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Januar · Februar | www.florieren-online.de
INSPIRATION & MARKETING
für den grünen Fachhandel
1| 2·2024
Das Digitalmagazin im Newsletterformat
INSIDE! - IMPULSE FÜR FLORISTIK
UND BLUMENHANDEL
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AUS DER BRANCHE FÜR DIE BRANCHE!
Wir stellen Ihnen das Wichtigste zusammen,
was Sie rund um Pflanzen und Blumen wissen
müssen. Dabei lebt Inside! vom Austausch
und der Vernetzung zwischen allen
Branchenteilnehmern.
ERSCHEINT 4 X IM JAHR
Bilder: Shutterstock.com,
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Foto: Peter J. Kierzkowski
Editorial
Zufällig bin ich wieder auf dieses
Bild gestoßen, es ist beim Fotoshooting in unserer Blume&Handwerk-Serie 2021 entstanden. Unter
dem Motto „Rosen für den WowEffekt“ gestaltete das Frankfurter
Blütesiegel-Team beeindruckende
Werkstücke, FleuraMetz hatte
dafür großzügig 22 Sorten zur Verfügung gestellt. Sie können den
Beitrag auf www.florieren-online.
de nachschauen und -lesen. Geben
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Suchfeld ein oder scannen Sie den
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Einladung zum Austausch!
Z
um Beginn des Jahres heißt unser Fokus-Thema „Trends 2024“ und
wie üblich steht Hochzeitsfloristik auf dem Plan. Diese wichtigen
Themen werden von einer Vielzahl weiterer Beiträge begleitet – von
Frühlingsfloristik über Social-Media-Tipps bis zum Bericht über die
Meisterprüfung 2023 in Zwettl. An dieser Stelle möchte ich jedoch die
Aufmerksamkeit auf den Frauentag lenken, der zwischen Valentins- und
Muttertag oft recht wenig beachtet wird. Wir stellen die Idee von Nicole
Heide in Berlin zum Frauentag vor (Seite 70), und indirekt spielt der
Tag auch im Projekt „Blumen im Kopf“ von Sasha Legostaieva eine Rolle:
Sie gestaltete individuellen Kopfschmuck für sechs Frauen (Seite 101).
Gesondert wollen wir auf die neue Floristikschule „Gestaltung in Theorie
und Praxis“ hinweisen. In Zeiten, in denen Instagram & Co. mit Floristikfotos geflutet werden und Fachkräfte fehlen, erscheint es uns wichtig,
die Diskussion über Gestaltung zu beleben (Seite 84). Wir freuen uns
zudem über die Serie „Herr Rat & Frau Tat“, in der Rupert Fey und Jessica
Grund-Grube ebenfalls zum Austausch einladen (Seite 78).
orieren-online.de
Januar · Februar | www.fl
1| 2·2024
Foto: Lisa-Maria Thalmayr
G
INSPIRATI ON & MARKETIN
el
für den grünen Fachhand
Titelbild Der World Cup 2023
lieferte viele Anregungen, auch für
die Brautfloristik. Lisa-Maria
Thalmayr stellt ihre persönliche
Auswahl vor (Seite 28). Auf dem
Titel sehen Sie den Brautschmuck
von Patricia Aguin aus Spanien.
Nun noch ein kurzes Fazit zu unserer Umstellung auf den Zwei-MonatsRhythmus und ein neues Layout vor einem Jahr. Wir haben seither viele
positive Rückmeldungen bekommen. Herzlichen Dank! Insgesamt
kommt unser Gegenkonzept zur schnellen Internet-Welt gut an. Nicht
nur schnell blättern und schnell vergessen, sondern genauer hinschauen und informiert werden, das ist die Devise. Im Internet sind wir
natürlich trotzdem aktiv. Wir bedanken uns auch bei allen Florist(inn)en,
die uns bei der Zusammenstellung der Magazine unterstützen und
freuen uns, wenn Sie weiterhin mitmachen. Wir wünschen viel Freude
beim Lesen und alles Gute für das neue Jahr!
Edith Strupf | estrupf@ulmer.de
1 | 2·2024 florieren!
3
Inhalt
48
62
Foto: Bloom’s
Foto: Gabriela Kaiser
Foto: Tollwasblumenmachen.de
48 Horticulture Trends: Positive Impulse
in unsicheren Zeiten
52 Bloom’s Trends: Authentizität und
Natürlichkeit
56 Christmasworld und Ambiente:
Vertrautes bewahren und Zukünftiges
willkommen heißen
60 Warenpräsentation: Natürlichkeit mit
Wow-Faktor
61 Trendfarben 2024
62 Ruhig, urban, verträumt: Vielfalt
bleibt wichtig
66 Trends in der Praxis: Langlebig und
durchdacht
69 Unser Fazit
Foto: Recozy
Fokus: Trends 2024
66
ab Seite 47
Trends 2024
Von ruhig und natürlich über
verträumt bis farbenfroh
52
22
Forum
6
7
FDF-Bilanz: Kaufzurückhaltung im Advent
Namen und Nachrichten
9
12
22
28
34
38
42
46
4
Serie: #florierenchallenge
Sehnsucht nach Frühling
Von Herzen einzigartig
Brautschmuck „Über den Wolken“
Brautschmuck: Individuell abgestimmt
Blume liebt Holz
Blüten pur und klare Vorstellungen
Hochzeiten in Italien
1 | 2·2024 florieren!
Foto: Das Einzelstück
Floristik
Porträt
70 Blumen am Kottbusser Damm in Berlin
74 Blumen Zeidler in Schkeuditz
Betriebswirtschaft + Marketing
Foto: beyond-
flora
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78
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78 Serie: Herr Rat und Frau Tat –
Impulse für mehr Profit und Profil
81 Blumen-Atelier in Haselünne:
Erst Follower, dann Kunde
rling
Aus- und Weiterbildung
Foto: Peter J. Kierzkowski
84 Serie: Floristikschule – Gestaltung in
Theorie und Praxis
90 Meisterprüfung 2023 in Zwettl
98 Serie: Der Weg zur Meisterarbeit
106 Azubis begeistern mit Blumenkunst
Report
101 Blumen im Kopf
84
Messen
108 IPM 2024 in Essen
110 Messetermine
Rubriken
Foto: Franz-Josef Wein
3
4
112
113
114
115
101
Foto: AoF/Maximiliane Altendorfer
Foto: Valentyna Donner
www.florieren-online.de
Auf unserer Homepage veröffentlichen
wir regelmäßig Branchennachrichten.
90
34
Editorial
Inhalt
Termine
Marktplatz
Impressum
Vorschau
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1 | 2·2024 florieren!
5
Forum
FDF-LANDESVERBÄNDE ZIEHEN BILANZ
Zurückhaltung
im Advent
Foto: BravissimoS /shutterstock.com
Weniger
Mikroplastik
Die EU-Verordnung 2023/
2055 zur Verringerung von
Mikroplastik beschränkt den
Verkauf und die Verwendung von Glitzer auf Kunststoffbasis,
beispielsweise
Abpackungen von losem
Glitzer oder Bestreu von Kerzen oder Christbaumkugeln.
Glitzer aus Stärke, Metall
oder Glas sind von der Verordnung nicht betroffen.
Wichtig ist, auch an die
Waren zu denken, die in den
kommenden Wochen ausgeliefert werden. Empfehlenswert ist, die Bestellungen an
Osterartikeln zu kontrollieren und die Produkte zu stornieren, die unter die Beschränkungen der neuen
Verordnung fallen. Zudem
sollten die neuen Bestimmungen beim Einkauf für
das
Weihnachtsgeschäft
2024 beachtet werden. Weil
das Verbot von Glitzer nur in
den EU-Ländern gilt, werden
betroffene Produkte weiter
angeboten.
Der QR-Code führt zur
ausführlichen Meldung
auf florierenonline.de
6
1 | 2·2024 florieren!
Foto: Nadine Quist
EU-VERORDNUNG
Der FDF-Bundesverband hat bei den Landesverbänden nachgefragt, wie der
diesjährige Advent gelaufen ist: Großflächig zeichnet sich eine deutliche
Kaufzurückhaltung ab und Kostensteigerungen konnten nur schwierig weitergegeben werden. Nur in Nordrhein-Westfalen war der durchschnittliche
Kundenumsatz höher als 2022.
Die Kunden schätzen individuelle
Floristik, aber 2023 war die Kaufzurückhaltung deutlich spürbar.
A
us dem Süden ist von einem rückläufigen Adventsgeschäft zu hören.
Die Kaufzurückhaltung der Kunden sei
deutlich spürbar – auch in hochpreisigen Segmenten, die in früheren Jahren
in exklusiven Geschäften in entsprechenden Lagen gut verkauft worden
waren. Kostensteigerungen im non-floralen Bereich konnten nur schwierig –
so wie es betriebswirtschaftlich nötig
wäre – weitergegeben werden. Dazu
gehören Energiekosten, aber auch die
Einkaufspreise für Accessoires und Zubehör. Zum Beispiel Kerzen sind exorbitant im Einkauf gestiegen. Das ließ auch
die Adventskränze im Preis erheblich
steigen. Entsprechend wurden weniger
aufwendig gestaltete Kränze verkauft.
Viele Betriebe hatten entsprechend vorsichtig eingekauft.
Personalmangel und
krankheitsbedingte Ausfälle
Große, aufwendige Adventsausstellungen finden immer weniger statt, viele
Florist(inn)en verzichten mittlerweile
ganz darauf. Als ein großes Problem für
viele Geschäfte erwiesen sich in dieser
Saison zudem der Personalmangel und
krankheitsbedingte Ausfälle. In Bayern
berichten Mitgliedsbetriebe zum Teil
von erheblichen Umsatzeinbußen.
Auch aus dem Norden wird von
einem insgesamt geringeren Umsatz
berichtet. Auch hier bestätigte sich der
Trend, dass kaum hochwertige große
Kränze nachgefragt wurden, sondern
eher deutlich günstigere Varianten in
klassischer Ausführung. Allerdings gab
es ein positives Feedback bezüglich des
Firmenkundengeschäfts.
In Nordrhein-Westfalen berichteten
einzelne Floristen ebenfalls, dass es
deutlich ruhiger gewesen sei. Auf der
anderen Seite jedoch war der durchschnittliche Kundenumsatz höher und
die verkauften Werkstücke teurer. Hier
wurde angemerkt, dass neben Kerzen
insbesondere Strohrömer sehr teuer
geworden sind. Aber auch Weihnachtskugeln und andere Produkte aus dem
Dekobereich sind im Vergleich zu den
Vorjahren im Preis gestiegen. Entsprechend aufwendig und bewusst mussten Floristen in diesem Jahr den Advent
organisieren.
JUST CHRYS 2024
Neue ChrysanthemenKollektion
Foto: justchrys 2024/FDF/Jörg Manegold
Auf der Basis von Mode- und Lifestyle-Trends haben FDF Kreativ-Direktor Manfred Hoffmann und
Floral-Designer Oliver Ferchland auch für 2024
eine Just-Chrys-Kollektion entwickelt. Sie wird auf
der IPM Essen und auf www.fdf.de vorgestellt. Erstmals werden die Trend-Impressionen zudem auf
kurzen Video-Clips aus allen Blickwinkeln gezeigt.
Das Trendthema Bright Beauty begleitet uns
von Januar bis Oktober. Die femininen Arrangements passen perfekt zu Wellness, Fashion und
Beauty. Mit soften Farben, Trockenblumen und
Gräsern ergibt sich ein harmonisches Erscheinungsbild. Die Stimmung ist hell und positiv.
Soft Shore ist ein Thema für die warmen Monate von April bis September. Florales trifft auf organische Formen, aus Boho wird Mobo = modern
Boho. Dieser Trend ist der neue Hippie-Style und
freier in der Gestaltung. Optimismus, positive Lebensenergie und sommerliche Leichtigkeit stehen
hier im Vordergrund.
Ab April und bis in den Oktober hinein kommt
Sensual Safari ins Spiel: kraftvoll, sehr natürlich,
nachhaltig und ohne künstliche Accessoires. Einzelne Blüten treten leuchtend hervor und setzen
sich in Szene. Ein maskuliner, erdverbundener
Trend mit martialischen Aspekten.
Das Herbst-Winter-Thema Cosy Caramel (August bis Dezember) wirkt elegant, unaufgeregt, gemütlich und festlich. Farben und Materialien vermitteln Ruhe, Gelassenheit und typische HyggeMomente.
26.–30. 1. 2024
FRANKFURT / MAIN
ThE
LIFESTYLE
MOvEmENT
Die anregendste Bandbreite an Produkten und Konzepten
rund um Wohnen, Einrichten und Dekorieren: Im Bereich
Living zeigt die Ambiente die aktuellen Designs und Trends.
Sie begeistert mit Stil in allen Richtungen – von Interiors bis
hin zu Ideen für Outdoor sowie Lösungen fürs Objektgeschäft.
Your industry, your community:
ambiente.messefrankfurt.com/living
Der asymmetrische Strauß „Mary Poppins“ in Bast-Wolke mit Schmuckbindung
in den Trendfarben Rosé, Apricot und Korall gehört zum Thema „Bright Beauty“.
Der QR-Code führt zum ausführlichen
Beitrag auf www.florieren-online.de
Forum
FDF BADEN-WÜRT TEMBERG
Erfolgreich in Leipzig (v.l.): Pauline Rucho (bester
Strauß), Luise Reiche (1. Platz), Selina Simon (3. Platz)
und Linda Behrend (2. Platz).
WE T TBEWERB
Azubi-Tag in Leipzig
Ende Oktober 2023 organisierte der Fachverband Deutscher
Floristen, Landesverband Sachsen, zusammen mit der FM
Academy und dem Beruflichen Schulzentrum Wurzen einen
Azubi-Tag für die Auszubildenden des 3. Lehrjahrs bei Landgard in Leipzig. Zu Beginn gab es einen Einblick in das Großmarktgeschehen, die Möglichkeit der Onlinebestellung und
neue Produkte von Smithers-Oasis. Schließlich sollten die
Azubis ein herbstliches Herz und einen Strauß gestalten, dann
wurde beides nach Prüfungskriterien bewertet.
Die beste Gesamtnote erreichte Luise Reiche, Blumeninsel Eileen Hubert in Leipzig. Den 2. Platz belegte Linda Behrend,
Blütenträume Torgau, auf dem 3. Platz folgte Selina Simon,
Gartenfachmarkt Richter in Chemnitz. Der beste Strauß gelang Pauline Rucho, Saltoflorale in Leipzig. Die Werkstücke
konnten im Atrium des Großmarkts noch einige Tage vom
Fachpublikum in Augenschein genommen werden.
Am 14. Oktober 2023 veranstaltete der FDF BadenWürttemberg einen Florist-Azubi-Warm-up-Tag
auf dem Blumengroßmarkt in Karlsruhe. Über den
Tag verteilt wurden die neuen Auszubildenden an
verschiedenen Stationen im Beruf „Florist/-in“ willkommen geheißen und durch die Vielfalt des Berufs geführt. Auch die
Praxis durfte nicht zu
kurz kommen. Viele
Azubis durften zum
ersten Mal unter fachkundiger Anleitung
selbst mit Schnittblumen arbeiten und
ihre Werkstücke in
Gefäßen mit nach
Hause nehmen.
Anian Friedrich beim
Warm-up-Tag auf dem
Großmarkt Karlsruhe.
Nähere Informationen und weitere Meldungen finden Sie auf www.florieren-online.de
oder über den QR-Code.
Verkaufsförderungsaktion „Blumen-Bon“ wird im Jahr 2024 fortgesetzt
Plantion blickt auf ein schwieriges Jahr 2023 Grüne Woche 2024: Blumenhalle zeigt sich als „City of colours“ Trends Up West 2024: Neuer Termin im Frühsommer Richard Petri wird Geschäftsführer von Floramedia
Deutschland FDF Hessen-Thüringen stellt sich auf Instagram vor Stars
for Europe: Absatzförderung im Weihnachts(stern)geschäft Interaktives
E-Book zur IPM Essen 2024 Inspiration: Ein Buch mit Lisianthus-Floristik
Verbraucherumfrage des Blumenbüros Holland: Nehmen Kunden den
Zierpflanzensektor als nachhaltig wahr? Auflösungen von Ausbildungsverträgen so zahlreich wie nie Adventsfloristik im Pflanzenforum SüdWest Grüne Inspirationen auf der „Mode Heim Handwerk“ in Essen
8
1 | 2·2024 florieren!
FDF NR W UND SAAR
Gemeinsam in
die Zukunft
Die Landesverbände Saar und NRW im
Fachverband Deutscher Floristen (FDF)
gehen ab 2024 gemeinsame Wege. Sie
wollen in einem Prozess des Strukturwandels langfristig handlungsfähig
bleiben und die Grundlagen für eine
schlagkräftige
Interessenvertretung
und eine umfassende Betreuung der
Mitgliedsbetriebe sichern. Erste Beschlussempfehlungen wurden in beiden Verbänden bereits einstimmig verabschiedet, die Satzungen werden geändert und die Organisationsstrukturen
angepasst. Im Laufe des Jahres 2024
soll der Zusammenschluss vollzogen
werden.
Unter Beibehaltung der ehrenamtlichen Strukturen soll aus dem FDF Saar
eine in vielen Bereichen selbst verwaltete Bezirksstelle werden. So sollen
auch die persönlichen Kontakte vor Ort
sichergestellt werden.
Die Betreuung und Beratung der
Mitgliedsbetriebe übernimmt nach
dem Zusammenschluss zentral die FDFGeschäftsstelle in Düsseldorf.
Foto: FDF Baden-Württemberg
Foto: FDF LV Sachsen
Azubi-Warm-up-Tag in
Karlsruhe
DIE GEWINNER DER
INSTAGRAM-AKTION
Werkstück für den Advent
Im November war ein adventliches Werkstück das Thema
unserer #florierenchallenge – alles war erlaubt, außer Adventskränze. Entsprechend vielfältig waren die Einreichungen. Die
meisten Likes sammelte Petra Michalski, eine besonders treue
Teilnehmerin der #florierenchallenge. Beeindruckt hat uns das
adventliche Werkstück von Nicole Wollanka, Blumenwerk
Neudenau.
Das hat uns beeindruckt
Das Werkstück von Nicole Wollanka (@nicolewollanka)
ist uns aufgefallen, weil es floristisch wertvoll und schön
fotografiert ist. Die Stabkerzen sind LED-Kerzen. „Die
verwenden wir in diesem Jahr sehr viel“, erklärt die Floristin. „Sie sehen sehr hochwertig aus und ermöglichen
eine ganz andere Art der Gestaltung, weil es keine
Brandgefahr gibt.“ Die Kunden schätzen, dass sich die
Kerzen via Fernbedienung steuern lassen. Ein Verkaufsargument sei zudem, dass sie sich jedes Jahr wiederverwenden lassen. „Gerade in einer Zeit, in der das Geld
nicht allzu locker sitzt, kann das beim Verkauf helfen.“
Nicole Wollanka arbeitet im Blumenwerk Neudenau.
Nach 21 Jahren Selbstständigkeit hatte sie das Bedürfnis
nach Veränderung und weniger Verantwortung. Sie gab
den Laden auf und startete nach einer Auszeit bei ihrem
guten Freund Andreas Frank im Blumenwerk.
Fotos: privat
Fotos: privat
Siegerin nach Likes
Petra Michalski (@floraldesign_petra_michalski) ist freiberufliche Floristin und hat sich 2008 mit dem Vertrieb
von Rostartikeln selbstständig gemacht. Das passte damals gut zu ihrer familiären Situation und als Tochter
eines Schlossers wurde ihr die Liebe zum Metall quasi in
die Wiege gelegt. Von April bis Juli ist sie mit den Artikeln auf Landpartien in Norddeutschland unterwegs.
Sie liebt das Ambiente auf diesen Veranstaltungen und
den unmittelbaren Kontakt zu den Kunden. Die Floristin
investiert viel Liebe und Zeit in die Standgestaltung,
kauft dazu auch besondere Pflanzen und Schnittblumen ein und fertigt floristische Werkstücke. „Ich kann
das nur jedem Floristen empfehlen, sich auf einer solchen Veranstaltung zu präsentieren“, erklärt Petra Michalski. Man habe tollen Kundenkontakt und kann sich
in einem sehr hochwertigen Ambiente präsentieren.
1 | 2·2024 florieren!
9
Amaryllis in Szene setzen
Die Aufgabe im Dezember lautete: Bindet eine Amaryllis mit
wenig Zusatz(-kosten) so auf, dass sie viel Eindruck macht. Weil
wir bei dieser Ausgabe der Challenge mit der Marketingplattform
Amaryllisinfo.eu zusammengearbeitet haben, werden die
Gewinner nicht nur hier gezeigt, sondern bekommen zusätzlich
je 50 Amaryllisstiele zugesendet. Wir sind gespannt, was Andreas
Frank und Imke Matthiesen daraus zaubern.
Mehr Infos zu
Amaryllisinfo.eu
Sieger nach Likes
Fotos: Frank
Das hat uns beeindruckt
Fotos: Matthiesen
„Wow, das könnte ja ein Vogue-Cover sein“, war die
spontane Reaktion in der Redaktion auf den Beitrag
von Imke Matthiesen. Die Inhaberin von Blumen Hansen (@ blumenhansen_sylt) hat die #florierenchallenge
im letzten Jahr schon gewonnen, deshalb läuft ihr Beitrag außerhalb der Wertung. Das Foto hat uns aber so
beeindruckt, dass wir es gern zeigen wollen. Zudem
freut uns die Wertschätzung, die Imke mit ihrem Beitrag
zum Ausdruck bringen will. Obwohl sie sie nicht erneut
gewinnen kann, haben sie und ihr Team viel Mühe in
Werkstück und Foto investiert. „Nur für Euch“ hat Imke
ihren Beitrag kommentiert. Die Vorbereitungen brauchten mehrere Tage, bis sich der Stiel der Amaryllis so
schön gekringelt hat, eine passende rote Strumpfhose
gekauft und das Podest gefertigt war. „Und Du glaubst
gar nicht, wie viele Bilder wir gemacht haben, bis das
Foto so im Kasten war“, erzählt sie lächelnd.
10
1 | 2·2024 florieren!
„Ich mag Amaryllis, verkaufe sie aber kaum noch, weil
sie für 3,99 in den Supermärkten verramscht werden“,
erklärt Andreas Frank (andreas.frank.313), Inhaber des
Blumenwerks Neudenau (siehe auch S. 42). Im Laden
bietet er deshalb nur außergewöhnliche Sorten. „Es gibt
so wahnsinnig schöne Sorten in tollen Farben, da muss
man als Florist gar nicht die roten verkaufen“, erklärt Andreas Frank. Für die Teilnahme an der #florierenchallenge hat er extra eine besondere Sorte bestellt und sie
auch bewusst nicht adventlich aufgebunden. „Wir haben einige Kunden, die mit Advent und Weihnachten
nichts am Hut haben. Für die will ich auch winterliche
Floristik anbieten“, erklärt er. Zudem finde er es schade,
dass Amaryllis häufig nur als Advents- und Weihnachtsschnittblume abgetan werde. Viele kleinblütigere Sorten lassen sich auch noch im Januar gut in winterlichen
Sträußen verwenden, ist Andreas Frank überzeugt.
4.-6. Februar 2024
in Dänemark
Alle Infos zur Challenge
finden Sie hier!
Die eindrucksvollste
Interior- und
Designmesse
des Nordens
Tobias Kopp ist
Jahressieger
Fotos: privat
Erleben Sie den
inspirierenden
Gartenbereich mit
weiteren Ausstellern,
Branchenprofis und
dem innovativen
Greenhouse-konzept
Nachdem der 12. Monatssieger der #florierenchal
lenge feststand, haben wir im Dezember auf unserer
Homepage zur Abstimmung über den Jahressieger
aufgerufen. Tobias Kopp, besser bekannt als „Der Blu
menmann“ (@derblumenmanndiy), konnte seine
Community am besten aktivieren und hat mit großem
Abstand die meisten Stimmen bekommen. Der
Schweizer hatte mit seinem Ministrauß zum Jahresbe
ginn die Challenge im Januar gewonnen. Wir werden
unseren Jahressieger im Laufe des Jahres bei passen
den Themen redaktionell einbinden.
Der Florist ist Inhaber des Blumengeschäfts FloraLine in der kleinen Schweizer Gemeinde Grosshöch
stetten. Er nimmt jede Gelegenheit, mal aus dem Blu
menladenalltag auszubrechen, gerne wahr – das kann
ein Wettbewerb, wie unsere #florierenchallenge sein,
aber auch seine Social-Media-Aktivitäten bieten ihm
Alltagsfluchten. Über 226.000 Menschen folgen dem
Blumenmann auf Instagram. Jeden Morgen geht der
Florist hier live, gibt Einblicke in seinen Laden oder DIYTipps und zahlreiche Follower schauen regelmäßig zu.
Seine Social-Media-Präsenz bringt ihm jedoch nicht
nur Spaß und Kontakte, sondern auch Werbeeinnah
men und im vergangenen Jahr sogar Fernsehauftritte.
Sieben Mal war Tobias Kopp als Florist im ARD-Buffet
zu Gast. „Das war sehr aufwendig, aber eine großartige
Erfahrung“, erklärt er.
Unsere #florierenchallenge geht 2024 weiter, wir
passen sie aber an den Erscheinungsrhythmus von flo
rieren! an. Wir werden also im Laufe des Jahres sechs
Herausforderungen auf unserem Instagramkanal
(@florieren_magazin) formulieren. Die Januar-Challen
ge ist schon gestartet.
Holen Sie
sich Ihre
FREIKARTE auf
formland.com
formland.com
Floristik
B LUM E N G R O S S MA R K T KÖLN
Sehnsucht nach
Frühling
Der „Kölner Frühling“ wurde im März 2023 erstmals nicht als Wettbewerb,
sondern als Bühnenpräsentation veranstaltet. Mit Victoria Salomon, Mehmet
Yilmaz und Björn Kroner standen gleich drei international renommierte
Floral-Gestalter auf der Bühne des Blumengroßmarkts Köln. Auch für ein
gelungenes Frühjahrsgeschäft 2024 liefert die Frühjahrsfloristik jenseits des
Alltäglichen Inspirationen.
Text: Martin Hein, Hamburg
Der „Kölner Frühling 2023“
wurde von Björn Kroner moderiert, Victoria Salomon und
Mehmet Yilmaz präsentierten
Floristik. Der „Kölner Frühling
2024“ wird am 17. März 2024
veranstaltet. Zu Gast sind dieses Mal Stephan Triebe und
Mehmet Yilmaz sowie Björn
Kroner, der erneut die Moderation übernimmt. Der Eintritt ist kostenfrei, zugelassen
ist nur Fachpublikum. Infos:
www.bgm-koeln.de
Ostern 2024
In unserer März-April-Ausgabe zeigen wir in einem
zweiten Beitrag Werkstücke
von Victoria Salomon und
Mehmet Yilmaz für Ostern.
12
1 | 2·2024 florieren!
Fotos: Blumengroßmarkt Köln/Jörg Manegold, Detmold
B
eim „Kölner Frühling 2023“ gab
es nicht nur unendlich viel TopFloristik zu sehen, sondern auch
jede Menge Praxis-Tipps. Wie
man Epoxidharz in der Floristik verwendet, sei hier nur als ein Beispiel genannt.
Bestechend auch die charmant-kollegiale Art der Präsentation von Victoria
Salomon, Mehmet Yilmaz und Moderator Björn Kroner. Die drei begegneten
ihren Zuhörern auf Augenhöhe. Da sie
selbst im floristischen Berufsalltag stehen, wissen sie genau, welche Informationen praxisrelevant sind.
Victoria Salomon kündigte zu Beginn „alltagstaugliche“ Floristik an. Das
war aber deutlich untertrieben, denn
das, was gezeigt wurde, war eindeutig
mehr als das, was in den meisten Blumengeschäften den Alltag ausmacht.
Der Grundgedanke dazu wurde von
Mehmet Yilmaz gleich in den ersten Minuten formuliert: „Wir müssen etwas anbieten, was andere nicht können. Wenn
wir anspruchsvolle Werkstücke nicht
zeigen, dann können wir sie auch nicht
verkaufen“, untermauerte Björn Kroner
das Plädoyer für Fachgeschäftsfloristik,
die am oberen Rand angesiedelt ist. Die
Floristen müssten sich „etwas trauen“ –
diese Formulierung fiel mehrfach. Wobei Victoria Salomon auf die verkaufs-
psychologische Binsenweisheit einging: „Wir sollten unsere Kreationen groß zeigen, aber auch in
Mittel und klein anbieten.“
Die Spannbreite der gezeigten Frühjahrsfloristik
war enorm. Bei der Farbauswahl fiel auf, was weitgehend fehlte: Gelb. Diese tradierte Frühlingsfarbe
tauchte ganz selten auf, dafür Orange, Rot, Rosa,
auch Pink und Lila sowie viel Weiß. Frühlingshaft
bunt waren die Frühjahrsimpressionen von Victoria Salomon und Mehmet Yilmaz also durchaus –
bunt, aber edel. Dass die Farbe Gelb so in den Hintergrund rückte, kann möglicherweise ein Hinweis
darauf sein, dass Gelb vielfach als billig empfunden
wird – die Werbeindustrie hat deutlich zu dieser
Klassifizierung beigetragen.
Das Metallgerüst ist 2,25 m
hoch, Mehmet Yilmaz bezeichnet das Werkstück als
„Tor zum Himmel“. An den
Weinreben im inneren Bereich wurden Gläschen für die
Wasserversorgung befestigt.
Verarbeitet wurden unter anderem Mohn, Nizza-Tulpen,
Vanda, Allium und Jasmin.
Auf der BUGA-Präsentation
im vergangenen Jahr wurden
von Mehmet Yilmaz fünf
dieser Werkstücke nebenei
nander präsentiert – ein viel
bewunderter Blickfang.
Floristik
Straußwettbewerb
für Azubis
So ganz ohne Beteiligung
des Nachwuchses ging
auch der „Kölner Frühling
2.0“ nicht über die Bühne.
Mit immerhin 16 Teilnehmer(inne)n wurde ein
Straußwettbewerb
für
Auszubildende veranstaltet. In 45 Minuten sollten
sie einen Strauß aus identischen Blumenzusammenstellungen binden. Einzige
Vorgabe: eine Bindestelle.
Bewertet wurden die
Werkstücke von den Bühnenakteuren Victoria Salomon, Mehmet Yilmaz und
Björn Kroner. Zu gewinnen
gab es für die ersten drei
Teilnehmer Geldpreise sowie einen Prüfungsvorbereitungskurs bei Mehmet
Yilmaz für die Erstplatzierte. Die Nase vorn hatte Marie-Sophie Schmitz, Blumen Jahn (Foto), gefolgt
von Leonie Weidner, Blumen Richter, und Nina
Doscoc, Floristenwerkstatt
Wesseling, alle drei Köln.
Ein Eisenring ist weiß getapt,
das Ried-Gras wurde gewebt.
Victoria Salomon verarbeitete
Ruscus, Zittergras und Sca
biosen. Das Werkstück trifft
die Trendfarben, wie sie auch
von der Modebranche für das
Frühjahr und den Sommer
definiert wurden.
14
1 | 2·2024 florieren!
Auch die Blumenauswahl tendierte
in Richtung edel. Calla, Vanda-Orchideen, französische Tulpen, Mohn, Gloriosa – Blüten mit hohem Geltungsanspruch standen im Zentrum. Dazu und
daneben aber auch das, was die meisten Menschen seit ihrer Kindheit mit
Frühling verbinden: Zwiebelblumen
(eingewachst), Schneeglöckchen, Traubenhyazinthen, Ranunkeln und häufig
Gräser, die den naturhaften Charakter
der jahreszeitlichen Floristik betonten.
Diese Naturhaftigkeit wurde auch
durch die floralen Gerüste betont, etwa
aus Wurzeln, Kiwi-Ranken, Haselnusszweigen oder Bambus.
Die verarbeiteten Blumen und Pflanzen stammten alle vom Blumengroßmarkt Köln. Was den in Berlin lebenden
Björn Kroner neidvoll aufstöhnen ließ.
„Das bekomme ich in Berlin nicht“, betonte er mehrfach. Man hätte solche
Aussagen als Werbung für den BGM Köln abtun
können, doch waren sie schlicht Realitätsbeschreibung. „Nun hat auf dem BGM Berlin auch noch der
einzige Bedarfsartikelhändler geschlossen“, beschrieb Björn Kroner die Einkaufssituation der Floristen in der deutschen Hauptstadt. Er ist damit
nicht allein, Nicolaus Peters, der neue Weltmeister
der Floristen, stieß im Frühjahr 2023 in das gleiche
Horn.
