. Die Vorgan-
n dee Jahres 1410 waren das letzte, das er noch darstellen konn-
anhand seiner umfangreichen Sammlung, deren weitere Ausschop-
png keinem Zeitgenossen gelang und die heute wohl verloren ist.
(•lne methodischen Forderungen aber, obwohl sie nicht recht zur
Iflrkung gekommen Bind, ordnen ihn ein unter die Vorbereiter einer
fcrltiechen GeBchichtsschreibung, wie sie fttr PreuBen erst ein
Xahrhundert sphter erneut einsetzte mit den Werken Christoph Hart-
knoche.
Zu bemerken bleibt noch, dafl David trotz dee Abschluseee im
Jahre 1410 manches aus seiner Zeit und eigenem Erleben berichtete,
nicht etwa im Versuch, Mdas Gewesene zu aktualisieren, wohl aber
die Fragen der Gegenwart an ihrem Ursprungsort in der Geschichte
aufzusuchenM
Wahrend David, aufbauend auf den methodischen Forderungen sei¬
ner Zeit, die sich bei Bornbach und Falk zeigen, noch das Material
fur seine Chronik zusammensuchte, erschienen eine ganze Reihe von
kleineren Druckerzeugnissen, um die standig steigende Nachfrage
nach den Berichten Uber die Vergangenheit des Landes Oder die Er-
klarung der Gegenwart aus der Vergangenheit heraus befriedigen zu
kbnnen. DaB es sich dabei nicht immer methodisch-gedanklich um
hochstehende Werke handeln kann, sondern um kompilatorische Schil-
derungen, die oftmals nur einen kleineren Zeitraum Oder ein sach-
liches Problem zum Inhalt haben, wird bereits aus der Situation
des Buchdrucks in PreuBen im 16. Jahrhundert deutlich.
Die erste preuBische Offizin bestand in Danzig. Entgegen der
Annahme, daB Hans Weinreich der erste Drucker gewesen sei,^^ ha¬
ben sich etliche altere Drucke Oder Reste von solchen gefunden.
Demnach wirkten vorher in Danzig Konrad Baumgarten (1499) und Mar- ^
tin Tretter (1505 - 1520).^) Weinreich selber dUrfte von 1520 bis
1524, vielleicht sogar bis 1526 in Danzig eine Druckerei betrieben
haben.Erst wieder 1538 laBt sich eine Offizin im Besitz von
Franz Rhode nachweisen, die bis ins 17. Jahrhundert jener Familie
verblieb.4^ Bereits die Tatsache solch grofier ZeitrSume, in denen
in Danzig kein Drucker arbeitete, laflt deutlich werden, daBzur er-
sten Halfte des 16. Jahrhunderts WestpreuBen noch nicht aufgeschloe-
sen war, um in breiteren Schichten die Erzeugnisse der "Schwarzen
Kunstn zu einem Gegenstand des taglichen Umganges zu machen.
Etwas anders sieht die Situation in Kbnigsberg aus. Die Be-
deutung der Buchdruckerkunst fUr die Reformation und deren Ausbrei-
tung ist immer wieder zu spUren. Vielleicht versprach sich auch
Weinreich etwas von dieser Verbindung, jedenfalls ging er in das
bereits 1523 recht reformfreudige Kbnigsberg, um dort seine Tatig-
keit aufzunehmen. Sein erster Druck war die reformatorieche Pre-
digt des Bischofs Polenz vom ersten Weihnachtstage des Jahres 1523,
- 179 -
gtdruckt wohl Mitte Februar des folgenden Jahres.^^ Mit Recht
Wird dies "ein Beginn von sinnbildlicher Bedeutung" genannt. '
Kit unterschiedlicher Aktivitat fiihrte Weinreich seine Offizin bis
Жил Jahre 1553 weiter. Ab 1549 muBte er als Konkurrenz noch einen
Filialbetrieb des Wittenbergers Hans Lufft neben sich dulden. Zwei
Hruckereien jedoch trug Konigsberg nicht; beide stellten 1553 ihre
mtigkeit ein. DaB Weinreich aber anfangs durch die Verbindung
•tiner Kunst mit der Reformation Erfolge hatte, zeigt die Viel-
rechenden Drucke allein schon wahrend der ersten
Herzog Albrecht, der die Notwendigkeit erkannt hatte, eine
Druckerei zur VerfUgung zu haben, berief im selben Jahre 1553 Hans
fiaubmann nach Konigsberg, der dort bis 1573 wirkte. Kurze Zeit nur
btachfcftigte die Universitat einen eigenen Drucker, Wolfgang Diet-
S2)
aar, der spater in Elbing arbeitete. 1
Kdnigsberg hatte also, im Gegensatz zu Danzig, seit 1523/24
atindig eine Offizin in Betrieb. Hinzu kam eine polnische Druck-
53)
forte a e und die Versuche des Johann Maletius in Dyck. ' Insgesamt
Aber befand sich der Buchdruck in PreuBen noch in einem Anfangs-
• tedium, die Herstellung umfangreicher Werke war ein gewagtes Un-
ttrnehmen. Unter diesen Aspekten entstanden die gedruckten histo-
rlechen Darstellungen in der zweiten Halfte des 16. Jahrhunderts,
die in chronologischer Folge betrachtet werden sollen.
Bereits in der Celler Chronik war deutlich das Verlangen er-
54)
ktnnbar, von der heidnischen Yorzeit Preufiens zu erfahren. 1 Auf-
grund der seit 1526 im Herzogtum PreuBen durchgefllhrten Kirchenvi-
•itationen wurde bekannt, daB besonders die Sudauer noch alten
htidnischen Brauchen anhingen. Eine erste Zusammenstellung davon
55)
das "Sudauer-BUchlein", entstanden zwischen 1525 und 1530. '
Title Handschriften, meist als Chronikenanhang, verbreiteten die
lachrichten, bis sie wahrscheinlich im Jahre 1546 von dem Lycker
Erzpriester Joahnnes Maletius Oder Malecki in einem Brief
■De sacrificiis et idolatria veterum Borussorum dem damali-
gtn Rektor der Universitat Konigsberg und Lehrer seines Sohnes
Hieronymus Maletius, GeorgSabinus, Ubermittelt wurden. In echt
hueanistischer Weise legte Johannes Maletius keinen Wert darauf,
- 180 -
daВ sein Brief als private Mitteilung verstanden wtlrde, sondern
war durchaus fUr eine Verbreitung seines Werkes. Das geschah zu- 1
erst durch einen "Raubdruck" als Anhang zu Thomas Horners "Livo- ;
niae Historia", Konigsberg im Mai 1551. Die "authentische" Ausgabi;
erschien 1563 in Konigsberg, etwa gleichzeitig mit der deutschen i
Fassung "Warhafftige beschreybung der Sudauen auff Samlandt ..." \
von Hieronymus Maletius. Diesen beiden Ausgaben folgten eine FUllil
c gY j
von Nachdrucken, auch bereits im 16. Jahrhundert. ' DaB der Brief 1
des Johannes Maletius nicht auf ein Aufbauschen geringer heidni- j
scher tlberbleibsel zurUckging, zeigt die Tatsache, daB noch 1577 |
\
in der Landesordnung Georg Friedrichs Gesetze gegen die Bockheili*'
gung erlassen wurden.
Sofort aufgegriffen hat jenen Brief der Elbinger Drucker
Wolfgang Dietmar und der Chronik von Georg Ranis beigegeben.
Wie er aber Ranis nicht nennt, so ftihrt er auch den Namen des Ma¬
letius nicht an. Sein "Kurtzer auszugk, Der Ankunfft, Regirung,
und lebens, aller Hohemeister Deutsches ordens in Preussen ..."
enthalt nur auf der letzten Seite den Vermerk "Gedruckt zu Elbin-
gen durch Wolffgang Dietmar" und am SchluB der Widmung das Datum
57
des 27. April 1564. Dietmar hatte vbllig andere als die bisher
gezeigten Griinde zur Herausgabe seiner Chronik.
"Dieweil von ursprung und anfang der Hohemeister Deutsches
Ordens, welche anfenglichen in grosser Finsternis Gdttliches
erkentnus, und seines heibgen seligmachenden worts gestecket,
und durch viel widerwertigkeit, muhe und arbeit endlich dahin
komen, das sie den Sohn Gottes Jhesum Christum, rechtschaffen
erkennen, und die ungleubigen zum glauben bracht und gezwun-
gen, davon nicht viel geschrieben und publiciret worden, hab
ich vor gut angesehen, ein kurtzen auszug, ihrer Regirung und
vorenderung derselben auszugehen lassen, und darinne anzuzei-
gen, was sie gestifftet und fur nutz geschaffet, auch was sie
vor greuliche Ceremonien abgeschaffet, und Gott lob, mit dem
cn\
reinen wort Gottes erleuchtet worden.'
Nichts ist hier zu spUren von dem Sammeleifer und der Wahrheitssu-
che der groBen Kompilatoren, nichts von einem Ansatz von Kritik an
der Uberlieferung. Dem entspricht vollig der Inhalt der Chronik,
aus dem einem die Danziger Tradition zwar in sehr starker KUrzung,
181
i
doeh ohne jegliche Anderung entgegentritt. Drucker und Autor haben
in etva nach denselben Grundsatzen gearbeitet. So nimmt es denn
nicht Wunder, wenn Kletke die Chronik recht gering wertet: "Semem
Inhalte nach ganz unbedeutend, Uberdies voll chronologischer und
typographischer Fehler."^) Damit schlieBt er sich durchaus dem
tirteil Bornbachs an, der in seiner Vorrede bemerkt, daB Hanis
••bar an vielen orten auch geirret" habe und gleich einige Korrek-
turen folgen laBt.*^ Wichtig ist, und dadurch gewinnt diese Chro¬
nik an Bedeutung, daB es sich um den ersten Druck handelt, dem die
Vaupen der Hochmeister sowie einige andere Wappen beigegeben Bind.
Interessant ist auBerdem, daB Ranis die Hochmeister zeitlich
tinordnet nicht nur anhand der Regierungsdaten, sondern auch unter
Angabe der gleichzeitig regierenden polnischen Konige, Rdmischen
laleer und Papste. Inhaltlich entspricht Ranis vollig einer Danzi-
ger Chronik, wie sie in der Celler Handschrift vorliegt. Allerdings
ichreibt er wesentlich ktlrzer und straffer, an etlichen Stellen
62)
auch klarer. ' Das heiflt, daB er wohl auf eine Handschrift zurlick-
geht, die entweder selber Oder in ihrer Vorlage zeitlich noch vor
Handschrift Celle entstanden sein muB. Der Anhang "Von den Sudaui-
tern die jetzt die Sudawen heissen, auff Samlandt, und ihren Bock-
hailigen und Ceremonien"entspricht vollig dem Sudauer-Bilchlein
4ae Hieronymus Maletius, abgesehen von minimalen, nicht wesentli-
chen Wortauslassungen. So unsicher die genaue Quelle fUr Ranis ist,
iO unsicher ist auch seine Nachwirkung; zitiert wird er allerdings
ТОП Bornbach, Falk und Hennenberger.
t Die nachste gedruckte Chronik erschien ebenfalls unter dem
■шеп ihres Druckers, Johann Daubmanns , in Konigsberg im
■•hre 1566.^^ Er nannte sein Werk, als deasen Autor er auch immer
gtgolten hat,^^ "Chronica. Kurtzer Auszug der Preussischen Chro-
nicken, von dem Jar 1200 bis auff diese jetzige unsere zeit
allerdings hort die Erzahlung 1525 auf. Damit hielt er sich an die
teitliche Grenze, die ihm sein Vorbild Ranis bot. Ebenso trug er
der Preude an Wappen Rechnung, indem er jedem Hochmeister das sei-
na beigab; er bereicherte sie im Gegensatz zu Ranis um jeweils
tvei Schildwachter.Im Inhalt bietet die "Chronica", wesentlich
auafUhrlicher als Ranis, eine tfbernahme aus einer Wartzmann-Chro-
nik*^^ Ranis ist also keinesfalls die einzige Vorlage gewesen.*^
182 -
GroBe ttbereinstimmungen zeigen eich zur Chronik Celle?fast
wortlich stimmen die Blatter BI bis N1 ttberein. Aber es Bind weder
Handschrift Celle noch die Chronik Redena direkte Vorlage geweeenf
wie eine Reihe von unterschiedlichen Lesarten verdeutlicht. Inege*
samt steht dieser erste Teil der Handschrift Redens naher, scheict
jedoch auf eine friihere Chronik zurUckzugehen."^ Mit dem Einset-
zen der Ordensgeschichte und damit dem Auftreten der Wappen wird
die Erzahlung bei Daubmann recht knapp und nimmt in etwa die Kurz-
form von Ranis an. Deshalb schatzte Toeppen diese Chronik vom In-
halt her nicht sehr.^1^ Darin ist ihm,besonders ab Blatt Nil,
recht zu geben. Aus einem anderen Grunde weckt sie aber Interesse,
da sie, obwohl in Konigsberg gedruckt, weiterhelfen kann auf den
verschlungenen Pfaden der Danziger Chronistik. Neben einer Reihe
von Wartzmann-Ableitungen ist auch Daubmanns Druck zur Kl&rung der
Form von Wartzmanns zweiter Chronikenfassung heranzuziehen.
Als Drucker und Buchhandler hat Johannes Daubmann mit seine®
Werk Erfolg gehabt. Es mufl sich gut und rasch verkauft haben, da
1584 bereits erneut Bedarf nach einer ahnlich kurzen Darstellung
vorhanden war, den Georg Osterberger durch den Druck der beiden
Beschreibungen Hennenbergers zu decken versuchte.^^ Auch als Quel*
le ist Daubmann wohl ofter verwandt worden, obgleich sich das nooh
nicht eindeutig feststellen laflt; zitiert wird er von Runau^^ und
Hennenberger. Seine weitere EinfluBnahme mllBte erst noch untereuohl
werden.
Neben Dietmar in Elbing und Daubmann in Kdnigsberg gab auch
in Danzig ein Drucker eine "Chronica” unter seinem Namen heraue, j
Jakob Rhode 1564 hatte er die leistungsstarke Offizin
seines Yaters Ubernommen und druckte konkurrenzlos die Ratserlaeee
und gelehrten Abhandlungen fUr Danzig, Nach dem Vorbild von DietV.
mar und Daubmann legte er, um das Interesse seiner Kunden zu be-
friedigen, auch ein historisches Werk ein: "Chronica Oder Hand-
buchlein Danziger Geschichte bis auf das Jahr 1576.” Dieses er-
schien zuerst 1577 und erlebte rasch drei weitere Auflagen in K8-
nigsberg (1577), Halle (1577) und wieder Konigsberg (1579);
schliefilich gab 1594 Rhode es erneut heraus, bis zur Gegenwart
fortgefuhrt. Von den ersten zwei Ausgaben ist leider schon vor 40
Jahren kein Exemplar mehr vorhanden gewesen.
- 183 -
Diese "Chronica" hat eigentlich einen irreflihrenden Titel, da
e* eich um eine Zusammenstellung annalistischer Notizen handelt,
di# alt dem Jahre 1205 beginnen, jedoch kontinuierlich erst seit
Um Allfang des 13jahrigen Krieges berichten. Die Notizen eind im
;Bllf ««einen knapp, manchmal aogar dUrr gehalten und beschaftigen
•ich faet ausschliefllich mit den Ereignissen in und um Danzig, wo-
bei ев allerdings wegen der Stellung der Stadt sich gar nicht ver-
Btlden liefl, doch einen geographisch recht weiten Horizont aufzu-
veieen. Woher Rhode seine Nachrichten bezog, laflt sich aufgrund
•einee annalenhaften Stils nicht genau feststellen. Eindeutig ist
шит die heimische Danziger Tradition die Hauptquelle. Den Anteil
•laielner Vorlagen herauszuarbeiten, diirfte kaura moglich sein.
Die preuflischen Drucker - in Elbing, Konigsberg und Danzig -
bfttteo beizeiten das historische Interesse ihrer Kunden erkannt
«Ы ihm Rechnung getragen. Dafl die so entstandenen Werke guten Ab-
MtS bei privaten Kaufern fanden, zeigt ihre Seltenheit heute auch
la den oetdeutschen Bibliotheken, in die sie oft nur aus Nachlas-
ND gekommen sind. Nun war Preuflen aber, was den Buchdruck anging,
keintawegs abgeschlossen gegeniiber dem Reichsgebiet* Das bewies
fcerelte der Nnchdruck von Rhodes "Chronica" in Halle. Auflerdem er-
vaehte neben der humanistischen Art des Zusammentragens aus alte¬
red Darstellungen nun auch das BedUrfnis, eigene Beobachtungen in
freaden L&ndern in Reiseberichten niederzulegen. Es sei nur an die
bertthmten "Rerum Moscoviticarum Commentarii" des Habsburgischen
Geeandten in Moskau Sigmund von Herberstein erinnert, die schon
1549 erechienen. Ahnliches findet sich auch fUr Preuflen.
Der Italiener Alexander Guagnini , der als Soldat
«Bd Diplomat in polnischen Dien3ten gestanden hatte, veroffentlich-
te 1578 in Krakau seine "Sarmatiae Europeae descriptio" ^ Es sei
bier nicht untersucht, wer wirklich Autor jener Beschreibung war,
die eofort nach ihrem Erscheinen von Matthias Strykowski als sein
Werk auegegeben wurde.^^ Auch interessiert es weniger, an welche
Orte der Verfasser gereist ist. Alle Gebiete seiner Beschreibung
konnte er sicher nicht aus eigener Erfahrung kennen, zur Schilde-
mng einiger muflte er achriftliche Vorlagen benutzen. Das zeigt
Bleb deutlich bei der Darstellung Preuflens.^^ Nach einer kurzen
Bbereioht Uber Preuflen in der Literatur, wie sie auch Daubmann
184
aufweist, folgen die Schilderung der heidnischen Religion und - in^
aller Ausfiihrlichkeit - die Landteilung PreuBens mit der Stadte-
aufzahlung. An die GrUndungsgeschichte des Ordens achlieBt sich
die knappe Charakterisierung jedes Hochmeisters an. Pen Vorgangen
von 1519 bis 1526 wird ein eigener Abschnitt gewidmet, ebenso den
Ereignissen von 1569* Verschiedene geographische und historische
Notizen sowie ein Abschnitt liber Pommerellen beenden die Beschrei-
bung PreuBens. Go kurz die Mitteilungen auch sind, es geht eindeu-
tig aus ihnen hervor, daB Guagnini eine Vorlage Danziger Proveni-
enz benutzte, eng verwandt mit Daubmann, dem entsprechend wie Chro~
nik Celle als Ableitung aus dem Komplex der Wartzmann-Chroniken zu
betrachten. Bei einer Untersuchung der zweiten Chronik Wartzmanns
wird Guagnini genauso wie Daubmann und Handschrift Celle heranzu-
ziehen sein, wobei er einige interessante RUckschlUsse erlauben
durfte. Jedenfalls ist der PreuBenabschnitt Guagninis zu Unrecht
78)
von der preuBischen Geschichtsforschung beiseite gelegt worden. '
Nicht in PreuBen, sondern 1582 in Wittenberg gedruckt wurde
79)
die "Historia" von Dyonisos R u n a u . ' Er schrieb nicht, wie
etwa David, aus eigentlich historisch-forschendem Antrieb. Sein
Ansatz gleicht stark demjenigen Grunaus, wenn er in der Vorrede
schreibt:
"Weil aber die Historien und GeschichtbUcher eigentlich nichte
anders sein, denn solches Gesetzes und offenbarten Worts und
willens Gottes klare und sichtbare Exempel, die da anzeigen,
und bezeugen, wie Gott der gerechte Richter zu alien zeiten
die Tugenden fromer Leute belohnet, die SUnde aber und aller-
hand Laster an menniglich on einiges ansehen der Person gres-
lich gestraft habe: als kan man obgedachtes lob und eigen-
schaft den Historien auch billich zulegen, das sie nemlich
80)
Regulae vitae sein, Oder exempla regularem vitae geben." '
Hlnzu kommt noch der patriotische Ansatz:
"Und so man fremder Volker Chronica, zeit- Oder geschichtbU-
cher mit lust liset und erforschet: Wieviel mehr sollen wir
des Vaterlandes, darin wir geborn und erzogen sind denkvirdi-
ge Hendel und geschichte wissen, und keins weges in verges-
81 )
senheit kommen lassen." '
- 185 -
lach dieaen Grundsatzen schrieb Runau die Darstellung des
Stladtkrieges, dabei streng chronologisch von Jahr zu Jahr fort-
(KhTtitend. Ala Anhang gab er eine Darstellung des Reiterkrieges
Q О 'j
1520/21 eowie die Grtindungsdaten der preuBischen Stadte. ' Dabei
gritt Runau eindeutig auf die Danziger Tradition zurtick, wobei
abtr unklar ist, ob ihm noch Originalquellen wie Lindau und die
danslger Chronik vom Bunde8^ zur VerfUgung standen84^ oder die
(fcarlieferung des Ferber-Buches ,8^ Oder ob noch andere Handschrif-
tta ale Vorlage in Betracht kommen. Auf jeden Fall benutzte er
Dfetibnanns Chronik.8*^ Ala Quelle diente er Waissel und Hennenber-
gar. Der Wert seiner "Historia" liegt hauptsachlich darin, wie be-
fftite Toeppen erkannte, "daB aie betrachtliche StUcke von alteren
R7 1
Hindechriftlichen Chroniken in weiterenKreisen verbreitete." ’
All diese Darstellungen waren im Grunde genommen von geringe-
Ttr Bedeutung. Sie dienten dazu, den G^schichts-MHunger" des preu-
tleehen BUrgers zu stillen. Daher waren ea fast alles kleinere
*«r)raf meist vollig unkritisch aus Slteren Drucken und Handschrif-
t#n kompiliert unter HinzufUgung der damaligen AutoritSten der Ge-
PtPichtsschreibung im Reich, wie Frank, Mtinster, Sleidan. Sie wa-
Stn echnell entstanden und wurden ebenso schnell verkauft. Histo-
rfiach-kriti8che Methode war ihnen fremd. Nur einer hatte den An-
dazu gezeigt, Lucas David. Ausgerechnet seine Chronik blieb
Btouakript und wurde erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts die
88)
Et hineingequalt". ' Zwei banner am Rnde dea 16. Jahrhunderts
ban ihm an Rang wenig nach: Kaspar Rennenberger und Kaspar
Bts« Sie bilden mit Lucas David das leuchtende Dreigestirn der
afilechen Historiographie jenes Jahrhunderts und dienten in ih-
Varken weit darUber hinaus als Grundlage jeder preuBischen Ge-
ichteforschung.
