Автор: Strupf Edith   Quist Nadine  

Теги: zeitschrift florieren!   floristik  

ISBN: 1863-9534

Год: 2024

Текст
                    Januar · Februar | www.florieren-online.de

INSPIRATION & MARKETING
für den grünen Fachhandel

1| 2·2024


Das Digitalmagazin im Newsletterformat INSIDE! - IMPULSE FÜR FLORISTIK UND BLUMENHANDEL florieren-online.de/jetzt-anmelden AUS DER BRANCHE FÜR DIE BRANCHE! Wir stellen Ihnen das Wichtigste zusammen, was Sie rund um Pflanzen und Blumen wissen müssen. Dabei lebt Inside! vom Austausch und der Vernetzung zwischen allen Branchenteilnehmern. ERSCHEINT 4 X IM JAHR Bilder: Shutterstock.com, JETZT QR-CODE SCANNEN Jetzt kostenlos anmelden!
Foto: Peter J. Kierzkowski Editorial Zufällig bin ich wieder auf dieses Bild gestoßen, es ist beim Fotoshooting in unserer Blume&Handwerk-Serie 2021 entstanden. Unter dem Motto „Rosen für den WowEffekt“ gestaltete das Frankfurter Blütesiegel-Team beeindruckende Werkstücke, FleuraMetz hatte dafür großzügig 22 Sorten zur Verfügung gestellt. Sie können den Beitrag auf www.florieren-online. de nachschauen und -lesen. Geben Sie den Webcode flo11032 ins Suchfeld ein oder scannen Sie den QR-Code! Einladung zum Austausch! Z um Beginn des Jahres heißt unser Fokus-Thema „Trends 2024“ und wie üblich steht Hochzeitsfloristik auf dem Plan. Diese wichtigen Themen werden von einer Vielzahl weiterer Beiträge begleitet – von Frühlingsfloristik über Social-Media-Tipps bis zum Bericht über die Meisterprüfung 2023 in Zwettl. An dieser Stelle möchte ich jedoch die Aufmerksamkeit auf den Frauentag lenken, der zwischen Valentins- und Muttertag oft recht wenig beachtet wird. Wir stellen die Idee von Nicole Heide in Berlin zum Frauentag vor (Seite 70), und indirekt spielt der Tag auch im Projekt „Blumen im Kopf“ von Sasha Legostaieva eine Rolle: Sie gestaltete individuellen Kopfschmuck für sechs Frauen (Seite 101). Gesondert wollen wir auf die neue Floristikschule „Gestaltung in Theorie und Praxis“ hinweisen. In Zeiten, in denen Instagram & Co. mit Floristikfotos geflutet werden und Fachkräfte fehlen, erscheint es uns wichtig, die Diskussion über Gestaltung zu beleben (Seite 84). Wir freuen uns zudem über die Serie „Herr Rat & Frau Tat“, in der Rupert Fey und Jessica Grund-Grube ebenfalls zum Austausch einladen (Seite 78). orieren-online.de Januar · Februar | www.fl 1| 2·2024 Foto: Lisa-Maria Thalmayr G INSPIRATI ON & MARKETIN el für den grünen Fachhand Titelbild Der World Cup 2023 lieferte viele Anregungen, auch für die Brautfloristik. Lisa-Maria Thalmayr stellt ihre persönliche Auswahl vor (Seite 28). Auf dem Titel sehen Sie den Brautschmuck von Patricia Aguin aus Spanien. Nun noch ein kurzes Fazit zu unserer Umstellung auf den Zwei-MonatsRhythmus und ein neues Layout vor einem Jahr. Wir haben seither viele positive Rückmeldungen bekommen. Herzlichen Dank! Insgesamt kommt unser Gegenkonzept zur schnellen Internet-Welt gut an. Nicht nur schnell blättern und schnell vergessen, sondern genauer hinschauen und informiert werden, das ist die Devise. Im Internet sind wir natürlich trotzdem aktiv. Wir bedanken uns auch bei allen Florist(inn)en, die uns bei der Zusammenstellung der Magazine unterstützen und freuen uns, wenn Sie weiterhin mitmachen. Wir wünschen viel Freude beim Lesen und alles Gute für das neue Jahr! Edith Strupf | estrupf@ulmer.de 1 | 2·2024 florieren! 3
Inhalt 48 62 Foto: Bloom’s Foto: Gabriela Kaiser Foto: Tollwasblumenmachen.de 48 Horticulture Trends: Positive Impulse in unsicheren Zeiten 52 Bloom’s Trends: Authentizität und Natürlichkeit 56 Christmasworld und Ambiente: Vertrautes bewahren und Zukünftiges willkommen heißen 60 Warenpräsentation: Natürlichkeit mit Wow-Faktor 61 Trendfarben 2024 62 Ruhig, urban, verträumt: Vielfalt bleibt wichtig 66 Trends in der Praxis: ­Langlebig und durchdacht 69 Unser Fazit Foto: Recozy Fokus: Trends 2024 66 ab Seite 47 Trends 2024 Von ruhig und natürlich über verträumt bis farbenfroh 52 22 Forum 6 7 FDF-Bilanz: Kaufzurückhaltung im Advent Namen und Nachrichten 9 12 22 28 34 38 42 46 4 Serie: #florierenchallenge Sehnsucht nach Frühling Von Herzen einzigartig Brautschmuck „Über den Wolken“ Brautschmuck: Individuell abgestimmt Blume liebt Holz Blüten pur und klare Vorstellungen Hochzeiten in Italien 1 | 2·2024 florieren! Foto: Das Einzelstück Floristik
Porträt 70 Blumen am Kottbusser Damm in Berlin 74 Blumen Zeidler in Schkeuditz Betriebswirtschaft + Marketing Foto: beyond- flora ot F 78 o: Me t te Vast e 78 Serie: Herr Rat und Frau Tat – Impulse für mehr Profit und Profil 81 Blumen-Atelier in Haselünne: Erst Follower, dann Kunde rling Aus- und Weiterbildung Foto: Peter J. Kierzkowski 84 Serie: Floristikschule – Gestaltung in Theorie und Praxis 90 Meisterprüfung 2023 in Zwettl 98 Serie: Der Weg zur Meisterarbeit 106 Azubis begeistern mit Blumenkunst Report 101 Blumen im Kopf 84 Messen 108 IPM 2024 in Essen 110 Messetermine Rubriken Foto: Franz-Josef Wein 3 4 112 113 114 115 101 Foto: AoF/Maximiliane Altendorfer Foto: Valentyna Donner www.florieren-online.de Auf unserer Homepage veröffentlichen wir regelmäßig Branchennachrichten. 90 34 Editorial Inhalt Termine Marktplatz Impressum Vorschau „Inside!“ – unser Digitalmagazin im Newsletterformat liefert vier Mal im Jahr Impulse und Tipps für den Betriebsalltag ins Mailpostfach. Der Newsletter „Grüne Profi-Infos – Produktion/Verkauf/Floristik“ wird jeden zweiten Freitag versendet. Melden Sie sich kostenlos auf unserer Website an! Besuchen Sie uns auf Facebook: @florierenMagazin Folgen Sie uns auf Instagram: florieren_magazin und nehmen Sie an der #florierenchallenge teil! 1 | 2·2024 florieren! 5
Forum FDF-LANDESVERBÄNDE ZIEHEN BILANZ Zurückhaltung im Advent Foto: BravissimoS /shutterstock.com Weniger Mikroplastik Die EU-Verordnung 2023/ 2055 zur Verringerung von Mikroplastik beschränkt den Verkauf und die Verwendung von Glitzer auf Kunststoffbasis, beispielsweise Abpackungen von losem Glitzer oder Bestreu von Kerzen oder Christbaumkugeln. Glitzer aus Stärke, Metall oder Glas sind von der Verordnung nicht betroffen. Wichtig ist, auch an die Waren zu denken, die in den kommenden Wochen ausgeliefert werden. Empfehlenswert ist, die Bestellungen an Osterartikeln zu kontrollieren und die Produkte zu stornieren, die unter die Beschränkungen der neuen Verordnung fallen. Zudem sollten die neuen Bestimmungen beim Einkauf für das Weihnachtsgeschäft 2024 beachtet werden. Weil das Verbot von Glitzer nur in den EU-Ländern gilt, werden betroffene Produkte weiter angeboten.  Der QR-Code führt zur ausführlichen Meldung auf florierenonline.de 6 1 | 2·2024 florieren! Foto: Nadine Quist EU-VERORDNUNG Der FDF-Bundesverband hat bei den Landesverbänden nachgefragt, wie der diesjährige Advent gelaufen ist: Großflächig zeichnet sich eine deutliche Kaufzurückhaltung ab und Kostensteigerungen konnten nur schwierig weitergegeben werden. Nur in Nordrhein-Westfalen war der durchschnittliche Kundenumsatz höher als 2022. Die Kunden schätzen individuelle Floristik, aber 2023 war die Kaufzurückhaltung deutlich spürbar. A us dem Süden ist von einem rückläufigen Adventsgeschäft zu hören. Die Kaufzurückhaltung der Kunden sei deutlich spürbar – auch in hochpreisigen Segmenten, die in früheren Jahren in exklusiven Geschäften in entsprechenden Lagen gut verkauft worden waren. Kostensteigerungen im non-floralen Bereich konnten nur schwierig – so wie es betriebswirtschaftlich nötig wäre – weitergegeben werden. Dazu gehören Energiekosten, aber auch die Einkaufspreise für Accessoires und Zubehör. Zum Beispiel Kerzen sind exorbitant im Einkauf gestiegen. Das ließ auch die Adventskränze im Preis erheblich steigen. Entsprechend wurden weniger aufwendig gestaltete Kränze verkauft. Viele Betriebe hatten entsprechend vorsichtig eingekauft. Personalmangel und krankheitsbedingte Ausfälle Große, aufwendige Adventsausstellungen finden immer weniger statt, viele Florist(inn)en verzichten mittlerweile ganz darauf. Als ein großes Problem für viele Geschäfte erwiesen sich in dieser Saison zudem der Personalmangel und krankheitsbedingte Ausfälle. In Bayern berichten Mitgliedsbetriebe zum Teil von erheblichen Umsatzeinbußen. Auch aus dem Norden wird von einem insgesamt geringeren Umsatz berichtet. Auch hier bestätigte sich der Trend, dass kaum hochwertige große Kränze nachgefragt wurden, sondern eher deutlich günstigere Varianten in klassischer Ausführung. Allerdings gab es ein positives Feedback bezüglich des Firmenkundengeschäfts. In Nordrhein-Westfalen berichteten einzelne Floristen ebenfalls, dass es deutlich ruhiger gewesen sei. Auf der anderen Seite jedoch war der durchschnittliche Kundenumsatz höher und die verkauften Werkstücke teurer. Hier wurde angemerkt, dass neben Kerzen insbesondere Strohrömer sehr teuer geworden sind. Aber auch Weihnachtskugeln und andere Produkte aus dem Dekobereich sind im Vergleich zu den Vorjahren im Preis gestiegen. Entsprechend aufwendig und bewusst mussten Floristen in diesem Jahr den Advent organisieren.
JUST CHRYS 2024 Neue ChrysanthemenKollektion Foto: justchrys 2024/FDF/Jörg Manegold Auf der Basis von Mode- und Lifestyle-Trends haben FDF Kreativ-Direktor Manfred Hoffmann und Floral-Designer Oliver Ferchland auch für 2024 eine Just-Chrys-Kollektion entwickelt. Sie wird auf der IPM Essen und auf www.fdf.de vorgestellt. Erstmals werden die Trend-Impressionen zudem auf kurzen Video-Clips aus allen Blickwinkeln gezeigt. Das Trendthema Bright Beauty begleitet uns von Januar bis Oktober. Die femininen Arrangements passen perfekt zu Wellness, Fashion und Beauty. Mit soften Farben, Trockenblumen und Gräsern ergibt sich ein harmonisches Erscheinungsbild. Die Stimmung ist hell und positiv. Soft Shore ist ein Thema für die warmen Monate von April bis September. Florales trifft auf organische Formen, aus Boho wird Mobo = modern Boho. Dieser Trend ist der neue Hippie-Style und freier in der Gestaltung. Optimismus, positive Lebensenergie und sommerliche Leichtigkeit stehen hier im Vordergrund. Ab April und bis in den Oktober hinein kommt Sensual Safari ins Spiel: kraftvoll, sehr natürlich, nachhaltig und ohne künstliche Accessoires. Einzelne Blüten treten leuchtend hervor und setzen sich in Szene. Ein maskuliner, erdverbundener Trend mit martialischen Aspekten. Das Herbst-Winter-Thema Cosy Caramel (August bis Dezember) wirkt elegant, unaufgeregt, gemütlich und festlich. Farben und Materialien vermitteln Ruhe, Gelassenheit und typische HyggeMomente.  26.–30. 1. 2024 FRANKFURT / MAIN ThE LIFESTYLE MOvEmENT Die anregendste Bandbreite an Produkten und Konzepten rund um Wohnen, Einrichten und Dekorieren: Im Bereich Living zeigt die Ambiente die aktuellen Designs und Trends. Sie begeistert mit Stil in allen Richtungen – von Interiors bis hin zu Ideen für Outdoor sowie Lösungen fürs Objektgeschäft. Your industry, your community: ambiente.messefrankfurt.com/living Der asymmetrische Strauß „Mary Poppins“ in Bast-Wolke mit Schmuckbindung in den Trendfarben Rosé, Apricot und Korall gehört zum Thema „Bright Beauty“. Der QR-Code führt zum ausführlichen Beitrag auf www.florieren-online.de
Forum FDF BADEN-WÜRT TEMBERG Erfolgreich in Leipzig (v.l.): Pauline Rucho (bester Strauß), Luise Reiche (1. Platz), Selina Simon (3. Platz) und Linda Behrend (2. Platz). WE T TBEWERB Azubi-Tag in Leipzig Ende Oktober 2023 organisierte der Fachverband Deutscher Floristen, Landesverband Sachsen, zusammen mit der FM Academy und dem Beruflichen Schulzentrum Wurzen einen Azubi-Tag für die Auszubildenden des 3. Lehrjahrs bei Landgard in Leipzig. Zu Beginn gab es einen Einblick in das Großmarktgeschehen, die Möglichkeit der Onlinebestellung und neue Produkte von Smithers-Oasis. Schließlich sollten die Azubis ein herbstliches Herz und einen Strauß gestalten, dann wurde beides nach Prüfungskriterien bewertet. Die beste Gesamtnote erreichte Luise Reiche, Blumeninsel Eileen Hubert in Leipzig. Den 2. Platz belegte Linda Behrend, Blütenträume Torgau, auf dem 3. Platz folgte Selina Simon, Gartenfachmarkt Richter in Chemnitz. Der beste Strauß gelang Pauline Rucho, Saltoflorale in Leipzig. Die Werkstücke konnten im Atrium des Großmarkts noch einige Tage vom Fachpublikum in Augenschein genommen werden.  Am 14. Oktober 2023 veranstaltete der FDF BadenWürttemberg einen Florist-Azubi-Warm-up-Tag auf dem Blumengroßmarkt in Karlsruhe. Über den Tag verteilt wurden die neuen Auszubildenden an verschiedenen Stationen im Beruf „Florist/-in“ willkommen geheißen und durch die Vielfalt des Berufs geführt. Auch die Praxis durfte nicht zu kurz kommen. Viele Azubis durften zum ersten Mal unter fachkundiger Anleitung selbst mit Schnittblumen arbeiten und ihre Werkstücke in Gefäßen mit nach Hause nehmen.  Anian Friedrich beim Warm-up-Tag auf dem Großmarkt Karlsruhe. Nähere Informationen und weitere Meldungen finden Sie auf www.florieren-online.de oder über den QR-Code. Verkaufsförderungsaktion „Blumen-Bon“ wird im Jahr 2024 fortgesetzt Plantion blickt auf ein schwieriges Jahr 2023 Grüne Woche 2024: Blumenhalle zeigt sich als „City of colours“ Trends Up West 2024: Neuer Termin im Frühsommer Richard Petri wird Geschäftsführer von Floramedia Deutschland FDF Hessen-Thüringen stellt sich auf Instagram vor Stars for Europe: Absatzförderung im Weihnachts(stern)geschäft Interaktives E-Book zur IPM Essen 2024 Inspiration: Ein Buch mit Lisian­thus-Floristik Verbraucherumfrage des Blumenbüros Holland: Nehmen Kunden den Zierpflanzensektor als nachhaltig wahr? Auflösungen von Ausbildungsverträgen so zahlreich wie nie Adventsfloristik im Pflanzenforum SüdWest Grüne Inspirationen auf der „Mode Heim Handwerk“ in Essen 8 1 | 2·2024 florieren! FDF NR W UND SAAR Gemeinsam in die Zukunft Die Landesverbände Saar und NRW im Fachverband Deutscher Floristen (FDF) gehen ab 2024 gemeinsame Wege. Sie wollen in einem Prozess des Strukturwandels langfristig handlungsfähig bleiben und die Grundlagen für eine schlagkräftige Interessenvertretung und eine umfassende Betreuung der Mitgliedsbetriebe sichern. Erste Beschlussempfehlungen wurden in beiden Verbänden bereits einstimmig verabschiedet, die Satzungen werden geändert und die Organisationsstrukturen angepasst. Im Laufe des Jahres 2024 soll der Zusammenschluss vollzogen werden. Unter Beibehaltung der ehrenamtlichen Strukturen soll aus dem FDF Saar eine in vielen Bereichen selbst verwaltete Bezirksstelle werden. So sollen auch die persönlichen Kontakte vor Ort sichergestellt werden. Die Betreuung und Beratung der Mitgliedsbetriebe übernimmt nach dem Zusammenschluss zentral die FDFGeschäftsstelle in Düsseldorf.  Foto: FDF Baden-Württemberg Foto: FDF LV Sachsen Azubi-Warm-up-Tag in Karlsruhe
DIE GEWINNER DER INSTAGRAM-AKTION Werkstück für den Advent Im November war ein adventliches Werkstück das Thema unserer #florierenchallenge – alles war erlaubt, außer Adventskränze. Entsprechend vielfältig waren die Einreichungen. Die meisten Likes sammelte Petra Michalski, eine besonders treue Teilnehmerin der #florierenchallenge. Beeindruckt hat uns das adventliche Werkstück von Nicole Wollanka, Blumenwerk Neudenau. Das hat uns beeindruckt Das Werkstück von Nicole Wollanka (@nicolewollanka) ist uns aufgefallen, weil es floristisch wertvoll und schön fotografiert ist. Die Stabkerzen sind LED-Kerzen. „Die verwenden wir in diesem Jahr sehr viel“, erklärt die Floristin. „Sie sehen sehr hochwertig aus und ermöglichen eine ganz andere Art der Gestaltung, weil es keine Brandgefahr gibt.“ Die Kunden schätzen, dass sich die Kerzen via Fernbedienung steuern lassen. Ein Verkaufsargument sei zudem, dass sie sich jedes Jahr wiederverwenden lassen. „Gerade in einer Zeit, in der das Geld nicht allzu locker sitzt, kann das beim Verkauf helfen.“ Nicole Wollanka arbeitet im Blumenwerk Neudenau. Nach 21 Jahren Selbstständigkeit hatte sie das Bedürfnis nach Veränderung und weniger Verantwortung. Sie gab den Laden auf und startete nach einer Auszeit bei ihrem guten Freund Andreas Frank im Blumenwerk. Fotos: privat Fotos: privat Siegerin nach Likes Petra Michalski (@floraldesign_petra_michalski) ist freiberufliche Floristin und hat sich 2008 mit dem Vertrieb von Rostartikeln selbstständig gemacht. Das passte damals gut zu ihrer familiären Situation und als Tochter eines Schlossers wurde ihr die Liebe zum Metall quasi in die Wiege gelegt. Von April bis Juli ist sie mit den Artikeln auf Landpartien in Norddeutschland unterwegs. Sie liebt das Ambiente auf diesen Veranstaltungen und den unmittelbaren Kontakt zu den Kunden. Die Floristin investiert viel Liebe und Zeit in die Standgestaltung, kauft dazu auch besondere Pflanzen und Schnittblumen ein und fertigt floristische Werkstücke. „Ich kann das nur jedem Floristen empfehlen, sich auf einer solchen Veranstaltung zu präsentieren“, erklärt Petra Michalski. Man habe tollen Kundenkontakt und kann sich in einem sehr hochwertigen Ambiente präsentieren. 1 | 2·2024 florieren! 9
Amaryllis in Szene setzen Die Aufgabe im Dezember lautete: Bindet eine Amaryllis mit wenig Zusatz(-kosten) so auf, dass sie viel Eindruck macht. Weil wir bei dieser Ausgabe der Challenge mit der Marketingplattform Amaryllisinfo.eu zusammengearbeitet haben, werden die Gewinner nicht nur hier gezeigt, sondern bekommen zusätzlich je 50 Amaryllisstiele zugesendet. Wir sind gespannt, was Andreas Frank und Imke Matthiesen daraus zaubern. Mehr Infos zu Amaryllisinfo.eu Sieger nach Likes Fotos: Frank Das hat uns beeindruckt Fotos: Matthiesen „Wow, das könnte ja ein Vogue-Cover sein“, war die spontane Reaktion in der Redaktion auf den Beitrag von Imke Matthiesen. Die Inhaberin von Blumen Hansen (@ blumenhansen_sylt) hat die #florierenchallenge im letzten Jahr schon gewonnen, deshalb läuft ihr Beitrag außerhalb der Wertung. Das Foto hat uns aber so beeindruckt, dass wir es gern zeigen wollen. Zudem freut uns die Wertschätzung, die Imke mit ihrem Beitrag zum Ausdruck bringen will. Obwohl sie sie nicht erneut gewinnen kann, haben sie und ihr Team viel Mühe in Werkstück und Foto investiert. „Nur für Euch“ hat Imke ihren Beitrag kommentiert. Die Vorbereitungen brauchten mehrere Tage, bis sich der Stiel der Amaryllis so schön gekringelt hat, eine passende rote Strumpfhose gekauft und das Podest gefertigt war. „Und Du glaubst gar nicht, wie viele Bilder wir gemacht haben, bis das Foto so im Kasten war“, erzählt sie lächelnd. 10 1 | 2·2024 florieren! „Ich mag Amaryllis, verkaufe sie aber kaum noch, weil sie für 3,99 in den Supermärkten verramscht werden“, erklärt Andreas Frank (andreas.frank.313), Inhaber des Blumenwerks Neudenau (siehe auch S. 42). Im Laden bietet er deshalb nur außergewöhnliche Sorten. „Es gibt so wahnsinnig schöne Sorten in tollen Farben, da muss man als Florist gar nicht die roten verkaufen“, erklärt Andreas Frank. Für die Teilnahme an der #florierenchallenge hat er extra eine besondere Sorte bestellt und sie auch bewusst nicht adventlich aufgebunden. „Wir haben einige Kunden, die mit Advent und Weihnachten nichts am Hut haben. Für die will ich auch winterliche Floristik anbieten“, erklärt er. Zudem finde er es schade, dass Amaryllis häufig nur als Advents- und Weihnachtsschnittblume abgetan werde. Viele kleinblütigere Sorten lassen sich auch noch im Januar gut in winterlichen Sträußen verwenden, ist Andreas Frank überzeugt.
4.-6. Februar 2024 in Dänemark Alle Infos zur Challenge finden Sie hier! Die eindrucksvollste Interior- und Designmesse des Nordens Tobias Kopp ist Jahressieger Fotos: privat Erleben Sie den inspirierenden Gartenbereich mit weiteren Ausstellern, Branchenprofis und dem innovativen Greenhouse-konzept Nachdem der 12. Monatssieger der #florierenchal­ lenge feststand, haben wir im Dezember auf unserer Homepage zur Abstimmung über den Jahressieger aufgerufen. Tobias Kopp, besser bekannt als „Der Blu­ menmann“ (@derblumenmanndiy), konnte seine Community am besten aktivieren und hat mit großem Abstand die meisten Stimmen bekommen. Der Schweizer hatte mit seinem Ministrauß zum Jahresbe­ ginn die Challenge im Januar gewonnen. Wir werden unseren Jahressieger im Laufe des Jahres bei passen­ den Themen redaktionell einbinden. Der Florist ist Inhaber des Blumengeschäfts FloraLin­­e in der kleinen Schweizer Gemeinde Grosshöch­ stetten. Er nimmt jede Gelegenheit, mal aus dem Blu­ menladenalltag auszubrechen, gerne wahr – das kann ein Wettbewerb, wie unsere #florierenchallenge sein, aber auch seine Social-Media-Aktivitäten bieten ihm Alltagsfluchten. Über 226.000 Menschen folgen dem Blumenmann auf Instagram. Jeden Morgen geht der Florist hier live, gibt Einblicke in seinen Laden oder DIYTipps und zahlreiche Follower schauen regelmäßig zu. Seine Social-Media-Präsenz bringt ihm jedoch nicht nur Spaß und Kontakte, sondern auch Werbeeinnah­ men und im vergangenen Jahr sogar Fernsehauftritte. Sieben Mal war Tobias Kopp als Florist im ARD-Buffet zu Gast. „Das war sehr aufwendig, aber eine großartige Erfahrung“, erklärt er. Unsere #florierenchallenge geht 2024 weiter, wir passen sie aber an den Erscheinungsrhythmus von flo­ rieren! an. Wir werden also im Laufe des Jahres sechs Herausforderungen auf unserem Instagramkanal (@florieren_magazin) formulieren. Die Januar-Challen­ ge ist schon gestartet. Holen Sie sich Ihre FREIKARTE auf formland.com formland.com
Floristik B LUM E N G R O S S MA R K T KÖLN Sehnsucht nach Frühling Der „Kölner Frühling“ wurde im März 2023 erstmals nicht als Wettbewerb, sondern als Bühnenpräsentation veranstaltet. Mit Victoria Salomon, Mehmet Yilmaz und Björn Kroner standen gleich drei international renommierte Floral-Gestalter auf der Bühne des Blumengroßmarkts Köln. Auch für ein gelungenes Frühjahrsgeschäft 2024 liefert die Frühjahrsfloristik jenseits des Alltäglichen Inspirationen. Text: Martin Hein, Hamburg Der „Kölner Frühling 2023“ wurde von Björn Kroner moderiert, Victoria Salomon und Mehmet Yilmaz präsentierten Floristik. Der „Kölner Frühling 2024“ wird am 17. März 2024 veranstaltet. Zu Gast sind dieses Mal Stephan Triebe und Mehmet Yilmaz sowie Björn Kroner, der erneut die Moderation übernimmt. Der Eintritt ist kostenfrei, zugelassen ist nur Fachpublikum. Infos: www.bgm-koeln.de Ostern 2024 In unserer März-April-Ausgabe zeigen wir in einem zweiten Beitrag Werkstücke von Victoria Salomon und Mehmet Yilmaz für Ostern. 12 1 | 2·2024 florieren! Fotos: Blumengroßmarkt Köln/Jörg Manegold, Detmold B eim „Kölner Frühling 2023“ gab es nicht nur unendlich viel TopFloristik zu sehen, sondern auch jede Menge Praxis-Tipps. Wie man Epoxidharz in der Floristik verwendet, sei hier nur als ein Beispiel genannt. Bestechend auch die charmant-kollegiale Art der Präsentation von Victoria Salomon, Mehmet Yilmaz und Moderator Björn Kroner. Die drei begegneten ihren Zuhörern auf Augenhöhe. Da sie selbst im floristischen Berufsalltag stehen, wissen sie genau, welche Informationen praxisrelevant sind. Victoria Salomon kündigte zu Beginn „alltagstaugliche“ Floristik an. Das war aber deutlich untertrieben, denn das, was gezeigt wurde, war eindeutig mehr als das, was in den meisten Blumengeschäften den Alltag ausmacht. Der Grundgedanke dazu wurde von Mehmet Yilmaz gleich in den ersten Minuten formuliert: „Wir müssen etwas anbieten, was andere nicht können. Wenn wir anspruchsvolle Werkstücke nicht zeigen, dann können wir sie auch nicht verkaufen“, untermauerte Björn Kroner das Plädoyer für Fachgeschäftsfloristik, die am oberen Rand angesiedelt ist. Die Floristen müssten sich „etwas trauen“ – diese Formulierung fiel mehrfach. Wobei Victoria Salomon auf die verkaufs- psychologische Binsenweisheit einging: „Wir sollten unsere Kreationen groß zeigen, aber auch in Mittel und klein anbieten.“ Die Spannbreite der gezeigten Frühjahrsfloristik war enorm. Bei der Farbauswahl fiel auf, was weitgehend fehlte: Gelb. Diese tradierte Frühlingsfarbe tauchte ganz selten auf, dafür Orange, Rot, Rosa, auch Pink und Lila sowie viel Weiß. Frühlingshaft bunt waren die Frühjahrsimpressionen von Victoria Salomon und Mehmet Yilmaz also durchaus – bunt, aber edel. Dass die Farbe Gelb so in den Hintergrund rückte, kann möglicherweise ein Hinweis darauf sein, dass Gelb vielfach als billig empfunden wird – die Werbeindustrie hat deutlich zu dieser Klassifizierung beigetragen.
Das Metallgerüst ist 2,25 m hoch, Mehmet Yilmaz bezeichnet das Werkstück als „Tor zum Himmel“. An den Weinreben im inneren Bereich wurden Gläschen für die Wasserversorgung befestigt. Verarbeitet wurden unter anderem Mohn, Nizza-Tulpen, Vanda, Allium und Jasmin. Auf der BUGA-Präsentation im vergangenen Jahr wurden von Mehmet Yilmaz fünf dieser Werkstücke nebenei­ nander präsentiert – ein viel bewunderter Blickfang.
Floristik Straußwettbewerb für Azubis So ganz ohne Beteiligung des Nachwuchses ging auch der „Kölner Frühling 2.0“ nicht über die Bühne. Mit immerhin 16 Teilnehmer(inne)n wurde ein Straußwettbewerb für Auszubildende veranstaltet. In 45 Minuten sollten sie einen Strauß aus identischen Blumenzusammenstellungen binden. Einzige Vorgabe: eine Bindestelle. Bewertet wurden die Werkstücke von den Bühnenakteuren Victoria Salomon, Mehmet Yilmaz und Björn Kroner. Zu gewinnen gab es für die ersten drei Teilnehmer Geldpreise sowie einen Prüfungsvorbereitungskurs bei Mehmet Yilmaz für die Erstplatzierte. Die Nase vorn hatte Marie-Sophie Schmitz, Blumen Jahn (Foto), gefolgt von Leonie Weidner, Blumen Richter, und Nina Doscoc, Floristenwerkstatt Wesseling, alle drei Köln. Ein Eisenring ist weiß getapt, das Ried-Gras wurde gewebt. Victoria Salomon verarbeitete Ruscus, Zittergras und Sca­ biosen. Das Werkstück trifft die Trendfarben, wie sie auch von der Modebranche für das Frühjahr und den Sommer definiert wurden. 14 1 | 2·2024 florieren! Auch die Blumenauswahl tendierte in Richtung edel. Calla, Vanda-Orchideen, französische Tulpen, Mohn, Gloriosa – Blüten mit hohem Geltungsanspruch standen im Zentrum. Dazu und daneben aber auch das, was die meisten Menschen seit ihrer Kindheit mit Frühling verbinden: Zwiebelblumen (eingewachst), Schneeglöckchen, Traubenhyazinthen, Ranunkeln und häufig Gräser, die den naturhaften Charakter der jahreszeitlichen Floristik betonten. Diese Naturhaftigkeit wurde auch durch die floralen Gerüste betont, etwa aus Wurzeln, Kiwi-Ranken, Haselnusszweigen oder Bambus. Die verarbeiteten Blumen und Pflanzen stammten alle vom Blumengroßmarkt Köln. Was den in Berlin lebenden Björn Kroner neidvoll aufstöhnen ließ. „Das bekomme ich in Berlin nicht“, betonte er mehrfach. Man hätte solche Aussagen als Werbung für den BGM Köln abtun können, doch waren sie schlicht Realitätsbeschreibung. „Nun hat auf dem BGM Berlin auch noch der einzige Bedarfsartikelhändler geschlossen“, beschrieb Björn Kroner die Einkaufssituation der Floristen in der deutschen Hauptstadt. Er ist damit nicht allein, Nicolaus Peters, der neue Weltmeister der Floristen, stieß im Frühjahr 2023 in das gleiche Horn. Victoria Salomon sprach beim Kölner Frühling darüber, dass die Kombination von „frisch und trocken“ nach wie vor im Zeitgeist läge. Die Idee ließe sich in andere Richtungen erweitern. Gegensätze erzeugen emotionale Spannung und sind das Salz in der Suppe. Daher waren die Kombinationen aus naturhaften und eher stylischen Materialien so inspirierend. Wobei die Zusammenführung der Gegensätze nie „gewollt“ wirkte, sie war schlicht und einfach gekonnt. Wenn man einen Begriff sucht, der die Präsentation des „Kölner Frühlings 2.0“ treffend beschreibt, dann könnte man das … Wort Engagement wählen. 