Victoria Salomon sprach beim Kölner Frühling
darüber, dass die Kombination von „frisch und trocken“ nach wie vor im Zeitgeist läge. Die Idee ließe
sich in andere Richtungen erweitern. Gegensätze
erzeugen emotionale Spannung und sind das Salz
in der Suppe. Daher waren die Kombinationen aus
naturhaften und eher stylischen Materialien so inspirierend. Wobei die Zusammenführung der
Gegensätze nie „gewollt“ wirkte, sie war schlicht
und einfach gekonnt. Wenn man einen Begriff
sucht, der die Präsentation des „Kölner Frühlings
2.0“ treffend beschreibt, dann könnte man das
…
Wort Engagement wählen.
Floristik
Die Holzbohle wirkt mächtig,
kompakt, die Blumen tänzeln.
„Dieser Kontrast aus Beständigkeit und Vergänglichkeit
ist charakteristisch für das
Naturempfinden im Frühjahr“,
sagt Victoria Salomon. Die
Haselnuss-Zweige sind mit
18er-Draht an der Holzbohle
fixiert. Die floralen Materia
lien, unter anderem Lisianthus
und Zittergras, stehen in
Vasen und können problemlos
ersetzt werden.
Floristik
Die Basis für diesen Strauß
von Mehmet Yilmaz besteht
aus einem Drahtgerüst, das
mit in Epoxidharz getauchter
Wolle umwunden ist. Die
Gläschen für die Wasserversorgung der Blumen wurden
mit Gummidichtungen verschlossen, sodass der Strauß
auch gut in die Hand zu nehmen ist. Verarbeitet wurden
unter anderem Calla, Clematis,
Gloriosa, Jasmin, Rhipsalis und
hängender Rosmarin. Ein
idealer Schmuck für den Tisch
eines Konferenzraums oder
einen Empfangstresen.
Als Basis in der Mitte des
Ständers wurden von Mehmet
Yilmaz mit Draht verbundene
Holzklötze eingesetzt. Blüten
von Gloriosa, Passiflora oder
Calla werden über Röhrchen
mit Wasser versorgt. Für viele
Werkstücke des „Kölner Frühlings“ galt die Präsentationsidee „Groß zeigen, aber auch
mittlere und kleine Versionen
anbieten“.
florieren-online.de
In einer Bildergalerie auf unserer
Website zeigen wir Details der
hier vorgestellten Werkstücke.
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Floristik
Diese Arbeit von Victoria
Salomon besticht durch frühlingshafte Leichtigkeit und
Bewegung. Der HaselnussZweig hat die Anmutung eines
imposanten Baumstamms,
die wie Lianen hängenden
Blütenstände geben dem
Werkstück einen fragilen
Charakter. Der Zweig wurde
in einem aufgebohrten Sandsteinblock befestigt. Clematis,
Anemonen und Viburnum
werden durch Glasröhrchen
mit Wasser versorgt.
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oben: Wicken, Viburnum, Allium und Ranunkeln werden
über Glasblasen mit Wasser
versorgt. Die gekalkten Kokosfasern sind an AluminiumRingen fixiert, Ginsterranken
setzen luftig anmutende
Akzente. Victoria Salomon
betont: „Alle in unseren Werkstücken verwendeten Materialien stammen vom Blumengroßmarkt Köln.“
unten: Hier kombiniert Vic
toria Salomon frische und
trockene Werkstoffe. Die
Schale wurde mit Trockensteckschaum ausgelegt, das
Moos betont die Frühlings
frische. Die Pampasgräser
stehen optisch dominant im
Zentrum. Ruscus, Disteln,
Tulpen und Anemonen werden über Glasröhrchen mit
Wasser versorgt und setzen in
Form und Farbe Akzente.
Floristik
Kölner Frühling 2.0 – vom renommierten Wettbewerb zur Floristikpräsentation
Bis 2023 wurde der „Kölner Frühling“ auf
dem Blumengroßmarkt in Köln 35 Mal
als Wettbewerb für den Nachwuchs veranstaltet. Er hatte über die deutschen
Grenzen hinaus einen hervorragenden
Ruf. Doch damit war mit der 36. Ausgabe
Schluss. Denn es wurde in den vergangenen Jahren immer schwieriger, Teilnehmer/-innen zu finden. Und dies, obwohl hohe Preisgelder lockten, Startgelder bezahlt und sogar die Reisekosten
vom Großmarkt vergütet wurden.
Ausdruck der Krise
Dabei gibt es ja eigentlich einen Wett
bewerbs-Boom. Es wird um die Wette
gesungen, gegrillt, getanzt, gekocht ...
Woran liegt es dann, dass der „Kölner
Frühling“ in seiner ursprünglichen Form
keine Zukunft fand? Man kann auch ohne schlechten Willen vermuten, dass das
fehlende Interesse des Floristik-Nachwuchses nur ein Ausdruck einer tiefgreifenden Krise des Berufsstands ist. Auch
die FDF-Landesverbände müssen nicht
selten regelrecht darum kämpfen, Teilnehmer für ihre Meisterschaften zu fin-
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den. Meisterschulen haben schon geschlossen, die verbliebenen können ihre
Kurse kaum füllen. Fachseminare müssen abgesagt werden. Aus mangelndem
Interesse gibt es die großen FloristikShows der Großmärkte, die vor weniger
als 20 Jahren noch Hundertschaften anzogen, schon länger nicht mehr. Dass es
schwierig ist, selbst für gut gehende Blumengeschäfte Nachfolger zu finden
oder auch Auszubildende mit wirklicher
Motivation – das muss eigentlich gar
nicht mehr erwähnt werden.
In anderen Branchen sieht man ähnliche Schwierigkeiten. Spricht man mit
20- bis 25-Jährigen über ihre beruflichen
Vorstellungen, dann hört man immer
wieder: Die Schwierigkeit liegt vor allem
darin, sich aus den vielen Angeboten für
einen Berufsweg zu entscheiden. Nicht
ein Mangel an Perspektiven scheint das
Problem, sondern ein Zuviel.
Mit einem „Zuviel“ müssen sich die
jungen Menschen auch in ihrer Freizeit
auseinandersetzen. Allein die Beschäftigung mit der virtuellen Welt kostet täglich Stunden. Wobei man sich, auf welchem „Kanal“ auch immer, in der Regel
nicht anstrengen muss. Sich einen Wettbewerb anzuschauen ist einfach. Teilzunehmen kann anstrengend sein. Das gilt
für den „Kölner Frühling“, für die „Silberne Rose“, für die Meisterprüfung und für
die Übernahme eines Blumengeschäfts.
Man kann resümieren: Wer satt ist, der
stellt sich nicht an den Herd.
Höhepunkt im Frühling
Also ging der Blumengroßmarkt Köln
neue Wege: Beim „Kölner Frühling 2.0“
standen Akteure auf der Bühne, die
schon seit vielen Jahren Erfolge feiern:
Victoria Salomon, Mehmet Yilmaz und
Björn Kroner. Die Veranstaltung wurde
vom Publikum gefeiert und wird somit
auch 2024 ein Höhepunkt der Frühjahrsaktivitäten des BGM Köln sein. Schade
allerdings und zugleich symptomatisch
für die Branchen-Situation: Das Gros der
Zuhörer/-innen lag bei 40 oder sogar
50 plus. Vielleicht sollte man in den Fachgeschäften der Metropolregion einmal
darüber nachdenken, ob die Veranstaltung nicht zum Pflichtprogramm für den
Nachwuchs gekürt werden sollte?
linke Seite: Ein von Mehmet Yilmaz aus Draht gewickelter „Schirm“ ist die Basis für diesen Strauß. Calla,
Clematis, Efeu, Tulpen, Gloriosa und Rhipsalis erhalten
ihre Wasserversorgung
durch Reagenzgläser. Generell lässt sich zu den auf
dem „Kölner Frühling“ vorgestellten Werkstücken sagen: Hauptsächlich wurden
Blumen verarbeitet, die
man nur in Fachgeschäften
und nicht im Systemhandel
findet. Diese Exklusivität
verbunden mit Top-Gestaltungen sind ein Zukunftsgarant für die FloristenBranche. Einfach gesagt:
Klasse statt Masse.
rechte Seite: Die Bündelung
mit Reynoutria japonica
(Staudenknöterich) wird
mit Epoxidharz zusammengehalten. Mehmet Yilmaz
verarbeitete bei seinen
Werkstücken für den „Kölner Frühling“ vielfach von
den Verbrauchern als edel
empfundene Blüten. In diesem Fall etwa Calla, französische Tulpen, Fritillaria,
Craspedia und Gloriosa.
Floristik
ID EEN FÜR D E N VA LE N T I N S TAG
Von Herzen
einzigartig
Der Name der Marke ist bei Mandy Voigt Programm: „Das Einzelstück“ heißt
nicht nur ihr über 200 m² großer Concept Store in einer historischen Straße der
thüringischen Kleinstadt Schmalkalden, sondern auch ihr gleichnamiger
Instagram-Account mit über 100.000 Followern. Für uns hat sie Inspirationen
für den Tag der Liebenden zusammengestellt. Text: Nadine Quist Fotos: Das Einzelstück
A
1 Durch das feine Drahtgeflecht erzielt Mandy Voigt
eine klar umrissene Herzform. Zunächst crasht sie die
grobe Grundform, arbeitet
dann die Blüten ein. Zum
Schluss wird alles zurechtgebogen und mit einer letzten
Schicht Bouillondraht fixiert.
uf Instagram zeigt Mandy Voigt
vor allem kreative DIYs mit
ihrem „Lieblingspapier“, Draht
und Licht in Kombination mit
Blumen. Damit inspiriert sie nicht nur
ihre Kunden und Laien, sondern auch
viele Berufskollegen. In ihrem Onlineshop vertreibt die Floristin einige der
Ideen als DIY-Boxen sowie selbst designte und gravierte Holzschilder mit
individuellen Sprüchen. Inspiration holt
sie sich von vielen Quellen, sei es auf
Reisen, in Magazinen oder auf Insta
gram. „Die Einflüsse sind unendlich und
ermöglichen es mir, immer wieder neue
Ideen und Designs zu entwickeln“, sagt
Mandy Voigt.
1
Blumen wecken Emotionen
Eines stellt sie aber klar: „Blumen sind
meine Leidenschaft!“ Sie sind deshalb
im selbst sanierten Ladengeschäft von
1747 auch das Kerngeschäft – und der
Türöffner zu einer anderen Welt: „Mein
Einzelstück ist ein Ort zum Abschalten.
Was man alles im Radio hört, ist nicht
mehr auszuhalten. Zu uns kommen die
Leute, um sich schöne Dinge anzuschauen“, sagt die 37-Jährige. Das war
auch schon wärend der Pandemie so.
Als Floristin ist sie stolz darauf, Freude
und gute Laune zu vermitteln: „Unsere
Kunden sollen nicht nur schöne Blu-
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menarrangements erhalten, sondern auch ein
Lächeln auf ihrem Gesicht tragen. Dies ist unser
Antrieb, jeden Tag unser Bestes zu geben.“
Kombination schafft Mehrwert
Der Valentinstag liegt ihr in besonderer Weise am
Herzen. Zusammen mit einer weiteren Floristin
und einer Verkäuferin bereitet sie sich darauf vor,
den Kunden individuelle Geschenke mit Mehrwert
zu bieten: „In unserem großen Weinkeller verbinden wir gerne verschiedene Produkte miteinander,
um ein einzigartiges Erlebnis zu schaffen.“ Dann
gehen auch Wein, Schokolade und Keramik mit
Botschaft über die acht Meter lange Theke. …
2 Diesen Tischschmuck ge-
staltete Mandy Voigt auf
einem von ihrem Mann Mario
geschweißten Gestell für ein
Event der Influencerin Karo
Kauer. Fine-Dining-Events
begleitet das Team nicht nur
gemeinsam mit Matheo
Catering außer Haus floral.
Auch im Einzelstück sollen
in der neuen Galerie im Obergeschoss solche Events stattfinden.
2
4
3
3 Extravagante Blüten wie die
der Vanda-Orchidee werten
das kleine Arrangement auf.
Die Kombination mit selbst
gemachten Windlichtern aus
ihrem Lieblingspapier lässt
sich auch als Tischschmuck
verkaufen.
4 In kleinen Herzen in CrashTechnik lassen sich wunderbar abgebrochene Floralien
einarbeiten. Auch gefriergetrocknete Rosen sind hierin
denkbar.
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Floristik
5
5 + 6 Hinreißend schön:
Für die etwas andere Form
der Straußmanschette beklebt
Mandy Voigt ein Pappherz mit
Loch in der Mitte mit Streifen
von Wachspapier. Eine blumige Überraschung verbirgt sich
in dem geschlossenen Papierherz. Hier lassen sich auch
zusätzlich Köstlichkeiten oder
Schmuck verstecken.
7 Blumen spielen die Haupt-
rolle: Bei den hohen BlumenEinkaufspreisen an Valentin
sieht Mandy Voigt in der
Kombination mit anderem,
wie Schmuck, Wein oder
Schokolade, die Chance,
aus weniger Blumen viel zu
machen und damit einen
Mehrwert zu schaffen.
8 – 10 Das wasserabweisende
Papier vertreibt das Team
über den Onlineshop als
„Lieblingspapier“. Es eignet
sich für Verpackungen genauso wie für Lichtobjekte. Die
DIY-Videos dazu produziert
Mandy Voigt in ihrem kleinen
Studio nach Ladenschluss.
11 Es muss nicht immer
Rot sein, auch die Farbe Rosa
drückt Zuneigung aus.
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8
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Floristik
12
12 Können Sie mir das als
Geschenk verpacken? Diese
Frage kommt am Valentinstag
häufiger. Da ist es gut, wenn
man bereits so eine schnelle,
aber originelle Idee parat hat.
13 + 14 Auch bereits verpackte Einzelblüten oder
Blumenbunde sparen Zeit
und machen gleich mehr
her. Der natürliche Look mit
Recyclingmaterial kann
optional mit einer kleinen
Botschaft versehen werden.
15 Dieser Kranz aus Stoffres-
ten lässt sich im meist ruhigeren Januar vorbereiten. Statt
Jeans sind auch Geschenkband-Abschnitte denkbar.
16 Mandy Voigt bietet sogenannte „Genießerboxen“ an,
die vor allem bei Männern
großen Anklang finden.
17 Für die Muschel-Man-
schette klebt Mandy Voigt in
Form gebrochene Muschelschalen schuppenförmig auf
ein Herz aus Pappe. Nicht nur
die Variation in der Größe ist
denkbar, ebenso kann, statt
einem Strauß, ein Gesteck
diesen Abschluss erhalten.
18 Selbst entworfene und
mit einem Laser gravierte
Holzschilder unterstreichen
den individuellen Charakter
der Werke.
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13
14
15
Foto: Das Einzelstück
Mandy Voigt
16
17
... bestärkten nach ihrer Ausbildung zur Floristin Wettbewerbserfolge darin, 2010 ihr
eigenes Floristfachgeschäft
zu eröffnen‚ das Einzelstück
in Schmalkalden. Seitdem
arbeitet sie daran, ihren
Kunden qualitativ hochwertige Blumenarrangements
und DIY-Produkte anzubieten. Ihr Ziel war es immer,
ihren Kunden nicht nur vor
Ort, sondern auch online einen Mehrwert zu bieten. So
sagt Mandy Voigt: „Ich nutzte Instagram, um meine kleine Stadt und die schönen
Dinge, die sie zu bieten hat,
in schwierigen Zeiten wie
dem Umbau unseres histo
rischen Hauses von 1747 und
der Corona-Pandemie bekannt zu machen.“
X www.das-einzelstueck.eu
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Floristik
BR AUTSCH M UCK B EIM WO R L D CU P 2023
5
10
ÜBER DEN
WOLKEN
Eine Weltmeisterschaft der Floristik gibt viele Anregungen für die
Hochzeitsfloristik in Sachen Technik, Farben, Blüten. Insgesamt waren
viele Brautsträuße durch zarte und kompakte Gestaltung gekennzeichnet, aber es gab einzelne, besondere Formen, die zu neuem Denken
inspirieren. Weil es inzwischen viele unterschiedliche Familienmodelle
und damit Hochzeiten gibt, sollten wir offen für neue Ideen sein.
Lisa-Maria Thalmayr, Salzburg/A
r
tat
er
i-
D
ie Weltmeisterschaft der Floristen 2023 hat anschaulich
gezeigt, wie unterschiedlich
Brautschmuck sein kann. Es
gibt so viele Möglichkeiten, mit Blumen
Hochzeit zu feiern. Sie sollen die Braut
oder den Bräutigam begleiten und zudem ist Hochzeitsfloristik Teil vieler Traditionen. Und gleichzeitig stark von
Trends beeinflusst.
Was gibt es Neues? Vor allem ist neu,
dass es neue Modelle von Familien gibt.
Also auch neue Formen von Verbindungen. Wie sehr sind wir in der Floristik
dafür offen? Bei der Weltmeisterschaft
war Gelegenheit, Inspirationen zu sammeln. Denn jedes (Teilnehmer-)Land
hat eigene Traditionen und darüber hinaus haben alle Floral Designer eigene
Vorstellungen von „Brautschmuck über
den Wolken“.
„Über den Wolken“ ist ein schönes
Thema für die wohl individuellste Arbeit
in der Floristik. Bei keinem Werkstück ist
man näher an der Kundschaft. Wir Floristen können nicht oft genug daran erinnert werden, wie besonders es ist,
Blumenschmuck für den Tag zu gestalten, der für viele der wichtigste im Le-
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ben ist. Für mich ist das Gestalten von
Brautsträußen, vor allem aber die Übergabe etwas Besonderes – vielleicht
auch deshalb (noch), weil ich nur einige
Hochzeiten im Jahr übernehme. Dann
bin ich gespannt, wie das Ergebnis gefällt und passt. Die Übergabe ist für
mich ein Ritual, das ich nach Möglichkeit selbst übernehme.
Mein letzter Brautstrauß hatte den
Namen „Leichtigkeit“, weil die Braut daran erinnert werden wollte, das Leben
leicht zu nehmen und im Moment zu
leben. Die Natur ermöglicht uns, solche
Wünsche zu erfüllen. Das bestätigt
mich darin, dass dieser Beruf eine Berufung ist. Selbst wenn ich noch viele andere Dinge in meinem Leben mache,
werden Blumen immer ein Teil davon
sein. Weil ich dieses Gefühl nicht vermissen möchte.
Einen Brautschmuck für einen Wettbewerb zu gestalten, ist etwas sehr Persönliches. Das Werkstück wird zwar für
eine gedachte Person entworfen, aber
einen solchen Schmuck gestaltet man
immer auch für sich selbst. Und so entsteht die Magie, dass man ein Stück von
…
sich mitgibt und der Welt zeigt.
Die Wolke der Zukunft
Bei Elizabeth Newcombe aus
Großbritannien war zu erkennen,
wie vielseitig sie arbeitet. Der
Brautschmuck sticht zunächst
nicht hervor, denn er ist fast unsichtbar. Doch auf den zweiten
Blick ist man fasziniert. Es wirkt
wie ein Hauch von Nichts und
doch ganz Viel. Feine StoffElemente in organischer Form
ergänzen sich und bilden zusammen mit einem durchsichtigen
Plastikring die Grundkonstruk
tion. Die Elemente sind holografisch, was dem Werkstück zu
besonderem Glanz verhilft. Die
Blüten sind einzeln auf Draht
gefädelt und schweben um die
Elemente. Der Schmuck ist auf
beiden Seiten abfließend und
wirkt wie ein Brautschmuck der
Zukunft oder aus einer anderen
Dimension. Die Leichtigkeit, die
Elizabeth Newcombe hier präsentiert, macht neugierig auf mehr
Floristik dieser Art.
Die Fülle (Titelmotiv)
Wie in all ihren Werkstücken präsentierte Patricia Aguin aus Spanien bei ihrem Brautschmuck
Fülle. Ranken weben sich in ein
flaches Korbgerüst. Die Werkstoffe
lösen die Form nach außen gefühlt
auf, womit die Verbindung zum
Thema geschaffen wird. Auch die
gewählten Farben wirken weich
und angenehm. Sie verwendet
große Blüten und abfließende
Werkstoffe, die eine schwere Eleganz vermitteln. Man fühlt sich in
eine Szene in der Natur versetzt,
auf ein Feld, wo ein Fest des Lebens stattfindet. Diese Fülle im
Brautschmuck ist nicht nur ein
spannender Trend in der Floristik,
sondern auch ein schönes Zeichen, dass Brautfloristik nicht nur
kompakt und zart sein muss. Sie
soll die Braut begleiten, darf aber
genauso Gefühle darstellen.
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Foto: Lisa-Maria Thalmayr
Foto: Lisa-Maria Thalmayr
Foto: Jens Poulsen
Foto: Lisa-Maria Thalmayr
Floristik
Farbexplosion
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LISA-MARIA THALMAYR
ist Floristmeisterin und
Fotografin. Unter ihrem Label
„Lisart“ bündelt sie Kunst, Fotografie und kreatives Mentoring.
Dazu gehören Seminare für Floristinnen und Floristen genauso wie
Moderation und Projekte mit anderen Kreativen. Lisa-Maria Thalmayr inspiriert Menschen mit
„Lisart“ vor allem über Social Media. Vor einem Jahr gründete sie
zusammen mit Doris Heinrich die
Agentur „Drop the Butter“, über
die sie kreative Innovationen medial umsetzen.
X www.lisart.earth
Foto: Bettina Hüttner
Die filigrane Arbeit von Kim
Hyung Hak aus Südkorea zog den
Betrachter sofort in den Bann.
Der schwarze Hintergrund ließ die
Farben besonders hervorstechen.
Der Grundaufbau aus Ringen in
verschiedenen Größen erinnert
an ein Pendel. Dunkle Schnüre
verbinden die Kreise und unterstreichen die feine Wirkung.
Gloriosen, Oncidium-Blüten und
Chrysanthemen geben der Gestaltung eine spielerische Note,
aufgefädelte Beeren verleihen
Leichtigkeit. Die Basis bilden
Halbmonde, die parallel auf den
mittleren Ring gefädelt sind.
Durch die Sichelform schaffen sie
Raum für die Blüten. Diese Art der
Grundstrukturen zeichnet den
floralen Stil des Südkoreaners aus.
Seine Floristik ist geprägt von
geschichteten oder übereinander
liegenden Elementen. In diesen
Formen gibt es „Ausschnitte“, die
gefüllt werden wollen. Der Kon
trast zwischen klarer Form und
Blüten, die aus der Form herauswachsen, verleihen seinen Arbeiten eine besondere Spannung.
Ein Hauch von Blüten
Foto: Lisa-Maria Thalmayr
Mit dem Motto „A heavenly wedding – eine himmlische Hochzeit“
sollte der Brautschmuck die
Betrachter in eine Welt über den
Wolken bringen. Die Aufgabenstellung war abstrakt und magisch. Jenny Thomasson, die Kandidatin aus den USA, gestaltete
eine Ringhalterung aus Silikon
mit Metallröhrchen. In dieser
schirmartigen Konstruktion
schwebten Blüten wie Phalaenopsis und Nerinen in einem Farbspektrum von Hellrosa bis Apricot.
„Es war fast wie ein Überraschungspaket, weil ich die Idee
davor noch nie so umgesetzt habe“,
erzählt Jenny Thomasson. „Ich
war sehr zufrieden damit, wie
am Ende alles geklappt hat, der
Brautschmuck wirkte zart und
sphärisch.“
23. – 26. JANUAR
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AUSSTATTUNG
Der Atemberaubende
Einmal kurz die Luft anhalten und
staunen. Die Farben des Morgenrots aus ineinander verwobenen
Blüten auf einer transparenten
Scheibe. So fühlte sich der erste
Eindruck beim Anblick des Brautschmucks von Lisa Pålsson an.
Die Norwegerin arbeitete auf ein
Drahtgerüst und konzentrierte
sich auf die Farben und Strukturen der Blüten. Kleine Metallröhrchen geben den Blüten Halt und
wirken als Teil der Gestaltung.
Die Blüten aber stehen eindeutig
im Mittelpunkt. Sie sind genau
aufeinander abgestimmt und
wirken fast, als würden sie in der
Kreisform tanzen. Tropische Blüten spielten nicht nur in ihrem
Brautstrauß, sondern in all ihren
Werkstücken eine Rolle.
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Fotos: Jens Poulsen (oben), Lisa-Maria Thalmayr (unten)
Floristik
Foto: Jens Poulsen
Lisa Pålsson
DER ATEMBERAUBENDE
Lisa-Maria Thalmayr war fasziniert von Lisa Pålssons Brautstrauß,
aber auf den ersten Blick war nicht zu erkennen, wie der Brautstrauß
der Vizeweltmeisterin 2023 aus Norwegen zum Thema „Über den
Wolken“ passt. Also haben wir nachgefragt.
Lisa Pålsson wurde von Stein
Are Hansen, dem Weltmeister
der Floristen 2010, unterstützt.
Foto: Jens Poulsen
Lisa-Maria Thalmayr: Wie war der
Prozess der Ideenfindung?
Lisa Pålsson: Da ich in meiner Flo
ristik gerne mit kräftigen Farben arbei
te, stellte sich beim Thema „Über den
Wolken“ die Frage, wie ich das verbin
den kann. Anfangs habe ich mich mit
den typischen Farben von Wolken
auseinandergesetzt, doch schnell war
klar, dass ich mir selbst treu bleiben
wollte. Also habe ich das Wolkenthe
ma auf den Himmel ausgedehnt. Und
so kann dieser Strauß, wie du sagst, als
Sonnenaufgang oder auch als Abend
stimmung am Himmel interpretiert
werden. Der Strauß sollte ausdrucks
stark sein und am Ende war ich mehr
als zufrieden. Das fertige Werkstück
habe ich dann auf Wolle präsentiert,
die von unten beleuchtet war. Somit
schwebte der Strauß quasi über den
Wolken. Um die Farben und die Zu
sammenstellung zu testen, habe ich
den Strauß in einer Testversion für die
Hochzeit meiner besten Freundin im
Sommer gefertigt. Somit hatte dieses
Werkstück für mich noch mal eine
ganz spezielle Bedeutung.
Warum hast du dich für überwiegend tropische Blumen entschieden?
Sie bringen mir die kräftigen Farb
töne, mit denen ich sehr gerne arbeite.
Außerdem sind sie lange haltbar und
im Wettbewerb braucht man weniger
Vorbereitungszeit. Das war ein sehr
wichtiger Punkt für mich: Unter Druck
kann ich am besten arbeiten, wenn al
les gut vorbereitet ist.
Welche Technik hast du verwendet?
Wir haben verschiedene Drähte
ausprobiert und uns schließlich be
wusst für eine metallische Wirkung als
Teil der Gestaltung entschieden. Eini
ge Wochen vor dem Wettbewerb wur
de uns jedoch klar, dass die Blüten
nicht lange genug halten, wenn sie di
rekt auf den Draht gearbeitet sind.
Und dass es den Blüten auch schadet.
So waren wir gezwungen, noch eine
neue Lösung zu finden. Wir haben eine
Idee entwickelt, bei der jede Blüte mit
einem Magneten verbunden ist. Die
Magnete waren in eine Art Bügelperle
eingearbeitet, wie man das aus dem
Kindergarten kennt. Im Gerüst gab es
die Gegenstücke dazu. Somit war ich
am Ende damit beschäftigt, Plus und
Minus zusammenzubringen.
Hast du inzwischen realisiert, dass
du Vizeweltmeisterin bist?
Ganz ehrlich, nein. Das ist immer
noch ein bisschen unfassbar. Mein Ziel
war, das Finale zu erreichen, aber mit
dem 2. Platz habe ich nicht gerechnet.
An dieser Stelle will ich auch noch mal
Danke sagen an den besten Assisten
ten. Für mich war klar, dass ich nur mit
Stein Are Hansen an meiner Seite bei
einer Weltmeisterschaft mitmache. Der
World Cup war eine unglaubliche Er
fahrung und der Titel hat diese un
glaubliche Erfahrung noch mal ge
krönt. Besonders habe mich über all
die Reaktionen auf meine Werkstücke
gefreut, speziell über all die wunder
baren Kommentare über meinen
Brautschmuck.
Was ist deine Nachricht an Floristinnen und Floristen, die große Ziele
haben?
Bleibt dran an euren Träumen! Ihr
könnt alles schaffen. Mit viel Hingabe
und viel harter Arbeit könnt ihr es weit
bringen.
Fießende Harmonie
Den Brautstrauß von Nicolaus Peters haben wir schon in der
letzten Ausgabe näher vorgestellt – hier sehen Sie noch einmal
eine andere Ansicht. Es war der Brautschmuck mit der besten
Bewertung. In jedem Werkstück steckt so viel Vorarbeit, Planung
und Ausprobieren! Hier glänzt Nicolaus Peters mit seiner Kunst,
jeder Blüte ihren Raum zu geben und doch alles in der optischen
Wirkung ineinanderfließen zu lassen. Erst beim genauen Betrachten sieht man, dass jeder einzelne Werkstoff genau für diesen Platz ausgewählt wurde, nach Form und Farbspiel. Und doch
wirkt alles fast wie zufällig.
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Floristik
AC ADEMY O F F LO W ER D ESIGN (AO F )
INDIVIDUELL
ABGESTIMMT
Wenn Kund(inn)en mit Brautstrauß-Bildern aus den sozialen Medien ins Geschäft kommen,
kann man entweder ohne Einwände auf die Wünsche eingehen oder Alternativen
mit persönlichem Bezug aufzeigen. Das kann zeitintensiv werden, rückt aber die
Kompetenz von Florist(inn)en ins
Blickfeld und erhöht die Wertschätzung für
die Kreativität und das technische
Know-how des Berufs.
Beispiele von der Meisterprüfung an
der Academy of Flowerdesign (AoF) 2023
beweisen, wie individuell und zeitgemäß Brautschmuck sein kann.
Nicole von Boletzky, Wangen/CH
Fotos: Maximiliane Altendorfer (Brautschmuck), Nicole von Boletzky (Floristen bei der Arbeit)
1
34
1 Die Schweizerin Gianna Högger
machte „Weibliche Wölbung“ zum
Thema und entwickelte gleich
mehrere konvexe Elemente, die sie
mit Lavendelblüten bestückte und
in Schichten zueinander führte.
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4
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2 Auch Regina Frech konzen
trierte sich auf „authentische
Weiblichkeit“ und schuf einen
Brautstrauß, der von einer
Haarnadelmanschette um
mantelt war. Eine Haarbürste
dient als Griff.
3 Michaela Gerster formierte
Kosmetik-Pads zu einer Abschlussgestaltung. Für das
Innere wählte sie feinste Blü
tenschönheiten.
4 In akkurater Fleißarbeit
ließ Melanie Wank eine per
fekte Spindelform entstehen,
die am Mittelfinger getragen
wird.
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Floristik
5
6
Meisterkurse an der AoF
Die Academy of Flowerdesign (AoF) unter der Leitung
von Nicole von Boletzky bietet Meisterkurse in Wangen/
CH und Innsbruck/A an. Die
gemeinsame Prüfung findet
in Innsbruck statt.
u academyofflowerdesign.
com
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8
9
5 Carmen Streuli frönte be-
wusst einer etwas kitschig
anmutenden Klischeeform:
dem Herz. Und um das Ganze
noch zu verstärken, entstand
eine Symbiose mit einer
etwas süßlichen Handtasche.
Etwas Hollywood eben.
6 Einen Verweis auf innere
Werte schuf Marina Wangler
mit zwei in Abstand zueinander gebrachten Scheiben, was
die florale Ausgestaltung des
Kernbereichs erlaubte.
7 Max Reinbold brachte mit
der Zapfenschuppung im Abschlussbereich eher maskuline Ansätze in die Gestaltung
ein, die sich in der Kombination mit feinen Blüten aber
wieder relativierte.
8 Süß, süßer, noch süßer ging
Helene Dahlmeier-Adelsberger vor, als sie Zuckergebäck
und farblich darauf abgestimmte Blüten vereinte.
9 Am lebenden Modell prä-
sentierte Lea Peter während
der gesamten AoF-Meisterausstellung ihren floralen
Brautschmuck-Kragen –
ein echtes Highlight für alle
Besucher!