? laepar Hennenberger kam 1550 aus Franken nach
?jBnigeberg.8^ Sein Studiengebiet war die Theologie. Doch bald Ье-
jpim tr eich fUr seine neue Heimat zu interessieren und ging daran,
'pick eine umfangreiche Sammlung von Chronikabschriften und Karten-
Ptiehnungen anzulegen. Neben Falk dUrfte Hennenberger wohl der
jipifrigete Sammler und Abschreiber preuBischer Chroniken gewesen
p«iOf wodurch er Uber eine fast unUbersehbare Zahl von Quellen ver-
fUtt. Sein eigentliches Verdienst liegt aber weniger auf dem Ge-
- 186
biet der Geschichtsschreibung als auf dem der Kartographie.
Seine PreuBenkarte, entstanden nach groBenteils persbnlicher Land-?!
aufnahme, weist einen fur den damaligen Stand der Kartographie ge-'i
radezu erataunlichen Genauigkeitagrad auf.^1) Etwa zwei Jahrhunderwj
te lang blieb sie die Grundlage fur alle weiteren Karten des Preu-
Benlandes.
Seinen Ruf als Historiker verdankt Hennenberger den 1584 und
1595 erschienen Darstellungen. Im ersten Jahr gab er bei Georg
Osterberger in Konigsberg heraus die "Kurtze und warhafftige Be-
schreibung des Landes zu Preussen" sowie die "Kurtze und einfelti-
ge Beschreibung aller Hohemeister Deutsches Ordens". In der Lan-
desbeschreibung ging es Hennenberger vor allem darum, die heidni-
sche Vorzeit des PreuBenlandes zu schildern. Denn das Licht des
Evangeliums gegenwartiger Zeiten recht zu wttrdigen, nist nach dem
Gottlichen worte kein besser mittel, als die finsternis darinnen
unsere Vorfahren gestecket, zubedenken. Erwachsen war die Be¬
schreibung wahrend der Arbeit an seiner Karte aus dem Studium der
Chroniken, die er "muste lesen, ausschreiben, auch zum teil aus-
zihen, damit ich dieses Landes art, gelegenheit und alte brter de-
sto bessern bericht mochte einnemen."^^ Man sieht, der Ansatz
wurzelt in einer historisch-kritischen Methode, die zwar auf die
Kartographie angewandt werden sollte, aber sich durchaus auf das
Nebengebiet der Historiographie auswirkte. Deutlich wird diese
Kritik- und Urteilsfahigkeit auch bei Hennenbergers Besprechung
seiner Quellen: "in welchem ich mehr gefolgt hab den Alten, denn
den neuen Scribenten, sonderlich aber dem Nicolao Jeroschin, so
94)
etwan der Hohemeister Caplan gewesen." ' Schade ist nur, daB er
neben Jeroschin und der Alteren Hochmeisterchronik auch Simon Gru-
nau benutzte, allerdings liegt das an der pseudo-wissenschaftli-
chen Methode Grunaus in seinem Quellenkapitel, muBten doch die an-
gefUhrten Autoritaten dazu verfUhren, ihm mit gro3tem Vertrauen zu
94)
folgen, obwohl er zu den "neuen Scribenten" gehorte. ' Der Schil- 1
derung der heidnischen PruBen und ihrer Sitten fUgte Hennenberger
05)
eine "Kurtze Austeilung des Landes" an, der er eine Karte des 4
heidnischen PreuBen beigab, erstellt aufgrund der historischen Li-
teratur. Gedacht war diese Zusammenstellung nur als kurze Vorstu-
die zur Erklarung der PreuBischen Mappen, die dann auch 1595 folg- 1
т
187 -
%Шф Der Antrieb dazu war Shnlich wie bei Bornbach: "Es haben bis¬
ter etzliche die austeylunge des alten PreuBerlandes, lassen aus-
gshen, aber so seltzam, das ich mich nicht darein schicken kan." }
Anders war der AnstoB zur Abfassung der Beechreibung aller
Hohemeister. Bei der Vorlage der vorigen Beschreibung habe Oster-
berger gemeint, "das es einzubinden zu diinne wolte werden"; auBer-
des "weil viel nachfragens nach der Chronicken, so Daubmann vor-
gsiten gedrucket hatte, gewesen ist, aber kein Exemplar derselbi-
gen mehr vorhanden were, achtet er es ftir gut, das man die Hohmei-
97)
iter ktirtzlich hintenan drucket." 1 Die Grtinde waren also rein
kOBaerzieller Natur. Dartiber hinaus hatte Oeterberger jedoch durch-
sus den Sinn daflir, eine gute, der Kritik standhaltende Arbeit
llefern zu wollen: "Weil er aber von meniglichen verstanden, das
•ins teils falsch solte sein, und sonderlich was die Jarzal anlan-
bat er mich, ich wolte der Hohemeister geschichte fur mich
97)
semen und was darinnen falsch were, corrigiren." ’ Da Hennenber-
ger, wie bereits gezeigt wurde, diesem kritischen Sinn durchaus
tugttnglich war, befaBte er sich genauer mit Daubmanns Werk.
"Da ich aber dieselbige kurtze Chronicken, neben dem Original
(welche eine Chronica ist on namen, von einem Dantzker ge-
macht)^*^ fur mich name, fand ich sie seer falsch darzu
auch an etlichen ortern gar zu kurtz. Weil ich aber zuvoren,
aus vielen und bessern Chronicken, der Hohemeister leben, so
in Preussen regiret, was weitleuftiger zusamen gebracht het-
te, nam ich dieselbigen neben etzlichen Chronicken fur mich
99)
und hab diesen Extract daraus gezogen."
Aus der Korrektur des Daubmannschen Werkes erwuchs unter Hennen-
tergere Handen eine neue Darstellung, ausgehend von kritischer
Vertung seiner Vorlage. DaB er damit nicht im Sinn hatte, die Ge¬
schichte des Preuflenlandes in eine grundlegende, ausflihrliche Be¬
schreibung zu fassen, zeigt der SchluB seiner Vorrede.
"Derhalben wol zu wtinschen were, das ein feiner gelerter un-
parteiischer Man, so die warheit liebte, sich dartiber mach-
te, und eolcher feiner Herrn ^ der Hochmeister •£/ lobliche
taten und Regiment ordentlich verfassete, und in Druck brech-
te, damit losen weschern, das maul gestopfet, meniglichen
97)
aber gedienet wtirde."' '
188
Deutlich gibt er damit zu erkennen, dafl er sich durchaus nicht alt
Geschichtsschreiber flihlte, sondern in der Hauptsache als Karto- ■
graph. Trotzdem sind gerade fUr die Betrachtung der preuflischen :
Historiographie seine ChronikenauszUge und -abschriften von un- '
schatzbarem Wert. ;
Auch Hennenbergers grofltes historisches Werk, die "Erclerung 3
der preussischen grossern Landtaffel Oder Марреи"f bei Osterberger^
•tI
in Konigsberg 1595 gedruckt, zeigt, dafl er sich hauptsachlich ale
Kartograph empfand. Zwar ist seine Erklarung fast rein historisch,
doch bereits die Anlage beweist, dafl sie vor allem als Erg&nzung
seiner groflen Preuflenkarte gedacht war. Nach einer Vorrede, die J
besonders von den Schwierigkeiten berichtet, mit denen Hennenber-
ger bei der kartographischen Aufnahme des Landes zu kampfen hatte^
folgen eine ganz knappe tfbersicht liber die geschichtliche -
Entwicklung des gesamten Preuflenlandes und anschlieflend eine Zu-
sammenstellung von Ortsgeschichten in alphabetischer Reihenfolge. }
. j
Hennenberger wahlte also nicht, wie alle anderen Schreiber, die
Form der chronologisch fortschreitenden Erzahlung, sondern ging
nach geographischen Gesichtspunkten vor. Zu den Orten seiner Preu-
Benkarte wollte er deren historische Entwicklung beitragen, nicht
etwa eine preu3ische Chronik schreiben; dazu flihlte er sich nicht
kompetent. ^ In dieser Form lieferte er gewissermaflen das erste
Handbuch der Historischen Statten von Ost- und Westpreuflen, darin
die Entwicklung eines Forschungszweige9 vorwegnehmend, der erst in
diesem Jahrhundert richtig zur BlUte gelangte.1
Noch vor dem Druck von Hennenbergers "Erclerung" erschien
1592 in Zerbst die grofle zusammenfassende Larstellung der Geschich
te des Preuflenlandes, wie sie Hennenberger als Desiderat empfunden
hatte, in der "Historia rerum Prussicarum, Las ist, Warhaffte und
eigentliche Beschreibung der Lande Preussen durch M. Caspar
Schutzen, der Stad Lantzig Secretarium.” S c h U t z 1561 als
Student an die Albertina gekommen, hatte dort kurze Zeit den Lehr-
stuhl fUr Poetik inne, trat dann aber als unterster Ratsschreiber
in den Lienst Lanzigs, wo er sich bis zum obersten Ratssekret&r
empordiente. ^ Als solcher hatte er Zugang zu den Archivalien
des Rates sowie samtlichen weiteren Quellen einer stadtischen Ver-
waltung. Lafl dieses Material eine Fundgrube ftir einen Historiker
189 -
war, erkannte er klar, Dementsprechend failte er eein ITrteil Uber
die bisherigen Chroniken:
"Es seind wol etliche des Ordens gewesen, die ihre geschichte
geschrieben haben, als Petrus von Duisburg, Wigandus von Mar¬
burg, Heinrich Caper in (sic!) Ordens Herr, und andere, aber
doch gleichwol, als geistliche leute, und dieselbst bei den
furnemesten Kriegsgeschaften nicht gewesen seind, sehr kurz
und schlecht hindurchgehen. Sonsten seind wol andere Preussi-
eche Chronicken bin und wider verhanden, aber ins gemein der-
massen unrichtig, das wann ihr gleich zehen Oder mehr zusam-
men gebracht, so wird man doch selten finden, das sie in al-
lem einstimmig sein, wo nicht eine aus der andern gleichmes-
sig abgeschrieben worden .
Aber SchUtz weiB, woran das liegt, kennt er doch eine Quellengat-
tung, die wesentlich zuverlassiger ist als die Chronik, und hat
ihren Wert gesehen:
"Und dieser irthumb kompt aus unwissenheit der Recesse
Dieselben seind der rechte faden und richtschnur, und oh-
ne dieselben ist meines erachtens nicht mUglich, dieses Lan¬
des hendel ohne irthumb auszufiihren. " 1 ^ ^
So sammelte er die Rezesse, "damit eine gewisse grlindliche, or-
dentliche Historien der Lande Preussen zusammen bracht werden
bdchte . Diese kritische Wertung der Quellengattungen lieQ
ein Werk erwarten, das seiner Zeit weit voraus zu sein versprach,
ftoch dazu, wo SchUtz bereits mit philologischen Oesichtspunkten an
eein Quellenmaterial heranging.
MIn obgedachter handel dieses Landes tractierung, hab ich
auch ins gemein der Vorfaren deutscher Muttersprache wol be-
dechtig behalten wollen, wie sie wortlich in den Recessen,
werbungen, Briefen, Missiven, und gehaltenen beredungen nach
der eprachen und stilimanier, derselben Zeit geschrieben,
weil ich bedenken gehabt, etwas darinnen durch andere worte
zu endern. und etwan andern verstand bei jemanden zuverursa-
chen."
Doch diese nach SchUtzens theoretischen Erdrterungen hochgespann-
ten Erwartungen erfUllen sich leider nicht ganz. Zwar gab er sei¬
ner Darstellung viele Urkunden und Rezesse bei, doch stUtzte er
- 190 -
sich im Gang der ErzShlung in der Hauptsache auf Danziger Kompila-
tionen wie die Werke von Wartzmann und Bornbach. So stellt sich
die "Historia" zwar in ihrem Ansatz als Beginn wissenschaftlich-
kritischer Forschung dar, bleibt jedoch im Rahmen der damale Ubli-
chen Form der Chronik.
Fine zweite Komponente verdient coch kurze Betr&chtung. Schtitz
war Danziger Stadtsekretar. Ale solcher stand er in einer histo-
risch-politischen Tradition. Die politische Entwicklung, der das
einleitende Kapitel dieser Arbeit in ihrer Beziehung auf die Chro-
nistik gait, hatte im 16. Jahrhundert ihren Fortgang genommen,
aufbauend auf den Errungenschaften einerseits dee Standekrieges,
andererseits der Reformation. Wahrend die Werke Davids und Hennen-
bergers in der verhaltnismaBig ruhigen politischen Situation des
Herzogtums entstanden, schrieb Schtitz in Danzig, das wahrend des
16. Jahrhunderts seine groBten Kraftproben gegen das polnische
Reich zu bestehen hatte, um seine privilegierte Eigenstandigkeit
und die WestpreuBens zu wahren. Die Hbhepunkte jener Kampfe, die
Vorgange von Lublin im Jahre 1569 und der Waffengang des Jahres
1577,forderten ihr Recht auch in der Darstellung der frtihe-
ren Geschichte.
SchUtzens "Historia" war ein Nachklang der Auseinandersetzun-
gen jener Jahre, die wohl in ihrer Gesamtheit zu Recht als aus dem
"Gedanken der Sicherung deutsch-standischer Privilegienrechte ge¬
gen einen fremd-vblkischen Zentralismus" hervorgegangen gese-
hen wurde. Das spiegelt sich deutlich in der Abwehr polnischer
Schilderungen der Ordensgeschichte, fUr die Schtitz in seinen Quel-
len keine Entsprechungen fand.^®^ Besonders klar tritt die stan-
dische Tradition bei Schtitz im Bericht tiber den 13jahrigen Krieg
hervor, seine Ursachen, seinen Yerlauf, seine Folgen, wobei er in
diesem Teil sich sehr stark auf die chronistische Uberlieferung
Danzigs stiitzte.
Dieser stftndische Ansatz rtickt die "Historia" in die Richtung
einer politisch zweckmaBig gestalteten Schrift. Doch war das in
jener Zeit durchaus kein Negativum, berief sich nicht nur Schtitz
auf den Satz Ciceros, in dem es unter anderm heiflt: "Historia ...
eet magistra vitae. "10^Er war der Mann, der trotz des politi¬
schen Ansatzes eine - seinen Quellen gemaBe - objektive Darstel-
191
lung der Geschichte des PreuBenlandes geben konnte. Mit David und
Hennenberger bildet er den Hbhepunkt der preuBischen Historiogra-
phie des 16. Jahrhunderts.
Daneben virkt als Rachzttgler einer nunmehr fast Uberholten
Form Matthaeus Waiesel in seiner Chronik. Waissel ver-
fafite das Verk nach deff durch sein Alter beiirgter Ausscheiien aus
dem Predigtamte.1^^ AnlaB und Methode schildert er:
"Und veil ich gesehen, von diesen Hendeln, viel und mancher-
lei alte geschriebene Chroniken, so hin und wider, bei vorne-
men Leuten vorhanden, darin doch nur alles stUckweise und un-
vollkommen beschrieben, So habe ich durch Gottes Htilfe, und
zwar nicht ohn mtihe und arbeit, aus etlichen so ich fUr die
beeten angesehen, so viel moglich, das vornemeete, und ndtig-
ete, herausgezogen, in Ordnung gebrachte, und fast dieselben
vorte, Oder den alten stylum, wie ichs gefunden, behalten,
112)
und nichts von dem meinen dazu gesetzt." '
Mit anderen Worten, es handelt sich hierbei urn eine kritiklose An-
einanderreihung Uberlieferter Berichte, wie es auch deutlich wird
in den Wendungen: "In einer anderen Chronica lieset man", ' Oder
"Auch echreibet man” Oder nur "Man schreibet" ]1 ^ Der eigent-
liche Beweggrund zur Abfassung der Chronik liegt auf religiosem
Sektor, wie es auch bei Ranis und Runau deutlich wurde:11^)
"Denn das ist die endliche Ursach, und der vornemeste nutz
aller Historien, geistlich und weltlich: Das sie uns durch
gewisse Zeugnissen und Exempel, leren und erinnern, wie wir
in dieser Welt, ein jeder in senem (sic!) Stande, ein gottse-
lig, erbarlich Leben fUhren, und nach diesem Leben die ewige
117)
Seligkeit ererben sollen." *
Unter diesem Gesichtspunkt nimmt der additive, im ganzen unkriti-
sche Charakter der Werkes nicht Wunder.
In der Art gleicht Waissel sehr Chronik Celle; die Form der
reinen, unwissenschaftlichen Chronistik flackert noch einmal kurz
auf, bevor sie endgUltig erlbscht. Die nhchste Gesamtdarstellung
der Geschichte des PreuBenlandes bietet erst fast ein Jahrhundert
epater Christoph Hartknoch in einer nunmehr kritisch abgewogenen
Form. Die Chronistik stirbt am Ende des 16. Jahrhunderts aus. TJn-
192
ter den Drucken hatte sie sich noch etwas verbreiten kcJnnen, doch
der Ansatz von David, Hennenberger und SchUtz versetzte ihr den
TodesstoB. Ein typischer Vertreter dieser auslaufenden Chronistik
ist Chronik Celle. Noch ganz der alteren handschriftlichen Uber- л
lieferung verhaftet, der man mehr Oder weniger blind folgte, hdch-^
stens erweitert um einen zweiten Bericht desselben Vorganges,
schildert sie in aller AusfUhrlichkeit und Buntheit das Leben des
mittelalterlichen PreuBenlandes bis in die Zeit des groBen geisti- ,
gen Umbruches der Reformation hinein, selber noch ein StUck spat-
mittelalterlicher Darstellungsform bietend. Und doch weist der An-»
fang der Handschrift, das Nebeneinanderstellen der verschiedenen,
nach ihrer Herkunft aufgeschlUsselten Nachrichten, bereite auf die
langsam keimende Wertungs- und Kritikfahigkeit, auf die beginnende
Durchdringung und - damit verbunden - die Aufldsung der eigenen
Form. Es Uberwiegt in groBem MaBe noch die Form der rein erzahlen-
den Chronik; der Grundstein des GebUudes, dessen Fundaments Dar-
stellungen wie die von David, Hennenberger und SchUtz bilden, ist
aber bereits gelegt. Man sucht und entwickelt "Methoden" der Dar-
stellung, worauf die Einleitungen deutlich verweisen. Die Methode
aber, und damit die kritische V/ertung und Verwendung der Quellen,
ist der Chronik nicht mehr gemaB. Sie laBt eine neue Form der Dar-
stellung erwachen, die wissenschaftliche Geschichtsschreibung.