Floristik Die Holzbohle wirkt mächtig, kompakt, die Blumen tänzeln. „Dieser Kontrast aus Beständigkeit und Vergänglichkeit ist charakteristisch für das Naturempfinden im Frühjahr“, sagt Victoria Salomon. Die Haselnuss-Zweige sind mit 18er-Draht an der Holzbohle fixiert. Die floralen Materia­ lien, unter anderem Lisian­thus und Zittergras, stehen in Vasen und können problemlos ersetzt werden.
Floristik Die Basis für diesen Strauß von Mehmet Yilmaz besteht aus einem Drahtgerüst, das mit in Epoxidharz getauchter Wolle umwunden ist. Die Gläschen für die Wasserversorgung der Blumen wurden mit Gummidichtungen verschlossen, sodass der Strauß auch gut in die Hand zu nehmen ist. Verarbeitet wurden unter anderem Calla, Clematis, Gloriosa, Jasmin, Rhipsalis und hängender Rosmarin. Ein idealer Schmuck für den Tisch eines Konferenzraums oder einen Empfangstresen.
Als Basis in der Mitte des Ständers wurden von Mehmet Yilmaz mit Draht verbundene Holzklötze eingesetzt. Blüten von Gloriosa, Passiflora oder Calla werden über Röhrchen mit Wasser versorgt. Für viele Werkstücke des „Kölner Frühlings“ galt die Präsentationsidee „Groß zeigen, aber auch mittlere und kleine Versionen anbieten“. florieren-online.de In einer Bildergalerie auf unserer Website zeigen wir Details der hier vorgestellten Werkstücke. Geben Sie den ­ Webcode flo11061 ins Suchfeld ein oder scannen Sie den QR-Code!. 1 | 2·2024 florieren! 17
Floristik Diese Arbeit von Victoria Salomon besticht durch frühlingshafte Leichtigkeit und Bewegung. Der HaselnussZweig hat die Anmutung eines imposanten Baumstamms, die wie Lianen hängenden Blütenstände geben dem Werkstück einen fragilen Charakter. Der Zweig wurde in einem aufgebohrten Sandsteinblock befestigt. Clematis, Anemonen und Viburnum werden durch Glasröhrchen mit Wasser versorgt. 18 1 | 2·2024 florieren!
oben: Wicken, Viburnum, Allium und Ranunkeln werden über Glasblasen mit Wasser versorgt. Die gekalkten Kokosfasern sind an AluminiumRingen fixiert, Ginsterranken setzen luftig anmutende Akzente. Victoria Salomon betont: „Alle in unseren Werkstücken verwendeten Materialien stammen vom Blumengroßmarkt Köln.“ unten: Hier kombiniert Vic­ toria Salomon frische und trockene Werkstoffe. Die Schale wurde mit Trockensteckschaum ausgelegt, das Moos betont die Frühlings­ frische. Die Pampasgräser stehen optisch dominant im Zentrum. Ruscus, Disteln, Tulpen und Anemonen werden über Glasröhrchen mit Wasser versorgt und setzen in Form und Farbe Akzente.
Floristik Kölner Frühling 2.0 – vom renommierten Wettbewerb zur Floristikpräsentation Bis 2023 wurde der „Kölner Frühling“ auf dem Blumengroßmarkt in Köln 35 Mal als Wettbewerb für den Nachwuchs veranstaltet. Er hatte über die deutschen Grenzen hinaus einen hervorragenden Ruf. Doch damit war mit der 36. Ausgabe Schluss. Denn es wurde in den vergangenen Jahren immer schwieriger, Teilnehmer/-innen zu finden. Und dies, obwohl hohe Preisgelder lockten, Startgelder bezahlt und sogar die Reisekosten vom Großmarkt vergütet wurden. Ausdruck der Krise Dabei gibt es ja eigentlich einen Wett­ bewerbs-Boom. Es wird um die Wette gesungen, gegrillt, getanzt, gekocht ... Woran liegt es dann, dass der „Kölner Frühling“ in seiner ursprünglichen Form keine Zukunft fand? Man kann auch ohne schlechten Willen vermuten, dass das fehlende Interesse des Floristik-Nachwuchses nur ein Ausdruck einer tiefgreifenden Krise des Berufsstands ist. Auch die FDF-Landesverbände müssen nicht selten regelrecht darum kämpfen, Teilnehmer für ihre Meisterschaften zu fin- 20 1 | 2·2024 florieren! den. Meisterschulen haben schon geschlossen, die verbliebenen können ihre Kurse kaum füllen. Fachseminare müssen abgesagt werden. Aus mangelndem Interesse gibt es die großen FloristikShows der Großmärkte, die vor weniger als 20 Jahren noch Hundertschaften anzogen, schon länger nicht mehr. Dass es schwierig ist, selbst für gut gehende Blumengeschäfte Nachfolger zu finden oder auch Auszubildende mit wirklicher Motivation – das muss eigentlich gar nicht mehr erwähnt werden. In anderen Branchen sieht man ähnliche Schwierigkeiten. Spricht man mit 20- bis 25-Jährigen über ihre beruflichen Vorstellungen, dann hört man immer wieder: Die Schwierigkeit liegt vor allem darin, sich aus den vielen Angeboten für einen Berufsweg zu entscheiden. Nicht ein Mangel an Perspektiven scheint das Problem, sondern ein Zuviel. Mit einem „Zuviel“ müssen sich die jungen Menschen auch in ihrer Freizeit auseinandersetzen. Allein die Beschäftigung mit der virtuellen Welt kostet täglich Stunden. Wobei man sich, auf welchem „Kanal“ auch immer, in der Regel nicht anstrengen muss. Sich einen Wettbewerb anzuschauen ist einfach. Teilzunehmen kann anstrengend sein. Das gilt für den „Kölner Frühling“, für die „Silberne Rose“, für die Meisterprüfung und für die Übernahme eines Blumengeschäfts. Man kann resümieren: Wer satt ist, der stellt sich nicht an den Herd. Höhepunkt im Frühling Also ging der Blumengroßmarkt Köln neue Wege: Beim „Kölner Frühling 2.0“ standen Akteure auf der Bühne, die schon seit vielen Jahren Erfolge feiern: Victoria Salomon, Mehmet Yilmaz und Björn Kroner. Die Veranstaltung wurde vom Publikum gefeiert und wird somit auch 2024 ein Höhepunkt der Frühjahrsaktivitäten des BGM Köln sein. Schade allerdings und zugleich symptomatisch für die Branchen-Situation: Das Gros der Zuhörer/-innen lag bei 40 oder sogar 50 plus. Vielleicht sollte man in den Fachgeschäften der Metropolregion einmal darüber nachdenken, ob die Veranstaltung nicht zum Pflichtprogramm für den Nachwuchs gekürt werden sollte?
linke Seite: Ein von Mehmet Yilmaz aus Draht gewickelter „Schirm“ ist die Basis für diesen Strauß. Calla, Clematis, Efeu, Tulpen, Gloriosa und Rhipsalis erhalten ihre Wasserversorgung durch Reagenzgläser. Generell lässt sich zu den auf dem „Kölner Frühling“ vorgestellten Werkstücken sagen: Hauptsächlich wurden Blumen verarbeitet, die man nur in Fachgeschäften und nicht im Systemhandel findet. Diese Exklusivität verbunden mit Top-Gestaltungen sind ein Zukunftsgarant für die FloristenBranche. Einfach gesagt: Klasse statt Masse. rechte Seite: Die Bündelung mit Reynoutria japonica (Staudenknöterich) wird mit Epoxidharz zusammengehalten. Mehmet Yilmaz verarbeitete bei seinen Werkstücken für den „Kölner Frühling“ vielfach von den Verbrauchern als edel empfundene Blüten. In diesem Fall etwa Calla, französische Tulpen, Fritillaria, Craspedia und Gloriosa.
Floristik ID EEN FÜR D E N VA LE N T I N S TAG Von Herzen einzigartig Der Name der Marke ist bei Mandy Voigt Programm: „Das Einzelstück“ heißt nicht nur ihr über 200 m² großer Concept Store in einer historischen Straße der thüringischen Kleinstadt Schmalkalden, sondern auch ihr gleichnamiger Instagram-Account mit über 100.000 Followern. Für uns hat sie Inspirationen für den Tag der Liebenden zusammengestellt. Text: Nadine Quist Fotos: Das Einzelstück A 1 Durch das feine Drahtgeflecht erzielt Mandy Voigt eine klar umrissene Herzform. Zunächst crasht sie die grobe Grundform, arbeitet dann die Blüten ein. Zum Schluss wird alles zurechtgebogen und mit einer letzten Schicht Bouillondraht fixiert. uf Instagram zeigt Mandy Voigt vor allem kreative DIYs mit ihrem „Lieblingspapier“, Draht und Licht in Kombination mit Blumen. Damit inspiriert sie nicht nur ihre Kunden und Laien, sondern auch viele Berufskollegen. In ihrem Onlineshop vertreibt die Floristin einige der Ideen als DIY-Boxen sowie selbst designte und gravierte Holzschilder mit individuellen Sprüchen. Inspiration holt sie sich von vielen Quellen, sei es auf Reisen, in Magazinen oder auf Insta­ gram. „Die Einflüsse sind unendlich und ermöglichen es mir, immer wieder neue Ideen und Designs zu entwickeln“, sagt Mandy Voigt. 1 Blumen wecken Emotionen Eines stellt sie aber klar: „Blumen sind meine Leidenschaft!“ Sie sind deshalb im selbst sanierten Ladengeschäft von 1747 auch das Kerngeschäft – und der Türöffner zu einer anderen Welt: „Mein Einzelstück ist ein Ort zum Abschalten. Was man alles im Radio hört, ist nicht mehr auszuhalten. Zu uns kommen die Leute, um sich schöne Dinge anzuschauen“, sagt die 37-Jährige. Das war auch schon wärend der Pandemie so. Als Floristin ist sie stolz darauf, Freude und gute Laune zu vermitteln: „Unsere Kunden sollen nicht nur schöne Blu- 22 1 | 2·2024 florieren! menarrangements erhalten, sondern auch ein Lächeln auf ihrem Gesicht tragen. Dies ist unser Antrieb, jeden Tag unser Bestes zu geben.“ Kombination schafft Mehrwert Der Valentinstag liegt ihr in besonderer Weise am Herzen. Zusammen mit einer weiteren Floristin und einer Verkäuferin bereitet sie sich darauf vor, den Kunden individuelle Geschenke mit Mehrwert zu bieten: „In unserem großen Weinkeller verbinden wir gerne verschiedene Produkte miteinander, um ein einzigartiges Erlebnis zu schaffen.“ Dann gehen auch Wein, Schokolade und Keramik mit Botschaft über die acht Meter lange Theke. …
2 Diesen Tischschmuck ge- staltete Mandy Voigt auf einem von ihrem Mann Mario geschweißten Gestell für ein Event der Influencerin Karo Kauer. Fine-Dining-Events begleitet das Team nicht nur gemeinsam mit Matheo Catering außer Haus floral. Auch im Einzelstück sollen in der neuen Galerie im Obergeschoss solche Events stattfinden. 2 4 3 3 Extravagante Blüten wie die der Vanda-Orchidee werten das kleine Arrangement auf. Die Kombination mit selbst gemachten Windlichtern aus ihrem Lieblingspapier lässt sich auch als Tischschmuck verkaufen. 4 In kleinen Herzen in CrashTechnik lassen sich wunderbar abgebrochene Floralien einarbeiten. Auch gefriergetrocknete Rosen sind hierin denkbar. 1 | 2·2024 florieren! 23
Floristik 5 5 + 6 Hinreißend schön: Für die etwas andere Form der Straußmanschette beklebt Mandy Voigt ein Pappherz mit Loch in der Mitte mit Streifen von Wachspapier. Eine blumige Überraschung verbirgt sich in dem geschlossenen Papierherz. Hier lassen sich auch zusätzlich Köstlichkeiten oder Schmuck verstecken. 7 Blumen spielen die Haupt- rolle: Bei den hohen BlumenEinkaufspreisen an Valentin sieht Mandy Voigt in der Kombination mit anderem, wie Schmuck, Wein oder Schokolade, die Chance, aus weniger Blumen viel zu machen und damit einen Mehrwert zu schaffen. 8 – 10 Das wasserabweisende Papier vertreibt das Team über den Onlineshop als „Lieblingspapier“. Es eignet sich für Verpackungen genauso wie für Lichtobjekte. Die DIY-Videos dazu produziert Mandy Voigt in ihrem kleinen Studio nach Ladenschluss. 11 Es muss nicht immer Rot sein, auch die Farbe Rosa drückt Zuneigung aus. 24 1 | 2·2024 florieren! 6 7
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Floristik 12 12 Können Sie mir das als Geschenk verpacken? Diese Frage kommt am Valentinstag häufiger. Da ist es gut, wenn man bereits so eine schnelle, aber originelle Idee parat hat. 13 + 14 Auch bereits verpackte Einzelblüten oder Blumenbunde sparen Zeit und machen gleich mehr her. Der natürliche Look mit Recyclingmaterial kann optional mit einer kleinen Botschaft versehen werden. 15 Dieser Kranz aus Stoffres- ten lässt sich im meist ruhigeren Januar vorbereiten. Statt Jeans sind auch Geschenkband-Abschnitte denkbar. 16 Mandy Voigt bietet sogenannte „Genießerboxen“ an, die vor allem bei Männern großen Anklang finden. 17 Für die Muschel-Man- schette klebt Mandy Voigt in Form gebrochene Muschelschalen schuppenförmig auf ein Herz aus Pappe. Nicht nur die Variation in der Größe ist denkbar, ebenso kann, statt einem Strauß, ein Gesteck diesen Abschluss erhalten. 18 Selbst entworfene und mit einem Laser gravierte Holzschilder unterstreichen den individuellen Charakter der Werke. 26 1 | 2·2024 florieren! 13 14 15
Foto: Das Einzelstück Mandy Voigt 16 17 ... bestärkten nach ihrer Ausbildung zur Floristin Wettbewerbserfolge darin, 2010 ihr eigenes Floristfachgeschäft zu eröffnen‚ das Einzelstück in Schmalkalden. Seitdem arbeitet sie daran, ihren Kunden qualitativ hochwertige Blumenarrangements und DIY-Produkte anzubieten. Ihr Ziel war es immer, ihren Kunden nicht nur vor Ort, sondern auch online einen Mehrwert zu bieten. So sagt Mandy Voigt: „Ich nutzte Insta­gram, um meine kleine Stadt und die schönen Dinge, die sie zu bieten hat, in schwierigen Zeiten wie dem Umbau unseres histo­ rischen Hauses von 1747 und der Corona-Pandemie bekannt zu machen.“ X www.das-einzelstueck.eu 18 1 | 2·2024 florieren! 27
Floristik BR AUTSCH M UCK B EIM WO R L D CU P 2023 5 10 ÜBER DEN WOLKEN Eine Weltmeisterschaft der Floristik gibt viele Anregungen für die Hochzeitsfloristik in Sachen Technik, Farben, Blüten. Insgesamt waren viele Brautsträuße durch zarte und kompakte Gestaltung gekennzeichnet, aber es gab einzelne, besondere Formen, die zu neuem Denken inspirieren. Weil es inzwischen viele unterschiedliche Familienmodelle und damit Hochzeiten gibt, sollten wir offen für neue Ideen sein. Lisa-Maria Thalmayr, Salzburg/A r tat er i- D ie Weltmeisterschaft der Floristen 2023 hat anschaulich gezeigt, wie unterschiedlich Brautschmuck sein kann. Es gibt so viele Möglichkeiten, mit Blumen Hochzeit zu feiern. Sie sollen die Braut oder den Bräutigam begleiten und zudem ist Hochzeitsfloristik Teil vieler Traditionen. Und gleichzeitig stark von Trends beeinflusst. Was gibt es Neues? Vor allem ist neu, dass es neue Modelle von Familien gibt. Also auch neue Formen von Verbindungen. Wie sehr sind wir in der Floristik dafür offen? Bei der Weltmeisterschaft war Gelegenheit, Inspirationen zu sammeln. Denn jedes (Teilnehmer-)Land hat eigene Traditionen und darüber hinaus haben alle Floral Designer eigene Vorstellungen von „Brautschmuck über den Wolken“. „Über den Wolken“ ist ein schönes Thema für die wohl individuellste Arbeit in der Floristik. Bei keinem Werkstück ist man näher an der Kundschaft. Wir Floristen können nicht oft genug daran erinnert werden, wie besonders es ist, Blumenschmuck für den Tag zu gestalten, der für viele der wichtigste im Le- 28 1 | 2·2024 florieren! ben ist. Für mich ist das Gestalten von Brautsträußen, vor allem aber die Übergabe etwas Besonderes – vielleicht auch deshalb (noch), weil ich nur einige Hochzeiten im Jahr übernehme. Dann bin ich gespannt, wie das Ergebnis gefällt und passt. Die Übergabe ist für mich ein Ritual, das ich nach Möglichkeit selbst übernehme. Mein letzter Brautstrauß hatte den Namen „Leichtigkeit“, weil die Braut daran erinnert werden wollte, das Leben leicht zu nehmen und im Moment zu leben. Die Natur ermöglicht uns, solche Wünsche zu erfüllen. Das bestätigt mich darin, dass dieser Beruf eine Berufung ist. Selbst wenn ich noch viele andere Dinge in meinem Leben mache, werden Blumen immer ein Teil davon sein. Weil ich dieses Gefühl nicht vermissen möchte. Einen Brautschmuck für einen Wettbewerb zu gestalten, ist etwas sehr Persönliches. Das Werkstück wird zwar für eine gedachte Person entworfen, aber einen solchen Schmuck gestaltet man immer auch für sich selbst. Und so entsteht die Magie, dass man ein Stück von … sich mitgibt und der Welt zeigt.  Die Wolke der Zukunft Bei Elizabeth Newcombe aus Großbritannien war zu erkennen, wie vielseitig sie arbeitet. Der Brautschmuck sticht zunächst nicht hervor, denn er ist fast unsichtbar. Doch auf den zweiten Blick ist man fasziniert. Es wirkt wie ein Hauch von Nichts und doch ganz Viel. Feine StoffElemente in organischer Form ergänzen sich und bilden zusammen mit einem durchsichtigen Plastikring die Grundkonstruk­ tion. Die Elemente sind holografisch, was dem Werkstück zu besonderem Glanz verhilft. Die Blüten sind einzeln auf Draht gefädelt und schweben um die Elemente. Der Schmuck ist auf beiden Seiten abfließend und wirkt wie ein Brautschmuck der Zukunft oder aus einer anderen Dimension. Die Leichtigkeit, die Elizabeth Newcombe hier präsentiert, macht neugierig auf mehr Floristik dieser Art. Die Fülle (Titelmotiv) Wie in all ihren Werkstücken präsentierte Patricia Aguin aus Spanien bei ihrem Brautschmuck Fülle. Ranken weben sich in ein flaches Korbgerüst. Die Werkstoffe lösen die Form nach außen gefühlt auf, womit die Verbindung zum Thema geschaffen wird. Auch die gewählten Farben wirken weich und angenehm. Sie verwendet große Blüten und abfließende Werkstoffe, die eine schwere Eleganz vermitteln. Man fühlt sich in eine Szene in der Natur versetzt, auf ein Feld, wo ein Fest des Lebens stattfindet. Diese Fülle im Brautschmuck ist nicht nur ein spannender Trend in der Floristik, sondern auch ein schönes Zeichen, dass Brautfloristik nicht nur kompakt und zart sein muss. Sie soll die Braut begleiten, darf aber genauso Gefühle darstellen.
1 | 2·2024 florieren! 29 Foto: Lisa-Maria Thalmayr Foto: Lisa-Maria Thalmayr Foto: Jens Poulsen
Foto: Lisa-Maria Thalmayr Floristik Farbexplosion 30 1 | 2·2024 florieren! LISA-MARIA THALMAYR ist Floristmeisterin und Fotografin. Unter ihrem Label „Lisart“ bündelt sie Kunst, Fotografie und kreatives Mentoring. Dazu gehören Seminare für Floristinnen und Floristen genauso wie Moderation und Projekte mit anderen Kreativen. Lisa-Maria Thalmayr inspiriert Menschen mit „Lis­art“ vor allem über Social Media. Vor einem Jahr gründete sie zusammen mit Doris Heinrich die Agentur „Drop the Butter“, über die sie kreative Innovationen medial umsetzen. X www.lisart.earth Foto: Bettina Hüttner Die filigrane Arbeit von Kim Hyung Hak aus Südkorea zog den Betrachter sofort in den Bann. Der schwarze Hintergrund ließ die Farben besonders hervorstechen. Der Grundaufbau aus Ringen in verschiedenen Größen erinnert an ein Pendel. Dunkle Schnüre verbinden die Kreise und unterstreichen die feine Wirkung. Gloriosen, Oncidium-Blüten und Chrysanthemen geben der Gestaltung eine spielerische Note, aufgefädelte Beeren verleihen Leichtigkeit. Die Basis bilden Halbmonde, die parallel auf den mittleren Ring gefädelt sind. Durch die Sichelform schaffen sie Raum für die Blüten. Diese Art der Grundstrukturen zeichnet den floralen Stil des Südkoreaners aus. Seine Floristik ist geprägt von geschichteten oder übereinander liegenden Elementen. In diesen Formen gibt es „Ausschnitte“, die gefüllt werden wollen. Der Kon­ trast zwischen klarer Form und Blüten, die aus der Form herauswachsen, verleihen seinen Arbeiten eine besondere Spannung.
Ein Hauch von Blüten Foto: Lisa-Maria Thalmayr Mit dem Motto „A heavenly wedding – eine himmlische Hochzeit“ sollte der Brautschmuck die Betrachter in eine Welt über den Wolken bringen. Die Aufgabenstellung war abstrakt und magisch. Jenny Thomasson, die Kandidatin aus den USA, gestaltete eine Ringhalterung aus Silikon mit Metallröhrchen. In dieser schirmartigen Konstruktion schwebten Blüten wie Phalaenopsis und Nerinen in einem Farbspektrum von Hellrosa bis Apricot. „Es war fast wie ein Überraschungspaket, weil ich die Idee davor noch nie so umgesetzt habe“, erzählt Jenny Thomasson. „Ich war sehr zufrieden damit, wie am Ende alles geklappt hat, der Brautschmuck wirkte zart und sphärisch.“ 23. – 26. JANUAR UNSER HERZ SCHLÄGT GRÜN Verkaufsstarke Floristik-Trends und Inspiration Das dürfen Floristinnen und Floristen nicht verpassen: Die IPM ESSEN bietet als grüner Impulsgeber speziell abgestimmte POS-Konzepte und florale LifestyleIdeen für Floristikfachgeschäfte. Entdecken Sie ein umfangreiches Sortiment an Floristikzubehör und Gartenausstattung, ausgewählte Wohnaccessoires und Produkte aus dem Bereich Tischkultur und lassen Sie sich von außergewöhnlichen Live-Shows mit internationalen Top-Floristinnen und -Floristen begeistern. Meet the green family! WWW.IPM-ESSEN.DE #ipmessen #weareipmessen #congratsipmessen 2024 PFLANZEN TECHNIK FLORISTIK AUSSTATTUNG
Der Atemberaubende Einmal kurz die Luft anhalten und staunen. Die Farben des Morgenrots aus ineinander verwobenen Blüten auf einer transparenten Scheibe. So fühlte sich der erste Eindruck beim Anblick des Brautschmucks von Lisa Pålsson an. Die Norwegerin arbeitete auf ein Drahtgerüst und konzentrierte sich auf die Farben und Strukturen der Blüten. Kleine Metallröhrchen geben den Blüten Halt und wirken als Teil der Gestaltung. Die Blüten aber stehen eindeutig im Mittelpunkt. Sie sind genau aufeinander abgestimmt und wirken fast, als würden sie in der Kreisform tanzen. Tropische Blüten spielten nicht nur in ihrem Brautstrauß, sondern in all ihren Werkstücken eine Rolle. 32 1 | 2·2024 florieren! Fotos: Jens Poulsen (oben), Lisa-Maria Thalmayr (unten) Floristik
Foto: Jens Poulsen Lisa Pålsson DER ATEMBERAUBENDE Lisa-Maria Thalmayr war fasziniert von Lisa Pålssons Brautstrauß, aber auf den ersten Blick war nicht zu erkennen, wie der Brautstrauß der Vizeweltmeisterin 2023 aus Norwegen zum Thema „Über den Wolken“ passt. Also haben wir nachgefragt. Lisa Pålsson wurde von Stein Are Hansen, dem Weltmeister der Floristen 2010, unterstützt. Foto: Jens Poulsen Lisa-Maria Thalmayr: Wie war der Prozess der Ideenfindung? Lisa Pålsson: Da ich in meiner Flo­ ristik gerne mit kräftigen Farben arbei­ te, stellte sich beim Thema „Über den Wolken“ die Frage, wie ich das verbin­ den kann. Anfangs habe ich mich mit den typischen Farben von Wolken auseinandergesetzt, doch schnell war klar, dass ich mir selbst treu bleiben wollte. Also habe ich das Wolkenthe­ ma auf den Himmel ausgedehnt. Und so kann dieser Strauß, wie du sagst, als Sonnenaufgang oder auch als Abend­ stimmung am Himmel interpretiert werden. Der Strauß sollte ausdrucks­ stark sein und am Ende war ich mehr als zufrieden. Das fertige Werkstück habe ich dann auf Wolle präsentiert, die von unten beleuchtet war. Somit schwebte der Strauß quasi über den Wolken. Um die Farben und die Zu­ sammenstellung zu testen, habe ich den Strauß in einer Testversion für die Hochzeit meiner besten Freundin im Sommer gefertigt. Somit hatte dieses Werkstück für mich noch mal eine ganz spezielle Bedeutung. Warum hast du dich für überwiegend tropische Blumen entschieden? Sie bringen mir die kräftigen Farb­ töne, mit denen ich sehr gerne arbeite. Außerdem sind sie lange haltbar und im Wettbewerb braucht man weniger Vorbereitungszeit. Das war ein sehr wichtiger Punkt für mich: Unter Druck kann ich am besten arbeiten, wenn al­ les gut vorbereitet ist. Welche Technik hast du verwendet? Wir haben verschiedene Drähte ausprobiert und uns schließlich be­ wusst für eine metallische Wirkung als Teil der Gestaltung entschieden. Eini­ ge Wochen vor dem Wettbewerb wur­ de uns jedoch klar, dass die Blüten nicht lange genug halten, wenn sie di­ rekt auf den Draht gearbeitet sind. Und dass es den Blüten auch schadet. So waren wir gezwungen, noch eine neue Lösung zu finden. Wir haben eine Idee entwickelt, bei der jede Blüte mit einem Magneten verbunden ist. Die Magnete waren in eine Art Bügelperle eingearbeitet, wie man das aus dem Kindergarten kennt. Im Gerüst gab es die Gegenstücke dazu. Somit war ich am Ende damit beschäftigt, Plus und Minus zusammenzubringen. Hast du inzwischen realisiert, dass du Vizeweltmeisterin bist? Ganz ehrlich, nein. Das ist immer noch ein bisschen unfassbar. Mein Ziel war, das Finale zu erreichen, aber mit dem 2. Platz habe ich nicht gerechnet. An dieser Stelle will ich auch noch mal Danke sagen an den besten Assisten­ ten. Für mich war klar, dass ich nur mit Stein Are Hansen an meiner Seite bei einer Weltmeisterschaft mitmache. Der World Cup war eine unglaubliche Er­ fahrung und der Titel hat diese un­ glaubliche Erfahrung noch mal ge­ krönt. Besonders habe mich über all die Reaktionen auf meine Werkstücke gefreut, speziell über all die wunder­ baren Kommentare über meinen Brautschmuck. Was ist deine Nachricht an Floristinnen und Floristen, die große Ziele haben? Bleibt dran an euren Träumen! Ihr könnt alles schaffen. Mit viel Hingabe und viel harter Arbeit könnt ihr es weit bringen.  Fießende Harmonie Den Brautstrauß von Nicolaus Peters haben wir schon in der letzten Ausgabe näher vorgestellt – hier sehen Sie noch einmal eine andere Ansicht. Es war der Brautschmuck mit der besten Bewertung. In jedem Werkstück steckt so viel Vorarbeit, Planung und Ausprobieren! Hier glänzt Nicolaus Peters mit seiner Kunst, jeder Blüte ihren Raum zu geben und doch alles in der optischen Wirkung ineinanderfließen zu lassen. Erst beim genauen Betrachten sieht man, dass jeder einzelne Werkstoff genau für diesen Platz ausgewählt wurde, nach Form und Farbspiel. Und doch wirkt alles fast wie zufällig. 1 | 2·2024 florieren! 33
Floristik AC ADEMY O F F LO W ER D ESIGN (AO F ) INDIVIDUELL ABGESTIMMT Wenn Kund(inn)en mit Brautstrauß-Bildern aus den sozialen Medien ins Geschäft kommen, kann man entweder ohne Einwände auf die Wünsche eingehen oder Alternativen mit persönlichem Bezug aufzeigen. Das kann zeitintensiv werden, rückt aber die Kompetenz von Florist(inn)en ins Blickfeld und erhöht die Wertschätzung für die Kreativität und das technische Know-how des Berufs. Beispiele von der Meisterprüfung an der Academy of Flowerdesign (AoF) 2023 beweisen, wie individuell und zeitgemäß Brautschmuck sein kann. Nicole von Boletzky, Wangen/CH Fotos: Maximiliane Altendorfer (Brautschmuck), Nicole von Boletzky (Floristen bei der Arbeit) 1 34 1 Die Schweizerin Gianna Högger machte „Weibliche Wölbung“ zum Thema und entwickelte gleich mehrere konvexe Elemente, die sie mit Lavendelblüten bestückte und in Schichten zueinander führte. 1 | 2·2024 florieren!
2 4 3 2 Auch Regina Frech konzen­ trierte sich auf „authentische Weiblichkeit“ und schuf einen Brautstrauß, der von einer Haarnadelmanschette um­ mantelt war. Eine Haarbürste dient als Griff. 3 Michaela Gerster formierte Kosmetik-Pads zu einer Abschlussgestaltung. Für das Innere wählte sie feinste Blü­ tenschönheiten. 4 In akkurater Fleißarbeit ließ Melanie Wank eine per­ fekte Spindelform entstehen, die am Mittelfinger getragen wird. 1 | 2·2024 florieren! 35
Floristik 5 6 Meisterkurse an der AoF Die Academy of Flowerdesign (AoF) unter der Leitung von Nicole von Boletzky bietet Meisterkurse in Wangen/ CH und Innsbruck/A an. Die gemeinsame Prüfung findet in Innsbruck statt. u academyofflowerdesign. com 36 1 | 2·2024 florieren!
7 8 9 5 Carmen Streuli frönte be- wusst einer etwas kitschig anmutenden Klischeeform: dem Herz. Und um das Ganze noch zu verstärken, entstand eine Symbiose mit einer etwas süßlichen Handtasche. Etwas Hollywood eben. 6 Einen Verweis auf innere Werte schuf Marina Wangler mit zwei in Abstand zueinander gebrachten Scheiben, was die florale Ausgestaltung des Kernbereichs erlaubte. 7 Max Reinbold brachte mit der Zapfenschuppung im Abschlussbereich eher maskuline Ansätze in die Gestaltung ein, die sich in der Kombination mit feinen Blüten aber wieder relativierte. 8 Süß, süßer, noch süßer ging Helene Dahlmeier-Adelsberger vor, als sie Zuckergebäck und farblich darauf abgestimmte Blüten vereinte. 9 Am lebenden Modell prä- sentierte Lea Peter während der gesamten AoF-Meisterausstellung ihren floralen Brautschmuck-Kragen – ein echtes Highlight für alle Besucher! 1 | 2·2024 florieren! 37
Floristik H OCH ZEIT EIN E R F LO R IST M E IST E R I N Foto: Vanessa Preuhs Blume liebt Holz Vanessa Holderied ... eröffnete im März 2017 das „Blumenwerk Owingen“ und zog im September 2022 in ihr neu erbautes „Blumenwerk“ in Haigerloch-Owingen – einem Ort im Zollernalbkreis mit knapp 1.500 Einwohnern. In dem geradlinigen 300 m² großen Beton-Gebäu­ de gestalten vier Floristinnen vor allem Floristik für Beerdigungen und Events. Der große Fundus an Leihgefäßen und mehr sowie die Erfahrungen in und mit der Eventbranche halfen dabei, die Hochzeit der 37-jährigen Stuttgarter Floristmeisterin perfekt werden zu lassen. X blumenwerk-owingen.de 1 + 2 Die eigene Handschrift: Weil ihr keine Papeterie gefiel, kaufte sie Schriften und erstellte Menükarten und Co. selbst in Word. Die Schriftzüge für die Holzschilder plottete ein Freund. 3 Bei den Tischen testeten die Floristinnen die englische Gesteckform, bei der die Blumen zur Mitte hin abfallend asymmetrisch angeordnet werden. Die Schnittblumen wurden entblättert und in weißen Steckschaum gesteckt. Außer gebleichtem Farn kam kein Beiwerk zum Einsatz. 4 Die Ständer für die Schleier- krautwolken über den Tischen schweißte Vanessa Holderieds Vater. Oben ist ein abnehmbares Schälchen angebracht, das als Halterung für Steckschaum dient. Etwa zwei Bund Schleierkraut stecken in jeder Wolke. 38 1 | 2·2024 florieren!