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Floristik
H OCH ZEIT EIN E R F LO R IST M E IST E R I N
Foto: Vanessa Preuhs
Blume liebt Holz
Vanessa Holderied
... eröffnete im März 2017 das
„Blumenwerk Owingen“ und zog
im September 2022 in ihr neu erbautes „Blumenwerk“ in Haigerloch-Owingen – einem Ort im
Zollernalbkreis mit knapp 1.500
Einwohnern. In dem geradlinigen 300 m² großen Beton-Gebäu
de gestalten vier Floristinnen vor
allem Floristik für Beerdigungen
und Events. Der große Fundus an
Leihgefäßen und mehr sowie die
Erfahrungen in und mit der
Eventbranche halfen dabei, die
Hochzeit der 37-jährigen Stuttgarter Floristmeisterin perfekt
werden zu lassen.
X blumenwerk-owingen.de
1 + 2 Die eigene Handschrift:
Weil ihr keine Papeterie gefiel,
kaufte sie Schriften und erstellte
Menükarten und Co. selbst in
Word. Die Schriftzüge für die
Holzschilder plottete ein Freund.
3 Bei den Tischen testeten die
Floristinnen die englische Gesteckform, bei der die Blumen zur
Mitte hin abfallend asymmetrisch
angeordnet werden. Die Schnittblumen wurden entblättert und
in weißen Steckschaum gesteckt.
Außer gebleichtem Farn kam kein
Beiwerk zum Einsatz.
4 Die Ständer für die Schleier-
krautwolken über den Tischen
schweißte Vanessa Holderieds
Vater. Oben ist ein abnehmbares
Schälchen angebracht, das als
Halterung für Steckschaum dient.
Etwa zwei Bund Schleierkraut
stecken in jeder Wolke.
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2
3
4
Die Floristmeisterin Vanessa
Holderied plante ihre eigene Hochzeit in
nur fünf Monaten. Genug Zeit, um zwei
Dekorationskonzepte zu verwerfen und
eine landwirtschaftlich genutzte Halle auszuräumen, um daraus das perfekte Setting
für ihre entspannte Sommerhochzeit mit
ihrem Zimmermann Steffen zu zaubern.
Text: Nadine Quist
Fotos: Vanessa Preuhs
Floristik
D
as Farbkonzept sollte zum
Sommer passen und eine
Symbiose mit Holz eingehen
können, dem Arbeits-Werkstoff ihres Partners. Zu Beginn war eine
Dekoration ganz in Grün, ausschließlich
mit Blättern und Beiwerk geplant. Diese und auch die Idee mit viel Pampasgras und farblich passenden Floralien
verwarf Vanessa Holderied. Frische fehlte. Die Lösung: duftige SchleierkrautWolken in strahlendem Weiß als Kontrast zur sommerlichen Hitze. Solche
Wolken hatte die Floristmeisterin bei
einer Kunden-Hochzeit ein Jahr zurvor
gestaltet und bereits beim Beratungsgespräch gewusst: „Genau so würde ich
das auch machen! Das Schleierkraut
nimmt sich so schön zurück, wirkt festlich in dieser Fülle, aber nicht steif.“ Eine
lockere Atmosphäre war dem Brautpaar
wichtig. „Etwas anderes hätte nicht zu
uns gepasst“, sagt Vanessa Holderied.
So entstand die perfekte Rahmengestaltung für ihre Hochzeit in der 450 m²
großen landwirtschaftlich genutzten
5
5 Das Einzige, das Vanessa Holderied nicht selbst gestaltete, war
der Brautstrauß. Gefriergetrocknete Hortensie in der Basis ermöglicht die zur Mitte hin abfallende Form des asymmetrischen
Brautstraußes. Für den Kopfkranz
verwendete die Floristmeisterin
trockenes Schleierkraut, weil das
harte Weiß von frischem nicht
zum matt ivory-farbenen Brautkleid gepasst hätte.
6 Die freie Trauung war eigentlich
im Außenbereich geplant. Wegen
der Hitze fand sie spontan in der
Scheune statt.
7 Betonierte Christbaumständer,
die ursprünglich für den Eingang
des Ladengeschäfts gebaut wurden, dienten dem Arrangement
am Eingang der Scheune als
Grundgerüst. Darauf tackerten
die Floristinnen Steckschaum im
Kunststoffgitter. Eigentlich war
geplant, ohne Wasserversorgung
nur in Hasendraht zu stecken, was
bei direkter Sonneneinstrahlung
doch nicht möglich war.
8 Erst einen Tag vor der Trauung
schüttete der befreundete Landwirt im Außenbereich Kies auf.
Die Loungemöbel lieh das Brautpaar von einem Bekannten, der
Firmenevents ausstattet. Die
dazu arrangierten großen Körbe
mit Solitärpflanzen (Hortensie,
Eukalyptus, Schleierkraut, Rittersporn, Phlox) nahm Vanessa Holderied aus dem Bestand, den das
Blumenwerk für Events verleiht.
9 Die Tüten für die 30 Blumenkinder waren aus dünnem Holz. Die
Mädchen bekamen Blumenkränze,
die Jungen Anstecker.
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1 | 2·2024 florieren!
Lagerhalle eines Freundes. Diese musste zunächst ausgeräumt und gesäubert
werden. Riesige Getreidesilos verschwanden hinter weißen Stoffbahnen.
Da nur wenig Tageslicht ins Halleninnere fiel, kamen große Lichterketten zum
Einsatz, die die 230 Gäste in stimmungsvolles Licht hüllten.
Gestalterisch mag es die 37-Jährige
schlicht und ruhig. Gerne auch Ton-inTon, denn dann kann die Blumenauswahl auch vielfältig sein, ohne dabei
unruhig zu wirken. Rosen, Hortensien,
Nelken, Skabiosen, Alstroemerien, Rittersporn, gebleichter Farn, naturfarbenes Samtgras, etwas Pampas, aber kein
frisches Beiwerk verarbeitete das Team
aus fünf Floristinnen.
Servietten und Tischläufer ließ die
Braut aus Leinenstoff anfertigen. Diese
und die verwendeten Gefäße stocken
nun den großen Leihfundus im Blumenwerk Owingen auf. Bei der Planung ihres
vor eineinhalb Jahren neu gebauten Ladengeschäfts hatte sie bereits auf eine
großzügige Lagerfläche geachtet.
9
6
7
Gefilterte Realität
8
Wie die Fotografin, die den
Hochzeitstag von Vanessa Holderied in Bildern festhielt, setzen viele bei der Bildbearbeitung einen Filter ein. Weil dieser in diesem Fall sehr gut zum
Thema der Hochzeit passt und
diese Praxis der Zeit entspricht,
haben wir diesen belasssen.
Nichtsdestotrotz erschweren
diese Filter häufig das Beratungsgespräch im Blumengeschäft. Mehr dazu im Interview
mit Andreas Frank auf den folgenden Seiten.
1 | 2·2024 florieren!
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Floristik
WIE VER ÄN D E R T SICH D IE HO CHZ E I TS F LOR I S T I K
Blüten pur und
klare Vorstellungen
Vor etwa 40 Jahren band Andreas Frank seinen ersten Brautstrauß. Mittlerweile ist er
auch überregional für seine mit Feinsinn ausgesuchten Farb- und Materialkompositionen
bekannt. Zu den 17.000 Followern auf Instagram zählt kein geringerer als Gregor Lersch.
In seinem Blumenwerk im baden-württembergischen Neudenau ist er der Chef über sein
Pastelluniversum und spricht mit uns über die Trends im Hochzeitsbereich, die er dort in
Beratungsgesprächen und als leidenschaftlicher Großmarktgänger ausmachen kann.
Im Gespräch mit
ANDREAS FRANK
Der 57-jährige Florist und
Zierpflanzengärtner wuchs in
der Gärtnerei seiner Eltern
quasi unter dem Bindetisch
auf. Mit 19 machte er sich mit
einem zweistöckigen Neubau
mitten in der Altstadt selbstständig. Heute arbeiten fünf
Floristinnen im Blumenwerk
Neudenau. Die Gärtnerei existiert weiterhin, wird aber nur
noch wochenweise für den
Verkauf geöffnet. Für seine
Floristik ist Andreas Frank vor
allem im Bereich der Trauerbinderei bekannt und wird zu
diesem Thema auch für Demonstrationen gebucht, aber
auch viele Heiratswillige fragen extra wegen seinem Stil
an. Nicht nur bei Posts auf
Social-Media-Kanälen nimmt
er sich selbst nicht so ernst.
Gleichzeitig hat er eine klare
Meinung in Sachen Wirtschaftlichkeit, die er auch im
Beratungsgespräch vertritt.
42
1 | 2·2024 florieren!
Foto: privat
Im Gespräch: Andreas Frank, Neudenau, und Nadine Quist
Herr Frank, Sie sagten im Vorfeld des
Interviews, Sie würden sich überlegen, Hochzeiten völlig zu streichen.
Was veranlasst Sie dazu?
Andreas Frank: Das Problem bei
heutigen Hochzeitsaufträgen sind hohe
Ansprüche, viel im Internet gesehen,
aber kein Budget. Es steht ja auf Insta
gram und Pinterest nicht drunter, der
Traubogen hat 2.000 Euro gekostet.
Wenn die Vorstellungen und das vor
handene Budget ganz arg auseinanderklaffen,
muss ich manchmal auch sagen, dass wir so leider
nicht zusammenkommen. Kürzlich habe ich mit
einer Kollegin geredet, die ganz groß in Hochzei
ten war. Sie sagte, am liebsten sei es ihr, wenn die
Leute zum Spezialfloristen gehen, der nur Hochzei
ten macht, weil die Beratung mittlerweile so auf
wendig geworden ist. Ich glaube, es spaltet sich
auf, in ganz, ganz Überbordendes und die ande
ren, die den Brautstrauß auf den letzten Drücker
bestellen. Das „Normale“ geht verloren, habe ich
das Gefühl. Entweder es sind 30, 40 Leute oder es
sind dann halt gleich 180. Es ist ein Spiegel unserer
Gesellschaft. Die Mitte bricht weg.
Wie gehen Sie mit schwierigen Bräuten um?
Wir kommunizieren, dass E-Mail-Verkehr kostet.
Es ist okay, dass sie uns Bilder schicken. 90 Prozent
kommen mit Bildern. Wenn die schon so auf etwas
Bestimmtes fixiert sind, fange ich auch nicht an zu
diskutieren. Dann wird das so gemacht. Das ist
auch ok, weil es schnell geht, dann kostet auch die
Beratung nichts. Nur wenn es ganz gegen den Typ
ist, sage ich was – und wenn die Vorstellungen mit
dem Budget nicht zusammenpassen. Ein rundge
bundener Strauß mit 30 verschiedenen Materialien
braucht einen Hunderter. Das ist einfach so. Als
Mann in meinem Alter kann man, glaube ich, ande
re Sachen zu einer Frau sagen als weibliche Kolle
ginnen. Wenn ich merke, dass das Florist-Touristen
sind, erkläre ich denen, dass die nächste Beratung
kostet und dann kommen die eh nicht mehr. Aber
generell machen wir die Beratungsgespräche ohne Gebühren, weil bisher 95 Prozent der Hochzeiten auch kommen, weil die unseren Stil wollen.
Was wurde für 2024 bis jetzt bestellt?
Fast alles ist weiß. Warum auch immer. Wobei
bei mir Weiß nicht nur Hartweiß ist, sondern dieser
weiße Bereich, also auch das Abgetönte. Auch sehr
dezente Farbunterschiede, weil ja die Kleider relativ bunt sind nächstes Jahr.
Ist das so?
Ja, also es ist ein beigefarbener Rock darunter,
es ist ein zartrosafarbener Rock darunter, es ist ein
fliederfarbener Rock darunter und es sind natürlich fünf Lagen Tüll obendrauf. Also es ist unterschwellig bunt, sagen wir es mal so. Außerdem
sehe ich in den Kollektionen weniger Spitze und
Durchsichtiges. Das ist gut, ich muss ja auch Fläche
für meinen Brautstrauß haben, mit einem nicht
übertriebenen Dekor, bitte (lacht). Außerdem
kommen wieder glatte Stoffe, habe ich jetzt bei ein
paar Kollegen gesehen. Bei den Anzügen dominiert Grün in allen Schattierungen.
Und welche Floristik passt dazu?
Meine Bräute sind fast alle nächstes Jahr sehr,
sehr weiß, sehr, sehr pastellig und fast alle ohne
Grün. Also wirklich dieses „Pure White“,
was da jetzt durch die Gegend
schwappt. Rosen nur, wenn sie besonders sind. Besondere Sorten in Gartenrosenoptik werden gerne genommen.
Was wir außerdem sehr viel verarbeiten
ist Lisianthus.
Ihre Floristik zeichnet sich durch Ihr
feines Farbengespür und die Fülle an
verschiedenen Floralien aus. Wie
schaffen Sie das?
Zum einen haben wir in Mannheim
einen sehr guten Großmarkt mit Ware
von vielen deutschen Gärtnereien. Da
bekommt man beispielsweise auch
eine kleine deutsche Celosie, die ist was
Tolles. So was bekommt man nicht über
Onlineshops. Auch Ware aus Holland
oder Rosen aus Ecuador, Äthiopien und
Kenia kaufe ich ein und kombiniere sie
mit Selbstgezogenem und Zugekauftem aus meiner Gärtnerei.
Rosen-Lieblinge
Rosen in subtilen Farbtönen
wie die Sorte ‘Amnesia’ (im
Bild) und solche im GartenLook sind im Blumenwerk
gefragt. Zu den Favoriten von
Andreas Frank zählen die
‘White Kahala’, die korallfarbene ‘Blushing Reeva’ und die
sehr hochpreisige ‘Westminster Abbey’. Die zartgelbe ‘Karma B’ mit dunkelrotem Rand
empfiehlt er für den Herbst.
Denken Sie beim Beraten dann auch
eher in Farbkonzepten?
Genau, wir legen meist nicht genau
die Blumen fest. Ich gehe auch oft ohne
Einkaufszettel auf den Markt und
schaue einfach, was zum Farbkonzept
1 | 2·2024 florieren!
43
Floristik
Natürliche Vielfalt
Andreas Frank beschreibt
seinen Stil als „natürlich, ohne
rustikal zu sein, elegant und
vielfältig, manchmal auch
etwas zu detailverliebt.“ Spezielle Farben, die in sein Pastelluniversum passen, baut er
auch in seiner Gärtnerei an:
„Wir haben zum Beispiel zehn
verschiedene weiße Dahliensorten, die alle so einen
Hauch in eine andere Farbrichtung haben. Außerdem
Zinnien in Pastelltönen, gerne
auch mal eine Blattgeranie,
die ich als schönes Beiwerk
verwende.“
passt. Man lernt die Brautleute bei der
Beratung ja kennen. Ein bisschen Intuition gehört auch dazu – und Menschenkenntnis, weil das, was die Leute sagen
und was sie meinen, sich manchmal
sehr unterscheidet. Deshalb drücke ich
den Bräuten gerne etwas aus dem aktuellen Blumenangebot in der gewünschten Farbe in die Hand und stelle sie in
unserem Mädchenzimmer vor den
Spiegel. So sieht man dann schnell, ob
der Hauttyp dazu passt.
44
1 | 2·2024 florieren!
Liegen Sie auch einmal daneben?
Letztes Jahr bin ich einmal völlig danebengelegen. Eine sehr junge Braut wollte Terracotta. Am
Ende war ihr das zu sehr Apricot. Die Farbbezeichnung Terracotta ist eben schwierig. Bei Pink ist das
genauso. Das liegt auch an einer unterschiedlichen
Farbwahrnehmung. Silber ist zum Beispiel auch
nicht Silber. Das sieht nicht jeder. Ja, und dann ist
natürlich auch das Thema mit dem Filter, das da
reinspielt und die Farben noch mehr verfälscht. Da
habe ich oft wirklich Probleme damit, auch wenn
ich meine Brautsträuße auf den Fotos vom Fotografen sehe. Dieses Gefiltere macht viel kaputt.
Wenn ich weiß, welcher Fotograf gebucht ist, weiß
ich auch schon, wie die Bilder nachher aussehen,
und ob ich an der Farbigkeit noch etwas drehen
muss, damit der gewünschte Look erzielt wird.
Gibt es Trends bei der Straußform?
Ich habe das Gefühl, dass hängende Brautsträuße wieder kommen. Das relativiert sich bei mir
aber über den Preis, weil das nicht jede ausgeben
will. Für unter 150 Euro muss ich da gar nicht erst
anfangen. Und wir arbeiten fast ausschließlich mit
Naturstiel. Ich könnte mir aber vorstellen, dass
wirklich so richtige Wasserfälle, die teilweise auch
wieder gesteckt werden, im Kommen sind. Die
sieht man immer mehr in den sozialen Medien.
Was waren bisher die ausgefallensten
Brautwünsche?
Aktuell haben wir einen Brautstrauß
mit Bifi, der Wurst. Lego-Steine und
Spielfiguren sollten auch schon in den
Brautstrauß gebunden werden. Oder
diese Cosplay-Hochzeiten. Das ist ein
ganz eigenes Universum. Wenn die Leute so ausgefallene Sachen wollen – etwa echte Schwerter – dann sollen die
die auch selber besorgen und vorbeibringen.
Was bei uns noch nie eine bestellt hat, ist so ein
Halfpipe-Strauß. Eine Kollegin von mir verkauft nur
solche Sträuße, darauf ist sie spezialisiert, deshalb
zieht sie diese Boho-Kunden auch an. Aber der Boho-Pampas-Hype ist hoffentlich auch bald vorbei.
Wie ist es beim Tischschmuck?
Bei Tischdekorationen merken wir zum Glück
ganz klar den Trend zu Gestecken. Diese Flaschenfüllerei versuche ich den Leuten als DIY abzugeben, denn da ist der Aufwand größer als die Kosten
für das Material. Das diskutieren wir aber auch mit
den Bräuten, wo Einsparungsmöglichkeiten sind.
Um Fläschchen zu füllen, muss man keine Meisterfloristin hinstellen.
Haben Sie im Winter viele Hochzeiten?
Ja, das ist auch ein Trend, dass sich
die Saison total ausgedehnt hat. Und
Hochzeiten sind jetzt von Donnerstag
bis Montag, weil es fast keine Locations
mehr gibt. Eine nach der anderen macht
zu. Nicht weil sie nix zu tun haben, sondern weil sie kein Personal finden. Aber
klar, eine Sonntagshochzeit kostet halt
auch Aufschlag, wenn die dann sonntags ausgeliefert werden muss.
Wo holen Sie sich Ideen?
Überall! Auch in fernen Ländern, wie
Indien. Das war ein Farbrausch – einfach
so unglaublich inspirierend! Oft inspiriert mich etwas ganz unterbewusst.
Kürzlich war ich auf einer Ausstellung
von Kleintierzüchtern. Da waren so
schöne Hühner. Ich habe einfach bloß
dieses Farbschema auseinandergenommen und dem Züchter dort gesagt,
also wenn so ein Hahn mal gerupft werden muss, dann kann er mir die Federn
bringen. Kam nicht gut an. (lacht)
Das kommt,
das geht:
Lisianthus ist ein großes
Thema.
X Rosen müssen besonders sein, etwa einen
Gartenlook haben.
X Oft gesehen: Pastellige
Brautkleider mit mehreren Lagen Tüll
X Brautmode wird schlichter und eleganter, weniger Durchsichtiges.
X Grüne Anzüge, von hell
bis ganz dunkel
X Floristik im „Pure White“-Look, ohne Grün
X Hängende Brautsträuße
X Beim Tischschmuck
geht es weg von den
Fläschchen, hin zu
Gestecken.
X Der Boho-Pampas-Hype
flacht ab.
X Hochzeiten werden von
Donnerstag bis Montag
gefeiert, weil Hochzeitslocations immer weniger werden.
X Die Hochzeitssaison
dehnt sich insgesamt
weiter aus.
X
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45
Floristik
E VENT- UN D W ED D IN GF LO R IST IK
Hochzeiten in Italien
Neues Hochzeitsportal
„Weddycloud“
Optimal präsentieren können
professionelle Hochzeitsdienstleister ihre Angebote jetzt auf
dem neuen Hochzeitsportal
www.weddycloud.com – und
das kostenfrei mit dem zum
Auftakt verfügbaren Early-BirdPaket, welches für besondere
Vorteile und zusätzliche Sichtbarkeit sorgt. Anbieter können
ihre Leistungen hier mit bis zu
30 Fotos illustrieren und sich
kostenlos eine dauerhaft priorisierte Präsentation sichern. In
der ersten Pilotphase konnten
vorab über 500 Dienstleister
aufgenommen werden. Florist(inn)en sind bisher nur wenige vertreten.
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1 | 2·2024 florieren!
Die Eventbranche boomt in Italien. Deshalb bietet Annette Gottmann
in ihrer Flower Academy in der Nähe von Verona eine neue Spezialausbildung zum Event- und Weddingfloristen an. Im Sommer 2023
endete der erste Kurs, in diesem Frühjahr startet der nächste.
Text: Annette Gottmann (www.annettegottmann.com) Foto: Paolo Castagnedi
M
it der dreimonatigen Ausbildung mit Lektionen online und in Präsenz möchte
die Floral-Coachin Annette
Gottmann auf die Herausforderungen
Antwort geben, die Hochzeitsevents in
Italien an Florist(inn)en stellt. Da der
deutschen Floristmeisterin eine umfassende Fortbildung am Herzen liegt,
setzt sie die Schwerpunkte nicht nur auf
die kreative und handwerkliche Gestaltung eines Events, sondern vor allem
auf authentisches Marketing, digitale
Kommunikation, Verkauf, Kalkulation,
Projektgestaltung, Organisation und
Realisation. Der Präsenzunterricht fand
am Ende des Kurses in der traumhaften
„Villa De Winckels“ in Tregnago statt, zirka 20 Minuten von Verona entfernt. Ein
Fotograf hat das Ergebnis professionell
festgehalten. Genau so stellen sich sicher viele Brautpaare die Dekoration
vor, wenn sie sich für eine Hochzeit in
Italien entschieden haben.
florieren-online.de
Für mehr Eindrücke und Informationen scannen Sie den QRCode oder geben Sie einfach
den Webcode flo11033 auf
www.florieren-online.de ein.
Fokus
T HEMA
Trends 2024
Seite 48
Horticulture Trends – Positive
Impulse in unsicheren Zeiten
Seite 52
Bloom’s Trends – Authentizität
und Natürlichkeit
Seite 56
Christmasworld und Ambiente
– Vertrautes bewahren und
Zukünftiges willkommen heißen
Seite 60
Schaufensterdekoration und
Warenpräsentation
– Natürlichkeit mit Wow-Faktor
Seite 61
Trendfarben 2024
Foto: Tollwasblumenmachen.de
Seite 62
Ruhig, urban, verträumt ...
– Vielfalt bleibt wichtig
Seite 66
Trends in der Praxis – Langlebig
und durchdacht
Seite 69
Unser Fazit
1 | 2·2024 florieren!
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Fokus
Trends 2024
H OR TICULTUR E T R E N D S
Positive Impulse in
unsicheren Zeiten
„Die gegenwärtigen Spannungen und Veränderungen führen zu Unsicherheit
und Misstrauen. Blumen und Pflanzen können unserem Umfeld den positiven
Impuls geben, den wir so dringend brauchen“, so die niederländische Trendexpertin Aafje Nijman. Deshalb stehen die Horticulture Trends 2024 für Positivität.
Das macht sich bei den Farben, Formen, Materialien und Designs bemerkbar.
Informationen und Fotos: Blumenbüro Holland – Tollwasblumenmachen.de und Pflanzenfreude.de
MEANINGFUL
EARTH – natürlich
und umweltbewusst
Dieser Trend beschäftigt sich
mit der Sorge um das ökolo
gische und soziale Ungleich
gewicht in der Gesellschaft.
Durch einen rücksichtsvollen
Umgang mit Ressourcen
gelingt es, zu den Wurzeln
zurückzukehren und die Kraft
der Natur zu spüren.
Blumenarrangements haben
einen wilden, natürlichen
Look. Bei Zwiebelgewächsen
darf die Zwiebel sichtbar sein.
Sie können zum Beispiel in
Glasbehälter mit farbigen
Sandschichten gesetzt werden, sodass die Erde gut zu
sehen ist. Grundsätzlich darf
gemischt werden: Blüh- zusammen mit Grünpflanzen
erzeugen Dschungel-Feeling.
Die Formen sind rau, grob und
unregelmäßig und wirken
ursprünglich. Das gilt auch für
die Muster und Materialien,
die oft umweltfreundlich
hergestellt oder recycelt sind.
In der Farbpalette für Accessoires sind vor allem Brauntöne zu finden. Bei Blumen und
Pflanzen harmonieren leuchtendes Gelb und Blassrosa gut
mit Dunkel- und Graugrün.
48
1 | 2·2024 florieren!
Natürlich, mystisch,
authentisch, Geschichte,
Archäologie, verwildert,
umweltbewusst
B
ei den Horticulture Trends stehen Blumen
und Pflanzen im Mittelpunkt. Für 2024 wurden erneut vier Stiltrends definiert, die alle
den aktuellen Zeitgeist widerspiegeln, jedoch auf unterschiedlichen Sichtweisen basieren.
All die Krisen unserer Zeit können zu Verunsicherung und dazu führen, dass wir die Zukunft als bedrohlich wahrnehmen. Die Menschen reagieren
unterschiedlich: mit Angriff oder Flucht, indem sie
erstarren oder die Initiative ergreifen. Vier Werte-
trends veranschaulichen die genannten
Reaktionen und führen zur Frage, wie
eine Krise zur Chance werden kann.
Von der Krise zur Chance
•
Menschen, die sich Krisen am liebsten kämpferisch entgegenstellen, streben eine gerechtere, nachhaltigere Welt
an. Der Umweltaspekt steht im Fokus,
…
VIVA LA VIDA –
fröhlich und lebendig
Auf unserer Welt gibt es so
viel Negatives, das die Stimmung trübt. Einige Menschen
bewältigen diese Gefühle,
indem sie sich von der Außenwelt zurückziehen und hin
und wieder einfach das Leben
feiern. Minimalismus ist hier
fehl am Platz.
Blumenarrangements sind
farbintensiv, vorzugsweise
üppig und mit gefüllten Blüten. Sträuße, aber auch einzelne Blumen sind auf jeden
Fall Hingucker. Das gilt auch
für blühende Pflanzen.
Warm, ausdrucksstark,
dekorativ, farbenfroh,
spannend, lebendig und
leidenschaftlich
Die Formen sind eher ruhig,
die Materialien auffällig und
dekorativ. Opulente Muster,
schmiedeeiserne Details,
Mosaik, bunte Fliesen, Quasten, Fransen und Rüschen
geben den Ton an. Spanien
oder Mexiko sind als Inspira
tionsquellen erkennbar.
Die Farben sind warm und
überschwänglich. Nicht fehlen dürfen Rosa, Rot, Viva
Magenta (Pantone-Farbe des
Jahres 2023), Orange und
Gelb. Schwarz, Marsala-Braun
und Mintgrün setzen Akzente,
letztere insbesondere bei
Accessoires und größeren
Gestaltungselementen.
1 | 2·2024 florieren!
49
Fokus
Trends 2024
Produkte, bei deren Herstellung wenig
Energie verbraucht wird, sind gefragt.
Die Frage ist auch, wie mit mehr Grün
im Garten und zu Hause für mehr Ausgeglichenheit gesorgt werden kann.
Aber auch andere Aspekte zum Thema
Ausgewogenheit beeinflussen die Kaufentscheidung: Wie sieht es beispielsweise mit Gleichberechtigung und Inklusion am Arbeitsplatz aus?
• Eine zweite Möglichkeit, auf Krisen
zu reagieren, ist, sich in kleine Gruppen
GENTLE PARADOX
– verträumt und sanft
Leistungsdruck und die unzähligen Krisen können ein
Gefühl der Ohnmacht erzeugen, besonders bei jungen
Leuten. Dann lautet die Devise: Selbstfürsorge und Grenzen setzen. Das kommt durch
Kontraste zum Ausdruck:
Harte, glatte Oberflächen
symbolisieren oftmals die
raue Realität, weiche Strukturen und beruhigende Farben
lassen Räume sanfter wirken.
Luftige Arrangements mit
verspielten Blüten und pastelligen Farbverläufen schaffen
eine verträumte Atmosphäre.
Mit Blumen oder Pflanzen
können Ecken oder Übergänge
kaschiert werden. Die Ränder
sind oft transparent und enthalten auch Trockenblumen.
Pflanzen mit transparentem
Wuchs und weichen Blättern
laden zum Träumen ein.
Runde und bauchige Formen
prägen den Trend. Viele Produkte bestehen aus einer
Form, bei der alle Bestandteile
wie zusammengewachsen
wirken. Harte und weiche
Materialien werden kombiniert. Marmor, Beton, Keramik, Kunststoff, Fliesen und
Stein kontrastieren mit hochflorigen Teppichen und Wandbehängen. Die Muster reichen
von romantischen Blumen bis
zu abstrakten Designs.
Die sanfte Farbpalette strahlt
Ruhe und Harmonie aus.
Neben neutralen und PastellTönen umfasst sie einen warmen Cognac-Ton. Grüntöne
finden wir hauptsächlich bei
den Blumen und Pflanzen.
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1 | 2·2024 florieren!
Verträumt, hart und
weich, überraschend,
unendlich, leicht, utopisch und freundlich
von Gleichgesinnten zurückzuziehen und die böse
Welt auf Abstand zu halten. Für die grüne Branche
ergibt sich daraus die Empfehlung, transparent zu
kommunizieren, woher Pflanzen kommen und wie
sie produziert werden oder wie man mit Daten
umgeht (Kundenkarten, Newsletter etc.). Man sollte zudem die positive Wirkung von Pflanzen betonen und kann mit Workshops dazu beitragen, dass
sich Gleichgesinnte kennenlernen.
• Von der Gefahr, in Schockstarre zu fallen, sind
insbesondere die Millennials und die Generation Z
bedroht. Sie befinden sich ständig im Wettbewerb,
haben aber auch unzählige Möglichkeiten auf dem
Arbeitsmarkt. Sie sind also mit starken Gegensätzen konfrontiert. Sie schützen ihr persönliches
Glück, indem sie Grenzen setzen. Sie wollen sich
selbst gut und (mental) gesund fühlen und wünschen sich Komfort, Luxus und Entschleunigung –
Stichwort Slow Living. Zu diesem Bedürfnis nach
Ruhe passen Blumen und Pflanzen, die zur Stressreduzierung beitragen können. Auch die Pflege
von Pflanzen kann entspannend wirken. Im Zuge
dieses Trends sind außergewöhnliche Pflanzen gefragt, gerne mit exklusivem Zubehör.
Am Puls der Zeit bleiben
Infos, Moodboards, Fotos
•
Beim letzten Wertetrend dreht sich
alles um Erfindungsreichtum und Pioniergeist. Weil alles so festgefahren ist,
spielen Neugier, Innovation und Technologie hier eine wichtige Rolle. Mit
Kreativität, Freiheit und neuen Spielregeln eröffnen sich Chancen. Für die grüne Branche heißt das: ungewöhnlich
denken, sich von alten Ideen verabschieden, am Puls der Zeit bleiben.
Die Horticulture Trends 2024
wurden vom Blumenbüro
Holland in Zusammenarbeit
mit Tuinbranche Nederland,
iBulb, INretail und der Agen
tur Nijman + Van Haaster
entwickelt. Infos, Mood
boards mit Farbpaletten so
wie Fotos zum kostenlosen
Download finden Sie auf
www.blumenbuero.de
PLAYFUL
CONSTRUCTION
– bunt und kreativ
Wenn Altbewährtes an Gren
zen stößt, sind Experimente
gefragt. „Playful Construc
tion“ regt zu spielerischen
Lösungen und kreativen
Konstruktionen an, die neuen
Optimismus verleihen.
Blumen werden im Strauß
nicht gemischt, sondern klar
voneinander abgegrenzt. Das
Ergebnis sind unterschied
liche Farbebenen und inspi
rierende Formen. Analog
werden verschiedenfarbige
Pflanzen mit exotischen Blüh
pflanzen wie Phalaenopsis
kombiniert. Hängepflanzen
sind Hingucker und bilden oft
Kontraste mit Blumentöpfen
oder Wanddekorationen.
Fröhlich, bunt, spiele
risch, kreativ, originell,
überraschend, konst
ruktiv, neugierig
Neben auffälligen Farben sind
ungewohnte Formen der
wichtigste Aspekt des Trends.
Sie vermitteln einen über
raschenden Blick auf Ge
brauchs- oder Dekorations
gegenstände. Die Materialien
spielen eine eher untergeord
nete Rolle. Häufig unterstrei
chen röhrenförmige Struk
turen aus Metall, Kunststoff
oder Glas den konstruktiven
Charakter des Trends. Ober
flächen sind überwiegend
glatt, Muster eher unbedeu
tend, beschränkt auf Streifen,
großformatige Blockkaros,
Rillen und Kreise.