Dies geschieht in Preuflen zu einer Zeit, als die systematische
Wissenschaft ihren Einzug halt infolge der UniversitatsgrUndung
Herzog Albrechts. Von den auBerlichen wie den geistigen Gegeben-
heiten war damit der Grund gelegt fUr die spateren Darstellungen
eines Gottfried Lengnich, Daniel Heinrich Arnold, Ludwig von
Baczko bis hin zu Johannes Voigt. Sie alle fuBen einerseits auf
der Methodik, die die Form der Chronistik aussterben lieB, ande-
rerseits aber als Quellen in einer manchmal fast ausschlieBlichen
Art und Weise auf jenen Handschriften und Drucken, die den Anbruch
einer neuen Zeit auf ihre Weise spUren lessen. Geistiger Inhalt
und Form der Geschichtsschreibung, angefangen bei einem mittelal¬
terlichen Chronisten wie Dusburg bis zur Zeit der HochblUte einer
historischen Darstellung des PreuBenlandes, wie wir sie bei Kroll-
mann und Keyser finden, haben sich gewandelt; ungebrochen ist je-
doch die Tradition der preuflischen Historiographie, deren eine
193
Ytllepoche hier betrachtet vurde.
194 -
Zur Zitierweise:
Da die von mir bereits Ende Mai 1964 fertiggestellten BSnde
VI und VII der Scriptores rerum Prussicarum, auf die laufend Bezug
genommen ist, noch nicht im Druck vorliegen, muflte eine Notlbsung
in der Zitierweise gefunden werden. Zitate aue Band VII mit Angabe
der fol.-Zahl beziehen sich auf die Celler Chronik, deren Polios
in der Edition angegeben werden. Somit ist ein NachprUfen der Zi¬
tate ermoglicht. Bei alien anderen Angaben aus Band VI und VII
kann nur generell auf die jeweils in Frage kommende Chronik ver-
wiesen werden.
195 -
Abktlr zungsverzeichnis:
Neben den allgemein llblichen Abkiirzungen sind in den Arunerkungen
noch folgende verwandt:
APB
АРМ
L Th К
Mon. Hist. Vara*
M W G
- AltpreuBische Biographie
- AltpreuBische Monatsschrift
- Lexikon fUr Theologie und Kirche
- Monumenta Historiae Warmiensis
- Mitteilungen des WestpreuBischen Geechichte
vereins
H.F.
N P P В
Script, rer* Wars*
S R P
Z V G
- Neue Polge
- Neue preuBische Provinzialblatter
- Scriptores rerum Warmiensium
- Scriptores rerum Prussicarum
- Zeitschrift des WestpreuBischen Geechichte-
vereins
Anmerkungen:
Kapitel Is S. 11-14
1) Lie behandelten Quellen sind gedruckt in: Scriptores rerum
Prussicarum, Bd. I - V, hg. v. Theodor Hirsch, Max Toeppen und
Ernst Strehlke, Leipzig 1861 - 1874, Nachdruck Frankfurt 1965;
Bd. VI, hg. v. Walther Hubatsch, Frankfurt 1967; Bd. VII, hg,
v. dems., ebd., ca. 1968; Lie preuBischen Geschichtsschreiber
des 16. und 17. Jahrhunderta, Bd. I - III, hg. v. Max Perlbachj
R. Philippi und P. Wagner, Leipzig 1876 - 1896.
An Literatur wurde grundlegend herangezogen und nur in Bonder-
fallen durch Einzelnachweise gekennzeichnet: Max Toeppen, Ge-
schichte der preuBischen Historiographie von P.v. Lusburg bie
auf K, Schiitz, Berlin 1853; Erich Maschke, Quellen und Lar-
stellungen in der Geschichtsschreibung des PreuBenlandes, in:
Deutsche Staatenbildung und deutsche Kultur im PreuBenlande,
Kbnigsberg 1931, S. 17 - 39.
Sodann stutze ich mich auf frlihere Vorarbeiten, deren genaue
Mitteilung mit Einzelnachweisen der langst falligen Neubear-
beitung der Toeppen1schen Historiographie vorbehalten bleiben
mag.
2) Vgl. SHP I und dazu SRP VI. La auBer der Chronik Grunaus fast
alle besprochenen Chroniken und Berichte in den SRP gedruckt
sind, werden Einzelnachweise nur ftir andere Lruckorte sowie
die der Forschung noch unbekannten Bde. VI und VII der SRP ge-
geben.
5) Vgl. auch Max Perlbach, Lie Statuten des Leutschen Ordens,
Halle 1890, S, 159 f. und LVI, danach auszugsweise in: Walther
Hubatsch, Quellen zur Geschichte des Leutschen Ordens, Gottin¬
gen 1954, S. 26-51* Vollige Neubearbeitung in: Udo Arnold, De
primordiis ordinis Theutonici narratio, in: PreuBenland 4,
1966, S. 17-30; dementsprechend Neuausgabe in SRP VI.
4) Vgl. SRP VI.
5) hg. v. Leo Meyer, Paderborn 1876; fotomechanischer Neudruck
Hildesheim 1964.
6) Vgl. auch Helmut Bauer, Peter von Lusburg und die Geschichts-
schreibung des Deutschen Ordens im 14. Jahrhundert in PreuSen,
Berlin 1935; fotomechanischer Neudruck 1965.
7) Maschke, a.a.O., S. 20.
8) Entgegen der Meinung Toeppens, a.a.O., S. 16, der von Jero-
schins "Gewalttatigkeit, mit der er die deutsche Sprache be-
handelt", spricht, vgl. zur Wertung der dichterischen Leistung
Karl Helm und Walther Ziesemer, Lie Literatur des Leutschen
Ritterordens, Gieflen 1951. Sie bemerken: "Im allgemeinen aber
beherrscht er die Sprache mit hervorragender Sicherheit." a.a.
0., S. 159.
- 197 -
9) Helm-Ziesemer, a.a.O., S. 156
S. 14-22
10) Vgl. SRP VI; desto unverstandlicher ist es, die veraltete Teil-
ausgabe von Franz Pfeiffer, Stuttgart 1854, im Jahre 1965 fo-
tomechanisch nachzudrucken ohne jegliche Erganzung!
11) Uber diesen Fragenkomplex demnachst an anderem Orte.
12) So jiingst in der nicht ganz gllicklichen Zuaammenstellung von
Gerhard Eis, Die Literatur im Deutschen Ritterorden und in sei-
nen EinfluBgebieten, in: Oatdeutsche Wissenschaft 9, 1962, S.
56-101; vgl. dazu die Rezension des Verf. in: PreuBenland 3,
1965, S. 26f•
13) Toeppen, a.a.O., S. 25 und 24; vgl. auch Max Perlbach, Die al-
tere Chronik von Oliva, Gottingen 1871.
14) Vgl. vor allem Konstantin Hoehlbaum, Joh. Renners livlandische
* Historien und die jiingere livlandische Reimchronik, 1. Teil,
Gbttingen 1872; ders., Die jiingere livlandische Reimchronik
* Bartholomews Hoenekes, Leipzig 1872.
*15)
*16)
Vgl. zu Heinrich die sehr gute Neuausgabe von Albert Bauer,
Heinrici Chronicon Livoniae, Darmstadt 1959.
Die Litauerreisen nur als "Spiel” oder "Sport” zu bezeichnen
geht nicht an; das heiflt doch wohl, die ritterlich-hofische
Lebensform in ihrer geistigen Grundhaltung verkennen; vgl.
hierzu und zum folgenden auch: Erich Maschke, Die inneren
Wandlungen des Deutschen Ritterordens, in: Geschichte und Ge-
genwartsbewufltsein, Festschrift fur Hans Rothfels, Gbttingen
1963, S. 249-277.
17) Vgl. Helm-Ziesemer, a.a.O,, S. 41-136.
18) Vgl. Gerhard Eis, a.a.O., dessen Zusammenstellung und Beurtei-
lung der Fachprosa des Ordens den besten Teil dieses Aufsatzes
ausmacht.
19) Vgl. zum folgenden Helmut Bauer, a.a.O., S. 68-78.
20) Bauer, a.a.O., S. 69; der recht negativen Beurteilung bei Helm-
Ziesemer, a.a.O., S. 167 vermag ich nicht zu folgen.
21) Vgl. zu Schondoch die Neuausgabe des Verf. in SRP VI sowie die
Beitrage zum Verfasserlexikon, in: Beitrage zur Geschichte der
deutschen Sprache und Literatur 88, Tubingen 1965, S. 157 f.
22) Wie wesentlich die Bewertung und quellenkritische Einordnung
einer Chronik sein kann, zeigt sich gerade an der noch immer
andauernden Diskussion Uber das Tannenberger Geschehen. Zur
Wertung dieser Zeit vgl. auch die Arbeit von Wilhelm Nobel
Uber Kuchmeister von Sternberg, Diss. phil. Bonn 1965-
23) Bauer, a.a.O., S. 84.
24) Toeppen, a.a.O., S. 38.
.25) Vgl. bes. SRP III, S. 298.
26) Vgl. Walther Hubatsch, Die Staatsbildung dee Deutschen Ordens,
in: PreuBenland und Deutscher Orden, Festschrift ftir Kurt
Foretreuter, WUrzburg 1958, S. 127-152.
198 -
S. 23-30]
27) Sogar heute noch ist die Zahl derer, die diese Ansicht vertre*|
ten, gar nicht gering; vgl. z.B. Hana Rothfels, Grenzen und
Massenwanderungen im ostlichen Mitteleuropa, in: Archiv, hg.v.|
Gottinger Arbeitskreis, Nr. 4/5, 1949, S. 1-12 (Ubersetzung
und Auszug aus dem gleichnamigen Aufsatz in: The Review of Po-|
litics 8, 1946, S. 37-67), hier S. 3: "Mit der Christianisie-
rung der Litauer verlor er seine innere Existenzgrundlage ale
missionarische Gemeinschaft ..." Vielleicht hilft die entste-
hende Arbeit von Christian Propst Uber das Firmarienwesen dee
Beutschen Ordens in PreuBen mit bei der Erkenntnis der andereiTj
Komponenten des Ordensgedankens, die zu lange nicht beachtet
worden sind.
28) Vgl. dazu Karl-August Luckerath, Hochmeister Paul von RuBdorf
Biss. phil. Bonn 1965*
29) Maschke, Quellen, S. 25.
30) SRP III, S. 601.
31) ebd•, S. 599.
32) Uber ihn vgl. Udo Arnold, Beitrage zum Verfasserlexikon, a.a.
0., S. 149 f.
$
33) Vgl. die Biss, von Hartmut Boockmann, Laurentius Blumenau,
Gottingen 1965; dazu die Rezension des Verf. in: PreuBenland
3, 1965, S. 27 f.
34) Maschke, Quellen, S. 27.
35) Toeppen, a.a.O., S. 89.
36) Vgl. Maschke, Wandlungen.
37) Neu hg. in SRP VI.
38) Vgl. bes. Walther Hubatsch, Montfort und die Bildung des
Deutschordensstaates im Heiligen Lande, in: Nachrr. d. Ak.
Wiss. in Gottingen, philol.-hist. Kl., Jg. 1966.
d.
39) Vgl. Kapitel II, S. 41 f.
40) Auf eine quellenkritische Diskussion und die Ergebnisse der
Arbeiten von Jolanta Bworzaczkowa, bes .Dzie jopisaistwo Gdafiskie
do po/owy XVI wieku (Bie Banziger Geschichtsschreibung bis zur
Mitte des 16. Jahrhunderts), Banzig 1962, soli erst spater
eingegangen werden.
41) Neu hg. in SRP VI.
42) Ber erste AnstoB nach etwa 50jahriger Pause ging aus von Wal¬
ther Hubatsch, Zur altpreuflischen Chronistik des 16. Jahrhun¬
derts, in: Archivalische Zs. 50/51, 1955, S. 429-462. Ihm folg^
te J. Bworzaczkowa mit ihrer Untersuchung (s. Anm. 40).
43) Vom Verf. bearbeitet in SRP VII.
44) Simon Grunaus Preuflische Chronik, hg.v. Verein fUr die Geschich-
te PreuBens, Bd. 1, Leipzig 1876; Vorbemerkung von Max Perl-
bach, S. 2.
45) Maschke, Quellen, S. 29.
- 199 -
I 46)
? 47)
48)
S 49)
50)
51)
52)
53)
54)
55)
56)
57)
S. 30-36
Vgl. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 112-118.
Neu hg. in SRP VII.
Hg-v. Max Toeppen, in: Die preufl. Geschichtsschreiber dea 16.
und 17- Jahrhunderts, Bd. IV, 2, Leipzig 1881.
Hg* v. C.P. Wblky, in: Script, rer. Warm. II.
Beidea verbffentlicht in SRP VII.
Helmut Preiwald, Der preuBiache Bauernaufstand von 1525 in dem
zeitgenossischen Bericht eines landesherrlichen Beamten, in:
Za« f. Gesch. u. Altertumskunde Ermlands 30, 1962, S. 439-454,
hier S. 454; vgl. SRP VII.
Bern abwertenden Urteil Toeppens, a.a.O., S. 218, der dieae De¬
tails ala gleichgUltig ansieht, vermag ich nicht zu folgen.
SRP V, S. 186.
ebd., S. 188.
Decius ala Anhang zur zitierten Matthias von Miechbw-Ausgabe
gedruckt, Critiua in Krakau 1525, Neudruck in SRP VII.
Vgl. Walther Hubatsch, Albrecht von Brandenburg-Ansbach, Hei¬
delberg I960; Iselin Gundermann, Herzogin Dorothea von Preu-
flen, Kbln 1965; Peter G. Thielen, Die Kultur am Hofe Herzog
Albrechts, Gbttingen 1953-
Hubatsch, Albrecht, S. 279 f.
Xapltel II:
1) Wir bezeichnen sie nach ihrem heutigen Aufbewahrungsort auch
ala "Celler Chronik".
2) Walther Hubatsch, Zur altpreuBischen Chroniatik des 16. Jahr¬
hunderts, in: Archival. Zs. 50/51, 1955, S. 429-462, hier S.
441 f.
>$
Scriptores rerum Prussicarum Oder Die Geschichtsquellen der
preuBischen Vorzeit, Bd. VII, hg.v. Walther Hubatsch, bearbei-
tet von Udo Arnold, Frankfurt ca. 1968.
4) Quellenstellen zur Wappenverleihung:
a) Celler Chronik, in: SRP VII, fol. 185b. Vgl. dort auch die
Anm.; das Zitat betrifft jedoch nur die Handschriften,
nicht den Druck bei Friedrich Adolf Meckelburg, Die Konrigs-
berger Chroniken aus der Zeit des Herzogs Albrecht, Konigs-
berg 1865, der sich bei der Auslassung dieser Stellen auf
SchUtz beruft. Wiederabdruck in SRP VII.
b) Kaspar SchUtz, Historia rerum Prussicarum, Zerbst 1592,
fol. m III b.
c) Matthaus Waissel, Chronica alter preusscher, eifflendischer
und kurlendischer Historien, Konigsberg 1599, fol. 278b und
k, 279a*
- 200 -
s. 36-37
d) Acta Tomiciana, Bd. 7, hg.v. T.C. Dzialynski, Posen o.J.
(nach 1857), S. 217 f.
Literatur in neuerer Zeits
Walther Hubatsch, Albrecht von Brandenburg-Ansbach, Heidelberg
I960, S. 134 und Anm. 43.
Vgl• die Bonner Dissertation von Stephan Dolezel, Die preu-
Bisch-polnischen Lehnsbeziehungen unter Herzog Albrecht, 1965,
Koln 1967.
5) Vgl. dazu Ernst Kuhnert, Geschichte der Staats- und Universi-
tatsbibliothek zu Kbnigsberg, Leipzig 1926, Anhang: Der Ko-
nigsberger Bucheinband im 16. und 17. Jh., S. 251-307.
6) Auch an dieser Stelle mbchte ich den Herren Oberlandesgerichta
rat Dr. Figge und Oberlandesgerichtsrat Glaser vom Oberlandes-
gericht Celle fUr ihr groBes Entgegenkommen bei der Benutzung
der Handschrift sowohl zur Edition als auch zur Anfertigung
dieser Arbeit recht herzlich danken. Wie die Chronik nach Cel¬
le kam, ist nicht vbllig klar. Dazu teilte mir Oberlandesge¬
richtsrat Glaser in einem Schreiben vom 10. August 1965 mits
Die Danziger Chronik В II 820 ... gehbrt nicht der staatlichen
juristischen Bibliothek. Die Handschrift ist Eigentum der sog.
Grupenschen Stiftung. Der stadthannoversche Bttrgermeister
Christian Ulrich Grupen schenkte im Oktober 1743 seine bedeu-
tende BUchersammlung dem damaligen Oberappelationsgericht Cel¬
le. Die Stiftung wurde durch den KurfUrsten Georg II. landes-
herrlich am 13. November 1743 bestatigt." Ein handschriftli-
cher Katalog dieser Stiftung existiert unter der Signatur C 55
"Grupensche Schenkung und Grupensches Testament”, 500 Blatt in
Folio. Leider habe ich die Chronik dort nicht gefunden, doch
ist Herr Oberlandesgerichtsrat Glaser in seinem Schreiben der
Ansicht: ”Selbst wenn die Chronik nicht darin enthalten sein
sollte, so ist dennoch mit Sicherheit anzunehmen, daB sie zur
Grupen-Bilohereammlung gehorte. Unterlagen Uber anderweitigen
Erwerb sind nicht vorhanden.” Woher Grupen die Chronik erwor-
ben haben kbnnte, ist nicht zu sagen. Seine Beziehungen zu
PreuBen scheinen nicht sehr intensiv gewesen zu sein, da sich
in seiner umfangreichen Sammlung aufler der Chronik von SchUtz
in der Ausgabe von 1592, Hartknochs Alt- und Neuem PreuBen so-
wie der Landesordnung von 1577 keine Prussica befanden.
7) Ahnlich W. Hubatsch, Zur altpreufl. Chronistik, a.a.O., S. 441;
eine genaue Entzifferung ist wohl kaum moglich.
8) Gedruckt in SRP VII.
9) Gedruckt in: Archival. Zs. 50/51, 1955, S. 459-462.
10) Vgl. W. Hubatsch, Zur altpreufl. Chronistik, a.a.O., S. 442.
11) In die Edition der SRP VII, auf die sich alle Angaben bezie-
hen, vrurde das Register nicht aufgenommen, da sich in jenem
Bd. ein modernes Gesamtregister befindet, vom Bearbeiter zu-
sammengestellt. Die Verweise in dieser Arbeit auf fol. der
Handschrift sind nachprtifbar im Druck der SRP VII, wo der
Blatt- und Seitenwecheel jeweils am Rande vermerkt sind.
т
- 201 -
S. 3741
12) Sot fol. 128 f., 131-134.
13) tJber diese vgl. den nSchsten Abschnitt.
14) Pol. 4a, 15b, 39a, 38b, 67a, 80a, 197b.
15) Pol. 2b, 6a, 104a.
16) Unberticksichtigt blieb der Anhang, der nach fol. 227 folgt.
17) So bereits W. Hubatsch, Zur altpreufi. Chronistik, a.a.O.,S.441
18) Die Grofle des Schriftspiegels wird hier nicht berticksichtigt,
da sie zu stark differiert.
19) Vgl* jeweils in SRP VII die fol.-Angabe am Rand.
20) Der Name Balcke kommt als der einer Dortmunder Familie seit
dem 13. Jh. vor; der Vorname Hermann ist jedoch bei keinem
Trager dieses Namens ermittelt. DaB die BalkenatraBe nach die-
eer Familie ihren Namen habe, ist nicht richtig. Nach einer
freundlichen Auskunft von Herrn Stadtarchivdirektor Dr. Swien-
tek, Dortmund.
21) Pol. 79a ("Vatter"), fol. 80b ("Der"), fol. 96b, fol. 97b,
fol. 98b, fol. 168b, fol. 170b, fol. 190b ("auch die Gemeine";
aue dem Text genommen.)
22) Ausnahmen: a) Lagen zu 7 Doppelblatt: fol. 97-110, 171-184,'
b) Lage zu 4 Doppelblatt: fol. 185-192.
23) в. Кар. Ill, S. 66.
24) Vgl. SRP VII, fol. 20 B, A run.
25) Unberticksichtigt der nach fol. 227 folgende Anhang.
26) Charles Noise Briquet, Les Filigranes, Bd. I, ^Leipzig 1923,
S. 21; vgl. ebd. Nr. 284 (=Wz. 1) und Nr. 289 (=Wz. 3).
27) Lore Sporhan-Krempel, Ochsenkopf und Doppelturm. Die Geschich-
te der Papiermacherei in Ravensburg, Stuttgart 1952, S. 60.
28) Ein Abbildungsverzeichnis mit fol.-Zahl, MaBen und Verweis auf
den Textzusammenhang in den SRP VII findet sich als Anhang
dort.