1 2 3 4 Die Floristmeisterin Vanessa Holderied plante ihre eigene Hochzeit in nur fünf Monaten. Genug Zeit, um zwei Dekorationskonzepte zu verwerfen und eine landwirtschaftlich genutzte Halle auszuräumen, um daraus das perfekte Setting für ihre entspannte Sommerhochzeit mit ihrem Zimmermann Steffen zu zaubern. Text: Nadine Quist Fotos: Vanessa Preuhs
Floristik D as Farbkonzept sollte zum Sommer passen und eine Symbiose mit Holz eingehen können, dem Arbeits-Werkstoff ihres Partners. Zu Beginn war eine Dekoration ganz in Grün, ausschließlich mit Blättern und Beiwerk geplant. Diese und auch die Idee mit viel Pampasgras und farblich passenden Floralien verwarf Vanessa Holderied. Frische fehlte. Die Lösung: duftige SchleierkrautWolken in strahlendem Weiß als Kontrast zur sommerlichen Hitze. Solche Wolken hatte die Floristmeisterin bei einer Kunden-Hochzeit ein Jahr zurvor gestaltet und bereits beim Beratungsgespräch gewusst: „Genau so würde ich das auch machen! Das Schleierkraut nimmt sich so schön zurück, wirkt festlich in dieser Fülle, aber nicht steif.“ Eine lockere Atmosphäre war dem Brautpaar wichtig. „Etwas anderes hätte nicht zu uns gepasst“, sagt Vanessa Holderied. So entstand die perfekte Rahmengestaltung für ihre Hochzeit in der 450 m² großen landwirtschaftlich genutzten 5 5 Das Einzige, das Vanessa Holderied nicht selbst gestaltete, war der Brautstrauß. Gefriergetrocknete Hortensie in der Basis ermöglicht die zur Mitte hin abfallende Form des asymmetrischen Brautstraußes. Für den Kopfkranz verwendete die Floristmeisterin trockenes Schleierkraut, weil das harte Weiß von frischem nicht zum matt ivory-farbenen Brautkleid gepasst hätte. 6 Die freie Trauung war eigentlich im Außenbereich geplant. Wegen der Hitze fand sie spontan in der Scheune statt. 7 Betonierte Christbaumständer, die ursprünglich für den Eingang des Ladengeschäfts gebaut wurden, dienten dem Arrangement am Eingang der Scheune als Grundgerüst. Darauf tackerten die Floristinnen Steckschaum im Kunststoffgitter. Eigentlich war geplant, ohne Wasserversorgung nur in Hasendraht zu stecken, was bei direkter Sonneneinstrahlung doch nicht möglich war. 8 Erst einen Tag vor der Trauung schüttete der befreundete Landwirt im Außenbereich Kies auf. Die Loungemöbel lieh das Brautpaar von einem Bekannten, der Firmenevents ausstattet. Die dazu arrangierten großen Körbe mit Solitärpflanzen (Hortensie, Eukalyptus, Schleierkraut, Rittersporn, Phlox) nahm Vanessa Holderied aus dem Bestand, den das Blumenwerk für Events verleiht. 9 Die Tüten für die 30 Blumenkinder waren aus dünnem Holz. Die Mädchen bekamen Blumenkränze, die Jungen Anstecker. 40 1 | 2·2024 florieren! Lagerhalle eines Freundes. Diese musste zunächst ausgeräumt und gesäubert werden. Riesige Getreidesilos verschwanden hinter weißen Stoffbahnen. Da nur wenig Tageslicht ins Halleninnere fiel, kamen große Lichterketten zum Einsatz, die die 230 Gäste in stimmungsvolles Licht hüllten. Gestalterisch mag es die 37-Jährige schlicht und ruhig. Gerne auch Ton-inTon, denn dann kann die Blumenauswahl auch vielfältig sein, ohne dabei unruhig zu wirken. Rosen, Hortensien,
Nelken, Skabiosen, Alstroemerien, Rittersporn, gebleichter Farn, naturfarbenes Samtgras, etwas Pampas, aber kein frisches Beiwerk verarbeitete das Team aus fünf Floristinnen. Servietten und Tischläufer ließ die Braut aus Leinenstoff anfertigen. Diese und die verwendeten Gefäße stocken nun den großen Leihfundus im Blumenwerk Owingen auf. Bei der Planung ihres vor eineinhalb Jahren neu gebauten Ladengeschäfts hatte sie bereits auf eine großzügige Lagerfläche geachtet.  9 6 7 Gefilterte Realität 8 Wie die Fotografin, die den Hochzeitstag von Vanessa Holderied in Bildern festhielt, setzen viele bei der Bildbearbeitung einen Filter ein. Weil dieser in diesem Fall sehr gut zum Thema der Hochzeit passt und diese Praxis der Zeit entspricht, haben wir diesen belasssen. Nichtsdestotrotz erschweren diese Filter häufig das Beratungsgespräch im Blumengeschäft. Mehr dazu im Interview mit Andreas Frank auf den folgenden Seiten. 1 | 2·2024 florieren! 41
Floristik WIE VER ÄN D E R T SICH D IE HO CHZ E I TS F LOR I S T I K Blüten pur und klare Vorstellungen Vor etwa 40 Jahren band Andreas Frank seinen ersten Brautstrauß. Mittlerweile ist er auch überregional für seine mit Feinsinn ausgesuchten Farb- und Materialkompositionen bekannt. Zu den 17.000 Followern auf Instagram zählt kein geringerer als Gregor Lersch. In seinem Blumenwerk im baden-württembergischen Neudenau ist er der Chef über sein Pastelluniversum und spricht mit uns über die Trends im Hochzeitsbereich, die er dort in Beratungsgesprächen und als leidenschaftlicher Großmarktgänger ausmachen kann. Im Gespräch mit ANDREAS FRANK Der 57-jährige Florist und Zierpflanzengärtner wuchs in der Gärtnerei seiner Eltern quasi unter dem Bindetisch auf. Mit 19 machte er sich mit einem zweistöckigen Neubau mitten in der Altstadt selbstständig. Heute arbeiten fünf Floristinnen im Blumenwerk Neudenau. Die Gärtnerei existiert weiterhin, wird aber nur noch wochenweise für den Verkauf geöffnet. Für seine Floristik ist Andreas Frank vor allem im Bereich der Trauerbinderei bekannt und wird zu diesem Thema auch für Demonstrationen gebucht, aber auch viele Heiratswillige fragen extra wegen seinem Stil an. Nicht nur bei Posts auf Social-Media-Kanälen nimmt er sich selbst nicht so ernst. Gleichzeitig hat er eine klare Meinung in Sachen Wirtschaftlichkeit, die er auch im Beratungsgespräch vertritt. 42 1 | 2·2024 florieren! Foto: privat Im Gespräch: Andreas Frank, Neudenau, und Nadine Quist Herr Frank, Sie sagten im Vorfeld des Interviews, Sie würden sich überlegen, Hochzeiten völlig zu streichen. Was veranlasst Sie dazu? Andreas Frank: Das Problem bei heutigen Hochzeitsaufträgen sind hohe Ansprüche, viel im Internet gesehen, aber kein Budget. Es steht ja auf Insta­ gram und Pinterest nicht drunter, der Traubogen hat 2.000 Euro gekostet. Wenn die Vorstellungen und das vor­ handene Budget ganz arg auseinanderklaffen, muss ich manchmal auch sagen, dass wir so leider nicht zusammenkommen. Kürzlich habe ich mit einer Kollegin geredet, die ganz groß in Hochzei­ ten war. Sie sagte, am liebsten sei es ihr, wenn die Leute zum Spezialfloristen gehen, der nur Hochzei­ ten macht, weil die Beratung mittlerweile so auf­ wendig geworden ist. Ich glaube, es spaltet sich auf, in ganz, ganz Überbordendes und die ande­ ren, die den Brautstrauß auf den letzten Drücker bestellen. Das „Normale“ geht verloren, habe ich das Gefühl. Entweder es sind 30, 40 Leute oder es sind dann halt gleich 180. Es ist ein Spiegel unserer Gesellschaft. Die Mitte bricht weg. Wie gehen Sie mit schwierigen Bräuten um? Wir kommunizieren, dass E-Mail-Verkehr kostet. Es ist okay, dass sie uns Bilder schicken. 90 Prozent kommen mit Bildern. Wenn die schon so auf etwas Bestimmtes fixiert sind, fange ich auch nicht an zu diskutieren. Dann wird das so gemacht. Das ist auch ok, weil es schnell geht, dann kostet auch die Beratung nichts. Nur wenn es ganz gegen den Typ ist, sage ich was – und wenn die Vorstellungen mit dem Budget nicht zusammenpassen. Ein rundge­ bundener Strauß mit 30 verschiedenen Materialien braucht einen Hunderter. Das ist einfach so. Als Mann in meinem Alter kann man, glaube ich, ande­ re Sachen zu einer Frau sagen als weibliche Kolle­ ginnen. Wenn ich merke, dass das Florist-Touristen
sind, erkläre ich denen, dass die nächste Beratung kostet und dann kommen die eh nicht mehr. Aber generell machen wir die Beratungsgespräche ohne Gebühren, weil bisher 95 Prozent der Hochzeiten auch kommen, weil die unseren Stil wollen. Was wurde für 2024 bis jetzt bestellt? Fast alles ist weiß. Warum auch immer. Wobei bei mir Weiß nicht nur Hartweiß ist, sondern dieser weiße Bereich, also auch das Abgetönte. Auch sehr dezente Farbunterschiede, weil ja die Kleider relativ bunt sind nächstes Jahr. Ist das so? Ja, also es ist ein beigefarbener Rock darunter, es ist ein zartrosafarbener Rock darunter, es ist ein fliederfarbener Rock darunter und es sind natürlich fünf Lagen Tüll obendrauf. Also es ist unterschwellig bunt, sagen wir es mal so. Außerdem sehe ich in den Kollektionen weniger Spitze und Durchsichtiges. Das ist gut, ich muss ja auch Fläche für meinen Brautstrauß haben, mit einem nicht übertriebenen Dekor, bitte (lacht). Außerdem kommen wieder glatte Stoffe, habe ich jetzt bei ein paar Kollegen gesehen. Bei den Anzügen dominiert Grün in allen Schattierungen. Und welche Floristik passt dazu? Meine Bräute sind fast alle nächstes Jahr sehr, sehr weiß, sehr, sehr pastellig und fast alle ohne Grün. Also wirklich dieses „Pure White“, was da jetzt durch die Gegend schwappt. Rosen nur, wenn sie besonders sind. Besondere Sorten in Gartenrosenoptik werden gerne genommen. Was wir außerdem sehr viel verarbeiten ist Lisianthus. Ihre Floristik zeichnet sich durch Ihr feines Farbengespür und die Fülle an verschiedenen Floralien aus. Wie schaffen Sie das? Zum einen haben wir in Mannheim einen sehr guten Großmarkt mit Ware von vielen deutschen Gärtnereien. Da bekommt man beispielsweise auch eine kleine deutsche Celosie, die ist was Tolles. So was bekommt man nicht über Onlineshops. Auch Ware aus Holland oder Rosen aus Ecuador, Äthiopien und Kenia kaufe ich ein und kombiniere sie mit Selbstgezogenem und Zugekauftem aus meiner Gärtnerei. Rosen-Lieblinge Rosen in subtilen Farbtönen wie die Sorte ‘Amnesia’ (im Bild) und solche im GartenLook sind im Blumenwerk gefragt. Zu den Favoriten von Andreas Frank zählen die ‘White Kahala’, die korallfarbene ‘Blushing Reeva’ und die sehr hochpreisige ‘Westminster Abbey’. Die zartgelbe ‘Karma B’ mit dunkelrotem Rand empfiehlt er für den Herbst. Denken Sie beim Beraten dann auch eher in Farbkonzepten? Genau, wir legen meist nicht genau die Blumen fest. Ich gehe auch oft ohne Einkaufszettel auf den Markt und schaue einfach, was zum Farbkonzept 1 | 2·2024 florieren! 43
Floristik Natürliche Vielfalt Andreas Frank beschreibt seinen Stil als „natürlich, ohne rustikal zu sein, elegant und vielfältig, manchmal auch etwas zu detailverliebt.“ Spezielle Farben, die in sein Pastelluniversum passen, baut er auch in seiner Gärtnerei an: „Wir haben zum Beispiel zehn verschiedene weiße Dahliensorten, die alle so einen Hauch in eine andere Farbrichtung haben. Außerdem Zinnien in Pastelltönen, gerne auch mal eine Blattgeranie, die ich als schönes Beiwerk verwende.“ passt. Man lernt die Brautleute bei der Beratung ja kennen. Ein bisschen Intuition gehört auch dazu – und Menschenkenntnis, weil das, was die Leute sagen und was sie meinen, sich manchmal sehr unterscheidet. Deshalb drücke ich den Bräuten gerne etwas aus dem aktuellen Blumenangebot in der gewünschten Farbe in die Hand und stelle sie in unserem Mädchenzimmer vor den Spiegel. So sieht man dann schnell, ob der Hauttyp dazu passt. 44 1 | 2·2024 florieren! Liegen Sie auch einmal daneben? Letztes Jahr bin ich einmal völlig danebengelegen. Eine sehr junge Braut wollte Terracotta. Am Ende war ihr das zu sehr Apricot. Die Farbbezeichnung Terracotta ist eben schwierig. Bei Pink ist das genauso. Das liegt auch an einer unterschiedlichen Farbwahrnehmung. Silber ist zum Beispiel auch nicht Silber. Das sieht nicht jeder. Ja, und dann ist natürlich auch das Thema mit dem Filter, das da reinspielt und die Farben noch mehr verfälscht. Da habe ich oft wirklich Probleme damit, auch wenn ich meine Brautsträuße auf den Fotos vom Fotografen sehe. Dieses Gefiltere macht viel kaputt. Wenn ich weiß, welcher Fotograf gebucht ist, weiß ich auch schon, wie die Bilder nachher aussehen, und ob ich an der Farbigkeit noch etwas drehen muss, damit der gewünschte Look erzielt wird. Gibt es Trends bei der Straußform? Ich habe das Gefühl, dass hängende Brautsträuße wieder kommen. Das relativiert sich bei mir aber über den Preis, weil das nicht jede ausgeben will. Für unter 150 Euro muss ich da gar nicht erst anfangen. Und wir arbeiten fast ausschließlich mit Naturstiel. Ich könnte mir aber vorstellen, dass wirklich so richtige Wasserfälle, die teilweise auch wieder gesteckt werden, im Kommen sind. Die sieht man immer mehr in den sozialen Medien.
Was waren bisher die ausgefallensten Brautwünsche? Aktuell haben wir einen Brautstrauß mit Bifi, der Wurst. Lego-Steine und Spielfiguren sollten auch schon in den Brautstrauß gebunden werden. Oder diese Cosplay-Hochzeiten. Das ist ein ganz eigenes Universum. Wenn die Leute so ausgefallene Sachen wollen – etwa echte Schwerter – dann sollen die die auch selber besorgen und vorbeibringen. Was bei uns noch nie eine bestellt hat, ist so ein Halfpipe-Strauß. Eine Kollegin von mir verkauft nur solche Sträuße, darauf ist sie spezialisiert, deshalb zieht sie diese Boho-Kunden auch an. Aber der Boho-Pampas-Hype ist hoffentlich auch bald vorbei. Wie ist es beim Tischschmuck? Bei Tischdekorationen merken wir zum Glück ganz klar den Trend zu Gestecken. Diese Flaschenfüllerei versuche ich den Leuten als DIY abzugeben, denn da ist der Aufwand größer als die Kosten für das Material. Das diskutieren wir aber auch mit den Bräuten, wo Einsparungsmöglichkeiten sind. Um Fläschchen zu füllen, muss man keine Meisterfloristin hinstellen. Haben Sie im Winter viele Hochzeiten? Ja, das ist auch ein Trend, dass sich die Saison total ausgedehnt hat. Und Hochzeiten sind jetzt von Donnerstag bis Montag, weil es fast keine Locations mehr gibt. Eine nach der anderen macht zu. Nicht weil sie nix zu tun haben, sondern weil sie kein Personal finden. Aber klar, eine Sonntagshochzeit kostet halt auch Aufschlag, wenn die dann sonntags ausgeliefert werden muss. Wo holen Sie sich Ideen? Überall! Auch in fernen Ländern, wie Indien. Das war ein Farbrausch – einfach so unglaublich inspirierend! Oft inspiriert mich etwas ganz unterbewusst. Kürzlich war ich auf einer Ausstellung von Kleintierzüchtern. Da waren so schöne Hühner. Ich habe einfach bloß dieses Farbschema auseinandergenommen und dem Züchter dort gesagt, also wenn so ein Hahn mal gerupft werden muss, dann kann er mir die Federn bringen. Kam nicht gut an. (lacht) Das kommt, das geht: Lisianthus ist ein großes Thema. X Rosen müssen besonders sein, etwa einen Gartenlook haben. X Oft gesehen: Pastellige Brautkleider mit mehreren Lagen Tüll X Brautmode wird schlichter und eleganter, weniger Durchsichtiges. X Grüne Anzüge, von hell bis ganz dunkel X Floristik im „Pure White“-Look, ohne Grün X Hängende Brautsträuße X Beim Tischschmuck geht es weg von den Fläschchen, hin zu Gestecken. X Der Boho-Pampas-Hype flacht ab. X Hochzeiten werden von Donnerstag bis Montag gefeiert, weil Hochzeitslocations immer weniger werden. X Die Hochzeitssaison dehnt sich insgesamt weiter aus. X 1 | 2·2024 florieren! 45
Floristik E VENT- UN D W ED D IN GF LO R IST IK Hochzeiten in Italien Neues Hochzeitsportal „Weddycloud“ Optimal präsentieren können professionelle Hochzeitsdienstleister ihre Angebote jetzt auf dem neuen Hochzeitsportal www.weddycloud.com – und das kostenfrei mit dem zum Auftakt verfügbaren Early-BirdPaket, welches für besondere Vorteile und zusätzliche Sichtbarkeit sorgt. Anbieter können ihre Leistungen hier mit bis zu 30 Fotos illustrieren und sich kostenlos eine dauerhaft priorisierte Präsentation sichern. In der ersten Pilotphase konnten vorab über 500 Dienstleister aufgenommen werden. Florist(inn)en sind bisher nur wenige vertreten. 46 1 | 2·2024 florieren! Die Eventbranche boomt in Italien. Deshalb bietet Annette Gottmann in ihrer Flower Academy in der Nähe von Verona eine neue Spezialausbildung zum Event- und Weddingfloristen an. Im Sommer 2023 endete der erste Kurs, in diesem Frühjahr startet der nächste. Text: Annette Gottmann (www.annettegottmann.com) Foto: Paolo Castagnedi M it der dreimonatigen Ausbildung mit Lektionen online und in Präsenz möchte die Floral-Coachin Annette Gottmann auf die Herausforderungen Antwort geben, die Hochzeitsevents in Italien an Florist(inn)en stellt. Da der deutschen Floristmeisterin eine umfassende Fortbildung am Herzen liegt, setzt sie die Schwerpunkte nicht nur auf die kreative und handwerkliche Gestaltung eines Events, sondern vor allem auf authentisches Marketing, digitale Kommunikation, Verkauf, Kalkulation, Projektgestaltung, Organisation und Realisation. Der Präsenzunterricht fand am Ende des Kurses in der traumhaften „Villa De Winckels“ in Tregnago statt, zirka 20 Minuten von Verona entfernt. Ein Fotograf hat das Ergebnis professionell festgehalten. Genau so stellen sich sicher viele Brautpaare die Dekoration vor, wenn sie sich für eine Hochzeit in Italien entschieden haben.  florieren-online.de Für mehr Eindrücke und Informationen scannen Sie den QRCode oder geben Sie einfach den Webcode flo11033 auf www.florieren-online.de ein.
Fokus T HEMA Trends 2024 Seite 48 Horticulture Trends ­– Positive Impulse in unsicheren Zeiten Seite 52 Bloom’s Trends ­– Authentizität und Natürlichkeit Seite 56 Christmasworld und Ambiente ­ – Vertrautes bewahren und Zukünftiges willkommen heißen Seite 60 Schaufensterdekoration und Warenpräsentation – Natürlichkeit mit Wow-Faktor Seite 61 Trendfarben 2024 Foto: Tollwasblumenmachen.de Seite 62 Ruhig, urban, verträumt ... ­ – Vielfalt bleibt wichtig Seite 66 Trends in der Praxis ­– Langlebig und durchdacht Seite 69 Unser Fazit 1 | 2·2024 florieren! 47
Fokus Trends 2024 H OR TICULTUR E T R E N D S Positive Impulse in unsicheren Zeiten „Die gegenwärtigen Spannungen und Veränderungen führen zu Unsicherheit und Misstrauen. Blumen und Pflanzen können unserem Umfeld den positiven Impuls geben, den wir so dringend brauchen“, so die niederländische Trendexpertin Aafje Nijman. Deshalb stehen die Horticulture Trends 2024 für Positivität. Das macht sich bei den Farben, Formen, Materialien und Designs bemerkbar. Informationen und Fotos: Blumenbüro Holland – Tollwasblumenmachen.de und Pflanzenfreude.de MEANINGFUL EARTH – natürlich und umwelt­bewusst Dieser Trend beschäftigt sich mit der Sorge um das ökolo­ gische und soziale Ungleich­ gewicht in der Gesellschaft. Durch einen rücksichtsvollen Umgang mit Ressourcen gelingt es, zu den Wurzeln zurückzukehren und die Kraft der Natur zu spüren. Blumenarrangements haben einen wilden, natürlichen Look. Bei Zwiebelgewächsen darf die Zwiebel sichtbar sein. Sie können zum Beispiel in Glasbehälter mit farbigen Sandschichten gesetzt werden, sodass die Erde gut zu sehen ist. Grundsätzlich darf gemischt werden: Blüh- zusammen mit Grünpflanzen erzeugen Dschungel-Feeling. Die Formen sind rau, grob und unregelmäßig und wirken ursprünglich. Das gilt auch für die Muster und Materialien, die oft umweltfreundlich hergestellt oder recycelt sind. In der Farbpalette für Accessoires sind vor allem Brauntöne zu finden. Bei Blumen und Pflanzen harmonieren leuchtendes Gelb und Blassrosa gut mit Dunkel- und Graugrün. 48 1 | 2·2024 florieren! Natürlich, mystisch, authentisch, Geschichte, Archäologie, verwildert, umweltbewusst
B ei den Horticulture Trends stehen Blumen und Pflanzen im Mittelpunkt. Für 2024 wurden erneut vier Stiltrends definiert, die alle den aktuellen Zeitgeist widerspiegeln, jedoch auf unterschiedlichen Sichtweisen basieren. All die Krisen unserer Zeit können zu Verunsicherung und dazu führen, dass wir die Zukunft als bedrohlich wahrnehmen. Die Menschen reagieren unterschiedlich: mit Angriff oder Flucht, indem sie erstarren oder die Initiative ergreifen. Vier Werte- trends veranschaulichen die genannten Reaktionen und führen zur Frage, wie eine Krise zur Chance werden kann. Von der Krise zur Chance • Menschen, die sich Krisen am liebsten kämpferisch entgegenstellen, streben eine gerechtere, nachhaltigere Welt an. Der Umweltaspekt steht im Fokus, … VIVA LA VIDA – fröhlich und lebendig Auf unserer Welt gibt es so viel Negatives, das die Stimmung trübt. Einige Menschen bewältigen diese Gefühle, indem sie sich von der Außenwelt zurückziehen und hin und wieder einfach das Leben feiern. Minimalismus ist hier fehl am Platz. Blumenarrangements sind farbintensiv, vorzugsweise üppig und mit gefüllten Blüten. Sträuße, aber auch einzelne Blumen sind auf jeden Fall Hingucker. Das gilt auch für blühende Pflanzen. Warm, ausdrucksstark, dekorativ, farbenfroh, spannend, lebendig und leidenschaftlich Die Formen sind eher ruhig, die Materialien auffällig und dekorativ. Opulente Muster, schmiede­eiserne Details, Mosaik, bunte Fliesen, Quasten, Fransen und Rüschen geben den Ton an. Spanien oder Mexiko sind als Inspira­ tionsquellen erkennbar. Die Farben sind warm und überschwänglich. Nicht fehlen dürfen Rosa, Rot, Viva Magenta (Pantone-Farbe des Jahres 2023), Orange und Gelb. Schwarz, Marsala-Braun und Mintgrün setzen Akzente, letztere insbesondere bei Accessoires und größeren Gestaltungselementen. 1 | 2·2024 florieren! 49
Fokus Trends 2024 Produkte, bei deren Herstellung wenig Energie verbraucht wird, sind gefragt. Die Frage ist auch, wie mit mehr Grün im Garten und zu Hause für mehr Ausgeglichenheit gesorgt werden kann. Aber auch andere Aspekte zum Thema Ausgewogenheit beeinflussen die Kaufentscheidung: Wie sieht es beispielsweise mit Gleichberechtigung und Inklusion am Arbeitsplatz aus? • Eine zweite Möglichkeit, auf Krisen zu reagieren, ist, sich in kleine Gruppen GENTLE PARADOX – verträumt und sanft Leistungsdruck und die unzähligen Krisen können ein Gefühl der Ohnmacht erzeugen, besonders bei jungen Leuten. Dann lautet die Devise: Selbstfürsorge und Grenzen setzen. Das kommt durch Kontraste zum Ausdruck: Harte, glatte Oberflächen symbolisieren oftmals die raue Realität, weiche Strukturen und beruhigende Farben lassen Räume sanfter wirken. Luftige Arrangements mit verspielten Blüten und pastelligen Farbverläufen schaffen eine verträumte Atmosphäre. Mit Blumen oder Pflanzen können Ecken oder Übergänge kaschiert werden. Die Ränder sind oft transparent und enthalten auch Trockenblumen. Pflanzen mit transparentem Wuchs und weichen Blättern laden zum Träumen ein. Runde und bauchige Formen prägen den Trend. Viele Produkte bestehen aus einer Form, bei der alle Bestandteile wie zusammengewachsen wirken. Harte und weiche Materialien werden kombiniert. Marmor, Beton, Keramik, Kunststoff, Fliesen und Stein kontrastieren mit hochflorigen Teppichen und Wandbehängen. Die Muster reichen von romantischen Blumen bis zu abstrakten Designs. Die sanfte Farbpalette strahlt Ruhe und Harmonie aus. Neben neutralen und PastellTönen umfasst sie einen warmen Cognac-Ton. Grüntöne finden wir hauptsächlich bei den Blumen und Pflanzen. 50 1 | 2·2024 florieren! Verträumt, hart und weich, überraschend, unendlich, leicht, utopisch und freundlich von Gleichgesinnten zurückzuziehen und die böse Welt auf Abstand zu halten. Für die grüne Branche ergibt sich daraus die Empfehlung, transparent zu kommunizieren, woher Pflanzen kommen und wie sie produziert werden oder wie man mit Daten umgeht (Kundenkarten, Newsletter etc.). Man sollte zudem die positive Wirkung von Pflanzen betonen und kann mit Workshops dazu beitragen, dass sich Gleichgesinnte kennenlernen. • Von der Gefahr, in Schockstarre zu fallen, sind insbesondere die Millennials und die Generation Z bedroht. Sie befinden sich ständig im Wettbewerb,
haben aber auch unzählige Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt. Sie sind also mit starken Gegensätzen konfrontiert. Sie schützen ihr persönliches Glück, indem sie Grenzen setzen. Sie wollen sich selbst gut und (mental) gesund fühlen und wünschen sich Komfort, Luxus und Entschleunigung – Stichwort Slow Living. Zu diesem Bedürfnis nach Ruhe passen Blumen und Pflanzen, die zur Stressreduzierung beitragen können. Auch die Pflege von Pflanzen kann entspannend wirken. Im Zuge dieses Trends sind außergewöhnliche Pflanzen gefragt, gerne mit exklusivem Zubehör. Am Puls der Zeit bleiben Infos, Moodboards, Fotos • Beim letzten Wertetrend dreht sich alles um Erfindungsreichtum und Pioniergeist. Weil alles so festgefahren ist, spielen Neugier, Innovation und Technologie hier eine wichtige Rolle. Mit Kreativität, Freiheit und neuen Spielregeln eröffnen sich Chancen. Für die grüne Branche heißt das: ungewöhnlich denken, sich von alten Ideen verabschieden, am Puls der Zeit bleiben.  Die Horticulture Trends 2024 wurden vom Blumenbüro Holland in Zusammenarbeit mit Tuinbranche Nederland, iBulb, INretail und der Agen­ tur Nijman + Van Haaster entwickelt. Infos, Mood­ boards mit Farbpaletten so­ wie Fotos zum kostenlosen Download finden Sie auf www.blumenbuero.de PLAYFUL CONSTRUCTION – bunt und kreativ Wenn Altbewährtes an Gren­ zen stößt, sind Experimente gefragt. „Playful Construc­ tion“ regt zu spielerischen Lösunge­­n und kreativen Konstruktionen an, die neuen Optimismus verleihen. Blumen werden im Strauß nicht gemischt, sondern klar voneinander abgegrenzt. Das Ergebnis sind unterschied­ liche Farbebenen und inspi­ rierende Formen. Analog werden verschiedenfarbige Pflanzen mit exotischen Blüh­ pflanzen wie Phalaenopsis kombiniert. Hängepflanzen sind Hingucker und bilden oft Kontraste mit Blumentöpfen oder Wanddekorationen. Fröhlich, bunt, spiele­ risch, kreativ, originell, überraschend, konst­ ruktiv, neugierig Neben auffälligen Farben sind ungewohnte Formen der wichtigste Aspekt des Trends. Sie vermitteln einen über­ raschenden Blick auf Ge­ brauchs- oder Dekorations­ gegenstände. Die Materialien spielen eine eher untergeord­ nete Rolle. Häufig unterstrei­ chen röhrenförmige Struk­ turen aus Metall, Kunststoff oder Glas den konstruktiven Charakter des Trends. Ober­ flächen sind überwiegend glatt, Muster eher unbedeu­ tend, beschränkt auf Streifen, großformatige Blockkaros, Rillen und Kreise. Die Farbpalette umfasst leuchtende Farben, frische Pastelltöne, Silber und Hellgrau. Kombiniert wird nach Herzenslust. 1 | 2·2024 florieren! 51
Fokus Trends 2024 TRENDAUSSAGEN B LO O M’S Authentizität und Natürlichkeit Achtsamkeit, Nachhaltigkeit, Individualität und Vertrauen – das sind die Schlagworte, nach denen Kunden 2024 laut Bloom’s suchen. Die Einflüsse auf florale Produkte verdeutlichen die fünf Stilwelten, die vom Trendscouting-Team unter der Leitung von Designerin Marion Bauer und Floristmeister Klaus Wagener zusammengestellt wurden. Text und Fotos: Bloom’s, Ratingen und Minden 1 Feminine, kleinteilige Blüten aus dem Staudenbeet verweben sich mit der zeitlosen Eleganz von Rosen, Hortensien und Clematis. Die vielfältige Blumenauswahl in verwaschenen Farben verleiht dem Strauß einen trendigen Vin­ tage-Charme, der ländliches Ambiente einziehen lässt.
