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                    Nr.5
SCHLESISCHE BERGWACHT
Seite 91
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Lukasmühle in Schreiberhau
Das schlesische Gold und die Fugger in Augsburg
Schlesien war ein reiches Land. Neben
dem Ackerbau auf der schwarzen Erde süd­
lich Breslau, wo Weizen und Zuckerrüben
vor allem angebaut wurden, waren die Bo­
denschätze von besonderer Bedeutung. Ne­
ben der Kohle, die in Oberschlesien von be­
sonderer Güte war und von transatlantischen·
Dampfern bevorzugt wurde, wurden von al­
ters her alle Metalle bergmännisch abgebaut:
Zink, Blei, Eisen, Kupfer, Silber und sogar
Gold bis in unsere Tage. Die Namen: Blei­
berge, Schmiedeberg, Kupferberg, Silberberg
und Goldberg erinnern an die sich vorfin­
denden Bodenschätze.
Anfänglich war das Goldvorkommen nicht
unbedeutend. Es wird berichtet, daß in der
Tartarenschlacht 1241 einige Hunderte Berg­
knappen der Goldberger Gegend mitge­
kämpft hatten. Gold fand sich nicht nur in
Goldberg, sondern auch an anderen Orten in
Schlesien: bei Jauer, Ziegenhals und Rei­
chenstein. Die Orte mit der Endung "Seif­
fen" (Steinseiffen, Querseiffen, Schmottseif­
fen = St. Mathisseiffen, auch Seifershau) er­
innern an die Goldwäscherei im Flußsand.
Die Walen aus dem Welschland durch­
forschten die schlesischen Berge und schei­
nen Schätze gefunden zu haben. Wallen­
steins Diener fand daher an einem Hause in
Venedig die Aufschrift: .. Montes Chryso­
croes fecerunt nos Dominos" = Die goldtra­
genden Berge haben uns zu Herren gemacht.
Von diesem Goldvorkommen hatten die
Fugger in Augsburg Kenntnis bekommen.
Um das Jahr 1500 besaßen sie Bergwerke in
Tirol und Ungarn. In Tirol und Ungarn för­
derten sie vor allem Kupfer und brachten es
in alle damals bekannten Länder. Goldberg­
werke dagegen besaßen sie nicht. Erst um
das Jahr 1510 richteten sie ihr Augenmerk
auf Goldbergwerke.
Den Anfang machte wohl Anten Fugger in
Freiwaldau in Osterreich-Schlesien. Den Mit­
telpunkt für die Fuggerschen Bergunterneh­
men und den Handel mit Erzen bildete ihre
Niederlassung in Breslau. Schon 1456 hatten
die Fugger als Nachfolger der WeIser den
Erzhandel in Schlesien betrieben. 1484 be­
standen Beziehungen zwischen ihrer Faktorei
Nürnberg und Breslau. Die Breslauer Pak tu­
rei war der Mittelpunkt für ihren sehr er­
giebigen Handel mit ungarischen Kupfer.
Dort in Breslau war 1520 der Faktor Hans
Metzler tätig, .durch dessen Hand jährlich
8000 Zentner Kupfer gingen. Besondere Ab­
machungen waren mit den ungarischen
Bergwerksbesitzern der Thurzos getroffen
worden, die führend im ungarischen Kupfer­
bergbau waren. Es kam zur Gründung einer
Fugger- Thurzoschen Handelsgesellschaft.
Dieses Unternehmen wurde noch durch Hei­
raten zwischen Fugger und Thurzo qefestiqt.
Auch bei der Wahl des Johann Thurzo
zum Fürstbischof von Breslau war der mäch­
tige Einfluß dieser Handelsunternehmen aus­
schlaggebend. Bischof Thurzo machte das
Handelshaus der Fugger auf das Goldvor­
kommen in Freiwaldau in seinem Bischofs­
land aufmerksam, schließlich aber wurde das
schlesische Reichenstein im Reichensteiner
Gebirge der Mittelpunkt für den Goldberg­
bau.
Grundherr war hier der Herzog von Mün­
sterberg in Schlesien. Durch Verhandlungen
mit ihm wurde Jakob Fugger Inhaber des
Reicheristeiner Goldbergwerks, das von
Breslau aus durch die dortige Niederlassung
der Fugger geleitet wurde. Der Fuggerfaktor
in Bresl au.Iiezoq neben freier Wohnung und
Verpflegung für sich und die Handelsdiener­
schaft die stattliche Summe von 400 Gulden
jährlich.
In Reichenstein war der "Fuggerdiener"
Hans Döring mit Erfolg tätig. Er konnte noch
verhältnismäßig reichlich Gold in Reichen­
stein gewinnen, und von seiner Tätigkeit
zeugen heute noch in den Fels gehauene
Handelszeichen des mächtigen Hauses der
Fugger.