29) Ernst v.d. Oelsnitz, Herkunft und Wappen der Hochmeister des
Deutschen Ordens 1198 - 1525, Kbnigsberg 1926, S. 17. Auf die¬
ses Werk sttitze ich mich bei der folgenden Behandlung, da neue
Studien zu dem Gebiet den Rahmen meiner Arbeit sprengen wtirden
70) August Roth, Die Wappenreihe der Hochmeister des Deutschen Or¬
dens in der Innsbrucker Wappenhandschrift Rugenn, in: Der He-
rold ftir Geschlechter-, Wappen- und Siegelkunde 2, 1941, S.
45-48. Innsbruck ftihrt uns in das Entstehungsgebiet der Chro-
nik der Gebrtider Waiblingen, die sehr viele Abschriften und
Umformungen erfuhr. Es wtire eine interessante Frage, die ein-
mal geprtift werden sollte, ob ein Zusammenhang zwischen diesen
Handschriften vorliegt.
vgi. SRP V, S. 183.
|g) ebd., S. 174.
202
33) v.d. Oelsnitz, a.a.O., Anm. 36.
S. 41-42
34) SRP V, S. 4* Diese Aussage gilt ebenso fUr alle neu gefundenen
Handschriften, die die JUngere Hochmeisterchronik zur Vorlage
hatten. Als Beispiel sei nur auf zwei Handschrif ten hingewie-
sen, die der Forschung noch vollig unbekannt aind: 1
a) Cronica. Von dem anfangk des hochltfblichen Deutschen Ordens
im Besitz der WUrttemberg. Landesbibliothek Stuttgart,
Cod. hist. fol. 736.
b) Cronica dea hochlobwUrdigen Ritterlichen Teutschen ordens -!
..., im Privatbesitz seiner Durchlaucht des FUrsten Georg j
von Waldburg-Trauchburg zu Zeil, SchloB Zeil, Ha. 135. ,1
liber diese und einige andere Chroniken demn&chst an anderem '
Orte.
35) SRP V, S. 174 und S. 5. j
36) ebd., S. 183. j
37) Georg Ranis, Kurtzer auszugk, Der Ankunfft, Regierung, und le-
bena, Aller Hohemeister Deutsches ordens in Preussen ..., El-
bing 1564; als Kopie im Besitz des Verf.
Diese Chronik kannte v.d. Oelsnitz nicht, weshalb er falsch-
lich Daubmann als den ersten annahm, der seine Chronik mit
Wappen druckte; v.d. Oelsnitz, a.a.O., S. 11.
Johann Daubmann, Chronica. Kurtzer Auszzug der Preussiachen
Chronicken, Konigsberg 1566; als Film im Besitz des Verf. ;j
(Kaapar Hennenberger), Kurtze und einfeltige Beschreibung, al-
ler Hohemeister Deutsches Ordens S. Mariae, des Hospitals zu .j
Jerusalem, etc., Konigsberg 1584.
Caspar SchUtz, Historia rerum Prusaicarum, Zerbat 1592.
Matthaus Waissel, Chronica Alter Preusscher, Eifflendischer,
und Curlendischer Historien, Kdnigsberg 1599.
38) Die spater zugefllgte Kolorierung iat nicht berUcksichtigt; mir t
lag vor das, wenn auch flUchtig, so doch geschmackvoll kolo- ч
rierte Exemplar der Staats- und Univeraitatsbibliothek Gottin¬
gen, H.Pruss. 10.
39) Allerdings lehnt sich SchUtz ganz an die von Daubmann ausge-
hende Wappenreihe an. Abweichungen in der Schildwachterzeich-
nung finden sich bei den Hochmeistern Nr. 11 (Hohenlohe): die
Schildwachter, die bei Daubmann keine Personen sind, entspre-
chen hier denen von Nr. 23 (U.v. Jungingen) bei Daubmann; Nr,
10 und 12 (Feuchtwangen) entsprechen sich untereinander und
haben Daubmann Nr. 10 als Vorlage; ahnlich ist es bei Nr. 22
und Nr. 23 (Jungingen) = Daubmann Nr, 22, Nr. 24 und Nr. 29
(Plauen) = Daubmann Nr. 29, Nr. 27 und Nr. 28 (Erlichshausen)
= Daubmann Nr. 27. Die Schildwachter bei SchUtz, die zu Nr. 18
(Dusemer) bei Daubmann keine Personen sind, entsprechen denen
von Nr. 6 (Osterna) bei SchUtz. Nr. 34 hat keine Schildwachter,
dafUr aber Herzog Albrecht in RUstung als Ganzportrat. Des (5f-
teren sind die Zeichnungen der Schildwachter seitenvertauscht,
ein Zeichen, dafl bei der Heratellung nicht immer an die Umkeh-
rung des Stockee beim Druck gedacht wurde. Die Wappenzeichnun-
gen entsprechen alle der Daubmannachen Reihe. Vielleicht hat
jedoch nicht Daubmann, sondern Hennenberger als Vorlage gedient,
- 203 -
S. 42-43
da eine der beiden Barstellungen, die SchUtz zusatzlich zu den
Wappen hat (fol. 19a einen Hochmeister in HUstung mit Ordens-
schild und fol, 49a einen Samaitenpriester mit Bock, wie wir
ihn von Maletius her kennen - vgl. Abb. in SRP VII -), namlich
der Hochmeister, nicht bei Baubmann, sondern nur bei Hennen-
berger zu finden ist, dort allerdings sehr grob und nicht von
eines Schnitzers, sondern von Hennenbergers eigener Hand, wie
die Initialen CHE (Caspar Hennenberger Erlichensis) in der
rechten unteren Ecke zeigen.
40) Mir lag vor das sorgfaltig kolorierte, manchmal allerdings
auch in den Wappenfarben abweichende Exemplar der Universitats
bibliothek Bonn, PGB 5900 Rara. (Diese Chronik ist auch nicht-
koloriert ausgeliefert worden.)
41) v.d, Oelsnitz, a.a.O., Anm. 19 irrt, wenn er nur zwei Lowen
fUr Waissel angibt; in Wirklichkeit sind es drei.
42) v.d. Oelsnitz, a.a.O., S. 15.
43) ebd., S. 26 und 38. Allerdings stammt die alteste Handschrift
der JUngeren Hochmeisterchronik noch aus dem 15. Jh.; vgl.
oben S. 41.
44) v.d.Oelsnitz, a.a.O., S. 28-37.
45) Goldkreuz: SRP V, S. 61;
Lilienkreuz: ebd., S. 92;
Reichsadler: ebd., S. 92; vom Adler im Wappen der Fahne (vexil
lum) spricht bereits Busburg, in: SRP I, S. 32; doch schreibt
er, wie v.d. Oelsnitz, a.a.O., S. 32, richtig zu bedenken gibt
100 Jahre spater, ala der Adler bereits allgemein im Gebrauch
war. Gerade zu dieser Stelle der Darstellung Busburgs meint
Toeppen: "Aber auch schon bei Busburg hat der Bericht ein sa-
genhaftes Gewand angenommen." SRP I, S. 32, Anm. 2. BaB der
Adler spater verwandt wurde, kann nicht abgestritten werden,
doch laBt sich daraus die offizielle Privilegierung, um die es
hier geht, nicht ableiten; vgl. auch v.d. Oelsnitz, a.a.O.,
S. 32-34. Beda Budik, Bes hohen Beutschen Ritterordens MUnz-
sammlung in Wien, Wien 1858, S. 58-64, nimmt die Verleihung
des goldenen KrUckenkreuzes an, kann es aber erst Mitte des
14. Jhs. aus Siegeln belegen (S. 6o); das Lilienkreuz sei je-
doch eine Schopfung des ausgehenden 15. Jhs. unter Johann von
Tiefen (S. 63); die Verleihung des Reichsadlers halt er flir
sicher, da Busburg a.a.O. sie bereits erwahne (S. 60 f.).
46) So z.B. die Stuttgarter Handschrift (s. Anm. 34, a) auf fol.
25a, 27a und 54a.
47) So die bereits erwahnte Stuttgarter Handschrift, aber auch die
Brucke von Ranis (dort das Lilienkreuz schon im Wappen Her¬
manns von Salza, der Vers erst unter Konrad von ThUringen),
Baubmann und Hennenberger (nur von Ludwig von Frankreich);
Waissel hat die Verse fortgelassen.
48) v.d. Oelsnitz, a.a.O., S. 15.
49) Ich fUge jeweile die Nummer der chronistiechen
- 204 -
S. 43-47
Hochmeisterzahlung hinzu, die bekannnlich die drei Meister
Gerhard von Malberg, Heinrich von Hohenlohe und Gunter von
WUllersleben immer auslaBt.
50) Vgl. S. 40.
51) v.d. Oelsnitz, a.a.O., S. 45.
52) ebd., S. 46. Auf die Unterschiede in der Behandlung des Feldee
mit dem Ordenskreuz ist hier nicht nochmals eingegangen.
53) ebd., S. 49.
54) ebd., S. 56; vgl. auch ebd., Anm. 116.
55) ebd., S. 59.
56) ebd., S. 51.
57) ebd., S. 64 f.
58) Vgl. das Oldenburger Wappen bei J. Siebmacher, GroSes und all-
gemeines Wappenbuch, hg.v. Otto Titan v. Hefner, Bd. I, Abt.
1,1, Nurnberg 1856, S. 39 und Tafel 80.
59) v.d. Oelsnitz, a.a.O., S. 67.
60) ebd., S. 68.
61) Vgl. S. 39.
62) v.d. Oelsnitz, a.a.O., S. 72.
63) Ebenso das Exemplar von Waissel, das mir vorlag.
64) Vgl. Siebmacher, a.a.O., S. 18 f. und Tafel 26.
65) In einer Bulle Honorius III. von 1221, Jan. 21; Regest bei
August Potthast, Regesta Pontificum Romanorum I, Berlin 1847,
Nr. 6521 und bei Gaston Graf von Pettenegg, Die Urkunden des
Deutsch-Ordens-Centralarchives zu Wien, Prag 1887, S. 17, Nr.
53; Druck bei Ernst Strehlke, Tabulae ordinis Theutonici, Ber¬
lin 1869, Nr. 342.
66) DOZA, Abt. Welschland, Kart. 124/1, fol. 233; vgl. Bildbeilage
I. Fur den Hinweis danke ich auch hier herzlich dem Leiter dee
Archivs, Herrn P. Dr. K. Wieser, O.T.
66a)Vgl. Georg Dehio - Ernst Gall, Handbuch der Deutschen Kunst-
denkmaler, Deutschordensland PreuBen, MUnchen 1952, S. 373,
425 und 114.
67) Ranis, a.a.O., fol. E III; dort zuerst der Knauf und als Ab-
schlufl der Stern.
Daubmann, a.a.O., fol. у IV; dort vom Schwertknauf im Winkel
von jeweils etwa 60° ausgehend an beiden Seiten zwei romische
(lange) Kreuze.
68) Vgl. Friedrich Benninghoven, Der Orden der Schwertbrtider, Kola
1965, Abb. 47: Siegel des Ordens 1226; Heinrici Chronicon Li-
voniae VI, 4, a.a.O., S. 24.
69) SRP VII, fol. 27b; der Wortlaut Daubmanns stimmt mit dem der
Celler Chronik in diesem Abschnitt bis auf kleine sprachliche
- 205 -
S. 48-51
Abweichungen vollig Uberein.
70) Vgl. S. 44.
71) Den inhaltlichen Vergleich mit Ranis s. S. 18o f.
72) Ernst v.d. Oelsnitz, Das Landeswappen von PreuBen, in: Ostpreu-
Ben 700 Jahre deutsches Land, hg.v. Ludwig Goldstein, Konigs-
berg 1930, S. 15-17, hier S. 15.
73) In der Verwendung der Namensform "Pruflen" sttitze ich mich auf
Erich Keyser, Der Name der Pruflen, in: Altpreuflen 5, 1940, S.
9 f., wo er zu dem Ergebnis kommt: "Die vordeutsche Bevolke-
rung Ostpreuflens mufl daher ausschliefllich, wenn Verwechslungen
vermieden werden sollen, als die Pruflen benannt werden,
ein Ausdruck, der ihrem eigenen Sprachgebrauch und der Gepflo-
genheit ihrer deutechen Zeitgenossen allein gerecht wird."
ebd. S. 10.
74) S.S. 44.
75) Vgl. Otto Hupp, Wappen und Siegel der Deutschen Stadte, Heft 1s
Ostpreuflen, Westpreuflen und Brandenburg, Frankfurt/Main 1896,
S. 23 f. und Abb. auf S. 21.
76) ebd., S. 24.
77) SRP IV, S. 15; jetzt ist die neue polnische, farbig ausgestat-
tete Ausgabe zu benutzen: Joannis Dlugosii Banderia Prutenorum,
ed. Carolus G6rski, Warschau 1958; dort S. 82.
78) Litee ac res gestae inter Polonos ordinemque cruciferorum, Bd.
I, 2posen 1890, S. 206, die Aussage des Zeugen Nr. XV, "domi-
nus Albertus filius quondam Thadei, miles
) Vgl. die Genealogie bei Berthold Schmidt, Die Reussen. Genea-
logie, Schleiz 1903, Tafel 1. Den Titelhinweis verdanke ich
Herrn Dr. Lampe, Hannover.
Robert Hansel, Reussische Genealogie, Jena 1940, S. 41; vgl.
den Grabungsbericht von Berthold Schmidt, Die Ausgrabung im
Kloster Cronschwitz, in: Zs. d. Ver. f. ThUring. Gesch. u. Л1-
tertumskunde 24, 1906, S. 347-400, bes. S. 364-367, mit Figur
15.
-80 Otto Posse, Die Siegel des Adels der Wettiner Lande bis zum
Jahre 1500, Bd. 1, Dresden 1903, S. 22 und Tafel 22 f.
82) ebd., S. 29, Nr. 156; Abb. Tafel 22, Nr. 1.
83) Zu den historischen Ereignissen vgl. jeweils die Quellenstelle
der Celler Chronik, in: SRP VII, an den zitierten Stellen, so-
wie auch dort die Anmerkungen des Verf., die auf viele Dinge
eingehen, die hier nur am Rande gestreift werden konnen.
84) Zum Westpreuflenwappen s. auch unten; Literatur: v.d. Oelsnitz,
Landeswappen, S. 17; gleichlautend vom selben Verf.: Die Buch-
etaben auf der Brust des preuflischen Adlers, in: Altpreuflische
Geschlechterkunde 7, 1933, S. 33-37.
85) Zum polnischen Wappen vgl. Siebmacher, a.a.O., Bd. I, Abt. 2,
Die Wappen der auBerdeutschen Souverane und Staaten, hg.v. Ot-
- 206 -
S. 51-55 1
to Titan v. Hefner, NUrnberg 1870. Dort 1st das Wappen beechri^
ben: in rot ein gekronter, goldgewaffneter silberner Adler aitj
"Kleestengeln", die jedoch wie die Krone oft fehlen; a.a.O., 3
S. 5 u. Tafel 5. I
86) Zum litauischen Wappen vgl. ebd.; Beschreibung: in rot ein Rit«
ter auf silbernem Ross, in der Linken einen silbernen Schild
haltend, darauf ein zweiarmiges Patriarchenkreuz, mit der Reoh*
ten ein Schwert schwingend; a.a.O., S. 2 u. Tafel 4. |
87) Vgl. die Zeichnung bei v.d. Oelsnitz, Das Landeswappen, a.a.O,^
S. 16 und Die Buchstaben, a.a.O., S. 33.
88) Erich Keyser, Die Lilie als pommerellisches Wappen, in: Weich-
selland (= Witt. d. Westpreufl. Gesch.ver.) 38, 1939, S. 25 f.t/<
wo er zu dem SchluB kommt: “... daB die Lilie im 13. Jahrhun- \
dert als Wappenbild der Herzoge und Palatine des Danziger Lan»]
des gegolten hat.” ebd., S. 26. !
89) Das entspricht in der Zeichnung dem Wappen von Wolgast; die \
Farben sind nicht richtig; Siebmacher, a.a.O., Bd. I, Abt. 1,J
2: Wappen der deutschen Souverane und Lande, hg.v. Gustav A. *
Seyler, NUrnberg 1909, S. 76 u. Tafel 84.
90) In der Zeichnung handelt es sich um das Wappen der Grafschaft
GUtzkow, die Farben weichen wieder ab; ebd., S. 76 u. Tafel 83#
91) Vgl. ebd., S. 73 f. u. Tafel 69.
92) SRP VII, fol. 129b und fol. 225b, sowie die Nachweise ebd.,
Anm.
93) Beschreibung in SRP VII, ebd.
94) Karl Pagel, Die Hanse, ^Braunschweig 1963, S. 132.
95) Abdruck bei Heinrich Hunke, Hanse, Downing Street und Deutech-,
lands Lebensraum, Berlin 1940, S. 76.
96) ebd., S. 76; auch schon auf einem Wappen um 1400 ist der halbe
Doppeladler und der gekronte Stockfisch vorhanden; ebd., S. 76,
Die hier besprochene Zeichnung und Farbgebung ist aus der glei«
chen Zeit noch ofter nachweisbar fUr die Bergenfahrerkompagniei
das Kontor selber soli die Schildhalften vertauscht gefUhrt ha-
ben; vgl. Friedrich Bruns, Die LUbecker Bergenfahrer und ihre
Chronistik, Berlin 1900, S. CXV f. u. Anm. 4.
97) Karl Pagel, Die Hanse, Oldenburg o.J. (1942), Karte auf dem
Innendeckel.
98) Fol. 57a.
99) Fol. 75b.
100) Fol. 67a und 80a.
101) Fol• 93b - 96b, bee. fol. 94b und 95b.
102) Fol. 87b.
103) Fol. 12b.
104) Fol. 13b.
- 207 -
ь S. 55-59
‘105) Vgl. SRP VII, fol. 14b, Anm.
;i06) Pol. 48a.
107) Pol. 79a.
106) tfber den Taufvorgang vgl. SRP VII, fol. 79» sowie zur Person
Butawts meine AusfUhrungen zu Schondochs Gedicht ’’Per Litau-
erM, SRP VII, teilweise wiederholt in Preufienland 3, 1965»
S. 26 f.
109) Pol. 98b.
110) Zur Buchmalerei im 16. Jh. und ihren BerUhrungen mit Preuflen
▼gl. Iselin Gundermann, Untersuchungen zum GebetbUchlein der
Herzogin Dorothea von PreuBen, Kc51n 1966.
^111) Fol. 113Ъ.
'112) Hartmann Schedel, Buch der Cronicken und gedeehtnus wirdigern
г geachichten, Ntlrnberg 1496, fol. у III b.
113) Vgl. SRP VII, fol. 115b ff.
|114) Fol. 179a.
115) Fol. 185b.
116) Beschreibung und Abdruck dee Bildea bei Walther Hubatsch,
Deutachordenachroniken im Weichaelland, in: Oatdeutache Mo-
natshefte 22, 1956, S. 713-718, hier S. 718.
117) Fol. 106a.
f118) Fol. 171a.
hl9) Fol. 176b.
1120) Fol. 189a,• vgl. Ann. 137.
1121) Fol. 190a.
122) Fol. 191a.
*123) Fol. 205b; vgl. dazu SRP VII, fol. 204b ff. und die Beilage
dort.
124) Fol. 219a.
125) Fol. 224a.
126) Vgl. oben S. 56.
127) Zu diesem Begriff vgl. die AusfUhrungen von Fritz Ernst, Zeit-
geechehen und Geschichtsschreibung, in: Welt als Geschichte
17, 1957, S. 137-189, bes. S. 138 f.
128) Kurt Forstreuter, Landkarten als Quelle zur Baugeschichte, in:
AltpreuBische Forschungen 11, 1934, S. 188-196, hier S. 188.
129) Polo 39a.
130) Vgl. SRP VII, fol. 38b - 39a.
131) Vgl. dazu Friedrich Lahrs, Das KBnigeberger SchloB, Stuttgart
1956, bes. die Tafeln 42 u. 46.
208
\
S. 59- 61
132) Pol. 57a.
133) Otto Gttnther, Ein Stttckchen Danzig im Jahre 1553, in: Mitt. d.
WestpreuB. Gesch.ver. 11, 1912, S. 63-65. Ihm lag die Berli¬
ner Handschrift vor, doch konnen wir seine Ergebnisse auf-
grund der Verwandtschaft beider Chroniken Ubernehmen. Vgl.
Bildbeilage II.
134) Pol. 72a.
135) Pol. 197b.
136) Otto GUnther, a.a.O., S. 65, Anm. 3; vgl. auch Willi Drost,
Kunstdenkmaler der Stadt Danzig 1: St. Johann, Stuttgart 1947}
Drost vermutet als ersten Bau fUr St. Johann eine Basilika
mit stark Uberhohtem Mittelschiff bis zur Zeit der Wolbung
1463-65. Dem konnte ипэег Bild entsprechen. Doch ist nicht
anzunehmen, daB der Zeichner eine etwa 100 Jahre alte Yorlage
hatte, so daB es sich hier urn die Zeichnung Meiner Kirche"
handeln mufi; vgl. Drost, a.a.O., S. 15 u. 21.