1 ADVANCED POETRY 2 Zurück zu den unbeschwerten Zeiten, in denen die kleinen Freuden des Lebens Emotionen hervorgerufen und den Tag versüßt haben. In dieser Sehnsucht nach Einfachheit und Ländlichkeit erleben Porzellankrüge mit botanischen Zeichnungen, blumige Vintage-Muster auf Kissen und feminine, kleinteilige Deko sowie Blüten eine Renaissance und hauchen den Romantische Nostalgie Vertrauen · Mehr Persönlichkeit und Individualität · Schönheit von Handgemachtem Räumen eine nostalgische Romantik der Vergangenheit ein. Alte Schätze wie Schalen und Schnüre werden durch experimentelle Farbverläufe wieder modern und Korbgeflecht neu eingesetzt. Hier verschmelzen Vergangenes und Zukünftiges mit der Blütenpoesie der Blumensortimente der Firma FleuraMetz zu einem emotionalen Design. DAILY SMILE In einer Welt, in der ein neuer Optimismus und ein unbeschwertes Lebensgefühl benötigt werden, spenden leuchtende Farben Mut zur Individualität und Kreativität. Klare Strukturen und Formen verbinden sich mit einem fröhlichen Mix aus bunten Blüten sowie Retrovasen mit grafischen Mustern, die die Botschaft der täglichen Lebensfreude verkünden. Dazu kommt eine überraschende Prise Humor, die sich hinter neuen Recyclingansätzen mit technischen Raffinessen versteckt. Hier wird die Mission erteilt, Farbe · Mix und Match für gute Laune · Frische · retro die Welt mit der Kraft der Farben und Blumen positiver zu gestalten, und der bunte Mix von JustChrys passt hervorragend! Statt sich auf nur farblich zurückhaltende Naturmaterialien als Steckhilfe zu beschränken, bringt Farbe Frische in die Nachhaltigkeitsdebatte – eine Erleichterung sowohl für die Branche als auch für die Kunden! 2 Gummibänder von verpackten Schnittblumen häufen sich. Hier werden sie zu augen­ zwinkernden Details. Die bunten Gummibänder haben hier keine technische Verwen­ dung: Ihre wahre Funktion liegt im Genuss des farben­ frohen Mixes. 1 | 2·2024 florieren! 53
Fokus Trends 2024 Die Reduktion auf Naturmaterialien verleiht diesem minimalistischen Raumschmuck seine trendige Erscheinung. Das Regal trifft auf ein botanisches Sammelsurium. So entsteht ein Bild für die Kraft der unverfälschten Natürlichkeit und erzeugt einen lebenskräftigen Raumcharakter. 3 Ein Leben im Einklang · Starke Verbindung zur Natur · vitalisierend 3 WILDLY BOTANICAL Die Sehnsucht nach einer tiefen Verbindung zur Natur und der Wunsch nach mehr Achtsamkeit im Alltag vereinen sich in der wachsenden Beliebtheit von Innenraumbegrünungen. Mit Materialien, die der Natur entsprungen scheinen, entstehen grüne Wohlfühlräume, die authentische Naturerfahrungen drinnen erlebbar machen. Zwischen Blättrigem und Wildem von Grünpflanzen offenbart sich die Verarbeitung von Holz sowie Zweigen, begleitet von Töpferwaren mit unvollkommenen Glasuren und pflanzlichen Motiven. Hier wird der Natur in Form der vielfältigen Grünpflanzen der Firma Decorum freier Lauf gelassen, um Inspiration zu finden und die Balance zu bewahren. 54 1 | 2·2024 florieren! 4
Die unvollkommene Schön­ heit wahrhaftiger Natur­ zustände ersetzt Perfektion. Ein mit Ton verziertes Ge­ fäß, das Spuren von Rissen aufweist, vermittelt durch seine organische Oberfläche beinahe spürbar die Leben­ digkeit der Wüste. Dies verleiht dem Werkstück seine zeitgemä­ ße, archaische Anziehungskraft, inspiriert von der rohen Schönheit der Natur. 5 DESERT RETREAT Die Natürlichkeit der Wüste neu belebt! Die sandige Wüstenatmosphäre, durchzogen von frischen Blüten in kühlen Blautönen, schafft einen faszinierenden Kontrast und erinnert an die Naturelemente Wasser und Luft, die der trockenen Landschaft eine frische Lebendigkeit einhauchen. Auch Vasen 5 Echtheit und Rohheit · Zusammenspiel der Elemente · Ursprünglichkeit in warmen Sandtönen mit Craquelés, Marmorierungseffekten und verlaufenden Glasuren spiegeln die Wüsteneigenschaften in der Handwerkskunst wider. Hier verschmelzen die Elemente der Erde mit den zarten Blumen der Firma Marginpar zu einer fremdländischen Sehnsucht. Entschleunigung · Balance der Zeitlosigkeit · Naturtöne · organische Formen · Ruhe und Harmonie 4 COMFORT ZONE In einer schnelllebigen Welt sehnen sich viele Menschen nach einer Atmosphäre der Entschleunigung und Zeitlosigkeit. Dieser Wunsch findet seinen Ausdruck in der zurückhaltenden Farbgestaltung, geprägt von Weiß-, Creme- und Naturtönen. Runde, weiche, organische Formen, die scheinbar von der Luft ge- formt wurden, füllen die Räume, die von überflüssigen Elementen befreit wurden. Die an Bequemlichkeit erinnernden Formen schaffen zusammen mit runden Blütenköpfen ein Ruhe ausstrahlendes Design. Hier kehrt die Harmonie der Balance ein. Die eingesetzte getrocknete Wasserhyazinthe dient nicht nur als Dekorationselement, sondern erfüllt auch die Funk­ tion für eine balancierte und betonte Ausgestaltung. Das kurvige Geflecht dient zur Be­ tonung der runden Gestaltung des Werkstücks. 1 | 2·2024 florieren! 55
Fokus Trends 2024 CH RISTMAS WO R L D UN D A M B IE N T E I N F R A N K F U R T/MA I N Vertrautes bewahren und Zukünftiges willkommen heißen Die Christmasworld ist die internationale Leitmesse für saisonale und weihnachtliche Dekoration, die Ambiente zeigt, was zukünftig auf den Tisch kommt, in Wohn- und Arbeitsräume gehört und gerne verschenkt wird. Als Inspiration für die Sortimentsgestaltung am Point of Sale setzt das Stilbüro bora.herke.palmisano die wichtigsten Trends im Foyer der Halle 4.1 für beide Frankfurter Messen mit Ausstellerprodukten in Szene. Gemeinsam sind den Stilrichtungen die Themen Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Informationen und Abbildungen: Messe Frankfurt/Christmasworld und Ambiente Trends 24+ in Frankfurt am Main Die internationalen Konsumgüterleitmessen Ambiente, Christmasworld und Creativeworld finden zeitgleich auf dem Frankfurter Messegelände statt, 2024 vom 26. bis 30. Januar, die Creativeworld startet am 27. Januar. Die Trends 24+ werden auf der Ambiente und der Christmasworld im Trendareal im Foyer der Halle 4.1 mit Ausstellerprodukten in Szene gesetzt. Über den Colour-Spot werden zusätzlich Dekorationsideen in verschiedenen Farbvarianten vermittelt. Sie sorgen für mehr Abwechslung am Point of Sale. Pro Trend ermöglichen neun Farben mit acht Mikro-Farbthemen individuelle Schwerpunkte, die im Laufe des Jahres verändert und neu interpretiert werden können. � christmasworld.messefrank furt.com und � ambiente.messefrankfurt. com 56 1 | 2·2024 florieren! D as Stilbüro bora.herke.palmisano recherchiert im Auftrag der Messe Frankfurt weltweit, welche Designs, Farben und Materialien die Verbraucher/-innen begeistern werden. Die drei wichtigsten Stilrichtungen werden von den Trendexperten im Foyer der Halle 4.1 einmal für den Bereich „saisonale und weihnachtliche Dekoration“, einmal für „Wohnen, Tischkultur, Arbeiten und Schenken“ umgesetzt. Die Christmasworld-Trends 24+ wirken kunstvoll, naturnah und visionär, sie feiern die Leichtigkeit, den Optimismus und das Familiäre. Drei Stilrichtungen vereinen natürliche Elemente und futuristische Innovationen, unkonventionelle Designs, traditionelles Handwerk und moderne Ästhetik – wobei Nachhaltigkeit und Digitalisierung immer eine Rolle spielen. „KI-gesteuerte Prozesse, gesellschaftliche Konflikte und die Klimakrise – die Welt ist im Wandel“, sagt Trendexpertin Claudia Herke. „In dieser schnelllebigen, digitalen Zeit entsteht ein Gegentrend: Die Rückbesinnung auf die Natur, das eigene Heim und das menschliche Wohlbefinden stehen im Fokus.“ Visionäre Aura, Luxus der Stille, neue Kompositionen Die drei Stilwelten der Ambiente Trends 24+ versprühen eine visionäre Aura, feiern den Luxus der Stille und setzen auf neue Kompositionen. Dabei zieht sich Nachhaltigkeit noch konsequenter als zuvor durch die Wohnräume. Eine verbesserte Kreislaufwirtschaft bringt spannende ästhetische Lösungen hervor, Handwerkskunst wird neu interpretiert und durch digitale Innovationen und 3-D-Techniken veredelt. „In unsicheren Zeiten geht es dabei nicht um die Suche nach einem kurzlebigen Thema. Stattdessen knüpfen die Ambiente Trends an wichtige Entwicklungen an und führen sie mit jeweils eigenem Fokus weiter“, erklärt Annetta Palmisano. „Ein außergewöhnlicher Umgang mit Materialien und Farben, innovative Technologien, urgewaltige Elemente, ein nachhaltiger Ethos und Material-Alternativen oder die vielfältige Handwerkskunst setzen in diesem Jahr eigene Schwerpunkte. Alle Wohnthemen vereint die versöhnliche Perspektive, die Vertrautes bewahrt und Zukünfti… ges willkommen heißt.“ 
SPIEL DER GEGEN­SÄTZE Bei „Aura of progress“ trifft Ursprünglichkeit Fortschritt, Handmade auf Hightech. Traditionelle Handwerks­methoden werden durch digitale und KI-gestützte Gestaltungs­prozesse aufgewertet. Archaisch-natürliche Elemente und visionäre Technologien werden verbunden und schaffen einzigartige Designs – oftmals mit nachhaltigem Ansatz. Die Sehnsucht nach ursprünglicher Natur einerseits, die Neugier auf die Zukunft andererseits inspirieren zu Visionen rund um Stille und Energie, Ruhe und Veränderung, Erdung und Magie. Das Dekorationsthema besinnt sich auf das Wesentliche und setzt gleichzeitig extravagante Akzente für stimmungsvolle Festtage. Genauso beflügelt und erdet die Stilrichtung als Wohnthema. Archaisch-natürliche Elemente treffen auf technische Innovationen und futuristische Designs. Die lebendige Farbpalette reicht von frischen Aquatönen und Violett über warme Braun- und Grautöne bis zu Gelb und Orange. Neutrales Weiß setzt klare Kontraste. Der Natur entlehnte Formen und Materialien wie Holz, Stahl und Stein bekommen neue Aufmerksamkeit: Raue, unebene, gealterte oder rostige Oberflächen inspirieren zu neuen Musterungen. Farbverläufe, Airbrush-Effekte, glasig-transparente oder verschwommene Farben sowie Oberflächen mit Spiegelungen, einem irisierenden Finish oder FataMorgana-Effekten verleihen dem Look eine futuristische Note. LED-Technik und raffinierte Leuchten erzeugen visuelle Effekte. Diffuser, Kerzen und Duftöle eröffnen eine neue sensorische Welt und verleihen dem Raum eine besondere Aura. 1 | 2·2024 florieren! 57
BEDÜRFNIS NACH RUHE UND BEHAGLICHKEIT In naturnahen Designs spiegelt sich das wachsende Bewusstsein für geistiges und körperliches Wohlbefinden wider. Neben Ruhe und Geborgenheit prägt Nach­ haltigkeit die Stilrichtung „Quality of silence“: Möglichst alles wird verwendet. Vertraute Materialien und All­tagsgegenstände werden aus ihrem ursprünglichen Kontext gelöst und erstrahlen durch inno­ vatives Design in neuem Glanz oder erhalten eine neue Bedeu­ tung. Also erscheinen die langlebi­ gen, zeitlosen Produkte vertraut und ungewöhnlich zugleich. Im Fokus steht die Wertschätzung für vorhandene Rohstoffe und eine nachhaltige Zukunft. Nachhaltige, naturnahe Designs spiegeln das Bewusstsein für geisti­ ges und körper­liches Wohlbefinden wider. Einfache, nachhaltige Materialien lassen uns Wärme, Stille und Be­ haglichkeit als den eigentlichen Luxus erleben. Das Wohnthema wirkt puristisch und wohltuend, dem geschmückten Raum verleiht der ganzheitliche Designansatz eine positive, entspannte Wohl­ fühlatmosphäre. Der natürliche Charakter der Stil­ richtung findet sich im Farbsche­ ma wieder: Helle, freundliche Pastelltöne wie Salbei und schat­ tiertes Blau strahlen Leichtigkeit und Optimismus aus. Sanfte Nuancen in Apricot, Terracotta und Strohgelb erinnern an warme Sommertage. Ecru, Sand- und Holztöne wirken ausbalancierend und schaffen ein behagliches, harmonisches Raumerlebnis. Or­ ganische Formen und biologische Werkstoffe wie Holz und Stein, Ton, Bast und Keramik holen die Natur ins Heim. 58 1 | 2·2024 florieren!
Fokus Trends 2024 SELBSTBEWUSST UND MIT PERSÖNLICHER NOTE „Spirit of craft“ verbindet Handwerk, Vintage-Appeal und klare Ästhetik mit einer persönlichen Note. Der freigeistige Stil ist geprägt von markanten Formen, mutigen Kombinationen und ausgeprägter Farbraffinesse. Der expressive Trend bewegt sich zwischen Wiederentdeckung und Neuerfindung: Materialien werden möglichst recycelt und zu kunstvollen Unikaten aufgewertet. Vielfältige Handwerkskunst und fast vergessene Materialien und Techniken lassen Objekte mit ganz eigener Formensprache entstehen. Produkte und Wohnideen mit flexiblem Charakter gewinnen an Wert, da sie sich unseren wandelnden Lebensumständen immer wieder anpassen. Materialien werden möglichst recycelt und zu kunstvollen Unikaten aufgewertet. Keramik ist ein Schlüsselmaterial, das ungeahnte Gestaltungsmöglichkeiten zeigt. Besonders bei Geschirr und Glas unterstreichen handbemalte Motive und von Hand bearbeitete Strukturen den Einzelstück-Charakter. Auch Tex­ tilien und Teppiche erinnern an Kunstobjekte: Aufwendige Handwerkstechniken, selbstbewusste Musterungen und großflächige Applikationen lassen die Produkte wie großformatige Grafiken, Collagen oder Reliefs erscheinen. Die Farbkombinationen wirken kunstvoll und malerisch, die Mustermixe intuitiv und doch in sich stimmig. Honiggelber Bernstein, kupferbrauner Brandy und intensives Chili bringen eine wohltuende Wärme. Ein helles und ein dunkles Grau sorgen zusammen mit Sepia für Balance. Lapislazuli, Glasgrün und Türkis runden die charismatische Farbreihe ab und bringen gute Laune mit sich. 1 | 2·2024 florieren! 59
Fokus Trends 2024 SCHAUF EN S T E R D E KOR AT I O N U N D WA R E N P R Ä S E N TAT I O N Natürlichkeit mit Wow-Faktor Mit der Sonderschau „Decoration Unlimited“ will die Christmasworld Facheinkäufer zu mehr Wow-Erlebnis bei der Warenpräsentation und im Schaufenster anregen. 2024 steht die Inszenierung unter dem Motto „Mystic Vibes“. Grün spielt die Hauptrolle, denn in Zeiten ungewisser Konsumlaune bestimmen Qualität und der Rückbezug auf die Natur die Trends. Informationen: Messe Frankfurt/Christmasworld Abbildung: 2dezign „Mystic Vibes“ wird auf der Christmasworld 2024 im Foyer 5.1/6.1 inszeniert. Inspiriert von Pflanzen, Wurzeln, Edelsteinen und angelegten In- und Outdoor-Gärten wird die gesamte grüne Farbpalette von Hell- bis Smaragdgrün über Dunkel- und Mintgrün aufgegriffen – weihnachtlich, aber weder tropisch noch traditio­nell. W enn man den Zeitgeist be­ trachtet, ist Grün einfach eine logische Wahl für die nächste Decoration Unli­ mited Show“, sagt Rudi Tuinman von 2dezign. „Es ist kein politisches State­ ment oder eine umweltpolitische An­ spielung, nur ein Spiegel der Rückbe­ sinnung zur Natur. Wir alle lieben es, die Natur in Form von Blumen und Pflanzen in den Wohnbereich zu bringen. Grün symbolisiert Harmonie, Frische und Fruchtbarkeit und ist vor allem die Far­ be der Sicherheit.“ 60 1 | 2·2024 florieren! Also verwandeln Rudi Tuinman und Pascal Koe­ le­man traditionelles Weihnachten in der Sonder­ schau „Mystic Vibes“ in eine grüne, luxuriöse Oase, die Modernität ausstrahlt. Das niederländische De­ signer-Duo verbindet seit über 20 Jahren Kompe­ tenzen aus Floristik, Produktdesign und Fashion, um extravagante Präsentationen zu gestalten. „Wir möchten Ihnen die Schönheit von Grün zei­ gen, in Farbe, Dekoration, aber vor allem in seiner ganzen Pracht von frischen Grünpflanzen und na­ türlichen Dekorationen“, so Pascal Koeleman. Da­ mit kann in der Schaufenster- und Ladengestal­ tung eine wohltuende Atmosphäre geschaffen werden, die zum Entdecken und Kaufen anregt. 
PANTONE, TR EN DAGEN T UR, THU R S D Trendfarben 2024 Pantone erklärt einen samtigen Pfirsichton zur Farbe des Jahres 2024, Gabriela Kaiser hat sich für einen warmen Cremeton entschieden und Thursd will Florist(inn)en mit Himmelblau und Weiß zu grenzenloser Kreativität anregen. Informationen und Fotos (v.l.): Gabriela Kaiser, Pantone, Thursd.com SOOTHING SILK PEACH FUZZ SKY BLUE & BRIGHT WHITE G P D Der QR-Code führt zu einem Video mit CremeInspirationen aus Paris, Mailand, Kopenhagen, London und New York. Nähere Infos finden Sie auf der Website von Pantone Deutschland. Scannen Sie den QR-Code! Der QR-Code führt zu näheren Infos und zur dazugehörigen Farbpalette auf unserer Website. abriela Kaiser, Trendagentur, Landberg am Lech, hat den Cremeton „Soothing Silk“ zur Trendfarbe 2024 erklärt. „Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich als Farbe des Jahres 2024 eine stimmungsaufhellende Dopaminfarbe wie Sonnengelb oder Orange nehmen soll, mich aber entschlossen, dass es mit ‚Soothing Silk‘ ein Cremeton werden soll, der friedvoll hell ist und eine wohltuende, entspannende Ruhe ausstrahlt, die wir aktuell alle gut gebrauchen können“, so die Trend-Expertin. Sie hat 2023 sehr viele Cremetöne auf allen Messen gesehen, gerne Ton in Ton. Den Ausschlag gab ihre New-YorkReise im Dezember 2023. Dort ist das komplette Outfit aktuell auch von vielen jungen Leute in Creme gehalten. „Die Farbe geht in Richtung Pantone 111001 White Alyssum, aber an sich soll es einfach ein warmer freundlicher Cremeton sein“, sagt Gabriela Kaiser.  antone 13-1023 Peach Fuzz ist die Pantone Color of the Year 2024. Der samtige, weiche Pfirsichton tue unserem Geist, unserem Körper und unserer Seele gut. In einer Zeit, in der unser Leben von Unruhe und Aufruhr geprägt ist, werde unser Bedürfnis nach Fürsorge, Empathie und Mitgefühl immer stärker – ebenso wie unsere Vorstellungen einer friedvolleren Zukunft. In der einfühlsamen Pfirsich-Nuance komme unser Verlangen nach Zusammengehörigkeit mit anderen und den Gefühlen, die dadurch entstehen, zum Ausdruck. Pantone Peach Fuzz 13-1023 „zaubert eine Atmosphäre der Ruhe und bietet einen Raum, der Balsam für die Seele ist, in dem wir uns spüren, regenerieren und wieder aufleben können, ganz gleich, ob wir Zeit mit anderen verbringen oder einen Moment allein genießen“, erklärt Leatrice Eiseman, Executive Director, Pantone Color Institute. ie Online-Plattform Thursd.com hat zwei Farben zur „Floralen Trendfarbe 2024“ ernannt, die sich gegenseitig ergänzen: Sky Blue (#4BAEFF) und Bright White (#FFFFFF). Zusammen stehen Himmelblau und strahlendes Weiß für Kreativität, Offenheit und Neuanfang. Sie zeigen uns, dass die Möglichkeiten des Lebens so groß sind wie der Himmel über uns – der Himmel kennt keine Grenzen. Die florale Trendfarbe wird mit einer Palette passender Farben aus der Natur ergänzt: Zarte Blautöne rufen Gelassenheit und Ruhe hervor, warmes Orange und sanftes Goldgelb der Morgen- oder Abenddämmerung wecken Leidenschaften aus dem tiefsten Inneren. Mitternachtsblau, das die Erde dunkelbraun erscheinen lässt, vermittelt ein Gefühl von Geheimnis und Staunen und erinnert uns daran, dass in den Unwägbarkeiten des Lebens eine verborgene Schönheit steckt.  1 | 2·2024 florieren! 61
Fokus Trends 2024 ANT WOR TEN AUF UN TE R SCHIE D L I C H E B E D Ü R F N I S S E Vielfalt bleibt wichtig Es gibt schon lange nicht mehr den einen wichtigen, alles bestimmenden Trend. Entspannende Ruhe, urbane Natürlichkeit, wärmende Geborgenheit, verträumte Kuschelwelt, farbenfroher Optimismus – die Trends zeigen sich 2024 wieder in einer vielfältigen Bandbreite. Eine Vielfalt im Design bleibt wichtig, da wir ganz unterschiedliche Ansprüche, Bedürfnisse und Herzenswünsche in uns tragen – beim Wohnen, aber auch beim Design ganz allgemein. Text und Fotos: Gabriela Kaiser, Trendagentur, Landsberg am Lech Helle Hölzer, cremefarbene Keramik und gerundete, weiche Formen erzeugen eine wohltuend stille Atmosphäre. BRING BACK THE CALM – entspannende Ruhe Wir suchen nach Beruhigung und Erleichterung in unserem stressigen und mit Dingen überfrachteten Leben. Ratgeber zum Thema Entrümpeln und Aufräumen sollen wieder Ordnung in die Außenwelt, aber auch ins Innere bringen. Ein achtsames Einrichten mit wenigen, bewusst ausgesuchten Möbeln und Accessoires gewinnt 62 1 | 2·2024 florieren! an Bedeutung. Eine entspannende Ruhe wird hier über Ton-in-Ton-Kombinationen von Creme- und Beigetönen erreicht. Verschiedene Oberflächen-Strukturen mit matten bis zu glänzenden Optiken sowie teils asymmetrische Formen sorgen für Spannung bei diesen farblich zurückhaltenden Kreationen.
Je weiter wir uns im Alltag von der Natur entfernen, desto mehr sehnen wir uns nach einer Verbindung zu ihr. Über vor allem grüne Pflanzen, Naturmaterialien wie Holz und Kork sowie viel grüne Farbe suchen wir den Kontakt zu unseren ureigenen Wurzeln. Das kommt in unserem Zuhause durch vertikales Gardening an den Wänden, Mini-Glasgewächshäuser in den Regalen und gesunde Microgreens zum Essen auf der Fensterbank zum Ausdruck. Wir fusionieren schwarze Lackregale, weiße Sitzmöbel, cooles, gerne farbiges Glas und elegantes Chrom mit wucherndem Grün, natürlichen Mustern und organischen Formen zu einem modernen Lifestyle. GABRIELA KAISER, Landsberg am Lech, versteht sich als Impulsgeberin und Ideenentwicklerin mit Blick über den Tellerrand hinaus. Ihr Ziel: bodenständige, kommerzielle Konzepte. Im Mittelpunkt stehen dabei die Wünsche und Bedürfnisse der Kunden. Sie hält Vorträge, veröffentlicht Beiträge zum Thema Trends, Design und Lifestyle in Fachzeitschriften und zweimal jährlich ein Trendbook. X www.trendagentur.de 1 | 2·2024 florieren! 63 Foto: Kaiser GET CLOSER TO NATURE – urbane Natürlichkeit Um der Natur näher zu sein, verbinden wir den kühlen, aber auch bequemen städtischen Lifestyle mit einer domestizierten Natur.
Fokus Trends 2024 ADD WARMTH TO YOUR LIFE – wärmende Geborgenheit In unserer technisch kühlen und urban grauen Welt sehnen sich immer mehr Menschen – nicht nur im Winter – nach Wärme und Geborgenheit. Die Farben sind deshalb „warm“ wie Ocker, Terracotta, Braun, Orange und Rot. Unregelmäßige Handmade-Glasuren, gerostete Oberflächen sowie unperfekte Formen und Optiken unterstreichen das bodenständige Wohlfühlen. Die heimischen Blumen und Pflanzen scheinen im eigenen Garten gepflückt worden zu sein. Wohnen in so einer Umgebung ist wie eine wohlige Umarmung, die Gemütlichkeit und Behaglichkeit schenkt.  Materialien wie rustikales Holz, grobe Korbwaren, handwerkliche Ton- sowie Keramikvasen und -übertöpfe bringen eine wohlig warme Ausstrahlung in die Räume. BOOST YOUR ENERGY – farbenfroher Optimismus Colorblocking, bunte fröhliche Muster und witzige Sprüche zieren glänzende Keramik und buntes Glas. 64 1 | 2·2024 florieren! Das Bedürfnis nach Energie, Lebendigkeit und Optimismus bringt kräftige Farben in die Räume. Grasiges Grün, sonniges Gelb, Lebensfreude bringendes Orange, energetisches Rot und Barbie-Pink – die sogenannten DopaminFarben, weil sie dieses Glückshormon beim Betrachten in uns auslösen. Über Hellblau zieht zudem der strahlende Himmel auch in Innenräume ein. Die Inspirationen kommen dabei zum einen aus dem Garten mit seiner üppig blühenden Blütenpracht, aber auch die experimentierfreudige Kunst und Jugendkultur zeigt hier ihre Spuren. Mit bunten Farben und Mustern sowie Formen, die schlicht bis experimentell ausgefallen sind, wird das Zuhause zur optimistischen Wohlfühl-Oase. 
CREATE YOUR DREAMY SPACE – verträumte Kuschelwelt In unserer technisch dominierten Welt ist die Sehnsucht nach Romantik und Poesie groß. Immer mehr Menschen wünschen sich eine romantisch gefühl­ volle Umgebung, in der sie sich emotio­ nal fallen lassen und ein bisschen träu­ men können. Softe pastellige Töne, wei­ che Materialien, Oberflächen und For­ men sind hier deswegen wichtig. Fili­ grane Pflanzen und üppige Blüten ver­ binden sich mit zartem Porzellan, Wie­ ner Geflecht und Kristallglas zu einem verträumten Look. Dazu gesellen sich nun verstärkt kräftige Farben wie Pink oder Koralle, die als Kontrast der Optik einen „erwachsenen“ und selbstbe­ wussten Touch verleihen.  Ob weiß oder farbig, die Muster sind lieblich bis hin zu verspielt und entwickeln sich ins Nostalgische. Gerade stark im Kommen sind Papierblumen. Sie haben Feierabend - Ihr Verkauf läuft weiter! 24/7 BLÜHENDE FRISCHE Mario Di Biccari Manfred Bleile Tom Vahldiek Leiter Blumohmat Vertrieb und Service Vertrieb und Service Vertrieb und Service Mobil +49 (0) 173 3730349 E-Mail mario@deinblumohmat.de Mobil +49 (0) 174 2408302 E-Mail manfred.bleile@deinblumohmat.de Mobil +49 (0) 160 90172098 E-Mail tom@deinblumohmat.de MEHR UMSATZ GENERIEREN Nähere Informationen unter 07142/78780123 - Mail: info@deinblumohmat.de - www.deinblumohmat.de 1 | 2·2024 florieren! 65
Fotos: Formland/Tony Brøchner TRENDS IN D ER P R AX IS Langlebig und durchdacht In den neuen Kollektionen werden Trends sichtbar – mitunter erst auf den zweiten Blick. Wichtig für den Fachhandel bleibt, sich mit Herstellungsprozessen und Materialien zu befassen und mit Hintergrundwissen rund um das Sortiment kompetent be­raten zu können. Messekontakte und der enge Austausch mit Lieferanten bringen zum neuen Jahr Impulse und Inspiration. Heidy Hetper, Aalen 66 1 | 2·2024 florieren! Inspiration aus Skandinavien: „Die Schönheit liegt im Unperfekten“, sagen Trendscouts der dänischen Messe Formland. Weiterhin relevant bleibt sichtbare Handwerkskunst, vor allem bei Keramik und Glas, und Formen, die eine gewisse Rohheit ausstrahlen. Bei einem breiten Spektrum an Trends bilden die Bereiche „gedeckter Tisch“, Outdoor­ accessoires und Produkte mit Fokus auf physischer und mentaler Gesundheit den Kern der Trendareale. Auf rund 300 m² Sonderfläche in Halle D geht es unter dem Motto „New Era – A life balance“ um die Vereinbarung von Chaos und Ruhe als Schlüssel zur Balance. Das tägliche Pro­ gramm umfasst Vorträge und Diskussi­ onsrunden, unter anderem zu „hospitality & sustainability“ (Gastlichkeit & Nachhal­ tigkeit) und „retail & fun“ (Handel & Spaß). Die Messe gibt vom 4. bis 6. Febru­ ar 2024 wieder zahlreiche Impulse auf Sonderflächen und in verschiedenen Fo­ ren. Für Workshops, etwa mit dem Eck­ mann Studio Copenhagen“ zum Thema „The Mind, Body & Soul Retreat“, ist eine Anmeldung nötig. www.formland.com
Fokus Trends 2024 Foto: Lübech Living Fotos: Recozy Fotos: Bergs Potter Sichtbare Handarbeit: Bergs Potter aus Dänemark bringt im Januar „Celeste“ als Messeneuheit mit nach Frankfurt. Die handgedrehte Serie aus Terracotta in „Raw Rosa“ oder „Nordic Grey“ ist in drei Größen erhältlich und lässt sich mit dem wasserfesten Unterteller schnell vom Übertopf zum Beistelltisch umfunktionieren. www.bergspotter.dk Skandinavisch und clean: Für die Oohh Collection verarbeitet das dänische Label Lübech Living rund 30 % recyceltes Keramikmaterial. Zudem wird mit Solarstrom und einer durchdachten Wasserwiederaufbereitung produziert. Die handgearbeitete Vase Ania wird zum Jahresbeginn in drei neuen Farben auf den Messen präsentiert. Außerdem stellt das Unternehmen Neuheiten für den Außenbereich vor. www.lubechliving.com Ressourcenschonend: Das Start-up Recozy hat sich den Themen Nachhaltigkeit, Technologie und Design gleicher­ maßen verschrieben. Die Kleinmöbel, Wohnaccessoires und Vasen bestehen überwiegend aus recycelten Materialien, die europaweit gesammelt und aufbereitet werden. Am Standort im norddeutschen Ganderkesee wird im 3-D-DruckVerfahren auf Bestellung gefertigt. Für 2024 kündigt das Unternehmen fünf neue Trendfarben an, darunter Pistachio Green und Pepple Taupe. Sie werden unter anderem auf der Formland in Herning/DK vorgestellt. www.recozy.de 1 | 2·2024 florieren! 67
Fotos: Wilhelm Hess Fokus Trends 2024 150 JA HR E – JUB IL ÄUM I N WA LLD Ü R N Ideen, die dekorieren D ie Wallfahrten nach Walldürn haben ihre Wurzeln im „Blutwunder“ im Jahr 1330. Nach und nach wurde die Gemeinde im Neckar-Odenwald-Kreis zum größten eucharistischen Wallfahrtsort Deutschlands. In diesem Umfeld legte Johann Josef Hess 1874, also vor 150 Jahren, lange bevor es den Begriff des Bedarfshandels gab, mit Kopfkränzchen, Anstecksträußchen, Papierblumen und Wallfahrtsbedarf den Grundstein für das heutige Großhandelsunternehmen. In zweiter Generation entstand 1907 unter Wilhelm Hess ein neues Firmengebäude in der Blumenstraße, das bereits damals eigenen Strom herstellte. Das Produktportfolio wuchs um Kränze aus Wachsblumen und präparierte Blätter und Farne aus eigener Produktion. Zwischen 1937 und 1963 wurden erste Plastikblumen, Grabvasen und Gebinde aus Naturmaterialien produziert, 1966 begann man mit der Herstellung von Spritzgussformen. Um 1970 begann der Import von Naturmaterialien aus Südafrika, Indien und Australien. Das Geschäft mit Exoten machte aus dem Produktionsbetrieb Wilhelm Hess einen Großhandel, der schnell aus allen Nähten platzte 68 1 | 2·2024 florieren! und 1982 eine neue Lager- und Versandhalle bezog. 2022 stellte das Unternehmen eine weitere Lagerhalle mit Hochregalsystemen und Platz für 3.000 Paletten fertig. Rund um das Programm entstehen laufend neue „Ideen, die dekorieren“ und auch Strukturelles wird mit Blick auf die Branche und die Herausforderungen der aktuellen Zeit ständig weiterent­ wickelt. 2023 ging schließlich der neue Onlineshop an den Start. Vier Trendthemen für Frühling und Sommer 2024 Über die Kompetenz in Sachen Gedenktage und Exoten hinaus wird das Produktportfolio für die grüne Branche ständig weiterentwickelt. „Meaningful Earth“ ist eines von vier Trendthemen für das Jahr 2024: Alles dreht sich um einen natürlichen Look und umweltfreundliche oder recycelte Materialien wie Stein, Kokos, Holz, Jute, gepresstes recyceltes Leder und unregelmäßiges Glas. Das Thema kombiniert Braun mit Blüten in Hellgelb und Lachstönen oder Trockenmaterialien wie das neue Lagurus in Apricot.  Für das Jubiläumsjahr 2024 plant Christian Zimmermann, seit 2006 im Unternehmen und heutiger Geschäftsführer, gemeinsam mit seinem 23-köpfigen Team eine Jubiläumsfeier und regelmäßige (Rabatt-)Aktionen, über die Kunden via Newsletter und auf Social Media informiert werden. www.hess-floristik.com Materialmix bleibt aktuell: Beim Haus mit Schale (links oben) werden Metall und Holz kombiniert. Die Neuheit ist in drei Größen lieferbar, die Schale ist mit einer Pflanzfolie ausgekleidet. Eine Blütenpresse und prachtvolle, künstliche Blumen (rechts oben) erinnern an alte Zeiten. Lagurus gibt es neu in den Farben Salbeigrün und Apricot.