Die Farbpalette umfasst
leuchtende Farben, frische
Pastelltöne, Silber und
Hellgrau. Kombiniert wird
nach Herzenslust.
1 | 2·2024 florieren!
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Fokus
Trends 2024
TRENDAUSSAGEN B LO O M’S
Authentizität und
Natürlichkeit
Achtsamkeit, Nachhaltigkeit, Individualität und Vertrauen – das sind die Schlagworte, nach denen Kunden 2024 laut Bloom’s suchen. Die Einflüsse auf florale
Produkte verdeutlichen die fünf Stilwelten, die vom Trendscouting-Team unter
der Leitung von Designerin Marion Bauer und Floristmeister Klaus Wagener
zusammengestellt wurden.
Text und Fotos: Bloom’s, Ratingen und Minden
1
Feminine, kleinteilige Blüten
aus dem Staudenbeet verweben sich mit der zeitlosen Eleganz von Rosen, Hortensien
und Clematis. Die vielfältige
Blumenauswahl in verwaschenen Farben verleiht dem
Strauß einen trendigen Vin
tage-Charme, der ländliches
Ambiente einziehen lässt.
1
ADVANCED POETRY
2
Zurück zu den unbeschwerten
Zeiten, in denen die kleinen
Freuden des Lebens Emotionen hervorgerufen und den
Tag versüßt haben. In dieser
Sehnsucht nach Einfachheit und
Ländlichkeit erleben Porzellankrüge mit botanischen Zeichnungen,
blumige Vintage-Muster auf Kissen und
feminine, kleinteilige Deko sowie Blüten eine Renaissance und hauchen den
Romantische Nostalgie
Vertrauen · Mehr Persönlichkeit
und Individualität ·
Schönheit von Handgemachtem
Räumen eine nostalgische Romantik
der Vergangenheit ein. Alte Schätze wie
Schalen und Schnüre werden durch experimentelle Farbverläufe wieder modern und Korbgeflecht neu eingesetzt.
Hier verschmelzen Vergangenes und
Zukünftiges mit der Blütenpoesie der
Blumensortimente der Firma FleuraMetz zu einem emotionalen Design.
DAILY SMILE
In einer Welt, in der ein neuer Optimismus und ein unbeschwertes Lebensgefühl benötigt werden, spenden leuchtende Farben Mut zur Individualität
und Kreativität. Klare Strukturen und
Formen verbinden sich mit einem fröhlichen Mix aus bunten Blüten sowie
Retrovasen mit grafischen Mustern, die
die Botschaft der täglichen Lebensfreude verkünden. Dazu kommt
eine überraschende Prise Humor, die sich hinter neuen
Recyclingansätzen mit technischen Raffinessen versteckt.
Hier wird die Mission erteilt,
Farbe · Mix und Match
für gute Laune ·
Frische · retro
die Welt mit der Kraft der Farben und
Blumen positiver zu gestalten, und der
bunte Mix von JustChrys passt hervorragend! Statt sich auf nur farblich
zurückhaltende Naturmaterialien als
Steckhilfe zu beschränken, bringt Farbe
Frische in die Nachhaltigkeitsdebatte –
eine Erleichterung sowohl für die Branche als auch für die Kunden!
2
Gummibänder von verpackten
Schnittblumen häufen sich.
Hier werden sie zu augen
zwinkernden Details. Die
bunten Gummibänder haben
hier keine technische Verwen
dung: Ihre wahre Funktion
liegt im Genuss des farben
frohen Mixes.
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Fokus
Trends 2024
Die Reduktion auf Naturmaterialien verleiht diesem minimalistischen Raumschmuck
seine trendige Erscheinung.
Das Regal trifft auf ein botanisches Sammelsurium. So entsteht ein Bild für die Kraft der
unverfälschten Natürlichkeit
und erzeugt einen lebenskräftigen Raumcharakter.
3
Ein Leben im Einklang ·
Starke Verbindung zur Natur ·
vitalisierend
3
WILDLY BOTANICAL
Die Sehnsucht nach einer tiefen Verbindung zur Natur und der Wunsch nach
mehr Achtsamkeit im Alltag vereinen
sich in der wachsenden Beliebtheit von
Innenraumbegrünungen. Mit Materialien, die der Natur entsprungen scheinen, entstehen grüne Wohlfühlräume,
die authentische Naturerfahrungen
drinnen erlebbar machen. Zwischen
Blättrigem und Wildem von Grünpflanzen offenbart sich die Verarbeitung von
Holz sowie Zweigen, begleitet von Töpferwaren mit unvollkommenen Glasuren und pflanzlichen Motiven. Hier wird
der Natur in Form der vielfältigen Grünpflanzen der Firma Decorum freier Lauf
gelassen, um Inspiration zu finden und
die Balance zu bewahren.
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1 | 2·2024 florieren!
4
Die unvollkommene Schön
heit wahrhaftiger Natur
zustände ersetzt Perfektion.
Ein mit Ton verziertes Ge
fäß, das Spuren von Rissen
aufweist, vermittelt durch
seine organische Oberfläche
beinahe spürbar die Leben
digkeit der Wüste. Dies verleiht
dem Werkstück seine zeitgemä
ße, archaische Anziehungskraft,
inspiriert von der rohen Schönheit
der Natur.
5
DESERT
RETREAT
Die Natürlichkeit
der Wüste neu belebt! Die sandige
Wüstenatmosphäre,
durchzogen von frischen Blüten in kühlen
Blautönen, schafft einen faszinierenden Kontrast und erinnert an die
Naturelemente Wasser und Luft, die
der trockenen Landschaft eine frische
Lebendigkeit einhauchen. Auch Vasen
5
Echtheit und Rohheit ·
Zusammenspiel der Elemente ·
Ursprünglichkeit
in warmen Sandtönen mit Craquelés,
Marmorierungseffekten und verlaufenden Glasuren spiegeln die Wüsteneigenschaften in der Handwerkskunst
wider. Hier verschmelzen die Elemente
der Erde mit den zarten Blumen der
Firma Marginpar zu einer fremdländischen Sehnsucht.
Entschleunigung ·
Balance der Zeitlosigkeit ·
Naturtöne · organische Formen ·
Ruhe und Harmonie
4
COMFORT ZONE
In einer schnelllebigen Welt sehnen sich
viele Menschen nach einer Atmosphäre
der Entschleunigung und Zeitlosigkeit.
Dieser Wunsch findet seinen Ausdruck
in der zurückhaltenden Farbgestaltung,
geprägt von Weiß-, Creme- und Naturtönen. Runde, weiche, organische Formen, die scheinbar von der Luft ge-
formt wurden, füllen die Räume, die
von überflüssigen Elementen befreit
wurden. Die an Bequemlichkeit erinnernden Formen
schaffen
zusammen
mit runden Blütenköpfen ein Ruhe ausstrahlendes Design.
Hier kehrt die Harmonie der Balance ein.
Die eingesetzte getrocknete
Wasserhyazinthe dient nicht
nur als Dekorationselement,
sondern erfüllt auch die Funk
tion für eine balancierte und
betonte Ausgestaltung. Das
kurvige Geflecht dient zur Be
tonung der runden Gestaltung
des Werkstücks.
1 | 2·2024 florieren!
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Fokus
Trends 2024
CH RISTMAS WO R L D UN D A M B IE N T E I N F R A N K F U R T/MA I N
Vertrautes bewahren
und Zukünftiges
willkommen heißen
Die Christmasworld ist die internationale Leitmesse für saisonale und weihnachtliche
Dekoration, die Ambiente zeigt, was zukünftig auf den Tisch kommt, in Wohn- und Arbeitsräume gehört und gerne verschenkt wird. Als Inspiration für die Sortimentsgestaltung am
Point of Sale setzt das Stilbüro bora.herke.palmisano die wichtigsten Trends im Foyer der
Halle 4.1 für beide Frankfurter Messen mit Ausstellerprodukten in Szene. Gemeinsam sind
den Stilrichtungen die Themen Nachhaltigkeit und Digitalisierung.
Informationen und Abbildungen: Messe Frankfurt/Christmasworld und Ambiente
Trends 24+ in
Frankfurt am Main
Die internationalen Konsumgüterleitmessen
Ambiente,
Christmasworld und Creativeworld finden zeitgleich auf
dem Frankfurter Messegelände
statt, 2024 vom 26. bis 30. Januar, die Creativeworld startet
am 27. Januar.
Die Trends 24+ werden auf der
Ambiente und der Christmasworld im Trendareal im Foyer
der Halle 4.1 mit Ausstellerprodukten in Szene gesetzt. Über
den Colour-Spot werden zusätzlich Dekorationsideen in
verschiedenen Farbvarianten
vermittelt. Sie sorgen für mehr
Abwechslung am Point of Sale.
Pro Trend ermöglichen neun
Farben mit acht Mikro-Farbthemen individuelle Schwerpunkte, die im Laufe des Jahres verändert und neu interpretiert
werden können.
� christmasworld.messefrank
furt.com und
� ambiente.messefrankfurt.
com
56
1 | 2·2024 florieren!
D
as Stilbüro bora.herke.palmisano recherchiert im Auftrag
der Messe Frankfurt weltweit,
welche Designs, Farben und
Materialien die Verbraucher/-innen begeistern werden. Die drei wichtigsten
Stilrichtungen werden von den Trendexperten im Foyer der Halle 4.1 einmal
für den Bereich „saisonale und weihnachtliche Dekoration“, einmal für
„Wohnen, Tischkultur, Arbeiten und
Schenken“ umgesetzt.
Die Christmasworld-Trends 24+ wirken kunstvoll, naturnah und visionär,
sie feiern die Leichtigkeit, den Optimismus und das Familiäre. Drei Stilrichtungen vereinen natürliche Elemente und
futuristische Innovationen, unkonventionelle Designs, traditionelles Handwerk und moderne Ästhetik – wobei
Nachhaltigkeit und Digitalisierung immer eine Rolle spielen. „KI-gesteuerte
Prozesse, gesellschaftliche Konflikte
und die Klimakrise – die Welt ist im
Wandel“, sagt Trendexpertin Claudia
Herke. „In dieser schnelllebigen, digitalen Zeit entsteht ein Gegentrend: Die
Rückbesinnung auf die Natur, das eigene Heim und das menschliche Wohlbefinden stehen im Fokus.“
Visionäre Aura, Luxus der Stille,
neue Kompositionen
Die drei Stilwelten der Ambiente Trends
24+ versprühen eine visionäre Aura, feiern den Luxus der Stille und setzen auf
neue Kompositionen. Dabei zieht sich
Nachhaltigkeit noch konsequenter als
zuvor durch die Wohnräume. Eine verbesserte Kreislaufwirtschaft bringt
spannende ästhetische Lösungen hervor, Handwerkskunst wird neu interpretiert und durch digitale Innovationen
und 3-D-Techniken veredelt. „In unsicheren Zeiten geht es dabei nicht um
die Suche nach einem kurzlebigen Thema. Stattdessen knüpfen die Ambiente
Trends an wichtige Entwicklungen an
und führen sie mit jeweils eigenem Fokus weiter“, erklärt Annetta Palmisano.
„Ein außergewöhnlicher Umgang mit
Materialien und Farben, innovative
Technologien, urgewaltige Elemente,
ein nachhaltiger Ethos und Material-Alternativen oder die vielfältige Handwerkskunst setzen in diesem Jahr eigene Schwerpunkte. Alle Wohnthemen
vereint die versöhnliche Perspektive,
die Vertrautes bewahrt und Zukünfti…
ges willkommen heißt.“
SPIEL DER
GEGENSÄTZE
Bei „Aura of progress“ trifft Ursprünglichkeit Fortschritt, Handmade auf Hightech. Traditionelle
Handwerksmethoden werden
durch digitale und KI-gestützte
Gestaltungsprozesse aufgewertet.
Archaisch-natürliche Elemente
und visionäre Technologien werden verbunden und schaffen einzigartige Designs – oftmals mit
nachhaltigem Ansatz. Die Sehnsucht nach ursprünglicher Natur
einerseits, die Neugier auf die
Zukunft andererseits inspirieren
zu Visionen rund um Stille und
Energie, Ruhe und Veränderung,
Erdung und Magie. Das Dekorationsthema besinnt sich auf das
Wesentliche und setzt gleichzeitig
extravagante Akzente für stimmungsvolle Festtage. Genauso beflügelt und erdet die Stilrichtung
als Wohnthema.
Archaisch-natürliche
Elemente treffen
auf technische
Innovationen und
futuristische Designs.
Die lebendige Farbpalette reicht
von frischen Aquatönen und
Violett über warme Braun- und
Grautöne bis zu Gelb und Orange.
Neutrales Weiß setzt klare Kontraste. Der Natur entlehnte Formen
und Materialien wie Holz, Stahl
und Stein bekommen neue Aufmerksamkeit: Raue, unebene,
gealterte oder rostige Oberflächen
inspirieren zu neuen Musterungen. Farbverläufe, Airbrush-Effekte, glasig-transparente oder verschwommene Farben sowie Oberflächen mit Spiegelungen, einem
irisierenden Finish oder FataMorgana-Effekten verleihen dem
Look eine futuristische Note.
LED-Technik und raffinierte
Leuchten erzeugen visuelle Effekte. Diffuser, Kerzen und Duftöle
eröffnen eine neue sensorische
Welt und verleihen dem Raum
eine besondere Aura.
1 | 2·2024 florieren!
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BEDÜRFNIS NACH
RUHE UND
BEHAGLICHKEIT
In naturnahen Designs spiegelt
sich das wachsende Bewusstsein
für geistiges und körperliches
Wohlbefinden wider. Neben Ruhe
und Geborgenheit prägt Nach
haltigkeit die Stilrichtung „Quality
of silence“: Möglichst alles wird
verwendet. Vertraute Materialien
und Alltagsgegenstände werden
aus ihrem ursprünglichen Kontext
gelöst und erstrahlen durch inno
vatives Design in neuem Glanz
oder erhalten eine neue Bedeu
tung. Also erscheinen die langlebi
gen, zeitlosen Produkte vertraut
und ungewöhnlich zugleich. Im
Fokus steht die Wertschätzung für
vorhandene Rohstoffe und eine
nachhaltige Zukunft.
Nachhaltige, naturnahe
Designs spiegeln das
Bewusstsein für geisti
ges und körperliches
Wohlbefinden wider.
Einfache, nachhaltige Materialien
lassen uns Wärme, Stille und Be
haglichkeit als den eigentlichen
Luxus erleben. Das Wohnthema
wirkt puristisch und wohltuend,
dem geschmückten Raum verleiht
der ganzheitliche Designansatz
eine positive, entspannte Wohl
fühlatmosphäre.
Der natürliche Charakter der Stil
richtung findet sich im Farbsche
ma wieder: Helle, freundliche
Pastelltöne wie Salbei und schat
tiertes Blau strahlen Leichtigkeit
und Optimismus aus. Sanfte
Nuancen in Apricot, Terracotta
und Strohgelb erinnern an warme
Sommertage. Ecru, Sand- und
Holztöne wirken ausbalancierend
und schaffen ein behagliches,
harmonisches Raumerlebnis. Or
ganische Formen und biologische
Werkstoffe wie Holz und Stein,
Ton, Bast und Keramik holen die
Natur ins Heim.
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1 | 2·2024 florieren!
Fokus
Trends 2024
SELBSTBEWUSST
UND MIT
PERSÖNLICHER NOTE
„Spirit of craft“ verbindet Handwerk, Vintage-Appeal und klare
Ästhetik mit einer persönlichen
Note. Der freigeistige Stil ist
geprägt von markanten Formen,
mutigen Kombinationen und
ausgeprägter Farbraffinesse.
Der expressive Trend bewegt sich
zwischen Wiederentdeckung und
Neuerfindung: Materialien werden möglichst recycelt und zu
kunstvollen Unikaten aufgewertet.
Vielfältige Handwerkskunst und
fast vergessene Materialien und
Techniken lassen Objekte mit ganz
eigener Formensprache entstehen.
Produkte und Wohnideen mit
flexiblem Charakter gewinnen an
Wert, da sie sich unseren wandelnden Lebensumständen immer
wieder anpassen.
Materialien werden
möglichst recycelt
und zu kunstvollen
Unikaten aufgewertet.
Keramik ist ein Schlüsselmaterial,
das ungeahnte Gestaltungsmöglichkeiten zeigt. Besonders bei
Geschirr und Glas unterstreichen
handbemalte Motive und von
Hand bearbeitete Strukturen den
Einzelstück-Charakter. Auch Tex
tilien und Teppiche erinnern an
Kunstobjekte: Aufwendige Handwerkstechniken, selbstbewusste
Musterungen und großflächige
Applikationen lassen die Produkte
wie großformatige Grafiken, Collagen oder Reliefs erscheinen.
Die Farbkombinationen wirken
kunstvoll und malerisch, die
Mustermixe intuitiv und doch
in sich stimmig. Honiggelber
Bernstein, kupferbrauner Brandy
und intensives Chili bringen eine
wohltuende Wärme. Ein helles
und ein dunkles Grau sorgen
zusammen mit Sepia für Balance.
Lapislazuli, Glasgrün und Türkis
runden die charismatische
Farbreihe ab und bringen gute
Laune mit sich.
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Fokus
Trends 2024
SCHAUF EN S T E R D E KOR AT I O N U N D WA R E N P R Ä S E N TAT I O N
Natürlichkeit mit
Wow-Faktor
Mit der Sonderschau „Decoration Unlimited“ will die Christmasworld Facheinkäufer zu mehr Wow-Erlebnis bei der Warenpräsentation und im Schaufenster
anregen. 2024 steht die Inszenierung unter dem Motto „Mystic Vibes“. Grün
spielt die Hauptrolle, denn in Zeiten ungewisser Konsumlaune bestimmen Qualität und der Rückbezug auf die Natur die Trends.
Informationen: Messe Frankfurt/Christmasworld
Abbildung: 2dezign
„Mystic Vibes“ wird auf der
Christmasworld 2024 im Foyer 5.1/6.1 inszeniert. Inspiriert von Pflanzen, Wurzeln,
Edelsteinen und angelegten
In- und Outdoor-Gärten wird
die gesamte grüne Farbpalette
von Hell- bis Smaragdgrün
über Dunkel- und Mintgrün
aufgegriffen – weihnachtlich,
aber weder tropisch noch
traditionell.
W
enn man den Zeitgeist be
trachtet, ist Grün einfach
eine logische Wahl für die
nächste Decoration Unli
mited Show“, sagt Rudi Tuinman von
2dezign. „Es ist kein politisches State
ment oder eine umweltpolitische An
spielung, nur ein Spiegel der Rückbe
sinnung zur Natur. Wir alle lieben es, die
Natur in Form von Blumen und Pflanzen
in den Wohnbereich zu bringen. Grün
symbolisiert Harmonie, Frische und
Fruchtbarkeit und ist vor allem die Far
be der Sicherheit.“
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1 | 2·2024 florieren!
Also verwandeln Rudi Tuinman und Pascal Koe
leman traditionelles Weihnachten in der Sonder
schau „Mystic Vibes“ in eine grüne, luxuriöse Oase,
die Modernität ausstrahlt. Das niederländische De
signer-Duo verbindet seit über 20 Jahren Kompe
tenzen aus Floristik, Produktdesign und Fashion,
um extravagante Präsentationen zu gestalten.
„Wir möchten Ihnen die Schönheit von Grün zei
gen, in Farbe, Dekoration, aber vor allem in seiner
ganzen Pracht von frischen Grünpflanzen und na
türlichen Dekorationen“, so Pascal Koeleman. Da
mit kann in der Schaufenster- und Ladengestal
tung eine wohltuende Atmosphäre geschaffen
werden, die zum Entdecken und Kaufen anregt.
PANTONE, TR EN DAGEN T UR, THU R S D
Trendfarben 2024
Pantone erklärt einen samtigen Pfirsichton zur Farbe des Jahres 2024, Gabriela Kaiser hat sich für einen warmen Cremeton entschieden und Thursd will Florist(inn)en
mit Himmelblau und Weiß zu grenzenloser Kreativität anregen.
Informationen und Fotos (v.l.): Gabriela Kaiser, Pantone, Thursd.com
SOOTHING SILK
PEACH FUZZ
SKY BLUE & BRIGHT WHITE
G
P
D
Der QR-Code führt zu
einem Video mit CremeInspirationen aus Paris,
Mailand, Kopenhagen,
London und New York.
Nähere Infos finden Sie
auf der Website von Pantone Deutschland. Scannen Sie den QR-Code!
Der QR-Code führt zu näheren Infos und zur dazugehörigen Farbpalette auf
unserer Website.
abriela Kaiser, Trendagentur, Landberg am Lech, hat den Cremeton
„Soothing Silk“ zur Trendfarbe 2024 erklärt. „Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich als Farbe des Jahres 2024
eine stimmungsaufhellende Dopaminfarbe wie Sonnengelb oder Orange
nehmen soll, mich aber entschlossen,
dass es mit ‚Soothing Silk‘ ein Cremeton
werden soll, der friedvoll hell ist und
eine wohltuende, entspannende Ruhe
ausstrahlt, die wir aktuell alle gut gebrauchen können“, so die Trend-Expertin. Sie hat 2023 sehr viele Cremetöne
auf allen Messen gesehen, gerne Ton in
Ton. Den Ausschlag gab ihre New-YorkReise im Dezember 2023. Dort ist das
komplette Outfit aktuell auch von vielen jungen Leute in Creme gehalten.
„Die Farbe geht in Richtung Pantone 111001 White Alyssum, aber an sich soll es
einfach ein warmer freundlicher Cremeton sein“, sagt Gabriela Kaiser.
antone 13-1023 Peach Fuzz ist die
Pantone Color of the Year 2024. Der
samtige, weiche Pfirsichton tue unserem Geist, unserem Körper und unserer
Seele gut. In einer Zeit, in der unser Leben von Unruhe und Aufruhr geprägt
ist, werde unser Bedürfnis nach Fürsorge, Empathie und Mitgefühl immer
stärker – ebenso wie unsere Vorstellungen einer friedvolleren Zukunft. In der
einfühlsamen Pfirsich-Nuance komme
unser Verlangen nach Zusammengehörigkeit mit anderen und den Gefühlen,
die dadurch entstehen, zum Ausdruck.
Pantone Peach Fuzz 13-1023 „zaubert
eine Atmosphäre der Ruhe und bietet
einen Raum, der Balsam für die Seele ist,
in dem wir uns spüren, regenerieren
und wieder aufleben können, ganz
gleich, ob wir Zeit mit anderen verbringen oder einen Moment allein genießen“, erklärt Leatrice Eiseman, Executive
Director, Pantone Color Institute.
ie Online-Plattform Thursd.com hat
zwei Farben zur „Floralen Trendfarbe 2024“ ernannt, die sich gegenseitig
ergänzen: Sky Blue (#4BAEFF) und
Bright White (#FFFFFF). Zusammen stehen Himmelblau und strahlendes Weiß
für Kreativität, Offenheit und Neuanfang. Sie zeigen uns, dass die Möglichkeiten des Lebens so groß sind wie der
Himmel über uns – der Himmel kennt
keine Grenzen. Die florale Trendfarbe
wird mit einer Palette passender Farben
aus der Natur ergänzt: Zarte Blautöne
rufen Gelassenheit und Ruhe hervor,
warmes Orange und sanftes Goldgelb
der Morgen- oder Abenddämmerung
wecken Leidenschaften aus dem tiefsten Inneren. Mitternachtsblau, das die
Erde dunkelbraun erscheinen lässt, vermittelt ein Gefühl von Geheimnis und
Staunen und erinnert uns daran, dass in
den Unwägbarkeiten des Lebens eine
verborgene Schönheit steckt.
1 | 2·2024 florieren!
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Fokus
Trends 2024
ANT WOR TEN AUF UN TE R SCHIE D L I C H E B E D Ü R F N I S S E
Vielfalt bleibt wichtig
Es gibt schon lange nicht mehr den einen wichtigen, alles bestimmenden
Trend. Entspannende Ruhe, urbane Natürlichkeit, wärmende Geborgenheit, verträumte Kuschelwelt, farbenfroher Optimismus – die Trends
zeigen sich 2024 wieder in einer vielfältigen Bandbreite. Eine Vielfalt im
Design bleibt wichtig, da wir ganz unterschiedliche Ansprüche, Bedürfnisse und Herzenswünsche in uns tragen – beim Wohnen, aber auch beim
Design ganz allgemein.
Text und Fotos: Gabriela Kaiser, Trendagentur, Landsberg am Lech
Helle Hölzer, cremefarbene
Keramik und gerundete,
weiche Formen erzeugen eine
wohltuend stille Atmosphäre.
BRING BACK THE CALM – entspannende Ruhe
Wir suchen nach Beruhigung und Erleichterung in unserem stressigen und mit Dingen überfrachteten Leben. Ratgeber zum
Thema Entrümpeln und Aufräumen sollen
wieder Ordnung in die Außenwelt, aber
auch ins Innere bringen. Ein achtsames
Einrichten mit wenigen, bewusst ausgesuchten Möbeln und Accessoires gewinnt
62
1 | 2·2024 florieren!
an Bedeutung. Eine entspannende Ruhe
wird hier über Ton-in-Ton-Kombinationen
von Creme- und Beigetönen erreicht. Verschiedene Oberflächen-Strukturen mit
matten bis zu glänzenden Optiken sowie
teils asymmetrische Formen sorgen für
Spannung bei diesen farblich zurückhaltenden Kreationen.
Je weiter wir uns im Alltag von der Natur entfernen, desto mehr sehnen wir
uns nach einer Verbindung zu ihr. Über
vor allem grüne Pflanzen, Naturmaterialien wie Holz und Kork sowie viel grüne Farbe suchen wir den Kontakt zu
unseren ureigenen Wurzeln.
Das kommt in unserem Zuhause
durch vertikales Gardening an den
Wänden, Mini-Glasgewächshäuser in
den Regalen und gesunde Microgreens
zum Essen auf der Fensterbank zum
Ausdruck. Wir fusionieren schwarze
Lackregale, weiße Sitzmöbel, cooles,
gerne farbiges Glas und elegantes
Chrom mit wucherndem Grün, natürlichen Mustern und organischen Formen
zu einem modernen Lifestyle.
GABRIELA KAISER,
Landsberg am Lech, versteht sich als Impulsgeberin
und Ideenentwicklerin mit Blick
über den Tellerrand hinaus. Ihr
Ziel: bodenständige, kommerzielle
Konzepte. Im Mittelpunkt stehen
dabei die Wünsche und Bedürfnisse der Kunden. Sie hält Vorträge,
veröffentlicht Beiträge zum Thema Trends, Design und Lifestyle
in Fachzeitschriften und zweimal
jährlich ein Trendbook.
X www.trendagentur.de
1 | 2·2024 florieren!
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Foto: Kaiser
GET CLOSER TO NATURE – urbane Natürlichkeit
Um der Natur näher zu sein,
verbinden wir den kühlen,
aber auch bequemen städtischen Lifestyle mit einer
domestizierten Natur.
Fokus
Trends 2024
ADD WARMTH TO YOUR LIFE – wärmende Geborgenheit
In unserer technisch kühlen und urban
grauen Welt sehnen sich immer mehr
Menschen – nicht nur im Winter – nach
Wärme und Geborgenheit. Die Farben
sind deshalb „warm“ wie Ocker, Terracotta, Braun, Orange und Rot. Unregelmäßige Handmade-Glasuren, gerostete
Oberflächen sowie unperfekte Formen
und Optiken unterstreichen das bodenständige Wohlfühlen. Die heimischen
Blumen und Pflanzen scheinen im eigenen Garten gepflückt worden zu sein.
Wohnen in so einer Umgebung ist wie
eine wohlige Umarmung, die Gemütlichkeit und Behaglichkeit schenkt.
Materialien wie rustikales
Holz, grobe Korbwaren, handwerkliche Ton- sowie Keramikvasen und -übertöpfe
bringen eine wohlig warme
Ausstrahlung in die Räume.
BOOST YOUR ENERGY –
farbenfroher Optimismus
Colorblocking, bunte fröhliche
Muster und witzige Sprüche
zieren glänzende Keramik und
buntes Glas.
64
1 | 2·2024 florieren!
Das Bedürfnis nach Energie, Lebendigkeit und Optimismus bringt kräftige
Farben in die Räume. Grasiges Grün,
sonniges Gelb, Lebensfreude bringendes Orange, energetisches Rot und Barbie-Pink – die sogenannten DopaminFarben, weil sie dieses Glückshormon
beim Betrachten in uns auslösen. Über
Hellblau zieht zudem der strahlende
Himmel auch in Innenräume ein. Die Inspirationen kommen dabei zum einen
aus dem Garten mit seiner üppig blühenden Blütenpracht, aber auch die experimentierfreudige Kunst und Jugendkultur zeigt hier ihre Spuren. Mit bunten
Farben und Mustern sowie Formen, die
schlicht bis experimentell ausgefallen
sind, wird das Zuhause zur optimistischen Wohlfühl-Oase.
CREATE YOUR DREAMY SPACE – verträumte Kuschelwelt
In unserer technisch dominierten Welt
ist die Sehnsucht nach Romantik und
Poesie groß. Immer mehr Menschen
wünschen sich eine romantisch gefühl
volle Umgebung, in der sie sich emotio
nal fallen lassen und ein bisschen träu
men können. Softe pastellige Töne, wei
che Materialien, Oberflächen und For
men sind hier deswegen wichtig. Fili
grane Pflanzen und üppige Blüten ver
binden sich mit zartem Porzellan, Wie
ner Geflecht und Kristallglas zu einem
verträumten Look. Dazu gesellen sich
nun verstärkt kräftige Farben wie Pink
oder Koralle, die als Kontrast der Optik
einen „erwachsenen“ und selbstbe
wussten Touch verleihen.
Ob weiß oder farbig, die Muster sind
lieblich bis hin zu verspielt und entwickeln sich ins Nostalgische. Gerade stark
im Kommen sind Papierblumen.
Sie haben Feierabend - Ihr Verkauf läuft weiter!
24/7 BLÜHENDE FRISCHE
Mario Di Biccari
Manfred Bleile
Tom Vahldiek
Leiter Blumohmat
Vertrieb und Service
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1 | 2·2024 florieren!
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Fotos: Formland/Tony Brøchner
TRENDS IN D ER P R AX IS
Langlebig und
durchdacht
In den neuen Kollektionen werden Trends sichtbar – mitunter
erst auf den zweiten Blick. Wichtig für den Fachhandel bleibt,
sich mit Herstellungsprozessen und Materialien zu befassen und
mit Hintergrundwissen rund um das Sortiment kompetent
beraten zu können. Messekontakte und der enge Austausch mit
Lieferanten bringen zum neuen Jahr Impulse und Inspiration.
Heidy Hetper, Aalen
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1 | 2·2024 florieren!
Inspiration aus Skandinavien:
„Die Schönheit liegt im Unperfekten“,
sagen Trendscouts der dänischen Messe
Formland. Weiterhin relevant bleibt
sichtbare Handwerkskunst, vor allem bei
Keramik und Glas, und Formen, die eine
gewisse Rohheit ausstrahlen. Bei einem
breiten Spektrum an Trends bilden die
Bereiche „gedeckter Tisch“, Outdoor
accessoires und Produkte mit Fokus auf
physischer und mentaler Gesundheit den
Kern der Trendareale. Auf rund 300 m²
Sonderfläche in Halle D geht es unter
dem Motto „New Era – A life balance“ um
die Vereinbarung von Chaos und Ruhe als
Schlüssel zur Balance. Das tägliche Pro
gramm umfasst Vorträge und Diskussi
onsrunden, unter anderem zu „hospitality
& sustainability“ (Gastlichkeit & Nachhal
tigkeit) und „retail & fun“ (Handel &
Spaß). Die Messe gibt vom 4. bis 6. Febru
ar 2024 wieder zahlreiche Impulse auf
Sonderflächen und in verschiedenen Fo
ren. Für Workshops, etwa mit dem Eck
mann Studio Copenhagen“ zum Thema
„The Mind, Body & Soul Retreat“, ist eine
Anmeldung nötig. www.formland.com
Fokus
Trends 2024
Foto: Lübech Living
Fotos: Recozy
Fotos: Bergs Potter
Sichtbare Handarbeit: Bergs Potter
aus Dänemark bringt im Januar „Celeste“
als Messeneuheit mit nach Frankfurt. Die
handgedrehte Serie aus Terracotta in
„Raw Rosa“ oder „Nordic Grey“ ist in drei
Größen erhältlich und lässt sich mit dem
wasserfesten Unterteller schnell vom
Übertopf zum Beistelltisch umfunktionieren. www.bergspotter.dk
Skandinavisch und clean: Für die Oohh Collection verarbeitet das dänische Label Lübech Living rund 30 % recyceltes Keramikmaterial. Zudem wird mit Solarstrom und einer durchdachten Wasserwiederaufbereitung produziert. Die handgearbeitete
Vase Ania wird zum Jahresbeginn in drei neuen Farben auf den
Messen präsentiert. Außerdem stellt das Unternehmen Neuheiten für den Außenbereich vor. www.lubechliving.com
Ressourcenschonend: Das Start-up
Recozy hat sich den Themen Nachhaltigkeit, Technologie und Design gleicher
maßen verschrieben. Die Kleinmöbel,
Wohnaccessoires und Vasen bestehen
überwiegend aus recycelten Materialien,
die europaweit gesammelt und aufbereitet werden. Am Standort im norddeutschen Ganderkesee wird im 3-D-DruckVerfahren auf Bestellung gefertigt. Für
2024 kündigt das Unternehmen fünf neue
Trendfarben an, darunter Pistachio Green
und Pepple Taupe. Sie werden unter anderem auf der Formland in Herning/DK
vorgestellt. www.recozy.de
1 | 2·2024 florieren!