137) S. o. S. 57; zur Kleidung jenes letzten Bildes sei noch ge-
sagt, daB Albrecht als bereits Belehnter die Riistung tragen
darf, Georg noch nicht. Unter diesem Aspekt ist auch die Klei¬
dung Albrechts fol. 179a (s.o. S. 56) zu sehen, da er zu dem
Zeitpunkt noch nicht belehnt war. Den Hinweis verdanke ich
Herrn Dr. Stephan Dolezel, Marburg.
138) Pol. 167b.
139) Pol. 194a.
140) Fol. 199b.
141) Pol. 200a.
142) Pol. 203b.
143) Jodocus Ludovicus Decius, De Sigismundi regie temporibus li¬
ber, Titelbild, in: Decius, Contents, an: Matthias de Miech6w,
Chronicon Polonorum, Krakau 1521; dieselben ZUge tragt Sigis-
mund im Pamilienstammbaum, den Decius seinem Werk De Jaggel-
num familia liber, ebd., beigab. Vgl. Bildbeilagen III и. IV.
144) Inventar des Schlosses Konigsberg 1568, Ehem. PreuB. Geh.
Staatsarchiv Berlin-Dahlem, jetzt Deutsches Zentralarchiv II
Merseburg, Brandenburg-PreuB. Hausarchiv Rep. 42 I К No. 1-2.
Fur den Hinweis darauf und die Erlaubnis zur Einsichtnahme in
ihre Aufzeichnungen danke ich auch hier Prl. Dr. Gundermann,
Bonn.
145) Pol. 71b: preuB. Schilling;
fol. 74a: preuB. Groschen;
fol. 76b: Pfennig und Schotter;
fol. 86b: preuB. Gulden; jeweils beidseitig.
146) P.A. Vofiberg, Gesch. d. preuB. Mlinzen u. Siegel von frlihester
Zeit bis zum Ende der Herrschaft des Deutschen Ordens, Berlin
1843, S. 81 f. - Dietrich von Altenburg hat keine Schillinge
oder auch nur andere MUnzen vom rr.ehrfachen Wert des einfachen
Ordenspfennigs gepragt. Nach einer freundlichen Mitteilung
- 209 -
S. 61-64
von Herrn Dr. G. Meinhardt, Gottingen.
147) Pol. 75b, 77a, 83a.
146) Pol- 101a, 105a.
149) Eygentliche Beschreibung Aller StSnde auf Erden ..., Frank-
furt/Main 1568, Faks.-Druck MUnchen 1896, ohne Vorrede Leip-
zig I960.
150) Pol. 111b; Druck bei Walther Hubatsch, Deutschordenschroniker
im Weichselland, a.a.O., S. 715.
151) S.o. S. 57.
152) Pol. 58b.
to) Pol. 65a.
155) Pol. 67a.
Ьб) Pol. 80a.
|57) Pol. 120a.
158) Pol. 198a.
159) Pol. 200b.
160) Pol. 199a.
161) Pol. 110b. •>
162) Pol. 63a.
163) Vgl. Wolfgang Stemmier, Der Totentanz, MUnchen 1948, S. 26 u.
Anm. 57 u. 59 mit Lit.; Hellmut Rosenfeld, Der mittelalterli-
che Totentanz, MUnster 1954, S. 10-14.
164) Pol. 51h.
J65) Pol. 52b.
|66) Pol. 93b-96b.
W) Pol. 119b.
168) Vgl. Alexander Goette, Holbeins Totentanz und seine Vorbil-
der, StraBburg 1897; dort auf Tafel II als Nr. 41 die Spie¬
ler, Nr. 42 die Saufer. Sie sind zuerst in der 5. Aufl. ent-
halten, die in Lyon 1545 gedruckt wurde.
169) Vgl. die Sauferszene in: Bartholomaeus Gribus, Monopolium
philosophorum, vulga die Schelmenzunft, in: Directorium Sta-
tuum seu verius tribulatio eeculi (StraBburg, nach 1489, Okt.
25), fol. e2; der Text auch bei Friedrich Zarncke, Die deut-
schen Universitaten im Mittelalter, Leipzig 1857, S. 61-66;
Bildbeilage V dieser Arbeit.
170) Die Vorbilder im Alphabet, 1524 zum erstenmal gedruckt, sind
die Buchstaben T (Saufer) und X (Spieler). Wie im groflen To¬
tentanz sind sie jedoch weniger als Todesdarstellung denn als
Darstellung der Leidenschaft von Trunk und Spiel gedacht.
Goette, a.a.O., S. 172, 187, 189 f. und Tabelle 5 auf S. 284
- 210 -
S. 65-66 |
sowie bes. S. 257 (SfeLufer) u. S. 273 f. (Spieler). j
171) Eine eingehende Betrachtung unter diesem Gesichtspunkt kann 1
hier leider nicht angestellt werden; doch ware es eine inter-
essante Pragestellung unter Heranziehung weiterer illustrier-:
ter Quellen dieser Zeit.
172) Paul Gehrke, Per Geschichtsschreiber Bartholomaus Wartzmann
im Kreise seiner Abschreiber, in: ZWG 41, 1900, S. 1-138, j
hier S. 59-72; dort sagt er Uber jene Chronik: MSie ist so-
wohl wegen mancherlei Besonderheiten als auch wegen der Per¬
son des Autors die interessanteste unter alien Chroniken, die
mir vorgekommen sind." (S. 59 f.) Zu diesen Besonderheiten
zahlen "die vielen bunten Bilder, die oft sehr realistisch
und komisch dargesbellt sind." (S. 70) Weitere Bemerkungen zu
dieser fUr ihn an erster Stelle stehendenBesonderheit macht
er nicht.
173) Diese Forderung erhob ftlr die Abbildungen auch Friedrich Pan¬
zer, Vom mittelalterlichen Zitieren, in: Sitz.berr. d. Hei-
delberger Ak. d. Wise., Phil.-hist. Kl. 1950, dabei vom Bei-
spiel der Troubadour-Hss. ausgehend: "Wie der Text eines
dichterischen Oder prosaischen Sprachwerkes nur durch Abschrei
ben von Exemplar zu Exemplar vervielfaltigt werden konnte, da
noch keine Moglichkeit mechanischer Wiedergabe erfunden war,
so gilt gleiches fttr die illustrierten Hss. Demgemafi treten
auch sie wie die reinen Textschriften zu Kreisen zusammen und
ermoglichen infolge haufiger tibereinstimmung in Ungenauigkei-
ten der Nachbildung die Aufstellung von Stammbaumen. ... Es
ist zu bedauern, dafl in den philologischen Untersuchungen in
Deutschland wie in Frankreich, dort z.B. bei den illustrier¬
ten Troubadourhss., fUr die Festlegung des Hss.-verhaltnisses
die Untersuchung der Bildwiedergaben vielfach Uberhaupt nicht
Oder ungenttgend herangezogen wurde, obwohl man bei den illu¬
strierten Troubadourhss. z.B. bfter an den Bildern schon aue
der Entfernung erkennen kann, was zusammengehdrt oder was
nicht." a.a.0., S. 29 f.
Kapitel III:
1) Dies stellte anhand von Kletke bereits Hubatsch fest. Vgl.
Hubatsch, Zur altpreufl. Chronistik, S. 442 und Karl Kletke, /
Die Quellenschriftsteller zur Geschichte des Preufiischen
Staats, Bd. 1, Berlin 1858, S. 102-105.
2) Gehrke, a.a.0., S. 60-63. Sein Argument der zweimaligen Er-
wahnung Redens anlaBlich des Kbnigsbesuches in Danzig 1552
spricht nicht fUr R. als Verf., da diese Schilderung Ubernom-
men wurde aus einem umfangreicheren Bericht eines anderen
Verf.; vgl. Otto GUnther, Vom Konigsbesuch in Danzig 1552,
in: MWG 15, 1916, S. 23-27 und den Wiederabdruck in SRP VII,
Beilage zu fol. 204a ff. Der Schriftvergleich und die Haus-
marke dlirften trotzdem Gehrkes Annahme von der Autorschaft
Redens zur GenUge stUtzen.
- 211
S. 66-72
5) Eine kurze Beschreibung bereits bei Kletke, a.a.O., und in
SHP VII.
4) Vgl. Кар. II, Anm. 5.
5) S. Bildbeilage YI; eine Beschreibung erUbrigt sich also.
6) Gehrke, a.a.O., 5. 62.
7) SRP VII, VorstoB.
8) Vgl. Gehrke, a.a.O., S. 61 f.; Bildbeilage VII.
9) Ab hier in Blei, wobei nicht sicher gesagt werden kann, ob es
eich um dieselbe Hand handelt.
10) SRP VII.
id Paul Simson, Der Artushof in Danzig und seine Briiderschaften,
die Banken, Danzig 1900, S. 17 ff. und S. 305 ff. Erich Key-
eer, Die Entstehung des Danziger Artushofes, in: MWG 25, 1926,
S. 72-78, setzt sie um 1380 an; a.a.O., S. 77 f.
.12) Z.B. fol. 151a - 152b.
15) Briquet, a.a.O., Bd. Ill, S. 504 f. und Nr. 9613 f.
H) Die Verwandtschaft erkannte bereits Gehrke, a.a.O., S. 65.
15) Briquet, a.a.O., Bd. IV, S. 626 und 633 sowie Nr. 12.632.
16) ebd., Bd. Ill, S. 462 und die Nr. 8.646 und Shnliche.
17) ebd., Bd. IV, S. 803 und Nr. 15.950.
18) Aufgefiihrt werden nur die differierenden Wappen; es wird wie-
der die chronistische Hochmeisterzahlung verwandt; vgl. S. 43,
Anm. 49.
19) S. S. 44.
19a) S. S. 44.
20) S. S. 44 f.
21) v.d. Oelsnitz, Herkunft und Wappen, a.a.O., S. 57.
22) S. S. 45.
25) Vgl. v.d. Oelsnitz, a.a.O., S. 65 f.
24) S. S. 46.
25) Vgl. in C fol. 89b, in Reden fol. 89b und 90b.
26) S. S. 46.
27) Nrr. 2, 9, 11, 18, 19, 33.
28) Nrr. 17, 22.
29) Nrr. 3, 5, 6, 8, 24, 25.
50) Nr. 25.
jj|1) S. S. 48 f.
92) 8. S. 50.
212
8. 72-81
vj
Ч
33) S.
34) S.
35) S.
S.
S.
50.
51 mit Anm.
86.
S. 51.
36) Vgl. Bildbeilage VIII.
37) S. S. 59.
38) S. S. 60 f.
39) Vgl. Кар. II, Anm. 145.
40) Vgl. SRP VII, fol. 74a.
41) ebd., fol. 86b.
42) An sich konnte man einfach auf den Lesartenapparat in den SRP
VII verweisen, doch geht es hier um eine moglichst eindeutige
Beweisfuhrung, die durch eine GegenUberstellung erleichtert
wird •
43) Fol. 1b.
44) Fol. 2a.
45) Fol. 2b.
46) Fol. 4b.
47) Fol. 3a.
48) Fol. 4b - 5a.
49) Fol. 18a.
50) SRP VII, Register.
51) Eine Stelle allerdings ist mir noch nicht klar geworden: fol,
168a berichtet C von den Danziger Unruhen 1525 (SRP VII): ”da-
runter war mit namen Peter Konig, ein grobschmidt, der war
principal in der sachen." Statt dessen hat Reden: "Darunter
war mit namen (durchstrichener Name) und Peter Konig, ...и Бег
durchstrichene Name bei Reden war unter der Quarzlampe als
"C.... von Suchten” zu erahnen. Wie kam Reden an diesen Namen,
C aber nicht? Wurde er in X getilgt, nachdem Reden fertig war
(spater ebenfalls in Reden), so dafi er fUr C nicht mehr lesbar
war? Interessant ist, daB Spatte an dieser Stelle ebenfalls
Cordt von Suchten nennt. Vgl. SRP V, S. 556, Anm. 1 und Gru-
nau II, S. 781, Anm. 1. Woher kannte er den Namen?
52) S.o. S. 72.
53) S.o. S. 65.
54) Maschke, Quellen, a.a.O., S. 29.
Kapitel IV:
1) FUr die biographischen Angaben zur Person Redens stUtze ich
mich, wenn nicht anders angegeben, auf Gehrke, Wartzmann, S.
62-69.
- 213 -
S. 81- 86
2) Gehrke, a.a.O., S. 61-63.
3) SRP VII, fol. 205b, 206a.
4) Ale Mindestalter fUr den Erwerb dee BUrgerrechts macht Rolf
Walther, Die Danziger Btfrgerschaft im 18. Jh. nach Herkunft
und Beruf, in: ZWG 73, 1937, S. 63-170, bier S. 74, das voll-
endete 21. Lebensjahr wahrscheinlich. Zwar etUtzt er sich auf
Falle des 18. Jhs., doch haben die verschiedenen Danziger Will
ktiren dazu keinen ausdrUcklichen Artikel, weshalb die Verhalt-
nisse bis ins 15. Jh. zurtick tfbertragen werden dtfrfen; vgl.
Paul Simson, Geschichte der Danziger Willklir, Danzig 1904.
5) Vgl. Paul Simson, Danziger Inventar 1531 - 1591 , Mtlnchen 1913,
Nr. 2094, von 1548, Marz 16, falls die Gleichsetzung des Chro-
nisten mit jenem Danziger Heinrich von Reden gerechtfertigt
ist. Ein weiterer bei Simson im Register ausgeworfener Hein¬
rich Reden ist nicht aufzufinden. Ob der zu 1571, Sept. 3 an-
gefUhite Jakob von Reden Danziger Blirger war, lafit sich nicht
feetstellen; ebd., Nr. 5954.
6) Uber Dietrich v.R. vgl. Forstreuter, Vom Ordensstaat zum Fur-
etentum, Kitzingen (1951), S. 124 f.
7) Die Bestimmung, dafi man nach dem Erwerb des BUrgerrechtes
"bynnen jaer und thage sich elich beweyben" soli, kam erst
nach 1455 auf; vgl. Simson, WillkUr, S. 33.
8) ebd., S. 90.
9) Danziger Stadtbibliothek, Ms. 1047, fol. 27a ("Insignia genti-
litia Czierenbergiana cognatorum et agnatorum").
Ю) Festgestellt von Gehrke, Wartzmann, S. 63 und von ihm u.a. als
Indiz fUr die Zuweisung der Chronik an Reden henutzt.
11) Vgl. o. S. 66.
12) Kuhnert, Staatsbibliothek, S. 257: "Die Zusammenstellung der
an einem Ort verwendeten Einzelstempel, Rollen und Platten,
ihre Zuweisung an bestimmte Meister und ihre zeitliche Festle-
gung bildet das Fundament einer methodischen einbandgeschicht-
lichen Forschung. Ehe diese Grundlage nicht geschaffen ist,
kommen alle Versuche, die Dekorationen verstreuter Bande zu
lokalisieren, ihre Initialen und Monogramme aufzulosen, nicht
viel Uber ein Ratselraten hinaus." Solche Vorarbeiten fehlen
jedoch fast vbllig.
13) S.o. S. 59; was dort fUr Handschrift X gesagt wurde, kann eben
falls fUr Reden gelten.
14) GUnther, Ein StUckchen Danzig, S. 64.
B) y.d. Oelsnitz, Die Buchstaben.
i() Vgl. die Abb. eines Gobelins aus Arras bei Eugeniusz Golebi-
* owski, Zygmunt August, Warschau 1962, nach S. 240. Den Titel-
Ь hinweis verdanke ich Herrn Dr. Stephan Dolezel, Marburg. Deut-
lich wird die Auffassung als Personalwappen auch in Martin
Cromer, De origine et rebus gestis Polonorum, Basel 1555, S.
674: das Bild Sigismunds I. tragt sein Wappen, wobei ein
- 214
S. 86-90
echwarzes A dem S beigegeben let, da er berelte einen Nachfcl-
ger hatte; vgl. Bildbeilage IX#
17) S.o. S. 37.
Kapitel Ys
1) SRP VIIf fol. 227a.
2) J. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 87 und Ofter#
3) Ms. 1285, fol. 412a.
4) Grunau III, S. 281.
5) S.o. S. 20-22.
6) S.u. S. 116 ff.
7) Vgl• z.B. seine Grunau-Bewertung im nachsten Kapitel S. 115.
8) Sie stellt ofter hinter den Bericht eines Vorgangs einen zwei-
ten, mit den Worten beginnend: "Ein ander Cronica aber eagt.,.*
Dariiber demnachst an anderem Orte.
9)
SRP VII, fol. 3a
- 9a.
10)
Dusburg 1.
Ill, c
. 4.
11)
SRP VII, fol. 8b
- 9a.
12)
ebd.,
fol.
9b.
13)
ebd.,
fol.
9b - 1
2a.
u)
ebd.,
fol.
12a -
19b.
4
15)
ebd.,
fol.
19b -
20b.
■4
16)
ebd.,
fol.
20 В -
26b.
j
i
17)
ebd.,
fol.
26b -
51a.
i
18)
ebd.,
fol.
27a -
b und fol# 38a#
19)
Dusburg,!.
III, c.
221 .
20)
SRP VII, fol. 51b
' - 53a.
21)
ebd.,
fol.
56a -
57a.
A
22)
ebd.,
fol.
57a -
59a.
23)
ebd.,
fol.
60a -
62a.
bl
24)
ebd.,
fol.
62b.
25)
ebd.,
fol.
80a.
i!
26)
ebd.,
fol.
80b.
27)
ebd.,
fol.
93a -
97a.
28)
ebd.,
fol.
82.
29)
ebd.,
fol.
83b -
84a.
- 215 -
S. 90-94
,) Vgl. Paul Roth, Die Reuen Zeitungen in Deutschland im 15. und
16. Jh., Leipzig 1914/1963, Einleitung, Ъез. S. 1.
31)
SRP
VII, fol. 98b
- 105a.
CM
ebd.
, fol. 105b -
106b und 108b - 109a.
33)
S.u.
S. 106.
34)
SRP
VII, fol. 110a
. - 111a.
35)
ebd.
, fol. 110a.
36)
ebd.
, fol. 111.
37)
ebd.
, fol. 112a.
38)
ebd.
, fol. 113a -
146a.
39)
Vgl.
z.B. die Jlingere Hochmeisterchronik,
40) Vgl. den Bericht liber einen Vortrag von H. Boockmann liber den
Deutschen Orden und die Stande in PreuBen, gehalten auf der
Tagung der Historischen Kommission flir ost- und westpreuBische
Landesforschung 1965 in Bremen, in: PreuBenland 5, 1965, S.44f.
41) SRP VII, fol. 119b - 120b; vgl* dazu Arno Schmidt, Deutsche
Biernamen in AltpreuBen, in: Zs. f. Volkskunde 47, 1938, S.
166-166.
42)
SRP VII, fol. 126a.
43)
obd.,
fol.
130b -
132a.
44)
ebd.,
fol.
137b.
45)
ebd.,
fol.
132b -
134a.
46)
ebd.,
fol.
136b -
137a.
47)
ebd.,
fol.
14oa.
48)
ebd.,
fol.
146b -
152b.
49)
ebd.,
fol.
152b -
154a.
50)
ebd.,
fol.
154a -
156b.
51)
ebd.,
fol.
157.
52)
ebd.,
fol.
160a.
53)
ebd •,
fol.
160b -
161b.
54)
ebd.,
fol.
163a -
166b.
55)
ebd.,
fol.
168a -
179a.
57)
ebd.,
fol.
179b -
188b.
58)
ebd.,
fol.
188b -
191a und ofter
59)
ebd.,
fol.
200a -
202b.
60)
ebd.,
fol.
204b -
226a.
61)
So Toeppen
, Historiographie, S.
mann,
ihm ,
folgend
Kletke, a.a.O.
flir Wartzmann und Mel*
216
S. 94-100
62) Wax Perlbach in der Vorbemerkung S. VI au Grunau I; dazu s.u.
S. 168-170.
63) S.u. S. 100.
64) Als fast richtig bezeichne ich Abvelchunaen von ein Oder zwei
Jahren, da oftmais die genauen Grttndungedaten aloh nleht feet-
stellen lassen.
65) SHP VII, fol. 1a - 9a.
66) ebd., fol. 19b - 20b.
67) ebd., fol. 60a - 62a.
68) Grunau I, S. 474, Anm. 2.
69) SHP VII, fol. 60a, Anm.
70) ebd., fol. 63b.
71) Orunau I, S. 15.