F O K US TR EN D S Unser Fazit Text: Edith Strupf K Foto: Landgard Foto: Kaiser riege, Inflation, Klimawandel – die Zeiten bleiben unsicher, daran hat sich leider nichts geändert. Auf unsichere Zeiten reagieren wir, indem wir uns auf die Familie, auf Vertrautes und Traditionen besinnen. Das wird nicht zuletzt an der Beliebtheit von Vintageund Second-Hand-Produkten deutlich. Bei aller Rückbesinnung wissen wir aber auch, dass der Klimawandel genauso wie Digitalisierung und KI große Veränderungen mit sich bringen. Foto: Tollwasblumenmachen.de Diese Gemengelage führt zu drei wesentlichen Richtungen: Das Bedürfnis nach Harmonie und Entschleunigung kommt in ruhigen Farben zum Ausdruck, warme Erdtöne stehen für den Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit, und farbenfrohe Designs mit üppigen Mustern entsprechen dem Bedürfnis, sich Optimismus und Lebensfreude zu erhalten. Insgesamt „bleibt Vielfalt im Design wichtig, da wir ganz unterschiedliche Ansprüche, Bedürfnisse und Herzenswünsche in uns tragen “, so Gabriela Kaiser. Aufgrund ihrer Beobachtungen auf Reisen und Messen wählte Gabriela Kaiser einen Cremeton zur Farbe des Jahres. Landgard inszeniert „Biophilic Boost“ auf der IPM Essen für alle Sinne. Farbenfrohe Trends wie „Viva Magenta“ sorgen für Lebensfreude im Alltag. Blumen und Pflanzen passen zu diesen Bedürfnissen. Dabei wird das Thema Nachhaltigkeit weiter an Bedeutung gewinnen. Problematisch bleibt, dass viele Kund(inn)en sparen müssen oder ihr Geld anders ausgeben. Das können wir nicht ändern. Aber es ist gut zu wissen, dass Blumen und Pflanzen zum Zeitgeist passen und dass Blumengeschäfte für kleine Auszeiten und persönliche Kontakte im Alltag sorgen können. x | x·2023 florieren! 69
Porträt 1 BLUMEN AM KOT TB USSER DA M M I N B E R LI N Hier blüht der Kiez Seit 26 Jahren führt Nicole Heide ihr Blumengeschäft in Berlin-Kreuzberg. Ihr Erfolgsgeheimnis beruht auf guter Nachbarschaft, Akzeptanz, Einfühlungsvermögen und Professionalität. Text und Fotos: Sabine Meißner, Berlin N icole Heide ist Vieles in einer Person: Künstlerin, Handwerkerin, Psychologin, Therapeutin, Gesprächspartnerin und nicht zuletzt Geschäftsfrau. Für viele Blumen liebende Menschen im Kiez ist sie die perfekte Blumenfrau im kleinen Laden am Kottbusser Damm mitten im multikulturellen Berliner Ortsteil Kreuzberg. In ihrem Blumengeschäft gibt es Blühendes für die Vase zu jedem Anlass und für jeden Geschmack. Vom zierlichen Blumengruß bis zum pompösen Bouquet – „Frau Heide“ erfüllt Wünsche, aber nie, ohne dabei auch ihre Philosophie zum Ausdruck zu bringen. Bei ihr heißt das: Natürlichkeit. „Tulpen gibt es nicht im Herbst und Sonnenblumen nicht im Frühjahr“, erklärt sie. Wie die Blumen gewachsen sind und was man am besten mit ihnen machen kann, das seien ihre Überlegungen, wenn sie 70 1 | 2·2024 florieren! einen Strauß bindet. Bunte Blumen aus dem Bauerngarten, fröhlich schaukelnde Gräser, bizarre Zweige mit farbigen Früchten inszeniert sie eins, zwei, drei zu Gebilden, die Gefallen finden. Schon das Zusehen bereitet Freude und macht Lust auf Blühendes daheim. Wenige Parkplätze, viele Fußgänger Draußen vor dem Geschäft eilen Passanten hin und her und der Verkehr auf der Straße ist alles andere als ruhig. Parkplätze sind rar, was sowohl eine gute als auch eine schlechte Seite hat. Schlecht, weil Vorbeifahrende kaum spontan halten können, und gut, weil der Fußweg stark frequentiert ist und viele von der kleinen blühenden Insel auf Bänken und in Kisten inspiriert werden. Die meisten, die die zwei Stufen zum Geschäft hinaufsteigen, haben klare Vorstellungen, weil sie nicht zum ersten Mal hier kaufen. Andere, denen die Treppe zu beschwerlich ist, werden von Nicole Heide vor dem Geschäft bedient. Sie hört allen
Kundinnen und Kunden aufmerksam zu, nimmt dann zielsicher Stiele aus ihren Vasen, um sie professionell zu dem Strauß zu inszenieren, der den Vorstellungen entspricht. Zögernde fragt sie, für welchen Anlass die Blumen gedacht sind, spürt die Stimmung und kreiert ein entsprechendes Arrangement, mal in schlichter Schönheit, ein anderes Mal kunstvoll wie eine Installation. Insbesondere den jungen Frauen gefallen die lockeren Gebinde mit natürlicher Ausstrahlung besonders. Während meines Besuchs im Spätsommer in Nicole Heides Geschäft gibt es keine fünf Minuten ohne Kunden. Ein Mann kommt herein und sagt: „Sie kennen doch meine Frau, machen Sie einen Strauß, der ihr gefällt.“ Eine Kundin verlangt einen Gutschein mit der Bemerkung, ihre Mutter solle An all dem hat Nicole Heide ihren Anteil. Ihre Kreationen versprühen Unbekümmertheit und Seelentrost. Eine nicht mehr junge Kundin erzählt, dass sie Geburtstag habe und sich „diesen wunderschönen Strauß“ an ihrem Tag gönne. Manche Hereinkommende haben konkrete Vorstellungen, teils von der Farbe der Blüten und der Länge der Stiele, teils auch vom Preis. Wieder andere sagen: „Machen Sie doch bitte einen schönen Strauß, so wie immer.“ Die gelernte Floristin führt das Geschäft seit 1997 in der sechsspurigen Hauptverkehrsstraße mit dichter Bebauung, einem begrünten Mittelstrei- 3 2 doch die Blumen nicht woanders kaufen. Etwas später ist ein Mann von den bunten Dahlien und einem Schild mit der Aufschrift „Restsommerstrauß“ angetan und sagt kurz und knapp: „Einmal Restsommer bitte.“ Die Atmosphäre an diesem Vormittag ist leicht und beschwingt, so als würden die Blumen tatsächlich sprechen und die hektisch eilenden Großstadtmenschen für einen Moment zur Ruhe bringen. fen und zwei getrennten Richtungsfahrbahnen – eine Straßenseite gehört zu Kreuzberg, die andere zu Neukölln. Ihr Blumenladen liegt auf der Kreuzberger Seite. Darunter fährt die U-Bahn der Linie U 8. Hier pulsiert das Leben. Der mit 20 m² Verkaufsfläche vergleichsweise kleine Laden schmiegt sich zwischen Wäscherei, Modegeschäft und Hausflur sowie danebenliegender Gaststätte in die Geschäftswelt ein. Die Nachbarn sind überwiegend türkische und arabische Läden und Gaststätten. Zwei Häuser weiter betreibt ein asiatischer Blumenhändler sein Geschäft mit einer Filiale in der nahe gelegenen U-Bahn-Station. „Wir machen jeder unsere Geschäfte und kommen miteinander aus“, meint Nicole Heide. Er, der Asiate, habe eine andere Kundschaft als sie selbst. Den Blumenverkauf in Supermärkten betrachtet sie ebenfalls nicht 1 Schnittblumen der Saison und Blühendes in Töpfen aus der Region entsprechen der Geschäftsphilosophie der Floristin Nicole Heide. 2 Bunte Blumen aus dem Bauerngarten, fröhlich schaukelnde Gräser und bizarre Zweige mit farbigen Früchten inszeniert die Floristin zu ansprechenden Sträußen. 3 Das Blumengeschäft von Nicole Heide reiht sich in die multikulturelle Geschäftswelt am verkehrsreichen Kottbusser Damm in BerlinKreuzberg ein. 1 | 2·2024 florieren! 71
Porträt als Konkurrenz, ganz im Gegenteil. „Meine Stammkunden, die einmal dort gekauft haben, kommen meistens zurück“, meint sie. Ihre Geschäftsphilosophie ist durch Natürlichkeit geprägt. Blumen der Saison bestimmen das Bild im Laden, genau so, wie ihre Stammkunden es lieben. Daneben bietet sie auch Blühendes in Töpfen an, vor allem natürlich in der Region Gedeihendes. Kunden haben weniger Geld Auf die Frage, wie ihre wirtschaftliche Situation sei, erklärt die Geschäftsfrau: „Die Menschen im Kiez haben nicht mehr so viel Geld zur Verfügung wie vor 4 4 Bevor Nicole Heide ihren Laden an sechs Tagen in der Woche früh um 8 Uhr öffnet, hat sie meistens den Berliner Großmarkt besucht, denn ihre Blumen „sollen immer frisch sein“. Das hat bei ihr oberste Priorität. 5 Wenn sich der Sommer dem Ende neigt, dann spricht ein „Restsommerstrauß“ die Menschen im Kiez besonders an. Im Berliner Sprachgebrauch heißt das dann: „Einmal Restsommer bitte.“ 72 1 | 2·2024 florieren! ein paar Jahren. Das, was der Seele gut tut, also für viele auch die Blumen, muss des Öfteren hintenanstehen. Es leben hier Menschen mit gutem bis sehr gutem Einkommen, aber auch Sozialhilfeempfänger. Laut Berliner Statistik sind etwa ein Drittel der Bewohner dieser Straße Menschen mit Migrationshintergrund, sie haben ihre eigenen Vorstellungen von einem schönen Blumenstrauß. Meine Absicht ist, allen gerecht zu werden.“ Die Blumen bestimmen seit 40 Jahren das Leben von Nicole Heide, seit sie die Ausbildung zur Floristin in Berlin erfolgreich absolviert hat. Heute ist die Floristin aus Leidenschaft Anfang 60 und denkt noch nicht wirklich ans Aufhören, obwohl ihr nicht nur das Tragen der mit Blumentöpfen gefüllten Kisten schwerer fällt. „Eine schwierige Phase war die Zeit der Coronapandemie“, er- zählt sie und ist froh, dass der Vermieter ihr mit der Höhe der Miete entgegengekommen ist. „Machen wir uns nichts vor“, sagt sie. „Wir hatten drei gute Jahre, in denen die Menschen nach Blumen gelechzt haben.“ Sie hätten draußen Schlange gestanden, weil sie den Blumenladen nicht geschlossen, sondern die Verkäufe wegen der Infektionsgefahr auf der Straße vor der Ladentür abgewickelt habe. Das Geschäft Blumen-Heide ist Fleurop-Partner. Dieser Teil des Umsatzes habe in der Coronazeit einen höheren Anteil ausgemacht als zuvor, berichtet sie. „Jetzt sind es wieder 25 bis etwa 33 % des gesamten Umsatzes.“ Die Ladenfläche einschließlich Toilette und Rückzugsraum beträgt 42 m². Es ist ein blühendes Kleinod, das die Spuren von harter Arbeit offenbart. Neben der Bedienung der Laufkundschaft 5 nimmt die Floristin hier auch die Bestellungen an und stellt sie zusammen. Viele Lebensstationen hat Nicole Heide mit ihren Blumen schon begleitet, freudige wie traurige. Zusammenhalt in der Familie Bis vor wenigen Wochen stand ihr ein Mitarbeiter zur Seite. Weil er in eine andere Stadt zog, endete die Zusammenarbeit. Zeitweise hilft ihr eine Ausfahrerin bei der Überbringung bestellter Ware, beispielsweise an Arztpraxen, Kanzleien, Restaurants oder Privathaushalte. Für Praktikanten, die meistens vom Verein Lebenshilfe vermittelt werden, habe sie immer ein offenes Ohr. Ihre wichtigste Unterstützung erfahre sie jedoch von der eigenen Familie, ihrem Ehemann und den drei erwachsenen Kindern und manchmal den Enkelkindern, die „zur Stelle sind, wenn ihre Hilfe benötigt wird“. Außerhalb der Geschäftszeiten ist Nicole Heide für ihre Vier-Generationen-Familie da, zu der auch ihre Eltern gehören: „Wir halten alle zusammen.“ 
Blumendekorationen zum Weltfrauentag geschmückt, darunter die Statuen der Schauspielerin Greta Garbo (1905– 1990) und der Schriftstellerin Astrid Lindgren (1907–2002). Nicole Heide legte aus diesem Anlass der steinernen „Trümmerfrau“ im Berliner Volkspark Hasenheide einen Blumenkranz um. Die „Trümmerfrau“ ist eine Figur aus Kirchheimer Muschelkalk. Sie bildet eine von der Arbeit ruhende, sitzende Frau ab und erinnert an alle ungenannten weiblichen Aufbauhelferinnen, die nach dem 2. Weltkrieg unermüdlich die Berliner Straßen und Plätze von Trümmern befreiten. Nicole Heide wählte die Blumen für den Kranz für die Berliner Trümmerfrau mit Bedacht aus. Auch nach tagelangem Regen stellten sie noch eine blühende Wür­digung der legendären Trümmerfrauen dar. Foto: Martin Meißner Nicole Heide engagiert sich bei der Fleurop-Aktion zum Weltfrauentag am 8. März, mit der weiblichen Statuen im öffentlichen Raum Sichtbarkeit durch Blumenschmuck verschafft werden soll. Im vergangenen Jahr sorgte außer in Berlin auch Blumenschmuck in Hamburg, München, Leipzig und weiteren Städten für eine erhöhte Wahrnehmung weiblicher Skulpturen oder Denkmäler. Ihren Ursprung hat die Idee in Schweden. Dort werden seit mehreren Jahren von der Fleurop-Landesabteilung zum Weltfrauentag die Denkmäler schwedischer Persönlichkeiten SABINE MEISSNER ist diplomierte Betriebswirtin und als Freie Fachjournalistin hauptsächlich für die grüne Branche sowie die Redaktionen Naturstein und Friedhofskultur tätig. Die Gespräche mit engagierten Fachfrauen und -männern in diesen Bereichen bereiten ihr nicht nur viel Freude, sondern bringen auch stets neue Erkenntnisse. Sie lebt und arbeitet in Berlin und zeitweise in Finnland. X meissner_sabine@yahoo.de 1 | 2·2024 florieren! 73
Porträt BLUMEN ZE ID L E R IN SCHK E UD ITZ Fest in der Region verankert „Vollblut-Floristin“: Das ist eine Bezeichnung, die ganz wunderbar auf Claire Zeidler zutrifft. Sie stellt sich jeder Herausforderung und hat viele Schwierigkeiten gemeistert. Ihr Laden ist ein Kleinod in der Nähe Leipzigs. Mit ihrer herzlichen Art und dem vielschichtigen Können hat sich Claire Zeidler als Floristin fest etabliert. Mit dem Gewinn des MDR Garten-Floristikwettbewerbs 2023 kam weiterer Schwung in das Geschäft. Text und Fotos: Jens Haentzschel, Erfurt 1 1 Beim Wettbewerb „MDR Garten-Florist 2023“ haben viele Freunde die Daumen gedrückt, für Claire Zeidler gevotet und dafür gesorgt, dass erstmals eine Floristin aus Sachsen den beliebten Wettstreit gewinnt. Zuletzt war sie im November mit Weihnachtsfloristik zu Gast im Fernsehen. 173.000 Zuschauer haben die Sendung linear gesehen. Was selbst Claire Zeidler bei aller Medienpräsenz überrascht hat. „Ich bekam Anrufe von Menschen, die ich seit vielen Jahren nicht mehr gesehen und gehört hatte. Allein dafür hat sich der Aufwand gelohnt.“ 2 Claire Zeidler liefert mehr- fach in der Woche ihre Bestellungen mit einem Transporter aus, von dem ihr Porträt herablächelt. 74 1 | 2·2024 florieren!
E ntlegen“ ist vielleicht das Wort, das am besten passt, um zu beschreiben, wo sich Claire Zeidler mit ihrem Blumengeschäft niedergelassen hat. Wobei das Wort vor Jahren etwas passender war, als Glesien im Nordwesten von Leipzig noch eine Reise bedeutete. Seit Jahren gehört die kleine Gemeinde zu Schkeuditz, und dieser Name ist Begriff: Das Schkeuditzer Kreuz ist berüchtigt für Autofahrer, seit Jahren wird hier ausund weitergebaut. Das Kreuz hat regionales Gewicht, es ist das älteste in Europa, entstanden 1936. Gleich um die Ecke liegt der Flughafen Leipzig/ Halle und befinden sich das Porsche Experience Center, DHL, Amazon, ein Güterverkehrszentrum. Kurzum: Der Industriestandort lebt von Bewegung und Paketen und macht auf sich aufmerksam, wenn man Claire Zeidler im Außenbereich ihres Ladens beim Kaffee gegenübersitzt. Dann hört man im Minutentakt dröhnende Flugzeuge oder je nach Wind die Geräusche der Autobahn. Dieser Trubel war für viele Geschäfte eine Rettung. Für Claire Zeidler ist diese rasante Entwicklung weniger ein Thema. Sie hat von dem Wachstum profitiert, aber der für sie wichtige Parameter ist nicht Wachstum, sondern Beständigkeit. Sie setzt in ihrem Blumenladen auf Individualität, Spaß und Freundlichkeit. Und auf Schnittblumen, die sichtbar sind, sobald man den Laden betritt. Über Jahre hat sich Claire Zeidler einen Namen gemacht, Blumen Zeidler hat einen festen Kundenstamm, der sich gern im Laden umschaut. Die Inhaberin ist mit dem Ort fest verwurzelt: „Ich sage immer, im Alter gehe ich von hier weg, aber das wird eher nur ein Umzug auf die andere Straßenseite.“ Sie gehört zur Sorte „Frohnatur“ und „Vollblut-Floristin“, ist durch wenig bis nichts aus der Ruhe zu bringen und versteht ihr Handwerk. Floristik 2 3 4 5 3 Das Team um Claire Zeidler herum ist ein „Weiberhaufen“. Mutter Karin und Oma Marlit gehen beide zur Hand und helfen aus, drei Angestellte arbeiten Vollzeit, erstmals wird wieder eine Azubi ausgebildet. 4 Die sehr präsente Menge an Blumen im Geschäft hinterlässt Eindruck. Schnittblumen machen rund 70 bis 80 % aus, der Rest verteilt sich auf Zimmerpflanzen. 5 Blumen und Pflanzen spie- len die Hauptrolle, Gefäße und Accessoires gibt es nur in einer kleinen Auswahl, denn der Platz ist begrenzt. 1 | 2·2024 florieren! 75
Porträt 6 – 9 Einige Kunden bestellen vor, die Mehrheit sucht vor Ort aus, lässt sich beraten und nutzt die Pause zum kleinen Schwatz, denn die Kunden sind treu, kommen seit Jahren gern vorbei. Sie können sich darauf verlassen, dass bei Blumen Zeidler die heilige Dreifaltigkeit der Dienstleistung funktioniert: Freundlichkeit, Individualität und Kompetenz. „Wir binden sehr viel, setzen auf frische Ware, machen alle Gestecke selbst, sind pünktlich bei den Auslieferungen und haben noch offene Ohren, denn im direkten Kontakt geht es auch ums Leben, den Herausforderungen im Alltag“, erklärt Claire Zeidler. „Bei uns steht kein Kunde vor einer elektronischen Menükarte wie bei McDonalds und weiß nicht, wie er seine Bestellung aufgeben soll.“ 76 1 | 2·2024 florieren! ist eine familiäre Herzensangelegenheit und die Kundschaft spürt es. Claire Zeidler ist ins Geschäft reingewachsen. Mit 15 Jahren ist sie mit dabei, als ihr Vater den Laden eröffnet, hilft mit, interessiert sich fürs Binden und Gestalten, macht aber erst mal ihr Abi, um sich dann zu fragen: Was nun? „Ich hätte studieren können, habe mich aber entschieden, eine Ausbildung zur Floristin zu machen und einen Ausbildungsplatz in der Nähe gefunden. Mit 20 Jahren war ich als bester Lehrling fertig.“ Sie geht zurück ins elterliche Geschäft, merkt, dass ihr der Job wirklich liegt. Mit einer Begabtenförderung der IHK in der Tasche kommt die Frage auf, ob Claire Zeidler nicht gleich den Meisterbrief dranhängt. „Ich dachte, ich bin viel zu jung dafür. Für einen Meister brauchst du Lebenserfahrung, Berufs- praxis. Das macht man mit 40 Jahren. Doch dann führte mich der Weg zum Dresdner Institut für Floristik und mit 24 Jahren war ich die beste Meisterin und startklar für den Beruf.“ In den Fußstapfen des Vaters Viel hat Claire Zeidler ihrem Vater Arndt zu verdanken, der mit 52 Jahren überraschend stirbt und in dessen Fußstapfen sie tritt. „Mein Vater war Maschinenschlosser, hat nach der Wende für den Blumengroßhandel ausgeliefert und sich eher als Autodidakt mit der Floristik beschäftigt“, erzählt sie. „Und plötzlich hatten wir Mitte der 1990er Jahre einen kleinen Blumenladen, den erst meine Großmutter geführt hat. Als es immer mehr Aufträge gibt, haben mein Vater und meine Mutter übernommen.“ Die Zeit ist Expansion pur. Ein Laden in Radefeld und ein zweites direkt im Flughafen kommen dazu. Viele Ideen von ihrem Vater bewahrt seine 45-jährige Tochter Claire bis heute. Es gibt mit dem 6 7 8 9
Frische und Flexibilität Der knapp 80 m² große Blumenladen lebt bis heute von einer gesunden Mischung aus Aufträgen. 50 % des Umsatzes kommt von Laufkundschaft, der Rest verteilt sich auf Firmenkunden, Hochzeiten und Trauerfloristik. Ihre Laufkundschaft nennt Claire Zeidler eher „Fahrkundschaft“, denn von Dorf zu Dorf geht es eben nicht zu Fuß, sondern per Auto. Spontankunden kommen weiterhin regelmäßig und machen einen großen Anteil der Kunden aus. Die Philosophie von Claire Zeidler besteht aus zwei Worten: Frische und Flexibilität. Jeden Abend wird der Laden neu aufgefüllt. „Wir sind quasi für unsere Kunden ein steter Punkt. Wir sind flexibel, weil vor Ort. Wenn spät jemand anruft, weil er noch einen Strauß braucht oder eine Lieferung, dann ist mein Anspruch, dass es klappt. Das basiert auf Nähe und die Jahre des Kennens. Wir funktionieren als fest gewachsenes Team.“ Gleichzeitig hat sich Claire Zeidler medial schon vor Jahren zeitgemäß aufgestellt. Bei Google findet man sie schnell, die Webseite ist informativ und sie bespielt Facebook, Instagram und YouTube. Der Platz beschränkt das Sortiment Die meisten Waren kommen aus dem Blumengroßmarkt um die Ecke, Pflanzen für Frühling und Sommer stammen oft von Gärtnern vor Ort, Eriken für den Winter kommen aus der sächsischen Region. „Ich kaufe kommissionierte Ware, aber viel lieber direkt“, sagt Claire Zeidler. „Ich würde gern Schnittblumen regional kaufen, aber das ist derzeit nicht möglich“. Was sie online bestellt, steht nachts in ihrem Laden. Lange Transportwege vermeidet sie und schaut zweimal hin, woher Schnittblumen kommen, bevor sie ordert. „Wer weniger Platz hat, muss anders denken“, sagt Claire Zeidler mit einem Lächeln. Für eine Vielfalt an Accessoires, Töpfen oder andere Kleinigkeiten fehlt der Raum. In direkter Nähe hat 2023 Pflanzen Richter sein neues Pflanzencenter eröffnet, es ist eines der größten in Deutschland mit einer Fläche von etwa 4 Hektar. Preislich und von der Auswahl und Menge kann Claire Zeidler nicht mithalten. Als Konkurrenten sieht sie keinen der Mitstreiter in der Region. „Es hat sich viel seit der Wende gewandelt. Das 15 km entfernte Delitzsch hatte mal 30 Blumenläden. Jetzt gibt es noch den Bedarf, den man wahrscheinlich wirklich braucht. Mit einem Kollegen spreche ich sogar Urlaube ab. Wir geben auch Hochzeitsaufträge weiter, wenn man mal nicht da ist.“ Dass Leipzig eine boomende Metropole geworden ist, macht sich in Glesien nicht vordergründig bemerkbar. Was Claire Zeidler aber merkt, ist, dass das Umland wächst. Darin sieht sie eine Chance für die kommenden Jahre, denn vor allem junge Familien meiden die teuren Innenstädte, sodass sich zwischen Leipzig und Halle an der Saale allerhand bewegt. Einzig das Thema „Planung“ ist etwas, worauf sie sich nur schwer einlässt. „Ich habe nach dem Tod meines Vaters gelernt, dass ich mein Feld überblicken muss. Er hatte Pläne, die er nicht umsetzen konnte und die dann plötzlich für mein junges Leben eine Rolle spielten. Deshalb ist mir Beständigkeit am Ende wichtiger als große Sprünge.“  JENS HAENTZSCHEL ist seit Anfang 2002 als fester Autor und Regisseur an der Fernsehsendung „MDR Garten“ für den Mitteldeutschen Rundfunk beteiligt. Dabei entstehen verschiedene Beiträge über Gärten, Gartenbesitzer oder Pflanzenzüchter. X info@greengrassmedia.de Foto: Haentzschel frühen Tod des Vaters verständlicherweise einen Umbruch. Die Filialen werden wieder geschlossen, aber inhaltlich setzt die Tochter fort, was der Vater entwickelt hat. Sie baut die Kontakte zu Firmen aus, die regelmäßig beliefert werden, kümmert sich um ihr Team, das perfekt harmoniert und seit Jahren für Beständigkeit sorgt. „Mitarbeiterpflege ist kein Wort der Neuzeit. Wir leben diesen Begriff seit Jahrzehnten und kennen einander gut.“
Betriebswirtschaft + Marketing HERR RAT & FRAU TAT I M P U LS E F Ü R M E H R P R OF I T U N D P R OF I L flora ot F Foto: beyond- o: Me t te Vast e rling Was ist unsere Dienstleistung wert? Rechenexempel Friseur Ein Herren-Haarschnitt für 37 €, rund 20 Minuten für Shampoonieren, Schneiden und Föhnen. Da rechne ich beim nächsten Mal aus, wie viel mein Friseur für die fünf Minuten veranschlagt, in denen er angenehm druckvoll shampooniert ... Friseure schaffen es, einen angemessenen Stundensatz durchzusetzen. Der Verdienst durch Materialeinsatz ist gering, okay. Aber unabhängig davon: Die Dienstleistung ist es wert. 78 1 | 2·2024 florieren! Keine Lieferkosten, weil eh da? Leider ist vor allem bei unseren älteren Stammkunden im Kopf verankert, dass der Seniorchef „eh da“ ist: „Der Klaus liefert ja dann.“ Aber: Selbst wenn ein Sargschmuck aufgrund der Größe nicht vom Kunden abgeholt werden kann, sodass jemand von uns liefern muss, ist das eine Zusatzdienstleistung: Jemand muss los, das Auto „verbraucht“. Auch wenn es sich beim Auftragswert nicht um einen 08/15-Strauß-Preis handelt und wenn das Lieferauto und der Klaus im Idealfall „eh da“ sind: Zumindest der Selbstkostenpreis muss drin sein.