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Fotos: Wilhelm Hess
Fokus
Trends 2024
150 JA HR E – JUB IL ÄUM I N WA LLD Ü R N
Ideen, die dekorieren
D
ie Wallfahrten nach Walldürn haben
ihre Wurzeln im „Blutwunder“ im
Jahr 1330. Nach und nach wurde die
Gemeinde im Neckar-Odenwald-Kreis
zum größten eucharistischen Wallfahrtsort Deutschlands. In diesem Umfeld legte Johann Josef Hess 1874, also
vor 150 Jahren, lange bevor es den Begriff des Bedarfshandels gab, mit Kopfkränzchen, Anstecksträußchen, Papierblumen und Wallfahrtsbedarf den
Grundstein für das heutige Großhandelsunternehmen.
In zweiter Generation entstand 1907
unter Wilhelm Hess ein neues Firmengebäude in der Blumenstraße, das bereits damals eigenen Strom herstellte.
Das Produktportfolio wuchs um Kränze
aus Wachsblumen und präparierte Blätter und Farne aus eigener Produktion.
Zwischen 1937 und 1963 wurden erste
Plastikblumen, Grabvasen und Gebinde
aus Naturmaterialien produziert, 1966
begann man mit der Herstellung von
Spritzgussformen.
Um 1970 begann der Import von
Naturmaterialien aus Südafrika, Indien
und Australien. Das Geschäft mit Exoten machte aus dem Produktionsbetrieb Wilhelm Hess einen Großhandel,
der schnell aus allen Nähten platzte
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1 | 2·2024 florieren!
und 1982 eine neue Lager- und Versandhalle bezog.
2022 stellte das Unternehmen eine
weitere Lagerhalle mit Hochregalsystemen und Platz für 3.000 Paletten fertig.
Rund um das Programm entstehen laufend neue „Ideen, die dekorieren“ und
auch Strukturelles wird mit Blick auf die
Branche und die Herausforderungen
der aktuellen Zeit ständig weiterent
wickelt. 2023 ging schließlich der neue
Onlineshop an den Start.
Vier Trendthemen für Frühling
und Sommer 2024
Über die Kompetenz in Sachen Gedenktage und Exoten hinaus wird das Produktportfolio für die grüne Branche
ständig weiterentwickelt. „Meaningful
Earth“ ist eines von vier Trendthemen
für das Jahr 2024: Alles dreht sich um
einen natürlichen Look und umweltfreundliche oder recycelte Materialien
wie Stein, Kokos, Holz, Jute, gepresstes
recyceltes Leder und unregelmäßiges
Glas. Das Thema kombiniert Braun mit
Blüten in Hellgelb und Lachstönen oder
Trockenmaterialien wie das neue Lagurus in Apricot.
Für das Jubiläumsjahr 2024 plant
Christian Zimmermann, seit 2006
im Unternehmen und heutiger
Geschäftsführer, gemeinsam mit
seinem 23-köpfigen Team eine
Jubiläumsfeier und regelmäßige
(Rabatt-)Aktionen, über die Kunden via Newsletter und auf Social
Media informiert werden.
www.hess-floristik.com
Materialmix bleibt aktuell: Beim
Haus mit Schale (links oben) werden Metall und Holz kombiniert.
Die Neuheit ist in drei Größen
lieferbar, die Schale ist mit einer
Pflanzfolie ausgekleidet.
Eine Blütenpresse und prachtvolle, künstliche Blumen (rechts
oben) erinnern an alte Zeiten.
Lagurus gibt es neu in den Farben
Salbeigrün und Apricot.
F O K US TR EN D S
Unser Fazit
Text: Edith Strupf
K
Foto: Landgard
Foto: Kaiser
riege, Inflation, Klimawandel – die Zeiten
bleiben unsicher, daran hat sich leider
nichts geändert. Auf unsichere Zeiten
reagieren wir, indem wir uns auf die Familie, auf
Vertrautes und Traditionen besinnen. Das wird
nicht zuletzt an der Beliebtheit von Vintageund Second-Hand-Produkten deutlich. Bei aller
Rückbesinnung wissen wir aber auch, dass der
Klimawandel genauso wie Digitalisierung und KI
große Veränderungen mit sich bringen.
Foto: Tollwasblumenmachen.de
Diese Gemengelage führt zu drei wesentlichen
Richtungen: Das Bedürfnis nach Harmonie und
Entschleunigung kommt in ruhigen Farben zum
Ausdruck, warme Erdtöne stehen für den
Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit, und farbenfrohe Designs mit üppigen Mustern entsprechen
dem Bedürfnis, sich Optimismus und Lebensfreude zu erhalten. Insgesamt „bleibt Vielfalt im
Design wichtig, da wir ganz unterschiedliche
Ansprüche, Bedürfnisse und Herzenswünsche in
uns tragen “, so Gabriela Kaiser.
Aufgrund ihrer Beobachtungen auf Reisen und
Messen wählte Gabriela
Kaiser einen Cremeton zur
Farbe des Jahres.
Landgard inszeniert „Biophilic Boost“ auf der IPM
Essen für alle Sinne.
Farbenfrohe Trends wie
„Viva Magenta“ sorgen für
Lebensfreude im Alltag.
Blumen und Pflanzen passen zu diesen Bedürfnissen. Dabei wird das Thema Nachhaltigkeit
weiter an Bedeutung gewinnen. Problematisch
bleibt, dass viele Kund(inn)en sparen müssen
oder ihr Geld anders ausgeben. Das können wir
nicht ändern. Aber es ist gut zu wissen, dass
Blumen und Pflanzen zum Zeitgeist passen und
dass Blumengeschäfte für kleine Auszeiten und
persönliche Kontakte im Alltag sorgen können.
x | x·2023 florieren!
69
Porträt
1
BLUMEN AM KOT TB USSER DA M M I N B E R LI N
Hier blüht der Kiez
Seit 26 Jahren führt Nicole Heide ihr Blumengeschäft in Berlin-Kreuzberg. Ihr
Erfolgsgeheimnis beruht auf guter Nachbarschaft, Akzeptanz, Einfühlungsvermögen und Professionalität.
Text und Fotos: Sabine Meißner, Berlin
N
icole Heide ist Vieles in einer
Person: Künstlerin, Handwerkerin, Psychologin, Therapeutin, Gesprächspartnerin und
nicht zuletzt Geschäftsfrau. Für viele
Blumen liebende Menschen im Kiez ist
sie die perfekte Blumenfrau im kleinen
Laden am Kottbusser Damm mitten im
multikulturellen Berliner Ortsteil Kreuzberg. In ihrem Blumengeschäft gibt es
Blühendes für die Vase zu jedem Anlass
und für jeden Geschmack. Vom zierlichen Blumengruß bis zum pompösen
Bouquet – „Frau Heide“ erfüllt Wünsche,
aber nie, ohne dabei auch ihre Philosophie zum Ausdruck zu bringen. Bei ihr
heißt das: Natürlichkeit. „Tulpen gibt es
nicht im Herbst und Sonnenblumen
nicht im Frühjahr“, erklärt sie. Wie die
Blumen gewachsen sind und was man
am besten mit ihnen machen kann, das
seien ihre Überlegungen, wenn sie
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einen Strauß bindet. Bunte Blumen aus dem
Bauerngarten, fröhlich schaukelnde Gräser, bizarre
Zweige mit farbigen Früchten inszeniert sie eins,
zwei, drei zu Gebilden, die Gefallen finden. Schon
das Zusehen bereitet Freude und macht Lust auf
Blühendes daheim.
Wenige Parkplätze, viele Fußgänger
Draußen vor dem Geschäft eilen Passanten hin
und her und der Verkehr auf der Straße ist alles andere als ruhig. Parkplätze sind rar, was sowohl eine
gute als auch eine schlechte Seite hat. Schlecht,
weil Vorbeifahrende kaum spontan halten können,
und gut, weil der Fußweg stark frequentiert ist und
viele von der kleinen blühenden Insel auf Bänken
und in Kisten inspiriert werden.
Die meisten, die die zwei Stufen zum Geschäft
hinaufsteigen, haben klare Vorstellungen, weil sie
nicht zum ersten Mal hier kaufen. Andere, denen
die Treppe zu beschwerlich ist, werden von Nicole
Heide vor dem Geschäft bedient. Sie hört allen
Kundinnen und Kunden aufmerksam zu, nimmt
dann zielsicher Stiele aus ihren Vasen, um sie professionell zu dem Strauß zu inszenieren, der den
Vorstellungen entspricht. Zögernde fragt sie, für
welchen Anlass die Blumen gedacht sind, spürt die
Stimmung und kreiert ein entsprechendes Arrangement, mal in schlichter Schönheit, ein anderes
Mal kunstvoll wie eine Installation. Insbesondere
den jungen Frauen gefallen die lockeren Gebinde
mit natürlicher Ausstrahlung besonders.
Während meines Besuchs im Spätsommer in Nicole Heides Geschäft gibt es keine fünf Minuten
ohne Kunden. Ein Mann kommt herein und sagt:
„Sie kennen doch meine Frau, machen Sie einen
Strauß, der ihr gefällt.“ Eine Kundin verlangt einen
Gutschein mit der Bemerkung, ihre Mutter solle
An all dem hat Nicole Heide ihren
Anteil. Ihre Kreationen versprühen Unbekümmertheit und Seelentrost. Eine
nicht mehr junge Kundin erzählt, dass
sie Geburtstag habe und sich „diesen
wunderschönen Strauß“ an ihrem Tag
gönne. Manche Hereinkommende haben konkrete Vorstellungen, teils von
der Farbe der Blüten und der Länge der
Stiele, teils auch vom Preis. Wieder andere sagen: „Machen Sie doch bitte
einen schönen Strauß, so wie immer.“
Die gelernte Floristin führt das Geschäft seit 1997 in der sechsspurigen
Hauptverkehrsstraße mit dichter Bebauung, einem begrünten Mittelstrei-
3
2
doch die Blumen nicht woanders kaufen. Etwas
später ist ein Mann von den bunten Dahlien und
einem Schild mit der Aufschrift „Restsommerstrauß“ angetan und sagt kurz und knapp: „Einmal
Restsommer bitte.“ Die Atmosphäre an diesem Vormittag ist leicht und beschwingt, so als würden die
Blumen tatsächlich sprechen und die hektisch eilenden Großstadtmenschen für einen Moment zur
Ruhe bringen.
fen und zwei getrennten Richtungsfahrbahnen – eine Straßenseite gehört
zu Kreuzberg, die andere zu Neukölln.
Ihr Blumenladen liegt auf der Kreuzberger Seite. Darunter fährt die U-Bahn der
Linie U 8. Hier pulsiert das Leben. Der
mit 20 m² Verkaufsfläche vergleichsweise kleine Laden schmiegt sich zwischen
Wäscherei, Modegeschäft und Hausflur
sowie danebenliegender Gaststätte in
die Geschäftswelt ein. Die Nachbarn
sind überwiegend türkische und arabische Läden und Gaststätten.
Zwei Häuser weiter betreibt ein asiatischer Blumenhändler sein Geschäft
mit einer Filiale in der nahe gelegenen
U-Bahn-Station. „Wir machen jeder
unsere Geschäfte und kommen miteinander aus“, meint Nicole Heide. Er, der
Asiate, habe eine andere Kundschaft als
sie selbst. Den Blumenverkauf in Supermärkten betrachtet sie ebenfalls nicht
1 Schnittblumen der Saison
und Blühendes in Töpfen aus
der Region entsprechen der
Geschäftsphilosophie der
Floristin Nicole Heide.
2 Bunte Blumen aus dem
Bauerngarten, fröhlich schaukelnde Gräser und bizarre
Zweige mit farbigen Früchten
inszeniert die Floristin zu
ansprechenden Sträußen.
3 Das Blumengeschäft von
Nicole Heide reiht sich in
die multikulturelle Geschäftswelt am verkehrsreichen
Kottbusser Damm in BerlinKreuzberg ein.
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Porträt
als Konkurrenz, ganz im Gegenteil.
„Meine Stammkunden, die einmal dort
gekauft haben, kommen meistens zurück“, meint sie. Ihre Geschäftsphilosophie ist durch Natürlichkeit geprägt.
Blumen der Saison bestimmen das Bild
im Laden, genau so, wie ihre Stammkunden es lieben. Daneben bietet sie
auch Blühendes in Töpfen an, vor allem
natürlich in der Region Gedeihendes.
Kunden haben weniger Geld
Auf die Frage, wie ihre wirtschaftliche
Situation sei, erklärt die Geschäftsfrau:
„Die Menschen im Kiez haben nicht
mehr so viel Geld zur Verfügung wie vor
4
4 Bevor Nicole Heide ihren
Laden an sechs Tagen in der
Woche früh um 8 Uhr öffnet,
hat sie meistens den Berliner
Großmarkt besucht, denn
ihre Blumen „sollen immer
frisch sein“. Das hat bei ihr
oberste Priorität.
5 Wenn sich der Sommer dem
Ende neigt, dann spricht ein
„Restsommerstrauß“ die
Menschen im Kiez besonders
an. Im Berliner Sprachgebrauch heißt das dann: „Einmal Restsommer bitte.“
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ein paar Jahren. Das, was der Seele gut
tut, also für viele auch die Blumen, muss
des Öfteren hintenanstehen. Es leben
hier Menschen mit gutem bis sehr gutem Einkommen, aber auch Sozialhilfeempfänger. Laut Berliner Statistik sind
etwa ein Drittel der Bewohner dieser
Straße Menschen mit Migrationshintergrund, sie haben ihre eigenen Vorstellungen von einem schönen Blumenstrauß. Meine Absicht ist, allen gerecht
zu werden.“
Die Blumen bestimmen seit 40 Jahren das Leben von Nicole Heide, seit sie
die Ausbildung zur Floristin in Berlin erfolgreich absolviert hat. Heute ist die
Floristin aus Leidenschaft Anfang 60
und denkt noch nicht wirklich ans Aufhören, obwohl ihr nicht nur das Tragen
der mit Blumentöpfen gefüllten Kisten
schwerer fällt. „Eine schwierige Phase
war die Zeit der Coronapandemie“, er-
zählt sie und ist froh, dass der Vermieter ihr mit der
Höhe der Miete entgegengekommen ist. „Machen
wir uns nichts vor“, sagt sie. „Wir hatten drei gute
Jahre, in denen die Menschen nach Blumen gelechzt haben.“ Sie hätten draußen Schlange gestanden, weil sie den Blumenladen nicht geschlossen, sondern die Verkäufe wegen der Infektionsgefahr auf der Straße vor der Ladentür abgewickelt
habe. Das Geschäft Blumen-Heide ist Fleurop-Partner. Dieser Teil des Umsatzes habe in der Coronazeit einen höheren Anteil ausgemacht als zuvor,
berichtet sie. „Jetzt sind es wieder 25 bis etwa 33 %
des gesamten Umsatzes.“
Die Ladenfläche einschließlich Toilette und
Rückzugsraum beträgt 42 m². Es ist ein blühendes
Kleinod, das die Spuren von harter Arbeit offenbart. Neben der Bedienung der Laufkundschaft
5
nimmt die Floristin hier auch die Bestellungen an
und stellt sie zusammen. Viele Lebensstationen hat
Nicole Heide mit ihren Blumen schon begleitet,
freudige wie traurige.
Zusammenhalt in der Familie
Bis vor wenigen Wochen stand ihr ein Mitarbeiter
zur Seite. Weil er in eine andere Stadt zog, endete
die Zusammenarbeit. Zeitweise hilft ihr eine Ausfahrerin bei der Überbringung bestellter Ware, beispielsweise an Arztpraxen, Kanzleien, Restaurants
oder Privathaushalte. Für Praktikanten, die meistens vom Verein Lebenshilfe vermittelt werden, habe sie immer ein offenes Ohr. Ihre wichtigste
Unterstützung erfahre sie jedoch von der eigenen
Familie, ihrem Ehemann und den drei erwachsenen Kindern und manchmal den Enkelkindern, die
„zur Stelle sind, wenn ihre Hilfe benötigt wird“.
Außerhalb der Geschäftszeiten ist Nicole Heide für
ihre Vier-Generationen-Familie da, zu der auch ihre
Eltern gehören: „Wir halten alle zusammen.“
Blumendekorationen zum Weltfrauentag
geschmückt, darunter die Statuen der
Schauspielerin Greta Garbo (1905–
1990) und der Schriftstellerin Astrid
Lindgren (1907–2002).
Nicole Heide legte aus diesem Anlass der steinernen „Trümmerfrau“ im
Berliner Volkspark Hasenheide einen
Blumenkranz um. Die „Trümmerfrau“ ist
eine Figur aus Kirchheimer Muschelkalk. Sie bildet eine von der Arbeit ruhende, sitzende Frau ab und erinnert
an alle ungenannten weiblichen Aufbauhelferinnen, die nach dem 2. Weltkrieg unermüdlich die Berliner Straßen
und Plätze von Trümmern befreiten.
Nicole Heide wählte die Blumen
für den Kranz für die Berliner
Trümmerfrau mit Bedacht aus.
Auch nach tagelangem Regen
stellten sie noch eine blühende
Würdigung der legendären Trümmerfrauen dar.
Foto: Martin Meißner
Nicole Heide engagiert sich bei der
Fleurop-Aktion zum Weltfrauentag am
8. März, mit der weiblichen Statuen im
öffentlichen Raum Sichtbarkeit durch
Blumenschmuck verschafft werden
soll. Im vergangenen Jahr sorgte außer
in Berlin auch Blumenschmuck in
Hamburg, München, Leipzig und weiteren Städten für eine erhöhte Wahrnehmung weiblicher Skulpturen oder
Denkmäler. Ihren Ursprung hat die Idee
in Schweden. Dort werden seit mehreren Jahren von der Fleurop-Landesabteilung zum Weltfrauentag die Denkmäler schwedischer Persönlichkeiten
SABINE MEISSNER ist
diplomierte
Betriebswirtin und als Freie Fachjournalistin hauptsächlich für die grüne Branche sowie die Redaktionen
Naturstein und Friedhofskultur
tätig. Die Gespräche mit engagierten Fachfrauen und -männern in
diesen Bereichen bereiten ihr
nicht nur viel Freude, sondern
bringen auch stets neue Erkenntnisse. Sie lebt und arbeitet in Berlin und zeitweise in Finnland.
X meissner_sabine@yahoo.de
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Porträt
BLUMEN ZE ID L E R IN SCHK E UD ITZ
Fest in der Region
verankert
„Vollblut-Floristin“: Das ist eine Bezeichnung, die ganz wunderbar auf Claire
Zeidler zutrifft. Sie stellt sich jeder Herausforderung und hat viele Schwierigkeiten gemeistert. Ihr Laden ist ein Kleinod in der Nähe Leipzigs. Mit ihrer
herzlichen Art und dem vielschichtigen Können hat sich Claire Zeidler als Floristin fest etabliert. Mit dem Gewinn des MDR Garten-Floristikwettbewerbs 2023
kam weiterer Schwung in das Geschäft.
Text und Fotos: Jens Haentzschel, Erfurt
1
1 Beim Wettbewerb „MDR
Garten-Florist 2023“ haben
viele Freunde die Daumen
gedrückt, für Claire Zeidler
gevotet und dafür gesorgt,
dass erstmals eine Floristin
aus Sachsen den beliebten
Wettstreit gewinnt. Zuletzt
war sie im November mit
Weihnachtsfloristik zu Gast
im Fernsehen. 173.000 Zuschauer haben die Sendung
linear gesehen. Was selbst
Claire Zeidler bei aller Medienpräsenz überrascht hat. „Ich
bekam Anrufe von Menschen,
die ich seit vielen Jahren nicht
mehr gesehen und gehört
hatte. Allein dafür hat sich der
Aufwand gelohnt.“
2 Claire Zeidler liefert mehr-
fach in der Woche ihre Bestellungen mit einem Transporter
aus, von dem ihr Porträt herablächelt.
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E
ntlegen“ ist vielleicht das Wort, das am besten passt, um zu beschreiben, wo sich Claire
Zeidler mit ihrem Blumengeschäft niedergelassen hat. Wobei das Wort vor Jahren etwas
passender war, als Glesien im Nordwesten von
Leipzig noch eine Reise bedeutete. Seit Jahren gehört die kleine Gemeinde zu Schkeuditz, und dieser Name ist Begriff: Das Schkeuditzer Kreuz ist berüchtigt für Autofahrer, seit Jahren wird hier ausund weitergebaut. Das Kreuz hat regionales Gewicht, es ist das älteste in Europa, entstanden 1936.
Gleich um die Ecke liegt der Flughafen Leipzig/
Halle und befinden sich das Porsche Experience
Center, DHL, Amazon, ein Güterverkehrszentrum.
Kurzum: Der Industriestandort lebt von Bewegung
und Paketen und macht auf sich aufmerksam,
wenn man Claire Zeidler im Außenbereich ihres Ladens beim Kaffee gegenübersitzt. Dann hört man
im Minutentakt dröhnende Flugzeuge oder je
nach Wind die Geräusche der Autobahn. Dieser
Trubel war für viele Geschäfte eine Rettung.
Für Claire Zeidler ist diese rasante
Entwicklung weniger ein Thema. Sie hat
von dem Wachstum profitiert, aber der
für sie wichtige Parameter ist nicht
Wachstum, sondern Beständigkeit. Sie
setzt in ihrem Blumenladen auf Individualität, Spaß und Freundlichkeit. Und
auf Schnittblumen, die sichtbar sind,
sobald man den Laden betritt. Über
Jahre hat sich Claire Zeidler einen Namen gemacht, Blumen Zeidler hat
einen festen Kundenstamm, der sich
gern im Laden umschaut.
Die Inhaberin ist mit dem Ort fest
verwurzelt: „Ich sage immer, im Alter
gehe ich von hier weg, aber das wird
eher nur ein Umzug auf die andere Straßenseite.“ Sie gehört zur Sorte „Frohnatur“ und „Vollblut-Floristin“, ist durch
wenig bis nichts aus der Ruhe zu bringen und versteht ihr Handwerk. Floristik
2
3
4
5
3 Das Team um Claire Zeidler
herum ist ein „Weiberhaufen“.
Mutter Karin und Oma Marlit gehen beide zur Hand und
helfen aus, drei Angestellte
arbeiten Vollzeit, erstmals
wird wieder eine Azubi ausgebildet.
4 Die sehr präsente Menge an
Blumen im Geschäft hinterlässt Eindruck. Schnittblumen
machen rund 70 bis 80 % aus,
der Rest verteilt sich auf Zimmerpflanzen.
5 Blumen und Pflanzen spie-
len die Hauptrolle, Gefäße
und Accessoires gibt es nur in
einer kleinen Auswahl, denn
der Platz ist begrenzt.
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Porträt
6 – 9 Einige Kunden bestellen vor, die Mehrheit sucht vor
Ort aus, lässt sich beraten und
nutzt die Pause zum kleinen
Schwatz, denn die Kunden
sind treu, kommen seit Jahren
gern vorbei. Sie können sich
darauf verlassen, dass bei
Blumen Zeidler die heilige
Dreifaltigkeit der Dienstleistung funktioniert: Freundlichkeit, Individualität und Kompetenz. „Wir binden sehr viel,
setzen auf frische Ware, machen alle Gestecke selbst, sind
pünktlich bei den Auslieferungen und haben noch offene
Ohren, denn im direkten Kontakt geht es auch ums Leben,
den Herausforderungen im
Alltag“, erklärt Claire Zeidler.
„Bei uns steht kein Kunde vor
einer elektronischen Menükarte wie bei McDonalds und
weiß nicht, wie er seine Bestellung aufgeben soll.“
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ist eine familiäre Herzensangelegenheit
und die Kundschaft spürt es.
Claire Zeidler ist ins Geschäft reingewachsen. Mit 15 Jahren ist sie mit dabei,
als ihr Vater den Laden eröffnet, hilft
mit, interessiert sich fürs Binden und
Gestalten, macht aber erst mal ihr Abi,
um sich dann zu fragen: Was nun? „Ich
hätte studieren können, habe mich
aber entschieden, eine Ausbildung zur
Floristin zu machen und einen Ausbildungsplatz in der Nähe gefunden. Mit
20 Jahren war ich als bester Lehrling fertig.“ Sie geht zurück ins elterliche Geschäft, merkt, dass ihr der Job wirklich
liegt. Mit einer Begabtenförderung der
IHK in der Tasche kommt die Frage auf,
ob Claire Zeidler nicht gleich den Meisterbrief dranhängt. „Ich dachte, ich bin
viel zu jung dafür. Für einen Meister
brauchst du Lebenserfahrung, Berufs-
praxis. Das macht man mit 40 Jahren. Doch dann
führte mich der Weg zum Dresdner Institut für Floristik und mit 24 Jahren war ich die beste Meisterin
und startklar für den Beruf.“
In den Fußstapfen des Vaters
Viel hat Claire Zeidler ihrem Vater Arndt zu verdanken, der mit 52 Jahren überraschend stirbt und in
dessen Fußstapfen sie tritt. „Mein Vater war Maschinenschlosser, hat nach der Wende für den Blumengroßhandel ausgeliefert und sich eher als Autodidakt mit der Floristik beschäftigt“, erzählt sie. „Und
plötzlich hatten wir Mitte der 1990er Jahre einen
kleinen Blumenladen, den erst meine Großmutter
geführt hat. Als es immer mehr Aufträge gibt, haben mein Vater und meine Mutter übernommen.“
Die Zeit ist Expansion pur. Ein Laden in Radefeld
und ein zweites direkt im Flughafen kommen dazu.
Viele Ideen von ihrem Vater bewahrt seine
45-jährige Tochter Claire bis heute. Es gibt mit dem
6
7
8
9
Frische und Flexibilität
Der knapp 80 m² große Blumenladen lebt bis heute von einer gesunden Mischung aus Aufträgen.
50 % des Umsatzes kommt von Laufkundschaft,
der Rest verteilt sich auf Firmenkunden, Hochzeiten und Trauerfloristik. Ihre Laufkundschaft nennt
Claire Zeidler eher „Fahrkundschaft“, denn von
Dorf zu Dorf geht es eben nicht zu Fuß, sondern
per Auto. Spontankunden kommen weiterhin regelmäßig und machen einen großen Anteil der
Kunden aus.
Die Philosophie von Claire Zeidler besteht aus
zwei Worten: Frische und Flexibilität. Jeden Abend
wird der Laden neu aufgefüllt. „Wir sind quasi für
unsere Kunden ein steter Punkt. Wir sind flexibel,
weil vor Ort. Wenn spät jemand anruft, weil er noch
einen Strauß braucht oder eine Lieferung, dann ist
mein Anspruch, dass es klappt. Das basiert auf Nähe und die Jahre des Kennens. Wir funktionieren
als fest gewachsenes Team.“ Gleichzeitig hat sich
Claire Zeidler medial schon vor Jahren zeitgemäß
aufgestellt. Bei Google findet man sie schnell, die
Webseite ist informativ und sie bespielt Facebook,
Instagram und YouTube.
Der Platz beschränkt das Sortiment
Die meisten Waren kommen aus dem Blumengroßmarkt um die Ecke, Pflanzen für Frühling und
Sommer stammen oft von Gärtnern vor Ort, Eriken
für den Winter kommen aus der sächsischen Region. „Ich kaufe kommissionierte Ware, aber viel
lieber direkt“, sagt Claire Zeidler. „Ich würde gern
Schnittblumen regional kaufen, aber das ist derzeit
nicht möglich“. Was sie online bestellt, steht nachts
in ihrem Laden. Lange Transportwege vermeidet
sie und schaut zweimal hin, woher Schnittblumen
kommen, bevor sie ordert.
„Wer weniger Platz hat, muss anders denken“,
sagt Claire Zeidler mit einem Lächeln. Für eine Vielfalt an Accessoires, Töpfen oder andere Kleinigkeiten fehlt der Raum. In direkter Nähe hat 2023 Pflanzen Richter sein neues Pflanzencenter eröffnet, es
ist eines der größten in Deutschland mit einer Fläche von etwa 4 Hektar. Preislich und von der Auswahl und Menge kann Claire Zeidler nicht mithalten. Als Konkurrenten sieht sie keinen der Mitstreiter in der Region. „Es hat sich viel seit der Wende
gewandelt. Das 15 km entfernte Delitzsch hatte mal 30 Blumenläden. Jetzt
gibt es noch den Bedarf, den man wahrscheinlich wirklich braucht. Mit einem
Kollegen spreche ich sogar Urlaube ab.
Wir geben auch Hochzeitsaufträge weiter, wenn man mal nicht da ist.“
Dass Leipzig eine boomende Metropole geworden ist, macht sich in Glesien nicht vordergründig bemerkbar.
Was Claire Zeidler aber merkt, ist, dass
das Umland wächst. Darin sieht sie eine
Chance für die kommenden Jahre, denn
vor allem junge Familien meiden die
teuren Innenstädte, sodass sich zwischen Leipzig und Halle an der Saale allerhand bewegt. Einzig das Thema „Planung“ ist etwas, worauf sie sich nur
schwer einlässt. „Ich habe nach dem Tod
meines Vaters gelernt, dass ich mein
Feld überblicken muss. Er hatte Pläne,
die er nicht umsetzen konnte und die
dann plötzlich für mein junges Leben
eine Rolle spielten. Deshalb ist mir Beständigkeit am Ende wichtiger als große Sprünge.“
JENS HAENTZSCHEL
ist seit Anfang 2002 als
fester Autor und Regisseur an
der Fernsehsendung „MDR
Garten“ für den Mitteldeutschen Rundfunk beteiligt.
Dabei entstehen verschiedene
Beiträge über Gärten, Gartenbesitzer oder Pflanzenzüchter.
X info@greengrassmedia.de
Foto: Haentzschel
frühen Tod des Vaters verständlicherweise einen
Umbruch. Die Filialen werden wieder geschlossen,
aber inhaltlich setzt die Tochter fort, was der Vater
entwickelt hat. Sie baut die Kontakte zu Firmen
aus, die regelmäßig beliefert werden, kümmert
sich um ihr Team, das perfekt harmoniert und seit
Jahren für Beständigkeit sorgt. „Mitarbeiterpflege
ist kein Wort der Neuzeit. Wir leben diesen Begriff
seit Jahrzehnten und kennen einander gut.“
Betriebswirtschaft + Marketing
HERR RAT &
FRAU TAT
I M P U LS E F Ü R
M E H R P R OF I T
U N D P R OF I L
flora
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F
Foto: beyond-
o:
Me
t te
Vast
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rling
Was ist unsere
Dienstleistung wert?
Rechenexempel
Friseur
Ein Herren-Haarschnitt
für 37 €, rund 20 Minuten für
Shampoonieren, Schneiden und
Föhnen. Da rechne ich beim
nächsten Mal aus, wie viel mein
Friseur für die fünf Minuten
veranschlagt, in denen er angenehm druckvoll shampooniert ...
Friseure schaffen es, einen angemessenen Stundensatz durchzusetzen. Der Verdienst durch
Materialeinsatz ist gering, okay.
Aber unabhängig davon: Die
Dienstleistung ist es wert.
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Keine Lieferkosten,
weil eh da?
Leider ist vor allem bei unseren älteren
Stammkunden im Kopf verankert, dass der Seniorchef „eh da“ ist: „Der Klaus liefert ja dann.“
Aber: Selbst wenn ein Sargschmuck aufgrund der
Größe nicht vom Kunden abgeholt werden kann,
sodass jemand von uns liefern muss, ist das eine
Zusatzdienstleistung: Jemand muss los, das Auto
„verbraucht“. Auch wenn es sich beim Auftragswert
nicht um einen 08/15-Strauß-Preis handelt und wenn
das Lieferauto und der Klaus im Idealfall „eh da“
sind: Zumindest der Selbstkostenpreis
muss drin sein.