71a) Vgl. den Gesamtkatalog der Wiegendrucke, Bd. 4, Leipzig 1930,
S. 224-229, bes. die Nrr. 4391 und 4392. Die Ansicht Perlbache,
Grunau habe eine Ausgabe von 1521 benutzt, beruht auf der fal-
schen Aufldsung des Druckdatums der Ausgabe von 1500: "Anno
domini. M.CCCCC.XXI. mensis Septembris." Vgl. Grunau I, S. 15,
Anm. 1•
72) SHP VII, fol. 75a. BewuBt wurden die frtthen Partien der Chro-
nik ausgewahlt, um die ordensfeindliche Tendenz an Stellen zu
zeigen, die nicht so offenkundig wie in den Berichten Uber daa
15. Jh. Sind, so z.B. fol. 110, 130b - 132a und bfter.
73) SRP VII, fol. 71b - 72a.
74) ebd., Anm.
75) PreuBisches Urkundenbuch, Bd. IV, hg.v. Hane Koeppen, Marburg
I960, Nr. 469 von 1349, Nov. 15.
76) SRP VII, fol. 74.
77) SRP III, S. 149.
78) SRP VII, fol. 75b.
79) VoBberg, a.a.0., S. 81.
80) Codex diplomaticus Warmiensis, hg.v. Carl Peter Woelky, Mainz/
Braunsberg I860 ff., Bd. I, Nr. 313 von 1340, Nov. 15 und Bd.
II, Nr. 101 von 1348, Pebr. 14.
81)
SRP
VII, fol.
oo
82)
Grunau I, S.
643,
Anm
83)
SRP
VII, fol.
83,
Anm
00
ebd
•, fol. 86
•
in
GO
S.u
. S. 112,
Anm.
6.
86) So z.B. SRP VII, fol. 124a - 125a, 130a - 132a und after.
87) SRP VII, fol. 166b ff.
% S. 100-104
66) Abgedruckt in SRP VII.
W) ■Dyese kronyca meldet von dem herkommen und anfang des dutczen
ordens der kreutzherren und irer regyrung im lande czu preu-
een", Ns. 1285 der Danziger Stadtbibliothek. Daft es eich um
eine altere Form handelt, zeigen die EinschUbe, die Chronik
Celle am Anfang aufweist; vgl. u. S. 120 f.
50) SRP VII, fol. 188b - 189a.
tf) Mb. 1285, fol. 584a.
92) SRP VII, fol. 195a.
13) ebd., fol. 193; gektlrzt in Ms. 1285, fol. 397a.
94) ebd., fol. 194a.
95) ebd., fol. 195a.
96) ebd., fol. 196a; hier eine Zusammenfassung des ganzen Vorgangs
gegentlber Einzelnachrichten ohne viel Inhalt in Me. 1285, fol.
403a.
97) SRP VII, fol. 196b - 197a.
$8) ebd., fol. 197a.
99) ebd., fol. 197b; gektlrzt zu 1543 in Ms. 1285, fol. 409a.
100) ebd., fol. 197b.
101) ebd., fol. 197b - 198a; gektlrzt in Ms. 1285, fol. 409a.
102) ebd., fol. 198a.
103) ebd., fol. 198b.
104) "Cronica des landes Bruthenia", Ms. 1290 der Stadtbibliothek
Danzig.
103) Gehrke, Wartzmann, S. 30 ff. -und J. Dworzaczkowa, a.a.0., S.
88; Beschreibung der Handschrift bei Otto Gtlnther, Katalog
der Danziger Stadtbibliothek, Bd. II, Danzig 1903, S. 220 f.
106) Ms. 1290, fol. 269b ff.
107) SRP VII, fol. 199b - 200a.
.106) ebd., fol. 200a - 202b.
109) ebd., fol. 202b - 203a.
110) Ms. 1290, fol. 279a - 286b.
111) Gtlnther, KSnigebesuch, S. 25.
112) Vgl. z.B. Perlbach in der Vorbemerkung zu Grunau I, S. V: "Es
ч. liegt auf der Hand, daft ein solcher Schriftsteller auch nicht
щк den geringsten Glauben verdient, wenn er alleine eine unver-
H btlrgte Nachricht Uberliefert."
■13) Das beklagt auch J. Dworzaczkowa, a.a.0., S. 11; allerdings
Hf war ihr die Arbeit von Heinrich Schmidt, Die deutschen Stad-
W techroniken als Spiegel des btirgerlichen Selbstverstandnisses
im Spatmittelalter, Gottingen 1958, nicht bekannte
218
S. 104-110
114) Auf eine Auseinandersetzung mit dera zweiten Teil der Arbeit
von J. Dworzaczkowa muВ verzichtet werden, gabe eine entspre-
chende ausftihrliche Untersuchung stadtischer Chronistik doch
Stoff genug fUr eine weitere Arbeit.
115) Vgl. dazu Boockmann, a.a.O., S. 114 f.
116) U. Arnold, Beitrage zum Verfasserlexikon, S. 145.
117) Die Parallele zeigt sich im Braunschweiger Bericht "Machina-
tio fratrum minorum" aus dem Ende des 13. Jhs.; vgl. Bernharr
Menke, Geschichtsschreibung und Politik in deutschen Stadten
des Spatmittelalters, in: Jb. d. Kdln. Gesch.ver. 35, 1958, 1
S. 1-84 und 34/35, I960, S. 85-194; hier S. 78. Auch dieae .J
Arbeit blieb J. Dworzaczkowa unbekannt. ,.jj
119) Zu diesem Ergebnis gelangt fttr Koln auch Menke, a.a.O., S. -J
59 f. *
120) Menke, a.a.O., S. 84.
121) Die "Weverslaicht" aus der Zeit von 1371 - 1396; vgl. Menke,
S. 12.
122) Es sei nur an Falks und Hennenbergers zahlreiche Abschriften
und Exzerpte erinnert, die sie entweder selbst anfertigten
Oder besorgen lieGen.
123) Wolfgang Stammler, Die deutsche Hanse und die deutsche Lite-
ratur, in: Hans. Gesch.bll. 45, 1919, S. 35-69, hier S. 55.
124) So Paul Joachimsen, Geschichtsauffassung und Geschichtsschrei-
bung in Deutschland unter dem EinfluG des Humanismus, Leipzig
1910, S. 16.
125) Hermann Freytag, Der preuB. Humanismus bis 1550, in: ZWG 47,
1904, S. 43-64, hier S. 53-56.
126) U. Arnold, Bartholomaus Wartzmann, in: APB. Auf den Kreis, ir.
dem die stadtische Chronistik entstand, sei hier nicht weiter
eingegangen; er verdiente gesonderte Untersuchung. Anhand su-
detendeutscher Chroniken unternahm diesen Versuch mit recht
interessanten Ergebnissen Emanuel Schwab, Einiges liber das
Wesen der Stadtechronistik. Mit besonderer BerUcksichtigung
der Sudetendeutschen, in: Archiv ftir Kulturgeschichte 18,
1928, S. 258-286, hier S. 271-278; die Arbeit blieb J. Dwor¬
zaczkowa ebenfalls unbekannt.
127) Paul Gehrke, Das Ebert-Ferber-Buch und seine Bedeutung fUr
die Danziger Tradition der Ordensgeschichte, in: ZWG 31, 1892.
128) Vgl. Menke, a.a.O., S. 11 und after.
129) Paul Joachimsohn, Die humanistische Geschichtsschreibung in
Deutschland I: Sigismund Meisterlin, Bonn 1895, S. 159-167.
130) Diese Unterscheidung trifft nicht H. Schmidt, a.a.O.; er geht
nur auf den Ort der Entstehung ein, wenn er die Stadtechroni-
ken als "Chroniken und Annalen deutscher BUrger des 13. bis
15. Jahrhunderts" - damit den zeitlichen Rahmen seiner Arbeit
absteckejid - bezeichnet; a.a.O., S. 141. Darin steht er vdllig
- 219 -
S. 111-115
auf der Basia der Edition der Chroniken der deutschen Stadte;
jene Chroniken mliBten ebenso wie Schmidts Arbeit zu einer dif-
ferenzierten Darstellung jener Problematik, die vom Inhalt und
nicht nur vom Entstehungsort ausgeht, untersucht werden.
Jtapitel Vis
1) Panzer, a.a.O., S. 20, mit Literatur.
2) SHP VII, fol. 1a.
3) ebd., Beilage 1.
4) ebd., Beilage 2.
5) Grunau I, S. 55 f.
6) So z.B. der Bericht liber den Ketzer Leander, Grunau I, S. 674
ff.; vgl. A. Triller, Haresien in AltpreuBen urn 1390?, in:
Studien zur Geschichte des PreuBenlandes, Fs. f. Erich Keyser,
hg.v. E. Bahr, Marburg 1963, S. 397-404, hier S. 404.
7) Toeppen, Historiographie, S. 180.
8) J.W.A.v. Tettau, tlber die Glaubwllrdigkeit der Chronik des Si¬
mon Grunau, in: Beitrage zur Kunde PreuBens, N.F. 1, 1837, S.
7-56, hier S. 15. Ahnlich auch Toeppen, a.a.O., S. 180 u. after.
9) Hubatsch, Zur altpreuBischen Chronistik, S. 443; J. Dworzacz-
kowa, a.a.O., S. 117, Stemma.
Ю) Gehrke, Wartzmann, S. 47.
id j. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 112-114, bes. S. 118.
12) ebd., S. 114.
13) Theodor Wotschke, Herzog Albrecht und die preuB. Chroniken,
in: АРМ 49, 1912, S. 525-532.
H) Gehrke, Wartzmann, S. 48.
15) Wie J. Dworzaczkowa auf 1529 kommt, ist mir nicht klar gewor-
den; a.a.O., S. 114.
16) Das deutet auch J. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 118 an.
17) Grunau I, S. 5.
18) ebd., S. 59-65.
19) SRP V, S. 596.
20) Max Perlbach, Die altere Chronik von Oliva, S. 66 f.; an die-
eem Ergebnis andern auch nichts die Beitrage von Theodor
Hirsch, tlber eine Handschrift zur alteren Geschichte PreuBens
und Livlands, in: HZ 28, 1872, S, 209-221 sowie Walther Fuchs,
Peter von Dusburg und das Chronicon Olivense, in: АРМ 21,
1884, S. 193-260 und 421-484 und ders., Zu Peter von Dusburg
und dem Chronicon Olivense, ebd., Bd. 23, 1886, S. 405-434.
- 220 -
S. 115-11
21) Dies Ubernimmt aus dem Quellenverzeichnis Davids bereits Job*
ChristophVolbrecht, Zulangliche Nachricht von Magistri Luca*
Davidis ... Leben und Historischen Werken, in: Michael Lilien-j
thal, Erleutertes PreuBen I, 1724, Teil XXVIII; ebenso Georg
Christph Pisanski, Entwurf der preuB. Literargeschichte, hg#f*
Rudolf Philippi, Konigsberg 1886, S. 60* *
22) Joh. Voigt, Geschichte PreuBens I, Konigsberg 1827, Beilage
S. 617-631.
23) Zusammengestellt bei Toeppen, Historiographie, S. 234-236*
24) Lucas David, PreuB. Chronik, hg.v. Ernst Hennig u. Daniel
drich Schiitz, Konigsberg 1812-1817, Buch IV, Bd. 3, Konigebe
1813, S. 48.
25) Allerdings hat man oftmals den Eindruck, als sei dies auch
te gar kein allzu verpontes Verfahren!
26) David, a.a.O., Buch I, S. 9 f.
27) Karol Gbrski, Rezension zu J. Dworzaczkowa, in: Studia &r6d-
Xoznawcze 8, 1963, S. 201-203, hier S. 202.
Erasmus Stella, De Borussiae Antiquitatibus libri II, Ваве1
1518.
28)
29)
30)
Grunau I, S. 9.
Ich mochte abschlieBend einen Satz Toeppens zitieren: "Von
Christians Chronik wird nicht so leicht wieder jemand reden**'
Max Toeppen, Mitteilungen Uber die preuB. Historiographie, ini^
NPPB, N.F. 4, 1847, S. 353-381, hier S. 374. Wer wird der nttcЫ
ste sein? 4
31) Boockmann, a.a.O,, S. 110, Anm. 542. Ц
32) Zur Biographie vgl. Berthe Widmer, Enea Silvio Piccolomini. *
Papst Pius IL, Basel I960; dies., E.S.P. in der sittlichen uni
politischen Entscheidung, Basel 1963. -jj
33) G. Schwaiger, Pius II., in: L Th К ^8, 1963, Sp. 528 f., hier
Sp. 529.
34) SRP IV, S. 213-215.
35) SRP VII, fol. 2a.
36) Vgl. die Nachweise ebd., Anm.
37) Grunau I, S. 7: MEneas Silvius, nit in dem tractat, der do
stehet hindene in der cronica effigiata, in welchem er schrei-
bet von ansagen der, die do nix haben umb Preussen gewust,
adir so sie es gewust haben, sie dach ym auff ihre seite ge-
sagt haben, sundir es is ein buchlein, das nennet er liber vi¬
tae Brutenicae scilicet de miseria und ist gedrugt, webhs han-
delt von den sachen, die do vor dem keiser Priderico zugehan-
delt woren, darumb die Preussen mit hulff der Polen ire uber-
mutigen herren zu knechte gemacht haben durch ein angesagten
und gefurten krieg 12 iar lang."
38) Vgl. Porstreuter, Ordensstaat, S. 27 f.; die wichtigste Arbeit
- 221
S. 118-121
tiber Stella 1st Hans Joachim Schoenboft, Lebensgeschichte und
Geschichtsschreibung des Erasmus Stella, Diss. Konigsberg,
DUsseldorf 1938; s. dort S. 5-8, 10 u. 15 f.
39) SRP IV, S. 283-285.
40) S.o. S. 25.
41) Vgl. Schoenborn, a.a.O., S. 67-73 und Stellas Aufzahlung in
SRP IV, S. 284 f.
42) Forstreuter, Ordensstaat, 28.
43) SRP VII, fol. 2a.
; 44) Grunau I, S. 58.
J45) SRP IV, S. 286.
» 46) Vgl. Karl Boysen, Beitrage zur Lebensgeschichte des preuB. Kar-
tographen und Historikers Kaspar Hennenberger, in: АРМ 45,
1908, S. 67-135; er verweist auf den Kodex der Danziger Stadt-
bibliothek Ms. 1261, den Gunther, Katalog II, S. 182 allerdings
der Hand Hennenbergers zuweist; zur Klarung mliBten in Danzig
palaographische Studien getrieben werden.
47) Me. Boruss. fol. 248 der Deutschen Staatsbibliothek Berlin, S.
1 der Vorrede.
48) Zur Biographie vgl. Max Huber, in: NDB II, 1955, S. 403 ("Va-
ter der wissenschaftlichen Volkskunde.")
49) Erich Schmidt, Deutsche Volkskunde im Zeitalter des Humanismus
und der Reformation, Diss. Berlin 1904, S. 70 und 84.
50) Vgl. Richard Kohl, Die geistesgeschichtliche Bedeutung der
Deutschlandkapitel im Repertorium des Joannes Boemus Aubanus,
in: Zs. f. Volkskunde 47, 1938, S. 191-200.
51) Б. Schmidt, a.a.O., S. 84.
52) SRP VII, fol. 2a; in Klammern die Lesart bei Reden.
53) Boemus, a.a.O., Ausgabe 1520, fol. 48b; das ganze PreuBenkapi-
tel in SRP VII, Beilage.
54) J. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 77-84.
55) Auch hier danke ich Herrn Staatsarchivdirektor Dr. Koeppen,
Gottingen, herzlich flir die leihweise tjberlassung des Filmes
der Handschrift der Danziger Stadtbibliothek, Ms. 1285. Vgl.
auch J. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 93 f.
56) W.Y. K^trzyhski, t)ber einige die Provinz Preuflen betreffende
Handschriften der Bibliothek des FUrsten Wladislaw Czartoryski
in Paris, in: АРМ 9, 1872, S. 113-127; auf das Vorhandensein
der Boemus-Zitate weist J. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 86 u, 90
hin.
37) Ma. 1285, fol. 2a.
^58) SRP IV, S. 285 f.
59) Sebastian Prank, Weltbuch: apiegel und bildtnie dee gantzen
- 222 -
S. 122-125^
erdbodens, Tllbingen 1534 (und bfter), fol. 56a; der ganze Preu«
Benabschnitt in SRP VII, Beilage.
60) Vgl. Robert Stupperich, in: NUB V, 1961, S. 320 f.
61) Heinz Gollwitzer, Neuere deutsche Geschichtsschreibung, in:
Deutsche Philologie irn AufriB III, hg.v. W. Stammler, Berlin
1957, Sp. 1337-1406, hier Sp. 1352; vgl. auch E. Schmidt, a.a.
0., S. 108-131, der ihn in den Zusammenhang mit seinen Zeitge-
noseen stellt.
62) a) Chronika, Zeytbuch und geschychtbibel von anbegyn biB inn
diB gegenwertig MDXXXI. jar, StraBburg 1531 (und o'fter).
b} das Weltbuch vgl. Anm. 59.
c) Germaniae Chronicon. Von dee gantzen Teutechlands, aller
Teutschen volcker herkomen ..., o.O. (Prankfurt/Main) 1538
(und bfter).
Die entsprechenden Abschnitte sind in SRP VII, Anlagen, zusam-
mengestellt.
63) SRP VII, fol. 2.
64) Prank, Germaniae Chronicon, fol. 331b.
65) ebd., fol. 306a.
66) Die hier ausgeklammerte Untersuchung Uber das Verhaltni* der
PreuBenbeschreibungen bei den Humanisten mag an anderen Orte
nachfolgen.
67) Prank, Weltbuch, fol. 56a.
68) SRP VII, fol. 2b.
69) Prank, Chronica, fol. 472b - 475a.
70) Sebastian Brandt, Beschreibung etlicher gelegenheyt Teutschee
Lands, an wasser, berg, atetten und grentzen, mit anzeygung
der meilen und strassen, von statt zu statt, hg.v. Caspar He-
dio, in: Ein AuBerleSne Chronick von anfang der welt bis auf
das iar ... MDXXXIX, StraBburg 1539, S. 732-778; das PreuBen-
kajitel S. 757 f.
Vgl. dazu SRP VII, fol 2b, Anm. sowie U. Arnold, Beitrage zum
Verfasserlexikon, S. 147.
71) J. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 86; es freute mich, das Ergebnis,
das ich bereits bei den Ende Mai 1964 abgeschlossenen Arbeiten
zur Edition der Celler Chronik in den SRP VII erzielte, in der
mir anschlieBend zuganglich gewordenen Arbeit von J.D. beats*
tigt zu finden.
72) J. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 86 mit Anm. 7.
73) Hubatsch, Zur altpreuB. Chronistik, S. 442.
74) S.o. S. 33.
75) Uber Cricius vgl. die Einleitung zu seiner Epistel "De negotio
Prutenico" in SRP VII.
76) Vgl. Leszek Hajdukiewicz, Biblioteka Macieja z Miechowa, Wroc¬
law I960, S. 205 ff. Sein Inventar dort, dazu die Bemerkungen
I
- 223 -
S. 125-128
He., S. 103-174, fttr die historischen Werke S. 135-149, sowie
vor allem die Auflosung der Inventarangaben S. 251-428.
77) Immerhin zahlt auch diese "handliche" Auegabe 379 Seiten im
Folioformat.
78) Eine Ausgabe von 1517, wie sie bei Gehrke, Wartzmann, S. 50
erwahnt wird, ist mir bisher nicht zu Gesicht gekommen; eben-
falls gelang keiner Bibliothek der bibliographische Nachweis.
Deshalb vermute ich, daB sie nicht existiert. Gehrkes Meinung
beruht wahrscheinlich auf der Verwechslung mit dem Erscheinungs-
datum eines geographischen Traktatee von Matthias:De duabus
Sarmatiis, Krakau 1517. Vgl. dazu Hajdukiewicz, a.a.O., S. 33
f. u. Anm. 69. Wiederabdruck des Traktates bei Johann Pistori-
ue, Polonicae Historiae Corpus, Basel 1582, Bd. I, S. 121-150,
u.d.T.: Be Sarmatia Asiana et Europea. Eine deutsche Ausgabe
u.d.T.: Tractat von beiden Sarmatien und anderen anstossenden
landen, Augsburg 1518, erwahnt Hajdukiewicz, a.a.O., S. 70,
Anm. 104.
Auch die zuerst bei Christian Runge, Notitia Historicorum et
Historiae Gentis Silesiacae, Pars I, Breslau 1775, Caput II,
erwahnte Ausgabe Basel 1537, die ebenso Karl Kletke, a.a.O.,
S. 133 anfUhrt, ist mir bisher nicht bekannt geworden.
Hajdukiewicz, a.a.O., S. 299, spricht davon, daf3 die erste
Auflage 1519 bei Vietor in Krakau erschien und die Ausgabe von
1521 die ebendort erschienene zweite Auflage sei; ein Nachweis
Jener ersten Auflage ist mir nicht gelungen. Zuganglich war
mir aufler der Ausgabe von 1521 nur die bei Pistorius, a.a.O.,
Bd. II, S. 7-259.