Billig ist nicht drin Floristen sind Gestalter, Handwerker, Künstler, Verkäufer … Aber eierlegende Wollmilchsäue gibt es immer weniger, und schlussendlich zwingt spätestens der Fachkräftemangel dazu, angemessene Löhne zu zahlen. Und die Kosten an die Kunden weiterzugeben. Der Kostendruck durch Lohnerhöhungen und die lange Kette der Preissteigerungen durch die gestiegenen Energiekosten machen Preiserhöhungen nötig, damit der Unternehmer Fachkräfte überhaupt halten kann und am Ende des Tages noch ein positives Ergebnis für sich selbst hat. Als Fachgeschäft können wir sowieso nicht günstig. Hand hoch für Transparenz Vasenfüllungen für eine Tischdekoration für 300 € – ein schöner Auftrag. „Ach ja, ich bräuchte sie geliefert.“ Mmh, Hand aufs Herz: Wer schlägt jetzt die Lieferkosten auf? Ich kann den Aufwand „verwischen“ und vom Blumenwert abziehen, sprich, der Kunde bekommt nicht die Blumen im bestellten Wert. Ein Blick durch die Kundenbrille zum Caterer zeigt ein anderes Bild: Die Platten mit Fingerfood für 300 € werden zur Abholung bereitgestellt. Oder der Caterer kümmert sich ums Anliefern und berechnet Liefergebühren von X €. Ich mag es, dass ich die Entscheidung treffen kann, ob ich mich selber kümmere und spare oder aber Geld für die Zusatzdienstleistung ausgebe. Mein Büfett ist in jedem Fall die 300 € wert. Ich bin für Transparenz. Warum diese Hemmungen unter Floristen, Lohnkosten korrekt in Werkstücke einfließen zu lassen? Ähnlich der Diskussion vor langer Zeit, ob das Grün im Strauß extra kostet, steht die Branche vor der Herausforderung, die tatsächlich benötigte Arbeitszeit zu berechnen. Aber wie? Transparent für den Kunden? „Verwischt“ im Werkstückpreis? Oder schlucken und als Unternehmer zurückstecken, weil die Kunden sowieso sensibel auf Erhöhungen reagieren? „Bloß nicht!“, sagen Jessica Grund-Grube und Rupert Fey. Sie zeigen Argumente auf, blicken auf andere Branchen, wägen ab und entscheiden. Text: Jessica Grund-Grube, Braunschweig, und Rupert Fey, Bargfeld-Stegen Auf die Minute genau? Wo fließen die Kosten für die Zeit ein, die in aufwendige oder beratungsintensive Werkstücke investiert wird? Für eine Brautdekoration braucht man mehrere Stunden, allein die Beratung und das Ordern der Ware dauern locker eine Stunde. Ein spontaner Straußkauf von fünf Rosen dauert wenige Minuten. Wie wäre es mit einem Beratungshonorar für Hochzeiten? Ich finde, der „schnelle Kunde“ darf nicht für die „aufwendigen Kunden“ mit einem hohen Aufschlag bestraft werden. Deshalb muss bei dienstleistungsintensiven Werkstücken auch ein Aufschlag für die Zeit einfließen. Minutengenau? Ein Versuch ist es wert. � � � Alle haben ein Anrecht auf schöne Blumen! Bitte bezahlbar! Florist(in­n)en verstehen sich als Nahversorger. Blumen sind vergänglich, Floristik hat keinen Wert für die Ewigkeit. Florist(inn)en sind bodenständig verwurzelt. Warum haben wir Bauchweh? � � � Floristik bedeutet nicht nur Blume, sondern Gestaltung. Floristik berührt. Für den Moment ist Floristik einzigartig. Floristik verbindet Handwerk und Kunst. 1 | 2·2024 florieren! 79
Betriebswirtschaft + Marketing Frau Tat: Meine Entscheidung S HERR RAT & FRAU TAT Rupert Fey, Bargfeld-Stegen, ist Berater in der grünen Branche rund um die Bereiche Markt, Strategie und Kommunikation. X rfey@beyond-flora.com Jessica Grund-Grube kennt das Floristenleben von klein auf: Mutter mit einem EinFrau-Blumenladen, Kindheit in der Bindestube. Nach einer Ausbildung zur Industriekauffrau folgte doch die Ausbildung zur Floristin. Monate in Italien bei Ampezzan Fiori in Cortina d‘Ampezzo schlossen sich an, dann die Straubinger Meisterschule (Auszeichnung mit dem Bayerischen Staatspreis). Ein Jahrzehnt war der Blick auf die Branche aus der Perspektive der Redakteurin bei „gestalten & verkaufen“ gerichtet, parallel dazu arbeitete Jessica Grund-Grube stets im Blumengeschäft der Mutter. Seit 2019 ist sie selbstständig, hat direkt räumlich vergrößert und arbeitet mittlerweile mit einem Team von fünf Köpfen. 2022 wurde weiter um den „Werkraum“ mit Workshops für Laien vergrößert. Ehrenämter in der IHK (langjährig im Prüfungsausschuss sowie aktuell in der Vollversammlung) und die Mitgliedschaft in Floristengruppen ermöglichen neue Blickwinkel auf das Unternehmen. X j.grund@blumen-grund.de 80 1 | 2·2024 florieren! pätestens seit Beginn des Kriegs in der Ukraine befinde ich mich im ständigen Zwiespalt, wie ich die gestiegenen Kosten und die zunehmende Kaufzurückhaltung im Tagesgeschäft auffangen kann, um mein Team angemessen zu bezahlen und auch bei mir zu halten! Höhere Preise auf Blumen durchzusetzen, war eine kleine Stellschrau­ be. Nicht ausreichend. Wir arbeiten sehr dienstleistungsorientiert und damit zeit­ intensiv. Mein Weg: Die Arbeitszeit muss mehr in die Kalkulation einfließen. Also ein Honorar für die Hochzeitsbera­ tung, Lieferkosten für die (sowieso schon hochpreisigen) Bestattungsblumen auf der Rechnung ausweisen? Vergraulen wir da­ mit nicht noch mehr Kunden, die bereits über die Preise stöhnen? Oder können die Lohnkosten durch einen höheren Kalkula­ tionsaufschlag einfach verwischt werden? Und bei großen Werkstücken, Beispiel Sarg­ schmuck, einfach zehn Rosen weniger neh­ men, damit die Lieferung kostendeckend mit abgegolten wird? Ich hatte wirklich schlaflose Nächte … Meine Meinung: Nein, der Kunde sollte transparent wissen, was wir alles für ihn leisten und was er wofür bezahlt. Vor allem bei dienstleistungsintensiven Bereichen wie Hochzeiten schlage ich einen ange­ messenen Wert für den Zeitaufwand auf. Das beginnt beim Honorar für die Bera­ tung. Auch Kosten für die Lieferung und gegebenenfalls für Dekorationen vor Ort zeige ich transparent auf. Häufig entscheidet sich ein Brautpaar dafür, die Tischdekoration abzuholen und selber aufzustellen. Ich habe damit kein Problem. In dieser Zeit können ich oder meine Mitarbeiterinnen einen weiteren floristischen Auftrag erfüllen und ich muss nicht zur Auslieferung noch eine Stunde im Auto verbringen. Das ist meine unterneh­ merische Entscheidung und mein Team trägt sie voll mit. Für Kunden, die den kom­ pletten Service möchten, kommt die Zeit voll zur Berechnung, ab dem Moment des Verpackens. Es gelingt auch uns nicht, bei 100 % und vielleicht auch nicht bei 80 % der Aufträge und Dekorationen im Geschäft die Arbeits­ kosten konsequent durchzusetzen. Aber wir alle im Team arbeiten daran, weil wir überzeugt davon sind, dass wir nur dann gestalterisch erfüllt arbeiten können, wenn wir am Ende auch die nötige und im besten Fall die angemessene Vergütung erhalten. Meine Floristinnen und auch ich selbst. Herr Rat: Meine Empfehlung D ie Krux der mangelnden Erträge hat aus meiner Erfahrung drei immer wie­ derkehrende Gründe: � Unwissenheit um die Kalkulation: Viele wissen schlichtweg nicht, wo und womit sie Geld verdienen. Die Auseinanderset­ zung mit diesem Thema ist zu oft nur oberflächlich und unbeliebt. Wer seine Zahlen kennt, dem fällt es leichter, un­ wirtschaftliche Bereiche abzustoßen. � Mangelndes Selbstvertrauen: Die Angst vor Kritik und Zurückweisung einzelner Kunden wiegt schwerer als der fehlende und dringend nötige Ertrag. Das behin­ dert dann wiederum eine angemessene Entlohnung des Teams und der Unter­ nehmer/-innen. Wer seine Kalkulation kennt, kann seine Preise weit besser ver­ teidigen, zumindest vor sich selbst. Zu selten werden zusätzliche Service­ angebote kostendeckend berechnet. Oft wird das mühsam verdiente Geld auf der Straße oder mit Sonderaktionen und Zusätzen wieder verloren. In der Summe ist es die häufige Selbst­ ausbeutung, die die Unternehmen am Le­ ben hält. Das führt oft zur Perspektivlosig­ keit und verhindert den Generationswech­ sel. Natürlich erschweren auch Kolleg(in­n)en, die „nicht rechnen können“, den Er­ folg. Aber darauf zu warten, bis alle gut kal­ kulieren, funktioniert seit vielen Jahrzehn­ ten nicht. Jeder ist selbst verantwortlich, mit eigener Profilierung und Ausrichtung für ansprechende Erträge zu sorgen. Viele mögen das nicht hören, aber Ehr­ lichkeit sich selbst gegenüber ist die einzi­ ge Methode zur Veränderung.  �
Betriebswirtschaft + Marketing BLUMEN-AT EL IER HA SE LÜN N E Erst Follower, dann Kunden Mit dem Wachstum des Instagramkanals wuchs auch das Blumen-Atelier in Haselünne – vom 68 m² kleinen Blumengeschäft zum Blumenladen mit Onlineshop auf 700 m² Fläche und Kunden im gesamten Bundesgebiet. Meike Lübbers investiert dafür viel Zeit in die Social-Media-Präsenz, die sich nun aber auf den Erfolg des Ladengeschäfts auszahlt. Text: Grit Landwehr Fotos: Sven Hüsemann (2–4), Blumen-Atelier (Rest) 1 2 W as vor 31 Jahren als kleiner Blumenladen begann, hat sich mittlerweile zu einem Blumenladen mit angeschlossenem Onlineshop für Wohndeko entwickelt – getrieben durch das Wachstum und die Präsenz auf Instagram (@blumen.atelier). 24.700 Follower zählt der Kanal des Blumen-Ateliers mittlerweile, der hauptsächlich von Meike Lübbers, Tochter der Inhaberin, betreut wird. Meike ist quasi im Blumenladen ihrer Mutter Waltraud aufgewachsen. Schon als Dreijährige verkaufte sie ihren ersten Blumenstrauß, nach der Schule schlug sie dennoch erst mal einen anderen Weg ein. Sie studierte Eventmanagement und arbeitete auch eine Zeit in der Eventbranche, Social Media gehörte bei allen Projekten immer dazu. Aus der Erfahrung, wie wichtig die Präsenz in den sozialen Netzwerken ist und was man damit erreichen kann, empfahl sie ihrer Mutter, mit dem Blumenladen auf Instagram zu starten. „Gerade tägliche Stories, bei denen ihr einfach in die Kamera quatscht, wie der Schnabel gewachsen ist, das wollen die Leute sehen“, lautete der Rat der Tochter. Zunächst wurde der Kanal vor allem von einer Mitarbeiterin und der Auszubildenden betreut – bis Waltraud Fischer mal allein im Laden war. „Schon damals sollte es jeden Tag eine Story geben“, erzählt Meike Lübbers. „Also musste Mama selbst ran und hat dann einfach in die Kamera gequatscht. Sie hatte gar keine Zeit, sich viele Gedanken zu machen oder alles mehrfach aufzunehmen. Als dann die Leute kamen und genau das gekauft haben, was sie gezeigt hatte, war das der Aha-Moment für sie“, erinnert sich die Unternehmerin. In den Stories und Posts des BlumenAteliers werden jedoch keineswegs nur 1 Die Social-Media-Präsenz hat den Kundenkreis des Blumen-Ateliers deutlich vergrößert. Die Kunden nehmen für den Einkauf im Laden teilweise lange Wege auf sich. 2 Meike Lübbers ist studierte Eventmanagerin. Mit der Geburt ihres ersten Kindes ist sie in den Blumenladen ihrer Mutter Waltraud Fischer eingestiegen. Mit dem Onlineshop wohnfuehlshop.com hat sie sich selbstständig gemacht. 3 Waltraud Fischer hat das Blumenatelier Haselünne vor 31 Jahren gegründet. 3
4 4 Mit der Vergrößerung der Ladenfläche wuchs auch das Team des Blumen-Ateliers. 5 „Im neuen Blumenladen können wir uns nun endlich richtig präsentieren“, erklärt Meike Lübbers. Zum Wachstum und zur Professionalisierung des Social-MediaAuftritts hat der alte Laden irgendwann nicht mehr gepasst. 6 Kunden wollen inspiriert werden und kaufen am liebsten fertige Dekorationsideen, so die Erfahrung des Teams. Dekotipps sind deshalb ein wichtiges Thema auf Insta­gram. 7 Im Neubau ist auch eine fertig eingerichtete Wohnung entstanden, die das Team nutzt, um Content zu produzieren, die aber auch an Fotografen vermietet wird. Produkte in die Kamera gehalten – es kommt immer etwas Persönliches, ein Tipp oder eine Inspiration dazu. „Wir versuchen die Kunden durch unseren Tag mitzunehmen, sodass sie, über unsere Story, immer ein bisschen hier im Laden sind“, erklärt Meike Lübbers. Als dann das Blumen-Atelier Coronabedingt schließen musste, machte sich der Instagramkanal richtig bezahlt. In dieser Zeit generierte das Unternehmen 100 % seiner Umsätze über die Präsenz auf der Social-Media-Plattform. Weil Meike gerade in Elternzeit war, wuchs sie wieder stärker in den Laden rein, ging mit ihrer Mutter auf Einkaufstour und übernahm die Aktivitäten auf Instagram. Die Reichweite wuchs und neben den regionalen Auslieferungen wurde auch schon mal das ein oder andere Päckchen in entferntere Regionen per Post verschickt. „Aber je mehr das wurden, desto schwieriger war das Handling. Da lag es nah, einen Onlineshop aufzusetzen“, erzählt Meike Lübbers. Umzug in einen Neubau Im November vergangenen Jahres ging er an den Start. Im gleichen Jahr zogen Blumenladen und Onlineshop in ein neues Gebäude – im Erdgeschoss befindet sich nun das Blumen-Atelier, oben der Onlineshop mit Lager. „Wir haben statt 68 m² nun insgesamt 700 m² Fläche. Das war ein großer Schritt, aber wir konnten uns im alten Laden einfach nicht mehr gut präsentieren. Jetzt passt alles zusammen, unser Online- und Social-Media-Auftritt und unsere Präsentation im Laden“, erklärt Meike Lübbers. Mit der Gründung des Onlineshops wagte sie den Schritt in die Selbstständigkeit und hing ihren Job im Eventmanagement endgültig an den Nagel. 82 1 | 2·2024 florieren! 5 Das Sortiment des Shops entspricht dem des Blumenladens. Lediglich die Floristik lässt sich im Shop nur zu einem geringen Teil abbilden – Pflanzen und Trockenfloristik können verschickt werden, auch frische Kränze funktionieren. „Bei Schnittblumen sind wir aber noch sehr vorsichtig, wir haben schon viel probiert und Testpakete losgeschickt, bisher kamen die Blumen aber nie so an, wie wir uns das vorstellen. Solange das nicht qualitativ hochwertig funktioniert, lasse ich lieber die Finger davon“, erklärt Meike Lübbers. Die Erfahrung zeigt, dass die Kunden gern gleich eine komplette Deko-Idee kaufen, nicht nur Einzelteile. „Das versuchen wir auch im Shop abzubilden, was aber nur bis zu einem gewissen Grad funktioniert. Da ist Instagram unsere beste Unterstützung. Hier kann ich zeigen, wie es im Ganzen aussieht und die Links zum Shop dazusetzen. Die Deko-Ideen werden dann oft auch so gekauft“, erzählt die Unternehmerin. Social Media kostet Zeit Mit dem räumlichen Wachstum ist auch das Team gewachsen und mittlerweile wird Meike Lübbers bei den Social-Media-Aktivitäten von einer Kollegin unterstützt. „Das ist ein Fulltime-Job, wenn man es erfolgreich machen will. Es wird ja häufig gesagt, Instagram ist umsonst. Das stimmt nur bedingt – die App ist umsonst, alles andere aber nicht, wenn man der Community etwas bieten möchte, kostet das viel Zeit.“ Die Inhalte, insbesondere die Stories aus dem Blumenladenalltag, werden vom gesamten Team produziert. Bei einem gemeinsame Kaffee am Mor-
gen bespricht man sich, was im Laufe des Tages gepostet werden könnte, vieles entsteht aber auch spontan im Laufe des Tages. „Alle im Team haben Instagram im Hinterkopf. Wenn jemand ein Werkstück fertig macht, das sich für Instagram eignet, wird das gepostet“, erzählt Meike Lübbers. Für Reels und Posts gibt es einen groben Plan. Für die Produktion von Deko-Tipps und DIY-Ideen steht im ersten Stock des Neubaus eine komplett eingerichtete Wohnung zur Verfügung. Das Team nutzt für die professionelle Bearbeitung des Materials Canva (www.canva.com). „Mit diesem Tool kann man sehr gut Vorlagen erstellen, die man immer wieder nutzen kann. So bekommt der SocialMedia-Auftritt ein professionelles, einheitliches Bild“, erklärt Meike Lübbers. Online-Seminar Rechtssicher auf Social Media 6 Die eigene Persönlichkeit zeigen Neben dem professionellen Erscheinungsbild ist für Meike Fischer die Persönlichkeit des Auftritts wichtig. „Menschen kaufen bei Menschen. Deshalb lässt sich die Verbindung zwischen Ladenlokal und einer digitalen Community nur über die eigene Persönlichkeit herstellen“, ist die Unternehmerin überzeugt. Deshalb stehen auch alle Mitarbeiterinnen des Blumen-Ateliers immer wieder vor der Kamera. Mit der wachsenden Präsenz auf Instagram haben sich auch die Kunden des Blumenateliers und die Kundenwahrnehmung verändert. „Auch die regionale Reichweite ist größer geworden, einige Kunden fahren anderthalb bis zwei Stunden, nur um einmal hier gewesen zu sein. Das kommt fast täglich vor“, erzählt Meike Lübbers. Zudem werde den Kunden auf Instagram ein bestimmtes Bild vermittelt, sodass Preise oft nicht mehr infrage gestellt werden. „Die Kunden suchen bei uns etwas 7 Besonderes, Sale und Rabatte funktionieren gar nicht. Wenn wir irgendwo ein rotes Preisschild dranmachen, kaufen die Leute das nicht mehr, weil sie denken, dass das out ist“, ist die Erfahrung der Unternehmerin. Wertschätzung für das Handwerk steigern Zudem nutzt das Team die Präsenz auf Instagram, um transparent zu machen, wie Preise, insbesondere bei floristischen Werkstücken zustande kommen. „Wir versuchen immer wieder zu zeigen, wie viel Arbeit in einem fertigen Blumenstrauß steckt – vom Einkauf der Blumen über das Anschneiden bis zum Binden des Straußes“, so Meike Lübbers. „Wir verkaufen ein Handwerk und auf eine ganz besondere Art Liebe und das darf es auch wert sein. Wir haben glücklicherweise zu 99,99 % Kunden, die das wertschätzen“, fügt sie hinzu. Welche Tipps hat Meike Lübbers, was ist wichtig, um auf Instagram erfolgreich zu sein? „Man sollte den Account immer selbst betreuen, nur dann bekommt er die notwenige persönliche Handschrift“, erklärt sie. Besser ist es, sich professionell schulen zu lassen. Auch sie hat gemeinsam mit ihrer Kollegin einen Online-Workshop besucht. Letztlich sei Social Media aber eine Sache des Ausprobierens und das sollte man auch ohne Scheu tun, empfiehlt die Unternehmerin. „Man kann nichts falsch machen und im Zweifelsfall auch Inhalte wieder löschen. Unser Content war auch nicht von Anfang an so, wie er heute ist“, erklärt Meike Lübbers. Schnell ist ein Foto geknipst oder ein Videoclip gedreht, mit Musik unterlegt und auf Instagram oder Facebook hochgeladen. Allerdings können unüberlegte oder nicht geprüfte Beiträge auf der eigenen oder fremden Social-Media-Seite zu Problemen führen. Die rechtlichen Grundlagen und der Datenschutz in sozialen Medien sind ein rege diskutiertes Thema, weil es hierzu noch keine hinreichende Rechtssprechung gibt. Ein explizites „SocialMedia-Recht“ existiert noch nicht. Dennoch gibt es rechtliche Grundlagen, nach denen sich SocialMedia-Nutzer richten sollten. Die Kolleginnen unseres Fachmagazins Rebe & Wein haben mit der Anwältin Agatha Wierzbanowski ein Online-Seminar zu diesem Thema gemacht – das sich zwar an Winzerinnen und Winzer richtet, aber genauso auch für Floristen gilt. Im Online-Seminar geht es um: Das aktuelle Thema: Musik „Abmahnwelle“?, X Nutzungsbedingungen, X Urheberrechte (zum Beispiel Bildrechte), X Marketing auf Social Media (zum Beispiel Schleichwerbung) X Die Aufzeichnung kostet 49 € und lässt sich über die Ulmer-Akademie beziehen. 1 | 2·2024 florieren! 83
floristikschule 2024 Gestaltung in Theorie und Praxis Die Autoren florist-fachbuch.de von Uta Lorenz, Claudia Tadema und Dieter Holzschuh umfasst 14 Kapitel mit vielen Unter­ kapiteln. Die Fachleute sind oder waren Lehrer/-innen an der Berufsschule oder Meisterschule und wollen mit dem Online-Buch zur Auseinan- dersetzung mit Gestaltung anregen. Denn wer die Grundlagen beherrscht, sieht die Zusammenhänge und kann Gestaltung begründen und umsetzen. „ Gestalten ist Kreativität und Entwicklung, Inspiration und Innovation, Freude und Genuss, Individualität und Spontanität.“ Claudia Tadema. 84 1 | 2·2024 florieren! Die Bilderflut auf den sozialen Medien führt immer mehr zu Beliebigkeit, und deshalb rücken wir in unserer neuen Floristikschule die Auseinandersetzung mit Gestaltung in den Mittelpunkt. Ausgehend vom Online-Lehrbuch floristfachbuch.de setzt das Floristik-Lorenz-Team Gestaltungsregeln zeitgemäß um. Klassische und zugleich ungewöhnliche Werkstücke laden zur Diskussion und dazu ein, offen für Neues zu sein. Text: Uta Lorenz, Claudia Tadema und Dieter Holzschuh Peter J. Kierzkowski, Köln (Autoren, Selbstporträt) D er Gestalter, der Designer, der Florist hat – wenn er sich als solcher versteht – eine gestalterische Verantwortung gegenüber … … sich selbst Grundsätzlich ist jeder Mensch Gestalter – Gestalter seines Lebens. Menschen, die „beruflich Gestaltung“ betreiben, sollten sich also darüber bewusst Fotos: Milena Gläser, Limburg (Floristinnen), sein, dass sie sich selbst in ihrer Arbeit ausdrücken, sich im fertigen Werk spiegeln. … der Natur Sowohl ökonomische als auch ökologische Gesichtspunkte fordern den verantwortungsbewussten Umgang mit der Natur. Auf eine Auflistung dieser Fakten möchten wir an dieser Stelle verzichten und lediglich darauf hinweisen, dass der gestaltende Florist auch als „Kommunikationsmittel“ zwischen Natur und „Hightech-Mensch“ fungieren kann. … der Kultur Die florale Kultur ist ein nach wie vor wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft. Auch Vergängliches stellt Werte dar und zählt nicht selten zu den höchsten Kulturgütern. … dem Kunden Erhält der Florist einen Auftrag, so hat er die ästhetische Aufgabe, Technik, Gestaltung und persönliche Anliegen in Einklang zu bringen. Die beim Kundengespräch geweckten Erwartungen müssen sich mit den tatsächlichen Leistungen decken, besser noch: sie übertreffen. Techniken und Gestaltung müssen qualitativ hochwertig sein, um eine Kundenbindung zu ermöglichen. … der Zukunft Denn Gutes hat Zukunft, ist von Bestand und wird es auch in hundert Jahren noch geben. Mehr denn
„ Gestalten sollte auf Allge­ mein- und Fachwissen auf­ bauen, um es eventuell be­ wusst ignorieren zu können. Spannung erzeugen, inter­ essant sein und irgendwie begeistern, in Frage stellen, ‚Dinge‘ neu entdecken und bewusst machen – dem Betrachter und vor allem dem Gestalter viel Freude bereiten!“ Dieter Holzschuh Uta Lorenz Annabell Rückert Die Floristinnen Nina Kleppel Eva Latsch je wird der Gestalter in Zukunft wieder Verantwor­ tung gegenüber seinem Schaffen übernehmen müssen. Nachhaltigkeit, Hochwertigkeit und Zeit­ losigkeit sind die Schlagwörter und Geiz ist nicht mehr geil! Genug der Applikationen und Trendko­ pien, Originale sind wieder erwünscht. Der An­ spruch auf Qualität und Authentizität wird wach­ sen und mit ihm die Wertschätzung gegenüber dem Handwerk. Problematisch ist der Aspekt der Wirklichkeits­ verzerrung, bei der Abbildungen in Form, Farbe und Textur sachverändert (surreal) dargestellt wer­ den (Instagram & Co). Dies geschieht durch Bild­ bearbeitung mit Filtern etc. Dadurch ist eine prak­ tische Verwirklichung für den Floristen oft nicht möglich. Das heißt, der Fachmann beziehungswei­ se die Fachfrau kommt in Erklärungszwang, wenn der Kunde nicht erkennen und einschätzen kann, dass sich seine Wünsche manchmal nicht eins zu eins umsetzen lassen. Darum ist es so wichtig, Gestaltung zu begreifen und zu verinnerlichen. Die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Gestaltungsthemen in der neuen Floristikschule soll Gelegenheit geben, dies zu tun. In unterschiedlichen Techniken gearbeitet, werden die verschiedenen Themen dargestellt. Auch wenn im Alltag oft zu wenig Zeit für eine intensive Auseinandersetzung ist, sollte man „hin und wieder Gelern­ tes reflektieren und auf den neuesten Stand bringen, denn der Beruf verändert sich“, so Uta Lorenz. Mit ihrem Team von „Floristik Lorenz“ in Lim­ burg macht sie die Erfahrung, dass die Auseinandersetzung mit Gestaltung Spaß macht und motiviert – besonders im Team, wenn man sich aus­ tauschen kann. „Alle lernen voneinander, es geht um Impulse, das Weiterdenken, um die Sache.“ Im Alltag profitiert man dann von der gewonnenen Sicherheit. „ Gestalten heißt, einen mehr oder weniger großen Teil seiner selbst wie Persönlichkeit, Stimmungen, Kenntnisse und Erfahrungen in Form eines Werks ‚Gestalt‘ annehmen zu lassen.“ Uta Lorenz Eva Heibel Der Fotograf Peter Johann Kierzkowski, Köln, lässt nicht locker, bis er die Werkstücke so lebendig und farbgetreu festgehalten hat, wie das zweidimensional überhaupt möglich ist. Als ge­ lernter Fotograf hat er immer noch ein paar Tricks auf Lager, wenn das Ergebnis noch nicht optimal ist. So wird Floristik, in die viel Zeit investiert wurde, auf wunderbare Weise und auf Dauer eingefangen. So soll es sein! 1 | 2·2024 florieren! 85
floristikschule 2024 ·1 GESTALTUNG in THEORIE und PRAXIS Ordnungsarten Wir beginnen die Floristikschule mit der grundsätzlichen Unterscheidung von Symmetrie und Asymmetrie. Während der Symmetrie eine spiegelbildliche Ordnung zugrunde liegt, wirkt die Asymmetrie frei und ungezwungen – sie ist für die moderne Floristik typisch. Text: Uta Lorenz, Claudia Tadema und Dieter Holzschuh Gestaltung: Floristik Lorenz, Limburg Fotos: Peter J. Kierzkowski, Köln Symmetrie – unser Beispiel Ordnungsart: Symmetrie im Umriss, Asymmetrie im Detail Gestaltungsart: dekorativ Anordnungsart: radial Ausgangspunkt: punktbezogen Proportion: im Detail überproportioniert Technik: gesteckt und geklebt Symmetrie = strenge Ordnung. Ebenmaß der Teile! Eine experimentelle Arbeit zu den Ordnungsarten, hier in radialer Anordnung, die auch die Harmonie der Vielfarbigkeit sehr gut zeigt. Viele kleine verschiedenartige Blüten in vielen Farben stehen im Kon­trast zueinander. Die Ordnungsart ist im Detail die Asymmetrie, in der Gesamt­ erscheinung Symmetrie. Zu den vielen gar grafisch wirkenden Linien bildet zum Beispiel der Knoblauch einen Bewegungskontrast. Die eine große Blüte steigert die vielen kleinen Blüten durch den Viel-Wenig-Kontrast. 86 1 | 2·2024 florieren! W ir unterscheiden grundsätzlich zwischen der Symmetrie und der Asymmetrie als Ordnungsarten. Die Symmetrie wird auch als strenge Ordnung, die Asymmetrie als freie Ordnung bezeichnet. Je nach gewählter Ordnungsart erhält das Werkstück oder die Werkstückgruppierung den entsprechenden Ausdruck. In der Floristik sprechen wir auch dann von Symmetrie, wenn diese bedingt durch die Natürlichkeit der Werkstoffe nicht zu 100 % gegeben ist. Es ist die optische, scheinbare, gefühlte Symmetrie. Wir unterscheiden speziell in der Floristik zwischen Umriss- und Detailgestaltung. So kann ein Werkstück im Umriss optisch symmetrisch sein, im Detail, dem inneren Aufbau sich jedoch asymmetrisch gegliedert darstellen. Auch können zum Beispiel in strenger Ordnung im Raum als „Stetige Reihung“ oder „Strenge Formation“ gruppierte Gefäße in der floristischen Ausgestaltung jedoch asymmetrisch sein. SYMMETRIE Symmetrie ist die strenge Ordnung. Sie wird ganzheitlich, also im Umriss und im Detail, fast nur in der dekorativen Gestaltungsart eingesetzt. Für die Symmetrie ist es typisch, dass das Hauptmotiv, der Ausgangspunkt und der Waagepunkt in der geometrischen Mitte liegen. Hier befindet sich auch die Symmetrieachse, die alles spiegelbildlich in zwei optisch gleiche Hälften teilt. Da wir in der Floristik mit Naturformen arbeiten, ist nicht das exakte tatsächliche Maß entscheidend, sondern das optische Erscheinungsbild. Farben, Formen und Texturen müssen sich jedoch in jedem Fall im optisch gleichen Mengen- und Grö-
Filigrane Vielfalt mit futuristischem Charakter. „Weltraum-Floristik“ nannten wir das Werkstück während der Entstehung. Ausgangspunkt ist ein Allium schubertii mit einem Durchmesser von 35 cm. In dieses wurden feine Silberdrähte gesteckt, die stilisierte Stiele zarter Sommerblüten darstellen. Es sieht nicht nur so aus, es hat Spaß gemacht!
floristikschule 2024 ·1 GESTALTUNG in THEORIE und PRAXIS Asymmetrie – unser Beispiel Gestaltungsart: dekorativ Ordnungsart: Asymmetrie Technik: gesteckt Anordnungsart: überschneidend Ausgangspunkt: individuell Proportion: ungleiche Proportionsverhältnisse, leichte Umkehrproportion Die Ordnungsart Asymmetrie ist fast schon typisch für eine zeitgerechte dekorative Arbeit. Asymmetrie = freie Ordnung. Ungleichheit in Größe, Menge und Verteilung! Ein dekorativer Raumschmuck, bei dem die Einzelformen für die Gesamtwirkung zurücktreten, aber dennoch ihre Wirkung behalten. Neben den Farben und Formen kommt hier auch die Textur/Oberfläche stark zur Wirkung, da hier große Textur-Kontraste vorhanden sind, zum Beispiel das Wechselspiel zwischen kleineren Freiräumen und starken Verdichtungen sowie die seitliche Verlagerung des Schwerpunktes steigern die Darstellung. Die Umkehrproportion, optisch 2/3 Gefäß und nur etwa 1/3 in die Höhe gearbeitet, gibt dem Werkstück einen zusätzlichen Reiz. Auch die Mengenverhältnisse zwischen reinen und getrübten Farben steigern die Arbeit zusätzlich. 88 1 | 2·2024 florieren! ßenverhältnis auf beiden Seiten wiederholen. Sind die Werkstoffe in alle Richtungen des Raumes gleichmäßig verteilt, ergeben sich mehrere Symmetrieachsen. Sind mehrere Werkstücke im Raum symmetrisch zueinander geordnet, so muss das Hauptmotiv in der geometrischen Grundfläche platziert werden. Dies wäre zum Beispiel durch eine symmetrische Dreiergruppierung möglich. Aber auch die stetige Reihe als Gruppierungsart ist zum Beispiel als Bühnenschmuck ohne Hauptmotiv eine Möglichkeit, und das gilt auch für die strenge Formation. Als Anordnungsart ist „radial“ ohne Überschneidungen typisch, die beiden anderen Anordnungsarten „parallel“ und „überschneidend“ sind möglich. Die strenge, gleichmäßige und klare Wirkung der Symmetrie findet ihre Anwendung, wo immer eine Überschaubarkeit zweckdienlich oder erwünscht ist. Auch bei feierlichen und würdevollen Anlässen hat sie ihre Berechtigung. ASYMMETRIE Asymmetrie ist die freie Ordnung. Sie ist in allen Gestaltungsarten der modernen Floristik möglich, ja in den meisten sogar typisch. In den vegetativen Gestaltungsarten gar die einzige Möglichkeit. In der dekorativen und der grafischen Gestaltungsart ist zwar die Umriss-Symmetrie möglich, aber im Detail wird der Florist meistens asymmetrisch gruppieren. Ungleichheit der Größenund Mengenverhältnisse sowie deren Verteilung sind ihre Merkmale. Sowohl in Bezug auf die Form als auch auf die Farbe. Das Hauptmotiv liegt grundsätzlich außerhalb der geometrischen Mitte. Ja, sie wird gemieden. Je nach Werkstück und Gestaltungsart kann hier im mittleren Bereich sogar ein großer oder der größte Freiraum asymmetrisch zur Wirkung kommen. Das heißt, dass er nicht exakt mittig auf der Symmetrieachse eine optische Teilung herbeiführen darf. Des Weiteren dürfen keine Elemente gleichwertig in Erscheinung treten und die Freiräume sind mehr oder weniger verschieden groß. Als Anordnungsarten sind „parallel“, „überschneidend“ und „radial“ mit Überschneidungen typisch. Die Wirkung der Asymmetrie ist frei, ungezwungen und durch ihre Unüberschaubarkeit wirkt sie interessant und spannungsreich. Durch ihre lebendige, natürliche Wirkung passt sie viel besser zu unserem Werkstoff als die Symmetrie. 
Trotz absolut asymmetrischer Erscheinung des gesamten Werkstücks fasziniert die „Cotinus-Wolke“ durch Ausgewogenheit und Gleichgewicht. „Wir fangen mal an und lassen den Cotinus-Ast entscheiden, wo er hin will“ – gesagt, getan! Die erste Entscheidung traf der Perückenstrauch durch seine gewachsene Bewegung. Die gestaltende Hand komplettierte und sorgte für optisches Gleichgewicht.