Billig ist nicht drin
Floristen sind Gestalter, Handwerker, Künstler,
Verkäufer … Aber eierlegende Wollmilchsäue gibt es immer
weniger, und schlussendlich zwingt spätestens der Fachkräftemangel dazu, angemessene Löhne zu zahlen. Und
die Kosten an die Kunden weiterzugeben. Der Kostendruck
durch Lohnerhöhungen und die lange Kette der Preissteigerungen durch die gestiegenen Energiekosten machen Preiserhöhungen nötig, damit der Unternehmer Fachkräfte
überhaupt halten kann und am Ende des Tages noch ein
positives Ergebnis für sich selbst hat. Als Fachgeschäft
können wir sowieso nicht günstig.
Hand hoch für
Transparenz
Vasenfüllungen für eine
Tischdekoration für 300 € –
ein schöner Auftrag. „Ach ja,
ich bräuchte sie geliefert.“
Mmh, Hand aufs Herz:
Wer schlägt jetzt die Lieferkosten auf? Ich kann den
Aufwand „verwischen“ und
vom Blumenwert abziehen,
sprich, der Kunde bekommt
nicht die Blumen im bestellten Wert. Ein Blick durch die
Kundenbrille zum Caterer
zeigt ein anderes Bild: Die
Platten mit Fingerfood für
300 € werden zur Abholung
bereitgestellt. Oder der
Caterer kümmert sich ums
Anliefern und berechnet
Liefergebühren von X €.
Ich mag es, dass ich die Entscheidung treffen kann, ob
ich mich selber kümmere
und spare oder aber Geld für
die Zusatzdienstleistung
ausgebe. Mein Büfett ist in
jedem Fall die 300 € wert.
Ich bin für Transparenz.
Warum diese Hemmungen unter Floristen, Lohnkosten korrekt
in Werkstücke einfließen zu lassen? Ähnlich der Diskussion
vor langer Zeit, ob das Grün im Strauß extra kostet, steht die
Branche vor der Herausforderung, die tatsächlich benötigte
Arbeitszeit zu berechnen. Aber wie? Transparent für den
Kunden? „Verwischt“ im Werkstückpreis? Oder schlucken und
als Unternehmer zurückstecken, weil die Kunden sowieso
sensibel auf Erhöhungen reagieren? „Bloß nicht!“, sagen Jessica
Grund-Grube und Rupert Fey. Sie zeigen Argumente auf,
blicken auf andere Branchen, wägen ab und entscheiden.
Text: Jessica Grund-Grube, Braunschweig, und Rupert Fey, Bargfeld-Stegen
Auf die Minute genau?
Wo fließen die Kosten für die
Zeit ein, die in aufwendige oder
beratungsintensive Werkstücke investiert wird? Für eine Brautdekoration
braucht man mehrere Stunden, allein
die Beratung und das Ordern der Ware
dauern locker eine Stunde. Ein spontaner Straußkauf von fünf Rosen dauert
wenige Minuten. Wie wäre es mit
einem Beratungshonorar für Hochzeiten? Ich finde, der „schnelle Kunde“ darf
nicht für die „aufwendigen Kunden“ mit
einem hohen Aufschlag bestraft werden. Deshalb muss bei dienstleistungsintensiven Werkstücken auch ein
Aufschlag für die Zeit einfließen.
Minutengenau? Ein Versuch
ist es wert.
�
�
�
Alle haben ein Anrecht auf schöne
Blumen! Bitte bezahlbar! Florist(inn)en verstehen sich als Nahversorger.
Blumen sind vergänglich, Floristik
hat keinen Wert für die Ewigkeit.
Florist(inn)en sind bodenständig
verwurzelt.
Warum haben wir
Bauchweh?
�
�
�
Floristik bedeutet nicht nur
Blume, sondern Gestaltung.
Floristik berührt. Für den
Moment ist Floristik einzigartig.
Floristik verbindet Handwerk
und Kunst.
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Betriebswirtschaft + Marketing
Frau Tat: Meine Entscheidung
S
HERR RAT &
FRAU TAT
Rupert Fey, Bargfeld-Stegen,
ist Berater in der grünen
Branche rund um die Bereiche Markt, Strategie und
Kommunikation.
X rfey@beyond-flora.com
Jessica Grund-Grube kennt
das Floristenleben von klein
auf: Mutter mit einem EinFrau-Blumenladen, Kindheit
in der Bindestube. Nach einer
Ausbildung zur Industriekauffrau folgte doch die Ausbildung zur Floristin. Monate in
Italien bei Ampezzan Fiori in
Cortina d‘Ampezzo schlossen
sich an, dann die Straubinger
Meisterschule (Auszeichnung
mit dem Bayerischen Staatspreis). Ein Jahrzehnt war der
Blick auf die Branche aus der
Perspektive der Redakteurin
bei „gestalten & verkaufen“
gerichtet, parallel dazu arbeitete Jessica Grund-Grube stets
im Blumengeschäft der Mutter. Seit 2019 ist sie selbstständig, hat direkt räumlich
vergrößert und arbeitet mittlerweile mit einem Team
von fünf Köpfen. 2022 wurde
weiter um den „Werkraum“
mit Workshops für Laien
vergrößert. Ehrenämter in der
IHK (langjährig im Prüfungsausschuss sowie aktuell in
der Vollversammlung) und
die Mitgliedschaft in Floristengruppen ermöglichen neue
Blickwinkel auf das Unternehmen.
X j.grund@blumen-grund.de
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pätestens seit Beginn des Kriegs in der
Ukraine befinde ich mich im ständigen
Zwiespalt, wie ich die gestiegenen Kosten
und die zunehmende Kaufzurückhaltung
im Tagesgeschäft auffangen kann, um mein
Team angemessen zu bezahlen und auch
bei mir zu halten! Höhere Preise auf Blumen
durchzusetzen, war eine kleine Stellschrau
be. Nicht ausreichend. Wir arbeiten sehr
dienstleistungsorientiert und damit zeit
intensiv. Mein Weg: Die Arbeitszeit muss
mehr in die Kalkulation einfließen.
Also ein Honorar für die Hochzeitsbera
tung, Lieferkosten für die (sowieso schon
hochpreisigen) Bestattungsblumen auf der
Rechnung ausweisen? Vergraulen wir da
mit nicht noch mehr Kunden, die bereits
über die Preise stöhnen? Oder können die
Lohnkosten durch einen höheren Kalkula
tionsaufschlag einfach verwischt werden?
Und bei großen Werkstücken, Beispiel Sarg
schmuck, einfach zehn Rosen weniger neh
men, damit die Lieferung kostendeckend
mit abgegolten wird? Ich hatte wirklich
schlaflose Nächte …
Meine Meinung: Nein, der Kunde sollte
transparent wissen, was wir alles für ihn
leisten und was er wofür bezahlt. Vor allem
bei dienstleistungsintensiven Bereichen
wie Hochzeiten schlage ich einen ange
messenen Wert für den Zeitaufwand auf.
Das beginnt beim Honorar für die Bera
tung. Auch Kosten für die Lieferung und
gegebenenfalls für Dekorationen vor Ort
zeige ich transparent auf.
Häufig entscheidet sich ein Brautpaar
dafür, die Tischdekoration abzuholen und
selber aufzustellen. Ich habe damit kein
Problem. In dieser Zeit können ich oder
meine Mitarbeiterinnen einen weiteren
floristischen Auftrag erfüllen und ich muss
nicht zur Auslieferung noch eine Stunde im
Auto verbringen. Das ist meine unterneh
merische Entscheidung und mein Team
trägt sie voll mit. Für Kunden, die den kom
pletten Service möchten, kommt die Zeit
voll zur Berechnung, ab dem Moment des
Verpackens.
Es gelingt auch uns nicht, bei 100 % und
vielleicht auch nicht bei 80 % der Aufträge
und Dekorationen im Geschäft die Arbeits
kosten konsequent durchzusetzen. Aber
wir alle im Team arbeiten daran, weil wir
überzeugt davon sind, dass wir nur dann
gestalterisch erfüllt arbeiten können, wenn
wir am Ende auch die nötige und im besten
Fall die angemessene Vergütung erhalten.
Meine Floristinnen und auch ich selbst.
Herr Rat: Meine Empfehlung
D
ie Krux der mangelnden Erträge hat
aus meiner Erfahrung drei immer wie
derkehrende Gründe:
� Unwissenheit um die Kalkulation: Viele
wissen schlichtweg nicht, wo und womit
sie Geld verdienen. Die Auseinanderset
zung mit diesem Thema ist zu oft nur
oberflächlich und unbeliebt. Wer seine
Zahlen kennt, dem fällt es leichter, un
wirtschaftliche Bereiche abzustoßen.
� Mangelndes Selbstvertrauen: Die Angst
vor Kritik und Zurückweisung einzelner
Kunden wiegt schwerer als der fehlende
und dringend nötige Ertrag. Das behin
dert dann wiederum eine angemessene
Entlohnung des Teams und der Unter
nehmer/-innen. Wer seine Kalkulation
kennt, kann seine Preise weit besser ver
teidigen, zumindest vor sich selbst.
Zu selten werden zusätzliche Service
angebote kostendeckend berechnet.
Oft wird das mühsam verdiente Geld auf
der Straße oder mit Sonderaktionen und
Zusätzen wieder verloren.
In der Summe ist es die häufige Selbst
ausbeutung, die die Unternehmen am Le
ben hält. Das führt oft zur Perspektivlosig
keit und verhindert den Generationswech
sel. Natürlich erschweren auch Kolleg(inn)en, die „nicht rechnen können“, den Er
folg. Aber darauf zu warten, bis alle gut kal
kulieren, funktioniert seit vielen Jahrzehn
ten nicht. Jeder ist selbst verantwortlich,
mit eigener Profilierung und Ausrichtung
für ansprechende Erträge zu sorgen.
Viele mögen das nicht hören, aber Ehr
lichkeit sich selbst gegenüber ist die einzi
ge Methode zur Veränderung.
�
Betriebswirtschaft + Marketing
BLUMEN-AT EL IER HA SE LÜN N E
Erst Follower,
dann Kunden
Mit dem Wachstum des Instagramkanals wuchs auch das Blumen-Atelier in
Haselünne – vom 68 m² kleinen Blumengeschäft zum Blumenladen mit Onlineshop auf 700 m² Fläche und Kunden im gesamten Bundesgebiet. Meike Lübbers
investiert dafür viel Zeit in die Social-Media-Präsenz, die sich nun aber auf den
Erfolg des Ladengeschäfts auszahlt.
Text: Grit Landwehr
Fotos: Sven Hüsemann (2–4), Blumen-Atelier (Rest)
1
2
W
as vor 31 Jahren als kleiner Blumenladen begann, hat sich mittlerweile
zu einem Blumenladen mit angeschlossenem Onlineshop für Wohndeko entwickelt – getrieben durch das Wachstum
und die Präsenz auf Instagram (@blumen.atelier).
24.700 Follower zählt der Kanal des Blumen-Ateliers mittlerweile, der hauptsächlich von Meike
Lübbers, Tochter der Inhaberin, betreut
wird. Meike ist quasi im Blumenladen
ihrer Mutter Waltraud aufgewachsen.
Schon als Dreijährige verkaufte sie ihren
ersten Blumenstrauß, nach der Schule
schlug sie dennoch erst mal einen anderen Weg ein. Sie studierte Eventmanagement und arbeitete auch eine Zeit
in der Eventbranche, Social Media gehörte bei allen Projekten immer dazu.
Aus der Erfahrung, wie wichtig die
Präsenz in den sozialen Netzwerken ist
und was man damit erreichen kann,
empfahl sie ihrer Mutter, mit dem Blumenladen auf Instagram zu starten. „Gerade tägliche Stories, bei denen ihr einfach in die Kamera quatscht, wie der
Schnabel gewachsen ist, das wollen die
Leute sehen“, lautete der Rat der Tochter.
Zunächst wurde der Kanal vor allem
von einer Mitarbeiterin und der Auszubildenden betreut – bis Waltraud Fischer
mal allein im Laden war. „Schon damals
sollte es jeden Tag eine Story geben“, erzählt Meike Lübbers. „Also musste Mama selbst ran und hat dann einfach in
die Kamera gequatscht. Sie hatte gar
keine Zeit, sich viele Gedanken zu machen oder alles mehrfach aufzunehmen.
Als dann die Leute kamen und genau
das gekauft haben, was sie gezeigt hatte, war das der Aha-Moment für sie“, erinnert sich die Unternehmerin.
In den Stories und Posts des BlumenAteliers werden jedoch keineswegs nur
1 Die Social-Media-Präsenz
hat den Kundenkreis des
Blumen-Ateliers deutlich vergrößert. Die Kunden nehmen
für den Einkauf im Laden teilweise lange Wege auf sich.
2 Meike Lübbers ist studierte
Eventmanagerin. Mit der
Geburt ihres ersten Kindes ist
sie in den Blumenladen ihrer
Mutter Waltraud Fischer eingestiegen. Mit dem Onlineshop wohnfuehlshop.com hat
sie sich selbstständig gemacht.
3 Waltraud Fischer hat das
Blumenatelier Haselünne vor
31 Jahren gegründet.
3
4
4 Mit der Vergrößerung der
Ladenfläche wuchs auch das
Team des Blumen-Ateliers.
5 „Im neuen Blumenladen
können wir uns nun endlich
richtig präsentieren“, erklärt
Meike Lübbers. Zum Wachstum und zur Professionalisierung des Social-MediaAuftritts hat der alte Laden
irgendwann nicht mehr
gepasst.
6 Kunden wollen inspiriert
werden und kaufen am
liebsten fertige Dekorationsideen, so die Erfahrung des
Teams. Dekotipps sind deshalb ein wichtiges Thema
auf Instagram.
7 Im Neubau ist auch eine
fertig eingerichtete Wohnung
entstanden, die das Team
nutzt, um Content zu produzieren, die aber auch an Fotografen vermietet wird.
Produkte in die Kamera gehalten – es
kommt immer etwas Persönliches, ein
Tipp oder eine Inspiration dazu. „Wir
versuchen die Kunden durch unseren
Tag mitzunehmen, sodass sie, über
unsere Story, immer ein bisschen hier
im Laden sind“, erklärt Meike Lübbers.
Als dann das Blumen-Atelier Coronabedingt schließen musste, machte sich
der Instagramkanal richtig bezahlt. In
dieser Zeit generierte das Unternehmen
100 % seiner Umsätze über die Präsenz
auf der Social-Media-Plattform. Weil
Meike gerade in Elternzeit war, wuchs sie
wieder stärker in den Laden rein, ging
mit ihrer Mutter auf Einkaufstour und
übernahm die Aktivitäten auf Instagram.
Die Reichweite wuchs und neben den
regionalen Auslieferungen wurde auch
schon mal das ein oder andere Päckchen
in entferntere Regionen per Post verschickt. „Aber je mehr das wurden, desto
schwieriger war das Handling. Da lag es
nah, einen Onlineshop aufzusetzen“, erzählt Meike Lübbers.
Umzug in einen Neubau
Im November vergangenen Jahres ging
er an den Start. Im gleichen Jahr zogen
Blumenladen und Onlineshop in ein
neues Gebäude – im Erdgeschoss befindet sich nun das Blumen-Atelier, oben
der Onlineshop mit Lager. „Wir haben
statt 68 m² nun insgesamt 700 m² Fläche. Das war ein großer Schritt, aber wir
konnten uns im alten Laden einfach
nicht mehr gut präsentieren. Jetzt passt
alles zusammen, unser Online- und Social-Media-Auftritt und unsere Präsentation im Laden“, erklärt Meike Lübbers.
Mit der Gründung des Onlineshops
wagte sie den Schritt in die Selbstständigkeit und hing ihren Job im Eventmanagement endgültig an den Nagel.
82
1 | 2·2024 florieren!
5
Das Sortiment des Shops entspricht dem des
Blumenladens. Lediglich die Floristik lässt sich im
Shop nur zu einem geringen Teil abbilden – Pflanzen und Trockenfloristik können verschickt werden, auch frische Kränze funktionieren. „Bei
Schnittblumen sind wir aber noch sehr vorsichtig,
wir haben schon viel probiert und Testpakete losgeschickt, bisher kamen die Blumen aber nie so an,
wie wir uns das vorstellen. Solange das nicht qualitativ hochwertig funktioniert, lasse ich lieber die
Finger davon“, erklärt Meike Lübbers.
Die Erfahrung zeigt, dass die Kunden gern
gleich eine komplette Deko-Idee kaufen, nicht nur
Einzelteile. „Das versuchen wir auch im Shop abzubilden, was aber nur bis zu einem gewissen Grad
funktioniert. Da ist Instagram unsere beste Unterstützung. Hier kann ich zeigen, wie es im Ganzen
aussieht und die Links zum Shop dazusetzen. Die
Deko-Ideen werden dann oft auch so gekauft“, erzählt die Unternehmerin.
Social Media kostet Zeit
Mit dem räumlichen Wachstum ist auch das Team
gewachsen und mittlerweile wird Meike Lübbers
bei den Social-Media-Aktivitäten von einer Kollegin unterstützt. „Das ist ein Fulltime-Job, wenn
man es erfolgreich machen will. Es wird ja häufig
gesagt, Instagram ist umsonst. Das stimmt nur bedingt – die App ist umsonst, alles andere aber
nicht, wenn man der Community etwas bieten
möchte, kostet das viel Zeit.“
Die Inhalte, insbesondere die Stories aus dem
Blumenladenalltag, werden vom gesamten Team
produziert. Bei einem gemeinsame Kaffee am Mor-
gen bespricht man sich, was im Laufe des Tages gepostet werden könnte, vieles entsteht aber auch
spontan im Laufe des Tages. „Alle im Team haben
Instagram im Hinterkopf. Wenn jemand ein Werkstück fertig macht, das sich für Instagram eignet,
wird das gepostet“, erzählt Meike Lübbers.
Für Reels und Posts gibt es einen groben Plan.
Für die Produktion von Deko-Tipps und DIY-Ideen
steht im ersten Stock des Neubaus eine komplett
eingerichtete Wohnung zur Verfügung. Das Team
nutzt für die professionelle Bearbeitung des Materials Canva (www.canva.com). „Mit diesem Tool
kann man sehr gut Vorlagen erstellen, die man immer wieder nutzen kann. So bekommt der SocialMedia-Auftritt ein professionelles, einheitliches
Bild“, erklärt Meike Lübbers.
Online-Seminar
Rechtssicher auf
Social Media
6
Die eigene Persönlichkeit zeigen
Neben dem professionellen Erscheinungsbild ist für
Meike Fischer die Persönlichkeit des Auftritts wichtig. „Menschen kaufen bei Menschen. Deshalb lässt
sich die Verbindung zwischen Ladenlokal und einer
digitalen Community nur über die eigene Persönlichkeit herstellen“, ist die Unternehmerin überzeugt. Deshalb stehen auch alle Mitarbeiterinnen
des Blumen-Ateliers immer wieder vor der Kamera.
Mit der wachsenden Präsenz auf Instagram haben sich auch die Kunden des Blumenateliers und
die Kundenwahrnehmung verändert. „Auch die regionale Reichweite ist größer geworden, einige
Kunden fahren anderthalb bis zwei Stunden, nur
um einmal hier gewesen zu sein. Das kommt fast
täglich vor“, erzählt Meike Lübbers. Zudem werde
den Kunden auf Instagram ein bestimmtes Bild
vermittelt, sodass Preise oft nicht mehr infrage gestellt werden. „Die Kunden suchen bei uns etwas
7
Besonderes, Sale und Rabatte funktionieren gar nicht. Wenn wir irgendwo ein
rotes Preisschild dranmachen, kaufen
die Leute das nicht mehr, weil sie denken, dass das out ist“, ist die Erfahrung
der Unternehmerin.
Wertschätzung für das
Handwerk steigern
Zudem nutzt das Team die Präsenz auf
Instagram, um transparent zu machen,
wie Preise, insbesondere bei floristischen Werkstücken zustande kommen.
„Wir versuchen immer wieder zu zeigen,
wie viel Arbeit in einem fertigen Blumenstrauß steckt – vom Einkauf der
Blumen über das Anschneiden bis zum
Binden des Straußes“, so Meike Lübbers.
„Wir verkaufen ein Handwerk und auf
eine ganz besondere Art Liebe und das
darf es auch wert sein. Wir haben glücklicherweise zu 99,99 % Kunden, die das
wertschätzen“, fügt sie hinzu.
Welche Tipps hat Meike Lübbers,
was ist wichtig, um auf Instagram erfolgreich zu sein? „Man sollte den Account immer selbst betreuen, nur dann
bekommt er die notwenige persönliche
Handschrift“, erklärt sie. Besser ist es,
sich professionell schulen zu lassen.
Auch sie hat gemeinsam mit ihrer Kollegin einen Online-Workshop besucht.
Letztlich sei Social Media aber eine Sache des Ausprobierens und das sollte
man auch ohne Scheu tun, empfiehlt
die Unternehmerin. „Man kann nichts
falsch machen und im Zweifelsfall auch
Inhalte wieder löschen. Unser Content
war auch nicht von Anfang an so, wie er
heute ist“, erklärt Meike Lübbers.
Schnell ist ein Foto geknipst oder ein Videoclip
gedreht, mit Musik unterlegt und auf Instagram
oder Facebook hochgeladen. Allerdings können unüberlegte oder nicht geprüfte Beiträge auf der
eigenen oder fremden Social-Media-Seite zu Problemen führen. Die rechtlichen Grundlagen und der
Datenschutz in sozialen
Medien sind ein rege diskutiertes Thema, weil es
hierzu noch keine hinreichende Rechtssprechung
gibt. Ein explizites „SocialMedia-Recht“
existiert
noch nicht. Dennoch gibt
es rechtliche Grundlagen,
nach denen sich SocialMedia-Nutzer richten sollten. Die Kolleginnen unseres Fachmagazins Rebe &
Wein haben mit der Anwältin Agatha Wierzbanowski ein Online-Seminar
zu diesem Thema gemacht
– das sich zwar an Winzerinnen und Winzer richtet,
aber genauso auch für Floristen gilt. Im Online-Seminar geht es um:
Das aktuelle Thema:
Musik „Abmahnwelle“?,
X Nutzungsbedingungen,
X Urheberrechte (zum
Beispiel Bildrechte),
X Marketing auf Social
Media (zum Beispiel
Schleichwerbung)
X
Die Aufzeichnung kostet
49 € und lässt sich über die
Ulmer-Akademie beziehen.
1 | 2·2024 florieren!
83
floristikschule
2024
Gestaltung in
Theorie und Praxis
Die Autoren
florist-fachbuch.de von Uta
Lorenz, Claudia Tadema und
Dieter Holzschuh umfasst
14 Kapitel mit vielen Unter
kapiteln. Die Fachleute sind
oder waren Lehrer/-innen an
der Berufsschule oder Meisterschule und wollen mit dem
Online-Buch zur Auseinan-
dersetzung mit Gestaltung
anregen. Denn wer die Grundlagen beherrscht, sieht die
Zusammenhänge und kann
Gestaltung begründen und
umsetzen.
„
Gestalten ist Kreativität
und Entwicklung, Inspiration und Innovation, Freude
und Genuss, Individualität
und Spontanität.“
Claudia Tadema.
84
1 | 2·2024 florieren!
Die Bilderflut auf den sozialen Medien führt immer mehr zu Beliebigkeit, und
deshalb rücken wir in unserer neuen Floristikschule die Auseinandersetzung
mit Gestaltung in den Mittelpunkt. Ausgehend vom Online-Lehrbuch floristfachbuch.de setzt das Floristik-Lorenz-Team Gestaltungsregeln zeitgemäß um.
Klassische und zugleich ungewöhnliche Werkstücke laden zur Diskussion und
dazu ein, offen für Neues zu sein.
Text: Uta Lorenz, Claudia Tadema und Dieter Holzschuh
Peter J. Kierzkowski, Köln (Autoren, Selbstporträt)
D
er Gestalter, der Designer, der
Florist hat – wenn er sich als
solcher versteht – eine gestalterische Verantwortung gegenüber …
… sich selbst
Grundsätzlich ist jeder Mensch Gestalter – Gestalter seines Lebens. Menschen, die „beruflich Gestaltung“ betreiben, sollten sich also darüber bewusst
Fotos: Milena Gläser, Limburg (Floristinnen),
sein, dass sie sich selbst in ihrer Arbeit ausdrücken,
sich im fertigen Werk spiegeln.
… der Natur
Sowohl ökonomische als auch ökologische Gesichtspunkte fordern den verantwortungsbewussten Umgang mit der Natur. Auf eine Auflistung
dieser Fakten möchten wir an dieser Stelle verzichten und lediglich darauf hinweisen, dass der gestaltende Florist auch als „Kommunikationsmittel“
zwischen Natur und „Hightech-Mensch“ fungieren
kann.
… der Kultur
Die florale Kultur ist ein nach wie vor wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft. Auch Vergängliches
stellt Werte dar und zählt nicht selten zu den
höchsten Kulturgütern.
… dem Kunden
Erhält der Florist einen Auftrag, so hat er die ästhetische Aufgabe, Technik, Gestaltung und persönliche Anliegen in Einklang zu bringen. Die beim
Kundengespräch geweckten Erwartungen müssen
sich mit den tatsächlichen Leistungen decken, besser noch: sie übertreffen. Techniken und Gestaltung müssen qualitativ hochwertig sein, um eine
Kundenbindung zu ermöglichen.
… der Zukunft
Denn Gutes hat Zukunft, ist von Bestand und wird
es auch in hundert Jahren noch geben. Mehr denn
„
Gestalten sollte auf Allge
mein- und Fachwissen auf
bauen, um es eventuell be
wusst ignorieren zu können.
Spannung erzeugen, inter
essant sein und irgendwie
begeistern, in Frage stellen,
‚Dinge‘ neu entdecken und
bewusst machen – dem
Betrachter und vor allem
dem Gestalter viel Freude
bereiten!“ Dieter Holzschuh
Uta Lorenz
Annabell Rückert
Die Floristinnen
Nina Kleppel
Eva Latsch
je wird der Gestalter in Zukunft wieder Verantwor
tung gegenüber seinem Schaffen übernehmen
müssen. Nachhaltigkeit, Hochwertigkeit und Zeit
losigkeit sind die Schlagwörter und Geiz ist nicht
mehr geil! Genug der Applikationen und Trendko
pien, Originale sind wieder erwünscht. Der An
spruch auf Qualität und Authentizität wird wach
sen und mit ihm die Wertschätzung gegenüber
dem Handwerk.
Problematisch ist der Aspekt der Wirklichkeits
verzerrung, bei der Abbildungen in Form, Farbe
und Textur sachverändert (surreal) dargestellt wer
den (Instagram & Co). Dies geschieht durch Bild
bearbeitung mit Filtern etc. Dadurch ist eine prak
tische Verwirklichung für den Floristen oft nicht
möglich. Das heißt, der Fachmann beziehungswei
se die Fachfrau kommt in Erklärungszwang, wenn
der Kunde nicht erkennen und einschätzen kann,
dass sich seine Wünsche manchmal nicht eins zu
eins umsetzen lassen.
Darum ist es so wichtig, Gestaltung zu begreifen
und zu verinnerlichen. Die Auseinandersetzung
mit den verschiedenen Gestaltungsthemen in der
neuen Floristikschule soll Gelegenheit geben, dies
zu tun. In unterschiedlichen Techniken gearbeitet,
werden die verschiedenen Themen dargestellt.
Auch wenn im Alltag oft zu
wenig Zeit für eine intensive
Auseinandersetzung ist, sollte
man „hin und wieder Gelern
tes reflektieren und auf den
neuesten Stand bringen, denn
der Beruf verändert sich“, so
Uta Lorenz. Mit ihrem Team
von „Floristik Lorenz“ in Lim
burg macht sie die Erfahrung,
dass die Auseinandersetzung
mit Gestaltung Spaß macht
und motiviert – besonders
im Team, wenn man sich aus
tauschen kann. „Alle lernen
voneinander, es geht um
Impulse, das Weiterdenken,
um die Sache.“ Im Alltag profitiert man dann von der
gewonnenen Sicherheit.
„
Gestalten heißt, einen
mehr oder weniger großen
Teil seiner selbst wie
Persönlichkeit, Stimmungen,
Kenntnisse und Erfahrungen
in Form eines Werks ‚Gestalt‘
annehmen zu lassen.“
Uta Lorenz
Eva Heibel
Der Fotograf
Peter Johann Kierzkowski,
Köln, lässt nicht locker, bis er
die Werkstücke so lebendig
und farbgetreu festgehalten
hat, wie das zweidimensional
überhaupt möglich ist. Als ge
lernter Fotograf hat er immer
noch ein paar Tricks auf Lager,
wenn das Ergebnis noch nicht
optimal ist. So wird Floristik,
in die viel Zeit investiert
wurde, auf wunderbare Weise
und auf Dauer eingefangen.
So soll es sein!
1 | 2·2024 florieren!
85
floristikschule
2024 ·1
GESTALTUNG in THEORIE und PRAXIS
Ordnungsarten
Wir beginnen die Floristikschule mit der grundsätzlichen Unterscheidung von
Symmetrie und Asymmetrie. Während der Symmetrie eine spiegelbildliche
Ordnung zugrunde liegt, wirkt die Asymmetrie frei und ungezwungen – sie ist
für die moderne Floristik typisch.
Text: Uta Lorenz, Claudia Tadema und Dieter Holzschuh Gestaltung: Floristik Lorenz, Limburg
Fotos: Peter J. Kierzkowski, Köln
Symmetrie
– unser Beispiel
Ordnungsart: Symmetrie im
Umriss, Asymmetrie im
Detail
Gestaltungsart: dekorativ
Anordnungsart: radial
Ausgangspunkt: punktbezogen
Proportion: im Detail überproportioniert
Technik: gesteckt und geklebt
Symmetrie = strenge
Ordnung. Ebenmaß
der Teile!
Eine experimentelle Arbeit zu
den Ordnungsarten, hier in
radialer Anordnung, die auch
die Harmonie der Vielfarbigkeit sehr gut zeigt. Viele kleine
verschiedenartige Blüten in
vielen Farben stehen im
Kontrast zueinander. Die
Ordnungsart ist im Detail die
Asymmetrie, in der Gesamt
erscheinung Symmetrie.
Zu den vielen gar grafisch
wirkenden Linien bildet zum
Beispiel der Knoblauch einen
Bewegungskontrast. Die
eine große Blüte steigert die
vielen kleinen Blüten durch
den Viel-Wenig-Kontrast.
86
1 | 2·2024 florieren!
W
ir unterscheiden grundsätzlich zwischen der
Symmetrie und der Asymmetrie als Ordnungsarten.
Die Symmetrie wird auch als strenge
Ordnung, die Asymmetrie als freie Ordnung bezeichnet. Je nach gewählter
Ordnungsart erhält das Werkstück oder
die Werkstückgruppierung den entsprechenden Ausdruck.
In der Floristik sprechen wir auch
dann von Symmetrie, wenn diese bedingt durch die Natürlichkeit der Werkstoffe nicht zu 100 % gegeben ist. Es ist
die optische, scheinbare, gefühlte Symmetrie. Wir unterscheiden speziell in
der Floristik zwischen Umriss- und Detailgestaltung. So kann ein Werkstück
im Umriss optisch symmetrisch sein, im
Detail, dem inneren Aufbau sich jedoch
asymmetrisch gegliedert darstellen.
Auch können zum Beispiel in strenger
Ordnung im Raum als „Stetige Reihung“
oder „Strenge Formation“ gruppierte
Gefäße in der floristischen Ausgestaltung jedoch asymmetrisch sein.
SYMMETRIE
Symmetrie ist die strenge Ordnung. Sie wird ganzheitlich, also im Umriss und im Detail, fast nur in
der dekorativen Gestaltungsart eingesetzt. Für die
Symmetrie ist es typisch, dass das Hauptmotiv, der
Ausgangspunkt und der Waagepunkt in der geometrischen Mitte liegen. Hier befindet sich auch
die Symmetrieachse, die alles spiegelbildlich in
zwei optisch gleiche Hälften teilt.