79) Ygl. SRP VII, fol. 2a; als Anm. dort auch der Text Matthias
von Miechbws beigegeben.
80) Dworzaczkowa, a.a.O., S. 93 f.
81) Me. 1285, fol. 2a: "und in der polnischen Cronica schreibet
der Hanybal der habe dis folk (Stagnani und Maxony!) mit sich
gebracht aus affrica, in Italia und so werden hir hergekommen
etc."
62) Auf die mannigfachen Unterschiede zwischen Celle und Ms. 1285,
die die gleiche direkte Vorlage ziemlich sicher ausschlieflen,
eei hier nicht eingegangen.
83) Pol. 18b.
64) Die Zitierweise nach Seitenzahlen ist spater aufgekommen. Jene
alte Art ermoglicht das Auffinden der gemeinten Stellen, auch
wenn man eine andere Ausgabe zur Hand hat. Dieses Prinzip soll-
te bei solch klar eingeteilten Werken wie Matthias von Miechbw,
die aus jener Zeit stammen und recht seiten sind, auch heute
beibehalten werden, urn die Benutzung anderer Ausgaben zu er-
mbglichen.
65) SRP VII, fol. 3a.
86) Dazu s.u. S. 144.
67) Kftrzyfiski, a.a.O., 3. 116-121.
- 224 -
ч S. 120-135
88) J. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 90 f.
89) K$trzyfiski, a.a.O., S. 120.
90) S.o. S. 66 f.
91) Kaspar Hennenberger, Kurtze und warhafftige Beschreibung dee
Landes zu Preussen, Konigsberg 1584, Bl. 20a - 22b.
92) Grunau I, S. 77 f. und 99 f. = Traktat II, Кар. 5 und III, 5
(entgegen Hennenbergers Angabe II, 5)#
93) J. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 91.
94) S.o. S. 37.
95) SRP VII.
97) Kuhnert, a.a.O., S. 255.
98) Dazu teilte mir der z.Zt. beste Kenner der Kbnigsberger Ge-
schichte, Herr Dr. Gause, Essen, am 12. Nov. 1965 mit: "Ein
Konigsberger Schulhalter Johannes Liebbriider ist mir nicht be-
kannt. Wahrscheinlich hat er irgendeine von den vielen kurzle-
bigen Winkelschulen gehabt, wie aus dem Ausdruck Schulhalter
wohl zu schlieSen ist. Mir ist der Name ganz neu, weder in der
Literatur noch in den Archivakten bisher begegnet.”
99) Bei K$trzyfmki, a.a.O., S. 120.
100) Hierzu und zum folgenden vgl
te Polens, Darmstadt 1965, S
101) Beschreibung der Hs. bei Kftrzyfiski, a.a.O., S. 116-119 und
J. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 86 f.
102) Eine buchstabengetreue Mitteilung war nicht mbglich, da die-
ser Vers nirgendwo abgedruckt ist.
103) Von K^trzyfiski aus Buchstabenspuren rekonstruiert, a.a.O., S.
117.
104) Vgl. SRP VII, fol. 167b - 168a mit der Inhaltsangabe von Nr.
1335 bei Dworzaczkowa, a.a.O., S. 86.
105) S.o. S. 124.
106) SRP VII, fol. 204a.
107) In der Handschriftenbeschreibung folge ich J. Dworzaczkowa,
a.a.O., S. 87; den Titel s.u. S. 136.
108) ebd., S. 87.
109) ebd.
110) Nicht relevant ist in diesem Zusammenhang, ob die MaBzusam-
menstellung auf Christoph Falks "Rechenbuch" des Jahres 1552
zurlickgeht (die Titel beider Ausgaben in Max Toeppen, Chri¬
stoph Falks Elbingisch-PreuBische Chronik, Leipzig 1879,
Einleitung, S. 1; leider war es mir trotz jahrelanger Bemti-
hungen nicht mbglich, ein Exemplar zu finden.). Wenn Hs. 300
R/Ll 5 auf Falk zurUckgeht, ist damit nur ein terminus post
quern <flir ihre Entstehungszeit gegeben.
Gotthold Rhode, Kleine Geschich-
256 ff.
- 225 -
■К S. 135-140
КГ) "Cronica des preussenlands die ich^tentzel Bornbach mir und
guten freunden zum besten aus etlichen deutschen und lateini-
8chen Kroniken zusammengelesen habe. AQ 1558м, Ms. Boruss.
fol. 245 der Deutschen Staatsbibliothek Berlin, Titelblatt.
12) J. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 91.
43) ebd., S. 87.
•M) Hier werden die Grenzen der Forschung offenbar, die die poli-
tische Lage zieht und die bereita in der Arbeit von J. Dwor¬
zaczkowa zu beobachten sind.
45) J. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 85.
46) Zitiert ebd., S. 87.
47) SRP VII, Titelseite.
118) J. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 95.
(19) GUnther, Katalog II, S. 219 f.
(tO) Vgl. die Darstellung des Inhaltea bei J. Dworzaczkowa, a.a.O.,
W S. 105-109.
121) SRP V, S. 442.
122) ebd., S. 446, Апш. 2 und S. 626.
123) Gehrke, Wartzmann, S. 61, nachdem er allerdings vorher Hirscha
These gefolgt war; ders., Ferber-Buch, S. 153 f.
124) J. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 110.
125) Gehrke, Wartzmann, S. 61.
126) J. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 92.
127) U. Arnold, in: APB.
128) Vgl. J. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 88-90, die Nrr. 3-7.
129) Beschreibung bei Gehrke, Wartzmann, S. 28 f.; GUnther, Kata¬
log II, S. 216 f.; J. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 93 f. Ich be-
nutzte den Film der Handschrift aus dem Besitz des Staatl.
Archivlagers Gbttingen.
130) Ms. 1285, fol. 2b.
151) ebd., fol. 179b; der Hinweis Schlieffs ist richtig, vgl. U.
Arnold, Beitrage zum Verfasserlexikon, S. 144 f.
132) Ms. 1285, fol. 335a.
133) ebd., fol. 20; da mir dieses Blatt im Film fehlte, zitiere
f- ich nach Gehrke, Wartzmann, S. 38.
154) Deutsche Staatsbibliothek Berlin, Ms. Boruss. fol. 248, Vor-
rede.
135) Chronica Oder HandbUchlein Danziger Geschichte, gedruckt durch
Jacob Rhode, Danzig 1594, hg.v. F. Schwarz, in: Heimatblatter
des Deutschen Heimatbundes Danzig, 3. Jg., Heft 3/4, Danzig
1926; neu hg. mit den Zusatzen aus der Chronik Spattes in SRP
VII.
- 226 -
136)
137)
138)
139)
140)
141)
142)
143)
144)
145)
146)
147)
148)
149)
150)
151)
152)
153)
154)
155)
156)
157)
S. 141-146
Vgl. Anm. 126.
Beschreibung bei J. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 89.
ebcL,S. 88.
Ms. 1290, fol. 293b. Mir lag vor eine Kopie der Jahre 1525-
1554.
Zitiert nach Giinther, Katalog II, S. 220 f.
Gehrke, Wartzmann, S. 25 f. und J. Dworzaczkowa, a.a.O., S.
88.
Zitiert nach A. Bertling, Katalog der Danziger Stadtbiblio-
thek I, Danzig 1892, s.n. 672; auch bei Gehrke, Ferber-Buch,
S. 66 und J. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 80.
Gehrke, Wartzmann, S. 30 f. und J. Dworzaczkowa, a.a.O., S.
101.
Gehrke, Wartzmann, S. 22 f.
J. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 68. Щ
ebd. $j
Vgl. parallel SRP VII, fol. 3. J
Auch zitiert von J. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 74 obon. 1
Ms. 1290, fol. 286b. ^
Beschrieben von Gehrke, Wartzmann, S. 41-44.
Zitiert nach Kletke, a.a.O., S. 105*
Ms. 500 R/Ll 10 des Danziger Archivs datiert Gehrke, Wartz¬
mann, S. 41 auf das 17. Jh.
Ms. 1294 (I E f. 79) der Danziger Stadtbibliothek verweist
Gunther, Katalog II, S. 227, ins 17. Oder 18. Jh.
Ms. Uph. f. 44 ebd. glaubt Gunther, a.a.O., S. 406, Ende des
16. Jhs. entstanden. Die beiden letzten Handschriften f
sind It. J. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 88, heute verschol- '
len.
Cod. germ. fol. 459 Bl. F. IV./132, Petersburg, gehort ans
Ende des 16. Jhs. It. Minzloff-Voigt, Proben einer Be-
schreibung der handschriftlichen Prussica der K.O. Bihli-
othek und des Rumanzowschen Museums, in: NTPB, andere
Folge IX, 1856, S. 376-378. (Abdruck des Titels und erstan
Kapitels in SRP VII.)
Hs. Upsala entstand erst im Jahre 1609, wie auf der RUckseite
des Titelblattes angegeben ist. Vgl. L. Prowe, Mitteilun-
gen aus schwedischen Archiven und Bibliotheken, Berlin
1853, 7. Teil: Universitatsbibliothek Upsala. j
Vgl. Аша. 151.
Ms. 1290, fol. 293b. I
J. Dworzaczkowa, a.a.O., S, 88.
S.о• S. 135*
Kletke, a.a.O., S. 106.
- 227 -
158)
159)
160)
161)
162)
163)
164)
165)
166)
167)
168)
169)
170)
171)
S.o. S. 132 f.
S # o• S• 139#
Kftrzyhski, a.a.O., S. 118 f.
SRP VII
, fol. 167b -
168a.
Gehrke,
Wartzmann, S.
in
C\J
S. о. S
. 135.
Vgl. J.
Dworzaczkowa,
a.a.O
S. Anm.
157.
S.o. S.
102.
S.o. S •
100 f.
J. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 93".
S.o. S. 100-102.
87 und 89 f
J. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 94-97.
Maschke, Quellen, S. 29.
S. 146-154
JCapitel VII:
1) Heinrich ZeiBberg, Die polnische Geschichtsschreibung im Mit-
telalter, Leipzig 1873, S. 335; ZeiBberg ist noch heute, trotz
einiger neuer Arbeiten auf diesera Gebiet, die grundlegendc
Darstellung der polnischen Historiographie; vgl. neuerdings
Jan D^browski, Dawne dziejopisarstwo Polskie, Breslau 1964.
2) S.o. S. 14 f.; vgl. dazu auch ZeiBberg, a.a.O., S. 301-303.
3) Zur Person Matthias von Miechbws s.o. S. 125.
4) Zum Problem der Erstausgabe vgl. ebd., Anm. 78.
5) S.o. S. 126.
6) Dazu ist nach wie vor heranzuziehen Anton Borzemski, Kronika
Miechowity. Hozbior krytyczny (Die Chronik des Matthias von
Miechbw. Eine kritische Analyse), in: Rozprawy Akademii
umiej?tno&ci w Krakowie, WydziaX Hist.-Piloz., Bd. 26, Kra¬
kau 1891, S. 1-200.
7) Matthias II, 7; ich zitiere nach BUchern und Kapiteln, um die
Benutzung beider Ausgaben zu ermoglichen.
8) Grunau I, S. 80 f.
9) SRP VII, fol. 11a.
0) Grunau I, S. 107 f.
1) Mb. 1285, fol. 16a.
2) Matthias II, 13; SRP VII, fol. 12a - 13a.
3) Grunau I, S. 81 und Ms. 1285, fol. 17b; beide entsprechen
eich dort. (Entsprechung meint nicht unbedingt wBrtliche tlber-
228
. S. 154-И
einstimmung!)
14) SRP VII, fol. 13.
15) ebd., fol. 13b; vgl. auch jeweils die Anmerkungen zu den zi-
tierten Stellen. ,f'J
16) ebd., fol. 12a - 13b.
17) ebd., fol. 13b - 14b.
14b mit Matthias-Zitat in der
18) Matthias III, 6; SRP VII, fol.
Anmerkung. ^
19) SRP VII, fol. 14b - 15a. *j
20) Matthias kennt ftir diese Zeit nur "Pomerani", also keinen On*'
terschied zwischen Pommern und Pommerellen.
21) Diese iTbertragungsart, die bisher stets zu beachten war, soli
weiter nicht gesondert erwahnt werden; nur Anderungen werden
aufgezeigt.
22)
SRP VII, fol.
15.
23)
ebd.,
fol.
15b
- 1 6a.
24)
ebd.,
fol
16b -
- 17b.
25)
ebd.,
fol.
16.
26)
ebd.,
fol.
18a
.
27)
ebd.,
fol.
18a
; vgl.
dazu
die
Anm.
28)
ebd.,
fol.
19a
; vgl.
dazu
die
Anm.
29)
ebd.,
fol.
18b
- 19b.
30)
ebd.,
fol.
19b
- 20a.
31)
ebd. ,
fol.
24b
- 25a
und
fol.
25b;
ne Entsprechung bei Matthias,
die Zwischenpartie hat kei«
32) Peter von Dusburg, Chronica terre Prussie, in: SRP I, S. 55#
33) SRP VII, fol, 25b - 26a.
34) ebd.; Matthias III, 34.
35) Martin Osterreich, Heilsberger Chronik, hg.v. C.P. WSlky, ini
Script, rer. Warm. II, = Mon. hist. Warm. VIII, Braunsberg
1889, S. 220-468, hier S. 231-235. /
Osterreich steht ebenfalls in der Danziger Tradition und ver*
faBte sein Werk zwischen 1526 und 1537.
36) SRP VII, fol. 29a mit Anm.
37) ebd., fol. 38a; kombiniert aus Matthias III, 49: "Mendolphum
alis Mendog regem Lithuanorum ..."
CD
SRP VII,
fol.
57a -
59a; Matthias
IV,
6-8.
f
39)
SRP VII,
fol.
64b -
65a.
*
40)
Matthias
IV,
10-12;
SRP VII, fol.
65b
- 82b; fol.
68a - 70b* *
41)
Matthias
IV,
15; SRP
VII, fol. 63
•
\
- 2Щ -
, S. 160-165
»2) SOP VII, fol. 70b - 71b.
5Ю) ebd., fol. 72.
44) ebd., fol. 73, 75b - 79b; Matthias IV, 23-28.
45) SRP VII, fol. 80b - 83a; Matthias IV, 33 f., 36.
46) SRP VII, fol. 81b; Matthias IV, 35.
47) SRP VII, fol. 83b; Matthias IV, 37.
,48) SRP VII, fol. 83b - 84b.
49) ebd., fol. 85; Matthias IV, 40.
50) SRP VII, fol. 86b - 87b.
51) ebd., fol. 90a.
52) ebd., fol. 90; Matthias IV, 42.
53) SRP VII, fol. 98a - 100a; Matthias IV, 42-44.
54) SRP VII, fol. 98, Anm.
55) ebd., fol. 99b, Anm.
56) ebd., fol. 105a.
57) ebd., fol. 109; Matthias IV, 46.
58) Matthias IV, 46 f.; SRP VII, fol. 109b - 110a; vgl. die dorti-
gen Anmerkungen.
59) SRP VII, fol. 128a; Matthias IV, 60.
60) SRP VII, fol. 132b; Matthias IV, 60.
61) Interesaant iat in diesem Zusanmienhang, daB die Schilderung
der Zeit von etwa 1234 bis 1326 fast keinerlei Ubernahmen aua
Matthias aufweist, ausgenomroen die Erwerbung Pommerellens
durch den Orden; jene Zeit aber ist Gegenstand der Chronik
Dusburgs!
Г) Abzusehen ist hierbei von handschriftlichen V/erken, da ihr
Wirkungsbereich meist recht begrenzt blieb; so ist von D^u-
goszs Historia in PreuBen keinerlei direkte EinfluBnahroe zu
sptiren.
*3) Vgl. SHP VIIf
«4) Matin Cromer, De origine et rebus gestis Polonorum, Basel 1555
Das Werk erlebte eine ganze Reihe von Neuauflagen, u.a. auch
1589 in Danzig, und sogar eine deutsche tTbersetzung (Heinrich
Pantaleon, Mitnachtischer Volckeren Historien, Basel 1562).
65) Vgl. Uber ihn APB, S. 133 und die Einleitung in: Jodoci Ludo-
vici Decii De Sigismundi Regis temporibus liber, hg.v. Wiktor
Czermak, Krakau 1901, S. III-IX.
66) SRP VII, fol. 157.
[67) Decius, a.a.O., S. XLII-LII.
68) Vgl. SRP VII, fol. 157, Anm.
69) ebd.
- 230 -
S. 165-17$
70) Die tfeuausgabe s.o. Anm. 65; ee handelt ftioh urn einen unkom-il
mentierten Abdruck mit kurzer Binleitung und Bdmenregister. ^
71) SRP VII, fol. 160b - 161a.
Kapitel VIIIs
1) Vgl. W. Hubatsch, Zur altpreuB. Chronistik, a.a.O.
2) Vgl. U. Arnold, Wigand von Marburg, in: APB.
3) Zu den besprochenen Chroniken vgl. Кар. I, Anm. 1; darttber
hinaus sind aber eine ganze Reihe nicht naher bezeichneter Hea«
erwahnt; Drucke werden nicht nachgewiesen.
4) Gehrke, Das Ebert-Ferber-Buch = ZWG 31» 1892.
5) J. Dworzaczkowa, a.a.O.
6) Gehrke, Ferber-Buch, S. 28.
7) 0. GUnther, Miscellen aus Danziger Drucken und Handschriften,
III: Die "Baisen-Chronik" und Bernt Stegmanns Chronik vom Dan¬
ziger Aufruhr, in: ZWG 43, 1901, S. 269-276.
Toeppen, Historiographie, S. 103-116.
8)
9)
10)
Ahnliche Gedanken entwickelt J. Dworzaczkowa, Kronika pruska
Szymona Grunaua jako 4r6dXo historyczne (Die preuB. Chronik
des S.G. als histor. Quelle), in: Studia ftrodXoznawcze 2, 1958,
S. 119-146; den Aufsatz habe ich nicht weiter herangezogen, da
hier nur ein anderer Ansatz gezeigt, nicht jedoch eine abschli*
Bende V/ertung vorgenommen werden soUfce.
S.o. S. 103 f.
11) Vgl. Erich Keyser, in: APB, S. 55.
12) SRP V, S. 443-491.
13) Auf Einzelnachweise verzichte ich hier; eie sind festgelegt
einer sich auf friihere Arbeiten stiitzenden unveroffentlichten|
Spezialbibliographie zur preufl. Chronistik.
H)
Vgl.
oten S. 138
.
15)
S.o.
139 f.
16)
S.o.
89-91, 93 f.
17)
S.o.
88 u. 92
f.
13)
Ms.
Boruss. fol.
245-:
Besc
:hreibung bei
Kle tV
19)
S .u.
S. 180 f.
20)
Ms.
Boruss. fol.
248,
21)
Ein
Exemplar in
der 5
der
Deutschen Staatsb
und
1017.
S. 111-115.
tadtbibliothek Danzig, Hs. 72, zv/ci in
- 231
173-178
22) Wilhelm Behring, Zur Geschichte des Danziger Krieges 1577.
Stenzel Bornbacha Kriegstagebuch, Programm des Elbinger Gymna-
eiums 1904, 1905.
23) Vg1. Carsten, in: APB.
24) S.o. S. 140.
25) Me. Boruss. fol. 248, Vorrede S. 8 f.
26) SRP V, S. 624-644.
27) S.o. S. 31 f.
26) Vgl. 17. Arnold, Weifienfels, in: APB, sowie die Einleitung zur
Ausgabe der Originalmitteilungen Jans in SRP VII.
29) Vgl. Max Toeppen, Christoph Falks Elbingisch-preuBische Chro-
nik, Leipzig 1879, Einleitung.
30) ebd., S. 1-3 und oben S. 135, Anm 110.
31) ebd., S. 11.
32) S.o. S. 34.
33) Falk, a.a.O., S. 6.
34) Vgl. W. Hubatsch, Lucas David aus Allenstein, der Geschichts-
echreiber in seiner Zeit, in: ders., Wege und Wirkungen ost-
preufi. Gesch., Leer 1956, S. 84-92.
35) S.o. S. 115.
36) W. Hubatsch, Lucas David, in: NDB III, 1957, S. 537.
37) S.o. S. 175.
38) Lucas David, PreuS. Chronik, Bd. 1, hg. v. Ernst Henning, K8-
nigsberg 1812, Vorrede S. 1 f.
J9) S.o. S. 172 f. und 175.
||0) David, Vorrede S. 3.
Jit) ebd., S. 3.
>42) ebd., S. 2 f.
43) Vgl. exemplarisch die zitierten Notizen oben S. 115.