Foto: Wein FRANZ-JOSEF WEIN ist Leiter der Meisterschule der Akademie für Naturgestaltung in Zwettl in Niederösterreich. In Saarlouis führt er zusammen mit seiner Schwester und seinem Neffen das Blumenhaus Wein, das 1856 als Blumen- und Pflanzengärtnerei gegründet wurde und in den letzten Jahrzehnten um die Bereiche Interieur, Exterieur und Gartendesign erweitert wurde. Der Floristmeister leitet Seminare, übernimmt Dekorationen und Fotostyling, ist in der Produktentwicklung und als Autor tätig. Beim Verlag Eugen Ulmer ist von Franz-Josef Wein das Buch „Symbole“ erschienen. X Tel. 0049-6831-49425, www.naturgestaltung.com 90 1 | 2·2024 florieren! M EIST ER P RÜ F U N G I N Z W E T T L 2023 Wissen aneignen und anwenden „Meisterin oder Meister ist nicht nur ein Titel, sondern ein Qualitätsmerkmal“, erklärt Franz-Josef Wein. Der Leiter der Akademie für Naturgestaltung in Zwettl geht in diesem Bericht auf den Sinn der Meisterausbildung und auf die Veränderungen in der Prüfungsordnung ein, die seit 2022 gelten, und lenkt den Blick auf Werkstücke der Meisterprüfung 2023 – mit Ausnahme der Themenarbeiten, die in einem gesonderten Bericht vorgestellt werden. Text und Fotos: Franz-Josef Wein, Saarlouis
Aus- und Weiterbildung 1 V on Florist(inn)en, die in Zukunft in jeglicher Hinsicht bestehen wollen, wird immenses Wissen und Können verlangt. Die Klientel für hochwertige Floristik wird immer anspruchsvoller und die Informationen, die über die sozialen Medien vermittelt werden, vermehren sich in geradezu atemberaubender Geschwindigkeit. Dabei wird Bildmaterial konsumiert, häufig auch kritiklos anerkannt und damit werden neue Maßstäbe gesetzt, die unserer Branche meist nicht guttun. Dagegen angehen kann man nur mit einer inneren Haltung zu dem, was man tut. Gleichzeitig kann man in einem vernünftigen Maße stolz auf das sein, was man kann. Es gilt, das Augenmerk wieder verstärkt auf die wirklichen Gestaltungen zu lenken und nicht nur auf ihre Abbil- 2 der. Natürlich ist Ideenreichtum gewünscht, aber die Ideen müssen auch gestalterisch und handwerklich auf hohem Niveau realisiert werden. An diesem Punkt kommt die Meisterausbildung mit abschließender Meisterprüfung ins Spiel. Sinn der Meisterausbildung ist ganz sicher, den eigenen Horizont zu erweitern, sich dadurch beständig fortzubilden und das Können schließlich in einer Meisterprüfung zu beweisen und durch Prüfungskommissionen bewerten zu lassen. Sich dieser fachlichen Kritik zu stellen, ist selbst schon meisterlich, aber die Bewertung hängt ganz und gar von den erworbenen Fähigkeiten ab, die man zum richtigen Zeitpunkt abrufen kann. Neue Wege beim Prüfen und Bewerten In Österreich geht man seit 2022 neue Wege beim Prüfen und Bewerten: In der Theorie wird schriftlich und mündlich nicht bloßes Wissen abgefragt, sondern die Prüflinge müssen unter Beweis stellen, Gefäßfüllung 1 Ein altes Laboratorium mit den dazugehörigen Utensilien stand Pate für das Werkstück von Aline Huber. Flaschen und Gefäße, die sorgfältig für das „Experiment Blume“ zusammengestellt wurden, versorgen die Floralien mit Wasser. Die Farbauswahl ist dunkel und mystisch und wird durch helle, gelblichgrüne Akzente belebt. 2 Wie Wirbelwinde entwickeln sich die Gefäße aus einer gemeinsamen Basis und bauen dadurch Dynamik nach oben auf, die dann im eigentlichen Blumenschmuck auseinanderstrebt. In der umgekehrten Betrachtung sammeln sich „chaotische“ Linien immer mehr zu ra­dialen Punkten. Arbeit von Ste­fanie Mittmannsgruber. 1 | 2·2024 florieren! 91
Aus- und Weiterbildung wie sie das Wissen anwenden und für sich oder Kunden nutzen. Es müssen fachübergreifende Querverbindungen hergestellt werden, und dafür muss man über komplexes Wissen verfügen. Es geht in der Prüfung darum, wie souverän man die allgemeine mit der speziellen Gestaltung verknüpft, die Farbenlehre dabei zur Anwendung bringt, um schließlich stilistische Merkmale herauszukristallisieren. Dabei müssen der Arbeitsprozess und die dazugehörigen Abläufe geplant und geforderte Sicherheitsbestimmungen eingehalten werden. Schließlich soll das gesamte gestalterische Konzept wirtschaftlich auf stabile Füße gestellt werden. Mehr innere Freiheit durch die neue Prüfungsordnung Gefäßfüllung 3 Zapfenschuppen bilden die äußere Hülle der hängenden Gefäße. Um diesem Hängen noch mehr Sinn zu verleihen, verwendete Christina Hager ausschließlich Floralien mit hängenden und schlingenden Bewegungen. Je reduzierter dabei die Farbauswahl ist, umso stärker achtet man auf die Linien. 3 92 1 | 2·2024 florieren! Die praktische Prüfung besteht seit zwei Jahren aus einzelnen Modulen für jedes geforderte Werkstück, aus der Summe ergibt sich die Gesamtbewertung. Der große Vorteil dieses Systems: Fällt ein Florist mit einem einzelnen Werkstück durch die Prüfung, muss nur noch dieses Werkstück wiederholt werden und nicht die gesamte praktische Prüfung. Damit wird eine große innere Last von den Prüflingen genommen. Das bedeutet größere innere Freiheit – das kann sich nur positiv auf die einzelnen Werkstücke auswirken. In der praktischen Prüfung sind gefordert: Trauerarbeit, Bepflanzung, Gefäß mit geschnittenen Floralien, Strauß, Brautschmuck und eine Themenarbeit, in diesem Jahr zum Thema „Sculptura“. Die konkret festgelegten „Pflichtwerkstücke“ müssen in vorgegebenen Zeiten gestaltet werden. Das heißt, die Zeit kann nicht mehr fließend wie bisher von den Prüflingen verteilt werden. Die Kommissionen legen die konkreten Aufgabenstellungen fest, sind dabei aber an einen vorgegebenen Rahmen gebunden, aber es gibt auch Freiräume. Die Prüfungswoche selbst ist an der Akademie für Naturgestaltung straff organisiert, alle bereiten sich extrem darauf vor. Von dieser Vorbereitung ist dann abhängig, wie ruhig die Prüfung abläuft. Denn Ruhe gibt dann noch Freiraum für individuelle und auch spontane Entscheidungen. Genau davon leben die Werkstücke, denn das Ergebnis wird als eine Verschmelzung von Gestalter und pflanzlicher Natur angesehen. Die Verschmelzung kann sich in Perfektionismus widerspiegeln, aber auch größte Wildheit und Freiheit vermitteln. Die gestalterischen Möglichkeiten sind dabei so vielfältig wie es die Individualität der Gestalter zulässt. Und dabei wird größtmöglicher Respekt vor der pflanz… lichen Natur angestrebt.
Sträuße 4 Der extremste Hell-Dunkel- Kontrast stellt sich durch die gelb-violette Farbstellung dar und wird von Olivia Frei zusätzlich durch die Verwendung von weißen und fast schwarz wirkenden Floralien unterstrichen. Das Gefäß spiegelt den Kontrast wider und so entsteht eine Einheit aus Gefäß und Strauß. 5 Jacqueline Bernroitner wählte mehrere Farbkomplemen­täre: Rot-Violett zu GelbGrün und Rot zu Grün. Proportional handelt es sich um eine hohe Form, die wir von architektonischen Kuppeln der Renaissance ableiten. Wir übertragen dadurch die Stilkunde auf das allgemeine Gestalten. 6 Im Strauß von Irene Mayr prägen „Gelb-Grün/Gelb/ Gelb-Orange“ in unterschiedlichen hellen Trübungen den Gesamtcharakter des Straußes – von der Auswahl der Floralien bis hin zum Gefäß. Durch die Bewegungen der Floralien entwickelt sich zusätzlich die Struktur der Gestaltung und damit wird die Form bestimmt. 4 5 6
Kränze 7 Den Untergrund für diesen Kranz von Annika Mia Junghans bildet ein Ring aus Rea­ genzgläsern, alle Floralien sind gestellt. Die Auseinan­ dersetzung mit einer ökolo­ gisch nachhaltigen Technik stellt gleichzeitig einen sehr hohen Schwierigkeitsgrad dar. Die ausschließlich rankenden Floralien erzeugten den Ein­ druck eines gewundenen Kranzes, bei dem die Floralien durch die gewählte Technik aber mit Wasser versorgt sind. 8 Pusteblumen handwerklich und gestalterisch so gekonnt zu einem Kranz zusammen­ zufügen, das ist eine meister­ liche Höchstleistung. Gerade die Staffelungen der Gestal­ tung, die perfekt zum gewähl­ ten Werkstoff passte, erhöhte die Schwierigkeit ganz enorm. Der Trauerkranz von Sophia Egger ist voller Schönheit und tiefer Symbolik. 9 Kranz von Emma Laursen. Getreide gehört zu den Ur­ symbolen und verkörpert eine Vergänglichkeit, in der jedoch die nächste Generation des Lebens begründet liegt. Dieses Symbol so fein durch die Aus­ 94 1 | 2·2024 florieren! 7 8
Aus- und Weiterbildung wahl der Floralien und Farben zu ergänzen, zeugt von größter Sensibilität. Gleichzeitig wird der florale Schmuck in die Kranzform integriert. Brautstrauß 10 So luftig und leicht kann ein gesteckter Brautschmuck sein – hier von Franziska Maria Mayer. Um das zu er­ reichen, muss die Auswahl der Floralien perfekt aufeinander abgestimmt werden. Es ent­ steht der Eindruck „wie ge­ pflückt“, aber die Stiele wären zum Teil so kurz, dass man sie nicht mit natürlichem Stiel in der Hand binden kann. 11 Dieser Brautschmuck von Verena Vieider verlangt sowohl Extravaganz der Per­ sönlichkeit als auch der des Bekleidungsstils. Trifft dies aufeinander, dann sind auch außergewöhnliche Formen von Brautschmuck denkund machbar. In diesem Fall diente eine Asiatin in einem entsprechend opulentem Kleid als Inspiration. 9 10 11
Aus- und Weiterbildung Meisterschule in Zwettl Bepflanzung 12 Ein Futtertrog dient Aline Huber als Gefäß und wurde zur „Sitzbank“ umgearbeitet und mit Stauden bepflanzt, die im späten Sommer und frühen Herbst blühen. Die feine Linienführung steht im Kontrast zum massiven Gefäß und ist trotzdem der Wucht des Trogs gewachsen. 13 Eine freie, asymmetrisch verzogene Gefäßform aus Weide ist ein Naturobjekt aus sich selbst heraus. Sophia Egger ergänzte durch Heuchera, die in ihrer Farbigkeit dem Gefäß entsprechen, aber gleichzeitig einen starken Kontrast in der Textur bilden. Aus Pflanze und Gefäß entsteht eine homogene Einheit. 14 Kubische Formen im Kontrast zu freien Bewegungen und flächigen Ergänzungen, kontrastreicher kann ein Form- und Linienspiel nicht zueinander sein. Das ist bestens geeignet für kubistische Architektur. Farblich wählte Stefanie Mittmannsgruber einen Farbklang aus Rot-Orange und Rot-Violett mit kleinen grünen Akzenten. Die Farbreduktion lenkt das Augenmerk auf die Form. Dieses Wissen beziehen wir aus der Kunstepoche Kubismus. 96 1 | 2·2024 florieren! 12 13 Die Meisterkurse an der Akademie für Naturgestaltung in Zwettl/A beginnen im Januar und enden mit der Prüfung im September des Folgejahrs. Die nächste Ausstellung wird für den 7. und 8. September 2024 angekündigt. u Franz-Josef Wein, Saarlouis, Tel. 00496831-49425, www.naturgestaltung.com
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Aus- und Weiterbildung D ER W E G Z U R M E I S T E R A R B E I T Foto: Nicole von Boletzky Vom Material geleitet Bei zwei ihrer floristischen Meisterarbeiten war AoF-Absolventin Elisabeth Zobernig zuerst das Material und erst in der Folge die gestalterische Form klar. So begann der Prozess einmal mit hartem Zement und einmal mit zarten Pinseln. Interessanterweise entstanden trotzdem inhaltliche Übereinstimmungen. Nicole von Boletzky, Wangen/CH Elisabeth Zobernig ... aus Grafendorf/A schloss die AoF 2023 mit drei Auszeichnungen ab. Nach dem Abschluss der Landwirtschaftlichen Fachschule für Gartenbau entschied sie sich für die Lehre zur Floristin in der „Blumenecke Stangl“, wo sie bis heute arbeitet – seit 1. Januar 2024 als Inhaberin. Sie übernahm das Geschäft von ihren Chefs und führt es als „Florale Werkstatt“ fort. Parallel zu Ausbildung und Arbeit besuchte sie die Abendschule und machte Abi­tur. Nach verschiedenen floristischen Fortbildungen stand fest, dass sie den Meister an der Academy of Flowerdesign machen wollte, um sich möglichst gut auf die Geschäftsübernahme vorzubereiten. Elisabeth Zobernig engagiert sich in der Kärntner Landesinnung der Gärtner und Floristen, in der Ausbildung und als Prüferin, und ist außerdem Landesvertreterin des „Meister Alumni Club“. Dieser Verein setzt sich branchenübergreifend für die Anerkennung und Wertschätzung von Handwerk und Gewerbe ein. X office@floralewerkstatt.at D as Material Zement begleitet Elisabeth Zobernig seit ihrer Lehrzeit. Immer wieder brachte sie dieses Baumaterial auf Gefäße oder Styroporunterlagen auf und fand diese „neue Haut“ stets schön, aber nicht wirklich anspruchsvoll, denn es war immer ein reines Ummanteln beziehungsweise Applizieren auf einen bestehenden Untergrund. Erst während ihrer Meisterausbildung an der AoF lernte sie, facettenreicher zu denken und Formen aus eigener Kraft hervorzubringen. Also weg vom „bloß Draufmachen“ hin zu echter Formgebung. Elisabeth Zobernig ging in ihrer Pflanzgestaltung sogar so weit, dass sie dem Zement den schweren Charakter nahm: Durch eine Aufsplitterung ließ sie die sieben hängenden Einzelkuben nicht als Flächen, sondern in Schichten entstehen. Dafür schnitt sie Bühnenmolton in 1.300 Streifen und tauchte diese in ein Wasser-Zement-Gemisch, um sie im Anschluss zum Trocknen auszulegen. Nach der Trocknung wurden die fertigen Streifen angebohrt und auf einen Metallunterbau geschichtet. Um den Würfeln die nötige Stabilität zu verleihen, wurden an quadratische Stahlplatten Stäbe und Ösen geschweißt. Die Ösen ermöglichten letztendlich das Aufhängen der rund 50 kg schweren Einzelwürfel. Die Pflanzenauswahl war ein Mix aus einjährigen Pflanzen wie Duftpelargonie und Salvie. Dazu wurden Stauden (Wiesenknopf, Südafrikanische Purpurdistel) und Gehölze aus Handel und Natur (Acer, Tilia, Rhamnus frangula) kombiniert. Die Pflanzen wurden allesamt ausgedünnt, um interessante Linienverläufe herauszuarbeiten. Viele davon stammten aus dem Forstgarten (Baumschule für Landwirte und Förster), da hier kein Wert auf perfekten Wuchs gelegt wird. Brautstrauß mit Röckchen Für ihren Brautschmuck formierte Elisabeth Zobernig 300 kleine, zarte Pinselköpfe zu einer Abschlussmanschette, die die Anmutung eines femininen Röckleins hatte. Eine weitere Parallele zur weiblichen Anmutung sah sie im Schminkpinsel. Als Unterbau wurde erst Papier und Plexiglas eingesetzt, nach diversen gescheiterten Versuchen fand sich die Lösung dann beim 3-D-Drucker, was sich als nicht sehr aufwendig darstellte. Im Gegensatz dazu entpuppte sich das Ankleben der Pinselköpfe als enorm zeitintensiv, denn jedes Element musste rund 30 Sekunden fest angedrückt werden. Als Griff wählte die Floristmeisterin optisch folgerichtig einen … Malerpinselgriff aus Holz.
Fotos: Alex Schmidt (Pflanzarbeit), Elisabeth Zobernig (Arbeitsschritte) Foto: xxxxx Pflanzarbeit Elisabeth Zobernig ließ sieben geschichtete Würfel in einem Überbau von über 4 m Länge schweben. Die einzelnen Zementstreifen, insgesamt 1.300, wurden zum Trocknen ausgelegt. Anschließend wurden Löcher in die zweiseitig gebohrten Streifen gebohrt, die dann im Blockhaussystem zusammengefügt wurden (linke Seite).
Fotos: Elisabeth Zobernig (Brautstrauß und Technik), Edith Strupf (Gefäßfüllung) Aus- und Weiterbildung Foto: Sarah Rhiner Gefäßfüllung 100 NICOLE VON bildet BOLETZKY seit über 30 Jahren Floristmeister/-innen aus, seit 2015 an ihrer Academy of Flower­ design (AoF) in Wangen/CH und Innsbruck. Sie vermittelt Gestaltung als lernbare Disziplin, ermutigt ihre Schüler/-innen aber auch, neue Ideen über das bekannte Repertoire hinaus zu verwirklichen. In unserer langjährigen Serie „Der Weg zur Meisterarbeit“ gewährt Nicole von Boletzky Einblicke in den Entstehungsprozess von Meisterstücken an der AoF. „Wenn man etwas Neues entwickelt, muss man sich an die beste Lösung herantasten“, so die Lehrerin. X www.floristmeister.ch, www.knowhow.ch, bildungs zentrum@knowhow.ch 1 | 2·2024 florieren! Beim Entwickeln von Ideen und Techniken sollte man immer überlegen, wie sie sich übertragen oder abwandeln lassen. Bei ihrer Gefäßfüllung mit geschnittenen Werkstoffen zeigte Elisabeth Zobernig, dass die Molton-ZementElemente auch als Steckhilfe eine gute Figur machen. Brautstrauß Aus 300 zarten Pinselköpfen entstand ein feminin anmutendes Abschlussröckchen.
Report Heimatgefühle Maryna ist Mode-Illustratorin. Sie ist eine der Frauen, von denen man den Blick nicht abwenden kann – sie fasziniert durch Schönheit und Anmut. Sie ist eine talentierte Künstlerin, begeistert sich für Mode und Kunst. Derzeit ist Maryna im Mutterschaftsurlaub, sie liebt ihren kleinen Sohn über alles. Gelb und Blau sind Teil unserer Selbstidentifikation. Dieses Bild repräsentiert die moderne, aufgeklärte, unabhän­ gige Frau, die sich immer daran erinnert, wer sie ist und woher sie kommt. Der Kopfschmuck wurde in Klebetechnik auf einem Papiergerüst hergestellt. SECH S FR AUEN, SIEB EN CHA R A K T E R E Blumen im Kopf „Das Projekt ‚Blumen im Kopf‘ handelt von sechs Frauen, von sieben Zuständen der weiblichen Seele, aber vor allem von mir“, erklärt Floristmeisterin Sasha Legostaieva. Mit ihrer Freundin, der Fotografin Valentyna Donner, hat sie unterschiedliche Charaktere „eingefangen“. Wir finden, die individuellen Interpretationen passen perfekt zum Internationalen Frauentag am 8. März. Floristik und Text: Sasha Legostaieva, Stuttgart Fotos: Valentyna Donner, Stuttgart 1 | 2·2024 florieren! 101
Report Erholsames Alleinsein 1 Veronika ist Erzieherin. Sie be­ zeichnet sich selbst als „Stadt­ mensch“ und hat, noch nicht ein­ mal 30 Jahre alt, verschiedene Berufe ausprobiert: Nageldesigne­ rin, Masseurin, Küchenhilfe … Ihre Lieblingsbeschäftigung be­ steht darin, vegane Süßigkeiten und Torten herzustellen. Derzeit lernt sie Deutsch und sucht ihren Weg in die Zukunft. Nika er­ scheint als vollkommene Einheit mit der Natur. Sie verkörpert die Harmonie der Einsamkeit und Selbstgenügsamkeit, das Glück, hier und jetzt und von nichts ab­ hängig, ein Teil der Natur zu sein. Für den Kopfkranz werden Tro­ ckenblumen und Kräuter auf Draht befestigt und allmählich miteinander verflochten. Die „innere Ziege“ 2 Sofia ist Köchin. Die junge Frau arbeitet in einem Restaurant und studiert gleichzeitig Marketing. Sie träumt davon, irgendwann zu ihrer Familie in ihre Heimat zu­ rückzukehren. In meinem Kopf entstand das Bild einer jungen, ungezähmten und trotzigen Frau, die ihre Unschuld und Blüte be­ wahrt. Wir können über eine jun­ ge, aufsässige Frau sagen, „Sie ist eine Ziege“. Andersherum können wir aber auch dazu auffordern: „Kümmere dich um deine innere Ziege.“ Damit ist gemeint, man sollte nicht so streng mit sich selbst sein, nicht so gehorsam und brav. Sofia kann durch die Maske sehen, aber ihr Gegenüber sieht ihr Gesicht nicht. Die Maske ist aus Draht und Grashalmen gefer­ tigt, die Blüten sind dicht an dicht einzeln aufgeklebt. Sich selbst treu bleiben 3 Nataliia ist Spezialistin für Ver­ trieb und Logistik. Sie liebt das Meer, Yoga und Tanzen und ver­ bringt die Zeit gerne mit der Fami­ lie. Sie spielt gerne Tennis und fo­ tografiert. Ihr Traum ist, Gitarre zu spielen. Mit dem Kopfschmuck wollte ich den inneren Kampf zwi­ schen der Natur der Frau und dem gesellschaftlichen Rahmen dar­ stellen, in den sie eingezwängt ist. Das Bild zeigt, wie schwer es ist, man selbst zu bleiben, und wie leicht es ist, sich in den Konven­ tionen der Welt aufzulösen. In die­ sem Fall ist der Kranz die Seele 102 1 | 2·2024 florieren! D as Projekt „Blumen im Kopf“ entstand mit dem Ziel, mich selbst in meinen Beruf zurückzuführen, zu den Blumen, in die Zone meines größten Komforts, aber auch der Suche und Herausforderung. Das Ergebnis: sechs Frauen, sieben Charaktere, erschaffen nur mit Blumen, fast ohne Make-up, Kleidung und Schmuck. Die Charaktere entstanden in meinem Kopf und fügten sich schließlich zu klaren „Bildern“ zusammen. Bei einem Model diktierte die Persönlichkeit das Bild und im Fall der „Ziege“ war der Ort für das Shooting Ausgangspunkt für die Gestaltung. Das Ziel war, durch das Model, die Location und den Kopfschmuck ein Kunstfoto zu schaffen, das eine tiefere Bedeutung vermittelt. Meine Freundin Valentyna Donner hat die Charaktere mit ihren Fotos perfekt eingefangen. Sie hörte sehr aufmerksam zu, wie ich mir das jeweilige Bild vorstellte – die Stimmung, die Dynamik … Probleme, wenn zum Beispiel das Wetter nicht mitspielte, löste sie kreativ und professionell: Sie änderte Perspektiven, den Ort, das Licht, und alles wurde sogar noch besser als geplant. Auch sie entdeckte durch das Projekt eine neue Seite ihrer Kreativität und ist froh, an diesem Abenteuer teilgenommen zu haben. Auch die Models, Frauen, die noch nie professionell vor einer Kamera posierten, haben uns unglaublich inspiriert. Das waren Frauen mit normalen Berufen, mit Kindern, häuslichen Pflichten. Indem sie den Blumenkopfschmuck trugen, verwandelten sie sich. Es war faszinierend zu sehen, wie sie neue Facetten an sich entdeckten, eleganter, anmutiger und offener wurden, wie sie sich öffneten und strahlten. Wir waren alle auf einer Welle, und das gab uns unglaubliche Energie und Freude. Derzeit planen wir eine Ausstellung unseres Projekts „Blumen im Kopf“ in einer der Galerien Stuttgarts. Wir wollen so viele Frauen wie möglich in die Blumen-Fotoshootings einbe­ ziehen und … sie damit glücklicher machen.  1
Foto: Vadim Donner der Frau, leicht, zerbrechlich und verwundbar. Sie kann sich scheinbar bei jedem Windhauch vom Körper lösen. Das ist vor dem Hintergrund des Beton-Dschungels leicht zu übersehen. Zur Technik: Die Trockenblumen sind auf eine Kartonunterlage geklebt. Sasha Legostaieva und Valentyna Donner 2 3 Sasha Legostaieva (rechts) ist in der Ukraine geboren und sammelte erste Erfahrungen als Floristin in einem Salon des französischen Floristen Christian Tortu in Kiew. Vor 12 Jahren zog sie mit ihrer Familie nach Deutschland, wo sie nach einiger Zeit die Externen-Prüfung zur Floristin am Bildungszentrum Floristik in Grünberg erfolgreich absolvierte. Es folgte die Meisterprüfung in Stuttgart. Kurz danach unterbrach sie ihre berufliche und kreative Tätigkeit für fast zwei Jahre: Sie widmete sich der Hilfe für ihre Heimat und gründete die ehrenamtliche Organisation HelpUkraineStuttgart. Jetzt möchte sie zurück zu ihrem Beruf, der für sie Berufung ist. Als selbstständige Floristin realisiert sie kreative Projekte wie „Blumen im Kopf“, dekoriert einen kleinen Hotelbereich mit Blumen, führt floristische Workshops durch und träumt von ihrer eigenen Blumenwerkstatt. X Kontakt: @sasha.floribunda Valentyna Donner ist ebenfalls Ukrainerin. Sie ist Foodfotografin und Lifestyle-Bloggerin und arbeitet erfolgreich mit Restaurants, Hotels und Konditoreien in Stuttgart zusammen. X Kontakt: @valentyna_donner 1 | 2·2024 florieren! 103
Report Geburt und Tod 4 + 5 Tetiana ist Tattoo-Künst- lerin. Die talentierte Frau malt wunderschöne Bilder und hat einen offenen, weiten Blick auf das Leben. Sie reist viel und ar­ beitet in verschiedenen Ländern, wo sie viele Freunde hat. Sie liebt und verschenkt gerne Blumen. In „Blumen im Kopf“ ist sie mit zwei Episoden vertreten: Geburt und Tod. Die Bilder sprechen für sich. „Geburt“ wird mit einem Kranz aus Trockenblumen dargestellt, der Kranz ist durch Draht mit einem Haarreifen verbunden. Der Kranz für das Thema „Tod“ ist aus gefärbten Trockenblumen gefertigt, hauptsächlich aus schwarzen Hortensien. Die Blumen sind mit Silberdraht miteinander gebunden. 4 Das Feuer des Lebens 6 Elena ist IT-Projektmanagerin. Sie fährt gerne auf ihrer Harley Davidson und erkundet die Unterwasserwelt mit einem Tauchgerät. Außerdem ist sie ausgebildete Fitnesstrainerin und unterrichtet Zumba. Sie träumt von einem Haus im Wald. Mit einem Kranz aus frischen Blumen tritt Elena als Mutterfigur auf, als Hüterin, die das Feuer des Lebens unterstützt. Das „Feuer“ zieht sie aus sich selbst. Zur Technik: Die Blumen sind auf eine Kartonunterlage und Bänder gehaftet. 104 1 | 2·2024 florieren!
Foto: Detlef Schollmeier MEINUNG Wie ist Ihre Einschätzung? Ich freue mich auf Ihre Meinung! estrupf@ulmer.de BLUMEN im HAAR Wie wäre es mit einer Kopfschmuck-Aktion rund um den Frauentag? B 5 6 lumen im Haar, das erweist sich im­ mer wieder als gute Idee. Über meh­ rere Jahre sorgte die Initiative „1.000 gu­ te Gründe“ mit Haarkränzen in „Paroo­ kaville“ für Festivalstimmung, Blumen­ kranz-Workshops werden häufig für Junggesellinnen-Abschiede gebucht, für das Oktoberfest 2023 wurden Blu­ menkränze als Trend-Accessoire aus­ gerufen und laut braut.de gehören blu­ mige Kopfkränze zu den Hochzeits­ trends 2023/24. Das ist schon Grund genug, über eine Blumen-im-Haar-Ak­ tion nachzudenken. Zum Beispiel rund um den Frauentag. Die Floristinnen könnten Haarkränze tragen. Noch bes­ ser ist eine Beteiligung der Kundinnen, indem man Blumen bereitstellt und den Kundinnen ins Haar steckt – oder sie selbst stecken lässt. Dabei geht es nicht nur um Ästhetik, sondern um das Erlebnis mit Blumen und ein Lebensgefühl, wie Anastasia Nathalia Ross in ihrer Projektarbeit an der Fachschule für Blumenkunst Wei­ henstephan im Sommer 2023 sagte. Sie gestaltete individuellen Kopfschmuck für Freundinnen, weil man sich mit Blu­ men „besser und freier“ fühlt. Dass Blu­ men diese Kraft haben, kommt auch im Beitrag von Sasha Legostaieva zum Aus­ druck. Und deshalb passt die Idee aus­ gezeichnet zum Frauentag. Ob man die Aktion zum Verkauf von Kränzen oder Gutscheinen nutzt oder als Werbung verbucht und den Kundin­ nen vor allem ein Erlebnis bieten will, ist dann noch eine andere Frage.  Edith Strupf 1 | 2·2024 florieren! 105
Aus- und Weiterbildung SCH ULPRO JE K T IN T IR O L 5 10 Azubis begeistern mit Blumenkunst In einem fächerübergreifenden Projekt an der Berufsschule für Garten, Raum und Mode in Hall in Tirol gestalteten Floristinnen einer Abschlussklasse Kunstwerke aus Blumen. Dabei wurden Bilder von Tiroler Künstler(inne)n floral interpretiert. Am 24. Oktober 2023 stellten sie ihre Werke der Öffentlichkeit bei einer Vernissage vor. QR-Codes führen zu den Padlets der Gruppen und gewähren Einblick in die Entstehung der Werkstücke. Text und Fotos: TFBS Garten, Raum und Mode/Irmgard Streit 1 Julia, Linda und Laura ließen sich vom Bild „Die Hortensie“ von Monika Papst inspirieren. Sie brachten die prunkvolle Blütenform der Hortensie auf eine andere Art zum Ausdruck. 2 Aufgrund der Farben und der detailreichen Strukturen entschieden sich Hannah, Maja und Sarah für das Bild „Die Artischocke“ von Laura Schmid. 3 Maria, Helene und Annkatrin wollten die kühle, winterliche Stimmung des Bilds „Die Landschaft“ von Helmut Sailer in ihrem Werkstück einfangen. 4 Anna und Lena wählten das Bild „Der Joker“ von Karin Hell-Schatz. „So wie der Joker selbst enthält es viele Emotionen, Gegensätze und Kontraste“, sagen die Azubis über ihr Werkstück. florieren-online.de Auf unserer Website führt der ­Webcode flo11059 zu den Erklärungen der sieben Azubi-Gruppen. Es lohnt sich, die Padlets auf einem größeren Bildschirm anzuschauen. 106 1 | 2·2024 florieren! S ieben Gruppen, bestehend aus jeweils zwei bis drei Auszubildenden, stürzten sich beim Schulprojekt in Hall in Tirol in die Welt der Kunst. Sie nahmen nicht nur die kreative Herausforderung an, sondern auch die der Teamarbeit. Unter der Leitung von Fachlehrerin Irmgard Streit entstanden einzigartige Gesamtkunstwerke, die öffentlich ausgestellt wurden. Um die Besucher/innen am Entstehungsprozess teilhaben zu lassen, erstellten die Azubis digitale Padlets, die sowohl Aufschluss geben über die Auswahl der Blumen und Formen als auch 1 über die Motivation der jungen Gestalterinnen. Das fächerübergreifende Projekt brachte nicht nur Blumenarrangements hervor, sondern förderte auch Selbstbewusstsein, Teamarbeit und kreative Ausdrucksfähigkeit. Das Projekt zeigt die Vielseitigkeit der Ausbildung und die Fähigkeit der Lehrlinge, künstlerische Konzepte zu verstehen und in beeindruckende florale Werke umzusetzen. Die Schülerinnen haben bewiesen, dass die Jugend von heute in der Lage ist, Herausforderungen mit Leidenschaft und Bravour anzunehmen. 