Wie groß der Reichensteiner Goldberg­
bau angelegt war, geht z. B. daraus hervor,
daß für invalide Bergleute eine besondere
Unterstützungskasse angelegt worden war,
ähnlich der, die der oberschlesische Piasten­
herzog damals für seine Bergleute gegrün­
det hatte. Es handelte sich hier um die äl­
testen sozialen Versicherungen gegen
Krankheit, die bekannt sind.
Die in Reichenstein gewonnenen Goldbar­
ren wurden in der Breslauer Faktorei gesam­
melt, registriert, in Tücher gewickelt, in Kä­
sten verpackt und an das Hauptkontor der
Fugger nach Augsburg gesandt. Hier, wo
man täglich mit riesigen Mengen von Me­
tallen aller Art zu tun hatte, überraschte die
erste Goldsendung aus dem schlesischen
Reichenstein und verursachte großes Auf­
sehen. Denn Goldbarren aus bergmännisch
gewonnenem Gold waren trotz des Welthan­
dels dieses damals größten Handelsunter­
nehmens noch nicht in die Fuggersche Kauf­
manns stube in Augsburg gekommen.
Auf die Dauer lohnte sich aber die Gold­
förderung in Reichenstein nicht, denn das
. Goldvorkommen war damals. schon gering.
Als es schließlich zu einem Stolleneinbruch
kam, zog sich das Handelshaus der Fugger
aus Reichenstein zurück.
Bekannt aber ist, daß bis in unsere Tage
noch Gold dort gewonnen wurde. Zu unserer
Zeit gab es in Reichenstein noch ein Arsen­
bergwerk, das nebenher immer noch eine
geringe Menge von Gold lieferte. Daher
konnten sich die Reichensteiner Bergwerks-
besitzer goldenen Schmuck aus eigenem
Gold leisten. Die Hohenzollern legten Wert
darauf, ihren Goldbedarf durch Gold aus ei­
genem Land zu decken. So lieferte Reichen­
stein z. B. Trauringe für die kaiserliche Fa­
milie, aber auch eine goldene Taufschüssel.
Wir vertriebenen Schlesier wissen, wie
reich unsere Heimat Schlesien war, wo es
sogar Gold in den Bergen gab. Aber auch im
übrigen Deutschland sollte man die Bedeu­
tung Schlesiens nicht unterschätzen.
Ich selber habe Reichensteiner Gold als
Gymnasiast kennengelernt. Mein Mitschüler
Wolfgang (?) Gürtler, Sohn des Reichenstei­
ner Bergwerksbesitzers, trug an seiner Hand
einen sehr schönen goldenen Ring aus eige­
nem Gold. Seine Eltern stifteten damals für
unsere Gymnasialbibliothek eine Reihe
wertvoller Bücher. Dr. Roesch
8939 Bad Wörishofen
Adalbert-Stifter-Straße
EINSENDESCHLUSS
Für die Ausgabe vom 20. März 1977
Geburtstage bis 8. März 1977
Anzeigen bis 11. März 1977
Für die Ausgabe vom 5. April 1977
Geburtstage bis 20. März 1977
Anzeigen bis 26. März 1977
Wir bitten dringend, auch die Berichterstat­
ter, diese Termine zu beachten - und danken
für Beachtung.
Leserbrief
Nachdem ich die Zuschriften in Nrn. 23/
76 und 1/77 gelesen habe, und das Bildehen
in NI. 17/76 sah, möchte ich dazu noch ein
paar Worte schreiben.
Mir ist von einer tausendjährigen Linde
oder Eiche, die am Wege zu den Friesenstei­
nen stehen soll, nichts bekannt. Aber die ur­
alte Buche an diesem Wege kenne ich gut.
Bei einer Wanderung des Männerturnvereins
Fischbach zu den Friesensteinen am Himmel­
fahrtstage 1927 oder 28 sind wir dort vorbei
gekommen. Bei der Buche wurde Rast ge­
macht, dabei entstand diese Aufnahme. Mit
einer scharfen Lupe kann man auch den Text "­
auf der Tafel entziffern - es ist genau der
Text, den uns Frau Schröter aus Nienburg zu­
gesandt hat und den wir in NI. 23/76 veröf­
fentlichten. Nun könnte wohl der Fall - ob
Buche, Eiche oder Linde - vollständig geklärt
sein und das Kapitel abgeschlossen werden.
Bild: Wilhelm Koppe, Kattenvenne 176,
4534 Lienen.
Die alte Buche auf dem Wege zu den Fr ie­
sensteinen