Da wir in der Floristik mit Naturformen arbeiten,
ist nicht das exakte tatsächliche Maß entscheidend, sondern das optische Erscheinungsbild. Farben, Formen und Texturen müssen sich jedoch in
jedem Fall im optisch gleichen Mengen- und Grö-
Filigrane Vielfalt mit futuristischem Charakter. „Weltraum-Floristik“ nannten wir
das Werkstück während der
Entstehung. Ausgangspunkt
ist ein Allium schubertii mit
einem Durchmesser von
35 cm. In dieses wurden
feine Silberdrähte gesteckt,
die stilisierte Stiele zarter
Sommerblüten darstellen.
Es sieht nicht nur so aus, es
hat Spaß gemacht!
floristikschule
2024 ·1
GESTALTUNG in THEORIE und PRAXIS
Asymmetrie
– unser Beispiel
Gestaltungsart: dekorativ
Ordnungsart: Asymmetrie
Technik: gesteckt
Anordnungsart:
überschneidend
Ausgangspunkt: individuell
Proportion: ungleiche Proportionsverhältnisse, leichte
Umkehrproportion
Die Ordnungsart Asymmetrie
ist fast schon typisch für eine
zeitgerechte dekorative Arbeit.
Asymmetrie = freie
Ordnung. Ungleichheit
in Größe, Menge und
Verteilung!
Ein dekorativer Raumschmuck, bei dem die Einzelformen für die Gesamtwirkung zurücktreten, aber
dennoch ihre Wirkung behalten. Neben den Farben und
Formen kommt hier auch die
Textur/Oberfläche stark zur
Wirkung, da hier große Textur-Kontraste vorhanden sind,
zum Beispiel das Wechselspiel zwischen kleineren Freiräumen und starken Verdichtungen sowie die seitliche
Verlagerung des Schwerpunktes steigern die Darstellung.
Die Umkehrproportion, optisch 2/3 Gefäß und nur etwa
1/3 in die Höhe gearbeitet,
gibt dem Werkstück einen
zusätzlichen Reiz. Auch die
Mengenverhältnisse zwischen
reinen und getrübten Farben
steigern die Arbeit zusätzlich.
88
1 | 2·2024 florieren!
ßenverhältnis auf beiden Seiten wiederholen. Sind die Werkstoffe in alle Richtungen des Raumes gleichmäßig verteilt, ergeben sich mehrere Symmetrieachsen.
Sind mehrere Werkstücke im Raum
symmetrisch zueinander geordnet, so
muss das Hauptmotiv in der geometrischen Grundfläche platziert werden.
Dies wäre zum Beispiel durch eine symmetrische Dreiergruppierung möglich.
Aber auch die stetige Reihe als Gruppierungsart ist zum Beispiel als Bühnenschmuck ohne Hauptmotiv eine Möglichkeit, und das gilt auch für die strenge Formation. Als Anordnungsart ist
„radial“ ohne Überschneidungen typisch, die beiden anderen Anordnungsarten „parallel“ und „überschneidend“
sind möglich.
Die strenge, gleichmäßige und klare
Wirkung der Symmetrie findet ihre Anwendung, wo immer eine Überschaubarkeit zweckdienlich oder erwünscht
ist. Auch bei feierlichen und würdevollen Anlässen hat sie ihre Berechtigung.
ASYMMETRIE
Asymmetrie ist die freie Ordnung. Sie ist
in allen Gestaltungsarten der modernen Floristik möglich, ja in den meisten
sogar typisch. In den vegetativen Gestaltungsarten gar die einzige Möglichkeit. In der dekorativen und der grafischen Gestaltungsart ist zwar die Umriss-Symmetrie möglich, aber im Detail
wird der Florist meistens asymmetrisch
gruppieren. Ungleichheit der Größenund Mengenverhältnisse sowie deren
Verteilung sind ihre Merkmale. Sowohl
in Bezug auf die Form als auch auf die
Farbe. Das Hauptmotiv liegt grundsätzlich außerhalb der geometrischen Mitte. Ja, sie wird gemieden.
Je nach Werkstück und Gestaltungsart kann hier im mittleren Bereich sogar
ein großer oder der größte Freiraum
asymmetrisch zur Wirkung kommen.
Das heißt, dass er nicht exakt mittig auf
der Symmetrieachse eine optische Teilung herbeiführen darf. Des Weiteren
dürfen keine Elemente gleichwertig in Erscheinung treten und die Freiräume sind mehr oder weniger verschieden groß. Als Anordnungsarten sind
„parallel“, „überschneidend“ und „radial“ mit Überschneidungen typisch.
Die Wirkung der Asymmetrie ist frei, ungezwungen und durch ihre Unüberschaubarkeit wirkt sie
interessant und spannungsreich. Durch ihre lebendige, natürliche Wirkung passt sie viel besser zu
unserem Werkstoff als die Symmetrie.
Trotz absolut asymmetrischer
Erscheinung des gesamten
Werkstücks fasziniert die
„Cotinus-Wolke“ durch Ausgewogenheit und Gleichgewicht.
„Wir fangen mal an und lassen den Cotinus-Ast entscheiden, wo er hin will“ – gesagt,
getan! Die erste Entscheidung
traf der Perückenstrauch
durch seine gewachsene Bewegung. Die gestaltende Hand
komplettierte und sorgte für
optisches Gleichgewicht.
Foto: Wein
FRANZ-JOSEF
WEIN ist Leiter
der Meisterschule
der Akademie für
Naturgestaltung in Zwettl in
Niederösterreich. In Saarlouis
führt er zusammen mit seiner
Schwester und seinem Neffen
das Blumenhaus Wein, das
1856 als Blumen- und Pflanzengärtnerei gegründet wurde
und in den letzten Jahrzehnten um die Bereiche Interieur,
Exterieur und Gartendesign
erweitert wurde. Der Floristmeister leitet Seminare, übernimmt Dekorationen und
Fotostyling, ist in der Produktentwicklung und als Autor tätig. Beim Verlag Eugen Ulmer
ist von Franz-Josef Wein das
Buch „Symbole“ erschienen.
X Tel. 0049-6831-49425,
www.naturgestaltung.com
90
1 | 2·2024 florieren!
M EIST ER P RÜ F U N G I N Z W E T T L 2023
Wissen aneignen
und anwenden
„Meisterin oder Meister ist nicht nur ein Titel, sondern ein Qualitätsmerkmal“,
erklärt Franz-Josef Wein. Der Leiter der Akademie für Naturgestaltung in Zwettl
geht in diesem Bericht auf den Sinn der Meisterausbildung und auf die Veränderungen in der Prüfungsordnung ein, die seit 2022 gelten, und lenkt den Blick auf
Werkstücke der Meisterprüfung 2023 – mit Ausnahme der Themenarbeiten, die
in einem gesonderten Bericht vorgestellt werden.
Text und Fotos: Franz-Josef Wein, Saarlouis
Aus- und Weiterbildung
1
V
on Florist(inn)en, die in Zukunft
in jeglicher Hinsicht bestehen
wollen, wird immenses Wissen
und Können verlangt. Die
Klientel für hochwertige Floristik wird
immer anspruchsvoller und die Informationen, die über die sozialen Medien
vermittelt werden, vermehren sich in
geradezu atemberaubender Geschwindigkeit. Dabei wird Bildmaterial konsumiert, häufig auch kritiklos anerkannt
und damit werden neue Maßstäbe gesetzt, die unserer Branche meist nicht
guttun. Dagegen angehen kann man
nur mit einer inneren Haltung zu dem,
was man tut. Gleichzeitig kann man in
einem vernünftigen Maße stolz auf das
sein, was man kann.
Es gilt, das Augenmerk wieder verstärkt auf die wirklichen Gestaltungen
zu lenken und nicht nur auf ihre Abbil-
2
der. Natürlich ist Ideenreichtum gewünscht, aber
die Ideen müssen auch gestalterisch und handwerklich auf hohem Niveau realisiert werden. An
diesem Punkt kommt die Meisterausbildung mit
abschließender Meisterprüfung ins Spiel.
Sinn der Meisterausbildung ist ganz sicher, den
eigenen Horizont zu erweitern, sich dadurch beständig fortzubilden und das Können schließlich in
einer Meisterprüfung zu beweisen und durch Prüfungskommissionen bewerten zu lassen. Sich dieser fachlichen Kritik zu stellen, ist selbst schon
meisterlich, aber die Bewertung hängt ganz und
gar von den erworbenen Fähigkeiten ab, die man
zum richtigen Zeitpunkt abrufen kann.
Neue Wege beim Prüfen und Bewerten
In Österreich geht man seit 2022 neue Wege beim
Prüfen und Bewerten: In der Theorie wird schriftlich und mündlich nicht bloßes Wissen abgefragt,
sondern die Prüflinge müssen unter Beweis stellen,
Gefäßfüllung
1 Ein altes Laboratorium mit
den dazugehörigen Utensilien
stand Pate für das Werkstück
von Aline Huber. Flaschen
und Gefäße, die sorgfältig
für das „Experiment Blume“
zusammengestellt wurden,
versorgen die Floralien mit
Wasser. Die Farbauswahl ist
dunkel und mystisch und
wird durch helle, gelblichgrüne Akzente belebt.
2 Wie Wirbelwinde entwickeln sich die Gefäße aus
einer gemeinsamen Basis
und bauen dadurch Dynamik
nach oben auf, die dann im
eigentlichen Blumenschmuck
auseinanderstrebt. In der
umgekehrten Betrachtung
sammeln sich „chaotische“
Linien immer mehr zu
radialen Punkten. Arbeit von
Stefanie Mittmannsgruber.
1 | 2·2024 florieren!
91
Aus- und Weiterbildung
wie sie das Wissen anwenden und für
sich oder Kunden nutzen. Es müssen
fachübergreifende Querverbindungen
hergestellt werden, und dafür muss
man über komplexes Wissen verfügen.
Es geht in der Prüfung darum, wie souverän man die allgemeine mit der speziellen Gestaltung verknüpft, die Farbenlehre dabei zur Anwendung bringt,
um schließlich stilistische Merkmale
herauszukristallisieren. Dabei müssen
der Arbeitsprozess und die dazugehörigen Abläufe geplant und geforderte Sicherheitsbestimmungen eingehalten
werden. Schließlich soll das gesamte
gestalterische Konzept wirtschaftlich
auf stabile Füße gestellt werden.
Mehr innere Freiheit durch
die neue Prüfungsordnung
Gefäßfüllung
3 Zapfenschuppen bilden die
äußere Hülle der hängenden
Gefäße. Um diesem Hängen
noch mehr Sinn zu verleihen,
verwendete Christina Hager
ausschließlich Floralien mit
hängenden und schlingenden
Bewegungen. Je reduzierter
dabei die Farbauswahl ist,
umso stärker achtet man auf
die Linien.
3
92
1 | 2·2024 florieren!
Die praktische Prüfung besteht seit
zwei Jahren aus einzelnen Modulen für
jedes geforderte Werkstück, aus der
Summe ergibt sich die Gesamtbewertung. Der große Vorteil dieses Systems:
Fällt ein Florist mit einem einzelnen
Werkstück durch die Prüfung, muss nur
noch dieses Werkstück wiederholt werden und nicht die gesamte praktische
Prüfung. Damit wird eine große innere Last von
den Prüflingen genommen. Das bedeutet größere
innere Freiheit – das kann sich nur positiv auf die
einzelnen Werkstücke auswirken.
In der praktischen Prüfung sind gefordert:
Trauerarbeit, Bepflanzung, Gefäß mit geschnittenen Floralien, Strauß, Brautschmuck und eine Themenarbeit, in diesem Jahr zum Thema „Sculptura“.
Die konkret festgelegten „Pflichtwerkstücke“ müssen in vorgegebenen Zeiten gestaltet werden. Das
heißt, die Zeit kann nicht mehr fließend wie bisher
von den Prüflingen verteilt werden. Die Kommissionen legen die konkreten Aufgabenstellungen
fest, sind dabei aber an einen vorgegebenen Rahmen gebunden, aber es gibt auch Freiräume.
Die Prüfungswoche selbst ist an der Akademie
für Naturgestaltung straff organisiert, alle bereiten
sich extrem darauf vor. Von dieser Vorbereitung ist
dann abhängig, wie ruhig die Prüfung abläuft.
Denn Ruhe gibt dann noch Freiraum für individuelle und auch spontane Entscheidungen. Genau davon leben die Werkstücke, denn das Ergebnis wird
als eine Verschmelzung von Gestalter und pflanzlicher Natur angesehen. Die Verschmelzung kann
sich in Perfektionismus widerspiegeln, aber auch
größte Wildheit und Freiheit vermitteln. Die gestalterischen Möglichkeiten sind dabei so vielfältig
wie es die Individualität der Gestalter zulässt. Und
dabei wird größtmöglicher Respekt vor der pflanz…
lichen Natur angestrebt.
Sträuße
4 Der extremste Hell-Dunkel-
Kontrast stellt sich durch die
gelb-violette Farbstellung
dar und wird von Olivia Frei
zusätzlich durch die Verwendung von weißen und fast
schwarz wirkenden Floralien
unterstrichen. Das Gefäß
spiegelt den Kontrast wider
und so entsteht eine Einheit
aus Gefäß und Strauß.
5 Jacqueline Bernroitner
wählte mehrere Farbkomplementäre: Rot-Violett zu GelbGrün und Rot zu Grün. Proportional handelt es sich um
eine hohe Form, die wir von
architektonischen Kuppeln
der Renaissance ableiten.
Wir übertragen dadurch die
Stilkunde auf das allgemeine
Gestalten.
6 Im Strauß von Irene Mayr
prägen „Gelb-Grün/Gelb/
Gelb-Orange“ in unterschiedlichen hellen Trübungen den
Gesamtcharakter des Straußes – von der Auswahl der
Floralien bis hin zum Gefäß.
Durch die Bewegungen der
Floralien entwickelt sich
zusätzlich die Struktur der
Gestaltung und damit wird
die Form bestimmt.
4
5
6
Kränze
7 Den Untergrund für diesen
Kranz von Annika Mia Junghans bildet ein Ring aus Rea
genzgläsern, alle Floralien
sind gestellt. Die Auseinan
dersetzung mit einer ökolo
gisch nachhaltigen Technik
stellt gleichzeitig einen sehr
hohen Schwierigkeitsgrad dar.
Die ausschließlich rankenden
Floralien erzeugten den Ein
druck eines gewundenen
Kranzes, bei dem die Floralien
durch die gewählte Technik
aber mit Wasser versorgt sind.
8 Pusteblumen handwerklich
und gestalterisch so gekonnt
zu einem Kranz zusammen
zufügen, das ist eine meister
liche Höchstleistung. Gerade
die Staffelungen der Gestal
tung, die perfekt zum gewähl
ten Werkstoff passte, erhöhte
die Schwierigkeit ganz enorm.
Der Trauerkranz von Sophia
Egger ist voller Schönheit und
tiefer Symbolik.
9 Kranz von Emma Laursen.
Getreide gehört zu den Ur
symbolen und verkörpert eine
Vergänglichkeit, in der jedoch
die nächste Generation des
Lebens begründet liegt. Dieses
Symbol so fein durch die Aus
94
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8
Aus- und Weiterbildung
wahl der Floralien und Farben
zu ergänzen, zeugt von größter
Sensibilität. Gleichzeitig wird
der florale Schmuck in die
Kranzform integriert.
Brautstrauß
10 So luftig und leicht kann
ein gesteckter Brautschmuck
sein – hier von Franziska
Maria Mayer. Um das zu er
reichen, muss die Auswahl der
Floralien perfekt aufeinander
abgestimmt werden. Es ent
steht der Eindruck „wie ge
pflückt“, aber die Stiele wären
zum Teil so kurz, dass man sie
nicht mit natürlichem Stiel in
der Hand binden kann.
11 Dieser Brautschmuck
von Verena Vieider verlangt
sowohl Extravaganz der Per
sönlichkeit als auch der des
Bekleidungsstils. Trifft dies
aufeinander, dann sind auch
außergewöhnliche Formen
von Brautschmuck denkund machbar. In diesem Fall
diente eine Asiatin in einem
entsprechend opulentem
Kleid als Inspiration.
9
10
11
Aus- und Weiterbildung
Meisterschule in Zwettl
Bepflanzung
12 Ein Futtertrog dient Aline
Huber als Gefäß und wurde
zur „Sitzbank“ umgearbeitet
und mit Stauden bepflanzt,
die im späten Sommer und
frühen Herbst blühen. Die
feine Linienführung steht im
Kontrast zum massiven Gefäß
und ist trotzdem der Wucht
des Trogs gewachsen.
13 Eine freie, asymmetrisch
verzogene Gefäßform aus
Weide ist ein Naturobjekt aus
sich selbst heraus. Sophia
Egger ergänzte durch Heuchera, die in ihrer Farbigkeit dem
Gefäß entsprechen, aber
gleichzeitig einen starken
Kontrast in der Textur bilden.
Aus Pflanze und Gefäß entsteht eine homogene Einheit.
14 Kubische Formen im Kontrast zu freien Bewegungen
und flächigen Ergänzungen,
kontrastreicher kann ein
Form- und Linienspiel nicht
zueinander sein. Das ist bestens geeignet für kubistische
Architektur. Farblich wählte
Stefanie Mittmannsgruber einen Farbklang aus Rot-Orange
und Rot-Violett mit kleinen
grünen Akzenten. Die Farbreduktion lenkt das Augenmerk
auf die Form. Dieses Wissen
beziehen wir aus der Kunstepoche Kubismus.
96
1 | 2·2024 florieren!
12
13
Die Meisterkurse an der Akademie für Naturgestaltung in Zwettl/A beginnen im
Januar und enden mit der Prüfung im
September des Folgejahrs. Die nächste
Ausstellung wird für den 7. und 8. September 2024 angekündigt.
u Franz-Josef Wein, Saarlouis, Tel. 00496831-49425, www.naturgestaltung.com
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Bilder: Shutterstock.com, Kierzkowski, Landwehr
ERSCHEINT 2 x IM MONAT
Aus- und Weiterbildung
D ER W E G Z U R M E I S T E R A R B E I T
Foto: Nicole von Boletzky
Vom Material geleitet
Bei zwei ihrer floristischen Meisterarbeiten war AoF-Absolventin Elisabeth Zobernig zuerst das Material und erst in der Folge die gestalterische Form klar. So begann der Prozess einmal mit hartem Zement und
einmal mit zarten Pinseln. Interessanterweise entstanden trotzdem inhaltliche Übereinstimmungen.
Nicole von Boletzky, Wangen/CH
Elisabeth Zobernig
... aus Grafendorf/A schloss die
AoF 2023 mit drei Auszeichnungen ab. Nach dem Abschluss der
Landwirtschaftlichen Fachschule für Gartenbau entschied sie
sich für die Lehre zur Floristin in
der „Blumenecke Stangl“, wo sie
bis heute arbeitet – seit 1. Januar
2024 als Inhaberin. Sie übernahm das Geschäft von ihren
Chefs und führt es als „Florale
Werkstatt“ fort. Parallel zu Ausbildung und Arbeit besuchte sie
die Abendschule und machte
Abitur. Nach verschiedenen floristischen Fortbildungen stand
fest, dass sie den Meister an der
Academy of Flowerdesign machen wollte, um sich möglichst
gut auf die Geschäftsübernahme
vorzubereiten. Elisabeth Zobernig engagiert sich in der Kärntner Landesinnung der Gärtner
und Floristen, in der Ausbildung
und als Prüferin, und ist außerdem Landesvertreterin des
„Meister Alumni Club“. Dieser
Verein setzt sich branchenübergreifend für die Anerkennung
und Wertschätzung von Handwerk und Gewerbe ein.
X office@floralewerkstatt.at
D
as Material Zement begleitet
Elisabeth Zobernig seit ihrer
Lehrzeit. Immer wieder brachte sie dieses Baumaterial auf
Gefäße oder Styroporunterlagen auf
und fand diese „neue Haut“ stets schön,
aber nicht wirklich anspruchsvoll, denn
es war immer ein reines Ummanteln beziehungsweise Applizieren auf einen
bestehenden Untergrund. Erst während
ihrer Meisterausbildung an der AoF
lernte sie, facettenreicher zu denken
und Formen aus eigener Kraft hervorzubringen. Also weg vom „bloß Draufmachen“ hin zu echter Formgebung.
Elisabeth Zobernig ging in ihrer
Pflanzgestaltung sogar so weit, dass sie
dem Zement den schweren Charakter
nahm: Durch eine Aufsplitterung ließ
sie die sieben hängenden Einzelkuben
nicht als Flächen, sondern in Schichten
entstehen. Dafür schnitt sie Bühnenmolton in 1.300 Streifen und tauchte
diese in ein Wasser-Zement-Gemisch,
um sie im Anschluss zum Trocknen auszulegen. Nach der Trocknung wurden
die fertigen Streifen angebohrt und auf
einen Metallunterbau geschichtet. Um
den Würfeln die nötige Stabilität zu verleihen, wurden an quadratische Stahlplatten Stäbe und Ösen geschweißt.
Die Ösen ermöglichten letztendlich das
Aufhängen der rund 50 kg schweren
Einzelwürfel.
Die Pflanzenauswahl war ein Mix aus
einjährigen Pflanzen wie Duftpelargonie und Salvie. Dazu wurden Stauden
(Wiesenknopf, Südafrikanische Purpurdistel) und Gehölze aus Handel und
Natur (Acer, Tilia, Rhamnus frangula)
kombiniert. Die Pflanzen wurden allesamt ausgedünnt, um interessante Linienverläufe herauszuarbeiten. Viele
davon stammten aus dem Forstgarten
(Baumschule für Landwirte und Förster), da hier kein Wert auf perfekten
Wuchs gelegt wird.
Brautstrauß mit Röckchen
Für ihren Brautschmuck formierte Elisabeth Zobernig 300 kleine, zarte Pinselköpfe zu einer Abschlussmanschette,
die die Anmutung eines femininen
Röckleins hatte. Eine weitere Parallele
zur weiblichen Anmutung sah sie im
Schminkpinsel. Als Unterbau wurde erst
Papier und Plexiglas eingesetzt, nach
diversen gescheiterten Versuchen fand
sich die Lösung dann beim 3-D-Drucker,
was sich als nicht sehr aufwendig darstellte. Im Gegensatz dazu entpuppte
sich das Ankleben der Pinselköpfe als
enorm zeitintensiv, denn jedes Element
musste rund 30 Sekunden fest angedrückt werden. Als Griff wählte die Floristmeisterin optisch folgerichtig einen
…
Malerpinselgriff aus Holz.
Fotos: Alex Schmidt (Pflanzarbeit), Elisabeth Zobernig (Arbeitsschritte)
Foto: xxxxx
Pflanzarbeit
Elisabeth Zobernig ließ sieben
geschichtete Würfel in einem
Überbau von über 4 m Länge
schweben.
Die einzelnen Zementstreifen,
insgesamt 1.300, wurden zum
Trocknen ausgelegt. Anschließend wurden Löcher in die
zweiseitig gebohrten Streifen
gebohrt, die dann im Blockhaussystem zusammengefügt
wurden (linke Seite).
Fotos: Elisabeth Zobernig (Brautstrauß und Technik), Edith Strupf (Gefäßfüllung)
Aus- und Weiterbildung
Foto: Sarah Rhiner
Gefäßfüllung
100
NICOLE VON
bildet
BOLETZKY
seit über 30 Jahren Floristmeister/-innen aus, seit
2015 an ihrer Academy of
Flower
design (AoF) in Wangen/CH und Innsbruck. Sie
vermittelt Gestaltung als lernbare Disziplin, ermutigt ihre
Schüler/-innen aber auch,
neue Ideen über das bekannte
Repertoire hinaus zu verwirklichen. In unserer langjährigen
Serie „Der Weg zur Meisterarbeit“ gewährt Nicole von
Boletzky Einblicke in den Entstehungsprozess von Meisterstücken an der AoF. „Wenn
man etwas Neues entwickelt,
muss man sich an die beste
Lösung herantasten“, so die
Lehrerin.
X www.floristmeister.ch,
www.knowhow.ch, bildungs
zentrum@knowhow.ch
1 | 2·2024 florieren!
Beim Entwickeln von Ideen
und Techniken sollte man
immer überlegen, wie sie sich
übertragen oder abwandeln
lassen. Bei ihrer Gefäßfüllung
mit geschnittenen Werkstoffen zeigte Elisabeth Zobernig,
dass die Molton-ZementElemente auch als Steckhilfe
eine gute Figur machen.
Brautstrauß
Aus 300 zarten Pinselköpfen
entstand ein feminin anmutendes Abschlussröckchen.
Report
Heimatgefühle
Maryna ist Mode-Illustratorin.
Sie ist eine der Frauen, von denen
man den Blick nicht abwenden
kann – sie fasziniert durch Schönheit und Anmut. Sie ist eine talentierte Künstlerin, begeistert sich
für Mode und Kunst. Derzeit ist
Maryna im Mutterschaftsurlaub,
sie liebt ihren kleinen Sohn über
alles. Gelb und Blau sind Teil
unserer Selbstidentifikation.
Dieses Bild repräsentiert die
moderne, aufgeklärte, unabhän
gige Frau, die sich immer daran
erinnert, wer sie ist und woher sie
kommt. Der Kopfschmuck wurde
in Klebetechnik auf einem Papiergerüst hergestellt.
SECH S FR AUEN, SIEB EN CHA R A K T E R E
Blumen im Kopf
„Das Projekt ‚Blumen im Kopf‘ handelt von sechs Frauen, von sieben Zuständen der
weiblichen Seele, aber vor allem von mir“, erklärt Floristmeisterin Sasha Legostaieva.
Mit ihrer Freundin, der Fotografin Valentyna Donner, hat sie unterschiedliche Charaktere
„eingefangen“. Wir finden, die individuellen Interpretationen passen perfekt zum Internationalen Frauentag am 8. März.
Floristik und Text: Sasha Legostaieva, Stuttgart
Fotos: Valentyna Donner, Stuttgart
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101
Report
Erholsames Alleinsein
1 Veronika ist Erzieherin. Sie be
zeichnet sich selbst als „Stadt
mensch“ und hat, noch nicht ein
mal 30 Jahre alt, verschiedene
Berufe ausprobiert: Nageldesigne
rin, Masseurin, Küchenhilfe …
Ihre Lieblingsbeschäftigung be
steht darin, vegane Süßigkeiten
und Torten herzustellen. Derzeit
lernt sie Deutsch und sucht ihren
Weg in die Zukunft. Nika er
scheint als vollkommene Einheit
mit der Natur. Sie verkörpert die
Harmonie der Einsamkeit und
Selbstgenügsamkeit, das Glück,
hier und jetzt und von nichts ab
hängig, ein Teil der Natur zu sein.
Für den Kopfkranz werden Tro
ckenblumen und Kräuter auf
Draht befestigt und allmählich
miteinander verflochten.
Die „innere Ziege“
2 Sofia ist Köchin. Die junge Frau
arbeitet in einem Restaurant und
studiert gleichzeitig Marketing.
Sie träumt davon, irgendwann zu
ihrer Familie in ihre Heimat zu
rückzukehren. In meinem Kopf
entstand das Bild einer jungen,
ungezähmten und trotzigen Frau,
die ihre Unschuld und Blüte be
wahrt. Wir können über eine jun
ge, aufsässige Frau sagen, „Sie ist
eine Ziege“. Andersherum können
wir aber auch dazu auffordern:
„Kümmere dich um deine innere
Ziege.“ Damit ist gemeint, man
sollte nicht so streng mit sich
selbst sein, nicht so gehorsam und
brav. Sofia kann durch die Maske
sehen, aber ihr Gegenüber sieht
ihr Gesicht nicht. Die Maske ist
aus Draht und Grashalmen gefer
tigt, die Blüten sind dicht an dicht
einzeln aufgeklebt.
Sich selbst treu bleiben
3 Nataliia ist Spezialistin für Ver
trieb und Logistik. Sie liebt das
Meer, Yoga und Tanzen und ver
bringt die Zeit gerne mit der Fami
lie. Sie spielt gerne Tennis und fo
tografiert. Ihr Traum ist, Gitarre zu
spielen. Mit dem Kopfschmuck
wollte ich den inneren Kampf zwi
schen der Natur der Frau und dem
gesellschaftlichen Rahmen dar
stellen, in den sie eingezwängt ist.
Das Bild zeigt, wie schwer es ist,
man selbst zu bleiben, und wie
leicht es ist, sich in den Konven
tionen der Welt aufzulösen. In die
sem Fall ist der Kranz die Seele
102
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D
as Projekt „Blumen im Kopf“
entstand mit dem Ziel, mich
selbst in meinen Beruf zurückzuführen, zu den Blumen, in
die Zone meines größten Komforts,
aber auch der Suche und Herausforderung. Das Ergebnis: sechs Frauen, sieben Charaktere, erschaffen nur mit Blumen, fast ohne Make-up, Kleidung und
Schmuck. Die Charaktere entstanden in
meinem Kopf und fügten sich schließlich zu klaren „Bildern“ zusammen. Bei
einem Model diktierte die Persönlichkeit das Bild und im Fall der „Ziege“ war
der Ort für das Shooting Ausgangspunkt für die Gestaltung. Das Ziel war,
durch das Model, die Location und den
Kopfschmuck ein Kunstfoto zu schaffen,
das eine tiefere Bedeutung vermittelt.
Meine Freundin Valentyna Donner
hat die Charaktere mit ihren Fotos perfekt eingefangen. Sie hörte sehr aufmerksam zu, wie ich mir das jeweilige
Bild vorstellte – die Stimmung, die Dynamik … Probleme, wenn zum Beispiel
das Wetter nicht mitspielte, löste sie
kreativ und professionell: Sie änderte
Perspektiven, den Ort, das Licht, und alles wurde sogar noch besser als geplant. Auch sie entdeckte durch das
Projekt eine neue Seite ihrer Kreativität
und ist froh, an diesem Abenteuer teilgenommen zu haben.
Auch die Models, Frauen, die noch
nie professionell vor einer Kamera
posierten, haben uns unglaublich inspiriert. Das waren Frauen mit normalen
Berufen, mit Kindern, häuslichen Pflichten. Indem sie den Blumenkopfschmuck
trugen, verwandelten sie sich. Es war
faszinierend zu sehen, wie sie neue Facetten an sich entdeckten, eleganter,
anmutiger und offener wurden, wie sie
sich öffneten und strahlten. Wir waren
alle auf einer Welle, und das gab uns unglaubliche Energie und Freude.
Derzeit planen wir eine Ausstellung
unseres Projekts „Blumen im Kopf“ in
einer der Galerien Stuttgarts. Wir wollen
so viele Frauen wie möglich in die Blumen-Fotoshootings einbe
ziehen und
…
sie damit glücklicher machen.
1
Foto: Vadim Donner
der Frau, leicht, zerbrechlich und
verwundbar. Sie kann sich scheinbar bei jedem Windhauch vom
Körper lösen. Das ist vor dem Hintergrund des Beton-Dschungels
leicht zu übersehen. Zur Technik:
Die Trockenblumen sind auf eine
Kartonunterlage geklebt.
Sasha Legostaieva und
Valentyna Donner
2
3
Sasha Legostaieva (rechts) ist in
der Ukraine geboren und sammelte erste Erfahrungen als Floristin in einem Salon des französischen Floristen Christian Tortu
in Kiew. Vor 12 Jahren zog sie mit
ihrer Familie nach Deutschland,
wo sie nach einiger Zeit die Externen-Prüfung zur Floristin am
Bildungszentrum Floristik in
Grünberg erfolgreich absolvierte.
Es folgte die Meisterprüfung in
Stuttgart. Kurz danach unterbrach sie ihre berufliche und
kreative Tätigkeit für fast zwei
Jahre: Sie widmete sich der Hilfe
für ihre Heimat und gründete
die ehrenamtliche Organisation
HelpUkraineStuttgart.
Jetzt möchte sie zurück zu ihrem
Beruf, der für sie Berufung ist.
Als selbstständige Floristin realisiert sie kreative Projekte wie
„Blumen im Kopf“, dekoriert einen kleinen Hotelbereich mit
Blumen, führt floristische Workshops durch und träumt von ihrer eigenen Blumenwerkstatt.
X Kontakt: @sasha.floribunda
Valentyna Donner ist ebenfalls
Ukrainerin. Sie ist Foodfotografin und Lifestyle-Bloggerin und
arbeitet erfolgreich mit Restaurants, Hotels und Konditoreien
in Stuttgart zusammen.
X Kontakt: @valentyna_donner
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103
Report
Geburt und Tod
4 + 5 Tetiana ist Tattoo-Künst-
lerin. Die talentierte Frau malt
wunderschöne Bilder und hat
einen offenen, weiten Blick auf
das Leben. Sie reist viel und ar
beitet in verschiedenen Ländern,
wo sie viele Freunde hat. Sie liebt
und verschenkt gerne Blumen.