44) Hubatsch, Lucas David aus Allenstein, S. 89; dort auch S. 89-
SI eine Zusammenstellung solcher Mitteilungen.
45) So noch R. Reicke, Ein Danziger Ratsedikt vom Jahre 1520 als
filtester Druck aus der V/einreichschen Offizin zu Danzig, in:
АРМ 3, 1866, S. 553-558, hier S. 553.
46) Vgl. die Tabelle der Danziger Buchdruckereien im 16. u. 17. Jh.
bei Hans-Karl Gspann, Die Anfange des Danziger Zeitungswesens
im 16. und 17. Jahrhundert, Diss. masch. Leipzig 1923, S. 25.
47) Vgl. P. Schwenke, Hans Weinreich und die Anfange des Buchdrucks
in Konigsberg, in: АРМ 33, 1896, S. 67-109, hier S. 69-71.
48) Gspann, a.a.O., S. 25.
- 232 -
» S. 179-IB1'
49) Schwenke, a.a.O., S. 72 f.
50) Thielen, a.a.O., S. 107; vgl. zum folgenden ebd., S. 108-110.
51) Vgl. Schwenkes Aufzahlung a.a.O., S. 92-108.
52) S.u. S. 180 f. !
53) Vgl. Franz Koch, Der letzte Druck des Lycker Erzpriestere Jo¬
hann Maletius, in: АРМ 40, 1903, S. 481-507, hier S. 481-483;
auch als Separatdruck desselben Jahres, S. 3-5; vgl. auch mei-1
ne Einleitung zum Abdruck des MSudauer—Btichleins" in SRP VII.
54) S.o. S. 88 f.
55) Hierzu und zum folgenden vgl. raeine Einleitung zum Abdruck dee
Maletius-Briefes in SRP VII; dort auch weitere Literatur.
56) S. ebd.
57) Seit Kaspar Hennenbergers "Kurzer und wahrhaftiger Beschrei-
bung des Landes zu PreuBen", Konigsberg 1584, fol. 1b, kennen
wir Ranis als Verf. einer Chronik; die Verbindung zwischen Ra¬
nis und Dietmar zog erstmals Christoph Hartknoch, Alt- und Neu-
es Preuf3en, Leipzig 1684, Vorrede fol. 2b. Einem Druck dieses
Werkes Elbing 1563, in 8° statt in 4°, wie er seit Michael Li-
lienthal, De rerum Prussicarura scriptoribus manuscriptis pari-
ter ac impressis, in: ders., Selecta Historica et Literaria
continuata, Konigsberg 1719, S. 85-126, hier S. 100 f. u.d.T.s
"Kurtze Erzehlunge der Hohemeister Deutsches Ordens" durch die
Literatur geistert, bin ich noch nicht begegnet.
58) Ranis, a.a.O., fol. 3b - 4a.
59) Kletke, a.a.O., S. 121.
60) Ms. Boruss. fol. 248, Vorrede S. 4.
61) Sie vnirden zum Vergleich mit Chronik Celle bereits herangezo-
gen; s.o. S. 42 ff.
62) S.o. S. 48.
63) Ranis, a.a.O., fol. Q II - R III.
64) Die manchmal erwahnte 2. Auflage von 1567 gibt es nicht. Ihre
"Existenz" beruht auf einem Irrtum von David Braun, De scrip-
torum Poloniae et Prussiae historicorum ... virtutibus et vi-
tiis catalogus et iudicium, Coloniae 1723, S. 298, der die '*
Ausgabe von 1566 auf 1567 datiert. Daraus wurden bei Georg /
Christoph Pisanski, Entwurf der Preul3ischen Litterargeschichtej ^
Konigsberg 1791, § 137 zwei verschiedene Auflagen; ihm folgte
Vanselow in der APB. j
65) Nur Josef Benzing meldet - wahrscheinlich berechtigte - Beden- ;|
ken an, ob Daubmann wirklich der Verf. der Chronik sei; in:
NDB III, 1957, S. 525. Vgl. dazu Gehrke, Wartzmann, S. 105-110.
66) S.o. S. 42.
67) Das erkannte bereits Toeppen, Historiographie, S. 225; genauer
ausgeflihrt bei Gehrke, Wartzmann, S. 105-110,
68) Vgl. Hubatsch, Zur altpreu/3. Chronistik, S. 445 u. das Stemma
Vgl. ebd., S. 445.
Bine geaonderte Unterauchung Daubmanns wtirde hier den Rahmen
eprengen; sie sei an anderer Stelle, auch im genauen Vergleich
mit Ranis und Hennenberger, nachgeholt.
Toeppen, Historiographie, S. 225; ihm folgend Kletke, a.a.O.,
S. 128.
S.u. S. 186.
Dionysius Runau, Hiatoria und einfeltige Beschreibung des gros-
sen dreizehenjerigen Kriegs in Preussen, Wittenberg 1582, fol.
D IV.
Vgl. die Neuausgabe in SRP VII, sowie das Vorwort dazu;
Vgl. zum folgenden Carlo Cipolla, Un Italiano nella Polonia e
nella Svezia tra il XVI e il XVII secolo, in: Miscellanea di
Storia Italians, Bd. 26, (=Serie II, Bd. 11), Turin 1887, S.
547-657; dazu die ausfiihrliche Besprechung von R. Hassencamp,
in: Zs. d. Histor. Gesellsch. f.d. Provinz Posen 3, 1888, S.
478-484 sowie dens., Neue Urkunden fiber den Aufenthalt des
Alessandro Guagnini und seiner Farailie in Polen, ebd., Bd. 4,
1889, S. 282-292.
Die Ausgabe Krakau 1578 macht Cipolla, a.a.O., S. 558 f. als
erste wahrscheinlich; mir lagen vor die Ausgabe Speyer 1581
und die demgegeniiber gekUrzte Ausgabe bei Joh. Pistorius, a.a.
0., S. 17-73. Vgl. auch Cipolla, a.a.O., S. 568-571.
Vgl. dazu Braun, a.a.O., S. 37-40 und Cipolla, a.a.O., S. 561-
568.
"Prussiae cum suis provinciis, civitatibus, omniumque Magistro-
пш Crucigerorum Theutonisci ordinis, iuxta seriem Compendiosa
descriptio.1' Ausgabe 1531: fol. 64a - 72a; Ausgabe 1582: S. 51
-63.
Erwahnt wurde er von Christoph Hartknoch, a.a.O., Vorrede S.
24-26 sowie ausfUhrlich von Braun, a.a.O., S. 37-40, benutzt
Oder mit anderen Chronisten verglichen noch gar nicht.
Historia und einfeltige Beschreibung des grossen dreizehenje¬
rigen Kriegs in Preussen ... Sampt eim anhang und kurtzer Hi-
Btorien des kleinen zweyjerigen Kriegs in Preussen ... Burch
M. Dionysium Runaw. Gedruckt zu Wittenberg durch Hans Kraffts
Erben. Anno 1582.
Runau, fol. A Ilia,
ebd., fol. A Illb.
Inhaltsangabe bei Toeppen, Historiographie, S. 225 f. und da-
nach bei Kletke, a.a.O., S. 143 f.
S.o. S. 29*
So zuletzt Paul Simson, Die Sprache des Ebert-Ferber-Buches,
in: АРМ 30, 1893, S. 652-668; vgl. auch SRP IV, S. 499.
So Gehrke, Ferber-Buch = ZWG 31, 1892.
- 254 -
л
86) S.o. S. 182.
87) Toeppen, Historiographie, S. 225.
88) Vgl. Lucas David, Vorrede zum 5. Bd.
89) Vgl. APB, S. 266.
90) S.o. Anm. 10.
S. 185-Щ
i
4
X
f
91) Vgl. dazu Werner Horn, Untersuchungen zur preussiachen Landta*
fel des Kaspar Hennenberger, in: Petermanns Geographische Mit^
teilungen 89, 1943, S. 241-246 aowie die Tafeln 31-33.
92) Hennenberger, Beschreibung dea landea, Vorrede fol. IVa.
93)
ebd.,
fol.
IVb.
94)
ebd. ,
fol.
Va.
95)
ebd. ,
fol.
25-43.
96)
ebd.,
fol.
25a.
97) Hennenberger, Beachreibung aller Hohemeiater, Vorrede fol.Aall,.
98) S.o. S. 181 f.
99) Im selben Tenor ist auch die Einleitung zum Anhang MKurtze Be¬
schreibung Aller Landmeister" gehalten; Hennenberger, Beachrei¬
bung aller Hohemeister, fol. LI I f.
100) Vgl. die Zitate bei Toeppen, Historiographie, S. 246.
101) S.o. S. 187 f.
102) Vgl. dazu neben Georg Dehio - Ernst Gall, Deutschordenaland^
Preu(3en, MUnchen 1952 (=Dehio, Hdb. d. dt. Kunstdenkmftler)
jetzt Erich Weise, Handbuch der Historiachen Statten, Ost-
und WeatpreuBen, Stuttgart 1966.
103) FUr die Personalia vgl.: APB, S. 642.
104) Schlitz, Historia, fol. a III v.
105) ebd., fol. a IV r.
106) Vgl. dazu Paul Sinson, Geschichte der Stadt Danzig, Bd. II,
Danzig 1918, S. 232 ff. und S. 277 ff.
107) Theodor Schieder, Deutecher Geist und standische Preiheit im
V,reichaellande, Konigsberg 1940, S. 16.
108) Vgl. ebd., S. 20 f.
109) SchUtz, Historia, fol. a II r.
110) Katthaeus Waissel, Chronica Alter Preusscher, Eifflendischerr
und Curlendischer Historien, Konigsberg 1599.
111) ebd., Vorrede, fol. A III r; fttr die Personalia vgl. Walther
Hubatsch, in: APB.
112) ebd., fol. A III r.
113) ebd., fol. 7b.
114) ebd., fol. 8a.
- 235
1115) ebd., fol. 42a.
116) S.o. S. 180 f. und 184 f.
117) Waissel, Chronica, fol. A II
191
k.
236 -
Quellen und Llteratur
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/
л
- 247 -
Register
der Chronisten und Handschriften
r(licht aufgenommen sind die Handschriften OLG Celle, В II 820 sowie
X und Heinrich von Reden; die Anmerkungen vmrden nicht berUcksich-
tigt. Die Chronisten sind nicht nach Vornamen, sondern nach ihren
Beetimmungs- Oder Familiennamen geordnet.)
Adler, Jakob: 170.
Amman, Jost: 61 f.
^Annalen, Kurze preuBische: 16.
? - , Pelpliner: 16.
I - , Ronneberger: 16.
- , Thorner: 22, 98.
Baieen-Chronik: 168.
tBeler, Johann: 31.
vBeringer, Heinrich: s. Ermah-
Г nung eines Karthau-
' sers.
Berlin, Dt. Staatsbibliothek
Ms. Diez C. fol. 33:
s. Bdttcher, Kaspar.
Beyer, Christoph: 30, 110, 136,
170, 173.
;;Birgittae, Revelationes Stae.:
97.
-Bitechin, Konrad: 23, 105.
Blumenau, Laurentius: 15,24f.,
'v 163.
Joemus, Johannes: 87 f., 102,
l 108, 111, 118, 120 f.,
Ш 125, 127, 132, 134,
Ш' 138, 152.
SBCttcher, Kaspar: 112, 138,
P 145-148, 171.
Bornbach, Stenzel: 30, 119 f.,
125, 135, 140, 170,
172-178, 181, 187, 190.
Brambeck, Peter: s. Chronik v.
Bunde.
Brandt, Sebastian: 124, 132-
134.
Braunschweig, Luther v.: 14 f.
Braunswalde, Gerhard v.: s.
Oliva, Altere Chronik v.
Bretke, Johann: 119.
: iCanonicus Sambiensis: 15-17.
Caper, Heinrich: s. Ordenschro-
nik, Danziger.
Celtis, Conrad: 123.
Cochlaeue, Johannes: 87.
Christian, Bischof: 16, 67, HI-
117, 119, 126 f., 174.
Chronik der vier Orden von Jeru¬
salem: 26.
, Hanseatische: s. Steg-
mann, Bernt.
Chronica (Annales) terrae Prus-
siae: 16.
Chronik, Thorner: 22-24, 31.
- vom Bunde: 29, 185.
- , Zamehlsche: s. Hochmei-
eterchronik, Altere.
Critius, Andreas: 33, 125, 164.
Cromer, Martin: 115, 164.
Czartoryski, Bibliothek, Ms.
1331: a. Liebbruder, Jo¬
hann.
- , Bibliothek, Ms.
1335: 120 f., 132-136,
138, 147.
Danzig, Staatsarchiv, Ms. 300 R/
LI 1: s. Melmann, Georg.
- Staatsarchiv, Ms. 300 R/
LI 5: 133-138, 146-148,
171.
- , Staatsarchiv, Ms. 300 R/
LI 75: 141, 145, 171.
- Stadtbibliothek, Ms.
1285: 49, 87, 100-102,
120 f., 126 f., 139 f.,
143, 148 f., 153 f., 171.
Stadtbibliothek, Ms.
1289: 136, 138.
Stadtbibliothek, Ms.
1290: 102, 141-145, 147-
149, 171.
Daubmann, Johann: 30, 42*49,
179, 181-185, 187.
David, Lucas: 33 f., 88, 103,
115 f., 125, 165, 175*
178, 184 f., 190-192.
Decius, Jodocus Ludovicus: 33,
60, 164 f.
Dietmar, Wolfgang: 179, 182; s.
auch Ranis, Georg.
Divonis: 75, 111-114, 116 f.,
126 f.
D^ugosz, Jan: 14 f., 22, 33,
49, 108, 125, 151 f.,
158, 161.
Dominikanerchronik, Elbinger:
30,
96, 108 f
и
I3-
117,
119*121,
126
f..
167
f., 170,
172,
174.
Diirer, Albre
cht: 63.
Dusburg, Pet
er v.: 11
-21,
23,
34,
78, 88 f.
, 96,
, 118,
158,
189, 192
•
Egloffstein,
Georg v.
C\J
Ems, Rudolf v.: 15.
Ermahnung eines Karthausers:
23, 139.
Falk, Christoph: 24, 119, 125,
172-178, 181, 185.
Ferber-Buch: 24, 30, 100, 109,
148 f., 168, 170, 174,
185.
Frank, Sebastian: 67, 77, 87 f.,
102, 111, 121-125, 127,
132-134, 138, 149, 172,
185.
Freiberg, Johannes: 32, 129,
174.
Frost, Abraham: 170.
Gans, Balthasar: 34, 175.
Gerstenberg: 14 f.
Geschichten von wegen eines
Bundes: 26.
Gesselen, Konrad: 14 f.
Grur.au, Simon: 22, 24, 30, 78,
87, 94-98, 100, 104,
111-117, 119 f., 125,
129, 152-154, 162, 165,
163-170, 177, 184, 186#
Guagnini, Alexander: 183 f.
Hagen, Gotfrid: 110.
Hedio, Kaspar: 124.
Heldrungen, Hartmann v.: 11.
Hennenberger, Kaspar: 33, 42 f.t
45 f., 71, 119, 125,
129 f., 138, 165, 181 f.f
185-188, 190-192.
Herberstein, Sigmund v.: 183.
Hesler, Johannes: 15.
Himmelreich, Peter: 31.
Hochmeisterchronik, Altere: 17,
22-24, 29, 32, 106, 129,
174, 186,
, JUngere: 17,
22, 24-28, 32, 41 f.,
48, 52, 174.
, Kleine lat.:
26.
Hoeneke, Bartholomews: 17 f.
Holbein, Hans d.J.: 62-64, 135.
Hoppe, Samuel: 24.
Horner, Thomas: 180.
Jan, Christoph (aus WeiBenfele):
174.
Jeroschin, Nikolaus v.: 14*16,
22, 129, 187.
Judith: 15.
Kattenhbfer, Albert: 168.
Kunheim, Georg: 168.
Lettland, Heinrich v.: 18, 47.
biebbrtider, Johann: 120 f., 128-
131 , 136, 138, 140.
Lindau, Johannes: 29, 106, 108f#f
164, 174, 185.
Lubbe, Martin: 29, 108.
Lucca, Tolomeo v.: 13, 107.
LUbeck, Detmar v.: 18 f., 22.
Maletius, Hieronymus: 179-181.
, Johann: 179 f.
Marburg, Wigand v.: 14 f., 18-
20, 167, 189.
Meisterlin, Sigismund: 110.
Melmann, Georg: 30, 103, 136 f.#
172.
Miechfcw. Matthias
v.:
GO
GO
Ю
KN
96, 108,
111,
118, 121,
125-127,
138,
149, 151-
165, 167,
171
fa
Monchschronik, Elbinger: s. Do¬
minikanerchronik, Elbin¬
ger.
MUnster, Sebastian: 87, 185.
- 249 -
Jarratio de primordiis ordinis
Theutonici: 11.
lauclerus, Johannes: 103.
Oeterreich, Martin: 31, 159.
Oliva, Altere Chronik v.: 16 f.,
114 f.
- , Mittlere Chronik v.: 17,
173 f.
Ordenachronik, Banziger: 28,
189.
Ordensstatuten, Prolog der: 11.
Passional: 15.
Plastwig, Johann v.: 31.
Platner, Kaspar: 31.
Plinius: 123.
Pole, Paul: 24, 32 f., 41 f.,
44-46, 71, 174 f.
Posilge, Johann v.: 20-23, 88,
108.
Ptolemaeus: 119 f.
Radewald, Hans: 112, 170.
Ranis, Georg: 30, 42-49, 172,
180-182, 191.
leimchronik, Altere livland.:
12, 17 f.
, JUngere livland.:
s. Hoeneke, Bartholo¬
mews .
Renner, Johannes: 17.
Rhode, Jacob: 100, 140, 170,
182 f.
Richau, Nikolaus: 31, 164.
Runau, Dionysios: 30, 182,
' 184 f., 191.
Schedel, Hartmann: 56, 108.
Schoffke, Georg: 113, 170.
Schondoch: 20.
Schwabe, Tewes: 170.
SchUtz, Kaspar: 33, 42, 165,
173, 185, 188-192.
Sleidanus, Johannes: 185.
Spatte, Hans: 100, 103, 140,
172.
Stegmann, Bernt: 30, 165, 168.
Stella, Erasmus: 25, 88, 108,111,
114, 116-119, 121, 125-
127, 163, 167, 172.
Stockholm, Reichsarchiv: 141—
144, 146-148, 171.
Strieker: 15.
Strykowski, Matthias: 183.
Stuttgart, Landesbibliothek,
Cod. hist. fol. 736: 88
Sylvius, Aeneas: 25, 67, 77, 88
108, 111, 114, 116-118,
120 f., 123-127.
Tiedemann, Georg: 170.
Tronpau, Martin v.: 13, 107.
Waissel, Matthaeus: 42, 48, 72,
119, 139, 185, 191.
Waldau, Hieronymus: 29.
Wartberge, Hermann v.: 18-21,23
Wartzmann, Bartholomaus: 30, 87
93, 109, 120, 127, 132,
134, 137-140, 142-149,
167, 170-173, 175, 181f
184, 190.
Weinreich, Kaspar: 29, 108, 165
178 f.
Weiflenfels: s. Jan, Christoph.
Willehalm: 15.
• 250 -
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^^s***- ^v* рГй^у t>*i5C.»
л\»о-» ' *■*)
Cim\fcOl£-
i
a
U
;£i
/5
Abbildung I: Alteste Darstellung des Ordenskreuzes des
dens-Zentralarchives Wien,
Deutschor-
- 251
ы.
Abbildung II: Danzig ua 1555» aue der Cellar Handechrift
- 252 -
Abbildung Ills Titelblatt zu Jost Ludwig Dietz, De Sigismundi re¬
gie temporibus liber, Krakau 1521, mit dem Portrttt
Konig Sigismunds.
- 253 -
Abbildung IV: Familienstammbaum der Jagellonen, aus: Jost Ludwig
Dietz, De Jagellonura familia liber, Krakau 1521; in
der mittleren Reihe als dritter von links Sigismuna
- 254 -
Abbildung V: Saufgelage bei Bartholomaus G-ribus, Monopolium philo-
sophorum, vulgo die Schelmenzunft, StrmBburg, 1490.
- 255 -
Abbildung Viz Titelblatt der Chronik Heinrich von Redens.
- 256 -
Abbildunr; VII: Агша Hrutenorun, aus der ChroniV Леinrich von
dens.
257
Abbildung Villa: Me Tannenberger Schlacht, aus der Chromk Hein,
rich von Redens.
- 258 -
Abbildung VUIb: Die Tannenberger Schlacht, aus
Handschrift Celle'
- 259
Abbildung IX: Wappen Konig oigismunds nit dem
mund Augusts, aus: Martin Cromer
gestis Polonorum, Basel 1555.
zugefUgten "A" Sigie—
, De origine et rebus