Foto: David Aebi, Burgdorf; Kunstwerk: Ugo Rondinone 2 Heidi Huber, Frauenfeld Werk, interpretierte das Werk „viertermaineunzehnhundertzweiundneunzig“ von Ugo Rondinone (1993, Aargauer Kunsthaus, Schenkung Ugo Rondinone) 5. BIS 10. MÄRZ 2024 10 Jahre „Blumen für die Kunst“ in Aarau D 3 4 ie erfolgreiche Ausstellung „Blumen für die Kunst“ bringt der Floristikbranche und der Sammlung des Aargauer Kunsthauses in Aarau/CH seit 10 Jahren große Aufmerksamkeit und Wertschätzung. Jedes Jahr ist sie ein Magnet für Kunstund Floristikliebhaber/-innen. Die interdisziplinäre Ausstellung, in der sich Floristik und Kunst gegenseitig bereichern, feiert im März 2024 ihren 10. Geburtstag. Bereits die Wahl der teilnehmenden Floristen und Floristinnen schafft eine Retrospektive: Es nehmen acht Florist(inn)en aus den letzten 10 Jahren von „Blumen für die Kunst“ teil. Ebenso mit dem Visual wird der 10-jährige Erfolg der Ausstellung gewürdigt: Wie 2014 kreierte Heidi Huber aus Frauenfeld die florale Interpretation fürs Jahr 2024. Als internationaler Gast eingeladen ist Michal Haut aus der Slowakei. Als erster Florist seines Landes absolvierte er 2022 die Meisterprüfung in Zwettl, Österreich, und er führt erfolgreich ein Blumengeschäft in Bratislava. Zur diesjährigen Ausstellung erscheint außerdem ein Buch, das alle floralen Interpretationen der letzten 10 Jahre, die jeweils nur sechs Tage zu sehen waren, noch einmal aufblühen lässt. Alle Infos zur Ausstellung 2024 und zum Vorverkauf: www.flowers-to-arts.ch und www.aargauer kunsthaus.ch  1 | 2·2024 florieren! 107
Messen 40. INTERN AT IO N A L E P FL A N Z EN M E S S E I N E S S E N Jubiläum in Essen Vom 23. bis 26. Januar 2024 findet die Weltleitmesse des Gartenbaus IPM zum 40. Mal in Essen statt. Die Jubiläumsausgabe hält zahlreiche Programm-Highlights bereit, rückt aktuelle Themen der grünen Branche in den Fokus, inspiriert für das kommende Geschäftsjahr und bietet Gelegenheiten zum Netzwerken. Fotos (v.l.): Jens Poulsen, Peter J. Kierzkowski, Messe Essen/Schuchrat Kurbanov Informationen: Messe Essen und FDF Auf der Bühne links: Am ersten Messetag laden FDF und Fleura­Metz zum Bühnentalk mit Nicolaus Peters, dem Weltmeister der Floristen 2023, ein. Mitte: Christopher Ernst, der amtierende Deutsche Meister der Floristen, wird bei der Show „Im Einkauf liegt der Gewinn“ mit Anian Friedrich und weiteren Florist(inn)en aus dem #floralproject 3.0 auf der Bühne stehen. rechts: Floos sowie Decorum und FDF präsentieren Shows mit internationalen Floral Designern. Infos zu den Öffnungszeiten der IPM 2024, zur Anfahrt etc.: www.ipm-essen.de 108 1 | 2·2024 florieren! D ie erste IPM Essen öffnete im Jahr 1983 mit rund 100 vorwiegend deutschen und niederländischen Pflanzen-Ausstellern in nur einer Halle des Essener Messegeländes. Schnell wurde aus dem jungen Spross eine kräftige, verzweigte Pflanze mit internationaler Strahlkraft und sogar Ablegern in anderen Teilen der Welt. 2024 werden über 1.400 Aussteller aus den Bereichen Pflanzen, Floristik, Technik und Ausstattung aus rund 50 Nationen erwartet, alle Hallen des Messegeländes sind belegt. Die IPM 2024 steht unter dem Motto „Unser Herz schlägt grün“. Mit einem mit Pflanzen bewachsenen Herz kommt die Verbundenheit zwischen Branche und IPM sowie die Bedeutung der Fachmesse als Taktgeber für Innovationen zum Ausdruck. Von Messe-Cup bis Podcast Passend zum Slogan der IPM-Jubiläumsmesse lautet das Motto des IPM Messe-Cups 2024 „Unser Herz schlägt grün“. In den Kategorien „Strauß“, „Grüner Held im Topf“ und „Gefäßpflanzung“ soll die Verbundenheit mit der IPM zum Ausdruck kommen. Die Werkstücke werden in der Green City/Halle 1A ausgestellt, die Gewinner werden am Messe-Freitag geehrt. In der FDF-World in der Green City veranstaltet der Fachverband Deutscher Floristen erneut sein umfangreiches Rahmenprogramm und Bloom’s ist wieder mit seiner Trendpräsentation vertreten. Auch das Infocenter Gartenbau mit angegliederter Lehrschau ist hier zu finden. In diesem Jahr wird das kontrovers diskutierte Thema Pflanzenschutz beleuchtet. In der Nachbarschaft werden die „IPM Neuheiten 2024“ in verschiedenen Kategorien ausgestellt. Die Halle 1A ist zudem das neue Zuhause des IPM Discovery Centers, gestaltet von Romeo
Foto: Ekaflor Foto: Messe Essen/Schuchrat Kurbanov Viel zu entdecken Sommers und der De Haan Group. In Trend-Rundgängen werden Tipps für erfolgreiche POS-Konzepte gegeben. Premiere im IPM Discovery Center feiert der IPM Podcast „From the Greenhouse”. Ein gläsernes Studio ist während der gesamten Messe Aufnahmeort für Interviews. Neben dem IPM Podcast werden hier auch die Folgen anderer Branchen-Podcasts produziert. Besucher/-innen können die Gespräche über Kopfhörer verfolgen. Anlaufpunkt für den internationalen Pflanzengroßhandel ist wieder das BGI-Trade Center in Halle 1 mit 31 Ausstellern. Der vom Bundeswirtschaftsministerium geförderte Gemeinschaftsstand der „Young Innovators“ in Halle 5 lenkt den Blick auf deutsche Start-ups. Zusatzsortimente und floraler Bedarf Zum zweiten Mal geht der IPM Concept Store in der Halle 5 an den Start. Hier wird die Aufmerksamkeit auf Zusatzsortimente wie Geschenkartikel, Kerzen, Kosmetik und Spirituosen geweckt. Zum ersten Mal wird der Best Practice Award von der Messe Essen und dem FDF-Bundesverband für floralen Bedarf vergeben. In acht Kategorien werden die praxisorientiertesten Produkte mit dem größten Verkaufspotenzial für den FloristikFachhandel ausgezeichnet – am Messedienstag um 17 Uhr auf einer Sonderfläche in der Halle 5. Neu ist auch die Sonderschau Nutzfahrzeuge (Halle 7). Sie will aufzeigen, wie schnell und stark sich klimabewusste und innovative Mobilität weiterentwickelt, ohne die Anforderungen der Gartenbau-Branche aus den Augen zu verlieren. Die beste Marketing-Story wird mit dem „Show your Colours Award“ ausgezeichnet, und zwar am Messe-Donnerstag um 15 Uhr am Stand von BIZZ Holland in Halle 8. Aufgrund der hohen Nachfrage auf der IPM 2023 stehen Klimabäume und insektenfreundliche links: Im IPM Discovery Center – neu in der Halle 1A – stehen Tipps für den POS im Mittelpunkt. Das Areal wird von Romeo Sommers zusammenarbeit mit der De Haan Group gestaltet. Premiere feiert hier der IPM Podcast „From the Greenhouse”. rechts: Schwerpunktthemen des Einkaufsverbunds Ekaflor (Galeria, Stand 22) sind der 24/7-Verkauf und die Zertifizierung mit dem Gütesiegel nachhaltiger Florist (SMK). Programm auf der FDF-Bühne FDF Bayern präsentiert – Qualifying WorldSkills 2024, Part II, 23. Januar um 10 Uhr X Part III mit Finale 23. Januar um 16 Uhr X Nicolaus Peters, Weltmeister der Floristen im Talk on stage, 23. Januar, 13:15 Uhr X Floos – the crafter‘s secret, internationale Floral-Designer on stage, 23. Januar, 14 Uhr, und 24. Januar, 13 Uhr X Im Einkauf liegt der Gewinn – FDF & Plantion präsentieren: the next generation 24. Januar, 10:30 Uhr, und 25. Januar, 11 Uhr X International floral affairs: World-Cup Show presented by Decorum & FDF 24. Januar, 15 Uhr, und 25. Januar, 14 Uhr X big picture FDF World – ein Dankeschön an alle Mitwirkenden, 25. Januar, 10:30 Uhr X Siegerehrung IPM Messe-Cup 2024, 25. Januar, 12 Uhr X
Messen Stauden im Mittelpunkt von geführten Rundgängen. Start ist der MeetingPoint (Halle 6). Am Messe-Mittwoch steht das angeschlossene Congress Center Essen ab 10 Uhr im Zeichen des Branchennachwuchses: Der „Tag der Ausbildung“ wird von den grünen Verbänden gemeinsam veranstaltet. Einen Tag später zeigt der Verlag Eugen Ulmer um 10.30 Uhr im Forum „Beruf + Zukunft“ Perspektiven für junge Führungskräfte auf. Die „Grüne Karrierewand“ in Halle 1A mit Stellenangeboten und -gesuchen rundet das Angebot ab. Messen TRENDSET (mit Bijoutex). 6. bis 8. Januar 24, Messe München, www.trendset.de � HOMI. 11. bis 14. Januar 24 Festtagssortiment, Event­ dekorationen. Mailand. homimilano.com � NORDSTIL. Regionale Ordertage. 13. bis 15. Januar 24 Messe Hamburg. nordstil.messefrankfurt.com � ORNARIS. 14. bis 16. Januar 24, Bern/CH, BernExpo. www.ornaris.ch � MAISON & OBJET. 18. bis 22. Januar 24, Paris-Nord Villepinte. maison-objet.com � AMBIENTE. 26. bis 30. Januar 24 Frankfurt/Main. www.ambiente. messefrankfurt.com � CHRISTMASWORLD. 26. bis 30. Januar 24 Messe Frankfurt. www.christmasworld. messefrankfurt.com � FORMLAND UP/GRADED. 4. bis 6. Februar 24 Herning/DK. Skandinavische Konsumgütermesse. (siehe Seite 66) formlandupgraded.com � BIOFACH. 13. bis 16. Februar 24 Nürnberg. www.biofach.de � CADEAUX, 2. bis 4. März 24 und FLORIGA, 3. März 24 Messe Leipzig. www.cadeaux-leipzig.de � #congratsipmessen Zur 40. IPM hat die Messe Essen auf www.ipm-essen.de eine Social Wall eingerichtet. Jeder, der unter #congratsipmessen auf Instagram oder Facebook postet und der Messe gratuliert, wird Teil der Jubiläums-Collage. Das Motiv der Jubiläumskampagne steht auf der Website zum Download bereit und darf für die Glückwünsch-Posts genutzt werden. 110 1 | 2·2024 florieren! Internationale Floristik Foto: Alzura Das Show-Programm startet am 23. Januar um 10 Uhr mit dem 2. Teil des Qualifying für die Worldskills, die 2024 in Online-Marketing Auf der IPM geht es um alle Themen rund um die Produktion und Vermarktung von Blumen und Pflanzen und damit auch um den Verkauf über das Internet. Erstmals auf der IPM wird das Shopsystem Alzura Flowers aus Kaiserslautern präsentiert (Stand B24 in Halle 7). Das System bietet mit Website-Baukasten, Webshop und Click & Collect ein einfach zu bedienendes Rundum-sorglos-Paket. Floristen erhalten einen individuellen Webshop, der als OnlineFiliale dient. Das Herzstück ist die eigene Fotodatenbank: Ein FotoRoboter erstellt im hauseigenen Fotostudio automatisiert hochwertige 360° Produkt­fotos. Zahlreiche Sträuße und Pflanzen inklusive Produktdaten sind bereits vordefiniert. Sie können übernommen oder angepasst werden. Auch eigene Produkte können erstellt werden. Mit wenigen Klicks lässt sich auch der Webshop individuell gestalten, zum Beispiel mit Bildern des Blumenladens und des Teams. www.alzura-flowers.com Lyon stattfinden (der 1. Teil wird vor Messe-Beginn am Montag-Nachmittag ohne Fachöffentlichkeit organisiert). Der 3. Teil folgt um 16 Uhr. Danach wird bekannt gegeben, wer bei den World­ skills für Deutschland startet. Am 23. Januar um 13.15 Uhr gibt Nicolaus Peters auf der FDF-Bühne im Gespräch und Austausch mit FDF und FleuraMetz Einblicke in seinen außergewöhnlichen floralen Werdegang. Am 23. Januar um 14 Uhr und am 24. Januar 2024 um 13 Uhr steht die Gruppe „Floos“ auf der Bühne. Floos und FDF stellen das Lehrkonzept der Online-Lehrplattform vor und Carles J. Fontanillas und Álex Segura aus Spanien sowie Frédéric Dupré aus Frankreich zeigen außergewöhnliche Gestaltungen und innovative Techniken. Die zweite Show mit internationalen Floral Designern wird am 24. Januar 2024, 15 Uhr, und 25. Januar 2024, 14 Uhr präsentiert. Die Show unter dem Titel „International floral affairs – World Cup Show of floral design“ wird von FDF und Decorum gezeigt, der PremiumMarke von über 50 niederländischen Züchtern. Zu Gast sind Robert Bartolen aus der Slowakei, Ahti Lyra aus Estland sowie Olga Sharova und Roman Steinhauer aus Russland. Impulse für die Praxis In Kooperation mit der niederländischen Veiling Plantion und dem FDF ist die Show „Im Einkauf liegt der Gewinn“ entstanden: Sie wird für 24. Januar 2024, 10:30 Uhr, und 25. Januar 2024, 11 Uhr, angekündigt. Im Mittelpunkt steht die Botschaft, wie wertvoll, zeit- und kostensparend ein guter Einkauf ist. Auf der Bühne stehen Christopher Ernst, der amtierende Deutsche Meister der Floristen, Anian Friedrich, der bei den Eurofleurs 2023 den 2. Platz erzielte, und weitere Florist(inn)en aus dem FDFNetzwerk #floralproject 3.0. Sie zeigen Werkstücke zu umsatzstarken Tagen wie #love is in the air zum Valentinstag, #frauenpower zum internationalen Frauentag, #dankeschön zum Muttertag oder Hochzeitsfloristik zum Thema #best day in life. Begleitend dazu berichten die jungen Florist(inn)en aus Sicht der „next generation“ von ihren Erfahrungen rund um Einkauf, Produktauswahl und Angebotsvielfalt.
Fotos: Edith Strupf Fotos: Landgard Landgard auf der IPM In Halle 1, Stand E21, macht Landgard florale Trends auf der Basis des Trendbooks 2024/25 mit allen Sinnen erlebbar. Am Beispiel von „Biophilic Boost“ können sich die Messe-Besucher/-innen davon überzeugen, wie Trends multisensorisch umgesetzt werden können – von floralen Gestaltungen über Soundeffekte und Dekoelemente bis hin zum Catering. Ausgangspunkt für das Trendbook waren die Megatrends des Zukunftsinstituts: Mobilität, Globalisierung, Wissenskultur, Konnektivität, Gender Shift, Urbanisierung, Gesundheit, New Work, Silver Society, Neo-Ökologie, Sicherheit und Individualisierung. Daraus sind fünf zentrale Stilrichtungen entstanden. Sie sind Basis für Vieles, was bereits zum Jahresstart von Landgard präsentiert wird, darunter die Grundgestaltung des IPM-Messestands, die neuen Fachhandelskampagnen sowie viele „1.000 gute Gründe“Maßnahmen. www.landgard.de Auf der IPM ist Gelegenheit, Blumenund Pflanzenneuheiten kennenzulernen. Im FDF-Ausstellungsareal steht das Thema Nachhaltigkeit im Mittelpunkt. Darüber hinaus informieren die Geschäftsführer/-innen der FDF-Landesverbände über die Vorteile einer Mitgliedschaft. Das Kreativ-Team des FDF bietet Führungen für Mitglieder des Verbands und Auszubildende durch die FDF-World an (Anmeldung über ihre Landesverbände). Bei den Führungen geht es unter anderem um die FDFTrends und ihre Entstehung, um die Angebote der Partner und das Thema Nachhaltigkeit in der Floristik.  Jetzt gratis downloaden: Die offizielle Messe-App SCHNELL UND MOBIL AUSSTELLER FINDEN! ulmer.de/ipmapp Alle Infos direkt aufs Smartphone: - mobiler Messeplan - täglich aktuelle News über Neuheiten und Events - Informationen über Aussteller IPM App_2024_Anzeige_175x133.indd 1 07.12.23 10:18 1 | 2·2024 florieren! 111
Termine Frühjahr bei Strecker Seminare – Schulungen – Kurse Foto: Peter J. Kierzkowski Strecker in Renningen startet in die Frühjahrssaison mit einem Sonderverkaufswochenende am 20. und 21. Januar. Info: Tel. 07159/ 922108, www.strecker.shop Frühling bei Kwoka CRAILSHEIM Ursula & Paul Wegener, Floristenwerkstatt, Tel. 07951/5258, www.floristikschule-wegener.de 27. bis 28.02.24 Florale Winke der Jahreszeit Ursula Wegener 12. bis 13.03.24 Oster-Meetings, lebendige Werkstücke, Motive, Accessoires Ursula Wegener DETTINGEN Wally Klett, Infos und Anmeldung: Tel. 01 71/63 31 010, www.wally-klett.de 19. bis 20.02.24 Body Jewellery: Schmuck für besondere Anlässe Wally Klett 27. bis 28.02.24 Brautschmuck: New Style Wally Klett DRESDEN FM Academy, Tel. 01 72/1 08 04 77, www.fma.fm 15. bis 19.01.24 Vorbereitung auf die Zwischenprüfung: Sträuße, Kranz und Werkproben sowie schriftliche Probeprüfungen 22. bis 26.01.24 Kranz und Pflanzungen: Grundlagen für Azubis 1. Lehrjahr Grynet Christoph 23. bis 24.01.24 (Augsburg) Strauß und Steckarbeiten: Grundlagen der floristischen Arbeiten Anja Schneider 11. bis 15.03.24 Sträuße und Steckarbeiten: Grundlagen für Azubis Grynet Christoph GELSENKIRCHEN FDF-Bundesverband, FloristPark, Tel. 02 09/9 58 77-75, Fax 9 58 77-70, www.fdf.de 13. bis 14.01.24 Fit für die Zwischenprüfung Birgit Schütze 17.02.24 Präsentieren heißt verkaufen Birgit Schütze 18.02.24 Agil in die floristische Zukunft Birgit Schütze GRÜNBERG Bildungsstätte Gartenbau, Tel. 06401/91010, www.bildungsstaette-gartenbau.de 02. bis 04.02.24 Kompetent verkaufen für Einsteiger Gisela Hörle 26.02.2024 Fort- und Weiterbildung im Pflanzenschutz (Sachkundenachweis) C. Scheld, G. Rohn MAINZ FlowerArt Academy, Petra Konrad, Tel. 0 67 66/96 97 22, www.flowerart-academy.com 11. bis 14.03.24 (Wiesbaden) Prüfungsvorbereitung 3. Ausbildungsjahr Petra Konrad PARSDORF Bayerische Blumen Zentrale, Tel. 089/99 1599-40, hilde@blumenzentrale.de 06.02.24 Valentins-Sträuße Stefanie Zuckerstätter 07.02.24 Herzige Geschenke für Valentin Stefanie Zuckerstätter 14.02.24 Frühlings-Gestecke Stefanie Zuckerstätter 21.02.24 Schalen & Körbe bepflanzen Stefanie Zuckerstätter 12.03.24 Tischdeko im Frühling Stefanie Zuckerstätter WANGEN/CH Know How/Nicole von Boletzky, Tel. +41-44-2422182, www.knowhow.ch 12. bis 13.03.24 Home Staging (Basiskurs) J. Johnson, N. v. Boletzky, S. Stamm 15. bis 16.03.24 Home Staging (Basiskurs) J. Johnson, N. v. Boletzky, S. Stamm Echo Vorordermesse Gartenbau Rednitzhembach lädt bis 15. Februar zum Jubiläum „25 Jahre Echo“ ein. Die Vororder-Messe informiert über das (Pflanzen-) Sortiment für das 1. Halbjahr 2024. Am 11. März findet ein 112 1 | 2·2024 florieren! Frühlingsevent statt. Infos: www.gartenbau-rednitzhembach.de Events bei Schmidt Vom 2. bis 4. Februar ver­ anstaltet Schmidt Floristik in Werlte-Ostenwalde ein Floristen-Treff mit Moonlight-Shopping. Es folgen vom 4. bis 15.   März die Orderta­ge für die neue Kollektion Herbst & Weihnachten 2024. Info: Tel. 05952/96900-0, www.schmidt-floristik.com Vom 10. bis 15. Januar lädt Kwoka in Altdorf zur Hausmesse Frühjahr/Ostern, gestaltet von Florian Seyd und Ueli Signer. Eine Frühjahr/ Sommer-Hausmesse folgt vom 2. bis 7. März. Info: www.kwoka.com Ostern bei Trautz Vom 24. bis 25. Februar zeigen Max van de Sluis und Hanneke Frankema Osterfloristik bei Trautz in NeustadtSpeyerdorf. Info: www. trautz.de Kölner Frühling Der „Kölner Frühling 2024“ wird am 17. März veranstaltet. In diesem Jahr zeigen Stephan Triebe und Mehmet Yilmaz Floristik, moderiert wird die Show von Björn Kroner. Infos zum neuen Konzept der Veranstaltung finden Sie auf Seite 20. Infos: bgm-koeln.de Stilkunde in der Toskana Die FM Academy, Dresden, führt vom 11. bis 16. März eine Stilkunde- und Botanikfahrt in die Toskana durch. Unter der Leitung von Anja Schneider und Christa Hiltmann werden Gärten und Parks besichtigt. Info: Anja Schneider, info@fma.fm, Tel. 0172-1080477. florieren-online.de Auf unserer Homepage finden Sie alle Termine. Hier können Sie auch eingene Veranstaltungen eintragen. Alle Angaben ohne Gewähr.
Marktplatz Marktplatz Naturwertstatt-Seminare Das Seminarangebot der Floristengruppe Naturwertstatt geht weit über gestalterische Themen hinaus: Vergolden für Floristen – Alles glänzt in Gold und Silber (17. bis 18. Januar 2024), Foto & Social Media (19. Januar), KI-Blumenpower für Floristen (20. Januar), Mentale Gesundheit im Berufsalltag (1. Februar), Natur inspiriert – Techniken in der Floristik (24. bis 25. Februar). Die Kurse finden in Pischelsdorf in der Steiermark statt. Info: www.naturwertstatt.at Sachkunde Pflanzenschutz Vom 23. bis 25. Januar bietet „SiP – Sachkunde im Pflanzenschutz“ einen Vorbereitungskurs auf die Sachkunde-Prüfung im Pflanzenschutz (Handel) in Deggendorf-Natterndorf an, vom 29. bis 31. Januar am BGN Rednitzhembach und vom 4. bis 7. März online. Info: www.sachkunde-im-pflanzenschutz.de Frühjahrsmessen X 10. März: !Zeit für Neues – Flora Trend, Frühjahr auf dem Blumen- und Zierpflanzengroßmarkt Rhein Main in Frankfurt. www.bzg-ffm.de X 13. bis 15. März: Mannheimer Fühling auf dem BGM. www.bgm-mannheim.de Kaufmännisches Know-how online Vom 14. bis 21. März bietet der FDF das Online-Seminar „Kaufmännisches Know-how für Floristen“ mit An­ dreas Sudeck in zwei Blöcken an. Info: FDF, Claus Garbe, Tel. 0209/95877-75. Landesmeisterschaft Nord Der FDF Nord veranstaltet die Norddeutschen Landesmeisterschaften der Floristen am 17. März in Husum an der Nordsee im Rahmen des Krokusblütenfests. Info: fdf-nord.de Impulse für die Brautstraußfloristik Unter dem Titel „Zwischen Individualität und Eleganz“ vermittelt Thea Kornherr am 20. März in Dettenhausen Impulse für die Brautstraußfloristik, insbesondere Techniken, mit denen abfließende Brautsträuße garantiert gelingen. Info: www.kornherr.info Nachwuchswettbewerbe in Bayern Auf der Garten München 2024 veranstaltet der FDF Bayern am 2. März den Heinz-Czeiler-Cup. Der Wettkampf richtet sich an Nachwuchsfloristen aus München-Oberbayern. X Im Brückencenter Ansbach findet am 16. März der „Franken Cup“ statt. Teilnehmen können Floristazubis oder Jungfloristen bis zum 3. Gesellenjahr aus Franken. Info: floristenverband.bayern X Immobilien Verschiedenes Suche Nachfolger für florierendes Blumengeschäft im schönen Bregenzerwald/ Vorarlberg/ Österreich. Ab Frühjahr 2024 muss ich meinen Blumenladen aus privaten Gründen leider abgeben. Bei Interesse melde Dich gerne unter der Telefonnummer 0043 5513 2332 oder per Mail unter info@blumig-lingenau.at.    ��� ������� ��� ����������� ��� ����������� ��� ������������� ���� ��� ������������������� ��� �� ��� �������� �������� ��� ��� ���� www.ulmer.de ��� ������� ��� ��� ����� ������� ������������ ���� � ��� �� �������� ��  ������� ����� ���� �� �� ��� � �� ���� ��� �� �� ��� � �� ����� ������� ������������������� ������������������ Besuchen Sie uns auf unserer Homepage! www.florieren-online.de oder scannen Sie den QR-Code ein GRÜNER STELLENMARKT Die Jobbörse für die grüne Branche, für Gartenbau und Landwirtschaft. Als Abonnent*in erhalten Sie 100 Euro Rabatt auf Ihre Stellenanzeige. www.gruener-stellenmarkt.de/abo Der Rabatt ist pro Abonnent*in einmal pro Kalenderjahr einlösbar. Flowers to Arts 2024 Vom 5. bis 10. März findet die Ausstellung „Blumen für die Kunst“ in Aarau/CH zum 10. Mal statt (siehe Seite 107). Info: flowers-to-arts.ch, aargauer kunsthaus.ch www.gruener-stellenmarkt.de ist ein Angebot des Verlag Eugen Ulmer 11||2·2024 2·2024 florieren! florieren! 113 113
Redaktion | Impressum Redaktion Impressum Edith Strupf verantw. Redakteurin +49 (0)173-8191869 estrupf@ulmer.de Nadine Quist Redakteurin +49(0)172-2967921 nquist@ulmer.de Grit Landwehr Redakteurin +49 711 4507-237 glandwehr@ulmer.de Heidy Hetper Freie Mitarbeiterin florieren@hetper.de Kirsten Unshelm Redaktionsassistenz +49 711 4507-127 kunshelm@ulmer.de Nina Attinger Redaktionsassistenz +49 711 4507-131 nattinger@ulmer.de Anzeigen und Kundenservice Marc Alber Leiter Marketing +49 711 4507-126 malber@ulmer.de Christina Heinkel Marketing/Verkauf +49 711 4507-322 cheinkel@ulmer.de Sophie Mooser Abwicklung +49 711 4507-137 anzeigen@ulmer.de Nadine Wieland Kundenservice +49 711 4507-105 kundenservice@ulmer.de 114 1 | 2·2024 florieren! florieren! INSPIRATION & MARKETING für den grünen Fachhandel Der Titel umschließt auch den Titel „Floristik international“. 53. Jahrgang, ISSN 1863-9534 (print), 2196-5854 (online) Internet: www.florieren-online.de Unsere Philosophie „florieren!“ ist ein unabhängiges Fachmagazin für Floristen, die ihre Kunden mit Kreativität und Handwerk begeistern wollen. Neben vielfältiger, inspirierender Floristik stehen die Gestalter dahinter im Blickfeld, ihre Geschäfte, Konzepte und Ideen. Mit Beispielen aus der Praxis greifen wir Themen auf, die die Branche bewegen, und wollen zum Erfahrungsaustausch und zur Diskussion anregen. Parallel zur Printausgabe sind wir auf florierenonline.de, auf Facebook und Instagram aktiv. Darüber hinaus verschicken wir Newsletter. Mit unseren Texten sind „alle“ gemeint. Damit unsere Inhalte gut lesbar bleiben, verzichten wir aber weitgehend auf die jeweilige Mehrfachnennung oder Anpassung der Schreibweise bestimmter Bezeichnungen an die weibliche, männliche oder diverse Form. Verlag: Eugen Ulmer KG, 70574 Stuttgart; Hausanschrift: Wollgrasweg 41, 70599 Stuttgart (Hohenheim), Tel. 0711 / 4507-0, Fax -120, info@ulmer.de, www.ulmer-verlag.de, UST-ID: DE147639185 Grafische Konzeption/Layout: s-punkt design – Silvia Conrady Herstellung: Carolin Scheu Anzeigen: Anzeigenpreisliste Nr. 52 gültig ab 01.01.2024. Anzeigenschluss jeweils sechs Wochen vor dem ­Erscheinen. Vertriebsleitung: Frank Hanna Bankverbindungen: Deutsche Bank AG, IBAN: DE62 6007 0070 0147 6878 00, BIC: DEUTDESSXXX; BW-Bank Stuttgart, IBAN: DE53 6005 0101 0001 1143 11, BIC: SOLADEST600. Bezugsbedingungen: „florieren!“ erscheint alle zwei Monate. Jahresabonnement der gedruckten Ausgabe, Inland: € 157,00 inkl. Versandkosten, Online-Zugang und Mehrwertsteuer. Ausland: Gesamtpreis € 166,00. ­Jahresabonnement E-Paper: € 109,99; € 30,99 Kombiaufschlag bei vorhandenem Printabo. Einzelheft­preise: € 28,80 zzgl. Versandkosten, gedruckte Aus­gabe; € 21,99 E-Paper. Die Einzel- sowie die Gesamtpreise sind preisgebunden. Auszubildende und Studenten erhalten Ermä­ßigung. Kündigungsfrist: Nach Ablauf der Mindestlaufzeit (12 Monate) ist das Abo jederzeit kündbar. ­Bestellungen über jede Buchhandlung (ausgenommen E-Paper) sowie den Verlag. Urheberrechte: Die in der Zeitschrift und digital veröffentlichten Beiträge sind urheberrechtlich geschützt. Der Verlag ­Eugen Ulmer KG als Inhaber der Urheberrechte bzw. Urhebernutzungsrechte behält sich sämtliche Rechte vor. Pressespiegel: Für die Übernahme von Artikeln in interne elektronische Pressespiegel erhalten Sie die erforderlichen Rechte unter www.presse-monitor.de, info@presse-monitor.de, PMG Presse-Monitor GmbH & Co. KG. Verlagsrechte und Autorenrichtlinien: Angaben zur Manuskripterstellung sind im Autorenmerkblatt enthalten. Dieses kann über die Redaktion angefordert werden und steht als Download auf unserer Home­page www.florieren-online.de zur Verfügung. Die Übertragung der Nutzungsrechte durch die Autoren ist durch eine Autorenvereinbarung geregelt. ­Informationen erhalten Sie über die Redaktion oder unter www.ulmer-verlag.de/ Autoren/Zeitschriftenautoren/Zeitschriftenautor-werden/180738.html Druck: Ungeheuer + Ulmer KG GmbH + Co., Körnerstr. 14 – 18, 71634 Ludwigsburg.
Foto: Naturwertstatt/Mikhail Kyrillos Vorschau Ausgabe 3 | 4 · 2024 erscheint im März Fokus: Respekt vor der Natur Auf unterschiedliche Weise kommt in der Floristik zum Ausdruck, dass Nachhaltigkeit an Bedeutung gewinnt. Haare – Mode – Blumen Ein berufsübergreifendes Schulprojekt Start in die Freilandsaison Foto: Katrin Klawitter Foto: TFBS Garten, Raum und Mode/Tommy Seiter Trends und Neuheiten für Balkon und Terrasse 1 | 2·2024 florieren! 115
Der Floristik-Profi-Shop für Geschäftskunden JETZT ONLINE SHOPPEN! Floristik-Profis in Leipzig und Berlin kennen bereits die Abholmärkte von Schuster Floristenbedarf. Geschäftskunden finden unsere große Auswahl an Floristikbedarf aber auch online zu attraktivsten Großhandelspreisen. Unser Profi-Sortiment für Floristen ist im B2B-Shop www.floristik21.de Tag und Nacht verfügbar. Bestellen Sie bequem online – in den gewünschten Mengen und in Floristenqualität. Shoppen Sie gleich mal rein! 30 Tage Rückgaberecht Ab 100€ keine Versandkosten Lieferung in 3 Tagen