In „Blumen im Kopf“ ist sie mit
zwei Episoden vertreten: Geburt
und Tod. Die Bilder sprechen für
sich. „Geburt“ wird mit einem
Kranz aus Trockenblumen dargestellt, der Kranz ist durch Draht
mit einem Haarreifen verbunden.
Der Kranz für das Thema „Tod“
ist aus gefärbten Trockenblumen
gefertigt, hauptsächlich aus
schwarzen Hortensien. Die Blumen sind mit Silberdraht miteinander gebunden.
4
Das Feuer des Lebens
6 Elena ist IT-Projektmanagerin.
Sie fährt gerne auf ihrer Harley
Davidson und erkundet die Unterwasserwelt mit einem Tauchgerät.
Außerdem ist sie ausgebildete
Fitnesstrainerin und unterrichtet
Zumba. Sie träumt von einem
Haus im Wald. Mit einem Kranz
aus frischen Blumen tritt Elena
als Mutterfigur auf, als Hüterin,
die das Feuer des Lebens unterstützt. Das „Feuer“ zieht sie aus
sich selbst. Zur Technik: Die
Blumen sind auf eine Kartonunterlage und Bänder gehaftet.
104
1 | 2·2024 florieren!
Foto: Detlef Schollmeier
MEINUNG
Wie ist Ihre Einschätzung? Ich freue mich
auf Ihre Meinung! estrupf@ulmer.de
BLUMEN im HAAR
Wie wäre es mit einer Kopfschmuck-Aktion rund um den
Frauentag?
B
5
6
lumen im Haar, das erweist sich im
mer wieder als gute Idee. Über meh
rere Jahre sorgte die Initiative „1.000 gu
te Gründe“ mit Haarkränzen in „Paroo
kaville“ für Festivalstimmung, Blumen
kranz-Workshops werden häufig für
Junggesellinnen-Abschiede gebucht,
für das Oktoberfest 2023 wurden Blu
menkränze als Trend-Accessoire aus
gerufen und laut braut.de gehören blu
mige Kopfkränze zu den Hochzeits
trends 2023/24. Das ist schon Grund
genug, über eine Blumen-im-Haar-Ak
tion nachzudenken. Zum Beispiel rund
um den Frauentag. Die Floristinnen
könnten Haarkränze tragen. Noch bes
ser ist eine Beteiligung der Kundinnen,
indem man Blumen bereitstellt und den
Kundinnen ins Haar steckt – oder sie
selbst stecken lässt.
Dabei geht es nicht nur um Ästhetik,
sondern um das Erlebnis mit Blumen
und ein Lebensgefühl, wie Anastasia
Nathalia Ross in ihrer Projektarbeit an
der Fachschule für Blumenkunst Wei
henstephan im Sommer 2023 sagte. Sie
gestaltete individuellen Kopfschmuck
für Freundinnen, weil man sich mit Blu
men „besser und freier“ fühlt. Dass Blu
men diese Kraft haben, kommt auch im
Beitrag von Sasha Legostaieva zum Aus
druck. Und deshalb passt die Idee aus
gezeichnet zum Frauentag.
Ob man die Aktion zum Verkauf von
Kränzen oder Gutscheinen nutzt oder
als Werbung verbucht und den Kundin
nen vor allem ein Erlebnis bieten will, ist
dann noch eine andere Frage.
Edith Strupf
1 | 2·2024 florieren!
105
Aus- und Weiterbildung
SCH ULPRO JE K T IN T IR O L
5
10
Azubis begeistern
mit Blumenkunst
In einem fächerübergreifenden Projekt an der Berufsschule für Garten, Raum und Mode
in Hall in Tirol gestalteten Floristinnen einer Abschlussklasse Kunstwerke aus Blumen.
Dabei wurden Bilder von Tiroler Künstler(inne)n floral interpretiert. Am 24. Oktober 2023
stellten sie ihre Werke der Öffentlichkeit bei einer Vernissage vor. QR-Codes führen zu den
Padlets der Gruppen und gewähren Einblick in die Entstehung der Werkstücke.
Text und Fotos: TFBS Garten, Raum und Mode/Irmgard Streit
1 Julia, Linda und Laura ließen
sich vom Bild „Die Hortensie“ von
Monika Papst inspirieren. Sie
brachten die prunkvolle Blütenform der Hortensie auf eine andere
Art zum Ausdruck.
2 Aufgrund der Farben und der
detailreichen Strukturen entschieden sich Hannah, Maja
und Sarah für das
Bild „Die Artischocke“
von Laura Schmid.
3 Maria, Helene und Annkatrin
wollten die kühle, winterliche
Stimmung des Bilds
„Die Landschaft“ von
Helmut Sailer in ihrem
Werkstück einfangen.
4 Anna und Lena wählten das Bild
„Der Joker“ von Karin Hell-Schatz.
„So wie der Joker selbst enthält es
viele Emotionen, Gegensätze und Kontraste“, sagen die Azubis
über ihr Werkstück.
florieren-online.de
Auf unserer Website führt der
Webcode flo11059 zu den Erklärungen der sieben Azubi-Gruppen.
Es lohnt sich, die Padlets auf einem
größeren Bildschirm anzuschauen.
106
1 | 2·2024 florieren!
S
ieben Gruppen, bestehend aus
jeweils zwei bis drei Auszubildenden, stürzten sich beim
Schulprojekt in Hall in Tirol in die
Welt der Kunst. Sie nahmen nicht nur
die kreative Herausforderung an, sondern auch die der Teamarbeit. Unter der
Leitung von Fachlehrerin Irmgard Streit
entstanden einzigartige Gesamtkunstwerke, die öffentlich ausgestellt wurden. Um die Besucher/innen am Entstehungsprozess teilhaben zu lassen, erstellten die Azubis digitale Padlets, die
sowohl Aufschluss geben über die Auswahl der Blumen und Formen als auch
1
über die Motivation der jungen Gestalterinnen.
Das fächerübergreifende Projekt
brachte nicht nur Blumenarrangements
hervor, sondern förderte auch Selbstbewusstsein, Teamarbeit und kreative
Ausdrucksfähigkeit. Das Projekt zeigt
die Vielseitigkeit der Ausbildung und
die Fähigkeit der Lehrlinge, künstlerische Konzepte zu verstehen und in beeindruckende florale Werke umzusetzen. Die Schülerinnen haben bewiesen,
dass die Jugend von heute in der Lage
ist, Herausforderungen mit Leidenschaft und Bravour anzunehmen.
Foto: David Aebi, Burgdorf; Kunstwerk: Ugo Rondinone
2
Heidi Huber, Frauenfeld Werk,
interpretierte das Werk „viertermaineunzehnhundertzweiundneunzig“ von Ugo Rondinone
(1993, Aargauer Kunsthaus,
Schenkung Ugo Rondinone)
5. BIS 10. MÄRZ 2024
10 Jahre „Blumen für
die Kunst“ in Aarau
D
3
4
ie erfolgreiche Ausstellung „Blumen für die
Kunst“ bringt der Floristikbranche und der
Sammlung des Aargauer Kunsthauses in Aarau/CH
seit 10 Jahren große Aufmerksamkeit und Wertschätzung. Jedes Jahr ist sie ein Magnet für Kunstund Floristikliebhaber/-innen. Die interdisziplinäre
Ausstellung, in der sich Floristik und Kunst gegenseitig bereichern, feiert im März 2024 ihren 10. Geburtstag.
Bereits die Wahl der teilnehmenden Floristen
und Floristinnen schafft eine Retrospektive: Es
nehmen acht Florist(inn)en aus den letzten 10 Jahren von „Blumen für die Kunst“ teil. Ebenso mit
dem Visual wird der 10-jährige Erfolg der Ausstellung gewürdigt: Wie 2014 kreierte Heidi Huber aus
Frauenfeld die florale Interpretation fürs Jahr 2024.
Als internationaler Gast eingeladen ist Michal
Haut aus der Slowakei. Als erster Florist seines
Landes absolvierte er 2022 die Meisterprüfung in
Zwettl, Österreich, und er führt erfolgreich ein Blumengeschäft in Bratislava.
Zur diesjährigen Ausstellung erscheint außerdem ein Buch, das alle floralen Interpretationen
der letzten 10 Jahre, die jeweils nur sechs Tage zu
sehen waren, noch einmal aufblühen lässt.
Alle Infos zur Ausstellung 2024 und zum Vorverkauf: www.flowers-to-arts.ch und www.aargauer
kunsthaus.ch
1 | 2·2024 florieren!
107
Messen
40. INTERN AT IO N A L E P FL A N Z EN M E S S E I N E S S E N
Jubiläum in Essen
Vom 23. bis 26. Januar 2024 findet die Weltleitmesse des Gartenbaus IPM zum
40. Mal in Essen statt. Die Jubiläumsausgabe hält zahlreiche Programm-Highlights bereit, rückt aktuelle Themen der grünen Branche in den Fokus, inspiriert
für das kommende Geschäftsjahr und bietet Gelegenheiten zum Netzwerken.
Fotos (v.l.): Jens Poulsen, Peter J. Kierzkowski, Messe Essen/Schuchrat Kurbanov
Informationen: Messe Essen und FDF
Auf der Bühne
links: Am ersten Messetag
laden FDF und FleuraMetz
zum Bühnentalk mit Nicolaus
Peters, dem Weltmeister der
Floristen 2023, ein.
Mitte: Christopher Ernst, der
amtierende Deutsche Meister
der Floristen, wird bei der
Show „Im Einkauf liegt der
Gewinn“ mit Anian Friedrich
und weiteren Florist(inn)en
aus dem #floralproject 3.0 auf
der Bühne stehen.
rechts: Floos sowie Decorum
und FDF präsentieren Shows
mit internationalen Floral
Designern.
Infos zu den Öffnungszeiten
der IPM 2024, zur Anfahrt
etc.: www.ipm-essen.de
108
1 | 2·2024 florieren!
D
ie erste IPM Essen öffnete im
Jahr 1983 mit rund 100 vorwiegend deutschen und niederländischen Pflanzen-Ausstellern in nur einer Halle des Essener
Messegeländes. Schnell wurde aus dem
jungen Spross eine kräftige, verzweigte
Pflanze mit internationaler Strahlkraft
und sogar Ablegern in anderen Teilen
der Welt. 2024 werden über 1.400 Aussteller aus den Bereichen Pflanzen, Floristik, Technik und Ausstattung aus rund
50 Nationen erwartet, alle Hallen des
Messegeländes sind belegt.
Die IPM 2024 steht unter dem Motto
„Unser Herz schlägt grün“. Mit einem
mit Pflanzen bewachsenen Herz kommt
die Verbundenheit zwischen Branche
und IPM sowie die Bedeutung der Fachmesse als Taktgeber für Innovationen
zum Ausdruck.
Von Messe-Cup bis Podcast
Passend zum Slogan der IPM-Jubiläumsmesse lautet das Motto des IPM Messe-Cups 2024 „Unser
Herz schlägt grün“. In den Kategorien „Strauß“,
„Grüner Held im Topf“ und „Gefäßpflanzung“ soll
die Verbundenheit mit der IPM zum Ausdruck
kommen. Die Werkstücke werden in der Green City/Halle 1A ausgestellt, die Gewinner werden am
Messe-Freitag geehrt.
In der FDF-World in der Green City veranstaltet
der Fachverband Deutscher Floristen erneut sein
umfangreiches Rahmenprogramm und Bloom’s ist
wieder mit seiner Trendpräsentation vertreten.
Auch das Infocenter Gartenbau mit angegliederter
Lehrschau ist hier zu finden. In diesem Jahr wird
das kontrovers diskutierte Thema Pflanzenschutz
beleuchtet. In der Nachbarschaft werden die „IPM
Neuheiten 2024“ in verschiedenen Kategorien ausgestellt. Die Halle 1A ist zudem das neue Zuhause
des IPM Discovery Centers, gestaltet von Romeo
Foto: Ekaflor
Foto: Messe Essen/Schuchrat Kurbanov
Viel zu entdecken
Sommers und der De Haan Group. In Trend-Rundgängen werden Tipps für erfolgreiche POS-Konzepte gegeben. Premiere im IPM Discovery Center
feiert der IPM Podcast „From the Greenhouse”. Ein
gläsernes Studio ist während der gesamten Messe
Aufnahmeort für Interviews. Neben dem IPM Podcast werden hier auch die Folgen anderer Branchen-Podcasts produziert. Besucher/-innen können die Gespräche über Kopfhörer verfolgen.
Anlaufpunkt für den internationalen Pflanzengroßhandel ist wieder das BGI-Trade Center in Halle 1 mit 31 Ausstellern. Der vom Bundeswirtschaftsministerium geförderte Gemeinschaftsstand der
„Young Innovators“ in Halle 5 lenkt den Blick auf
deutsche Start-ups.
Zusatzsortimente und floraler Bedarf
Zum zweiten Mal geht der IPM Concept Store in
der Halle 5 an den Start. Hier wird die Aufmerksamkeit auf Zusatzsortimente wie Geschenkartikel,
Kerzen, Kosmetik und Spirituosen geweckt.
Zum ersten Mal wird der Best Practice Award
von der Messe Essen und dem FDF-Bundesverband für floralen Bedarf vergeben. In acht Kategorien werden die praxisorientiertesten Produkte mit
dem größten Verkaufspotenzial für den FloristikFachhandel ausgezeichnet – am Messedienstag
um 17 Uhr auf einer Sonderfläche in der Halle 5.
Neu ist auch die Sonderschau Nutzfahrzeuge
(Halle 7). Sie will aufzeigen, wie schnell und stark
sich klimabewusste und innovative Mobilität weiterentwickelt, ohne die Anforderungen der Gartenbau-Branche aus den Augen zu verlieren.
Die beste Marketing-Story wird mit dem „Show
your Colours Award“ ausgezeichnet, und zwar am
Messe-Donnerstag um 15 Uhr am Stand von BIZZ
Holland in Halle 8.
Aufgrund der hohen Nachfrage auf der IPM
2023 stehen Klimabäume und insektenfreundliche
links: Im IPM Discovery Center – neu in der Halle 1A –
stehen Tipps für den POS im
Mittelpunkt. Das Areal wird
von Romeo Sommers zusammenarbeit mit der De Haan
Group gestaltet. Premiere
feiert hier der IPM Podcast
„From the Greenhouse”.
rechts: Schwerpunktthemen
des Einkaufsverbunds Ekaflor
(Galeria, Stand 22) sind der
24/7-Verkauf und die Zertifizierung mit dem Gütesiegel
nachhaltiger Florist (SMK).
Programm auf der
FDF-Bühne
FDF Bayern präsentiert –
Qualifying WorldSkills 2024,
Part II, 23. Januar um 10 Uhr
X Part III mit Finale
23. Januar um 16 Uhr
X Nicolaus Peters, Weltmeister
der Floristen im Talk on stage,
23. Januar, 13:15 Uhr
X Floos – the crafter‘s secret,
internationale Floral-Designer
on stage, 23. Januar, 14 Uhr,
und 24. Januar, 13 Uhr
X Im Einkauf liegt der Gewinn –
FDF & Plantion präsentieren:
the next generation
24. Januar, 10:30 Uhr, und
25. Januar, 11 Uhr
X International floral affairs:
World-Cup Show presented
by Decorum & FDF
24. Januar, 15 Uhr, und
25. Januar, 14 Uhr
X big picture FDF World – ein
Dankeschön an alle Mitwirkenden, 25. Januar, 10:30 Uhr
X Siegerehrung IPM Messe-Cup
2024, 25. Januar, 12 Uhr
X
Messen
Stauden im Mittelpunkt von geführten
Rundgängen. Start ist der MeetingPoint (Halle 6).
Am Messe-Mittwoch steht das angeschlossene Congress Center Essen ab
10 Uhr im Zeichen des Branchennachwuchses: Der „Tag der Ausbildung“ wird
von den grünen Verbänden gemeinsam
veranstaltet. Einen Tag später zeigt der
Verlag Eugen Ulmer um 10.30 Uhr im
Forum „Beruf + Zukunft“ Perspektiven
für junge Führungskräfte auf. Die „Grüne Karrierewand“ in Halle 1A mit Stellenangeboten und -gesuchen rundet
das Angebot ab.
Messen
TRENDSET (mit Bijoutex).
6. bis 8. Januar 24, Messe
München, www.trendset.de
� HOMI. 11. bis 14. Januar 24
Festtagssortiment, Event
dekorationen. Mailand.
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� NORDSTIL. Regionale
Ordertage. 13. bis 15. Januar 24
Messe Hamburg.
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� ORNARIS. 14. bis 16. Januar
24, Bern/CH, BernExpo.
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� MAISON & OBJET.
18. bis 22. Januar 24, Paris-Nord
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26. bis 30. Januar 24
Frankfurt/Main. www.ambiente.
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� CHRISTMASWORLD.
26. bis 30. Januar 24
Messe Frankfurt.
www.christmasworld.
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� FORMLAND UP/GRADED.
4. bis 6. Februar 24
Herning/DK. Skandinavische
Konsumgütermesse.
(siehe Seite 66)
formlandupgraded.com
� BIOFACH.
13. bis 16. Februar 24
Nürnberg. www.biofach.de
� CADEAUX, 2. bis 4. März 24
und FLORIGA, 3. März 24
Messe Leipzig.
www.cadeaux-leipzig.de
�
#congratsipmessen
Zur 40. IPM hat die Messe Essen
auf www.ipm-essen.de eine Social Wall eingerichtet. Jeder, der
unter #congratsipmessen auf
Instagram oder Facebook postet und der Messe gratuliert,
wird Teil der Jubiläums-Collage.
Das Motiv der Jubiläumskampagne steht auf der Website
zum Download bereit und darf
für die Glückwünsch-Posts genutzt werden.
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Internationale Floristik
Foto: Alzura
Das Show-Programm startet am 23. Januar um 10 Uhr mit dem 2. Teil des Qualifying für die Worldskills, die 2024 in
Online-Marketing
Auf der IPM geht es um alle Themen rund um die Produktion und
Vermarktung von Blumen und
Pflanzen und damit auch um den
Verkauf über das Internet. Erstmals auf der IPM wird das Shopsystem Alzura Flowers aus Kaiserslautern präsentiert (Stand B24
in Halle 7). Das System bietet mit
Website-Baukasten, Webshop und
Click & Collect ein einfach zu bedienendes Rundum-sorglos-Paket.
Floristen erhalten einen individuellen Webshop, der als OnlineFiliale dient. Das Herzstück ist die
eigene Fotodatenbank: Ein FotoRoboter erstellt im hauseigenen
Fotostudio automatisiert hochwertige 360° Produktfotos. Zahlreiche Sträuße und Pflanzen
inklusive Produktdaten sind
bereits vordefiniert. Sie können
übernommen oder angepasst werden. Auch eigene Produkte können
erstellt werden. Mit wenigen
Klicks lässt sich auch der Webshop individuell gestalten, zum
Beispiel mit Bildern des Blumenladens und des Teams.
www.alzura-flowers.com
Lyon stattfinden (der 1. Teil wird vor
Messe-Beginn am Montag-Nachmittag
ohne Fachöffentlichkeit organisiert).
Der 3. Teil folgt um 16 Uhr. Danach wird
bekannt gegeben, wer bei den World
skills für Deutschland startet.
Am 23. Januar um 13.15 Uhr gibt Nicolaus Peters auf der FDF-Bühne im Gespräch und Austausch mit FDF und
FleuraMetz Einblicke in seinen außergewöhnlichen floralen Werdegang.
Am 23. Januar um 14 Uhr und am
24. Januar 2024 um 13 Uhr steht die
Gruppe „Floos“ auf der Bühne. Floos
und FDF stellen das Lehrkonzept der
Online-Lehrplattform vor und Carles J.
Fontanillas und Álex Segura aus Spanien sowie Frédéric Dupré aus Frankreich zeigen außergewöhnliche Gestaltungen und innovative Techniken.
Die zweite Show mit internationalen
Floral Designern wird am 24. Januar
2024, 15 Uhr, und 25. Januar 2024,
14 Uhr präsentiert. Die Show unter dem
Titel „International floral affairs – World
Cup Show of floral design“ wird von FDF
und Decorum gezeigt, der PremiumMarke von über 50 niederländischen
Züchtern. Zu Gast sind Robert Bartolen
aus der Slowakei, Ahti Lyra aus Estland
sowie Olga Sharova und Roman Steinhauer aus Russland.
Impulse für die Praxis
In Kooperation mit der niederländischen Veiling Plantion und dem FDF ist
die Show „Im Einkauf liegt der Gewinn“
entstanden: Sie wird für 24. Januar
2024, 10:30 Uhr, und 25. Januar 2024, 11
Uhr, angekündigt. Im Mittelpunkt steht
die Botschaft, wie wertvoll, zeit- und
kostensparend ein guter Einkauf ist. Auf
der Bühne stehen Christopher Ernst, der
amtierende Deutsche Meister der Floristen, Anian Friedrich, der bei den Eurofleurs 2023 den 2. Platz erzielte, und
weitere Florist(inn)en aus dem FDFNetzwerk #floralproject 3.0. Sie zeigen
Werkstücke zu umsatzstarken Tagen
wie #love is in the air zum Valentinstag,
#frauenpower zum internationalen
Frauentag, #dankeschön zum Muttertag oder Hochzeitsfloristik zum Thema
#best day in life. Begleitend dazu berichten die jungen Florist(inn)en aus
Sicht der „next generation“ von ihren
Erfahrungen rund um Einkauf, Produktauswahl und Angebotsvielfalt.
Fotos: Edith Strupf
Fotos: Landgard
Landgard auf der IPM
In Halle 1, Stand E21, macht
Landgard florale Trends auf der
Basis des Trendbooks 2024/25 mit
allen Sinnen erlebbar. Am Beispiel
von „Biophilic Boost“ können sich
die Messe-Besucher/-innen davon
überzeugen, wie Trends multisensorisch umgesetzt werden können
– von floralen Gestaltungen über
Soundeffekte und Dekoelemente
bis hin zum Catering.
Ausgangspunkt für das Trendbook
waren die Megatrends des Zukunftsinstituts: Mobilität, Globalisierung, Wissenskultur, Konnektivität, Gender Shift, Urbanisierung,
Gesundheit, New Work, Silver
Society, Neo-Ökologie, Sicherheit
und Individualisierung. Daraus
sind fünf zentrale Stilrichtungen
entstanden. Sie sind Basis für
Vieles, was bereits zum Jahresstart von Landgard präsentiert
wird, darunter die Grundgestaltung des IPM-Messestands, die
neuen Fachhandelskampagnen
sowie viele „1.000 gute Gründe“Maßnahmen. www.landgard.de
Auf der IPM ist
Gelegenheit, Blumenund Pflanzenneuheiten
kennenzulernen.
Im FDF-Ausstellungsareal steht das
Thema Nachhaltigkeit im Mittelpunkt.
Darüber hinaus informieren die Geschäftsführer/-innen der FDF-Landesverbände über die Vorteile einer Mitgliedschaft. Das Kreativ-Team des FDF
bietet Führungen für Mitglieder des
Verbands und Auszubildende durch die
FDF-World an (Anmeldung über ihre
Landesverbände). Bei den Führungen
geht es unter anderem um die FDFTrends und ihre Entstehung, um die Angebote der Partner und das Thema
Nachhaltigkeit in der Floristik.
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1 | 2·2024 florieren!
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Termine
Frühjahr bei Strecker
Seminare – Schulungen – Kurse
Foto: Peter J. Kierzkowski
Strecker in Renningen startet in die Frühjahrssaison mit
einem Sonderverkaufswochenende am 20. und 21. Januar. Info: Tel. 07159/
922108, www.strecker.shop
Frühling bei Kwoka
CRAILSHEIM Ursula & Paul Wegener, Floristenwerkstatt, Tel. 07951/5258, www.floristikschule-wegener.de
27. bis 28.02.24
Florale Winke der Jahreszeit
Ursula Wegener
12. bis 13.03.24
Oster-Meetings, lebendige Werkstücke, Motive,
Accessoires
Ursula Wegener
DETTINGEN Wally Klett, Infos und Anmeldung: Tel. 01 71/63 31 010, www.wally-klett.de
19. bis 20.02.24
Body Jewellery: Schmuck für besondere Anlässe
Wally Klett
27. bis 28.02.24
Brautschmuck: New Style
Wally Klett
DRESDEN FM Academy, Tel. 01 72/1 08 04 77, www.fma.fm
15. bis 19.01.24
Vorbereitung auf die Zwischenprüfung: Sträuße, Kranz
und Werkproben sowie schriftliche Probeprüfungen
22. bis 26.01.24
Kranz und Pflanzungen: Grundlagen für Azubis 1. Lehrjahr
Grynet Christoph
23. bis 24.01.24
(Augsburg) Strauß und Steckarbeiten: Grundlagen der
floristischen Arbeiten
Anja Schneider
11. bis 15.03.24
Sträuße und Steckarbeiten: Grundlagen für Azubis
Grynet Christoph
GELSENKIRCHEN FDF-Bundesverband, FloristPark, Tel. 02 09/9 58 77-75, Fax 9 58 77-70, www.fdf.de
13. bis 14.01.24
Fit für die Zwischenprüfung
Birgit Schütze
17.02.24
Präsentieren heißt verkaufen
Birgit Schütze
18.02.24
Agil in die floristische Zukunft
Birgit Schütze
GRÜNBERG Bildungsstätte Gartenbau, Tel. 06401/91010, www.bildungsstaette-gartenbau.de
02. bis 04.02.24
Kompetent verkaufen für Einsteiger
Gisela Hörle
26.02.2024
Fort- und Weiterbildung im Pflanzenschutz (Sachkundenachweis)
C. Scheld, G. Rohn
MAINZ FlowerArt Academy, Petra Konrad, Tel. 0 67 66/96 97 22, www.flowerart-academy.com
11. bis 14.03.24
(Wiesbaden) Prüfungsvorbereitung 3. Ausbildungsjahr
Petra Konrad
PARSDORF Bayerische Blumen Zentrale, Tel. 089/99 1599-40, hilde@blumenzentrale.de
06.02.24
Valentins-Sträuße
Stefanie Zuckerstätter
07.02.24
Herzige Geschenke für Valentin
Stefanie Zuckerstätter
14.02.24
Frühlings-Gestecke
Stefanie Zuckerstätter
21.02.24
Schalen & Körbe bepflanzen
Stefanie Zuckerstätter
12.03.24
Tischdeko im Frühling
Stefanie Zuckerstätter
WANGEN/CH Know How/Nicole von Boletzky, Tel. +41-44-2422182, www.knowhow.ch
12. bis 13.03.24
Home Staging (Basiskurs)
J. Johnson, N. v. Boletzky,
S. Stamm
15. bis 16.03.24
Home Staging (Basiskurs)
J. Johnson, N. v. Boletzky,
S. Stamm
Echo Vorordermesse
Gartenbau Rednitzhembach
lädt bis 15. Februar zum Jubiläum „25 Jahre Echo“ ein.
Die Vororder-Messe informiert über das (Pflanzen-)
Sortiment für das 1. Halbjahr
2024. Am 11. März findet ein
112
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Frühlingsevent statt. Infos:
www.gartenbau-rednitzhembach.de
Events bei Schmidt
Vom 2. bis 4. Februar ver
anstaltet Schmidt Floristik
in Werlte-Ostenwalde ein
Floristen-Treff mit Moonlight-Shopping. Es folgen
vom 4. bis 15.
März die
Ordertage für die neue Kollektion Herbst & Weihnachten 2024.
Info: Tel. 05952/96900-0,
www.schmidt-floristik.com
Vom 10. bis 15. Januar lädt
Kwoka in Altdorf zur Hausmesse Frühjahr/Ostern, gestaltet von Florian Seyd und
Ueli Signer. Eine Frühjahr/
Sommer-Hausmesse folgt
vom 2. bis 7. März. Info:
www.kwoka.com
Ostern bei Trautz
Vom 24. bis 25. Februar zeigen Max van de Sluis und
Hanneke Frankema Osterfloristik bei Trautz in NeustadtSpeyerdorf. Info: www.
trautz.de
Kölner Frühling
Der „Kölner Frühling 2024“
wird am 17. März veranstaltet. In diesem Jahr zeigen
Stephan Triebe und Mehmet
Yilmaz Floristik, moderiert
wird die Show von Björn
Kroner. Infos zum neuen
Konzept der Veranstaltung
finden Sie auf Seite 20. Infos:
bgm-koeln.de
Stilkunde in der
Toskana
Die FM Academy, Dresden,
führt vom 11. bis 16. März
eine Stilkunde- und Botanikfahrt in die Toskana durch.
Unter der Leitung von Anja
Schneider und Christa Hiltmann werden Gärten und
Parks besichtigt. Info: Anja
Schneider, info@fma.fm, Tel.
0172-1080477.
florieren-online.de
Auf unserer Homepage finden
Sie alle Termine. Hier können
Sie auch eingene Veranstaltungen eintragen. Alle Angaben
ohne Gewähr.
Marktplatz
Marktplatz
Naturwertstatt-Seminare
Das Seminarangebot der Floristengruppe Naturwertstatt geht weit über gestalterische Themen hinaus: Vergolden für Floristen – Alles glänzt in Gold und Silber
(17. bis 18. Januar 2024), Foto & Social Media (19. Januar), KI-Blumenpower für Floristen (20. Januar), Mentale
Gesundheit im Berufsalltag (1. Februar), Natur inspiriert – Techniken in der Floristik (24. bis 25. Februar).
Die Kurse finden in Pischelsdorf in der Steiermark statt.
Info: www.naturwertstatt.at
Sachkunde Pflanzenschutz
Vom 23. bis 25. Januar bietet „SiP – Sachkunde im
Pflanzenschutz“ einen Vorbereitungskurs auf die Sachkunde-Prüfung im Pflanzenschutz (Handel) in Deggendorf-Natterndorf an, vom 29. bis 31. Januar am BGN
Rednitzhembach und vom 4. bis 7. März online. Info:
www.sachkunde-im-pflanzenschutz.de
Frühjahrsmessen
X 10. März: !Zeit für Neues – Flora Trend, Frühjahr auf
dem Blumen- und Zierpflanzengroßmarkt Rhein Main
in Frankfurt. www.bzg-ffm.de
X 13. bis 15. März: Mannheimer Fühling auf dem BGM.
www.bgm-mannheim.de
Kaufmännisches Know-how online
Vom 14. bis 21. März bietet der FDF das Online-Seminar „Kaufmännisches Know-how für Floristen“ mit An
dreas Sudeck in zwei Blöcken an. Info: FDF, Claus Garbe, Tel. 0209/95877-75.
Landesmeisterschaft Nord
Der FDF Nord veranstaltet die Norddeutschen Landesmeisterschaften der Floristen am 17. März in Husum
an der Nordsee im Rahmen des Krokusblütenfests.
Info: fdf-nord.de
Impulse für die Brautstraußfloristik
Unter dem Titel „Zwischen Individualität und Eleganz“
vermittelt Thea Kornherr am 20. März in Dettenhausen
Impulse für die Brautstraußfloristik, insbesondere
Techniken, mit denen abfließende Brautsträuße garantiert gelingen. Info: www.kornherr.info
Nachwuchswettbewerbe in Bayern
Auf der Garten München 2024 veranstaltet der FDF
Bayern am 2. März den Heinz-Czeiler-Cup. Der Wettkampf richtet sich an Nachwuchsfloristen aus München-Oberbayern.
X Im Brückencenter Ansbach findet am 16. März der
„Franken Cup“ statt. Teilnehmen können Floristazubis
oder Jungfloristen bis zum 3. Gesellenjahr aus Franken.
Info: floristenverband.bayern
X
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Vom 5. bis 10. März findet die Ausstellung „Blumen für
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107). Info: flowers-to-arts.ch, aargauer kunsthaus.ch
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2·2024 florieren!
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113
Redaktion | Impressum
Redaktion
Impressum
Edith Strupf
verantw. Redakteurin
+49 (0)173-8191869
estrupf@ulmer.de
Nadine Quist
Redakteurin
+49(0)172-2967921
nquist@ulmer.de
Grit Landwehr
Redakteurin
+49 711 4507-237
glandwehr@ulmer.de
Heidy Hetper
Freie Mitarbeiterin
florieren@hetper.de
Kirsten Unshelm
Redaktionsassistenz
+49 711 4507-127
kunshelm@ulmer.de
Nina Attinger
Redaktionsassistenz
+49 711 4507-131
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Foto: Naturwertstatt/Mikhail Kyrillos
Vorschau
Ausgabe 3 | 4 · 2024
erscheint im März
Fokus: Respekt
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der Floristik zum Ausdruck, dass
Nachhaltigkeit an Bedeutung gewinnt.
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Foto: TFBS Garten, Raum und Mode/Tommy Seiter
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